SECTION 27

rot: Zählrichtung der Grabreihen · schwarz: Zählrichtung der Grabnummern

#27 – 1 – 3·4 (Manz · Zedtwitz)


FAMILIEN
GRABSTÄTTE
VON MANZ-
ZEDWITZ
1867 1940

RIP


  • Manz, Adelaide von (vw) / Zedtwitz, von (gb); 19.5.1814 – 19.5.1891 (München); Generalleutnants-Witwe
  • Manz, Wilhelm Ritter von; 2.4.1804 (Dillingen) – 5.1.1867 (München); Generalleutnant und Stadtkommandant von München
  • Zedtwitz, Henriette Gräfin von (vh) / Beulwitz, von (gb); 7.5.1790 – 15.8.1871 (München); Gutsbesitzers-Witwe

Todesanzeige für Wilhelm Ritter von Manz

Todesanzeige für Adelaide Manz

Grab der Familien Manz · Zedtwitz auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#27 – 1 – 14 (Bauer)


HIER RUHEN
GEHEIMRAT DR. GUSTAV BAUER
A. Ö. PROFESSOR DER MATHEMATIK
AN DER UNIVERSITÄT MÜNCHEN
1820 – 1906
FRAU AMELIE BAUER
GEB. VON SCHLICHTEGROLL
1838 – 1907
SEINE SCHWESTER
¿
CHARLOTTE BAUER
¿


  • Bauer, Amelie (vw) / Schlichtegroll, von (gb); 1838 – 1907
  • Bauer, Charlotte
  • Bauer, Gustav Konrad, Dr. phil.; 18.11.1820 (Augsburg) – 3.4.1906 (München); Kaufmanns-Sohn / Mathematiker

Grab der Familie Bauer auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

Grab der Familie Bauer auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#27 – 1 – 17 (Piloty)


PROFESSOR
KARL VON
PILOTY
HISTORIENMALER
1826 1886
BRUDER DES
HISTORIENMALERS
FERDINAND VON
PILOTY


  • Piloty, Karl Theodor von; 1.10.1826 (München) – 21.7.1886 (Ambach am Starnberger See); Akademieprofessor und Historienmaler

Todesanzeige für Karl Theodor von Piloty

Johann Leonhard Raab: Karl von Piloty. Porträtsammlung des Münchner Stadtmuseums.

Carl Theodor von Piloty: Seni vor der Leiche Wallensteins (1855). Bayerische Staatsgemäldesammlungen – Neue Pinakothek München.

Carl Theodor von Piloty und Franz Adam: Elisabeth von Österreich als Braut zu Pferd in Possenhofen (1853). Abbildung: Dorotheum GmbH & Co KG. Das Portrait der 15jährigen »Sisi« wurde 2017 in Wien für 1,5 Millionen versteigert.

Grab der Familie Piloty auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Karl Theodor von Piloty

* 1.10.1826 (München)
† 21.7.1886 (Ambach am Starnberger See)
Akademieprofessor und Historienmaler

#Über Land und Meer (11.1869)

Karl Piloty.
(Hierzu das Porträt S. 121 und Bild S. 133.)

Ein charakteristisches Merkmal der Grundrichtung unserer durch und durch realistischen Zeit ist nebst der nivellirenden noch die entschieden zerstörende Tendenz derselben. Allüberall, sowohl auf dem sozialen wie auf dem wissenschaftlichen Felde, begegnen wir einem rastlosen Kampfe gegen jene Schranken, welche sich der freien Entwicklung und Entfaltung des Einzelnen, dem unbedingten Geltendmachen der Individualität entgegenstellen. Selbst auf das sonst neutrale Gebiet der bildenden Künste ist diese Zeitströmung nicht ohne Einfluß geblieben. Der feste Verband der Schulen ist gelockert, die Gemeinsamkeit der Anschauungen ist verschwunden. Wir besitzen heutzutage keine »Schulen« im engeren Sinne des Wortes mehr, dafür aber desto mehr Individualitäten. Noch vor wenigen Lustren gab es in Deutschland in der Malerei zwei ganz bestimmt ausgesprochene Richtungen, als deren Repräsentanten München und Düsseldorf galten. Heute existiren dieselben nicht mehr. Den Anstoß hiezu gab theilweise der veränderte Geschmack des Publikums, welches kein Verständniß für die Bestrebungen unserer deutschen Romantiker mehr besaß, theils die extreme Richtung, in welche beide Schulen verfielen. – Als die düsseldorfer »Lyriker« immer schwächer, sentimentaler und »stimmungsseliger«, – die münchener »Epiker« aber immer kühner und überschwänglicher wurden, als die Letzteren mit dem Pinsel nur noch schrieben und uns zumutheten, aus einer Reihe mehr oder weniger gelungener symbolischer Aktfiguren die Geschichte ganzer Völker, ja philosophischer Lehrsätze herauszulesen, da machte sich bald allenthalben eine gesunde Reaktion geltend und man kehrte zum wirklichen Leben, zu einem edeln, inhaltreichen Realismus zurück. – Einer der bedeutendsten Vertreter dieser Richtung in Deutschland ist Karl Piloty in München, welcher im selbstständigen Verlaufe seiner eigenen Entwicklung auf denselben Standpunkt gelangte, welchen die Schüler Delaroche's in Frankreich und die Niederländer Gallait, Wappers, Keyzer u. s. w. gegenwärtig einnehmen.

Karl Piloty wurde am 1. Oktober 1826 zu München geboren. – Sein Talent entwickelte sich schon frühzeitig, und kaum 15 Jahre alt wurde er von seinem Vater, dem Lithographen Ferd. Piloty, in die Akademie gebracht, welcher damals der mit Ferd. Piloty persönlich befreundete Cornelius vorstand. – Durch den plötzlichen Tod seines Vaters in seinen Studien unterbrochen, war Karl Piloty gezwungen, um ein von seinem Vater begonnenes Werk (die Herausgabe der in der Pinakothek befindlichen Gemälde in lithographischer Nachbildung) nicht unbeendet zu lassen, 6 Jahre lang zu lithographiren. Das unausgesetzte Kopiren der alten Meister machte ihn mit dem Geiste derselben vertraut, wozu dann noch später der befruchtende Einfluß des ihm verwandten Schorn's kam.

Eines seiner ersten Bilder, »die Amme«, lenkte die Blicke König Max I., sowie des kunstsinnigen Königs Ludwig I. auf ihn. – »Kurfürst Maximilian« als Oberhaupt der »Liga« ist der erste Versuch auf geschichtlichem Felde, welches von Piloty von nun an beinahe ausschließlich kultivirt wurde. – Hieran reihte sich der von König Ludwig I. für die neue Pinakothek erworbene »Seni vor der Leiche Wallenstein's«, ein Bild, in welchem das Charakteristische der Schöpfungen Piloty's, das Vorwalten des eigentlich malerischen Elements, der koloristischen Erscheinung und des Tons schon merklich hervortritt. – Seine Berufung als Professor an die Akademie der bildenden Künste zu München fällt in das Jahr 1854. – Von da an beginnt seine eigentliche fruchtbringende Thätigkeit als Lehrer.

Mag man über Piloty, der als Künstler auch seine Schwächen, – wozu die oft zu weit gehende Sucht nach neuen Ausdrucksmitteln, den Schein der Natur noch unmittelbarer festzuhalten, zu rechnen ist – denken wie man will, seine segensreiche Thätigkeit als Lehrer haben selbst seine entschiedensten Widersacher nicht zu bestreiten gewagt.

Piloty hat, und das kann man ihm gar nie hoch genug anrechnen, jederzeit der Eigenart seiner Schüler freiesten Spielraum gelassen, er hat nie die Individualität in das Prokrustesbett eines akademischen Schematismus, einer traditionellen Typik gezwängt. – So kam es, daß viele seiner Schüler (wir weisen hier nur auf den in neuester Zeit viel genannten Makart hin) später ihren eigenen Weg gingen, und in ihrer Darstellungsweise wenig oder gar nicht die Schule verriethen, die sie einst genossen.

Mit dem Eintritte Piloty's in die Akademie begann, dieß ist nicht zu leugnen, ein freierer, frischerer Geist in den Räumen des ehemaligen Jesuitenklosters zu wehen. – Ein glänzender Kreis von Schülern, von denen sich nicht Wenige heute einen klangvollen Namen in der Kunstwelt zu erringen gewußt haben, – wir greifen unter den Vielen nur die Namen Schüz, Lenbach, Wagner, Liezenmaier, Max heraus – sammelte sich um den Meister. In dieser Epoche entstanden in rascher Aufeinanderfolge:

»Nero auf den Brandruinen Roms«, »Wallenstein's Ermordung«, »Friedrich der Winterkönig«, »Die Schlacht am weißen Berge«, »Der Zug Wallenstein's nach Eger«, »Die Ermordung Julius Cäsar's« u. s. w. Letzteres Bild wurde auf der pariser Ausstellung mit dem ersten Preise gekrönt.

Theilweise entworfen, theilweise bereits in der Ausführung begriffen sind: »Der Triumphzug des Germanicus«, »Maria Stuart, die Verkündigung ihres Todesurtheils anhörend«, sowie ein größeres historisches Gemälde, welches den neuen Rathhaussaal zu schmücken bestimmt ist. – Welchen Werth man Piloty auch außerhalb Bayerns beimißt, beweist der in jüngster Zeit an ihn ergangene Ruf als Direktor der Akademie der bildenden Künste nach Berlin.

– Wie bekannt, gelang es der Intervention des Königs, sowie der Künstler und Bürger Münchens, den drohenden Verlust abzuwenden. – Es ist eine eigenthümliche, paradoxe Erscheinung, daß während einerseits der realistische Grundzug unserer Zeit immer prägnanter hervortritt, andererseits das Verständniß für den Werth und die Bedeutung der schönen Künste allgemeiner und lebendiger wird, und selbst in jene Gesellschaftsklassen dringt, die sich bis nun wenig oder gar nicht um dieselben kümmerten. – Als die Kunde von der Berufung Piloty's sich verbreitete, da war es die Bürgerschaft – die Söhne derselben Bürger, welche einst Schelling und Cornelius ziehen ließen, ohne auch nur eine Hand zu rühren – die sich sofort in einer Petition an die Regierung wandte, damit der Meister dem Lande erhalten bleibe, eine um so erfreulichere Erscheinung, als sie Zeugniß ablegt von der Wandlung, die sich auch in diesen Kreisen vollzogen, und daß man zur Ueberzeugung gelangt, daß es außer einem guten Gerstensafte und was derlei Spezialitäten mehr sind, denn doch auch noch andere Dinge gebe, die einer Stadt zur Zierde gereichen können.

*

Wir haben es hier speziell mit einem der berühmtesten Gemälde Piloty's zu thun, – mit dem: »Zug Wallenstein's nach Eger«.

Die erste Hälfte der großen Tragödie, welcke man den dreißigjährigen Krieg nennt, war zu Ende gespielt. – Als blutiger Markstein sieht am Schlusse dieses Zeitabschnittes das gewaltsame Ende des merkwürdigsten Mannes, den nach dem großen Schwedenkönige diese unheilvolle Epoche erzeugt, Albrecht's v. Wallenstein. – Wohl können wir dem Herzoge von Friedland nicht dieselbe Sympathie entgegenbringen, die wir seinem großen Gegner Gustav Adolph, dem er an Feldherrntalent wohl gewachsen, an sittlicher Größe jedoch weit nachstand, zollen, aber staunend und bewundernd stehen wir vor den riesenhaften Entwürfen dieses kühnen Soldaten, vor der eisernen Energie, womit er dieselben verfolgte, und sein tragisches Ende versöhnt uns mit den ethischen Mängeln, die ihm anhafteten. – Es war um's Jahr 1632. – Je klarer die Absicht des wiener Hofes, den gefährlichen Heerführer zu opfern, sich offenbarte, um so dringender trat an diesen die Aufforderung heran, zu handeln, und Wallenstein war nicht der Mann zaghaften Zauderns, der vor einem Va banque zurückschreckte. – Was bis dahin vielleicht nur als Phantom eines brennenden Ehrgeizes, dieser Causa movens aller Pläne und Entschließungen Wallenstein's, seiner Seele vorschwebte, wurde durch die Rücksichtslosigkeit seiner Gegner, die ihm keine Wahl ließ, absolute, dringende Nothwendigkeit. Die in allen Lagern publizirte Absetzung, die Übertragung der Würde eines Generalissimus an den Grafen Gallas, ließ keinen Zweifel mehr über die Absicht seiner Widersacher, und zwang ihn zu raschem, energischem Handeln. – Mit den wenigen ihm treu gebliebenen Truppen wandte sich Wallenstein entschlossen nach Eger, um der vereinigten schwedisch-sächsischen Armee näher zu sein. Diesen Moment hat der Künstler zur Darstellung seines Bildes gewählt. Der letzte Akt eines Dramas ist immer der fesselndste, in ihm konzentrirt sich unser ganzes Interesse, und der Held selbst tritt aus dem Schatten, welchen die Katastrophe vorauswirft, um so bedeutsamer hervor. – Es ist Herbst. Raschelnd fällt das welke Blatt vom Baum, und der Wandervögel dichte Schaaren ziehen dem sonnigeren Süden zu. Durch die Luft weht es wie Todesschauer. Wohl mag etwas Derartiges dem trotzigen Friedländer, der krankheitshalber das gewohnte Roß mit der Sänfte vertauschte, durch die Seele ziehen, da sich der Zug an einem Friedhofe vorüberbewegt. Die eingestürzte Mauer gewährt ihm den Blick auf ein Grab, welches gerade zwei Todtengräber bereiten. Daß letztere Beigabe nicht den Eindruck des Gesuchten, des Haschens nach Effekt macht, ist ein Beweis sür die maßvolle, feinfühlige, virtuose Behandlung des Bildes von Seite des Künstlers. Charakteristisch sind die Köpfe Butler's, seines Mörders, und des treuen Seni, welche Beide neben der Sänfte herreiten. L. Sch.

Über Land und Meer No. 7. Allgemeine Illistrirte Zeitung. Suttgart, November 1869.

#Münchener Künstlerbilder (1871)

Carl von Piloty,
Historienmaler.

Es war am 1. October des Jahres 1826, als Carl Theodor Piloty in München geboren wurde. Allem Anschein nach stammt seine Familie aus Italien, wenigstens kam noch zu Ende des verflossenen Jahrhunderts ihr Name im Venetianischen vor. Sein Großvater war Schauspieler am Münchener Hof-und National-Theater, sein Vater der bekannte Lithograf Ferdinand Piloty, welcher, am 28. August 1786 in Homburg vor der Höhe in der bayerischen Rheinfalz geboren, früh nach München übersiedelte und sich dort zuerst unter des trefflichen M. Kellerhoven Leitung in noch sehr jugendlichen Jahren der Kunst widmete. Später besuchte er die Akademie und erfreute sich der Unterstützung des Galerie-Directors von Männlich. Die neuerfundene Kunst der Lithografie zog ihn lebhaft an und er widmete sich mit ausschließlicher Vorliebe der weiteren Vervollkommnung und Weiterbildung derselben.

In einem Hause, wie das Ferdinand Piloty’s, dessen ganze Lebensthätigkeit der Kunst zugewendet war, konnte ein Talent, das sich schon in frühester Jugend unzweifelhaft darlegte, nicht unbeachtet bleiben, und der kleine Carl ward schon im zartesten Kindesalter, umgeben von Werken der Kunst und künstlerischen Bestrebungen, auf seinen künftigen Beruf hingelenkt. Er war beweglichen Sinnes, begabt mit einer leicht erregbaren und immer vielseitig angeregten Fantasie, nahm ebenso leicht äußere Eindrücke in sich auf wie er sie dauernd festhielt.

Das Leben von Kindern, welche in der Stadt erzogen werden, ist im Verhältniß zu den Landkindern ein nur wenig bewegtes und ohne den Reiz des Wechsels, der im Umhertreiben in Wald und Feld, über Berg und Thal immer gegeben ist. So war denn auch Carl’s Jugend ziemlich eintönig, aber bereits verklärt durch das Licht der Kunst, welches sein väterliches Haus durchstrahlte. Wahre Festtage waren ihm die Zeit des Aufenthalts bei einem als Forstmann in der Nähe von München lebenden Oheim, der ihm die Freuden der Jagd erschloß.

Sein Vater ward auch sein erster Lehrer in der Kunst und gab sich dem Unterricht mit einem Eifer und einer Ausdauer hin, welche um so ungewöhnlicher erscheinen, als er selbst mit Arbeit überhäuft war. Der Sohn aber dankte ihm durch einen für sein Alter vielleicht unerhörten Fleiß und die raschesten Fortschritte, die es bald erlaubten, zum Zeichnen nach dem Runden überzugehen, wobei der Vater immer wieder mit erprobtem Rathe zur Seite stand. Nebenbei übte der lernbegierige Schüler durch Anschauung der vorzüglichsten Werke der Pinakothek sein Auge. In einem Alter von 14 Jahren besuchte er schon die Akademie, ohne durch das, was er dort sah und lernte, in hohem Grade befriedigt zu werden. Dadurch erklärte sich auch, daß er nach ziemlich kurzer Zeit austrat, um jedoch nachträglich wieder dahin zurückzukehren.

Seine erste Composition behandelte »Saul’s Tod« und ward dem geliebten Vater zu Weihnachten 1839 gewidmet. So viel Mangelhaftes sie auch enthalten mochte, gab sie doch Berechtigung zu den schönsten Hoffnungen. Schon damals fühlte sich Piloty besonders lebhaft zu den energischen Werken eines von Dyck und Velasquez hingezogen und konnte sich halbe Tage lang nicht von ihrer Anschauung trennen. So nahte das Jahr 1844, ohne daß irgend Jemand ahnte, wie verhängnißvoll dasselbe für die Familie werden sollte. Piloty’s Vater arbeitete wie gewöhnlich im Copirsaal der Pinakothek und war eben mit der Steinzeichnung nach Rubens‘ großer »Dreieinigkeit« beschäftigt, als ihn, am 8. Januar 1844, vor seiner Arbeit ein plötzlicher Schlagfluß tödtete. Er starb, wie König Ludwig I., der dem trefflichen Manne besonders gewogen, bemerkte, auf dem Schlachtfelde, ein Vorfechter seiner Kunst.

Seit dem Jahre 1836 erschien das Galerie-Werk Ferdinand Piloty’s unter der Firma: Piloty und Löhle, und als der Vater plötzlich mit Tod abging, trat Carl Piloty mit seiner nur zwei Jahre älteren Schwester Rosalie an seiner Stelle als Mitarbeiter und Theilhaber ein, und damit begann auch der volle Emst des Lebens auf den jungen Mann einzuwirken. Man irrt kaum, wenn man annimmt, daß vom Tode des geliebten Vaters an jene tiefernste, ja melancholische Anschauung, welche sich in allen seinen Arbeiten bemerkbar macht, mehr und mehr Raum in seiner Seele gewann.

Diese Richtung ward durch seine Beziehungen zu Carl Schorn aus Düsseldorf noch mehr befestigt, der im Jahre 1826 zum erstenmale nach München kam, und zu Anfang des Jahres 1847 zum Professor der Historienmalerei an der dortigen Akademie der bildenden Künste ernannt wurde. Schorn hatte sich bereits zwei Jahre früher in München einen eigenen häuslichen Heerd gegründet und Piloty’s einzige Schwester zur Frau genommen. Er war ein Mann von ernstem Charakter, voll edler Freiheitsliebe und unversöhnlichem Hasse gegen Unrecht und Unterdrückung jeder Art, und der lebhafte Verkehr mit ihm mußte um so lebhafter auf Carl Piloty einwirken, als der Schwager auch seine Studien leitete.

Frau Schorn befindet sich im Besitze drei schätzbarer Arbeiten ihres Bruders aus jener ersten Zeit seiner selbständigen künstlerischen Thätigkeit. Die größte derselben zeigt ein junges reizendes Mädchen in fantastischem Gewande, ein eigenthümlich geformtes Saitenspiel in der Hand. Die junge Schönheit lächelt dem Beschauer verführerisch aus grüner Waldesnacht entgegen und entfaltet einen wahren Zauber mädchenhafter Anmuth. Die zweite, kleinste, stellt eine überaus liebliche Gruppe dar, gebildet von einer jugendlichen Mutter und ihrem Kinde. In dem der Größe nach zwischen Beiden stehenden Bilde versetzt uns der Künstler in das Kloster St. Just, in dem der des Regiments überdrüssige Karl V. sein Asyl gesucht. Er sitzt, in sich versunken, allein in seiner Zelle. Im Hintergründe naht, von einem Mönche geführt, ein Cavalier. Es weht durch dieses Bild bereits jener tiefe schmerzliche Geist, der fast alle Arbeiten Piloty’s charakterisirt und nur durch die Frische seines Colorits in etwas gemildert zu werden pflegt. Der Kunsthändler Payne in Leipzig besitzt ebenfalls ein paar Gemälde Piloty’s aus jener Zeit, von denen das eine »Badende Mädchen«, das andere »Eine sterbende Mutter« zum Gegenstande hat. Das letztere, im Jahre 1849 gemalt, ist besonders deshalb interessant, weil es durch ein in seine eigene Familie drohend hereinragendes Unglück veranlaßt ward; ein Beweis, daß die Vorliebe, welche der Künstler gewissermaßen für das Düstere, Schwermuthsvolle, ja für die Schatten- und Nachtseite des menschlichen Lebens in seinen Arbeiten an den Tag legt, nichts weniger als eine gesuchte oder künstlich hervorgerufene genannt werden darf. Ein Künstler von andrer, mehr der heiteren Seite des Lebens zugewendeter Gemüthsrichtung hätte vielleicht unter gleichen Umständen die Genesung der geliebten Schwester in einem Bilde gefeiert; ihn trieb es mit unwiderstehlicher Gewalt jene Tage des Kummers zu einem Gemälde zu gestalten, in welchem er uns die dem Tode nahe Mutter in dem Augenblicke zeigt, in dem die Kindsfrau ihr das Neugeborne zum letztenmale in die Arme legt, während ihr Gatte in namenlosem Schmerze neben ihr auf den Stuhl gesunken ist.

Einen noch lebhafteren Ausdruck fand Piloty’s Richtung in seiner »Amme«, welche er im Jahre 1853 in München ausstellte und welche die Aufmerksamkeit des kunstsinnigen Publicums im höchsten Maße auf sich zog. Ein schönes Mädchen in halb bäuerlichem Costüme hat sich als Amme in die Stadt verdungen. Heut ist sie mit dem Kinde, das sie an ihrer Brust zum blühendsten Leben aufnährt und einem fünf bis sechsjährigen Brüderchen desselben in die Hütte eingekehrt, in der ihr eigenes über Alles geliebtes Kind unter fremder Leute Hand sein kümmerliches Dasein fristet. Der Contrast des armen, vor den Augen der Mutter hinsterbenden Kindes und des frischen kräftigen Sprößlings der reichen Eltern, denen sie ihren Leib verkaufen mußte, ist mit einer Wahrheit geschildert, welche tief in unsere Seele einschneidet. Ungemein bezeichnend ist die gleichgiltige Ruhe des Weibes, bei dem das Mädchen ihr Kind untergebracht, neben dem tiefen Seelenschmerze der Mutter, welche weiß, wie der Quell des Lebens, den sie dem fremden Kinde reicht, ihr Kind vom sicheren Tode retten könnte, dem es bei dem Mangel an liebevoller Pflege und bei der ärmlichen Kost unaufhaltsam entgegen geht. Und doch ist, was Piloty gab, nicht die nackte Wahrheit der Hörsäle der Klinik; die Poesie hat ihren mild verklärenden Schein darüber gegossen und die Natur zum Kunstwerke erhoben.

Auf der Münchener Ausstellung des Jahres l853 sah man von Piloty ein sehr umfangreiches historisches Bild, das Eigenthum des Königs Maximilian von Bayern und bestimmt, einen Platz in dem Cyclus von Gemälden einzunehmen, welche hervorragende Momente der Weltgeschichte festhalten und in einem eigens hierfür erbauten Gebäude, dem Maximilianeum, aufgestellt werden sollen. Das bezeichnete Bild hat die »Gründung der katholischen Liga« zum Gegenstand und reiht sich dadurch unter die Zahl der Cermoniebilder, welche ihrer Natur nach jede lebhaftere Bewegung ausschließen. Der Vorwurf ist sonach kein glücklicher, die Schuld trifft aber nicht den Künstler, dem nichts übrig blieb, um wenigstens den Schein der Handlung zu retten, als die Verbündeten in einer Kirche eine Art Fahnenweihe vornehmen zu lassen, wobei Tilly einen hervorragenden Platz einnimmt. Die »Gründung der Liga« machte bei ihrem Erscheinen insbesondere wegen ihrer ausgezeichneten Technik ungewöhnliches Aufsehen. Die Münchener Historienmalerei ruht auf dem Boden der Wandmalerei, welche König Ludwig durch seine großartigen Schöpfungen zu neuem Leben rief. Es konnte billiger Weise hiernach nicht so auffallen, wenn jene sich in gewisser Beziehung allzusehr an ihr Vorbild hielt und dabei in der Farbe nicht weiter zu gehen wagte, als diese ihrer Natur nach konnte. Daraus erklärt es sich denn, wie der früheren Münchener Historienmalerei im Allgemeinen, auch wenn sie Staffeleibilder schafft, der Vorwurf gemacht werden kann, sie sei in der Färbung kalt und kalkartig. Piloty brach mit der Ueberlieferung, sein Streben ging nach größerer Kraft und Farbe, verbunden mit einer kühneren durchgreifenden Technik. Dasselbe äußerte sich zum erstenmale in größerem Maße gerade in seiner »Gründung der Liga«, wiewohl es damals noch nicht so entschieden zum Durchbruch kam und ein gewisser röthlich violetter Ton sich darin zu sehr geltend macht.

Das Bedürfniß, daß die von Piloty angestrebte Richtung auch an der höchsten Kunstanstalt des Königreichs vertreten werden müsse, wenn der Grundsatz der Freiheit des Strebens in der Kunst eine Wahrheit sein sollte, konnte nicht geleugnet werden, so sehr man sich auch von gewisser Seite den Anschein gab, als glaubte man an ein solches Bedürfniß überhaupt nicht. Die Regierung verkannte die Sachlage nicht und durch Entschließung vom 25. März 1856 wurden Piloty Titel, Rang und Rechte eines königlichen Professors der Akademie der bildenden Künste verliehen.

Damit war nicht blos seinem rastlos strebenden Geiste ein neuer angemessener Spielraum gegeben, sondem Piloty auch zugleich auf jenen Platz gestellt, auf dem er vor Allem zu wirken berufen ist.

Es ist eine alte, so ziemlich auf allen Akademien wiederholte Klage, daß die Schüler durch die herrschende Lehrmethode, welche verlangt, daß sich dieselben der Individualität des Lehrers so viel als möglich anschließen, ihre eigene verlieren. Dieser Mißstand ist Piloty’s Schule vollkommen ferne. Er stellte sich geradezu auf den entgegengesetzten Standpunkt, indem er aus sich selber herausgeht, um sich der Anschauungs- und Empfindungsweise seiner Schüler anzuschließen, in Folge dessen jeder derselben seine ganze Eigenthümlichkeit zu wahren im Stande ist.

Doch läßt sich nicht leugnen, daß der Lichtseite des Verhältnisses, welches Piloty als einen nahezu unübertrefflichen Lehrer erscheinen läßt, auch die Schattenseite nicht fehlt. Wie ergeben ihm auch seine Schüler sein mögen, auf die Erfindung derselben einzuwirken, ihre Fantasie fruchtbar anzuregen, ihnen den Ernst der Kunst und die Höhe ihrer Aufgabe vor Augen zu führen, gelingt nicht immer. Ueber der Bedeutung, welche man der Technik beilegt, wird die innerliche und bedeutsame Seite der Kunst nicht beachtet und so das Mittel zum Zweck erhoben. Innerlich geht jeder Schüler seinen eigenen Weg und beweist dadurch, daß das Band, welches Meister und Schüler umschlingt, kein geistiges ist. Man denke nur, daß Hanns Mackart und Theodor Schütz beide Schüler Piloty’s sind!

Durch seine Vorstudien für die »Gründung der Liga« wurde Piloty zum Studium der Geschichte des dreißigjährigen Krieges hingeführt. Unter allen hervorragenden Gestalten mußte seiner Natur nach Wallenstein einen tieferen Eindruck auf ihn machen, der noch mehr durch das geheimnißvolle Dunkel gesteigert ward, welches über seiner Schuld und Unschuld liegt. Wallenstein ward ihm zu wiederholten Malen Gegenstand eines Bildes. Als im Jahre 1855 sein »Seni vor der Leiche des ermordeten Wallenstein« zur Ausstellung kam, war der Erfolg desselben ein ganz außerordentlicher, und die bedeutendsten Blätter Deutschlands, selbst solche, welche sonst mit der Kunst und ihren Erzeugnissen sich nicht zu befassen pflegen, brachten mehr oder minder eingehende Berichte darüber; denn es war unleugbar, daß die Münchener Kunst damit eine ganz neue Bahn betreten habe. Der Astrolog steht an der kaum erkalteten Leiche seines Herrn und Freundes, der, lang hingestreckt, die rechte Hand auf der vom tödtlichen Eisen durchbohrten Brust, neben seinem Lager auf dem Boden liegt. Im Gewühl des nächtlichen Ueberfalls ward der Teppich halb von dem Tische herabgerissen und nur der massive silberne Armleuchter mit der sich abwendenden Glücksgöttin, der große Himmelsglobus und die mit Urkunden und Briefen angefüllte Kassette haben ihn noch festgehalten. Der jäh hereinbrechende gewaltsame Tod hat von den eisernen Zügen des Friedländers den starren Trotz nicht verscheucht, der ihn im Leben zum Schrecken seiner Feinde gemacht. Die Blässe des Todes hat diese hohe Stirn überzogen, die Wiege so gewaltiger und gefährlicher Gedanken, und sterbend haben sich die Lippen noch fest geschlossen, als gälte es ein großes Geheimniß zu bewahren. Der Herzog trägt ein seidenes Nachtkleid, in dem er sein Bett verlassen, als die Mörder hereinbrachen; eine mitleidige Hand, vielleicht die eines seiner Mörder, hat eine Decke halb über ihn geworfen. Die That geschah eben erst; die Kerzen auf dem silbernen Leuchter sind bis auf eine herabgebrannt, auch diese ist im Verglimmen, der Rauch davon ist wie ein Faden in die Höhe gestiegen und hat sich dort in der unbewegten Luft als eine dünne Schichte durch das Zimmer hingezogen. Seni steht regungslos in starrem Schmerze vor der Leiche, seine abgemagerten Hände fassen krampfhaft die Krempe seines mit Diamanten geschmückten Hutes. Er ist der einzige Freund, den der Ermordete im Tode noch hat; alle übrigen jagte Furcht und Entsetzen aus dem Hause der Unthat. Die markerschütternde Scene wird noch grauenvoller durch das bleiche unbestimmte Dämmerlicht, das über Alles hingegossen ist.

So geistreich wie seine Figuren hat Piloty das Local mit allen seinen Details aufgefaßt. Ueberall zeigt sich die Verwirrung und Verwüstung: die von Axthieben eingebrochene Thür liegt in Trümmern, ein Theil derselben hält, noch in der Angel hangend, den schwerseidenen Vorhang zurück, der sonst darüber herabwallte. Die Diele ist stellenweise von den Teppichen entblößt, die im Anprall der Mörder sich verschoben und zusammengestampft wurden. Das Bild ist tief und dunkel gehalten und zeugt von der hohen Meisterschaft des Künstlers in Bezug auf Technik.

König Ludwig erwarb es für die Neue Pinakothek, zu deren größten Zierden es gehört. Durch den Hoffotografen Albert wurde es in ausgezeichneter Weise vervielfältigt. Im August 1858 stellte Piloty sein zweites Bild aus der Geschichte des großen Friedländers im Kunstvereine aus, das jedoch nicht denselben Beifall fand wie sein »Seni«. Diesem gegenüber erweiterte der Künstler seine Composition durch Hinzufügung mehrerer Personen, nemlich Buttler’s und der Mörder, deren einer die im Herzblut seines Feldherrn geröthete Partisane an dem seidenen Bettvorhänge reinigt. Dem Beschauer tritt hier nicht sowohl das gewaltige, unabwendbare Fatum entgegen, als das brutale Verbrechen, dessen es sich als Mittel bediente. Das Verbrechen als solches aber kann nie Gegenstand künstlerischer Behandlung sein, weil es der sittlichen Schönheit nicht blos vollkommen entbehrt, sondern ihr gerade gegenüber steht. Das Bild gelangte nach Amerika, wo es sich noch befindet.

Derselben Zeit gehört »Der Morgen vor der Schlacht am weißen Berge« an, welcher Eigenthum des Freiherrn von Frankenstein wurde und sich neben Schwind’s »Aschenbrödel« und »Symfonie« in dessen Gemäldesammlung auf dem Schlosse Uhlstadt in Franken befindet.

Piloty besuchte in der Zeit vom Jahre 1856–1858 Paris und zweimal Italien, jedesmal mit den werthvollsten Studien heimkehrend. Die zweite Romfahrt ward zunächst durch die Vorstudien veranlaßt, welche er zu seinem »Nero auf den Trümmern Roms« dort zu gewinnen beabsichtigte. Der Kaiser schreitet im weißen, faltenreichen Gewände, das Haupt mit Rosen bekränzt, über die rauchenden Trümmer eines Prachtgebäudes. Unter dem Schutte ragt das Stück eines Frieses hervor, das die Wölfin Roms mit den Brüdern Romulus und Remus zeigt. Dem Kaiser voraus gehen Bewaffnete und Sklaven mit Fackeln, hinter ihm drein mehrere Große des Reiches. Auf ihren Gesichtern kämpft Grauen mit Furcht vor dem Gewaltigen. Er selbst wendet scheu sein Angesicht von einer markerschütternden Gruppe von Kindern ab, welche, furchtsam an einander geschmiegt, neben der Leiche ihrer gemordeten Mutter stehen. Aber auch auf der andern Seite begegnet sein Auge gemordeten Christen, gemordet, weil er sie der Brandstiftung beschuldigte. Es zuckt etwas wie Grauen durch das fahle Antlitz des in Mord und Laster verhärteten Tyrannen. Neben dem schreckenvollen Wege, den er eingeschlagen, haben sich Gruppen von Leuten aus dem Volke aufgestellt und schauen mit banger Scheu und in knechtischer Furcht auf ihren Herrscher hinüber und im Hintergrunde kämpft das eben anbrechende Dämmerlicht des Morgens mit den Flammen der brennenden Stadt und erhöht das Grauen der Scene.

Daß übrigens über den »Nero« sehr verschieden geurtheilt worden, ist bekannt genug. Hier mag nur das Eine bemerkt sein, daß der stark heraustretende Vordergrund rechts, sowie die Christengruppe links mit dem den Mittelgrund bildenden Kaiser und seinem Gefolge nicht »zusammengehen« will. Daß es dem Künstler nicht gelang, die weltgeschichtliche Bedeutung Nero’s in demselben Maße zu charakterisiren, wie dies Kaulbach gethan, wird bei der genrehaften Auffassung des Gegenstandes kaum bestritten werden können.

Piloty entwickelte schon früh eine Thätigkeit, welche seine Familie und Freunde mit Recht um seine Gesundheit besorgt machte. Davon geben seine bereits veröffentlichten Arbeiten Zeugniß und eine große Menge der geistvollsten Entwürfe, welche zur Zeit noch in seinen Mappen verschlossen sind, weil der strebsame, nach Vollendung ringende Künstler sie noch nicht für reif hält.

Piloty ist ein sehr schätzbarer Zeichner und betheiligte sich in früheren Jahren auch lebhaft mit eigenen Arbeiten an dem von seinem Vater begonnenen Galerie-Werke. Wie gewissenhaft er dabei zu Werke ging, mag daraus entnommen werden, daß er zum Beispiel das kolossale »Jüngste Gericht« von Rubens, welches er auf Stein zeichnete, auf einer vor dem Gemälde aufgestellten Staffelei gruppenweise im Großen copirte, um es dann in die für die Lithografie bestimmten Größenverhältniffe zu übertragen.

Um das Jahr 1859 lieferte er zu einer von Cotta beabsichtigten Illustration Schiller’s, an welcher sich auch M. von Schwind, Emil Kirchner, v. Rhomberg und Andere betheiligten, mehrere Blätter von hohem künstlerischen Werthe. Die Wahl der Gedichte, welche er künstlerisch zu reproduciren unternahm, ist charakteristisch genug: es finden sich darunter »Des Mädchens Klage«, »Die Kraniche des Ibikus«, »Die Schlacht« und »Die Kindesmörderin«. Sie bestätigt wohl das oben Gesagte, daß Piloty wie von einer unsichtbaren Macht zu der Schatten- und Nachtseite des menschlichen Lebens hingezogen wird. Der Künstler ist viel zu gebildet, um dies nicht selbst zu fühlen, aber wie man auch über eine derartige, in der Kunst sich aussprechende Lebensanschauung und Empfindungsweise urtheilen mag: das steht fest, daß das Verlangen, er solle eine andere Richtung einschlagen, dem, seine ganze Natur aufzugeben, gleichkäme.

Dem 1861 vollendeten Nero folgte ein weiteres Bild aus dem Wallensteincyclus: »Wallenstein’s Einzug in Eger«. Wallenstein sitzt in reich vergoldeter Sänfte, links Seni, rechts Buttler, über Mordgedanken brütend. Der Zug ist eben an dem Weichbilde der Stadt angelangt und die Ersten, die den Feldherrn hier empfangen, es sind zwei Todtengräber, die im Leichenacker eben ein neues Grab bereiten. Das Bild kam nach Petersburg.

Noch weit verschiedener als über den »Nero« ward Piloty’s »Galilei im Kerker« beurtheilt; es ist eine fast überlebensgroße Einzelfigur, die in der Ecke des ungemein engen Kerkers steht, den ein armseliges Strohlager fast ganz einnimmt. Galilei betrachtet sinnend die auf den Fußboden hereinfallenden Sonnenstrahlen, in deren Bewegung von West nach Ost er eine Bestätigung seiner großen Lehre erblickt, während am Gitterfenster des Hintergrundes zwei Mönche sichtbar werden. Sind auch die Anforderungen an ein historisches Bild nicht erfüllt, als historisches Genrebild ist es immerhin bedeutend. Dasselbe ward vom Cölner Museum erworben.

Dem Jahre 1862 gehört das für das Maximilianeum bestimmte Bild an: »Gottfried von Bouillon zieht nach der Einnahme Jerusalems mit seinen Rittern im Mönchsgewande zur Kirche des heiligen Grabes«, dessen Composition als sehr reich bezeichnet wird.

Im Jahre 1863 entstand das lebensgroße Bildniß des geistreichen Kunstfreundes Frhrn. v. Schack, auf welchem nur die an ein Antiquitätencabinet erinnernde Umgebung nicht recht zum Salonkleide passen will.

Das Jahr 1865 sah dasjenige der Werke Piloty’s entstehen, das man wohl als sein bedeutendstes wird bezeichnen dürfen: den von der Verbindung für historische Kunst angekauften »Tod Cäsar’s«. Im selben Jahre mit dem Carton dieses Bildes entwarf der Künstler zwei andere: »Julius Cäsar von den Geschworenen umgeben« und »Der Triumfzug des Germanicus«. Das genannte Jahr übertraf überhaupt alle früheren an Fruchtbarkeit, denn Piloty begann im Laufe desselben auch noch mit der stereochromischen Ausführung seiner drei geschichtlichen Gemälde an der Außenseite des Maximilianeums: »Die Gründung des Klosters Ettal durch Kaiser Ludwig den Bayer«, den »Sängerstreit Wolfram’s von Eschenbach mit Klingsohr« und die »Gründung der Universität Ingolstadt«, welche sich durch ungewöhnliche Lebensfülle und treffende Charakteristik auszeichnen. Im folgenden Jahre entstand Piloty’s entschieden schwächstes Gemälde »Columbus« für die Galerie Schack in München.

Im Vorstehenden wurde »Der Tod Cäsar’s« das bedeutendste Werk genannt, denn in keinem andern erscheint die Composition so abgerundet, der Moment mit solcher Energie erfaßt, jede einzelne Person so scharf individualisirt, als hier, wenn wir auch jene ideelle Auffassung der That vermissen, welche uns die Verschworenen als die Rächer der gefährdeten Freiheit erscheinen läßt. Und wie unendlich weit bleibt sein »Columbus« dahinten! Welcher wahrhaft erschreckende Mangel an poetischer Fantasie, an innerer Wahrheit! Columbus steht in höchst theatralischer Attitüde in heller Mondnacht allein auf dem Decke seines Schiffes und starrt auf seine von einer Laterne beleuchtete Seekarte. Auch nicht eine Naht seines Kleides, kein Nagel und keine Klammer im Deck, kein Faden des aufgedröselten Tauendes ist uns erspart, Alles das spricht unendlich mehr und bedeutender als der große Seefahrer mit den wunderbar gemalten und dabei wunderlichen grünen und rothen Reflexen auf Antlitz und Händen. Nie wohl trat der Fluch des Virtuosenthums der Malerei so schrecklich zu Tage als hier.

Im Jahre 1868 vollendete Piloty sein Bild: »Die Aebtissin des Klosters Frauenchiemsee schützt im dreißigjährigen Kriege dasselbe durch ihren Muth und ihre Geistesgegenwart vor der Plünderung«. Dasselbe zeigt eine bescheidene Zurückhaltung in der technischen Behandlung, große Milde des koloristischen Vortrages und in Folge dessen eine edle Harmonie der Gesammtwirkung und macht so, wenn auch keinen ergreifenden, doch einen wohlthuenden Eindruck.

Zu Anfang des Jahres 1869 erging an Piloty der Ruf nach Berlin, wo durch Schadow’s Ableben die Stelle des Akademiedirectors erledigt war. Er schien sehr geneigt, demselben zu folgen, ward aber zum Bleiben bestimmt, als der König ein sehr schmeichelhaftes Handschreiben an ihn richtete, seine persönlichen Verhältnisse günstiger gestalten und die Ausführung des »Einzuges des Germanicus in Rom« durch das Cultusministerium bestellen ließ. Was die Wahl dieses Stoffes betrifft, so liegt in den Worten des preußischen Gesandten Baron von Werthern in München, der bei dem Festmahle zu Ehren Piloty’s den Wunsch aussprach, es möge, wenn nach Jahrtausenden wieder ein Piloty erstände, derselbe keinen Anlaß zu einem einen Sieg der Fremden über Deutschland behandelnden Gemälde finden, vom Standpunkte der nationalen Kunst eher alles Andere, denn eine Schmeichelei.

Entschiedenes Unglück hatte Piloty auch mit seiner »Verkündung des Todesurtheils an Maria Stuart«, welches auf der internationalen Ausstellung zu München 1869 war. Es ist unzweifelhaft eine glänzende technische Leistung, aber die Prachtrüstungen und glänzenden Hofkleider und die anderen Nebensachen alle treten mit einer solchen Wucht in den Vordergrund, daß das geistige Moment dadurch aufgehoben werden müßte, wenn ein solches da wäre. So wahr alles Aeußerliche, so unwahr alles Innerliche. Ueberall nur Schein und Theaterprunk, von charakteristischer Färbung keine Spur.

Zu den neuesten Arbeiten Piloty’s gehört der Winter-König Friedrich von der Pfalz in dem Augenblicke, in welchem er die Nachricht vom Verlust der Schlacht am weißen Berge erhält, die ihm auch seine Krone kostete. Das Thema ist ein ziemlich heikles und so wird dem Beschauer auch der Vorgang mehr durch die Neben- als die Hauptpersonen klar: denn der geschlagene Feldherr könnte, sowie er hereintritt, ebenso wohl einen Sieg verkünden und Friedrich nicht harmloser darein schauen, wenn er eine Freudenbotschaft empfinge. Nicht minder theatralisch als der Herzog von Anhalt aber sind die stolze Stuart und die alte männlich-energische Gräfin Terzky.

Piloty hat sich unleugbar ganz außerordentliche Verdienste um die Münchener Schule erworben, indem er die Farbe und Technik in dieselbe einführte, aber ebenso gewiß ist, daß er auch einer Richtung Thür und Thor öffnete, welche Außendinge und Zuthaten höher stellt als das Wesentliche und Hauptsächliche. Seine Darstellungsweise behandelt das Aeußerliche, Materielle mit einer Aufmerksamkeit, die es in dem gegebenen Zusammenhänge nicht verdient und die Gewandstoffe und Rüstungen, Schutt und Steine unabweisbar vor Augen führt, wo wir die Größe des Gedankens schauen möchten. Er strebt nach Naturwahrheit und kommt darüber zur Unwahrheit. Denn wenn sich vor unseren Augen ein großes oder doch innerlich bedeutendes Ereigniß abwickelt, da sehen wir nur das Wesen der Handlung und der Handelnden mit voller Genauigkeit, alles Nebensächliche, Zufällige und darum Unbedeutende tritt nicht mit derselben Genauigkeit und Klarheit vor unser körperliches und geistiges Auge und wir wären in großer Verlegenheit, wenn wir hinterher die Farbe eines Strumpfes, die Form eines Schwertgriffes genauer angeben müßten. Daher fühlen wir uns unangenehm berührt, wenn uns ein Künstler zwingt, das Unbedeutende ebenso in’s Auge zu fassen als das Bedeutende, wenn er uns das Unwesentliche ebenso nahe legt, als das Wesentliche.

Daß Piloty in Frankreich und Belgien weniger Effect machte als in Deutschland, liegt nahe genug. Der Pomp der Anordnung, der Glanz der Farbe und was sonst in Deutschland, namentlich in München neu war, war es eben nicht in Frankreich und Belgien. Piloty hatte es dort vorgefunden und über den Rhein herüber gebracht. Deshalb dort auch die geringere Wirkung.

Piloty ward übrigens vielfach ausgezeichnet und erhielt durch Verleihung des bayerischen Kronenordens im Jahre 1860 auch den persönlichen Adel.

Carl Albert Regnet: Münchener Künstlerbilder. Ein Beitrag zur Geschichte der Münchener Kunstschule in Biographien und Charakteristiken. Leipzig, 1871.

#Die Gartenlaube (1886)

Das Jahr 1886 ist für München ein wahres Unglücksjahr. Schon vor dem schrecklichen Pfingstsonntag gab es harte Verluste in wissenschaftlichen und künstlerischen Kreisen, und kaum beginnen sich die Wellenkreise der Aufregung über jener entsetzlichen Katastrophe etwas zu legen, so erfüllt eine neue Trauernachricht unzählige Herzen mit herbem Schmerz. Karl von Piloty ist nicht mehr! Der warmherzige, geniale Mann, der den Mittelpunkt des künstlerischen Lebens in München bildete und an dessen anfmunternden Blicken die Schüler mit Begeisterung hingen, er ist endlich den Leiden erlegen, die er jahrelang mit so unbegreiflicher Stndhaftigkeit ertrug, daß man sich über ihre Schwere vollkommen täuschen konnte.

Man wollte die Möglichkeit seines Verlustes nicht glauben, Jeder fühlte, daß er ein zu schmerzlicher wäre, daß mit Piloty wieder einer jener Großen sterben würde, für die es nur Nachfolger, keinen Ersatz giebt! Und nun ist der Schlag plötzlich gefallen, der ganz München in Trauer versetzt.

