SECTION 38

- 38 – 1 – 6 (Freyberg)
- 38 – 1 – 8 (Rudolph)
- 38 – 1 – 9 (Rattenhuber)
- 38 – 1 – 10·12 (Bomhard · Bürkel)
- Karl Bürkel
- Marie von Bürkel (vw) / Rosipal (gb)
- Heinrich Bürkel
- Artistisches München im Jahre 1835 (1836)
- Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode (11.12.1838)
- Die bildende Kunst in München (1842)
- Universal-Handbuch von München (1845)
- Kunstvereins-Bericht für 1869 (1870)
- Münchener Künstlerbilder (1871)
- Allgemeine Deutsche Biographie (1876)
- Allgemeines Künstler-Lexicon (1895)
- Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
- 38 – 1 – 13 (Pechmann)
- 38 – 1 – 16 (Schlotthauer)
- 38 – 1 – 17 (Schenk)
- 38 – 1 – 18 (Haag)
- 38 – 1 – 19·20 (Steinle)
- 38 – 1 – 22 (Mantel)
- 38 – 1 – 24 (Ackermann)
- 38 – 1 – 26 (Schmaus)
- 38 – 1 – 27 (Rudl)
- 38 – 1 – 28 (Kaussler)
- 38 – 1 – 32 (Bauer · Rex · Pappi · Sell)
- 38 – 1 – 33·34 (Reismüller)
- 38 – 2 – 1 (Kraus)
- 38 – 2 – 2 (Köppel)
- 38 – 2 – 3 (Meyr · Müller)
- 38 – 2 – 5 (Fürtsch)
- 38 – 2 – 10 (Harlander)
- 38 – 2 – 21 (Schmidt)
- 38 – 3 – 1·2 (Vallade)
- 38 – 3 – 7 (n. n.)
- 38 – 3 – 9 (n. n.)
- 38 – 3 – 13 (Hermann · Moslechner)
- 38 – 3 – 14 (Fraaß)
- 38 – 3 – 22 (Knab)
- 38 – 3 – 23 (Knauf)
- 38 – 3 – 25 (Miller)
- 38 – 3 – 34 (Bayer)
- 38 – 4 – 4 (n. n.)
- 38 – 4 – 19 (Holzan)
- 38 – 4 – 33 (Stöhr)
- 38 – 5 – 26 (Brehm)
- 38 – 5 – 29 (Reinheimer)
- 38 – 5 – 30 (Hermann · Stöckle)
- 38 – 5 – 33 (Preisinger)
- 38 – 6 – 2 (Strobl)
- 38 – 6 – 13 (Dallinger)
- 38 – 6 – 27 (Ganzleben)
- 38 – 6 – 34 (Thelemann)
- 38 – 7 – 14 (n. n.)
- 38 – 7 – 24 (Benedikt)
- 38 – 7 – 34 (Brugger)
- 38 – 8 – 28 (Späth)
- 38 – 9 – 1·2 (Barth)
- 38 – 9 – 5 (Ehrentreich)
- 38 – 9 – 15 (Pertenhammer)
- 38 – 9 – 32 (Sollfrank)
- 38 – 10 – 3 (Donhauser · Roth)
- 38 – 10 – 8* (Cula)
- Cula
- Münchener Tagblatt (3. & 4.11.1892)
- Allgemeine Zeitung (5.11.1892)
- Neues Münchener Tagblatt (6.11.1892)
- Der Wendelstein (10.11.1892)
- Münchener Ratsch-Kathl (12.11.1892)
- Allgemeine Zeitung (12.11.1892)
- Allgemeine Zeitung (14.11.1892)
- Neues Münchener Tagblatt (15. & 16.11.1892)
- Der Wendelstein (16.11.1892)
- Der Wendelstein (17.11.1892)
- Neues Münchener Tagblatt (17.11.1892)
- Der Wendelstein (18.11.1892)
- Illustrirte Zeitung (3.12.1892)
- Allgemeine Zeitung (29.12.1892)
- Cula
- 38 – 11 – 1 (Kühlwein · Wölzl)
- 38 – 11 – 7 (Pram-Henningsen)
- 38 – 11 – 8 (König · Reinhardt)
- 38 – 11 – 26 (Pöllmann)
- 38 – 12 – 4 (Braun · Läuterer · Weiss)
- 38 – 12 – 5 (Ducrue)
- 38 – 12 – 10 (Larisch)
- 38 – 12 – 11 (Schöberle)
- 38 – 12 – 21 (Arnold)
- 38 – 12 – 24 (Neidlein)
- 38 – 13 – 1 (Bentzel-Sternau)
- 38 – 13 – 2·3 (Hefner-Alteneck)
- 38 – 13 – 8 (Burg · Heinrich)
- 38 – 13 – 10 (Bressensdorf · Engel)
- 38 – 13 – 12·14 (Kreusser)
- 38 – 13 – 15·16 (Schoch)
- 38 – 13 – 17 (Köhler)
- 38 – 13 – 22 (Hornig)
- 38 – 13 – 24 (Lange)
- 38 – 13 – 34 (Pranckh)

#38 – 1 – 6 (Freyberg)


#38 – 1 – 8 (Rudolph)
Familie Rudolph
Tafel
Hier ruht
unser einziges, unvergessliches
innigstgeliebtes Kind
Frieda
geb. 30. März 1891, gest. ¿. Febr. 1892.
Ihm folgte mein edler teurer
unvergesslicher Gatte
Herr Hans Rudolph
Verwalter
geb. 18. Mai 185¿ gest. 30. April 1915.
¿
¿ Rudolph
¿
Sockel
¿
- Rudolph, Frida; 30.3.1891 – 18.2.1892 (München); Wachtmeisters-Tochter
- Rudolph, Hans; 18.5.185¿ – 30.4.1915 (München); Verwalter




#38 – 1 – 9 (Rattenhuber)


#38 – 1 – 10·12 (Bomhard · Bürkel)
HIER RUHT DER MALER HEINRICH
BUERKEL † 1869 MIT GATTIN
JOHANNA VON HOFSTETTEN † 1894
UND SOEHNEN: KARL (†) 1870 –
PROF. HEINRICH † 1876 – LUDWIG
VON BUERKEL † 1903 u. GATTIN
MARIE-ROSIPAL † 1905 UND
SOEHNEN: HEINRICH (†) 1916
DR. LUIGI † 1946
EDUARD VON BOMHARD † 1900
SCHWIEGERSOHN
Das dem Todesjahr vorangestellte Kreuz unterscheidet sich für die Gefallenen: (†)
- Bomhard, Eduard von; 1.6.1868 (Bamberg) – 1.5.1900 (München); Landgerichtsrat
- Bürkel, Heinrich; 29.5.1802 (Pirmasens/Rhl.-Pfalz) – 10.6.1869 (München); Genremaler und Landschaftsmaler
- Bürkel, Wolf Heinrich von; – 24.11.1916; Oberleutnant
- Bürkel, Heinrich, Prof.; – 3.3.1877 (München), 41 Jahre alt; Universitätsprofessor
- Bürkel, Johanna (vw) / Hofstetten, von (gb); 31.1.1813 – 14.1.1894 (München); Kunstmalers-Witwe
- Bürkel, Karl; 3.12.1850 (München) – 16.12.1870 (Rambouillet); Kunstmalers-Sohn / Rechtspraktikant, Landwehrleutnant
- Bürkel, Ludwig von; 8.5.1841 (München) – 9.7.1903 (München); Kunstmalers-Sohn / Ministerialdirektor
- Bürkel, Luigi, Dr. [in memoriam]; – 1946
- Bürkel, Marie von (vw) / Rosipal (gb); 14.8.1847 – 28.5.1905







