SECTION 40

- 40 – 1 – 4 (Saint-George)
- 40 – 1 – 6 (Faistenhammer · Stromereder)
- 40 – 1 – 7 (Mader · Schmitter · Wild)
- 40 – 1 – 8 (Poppel)
- 40 – 1 – 11 (Müller · Täuffenbach)
- 40 – 1 – 12 (Steiger)
- 40 – 1 – 14 (Meggendorfer · Roedel)
- 40 – 1 – 15 (Stadelmeyer)
- 40 – 1 – 22 (Hebberling)
- 40 – 1 – 23 (Lenz)
- 40 – 1 – 24 (Halm · Müller · Riedel)
- 40 – 1 – 25 (Riedl)
- 40 – 2 – 6 (Bauer · Höger · Schmeißer)
- 40 – 2 – 7 (Schuck)
- 40 – 2 – 8 (Bachner · Schöninger)
- 40 – 2 – 10 (Finsterwalder)
- 40 – 2 – 11 (Rohnfelder)
- 40 – 2 – 14 (Kreill)
- 40 – 2 – 17·18 (Detzer · Rhau · Vogel)
- 40 – 2 – 23 (Gassner · Süss)
- 40 – 2 – 27 (Kunz)
- 40 – 2 – 28* (Reichardt)
- 40 – 3 – 6 (Hammer · Ortner)
- 40 – 3 – 9 (Meyer)
- 40 – 3 – 22 (Fröschl)
- 40 – 3 – 25 (Herrlich)
- 40 – 3 – 26 (Keyl)
- 40 – 3 – 27 (Berger)
- 40 – 3 – 28 (Fleischmann · Fürst)
- 40 – 4 – 13 (Matheis · Scheurer)
- 40 – 4 – 15 (Bauer · Haas)
- 40 – 4 – 17 (Gmeiner)
- 40 – 4 – 27 (Radler)
- 40 – 5 – 6 (Frey)
- 40 – 5 – 11 (Schottenhammel)
- 40 – 5 – 18 (Barth)
- 40 – 5 – 27 (Schröder)
- 40 – 6 – 1 (Kratz)
- 40 – 6 – 2 (Mürriger)
- 40 – 6 – 7 (Rung)
- 40 – 6 – 10 (Hunebald)
- 40 – 6 – 20* (Rigal)
- 40 – 6 – 22 (Benedikter)
- 40 – 7 – 1 (Riederer)
- 40 – 7 – 5 (Buckel)
- 40 – 7 – 6 (Christ)
- 40 – 7 – 21 (Bauer)
- 40 – 8 – 1 (Oertl)
- 40 – 8 – 8 (Pfrenzinger)
- 40 – 8 – 12 (Rosenhammer)
- 40 – 8 – 15 (Pfründtner)
- 40 – 8 – 21 (Blank)
- 40 – 9 – 17 (Schönhammer)
- 40 – 10 – 11 (Schreyer)
- 40 – 10 – 25 (Blumenschein)
- 40 – 10 – 28 (Lindner)
- 40 – 11 – 1 (Arnold · Prantl)
- 40 – 11 – 4·5 (Fleckenstein · Peter)
- 40 – 11 – 8 (Heinzelmann · Vogel)
- 40 – 11 – 13 (Steinlein)
- 40 – 11 – 19 (Haubner)
- 40 – 11 – 30 (Rostosky)
- 40 – 12 – 1 (Nast · Sattler)
- 40 – 12 – 2 (Fomm)
- 40 – 12 – 3 (Riedhammer)
- 40 – 12 – 5·6 (Hohenhausen)
- 40 – 12 – 7·8 (Hess)
- 40 – 12 – 9 (Popp)
- 40 – 12 – 10·11 (Carriere · Liebig)
- 40 – 12 – 12 (Schubert)
- 40 – 12 – 13 (Feder)
- 40 – 12 – 17 (la Hausse · Munier)
- 40 – 12 – 18·19 (Heintz)
- 40 – 12 – 20·21 (Ochs)
- 40 – 12 – 24·25 (Ysenburg-Philippseich)
- 40 – 12 – 27·28 (Hauer · Kramer · Moralt)

#40 – 1 – 4 (Saint-George)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Saint-George, Marie (vw) / Wehrle (gb); – 13.10.1888 (München), 46 Jahre alt; Regimentsquartiermeisters-Witwe



#40 – 1 – 6 (Faistenhammer · Stromereder)


#40 – 1 – 7 (Mader · Schmitter · Wild)
Hier ruht in Gott
die ehrw. Frau
Creszenz Schmitter
Gründerin u. Oberin
der Pflege u. Versorgungsanstalt
für weibliche Personen i. München
geb. zu Jenhausen 6. Jan. 1817.
gest. zu München 11. Jan. 1890.
Hier ruht
die ehrw. Schwester
Regina Mader,
geb. 18. Juli 1859, gest. 21. Juni 1896.
Hier ruht
die ehrw. Schwester
Afra Wild,
gest. 6. Dezbr. 1912, 82 Jahre alt.
Schwarz
- Mader, Regina; 18.7.1859 – 21.6.1896 (München); Anstaltsschwester
- Schmitter, Kreszenz; 6.1.1817 (Jenhausen) – 11.1.1890 (München); Oberin
- Wild, Afra; – 6.12.1912 (München), 82 Jahre alt; Anstaltsschwester


#40 – 1 – 8 (Poppel)
Tafel
Eugenie Poppel
geborne Erdinger
geb. am 6. Aug. 1842, gest. am 31. März 1907.
Dr. med. Johann Poppel
prakt. Arzt
geb. am 24. Juli 1838, gest. am 26. Januar 1914.
Inschrift
¿ Poppel
¿ Kupferstecher
¿ am 14. Mai 1807, gest. am 6. August 188¿
Sophie Poppel
geborne Albrecht
geb. am 15. Juni 1807, gest. am 6. Juni 188¿
- Poppel, Eugenie (vh) / Erdinger (gb); 6.8.1842 – 31.3.1907
- Poppel, Johann Gabriel Friedrich; 14.5.1807 (Hammer/Nürnberg) – 6.8.1882 (Ammerland); Architekturzeichner, Kupferstecher, Landschaftsmaler und Radierer
- Poppel, Johann, Dr. med.; 24.7.1838 – 26.1.1914 (München); Praktischer Arzt
- Poppel, Sophie Friederike (vh) / Albrecht (gb); 15.6.1807 – 6.6.1887 (München); Ratsassessors-Tochter aus Rothenburg an der Tauber / Kupferstechers-Witwe








#Johann Gabriel Friedrich Poppel
* 14.5.1807 (Hammer/Nürnberg)
† 6.8.1882 (Ammerland)
Architekturzeichner, Kupferstecher, Landschaftsmaler und Radierer
#Allgemeine Zeitung (12.8.1882)
Verschiedenes.
(Todesfälle.) Am 6 Aug. starb in Ammerland am Starnbergersee im 76. Lebensjahre der ehemalige Kupferstecher Johann Gabriel Friedrich Poppel. Derselbe war im Jahre 1807 zu Lauf am Holz bei Nürnberg geboren, begann seine Studien unter dem Kupferstecher Johann Martin Friedrich Geißler in Nürnberg und setzte sie dann von 1829 an zu Karlsruhe unter der Leitung des großherzogl. Gallerie-Directors Karl Frommel namentlich im Stahlstich fort. Nach wiederholtem Aufenthalt zu London nahm er seinen Wohnsitz zu Nürnberg. Von dort siedelt er 1846 nach München über, wo er noch eine lange Reihe von Jahren wirkte. Seine Hauptstärke war der Stich im Landschafts- und Architekturfach.
Allgemeine Zeitung Nr. 224. Augsburg; Samstag, den 12. August 1882.
#Allgemeine Zeitung (8.10.1882)
Nekrologe Münchener Künstler.
XXV.
Johann Gabriel Friedrich Poppel, als Sohn eines Rentenverwalters zu Hammer bei Nürnberg, am 14 Mai 1807 geboren, kam früh verwaist, in seinem 14. Jahr zu dem Kupferstecher Joh. Martin Friedrich Geißler, bildete sich dann weiter bei Karl Frommel in Karlsruhe (1829 ff.), welcher den jungen Künstler auch zur Reise nach England veranlaßte. Nach einem siebenmonatlichen Aufenthalte zu London (im Winter 1831 auf 1832), welches damals als die Hochschule der graphischen Künste galt, kehrte Poppel nach Karlsruhe zurück, verheirathete sich im folgenden Jahre mit Sophia Albrecht aus Rothenburg, übersiedelte 1834 nach Nürnberg und 1838 nach München. Von hier unternahm Poppel außer vielen kleineren Fahrten durch Deutschland, von welchen er immer sehr liebenswürdige Städte-Ansichten und Aufnahmen zurückbrachte, noch eine zweite Reise (1841) nach London, wo er dießmal jedoch nur sechs Wochen verweilte, um im Interesse seines Faches alles Neuere einzusehen.
Mit außerordentlichem Fleiße lieferte der wirklich unermüdliche Mann eine Anzahl von Stichen, in welchen sich vorwiegend ein malerischer Zug, der damals großes Aufsehen erregende sogenannte »englische Effect« bewährte. Zu Poppe'ls größten Arbeiten gehören zwei Blätter nach Cornelis du Sart, (44x36 Centimeter) eine Ansicht des Schlosses Hohenschwangau (nach Quaglio, eine »Waldgegend« mit der Staffage des damals beliebten und neuerdings wieder aufgewärmten »Mazeppa.« Er hielt diese Blätter, womit er seinen Künstlernamen begründete, sehr hoch. Dazu kam noch eine Ansicht des Kölner-Doms in seiner Vollendung, nach S. Boisserée's Restaurations-Idee (1841) gezeichnet von Ed. Gerhardt (München und Stuttgart bei Cotta, später auch in Guhl und Caspars »Denkmäler der Kunst.« Taf. CXXI.), und ein vom Frauenthurm aus aufgenommenes »Panorama von München« (1843).
Am bekanntesten aber machte sich Poppel durch eine Unzahl von malerischen Städtebildern, welche er, bald mit Hülfe seiner Schüler, erst für Lange in Darmstadt, dann für die mit M. Kurz begründete eigene Firma, für G. Franz in München und viele andere Verleger ausführte. Dazu gehören in erster Reihe die auch von Poppel nach der Natur gezeichneten »Malerischen Ansichten aus Nürnberg« (mit Text von Dr. J. Ch. E. Lösch), welchen damals Franz Kugler im »Museum« 1835 Nr. 3 eine ausführliche Besprechung widmete, welche später sogar in dessen gesammelte Schriften (1854 III, 112) überging. Eine Menge Blätter, meist nach Ludwig Lange's Zeichnungen, arbeitete Poppel zu den »Original-Ansichten der historisch merkwürdigsten Städte in Deutschland,« welche bei Lange in Darmstadt 1837 bis 1864 in 16 Quart-Bänden erschienen. Gleichzeitig kam ein »Großherzogthum Hessen in malerischen Original-Ansichten seiner interessantesten Gegenden, merkwürdigen Städte, Badeorte, Kirchen und Burgen u. s. w. aus alter und neuer Zeit« (Darmstadt, 1842 bis 1849 bei G. G. Lange, in zwei Bänden, mit Text von Dr. Karl Wagner), welchem ein ähnliches »Großherzogthum Baden« (mit Text von Dr. Eugen Huhn, Darmstadt 1842 bis 1850) zur Seite ging. Darauf folgte ein gleiches Werk über die Schweiz und ein »Königreich Preußen,« endlich das »Malerische Bayern« (München, 1843 bis 1854 in drei Bänden, bei G. Franz). Aus diesen genannten Werken lösten sich dann wieder eigene handsam und hübsch ausgestattete Separat-Ausgaben über einzelne Städte, wie »Berlin,« »Potsdam,« »Salzburg,« »Hamburg« (sämmtlich im Verlag von I. Poppel und M. Kurz), wozu neuer Nachwuchs mit »Venedig,« »Neapel« u. s. w. nachkam. Da Poppels Hand natürlich nicht ausreichte, so bildete er sich zahlreiche Schüler, wie Jobst Riegel, Kolb, M. Kurz, J. Richter, Hablitscheck und viele Andere, von denen die Meisten später sich selbständig machten; indessen füllten sich die Lücken bald wieder und es gab frischen Nachwuchs. Das Drängen der Auftraggeber und das Gelingen der eigenen Unternehmungen verleiteten bald zu einer Theilung der Arbeit, wonach die jungen Leute einander in die Hände arbeiteten und der eine das Landschaftliche, der andere das Architektonische, ein dritter die bisweilen sehr hübschen meist aber unbeholfenen Staffagen zu liefern hatten, während der Meister schließlich das mitunter flüchtige »Ueberarbeiten und Zusammenstimmen« sich vorbehielt. Leicht begreiflich ging dabei auch viel leichte Fabrikarbeit in die Welt. Viele mit seinem Namen bezeichneten Platten, wurden von industriösen Verlegern noch ausgedruckt, breitgequetscht und unbarmherzig wieder aufgelegt.
Einträglich war das Geschäft, und Poppel brachte es zu schönem Vermögen. Schließlich verabschiedete er seine Schüler und machte die Ausführung des architektonischen Theils von Dr. Ernst Försters »Denkmale deutscher Kunst,« welche (Leipzig bei Weigel) 1855 bis 1869 in zwölf prachtvollen Folianten erschienen, wozu Poppel an 50 Platten gestochen hat, welche fast alle auch in das vom gleichen Autor und Verleger herausgegebene populäre Lieferungswerk: »Deutsche Kunst in Bild und Wort« (Leipzig bei T. D. Weigel. 1879.) übergingen. Bald darauf legte er wegen Kränklichkeit Grabstichel und Radirnadel nieder und beschäftigte sich nur mit Zeichnen. Er genoß das Familienglück und freute sich seiner Söhne, deren zwei als Pfarrer im Weinberge des Herrn arbeiteten, indeß der dritte, ein vielgesuchter praktischer Arzt dem Vater die Leiden des Alters zu lindern suchte. Als glaubensfreudiger bibelfester Lutheraner ging er auf seinem Landhause zu Ammerland am Starnberger See, wo er alljährlich die Sommerfrische genoß, fröhlich und sanft am 6 August aus dieser Welt, deren Schönheit darzustellen er Zeitlebens redlich bemüht gewesen.
Allgemeine Zeitung Nr. 281. München; Sonntag, den 8. Oktober 1882.

#40 – 1 – 11 (Müller · Täuffenbach)
Generallieutenant z. D.
A. Ritter von Täuffenbach
geb. 17. Aug. 1817, gest. 25. Feb. 1880.
Louise von Täuffenbach
geb. 7. Mai 1828, gest. 19. Juni 1898.
Sockel
Friedrich Müller
Hauptmann im kgl. preuss.
rhein. Fuss-Artillerie-Regiment No. 8.
geb. den 10ten Februar 1839, gest. den 3ten August 1873
in Saarlouis.
Rechte Seite
I. Lallinger.
- Müller, Friedrich; 10.2.1839 – 3.8.1873 (Saarlouis); Hauptmann
- Täuffenbach, Anton Ritter von; 17.8.1817 – 25.2.1880 (München); Generalleutnant
- Täuffenbach, Luise von; 7.5.1828 – 19.6.1898



#40 – 1 – 12 (Steiger)
¿
Frau Elise Steiger
¿
Katharina Steiger
¿
Sockel
Ruhestätte der Familie
Steiger
H. Schwarz.
Tafel
Frau Emilie Steiger
geb. Findel
geb. 12. April 1846,
gest. 27. April 19¿
Herr Michael Steiger,
¿
- Steiger, Elise (vh)
- Steiger, Emilie (vh) / Findel (gb); 12.4.1846 – 27.4.1932 (München); Kammermusikers-Gattin
- Steiger, Katharina
- Steiger, Michael; Kammermusiker (Geige)



#40 – 1 – 14 (Meggendorfer · Roedel)
Michael Roedel
* 17.VIII.1820 † 12.¿II.18¿0
Dessen Gattin
Justine Roedel
geb. Müller
* 15.IX.1813 † ¿.1872
Lothar Meggendorfer
Kunstmaler u. Illustrator
* 6.XI.1847 † 7.VII.1925
Dessen Gattin:
Elise Meggendorfer
geb. Roedel
* 28.III.1851 † 21.V.1927.
- Meggendorfer, Elise (vw) / Roedel (gb); 28.3.1851 – 21.5.1927
- Meggendorfer, Lothar; 6.11.1847 (München) – 7.7.1925 (München); Genremaler, Illustrator, Karikaturist und Schriftsteller
- Roedel, Justine (vh) / Müller (gb); 15.9.1813 – 10.1872 (München); Chirurgens-Witwe
- Roedel, Michael; 17.8.1820 – 12.12.1870 (München); Chirurg