Karl Piloty gehörte zu den Glücklichen, die vermöge ihrer innersten Eigenart mit einem Bedürfniß der Zeit zusammentreffen und deßhalb zum Ausgangspunkt einer neuen Entwickelung werden. Die klassische Schule in München hatte sich überlebt, oder vielmehr, ihre noch lebenden Vertreter vermochten nicht, Schule zu machen, weil ihre eigentliche Technik auf schwachen Füßen stand, Genie aber bekanntlich sich nicht mittheilen läßt. Da kam Anfangs der fünfziger Jahre der junge Piloty, den die Unerfreilichkeit des heimischen Kunstlebens in die Fremde getrieben, von Paris und Antwerpen zurück, und mit ihm kam eine neue Zeit für die Münchener Malerei. Der unerhörte »Realismus« seiner ersten Bilder brachte die Alten in Harnisch, die Jungen aber in Entzücken, und binnen unglaublich kurzer Zeit war der Name Piloty, bisher nur durch die väterliche lithographische Anstalt bekannt, in Aller Munde.

Damals hatte er ein bescheidenes Atelier in den Gärten der Barerstraße inne, welches im Jahre 1855 seinen »Seni vor Wallenstein's Leiche« entstehen sah.

Das Bild machte auf alle Betrachter einen mächtigen Eindruck (es giebt heute noch Leute, die es für sein bestes überhaupt erklären), man kam nicht los von den beiden ergreifenden Figuren, von der düstern Stimmung in dem Todtengemach, die mit einer bis dahin unerhörten Technik hervorgebracht war. Das lebhafteste Interesse wandte sich aber dem Künstler selbst zu, dem schlanken jungen Mann mit den merkwürdig eindringenden dunklen Augen, zwischen denen eine tiefe Furche sich zeigte, die dem Gesicht einen Ausdruck leidenschaftlicher Willensenergie verlieh. Vielleicht gerade darum hatte sein Lächeln etwas Bezauberndes, er war jedenfalls eine Persönlichkeit, die den Reiz des Ungewöhnlichen in hohem Maße besaß.

Sein rascher und glänzender Emporweg ist bekannt; ein Artikel F. Pecht's in der »Gartenlaube« (1880, Nr. 40) legt ihn ausführlich dar. Es war ein reiches Künstlerleben, das sich nun entfaltete – die Professur an der Akademie brachte ihm der Erfolg des Gemäldes »Seni vor Wallenstein's Leiche« sofort, ein Aufenthalt in Rom gab ihm dann die Liebe zu antiken Stoffen, welcher eine Anzahl seiner Bilder entstammt; Piloty war selbst eine pathetische Natur, und der große Zug der alten Geschichte begeisterte ihn. Außer ihr war es die Zeit der Reformation und des Dreißigjährigen Krieges, in die er sich mit Vorliebe versenkte, und hier ergänzt oft der frei schaffende Künstler sehr glücklich die historische Erzählung. Der »Zug Wallenstein's nach Eger« z.B. ist so aus der schicksalsschweren Atmosphäre jener Tage heraus gemalt, daß er den Eindruck vollster geschichtlicher Wirklichkeit macht.

So bedeutend nun Piloty's Erfolge sind, unbestritten blieben sie nicht, und man könnte nicht mit Wahrheit sagen, daß er als Maler sein Zeitalter beherrschte. Die ungeheure Wirkung seiner Person, die ihn vor allen Anderen auszeichnet, liegt auf einem andern Gebiet: er war ein Lehrer, wie es keinen zweiten giebt und in dem Verlauf der Kunstgeschichte nur sehr wenige gegeben hat. Die Thatsache allein, daß so ganz verschiedenartige Künstler wie Lenbach, Max, Grützner, Defregger, Makart, Hellquist, Lossow u. A. aus seiner Schule hervorgingen, spricht für seine außerordentliche Begabung, Jeden nach seiner Art zu erkennen und ihm vollste Freiheit der Entwickelung zu lassen. Der hohe Enthusiasmus, mit dem er den Künstlerberuf auffaßte, theilte sich den Schülern mit und machte sie, wenn auch ihre spätere künstlerische Ueberzeugung von der seinen abwich, auf Lebenszeit ihm eigen. Man muß berühmte Männer wie Lenbach, Defregger, Makart vor ihrem alten Lehrer in Ehrfurcht und Liebe haben stehen sehen, um das Band zu begreifen, das unzerreißbar zwischen ihnen bestand. Die Jungen aber vollends hingen enthusiastisch an ihrem Direktor und sahen zu ihm als zu einem höheren Wesen empor.

Seit dreißig Jahren war seine Persönlichkeit die bestimmende an der Münchener Akademie, erst als Professor, zu dem sich Alle drängten, dann nach Kaulbach's Tod 1874 als Direktor. Jener erkannte sehr wohl, welchen neuen Lebensstrom diese junge Kraft in die stark ausgetrocknete Anstalt leitete. Er selbst erhob zwar Bedenken gegen die Kunstrichtung der »Naturalisten«, aber seinen eigenen Sohn Hermann wußte er doch nirgends besser unterzubringen, als in Piloty's Schule, und die damit entstandene vollkommene Verständigung und Ausgleichung zwischen beiden Gegnern verschönerte Kaulbach's letzte Jahre und war eine Wohlthat für Piloty's nervös erregbare Natur.

Mit den Jahren wuchs die Zahl der Bilder und Schüler, wuchs auch das Familienglück in dem reizenden Hause der Briennerstraße, welches versteckt in Gärten hinter der Schack'schen Gemäldegalerie steht. Was so oft im Leben großer Männer fehlt, das ist Piloty zu Theil geworden: eine Frau, die nicht nur mit seltenen Charakter- und Herzenseigenschaften den Mann beglückte und Anmuth über sein Leben ergoß, sondern auch die treueste und teilnehmendste Gefährtin seines künstlerischen Strebens war.

Sie hatte hierin keine leichte Aufgabe, denn Piloty war eine tiefleidenschaftliche, vielfordernde Natnr, nie zufrieden mit den errungenen Standpunkten, in hohem Grade reizbar und oft genug gequält von dem Leiden, welches den einzigen Schatten in das sonst so glückliche Familienleben warf. Jedem, der einmal an diesem theilnehmen durfte, werden die Abende unvergeßlich sein, wo in dem prächtigen Saal des oberen Stockwerks ein Dilettantenquartett, darunter zwei Söhne des Hauses, Mozart und Beethoven spielte, während ein kleiner Kreis von Freunden die Wonne solcher Musik in solcher Umgebung genoß. Wohin das Auge fiel in dem dunkelgetäfelten Raum, überall traf es auf die Spuren der feinen Künstlerhand, die venetianisches Krystall, schwere einfache Möbel, Bronzen, Majoliken und alte Teppiche zu einem so behaglichen, so völlig unaufdringlichen Ganzen gestaltet hatte. Von den Wänden herunter leuchteten die von Lenbach und Makart gemalten Familienbilder, sechs schöne und kräftige Knaben und Mädchen mit blonden und braunen Köpfen die Eltern umgebend, und bis zur Decke hinauf stiegen die vielen Andenken von dankbaren Schülern; der schöne Salon war zugleich ein Erinnerungsmuseum für den Meister, der an solchen Abenden still im Lehnstuhl im Schatten saß und die Musik halbgeschlossenen Auges genoß, die seiner Seele ein tiefes Bedürfniß war.

Später ging es dann ins Speisezimmer hinunter zum Abendessen, und hier, unter vertrauten Freunden, entfaltete der seltene Mann die Heiterkeit, die bei ihm trotz seines schmerzlichen Magenleidens immer wieder hervorbrach, sobald er erträgliche Zeiten hatte. Er schien der Lebenslustigste von Allen, wenn er, die Cigarre in der Hand, lebhaft angeregt mit der Wärme sprach, welche der eigenthümlichste Zug seines Wesens war. Gleichgültig konnte ihn kaum Etwas lassen: er nahm sofort Stellung zu jeder Frage in Neigung oder Abneigung, und in Aeußerung der letzteren konnte er leidenschaftlich genug werden. Was ihm künstlerisch oder moralisch verwerflich schien, das verneinte er mit einer Rücksichtslosigkeit, vor welcher alle Diskussion sofort verstummte. Aber in dieser inneren Sicherheit lag seine Macht, da sie bei ihm mit großer Herzensgute, wahrhaft idealem Sinn und hinreißender Liebenswürdigkeit gepaart war. Er konnte begeistern, weil er begeistert war; objektiv nüchternes Urtheil durfte man bei ihm nicht suchen, aber Alles, was der bedeutende subjektive Mensch einzusetzen hat: die Gewalt und Gluth der Ueberzeugung, die starke Wirkung auf Andere, das war ihm in seltenem Maße eigen.

Er würde in Zeiten der Gefahr freudig sein Leben für das von ihm heißgeliebte Reich und seinen Kaiser hingegeben haben, denn der Patriot in ihm war eben so stark wie der Künstler.

Das Schicksal aber theilt seine Lose ohne Rücksicht auf Anlagen aus – dem kühnen kampffreudigen Manne fiel das Los des Dulders zu, und er konnte heroische Seelenstärke nur im Ertragen von Leiden bewähren, die Andere zur Verzweiflung getrieben hätten. Und dabei arbeitete er unablässig; wenn die Nacht in Schmerzen verwacht war, sah ihn der Morgen im Atelier. Die Bilder wuchsen rasch, trotz aller nothgedrunngenen Pausen; er hat im letzten Halbjahr einen »sterbenden Alexander« begonnen und das große Bild so erstaunlich weit gebracht, daß es in kurzer Frist vollendet gewesen wäre.

Da sank die unermüdliche Hand plötzlich im Tode herab. Am Vorabend des Tages, wo er mit seiner Frau, den jungverheiratheten Töchtern und ihren kleinen Kindern in das reizende Haus am Starnberger See übersiedeln wollte, in dem er seit Jahren seine besten Zeiten zubrachte, trat eine plötzliche schlimme Wendung ein, und am 21. Juli Abends endete ein sanftes Einschlafen den harten Kampf.

In dem schönen Saal, wo er so oft fröhlich unter den Freunden saß, lag er dann unter Palmen und Rosen gebettet. Das Gesicht trug den Ausdruck tiefen Friedens, der beinahe Sechzigjährige sah unbegreiflich jung aus mit den dichten braunen Haaren, die noch kein weißer Schimmer durchzog. Ueber dem stillen Todten aber erhob sich in voller Kraft und Energie mit flammenden Augen sein von Lenbach gemaltes Bildniß (Eine Holzschnittnachbildung desselben haben wir in Nummer 40 des Jahrgangs 1880 der »Gartenlaube« gebracht. D. Red.), wie ein Protest gegen die Macht des Todes und wie eine Verheißung, daß das beste Theil eines großen und guten Menschen nicht mit seinem irdischen Leben untergeht.

München. Carl Robert.

Die Gartenlaube No. 32. Illustrirtes Familienblatt. Leipzig, 1886.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Piloty Karl, von, 1826 (München) – 1886, Historienmaler und Akademieprofessor; Sohn und Schüler von Ferdinand von P., arbeitete er auf der Münchner Kunstakademie nach seines Vaters Tod 1843/49 an dem Galeriewerk von Piloty und Löhle und wurde dann Schüler seines Schwagers K. Schorn; nach Aufenthalten in Antwerpen und Paris wandte P. sich bei Bearbeitung historischer Motive ganz dem koloristischen Realismus zu; seit 1874 war er Akademieprofessor.

Hauptwerke: Die Amme, Gründung der katholischen Liga (im Maximilianeum), Seni an der Leiche Wallensteins (Bayerische Staatsgemäldesammlung), Kolossalgeschichtsbild »Monachia« (im neuen Münchner Rathaus); P. kopierte schon früh Gemälde von Rubens und neigte überhaupt einer Nachahmung klassischer Kunst zu, die ihn zu voller Beherrschung der Farben führte, sein Realismus feierte im Geschichtsbild Triumphe, namentlich in der naturgetreuen Behandlung des Stofflichen, das Pathetische steigert er nicht selten zum Theatralischen; P. ist der Begründer der neuen Münchner realistischen Schule (Makart, Lenbach, Defregger, Grützner u. a.).

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#27 – 1 – 18* (Geldern-Egmond)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Geldern-Egmond, Anna Gräfin von (vh) / Ernesty, von (gb)
  • Geldern-Egmond, Karl Theodor Graf von; – 1888; Königlich bayerischer Kämmerer
  • Geldern-Egmond zu Arcen, Theobald Graf von; 28.11.1838 (Schloß Thurnstein) – 21.6.1910 (München); Generalleutnant

Todesanzeige für Graf von Geldern-Egmond zu Arcen

Das Grab ist nicht erhalten

#27 – 1 – 19* (Montigny)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Montigny, Amalie Freifrau von (vw); – Oktober 1885 (München), 75 Jahre alt; Postverwalters-Witwe

Das Grab ist nicht erhalten

#27 – 1 – 21 (Reichert)


VON REICHERT


  • Reichert, Ignaz Ritter von; 1786 (Sulzbach/Opf.) – 5.2.1865 (München); Appellationsgerichtsrat

Todesanzeige für Ignaz Ritter von Reichert

Grab der Familie Reichert auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#27 – 1 – 25 (Adam)


Portrait-Relief von Halbig

Linke Spalte
Albrecht Adam
Schlachtenmaler
1786 – 1862
Heinrich Adam
Vedutenmaler
1787 – 1862
Benno Adam
Tiermaler
1812 – 1892
Franz Adam
Schlachtenmaler
1815 – 1886
Eugen Adam
Schlachtenmaler
1817 – 1880
Julius Adam
Katzenmaler
1852 – 1913
Helene Adam
Malerin
1860 – 1935

Rechte Spalte
Magdalena
geb. Sander
1793 – 1863
Julie
geb. Brack
1800 – 1892
Josefine
geb. Quaglio
1821 – 1871
Ida
geb. v. Hornstein
1841 – 1909
Emilie
geb. Zaubzer
1830 – 1896
Amalie
geb. Adam
1845 – 1924


  • Adam, Albrecht; 16.4.1786 (Nördlingen) – 28.8.1862 (München); Konditors-Sohn / Schlachtenmaler und Tiermaler
  • Adam, Amalie (vh) / Adam (gb); 1845 – 1924
  • Adam, Benno; 15.7.1812 (München) – 8.3.1892 (Kelheim); Tiermaler
  • Adam, Emilie (vw) / Zaubzer (gb); 1830 – 12.9.1896 (München); Kunstmalers-Witwe
  • Adam, Eugen; 22.1.1817 (München) – 6.6.1880 (München); Genremaler, Jagdmaler und Schlachtenmaler
  • Adam, Franz; 4.5.1815 (Mailand) – 30.9.1886 (München); Tiermaler (Pferde) und Schlachtenmaler
  • Adam, Heinrich; 27.3.1787 (Nördlingen) – 15.2.1862 (München); Vedutenmaler
  • Adam, Helene; 19.6.1860 – 1.1.1935; Malerin und Zeichenlehrerin
  • Adam, Ida (vh) / Hornstein-Grüningen, Freiin von (gb); 20.2.1841 – 14.1.1909
  • Adam, Josefine (vh) / Quaglio (gb); 1821 – 10.1.1871 (München); Kunstmalers-Gattin
  • Adam, Julie (vw) / Brack (gb); 1800 – 11.12.1892 (München); Kunstmalers-Witwe
  • Adam, Julius / Katzen-Adam (ps); 18.5.1852 (München) – 23.2.1913 (München); Tiermaler (Katzen)
  • Adam, Magdalena (vw) / Sander (gb); 1793 – 21.9.1863 (München), 73 Jahre alt; Hofmalers-Witwe

Todesanzeige für Albrecht Adam

Todesanzeige für Magdalena Adam

Todesanzeige für Benno Adam

Todesanzeige für Julie Adam

Todesanzeige für Emilie Adam

Selbstportrait: Albrecht Adam mit seinem Pudel »Cerberus« (1814).

Franz Adam: Albrecht Adam auf seinem arabischen Schimmel »Rhezia« (1851). Porträtsammlung des Münchner Stadtmuseums.

Albrecht Adam: Selbstportrait. Abbildung aus »Aus dem Leben eines Schlachtenmalers«, Stuttgart, 1886.

Albrecht Adam: Napoleon und sein Stab auf einer Anhöhe vor dem brennenden Moskau (1812).

Albrecht Adam: Bayerische Chevaulegers.

Grab der Familie Adam auf dem Alten Südfriedhof München (April 2014)

Grab der Familie Adam auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2011)

#Albrecht Adam

* 16.4.1786 (Nördlingen)
† 28.8.1862 (München)
Schlachtenmaler und Tiermaler

#Artistisches München im Jahre 1835 (1836)

Adam, Albrecht, berühmter Thier- und Schlachtenmaler, wurde zu Nördlingen 1786 geboren, und von seinem Vater, einem Konditor, zu gleichem Gewerbe bestimmt.

Doch Adam bezeigte schon als Knabe große Neigung zur Kunst, welche theils durch die Sammlung von Kupferstichen, die sein Vater besaß, theils durch einen sehr talentvollen Diletanten, Namens Friedrich Wilhelm Doppelmayer, welcher gegenwärtig als Bürgermeister in Nördlingen lebt, genährt wurde. Er weihte daher jede Freistunde dem Zeichnen und Modelliren, und hatte schon frühe eine vorherrschende Neigung zur Gestaltung der Thiere. Die Liebe zur Pferdmalerei weckte besonders der damals sehr schön besetzte fürstlich Wallersteinische Marstall; und die fürstliche Familie ließ dem Jünglinge, der bis in sein sechzehntes Jahr ohne besondere Anleitung die Kunst übte, auch die erste Aufmunterung und Unterstützung angedeihen.

Im Spätjahr 1803 kam Adam nach Nürnberg, wo er an dem Direktor der Zeichnungs-Akademie, Christoph Zwinger, und an dessen trefflichem Sohn, Gustav, theilnehmende Freunde fand, welche ihm in Allem, was die Kunst befördern konnte, Beistand leisteten. In dieser Stadt verließ er die Konditorei ganz, und erwarb sich anfangs seinen Unterhalt durch Formenschneiden.

Eine ergiebigere Quelle fand er bald in der Portraitmalerei, die jetzt, neben seinem Studium nach der Natur und seinem Besuche der Akademie, seine Zeit in Anspruch nahm. Im Sommer des Jahres 1806 besuchte er seine Vaterstadt wieder, und machte dort seine ersten Radirungen, welche aus 6 Blättern Jagden und andern kleinen Stücken bestehen.

Im November desselben Jahres gieng er nach Augsburg, beschäftigte sich auch dort mit Portraitmalen, und richtete seine Aufmerksamkeit besonders auf militärische Gegenstände. Im folgenden Jahre machte er mit seinem Freunde L. Rugendas seine erste Reise nach München, wo ihn die Sammlung von Kunstschätzen so sehr begeisterte, daß er sich sogleich entschloß, den künftigen Wohnsitz dort aufzuschlagen. Er fand daselbst an dem Flügel-Adjutanten, Grafen von Frohberg-Montjois und an dem königl. Oberststallmeister Freiherrn von Keßling, Freunde und Gönner, welche zu seinem Fortkommen wesentlich beitrugen. Ersterer nährte besonders seine Neigung zur Schlachtenmalerei, und im Jahre 1809 begleitete der Künstler diesen seinen Gönner auf den Feldzügen nach Oesterreich, wo er an dessen Seite den vorzüglichsten Schlachten beiwohnte.

Bereichert mit einem Portefeuille von interessanten Studien kam er im May desselben Jahres nach Wien, und fand bey den damals dort anwesenden französischen Offizieren große Aufmunterung und viele Beschäftigung. Er malte daselbst viele Portraite zu Pferd, und kleine Episoden aus jenem Kriege, welche ihm den Vortheil verschafften, mit vielen ausgezeichneten Männern jener ewig denkwürdigen Zeit bekannt zu werden.

Die dort verfertigten Werke zogen auch die Aufmerksamkeit des Vizekönigs von Italien auf sich, und der kunstsinnige Fürst erwies dem Künstler die Ehre, ihn in Begleitung des Obersten Basaille in seinem Atelier zu besuchen. Zugleich machte er ihm den Antrag, in seine Dienste zu treten. Adam folgte nun diesem Fürsten nach Mailand, wo ihm glückliche Tage blühten. Er begleitete denselben auf allen seinen Reisen und im Felde. Im Jahre 1810 folgte er ihm durch Oberitalien bis nach Ancona, wo der Künstler die Erlaubniß erhielt, nach Rom zu reisen. Allein ein heftiges Fieber machte seinen Gesundheitszustand sehr bedenklich, und versetzte ihn in die Nothwendigkeit, wieder nach Mailand zurückzukehren. Auch hier konnte er seine verlorne Gesundheit nicht wieder erlangen, die ihm nur dann erst wieder winkte, als er auf heimatlichem Boden einer veränderten Luft genoß. Im März des Jahres 1811 kehrte er nach Italien zurück, fand dort die gewohnte freundliche Aufnahme, und erhielt den Auftrag, für die Fürstin 12 Aquarellzeichnungen aus dem Kriege 1809 zu verfertigen. Zugleich begann er sein erstes großes Schlachtgemälde aus demselben Feldzug, die Schlacht bey Leoben in Kärnthen. Einen großen Theit dieser Arbeit verfertigte er auf dem Landhause eines Freundes am Comer-See, da die Luft in Mailand immer nachtheilig auf seine Gesundheit wirkte.

Im Frühjahre 1812 war dieses große Bild vollendet. In demselben Jahre vermählte er sich auch, mußte aber bald von der Seite der jungen Gattin, um seinem Fürsten nach Rußland zu folgen. Er begleitete ihn auf allen beschwerlichen Märschen, und in allen Schlachten bis nach Moskau, wo er vierzehn Tage das fürchterliche Schauspiel der brennenden Stadt vor sich sah. Er ertrug alle Beschwerden dieses Krieges, der damals sich sehr in die Länge zu ziehen schien, weßwegen Adam von dem Vizekönig einen sechsmonatlichen Urlaub erhielt. Der Zeitpunkt zur Rückreise war sehr bedenklich, der Weg von schwärmenden Kosacken beunruhigt, und unter großen Gefahren und Hindernissen legte der Künstler vom 9. September bis zum 20. Dezember seine Reise von Moskau bis nach München zurück.

Im Jahre 1813 langte auch Prinz Eugen auf seinem Wege nach Italien in dieser Stadt an; denn die Armee mußte zum Feldzuge gegen Oesterreich organisirt werden. Auch Adam gieng wieder nach Italien, und blieb dort bis zum Sommer des Jahres 1815. In dieser Zeit entstanden viele Kabinetsbilder, welche theils in Italien, theils in Oesterreich zerstreut sind. Bey seiner Rückkehr aus Italien in dem bezeichneten Jahre erhielt er vom Fürsten den Auftrag, eine Sammlung von Zeichnungen aus diesem Feldzuge zu fertigen, welche bis zum Tode des Herzogs fortgesetzt wurden, und in 83 Blättern ein vollständiges Tagebuch bilden. Diese Blätter sind in gr. 4. auf Papier in Oel gemalt, und werden in der Bibliothek des herzoglichen Pallastes zu München aufbewahrt. Später malte er noch mehrere große Schlachtgemälde, von denen die Schlachten von Raab, von Mosaisk, von Malojaroslawez und von St. Michel gegenwärtig in der herzoglichen Residenz zu Eichstädt sich befinden. Mehrere Kabinetsbilder, welche er später für den Fürsten malte, sind jetzt in München.

Nach seiner Rückkehr aus Italien richtete auch der höchstselige König Maximilian von Bayern die Aufmerksamkeit auf diesen Künstler, und ließ ihm stets seinen Schutz und seine Gnade angedeihen. Eine bedeutende Anzahl der beßten Werke aus den Jahren von 1817 bis 1824 befinden sich gegenwärtig in der hinterlassenen Sammlung des höchstseligen Königs zu Tegernsee. Andere Bilder von Adam sind im Schlosse des Fürsten Wrede zu Ellingen, an dem derselbe stets einen Gönner fand.

Um diese Zeit beschäftigte Adamen auch ein anderes großes Unternehmen. Der Künstler fertigte nämlich in Rußland mehr als 300 interessante Zeichnungen der merkwürdigsten Ereignisse, und gab die vorzüglichsten in 100 lithographirten Blättern unter dem Titel: Voyage pittoresque militaire, heraus.

Nach dem Tode des Herzogs von Leuchtenberg und des Königs Maximilian trat für denselben eine neue Periode ein. Sein militärisch-malerisches Werk von dem russischen Feldzuge, welches einen großen Theil seiner Zeit in Anspruch nahm, richtete die Aufmerksamkeit des Auslandes mehr auf ihn. Im Jahr 1829 kam er nach Würtemberg, und hatte sich der besondern Gnade des Königs zu erfreuen. Er malte denselben zu Pferde und viele andere Werke, worunter die Bildnisse der vorzüglichsten arabischen Pferde, die der König besitzt, eine besondere Sammlung ausmachen. Nach einem einjährigen Aufenthalt verließ er, reich beschenkt von dem Könige, Stuttgart wieder, und hielt sich seit dieser Zeit, mit Ausnahme einiger Reisen nach Norddeutschland, namentlich nach Mecklenburg und Holstein, wo er viele Bildnisse edler Pferde verfertigte, größtentheils in München auf.

Die beßten Werke der letzten Zeit, welche von Kennern als die vorzüglichsten dieses Künstlers überhaupt erkannt werden, befinden sich gegenwärtig in der Sammlung des Freiherrn Salomo von Rothschild zu Paris. Ueberhaupt sind die meisten und vorzüglichsten Bilder dieses Künstlers im Auslande verbreitet. Außerdem existiren auch viele lithographirte Blätter, theils von ihm selbst, theils von Andern nach seinen Werken gefertiget.

Sein neuestes Werk ist ein großes Gemälde, welches er aus Auftrag des großen Beförderers der Kunst, des Königs Ludwig von Bayern, verfertiget. Es stellt die Schlacht an der Moskwa dar, und reiht sich an den Cyklus der früher von W. Kobel und P. Heß gefertigten Schlachtgemälde. Bis zum Oktober des Jahres 1835 muß es dem allerhöchsten Befehle zufolge vollendet seyn.

Es dürfte wohl wenige Künstler geben, die sich dem ausschließlichen Studium der Pferde, besonders nach ihren verschiedenen Racen, mit solchem Fleiße gewidmet haben, als Adam. Er hat daher auch als Pferdemaler einen europäischen Ruf. Er weiß die Eigenthümlichkeiten und Formen dieser Thiergattung mit Sicherheit zu geben. Die Korrektheit der Zeichnung, die wohlberechnete Haltung des Ganzen, die Harmonie und Klarheit der Farben, die breite Behandlung bis zu den Beiwerken herab, geben ein vollendetes Bild. Größtentheils sind seine gelungensten Arbeiten auch die schwierigsten, worin er sich am meisten gefällt. Das Pferd in seiner gereizten Natur, in seiner angestrengtesten Kraftäußerung im Schlachtgewühle, sich mühend vor dem Pfluge, am belasteten Wagen, darzustellen, gab ihm manchen Stoff, seine Kräfte nicht nur in Schilderungen der mannigfaltigsten und schwierigsten Stellungen dieses Thieres zu versuchen, sondern auch das dabei nach außen strebende Leben, den in alle Formen sich ergießenden Charakter zu entwickeln, und somit den Werken Interesse, d. i. Wahrheit und Bedeutung zu geben. Voll Feuer, Wahrheit und Leben sind auch seine Schlachtgemälde.

Adam bediente sich zur Bezeichnung seiner Bilder eines Monograms oder der Initialien A. A.

Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Mechaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.

#Die bildende Kunst in München (1842)

Albrecht Adam,

geboren im Jahre 1786 zu Nördlingen. Er sollte sich der Zuckerbäckerei, dem Geschäfte seines Vaters, widmen, zu welchem Zwecke er auch zeichnen lernte, was er bald mit immer größerer Liebe trieb, sich auch im Modelliren übte und besonders gern Thiergestalten, namentlich Pferde nachbildete. Diese Liebe zur Pferdemalerei ward vorzüglich genährt durch den Anblick der schönen Thiere verschiedener Racen, welche sich im Marstalle des Fürsten von Wallerstein befanden und welche zu zeichnen dem Jünglinge erlaubt wurde. So übte er sich bis in sein sechzehntes Jahr ohne eigentliche Anleitung der Kunst, kam im Jahre 1803 nach Nürnberg, wo er der Konditorei ganz entsagte, entschlossen einzig der Kunst zu leben, und gewann Anfangs seinen Unterhalt durch Formenschneiden, dann widmete er sich der Porträtmalerei, der ergiebigeren Quelle, und zeichnete fortwährend nach der Natur, so wie er auch zur weiteren Ausbildung die Akademie in Nürnberg besuchte. Nach einem kurzen Aufenthalte in seiner Vaterstadt, 1806, wo er seine ersten Radirungen, sechs Blätter Jagd- und andere kleine Stücke herausgab, ging er nach Augsburg, malte Bildnisse, richtete seine Aufmerksamkeit bei den damaligen kriegerischen Zeiten auf militärische Gegenstände, welche ihm eine große Mannichfaltigkeit zu Darstellungen boten, und reiste dann im folgenden Jahre, 1807, nach München.

Die große Sammlung der hier aufgehäuften Kunstgegenstände überraschte und begeisterte ihn, und sogleich war es sein fester Entschluß, diese Stadt für immer zu seinem bleibenden Wohnorte zu wählen. Die Richtung der Zeit zog ihn mächtig zur Darstellung kriegerischer Scenen und fortwährend blieb das Studium des Pferdes seine Hauptbeschäftigung; kaum hat sich ein anderer Künstler mit solch beharrlichem Fleiße demselben gewidmet, als er, so daß er als Pferdemaler bei Weitem der berühmteste wurde, da er strebte, nicht bloß den inneren Bau dieser Thiergattung nach ihren verschiedenen Abarten in allen Theilen kennen zu lernen, sondern bei Darstellung derselben auch die größte Treue und Zierlichkeit anwendete und sich besonders im Glanzlichte als Meister zeigte.

Bei der verbreiteten Pferdeliebhaberei fand er sich bald vielfach gefördert, besonders von hohen Offizieren, die auch seine Neigung zur Schlachtenmalerei nährten, und im Jahre 1809 begleitete er den Flügel-Adjutanten Grafen Frohberg von Montjois auf den Feldzügen nach Oesterreich, wo er Zeuge kleinerer Gefechte und großer Schlachten war.

Im Mai desselben Jahres kam er mit seinem reichen Skizzenbuche nach Wien, wo er bei den französischen Offizieren große Aufmunterung und viele Beschäftigung erhielt; dort malte er viele Porträte zu Pferd und kleine Scenen aus jenem Kriege und lernte die ausgezeichnetsten Männer kennen; dort zog er die Aufmerksamkeit des edlen Vicekönigs von Italien, Eugen, auf sich, der den Künstler in seinen Dienst nahm.

Adam folgte dem Fürsten im Jahre 1810 nach Italien, fertigte für die Fürstin zwölf Aquarellzeichnungen aus dem Kriege des vorigen Jahres und vollendete im Frühjahre 1812 auch sein erstes großes Schlachtgemälde aus demselben Feldzuge: die Schlacht bei Leoben in Kärnthen. Dann begleitete er den Prinzen nach Rußland zu dem furchtbaren Kriege, wo auch er alle Beschwerden ertrug, Anfangs den stürmischen Siegeszug, die sich schnell aufeinander folgenden Schlachten und Gefechte als treuer Beobachter, endlich den Wendepunkt des grauenvollen Kampfes im brennenden Moskau und den Alles vernichtenden Rückzug der großen Armee schaute: Bilder, die mit ehernem Griffel in seiner Seele gezeichnet blieben. Unter großen Gefahren und Hindernissen, umschwärmt von Kosacken, legte er die Reise von Moskau bis München vom 9. November bis 12. Dezember zurück.

Als Eugen auf seinem Wege nach Italien im J. 1813 in München anlangte und zur Ausrüstung eines neuen Heeres nach Italien ging, begleitete ihn der Künstler dahin, wo er bis zum Jahre 1815 blieb, während welcher Zeit er viele Kabinetsbilder malte, welche theils in Italien, theils in Oesterreich zerstreut sind.

Darauf kehrte er zu dem Fürsten nach München zurück und fertigte im Aufträge desselben jenes denkwürdige Tagebuch in 83 Blättern, welches die wichtigsten Scenen aus jenem russischen Kriege darstellt in höchst mannichfaltigen lebendigen Bildern, ganz aus der Wirklichkeit genommen. Sie sind auf Papier in Oel gemalt und werden in der herzoglich Leuchtenbergischen Büchersammlung in München aufbewahrt. Nach und nach entstanden auch die großen Gemälde, von welchen die Schlachten von Raab, Mosaisk, Malojaroslawez und von St. Michel im herzoglichen Palaste in Eichstädt sich befinden, und mehrere Kabinetsbilder. Viele seiner schönsten Bilder aus den Jahren 1817–1824 kamen in den Besitz des Königs Maximilian Joseph nach Tegernsee, der dem Künstler mit Wohlwollen zugethan war, oder in den des Fürsten Wrede nach Ellingen.

Sein großes militärisch malerisches Werk in 100 Blättern im Steindruck, interessante Zeichnungen der merkwürdigsten Ereignisse aus dem Kriege in Rußland, deren er im Ganzen über dreihundert entworfen hatte, erschien nach dem Tode seines fürstlichen Gönners im Jahre 1824, welches auch im Auslande große Anerkennung fand.

Während eines einjährigen Aufenthaltes in Stuttgart malte er den König von Würtemberg zu Pferd und führte viele andere Bilder, unter ihnen die Bildnisse der vorzüglichsten arabischen Pferde, aus; in diesem Kunstzweige arbeitete er auch mit allgemeiner Würdigung seiner trefflichen Leistungen in Mecklenburg und Holstein, wohin er sich eine Zeitlang begeben hatte. München aber blieb fortwährend seine eigentliche Heimat und hier entstanden seine größten und schönsten Bilder, von welchen in der letzten Zeit viele nach Paris wanderten.

Betrachtet man nun die Eigenthümlichkeit dieses Künstlers, so erkennt man vor Allen seine unübertreffliche Schilderung der Pferde; er weiß die Eigenthümlichkeiten und Formen dieser Thiergattung mit dem sichersten Ausdrucke zu geben: die vollendete Zeichnung, die wohlberechnete Haltung des Ganzen, die Harmonie und Klarheit der Farben, die breite Behandlung bis zu den Beiwerken herab, geben ein vollendetes Bild. Zugleich sind seine gelungensten Werke auch die schwierigsten, in deren Ausführung er sich am meisten gefällt. Das Pferd in seiner gereizten Natur, in seiner angestrengtesten Kraftäußerung im Schlachtgewühl, oder sich mühend vor dem Pfluge und dem belasteten Wagen, in seinem gesunden, sowie in seinem kranken Zustande darzustellen, gab ihm Stoff zur Schilderung der mannichfaltigsten und schwierigsten Stellungen dieses Thieres, und er faßt das nach Außen strebende Leben, den in alle Formen sich ergießenden Charakter desselben, in seiner ganzen Lebendigkeit und Wahrheit und weiß ihm in der Darstellung stets Bedeutsamkeit zu geben. Selbst seine größeren und kleineren Schlachtenbilder, voll Feuer und Wahrheit, scheinen vorzugsweise der Pferde wegen gemacht; das Pferd erscheint als handelndes Wesen, und ihm wendet sich die Theilnahme im höchsten Grade zu. Um so mehr ist dieses dann der Fall, wenn er ein einzelnes Pferd oder eine Gruppe darstellt, und mit Vorsatz oder unwillkürlich die Wirkung einer dramatischen Handlung, einer Fabel hervorbringt.

Die vielen gediegenen Darstellungen aus dem russischen Feldzuge, in welchen er jetzt den muthigen Angriff oder die Wachsamkeit, dann die Trauer und das allmählige Verkümmern dieser Thiergattung in den wirksamsten Einzelnheiten schilderte, sind allgemein berühmt. Die in großen Massen vorwärts eilenden, drängenden ausbeugenden Reiterangriffe in seinen Schlachtbildern, das Ueberschlagen, Dahinsterben einzelner Pferde, sowie der feurige Muth anderer in schönen Gruppen, sind schwer mit Worten zu schildern; aber seine kleineren Darstellungen mit einzelnen Pferden sprechen wie im elegischen oder Idyllenton.

Hier steht ein Pferd einsam in öder flacher Gegend vor einem Sumpfe, in welchem man die Reste eines todten Pferdes sieht; zu seinen Füßen liegt der Helm eines französischen Kürassiers, hinter ihm neben einem Weidenstrunke halbversunken eine Kanone; weiter zurück ziehen einige Kürassiere ihre abgemagerten, mit Mühe sich fortschleppenden Pferde über einen Knütteldamm; der Himmel ist trübwolkig, in der Ferne zeigt sich Feuersglut am Himmel.

Ein anderes Bild zeigt uns das Innere eines Stalles, ein Knabe führt ein weißes Mutterpferd mit einem braunen Fohlen herein, voran aber kommt eine Henne mit ihren Küchlein, und der Hahn lustig krähend; durch eine offene Thüre sieht man in einen anderen Stall mit Pferden.

Ein anderes stellt eine Scene vor einer Schmide auf dem Lande vor, unter deren Vordach ein Pferd der Beschlagung harrt. Rechts im Vordergrunde steht ein kranker Schimmel, zur Seite hinter ihm sein Nebengespann. Ein Fuhrmann hat das kranke Pferd eben herbeigebracht, er fährt mit der Hand am Knie des Schimmels von da nach der kranken Stelle hinab, um sie mit Vorsicht zu berühren; der Meister Schmid, eine derbe Gestalt mit dem Schurzfelle angethan, steht nachdenkend, wie etwa hier zu helfen sei, daneben und hält seine Prise Taback, die er längst aus der Dose geholt, wie vergessen noch zwischen den Fingern, den Blick auf den Verband der kranken Stelle über dem Hufe des Pferdes gerichtet.

Diese und ähnliche Bilder sind ganz aus der Wirklichkeit genommen, sinnig, wahr und lebendig aufgefaßt, daß selbst dasjenige noch als charakteristisch erscheint, was man für zufällig halten möchte.

Vor allen übrigen Bildern dieses Künstlers ist eines ausgezeichnet und von wahrhaft tragisch-historischer Bedeutung: Napoleon vor Moskau im Augenblicke der entsetzlichen Zerstörung. Durch die zum Theil verschüttete Oeffnung eines durch Brand und Gewalt zerstörten Gebäudes im Vordergründe sieht man in eine der Strassen Moskaus mit ihrem Gräuel der Verwüstung. Die Wuth der Flamme hat sich bereits etwas gelegt und ausgebrannt starren die traurigen Ueberreste dem Blick entgegen, über den Boden hin ziehen grauliche Dämpfe, die aus der noch glimmenden Asche aufsteigen. Grabesstille herrscht umher, eine Gruppe französischer Soldaten weilt noch in der Mitte der Strasse, hülflos und ermattet; andere eilen an den Häusern hin, Einer, mit Raub beladen, voran. Aber rechts, weithin über der Stadt wogt das gräßlich flammende Feuermeer, zischend und prasselnd, hoch auf seine Funken sprühend. Die Lüfte glühen und in blutig rothen Strömen wirbelt der Rauch empor, von deren Widerschein im tiefsten Hintergrund ein Theil der Stadt mit seinem vierthürmigen Dome erhellt ist. Die Luft ist in dunklen Qualm gehüllt, der vom Winde getrieben in schwarze Wolken geballt weithin den Horizont umzieht.

Dieses für sich allein schon abgeschlossene Gemälde bildet aber nur den Hintergrund zu der Gestalt, die im Vordergrunde Aller Augen unwiderstehlich fesselt und durch welche das Bild erst seine Erklärung und weltgeschichtliche Deutung erhält. Es ist Napoleon auf einem arabischen Hengste vor den Trümmern der russischen Kaiserstadt. Er hält vor der oben angedeutenden Oeffnung, einsam, verlassen. Seine äußere Haltung auf dem zierlichen Schimmel deutet auf keine Veränderung, sie ist ruhig, wie immer, als ging es in die Schlacht. Aber seine Seele scheint tief ergriffen; er ist bewegt, ohne erschüttert, gerührt, ohne gebeugt zu seyn. Alle seine Eigenthümlichkeiten, die der Künstler so oft zu beobachten und aufzufassen Gelegenheit hatte, Gesichtszüge und Farbe, seine Haltung und Kleidung von der eigenen Form seines Hutes bis zur gewohnten lichtgrauen Farbe des Oberrockes, sind ganz nach dem Leben wahr und treu geschildert. Ruhig steht auch das Pferd, mit kaum merkbarer Wendung den Kopf nach der flammenden Stadt gewandt; von schönem Bau, leichter und flüchtiger Gestalt, trägt es den kaiserlichen Herrn, der auf purpurner mit goldenen Treffen befranzter Decke sitzt.

Dieses Bild kam in den Besitz Rothschilds nach Paris und wurde von dem Künstler in seinen Haupttheilen mehrmal wiederholt. Seine Schlacht an der Moskwa im Aufträge des Königs Ludwig, als Hauptmoment den Angriff der Reiterei und die Verfolgung des Feindes darstellend, voll mannigfaltiger lebendiger Gruppen und bewegter Massen, ist unter der Reihe der Schlachtenbilder im Festsaalbau zu München aufgestellt.

Schon seit mehreren Jahren erscheinen seine drei Söhne, von ihm selbst herangebildet, in dem großen Reigen der trefflichen Künstler Münchens: Beno, Eugen und Franz; idyllische Darstellungen aus der Thierwelt, weidende oder ruhende Lämmer mit Ziegen an Bergesabhängen oder in angenehmen Thälern, zu schönen Gruppen um den Hirten vereint mit trefflicher Ausführung der Landschaft, oder Schilderungen des heiteren Alpenlebens mit den kräftigen Thiergattungen, Fernsichten u. dgl. gelingen ihnen auf das Anmuthigste.

Dr. Johann Michael von Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.

#Universal-Handbuch von München (1845)

Adam, Albrecht,

Genre- und Bataillen-Maler, herzogl. Leuchtenbergischer Hofmaler, Staatspensionär und Ehrenmitglied der k. Akademien zu Berlin und München, ist geboren in Nördlingen im Jahr 1786. Seine Kunststudien begann derselbe im J. 1805 zu Nürnberg; kam 1808 nach München; hier studirte Adam die alten Niederländer und widmete sich hierauf mit besonderer Vorliebe der Pferde- und Schlachtenmalerei. Gegen Ende des Jahres 1809 kam er in die Dienste des Herzogs Eugen von Leuchtenberg, damaligen Vicekönigs von Italien, begleitete denselben sodann im russischen Feldzuge 1812, wo er allen Schlachten beiwohnte. Seit seiner Rückkunft nach München lebt derselbe seinem Künstlerberufe und ist eben jetzt mit der Ausführung von 16 großen Bildern aus dem militärischen Leben des höchstseligen Herzogs Eugen von Leuchtenberg, aus Auftrag Sr. kais. Hoheit des Herzogs von Leuchtenberg in St. Petersburg, beschäftigt. Albrecht Adams Bilder befinden sich in den Kabineten mehrerer Monarchen und sind als anerkannte Meisterstücke in der ganzen Welt zerstreut in den Händen von Kunstfreunden. Albr. Adam hat drei Söhne, welche sich ebenfalls dem Kunstfache des Vaters widmen und worunter besonders der älteste Sohn Benno sich als Künstler schon einen Namen machte.

Universal-Handbuch von München. München, 1845.

#Ansichten und Bemerkungen über Malerei und plastische Kunstwerke (1846)

Ich gehe nun zu einigen Bildern der neueren Epoche meiner eigenen Sammlung über, von denen ich namentlich heraushebe:

8. Albert Adam, 1786 geboren; Landschaft mit einem Fuhrmannswagen, den 7 Pferde bergauf ziehen, vortrefflich gezeichnet. Er malt mit grosser Leichtigkeit, und ist genau mit der Anatomie der Pferde bekannt.

Freiherr Max von Speck-Sternburg: Ansichten und Bemerkungen über Malerei und plastische Kunstwerke. Leipzig, 1846.

#Kunstvereins-Bericht für 1862 (1863)

Nekrologe.

Albrecht Adam,
Herzogl. Leuchtenberg. Hofmaler, Ehrenmitglied der Akademie der bildenden Künste und Staatspensionär,

geboren 1786 zu Nördlingen, war der Sohn eines Konditors, welcher ihn sowie einen jüngern Sohn zu demselben Geschäfte bestimmte. Das mit diesem verbundene Manipuliren mit bildsamer Masse scheint das dem Knaben inwohnende Kunstvermögen schon frühe geweckt und eine im Besitze des Vaters befindliche Sammlung von Kupferstichen sowie die Unterweisung eines talentvollen Dilettanten dasselbe weiter entwickelt zu haben. Durch den Marstall des Fürsten von Wallerstein, welcher zu jener Zeit vorzügliche Pferde enthielt, war dem talentvollen Jüngling Gelegenheit geboten, sich vorzugsweise mit dem Studium dieses Thieres zu befassen. Mit diesem sowie dem gelegentlichen Betriebe des väterlichen Geschäftes verbrachte er seine Zeit bis zum Jahre 1803, wo er sich zum Behufe weiterer Ausbildung nach Nürnberg begab.

Aufmunterung und geregelter Unterricht, welche er hier fand, veranlaßten ihn, das väterliche Geschäft ganz aufzugeben und sich ausschließlich der Kunst zu widmen. Wenn auch seine Mittellosigkeit im Anfange ihn nöthigte, durch Formschneiden seinen Unterhalt sich zu erwerben, so setzte ihn der Eifer, mit welchem er an seiner künstlerischen Bildung arbeitete, bald in den Stand, durch Portraitmalen, kleine Jagdstücke etc. sich seine Eristenzmittel in würdigerer Weise zu beschaffen. Nach dreijährigem Verweilen in Nürnberg besuchte er die Heimath, ging jedoch nach kurzem Aufenthalt von da nach Augsburg. Hier verband er mit der Portraitmalerei das Studium militärischer Gegenstände, wozu ihm in jener bewegten Zeit alle Gelegenheit geboten war. Die Bekanntschaft des geschickten Schlachtenmalers Lorenz Rugendas, die er zu dieser Zeit machte, war ganz geeignet, sein Talent auf die Darstellung kriegerischer Szenen hinzulenken. Im folgenden Jahre begab er sich mit seinem Freunde Rugendas nach München und fand daselbst für diese Richtung nicht nur reichen Stoff, sondern auch in dem Oberststallmeister Frhrn. von Keßling und dem Flügeladjutanten des Königs, Grafen von Frohberg-Moutjoie, einflußreiche Gönner. Eine Reise nach Wien, wohin er letzteren im Jahre 1809 begleitete, gab dem jungen Künstler Gelegenheit, seine Mappe mit den mannigfaltigsten Studien und Skizzen zu füllen, und durch das Portraitiren vieler ausgezeichneter Männer, welche die politischen Ereignisse in Oesterreichs Hauptstadt zusammen geführt, dann die Darstellung interessanter militärischer Szenen sich eine Quelle reichen Erwerbes zu öffnen. Durch diese Arbeiten zog er die Aufmerksamkeit des Vizekönigs von Italien auf sich, welcher sich von dem ebenso bescheidenen als talentvollen Künstler in einem Grade angezogen fühlte, daß er denselben veranlaßte, förmlich in seine Dienste zu treten. Und jetzt war dem Künstler die Bahn zu einer ruhm- und erfolgreichen Thätigkeit eröffnet. Die paradiesischen Fluren Italiens, wohin er seinen Herrn und Gönner zunächst begleitete, sowie die Schneefelder Rußlands, wohin er ihm im Jahre 1812 folgte, lieferten ihm den Stoff zu seinen Darstellungen. Die Waffenthaten der großen Armee in ihrer Glanzperiode wie nicht minder das namenlose Elend auf dem verhängnißvollen Rückzuge aus Rußland schilderte er in seinen Gemälden mit erschütternder Wahrheit.