#Karl Bürkel
† 16.12.1870 (Rambouillet), starb an den Folgen eines Unterschenkel-Schusses bei Loigny
Rechtspraktikant, Landwehrleutnant
#Nürnberger Anzeiger (31.12.1870)
Nachtrag.
Nürnberg, 31. Dez. Folgende bayerische Offiziere sind ihren Wunden erlegen: [...] K. Bürkel, Landwehrlieutenant im 1. Jäg.-Bat. (Rechtspraktikant), bei Loigny verwundet und am 16. Dez. in Rambouillet gestorben.
Nürnberger Anzeiger Nr. 362. Samstag, den 31. Dezember 1870.
#Pfälzer Zeitung (25.1.1871)
Vermischte Nachrichten.
München, 21. Jan. Die hiesigen Universitätscorps brachten gestern Abends zu Ehren zweier Comilitonen, des verstorbenen Corpsburschen der »Isaria«, Ludwig Lebling und des seinen Wunden erlegenen und nach hier verbrachten Landwehrlieutenants und Corpsburschen der »Franconia«, Karl Bürkel einen Fackelzug, nachdem schon Nachmittags die Leichenfeierlichkeiten stattgefunden hatten. Obwohl beinahe die Hälfte der den Corps angehörigen Studenten im Felde steht, so konnte doch der Zug, der in bester Ordnung verlief, immer noch stattlich genannt werden.
Pfälzer Zeitung Nro. 21. Speyer; Mittwoch, den 25. Januar 1871.
#Marie von Bürkel (vw) / Rosipal (gb)
* 14.8.1847
† 28.5.1905
#Allgemeine Zeitung (3.6.1905)
Münchener Stadtanzeiger.
München, 2. Juni.
Beerdigung. Eine den ersten Kreisen der Residenz angehörige Dame, Frau Marie v. Buerkel, geb. Rosipal, wurde gestern im alten südlichen Friedhofe zur letzten Ruhe bestattet. Dem Sarge, den herrliche Kranz- und Blumengebinde zierten, folgten die drei Söhne, Herr Dr. Karl v. Buerkel, Herr Dr. Ludwig v. Buerkel und Herr Wolf Heinrich Buerkel, weiter befanden sich im Trauerzug Herr Kommerzienrat Rosipal und dessen Bruder, viele Offiziere, Militärbeamte und Trauergäste des Adels und der Elite des Bürgerstandes. Die Pfarrei St. Ludwig versah mit dem großen Kondukt die kirchlichen Zeremonien. Herr Stadtpfarrer Gallinger folgte einem Wunsche der Verblichenen und beschränkte sich lediglich auf das rituelle Gebet. Das Grab selbst, das sich im neuen Teile des Friedhofes befand, war herrlich dekoriert und wies unter anderem Kranzspenden Ihrer kgl. Hoheiten der Prinzessinnen Ludwig Ferdinand und Pilar, des Gesamtpersonals der Firma C. M. Rosipal auf.
Allgemeine Zeitung Nr. 254. München; Samstag, den 3. Juni 1905.
#Heinrich Bürkel
* 29.5.1802 (Pirmasens/Rhl.-Pfalz)
† 10.6.1869 (München)
Genremaler und Landschaftsmaler
#Artistisches München im Jahre 1835 (1836)
Bürkel, Heinrich, geb. am 9. Sept. 1802, Sohn eines Wirths und Oekonomen aus Pirmasens, im bayerischen Rheinkreise. Seine Eltern bestimmten ihn anfänglich zum Kaufmannsstande, wogegen er aber eine solche Abneigung hatte, daß er es vorzog, 5 Jahre lang als Schreiber auf einem Friedensgerichts-Bureau zuzubringen, wodurch er sich die Mittel verschaffte, seinen Drang zu befriedigen, nämlich größere Städte zu besuchen und Oelgemälde zu sehen. So reiste er zuerst nach dem zunächst gelegenen Straßburg, wo, er die ersten Oelgemälde sah, und von jetzt an bot er Alles auf, seine nicht unbemittelten Eltern zu bewegen, ihn in seinem gefaßten Entschluß, sich als Künstler auszubilden, zu unterstützen. Er zeichnete indessen schon früh nach der Natur und nach schlechten Kupferstichen, die er sich in seiner Vaterstadt zu verschaffen wußte; sein väterliches Haus, welches ein Wirthshaus war, bot ihm oft manchen Stoff dar, indem er, zur Belustigung seiner Freunde, allerhand lustige Scenen, Schlägereien u. dgl. zu Papier brachte. Auf das Anrathen des eben durchreisenden Regierungspräsidenten von Stichaner bewilligten ihm endlich seine Eltern eine Unterstützung von einem Jahre, in welcher Zeit er seine Existenz finden, oder wieder zurück auf seinen verlassenen Posten gehen müsse. So kam er erst in seinem 22sten Jahre auf die Akademie zu München, und hielt es in solchen Verhältnissen für nicht rathsam, den langsamen Gang auf der Akademie zu verfolgen, machte sich aber mit den dortigen Meistern, als Georg v. Dillis, Peter Heß, Quaglio, Dorner und Wagenbauer, bekannt, studirte fleißig nach Niederländern, als Wouvermann, Wynants, Brauer, v. d. Velde u. dgl., wozu ihm die Gallerie zu München und Schleißheim reichlichen Stoff boten; machte jährlich Reisen nach Tyrol und dem bayerischen Hochlande, und zeichnete Alles, was sich darbot, um sich im Genrefach auszubilden, reiste aus eigenen Mitteln im Jahr 1831 und 1832 nach Italien, verweilte 2 Jahre in Rom, und bereicherte sich hier mit einer Menge Studien, ging sodann wieder zurück nach München, und malt hier Scenen aus Tyrol, Bayern und Rom. Seine Gemälde sind beinahe alle in Norddeutschland zerstreut.
Im Jahr 1834 malte er eine römische Osteria für Se. Majestät den König von Bayern.
Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Mechaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.
#Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode (11.12.1838)
Gallerie einiger in München lebender Künstler.
(Fortsetzung.)
Bürkel, Heinrich.
Das Alpha der Gallerie ist noch lange nicht abgeschlossen, denn mancher achtungswerthe Künstler, wie z. B. Achenbach, Aertinger u. s. w. gehörten in den großen Rahmen; allein da sich im Augenblicke die Gelegenheit nicht darbietet, ihre Lebensverhältnisse nach mündlichen oder schriftlichen Mittheilungen darzustellen, so mag der schnelle Übergang zum nächsten Buchstaben seine Rechtfertigung finden. Wer ist überdieß im Stande, mehr als sechshundert Künstler in ihren Bestrebungen und Leistungen zu überschauen und zu würdigen? Wir nähern uns einem Künstler, der als Landschafts- und als Genremaler ein Rangverhältniß unter seinen Kunstgenossen in Deutschland einnimmt. Seine Gemälde werden gesucht und bilden im fürstlichen Cabinete wie in den Salons der kunstliebenden Privaten eine Zierde. Sein Name ist allenthalben in Deutschland bekannt und man wetteifert, besonders im nördlichen Theile, seine Gemälde zu besitzen. Das frische heitere und sonnige Leben, das im südlichen Theile Deutschlands, das in Italien so reich und characteristisch durchgehends hervortritt, spiegelt sich mit einer ungewöhnlichen Klarheit in seiner Künstlerseele ab, und erscheint voll Kraft und Wahrheit auf der Leinwand.
Bürkel gehört der Pfalz an. Er wurde 1802 zu Pirmasenz geboren. Die bunte Regsamkeit im väterlichen Hause, einem Gasthofe, die mannigfaltigen Scenen, die Schönheit wie die Karrikatur, die vom Weine geweckte Freude wie die Macht des Rebengottes, wenn der Gast über das Maß ihm huldigt, der kleine Kreis frohsinniger Menschen wie die größeren Gruppen, erregten im Knaben schon den Trieb zur plastischen Darstellung. Der Jüngling nährte diese Neigung gegen den Willen seiner Eltern fort, die ihn zum Kaufmann bestimmten. Das Comptoirleben schien dem lebhaften Jüngling unerträglich, die Zahlen, die ihm zu Hause in der Schenkstube durch ihre Monotonie einen Ekel verursachten, konnten der regen Phantasie nicht entsprechen. Er zog es vor, in einer Gerichtsstube fünf Jahre lang als Schreiber zu arbeiten, denn es bot sich ihm wenigstens ein großer Wechsel der Scenen dar, so tödtend übrigens die Amtsfeder auf seinen regen Geist einwirken mochte. Er gab endlich seinem Drange, Öhlgemälde zu sehen, nach und entschloß sich, die Gerichtsstube im Rücken, größere Städte aufzusuchen, um sein Auge zu befriedigen.
Bürkel kam nach Straßburg, wo er die ersten Öhlgemälde sah, und von jetzt an bot er Alles auf, seine nicht unbemittelten Eltern zu bewegen, ihn in seinem Entschluß, sich zum Künstler auszubilden, zu unterstützen. Die zufällige Anwesenheit des damaligen einsichtsvollen und kunstsinnigen Regierungspräsidenten von Stichaner im väterlichen Hause Bürkel's, wirkte auf die günstige Wendung seiner künftigen Lebensverhältnisse und auf den Willen seiner Eltern so ein, daß sich die letzteren, ermuntert durch die Anerkennung, welche der edle Staatsbeamte dem Talente des hoffnungsvollen Sohnes gönnte, bewegen ließen, ihm ein Jahr lang Unterstützung zur Ausbildung zu gewähren. Bürkel kam in seinem zweyundzwanzigsten Jahre auf die Akademie zu München und hielt es in solchen Verhältnissen für nicht rathsam den langsamen Gang auf der Akademie zu verfolgen, machte sich aber mit den dortigen Meistern Georg von Dillis, Peter Heß, Dom. Quaglio, Dorner und Wagenbauer bekannt, studierte fleißig nach Niederländern als Wouvermann, Wynants, Brauer, van der Velde u. a. m., wozu ihm die Gallerien in München und Schleißheim reichlichen Stoff gaben; machte jährlich Reisen nach Tyrol und dem bayerischen Hochlande und zeichnete Alles, was sich ihm darbot, um sich im Genrefach auszubilden; reiste im Jahre 1831 und 1832 nach Italien, verweilte zwey Jahre in Rom und bereicherte sich dort mit einer Menge Studien. Er kehrte wieder nach München zurück und malte seitdem Scenen aus Tyrol, Bayern, Rom u. s. w. Eine römische Osteria, für Se. Majestät den König von Bayern, bewährte nebst anderen künstlerischen Erzeugnissen seine geistreiche Auffassung und sein eminentes Darstellungstalent.
(Werden fortgesetzt.)
Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode 148. Dienstag, den 11. Dezember 1838.
#Die bildende Kunst in München (1842)
Heinrich Bürkel,
der Sohn eines Wirthes, geboren am 9. Sept. 1802 zu Pirmasens in der Pfalz, war von seinen Eltern zum Kaufmannsstande bestimmt, gegen welchen er aber eine so heftige Abneigung hatte, daß er es vorzog, als Schreiber bei einem Friedensgerichte zu arbeiten, wodurch er fünf Jahre für die Kunst verlor, zu welcher ihn eine unwiderstehliche Neigung trieb, daß er schon früh ohne alle Anleitung nach der Natur und schlechten Kupferstichen zeichnete, die er in seiner Vaterstadt auffand, wobei ihm das väterliche Haus, in welchem sich, als einem Wirthshause, oft die bunteste Gesellschaft zusammenfand, manchen Stoff darbot, den er auf komisch naive Weise in flüchtigen Umrissen mit dem Stifte zu Papier brachte. Als er endlich in Straßburg die ersten Oelgemälde sah, erwachte der Drang zur Kunstausbildung so gewaltig, daß er seinen Eltern anlag, ihm Unterstützung und Erlaubniß dazu zu gewähren, was er jedoch erst auf die Fürsprache des edlen Regierungspräsidenten Stichaner und nur unter der Bedingung erhielt, daß er binnen Jahr und Tag solche Fortschritte machen müßte, um seinen Unterhalt durch die Kunst zu erwerben, sonst sollte er wieder zum Schreibdienste zurückkehren.
So konnte er erst im Jahre 1824 die Akademie zu München besuchen, hielt sich jedoch nicht strenge an den Bildungsgang dieser Kunstschule, sondern zeichnete mit rastlosem Fleiße für sich, copirte dann die Niederländer in den Gallerien zu München und Schleißheim, machte während des Sommers Ausflüge in das bayerische Hochland, überall das Leben in seinen mannichfaltigen Erscheinungen mit heiterem Sinne und in leichten gefälligen Zügen auffassend und zu einem Bilde verbindend, die er dann in Oel ausführte.
Im Jahre 1831 ging er nach Italien und Rom, weilte dort zwei Jahre und wußte sich bald ganz in den südlichen Charakter des Landes und Volkes so zu versenken, daß er auch hier die Natur in ihrer Eigenthümlichkeit wiederzugeben wußte. Dadurch erklärt sich die Menge und Mannichfaltigkeit seiner Bilder, die wie liebliche Gelegenheitsgedichte erscheinen, welche ein heiterer Wanderer auf dem Wege macht.
Mit besonderer Vorliebe aber widmete er sein schönes Talent der Auffassung des bayerischen Gebirgslebens, und dabei ist Landschaft und Handlung der dargestellten Personen auf das Schönste und Innigste miteinander verbunden. Jetzt schildert er das heitere, romantische und idyllenartige Alpenleben, zeigt, mit welcher Freude im erwachenden Frühlinge die Senninen und das Vieh hinaufziehen zu den bekräuterten Höhen: schon ist der Bube oben bei der Sennhütte angekommen, nach klettert das Vieh, und er steht und schaut hinab in die ferne Ebene, und schwenkt den Hut, und läßt seinen Gruß von Berg zu Berg, von Thal zu Thal erschallen. Der Beschauer, fühlt sich selbst wie auf eine vom klaren Himmel umflossene Alpenspitze versetzt, und schaut selbst mit Wohlgefallen dahin in die Ferne, die mit Dörfern und Städten besäet erscheint. Ein anderes Mal schildert er den Heimzug von der Alpe, oder er zeigt uns die Sennin neben der Hütte, Wasser schöpfend am Brunnen, umher das Vieh im fetten, glänzenden Grase, Schwalben im reinen Himmelsblau schwebend, die weite Landschaft unten im Morgenscheine, und Wanderer steigen den Berg herauf. Wieder ein anderes Mal führt er uns dagegen zu einer Schlägerei, wie sie auf dem Lande vorkommen, in einer Schenke, und schildert die Scene mit lebendiger Treue.
Selbst aus Italien, dem Lande des Schönen, bringt er vorzugsweise solche Volks-Scenen, und führt uns in die schmutzigen Kneipen, zeigt uns das Getreibe der Eseltreiber und Bettler, der Mönche und Hirten; die schönen italienischen Frauen, auf welchen der Blick mit Wohlgefallen ruht; oder einen ländlichen Tanz vor einem italienischen Wirthshause; eine Bauernfamilie, die nach Rom reist, und die pontinischen Sümpfe in der Ferne mit den unheilvollen Dünsten.
Mit eben solcher Wahrheit, wie diese und ähnliche Scenen, schildert er auch den Winter, wenn die Natur ringsumher erstorben scheint und nur ein leises Leben in falbgrünen Gräsern und dunklen Tannenzweigen aus dem Schnee hervor sich ankündet; oder Regen und Sturm mit ihren malerischen Erscheinungen.
Dr. Johann Michael von Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.
#Universal-Handbuch von München (1845)
Bürkel, Heinrich,
geboren 1802 in Pirmasenz in der Rhein-Pfalz, Ehrenmitglied der Dresdener- und Wiener-Akademie, begann seine Kunststudien im Jahre 1821 in München bei der Akademie der bildenden Künste, und wählte hiezu besonders die ältesten Meister. Später reiste er nach dem bayrischen Oberlande und Tyrol, sodann nach Holland, um sich für das Fach der landschaftlichen Genre- und Thiermalerei auszubilden. Er besuchte in den Jahren 1830–31 Rom und bereicherte sich besonders mit einer Masse von Skizzen aus der Umgegend Roms und der römischen Campagna. Seine Genregemälde sind voll der glänzendsten Effekte und tragen den echten Charakter der Natur, während seine deutschen Hochlandsbilder voll freundlicher Gemüthlichkeit sind. Die gute Wirkung der behandelten Gegenstände giebt sich in jedem einzelnen Bilde klar und deutlich kund, da überall der Typus des Oertlichen und Individuellen ganz naturgetreu wahr und kräftig dargestellt, und wodurch jedem seiner Bilder der Stempel des Meisters aufgedrückt ist. Später malte er auch Winterlandschaften mit bestem Erfolge und mit frappanter Charakteristik.
Bürkels Bilder sind in der ganzen Welt zerstreut; von den bekannten Besitzern können angeführt werden: S. k. H. Erzherzog Franz Karl in Wien, Graf Colowrat, v. Arthaber in Wien, die Gemäldegallerie zu Stuttgart und aus der früheren Zeit des Künstlers die Gemäldegallerie zu Schleißheim.
Universal-Handbuch von München. München, 1845.
#Kunstvereins-Bericht für 1869 (1870)
Nekrologe.
Heinrich Bürkel,
Maler und Ehrenmitglied der Akademieen zu München und Dresden, wirkl. Mitglied der k. k. Akademie zu Wien,
wurde geboren zu Pirmasens am 29. Mai 1802 als der Sohn eines Gastwirths und Weinhändlers von dort. Nachdem Bürkel die deutsche Schule durchgemacht hatte, wurde er trotz seiner Abneigung gegen das kaufmännische Fach, einem Handelsmanne in die Lehre gegeben; denn es war Wunsch des Vaters, der unter nicht allzu günstigen Verhältnissen eine große Familie zu ernähren hatte, daß Bürkel möglichst bald seinen Unterhalt sich selbst verdiene. Allein er hielt es in dieser Berufsspähre nicht lange aus; er trat einem andern Plane folgend, hierauf bei dem am Friedensgerichte fungirenden Gerichtsschreiber als Gehilfe ein, fühlte sich jedoch durch diesen Tausch bald nichts weniger als glücklich. Das mechanische Geschäft mußte ihn, der schon in der Schule lieber mit Griffel und Bleistift gezeichnet als gerechnet und geschrieben hatte, anwidern. Gleichwohl lag er demselben bis zu seinem 19. Jahre mit der größten Gewissenhaftigkeit ob. In seinen Mußestunden zeichnete Bürkel fleißig theils nach der Natur theils nach einigen vorgefundenen Kupferstichen und Radirungen. Allein Niemand im Orte besaß das rechte Verständniß für das Talent des jungen Mannes.
In dem vorerwähnten Jahre kam Bürkel auf einer Fußreise nach Straßburg und sah dort im Hause des Malers Helmsdorf zum ersten Male in seinem Leben Oelbilder. Er ward davon so ergriffen, daß bei ihm sofort der Vorsatz feststand, Maler zu werden. Bald darauf kam der damalige Regierungs-Präsident v. Stichaner nach Pirmasens. Dieser rieth Bürkel's Mutter, welche ihn aufgesucht und eine Tuschzeichnung ihres Sohnes vorgezeigt hatte, von der Sauberkeit der Arbeit überrascht, denselben auf die Akademie nach München zu schicken und versprach, ihn deren Direktor Langer brieflich zu empfehlen.
So kam Bürkel im Jahre 1822 nach München, um an der Akademie regelrechte Studien zu machen. Statt hier zu finden, was er suchte, fühlte er sich vielmehr von der herrschenden, dem Formalismus allzusehr huldigenden Richtung abgestoßen und zog sich deßhalb bald zurück, um in der Münchener- und Schleißheimer Gallerie die alten Meister, insbesondere Wouwermann, Wynants, Ruysdael, Ostade und andere zu studiren. So war denn Bürkel im eigentlichsten Sinne des Wortes Autodidakt. Sein Name hatte bald einen guten Klang und seine Bilder fanden so bereitwillige Abnehmer, daß er sogar seine Eltern und Geschwister zu unterstützen sich in der Lage sah. Das Jahr 1829 führte ihn nach Rom, wo er sich zwei Jahre aufhielt und einen werthvollen Schatz an Studien sammelte. Nicht minder reich an künstlerischen Erfahrungen, und Erinnerungen, welche er dem Verkehre mit Männern wie August Riedl, Ziebland, Brandes verdankte, kehrte Bürkel nach München zurück, und nun begann dessen Glanzperiode. Bald Landschaften mit Thieren und menschlichen Figuren staffirt, bald Scenen aus dem deutschen und italienischen Volksleben malend behandelte er jeden Stoff mit gleicher Meisterschaft. Er besaß ein seltenes Talent, den Charakter eines Landes und Volkes aufzufassen, dessen Eigenthümlichkeiten herauszufinden und mit einer fesselnden Wahrheit und Treue wiederzugeben. Dabei ward er von einem seinen ästhetischen Takt geleitet, welcher ihn nie zu weit gehen ließ, wenn er auch das Leben in seiner ganzen ungeschminkten Wirklichkeit wiedergab. Das bayerische, an poetischen Scenen so reiche Gebirgsleben war es vorzüglich, dessen Darstellung wir in seinen Bildern begegnen. Durch die Art und Weise, in welcher er in diesen die landschaftliche Natur mit den handelnden Personen in eine innige Verbindung zu bringen wußte, hat Bürkel das in neuester Zeit nicht mehr betriebene landschaftliche Genre wieder eingeführt; auch als Vater der neuen Winter- und Regenlandschaft muß er betrachtet werden. An Produktivität ragt Bürkel vor allen seinen Zeitgenossen hervor. Es dürfte kaum zu weit gegangen sein, wenn man die Zahl seiner Bilder einschlüssig des sehr bedeutenden künstlerischen Nachlasses über tausend schätzt. Sie sind in allen größeren Privat- und öffentlichen Sammlungen zu finden. Denn der Meister erfreute sich einer seltenen Popularität, die er neben der großen Anziehungskraft seiner Stoffe zum nicht geringen Theil auch dem köstlichen Humor verdankte, mit dem er seine Darstellungen zu beleben wußte. Dazu kam, daß sie wohldurchdacht in der Composition, im Bau der Gruppen und Massen einen feinen Sinn bekundend, in der Zeichnung schön, in der Farbe kräftig, in der Ausführung leicht, aber gewissenhaft waren. Unter Bürkel's zahlreichen Freunden hat wohl keiner des Künstlers Wesen und Werke besser erfaßt als Adalbert Stifter, dem der Anblick eines solchen, wie er dem Freunde einmal selbst schrieb, den Tag zu einem wahren Festtag machte.
Was endlich das Privatleben Bürkel's betrifft, dessen Verhältnisse in Folge der unermüdlichen, durch einen reichen Absatz gelohnten Thätigkeit des Künstlers im Laufe der Zeit sich sehr günstig gestaltet hatten, so war seine gesellschaftliche Stellung eine allgemein geachtete. Ein offenes biederes Wesen, seine Art, unter allen Umständen für die eigene Meinung einzutreten, Toleranz gegen anders Urtheilende gewann ihm die Herzen Aller, welche Freunde der ungeschminkten Wahrheit waren. Letztere konnte man von Bürkel namentlich in Sachen der Kunst zu hören bekommen.
Ein Herzleiden, von welchem er schon seit längerer Zeit befallen war, ohne daß sich Bürkel hiedurch bis wenige Tage vor seinem Tode in der Ausübung der geliebten Kunst hätte hindern lassen, führte ihn einer schmerzlosen Auflösung entgegen, welche am 10. Juni v. Js. vollendet war.
Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München während des Jahres 1869. München, 1870.
#Münchener Künstlerbilder (1871)
Heinrich Bürkel,
Genre- und Landschaftsmaler.
Heinrich Bürkel, einer der bedeutendsten Genremaler unserer Zeit, wurde am 29. Mai 1802 zu Pirmasenz in der bayerischen Rheinpfalz geboren. Sein Vater betrieb daselbst die Oekonomie und eine kleine Schenkwirthschaft, seine Mutter eine Krämerei. Das Vermögen war gering, der Kinder dagegen waren viele, und so galt es denn, jedes derselben möglichst bald in eine Lage zu bringen, welche es nicht länger nöthigte, die Beine unter der Eltern Tisch zu strecken. Heinrich ward demzufolge für den Handelsstand bestimmt, das heißt, nachdem er die Volksschule hinter sich gebracht, zu einem Krämer in die Lehre gegeben.
Seine Lebhaftigkeit hatte schon in der Schule Conflicte herbeigeführt, welche begreiflicher Weise zu seinem Nachtheil auszugehen pflegten, und so war ihm denn der Aufenthalt im kleinen Ladenzimmer beim Dütendrehen und Copiren langweiliger Geschäftsbriefe noch weit weniger angenehm, als selbst manche Arbeit im Magazin und der Verkehr mit den Kunden im Laden. Auch hier fehlte es nicht an kleinen Zusammenstößen, wie früher mit dem Lehrer, so jetzt mit dem Prinzipal, die meist darin ihren Grund hatten, daß der junge Mensch jede freie Minute dazu verwendete zu zeichnen, wobei natürlich vollkommen autodidaktisch vorgegangen wurde, wie das in einem Städtchen wie Pirmasenz nicht anders denkbar war.
Mit eilf Jahren schon hatte er den Stift mit solchem Erfolge gehandhabt, daß er die Aufmerksamkeit – der hohen kaiserlich französischen Polizei auf sich zog, mit der bekanntlich damals so wenig zu spaßen war wie heute, und eine Caricatur auf den aus Rußland flüchtenden Kaiser konnte ihn gar mit dem Code pénal in fatale Berührung bringen. Zum Glück läßt aber die Polizei unter Umständen ein vernünftiges Wort mit sich reden, und so blieb es, da sich einflußreiche Freunde der Familie der Sache warm annahmen, für diesmal noch beim Schrecken. Mit fünfzehn Jahren flüchtete sich der unfreiwillige Jünger Mercur's in die Arme der heiligen Justitia. Der Gerichtsschreiber des Friedensrichters bedurfte eines Gehilfen und Heinrich bewarb sich um die Stelle, welche ihm die erfreuliche Aussicht bot, nach Schluß der vorgeschriebenen Büreaustunden über seine Zeit nach eigenem Ermessen frei verfügen zu können. So wandelte er denn aus dem Comtoir in die Gerichtsstube.
Und wie viel hatte der junge Mensch nicht schon erlebt! Er war als Franzose geboren worden, hatte einen Theil der ehemals großen Armee aus Rußland heimkehren sehen; nach einander waren preußische, russische, österreichische, bayerische und andre deutsche Truppen auf ihrem Wege nach Paris durch das Städtchen gezogen, lange Züge von Kanonen und Transportwagen waren gefolgt, die Einquartierung von Freunden und Feinden war gleich drückend gewesen. Napoleon war von Elba entwichen, die hundert Tage waren wie ein riesiges Epos verklungen, die Pfalz am Rheine stand unter österreichischer Verwaltung und ward endlich wieder dem Hause Wittelsbach zurückgegeben. Das Alles war wie die Bilder einer magischen Laterne an dem jungen Menschen vorübergegangen und hatte seine seltene Anlage, Eindrücke der Außenwelt rasch in sich aufzunehmen, noch ausgebildet und vervollkommnet. Und da er, immer noch auf sich selber angewiesen, Stift und Feder gleich eifrig handhabte, besaß er bereits eine unter solchen Umständen staunenswerthe Fertigkeit, diesen Eindrücken bleibende Gestalt zu geben.
Ueber seiner zur wahren Leidenschaft gewordenen Neigung für die Kunst, von der man natürlich in Pirmasenz ganz absonderliche Vorstellungen haben mochte, versäumte er jedoch seine Obliegenheiten als Schreiber nicht. Seine flüchtige Hand, seine Aufmerksamkeit und Pünktlichkeit, nicht minder sein Wohlverhalten hatten ihm rasch die Gunst seines neuen Prinzipals gewonnen und bewahrten sie ihm für alle Zeiten.
Aber weder die gewissenhafteste Erfüllung seiner Dienstpflichten, noch das Bewußtsein einer doch für den Augenblick gesicherten Existenz vermochten in ihm den Gedanken zu verscheuchen, daß sein Leben ein verfehltes sei. Noch hatte er selber nichts gesehen, was den Namen eines Kunstwerkes im vollen Sinne des Wortes verdiente; das Höchste dieser Art, dessen er ansichtig geworden, bestand in einem Paar mittelmäßiger Kupferstiche und Radirungen, welche ein Zufall in das arme Landstädtchen verschlagen und so Heinrich unter die Augen geführt hatte.
Diese und nebenbei die Natur dienten ihm als Vorbild. Leider hat sich nichts von dem erhalten, was er in jenen Jahren producirte; gleichwohl muß es sich von ähnlichen Leistungen junger Leute vortheilhaft unterschieden haben, weil Personen seiner Bekanntschaft es als von mehr als gewöhnlichem Talente Zeugniß gebend anerkannten. Aber da im ganzen Städtchen Niemand zureichendes Kunstverständniß besaß, um seine Eltern von der hervorragenden Befähigung ihres Sohnes in der Art überzeugen zu können, daß sie es bei ihren beschränkten Mitteln unternommen hätten, ihren Sohn eine ganz neue und noch dazu eine ebenso kostspielige wie unsichere Bahn einschlagen zu lassen, so verblieb derselbe bis zu seinem neunzehnten Lebensjahre in Verhältnissen, welche ihn geradezu unglücklich machten.
Um diese Zeit fügte es sich, daß der junge Bürkel auf einer Fußreise durch das schöne Elsaß nach Straßburg kam und den Maler Helmsdorf kennen lernte. Friedrich Helmsdorf, ein Magdeburger, war im Jahre 1809 aus seiner Vaterstadt nach Straßburg übergesiedelt und bildete daselbst einen Kreis von Schülern und Schülerinnen um sich. Er war kurz vor Bürkel's Besuch in Straßburg von seiner zweiten italienischen Reise zurückgekehrt und noch voll von glühender Begeisterung für das Land der Kunst, in welchem er diesmal vier Jahre gelebt hatte. Wäre auch seine Auffassung der Natur weniger lebhaft, seine Perspective und Technik weniger trefflich, seine Farbengebung bei aller Mannigfaltigkeit weniger harmonisch gewesen, als sie es wirklich waren: der Eindruck eines seiner eben vollendet auf der Staffelei stehenden Bilder auf den jungen Bürkel hätte gleichwohl ein überwältigender sein müssen. War dieses Oelbild doch das erste, welches Bürkel sah. Er ward von dem Eindrucke dergestalt ergriffen, daß er von dem Entschlusse Maler zu werden, nicht mehr abgebracht werden konnte, obwohl er nur eine sehr unvollkommene Vorstellung darüber hatte, wie dies eigentlich zu bewerkstelligen sei, und die Eltern Angesichts ihrer noch immer ungünstigen finanziellen Verhältnisse von diesem Gedanken ihres Sohnes nichts weniger als erbaut waren.
Um jene Zeit stand an der Spitze der Regierung des Rheinkreises, wie die bayerische Pfalz damals offiziell genannt wurde, der Präsident von Stichaner, ein vielseitig gebildeter Mann und auch in Sachen der Kunst nicht ohne einige Erfahrung. Nun war Heinrich mit seinen Klagen und Wünschen vornehmlich der Mutter angelegen, wohl wissend, daß, hätt' er erst sie als Bundesgenossin gewonnen, ihren gemeinschaftlichen Bitten der strengere Vater endlich denn doch noch weichen würde. Eines Tages erschien Herr von Stichaner auf einer Visitationsreise in Pirmasenz, und Frau Bürkel nahm denn all' ihren Muth zusammen und eine Rolle in die Hand und bat beim Regierungspräsidenten vorgelassen zu werden. Die Rolle aber war eine von ihrem Heinrich in Tusch ausgeführte Copie eines Kupferstiches nach Rubens.
Der Präsident, von der Arbeit des jungen Gerichtsschreibers-Gehilfen angenehm überrascht, rieth der Mutter, welche mit hochklopfendem Herzen seines Urtheils harrte, sie solle den Sohn nach München schicken und hatte noch überdieß die Freundlichkeit, diesem für den Fall der Erfüllung seines Wunsches einen Empfehlungsbrief an den damaligen Akademie-Director Peter von Langer in Aussicht zu stellen. So gelang es denn, auch den Vater für den neuen Lebensplan zu gewinnen und Heinrich Bürkel siedelte in seinem zwanzigsten Lebensjahre nach München über.
Das München von 1822 hatte wenig Aehnlichkeit mit dem München, welches König Ludwig in's Leben rief. Um Bürkel's Lage zu begreifen, müssen wir ein wenig weiter ausholen.
Jede Kunst hat ihre in ihrem innersten Wesen begründeten Voraussetzungen, deren Eintritt allein den wahrhaften Aufschwung des künstlerischen Geistes möglich macht. Merkwürdigerweise ist es gerade das Aeußerliche, der Stoff und die Form, und muß es sein, auf dem diese Vorbedingungen beruhen. Sie beide bilden in dieser Weise gewissermaßen die Regulatoren für die Ideale der Menschen, deren Verkörperung in den Werken der Künstler uns entgegentritt. So kann es auch nicht auffallen, daß die Erhebung der neueren Kunst seit den Zeiten der Revolution keineswegs mit der reinen Idee an und für sich begann, sondern zunächst ihren Anfang nahm mit der Reinigung der Form nach dem Vorbilde der Antike. Es bedurfte eines Winckelmann und seiner die Welt des Schönen erschließenden Gedanken, um die Gebilde der Alten wieder lebensvoll und lebensfrisch aus den Trümmern, unter welchen sie bis dahin begraben gewesen, erstehen zu lassen. Unter solchen Umständen mußte schon das Aeußere der Antike vollkommen fesseln, während in der Regel der Geist derselben noch unverstanden blieb und nur wenige Auserwählte in die tiefsten Tiefen ihres Wesens einzudringen vermochten. Darum lassen uns die Arbeiten eines Rafael Mengs und andrer Zeitgenossen so kühl. Ihre Gebilde sind mehr oder minder glücklich bekleidete Statuen, und deren Eindruck vermag unser Interesse nicht zu wecken, wenn sie uns auch oberflächlich ansprechen. Und doch sind die Formen schon reiner und gewählter und lassen uns die Armuth der Erfindung, den Eklekticismus in Form und Farbe und die durchweg mangelhafte Composition weniger streng beurtheilen. Der geniale Schöpfertrieb ruhte, durch das Gewicht der Materie gefesselt und harrte besserer Tage. Das rein Stoffliche galt es zunächst zu überwinden, wenn der Geistesfunke der Kunst zu hellen Flammen auflodern sollte.
Verspätete Schößlinge jenes absterbenden Stammes wucherten bis in die beiden ersten Jahrzehnte unsers Jahrhunderts auf den Lehrstühlen der deutschen Kunst-Akademien fort. Zu ihnen zählte auch Peter von Langer, der als Direktor der Münchener Akademie einem Cornelius alles Talent absprach, Heinrich Heß von der Anstalt wegwies und versuchte, Ludwig Schwanthaler wegen Mangels an Begabung auf eine andre Lebensbahn zu führen.
An derselben Münchener Akademie, welche von demselben Peter von Langer geleitet wurde, sollte nun Bürkel, der Autodidakt, seine Studien machen. Natürlich wurde er nicht beachtet, von Niemandem berathen. Bürkel sah dies einige Zeit mit stillem Grollen an, endlich aber bäumte sich sein energischer Charakter dagegen auf, und die Sache endete damit, daß er sich seinerseits ebensowenig um die Akademie bekümmerte, als diese sich um ihn, und schließlich ganz aus ihrem Verbande ausschied.
Das war der gefährlichste Augenblick in seinem Leben, um so gefährlicher, als das Treiben in der größeren Stadt für den jungen Mann von übersprudelnder Lebenslust manche Gefahr nahe legte. Aber dasselbe strenge Pflichtgefühl, das ihn vier Jahre lang in der Schreibstube hatte ausdauern lassen, hieß ihn nun seinen eigenen Weg gehen. Kameraden unterwiesen ihn, so weit sie es im Stande waren, in der Technik des Oelmalens, und Bürkel, der sich im Antikensaale nicht behaglich gefühlt, saß nun mit seiner Staffelei in den Galerien von München und Schleißheim, um zu copiren. Sein ganzer Entwickelungsgang, alle seine Erlebnisse mitten im Volke, seine volle Theilnahme an allen Leiden und Freuden desselben, wiesen ihn, das Kind des Volkes, an, die Bilder des täglichen Lebens und der Landschaft künstlerisch fest zu halten. Dazu kam, daß er als Deutscher gerade für diese Richtungen mit besonderer Begabung ausgestattet war und sich dessen bald bewußt wurde.
Es war ein gewagtes Unternehmen, die Meisterwerke eines Wouverman, Ostade, Brouwer, Ruysdael, Wynants und Berghem zu copiren, ohne Rath, ohne Führung und Leitung. Alles, was Bürkel mitbrachte, war eine tüchtige Fertigkeit im Zeichnen, ein scharfes Auge, eine feste Hand, einiges Selbstvertrauen und ein ausdauernder Wille, der sich nicht abschrecken ließ, wenn Versuch um Versuch mißlang. Endlich mußte es gelingen! Mit diesem Gedanken kehrte er immer wieder, und es gelang in der That. Noch in späteren Jahren, als sein Name schon längst ein in der Kunstwelt gefeierter war, liebte er es, das eine oder andre kleine Bild seiner Lieblingsmeister zu copiren, und seine Copien nach ein paar Wouvermans in der Münchener Pinakothek müssen unbedingt zu dem Besten gerechnet werden, was in dieser Beziehung geleistet wurde.
Das Copiren war ihm freilich nicht Studium allein, sondern auch Erwerbsquelle, welche bald so ergiebig floß, daß er daran denken konnte, sich in eigenen Compositionen zu versuchen, ohne deshalb darben zu müssen. Auch hierin wurden ihm die vorgenannten Meister zu Vorbildern und seine Arbeiten nach einigen Jahren so geschätzt, daß er nicht blos auf jeden Unterhaltsbeitrag aus dem fernen elterlichen Hause verzichten konnte, sondern sich auch in Stand gesetzt sah, zwei jüngere Brüder zu unterstützen. Schon in den Arbeiten aus jener ersten Periode zeigte Bürkel jene ungewöhnliche Vielseitigkeit, welche ihn vor so vielen Künstlern seines Faches auszeichnen sollte. Scenen aus dem Volksleben in den nahen Bergen wechselten mit Scharmützeln und andern kriegerischen Scenen, welche an seine Kinderjahre herangetreten waren, und zur bunten Abwechselung fehlte es auch nicht an Episoden aus dem Kreise friedlicher Hirten. Namentlich Bilder der ersten Art erwarben ihm die Gunst des Publicums, für das in jenen Tagen gerade dieser Theil des Genre besondere Anziehungskraft besaß, wie man denn ohne Uebertreibung sagen könnte, die Maler seien es gewesen, die für die Münchener das kaum sechs Meilen entfernte Gebirge entdeckten. Alles schwärmte damals für das Oberland und die Oberländer, und unser Bürkel war ganz der Mann, der Land und Leute in ihrer vollen Ursprünglichkeit und Urwüchsigkeit wiederzugeben vermochte von welcher seither gar Manches und gerade nicht zum Vortheil der Betheiligten durch die Alles nivellirende Cultur abgeschliffen worden ist. Jene süßliche Romantik der alten Düsseldorfer Schule fand in München keinen Anklang, und Bürkel's bisweilen derber Naturalismus war hier doppelt am Platze.
Nicht ohne bestimmenden Einfluß auf ihn war die Thatsache, daß er sich an ein systematisches Studium der Natur erst dann machte, als er sein Auge an den Werken alter Meister zum Sehen und Erfassen der Natur geübt hatte. So bewahrte er sich vor dem Fehler, in den so manche Neuere verfallen, indem sie in ihrem an sich berechtigten Streben nach Naturwahrheit für diese die davon so weit verschiedene Naturwirklichkeit nehmen. Sein bereits künstlerisch geübtes Auge erfaßte in der Natur nur das innerlich Berechtigte, Wesentliche, Nothwendige, mit einem Worte nur das Kunstschöne. Das Zufällige, Unschöne war für ihn gar nicht vorhanden, und wo es sich unter Umständen ausnahmsweise vordrängte, wußte er es ohne Nachtheil für das Charakteristische der Erscheinung bei Seite zu schieben.
Sein Aufenthalt im Gebirge hatte zunächst weniger dem Lande als den Leuten gegolten und wenn er auch schon damals für die leblose Natur einen freien Blick mitbrachte, wie das bei seinem eingehenden Studium der Niederländer nicht wohl anders der Fall sein konnte, so legte er doch der landschaftlichen Natur in seinen Compositionen erst gegen das Ende der zwanziger Jahre ein größeres Gewicht bei, und widmete sich neuerlich dem Studium Ruysdael's, Wynants', Everdingen's und andrer Meister verwandter Richtung. Von da an behandelte er vielfach die Landschaft nicht blos als Hintergrund seiner Genrecompositionen, sondern führte größere selbständige Landschaftsbilder aus. Er war auch der Erste unter den Münchener Künstlern, welcher die Winterlandschaft mit besondrer Vorliebe cultivirte und sie geradezu zu einem eigenen Kunstzweig erhob. Seine Winterlandschaften trugen nicht wenig dazu bei, daß sein Name schon damals auch außerhalb Münchens einen guten Klang hatte, und man darf sagen, daß sie, was innere Wahrheit der Erscheinung betrifft, noch zur Stunde unübertroffen sind, wie groß auch die Vortheile sein mögen, welche seinen Nachfolgern aus einer bis zum Gipfelpunkt entwickelten Technik erwuchsen.
So kam das Jahr 1829 heran, welches einen seiner Herzenswünsche erfüllen sollte: Bürkel trat seine Romfahrt an und schlug den Weg durch Tyrol und über Venedig ein. In Rom fand er in der deutschen Malerkolonie freundliche Aufnahme und erwarb sich dort durch die kräftige Ursprünglichkeit seines ganzen Wesens nicht weniger als durch die hervorragende Begabung wackere Freunde. Vorzüglich waren es die Genremaler Mayer, Weller und August Riedl, der treffliche Gesellschafter, der tiefpoetische Landschaftsmaler Heinrich Heinlein und der Architekt Ziebland, sämmtlich der Münchner Schule angehörig, dann der Braunschweiger Georg Heinrich Brandes, an welche sich Bürkel während seines römischen Aufenthaltes enger anschloß. Mit dem Letztgenannten, der sich ebenfalls in München ausgebildet hatte und nach Bürkel in der ewigen Stadt eintraf, machte er noch in der letzten Zeit wiederholt Ausflüge in die Campagna, die pontinischcn Sümpfe, die Volsker- und Albanerberge, die er so oft allein und in fröhlicher Gesellschaft durchstreift, dem Ankömmling ein erfahrener Führer.
Mit derselben Leichtigkeit, mit welcher er das Charakteristische des bayerischen Hochgebirges und des verwandten Tyrol und ihrer Bewohner erfaßt, fand er die Eigenthümlichkeiten der Natur und des Volkes auch unter dem südlichen Himmel heraus und erwarb sich durch einige noch in Rom gemalte, überaus lebendige Scenen aus dem dortigen Volksleben die Achtung der Kenner. Eine derselben erwarb der König Ludwig von Bayern, der den Künstler sehr hoch schätzte und mehrere Bilder desselben, darunter das erwähnte »die mezza via« und »eine Heerde in der Campagna« später seiner Sammlung von Gemälden neuerer Meister in der neuen Pinakothek einverleibte. Auch mit Thorwaldsen trat Bürkel in Verkehr und durfte sich nicht blos wiederholter Besuche des Meisters in seinem Studio, sondern auch der Auszeichnung erfreuen, daß Thorwaldsen ihm zwei Bilder abkaufte.
Der Abschied von Rom war ein um so schmerzlicherer, als Bürkel nicht in der Lage gewesen, seine Wanderungen weiter nach Süden auszudehnen, wie sehnlich er es auch gewünscht. Es ist dies nicht blos seinethalben, sondern auch der Kunst wegen zu beklagen. Gerade Neapel mit seinen Lazzaroni's hätte Bürkel so viel des Malerischen geboten und seinem Humor gewiß vielfache Anregung gegeben.
Im Jahre 1832 kehrte Bürkel über die Alpen zurück und, schon vor seiner Romfahrt der Liebling des kunstsinnigen Münchener Publicums, erntete er nun neue Lorbeern und ward der volksthümlichste unter seinen Collegen, das Wort in seinem reinsten und edelsten Sinne gebraucht.
Mit der symbolisch-allegorischen Auffassung der menschlichen und göttlichen Natur konnten sich unmöglich Alle befreunden. Das Publicum verlangte Gestalten von seinem Fleisch und Bein, da es mit den Personificationen allgemeiner Ideen damals noch weniger als jetzt anzufangen wußte. Es wollte lebenskräftige Individualitäten anstatt jener allerdings bisweilen geistvollen, stylisirten Allgemeinheiten, die nur einzelnen Auserwählten anziehend und verständlich sein konnten. Gegenüber der Düsseldorfer Schule hatte die Münchner eine gewißermaßen aristokratische Tendenz. Von einem Fürsten in's Leben gerufen, mit fürstlicher Liebe gehegt und gepflegt, sofort zum Höchsten berufen, bildete sie dadurch einen ziemlich schroffen Gegensatz zu jener, die in einer Stadt ohne Hof aus dem Volke herausgewachsen und zumeist, ja fast ausschließlich, auf das Volk angewiesen war. Da trat Bürkel auf, der Mann aus dem Volke, mit allen Tugenden wie mit allen Schwächen desselben vertraut, ein Künstler von unerschöpflichem Reichthum der Phantasie und voll schalkhaften Humors, und führte dem Publicum eine Reihe von Compositionen voll dramatischer Wahrheit und scharfer Charakteristik vor. Kein neuerer Künstler hat frischer in's Leben hineingegriffen als gerade er, und dem, sowie seiner unversiegbaren Laune hat er es zu danken, daß er nie gesucht erscheint. Ausgerüstet mit einem sicheren Blick für das Passende, schuf er sich einen eigenen Styl, der allerdings mehr auf das Charakteristische als auf das Idealschöne gerichtet war, entschädigte aber durch die Gabe einer wunderbar frischen Auffassung des Lebens.
In seinen Darstellungen findet sich weder etwas Herbeigeholtes noch etwas Ueberflüssiges, eine Figur erklärt die andere und steht mit ihr und der Gesammtheit in demselben Zusammenhange innerer Nothwendigkeit, wie seine landschaftlichen Motive mit den Stimmungen der Seele. Ausgezeichnet sind namentlich seine landschaftlichen und architektonischen Hintergründe, die allzeit mit der genrehaften Handlung in vollster Harmonie stehen, so daß jedes seiner Bilder stets ein in sich abgerundetes Ganzes bildet.
Bürkel war ein Künstler von der seltensten Gewissenhaftigkeit. Er erlaubte sich weder in Composition noch Ausführung jenes Leichtnehmen, hinter dem nicht selten große Talente den Mangel an Fleiß zu verstecken suchen. Ein aufrichtiger Bewunderer des Genies, war er auf die Genialität, welche sich heute so gerne angeräuchert sieht, sehr übel zu sprechen. In Sachen der Kunst, und zwar nicht blos in seinem speziellen Fache, ein feiner Kenner, nahm er ebenso wenig Anstand Tadel wie Lob auszusprechen, unbekümmert darum ob er damit anstoße.
Mit der neuen, aus Belgien und Frankreich zu uns herübergekommenen Richtung konnte er sich nicht befreunden; sie stand in zu grellem Contraste mit seinem soliden, innerlich gefesteten Wesen, das allem Virtuosenthume grundsätzlich abgeneigt war.
Ihm, dem es mit seiner Kunst so heiliger Ernst war, mußte dieses Haschen nach Effect, nach blendendem Schein bei innerer Hohlheit, dieses Kokettiren mit Wahrheit, die doch nur den mehr oder minder entgeisteten Schein gab und geben konnte, in der Seele zuwider sein. Dabei war er aber keineswegs so einseitig und für das Hergebrachte blind eingenommen, daß er nicht auch für die Fehler desselben ein scharfes Auge gehabt und bisweilen sein aufrichtiges Bedauern ausgesprochen hätte, daß er sich in seinen vorgerückten Lebensjahren Manches nicht mehr aneignen könne, was ihm an den Neueren gut und annehmbar schien.
Es giebt wohl wenige Künstler, welche eine so staunenswerthe Productionskraft besitzen und mit derselben einen so nachhaltigen Fleiß verbinden, wie Bürkel. Man weiß, daß er eine ungewöhnliche Anzahl von Werken in alle Welt versandte, so daß kaum eine bedeutende öffentliche oder Privatsammlung existirt, die nicht wenigstens eins derselben aufzuweisen hätte, und doch könnte man eben nicht sagen, daß er sonderlich leicht oder rasch arbeitete. Der ursprüngliche Entwurf erlitt in der Regel unter dem Einfluß reiflicher Erwägungen mehr als eine Abänderung, bis der Künstler sich mit dem Erreichten zufrieden gab. Und war endlich die Composition abgerundet, so nahm die sorgfältige Durchbildung mit spitzem Pinsel wieder viel Zeit in Anspruch. Aber selbst dann stellte er die eine oder andere Arbeit wieder zurück, weil sie seinen Wünschen nicht entsprach.
Ein recht klares Bild seines rastlosen, unermüdeten Strebens gewährte sein künstlerischer Nachlaß. Da standen hohe Schränke mit hundert und wieder hundert der Vollendung mehr oder minder nahe gerückten Bildern und zahlreichen Portefeuilles voll Studien, mit dem Stift und der Feder gezeichnet, mit Wasserfarbe angetuscht, in Oel gemalt. Alle sauber aufgeklebt und in einer Weise systematisch geordnet, welche es dem Künstler möglich machte, das Gewünschte jeden Augenblick mit Leichtigkeit aufzufinden. Und welche Fülle von Objecten und schätzbaren Motiven ging da vor uns vorüber; von der Distel am Wege bis zu prächtigen Luftstudien, vom Hut des Pifferari und der Joppe des Tyrolers bis zum kleinsten Detail des Hausraths, von der Tannreiserhütte des Köhlers bis zu den Trümmern der Kaiserpaläste am Palatin, von dem seichten Wässerchen, das jeden Kiesel durchblicken läßt, bis zur Brandung der See, der tausend und abertausend Menschen- und Thiergestalten nicht zu gedenken, die er mit Stift und Pinsel festgehalten.
Bürkel's in den letzten Jahren von einem schmerzlichen Gichtleiden stark angegriffene Gesundheit vermochte kaum vorübergehende Unterbrechungen seiner Thätigkeit herbeizuführen. Tag für Tag saß er von früher Morgenstunde bis zum späten Abend vor seiner Staffelei auf einem liebgewonnenen alten Stuhle, der, weniger ausdauernd als sein Eigenthümer, mit eisernen Klammern und Bändern nothdürftig zusammengehalten werden mußte. Er hatte sich an das alte Stück Hausrath, so unbequem es jedem Andern gewesen wäre, derart gewöhnt, daß er es nicht mehr entbehren zu können glaubte und seiner Gattin immer hartnäckig Opposition machte, wenn sie es durch ein besseres und eleganteres ersetzen wollte. Es war mit ihm alt geworden und sie »wollten bis zum Ende beisammen bleiben«, wie er mir einmal scherzend bemerkte.
Wer Bürkel nicht genauer kannte, mochte wohl von seinem bisweilen rauhen Wesen getäuscht werden. Wer dagegen viel mit ihm verkehrte, dem erschloß er, aber sichtlich ohne es so recht eigentlich zu wollen, eine Tiefe des Gemüthes und Seelenlebens, in welcher der Grund zu erkennen war, dem sein allezeit harmloser Humor entquoll.
Zu den Freunden, die sein inneres Wesen begriffen, zählte auch Adalbert Stifter, der sinnige Naturfreund und tiefe Kenner des menschlichen Herzens, der ihn hoch schätzte und ihm mit treuer Anhänglichkeit zugethan war, wie zahlreiche Briefe des Dichters an den Maler beweisen, der ja auch ein Dichter war wie jeder wirkliche Künstler.
Bürkel erfreute sich der Auszeichnung von den Akademien zu Dresden, München und Wien als Ehrenmitglied ausgenommen zu werden.
Wie ein Held starb er am 10. Juni 1869 auf dem Schlachtfelde. Noch ein paar Tage vor seinem Heimgange saß er, wenn auch schon todmüde, vor seiner Staffelei, und selbst am letzten Tage schien er in erhobener Hand den Pinsel zu führen.
Carl Albert Regnet: Münchener Künstlerbilder. Ein Beitrag zur Geschichte der Münchener Kunstschule in Biographien und Charakteristiken. Leipzig, 1871.
#Allgemeine Deutsche Biographie (1876)
Bürkel: Heinrich B., Genremaler, geb. 29. Mai 1802 zu Pirmasenz in der Rheinpfalz, † zu München 10. Juni 1869, gehört zu den frühesten Vertretern des Realismus in der Münchner Schule und nimmt einen hervorragenden Platz unter den Darstellern des niedern Volkslebens ein, sowol durch die Eigenthümlichkeit seiner kerngesunden humoristischen Auffassung desselben, als durch den Reichthum seiner Erfindung und seiner ungeheuern Fruchtbarkeit. – Unbemittelter Familie entstammend, verrichtete er nach Besuch der Volksschule erst Schreiberdienste und vermochte erst mit 20 Jahren so viel Unterstützung zu finden, daß er nach München kommen und sich dort ganz der Kunst widmen konnte. Die antikisirende Richtung der damaligen Akademie unter Langer konnte ihn nicht befriedigen, er verließ sie daher bald und studirte vorzüglich nach Philipp Wouvermann, dessen Stil er sich fast vollständig angeeignet und mit ungewöhnlichem Geschick die Darstellung des modernen, besonders oberbaierischen und italienischen Volkslebens in ihn übertragen hat. Ohne dies Vorbild in Feinheit der künstlerischen besonders coloristischen Durchbildung jemals zu erreichen, leistete er doch auch darin für seine in dieser Beziehung arg verwahrloste Zeit ganz Vorzügliches, kommt ihm an Reichthum in der Erfindung der Motive fast gleich und übertrifft es sogar beinahe an derb komischem Humor sowie an Mannigfaltigkeit der freilich sehr viel roher wiedergegebenen Charaktere und Situationen. Neben Wouvermann, dessen Form der Darstellung, System des malerischen Arrangements, bis selbst auf die Größe der Figuren er durchaus treu bleibt, haben noch Wynants und Berghem, endlich P. Potter und Van der Velde, deren Wiedergabe des Viehs er speciell studirte, Einfluß auf ihn ausgeübt, von Zeitgenossen besonders der etwas ältere Peter Heß. Steht er diesem an Feinheit der künstlerischen Durchbildung und Strenge der Zeichnung nach, so übertrifft er ihn dagegen weit an körnigem Humor und Fruchtbarkeit. Das Leben ländlicher Handwerker, Bauern und Jäger, Hirten, Schwärzer und Wilderer, des vielen herumziehenden Gesindels aller Art lieferte ihm seine Stoffe, unter denen sich ländliche Feste, Schießen, Jagden, Wirthshausscenen, besonders aber auch das Alpenleben durch die gesunde und wenn auch durchweg niedrigkomische doch keineswegs poesielose und überaus wahre Auffassung hervorthun. Die oberbaierische Hochebene und das Gebirge geben den oft mit großer Feinheit und schlichtem, reinem Naturgefühl dargestellten oft auch zu ganz selbständigen Landschaftsbildern verwandten Hintergrund, den er fast immer kühl und wie die Figuren mit klarer, dünner Farbe und spitzem Pinsel, aber viel malerischer Freiheit und echt künstlerischem Gefühl behandelt. In diesen Eigenschaften übertraf er seine meisten Zeitgenossen so weit, daß es bald unerläßlich war in jeder Sammlung einen B. zu besitzen, den man in der Regel, wenn er aus seiner guten Zeit 1830–50 stammt, auch heute noch mit Vergnügen betrachten wird. Schon 1829 ging B. nach Rom, wo er zwei Jahre blieb und von da an das italienische Volksleben bald fast mit derselben Virtuosität darstellte wie das baierische. Freilich zunächst von der Floh- und Wanzen-, sowie von der Spitzbubenseite, aber der trocken humoristische Realismus seiner Auffassung Hesperiens bildet einen sehr berechtigten, wenn auch einseitigen Gegensatz zu den verschönernden oder doch adelnden Darstellungen eines Leopold Robert, Hebert, Winterhalter u. a. m. Besonders seine Campagnebilder mit Staffage von Transporten gefangener Spitzbuben, oder wandernden Bettelmönchen, Marketender etc. sind sehr charakteristisch. Bürkel's von der derbsten Gesundheit, dem unermüdlichsten Fleiß unterstützte Fruchtbarkeit war trotz der minutiösen Ausführung seiner Bilder unermeßlich, noch bei seinem Tode hinterließ er gegen 400 halb und ganz vollendete Arbeiten außer unzähligen Studien. Hat man die Schönheit bei ihm nicht in der Darstellung der durchweg niedrig aber scharf gegriffenen Charaktere zu suchen, sondern im Gesammtarrangement, dem Reichthum der malerischen Erfindung, der gesunden, ja oft ganz reizend frischen Naturempfindung seiner Bilder, so sichern ihm diese Eigenschaften trotz seinem besonders in späteren Jahren oft gar zu mageren Vortrag dennoch einen ehrenvollen Platz unter den modernen Künstlern, machen ihn zu einem der vornehmsten Mitbegründer der heutigen, halbidyllischen, halb humoristischen Seite der Genremalerei. F. Pecht.
Friedrich Pecht: Allgemeine deutsche Biographie. Leipzig, 1876.
#Allgemeines Künstler-Lexicon (1895)
Bürkel, Heinrich, Landschafts- und Genremaler, geb. 29. Mai 1802 in Pirmasens, † 10. Juni 1869 in München, war anfangs zum Kaufmannsstande bestimmt, arbeitete als Schreiber bei einem Friedensrichter und begab sich 1821 nach München, wo er zwar Schüler von Peter v. Langer wurde, sich aber viel mehr durch das Studium der alten Niederländer und nach der Natur bildete. 1829–32 lebte er in Rom, studirte hier das Volksleben und liess sich in München nieder, wo er eine unermüdliche Thätigkeit in der sorgfältigen Ausführung seiner Bilder entwickelte. Die Zahl derselben ist so gross, dass es kaum eine Galerie oder Sammlung gibt, in der er nicht mit Gegenden aus dem bayrischen und tiroler Alpenland, oder mit Dorf- und Wirthshausscenen, mit Fuhr- und Ackersleuten oder mit Scenen aus der Umgebung von Rom vertreten ist. So in der Neuen Pinakothek zu München: Vor einem Aquaedukt in der Campagna von Rom, und Regenschauer in einem Gebirgsdorf, in der Kunsthalle zu Hamburg als eines seiner ältesten Bilder (1826) Pferde vor einer Dorfschmiede, Sonntagmorgen, Winterlandschaft mit heimkehrenden Bärenjägern u. A., in der Nationalgalerie zu Berlin Schiffszug am Inn bei Battenberg in Tirol (1828), Tiroler Kirmes u. A., im Museum zu Leipzig Frühmorgen in einem Tiroler Dorfe (1834), Fischerdorf im bayrischen Oberland, im Rudolfinum zu Prag Die Zugspitze bei Garmisch in Bayern, im Museum zu Königsberg Ein Wirthshaus im Dorf Zirl bei Innsbruck, im Museum zu Danzig Rauferei vor einem Wirthshause, Abend im Gebirge und im Privatbesitz viele Andere.
Allgemeines Künstler-Lexicon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Vorbereitet von Hermann Alexander Müller. Herausgegeben von Hans Wolfgang Singer. Erster Band. Frankfurt am Main, 1895.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Bürkel Heinrich, 1802 (Pirmasens/Rhl.-Pfalz) – 1869, Genre- und Landschaftsmaler; er bildete sich auf der Münchner Kunstakademie und in Rom aus; B. wußte den Charakter des Landes und des Volkes in realistischer, fast karikierender Weise zum Ausdruck zu bringen; nach seiner Rückkehr aus Italien studierte B. das bayerische Hochgebirge und Tirol und verstand auch hier das Leben treu, nicht ohne poetische Auffassung, zur Geltung zu bringen.
Hauptwerke: Schiffszug bei Rattenberg in Tirol, Tiroler Kirmeß, Landschaft bei Velletri (Berlin); Die Poststation Mezza Via zwischen Rom und Albano, Winterlandschaft im Hochgebirge, Schafherde in der Campagna di Roma, Kühe zur Dorfschmiede getrieben (Bayerische Staatsgemäldesammlung); andere Werke Bs. befinden sich in Leipzig, Hamburg, Wien und St. Petersburg (= Leningrad).
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#38 – 1 – 13 (Pechmann)
K. B. HOFRAT
HEINRICH FRHR.
VON PECHMANN
DIREKTOR DER NEUEN
PINAKOTHEK. KUNST-
MALER 1826 – 1905
JOHANNA FRFR.
VON PECHMANN
GEB. D.’ ESTER 1838 – 1871
ANNA FREIFRAU
VON PECHMANN
GEB. LOTZE 1839 – 1895
- Pechmann, Anna Freifrau von (vh) / Lotze (gb); 1839 – 25.12.1895 (München); Kunstmalers-Gattin
- Pechmann, Heinrich Freiherr von; 10.3.1826 (Würzburg) – 14.8.1905 (Oberstdorf); Galeriedirektor, Genremaler, Historienmaler und Portraitmaler
- Pechmann, Johanna Freifrau von (vh) / Ester, de (gb); 1838 – 7.9.1871 (München); Konservators-Gattin