#Lothar Meggendorfer
* 6.11.1847 (München)
† 7.7.1925 (München)
Genremaler, Illustrator, Karikaturist und Schriftsteller
#Generalanzeiger (6.11.1917)
Münchner Tagesneuigkeiten
München, 5. November
Lothar Meggendorfer. In voller Rüstigkeit begeht Lothar Meggendorfer, wie an anderer Stelle schon kurz mitgeteteilt, am 6. November seinen 70. Geburtstag. Von seinem unerschöpflichen Humor, seiner reichen Phantasie und seiner erstaunlichen Vielseitigkeit legen viele lustige Bilderbücher, originelle Dreh-, Verwandlungs- und Schattenbilder, unterhaltende Bilderbögen, humoristische Zeitschriften, ergötzliche Kinder- und Gesellschaftsspiele aller Art Zeugnis ab.
In München als Sohn eines Obertaxators geboren, kam Meggendorfer nach Besuch der Real- und Kunstgewerbeschule schon mit 15 Jahren an die Akademie der bildenden Künste zu dem bekannten Zeichner Professor Strähuber, dann in die Malschule von Alexander v. Wagner und in die Komponierschule von Wilhelm von Diez. Zu Beginn seiner künstlerischen Laufbahn war Meggendorfer neben Busch und Oberländer ein langjähriger eifriger Mitarbeiter der »Fliegenden Blätter« von Kaspar Braun, der zuerst die Bedeutung und Eigenart des Künstlers erkannte und auch viele seiner besten Bilderbücher herausgab. Die von unseren Kleinen stark begehrten Bücher »Im Winter«, »Im Sommer«, »Nimm mich mit«, »Korb voll Allerlei«, die in vielen deutschen Kinderstuben zu finden sind, fanden schon nach wenigen Monaten in großen Auflagen weiteste Verbreitung. Im ganzen hat Meggendorfer wohl über 100 Bilderbücher auf frohe Wanderschaft in die Welt geschickt.
Von periodisch erscheinenden humoristischen Zeitschriften gründete er den »Sonnenschein«, die »Lustige Woche« und die bekannten »Meggendorfer Blätter«, bei denen er aber seit langem nicht mehr tätig ist. Die vielen von ihm geschaffenen, von bodenständigem Humor erfüllten Typen erfreuen seit Jahrzehnten jung und alt. Meggendorfers Art ist im besten Sinne volkstümlich geworden. Was er besonders für unsere Kleinen geschaffen, ist von bleibendem Wert.
In letzter Zeit vertauschte Meggendorfer, der noch heute emsig schafft, häufig den Stift mit Pinsel und Palette. So vollendete er im Vorjahre im Auftrage der Stadtgemeinde im neuen Schulhaus in Bogenhausen ein größeres Wandgemälde, das den Isarlauf von der Quelle bis München — aus der Vogelperspektive gesehen — darstellt. Der Künstler ist die meiste Zeit seines Lebens seiner geliebten Vaterstadt treu geblieben. Wenige Jahre lebte er auf dem ursprünglich zum Kloster Ettal gehörigen Jägerhaus bei Kohlgrub. Aus diesem Aufenthalt ergab sich ein reger Verkehr zwischen der musikliebenden Familie Meggendorfers und dem Künstlervolk im Passionsdorf. In der ernsten Kriegszeit ließ die Sorge im engeren Familienkreis Sang und Fiedel verstummen. Zwei Söhne des Jubilars stehen im Felde. Möge dem liebenswürdigen Künstler, dessen sonniger Humor so viele Herzen erwärmte, ein schöner, sorgenfreier Lebensabend beschieden sein!
Generalanzeiger der Münchner Neuesten Nachrichten Nr. 561. Dienstag, den 6. November 1917.
#Neue Freie Presse (12.7.1925)
Feuilleton.
Ein Humorist.
In einer jüngsten deutschen Literaturgeschichte, die mir kürzlich zu Gesicht gekommen und im allgemeinen und besondern eines der albernsten Erzeugnisse uneuropäischen, Vorurteile zu Urteilen stempelnden Widergeistes ist, findet sich bei Gelegenheit eines berühmten neueren Dichters die Feststellung: »Zwei unter seinen übrigen Werken sind allerdings humoristischer Natur.« In diesem unscheinbaren »allerdings« liegt eine ganze Menge. Der ganze Dünkel des zünftigen Seminaristentums gegen das Losgebundene und Beschwingte; der ganze Widerwille eines bis an die Zäbne mit völkischer Tüchtigkeit wattierten Nachtwächtertums des Tages liegt darin; die Gönnergeste des seriösen Mannes gegenüber dem Unproblematischen; die beschränkte Geringschätzung des Unschätzbaren; mit einem Worte: das krasse, hochmütige, lächerliche Unverständnis der Deutschen gegenüber dem Humor.
Das war von jeher so, und Gervinus, der es mit der »den Deutschen angebornen Schwerblütigkeit«, Carlyle, der es mit dem »Politischen in den Deutschen« erklärt, haben beide auf ihre Weise recht, indem sie den Mangel zu einem Besitz, die Untugend zu einer Tugend schminken. Den Erscheinungen nicht als Begleiter, sondern als Prüfer, dem Dasein nicht als Genießer, sondern als Kämpfer zugesellt, erheben die Deutschen die Serenität auf den Altar und weisen den Unernst aus dem Heiligtum. Der Humor bedarf bei ihnen einer Entschuldigung. So wird man in der deutschen Literatur vergebens Gestalten wie Samuel Pickwick und den alten Dorrit, Gargantua und d'Artagnan, Sancho Pansa, Boccaccio und Tom Sawyer suchen und höchstens in Nachahmungen zweiter Güte abgespiegelt sehen. Mit ganz geringfügigen Ausnahmen, zu denen etwa die verehrungswürdige Wilhelm Buschs zählt, fehlen die Thackeray und Dickens, die Rabelais und Mark Twain, fehlen die großen Humoristen in Deutschland, wie denn auch das wahre Lustspiel und der wahre humoristische Roman in Deutschland immer seltener werden. Glücklicherweise ist ein deutscher Dichter, dem man das repräsentierend Deutsche wohl ebenso wenig wie die zuchtvolle Sachhaftigkeit absprechen wird, eben im Begriffe, hierin, für seinen Teil, Wandel zu schaffen: Thomas Mann vollendet seine »Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull«, aus denen in diesen Blättern vor wenigen Wochen eine kostbare Probe geboten wurde, und tut damit dar, wie klar er die Sehnsucht der Zeit zu vernehmen und wie bedeutend er ihr mit den geistigen Mitteln zu dienen vermag. Die Sehnsucht der Zeit heißt: Lachen.
Weniger mit geistigen als mit den Mitteln einer herzhaften, zähen und optimistischen Natur an der Erfüllung dieser Sehnsucht teilzuhaben, war Sache eines deutschen Mannes, der eben gestorben ist. Dieser Mann war sehr berühmt, ja er war viel mehr als das, er war populär: man kannte seinen Namen wie man eine Selbstverständlichkeit kennt. Sechs Jahrzehnte lang klang dieser Name in Deutschland, und sein Klang änderte sich nicht. Er überdauerte die absurdesten Veränderungen, die wildesten Umstürze der Politik und des Geschmacks ... unverändert. Lothar Meggendorfer, sechs Jahrzehnte lang klang das wie ein signalisierender Trompetenstoß: »Aufgepaßt! Jetzt kommt, etwas Lustiges!« Dieses Signal liebt man überall und wird es immer leidenschaftlich lieben. Es hat etwas so Hinreißendes, gibt ein so herrliches Versprechen, daß man sich ihm mit der willigsten Bereitschaft bezaubert überläßt. Gestern, heute, immer. Aufgepaßt! Jetzt kommt etwas Lustiges! Weil dieses Versprechen den Namen Lothar Meggendorfers durchklang, hat er unverändert die Revolutionen überdauert, die bloß Gesetze, nicht die Menschen ändern.
Aber wie das oft so geht, daß man einen Namen, der ein Programm ist, zum Begriff erstarren läßt, ohne seinem Träger nachzufragen, ja ohne die Wirkung an sich erprobt zu haben, um derentwillen dieser Name zum Programm wurde, so erging es auch dem deutschen Humoristen Meggendorfer. Unter den unzähligen Menschen die bei der Todesnachricht ausgerufen haben: »Meggendorfer ist gestorben«, als sagten sie: »Onkel Karl ist tot!«, wissen die wenigsten von der Person und dem Werk des Verstorbenen, dessen Name, ihnen etwas so familienhaft Bekanntes hatte, mehr als daß er der Herausgeber der »Meggendorfer«, eines Witzblattes, war. Der eine und andere mag noch im Gedächtnis haben, wie nette kleine Bilderbögen, wie schreiend bunte, komische Ziehbilderbücher er gemacht hat. Viel mehr weiß man von ihm nicht. Trotzdem war er populär, und just, da er tot ist, spricht man seinen Namen aus, als sei ein entferntes Familienmitglied gestorben.
Dieser Lothar Meggendorfer indes, über den der Verfasser jener jüngsten Literaturgeschichte gewiß kein Wort verlieren würde, war ein höchst merkwürdiger Mann, und merkwürdig nicht nur im Sinne der Literatur, in der er einen zwar bescheidenen, aber rechtmäßigen Platz einnimmt, sondern in dem die Literatur an Beziehung weit übertreffenden Sinn des Menschlichen. Dieser Lothar Meggendorfer nämlich, der, was alle wissen, ein Witzblatt herausgegeben hat, war, was die wenigsten ahnen, ein lehrender Philosoph, und hatte einen Lehrstuhl inne, der auf keiner Hochschule systemisiert ist und trotzdem auf jeder von der entscheidendsten Bedeutung wäre; sein Fach hieß: Optimismus. Erziehung zum Optimismus hieß sein Fach, und was er an jedem Tage seines nahezu achtzigjährigen Lebens lehrte, war, das Leben ist schön! Welch' grandiose Lehre lehrte dieser Mann, dem man die Etikette eines Humoristen anklebt, unerachtet er ein Weiser gewesen ist, der die Illusion über die Wahrheit, die Phantasie über die Bilanz stellte. Das Leben ist schön. Niemand, lehrte der Humorist, hat das Recht, es zu bezweifeln. Niemand, es zu verkleinern. Niemand, daran vorbeizugehen. Der Humorist lebte diese Lehre, so bewies er sie. Sein Leben war ein Roman.
Er kam aus der bittersten Not. Man aß nur einmal des Tages in seinem Münchner Vaterhaus, er hatte unablässig Hunger. Nebenan hielt eine Obsthändlerin winters Aepfel, sommers Pflaumen, Kirschen und Johannisbeeren feil. Man konnte sie nicht kaufen, man konnte sie ansehen. Sie haben prachtvolle Farben, gelb, blau, grün, blutrot. Auch das war schön. Auch die Bäume waren schön. Und der Himmel war schön, wenn er so unglaublich leicht über allem stand. Und der Schnee war schön, der langsam niederfiel und den Dingen die Härte nahm. »Alles ist schön!« hieß das erste Bild, das der dreizehnjährige Meggendorfer in dem Vaterhause zeichnete, in dem man nur einmal täglich aß.
Man wollte, daß er Mechaniker werde, denn, »das sei doch etwas Reelles«, doch er hatte zu wenig Muskeln. Nein, dieser dürre junge Mensch war zu nichts Reellem zu gebrauchen. »Da is ja nich für'n Pfennig Mark drin!« sagte Mechaniker Dähle angewidert und wies auf die schwachen Oberarme des Bewerbers, den er dem alten Obertarator Meggendorfer zuliebe aus purer Gefälligkeit ja sonst aufgenommen hätte. So gab man den Schwächling in die Gewerbeschule, aber da zeigte es sich, daß der Schüler Meggendorfer ein ganz miserabler Zeichner war. »Im übrigen,« beschied Rektor Hansmann die Mutter, »im übrigen ging's ja wohl. Bloß im Zeichnen will's partuh nich langen!« So war es nichts mit der Gewerbeschule. Man versuchte es daher mit dem Dienst beim Münchner Staatstelegraphen, was schließlich auch etwas Reelles sein konnte. Da saß der junge Meggendorfer und spulte die langen schmalen Streifen von den tickenden gelben Messingrollen ab. Und wenn das Ticken ein paar Augenblicke aufhörte, nahm er ein Blatt Papier und zeichnete. Er wußte zwar von Rektor Hansmann, daß er ganz miserabel zeichne, allein er tat es so gern und er schadete ja niemand damit. Das fand nun der Telegraphendirektor Behringer total unrichtig. »Im königlichen Dienst,« sagte er, und streckte die Hand nach dem teueren königlichen Papier aus, das dieser junge Meggendorfer wieder einmal unerlaubt beschmiert hatte, »im königlichen Dienst —« »gibt es keine Nebenschäftigung!« wollte er sagen, doch da hatte er das Papier vor seine kurzsichtigen Augen gebracht und sah, daß die Bleistiftzeichnung darauf, ein Reiter auf einem Esel, brillant war. Der Telegraphendirektor Behringer verstand sich auf Bilder, denn sein Vater war an der Pinakothek Kustos gewesen. »Sie haben ja Talent!« schrie er den neuen Postpraktikanten empört an. Talent gehörte nicht in den königlichen Telegraphendienst. Das gehörte auf die Malerakademie. Und dahin brachte er den jungen Meggendorfer, denn Ordnung mußte sein.
Der junge Akademiker wurde Schüler von Strähuber, Alexander v. Wagner und Wilhelm Dietz. Das Lernen war wundervoll. Aber er hatte keinen Pfenning Geld, denn Vater Meggendorfer fand, daß das mit der Akademie überhaupt nichts Reelles, und jemand, der dahin gerate, schon verloren und in keinem Falle zu unterstützen sei. Was zugleich väterlich und sparsam von dem alten Obertaxator gedacht war. Der Sohn ging aber nicht verloren, sondern erinnerte sich zur rechten Zeit, daß er Zither spielen könne und daß auch das schlimmstenfalls seinen Mann ernähre. Der Fall, in dem er sich befand, erschien ihm dabei alles eher als schlimm.
Man hatte nicht viel zu essen ... gut, das war man gewohnt. Man mußte da und dort, auf Atelierfesten, in Wirtshäusern, wenn es gar nicht anders ging in den Höfen anständiger Bürgerhäuser Zither spielen ... nun, man spielte ja gern, und mit einem bloßen Vergnügen Geld verdienen, das war geradezu eine Ungehörigkeit, ein splendides Geschenk des Schicksals. Und das großartige Leben in der Akademie! Dies Dasein- und Lernen- und Weiterkommendürfen! Das Leben war schön.
Das Leben war schön. Ein Mädchen verliebte sich in ihn. Ein schönes Mädchen aus ausgezeichnetem Hause. Er traute sich beinahe nicht, sie zu lieben, denn ihre Eltern waren wohlbestandene, solide Bürger. Dann warf er diese Bedenken über den Haufen, liebte und heiratete. Das Leben war schön. Die jungen Leute bauten Luftschlösser, sie begnügten sich damit nicht, sie bauten ein Haus. Aber das Haus, und das hatten sie nicht ganz bedacht, verschlang mehr Geld, als die wohlbestandenen, soliden Schwiegereltern herzugeben geneigt waren; sie bauten auf Borg, sie machten Schulden. Man mußte das Haus, kaum daß man eingezogen war, einem Metzger verkaufen, es ging nicht gut mit dem Gelde. Es ging immer schlechter. Drei Jahre Ehe, drei Kinder, es ging nicht gut. Weihnachten 1878 kam heran, und nichts, nicht das Kleinste, es den Kindern unter den Baum zu legen! Da setzte sich der junge Vater Meggendorfer mit Farbe, Pinsel, Schere, Pappendeckel und seiner Ueberzeugung vom schönen Leben hin und machte ein Weihnachtsgeschenk für seine Kinder. Es war etwas Neues, es war etwas Lustiges, denn, wenn man an Kinder dachte, mußte man lustig sein. Erst sollten es ein paar Ziehbilder werden, mit kleinen Versen darunter, Affen, die komisch mit den Ohren wackelten, wenn man an einem Pappendeckelstreifchen zog, Hunde, die Kaffee tranken, Elefanten, die in einer Sänfte hinter einer Scheibe von Marienglas saßen und den Rüssel herausstreckten, als seien sie indigniert ... mehr sollte es nicht werden. Aber dann wurde es mehr, dann wurde es ein ganzes Buch. Und die Kinder hatten eine tolle Freude an den lebenden Bildern. Und die Herren Braun und Schneider, die den »Max und Moritz« und die »Fliegenden« in ihrem Verlage hatten, freuten sich, als sie durch Zufall das Buch in die Hände bekamen, nicht weniger. Damit war Geld zu machen, der Mann konnte etwas! Die Herren Braun und Schneider kauften dem jungen Vater Meggendorfer das Buch ab und beriefen ihn als Illustrator an die »Fliegenden«. Nun hörte die Sonne gar nicht mehr zu scheinen auf.
Sie schien ein ganzes Leben. Vielmehr, dies ganze Leben vollzog sich, als ob sie immer scheine, unerachtet es sich mitunter sehr finster umwölkte. Meggendorfer wurde der beliebteste Mitarbeiter der »Fliegenden«, er begnügte sich mit der »kleinen Malerei«, unerachtet er mit der großen angefangen und mehr als vierzig große Bilder, darunter die schönen, leuchtenden Wandgemälde der Schule in Bogenhausen und des Baden-Badner Ratskellers und ein glänzendes Porträt seines Lehrers Dietz zustande gebracht hatte. Er blieb neun Jahre bei den »Fliegenden«, dann trat er aus dem Redaktionsverbande aus und gründete seine eigene Zeitschrift, die »Meggendorfer Blätter«.
Sie war ein Kind der »Fliegenden« und entwickelte sich so kräftig, daß sie heute noch besteht, obwohl ihr Erzeuger sie seit zwanzig Jahren nicht mehr betreut. Am Todestage Lothar Meggendorfers ist gerade eine neue Nimmer der Blätter seines Namens erschienen, sie trägt die Zahl 1802. Eintausendachthundertzweimal sind diese Hefte neu gemacht, neu unter die Menschen gebracht worden, man hat sie gekauft, hat über sie gelacht, hat sie am Leben erhalten. Sie haben sich freilich zuletzt modernisiert und emanzipiert. Damals aber, als Meggendorfer sie begründete, segelten sie noch durchaus im Fahrwasser der »Fliegenden«, zu denen sie sich etwa verhielten, wie ein Glas Brauselimonade zu einer Maß Münchner Bier. Blättert man heute in diesen vergilbten Jahrgängen des Humors, was einem bei Zahnärzten und anderen trüben Anlässen leicht widerfahren kann, weil man in einer unabänderlichen Verkennung des Sachverhaltes die periodischen Erscheinungen der Lust den Menschen gerade in den Perioden tiefster Unlust vorzusetzen pflegt und dadurch die letztere nur steigert, da es den Gegensatz zur ersteren so kraß macht — schlägt man heute eines dieser Hefte auf, dann weht es einen ein bißchen muffig, ein bißchen kühl, ein bißchen historisch an. Hat man über diese »Fatalen Situationen« und »Angenehme Eröffnungen«, über diese »Gut gegeben«, »Boshaft« und »Abgeblitzt« wirklich je gelacht? War die permanente Gesellschaft eines »Schlaumeiers«, eines »Schwerenöters«, eines Professors, der von seinem Schirm, eines Touristen, der von reinem steifen Kragen, eines Leutnants, der von »Kasernhofblüten« lebte, auf die Dauer nicht belästigend? Hielt man sich bei Geschichten, die uwveigerlich begannen: »Beim Grafen Kuselwitz ist große Jagdgesellschaft. Unter den Gästen befindet sich auch die alte Erzellenz von Knaksberg, die als leidenschaftlicher, aber leider schlechter Jäger bekannt ist..." nicht ängstlich die Ohren zu und behielt sie geschlossen bei jenen nur hier gedeihenden ritterlichen Poesien, die etwa anheben: »An ihrem Minnehof zu Toulouse — Saß Frau Melusine, die holde — Sie saß wie ein blitzender Diamant — In einem Ring von Golde...«? Aber es muß natürlich auch Brauselimonade geben.
Das wußte der als Humorist verkleidete Professor der Lebenskunde, der das Leben schön fand, selbst wenn es fürchterlich war. Er gab den Leuten Brauselimonade, das schäumte, hatte Farbe, schmeckte im ersten Augenblick süß, im zweiten schal..., was verschlug das? Ihm kam es immer wieder auf die ersten, auf die erfüllten Augenblicke an. So zog es ihn aus seiner ganzen an das Ja fanatisch hingegebenen Natur dahin, wo immer erste Augenblicke, wo die Erschütterungen der unbefangenen Empfängnis, die Seligkeiten des Vertrauens sind: zu den Kindern. Ihnen hat er den größten Teil seines Lebens gegeben, den besten Mehr als hundert Bilderbücher, an sechzig Kinderspiele ungezählte Tausend Reime: lustige Bilderbücher, lustige Kinderspiele, lustige Reime. Rot, gesund, pausbackig sehen diese großen und kleinen Gesichter, diese komischen Karikaturen in seinen Büchern aus, alles strotzt von Farbe, jauchzt von Unternehmungslust, sprüht von Licht, Sonne ist da, die Bäume sind grün, das Leben ist lustig. Es ist gar nicht zu sagen, wie viele Kinder dieser Tote lachen gemacht hat. Er wollte, daß die Großen nicht weinen. So lehrte er die Kinder lachen. Er war ein Humorist von Gottesgnaden, das heißt, er hatte die Höhe erreicht, von der das Schicksal winzig und das Schauen schön ist.
Ernst Lothar.
Neue Freie Presse Nr. 21848. Wien; Sonntag, den 12. Juli 1925.
#Münchner Neueste Nachrichten (8.7.1925)
Münchner Teil
Lothar Meggendorfer †. Am 7. Juli ist Lothar Meggendorfer, der bekannte Humorist, Zeichner und Maler, dessen Name durch die von ihm gegründete und lange geleiteten »Meggendorfer Blätter« weit über Deutschland hinaus genannt wurde, im 78. Lebensjahre gestorben. Erst im letzten Jahre war die Schaffenskraft des Künstlers, der bettlagrig geworden war, gelähmt. Am 23. Juni 1923 hatte Meggendorfer mit seiner Gattin Elise, einer geb. Roedel. die einer alten Münchner Bürgerfamilie entstammt, noch die goldene Hochzeit begehen können. Der bekannte Illustrator war in München als Sohn eines Obertaxators geboren, der eine sehr zahlreiche Familie hinterließ. Seine Mutter war eine geb. v. Sicherer. Die heiteren Gaben zeigten sich bei ihm schon im Knabenalter, denn auf der einstigen Eichtal-Wiese an der Ecke der Klenze- und Fraunhoferstraße spielte er vor Altersgenossen Kasperltheater. Er besuchte in München einige Lateinschul- und Gewerbeschulklassen und dann die Akademie der bildenden Künste. Des Erwerbs wegen wandte sich Meggendorfer dem Zeichnen zu, zunächst im Sinne Poccis. Endlich gelang es ihm, bei den »Fliegenden Blättern« anzukommen. Der erste Bilderbogen, den er für Braun & Schneider zeichnete, Der Longinus, ließ die Verleger sein bedeutendes Talent erkennen. Nun kam Meggendorfer, der ein Schüler von Prof. Strähhuber, Alexander v. Wagner und Wilhelm v. Diez gewesen war, rasch vorwärts; es erschienen in den »Fliegenden« viele Beiträge von ihm. Er wandte sich der Welt des Kindes zu, und seine Bücher Im Winter, Im Sommer, Nimm mich mit, Korb voll Allerlei eroberten sich die Herzen der Kleinen und damit auch der Großen. Im ganzen hat Meggendorfer wohl über 100 Bilderbücher auf frohe Wanderschaft in die Welt gesandt. Er erfand auch die lustigen Drehbilder, die Ziehbilderbücher und schuf an 30 Kinderspiele. Von periodisch erscheinenden humoristischen Zeitschriften gründete er den Sonnenschein, Die lustige Woche und die schon erwähnten Meggendorfer Blätter, bei denen er aber seit langem nicht mehr tätig war.
In den letzten Jahren griff Meggendorfer wieder zu Pinsel und Palette. Im Auftrage der Stadtgemeinde schmückte er das neue Schulhaus in Bogenhausen mit einem größeren Wandgemälde, das den Isarlauf von der Quelle bis nach München, aus der Vogelschau gesehen, darstellt. Der Künstler verbrachte fast sein ganzes Leben in München, nur einige Jahre lebte er als Landwirt auf dem ursprünglich zum Kloster Ettal gehörenden Jägerhaus bei Kohlgrub, das später abbrannte. Aus jenem Aufenthalt entwickelte sich ein reger Verkehr mit dem Künstlervolk des Passionsdorfes Oberammergau. Im Hause Meggendorfer herrschte immer eine schlichte und gemütliche Geselligkeit; die Musik, die der Vater selbst übte, fand dort eifrige Pflege. Die Kriegszeit und die nachfolgende Inflation brachten schwere Sorgen in das Haus des alternden Künstlers, der von einer Witwe, zwei Söhnen, die im Felde standen, und vier Töchtern betrauert wird. Die Kunst Meggendorfers ist im besten Sinne volkstümlich geworden, und in all' dem Lustigen, was er in Vers und Bild, besonders unseren Kindern geschenkt hat, wird das Andenken an den überaus bescheidenen, liebenswürdigen Mann mit dem sonnigen Gemüt fortleben.
Münchner Neueste Nachrichten Nr. 187. Mittwoch, den 8. Juli 1925.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Meggendorfer Lothar, 1847 (München) – 1925, Genremaler, Illustrator und Schriftsteller; M. war auf der Münchner Kunstakademie Schüler bei A. Strähuber, H. Anschütz, A. Wagner und W. von Diez; zuerst war er als Illustrator Mitarbeiter der »Fliegende Blätter«, trat aber als solcher 1905 zurück und gründete die nach ihm benannten »Meggendorfer Blätter«, er war außerdem auch bis 1908 Redakteur der »Lustige Woche«.
Hauptwerke: Etwa 100 Bilderbücher und etwa 60 Gesellschaftsspiele, 20 Genrebilder und Porträts und Zeichnungen (in der Maillinger Sammlung); M., der sich neben Kunst und Humor auch mit Gitarremusik und Landwirtschaft beschäftigte, zählt zu den beliebtesten Münchner Karikaturisten.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#40 – 1 – 15 (Stadelmeyer)
Grabstätte
der
Familie Stadelmeyer
Liegestein
Hier ruhet in Gott
unser theurer Gatte u. Vater
Herr Dr. Ernst Stadelmeyer,
k. Oberstabsarzt I. Classe,
Ritter des k. b. Militär Verdienstordens I. Classe etc.
geb. d. 31ten Dezember 1816, gestorb. d. 31ten Mai 1875.
Frau Katharina Stadelmeyer,
Landarztens-Wittwe,
geb. d. 5ten November 1796, gestorb. d. 14ten Juni 1875.
Frau Fanny Stadelmeyer,
geb. Häckel
k. Oberstabsarztens-Wittwe
geb. d. 9. März 1828, gest. d. 10ten November 1892.
Marie Stadelmeyer,
geb. d. 25. März 1854, gestorb. d. 4. Januar 1877.
Ernst Stadelmeyer,
Apotheker. Oberapotheker der Landwehr.
geb. d. 17ten November 1857, gestorb. d. 14ten Juli 1891.
- Stadelmeyer, Ernst; 17.11.1857 – 14.7.1891 (München); Apotheker
- Stadelmeyer, Ernst. Dr. med.; 31.12.1816 – 31.5.1875 (München); Oberstabsarzt
- Stadelmeyer, Fanny (vw) / Häckel (gb); 9.3.1828 – 10.11 1892; Oberstabsarzt-Witwe
- Stadelmeyer, Katharina (vw); 5.11.1796 – 14.6.1875 (München); Landarzt-Witwe
- Stadelmeyer, Marie; 25.3.1854 – 4.1.1877 (München); Oberstabsarzt-Tochter



#40 – 1 – 22 (Hebberling)
Joseph Hebberling
Generalmajor a. D.
Inhaber des k. b. Ludwig-Ordens,
Comthin des k. Württ. Friedrich Ludwig-Ordens,
Comthur I. Cl. des Militärverdienst-Ord.
Adolph von Nassau mit Schwertern etc.
geb. 15. Oct. 1803, gest. 8. Juni 1875.
Fanny Hebberling
Generalmajors-Wittwe
geb. 25. Jan. 1809, gest. 2. Febr. 1887.
R. I. P.
Sockel
Babenstuber
Frl. Maria Hebberling
geb. 16. Sept. 1851, gest. 29. März 1917.
- Hebberling, Fanny (vw); 25.1.1809 – 2.2.1887; Generalmajors-Witwe
- Hebberling, Josef; 15.10.1803 – 8.6.1875; Generalmajor a. D.
- Hebberling, Maria; 16.9.1851 – 29.3.1917


#40 – 1 – 23 (Lenz)
Tafel
Franz Lenz
Oberstlieutenant a. D.
geb. 20. Dezember 183¿ gest. 5. März 1892
Friedrich Lenz
Ober-Inspektor der k. b. Staatseisenbahn
geb. 4.VIII.18¿ gest. 3.XI.1907
Emma Lenz
geb. Müller
geb. 23.VI.1845, gest. 23.III.1921
- Lenz, Emma (vw) / Müller (gb); 23.6.1845 – 23.3.1921
- Lenz, Franz; 20.12.183¿ – 5.3.1892; Oberstleutnant a. D.
- Lenz, Friedrich; 4.8.18¿ – 3.11.1907; Oberinspektor der königlich bayerischen Staatseisenbahn
- Lenz, Leopold; 22.7.1804 (Passau) – 19.6.1862 (München); Komponist und Sänger

#Leopold Lenz
* 22.7.1804 (Passau)
† 19.6.1862 (München)
Komponist und Sänger
#Biographische Skizze (1862)
Leopold Lenz,
k. bayr. Hofsänger und Hof-Opern-Regisseur.
Biographische Skizze
von Karl Regnet.
An Leopold Lenz, der am 18. Juni 1862 Nachts eilf Uhr in München mit Tod abging, verlor die edle Tonkunst einen ihrer begeistertsten Jünger, ihren treuesten Priester. Die Familie, aus welcher er hervorgegangen, gehört jenem südöstlichen Theile des bayerischen Waldes an, der unter dem Hochstifte Passau stand. Sein Vater war der Sohn eines Bauern aus Unterkreuzberg im Bezirke Freiung. Wir finden die Lenz seit mehreren Jahrhunderten als bischöfliche Hintersassen und wackere Bürger in den Annalen jenes Territoriums aufgeführt.
Leopold Lenz ward am 22. Juli 1804 in Passau geboren, wo sein Vater als Beamter lebte. Er war noch nicht fünf Jahre alt, als schweres Unglück die Familie traf. Der Vater, dem neuen Landesherrn treu ergeben, hatte in seiner Stellung als Polizeidirektor den damals Bayern feindlich gegenüberstehenden österreichischen Truppen mancherlei Schaden zugefügt, ward eines Tages von ihnen in seiner Wohnung ausgehoben, aus den Armen der Seinigen gerissen und fortgeschleppt, um als Geißel zu dienen. Längere Zeit blieb die Familie über sein Schicksal im Ungewissen, bis endlich die Nachricht kam, Lenz sei mit den übrigen aus Bayern weggeführten Geißeln auf die Feste Spielberg oberhalb Brünn in Mähren gebracht worden. Dort schmachtete er Monate lang mit Entbehrungen aller Art, selbst mit dem Hunger kämpfend. Als ein Mann von eiserner Kraft war er von seiner Familie geschieden, mit völlig zerrütteter Gesundheit wurde er ihr wiedergegeben, um später neuem unverschuldeten Mißgeschicke entgegen zu gehen.
Leopold Lenz machte seine ersten Studien am Gymnasium seiner Vaterstadt. Schon damals regte sich die Lust an der edlen Tonkunst in des Knaben Seele, vielleicht ein Erbe aus dem liederkundigen Oesterreich, dem Lenz von mütterlicher Seite angehörte; seine Mutter war aus Linz geboren. Aber es blieb nicht bei der Freude an der Musik, der Knabe schon versuchte sich frühzeitig in eigenem Schaffen, und mancher musikalische Zögling der Studienanstalt zu Paßau denkt noch der »grünen Hefte«, in denen der junge Student Lenz mit eigener Hand seine Erstlingscompositionen einschrieb.
Indeß setzte Lenz seine wissenschaftlichen Studien fort und erst im Jahre 1824 veranlaßten ihn ungünstige häusliche Verhältnisse, denselben, wenn auch mit schwerem Herzen, zu entsagen. Eiserne Nothwendigkeit wies ihm einen andern Weg, der ihn in kürzerer Frist an das ersehnte Ziel Selbstständigkeit führen sollte. So verließ er denn nach manchem schweren Kampf mit sich selbst die bisherige Bahn und betrat am 21. März 1824 zum erstenmale die Bühne. Ein halb Jahr nachher ward er als Eleve beim k. Hof- und Nationaltheater in München aufgenommen. Daß sich der bisherige Studirende, dem sich in den Hörsälen des Lyceums daselbst die inneren Schönheiten der Wissenschaften enthüllt hatten, in der neuen Lebens-Sphäre nicht behaglich fühlen konnte, war vorauszusehen. Im Besitze einer wohltönenden Baritonstimme fand er jedoch bald mehrseitige Verwendung und ward am 4. Jänner 1826 als Hofopernsänger angestellt, der er denn auch bis zum Jahre 1856 als aktives Mitglied angehörte.
Wie es nicht innere Lust an der Sache gewesen, die ihm diesen Lebensweg gewiesen, sondern der Zwang äußerer Verhältnisse, so konnte er sich auch nie recht mit seinem Berufe befreunden, obschon er sich demselben mit dem größten Fleiße und der Gewissenhaftigkeit eines Mannes widmete, der seine Pflicht kennt. Seiner vielseitigen höheren Bildung hatte er es zu verdanken, daß er im Jahre 1838 mit dem ebenso ehren- als mühevollen Amte eines Regisseurs der k. Oper betraut wurde, welcher schwierigen Aufgabe er mit eingehendem Verständnisse und feinem Gefühle für das Schöne bis zum Jahre 1856 gerecht wurde. Als er endlich in diesem Jahre sich von der Bühne für immer zurückgezogen hatte, athmete er neu auf und schien frischen Lebensmuth in sich aufgenommen zu haben. Aber leider zeigten sich noch im nemlichen Jahre während eines Sommeraufenthalts im freundlichen Schliersee die ersten Anfänge einer gefährlichen Krankheit, welche ihren Sitz in einer Verbildung des Herzens zu haben schien und in ihren Erscheinungen äußerst beunruhigend war. Häufig wiederkehrende Anfälle erschöpften die eisernen Kräfte des Mannes und beängstigten ihn und seine Familie, der er Alles war.
Monate vor seinem Ende schon ward das Leiden immer und immer schmerzhafter, und klar, daß er rettungslos verloren wäre. Am 18. Juni 1862 Nachts 11 Uhr erlag er einem mit großer Heftigkeit wiederkehrenden Anfalle seines Uebels.
Die Theilnahme an seinem Hinscheiben war eine allgemeine und ungeheuchelte; Hunderte, welche ihm im Leben näher gestanden, oder seine Muse verehrten, standen um sein frisches Grab, dem der wohlverdiente Lorbeer nicht fehlte.
Lenz war eine ächte Künstlernatur, leicht erregbar und äußere Eindrücke mit Lebhaftigkeit aufnehmend, ein trefflicher Gatte, ein zärtlicher Vater, ein treuer Freund, ein untadelhafter Charakter nach jeder Richtung des Lebens. Aber in ihm ging nicht blos der Gatte, der Vater, der Freund verloren, sein Verlust trifft das ganze Volk »so weit die deutsche Zunge klingt und Gott im Himmel Lieder singt.« Wenn er sich auch in späteren Jahren, ja noch kurz vor seinem Tode mit kirchlichen Composttionen beschäftigte, die Kenner ihrer Tiefe wegen sehr hoch schätzen, so war doch das Lied dasjenige Element, in dem er sich mit vorwiegender Liebe bewegte und das er mit vollster Sicherheit beherrschte.
Schon die Erstlingswerke seiner Jugend, sein Marienlied »Stern auf dieses Lebens Meere«, sein »Gott ist mein Lied, er ist der Herr der Stärke« deuteten die Richtung an, auf der Lenz als Compositeur so Hervorragendes leisten sollte. Im Jahre 1826 trat er mit einem Hefte »Deutscher Lieder« (Augsburg bei Gombart), vor ein größeres Publikum. Es waren zum weitaus größten Theile bereits von Andern componirte Texte. Lenz aber behandelte sie so trefflich, daß seine Compositionen gleichwohl sehr viele Theilnahme fanden, und gerade darin, daß sie sich nicht blos neben, sondern über vielen älteren bekannten Bearbeitungen derselben Texte erhielten, gibt den sichersten Beweis ihres Werthes. Auch die Critik erkannte damals dieses an und munterte den durch Uebung und Studium sich nachgerade fühlenden, sein Talent verstehenden Mann auf, seine Mußestunden auch ferner der Gesangscomposition zuzuwenden. So veröffentlichte er denn auch rasch hinter einander eine größere Reihe von Compositionen, bei denen die Hauptstimme das größere Interesse hat, jedoch ohne daß die Begleitung je einförmig oder uninteressant wäre. Die Melodieen sind allen gebildeten Sängern gerecht und die Art und Weise, wie sie dem Text angepaßt sind, verräth den Mann von Geschmack und Bildung. Lenz war der erste, welcher nach den einfachen singbaren Weisen eines Zelter, Schulz und Reichardt die romantische Seite der Lieder Göthe’s erfaßte und ihr einen mustkalischen Ausdruck gab. Die anmuthige, klare Einfachheit und innerste Natur-Wahrheit der Göthe’schen Lieder zog ihn am lebhaftesten an, und wie er in den Geist des unsterblichen Dichters einzugehen vermochte, beweist am besten dessen eigenste vollste Anerkennung.
Am hervorragendsten unter diesen Gesangscompositionen dürften die Lieder aus Wilhelm Meisters Lehrjahren und die Gesänge aus Faust genannt werden. Selbst das unendlich schwere Gedicht »der König in Thule« ist durchweg originell. Ganz besonders trefflich und von außerordentlichem Effecte aber sind »Gretchen am Spinnrade«, »Gretchen vor dem Marienbilde«, die »Lieder in Auerbachs Keller«, »das Ständchen Mephisto’s« und das frische lebendige »Soldatenlied«. Des Teufels »Flohlied« ist geradezu teufelmäßig jovial.
Viel gesungen ward seiner Zeit Lord Byrons »Mädchen von Athen« und das unvergleichliche Männer-Quartett nach Göthes reizendem Gedichte: »Ueber allen Wipfeln ist Ruh« ist eine Schöpfung, die mit vielen andern desselben Tondichters nicht blos vorübergehenden Werth hat. Lenz gehört zu den populärsten Tondichtern Deutschlands. Alle deutschen Liedertafeln haben seine Gesänge ihrem Repertoire einverleibt und seine Lieder klingen bei Lust und Leid an tausend Orten wieder. Unermüdlich thätig, wie er bis in die letzten Wochen vor seinem für die Kunst allzufrühen Ende war, übersah er kaum eine literarische Erscheinung von Belang, und so fühlte er sich wie zu Platens, so zu Geibels und Heine’s Dichtungen hingezogen, die er mit großem Glücke in Musik setzte. Wenn der Verfasser dieser biographischen Skizze das fast Unglaubliche erzählt, daß Lenz für seine schönen und allgemein gesungenen Lieder von den Verlegern nie ein Honorar erhielt, so stützt er sich dabei auf des Künstlers eigene Worte. Was aber könnte die deutschen Kunstzustände besser charakterisiren als diese Thatsache? Darum mag sie auch der Nachwelt aufbewahrt werden!
Noch muß einer hervorragenden Thäligkeit des Künstlers Erwähnung geschehen. Lenz besaß ein Lehrtalent, das geradezu, um einen Lieblingsausdruck Altmeisters Göthe zu gebrauchen, incommensurabel war. Im Besitze dieser musikaler Bildung und überreicher Erfahrung hatte er sich ein außerordentlich schätzbares System geschaffen, dessen praktische Anwendung von den bedeutendsten Erfolgen begleitet war. Es genügt wohl, von seinen zahlreichen Schülern und Schülerinen nur zwei zu nennen, welche Jahre lang die Zierde der Münchener Hofbühne, in Lenz dankbar ihren dereinstigen Lehrer verehren: Fräulein Hetzenecker, jetzt Frau von Mangstl, und Frau Dietz. Andere zu nennen würde hier zu weit führen.
Dieses ungewöhnliche Lehrtalent veranlaßte die bayerische Regierung denn auch, Lenz bei Errichtung eines Conservatoriums für Musik (1846) für die Anstalt zu gewinnen, und ihm einen Lehrstuhl an selber anzubieten, und als er sich später von der Bühne zurückzog, übernahm er, an die umfassendste Thätigkeit gewohnt, den Gesangs-Unterricht am k. Wilhelms-Gymnasium in München.
Lenz hinterließ bei seinem Tode eine tieftrauernde Wittwe und sieben Kinder. Seine älteste Tochter Leopoldine erwarb sich durch ihre umfassende musikalische Bildung und namentlich als Klavierspielerin einen sehr geachteten Namen und des Vaters wie der Mutter, welche als k. Hofsängerin angestellt ist, Liebe zu ihrer Kunst machten ihr Haus von jeher zu einem Tempel derselben.
Im Nachlasse des Verstorbenen findet sich ein reicher Schatz von musikalischen Manuskripten, deren Veröffentlichung, so wünschenswerth dieselbe auch im allgemeinen Interesse sein möchte, doch unter den dermaligen Zeitverhältnissen kaum räthlich genannt werden kann.
Karl Regnet: Leopold Lenz, k. bayr. Hofsänger und Hof-Opern-Regisseur. Biographische Skizze. Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern. Landshut, 1862.
#Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903)
Lenz Leopold, geboren 1804 in Passau, absolvierte die Gymnasialstudien, und bezog 1825 die Münchener Universität, um Jus zu studieren, weil er die Staatsbeamten-Karriere ergreifen wollte. Während seiner Studien wurde er wiederholt aus seine schöne Baßbaritonstimme aufmerksam gemacht und allgemein aufgemuntert, sich der Bühne zu widmen. Es brauchte lange Zeit, bis er dem Drängen nachgab, und seine Stimme bei Gesangsmeister Staudacher einer Prüfung unterzog, und da auch dieser ihm zuredete, sich der dramatischen Kunst zuzuwenden, nahm er Gesangsunterricht, bereicherte sein theoretisch-musikalisches Wissen, verließ den akademischen Hörsaal und betrat am 1. Januar 1826 das Münchener Hoftheater. Die Prophezeiungen der Kunstverständigen gingen insofern in Erfüllung, als er eine außerordentlich beliebte und geschätzte Gesangskraft des Kunstinstitutes wurde, das er nicht mehr verließ, und welchem er 30 Jahre ununterbrochen in verdienstvollster Weise seine hervorragende künstlerische Kraft widmete, und zählte er während dieser langen Zeit zu den beliebtesten Bühnensängern Münchens. Am 1. Mai 1855 trat er in Pension. Er starb am 19. Juni 1862 und hinterließ den Ruf eines außerordentlich pflichtgetreuen Künstlers. Seine Leistungen als »Tristan«, »Rocco« und »Jakob« blieben lange im Angedenken seiner zahlreichen Verehrer. Während seiner Ruhezeit beschäftigte er sich mit der Heranbildung junger Talente, sowie mit Komposition. Namentlich als Liederkomponist hatte er sich in engere Kreisen einen guten Namen erworben.
Ludwig Eisenberg’s Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Leipzig, 1903.