Der Raum gestattet nicht, hier in die Einzelnheiten dieses bewegten Künstlerlebens einzugehen oder die Werke aufzuzählen, welche den Ruhm A. Adams gründeten und erhöhten. Die Letztern sind so zahlreich, daß nicht leicht ein fürstliches Kabinet oder eine Sammlung solcher entbehrt. Nicht nur der künstlerische Werth, sondern auch die Unmittelbarkeit, in welcher uns jene weltgeschichtlichen Ereignisse in Adams Werken entgegentreten, verleihen denselben ein hohes und dauerndes Interesse.

Seit dem Jahre 1813, nachdem die kriegerischen Ereignisse durch den Wiener Friedenskongreß ihren Abschluß erhalten hatten, hielt sich Adam fortwährend in München auf. Er hatte sich auf der Westseite der Stadt ein Grundstück gekauft, auf welchem er sich ein seinen Bedürfnissen und seinem Geschmacke entsprechendes Haus erbaut und im Kreise seiner Familie eine schöne Häuslichkeit geschaffen hatte. Hier theilte er seine Zeit zwischen künstlerischem Schaffen und der Bildung seiner gleich dem Vater reich begabten Söhne. Noch im hohen Alter war ihm beschieden, die Bilder seiner Jugend noch einmal sich aufrollen zu sehen, indem er den ehrenvollen Auftrag erhielt, die Thaten der österreichischen Armee unter ihrem greisen Führer Radetzky in einer Reihe von Gemälden zu verherrlichen. Diese Arbeiten, denen er sich mit jugendlicher Begeisterung hingab, verbreiteten durch die Anerkennung, welche ihnen von dem hohen Auftraggeber und in den weitesten Kreisen gezollt wurde, einen leuchtenden Glanz auf den Abend dieses reichen Künstlerlebens.

Sein letztes größeres Werk war die im Auftrage Seiner Majestät des Königs Maximilian ausgeführte Schlacht bei Zorndorf, welche durch das Feuer der Komposition, Wahrheit und minutiöse Durchführung vergessen ließ, daß ein in den siebenziger Jahren stehender Greis ihr Schöpfer war.

Adam bewahrte sich seine Körper- und Geistesfrische bis nahe vor seinem Tode, welcher nach kurzem Krankenlager am 28. August des verflossenen Jahres ein an Schaffen und Ehren reiches Leben zum Abschluß brachte. Unter seinen zehn Kindern befinden sich drei Söhne, würdige Nachfolger eines berühmten Vaters.

Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München während des Jahres 1862. München, 1863.

#Münchener Künstlerbilder (1871)

Albrecht Adam
Schlachtenmaler.

Albrecht Adam war am 16. April 1786 in der damaligen freien Reichsstadt Nördlingen im Ries geboren und starb am 28. August 1862, erreichte somit ein Alter von 76 Jahren 4 Monaten und 12 Tagen. Der Sohn eines Conditors ward er von seinem Vater zum gleichen Gewerbe bestimmt und erlernte dasselbe nicht blos, sondern übte es auch bis zum Jahre 1804 praktisch aus. Seine Jugend verlief wie die von hundert anderen Knaben ohne hervorragende Momente. Früh jedoch zeigte sich in dem lebhaften Kinde eine auffallende Neigung zum Zeichnen, die durch eine Sammlung von Kupferstichen, welche sich im Besitze seines Vaters befand, Nahrung erhielt. Bald versuchte er sich mit wachsendem Glücke in der Nachbildung von Kunstwerken und Naturgegenständen und verkehrte viel und geme mit einem talentvollen Kunstfreunde und Dilettanten, Friedrich Wilhelm Doppelmayer, den wir später auch als einen warmen Freund Mich. Voltz’s, des Vaters des bekannten Idyllenmalers Friedr. Voltz, kennen lernen werden. Dieser Umgang trug nicht wenig dazu, bei, jene Neigung zu bestärken und ihn den rechten Weg zu seiner Ausbildung finden zu lassen. Bald genügte es ihm nicht mehr mit dem Stift zu arbeiten, er griff zum bildsamen Wachs und übte sich mit Eifer im Modelliren. Seine vorherrschende Neigung trieb ihn zur Gestaltung von Thieren, namentlich von Pferden und er fand im schön besetzten Marstalle des Fürsten von Wallerstein, der damals meistentheils in Nördlingen lebte, die brauchbarsten Vorbilder zu seinen mit jugendlichem Eifer betriebenen Studien. So ward er sechszehn Jahre alt, ohne besondere Anleitung in der Kunst erhalten zu haben. Sie ward ihm nun durch die Güte des Fürsten, der es neben herzlicher Aufmunterung auch an Unterstützung nicht fehlen ließ. Nördlingen war der Ort nicht, an dem er künstlerische Ausbildung erlangen konnte. So ging er denn, aber immer noch seinem Gewerbe treu, gegen Anfang des Winters 1803 nach Nürnberg, wo er an den Director der dortigen Zeichnungsakademie, den wackeren Christoph Zwinger empfohlen war. Dieser und sein Sohn Gustav nahmen sich des Jünglings mit herzgewinnender Freundlichkeit an, und unter ihrem Beistände gab er die Konditorei gänzlich auf, indem er sich seinen Lebensunterhalt mit Formschneiden gewann. Bald verließ er auch diese Erwerbsweise, um als Portraitmaler zu arbeiten. Seine Mußestunden aber widmete er dem Studium der Antike und der Natur, wozu ihm als Schüler der Akademie Gelegenheit nicht fehlte.

Nach drei Jahren ging er auf Besuch seiner Eltern nach Nördlingen zurück, und radirte dort sechs Blätter, Jagden und andere kleine Stücke, wobei er sich zum ersten Male in der Führung der Nadel übte. Im Winter desselben Jahres 1806 begab er sich nach Augsburg und lernte dort Ludwig Rugendas kennen, mit dem er bald eng befreundet ward. Während er dort wieder vom Portraitmalen lebte, ward er von Rugendas auf jenes Gebiet der Kunst geleitet, auf dem er sich später so viele Lorbeern holte: in Augsburg malte er seine ersten militärischen Gegenstände. Als beide im nächsten Jahre nach München gingen, ward Adam von den dortigen Kunstschätzen so begeistert, daß er trotz aller Anhänglichkeit an seinen Freund sich sofort entschloß, in München zu bleiben und daselbst seinen ständigen Wohnsitz aufzuschlagen.

Damit begann ein neuer Lebensabschnitt für ihn. Bald fand er in der Person des k. Flügeladjutanten Grafen von Frohberg-Montjoie und des k. Oberstallmeisters Freiherrn von Keßling einflußreiche Gönner. Der erstere eröffnete ihm ein ganz neues Gesichtsfeld, indem er ihn einlud, ihn auf dem Feldzuge von 1809 gegen Oesterreich zu begleiten. An des Grafen Seite wohnte der junge strebsame Mann den bedeutendsten Schlachten jenes Krieges bei und brachte, als er im Mai in Wien eintraf, ein Portefeuille der interessantesten Studien mit. Wien war damals von den Franzosen besetzt, es war daher natürlich, daß Adam viel mit den französischen Offizieren verkehrte. Er ward von ihnen, die er theilweise auf den Schlachtfeldern kennen gelernt, viel zu neuem Schaffen aufgemuntert und selbst vielfach beschäftigt. Während seines Aufenthaltes in der schönen Kaiserstadt malte er so namentlich viel Reiterportraits und kleinere Episoden aus jenen Kämpfen, und es gab kaum einen hervorragenden Offizier der französischen Armee, dessen Bekanntschaft er damals nicht machte.

Auch der Vicekönig Eugen von Italien suchte ihn in seiner Werkstätte auf und ernannte ihn kurz darauf zu seinem Hofmaler, wobei ihm Offizierrang verliehen wurde, um ihm den Verkehr in der Armee zu erleichtern. Als Eugen nach Mailand zurückkehrte, begleitete ihn Adam dorthin und von da an auf allen seinen Reisen und Feldzügen.

Im nächsten Jahre nach Rom beurlaubt, zwang ihn seine erschütterte Gesundheit, die ewige Stadt nach kurzer Zeit zu verlassen. Aber auch in Mailand konnte er nicht wieder genesen und kränkelte, so lange er italienische Luft athmete. Sein gnädiger Fürst entließ ihn, damit er in der Heimat seine Gesundheit wieder erhalte. Im Jahre 1811 kehrte der Künstler mit gestärkten Kräften nach Mailand zurück, wo ihm von der Vicekönigin der ehrenvolle Auftrag wurde, Episoden aus den Kriegen von 1809 in Wasserfarbe auszuführen. Er zog sich bald darauf an den Comersee zurück, wo er sich wohler fühlte und begann dort sein erstes großes Schlachtenbild »die Schlacht bei Leoben«, das er innerhalb Jahresfrist vollendete.

Im Jahre 1812 vermählte er sich, mußte jedoch kurz darauf seine junge Frau zurücklassen, um dem Vicekönig nach Rußland zu folgen, wohin des Imperators Befehl halb Europa trieb. Er ritt mit ihm in Moskau ein und sah die geopferte Stadt vierzehn Tage lang in Flammen stehen. Trotz aller Beschwerden und Mühen eines blutigen Feldzuges entwickelte Adam eine künstlerische Thätigkeit, welche seine Portefuilles täglich mehr und mehr füllte. Im französischen Hauptquartier glaubte man an einen längeren Kampf, und dies veranlaßte unsern Künstler seinen Fürsten um einen halbjährigen Urlaub anzugehen. Die Rückreise war nicht blos beschwerlich, sondern im höchsten Grade gefährlich; mit genauer Noth nur entging Adam wiederholt der Gefangennehmung durch herumstreifende Kosaken. Nachdem er am 9ten September Moskau verlassen, gelangte er erst am 20. December nach München. An eine Rückkehr nach Rußland nach Ablauf des Urlaubs war nicht mehr zu denken. Die große Armee war zu einem Haufen kampfunfähiger, ausgehungerter Männer zusammengeschrumpft.

Adam ging deshalb sofort nach Mailand, wohin Eugen sich bereits gewendet, um sich zum neuen Kampfe gegen Oesterreich vorzubereiten. Als unser Künstler im Sommer des Jahres 1815 nach Deutschland zurückkehrte, erhielt er von seinem Fürsten, dem nunmehrigen Herzoge von Leuchtenberg den Auftrag zur Herstellung einer größeren Sammlung von Erinnerungsblättern an den letzten Feldzug, welche er auch bis zum Tode des Herzogs fortsetzte. Dieselbe zählt nicht weniger als 85 Blätter.

Aus dieser Zeit stammen auch seine großen Bilder: »die Schlachten von Raab«, »Mosaisk«, »Maloraslarez« und von »St. Michel«, welche in’s herzogliche Schloß zu Eichstädt kamen.

Auch der König Maximilian Josef von Bayern beehrte Adam mit mehreren bedeutenden Aufträgen und einverleibte Adam’s Bilder seiner trefflichen Gemäldesammlung im Schlosse Tegernsee, seinem Lieblingsaufenthalte. Desgleichen erwarb der Fürst Wrede mehrere werthvolle Arbeiten. Aber diese umfassende Thätigkeit ließ ihm noch Muße ein Werk unter dem Titel: »Voyage pittoresque militaire« in hundert lithografirten Blättern erscheinen zu lasten, welche er aus seinen mehr als 300 Studien und Skizzen aus dem russischen Feldzuge ausgewählt hatte.

Das Jahr 1829 führte ihn nach Stuttgart, woselbst er über ein Jahr verblieb und für den KönigWilhelm vonWürtemberg unter Anderem auch eine Reihe trefflicher Pferdeportraits malte. Von dort besuchte er Norddeutschland, insbesondere Holstein und Mecklenburg und kehrte reich mit Studien versehen nach München zurück. Unter vielen bedeutenden Leistungen Adam’s aus jener Zeit ragt besonders seine »Schlacht an der Moskwa« hervor, welche er für den König Ludwig von Bayern malte, und die jetzt im Siegessaale der Saalbaus zu München sich befindet. Er vollendete das umfangreiche Bild im Herbste des Jahres 1835.

Daran reihte sich eine sehr umfassende Bestellung: Der Herzog Maximilian von Leuchtenberg veranlaßt den Künstler zu einem Cyklus von 16 größeren Schlachtbildern aus dem Leben seines Vaters Eugen, wobei die gewissenhaften Studien aus jener Zeit die besten Dienste thaten. Der Künstler hatte die Freude, sich seines Sohnes Franz, der sich gleichfalls der Kunst gewidmet hatte, hierbei als eines tüchtigen Gehilfen bedienen zu können. Die höchst werthvolle Sammlung kam mit dem gesammten Mobiliar-Besitze der Leuchtenbergischen Familie später nach Petersburg.

Obschon an Jahren schon vorgerückt, wurde er doch durch einen unwiderstehlichen Drang nach neuen Schöpfungen im Gebiete der Schlachtenmalerei im Jahre 1848 nach der Lombardei geführt, welche die österreichischen Truppen eben wieder besetzt hatten. So bewegte er sich denn nach 38 Jahren in der Villa reale zu Mailand, im Hauptquartiere Radetzky’s, in denselben Räumen, in welchen er einst mit seinem hohen Gönner, dem Vicekönige Eugen als ein junger Mann verkehrt hatte. Die schwarzgelbe Fahne Oesterreichs flatterte lustig und sieghaft, wo damals Frankreichs Adler geglänzt.

Der greise Feldherr nahm den Künstler auf das freundlichste auf. Die Beziehungen beider, welche man in der That freundschaftliche nennen darf, verschafften Adam eine Fülle von Material für seine Portefeuilles, und der betagte Künstler fühlte sich beim Schaffen wieder verjüngt. Mit reicher Ausbeute kehrte er im November desselben Jahres nach München zurück mit dem festen Vorsatze, nachdem er einst durch äußere Verhältnisse gezwungen gewesen, so viel für die Verherrlichung französischer Waffen zu thun, von nun an nur noch deutsche Kriegsthaten darzustellen. Und er hielt treulich Wort. Noch zweimal kehrte er in die Lombardei zurück (1850 und 1852), und als Früchte dieser Reisen finden wir theils in der kaiserlichen Burg zu Wien, theils in der neuen Pinakothek zu München die trefflichen Bilder: »Radetzky, umgeben von seinem Generalstab«, »Julius, Graf von Clam-Gallas bei Custozza«, »die Schlachten von Novara« (zweimal gemalt), »Custozza«, und »Sta. Lucia«.

Ein weiterer Auftrag des Kaisers Franz Josef führte ihn im Jahre 1853 in Begleitung seines Sohnes Franz auf die Schlachtfelder von Raab, Temeswar, Comorn u. s. w., wo er mit unermüdlichem Eifer Studien zu den Bildern sammelte, in welchen er die dortigen Kämpfe meisterhaft schilderte. Diese Gemälde befinden sich sämmtlich im Besitze des Kaisers und gereichen seinen Sammlungen zur besonderen Zierde. Auch sein schönes Gemälde: »die Schlacht an den Düppeler Schanzen« in der neuen Pinakothek zu München, fällt seiner Entstehungszeit nach in diese Periode.

Das umfangreiche Bild gewährt einen freien Ueberblick über die Höhen von Düppel und die Insel Alsen, während die Bayern und Sachsen mit den Dänen um den Besitz der ersteren ringen. Als König Ludwig I. den greisen Künstler mit dem bezüglichen Auftrag beehrte, war jener Theil unsres großen Vaterlandes wieder in den Händen der Dänen und Adam hätte wohl denselben nicht ausführen können, da es ihm an Terrainstudien fehlte, wenn ihm nicht Feodor Dietz seine während der Feldzüge in Schleswig-Holstein gezeichneten Skizzen mit liebenswürdiger Bereitwilligkeit zur Verfügung gestellt hätte.

Im Jahre 1860 malte Adam den »Marsch der italienisch-französischen Armee durch Rußland im August 1812« und im Jahre 1861 den »Uebergang der Franzosen über die Volp.« Seinem Vorsatz getreu mit seinem Pinsel nichts mehr zur Verherrlichung fremder Waffen beizutragen, schloß der greise Künstler jene Thätigkeit mit einem Gemälde, welches den entscheidenden Moment der »Schlacht von Zorndorf« behandelt. Es war zugleich das größte, das er je gemalt, 20 Fuß lang bei entsprechender Höhe, ohne Zweifel ein doppelt bedeutendes Unternehmen für einen Mann von 74 Jahren. Der König Maximilian II. hatte ihm den Auftrag hierzu ertheilt und das Bild für das noch im Bau begriffene Maximilianeum bestimmt. Adam ging mit dem Feuereifer eines Jünglings der zum erstenmale die Arena betritt an’s Werk und vollendete dasselbe ehe noch zwei Jahre abgelaufen waren. Es war als ob er fürchtete seine Kräfte könnten noch vor der Vollendung erlahmen. War auch sein Geist noch jugendfrisch, körperlich fühlte er sich müd‘ und müder und als er um Beginn des Jahres 1862 Pinsel und Palette niederlegte, da war es seinen Freunden klar, daß der liebenswürdige Künstler sich nun zur Ruhe begeben müsse. Die ungetheilte Anerkennung seiner Kunstgenossen und aller Kenner lohnte sein letztes Werk wie kaum in so hohem Grade ein früheres. Er brachte in diesem Bilde nicht eine Episode der Schlacht, sondern eine ungemein übersichtliche Darstellung der Schlacht selber. Während im Hintergründe die preußische Infanterie sich in Unordnung zurückzieht, brausen vorn die Reiter Seydlitzens wie ein verheerendes Donnerwetter in die russischen Reihen, die vor dem ungeheuren Stoß zerstieben. Rechts im Mittelgründe hält der große König mit seinem Stabe und beobachtet die Wirkung des Anpralles, der die Schlacht entscheiden soll. Sind auch die Figuren des Vordergrundes nur von mäßiger Höhe, so hat der greise Künstler doch jede derselben mit der rühmenswerthesten Schärfe charakterisirt und die einzelnen Gruppen, in die sich die Gesammtaction auflöst, mit größter Geschicklichkeit mit einander verbunden und so ein einheitliches Ganze von überraschender Wirkung geschaffen.

Seit mehreren Monaten fesselte ihn ein schmerzliches Leiden an sein Zimmer, und vierzehn Tage vor seinem Tode sprach er zum letztenmale seine Gattin, die ihrerseits durch eine lang andauernde Krankheit im andern Flügel des Hauses ans Bett gebunden war. Er der auf hundert Schlachtfeldern dem Tod in allen Gestalten begegnet war, sah ihn mit der Ruhe des Weisen herankommen. Als ein Moment das Todesröcheln aufhörte, ermahnte er seine an seinem Lager sitzenden Töchter, die in Thränen zerflossen, mit freundlichen Trostworten, indem er beifügte es wäre bald vorüber. Groß, wie er gelebt, ging er denn auch am 28. August 1862 Abends 5 Uhr hinüber. Drei Tage vorher hatte er noch lebhaft bedauert, der Enthüllung des Ludwigsmonumentes nicht beiwohnen zu können und forderte seine Söhne, die nicht von dem Kranken weichen wollten, dringend auf, seinem hohen Gönner ihre Huldigung darzubringen. Kurz vor seinem Tode noch sorgte er dafür, daß sein Tod sofort dem in der Pfalz abwesenden Könige Ludwig angezeigt würde, der ihm besonders gnädig gewogen war.

So starb Albrecht Adam, ein ausgezeichneter Künstler, ein untadelhafter Charakter, ein guter Patriot, ein treuer Freund, thätig bis zum letzten Augenblicke, ein echter Priester seiner Kunst, umgeben von seinen Kindern und Enkeln.

Seine Brust schmückte der bayerische Maximiliansorden, für Kunst und Wissenschaft, der bayerische Verdienstorden vom H. Michael, der österreichische Franz-Josef-Orden und der preußische rothe Adlerorden dritter Classe. Er war Mitglied der bayerschen Akademie der bildenden Künste und kgl. bayerscher Hofmaler.

Die Kunst fand zu allen Zeiten eifrige Pflege in seinem Hause. Wie einst sein Bruder Heinrich seinem Beispiele gefolgt, so thaten es später seine Söhne, Benno, Franz, Eugen und Julius; alle folgten dem Beruf des Vaters und erfreuten sich bereits seit längerer Zeit, der erste als Thiermaler, der zweite als Schlachten- und Pferdemaler, der dritte im Genre und ganz besonders im Gebiete militärischer Malerei, der letzte als tüchtiger Lithograf einer hervorragenden Stellung unter den Künstlern der Gegenwart.

Der Lorbeerkranz, den der badensche Hofmaler Theodor Dietz, sein Kunstgenosse im engem Sinne des Wortes, auf seinen Sarg niederlegte, wurde nie einem Würdigeren gewidmet.

Aus allen Arbeiten Albrecht Adam’s leuchtet ein tiefeingehendes, praktisches Verständniß des Dargestellten hervor. Alles ist bis in’s kleinste Detail gewissenhaft, genau, nirgend die Wahrheit dem Effecte geopfert. Jedes seiner Bilder erscheint als ein Stück Leben; nichts ist unbedeutend und zufällig, der Eindruck der Wirklichkeit überall schlagend. Seine Episoden wußte er mit staunenswerther Geschicklichkeit dem Ganzen unterzuordnen und durch jede wieder den Beschauer zu fesseln und mit in die Situation zu versetzen.

Carl Albert Regnet: Münchener Künstlerbilder. Ein Beitrag zur Geschichte der Münchener Kunstschule in Biographien und Charakteristiken. Leipzig, 1871.

#Allgemeines Künstler-Lexicon (1895)

Adam, Albrecht, Schlachtenmaler, geb. 16. April 1786 in Nördlingen, † 28. Aug. 1862 in München, wo er seit 1807 lebte und sich, veranlasst durch den Maler Joh. Lorenz Rugendas, immer mehr der Darstellung militärischer Scenen widmete. 1809 machte er als Maler den Feldzug gegen Oesterreich mit, malte zahlreiche Skizzen, wurde Hofmaler des Prinzen Eugen Beauharnais (Herzogs von Leuchtenberg), den er nach Italien begleitete, wo 1812 sein erstes grösseres Bild, die Schlacht bei Leoben, entstand. Mit demselben Herzog ging er 1812 auch nach Russland, kehrte unter grossen Gefahren nach München zurück, lebte aber 1813 bis zum Sommer 1815 in Italien. 1848 nahm er an dem Feldzuge der österr. Armee unter Radetzky Theil und wurde dann Hofmaler in München.

Unter seinen Oelbildern sind ausser den erwähnten die bedeutendsten: die Schlacht bei Moshaisk für den Herzog von Leuchtenberg, in der Neuen Pinakothek zu München die Schlachten bei Novara und Custozza, die Erstürmung der Düppeler Schanzen und Portrait Radetzky’s, in der Nationalgalerie zu Berlin die Schlacht bei Abensberg, ferner eine Ansicht von Friedrichshafen (Württemberg), Auf dem Schlachtfelde von Moshaisk, die Schlacht an der Moskwa (Festsaalbau in München), Rückzug der franz. Armee aus Russland und als sein letztes Bild die Schlacht bei Zorndorf (Maximilianeum in München). Dazu kommt das auf den russischen Feldzug bezügliche Prachtwerk »Voyage pittoresque et militaire« in 120 lithographirten Blättern (1827–33). Seine Selbstbiographie: »Albrecht A., Aus dem Leben eines Schlachtenmalers«, herausgegeben v. H. Holland (1886).

Allgemeines Künstler-Lexicon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Vorbereitet von Hermann Alexander Müller. Herausgegeben von Hans Wolfgang Singer. Erster Band. Frankfurt am Main, 1895.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Adam Albrecht, 1786 (Nördlingen) – 1862, Tier- und Schlachtenmaler; er war ursprünglich Konditor und machte als Stallmeister den Feldzug von 1809, als Hofmaler des Herzogs von Leuchtenberg den von 1812 in Rußland und 1848/49 den italienischen unter Radetzky mit; für Ludwig I. arbeitete A. u. a. an der Ausschmückung des Festsaalbaues der Münchner Residenz; er hat besonders das Pferdeleben studiert; in diesem Genre war er zweifelsohne der bedeutendste Maler seiner Zeit; weit verbreitet und berühmt waren seine Pferdeporträts, weshalb dieser Albrecht zum Unterschied von den anderen als der Pferdemaler bezeichnet wird; mit der bayerischen Armee stand er durch seine Schlachtenbilder in enger Beziehung.

Hauptwerke: Pferde- und Schlachtenbilder im Tegernseer Schloß, in der Bayerischen Staatsgemäldesammlung, in St. Petersburg (= Leningrad), Wien, Mecklenburg und Holstein, lithographisches Prachtwerk über Rußland (Voyage pitt. usw.); A. hat auch eine Selbstbiographie verfaßt.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#Benno Adam

* 15.7.1812 (München)
† 8.3.1892 (Kehlheim)
Tiermaler

#Allgemeines Künstler-Lexikon (1872)

(Rafael) Benno Adam, der älteste Sohn des Albrecht, geb. zu München 1812, unter den Thiermalern der modernen deutschen und insbesondere der Münchener Schule Einer der Ersten. Er bildete sich unter seinem Vater aus und lithographirte zuerst verschiedene Bil. nach dessen Gemälden und Zeichnungen. Bald indessen schlug er eine selbständige Richtung ein, indem er das Leben des Hausthiers, bisweilen auch in genrehafter Verbindung mit menschlichen Figuren (z. B. Viehmarkt im bayrischen Gebirge in der Münchener neuen Pinakothek), zum Gegenstande nahm. Rasch bekundete er nun in dieser Gattung ein vielseitiges Talent. Er versteht die verschiedensten Thiercharaktere gut zu treffen, ihre Eigenthümlichkeit scharf auszuprägen und sowohl die ernste als die komische Seite ihres Lebens zu schlagendem Ausdruck zu bringen. Eben darin nimmt er – verwandt dem englischen Thiermaler Landseer – jene hervorragende Stelle ein. So schildert er nicht nur das Hausthier (auch Pferde, Ziegen u. s. f.) in ihrem drolligen Zusammensein, in ihrem dumpfen, brütenden Zustande, sondern auch das vom Jäger gehetzte oder angeschossene Hochwild (bisweilen in Lebensgrösse) mit gleichem Erfolge. In der neuen Münchener Pinakothek finden sich einige Bilder dieser Art.

Zu seinen besten Bildern zählen: eine Fuchsjagd (lebensgross) im Besitze des Fürsten Karl von Fürstenberg in Donaueschingen, und Angeschossener Hirsch, von einem Hunde gestellt (lebensgross) beim Fürsten Max von Fürstenberg in Prag. Viele seine kleineren Bilder sind nach Amerika gekommen.

In seinen früheren Werken hat die Behandlung noch die trockene und geschriebene Weise der älteren Zeit; in den späteren wird sie freier und neigt zu einem dekorativen Vortrag. Die Färbung ist gewöhnlich in einem klaren, kühlen Ton. Sehr bemerkenswerth sind auch seine Originallithographien.

a) Von ihm nach eigener Zeichnung lithographirt:

  1. Ein Stier auf der Weide, nach einem Bilde. In Tondruck, gr. qu. Fol.
    2. u. 3) Wilde Schweine. Todte Hirsche. 2 Bll. gr. qu. Fol.
  2. Rückkehr von einem Viehmarkt. In Köhler’s Münchener Album. 3. Heft. 1839. roy. Fol.
  3. Lauernde junge Füchse, im König-Ludwig’s-Alb. 1. Jhrg. München 1851. qu. Fol. Chromolith.
  4. Seltene Verträglichkeit (Hund u. Katze). Chromolith. Ebendas. 4. Jahrg. 1855/56. gr. Fol. (Auch photogr. von J. Albert 1861).
  5. Wildschweine im Walde, roy. qu. Fol.
  6. 24 Taf. in: Beiträge zur land- und forstwissenschaftlichen Statistik der Herzogthümer Schleswig und Holstein. Fol.Der Künstler war 1847 vom Grafen Ernst Reventlow-Faroe nach Holstein berufen, um für jenes Werk die Viehracen von Schleswig und Holstein zu zeichnen.
  7. 24 Taf. in Farbendr. in: Anleitung zur Rindviehzucht von H. W. von Pabst. gr. 8. Stuttgart 1851.
  8. 8 Taf. in Farbendr. in : Abbildungen der Schweizer Rindviehracen, nach der Natur gez. von Benno Adam. Herausgeg. von der ökonomischen Gesellschaft in Bern. gr. 4. Bern 1859.

b) Von ihm nach A. Adam lithographirt:
11) Wilhelm, König von Würtemberg zu Pferd. A. Adam p. ad nat. Imp. Fol.
12) Stute mit Füllen (Granicus: im Gestüte des Baron Biel in Mecklenburg), gez. R. B. Adam, gr. qu. Fol.
13–17) Gestüthengste: Robin Hood, Plumper, Herodes, Godolphin u. Shuffler. 5 Bll. gr. qu. Fol.
18 u. 19) s. Albrecht Adam, d. No. 64 u. 65.

c) Nach ihm lithographirt und photographirt:

  1. Ländlicher Stall, nach dem Gemälde in der Münchener Pinakothek, von J. Woelffle. In: Piloty und Löhle, vierzig lithogr. Abbildungen etc. München 1862. roy. qu. Fol.
  2. Viehmarkt im bayrischen Oberlande von demselben. In der Sammlung der vorzüglichsten Gemälde in der Privatgalerie des Königs Ludwig I. München 1845. gr. Fol.
  3. Englische Vollblutpferde, von demselben, qu. Fol.
  4. Die Plünderung (19. Jahrh.), von demselben, qu. Fol.
  5. Nach der Hirschjagd (Ein Jagdhund erwartet edles Wild), von Julius Adam. qu. Fol.
  6. Hirschhetze, von C. Straub, qu. Fol.Beide in Ton- und Farbendruck im neuen Münchener Galeriewerk.
  7. Nach der Jagd. Fütterung der Hunde. Waldscene. Von Fr. Hohe. Farbendr. München 1861. gr. qu. Fol.
  8. Lauernde Hunde (Hundestall). Nach dem Original photogr. von J. Albert. München 1860. kl. qu. Fol.
  9. Ziegengruppe. Nach dem Gemälde in der Münchener Pinakothek photogr. von J. Albert. München 1864. gr. qu, Fol.

J. Meyer.

J. Meyer: Allgemeines Künstler-Lexikon. Leipzig, 1872.

#Allgemeines Künstler-Lexicon (1895)

Adam, Benno, Thiermaler, ältester Sohn der Vorigen [Albrecht Adam], geb. 15. Juli 1812 in München, † 9. März 1892 in Kelheim. Er begann seine künstlerische Laufbahn mit dem Lithographiren der Werke seines Vaters und wandte sich dann zur Malerei der Haus- und Jagdthiere, wobei er in der Ausprägung des Charakters derselben ein grosses Talent entfaltete. Ausser den 6 in der Neuen Pinakothek befindlichen Bildern sind zu nennen: eine Fuchsjagd, ein angeschossener Hirsch, eine heimkehrende Heerde und eine Sauhatz.

Allgemeines Künstler-Lexicon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Vorbereitet von Hermann Alexander Müller. Herausgegeben von Hans Wolfgang Singer. Erster Band. Frankfurt am Main, 1895.

#Allgemeine Deutsche Biographie (1900)

Adam: Benno A., Thiermaler, wurde am 15. Juli 1812 zu München als der erste Sohn des Albrecht A. geboren, welcher damals als Hofmaler des Vicekönigs Eugen den französischen Feldzug nach Rußland begleitete. Im Atelier des Vaters, welcher allen seinen Kindern die Entwicklung ihrer vollen Individualität gewährte, erhielt der Knabe beinahe spielend den gründlichsten Unterricht, indem er die Bilder des Vaters auf Stein übertrug und ihn bei allen Studien und Reisen begleitete.

Indem er frühzeitig das Treiben und Leben der Haus- und Jagdthiere in Verbindung mit den Menschen beobachtete, errang Benno A. bald eine hohe Meisterschaft in diesem Gebiete. Schon 1835 brachte er seine ersten Bilder in den Kunstverein: »Kühe am Brunnen«, wozu Albrecht A. noch die Landschaft gemalt hatte, einen »Hund an der Kette« und einen »Viehmarkt im baierischen Gebirge« (1836), ein oft wiederholtes Thema, wovon sich eine köstliche Variante aus dem Jahre 1839 in der Neuen Pinakothek befindet (bei Soldan Blatt 67). Absonderlich gelang ihm die Darstellung der gemüthvollen, heiteren Seite des Thiercharakters. Da ist z. B. ein Stall, in welchem die Hundemutter mit ihren putzigen Jungen von dem nebenan über den Stand sich biegenden Pferde einen theilnahmvollen Wochenbesuch erhält: friedliche, glückliche Nachbarn! Dazu kam die ganze Skala des Eselhumors, die neckischen Gesellen, welche mit ihrem Gampen und Gumpen einen braven Hühnerstall in aufgeregteste Fassungslosigkeit versetzen oder mit verschmitzter Gutmüthigkeit einen neuen Ausbruch ihrer Laune vorbereiten. Ebenso gelangen ihm eigensinnige Ziegen, graziöse Füchse (darunter zwei junge Sprößlinge Reineke’s, welche in Spannung, Angst und Zorn sich gegen die ihnen noch gänzlich unbekannte, offenbar unheimliche Erscheinung einer Kupfernatter in Positur setzen, 1852), die verschiedenartigen Hunde, die von Pflichtgefühl beseelten Dackel, die possirlichen Rattenfänger, die außer ihrer Berufsthätigkeit auch einmal im Atelier eines Malers sich durch Umsturz eines Papierkorbs nützlich machen.

Außer dem Hundeporträt behandelte Benno A. auch die Hochjagd auf Hirsche, Gemsen, Eber und den eigentlichen Fuchssport mit der Meute: Scenen, welche, wie die Bilder für den Herzog von Nassau bezeugen, zu einer weiteren Specialität im Porträtfach führten, wobei auch Benno’s Sohn Emil A. und Enkel Richard als Maler des High-life excellirten. Anfänglich noch hart und trocken in der Farbe, machte er sich bald die neueren Vortheile der Technik und einer blühenden Palette zu eigen. Im J. 1847 wurde A. von dem Grafen Ernst Reventlow-Farve nach Holstein berufen, um für dessen »Beiträge zur land- und forstwirthschaftlichen Statistik der Herzogthümer Schleswig und Holstein« die nöthigen Zeichnungen zu liefern. Ebenso besorgte der Maler die Bilder für H. W. von Pabst’s »Anleitung zur Rindviehzucht« (Stuttg. 1851) und die Abbildungen der »Schweizer Rindviehracen« (herausgegeben von der ökonomischen Gesellschaft in Bern, 1859). Dann wendete er sich wieder zu großen Jagdbildern, mit den vom Jäger gehetzten und angeschossenen Hochwild und zu den weiteren Sportscenen mit der bunten Reihe von hocharistokratischen Theilnehmern (Soldan Blatt 6).

Glücklich, in seinem Sohne Emil A. einen solchen Gehülfen und Nachfolger gefunden zu haben, legte der Vater Pinsel und Palette nieder und übersiedelte nach Kelheim, wo er am 8. März 1892 entschlief. Sein vielseitiger, zahlreicher Nachlaß füllte im Mai des genannten Jahres einen ganzen Saal des Münchener Kunstvereins und fand bereitwillige Abnahme. Das Verzeichniß der Lithographieen und Stiche nach seinen Werken findet sich theilweise in Meyer’s Lexikon; zahlreiche Bilder wurden durch Photographie reproducirt.

Vgl. Nagler-Meyer, Künstlerlexikon, 1872, I. Bg. – Pecht, Gesch. der Münchener Kunst, 1888, S. 170. – Nr. 34 »Daheim« 1892, S. 532 ff. – Albrecht Adam’s Selbstbiographie, hsg. von Holland, 1886, S. 364 und das von Soldan publicirte: Werk der Künstlerfamilie Adam (Nürnberg 1890), wo Benno Adam in Bild und Wort charakterisirt ist. Die Büste dieses »deutschen Landseer« hat Halbig modellirt.

Hyac. Holland.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1900.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Adam Benno, 1812 (München) – 1892, Tiermaler; Sohn und Schüler von Albrecht A., hat dieser sich fast ausschließlich der Tiermalerei zugewandt und vor allem, nachdem er anfangs Bilder seines Vaters lithographiert hatte, Jagdtiere dargestellt; er hat das Tierleben von der gemütlichen Seite aus geschildert; seine Genrebilder (u. a. Am Comersee) hatte er in der Manier seines Vaters begonnen, später merkt man aber deutlich bei ihm die Sinnesänderung der jüngeren Generation.

Hauptwerke: Kühe am Brunnen, Hund an der Kette, Viehmarkt im bayerischen Gebirge, Illustrationen zu land- und forstwirtschaftlichen Büchern.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#Eugen Adam

* 22.1.1817 (München)
† 6.6.1880 (München)
Genremaler, Jagdmaler und Schlachtenmaler

#Allgemeines Künstler-Lexikon (1872)

Eugen (Carl) Adam, der dritte Sohn des Albrecht, geb. zu München d. 22. Jan. 1817. Schüler seines Vaters, gleichfalls tüchtig in der Schilderung des Soldatenlebens in Krieg und Frieden. Doch behandelter auch mit Glück die Sitten malerischer Volksstämme inmitten ihrer Natur und Wohnsitze. Schon in den J. 1844–1847 bereiste er zu diesem Zwecke Ungarn, Kroatien u. Dalmatien. Im August 1848 ging er dann mit seinem Vater auf den Kriegsschauplatz in Italien, zunächst nach Mailand, und verweilte bis 1856 namentlich in Venedig, Mailand, Turin und Florenz. Während der Feldzüge in den J. 1848 und 1849 sammelte er eine Reihe von Terrainskizzen sowie Figurenstudien aus dem militärischen Leben, die zum Theil von Albrecht und Franz Adam zu ihren Schlachtenbildera benutzt wurden und überhaupt für die lith. Kriegsdarstellungen des Vaters und der Brüder eine wesentliche Grundlage bildeten. Hierbei bewährte Eugen A. ein besonderes Geschick für die charakteristische Schilderung der Lokalität, der landschaftlichen sowol als namentlich der architektonischen, deren Zeichnung immer sicher und treffend ist.

Von den Oelbildern des Künstlers aus dem Gebiete des Kriegslebens sind vorzugsweise zu nennen:
Manoever unter dem Kommando des Kaisers von Oesterreich auf der Heide von Malpensa im J. 1851, mit vielen Fig. (im Besitze des Grafen Giulay zu Wien);
2 Darstellungen aus der Einnahme von Malqhuera (1852, im Besitze des Kaisers von Oesterreich);
Der verwundete Soldat auf dem Schlachtfelde von Solferino (1859, in der Münchener neuen Pinakothek, s. Lith. b. Nr. 4);
Reitergefecht zwischen österr. Uhlanen und piemont. Dragonern (1868).

Ausserdem hat Eugen A. viele kleinere Soldatenbilder in Aquarell, sowie Pferdebildnisse gemalt, die grösstentheils nach Oesterreich gekommen sind; immer bemerkenswert durch treue Naturbeobachtung und sorgsame Ausführung.

In der neuesten Zeit ist der Künstler namentlich wieder mit Schilderungen des Volks- sowie des Jagdlebens beschäftigt (auf der internat. Austellung in München 1869: Dalmatiner Landleute am Brunnen und Rückkehr von der Parforce-Jagd).

a) Von ihm nach Albr. Adam lithographirt:

  1. Der Mittag. Bayr. Hochländer mit einigen Pferden unter einer Eiche ruhend, gr. qu. Fol.
  2. Der Abend. Postillon mit seinen Pferden im Gespräch mit einer Bäuerin, gr. qu. Fol.
    3–6) Jagden zu Pferd. 4 Bll. gr. qu. Fol.
  3. La Chasse au Sanglier. gr. qu. Fol.
    8 u. 9) L’Affút und le Repos d’après la chasse, 2 Bll. Chromolith. qu. Fol.
    10–12) Drei Bll. mit Hunden. Fol.

b) Nach ihm lithographirt:

  1. Ansichten der Stadt Salzburg u. ihrer maler. Umgebungen. Nach der Natur aufgenommen von Eugen Adam, auf Stein gez. v. Theodor Hellmuth. 3 Hefte à 6 Bll. München 1837. qu. Fol.
  2. Erinnerungen an die Feldzüge der Österreich. Armee in Italien, 1848 und 1849. Mit Text von F. W. Hackländer. 24 Bll. Fol. München.Grösstentheils nach Originalzeichnungen und Aquarellbildern von Eugen A. gemeinschaftl. mit Franz Adam ausgeführt und von Letzterem lith. Gedruckt in der lith. Anstalt von Julius Adam. Das Ganze als ein gemeinsames Werk der Gebrüder Adam herausgegeben.
  3. Die Kirche von Bieocca bei Novara, von F. Würthle. Für das König-Ludwig’s-Album von 1860. gr. Fol.
  4. Nach der Schlacht bei Solferino, verwundeter Soldat auf dem Schlachtfelde (nach dem Bilde in der Münchener neuen Pinak. aus der 23. Lief, der Pinakotheken 3. vereinigte Sammlung). Von C. Feederle. gr. Fol. München 1861.
  5. Bildliche Erinnerungen an den eidgenössischen Truppenzusammenzug im Aug. 1861. Nach der Natur gez. von Eugen Adam. Lith. von Franz Adam. 15 Bll. (Text deutsch u. franz. von Otfr. Abr. Roth). Bern 1863. gr. qu. Fol.

c) Nach ihm in Holz geschnitten:
6) Eine Anzahl militärischer Darstellungen aus dem ital. Kriege von 1859 in: Hackländer’s »Ueber Land und Meer«. Stuttgart 1859.
7 und 8) Zwei Münchener Bilderbogen: Der Christbaum und Der Flachs. Fol.Das Biographische nach Mittheilungen des Künstlers.

J. Meyer.

J. Meyer: Allgemeines Künstler-Lexikon. Leipzig, 1872.

#Kunstvereins-Bericht für 1880 (1881)

Nekrologe

Eugen Adam,
Schlachtenmaler,

wurde am 22. Januar 1817 in München geboren. Er war der vierte Sohn des berühmten Schlachtenmalers Albrecht Adam. Unter der Anleitung seines Vaters, welcher seinen Söhnen selbst Lehrer und Vorbild für ihre künstlerische Laufbahn war, bildete sich Eugen zum Maler aus. In dem väterlichen Atelier und im Zusammenwirken mit seinen Brüdern gewann sein Talent die Grundlage, auf welcher es ihn in der ihm eigenen Richtung zu der Höhe trug, die ihn als würdiges Glied der großen Künstlerfamilie Adam erscheinen ließ.

Früh schon beschäftigte er sich mit Aufnahmen nach der Natur und lieferte solche für literarische und lithographische Unternehmungen. Dadurch legte er wohl auch den Grund zu jener vortrefflichen Auffassung und Wiedergabe des Landschaftlichen, die seine Werke anszeichnet. Die Natur und das Volksthümliche hatten von jeher und behielten immer für ihn einen ganz besonderen Reiz. Aus dieser Neigung entsprang auch seine Wanderlust, die ihn seit dem Jahre 1843 wiederholt nach Ungarn, Croatien, Dalmatien, Oberitalien und in die Schweiz führte, um zu beobachten und zu sammeln oder das schon früher Gesehene noch gründlicher zu studieren.

Im Jahre 1848 ging er mit seinem Vater und seinem Bruder Franz nach Italien und begleitete die österreichische Armee während der Feldzüge von 1848 und 1849. Er war im November 1848 der Brigade des Grafen Elam-Gallas zugetheilt worden, verbrachte den Winter in Como, kam im darauffolgenden Jahre zu den neuen Kämpfen nach Mailand und im Gefolge des Fürsten Karl von Schwarzenberg mit dem IV. Armeecorps über Pavia nach Piemont, wo er den Kämpfen bei Mortara und der Schlacht von Novara beiwohnte, endlich von da zur Belagerung von Malghera und Einnahme von Venedig.

Nach Beendigung des Feldzugs blieb er in Mailand zurück mit der Ausführung verschiedener künstlerischer Aufträge beschäftigt.

Erst im Jahre 1853 kehrte er nach München zurück, von wo er wieder verschiedene Studienreisen und Ausflüge unternahm und mehrmals auch längere Zeit in dem ihm liebgewordenen Mailand verweilte.

Im Jahre 1858 gründete er sich durch seine Vermählung mit Fräulein Emilie Zaubzer in München ein trauliches Heim und führte von da an bis zu seinem Tode mit seiner Gattin und seinen beiden heranblühenden Töchtern das glücklichste Familienleben, aus welchem er sich nur zeitweise losriß, wenn es galt, Zeuge großer Zeitereignisse zu sein und zur künstlerischen Darstellung derselben beizutragen, oder neue Ausbeute für sein künstlerisches Schaffen zu gewinnen.

Als der italienische Krieg im Jahre 1859 ausbrach, eilte Eugen Adam wieder nach Italien, konnte jedoch den Kriegsschauplatz nur auf einem großen Umwege über Verona erreichen, weil die Grenze durch die Garibaldiner versperrt war. Er war daher nur mehr Zeuge des Rückzuges von Solferino.

Während der Jahre 1860–1862 wohnte er den jährlichen Manövern der Schweizertruppen bei, und nach dem Ausbruche des französischen Krieges von 1870 machte er sich sofort marschfertig, um sich der deutschen Armee in Frankreich anschließen zu können. Mit Ungeduld erwartete er die nachgesuchte Erlaubniß hiezu, und nachdem dieselbe endlich eingetroffen war, reiste er unverzüglich ab und traf am 1. September in Bazeilles ein. Dem ersten bayer. Armeecorps zugetheilt, begleitete er dasselbe auf allen Märschen und nahm Theil an den Gefechten von Artenay und Orleans. Mitte Dezember kam er, die Mappe mit werthvollen Skizzen gefüllt, nach München zurück. Doch schon Ende Januar ging er nach Frankreich zurück. In Versailles, wo er nun offizielle Beglaubigung und einen Passirschein als Schlachtenmaler erhielt, fanden seine Skizzen, welche Sr. Maj. dem Kaiser und dem Deutschen Kronprinzen vorgelegt wurden, volle Anerkennung. Dem II. bayer. Armeecorps zugetheilt, sammelte er während der Belagerung von Paris in Gesellschaft seines jüngeren Collegen, Heinrich Lang, reichliches und höchst interessantes Material für seine späteren Werke. Nachdem er noch mit den ersten Truppen in Paris eingezogen war, kehrte er über Straßburg nach München zurück.

Hier war er während der folgenden Jahre unermüdlich thätig und schuf eine große Reihe von Oelgemälden und Aquarellbildern, deren Gegenstand er theils seinen Skizzen aus dem Kriege von 1870, theils seinen früheren Reiseerinnerungen und Erlebnissen entnahm. Daneben beschäftigte er sich fortwährend mit neuen Entwürfen und unterbrach seine Thäligkeit nicht, obgleich sein Herzleiden immer bedenklicher und drohender fortschritt. In der Nacht vom 3ten zum 4ten Juni setzte eine Herzlähmung seinem Dasein ein unerwartet rasches Ende.

