SECTION 39

- 39 – 1 – 1 (Heigel)
- 39 – 1 – 6 (Farnlacker)
- 39 – 1 – 16 (Roidl)
- 39 – 1 – 20 (Hilgard)
- 39 – 1 – 22 (Klinger · Klinger-Paganini)
- 39 – 1 – 23 (Adam · Bauer · Walz)
- 39 – 2 – 2 (Obermeier)
- 39 – 2 – 5 (Fleischmann)
- 39 – 2 – 6 (Albrecht · Albrecht-Wolf · Russ)
- 39 – 2 – 8 (Aubry)
- 39 – 2 – 11 (Lehmann · Mayer)
- 39 – 2 – 17 (Walch)
- 39 – 2 – 18 (Hillmer)
- 39 – 2 – 22 (Behringer)
- 39 – 3 – 13 (n. n.)
- 39 – 3 – 22 (Fleschuez)
- 39 – 4 – 27 (Stumpf)
- 39 – 5 – 2 (Gronen)
- 39 – 5 – 7 (Läverenz)
- 39 – 5 – 21 (Aulinger · Löw)
- 39 – 6 – 3* (Urban)
- 39 – 6 – 14 (Häfner)
- 39 – 6 – 18 (Neumayer)
- 39 – 6 – 24 (Winter)
- 39 – 6 – 28 (Müller)
- 39 – 7 – 14 (Flechsel)
- 39 – 8 – 2 (Erlwein)
- 39 – 8 – 5 (Mayrshofer)
- 39 – 8 – 7·8 (Dunker)
- 39 – 8 – 26 (Galler)
- 39 – 8 – 27 (Gerstorfer · Zimmermann)
- 39 – 9 – 6 (Öchsner)
- 39 – 10 – 1 (Bolze · Kienle · May)
- 39 – 10 – 9* (Baumann)
- 39 – 10 – 7 (Deischl · Englmeier)
- 39 – 10 – 11 (Schmid)
- 39 – 10 – 19 (Thaler)
- 39 – 10 – 25 (Fuchs)
- 39 – 10 – 27 (Broderir)
- 39 – 11 – 4 (Dürr)
- 39 – 11 – 9* (Moralt)
- 39 – 11 – 13 (Drechsler · Reiter)
- 39 – 11 – 19 (Dietl)
- 39 – 12 – 3 (Huber)
- 39 – 12 – 7 (Ries)
- 39 – 12 – 8 (Stümmer)
- 39 – 12 – 14 (Spindler)
- 39 – 12 – 15 (Abel)
- 39 – 12 – 18 (Erhard · Grauvogl)
- 39 – 12 – 22 (Voglrieder)
- 39 – 12 – 26 (Hofmann · Marschall)
- 39 – 13 – 1 (Harleß)
- 39 – 13 – 6 (Burger · Fichtl)
- 39 – 13 – 11* (Reichardt)
- 39 – 13 – 15 (Büchele)
- 39 – 13 – 17 (Christmann · Wieland)
- 39 – 13 – 21 (Schröder)
- Alexander Schröder
- Sofie Schröder (vw) / Kunst (vw) / Stollmers/Smets (gs) / Bürger (gb)
- Unterhaltungen für das Theater-Publikum (12.4.1833)
- Unterhaltungen für das Theater-Publikum (4.5.1833)
- Augsburger Postzeitung (13.3.1836)
- Frauen der Zeit (1862)
- Morgenblatt zur Bayerischen Zeitung (21.5.1863)
- Sophie Schröders Testament (1866)
- Aus der Bühnenwelt (1866)
- Tag- und Anzeigeblatt für Kempten und das Allgäu (28.2.1868)
- Wochenausgabe der Augsburger Allgemeinen Zeitung (6.3.1868)
- Kreuzerblatt (1868)
- Deutscher Bühnen-Almanach (1.1.1869)
- Die Scheinwelt und ihre Schicksale (1893)
- Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903)
- Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
- 39 – 13 – 23 (Beer · Veicht)
- 39 – 13 – 25 (Fenzl)

#39 – 1 – 1 (Heigel)
FRANZ HEIGEL
KUNSTMALER
1813 – 1888
- Heigel, Franz Napoleon; 15.5.1813 (Paris) – 22.6.1888 (München); Genremaler, Historienmaler und Portraitmaler

#Franz Napoleon Heigel
* 15.5.1813 (Paris)
† 22.6.1888 (München)
Genremaler, Historienmaler und Portraitmaler
#Universal-Handbuch von München (1845)
Heigel, Franz,
geboren in Paris im Jahre 1813 von deutschen Eltern, studirte auf der Akademie zu München als angehender Künstler, und besuchte zur weiteren Ausbildung wiederholt Paris, wo er sich ausschließlich dem Porträtfache widmete. Im Jahre 1835 kam er neuerdings nach München, und ist zum Theil für den kgl. Hof beschäftigt, wo er zugleich Zeichnungslehrer der kgl. Prinzessinnen war. Er hat in seinem Fache viele Porträte von fürstlichen Personen und andern Privaten geliefert, wodurch er sich einen rühmlich bekannten Namen erwarb.
Universal-Handbuch von München. München, 1845.
#Allgemeine Deutsche Biographie (1905)
Heigel: Franz H., Miniaturmaler, geboren am 15. Mai 1813 zu Paris, † am 22. Juni 1888 in München. Sein Vater Joseph H. (geboren 1780 zu München, † 1837 ebendaselbst) stammte aus einer alten Münchener Künstlerfamilie, bildete sich unter den Eindrücken von Edlinger, Hauber, Kellerhoven und Klotz in der Malerei, wanderte in jungen Jahren nach Paris, wo die Schätze einer halben Welt aufgespeichert lagen und cultivirte daselbst die Porträtmalerei, insbesondere das Miniaturbild. Außer einem trefflich radirten Porträt Napoleon’s I. und seiner eigenen 1815 gemalten Contrafactur, welche auf der retrospectiven Jubiläumsausstellung zu München 1888 wieder auftauchte, ist uns nichts weiteres aus dieser Epoche Heigel’s bekannt. Was er aber nach seiner 1819 erfolgten Rückkehr von den Ufern der Seine nach den Geländen der heimatlichen Isar malte, zeigt bei einer höchst subtilen Technik der Ausführung doch eine solche Freiheit, Frische und Schönheit, eine so geistvolle Charakteristik und Lebendigkeit, nebst einer Kraft der Farbe, daß die Anerkennung begreiflich erscheint, welche dem deutschen Meister in Paris zu Theil geworden. Er hatte sich daselbst mit einer Pariserin verheirathet und steckte so tief in der Bewunderung des damaligen Imperators, daß er seinen Sohn (eine Tochter wäre gewiß auf »Marie Louise« getauft worden) zu Ehren des Königs von Rom als Franz Napoléon benannte.
Nach dem Vorbilde und unter Anleitung des Vaters, welcher eine schöne Kunstsammlung mitgebracht hatte, bildete sich nun in München sein Sohn zum Porträtmaler, hospitirte schon im Winter von 1827 auf 1828 die Akademie, begleitete darauf die Eltern zu einem längeren Aufenthalte nach Berlin und fuhr über Frankfurt und Darmstadt nach Paris, um nach dem Wunsche des Vaters bei Jean Guérin, dem berühmten Nestor der Miniaturmalerei, und durch den Besuch anderer Ateliers, wie z. B. Augustin und Isabey, sich weiter zu fördern. Bald stand der junge Künstler auf eigenen Füßen und folgte, das schöne Frankreich durchziehend, den von verschiedenen Seiten ergehenden Einladungen, weilte längere Zeit in Beaujolais bei Lyon, später in der Normandie und errang in der Exposition zu Rouen die große silberne Medaille.
Als H. zu Ende des Jahres 1835 nach München zurückkehrte, da schien es, als hätte man in den höchsten Kreisen nur auf den Maler gewartet: Alles drängte sich von ihm porträtirt zu werden. In kurzer Zeit hatte er sämmtliche Glieder des königlichen Hauses unter seinen Pinsel gebracht, dazu eine Anzahl Koryphäen der Schönheit, des Geistes und der Kunst. Beispielsweise entstanden die Porträts des Königs Otto von Griechenland, des Herzogs Maximilian von Leuchtenberg, des Feldmarschalls Fürst Wrede, der Großherzogin Mathilde von Hessen und ihrer Schwester Adelgunde, der nachmaligen Herzogin von Modena, des Herzogs Maximilian, dessen Gemahlin Louise und deren ganzen hohen Familie, aller Glieder des fürstlich Taxis’schen Hauses, der Königin Therese, Prinz Karl’s von Baiern, der Kronprinzeß Marie, der anmuthigen Sängerin Karoline Hetzenecker in ihrer hoheitsvollen Rolle als Katarina Cornaro (lithographirt von Dresely) – kurz: »Welch reicher Himmel! Stern bei Stern! Wer kennet ihre Namen!«
Als H. zu Ende der 50er Jahre seine künstlerische Bilanz zog, zählte er schon über 800 von seiner Hand gemalte Bildnisse! Leider kam er erst 1836 auf den Einfall, à la Claude Lorrain ein »Liber veritatis« anzulegen und daselbst alle in den nächsten zwei Decennien gemalten Berühmtheiten einzuzeichnen – ein artistisches Tagebuch! Ebenso hatte sein Vater die meisten seiner oft kaum zollhohen Miniaturporträts durchgezeichnet und zu einer äußerst werthvollen Collection vereinigt.
Zwischendurch versah H. fünf Jahre lang das Amt eines Zeichnungslehrers bei den königlichen Prinzessinnen. Auch studirte er zum öfteren die Kunstschätze Oberitaliens, so 1838 und abermals 1846, dieses Mal in Gesellschaft des als Kunstfreund bekannten Oberst v. Barischnikow, wobei auch Florenz, Rom und Neapel auf der sechsmonatlichen Reiseroute durchgekostet wurden. H. stand damals auf der Höhe seines Rufes als Bildnißmaler. Da trat das Daguerreotyp und bald darauf die leichtlebige Photographie in die Welt und drohte den Künstlern das Publicum abzuwenden. Die vulgäre Ansicht, daß der anfangs so schwerfällige Apparat jede Kunstgestaltung entbehrlich mache, überwog schnell, so daß die Kunst vom Handwerk im Lebensnerv gefährdet schien. H. wurde im tiefsten Innern seines Bewußtseins getroffen und bäumte sich gegen die wohlgemeinte Insinuation, diese anscheinend feindselige Technik seinem besseren Wissen und Können dienstbar und unterthänig zu machen; er hätte, ohne seiner stolzen Künstlerehre etwas zu vergeben, doch vielen Vortheil und mindestens große Zeitersparniß daraus gezogen. Statt dessen beschloß er auf das Genrefach sich zu werfen und nach dem seitherigen Princip und Vortrag die in Belgien, England und bald darauf in Italien florirende Aquarellmalerei zu cultiviren. Nur übersah H. dabei, daß die in den genannten Ländern zu einem gedeihlichen Wirken nöthigen Factoren in Deutschland noch fehlten und die auf diesem Gebiete bei uns neu auftretenden Meister, wie Eduard Hildebrand, Theodor Horschelt, nur langsam und größtentheils durch die völlige Neuheit ihrer Stoffe das ungewohnte Publicum anziehen und dauernd fesseln konnten. Damit war der Weg für Werner und Passini siegreich gebahnt, die im ungequälten, freien Vortrag alle ihre Empfindungen und Wahrnehmungen aussprechen und festhalten konnten.
Um seine Leistungsfähigkeit zu beweisen, wählte H. eine Darstellung aus dem altbairischen Gebirgsleben, betitelt der »Schützenkönig«, wo ein frischer Oberländler den wohlverdienten silbernen Prunkpokal zur Verwunderung seines Weibes und zum Jubel seines Buben stolz in sein ländliches Heim überbringt. Doch fehlte der freie Zug, und nur zu fühlbar blieb das ängstliche Haften an den Modellen. Es war ein 53 Centimeter hohes und 60 Centimeter breites Miniaturblatt, wobei H. in minutiöser Durchbildung das Möglichste leistete: mit peinlichstem Eigensinn schwelgte der Künstler in seinen mikroscopischen Bacterien und Strichelchen und seiner homöopathischen Punktirmethode. Er hatte sich in München die erste Anerkennung erwartet und das Bild im Kunstverein ausgestellt; nun lehnte gerade diese Anstalt das mit mehr als Jahresmühe hergestellte Werk des damals noch ungewöhnlichen Preises (1200 Gulden) wegen ab. Wie man sagte erstand dasselbe noch am gleichen Tage ein edler Lord, der das Bild, statt es reisen zu lassen, eifersüchtig versteckte und jahrelang hinter einem Sopha verborgen, keinen Menschen sehen ließ. Mit hochmüthigem Künstlerstolze that H. gar nichts, um dasselbe durch Stich, Holzschnitt, Lithographie oder gar durch die verachtete Photographie reproduciren zu lassen, um seine Schöpfung dadurch bekannt oder populär zu machen. Es verging spurlos, wie ein Schlag ins Wasser. Kein Mensch sah, was H. zu leisten vermochte. Die Schrulle des Käufers brachte dem Künstler den größten Schaden. Wenn der eigensinnige Besitzer das Bild hätte reisen lassen! Erst lange nach Heigel’s Tode tauchte es 1901 nochmals in München auf, um abermals spurlos zu verschwinden. Ein ähnliches Experiment widerfuhr auch einem späteren Bilde Heigel’s, einer orientalischen Schönheit.
So wurde der Maler aus lauter Verehrung völlig todtgeschwiegen. Gegen jede Vervielfältigung scheint H. entschiedenen Widerstand geleistet zu haben. Der »Schützenkönig« existirte nur in einer schlechten, dilettantischen Photographie im kleinsten Visitenkartenformat und kam nie in den Handel, obwol dieses Kaliber damals sehr populär und beliebt war. Doch erfolgte für H. eine freilich sehr kahle Anerkennung in Form eines Ehrendiploms der »Société Belge des Aquarellistes« (1865) aus Brüssel für fünf einzelne Frauengestalten (europäische Länder-Typen), welche 1863 auf der internationalen Münchener Kunstausstellung »durch ungemein tief empfundene Charakteristik, treffliche Formgebung, Schönheit und Kraft der Farbe und Verwendung superiorer Technik als echte Perlen und ein wahrer Triumph der Münchener Kunst« begrüßt wurden (Franz Trautmann: Das Miniatur-Aquarell auf der Internationalen Kunstausstellung zu München, in Nr. 202 Morgenblatt z. Baierischen Zeitung, 25. Juli 1863). Da war eine mit südlicher Gluth im wogenden Tanze sich schwingende, graciöse Spanierin, eine anmuthige Sennerin in der kleidsamen Bregenzertracht, eine Zitherspielerin aus der Jachenau, eine Brautjungfer aus dem Berner Oberlande und eine römische Pilgerin. Die fünf Blätter bildeten ein wahres Programm, welches H. mit einigen Modificationen für Rußland, London und Amerika noch öfters wiederholen mußte. Als weitere Ergänzung kamen später noch das große Kostümbild einer rumänischen Zigeunerin, einer Neapolitanerin und einer schönen Münchnerin in früherer Tracht. Auch wiederholte H. die ganze Serie noch einmal als »Erinnerungen« in einer mehr breiten und freieren Manier, welcher er sich jedoch nur ungern und widerstrebend anbequemte.
Im August 1865 wurde H. nach Schwangau berufen, um das Bildniß König Ludwig’s II. zu malen. Später erging die Bestellung, den großen Freskencyklus, welchen M. Echter zum »Ring des Nibelungen« geschaffen hatte (s. A. D. B. XLVIII, 253) und noch einige Bilder zu dessen »Tristan und Isolde« in Aquarell zu copiren, eine gleichfalls wieder sehr minutiös durchgeführte Arbeit, welche Heigel’s Thätigkeit, da einzelne Blätter wiederholt werden mußten, über ein volles Decennium in Anspruch nahm.
Dazwischen erfolgte seine Ernennung zum Hofmaler (1869), die Verleihung der neugestifteten Ludwigs-Medaille (1872) und des Ritterkreuzes I. Classe vom hl. Michael (1883). Das Porträtfach übte H. zeitweise immer noch; so malte er 1874 ein Bildniß der k. k. Prinzeß Gisela mit ihrem Erstgeborenen als Wickelkind im Arm (1874), die Prinzeß Ludwig und in der Folge alle Prinzen und Prinzessinnen dieser hohen Familien, auch entstand das große Aquarell »In der Maskenloge« (1884), als Erinnerung aus früher Jugendzeit. Kurz zuvor beging die Münchener Kunstgenossenschaft Heigel’s siebzigsten Geburtstag durch besondere Feier.
Leider war der Lebensabend Heigel’s von manchen Trübsalen heimgesucht. So hatte er das Unglück, daß sein einziger Sohn, gerade als derselbe seine Wirksamkeit als Arzt beginnen wollte, plötzlich den Eltern und seiner Braut entrissen wurde (1882). Kein Wunder, daß der tieferschütterte Vater bald eine Abnahme seines Auges und der Sicherheit und Ruhe seiner Hand bemerkte – eine Wahrnehmung, welche den mit der größten Begeisterung an seiner Kunst hängenden Maler mit melancholischer Schwermuth erfüllte. Nach schwerem Leiden erlag er den Folgen eines Schlaganfalls. H. war eine edle, noble, neidlose Natur, ein unwandelbarer, lauterer Charakter und Ehrenmann. Ihm gebührt jedenfalls der Nachruhm, das Höchste und Beste angestrebt und mit den ihm verfügbaren Mitteln erreicht zu haben.
Vgl. Vincenz Müller, Handbuch v. München, 1845, S. 136. Nagler, 1838. VI, 58. Real-Encyklopädie. Regensburg 1869. VII, 391. Fr. v. Bötticher, 1895. I, 481. Singer, 1896. II, 149 (8 Zeilen!) Nr. 231 Allg. Ztg., 20. Aug. 1888. Kunstvereins-Ber. f. 1888, S. 66. Luise v. Kobell, König Ludwig II. und die Kunst, 1898, S. 156 ff.
Hyac. Holland.
Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1905.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Heigel Franz Napoleon, 1813 (Paris) – 1888, Miniatur- und Hofmaler; H. studierte an der Münchner Akademie und wandte sich dann nach Paris, wo er Schüler von J. Guérin wurde, dessen elegante Manier er geschickt nachahmte; vorübergehend war er auch in Beaujolais tätig, und auf einer Ausstellung in Rouen wurden seine Arbeiten prämiert; 1835 kam H. nach München, wo er von Ludwig I., der ihn zum Zeichenlehrer der königlichen Prinzessinnen ernannte, Aufträge erhielt; er malte nicht nur sämtliche Mitglieder des königlichen Hauses (Ludwig I., Otto von Griechenland mit Gemahlin Amalie, Königin Therese, Königin Olga von Württemberg), sondern auch viele Koryphäen der Schönheit, der Kunst und der Wissenschaft (über 800 Porträts); auf der Münchner internationalen Kunstausstellung von 1863 wurden fünf einzelne Frauentypen, europäische Ländertypen repräsentierend, gezeigt, die in einem Ehrendiplom der Société Belge des Auarellistes wegen ihrer tiefempfundenen Charakteristik als Leistung Münchner Kunst gefeiert wurden; im Miniaturbild war H. ebenfalls Meister, er schuf auch Aquarelle (Historien- und Genrebilder).
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#39 – 1 – 6 (Farnlacker)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Farnlacker, August; – 1890 (München); Maler


#39 – 1 – 16 (Roidl)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Roidl, Katharina; – 1888 (München); Oberlandesgerichtsrats-Tochter


#39 – 1 – 20 (Hilgard)
Ruhestätte
von
Margaretha Hilgard,
geb. Engelmann,
geboren am 26. Juli 1803,
gestorben am 7. April 1882.
Und von ihrem ältesten Sohne
Julius Th. Hilgard,
kgl. Oberingenieur,
geboren am 15. Juni 1828,
gestorben am 13. Januar 1896.
Sockel
Herr Viktor Hilgard,
kgl. Bezirksmaschinen Ingenieur
zu Regensburg,
geb. den 21. Febr. 1841, gest. den 13. Febr. 1898.
39.1.20. Babenstuber.
- Hilgard, Julius Th.; 15.6.1828 – 13.1.1896; Königlicher Oberingenieur
- Hilgard, Margaretha (vh) / Engelmann (gb); 26.7.1803 – 7.4.1882
- Hilgard, Viktor; 21.2.1841 – 13.2.1898; Königlicher Bezirksmaschineningenieur


#39 – 1 – 22 (Klinger · Klinger-Paganini)
kgl. Obermedizinalrat
Dr. Christoph Klinger,
geb. den ¿
gest. den ¿
Nina Klinger-Paganini
geb. den 22. Sept. 1834,
gest. den 6. April 1923.
Franca Klinger
geb. den 3. August 1857,
gest. den 20. Dezbr. 1924.
Auf Wiedersehen.
- Klinger-Paganini, Nina (vw) / Paganini (gb); 22.9.1834 – 6.4.1923 (München); Obermedizinalrats-Witwe
- Klinger, Christoph, Dr. med.; – 25.3.1882 (München), 56 Jahre alt; Königlicher Obermedizinalrat
- Klinger, Franca; 3.8.1857 – 20.12.1924




#39 – 1 – 23 (Adam · Bauer · Walz)
THEOBALD ADAM
* 1783 † 1868.
JOHANNA BAUER
GEB. ADAM * 1820 † 1886.
JOH. BAPT. WALZ
* 1844 † 1893.
KARL BAUER
* 1825 † 1901.
JOSEFINE WALZ
GEB. BAUER * 1857 † 1915.
- Adam, Theobald; 1783 – 1868
- Bauer, Johanna (vh) / Adam (gb); 1820 – 1886
- Bauer, Karl; 1825 – (3).2.1901 (München); pensionierter Staatsbibliotheksdiener
- Walz, Joh. Bapt.; 1844 – 1893
- Walz, Josefine (vh) / Bauer (gb); 1857 – 1915



#39 – 2 – 2 (Obermeier)
UNSERE LIEBEN ELTERN
JOSEF und KATHARINA
OBERMEIER
- Obermeier, Josef
- Obermeier, Katharina (vh)


#39 – 2 – 5 (Fleischmann)
Alois Fleischmann
* 7.2.1853 † 26.2.1930
- Fleischmann, Alois; 7.2.1853 – 24.2.1930 (München); Kupferschmiedemeister und Metallwarengeschäftsinhaber




#39 – 2 – 6 (Albrecht · Albrecht-Wolf · Russ)
Hier ruhen in Gott:
unsere liebe Mutter,
Frau Josefa Russ,
Zimmermeisterswitwe,
gest. 13. März 1868 im 61. Lebensjahre.
Ihr folgte deren Schwiegersohn,
mein innigstgeliebter Gatte,
Herr Ludwig Albrecht,
Rechtskonzipient,
gest. 29. April 1869 im 32. Lebensjahre.
Ihnen folgte
Frau Viktoria Albrecht-Wolf
gest. 3. Dez. 1923, im 92. Lebensjahre.
- Albrecht-Wolf, Viktoria (vh) / Wolf (gb); – 3.12.1923 (München), 91 Jahre alt; Magistratkassierers-Witwe
- Albrecht, Ludwig; – 29.4.1869 (München), 31 Jahre alt; Rechtskonzipient
- Russ, Josefa (vw); – 13.3.1868 (München), 60 Jahre alt; Zimmermeisters-Witwe




#39 – 2 – 8 (Aubry)
Hier ruhet
unsere geliebte Mutter
Frau Anna Aubry
gest. 30. Dez. 1893 im 78. Lebensjahre.
Unser guter Vater
Herr Louis Valery Aubry
Küchenmeister w. Sr. kgl. Hoh.
d. Prinzen Karl v. Bayern,
gest. 2. Mai 188¿ im 78. Lebensjahre.
Deren Sohn unser innigstgeliebter,
unvergesslicher Gatte und Vater
Herr Louis Aubry
kgl. Professor, Direktor der
wissenschaftlichen Station
für Brauerei in München,
gest. 24. Nov. 1901 im 57. Lebensjahre.
Unsere geliebte, teure Mutter
Frau Marie Aubry
gest. 12. Dez. 1926 im 65. Lebensjahre.
R. I. P.
30.2.8. Kosenbach.
- Aubry, Anna (vh) / Kölbl (gb); – 30.12.1893 (München), 77 Jahre alt; Bierbrauers-Tochter aus München / Küchenmeisters-Gattin
- Aubry, Louis/Ludwig Valery/Valerius; – 2.5.1889 (München), 78 Jahre alt; pensionierter Küchenmeister des Prinzen Karl von Bayern
- Aubry, Louis, Prof.; – 24.11.1901 (München), 57 Jahre alt; Direktor der wissenschaftlichen Station für Brauerei in München
- Aubry, Marie (vw); – 12.12.1926 (München), 65 Jahre alt; Brauereidirektors-Witwe