#Heinrich Freiherr von Pechmann
* 10.3.1826 (Würzburg)
† 14.8.1905 (Oberstdorf)
Galeriedirektor, Genremaler, Historienmaler und Portraitmaler
#Münchner Neueste Nachrichten (17.8.1905)
Kunstchronik.
Heinrich v. Pechmann †. Am Montag verschied zu Oberstdorf im hohen Alter von 80 Jahren der frühere Galeriedirektor Hofrat Heinrich Freiherr v. Pechmann. Er war am 10. März 1826 in Würzburg als der Sohn eines Bauinspsktors geboren und ward zweimal Witwer. Pechmann besuchte die Akademie unter Foltz, doch gehörte er von 1848 bis 1853 dem bayerischen Heere als Leutnant an. Nachdem er zu seiner künstlerischen Ausbildung in den 60er Jahren Frankreich und Italien bereist hatte, wurde er Konservator an der Zentral-Gemäldegalerie und Mitglied der Zentral-Gemäldegalerie-Kommission, später auch Direktor der Neuen Pinakothek. Später interessierte sich König Ludwig II. für ihn, der 6 Wandgemälde für die Kapelle in Staffelsee bei ihm in Auftrag gab. Auch für das alte Nationalmuseum malte er 4 Wandgemälde. Er besaß das Ritterkreuz 1. Klasse des St. Michaelsordens älterer Ordnung. Hohen Alters wegen trat der verdiente Mann in den nachgesuchten Ruhestand. In Linderhof sind von Pechmann mehrere hübsche Gobelins; sonst malte er hauptsächlich Genrebilder und Bildnisse. In der Pfarrkirche zu Kupferberg ist von ihm das Altarbild. Für das König-Ludwig-I.-Album spendete er »Heimfahrt von der Kindstaufe auf dem Chiemsee«, ein Bild, das ihm als Maler auch eine gewisse Volkstümlichkeit erwarb.
Die Beisetzung des hochverdienten Mannes erfolgt morgen Nachmittag auf dem hiesigen südlichen Friedhof.
Münchner Neueste Nachrichten No. 380.Donnerstag, den 17. August 1905.
#Allgemeine Zeitung (19.8.1905)
Münchener Stadt-Anzeiger.
München, 18. August.
Hofrat Frhr. v. Pechmann †. Ein Mann, der um den künstlerischen Ruhm Münchens sich hochverdient gemacht hat, der langjährige Direktor der Neuen Pinakothek, Hofrat Frhr. Heinrich v. Pechmann, fand am Donnerstag im neuen Teile des südlichen Friedhofes seine letzte Ruhestätte. Trotz der unfreundlichen Witterung hatte sich eine große Zahl Trauergäste aus Münchens Künstlerwelt eingefunden und gab mit dem Sohn, Herrn Bezirksamtsassessor R. v. Pechmann, dem Sarge das letzte Geleite. Wir bemerkten unter den Trauergästen Herrn Oberregierungsrat v. Pracher in Vertretung des Kultusministeriums, ferner den Direktor der Zentral-Gemäldegalerie, Geheimrat Prof. v. Reber, Galeriedirektor Prof. v. Holmberg, den Konservator der Gemäldegalerie Schleißheim, Bever, die Professoren v. Hauberrisser, Karl Seiler, Albert Schmidt, F. v. Miller u. v. a., Deputationen der Münchener Künstlergenossenschaft und des Künstlerunterstützungsvereins, die Hofräte Krankenhausdirektor Dr. Brunner und Hanfstängl, Offiziere, Mitglieder des Armenballkomitees u. a. m. Der altkatholische Geistliche entwarf in seiner Gedächtnisrede ein Bild des Dahingeschiedenen, dessen Leben so reich an Arbeit und Erfolgen war. Namens der Galeriedirektion sprach am Grabe noch Geheimrat v. Reber, für die Künstlergenossenschaft Kunstmaler Groß, für der Künstler-Unterstützungsverein Professor Seiler unter Niederlegung von Kranzspenden.
Allgemeine Zeitung Nr. 377. München; Samstag, den 19. August 1905.

#38 – 1 – 16 (Schlotthauer)
Joseph
Schlotthauer
Historienmaler
Professor d. Akademie
d. bildenden Künste
* 1788 † 1869.
- Schlotthauer, Josef; 14.3.1789 (München) – 15.6.1869 (München); Historienmaler und Kirchenmaler