Eugen Adam war als Mensch ein liebenswürdiger, herzensguter, ehrenwerther Charakter, ein vortrefflicher Gatte und Vater. Gefällig und zuvorkommend gegen Jeden, ein verlässiger Freund und guter Gesellschafter, war er bei allen beliebt, die ihn kannten. Als Künstler war er von seltener Bescheidenheit, neidlos auf fremde Verdienste, beseelt von ächter Liebe zur Kunst, zeigten seine Arbeiten eine minutiöse Gewissenhaftigkeit und Genauigkeit.

In seinen zahlreichen Gemälden stellte er meist Genrebilder aus dem Militärleben, Gefechts-Scenen oder Bilder aus dem Volksleben, insbesondere der Ungarn, Montenegriner etc. dar. In der neuen Pinakothek in München befindet sich ein derartiges militärisches Genrebild, einen verwundeten ungarischen Soldaten mit seinem Hunde darstellend, das so recht zum Herzen spricht.

Für die illustrirte Zeitung »Ueber Land und Meer« lieferte er im Jahre 1859 eine Reihe von Zeichnungen aus dem italienischen Feldzuge, ferner im Jahre 1870 Bilder aus dem französischen Kriege und später Bilder aus der Herzegowina.

Sein ausschließliches Werk waren auch die trefflichen Darstellungen aus den von den Schweizertruppen im Jahre 1861 auf der Gotthardstraße ausgeführten Feldmanövern, welche in 15 von ihm gezeichneten und von seinem Bruder Julius lithographirten Blättern im Jahre 1863 in Bern unter dem Titel »Bildliche Erinnerungen an den eidgenössischen Truppenzusammenzug im August 1861« herausgegeben wurden.

Von ganz besonderem Werthe ist die Sammlung seiner Skizzen aus den italienischen Feldzügen von 1848–49 und 1859 in 439 Blättern, von welchen die aus den Jahren 1848–49 stammenden die Grundlage für das von den Brüdern Adam in 22 Blattern unter dem Titel: »Erinnerungen an die Feldzüge der k. k. österreichischen Armee in Italien« herausgegebene Prachtwerk bildeten. Ebenso sind auch die vom Staate für das Münchner Kupferstich- und Handzeichnungen Cabinet erworbenen Skizzen aus dem französischen Kriege von großem Werthe, was nicht minder von den zahlreichen Studien und Skizzen gilt, welche er von seinen früheren Reisen durch Ungarn und die angrenzenden Länder zurückgebracht hatte.

Mit Eugen Adam ist ein ächter Künstler geschieden, dessen unermüdetes Streben bis zu seinem Ende — nicht immer zu seinem persönlichen Vortheile — nur den idealen Zielen der Kunst geweiht war.

Kunstvereins-Bericht für 1880. München; 1881.

#Allgemeines Künstler-Lexicon (1895)

Adam, Eugen, Schlachtenmaler, Sohn und Schüler von Albrecht A., geb. 22. Jan. 1817 in München, † 4. Juni 1880 das., nahm an den Feldzügen von 1848 und 1849 in Italien Theil, machte Studienreisen nach Ungarn, Dalmatien und Italien. Er schilderte namentlich Scenen und Episoden aus dem Kriegs- und Lagerleben, später auch aus dem Volks- und Jagdleben. Hauptwerke von ihm sind: Einnahme des Forts Malghera bei Venedig (1852), Scene aus dem Schlachtfeld von Solferino (1859, Neue Pinakothek), das zerstörte Schloss St. Cloud und als sein letztes Bild ein Schäfer bei seiner Heerde.

Allgemeines Künstler-Lexicon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Vorbereitet von Hermann Alexander Müller. Herausgegeben von Hans Wolfgang Singer. Erster Band. Frankfurt am Main, 1895.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Adam Eugen, 1817 (München) – 1880, Schlachten-, Jagd- und Genremaler; auch er war Schüler seines Vaters Albrecht A., mit dem er zusammen am italienischen Feldzug unter Radetzky teilgenommen hatte, später stand er auch noch auf dem Schlachtfeld, nämlich 1859 in Norditalien und 1870/71 in Frankreich; auch hatte er auf ethnographischen Studienreisen, namentlich in Ungarn, Kroatien und Dalmatien, 1843/45 Stoffe zu Gemälden gesammelt; von diesen Erlebnissen lieferte A. Schlachtenbilder, daneben auch Jagd- und volkstümliche Szenen; als Schlachtenmaler ist er berühmt geworden.

Hauptwerke: Brand von Orleans, Husaren-Attacke, Requisition aus dem italienischen Feldzug, Verwundeter Soldat mit seinem Hund auf dem Schlachtfeld, Schloß zu St. Cloud, Ein Schiffzug am Inn, Der Ungar im Frieden, Herrschaftliche Equipage, Die Kirche von Bicocca bei Novara, Jahrmarktszene aus Kroatien.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#Franz Adam

* 4.5.1815 (Mailand)
† 30.9.1886 (München)
Tiermaler (Pferde) und Schlachtenmaler

#Allgemeines Künstler-Lexikon (1872)

Franz Adam, der zweite Sohn des Albrecht, geb. zu Mailand 1815, als Genremaler des Soldaten- u. Schlachtenlebens sowie in seinen Pferdedarstellungen einer der besten deutschen Meister der Neuzeit. Er schlug die Richtung seines Vaters ein, bekundete aber schon in den Bildern seiner früheren Zeit eine eigene malerische Anschauung (französische Kürassiere in einer Halle während des Brandes von Moskau in der Münchener neuen Pinakothek). Franz, der schon im J. 1849 mit seinem Bruder Eugen während des Krieges in Italien Studien gemacht, begab sich 1850 zu gleichem Zwecke nach Ungarn. Angeregt durch die unmittelbare Anschauung, bekundete sich nun rasch sein ungewöhnliches Talent zur Schilderung des Kriegslebens. Schon bei Albrecht Adam war von dem wesentlichen Antheil die Rede, den sein Sohn Franz an den Schlachtenbildern von Novara, Custozza und den Düppeler Schanzen hatte. Die realistische Kunstweise führte Franz A. hier wie überhaupt noch entschiedener durch als sein Vater. Gerade nach dieser Seite bewährte er sowol in seinen Pferdestücken wie in seinen Kriegsscenen eine besondere Fähigkeit, die, verbunden mit einem gediegenen Naturstudium, es zu hervorragenden Leistungen gebracht hat (Reitergefecht bei Volta für den Kaiser von Oesterreich). Eine nicht minder treffende Beobachtung zeigte er gleichzeitig in der Darstellung volkstümlicher Sitten und Gewohnheiten; dahin gehören eine Anzahl von Bildern aus dem ungarischen Volksleben, insbesondere eine Schiffsfähre am Strande der Theiss mit vielen Figuren und eine Scene an demselben Flusse (eine Heerde Schaafe mit ihrem Hirten und Wallfahrer in einem Schiffe).

Der Künstler hat bis zum J. 1859 namentlich in Oesterreich Anerkennung und Gelegenheit zu mannigfachen Arbeiten gefunden. Ausser kleineren Genrebildern aus dem Soldatenleben, worunter namentlich das Kroaten-Quartier in einer Villa bei Mestre (im Besitze des Kaisers von Oesterreich) hervorzuheben, entstanden dort mehrere lebensgrosse Reiterbildnisse, die das gleiche Geschick des Malers bewiesen für die Darstellung des Menschen nach dem Leben wie für die scharfe Charakteristik des Pferdes (ein Werk dieser Art schon aus dem J. 1843: Feldmarschall Fürst Wrede, im Besitz der fürstlich Wrede’schen Familie zu Ellingen). Es sind dies die Portraits des Kaisers Franz Joseph u. vorab Radetzky’s (für das Wiener Arsenal bestimmt, vollendet 1859), letzteres ein Hauptwerk des Meisters. Ausserdem: Feldmarschall-Lieutenant Baron Haynau mit seiner Umgebung auf dem Telegraphenthurm während der Belagerung von Malqhuera zu Mestre.

Im J. 1859, während des italienischen Feldzuges, befand sich Franz A. mit seinem Bruder Eugen im österreichischen Hauptquartier zu Verona, Villafranca und Valeggio. Er sollte die Vorgänge jenes Krieges malen; allein durch äussere Umstände wurde ihm der längere Aufenthalt in Oesterreich verleidet, und so kehrte er noch 1859 nach München zurück. Seltsam ist, dass ihm hier, bei seiner ausgesprochenen Begabung für die Schlachtenmalerei, keinerlei Aufträge von Seiten der Regierung wurden. Und doch hat sich Franz A. namentlich in der Schilderung des Kriegsgetümmels und der mannigfaltigen Episoden aus dem Feldleben noch neuerdings ausgezeichnet. Er vor Allen weiss die kühne, leidenschaftliche Bewegung des Momentes, die Kämpfenden in ihrer individuellen Lebendigkeit zu erfassen. Selten fehlt das Pferd dabei; es ist immer nach der Natur und mit meisterlicher Sicherheit geschildert. Er hat dann, da ihm selten Gelegenheit zu grösseren Aufgaben wurde, auch selbständige Pferdedarstellungen bis in die neueste Zeit gemalt; am liebsten das wilde ungebändigte Pferd der ungarischen Puszta oder den Soldatengaul, etwas mitgenommen im anstrengenden Dienst, bald im Kampf, bald in der Ruhe des Lagerlebens. Was allen diesen Bildern, und insbesondere den späteren, noch ausser der energischen Zeichnung eigenen Reiz gibt, ist die malerische Behandlung. Franz Adam weiss Landschaft und Figuren in eine besondere, der Natur fein abgesehene Licht- und Luftstimmung zu setzen und darin die Tonmassen wirksam von einander abzuheben. Auch der Vortrag ist meistens malerisch, markig und breit; es sind nur seltene Fälle, wo er in’s Flaue und Verblasene fällt. Eine interessante Leistung des Künstlers, die von seinem Talent und Können ein treffliches Zeugniss gab, war das grosse Bild auf der Pariser Weltausstellung von 1867: die Strasse zwischen Solferino und Valeggio am Tage der grossen Schlacht. Sie zeigt diese nicht selber, sondern den Rückzug der verwundeten Oesterreicher hinter der Front der Armee, während zugleich neue Truppen mit Geschützen zum Angriff vorstürmen. Alle Schrecken des Krieges sind hier in der hellgrauen, heissen Luft des Mittags scharf ausgesprochen und mit ergreifender Wahrheit versinnlicht. Nur fehlt es der ausgedehnten Komposition mit ihren mannigfachen Episoden an einem Mittelpunkt, wie andererseits Licht und Schatten nicht genug zusammengehalten sind. Dennoch bleibt das Bild eine der bedeutendsten Leistungen der neueren Malerei. Die schauerlichen Folgen des Krieges hat Franz A. nochmals in jüngster Zeit in einem Rückzuge aus Russland 18l2 versinnlicht, ein Bild, das vielleicht zu sehr nur auf malerische Wirkung angelegt ist (Internat. Ausstellung in München 1869). Noch ist der sittenbildlichen Kriegsscenen in kleinerem Massstabe aus den letzten Jahren zu gedenken, die namentlich auch durch die feine Ausführung ansprechend sind. In dieser Weise ist ein neueres Bildchen, Gefecht von österreichischen Uhlanen mit piemontesischen Dragonern aus dem Feldzug von 1859 (gemalt 1868), nicht bloss durch die lebensvolle Bewegtheit, sondern auch durch die malerische Durchführung von besonderem Werthe; ebenso vier kleine, fast miniaturartig in Oel auf Metall gemalte Schlachten aus dem Kriegsleben des bayr. Feldmarschalls Prinzen Karl zu der Decke des diesem von der bayr. Armee nach dem Kriege von 1866 gewidmeten Prachtalbums.

Fr. Adam hat in seiner früheren Zeit nach Zeichnungen und Bildern seines Vaters lithographirt; schon in diesen Bll. zeichnete er sich durch eine sichere und energische Hand aus.

a) Von ihm nach eigener Zeichnung lithographirt:

  1. Transport gefangener Piemontesen aus dem ital. Feldzuge 1848. Für das König-Ludwig’s-Album, 2. Jahrg. 1853. gr. qu. Fol.
  2. Franz Joseph I. Kaiser von Oesterreich, im Hintergrunde Truppen. Nach dem Leben gemalt. gr. roy. Fol.
  3. Ein fehlerfreies Pferd. qu. Fol.
  4. Ein fehlervolles Pferd (mit Angabe aller äusserlichen Krankheiten). qu. Fol.

b) Von ihm nach A. Adam lithographirt:

  1. Schlacht bei Novara am 23. März 1849. Nach dem grösseren Bilde A. Adam’s im Besitze des Feldzeugmeisters Baron Hess in Wien. Roy. qu. Fol.
  2. Wilhelm König von Würtemberg in Generalsuniform auf einem arab. Schimmelhengst. gr. Fol.
  3. Alexander Herzog von Würtemberg in Uniform zu Pferde. gr. Fol.
  4. General von Münchingen, kgl. würtemberg. Oberstallmeister in Uniform zu Pferde. gr. Fol.
  5. Joseph Graf von Beroldingen. Gen.-Adjutant des Königs von Würtemberg, in Uniform zu Pferde. gr. Fol.
  6. Baron von Kessling, kgl. bayr. Oberstallmeister zu Pferde in architekt. Umgebung. 2. Auflage (die erste siehe A. Adam, Lith., Nr. 90). gr. Fol.
  7. General Graf Clam-Gallas mit Umgebung bei S. Lucia. gr. Fol.
  8. Feldmarschall Graf Radetzky mit seiner Umgebung. Imp. qu. Fol. Nebst Erklär.-Bl.
  9. Rückzug aus Russland (1812). Für das König-Ludwig’s-Album. 1855. Tondruck, gr. qu. Fol.
  10. Der Hufschmied, oder die Schmiede mit dem kranken Schimmel. Nach dem Bilde im Besitze des Baron Rothschild in Paris vom J. 1840. gr. qu. Fol.
  11. Der Fuhrmann, seine Pferde im Stalle schirrend. gr. qu. Fol. Gegenstück.
  12. Sultan Mahmud, Haupt-Beschäl-Hengst des Königs von Würtemberg. gr. qu. Fol.
  13. Drei engl. Jagdpferde d. Lord Pembroke. qu. Fol.
  14. Bastard,Vollblutpferd d. Lord Pembroke. qu. Fol.
  15. Bildnisse vorzüglicher Pferde des Königs von Würtemberg. 2. Lief. in 24 Bll. Stuttgart. qu. 4.
  16. Adrast, Gestüthengst, gr. qu. Fol.
    17 u. 18) s. Albrecht Adam. c. No. 64) u. No. 65).
  17. s. Eugen Adam b. No. 2.

c) Nach ihm gestochen:

  1. Elisabeth (Kaiserin von Oesterreich) als Prinzessin Braut zu Pferde im Schlossgarten zu Possenhofen 1852. Figur von C. Piloty, Pferd von Fr. Adam. Von Fleischmann. gr. roy. Fol.

d) Nach ihm lithographirt:
2) Die Franzosen im Kreml zu Moskau, von J Wölffle. In lith. Abbildg. der bayr. Pinakothek 1850. roy. Fol.
3) Englische Vollblutpferde von J. Wölffle. Fol.
4) Ungarische Pferde auf der Puszta. Photogr. v. J. Albert. gr. Fol.
5) Das sterbende Pferd, von seinem verwundeten Husaren betrachtet. Nach A. Adam. qu. Fol.

Zum Theil nach Mündler’schen Notizen.

J. Meyer.

J. Meyer: Allgemeines Künstler-Lexikon. Leipzig, 1872.

#Allgemeines Künstler-Lexicon (1895)

Adam, Franz, Maler des Soldaten- und Schlachtenlebens, geb. 4. Mai 1815 in Mailand, † 30. Sept. 1886 in München, Sohn und Schüler von Albrecht A., machte mit seinem Bruder Eugen im Gefolge des Feldmarschalls Radetzky während des Krieges in Italien seine Studien und ging dann nach Ungarn, wo er auch die volkstümlichen Sitten studirte und malte. Solche Bilder sind: Eine Schiffsfähre an der Theiss, Kroatenquartier in der Villa Mestre, Reiterportrait des Feldmarschalls Fürst Wrede (1843), des Kaisers Franz Joseph (Wiener Arsenal), des Feldmarschalls Radetzky (Wiener Arsenal), die Strasse zwischen Solferino und Valeggio während der Schlacht am 24. Juni 1859 (1867), der Rückzug der Franzosen aus Russland (1869, Nat.-Galerie in Berlin), der höchst bedeutende Kampf mit franz. Reiterei bei Floing in der Schlacht bei Sedan (1879, Nat.-Gal., veränderte Wiederholung des früheren Bildes beim Herzog v. Sachsen-Meiningen), das bayerische Armeecorps bei Orléans 11. Okt. 1870 (1877, Neue Pinakothek), Attaque bei Mars la Tour (Neue Pinakothek), Mazeppa (1881), der Gefangenentransport nach der Schlacht bei Sedan (1880), Pferdemarkt am Ufer der Donau in Ungarn (1881).

Allgemeines Künstler-Lexicon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Vorbereitet von Hermann Alexander Müller. Herausgegeben von Hans Wolfgang Singer. Erster Band. Frankfurt am Main, 1895.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Adam Franz, 1815 (Mailand) – 1886, Pferde- und Schlachtenmaler; auch er bildete sich bei seinem Vater Albrecht A., auf der Kunstakademie in München, besonders aber auf weiten Studienreisen quer durch Deutschland, Italien, Österreich und Ungarn für sein künstlerisches Schaffen aus; er blieb der treueste Mitarbeiter seines Vaters, dessen Bilder er auf Stein zeichnete (»Voyage pittoresque« 1827/33) und unter dessen Einfluß seine ersten Pferde- und Schlachtenbilder entstanden, erst in den vierziger Jahren machte er sich aber von den Rezepten seines Vaters frei; Franz A. gehört zu den vorzüglichsten malerischen Talenten der Münchner Schule überhaupt; in seinen offiziellen Schlachtenbildern wird die malerische Form von den stofflichen Interessen und Ansprüchen naturgemäß stark in den Hintergrund gedrängt, dagegen zeigen kleinere, geschichtlich und monumental weniger verpflichtende Arbeiten (wie Szene aus dem österreichisch-italienischen Krieg) eine Reife der malerischen Erscheinung, die zielbewußt nach der Richtung weist, in der für die folgenden Jahrzehnte die Probleme der Münchner Malerei lagen.

Hauptwerke: Reiterporträt des Herzogs Philipp von Württemberg, Rückzug von Solferino, Der letzte Tropfen Wein, Vor dem Ausritt, Aus dem deutschen Kriege, Erstürmung des Eisenbahndamms bei Orleans, Ungarischer Pferdemarkt.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#Heinrich Adam

* 27.3.1787 (Nördlingen)
† 15.2.1862 (München)
Vedutenmaler

#Die bildende Kunst in München (1842)

Heinrich Adam,

geboren 1787 zu Nördlingen, sollte, gleich seinem Bruder Albert, das Konditoreigeschäft erlernen. Aber auch ihn führte ein innerer Drang zur Kunst, der er sich zuerst in Augsburg widmete und vor Allem landschaftliche Darstellungen liebte, in deren Ausführung er zugleich auf die treue Nachbildung der mancherlei Baulichkeiten sein Augenmerk richtete, weswegen seine landschaftlichen Bilder in der Folge immer mit architektonischen Gegenständen geschmückt erscheinen, die oft selbst als die Hauptsache hervortreten. Dazu trug Vieles bei, daß er nach seiner Uebersiedlung nach München im Jahre 1808 an dem großen Werke Wiebekings thätigen Antheil nahm, und mehrere Brücken nach der Natur aufnahm.

Im Jahre 1811 reisete er mit seinem Bruder nach Italien, weilte längere Zeit am Comersee zum Studium der Natur, radirte aber auch für eine Kunsthandlung in Mailand eine große Platte nach einem Gemälde seines Bruders, welches italiänisches Militär in mannichfaltigen Gruppen darstellte. Eine andere ähnliche Platte vollendete er im folgenden Jahre nach seiner Rückkehr in München, wo er auch vier Ansichten des Comersees radirte, und auch mehrere Blätter russischer Trachten für das Werk des Grafen Eechberg ausführte. Noch einige Jahre hindurch widmete er sich vorzüglich diesem Kunstzweige, gab mehrere Jagdstücke seines Bruders, nahm darauf Theil an der Ausführung des malerischen Reisewerkes desselben, und begann endlich die Uebung in der Oelmalerei mit landschaftlich architektonischen Darstellungen, welcher er fortan treu blieb und höchst Gediegenes leistete.

Auf einer dritten Reise nach Italien im Jahre 1819 fertigte er mehrere Zeichnungen von der Umgegend des Comersees und andere interessante Skizzen, die er dann in Oelbildern ausführte; eine Ansicht jenes Sees vollendete er im Auftrage des Königs Maximilian; dann bereisete er beinahe ganz Bayern, um die Ansichten der vorzüglichsten Städte in farbigen Zeichnungen zu geben, worauf er beinahe einzig der landschaftlichen Darstellung in Oelbildern sich widmete, und in treuen schön ausgeführten Abbildungen von Städteansichten und einzelnen Baulichkeiten der früheren und neueren Zeit seine Meisterschaft beurkundete. Vor allen sind bekannt: die Ansichten von Thoren und Plätzen Münchens, die sich um das größere Mittelbild reihen, im Auftrage des Königs Ludwig; die Ansicht der Stadt Eichstädt als Mittelbild und umher mehrere einzelne Gebäude und Plätze aus der Stadt oder der Umgegend für den Herzog von Leuchtenberg. Das Eigenthümliche der Darstellung dieses Künstlers besteht in der schönen innigen Verbindung der Natur mit den Werken der Menschen, die sich gegenseitig ergänzen und heben.

Dr. Johann Michael von Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.

#Universal-Handbuch von München (1845)

Adam, Heinrich,

Landschaftsmaler in Verbindung mit architektonischen Darstellungen, wurde geboren 1787 in Nördlingen. Er widmete sich gleich seinem Bruder Albrecht Adam der Kunst und begann in Augsburg als Kunstschüler seine Laufbahn. Zu seiner Ausbildung machte er mehrere Reisen nach Italien; an dem Comersee fand er reichliche Gelegenheit zum Studium der Natur; zu jener Zeit radirte er eine große Platte nach einem Gemälde seines Bruders (italienisches Militär darstellend). Eine zweite ähnliche Platte fertigte er nach seiner Rückkunft in München und radirte 4 Ansichten des Comersee’s. So widmete er sich mehrere Jahre diesem Kunstzweige; dann begann er der Uebung in der Oelmalerei sich hinzugeben und malte landschaftlich-architektonische Darstellungen, worin er bis heut zu Tage viel Gediegenes leistete. Eine Reihe von schön ausgeführten Abbildungen von bayerischen Städte-Ansichten gehören aus früherer und späterer Zeit zu seinen sehr beachtenswerthen Meisterwerken.

Universal-Handbuch von München. München, 1845.

#Allgemeines Künstler-Lexikon (1872)

Heinrich Adam, Landschaftsmaler und Radirer, geb. zu Nördlingen 1787, † zu München den 15. Februar 1862. Ursprünglich wie sein Bruder Albrecht zum Konditor bestimmt, wandte er sich 1808 in Augsburg der Kunst zu, wo er zunächst Bilder zum Auschneiden und Schlachten, welche kolorirt wurden, radirte. Noch in demselben J. kam A. nach München, war dort kurze Zeit am Wasserbaubureau angestellt und radirte verschiedene Platten für dessen Generaldirektor Wiebeking. 1811 hielt er sich mit seinem Bruder Albrecht längere Zeit am Comersee auf und versuchte sich dort in Aquarellmalerei. Damals radirte er auch nach seinem Bruder zwei grössere Bll. mit italienischem Militär; ebenso nach Albrecht 1813 zu Mailand sechs Jagdstücke. Auch für das Werk des Grafen Rechberg über russische Kostüme lieferte er mehrere Bll. Im J. 1819 machte er eine dritte Reise nach Italien und entwarf am Comersee Zeichnungen und Skizzen zu Oelbildern.

Seitdem hat er sich vornehmlich der Landschaftsmalerei zugewendet (1822 Ansicht von Como für Max I. von Bayern); doch hat er niemals aufgehört zu radiren. Im J. 1826 durchreiste er Bayern, um 24 Städteansichten zu zeichnen, welche von G. Krauss lithographirt wurden. In der letzten Zeit malte A. eine bedeutende Anzahl von Prospekten, besonders von München und der Umgegend. In der neuen Pinakothek daselbst ist eine Ansicht des Max-Josephplatzes von 11 Ansichten monumentaler Neubauten umgeben, eine andere vom Marienplatze mit 14 Randbildern. Doch malte er auch Landschaften aus den bairischen Alpen, aus Oberitalien und der Schweiz. Diese Bilder sind mit Fleiss und Treue nach der Natur, aber in einer nüchternen und trockenen Manier ausgeführt, welche auch seine Radirungen kennzeichnet.

Auf Aquarellen, Tuschzeichnungen und Gemälden kommen obenstehende Monogramme vor.

a) Von ihm radirt:
1–4) Darstellungen aus der französischen Revolution. 4 Bll. 8. Aus früherer Zeit.
5) Ansicht der Illumination in: Beschreibung der grossen Illumination auf dem Max-Joseph-Platze zu München bei der Vermählung des Kronprinzen von Baiern mit Therese von Sachsen-Hildburghausen, 13. Okt. 1810. 4.
6) Schafe, kl. qu. 8. Aus früherer Zeit.
7–15) 9 Bll. Landschaften mit Ruinen, Gebäuden und Figuren, qu. 12. 8. und qu. 4. Aus früherer Zeit.
16) Landschaft mit Fluss und Fähre, worin ein paar Soldaten. 1809. qu. 4.
17) Lagerndes Militär vor einem Gehöfte. 1809. qu. 4.
18) Tell und der Hut. kl. 8.
19) Stauffacher und Gertrud, kl. 8.
20–25) Sechs Ansichten von Landshut und Umgebung. 1822. Landshut bei Krüll. qu. Fol.
26) Pferderennen am Münchener Oktoberfest. Mit des Künstlers Namen. qu. Fol.
27) Ansicht von München von der Ferne gen. kl. qu. Fol.
28) Ansicht der Frauenkirche zu München. 1811. kl. Fol.
29) Ansicht des Marienplatzes daselbst, kl. Fol.
30) Ansicht der neuen Isarbrücke daselbst. kl. qu. Fol.
31–34) Die vier Jahreszeiten in »Abendstunden der Familie Rosenthal.« München u. Nürnberg, s. a. 8. 4 Bll. bez. H. A. f.

b) Von ihm nach Anderen radirt:
35) Kleine Landschaft mit Fischerhütte. Nach Dillis. kl. qu. 8.
36) La Cavaleria del regno d’Italia unter Eugen. Nach A. Adam. Auch kolorirt. gr. qu. Fol.
37) L’Infanteria del regno d’ltalia unter Eugen. Nach A. Adam. Auch kolorirt. gr. qu. Fol.
38) Französische Kürassiere. Nach A. Adam’s Zeichnung. qu. 4.
39–44) Folge v. 6 Bll. mit Jagden. Nach A. Adam. 1813. qu. 4.
45–49) 4 Ansichten vom Comer See. G. Rebell del. Auch kolorirt. qu. Fol.

c) Von ihm nach Andern gestochen:
49) Cavallo arabo (arabisches Pferd), von einem Diener nach rechts gefürt, mit Architektur. Nach A. Adam. Mailand 1811. gr. Fol.

d) Von ihm lithographirt:
50) Manöver bayerischer Artillerie-Landwehr. 1814. 1814. qu. Fol. I. Probedruck.
51) Unterricht im Landschaftszeichnen. München. 4 Hefte mit 32 Bll. qu. Fol.
52) Johann Erzherzog von Oesterreich. Nach Kriehuber, Tondr. Fol.

e) Nach ihm gestochen u. lithographirt:

  1. Ansicht von München, mit 10 Randbildern, gest. von C. Schleich. qu. Fol.
  2. Das Schwibbogen-Thor zu Augsbutg. Gest. von F. Würthle für das König-Ludwig’s-Album. 6. Jahrg. 1851. qu. Fol.
  3. Ansicht von St. Veit bei Landshut, bez. mit H. A. 1839, in verkehrter Folge. Lith. von J. Selb. gr. qu. Fol.
  4. 24 Städteansichten aus Bayern. Von G. Krauss.
  5. Anleitung zum Landschaftszeichnen in systematischer Stufenfolge. Stuttgart 1842. 25 Bll. qu. Fol.

W. Schmidt.

W. Schmidt: Allgemeines Künstler-Lexikon. Leipzig, 1872.

#Allgemeines Künstler-Lexicon (1895)

Adam, Heinrich, Landschaftsmaler und Radirer, Bruder von Albrecht A., geb. 1787 in Nördlingen, † 15. Febr. 1862 in München, malte zahlreiche Ansichten aus dem alten München und Landschaften aus den bayrischen Gebirgen und der Schweiz; 2 solcher Ansichten aus München in der Neuen Pinakothek.

Allgemeines Künstler-Lexicon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Vorbereitet von Hermann Alexander Müller. Herausgegeben von Hans Wolfgang Singer. Erster Band. Frankfurt am Main, 1895.

#Helene Adam

* 19.6.1860
† 1.1.1935
Malerin und Zeichenlehrerin

#Neueste Nachrichten (30.10.1884)

Unterzeichnete eröffnet vom 1. Nov. 1884 an einen

Lehrkurs

für Zeichnen, Holz-, Porzellan-, Majolika-Malen. – Auch werden in diesem Atelier Aufträge für Entwürfe und Ausführungen aller in dieses Fach einschlägigen Artikel übernommen.

Helene Adam, geprüfte Zeichenleherein,

Heßstraße Nr. 9/3 links.

Zu sprechen von 9–10 Uhr und 2–3 Uhr.

Neueste Nachrichten und Münchener Anzeiger No. 304. Donnerstag, den 30. Oktober 1884.

#Allgemeine Zeitung (24.7.1889)

m. (Kunstgewerbeverein.) An einem Fenster der Ausstellungshalle des Kunstgewerbevereins ist gegenwärtig eine Collection Porzellan- und Majolika-Malereien aus der Malschule des Fräuleins Helene Adam ausgestellt. Die künstlerische, gediegene Ausführung dieser Teller, Platten, Vasen etc. in verschiedenen Genres gibt ein hübsches Bild von der Leistungsfähigkeit dieser Malschule.

Allgemeine Zeitung Nr. 203. München; Mittwoch, den 24. Juli 1889.

#Frauenarbeit in Deutschland (1893)

München. Unterrichts-Kurse des Künstlerinnen-Vereins. Anmeldungen an das Sekretariat der Schule. Atelier Türkenstr. 89a Rückgeb. I. u. II. Stock. Schuljahr von Anfang Oktober bis Ende Juli. Die Teilnehmerinnen – Alter mind. 16 Jahre – haben sich für eine best. Zeit zu verpflichten. Vereinsmitgl. haben Preisermässigung. Unterrichtsgegenstände: Zeichnen und Modellieren, Zeichnen nach leb. Modellen, Kostümzeichnen, Perspectivlehre, Kunstgeschichte, Anatomie.

Lehrkurs für Zeichnen etc., von Helene Adam, gepr. Zeichenlehrerin, Bayerstr. 25. Zeichnen, Malen, kunstgew. Techniken.

Lina Morgenstern: Frauenarbeit in Deutschland. Adressbuch und Statistik der Frauenvereine in Deutschland. Berlin, 1893.

#Generalanzeiger der Münchner Neuesten Nachrichten (14.12.1910)

Spielzeugausstellung im alten Rathaussaal

[...] Nach dreijähriger Pause hat der Münchner Lehrerinnenverein diese Ausstellung wieder veranstaltet, um die sich die Vorsitzende Fräulein Marie Hieber und die Zeichenlehrerin Fräulein Helene Adam, die eine bis in die kleinste Einzelheit sorgfältig ausgearbeitete Puppenküche ausstellte, besonders verdient machten. Das Wort des Dichters: »Es liegt ein tiefer Sinn im kind'schen Spiel« trifft auch auf diese Ausstellung zu: sie kann den Eltern wichtige Hinweise geben, Fühlen und Denken der Kinder zu leiten und in einem guten Sinn mit ihren Kleinen wieder spielen zu lernen.

Generalanzeiger der Münchner Neuesten Nachrichten Nr. 584. Mittwoch, den 14. Dezember 1910.

#Julius Adam / Katzen-Adam (ps)

* 18.5.1852 (München)
† 23.2.1913 (München)
Tiermaler (Katzen)

#Die Kunst unserer Zeit (1893)

UNKRITISCHE KÜNSTLERPORTRAITS
VON
F. WALTER.

II.
JULIUS ADAM.

Die Genealogie der Adams ist eine ziemlich weit verzweigte. Nicht weniger als sechs oder sieben von ihnen haben in der deutschen Kunstgeschichte einen angesehenen, einige von diesen sogar einen hochberühmten Namen. Albrecht Adam (geb. 1786 zu Nördlingen, gestorben 1862), ist der Stammvater des Malergeschlechtes. Seine Schlachtenbilder hatten einen Weltruf. Er vererbte sein Talent auf vier Söhne: Franz, Benno, Eugen und Julius Adam. Der Erstere ist berühmt durch seine flotten Kriegsbilder aus dem letzten Feldzuge; der Zweite, Benno, ein unglaublich vielseitiger Thiermaler, hat sich den Ehrennamen des »deutschen Landseer« erworben; der Dritte, Eugen Adam, war ebenfalls als Schlachten- und Thiermaler sehr geschätzt. Im Verein mit seinem Bruder Julius (geb. 1821, † 1874), der Lithograph war, gab er u. A. Erinnerungen an die österreichische Armee in Italien 1848 und 1849 heraus. Benno Adams Sohn, Emil Adam, ist einer der bekanntesten Sportmaler und Pferdeportraitisten unserer Zeit und der Sohn des Jüngsten der Brüder, Julius, der den gleichen Taufnamen, wie sein Vater trägt, ist es, von dem folgende Zeilen handeln sollen.

Julius Adam wurde zu München am 18. Mai 1852 geboren. Zuerst besuchte er die Realschule; aber bald nach Beendigung seiner Schuljahre regte sich in ihm das Künstlerblut und er zog in die weite Welt. Volle sechs Jahre verweilte er in Südamerika als – Landschaftsphotograph, ein Beruf, der wohl dazu geeignet ist, den etwa verborgenen höheren, künstlerischen Beruf in seinem Träger zur Entdeckung zu führen. Er genügte dem jungen Manne bald nicht mehr. Die Sehnsucht nach der Heimath trat hinzu und so kehrte er endlich wieder an die Isar zurück, um dort Maler zu werden. Zunächst trat Julius Adam in die Kunstgewerbeschule ein, um unter Professor Echters Leitung nach der Antike zu zeichnen. Schon ein Jahr später aber, 1873, siedelte er an die Academie über, an der vorerst nicht lange seines Bleibens war. Durch den Tod seines Vaters und damit verbundenen anderweitigen Verpflichtungen erlitt sein Studium eine Unterbrechung. Mit schweren Opfern nur erkaufte er sich den Wiedereintritt in die Academie, mit Opfern, zu denen ihm die von der Academie erhaltenen Auszeichnungen Kraft und Muth verliehen. Er machte die technischen Zeichen- und Malclassen durch und trat dann in die Componierschule von Professor Wilhelm Dietz ein, wie man in München die Einrichtung der »Meisterateliers« nennt.

Hiemit begann sein selbständiges Schaffen. Sechs Jahre lang hatte er ein Atelier in der Academie inne und malte dort seine ersten Figurenbilder. Ein drei Meter langes Bild, reich an Figuren, betitelt sich »Mittelalterliches Maifest«. Die Dietz-Schüler thaten es damals nicht ohne mittelalterliches Costüm. Ein anderes, ungemein anmuthiges Bild aus jener Zeit heisst »In den Himbeeren«. Eine Schaar von Kindern, an zehn Stück, sind in die Ranken eines Himbeerschlages gerathen und sie pflücken von den duftigen Beeren nach Herzenslust. Gesunde, rothbackige Bauernkinder, aber von grosser Anmuth und herzgewinnender Kindlichkeit. »Die Märchenerzählerin« und eine Reihe kleinerer Genrebildchen verschiedener Art und etliche Portraits hat Julius Adam ebenfalls in dieser Zeit gemalt. Ersteres schildert eine ländliche Familienscene mit gewinnender Liebenswürdigkeit. Vor einem Bauernhause sitzt eine alte Frau im Lehnstuhl und ihre Enkel drängen sich, den Ausdruck hochgespannter Neugier im Gesicht, lauschend an sie.

Es muss eine wundersame Geschichte sein von den verzauberten Prinzen und versunkenen Schlössern, die sie vom Umhertollen abhält und zu lautlosem Zuhören zwingt. Das Kleinste nur sitzt unbetheiligt im Vordergrund in einem Wägelchen, einen Haufen Blumen auf seiner Decke. Ihm ist die umgebende Natur und das Leben selbst noch ein sonniges, unverstandenes Märchen.

Unter den kleineren Arbeiten waren es besonders versuchsweise entstandene Thierbildchen, mit denen der Maler einen ganz unerwarteten Erfolg errang und hiedurch zu einer Specialität kam, die ihm einen sehr gesuchten und geachteten Namen verschaffte. Er gab die Genremalerei im Ganzen auf und wurde Thiermaler. Seit frühester Jugend war er ein grosser Thierfreund gewesen. Von erblicher Anlage für das Gebiet der Thiermalerei darf man bei einem Adam wohl sprechen, und ward es ihm dieserhalb leicht, seine Beobachtungen aus dem Thierleben im Bilde festzuhalten.

Vor Allem war es das Leben junger Kätzchen, was ihn interessirte, und er hat deren Darstellung zu einer Virtuosität ausgebildet, in der ihm unter den lebenden Thiermalern kaum Einer ebenbürtig ist. Ein neuer »Katzenrafael«, wie der andere merkwürdige Maler, der in der Kunstgeschichte einen so ehrenvollen Platz einnimmt, der »geniale Cretin« (Gottfried Mind, 1786 in Bern geboren, † 1814). Als ganz verwahrlostes Kind nahm diesen der deutsche Landschaftszeichner Legel auf, nach Vorlagen lernte er zeichnen, zeigte ein grosses Talent und kam später zu Siegmund Freudenberger nach Bern, wo er eine ganze Anzahl reizender, und im Kunsthandel sehr begehrter Kinder- und Thierbilder schuf. Hauptsächlich war die Darstellung von Katzen – auch Bären übrigens – seine Passion. Hierin erreichte der arme, unwissende Cretin, der nur seinen Thieren und mit ihnen lebte, eine hohe Meisterschaft.

Julius Adam malt nicht blos Katzen, er malt in zahlreichen Bildern das Katzenleben, welches er in solcher Weise studirt hat, dass es ihm ungezählte Variationen für seine Arbeiten darbietet. Es gibt doch wohl in der Schöpfung kein reizenderes, zierlicheres, bewegungsfähigeres Thierchen, als eine junge Katze. Trotzdem ist das Gebiet kein stark bebautes, denn, wie mancher Künstler gesteht, gibt es auch nicht viele Thiere, die schwerer zu zeichnen und zu characterisiren sind, die eines eingehenderen Studiums bedürfen, wie die »Familie Mietz.« Oft genug sieht man auf Bildern tüchtigster Maler Katzen, die nichts weniger als gut und naturgetreu gelungen sind. Die Mannigfaltigkeit ihrer Bewegungen, die ja einfach endlos ist, die Feinheit der Farben ihres seidenweichen Pelzes, das Spiel ihrer Augen, das zwischen einem unschuldigen Kinderblick und dem bösartigen Funkeln eines Pantherauges wechselt, das Alles gibt Stoff genug für einen »Specialisten«. Sie spielen wie Kinder, stellen wie diese allerlei Unheil an, sind drollig, neugierig, kokett wie diese. Wie Julius Adam seine Beobachtungen treibt, davon werden einige diesem Aufsatze beigegebene Studien dem Leser einen Begriff geben. Das sind keine pikanten, auf Chic gearbeiteten Studien, die nur einen flüchtigen malerischen Eindruck festhalten, sondern Beobachtungen von beinahe wissenschaftlicher Genauigkeit, die dem Wesen des Thieres, seiner Anatomie und seiner Mimik ebenso auf den Grund gehen, wie seiner äusseren Form. Hier im Schlummer, dort im Spiel, da auf Beute lauernd, dort träg-behaglich hingestreckt – immer anders. Oder gar nur ein paar fein characterisirte Portraits mit ausdrucksvollen Augen.

Unendlich harmlos und unendlich liebenswürdig sind solche Katzenfamilienscenen von Julius Adam. »Hungrige Gesellschaft« heisst eins. Vor einem Korbe, welcher die Wohnung der jungen Brut ist, wurde das Futter für die Kätzchen hingestellt. Zweie haben sich schon hungrig darüber gemacht, ein paar Andere kommen schleunigst zum Frass herbei; die Katzenmama wacht mit mütterlicher Sorgfalt über die hungrige Gesellschaft. Oder »In Erwartung« sitzen »Mutter und Kind« vor der leeren Schüssel, die sich bald mit leckerer Milch füllen soll. Oder »Naschkätzchen«: ein ganz kleines Mietzchen hat im Stall eine Milchschüssel entdeckt und taucht die Pfote in die süsse Fluth.

Ein andermal sehen, wir eine kleine Mietz »Mutterseelenallein« in der Scheune sitzen. Wie ein vereinsamtes Kind schaut sie Dich mit ihren grossen, ängstlichen Augen an. Dann treffen wir sie wieder im Kampf mit bösartigen Ungeheuern. Hier wird ein einzelnes Kätzchen von einer lauernden Hummel im Schlaf gestört und sieht sich den Fremdling mit feindseligen Blicken an, dort ist es gleich ein ganzer Korb voll der niedlichen Thierchen, die von dem gleichen gefährlichen »Ruhestörer« bedrängt werden. »Im Boudoir« sind zwei der putzigen Dinger vor einen Frisirspiegel gerathen und betrachten in ergötzlicher Verwunderung ihre Ebenbilder. »Ein kleiner Taugenichts« ist im Spielen über das Strickzeug seiner gestrengen Herrin gerathen und ruht nun, den verwirrten Wollknäuel in den Pfötchen, von seinem Streiche aus. »Lustiges Volk« tummelt sich auf dem Speicher; zweie balgen sich wie Gassenjungen und das dritte klettert zur Dachlucke empor, zu der das goldige Sonnenlicht hereinströmt. »Gestörte Siesta« schildert eine Stimmung, in die auch der Mensch hin und wieder versetzt wird, wenn ein lästiger Besuch sein Nachmittagsschläfchen stört. Mit schläfrigen Augen blickt die um ihre süsse Ruhe gebrachte Mietz dem Besuch eines munteren Nachbarkätzchens entgegen. Zwei leider nicht abzuläugnende Eigenschaften des Katzengeschlechtes sind in »Falsche Freunde« veranschaulicht. Da spielen Zweie mit einer Maus – so lieb, so harmlos; warte nur, armes Thier, bald wirst du erfahren, dass so zierliche Geschöpfe sehr falsch und sehr grausam sein können.

Und so Weiter in infinitum! Hier spielen sie mit einer Champagnerflasche, dort gucken sie possirlich aus einem Gemüsekorb heraus, da halten sie »Siesta« in duftigem Heu, dort liegen ein paar in einem gemüthlichen Hofwinkel in »dolce far niente« beisammen, ein ander Mal entdeckt gar Mietz einen »Fremdling«, einen jungen Hund, im gewohnten Nest, der es dort auch weich und bequem gefunden hat. Dann raufen wieder ein paar »Unverträgliche« mit einander; »Mietz ist krank« und sitzt kläglichen Gesichts mit verbundener Pfote vor einer Flasche mit »Goulardischem Wasser«.

Ein »Hungerquartett« umlagert die leere Futterschüssel und scheint gar klägliche Töne von sich zu geben u. s. w.

Auch mit Kindern zusammen stellt Julius Adam sein Lieblingsthierchen dar, z. B. in der reizenden »Idylle«. Da sitzt ein allerliebster Blondkopf im Grase des sommerlichen Gartens bei einem grossen Korb voll Kätzchen, die sie – es ist ein Mädel – liebkost. Damit ist wohl nur ein kleiner Theil von Adams Katzenbildern aufgezählt. Sie sind, wie schon gesagt, ungewöhnlich schnell beliebt geworden und in alle Winde verstreut – vornehmlich allerdings gingen sie nach Amerika. Ja im Jahre 1887 schloss der Künstler mit einem amerikanischen Kunsthändler einen Contract, der ihn verpflichtete, überhaupt nur für Amerika zu malen. Dieses Vertrages ist Julius Adam übrigens nunmehr – wohl zu seinem Glücke – wieder ledig. Eine derartige hemmende Fessel, die aus dem Besten auch wider seinen Willen auf die Dauer einen »Producenten« statt einen »schaffenden Künstler« machen müsste, kann Keiner unbeschadet seines Werthes lange ertragen. Gerade von »drüben« und von England werden deutschen Malern derartige verlockende Contracte, die eben eine sichere Existenz für eine ungewisse bieten, aufgedrängt, und im besten Falle ist dann der Künstler der heimischen Kunst verloren. Was anfangs verlockte, »bald klirrt es Dir wie eine Kette nach« und der Beglückte dankt zuletzt seinem Schöpfer, wenn er den überseeischen »Kunstfreund« los geworden ist.

Uebrigens hat unser Maler noch im Jahre 1884 ein grösseres Figurenbild »ohne Katzen« gemalt, das gerechtes Aufsehen machte und in feinsinnigster und originellster Weise das Märchen vom »Getreuen Eckart« behandelt. Ein hoher, heimathlicher Tannenwald, durch dessen Wipfel Nebelstreifen ziehen. Blickt man aber schärfer hin, so lösen sich aus dem Nebel die Gestalten des wilden Heeres los, die den Wald durchziehen. Furchtsam drängen sich die Kinder mit ihren geleerten Krügen um den hochgewachsenen Alten zusammen, der sie behütet. Das Bild lässt nur Eines zu wünschen übrig, dass nämlich der Maler, der seinen fesselnden Stoff so trefflich zu behandeln verstand, gelegentlich wieder einmal sich auch solchen Gegenständen zuwende. Dazu wird es der Künstler in ihm ja wohl auch wieder bringen.

Inzwischen freuen wir uns an der Art, wie er in der Beschränkung den Meister zeigt als Specialist für einen Kunstzweig, der Hunderttausenden zur Freude und Erheiterung dient!

F. Walter: Die Kunst unserer Zeit. Lieferung 3. 1893.

#Deutsche Rundschau (1894)

Vom Kätzchen. Bilder und Skizzen von Julius Adam. Text von F. van Osterwyck. München. Verlagsanstalt für Kunst und Wissenschaft (vormals Friedrich Bruckmann).

