Der Scharfrichter von München

Auf dem Alten Südfriedhof an der Thalkirchner Straße in München liegen zahlreiche Opfer der Todesstrafe. Viele von Ihnen wurden vom Scharfrichter Lorenz Scheller enthauptet. Über diesen »Nachrichter« erschien 1873 im Feuilleton der Augsburger Neuesten Nachrichten die nachfolgend in Transkription wiedergegebene mehrteilige – äußerst wohlwollende – Artikelserie.
Die letzte öffentliche Enthauptung mit dem Schwert in München fand am 11. Mai 1854 auf dem Marsfeld – im Bereich der heutigen Arnulfstraße/Starnberger Bahnhof – statt: Der 19jährige Sattlergeselle Christian Hussendörfer [42–7–10] war wegen Mordes an seinem Meister Joseph Lindenmaier zum Tod verurteilt worden. Öffentliche Hinrichtungen waren ein beliebtes Spektakel und die Polizeidirektion sah sich im Vorfeld der Hinrichtung veranlasst, nochmals ausdrücklich auf das Verbot, an der Richtstätte Schaugerüste aufzustellen und Lebensmittel zu verkaufen, hinzuweisen.
Die Hinrichtung Hussendörfers war ein Fiasko: Lorenz Scheller benötigte sieben Hiebe, um den Kopf vom Rumpf zu trennen und er mußte zum Schutz vor der aufgebrachten Menge von einer Gendarmerie-Eskorte nach Hause begleitet werden. Aufgrund dieser mißlungenen Hinrichtung wurde zukünftig eine von Johann Michael Mannhardt [MR–185] umgebaute Guillotine (Mannhardt-Fallbeil/Bayerische Guillotine) benutzt.