#Prof. Louis Aubry
* 1844 (München)
† 24.11.1901 (München)
Hofbeamtens-Sohn / Direktor der wissenschaftlichen Station für Brauerei in München
#Münchner Neueste Nachrichten (28.11.1901)
Lokales.
München, 27. November.
Professor Aubry †. Der im Alter von 57 Jahren aus dem Leben geschiedene Direktor der wissenschaftlichen Station für Brauerei in München, Herr Professor Louis Aubry, ein hochverdienter Mann, war im Jahre 1844 in München als Sohn eines Hofbeamten geboren. Nach dem Absolutorium des Humanistischen Gymnasiums wandte er sich dem Studium der Chemie zu. Im chemischen Laboratorium des Professors von Pettenkofer fand er reichlich Gelegenheit, seine naturwissenschaftlichen Kenntnisse zu erweitern. In der Folge wendete sich Aubry den aufblühenden technischen Wissenschaften zu. In der Nahrungsmittel-Chemie, besonders hinsichtlich der Materialien, Produkte und Einrichtungen der Bierbrauerei, sind ihm höchst werthvolle Erfindungen zu verdanken. Nachdem Aubry an der Zentrallandwirthschaftsschule Weihenstephan erfolgreich gewirkt hatte, wurde er 1877 als Direktor an die wissenschaftliche Station für Brauerei berufen. Hier entfaltete er eine rastlose, ungemein erfolgreiche Thätigkeit und erwarb sich in den Fachkreisen des In- und Auslandes Anerkennung und hohes Ansehen. Auch außerhalb seines engeren Wirkungskreises entwickelte er eine fruchtbringende Thätigkeit. Hohe Verdienste erwarb er sich um den Polytechnischen Verein, dem er 32 Jahre lang als Mitglied angehörte und den er durch 22jährige Wirksamkeit im Ausschusse und 7jährige umsichtige Leitung als Vorstand zu hoher Blüthe brachte. Seine hervorragende Arbeitskraft, sein reiches Wissen und Können und nicht zum Mindesten seine persönliche Liebenswürdigkeit sicherten ihm die hohe Achtung Aller, die ihn kannten.
Die Beerdigung des verdienstvollen Gelehrten und Forschers fand am Mittwoch Nachmittag im südlichen Friedhofe statt. Die Betheiligung an dem Trauerakte war außerordentlich zahlreich. Oberregierungsrath Schätz, sehr viele Professoren hiesiger Lehranstalten und der Brauer-Akademie Weihenstephan, die Beamten der wissenschaftlichen Station für Brauerei, der Polytechnische Verein waren u. A. erschienen. Die Besitzer und Direktoren der hiesigen Brauereien waren nahezu vollständig vertreten. Unter den nächsten Angehörigen befand sich Medizinalrath Professor Dr. Messerer. Kränze widmeten die Vorstandschaft und die Beamten der wissenschaftlichen Station für Brauerei, der Polytechnische Verein, die Akademie und die brautechnische Versuchsstation Weihenstephan, die Gesellschaft für Morphologie und Physiologie, die brautechnische Versuchsstation Nürnberg, die vorb. Kommission für Aubrys Suppen-Extrakt (ihrem hochverdienten Mitgliede, dem unermüdlichen Forscher und Erfinder), Lehrerkollegium und Studirende der Münchner Brauer-Akademie, Michels Akademie für Brauer, der Verband ehemaliger Weihenstephaner (Brauer-Abtheilung), der deutsche Brauerbund, der Verein Münchner Brauereien, die Zeitschrift für Brauwesen, die Aktienbrauerei zum Löwenbräu, die Pschorr- und die Hacker-Brauerei.
Münchner Neueste Nachrichten No. 553. Donnerstag, den 28. November 1901.
#Bayerisches Industrie- und Gewerbeblatt (1901)
Am 24. November a. c. ist der kgl. Professor und Direktor der wissenschaftlichen Station für Brauerei in München, Louis Aubry im Alter von 57 Jahren aus dem Leben geschieden. Der Polytechnische Verein betrauert in dem Dahingeschiedenen eines seiner thätigsten und eifrigsten Mitglieder und besonders der Ausschuss des Vereines empfindet den Verlust des vielerfahrenen, arbeitsfreudigen und liebenswürdigen Mitarbeiters als einen überaus schweren. 32 Jahre, vom 30. Oktober 1869 bis an sein allzu frühes Ende gehörte Professor Aubry dem Vereine als Mitglied an, 22 Jahre wirkte er erfolgreich im Ausschusse und 7 Jahre leitete er ununterbrochen mit Umsicht und Thatkraft die Geschicke des Vereines als 1. Vorstand. Im Jahre 1888 zum ersten Male auf drei Jahre gewählt, hatte er von 1891—1892 den erkrankten 1. Vorstand, Direktor L. Diehl, bis zu dessen Tode zu vertreten, worauf ihn 1892 das Vertrauen des Ausschusses abermals an die Spitze des Vereines berief. Sein klarer Blick, sein treffendes Urteil, sein reiches Wissen machten ihn zu einem geschätzten Mitglied der verschiedenen Kommissionen, in welchen unter anderem die Thätigkeit des Polytechnischen Vereines zum Ausdruck gelangte. So gehörte er der Kommission für elektrotechnische Versuche (1888—1901), der Kommission zur Untersuchung von Kältemaschinen (1888—1893), der Finanz-K. (1888—1895), der Redaktion K. (1888 bis 1898), der Kommission für Errichtung eines Hygiene-Museums (1892—1894), der Kommission zur Beseitigung der Rauchbelästigung (1888—1893), der Kommission für die Heizversuchsstation (1888—1889) an, ferner war er Mitvertreter des Vereines im Direktorium und den Kommissionen der I. und II. Kraft- und Arbeits-Maschinen-Ausstellung des Allgemeinen Gewerbe-Vereines (1888 und 1898). Für den Ausschuss erstattete er 62 zum Teil umfangreiche Referate in Form von Gutachten an Ministerien, Behörden und andere Stellen.
Besondere Verdienste erwarb er sich ferner um den Polytechnischen Verein durch die Erwirkung der kostenfreien Benützung des Lokales in der alten Akademie an der Neuhauserstrasse vom kgl. Kultusministerium im Jahre 1890, womit eine Ersparnis von 2000 Mk., entsprechend dem Mietsbetrage im Kunstgewerbehause, verbunden war; sodann durch Reorganisation des Annoncenwesens des Vereinsblattes, indem der Annoncenpacht von G. v. Seyffertitz aufgehoben und der gesamte Annoncenteil, sowie der Verlag der Zeitschrift vom Ausschuss an die hiesige Verlagsbuchhandlung G. D. W. Callwey übertragen wurde. Angesichts der vorstehenden Daten, welche sich wohl noch vermehren liessen, wird man nicht umhin können, die Verdienste Professor Aubrys um den polytechnischen Verein als hervorragende zu bezeichnen.
Louis Aubry war geboren am 29. Juni 1844 zu München als der Sohn eines Hofbeamten. In seiner Jugend durch Kränklickeit am regelmässigen Schulbesuche gehindert, musste er sich den Wissensstoff des humanistischen Gymnasiums zum Teil durch Privatstudium aneignen. Seine Gesundheit kräftigte sich indessen erfreulicherweise, als er in das Jünglingsalter getreten war und, bis ihn das Leiden ergriff, das seinem Leben ein allzufrühes Ziel setzte, blieb er von ernstlicher Krankheit verschont. Neigung und Begabung wiesen den jungen Mann auf das Studium der Chemie und beschreibenden Naturwissenschaften hin, dem er sich an der Universität München mit hingebungsvollem Eifer widmete. Von seinen Lehrern waren es Ludwig Andreas Buchner und Max von Pettenkofer, durch welche er sich besonders gefördert sah. Unter ihrer Leitung erweiterte und vertiefte er seine naturwissenschaftlichen Kenntnisse in der Richtung der angewandten Chemie.
In der Folge wandte er sich einem speziellen Zweige jenes umfangreichen Gebietes zu, nämlich der zymotechnischen Wissenschaft, deren Pflege von nun an seine Lebensaufgabe werden sollte. Von dem kgl. Professor und Leiter des Brauereikurses an der kgl. b. landwirtschaftlichen Centralschule Weihenstephan, Dr. Lintner, zur Mitarbeit berufen, machte sich der begabte junge Chemiker in kurzer Zeit mit der Praxis und den wissenschaftlichen Gundlagen der Brauerei vertraut, so dass er bald eine geschätzte Lehrkraft an der aufblühenden Anstalt wurde. Als dann im Jahre 1877 Dr. Reischauer, der Leiter der wissenschaftlichen Station für Brauerei in München eines von hervorragenden Brauern des In- und Auslandes gegründeten Instituts, plötzlich gestorben war, wurde Louis Aubry zum Nachfolger dieses ausgegezeichneten Gelehrten ausersehen.
24 Jahre entfaltete nunmehr Aubry als Leiter dieser bald zu hohem Rufe gelangenden Anstalt eine höchst verdienstvolle Thätigkeit. Die Arbeiten der »wissenschaftlichen Station« brachten Aufklärung über gar manche dunkle Vorgänge der Bierbereitung und gaben den Anstoss zu wesentlichen Verbesserungen des Betriebes. Wenn heute die Betriebssicherheit in der Brauerei eine vor wenigen Jahrzehnten noch ungeahnte Höhe erreicht hat, so ist dieser Erfolg in erster Linie dem verständnisvollen Zusammenarbeiten von Wissenschaft und Praxis auf dem Boden der Brauereiversuchsstation zu danken. Die wissenschaftliche Station für Brauerei in München aber war die erste Anstalt ihrer Art. Sie wirkte vorbildlich für die baldfolgende Gründung solcher Institute an anderen Orten. Die Leistungen Professor Aubrys und der »wissenschaftlichen Station« eingehend zu schildern, würde hier zu weit führen. Es mag der Hinweis genügen, dass die wissenschaftlichen Arbeiten, deren Ergebnisse teils in besonderen Berichten, teils in Veröffentlichungen in der Zeitschrift für das gesamte Brauwesen (München, R. Oldenbourg) den Interessenten zugänglich gemacht wurden, sich auf alle Sparten des vielgestaltigen Brauereibetriebes erstreckten. Besonderes Augenmerk wurde natürlich den Rohmaterialien geschenkt und über 25 Jahre sich erstreckende Untersuchungen von Gerste und Malz lieferten ein ungemein schätzbares Material zur Beurteilung dieser wichtigen Rohstoffe. Der Prozess der Malzbereitung, der Sudprozess, die Vorgänge beim Maischen, beim Kochen der Würze mit Hopfen und bei der Gährung waren Gegenstand eingehender Untersuchungen, welche zu bemerkenswerten Resultaten führten. Als im Jahre 1883 der dänische Gelehrte Emil Christian Hansen mit seinen epochemachenden Untersuchungen über rein gezüchtete liefen und die Einführung der Reinhefe in den Brauereibetrieb hervortrat, da war Professor Aubry einer der ersten, welche die eminente praktische Bedeutung jener wissenschaftlichen Errungenschaft erkannten und ihr in Deutschland zur Anerkennung verhalfen. Alsbald traf er die entsprechenden Einrichtungen an der wissenschaftlichen Station zur Gewinnung der nach Hansens System rein gezüchteten Hefe und zur Abgabe derselben an Betriebe. So hat Professor Aubry ein grosses und bleibendes Verdienst erworben um die Einführung der Reinhefe in den deutschen Brauereien. Die Anwendung rein gezüchteter Hefe im Brauereibetrieb bedeutet aber einen der grössten Fortschritte, welchen das vergangene Jahrhundert auf dem Gebiete des Brauwesens zu verzeichnen hat; denn erst durch die Reinhefe hat der Brauer die Herrschaft über die Gährung erlangt, deren glücklicher Verlauf bisher mehr oder weniger vom Zufall abhing. Zuletzt beschäftigte sich Professor Aubry mit dem viel umworbenen Problem der Nutzbarmachung der in grossen Mengen abfallenden Bierhefe. Die darauf abzielenden Versuche führten zu der Patentierung eines Verfahrens, nach welchem aus der Hefe eine Suppenwürze gewonnen werden kann. Es ist selbstverständlich, dass Professor Aubry zur Lösung der umfassenden und weit ausgreifenden Aufgaben, wie sie in der wissenschaftlichen Station für Brauerei an ihn herantraten, ein Stab von ausgezeichneten Mitarbeitern zur Seite stand.
Aber auch ausserhalb der Station war Professor Aubry ungemein thätig. Seine Thätigkeit im Polytechnischen Verein ist oben bereits gewürdigt worden. Er war ferner Mitarbeiter der Zeitschrift für die Untersuchung von Nahrungs- und Genussmitteln und der Chemikerzeitung, er redigierte den deutschen Brauer- und Mälzerkalender und fungierte wiederholt als Jury-Mitglied auf Ausstellungen, so zuletzt auf der Pariser Weltausstellung. In Anerkennung seiner vielfachen Verdienste wurde der Verstorbene im Jahre 1891 durch den Titel eines kgl. Professors ausgezeichnet. Der schwedischen Brauervereinigung gehörte er als Ehrenmitglied und dem Insitute of Brewing in London als korrespondierendes Ehrenmitglied an.
Im Oktober dieses Jahres konnte die wissenschaftliche Station für Brauerei das Jubiläum ihres 25 jährigen Bestehens feiern. Leider war es Professor Aubry nicht mehr vergönnt, sich an den festlichen Veranstaltungen, zu welchen die Mitglieder der Station aus Nah und Fern herbeigeeilt waren, sich aktiv zu beteiligen. Ein tückisches Halsleiden, dessen Anzeichen schon vor längerer Zeit bemerkbar waren, hatte damals bereits eine bedrohliche Höhe erreicht und nötigte ihn, der Festsitzung in den Prinzensälen des Cafe Luitpold schweigend beizuwohnen, während sein langjähriger getreuer Mitarbeiter und Abteilungsvorstand Dr. Brand den von ihm verfassten Festvortrag hielt. Es war ein ergreifender Anblick, zu sehen, wie der schwer leidende, dem Tode geweihte Mann mit gespannter Aufmerksamkeit und mit Aufbietung aller Kräfte den Vorgängen beim Festakte folgte und wie ein sonniges Lächeln die leiderfüllten Züge erhellte, als ihm von allen Seiten die wärmste Anerkennung entgegengebracht wurde. Der Verein, Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin, welcher durch seinen Geschäftsführer, Geheimrat Delbrück, ebenso wie die Wiener Versuchsstation durch Hofrat Schwackhöfer vertreten war, hatte ihm durch Verleihung der goldenen Ehrenmünze des Vereins eine ganz besondere Freude bereitet.
Mit bewundernswerter Energie wehrte sich der schwer kranke Mann gegen den Fortschritt des Leidens und den zunehmenden Kräfteverfall und erst drei Tage vor seinem Tode ist der ermatteten Hand die Feder entsunken.
Im Jahre 1880 hatte Professor Aubry einen eigenen Herd gegründet und nun suchte und fand er Erholung von angestrengter Thätigkeit fast ausschliesslich in einem glücklichen Familienleben. Eine Wittwe und drei unmündige Kinder beweinen in ihm den treubesorgten liebevollsten Gatten und Vater.
Sein Andenken aber wird nicht nur im Kreise seiner Freunde und Angehörigen, sondern auch in den weiteren Kreisen, in welchen er so erfolgreich wirkte, so namentlich im Polytechnischen Verein als ein gesegnetes fortleben. L.
Bayerisches Industrie- und Gewerbeblatt (1901).
#Zeitschrift für das gesamte Brauwesen (1901)
Als vor kurzem die Trauerkunde von dem Ableben Professors Aubry hinausdrang in alle Länder, wo Brauindustrie besteht, werden wohl viele von seinen ehemaligen Schülern in Weihenstephan, so manche der Praktikanten, die im Laufe der Jahre an der wissenschaftlichen Station ihren zymotechnischen Studien oblagen, vor allem aber die Mitglieder der Anstalt, die mit dem Verlebten seit Jahresfrist nicht mehr zusammengekommen, betroffen und tieferschüttert gewesen sein über die so plötzliche und unerwartete Nachricht.
Wohl ahnten diejenigen, welche den nun von uns Geschiedenen auf der 25. Generalversammlung unseres Instituts gesehen hatten, mit dem leidensvollen Ausdruck in den Zügen, und die seine klanglose Stimme vernommen, daß nur ein tiefgehendes Leiden so traurige Veränderungen hervorbringen konnte. Manche haben wohl im stillen schon Abschied genommen, als sie ihm die Hand drückten.
Für alle Näherstehenden lag dies wie ein düsterer Schatten auf dem sonst so glänzend verlaufenen Jubiläum.
Leider ist nun, was wir befürchteten und wochenlang voraussahen, zur Wahrheit geworden und ist die Pflicht an uns herangetreten, auf dieses arbeitsreiche Leben Rückschau zu halten.
Aubry war am 29. Juni 1844 zu München als der Sohn eines Hofbeamten geboren und widmete sich nach Besuch des humanistischen Gymnasiums dem Studium der Chemie, für die er schon als Knabe das lebhafteste Interesse zeigte. Er arbeitete im Laboratorium von Prof. v. Voit und war mehrere Jahre als Assistent am hygienischen Institut von Geheimrat v. Pettenkofer thätig. Im Jahre 1873 kam er als Assistent des Prof. Dr. C. Lintner nach Weihenstephan, wo er die praktischen Übungen der Studierenden im chemischen Laboratorium zu leiten hatte und als Docent Vorlesungen über quantitative Analyse und zymotechnische Untersuchungen hielt.
Als im Jahre 1877 der Vorstand der im Jahre vorher gegründeten wissenschaftlichen Station für Brauerei, Reischauer, mit Tod abging, wurde Aubry zum Direktor dieses Institutes ernannt. 24 Jahre lang stand Aubry dieser Anstalt mit viel Umsicht, großem Verständnis und mit warmer Liebe für die Sache vor. Wie sehr die Station unter seiner Leitung emporgeblüht und gewachsen ist, kann wohl auch daraus beurteilt werden, daß er bei Übernahme derselben nur mit einem Assistenten in einem gemieteten kleinen Laboratorium arbeitete, während ihm in den letzten Jahren im stattlichen Eigenbau zwölf Beamte zur Seite standen.
Ein beredtes Zeugnis von der Thätigkeit, die er während dieser Zeit entfaltete, liefern auch die als Manuskripte gedruckten Berichte der wissenschaftlichen Station für Brauerei und die später in der Zeitschrift für das gesammte Brauwesen veröffentlichten Mitteilungen wissenschaftlichen und technischen Inhaltes.
Näher darauf einzugehen, kann ich mir versagen, denn der Verlebte hat ja selbst in der Festschrift zur Feier des 25jährigen Bestehens unseres Institutes noch in den letzten Monaten seines Lebens mit Aufbietung seiner ganzen grossen Willenskraft ein klares Bild seines Wirkens und der Thätigkeit der von ihm geleiteten Station gegeben.
Ein besonderes Verdienst um die Brauindustrie aller Länder hat sich der Verstorbene durch die Einführung der Hefereinzucht nach Hansens System in der Praxis erworben. Er war der erste in Deutschland, der diese große Errungenschaft der Zymotechnik an der wissenschaftlichen Station aufnahm und nach hartem Kampfe zur allgemeinen Anerkennung brachte.
Unzählig sind die mündlichen und schriftlichen Ratschläge und Gutachten, die er nicht nur Mitgliedern der Station, sondern auch in wichtigen Fällen den Behörden in massgebender Weise erstattete. Ebenso wirkte er als Mitglied und langjähriger Vorstand des polytechnischen Vereins in München nutzbringend für die Allgemeinheit.
An fachwissenschaftlichen Zeitschriften nahm er den regsten Anteil. So war er jahrelang Mitredakteur der Zeitschrift für das gesammte Brauwesen, ferner redigierte er den bekannten Brauer- und Mälzerkalender für Deutschland und Österreich, dann war er Mitarbeiter der Zeitschrift für Nahrungs- und Genussmittel, für die er das Referat »Bier« übernommen hatte. In der Chemiker-Zeitung besprach er die Fortschritte auf dem Gebiete des Brauwesens; und noch manche andere technische Werke verdanken seiner Feder gemeinnützige und und belehrende Aufsätze.
Seine umfassende Thätigkeit, seine Leistungen für die Zymotechnik und die Brauindustrie wurden auch anerkannt durch mancherlei Ehrungen. So erhielt er vom bayerischen Staate den Titel: Kgl. Professor, die schwedische Brauervereinigung ernannte ihn zu ihrem Ehrenmitglieds, das Institut of Brewing in London zu ihrem korrespondierenden Ehrenmitgliede. Jedem der Teilnehmer an dem Festakte der 25jährigen Generalversammlung unseres Institutes wird es in wehmütiger Erinnerung bleiben, wie Geheimrat v. Delbrück in begeisterten Worten der Anerkennung dem todkranken Manne die Mitteilung machte, daß ihm als ersten die goldene Ehrendenkmünze der Versuchs- und Lehranstalt in Berlin zuerkannt wurde, welche gestiftet worden ist zur Verleihung für hohe Verdienste um das Braugewerbe.
Es war die letzte Ehrung im Leben.
Wenn wir nun seiner persönlichen Eigenschaften gedenken wollen, müssen wir vor allem seines grossen Pflichteifers Erwähnung thun, den selbst sein schweres Leiden nicht lähmen konnte. Hervorragend war auch die treue Anhänglichkeit, die er seinen ehemaligen Schülern und Praktikanten bewahrte, und denen er vielfach zeitlebens ein wahrer Freund und Berater war.
Dem Verlebten war das Glück einer vollkommen harmonischen Ehe beschieden, drei brave Kinder belebten das traute Heim, und die einzige Erholung nach des Tages Arbeit suchte er im Kreise seiner lieben Familie. Hier fand er auch in seinen Leidenstagen die aufopferndste Pflege, und umgeben von seinen teuren Angehörigen entschlief er sanft am Abend des 25. November.
Die überaus grosse Teilnahme, die von allen Seiten bei seinem Hinscheiden zum Ausdruck kam, ist wohl ein sprechendes Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung des Verlebten.
Ein bleibendes Andenken wird ihm gesichert sein. Brand.
Zeitschrift für das gesamte Brauwesen Nr. 51 (1901).

#39 – 2 – 11 (Lehmann · Mayer)
Hier ruhen in Gott:
Frau Sophie Lehmann
Privatierswittwe
geb. 21. Okt. 1813, gest. 8. Dez. 1892.
Herr F. C. Mayer
Hofrath und kgl. Professor a. D.
geb. 3. Jan. 1824, gest. 24. Jan. 1903.
Frau Pauline Lehmann
Professorsgattin
geb. 24. Okt. 1843, gest. 19¿
Herr Julius Lehmann
Gymnasialprofessor a. D.
1837 – 1920
- Lehmann, Julius; 1837 – 4.3.1920 (München); Gymnasialprofessor a. D.
- Lehmann, Pauline (vh) / Wetzler (gb); 24.10.1843 – 19.7.1914 (München); Professors-Gattin
- Lehmann, Sofie (vw); 21.10.1813 – 8.12.1892 (München); Privatiers-Witwe
- Mayer, Friedrich Karl; 3.1.1824 (Tölz) – 24.1.1903 (München); Architekturmaler



#Friedrich Karl Mayer
* 3.1.1824 (Tölz)
† 24.1.1903 (München)
Architekturmaler
#Biographische Jahrbuch und Deutscher Nekrolog (1905)
Mayer, Friedrich Carl, Architekturmaler, Großherz. Weimarischer Hofrat, * 3. Januar 1824 in Tölz, † 24. Januar 1903 zu München. M., Sohn des damaligen Rentbeamten Eduard Mayer, wurde zum Studium und zur Beamtenlaufbahn bestimmt, fühlte sich aber nach dem Vorbilde seines Urahns, eines wackeren Augsburger Bauherrn, unwiderstehlich zur Architektur hingezogen; besuchte denn auch mit der Versetzung seines Vaters nach Augsburg (woselbst derselbe später im Ruhestand, 1855 und 1856, sehr hübsche, auf gediegenen Studien beruhende »Skizzen« aus der dortigen Stadtgeschichte verfaßte) die dortige Kreisgewerbe- und Polytechnische Schule, dann die Münchener Akademie, wo er sich unter Eduard Metzger, Voit u. a. (1844–48) ganz der Baukunst und den damit verbundenen praktischen Übungen widmete. In Nürnberg betätigte sich M. zuerst als Heideloffs Assistent am Polytechnikum (1849) und als Maler, wozu er auf steten Studienfahrten am Rhein und in Belgien ein herrliches Material gesammelt hatte. So entstanden die anziehenden, nach Krelings geistreichem Vorgang, mit altertümlichen Staffagen belebten Ölbilder aus dem »Kreuzgang von Schulpforta«, dem »Inneren der Stiftskirche zu Gernrode« (1848), eine »Partie aus dem Kreuzgang des Mainzer Domes« (1849). Gerechtes Aufsehen machte das große Gemälde (1850) wie »Adam Krafft sein Sakramentenhäuslein dem Bürgermeister von Imhoff übergibt« (Stahlstich von Hablitschek). Gleiche Teilnahme erhielt das Innere der Sebaldkirche mit dem Sebald-Denkmal nach dem ursprünglichen (in Wirklichkeit leider nur halb ausgeführten) Entwurfe eines seither noch unbenannten Meisters. Der Maler staffierte sein Bild mit dem freilich unhistorischen, aber sehr naheliegenden Vorgang: wie Peter Vischer das Denkmal dem Kaiser Maximilian erklärt, der mit Veit Stoß, Wolgemut, Dürer und vielen anderen zum Beschauen dieses Gußwerkes gekommen ist. Das große Bild erschien zuerst 1851 auf der Münchener Kunstausstellung, bestand hier die gefährliche Konkurrenz mit Ainmillers exzellenten »Ansichten aus der Westminsterabtei« und erhielt trotz diesen beiden Rivalen allgemeinen Beifall (vgl. Beilage 224 »Neue Münchener Ztg.« 20. September 1851). Daran reihte sich 1852 eine Ansicht des »Nürnberger Marktplatzes mit der Frauenkirche und dem schönen Brunnen« belebt durch die festliche Einführung der Reichskleinodien 1422. Ferner die sogenannte »Brauttüre bei S. Sebald«, eine Partie aus der Michaelskirche zu Hildesheim, das Kabinettstück einer mittelalterlichen »Fabrica« mit dem berühmten Erzbildner Bernward von Hildesheim (1854), ein Kirchenfest mit dem Motiv aus dem Augsburger Dom. Schon damals exzellierte M. durch die verständnisinnige optische Konstruktion, jeder Pinselstrich war richtig gedacht und haarscharf an seine Stelle gesetzt, ohne daß dadurch die Gesamthaltung in Form und Farbe litt. Als gewissenhafter Techniker und Lehrer bewährte sich M. 1855–65 an der Kreisgewerbeschule: als solcher schnitt er alle architektonischen Stilarten, z. B. die Konstruktion des maurischen Tropfsteingewölbes, in Holz, wie er überhaupt Modelle jeder Art, sogar Miniaturbacksteine, formen ließ. Wie der Maler neben seiner ausgedehnten Lehrtätigkeit, neben der Unzahl von Entwürfen und Werkzeichnungen für Hausgeräte, Glasfenster, Tapeten und Teppichmuster, Gefäße, Metall- und Elfenbeinarbeiten, sowie ganzer Wohnungseinrichtungen in allen Stilarten und Geschmacksrichtungen früherer Zeiten und Generationen, wie M. zu immer neuen und so liebe- und stimmungsvoll durchgeführten eigenen Bildern noch Zeit finden konnte, war nur seinem eisernen, andauernden Fleiße möglich. So entstanden inzwischen kleine architektonische Epigramme seiner Kunst, indem er den alten Patrizier- und Bürgerhäusern der Bibra und Preller ihre malerischen Geheimnisse und poetischen Winkel ablauschte und zur erfreulichen weiteren Kenntnis brachte (1861). Gleich anziehende Motive sammelte er aus dem Dom in Magdeburg (1862), aus dem Rathaus zu Braunschweig (1863), aus den Fürstenzimmern in Augsburg (1868). Im Jahre 1865 folgte M. einer ehrenvollen Berufung als Professor an die Kunstschule nach Weimar, unter Fortsetzung der gleichen Tätigkeit. Hatte er früher schon die Restauration der hl. Kreuzkirche zu St. Johann bei Würzburg und den Bau des sogenannten roten Turmes in Oberwesel (1864–66) geführt, so leitete M. die gesamte Ausstattung eines Thüringer Schlosses und des Palais für den Herzog Moritz von Sachsen-Altenburg. Dann kehrte der mit Ehren und Orden vielfach ausgezeichnete Künstler 1875 nach Nürnberg zurück, welches er 1889 mit München vertauschte, wo er sich ein neues, gleich gemütliches Heim schuf und mit unermüdlichem Eifer, trotz seines durch glückliche Operation 1897 gehobenen Augenleidens, der geliebten Kunst oblag. Seine Bilder gingen ebenso wie die liebenswürdigen Genrestücke des mit M. vielfach geistverwandten Anton Seitz (vgl. Biogr. Jahrb. V) weit in die Welt. Stoffe hatte er für mehr als eine Lebenszeit eingeheimst. Er arbeitete wie ein Schatzgräber, der verborgene Kleinode der Vergessenheit entreißt und in das rechte Licht bringt. Eine Auswahl dieser seiner »architektonischen Novellen« erschien – in ihrer Weise auch à la Claude Lorrain, eine Art »Liber veritatis« – in einem mit photographischen Reproduktionen reich ausgestatteten Album (in Fürth bei Schildknecht) und mit neuen Aufnahmen eine zweite Kollektion bei Joh. Nöhring in Lübeck. Damit ist aber sein Lebenswerk noch immer nicht erschöpfend gezeichnet. In seiner Wohnung hing Bild an Bild, eine ganze Galerie von Zeitgenossen, deren Werke er durch Tausch, Kauf und Geschenk erhalten,darunter aber auch eine erklecklicheZahl eigener Schöpfungen. Bewundernswert blieb die Schärfe seiner Beobachtung und die Sicherheit der Hand, das reizende, bis ins kleinste gehende, in liebevollster Weise durchgebildete Detail, darunter z. B. die Gitter und die subtilen Dekorationen mit Waffen und Wappenschildern an den Wänden (Ulm) und dabei doch die das Ganze beherrschende einheitliche Wirkung, Haltung und Stimmung. Ebenso originell war seine Sammlung von eigenhändigen Modellen. So hatte M. die Kopie eines «Ordinari-Flosses« aus der Erinnerung gefertigt, wie dergleichen noch vor einem halben Säkulum von Tölz nach Wien gingen mit allem Beiwerk, mit der Kochhütte darauf, deren Insassen und der übrigen Ladung von Bier- und Gipsfässern, Kohlen usw. Ebenso ein die Donau und den Inn aufwärts d. h. »bergfahrendes« von schweren Pferden gezogenes Frachtschiff (ähnliche Szenen malte ja auch Ludwig Hartmann, vgl. Biogr. Jahrb. VII); dazu die wahrhafte Nachbildung eines alten echten Wirtschafts- und Bauernhauses aus Lenggries oder Jachenau. Aus Platzmangel hing dergleichen mit anderen plastischen Reproduktionen alter, mit Getreidesäcken belasteter Schrannenwagen, von Bierfuhrwerken und anderen zur Kunde des altbayerischen Volkslebens höchst wertvollen Inventarstücken, durch eigens konstruierte Aufzüge mittelst Schnürwerk dem Augenschein schnell vermittelbar, von den Plafonds seiner mit Seltsamkeiten aller Art geschmückten und überladenen Zimmer herab. M. war seit 1855 mit der Tochter eines kunstliebenden Nürnberger Kaufherrn verheiratet. Sein treffliches Bildnis hat Kuppelmayer 1894 gemalt.
Vgl. Naumann, Archiv f. zeichnende Künste 1870. – Westermayer, Chronik von Tölz, 1871, S. 182. – Regnet in Nr. 11 von Schaslers »Deutsch. Kunst-Ztg.« 1873. – Friedrich, Nürnbergs Meister der Gegenwart, 1876. – Fr. von Bötticher, 1895 II, 960. – Nekrolog in Nr. 26 »Allg. Zeitg.« 1903. – Kunstvereinsbericht 1903, S. 72.
Hyac. Holland.
Dr. phil. Hyazinth Holland: Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog. Berlin, 1905.