Nachdem der englische Naturforscher Thom. H. Huxley die robuste Kraftnatur des britischen Menschenschlages den Katzen auf ihr Verdienst-Conto gesetzt hat, erscheint es überflüssig, irgend eine Ehrenbezeugung, die diesen zierlichen Vierfüßlern gezollt werden mag, noch zu rechtfertigen. Aber auch wenn die Katzenfreunde auf diesen Ruhmestitel ihrer Lieblinge verzichten, so bleibt denselben noch immer so viel historisch beglaubigtes Ansehen, so viel Verdienst in moralischer, ästhetischer und intellektueller Hinsicht, so viel vorbildliche Anmuth, daß eine Codification aller ihrer Rechtsansprüche auf eine hervorragende Stellung im Thierreich nur als endliche Tilgung einer lange verschobenen Schuld gegen diese liebenswürdigen Sammetpfötchen angesehen werden darf. Zu dieser Genugthuung haben sich der wohlberufene Thiermaler Julius Adam und ein geistreicher Causeur F. van Osterwyck mit dem Verleger verbunden und ein künstlerisch und typographisch wahrhaft glanzvolles Büchlein hergestellt, das wir – zu ihrer Freude – namentlich unsern werthen Frauen warm empfehlen dürfen. Aber auch den Männern, zumal den unverheiratheten. Denn wie heißt es in dem alten Sprüch- und Wahrwort? »Wer keine Katze leiden mag, bekommt keine schöne Frau!«

Deutsche Rundschau. Berlin; Oktober, 1894.

#Allgemeines Künstler-Lexicon (1895)

Adam, Julius, Sohn des gleichnamigen Lithographen und Photographen, Enkel von Albrecht A., Genremaler geb. 18. Mai 1852 in München, Schüler von Wilh. Diez, lebte von 1862–71 in Brasilien, brachte bis jetzt auf den Ausstellungen von München und Berlin ansprechende Bilder aus dem Volksleben und der Kinderwelt, auch mehrere Katzenbilder. Eines seiner besten Bilder war 1886 der getreue Eckart nach Goethe.

Allgemeines Künstler-Lexicon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Vorbereitet von Hermann Alexander Müller. Herausgegeben von Hans Wolfgang Singer. Erster Band. Frankfurt am Main, 1895.

#Kunstchronik (1913)

NEKROLOGE

Kürzlich starb in München der Maler Julius Adam, der als »Katzenadam« eine fatale Popularität genossen hat. Adam war am 18. Mai 1852 geboren. Sein Vater war der Lithograph Julius Adam, der die Schlachtenzeichnungen des alten Albrecht Adam – seines Vaters – auf den Stein gebracht hat. Julius Adam – der zweite dieses Namens, der Enkel des trefflichen Albrecht – empfing seine Ausbildung bei Wilhelm Diez, also in einer Schule, die neben den Genretraditionen ausgezeichnete koloristische Überlieferungen verwaltete. Adam kam auch mit dem gleichzeitigen Leiblkreis in Berührung. Aus jenen Jahren datieren seine besten Arbeiten, die über den vielen, allzuvielen Katzen unbillig vergessen worden sind und die es wert wären, kollektiv gezeigt zu werden, damit in unserem Bewußtsein nicht ein allzuklägliches Bild dieses Malers fortlebe. Zweifellos war Adams ursprüngliche, durch eine lange und breite Familientradition gestützte Begabung nicht belanglos wie die ewigen, unausstehlichen, jeder künstlerischen Wesenheit baren Katzen seiner Spätzeit, aus denen er namentlich seit seinen Mappenwerken aus den Jahren 1892 und 1894 eine heillos gefällige Spezialität gemacht hat. Der Fall Adam ist indes eine kleine Tragödie. Er beweist – wie der Fall Grützner – die Abhängigkeit der Talente von der Gesellschaft. Hätte das Publikum von Adam nicht immer Katzen geradezu erpreßt, so hätte seine Entwicklung wahrscheinlich eine erfreulichere Richtung genommen. Wir wollen jedenfalls, so entschieden wir den süßlich gepinselten Naturalismus der Katzen Adams aus dem Buch der Kunstgeschichte ausstreichen, nicht dem Menschen und Maler Adam das aufbürden, was auf die Rechnung einer unkünstlerischen Gesellschaft kommt. W. H.

W. H.: Kunstchronik Nr. 5. 24. Oktober 1913.

#27 – 2 – 13* (Stopfer)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Stopfer, Josef; – 18.5.1850 (München), 30 Jahre alt, Tod durch öffentliche Hinrichtung; Tuchmachergeselle, Todesurteil wegen Raubmordes an Prof. Schwarz in München

Das Grab ist nicht erhalten


#Josef Stopfer

† 18.5.1850 (München), 30 Jahre alt, Tod durch öffentliche Hinrichtung
Tuchmachergeselle, Todesurteil wegen Raubmordes an Prof. Schwarz in München

#Geschichtliche Darstellung des Verbrechens des Joseph Stopfer aus München (1850)

Geschichtliche Darstellung
des
Verbrechens
des
Joseph Stopfer
aus München.

Joseph Stopfer, lediger Tuchmachergeselle aus München, welcher heute die Todesstrafe erlitt, hat schon von früher Jugend an Hang zum Müssiggange und zum Diebstahle gezeigt. Er wurde deshalb vom Jahre 1831 – seinem 13ten Lebensjahre – an vielfältig mit polizeilichen Züchtigungen belegt, und zuletzt, da er durch diese nicht gebessert wurde, in den Jahren 1838 und 1839 zweimal in das Zwangsarbeitshaus abgeliefert.

Nachdem er schon vorher wiederholt in strafrechtlicher Untersuchung wegen Diebstahls sich befunden hatte, wurde er im Jahre 1842 wegen eines ausgezeichneten Diebstahls zu sechsjähriger Arbeitshausstrafe verurtheilt.

Während der Erstehung dieser Strafe entsprang er dreimal aus der hiesigen Strafanstalt, gerieth wegen eines zur Zeit seiner ersten Entweichung verübten ausgezeichneten Diebstahls neuerdings in strafrechtliche Untersuchung, und setzte auch nach seiner Entlassung aus dem Straforte, welche am 30. August 1848 erfolgte, seinen früheren verbrecherischen Lebenswandel fort.

Zu Ende des Monats Februar vorigen Jahres lernte er dahier den ledigen Goldschlägergesellen Ludwig Dantinger aus Giesing kennen, trieb sich mit demselben müssig herum, und spähte mit dessen Beihilfe in verbrecherischer Absicht die Wohnung des Gymnasialprofessors und Kanonikus am Stifte St. Cajetan, Johann Baptist Schwarz dahier aus, von welchem er in seiner Jugend Unterstützungen genossen hatte.

Am 11. März vorigen Jahres Vormittags um ½9 Uhr drangen dann Joseph Stopfer und Ludwig Dantinger nach vorgängiger Verabredung in die Wohnung des genannten Priesters mittelst Einbruches durch ein Stiegen-Fenster ein.

Sie trafen den Professor Schwarz allein zu Hause, warfen ihn zu Boden, schnitten ihm mit einem von ihnen bereits mitgebrachten Messer den Hals ab, und entwendeten gegen 30–40 Gulden an baarem Gelde, zwei Taschenuhren, einen blautuchenen Mantel, in welchem sich ein Beichtbuch befand und einen silbernen Schlüsselhacken.

Die Mörder entfernten sich noch vor 9 Uhr Vormittags aus dem Hause und als die Schwester des Professors Schwarz, Josepha Schwarz, kurz nach 9 Uhr nach Hause kam, fand sie die bereits erstarrte Leiche ihres Bruders im Arbeitszimmer mit dem Rücken auf dem Boden liegend.

Bei der gerichtlichen Besichtigung der Leiche ergab sich, daß die dem Professor Schwarz beigebrachte Schnittwunde sämmtliche Weichtheile des Halses bis auf den Wirbelknochen durchdrungen hatte, und nothwendig tödtlich gewesen.

Joseph Stopfer und Ludwig Dantinger wurden, als dieser That verdächtig, alsbald in Untersuchung gezogen und in der Schwurgerichtssitzung für Oberbayern am 14. März dieses Jahres abgeurtheilt.

Beide Angeklagte wurden von den Geschwornen des Verbrechens des qualifizirten Mordes für schuldig erkannt, und auf dem Grunde dieses Wahrspruches von dem Schwurgerichtshofe zur Todesstrafe verurtheilt.

(Artikel 142, 146 und 147 Theil I. des Strafgesetzbuches.)

Der oberste Gerichtshof, welcher das Urtheil sowohl in Folge der von Joseph Stopfer erhobenen Nichtigkeitsbeschwerde, als auch von Amtswegen gemäß Artikel 233 des Strafprozeßgesetzes vom 10. November 1848 zu prüfen hatte, fand weder in dem gegen die Angeklagten durchgeführten Strafverfahren, noch in dem gegen sie erlassenen Strafurtheile einen Nichtigkeitsgrund.

Seine Majestät der König haben hierauf die rechtskräftig erkannte Todesstrafe in Ansehung des Ludwig Dantinger, welcher zur Zeit des verübten Verbrechens erst 19 Jahre alt und vorher noch nie einer strafrechtlichen Untersuchung unterlegen war, allergnädigst in Kettenstrafe zu mildern geruht, in Ansehung des Stopfer aber erklärt, daß zur Begnadigung desselben kein hinreichender Grund gefunden worden sei.

Demzufolge wurde heute Vormittags dahier das Todes-Urtheil an Joseph Stopfer durch öffentliche Enthauptung mit dem Schwerte vollzogen.

München den 18. Mai 1850.

Königliches Kreis- und Stadtgericht München.

Der königliche Direktor
Steyrer.
Weichsler, Assessor.
Seibold, Aktuar.

Geschichtliche Darstellung des Verbrechens des Joseph Stopfer aus München. München, den 18. Mai 1850.

#27 – 2 – 21 (Hartl)


Hier ruhen in Gott
Frau
Maria Hartl geb. Ott
geb. 6. April 1864
gest. 20. Sept. 1923
Herr
Franz Paul Hartl
Malermeister u. Armenrat
geb. 26. Feb. 1860
gest. 11. März 1934


  • Hartl, Franz Paul; 26.2.1860 – 11.3.1934; Malermeister und Armenrat
  • Hartl, Maria (vh) / Ott (gb); 6.4.1864 – 20.9.1923; Malermeisters-Gattin

Grab der Familie Hartl auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#27 – 2 – 23 (Ferber)


Hier ruht
Herr Dr. Josef Ferber,
k. Oberstabsarzt I. Cl. a. D.
Ritter des Militärverdienst Ordens II. Cl.
mit Schwertern,
des eisernen Kreuzes II. Cl. etc.
geb. 22. Sept. 1838, gest. 4. Juni 1897.
Ihm folgte seine treubesorgte Gattin,
unsere liebe Mutter,
Frau Elise Ferber
geb. Zeininger
geb. 8. März 1850, gest. 22. März 1930.

Rechte Seite
27.2.23. Kosenbach.


  • Ferber, Elise (vw) / Zeininger (gb); 8.3.1850 – 22.3.1930; Oberstabsarzt-Witwe
  • Ferber, Josef, Dr. med.; 22.9.1838 – 4.6.1897 (München); Oberstabsarzt a. D.

Grab der Familie Ferber auf dem Alten Südfriedhof München (August 2013)

#27 – 3 – 1 (Fahrer)


Joseph Fahrer
1778 – 1857
Caroline Fahrer
1813 – 1861
Maximilian Fahrer
1820 – 1882
Josefa Fahrer
1823 – 1897
Fritz Fahrer
1855 – 1928
Maria Anna Fahrer
1859 – 1944

R. I. P.

27.3.1. Kosenbach.


  • Fahrer, Fritz; 1855 – 1928
  • Fahrer, Josef; 1778 – 25.9.1857 (München), 78 Jahre alt; pensionierter Hofproviantmeister
  • Fahrer, Josefa; 1823 – 1897
  • Fahrer, Karoline; 1813 – 1861
  • Fahrer, Maria Anna; 1859 – 1944
  • Fahrer, Maximilian; 1820 – 1882

Grab der Familie Fahrer auf dem Alten Südfriedhof München (August 2013)

#27 – 3 – 9 (Huber · Schöppler)


ANNA HUBER
geb. SCHÖPPLER
geb. 3.7.1867 gest. 7.2.1935


  • Huber, Anna (vh) / Schöppler (gb); 3.7.1867 – 7.2.1935
  • Schöppler, Johann; – (16).4.1891 (München), 57 Jahre alt; pensionierter Lokomotivführer
  • Schöppler, Katharina (vh); – (6).2.1891 (München), 62 Jahre alt; Lokomotivführers-Gattin

Todesanzeige für Katharina Schöppler

Grab der Familien Huber · Schöppler auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2020)

#27 – 3 – 12 (Högg)


Hier ruht
unsere innigstgeliebte Tochter,
Schwester und Braut
Fräulein Rosa Högg
Bezirkshauptlehrerstochter
von Aichach.
geb. 25. Januar 1868,
gest. 17. Februar 1891.

R. I. P.


  • Högg, Rosa; 25.1.1868 – 17.2.1891 (München); Bezirkshauptlehrers-Tochter

Todesanzeige für Rosa Högg

Grab der Familie Högg auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#27 – 3 – 18 (Patzlsperger · Triendl)


Hier ruht in Gott
mein heissgeliebter Gatte
Herr
Josef Triendl
k. Studienlehrer,
geb. 16. März 1848
gest. 31. Okt. 1890.
Marie Triendl
* 23. Okt. 1858 † 4. März 1923.
Emilie Patzlsperger
* 12. Sept. 1834 † 26. März 1915.
Herr
Martin Triendl
Studienprofessor a. D.
* 17. Februar 1847 † 17. August 1924.

Sockel
27.3.18. Heiligensetzer


  • Patzlsperger, Emilie; 12.9.1834 – 26.3.1915
  • Triendl, Josef; 16.3.1848 – 31.10.1890 (Straubing); Studienlehrer
  • Triendl, Marie (vw) / Patzelsperger (gb); 23.10.1858 – 4.3.1923 (München); Studienrats-Witwe
  • Triendl, Martin; 17.2.1847 – 17.8.1924 (München); Studienprofessor an der Kreislehrerinnen-Bildungsanstalt a. D.

Todesanzeige für Josef Triendl

Todesanzeige für Josef Triendl

Todesanzeige für Marie Triendl

Todesanzeige für Martin Triendl

Grab der Familien Patzlperger · Triendl auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#27 – 3 – 21 (Kotsch)


Theodor Kotsch
Landschaftsmaler
1818 – 1884


  • Kotsch, Theodor; 6.1.1818 (Hannover) – 27.11.1884 (München); Landschaftsmaler und Zeichner

Todesanzeige für Theodor Kotsch

Grab der Familie Kotsch auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Theodor Kotsch

* 6.1.1818 (Hannover)
† 27.11.1884 (München)
Landschaftsmaler und Zeichner

#Allgemeine Zeitung (20.12.1884)

Münchener Kunst.
Von Fr. Pecht.

Durch den kürzlich erfolgten Tod des Landschaftsmalers Kotsch hat unsere Münchener Schule einen sehr schweren Verlust erlitten. Denn sie besaß in ihm einen echt deutschen Künstler von seltener Gediegenheit, dessen Darstellungen unserer heimischen Natur, wie sie besonders am Starnberger- oder Ammersee sich darstellt, von wunderbarem poetischem Zauber umflossen sind. Zeigen sie doch bei aller Naturwahrheit eine solche Vornehmheit der Auffassung, daß man diese Bilder wohl classisch nennen kann, da sie nach jeder Seite hin den Stempel der höchsten Vollendung tragen. In seinem unermüdlichen Ringen nach Vollkommenheit stand Kotsch geradezu einzig da unter seinen Mitstrebenden in unserer viel zu viel und viel zu rasch schaffenden Zeit, wo, gestehen wir es nur, die Schnellmalerei eine immer bedenklichere Ausdehnung gewinnt. Jenen halbfertigen Improvisationen gegenüber, die noch sehr viel rascher gesehen als gemacht sind, waren Kotschs seltene Bilder wahre Perlen, aus denen eine innere Harmonie, ein tiefes entzückendes Naturgefühl auf den Beschauer niederströmte, als wenn er auf sonniger Höhe unter herrlichen Eichengruppen wandelnd, die fernen Kirchenglocken aus dem Thal herauftönen hörte. War der Umfang des Gebietes, das er beherrschte, ein beschränkter, so hat doch Niemand diese selige, weihevolle Sonntagsstimmung in unserer Natur so tief empfunden, mit so hoher ernster Schönheit wiederzugeben gewußt. Hier streift er oft dicht an Claude, besonders durch die stylvolle Schönheit seiner Silhouetten, wie den Reichthum des Tons seiner herrlichen Baumgruppcn, den silbernen Glanz seiner Lüfte. Wie sie es sein soll, war die Kunst Kotsch eine Verkünderin des Göttlichen und Trösterin in jedem Schmerz, sein Beruf galt ihm als ein wirkliches Priesterthum, von dessen Heiligkeit er tief durchdrungen war, weßhalb er auch mit so magischer Gewalt auf Andere wirkte. Er kannte keine anderen Götter neben ihr, sein Leben war ganz und ausschließlich ihr geweiht, er ist, wenn auch sehr verehrt ob seines edlen männlichen Charakters von allen, die ihn näher kannten, doch arm gestorben, wenn der arm sein kann, der so reichen Herzens war, und den zuletzt die hehre Göttin, der er sein Leben geweiht, leise und schmerzlos einschlummern ließ, auf der Höhe der Kraft, den schwer errungenen unvergänglichen Lorbeer des echten Künstlers um die Stirne.

Allgemeine Zeitung Nr. 353. München; Samstag, den 20. Dezember 1884.

#Allgemeine Zeitung (10.2.1885)

Nekrologe Münchener Künstler.
XL.

Ueber Theodor Kotsch haben diese Spalten schon eine so herrliche und blühende Charakteristik gebracht (Vgl. Fr. Pecht in B. 353. »Allg. Ztg.« vom 20. Dec. 1884.) daß uns nur das magere biographische Knochengerüst nachzutragen übrig bleibt. Kotsch wurde 1818 zu Hannover geboren, zeichnete daselbst nach der Antike, kam 1839 nach München, wo ihn der grandiose, historische Styl Albert Zimmermanns fesselte. Bald gehörte Kotsch zu jener Landschafter-Colonie, welche zu Eberfing nächst Polling um 1843 bis 1845 in vergnügtester Weise sommerfrischelnd Studien malte; dann ging er durch den Harz nach Hannover und bald darauf nach Karlsruhe, wo ihm Johann Wilhelm Schirmer und nach dessen 1863 erfolgtem Ableben der gewaltige Karl Friedrich Lessing die bleibende Weihe und Richtung verliehen. Um das Jahr 1864 kam Kotsch wieder nach München, welches er bis zu seinem in der Nacht vom 27. November 1884 plötzlich erfolgten Ableben nicht mehr verließ. Wie bei seinen Vorgängern, bilden der deutsche Wald und die von den Mittelgebirgen entlehnten Landschaften die Hauptmotive für die Compositionen von Kotsch. Leider hat weder der Münchener Kunstverein noch die neue Pinakothek je ein Bild dieses Meisters erworben; die meisten gingen nach Norddeutschland und in Privatsammlungen. Beispielsweise seien genannt: Unter den Bäumen 1863; Später Abend, Kloster-Ruine mit Wald 1866; Harzlandschaft, Gegend aus Oberbayern 1867; der Regenstein im Harz 1868; Herbsttage, Sommerabend 1870; Deutsche Waldlandschaft 1873; Juni-Abend 1874; auf der Münchener Kunstausstellung 1876 erschien die prächtige »Mühle im Waldgrund« (Derselbe: »Aus dem Münchener Glaspalast 1876.« S. 93.)(nun in Kassel); eine baumreiche Landschaft 1877; »Nach dem Gewitter« und eine breit behandelte »Idylle« 1878; eine Parklandschaft mit See und ein »Eichenschlag« mit der köstlichen Tönung des Mittelgrundes 1881, und auf der jüngsten internationalen Ausstellung zu München 1883 das ernste Bild mit dem Starnberger Schloß. (Derselbe: »Moderne Kunst.« 1883. S. 90.) Alle seine übrigen Bilder, Skizzen, Studien und Zeichnungen nebst seinem kleinen Vermögen vermachte Kotsch testamentarisch unter leicht erfüllbaren Bedingungen, zur Nutznießung seiner hinterlassenen Schwester, an den Senat seiner Vaterstadt.

Allgemeine Zeitung Nr. 41. München; Dienstag, den 10. Februar 1885.

#Allgemeine Deutsche Biographie (1906)

Kotsch: Theodor K., Landschaftsmaler, geboren am 6. Januar 1818 in Hannover, † am 27. November 1884 zu München. Am Polytechnikum seiner Heimath zeichnete K. zuerst nach der Antike, ohne jedoch Anleitung zur Malerei zu finden. Deshalb kam er 1839 nach München, wo er mächtige Anregung bei den alten Meistern in der kgl. Galerie, insbesondere aber bei Albert Zimmermann fand, welcher zu Eberfing nächst Polling seine Brüder und Schüler zum Malen nach der Natur anhielt.

K. erschien schon 1840 mit kleinen Morgen- und Abendstimmungen, mit Wald- und Winterlandschaften im Münchener Kunstverein. Von 1845 bis 1855 wieder in der Heimath, suchte K. seine Stoffe in dem fleißig durchforschten Harz, am Regenstein u. dgl. Dann übersiedelte er 1854 nach Karlsruhe, wo Director J. W. Schirmer ihm ein Atelier einräumte und als väterlicher Freund und Berather bis zu dessen Tode (1863) von Einfluß war, worauf K. Fr. Lessing die empfindliche Lücke füllte. Auch hier blieb K. der deutschen Landschaft getreu und verarbeitete früher eingeheimste Motive aus dem Harz, sogar aus Starnberg und der Ramsau (1852). Um 1866 besuchte K. nochmals Hannover und ließ sich nach mancherlei Wanderungen im Herbst 1870 bleibend in München nieder, unter neuen Freunden und Schülern.

Zu seinen bedeutendsten Leistungen zählen ein »Abend in Südtirol« (1845), »Gebirgslandschaft vom Sonnenuntergang« (1847); eine »Italienische Landschaft« (1850), »Winter« (1852), »Aus dem bairischen Hochgebirge« und »Waldbach« (1853); »Kahnfahrt im Klostergarten« (1854); »Eichenlandschaft bei Karlsruhe« (1855); aus dem »Mühlthal bei Starnberg«, der »Faustthurm im Klostergarten zu Maulbronn« (1860); »Haidehügel mit Bäumen an der Weser«, »Dorfidyll« (1861) Und »Kloster-Ruine mit Wald« (1866) u. s. w. Unter seinen späteren Bildern verzeichnen wir: 1870 einen »Sommerabend« und »Herbsttag«; 1871 »Eichen am Wasser« und »Deutsche Landschaft«; 1872 »Holzmühle«; 1874 »Heißer Juni-Abend«, »Landschaft mit Kühen«; 1875 »Waldweg bei Prien am Chiemsee«; 1876 »Holzhof einer Sägemühle bei Schloß Seefeld« und »Baumlandschaft mit weiter Fernsicht«; 1877 »Partie bei Dalling am Ammersee«; 1878 »Bauernhof unter Nußbäumen«; 1881 »Eichenschlag« mit der köstlichen Tonung des Mittelgrundes; 1882 »Parklandschaft mit See«, »Flache Gegend mit Weg zwischen umzäunten Wiesen und Laubholzgruppen«; 1888 das ernste Bild mit dem Starnberger Schloß; 1884 »Waldweg am Ammersee« und »Bauernhaus bei Weßling«.

Seine letzte Arbeit behandelte eine »Waldlandschaft bei Kloster Andechs«, dessen prachtvolle Baumgruppen ihn besonders anzogen. »Diese hat er immer mit einem edlen Stilgefühl, einer vornehmen Großartigkeit und weihevollen Vollendung geschildert, die in ihrer poetischen Feiertagsstimmung dicht an Claude Lorrain hinstreifen. Ob er uns zwischen mächtigen Baummassen einen Durchblick auf den unten liegenden See eröffnet oder in stillem Grunde eine Mühle versteckt unter uralten Eichen zeigt, immer wird man das feine Naturstudium nicht weniger bewundern als die wunderbar ergreifende Poesie einer Auffassung, die ebenso durch den Reichthum und die Zartheit des Tons seiner Vegetation wie den silbernen Glanz der Lüfte wirkt. In der Durchbildung und Harmonie seiner Erfindungen, der majestätischen Ruhe seiner Silhouetten, dem köstlichen Waldesduft, der uns aus seinen Bildern entgegenweht, ist er unerreicht geblieben, sodaß man seine Werke klassisch nennen muß.« – »Eine tief, innerliche, einsame, echt deutsche, durchaus männliche Natur, ging er ganz in seiner Kunst auf, verschmähte alles Buhlen um die Gunst der Reichen und Mächtigen. Er hat bis zuletzt Fortschritte gemacht, weil er sich nie genug that, so unermüdlich nach Vollendung rang, daß seine Bilder denn auch wahre Perlen deutscher Kunst genannt werden müssen, von einer Nachhaltigkeit des Reizes, wie sie außer denen Rousseau’s und Dupré’s kaum irgend welche Moderne besitzen.«

Die meisten Bilder Kotsch’s gingen nach Hannover, Bremen, Hamburg und Karlsruhe. München besitzt leider kein Werk von seiner Hand; Berlin veranstaltete (gleichzeitig mit dem Nachlaß des Düsseldorfer Camphausen) 1885 eine Sonderausstellung seiner Oelbilder, Skizzen, Aquarelle und Zeichnungen. Sein kleines Vermögen vermachte K. testamentarisch, unter leicht erfüllbaren Bedingungen (auch zur Nutznießung seiner hinterlassenen Schwester) an den Senat seiner Vaterstadt.

Vgl. Fr. Pecht, Aus dem Münchener Glaspalast, 1876, S. 93. – »Moderne Kunst« 1883, S. 90. – Beil. 353 d. Allg. Ztg., 20. December 1884. – Geschichte der Münchener Kunst, 1888, S. 429. – Nekrolog in Beil. 41 d. Allg. Ztg., 10. Febr. 1885. – Münchener Kunstvereins-Bericht f. 1884, S. 81. – Lützow’s Zeitschrift 1885, XX, S. 252. – Fr. v. Bötticher 1895, I, S. 748. – Singer 1896, II, S. 383.

Hyac. Holland.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1906.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Kotsch Theodor, 1818 (Hannover) – 1884, Landschaftsmaler; er hatte sich am Polytechnikum zu Hannover als Zeichner vorgebildet, war aber im übrigen Autodidakt, als er 1819 zu A. Zimmermann nach München kam; K. ist einer der ersten Münchner Landschafter, die in Oberbayern Studien machten (er hielt sich meistens in Eberfing bei Weilheim auf und lieferte Waldlandschaften in Morgen- und Abendstimmung; nach seinem Erfolg mit einem »Abend in Südtirol« kehrte K. nach Hannover zurück; 1855 übersiedelte er nach Karlsruhe; aus dieser Zeit stammen Regenstein im Harz, Klostergarten in Maulbronn; 1870 kam K. wieder nach München, wo er Stimmungslandschaften mit oberbayerischen Seen, Waldwege und Baumgruppen malte; er ist ein typischer Vertreter der besten Münchner Landschaftsmalerei um 1870, besonders seine Zeichnungen erweisen seine Fähigkeit zu romantisch bewegter Darstellung.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#27 – 5 – 2 (Gropper)


Josef von Gropper
k. b. Oberst a. D.
geb. 19. Juni 1821, gest. 8. Januar 1885.
Carolina von Gropper
geb. Cramer
k. Oberstensgattin
geb. 1. Dez. 1831, gest. 7. Aug. 1911.

Sockel
Die Liebe höret nimmer auf.

A. Aufleger 27.5.2.


  • Gropper, Josef von; 19.6.1821 – 8.1.1885 (München); Königlich bayerischer Oberst a. D.
  • Gropper, Karolina von (vh) / Cramer (gb); 1.12.1831 – 7.8.1911; Oberst-Gattin

Todesanzeige für Josef von Gropper

Grab der Familie Gropper auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#27 – 5 – 6 (Feser)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Feser, Maria (vh); – 1891 (München); Eisenbahnfunktionärs-Gattin

Grab der Familie Feser auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#27 – 5 – 7* (Lanzlott)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Lanzlott, Margaretha; – (8).6.1850 (München), 35 Jahre alt; Balletttänzerin

Das Grab ist nicht erhalten

#27 – 5 – 13 (Rosenhauer)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Rosenhauer, Antonie (vh); – 1890 (München); Stadtkirchners-Gattin

Grab der Familie Rosenhauer auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#27 – 5 – 14 (Daucher)


Familie
Daucher.


  • Daucher, Johann; – 1891 (München); Ehemaliger Schuhmachermeister

Grab der Familie Daucher auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#27 – 5 – 19 (Eibecker)


Fr¿
Josefa E¿ecker
A. G. D. WW.
1831 – 1891
Ludwig Eibecker
Fahnenjunker des 3. b. J. R.
geb. 12. Juni 1899,
gefallen am Kemmel
am 13. April 1918, beerdigt
in Pont de Niepp
Anna E¿
gepr. Arbeitslehrerin,
geb. 12. April 1895, gest. 2. Mai 1919.
Es folgte ihr Vater
mein lieber, unvergesslicher Vater
Herr August Eibecker
Landgerichtsdirektor i. R.
geb. 9. A¿ 1868, gest. 6. Aug. 1933.
¿ ¿attin
Frau Anna Eibecker
geb. Stich,
geb. 10. Jan. 1871, gest. 25. Mai 1940.

Sie ruhen in Frieden!

Linke Seite
Schneider. 27.5.19.


  • Eibecker, Anna; 12.4.1895 – 2.5.1919 (München); Handarbeitslehrerin
  • Eibecker, Anna (vw) / Stich (gb); 10.1.1871 – 25.5.1940
  • Eibecker, August; 9.8.1868 – 6.8.1933; Landgerichtsdirektor
  • Eibecker, Josefa (vw); 1831 – Juni 1891 (München); Amtsgerichtsdieners-Witwe
  • Eibecker, Ludwig [in memoriam]; 12.6.1899 – 13.4.1918 (Kemmel); Fahnenjunker

Todesanzeige für Ludwig Eibecker

Todesanzeige für Anna Eibecker

Grab der Familie Eibecker auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#27 – 5 – 21·22 (Crämer)


Elisabeth Crämer,
geb. 7. April 1890, gest. 30. November 1890.
Helene Crämer,
geb. Otte,
geb. 8. Februar 1857, gest. 6. April 1926.
Hermann Crämer,
Dipl. Ingenieur, geb. 15. Okt. 1895,
dessen Ehefrau Cläre,
geb. Freiin v. Jungenfeld, geb. 10. Okt. 1899,
beide am 7.I.28, in Zürs einem Lawinenunglück
zum Opfer gefallen.
Dr. Friedrich Crämer,
Geh. Sanitätsrat,
geb. 21.7.1855, gest. 12.7.1932.

Grabstätte der Familie
Dr. Crämer.

J. Lallinger


  • Crämer, Cläre (vh) / Jungenfeld, Freiin von (gb); 10.10.1899 – 7.1.1928 (Zürs), Opfer eines Lawinenunglücks; Ingenieurs-Gattin
  • Crämer, Elisabeth; 7.4.1890 – 30.11.1890
  • Crämer, Friedrich, Dr. med.; 21.7.1855 – 12.7.1932; Geheimer Sanitätsrat
  • Crämer, Helene (vh) / Otte (gb); 8.2.1857 – 6.4.1926
  • Crämer, Hermann, Dipl. Ing.; 15.10.1895 – 7.1.1928 (Zürs), Opfer eines Lawinenunglücks; Dipl. Ingenieur

Todesanzeige für Cläre und Hermann Crämer

Fürstenfeldbrucker Zeitung Nr. 7. Dienstag, den 10. Januar 1928.


Grab der Familie Crämer auf dem Alten Südfriedhof München (September 2014)

#Dipl. Ing. Hermann Crämer

* 15.10.1895
† 7.1.1928 (Zürs), Opfer eines Lawinenunglücks
Dipl. Ingenieur

#Cläre Crämer (vh) / Freiin von Jungenfeld (gb)

* 10.10.1899
† 7.1.1928 (Zürs), Opfer eines Lawinenunglücks
Ingenieurs-Gattin

#Münchner Neueste Nachrichten (9.1.1928)

Lawinentod dreier Münchner

Skiläuferunglück am Arlberg

Schweres Leid ist durch ein Lawinenunglück, das sich am Samstag am Zuersersee, Arlberg, ereignete, über zwei angesehene Münchner Familien gekommen. Diplom-Ingenieur Hermann Crämer, der Sohn des bekannten Geh. Sanitätsrates Dr. Friedrich Crämer in der Lessingstraße, seine Frau Klara und Kaufmann Hans Reim, der ältere Sohn des Kommerzienrats Joh. Bapt. Reim, des Inhabers der Großhandlungsfirma Reiner & Lippacher in der Schwanthalerstraße, haben auf einer Skitour den Tod gefunden.

Am Neujahrstag fuhr Reim und sein Freund Crämer mit Frau nach einem ihnen bekannten Gebiet in Tirol, um dem Skisport zu huldigen. Da die Schneeverhältnisse dort schlecht waren, begaben sie sich nach Zuers in Vorarlberg und unternahmen hier genußreiche Touren. Am Dreikönigstage führten sie, wie Ing. Crämer seinen Angehörigen auf einer Karte berichtete, eine wunderschöne Tour aus. Die nächste Kunde, die die Angehörigen erreichte, war die Nachricht von dem tragischen Tode.

Die erste Meldung, die am Samstag nachmittag bei der Bergwacht eintraf, war vom Gendarmerie-Posten Lech in Vorarlberg. Sie meldete, daß das Ehepaar Crämer und Hans Reim von einer Lawine verschüttet wurden. Ingenieur Crämer wurde als Leiche, Reim schwer verletzt geborgen. Die Gattin Crämers konnte zunächst nicht gefunden werden. Spätere Meldungen berichteten, daß Rein bald darauf seinen Verletzungen erlegen ist und daß Frau Crämer als Leiche geborgen wurde. Die Nachrichten stimmten darin überein, daß die drei Skifahrer die Partie trotz Warnung führerlos unternommen haben.

Kommerzienrat Reim versuchte, durch den Fernsprecher Näheres über das Unglück von der Vorarlberger Landesregierung zu erfahren. Es konnte ihm mitgeteilt werden, daß die Verunglückten um 9 Uhr vormittag die Partie angetreten hatten, daß der verhängnisvolle Lawinensturz um ½11 Uhr erfolgte und daß sein Sohn, als er geborgen war, noch lebte. Alle Hilfe aber war vergebens.

Ein Münchner Rechtsanwalt, der mit den Verunglückten in den Tagen vor der Katastrophe Skifahrten, auch Hochtouren, unternommen hat, teilt uns mit, daß sowohl Crämer wie Reim hervoragende Skifahrer waren. Sie waren durchaus gewandt, geübt und vorsichtig. Besonders Reim war in der ganzen Gegend von Zuers bekannt und beliebt. Auch Ing. Crämer war schon im Vorjahre in Zuers. Als Rein nach Zuers kam, meldeten sich verschiedene Skifahrer und auch Skilehrer bei ihm und fragten ihn, ob sie mit ihm Fahrten machen könnten. Dem Münchner Tourengenossen wurde eine plötzliche Erkrankung zum Heile. Am Donnerstag trat bei ihm plötzlich eine Halsentzündung auf, die ihn zwang, nach München zurückzukehren. Dadurch entging er dem Unglück.

Ing. Hermann Crämer erreichte ein Alter von 32 Jahren. Er war bis vor etwa acht Monaten Teilhaber eines Autorevisionsbureaus und war zuletzt als Amtssachverständiger der Versicherungsbank tätig. Der glücklichen Ehe Crämers entstammt ein drei Jahre altes Kind, das das Unglück elternlos gemacht hat. Hans Reim war 27 Jahre alt und unverheiratet; er sollte der Nachfolger des Vaters im Geschäfte werden. Die Leichen wurden zur Beisetzung nach München gebracht.

Lawinenunglück im Allgäu

Am Samstag unternahmen vier Herren und eine Dame aus Stuttgart von Schattwald aus eine Skitour auf den Ponten. Der Weg war unten schneefrei. Als die Touristen die Schneegrenze erreicht hatten, wollten sie an einer schneefreien Stelle die Skier anschnallen. In demselben Augenblick ging eine Lawine nieder, aus der sich nur zwei Mann zu retten vermochten, während die übrigen Touristen verschüttet wurden. Die Dame und ein Herr konnten alsbald schwer verletzt ausgegraben werden. Der andere Teilnehmer, der einen Meter tief verschüttet war, gab bei seiner Bergung zwar noch Lebenszeichen, starb aber trotz der zwei Stunden lang fortgesetzten Wiederbelebungsversuche an den erlittenen Verletzungen. Er ist der einzige Sohn eines Stuttgarter Hotelbesitzers. Die Verletzten wurden in das Krankenhaus nach Hindelang verbracht.

Zwei Skifahrer an der Schindlerspitze verschüttet

Wie aus Innsbruck gemeldet wird, verschüttete eine große Schneelawine an der Westseite der Schindlerspitze beim Valfagehrjoch zwei Skifahrer, von denen der eine, Johann Schwienbacher aus Jenbach, sich selbst befreien konnte, während der 24 Jahre alte Kaufmann Georg Pfleger aus Meran von den Schneemassen überdeckt wurde. Trotz sofort eingeleiteten Rettungsarbeiten der Hilfsmannschaften aus Stuben, denen sich in der Nähe befindliche Skifahrer anschlossen, konnte Pfleger nicht rechtzeitig befreit werden. Man glaubte anfangs, er habe nur einen Unterschenkelbruch erlitten, mußte aber später seinen Tod feststellen.

Münchner Neueste Nachrichten Nr. 8. Montag, den 9. Januar 1928.

#Voralrberger Landes-Zeitung (9.1.1928)

Zwei große Lawinenunglücke im Arlberggebiet

3 Tote am Zürser See – 1 Toter bei der Ulmerhütte

Zürs, 7. Jän. Eine Münchener Skifahrergesellschaft, bestehend aus Ingenieur Hermann Crämer (geb. 1895), seiner Frau Klara Crämer und dem Studenten Hans Reim (geb. 1900), unternahm heute vormittags trotz ausdrücklicher Abmahnung ohne Führer ein Skipartie an den Zürser See. Etwa um 11 Uhr traten sie eine Lawine los, die alle drei verschüttete. Obwohl sehr rasch Hilfe an dem Unfallort erschien, konnten alle drei nur mehr als Leichen geborgen werden.
Die Angehörigen der Verunglückten in München wurden von dem Unglück verständigt. Die Leichen werden nach München überführt.

Die Rettungsexpedition.

Langen am Arlberg. 7. Jän. Heute nachmittags halb 1 Uhr unternahmen drei Herren von der Ulmer Hütte (2290 Meter) in der Valluga eine Skitour. Etwa 15 Minuten von der Hütte entfernt, beim Jahnturm, ging eine Lawine nieder. Sie erfaßte zwei von den Skifahrern, Der eine, Josef Schwienbacher aus Jenbach, konnte gerettet werden! Der andere, Georg Pfleger, Eisenhändler aus Meran, 27 Jahre alt, wurde erst nach langem Suchen bewußtlos aufgefunden. Sofort nach dem Niedergehen der Lawine wurde in Stuben eine Rettungsexpedition zusammengestellt, die in der Stärke von 15 Mann nach dem Unfallorte abging. Die Expedition suchte die Lawine, die in drei Teilen in einer Breite von 350 Meter niedergegangen war, mit Schneesonden ab. Die Lawine war stellenweise sehr leicht, stellenweise bis zehn Meter tief. Fraktionsvorsteher Richard Walch aus Stuben stieß mit einer Schneesonde auf einen Ski und so wurde Georg Pfleger aufgefunden. Er wurde sofort in die Ulmer Hütte gebracht, wo sich Dr. Prinzing aus Ulm um den Verunglückten lange, leider erfolglos bemühte. Die Leiche Pflegers wird nach Stuben gebracht.

Bericht eines Augenzeugen.

Zum Lawinenunglück. Aus einem Bericht des Bezirkshauptmannes Hofrat Dr. Strobele-Bludenz.
Bei der Partie, die am Zürser See verunglückte, war zuerst auch ein Fräulein Irma Rummel aus Berlin, die aber zurückblieb, da sie keine Felle an den Skiern hatte. Sie ging der Spur der anderen drei nach, sah diese plötzlich abbrechen und bemerkte, daß ein Schneebrett abgegangen war. Fräulein Rummel kehrte sofort um und eilte nach Zürs, um Hilfe zu holen. Um 12.15 Uhr ging die Rettungsexpedition von Zürs ab und erreichte in einer halben Stunde die Unglücksstelle; man braucht sonst für diese Strecke drei Viertelstunden. An der Expedition beteiligten sich 15 einheimische und etwa 15 fremde Skifahrer. Die Arbeiten leiteten die Skilehrer Schneider, Jochum und Schatzmann und die Hilfslehrer Mathis und Keßler. Letztere brachten auch den Rettungsschlitten mit. Zuerst wurde die Leiche des Ingenieurs Crämer aufgefunden, die etwa einen Meter tief im Schnee lag. Crämer ist, wie der anwesende Arzt Dr. Pösch feststellte, an Erstickung gestorben. Als Reim ausgegraben wurde, gab er noch Lebenszeichen. Dr. Pösch stellte Wiederbelebungsversuche an, die insoferne Erfolg hatten, als die Atmung wieder in Gang gebracht wurde. Auf dem Transporte ist Reim plötzlich gestorben, wahrscheinlich an inneren Verletzungen. Frau Crämer wurde erst nach vierstündigem Suchen aufgefunden. Sie lag zwei Meter unter dem Schnee. Nach Angabe des Arztes ist auch sie an Erstickung gestorben; Mund und Nase waren voll Schnee.
Das Unglück geschah auf der Madlochalpe, etwa drei Viertelstunden oberhalb Zürs. Das Schneebrett brach nach Nordosten gegen den See ab. Es war 70 bis 100 Meter breit, 200 Meter lang und 1 bis 3 Meter tief.
Die Verunglückten sind vom Hilfsskilehrer Friedrich Wolf, Bauernsohn von Lech, derzeit in Zürs, gewarnt worden, die Tour zu unternehmen; Wolf hatte auch mit Rücksicht auf die Lawinengefahr die Begleitung abgelehnt.
Die Brüder des Ingenieurs Crämer sind in Zürs eingetroffen. Am Montag früh werden die Leichen nach Langen gebracht und eingesargt und dann nach München überführt.
Die Leiche Pflegers ist in Stuben eingelangt. Die Stelle, wo Pfleger verunglückte, ist nach Angabe des Begleiters ganz ungefährlich. Pfleger war nur 50 Zentimeter tief im Schnee. Die Beerdigung Pflegers wird am Dienstag in Stuben stattfinden.

Wieder hat der weiße Tod vier junge, blühende Menschenleben gefordert. Vier gesunde, junge, frische Menschen mitten aus froher Bergfahrt herausgerissen und mit erbarmungsloser Hand, die keine Schonung, keine Rücksicht kennt, als Opfer gewählt und so Schmerz und Leid in Familien hineingetragen, die ihre Angehörigen auf sonniger Bergfahrt wähnten.
Seit es begeisterte Menschen gegeben hat, haben die Berge ihre Opfer gefordert und – erhalten. Die größte Erfahrung, die äußerste Vorsicht werden es auch in alle Zukunft nie vermeiden lassen, daß die Berge Einzelne als ihre Opfer unentrinnbar an sich reißen, die ihre Höhensehnsucht mit dem Leben bezahlen müssen.
Wir beugen uns auch in diesen beiden Unglücksfällen vor der Majestät des unerbittlichen Todes. Wir achten den Schmerz der Hinterbliebenen, denen ein kurzes Telegramm meldet, daß ihre Lieben, vielleicht ihr alles, nicht mehr sind. Auch wir stehen erschüttert an den Bahren, auf den vier Tote ruhen, die vor wenigen Stunden erst höhenwärts ihre Spuren durch die weißen Fluren zogen, die ihnen so grausam rasch ein unendlich großes Leichentuch werden sollten. Aber, wenn wir auch alle diese Umstände abwägen und berücksichtigen, können wir die eine Feststellung nicht unterlassen: Die Verunglückten sind vor Antritt der verhängnisvollen Tour gewarnt worden; die Zeichen sprachen für einen eingetretenen Wetterumschlag, dem früher als wohl alle dachten, vier Menschenleben zum Opfer fielen. Hätten sie, anstatt die Vorstellungen und Warnungen außer Acht lassend, auf die dort in den Bergen Wohnhaften gehorcht, sie könnten gesund und lebensfroh unter uns weilen. Schon eine einzige kurze Erwägung hätte ihnen sagen müssen, daß höchste Gefahr besteht: Die entschiedene und begründete Weigerung des Skilehrers, der, lieber auf den Tagesverdienst verzichtet, als seine Partie, und sich selbst unnotwendigerweise in höchste Lebensgefahr zu bringen und vielleicht Familien in tiefste Trauer zu versetzen. Wir können es nicht unterlassen festzustellen, daß vier dieser Opfer des weißen Todes nicht unvermeidlich waren, sondern, daß sie gefallen sind, als sie vermeinten, auf die nur allzubegründeten Warnungen nicht hören zu müssen.

Voralrberger Landes-Zeitung Nr. 6. Bregenz; Montag, den 9. Januar 1928.

#Münchner Neueste Nachrichten (12.1.1928)

Münchner Theil

Bestattung der Opfer der Vorarlberger Lawinenkatastrophe

Kaufmann Hans Reim, der auf einer Skitour in den Bergen Vorarlbergs einer Lawinenkatastrophe zum Opfer fiel, wurde im Waldfriedhof zu Grabe getragen. Mit dem Vater, Kommerzienrat J. B. Reim, sowie den übrigen Familienangohörigen hatten sich Hunderte von Leidtragenden zu der Trauerfeier eingefunden. Man bemerkte viele bekannte Vertreter der Münchner Kaufmannschaft und der Industrie. Sologesang leitete die Trauerfeier ein. Stadtpfarrer Schrallhammer von St. Paul schilderte Hans Reim, der die Stütze und Hoffnung des väterlichen Unternehmens war, als aufrechten jungen Mann, als großen Freund der Firnenwelt. Unter ehrenden Nachrufen weihten Kränze das Kaufmanns-Kasino, der Jugendausschuß des Kaufmanns-Kasinos, das Personal der Firma Reiner & Lippacher, die Mitarbeiter der Firma Oldenbourg, die Firma Eugen Lämmle in Stuttgart und die Bergkameraden. Der reiche Blumenschmuck zeigte u. a. Widmungen von der Ortsgruppe München des Reichsbundes deutscher Papier- und Schreibwarenhändler und von den Freunden.

Diplom-Ingenieur Hermann Crämer und dessen Gattin Kläre Crämer, geb. Freiin von Jungenfeld, die bei der gleichen Katastrophe der weiße Tod ereilt hatte, fanden im Südfriedhof gemeinsam die letzte Ruhestätte. Die Beteiligung an der Trauerfeier war ungewöhnlich groß. Stadtpfarrer Joch von St. Matthäus, der die Einsegnung vornahm, wies in der von innigem religiösen Trost erfüllten Gedächtnisrede auf das tragische Geschick, von dem eine angesehene Familie betroffen wurde, hin. In bewegten Worten gab der Geistliche ein Lebensbild von Hermann und Kläre Crämer, die in überaus glücklicher Ehe lebten. Nach dem Gebet gaben der Vater, Geh. Sanitätsrat Dr. Fr. Crämer, sowie die übrigen Familienangehörigen Edelweiß, Alpenrosen und Enzian als letztes äußeres Zeichen der Liebe in das Grab. Der Dorsche Chor sang ernste Weisen. In der Fülle der Kränze, die die Ruhestätte schmückten, befanden sich Widmungen von der Direktion der Bayerischen Versicherungsbank und deren Personal.