#40 – 1 – 24 (Halm · Müller · Riedel)
Portraitrelief
Dr. Carl von Halm
Direktor der k. Staatsbibliothek,
Universitäts-Professor,
Mitglied der Akademie der Wissenschaften.
geb. 5. April 1809, gest. 25. August 1868.
Linke Spalte
Dr. Marc. Joseph Müller,
Universitäts-Professor
und Akademiker,
geb. 3. Juni 1809, gest. 28. März 1874.
Dr. Theodor Riedel,
k. Stabsarzt,
geb. 29. Nov. 1829, gest. 2. Januar 1881.
Herrmann Müller,
Gymnasial-Professor
geb. 5. März 1821, gest. 2. Aug. 1891.
Rechte Spalte
Richard Halm,
Oberingenieur,
geb. 17. Januar 1843, gest. 26. Sept. 1896.
Carl Halm,
Direktor des Eisenwerks
Hirschau,
geb. 30. März 1841, gest. 7. Mai 1898.
Josef Halm,
Dipl. Ingenieur,
geb. 22. Sept. 1880, gest. 12. Juni 1923.
- Halm, Josef; 22.9.1880 – 12.6.1923; Diplomingenieur
- Halm, Karl; 30.3.1841 – 7.5.1898; Direktor des Eisenwerkes Hirschau
- Halm, Karl Felix von, Dr. phil.; 5.4.1809 (München) – 5.10.1882 (München); Altphilologe, Universitätsprofessor und Direktor der Bayerischen Staatsbibliothek
- Halm, Karl von, Dr.; 5.4.1809 – 25.8.1868; Direktor der königlichen Staatsbibliothek
- Halm, Richard; 17.1.1843 – 26.9.1896; Oberingenieur
- Müller, Hermann; 5.3.1821 – 2.8.1891; Gymnasialprofessor
- Müller, Markus, Dr.; 3.6.1809 (Kempten) – 28.3.1874 (München); Philologe
- Riedel, Theodor, Dr.; 29.11.1829 – 2.1.1881; Königlicher Stabsarzt


#Dr. phil. Karl Felix von Halm
* 5.4.1809 (München)
† 5.10.1882 (München)
Altphilologe, Universitätsprofessor und Direktor der Bayerischen Staatsbibliothek
#Allgemeine Zeitung (8.10.1882)
Bayerische Chronik.
München, 7 Oct.
(Begräbniß Halms.) Nur selten versammelt sich vor dem Leichenhause des südlichen Friedhofes eine so reiche Zahl von Männern der Wissenschaft, als dieß heute Nachmittags 4½ Uhr der Fall war. Galt es doch auch einem Manne das letzte Geleite zu geben, den die gelehrte Welt, die lehrende wie die lernende, mit Ueberzeugung und Stolz einen Meister der classischen Philologie nennt, wie es wenige gibt, einen Forscher, wie er kaum übertroffen, einen Lehrer, der schwer zu ersetzen. Als Hauptleidtragende folgten die drei Söhne des Verstorbenen dem Sarge, der mit Kränzen überdeckt war; unter der großen Menge der ihnen Folgenden bemerkten wir vor Allem den Rector magnificus und die Vertreter der vier Facultäten der Universität München in Amtstracht, die der Theologen repräsentirt durch Stiftsprobst Dr. v. Döllinger, Deputationen der städtischen Collegien, der Ministerien, der Officiercorps der hiesigen Regimenter und eine lange Reihe von Männern, die dem Verstorbenen theils als Schüler, theils als Collegen und Freunde näher gestanden. Den religiösen Act der Feierlichkeit versah, dem Bekenntnisse des Verlebten entsprechend, der altkatholische Pfarrer Gatzenmeier. Nachdem die Leiche eingesenkt und ein kurzes Gebet gesprochen, richtete derselbe die folgenden Worte an die Versammelten: »Ernst ist die Stätte, ernst ist die Stunde. Drei Söhne stehen mit uns am offenen Grabe ihres Vaters: es ist der Director der kgl. Hof- und Staatsbibliothek und Universitätsprofessor Dr. Karl Felix v. Halm. Im 74. Lebensjahre ist er aus dem Lande der Zeitlichkeit geschieden. Seine irdische Hülle ruht nun neben der seiner Gattin Caroline, die ihm 1868 im Tode vorangegangen ist. Sie war eine Schwester des im Jahre 1874 gestorbenen Orientalisten Müller, dessen sterblich Theil ebenfalls in diesem Grabe seine Ruhestätte gefunden. Ueber den äußeren Lebensgang des Mannes, dem wir jetzt die letzte Ehre erweisen, nur wenig Worte. Im Leben des Entschlafenen tritt die Jahreszahl 9 in bemerkenswerther Weise hervor. 1809 am 5 April ward Karl Halm als der Sohn eines Kunsthändlers in München geboren. Die Jahre seiner Jugend verlebte er in seiner Vaterstadt. Seine persönliche Neigung zog ihn zu den humanistischen Studien hin. Mit eiserner Willensstärke durchbrach der begabte und fleißige Jüngling die hemmenden Schranken, die ihn umgaben. Unter dem vorwiegenden Einfluß des berühmten Philologen Friedrich Thiersch widmete er sich dem eifrigsten Studium der classischen Philologie. Im Alter von 21 Jahren bestand er mit glänzendstem Erfolge das Staatsexamen. Als er sodann mehrere Jahre am hiesigen sog. alten Gymnasium als Lehrer gewirkt, kam er 1839 als Lycealprofessor nach Speyer. Von da wurde er ans Gymnasium zu Hadamar in Nassau berufen. Aber auch auf ihn übte die heimathliche Erde ihren bestrickenden Zauber aus. 1849 kam er als erwählter Rector des neu errichteten Maxgymnasiums wieder nach München, wo er seitdem bis an seinen Lebensabend in verschiedenen Stellungen thätig war: als Leiter des Maxgymnasiums, als Universitätsprofessor, als Director der kgl. Hof- und Staatsbibliothek. Halms Name war in Deutschland und über Deutschlands Gränzen hinaus berühmt. Und nun – stat magni nominis umbra, wie Lucanus in seiner "Pharsalia" sagt – er steht da, der Schatten eines großen Namens! Ja, der Verewigte hatte einen großen Namen, der fortleben wird im Gedächtniß der Mit- und Nachwelt, im dankbaren Andenken zahlreicher Schüler. Indeß steht es mir nicht zu, das Berufsleben, die gelehrte Thätigkeit, die wissenschaftliche Bedeutung des Entschlafenen zu würdigen. Meine Aufgabe ist es, die leidtragenden Söhne des Heimgegangenen zu trösten und ihre Herzen zu erheben. Trauernde Söhne! Ihr Vater hat auch die Werke des früh vollendeten Dichters Hölty herausgegeben. Gewiß bin ich der Dolmetsch Ihrer religiösen Gefühle, wenn ich am Grabe Ihres Vaters in Ihrem Namen die Worte wiederhole, welche Hölty am Grabe seines Vaters sprach:
»Selig alle, die im Herrn entschliefen!
Selig, Vater, selig bist auch du!
Engel brachten dir den Kranz und riefen,
Und du gingst in Gottes Ruh'.«
Hierauf trat Universitätsprofessor Dr. Bursian ans offene Grab und widmete in seiner Doppeleigenschaft als College und intimer Freund des Verstorbenen, den Manen Karl Felix Halms einen Nachruf, welcher der wissenschaftlichen Bedeutung Halms nach dessen dreifacher Eigenschaft als Forscher, Lehrer und Bibliothekar gerecht wurde. Wenige Augen blieben trocken, als Dr. Bursian des aufopfernden Freundschaftssinnes seines nun zu stiller Ruhe gebetteten Collegen gedacht, und ein Schluchzen der Wehmuth ging durch die Reihen selbst der ernsten Männer, die da am Grabe standen, als der Redner mit im Schmerze brechender Stimme, die drei Schäufelein Erde hinabwerfend, sprach: »Du lieber Freund, ruh' sanft!« Es bedurfte keines Glockengeläutes und keiner Grabmusik: weihevoller Ernst lag über dem Ganzen, und Wehmuth und Theilnahme umschlossen das Grab.
Allgemeine Zeitung Nr. 281. München; Sonntag, den 8. Oktober 1882.
#Illustrirte Zeitung (21.10.1882)
Karl v. Halm.
Am 7. Oktober umstand ein großer Kreis von trauernden Freunden und Verehrern ein offenes Grab auf dem südlichen Friedhof zu München. Es waren die Ueberreste des königl. Professors und Direktors der Hof- und Staatsbibliothek Dr. Karl Felix v. Halm, die man dort zur Erde bestattete.
Karl v. Halm war am 5. April des Jahrs 1809 in München als der Sohn eines Kunsthändlers geboren und verlebte seine Jugendjahre in seiner Vaterstadt. Durch persönliche Neigung zu den humanistischen Studien hingezogen, widmete er sich unter dem vorwiegenden Einfluß des berühmten Philologen Friedrich Thiersch mit größtem Eifer dem Studium der klassischen Philologie und bestand im Alter von 21 Jahren mit glänzendem Erfolg die Staatsprüfung. Nachdem er mehrere Jahre hindurch ein Lehramt am sogen. alten Gymnasium zu München bekleidet, wurde er 1839 zum Lycealprofessor nach Speier befördert. Von dort folgte er einem Ruf an das Gymnasium zu Hadamar im Herzogthum Nassau.
Doch konnte er sich dem Zauber der Heimat nicht entziehen; seine Sehnsucht nach der geliebten Vaterstadt ward aber erst im Jahr 1849 gestillt, als ihn die bairische Staatsregierung an die Spitze des neuerrichteten Max-Gymnasiums in München stellte. Sieben Jahre später (1856) wurde Halm zum königl. Universitätsprofessor und Direktor der Hof- und Staatsbibliothek ernannt.
Karl v. Halm hat fast ein halbes Jahrhundert unablässig treu für die Verbreitung humanistischer und philologischer Bildung unter der Jugend gewirkt, und reicher Segen krönte sein Bemühen.
Nach drei Richtungen hin entwickelte der nun Heimgegangene eine ebenso umfassende wie fruchtbare Thätigkeit: als Forscher und Schriftsteller auf dem Gebiet der klassischen Alterthumswissenschaft, als Lehrer an verschiedenen Gymnasien und an der Hochschule und endlich als Leiter einer der ersten wissenschaftlichen Anstalten Baierns.
Halm’s Name ist in unvergänglicher Weise verknüpft mit dem des größten Meisters der römischen Redekunst, dessen Schriften er in geradezu mustergültiger Weise bearbeitet hat. Wenn seine bezüglichen Arbeiten sich eines »Weltrufs« erfreuen durften, so hatte das seinen Grund darin, daß Halm allen den Anforderungen vollauf genügte, welche die neuere Philologie an einen Bearbeiter stellt: sorgfältigstes Aussuchen und gewissenhafteste Verwerthung aller Hülfsmittel der Kritik, umfassende Kenntniß der Sprache nicht bloß, sondern auch des gesammten Culturlebens des alten Volks.
Und dieselben Eigenschaften bewährten sich bei Halm’s Bearbeitung anderer römischer Classiker. Sie waren es denn auch, welche die kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien ihre Blicke auf Halm als einen der ersten werfen ließ, als sie beabsichtete, eine der strengen wissenschaftlichen Methode entsprechende Bearbeitung der lateinischen Kirchenväter zu veranstalten, und daß er als Mitarbeiter an der Fortsetzung der »Monumenta Germaniae historica« beigezogen wurde.
Halm war nicht ausschließlich Lateiner; seine frühsten Arbeiten hatten sich mit der alten griechischen Literatur beschäftigt, und er blieb ihr bis in seine spätern Lebensjahre hinein getreu, wie denn auch seine Kenntniß der Feinheit der griechischen Sprache und des Reichthums der griechischen Literatur hinter jener der römischen Literatur nicht zurückblieb. Dazu war er mit der Geschichte der gelehrten Studien wie nicht minder mit der schönen Literatur Deutschlands aufs innigste vertraut.
Als Lehrer wirkte Halm, bis körperliche Beschwerden, Abnahme des Gehörs und des Augenlichts es ihm unmöglich machten Auch als Leiter der Hof- und Staatsbibliothek in München hat sich Halm manches Verdienst erworben, namentlich durch seine außerordentliche Liberalität gegen Gelehrte des In- und Auslands und durch den unter seiner Oberleitung bearbeiteten Katalog der Handschriften der Bibliothek.
Halm, der durch Verleihung des Civilverdienstordens der bairischen Krone in den Adelstand erhoben worden war, hatte eine ihm 1868 im Tode vorausgegangene Schwester des berühmten Orientalisten Müller zur Gattin und hinterläßt drei Söhne. Im Jahr 1871 hatte er sich der altkatholischen Reformbewegung angeschlossen und stand bis zum Tode treu bei ihrer Fahne.
Karl Albert Regnet.
Karl Albert Regnet: Illustrirte Zeitung Nr. 2051. Leipzig, den 21. Oktober 1882.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1903)
Halm Karl Felix, Dr. phil., von, 1809 (München) – 1882, Altphilologe, Universitätsprofessor und Direktor der Bayerischen Staatsbibliothek; er war nach seinen Studien in München zunächst Gymnasialprofessor (in München, Speyer und Hadamar bei Limburg), kehrte 1849 in seine Münchner Heimat zurück, wurde 1856 Universitätsprofessor in Wien, von König Max II. aber in die gleiche Stellung und zugleich zum Direktor der Hof- und Staatsbibliothek nach München berufen; H. war als Latinist am bedeutendsten, zugleich auch ein hervorragender Lehrer (vom Altphilologen W. von Christ u. a.); um die Staatsbibliothek hat er sich durch Erwerb und Einordnung von Neuzugängen sowie durch Inventarisationen sehr verdient gemacht; er war auch Mitglied der BAkdW; nach dem 1. Vatikanischen Konzil schloß H. sich den Altkatholiken an.
Hauptwerke: Lectiones Lycurgeae, Griechisches Lehrbuch, Griechisches Elementarbuch (sehr oft aufgelegt), Über die Handschriftenkunde der ciceronischen Handschriften, Catalogus codicum manuscriptorum Bibliothecae Regiae monacensis.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#40 – 1 – 25 (Riedl)
FAMILIE
RIEDL
- Riedl, Karl Ludwig Ritter von; 1862 (Memmingen) – 20.11.1919 (München); General



#40 – 2 – 6 (Bauer · Höger · Schmeißer)
Sr. M. Nepomucena Bauer
geb. 8. März 1876 gest. 18. Dez. 1903.
Sr. M. Anna Schmeißer
geb. 5. Mai 1850 gest. 28. April 1920
- Bauer, Nepomukena; 8.3.1876 – 18.12.1903
- Höger, Karoline; – 1891 (München); Pensionärin
- Schmeißer, Anna; 5.5.1850 – 28.4.1920


#40 – 2 – 7 (Schuck)
Hier ruht
der Hochwürdige Herr
Joseph Schuck,
Priester der Dioecese Indianapolis
Indiana, Nordamerica,
geb. den 27. Juli 1850,
gest. den 11. April 1907.
R. I. P.
Sockel
40.2.7. Burlein.
- Schuck, Josef; 27.7.1850 – 11.4.1907; Priester


#40 – 2 – 8 (Bachner · Schöninger)
¿ Schöninger
¿ Bachner
¿
Jungfrau
Ursula Kellner
¿
Tafel
Sr. M. Emma
Schöninger
geb. 7. Okt. 1843
gest. 4. März 1896
Sr. M. Ursula
Bachner
geb. 21. Okt. 1833
gest. 21. Aug. 1903
- Bachner, Ursula; 21.10.1833 – 21.8.1903
- Kellner, Ursula
- Schöninger, Emma; 7.10.1843 – 4.3.1896


#40 – 2 – 10 (Finsterwalder)
Familien-Grabstätte
Hier ruht in Gottes
ewigem Frieden die
beste Gattin und treu-
besorgte Mutter Frau
Wilhelmine Finsterwalder
Oberpostinspektorsgattin
geboren 8. Oktober 1877,
gestorben 18. Novbr. 1927.
- Finsterwalder, Wilhelmine (vh); 8.10.1877 – 18.11.1927; Oberpostinspektors-Gattin


#40 – 2 – 11 (Rohnfelder)
Elsa Rohnfelder
geb. 26. November 1881
gest. 5. April 1894.
Mathilde Rohnfelder
geb. Pregler
Oberlehrersgattin
geb. 28. Januar 1861
gest. 26. April 1912.
Lorenz Rohnfelder
Oberlehrer a. D.
geb. 17. April 1853
gest. 2. März 1916.
Sockel
Ruhestätte der Familie Rohnfelder.
- Rohnfelder, Elsa; 26.11.1881 – 5.4.1894
- Rohnfelder, Lorenz; 17.4.1853 – 2.3.1916; Oberlehrer a. D.
- Rohnfelder, Mathilde (vh) / Pregler (gb); 28.1.1861 – 26.4.1912; Oberlehrers-Gattin


#40 – 2 – 14 (Kreill)
RUHESTÄTTE
DER
FAMILIE KREILL.
Wer im Gedächtnis
seiner Lieben lebt
der ist nicht tot
nur fern.
R. I. P.
- Kreill, Jakob; – 19.10.1887 (München), 64 Jahre alt; Friedhofsaufseher (Blumenwächter), ehemaliger Kupferschmied




#40 – 2 – 17·18 (Detzer · Rhau · Vogel)
Maria Detzer
¿
Linke Seite
Tafel
Wilhelm Vogel
† ¿.¿.188¿, 51 Jhr. alt
Luise Rhau
† 16.4.1904, 59 Jhr. alt
- Detzer, Maria Magdalena (vh); – 1891 (München); Magistratskassierers-Gattin
- Rhau Luise; – 16.4.1904, 59 Jahre alt
- Vogel, Wilhelm; – 1887 (München), 51 Jahre alt; Wagmeister


#40 – 2 – 23 (Gassner · Süss)


#40 – 2 – 27 (Kunz)
KONRAD MAX
KUNZ
CHORDIREKTOR
UND KOMPONIST
* 29.4.1812
† 3.8.1875
ER VERTONTE DIE
BAYERNHYMNE
1979
IN SEINE
GEBURTSSTADT
SCHWANDORF
ÜBERGEFÜHRT
- Kunz, Konrad Max [in memoriam]; 29.4.1812 (Schwandorf) – 3.8.1875 (München); Komponist