#Josef Schlotthauer
* 14.3.1789 (München)
† 15.6.1869 (München)
Historienmaler und Kirchenmaler
#Artistisches München im Jahre 1835 (1836)
Schlotthauer, Joseph, Professor und Inspektor an der königl. Akademie der bildenden Künste, geb. zu München am 14. März 1789. Sein Vater war Theaterdiener bei dem vormaligen churfürstlichen Hoftheater in Mannheim, und kam im Jahre 1783, als dieses nach München verpflanzt wurde, in gleicher Eigenschaft mit dahin. Die Dürftigkeit des Einkommens des Vaters gestattete nicht, bei der Bestimmung des zukünftigen Berufes seiner vielen Kinder deren Neigungen und Talente abzuwägen, sondern zwang die zunächst dargebotene Gelegenheit zu irgend einem Erwerbt als erwünscht fest zu halten.
So kam es, daß Sch., der jüngste von sechs Brüdern, trotz seiner großen Neigung zur Kunst, das Schreinerhandwerk erlernen mußte. Lehrling geworden, benützte er die Mußestunden, um, was er für sein Geschäft nothwendig hielt, sich im Lineal- und Freihandzeichnen zu üben; später genoß er den Unterricht an der Feiertagsschule, um seine Kenntnisse durch einige gemeinnützige Studien, als: Chemie, Physik und Mechanik zu erweitern. Doch seine Hauptneigung, der Hang zur Malerei, verließ ihn nicht, folgte ihm, nachdem er als Geselle auf die Wanderung ging, in die Ferne, geleitete ihn in’s Vaterhaus zurück, und lehrte ihn endlich die Möglichkeit auffinden, seinem innerlichen Drange Genüge zu leisten.
Schon hatte er sich durch Selbstübung so weit vorbereitet, daß er in der Akademie aufgenommen werden konnte, als noch im selben Jahre (1809), nachdem er hier kaum ein paar Monate den Unterricht genossen hatte, der Insurrectionskrieg in Tyrol ausbrach, welcher von Neuem sein« Aussicht sperrte. Sch. war an der Konskriptionspflichtigkeit, und hatte zu gewärtigen, wenn er jene abwartete, dem Heere auf eine volle Diensteszeit einverleibt zu werden. Um diesem auszuweichen, wählte er, in der Hoffnung, daß er bald wieder seiner Kunst leben dürfe, den kürzern Weg, und trat auf Kriegsdauer dem so eben errichteten Korps Freiwilliger Jäger bei, in deren Mitte er den Feldzug bestand. Als dieser beendigt, und das Schützenkorps, bei dem Sch. diente, aufgelöst wurde, konnte er eine Offiziersstelle im stehenden Heere erhalten; doch Sch., nur für die Kunst glühend, lehnte die militärische Anstellung ab, und verfolgte mit neuem Muthe die vorige Bahn.
Die Kunst hatte eben eine neue Richtung gewonnen; sie fing wieder an, auf das Ernstere, und in ihrer Bedeutung Tiefere zurückzukehren, aus dessen Sphäre sie durch die jüngstvergangenen Jahrhunderte gedrängt worden war. Noch stritt das Alte mit dem Neuen. Sch., ein eifriger Anhänger dieses letzteren, glaubte ihm in stiller Zurückgezogenheit am beßten folgen zu können, und versuchte nun sich selbst auszubilden.
In dieser Abgeschiedenheit, von manchen Leiden und schweren Müheseligkeiten gedrückt, malte er fast ausschließlich religiöse Darstellungen, und mit besonderer Vorliebe das Bild des Erlösers. Dieß dauerte bis zum Jahre 1819, wo Cornelius nach München kam, um die Säle der Glyptothek mit Fresken auszuschmücken. Von diesem aufgefordert, Theil an jenen Arbeiten zu nehmen, beschäftigte er sich nun bis zur Vollendung der Glyptothek, zehn Jahre lang mit Freskomalen, wobei ihm seine früheren chemischen und physikalischen Studien wesentliche Dienste leisteten, und manches im Technischen verbessern halfen.
Hierauf besuchte er Rom, und erhielt endlich, im Februar 1821, von Sr. Majestät dem Könige eine eben erledigte Professorstelle an der königl. Akademie. Jetzt widmet er sich fast ausschließlich der Heranbildung junger Talente, trägt nach Kräften zur Ausbreitung eines edlen Kunstgeschmackes bei, und freut sich im Stillen, wenn ein glücklicher Erfolg seine Bestrebungen lohnt.
Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Mechaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.
#Orthopädische Heil-Anstalt zu München (1840)
Entstehung des Institutes.
Häufig mag die Frage auftauchen: »wie kommt ein Maler, Professor einer Akademie der bildenden Künste, dazu, Orthopäd zu seyn?« Deshalb sehe ich mich veranlaßt, folgenden Aufschluß hierüber zu geben.
Nicht eitle Ruhmsucht, nicht Zwang der Lebensverhältnisse, noch andere, aus mir selbst hervorgehende Motive waren es, die mich in diese fremde Sphäre führten; denn meine primitive Stellung befriedigte Geist und Körper, meine Wünsche fixirten sich in ihr, und widerstrebten sogar diesem aus sich Heraustreten.
Eine Anregung von Außen her war es, welche die erste Veranlassung zu einem orthopädischen Versuche gab.
Es hatte mich nämlich ein sehr werther Freund, vor zwölf Jahren schon, dringend angegangen: mein mechanisches Talent, unterstützt von den, einem bildenden Künstler nothwendigen anatomischen Kenntnissen, bei seiner Tochter zu versuchen, welche an einer Verkrümmung des Rückgrates leidend, schon mehreren orthopädischen Curen erfolglos sich unterzogen hatte.
Er glaubte, was allerdings nicht ungegründet seyn dürfte: die Aufgabe des Orthopäden werde sehr erleichtert durch des Künstlerauge, das, an richtiges Formenverhältniß gewöhnt, ihm eine schärfere Auffassung des abnormen Baues des menschlichen Körpers verschaffe.
Seine Bitten, sowie die Zusprache eines angesehenen Arztes, der mir wissenschaftlichen Rath zusicherte, beschwichtigten endlich jede Bedenklichkeit, und der Versuch wurde gewagt.
Unerfahren in diesem neuen Felde, griff ich zuerst, auf Anrathen des ebenerwähnten Arztes, nach der gewöhnlichen Methode der Extension (Streckung), überzeugte mich indeß bald, daß hiedurch nur ein höchst ungewisses, schleppendes, und mit vielen anderen Nachtheilen verknüpftes Resultat zu gewärtigen sey. Dagegen glaubte ich durch ein anderes, meines Wissens damals noch unbekanntes Curverfahren, nämlich durch Flexion (Beugung), weit sicherer und rascher das vorgesteckte Ziel erreichen zu können.
Der glückliche Erfolg rechtfertigte diese Ansicht, und wurde gegen meinen Wunsch Veranlassung weiterer Wirksamkeit in den verschiedenartigsten Fällen der Orthopädie. Denn die veränderte Gestalt des Mädchens und die Freude des Vaters verriethen nur zu bald, was ich gar gerne der Vergessenheit übergeben hätte.
Von vielen Seiten bestürmt, wurde meinem Ausweichen die Sentenz entgegengestellt: daß es unrecht sey, eine für die leidende Menschheit so wohlthätige Gabe vergraben zu wollen.
Unter solchen Verhältnissen entwickelte sich im Laufe der Zeit aus den ersten glücklichen Curversuchen allmählig ein, in vielen Beziehungen mir eigenthümliches Heilverfahren, mannigfaltig modificirt, je nach der Eigenthümlichkeit des individuellen Falles. Die oft überraschend schnellen Erfolge dieses Verfahrens, welches zugleich die gewöhnlichen Unbequemlichkeiten der orthopädischen Curen umgeht, und die stete naturgemäße Entwicklung des Körpers auf keine Weise hemmt, erweckten die Aufmerksamkeit und das Vertrauen des Publikums in immer weitern Kreisen; und so kam es, daß die Zahl der Kranken, und darunter viele selbst vom Auslande, unter den damaligen Umständen mir bald zu groß wurde.
An ein Beiseite stellen, oder förmliches Aufgeben der Orthopädie konnte und durfte nicht mehr gedacht werden: dagegen kämpfte jetzt das moralische Gefühl, den Kranken Hilfe versagen zu müßen, bei dem Bewußtseyn, ihnen dieselbe bieten zu können.
Bisher wären meine Patienten in den verschiedensten Theilen der Stadt, im elterlichen Hause, oder bei Verwandten und Bekannten untergebracht: da aber dieses Zerstreutwohnen nicht allein große Hindernisse für die stete Beobachtung meiner Kranken, und für die aufmerksame Leitung der Cur mit sich führte; sondern auch meine Zeit so gewaltig zersplitterte, daß das weitere Bestehen eines solchen Zustandes unmöglich mehr in den erfoderlichen Einklang mit meinen Geschäften an der königlichen Akademie zu bringen war; da ferner auch ein zur Aufnahme von Patienten angelegtes Pensionat, im Hause einer sehr achtbaren Frau, weder die genannten Uebel hob, noch in die Länge dem vermehrten Andrange genügen konnte: so stellte sich die Nothwendigkeit immer fühlbarer heraus, eine Stellung zu gewinnen, welche mir eine doppelte Pflichterfüllung gestattete.
In dieser Lage hatte Seine Majestät der König, der erhabene Förderer jedes Guten und Nützlichen, von meinem Heilverfahren unterrichtet, die allerhöchste Gnade, dasselbe einer besonderen Aufmerksamkeit zu würdigen, und ihm jeden Vorschub, namentlich für die ununterbrochene Ausübung zuzusichern.
Zugleich wurde ich auf allerhöchste Veranlassung eines Theils meiner Geschäfte an der königl. Akademie temporär entbunden, und der Magistrat hiesiger Stadt auktorisirt, die Errichtung eines Institutes durch ein zu leistendes Betriebskapital zu fördern, das derselbe in ehrender Zuvorkommenheit, nebst jeder anderweitigen Unterstützung, mir bereits angebothen hatte. Und so trat das gegenwärtige Institut ins Leben.
Joseph Schlotthauer: Orthopädische Heil-Anstalt zu München. München, 1840.
#Die bildende Kunst in München (1842)
Joseph Schlotthauer,
geboren am 14. März 1789 zu München, der Sohn eines k. Theaterdieners, lernte nach dem Willen seines Vaters das Schreinerhandwerk, übte sich aber aus innerem Drange während der Mußestunden im Zeichnen, besuchte die trefflich eingerichtete Feiertagsschule, welche ihm nicht nur Gelegenheit gab, sich darin zu vervollkommnen, sondern auch andere Kenntnisse zu erwerben, in der Chemie und Physik, welche er fleißig benützte. Schon wanderte er als Geselle in die Ferne, ward aber des Dranges, sich der Kunst zu widmen, nicht los, dieser vielmehr durch den Anblick der verschiedenen Gegenden und Kunstwerke noch mehr geweckt, so daß er nach seiner Rückkehr in das väterliche Haus sich unablässig mit Zeichnen beschäftigte und zur weiteren Ausbildung die Akademie besuchte. Allein nach kurzer Zeit trat er, bei der damaligen kriegerischen Zeit, in das neu errichtete Corps der freiwilligen Jäger auf die Dauer des Krieges, in der Hoffnung, bald wieder zu seinen Studien zurückkehren zu können. Er diente im Feldzuge gegen Tyrol, und konnte nach der Auflösung des Schützencorps als Offizier in das stehende Heer eintreten; seine glühende Begeisterung für die Kunst aber führte ihn als Schüler in die Akademie zurück, in deren Streben und Lehrweise der Streit zwischen der alten oberflächlichen Auffassung und der neueren, tief in den Charakter dringenden Behandlungsart sichtbar sich zeigte, daß Schlotthauer, nach reifer Bildung im Zeichnen und schon ganz der neuen ernsten Auffaffungsweise sich zuwendend, sich in stiller Zurückgezogenheit selbst auszubilden beschloß.
Mit ausdauerndem Eifer machte er die mannichfaltigsten chemischen Versuche zur Gewinnung von Farben, die er endlich in ausgezeichneter Reinheit und Kraft herstellen und in seinen Oelbildern anwenden lernte, daß die Wirkung seines Colorits angenehm und harmonisch erscheint. Still und tief in seinen Auffassungen führte er beinahe ausschließlich Gegenstände aus der heiligen Geschichte und frommer religiöser Anschauung in Oelbildern aus, die ganz von der Innigkeit seines Gemüthes und seinem Streben nach ausdrucksvoller Charakterschilderung in den einzelnen Gestalten, wie in den Gruppirungen, zeugen. Am meisten war er bemüht, den göttlichen Gründer unserer Religion in den mannichfaltigsten Verhältnissen seines Lebens darzustellen und die himmlische Milde, verbunden mit dem göttlichen Ernst und der ihm eigenthümlichen Würde im Handeln und Lehren, und selbst im Tode, darzustellen, was ihm auch durch tiefes Studium und anhaltende Uebung gelungen ist.
Aufgefordert zur Theilnahme an der Ausschmückung der Glyptothek mit Freskobildern, widmete er sich zehn Jahre lang dieser Kunst zur Vollendung jener herrlichen Gemälde, und trug durch seine chemischen Kenntnisse wesentlich dazu bei, die Malerei auf frischen Kalk zu fördern und eine angenehme kräftige Farbenbereitung zu erzielen, daß der allmählige Fortschritt dieser in Deutschland noch jungen Kunst an den immer frischer und harmonischer ausgeführten Bildern jenes Gebäudes sichtbar erscheint.
Im Jahre 1831 besuchte er Rom, aus der Quelle aller Kunstbildung selbst zu schöpfen, und wurde nach seiner Rückkehr zum Professor an der k. Akademie ernannt, an welcher er jetzt mehr für die sorgfältige Bildung der Zöglinge, als an eigenen Schöpfungen arbeitet, zumal er auf ganz außergewöhnliche Art sich in der letzten Zeit zu einem berühmten Heilkünstler gebildet hat, und aus seiner orthopädischen Anstalt gingen bereits viele Geheilte hervor.
Dr. Johann Michael von Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.
#Die Bayerische Landbötin (30.9.1843)
Bekanntmachung.
Da dem Unterzeichneten seine Obliegenheiten als Professor an der k. Akademie der bildenden Künste nicht ferner gestatten, sich neben seinem Berufe noch mit orthopädischen Angelegenheiten zu beschäftigen, so benachrichtigt er hiervon das Publikum, mit dem Beisetze, daß er seine orthopädische Heilanstalt dahier bereits geschlossen habe, und keine Besuche, welche in solchen Angelegenheiten beabsichtigt würden, mehr annehme.
München, den 28. Sept. 1843.
Joseph Schlotthauer,
Professor an der k. Akademieder bildenden Künste.
Die Bayerische Landbötin No. 117. Samstag, den 30. September 1843.
#Zeitschrift für bildende Kunst (16.7.1869)
Nekrolog.
J. Schlotthauer †. Am 15. Juni ging in München der Historienmaler Josef Schlotthauer, quiesz. königlicher Professor an der Akademie der bildenden Künste daselbst, Ritter des Verdienstordens vom heiligen Michael erster Klasse und Inhaber des Veteranen-Denkzeichens, mit Tod ab. Derselbe war, der Sohn eines Theatedieners, im Jahre 1789 geboren, und erlernte in seiner Jugend das Schreinerhandwerk. Von mehrjähriger Wanderschaft heimgekehrt, wendete er sich der Kunst zu und machte solche Fortschritte, dass er bald mit Erfolg die Akademie besuchen konnte. Seine warme Vaterlandsliebe führte ihn in die Reihen der freiwilligen Jäger, in denen er tapfer focht und deshalb zum Offizier befördert werden sollte. Er zog es jedoch vor, nach abgeschlossenem Frieden auf die Akademie zurückzukehren und widmete sich ganz der Heiligenmalerei, der einzigen, welche damals gepflegt ward. Seine Arbeiten charakterisirt Innigkeit der Empfindung und wahre Tiefe des Ausdruckes. Vorzugsweise liebte er die Gestalt des Erlösers und sein Zusammenleben mit seiner Mutter und seinem Pflegevater darzustellen. Ist er auch nicht frei von einer gewissen Süßlichkeit, so fällt diese doch weniger ihm als der gesammten Richtung der Zeit zur Last, welche daran krankte.
Von der Feiertagsschule her, welche er als Schreiner-Lehrling und Geselle mit Eifer besucht hatte, besaß er noch einige Erfahrungen in der Chemie, welche ihm nun trefflich zu statten kamen, als ihn Cornelius zur Ausführung seiner großen Wandgemälde in der Glyptothek des Königs Ludwig als Gehilfe beizog und ihm so viel Vertrauen schenkte, daß er ihm die selbständige Ausführung mehrerer Entwürfe übertrug. Im Jahre 1830 von seiner Romfahrt heimgekehrt, ward er zum Professor an der Münchener Akademie der bildenden Künste ernannt und bildete sich bald einen größeren Kreis von Schülern, die dem wackeren Manne mit dem offenen Herzen und mit der ungekünstelten Liebenswürdigkeit treu anhingen. Seine Erfahrungen in der Anatomie des menschlichen Körpers veranlaßten ihn eine orthopädische Anstalt zu gründen, in welcher zahlreiche Unglückliche Hilfe suchten und, auch wenn sie arm waren, freundlichste Aufnahme fanden, selbst wenn sich der Inhaber deshalb Entbehrungen auferlegen mußte. Im Jahre 1832 unternahm er ein Werk, dessen Verdienst nicht unterschätzt werden darf: die Herausgabe des Holbein'schen Todtentanzes, an welcher sich der talentvolle Höcherl und nach dessen allzufrühem Tode Johann Schraudolf und Joses Anton Fischer betheiligten. – Die Technik des Fresko schien ihm und Andern den Einflüssen unsers nordischen Klimas nicht zureichenden Widerstand zu leisten. Er sann über eine neue widerstandskräftigere nach und verband sich zu diesem Behufe mit dem Chemiker Oberbergrath von Fuchs. Das Ergebniß ihrer Forschungen und Versuche liegt in der Stereochromie vor uns, welche die Farbenschichte durch eine Schichte durchsichtigen Wasserglases zu schützen sucht. Mit Fuchs und Anderen ward Schlotthauer im Jahre 1841 von König Ludwig nach Pompeji geschickt, um die bei den dortigen Wandgemälden angewendete Technik zu erforschen. Seit seiner vor wenigen Jahren erfolgten Versetzung in den Ruhestand hat er sich fast ganz von der Kunst zurückgezogen und, obwohl er die orthopädische Anstalt schon früher aufgelöst hatte, sich wieder dieser Heilmethode zugewendet und so im Stillen viel Gutes gewirkt. In der letzten Zeit war eine durchgreifende Regelung der Isar bei München ein Gedanke, der ihn vielfach in Anspruch nahm und den er in großen Plänen niederlegte.
Zeitschrift für bildende Kunst Nr. 19. 16. Juli 1869.
#Allgemeine Deutsche Biographie (1890)
Schlotthauer: Joseph S., Historienmaler, geb. am 14. März 1789 zu München. Sein Vater war Theaterdiener am kurfürstlichen Hoftheater zu Mannheim und 1783 mit demselben nach München gekommen; die Dürftigkeit seines Einkommens gestattete nicht bei der Bestimmung des künftigen Berufes seiner vielen Kinder deren Neigungen und Talente abzuwägen, sondern zwang die nächste Gelegenheit zu irgend einem Erwerbe zu ergreifen. So kam es, daß S. der jüngste von sechs Brüdern, trotz seiner großen Neigung zur Kunst das Schreinerhandwerk erlernen mußte. Als Lehrling benützte er die kurzen Freistunden um sich im nothwendigsten Lineal- und Freihandzeichnen zu üben; später genoß er den Unterricht an der Feiertagsschule, um sich mit gemeinnützigen Kenntnissen, wie Mechanik, Physik, Chemie vertraut zu machen und legte so den ersten Grund zu seinen späteren weit greifenden Forschungen.
Doch blieb er seiner Hauptneigung zur Malerei getreu; sie folgte ihm, nachdem S. als Geselle auf die Wanderschaft ging, geleitete ihn ins Vaterhaus zurück und ließ den Unverzagten endlich die Mittel und Wege finden, seinem innerlichen Drange Genüge zu leisten. Schon hatte er sich, ein Autodidakt im strengsten Sinne, so weit gefördert, um an der Akademie die Prüfung zu bestehen und Aufnahme zu finden, als die Militärpflicht ihn traf und 1809 in den Tiroler-Krieg führte. In der sicheren Zuversicht, bald möglichst wieder der Kunst leben zu dürfen, trat S. in das neuerrichtete Corps freiwilliger Jäger, in deren Mitte er, nicht ohne Fährlichkeiten, den Feldzug bestand und zum Korporal vorrückte. Als Soldat zeichnete S. während des Krieges allerlei Pläne und Karten für die Generale und malte in Aquarell den Tirolern kleine Bilder, Namensheilige und dergleichen, wodurch der nichts weniger als rauhe Krieger sehr beliebt wurde.
Nach Auflösung des Schützencorps wäre S. zum Lieutenant avancirt, aber die Liebe zur Kunst gewann die Oberhand; so bezog er die unter Langer florierende Akademie, wo trotz der rhetorischen Form und dem hohlen Pathos doch coloristisch etwas Tüchtiges zu lernen war. Er oblag der Kunst mit einer Liebe und Ausdauer, welche diesen von den höchsten Idealen beseelten Künstler zeitlebens charakterisierten.
Als reife Probe seines Könnens erschien schon 1814 auf der Ausstellung der Akademie ein Kinder-segnender Heiland. Dann arbeitete S. seiner inneren Veranlagung folgend in stiller Unverdrossenheit weiter an seiner eigenen Ausbildung; gedrückt von Leiden und schweren Mühseligkeiten, unter inneren Seelenkämpfen und sorgenbelastet für sich und die Seinen, malte der fromme tiefgläubige Mann außer mehreren Portraits fast ausschließlich nur religiöse Gegenstände.
Es war die Zeit, wo Martin Boos, Feneberg, Goßner, Lindl und »die Stillen im Lande«, im Gegensatze zu dem früheren Rationalismus auf eine wunderliche Mystik verfielen und in ihrer Manier Zeichen und Wunder thaten. S. folgte, ebenso wie Ringseis, Brentano und Sailer als aufmerksamer und reger Beobachter dem überraschenden Treiben, womit das neue Anklopfen der Geisterwelt begann, bis er alsbald ermüdet und durch Cornelius in eine ganz neue Bahn künstlerischer Thätigkeit gelenkt, dem ganzen spiritistischen Rummel den Rücken wendete.
Sein reines, lauteres Streben ging, wie bei den alten Meistern von Siena, auf Innigkeit und Tiefe des Ausdrucks, auf Adel und Wahrheit der Form und daß ihm dieses nicht selten und in hohem Grade gelang, beweisen mehrere Bilder, darunter beispielsweise ein dornengekrönter Christuskopf (welcher 1819 in den Besitz des geistvollen Sammlers und Kunstschriftstellers Herrn von Quandt zu Dresden gelangte) und eine ähnliche Wiederholung desselben (Eigenthum der gräflichen Familie Pocci), welche von Schreiner auf Stein gezeichnet, alsbald typisch wurden. Ebenso das feierliche Haupt eines »Salvator mundi« und einer in reiner Unschuld leuchtenden »Madonna«, insbesondere aber das Bild einer »heiligen Familie« – St. Joseph vorlesend an einem Tische, ihm gegenüber Maria mit dem Ausdrucke des andächtigen Zuhörens gleichfalls sitzend; zu ihren Füßen spielt das himmlischee Kind mit einem Lämmchen – welches in seiner ungesuchten Schlichtheit und ächt deutschen Naivetät, in allen Formaten nachgebildet, im Stich (von Adrian Schleich), Steindruck (Schreiner) und Photographie, als Glasbild und Farbendruck vervielfältigt, eine beinahe unverwüstliche Probehaltigkeit bewies und die größte Popularität gewann, so daß es nur zu oft ohne den Namen des Künstlers in die weite Welt ging.
Als im Jahre 1819 Peter Cornelius nach München kam, suchte er tüchtige Gehülfen, mit welchen er sein großes Werk, die Fresken der Glyptothek, auszuführen gedachte. Sein Adlerauge fand den rechten Mann in S., welcher ihm bald mehr wurde als die Anderen: der treueste Herzensfreund des großen Meisters, sein eigentlichster Johannes und seine hülfreich ausführende Hand. Erst vergrößerte S. mit feinfühligstem Verständnisse einige Zeichnungen des Meisters und malte nach den Farbenskizzen desselben etliche kleine Bilder in den Feldern und Cassetten des Plafond (z. B. den Carton zum »Abend«. Vgl. Kunstblatt 1821 S. 275) und warf sich dann mit solcher Energie und so glücklichem Erfolge auf die ihm früher ganz fremde Technik der Freskomalerei, daß Cornelius seine helle Freude darüber äußerte.
Im Wetteifer mit Heinrich Heß und Clemens Zimmermann that er es diesen nicht nur gleich, sondern überflügelte sie im Glanz der Farbe, insbesondere aber durch sein heute noch bewundernswerthes Helldunkel. Im Jahre 1822 malte S. schon selbständig die »Aurora mit Tithonus zu Jupiters Füßen«, die »Luna mit den Hesperiden«, die »Diana im Bade« und »Diana mit Endymion«; zu seinen weiteren Leistungen zählen die »Hochzeit des Peleus und der Thetis« (1825), das »Urtheil des Paris«, die »Vermählung« und »Entführung der Helena« (1828); mit Cornelius malte er den »Streit des Achill«, den »Kampf um die Leiche des Patroklus« und die »Zerstörung Trojas.«
Auch war S. betheiligt am »Reich des Neptun«, am »Olymp« und der »Unterwelt«, wo besonders die im herrlichsten Clair-obscur gemalte Gestalt der Eurydice als eine der vorzüglichsten Fresko-Leistungen genannt zu werden verdient. S. hat nach dem Zeugniß des Grafen Raczynski – welcher in seiner »Geschichte der neueren Kunst« (1840, II, 300) Schlotthauer’s Antheil an den einzelnen Bildern besonders aufzählt – »bewiesen, daß Niemand in München besser malte als er; man darf sogar annehmen, daß Alle, die in der Glyptothek malten, ohne selbst den Meister Heinrich Heß auszunehmen, aus Schlotthauer’s Beispiel nützliche Lehren gezogen haben.«
Im Jahre 1825 machte S. mit seiner jungen Frau eine Hochzeitsreise nach Oberitalien und ging dann 1830 mit Cornelius nach Rom. Im Februar 1831 wurde S. Professor an der Münchener Akademie, wo er sich fast ausschließlich der Heranbildung junger Talente widmete. Er that dieses mit einer wirklich beispiellosen Hingebung als ein ächt väterlicher Freund, bahnte seinen Schülern die Wege, sorgte für die Mittel, den meist dringend Bedürftigen eine Existenz zu bereiten, verhalf ihnen durch seine Empfehlung zu Aufträgen und stand ihnen immerdar bei mit Rath und That.
Dazu zählte in erster Reihe Johann Schraudolph, Karl Högerl (aus Regensburg, † 1830 zu München, welchen S. bei seiner Reproduction des »Holbein’schen Todtentanzes«, München 1832) verwendete, dann Thomas Gruggenberger († 1882), Ludwig Moralt († 1888), Ulrich Halbreiter, F. G. Lacher (1809–1882), Max Hailer, Jos. Holzmaier († 1859) u. s. w. Mit den Letztgenannten ging S. im Herbste 1834 nach Mailand, um im Auftrage des reichen Frl. Emilie Linder (geb. 1797 zu Basel, † 1867 zu München) das Abendmahl des Lionardo da Vinci zu copieren.
Außerdem wirkte S. auch auf die, ebenso artistischen wie historischen Studien obliegenden jungen Leute, welche unter dem Titel einer »Gesellschaft zu den drei Schilden« (1831–1838) in feuriger Begeisterung zur Erforschung der deutschen Vorzeit zusammen traten. Dazu gehörten Fr. Hoffstadt, der tiefsinnige Erforscher des Spitzbogenstyles, der edle, vielseitige Graf Franz Pocci, die Maler Karl Ballenberger, Ludwig Zenker, Jos. Scherer, die Architekten Domenik Quaglio und Hermann Keim, der Bildhauer Ludwig Schwanthaler, der Dichter Friedrich Beck (geb. am 20. Juni 1806 zu Ebersberg, † 80. Aug. 1888 zu München), der edle Sulpiz Boisserée und die beiden Rechtsgelehrten Fr. Freiherr von Bernhard und Hans Freiherr von Aufseß, der nachmalige Gründer des Germanischen Museums zu Nürnberg, wozu die Idee schon in der »„Gesellschaft zu den drei Schilden« wurzelte.
Schlotthauer’s Thätigkeit als Lehrer hatte alsbald die des Malers völlig absorbiert, um so mehr als eine Menge von Verbesserungen, Entdeckungen und Erfindungen, welche sich ihm größtentheils zufällig aufdrängten, den rastlosen Mann mit immer neuen Versuchen vollauf in Anspruch nahmen. Mit einer nur dem Lionardo da Vinci vergleichbaren Vielseitigkeit arbeitete S. an technischen Problemen. Schon in früher Jugend fertigte S. einen praktikablen Löwen, welcher damals am Wagen des »Sarastro« in der »Zauberflöte« zur Verwendung kam und lange im Gebrauch blieb, nachdem dessen aus Pappendeckel cachierter Vorgänger mitten auf der Bühne abgebrochen und mit der sichtbaren Hälfte des darinnen verborgenen Knaben zum großen Vergnügen des Publicums in die Coulissen zurückgelaufen war.
Dann kamen Apparate zur Reinigung der Zimmerluft in einfachster Form, ein Spritzkrug mit Zerstäubungs-System zur Vertilgung des Ungeziefers und dergleichen nützliche Hauseinrichtungs-Gegenstände mehr, darunter auch ein ziemlich complizirtes Bierfaß mit einem je nach dem Inhalt sinkenden Deckel, in welchem sich der »Stoff« immerdar in gleicher Frische erhielt und durch völligen Abschluß der Lufteinwirkung ein sogenanntes »Abstehen« des Getränkes unmöglich war – ein für kleine Wirthschaften und Haushaltungen höchst erwünschtes, durch seine Construction jedoch ziemlich theueres Fahrniß, so daß es trotz den Jahre lang gelungenen Proben doch beim ersten Modell verblieb.
Ungleich wichtiger und weittragender führten ihn seine Kenntnisse in der Mechanik und Anatomie auf ein neues Heilverfahren bei Verkrümmungen der Wirbelsäule, wobei S. die Flexion in Anwendung brachte. Ein krankes Kind seines Freundes Cornelius, an dessen Herstellung die Aerzte verzweifelten, erhielt durch Schlotthauer’s Behandlung heile und gerade Glieder. Der Fall erregte Aufsehen, das Zutrauen wuchs und S. vollführte überraschende Kuren; unzählige arme, verwahrloste und verkrüppelte Kinder wurden durch seine Bandagen, deren Wirkung Gundelreben-Bäder unterstützten, gesund und hergestellt. S. begründete, unter der Assistenz von Dr. Homer, mit dem Corsetten-Fabrikanten Ignaz Pruner eine vielbesuchte orthopädische Heilanstalt, welche bald an Umfang gewann, bis S. 1844 nach Italien ging und sich mit ungetheilter Kraft der Enkaustik zuwendete. Doch blieb S. bei vielen Aerzten, wozu in erster Reihe Geheimrath Dr. von Ringseis gehörte, eine Autorität und stand mit seinem Wissen bereitwilligst bei. Schließlich vererbte er dieses an den jungen Säckler Hugo Krieger (geb. 27. Februar 1830), welcher durch treffliche Bandagen Schlotthauer’s Aufmerksamkeit erregt und dessen Intentionen verständnißinnigst erfaßt hatte.
Obschon über das Alter der gewöhnlichen Schulbildung hinaus, erwarb Krieger möglichst die fehlenden Studien, hospitirte die Universität, warf sich mit Feuereifer auf Chirurgie und Anatomie, besuchte Wien, Paris, London und Petersburg und eröffnete dann 1855 eine auf Schlotthauer’s Principien basierte orthopädische Anstalt, welche einen wirklich europäischen Ruf erzielte und nach Krieger’s schon am 5. Mai 1880 erfolgtem Ableben unter der Leitung des Geheimraths und Generalstabsarztes Dr. von Nußbaum heute noch florirt. (Vgl. über Krieger den interessanten Artikel von Dr. v. Nußbaum in dem von K. v. Reinhardstöttner u. K. Trautmann herausgegebenen »Jahrbuch für Münchener Geschichte« 1889. 3. Jahrgang S. 177 ff.)
Während S. in beinahe ganz unfreiwilliger, immerhin aber weittragender Weise dem orthopädischen Heilverfahren oblag, war sein contemplatives Sinniren auf eine neue Maltechnik gerathen. Als ausgezeichneter Praktiker kannte er längst die Schattenseiten der Frescomalerei und forschte nun nach einem neuen Bindemittel zwischen Grund und Farbe. Oberbergrath Joh. Nep. von Fuchs hatte das Wasserglas in Anwendung zu bringen gesucht. Die ersten Proben machte 1834 Theodor Kaufmann, ein Schüler Kaulbach’s, im Neuen Königsbau, aber ohne Erfolg; auch G. Hiltensperger vermochte nichts mit diesem widerstrebenden Material auszurichten, ebensowenig F. X. Fernbach. Fuchs wendete sich an den gerade in der Allerheiligen-Kirche malenden Heinrich Heß, aber auch hier mißlang der Versuch das Wasserglas unter die Farben zu mischen, welche sich zu Klumpen verzogen, während die Pinsel wie Draht unbrauchbar verhärteten. Nun suchte Fuchs Hülfe und Rath bei S. Dieser, mehr in der Chemie der Farben erfahren, bereitete einen neuen Grund nach anderer Methode; aber das neue Bindemittel taugte noch nicht, dunkelte und hellte die Farben zu ungleich. Auch das abgedampfte Wasserglas blieb unbrauchbar. Nun fiel S. darauf, das Gemalte durch Wasserglas zu fixiren. Dagegen that nun Fuchs Einsprache. Doch schienen die Proben vielversprechend. Zuerst wurde von unparteiischer Hand im Hofe des Baumeister Gärtner versuchsweise ein Kopf gemalt und König Ludwig davon benachrichtigt. Nach vielen fördernden Experimenten und großen pecuniären Opfern kam S. mittelst einer von ihm construirten Spritze und einem drehbaren, mit Borsten-Bürsten besetzten Cylinder zu einer originellen Fixir-Methode. An Kaulbach’s altem Atelier (in der Nähe des jetzt überbauten »Holzgartens«) wurden 1845 durch A. Hesselberg († am 13. März 1883) zwei farbenprächtige Pfauen gemalt, welche allen mit Feuer und Eis, im Sommer und Winter über sie verhängten Unbilden widerstanden, ihr Colorit behielten und erst beim Abbruch des berühmten Ateliers schnöde demolirt wurden. Fuchs, welcher schon längst verzweifelnd am Gelingen seiner Projecte, sich ganz davon abgewendet hatte, sprang plötzlich um, als Oberbaurath W. Stier von Berlin kam und gab die »Stereochromie« als seine eigene Erfindung aus. Das Ganze bildete eine lange Kette von Leiden und Opfern für S., welcher aus eigenen Mitteln die zahllosen Versuche und Präparate bestritten hatte und nun selbst den Ruhm davon verlieren sollte.
Im Herbste 1844 wurde S. mit einer (aus Dr. von Schafhäutl, Prof. Louis und Reinsch bestehenden) Commission nach Pompeji gesendet zur eingehenden Prüfung der antiken Wandmalerei. S. gewann die Ueberzeugung, daß die Alten noch ein weiteres und zwar mineralisches Bindemittel in Anwendung brachten, welches die unzerstörbare Dauerhaftigkeit der Farben erzielte; er glaubte dieses Arcanum gefunden zu haben, wozu eine verbesserte Bereitung des Malgrundes und eine völlig neue Zubereitung der Farben in Angriff genommen wurde. So gelangte er zu neuen Verbesserungen und brachte seine Methode für Wand- und Staffeleibilder zur Anwendung und ermöglichte ein Colorit, welches leuchtender und lebhafter wirkte als das bisherige Fresco; auch war damit die große Annehmlichkeit verbunden, daß der Maler nicht mehr an den nassen Kalk und dadurch zu einer bestimmten Tagesarbeit gebunden war, sondern die Malerei auf trockenem Grunde, gleichviel ob auf einer Mauer- oder Leinwandfläche, in beliebigen Abständen und Pausen erfolgen konnte. Viele Sorge verschaffte ihm freilich der Umstand, daß anfangs manche Farben sein Bindemittel nicht annahmen oder nach dem Auftrage sich änderten, nachdunkelten oder verblaßten. S. aber ermüdete nicht; die Probleme reizten nur seinen Denk- und Scharfsinn, er experimentirte weiter, bis er zuletzt jeden Widerstand überwand. Jeder Maler, welcher mit Schlotthauer’s eigenen Präparaten probeweise hantierte, bekannte freudig überrascht, daß diese Technik höchst angenehm sei, weit über der Oelmalerei und dem Fresco stehe und ganz überraschende Effecte in Leuchtkraft und Farbenwirkung gewähre.
Schlotthauer’s Atelier schien darüber freilich in ein wahres Laboratorium verwandelt und ähnelte der Küche eines Alchymisten: Bis an die hohe Decke hinauf waren alle Wände mit Repositorien vertäfelt, in welchen unzählige Gläser, Büchsen, Kolben und Phiolen standen, während auf den langen Tischen, in den Herden und Oefen alle möglichen Arcana kochten, brodelten und destillirten. Die zu einem ganzen Capital sich aufstauenden Kosten, wozu auch der Unterhalt eines nicht besonders geistreichen Amanuensis kam, bestritt unser muthiger, für seine Entdeckungen zu den größten Entbehrungen und Entsagungen opferbereiter Forscher, welcher zuletzt nicht nur seinen ganzen Besitz, darunter ein kleines, an der Isar gelegenes Häuschen mit Garten, veräußerte, sondern auch die materielle Hülfe seiner Freunde in Anspruch nahm und aus den noch zu gewinnenden Resultaten der deutschen Wissenschaft und Forschung ewigen Ruhm und goldene Berge versprach. An der Verbesserung dieser Probleme arbeitete und brütete er fort, wie ein ächter Adept; selbst als seine Versetzung in den Ruhestand ihm die unentbehrlichen Räume der Akademie zu entziehen drohte, experimentirte er weiter und selbst in den letzten Monaten seines plötzlich sinkenden Lebens dachte der völlig mittellos gewordene Mann noch an den Erwerb eines Hauses und den Bau großartiger Oefen. Der Fluch des idealen Autodidakten verfolgte ihn auch auf diesen, seine Kräfte weit überschreitenden chemischen Versuchen. Von allen möglichen Geschäften, Fragen und künstlerischen Anliegen umdrängt, von weiteren Problemen verfolgt, notierte er im täglich mehr anwachsenden Trubel oft wochenlang nichts über seine gelungenen Experimente, vertrauend auf sein wunderbar starkes, zuletzt doch auch schwindendes Gedächtniß; hantierte dann allein auf gut Glück ohne Wage und Maß und verbrauchte Kräfte und Zeit, ohne ein durchgreifendes Ergebniß erzielt zu haben.
Ueberzeugt daß seine weiteren Erfindungen nach deren völliger Lösung von einer internationalen Gesellschaft, sei es in Frankreich, England oder Amerika mit offenen Armen und baarer Sicherheit zur Realisirung im Großen aufgenommen werden müßten, dictierte er noch auf dem Sterbebett seinem langjährigen Freunde, dem Geheimrath von Ringseis, die letzten Capitel seiner »Mineral-Malerei« als völligen Abschluß seines Werkes, welches sich als systematisches Ganzes nach seinem Ableben nicht vorgefunden haben soll. [In jüngster Zeit tauchte abermals eine verbesserte Maltechnik auf durch den Chemiker Adolf Keim, welcher auf Schlotthauer’s Principien weiter baute. Ihm gelang nach unsäglichen Schwierigkeiten die Gründung einer »Deutschen Gesellschaft zur Beförderung rationeller Malverfahren« (als Centralorgan derselben erscheinen die nun schon im siebenten Jahrgang befindlichen von Keim zu München redigirten »Technischen Mitteilungen für Malerei«), auch etablirte Keim ein eigenes Laboratorium und eine nach seinem Verfahren organisirte Farbenfabrik »zur Herstellung witterungsbeständiger Wandmalereien, fixirbarer Staffelei- und Gobelinsgemälde.«] Möglich daß Schlotthauer’s Manuscript mit dem, von unbefugten Händen aufgeräumten Nachlaß mißkannt und verschleudert wurde, wie denn überhaupt Schlotthauer’s Hinterlassenschaft mit einer pietätlosen Hast, Unkenntniß und Planlosigkeit in einer Auction vertrödelt wurde, welche einer völligen Zerstörung gleichkam.
Neben Schlotthauer’s eigenen Leistungen als Maler und außer der verzweigten Thätigkeit als Lehrer und Inspector der Akademie entstanden fast gleichzeitig mit der Orthopädie und der Mineralmalerei in seinem nimmermüden Geiste weitere, großartige Probleme, welche zeitweise mit verzehrender Hast in Angriff genommen wurden und deren unausbleibliche Lösung wieder die Mittel zur unausgesetzten Förderung und Vollendung der anderen Erfindungen bieten sollte. Da sein, nächst der (damals noch nicht durch rationelle Uferbauten regulirten) Isar gelegenes Häuschen vielfach von schweren Ueberschwemmungen gefährdet wurde, so dachte S. auf die Construction einer automatisch-arbeitenden Maschine, wodurch nicht nur seinem Anwesen, sondern allen Anwohnern des Isarstromes und aller anderen Bergwasser auf möglichst billige Weise eine bleibende Sicherheit entstehen müsse. Alles mit tiefdurchdachter Gründlichkeit beginnend, unternahm S. zahllose Messungen über die längs den Ufern und in den verschiedenen Breiten des Rinnsals dahinfließende Wasserkraft; in seinem Nachlaß fand sich ein fast meterhoher Ballen von strengwissenschaftlich gezeichneten Foliobogen, welche voll Ziffern und Messungen, mit charakteristisch colorierten Schraffierungen, die jeweilig zur Verfügung stehende Stromkraft darlegten.
Darauf fußend construierte S. eine Art Floß- und Wasser-Pflug, welcher durch verstellbare Pflugscharen und durch die Strömung des Wassers selbst in Thätigkeit gesetzt, ein neues, tieferes Rinnsal zieht, dadurch die Stromschnelle in die Mitte versetzt und kostspielige Uferbauten überflüssig macht. S. arbeitete mit Feuereifer an dem kleinen, mit minutiösester Sorgfalt durchgebildeten Modell, welches vom Erfinder dann wieder über wichtigeren Dingen beiseite geschoben, bei der vorgenannten Nachlaß-Auction als zerbrochenes Kinderspielzeug verworfen wurde, wobei auch die zahllosen Zeichnungsbogen mit den unübersehbaren Berechnungen und Messungen als »Maculatur« mitgingen!
In seinem Garten erbaute S. in richtiger Voraussetzung des allgemein steigenden Eisverbrauchs einen Keller nach eigener Invention, zu dessen Ausführung ein einziger Holzstoß genügte; der Keller stand je fünf Fuß unter und über der Erde und war mit getheertem Pappendeckel – einem damals noch selten verwendeten Material gedeckt; durch die originell durchgeführte Luftcirculation erzielte S. die Herstellung eines Kunsteises, welches in dieser Behausung den ganzen Sommer durch währte. S. beschloß auf sein mit geringem Kostenaufwand glänzend bewährtes System ein Patent zu nehmen, fand aber über immer neuen Problemen niemals Zeit die darauf bezüglichen Schritte zu thun, bis das Ganze unausgenützt zerfiel und Andere aus ähnlichen Unternehmungen erklecklichen Nutzen zogen.
Auch ventilirte S. theilweise die Idee, gute ächte Originalarbeiten im Gebiete der Plastik und der Malerei durch mechanische Reproduction vervielfältigen zu lassen, damit die Meisterwerke der Kunst auch Minderbemittelten, insbesondere armen Schulen, Gemeinden und Kirchen, zur bleibenden Anschauung gebracht werden und dadurch zur weiteren Bildung und Sittigung gereichen sollten. Doch verleitete ihm bald die Speculation einiger, seine idealen Anschauungen durchkreuzender Fabrikanten, seine wohlmeinenden Initiativen, so daß der sonst außerordentlich duldsame und langmüthige Mann mit ungewöhnlicher Energie gegen die fernere Ausübung sich verwahrte.
Dieses edelmüthige Bestreben, überall gemeinnützig im höheren Sinne zu wirken, zeigte S. bei jeder Gelegenheit, sowohl in der Akademie, im Atelier, wie im eigenen Heim. Mit der seinen Schülern unermüdlich empfohlenen Sittenreinheit und Einfalt des Herzens ging er selbst als Muster voraus; hoch und heilig liebte er die Kunst und verabscheute unlauteren Dünkel. Alles was zur höheren Bildung, zur wahren Erhebung der Seele und des Gemüthes beitragen konnte, war ihm willkommen, besonders liebte er die Pflege des Gesanges und der Musik, wie er denn selbst eine vorzügliche Stimme besaß und auf einer alten, aus Elfenbein und Ebenholz ungewöhnlich gebauten Mandoline seine eigenen Phantasien übte.
Zu seinen Schülern zählten die beiden Schraudolph, Joseph Anton Fischer, Jos. Holzmaier, der geniale immer aber arm gebliebene und nie nach Verdienst gewürdigte Balthasar Lempenzeder, ferner Ulrich Halbreiter, Ludwig Moralt, Max Hailer, Joseph Kranzberger, der vielgewandte Ludwig Schnitzelbaumer, Julius Frank, Fr. Reigers, Andreas Lochner, Anton und Nikolaus Baur, Karl Baumeister, Wilhelm Hauschild, Jos. Glatz und viele Andere.
Nach dem übereinstimmenden Zeugniß seiner Zeitgenossen anerkannten Alle Schlotthauer’s Verdienst als Maler und Lehrer und bestätigten die Vielheit seines Wissens, wie die ungetrübte Lauterkeit und Wahrhaftigkeit seines Charakters. Er war eine edle Seele, ohne Falsch und Trug von nur zu großer und deßhalb auch oftmals mißbrauchter Herzensgüte. Seine ebenso anspruchslose Gattin, welche im seltensten Einklang ganz zu ihm paßte, starb 76 Jahre alt, am 8. Mai 1868, er folgte ihr schon am 15. Juni 1869.
Vgl. Hermann Marggraff in No. 135 »Allgemeine Zeitung« 1845. Raczynski 1840. II. 299 ff. III. 225 ff. Nagler 1845. XV, 281 ff. E. Förster, Geschichte d. deutschen Kunst 1860. V. 127. Fr. Pecht, Gesch. der Münchener Kunst im XIX. Jahrh. 1889. S. 80. Carriere in Westermann’s Monatsheften. 1888. Oktober S. 62. G. H. v. Schubert, Selbstbiographie 1856, III. 614. Bericht des Münchener Kunstvereins für 1869. S. 55. Beil. 170 »Allgemeine Zeitung« vom 19. Juni 1869. Münchener »Propyläen« 1869. S. 669 ff. »Histor.-Polit. Blätter« 1889. 104. B. S. 649 ff.
Hyac. Holland.
Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1890.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Schlotthauer Josef, 1789 (München) – 1869, Historien-, Kirchenmaler und Mitbegründer der »Stereochromie«; Sohn eines Theaterdieners am Mannheimer Hoftheater, zuerst Schreinerlehrling, als Geselle Wanderbursche, machte er als Soldat den Krieg in Tirol mit und kam erst spät als Autodidakt an die Kunstakademie in München; sein Gemälde »Kindersegnender Heiland« (1814) erregte Aufsehen; Sch. war Gesinnungsgenosse von J. M. von Sailer, K. von Brentano und J. N. von Ringseis sowie Freund und Mitarbeiter des Freskenmalers P. von Cornelius; er malte auch das Pompejanum in Aschaffenburg aus und erfand 1846 mit Oberbergrat J. N. von Fuchs die »Stereochromie«.
Hauptwerke: Dornengekrönter Christuskopf, Salvator Mundi, Heilige Familie, Luna mit den Hesperiden, Diana im Bade, Entführung der Helena, Zerstörung Trojas; »sein reines und lauteres Streben ging, wie bei den alten Meistem von Siena, auf Innigkeit und Tiefe des Ausdrucks und auf Adel und Wahrheit der Form« (H. Holland).
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#38 – 1 – 17 (Schenk)
Arnulf Schenk
k. b. Oberstleutnant,
Ritter hoher Orden
† 8. März 1890.
Mathilde Schenk
† 8.2.1922.
Linke Seite
A. Aufleger
- Schenk, Arnulf; 1836 – 8.3.1890 (München); Oberstleutnant
- Schenk, Mathilde; – 8.2.1922