Münchner Neueste Nachrichten Nr. 11. Donnerstag, den 12. Januar 1928.

#Münchner Neueste Nachrichten (17.1.1928)

Das Lawinenunglück am Zuerser See

Von einem Fahrtgenossen wird im Nachtrag zu den Mitteilungen über das Lawinenunglück am Arlberg (M. N. N. Nr. 8) ausdrücklich darauf hingewiesen, daß nicht Leichtsinn und jugendliche Unerfahrenheit, sondern Sonderumstände die Veranlassung waren. Die sämtlichen Beteiligten waren gute Skiläufer, die das Gebiet schon von früheren Zeiten kannten. Hans Reim war selbst von den Führern dort als hervorragender Fahrer anerkannt, dessen Führung sie selbst sich gerne unterordneten. Ingenieur Crämer war sogar Skilehrer und hat mit seiner Gattin seit Jahren hochalpine Touren unternommen. Dazu kommt, daß das Gebiet bis zum Zuerser See bei jedem Schnee vollkommen als sicher und lawinenfrei bekannt ist, wenn die Hänge unterhalb des Seekopfs vermieden werden. Nach Ueberwindung der Talstufe geht es wie eine Promenade durch langsam ansteigendes, muldenförmiges Gelände, das das Eldorado ist für alle Zuerser Skikurse.

Die drei Verunglückten haben sich wohl wegen der Hänge am Seekopf möglichst nach rechts gehalten. Sie kamen jedoch dabei vielleicht zu weit nach dieser Seite und ließen sich verleiten, die Traversierung nach dem Madlenerjoch unterhalb des Zuerser Sees zu versuchen. Die Hänge dieses Kessels schienen nicht allzu steil, die Entfernung hinüber zur Abfahrt nach Lech gering, die Fahrer glaubten, guten Pulverschnee gefunden zu haben, in dem sie tief einsanken. Leider war es jedoch nicht Pulverschnee; die Masse bestand aus Millionen Flugkristallen, die während der Föhnstürme der letzten Tage über die Gebirgsgrate und den Zuerser See geweht waren; es waren kleine, eisig gefrorene, blankgeschliffene Schneekörperchen, die in den Sperrfelsen des Sees eine Wächte gebildet und – vielleicht meterhoch – im toten Winkel dieser Seite liegen geblieben waren. Es war dies nicht der normale Schnee, sondern ein sehr gefährliches Gebilde, das von den meisten Alpinisten nicht beachtet wird und manchmal zur Auslösung der allergefährlichsten Lawinen, der Staublawinen, führt.

Die drei Fahrer kamen, diese Sonderumstände nicht erkennend, an diese Stelle, sie begannen sie zu durchqueren. Die Skis mit Fellen selbst wollten hier nicht halten. Darum versuchte der zweite eine eigene Spur, was der dritte nachmachte. Dadurch kamen die Drei untereinander. Da brach von oben ein Teil der Wächte aus; hierdurch wurde die ganze trügerische Stelle zum Gleiten und zum Absturz gebracht. Hans Reim und das Ingenieursehepaar Crämer sind einem Unglücksfall zum Opfer gefallen, der durch die Sonderumstände der Flugschneebeschaffenheit veranlaßt war.

Münchner Neueste Nachrichten Nr. 16. Dienstag, den 17. Januar 1928.

#27 – 6 – 17 (Gurtner · Reitner)


Tafel
Frau ¿ Gurtner
geb. Dorn
1846 – 18¿0
Herr Johann Gurtner
1833 – 18¿

Sockel
Frau Sofie Reitner
geb. Gurtner
* 8.2.1873 † 29.9.1931

R. I. P.


  • Gurtner, Johann; 1833 – 18¿; Kutscher
  • Gurtner, Jakobine (vh) / Dorn (gb); 1846 – Dezember 1890 (München); Kutschers-Gattin
  • Reitner, Sofie (vh) / Gurtner (gb); 8.2.1873 – 29.9.1931 (München); Reichsbahnamtmanns-Gattin

Todesanzeige für Jakobine Gurtner

Todesanzeige für Jakobine Gurtner

Todesanzeige für Sofie Reitner

Grab der Familien Gurtner · Reitner auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2018)

#27 – 6 – 18 (Pfandzelter)


¿ ruht in Gott
¿ Schwester, Tante u. Nichte
Frl. Dorothea Pfandzelter
kgl. Officiengehilfin A. D.
geb. 12. September 1872; gest. 2. Januar 1942
¿ Frieden.


  • Pfandzelter, Dorothea; 12.9.1872 – 2.1.1942; Officiengehilfin a. D.

Grab der Familie Pfandzelter auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#27 – 6 – 19 (Eibl)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Eibl, Josef; – 1891 (München); Gastwirt

Grab der Familie Eibl auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#27 – 6 – 26 (Bernatz)


RUHESTÄTTE
DER FRAU
KATH. BERNATZ
GEB. VERSTAENDIG
K. OBERBAURATHS-GATTIN
GEB. ZU WIEN AM 12. JUNI 1801,
GEST. ZU MÜNCHEN AM 4. FEBR.
1872,
UND IHRES GATTEN
DES HERRN
MATTH. BERNATZ
K. OBERBAURATH A. D.
RITTER DES VERDIENSTORDENS V.
HL. MICHAEL I. CL. UND DES GROSS-
HERZOGL. BADISCHEN ZÄHRINGER-
LÖWEN-ORDENS
GEB. ZU SPEIER AM 21. APRIL 1800,
GEST. ZU MÜNCHEN AM 12. FEBR.
1882.

R. I. P.

Sockel
Maximilian Bernatz,
kgl. Oberexpeditor
geb. zu Straubing am 27. März 1834,
gest. zu München am 24. Febr. 1896.
Franz Bernatz,
kgl. Baurat a. D.
geb. zu Landshut am 7. Nov. 1841,
gest. zu München am 14. Jan. 1911.

Sockel-Tafel
Karl Ritter von Bernatz,
kgl. Oberbaurat
Ritter des Verdienstordens ¿ Krone
u. des Verdienstordens v. hl. Michael ¿
geboren in Straubing am ¿
gestorben in München am 16. Januar ¿
und dessen Gattin
Gertrude, geb. d’Albertus
München 23. Februar 1842 – 19. Mai 1913.

Rechte Seite
Babenstuber


  • Bernatz, Franz; 7.11.1841 (Landshut) – 14.1.1911 (München); Königlicher Oberbaurat a. D.
  • Bernatz, Gertrude (vw) / Albertus (gb); 23.2.1842 (München) – 19.5.1913 (München); Oberbaurats-Witwe
  • Bernatz, Karl von; 21.5.1831 (Straubing) – 16.1.1898 (München); Königlicher Oberbaurat
  • Bernatz, Katharina (vh) / Verständig (gb); 12.6.1801 (Wien) – 4.2.1872 (München); Oberbaurats-Gattin
  • Bernatz, Matthäus; 21.4.1800 (Speier) – 12.2.1882 (München); Königlicher Oberbaurat a. D.
  • Bernatz, Maximilian; 27.3.1834 (Straubing) – 24.2.1896 (München); Königlicher Oberexpeditor

Todesanzeige für Franz Bernatz

Grab der Familie Bernatz auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#Karl von Bernatz

* 21.5.1831 (Straubing)
† 16.1.1898 (München)
Königlicher Oberbaurat

#Allgemeine Deutsche Biographie (1902)

Bernatz: Karl B., Architekt, geboren am 21. Mai 1831 zu Straubing, bildete sich unter dem Einflusse seines Vaters, des nachfolgend genannten Matthäus B., an der Münchener Akademie bei Ziebland, trat als Salinenbeamter in den Staatsdienst zu Reichenhall, nachdem er schon als Praktikant eine große Thätigkeit entwickelt hatte: er leitete den Umbau des Klosters und der Martinskirche zu Dietramszell, die Restauration der Pfarrkirche zu Tölz und fertigte das Project für das dortige Krankenhaus. Während seines Aufenthaltes zu Reichenhall erbaute B. den ersten protestantischen Betsaal und die Villen des Ritter v. Mann und jene herrliche Schöpfung für den Freiherrn v. Karg-Bebenburg, das Forsthaus zu Weißbach bei Lofer und das Salzmagazin zu Laufen, außerdem besorgte B. die Restauration der Apsis und die Erneuerung des Hochaltares für die alte romanische Kirche zu St. Zeno. Im Auftrage des Königs Maximilian entwarf B. auch die Pläne für das neue, auf der Westseite des Starnbergersees über Feldafing zu erbauende Schloß, dessen Ausführung nach rascher Herstellung der Grundmauern durch den frühen Tod des Monarchen ein leider unvollendetes Project verblieb. Nach längeren Studienreisen in Italien (1864 und 1865), Frankreich und den Rheinlanden (1867) kam B. als Bauamtmann nach Augsburg, wo er die Ausführung des dortigen Justizpalastes leitete und die neue dreischiffige Säulenbasilika im benachbarten Friedberg (1871–73) erbaute, ein ganz originelles, im italienisch-romanischen Stile gehaltenes, vielgerühmtes Kunstwerk, welches Ferdinand Wagner mit seinem berühmt gewordenen Freskencyclus schmückte (vgl. Steichele, Das Bisthum Augsburg, 1874, XXIII. Heft, S. 60 ff. u. Johannes Schrott in Beil. Nr. 209 d. Allgem. Ztg. vom 28. Juli 1878). In München wurden ihm die umfangreichen Erweiterungs- und Verbesserungsbauten der oberbairischen Kreisirrenanstalt zu Giesing übertragen, eine Aufgabe, deren sich B. nach einer officiellen Reise in die Schweiz, nach Elsaß-Lothringen und Baden in anerkannter Vortrefflichkeit entledigte, so daß ihm auch die großen Neubauten an der Irrenanstalt zu Erlangen und die ganze Anlage der mit landwirthschaftlichem Betriebe verbundenen Anstalt Gabersee-Pflegham übertragen wurden. Nach einer längeren Wirksamkeit als Regierungs- und Kreisbaurath zu Ansbach wurde B. 1883 nach München und 1887 als Oberbaurath ins Staatsministerium des Innern berufen, wo er vielfach ausgezeichnet und geadelt, nach schweren Leiden am 16. Januar 1898 aus dem thätigen Leben schied.

Vgl. Julius Meyer, Lexikon. Lpz. 1885. III, 651.

Hyac. Holland.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1902.

#Matthäus Bernatz

* 21.4.1800 (Speier)
† 12.2.1882 (München)
Königlicher Oberbaurat a. D.

#Allgemeine Deutsche Biographie (1902)

Bernatz: Matthäus B., Hydrotechniker, geboren am 21. April 1800 zu Speyer, der Stammvater einer Künstlerfamilie, welche sich im Wasser- und Hochbau hervorgethan. Zuerst, ebenso wie sein Bruder, der vorgenannte Landschaftsmaler Johann Martin B., im Maurer- und Schlotfegerhandwerk seines Vaters verwendet, studirte er doch am Gymnasium und Lyceum seiner Vaterstadt, dann 1821 am k. k. Polytechnischen Institut und der Universität zu Wien, bestand 1825 mit Auszeichnung die Prüfung für den bairischen Staatsdienst, wurde 1827 Bauconducteur in Kempten und 1829 in Straubing, 1834 Bezirksingenieur, Bauinspector in Deggendorf, 1840 Regierungs- und Kreisbaurath in Landshut. 1855 Oberbaurath an der »Obersten Baubehörde im Staatsministerium des Handels und der öffentlichen Arbeiten«, trat 1870 in den Ruhestand und starb am 12. Februar 1882. B. hat als der tüchtigste Hydrotekt seiner Zeit an der Entwicklung des deutschen Flußbauwesens einen hervorragenden Antheil. Er rang mit Uferbauten, Schleußen und anderen Correctiven sozusagen mit der Wasserkraft und machte sich selbe dienstbar. Seine Berechnungen waren immer originell, wirksam und untrüglich. Seinem Willen gehorchte das wildeste Element. In Uferbauten und Brücken und Dämmen überbot er sich selbst; sie bewährten sich im praktischen Verkehr. Das Großherzogthum Baden ehrte frühzeitig seine Verdienste durch Verleihung des Zähringer Löwenordens; Baiern durch das Ritterkreuz I. Classe des Verdienstordens vom heil. Michael. Seine drei Söhne, darunter der vorgenannte Karl B., wendeten sich mit großem Erfolg zum Bauwesen.

Vgl. Jul. Meyer, Lexikon, 1883. III, 651.

Hyac. Holland.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1902.

#27 – 6 – 27 (Hey · Lamprecht)


KARL LAMPRECHT
¿ FEB. 1837 – 25. JAN 18¿
CARITA HEY
geb. LAMPRECHT
¿ MAI 1862 – 22. JUNI ¿
HYAZINTHA LAMPRECHT
geb. BERNATZ
¿ JAN. 1840 – 1. SEPT. ¿


  • Hey, Carita (vh) / Lamprecht (gb); ¿.5.1862 (München) – 22.6.¿; Schriftstellerin
  • Lamprecht, Hyazintha (vh) / Bernatz (gb); ¿.1.1840 – 1.9.1924 (München); Oberpostassistentens-Witwe
  • Lamprecht, Karl; ¿.2.1837 – 25.1.1864 (München); Oberpostamtsassistent

Todesanzeige für Karl Lamprecht

Todesanzeige für Hyazintha Lamprecht

Grab der Familien Hey · Lamprecht auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#Hyazintha Lamprecht (vh) / Bernatz (gb)

¿.1.1840
† 1.9.1924 (München)
Oberpostassistentens-Witwe

#Generalanzeiger (5.9.1924)

Bestattungen

Eine stattliche Trauerversammlung erwies im südl. (alten) Friedhof der Oberpostassistentenwitwe Hyazintha Lamprecht, geb. Bernatz, die letzte Ehre. Der Geistliche von St. Ludwig gedachte rühmend der werktätigen Nächstenliebe und rastlosen Arbeitsamkeit der edlen Frau. Im Namen der katholischen Jugendfürsorge, der die Verstorbene den Ertrag des von ihr verfaßten weitbekanntern Kochbuches »Für Drei« zugewendet hat, widmete ein Vertreter dankbaren Nachruf mit Kranzspende. Ein dauerndes Andenken sicherte sich die Hingeschiedene durch letztwilliges Vermächtnis ihres Hauses an der Kaulbachstraße und ihres hinterlassenen Vermögens an den Elisabethen-Verein.

Generalanzeiger der Münchner Neuesten Nachrichten Nr. 242.

#27 – 7 – 2 (Gaessler)


Hier ruhen:
Josef Gaessler
kgl. Hofkonfektmeister
gest. 12.IX.1890
Therese Gaessler
geb. 17.5.1872 gest. 17.II.1930


  • Gaessler, Josef; – 12.9.1890; Hofkonfektmeister
  • Gaessler, Therese; 17.5.1872 – 17.2.1930

Grab der Familie Gaessler auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#27 – 7 – 4 (n. n.)


(Oktober 2016)

#27 – 7 – 19 (n. n.)


(Dezember 2017)

#27 – 7 – 20 (n. n.)


(Dezember 2017)

#27 – 7 – 23* (Lesker)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Lesker, Ludwig; 1840 (Schwerin) – 8.12.1890 (München); Dekorationsmaler

Todesanzeige für Ludwig Lesker


Das Grab ist nicht erhalten


#Ludwig Lesker

* 1840 (Schwerin)
† 8.12.1890 (München)
Dekorationsmaler

#Die Kunst für Alle (15.5.1891)

Ludwig Lesker

† 8. Dezember 1890
Nekrolog von Friedrich Pecht (München)

Was gäbe es doch Erquicklicheres zu sehen, als ein gesundes Talent, das sich mit angeborner Sicherheit von innen heraus entwickelt? Eine solche reiche, ursprüngliche Begabung besaß aber der Künstler, dessen früher Tod mir jetzt die Feder in die Hand gibt, um mit dem Material von Thatsachen, das er vor wenigen Jahren mir selbst geliefert, sein arbeitsvolles, aber auch ungewöhnlich fruchtbares Leben zu schildern. Gibt es unläugbär zwei Klassen von Malern, von denen die erste durch die ideale Begeisterung für den Stoff ihrer Darstellungen, sei’s durch den religiösen Glauben, die Vaterlandsliebe, die Schwärmerei für die Romantik oder für die Natur getragen sein muß, um ihre Anlagen voll entwickeln zu können, so ist bei der andern die Schilderlust, die helle Freude an der bunten Welt der Farbe, an der Wonne des Verzierens das einzig Maßgebende. Sie malen, wie der Vogel singt – weil sie eben dazu geboren wurden. Zu dieser zweiten Klasse gehörte Ludwig Lesker, ihm war, wie dem ihm vielfach verwandten Makart, das Malen so natürlich, als dem Fisch das Schwimmen, er brauchte es eigentlich kaum zu lernen. Man mußte den mittelgroßen, aber breit und fest gebauten blonden Krauskopf nur an der Arbeit sehen, um das alsbald zu begreifen, wenn man da gewahrte, wie fröhlich seine blauen Augen zu funkeln begannen und wie sicher er zugriff! Darum ist denn auch sein Leben eigentlich nur eine fortwährende Kette von Erfolgen gewesen, weil ihn sein Genius mit unfehlbarer Sicherheit leitete und das Glück ihm bis zuletzt treu blieb, wie wenigen.

Dennoch schien der Malerberuf dem in Schwerin als der Sohn eines unbemittelten Handwerkers 1840 gesund und kräftig geborenen Jungen durchaus nicht vorgezeichnet zu sein, da ihm der Vater schon im dritten Jahre starb und so gut wie nichts hinterließ, außer Gesundheit und Mut, sowie Fleiß und Talent. Es wäre denn eine hochbegabte phantasie- und gemütvolle, ganz künstlerisch angelegte Mutter. Offenbar hat sie dem Sohn die schöpferische Kraft vererbt, die er von kleinauf sofort an allen ihm erreichbaren Wänden bethätigte, d. h. sie mit seinen Zeichnungen überdeckte. In der Schule, die ihn ein strenger Stiefvater bis zur Tertia besuchen ließ, lernte er freilich um so weniger, da seine Seele in den Augen und nicht in den Ohren ihren Sitz hatte. Da er nun mit echt mecklenburgischer Starrköpfigkeit durchaus vom Freskomalen an den Stadtmauern nicht abzubringen war, so gab ihn der Vater im sechzehnten Jahre endlich bei dem Hofmaler Trilke in die Lehre, einem gescheiten und geschickten Mann, wo er seine Anstelligkeit und sein angebornes technisches Geschick um so rascher entfaltete, als er sehr bald das Glück hatte, sie in dem eben im Bau begriffenen Schlosse zu Schwerin, dem Meisterwerke des genialen Demmler bethätigen zu können. Dort erhielt er denn auch alsbald einen deutlichen Begriff von dem Zusammenwirken aller Künste bei einem großen Bauwerk, nicht minder von der Stellung, die der Dekorationsmalerei dabei zukam. Bald ward er der beste Gehilfe seines Meisters, der einen großen Teil der dekorativen Arbeiten im Schlosse übernommen hatte, und lernte auch viele der dort beschäftigten Maler, wie Pfaunschmidt, Schlipke und Fischer etc., kennen. Ebenso studierte er in allen Nebenstunden die vielen im Schlosse und in der Galerie befindlichen Bilder. Porträte selbst in ganzer Figur in Öl zu malen, hatte er ohnehin schon längst angefangen, und in der unter Papes Leitung stehenden Sonntagsschule fortgesetzt. Dieser hatte so viel Freude an dem strebsamen Jüngling, daß er ihn, nachdem er seine vier Lehrjahre beendigt, ganz zu sich nach Berlin zog. Dort, wo noch immer das Schinkelsche Griechentum herrschte, behagte es indes dem an Demmlers geniales Schaffen gewöhnten jungen Mann ganz und gar nicht, wenn er in der großen Stadt auch seinen Ideenkreis mächtig erweiterte. So vertauschte er denn bald Berlin mit dem ihm viel sympathischeren Dresden, wo er unter Bellmann im Schlosse arbeitete. Natürlich erhielt er dort in der herrlichen Galerie die mächtigste Anregung, noch mehr aber in dem ihm ganz sympathischen Zwinger, wo er denn auch eine Vorliebe für das Rokoko unverlierbar faßte, wenn ihn auch das Sempersche Theater, als der erste große Renaissancebau in Deutschland, ebenfalls sehr beschäftigte.

Um diese Zeit erhielt er nun einen Ruf nach Mainz, wo er, im Dom beschäftigt, Gelegenheit erhielt, auch den romanischen Stil kennen zu lernen. Dann sollte er zum Militär assentiert werden, ward aber – wohl aus Rücksicht auf sein Talent – als untauglich zurückgestellt und benutzte dies, um nun nach Zürich zu wandern, und dort Sempers Bauten näher kennen zu lernen. In kleineren Villen auf dem Lande herum ohne große Genugthuung arbeitend, durchwanderte er wenigstens die ganze Schweiz und wandte sich dann 1862 nach Stuttgart, wo unter der Einwirkung einer Reihe talentvoller Architekten eben eine neue Bauperiode begonnen hatte. Bei Schmolz arbeitend, mit dem sich der hitzige Geselle aber bald schlecht vertrug, fing er jetzt an, Blumenbouquets und Stillleben aller Art für Kunsthändler zu malen, und verbrachte damit einen ganzen Winter. Dann wandte sich der unruhige und viel verbrauchende Künstler in seiner umgreifenden Art nach Wien, wo er zwar ganz und gar nicht seinem Talent entsprechend beschäftigt ward, aber doch mitten in jener, durch Van der Nüll und Hausen eingeleiteten, von Ferstel, Schmidt und Hasenauer fortgeführten, großartigen Bauthätigkeit eine mächtige Anregung empfing und im Belvedere wie anderwärts auch seine Kenntnis des Rokokostiles erweiterte. Von Wien wandte er sich nach Graz, um dann bald wieder nach Stuttgart zurückzukehren und bis 1866 wiederum bei Schmolz einzutreten. Allmählich waren aber die Wanderjahre bei ihm vorbei, und er etablierte sich selber, heiratete und erhielt bei seiner eminenten Geschicklichkeit bald in der mächtig aufblühenden Stadt die lohnendsten Aufträge in Menge. Die wahre Aufgabe der Dekorationsmalerei hat denn auch kaum ein andrer so gut wie er begriffen, der in diesem, in Deutschland zu sehr vernachlässigten Fach nunmehr so durchaus schöpferisch und selbständig auftrat, daß ich, in einer Villa bei Konstanz den ersten Plafond von ihm sehend, von der Kühnheit und Originalität dieser Leistung so überrascht ward, um den jungen Meister von da an nie mehr zu vergessen. Denn, daß der in Deutschland schwerlich seinesgleichen habe, das ward mir da sofort klar. Leider hat Lesker die Dekorationsmalerei später fast aufgegeben, weil ein echter Künstler wie er, dabei zu viel Ärger auszustehen hat, gebunden wie er es ist, an die Mitwirkung von einer Menge von rohen und durch den Sozialismus meist auch noch gründlich aufgehetzten Gesellen, die, durch ihn um alle Freude am Schaffen gebracht, gar keine Liebe mehr für das haben, was sie machen. Das Unheil, welches der Sozialismus in unserm so schön aufblühenden Kunstgewerbe angerichtet, ist darum gar nicht zu ermessen, da man von allen Kunstindustriellen dieselben Klagen zu hören bekommt.

Um 1870 lernte nun unser Lesker den eben von Florenz zurückkehrenden genialen jungen Architekten Gnauth kennen, dessen Begabung auch wie die seine vorzugsweise nach der koloristischen Seite zu lag, und der am Arno die Dekoration der Renaissance zu seinem Hauptstudium gemacht hatte. Die beiden jungen Männer fühlten sich so von einander angezogen, daß sie sich von da an nie mehr völlig trennten und Lesker jetzt gleich einen Teil der Dekorationen in der berühmten Villa Siegle malte, durch deren Bau Gnauth seinen Ruf in ganz Deutschland begründete. Daran schloß sich das Palais Engelhorn in Mannheim, hierauf gingen die beiden Freunde 1873 miteinander nach Italien, wo Paul Veronese auf unsern Lesker mehr als alle andern wirkte. Dann besuchten sie noch die Wiener Weltausstellung, wo Lesker, Hans Makart zum erstenmale kennen lernend, einen so starken Eindruck von ihm empfing, daß derselbe fürs ganze übrige Leben vorhielt. Denn es liegt nun einmal tief in der menschlichen Natur begründet, daß uns die Arbeiten der Zeitgenossen weit lebhafter interessieren, als die der Alten. Zurückgekehrt, gaben die beiden von nun an das »Maler-Journal« gemeinsam heraus, das einen Einfluß auf die deutsche Dekorationsmalerei ausgeübt hat wie kein zweites Blatt.

Als Gnauth dann 1876 zur Leitung der Kunstschule nach Nürnberg berufen ward, siedelte Lesker nach München über. Dort sollte sich denn auch sein Talent erst voll entfalten. Denn hatte er bisher die Bilder andrer nur eingerahmt, so wuchs ihm nun auch mehr und mehr die Lust, diese gleich selber zu malen. Mit der Ölmalerei war er ohnehin von Jugend auf vertraut geblieben, ebenso hatte er in den letzten Jahren in Stuttgart immer den Abendakt mitgemacht, um sich im Studium des menschlichen Körpers auszubilden. So malte er denn schon 1876 sein erstes großes Deckenbild für den Kommerzienrat Falck in Dutzendteich bei Nürnberg, eine zwischen der Architektur und dem Kunstgewerbe sitzende Pallas, wie sie unsre Vignette zeigt. Man sieht in der prächtig malerischen Komposition die Einwirkung Paul Veroneses und Tiepolos gleich deutlich, aber auch, daß Lesker sich bereits seinen eigenen Stil ausgebildet hat. Diesen sollte er nun sofort glänzend bei der ihm 1878 übertragenen Dekoration des mächtigen Ahnensaals in dem Sigmaringer Schloß erproben, bei dessen Gestaltung er sich als Architekt kaum weniger bedeutend zeigte, wie als Dekorateur und Historienmaler, wo er beim Hauptbild, einer Apotheose der Hohenzollern, ganz im Geiste Pauls und Tiepolos die Froschperspektive anwendend, die verblüffendsten Verkürzungen mit Leichtigkeit bewältigte und eine überraschende Wirkung erzielte. Nachdem er noch ein paar große Bilder für den Museumssaal in Heilbronn, andre als Dekorationen für zwei Zimmer der Möbelfabrik von Wirth zur Ausstellung in Stuttgart gemalt, ward ihm von der Jury die große goldene Medaille für dieselben zuerkannt, vom Ministerium aber nicht genehmigt, angeblich weil er keine Professur an der dortigen Kunstgewerbeschule annehmen wollte. Bald übernahm er dann eine Reihe von Arbeiten für das von Gnauth umgebante Palais Cramer-Klett in München, darunter in Konkurrenz mit Makart jenes Bild mit den Figuren der Kunst und Poesie, welches wir bringen. Daran schlossen sich bald eine Reihe von Lunettenbildern, mit denen er den Saal im Schloß Frauenau für den Reichsrat v. Poschinger verzierte, deren mehrere in der »Kunst für Alle« kamen, und denen wir diesmal die köstlich humoristische Komposition des Orchesters folgen lassen, wo man seine Fähigkeit, scharf individualisierte Gestalten zu erfinden, besonders gut kennen lernen kann. Es folgte eine Reihe von Bildern für das Stiegenhaus des Schlosses zu Herrnchiemsee, von denen wir die Allegorien des »Herbstes« und des »Handels«, sowie die Figur der »Wahrheit«, leider nur nach den Kartons photographiert zu geben im stande sind, die aber selbst da, obwohl des Reizes des Lichts und der Farbe entbehrend, uns seine leichte und graziöse Erfindung bewundern lassen. Noch mehr kann man das freilich bei einem Bilde, welches uns eine, die Kunst beschützende Pallas zeigt und mit vielen andern die Villa Brandl in Reichenhall ziert, seine letzte größere Arbeit. Hier ist die Anlehnung an das Bild des Friedens von Rubens in der Pinakothek deutlich genug, aber auch kaum weniger ansprechend, wie denn Lesker das feinste Auge für alle malerischen Reize seiner Vorbilder zeigt, während es ihm um eine scharfe Charakteristik seiner allegorischen Figuren so wenig zu thun ist, als dem Rubens oder Paul Veronese und Tiepolo auch. Denn wie jene will er vor allem verzieren und erfreuen, nicht gedanklich anregen oder gar belehren, und bleibt Dekorationsmaler, auch wenn er Historien darstellt.

Nach Herrenchiemsee und der Villa Brandl hat unser Meister dann noch zwei Bremer Lloyd-Dampfer mit seinen Bildern reich geschmückt, ebenso in Frankfurt die Villa Andreä mit solchen verziert. Leider zeigten sich bei ihm dann die ersten Spuren eines Nierenleidens, während er gerade die Professur der Malerei an der Münchener Kunstgewerbeschule übernommen hatte. Fortwährend kränkelnd, malte er noch ein reizendes Bildnis seiner Tochter und funktionierte auch mit großem Eifer als Jurymitglied bei der letzten Münchener Ausstellung, bis er am 8. Dezember 1890 wiederholten Anfällen seines zu spät erkannten Leidens erlag, tief bedauert von allen denen, die Gelegenheit gehabt, seine merkwürdig ursprüngliche Schaffenskraft näher kennen zu lernen. Denn obwohl Autodidakt und von Andrer Schöpfungen unläugbar stark beeinflußt, zeigt er doch einen Reichtum der Erfindung und, beständig im Dienste der Architektur stehend, wie er es war, ein geläutertes Stilgefühl, sowie einen feinen Farbensinn, dabei eine kerngesunde Lebenslust und Freude am Schönen, die ihn zu einem der glänzendsten Talente stempeln von allen denen, die durch Makart mehr oder weniger in ihrer Kunstrichtung bestimmt wurden. Die deutsche Dekorationsmalerei vollends hat kaum seinesgleichen aufzuweisen, hier war er durchaus selbstschöpferisch, kühn und weit entfernt von der süßduftenden Verblasenheit der französischen Schule. Sein Kolorit ist überhaupt in seinen späteren Werken, trotz seiner Vorliebe für das Rokoko, weit entfernt von aller kühlen Süßlichkeit, sondern zeigt überall die Schulung durch die älteren Venetianer. Merkwürdig ist auch die Fruchtbarkeit dieses Talents, die es in kaum zwei Jahrzehnten zu einer so großen Anzahl bald fesselnder und eigenartiger, immer aber schon durch ihre Leichtigkeit erquicklicher Werke brachte.

Friedrich Pecht: Die Kunst für Alle. 15. Mai 1891.

#27 – 8 – 2·3 (n. n.)


(Dezember 2017)

#27 – 8 – 5 (Herdegen)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Herdegen, Karl; – 1888 (München); Hofbrunnwart

Grab der Familie Herdegen auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#27 – 8 – 6* (Wolf)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Wolf, Josef; – 1890; Dekorationsmaler

Das Grab ist nicht erhalten

#27 – 8 – 8 (n. n.)


(Dezember 2017)

#27 – 8 – 9 (Dürr · Mittermaier)


Otto Dürr
Pharmazeut,
geb. 2. April 1871, gest. 8. Jan. 1897.
Karl Dürr
Geheimer Justizrat
geb. 17. Mai 1834 zu Haarburg,
gest. 12. Febr. 1919 zu München


  • Dürr, Karl; 17.5.1834 (Haarburg) – 12.2.1919 (München); Justizrat
  • Dürr, Otto; 2.4.1871 – 8.1.1897 (Meran); Pharmazeut
  • Mittermaier, Georg; – 1890; Schneidermeister

Todesanzeige für Otto Dürr

Grab der Familien Dürr · Mittermaier auf dem Alten Südfriedhof München (März 2018)

#27 – 8 – 14 (Eigner)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Eigner, Johanna (vh); – 1890; Fuhrwerksbesitzers-Gattin

Grab der Familie Eigner auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#27 – 8 – 15* (Kirmaier)


Das Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Kirmaier, Franz Josef; – (1).7.1890 München, 35 Jahre alt; Steinmetzmeister
  • Kirmaier, Mathilde; – Oktober 1889 (München), 61 Jahre alt; Steinmetz-Witwe

Todesanzeige für Franz Josef Kirmaier

Das Grab ist nicht erhalten

#27 – 8 – 17 (Kohl)


Obelisk
Familien Grab!

Hier ruhet
unser unvergeßliches Kind
Johann Kohl
Metzgermeisterssohn
geb. 27. Febr. 1891. gest. 16. Jan. 1898.
Zur Erinnerung an unseren lieben
Sohn, Bruder und Schwager
Herrn Georg Kohl
Res. Inf. Rgt. 32, 9. Komp.
gefallen auf dem Feld der Ehre
am 13. Okt. 1918, bei Verpel (Frankreich)
im 29. Lebensjahre.
Ihnen folgte
meine teure Gattin und Mutter
Frau Margareta Kohl
Metzgermeisters-Gattin
geb. 7. März 1865, gest. 2. Juni 1933.
Mein lieber Vater u. Grossvater
Herr Georg Kohl
ehemal. Metzgermeister
geb. 13. Mai 1855, gest. 2. Dez. 1942.

Ein Herz das viel zu leiden hat
dass weiss auch zu lieben u. wer
um viel Verlorenes weint,
dem ist auch viel geblieben.

Sockel
Ach Theurer Dir war das Leben kurz gemessen.
Und lange folgen unsere Thränen Dir.
Ach nimmer werden wir Dein vergessen.
Du warst uns Alles. Alles warst Du uns!

27.8.17. L. Stöhr.


  • Kohl, Georg; – 13.10.1918 (Verpel/Frankreich), 28 Jahre alt
  • Kohl, Georg; 13.5.1855 – 2.12.1942; Ehemaliger Metzgermeister
  • Kohl, Johann; 27.2.1891 – 16.1.1898; Metzgermeisters-Sohn
  • Kohl, Margareta (vh); 7.3.1865 – 2.6.1933; Metzgermeisters-Gattin

Todesanzeige für Georg Kohl

Grab der Familie Kohl auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2013)

#27 – 8 – 20 (Leuze)


Hier ruhen in Gott:
Herr Simon Leuze,
Kaufmann,
geb. 24. Septbr. 1818, gest. 16. Juni 1872.
Frau
Friedericke Leuze,
geb. 7. Septbr. 1822, gest. 19. August 1903.
Herr Gustav Leuze,
Oberlokomotivführer a. D.
geb. 8. Mai 1850, gest. 6. Februar 1928.


  • Leuze, Friedericke (vh); 7.9.1822 – 19.8.1903
  • Leuze, Gustav; 8.5.1850 – 6.2.1928; Oberlokomotivführer a. D.
  • Leuze, Simon; 24.9.1818 – 16.6.1872 (München); Kaufmann

Grab der Familie Leuze auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#27 – 8 – 22 (Maier)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Maier, Josef; – 26.11.1890 (München); Brauereiverwalter

Todesanzeige für Josef Maier

Grab der Familie Maier auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2018)

#27 – 8 – 23 (Herrmann)


Hier ruht in Gott
¿
Kathi Herrmann
geb. 6.XI.1873. gest. 22.III.1916
Alois Herrmann
* 1872 † 1931

27 8 23.


  • Herrmann, Alois; 1872 – 1931
  • Herrmann, Kathi; 6.11.1873 – 22.3.1916

Grab der Familie Herrmann auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#27 – 8 – 24 (Auer)


Hier ruhet
der liebevollste Gatte u. Vater
Otto Auer
k. Kreistierarzt,
geb. den 2. Sept. 1839, gest. den 2. Jan. 1891.
dessen Gattin
die unvergessliche Mutter
Frau Therese Auer
geb. 15. Okt. 1843, gest. 5. Jan. 1928.

R. I. P.

Kosenbach.


  • Auer, Otto; 2.9.1839 – 2.1.1891; Kreistierarzt
  • Auer, Therese (vw); 15.10.1843 – 5.1.1928; Kreistierarzt-Witwe

Grab der Familie Auer auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2011)

#27 – 8 – 28 (Huber)


VERBANDSPRÄSES
H. H. LORENZ HUBER
* 31.3.1862 † 7.11.1910

ER SCHENKTE SEINE LIEBE
OPFERTE SEIN VERMÖGEN
UND GAB SEIN LEBEN
FÜR DIE ARBEITER

Sein Werk werden wir weiterführen!
Werkvolk
SÜDDEUTSCHER VERBAND
KATHOLISCHER ARBEITNEHMER


  • Huber, Andreas; – April 1888 (München), 65 Jahre alt; Landgerichtsrat
  • Huber, Anna Juliana (vh); – 9.2.1888 (München), 65 Jahre alt; Landgerichtsrats-Gattin
  • Huber, Lorenz; 31.3.1862 (München) – 7.11.1910 (München); Arbeiterpriester

Todesanzeige für Anna Juliana Huber

Grab der Familie Huber auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2014)

#27 – 9 – 1 (n. n.)


(Dezember 2017)

#27 – 9 – 2 (Barth)


Barth'sche Familiengrabstätte
Hier ruhen:
Emma Barth.
geb. 18. April 1855. gest. 18. Mai 1865.
Ihr folgte ihr Vater
Herr Andreas Barth.
Musikinstrumenten-Fabrikant.
geb. 20. April 1797. gest. 23. Juli 1868.
Dessen Gattin
Frau Margaretha Barth.
geb. 13. Aug. 1813. gest. 6. Sept. 1901.
Herr Herrman Barth
Mechaniker
geb. 20. Okt. 1849 gest. 16. Dez. 1916.

Friede ihrer Asche!


  • Barth, Andreas; 20.4.1797 – 23.7.1868 (München); Musikinstrumentefabrikant
  • Barth, Emma; 18.4.1855 – 18.5.1865 (München); Musikinstrumentefabrikantens-Tochter
  • Barth, Herrman; 20.10.1849 – 16.12.1916; Mechaniker
  • Barth, Margaretha (vw); 13.8.1813 – 6.9.1901; Musikinstrumentefabrikantens-Witwe

Todesanzeige für Andreas Barth

Geschäftsempfehlung für Andreas Barth

Grab der Familie Barth auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#27 – 9 – 4 (n. n.)


(Dezember 2017)

#27 – 9 – 6 (Albert · Egger · Rauch · Zechel)


Hier ruht in Gott
mein lieber unvergesslicher Gatte
Herr Josef Zechel
Buchhalter von hier.
geb. 19. Dez. 1851, gest. 16. Juli 1891.
Ihm folgte
Frau Mathilde Albert
verw. Zechel. k. Expeditorsgattin.
gest. am 24. März 1908 im 54. Lebensjahre.

Sockel
27.9.6. Kosenbach.

Linke Seite
Hans Egger
Schriftsetzer,
geb. 6. Dez. 1850,
gest. 3. Aug. 1886.

Rechte Seite
Eduard Rauch
gest. 17. Nov. 1878.


  • Albert, Mathilde (vh) / Zechel (vw); – 24.3.1908, 53 Jahre alt; Expeditors-Gattin
  • Egger, Hans; 6.12.1850 – 3.8.1886; Schriftsetzer
  • Rauch, Eduard; – 17.11.1878
  • Zechel, Josef; 19.12.1851 – 16.7.1891; Buchhalter

Grab der Familien Albert · Egger · Rauch · Zechel auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#27 – 9 – 7 (Metzler)


Grab der Familie Metzler auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2020)

Grab der Familie Metzler auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2020)

#27 – 9 – 9 (Popp)


Familie Popp.

Hier ruht
Herr Joh. Popp.
kgl. Briefträger
geb. 12. Aug. 1846. gest. 24. Nov. 1897.
Dessen Gattin
Frau Amalie Popp.
geb. 24. Dez. 1846. gest. 14. März 1931.

R. I. P.


  • Popp, Amalie (vw) ; 24.12.1846 – 14.3.1931; Briefträgers-Witwe
  • Popp, Joh.; 12.8.1846 – 24.11.1897; Königlicher Briefträger

Grab der Familie Popp auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#27 – 9 – 11 (Deger)


Hier ruhen in Gott:
unser unvergesslicher Vater,
Herr Jakob Deger,
Metzgermeister u. Gastwirt,
gest. den 15. Sept. 1898, im 58. Lebensjahre.
Ihm ging voran
unsere unvergessliche Mutter,
Frau Friederike Deger,
gest. den 24. Juni 1872, im 32. Lebensjahre.
Ihm folgte nach unsere liebe Mutter
Frau Cäcilie Deger,
Metzgermeisters u. Gastwirtswitwe,
gest. den 18. Juni 1928, im 76. Lebensjahre.

Sockel
Familien-Grab.

27.9.11. J. Deiser.

Rechte Seite
Cäcilie
geb. d. 27. Dez. 1903,
gest. d. 11. Jan. 1904.


  • Deger, Cäcilie; 27.12.1903 – 11.1.1904
  • Deger, Cäcilie (vw); – 18.6.1928; Gastwirts- und Metzgermeisters-Witwe
  • Deger, Friederike (vh); – 24.6.1872 (München), 30 Jahre alt; Metzgers-Gattin aus Augsburg
  • Deger, Jakob; – 15.9.1898; Gastwirt und Metzgermeister

Grab der Familie Deger auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2013)

#27 – 9 – 12·13 (Schnidtmann · Schregenhammer · Tiefenböck)


Tafel
Ihnen folgte
der beste Sohn u. Bruder,
unser treubesorgter Gatte und Vater
Herr R. A. Schnidtmann
Schriftsetzer,
* 21. Juli 1853, † 20. Juni 1908.

Sockel-Aufsatz
Familien-Grabstätte
Schregenhammer Tiefenböck.

Sockel
Linke Spalte
¿ u. Vater
Herr
Anton Schregenhammer
Privatier
gest. ¿ Januar 1897 im 71. Lebensjahre
Unserm unvergesslichen, teueren
Gatten u. Vater
Herr
Franz Tiefenböck
Kaufmann
gest. 11. April 1915 im 57. Lebensjahre.

Rechte Spalte
Unserer unvergesslichen guten
Frau
Monika Schregenhammer,
Privatiere
gest.17. April 1910 im 70. Lebensjahre.
Unserer unvergesslichen,
guten Mutter
Frau
Therese Tiefenböck
Kaufmannswitwe
gest. 17. Februar 1931 im 63. Lebensjahre.

Sockel rechts oben
L. Gamp.


  • Schnidtmann, R. A.; 21.7.1853 – 20.6.1908; Schriftsetzer
  • Schregenhammer, Anton; – 14.1.1897 (München), 70 Jahre alt; ehemaliger Gastwirt zum »Brüderl« Privatier
  • Schregenhammer, Monika (vh); – 17.4.1910; Privatiere
  • Tiefenböck, Franz; – 11.4.1915; Kaufmann
  • Tiefenböck, Therese (vw); – 17.2.1931; Kaufmanns-Witwe

Todesanzeige für Anton Schregenhammer

Grab der Familien Schnidtmann · Schregenhammer · Tiefenböck auf dem Alten Südfriedhof München (März 2021)

Grab der Familien Schnidtmann · Schregenhammer · Tiefenböck auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

Grab der Familien Schnidtmann · Schregenhammer · Tiefenböck auf dem Alten Südfriedhof München (März 2021)

Grab der Familien Schnidtmann · Schregenhammer · Tiefenböck auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#27 – 9 – 17·18 (Zöpfl)


Grab der Familie Zöpfl auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#27 – 9 – 19 (Lochner)


Grab der Familie Lochner auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#27 – 9 – 20 (n. n.)


(Dezember 2017)

#27 – 9 – 26 (Anton)


Friedrich Anton
Herzogl. Hofschreinermeister
1819 – 1902


  • Anton, Friedrich; 1819 – 1.12.1902 (München); Hofschreinermeister

Grab der Familie Anton auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#27 – 10 – 3 (Köckert)


JULIUS KÖCKERT
HISTORIENMALER
GEB. ¿
¿
NATALIE KÖCKERT
GEB. ¿EBER
¿
IHM GINGEN VORAN ZWEI KINDER
LUDWIG UND BERTHA
1864 – 1866
SEINE MUTTER
PHILIPPINE KÖCKERT
1792 – 1871


  • Köckert, Bertha
  • Köckert, Julius; 5.6.1827 (Leipzig) – 22.11.1918 (München); Genremaler und Historienmaler
  • Köckert, Ludwig
  • Köckert, Natalie Judith Karoline (vh) / Grueber (gb); Professors-Tochter aus Prag / Kunstmalers-Gattin
  • Köckert, Philippine (vh) / Mollard (gb); 6.4.1792 – 21.1.1871 (München); Opernsängerin

Todesanzeige für Julius Köckert

Grab der Familie Köckert auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Julius Köckert

* 5.6.1827 (Leipzig)
† 22.11.1918 (München)
Genremaler und Historienmaler

#Biographisches Künstler-Lexikon der Gegenwart (1884)

Köckert, Julius, Historien- und Genremaler, geb. 5. Juni 1827 zu Leipzig, erhielt den ersten Kunstunterricht auf der Akademie in Prag unter Ruben und zog 1850 nach München, wo er zunächst mit Genrebildern und heitern, idyllischen Scenen aus dem bayrischen Gebirgsleben beschäftigt war, bis er mit geschichtlichen Fresken im Nationalmuseum beauftragt wurde, denen bald nachher das große Ölbild: Harun al Raschid (im Maximilianeum) folgte. Inzwischen hatte auch Kaulbach ihn beauftragt, seine für das Maximilianeum bestimmte Schlacht bei Salamis nach dessen Entwurf auszuführen, so daß von diesem viel besprochenen Bild nur weniges von Kaulbachs eigner Hand herrührt. Einen ebenso wesentlichen Anteil hatte K. an der Ausführung des Kaulbachschen Freskobilds im Germanischen Museum. Später kehrte er, nachdem er mehrere große Altargemälde gemalt hatte, zum Genre und zu landschaftlichen Darstellungen zurück. Von seinen bedeutendern Genrebildern sind zu erwähnen: die Sonnenwendfeier in den Alpen, Heuernte am Chiemsee, Elfenreigen, Hero und Leander. Viele seiner Bilder gingen nach Amerika und nach England. Auf der Landesindustrieausstellung zu Teplitz 1879 erhielt er die silberne Ehrenmedaille.

Dr. Hermann Alexander Müller: Biographisches Künstler-Lexikon der Gegenwart. Die bekanntesten Zeitgenossen auf dem Gesamtgebiet der bildenden Künste aller Länder mit Angabe ihrer Werke. Leipzig, 1884.

#27 – 10 – 12 (Brandl)


BRANDL


  • Brandl, Anton; – Juni 1886 (München); Posamentierer

Grab der Familie Brandl auf dem Alten Südfriedhof München (August 2020)

#27 – 10 – 17 (Förtsch)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Förtsch, Antonie (vw); – 1891 (München); Bahnexpeditors-Witwe
  • Förtsch, Johann Baptist; – 12.1.1891 (München), 41 Jahre alt; Bahnexpeditor

Todesanzeige für Johann Baptist Förtsch

Grab der Familie Förtsch auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#27 – 10 – 22·23 (Koller · Mayer)


Hier ruhet
unser unvergesslicher Gatte u. Vater,
Herr Oberlandesgerichtsrath,
Georg Koller,
geb. 30. Nov. 1819, gest. 21. Dez. 1890.
Ihm folgte dessen Ehefrau
meine liebe Mutter,
Lina Koller,
geb. 5. Nov. 1835, gest. 28. Mai 1909.