#39 – 2 – 17 (Walch)
Hier ruhet in Frieden
unser teurer Gatte u. Vater
Herr Josef Walch
¿
geb. d. 22. Sept. ¿
gest. d. 10. Nov. 1906.
Dessen Gattin
Frau Marie Walch
geb. d. 24. ¿ 1843
gest. d. 12. April 1917.
- Walch, Josef; 22.9.¿ – 10.11.1906 (München), 77 Jahre alt; Sicherheitskommissar
- Walch, Marie (vw) / Schneider (gb); 24.¿.1843 – 12.4.1917


#39 – 2 – 18 (Hillmer)
Hier ruht in Gott
unser teurer Sohn
Otto Hillmmer
geb. 28. Dez. 1882, gest. 13. März 1902.
Ihm folgte
unser heissgeliebter, unvergesslicher
Gatte und Vater
Herr Michael Hillmer,
Privatier,
geb. 4. Oktbr. 1842, gest. 29. Jan. 1908.
Frau Rosina Hillmer
geb. 16. Dez. 1842, gest. 3. Jan. 1929.
Sockel
R. I. P.
A. Aufleger 39.2.18.
- Hillmer, Michael; 4.10.1842 – 29.1.1908; Privatier
- Hillmer, Otto; 28.12.1882 – 13.3.1902
- Hillmer, Rosina (vw); 16.12.1842 – 3.1.1929


#39 – 2 – 22 (Behringer)
Grabstätte
der Familie
Behringer
- Behringer, Ludwig; 1824 (Würzburg) – 13.11.1903 (München); Hauptmann a. D., Lithograph und Uniformenmaler


#Ludwig Behringer
* 1824 (Würzburg)
† 13.11.1903 (München)
Hauptmann, Lithograph und Uniformenmaler
#Münchner Neueste Nachrichten (16.11.1903)
Lokales.
München, 14. November.
Todesfall. Gestern Abend halb 9 Uhr verschied hier der k. Hauptmann a. D. Ludwig Behringer im Alter von 79 Jahren an Lungenlähmung. Er dienste früher beim 8. Infanterie-Regiment in Augsburg und war zuletzt Zeichenlehrer im Kadettenkorps. Die Beerdigung findet Montag Nachmittag 3 Uhr im südlichen Friedhof statt.
Münchner Neueste Nachrichten No. 536. Montag, den 16. November 1903.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Behringer Ludwig, 1824 (Würzburg) – 1903, Hauptmann, Uniformenmaler und Lithograph; dieser Offizier beschäftigte sich sich seiner Freizeit als Kunstmaler und Steinzeichner; die Motive entnahm er seinem Berufsleben.
Hauptwerke: Marschszene, Kosaken überfallen einen Train, Reiterporträt des Generals von der Tann; Steinzeichnungen: Das bayerische Heer in seiner neuesten Uniformierung und die Uniformen der bayerischen Armee von 1682–1848; in der Uniformierungsgeschichte des bayerischen Heeres gilt B. als Autorität.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#39 – 3 – 13 (n. n.)


#39 – 3 – 22 (Fleschuez)
Familien-Grabstätte.
Hier ruhet
unser unvergesslicher Sohn
Richard Fleschuez
Kaufmann,
geb. 25. Jan. 1869 gest. 23. Okt. 1893.
Ihm folgte
unser heissgeliebter Gatte und Vater
Herr Carl Fleschuez
Gräfl. Moyscher Domänen Direktor
geb. 20. Mai 1844, gest. 8. Jan. 1910.
seine Gattin,
unsere heissgeliebte, teure Mutter
Frau Therese Fleschuez,
Domänen-Direktors-Witwe
geb. 29. Mai 1839, gest. 16. Okt. 1912.
Sockel
Heiligensetzer 39.3.22.
- Fleschuez, Karl; 20.5.1844 – 8.1.1910; Domänendirektor
- Fleschuez, Richard; 25.1.1869 – 23.10.1893; Kaufmann
- Fleschuez, Therese (vw); 29.5.1839 – 16.10.1912; Domänendirektors-Witwe


#39 – 4 – 27 (Stumpf)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Stumpf, Anna; – (25).9.1879 (München), 74 Jahre alt
- Stumpf, Antonia; – 14.1.1875 (München), 70 Jahre alt; Regierungsdirektors-Tochter


#39 – 5 – 2 (Gronen)
Hier ruht in Gott
mein innigstgeliebter Gatte
Herr Georg Gronen
kgl. Salineninspektor in Rosenheim
geb. in München 7. Okt. 1830,
gest. in Rosenheim 21. Dez. 1893.
und
Frau Augusta Gronen
gest. 24. Mai 1918.
Sockel
Kosenbach. 39.5.5.
- Gronen, Auguste (vw); – 24.5.1918 (München), 84 Jahre alt; Salineninspektors-Witwe
- Gronen, Georg; 7.10.1830 (München) – 21.12.1893 (Rosenheim); Königlicher Salineninspektor


#39 – 5 – 7 (Läverenz)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Läverenz, Gustav; 25.7.1851 (Hannover) – 17.10.1906 (München); Genremaler

#Gustav Läverenz
* 25.7.1851 (Hannover)
† 17.10.1906 (München)
Genremaler
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Läverenz Gustav, 1851 (Hannover) – 1906, Genremaler; L. kam schon früh nach München, wo er bei W. von Diez studierte, dessen künstlerische Prinzipien er vortrefflich erfaßte; seine Kinderszenen und Frauenbildnisse, die er nach den akademischen Lehrjahren schuf, fanden überall von Kunstverständigen Anerkennung; später konzentrierte er sich auf die Kopierung alter Meister, vornehmlich widmete er sich Rubens; Ls. Kopien sind Wunderwerke der Geduld und subtilen Nachempfindens; Porträtkopien befinden sich im Museum des Schlosses Schleißheim und im Bayerischen Nationalmuseum zu München; im Münchner Historischen Stadtmuseum (Maillinger-Sammlung) werden Ls. Kostümentwürfe zum Kostümfest der »Allotria« von 1876 verwahrt.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#39 – 5 – 21 (Aulinger · Löw)
Hier ruht
der beste Gatte und Vater
Herr Josef Aulinger
geb. 12. Dez. 1843, gest. 19. April 1903,
die treueste Mutter
Frau Josefine Aulinger
geb. 2. April 1850, gest. 14. Juni 1919.
Sockel
ihre edle gute Tochter
Frau Paula Löw
geb. 16. April 1886 gest. 19. April 1922.
39.5.21. Kosenbach.
- Aulinger, Josef; 12.12.1843 – 19.4.1903
- Aulinger, Josefine (vw); 2.4.1850 – 14.6.1919
- Löw, Paula (vh) / Aulinger (gb); 16.4.1886 – 19.4.1922


#39 – 6 – 3* (Urban)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Urban, Karolina; – 1887; Hoftheater-Balletttänzerin
Das Grab ist nicht erhalten

#39 – 6 – 14 (Häfner)
HIER RUHEN
UNSERE LIEBEN ELTERN
HERR
KONRAD HAEFNER
¿ 27.1.1875 IM 37. LEBENSJAHRE
FRAU
BABETTE HOSSFELDER
VERW. HAEFNER
GEB. 9.7.1841 GEST. 19.3.1904
- Häfner, Babette (vw) / Hossfelder (gb); 9.7.1841 – 19.3.1904
- Häfner, Konrad; – 27.1.1875 (München), 36 Jahre alt; Metzgermeister


#39 – 6 – 18 (Neumayer)
Familien Grabstätte.
Hier ruhet
unser unvergesslicher
Gatte u. Vater,
Herr Josef Neumayer,
Metzger v. hier
gest. 11. Juni 1894 im 53. Lebensjahr.
Dessen Gattin
Frau Barbara Neumayer,
geb. 14. Aug. 1846, gest. 22. Apr. 1901.
Schwarz.
- Neumayer, Barbara (vw); 14.8.1846 – 22.4.1901; Metzgers-Witwe
- Neumayer, Josef; – 11.6.1894, 52 Jahre alt; Metzger


#39 – 6 – 24 (Winter)
Victor Winter,
geb. 14. Mai 1865,
gest. 4. März 1888.
Charlotte Winter,
geb. Dengler.
geb. 28. März 1839,
gest. 10. Juni 1890.
Johann Winter,
geb. 16. Dezember 1837,
gest. 9. September 1918.
Anna Winter,
geb. 26. Mai 1864,
gest. 1. April 1943.
R. I. P.
Familie Winter.
39.6.24. Gschwender & Fischer.
- Winter, Anna; 26.5.1864 – 1.4.1943
- Winter, Charlotte (vh) / Dengler (gb); 28.3.1839 – 10.6.1890
- Winter, Johann; 16.12.1837 – 9.9.1918
- Winter, Viktor; 14.5.1865 – 4.3.1888


#39 – 6 – 28 (Müller)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Müller, Anna; – 21.10.1890 (München), 21 Jahre alt; Privatiers-Tochter
- Müller, Max; – 1889 (München); Privatier



#39 – 7 – 14 (Flechsel)
ALEX. FLECHSEL
5.III.1847 – 7.II.1888
MARG. FLECHSEL
GEB. GOTH
3.IX.1849 – 26.II.1937
- Flechsel, Alexander; 5.3.1847 – 7.2.1888; Brauereidirektor
- Flechsel, Marg. (vw) / Goth (gb); 3.9.1849 – 26.2.1937; Brauereidirektors-Witwe


#39 – 8 – 2 (Erlwein)
Obelisk
Ruhestätte
der
Familie
J. Erlwein.
Sockel
Hier ruhet
unser unvergesslicher, lieber Gatte und Vater
Herr Johann Erlwein,
Privatier,
geb. 29. Februar 1844, gest. 6. Juni 1900.
Ihm folgte dessen Gattin
unsere heissgeliebte, nur zu früh uns
entrissene, herzensgute Mutter
Frau Elise Erlwein,
geb. Ziegler,
geb. 25. Februar 1843, gest. 10. Sept. 1900.
39.8.2. Babenstuber
- Erlwein, Elise (vw) / Ziegler (gb); 25.2.1843 – 10.9.1900; Privatiers-Witwe
- Erlwein, Johann; 29.2.1844 – 6.6.1900; Privatier


#39 – 8 – 5 (Mayrshofer)
Familie Mayrshofer.
Hier ruhen in Gott
Unser innigstgeliebter Gatte u. Vater
Herr Franz Mayrshofer
Bäckermeister,
geboren 2. April 1845 zu Landsberg a. L.
gestorben 18. Februar 1901 zu München.
Ihm folgte seine Gattin
unsere liebe Mutter
Frau Theres Mayrshofer
geb. 16. Januar 1849, gest. 16. Oktober 1914.
Sockel
Unsere lieben Kinder:
Max, 10 Monate alt, Theresia, 3 Jahr 3 Mt. alt,
Ludwig, 26 Tage alt.
J. Lallinger.
Rechte Seite
Unsere
lieben Geschwister:
Bertha Mayrshofer
gest. im 27. Lebensjahre.
Karl Mayrshofer
gest. im 41. Lebensjahre.
- Mayrshofer, Bertha; 26 Jahre alt
- Mayrshofer, Franz; 2.4.1845 (Landsberg) – 18.2.1901 (München); Bäckermeister
- Mayrshofer, Karl; – 1888; 40 Jahre alt; Bäcker
- Mayrshofer, Ludwig; 26 Tage alt
- Mayrshofer, Max; 10 Monate alt
- Mayrshofer, Theres (vw); 16.1.1849 – 16.10.1914; Bäckermeisters-Witwe
- Mayrshofer, Theresia; 3 Jahre alt


#39 – 8 – 7·8 (Dunker)
Obelisk
Ruhestätte
der
Familie Dunker.
Sockel
Hier ruht unser lieber Sohn
Hermann,
geb. 19. Mai 1884, gest. 28. Jan. 1894.
Ihm ging voran sein Bruder
Arnold,
geb. 26. Sept. 1885, gest. 19. April 1886.
Frau Wilhelmine Dunker
geb. 28. März 1862, gest. 20. April 1915.
Herr Hermann Dunker
geb. 3. März 1849, gest. 21. Dez. 1917.
Rückseite
Schnelldorfer. 30.8.7.8.
- Dunker, Arnold; 26.9.1885 – 19.4.1886
- Dunker, Hermann; 19.5.1884 – 28.1.1894
- Dunker, Hermann; 3.3.1849 – 21.12.1917
- Dunker, Wilhelmine (vh); 28.3.1862 – 20.4.1915


#39 – 8 – 26 (Galler)
Hier ruhen
Herr Andreas Galler
kgl. Notar aus Mühldorf
geb. 12. Nov. 1830, gest. 26. Aug. 1898.
Frau Therese Galler
Notarswitwe
geb. 20. März 1842, gest. 6. April 1928.
Sockel
R. I. P.
39.8.26. Kosenbach.
- Galler, Andreas; 12.11.1830 (Mühldorf) – 26.8.1898; Notar
- Galler, Therese (vw); 20.3.1842 – 6.4.1928; Notars-Witwe


#39 – 8 – 27 (Gerstorfer · Zimmermann)
Hier ruhen:
Herr Josef Gerstorfer,
k. Oberpostrat a. D.
* 5. Nov. 1843 † 23. Febr. 1907.
Dessen Gattin
Frau Katharina Gerstorfer
* 26. Mai 1853 † 18. Juli 1921.
Richard Zimmermann,
Kunstmaler
* 2. März 1820 † 4. Febr. 1875.
Max Zimmermann,
Landschaftsmaler
* 7. Juli 1811 † 30. Dez. 1878.
Schneider
- Gerstorfer, Josef; 5.11.1843 – 23.2.1907; Königlicher Postrat a. D.
- Gerstorfer, Katharina (vw); 26.5.1853 – 18.7.1921; Oberpostrats-Witwe
- Zimmermann, August Maximilian; 7.7.1811 (Zittau/Sachsen) – 29.12.1878 (München); Stadtmusikers-Sohn / Landschaftsmaler
- Zimmermann, Richard; 2.3.1820 (Zittau/Sachsen) – 4.2.1875 (München); Historienmaler und Landschaftsmaler

#August Maximilian Zimmermann
* 7.7.1811 (Zittau/Sachsen)
† 29.12.1878 (München)
Stadtmusikers-Sohn / Landschaftsmaler
#Allgemeine Zeitung (28.1.1879)
Nekrologe Münchener Künstler.
I. Max Zimmermann.
Wir haben neuerdings den Tod einiger Maler zu beklagen welche, durchweg eigenartige Naturen, nicht allein durch ihre Kunst, sondern auch durch ihren absonderlichen Lebensgang unser ganzes Interesse erheischen.
Max Zimmermann war, geb. 7 Juli 1811 zu Zittau in Sachsen, gleich seinen Brüdern, zum Métier seines Vaters, der edlen Musika, bestimmt, erlernte mehrere Instrumente, die er mit angebornem Ingenium zeitlebens gern übte, wie er sich denn auch Waldhorn blasend auf einer seiner Radirungen dargestellt hat. Nebenbei zeichnete er, lernte in Dresden 1834 die Lithographie und ging dann 1837 nach München, wo er unter der Leitung seines ältesten Bruders, des großen Albert Zimmermann, bald die überraschendsten Fortschritte machte.
In den vierziger Jahren gestaltete sich unter den jüngeren Landschaftsmalern, den Epigonen Rottmanns, ein frohes frisches Künstlerleben, eine wahre Illustration zu Eichendorffs, von Mendelssohn-Bartholdy so wunderbar componirtem, Liede: »Wem Gott will rechte Gunst erweisen u. s. w.« Sie zogen hinaus in die Umgegend des Starnberger Sees, saßen in dem schönen malerischen Eberfing und Polling, und bannten alles Schöne was sie
»In Berg und Wald und Strom und Feld«
fanden, im künstlerischen Jubel, mit morgenhellen Sinnen und urweltlichem Behagen auf ihre Leinwand. Die Seele dieser artistischen Wanderungen und Maler-Colonie waren die »Zimmerleute,« [Die Reihe der Brüder gliedert sich sonach in folgender Weise: der älteste, dem es bestimmt war allen anderen ins Grab zu sehen, ist Albert Zimmermann, geb. 1809. Dann unser in Rede stehender August Max, welchem die beiden Robert (geb. 21 April 1818 und gest. 6 Jan. 1864 zu München) und Richard (geb. 1820, gest. 4 Febr. 1875) folgten.] vorerst Max und Albert, welche alsbald aus allen deutschen Gauen eine Schaar von gleichstrebenden Freunden und Schülern anzogen. Darunter befanden sich wieder alle möglichen Schattirungen, welche später auch in anderem Genre excellirten, z. B. unser liebenswürdiger Architektur-Maler Emil Kirchner, der universelle August Kreling, der auch als Dichter bekannte Johann Felix v. Schiller, Lichtenheld, v. Hagn, Langko, Karl Ebert, Theodor Kotsch, Fr. Ludw. Voltz, Salzer, die Brüder Seidel u. s. w. Damals waren noch Wahrheit und Schönheit die Loosung und Zeichnung und Farbe als gleich berechtigt anerkannt. Was in diesem Sinne geleistet wurde, besteht noch zu Ehren und darf sich kühnlich überall zeigen. Was recht zusammengeklungen, das klingt auch immer fort.
Anfänglich malte Max Zimmermann einige große Landschaften mit reichen Staffagen von Figuren und Thieren, dann aber, bald erkennend daß in der Beschränkung sich erst der Meister zeige, hielt er sich an ein kleineres Répertoire, wobei das Vorbild der niederländischen Meister à la Ruysdael und Hobbema maßgebend und fühlbar wurde. Insbesondere liebte er den deutschen Eichenwald, und ermüdete nicht seine großartige ehrfurchtgebietende Stille und Einsamkeit oder die melancholische Verlassenheit einzelner Gruppen in tiefstgefühlter Weise zur Darstellung zu bringen. Die Neue Pinakothek verwahrt drei Bildsr dieser Art, wahre Perlen seiner Muse: erst eine flache Gegend mit einer schönen reichbelaubten Eichengruppe und weiter Fernsicht, über welche mächtige Wolkenzüge hinfahren, wie man sie hauptsächlich von der Münchener Hochebene aus beinahe tagtäglich zur Sommerszeit studieren kann. Dann wieder eine Landschaft mit etlichen Eichen, vor denen ein Hirt mit einigen Schafen und Ziegen lagert, während ein etwas bewölkter Himmel sich darüber spannt. Das dritte Bild führt uns an den Rand eines Eichenwaldes, welchen aus geballten Wolken ein Sturm durchfegt, während das drohende Gewitter schon in den ersten Blitzen hereinkracht: als Staffage jagt ein verspäteter Reiter hastig querfeldein. Dieß alles zeigt uns der Maler in ungesuchter Wahrheit, so echt und natürlich, ohne unnöthigen Aufwand von Effect und Floskelschwulst, daß der jetzt mit Farbenspectakel aller Art feuerwerkartig geblendete Laie lange und oftmals darüber hinwegstolpern kann, bis ihn eines Tages doch die grandiose Ungesuchtheit in ihrer Unmittelbarkeit packt und so schnell nimmer losläßt. Und dann staunt man erst über diese Poesie, welche in so einem verlassenen Bruch liegt, durch welchen eine vergessene Straße führt, mit einem Tümpel Wasser, darüber etliche hundertjährige Eichen unter blaßgrauem Himmel, der plötzlich mit einigen goldenen Sonnenfäden die triste Oede elektrisirt. Oder er führt uns an des Ammersees einsame Gestade, und läßt uns einen Blick werfen in die weite Ebene, über welche spielende Wolkenschatten dahineilen. Meisterwerke dieser Art brachte die Kunstausstellung 1848, die Prager Exposition 1857 und 1858, dann die Münchener Historische Ausstellung im Jahre 1858, der Münchener Kunstverein z. B. im December 1872, 1876 u. s. w. Mit gleicher Virtuosität cultivirte Max Zimmermann außer dem Staffeleibilde die seit den vierziger Jahren gleichzeitig wieder in Flor gebrachte Radirung. Ein Blatt in Maillingers »Bilder-Chronik,« welche auf dem heute nicht mehr ungewöhnlichen Weg einer Prämien-Verloosung endlich in den Besitz unserer Stadt gelangte, trägt noch die Signatur »Mein erster Versuch im Radiren. München den 10 Juni 1840;« ein Bauernhof bei Brannenburg, im Vordergründe zwei Pferde und ein Hund bei einer Pfütze, gab den Vorwurf dazu. In der Folge entstand, im Wetteifer für den »Münchener Radirclub« eine Reihe von Blättern welche jetzt Wohl als das Werk von Max Zimmermann, zu seines Namens bleibendem Gedächtniß, herausgegeben zu werden verdiente; das wenige was damals davon in den Handel kam, machte die Lust der Sammler in hohem Grad rege.
Während der Meister in gewohnter Thätigkeit einem hohen Alter entgegenzugehen versprach, hatte er das Unglück im December 1877 durch einen Sturz den linken Arm nicht unerheblich zu beschädigen. Die Aerzte bestanden auf Amputation, und der Künstler willigte zu, weiß Gott mit welch‘ schwerem Herzen. Anfänglich schien der Erfolg gesichert, und Max Zimmermann vollendete noch eines seiner anspruchslosen Stimmungsbilder. Da meldete sich das Uebel wieder und erheischte eine neue schmerzhafte Operation, welche nach qualvollen Leiden mit Blutvergiftung das Leben des armen Dulders am 30 Dec. vorigen Jahres abschloß. Am ersten Tage des neuen Jahres wurde seine Hülle in die Erde gesenkt; ein zahlreiches Ehrengeleit aus allen Classen der Gesellschaft bewies die Hochachtung welche dem Verstorbenen als Mensch und Künstler immerdar gezollt wurde.
Ein Cyklus seiner Bilder erschien in Photographien von Arnold Zettler. Zimmermanns Nachlaß enthält einen Schatz von Zeichnungen und Naturstudien, welche hoffentlich in einer Gesammtausstellung an den Tag treten und dann viele Liebhaber und Freunde finden dürften.
Beilage zur Allgemeinen Zeitung Nr. 28. Dienstag, den 28. Januar 1879.
#Kunstvereins-Bericht für 1878 (1879)
Nekrologe.
August Maximilian Zimmermann
erblickte das Licht der Welt als der zweitälteste Sohn des Stadtmusikers Zimmermann zu Zittau in Sachsen am 7. Juli 1811. Der Vater wollte ihn, wie auch seine drei anderen Brüder, zum Musiker heranbilden, allein er folgte mit seinen Brüdern dem Hang zur Malerei. Bis zum 23. Jahre jedoch mußte Max Musik treiben und konnte nur nebenbei die Steindruckkunst erlernen. Im Jahre 1834 siedelte er nach Dresden über und wurde daselbst Bürger als Lithograph. Schon 1837 ging er nach München, wo sein älterer Bruder Albert bereits seit dem Jahre 1832 wohnte, und sich mit dem größten Erfolge der Landschaftsmalerei widmete. Unter dessen geschickter Leitung suchte Max allen Fleißes die sehr erheblichen Lücken in der Zeichnenkunst auszufüllen. Er ging hier mit Entschiedenheit zur Landschaftmalerei über und wies sich bald, unterstützt von Emsigkeit und Talent, als einer der geschätztesten Meister aus. Wie sein älterer Bruder Albert hatte auch er sich der ganz besondern Gunst und hohen Auszeichnung weiland König Ludwig I. von Bayern zu erfreuen, welcher beide gern und oft in ihren Künstlerwerkstätten überraschte. Drei hervorragenden Landschaften von Max's Staffelei wies er in seiner neuen Pinakothek ihren Platz an. Unzählige derselben sind in Privathände und in alle Museen und Galerien gewandert. Zimmermann war ungemein fleißig und rührig und überhaupt in seiner Kunst unermüdlich thätig, bis ein schweres Leid ihn traf und ihm Entsagung zur gebieterischen Nothwendigkeit machte. Vor einigen Jahren hatte er wiederholt das Ungemach zu stürzen und sich den linken Arm schwer zu verletzen. Der dritte Fall vor etwas über einem Jahr war so schlimm, daß der Arm ihm abgenommen werden mußte. Seitdem siechte er ganz zusehends hin, und erst am 29. Dezember 1878 erlöste ihn der Tod als wahrer Rettungsengel von seinen Leiden. Zimmermann war allgemein geachtet und geliebt als ein braver biederer Mensch, geradeaus ohne alles Falsch. Er war ein treuer, liebevoller Bruder und Freund, allzeit gefällig und dienstbereit. In München war er durch einen 41jährigen Aufenthalt ganz heimisch, es war die Stadt seine zweite Heimath geworden. Bei alledem hatte er seine heimische Mundart so wenig abgelegt, daß man in ihm bei dem ersten Worte den ächtesten Sachsen erkannte. Als Landschafter hat er in der Perspektive eine besondere Vollkommenheit erreicht. Sein Hauptgebiet waren der Wald, der dichte, schattige Laubwald. Seine Eichenlandschaften sind in der That ganz vorzügliche, beinahe unübertreffliche Leistungen, wenigstens der neueren Zeiten. Mit schönstem Erfolge hatte er in ihnen Ruysdael, den alten Holländer, sein Muster und Vorbild, nachgeahmt. Auch als Radirer bewährte Zimmermann die nämlichen Vorzüge, wie als Maler.
Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München während des Jahres 1878. München, 1879.
#Allgemeine Deutsche Biographie (1900)
Zimmermann: Max Z., Landschaftsmaler, geboren am 7. Juli 1811 zu Zittau, wurde gleich seinen Brüdern zum Metier seines Vaters, der edlen Musica bestimmt, erlernte sechs Instrumente, die er mit angebornem Ingenium zeitlebens übte; Waldhorn blasend hat er sich auf einer seiner Radirungen dargestellt. Nebenbei betrieb er Zeichnen, lernte 1834 zu Dresden die Lithographie und ging dann 1837 nach München, wo er nach dem Vorbilde seines ältesten Bruders bald überraschende Fortschritte machte. Es war eine eigene Malercolonie, welche unter der Leitung von Albert und Max Zimmermann (die man nebst ihren weiteren Brüdern Robert und Richard kurzweg unter der Collectivbezeichnung der »Zimmerleute« zusammenfaßte) erst in Starnberg und dann insbesondere zu Eberfing und Polling, als eine echte Hochschule für Landschaft, sich niederließ und eine große Anzahl jüngerer Kräfte zu gleich begeistertem Streben vereinte. Darunter der Architekturmaler Emil Kirchner, der universelle August Kreling, der auch als Dichter bekannte Felix v. Schiller, Lichtenheld, Ludwig v. Hagn, Langko, Karl Ebert, Theodor Kotsch, Ludwig Voltz, Fr. Salzer, die Brüder Seidel u. s. w. Z. begann mit einigen großen an Figuren und Thieren reichen Landschaften, dann aber, bald erkennend, daß in der Beschränkung sich erst der Meister zeige, wählte er ein kleineres Repertoire, wobei das Vorbild von Ruysdael und Hobbema maßgebend wurde. Insbesondere liebte er den deutschen Eichenwald und ermüdete nicht dessen großartige, ehrfurchtgebietende Stille und Einsamkeit und die melancholische Verlassenheit einzelner Gruppen in tiefempfundener Weise wiederzugeben. Die neue Pinakothek besitzt drei dieser Art: Eine flache Gegend mit einer schönen, reichbelaubten Eichengruppe und weiter Fernsicht, über welche mächtige Wolkenzüge hinfahren, wie man solche hauptsächlich von der Münchener Hochebene aus beinahe tagtäglich zur Sommerszeit studiren kann. Dann wieder eine Landschaft mit etlichen Eichen, vor denen ein Hirt mit einigen Schafen und Ziegen lagert, während ein etwas bewölkter Himmel sich darüber spannt. Das dritte Bild führt an den Rand eines Eichenwaldes, welchen ein Sturm aus geballten Wolken durchfegt, während das drohende Gewitter schon in den ersten Blitzen hereinkracht; als Staffage jagt ein verspäteter Reiter hastig querfeldein. Dieses alles zeigt uns der Maler in ungesuchter Wahrheit, so echt und natürlich, ohne unnöthigen Aufwand von Effect und Floskelschwulst. Und dann staunt man erst über diese Poesie, welche in so einem verlassenen Bruch liegt, durch welchen eine vergessene Straße führt, mit einem Tümpel Wasser, darüber etliche hundertjährige Eichen unter blaßgrauem Himmel, der plötzlich mit einigen goldenen Sonnenfäden die tiefste Oede elektrisirt. Oder er führt den Beschauer an die einsamen Gestade des Ammersees und gewährt uns einen Blick in die weite Ebene, über welche spielende Wolkenschatten dahineilen. Meisterwerke dieser Art brachte die Kunstausstellung 1848, die Prager Exposition 1857 und 1858, dann die Münchener Historische Ausstellung 1858, der Münchener Kunstverein z. B. im December 1872 und 1876. Mit gleicher Virtuosität pflegte Z. außer dem Staffeleibilde die seit den vierziger Jahren gleichzeitig wieder in Flor gebrachte Radirung. Ein Blatt in den Sammlungen der Stadt München trägt die Signatur »Mein erster Versuch im Radiren München 10. Juni 1840«; ein Bauerndorf bei Brannenburg, im Vordergrunde zwei Pferde und ein Hund bei einer Pfütze, gab den Vorwurf dazu. In der Folge entstand, im Wetteifer für den »Münchener-Radirclub«, eine Reihe von Blättern, welche wol als das Werk von Max Z. zu seines Namens Gedächtniß herausgegeben zu werden verdiente. – Während der Meister in gewohnter Thätigkeit einem hohen Alter entgegen zu gehen versprach, hatte er im December 1877 das Unglück, durch einen Sturz den linken Arm zu beschädigen. Die Aerzte bestanden auf Amputation und der Künstler willigte ein, weiß Gott mit welch schwerem Herzen. Anfänglich schien der Erfolg gesichert und Z. vollendete noch eines seiner stillen Stimmungsbilder. Da meldete sich das Uebel wieder und erheischte eine neue, schmerzhafte Operation, welche nach qualvollen Leiden, durch Blutvergiftung das Leben des armen Dulders am 30. December 1878 beschloß.
Vgl. Nagler 1852. XXII, 294. – Maillinger, Bilderchronik, 1876. II, 244 (Nr. 4364–86). – Nekrolog in Beilage 28 Allg. Ztg. 1879. – Kunstvereins-Bericht f. 1878, S. 75. Hyac. Holland.
Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1900.
#Richard Zimmermann
* 2.3.1820 (Zittau/Sachsen)
† 4.2.1875 (München)
Historienmaler und Landschaftsmaler
#Allgemeine Deutsche Biographie (1900)
Zimmermann: Richard Z., Landschaftsmaler, geboren am 2. März 1820 zu Zittau, erhielt durch das Vorbild seiner älteren Brüder die erste Anregung und Unterweisung zur Kunst, genoß bei der Uebersiedlung seiner Eltern nach Dresden die Leitung des liebenswürdigen Ludwig Richter, folgte aber schon 1838 seinen Brüdern Albert und Max Z. nach München. Hier versuchte er sich an der Akademie im Gebiete der historischen Kunst, malte viele Studien und Skizzen, insbesondere zu einer Composition »Christus die Lahmen und Kranken heilend«, gab aber diese Richtung wieder auf und warf sich mit Feuereifer auf die Landschaft, ein Fach, welches in der durch seine Brüder gegründeten Malercolonie zu Eberfing und Polling mit anderen treuverbündeten Genossen (vgl. den Artikel Max Z.) begeistert cultivirt wurde. Als Ergänzung zu diesen naturalistischen Bestrebungen betrieb Z. das ernste Studium der großen niederländischen Fachgenossen, mit Einschluß des Thierbildes und der Marine. Mit seinen kleinen, ansprechenden Bildern hatte Z. in München schon festen Fuß gefaßt und eine eigene Bahn eingeschlagen, als er nach dem Vorgange von Max Haushofer und Ruben seine Thätigkeit nach Prag verlegte, wo den Münchener Malern freundliche Aufmunterung und Theilnahme erblühte. Z. lieferte Winterlandschaften, Marinen, Strandpartien mit Fischern, auch Feldansichten mit arbeitenden oder ruhenden Landleuten zur Erntezeit und entfaltete ein ziemlich umfangreiches Repertoire, welches er jedoch bei seiner Rückkehr nach München unter Beibehaltung seiner technischen Vorzüge bedeutend reducirte. Z. liebte bei trefflicher Stimmung einen energischen Vortrag und eine meist prächtige, kraftvolle Färbung, in der er jedoch zuweilen experimentirte. Davon zeugen z. B. zwei »Winterlandschaften« in der neuen Pinakothek: die erste mit einer Schmiede im Vordergrunde, vor welcher ein Schimmel beschlagen wird (lithographirt von Feederle); die andere gewährt den Einblick in eine wilde Gebirgsschlucht mit abgebrannter Mühle, matt beleuchtet von der beginnenden Abenddämmerung. Dann eine »Kartoffelernte«, »Parthie bei Rosenheim« (1861), »Mondnacht« (1862), »Fischer am Strand der Nordsee« und »Sonnenuntergang im Winter« (1863). Manche seiner Bilder erinnern an N. Berchem u. A., es überwiegt aber immer die eigene, große Schönheit und Poesie bewährende Originalität und Erfindung. Seine Bilder blieben auch nach seinem am 4. Februar 1875 zu München erfolgten Tode gesucht und geschätzt; so wurde eine »Waldlandschaft« um 3000 Mark, eine »Landschaft mit Wasser« um 2250 Mark aus der Salm-Reifferscheid-Sammlung im September 1888 zu München versteigert.
Vgl. Nagler 1852. XXII, 296. – Deutsche Warte 1875. IX, 383. – Kunstvereinsbericht f. 1876, S. 76. Hyac. Holland.
Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1900.