#38 – 1 – 18 (Haag)
In Gott ruhen:
Herr Alfred Haag,
k. Oberpostinspektor,
geb. 4. April 1842, gest. 19. März 1902.
Frau Anna Haag,
geb. 12. Oktober 1853. gest. 18. Oktober 1943.
die Tochter
Marianne
* 1880 † 1922.
Sockel
Emilie Haag,
geb. 24. Juni 1845, gest. 19. August 1891.
Rechte Seite
Schwarz 38.1.18.
- Haag, Alfred; 4.4.1842 – 19.3.1902 (München); Oberpostinspektor
- Haag, Anna (vh); 12.10.1853 – 18.10.1943
- Haag, Emilie; 24.6.1845 – 19.8.1891 (München); Doktors-Tochter
- Haag, Marianne; 1880 – 1922



#38 – 1 – 19·20 (Steinle)
Familien-Grabstätte.
Hier ruht
der beste innigstgeliebte
Gatte, Vater u. Bruder
Herr Max Steinle,
königlicher Salzbeamter
geboren den 10. Mai 1798,
gestorben den 28. Juli 1868.
Dessen Gattin
Frau Franziska Steinle,
geboren den 6. Februar 1812,
gestorben den 28. August 1884.
Joh. Bapt. von Steinle,
Excellenz
k. b. General Lieutenant z. D.
geboren den 30. April 1797,
gestorben den 6. Mai 1888.
- Steinle, Emma (vh) / Reichenbach (gb); – 28.3.1885 (München); Reichsbankdirektors-Gattin
- Steinle, Franziska (vw); 6.2.1812 – 28.8.1884; Salzbeamtens-Witwe
- Steinle, Johann Baptist von; 30.4.1797 – 6.5.1888; Generalleutnant
- Steinle, Max; 10.5.1798 – 28.7.1868; Salzbeamter



#38 – 1 – 22 (Mantel)
Obelisk
Hier ruhen:
Franziska v. Mantel
geb. Weinkauff,
Ministerialrathsgattin,
† 27. Sept. 1868.
Dr. Jos. Nicol. v. Mantel
Ministerialrath
u. Chef d. b. Forstverwaltung
Ritter hoher Orden,
† 7. Juli 1872.
Julius Mantel
k. Oberförster,
† 9. Januar 1871.
Berta Mantel
geb. Rauck, Oberförstergattin,
† 20. März 1880.
Sockel
Karl Mantel
k. Forstrat a. D.
geb. 7. Novbr. 1841, gest. 14. Juni 1902.
Margaretha Mantel
geb. Remig,
k. Oberförsters-Witwe
geb. 5. Febr. 1840, gest. 18. Aug. 1909.
Rückseite
Hier ruht
Franziska von Mantel
geb. Weinkauff
gest. am 27. Sept. 1868 im 56. Lebensjahre
Gattin des k. Ministerialrathes
Dr. Jos. Nicol. von Mantel.
Ihr folgte ihr zweiter Sohn
Julius
K. b. Oberfoerster,
geb. zu Wuerzburg i. J. 1836, gest. zu Muenchen
am 9ten Januar 1871.
Dasselbe Grab birgt den Gatten und Vater
Jos. Nikol. Dr. von Mantel
k. Ministerialrath u. Chef d. b. Forstverwaltung
Comenthur des Verdienstordens d. b. Krone
u. vom hl. Michael, Ritter d. b. Ludwigsordens
des russ. Stanislausordens etc. etc.
geb. zu Langenprozelten am 13. Oktober 1800
gest. am 7. Juli 1872 zu München.
Sockel
Ihm folgte am 20. März 1880 die Gattin
seines Sohnes Karl
Frau Oberförster Berta Mantel
geb. Rauck, im Alter von 28 Jahren.
Linke Seite
J. Lallinger
- Mantel, Berta (vh) / Rauck (gb); – 20.3.1880, 28 Jahre alt; Oberförsters-Gattin
- Mantel, Franziska von (vh) / Weinkauff (gb); – 27.9.1868 (Traunstein), 55 Jahre alt; Ministerialrats-Gattin
- Mantel, Josef Nikolaus von, Dr.; 13.10.1800 (Langenprozelten) – 7.7.1872 (München); Ministerialrat
- Mantel, Julius; 1836 (Würzburg) – 9.1.1871 (München); Oberförster
- Mantel, Karl; 7.11.1841 – 14.6.1902; Forstrat a. D.
- Mantel, Margaretha (vw) / Remig (gb); 5.2.1840 – 18.8.1909; Oberförsters-Witwe



#38 – 1 – 24 (Ackermann)


#38 – 1 – 26 (Schmaus)


#38 – 1 – 27 (Rudl)


#38 – 1 – 28 (Kaussler)
Hier ruhet in Gott
unser unvergesslicher Gatte u. Vater
Herr Ludwig Kaussler, sen.
Privatier,
geboren am 21. Oktober 1828,
gestorben am 12. April 1900.
Ihm folgten
unsere gute, treubesorgte Mutter
Frau Barbara Kaussler
geb. Rankl, Privatiere
geboren am 4. August 1833,
gestorben am 7. November 1902.
Frau Anna Kaussler, geb. Amann
geboren am 28. Juni 1867,
gestorben am 10. November 190¿.
Unser treubesorgter Gatte und Vater
Herr Ludwig Kaussler
Blumenfabrikant,
geb. 25. April 1864, gest. 11. Nov. 1932.
Rückseite
Ruhestätte
der
Familie Kaussler.
A. Aufleger. 38.1.28.
- Kaussler, Anna (vh) / Amann (gb); 28.6.1867 – 10.11.190¿
- Kaussler, Barbara (vw) / Rankl (gb); 4.8.1833 – 7.11.1902; Privatiere
- Kaussler, Ludwig; 21.10.1828 – 12.4.1900; Privatier
- Kaussler, Ludwig; 25.4.1864 – 11.11.1932; Blumenfabrikant


#38 – 1 – 32 (Bauer · Rex · Pappi · Sell)
Familie A. Sell.
Hier ruhet in Gott
mein lieber Gatte, unser guter Vater
Herr Aegidius Sell
kgl. bayer. Hof-Blumenfabrikant,
gest. 17. Mai 1896, 69 Jahre alt.
Dessen Gattin
unsere heissgeliebte Mutter
und Grossmutter
Frau Anna Sell
geb. 24. Juni 1827, gest. 11. Mai 1899.
Mein lieber Gatte,
unser treubesorgter Vater
Herr Max Sell
Königl. Bayer. Kommerzienrat,
geb. 6. Oktober 1857, gest. 28. Januar 1916.
R. I. P.
Sockel
Unsere unvergessliche Mutter
Frau Pauline Sell
Kommerzienratswitwe,
geb. 20. April 1861, gest. 11. März 1924.
Linke Seite
Mathias Bauer.
Johann Rex.
Anna Pappi.
Rechte Seite
Deren Enkeln:
Babette Sell
geb. 14. Nov. 1890,
gest. 20. Jan. 1891.
Max Sell
geb. 13. Apr., gest. 21. Apr. 1892.
Maria Sell
geb. 16. Apr. gest. 16. Juni 1893.
Maria Sell
geb. 2. Juni, gest. 9. Sept. 1894.
Anna Sell
geb. 10. Dez. 1886, gest. 25. Sept. 1896.
Rückseite
Kosenbach.
- Bauer, Mathias
- Pappi, Anna
- Rex, Johann
- Sell, Aegidius; – 17.5.1896, 69 Jahre alt; Hofblumenfabrikant
- Sell, Anna (vw); 24.6.1827 – 11.5.1899; Hofblumenfabrikantens-Witwe
- Sell, Anna; 10.12.1886 – 25.9.1896
- Sell, Babette; 14.11.1890 – 20.1.1891
- Sell, Maria; 16.4.1893 – 16.6.1893
- Sell, Maria; 2.6.1894 – 9.9.1894
- Sell, Max; 13.4.1892 – 21.4.1892
- Sell, Max; 6.10.1857 – 28.1.1916; Kommerzienrat
- Sell, Pauline (vw); 20.4.1861 – 11.3.1924; Kommerzienrats-Witwe


#38 – 1 – 33·34 (Reismüller)


#38 – 2 – 1 (Kraus)


#38 – 2 – 2 (Köppel)


#38 – 2 – 3 (Meyr · Müller)
Hier ruht
MELCHIOR MEYR
Dichter und Philosoph,
geboren zu Ehringen im Ries
am 28. Juni 1810,
gestorben zu München
am 23. April 1871.
Frau Margarethe Müller
geb. Strehle
Bankoberbuchhalterswitwe
geb. 13. Februar 1845
gest. 22. Oktober ¿
- Meyr, Melchior, Dr. phil.; 28.6.1810 (Ehringen b. Nördlingen/Schw.) – 22.4.1871 (München); Philosoph und Schriftsteller
- Müller, Margarethe (vw) / Strehle (gb); 13.2.1845 – 22.10.¿; Bankoberbuchhalters-Witwe


#Dr. phil. Melchior Meyr
* 28.6.1810 (Ehringen b. Nördlingen/Schw.)
† 22.4.1871 (München)
Philosoph und Schriftsteller
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Meyr Melchior, Dr. phil., 1810 (Ehringen b. Nördlingen/Schw.) – 1871, Dichter und Philosoph; er studierte in München, Heidelberg und Erlangen anfangs Rechte, dann ausschließlich Philosophie und Ästhetik und begann seine literarische Laufbahn mit dem Idyll »Wilhelm und Rosina« und der Schrift »Die poetischen Richtungen unsrer Zeit«; von 1841–1852 war er in Berlin journalistisch tätig; nach der Tragödie »Herzog Albrecht« begann Ms. produktives Wirken in München; seine Gedichte und Erzählungen sind volkstümlich (2. Liebhaberin – Novelle, Agnes Bernauer, Franz von Sickingen – Bühnendichtung), seine philosophischen Schriften (Gott und sein Reich, Die Religion des Geistes, Die Fortdauer nach dem Tode, Gedanken über Kunst, Religion und Philosophie) sind dagegen deistisch-pantheistisch, von F. W. von Schelling und dem Naturforscher Karl Schimper beeinflußt; M. war ein Freund F. Rückerts, seine literarischen Leistungen wurden von Goethe anerkannt.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#38 – 2 – 5 (Fürtsch)
Hier ruhen in Frieden
JOSEF FÜRTSCH
kgl. Bahnadjunkt
geb. 23.4.1859 gest. 24.3.1892
dessen Mutter
MARIA FÜRTSCH
geb. 1827 gest. 15.5.1910
- Fürtsch, Josef; 23.4.1859 – 24.3.1892; Bahnadjunkt
- Fürtsch, Maria (vh); 1827 – 15.5.1910


#38 – 2 – 10 (Harlander)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Harlander, Julius; – 1890 (München); Rentbeamter a. D.


#38 – 2 – 21 (Schmidt)
Hier ruhen
Konrad Schmidt
16.2.1811 – 27.1.1886
Maria Schmidt
21.4.1858 – 12.10.1925.
Louise Schmidt
2.8.1859 – 27.12.1939.
- Schmidt, Konrad; 16.2.1811 – 27.1.1886; Pensionierter Feldwebel
- Schmidt, Luise; 2.8.1859 – 27.12.1939
- Schmidt, Maria; 21.4.1858 – 12.10.1925


#38 – 3 – 1·2 (Vallade)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Vallade, Heinrich von; 7.12.1830 (Würzburg) – 21.12.1870 (Orleans); Hauptmann
- Vallade, Karl von; 8.10.1823 – 26.3.1908 (München); Königlich bayerischer Oberst a. D.




#Heinrich von Vallade
* 7.12.1830 (Würzburg)
† 21.12.1870 (Orleans)
Hauptmann
#Biographieen der in dem Kriege gegen Frankreich gefallenen Offiziere der Bayerischen Armee (1871)
Hauptmann Heinrich von Vallade,
geboren zu Landau in der Pfalz am 7. Dezember 1830, als der Sohn des Hauptmann von Vallade. Er beschloß gleich seinen Vorfahren, welche 200 Jahre in der bayerischen Armee gedient hatten, sich dem Militairstand zu widmen. 1842 in das Cadeten-Corps aufgenommen, wurde er am 10. August 1849 zum Junker ernannt und den 11. November 1850 zum Unterlieutenant im 12. Infanterieregiment befördert.
Nachdem er einige Jahre in der mathematischen Abtheilung des topographischen Bureaus und im Jahre 1854 bei Höhenmessungen im bayerischen Gebirge thätig gewesen war, erhielt er 1855 den Auftrag, die Söhne Sr. K. H. des Prinzen Luitpold nach Italien zu begleiten, deren Erziehung ihm dann später im Verein mit dem jetzigen General von Malaisé übertragen wurde. 1859 avancirte er zum Oberlieutenant, 1865 zum Hauptmann. Als Prinz Arnulph das 18. Lebensjahr erreicht hatte, kehrte Hauptmann von Vallade 1870 zum aktiven Dienst zurück und trat beim Infanterie-Leib-Regiment ein. Mitte August verließ er mit einer Ersatz-Abtheilung München, erreichte sein Regiment im Bivouak bei Sedan und nahm von da an an allen Gefechten desselben rühmlichen Antheil. Er kämpfte bei Artenay, bei der Erstürmung von Orleans im Oktober, in den Gefechten und Schlachten während der Monate November und Dezember. Ueberall gab er Beweise von Tapferkeit und treuer Pflichterfüllung; man fand ihn stets als braven Führer kampfesmuthig an der Spitze seiner Mannschaft. In der Schlacht von Beaugency am 8. Dezember wurde von Vallade tödtlich verwundet. Am rechten Fuß von französischen Aerzten amputirt, erlag er zu Orleans, wohin man ihn transportirt hatte, am 21. Dezember seiner Verwundung im Hause Choquet. Die Leiche wurde zur Beerdigung nach München übergeführt. Im Armeebefehl vom 3. April 1871 wurde er belobt. Der Großherzoglich-toskanische Militair-Verdienst-Orden und der bayerische Michaels-Orden schmückten seine Brust. Von allen Seiten wegen seiner Kenntnisse und der trefflichen Eigenschaften des Charakters geachtet, hinterließ der Verblichene, erst seit Mai 1867 vermählt, und Vater zweier Kinder, seine früher so glückliche Familie in namenlosem Schmerz.
Biographieen der in dem Kriege gegen Frankreich gefallenen Offiziere der Bayerischen Armee. Nürnberg, 1871.

#38 – 3 – 7 (n. n.)


#38 – 3 – 9 (n. n.)


#38 – 3 – 13 (Hermann · Moslechner)
Hier ruhen
Herr Jos. Hermann,
Gastwirt
* 1828 † 1891
Frau Kath. Hermann,
* 1828 † 1907
Herr Franz Moslechner,
ehem. Fleischhändler,
* 1854 † 1936.
Frau Josefa Moslechner
* 18. Aug. ¿ gest. 18. Nov. 1943.
- Hermann, Josef; 1828 – 1891; Gastwirt
- Hermann, Katharina (vh); 1828 – 1907
- Moslechner, Franz; 1854 – 1936; Ehemaliger Fleischhändler
- Moslechner, Josefa (vh); – 18.11.1943



#38 – 3 – 14 (Fraaß)
Hier ruht in Gott
Herr Wilhelm Fraaß
k. Steuerrath,
gest. den 20. Jan. 1892
im 53. Lebensjahre.
Ihm folgte die Gattin, unsere liebe Mutter, Frau Emilie Fraaß,
geb. Oefele,
am 22. April 1912.
R. I. P.
Sockel
FAMILIENGRAB.
- Fraaß, Emilie (vw) / Oefele (gb); – 22.4.1912; Steuerrats-Witwe
- Fraaß, Wilhelm; – 20.1.1892, 52 Jahre alt; Steuerrat


#38 – 3 – 22 (Knab)
Hier ruhen in Frieden
unser lieber, treuer
Gatte u. Vater,
Herr Constantin Knab,
geb. 28. Juli 1863,
gest. 1. Aug. 1892.
Ihm folgte seine Gattin
Frau Agnes Knab,
geb. Hoffmann
gest. 16. Febr. 1898 i. 39. Lebensjahr.
Sockel
Die Kinder:
Emilie 5 Monate,
Constantine 9 Monate.
38.3.22. A. Weigel.
- Knab, Agnes (vw) / Hoffmann (gb); – 16.2.1898
- Knab, Emilie
- Knab, Konstantin; 28.7.1863 – 1.8.1892
- Knab, Konstantine


#38 – 3 – 23 (Knauf)
Hier ruhen
Frau Babette Knauf,
geb. 1. Juni 1847, gest. 5. Okt. 1885.
Herr Jakob Knauf,
Schneidermeister,
geb. 16. Aug. 1849, gest. 30. Sept. 1901.
Schwarz
- Knauf, Babette (vh); 1.6.1847 – 5.10.1885
- Knauf, Jakob; 16.8.1849 – 30.9.1901; Schneidermeister


#38 – 3 – 25 (Miller)
Helene Miller
* 1813 – † 1898
Das Jugendbildnis der
Helene Sedlmayr
gab König Ludwig I.
bei seinem Hofmaler
Josef Karl Stieler
für die Schönheiten-
Galerie in Auftrag
- Miller, Helene (vw) / Sedlmayr (gb); 12.2.1813 (Trostberg) – 18.11.1898 (München); Hoflakaiens-Witwe


#Helene Miller (vw) / Sedlmayr (gb)
* 12.2.1813 (Trostberg)
† 18.11.1898 (München)
Hoflakaiens-Witwe
#Rosenheimer Anzeiger (30.11.1898)
Bayerische Nachrichten.
München, 28. Nov. (Auf dem südlichen Friedhofe) wurde vor einigen Tagen eine edle Seele zur letzten Ruhestätte gebracht, welche nicht nur eine große Wohlthäterin der Armen gewesen, sondern auch in den Hofkreisen eine werthgeschätzte, allbekannte ehrwürdige Dame war, welche der Prinz-Regent besonders hoch schätzte. Es ist dieses Frau Helene Miller, geborne Sedlmayr aus Trostberg, welche im Alter von 86 Jahren gestorben ist. Von diesen 86 Jahren hatte sie über 80 in München verlebt. Ihr Name ist dadurch in weitesten Kreisen bekannt geworden, daß sie in der Schönheitsgallerie in der kgl. Residenz in München eine bevorzugte Aufnahme fand. Es ist das Bild Nr. 34 von Stieler: Helene Sedlmayr, Bürgerstochter von München. Mit 20 Jahren verheirathete sie sich mit Herrn Hermes Miller, der am kgl. Hof bedienstet war. König Ludwig I. nannte die damals jungen Leute das griechische Ehepaar. Der Ehe entsprossen 10 Kinder. Von den Söhnen leben noch Adolph Miller, Hotelbesitzer in Berchtesgaden, Max Miller, Hofgärtner in Aschaffenburg und Michael Miller, Tapezierer in München. Eine Schwester ist die Wittwe des verstorbenen Bildhauers Wagmiller.
Rosenheimer Anzeiger No. 271. Mittwoch, den 30. November 1898.

#38 – 3 – 34 (Bayer)
Hier ruhen in Gott
Herr Hieronymus von Bayer
Dr. philos. et. jur. utr. o. Universitäts-
Professor, Reichsrat, Geheimrat etc.
geb. zu Rauris 21. Sept. 1792,
gest. München 13. Juni 1876
und dessen Gattin
Franziska, geb. Eisenried
geb. 23. Januar 1793,
gest. 21. Januar 1871.
R. I. P.
Tafel
Ich bin die Auferstehung
und das Leben, wer an mich
glaubt wird leben, wenn er
auch gestorben ist.
Jesus b. Johannes XI. 25.
- Bayer, Franziska von (vh) / Eisenried (gb); 23.1.1793 – 21.1.1871 (München); Professors-Witwe
- Bayer, Hieronymus von, Dr. philos. et jur.; 21.9.1792 (Rauris) – 13.6.1876 (München); Jurist, Komponist, Radierer und Schriftsteller

#Dr. philos. et jur. Hieronymus von Bayer
* 21.9.1792 (Rauris)
† 13.6.1876 (München)
Jurist, Komponist, Radierer und Schriftsteller
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Bayer Hieronymus, Dr. jur., von, 1792 (Rauris, Land Salzburg/Österreich) - 1876, Jurist und Universitätsprofessor; Sohn eines Salzburgisch-Fürsterzbischöflichen Landrichters, studierte B. in Salzburg, Landshut (bei N. Th. Goenner und Mittermaier) und Göttingen und wurde Professor der Rechte in Landshut (seit 1826 in München), sowie Reichsrat der Krone Bayern; von Ludwig I. und Max II. mit hohen Ehren ausgezeichnet, war er wie Ringseis eine äußerst populäre, von den Studenten wie ein Vater verehrte, Erscheinung; B. hat sich auch als Musiker, Komponist, Radierer und neulateinischer Dichter ausgezeichnet.
Hauptwerke: Über die Änderung des Klagelibells, Theorie der summarischen Prozesse, Vorträge über den gemeinsamen ordentlichen Zivilprozeß, Über Beruf und Aufgabe der studierenden Jugend, Poematum libellus (5 Bde.), Gedichte einiger neulateinischer Dichter mit Übersetzung.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#38 – 4 – 4 (n. n.)


#38 – 4 – 19 (Holzan)
Hier ruht
meine liebe Frau
Anna Holzan,
geb. Badberger von Buchloe
Schreinermeistersgattin
geb. 14. Juli 1836, gest. 7. Nov. 1892.
Ihr folgte ihr lieber Gatte
Herr Franz Holzan,
Schreinermeister
geb. 7. Dez. 1836, gest. 25. Sept. 1913.
Ruhet in Frieden!
Vater unser.
¿setzer
- Holzan, Anna (vh) / Badberger (gb); 14.7.1836 (Buchloe) – 7.11.1892; Schreinermeisters-Gattin
- Holzan, Franz; 7.12.1836 – 25.9.1913; Schreinermeister


#38 – 4 – 33 (Stöhr)
Hier
ruht in Gott
unser ¿
¿
Louise Stöhr
Baumeisterskind
geb. 20. Juni 1890
gest. 20. Feb. 1892.
Ruhe in Frieden!
- Stöhr, Luise; 20.6.1890 – 20.2.1892; Baumeisters-Tochter


#38 – 5 – 26 (Brehm)
Hier ruht in Gott
Fanny Brehm
Reallehrerswitwe
1860 – 1914
- Brehm, Franziska (vw); – 1885 (München); Baumeisters-Witwe
- Brehm, Franziska (vw); 1860 – 1914; Reallehrers-Witwe


#38 – 5 – 29 (Reinheimer)
HEINRICH REINHEIMER
¿
* 25.8.1828 † ¿.1892
ADELHEID REINHEIMER
geb. ¿
* 8.12.1826 † ¿.12.1896
Sohn
JULIUS REINHEIMER
Kunstmaler
* 26.8.1864 † 23.10.1885
- Reinheimer, Adelheid (vw); 8.12.1826 – ¿.12.1896
- Reinheimer, Heinrich; 25.8.1828 – 25.4.1892 (München); Zahntechniker
- Reinheimer, Julius; 26.8.1864 – 23.10.1885; Kunstmaler



#38 – 5 – 30 (Hermann · Stöckle)
Hier ruhet
unser unvergesslicher Gatte & Vater
Herr Georg Hermann
Rechtsanwalt
geb. 5. Sept. 1840 gest. 1. Dezbr. 1891.
Ihm folgte seine liebe Gattin
unsere heissgeliebte Mutter
Frau Marie Hermann
geb. 10. Mai 1852, gest. 17. Dezbr. 1912.
Frau Hedwig von Stoeckle
geb. Hermann
geb. 19. April 1869, gest. 23. Mai 1935.
R. I. P.
Sockel
Familiengrab
Rechte Seite
Seine Enkel
Hedwig Stöckle
geb. 12. Juni 1889
gest. 19. Oktbr. 1892
Alfred
geb. 28. Juli 1903
gest. 12. Dezbr. 1903
Herr
Andreas
von Stoeckle
Präsident a. D.
geb. 5. Mai 1856
gest. 20. März 1940
38.5.30. Heiligensetzer
- Hermann, Georg; 5.9.1840 – 1.12.1891; Rechtsanwalt
- Hermann, Marie (vw); 10.5.1852 – 17.12.1912; Rechtsanwalts-Witwe
- Stöckle, Alfred; 28.7.1903 – 12.12.1903
- Stöckle, Andreas von; 5.5.1856 (Wollbach) – 20.3.1940 (München); Präsident des Obersten Rechnungshofes a. D.
- Stöckle, Hedwig von (vh) / Hermann (gb); 19.4.1869 – 23.5.1935
- Stöckle, Hedwig; 12.6.1889 – 19.10.1892


#38 – 5 – 33 (Preisinger)


#38 – 6 – 2 (Strobl)


#38 – 6 – 13 (Dallinger)


#38 – 6 – 27 (Ganzleben)


#38 – 6 – 34 (Thelemann)
Hier ruhet in Gott
Frau Amalie Thelemann,
geb. Flad
geb. 16. Sept. 1829, gest. 25. Juni 1886.
Sockel
Mathilde Thelemann
geb. 17. Juni 1886, gest. 6. Februar 189¿
Fritz Thelemann,
geb. 16. August 188¿, gest. 21. Januar 1892.
- Thelemann, Amalie (vh) / Flad (gb); 16.9.1829 – 25.6.1886
- Thelemann, Fritz; 16.8.188¿ – 21.1.1892
- Thelemann, Mathilde; 17.6.1886 – 6.2.189¿


#38 – 7 – 14 (n. n.)