27.10.22.23. Burlein.

Linke Seite
J. Deiser.

Sockel-Tafel
Hier ruht der k. b. Hofrat
Herr Dr. Alfred Mayer,
grossh. luxemb. Hofarzt, langj. prakt. Arzt
in Mittenwald, Ritter u. Inhaber hoh. Orden
Ehrenbürger etc.
geb. 12. Dezember 1854, gest. 3. April 1910.

In aliis serviendo consumptus.


  • Koller, Georg; 30.11.1819 – 21.12.1890; Oberlandesgerichtsrat
  • Koller, Lina (vw); 5.11.1835 – 28.5.1909; Oberlandesgerichtsrats-Witwe
  • Mayer, Alfred, Dr. med.; 12.12.1854 – 3.4.1910; Praktischer Arzt

Grab der Familien Koller · Mayer auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2013)

#27 – 10 – 26·27 (n. n.)


(Dezember 2017)

#27 – 11 – 1* (Carstens)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Carstens, Julius; 1825 (Lindholm) – 15.9.1857 (München), Opfer der Pulverexplosion hinterm Karlstor; Genremaler und Portraitmaler

Todesanzeige für Julius Carstens

Das Grab ist nicht erhalten

#27 – 11 – 2·3 (Graf)


Anna Graf
Ida u. Rosa Graf 18¿
Opfer einer Explosion


  • Graf, Anna; 1822 – 15.9.1857 (München), Opfer der Pulverexplosion hinterm Karlstor; Expeditorswitwe und Putzmacherin
  • Graf, Ida; 1840 – 15.9.1857 (München), Opfer der Pulverexplosion hinterm Karlstor; Putzmachers-Tochter
  • Graf, Rosa; 1840 – 15.9.1857 (München), Opfer der Pulverexplosion hinterm Karlstor; Putzmachers-Tochter

Gottesdienst-Ankündigung für Anna und Rosa Graf

Abbildung aus »Alt-Münchner Bilderbuch« (1918)

Grab der Familie Graf auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Anna Graf

* 1822
† 15.9.1857 (München), Opfer der Pulverexplosion hinterm Karlstor
Expeditorswitwe und Putzmacherin

#Ida Graf

* 1840
† 15.9.1857 (München), Opfer der Pulverexplosion hinterm Karlstor
Putzmachers-Tochter

#Rosa Graf

* 1840
† 15.9.1857 (München), Opfer der Pulverexplosion hinterm Karlstor
Putzmachers-Tochter

#Augsburger Tagblatt (17.9.1857)

Vermischte Nachrichten.

München, 16. Sept. Ich habe Ihnen leider heute am frühesten Morgen über ein schweres Unglück zu berichten, das sich in vergangener Nacht in unserer Stadt ereignete. Das Haus unmittelbar am Karlsthore, in welchem sich die Eisenhandlung des Hrn. Rosenlehner befindet, wurde Nachts ½11 Uhr durch eine Pulverexplosion in die Luft gesprengt. Von den Bewohnern des Hauses sind leider bereits vier todt, darunter ein Brautpaar, aufgefunden und ein Fünfter wird noch vermißt; zwei sind schwer und einige leicht verletzt. Der Vermißte konnte trotz angestrengtester Arbeit zur Hinwegräumung des Schuttes bis diesen Morgen 6 Uhr noch nicht aufgefunden werden. An vielen Häusern in der Umgegend sind die Fenster zertrümmert und der anliegende Thurm des Karlsthores erhielt Risse. Die Stätte des Unglückes bietet einen furchtbaren Anblick der Verwüstung. (R. M.)

Augsburger Tagblatt Nr. 255. Donnerstag, den 17. September 1857.

#Augsburger Tagblatt (18.9.1857)

Vermischte Nachrichten.

München, 16. Sept. Vergangene Nacht halb 11 Uhr flog das Eisenhandlungsgebäude des Hrn. Rosenlehner nächst dem Karlsthore in die Luft. Ein heftiger Knall wurde in den angrenzenden Straßen vernommen, ohne daß die sonstige Einwohnerschaft der Stadt allarmirt wurde. Erst heute früh verbreitete sich allenthalben die Schreckenskunde, daß das genannte Gebäude in Folge einer Explosion des im Laden befindlichen Pulvers in einen Trümmerhaufen verwandelt wurde. Die Nachbarschaft wurde in furchtbarer Weise aus dem Schlafe geschreckt und eilte sofort auf die Straße. Durch die Explosion war in allen Laternen der Umgebung das Gas erloschen und man fürchtete anfänglich, die Unglücksstätte zu betreten, wo möglicher Weise den Eindringenden neue Gefahr drohte. Da erschienen der Stadtkommandant, der k. Polizeidirektor etc. und nun wurde energisch Hand angelegt, um wo möglich noch Menschenleben aus der Ruine zu holen. Die Trümmer konnten begreiflicher Weise nur langsam weggeschafft werden; man arbeitete die ganze Nacht mit rastloser Anstrengung und brachte im Laufe der Nacht und des Vormittags etwa 12 Personen hervor, wovon einige nur noch ganz kurz am Leben waren. Im Ganzen zählte man heute Vormittags 5 Leichen: die Marchande de mode Graf, den Bräutigam von deren Tochter – Maler Castens aus Schleswig – dann die andere Tochter der Graf, ein 12jähriges Mädchen (Schwester des Rosenlehner) und den Lohnbedienten Weichselbaumer, welch’ letzterer erst Vormittags 10 Uhr aus den Trümmern hervorgezogen wurde; derselbe hatte im Nachhausegehen sein Zimmer nicht mehr erreicht, sondern wurde in der Hausflur verschüttet. Zwei andere Töchter der Graf, darunter die Braut des Malers, und eine Magd wurden schwer verletzt in’s allgemeine Krankenhaus gebracht. Der Haus- und Ladenbesitzer Hr. Rosenlehner, welcher während der Katastrophe im Kaffeehause war, soll, als er die Schreckensnachricht hörte, augenblicklich die Sprache und das Gehör verloren haben und sich jetzt in ärztlicher Behandlung befinden. Fenster- und Thürstöcke, Gestein etc. flog in weite Entfernung, zum Theil bis an die St. Michaelskirche. Die nächste Veranlassung der Explosion ist zur Zeit nicht ermittelt. Diesen Vormittag wurden aus dem unversehrt gebliebenen Nebengebäude 5 Centner Pulver weg- und nach dem Zeughause geschafft. Die angrenzenden oder Nachbar-Gebäude erlitten, mit Ausnahme zerbrochener Fenster, keinen weiteren Schaden, nur der Thurm des Karlsthores erhielt einen Riß, so daß diese Passage augenblicklich durch Militär und Gendarmerie abgesperrt ist. Eine große Menschenmenge wogt den ganzen Vormittag nach dem Schauplatz des Jammers.

Einer Münchener Correspondenz der Postzeitung entnehmen wir über diese traurige Catastrophe noch Nachstehendes: Kein Ton, kein Hilferuf ward von der Unglücksstätte vernommen, und doch war es einer Person aus dem zertrümmerten Hause beschieden, die erste Kunde über die armen Verschütteten zu geben. Der Hausknecht der Eisenhandlung, der das Dachstübchen bewohnte, wurde glücklicher Weise mit sammt dem Bette auf die Straße geschleudert und trug nur ganz unbedeutende Verletzungen davon, die ihn nicht einmal hinderten, die ganze Nacht mitzuarbeiten. Unter seiner Leitung wurde von der inzwischen eingetroffenen Hilfe die Ruine bestiegen und bei Fackelschein die Wegräumung des Schuttes begonnen. In dem Hause wohnte auch der Besitzer der Eisenhandlung, Herr Oskar Rosenlehner nebst vier Geschwistern, der Kindsfrau A. Schmederer und der Dienstmagd K. Späth, die Weißnäherin und Expeditorswittwe Graf mit ihren drei Töchtern, der Lohnbediente Weichselbaumer und der Kistlergeselle Lampert mit Frau und Kindern. Alle diese Personen waren zur Zeit der Katastrophe in dem Hause, mit Ausnahme des Herrn Oskar Rosenlehner und dessen älteren Bruder; die Anzahl der Personen bleibt doch dieselbe, weil bei der Wittwe Graf die Brüder Castens auf Besuch waren, von denen der eine gerade am Nachmittag die Heirathsbewilligung mit der jüngsten Tochter der Graf, einem Mädchen von 16 Jahren, erhalten hatte. Bei den beiden jüngeren Geschwistern des Rosenlehner ist zu erwähnen, daß sie wunderbar gerettet wurden, denn über das eine legte sich ein Kreuzbalken und auf das andere flog eine Stubenthüre.

Augsburger Tagblatt Nr. 256. Freitag, den 18. September 1857.

#Augsburger Tagblatt (19.9.1857)

Vermischte Nachrichten.

München, 17. Sept. Wie wir vernehmen, wurde von der k. Kabinetskasse schon eine namhafte Unterstützung für die Minderbemittelten der bei der traurigen Katastrophe am Karlsthore um ihre Habe Gekommenen, verabreicht. An der Unglücksstätte beim Karlsthore sind fortwährend eine Menge Hände mit dem Wegräumen des Schuttes beschäftigt. In den übrig gebliebenen Hausresten stehen noch verschiedene halbzertrümmerte Mobilien und an der massiven Stadtmauer, welche die Rückseite des Hauses bildete, hängen hoch oben noch Bilder in den Rahmen. Die Passage durch das Karlsthor ist heute wieder frei und scheint man wegen des beschädigten Thurmes keine Besorgnisse zu hegen. Der Zudrang zum Leichenhaus, wo die Verunglückten liegen, ist den ganzen Tag über außerordentlich. Im sogenannten reichen Saal befindet sich die Leiche des 12jährigen Mädchens A. Rosenlehner, die im Gesichte sehr bedeutende Verletzungen zeigt; und die Leiche des Malers J. Kastens, eines jungen, hübschen Mannes, äußerlich unversehrt, es scheint derselbe gleichsam zu schlafen. Die übrigen drei Opfer, die Putzmacherin A. Graf, ihre Tochter Rosa und der Lohnbediente Weichselbaumer liegen im zweiten Saale. Die Leichen dieser Verunglückten sind verdeckt. – Dem mehrfach verbreiteten Gerüchte, als sey die Braut des verunglückten Malers Kastens, Ida Graf, im Krankenhause gestorben, können wir auf das Bestimmteste widersprechen; dieselbe hat zwar einen Beinbruch und eine Quetschung der Brust erlitten, doch hat man Hoffnung, sie dem Leben zu erhalten; die zweite Schwester Maria Graf und die Dienstmagd Kath. Späth, gleichfalls im Krankenhause, befinden sich auf dem Wege der Besserung. – Der Lohnbediente Weichselbaumer feierte gerade an diesem unseligen Abend seinen siebzigsten Geburtstag im Gasthaus zum Oberpollinger im Kreise einiger Freunde, welche ihm, als er sich nach Hause begeben wollte, eifrig zuredeten, noch zu bleiben, »indem man nicht wisse, ob sie im nächsten Jahre wieder alle noch so fröhlich beisammen seyn werden.« Weichselbaumer ließ sich aber durchaus nicht aufhalten und ging – seinem schrecklichen Tode entgegen. – Die technische Commission, welche über den Zustand des Karlsthores zu referiren hatte, gab ihr Gutachten dahin ab, daß die Erschütterung keine erheblich nachtheilige Wirkung auf dasselbe äußerte. Die Passage zum Bahnhof wird daher in Zukunft ebenso eng bleiben wir vorher.

Augsburger Tagblatt Nr. 257. Samstag, den 19. September 1857.

#Augsburger Tagblatt (20.9.1857)

Vermischte Nachrichten.

München, 18. Sept. Die Erde hat heute Nachmittag sämmtliche fünf Opfer der Pulverexplosion in ihren Schooß aufgenommen und die Sonne schien eben so freundlich und warm als wie an jenem Tage, an dem sie zum letzten Mal für diese Unglücklichen untergegangen. Die Anlässe zu großen Menschenansammlungen sind hier nicht selten, aber weder der hl. Frohnleichnamstag, noch das Oktoberfest und Allerheiligen haben eine solch ungeheure Menschenmenge gesehen, die sich heute bei diesem traurigen Gang auf dem Friedhof zusammenfand. Aus der Leichenrede an dem Grab des Malers Kastens erfahren wir, daß derselbe im Jahre 1849 den Feldzug in Schleswig Holstein mitmachte.

Augsburger Tagblatt Nr. 258. Sonntag, den 20. September 1857.

#Augsburger Tagblatt (22.9.1857)

Vermischte Nachrichten.

München, 20. Sept. Wie man vernimmt, ist bezüglich der unglücklichen Pulverexplosion bereits eine Criminaluntersuchung eingeleitet und wird andererseits von den Eigenthümern der beschädigten Häuser auf Schadenersatz durch Eisenhändler Rosenlehner geklagt, weil dessen unzweifelhafter Überschreitung der Verordnung über den Verkauf des Pulvers die Größe des Schadens zugeschrieben wird. Sehr verschiedene Gerüchte bezüglich der Entstehung des Unglücks sind in Umlauf; unter Anderem sagt man, daß ein Buchhalter Rosenlehner’s aus Eifersucht dasselbe verursacht habe. Diese Angabe ist durchaus unbegründet, da Rosenlehner keinen Buchhalter hatte. (Pstztg.)

Augsburger Tagblatt Nr. 260. Dienstag, den 22. September 1857.

#Landshuter Zeitung (3.12.1857)

Spenden

Für die bei der Explosion am Karlsthor verunglückten Maria und Ida Graf sind bereits über 1000 fl. eingegangen.

Landshuter Zeitung Nr. 276. Donnerstag, den 3. Dezember 1857.

#Verzaget nicht, Gottes Auge wacht! (1857)

Verzaget nicht, Gottes Auge wacht!

Den
unglücklichen Waisen
Marie und Ida Graf
gewidmet von
Theodor Fischer.

Braut, Bräut’gam, Mutter und Schwesterlein
Im trauten Stübchen beisammen sein,
Sie reden vom Tage, wo liebend umschlingt
Der Künstler die Braut, die er ewig gewinnt!
Wie selig schwelgen die Lieben in Lust
Es hebt sich der Mutter bewegte Brust!

Schon ziehen die Schäfchen am blauen Gefild
Mit ihrem Hirten dort hin so mild,
Wie jeder das Tagwerk auch vollbracht,
Es decket Alles der Schleier der Nacht!
Und schweigend in süßem Wonnegefühl
Ersehnen die Guten das schönste Ziel!

Die Mutter spricht: »Bald ist der Hochzeittag,
Da halten wir alle ein fröhlich Gelag,
Ich rüste rasch nun mein Feierkleid,
Das Leben hat doch Lust nach Müh’ und Leid!
Gott hat bisher über uns gewacht,
Meine Lieben schlafen wohl und süß, gute Nacht!«

Die Schwestern sprechen: »O Hochzeittag,
Eile zu kommen als Feiertag,
Wie wollen geschmückt wir Alle geh’n,
Und wollen der Schwester Wonne seh’n,
Nie hat uns die hohe Lust noch gelacht,
Lieb’ Schwesterlein im Brautkranz, gute Nacht!«

»Geliebte, es nahet der ernste Tag,
Der lang schon im Willen des Höchsten lag,
Der Tag, an dem wir zum ew’gen Band
Uns binden die Herzen und Hand in Hand!
Um was ich gestrebt, ich hab’ es vollbracht,
Gott schütz’ uns! Lieb’ Weibchen, gute Nacht!«

Da blinken die Sternlein ruhig und mild
Herab von ihrem azurnen Gefild!
Ein Engel, vom Himmel herabgesandt,
Steigt hernieder im leuchtenden Sternengewand!
Er weint, – denn Gottes Wille beschloß
Sie heimzuholen in seinen Schooß!

Und unten tief in fester Hand
Hält der Sterbeengel den Todesbrand,
Und harret, bis von des Himmels Bord
Erschallet des Höchsten befehlend Wort!
Und Niemand ahnet’s, – es schläft die Welt, –
Seht ihr, wie der zuckende Blitz dort fällt!

Sie hören es nicht, – sie sehen es nicht,
Es flammet die Stube in glühendem Licht,
Und auffliegt’s in wild zerschmetterndem Schwall, –
Braut, Bräut’gam, Mutter und Schwestern all’
Sind begraben in Schutt, – und ruhig und mild
Seh’n die Sternlein herab vom azurnen Gefild!

Da stürmet und tobt es und rasch voran
Stürzt die Menge, es wagen die Hände sich d’ran,
Und voll festen Muth’s im Kriegergewand
Rettet Schwester und Braut mit eig’ner Hand
Ein Edler, der mit hoher Kraft und Macht
Viel Gutes und Schönes hat vollbracht!

Doch Mutter und Schwester, Bräut’gam und Kind
Und ein treuer Diener verschüttet sind,
Sie erblicken nimmer der Sternlein Licht,
Das glänzend durch die Ruinen bricht;
Leb’ wohl, Geliebter, das wunde Herz
Sucht nun Trost beim Höchsten dort himmelwärts!

Theodor Fischer: Den unglücklichen Waisen Marie und Ida Graf. München, 1857.

#Königlich Bayerisches Kreis-Amtsblatt von Oberbayern (5.1.1858)

Belobende Anerkennung

Bekanntmachung.

Die Pulverexplosion im Eisenhändler Rosenlehner Hause am Karlsthore betr.
Im Namen Seiner Majestät des Königs von Bayern.

Unmittelbar nach der in der Nacht vom 15. auf den 16. September d. Js. durch Pulverexplosion erfolgten Zerstörung des Eisenhändler Rosenlehner’schen Hauses zu München eilten viele Personen freiwillig an die Stätte des Unglücks und leisteten zum Schutze und zur Rettung der Betheiligten theilweise mit eigener Lebensgefahr die aufopferndste Hilfe.

Das Leben von drei Personen des zerstörten Hauses wurde damals gerettet.

Allen denen, welche bei erwähntem Vorfalle, ohne durch eine amtliche Stellung hiezu verpflichtet zu sein, hilfreiche Hand geleistet haben, wird für den bewährten Muth und die edle Aufopferung die belobende Anerkennung der unterfertigten Stelle hiemit ausgedrückt und werden nach dem Ergebnisse der gepflogenen Erhebungen ihre Namen in alphabetischer Ordnung bekannt gemacht, wie folgt:

  1. Friedrich Auracher, Vergolder,
  2. Karl Bronberger, sen., Magistratsrath und Kaufmann,
  3. Georg Adam Bruckhof, Schuhmachermeister,
  4. Philipp Heiß, Gasthofbesitzer,
  5. Alois Hesse, Lithograph,
  6. Franz Hohenauer, Lederhändler,
  7. Georg Huber, Zimmergeselle,
  8. Joseph Radspieler, Gemeindebevollmächtigter und Vergolder,
  9. Franz Alois Rahner, Schweiger aus Bregenz,
  10. Karl Riederer, jun., Kaufmann,
  11. Ludwig Rudenbauer, Oberlieutenant im königl. Infanterie-Leibregiment,
  12. Karl Schenk, k. Lieutenant im 6. Jäger-Bataillon,
  13. Georg Schmerber, Schuhmacher,
  14. Richard Schmidtlein, Buchbinder,
  15. Andreas Soyter, Melber,
  16. Anton Stulberger, Koch,
  17. Xaver Vogl, Schlossermeister,
  18. Anton Wagner, Brauerssohn,
  19. Georg Wagner, Schäfflergeselle aus Westerndorf, Landgerichts Wertingen,
  20. Georg Werlein, Ornamentenmacher.

Gleiche belobende Anerkennung wird den Aerzten, dem k. Universitäts-Professor Dr. v. Rothmund, dem praktischen Arzte Dr. Walther und dem praktischen Arzte Dr. Herrmann in Nymphenburg für die in jener Nacht geleistete ärztliche Hilfe hiermit ausgedrückt.

München, den 31. Dezember 1857.

Königliche Regierung von Oberbayern,
Kammer des Innern.
Freiherr von Zu-Rhein, Präsident.

Königlich Bayerisches Kreis-Amtsblatt von Oberbayern Nr. 2. München, den 5. Januar 1858.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Graf Anna, 1822–1857, Expeditorswitwe und Putzmacherin, Graf Ida, 1840–1857, deren Tochter und Graf Rosa, 1840–1857, ebenfalls Tochter der Anna G.; alle drei sind Opfer der Pulverexplosion, die sich am 15. September 1857 hinter dem Karlstor, etwa beim heutigen Hotel Fahrig ereignete; dieser Grabstein mahnt an eine Katastrophe, bei der sechs Personen ums Leben kamen; am Dienstag, dem 15. September 1857, 10.30 Uhr, wurde das Haus des Eisenhändlers Oskar Rosenlehner durch das dort aufbewahrte Pulver in die Luft gesprengt; von den Hausbewohnern fanden die zwölfjährige Schwester des Hauseigentümers, Anna Rosenlehner, Julius Carstens, ein Kunstmaler aus Lindholm in Schleswig, 32 Jahre alt, die genannten Anna und Ida R. – letztgenannte war die Braut Carstens – und Benedikt Weichselbaum, Lohndiener beim Oberpollinger, den Tod; Maria G., eine weitere, 25.jährige Tochter der Anna G., kam zusammen mit ihrer später den Verletzungen erlegenen Schwester Ida und der Katharina Späth, einer Dienstmagd beim Eisenhändler Rosenlehner, ins Allgemeine Krankenhaus in München; den Knall der Explosion soll man bis in Landshut gehört haben.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#27 – 11 – 6* (Weichselbaum)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Weichselbaum, Benedikt; 1787 – 15.9.1857 (München), Opfer der Pulverexplosion hinterm Karlstor; Lohndiener

Das Grab ist nicht erhalten

#27 – 11 – 5 (Jahn)


Grab der Familie Jahn auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#27 – 11 – 6 (Landthaler · Mayer · Schiele)


Familien Grabstätte.

Hier ruhen:
in Gottes Frieden
unser theurer unvergesslicher Gatte und Vater
Josef Maÿer,
Privatier,
gest. den 23. Dez. 1900, im 69. Lebensjahre.
Unsere inniggeliebte Mutter
Frau Babette Maÿer
Privatierswitwe
gest. den 23. Sept. 1916 im 81. Lebensjahre.

Sockel
Andreas Schiele,
kgl. Bahnexpeditor,
gest. 28. März, 1897, im 42. Lebensjabre.
Ruhe sanft, bester Gatte u. Vater!
K. Schmitt

Rechte Seite
Unsere liebe Mutter
und Schwiegermutter
Frau
Anna Landthaler
gest. den 29. Aug. 1880,
im 73. Lebensjahre.


  • Landthaler, Anna (vh); – 29.8.1880, 72 Jahre alt
  • Mayer, Babette (vw); – 23.9.1916, 80 Jahre alt
  • Mayer, Josef; – 23.12.1900, 68 Jahre alt; Privatier
  • Schiele, Andreas; – 28.3.1897, 41 Jahre alt; Bahnexpeditor

Grab der Familien Landthaler · Mayer · Schiele auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2022)

#27 – 11 – 16 (Kurz)


Johann Nepomuk
Edler von Kurz
Begründer der
Bayrischen Landesschule
für Körperbehinderte
* 27.02.1783 † 13.01.1865

Rechte Seite
KOMETER


  • Kurz, Johann Nepomuk Edler von; 27.2.1783 (München) – 13.1.1865 (München); Staatsbeamter und Behindertenpädagoge

Grab der Familie Kurz auf dem Alten Südfriedhof München (September 2019)

Grab der Familie Kurz auf dem Alten Südfriedhof München (September 2019)

#27 – 11 – 18 (Kraft)


Karl Kraft
* 20.12.1861.
† 5.2.1939.


  • Kraft, Karl; 20.12.1861 – 5.2.1939

Grab der Familie Kraft auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#27 – 12 – 2 (Echter)


Michael Echter,
Geschichtsmaler u. kgl. Professor,
geb. zu München 5. März 1812,
gest. daselbst 4. Febr. 1879.
Franziska Echter,
geb. Herrmann,
geb. 5. Dez. 1850, gest. 1. Juni 1896.
Walburga Echter
kgl. Professorswitwe,
geb. in Dachau 19. Mai 1825,
gest. zu München 4. Septbr. 1904.

Sockel
Friedrich Echter
geb. 22. Nov. 1849, gest. 27. Juli 1916

Rechte Seite
Max
Echter
geb. 24.11.1857
gest. 3.10.1941.


  • Echter, Franziska (vh) / Herrmann (gb); 5.12.1850 – 1.6.1896
  • Echter, Friedrich; 22.11.1849 – 27.7.1916
  • Echter, Max; 24.11.1857 – 3.10.1941
  • Echter, Michael; 5.3.1812 (München) – 4.2.1879 (München); Historienmaler, Kirchenmaler und Portraitmaler
  • Echter, Walburga (vw); 19.5.1825 (Dachau) – 4.9.1904; Kunstmalers-Witwe

Grab der Familie Echter auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

Grab der Familie Echter auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Michael Echter

* 5.3.1812 (München)
† 4.2.1879 (München)
Historienmaler, Kirchenmaler und Portraitmaler

#Münchener Künstlerbilder (1871)

Michael Echter,
Historienmaler.

Die Stadt München hat zur Schule, welche nach ihr genannt wird, ein tüchtiges Contingent von Künstlern gestellt. Unter diesen befindet sich auch Michael Echter, der daselbst am 5. März 1812 geboren ward. Sein Vater war als Tischler im k. Hofbauamte beschäftigt und aus Neuburg an der Donau gebürtig. Künstlerische Begabung hat der Sohn von seinen Eltern nicht ererbt, die Talente des Vaters reichten in dieser Richtung nicht weiter als eben für sein Handwerk hinreichte. Die Armut der Eltern machte es ihnen unmöglich einen über den Unterricht in der Volksschule hinausreichenden anderweiten geben zu lassen. Als er diese hinter sich gebracht, ward der Junge im Hause beschäftigt, soweit er nicht als Chorknabe in der St. Michaels-Hofkirche anwesend sein mußte; denn einer seiner Lehrer hatte bemerkt der Knabe besitze eine gefällige Stimme und so hatte er denn an dem allgemeinen Singunterricht in der Schule Theil genommen und war gegen geringen Entgelt der dem elterlichen Hauswesen zu Nutze kam als Kirchensänger installirt worden.

Er zeichnete gern und für sein Alter und den Mangel an Unterricht gut, was Veranlassung gab, daß er mit vierzehn Jahren in die damals mit der Akademie der bildenden Künste verbundene Vorschule geschickt ward und daselbst den ersten systematischen Unterricht im Zeichnen erhielt, zunächst von Seidel, dann von Heinrich Heß, Clemens Zimmermann und Julius Schnorr von Carolsfeld.

Damals ging es mit den Fortschritten in der Kunst noch nicht so schnell als in unsern Tagen, in denen man heut als Schüler an der Akademie eintritt, um nach Jahresfrist selbe als Meister wieder zu verlassen und selbst ein oder zwei Dutzend Schüler aufzunehmen, in denen sich derselbe Gang der Sache wiederholt.

Kurzum Echter war schon ein junger Mann von etwa zwanzig Jahren, als er sich in eigenen Compositionen versuchte. Während er 1835 unter Ollivier’s Leitung arbeitete, erschien eines Tages im Atelier desselben ein Pfarrer mit der bescheidenen Anfrage ob hier Bilder gemalt würden. Von Ollivier beschieden erklärte er, seine Kirche in Oberhaching bei München bedürfe eines neuen Altarbildes, das den heiligen Ritter Georg zeigen müsse. Was die Finanzfrage betreffe, sei er in der Lage dreißig Gulden dafür zu zahlen. Da schaute sich Ollivier mit nur halb unterdrücktem Lächeln im Kreise seiner Schüler um; endlich ruhte sein scharfes Auge auf unserm langaufgeschossenen Echter und er fragte ihn, ob er wohl Lust hätte die Arbeit zu übernehmen. Wer hätte je die erste Bestellung abgelehnt? So griff denn auch Echter frisch zu, glücklich nicht blos durch Ertheilung von schlechtbezahltem Zeichnenunterricht etwas verdienen zu können und entledigte sich seiner Aufgabe zu so großer Befriedigung der Kirchenverwaltung Oberhaching, daß deren Vorstand den dreißig Gulden Honorar noch ein Extrahonorar von sechs Gulden für den, der das Bild gemalt habe, beifügte.

Unser junger Künstler versuchte sich in der Behandlung der verschiedenartigsten Stoffe, er componirte eine »heilige Elisabeth von Thüringen«, einen »aus dem Kerker befreiten heiligen Petrus«, »den Gang der Jünger nach Emaus«, den »Grafen Eberhard den Greiner von Württemberg« u. s. w. und führte einen Theil dieser und anderer Compositionen in Oel aus; aber alles vergebens. Seine Arbeiten machten wenig, man könnte sagen gar kein Glück. Auch der Kunstverein, sonst die Stütze aufstrebender Talente, lehnte hartnäckig seine Arbeiten ab. Da war es denn kein Wunder, wenn er sich tief entmuthigt fühlte. Um nur leben zu können, mußte er froh sein unter den ungünstigsten Verhältnissen Bestellungen auf Altarbilder für Landkirchen zu bekommen. Ein heiliger Georg für Oberhaching hatte ihm das erste Honorar eingebracht, ein heiliger Georg für die Kapelle auf dem Schloßberg bei Rosenheim entschied sein ganzes späteres Leben.

Die Maßverhältnisse des Bildes waren derart, daß es kaum thunlich war, es in einem gewöhnlichen Zimmer zu malen. Da wendete sich Echter durch seinen Freund, den Bildhauer und Professor Max Widnmann, mit der Bitte an Direktor Kaulbach, dasselbe in seinem Atelier vollenden zu dürfen, welcher Bitte denn auch statt gegeben wurde. Kaulbach schien sich vorerst für Echter zu interessiren, als dieser aber des Meisters Atelier nach Vollendung seines Bildes wieder verließ, ihn ganz aus den Augen verloren zu haben.

Inzwischen fand unser Künstler im Festsaalbau länger andauernde Beschäftigung. Julius Schnorr von Carolsfeld hatte die Säle mit Wandgemälden zu schmücken und zog auch Echter bei, indem er ihn im Saale Carls des Großen, Rudolfs von Habsburgs, und Barbarossa’s beschäftigte. Andererseits vermittelte Director v. Klenze Aufträge bezüglich der Ausführung eines Altarbildes für die Garnisonkirche in Kronstadt sowie der Porträts Kepler’s, Maerz’s und Steinheil’s für die Sternwarte in Pulkowa.

So kam das Jahr 1846 heran und Kaulbach, der inzwischen den Auftrag erhalten hatte, seine Wandgemälde im Treppenhause des Neuen Museums auszuführen, erinnerte sich Echter’s wieder und knüpfte mit ihm über dessen Eintritt als Gehilfe hiebei Unterhandlungen an, welche zu dem beiden Theilen erwünschten Ziele führten, nachdem Echter einige Probearbeiten in Anwendung der Stereochromie in Kaulbach’s Atelier hergestellt hatte.

Im darauffolgenden Frühjahre traten beide gemeinschaftlich die Reise nach Berlin an,, welche sie durch das Salzkammergut, über Linz, Wien, Prag und Dresden führte. Kaum in Berlin angekommen, ging Kaulbach mit der chm eigenthümlichen Energie an die Arbeit, bei welcher ihm sein neuer Schüler Echter treu zur Seite stand.

Soll das Verhältniß zwischen Lehrer und Schüler ein mehr als blos äußerliches, soll es ein wirklich inneres und fruchttragendes sein, so müssen zwischen beiden Beziehungen bestehen, welche ihren letzten Grund in gewissen Aehnlichkeiten der Anlage und der Empfindungs- und Denkweise haben. Wo solche Beziehungen nicht vorhanden, da wird der Einfluß des Lehrers auf den Schüler unter allen Umständen nur ein wesentlich beschränkter und einseitiger bleiben. Es hat das seinen natürlichen Grund darin, daß der menschliche Geist nur dasjenige in sich aufnimmt, was sich ihm bis zu einem gewissen Grade wenigstens verwandt erweist und daß prinzipielle Gegensätze nie in Einklang zu bringen sind, wenn es auch recht wohl geschehen kann, daß sie ohne Feindseligkeit neben einander bestehen. Bei der ersten Berührung aber wird der Zwiespalt ans Licht treten.

Dieser Satz von dessen Richtigkeit wir uns im vielseitigen Leben jeden Tag überzeugen können hat auch in der Kunst und zwar gerade in ihr seine besondere Geltung. Denken wir uns beispielsweise ein Paar so eigenartige Naturen wie Platen und Grabbe in Beziehungen zu einander, wie die oben bezeichneten und den um fünf Jahre jüngeren Grabbe als Schüler Platen’s. Es wäre wohl möglich, daß Grabbe seine Sprache nach der Platen’s modelte und schliffe, daß er formrichtige Sonette, Terzinen und Oktaven drechselte; aber sie würden immer nur Experimente bleiben, weil er mit der Form nicht auch seinen Gedankengang dem des Lehrers anpassen, weil er sein Genie und alle seine Excentricitäten nicht mit dem klaren, durchsichtigen, uns hellenisch anmuthenden Wesen Platen’s vertauschen könnte. Und umgekehrt würde Platen’s antike Ruhe wohl an Wirksamkeit verlieren, aber nicht ganz aufgehoben werden können, wenn er seine Gedanken in der ungebundenen übersprudelnden Form Grabbe’s zum Ausdruck brächte.

Durch den Einfluß des Vorbildes und Meisters können nur im Keime vorhandene Anlagen entwickelt und zur Entfaltung gebracht werden. Diese Entwicklung und Entfaltung wird aber sofort gestört, sobald der von jenem gezeigte Weg sich als ein solcher erweist, welcher mit der angegebenen Begabung und individuellen Richtung des Geleiteten in Widerstreit liegt. Sie schreitet dagegen zu den schönsten Blüthen fort, wenn die angeschlagenen Töne verwandte Saiten mitklingen machen. Andererseits liegt es nahe genug, daß diese Entfaltung um so rascher und kräftiger erfolgt, je bedeutender und mächtiger das Vorbild ist, von dem jener Einfluß ausgeübt wird, während hinwiederum die ganze Selbständigkeit eines eigenartigen Charakters dazu nöthig ist, um unter diesem Einflüsse nicht zum bloßen Nachahmer und Copisten herabgedrückt zu werden, sondern seine Individualität zu wahren.

Wenn ein Künstler eine lange Reihe von Jahren fast ausschließlich damit beschäftigt war, einem hervorragenden Meister bei Ausführung seiner bedeutendsten Werke hilfreich zur Seite zu stehen, und wenn zu dieser fortgesetzten Thätigkeit im Sinne des Letzteren noch ein ebenso dauernder Umgang mit demselben hinzukommt, so kann es nicht auffallen, wenn die Summe der empfangenen Eindrücke sich auch in seinen selbständigen Arbeiten ausspricht, selbst dann, wenn er im Stande ist seine Individualität zu bewahren.

In einer solchen Lage befand sich auch Echter und es ist nicht zu verwundern, wenn er sich in Folge dessen eine gewisse Aehnlichkeit der künstlerischen Handschrift mit jener Kaulbach’s angeeignet hat, nach dessen Weisungen er viele Jahre lang thätig war. Konnte sich ja doch ein Nikolaus Helt Stockade, obwohl er erst ein halbes Jahrhundert nach Titian und Tintoretto lebte, dem gewaltigen Eindrücke ihrer Werke so wenig entziehen, daß ein geübter Blick dazu gehört, um unter Umständen Arbeiten von seiner Hand von denen der genannten Meister zu unterscheiden. Echter’s Verkehr mit dem berühmten Meister blieb nicht ohne tiefer gehende Wirkungen. Er lernte vor Allem den Gedanken schätzen und es ward ihm klar, daß die Form der Erscheinung nichts weiter ist, als das Wort um den Gedanken auszusprechen, wobei ihm freilich auch nicht entging, daß der Künstler ebenso der schönen Form bedürfe wie der Dichter.

Echter war aber nicht blos Kaulbach’s Schüler. Ihre Thätigkeit im Neuen Museum war nothwendig mit einem Zusammenleben Beider verbunden, aus welchem unser Künstler die bedeutendsten Vortheile schöpfen mußte. Als steter Begleiter Kaulbach’s trat er zu den hervorragendsten Künstlern Berlins in freundliche Beziehung, so zu Stüler, Dracke, Schieverbein, Blaeser und vielen Anderen.

In den kurzen Ruhestunden welche Kaulbach und Echter nach Tisch in einem engen Zimmerchen des Neuen Museums verbrachten, entstand in jener Zeit das bekannte »Klecksbuch« ein köstliches Zeugniß von der übersprudelnden Fantasie der Künstler, das nun im Kupferstichcabinet zu Berlin sich befindet. Während seines Aufenthaltes dortselbst ward er auch von dem kunstsinnigen Grafen A. Raczynski mit dem Aufträge betraut die Wände seines Treppenhauses mit Gemälden zu schmücken.

Der König Maximilian II. war schon zu Anfang der fünfziger Jahre auf Echter aufmerksam geworden und in dessen Auftrag hatte er in Gemeinschaft mit Ph. Foltz, G. Hiltensberger, C. Piloty, M. v. Schwind und Anderen an den zwölf Bildern aus dem Leben bayerischer Fürsten gearbeitet, welche 1853 im Holzschnitt herausgegeben wurden und vorzugsweise zu Schulpreisen bestimmt waren.

Als der König den Plan faßte hervorragende Momente der Weltgeschichte malen und die Gemälde in den Sälen des Maximilianeums aufhängen zu lassen, gedachte er auch Echter’s und so entstand sein im Jahre 1860 vollendetes großes Bild »die Ungarschlacht auf dem Lechfelde im Jahre 955.« Der Künstler bewältigte den gewaltigen Stoff mit sicherer Hand und leistete namentlich in Bezug auf Einheitlichkeit der Composition sehr Anerkennungswerthes. Die Handlung entwickelt sich in großen Zügen und der Grundgedanke »Sieg« ist auf das lebendigste ausgedrückt, indem Echter mit richtigem Verständniß seiner Aufgabe es vermied, die Aufmerksamkeit durch eine Reihe von entbehrlichen Episoden von der Hauptsache abzulenken. Demzufolge hat er den Kaiser mitten in sein Bild gestellt, vor seinen Augen werden ein Paar ungarische Große gefangen genommen um später am Ostenthor zu Regensburg den Tod durch Henkershand zu finden. Während er selbst noch lebhaften Antheil am Kampfe nimmt, dankt der h. Bischof Ulrich von Augsburg mit aufgehobenen Armen Gott für den glorreichen Sieg über die Heiden. Hinter ihnen weht das Reichsbanner mit dem Bilde des Erzengels Michael. Ganz nahe bei dieser Hauptgruppe zieht eine edle ritterliche Gestalt die Blicke auf sich. Es ist der Frankenherzog Konrad, der ein verrätherisches Einverständniß mit dem Landesfeinde durch den Tod des Tapferen zu sühnen hoffte. Seine Sehnsucht ward gestillt, wir sehen ihn von einem Pfeile in den Hals getroffen, als er eben, um sich in der Hitze des Kampfes etwas zu verkühlen, die Halsberge geöffnet. Von außerordentlicher Lebendigkeit und Kraft ist auch namentlich eine links im Bilde befindliche Gruppe Magyaren, die auf dampfenden Rossen den eindringenden Deutschen zu entgehen suchen. Da schlagen die Wellen des Lechs ihnen entgegen, und alle Hoffnung schwindet. Nicht minder tüchtig ist Echter’s Werk hinsichtlich der Farbe, und wir rechnen es dem wackeren Künstler zu doppeltem Verdienst an, daß trotzdem der Gedanke das Dominirende blieb – ein Vorzug, dessen nicht alle Werke der neueren Kunst sich rühmen können. Eines aber ist es, was jeden Vaterlandsfreund angesichts dieses Bildes mit Befriedigung und Zuversicht erfüllt: es ist das Bewußtsein, daß das deutsche Volk, Stamm an Stamm gereiht, keinen Feind zu fürchten braucht, er mag aus Ost oder West kommen.

Im Jahre 1860 entstanden ferner die Farbenskizzen zu drei großen Wandgemälden, von denen eines, »der Vertrag von Pavia«, an der Außenseite des Maximilianeums, die beiden anderen im Inneren des Nationalmuseums zur Ausführung gelangten. Was das erste betrifft, so behandelte der Künstler den ceremoniösen Stoff in gewissermaßen reliefartiger Weise und sicherte ihm dadurch bei der 1865 bethätigten Ausführung volle Wirkung. Die beiden anderen Bilder zeigen »Friedrich des Rothbartes Vermählung mit der schönen Beatrix von Burgund« und »das Begräbniß Walther’s von der Vogelweide.«

Im nemlichen Jahre malte Echter »die vier Elemente« in ebenso vielen Oberthürbildern für den Fabrikbesitzer Herrn v. Kramer-Clett in Nürnberg. Sie führen in der anmuthigsten und sinnigsten Weise eine Reihe lieblicher Kindergestalten vor, deren Beschäftigungen jene Hauptkräfte der Natur charakterisiren, welche man Elemente zu nennen pflegt. Auf Waarenballen und Kisten schließen Zwei mit ernsten Mienen ein Handelsgeschäft ab, indeß der Floß mit ihnen dem Strom hinabgleitet; ein Dritter schnellt an der Angel einen zappelnden Fisch aus dem Wasser, dessen Flut ein Vierter mit kräftigem Ruderschlag theilt. Tief im Grunde der Erde rollt von Knaben in Bergmannskleidern gezogen ein mit Metall beladener Karren und ertheilt der Obersteiger mit komischem Ernste seine Befehle. Dort raucht der Meiler und qualmt der Schmelzofen und sprühen die Funken unter mächtigen Hammerschlägen, während ein jugendlicher Kohlenträger sein Pfeifchen schmaucht. Von besonders anziehender Wirkung aber ist »die Luft«, wobei der Künstler einen Knaben orgelspielend, einen anderen Seifenblasen machend u. s. w. zeigte und auch das muntere Vöglein nicht vergaß, das lustig in die Welt hineinsingt.

Wie es in der Natur der Sache liegt, daß der Dichter seine über das Niveau des Alltagslebens sich erhebenden Gedanken und Empfindungen in edlerer gewählter Sprache zum Ausdruck bringt, so ist der bildende Künstler seinerseits in gleicher Weise auf eine ideellere Ausdrucksweise hingewiesen und greift deshalb nicht selten wie der Dichter zum Gleichniß, so zur Allegorie. Nach dem Mißbrauche, der in beiden Richtungen, in Kunst und Poesie, seit dem Verfalle der Renaissance mit der Allegorie getrieben ward, erklärt es sich leicht, warum sie in unseren Tagen nur mehr wenig Freunde zählt, ganz abgesehen von der Herrschaft einer Anschauung in der Kunst, welche keine höhere Aufgabe kennt als die Erreichung der möglichsten Naturwirklichkeit und welche des Gedankens entbehren zu können meint, indem sie die nackte Form über Alles emporhebt. Aber selbst der entschiedenste Gegner dessen, was man von gewisser Seite mit dem Spottnamen Gedanken-Malerei zu bezeichnen pflegt, (ohne in solcher Naivetät zu ahnen, welche Blöße man sich durch seine Opposition gegen den Gedanken giebt,) und der ausgesprochenste Feind der Allegorie muß rückhaltlos den Werth der von Echter im Jahre 1862 in der Einsteighalle des Münchener Staatsbahnhofes ausgeführten Compositionen »die Telegrafie« und »der Eisenbahnverkehr« anerkennen.

Es ist trotz allem Jammer über die trockene Prosa unserer Tage eine unglaubliche Fülle von Poesie im modernen Leben, aber sie bleibt blöden Augen verborgen wie manches Andere. Wer freilich im Locomotiv nichts weiter sieht, als ein System von Hebeln, im elektromagnetischen Telegrafen nichts als Kupferdräthe und Walzen, der wird schwer von der Richtigkeit unserer Behauptung zu überzeugen sein.

Die bildende Kunst ist bisher nur schüchtern an das Neue herangegangen und hatte eine gewisse Scheu davor, die Gedanken der Neuzeit in ihrer Art zu verkörpern und so, möchte ich sagen, zum zweiten male zum Gemeingut der Menschheit zu machen. Diese Scheu war freilich eine leicht erklärliche: galt es doch die breit getretenen Wege des Hergebrachten und Vorgedachten zu verlassen und neue Pfade zu finden und gangbar zu machen. Dazu aber fehlt Vielen der Muth, weitaus den Meisten aber noch mehr die Kraft. Um so erfreulicher und dankenswerther ist es, daß ein Künstler, der durch die Ungunst der äußeren Verhältnisse in früheren Jahren weniger genannt wurde als er verdient hätte, mitten ins moderne Leben griff und mit sicherer fester Hand seine Stoffe herausholte.

Im Jahre 1861 schmückte M. Echter die Durchfahrten des Staatsbahnhofes in München mit Fresken, welche die Verbindung der Völker durch die Eisenbahnen und den Verkehr des Handels, und der Gewerbe in ebenso geistreicher als anmuthiger Weise zur Anschauung bringen.

Betrachten wir zuerst die Telegrafie: Aus scharfkantigen Erzstufen steigt bis zum halben Leibe ein gewaltiges Weib empor. Ihr ernster Blick schaut in die Ferne, ihr Haar wird vom elektrischen Strome, der sie durchzieht und von ihr ausgeht, flatternd emporgetrieben. Ihre weit ausgestreckten Arme, von bärtigen Gnomen unterstützt, scheinen die Welt umspannen zu wollen, wie die Dräthe des Telegrafen sie wirklich umspannen. Dem Beschauer wird dabei nicht entgehen können, wie charakteristisch der geistreiche Künstler selbst den malerischer Behandlung so mächtig widerstrebenden äußeren Apparat zu verwerthen, wie ansprechend er denselben für seine Zwecke umzubilden verstand. Zu beiden Seiten sitzen schöne Frauengestalten. Die zur Linken flüstert dem Ersten von fünf reizenden, geflügelten Knaben etwas ins Ohr, während der letzte derselben die Botschaft der Frauengestalt zur Rechten überbringt. Die neugierige Geschäftigkeit, der Pflichteifer der prächtigen Jungen läßt sich nicht anmuthiger wiedergeben als unser Künstler es gethan.