#39 – 9 – 6 (Öchsner)


#39 – 10 – 1 (Bolze · Kienle · May)
Hier
ruht in Frieden
Rosina May,
geb. Strauss,
kgl. Kreis-Bauraths-Wittwe,
geboren am 20. September 1810
gestorben am 10. Dezember 1884.
Moritz Ritter von Kienle,
kgl. b. Major im 9. Inf. Rgmt.,
geboren am 28. Januar 1844,
gestorben am 22. August 1890.
Rosina Bolze,
geb. May,
Kunstmalersgattin,
geboren am 17. Juni 1831,
gestorben am 12. Februar 1903.
Carl Bolze,
Landschaftsmaler,
geboren am 17. Jan. 1832,
gestorben am 1. Juli 1913.
Heinrich Bolze
Ingenieur
1860 – 1943.
Sockel
Frau Marie Edle von Kienle,
geb. Bolze, Majorswitwe,
1856 – 1943.
Rückseite
Ruhestätte der Familie
Bolze.
- Bolze, Heinrich; 1860 – 1943; Ingenieur
- Bolze, Karl; 17.1.1832 (Wien) – 1.7.1913 (München); Landschaftsmaler
- Bolze, Rosina (vh) / May (gb); 17.6.1831 – 12.2.1903; Kunstmalers-Gattin
- Kienle, Marie Edle von (vw) / Bolze (gb); 1856 – 1943; Majors-Witwe
- Kienle, Moritz Ritter von; 28.1.1844 – 22.8.1890; Königlich bayerischer Major
- May, Rosina (vw) / Strauss (gb); 20.9.1810 – 10.12.1884; Baurats-Witwe

#Karl Bolze
* 17.1.1832 (Wien)
† 1.7.1913 (München)
Landschaftsmaler
#Allgemeines Künstler-Lexicon (1895)
Bolze, Karl, Landschaftsmaler, geb. 1832 in Wien, wurde in München Schüler von Julius Lange und von Wopfner und nahm daselbst seinen Wohnsitz. Am bekanntesten wurden von ihm die beiden Bilder im Museum zu Breslau: Herbstlandschaft (1878) und sommerliche Berglandschaft (1879).
Allgemeines Künstler-Lexicon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Frankfurt a. M., 1895.
#Der deutsche Cicerone (1898)
Karl Bolze, 1832 zu Wien geboren, bildete sich bei J. Lange und J. Wopfner in München und ist daselbst als Landschaftsmaler thätig. Das Museum zu Breslau besitzt von ihm eine sommerliche Berglandschaft und eine Herbstlandschaft (Nr. 718 und 723).
Gustav Ebe: Der deutsche Cicerone. Führer durch die Kunstschätze der Länder deutscher Zunge. III. Malerei. Leipzig, 1898.

#39 – 10 – 9* (Baumann)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Baumann, Theodor; – 1.2.1873 (München), 17 Jahre alt; Tod durch Unfall; Gipsformator-Lehrling

Das Grab ist nicht erhalten
#Theodor Baumann
† 1.2.1873 (München), 17 Jahre alt; Tod durch Unfall
Gipsformator-Lehrling
#Der Bayerische Landbote (4.2.1873)
In der Ehrengut'schen Dampfschmiedesäge an der Hildegardstraße ereignete sich vorgestern Nachmittags ein entsetzlicher Unglücksfall, dem zwei jugendliche Menschenleben unter gräßlichen Umständen zum Opfer fielen. Die beiden Lehrlinge des Gypsformators Hrn. Merk, der 17jährige Theodor Baumann und der 15jährige Karl Seidl waren dorthin gekommen, um Sägespäne zu holen, betraten das Transmissionslokal, ohne daselbst zu thun zu haben, und ohne weder die am Eingange angeschlagene Warnung, noch die ihnen von einem Bediensteten bedeutete Fortweisung zu berücksichtigen, wurden, während sie sich unbesonnener Weise an der Transmissionsstange zu schaffen machten, von derselben erfaßt, mehrmals im Kreise herumgeschleudert und durch Aufschlagen am Boden und Gebälke in wenigen Augenblicken getödtet.
Der Bayerische Landbote No. 29. München; Dienstag, den 4. Februar 1873.

#39 – 10 – 7 (Deischl · Englmeier)
Hier ruhet in Gott
meine unvergessliche Gattin,
die wohlgeborne
Frau Elisabeth Deischl,
Metzgermeistersgattin,
geb. d. 9. Okt. 1849, gest. d. 23. Febr. 1900.
Ihr folgte Ihr Gatte
Herr Josef Deischl,
geb. d. 8. Mai 1851 gest. d. 16. Febr. 1942.
Baptist Deischl,
gest. d. 17. Aug. 1887 im 59. Lebensjahre.
Sockel
Anna Englmeier,
geb. 16. Nov. 1918, gest. 16. Febr. 1923.
- Deischl, Baptist; – 17.8.1887, 58 Jahre alt
- Deischl, Elisabeth (vh); 9.10.1849 – 23.2.1900; Metzgermeisters-Gattin
- Deischl, Josef; 8.5.1851 – 16.2.1942; Ehemaliger Metzgermeister
- Englmeier, Anna; 16.11.1918 – 16.2.1923


#39 – 10 – 11 (Schmid)
FAMILIE
HERMANN
SCHMID
KGL. KAMMERMUSIKER
* 13.9.1846
† 6.11.1917
- Schmid, Hermann; 13.9.1846 – 6.11.1917; Kammermusiker


#39 – 10 – 19 (Thaler)
Hier ruhen in Gott
der beste Gatte u. Vater
Herr Florian Thaler
Kaufmann
geb. 24. Sept. 1839, gest. 17. Juli 1887.
Ihm folgte unsere unvergessliche
einzige Tochter u. Schwester
Fräulein Fanny Thaler
geb. 11. Mai 1865, gest. 8. Mai 1898.
Mein heissgeliebter, unvergesslicher
edler Gatte, guter Sohn, Schwager u. Onkel
Herr Sanitätsrat Dr. Max Thaler
prakt. Arzt,
geb. 13. Novbr. 1867, gest. 14. April 1934,
aus einem arbeitsreichen Leben – als
Opfer seines Berufes.
Sockel
Frau Marie Thaler
Kaufmannswitwe,
geb. 18. Juli 1842, gest. 17. Aug. 1933.
39.10.10. Heiligensetzer.
- Thaler, Fanny; 11.5.1865 – 8.5.1898; Kaufmanns-Tochter
- Thaler, Florian; 24.9.1839 – 17.7.1887; Kaufmann
- Thaler, Marie (vw); 18.7.1842 – 17.8.1933; Kaufmanns-Witwe
- Thaler, Max, Dr.; 13.11.1867 – 14.4.1934; Sanitätsrat


#39 – 10 – 25 (Fuchs)
Hier ruht
unsere liebe Mutter
Frau Marie Fuchs
geb. Schmid,
Buchdruckereibesitzers-Witt:
aus Berncastel a/d. Mosel,
geb. 11. Juni 1857, gest. 6. Novb. 1898.
Sockel
39.10.25. Schwarz
- Fuchs, Marie (vw) / Schmid (gb); 11.6.1857 – 6.11.1898; Buchdruckereibesitzers-Witwe


#39 – 10 – 27 (Broderir)
Familien-
Grabstätte.
Hier ruhen:
¿
Herr Georg Broderir
¿
Frau Anna Broderir
¿
Michael Broderir
¿
- Broderir, Anna (vw); – 6.8.1915 (München), 75 Jahre alt; Hofspenglers-Witwe
- Broderir, Georg
- Broderir, Michael


#39 – 11 – 4 (Dürr)
Familie
Dürr
Sockel
Auf Wiedersehen!
- Dürr, Agnes; – 13.5.1887 (München); Oberzollrats-Tochter
- Dürr, Hermine (vw) / Rassmann (gb); – (18).3.1887 (München); Oberzollrats-Witwe




#39 – 11 – 9* (Moralt)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Moralt, Eduard Vinzenz Theodor; 15.8.1852 (München) – 30.11.1893 (München); Lithograph
Das Grab ist nicht erhalten

#39 – 11 – 13 (Drechsler · Reiter)
Hier ruht in Gott
unser unvergesslicher
Gatte, Vater u. Grossvater
HERR
JOSEF REITER
Privatier
geb. 19. März 1829, gest. 5. April 1894.
Ihm folgte seine liebe Gattin,
unsere heissgeliebte Mutter
THERESE REITER
geb. Geitner
geb. 31. August 1830. gest. 13. April 1920.
Den Eltern folgte am 30. März 1930
FRAU
THERESE DRECHSLER
geb. Reiter
R. I. P.
Rückseite
Johann Drechsler
¿
geb. 18. Januar 1855
gest. 28. Februar ¿
- Drechsler, Johann; 18.1.1855 – 28.2.¿
- Drechsler, Therese (vh) / Reiter (gb); – 30.3.1930 (München), 70 Jahre alt; Direktors-Witwe
- Reiter, Josef; 19.3.1829 – 5.4.1894; Privatier
- Reiter, Therese (vw) / Geitner (gb); 31.8.1830 – 13.4.1920; Privatiers-Witwe


#39 – 11 – 19 (Dietl)
¿
Herr Wolfgang Dietl
¿
Frau Anna Dietl
¿
- Dietl, Anna (vh)
- Dietl, Wolfgang


#39 – 12 – 3 (Huber)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Huber, Antonie (vw); – 1887 (München); Gastwirts-Witwe


#39 – 12 – 7 (Ries)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Ries, Wilhelmine (vw); – 1887 (München); Oberrechnungsrats-Witwe


#39 – 12 – 8 (Stümmer)
Frau Anna Stümmer,
geborene Redenbacher
Landgerichtsrats-Gattin,
geb. 15. September 1844, gest. 4. März 1903.
Herr Franz Stümmer,
k. Landgerichtsrat,
geb. 11. Oktober 1830, gest. 16. Februar 1906.
Sockel
J. Lallinger.
- Stümmer, Anna (vh) / Redenbacher (gb); 15.9.1844 – 4.3.1903; Landgerichtsrats-Gattin
- Stümmer, Franz; 11.10.1830 – 16.2.1906; Landgerichtsrat


#39 – 12 – 14 (Spindler)
Hedwig Spindler
26.7.87 – 6.3.94.
- Spindler, Hedwig; 26.7.1887 – 6.3.1894



#39 – 12 – 15 (Abel)


#39 – 12 – 18 (Erhard · Grauvogl)
Hier ruht in Gott
unsere unvergessliche Schwester
Natalie Edle v. Grauvogl
geb. 8. März 1812, gest. 13. Mai 1891.
Ihr folgte der Bruder
Max Edler v. Grauvogl
Major a. D.
Ritter des Militär-Verdienstordens I. Cl.
des eisernen Kreuzes II. Cl. etc.
geb. 29. Novbr. 1819, gest. 1. März 1901.
und deren treue Dienerin
Therese Erhard.
Sockel
J. Lallinger.
- Erhard, Therese; Dienerin
- Grauvogl, Albertine von; 11.11.1807 – 1.6.1887
- Grauvogl, Max von; 29.11.1819 – 1.3.1901; Major a. D.
- Grauvogl, Natalie von; 8.3.1812 – 13.5.1891


#39 – 12 – 22 (Voglrieder)
Hier ruht in Gott
Herr Fritz Voglrieder
Buchdruckereibesitzer
* 24.X.1855 † 26.XII.1926
Dessen Gattin
Frau Josefa Voglrieder
geb. Geser
* 13.I.1854 † 25.X.1927
- Voglrieder, Fritz; 24.10.1855 – 26.12.1926; Buchdruckereibesitzer
- Voglrieder, Josefa (vw) / Geser (gb); 13.1.1854 – 25.10.1927; Hoftheaterbeleuchtungsdieners-Tochter / Buchdruckereibesitzers-Witwe


#39 – 12 – 26 (Hofmann · Marschall)
Hier ruhen in Gott:
Herr Ernst Marschall,
Sattlermeister,
geb. 20. Sept. 1821, gest. 28. Nov. 1900.
Frau Theresia Marschall,
geb. Schorn,
geb. 12. Nov. 1820, gest. 6. Febr. 1885.
Deren Sohn:
Herr Ernst Marschall,
Sattlermeister,
geb. 22. Nov. 1857, gest. 4. Juni 1889.
u. Tochter:
Johanna,
geb. 1. März 1845, gest. 12. April 1868
R. I. P.
Sockel
Frau Maria Hofmann
geb. Marschall,
Apothekerswitwe
geb. 7. Dez. 1852. gest. 4. Aug. 1937.
- Hofmann, Maria (vw) / Marschall (gb); 7.12.1852 – 4.8.1937; Apothekers-Witwe
- Marschall, Ernst; 20.9.1821 – 28.11.1900; Sattlermeister
- Marschall, Ernst; 22.11.1857 – 4.6.1889; Sattlermeister
- Marschall, Johanna; 1.3.1845 – 12.4.1868; Sattlermeisters–Tochter
- Marschall, Theresia (vh) / Schorn (gb); 12.11.1820 – 6.2.1885; Sattlermeisters-Gattin


#39 – 13 – 1 (Harleß)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Harleß, Emil, Dr. med.; 22.10.1820 (Nürnberg) – 16.2.1862 (München); Physiologe
- Harleß, Emilie (vw); – Mai 1894 (München), 65 Jahre alt; Universitätsprofessors-Witwe



#39 – 13 – 6 (Burger · Fichtl)
Familien-Grabstätte.
Cäcilia Fichtl
geb. 11. Nov. 1818. gest. 3. Jan. 1895.
Babette Burger
geb. Fichtl
geb. 4. Dez. 1850, gest. 10. April 1922.
Paul Burger
Postinspektor a. D.
geb. 24. Mai 1845. gest. 17. Juni 1924.
Sockel
Schnelldorfer. 30.13.6.
- Burger, Babette (vh) / Fichtl (gb); 4.12.1850 – 10.4.1922; Postinspektors-Gattin
- Burger, Paul; 24.5.1845 – 17.6.1924; Postinspektor a. D.
- Fichtl, Cäcilia; 11.11.1818 – 3.1.1895


#39 – 13 – 11* (Reichardt)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Reichardt, Franz; 28.4.1825 (Augsburg) – 22.1.1887 (München); Portraitmaler, Gemälderestaurator und Sammler