#Konrad Max Kunz [in memoriam]
* 29.4.1812 (Schwandorf)
† 3.8.1875 (München)
Komponist
#Bayerischer Kurier (6.8.1875)
Lokales und Provinzielles.
München, 5 August
Vorgestern Mittag ist dahier der pens. k. Hoftheaterchor-Direktor Herr Konrad Max Kunz gestorben. Der Verlebte, als Komponist herrlicher Männerchöre in den weitesten Kreisen bekannt, war ein Mann von umfassender Bildung, dem bei seinem Wissen und seiner eminenten musikalischen Begabung wohl ein besseres Loos als das eines Chordirektors gebührt hätte, das ihm sicher auch beschieden worden wäre ohne Intriguen, deren Kunz sein Leben lang nicht vergessen konnte. Mit der von Wagner angebahnten musikalischen Richtung konnte der Verstorbene sich nie befreunden, er lebte und starb treu der Muse unserer klassischen Altmeister, selbst ein Stück musikalischen Klassikers. Kunz hat sich außer seinem amtlichen Wirken insbesondere durch Hebung des Männergesangs dahier große Verdienste erworben, die ihm in engeren Kreisen ebenso ein bleibendes Andenken sichern werden, wie seine Kompositionen nicht Eintagsfliegen, sondern Schöpfungen von bleibendem Werthe sind.
Bayerischer Kurier No. 215. München; Freitag, den 6. August 1875.
#Der Sammler (14.8.1875)
Konrad Max Kunz.
Ein Nachruf von Martin Greif.
(Aus der »N. Fr. Presse.«)
Noch bis vor wenigen Jahren sah man jeden Morgen auf dem Trottoir der großen Maximiliansstraße in München von der Gegend des Hofgartens herauf einen alten Herrn der langen Seitenfront des Hoftheaters langsam zuschreiten und in eine der Thüren derselben einbiegen, über dessen Anblick der Fremde unwillkürlich stehen bleiben und erstaunen mußte. Von untersetztem Körperbau, war er fast übermäßig korpulent. Seine dicken Beine mit den weiten Stiefeln, um welche immer die gleichen Hosen schlotterten, trugen ihn nicht mehr ganz leicht, aber die Haltung des breitschulterigen Oberkörpers war gleichwohl eine sichere, wenn auch das Haupt häufig sinnend vorgebeugt war. Das ganze Jahr trug er eine und dieselbe Kleidung, eine graue, rauhaarige, stets zugeknöpfte Joppe; im Winter trug er eine noch dickere und längere darüber. Der auffallend große Kopf, dem ein fast weißer Vollbart ein ehrwürdiges Aussehen verlieh, war mit einem breitkrämpigen alten Filzhute bedeckt. Unter den dichten schwarzen Brauen blickten ein Paar mächtige braune Augen, die mit gerwaltigen Augengläsern bewehrt waren, hervor. Der Schnitt des ovalen Gesichtes war nicht besonders edel, aber der Ausdruck gleichwohl geistvoll, wenn auch derb. Die Augen waren das Bedeutendste an der ganzen Physiognomie; sie verriethen auf den ersten Blick den gescheiten, geistig hochstehenden, vollkommen klar denkenden Mann. Meistens trug er einen ungewöhnlich wuchtigen baumwollenen Regenschirm, den er in der geschlossenen Faust nachzog. Die vor dem Theater versammelten Personen, meist Choristen, grüßten den Ankommenden achtungsvoll; er erwiderte freundlich, doch nicht besonders lebhaft den ihm dargebotenen Gruß im Weitergehen, jedoch nur selten hielt er bei ihnen an, aber nicht etwa aus Stolz, sondern weil es nicht nöthig war; seine Schritte hatten selbst etwas Praktisch-Verständiges, dem Ziele Zustrebendes.
Wer war dieser seltsame, ja beinahe komische und doch so stattliche, respektable Mann? Es war der langjährige, erprobte Direktor des Theaterchors, der treffliche, allen deutschen Männergesang-Vereinen wohlbekannte Komponist Konrad Max Kunz, dessen Tod die Zeitungen jüngst gemeldet haben. Wem es nun erlaubt war, ihm nachzufolgen durch die finsteren Gänge nach dem der Bühne angrenzenden Singzimmer, der konnte bald sehen, was in dem aparten Alten steckte. Ohne viel Worte ging er an die Arbeit, und er ruhte nicht, bis er sie bewältigt hatte. Die von ihm abgehaltenen Proben waren nicht eben die angenehmsten Stunden der ihm Untergebenen, denen er im Uebrigen leutselig und liebreich, ja selbst freundschaftlich begegnete. Der kleinste Fehler, und es wurde von ihm abgeklopft. So geduldig und ausdauernd er war, wurde er nicht selten errregt und dann, wie man so sagt, massiv grob; ein geborner Oberpfälzer (er war in der Gegend von Amberg zu Hause und eines Thürmers Sohn), verstand er seinen urwüchsigen, dem altbayerischen nahe verwandten Dialekt musterhaft zu handhaben. Wen er einmal herunterputzte, der hatte genug für einige Zeit. Dafür arbeitete aber auch sein Chor mit einer Präzision, die dem Rufe des gediegenen Meisters würdig war. Ohne eine eigentliche Passion für seinen Brodberuf zu besitzen, zeichnete ihn ein wohlanständiger Ehrgeiz und ein starkes Pflichtgefühl aus. Er that, was ihm aufgetragen wurde, willig und ohne Widerspruch, stets bereit, auch sein besseres Wissen der Autorität unterzuordnen. So wenig ihm persönlich die eindringende neue Musikrichtung zusagte, so trug er doch sein Bestes zur gelungenen Aufführung modischer Opernwerke bei. Seine Seufzer und Flüche ließ er erst im Kreise der Bekannten los. Nach der ersten Aufführung von »Tristan und Isolde« verglich er in seinem Mißmuthe die Wagner'sche Musik mit jener in Japan üblichen, raffinirten Todesstrafe, die darin besteht, daß der Delinquent, ohne sonst Mangel leiden zu müssen, einfach konsequent verhindert wird, einzuschlafen.
Wir sahen schon, daß den selbstständig denkenden und dabei etwas bequemen Mann nicht allzu enge Bande an die Coulissen schmiedeten, hinter denen er so oft die langen Jahre durch den Takt schlug und in all' dem Feenzauber und sentimentalen Ueberschwange als unsichtbarer Geist thatkräftig, wenn auch oft unwirsch, mitwirkte. Wem gehörte nun des Wackeren tiefere Sympathie und Leidenschaft an? Die Wahl eines wahrlich nicht alltäglichen Menschen konnte keiner gemeinen Sache gelten. Jeder wird rathen: seinem künstlerischen Schaffen, seinen Kompositionen, deren er ja bekanntlich eine immerhin erkleckliche Zahl geliefert; ich glaube, er war bei Op. 64 angelangt. Es mag nun wohl sein geheimeres Herz an diesen reifen und mehrentheils wohl aufgenommenen Früchten der Eingebung und des Fleißes mit Vorliebe gehangen haben, aber der Welt wurde dieser Schaffensdrang und Stolz nicht eben besonders bemerklich. Er kannte das Maß seiner Kräfte zu wohl und gab sich niemals hochfliegenden Illusionen hin. Dazu wußte er, daß man in der Musik zumal nicht eigentlich erst zu schaffen anfangen darf, wenn Andere aufhören; er hatte im Ganzen resignirt und baute nicht an goldenen Zukunftsschlössern. Eine an Kunz weit mehr hervortretende Seite war sein Trieb und Talent zur höheren Geselligkeit, ein Vorzug, den nur ein Thor geringschätzen kann.
Viel wohlgemuther und fast sichtbar rascher verließ »Papa Kunz« zu Mittag oder an Operntagen spät Abends die Räume, welche Vielen noch mehr als die Welt bedeuten, mit dem groben blauen Sacktuche sich häufig den Schweiß von der Stirne trocknend, den ihm die »heitere Kunst« in Menge hervorgetrieben. Nur Einen Weg gab es für ihn von dort, den nämlich in das Wirthshaus; aber so sehr er auch nach der Erfrischung schmachtete, so ließ er sich doch beileibe nicht von dem nächsten Wirthsschilde fangen. Er nahm den Trunk für eine ernste Sache und hatte es auch wirklich durch lange Uebung zu einer ungemeinen Kennerschaft gebracht. Jederzeit wußte er, wo es den besten »Stoff« gab, und dahin zog es ihn magisch. Er wäre jedoch nicht im Stande gewesen, allein und still in den Krug vor sich schauend dazusitzen, wie es der gedankenlose Trinker thut. Um der Unterhaltung nicht zu entbehren, begnügte er sich lieber mit der zweiten Qualität, wofern die erste nicht ganz vorzüglich war. Kein Lokal war ihm zu schlecht; er sah nie auf das Aeußere beim Wirthshaus. Blieb er plötzlich in einer lange besuchten Gaststube aus, so durfte man sicher darauf rechnen, daß es an der Schänke nicht mehr recht sauber war oder doch, daß sich eine andere, bessere Quelle aufgethan habe. Wohl trank er viel, so viel es nur der schmale Beutel ihm erlaubte, aber nie merkte man ihm das Geringste an, und stets vergalt er den ihm Gesellschaft Leistenden das nächtliche Uebersitzen durch seine köstliche Unterhaltung, seinen Humor und seine ernsten Gedanken auf das reichlichste. Wie Viele, Alt und Jung, hat er nicht erbaut, erhoben, belehrt, wie viel Samen des Guten hat er nicht ausgestreut auf guten und schlechten Boden in weisem sokratischen Gespräche! Welche edle, vornehme Gesinnung, welche Theilnahme für alles Hohe und Schöne, welche Begeisterung für alles Heilige und Große, welchen Haß gegen das Falsche und Schlechte offenbarte er so, der schlichte brave Mann, wenn er sich auch in seinem Redefeuer nicht immer in salonfähigen Ausdrücken bewegte. Und wie weit war sein Blick, wie zutreffend sein Urtheil! Jeder Gesprächsstoff war ihm geläufig; er besaß ein vielleicht nicht sehr breites, aber solides und helles Wissen und ein Interesse für Alles. Sein scharf beobachtender, direkt aus der ersten Quelle, aus dem Leben schöpfender Verstand wußte sich Alles zu erklären und zu deuten. Sein Herz konnte betrogen werden, denn es war edel und weich im Grunde, selten aber sein Kopf. Nie hat er eine falsche Größe, ein hohles Götzenbild angebetet, nie ein Talent überschätzt, aber auch nie unterschätzt. Er war völlig unbefangen und neidlos, und deßhalb vielleicht liebte er nicht, über seine eigene Kunst zu sprechen; er hätte zu viel zu verdammen gehabt. Man konnte ihn nicht leichter vertreiben, als wenn man dieses Thema öfter nach einander aufwarf. Mit klassischer Grobheit fuhr er, wo er Autorität besaß, dazwischen. Nach vollbrachtem Tagewerk wollte er ruhen und die am meisten angespannten Fibern sich auszittern lassen. Gesang oder einen Musikvortrag im Wirthshause anzuhören, war für ihn vollends unerträglich; er ward in hellen Zorn darüber versetzt. Er betrachtete eine solche harmlose Produktion als eine ihm persönlich zugefügte feierliche Beleidigung. Die Zither haßte er auch als Instrument ob ihres die Nerven aufregenden Klanges; wehe dem, der in seiner Gesellschaft eine solche anschlug! Manchmal freilich wich er aus eigenem Antriebe von seinem Grundsatze ab, und er trug auch wohl, aufgefordert, eine seiner scherzhaften Kompositionen, doch stets mit halblauter Stimme vor. Sein Chor: »Oan Knödl sied't scho«, sein Podagra-Lied, das er auf Grund eigener Erfahrungen gedichtet und in Töne gesetzt, kamen oft an die Reihe; am stolzesten aber war er auf seine in alterthümlicher Weise komponirte Ballade, die mit dem unausschreibbaren Verse beginnt: »Der Bauer geht hintern Zaun – –«. Er hatte den Text dazu in Gemeinschaft einiger Freunde nach langer, in's Kleinste gehender Feile festgestellt und behandelte denselben als einen wahren Kanon des Gesanges. Jeder neu eingeführte, ihm zusagende Gast bekam ihn zu hören. Wenn er mit tiefem Basse gedämpft das Lied intonirte, so sah er den Andern mit seinen großen, hoch aufgeschlagenen Augen fragend an, während auf seinem leise an den Satyrtypus streifenden Antlitz tiefer Ernst lag; der Schalk war ganz versteckt. Ausnahmsweise sprach er unter vier Augen wohl auch über Musik, doch durfte der Andere kein Fachgenosse seyn. Auf dem Heimwege in früher Morgenstunde vertraute er mir auch einmal an, warum er nie etwas Größeres, zumal nichts für das Theater, geschaffen habe; dem Sinne nach habe ich es schon oben vorausgenommen. »Das, was mir vorschwebte, konnte ich nicht leisten, und was ich hätte zu Stande bringen können, genügte mir nicht,« sagte der bescheidene Meister.
Die Kunst, zu trinken, und die des Gespräches sind Schwesterkünste. In den langen Abenden zumal, wenn er theaterfrei war, baute sich vor ihm, indem er sich so mit seinen Nachbarn unterhielt, ein ganzes System von Flaschen auf. Seine Mittel gestatteten ihm nicht, die Weinkarte täglich zu studiren, und so trank er meistens einen leichten Landwein. Aus Vorsicht gegen die tückische Gicht nahm er von Zeit zu Zeit dazwischen einen Löffel voll Natron oder Aehnliches zu sich, dem er immer einen tüchtigen Schluck aufsetzte. Die flüssige Unterlage legte er sich aber stets vorher im Brauhause, er war Stammgast im sogenannten Bräustübl, das, im hintersten, schmutzigsten Winkel des Hofbrauhauses gelegen, nur den angesehensten Bekannten des Braumeisters zugänglich ist. Keine Lampe, nicht einmal ein Talglicht, blos ein fichtener Spahn, der von Zeit zu Zeit von einem der Honoratioren mit der feuchten Hand geschneuzt wird, erleuchtet den kellerartigen, dunsterfüllten Raum. Kunz war dort, doch nur während der Wintermonate, fast täglich zur Erholung und Konversation. Im Sommer suchte er mit Vorliebe die kühlen, angenehmen Keller auf. Ein Lieblingsort war für ihn, besonders in den letzten Jahren, da er seinen Gehalt als Pension in Muße verzehren durfte, der Franziskaner-Keller, jenseits der Isar auf luftiger Höhe erbaut. Schon um 4 Uhr am Nachmittage sah man ihn aus den Anlagen unfern dem Friedhofe, wo er nun ruht, hervorwandern und mit bedächtigem Schritte der Brücke zugehen, die hinüber in die Vorstadt zu jener Burg des Gambrinus führt. Er bereitete sich seinen Abenddurst auf einem längeren Spaziergange, denn nie trank er ohne Durst.
Doch auch weitere Exkursionen, zumal im Frühjahr, machte er stets allein, ein Lieblingsbuch, das ihm aber geschenkt seyn mußte, in der Tasche, in die sterile und doch so anziehende Umgegend der schönen Hauptstadt des Bierlandes. Der weiten Region, in welcher die beiden hohen abgestumpften Thürme der alten Frauenkirche gleich zwei Bierkrügen mit sammt dem Deckel allerorten winken, war er wie kein Anderer kundig. Er war ein vorzüglicher Botaniker, stets brachte er einen großen Strauß seltener Blumen und Kräuter mit nach Hause, den großen Hut hatte erdann mit einem grünen Buschen besteckt, der ganz zu dessen Format paßte. So begegnete ich ihm oft weit draußen im stillen Feld. Aber seine Streifereien in die liebe Natur hatten allemal auch einen praktischen Zweck. Er war nämlich ein großer Liebhaber der Schwämme, weniger der giftigen als der genießbaren, am besten mundeten ihm die feinsten darunter. Auch die Bereitung derselben verstand er meisterlich. Oft kochte er sich, der alte Junggeselle, zu Hause in seinem Stüblein, das jener Kammer nicht unähnlich sehen mochte, in welcher er als armer Student dereinst gewohnt. Das noch dazu Nöthige kaufte er selbst ein; er sott sein halbes Pfund Rindfleisch und verzehrte es und seine Schwammerlinge dazu mit leckerem Gaumen.
Bei seinen bescheidenen materiellen Mitteln hat er sich seinen Stolz als Mann, seine volle Unabhängigkeit doch stets bewahrt. Schmerzlich entbehrte er den Nebenbezug, der ihm lange Zeit als Dirigenten des Männergesang-Vereins, dem er treue und fruchtbare Dienste geleistet, zugeflossen, aber niemals machte er mehr den Versuch, die von ihm freiwillig aus Ueberdruß niedergelegte Stelle wiederzuerlangen. Vielmehr reizte er noch die ihm grollenden Sangesbrüder und rächte sich auf eine höchst geniale Weise für die erlittene Kränkung. In seiner von dem Geiste echten Humors eingegebenen Satyre: »Die Moos-Gau-Sänger-Genossenschaft Moosgrillia« deckte er mit schonungslosem Spotte die Blößen an dem heutigen Sängerthum auf und geißelte in dem Anhange nicht minder grausam die Unnatur der Zukunftsmusik. Die Kritik des »Tannhäuser« ist das Schärfste, was man lesen kann. Die kleine Schrift wurde denn auch während des deutschen Sängerfestes in Dresden plötzlich von der Kolportage ausgeschlossen. Kunz war auf sie versessener als auf irgend eines seiner musikalischen Produkte. Häufig erkundigte er sich nach dem Absatz beim Verleger (Manz'sche Buchhandlung); die Herstellung einer zweiten verbesserten Auflage beschäftigte ihn fortwährend.
Der persönlichen Freunde hatte Kunz trotzdem gewiß weit mehr als der Widersacher, zumal nach seiner gänzlichen Pensionirung. Alle, die ihn genauer kannten, schätzten ihn hoch als Menschen wie als Mitbürger. Seiner politischen Ueberzeugung blieb er stets getreu, und er bekannte sie, wo es ihm Pflicht schien, ohne Furcht und Scheu, wenn er sich auch sonst von dem aktiven Parteileben ferne hielt; eine Enthaltsamkeit, die bei dem Künstler immer erklärlich ist. Seine Liebe zum deutschen Vaterlande war, ohne daß er auf seinen Heimathsstolz verzichtete, eine helle reine Flamme. Der war von seinem Umgange ausgeschlossen, der für Deutschland kein Herz und Verständniß hatte. Ein Beispiel möge dieses beweisen – ein Beispiel, aus dem zugleich erhellt, mit welchem Zauber Kunz persönlich zu fesseln wußte.
Um die Mitte der Sechziger-Jahre kam ein reicher und gelehrter Engländer nach München, auf der eiligen Durchreise nach dem Mittelmeere und Afrika begriffen. Seine Absicht war, dort seinem Lieblingsstudium, der Käferkunde, obzuliegen. Er hatte bereits seine Dienerschaft in den fremden Welttheil vorausgeschickt, und an weit von einander entlegenen Worten, in Marokko und Konstantine, standen unterschiedliche Elephanten für ihn bereit, auf denen er seine Expedition auszuführen gedachte. Der Afrika-Reisende fand in München, das ihm aus früherer Zeit bekannt war, alte Bekannte, darunter in erster Reihe Kunz. Nachdem er einige Wochen mit ihnen in geselligem Verkehre zugebracht, beschloß er, das Ende der Regenzeit in jenen Ländern hier bei Papa Kunz abzuwarten. Bald war er der unzertrennliche Gefährte desselben, mit dem er getreulich alle Stationen der täglichen Einkehr durchmachte. Oft saßen die Zwei ganz allein miteinander, traut und ernst in deutscher Sprache, die der Engländer vortrefflich sprach, sich unterhaltend. Der vielgereiste Fremdling hatte, obgleich er noch erst ein Vierziger war, bereits gänzlich weißes Haar und glich mit seinem langen wallenden Barte und der hohen gefurchten Stirne einem Harfner der Sage. Kunz hatte großes Wohlgefallen an ihm und pries dessen treffliche Eigenschaften, wenn er, was freilich selten vorkam, einmal länger sitzen blieb, als der Andere. Unvermerkt verflossen dem sich traut und wohl fühlenden Entomologen Wochen und Monate dahin. Die Regenzeit im fernen heißen Afrika war längst vorüber und er schien noch immer auf ihr Ende im kalten Norden zu harren. Seine Elephanten hatten in Marokko und Constantine die besten Tage und seine Bedienten nicht minder. Wieder nahte eine Regenzeit und damit neuer Anlaß, zu warten. Aber noch kam ein dritte Regenzeit heran und eine vierte, der gute Engländer saß noch immer in München. Er saß auch noch da, als der deutsch-französische Krieg ausbrach, doch dann nicht mehr lange. R. war im Innern ein Feind Deutschlands, so vorsichtig er dieses auch verbarg; aber eines Tages offenbarte er im scheelen Neide auf die Erfolge der deutschen Waffen, auf welcher Seite er eigentlich stand. Mit einer Grobheit, die nicht wiederzugeben ist, donnerte ihn Kunz nieder, aber nicht genug, er verließ mitten am Abende das Gastlokale und kehrte nicht eher wieder, als bis der vereinsamte Engländer zu seinen Elephanten nach Afrika abgereist war. Alle Versöhnungsversuche wurden von Kunz mit der Erklärung abgeschnitten, R. möge nach zehn Jahren wiederkommen, dann werde er ihn vielleicht wieder sprechen können. Die große Siegeszeit lasse er sich nicht von einem gefühllosen Ausländer verbittern. Der Komponist des herrlichen Uhland'schen Gesanges: »Wenn heut' ein Geist herniedersteige«, hatte er, wenn auch hart, nicht wacker gehandelt? Aber seinem Jubel über die Thaten des deutschen Volkes und die Verwirklichung auch seines Jugendtraumes, über das Wiedererstehen des deutschen Reiches gab er auch als Musiker bewegten Herzensausdruck. Ich habe auch mein Scherflein beigetragen, sagte er mir, indem er die Partitur zweier Siegesmärsche vorzeigte, die er, den Tag von Sedan zu feiern, komponirt hatte.
Er hat sie erlebt, die stolze große Zeit, und darum dürfen wir ihn, der ein tüchtiger edler Sohn seines Volkes war, glücklich preisen, ungeachtet der bitteren Tropfen, die wohl auch in seinen Kelch gemischt waren. Sein Gedächtniß aber werden die Tausende, die seine kernigen Lieder gesungen, rühmen und in Ehren halten.
Martin Greif: Der Sammler Nr. 92. Belletristische Beilage zur »Augsburger Abendzeitung«. Samstag, den 14. August 1875.
#Bamberger Neueste Nachrichten (11.1.1876)
Vermischtes.
München, 9. Jan. Von Seite des Bayerischen Sängerbundes wurde der Beschluß gefaßt: dem Altmeister Konrad Max Kunz, zu Lebzeiten Komponist und Chor-Direktor am kgl. Hoftheater, besonders bekannt durch seine Volkslieder, auf dem südlichen Friedhofe in München ein des beliebten Tondichters würdiges Denkmal zu errichten. Die Mittel hiezu sollen zunächst durch die Vereine des Bayerischen Sängerbundes aufgebracht werden, aber auch Beiträge der sonstigen zahlreichen Freunde und Verehrer des Verstorbenen nicht allein dankbarst angenommen werden, sondern erwünscht sein. Die Anmeldung, bezw. Einsendung etwaiger Beiträge möge bis spätestens 31. März l. Js. erfolgen.
Bamberger Neueste Nachrichten Nro. 11. Dienstag, den 11. Januar 1876.
#Freisinger Tagblatt (31.5.1876)
Für den verlebten k. Chordirector Conrad Max Kunz beschloß s. Z. die in Regensburg tagende Delegirten-Versammlung des »bayerischen Sängerbundes« das Grab des unvergeßlichen Meisters im südlichen Friedhofe Münchens anzukaufen und durch ein einfaches Monument in Form einer Büste des Verewigten, der Nachwelt zu bezeugen, wie hoch die bayerischen Sänger und Sangesfreunde ihren hochbegabten Landsmann und Meister ehrten. Wie wir vernehmen, werden jetzt von den betreffenden Vereinen die letzten Anstalten für Ausführung dieses Beschlusses getroffen.
Freisinger Tagblatt No. 125. Zugleich Amtsblatt für Freising und Moosburg. Mittwoch, den 31. Mai 1876.
#Landshuter Zeitung (4.7.1876)
Niederbayerisches.
Landshut, 3. Juli. Dem schlichtesten Manne galt es, einem Meister der Töne galt es, eine Ehrenschuld abzutragen, als am ersten Tage des Julimonates der »Regensburger Liederkranz«, von der Landshuter Liedertafel zu Besuch gebeten, mit dieser vereint in einem Konzerte um ein Scherflein bat. Dem Sänger, dem im Leben gar mancher sehr bescheidene Wunsch unerfüllbar blieb, besann man sich nach seinem Tode, so vielen Dank zu schulden. Fast klingt es zu milde, wenn man den Sängern zuruft: »Spät kommt ihr, doch ihr kommt!« Eilf Monate sind es ja heute, daß der Komponist und Dirigent Konrad Max Kunz im Krankenhause zu München die Augen schloß. Fast schien es undankbar, nur eine Nummer aus der reichen Zahl der Meisterwerke des Mannes im Programme des Abends zu bieten. Ergab sich aber schon durch dieses einzige Werk desselben eine glänzende Probe dafür, in welch hohen Rang der Geehrte des Abends selbst neben den Namen eines Mendelssohn, eines Vinzenz und Franz Lachner und anderer Koryphäen der Tonkunst zu stellen sei, so möge dieses bedenklichen Punktes hinsichtlich der Auswahl der Tonstücke des Abends nicht mehr erwähnt werden.
Es ward auch so uns klar: Weil er so ruhig, so harmonisch und so voll die Rolle ohne Lärm zu machen ausgefüllt, klafft nun, wo einst der Mann sich still bescheiden eingefügt, so groß und weit die Lücke, die sein Tod gerissen.
Keine schöneren Worte vermögen wohl des Mannes Werth der Nachwelt vor Augen zu halten, als trüge dessen Denkstein einst die Erinnerungsworte an »Elslein«, »Hymne an Odin«, »an Hertha«, »Wenn heut' ein Geist hernieder stiege«, »Das Haus benedei ich, und preis' es laut«; seine Volkslieder, sein Ecce quam bonum werden in jedem Sängerkreise, sein »Meister, der ersann«, in seiner engern Sänger-Schaar noch oft eine Thräne aus dem Auge rollen lassen.
Die pietätvolle Stimmung aller Mitwirkenden gegen den Gefeierten gebot jedes Lied mit höchster Kunstaufwendung durchzuführen, und auch die begleitende Musik half zu dem oftmals anerkannten Gelingen der Produktion erheblich mit.
Die Menschen haben einen Freund verloren, – uns Sängern war er mehr. Ein Sänger.
Landshuter Zeitung Nr. 152. Dienstag, den 4. Juli 1876.
#Musikalisches Conversations-Lexikon (1876)
Kunz, Konrad Max, achtungswerther deutscher Tonkünstler und Componist, geboren am 30. Decbr. 1812 zu Schwandorf in der Oberpfalz in Baiern als Sohn eines Stadtthürmers daselbst, besuchte und absolvirte mit Auszeichnung das Gymnasium zu Amberg, wo er neben vorzüglichem Unterrichte in den classischen Sprachen auch treffliche Unterweisung in der Musik genoss und so absichtslos den Grund legte, aus dem seine spätere Wirksamkeit herauswuchs. Denn anfänglich an der Universität München dem Studium der Medicin obliegend, zwang ihn seine Mittellosigkeit, dasselbe bald aufzugeben und seinen Lebensunterhalt mit Clavierunterricht zu erwerben. Ein glücklicher Zufall machte ihn mit dem damaligen Hofkapellmeister Hartmann Stuntz bekannt, unter dessen Leitung er ein tüchtiger Tonkünstler wurde. Späterhin dirigirte er mehrere Gesangvereine, darunter die Münchener Liedertafel, die er mitgründen half und für die er Chöre schrieb, welche, zündend durch Kraft und Fülle, wie »Odin, du Schlachtengott«, »Hymne an Hertha« und »Wenn heut' ein Geist herniederstieg'« (Uhland), oder wirksam durch Sinnigkeit und Anmuth, wie »Das Haus benedei' ich« (Uhland) und »Elslein« (im Volkston), sehr verbreitet sind und überall, wo Männergesang gepflegt wird, mit Vorliebe gesungen werden. Im J. 1845 wurde K. als Chordirigent an das Münchener Hof- und Nationaltheater berufen, welchen Posten er mit grosser Gewissenhaftigkeit und bestem Erfolge bis wenige Jahre vor seinem Tode ausfüllte; der Münchener Hoftheaterchor verdankt zumeist ihm die Begründung seines Rufes, der weit über Deutschland hinausreicht. Am 3. Aug. 1875 starb K. im allgemeinen Krankenhause zu München. – K. war nie verheirathet; er lebte als Sonderling, unzugänglich feineren Umgangsformen, in seinem Aeusseren ein Diogenes, dabei aber ein biederer Charakter, voll derben drastischen Humors, wovon Compositionen wie das »Metzelsuppenlied«, »Die Podagraisten« u. s. w. zeugen. Erwähnt sei noch seine Brochüre »Die Stiftung der Moos-Gau-Sängergenossenschaft Moosgrillia« (München, 1865), eine beissende Satire auf das Sangesbruderthum. F. W.
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyclopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Berlin, 1876.
#Allgemeine Deutsche Biographie (1883)
Kunz: Konrad Max K., Componist, geb. am 30. December 1812 als Sohn eines Stadtthürmers [Wächter, der von einem Stadtturm aus die Umgebung beobachtet] zu Schwandorf in der Oberpfalz, empfing am Gymnasium zu Amberg und dann auf der Universität zu München, wo er dem Studium der Philosophie und Philologie oblag, hohe Gewandtheit in den klassischen Sprachen, aber auch frühzeitig schon die trefflichste Unterweisung in der Musik, wozu er die größte Befähigung hatte, welche durch den Hofkapellmeister Hartmann Stuntz glücklich erkannt und streng wissenschaftlich ausgebildet wurde. Seine Mittellosigkeit zwang ihn durch Clavierunterricht den Lebensunterhalt zu erwerben (daher seine »Praktische Pianoforte-Schule«, 1841, opus 2), auch leitete er als Chormeister die »Münchener Liedertafel« und die »Bürger-Sänger-Zunft« und darf deshalb mit Recht als einer der Väter des deutschen Männergesangs gelten. In Folge seiner Leistungsfähigkeit in der Führung großer Massen wurde K. als Dirigent zum ersten Sängerfeste in Freising 1844 und 1847 nach Regensburg berufen, inzwischen 1845 als Chordirigent am Münchener Hof- und Nationaltheater angestellt, welchen Posten der wackere Mann mit größter Gewissenhaftigkeit und eiserner Ausdauer bis wenige Jahre vor seinem Abscheiden ausfüllte. Ihm hatte der Münchener Hoftheaterchor die Begründung seines weit über Deutschland hinaus reichenden Rufes zu danken. Für die Münchener Liedertafel componirte K. seine berühmt gewordenen Chöre, z. B. den mächtig dahin brausenden Schlachtgesang an »Odin«, die »Hymne an Hertha« (gedichtet von Dr. Ludwig Koch, vierstimmig als op. 7 Leipzig bei Breitkopf & Härtel), das feierlich großartige »Wenn heut ein Geist herniederstiege« nach Uhland und dessen Brautgesang »Das Haus benedei' ich«, den »Nachtgruß« (von Eichendorff, vierstimmig 1877 als Manuscript bei Aibl, op. 12), auch setzte er ältere Lieder, wie »Ach Elslein«, »Prinz Eugenius« (nach der ursprünglichen Melodie von 1719), dann »Odo olam« (nach einer hebräischen Ritualmelodie), aber auch köstliche Burlesken, z. B. die »Zwei Knödel«, das »Metzelsuppen-Lied« (op. 9) nach Uhland, das Kneiplied »Auf beim Spund«, op. 17 (Text von Otto v. Reichert) und die Ballade »Der Bauer geht hinter'n Zaun«, welche als wahre Muster contrapunktischer Bravour betrachtet werden müssen. In dem großen Künstler-Maskenfest 1840 (Albrecht Dürer-Fest), welchem K. als »wilder Mann« (gezeichnet von Eugen Neureuther) beiwohnte, schrieb unser Tondichter als opus 1 die Aufzüge, Zwischenspiele, Menuett und Polonaise (für Clavier bei Falter 1840), dann die »Aufzüge für Naturtrompeten und Pauken« zum Festzug beim 700jährigen Bestehen der Stadt München (op. 15), zwei Märsche »Den Siegern und Gefallenen«, 1870–71, für Cavalleriemusik. Die weiteste Verbreitung erhielten seine »200 kleine zweistimmige Canon's, den Umfang einer Quinte nicht überschreitend (Supplement zu jeder Pianoforteschule), opus 14«, München 1877 bei Aibl, welche mit Vorwort von Dr. Hans v. Bülow, dann mit französischem Text von E. Laurent (1878), englisch von L. Rothfeld, ebenso mit schwedischem, russischem und dänischem Text erschienen. Außerdem gab K. »Oberpfälzische Bauerntänze« (Mainz 1855) heraus und lieferte die vierstimmige Bearbeitung der Melodien zu G. Scherer, »Die schönsten deutschen Volkslieder« etc. Die Zahl seiner großentheils noch ungedruckten Weite belauft sich auf 64. Besondere Erwähnung verdient noch die von dem heitersten Geiste echten Humors eingegebene Satire »Die Stiftung der Moos-Gau-Sänger-Genossenschaft Moosgrillia« (München 1866 bei Hermann Manz, 32 S. 8°), worin K. mit schonungslosem Spotte die Auswüchse des Sangesbrüderthums geißelte, aber auch seinem Unmuth über die Zukunftsmusik die Zügel schließen ließ. Sie kann, sowol in Tendenz wie nach ihrer Schreibart, als ebenbürtiges Seitenstück zu Jos. Ant. Koch's »Rumfordischer Suppe« gelten. K. war ein seltener Charakterkopf, ein biederer wahrer Mann, ohne Falsch, kerndeutsch, ein idealer Künstler, aber in rauher, fast unerträglicher Schale, eine ganz sokratische Natur, frei von aller Sucht nach äußerem Glanze, mit reicher Schöpfergabe, Originalität und tiefster Empfindung für den reinen Charakter der Kunst ausgestattet. Kein Kind des Glücks fand er nie die ihm gebührende Muße noch die höhere Wirksamkeit, daher sein mehr als bescheidenes, zurückgezogenes, ja verstecktes misanthropisches Leben. Er starb arm, wie er immerdar gelebt, am 3. August 1875 im Allgemeinen Krankenhause zu München. Seine Freunde setzten ihm auf dem südlichen Kirchhofe eine von Rudolf Schwanthaler gemeißelte Porträtbüste, welche überraschend und unwillkürlich an jene im Museo Napoli befindliche Herme des Sokrates gemahnt.
Vgl. die gelungene Charakterzeichnung von Martin Greif in Nr. 92 des Augsb. »Sammler« vom 14. August 1875 und H. Mendel, Musikal. Conversat.-Lex. 1876, 6. Bd., S. 200. Hyac. Holland.
Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1883.