Auf dem zweiten Bilde stürmt uns in wilder Hast ein geflügelter Dämon entgegen. Dichter Dampf entströmt stoßweise seiner keuchenden Brust. Seine Arme und Beine theilen in wüthenden Stößen die Luft, alles in den Staub werfend, was sich ihm hindernd in den Weg stellt. Aber der Dämon ist gekettet. Ein üppig gebautes Weib, durch den Stab mit dem Flügelrade gekennzeichnet, hält seine Ketten in sicherer Hand, während sie, ihr Knie auf seinen Nacken gestützt, ihrer Herrschaft bewußt, stolz das Haupt erhebt. Vor der Kraft des Gewaltigen ist die Schranke zersplittert, die zwei benachbarte Völker trennte. Sein bloßer Athem warf den trockenen Pedanten nieder, der kaum weiß wie ihm geschieht, da Thorzettel und Wanderbuch, Reisepaß und Controlregister, seines Lebens höchste Ideale, vor seinen bebrillten Augen in alle Winde zerstreut werden. Auch der Schnecke wird bang ums Herz und sie streckt ihre Fühlhörner lang aus, um Erkundigung einzuziehen, woher und welche Gefahr ihr etwa drohen möge. Mit hoch geschwungenem scharfem Beile fliegt der eine Knabe neben dem schönen Weib, niederzuschmettern, wo sie befiehlt; aber auch sein milderer Bruder fehlt nicht, der aus unerschöpflichem Wunderhorne des Friedens Segnungen streut. Vielleicht fällt selbst in des armen Pedanten Schoos eine seiner Rosen oder blanken Münzen! Ist doch auch er ein Theil des Ganzen, über das der Segen ausströmt.

An alle dem ist nun freilich nichts, was das Auge besticht und blendet, aber es fühlt sich aufs angenehmste berührt von der reinen Schönheit der Linien, von der Keuschheit und dem Adel der Empfindung, von der Originalität des Gedankens und dem Eingehen in das innerste Wesen des Stoffes, der an sich unleugbar spröde, unter der Hand des geistvollen Künstlers sich auf überraschend liebliche und zugleich bedeutende Weise gestaltete. Blos in roth und gelb ausgeführt, entbehren diese Werke all der hilfreichen Unterstützung, welche die Farbe einer Composition zu leisten vermag.

Im Jahre 1862 ward Echter von der Akademie der bildenden Künste in München zu ihrem Ehrenmitgliede gewählt und damit öffentlich anerkannt, wie hoch sie seine Leistungen schätze.

Im nächsten Jahre malte der Künstler für das Verkaufslocal des Tapeziers Steinmetz an der Maximiliansstraße zu München ein Ueberthürbild, welches in lieblichen Kindergestalten eine idealisirte Darstellung des Tapeziergeschäftes enthält: prächtige Jungen schmücken einen Saal mit Spiegeln und Blumengewinde zu einem Feste. Auch für den Kaufmann Thiery daselbst malte er eine Gruppe sich küssender Kinder auf die Wand und schmückte die Decke eines Zimmers im Hause des Eisenwaarenhändlers Kustermann ebendort mit in Tempera ausgeführten »zwölf Monaten in Kindern dargestellt.«

Nachdem der König Ludwig II. im Frühjahr 1864 die Regierung des Landes angetreten, bezog er den westlichen Pavillon des Festsaalbaues. Von dort führt ein langer Corridor im zweiten Stockwerke in die südlichen Theile der Residenz. Dieser Corridor, der sogen. Theatinerneugang, war mit architektonischen Wandmalereien im pompejanischen Style geschmückt worden, zwischen denen dreißig Felder für figürliche Darstellungen leer gelassen worden. König Ludwig II., dessen Vorliebe für die Werke der deutschromantischen Poesie und Richard Wagner’s bekannt ist, gab nun im selben Jahre noch Echter den Auftrag, in den leergelassenen Feldern dreißig Scenen aus der Sage vom Ringe der Nibelungen auszuführen.

Während er mit der Ausführung des Auftrages beschäftigt war, beschickte er die internationale Kunstausstellung zu Antwerpen, indem er die Cartons seiner Wandbilder im Staatsbahnhof und im Nationalmuseum zu München dahin sendete. Sie fanden dort so lebhaften und allgemeinen Beifall, daß der König den Künstler durch Verleihung des Leopoldordens auszeichnete (1865).

An die Aufträge des Königs im Theatinerneugang reihte sich alsbald eine Reihe anderweiter desselben Monarchen. Echter malte seit dem Jahre 1866 für denselben eine namhafte Anzahl von Scenen aus den Richard Wagner’schen Opern »Tristan«, »Lohengrin« und »Tannhäuser« in Wasserfarbe, wobei er sich in der Regel an die Darstellungen dieser Opern an der Münchener Hofbühne zu halten hatte. Die Reihe dieser Bilder ist zur Zeit noch nicht abgeschlossen.

Ueberall wahr und natürlich, blendenden Effecten abgeneigt, weiß Echter in Allem und Jeglichem durch glückliche Wahl seiner Stoffe nicht minder zu fesseln als durch Sicherheit der Zeichnung und erfreuliche Harmonie der Farbe. Seine im Herbst 1868 erfolgte Berufung als Professor an die Kunstgewerbeschule zu München mußte daher um so freudiger begrüßt werden, als der wackere Künstler dadurch in die Lage gesetzt wurde, seinen Anschauungen in weiteren Kreisen Verbreitung zu sichern.

Im Sommer des Jahres 1868 zeichnete er die Cartons für zwei überlebensgroße Gestalten der Kunst und Technik, welche nebst dazu gehörigen Kindergruppen an dem Hause des Civilingenieurs Herrn Beeck an der Schätzlerstraße in Augsburg in Sgraffito ausgeführt werden sollen und sich durch wahrhaft ideale Auffassung auszeichnen.

Carl Albert Regnet: Münchener Künstlerbilder. Ein Beitrag zur Geschichte der Münchener Kunstschule in Biographien und Charakteristiken. Leipzig, 1871.

#Allgemeine Zeitung (16.2.1879)

Nekrologe Münchener Künstler.
(S. »Allg. Ztg.« Nr. 30. B.)

IV. Michael Echter.

Und nun auch unser guter Echter! Das Stuttgarter Künstler-Lexikon behauptete in erster Auflage: seine Wiege sei in Danzig gestanden. Echter aber war ein echter Münchener, geboren am 5 März 1812 in unserer Stadt. Hätte er je zur Feder gegriffen um seine frühesten Erlebnisse zu erzählen, er hätte, wie Rietschel und Thäter, viel von Sorgen und Noth zu berichten gehabt. Aber gerade aus dem harten Boden stieg dieser Charakter empor wie eine Tanne, mit einer frischen Seele voll harziger Waldluft, großgesogen von Thau, Licht und Sonnenschein. Je steiniger der Grund des Lebens ihn umgab, desto muthiger strebte er hinauf – ein idealer, prächtiger Mensch, mit den hellen Augen, dem fröhlichen Sinn und dem äginetisch-schwebenden Schritt – eine Recken- und Heldengestalt wie aus den Tagen der Nibelunge.

Der Vater, ein bei der königlichen Silberkammer beschäftigter Tischler, welcher später noch zur Stelle eines Schloßverwalters in Bamberg emporstieg, schickte sein Kind in die Volksschule, wo neben den elementarsten Künsten auch Singen und Zeichnen getrieben wurde. Seine gute Stimme verschaffte ihm einen Platz als Chorknabe in der Michaels-Kirche. Sein Eifer für’s Zeichnen führte den Vierzehnjährigen in die Lehre zu Seidel, welcher die zur Akademie führende Kluft überbrücken half, wo Echter geduldig den damals noch langen Weg von Gyps- und Draperie- bis zum Act- und Maler-Saale durchlaufen und, von der Hand zum Munde lebend, das Gelernte gleich wieder durch Unterricht verwerthen mußte. So wurden z. B. die beiden Horschelt seine Schüler, denen Echter die Hand reichte zum ersten Schritte nach dem Tempel der Kunst und des Ruhmes; er legte den Grund so gut und praktisch, daß sie es ihm dankbar auch zeitlebens nicht vergaßen.

Man kann nicht sagen daß die Professoren damals ihre Leute verzärtelten und verwöhnten. Drang, Liebe und Begeisterung zur Kunst mußten alles thun. Die Aussichten waren nicht glänzend und der in weiter Ferne winkende Gewinn und materielle Lohn noch sehr klein und gering: Einen wie heute florirenden Kunsthandel gab es außer der schüchtern vegetirenden Wimmer’schen Anstalt noch gar nicht. Nur die Kirchenmalerei gab durch mehr wohlwollende als einsichtige Bestellungen einigen, aber höchst sparsamen Erwerb; beim behäbigen Bürgerstande galten Künstler und Hungerleider für identische Begriffe; der hohe Adel hielt vornehm an sich, und König Ludwigs Vorbild und Beispiel standen noch ziemlich vereinzelt. Wir staunen heutzutage mit wie verhältnißmäßig geringen Mitteln es damals möglich war großartiges zu leisten. Dessenungeachtet murrten die »guten Münchener« über die königliche Munificenz. Was Schnorr als Honorar für den ganzen Bildercyklus in den fünf Sälen der Nibelungen erhielt, würde heut einem Halbweg namhaften Genremaler kaum noch für ein einziges Bild genügen! Leben und Lebensmittel waren damals aber noch wohlfeil. Dem Spruche gemäß daß Bier und Brod die Backen roth mache, nährte sich die kaum andere Bedürfnisse kennende Jugend redlich und tüchtig; lange Haare und ein Sammetrock thaten beinahe noch mehr und waren unerläßlich, während ein ditto Baret oder gar ein rehlederner Tricot schon stillen Neid erregten und als höchster Luxus galten. Kostbare Ateliers mit Urväter-Hausrath, der überhaupt als reiner Plunder verachtet war, splendiden Gardinen, Teppichen, meterhohen Malfenstern und theueren Spielereien aller Art gab es damals noch nicht. Es sah überall nüchtern und einfach aus, sauber, steif und gerade wie ein ordnungsliebender Mensch sein soll; von dem jetzt überall aufgehäuften malerischen Firlefanz wußte man nichts. Und doch war man vergnügt und behaglich. Unser Reich lag noch hoch in den Wolken und war nicht von dieser Welt. Das ist seitdem ganz anders geworden.

Ferdinand Olivier glaubte natürlich wie ein Vater gesorgt zu haben als er unserem Echter mit einem den Ritter St. Jörg vorstellenden ländlichen Kirchenbilde für das Gotteshaus zu Oberhaching die erste Bestellung verschaffte. Da mußte der Kunstsinn doch schon in weiteren Kreisen festen Fuß gefaßt haben, wenn sogar in diesem bisher nur durch seinen plötzlich verschwindenden Bach in der engeren Weltgeschichte bekannten Nest oder, artiger gesagt, in diesem Winkelchen der Erde, ein Pfarrherr solche Ideen plante. Dreißig Gulden war der blank gleißende Lohn. Echter aber nahm sich zusammen und that sein Bestes, so daß sogar der Oberhachinger Besteller Einsehen bekam und im unbewachten Ausdruck der Freude für das schöne Werk sechs baare Gulden extra über den Contract bezahlte.

Mit großer Zuversicht wurden unter der Oberleitung von Heinrich Heß, Clemens Zimmermann und Julius Schnorr v. Carolsfeld neue Arbeiten und natürlich große historische Stoffe begonnen, so z. B. wie Graf Eberhard der Greiner, der von Uhland besungene Rauschebart, vom armen Hirten aus dem Wildbad gerettet wird – ein Bild welches als sein erstes Werk 1835 im Kunstverein, ohne angekauft zu werden, erschien. Zwischendurch zeichnete und malte Echter unbeirrt weitere Kirchenbilder, die Befreiung des hl. Petrus aus dem Kerker (1837), den Gang der Jünger nach Emaus oder neuerdings den großmächtigen Drachenstecher (1842) für die neuerbaute Capelle auf dem Schloßberg in Rosenheim, schuf auch Bildnisse und Porträte berühmter Zeitgenossen, z. B. des Gundelfinger Abgeordneten Leonhard Friedrich, welcher durch seine Freisinnigkeit in der Ständeversammlung (1843) das damalige Ministerium in Harnisch brachte, half dann seinem schwärmerisch verehrten Lehrmeister Schnorr v. Carolsfeld als tüchtiger Frescotier an den großen Wandbildern des Festsaalbaues in der königlichen Residenz, schuf außerdem noch manch Marienbild (1845) und andere Heilige (1846) für die Kirche zu Prien im Aufträge des Grafen v. Preysing, bis ihn eines Tages Wilhelm Kaulbach durch das Salzkammergut, über Linz, Wien, Prag und Dresden nach Berlin entführte (1847). Welch’ ehrenvolles Zutrauen unmittelbar in Gesellschaft mit dem Meister die seither weltbekannt gewordenen Compositionen im Treppenhause des Neuen Museums ausführen zu dürfen! Dabei bewährte sich, nebenbei bemerkt, die von Professor v. Fuchs und Jos. Schlotthauer erfundene Stereochromie glänzend. Was hier Echter leistete mit jahrelangem Fleiß und innigster Hingebung, gereicht ihm zu unvergänglichem Ruhme. Dieses treue Eingehen und tiefempfundene Wiedergeben der Intentionen seines Vorbildes war von selbstloser Begeisterung getragen. Für einen schöpferisch-begabten Künstler ist es immer eine Art Opfer und Entsagung auf eigene Production zu verzichten und seine beste Kraft der Ausführung eines fremden Werkes unterzuordnen; dazu vermag nur eine völlig neidlose und reine Seele sich zu erheben…. Zwischen den beiden Künstlern entstand auch eine innige Freundschaft, welche, vorübergehende Stimmungen abgerechnet, dauernd hielt, obwohl Kaulbach nicht selten einer Theorie der Freundschaft huldigte welche hinter der nüchternen Praktik Friedrichs des Großen nicht zurückblieb. Während seines langjährigen Aufenthalts zu Berlin entwarf Echter auch einige eigene Compositionen für den Grafen Raczynski, welche er im Atrium des genannten Palais in Fresco malte.

Zurückgekehrt nach München 1858, schuf er vier Wandbilder für die historische Gallerie des bayerischen National-Museums: den Sieg Kaiser Heinrichs IV. über seinen Gegenkönig Rudolf von Sachsen am 12 August 1078 bei Mellrichstadt, und die Hochzeit des Barbarossa mit der Pfalzgräfin Beatrix von Burgund im Hofe des Würzburger »cazenwichûs« – einem historischen, höchst merkwürdigen Bollwerk, welches leider im Jahre 1852 der Eisenbahn zum Opfer fallen mußte. Auch die Scene wie Walther von der Vogelweide, der süße Liedermund, im »Lusemgarten« des neuen Münsters in Würzburg zur letzten Rast getragen wird und der sogenannte »Wartburg-Krieg« sind von Echters Hand. Daran schloß sich im Auftrag Sr. Majestät des höchstseligen Königs Maximilian II die Darstellung der »Ungarn-Schlacht auf dem Lechfeld« (955). Echter bewies mit diesem dem kgl. Athenäum einverleibten Werke nicht allein seine lang’ darnieder gehaltene Fähigkeit eigene Ideen zu gestalten und durchzuarbeiten, sondern auch im Oelbild eine gediegene Farbenkraft und verdienstliche Technik. Mit einer 1865 an der Westseite desselben Gebäudes gemalten den »Vertrag von Pavia« darstellenden Freske schied letzterer von dieser historischen Thätigkeit, auf welche wir bei aller Hochachtung vor Echters Leistungen doch nicht den Schwerpunkt seiner Kunst legen möchten. Sein ganzes Wesen drängte nach Stoffen wo er die schöpferische Phantasie freigestaltend walten lassen durfte, unbeengt von obligater Costüm- und Waffenkunde und sonstigem archäologischen Culturkram, in welchem er sich jedoch gut und geläufig zu bewegen wußte.

Schon 1860 erschienen im Münchener Kunstverein die »vier Elemente« welche Echter als Thürsturzbilder für Hrn. v. Cramer-Klett zu Nürnberg ausführte. Verzichtend auf alle herkömmliche Allegorie, packte er mit dichtender Hand seinen Stoff: in anmuthigster und sinnigster Weise führt uns der Künstler eine Reihe lieblicher Kindergestalten vor, deren Beschäftigungen jene Hauptkräfte der Natur charakterisiren welche man Elemente zu nennen pflegt. Auf Waarenballen und Kisten schließen zwei mit ernsten Mienen ein Handelsgeschäft ab, indeß der Floß mit ihnen den Strom hinabgleitet; ein dritter schnellt an der Angel einen zappelnden Fisch aus dem Wasser, dessen Fluth ein vierter mit kräftigem Ruderschlag theilt. Tief im Grunde der Erde rollt, von Knaben in Bergmannskleidern gezogen, ein mit Metall beladener Karren und ertheilt der Obersteiger mit komischem Ernst seine Befehle. Dort raucht der Meiler und qualmt der Schmelzofen und sprühen die Funken unter mächtigen Hammerschlägen, während ein jugendlicher Kohlenträger sein Pfeifchen schmaucht. Von besonders anziehender Wirkung aber ist »Die Luft,« wobei der Künstler einen Knaben orgelspielend, einen anderen Seifenblasen machend zeigte und auch das muntere Vöglein nicht vergaß, das lustig in die Welt hineinsingt.« (Vgl. C. A. Regnet: »Münchener Künstlerbilder.« 1871. I. 112. Bei dieser Gelegenheit sei uns eine nothgedrungene Bemerkung erlaubt. Während wir selbst jede fremde Stelle mit dankbarer Angabe benützen, werden unsere Arbeiten nicht allein ohne die geringste Quellen-Angabe wörtlich ausgebeutet, sondern theilweise ganz nachgedruckt, ohne den geringsten Nachweis woher dieselben genommen. Wir protestiren gegen solche literarische Freibeuterei um so mehr, als auch die Cotta’sche Buchhandlung die Mitarbeiter der »Allg. Ztg.« auf den §. 10 des Gesetzes über das Urheberrecht an Schriftwerken verpflichtet.)

Im nächsten Jahre schuf Echter die vier Fresken-Friese in den beiden Durchfahrten des Münchener Staatsbahnhofes, worin er nicht allein den Bau der Eisenbahnen und alle hiebei verwendeten Zweige geistiger und gewerblicher Thätigkeit, sondern auch den völkerverbindenden Verkehr, den Weltaustausch der Waaren und Erzeugnisse aller Zonen in geistvollster Weise zum Ausdruck brachte. Das ist echt monumentale Malerei, welche ohne Schwulst und Floskelschwall leicht verständlich zum Volke redet. Es ist unstreitig das beste was Echter geleistet hat, wozu gleichfalls auch die Bilder in der großen Einsteighalle des Bahnhofes gehören. In dieser ist ein beschwingter Genius selbstredend als der Träger des großen Uhr-Zifferblattes gedacht; ihm zur Seite finden wir in zwei spitzbogigen Feldern die beiden Erfindungen vertreten, welche einzig hieher gehören: Dampfkraft und Telegraphie – an sich gewiß sehr prosaische Probleme, welche indessen nur einer poetischen Berührung bedürfen um in idealer Gestaltung zu erscheinen. In wilder Hast stürmt uns auf dem ersten Bild ein geflügelter Dämon entgegen; Dampf-Ringelchen pfeifen stoßweise aus seiner keuchenden Brust; seine Arme und Beine theilen in wüthenden Stößen die Luft, alles darniederwerfend was sich ihm in den Weg stemmt; zertrümmert stürzen die Zollschranken und Schlagbäume, den schreibseligen, auf Wanderbuch, Vorweis und Paßquälerei erpichten Thorwärtel zur Seite schleudernd. Aber der Dämon ist mit Ketten an den Armen dienstbar gemacht einer hehren, auf ihm in halb kniender Stellung schwebenden, hellen Auges in die Ferne sehenden Frauengestalt, welche durch den Caduceus mit dem geflügelten Stabe hinreichend charakterisirt ist, begleitet von zwei Genien, deren einer mit geschwungenem Beil alle Wege zu ebnen trachtet, indeß der andere freigebig aus seinem Füllhorn Blumen, Früchte und Schätze streut. Wo möglich noch origineller gelang ihm auf dem zweiten Bilde die Gestaltung der Telegraphie. Aus scharfkantigen Erzstufen taucht halben Leibes ein riesiges Weib empor; ihr Auge blitzt in die Ferne, ihr reiches Haar wird durch den von ihr ausgehenden und sie durchziehenden elektrischen Strom flatternd emporgetrieben. Mit den von bärtigen Gnomen unterstützten weit ausgestreckten Armen scheint sie die Welt umspannenzu wollen – gleich den wirklichen Dräthen des Telegraphen, dessen äußerer an und für sich so nüchterner Apparat in überraschender Weise versinnlicht ist: zu jeder Seite sitzt eine schöne Frauengestalt; fünf geschäftig die ganze Gruppe in einem Bogen umflatternde Knabengestalten bilden das vermittelnde Band: der erste empfängt von der schönen Frau eine stille Botschaft, welche der letzte in diesem Reigen augenblicklich der gegenüber sitzenden Frauengestalt ins Ohr flüstert, die im gespanntesten Ausdruck des Hörens gleichzeitig die Hand erhebt um die Kunde auf ihr schmales Schriftband niederzuschreiben. (Vgl. die Holzschnitte nach Alberts Photographien in der »Illustr. Ztg.« Leipzig vom 27 Dec. 1862 39. Band S. 464. Dazu Regnet in den »Münchener Propyläen« 1869 S. 398 u. in s. »Künstlerbildern« S. 114.)

Wahrlich! wenn es, wie Emanuel Geibel so schön sagt, die Aufgabe des Dichters ist auch dem widerspänstigsten Stoffe durch vollendete Form doch ein Lächeln abzugewinnen, so bat Echter gleicherweise im adäquaten Fall als wahrer Künstler ein unvergängliches Werk geschaffen. Hoffentlich denkt man daran alle diese nur Grau in Grau auf rothen Grund gemalten Compositionen bei dem bevorstehenden Abbruch des alten Bahnhofs sorgfältig zu erhalten und wo möglich in den Neubau zu transferiren, welcher gewiß keines passenderen Schmuckes theilhaft werden könnte.

Durch diese Leistungen wurde die Aufmerksamkeit Sr. Majestät König Ludwigs II auf Echter gelenkt. Derselbe ertheilte ihm die ehrenvollsten Aufträge. So entstanden in dem zu den Appartements Sr. Majestät führenden Corridor (dem nach der gegenüberliegenden Kirche sogenannten »Theatinergang«) dreißig Fresken zu Wagners »Ring des Nibelungen,« womit damals der ganze Cyklus den ersten Illustrator fand. Diese namentlich durch ihre wohlgefällige Farbe ausgezeichneten Bilder wurden in der Folge von Franz Heigels Meisterhand in minutiöser Durchbildung copirt und schließlich durch Alberts Photographien vervielfältigt (Der Ring des Nibelungen. Photographien nach den im Allerhöchsten Auftrage Sr. Maj. König Ludwigs II von Bayern in der Residenz zu München ausgeführten Fresco-Gemälden von Professor M. Echter. Mit erläuterndem Text von Dr. H. Holland. München 1876 (Cabinetsformat). Die Original-Skizzen dazu erschienen im Dec. 1876 auf der »Richard Wagner Ausstellung« zu Wien Vgl. Beil. 356. »Allg. Ztg. 21 Dec. 1876.) – nächst den Arbeiten von Th. Pixis ein Gemeingut im weitesten Sinne für alle Wagner-Freunde. Auch zu den übrigen Tondichtungen Wagners entwarf Echter eine Reihe von Aquarellen, welche indessen noch der Veröffentlichung harren; ein Theil davon, darunter auch sechs Cartons zu »Tristan und Isolde,« trat 1876 bei Gelegenheit der Wiener Wagner-Ausstellung zu Tage.

Aber auch einer stattlichen Reihe von Privataufträgen wußte der unermüdlich fleißige Mann, dessen Schaffenskraft mit den Jahren zu wachsen schien, zu genügen. So malte Echter ein Ueberthürbild für den Tapezierer Steinmetz, mit der ihm eigenen Genialität das alltägliche Leben erheiternd, indem er neckische Jüngelchen darstellte, welche mit Spiegeln und Blumengewinden einen Saal festlich aufputzen. Für den Kaufmann Thierry malte er eine Gruppe glückselig spielender Kinder, ebenso die »zwölf Monate« an den Plafond des Eisenwaarenhändlers Kustermann. Auch zeichnete er die Cartons zu den von entsprechenden Symbolen umgebenen kolossalen Gestalten der »Kunst« und »Technik,« welche am Hause des Civilingenieurs Beeck zu Augsburg in Sgraffito ausgesührt wurden. Deßgleichen schmückte er einen Tanzsaal in Frankfurt mit zwei Deckengemälden, mit einer ihre Liebesgötter (pfeilschießende Amoretten) in den Saal sendenden Venus und einer echt Homerisch am Morgenhimmel heraufziehenden Aurora. Für ein Privathaus zu Wien schuf er 1873, umgeben von in vier Medaillons vertheilten Künsten, die Figuren der »Poesie« und »Phantasie.« Auf der Münchener Kunst-Ausstellung des Jahres 1876 erschien eine von dem heitersten Humor eingegebene Zeichnung, worauf Echter gleichfalls in einem Kinder-Fries die »Photographie« in neckischer Weise verherrlichte; das köstliche Blatt bildet jetzt eine Perle unseres Hand-Zeichnungs- und Kupferstich-Cabinets, welches trotz seiner beschränkten Mittel durch die umsichtigen Bemühungen des Consevators Rothbart fortwährend mit neuen Schätzen bereichert wird. Vier die »Jahreszeiten« darstellende Kohlenzeichnungen erwarb 1877 der Münchener Kunstverein, welche durch das Loos Hrn. Kaufmann Joh. Karl Buchner zufielen.

Früher hatte sich Echter auch an den bei C. Meinhold und Söhne in Dresden erscheinenden »Bildern zur deutschen Geschichte nach Original-Zeichnungen deutscher Künstler« betheiligt, und zu den »Zwölf Bildern aus dem Leben bayerischer Fürsten,« welche im besonderen Auftrag Sr. Maj. König Maximilians II unter Mitwirkung von Foltz, Hiltensperger, Andreas Müller, K. Piloty, Moriz v. Schwind und A. Strähuber (München 1852 bei Braun und Schneider) herausgegeben wurden, das schöne Blatt gezeichnet wie der ritterliche Herzog Christoph bei der Hochzeit Georgs des Reichen zu Landshut einen riesigen Polen aus dem Sattel wirft. Der größte Theil von Echters Schöpfungen erschien indessen bei Albert oder Hanfstängl in Photographie. Leider fehlt uns, während F. v. Miller und Prof. H. Brunn eine Sammlung für Gyps-Modelle begonnen haben, immer noch eine Staatsanstalt welche in ihren Räumen den besten Original-Cartons berühmter Meister ein Asyl bieten könnte. Im Auftrag Sr. Maj. König Ludwigs II begann Hr. Director v. Hüther einstweilen in der Neuen Pinakothek mit der Ausstellung der von J. A. Fischer, Schraudolph u. a. gezeichneten herrlichen Cartons, welche bei Auflösung der kgl. Glasmalerei aus deren Lokalitäten gerettet wurden. Echters Schöpfungen dieser Art, insbesondere seine Cartons zu den Münchener Bahnhof-Bildern, wären einer gleichen pietätvollen Erhaltung werth und würdig. Nach ihrer Vollendung wurde der Künstler von der Akademie der bildenden Künste zum Mitglied ernannt (1862); als dieselben 1865 auf der internationalen Kunst-Ausstellung zu Antwerpen erschienen, erhielt Echter den belgischen Leopold-Orden; 1868 folgte das Ritterkreuz des Verdienstordens vom hl. Michael I. Classe, zugleich mit einer Anstellung als Professor an der k. Kunstgewerbschule, nachdem Echter vorerst längere Zeit eine ähnliche Stelle an dem Kunstgewerbe-Verein bekleidet hatte. Auch war unser Echter unter den ersten welche von unserem Monarchen mit der goldenen Ludwigsmedaille für Kunst und Wissenschaft ausgezeichnet wurden.

Dieses künstlerische, von Anerkennungen und Aufträgen belohnte, von einem glücklichen Familien-Leben getragene Arbeiten und Schaffen zerriß auf einmal eine Kette von Leiden. Erst überfiel 1875 den seither kerngesunden Mann, welcher eben seines athletischen Baues wegen bei dem noch in der Erinnerung aller Betheiligten fortlebenden Künstler-Masken-Fest von 1840 (Albrecht-Dürer-Fest) als Bannerträger und Fahnenschwinger glänzte, eine tückische Gliederkrankheit, die alle Bewegung hemmte und zum Gebrauch eines Schweizer-Bades zwang. Als die Plage wich, trat ein Augenleiden auf, welches mehrfache, leider vergebliche, Operationen erheischte und zu des Künstlers trostloser Ueberraschung mit völliger Erblindung endete. Dazu gesellte sich ein erst unscheinbares Magenleiden, das heillos um sich griff, bis den mit bewunderungswerther Ergebung ausharrenden Dulder am 4 Febr. der Tod erlöste. Um sein mit Blumen überschüttetes Grab drängten sich die Freunde; jeder suchte dem Verewigten und den Hinterlassenen ein Zeichen der Theilnahme zu weihen. Sein Name aber bleibt ehrenvoll in der Kunstgeschichte für alle Zeiten. Echter gehörte, nach dem Ausspruch eines gewiegten Kritikers, »noch zu den wenigen Künstlern und Lehrern des heutigen München welche in der monumentalen Kunst das Princip der idealen Formgebung über das der realistischen Coloristik setzen« (vgl. Reber »Geschichte der neueren deutschen Kunst.« Stuttg. 1876. S. 344).

Beilage zur Allgemeinen Zeitung Nr. 47. Sonntag, den 16. Februar 1879.

#Allgemeines Künstler-Lexicon (1895)

Echter, Michael, Historienmaler, geb. 5. März 1812 in München, † 4. Febr. 1879 das., war dort Schüler von Heinr. Hess, Cl. Zimmermann, Schnorr und Olivier, betheiligte sich bei Schnorrs Wandgemälden im Festsaalbau der Residenz und machte sich seit 1846 am bekanntesten als einer der Gehilfen Kaulbachs bei den Bildern im Treppenhause des Neuen Museums in Berlin, sowie durch die Wandgemälde im Treppenhause des Grafen Raczynski. Unter seinen ferneren historischen Bildern sind zu nennen: Im Maximilianeum zu München Die Ungarnschlacht auf dem Lechfelde (1860), an der Aussenseite desselben das stereochromische Bild des Vertrages von Pavia, im Nationalmuseum Friedrich Barbarossas Vermählung mit Beatrix von Burgund und Das Begräbnis Walthers von der Vogelweide, vor Allem die allegorischen Bilder der Telegraphie und des Eisenbahnverkehrs im (ehemaligen) Staatsbahnhof zu München. Im Theatinereingang der alten Residenz malte er 30 Wandbilder aus der Sage vom Nibelungenringe, endlich zahlreiche Aquarelle für König Ludwig II. nach Richard Wagners Opern. Er war seit 1868 Professor an der Kunstgewerbeschule zu München, seit 1862 Ehrenmitglied der Münchener Akademie und Ritter des Belg. Leopold-Ordens.

Allgemeines Künstler-Lexicon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Vorbereitet von Hermann Alexander Müller. Herausgegeben von Hans Wolfgang Singer. Erster Band. Frankfurt am Main, 1895.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Echter Michael, 1812 (München) – 1879, Kirchen- und Historienmaler; Sohn eines Hoftischlers und späteren Schloßverwalters in Bamberg, war E. zuerst Chorknabe an der St.-Michaels-Hofkirche und studierte dann an der Münchner Kunstakademie als Schüler und Mitarbeiter von J. von Schnorr, begleitete W. von Kaulbach auf einer Kunstreise durch Österreich und Sachsen nach Berlin, wo er lange blieb; nach seiner Rückkehr (1858) schuf E. vier große historische Wandgemälde für das alte Bayerische National- (heute Völkerkundliches Museum an der Maximilianstraße) und andere Bilder für König Max II., z. B. Schlacht auf dem Lechfeld (im Maximilianeum); für Ludwig II. malte er dreißig Fresken zu R. Wagners »Ring der Nibelungen«, ferner Gemälde für den alten Münchner Hauptbahnhof; E. zeichnete sich auch als Porträtist aus, er ist Spätromantiker in der Art M. von Schwinds.

© Dr. phil. Max Joseph Berühmte Tote: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#27 – 12 – 3·4 (Hammer)


Grab der Familie Hammer auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#27 – 12 – 11 (Lilien · Meindl)


Hier ruhet in Gott
Herr Josef Meindl
k. Oberamtsrichter a. D.
geb. 20. Febr. 1828 zu Waldkirchen,
gest. 1. März 1897 zu München.
Dessen Gattin
Frau Betty Meindl
geb. Gerlach, verwittw. von Lilien
geb. 4. Januar 1828 zu Fürth,
gest. 18. Febr. 1911 zu Augsburg

R. I. P.

Herr Josef Meindl, Rechnungsrat,
geb. 27. Juni 1862, gest. 25. Dezember 1938.
Frau Eugenie Meindl, geb. Mayer,
* 27. Aug. 1870. † 30. Mai 1943

J. Lallinger

Sockel-Tafel
Dem Gedenken
der hier noch Ruhenden:
Sigmund Frhr. von Lilien
kgl. Bezirksamtmann a. D.
gest. 1902, im 49. Lebensjahre.
Franz Meindl,
kgl. Notar in Wasserburg,
sowie dessen Kinder Otto u. Fritz.

R. I. P.

Liegestein
Wiedersehen
unsere
Hoffnung


  • Lilien, Sigmund Freiherr von; 1854 (Nürnberg) – (9).12.1902 (München); Königlicher Bezirksamtmann a. D.
  • Meindl, Betty (vw) / Lilien, von (vw) / Gerlach (gb); 4.1.1828 (Fürth) – 18.2.1911 (Augsburg); Oberamtsrichters-Witwe
  • Meindl, Eugenie (vh) / Mayer (gb); 27.8.1870 – 30.5.1943
  • Meindl, Franz; Notar
  • Meindl, Fritz; Notars-Sohn
  • Meindl, Josef; 20.2.1828 (Waldkirchen) – 1.3.1897 (München); Königlicher Oberamtsrichter a. D.
  • Meindl, Josef; 27.6.1862 – 25.12.1938; Rechnungsrat
  • Meindl, Otto; Notars-Sohn

Grab der Familien Lilien · Meindl auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#27 – 12 – 15 (Stein)


Hier ruht in Frieden
unser lieber Gatte u. Vater
Otto Stein
geb. 2. Juni 1863, gest. 10. April 1922.

Sockel
Die Liebe höret nimmer auf.

27.12.15. Schneider


  • Stein, Otto; 2.6.1863 – 10.4.1922

Grab der Familie Stein auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#27 – 12 – 17·18 (Borst)


FAMILIE
BORST

Sockel-Tafel
UNVERGESSEN
RUHET HIER
CLOTHILDE BORST
GEB. KRESS 1866 – 1925
EDUARD BORST
REGIERUNGSRAT
1834 – 1931


  • Borst, Clothilde (vh) / Kress (gb); 1866 – 6.10.1925 (München); Regierungsbaurats-Gattin
  • Borst, Eduard; 1834 – 19.3.1931 (München); Regierungsrat

Todesanzeige für Eduard Borst

Todesanzeige für Eduard Borst

Grab der Familie Borst auf dem Alten Südfriedhof München (April 2018)

#27 – 12 – 24 (Wimmer)


Grab der Familie Wimmer auf dem Alten Südfriedhof München (September 2019)

#27 – 13 – 4·5 (May)


Hier ruhen in Frieden:
Herr Jacob May,
k. Regierungsrat a. D.
Ritter d. Ord. v. hl. Michael
gb. 10. Juli 1789, † 9. Aug. 1873.
Dessen Gattin
Frau Franziska May, gb. Born
gb. 23. März 1800, † 27. März 1856.
Desselben zweite Gattin
Frau Therese May,
gb. Daisenberger,
St. Anna-Ordens-Stiftsdame,
gb. 30. Nov. 1806, † 24. Sept. 1869.
Anna May, k. Geheimsekretärskind
gb. 4. Juli 1865, † 18. Nov. 1865.
Fräulein Therese May,
gb. 29. Dez. 1827, † 19. März 1876.
Frau Caroline May, gb. Engel
k. Hauptmanns-Gattin,
gb. 30. Sept. 1847, † 29. Dez. 1878.
Herr Ludwig von May,
Staatsrat i. a. o. D. und Präsident a. D.
des K. Obersten Rechnungshofes
gb. 1. Januar 1829, † 16. März 1913.
Dessen Gattin
Frau Margarete von May,
geb. Gerbl
gb. 9. Juni 1836, † 29. Aug. 1921.
Herr Maximilian May,
Hauptmann a. D.
gb. 7. Sept. 1838, † 29. Nov. 1921.
Herr Dr. Richard May,
Universitätsprofessor,
Geh. Medizinalrat
gb. 7. Jan. 1863, † 7. Dez. 1936.


  • May, Anna; 4.7.1865 – 18.11.1865 (München); Ministerialsekretärs-Tochter
  • May, Franziska (vh) / Born (gb); 23.3.1800 – 27.3.1856 (München); Regierungsrats-Gattin
  • May, Jakob; 10.7.1789 – 9.8.1873 (München); Königlicher Regierungsrat a. D.
  • May, Karoline (vh) / Engel (gb); 30.9.1847 – 29.12.1878; Hauptmanns-Gattin
  • May, Ludwig von; 1.1.1829 – 16.3.1913; Staatsrat und Präsident des Obersten Rechnungshofes a. D.
  • May, Margarete von (vw) / Gerbl (gb); 9.6.1836 – 29.8.1921
  • May, Maximilian; 7.9.1838 – 29.11.1921; Hauptmann a. D.
  • May, Richard, Dr.; 7.1.1863 – 7.12.1936; Geheimer Medizinalrat und Universitätsprofessor
  • May, Therese; 29.12.1827 – 19.3.1876
  • May, Therese (vh) / Daisenberger (gb); 30.11.1806 – 24.9.1869 (München); St. Anna-Ordens-Stiftsdame, Regierungsrats-Gattin

Grab der Familie May auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#27 – 13 – 9 (Triller)


Hier ruht
unser unvergeßlicher Gatte und Vater
Herr Johann Triller,
Metzgermeister,
geb. am 9. Juni 1840, gest. am 1. Dez. 1895.
Ihm folgte seine treue Gattin,
unsere unvergeßliche Mutter
Frau Maria Triller,
geb. am 8. Aug. 1857, gest. am 26. Aug. 1908.

Sockel
Frau Antonie Triller,
Metzgermeisters-Gattin,
geb. am 26. April 1904, gest. am 21. Jan. 1926.

Schwarz


  • Triller, Antonie (vh); 26.4.1904 – 21.1.1926; Metzgermeisters-Gattin
  • Triller, Johann; 9.6.1840 – 1.12.1895; Metzgermeister
  • Triller, Maria (vw); 8.8.1857 – 26.8.1908; Metzgermeisters-Witwe

Grab der Familie Triller auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2013)

#27 – 13 – 10·11 (Bauer · Huber · Prohaska)


Hier ruhen

Herr Julius Bauer,
kgl. Bauamtsassessor in Traunstein
geb. ¿2. Septemb. 18¿ gest. 1¿.Januar 1881
Ihm folgte sein Schwiegervater,
Herr Josef Huber
kgl. Bauamtmann a. D.
Ritter d. Verdienstordens v. hl. Mich.
1. Classe
geb. 2. Mai 1814, gest. 8. Dezember 1889
Dessen Schwiegersohn,
Herr Viktor Prohaska
k. k. Landesgerichtsrat
in Kirchdorf Oberösterreich
geb. 18. April 1847, gest. 26. Dezbr. 1896
Ihnen folgt
die Gattin und Schwiegermutter
Frau Adelheid Huber
geb. ¿müller
geb. 11. Dezbr. 1820, gest. 3. Sept. 1898.


  • Bauer, Julius; ¿2.9.18¿ – 17.1.1881; Königlicher Bauamtsassessor
  • Huber, Adelheid (vw); 11.12.1820 – 3.9.1898
  • Huber, Josef; 2.5.1814 – 8.12.1889; Königlicher Bauamtmann a. D.
  • Prohaska, Viktor; 18.4.1847 – 26.12.1896; Landesgerichtsrat

Grab der Familien Bauer · Huber · Prohaska auf dem Alten Südfriedhof München (April 2018)

Grab der Familien Bauer · Huber · Prohaska auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2013)

#27 – 13 – 12 (Holler)


Grabstätte der Familie Holler.

Hier ruhet in Gott:
unser unvergesslicher Gatte und Vater
Herr Johann Holler,
Privatier, dahier
gest. d. 12. Okt. 1897, im 82. Lebensjahre.
Dessen Gattin
unsere gute, vielgeliebte Mutter
Frau Josefa Holler,
geb. Sturm,
gest. d. 7. Aug. 1917, im 85. Lebensjahre.
Ihnen folgte Ihr teurer Sohn
mein lieber, unvergesslicher Gatte
Herr Max Holler,
Privatier,
gest. d. 7. FebR9.22, Im 65. Lebensjahre.

27.13.12. A. Köppel.


  • Holler, Johann; – 12.10.1897; Privatier
  • Holler, Josefa (vw) / Sturm (gb); – 7.8.1917; Münchnerbotens-Tochter aus München / Privatiers-Witwe
  • Holler, Max; – 7.2.1922; Privatier

Grab der Familie Holler auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2013)

#27 – 13 – 15···18 (Frölich)


Buchtafel
Linke Spalte
Franziska Henriette
Leontine v. Froelich
geb. den 6. April 1860
gest. den 3. September 1864.
Ihr folgte im Tode
Frau
Caroline v. Froelich
geb. Gechter
geb. in Triest am 12. Dez. 1831.
gest. in Augsburg am 7. April 1892.

Rechte Spalte
Herr
Hugo v. Froelich
geb. den 25. März 1834
gest. den 18. November 1905.
Herr
Oscar v. Froelich
k. Rittmeister a. D.
geb. den 17. September 1866
gest. den 15. Januar 1933.

27.13.15/17.


  • Frölich, Franziska Henriette Leontine von; 6.4.1860 – 3.9.1864 (München); Bankiers-Tochter
  • Frölich, Hugo von; 25.3.1834 – 18.11.1905
  • Frölich, Karoline von (vh) / Gechter (gb); 12.12.1831 (Triest) – 7.4.1892 (Augsburg)
  • Frölich, Oskar von; 17.9.1866 – 15.1.1933; Rittmeister

Todesanzeige für Karoline von Frölich

Grab der Familie Frölich auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2020)

Grab der Familie Frölich auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2014)

Grab der Familie Frölich auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2020)

#27 – 13 – 19·20 (Breitwieser · Stephan)


Dem liebevollen Andenken
unseres unvergesslichen teuern
Gatten und Vaters
Herrn Paul Stephan,
Privatier, ehem. Hotel-Besitzer z. Stachus
geb. zu Kalbensteinberg den 25. Febr. 1825,
gest. zu München den 6. Oktbr. 1897.

Dem biedern Manne stirbt sein Name nie!

Frau Marie Stephan,
geb. zu Fürth i. Bayern den 21. Febr. 1845,
gest. zu München den 10. Juni 1916.
Wilhelm Stephan, Fabrikbeamter,
geb. 16. Novbr. 1866, gest. 25. Oktbr. 1907.

Bist Du auch für uns verloren
Und ist namenlos das Leid,
Bist Du Theurer doch erkoren
Für des Himmels Seligkeit.

Sockel
August Breitwieser
geb. 4. Mai 1871, gest. 8. Juni 1927.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal
fürchte ich kein Unglück denn Du bist bei mir
Dein Stecken und Stab trösten mich.


  • Breitwieser, August; 4.5.1871 – 8.6.1917
  • Stephan, Marie (vh); 21.2.1845 (Fürth) – 10.6.1916 (München)
  • Stephan, Paul; 25.2.1825 (Kalbensteinberg) – 6.10.1897 (München); Ehemaliger Hotelbesitzer
  • Stephan, Wilhelm; 16.11.1866 – 25.10.1907 (München); Beamter der Krauss’schen Lokomotivfabrik

Todesanzeige für Wilhelm Stephan

Grab der Familien Breitwieser · Stephan auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2013)

#27 – 13 – 21·22 (Hasenmüller)


Grab der Familie Hasenmüller auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2013)

#27 – 13 – 23·24 (Schüssel)


Grabstätte
der
Familie Schüssel

Buch-Tafel
Die Inschrift ist nicht erhalten


  • Schüssel, Elias Michael; 1818 (Fürth) – 15.9.1885 (Starnberg); Rentner, ehemaliger Kaufmann
  • Schüssel, Max; – 23.12.1885 (München), 27 Jahre alt; Fabrikbesitzer

Todesanzeige für Elias Michael Schüssel

Grab der Familie Schüssel auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2013)

#27 – 13 – 25·26 (Gerdeissen)


Familie
Gerdeissen


  • Gerdeissen, Elsa Maria; 24.12.1880 (München) – 6.10.1902 (München); Opernsängerin

Todesanzeige für Elsa Gerdeisen

Grab der Familie Gerdeissen auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2013)

#Elsa Maria Gerdeissen

* 24.12.1880 (München)
† 6.10.1902 (München)
Opernsängerin

#Allgemeine Zeitung (10.12.1900)

Bayerische Chronik.
München, 10. Dezember.

Erfolg einer Münchenerin. Eine reichbegabte Elevin der hiesigen Akademie der Tonkunst, Frl. Elsa Gerdeissen (Klasse Günzburger), hat kürzlich in Regensburg bei einer Aufführung des Oratoriums »Paulus« von Mendelssohn, veranstaltet vom »Liederkranz Regensburg«, mit schönem Erfolg mitgewirkt. Dortigen Zeitungsberichten ist zu entnehmen, daß die vielversprechende Sängerin ein umfangreiches, äußerst biegsames und klangschönes Organ mit echtem Alt-Timbre besitzt, sowie daß ihre Technik völlig einwandfrei ist. Ihr im Ausdruck kraftvoller Vortrag sei sicher in der Tongebung, verständig in der Abstufung der Tonstärke und bekunde feinen Geschmack.

Allgemeine Zeitung Nr. 340. München; Montag, den 10. Dezember 1900.

#Allgemeine Zeitung (30.4.1901)

Feuilleton.

Kgl. Akademie der Tonkunst. Das dritte diesjährige Konzert von Schülern der Kgl. Akademie der Tonkunst ging gestern Abend im Odeonssaal unter der Leitung Prof. Bußmeyers vor sich. Es nahm einen guten Verlauf, der die Lehrer wie die Schüler gleich ehrt; die Ausführung der verschiedenen, zum Theil recht schwierigen Werke bewies, daß ein strenges, eingehendes Studium vorangegangen war. Zufälligkeiten und kleine Entgleisungen wird man gerade Schülern am wenigsten anrechnen – erleben wir doch bei den fertigsten Künstlern, von einem ganzen Orchester zu schweigen, zuweilen Konzerte, die an diese Schüleraufführungen nicht heranreichen. Der Eifer und die junge Lust, womit Alle an ihre schöne Arbeit gehen, ersetzt viel akademische, leider oft staubige Korrektheit, und so war es auch gestern mehr als nur ein Pflichtgenuß, womit man den verschiedenen Gaben zuhörte.

Die frische Wiedergabe einer Symphonie in G-dur von Haydn eröffnete das Konzert. Hierauf sang Elsa Gerdeissen, eine angehende Künstlerin, der wir schon früher begegnet sind, die Arie »Ach nur einmal noch im Leben« aus »Titus« von Mozart; die Stimme hat viel Klang, und da die junge Dame sie verständig zu behandeln weiß – das Tremolo setze ich auf Rechnung der Befangenheit – und mit Geschmack vorträgt, so erscheint der herzliche Beifall, den sie erntete, durchaus am Platze.

Allgemeine Zeitung Nr. 119. München; Dienstag, den 30. April 1901.