Das Grab ist nicht erhalten
#Franz Reichardt
* 28.4.1825 (Augsburg)
† 22.1.1887 (München)
Portraitmaler, Gemälderestaurator und Sammler
#Allgemeine Zeitung (3.7.1887)
Nekrologe Münchener Künstler.
Am 22. Januar starb der als Portraitmaler, insbesondere aber als Gemälderestaurateur bekannte Franz Reichardt. Derselbe, geboren am 28. April zu Augsburg, war anfänglich von seinen Eltern zum geistlichen Stande bestimmt, lernte jedoch bald Zeichnen unter der Leitung Eigners, welcher nach längerem Sträuben von Reichardts Vater endlich durchsetzte, daß der talentvolle Junge ganz der Malerei sich widme. Weitere Ausbildung genoß Reichardt in Deschlers Atelier, woraus auch Alois Hauser, Joseph Anzmann (gest. 11. Juli 1886 zu München), Schwaiger und Andere hervorgingen. Erhebliche Förderung fand Reichardt 1847 und 1848 zu München, woselbst der Künstler, nachdem er sich bald darauf zu Augsburg auf eigene Füße gestellt hatte, seit 1851 seinen bleibenden Aufenthalt nahm. Hier erwarb er sich in kurzer Zeit viele Freunde, die ebenso seine Leistungen anerkannten, wie sie seinen im geselligen Leben durchschlagenden, urwüchsigen Humor und sein Talent als Arrangeur zu schätzen wußten. Mit unermüdlicher Leidenschaft sammelte er Kunsterzeugnisse aller Art, welche, wenn auch von den Unbilden der Zeit und des Mißverstandes auf das jammerwürdigste beschädigt, an Reichardt immer einen theilnehmenden artistischen Arzt fanden, der mit sorgsamstem Eingehen und innigem Verständniß ihre Leiden reparirte und sie selbst möglichst in integrum restituirte. Bald glich seine Wohnung einer orthopädischen Anstalt, wo krüppelhafte Heilige, defecte Genre- und sturmlahme Marinebilder, große kranke Jagdstücke, abgelebte Familieportraits auf Holz, Kupfer und Leinwand, um Hülfe und Rettung flehten, die ihnen auch nach thunlichster Möglichkeit zutheil wurden. In seinem Atelier saßen die Patienten wie in einer Klinik und warteten mit resignirter Geduld und fester Zuversicht, bis die Reihe der Restauration oder Amputation an sie kam. Und es war wirklich vergnüglich zu sehen, wie der kleine, anscheinend noch junge Meister die auf Gnade und Ungnade angerückten alten Collegen in Behandlung nahm, nach Natur, Charakter, Wohnort und Stand inquirirte, hier die von boshafter Hand aufgeklexte üble Nachrede kritisch verschwinden ließ, dort die ebenso leichtfertig abgeschädigten Lasuren wieder aufblitzte, vergleichsweise zur Consultation mit den verwandten alten Meistern in die Pinakothek oder in Kirchen- und Bildersammlungen rannte und kein Mittel und Recipe unversucht ließ, um, wie ein guter Anwalt, seinen Clienten weiß zu waschen und in das beste Licht zu setzen. Daß er dann von seinen Reisen und Consultationen alles mögliche von Hausrath und Waffen, alten Büchern, Stichen und Handzeichnungen zusammenbrachte, ist selbstverständlich, ebenso daß ein solches Talent dem wackeren Frhrn. v. Aretin, als derselbe daran ging, die im Lande zerstreuten Kunstschätze des Wittelsbacher-Hauses zu sammeln und vor weiterem Ruin und Verschleppung zu retten, hochwillkommen sein mußte. Mit der rastlosen Gier eines Schatzgräbers ermüdete Reichardt niemals neue Schätze anzuschürfen, überall nachzupirschen und wie ein kluger Adept echte gute Werke auszuspüren. Dabei erhielt alles, was durch seine Hand ging, neuen Schliff und frische Politur; boswillige Zungen zischelten freilich, daß manch neuer Schund alte echte Patina erhalten habe. Aus Jux und Laune manch hochweisen und untrüglichen Dünkel über das Eis zu führen, ist theilweise auch ein gutes Werk, wenn es nicht mit dolosem Gemüth und betrüglicher Hinterlist effectuirt wird; etwas Simonides zu spielen, oder à la Pseudo-Kallisthenes zu agiren, ist nicht allein im wissenschaftlichen Gebiete, sondern auch im weiten Felde der freien Kunst kein Ding der Unmöglichkeit, zumal wenn jeder ehrenwerthe Sammler immer nur nach Werken erster Güte und ersten Ranges trachtet und nur die besten Namen in seiner Gallerie zuläßt oder duldet. Jeder Restaurator empfindet gewiß, wie Tiecks Eulenböck, einen unbeschreiblichen Genuß, wenn ein richtiger Dilettant und »Kenner« den Fachmann belehrt und seine tiefen Errungenschaften an den Mann bringt. Bei solchen Gelegenheiten riß dem ehrlichen Reichardt dann der ohnehin nicht feste Faden der Geduld, und er konnte mit einer wahrhaft homerisch-schwäbischen Grobheit dem Unbefugten ein »Licht aufzünden« oder »aufspielen und heimgeigen,« daß Jedem die Schuppen von den Augen fielen und dem Besserwissenwollenden die Ohren klangen.
Als Einer der ersten seiner Zeit excellirte Reichardt im Abnehmen alter Fresken, die er mit behutsamer Ausdauer und minutiöser Sorgfalt auf Holz oder Leinwand übersetzte, darunter die Wandbilder des Imhof-Hauses zu Augsburg und die solchergestalt in das Münchener Nationalmuseum geretteten Freskogemälde, welche beim Abbruch zwei alter Häuser in der Promenadestraße (an ihrer Stelle erhob sich das heutige Lebling-Haus) zum Vorschein kamen. König Ludwig I. erschien fast täglich an der Fundstätte und verfolgte in Reichardts Atelier die gelungenen Fortschritte der Restauration. Schade, daß damals nicht die gleiche Sorgfalt den Rottmann'schen Fresken in den Arkaden zutheil wurde, deren Rettung und Erhaltung einzig auf diesem Wege der Convertirung möglich gewesen wäre!
Bedeutende Restaurationsarbeiten lieferte Reichardt in der Kirche zu Piping und im Schlosse zu Tegernsee, für das Nationalmuseum, den Fürsten Zeil, die Grafen Enzensberg, Luxburg, Leyden, Quadt, Toerring, für die Freiherren v. Malsen, Cetto, Mirbach, für den sammeleifrigen Ritter Mayer von Mayerfels, den kunstsinnigen Senffabrikanten Develey und viele Andere. Während Aufträge von auswärtigen Gallerien und sogar aus Amerika und Australien einliefen, hatte Reichardt kein Glück mit der Restauration der Wandbilder aus der bayerischen Geschichte in den Arcaden. Der heillose Umstand, daß die Maler damals auf einen nicht hinreichend präparirten Grund und dann mit Fresko- und Oelfarbentechnik durcheinander hantirten, hätte jedem Anderen gleichfalls unüberwindliche Schwierigkeiten bereitet. Reichardt hatte nebenbei mit Eifersüchtelei und Mißgunst zu kämpfen; neidhämmelige schöne Seelen bewarfen ein vollendetes Bild mit Eiern oder kratzten ein Monogramm ihrer Bosheit hinein. In Summa hätte es nur ein Mittel gegeben, welches der wackere Lindenschmit mit dem Bilde seines Vaters in pietätvoller Weise auch zur Ausführung brachte: die ganzen Gemälde herauszuschlagen und auf der zweckmäßig bereiteten Fläche wieder völlig neu zu malen – aber in derselben Tonart und Stimmung und nicht um eine Octave tiefer wie am Isarthore, wo die herrliche Leuchtkraft der Farben so unnöthig verdüstert wurde. Daß doch die Menschen immer noch experimentiren müssen und Keiner aus dem schaden des Anderen seine historische Lehre zieht! Und kommen die ehrlichen Deutschen wirklich zur richtigen Einsicht, dann behandeln sie alles doctrinär statt mit praktischer Unbefangenheit....
Ein sehr verdienstliches Unternehmen Reichardts war die diplomatische Herausgabe von »Herzog Wilhelms Turnierbuch.« (München 1880 bei J. A. Finsterlin. Vgl. Lützow, Zeitschrift für bildende Kunst. 1881. XVI. B., S. 441.) Hans Schenk, der Wappenmeister Herzog Wilhelms IV., hatte jedes während der Jahre 1510–1518 abgehaltene Turnier, an welchem sich sein Herr betheiligte, mit größter Sorgfalt notirt, Costüme und Wappen der Ritter, Schmuck und Zimier der Rosse sammt den Turnierlanzen und dem Verlauf des Turniers wie ein guter Persevant heraldisch-wissenschaftlich »geplasanirt und gedisidirt;« dazu ließ der Herzog durch den edlen Meister Ostendorfer in Regensburg in der Zeit von 1541–1544 31 Blätter in Wasserfarben ausführen und in einen köstlichen Lederband festen. Der Schatz erregte das Wohlgefallen des im Mai 1632 mit Gustav Adolf in München weilenden Herzogs Bernhard von Weimar in solchem Grade, daß er denselben mit anderen Kleinodien einsackte und mitspazieren ließ. Erst 1816 erinnerte sich einer seiner Nachfolger des Unrechts und gab den kostbaren Miniaturcodex an den bayerischen Kronprinzen und nachmaligen König Ludwig I. zurück, worauf das ganze Werk in Lithographie von Clemens und Theobald Sennefelder nachgebildet und durch Hrn. v. Schlichtegroll bevorwortet herausgegeben wurde. Das lieferungsweise erschienene, Blatt für Blatt getreu und prachtvoll colorirte Werk war längst im Buchhandel verschwunden und die Steine waren abgeschliffen, weßhalb eine neue Ausgabe, zumal aus Anlaß des 700-jährigen Jubiläums der Wittelsbacher, sehr willkommene Aufnahme fand.
Eine kostbare Acquisition machte Reichardt 1860 mit einem unzweifelhaft von Dürers Hand stammenden, unvollendeten »Salvator mundi.« (Vgl. den nicht ganz getreuen Holzschnitt in J. Sighart: Geschichte der bildenden Künste in Bayern. 1863. S. 627, und Thausing: Dürer. 1876. S. 225.) Das 0,47 breite und 0,57 hohe Holztafelbild ist, gleichviel ob dasselbe wirklich als letztes Werk Dürers zu betrachten ist oder von demselben schon früher beiseite gestellt wurde, für die Art der Dürer'schen Malweise und deren Technik das unbestritten lehrreichste und interessanteste Object. Dürer hatte die ganze Composition, wie einen Holzschnitt, in scharfen Contouren mit dem Pinsel aufgezeichnet und sorgfältigst scharffirt; einzelne Theile, z. B. die haarfeinen Locken und das lackrothe Gewand, gleich prima fertig gemalt. Das Ganze gewährt den Eindruck, als hätte man dem Meister während der Arbeit über die Schulter geschaut. Das Bild befand sich als »das letzte Stuck, so Albrecht Dürer nit gar aufgemacht« in der Familie Imhof zu Nürnberg, wo selbes ein englischer Kunstsammler erstand. Als Reichardt die Nachricht erhielt, setzte er dem neuen Besitzer nach, erreichte ihn noch richtig zu Bamberg und brachte dann das theuer errungene Kleinod im stillen Triumph nach München. Hier aber fand das Bild, dessen Authenticität niemals beanstandet wurde, einen unerwartet kühlen Empfang; gerade der unbezahlbare Umstand, daß es nur theilweise vollendet und halb untermalt war, diente zum Vorwande, dasselbe abzuweisen; Philipp Foltz erklärte dasselbe »schon des Formats wegen« als kein Galleriebild. (Wenn das Format maßgebend sein sollte, so müßte vielleicht ein Drittel Bilder aus unseren Pinakotheken entfernt werden. Bald darauf sprach derselbe Philipp Foltz dasselbe Urtheil über Holbeins »Madonna mit den Maiglöckchen« – vgl. Woltmann: Holbein. 1866. I, 328 –, welches damals leicht zu haben gewesen wäre! Die Schrullen des Gallerie-Directors Foltz dürfen nicht vergessen werden; sie ändern indessen nichts an unserer jederzeit bereitwillig gerühmten Anerkennung für den vorzüglichen Lehrer und Akademie-Professor.) Eine Einladung, das Bild nach Paris zu schicken oder selbst dahin zu bringen, lehnte Reichardt, welcher kurz zuvor daselbst geweilt und allerlei niedliche Sächelchen von da mitgebracht hatte, mit der unnöthig spitzen Bemerkung ab, es sei für einen Experten der umgekehrte Weg ebenso leicht und kurz. Andere Unterhandlungen scheiterten an dem Eigensinn des Eigenthümers, welchem der Restaurationsteufel eines Tages die heillose Idee eingab, das Bild »auszumalen,« wie es Albrecht Dürer gethan hätte. Als unser über das Gelingen des unsinnigen Unternehmens sehr erfreute Künstler sein Werk einem Bekannten wies, gerieth dieser in eine wahre Berserkerwuth. Es dauerte ziemlich lange, bis Beide sich ausgetobt hatten. Reichardt begriff indeß sein Vergehen und ließ die gottlose Uebermalung so subtil wie möglich wieder verschwinden. Damit war aber auch sein Eifer und Interesse abgekühlt; das Bild kam schließlich 1873 an Hrn. Alexander Posonyi nach Wien. Reichardt arbeitete weiter als Restaurator und Sammler und stapelte in seinem nächst dem Athenäum gelegenen Häuschen eine solche Menge von merkwürdigen Alterthumsgegenständen, Schnitzwerken und Bilder auf, daß dem Insassen beinahe kein freies Fleckchen und Winkelchen blieb. Das ganze kunst- und culturhistorisch hochinteressante Material wird, dem Vernehmen nach, baldmöglichst durch J. M. Heberle zu Köln zu einer fröhlichen Auktion gebracht.
Allgemeine Zeitung Nr. 182. München; Sonntag, den 3. Juli 1887.

#39 – 13 – 15 (Büchele)
Hier ruhen in Frieden:
Max Büchele,
k. p. Hauptsalzamtskassier,
geb. 1790, gest. 1862.
u. dessen Gattin
Franziska Büchele,
geb. 1794, gest. 1865.
Marie Büchele,
pens. herzogl. Kammerfrau
geb. 1839, gest. 1916.
Franz Büchele,
Leutnant
geb. 1836, gest. 1918.
Sockel
Friede ihrer Asche!
39.13.15. P. Fischer
- Büchele, Franz; 1836 – 24.9.1918 (München); Leutnant a. D.
- Büchele, Franziska (vw); 1794 – 16.2.1865 (München); Hauptsalzamtskassierers-Witwe
- Büchele, Marie; 1839 – 1916; Pensionierte herzogliche Kammerfrau
- Büchele, Max; 1790 – 20.4.1862 (München); Hauptsalzamtskassierer



#39 – 13 – 17 (Christmann · Wieland)
Regine Wieland,
Stadtrathswittwe,
geb. 15. Okt. 1780, gest. 28. April 1862.
Louis Wieland,
Privatier aus Ulm,
geb. 19. Febr. 1830, gest. 24. Sept. 1891.
Frau Louise Christmann
Privatiere
geb. 8. Febr. 1812, gest. 22. Okt. 1892.
Sockel
Carl Christmann,
k. Eisenbahnoffizial a. D.
geb. 7. Jan. 1845, gest. 3. Sept. 1898.
39.13.17.
Linke Seite
Gottlieb
Christmann.
geb. 3. Okt. 1881.
gest. 30. Nov. 1882.
Sockel
A. Aufleger.
Rechte Seite
Max Christmann,
geb. 21. Aug. 1880,
gest. 8. Jan. 1885.
Frau Mechtilde
Christmann,
gest. 5. Juli 1918,
im 57. Lebensjahre.
- Christmann, Gottlieb; 3.10.1881 – 30.11.1882
- Christmann, Karl; 7.1.1845 – 3.9.1898; Eisenbahnoffizial a. D.
- Christmann, Luise; 8.2.1812 – 22.10.1892; Privatiere
- Christmann, Max; 21.8.1880 – 8.1.1885
- Christmann, Mechtilde (vh); – 5.7.1918, 56 Jahre alt
- Wieland, Louis ; 19.2.1830 – 24.9.1891; Privatier
- Wieland, Regine (vw); 15.10.1780 – 28.4.1862; Stadtrats-Witwe


#39 – 13 – 21 (Schröder)
SOPHIE SCHRÖDER
HOFSCHAUSPIELERIN
1781 – 1868
- Schröder, Alexander; 20.5.1812 (Hamburg) – 14.9.1890 (München); Major und Schauspieler
- Schröder, Sofie (vw) / Bürger (gb) / Stollmers/Smets (gs) / Kunst (gs); 1.3.1781 (Paderborn) – 25.2.1868 (München); Schauspielerin