#38 – 7 – 24 (Benedikt)
Hier ruht in Frieden
mein lieber unvergesslicher Gatte
Herr Georg Benedikt,
Metzgermeister
geb. 12. Febr. 1854, gest. 16. Mai 1925.
Ihm folgte dessen Gattin
Frau Therese Benedikt
geb. 21. März 1876, gest. 22. Juni 1934.
Sockel
Huber.
- Benedikt, Georg; 12.2.1854 – 16.5.1925; Metzgermeister
- Benedikt, Therese (vw); 21.3.1876 – 22.6.1934; Metzgermeisters-Witwe


#38 – 7 – 34 (Brugger)


#38 – 8 – 28 (Späth)
Hier ruhet in Gott
mein innigstgeliebter unvergesslicher Gatte
Herr Mathias Späth
k. Rentbeamter,
geb. 17. Juni 1843, gest. 16. Januar 1895.
Ihm folgte seine treue Lebensgefährtin
Frau Agnes Späth
am 4. November 1932 zur ewigen Ruhe.
Sockel
Wiedersehen unsere Hoffnung!
Linke Seite
J. Lallinger.
- Späth, Agnes (vw); – 4.11.1932; Rentenbeamtens-Witwe
- Späth, Mathias; 17.6.1843 – 16.1.1895; Rentenbeamter


#38 – 9 – 1·2 (Barth)


#38 – 9 – 5 (Ehrentreich)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Ehrentreich, Friederika; – 1886 (München); Ledermeisters-Tochter


#38 – 9 – 15 (Pertenhammer)
Rat Pertenhammersche
Familien Grabstätte.
Paula Pertenhammer,
geb. 20. Febr. 1877. gest. 25. Dez. 1939.
Sockel
Anna Pertenhammer, Kgl. Ratsgattin
geb. 27. Dez. 1848. gest. 15. Sept. 1906
Ignaz Pertenhammer, Kgl. Rat a. D.
geb. 13. Sept. 1833. gest. 10. OKt. 1906.
- Pertenhammer, Anna (vh); 27.12.1848 – 15.9.1906; Rats-Gattin
- Pertenhammer, Ignaz; 13.9.1833 – 10.10.1906; Rat a. D.
- Pertenhammer, Paula; 20.2.1877 – 25.12.1939


#38 – 9 – 32 (Sollfrank)
Familie Sollfrank
Hier ruht
unsere innigstgeliebte treubesorgte
Gattin u. Mutter
Frau Anna Sollfrank
geb. Probst
Bahnspediteursgattin,
geb. 22. Juli 1845, gest. 20. Febr. 1905
Ihr folgte der Gatte
unser guter Vater
Herr Johann Sollfrank
Bahnspediteur
geb. 15. Febr. 1837, gest. 15. Aug. 1908.
- Sollfrank, Anna (vh) / Probst (gb); 22.7.1845 – 20.2.1905; Bahnspediteurs-Gattin
- Sollfrank, Johann; 15.2.1837 – 15.8.1908; Bahnspediteur


#38 – 10 – 3 (Donhauser · Roth)




#38 – 10 – 8* (Cula)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Cula; – 13.11.1892 (München), 17 Jahre alt; »Amazonen«-Darstellerin aus Dahomey