#40 – 2 – 28* (Reichardt)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Reichardt, Klara (vh) / Murr (gb); – (22).7.1886 (München), 55 Jahre alt; Oberzollinspektors-Tochter aus Hof / Kunstmalers-Gattin
Das Grab ist nicht erhalten

#40 – 3 – 6 (Hammer · Ortner)
Hier ruht in Gott:
Herr August Hammer,
kgl. Intendantur-Sekretär,
geb. 16. Sept. 1849, gest. 7. März 1898.
Dessen Tochter
Elisabeth Hammer,
geb. 2. Jan. 1886, gest. 3. Mai 1903.
Ruhe in Frieden!
Rechte Seite
Schwarz
- Hammer, August; 16.9.1849 – 7.3.1898; Intendantursekretär
- Hammer, Elisabeth; 2.1.1886 – 3.5.1903; Intendantursekretärs-Tochter
- Ortner, Anton; – 1887; ehemaliger Dekorationsmaler


#40 – 3 – 9 (Meyer)


#40 – 3 – 22 (Fröschl)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Fröschl, Philipp; – 1888 (München); Buchhalter


#40 – 3 – 25 (Herrlich)
Hier ruhen in Frieden
Josef Herrlich
Gärtnermeister
* 19.III.1809 † 6.V.1862.
Anna Herrlich
Installationsgeschäfts-
inhabersgattin
* 29.III.1861 † 31.V.1929.
Therese Herrlich
Gärtnermeistersgattin
* 16.IX.1826 † 22.III.1900.
Karl Herrlich
Installationsgeschäfts-
inhaber
* 4.III.1858 † 4.III.1935.
Sockel
Karl Herrlich
* 6.XI.1882 † 17.X.1893.
Margot Herrlich
* 5.VII.1931 † 5.VII.1931.
Franz Herrlich
* 14.IX.1900 † 8.III.1901.
- Herrlich, Anna (vh); 29.3.1861 – 31.5.1929; Installationsgeschäftsinhabers-Gattin
- Herrlich, Franz; 14.9.1900 – 8.3.1901
- Herrlich, Josef; 19.3.1809 – 6.5.1862; Gärtnermeister
- Herrlich, Karl; 4.3.1858 – 4.3.1935; Installationsgeschäftsinhaber
- Herrlich, Karl; 6.11.1882 – 17.10.1893
- Herrlich, Margot; 5.7.1931 – 5.7.1931
- Herrlich, Therese (vh); 16.9.1826 – 22.3.1900; Gärtnermeisters-Gattin


#40 – 3 – 26 (Keyl)
JULIUS KEYL
JUSTIZRAT
4.7.1840 – 5.3.1906
KAROLINE KEYL
GEB. RUPPRECHT
31.10.1844 – 12.3.1913
- Keyl, Julius; 4.7.1840 – 5.3.1906; Justizrat
- Keyl, Karoline (vw) / Rupprecht (gb); 31.10.1844 – 12.3.1913; Justizrats-Witwe


#40 – 3 – 27 (Berger)
Hier ruhet in Gott
Frau Rosa Berger
Apothekers-Gattin
geb. den ¿. Febr. 1851
gest. den 16. Aug. 1894
Herr Heinrich Berger
Apotheker
geb. den ¿
gest. den ¿
Herr Oskar Berger
geb. den ¿. Dezbr. 1889
gest. den ¿. Mai 1917
J. Deiser.
- Berger, Heinrich; Apotheker
- Berger, Oskar; ¿.12.1889 – ¿.5.1917
- Berger, Rosa (vh); ¿.2.1851 – 16.8.1894; Apothekers-Gattin


#40 – 3 – 28 (Fleischmann · Fürst)
Familie ¿
¿
Magdalena Fürst
geb. Walter
1833 – 18¿
Wilhelmine Fürst
geb. Stadelmeyer
1828 – 1889.
Friedrich Fürst
1858 – 192¿
Marie Fleischmann
geb. Fürst
1865 – 1933
Caroline Fürst
1839 – 1911
- Fleischmann, Marie (vh) / Fürst (gb); 1865 – 1933
- Fürst, Friedrich; 1858 – 192¿
- Fürst, Karoline; 1839 – 1911
- Fürst, Magdalena (vh) / Walter (gb); 1833 – 18¿
- Fürst, Wilhelmine (vh) / Stadelmeyer (gb); 1828 – 1889


#40 – 4 – 13 (Matheis · Scheurer)


#40 – 4 – 15 (Bauer · Haas)


#40 – 4 – 17 (Gmeiner)
Familie Gmeiner.
Hier ruhen:
Anna Gmeiner
† 7. Juli 1875.
Anton Gmeiner. Musiker
† 3. März 1884.
Katharina Gmeiner
Dessen Gattin
† 10. Aug. 1887.
Anton Gmeiner, Obersekretär
† 20. Nov. 1927.
Josefa Gmeiner
† 28. November 1934
dessen Gattin.
- Gmeiner, Anna; – 7.7.1875 (München), 24 Jahre alt; Musikers-Tochter
- Gmeiner, Anton; – 20.11.1927; Obersekretär
- Gmeiner, Anton; – 3.3.1884; Musiker (Oboist)
- Gmeiner, Josefa (vw); – 28.11.1934; Obersekretärs-Witwe
- Gmeiner, Katharina (vw); – 10.8.1887; Oboistens-Witwe


#40 – 4 – 27 (Radler)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Radler, Michael; – (31).1.1899 (München), 72 Jahre alt


#40 – 5 – 6 (Frey)
Familiengrab.
Hier ruhen in Gott:
Frau Marg. Frey,
geb. Schmidt, Packmeistersgattin
geb. 21. März 1836, gest. 12. Juli 1875.
Anna Frey,
Packmeisterstochter
geb. 11. Aug. 1874, gest. 13. Jan. 1886.
Herr Georg Frey,
kgl. Oberpackmeister
geb. 22. März 1830, gest. 31. Juli 1899.
Frau Katharina Frey,
geb. Michel, Oberpackmeisterswitwe,
geb. 9. Sept. 1844, gest. 27. Juni 1922.
Rechte Seite
Schnelldorfer. 40.5.6.
- Frey, Anna; 11.8.1874 – 13.1.1886; Packmeisters-Tochter
- Frey, Georg; 22.3.1830 – 31.7.1899; Oberpackmeister
- Frey, Katharina (vw) / Michel (gb); 9.9.1844 – 27.6.1922; Oberpackmeisters-Witwe
- Frey, Marg. (vh) / Schmidt (gb); 21.3.1836 – 12.7.1875; Packmeisters-Gattin


#40 – 5 – 11 (Schottenhammel)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Schottenhammel, Johann; – (24).5.1894 (München), 12 Jahre alt; Stationsmeisters-Sohn
- Schottenhammel, Maria (vh); – (18).7.1904 (München), 50 Jahre alt; Oberstationsmeisters-Gattin


#40 – 5 – 18 (Barth)
Ruhestätte
der
Familie Barth.
40.5.18 Burlein.
Linke Seite
Anna Barth
Historienmalers-
Witwe,
geb. d. 26. Juli 1826
gest. d. 2. Juni 1913.
Rechte Seite
Xaver Barth,
Historienmaler,
geb. d. 12. Febr. 1821,
gest. d. 9. Febr. 1894.
- Barth, Anna (vw); 26.7.1826 – 2.6.1913; Historienmalers-Witwe
- Barth, Franz Xaver; 12.2.1821 (Velden/Ndb.) – 9.2.1894 (München); Historienmaler und Kirchenmaler

#Franz Xaver Barth
* 12.2.1821 (Velden/Ndb.)
† 9.2.1894 (München)
Historienmaler und Kirchenmaler
#Allgemeine Zeitung (12.2.1894)
Feuilleton.
Der Historienmaler Franz Xaver Barth ist am 9. ds., obwohl hochbetagt, doch immerhin unerwartet gestorben. Er zählte zu den Bannerträgern und Epigonen der großen, durch Cornelius gegründeten Schule.
Geboren am 12. Februar 1821 zu Velden bei Landshut, kam derselbe noch rechtzeitig auf die Münchener Akademie, um bei Julius Schnorr v. Carolsfeld die Traditionen dieser Epoche zu genießen und im strengen Componir-Stile dieser Meister zum gewandten Frescotier sich auszubilden. Als solcher assistirte er seinem Lehrer bei den letzten Sälen des Nibelungen-Cyklus in der k. Residenz und half dann mit Nilson, Echter, Palme und Süßmaier bei der Ausführung von Kaulbachs Entwürfen an der Neuen Pinakothek.
Als unter Dingelstedts Intendantur das Hoftheater eine Restauration erhielt, erblühte unsrem Maler die neidlose Aufgabe, die Deckenfelder des Zuschauer-Raumes mit den Figuren der Musen zu schmücken, eine wirklich verlorene Liebesmühe, da kaum die Insassen des letzten Ranges sammt dem naheliegenden »Olymp« ihr Augenmerk darauf zu richten im Stande sind.
Für Hiltensperger brachte sodann Franz Xaver Barth einen ganzen Cyklus von fünfzehn Bildern in Enkaustik für das Museum in St. Petersburg zur Ausführung. Ferner lieferte Barth nach eigener Composttion vier große Fresken in der historischen Galerie des Münchener National-Museums, mit kriegerischen und friedsamen Scenen aus den Thaten der bayerischen Fürsten, um dann wieder als Gehülfe, und zwar diesmal des poesievollen Moritz v. Schwind, an den Temperabildern demselben im Wiener Opernhause mitzuwirken. Eine weitere Freske nach eigener Invention mit der Figur eines auferstandenen Welterlösers schuf Barth in den Arcaden des Münchener nördlichen Friedhofs.
Indessen hatte sich der Künstler schon frühzeitig mit Oelbildern bewährt; dazu gehörten außer vielen Kirchen- und Altargemälden: »Hero und Leander«, ein »Friedensengel«, ferner der Entwurf zu einer Fürstengruft und das Project eines »Todtentanzes« für eine Grabcapelle, welche jedoch leider nicht zur Ausführung gelangten.
Dagegen erhielt Barth die Ausführung eines hübsch componirten und durch sein wohlklingendes Colorit vorzüglichen Deckenbildes in einem der unter König Ludwig II. restaurirten Prunkzimmer aus der Trausnitz, darstellend die alle Künste unter ihrer Aegide beschirmende »Bavaria«. Sein großes Compositionstalent erwies Barth sodann mit einer Reihe von Cartons, sowohl für die kgl. Glasmalerei des Hrn. Commercienraths v. Zettler, wie für Mayers Hof-Kunstanstalt. Hier bewährte er seine Vielseitigleit in verschiedenen Stilarten, sein Talent für großartig gedachte und energisch durchgeführte Schöpfungen, welche auch seinen feinen Farbensinn vollauf bethätigten.
Leider ist außer zwei kleinen, eine »Trinität« und »St. Vitalis« darstellenden Stichen und einigen bei Albert in Photographie reproducirten Bildern keine von Barths zahlreichen Originalarbeiten dem weiteten Publicum bekannt geworden.
Barth war ein still-thätiger, in sich gekehrter, überaus fleißiger, streng denkender, hohen Idealen nachfolgender Künstler, welcher, weit abseits von der zeitweise beliebten neueren Richtung, an den in seiner Jugend vererbten Principien festhielt und selbe in rühmenswerther Treue und Anhänglichkeit zeitlebens bethätigte.
Allgemeine Zeitung Nr. 42. München; Montag, den 12. Februar 1894.
#Allgemeines Künstler-Lexicon (1895)
Barth, Franz Xaver, Historienmaler, geb. 21. Febr. 1821 zu Velden (Niederbayern), † 9. Febr. 1894 in München, wurde 1847 Schüler von Moritz v. Schwind, Mitarbeiter Schnorr’s in den Nibelungensälen zu München und zu Schwind’s Malereien im Opernhaus zu Wien, und liess sich in München nieder. Er zeichnete viele Cartons für Glasmalereien, malte in der Burg Trausnitz bei Landshut, die Musen am Hoftheater in München und als sein bedeutendstes Werk in Keimsche Minieralmalerei die Werke der Barmherzigkeit als lebensgroße Figuren in Giebeinischen der Heiligengeistkirche in Landshut.
Allgemeines Künstler-Lexicon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Vorbereitet von Hermann Alexander Müller. Herausgegeben von Hans Wolfgang Singer. Erster Band. Frankfurt am Main, 1895.
#Allgemeine Deutsche Biographie (1902)
Barth: Franz Xaver B., Historienmaler, geboren am 12. Februar 1821 zu Velden (Niederbaiern), † am 9. Februar 1894 zu München, kam frühzeitig auf die Akademie, wo er noch unter Cornelius immatriculirt und dann der Componirschule des Julius Schnorr zugetheilt wurde. Diesem seinem Lehrer assistirte B. bei der Ausführung des letzten Nibelungensaales in der kgl. Residenz; ebenso arbeitete B. mit Nilson, Echter, Palme und Süßmaier bei der Ausführung von Kaulbach’s Entwürfen an den durch klimatische Einflüsse schon wieder verschwundenen Fresken der neuen Pinakothek. Dann erhielt B. bei der unter Dingelstedt’s Intendantur bewerkstelligten Restauration des Hoftheaters die neidlose Aufgabe, die Deckenfelder des Zuschauerraumes mit den Figuren der neun Musen zu füllen – eine wirklich »verlorene Liebesmüh«, da kaum die Insassen der höchsten Reihe und des naheliegenden »Olymp« ihr Augenmerk darauf zu richten im Stande waren. Dann wurde ihm mit Hiltensperger ein ganzer Cyklus von fünfzehn Bildern in Enkaustik für das Museum in Petersburg übertragen. Nach eigener Composition lieferte B. vier große Fresken in die historische Galerie des Münchener Nationalmuseums mit ziemlich undankbaren, kriegerischen und friedlichen Scenen aus dem Leben der bairischen Fürsten (Friedrich der Siegreiche schlägt 1462 bei Seckenheim das Reichsheer; Friedrich nimmt theil an den religiösen Uebungen der Barfüßermönche zu Heidelberg; Philipp der Aufrichtige als Förderer des Humanismus, umgeben von Johann von Dalberg, Rudolph Agricola, Conrad Celtes und Reuchlin; Kampf und Sieg der Pfälzer vor Landshut, angeführt von Elisabeth, der Gemahlin des Pfalzgrafen Rupert, Erbtochter Georg’s des Reichen, 1504). Bald darauf nahm Moriz v. Schwind den Maler mit nach Wien als Gehülfen an den Temperabildern des dortigen Opernhauses. Ein Freskobild nach eigener Composition, mit der Figur des auferstandenen Welterlösers schuf B. in den Arkaden des nördlichen Friedhofs. Indessen bewährte sich B. frühzeitig mit Oelbildern, dazu gehörten außer vielen Kirchen- und Altargemälden »Hero und Leander«, ein »Friedensengel«, der Entwurf zu einer Fürstengruft und das leider nicht ausgeführte Project eines »Todtentanzes« für die Friedhofscapelle zu Velden (im Kupferstichcabinet zu München). In einem durch König Ludwig II. restaurirten Saal der Trausnitz (Landshut) malte B. eine die Künste beschützende »Bavaria«. Sieben Fresken mit den »Werken der Barmherzigkeit« malte B. in der hl. Geistkirche zu Landshut. Sein großes Compositionstalent bewährte B. mit vielen originellen für die Glasmalereianstalten von Mayer und Zettler gefertigten Cartons und bewies damit eine seltene Fertigkeit, sich in verschiedenen Stilarten zu bewegen. Darunter befanden sich auch Entwürfe zu Wandbildern in der Einsteigehalle eines Bahnhofes.
Vgl. Nagler-Meyer, Lexikon, 1885. III, 49. – Nr. 42 d. Allgem. Ztg., 12. Febr. 1894. – Müller-Singer, Lexikon, 1895. I, 72. – Fr. v. Bötticher, Malerwerke, 1895. I, 50.
Hyac. Holland.
Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1902.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Barth Franz Xaver, 1821 (Velden/Ndb.) – 1894, Historien- und Kirchenmaler; er studierte in München bei P. von Cornelius und J. Schnorr von Carolsfeld, restaurierte in Fr. Dingelstedts Auftrag das Münchner Hoftheater, lieferte Fresken für das alte Bayerische National-(heute Völkerkundliches) Museum an der Maximilianstraße, half M. von Schwind bei der Ausmalung der Wiener Oper und schuf außerdem viele Kirchen- und Altargemälde (darunter die Werke der Barmherzigkeit in der Hl.-Geist-Kirche in Landshut); B. gilt als der Bannerträger der Cornelius-Schule, sein Kompositionstalent hat er in vielen Kartons für die Glasmalerei Zettlers und die Mayersche Kunstanstalt bewährt; auf eingesprengeltem Kathedralglas hat B. Bilder eingebrannt, die wie Perlen leuchten.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#40 – 5 – 27 (Schröder)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Schröder, Anna; – 27.5.1891 (München), 21 Jahre alt; Landrichters-Tochter


#40 – 6 – 1 (Kratz)
Hier ruht
Herr August Kratz
Grosshändler,
gest. d. 16. Juni 1897,
im Alter von 48 Jahren.
Olga Kratz
gest. d. 16. Mai 1889, 3 Jahre alt.
Sockel
Familie Kratz.
- Kratz, August; – 16.6.1897; Grosshändler
- Kratz, Olga; – 16.5.1889


#40 – 6 – 2 (Mürriger)
Hier ruhen
Herr Hubert Mürriger
¿
Frau Doris Mürriger
¿
- Mürriger, Doris (vw); – 28.8.1891 (München), 54 Jahre alt; Bankagentens-Witwe
- Mürriger, Hubert


#40 – 6 – 7 (Rung)


#40 – 6 – 10 (Hunebald)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Hunebald, Ottmar; – 9.5.1894 (München), 8 Jahre alt; Bäckermeisters-Sohn







#40 – 6 – 20* (Rigal)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Rigal, Antonia; – (9).2.1857 (München), 3 Jahre alt; Lithographens-Tochter
- Rigal, Josef; – 13.12.1883 (München), 66 Jahre alt; Lithograph und Photograph
- Rigal, Josefine (vw); – (14).9.1887 (München), 70 Jahre alt; Lithographens-Witwe
Das Grab ist nicht erhalten
#Josef Rigal
† 13.12.1883 (München), 66 Jahre alt
Lithograph und Photograph
#Allgemeine Zeitung (13.2.1884)
Nekrologe Münchener Künstler.
XXXIV.
Am 13. Dezember starb in einem Alter von 66 Jahren der wackere Lithograph Joseph Rigal. Früher fertigte derselbe ganz vorzügliche Portraits, darunter von J. B. Stiglmair, Hofrath G. H. v. Schubert, Freifrau v. Gumppenberg (nach Stielers Originalbild in der sogenannten Schönheiten-Gallerie), Sr. kgl. Hoheit des Herzogs Dr. Karl Theodor (1857) und in Oval ein Hüftenbild von Sr. Majestät dem König Ludwig II., welche Rigal insgesammt auf Stein zeichnete. Leider ist uns von dessen späteren Arbeiten nichts bekannt geworden.
Allgemeine Zeitung Nr. 44. München; Mittwoch, den 13. Februar 1884.

#40 – 6 – 22 (Benedikter)
Familiengrab.
Hier ruht
meine unvergessliche Gattin:
Frau Margaretha Benedikter
geb. Forster,
geb. 23. Nov. 1871, gest. 18. April 1894.
Herr Bartholomäus Benedikter
Kutscher,
geb. 24. Aug. 1866, gest. 11. Oktob. 1939.
Frau Therese Benedikter
geb. 13. Febr. 1864, gest. 9. März 1941.
Sockel
Trennung unser Loos –
Wiederseh'n unsere Hoffnung!
A. Weigel
Linke Seite
Frau
Anna Benedikter
geb. 19. Aug. 1837,
gest. 7. Okt. 1903.
Ihr ging voran
unser liebes Söhnchen:
Barthol. Benedikter,
geb. 14. Okt. 1892,
gest. 12. Feb. 1893.
- Benedikter, Anna (vh); 19.8.1837 – 7.10.1903
- Benedikter, Bartholomäus; 14.10.1892 – 12.2.1893
- Benedikter, Bartholomäus; 24.6.1866 – 11.10.1939; Kutscher
- Benedikter, Margaretha (vh) / Forster (gb); 23.11.1871 – 18.4.1894; Kutschers-Gattin
- Benedikter, Therese (vw); 13.2.1864 – 9.3.1941; Kutschers-Witwe


#40 – 7 – 1 (Riederer)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Riederer, Sebastian; – 1888 (München); Advokat und Rechtsanwalt


#40 – 7 – 5 (Buckel)
Herr Heinrich Buckel
Frau Wilhelmine Buckel
Wilhelmine Buckel
- Buckel, Heinrich
- Buckel, Wilhelmine
- Buckel, Wilhelmine (vh)


#40 – 7 – 6 (Christ)
F. CHRIST
- Christ, Fritz; 7.1.1886 (Bamberg) – 5.7.1906 (München); Bildhauer




#Fritz Christ
* 7.1.1886 (Bamberg)
† 5.7.1906 (München)
Bildhauer
#Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins (31.7.1906)
Personalnachrichten.
† Fritz Christ. Am 8. Juli schloß sich das Grab über einem bekannten Münchener Alpinisten, Herrn Bildhauer Fritz Christ, der im schönsten Mannesalter von 40 Jahren einer Blindarmentzündung erlag. Christ gehörte zu jenen tatenfreudigen Alpinisten, denen das Bergsteigen nicht nur Selbstzweck einer geistigen und körperlichen Erholung ist; ihm war der alpine Sport ein Feld regelrechter Leibesübung und eine Wissenschaft, die dankbare Aufgaben zu lösen gibt. Als wohlgeübter Turner durfte er sich an alpine Probleme wagen, die einen ganzen Mann, einen unerschrockenen und gewandten Alpinisten verlangten, und mit verschiedenen Erstbesteigungen hat er manche neue Wege gewiesen, die besonders bei den unternehmungslustigen Münchner Bergsteigern ein beliebtes Ziel geworden sind, so z. B. die Ersteigung des Laliderer Falken (Karwendel) vom Falkenkar, der Sulzleklammspitze-Nordwand (Karwendel), die Überschreitung der Ruchenköpfe mit Durchkletterung der Westwände (Schliersee Gebiet) u. a. Bis zum Jahre 1902 Mitglied der S. Bayernland-München, war Christ Mitbegründer der jungen S. Männerturnverein München, deren erstem Ausschuß er angehörte. Von seinen beachtenswerten Bergfahrten hat er dort in packenden Vorträgen berichtet. Dem Manne, der als gefeierter Künstler dem Alpinismus mit gleichem Ernste und mit gleicher Hingabe diente wie seine Kunst, sei darum eine Erinnerung auch an dieser Stelle gewahrt.
Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins Nr. 14. München-Wien, den 31.7.1906.
#Die Kunst für Alle (1906)
PERSONAL- UND ATELIER-NACHRICHTEN
MÜNCHEN. Am 5. Juli verstarb hier der Bildhauer FRITZ CHRIST im Alter von kaum vierzig Jahren. Schüler der Münchener Kunstakademie unter W. v. RÜMANN erhielt er eine tüchtige Ausbildung. Schon als Akademiker erwarb er sich die erste Auszeichnung für eine modellierte Aktfigur. Auf den Münchener Friedhöfen stehen mehrere prächtige Denkmale aus seiner Werkstätte. Eigenartiger und künstlerisch noch wertvoller sind seine kleinen Statuetten aus Bronze. Gerade in der Kleinplastik kommt seine solide tüchtige Arbeitsweise am besten zum Ausdruck. Auf den jährlichen Ausstellungen im Glaspalast, bei denen er lange als Juror beteiligt war, fanden sich regelmäßig solche Arbeiten ein. A. H.
Die Kunst für Alle. München, 1906.
#Allgemeines Künstler-Lexikon (1921)
Christ, Fritz, Bildhauer, geb. 7. Jan. 1866 in Bamberg, Schüler der Münchener Akad. unter Widnmann (1886–87) und W. v. Rümann (1887–91). Er liess sich in London nieder. Von ihm Brunnen (Markusplatz, Bamberg), Sterbender Gladiator (Mus. das.), Denkmäler in den Arkaden des südlichen Friedhofs (München), Figuren im Justizpalast (das.).
Allgemeines Künstler-Lexikon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Frankfurt am Main, 1921.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Christ Fritz, 1866 (Bamberg) – 1906, Bildhauer; Ch. kam 1880 nach München, um sich bei seinem älteren Bruder, dem im Kolosseum 1881 verunglückten Bildhauer Adam Ch. auszubilden; Ludwig II. ermöglichte ihm nach des Bruders Tod das Studium auf der Akademie bei M. Widnmann; mit seinem »sterbender Krieger« errang er eine Auszeichnung und neue Förderung durch Eberle und Ruemann; kleine, meist nur halbmeterhohe, höchst gefällige Figürchen, in Marmor ausgeführt oder durch Erzguß vervielfältigt, erhielten auf den Ausstellungen in Paris, Kopenhagen, Chikago und München allgemeinen Beifall.
Hauptwerke: Frauenstatue in der Münchner Glyptothek, Monumentaldenkmal Ludwigs II. in Bamberg (von Ph. Rittler nach Chs. Entwürfen vollendet).
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#40 – 7 – 21 (Bauer)
Hier ruht in Frieden
Frau
Ursula Bauer
Privatiersgattin,
gest. am 2. Mai 1910,
im 65. Lebensjahre.
Ihr folgte der Gatte,
unser lieber Vater, Herr
F. X. Bauer
gest. am 10. Juli 1923
im 77. Lebensjahre.
- Bauer, Franz Xaver; – 10.7.1923, 76 Jahre alt; Privatier
- Bauer, Ursula (vh); – 2.5.1910, 64 Jahre alt; Privatiers-Gattin


#40 – 8 – 1 (Oertl)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Oertl, Katharina (vw); – 1889 (München); Oberstleutnants-Witwe


#40 – 8 – 8 (Pfrenzinger)
Sockel-Tafel
Hier ruhen in Gott
¿
Nikolaus Pfrenzinger
Vergoldermeister
¿ Mai 1833 † 20. Nov. 1917
Frieda Pfrenzinger
geb. Meister
* 28. Okt. 1866 † 10. April 1940
¿
- Pfrenzinger, Frieda (vh) / Meister (gb); 28.10.1866 – 10.4.1940
- Pfrenzinger, Maria (vh); – 1888 (München); Schuhmachers-Gattin
- Pfrenzinger, Nikolaus; ¿.5.1833 – 20.11.1917; Vergoldermeister


#40 – 8 – 12 (Rosenhammer)
Maria Rosenhammer
* 10.11.1855 † 26.6.1942
- Rosenhammer, Maria; 11.11.1855 – 26.6.1942


#40 – 8 – 15 (Pfründtner)


#40 – 8 – 21 (Blank)
Ruhestätte
der
Familie Blank.
Linke Seite
Frau Elisabeth Blank
geb. 1827, gest. 1. Nov. 1854.
Franz Xaver Blank
gräfl. Haushofmeister
geb. 29. Mai 1818, gest. 7. Febr. 1877.
Frau Anna Blank
geb. 13. Okt. 1828, gest. 30. Nov. 1907.
- Blank, Anna (vh); 13.10.1828 – 30.11.1907
- Blank, Elisabeth; 1827 – 1.11.1854
- Blank, Franz Xaver; 29.5.1818 – 7.2.1877; Gräflicher Haushofmeister
- Blank, Viktoria; 1859 (München) – 4.3.1928 (München); Sängerin

#Viktoria Blank
* 1859 (München)
† 4.3.1928 (München)
Sängerin
#Union (1.12.1875)
Augsburg. (Gastspiel der Kgl. b. Hofopernsängerin Fräulein Louise Radecke.)
Ein nicht unwesentliches Interesse in der Oper »Faust« bildete das Auftreten des Frl. Viktoria Blank als »Siebel.« Die junge, erst 16 Jahre alte Dame, ist eine Münchnerin und seit einem Jahre Schülerin unseres vortrefflichen Gastes Frl. Radecke; sie verfügt über einen hübschen Mezzosopran und besitzt unbestreitbar ein hervorragendes Talent für die Bühne. Was Wunder, wenn dasselbe unter solcher Leitung herangebildet, sich in durchschlagender Weise schon bei ihrem ersten Debüt geltend machte. Im 4. Akte sang das Fräulein Gounod’s nachcomponirte Arie »Als noch in Freude«. Die Kunstnovize wurde durch dreimaligen lebhaften Hervorruf zu weiterem Streben aufgemuntert. Dramatischen Unterricht genießt Frl. Blank, wie wir hören, bei Frl. Elise Seebach, Ehrenmitglied der Münchener Hofbühne.
Union Nr. 200. München, den 1. Dezember 1875.
#Neueste Nachrichten (26.3.1876)
Frl. Viktoria Blank, eine noch sehr jugendliche Schülerin von Frl. Radecke, trat in dieser Soiree zum ersten Male vor das Publikum. Sie sang mit erklärlicher Befangenheit, aber keineswegs ohne Gefühl und Verständniß Lieder von Mozart, Schubert und Brahms und zeigte hiebei eine schöne, wohlklingende, starke und umfangreiche Stimme mit gesunder Tonbildung und kunstgerechtem Tonansatz. Sie hat natürlich die Schule noch nicht ganz hinter sich und muß, will sie nicht halben Weges stehen bleiben, noch Vieles lernen. Es wäre aber auch schade, wenn sie das schöne, ihr von der Natur in reichem Maß gegebene Kpital nicht richtig zu benützen lernte. Bei so glücklichen Anlagen ist dem Fräulein, wenn es seine Lehrzeit noch nicht für beschlossen hält, eine schöne, erfolgreiche Zukunft in Aussicht zu stellen. Das Auditorium ließ es an ermunterndem Beifall keineswegs fehlen.
Neueste Nachrichten Nr. 86 & 87. München; Sonntag, den 26. März 1876.
#Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903)
Blank Viktoria, geboren 1859 in München. Sofort nach dem Besuche der höheren Töchterschule, woselbst sie gute Stimmmittel zeigte, nahm sie, noch nicht ganz 15 Jahre alt, bei der Hofopernsängerin Louise Radecke Gesangsunterricht. Nach dreijährigem, fleißigem Studium trat sie 1878 ins Engagement als Altistin am Kölner Stadttheater. Dort entwickelten sich ihre künstlerischen Kräfte immer weiter und kaum war ein Jahr vergangen, erhielt sie bereits einen Ruf an das königliche Hoftheater in ihrer Vaterstadt, das in ihr ein wertvolles Mitglied erwarb.
B. verließ diese Kunststätte nicht mehr. Von ihren hervorragendsten Partien seien erwähnt: »Gräfin« in »Wildschütz«, »Rheintochter«, »Erda«, »Waltraute«, »Norne«, »Magdalena« in »Meistersinger«, »Frau Reich«, »Anna« in der »Zauberflöte«, »Nancy« etc. Felix Philippi, der ihre ersprießliche Tätigkeit in der »Münchner Oper« gebührend kennzeichnet, rühmt ihr edles voluminöses Organ von vornehmer Klangfarbe, ihre von ernsten Studien zeigende Gesangsbildung und ihr gutes Individualisierungstalent, und bemerkt ferner: »Sie besitzt eine sehr glückliche Erscheinung, ein ausdrucksvolles in der Bestimmtheit der Linien an die geniale Hedwig Kindermann mahnendes Profil; in ihrem ganzen Wesen tritt uns ein ausgeprägter, künstlerischer Charakter entgegen. Die Verkörperung hehrer Gestalten, wie des Gluckschen »Orpheus«, ist harmonisch im Geiste des Schöpfers gehalten; in der modernen Richtung deutscher, wie italienischer Musik hat sie uns manch freundliche Gabe gereicht. Viktoria Blank ist eine Künstlerin, welche ohne starke, erschütternde Wirkungen hervorzurufen, stets einen wohltuenden und ungemein sympathischen Eindruck hinterläßt. Ihr ernstes und schönes Streben, ihre anmutende von künstlerischer Gesinnung zeigende Bescheidenheit, haben ihr aufrichtige und ergebene Freunde gewonnen.«
Die haben sich im Laufe der Zeit stets vermehrt, ebenso, wie die Kunst der Sängerin immer wuchs und bedeutender wurde, so daß sie heute zu den Stützen der Münchner Hofoper zählt. 1900 wurde die Künstlerin für ihre Verdienste zur Königl. bayrischen Kammersängerin ernannt.
Ludwig Eisenberg’s Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Leipzig, 1903.

#40 – 9 – 17 (Schönhammer)
WILHELM SCHÖNHAMMER
PREMIERLEUTNANT
* 1845 † 1875
THEKLA SCHÖNHAMMER
LEUTNANTSWITWE
* 1815 † 1880
FRL. JOSEFINE
SCHÖNHAMMER
* 1849 † 1883
KARL SCHÖNHAMMER
ARCHITEKT
* 1841 † 1904
FANNY SCHÖNHAMMER
ARCHITEKTENSWITWE * 184¿ † 1907
Schneider.
- Schönhammer, Fanny (vw); 184¿ – 1907; Architektens-Witwe
- Schönhammer, Josefine; 1849 – 1883
- Schönhammer, Karl; 1841 – (22).6.1904; Architekt
- Schönhammer, Thekla (vw); 1815 – 1880; Leutnants-Witwe
- Schönhammer, Wilhelm; 1845 – 25.8.1875 (München); Premierleutnant


#40 – 10 – 11 (Schreyer)


#40 – 10 – 25 (Blumenschein)
Familie
Blumenschein
- Blumenschein, Alois; – 11.11.1879 (München), 22 Jahre alt, Tod durch Arbeitsunfall; Büchsenmacher
- Blumenschein, Maria (vh); – (16).6.1868 (München), 23 Jahre alt; Funktionärs-Gattin

#Alois Blumenschein
† 11.11.1879 (München), 22 Jahre alt, Tod durch Arbeitsunfall
Büchsenmacher
#Rosenheimer Anzeiger (15.11.1879)
München, 12. November (Tagesbericht.) Gestern verlor ein braver, 23jähriger Mann, Herr Büchsenmacher Blumenschein, im k. Laboratorium durch Explosion von Zündstoffen auf gräßliche Weise sein Leben. Es soll demselben eine Hand abgerissen, Hals und Kopf verbrannt worden sein, so daß er augenblicklich todt war.
Rosenheimer Anzeiger No. 261. Samstag, den 15. November 1879.