#Alexander Schröder
* 20.5.1812 (Hamburg)
† 14.9.1890 (München)
Major und Schauspieler
#Neuer Theater-Almanach (1891)
Todtenschau. 1890. September.
Mitte d. M. Alexander Schröder, bayr. Major a. D., † in München, geb. in Hamburg 20. Mai 1812, Sohn der Tragödin Sofie Sch., Bruder von Wilhelmine Schröder-Devrient, Betty Schmidt (vgl. 29. Juli: † F. L. Schmidt) und Auguste Schlönbach, in seiner Jugend kurze Zeit Schauspieler; bei ihm, als er Hauptmann in Augsburg war, lebte Jahre lang seine Mutter in ihrem Ruhestande.
Neuer Theater-Almanach. Berlin, 1891.
#Sofie Schröder (vw) / Kunst (vw) / Stollmers/Smets (gs) / Bürger (gb)
* 1.3.1781 (Paderborn)
† 25.2.1868 (München)
Schauspielerin
#Unterhaltungen für das Theater-Publikum (12.4.1833)
Wien, 6. April.
Ihre berühmte Schröder – daß ich es schreiben muß! – Sie, die einst die Unsrige war, erfreut uns nunmehr durch ihr reiches Gastspiel, das selbst bis auf dreißig Darstellungen ausgedehnt, doch stets zu bald vorüberschwinden wird, um nicht die Trauer um den Verlust solcher Genüsse uns zu hart empfinden zu lassen. Wer sich uns bis jetzt in dem heiligen Gebiete der hohen Tragödie zeigte, diesem Gipfel der Schauspielkunst, er hatte die Weihe dieser Künstlerin nicht erhalten. Sie steht noch einzig da und – was den Kunstfrennd mit wahrem Schmerze erfüllt – die Unerreichte hat keine Nachfolgerin, die nach ihr das Trauerdiadem Isabella's sich um die Schläfe winden, den Dolch Melpomenes, schaurig erhaben vor unsern Blicken schwingen wird. Darum sey sie gefeiert, die Herrscherin der tragischen Scene! Und wenn ihre Gebilde einst hinschwanden – mögen die Worte begeisterter Dichter ihre Herrlichkeit den Enkeln verkünden. – Von den unzähligen Gedichten zu ihrem Preise theile ich Ihnen nachfolgendes von einem unserer geschätztesten Dichter, als das Gelungenste mit, welches bereits hier in einer Zeitschrift abgedruckt wurde, die jedoch außerhalb Oesterreich wenig oder gar nicht gelesen wird. Mein nächstes Schreiben wird Ihnen einen ausführlichen Bericht über Schenk's neues Trauerspiel »die Krone von Cypern« bringen, das bei uns einstudirt wurde, um unsern verehrten Gast in einer neuen Rolle glänzen zu lassen. v.H...
Sophie Schröder.
Von Braun von Braunthal.
Der Geist der Kunst entströmt aus hundert Quellen;
Durch jene Brust fließt er als Bächlein nur,
In dieser muß zum mächt'gen Strom er schwellen,
Der hinwogt majestätisch durch die Flur:
In seinen tiefen, ewig klaren Wellen
Schaut sich im Spiegelbilde die Natur;
Er kommt und geht, so überreich an Leben,
Dem Leben selbst noch höh'ren Schwung zu geben.
In Deiner Brust, Heroin Du des Schönen!
Wird das Gefühl zum Niagarafall;
Selbst Felsenherzen hört' ich bang erdröhnen
Vor Deiner Rede lautem Donnerschall;
Den wilden Schmerz durch Ernst dann zu versöhnen,
In Thränen aufzulösen uns're Qual,
Hinschmilzt Dein Wort, Erdbeben erst, in leisen,
Musikgetrag'nen, milden Frühlingsweisen.
Der Fürstin Stolz und Hoheit jetzt im Blicke,
So, wie an Kronen, auch an Adel reich;
Den Purpur faltend jetzt im hehren Glücke,
Die Stirne faltend jetzt, der Juno gleich;
Nun zitternd als Cypress' im Mißgeschicke
Und als bestürzte Mutter thränenweich;
Als Tigrin jetzt, die ihre Jungen hütet,
Und als Medea jetzt, vom Schmerz durchwüthet:
So helltest Du mit Deinem Feuergeiste
Vor uns Untiefen auf der Menschenbrust,
Daß selbst dem starren Denker das beeiste
Herz aufgethaut in Qualen wie in Lust;
Erbleichen sah ich auch durch Dich das dreiste
Antlitz des Heuchlers, ihm halb unbewußt:
So jede Lebensfreude, Lebenstrauer
Erfüllt durch Dich mit heil'gem Dichtungschauer.
Unterhaltungen für das Theater-Publikum, heruasgegeben von August Lewald. München, den 12. April 1833.
#Unterhaltungen für das Theater-Publikum (4.5.1833)
Korrespondenz des Herausgebers.
Wien 26. April.
Die »Krone von Cypern« ist im Burgtheater gegeben worden, und ich säume nicht Ihnen den versprochenen Bericht zu senden. Man war durch die frühere Arbeit des Verfassers: Belisar, auf etwas Außerordentliches gespannt; diese Erwartung ging jedoch leider nicht in Erfüllung. Das so empfängliche Publikum des Burgtheaters blieb anfänglich kalt, langweilte sich dann, und im fünften Akte wurden mehrere Stellen sogar belächelt und belacht. Dieß geschah indeß nur am ersten Abende, wo man sich auf allen Plätzen drängte, die zweite Vorstellung war nur wenig besucht, und nach der ergreifenden Scene des vierten Actes wurde das Haus noch bedeutend leerer, und nicht einmal Mad. Schröder ward dieses Mal gerufen. Nach dreimaliger Aufführung wird das Stück bei Seite gelegt werden, obgleich noch zur Vierten Alles im Voraus bestellt war. Gestern sollen jedoch viele Widerrufe bei der Kasse eingelaufen seyn.
Von Seiten der Darstellung war indeß nichts versäumt worden, um diesem Drama Freunde zu werben. Die Ausstattung reihete sich dem Würdigsten und Reichsten an, was wir hier je zu sehen bekamen. Costüme und Decorationen waren neu und glänzend. Anschütz spielte Amalrich, Costenoble den Großkomthur, Fichtner Adhemar, die Pistor Amadea, Wilhelmi den Balian, und Heurteur Pano. Wie Sie sehen war unser vorzüglichstes Personal in Thätigkeit, demungeachtet waren die sehr verdienstlichen Künstler Anschütz und Costenoble gar nicht an ihrem Platze. Dem Erstern gelang es nicht, dem schwachen Charakterbilde Consequenz zu verleihen, dem Letztern mangelte die Würde der Erscheinung. Auch Fichtner erhebt sich nicht besonders glücklich in die Region der Tragödie. Nur Heurteur konnte selbst bei merklichen Gedächtnißlücken, durch seine glänzenden Schauspielereigenschaften, das Publikum hinreißen. Nun aber zu unserm Gaste. Mad. Schröder war die eigentliche Krone dieser cyprischen Krone. Ihre erste Erscheinung schon flößte das tiefste Mitgefühl ein, und so wußte sie Alles spannend zu fesseln, so lange sie auf der Scene war. Im vierten Acte jedoch überragte das was sie leistete, Alles was man heutzutage im Bereiche der Scene erfährt, so riesenhaft, daß auch der Ausbruch des Entzückens und der Ueberraschung einen Maaßstab erreichte, der alles Aehnliche weit hinter sich zurückließ. Sie wurde mit Ehren überschüttet.
Sie kennen diese Leistung der Künstlerin, daher fühle ich mich überhoben, ihr meisterhaftes Spiel hier auseinander zu setzen.
Alle kleinen Rollen waren besonders gut bedacht. Namentlich gingen die Scenen der Winzer ganz vortrefflich. Die Musik war theils von Gyrowetz, theils von dem Orchesterdirector Franz neu componirt worden.
v. H.
Unterhaltungen für das Theater-Publikum, herausgegeben von August Lewald. München, den 4. Mai 1833.
#Augsburger Postzeitung (13.3.1836)
Ihre Majestät die regierende Königin haben der k. k. Hofschauspielerin Mad. Sophie Schröder eine werthvolle, prächtig gearbeitete goldene Kette als Andenken allergnädigst zu übergeben, und derselben Allerhöchst eigenhändig umzuhängen geruht.
Augsburger Postzeitung Nro. 73. Sonntag, den 13. März 1836.
#Frauen der Zeit (1862)
Sophie Schröder.
Antoinette Sophie Bürger ward 1781 zu Paderborn geboren, ihre Eltern gehörten der Bühne an und erzogen sie für dieselbe; schon als Kind wirkte sie an verschiedenen Theatern, die ihre Eltern in ihren wechselnden Engagements besuchten; um 1796 bereits trat sie in Petersburg und Reval als jugendliche Sängerin und Soubrette mit Beifall auf, verheirathete sich auch um diese Zeit, also in noch sehr frühem Alter, mit dem Director der Bühne zu Reval, Stollmers, der mit seinem wahren Namen Smets hieß. Ein Kind dieser bald wieder gelösten Ebe war der vor einigen Jahren am Rhein verstorbene kaiholische Geistliche und Liederdichter Smets, dem man in Aachen ein Denkmal gesetzt hat. Nach kurzem Aufenthalt in Stettin, Wien und Breslau ging Sophie 1801 nach Hamburg, wo der große Friedrich Ludwig Schröder, welcher damals Director der dortigen Bübne war, sie veranlaßte, zum tragischen Fach überzugehen, was auch mit außerordentlich glänzendem Erfolge geschah. Schon vorher hatte Kotzebue in Wien sie davon zu überzeugen gesucht, daß sie nicht im naiven, sondern im tragischen Fache den eigentlichen Wirkungskreis ihres Genies finden würde. 1804 heirathete sie in Hamburg den Tenoristen Schröder, und dieser Verbindung entsprossen drei Schwestern, die sämmtlich später sich ebenfalls dem Theater widmeten. Am berühmtesten wurde davon die geniale Wilhelmine Schröder-Devrient; jetzt ist nur noch Eine, die Gattin des Schriftstellers Arnold Schlönbach in Coburg, von ihnen am Leben. Als Davoust zur Zeit der französischen Invasion nach Hamburg kam, wollte er die Künstlerin wegen ihrer laut auf der Bübne geäußerten patriotischen Gesinnung gefangen nehmen lassen, doch floh sie heimlich aus der Stadt und ging nach Prag, sowie kurz darauf nach Wien, wo sie 1815 am Hofburgtheater angestellt wurde. Von hier aus zog sie mehrmals im künstlerischen Triumphe durch ganz Deutschland, gastirte an allen größeren Bühnen und erwarb sich Ruhm und Ehre im höchsten Grade. 1829 vermählte sie sich zum dritten Mal mit dem ungleich jüngeren, bekannten Heldenspieler Wilhelm Kunst, doch ward diese unhaltbare, von blinder Leidenschaft übereilt geschlossene Ehe schon nach wenigen Wochen, wenn nicht gerichtlich, so doch factisch durch die Abreise des Gemahls wieder gelöst. Den Namen ihres dritten Mannes legte sich Sophie Schröder niemals bei, doch wurde sie in der Thal erst 1859 durch W. Kunsts Tod Wittwe im eigentlichen Sinne des Wortes. Sie ging später noch an das Hoftheater in München über, von wo sie aber dann nach Wien zurückkehrte und dort in ihren früheren Wirkungskreis nochmals eintrat. 1840 wurde sie pensionirt, und seitdem lebte sie, wie man sagt, mit Ausarbeitung ihrer Memoiren beschäftigt, zurückgezogen von der Oeffentlichkeit Anfangs in Augsburg, sowie jetzt in München, wo sie nur bei Gelegenheit des hundertjährigen Schillerjubiläums im November 1859 vorübergehend noch einmal sich dem Publicum im Theater zeigte, indem sie auf höheren Wunsch »das Lied von der Glocke« vortrug, in dessen Recitation sie von jeher meisterlich Vollendetes leistete. Sophie Schröder war im Rechte, als sie an der Feier von Schillers Geburtstag thätigen Antheil nahm, denn sie war bereits noch zu Lebzeiten des großen Dichters in Activität auf der Bühne. Persönlich nahe trat sie ihm zwar niemals, doch schuf sie seit 1801 noch in Hamburg ihre Amalie in den »Räubern«, Luise in »Kabale und Liebe«, Beatrice in der »Braut von Messina«, Jeanne d'Arc und Turandot, sowie dann in Wien ihre Maria Stuart, und ferner auch, die Elisabeth in demselben Drama, die seitdem nie wieder so groß gesehene Lady Macbeth in der Schiller'schen Bearbeitung, die Lady Milford, die Isabella in der »Braut« und ebenso auch verschiedene episodische Gestalten, wie Agnes Sorel, Gräfin Terzky, Julia Imperiali in »Fiesko« und Armgart in »Tell«. Keine deutsche Künstlerin dürfte, wie sie, fast die ganze Galerie Schiller'scher Frauengestalten nach einander auf der Bühne verkörpert haben.
Sophie Schröder war in der deutschen Kunst eine der Ersten von denen, die im Gegensatz zum Realismus der Iffland'schen Schule einer mehr idealistischen Spielweise zum Siege verhalfen. Start allzustrenger Natürlichkeit fand man bei ihr großartige Auffassung und Ausmalung gewaltiger Leidenschaften, wodurch der etwas pedantisch und farblos gewordenen Menschendarstellung auf der Bühne Schwung und Poesie zurückgegeben ward, wenn auch hinwiederum die Gefahr nahe lag, daß der nun auf den Theatern herrschende pathetische Styl hier und da die Grenzen überstieg und an Stelle der Einfachheit und schlichten Wahrheit gespreiztes und hochtrabendes Wesen trat. Sophie Schröder vermied derlei Uebertreibungen ebenfalls nicht ganz, wie es auch Auguste Crelinger, die neben ihr fast allein noch aus jener Zeit in die Gegenwart ragende Kunstgröße, that. Beide declamirten manchmal zu viel, namentlich in Rollen aus der bürgerlichen Sphäre. Partien der idealen Gattung, wie Iphigenia, Medea, Phädra, Sappho, Merope, Laby Macbeth und Isabella in der »Braut von Messina«, stellte dagegen auch Sophie Schröder mit einer poetischen Gewalt dar, die den Zuschauer gewaltsam zur Höhe dieser idealheroischen Spielweise emporriß.
Frauen der Zeit. Supplement zu Männer der Zeit. Biographisches Lexikon der Gegenwart. Leipzig; 1862.
#Morgenblatt zur Bayerischen Zeitung (21.5.1863)
Dieser Tage hat hier eine kleine Nachfeier zur Enthüllung des Schillermonumentes – allerdings in engem Privatcirkel – stattgefunden, welche wir aber doch wegen der Persönlichkeiten, die dabei betheiligt waren, nicht mit Stillschweigen übergehen können. Sophie Schröder, die greise Kunstheroin, hatte Schillers Tochter, die Freiin v. Gleichen-Rußwurm, zu sich gebeten, und diese gern noch einen Tag länger hier verweilt, um der Einladung Folge zu leisten. In dem stillen Asyl der heute noch gefeierten Künstlerin in der Gartenstraße war eine kleine, aber ausgewählte Gesellschaft versammelt, von der wir nur Frau v. Oven (Charlotte v. Hagen), dann die kunstsinnige Familie v. Ringseis und Frau Constanze Dahn anführen wollen. Schillers Statue, von Sophie Schröders Hand sinnig mit einem Lorbeerkranze geschmückt, und von allen einst der greisen Künstlerin gespendeten Kränzen umgeben, prangte im Salon, und als Freiin von Gleichen, begleitet von Emilie v. Ringseis und Frln. Dahn denselben betrat, überflog eine sichtliche Rührung das geistvolle Antlitz der Tochter des Dichterfürsten. Und als dann die 82jährige Sophie Schröder mit ihrem heute noch wunderbar kraftvollen Organe Schillers »Lied von der Glocke« declamirte, ergriff es die Anwesenden mit mahnungsvollem Schauer. Sophie Schröder, die wohl einzig noch lebende Schauspielerin, welche schon zu Lebzelten Schillers in seinen Stücken geglänzt, die den Dichter persönlich gekannt, – Schillers Gedichte vor dessen einzig noch lebenden Tochter declamirend – das war in der That ein des großen Todten jüngster Erinnerungsfeier würdiger Abschluß.
Morgenblatt zur Bayerischen Zeitung Nr. 140. München; Donnerstag, den 21. Mai 1863.
#Sophie Schröders Testament (1866)
Sophie Schröders
Testament.
Zum 12. Mai 1907 in Druck gegeben für die »Gesellschaft für Theatergeschichte« vom Geschäftsführenden Ausschuß.
Berlin 1907.
Mit freundlicher Bewilligung des Besitzers der Handschrift, Herrn Fritz Gildemeister, mitgeteilt von Dr. Heinrich Stümcke und in hundert numerierten Exemplaren gedruckt von Otto Elsner, Berlin.
Nr. 16
gedruckt für Eugen Kilian
München (Königreich Bayern)
Mittwoch, am 29. August 1866.
Einleitende Bemerkung.
Im Auftrag meiner besten, liebevollsten, redlichsten, treuesten Mutter und Freundin, der Frau Sophie Schröder, geborenen Bürger, pensionierte k. k. österreichische und k. b. Hofschauspielerin, wohnhaft in München, Haupt- und Residenzstadt des Königreichs Bayern, schreibe ich Unterzeichneter nachstehendes Testament »Letzter Wille« (Erbverschreibung) der Obengenannten, wie sie es mir in die Feder diktiert, hiermit nieder, da leider die große Schwäche der Sehkraft es der Testarice (Erblasserin) unmöglich macht, ihren letzten Willen eigenhändig aufzuzeichnen.
München (Königreich Bayern)
Mittwoch, am 29. August 1866.
Alexander Schröder,
quittierter, pens., charakt. Major
im Königreich Bayern.
(S. L.)
Mein letzter Wille!
Da ich bereits in ein ungewöhnlich hohes Lebensalter getreten bin (ich bin am 1. März des Jahres 1781 geboren) und jeden Augenblick erwarten muß, von Gott aus dieser Welt abberufen zu werden, halte ich es für meine Pflicht, über das Wenige, was ich an irdischem Gut besitze, zu verfügen.
§ 1. Meinen leiblichen aus der Ehe mit seinem Vater Friedrich Schröder entsprossenen Sohn Alexander, quittierter pens. char. k. b. Major, in München (Königreich Bayern) wohnhaft, bestimme ich zum Executor meines letzten Willens und übertrage ihm hiermit die Ausführung des Nachfolgenden.
§ 2. Von meinem Nachlasse sind zu allererst die allenfalls noch bestehenden Reste, welche nur von sehr geringem Betrage sein können und wovon mein Sohn Alexander genaue Kenntnis hat, zu berichtigen.
§ 3. Eben davon sind die Kosten meines Begräbnisses, welches ich so einfach als möglich, und in deutscher Erde, aus der ich entstanden, und zu der ich wieder werden will, wünsche, zu bestreiten.
Kein kaltes Gruftgemäuer soll meine irdische Hülle umschließen, sondern weich und warm will ich bettet sein, in der aller Lebenskeime in sich bergenden, mütterlichen Erde.
§ 4. Ebendavon ist ferner meinem lieben Enkel Alexander, dem Kinde meines Sohnes und Testamentvollstreckers Alexander, ein Vermächtnis von 100 Gulden (einhundert Gulden) bayerisches Geld bestimmt.
Diese Summe wird mein Sohn Alexander in Verwahrung nehmen.
§ 5. Der Rest meines Nachlasses, sowohl baares Geld, Staatspapiere, Schmuck, Hauseinrichtung, überhaupt alles so viel und so wenig sich vorfindet, soll zu ganz gleichen Parzellen (Teilen) unter meine drei Kinder, nämlich den schon genannten Alexander und seine zwei Schwestern, meine lieben Töchter Elisabetha Schmidt, geb. Schröder, eines Arztes Gattin, wohnhaft in der freien Reichsstadt Hamburg an der Elbe, und Auguste Schlönbach, geb. Schröder, herzogl. Hofschauspielerin in Sachsen-Koburg-Gotha, eines Schriftstellers Gattin, wohnhaft in Koburg-Gotha, verteilt werden. Es sei meinen guten Kindern ein Beweis, daß ich sie alle mit gleicher, zärtlicher Liebe im Herzen trage.
§ 6. Die Broche (Frauenvorstecknadel) mit dem Bild meines Sohnes Alexander soll mir ins Grab mitgegeben werden. Es möge dieser Wunsch ein Zeugnis ablegen, daß ich mit wahrer, treuer, herzlicher Liebe stets an ihm gehangen.
Nimm, mein guter treuer Sohn, meinen innigsten Dank für Deine liebevolle Ausdauer bei mir. Gott wird es Dir gewiß lohnen, ich segne Dich wie auch Deine Schwestern Elisabetha und Auguste, die ja auch brav und gut sind, und mich lieben von ganzem Herzen, und aus tiefstem Seelengrunde-
Möge der Allmächtige Seine schirmende barmherzige Hand stets über Euch halten, und Euch Zufriedenheit und geistige und körperliche Gesundheit schenken!
Noch füge ich zwei Bitten an meinen guten, braven Sohn Alexander hinzu:
1. Sollten wir für einen Unglücklichen, Tiefgefallenen, Du weißt wen ich meine, etwas tun können, daß er sich wieder aufzurichten imstande wäre, so unterlasse es nicht, Du wirst mir die Erde leichter machen!
2. Beauftrage ich Dich, bei Seiner Majestät dem König Ludwig I. von Bayern um die hohe Gnade einer Audienz nachzusuchen, und wird sie Dir gewährt, so bringe meinem erhabenen, hochverehrten Gönner und Wohltäter meinen innigsten wärmsten Dank für seine mir stets bewiesene hohe, beglückende Gnade, und sage ihm, daß ich bis zu meinem letzten Hauche ihm in Ehrfurcht, Dankbarkeit, hoher Verehrung und hingebender Anhänglichkeit zugetan und in unwandelbarer Treue gegen ihn gestorben bin.
Indem ich Euch, meine geliebten teuren Kinder, wiederholt aus zärtlichstem treuesten Herzen segne, und allen, die mir weh getan, aus aufrichtigstem Herzen vergebe, bittet um ein freundliches Andenken
München, am 29. August 1866.
Sophie Schröder,
pens. k. k. österr. und pens. k. b. Hofschauspielerin.
(L. S.)
#Aus der Bühnenwelt (1866)
Die vortreffliche Schule, welche das Hamburger Theater unter Schröder aufsrebenden Talenten gewährt hatte, wirkte mit ihrem günstigen Einfluß noch weit hinein in das neunzehnte Jahrhundert. Als die größte Künstlerin, die aus dieser Schule hervorgegangen, ist
Sophie Schröder,
die noch gegenwärtig lebende einzige Künstlerpersönlichkeit aus jener Zeit, zu bezeichnen.
Das Leben dieser großen Künstlerin ist ein reiches, viel bewegtes, ein ganzes großes Stück Kunstgeschichte darbietendes, denn sie durchlebte alle die verschiedenen Phasen, in welche seit Schluß des vorigen Jahrhunderts bis auf unsere Tage die deutsche Bühne und ihre Literatur trat; ihr ward die schöne Aufgabe, nicht allein die zu Anfange ihrer Laufbahn noch neuen Werke Schillers und Ifflands künstlerisch zu reproduciren, sondern hauptsächlich auch die Dichterwerke aus der so schönen Nachblüthe der classischen deutschen dramatischen Literatur für die Bühne zu schaffen.
Sophie Schröder, am 29. Februar 1781 zu Paderborn geboren, war die Tochter des Schauspielers Bürger. Nach dem Tode Bürgers heirathete ihre Mutter den Schauspieler Keilholz, einen tüchtigen Künstler von nicht unbedeutendem Ruf. Ihre Aeltern erhielten bald ein dauerndes Engagement in Petersburg, und hier war es, wo Sophie zwölf Jahre alt zum ersten Male die Bühne betrat, und zwar als Lina in der Oper von Dittersdorf »das Rothkäppchen.« Anfänglich war Sophie Schröder hauptsächlich in der Oper beschäftigt, doch spielte sie auch im Schauspiel mit dem größten Glück jugendlich naive Rollen, wie z. B. in Reval, wo sie erst vierzehn Jahre alt sich mit Stollmers (sein wirklicher Name war Smets), dem Director des dortigen Theaters, vermählte. Nach wenigen Jahren ward jedoch diese Ehe wieder geschieden; Stollmers, der seinen eigentlichen Familiennamen wieder annahm, trat in die diplomatische Carrière zurück, die er aus Liebe für die dramatische Kunst verlassen hatte.
In Reval lernte Kotzebue die reichbegabte junge Künstlerin Sophie Stollmers kennen und empfahl sie für das Fach naiver Liebhaberinnen an das Hofburgtheater in Wien. Hier blieb sie jedoch nur ein Jahr und nahm ein Engagement in Breslau als Opernsängerin an. Aber auch diese, ihr wirkliche künstlerische Befriedigung wohl nicht gewährende Stellung verließ sie nach kurzer Zeit wieder, und nun sehen wir sie (1801) in Hamburg zum ersten Male auf dem Gebiete wirken, auf dem sie zu einer von nur wenigen Auserwählten erreichten Künstlergröße erwachsen sollte: in der Tragödie. In Hamburg blieb sie zwölf Jahre lang und von hier aus verbreitete sich ihr Ruf bald über ganz Deutschland. Im Jahre 1804 verheirathete sie sich mit dem Tenoristen Schröder. In dieser glücklichen, nur durch den 1818 erfolgten Tod Schröders gelösten Ehe ward der großen Künstlerin ihre nicht minder große Tochter Wilhelmine Schröder-Devrient gegeben.
Sophie Schröder hätte vielleicht Hamburg so bald nicht verlassen, wenn sie nicht durch die brutale Franzosenherrschaft unter Davoust von dort vertrieben worden wäre. Als der russische General Tettenborn im März 1813 Hamburg besetzt hatte, war sie als gute Patriotin mit einer russischen Cocarde auf der Bühne erschienen, und die Hamburger, denen mehr als allzuviel Veranlassung gegeben war, die Franzosen und deren militärische Despotie zu hassen, hatten der Schröder dafür zugejubelt. Bald darauf aber mußten die Russen Hamburg wieder verlassen und Davoust nahm mit seinen zügellosen Schaaren von Neuem Besitz von der Stadt. Wie er dort gehaust, ist hinlänglich bekannt: Davoust in Hamburg gehört zu den schwärzesten Flecken in der Geschichte der Napoleonischen Fremdherrschaft. Auch unsere Künstlerin mußte den Zorn des französischen Gewalthabers empfinden. Er befahl ihr, mit einer französischen Cocarde auf der Bühne zu erscheinen; sie mußte gehorchen, um aber den Feind des Vaterlandes auch noch in ihrem erzwungenen Gehorsam zu verhöhnen, hatte sie sich eine ungeheuer große blau-weiß-rothe Cocarde angesteckt, über die das Publicum in schallendes Gelächter ausbrach. Davoust wollte die Schröder dieses Streichs wegen gefangen nehmen und nach Frankreich abführen lassen, allein es gelang ihr, sich der Vollstreckung dieses Spruchs durch die Flucht zu entziehen.
Nach einer längeren Kunstreise sehen wir sie in Prag, wo sie als Mitglied der ständischen Bühne ein und ein halbes Jahr blieb, bis sie 1815 einem Rufe nach Wien an das Hofburgtheater folgte.
Hier sah sie nach sechszehn Jahren den Sohn aus ihrer ersten Ehe, Wilhelm Smets, wieder, der katholischer Priester war, später Canonicus wurde und sich als Dichter einen ehrenvollen Namen gemacht hat.
Im Jahre 1825 vermählte sie sich zum dritten Male, und zwar mit dem bekannten Heldendarsteller Wilhelm Kunst; doch war diese Ehe keine glückliche und ward bald wieder getrennt.
Bis zum Jahre 1829 gehörte Sophie Schröder dem Hofburgtheater an. Abermals machte sie größere Gastspielreisen und blieb dann in den Jahren 1831 bis 1836 bei dem Hoftheater in München. Dann wieder nach Wien zurückgekehrt, war sie noch bis 1840 bei dem Hofburgtheater thätig, in welchem Jahre sie ihre große Künstlerlaufbahn abschloß und in Pension trat.
Nur einmal noch betrat sie seitdem die Bühne. Es war das im Jahre 1854 bei Gelegenheit der Vermählungsfeier des Kaisers Franz Joseph mit der Prinzessin Elisabeth von Baiern. Sie sprach bei dieser Feier im Hofburgtheater Schillers »Glocke.«
Sophie Schröder lebt gegenwärtig noch in München.
Aus der Schule des großen Schröder hervorgegangen, hatte diese Künstlerin, ohne der Natürlichkeit und Einfachheit der Hamburger Darstellungsweise untreu zu werden, sich auch die hohen Vorzüge der Weimarischen Schule angeeignet: es vereinigten sich daher in ihren Gestaltungen die Naturwahrheit und die ausgeprägteste schärfste Characteristik mit dem schwungvollsten edelsten Pathos und der glänzendsten Rhetorik – also die glücklichste Verschmelzung des Realistischen mit dem Idealistischen war bei ihr zur Wahrheit geworden.
Eduard Devrient sagt von ihr: »die sinnliche Leebenswärme, tiefe Innigkeit und überwältigende Leidenschaftlichkeit des Ausdrucks verloren bei dieser merkwürdigen Frau nicht das Geringste von ihrer Frische und Unmittelbarkeit. Hinreißend im Sturm der Zärtlichkeit, erschütternd im Schmerz, wahrhaft Schrecken und Grauen erregend im Zorn, in Haß und Verachtung hatte sie gleichwohl in der Recitation des Verses eine Würde, Anmuth und Flüssigkeit erworben, die kein Zögling der Weimarischen Schule erreichte. Freilich war sie dabei von Sprachorganen und einer Stimme unterstützt, welche an Kraft und Weichheit, Umfang und Biegsamkeit alle Forderungen beschämte, aber ihr Geberten- und Mienenspiel war nicht weniger mächtig, obschon die etwas vollen Formen ihrer untersetzten Gestalt dem Adel ihrer Haltung und Bewegungen nicht günstig waren und ihr Mienenspiel, wenn gleich von dem gewaltigen Blitze des schönen Auges unterstützt, den etwas unedlen Ausdruck des breiten Mundes zu überwinden hatte. Sophie Schröder ist für diesen Entwicklungsmoment der Kunst (die von Goethe und Schiller geschaffene idealisirende Kunstrichtung) darum höchst merkwürdig, weil sie das Ziel der Weimarischen Schule auf dem Wege der Hamburgischen erreichte. Sie war in der Periode der Reife und Harmonie ihrer Ausbildung (bis in die zwanziger Jahre, von wo ab der Meisterin dann das reine, edle Maß in ihren Schöpfungen merklich verloren ging), gerade im poetisch-rhetorischen Rollenfache, als Iphigenia, Phädra, Isabella u. s. w., unübertrefflich, mit doch war in ihr die Schauspielkunst nicht zur Dienerin des literarischen Fortschritts geworden, sondern hatte sich der neuen Aufgaben völlig selbstständig bemächtigt. Ihr that die ideale Form keinen Zwang an, sie war ihr wirklich zur anderen Natur geworden, und hierin bezeichnet Sophie Schröder – verglichen mit Fleck, Iffland und Frau Unzelmann – schon einen entscheidenden Fortschritt in der Kunst.«
Betrachtet man mit Recht Ludwig Devrient und Sophie Schröder als die vornehmsten Vertreter der dramatischen Kunst zur Zeit des großen politischen Aufschwungs des deutschen Volks während des Befreiungskriegs und der diesem unmittelbar folgenden Jahre, so ist neben ihnen noch ein anderer Künstler als hervorragender Repräsentant der damals so frischen und edlen Kunstströmung zu nennen: Ferdinand Eßlair.
Ferdinand Gleich: Aus der Bühnenwelt. Biographische Skizzen und Characterbilder von Ferdinand Gleich. Leipzig, 1866.
#Tag- und Anzeigeblatt für Kempten und das Allgäu (28.2.1868)
Neueste Nachrichten.
München, 26. Februar. – Auch Deutschlands älteste und erste Tragödin ist gestorben: Frau Sophie Schröder. Sie wurde 87 Jahr alt. Den Ruhm, den sie durch ihre genialen Darstellungen errang, ging über Deutschlands Grenzen. Sie spielte dereinst auch eine politische Rolle. Als die Franzosen Hamburg okkupirt hatten, wo sie am Thalia-Theater angestellt war, erhielt sie den Befehl, eine französische Kokarde aufzustecken. Sie gehorchte und steckte aber eine tellergroße auf. Bei Nacht und Nebel mußte sie fliehen, um der Gefangenschaft zu entgehen. Am Schillerfeste 1859 sprach sie noch die »Glocke« im Alter von 78 Jahren. Die Muskeln des Unterkiefers ließen in der letzten Zeit nach, so das sie das Kinn in einer Schlinge tragen mußte. Auch das Augenlicht ließ nach. Der seiner Zeit berühmte Schauspieler Kunst war einer ihrer drei Männer.
Tag- und Anzeigeblatt für Kempten und das Allgäu Nro. 49. Freitag, den 28. Februar 1868.
#Wochenausgabe der Augsburger Allgemeinen Zeitung (6.3.1868)
Sophie Schröder.
Unsere große Schauspielerin Sophie Schröder ist am 25. Februar, vier Tage vor ihrem siebenundachtzigsten Geburtstage, in München gestorben.
Ein redender Zeuge so langer deutscher Vergangenheit, ein Zeuge unserer classischen Literatur-Epoche, unserer Franzosennoth, unserer Befreiung, unserer öden, gedrückten Friedensepoche, unserer deutschen Theatergeschichte – er ist nicht mehr. Sie wußte von alledem zu erzählen. Ein wenig eng und streng in ihrem Urtheile, hatte sie doch über alle die großen und kleinen Vorfälle seit siebenzig Jahren eine eigene, bestimmte Ansicht.
Ueber sie selbst, über die große Schauspielerin, ist es schon jetzt ziemlich schwer, ein zuverlässiges Urtheil zu hören. So unsicher ist Geschichtschreibung! Wer die Schröder in ihrer Blüthe gesehen und ihre Kunst über die aller anderen Künstler stellt, der ist selbst alt und dem ruft die jetzige Welt zu: »Du übertreibst, wie wir Alle die Eindrücke unserer Jugend übertrieben zu schildern pflegen. Für unsere jetzigen Künstler fehlt dir die frische Empfänglichkeit, aber für deine Vergangenheit siehst du Alles im Zauberschein der Verherrlichung, einer Verherrlichung, die wir Alle uns selber anthun, weil wir mitwachsen, wenn Alles um uns herum groß erscheint.«
So sprechen die Jungen, welche die Schröder nicht mehr gesehen, zu den Alten, welche Sophie Schröder preisen als unerreichbar.
Ich selbst habe sie 1834 gesehen, also vor vierunddreißig Jahren. Sie spielte die Isabella in der »Braut von Messina.« Ich habe sie außerdem declamiren hören und habe mehrmals ausführlich mit ihr gesprochen, auch ausführlich über ihre Lebens-und Kunstgeschichte mit ihr gesprochen.
Diese persönlichen Erfahrungen liegen meiner Ansicht über die Schauspielerin und ihren Charakter zum Grunde. Schattirt sind sie natürlich durch die zahlreichen ästhetischen Urtheile über sie in unserer Kunstgeschichte oder doch in unseren Traditionen der Schauspielkunst.
Ich selbst also, obwohl ich sie noch in ihrer Blüthe gesehen – sie war 1834 dreiundfünfzig Jahre alt und war noch in voller Kraft – bin schon mannichfach auf Combination angewiesen und bin gewärtig, daß mir ältere Leute, welche sie öfter gesehen, widersprechen. Solcher Widerspruch wird mir willkommen sein, da er zur Bildung eines gründlichen Urtheiles beitragen wird. In dem ersten Theile meiner geschichtlichen Schilderung des Burgtheaters bis zum Jahre 1848, welcher in der »Oesterreichischen Revue« abgedruckt war, habe ich bereits des Breiteren über Sophie Schröder gesprochen. Die Leser jener Artikel mögen beurtheilen, ob ich seitdem zugelernt, und wenn meine allmälig reifende Ansicht durch Widerspruch berichtigt wird, so dient dieß dem Buche zum Vortheile, welches aus den theatergeschichtlichen Artikeln in der »Oesterreichischen Revue« und in den Feuilletons dieses Blattes entsteht.
Sophie Schröder ist in Westphalen geboren, unweit des Teutoburger Waldes, in Paderborn, am 29. Februar 1781. Ihre Eltern waren Schauspieler; Bürger hieß ihr Vater. Antoinette Sophie Bürger wurde sie getauft. Ihre spätere Gestalt und ihr Wesen hatte viel vom niederdeutschen Typus: ich weiß nicht, woher ihre Eltern stammten, und es wäre interessant, dieß zu erfahren. Den Vater hat sie früh verloren, und ihre Erziehung, namentlich auch die künstlerische, verdankt sie ihrer Mutter, welche tragische Rollen gespielt hat. Diese Mutter heirathete einen Schauspieler Keilholz und ging mit ihm nach Petersburg zur Tilli'schen Gesellschaft.
Hier hat die kleine Sophie Kinderrollen gespielt und ist einmal von der Kaiserin Katharina ausgezeichnet worden. Die Gesellschaft ist von Petersburg nach Reval gegangen, und hier hat Sophie Bürger, noch sehr jung – es heißt vierzehn Jahre alt, also ungewöhnlich früh körperlich entwickelt – den Schauspieler Stollmers geheirathet. Stollmers war sein Kunstname, er hieß eigentlich Smets, war aus guter bürgerlicher Stellung zur Bühne gegangen und ist auch später wieder von der Bühne zurückgetreten in ein politisches Amt. Er ist für ihre allgemeine Bildung sicherlich von Wichtigkeit gewesen. Ein Sohn stammt aus dieser Ehe, Wilhelm Smets, der katholischer Geistlicher und Liederdichter geworden. Er lebte lange in Köln, und seine Lieder sollen Einfluß geübt haben auf den jungen Poeten Heinrich Heine. Ich erinnere mich, daß die alte Frau Sophie zum Oefteren von diesem Sohne in Köln gesprochen.
In Reval hat Kotzebue, der ja aus Rußland zu uns kam, die junge Sophie gesehen, welche naive und Singspielrollen spielte, und er hat sie nach Wien empfohlen. Ueber Stettin, wo sie noch eine zeitlang spielte, ist sie, achtzehn Jahre alt, zum erstenmale nach Wien gekommen und hat als Frau Stollmers die Margarethe in Ifflands »Hagestolzen« und ähnliche Rollen gespielt.
Alles, was ich über diese ihre erste Wiener Zeit gelesen, lautete dahin, daß sie nicht besonders gefallen habe. Ein Artikel im »Fremdenblatt« (Mittwoch, 26. Februar, Abendblatt), offenbar von kundiger Hand geschrieben, sagt zu meiner Ueberraschung das Gegentheil. Es wäre wünschenswerth, daß der Verfasser näher angäbe, was ihm zu diesem abweichenden Berichte Veranlassung gegeben.
Jedenfalls blieb sie kaum ein Jahr in Wien und ging nach Breslau. Immer noch waren naive Rollen und Gesangsrollen ihr Fach; namentlich die Hulda im »Donauweibchen« spielte und sang sie den Breslauern zu Dank.
Ihre Ehe mit Smets-Stollmers wurde in Breslau aufgelöst, und sie geht 1801 nach Hamburg unter die Direction des berühmten Ludwig Schröder. Aber nicht von ihm stammt ihr Name, sondern von einem Tenoristen Schröder, welchen sie 1804 heirathete. In diese erste Hamburger Zeit nun fällt ihr Uebergang zum tragischen Fache. Vielleicht hat die Scheidung von Smets tiefere Gedanken in ihr geweckt – wenigstens wird sie oft melancholisch genannt um jene Zeit – vielleicht hat Director Schröder sie darauf hingewiesen. Auch Kotzebue soll schon früher behauptet haben, daß ihr Talent am stärksten in der Tragödie sein werde – kurz, in dem Jahrzehnt von 1803 bis 1813 entwickelte sie in Hamburg ihre tragischen Anlagen. Alle die damals entstehenden schönen Schöpfungen – Schiller schrieb ja von 1799 bis 1805 jedes Jahr eine neue Tragödie – brachten ihr wichtige Aufgaben. Als erste tragische Rolle, welche sie gespielt, wird die Zimmermeisters-Tochter genannt in »Julius von Sassen,« einem Stücke, das untergegangen ist. Amalie in den »Räubern,« Louise in »Kabale und Liebe,« Beatrice in der »Braut von Messina,« die Jungfrau von Orleans, die Turandot hat sie damals in Hamburg gespielt.
Sie stammt also wohl im Wesentlichen aus Ludwig Schröders Schule, denn wir wissen ja aus dem Meyer'schen »Leben Schröders,« wie aufmerksam dieser sich seiner Mitglieder angenommen in Unterweisung, Bemerkungen und Winken.
1813 verließ sie Hamburg. Sie hatte sich auf der Scene als Patriotin compromittirt vor den Franzosen, welche unter Davoust Hamburg besetzt hatten und so lange besetzt hielten. Wunderlich genug soll dieß durch eine russische Cocarde geschehen sein, welche sie in einem Kotzebue'schen Gelegenheitsstücke: »Die Russen in Deutschland,« auf der Scene getragen hatte, als Tettenborn eben vorübergehend mit Kosaken nach Hamburg gekommen war. Sie hatte russische Jugend-Erinnerungen, und die Russen waren damals unsere Verbündeten gegen die Franzosen. Davoust zwang sie, mit der französischen Tricolore aufzutreten, und soll sie auch weiter bedroht haben.
Da verließ sie Hamburg, gastirte eine zeitlang und ließ sich in Prag nieder. Von da kam sie 1815 zum zweitenmale nach Wien und wurde im Burgtheater engagirt.
Hier fand sie wieder einen wichtigen artistischen Führer in Schreyvogel, und fand für große Stücke das schöne Theater an der Wien, welches damals unter einer Cavalier-Direction mit dem Burgtheater verbunden war.
Vierzehn Jahre dauerte dieß Engagement, und in diesem Engagement erst hat sie allmälig dasjenige Fach in sich ausgebildet, welches sie zur großen Schauspielerin gemacht hat – das Fach der Heldenmütter. Denn weder als naives Mädchen, noch selbst als tragische Liebhaberin, sondern als Heldin und Heldenmutter steht sie obenan in der deutschen Theater-Geschichte.
Ihr Uebergang dazu ist ganz organisch geschehen. Sie hat erst Lady Milford, die Imperiali, Phädra, die junge Medea im ersten Theile des »Goldenen Vließes« und die Maria Stuart gespielt, ehe sie zur Sappho, zur Lady Macbeth, zur Königin Elisabeth, zur Isabella in der »Braut von Messina« gelangt ist.
1829 heirathete sie plötzlich – ihr zweiter Gatte Schröder war 1818 gestorben – den Heldenspieler Kunst, von heftiger Leidenschaft für den schönen Mann getrieben. Schon nach wenigen Wochen erfolgte die Trennung, und in demselben Jahre verließ sie Wien.
Sie reiste und gab zwei Jahre lang Gastrollen. 1831 trat sie ins Münchener Hoftheater. 1833 kam sie zum drittenmale nach Wien, trat im Josephstädter Theater auf und dann erst in der Burg, ging aber wieder nach München zurück und kam erst 1836 zum viertenmale wiederum als engagirtes Mitglied des Burgtheaters nach Wien.