#Cula
† 13.11.1892 (München), 17 Jahre alt
»Amazonen«-Darstellerin aus Dahomey
#Münchener Tagblatt (3. & 4.11.1892)
Stadtneuigkeiten.
Dahomeyer-Amazonen in München. 40 Kriegerinnen aus dem Dahomelande unter Anführung der Oberkriegerin »Gumma« welche 4½ Monate im Jardin d'Acclimation Paris gewesen werden auf kurze Zeit in den Central-Sälen Einquartierung halten. Wohl selten dürfte dem Publikum eine so interessante exotische Sehenswürdigkeit geboten werden, da gerade die augenblicklichen Kriegswirren, welche zwischen den Franzosen und dem König von Dahomey ausgebrochen, es dem glücklichen Zufalle zu verdanken ist, daß vor Ausbruch des Krieges der Plan ins Werk gesetzt wurde, diese blutdürstigen Kriegerinnen zu einer Tournee durch die civilisirten Länder zu gewinnen. Der Impresario Herr Pinkuß, welcher vor einigen Jahren mit der Hagenbeck'schen Singhalesen Karawane hier gewesen, ist bereits eingetroffen um alle nöthigen Vorkehrungen zu veranlassen. Die Eröffnungs-Vorstellung findet am Samstag den 5. November statt.
Die Amazonen aus Dahomey sind gestern Nachmittag mit dem Postzug von Salzburg hier eingetroffen.
Münchener Tagblatt Nr. 308 & 309. Donnerstag, den 3. und Freitag, den 4. November 1892.
#Allgemeine Zeitung (5.11.1892)
Anthropologische Gesellschaft. Montag, den 7. November: Außerordentliche Sitzung. Local: Centralsäle, I. Stock. Anfang Abends 8½ Uhr. Seperatvorstellung der Dahomey-Amazonen. Die Betheiligung von Damen an dieser Sitzung ist gestattet. Die Mitglieder werden ersucht, das Programm beim Eintritte vorzuzeigen.
Allgemeine Zeitung Nr. 308. München; Samstag, den 5. November 1892.
#Neues Münchener Tagblatt (6.11.1892)
Die Amazonentruppe von Dahomey in München.
Herr Karl Hagenbeck,
unermüdlich im Schaffen neuer Darstellungen kultur- oder naturgeschichtlicher Art, hat eben wieder eine anthropologisch höchst merkwürdige Gruppe zu zeigen. Es sind die schwarzen Kriegerinnen des Königs von Dahomey in Südwestafrika.
Dahomey ist in den letzten Zeiten in Folge des Krieges mit den Franzosen vielfach genannt worden, und es möchte gewiß interessiren, eine Gruppe der weiblichen Streitkräfte des afrikanischen Königs kennen zu lernen.
Ehe wir von den Amazonen selber sprechen, wollen wir Einiges über das Land Dahomey vorausschicken.
Das Königreich Dahomey liegt im Norden der sogenannten Sklavenküste Ober-Guinea's und erstreckt sich ungefähr bis zum 8. Grade nördlicher Breite. Das Gesammtareal umfaßt einen Flächenraum von circa 14,000 Quadratkilometer mit einer darauf vertheilten Bevölkerung von etwa 200,000 Seelen. Die schwer zugängliche und fieberreiche Sandküste trägt zahlreiche zerstreut liegende Negerdörfer, in denen hier und da europäische Faktoreien bestehen, unter welchen die bedeutendsten sind: die britische Besitzung Lagos, die französische Niederlassung Porto-Novo und endlich Widah oder Whyda. Sämmtliche Häfen dienten früher lediglich zu Zwecken des nirgends stärker als hier betriebenen Sklavenhandels und zur Ausfuhr dieses »schwarzen Elfenbeins«; jedoch ist in neuerer Zeit durch das Zusammenwirken der zivilisirten Nationen diesem abscheulichen Laster ein starker Riegel vorgelegt. Im Innern ist das Land mehr gebirgig und mit Urwäldern bewachsen; hier ist der Elephant zu Hause, der wegen seiner Zähne von den Eingebornen eifrig gejagt wird.
Die Vegetation ist ungeheuer üppig und außer den reichen tropischen Urwäldern bedecken weitläufige Anlagen der Neger weite Strecken; hier werden alle Getreidearten und Südfrüchte der Welt gebaut.
Die Dahomey-Neger sind von allen afrikanischen Völerstämmen die körperlich und geistig entwickeltsten. Der Körperbau ist, wenn auch nicht gerade hervorragend stark, so doch muskulös und wohlproportionirt, und unter den Frauen, vor allen unter der Amazonen-Garde, finden sich zahlreiche schöne und wohlgebildete Gestalten. Im Ganzen ziemlich seßhaft, betreiben sie mit Vorliebe den Ackerbau und sind geschickt in der Anfertigung von allerlei Werkzeugen und Geräthen, besonders aber von Waffen, wie Säbeln, Schwertern und Dolchen. Die ursprünglichen Waffen, wie Keulen, Bogen, Pfeile u. s. w., haben natürlich, wie es ein so langer Verkehr mit den Europäern mit sich bringt, längst den modernen Vernichtungswerkzeugen, wie Säbeln und Feuergewehren, weichen müssen und nur ein kleiner Theil des Heeres ist noch auf die alte Weise ausgerüstet.
Der Herrscher ist im vollsten Sinne des Wortes Herr über den Kopf eines jeden seiner Unterthanen. Wenn auch eine große Anzahl von Fürsten, Ministern, Ortshäuptlingen existirt, so sind doch im Grunde alle nur Sklaven des Königs, und mit Blut geschriebene und mit Blut getränkte Gesetze bilden die Grundlage und Stützen des Thrones. Der Herrscher, dessen Würde erblich ist, und dem in der Regel der älteste Sohn seiner Lieblingsgemahlin nachfolgt, ernennt die Häuptlinge und sonstigen Würdenträger, und haben dieselben ihm bestimmte Contingente zur Armee, sowie bei allen Festlichkeiten prächtige Geschenke zu liefern.
Die Vorschriften des umfassenden Hofceremoniells sind ungemein peinlich, und jeder Verstoß gegen dieselben wird mit den grausamsten Strafen geahndet.
So darf z. B., wie dies seit altersher überliefert ist, Niemand sich in aufrechter Stellung dem Herrscher nahen, und Deputationen und Abgesandte müssen sich dem Throne auf dem Bauche kriechend nähern. Gleiches Ceremoniell wird beim Niesen, Ausspucken und Trinken des Königs beobachtet, und speziell die letztere Handlung ist bei Strafe des Kopfabschlagens keinem sterblichen Auge zu schauen vergönnt. Reich geschmückte Sonnenschirme werden zu dem Zwecke vor dem Haupte des »Beherrschers der Sklaven« aufgespannt und allgemeines Freudengeschrei, das Geknatter abgefeuerter Flintenschüsse, sowie das Geläute der Glockenschwinger, die sich im Gefolge befinden, geben der Umgebung von diesem hochwichtigen Akte Kunde.
Hinrichtungen von Verbrechern sowohl als von Gefangenen und Sklaven, ohne welche keine größere Hoffestlichkeit denkbar ist, werden vom Könige in beliebiger Anzahl festgesetzt.
Haufen von Schädeln Hingerichteter bleichen an den Thoren des königlichen Palastes, sowie als Trophäen auf hohen Stangen.
Die Religion ist der roheste Fetischdienst. Zum Fetisch (Götterbild) kann ein jedes, oft das einfachste Ding erhoben werden, indem man ihm die wunderbarsten Eigenschaften und Kräfte beilegt und diesem selbstgeschaffenen Gotte eine unterwürfige Anbetung zollt. Mit Lappen und Fetzen aller Art bekleidete Puppenfiguren, männliche und weibliche, stehen in den Tempeln und werden unter Begießen mit Palmöl von der Menge um ihren Segen angefleht.
Außer diesen selbstgeschaffenen Götzen verehren, die Einwohner eine gewisse Art von Schlangen als übernatürliche Wesen, in deren Willen es liegt, ob aus irgend einer Handlung Segen oder Unheil erwachsen soll. Dieselben werden von besonders dazu angestellten Priestern gepflegt und wurde bis vor kurzem die Tödtung eines solchen Thieres mit den grausamsten und entsetzlichsten Todesstrafen geahndet.
Ein eigentliches Familienleben in unserem Sinne ist den Dahomey-Negern ein unbekanntes Ding, und kam es bis noch vor kurzem gar nicht selten vor, daß ein Vater seine eignen Kinder an die Sklavenhändler verkaufte. Die Stellung der Frau ist – abgesehen von den Mitglieder des Amazonencorps – eine niedrige und verachtete, und steht es jedem Manne frei, sich eine beliebige Anzahl von Frauen oder vielmehr Dienerinnen zuzulegen, falls seine Mittel ihm dies gestatten. Die Erwerbung geschieht durch Kauf oder Tausch vom Vater des Mädchens und bilden Rum, bunte Stoffe u. dergl. beliebte Werthartikel.
Das Merkwürdigste ist das weibliche Kriegsheer des Königs.
In einer Stärke von ungefähr 5000 Köpfen bilden diese Amazonen, in verschiedene Regimenter eingetheilt, die Leibgarde des Königs, der dieselben persönlich aus den Töchtern der besten Familien des Reiches auswählt.
Das erste und strengste Gesetz, welches diese Kriegerinnen zu beobachten haben, ist die Ehelosigkeit. Während ihrer zweijährigen Militärpflicht sorgen scharfe Wachen von Eunuchen in geweinsamen kasernenartigen Wohnungen für genaueste Innehaltung dieses Gebietes. Die Strafen, welche an gelegentlichen Uebertreterinnen von den eigenen Kameraden vollzogen werden, sind von einer raffinirten Grausamkeit und endigen stets mit dem Tode, wie denn überhaupt der ganze Korpsgeist unter diesen »Damen« ein bewundernswerther ist.
Die Amazonen sind mit Feuersteingewehren und Säbeln ausgerüstet.
Ein charakteristisches Zeichen der meisten Amazonen bilden kurze auf den Schenkeln, den Armen oder auch auf den Backen eingeschnittene Tättowirungsnarben, und ebenfalls sind die Haare in einer eigenthümlichen künstlichen Weise frisirt.
Regelmäßige Uebungen, worunter oft das Erstürmen einer improvisirten, von scharfen Dorngestrüpp starrenden Verschanzung werden unter Nichtbeachtung der schmerzendsten Wunden oft unter Augen des Königs abgehalten und stählen den Muth für künftige Gelegenheiten.
Im Ernstfalle rückt das Korps, in verschiedene Treffen getheilt, unter dem betäubenden Lärm der mit Thierhaut bezogenen großen Trommeln gegen den Gegner an.
Das Hauptfest bildet das alljährlich stattfindende große Osterfest zur Versöhnung der bösen Geister, welches ungefähr eine Woche lang dauert und wozu lange vorher Verbrecher, Sklaven und Gefangene zur Abschlachtung aufgespart werden.
Umgeben von seinem Hofstaate, seinen zahlreichen Frauen und Sklavinnen thront der König auf einem freien Platze vor den verschiedenen, den Palast bildenden runden Hütten. Zur Rechten kauern einige hundert Kriegerinnen der Leibgarde mit Gewehren zwischen den Schenkeln, hinter diesen stehen branugekleidete Elephantenjägerinnen, während auf der linken Seite eine größere Anzahl von reich in Gold und Seide gekleideten Lieblingsfrauen postirt sind.
Mitglieder des letzten Amazonenregiments führen die verschiedenartigsten und phantastischsten Kriegstänze auf, Fetischpriester stoßen ihre gellenden Gebete aus und wälzen sich in krampfartigen Verzuckungen am Boden, und unter dem Getöse der Trommeln und sonstigen Musikinstrumente spielen sich die tollsten Szenen ab. Mit freigebiger Hand wirft der König die beliebten Kaurimuscheln unter die jubelnde und tobende Menge, und so vergehen die Festtage, bis endlich in der Nacht des letzten Tages die Stunde für die unglücklichen, in einer Hütte zusammengepferchten Opfer schlägt.
Doch nur dem Könige und seinen Amazonen ist es erlaubt, der Abschlachtung, welche von dem Haupthenker vermittelst eines breiten Schwertes eigenhändig vollzogen wird, beizuwohnen, und ist jeder der Unterthanen, der zu dieser Stunde außerhalb der Hütten betroffen wird, ebenfalls dem Tode unrettbar verfallen.
Die Schädel aber der Erschlagenen bleichen als Trophäen und Ruhmeszeichen auf den Zinnen und Spitzen der die königlichen Gebäude umgebenden Mauer, während die Körper den Aasgeiern und Schakals als willkommene Beute vorgeworfen werden.
Doch nicht allein bei dem geschilderten Feste, sondern überhaupt bei allen auf die Person des Herrschers Bezug habenden feierlichen Gelegenheiten, wie Thronbesteigung etc. sind diese bestialischen Menschenschlächtereien gang und gäbe, und nur, um zu diesem Zwecke hinreichend Gefangene zu erbeuten, wurden besondere Kriegszüge gegen die benachbarten Stämme unternommen. Von diesen Kriegszügen wurden auch die unter französischem Schutze stehenden Gebiete heimgesucht, und als nun die Republik zum Schutze der Einwohner ihre schwarzen Kolonialtruppen in die bedrohten Distrikte legte, wurden dieselben von den Dahomey-Negern überfallen, und so entstanden die vielbesprochenen Kriegsunruhen an den Sklavenküste.
Die Amazonengruppe, welche hier unter Führung des Impresario Herrn Pinkuß von Paris, wo sie 4½ Monate weilte, eingetroffen ist, beginnt heute Samstag den 5. ds. ihre Vorstellungen im großen Saale der Centralsäle im 1. Stock. Das Programm dieser Vorstellungen bilden: 1) Religiöser Gesang vor Auszug ins Gefecht, vorgetragen von den Amazonen; Bondoh genannt. 2. Uebung und Instandsetzung ihrer Gewehre, unter Führung der Oberkriegerin »Gumma«. Die Amazonen haben beim Kriege keine Bogen und Pfeile mehr; sie bedienen sich jetzt französischer Gewehre und Säbel. 3. Nationaler Freudengesang und Tanz, ausgeführt von den Amazonen und Kriegern zu Ehren ihrer Oberkriegerin »Gumma« für die gewonnene Schlacht. 4. Zum Schluß: Opfertänze mit Schlachtmessern, ausgeführt von dem ganzen Corps, unter Führung der Oberkriegerin »Gumma«.
Nach Namen und Alter sind die Amazonen von Dahomey: Gumma, Oberkriegerin, 22 Jahr; Maimah, 25 Jahr; Guthu, 23 Jahr; Messi, 22 Jahr; Kemmah, 24 Jahr; Fassih, 23 Jahr; Butschaun, 20 Jahr; Nepoh, 21 Jahr; Dankeh, 20 Jahr; Fehra, 19 Jahr; Bessih, 19 Jahr; Dukauh, 18 Jahr; Bondih, 20 Jahr; Jaffa, 20 Jahr; Allekutuh, 19 Jahr; Jenken, 23 Jahr; Jenehba, 19 Jahr; Tito 22 Jahr; Kuhla, 18 Jahr; Blaki, 23 Jahr; Gombuh, 15 Jahr; Gograh, 15 Jahr; Jelly, Schwester der Oberkriegerin Gumma, 9 Jahre.
Aus dem Vorhergehenden ist wohl erklärlich, daß diese exotische Damengruppe eine hochinteressante Sehenswürdigkeit ist, die nicht nur die Neugierde befriedigt, sondern wissenschaftlichen Werth hat.
Neues Münchener Tagblatt Nr. 311. Sonntag, den 6. November 1892.
#Der Wendelstein (10.11.1892)
Vermischte Nachrichten.
Aus München, 8. Nov., wird dem »Wdlst.« geschrieben: So ein Impresario hat auch nicht immer gute Einfälle, sonst hätte man uns nicht zu Beginn der rauhen Jahreszeit die Kinder der heißen Zone, die Amazonen, zugeführt. Wie mögen diese Aermsten unter dem nordischen Winter leiden, wenn sie nicht bald in ein südlicheres Klima transferirt werden! Wir bewunderten bei Buffalo Bill's »Wilder West« die ächten Abkömmlinge einer im Aussterben begriffenen Menschenrace, versetzten uns mit der darauf folgenden »Suahelli Karawane« unter die Bevölkerung des alten Pharaonenreiches, beide Schaustellungen waren in ihrer Art hochinteressant, nicht minder anziehend wie belehrend aber wirkt ein Besuch bei der Amazonentruppe in den Centralsälen. Es wird in der Münchener Presse aus purer Gefälligkeit gar manches gelobt und herausgestrichen, was minder preiswürdig erscheint, wie z. B. der verflossene japanesische Circus James, welcher aber auch ein seinen Leistungen entsprechendes Geschäft machte, nämlich so gut wie keines. Es war hohe Zeit, daß der jüdische Böhme Rosenberg oder wie er sich selbst englisch taufte »James« von hier verduftete, sonst hätte er Mangels ausübender Artisten die Arena schließen müßen. Die Einnahmen waren trotz jüdischer Reklame und trotz aller täglichen Anpreisungen und Reklamen selbst in dem bekannten Weltblatt vom Färbergraben so armselige, daß der arme Direktor die Gagen nicht mehr erschwingen konnte und sich auspfänden lassen mußte, wie uns Angestellte erzählten. In der Amazonentruppe hingegen haben wir in der Thit eine Sehenswürdigkeit allerersten Ranges vor uns. Freilich konnten wir die Legitimationen und das Nationale der Kriegerinnen nicht prüfen, aber vorausgesetzt, daß uns der Unternehmer keine Imitation vorführt – heutzutage kann man nicht mißtrauisch genug sein – lohnt sich ein Besuch bei den Amazonen reichlich. Wir zählten 36 »Damen« und 8 »Herren«. Das Alter der Amazonen schwankt zwischen 15 und 25 Jahren, dazu kommt noch die erst 10 Jahre alte Schwester der Oberkriegerin Gumma. Die Krieger sind große, herkulische Gestalten, die Kriegerinnen kaum von Mittelgröße. Die Tänze, Gesänge und Kampfspiele, die sie vorführen, sind von packender Wirkung, grotesk, eigenartig und zeigen von ungewöhnlicher Gelenkigkeit wie von theatralischem Talente. Nach der Vorstellung mischen sich diese »Wilden« harmlos unter das Publikum, mit dem sie Händedrücke wechseln und von dem sie Trinkgelder in Gestalt von Cigarren und Tabaken heischen, jedoch nehmen sie im Nothfalle auch Kleingeld dafür entgegen. Nachdem bekanntlich Frankreich den König von Dahomey mit Krieg überzog und dem Negerstaate möglicher Weise den Garaus macht, könnten unsere Amazonen leicht die letzten Kriegerinnen sein, die je wieder Europas gastlichen Boden betreten. Von diesem Gesichtspunkte aus bietet die uns vorgeführte Truppe daher ein erhöhtes Interesse. In ihrem heißen Vaterlande mögen diese Kriegerinnen zu fürchten sein, hier in München geben sie sich ganz civilisirt und lammfromm, ja sanft wie die Tauben und lange nicht so blutdürstig als unsere »Damen der Halle«, wenn sie von einer »Gnädigen« gereizt werden.
Der Wendelstein Nr. 256. Katholisches Volksblatt für das bayerische Oberland. Rosenheim; Donnerstag, den 10. November 1892.
#Münchener Ratsch-Kathl (12.11.1892)
Die Amazonen von Dahomey.
Unser heutiges Bild stellt ein paar kämpfende Amazonen dar, wie sie zur Zeit in den Central-Sälen ihre Sitten, Tänze und Kriegsgebräuche vorführen.
Diese Dahomey-Amazonen gaben vor einigen Tagen in einer außerordentlichen Sitzung der anthropologischen Gesellschaft eine Separat-Vorstellung, die sehr zahlreich von hohen Herrschaften besucht war.
Herr Professor v. Ranke, der Vorsitzende der Gesellschaft, machte in einer kurzen Ansprache darauf aufmerksam, daß dieser Neger-Stamm einer der interessantesten sei.
Der König von Dahomey ist Herr über Tod und Leben jedes seiner Unterthanen, wird aber von denselben abgöttisch verehrt.
Seine Leibgarde besteht aus Mädchen im Alter von 18 bis 25 Jahren, die sich auf zwei Jahre verpflichten, absolut jeden Verkehr mit Männern zu meiden, und deshalb stets von Eunuchen überwacht werden.
Diese Amazonen tragen als Ehrenzeichen drei Tättowirungen auf der linken Wange und kämpfen gegen ihre Feinde mit seltener Kühnheit und Grausamkeit.
Der Besuch dieser Dahomey ist ein äußerst reger und war am letzten Sonntag ein so riesiger, daß die Kassa einige Male für kurze Zeit geschlossen werden mußte.
Se. kgl. Hoheit Prinz Rupprecht, sowie die jüngsten Prinzen Sr. kgl. Hoheit des Prinzen Leopold, besuchten bereits die Vorstellungen dieses interessanten Volksstammes.
Münchener Ratsch-Kathl Nr. 102. Samstag, den 12. November 1892.
#Allgemeine Zeitung (12.11.1892)
München, 11. November.
Se. königl. Hoheit der Prinz-Regent hat heute Vormittag in Begleitung der General-Adjutanten Generalmajore Graf Lerchenfeld und Frhr. v. Zoller, der Flügeladjutanten Generalmajor Frhr. v. Branca und Major v. Widenmann, dann des Erzgießers v. Miller und des Universitätsprofessors Dr. Ranke die zur Zeit hier weilende Amazonentruppe in den Centralsälen besucht. Der Director der Amazonen, Hood, und der Geschäftsführer Pinkuß erläuterten während der Vorstellung die Gebräuche der Völker von Dahomey, worauf die Truppe ihre Exercitien und Tänze nebst Gesängen ausführten. Der Prinz-Regent sprach sich dem Direktor gegenüber sehr anerkennend über die exacte Ausführung der militärischen Uebungen und der sonstigen Produktionen aus.
Allgemeine Zeitung Nr. 315. München; Samstag, den 12. November 1892.
#Allgemeine Zeitung (14.11.1892)
Bayerische Chronik.
Tod in der Fremde. Die Amazone Kula, welche vor einigen Tagen wegen Lungenentzündung in das Krankenhaus aufgenommen wurde, ist am Sonntag gestorben.
Allgemeine Zeitung Nr. 317. München; Montag, den 14. November 1892.
#Neues Münchener Tagblatt (15. & 16.11.1892)
Die Amazone Kuhlà gestorben.
Vor wenigen Tagen haben wir gemeldet, daß eine der Amazonen der hier weilenden, großes Interesse erregenden Dahomeertruppe an Lungenentzündung erkrankt und in das städtische Krankenhaus verbracht worden ist. Dort ist nun die Arme am Sonntag Vormittag verschieden. Kuhlà, dieß ist der Name der jungen, erst 19 Jahre alten Kriegerin des Königs Behanzin, ist unstreitig, nach europäischen Begriffen wenigstens, die schönste unter der ganzen Amazonentruppe gewesen. Unser Bild, nach einer von Herrn Direktor Hood uns freundlichst zur Verfügung gestellten Photographie gefertigt, zeigt die hübschen, ebenmäßigen Züge der jungen Kriegerin. Diese Züge zeigen keine Spur von Wildheit, tragen vielmehr das Gepräge eines freundlichen, heiteren Gemüthes. Kuhlà war nur vier Tage krank. Der Aufenthalt im Krankenhause erfüllte sie mit Furcht und Angst. Trotz der liebevollen Pflege, welche ihr die barmherzigen Schwestern angedeihen ließen, fürchtete sie sich gerade vor diesen ganz besonders. Die heidnischen Dahomeer haben nämlich die Vorstellung, daß die bösen Geister weiß seien, wie wir umgekehrt den Teufel uns schwarz denken. Die barmherzigen Schwestern haben nun zumeist einen sehr blaßen Teint, der durch die weiße Haube noch besonders hervortritt. Der behandelnde Arzt konnte sich, obwohl er englisch sprach, dessen die Dahomeer einigermaßen mächtig sind, mit ihr nur schwer verständigen.
Als sie in's Krankenhaus geschafft wurde, sagte sie beim Abschied zu Direktor Hood, wenn sie von den »Weißen« behandelt werden würde, dann käme sie gewiß nicht wieder zu ihm zurück. Im Krankenhause wollte sie die dargereichten Medikamente nicht nehmen; sie glaubte, wie ihre Stammesgenossinnen, man wolle sie damit vergiften! Auch der Aufenthalt im Bette war der Kranken unangenehm. Sie wollte absolut neben dem Bette auf dem Fußboden liegen. Am Samstag Abend schien eine Besserung einzutreten; aber bald begann ein allgemeiner Kräfteverfall, und am Sonntag Morgen schloß die kleine braune Kuhlà ihre Augen für immer. Der rauhe Norden hatte das Kind ewigen Sonnenscheins zerstört. Als gestern Direktor Hood am Abend nach der letzten Vorstellung den Amazonen den Tod ihrer Genossin mittheilte, brachen Alle für einen Augenblick in ein lautes Klagegeschrei aus, warfen sich auf die Erde und stießen den Kopf auf den Boden und riefen fortwährend: Kuhlà, Kuhlà.
Die Trauer hielt indeß nicht lange vor, und gestern früh waren die Stammesgenossinnen Kuhlà's wieder munter bei der »Arbeit«.
In der Heimat wird die Leiche einer Amazone in Bastmatten genäht und dann drei Tage lang wagrecht zwischen zwei Bäume gehängt. Der Leiche werden die Zehen mittels Tuchstreifen von den Kleidern, die sie im Leben getragen hat, zusammengebunden, dies soll verhindern, daß die Abgeschiedene aus dem Reiche der Geister zurückkehre unter die Lebenden.
Auch der Mund der Leiche wird mit einem Tuche verbunden. Fetischpriester und Kriegskamerädinnen bewachen während dieser drei Tage die Leiche.
Dann wird ein Grab gegraben, an dasselbe werben die sämmtlichen Habseligkeiten der Verstorbenen gebracht, zu Asche verbrannt und diese in das Grab gestreut. Dann wird die Leiche abgenommen und in das Grab gelegt, das nun unter Todtentänzen und Geheul zugeworfen wird. Die Dahomeer bergen ihre Leichen im Schoße der Erde, das ist ihnen ein heiliger Brauch, deßhalb wollen sie sich auch überzeugen, daß man Kuhlà's Leiche der Erde übergibt. Die Leichname getödteter Feinde dagegen werden den wilden Thieren zum Fraße überlassen, nachdem ihnen vorerst die Köpfe abgeschnitten werden, die als greuliche Trophäen ihre Hütten und den »Palast« ihres Königs schmücken.
Kuhlà's Leiche wurde, nachdem die Sektion vorgenommen war, in einen Sarg gebettet, vorerst in die Todtenkammer des Krankenhauses verbracht und sodann in das Leichenhaus des südlichen Friedhofes überführt und daselbst aufgebahrt. Sie wird bis gegen Mittag im Leichenhause zu sehen sein.
Um 12 Uhr 50 Minuten findet dann am südlichen Friedhofe die Beerdigung statt. Die Angehörigen der Truppe wohnen diesem Akte bei. Selbstverständlich konnte eine Bestattungsweise, wie sie in der Heimath der Dahomeer gebräuchlich ist, am hiesigen Friedhofe nicht gestattet werden, vor Allem der lärmende, wildgeberdige Todtentanz nicht. Doch wird die Todtenfeier immerhin noch Interesse genug bieten und Gelegenheit geben, eine Grabrede in der Dahomeersprache seitens eines Mitgliedes der Truppe zu hören. Die Truppe wird in einer Reihe von Wagen nach dem südlichen Friedhofe verbracht, wo sie sich zum Leichenzuge ordnen. Die braunen Leute werden mit warmer Fußbekleidung versorgt und wird Alles angeordnet, um eine Verkältung der an heißes Klima gewöhnteen Menschen zu verhüten.
Direktor Hood hat auf dieser Reise nun schon die dritte Amazone verloren. Eine starb in Breslau; sie hatte eine ganze Flasche Spiritus ausgetrunken. Die Zweite ist in Prag begraben. Ein Medizinmann und Zauberer der Truppe, der während der ersten Reise durch Europa in Frankfurt starb, ward nach seinem Tode von den Amazonen ganz besonders gefürchtet und damit sein Geist sie nicht aufsuchen könne, verbrannten sie allabendlich – Paprika zu ihrem Schutze.
Das thaten sie auch gestern in den Centralsälen zu wiederholten Malen.
Neues Münchener Tagblatt Nr. 320 & 321. Dienstag, den 15. und Mittwoch, den 16. November 1892.
#Der Wendelstein (16.11.1892)
Vermischte Nachrichten.
Aus München. 14. Nov., wird dem »Wdlst.« geschrieben: Die bereits erwähnte Amazonentruppe in den Centralsälen hat gestern wieder einmal eine Kriegerin verloren. Eine ihrer Schwestern mußten die Amazonen zu Breslau, eine zweite in Prag zu Grabe geleiten. Morgen begraben sie die Kriegerin Kula auf dem südlichen Friedhofe. Die wilden Töchter der heißen Zone vertragen wohl das rauhe, nordische Klima nicht gut. Als wir der Separat-Vorstellung vom 4. ds. anwohnten, hustete eine Amazone ganz bedenklich. Vielleicht war es die jetzt Verschiedene. Uebrigens gehört wenig dazu, sich im Amazonenkostüm eine Lungenentzünduug zu holen, woran die arme 17jährige Kula nach nur 3tägigem Krankenlager sterben sollte. Die Amazonen exercierten an jenem 4. Novbr. halb nackt, wie sie sind, – die Krieger mußten sich noch viel decolletirter produziren – im ungeheizten weiten Saale unmittelbar an den Fenstern postirt. Ohne wärmende Kleider hätten wir Nordländer eine Lungenentzündung riskirt und dann erst diese heißblütigen Kinder des heißen Afrikas. Solche exotische Menschenracen sollte man uns nur im Hochsommer vorführen, die jetzige Jahreszeit ist ja Gift für afrikanische Lungen. Müßte der englische Unternehmer für jedes Haupt der ihm anvertrauten Schwarzen dem König von Dahomey eine hohe Entschädigung im Verlustfalle leisten, dann würde er sich wohl gehütet haben, diese armen Menschenkinder den Unbilden eines nordischen Winters auszusetzen. Die Vorführungen sind ja interessant, selbst der Kgl. Hof nahm ein großes Interesse daran, aber human ist es nicht, Afrikaner im Winter nach München zu transportiren. Humaner denkende und handelnde Unternehmer pflegen uns sonst um diese Zeit mit ihren exotischen Schützlingen zu verlassen. Aber was liegt an so einem Paar Menschenleben, wenn nur der Unternehmer ein gutes Geschäft macht!
Der Wendelstein Nr. 261. Katholisches Volksblatt für das bayerische Oberland. Rosenheim; Mittwoch, den 16. November 1892.
#Der Wendelstein (17.11.1892)
Vermischte Nachrichten.
Aus München, 15. Novbr., wird dem »Wdlst.« geschrieben: Ein wundersam milder Herbsttag lockte heute schon in den Vormittagsstunden eine große Volksmasse nach dem südlichen Friedhof, dem »Campo santo«, der Hauptstadt. Neugierde ist ja ein hervorstechender Zug der Münchener Bevölkerung und da draußen lag unter Blumen aufgebahrt eine gar seltene Todte, die Amazone Kula. Der Andrang der Neugierigen, welche die kleine schwarze Kriegerin auf ihrem »Paradebett« sehen wollten, nahm nach Schluß der Volksschulen zwischen 11 und 12 Uhr beängstigende Dimensionen an. Das junge Volk stürmte in den Friedhof als gälte es ein Kinderfest ersten Ranges und die Erwachsenen durften sich doch von der Jugend nicht übertrumpfen lassen. War das vor dem Leichenhause ein Schieben, Drängen und Stoßen, ein Lärm und Geschrei, ein Geraufe fast wie seiner Zeit zur Königsleiche. Zwei an der Ein- und Ausgangsthüre zum Leichensaale postirte Diener waren der erstürmenden Menge nicht gewachsen, denn um den Wirrwarr vollzumachen, war nur die eine Flügelthüre geöffnet, vor der sich die Masse staute. Groß und Klein raufte sich mit wildem Ungestüme durch die enge Pforte, Hüte flogen umher, die Kleider gingen in Fetzen, ein Wunder nur, daß Niemand erdrückt wurde. Es ist etwas Häßliches um diese abscheuliche Neugierde der Großstädter. Um die Passage für den Leichenzug um 1 Uhr freizuhalten, war der betreffende Platz mit Seilen abgegrenzt, aber schon von 10 Uhr an postirte sich hinter der Seilenkette eine immer stärker anwachsende Menschenmasse aus allen Ständen, den höchsten wie den niedersten. Während das sonst es so eilig habende Volk von München, die Männer und Frauen von Isar-Athen, keine fünf Minuten Zeit hat, um den nächsten Trambahnwagen abzuwarten, sondern sich mit unglaublicher Wildheit in die übervollen Waggons hineinrauft, in vorliegendem Falle konnten dieselben Leutchen volle drei Stunden ruhig der Dinge harren, die da kommen sollten. Gegen zwölf Uhr kam ein Piquet Gendarmerie zur Aufrechthaltung der Ordnung angerückt. Was bedeutet aber so eine Handvoll grüner Schutzengel gegenüber einem nach Tausenden zählenden neugierigen Popolus Monachensis! Als endlich die Amazonen angefahren kamen, um ihrer auf dem Felde des Geschäftsgeistes gefallenen Schwester das letzte Geleite zu geben, erwies sich die heilige Hermandad völlig machtlos. Die »Wilden« aus Dahomey konnten sich gewiß zu ihrer Genugthuung überzeugen, daß die Münchener Bevölkerung doch noch beträchtlich wilder sein kann als selbst die wildesten afrikanischen Raubhorden. Die den Wägen entsteigenden Amazonen mußten sich mit den blanken Krummsäbeln ihrer Haut wehren, um nicht erdrückt zu werden und sich einen Weg zu bahnen. Er spielten sich ungefähr dieselben wüsten Scenen auf dem Orte des Friedens ab, wie seiner Zeit beim Empfange Bismarcks auf dem Wiener Bahnhof. Bei solchen Anlässen kann man sehen, welchen gefährlichen, rücksichtslosen Mob eine Großstadt birgt. Die gebildet sein wollenden Spree-Athener hieben mit Stöcken aufeinander und balgten sich, daß es eine Schande war. So und ähnlich führen sie sich aber stets auf, sobald es irgendwo etwas gratis zu schauen gibt. Wir schämten uns eines so roh sich gebärdeten Publikums vor den »Wilden«. Letztere werden ihren Fetischgötzen gedankt haben, als sie mit heiler Haut wieder der Stadt zufahren durften. Nach einer kurzen Zeremonie im Leichensaale, wo die Amazonen ihre Klagelieder anstimmten, bewegte sich der Zug zum Grabe, an welchem der Bruder der Dahingeschiedenen eine Trauerrede in seiner Landessprache hielt. Der Direktor der Truppe bezw. der Unternehmer Hood spendete »Trauerkränze«, eine Sitte, für welche die Amazonen kein Verständniß haben.
Der Wendelstein Nr. 262. Katholisches Volksblatt für das bayerische Oberland. Rosenheim; Donnerstag, den 17. November 1892.
#Neues Münchener Tagblatt (17.11.1892)
Die Beerdigung der dahomeyischen Amazone Kuhlà.
Eine ungeheure Menge »Wilder« hatte sich gestern Mittags im südlichen Friedhofe eingefunden um sich an der Beerdigung der Amazone Kuhlà zu gaudiren. Diese wenigen Worte kennzeichnen das Benehmen eines Theiles unseres Publikums in leider nur allzutreffender Weise. Ruhig und still, mit friedlich geklärten Zügen, lag neben anderen Leichen im Armensaal des Leichenhauses aufgebahrt, die Hülle jenes braunen »Mädchen aus der Fremde« die fern, fern von ihrer sonnigen Heimath, dem rauhen Klima kaum 18 Jahre alt unserer Hauptstadt in kurzer Zeit erlegen war.
Kuhlà lag, umgeben von Blumen und Pflanzen und brennenden Wachskerzen in ihrem Kriegsschmucke im einfachen braunen Sarge. Das weiße Fez mit dem Drachenbilde auf dem Haupte, das Wamms, reich verziert mit schimmernden Kaurimuscheln, am Leibe bis zur Hälfte bedeckt mit einem blau- und schwarz gestreiften, grobgewobenen Tuche auf welchen die Hände verschlungen, ruhen und unter welchem die nackten Fuße hervortraten schien sie sanft zu schlummern. Die Todesbläße welch das Antlitz, des Weißen im Tode deckt kommt auf den tiefbraunen Gesichtern der Dahomeer nicht zum Vorschein.
Draußen, vor dem Leichenhause, auf Haupt- und Nebenwegen, in den Thorhallen, welche den Friedhof mit dem Campo santo verbinden wogte und tobte eine Menschenmenge, wie sie auf dem südlichen Friedhofe wohl noch nie zu sehen war. Es waren alle Vorkehrungen getroffen wie sie sonst getroffen wurden, wenn ein großer Andrang auf der Todtenstätte zu erwarten war. Einundzwanzig Gendarmen, 4 Polizeikommissäre, der Friedhofinspektor und das ganze Aufsichtspersonal des Friedhofes waren bemüht, die Ordnung aufrecht zu erhalten. Seile waren gezogen vor der ganzen Front des Leichenhauses und um die Ecke in den Thorhallen. Gruppenweise erhielt das Publikum Zutritt in die Vorhalle des Leichenhauses, wo die Todte aufgebahrt lag. Viele konnten ihre Neugierde freilich nicht befriedigen, die Zahl der Herangedrängten war viel zu groß, die Vorhalle mußte daher abgeschlossen werden.
Kuhlà's Grab war im Campo Santo links vom Kreuze bereitet und auf ziemlich weitem Umkreis mit Seilen abgesperrt. Auch hier hatte sich schon eine riesige Zuschauermenge eingefunden, die von Minute zu Minute weiter anwuchs.
Um halb 1 Uhr fuhren fünf zweispännige Wagen vor; diesen entstiegen der Direktor der Dabomey-Truppe, Herr Hood, dessen Gemahlin, eine elegante, stattliche Dame, die Herren Impresarios Pinkusz und Neumüller. Die übrigen Wagen führten weibliche und männliche Mitglieder der Dahomeytruppe. Als die interessanten Gestalten der Krieger und Kriegerinnen sichtbar wurden, entstand eine gewaltige Bewegung im Publikum, das Hin- und Hergeschiebe wurde förmlich beängstigend und mehrmals drohten die gezogenen Seile zu zerreißen. Die Dahomeer bewaffnet, die Männer mit Dolchen und Säbeln, die Amazonen mit ihren wuchtigen Gewehren, stellten sich zunächst in Doppelfront am Eingange des Armensaales unter der Thorhalle auf, und schritten dann paarweise in den Leichensaal, wo sie die aufgebahrte Leiche Kuhlà's umstellten und dieselbe salutirten. Vier unserer hiesigen Leichenträger hoben dann den Sarg mit der Leiche von der Estrade auf eine in Mitte des Saales gestellte niedere Tragbahre. Auch hier umstellten die Dahomeer die Leiche ihrer Genossin, eine der Amazonen trat vor, zog ein weißes Leinentuch aus ihren Kleidern und band dasselbe wie einen Zahnbund um das Gesicht. Mit einem Streifen, der von einem Kleidungsstücke der Leiche gerissen worden war, wurden sodann die Zehen umschlungen und nun durch die Todtenträger rasch der Sarg geschlossen.
Da, wo sonst die Aussegnung christlicher Todter erfolgt, in der Vorhalle des Leichenhauses, wurde auch die Heidin zum letztenmale aufgebahrt. Ein schwarzes Bahrtuch mit gelben breiten Streifen in Kreuzesform (das Bahrtuch der Leichenhausverwaltung), wurde über den Sarg gedeckt, die Leichenträger luden die Bahre auf die Schultern, vor der Bahre schritt der Friedhofinspektor Rodatus mit dem Knaufstock; der Anführer kommandirte die Dahomeer, diese formirten sich zu zweien und schlossen sich unmittelbar der Bahre an. Nach den Dabomeern kamen Herr und Frau Direktor Hood, die Herren Impresario Pinkusz und Neumüller, Herr Vitzthum, Pächter der Centralsäle, Herr Obermedizinalrath Aub, verschiedene Notabilitäten der Wissenschaft und einige Redakteure und Berichterstatter. Kaum hatte sich der Trauerzug formirt, und in Bewegung gesetzt, da stürmte im Mittel- und Hauptgange des alten Friedhofes ein Pöbelhaufen derart auf die vorderen, bisher in voller Ordnung verharrten Zuschauerreihen, daß diese dem Andrange und auch dem Zurückdrängen der Gendarmen nicht mehr Stand zu halten vermochten und gewaltsam vorwärts drangen mitten unter den Leichenzng hinein, und diesen gewaltsam durchbrechend.
Nun war Bresche gelegt und wie bei einem mächtigen Dammbruch drangen, Alles mit sich reißend, die Menschenwogen in unaufhaltsamem Laufe der Thorhalle des Campo santo zu. Hier staute sich die Menge es entstand ein Drängen, Schieben, Stoßen, Alles war außer Rand und Band gerathen, kreischende Angstrufe, Kindergeschrei, Gebrüll, – es war eine furchtbar häßliche und geradezu lebensgefährliche Szene. Rohe Menschen schritten zu Gewaltthätigkeiten, schlugen mit Fäusten und Stöcken selbst auf Frauen, einige Gendarmen, welche die Ordnung herzustellen versuchten, wurden einfach in rohester Weise in die Gräberreihen geworfen, die Dahomeer geriethen in solche Bedrängniß, daß sie Miene machten, ihre Waffen zu gebrauchen und nur durch fortwährende Beschwichtigung seitens des Herrn Direktors Hood und des Herrn Impresario Pinkusz beschwichtigt werden konnten. Schreiber dieses hat sich vor den Wilden geschämt für seine »zivilisirten« Landsleute. Nachdem sich die Menschenknäuel unter der Einfahrthalle einigermaßen entwirrt hatte, wiederholte sich der Skandal auf dem Wege zum Grabe und an diesem selbst artete er in sinnnlosem Vandalismus aus. Wohl an fünfzig bis sechzig Grabsteine wurden beschädigt, umgeworfen, zerbrochen, Grabkreuze zertrümmert, Hügel und deren Blumenschmuck zertreten und die vorher schon um das Grab Gestandenen in gefährlichster Weise bedrängt. Leute, welche diese Vorgänge im Campo santo von höher gelegenen Wohnungen der Thalkirchnerstraße aus beobachten konnten, versicherten uns, daß der Anblick dieses gewaltsamen Gewühles so grauenhaft war, daß sie vor Schreck erzitterten und im Glauben waren, daß Todte und Verwundete in Menge den Boden bedecken müßten. Obwohl an dieser unserer Schilderung kein Wort übertrieben ist, kam wunderbarer Weise keine ernstliche Verletzung vor. Das ist wie ein Wunder. Wer den Vorfall mit angesehen und in die Menschenknäuel mit hineingerissen worden war, wird das bestätigen.
Nachdem unter solch widerwärtigen Umständen ein Theil des zersprengten Leichengefolges am Grabe angelangt war, wurde der Sarg sogleich in dasselbe gesenkt. Die Vertreterin der Führerin Guma – Guma selbst war,weil sie nicht ganz wohl war, abgehalten, der Todtenfeier anzuwohnen, trat nun an das Grab und sprach dort etwa 8 Minuten lang eine Reihe von religiösen Sprüchen unter bezeichnenden Geberden. Die Sprüche haben sich den Gesten nach zu urtheilen auf Kopf, Hände, Augen, Füße, Herz u. s. w. bezogen. Dann sprachen sämmtliche Krieger und Kriegerinnen je einen Spruch, in dem sie die Eigenschaften im Leben Kuhlà's lobten und priesen.
Nun trat Bakbo, der 23jährige Bruder der Verstorbenen, mit gezücktem Säbel an das Grab und hielt mit lauter Stimme in seiner Muttersprache folgende interessante
Grabrede*)
Kuhlà! – Wir Alle stehen in großem Schmerze an Deinem Grabe. Vergib uns, wenn wir Dir im Leben etwas Böses gethan.
Du bist so wie wir Alle aus unserer schönen Heimath nach diesem Land gezogen, mit dem Gedanken, wieder in die Heimath zurückkehren zu können.
Nun ist es anders gekommen, nun bist Du todt, warst Du wirklich so krank, daß Du sterben mußtest, dann – ist es gut. Wenn man Dich aber böswillig getödtet, dann ruhe so lange nicht in Deinem Grabe, bis Du gerächt bist. **)
Lebe wohl! Schlafe in fremder Erde, wir gedenken auch dann noch Deiner, wenn wir in unsere Heimath zurückgekehrt sein werden.
Nach dieser Grabrede warfen sämmtliche Angehörige der Truppe je einige Hände voll Erde auf den Sarg. Damit war die Trauerfeierlichkeit zu Ende, während welcher sämmtliche Wilde eine geradezu imponirende Ruhe, gleichweit entfernt von stumpfer Gleichgiltigkeit wie von weibischer Sentimentalität, zeigten. Die Beerdigungsfeier nahm im Ganzen etwa eine halbe Stunde in Anspruch. In Dahomey selbst hätte sie freilich länger gedauert.
Wir haben über diese Todtenfeiergebräuche der Dahomeer in gestrigem Blatte eine ausführliche Schilderung gegeben.
Es waren nicht sämmtlichen Mitglieder der Truppe an der Todtenfeier betheiligt. Solche die mit leichten Husten oder Katarrh behaftet waren, hielt man zurück, wegen der Gefahr die eine Verkältung für diese an tropisches Klima gewöhnten Leute mit sich bringt.
Nach beendigter Leichenfeier wurden die Dahomeer sogleich wieder nach den Centralsälen zurückgefahren, wo kurz nach Ankunft die Vorstellungen wieder aufgenommen wurden.
Die Trauer und der Ernst war bald wieder von den Mienen der Dahomeer gewichen.
Eine Todtenfeier haben die Wilden in ihren Gemächern geschlossen unter sich abgehalten. Dieselbe bestand aus Gebeten, die sie im Kreise am Boden sitzend murmeln, in Beschwörungen böser Geister durch Sprüche und Räucherungen. Die Sektion der Kuhlà, welche Professor Dr. Pollinger vorgenommen hatte, ergab die Bestätigung der von Geheimrath Dr. v. Ziemssen gestellten Diagnose. Die Amazone war an akuter Lungenentzündung gestorben. Die Leiche wollte von der Anatomie gekauft werden. Direktor Hood schlug jedoch den Kaufantrag ab.
*) Herr Direktor Hood hatte die Freundlichkeit, die sehr interessannte Grabrede für die Presse zu übersetzen.
**) Wie schon mitgetheilt, sind die Dahomeer sehr mißtrauisch und fürchten, man habe Kuhlà vergiftet. Dieses Mißtrauen findet durch diese Stelle beredten Ausdruck.
Neues Münchener Tagblatt Nr. 322. Donnerstag, den 17. November 1892.
#Der Wendelstein (18.11.1892)
Vermischte Nachrichten.
Aus München, 16. Nov., wird dem »Wdlst.« geschrieben: Wie wir bereits in einem Vorgängigen berichteten, gestaltete sich die Beerdigung der Amazone Kula auf dem südlichen Friedhofe zu einem argen Scandale. Wir verzichteten darauf, demselben persönlich anzuwohnen bezw. uns mit dem großstädtischen Mob zu vermischen, weil wir unsere Pappenheimer von ähnlichen Anlässen her zur Genüge kennen. Aber was heute die hauptstädtische Presse über die Vorgänge vom Dienstage auf unserem Campo santo zu erzählen weiß, übertrifft doch noch unsere bisherigen Erfahrungen. Die auf 20,000 Köpfe geschätzte Menge führte zu Ehren der braunen Kriegerin einen wahren Hexensabbath am hellen Tage auf, um ihrer zügellosen Neugierde zu fröhnen. Kaum hatte sich der Leichenzug der Amazonentruppe in Bewegung gesetzt, wälzte sich das ebenso rücksichts- als pietätlose Rachechor, an der Tete selbstverständlich wie immer die Vertreterinnen des schwachen Geschlechts und die hoffnungsvolle Schuljugend, gleich dem wilden Heere mit elementarer Gewalt kein Hinderniß achtend, hintendrein. Zerstampfte Grabhügel, umgestürzte Grabsteine, zerschmetterte Marmorkreuze bezeichneten das Schlachtfeld. Weiber zetterten, Kinder schrieen, Männer fluchten und die grünen Schutzengel küßten den Boden. Der Leichenzug war im Nu zerrissen, es herrschte ein unbeschreiblicher Tumult, die tapferen Teutonen hieben mit Schirmen und Stöcken um sich und die Amazonentruppe war nahezu gezwungen, ihr Leben gegen die europäischen Wilden oder wild gewordenen Europäer mit der blanken Waffe zu vertheidigen. Wozu doch die häßliche Schaulust führt! Was mögen sich die »Wilden« bei solchem Anblicke gedacht haben! Unsere »Neuesten« konstatiren angesichts des abscheulichsten Scandals mit herkömmlicher Genugthuung, daß es nicht die Bevölkerung Münchens war, die sich in solch häßlichstem Lichte gezeigt, sondern jene »bekannte und gefährliche Sorte, wie sie leider in den meisten Großstädten existirt.« Leider können wir dem Blatte nicht ganz beipflichten. Es waren nicht blos die »Münchener Taugenichtse«, die sich so abscheulich aufführten, sondern es manifestirte sich wieder einmal die »Bestie im Menschen«, welche in solchen Momenten alle Kultur abstreift und nur ihrem wilden Instinkte folgte. Im kleineren Maßstabe bietet sich dasselbe Bild oft und oft bei der Erstürmung bereits übervoller Trambahnwägen auf der Heimkehr von Nymphenburg, nach Theater-, Concert- und Ballschluß an der Garderobe, bei den Rennen am Oktoberfeste, kurz überall, wo das »souveräne« Volk in Massen auftritt und zur Selbsthilfe greift. Es ist das kein schöner Zug in der Bevölkerung der Großstadt und beweist nur zu deutlich, wie weit die Menschen heute noch von wahrer Bildung und Gesittung entfernt sind. Die hochlöbliche Polizei aber, welche die entfesselte Menge ebenfalls kennen könnte, sollte eben bei solchen Anlässen nicht mit einer Handvoll Gendarmen auftreten wollen.
Der Wendelstein Nr. 263. Katholisches Volksblatt für das bayerische Oberland. Rosenheim; Freitag, den 18. November 1892.
#Illustrirte Zeitung (3.12.1892)
Das Begräbniß der Amazone Cula in München.
Die Truppe der »Amazonen von Dahomey«, die früher in Leipzig, Berlin und andern Orten gastirte, gibt gegenwärtig in München vielbesuchte Vorstellungen. Kürzlich riß der Tod eine Lücke in die kriegerische Schar. Die jugendliche, kaum 17 Jahre alte Cula unterlag den verderblichen Einflüssen des nördlichen Klimas. Sie starb geduldig und ergeben im Krankenhause, und ihre Leiche, im Todtensaale des südlichen Friedhofes aufgebahrt, wurde zum Ziele Tausender von Neugierigen und Theilnehmenden. Die verstorbene Amazone lag im einfachen gelben Sarg, angethan mit dem schmucken Kriegscostüm, das weiße Käppi auf den schwarzen Locken und die Patrontasche mit dem Todtenkopf um die Hüfte geschnallt. Das Antlitz der Todten trug einen milden, friedlichen, sozusagen kindlichen Ausdruck. Der Contrast zwischen der braunen Cula und den neben ihr aufgebahrten weiblichen Todten in schneeweißen Gewändern und wachsbleichen Gesichtern war ein befremdender. Am 15. November nachmittags fand das Begräbniß der Amazone statt, eine Leichenfeierlichkeit, wie sie München noch nie sah. Vor Abgang des mit Kränzen prächtig geschmückten Sarges traten drei Krieger und zwölf Amazonen in vollem Kriegsschmuck und mit ihren Gewehren bewaffnet an diesen heran und küßten die verstorbene Schwester. Die Oberkriegerin Gumma winkte ihr unter den leisen Klagetönen der übrigen mit einem Tuche Abschiedsgrüße zu, dann wurde nach der Sitte der Dahomeyer der Todten der Mund verbunden und die beiden großen Zehen der Füße zusammengeknüpft, worauf der Zug ins Freie trat. Ernst und feierlich ward der Sarg ins Grab hinabgesenkt. Der Oberkrieger sprach eine Anzahl Sprüche, wonach die übrigen Dahomeyer, mit geschultertem Gewehr, gleichfalls einige Worte murmelten. Nach dieser Ceremonie sprach der Bruder der Hinabgesenkten die Leichenrede. Diese lautete in der Uebersetzung ungefähr wie folgt: »Cula! Wir alle stehen mit großem Schmerz an deinem Grabe. Vergib uns, wenn wir dir etwas böses gethan haben. Du bist mit uns aus der schönen Heimat in dieses Land gegangen in der Hoffnung, daß du sowie alle wieder heimkehren würden. Nun ist es aber anders gekommen. Du bist todt! Wir trauern alle um dich! Doch das sage ich dir: Warst du wirklich so krank, daß du sterben mußtest, dann sind wir zufrieden. Wenn man dich aber vergiftet hat (Die Amazonen, sehr mistrauisch gegen die Weißen, glaubten an eine Vergiftung.), dann ruhe so lange nicht in deinem Grabe und verfolge die Bösen, bis du gerächt bist! Lebe wohl! Schlafe in fremder Erde! Wir gedenken auch dann deiner wenn wir wieder in unsere Heimat zurückgekehrt sein werden!« Als der Redner, der während dieses Nachrufs in der einen Hand sein Schlachtmesser, in der andern den Säbel hielt, geendet hatte, warfen sämmtliche Mitglieder der Truppe Erde auf den Sarg. Damit war die eigenartige Feierlichkeit zu Ende, bei welcher die Amazonen eine imponirende Ruhe bewahrten im Gegensatz zu der vieltausendköpfigen Zuschauermenge, die wie eine wilde Horde die Spalierbildung durchbrach, die Gensdarmerie zurückdrängte, Grabsteine und Kreuze umwarf und Anlagen zerstampfte. Der Gottesacker glich, wol kaum zum Ruhme der Civilisation, einem Schlachtfelde.
Illustrirte Zeitung Nr. 2579. Leipzig und Berlin, den 3. Dezember 1892.
#Allgemeine Zeitung (29.12.1892)
Mittheilung.
Anthropologische Gesellschaft. [...] Mit größter Spannung lauschte man nun den Mittheilungen Dr. Max Buchners und Dr. Hugo Zöllers über die Dahomey-Amazonen. Ersterer war nie in Dahomey, erklärt aber hinlänglich orientirt zu sein, um sagen zu können, daß bei den hier vorgeführten Amazonen sich Wahrheit mit Dichtung paare; die Mädchen sind zwar keine Amazonen, stammen jedoch von der Sklavenküste, sind wahrscheinlich dort gekauft und für die Schaustellung gedrillt worden. Dr. Zöller hat zweimal Dahomey durchquert. Unsre Gäste, sagt er, stammen zweifellos von der Sklavenküste, sowohl dem Typus wie der Sprache nach, auch ihre Gesänge zeigen afrikanische Stimmung; aber Dahomey-Amazonen sind sie nicht. Diese sehen ganz anders aus, besitzen eine ganz merkwürdige Gleichförmigkeit des Typus und der Ausbildung der Muskulatur, weil sie aus gefangenen Kindern herangezogen und gedrillt werden. Sie erscheinen als eine wirkliche Elitetruppe. Die hier vorgeführten Amazonen haben einen verschiedenen Typus und eine andere Ausrüstung; die Dahomey-Amazonen machten den Eindruck eines wohlgeschulten Balletcorps, führten Streitäxte und sangen patriotische Lieder; ihre Uniformen sind viel luxuriöser (Sammetleibchen). Sie dienen vom 15. bis zum 20. Jahre, werden dann Fetischpriesterinnen oder vom König an seine Beamten verschenkt. Was er in Dahomey gesehen, war grundverschieden von der hiesigen Production. Dr. Buchner und Prof. Dr. Rüdinger hoben den hohen Werth derartiger Schaustellungen hervor, die uns Angehörige fremder Völker vor Augen führen, wenn auch einiger Humbug der Anziehungskraft für das große Publicum wegen mit unterläuft. Prof. Dr. Rüdinger theilte noch mit, daß bei der hier verstorbenen Amazone eine Anzahl wichtiger primärer Gehirnwindungen secundär geblieben war.
Allgemeine Zeitung Nr. 361. München; Donnerstag, den 29.12.1892.