#40 – 10 – 28 (Lindner)


#40 – 11 – 1 (Arnold · Prantl)
Familie
Arnold
Sockel
Zwisler & Baumeister
- Arnold, Agnes; – 2.5.1857 (München), 2 Monate alt; Ministerialrechnungskommissärs-Tochter
- Arnold, Anna (vh) / Wenglein (gb); – 27.8.1854 (München), 43 Jahre alt; Ministerialrechnungskommissärs-Gattin
- Arnold, Elise; – (17).5.1898 (München), 73 Jahre alt
- Arnold, Franziska; – 20.11.1853 (München), 13 Jahre alt; Ministerialrechnungskommissärs-Tochter
- Arnold, Friedrich; – 22.6.1866 (München), 61 Jahre alt; Ministerialrechnungskommissär
- Prantl, Karl von, Dr.; 28.1.1820 (Landsberg) – 15.9.1888 (München); Historiker

#Dr. Karl von Prantl
* 28.1.1820 (Landsberg)
† 15.9.1888 (München)
Historiker
#Allgemeine Zeitung (16.9.1888)
Verschiedenes.
(Todesfälle.) Wie wir zu unserm lebhaftesten Bedauern vernehmen, ist gestern eine der hervorragendsten Zierden der Münchener Universität, Dr. Karl v. Prantl, o. ö. Professor an der Universität München, Mitglied der Akademien der Wissenschaften in München und Berlin, Ritter des Verdienstordens der bayerischen Krone und des Maximiliansordens für Wissenschaft und Kunst, im 69. Lebensjahre in Oberstdorf nach nur kurzem Krankenlager gestorben. Karl v. Prantl, einer der namhaftesten Historiker der Philosophie, war am 28. Januar 1820 in Landsberg am Lech geboren, studierte in München und Berlin und habilitirte sich 1843 an der Münchener Universität. Die Aufzählung und Würdigung seiner ebenso bedeutenden als zahlreichen philosophischen und geschichtlichen Schriften muß einem eingehenden Nekrolog vorbehalten bleiben.
Allgemeine Zeitung Nr. 258. München; Sonntag, den 16. September 1888.
#Allgemeine Zeitung (18.9.1888)
Bayerische Chronik.
München, 17. Sept.
(Beerdigung.) Heute Nachmittags halb 4 Uhr wurde die sterbliche Hülle des k. Universitätsprofessors Dr. Karl v. Prantl zu Grabe getragen. Der derzeitige Rector der k. Universität Dr. Brunn mit sämmtlichen Dekanen und Professoren, Staatsrath v. Ziegler, die Ministerialräthe v. Giehrl und v. Völderndorff, die verschiedenen Studentenverbindungen, ferner Hr. Landgerichtspräsident Endres, Hr. Senatspräsident v. Braunwart und Frhr. v. Tautphöus vom k. Verwaltungsgerichtshofe, Abt Zenetti von St. Bonifaz, sowie eine große Anzahl anderer Leidtragender gaben dem Verblichenen das letzte Geleite. Hr. v. Prantl hinterläßt eine Wittwe mit zwei Kindern. Zahlreiche Kränze wurden von den Leidtragenden am Grabe niedergelegt.
Allgemeine Zeitung Nr. 260. München; Dienstag, den 18. September 1888.

#40 – 11 – 4·5 (Fleckenstein · Peter)
Familien Grab.
Herr
Dr. Jac. Clemens Fleckenstein
vorm. kgl. Advocat zu Amberg
geb. in Würzburg am 15. Mai 1823
gest. in München am 24. April 1891.
Herr
Hermann Fleckenstein
Kaufmann
geb. in Augsburg am 10. Septbr. 1855
gest. in München am 27. Febr. 192¿
Sockel
Herr
Alois Stanislaus Ritter von Peter
königl. Zolloberbeamter in Kempten,
geb. in Reichenhall am 23. Mai 1776,
gest. in Amberg am 2. Sept. 1836.
Rechte Seite
Frau
Hermine Fleckenstein
geb. Edle von Stubenrauch
* 16.I.1852.
† 2.X.1934.
A. Aufleger
- Fleckenstein, Hermann; 10.9.1855 (Augsburg) – 27.2.192¿ (München); Kaufmann
- Fleckenstein, Hermine (vh) / Stubenrauch, von; 16.1.1852 – 2.10.1934
- Fleckenstein, Jakob Klemens; 15.5.1823 (Würzburg) – 24.4.1891 (München); Advokat
- Fleckenstein, Josefine (vh) / Peter, von (gb); 10.1.1827 – 26.1.1875 (München); Rechtsanwalts-Gattin
- Peter, Alois Stanislaus Ritter von; 23.5.1776 (Reichenhall) – 2.9.1836 (Amberg); Zolloberbeamter


#40 – 11 – 8 (Heinzelmann · Vogel)


#40 – 11 – 13 (Steinlein)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Steinlein, Babette (vh); – 1888 (München); Akademiedieners-Gattin


#40 – 11 – 19 (Haubner)
Hier ruhen
unsere lieben Eltern
Herr Martin Haubner
geb. 16. Aug. 1846, gest. 18. Juni 1891.
Frau Marie Haubner
geb. 4. Aug. 1851, gest. 6. Juli 1918.
- Haubner, Marie (vw); 4.8.1851 – 6.7.1918; Bürodieners-Witwe
- Haubner, Martin; 16.8.1846 – 18.6.1891; Bürodiener


#40 – 11 – 30 (Rostosky)
Oswald Rostosky
Thier u. Landschaftsmaler
humorvoller Zeichner
der „Fliegenden”
und anderer Blätter 1860–68.
* Leipzig, 19. Juni 1839,
† München, 20. Juni 1868.
Kraftvoll das Höchste erstrebend,
ein Liebling der Menschen und – Gottes:
Sankst Du dahin als die Hand
siegend den Lorbeer berührt.
- Rostosky, Karl Oswald; 19.6.1839 (Leipzig) – 21.6.1868 (München); Illustrator und Tiermaler



#Karl Oswald Rostosky
* 19.6.1839 (Leipzig)
† 21.6.1868 (München)
Illustrator und Tiermaler
#Bayerischer Kurier (3.7.1868)
München, 2. Juli.
Bei einem kleinen Ausfluge an unsere oberbayerischen Seen langten wir am 25. Juni in der reizend gelegenen Post Walchensee an. Beim Eintritte in das einfach Gastzimmer erstaunt man nicht wenig über dessen Verzierung. Rings mit Epheu bekränzt sind die Wände mit 4 rasch hingeworfenen aber ganz charakteristisch gezeichneten Thierstücken geschmückt. Sogleich suchten wir nach dem Künstler und fanden unter dem Bilde eines Fuchses im Sprunge als den Zeichner: »O. Rostosky. 64«. Es ist derselbe jugendliche Maler, dessen Leib 2 Tage zuvor in München der kalten Erde überliefert wurde. Die Gegend um Walchensee zog ihn an und er verlebte dort manchen vergnügten Sommer.
Bayerischer Kurier Nr. 180. München; Freitag, den 3. Juli 1868.
#Allgemeine Deutsche Biographie (1889)
Rostosky: Karl Oswald R., Thiermaler, geboren um 1839 zu Leipzig, erst zur Xylographie bestimmt, widmete sich mit seiner Uebersiedlung nach München der Malerei, zu deren weiteren Ausbildung seine vielen Illustrationen und Holzstockzeichnungen die Mittel liefern mußten: Sein erstes Oelbild (Mäusejagd) erschien 1862 im Münchener Kunstverein; dann folgten mehrere, meist heitere Thierstücke (z. B. Hund vor einem Igel), welche den Maler zur Landschaft überführten. Auch hierin excellirte R. mit einigen, in Farbe und Stimmung sehr feinfühligen Bildchen, insbesondere aus dem »intimen« Leben des Waldes, welche vielen Beifall fanden. Rostosky's Zeichnungen, welche in verschiedenen illustrirten Zeitungen, wie in »Ueber Land und Meer«, »Daheim« und »Gartenlaube« (Nr. 46, 1865: Flößer auf der Isar), insbesondere aber in den »Fliegenden Blättern« von Braun & Schneider und in den weltbekannten »Münchener Bilderbogen« (Nr. 403, 421, 454) gerne gesehen wurden, ergingen sich in der Darstellung des stillen Lebens der Thierwelt, in lauschigen Waldbildern, aber auch in fröhlichen Einfällen der Laune, wie denn der Künstler überhaupt ein eminent gesellschaftliches Talent, voll Witz und Humor und ein Meister der Mimik und so gelenken Leibes war, daß er für jeden Clown und Kautschuckmann als gefährlicher Rivale hätte gelten können. R. erlag, nach kurzer Krankheit, einem heftigen Typhus am 21. Juni 1868 zu München. Als Zeichner findet sich sein Name auch im »Illustrirten Goldenen Kinderbuch« (Leipzig bei O. Spamer) und mit M. Haider, E. Frölich, Fr. Hohe in »Herrn Petermann's Jagdbuch« (Braun & Schneider in München) u. s. w.
Hyac. Holland.
Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1889.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Rostosky Karl Oswald, 1839 (Leipzig ) – 1868, Tiermaler; erst zur Xylographie bestimmt, widmete sich R. seit seiner Übersiedlung von Leipzig nach München der Malerei, zu deren weiteren Ausbildung seine vielen Illustrationen und Holzstockzeichnungen die Mittel liefern mußten; sein erstes Ölgemälde (Mäusejagd) erschien 1862 im Münchner Kunstverein, dann folgten heitere Tierstücke (Hund vor dem Igel u. a.), die ihn der Landschaftsmalerei näherbrachten, wo seine Bilder aus dem »intimen« Leben des Waldes Beifall fanden; Rs. Zeichnungen in verschiedenen Illustrierten (Über Land und Meer, Die Gartenlaube, Fliegende Blätter und Münchner Bilderbogen) ergingen sich in Darstellung des Lebens der Tierwelt, in lauschigen Waldbildern, aber auch in fröhlichen Einfällen der Laune; er selbst, ein guter Gesellschafter, voll Witz und Humor, ein Meister der Mimik, hätte es mit jedem Clown aufnehmen können.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#40 – 12 – 1 (Nast · Sattler)
Hier ruhen in Gott:
Der hochwürdige Herr
Wolfgang Nast,
Dechant zu Amberg,
geb. 12. Sept. 1803 in Schwandorf
gest. 13. Febr. 1856 in München.
Die wohlgeborne Frau
Maria Anna Sattler,
Hauptzollamtskontroleurs-Witwe
aus Waldmünchen, geb. 30. Juli 1799 in Hofheim,
gest. 9. April 1884 in München.
Deren Sohn
Hochw. Herr k. Geistl. Rat
Max Vincenz Sattler
Praeses d. gr. lat. Congregation
k. Gymn. Prof. a. D. Inhaber
d. k. b. Verd. Ordens v. hl. Michael IV. Kl.
geb. 22. Jan. 1827, gest. 26. März 190¿.
R. I. P.
Prof. Sattlers Grabstätte.
A. Aufleger 40.12.1.
- Nast, Wolfgang; 12.9.1803 (Schwandorf) – 13.2.1856 (München); Dechant
- Sattler, Maria Anna (vw); 30.7.1799 (Hofheim) – 9.4.1884 (München); Hauptzollamtskontroleurs-Witwe
- Sattler, Max Vincenz, Prof.; 22.1.1827 – 26.3.190¿; Königlicher Gymnasialprofessor a. D.


#40 – 12 – 2 (Fomm)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Fomm, Ludwig; – 1889 (München); Generaldirektionsrat


#40 – 12 – 3 (Riedhammer)
Hier ruhen in Gott:
Frau Sabina Riedhammer
Landrichters-Wittwe,
geb. 28. Oktober 1815, gest. 24. Juni 1903,
u. deren Sohn
Herr Magnus Riedhammer
geb. 28. Febr. 1829, gest. 3. Febr. 1861.
R. I. P.
40.12.3 J. Lallinger.
- Riedhammer, Magnus; 28.2.1829 – 3.2.1861
- Riedhammer, Sabina (vw); 28.10.1815 – 24.6.1903; Landrichters-Witwe


#40 – 12 – 5·6 (Hohenhausen)
Leonhard
Frhr. von Hohenhausen und Hochhaus
General d. Cavallerie
Gen. Cpt. d. kgl. Leibgarde d. Hartschiere
Kämmerer u. Gen. Adj. Sr. Maj. d. Königs
Kriegs-Minister
1788 – 1872
und Familie
Sockel
Feldzüge
1805, 1806, 1807, 1809, 1812, 1815.
- Hohenhausen, Leonhard Freiherr von; 28.6.1788 (Dachau) – 25.3.1872 (München); General und Kriegsminister


#Leonhard Freiherr von Hohenhausen
* 28.6.1788 (Dachau)
† 25.3.1872 (München)
General und Kriegsminister
#Unsere Zeit (1872)
Am 25. März 1872 verschied zu München Freiherr Johann Nepomuk Maria Leonhard von Hohenhausen-Hochhaus, königlicher Kämmerer und Generaladjutant des Königs von Baiern, Generalkapitän der königlichen Leibgarde der Hartschiere, General der Cavalerie und Oberstinhaber des bairischen 7. Infanterieregiments, im fast vollendeten 84. Lebensjahre. Er war der älteste Offizier der bairischen Armee, welcher er seit beinahe 74 Dienstjahren angehörte.
Hohenhausen wurde am 28. Juni 1788 zu Dachau unweit München geboren. Durch den Einfluß seines Oheims, des kurbairischen Generals Sylvius von Hohenhausen, kam er im Jahre 1801 in das Cadettencorps zu München, wo er an dem Freiherrn von Werneck, dem derzeitigen Chef des Corps, einen väterlichen Freund und Protector fand. Im Jahre 1805 wurde Hohenhausen zum Lieutenant im 10. Infanterieregiment ernannt und betheiligte sich als solcher an dem dritten Coalitionskriege gegen Frankreich. Auch kämpfte er während des französisch-preußischen Krieges in den Jahren 1806 und 1807 mit; an der Belagerung von Breslau, Brieg und Kosel betheiligte er sich, wie auch an den Unternehmungen gegen die Festung Glatz, und machte die Gefechte bei Frankenstein und Schönwalde und das Treffen bei Kanth mit. Bei Kanth wurde er ziemlich erheblich verwundet und gerieth in feindliche Gefangenschaft. Beim Ausbruche des Krieges gegen Oesterreich im Jahre 1809 trat er als Oberlieutenant ins Hauptquartier des französischen Generals Lefèvre. Als solcher machte er die Schlachten von Abensberg, Schierling und Eckmühl mit und überbrachte nach der Einnahme von Regensburg dem Könige Max I. die Siegesbotschaft in Augsburg. Dann nahm er theil an der ersten Expedition gegen Tirol und an den Kämpfen an der Donau und erhielt für die bei dieser Gelegenheit bewiesene Tapferkeit in Linz das Band der Ehrenlegion. Auch die zweite Expedition gegen Tirol machte er mit. Als ein Beispiel der persönlichen Bravour, welche Hohenhausen eigen war, theilt die augsburger »Allgemeine Zeitung« gelegentlich eines Nekrologs über denselben die folgende Episode aus dem tiroler Kampfe mit: »Am 5. Aug. war Lefèvre, die Division Deroy unter Erlon Drouet in Innsbruck zurücklassend, mit der Division Kronprinz gegen Brixen aufgebrochen und bis Sterzing gekommen, als erstere am 11. Aug. plötzlich ringsum von überlegenen Streitkräften sich angegriffen sah. Wenn es nicht gelang, die getrennten Heeresabtheilungen rasch zu vereinigen, so war es voraussichtlich um beide geschehen. Wie aber sollte dem Marschall von dieser unerwarteten Wendung Kunde werden, wo alle Dörfer von Aufständischen gefüllt waren? Da erbot sich Hohenhausen zu dem Wagniß, und in rasender Eile, dreimal die abgehetzten Pferde wechselnd, und an den verblüfften Bauern wie ein Gespenst vorüberjagend, legte er trotz der glühenden Augusthitze die 13 Stunden lange Strecke in kaum vier Stunden zurück, und kam glücklicherweise noch rechtzeitig, wenngleich minutenlang sprachlos vor Erschöpfung, bei Lefèvre in Sterzing an.« Nachdem der Friede geschlossen, wurde Hohenhausen als Kurier an den Vicekönig von Italien gesandt und bei dieser Gelegenheit von Bauern gefangen genommen. Nur seine Klugheit befreite ihn aus dieser gefährlichen Lage. Beim Beginn des russischen Feldzuges wurde er zum Ordonnanzoffizier des Generals von Raglowich ernannt und focht mit bei Polock und in den folgenden Gefechten. Alle Schrecken des heillosen Rückzuges von 1812 machte er mit und gerieth bei Kowno mit 14 Offizieren und etwa 30 Mann in Gefangenschaft. Die Strapazen des Rückzuges hatten seine Kräfte erschöpft, und er mußte im Lazareth zu Mohilew zurückbleiben, wo ihm die fünf Zehen des rechten Fußes, welche erfroren waren, amputirt wurden. Schon auf dem Wege, nach Asien transportirt zu werden, obwol kaum genesen, wurde er infolge der Fürsprache des russischen Senators Teploff in Orel internirt und 15 Monate darauf in die Heimat entlassen. Am zweiten Befreiungskriege nahm er wiederum Antheil. Als Adjutant des Grafen von Rechberg zog er in Paris mit ein. Im Jahre 1822 wurde er als Erzieher des ältesten Sohnes des Kronprinzen Ludwig, des nachmaligen Königs Max II., nach München berufen. Er blieb in dieser Stellung bis zum Jahre 1824. In den folgenden Jahrzehnten durchlief er die ganze Stufenreihe der Höhern militärischen und Civil-Ehrenämter. Im Jahre 1847, nachdem das Ministerium Abel gefallen war, trat Hohenhausen (er war damals Generalmajor) als Staatsrath und Kriegsminister in das neue Ministerium ein; jedoch die münchener Bewegungen jenes Jahres veranlaßten ihn wenige Monate nach seinem Eintritte ins Ministerium, seine ministeriellen Functionen wieder einzustellen. König Max II. ernannte ihn zum Generaladjutanten und übertrug ihm mehrfach diplomatische Gesandtschaften. Im Jahre 1850 stand er an der Spitze der königlich bairischen ersten mobilen, im Jahre 1859 der Reservedivision. Darauf war er mehrere Jahre lang Generalcommandeur von Schwaben und Neuburg und wurde im Jahre 1861 vom Könige Max II. zum Generalkapitän der königlichen Leibgarde und zum General der Cavalerie ernannt. Hohe Orden und Ehrenbürgerdiplome, kostbare Geschenke und Auszeichnungen aller Art gingen ihm während der Dauer seines langen Lebens zahlreich zu. König Max II. war ihm stets besonders zugethan. Nächst dem alten Wrangel war der Freiherr von Hohenhausen wol der älteste Offizier der gesammten deutschen Armee. Sein Leichenbegängniß fand in sehr feierlicher Weise am 28. März 1872 statt. Die sämmtlichen Truppen aller Waffengattungen der münchener Garnison waren dazu unter dem Oberkommando des Generals von der Tann ausgerückt. Eine Deputation des 7. Infanterieregiments, dessen Hochstcommandirender er war, wie bereits erwähnt, und Vertreter der Städte Landshut, Passau, Augsburg und Dachau, deren Ehrenbürger er gewesen, sowie die Spitzen aller Stände der bairischen Metropole gaben dem Verstorbenen die Ehre des letzten Geleites.
Unsere Zeit. Deutsche Revue der Gegenwart. Monatsschrift zum Conversations-Lexikon. Leipzig, 1872.

#40 – 12 – 7·8 (Hess)
HEINRICH HESS
KUNSTMALER
1798 – 1863
Sockel
¿
- Hess, Anton Heinrich; 20.8.1838 (München) – 11.4.1909 (München); Bildhauer
- Hess, August; 14.2.1834 (München) – 20.10.1893 (München); Historienmaler
- Hess, Heinrich Maria von; 19.4.1798 (Düsseldorf) – 29.3.1863 (München); Akademieprofessor, Direktor der königlichen Glasmalerei, Freskenmaler und Historienmaler