Aus dieser letzten Engagementszeit fehlt es nicht an Nachrichten, welche sie als mißvergnügt schildern, als nicht ganz zufrieden mit der Theilnahme des Publicums, und ihren letzten Abgang nach einigen Jahren motivirt man mit einer peinlichen Scene. Die beinahe sechzigjährige kleine Frau habe die Elisabeth in »Maria Stuart«" gespielt und bei Leicesters Rede im zweiten Acte:
»Ja – wenn ich jetzt die Augen auf dich werfe –
Nie war'st du, nie zu einem Sieg der Schönheit
Gerüsteter als eben jetzt –«
habe das Publicum gelacht. Im Innersten empört, habe sie da den Entschluß gefaßt, von dannen zu gehen und hiemit von der Bühne abzutreten.
Achtundzwanzig Jahre noch hat sie – anfangs in Augsburg, dann in München – in der Stille gelebt. 1859 zum Schillerfeste nur ist sie auf höheren Wunsch noch einmal in München auf der Scene erschienen und hat das »Lied von der Glocke« vorgetragen. Bald darauf kam sie auch noch einmal nach Wien und sprach auch hier die »Glocke« und Klopstock'sche Oden. Dann blieb sie ganz in der Münchener Zurückgezogenheit, unterrichtete mitunter junge Schauspielerinnen und schrieb, wie man sagt, ihre Memoiren. Sind sie geschrieben, dann erscheinen sie jetzt hoffentlich im Druck.
Was war nun, fragen wir im Hinblick auf dieß lange, reiche Leben, was war nun der Grundcharakter ihrer Kunst und wodurch ist sie für uns die große Schauspielerin geworden?
Ihr Grundcharakter war schwerer Ernst, und durch den Vortrag in erster Linie ist sie die große Schauspielerin geworden.
Ihr Organ war sonor, ihr Accent rein, ihre Eintheilung der Rede meisterhaft. Sie stammte aus der guten Zeit, welche gespannten Sinnes eine neue Literatur aufnahm, welche jedes schöne Wort begrüßte, welche die Bedeutung eines jeden Wortes genau würdigte. Eine solche Zeit spricht in ihrer Redekunst so klar als möglich, sie sucht für jede Wendung des Satzes den entsprechenden Ton. Sie stammte ferner aus einer Zeit, welche neben der ideal auffliegenden Literatur doch in der Schauspielschule von Schröder und Iffland einen realen technischen Boden hatte. Diesen Boden durften damalige Schauspieler nicht leicht verlassen in unverstandener Ueberschwenglichkeit. Leute wie Schröder und Iffland verlangten auch für die Ueberschwenglichkeit Erklärung, Motivirung und stufenweisen Gang.
Aus diesen Einflüssen ist Sophie Schröder in ihrem Schauspiel-Charakter hervorgegangen. Dieser Charakter war nicht so bloß ideal, wie jetzt oft behauptet wird; er ruhte auf einer sehr realen technischen Grundlage; er holte sich gar manche Begründung oder Ausschmückung vom realen Felde.
Die nächste Frage ist: War sie nur declamirend, oder war sie zu sehr declamirend, wie ihr neuerdings nachgesagt wird?
Die letzte Frage wird sein: Hatte sie Leidenschaft genug? Entwickelte sie Schönheit genug?
Ich erinnere mich ihrer Isabella ganz deutlich, und ich muß sagen: Ihre Declamation drängte sich nicht vor, löste sich nicht ab vom dramatischen Charakter. Sie sprach schön, sie sprach – man empfand es wohl – mit Bewußtsein, daß die Art des Sprechens eine Hauptsache wäre, aber sie hielt die Verbindung mit dem dramatischen Gedanken und Gange unzweifelhaft fest, sie sprach dramatisch schön.
Die große Rede im ersten Acte der »Braut von Messina« hätte vielleicht noch mannichfaltigcr sein können; es blieb vielleicht zu wünschen übrig, daß noch ein starker Puls geistiger Lebhaftigkeit hervorträte – aber diese Wünsche entstanden wohl nur, weil man einer solchen Künstlerin gegenüber alle ersinnlichen Anforderungen stellt. Im letzten Acte, bei dem Schrei: »Es ist mein Sohn!« vergaß man all diese fragenden Verlangnisse. Dieser Schrei, allerdings rhetorisch vorbereitet, war nicht bloß rhetorisch, er enthüllte die ganze Macht des dramatischen Momentes.
Ich ging aus dem Theater mit dem zweifelfreien Gedanken, eine classische Darstellerin der Isabella gesehen zu haben. Nur anfangs hatte ich bedauert, daß ihr nicht eine stattlichere äußere Erscheinung verliehen war. Das Bedauern war indessen nicht lebhaft gewesen und wurde bald völlig vergessen.
Hatte sie Leidenschaft genug? Die Darstellung der Isabella gibt wohl Anhalt zur Beantwortung dieser Frage, aber doch nur Anhalt. Mit diesem Anhalt würde ich mir zu sagen getrauen: Ja, sie hatte Leidenschaft genug. Ihre persönliche Bekanntschaft gibt mir weitere Anhaltspunkte mehrfacher Art. Sie war eine tief ernsthafte, strenge Natur und hat mich in ihren Aeußerungen wohl an puritanische Leidenschaften aus Cromwells Nähe erinnert. Nicht an die Leidenschaft des Südens, wohl aber an die schonungslos leidenschaftlichen Ausbrüche der Nordlandsrecken. Das beliebte Schlagwort älterer Leute heißt »dämonisch,« wenn sie von diesen Schröder'schen Ausbrüchen sprechen. Ich glaube, sie haben nicht ganz Unrecht, aber auch kaum ganz Recht. Wir suchen im »Dämonischen« ein gutes Theil wilder Phantasie, weltstürmenden, völlig unabhängigen Gedankens. Den gerade hab' ich nie wahrgenommen in ihr; ich habe sie nie gedankenreich, nie ungestüm und dreist in der Gedankenwelt gefunden. Ihre Kraft war die eines starken Willens, mächtiger, unnahbarer Entschlüsse. In diesem Bereiche werden sich auch ihre stärksten Rollen finden, und man spricht gewiß mit Fug und Recht von ihrer außerordentlichen Lady Macbeth.
Eine rationell erwachsende Leidenschaft besaß sie gewiß in starkem Grade. Deßgleichen die Leidenschaft eines herben, ja harten Naturells. Schwerlich die einer warmen Gluth.
Und nun endlich: Besaß sie Schönheit genug? Man wird die Frage nicht mißverstehen und an die bloß äußerliche Schönheit der Erscheinung denken. Diese besaß sie bekanntlich nicht. Sie war klein und mehr robust als schön gebaut. Auch im Antlitz waren starke Knochen und eine kurze Nase dem schönen Eindrucke nicht förderlich. Das Alles hindert nicht, im Ganzen und namentlich in der Bewegung des Körpers ästhetisch schön zu wirken. Das vermochte sie. Sie hatte eine so lange, so mannichfache und so gründliche Schule durchgemacht, daß ihr volles Ebenmaß der Haltung und des körperlichen Ausdrucks ganz und gar zu eigen war. Alle Schilderungen ihrer antiken Röllen stimmen darin überein, und ihre Isabella hat es mir in allen Richtungen bestätigt.
Was die Schönheit in mehr äußerlicher Bedeutung betrifft, in der Bedeutung, daß die bloße Erscheinung gewinnend und liebenswürdig sei, darüber ist sie selbst bei Zeiten streng gegen sich gewesen im eigenen Zutrauen. Das alte Soufflirbuch des »Goldenen Vließes« in der Abtheilung »Die Argonauten« hat mir darüber einen merkwürdigen Aufschluß gegeben. In diesen »Argonauten« ist vielfach von dem, wenn auch wilden, Mädchenreize der Medea die Rede in den Liebesscenen mit Jason. Mit Schrecken sah ich, daß all das gestrichen war. Was auf Medcas Liebreiz nur irgendwie hindeutete, war ausgelöscht. Das hatte Sophie Schröder nicht passend erachtet für sich. Es blieb nun freilich unklar auf Kosten der Dichtung, woher denn wohl die Neigung Jasons stammte; aber die Darstellerin der Medea war nun gesichert, daß man ihr nichts von einer Liebhaberin zutrauen durfte. Sie war damals vierzig Jahre alt und spielte noch zahlreiche tragische Liebhaberinnen. Man sieht hieraus, daß sie bei Zeiten, wo es irgend anging, den Schönheits-Prädicaten auswich. Ich habe deßhalb gewiß auch in ihrem Sinne gesagt, daß ihre volle und reine Größe erst begann, als sie zum Fache der Heldin und Heldcnmutter überging. Hier konnte sich von ihrem durchwegs strengen Naturell Alles vollständig geltend machen, hier konnte die seltene große Schauspielerin entstehen.
Das ist sie gewesen. Das Wesen einer Heroine erschien in ihr echt und natürlich und hoch erhoben durch ihre Darstellungskunst. Eine Anzahl ihrer strengen Rollen wird in unserer Theater-Geschichte immer Schröderisch genannt werden, und Schröderisch wird so viel bedeuten als classisch.
In ihrem eigentlichen Fache steht sie unerreicht und einzig da, ein Vorbild für die deutsche Schauspielerwelt.
(Heinr. Laube in der »Neuen Fr. Presse.«)
Wochenausgabe der Augsburger Allgemeinen Zeitung Nr. 10. Stuttgart, den 6. März 1868.
#Kreuzerblatt (1868)
Ein König und eine Königin. Wenige Tage bevor die deutsche Kunst in dem großen König Ludwig von Bayern einen ihrer wärmsten Freunde und verständnißreichsten Förderer verloren, hat man in München eine hochbejahrte Frau begraben, die gleichfalls einst eine Königin gewesen, eine machtvolle Herrscherin im schönen Reiche der Kunst und des Gedankens. Hätte Sophie Schröder nichts Anderes geleistet, als daß sie ihre große Tochter, die ihr im Tode längst vorangegangene Wilhelmine Schröder-Devrient erzogen und gebildet hat, ihr Name würde für ewig in die Geschichte des deutschen Geisteslebens verflochten sein. Sie war aber mehr als das, sie war selber eine große schöpferische Künstlerin, die noch in ihren vorgerückten Jahren die Jugend zur Bewunderung hingerissen hat und von der unsere Alten und Aeltesten mit wehmüthiger Begeisterung sagen, daß der hohe und reine Glanz ihrer künstlerischen Erscheinung unerreicht geblieben bis auf den heutigen Tag.
Sophie Schröder ist in ihrem achtundachtzigsten Jahre gestorben, eine kurze Skizze ihres mannigfach bewegten Lebens ist bereits in den verschiedensten Tageblättern zu finden. Sie war noch eine Zeugin unserer klassischen Literaturepoche und bereits vierundzwanzig Jahre alt, als Schiller starb. Ursprünglich in naiven Rollen und als tragische Liebhaberin beschäftigt, hat sie erst später ihre eigentliche Bestimmung, das Fach der tragischen Heldinnen ergriffen. Phädra, Medea, Lady Macbeth, Merope, Sappho, Johanna von Montfaucon und Isabella in der Braut von Messina waren ihre gedenkwürdigsten Schöpfungen. Schon seit 1840 von der Bühne zurückgetreten, brachte die beinahe Achtzigjährige noch im Jahre 1850 bei dem hundertjährigen Geburtstage Schillers in München durch den Vortrag der »Glocke« einen unvergeßlichen Eindruck hervor. Seitdem lebte sie ganz zurückgezogen und schrieb, wie man sagt, ihre Memoiren.
Das Leichenbegängniß der großen Schauspielerin war ein wahrhaft königliches. Nachdem am Grabe der Geistliche die Verdienste der Hingeschiedenen als Künstlerin, Mutter und Christin gepriesen hatte, ergriff der Hoftheaier-Regisseur Richter das Wort und wies darauf hin, daß Tausende heute durch ihre Anwesenheit bewiesen hätten, was die große Tragödin ihren Zeitgenossen gewesen sei. Auch die Hoftheater von Berlin uno Dresden hatten Lorbeerkränze und Palmen gesendet. »Und so lege ich denn, Sophie Schröder,« so schloß Herr Richter, »mit unserer Liebe, unserer Bewunderung diese Ehrenzeichen auf Deinen Sarg. Du erhabenes Vorbild, Du Fürstin im Gebiete der dramatischen Kunst! Ihr irdischen Ueberreste Sophie Schröder's, lebt wohl, auf ewig wohl!«
Kreuzerblatt Nro. 9. Eine Wochenschrift für Jedermann. Augsburg, 1868.
#Deutscher Bühnen-Almanach (1.1.1869)
Nekrologe.
Sophie Schröder.
Die große deutsche Tragödin Sophie Schröder ist am 25. Februar 1868 in München im Greisenalter von 87 Jahren gestorben. Sie wurde 1781 in Paderborn geboren. Ihre Mutter, welche sich nach dem Tode ihres ersten Mannes, eines Schauspielers, Namens Bürger, mit dem rühmlich bekannten Schauspieler Keilholz verheirathete, folgte einem Rufe nach Petersburg. Sie hatte zwar die damals zwölfjährige Sophie, obgleich diese schon als Kind in kleinen Rollen Talent bewiesen, noch nicht für die Bühne bestimmt, da aber das Personal der Tylli’schen Schauspielergesellschaft in Petersburg sehr beschränkt und zufällig das Fach der jugendlichen Rollen in Oper und Schauspiel unbesetzt war, so gab sie den Bitten der bedrängten Directrice nach, und Sophie begann in der Dittersdorf’schen Oper »Das rothe Käppchen« als Lina ihre theatralische Laufbahn. In Reval, wohin die Gesellschaft später reiste, heirathete sie als fünfzehnjähriges Mädchen den Schauspieler Stollmers. Hier lernte sie auch Kotzebue kennen, und erhielt auf seine Empfehlung eine Anstellung bei dem Wiener Hoftheater. Sie spielte damals noch ausschließlich naive Rollen und gefiel in ihren Debüts als Margarethe in den »Hagestolzen« und Gretchen in den »Verwandtschaften« sehr. Nach einem Jahre ging sie jedoch nach Breslau, wo sie vorzugsweise für die Oper engagirt wurde und besonders als Hulda im »Donauweibchen« viel Glück machte. 1801 unter sehr vortheilhaften Bedingungen nach Hamburg berufen, betrat sie hier die Bahn, auf welcher sie als ein Stern erster Größe glänzte; sie wechselte nämlich das naive Rollenfach mit dem tragischen. Häuslicher Kummer hatte ihren sonst heiteren Geist in eine melancholische Stimmung versetzt und den schlummernden Funken zur Flamme entzündet. Ihre erste Rolle in diesem Fache war die Zimmermeisterstochter in »Julius von Sassen.«
1804 heirathete sie ihren zweiten Gatten, den Schauspieler Schröder, und lebte unter den günstigsten Verhältnissen in Hamburg, bis die kriegerischen Begebenheiten im Jahre 1813 sie bestimmten, diese Stadt zu verlassen.
Nachdem sie eine glänzende Kunstreise gemacht, spielte sie anderthalb Jahre in Prag und folgte dann einem Rufe zu dem Wiener Hoftheater, dessen Zierde in hochtragischen Rollen sie war. Ihre Phädra, Lady Macbeth, Merope, Sappho, Johanna von Montfaucon waren meisterhafte Gebilde. Von hier aus zog sie mehrmals im künstlerischen Triumph durch Deutschland, gastirte an allen größern Bühnen und erwarb sich Ruhm und Ehre im höchsten Grade.
1829 vermählte sie sich zum dritten Male mit dem ungleich jüngeren, bekannten Heldenspieler Wilhelm Kunst, doch ward diese unhaltbare, von blinder Leidenschaft geschlossene Ehe schon nach wenigen Wochen, wenn nicht gerichtlich, so doch factisch durch die Abreise des Gemahls wieder gelöst. Den Namen ihres dritten Mannes legte sich Sophie Schröder niemals bei, doch wurde sie in der That erst 1859 durch W. Kunst’s Tod Wittwe im eigentlichen Sinne des Wortes.
Sie ging später noch an das Hoftheater in München über, von wo sie aber dann nach Wien zurückkehrte und dort in ihren früheren Wirkungskreis nochmals eintrat.
1840 wurde sie pensionirt und seitdem lebte sie zurückgezogen von der Oeffentlichkeit Anfangs in Augsburg, zuletzt in München, wo sie nur bei Gelegenheit des hundertjährigen Schiller-Jubiläums im November 1859 vorübergehend noch einmal sich dem Publikum im Theater zeigte, indem sie auf höheren Wunsch »das Lied von der Glocke« vortrug, in dessen Recitation sie von jeher meisterlich Vollendetes leistete. Sophie Schröder war im Rechte, als sie an der Feier von Schiller’s Geburtstag thätigen Antheil nahm, denn sie war bereits noch zu Lebzeiten des großen Dichters in Activität auf der Bühne. Persönlich nahe trat sie ihm zwar niemals, doch schuf sie seit 1801 noch in Hamburg ihre Amalie in den »Räubern«, Louise in »Kabale und Liebe«, Beatrice in der »Braut von Messina«, Jeanne d’Arc und Turandot, sowie dann in Wien ihre Maria Stuart und ferner auch die Elisabeth in demselben Drama, die seitdem nie wieder so groß gesehene Lady Macbeth in der Schiller’schen Bearbeitung, die Lady Milford, die Isabella in der »Braut v. Messina«, und ebenso auch verschiedene episodische Gestalten, wie Agnes Sorel, Gräfin Terzky, Julia Jmperiali in »Fiesco« und Armgart in »Tell.«
Keine deutsche Künstlerin dürfte wie sie fast die ganze Gallerie Schiller’schen Frauengestalten auf der Bühne verkörpert haben. Sophie Schröder war in der deutschen Kunst eine der ersten, von denen, die im Gegensatz zum Realismus der Iffland’schen Schule einer mehr idealistischen Spielweise zum Siege verholfen. Statt allzustrenger Natürlichkeit fand man bei ihr großartige Austastung und Ausmalung gewaltiger Leidenschaften, wodurch der etwas pedantisch und farblos gewordenen Menschendarstellung auf der Bühne Schwung und Poesie zurückgegeben ward, wenn auch hinwiederum die Gefahr nahe lag, daß der nun auf den Theatern herrschende pathetische Styl hier und da die Grenzen überstieg und an Stelle der Einfachheit und schlichten Wahrheit hochtrabendes Wesen trat. Partien der idealen Gattung, wie Iphigenia, Medea, Phädra, Sappho, Merope, Lady Macbeth und Isabella in der »Braut von Messina«, stellte Sophie Schröder mit einer poetischen Gewalt dar, die den Zuschauer gewaltsam zur Höhe dieser idealheroischen Spielweise emporriß und ihre Leistungen zu den unvergeßlichen stempelten.
Am 27. Februar 1868 Nachmittags 4 Uhr wurde Sophie Schröder zur Erde bestattet. Ein Meer von Menschen wogte nach dem Friedhofe, nicht von der Neugierde getrieben, sondern von dem Drange, der großen Künstlerin das letzte Ehrengeleite zu geben. An der Spitze des gesammten Hoftheaterpersonals und des Hoforchesters befand sich der Intendant Freiherr von Perfall in seiner Kammerherrenuniform und legte einen Lorbeerkranz auf den mit Lorbeern und Blumen schon dicht umhüllten Sarg nieder. Im Namen Sr. Majestät des Königs war der Flügeladjutant Hauptmann v. Sauer, ebenfalls den Sarg bekränzend, anwesend. Mit dem Glockenschlage 4 Uhr setzte sich der Riesenzug in Bewegung. Voraus ein Musikcorps, Beethoven’s Trauermarsch spielend, hinter diesem das Kreuz mit dem Decane, dann der Sarg, umgeben von den Regisseuren, welche brennende Wachskerzen, und von zwölf Hofschauspielern und Hofopernsängern, welche Palmenzweige trugen. Alle hatten um die Brust lange Trauerschärpen. Hinter dem Sarge schritten mit den Leidtragenden Frhr. v. Perfall, ihm folgten schwarz gekleidete Damen der Hofbühne; eine Deputation des Aktientheaters und sämmtliche Mitglieder des Theaters und der Hofkapelle, Celebritäten der Kunst und Wissenschaft, hohe Staatsbeamte und Offiziere aller Waffengattungen, zum Schlusse eine Armee von Trauernden. Nachdem der Sarg in das Grab gesenkt war, hielt Hr. Dechant Hayer eine tiefergreifende Rede, die Verdienste der dahingeschiedenen Mitschwester als Künstlerin, Mutter und Christin preisend. Hierauf ergriff Hr. Regisseur Richter in, alle Anwesenden mächtig erschütternder Rede das Wort; er betonte, wie wenig Künstlern es vergönnt ist, einen Ruhm, wie Sophie Schröder, sich zu erwerben, und der beste Beweis, was die große Tragödin ihren Zeitgenossen ist und war, sei die Anwesenheit der Tausende; aber auch die immer wachsenden Beweise von Theilnahme, welche von Außen dem Tode der Künstlerin gezollt würden, seien sprechende Zeugen, was Sophie Schröder der Mitwelt war und der Nachwelt bleiben wird. Die Hoftheater von Dresden und Berlin sendeten diese Lorbeerkränze und die Palmen, um sie als , sichtliche Zeichen der letzten Anerkennung auf das Grab der greisen Tragödin zu legen. »So lege ich denn, Sophie Schröder, mit unserer Liebe, unserer Bewunderung, diese Ehrenzeichen auf Deinen Sarg. Du erhabenes Vorbild, Du Fürstin im Gebiete der dramatischen Kunst; ihr irdischen Ueberreste Sophie Schröder’s, lebt wohl! Auf ewig wohl!« Kein Auge blieb nach diesen Worten trocken. Die würdevolle Feier schloß ein gemischter Chor mit Horn- und Posaunenbegleitung von einem Zeitgenossen der großen Verstorbenen, dem Hofkapellmeister Stuntz.
Deutscher Bühnen-Almanach. Berlin, den 1. Januar 1869.
#Die Scheinwelt und ihre Schicksale (1893)
Die Premiere der Grillparzer'schen Tragödie »Sappho« brachte ein helles Gestirn an unsere Bühne: die unvergleichliche Sophie Schröder. Die Künstlerin wurde am 2Z. Februar 1781 geboren und sah sich, durch mißliche Verhältnisse gezwungen, bereits als zehnjähriges Kind auf der Bühne. Ihre Eltern, die einer wandernden Künstlertruppe angehörten, durchzogen damals mit der kleinen Sophie das russische Reich. Schon in dieser Zeit trat das ungewöhnliche Talent des Wunderkindes zu Tage. In Reval, wohin sich die Gesellschaft wandte, wurde Sophie im fünfzehnten Lebensjahr (1796) die Gattin des verwittweten Stollmers, aus welcher Ehe ein Sohn entstammte. Doch bereits nach drei Jahren wurde dieses unglückliche Band wieder getrennt und Stollmers entsagte der theatralischen Laufbahn, um als Smets von Ehrenstein wieder in die Laufbahn eines Juristen zurückzukehren. Sein Söhnchen Wilhelm folgte ihm. Erst spater war es der Mutter vergönnt, in dieses trübe, eheliche Bild durch den warmen Herzenserguß des Sohnes, der sich dem priesterlichen Stande gewidmet, eine Tröstung fallen zu sehen. Wilhelm Smets, nicht unbekannt als Dichter, war in Aachen Domkapitular und schrieb ihr:
»Sie haben so ganz Ihr treues Mutterherz gegen mich ausgesprochen und dann aber auch wieder jenes zweifache Verhältniß meiner zu Ihnen nur zu lebhaft mich empfinden machen. Daß Sie meine Mutter und eine große außerordentliche Frau sind, Ersteres zieht mich so nahe an Sie und — dieses bringt eine Schüchternheit hervor, die um des Ersteren willen nur desto origineller ist; doch der schlichte Sinn, den Sie bei Ihrer Größe als Künstlerin sich gewahrt haben, giebt mir wieder Muth und ich fühle mich ganz als Ihr Sohn.«
Im Jahre 1804 lernte Sophie in Hamburg den Schauspieler Schröder (kein Verwandter des berühmten Schröder) kennen und ging eine zweite Ehe mit ihm ein. Aus dieser stammen vier Kinder, darunter die älteste Wilhelmine, die unter dem Namen Schröder-Devrient unsterblich wurde. Das Ehepaar Schröder vollzog nach seinem Scheiden von Hamburg Gastspiele an den verschiedensten Bühnen Deutschlands, doch war es erst die Wiener Epoche 1815–1829, die der Sophie Schröder den Ruhm einer großen Tragödin in ganz Deutschland ausbreitete und befestigte. Während dieser Zeit (1818) starb Schröder an einem unheilbaren Leiden und Sophie ging trotz der Warnung treugesinnter Freunde mit dem hochbegabten Heldendarsteller Wilhelm Kunst 1825 eine dritte eheliche Verbindung ein. Der unüberlegt geschlossene Bund löste sich bei der Disharmonie ihrer Naturen schon in demselben Jahre wieder auf.
Außer dem Gastspiel, das Sophie Schröder 1818 an unserer Hofbühne absolvirte, trat sie am 24. Februar 1831 bei uns als engagirtes Mitglied auf, um sich nach fünfjähriger Wirksamkeit wieder nach Wien zu wenden. Sophie Schröders geniale Kunst fand an allen Stätten die ungetheilteste Verehrung und Bewunderung. Ein Vorbild für die deutsche Schauspielerwelt, eine Gestalt voll Weihe und Größe, besaß sie in einem Grade wie Niemand mehr, die hinreißende Kunst der Declamation. Bestimmt und deutlich sprach sich der Gehalt des bezeichnenden Wortes aus und wo Gefühl und Leidenschaft zu Tage traten, schoß kein Laut über das rechte Ziel hinaus. Ihr war vollständig jene würdevolle, heilige Ruhe eigen, welche die beredte Verkünderin des herrlichsten inneren Lebens ist, sie war die Trägerin des vollendetsten, anbetungswürdigsten Idealismus.
Als Schröder als Isabella in Schillers »Braut von Messina« auftrat, schrieb ein Kritiker damaliger Zeit: »Wer möchte es unternehmen, aus einem so vollkommenen Ganzen alle die einzelnen wunderbar ergreifenden Momente aufzuzählen? Nur des einen will ich gedenken, wo sie die Leiche des Manuel erblickt. Dieser herzzerreißende Aufschrei: »O himmlische Mächte!« und dann mit tonloser Stimme: »Es ist mein Sohn« — es war, als ob die Sonne des Lebens in einen Abgrund endlosen Wehs versänke. Nicht ein ganzes Meer von Thränen hätte besser ein gebrochenes Mutterherz bezeugen können.«
Sophie Schröder kam 1857 wieder nach München und betrat hier zum letztenmal die Bühne. Es war anläßlich des hundertjährigen Geburtstages Schiller's, wo sie auf der Hofbühne das »Lied von der Glocke« zu ergreifendem Vortrag brachte. Von da ab lebte Sophie Schröder an der Seite ihres Sohnes in München. Die achtzigjährige Greisin sah ihre letzten Lebensjahre durch ein schlimmes Augenleiden heimgesucht. Zwar gelang es dem unvergeßlichen Professor Dr. Nußbaum, dem eben jetzt die dankbare Nachwelt ein Denkmal gesetzt, durch eine geschickte Operation das Leiden zu entfernen, aber dieser Lichtpunkt dauerte nur wenige Monate, am 25. Februar 1868 hörte dieses große Herz zu schlagen auf und die Augen schlossen sich für immer.
Wer auf dem südlichen Friedhofe Münchens durch die Prachtreihen herrlicher Denkmale dahinwandert, kommt auch zur Grabstätte Sophie Schröder's. Ueber dem Denkmal erhebt sich die Marmorbüste, aus weißem carrarischen Marmor gefertigt, und trägt unter der Brust den Namen »Sophie Schröder«. Im oberen Theil des aus gelbrothem Marmor hergestellten Postaments ist in Lapidarschrift zu lesen: Geboren am 1. März(Das richtige Geburtsdatum ist der 23. Februar 1781) 1781 zu Paderborn, gestorben am 25. Februar 1868 zu München. Auf dem unteren Theil stehen die Worte: »Dem Andenken der großen Tragödin von ihren deutschen Kunstgenossen!« Generalintendant Baron von Perfall hat den Impuls zur Errichtung dieses Erinnerungssteines gegeben und diese edle Aufforderung fand bei allen Hoftheatern und hervorragenden Künstlern freudiges Echo. Das Monument selbst ist von Professor Zumbusch ausgeführt worden, dessen ideale, schönheitdurchwehte Gestalten ihren Schöpfer längst zur Berühmtheit krönten.
Die Scheinwelt und ihre Schicksale. Eine 127jährige Historie der Münchener kgl. Theater im populärer Form und als Jubiläums-Ausgabe. Zu Ehren des fünf und zwanzigjährigen Dienst-Jubiläums Seiner Excellenz des Herrn General-Intendanten Freiherrn von Perfall von Max Leythäuser. München; 1893.
#Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903)
Schröder Sofie, geborene Bürger, geboren 1781 zu Paderborn. Sie war ein Schauspielerkind und wurde namentlich das Talent ihrer Mutter außerordentlich anerkannt. Sch. beteiligte sich zwei Jahre lang am Wanderleben der Eltern, wurde auf kurze Zeit zu einer Verwandten in Pflege gegeben, kam jedoch, als ihre Mutter mit dem Schauspieler Keitholz eine zweite Ehe schloß, wieder zu der Wandertruppe zurück. Von ihrem zehnten Jahre an, wirkte sie in Kinderrollen mit und war es im Jahre 1793, wo sie in Petersburg bei der Tillyschen Gesellschaft plötzlich und unvorbereitet in der Rolle der »Lina« in der Dittersdorfschen Oper »Das rote Käppchen« zum erstenmal als Liebhaberin die Bühne betrat. Die Schauspielerin, welche sie damals ersetzen mußte, war die Frau des Schauspielers Stollmer, deren Nachfolgerin sie auch in der Ehe wurde (1795). Kotzebue, der das große Talent der jungen Frau in Reval erkannt hatte, empfahl ihr Engagement ans Hofburgtheater, wo sie ausschließlich in naiven Rollen zu wirken hatte, ohne sonderlich zu gefallen. Sie blieb daselbst kaum ein Jahr, dann vertauschte sie Wien mit Breslau, wo sie namentlich für die Oper verwendet werden sollte. In Breslau 1799 wurde die Ehe mit Stollmer (eigentlich Smets) wieder getrennt und schon zwei Jahre später trat sie ihr Engagement in Hamburg an (Antrittsrollen: »Kathinka« in »Das Mädchen von Marienburg«, »Margaretha« in »Die Hagestolzen«). Ihr Wunsch, sich im eigentlich tragischen Fache zu versuchen, in welchem sie seinerzeit die größte Stufe der Berühmtheit erstieg, sollte erst 1803 erfüllt werden, als die Darstellerin der Titelrolle in »Johanna von Montfaucon« erkrankte, und ihr diese Partie zugeteilt wurde. Sie erzielte einen großartigen sensationellen Erfolg mit dieser Darstellung, und nun war des Ruhmes Bahn geöffnet. Nichtsdestoweniger wurde sie noch immer im naiven, ja selbst im komischen Fache, sowie in der Oper verwendet. 1804 heiratete sie zum zweiten Male und zwar den in Hamburg angestellten Baritonisten und Schauspieler Friedrich Schroeder. Dieser Name blieb unserer Künstlerin, und mit ihm sollte sie der Unsterblichkeit überantwortet werden. Die Gewalt ihrer tragischen Darstellungen gewann ihr immer mehr Verehrer und ergriff auch die Massen. 1813 mußte sie Hamburg, die eigentliche Schule ihrer großen Kunst, verlassen. Nach einem kurzen Gastspiel auf verschiedenen deutschen Bühnen kam sie nach Prag, wo sie zwei Jahre zum Entzücken der Prager wirkte. Einem in Wien gegebenen Gastrollenzyklus (»Maria Stuart«, »Ophelia«, »Orsina«, »Phädra« etc.) folgte ein Engagement am Hofburgtheater. Von Wien aus verbreitete sich rasch der Ruhm der Künstlerin – bisher unerreicht im tragischen Fache – über ganz Deutschland. 1818 ging Sch. für immer (ihre volle gedrungene Gestalt mag die Ursache gewesen sein) in das Heldenmütterfach über. Unheilvoll war das Jahr 1825 für die Künstlerin, in welchem sie (zum dritten Male) eine Ehe mit dem damals bestbekannten Schauspieler Wilhelm Kunst (s. d.) einging, denn schon wenige Wochen nachher wurde diese Ehe getrennt. 1829 verließ sie Wien, um ein Gastspiel in Petersburg zu absolvieren, kehrte jedoch an das Hofburgtheater vorläufig nicht mehr zurück. 1830 langte sie auf ihren ruhmreichen Künstlerfahrten in München an, wo König Ludwig die damals erste Tragödin Deutschlands trotz ihres vorgerückten Alters mit Pensionsbewilligung engagierte. Sie blieb nur fünf Jahre und wollte 1836 wieder ihre Stelle im Hofburgtheater einnehmen. Obwohl sie sieben Jahre früher einen entschiedenen Kontraktbruch begangen hatte, verzieh ihr der gütige Kaiser Franz mit den Worten: »No, weil's die Schröder is«, und veranlaßte ihr Engagement. Allein der Wirkungskreis der Künstlerin war bei ihrem dritten Engagement nur ein beschränkter. Da befiel die Künstlerin Unlust, auch glaubte sie, für die damals gangbaren Schau- und Lustspiele nicht den richtigen Ton zu finden, und so kam sie schon nach drei Jahren aus Gesundheitsrücksichten um Entlassung und Pensionierung ein. Beides wurde ihr huldreichst gewährt, und so trat sie in gesicherten Verhältnissen ins bürgerliche Leben zurück. Sie ließ sich zuerst in Augsburg und dann in München nieder, wo sie auch starb. Zum letzten Male erschien sie auf der Bühne Hamburgs als »Claudia Galotti« am 16. August 1847. Damit schloß ihre schauspielerische Wirksamkeit eigentlich ab. Dann betrat sie noch zweimal in ihrem Leben die Bühne, und zwar in Wien 1854 und in München 1859 gelegentlich der hundertjährigen Geburtsfeier Schillers. Beide Male erschien sie als Meisterin im »Lied von der Glocke« und wurde, trotz ihres Greisenalters der Aufgabe in unnachahmlicher Weise gerecht. Fortab trat sie mit dem Publikum nicht mehr in Berührung. Es entwickelte sich eine Gesichts- und eine Gehörschwäche, die sie von nun an ans Zimmer fesselte. Geistig jedoch blieb sie bis zu ihrem Tode frisch. Derselbe trat infolge eines Halskatarrhs im 87. Jahre ihres Lebens ein. Sie verschied in den Armen ihres Sohnes am 25. Februar 1868. Sch. war von mittelmäßigem, fast kleinem Wuchs. Ihre Gesichtszüge nicht schön, aber ihr Auge ausdrucksvoll, gebietend. Auch besaß keine Schauspielerin die Gabe der malerischen Stellungen in so hohem Grade wie sie. Bewundernswert war auch ihr Organ, und wo sie es mit all seinem eigentümlichen Zauber walten ließ, war es unwiderstehlich. In ihrer Kunst schloß sie sich dem idealen Aufschwung der Weimarer Schule an, ohne den Grundsätzen der Hamburger zu entsagen, ja sie machte sich die ideale Form derartig zu eigen, daß sie zu ihrer zweiten Natur geworden zu sein schien. Sch. war es, die wieder die Idealität auf die Bühne brachte, und die natürliche Darstellung durch die Kunst veredelte, ohne die Wahrheit zu verletzen. So apostrophiert sie Anschütz in seinen »Erinnerungen« mit folgenden Worten »Wer dich nicht gekannt hat in den Jahren deiner Kraft und deiner künstlerischen Entfaltung, der wird sich kaum ein vollständiges Urteil bilden können über den Höhepunkt und die möglichsten Grenzen tragischer Darstellung. Wer dich aber gekannt hat, der neigt sich vor dir ohne Neid und Eifersucht mit dem Bekenntnis: Bis hierher muß der Genius der Kunst dringen, aber er kann auch nie mehr erringen.« Laube bespricht sehr eingehend die künstlerische Individualität der Sch. und forscht, wodurch sie die große Schauspielerin geworden ist. Als Grundcharakter ihrer Kunst erklärt er den schweren Ernst und meint in erster Linie ist sie durch den Vortrag die große Schauspielerin geworden. Auch sucht er nach den Einflüssen, aus welchen die Sch. in ihrem Schauspielcharakter hervorgegangen ist und deduziert weiter: »Ihre Deklamation drängte sich nicht vor, löste sich nicht ab vom dramatischen Charakter. Sie sprach schön, sie sprach, man empfand es wohl, mit dem Bewußtsein, daß die Art des Sprechens eine Hauptsache wäre, aber sie hielt die Verbindung mit dem dramatischen Gedanken und Gange unzweifelhaft fest. Sie sprach dramatisch schön. Sie war eine tiefe, ernsthafte, strenge Natur und hat mich in ihren Äußerungen wohl an puritanische Leidenschaften aus Cromwells Nähe erinnert. Nicht an die Leidenschaft des Südens, wohl aber an die schonungslos leidenschaftlichen Ausbrüche der Nordlandsrecken. Das beliebte Schlagwort älterer Leute heißt »dämonisch«, wenn sie von diesen Schröderschen Ausbrüchen sprechen. Ihre Kraft war die eines starken Willens mächtiger, unnahbarer Entschlüsse. In diesem Bereiche werden sich auch ihre stärksten Rollen finden, und man spricht gewiß mit Fug und Recht von ihrer außerordentlichen Lady Macbeth. Eine rationell erwachsende Leidenschaft besaß sie gewiß in starkem Grade. Desgleichen die Leidenschaft eines herben, ja harten Naturells.« Zum Schlusse seiner Ausführungen stellte er durch Beweise fest, daß »ihre volle und reine Größe erst begann, als sie zum Fache der Heldin und Heldenmutter überging. Hier konnte sich von ihrem durchwegs strengem Naturell alles vollständig geltend machen, hier konnte die seltene große Schauspielerin entstehen. Das ist sie gewesen. Das ergibt sich schon für mich aus den geringen Erfahrungen, welche ich persönlich von ihrer Darstellung gewonnen habe. Das Wesen einer Heroine erschien in ihr echt und natürlich und hoch erhoben durch ihre Darstellungskunst. Eine Anzahl ihrer strengen Rollen wird in unserer Theatergeschichte immer schröderisch genannt werden, und schröderisch wird so viel bedeuten als klassisch. In ihrem eigentlichen Fache steht sie unerreicht und einzig da, ein Vorbild für die deutsche Schauspielerwelt.« Auch Eduard Devrient spricht voll Wärme und Innigkeit über diese merkwürdige Frau. Er erwähnt ihre sinnliche Lebenswärme, ihre tiefe Innerlichkeit und überwältigende Eigenschaft des Ausdrucks und sagt weiter: »Hinreißend im Sturm der Zärtlichkeit, erschütternd im Schmerze, wahrhaft Schrecken und Grauen erregend im Zorn, Haß und Verachtung hatte sie gleichwohl in der Rezitation des Verses eine Würde, Anmut und Flüssigkeit erworben, die kein Zögling der Weimarschen Schule erreichte. Freilich war sie dabei von Sprachorganen und einer Stimme unterstützt, welche an Kraft und Weichheit, Umfang und Biegsamkeit alle Forderungen beschämte, aber ihr Gebärden- und Mienenspiel war nicht weniger mächtig, obschon die etwas vollen Formen ihrer untersetzten Gestalt dem Adel ihrer Haltung und Bewegung nicht günstig waren und ihr Mienenspiel, wenn gleich von dem gewaltigen Blicke des schönen Auges unterstützt, den etwas unedlen Ausdruck des breiten Mundes zu überwinden hatte.« Allerdings beklagt Devrient, daß es Sch. in der zweiten Hälfte ihrer Laufbahn, wie fast allen Meistern in allen Künsten erging, daß ihre schönsten Effekte zuletzt zur Manier ausarteten. Allein das hinderte ihn nicht, der Künstlerin die größte Bewunderung zu zollen, und Grillparzer setzte dieser größten tragischen Schauspielerin, welche Deutschland jemals besessen, ein herrliches literarisches Denkmal mit den Worten:
»Zwei Schröder, Frau und Mann,
Umgrenzen unsres Dramas höhern Lauf;
Der eine stand in Kraft als es begann
Die andre schied, – da hörts wohl,
fürcht’ ich, auf.«
Ludwig Eisenberg’s Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Leipzig, 1903.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Schröder Sophie, 1781 (Paderborn) – 1868, Hofschauspielerin; als Tochter des Schauspielers Gottfried Bürger begann sie 1793 in St. Petersburg (= Leningrad) in der Dittersdorffschen Oper »Das Rote Käppchen« mit der Rolle der Lina ihre Bühnenlaufbahn; in Reval heiratete sie Stollmers, den Direktor der dortigen deutschen Bühne, mit dem sie 1798 an das Wiener Hoftheater kam, wo sie naive Rollen spielte, dann wurde Sch. in Breslau vornehmlich für die Oper engagiert; in Hamburg (seit 1801) wechselte sie ins tragische Fach, und damit begann ihre Karriere; nach einer längeren Kunstreise – u. a. spielte sie in Prag – kam sie 1815 wieder ans Wiener Hoftheater, bis sie schließlich 1831 Mitglied des Münchner Hoftheaters wurde (von 1836/40 war sie zum dritten Mal in Wien); sie besaß ein gewaltiges und doch wohlklingendes Organ, ein wirksames Auge und ein durch Übung zu großer Sicherheit entwickeltes Talent, der Darstellungskunst gab sie Poesie und Schwung in Ausmalung gewaltiger Leidenschaften.
Hauptrollen: Phädra, Medea, Lady Macbeth, Merope, Sappho, Johanna von Montfaucon und Isabella (Braut von Messina); Ludwig I. nannte Sch. »Teutschlands größte Tragödin«.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#39 – 13 – 23 (Beer · Veicht)
Hier ruht in Gott
Herr Joh. Beer,
k. Stabsveterinär u. technischer Vorstand
d. k. Militärlehrschmiede,
Ritter d. Civilverdienstordens v. hl. Michael I. Cl.
Inhaber d. silb. Verdienstkreuzes I. Cl.
für 40 jährige Dienstzeit,
geb. 6. Febr. 1820, gest. 14. April 1887,
sein Töchterchen Anna,
geb. 9. Okt. 1862, gest. 21. März 1863,
dessen Gattin
Frau Babette Beer,
gest. 20. Aug. 1900, im 76. Lebensjahre.
Sockel
J. Lallinger.
Linke Seite
Herr Accessist Veicht,
geb. 30. Nov. 1818, gest. 11. Sept. 1854.
Frau Cres. Veicht,
geb. 12. Juli 1787, gest. 23. Aug. 1854.
- Beer, Anna; 9.10.1862 – 21.3.1863; Veterinärs-Tochter
- Beer, Babette (vw); – 20.8.1900; Veterinärs-Witwe
- Beer, Johann; 6.2.1820 – 14.4.1887; Königlicher Stabsveterinär
- Veicht, Andreas; 30.11.1818 – 11.9.1854; Ratsaccessist
- Veicht, Kreszentia (vw); 12.7.1787 – 23.8.1854; Lehrers-Witwe