#38 – 11 – 1 (Kühlwein · Wölzl)
Familien-Grabstätte.
Ferdinand Wölzl.
geb. 31. October 1885,
gest. 14. Juni 1892.
Frau
Babette Kühlwein,
kgl. Oberpostraths-Gattin
geb. den 17. Januar 1833,
gest. den 8. Juni 1900.
Herr
Ernst Kühlwein,
kgl. Oberpostrath a. D.
geb. den 15. Juni 1827,
gest. den 22. Januar 1907.
Dr. h. c. Gotthard Wölzl,
Rechtsrat
geb. 5. Juni 1851,
gest. 29. Februar 1932.
- Kühlwein, Babette (vh); 17.1.1833 – 8.6.1900; Oberpostrats-Gattin
- Kühlwein, Ernst; 15.6.1827 – 22.1.1907; Königlicher Oberpostrat a. D.
- Wölzl, Ferdinand; 31.10.1885 – 14.6.1892
- Wölzl, Gotthard, Dr. h. c.; 5.6.1851 (München) – 29.2.1932 (München); Rechtskundiger Magistratsrat


#38 – 11 – 7 (Pram-Henningsen)
Christian
Pram-Henningsen
Kunstmaler
† 24. Mai 1892.
46. Jahre alt.
Ruhe sanft!
38.11.7. Burlein.
- Pram-Henningsen, Christian; 19.11.1846 (Kopenhagen) – 24.5.1892 (München); Genremaler


#38 – 11 – 8 (König · Reinhardt)
Hier ruht
Frau Marie König
geb. Briede
Kaufmannsgattin,
geb. 30. April 1836, gest. 23. August 1892.
Ihr folgte ihr treuer Gatte
Herr Vitus König
geb. 15. Juni 1841, gest. 6. März 1909.
Frau Auguste König, geb. Heymann
geb. 23. Febr. 1839, gest. 23. Febr. 1917.
Ruhet in Frieden!
Sockel
Unsere unvergessliche Gattin u. Mutter
Frau Amalie Reinhardt, geb. König,
geb. 18. Juni 1866, gest. 8. März 1930.
Mein lieber Vater
Herr Otto Reinhardt
geb. 23. Juni 1860, gest. 13. Febr. 1931.
38.11.8. Schneider.
- König, Auguste (vh) / Heymann (gb); 23.2.1839 – 23.2.1917
- König, Marie (vh) / Briede (gb); 30.4.1836 – 23.8.1892; Kaufmanns-Gattin
- König, Vitus; 15.6.1841 – 6.3.1909; Kaufmann
- Reinhardt, Amalie (vh) / König (gb); 18.6.1866 – 8.3.1930
- Reinhardt, Otto; 23.6.1860 – 13.2.1931


#38 – 11 – 26 (Pöllmann)


#38 – 12 – 4 (Braun · Läuterer · Weiss)
Hier ruhet in Frieden
mein teurer Gatte
Alfred Laeuterer
Musikalienhändler
gest. 22. Jan. 1892 im 32. Lebensjahre.
Georg Curt Braun
geb. 25. Dez. 1893 gest. 1. Sept. 1895.
Regina Weiss
geb. Metzger
geb. 14. Mai 1833 gest. 28. Sept. 1909.
Schwarz
- Braun, Georg Kurt; 25.12.1893 – 1.9.1895
- Läuterer, Alfred; – 22.1.1892, 31 Jahre alt; Musikalienhändler
- Weiss, Regina (vh) / Metzger (gb); 14.5.1833 – 28.9.1909


#38 – 12 – 5 (Ducrue)
Familien-Grab.
August Ducrue,
Kgl. Schulrat und Gymnasial-
Professor a. D.
gest. am 24. November 1893.
Josephine Ducrue,
Schulrats – Gattin,
gest. am 22. November 1917.
- Ducrue, August; – 24.11.1893; Königlicher Schulrat und Gymnasialprofessor a. D.
- Ducrue, Josefine (vh); – 22.11.1917; Schulrats-Gattin


#38 – 12 – 10 (Larisch)


#38 – 12 – 11 (Schöberle)
Hier ruhen in Frieden
Herr
Oskar Schöberle
geb. 19. März 1860, gest. 30. Dez. 1886.
Herr
Joh. Georg Schöberle
geb. 24. April 1826, gest. 6. Okt. 1888.
Herr
Josef Schöberle
geb. 11. Juni 1861, gest. 31. Dez. 1889.
Hansi Schöberle
geb. 14. Juni 1902, gest. 8. Dez. 1902.
Frau
Ernestine Schöberle
geb. 15. Dez. 1824, gest. 8. April 1903.
Lilli Schöberle
geb. 18. Septbr. 1900, gest. 26. Oktbr. 1905.
Heiligensetzer
- Schöberle, Ernestine (vh); 15.12.1824 – 8.4.1903
- Schöberle, Hansi; 14.6.1902 – 8.12.1902
- Schöberle, Joh. Georg; 24.4.1826 – 6.10.1888
- Schöberle, Josef; 11.6.1861 – 31.12.1889
- Schöberle, Lilli; 18.9.1900 – 26.10.1905
- Schöberle, Oskar; 19.3.1860 – 30.12.1886


#38 – 12 – 21 (Arnold)
Hier ruhet in Gott
unser innigstgeliebter Gatte und Vater
Herr
Georg Friedrich Arnold
früher Kgl. Hof Apotheker in Ansbach
geb. 28. April 1827 gest. 1. Dez. 1892.
An seiner Seite ruht
die treue Lebensgefährtin
Frau Babette Arnold
geb. Geisendörfer,
geb. 14. April 1829 gest. 30. Novbr. 1893.
Beide tiefbetrauert von den
hinterbliebenen Kindern.
Ruhet sanft!
Sockel
Arnold'sche
Familien-Grabstätte.
Linke Seite
Heiligensetzer 38.12.21.
- Arnold, Babette (vw) / Geisendörfer (gb); 14.4.1829 – 30.11.1893; Hofapothekers-Witwe
- Arnold, Georg Friedrich; 28.4.1827 – 1.12.1892; Ehemaliger Hofapotheker


#38 – 12 – 24 (Neidlein)
MICH. NEIDLEIN
¿
ANNA NEIDLEIN
¿
KARL NEIDLEIN
¿
- Neidlein, Anna
- Neidlein, Karl
- Neidlein, Michael; – (14).4.1887 (München), 49 Jahre alt; Hausbesitzer





#38 – 13 – 1 (Bentzel-Sternau)
Hier ruht
Ludwig Graf von Bentzel-Sternau
kgl. bay. u. grossherz. hess. Kämmerer u. pens. char.
Generallieutenant,
Ritter des Verdienst Ordens der bayer. Krone
Comthur d. Verdienst Ordens vom hl. Michael
Ehrenkreuz des Ludwig Ordens Inhaber des
Veteranen u. Militär Denkzeichens Ritter d. k. k.
franz. Ehrenlegion u. Comthur II. Cl. d. grossherz.
hess. Verdienst Ordens Philipp d. Grossmüthigen
geb. den 18. April 1794 gest. den 12. Februar 1868.
R. I. P.
A. Sickinger.
Tafel
Catinka
Gräfin von Bentzel-Sternau
geb. Freiin von Schrottenberg
geb. 6. Febr. 1825, gest. 22. Apr. 1894.
Der vielgeliebten, theueren,
in fünfzigjähriger glücklicher Ehe
verbundenen Gattin folgte
Alois Ludwig Emil
Graf von Bentzel-Sternau
geb. 3. April 1822, gest. 16. März 1899.
Ruhet in Frieden!
- Bentzel-Sternau, Alois Ludwig Graf von; 3.4.1822 (Neuburg) – 16.3.1899 (München), Postmeister a. D. und Kammerjunker
- Bentzel-Sternau, Katinka Gräfin von (vh) / Schrottenberg, Freiin von (gb); 6.2.1825 (Bamberg) – 22.4.1894 (München)
- Bentzel-Sternau, Ludwig Graf von; 18.4.1794 (Neuburg) – 12.2.1868 (Berg); Generalleutnant und Kämmerer






#38 – 13 – 2·3 (Hefner-Alteneck)
DR. JAKOB HEINRICH v. HEFNER-ALTENECK
DIREKTOR D. BAYER. NATIONALMUSEUMS
1811 – 1903
- Hefner-Alteneck, Elise von (vh) / Pauli (gb); 1.10.1818 – 31.5.1887
- Hefner-Alteneck, Emil von; 23.4.1840 – 14.8.1871; Oberleutnant
- Hefner-Alteneck, Franz von; 28.8.1838 – 14.4.1874; Landgerichtsassessor
- Hefner-Alteneck, Jakob Heinrich von, Dr. phil.; 20.5.1811 (Aschaffenburg) – 19.5.1903 (München); Kunsthistoriker, Kulturhistoriker und Direktor des Bayerischen Nationalmuseums


#Dr. phil. Jakob Heinrich von Hefner-Alteneck
* 20.5.1811 (Aschaffenburg)
† 19.5.1903 (München)
Kunsthistoriker, Kulturhistoriker und Direktor des Bayerischen Nationalmuseums
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Hefner-Alteneck Jakob Heinrich, Dr. phil., von, 1822 (Aschaffenburg) – 1903, Kunst- und Kulturhistoriker, Professor, Generalkonservator und Direktor des Bayerischen Nationalmuseums; er erhielt eine wesentlich künstlerische Erziehung und studierte Kunstgeschichte, besonders des Mittelalters; 1835 wurde er Professor der Zeichnungskunde, 1853 Konservator der vereinigten Kunstsammlungen zu München und 1868 Generalkonservator der Kunstdenkmale Bayerns und Direktor des Bayerischen Nationalmuseums; H., auch Mitglied der BAkdW, hat sich vor allem um die Erforschung des mittelalterlichen Handwerks- und Kostümwesens und um die Entwicklung des Bayerischen Nationalmuseums verdient gemacht.
Hauptwerke: Beitrag zur Geschichte der deutschen Goldschmiedekunst, besonders während des 16. Jahrhunderts, Trachten des christlichen Mittelalters (3 Bde.), Kunstwerke und Gerätschaften des Mittelalters und der Renaissance, Die Burg Tannenberg und ihre Ausgrabungen, Hans Burgkmaiers Tournierbuch, Eisenwerke und Ornamente der Schmiedekunst des Mittelalters und der Renaissance, Lebenserinnerungen; sein Sohn Friedrich von H.-A., 1845–1904, gest. zu Biesdorf bei Berlin, erfand den Trommelanker für dynamoelektrische Maschinen, die Differentiallampe und machte sich durch Angabe der ersten praktischen Lichteinheit (Hefner-Kerze) verdient.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#38 – 13 – 8 (Burg · Heinrich)


#38 – 13 – 10 (Bressensdorf · Engel)
Hier ruht
die treueste Mutter
Frau
Auguste von Bressensdorf
geb. von Bary,
geb. 6. Juni 1811, gest. 11. Juni 1879
sowie ihr Sohn
Herr
Robert von Bressensdorf
K. bayr. Major a. D.
geb. 11. Juni 1839 – 18. Okt. 1916
Sockel-Tafel
Hier ruht
Frau
Stefanie v. Breßensdorf
geb. von Hofstetten
* 24.5.1848 † 9.1.1924.
- Bressensdorf, Auguste von (vh) / Bary, von (gb); 6.6.1811 – 11.6.1879
- Bressensdorf, Robert von; 11.6.1839 – 18.10.1916; Königlich bayerischer Major a. D.
- Bressensdorf, Stefanie von (vh) / Hofstetten, von (gb); 24.5.1848 – 9.1.1924
- Engel, Anton; – 2.9.1871 (München), 26 Jahre alt, Tod durch Sturz vom Hausdach; Malergehilfe



#38 – 13 – 12·14 (Kreusser)
FRANZ FREYHERR von KREUSSER
geb. zu London 21. Dez. 1814. gest. zu München 3. Jan. 1870
REBECCA seine Ehefrau, geb. RICKETTS,
geb. 20. Dez. 1820, gest. 22. Sept. 187¿.
Betet auch für deren Kinder:
KONRAD FREYHERR v. KREUSSER
geb. 1851. † 1906 zu London & dort begraben.
EDITHA FREYIN v. KREUSSER,
geb. 1840, † 1919.
RALF FREYHERR v. KREUSSER
k. b. Oberstleutnant a. D.
geb. 23. Jan. 1847, † 27. Jan. 1918.
BLANKA MARIA FREIIN v. KREUSSER
Hofdame W. I. M. Königin Marie von Bayern
geb. 14. Novbr. 1889, gest. zu Füssen 30. Septbr. 1918
ETHELBERTA FREIIN v. KREUSSER
geb. 30. Juli 1842, gest. zu Fischbachau 10. Juli 1926
FREYHERR M. ANTON v. KREUSSER
Oberregierungsrat a. D.
geb. z. Mch. 1863, gest. z. Fischbachau 12.11.1932
- Kreusser, Blanka Maria Freiin von; 14.11.1889 – 30.9.1918 (Füssen); Hofdame
- Kreusser, Editha Freiin von; 1840 – 1919
- Kreusser, Ethelberta Freiin von; 30.7.1842 – 10.7.1926 (Fischbachau)
- Kreusser, Franz Freiherr von; 21.12.1814 (London) – 3.1.1870 (München)
- Kreusser, Konrad Freiherr von [in memoriam]; 1851 – 1906 (London)
- Kreusser, M. Anton Freiherr von; 19.9.1863 (München) – 12.11.1932 (Fischbachau); Oberregierungsrat a. D.
- Kreusser, Ralf Freiherr von; 23.1.1847 – 27.1.1918; Königlich bayerischer Oberstleutnant a. D.
- Kreusser, Rebecca Freifrau von (vw) / Ricketts (gb); 20.12.1820 – 22.9.187¿



#38 – 13 – 15·16 (Schoch)
Karl Schoch
Oberst
im k. b. General-Quartiermeisterstab
geb. 24. April 1824, gest. 9. Mai 1868,
seine Gattin
Frau Marie Schoch
geb. Heymann
geb. 1. Septbr. 1833, gest. 22. März 1922,
ihre Tochter
Frl. Anna Schoch
geb. 19. Juli 1859, gest. 20. Okt. 1922.
- Schoch, Anna; 19.7.1859 – 20.10.1922; Oberst-Tochter
- Schoch, Karl; 24.4.1824 – 9.5.1868 (München); Oberst
- Schoch, Marie (vh) / Heymann (gb); 1.9.1833 – 22.3.1922; Oberst-Witwe



#38 – 13 – 17 (Köhler)
Ruhestätte
der
Familie Köhler.
- Köhler, Franz; – 1885 (München); Oberkondukteurs-Sohn


#38 – 13 – 22 (Hornig)
FAMILIENGRAB
Sanft ruhen hier:
Ehrenfried Hornig
Königl. Stallmeister
geb. d. 14. Novb. 1807, gest. d. 27. Novb. 187¿
Caroline Hornig
geb. d. 28. Octob. 18¿, gest. d. 13. Januar ¿
Adolf Hornig,
geb. d. 3. November 1809, gest. d. ¿ Oktober 18¿
Frau Anna von Hornig,
geb. d. 10. Juli 1847, gest. d. 11. April 1911
Richard von Hornig,
Kgl. I. Stallmeister
geb. d. 10. September 1841,
gest. d. ¿ August 1911.
- Hornig, Adolf; 3.11.1809 – ¿.10.18¿
- Hornig, Anna von (vh) / Huber (gb); 10.7.1847 – 11.4.1911; Buchhalters-Tochter aus München / Stallmeisters-Gattin
- Hornig, Ehrenfried; 14.11.1807 – 27.11.1871; Königlicher Stallmeister
- Hornig, Karoline; 28.10.18¿ – 13.1.¿
- Hornig, Richard von; 10.9.1841 (Basedow/Mecklenburg) – 2.8.1911 (Rohrenfeld a. D.); Königlicher I. Stallmeister



#Richard von Hornig
* 10.9.1841 (Basedow/Mecklenburg)
† 2.8.1911 (Rohrenfeld a. D.)
Königlicher I. Stallmeister
#Schloß Herrenwörth, das bayerische Versailles in Wort und Bild (1887)
Stallmeister Hornig.
Richard Hornig, im Jahre 1841 zu Basedow in Mecklenburg als der Sohn des Graf Hahn'schen Stallmeisters Ehrenfried Hornig geboren, kam schon als Knabe nach München, da sein Vater vom König Max II. als Bereiter (später Stallmeister) in den bayer. Hofmarstalldienst berufen wurde.
Bereits im Jahre 1862 trat er als Eleve in den kgl. Marstalldienst, wurde 1864 Scholar, 1866 Bereiter, 1869 Oberbereiter und 1871 Stallmeister extra statum. Zur Zeit ist er der einzige dienstthuende Stallmeister beim Oberst-Stallmeisterstabe.
Am 11. Mai 1867 machte Hornig, nachdem er bei der im Herbste 1866 vom König gemachten Rundreise durch die damals vom Kriege heimgesuchten fränkischen Provinzen Bayerns als Bereiter dienstlich verwendet gewesen, zum ersten Male persönlichen Dienst bei seinem Monarchen, indem er ihn bei einem längeren Spazierritte von Schloß Berg aus begleiten durfte.
Seit dieser Zeit war Hornig bis zu seiner im Jahre 1885 anbefohlenen Rückbeorderung in den kgl. Marstalldienst der stete Begleiter des Königs Ludwig II. bei allen Fahrten und Ritten mit Ausnahme der ihm alljährlich gewährten 3monatlichen Ruhepause.
Während dieser 18jährigen persönlichen Dienstleistung war Stallmeister Hornig auch quasi der Privat-Sekretair des Königs. Es ward ihm die gesammte Korrespondenz anvertraut, welche wegen der Privatbauten des Königs mit dem eigenen Baubureau sowohl, als mit auswärtigen Anstalten, Künstlern, Ministern etc. gepflogen werden mußte.
Der König übertrug seinem Stallmeister auch noch andere Kommissionen, welche Herkommen gemäß mit dem Marstalldienste nichts zu thun hatten. Er schickte ihn zweimal nach Neapel, um die blaue Grotte zu studiren, weil deren Ebenbild auf Linderhof nie das richtige »Blau« von sich gab; er sendete ihn mehrmals nach Paris, um seltene Vasen, Büsten und Teppiche auszusuchen und beauftragte ihn, gleichzeitig mit dem Hofbaudirektor v. Dollmann die »Wartburg« an Ort und Stelle zu studiren, da dieselbe für Neuschwanstein als Modell zu stehen hatte.
Nachdem im Jahre 1885 durch die in der Kabinetskasse hervorgetretene Geldklemme selbstverständlich das Bauen und Ausbauen schon ins Stocken gerieth, fiel Stallmeister Hornig bei seinem Königlichen Herrn in Ungnade, weil mehrere festgesetzte Termine beim Baue der Schlößer nicht eingehalten wurden.
Stallmeister Hornig ist ein feingebildeter Mann von fast zu sagen »vornehmen« Manieren, und es läßt sich gar nicht Wunder nehmen, daß König Ludwig II. seinerzeit an dem jungen Manne Gefallen fand. Hornig ist verheirathet und glücklicher Familienvater.
J. L. Craemer: Schloß Herrenwörth, das bayerische Versailles in Wort und Bild. München, 1887.

#38 – 13 – 24 (Lange)
Ludwig Lange
Professor der Architektur
an der kgl. Akademie der Künste
in München u. kgl. griechischer Baurat
geb. 22. März 1808, gest. 31. März 1868.
dessen Gattin Antonie geb. Hoffmann
geb. 28. August 1812, gest. 15. April 1878.
Geh. Hofrat
Emil von Lange
Architekt u. Dircktor der k. Kunstgewerbeschule
geb. 15. November 1841, gest. 2. Dezember 1926.
dessen Gattin Marie von Lange
geb. Leimbach
geb. 9. Januar 1851, gest. 24. Mai 1935.
- Lange, Antonie (vw) / Hoffmann (gb); 28.8.1812 – 15.4.1878; Architektens-Witwe
- Lange, Emil von; 15.11.1841 (Darmstadt) – 2.12.1926 (München); Architekt, Kunsthistoriker, Schriftsteller und Direktor der Kunstgewerbeschule München
- Lange, Ludwig; 22.3.1808 (Darmstadt) – 31.3.1868 (München); Akademieprofessor und Baurat
- Lange, Marie von (vw) / Leimbach (gb); 9.1.1851 – 24.5.1935; Architektens-Witwe


#Emil von Lange
* 15.11.1841 (Darmstadt)
† 2.12.1926 (München)
Architekt, Kunsthistoriker, Schriftsteller und Direktor der Kunstgewerbeschule München
#Biographisches Künstler-Lexikon der Gegenwart (1882)
Lange, Emil, Architekt, geb. 15. Nov. 1841 zu Darmstadt, Sohn und Schüler des 1868 verstorbenen Architekten Ludwig L., besuchte die Akademie in München und ging nach Paris, wo er Schüler von Questel wurde. Dann machte er Studienreisen in Frankreich, Italien und Deutschland, wurde 1868 Professor der Architektur an der Kunstgewerbschule zu München und 1875 Direktor derselben. Unter seinen ersten Arbeiten verdient ein treffliches Projekt zu einem Senatssaal genannt zu werden (1862). Bei mehreren Konkurrenzen trug er Preise davon. In München errichtete er an monumentalen Bauten die Kunstgewerbschule und die Industrieschule. Mit Joseph Bühlmann gab er 1867 das sehr verdienstliche Werk »Die Anwendung des Sgraffito für Fassadendekoration« heraus.
Biographisches Künstler-Lexikon der Gegenwart von Dr. Hermann Alex. Müller; Leipzig; Verlag des Bibliographischen Instituts 1882.
#Ludwig Lange
* 22.3.1808 (Darmstadt)
† 31.3.1868 (München)
Akademieprofessor und Baurat
#Kunstvereins-Bericht für 1868 (1869)
Nekrologe.
Ludwig Lange,
Professor der Architektur an der k. Akademie der bildenden Künste und k. griechischer Baurath, Ritter des k. bayer. Michaelordens und des k. griechischen Erlöserordens, geboren zu Darmstadt am 22. März 1808, war der Sohn eines hessischen Stabsauditors. In zahlreicher Familie aufgewachsen, entwickelte sich neben mancherlei geistiger Anregung in ihm frühzeitig der Drang zur Kunst, den der begabte und aufgeweckte Knabe zunächst an landschaftlichen Zeichnungen der Umgegend seiner Vaterstadt bethätigte. Aneignung wissenschaftlicher Kenntnisse, sowie Lange’s mehr und mehr vortretende Neigung zu rhytmischer Formengestaltung führten ihn bald auf das seinem Talente mehr zusagende Feld der Architektur, in der er den ersten Unterricht unter Lerch und Möller genoß. Auf seinen Reisen als Zeichner für das Bilderwerk »Originalansichten deutscher Städte« kam er 1832 nach München, wo er sich bald der Gunst und Freundschaft des damaligen Künstlerkreises zu erfreuen hatte; insbesondere wurden für Lange die innigen Beziehungen zu Karl Rottmann von wohlthätigstem Einfluße. Als Letzterer gemäß seines hohen Auftrages 1834 die Kunstreise nach Griechenland antrat, wurde Lange sein Begleiter.
Der klassische Boden fesselte den für die Kunst der Griechen Begeisterten auf mehrere Jahre an sich, die Lange in der bescheidenen Stellung als Zeichnenlehrer am Gymnasium zu Athen zubrachte.
Zur Heimat 1838 zurückgekehrt, ließ er sich dann in München häuslich nieder, und erhielt nachdem er mehrfach mit Entwürfen hervorgetreten war, die ihm die besondere Aufmerksamkeit II. MM. der höchstseligen Könige Ludwig und Max zuwandten, 1847 die Professur der Baukunst an der Akademie. Sein hoher Schönheitssinn, das feine Stylgefühl und eine gefällige Verbindung der Architektur mit Plastik und Malerei, kurz das ästhetische Moment, machten Lange für diese Stelle ganz zur geeigneten Persönlichkeit, und die zahlreichen Schüler, die er von Jahr zu Jahr um sich hatte, werden stets mit dankbarer Freude des Mannes gedenken, der durch seine eigene Begeisterung für das Ideale lebenerweckend auch auf sie wirkte.
Wie er die Architektur mit der Landschaft verband, zeigt die Villa, die er in Berchtesgaden für König Max ausführte; wie er materiellen und ästhetischen Bedürfnissen eines Gebäudes nachzukommen, Zweck und Charakter eines Bauwerkes nach Innen und Außen zu berücksichtigen verstand, davon gibt sein mustergültiges Museum in Leipzig das beste Zeugniß. Das Zweckmäßige, das Wohnliche und Behagliche suchte Lange in seinen Werken mit dem malerisch Anmuthigen zu vereinen. Seine architektonischen Plane berücksichtigten die Mitwirkung der Schwesterkünste für Vollendung des Ganzen.
In rastloser Thätigkeit sahen wir Lange seit einer Reihe von Jahren mit größeren architect. Concurrenz-Arbeiten hervortreten, die fast sämmtlich als preisgekrönt, das hohe Talent ihres Schöpfers bekundeten.
Eine heftige Lungenentzündung, die Lange im Frühjahre 1867 befiel, sollte trotz seiner sonst so rüstigen starken Körperkonstitution unheilvolle Folgen haben. Umsonst suchte Lange das milde Klima Südtyrols und Italiens auf, das Leiden war nicht mehr zu bewältigen. Während seines langen Krankseins noch immer thätig, war er bemüht, seine hoffnungslose Lage durch Begeisterung für Ideale der Kunst zu vergessen.
Lange war eine großartige edle Künstlernatur; sein am 31. März 1868 erfolgter Tod raubte seiner Familie den liebevollen Gatten und Vater, seiner Schule den eifrigen Lehrer, seinen Freunden und überhaupt der Münchner Künstlerwelt einen ihrer würdigsten Genossen.
Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München während des Jahres 1868. München, 1869.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Lange Ludwig, 1808 (Darmstadt) – 1868, Architekt und Akademieprofessor; Bruder des Landschaftsmalers Julius L., lernte L. in Darmstadt, studierte in Gießen und unternahm größere Studienreisen; 1834 begleitete er K. Rottmann nach Griechenland und blieb in Athen, wo er Zeichenlehrer am Gymnasium wurde; 1838 ließ sich L. in München nieder, seit 1847 war L. Professor der Baukunst.
Hauptwerke: Villa des Königs Max I. in Berchtesgaden und das Museum zu Leipzig; sein Entwurf zu einem archäologischen Museum in Athen wurde erst 1866 ausgeführt; in den »Werken der höhern Baukunst« veröffentlichte L. eine Sammlung seiner vielen Entwürfe.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#38 – 13 – 34 (Pranckh)
Freiherr von Prankh’sches
Familiengrab.
Sigmund Lothar Gottlieb
Freiherr von Prankh,
k. b. Kämmerer, General d. Infanterie
Generalcapitaine Staatsrat etc.
geb. 3. Dezbr. 1821. gest. 8. Mai 1888.
Josefa Freifrau von Prankh,
geb. 28. Mai 188¿, gest. 14. Septbr. 1915.
Liegestein
Die Inschrift ist nicht erhalten
- Pranckh, Anna Freifrau von (vw) / Thomas (gb); 11.4.1798 – 3.7.1867 (München); Kämmerers-Witwe
- Pranckh, Josefa Freifrau von; 28.5.188¿ – 14.9.1915
- Pranckh, Lothar von; 19.9.1860 – 21.7.1867 (München); Kriegsministers-Sohn
- Pranckh, Ludwig von; 7.2.1855 – 6.11.1855
- Pranckh, Siegmund Hieronymus von; 30.9.1768 – 28.3.1831; Kämmerer und Oberstleutnant a la suite
- Pranckh, Sigmund Lothar Gottlieb Freiherr von; 5.12.1821 (Altötting/Obb.) – 8.5.1888 (München); Bayerischer Kriegsminister, Kämmerer, Staatsrat und General



#Sigmund Lothar Gottlieb Freiherr von Pranckh
* 5.12.1821 (Altötting/Obb.)
† 8.5.1888 (München)
Bayerischer Kriegsminister, Kämmerer, Staatsrat und General
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Pranckh Sigmund, von, Freiherr, 1821 (Altötting/Obb.) – 1888, Generalkapitän und bayerischer Kriegsminister; P. trat 1834 ins bayerische Kadettenkorps ein und wurde nach einigen militärischen Posten im Ingenieurkorps, beim Genie-Regiment, im Kriegsministerium und Generalquartiermeisterstab bayerischer Kriegsminister (1866–1875), sein höchster Dienstgrad war Generalkapitän der Leibgarde der Hartschiere; als Kriegsminister reorganisierte P. das bayerische Heer, sorgte für Verpflegung und Nachschub nach den Verlusten des Deutsch-Französischen Kriegs und schloß 1871 im Großen Hauptquartier die Versailler Verträge ab; wiederholt gelang es ihm, den Widerstand der Mehrheit des bayerischen Landtags zu brechen, so setzte er auch die Wehrpflicht nach dem Muster derjenigen des Norddeutschen Bundes durch; Ps. Name ist eng verbunden mit der Geschichte des bayerischen Militärwesens.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.