#Anton Heinrich Hess
* 20.8.1838 (München)
† 11.4.1909 (München)
Bildhauer
#Lindauer Tagblatt für Stadt und Land (27.5.1871)
Verschiedenes.
München, 22. Mai. (Der Werder-Schild.) Bekanntlich hatte sich zu Anfang dieses Jahres in Hamburg ein Comité gebildet zur Beschaffung eines Ehrengeschenkes für General v. Werder; man einigte sich zur Form eines Schildes, welcher in Silber ausgeführt werden sollte. Eine deßhalb ausgeschriebene allgemeine Concurrenz ergab 33 Arbeiten, von den »als best erfundene Zeichnung« Gustav Kaupert zu Frankfurt a. M. den ersten, den zweiten Preis jedoch »als best erfundene technische Arbeit« Anton Heß in München erhielt. Ersterer, ein Schüler Henschels, ist seit 1867 am Städel'schen Institut. Anton Heß, ein Schüler des genialen Kasp. Zumbusch, ist seit Jahren in seinem selbständigen Atelier etablirt und gerade mit der Ausführung von drei großen, für den neuen Münchener Rathausbau bestimmten Sandstein-Statuetten beschäftigt, welche diesem vielversprechenden Unternehmen sicherlich zur Zierde gereichen werden.
Lindauer Tagblatt für Stadt und Land No. 123. Samstag, den 27. Mai 1871.
#Biographisches Künstler-Lexikon der Gegenwart (1882)
Heß, Anton Heinrich, Bildhauer, geb. 20. Aug. 1838 zu München, Sohn des bekannten Historienmalers Heinr. v. ↔ H. (gest. 1863), bildete sich dort ausschließlich unter Zumbusch und machte 1866 bis 1868 Studienreisen in Italien. Seine Hauptwerke sind vier kolossale Balkonfiguren am neuen Rathaus daselbst (Bürgertugenden darstellend), eine Giebelgruppe und zwei Figuren am neuen Wilhelms-Gymnasium, zahlreiche Grabdenkmäler, darunter das Knorr-Monument auf dem Campo Santo des alten Friedhofs. Seine Porträtbüsten sind von treffender Charakteristik. Seit 1875 ist er Professor an der Kunstgewerbschule seiner Vaterstadt.
Biographisches Künstler-Lexikon der Gegenwart von Dr. Hermann Alex. Müller; Leipzig; Verlag des Bibliographischen Instituts 1882.
#Münchner Neueste Nachrichten (29.9.1911)
Sammlung Professor A. Heß †
München
Das Wohnhaus des Bildhauers und k. Professors Anton Heß an der Luisenstraße, zwischen dem Lenbachschen Anwesen und der Kunstgewerbeschule, nahe bei den Propyläen, also an einer der schönsten Stellen der Stadt gelegen, bildet einen vielbewunderten und für das Münchner Kunstleben in den letzten Dezennien des 19. Jahrhunderts sehr charakteristischen Gegenstand. Die hervorragend schöne Baustelle, die äußere und innere Durchbildung des Hauses mit Atelier und Garten, und nicht zum wenigsten der kostbare Inhalt seiner Kunstsammlungen wirken in selten schönen Bildern zusammen.
Die Baustelle ist ein Teil des großen Eckgartens, den Meister Heinrich v. Heß, Professor Heß' Vater, im Jahre 1846 von König Ludwig I., der ihm stets besonders gewogen war, gekauft hatte. In dem idyllischen Hause, das damals mitten im Garten stand, wuchs der junge Anton unter den schönsten Eindrücken auf, fast in ländlicher Poesie! – denn in seiner Knabenzeit standen auch die Propyläen noch nicht. Nur stattliche Gartenanwesen, wie das von Piloty, Löhle, Knorr und vor allem das unmittelbar anstoßende von Moritz v. Schwind bildeten die Nachbarschaft. Längere Zeit nach dem Ableben des Vaters (Anno 1886) verkauften die Erben Heinrich v. Heß' den großen Eckplatz an der Luisenstraße an Franz v. Lenbach, während Anton Heß auf dem verbleibenden Teil sein eigenes Haus erbaute.
Professor Romeis war sein Architekt. Aber das ganze Wesen des Hauses war aufs eingehendste von ihm selbst ausgedacht und es ist gewissermaßen eine Art Portrait von ihm, bei dem sein ganzes Wesen, seine Stimmungen und seine Neigungen zum charakteristischen Ausdruck kamen.
Fast jeder Künstler war damals ein Freund und Verehrer – und so weit es ihm gestattet war – ein Sammler der alten Kunstschätze.
Anton Heß hatte schon seit Jünglingszeiten gesammelt, also schon in den 60er Jahren, wo man nur auserlesene Sachen für erwerbenswert hielt. Er sammelte nicht nur die ihm so nahestehende mittelalterliche Plastik, Geräte, Kleinkunst, Bücher usw., er sammelte auch ganz besonders für den Bau des Hauses, dessen Gestaltung ihn schon zehn Jahre vor Baubeginn beschäftigte. Er kaufte für sein künftiges Haus und baute für die erworbenen Gegenstände: so daß hier ein einheitlicher, fertiger Zug durch das Ganze geht, der selten gefunden wird.
Das Zusammengeflickte, das manchen Häusern dieser Sorte anhaftet, ist hier gänzlich vermieden: man wohnt wie in einem alten Herrensitz in Südtirol. Denn diese südtirolische Art durchzieht das Haus in seinem baulichen Wesen. Die vielen bayerischen und Münchner Objekte sind dabei immer so verwendet, daß eines das andere nicht stört. Die beweglichen Kunstschätze vollenden den Reiz einer sehr schönen künstlerischen Stimmung.
Es ist bedauerlich, wenn so ein ganz persönlich geschaffenes Werk nicht als solches uns in seiner Harmonie erhalten bleibt, aber es ist begreiflich: denn nur für ihn ist von ihm alles erdacht. Eine so persönliche Wohnung verliert mit dem Ablehen ihres Besitzers auch, die alles verbindende Seele und so sehen wir mit Schmerz die wundervollen Ensembles, die herrlichen Gegenstände auseinandergehen, die ein trefflicher Geist und feiner Kenner in einer für Sammler noch glücklichen Zeit erworben hatte. Die weiträumigen Ateliers von Professor Anton Heß im Erdgeschoß waren in unmittelbarem Zusammenhang mit seiner Wohnung. Die großen Räume des 1. Stockes, eine Flucht großer Ateliers, hatte 14 Jahre lang Franz v. Lenbach in Miete. In denselben ist von der Gedonschen Ausstattung jetzt noch manches erhalten. Dankbar begrüßen die Freunde Anton Heß', daß in dem Auktionskatalog der Firma Helbing die Erinnerung an die reizvollen Räume, an einen Teil der Kunstschätze und den vortrefflichen Mann festgehalten wurde.
Gabriel v. Seidl
Münchner Neueste Nachrichten No. 456. Freitag, den 29. September 1911.
#August Hess
* 14.2.1834 (München)
† 20.10.1893 (München)
Historienmaler
#Morgenblatt zur Bayerischen Zeitung (8.2.1865)
Notizen.
Unser Lieben Frau Dom zu München hat eine neue Zierde durch einen neuen Altar (Herz-Jesu-Altar) gewonnen. Der plastische Theil ist von der bewährten Hand des Hrn. Petz, in nicht überladenem geschmackvoll gothischem Styl gehalten und von schönster Wirkung. Das Oelbild in der Mitte, Christus, freundseligen Antlitzes, die Arme der Welt liebevoll entgegenbreitend, als wolle er sprechen: »Kommet zu mir!« ist von Herrn August Heß. Auch dieses Bild ist einfach gehalten. Aber diese Einfachheit ist unverkennbar die Frucht einer besonders reichen Empfindung für das, was bei der Erscheinung des Erlösers, welcher das Symbol der Liebe und Opferwilligkeit auf der Brust trägt, wie bei allen übrigen neutestamentarischen Darstellungsmomenten beansprucht wird. Man kann daher dem Künstler zugestehen, daß sein Werk das traditionelle Gepräge wahrhaft christlicher Auffassung trage. Der edle Heinrich Heß, den wir leider verloren haben, wurde diesen hohen Anforderungen in seinen Schöpfungen überall gerecht. Uns will aus Manchem, wie auch aus dem oben genannten Bilde bedünken, daß zum Vortheile christlicher Kunst ein guter Theil der herzerfreuenden Beschaulichkeit des großen Meisters im Bereich der kirchlichen Malerei auf dessen Sohn August als schönes inneres Erbe übergegangen sei.
Morgenblatt zur Bayerischen Zeitung Nr. 39. München; Mittwoch, den 8. Februar 1865.
#Westricher Zeitung (4.4.1856)
Deutschland.
(Wohlthätigkeit.) Von der Mildthätigkeit unserer geliebten Königin Marie können wir abermals einen schönen Zug mittheilen. I. Maj. besuchten nämlich am 27. März das unter allerhöchst ihrem Protectorate stehende Dr. Hauner'sche Kinderspital in München, und ließ von der Sie begleitenden Hofdame Hemden und Röckchen vertheilen. Die hohe Frau äußerte ihre Freude über das Gedeihen dieser schönen Anstalt und erinnerte daran, wie sie bei Gründung derselben vor 9 Jahren noch als Kronprinzessin mit der höchstseligen Königin Therese zugegen gewesen. Das dort befindliche hübsche Gemälde: »Laßt die Kleinen zu mir kommen«, ein Geschenk von Hrn. Kunstmaler August Heß, fand ebenfalls beifällige Anerkennung der Königin.
Westricher Zeitung Nr. 40. Eufel; Freitag, den 4. April 1856.
#Bayerische Zeitung (4.11.1863)
Nichtamtliches
Deutscher Bund.
Bayern. München, 4. Nov. Se. Majestät König Ludwig geruhten vor einigen Tagen dem Atelier des Herrn August Heß, Sohnes des verstorbenen Directors Heinrich v. Heß, einen Besuch abzustatten, wobei Sich Höchstdieselben über verschiedene Leistungen und insbesonderheit darüber erfreut aussprachen, daß die Richtung des berühmten, von ihm in hohen Gnaden gehaltenen dahingegangenen Meisters von seinem Sohne mit so viel Talent angestrebt und verfolgt werde.
Bayerische Zeitung Nr. 304. München; Mittwoch, den 4. November 1863.
#Der freie Landesbote (29.4.1875)
Aus der Ausstellung des Vereines für christliche Kunst.
In den letzten 8 Tagen war in den Räumen des Vereines für christliche Kunst nach einer kleinen Pause des Stillstandes wiederum reges Leben eingekehrt. Mit Beiseitelassung des minder Wichtigen theile ich in Nachstehendem ein paar kurze Notizen über die bemerkenswertheren neueren Kunstwerke, die dort ausgestellt waren, mit.
Im Gemäldefach war sehr Hervorragendes geboten worden. Zuerst hatte August Heß, welcher strebsam und nicht ohne Erfolg in die Fußstapfen seines berühmten Vaters Heinrich v. Heß tritt, drei größere Altarbilder, »Scenen aus dem Leben und Wirken des hl. Borromäus«, zur Ausstellung gebracht. Jetzt ist von demselben wackeren Künstler ein kleines Bildchen voll Innigkeit und herrlicher Wirkung auf's Gemüth zur Beschauung dort ausgehängt, »der Herr und Heiland mit dem allerheiligsten Herzen«. Jetzt, wo die alten bewährten Kräfte, Schraudolph und Hiltensperger, sich allgemach nach Ruhe sehnen, ist August Heß zur Seite einiger ebenfalls jüngerer Künstler wie Max und Frank Fürst, einer der bedeutendsten Vertreter der Historienmalerei auf dem kirchlichen Gebiete hier in München.
Der freie Landesbote Nro. 96. München; Donnerstag, den 29. April 1875.
#Heinrich Maria von Hess
* 19.4.1798 (Düsseldorf)
† 29.3.1863 (München)
Akademieprofessor, Direktor der königlichen Glasmalerei, Freskenmaler und Historienmaler
#Kunstvereins-Bericht für 1863 (1864)
Nekrologe.
Heinrich von Heß,
Historienmaler, Direktor der vereinigten k. Sammlungen und Ritter des Verdienstordens der bayer. Krone,
geboren im Jahre 1798, war der zweite Sohn des Professors der Kupferstecherkunst an der Akademie zu Düsseldorf Ernst Christoph Heß. Von diesem seinem Vater, dem die großen Anlagen seines Sohnes nicht verborgen blieben, schon frühe im Zeichnen unterrichtet, trat er im Jahre 1813, nachdem sein Vater schon früher, in Folge der Abtretung des Großherzogthums Berg, nach München übergesiedelt war, in die dasige k. Akademie der bildenden Künste, um sich für das Fach der Historienmalerei auszubilden. Nachdem er hier mehrere Jahre mit großem Eifer den Studien obgelegen, trat er, da ihm die damals an dieser Anstalt herrschende Kunstanschauung nicht zusagte, aus derselben, um selbstständig seinen Weg weiter zu suchen. In wie ferne ihm dieß gelungen, zeigte eine heil. Familie, welche er im Jahre 1817 ausstellte. Die höchst eigenthümliche Auffassung dieses von den größten Künstlern und in der mannigfachsten Weise bearbeiteten Gegenstandes zog die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich und namentlich jene Ihrer Majestät der damals regierenden Königin Karoline, welche das Gemälde nicht nur aquirirte, sondern den vielversprechenden jungen Künstler von da an in Ihren besonderen Schutz nahm.
Eine Reihe ausgezeichneter Bilder, sämmtlich der heil. Geschichte angehörig, folgten sich in dem Zeitraume von 1817 bis 1821. Man erwähnt hier nur einer Charitas, dann jenes reizenden kleinen Gemäldes, welches unter dem Namen »Christnacht« eine außerordentliche Verbreitung gefunden, dann einer heil. Cäcilia unter singenden Engeln, des heil. Lukas die Mutter Gottes malend und vor Allem einer lebensgroßen Grablegung Christi für die hiesige St. Kajetanskirche.
Im Jahre 1821 begab sich Heß zu seiner weiteren Ausbildung nach Rom, wo er im Studium der Werke einer großen Vorzeit bis zum Jahre 1826 weilte.
Ein ausgezeichnetes Bildniß des Bildhauers Thorwaldsen, gegenwärtig im Besitze Seiner Majestät des Königs Maximilian II., dann Apollo mit den Musen auf dem Parnasse, welches er im Auftrage Seiner Majestät des Königs Maximilian I. ausführte, gehören jener Periode an. Zum Professor der Geschichtsmalerei an der Akademie zu München ernannt, verließ Heß im Jahre 1826 Italien, um im Vaterlande die Früchte seiner römischen Studien zu verwerthen.
Nicht nur die Pflichten als Lehrer an der neu aufblühenden Kunstanstalt nahmen nun die Kräfte des noch jugendlichen Künstlers in Anspruch, sondern auch die höchst bedeutenden Aufträge, womit ihn das Vertrauen seines Monarchen beehrte.
Zunächst beschäftigten ihn mehrere große Cartons zu Fenstergemälden für den Regensburger-Dom, welche in der neuerrichteten und unter seine Leitung gestellten Glasmalereianstalt ausgeführt werden sollten. Die großartige Auffassung und das tiefe religiöse Gefühl, welche der Künstler in diesen Compositionen beurkundete, bewogen den König Ludwig ihm die Ausschmückung der eben im Bau begriffenen Allerheiligen-Hofkirche zu übertragen. Die erhabenen Malereien, welche der Künstler in diesem Prachttempel ausführte, beschäftigten ihn bis zum Jahre 1837.
Wenn die hehren Gestalten, welche hier auf uns hernieder blicken, der christlichen Symbolik angehören und mehr im Style der späteren byzantinischen Kunst ausgeführt sind, so tritt uns Heß in einem neuen Werke, nämlich in den Gemälden, womit er die neuerbaute Basilika des heil. Bonifazius schmückte, mit Darstellungen entgegen, welche im Geiste der großen Italiener des sechzehnten Jahrhunderts gedacht und ausgeführt sind. Die bedeutendsten Momente in der Geschichte des Apostels der Deutschen sind es, welche uns hier in einer Reihe der ausgezeichnetsten Kunstschöpfungen entgegen treten. Ein Abendmahl im Refektorium des zu dieser Kirche gehörigen Klosters schloß im Jahre 1846 dieses große Werk des Künstlers und die Reihe seiner Wandgemälde.
Nach so gewaltigen in eine verhältnißmäßig kurze Reihe von Jahren sich drängenden Anstrengungen war für den Künstler Ruhe ein dringendes Bedürfniß. Sein Monarch gewährte ihm dieselbe, indem er ihn seiner Stelle an der Akademie, deren Leitung nach dem Tode des Direktor Gärtner er interimistisch übernommen hatte, enthob und ihm die Direktorstelle an den vereinigten k. Sammlungen übertrug. Neben den Pflichten seiner neuen Stellung, war es die Oelmalerei, welcher sich der rastlose Künstler in der letzten Periode seines Lebens wieder zuwendete und in welcher Gattung er im Auftrage Seiner Majestät des Königs Ludwig verschiedene bedeutende Werke ausführte.
Ein Abendmahl in großen Dimensionen, gleichfalls für König Ludwig bestimmt, war sein letztes Werk, an dessen Vollendung ihn jedoch sein am 30. März 1863 erfolgter Tod verhinderte.
Neben den großen Eigenschaften des Künstlers war es tiefer religiöser Sinn, hohe Rechtschaffenheit und ein liebenswürdiger Charakter, welche dem Verewigten das Andenken seiner Freunde und Zeitgenossen sichern.
Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München während des Jahres 1863. München, 1864.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Hess Heinrich Maria, von, 1798 (Düsseldorf) – 1863, Historien- und Freskenmaler, Akademieprofessor und Direktor der königlichen Glasmalerei sowie der vereinigten Sammlungen; Sohn des kurpfälzischen Hofkupferstechers Karl von H., studierte er an der Kunstakademie in München, bereiste mit königlichem Stipendium 1821 Italien, wo er im Verkehr mit den Nazarenern vier Jahre verweilte, und erhielt 1826 durch P. von Cornelius eine Professur für Malerei in München; im Auftrag Ludwigs I. schuf H. Kartons für Glasgemälde im Regensburger Dom und Fresken für die Münchner Allerheiligen-Hofkirche, 1838 malte er das Refektorium des Benediktinerstifts St. Bonifaz in München aus; viele Ölgemälde, z. B. die Madonna in der Staatlichen Gemäldesammlung, behandeln religiöse Motive; seine Werke zeichnen sich durch meisterhafte Komposition und reiche, leuchtende Farbengebung aus; H. verdankt die Münchner Kunstakademie in bezug auf Maltechnik und Farbenstudium einen großen Teil ihres Weltrufs; als Leiter der königlichen Glasmalerei war H. wegweisend.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#40 – 12 – 9 (Popp)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Popp, Maria; – 1886 (München); Privatiere


#40 – 12 – 10·11 (Carriere · Liebig)
Büste
M. Wagmüller. München 1873.
JUSTUS v. LIEBIG.
8. MAI 1803 † 18. APRIL 1873.
FAMILIENGRAB
CARRIERE v. LIEBIG
Medallion
AGNES CARRIERE GEBORNE LIEBIG
Linke Tafel
Justus von Liebig 1803 – 1873
Henriette von Liebig
geb. Moldenhauer 1807 – 1881
Georg von Liebig 1827 – 1903
Lina von Liebig
geb. Maret 1834 – 1896
Daniel von Liebig 1865 – 1874
Agnes von Liebig 1869 – 1874
Hermann von Liebig 1831 – 1894
Auguste von Liebig
geb. Linder 1853 – 1935
Nessie von Liebig 1880 – 1887
Rechte Tafel
Moriz Carriere 1817 – 1895
Agnes Carriere
geb. von Liebig 1829 – 1862
Elisabeth Carriere 1857 – 1864
Barbara von Liebig
geb. Vaeth 1873 – 1938
Linke Seite
Restauriert mit Mitteln
der Thiemig-Stiftung
- Carriere, Agnes Karolina Elisabetha (vh) / Liebig, von (gb); 1829 – 29.12.1862 (München); Universitätsprofessors-Tochter / Universitätsprofessors-Gattin
- Carriere, Elisabeth; 1857 – 17.5.1864 (München); Universitätsprofessors-Tochter
- Carriere, Moriz, Dr. phil.; 5.3.1817 (Griedel/Hessen) – 19.1.1895 (München); Philosoph und Schriftsteller
- Liebig, Agnes von; 1869 – (9).3.1874 (München); Hofrats-Tochter
- Liebig, Auguste von (vh) / Linder (gb); 1853 – 1935
- Liebig, Barbara von (vh) / Vaeth (gb); 1873 – 1938
- Liebig, Daniel von; 1865 – 4.1874 (München); Hofrats-Sohn
- Liebig, Georg von; 1827 – 1903
- Liebig, Henriette von (vw) / Moldenhauer (gb); 1807 – 1881
- Liebig, Hermann von; 1831 – 1894
- Liebig, Justus Freiherr von, Dr.; 12.5.1803 (Darmstadt) – 18.4.1873 (München); Chemiker
- Liebig, Lina von (vh) / Maret (gb); 1834 – 1896
- Liebig, Nessie von; 1880 – 1887