#39 – 13 – 25 (Fenzl)
¿
Fenzl
- Fenzl, Albert; – 10.6.1861 (München), 15 Tage alt; Hofballettmeisters-Sohn
- Fenzl, Anna; – 15.2.1887 (München), 28 Jahre alt; Ballettmeisters-Tochter
- Fenzl, Barbara (vh) / Röschenauer (gb); – 19.7.1891 (München), 52 Jahre alt; Ballettmeisters-Gattin
- Fenzl, Elise (vh); – 2.9.1854 (München), 48 Jahre alt; Hofballettmeisters-Gattin
- Fenzl, Franz; 1832 (Wien) – 22.6.1918 (München); Ballettmeister und Tänzer
- Fenzl, Johann; – 18.1.1873 (München), 65 Jahre alt; Hofballettmeister
- Fenzl, Johann; – 11.11.1871 (München), 11 Jahre alt; Hofballettmeisters-Sohn
- Fenzl, Sofie; – 13.2.1860 (München), 3 Monate alt; Solotänzers-Tochter





#Anna Fenzl
† 15.2.1887 (München), 28 Jahre alt
Ballettmeisters-Tochter
#Münchener Fremdenblatt (18.2.1887)
† Beerdigung. Die irdische Hülle des Fräulein Anna Fenzl, k. Balletmeisterstochter von hier, wurde gestern auf dem südlichen Friedhofe – campo santo – zur ewigen Ruhe bestattet. Im schönsten Alter von 28½ Jahren ist Fräulein Fenzl, welche vor zwei Jahren von einem Herzleiden befallen worden, das sich aber in letzterer Zeit zu bessern schien, am letzten Dienstag Morgens plötzlich in den Armen ihrer Schwester verschieden. Die Eltern, wie fünf Geschwistern, denen die Verblicherne eine gute Tochter, eine liebende Schwester gewesen, beweinen dieselbe. An dem Leichenbegängnisse nahmen Herr k. Professor Brulliot, k. Hofschauspieler Rhode, Obermaschinenmeister Lautenschläger, k. Ordens-Sekretär und städtischer Archivar von Destouches, viele Mitglieder der k. Hofbühne und des Balletkorps, zahlreiche Beamte, Offiziere und Bürger wie deren Frauen Theil. Die Leiche war reich in Blumen gebettet. Ein erhebender Grabgesang des k. Hoftheatersingchores schloß die Trauerhandlung.
Münchener Fremdenblatt mit Tages-Anzeiger und Quartiergeber Nr. 49. München; Freitag, den 18. Februar 1887.
#Franz Fenzl
* 1832 (Wien)
† 22.6.1918 (München)
Ballettmeister und Tänzer
#Allgemeine Zeitung (20.4.1853)
Königstädtisches Theater. Während im königl. Theater »Satanella« noch immer als das Hauptgericht der dramatischen Gourmandise betrachtet wird, und im Friedrich Wihelmsstädtischen Theater Sennora Pepita die altbewährte Zugkraft der spanischen – Tänzerinnen im vollsten Maße ausübt, ruft nunmehr das Königstädtische Theater das Publicum auf, sich um die Fahne der Geschwister Fenzl zu schaaren. Ueberall Tanz. Das Bestreben der Directoren die dramatische Kunst auf die Beine zu bringen, ist unverkennbar, und jedenfalls ist nebenher der Zweck erreicht das Publicum auf die Beine zu bringen. Obwohl am Freitag die rabenäugige Tochter des Tajo in der Friedrich-Wilhelmsstadt mit den Armen Canzonen und mit den Beinen Stanzen tanzte, hatte sich dennoch an demselben Abend auch die Königsstadt beim ersten Auftreten der k. bayer. Hofsolotänzerin Geschwister Fenzl bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Muse des Tanzes hatte sich hier das Drama als Teppich unterbreitet, um auf demselben ihren Zauber zu entfallen. »Die weiße Rose,« ein phantastisches Zaubermärchen, ursprünglich ein brillantes Ballet vom Hofballetmeister Fenzl, dem Vater, ist dramatisirt worden, um den talentvollen Geschwistern Franz und Sophie Fenzl Gelegenheit zu verschaffen, auch dort ihre Kunst zu zeigen wo die Verhältnisse die Darstellung eines großen Ballets unmöglich machen. Um so vollständiger und glänzender war der Triumph der Geschwister Fenzl! Bruder und Schwester ragten aus dem Trümmerwerk des Stucks wie zwei goldene Säulen hervor, glänzend durch vollendete Kunst, reich an Schönheit und Anmuth, strahlend im Wiederschein allgemeiner Anerkennung. Frl. Sophie Fenzl, deren jugendlich gerundete Formen fast im Widerspruche stehen mit den Bedingnissen derjenigen Kunst deren geweihte Priesterin sie ist, hat gleichwohl in ihren Tänzen das vollste Maß der Anmuth und Leichtigkeit gezeigt, die schwierigsten Pas graciös und correct ausgeführt, und namentlich in dem Pas de Statue durch ihr schönes großes Auge und ihr bezauberndes Lächeln einen wahrhaft poetischen Lebensausdruck über die plastische Formenruhe verbreitet. Ueberhaupt gewinnen alle Tänze und Attitüden der junqen Künstlerin durch jene beiden Attribute ein höheres dramatisches Leben, die den Reiz der Leistung unendlich erhöhen. Nicht unerwähnt dürfen wir lassen daß Frl. Fenzl, welche in dem Stück auch zu sprechen hat, mit wohltönender Modulation und correctem Ausdruck sprach. Hr. Franz Fenzl, eine jener jugendlichen Apollo-Gestalten in denen der Reiz der Anmuth den Ausdruck der Kraft überwiegt, ist ein vollendeter Tänzer, bei dem die Kritik nicht mehr das Maß der Kunst zu wägen, sondern nur noch die Individualität der Vollendung zu zeichnen hat. Und diese Aufgabe dürfte nicht leicht seyn. Bald schien es als ob der Schwerpunkt seiner Meisterschaft in dem Force- und Grotesque-Genre läge, denn seine Sprünge, Elevationen, Entreschats u. s. w. sind unübertrefflich; sobald der junge Künstler jedoch in seriösen und graciösen Pas sein Talent entfaltete, erschien er auch hier als Meister. Dennoch möchten wie in dem erstgenannten Genre die meiste Individualität der Form finden, zumal da Hr. Fenzl hier eine Virtuosität zeigte, die wir in diesem Grade weder bei den heimischen Künstlern des königl. Ballets, noch bei den renommirtesten Gästen gesehen haben. Fortwährender Applaus und mehrmaliger Hervorruf ehrten und ermuthigten die talentvollen reizenden Geschwister, in deren Ensemble beim Pas de Manteau u. s. w. jene innere sympathetische Uebereinstimmung sich kundgab, welche bei dem künstlerischen Zusammenwirken von Geschwistern und Gatten etc. der Kunstleistung in der Regel einen besondern und wohlthuenden Reiz verleiht. (Aus der Kreuzzeitung). E.
Allgemeine Zeitung Nr. 110. Mittwoch, den 20. April 1853.
#Almanach der königlichen Hof-Theater zu München für das Jahr 1873 (1874)
Fünfundzwanzigjähriges Dienstjubiläum
des Herrn
Franz Fenzl,
erster Solotänzer am Königl. Theater.
Der erste November d. J. gestaltete sich zu einem sehr festlichen für Herrn Fenzl, denn an diesem Tage vor 25 Jahren begann sein Engagement am hiesigen Königl. Theater. – Eine Deputation, bestehend für das Ballet aus der Direktrice Frau Grahn-Young und den meisten Mitgliedern desselben, für die Oper aus Herrn Regisseur Brulliot und für das Schauspiel aus Herrn Regisseur Richter, überbrachten dem Jubilar unter feierlichen Ansprachen Angebinde der verschiedenen Branchen zu seinem Ehrentage, und zwar einen werthvollen silbernen Pokal, ein paar sehr schöne silberne Leuchter und von den Eleven der Königl. Tanzschule einen silbernen Blumenkorb mit Rosenknospen. Tief gerührt von der ihm bewiesenen Liebe und Anerkennung dankte Herr Fenzl mit Thränen im Auge.
Erst am einundzwanzigsten November, als am Tage des erstmaligen Auftretens, wurde dem Jubilar die Gelegenheit, die Feier seiner 25jährigen Wirksamkeit auf der Königl. Bühne auch öffentlich zu begehen. Die Allgemeine Zeitung sagt darüber:
»Der Regisseur des Ballets an der Hofbühne feierte mit dem heutigen Tage sein 25jähriges »Tänzer«-Jubiläum, und es mag interessant sein, ein paar kurze Notizen über dessen Leben hier folgen zu lassen. Herr Franz Fenzl, der Jubilar, der Sohn des k. Balletmeisters Joh. Fenzl, ist geboren 1832 zu Wien. Schon mit drei Jahren betrat er die Bühne am Leopoldstädter Theater daselbst und wirkte bereits mit in den dort veranstalteten Pantomimen seines Vaters bis zum Jahre 1843. Noch in diesem Jahre machte der Vater eine größere Kunstreise durch Deutschland und Frankreich, die von größtem Erfolge gekrönt war, und wobei sich der junge Franz, der nur ungern von Wien gelassen wurde, seine ersten auswärtigen Lorbeeren errang. Schon im Jahre 1845 wurde Franz Fenzl, im dreizehnten Jahre stehend, als erster Solotänzer im königl. Theater zu Stuttgart engagirt; 1848 erhielt derselbe in gleicher Eigenschaft ein Engagement an hiesiger Hofbühne. Nur auf kurze Zeit ging er im Jahre 1851 nach Paris, um unter Balletmeister St. Léon seine höhere Ausbildung zu erlangen, und bald darauf als stets gern gesehenes Mitglied an der hiesigen Hofbühne wieder bis heute zu wirken. Der reiche Beifall, die Blumenspenden, mit welchen der Jubilar gestern Abend in Adams Ballet »Gisella« von dem zahlreich erschienenen Publikum ausgezeichnet wurde, sowie die sonstigen Auszeichnungen von nahe und fern, welche er heute erhalten, mögen ihm ein Beweis dafür sein.«
Vor Beginn der Vorstellung hatten sich Deputationen von Gesellschaften, deren Mitglied der Gefeierte ist, in der festlich geschmückten Garderobe eingefunden und überreichten demselben im Namen der Gesellschaften prächtige Lorbeerkränze, deren außerdem nebst vielen Blumenbouquets schon eine Menge von den Collegen und Freunden eingelausen waren. – Den Schluß der Jubiläumsfeierlichkeiten für Herrn Franz Fenzl aber machte ein glänzend arrangirtes Fest der Gesellschaft »Hölle«, dem ein gleiches kaum an die Seite gestellt werden kann, denn die Beweise der Freundschaft und herzlichen Theilnahme, welche dem Jubilar von allen Mitgliedern und geladenen Gästen hier entgegengebracht wurden, müssen dem Gefeierten eine ewig bleibende Erinnerung sein.
Almanach der königlichen Hof-Theater zu München für das Jahr 1873. München, 1874.
#Münchner Neueste Nachrichten (24.6.1918)
Lokales
München, 23. Juni
Hof- und Personalnachrichten
Hofballettmeister a. D. Franz Fenzl ist, wie bereits kurz gemeldet, am Samstag dahier nach langem schwerem Leiden im hohen Alter von nahezu 87 Jahren verschieden. Er war 1831 zu Wien geboren als Sohn des Pantomimenmeisters Johann Fenzl am dortigen Carltheater, der sich durch sein Kinderballett einen angesehenen Namen gemacht hatte; 1842 kam er mit demselben auch an die Münchner Hofoper und hatte hier großen Erfolg. 1848 wurde Johann Fenzl als Ballettmeister für die Münchner Hofoper engagiert, gleichzeitig auch sein Sohn, der 17jährige Franz als erster Tänzer, sowie seine beiden Töchter Auguste als muntere Liebhaberin und Sophie als erste Tänzerin. Der alte Fenzl trat 1861 in Pension. Franz Fenzl rückte 1869 zum Ballettregisseur und Lehrer der Perfektionsschule vor und übernahm nach dem Rücktritt der Ballettdirektrice Lucile Grahn-Young im Herbst 1874 die Leitung des Balletts, um dessen Ausbildung er sich hohe Verdienste erwarb. 1891 trat er von seinem Posten zurück und in Pension; er lebte dann meist in Aibling. Neben seiner Thätigkeit als Ballettmeister war er noch Lehrer für Anstandslehre, Tanzen und Fechten an der Akademie der Tonkunst. Der Verstorbene war ausgezeichnet mit der Ludwigsmedaille für Kunst und Wissenschaft.
Münchner Neueste Nachrichten Nr. 313. Montag, den 24. Juni 1918.
#Generalanzeiger (25.6.1918)
Münchner Tagesneuigkeiten
München, 24. Juni
Ein ehrendes Grabgeleite wurde im gleichen Friedhof [Südfriedhof] dem Hofballettmeister a. D. Franz Fenzl zuteil. Die Einsegnung vollzog das Pfarrgeleite von St. Ludwig. Im Grabschmuck waren Kranzspenden des Königs und der Königin, der Prinzen Ludwig Ferdinand und Alfons, der Fürstin Adelgunde von Hohenzollern, der Prinzessinnen Hildegard, Helmtrud und Wiltrud, von Ernst und Anna v. Possart, eines Freundeskreises und einer Kegelgesellschaft zu bemerken.
Generalanzeiger der Münchner Nachrichten Nr. 315. Dienstag, den 25. Juni 1918.
#Münchner Neueste Nachrichten (26.6.1918)
Münchner Tagesneuigkeiten
München, 25. Juni
Bestattungen. — Wie uns nachträglich mitgeteilt wird, ließen am Grabe des Hofballettmeisters Franz Fenzl auch noch Kronprinz Rupprecht und Prinz Karl Kränze niederlegen. Von Bad Aibling und aus Reichenhall waren ebenfalls reiche Blumenspenden gekommen. Das Königspaar hatte ein huldvolles Telegramm an die Hinterbliebenen geschickt.
Münchner Neueste Nachrichten Nr. 317. Mittwoch, den 26. Juni 1918.