#Dr. phil. Moriz Carriere
* 5.3.1817 (Griedel/Hessen)
† 19.1.1895 (München)
Philosoph und Schriftsteller
#Biographische Blätter (1895)
Moritz Carriere.
Von
Franz Muncker.
Am 18. Januar 1895 starb zu München in hohem Alter der Ästhetiker Moritz Carriere. Über ein halbes Jahrhundert lang hatte er ein ebenso mannigfaltiges wie segensreiches Wirken als Lehrer und als Schriftsteller entfaltet, bis zu seinen letzten Stunden unermüdlich im Dienste der Wissenschaft, ein nie entmuthigter Streiter für Geistesfreiheit, für das, was er als wahr, gut und schön erkannte, ein Denker und Forscher, der den Blick stets nur auf die edelsten Ziele gerichtet hielt, zugleich aber ein wahrhaft vornehmer, liebenswürdiger Charakter, der im milden, hilfreichen Handeln für diejenigen, an deren Tüchtigkeit er glaubte, aufopferungsvoll sich nicht genug thun konnte. So folgt ihm denn auch die verdiente Verehrung, noch mehr aber die dankbare Liebe aller, die ihn nicht bloss oberflächlich kennen lernten, über das Grab hinaus.
Carriere wurde am 5. März 1817 in dem oberhessischen Dorfe Griedel bei Butzbach geboren. Sein Vater war Rentamtmann daselbst. Seine erste Vorbildung erhielt der Knabe durch Privatunterricht bei dem später durch politische Verfolgung in den Tod getriebenen Dr. Frd. Ludw. Weidig, der damals Konrektor in dem nahen Butzbach war. Im Herbst 1832 wurde er in die Sekunda des Gymnasiums zu Wetzlar aufgenommen. Unter seinen Mitschülern that er sich rasch hervor. Schon im September 1833 hielt der inzwischen zum Primaner Beförderte bei der Schlussfeier des Schuljahres eine deutsche Rede über das Thema: Warum und inwiefern ist das jugendliche Alter das glücklichste zu nennen? In denselben Tagen durfte er auch im Namen seiner Mitschüler beim Abschiede des nach Ilfeld berufenen Professors E. W. Wiedasch dem verdienstvollen und geliebten Lehrer ein eigenes deutsches Gedicht in brav gereimten Stanzen überreichen, wohl die erste seiner litterarischen Arbeiten, die zum Druck gelangte (im Wetzlarer Gymnnsialprogramm 1833). Die glatt fliessenden Verse mit ihrer sauberen, schwungvollen Sprache enthalten zwar noch keine besonders eigenartigen oder bedeutsamen Gedanken; immerhin aber muthet es uns wie eine Vorahnung der Ziele an, die Carriere später unablässig verfolgte, wenn schon der Sechzehnjährige dem scheidenden Lehrer begeistert dankte, dass er ihm »das tiefversteckte Fliessen des Wahrheitsborns« gezeigt, ihn zum »Heiligthum des Schönen« geführt, sein Auge an das Ideale gewöhnt habe.
Seit 1835 studirte Carriere in Giessen und Göttingen, vom Herbst 1837 an in Berlin, bis er im Juli 1838 zum Doktor der Philosophie promovirte. Schon vor diesem äusseren Abschlusse seiner Studien aber war er als Schriftsteller öffentlich hervorgetreten, 1837 zu Güttingen mit einer umfangreichen lateinischen Abhandlung »De Aristotele Platonis amico ejusque doctrinae justo censore«. Die Schrift, einem Wetzlarer Lehrer Moritz Axt gewidmet, bekundet vor allein eine aussergewöhnliclie Belesenheit nicht nur in der einschlägigen philologischen und philosophischen Speziallitteratur, sondern auch in den philosophischen, historischen und poetischen Werken der neueren Zeit. Schon hier beruft sich Carriere auf verschiedene Geisteshelden des deutschen Volkes und des Auslandes, die ihm zum Theil sein Leben lang als Führer und Vorkämpfer gegolten haben, auf Dante, Bacon, Spinoza, Luther, Lessing, Schiller, Friedrich Schlegel, Schelling, Gervinus, Dahlmann, Rosenkranz, D. F. Strauss und andere Geschichtschreiber und Denker der Gegenwart, namentlich aber auf Goethe, Wilhelm v. Humboldt und Hegel, die er als »summi nostrae culturae duces et auctores« begeistert preist. Während damals noch die grosse Menge der jüngeren deutschen Schriftsteller mit Börne und Menzel sich schroff ablehnend gegen unsern grössten Dichter verhielt, zeigte Carriere bereits in dieser Erstlingsschrift überall die höchste Verehrung für Goethe, für den ihm auch der bewundernde Beiname »…« nicht zu überschwänglich erschien. Im gleichen Jahre 1837 widmete er zusammen mit seinem Freunde Theodor Creizenach der Universität Göttingen als poetische Festgabe zu ihrer Säkularfeier einen Kranz von Sonetten auf die grossen Männer der Dichtkunst und der Wissenschaft, die in Göttingen studirten oder als Lehrer wirkten, von Haller an bis auf die Brüder Grimm und andere Dozenten, die er selbst gehört und persönlich kennen gelernt hatte, und bis auf Heinrich Heine, den er bei voller Anerkennung seiner früheren Leistungen zürnend mahnte, aus dem jetzigen Schlummer sich aufzuraffen und mit Ernst dem Höchsten nachzustreben. Ein kühner, kampfesfreudiger Ton klingt überhaupt durch diese Sonette; Untergang wird allen noch bestehenden Götzenbildern gepredigt, Freiheit, Recht und Wahrheit als einziger Pol der Jugend im edlen Streite um die heiligsten Ideale gezeigt.
Nach seiner Promotion verweilte Carriere noch ein halbes Jahr in Berlin. Jetzt gelangte er auch in persönlichen Verkehr mit Bettina v. Arnim, und bald verband ihn die innigste Geistesharmonie mit der eigenartigen Frau, die mehr als einmal das rechte Wort fand für das Gähren und Ringen im Wesen des jüngeren Freundes, bald anregend und zündend, bald klärend und beglückend auf sein philosophisches Denken und menschlich-künstlerisches Empfinden einwirkte. Im Frühling 1839 wandte sich Carriere über München, wo er Bettinas Bruder, Clemens Brentano, aufsuchte, nach der Schweiz, dann nach Italien, das er bis nach Neapel und Sizilien durchstreifte; den Winter verlebte er in Rom, dem hauptsächlichen Ziele seiner Reise. Im Spätherbst 1840 erst kehrte er aus dem Süden nach Berlin zurück. Er versuchte nun hier und darnach in Heidelberg sich als Privatdozent für Philosophie an der Universität niederzulassen. Sowohl das badische Ministerium wie die philosophische Fakultät in Heidelberg kamen 1841 seinem Wunsche wohlwollend entgegen; dennoch nahm er schliesslich die Lehrthätigkeit an der altberühmten Hochschule nicht auf, da eben damals in öffentlichen Blättern und in den Sitzungen der zweiten badischen Kammer laute Klagen über die willkürlich verletzte und aufgehobene Lehrfreiheit der badischen Dozenten ertönten. Er beschäftigte sich noch ein Jahr lang hauptsächlich mit Kunststudien; dann habilitirte er sich 1842 in Giessen für Philosophie: im Wintersemester 1842/43 las er seine ersten Kollegien, darunter eines über Schiller als Dichter und Denker, das er noch fünfzig Jahre darnach in seinem hundertsten Dozentensemester in München unter dem begeisterten Beifalle einer nach mehreren Hunderten zählenden Zuhörerschaft, wiederholte. 1849 wurde der beliebte, litterarisch sehr thätige Dozent, zu dessen ersten Hörern Männer wie Ludwig Bamberger, Wilhelm Heinrich v. Riehl, Max Klinger, Karl v. Hofmann, Wilhelm Baur zählten, zum ausserordentlichen Professor in Giessen befördert. Der glänzendste Stern der Giessener Hochschule war damals Justus v. Liebig. Ihm trat Carriere bald in verehrungsvoller Freundschaft nahe; in seinem Hause fand er die spätere, über alles geliebte Lebensgefährtin. Eben als Liebig einem Rufe an die Münchener Universität folgte, wurde seine Tochter Agnes (geboren am 6. Juni 1829 zu Giessen) Carrieres Braut: am 26. September 1852 feierten die Glücklichen zu Soden im Taunus ihre Verlobung. Im Winter darauf sahen sie sich bei einem Besuche des Bräutigams in München wieder. Schon damals wurde Carriere in den Kreis von Künstlern, Dichtern und Gelehrten eingeführt, die König Maximilian II. an seine Residenz zu fesseln vor kurzem begonnen hatte. 1853 gesellte er sich selbst zu dieser Schaar, als er einem Rufe an die Münchener Universität als ordentlicher Professor der Ästhetik folgte.
Das glücklichste Jahrzehnt seines Lebens begann, eingeleitet durch seine Vermählung mit Agnes (am 28. Mai 1853 zu München). Was er Jahre lang ersehnt und gehofft hatte, bot ihm nun die Gegenwart in reicher Fülle. Der seligen Lust reinster Liebe, die er auf einer italienischen Reise mit seiner jungen Gattin genoss und in begeisterten Gedichten aussprach, folgte noch innigeres Entzücken, als ihm im März 1854 ein Sohn, Justus, im August 1857 auch eine Tochter, Elisabeth, geboren wurde. Die gesellschaftlichen Verhältnisse in München gestalteten sich für den Neuzugewanderten ebenfalls behaglich, obgleich ihn die ultramontane Partei zuerst mit einer Fluth von Schmähungen empfing und als Demagogen und Atheisten brandmarkte. Besonders war Carriere bald ein geschätztes, regsames Mitglied des künstlerisch-litterarischen Kreises, der zum grösseren Theil ja aus Nichtbayern bestand; an der Dichtergesellschaft der »Krokodile« nahm er eifrigen Antheil, mit Geibel, Lingg, Heyse, Hertz, Melchior Meyr und den übrigen älteren und jüngeren Poeten des damaligen München ebenso befreundet wie mit Kaulbach, Schwind, Philipp Foltz, Piloty und anderen Malern jener Epoche oder mit vielen seiner Kollegen von der Universität. Zu den Vorlesungen an der Hochschule übernahm er im Januar 1856 auch Vorträge über Kunstgeschichte an der Akademie der Künste sowie das Sekretariat derselben Anstalt; über dreissig Jahre lang gewann er als Dozent, als Schriftführer und meistens auch Referent in den akademischen Sitzungen, überhaupt als maassgebender Beirath des Direktors bedeutenden Einfluss auf die Akademie, die gerade in dieser Zeit einen mächtigen Aufschwung nahm. Aber auch die Veranstaltung der historischen deutschen Kunstausstellung von 1858 wie später die Errichtung des neuen Akademiegebäudes in den siebziger Jahren war seinem eifrigen, durchaus initiativen Vorgehen im hohen Grade mit zu verdanken.
In dieser ausgebreiteten Amtstätigkeit und im ununterbrochenen litterarischen Wirken suchte und fand Carriere Trost, als sein häusliches Glück jäh zertrümmert wurde. Am 29. Dezember 1862 raffte ein früher Tod Agnes weg; anderthalb Jahre darnach, im Mai 1864, folgte der Mutter auch das Töchterchen ins Grab. Dem Vereinsamten führte seine Schwester Bertha das Haus; mit Ernst und Liebe half sie ihm den Sohn erziehen, als treue, sorgsame Pflegerin stand sie ihm selbst bis an seine letzten Tage zur Seite. Heilig hütete sie mit ihm die Erinnerung an sein einstiges Familienglück, die ihm nicht nur für die ersten Zeiten der Trauer, sondern für den ganzen, grossen Rest seines Lebens eine unerschöpfliche Quelle wehmüthiger Freude war. Zur vollen frohen Begeisterung seiner früheren Jahre schwang er sich erst wieder auf, als 1870 das deutsche Volk im Süden und Norden wieder geeinigt dastand, bereit, seine alte Kraft aufs Neue zu bewähren. Mit hellem Jubel verfolgte er die Siege Deutschlands, Schlacht für Schlacht, bis zur Gründung des neuen Reiches und zum Friedensfeste 1871, in München einer der rührigsten und edelsten Vorkämpfer deutscher Einheit und Grösse, gegen die sich gerade hier zuerst noch gar manche Anhänger einer einseitig katholisch-bayerischen Partei heftig sträubten. Auch in die Gedichte, mit denen er sich im August 1872 an der Feier des vierhundertjährigen Bestehens der Münchener Universität betheiligte, klang der patriotische Mahnruf mächtig herein. Ebenso blieb Carriere später, als die erste vaterländische Begeisterung des geeinigten deutschen Volkes verrauscht war, stets mit vollem Eifer der nationalen Sache zugethan, immer liberal gesinnt in des Wortes edelster Bedeutung, ein muthiger, aber vor allen extremen Bestrebungen sich sicher bewahrender Vertheidiger wahrhafter Geistesfreiheit. Äusserlich wurde sein Leben immer ruhiger; auch die Reisen, die er während der Ferien noch mehrfach unternahm, hielten sich allmählich in engeren Grenzen.
Im Anfang der achtziger Jahre kamen wieder trübe Zeiten: auf beiden Augen Carrieres bildete sich der graue Staar aus, und zu wiederholten Malen wurde eine Operation nöthig, bevor der Alternde, dessen Körper und Geist sonst freilich noch ganz die ehemalige Frische und Beweglichkeit besass, die Sehkraft wieder erlangte; eine gewisse Schonung der Augen musste er sich aber überhaupt von nun an zum Gesetze machen. Zu Ende des Winters 1881 feierten die Professoren und Schüler der Kunstakademie sein füufundzwanzigjähriges Wirken an dieser Anstalt durch eine Deputation, einen Fackelzug und ein in gehobener Stimmung fröhlich verlaufendes Kellerfest. Im Herbst 1887 gab der Siebzigjährige seine Thätigkeit an der Kunstakademie überhaupt auf; doch verblieb er noch als Ehrenmitglied in der Körperschaft, deren Schriftführer er über drei Jahrzehnte gewesen war. Im Juli 1888 beging er sein Doktorjubiläum. Ein Jahr später wählte ihn die philosophisch-philologische Klasse der bayerischen Akademie der Wissenschaften zum ordentlichen Mitgliede. Das Sommereemester 1892, sein hundertstes Dozentensemester, brachte ihm mehrfache herzliche Huldigungen der Münchener Dozenten und Studenten. Auch noch ein tiefer Schmerz suchte ihn heim: im Juli 1893 starb plötzlich nach ganz kurzer Krankheit sein Sohn Justus, der sich als Professor an der Universität Strassburg eine ehrenvolle Stellung in der gelehrten Welt erworben hatte, der Stolz und die Hoffnung des greisen Vaters. Dieser nahm jetzt die Wittwe und die Kinder des Todten zu sich nach München, seine letzte Liebe und zärtliche Sorgfalt widmete er ihnen. Munter und pflichteifrig wirkte Carrlere in ihrer Mitte noch anderthalb Jahre, an der Universität ohne Unterbrechung in der alten Weise thätig. Noch am 17. Januar 1895 hielt er in ungeschwächter Gesundheit seine Nachmittagsvorlesung und verbrachte den Abend nach seiner Gewohnheit mit Freunden in der Museumsgesellschaft. In der Nacht darauf erlag er einem Schlaganfalle, der ihn schmerzlos im Schlafe traf. Am 20. Januar geleiteten ihn seine Freunde, Kollegen, Schüler und Verehrer zur Ruhe. Dichtgedrängte Schaaren aus den verschiedensten Kreisen der Münchener Künstler-, Gelehrten- und Beamtenwelt, Dozenten und Studenten aller Fakultäten umstanden das offene Grab, alle einmüthig in dem Gefühle verehrungsvoller, aufrichtiger Liebe zu dem Verewigten.
In seinen grösseren Universitätsvorlesungen behandelte Carriere bald die gesammte Ästhetik, bald das besondere Kapitel derselben über Wesen und Formen der Poesie. In das eine, umfassendere Kolleg flocht er Charakteristiken der epochemachenden Werke aus den verschiedenen Künsten und ihrer Meister ein; in dem anderen bemühte er sich zugleich die Grundzüge der vergleichenden Literaturgeschichte zu entwerfen. Gelegentlich las er auch einmal ganz speziell über die ästhetische Theorie und vergleichende Literaturgeschichte des Dramas. Ungleich besuchter als diese ausführlicheren, vier- oder gar fünfstündigen Kollegien waren seine einstündigen Publika über menschliche Freiheit und sittliche Weltordnung, über Goethes »Faust«, Schiller als Dichter und Denker, Shakespeare im Lichte der vergleichenden Literaturgeschichte. Zu ihnen strömten, besonders in den letzten Jahrzehnten, die Zuhörer in Schaaren herbei, und Tausende erquickten sich hier im Laufe der Jahre an der persönlichen Innigkeit und frohen Begeisterung, mit der der Vortragende, frei von aller äusserlichen Rhetorik, nicht einmal von einer kraftvoll durchdringenden Stimme unterstützt, aber selbst gehoben durch die Gewissheit seiner innereren Überzeugung, für den Sieg des Wahren, Guten, Schönen im Leben und in der Kunst und Wissenschaft einstand. In diesen Vorlesungen verdiente sich Carriere vor allem den Ehrennamen eines Bannerträgers des Idealismus, mit dem ihn, ein befreundeter Amtsgenosse in seinem Nachrufe charakteristisch schmückte.
Hand in Hand mit dieser Lehrthätigkeit ging eine überaus fruchtbare litterarische Wirksamkeit, auch sie durchaus dem Kampf für das Ideale und gegen den Materialismus in jeglicher Form gewidmet. Mehrere von Carrie bedeutendsten wissenschaftlichen Werken erwuchsen ihn unmittelbar aus seinen Vorlesungen, so das Buch über die philosophische Weltanschauung der Reformationszeit in ihren Beziehungen zur Gegenwart (1847), die religiösen Reden und Betrachtungen für das deutsche Volk (1850), das Werk über Wesen und Formen der Poesie (1854, ganz umgearbeitet 1884), die »Aesthetik« (1859), die fünf Bände über die Kunst im Zusammenhang der Kulturentwicklung (1863–1874) und die Schrift über die sittliche Weltordnung (1877). In seinen philosophischen Anschauungen ging Carriere von Hegel aus, dessen bleibendes Verdienst in der Geschichte des menschlichen Geistes er wiederholt mit dankbaren Worten rühmte. Aber schon frühzeitig wandte er sich auch gegen Hegels Einseitigkeiten, namentlich gegen sein »Verkennen der Individualität«, gegen seine »Gewaltherrschaft der abstrakten Gedankenallgemeinheit«. Aus sittlichen Lebenserfahrungen und naturwissenschaftlichen Studien schöpfte er die Einsicht, dass die Idee oder das Allgemeine nicht das für sich Wirkliche sei, sondern des Individuellen, der Subjektivität als Trägers bedürfe. So viel Wahres ihm auch die Philosophie Spinozas zu enthalten schien, so erkannte er doch bald, »dass die Substanz als Subjekt begriffen werden müsse, dass sie nicht erst in ihren Entfaltungen zum Bewusstsein komme, sondern ewig sich selbst erfassende Intelligenz und Persönlichkeit sei«. So suchte er sich des im Pantheismus wie im Deismus liegenden echten Gehaltes zu bemächtigen, die Einseitigkeiten und Gegensätze beider Lehren aber durch eine theistische Weltanschauung zu überwinden, die er bei den deutschen Mystikern und bei Giordano Bruno schon vorbereitet fand. Mit der Unendlichkeit der Welt und der Ewigkeit der Substanz behauptete er zugleich die Einheit und Selbständigkeit der göttlichen Persönlichkeit. Auf Grund dieser Auffassung von Gott und Welt, bemühte er sich Wissen und Glauben zu versöhnen, das Evangelium mit den Natur- und Geschichtskenntnissen der Gegenwart in Einklang zu bringen. Er hielt die Freiheit des Forschens und Denkens, aber nicht minder den Glauben an die Grundlehren des Christenthums, an die Gottmenschheit und die Erlösung fest; mit Hilfe der aus der Wissenschaft gewonnenen Vorstellungen vom Wesen Gottes und des Menschen suchte er die religiösen Geheimnisse zu begreifen, den Frieden zwischen Geist und Herz zu besiegeln und so die Philosophie zur wahren, beseligenden Lebenswissenschaft zu weihen. Immer wieder bis zu seinen letzten Schriften fasste er dieses nämliche Ziel ins Auge: in der schönen Abhandlung »Jesus Christus und die Wissenschaft der Gegenwart« (1888) und noch in der akademischen Festrede »Erkennen, Erleben, Erschliessen« (1893), fand er die Lösung des Welträthsels, durch die auch die Forderungen des religiösen Gemüthes befriedigt und die Thatsachen des religiösen Lebens verständlich werden, einzig in der auf Vernunft und Erfahrung, auf Natur und Geschichte gegründeten Gottesidee des Einen und Unendlichen, wie es zugleich Naturmacht und wissender, wollender Geist ist, dem der als Naturkraft reale, sich selbst zur Geistigkeit bestimmende und in seiner Innenwelt das Reich der Freiheit und der Liebe erbauende gottinnige Mensch gegenübersteht.
Unter Carrieres wissenschaftlichen Werken nehmen seine mannigfaltigen und umfangreichen ästhetischen Schriften einen hervorragenden Platz ein. Sie sind auf derselben antimaterialistischen Grundlage wie seine gesammte Philosophie, auf der Weltanschauung des Idealrealismus aufgebaut. Das Schöne ist ihm die Harmonie von Natur und Geist, die Ineinsbildung des Realen und Idealen, die Lebensvollendung im Einklang von Sinnlichkeit und Vernunft, das volle mangellose Sein, die verwirklichte Weltharmonie in der Übereinstimmung des Innern und Äussern. Die Kunst, die das Schöne um der Schönheit willen schafft, wird so »die Krystallgestalt des Lebens«. Sie stellt im Seienden das Seinsollende dar, gestaltet das innere Leben des Geistes in den Formen der äussern Natur und erfasst die Gegenstände der sinnlichen Erscheinung, um in ihnen das ewige Wesen der Dinge zu enthüllen. In den Grundsätzen seiner Aesthetik, den wichtigsten Definitionen und Unterscheidungen konnte Carriere sich mit Recht vielfach auf Äusserungen Goethes, Schillers, Wilhelm v. Humboldts und ihrer gleichzeitigen Geistesgenossen berufen. Nicht minder aber betonte er selbst, dass er sich nicht auf den Boden einer vorgefassten Theorie stelle, sondern im Einklang mit Fechner und den Anhängern der psychologischen Richtung von unsern Empfindungen, also von Thatsachen der Erfahrung ausgehe. Vor allem jedoch verband er durchaus in seinen ästhetischen Schriften die theoretisch-philosophische Betrachtung mit der praktisch-historischen. Überall eröffnete er lehrreiche Ausblicke auf die künstlerische oder überhaupt kulturgeschichtliche Entwicklung ältester und neuer Völker, auf die sittlichen und ästhetischen Ideale, denen die Menschheit im Wechsel der Zeiten nachstrebte, auf die Meisterwerke der verschiedenen Künste in früheren oder späteren Jahrhunderten, auf die ewig gültigen Aussprüche der grössten Denker und Dichter aller Nationen. So bot er namentlich in seinem grossen Werke über die Kunst eine Art von umfassender Kulturgeschichte von den ältesten Perioden orientalischer Geistesentwicklung an bis auf die Gegenwart. Im engeren Rahmen führte er das gleiche Prinzip historischer Betrachtung in dem Buche durch, das er seiner Lieblingskunst widmete, der Poesie, die er gelentlich mit unleugbarem Rechte, wofern man seinen Ausdruck nicht missversteht, als die ihre Schwesterkünste beherrschende Kunst der Zukunft verkündigte. Indem Carriere den inneren Zusammenhang der Sagen und Mythen verschiedener Völker, die künstlerische Behandlung derselben Stoffe in alter und neuer Zeit beleuchtete und die bedeutendsten Dichterpersönlichkeiten der Weltlitteratur und ihre grössten Werke auf ihre geistige Verwandtschaft oder Gegensätzlichkeit prüfte, gab er zugleich schätzbare Winke und Beiträge zur vergleichenden Litteraturgeschichte, unter deren Begründern er mit in erster Reihe steht.
Aber auch speziell um die deutsche Litteraturforschung machte er sich mannigfach verdient, sowohl durch Ausgaben von Goethes »Faust« und Schillers »Tell« mit reichen Erläuterungen, wie durch mitunter vortreffliche Charakteristiken deutscher Geisteshelden, namentlich aus den beiden letzten Jahrhunderten. An der neuesten Literatur unseres Volkes etwa seit 1840 nahm er selbst unmittelbaren, thätigen Antheil, als Dichter und als Kritiker. Seine poetischen Versuche, durchweg dem Bereiche der Gedankenlyrik angehörig, zeichnen sich weniger durch kräftige Eigenart und vollkommene künstlerische Gestaltung als durch den Adel und Tiefsinn ihres Ideengehaltes aus; durchaus Produkte der Reflexion, spiegeln sie doch die geistige Persönlichkeit des für alles Grosse und Schöne in der Geschichte der Menschheit begeisterten Verfassers vortrefflich wieder. Noch emsiger aber griff Carriere durch seine zahlreichen kritischen Aufsätze, die er in allerlei Zeitschriften veröffentlichte, in den Entwicklungsgang unserer Litteratur ein. In den letzten fünfzig Jahren sind nur wenige wirklich bedeutende Schriften auf dem Gebiete der deutschen Poesie, Philosophie und Litteraturgeschichte erschienen, die er nicht in ausführlichen, sorgfältig auf das Einzelne eingehenden Rezensionen besprochen hat. Immer mild, liebevoll anerkennend, wo er echtes, edles Streben wahrnahm, nur dann schroff ablehnend, wenn er die von ihm heilig gehaltenen Ideale durch einen geistlosen Mechanismus oder durch materialistische Tendenzen bedroht sah. Ungemein schnell und leicht scheint ihm die Arbeit bei diesen Aufsätzen von der Hand gegangen zu sein; aber überhaupt alles, was er schrieb, auch seine grossen philosophischen Werke nicht ausgenommen, zeugt von seltener Flüssigkeit und Gewandtheit der stilistischen Darstellung. Durch geistige Tiefe und systematische Strenge, durch neue, wissenschaftlich bedeutsame Ergebnisse vermochte Carriere mit andern Denkern und Forschem seiner Zeit oft nicht zu wetteifern; aber, wie wenige, verstand er popular im guten Sinne zu schreiben, durch einen deutlichen, schmuckreichen, unter Umstünden auch breiten und oft etwas rhetorisch gefärbten Vortrag anregend und zündend auf die weiteren Kreise der Gebildeten zu wirken.
Höher aber als alle wissenschaftlichen Leistungen des Lehrers und Schriftstellers steht die persönliche Charaktertüchtigkeit Carrieres. Er war ein guter Mensch, treu und unermüdlich im Dienste der Pflicht, vornehm in seiner Gesinnung, rein in seinem Wollen, ehrlich in seinem Handeln, selbst liebenswürdig und mit herzlicher Liebe seinen Nebenmenschen zugethan. Er glaubte an den edlen Kern der menschlichen Natur und kam in diesem schönen Optimismus wohlwollend allen entgegen, die seine Hilfe heischten. Besonders seinen Schülern und jüngeren Kollegen war er immer nicht nur ein berathender, sondern auch ein selbstthätiger, oft aufopferungsvoller Freund. Die Ideale, die er predigte, hat er im eigenen Leben redlich zu verwirklichen getrachtet, stets und überall sich edel, hilfreich und gut erwiesen, reichlich Liebe gesät und verehrungsvolle, dankbare Liebe geerntet.
Franz Muncker: Biographische Blätter. Jahrbuch für lebensgeschichtliche Kunst und Forschung. Herausgegeben von Anton Bettelheim. Erster Band. Berlin, 1895.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Carriere Moritz, Dr. phil., 1817 (Griedel/Hessen) – 1895, Philosoph, Ästhetiker und Universitätsprofessor; er studierte in Gießen, Göttingen und Berlin Philosophie, lebte dann in Italien, habilitierte sich in Gießen und wurde dort 1849 Professor der Philosophie (seit 1853 in München); Cs. Philosophie stand sehr unter dem Einfluß Weißes, Hegels und des jüngeren Fichte, er suchte später aber den Pantheismus und Deismus zu überwinden, indem er in der Anschauung eines sowohl selbstbewußten als unendlichen, in Natur und Geschichte sich offenbarenden, Gottes die Hauptaufgabe des menschlichen Geistes erblickt; seine Hauptwerke weisen ihn als einen liberalen Vertreter jenes Spätidealismus aus, der um eine Versöhnung der Metaphysik des deutschen Idealismus mit der christlichen Religion rang; Cs. Denken freilich gewährt nur einem dogmen- und kirchenfreien philosophischen Christentum Raum, dem er im Kulturkampf mit Eifer das Wort redete; seine wissenschaftlichen Leistungen liegen vielmehr auf dem Gebiet der Ästhetik.
Hauptwerke: Die sittliche Weltordnung, Jesus Christus und die Wissenschaft der Gegenwart (14 Bde.), Vom Geist-, Schwert- und Handschlag für Franz Baader, Die Kunst im Zusammenhang der Kulturentwicklung und die Ideale der Menschheit (5 Bde.); C. gab auch Goethes Faust und Schillers Wilhelm Tell heraus und veröffentlichte selbstverfaßte Gedichte (Agnes – Liebeslieder und Gedankendichtungen); in seinen »Lebensbilder« schilderte er ihm bekannte Denker, Dichter und Künstler; er war mit einer Tochter Liebigs verheiratet.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.
#Dr. Justus Freiherr von Liebig
* 12.5.1803 (Darmstadt)
† 18.4.1873 (München)
Chemiker
#Die Stadt-Frau-Bas (1868)
Das neue Brod.
Epistel an den Freiherrn Justus von Liebig. *)
*) Bekanntlich hat der Chemiker J. v. Liebig die Bereitung von Kleienbrod, als eines besonders nahrhaften Gebäcks, empfohlen und dazu statt der Brodgährung oder des Sauerteiges die Anwendung chemischer Mittel (arsenfreie Salzsäure und doppeltkohlensaures Natron) empfohlen. Da nun seit Kurzem auch in Berlin mit der Liebig'schen Brodbereitung, leider sogar von ganz unzünftiger Seite, der Anfang gemacht worden ist, hat Herr Bäckermeister A. Borgernickel im Auftrage mehrerer dortigen Bäcker sich veranlaßt gesehen, einen energischen Protest gegen diese Neuerung einzulegen, den er Herrn J. v. Liebig einzusenden gedenkt. Durch Zufall in den Besitz des Schreibens gelangt, glauben wir, dasselbe unsern Lesern nicht vorenthalten zu dürfen.
Lieber Gott, wie soll das endlich enden? –
Nicht das Steuerzahlen meine ich –
Diesesmal will ich mein Klagen wenden,
Freiherr Justus Liebig, »von«, an Dich.
Vieles lernen müssen schon die Menschen,
Was sie von Natur aus nicht gewußt,
Nun verdirbst Du mit der sakrament'schen
Eß-Chemie so Magen uns wie Luft.
Sieh, Dein Vater hat, herauf bis Adam,
Nie von »Protein« und »Nahrungswerth«
Nichts gewußt, und Adam so wie Madame
Eva wurden chemisch nicht ernährt.
Vor Dir hat Getreidebau getrieben
Mancher, dem vom »Raubbau« nichts bekannt,
Guano soll er holen jetzt von drüben,
Thaler schicken in das Vogelland.
Statt den Ochsen, wie er ist, zu nehmen,
Sollen wir von Südamerika
Fleischextract zu holen uns bequemen, –
Prägen wir das schöne Geld für da?!
Du verlangst, daß wir beim Essen denken!
Doch zum Frevel neulich ward Dein Spott:
Statt dem Hungernden Dein Geld zu schenken,
Machst Du chemisch Brod! Du lieber Gott!
Ungesäuert Brod ißt selbst der Jude
Nur, wenn er sich Passah-Mazzes gönnt,
Kleien essen Schwein und Botokude1,
Kohlensauren Bullrich der Patient.
Mit Salzsäure ihre Töpfe scheu're
Gern das wackre, wirtschaftliche Weib,
Aber, sei arsenfrei selbst die Säure,
Bleib' damit dem Mehl drei Schritt vom Laib!
Esse, wie Du, wenn Du selbst zu essen
Wünschest, wohlgespeist zu haben denkst,
Aber das kann ich Dir nie vergessen.
Daß Du chemisch Andrer Magen kränkst!
Wenn auch in Berlin Dir nachzutreten
Sich gefügig Dr. Hermes zeig',
Ich und die Collegen werden kneten
Nach wie vor den alten Sauerteig!
August Borgernickel,
gesäuerter Roggenbäcker in Berlin.
Die Stadt-Frau-Bas Nr. 18. München, 1868.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Liebig Justus, Dr., von, Freiherr, 1803 (Darmstadt) – 1873, Chemiker, Universitätsprofessor und Präsident der BakdW, begann als Apothekerlehrling zu Heppenheim seine Laufbahn, er studierte dann in Bonn, Erlangen und Paris und erwarb durch seine Arbeit über die Knallsäure die Gunst A. von Humboldts; seit 1824 war L. Professor der Chemie in Gießen, wo Schüler aus allen Ländern zu ihm kamen, 1852 kam er nach München, wo er 1860 Präsident der BAkdW, dann Generalkonservator der wissenschaftlichen Staatssammlungen und Vorstand der »Liebig-Stiftung« durch die deutschen Landwirtschaftler wurde; L. machte grundlegende Forschungen auf dem Gebiet der Chemie, vor allem der Lebensmittelchemie, begründete den Laboratoriumsunterricht sowie die Lehre der Pflanzenernährung und förderte damit auch die Landwirtschaft (künstliche Düngung) außerordentlich; er entdeckte das Chloroform und das Chloral, die Hippursäure, das Kreatinin, Inosinsäure und das Tyrosin.
Hauptwerke: Die Tierchemie oder die Chemie in ihrer Anwendung auf Agrikultur und Physiologie, Handbuch der organischen Chemie mit Rücksicht auf Pharmazie, Chemische Briefe, Chemische Untersuchungen über das Fleisch und seine Zubereitung zum Nahrungsmittel (»Liebigs Fleischextrakt«), Herausgeber der »Annalen«; L. ist »der Mann, der die Chemie in den Sattel gehoben hat«, »Die Naturwissenschaft zählt ihn zu ihren größten Meistern« (HJ).
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#40 – 12 – 12 (Schubert)
FRIEDRICH KARL
SCHUBERT
HAUPTMANN
¿
- Schubert, Elise (vw); – 1888
- Schubert, Friedrich Karl; 6.11.1832 (München) – 14.2.1892 (München); Hauptmann, Schriftsteller und Theaterschriftsteller

#Friedrich Karl Schubert
* 6.11.1832 (München)
† 14.2.1892 (München)
Hauptmann, Schriftsteller und Theaterschriftsteller
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Schubert Friedrich Karl, 1832 (München) – 1892, Hauptmann, Dichter und Schriftsteller; Sch. diente 20 Jahre in der bayerischen Artillerie und widmete sich nach seinem Abschied als Hauptmann philosophischen Studien und der Beschäftigung mit Belletristik; besonders nennenswert sind seine Dramen (Moritz von Sachsen, Der Deutsche Bauernkrieg, Florian Geyer, Napoleon I., Drei Küsse) und die Romane (Und sie bewegt sich doch, Die Jagd nach dem Glücke, Wlasta); viele Novellen erschienen in der »Wiener Presse« und dem »Sammler«, seine »Gedichte« in Augsburg 1866.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#40 – 12 – 13 (Feder)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Feder, Maximilian von; 31.3.1802 (Absberg) – 28.2.1869 (Augsburg); Generalleutnant
- Feder, Therese von (vh) / Kern (gb); 15.12.1806 – 10.11.1863 (München); Generalleutnants-Gattin


#40 – 12 – 17 (la Hausse · Munier)
Hier ruhen in Frieden:
Franz von la Hausse
kgl. Abtheilungsingenieur,
geb. am 7. März 1828, gest. am 31. Okt. 1866.
Frau Elise von la Hausse
Arztens-Gattin,
geb. am 28. April 1870, gest. am 12. Mai 1894.
Franz Maria von la Hausse
Stud. med. Einj. Freiw. im 4. Feld. Art. Reg.
geb. am 13. Nov. 1894, gest. am 23. April 1915.
Dr. Ludwig von la Hausse
Arzt i. R.
geb. am 29. Juni 1864. gest. am 3. Jan. 1940.
Sockel
Karl von la Hausse
Generaldirektions-Sekretär,
geb. am 16. August 1824, gest. am 16. Juni 1862.
Tafel
Marie
v. la Hausse
Arztensgattin
* 1.2.1870
† 18.8.1927
zum Gedenken
Rechte Seite
Frau Marie Therese
Amelie Munier,
geb. am 21. Juni 1814,
gest. am 5. Mai 1882.
Marie von la Hausse
geb. am 18. August 1893,
gest. am 19. April 1896.
40.12.17. Babenstuber
- la Hausse, Elise von (vh); 28.4.1870 – 12.5.1894; Arzt-Gattin
- la Hausse, Franz Maria von; 13.11.1894 – 23.4.1915; Medizinstudent
- la Hausse, Franz von; 7.3.1828 – 31.10.1866; Königlicher Abteilungsingenieur
- la Hausse, Karl von; 16.8.1824 – 16.6.1862; Generaldirektionssekretär
- la Hausse, Ludwig von, Dr. med.; 29.6.1864 – 3.1.1940; Arzt i. R.
- la Hausse, Marie von; 18.8.1893 – 19.4.1896
- la Hausse, Marie von [in memoriam]; 1.2.1870 – 18.8.1927; Arzt-Gattin
- Munier, Maria Therese Amelie; 21.6.1814 – 5.5.1882


#40 – 12 – 18·19 (Heintz)
Dr. Carl Friedrich von Heintz
Ober. App. Gs. Präsident,
* 4.4.1802, † 16.8.1868.
Julie von Heintz, geb. Herzel.
* 26.9.1808, † 1.4.1881.
Dr. Carl Heintz
* 12.11.1849, † 10.1.1925.
Olga Heintz, geb. Sehlscherbakow.
* 9.9.1865, † 29.4.1925.
- Heintz, Elise (vh); – 1887
- Heintz, Julie von (vw) / Herzel (gb); 26.9.1808 – 1.4.1881
- Heintz, Karl Friedrich von, Dr.; 4.4.1802 – 16.8.1868; Oberappellationsgerichtspräsident
- Heintz, Karl, Dr.; 12.11.1849 – 10.1.1925
- Heintz, Olga (vw) / Sehlscherbakow (gb); 9.9.1865 – 29.4.1925


#40 – 12 – 20·21 (Ochs)
Hier ruhen in Gott
Heinrich Ochs
Kaufmann
gest. 18. Dez. 1918
Amalie Ochs
gest. ¿. Juni ¿
- Ochs, Amalie
- Ochs, Heinrich; – 18.12.1918; Kaufmann


#40 – 12 – 24·25 (Ysenburg-Philippseich)
Wilhelm Christoph
Graf
von Ysenburg Philippseich.
General der Infanterie,
Inhaber des Infant. Rgts. Nra. u.
Ritter
des Militär Max Joseph
Ordens u. s. w.
geb. den 16. Juni 1782,
gest. den 20. Februar 1860.
Julie Gräfin
von Ysenburg Philippseich
geborene von Karmann
geb. den 26. März 1787
vermählt den 26. Dezember 1808
gest. den 10. Oktober 1863.
40.12.¿ LALLINGER
Linke Seite
Dem Vater folgte:
Therese
Gräfin v. Ysenburg
Philippseich,
geb. 23. Juli 1812,
gest. 14. Mai 1860.
Julie
Gräfin v. Ysenburg
Philippseich,
geb. 16. November 1819,
gest. 19. Dezember 1863.
Luise
Gräfin v. Ysenburg
Philippseich,
geb. 28. Juni 1824,
gest. 10. Juni 1885.
Liegestein
Ludwig Graf von Ysenburg-Philippseich,
k. bayr. Generallieutenant,
Ritter des Militär Max Joseph Ordens, u. s. w.
geb. den 7. Februar 1815, gest. den 3. Februar 1889.
Friedericke Gräfin von Ysenburg-Philippseich,
geb. Freiin von Könitz.
gb. den 19. September 1832, gest. den 3. Mai 1903.
Wilhelm Graf von Ysenburg-Philippseich,
k. b. Major z. D.
geb. den 14. April 1856, gest. den 24. Dezember 1900.
Henriette Gräfin von Ysenburg-Philippseich.
Generallieutenants-Tochter.
geb. den 3. Juli 1854, gest. den 3. September 1906.
Emma Gräfin von Ysenburg-Philippseich
geb. den 28. August 1891, gest. 24. Mai 1918.
Fanny Gräfin von Ysenburg-Philippseich
geb. 20.8.1838 gest. 12.5.1941.
Sei getreu bis in den Tod
So will ich dir die Krone des Lebens geben.
- Ysenburg-Philippseich, Emma Gräfin von; 28.8.1891 – 24.5.1918
- Ysenburg-Philippseich, Fanny Gräfin von; 20.8.1838 – 12.5.1941
- Ysenburg-Philippseich, Friedericke Gräfin von (vh) / Könitz, Freiin von (gb); 19.9.1832 – 3.5.1903
- Ysenburg-Philippseich, Henriette Gräfin von; 3.7.1854 – 3.9.1906
- Ysenburg-Philippseich, Julie Gräfin von; 16.11.1819 – 19.12.1863
- Ysenburg-Philippseich, Julie Gräfin von (vw) / Karmann, von (gb); 26.3.1787 – 10.10.1863
- Ysenburg-Philippseich, Ludwig Graf von; 7.2.1815 (München) – 3.2.1889 (München); Königlich bayerischer Generalleutnant
- Ysenburg-Philippseich, Luise Gräfin von; 28.6.1824 – 10.6.1885
- Ysenburg-Philippseich, Therese Gräfin von; 23.7.1812 – 14.5.1860
- Ysenburg-Philippseich, Wilhelm Christoph Graf von; 16.6.1782 – 20.2.1860; General der Infanterie
- Ysenburg-Philippseich, Wilhelm Graf von; 14.4.1856 – 24.12.1900; Königlich bayerischer Major


#Ludwig Graf von Ysenburg-Philippseich
* 7.2.1815 (München)
† 3.2.1889 (München)
Königlich bayerischer Generalleutnant
#Der Königlich Bayerische Militär-Max-Joseph-Orden (1882)
Ludwig
Graf von Ysenbung-Philippseich,
geboren am 7. Februar 1815 zu München als der Sohn des damaligen Oberstlieutenants und späteren Generals der Infanterie Wilhelm Grafen von Ysenburg-Philippseich und dessen Gattin Julie Charlotte Dorothea Freiin von Normann, trat 1826 als Zögling in das kgl. Kadettencorps zu München, aus welchem er am 31. Juli 1834 zum Junker im 3. Infanterie-Regimente ernannt wurde.
Unterm 28. Oktober 1835 zum Unterlieutenant im Regimente befördert, wurde Ysenburg am 5. Januar 1840 in das topographische Bureau des Generalquartiermeisterstabes kommandiert, von welchem Kommando er am 5. Februar 1844 wieder bei seinem Rcgimente einrückte und am 29. Mai 1846 sodann zum Oberlieutenant im Infanterie-Leib-Regimente befördert wurde.
Zum Hauptmann 2. Klasse im 11. Infanterie-Regimente »Ysenburg« am 9. Oktober 1849, und zum Hauptmann 1. Klasse im Regimente am 31. März 1855 vorgerückt, wurde Ysenburg am 9. Mai 1859 weiters zum Major im 1. Infanterie-Regimente »König« befördert.
In letztbezeichneter Charge nahm Ysenburg an dem Feldzuge 1866 gegen Preußen teil, wohnte den Gefechten bei Kissingen (l0.Juli) und Helmstadt (25. Juli) bei, wurde am 17. August 1866 zum Oberstlieutenant im Regimente befördert, im Armeebefehl vom 20. August 1866 wegen seines Verhaltens vor dem Feinde belobt und in jenem vom 9. September für seine hervorragenden Leistungen während des beendigten Feldzuges mit dem Ritterkreuze 1. Klasse des Militär-Verdienst Ordens belohnt.
Unterm 1. Februar 1870 zum Oberst im 13. Infanterie-Regimente »Kaiser Franz Joseph von Österreich« befördert, machte Ysenburg an der Spitze desselben im Verbande des 1. Armeecorps den Feldzug 1870/71 gegen Frankreich mit, erhielt für Beaumont (30. Aug.) und Sedan (1. Sept.) das eiserne Kreuz 2. Klasse und wurde hierwegen auch im Armeebefehl vom 1. November 1870 belobt.
Ein zu Grosbois am 3. Februar 1871 unter dem Vorsitze des Generallieutenants und Kommandanten der 2. Infanterie-Division von Maillinger niedergesetztes Ordenskapitel sprach sich einstimmig für Ysenburg's Aufnahme in den Militär-Max-Joseph-Orden aus, als dessen Ritter er denn auch durch Allerhöchste Entschließung vom 13. Februar 1871 zur Belohnung seines tapferen Verhaltens im Treffen bei Coulmiers am 9. November 1870 ernannt wurde.
Später, am 3. Mai 1871 erhielt Ysenburg auch die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm verliehenen eisernen Kreuzes 1. Klasse.
Mit der Wirksamkeit vom 1. Mai 1873 erfolgte unterm 24. April 1873 Ysenburg's Beförderung zum Generalmajor als Kommandeur der 2. Infanterie-Brigade und am 4. Dezember 1874 seine Ernennung zum Kommandanten der Haupt- und Residenzstadt München.
Unterm 1. Dezember 1878 wurde Ysenburg als Generallieutenant charakterisiert und am 2. November 1880 in Genehmigung seines Abschiedsgesuches, unter Verleihung des Prädikats »Excellenz« mit Pension zur Disposition gestellt.
Der Königlich Bayerische Militär-Max-Joseph-Orden und seine Mitglieder. München, 1882.

#40 – 12 – 27·28 (Hauer · Kramer · Moralt)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Hauer, Marie; – 1890 (München); Rentnerin
- Kramer, Magdalena von (vw) / Moralt (gb); 20.8.1813 – 17.5.1875; Professors-Witwe
- Moralt, Anna (vw); – 1891 (München); Hofmusikers-Witwe
- Moralt, Eleonore (vw); – 1890 (München); Landgerichtsdirektors-Witwe
- Moralt, Otto; – 1887 (München); Landgerichtsdirektor
