SECTION 32

- 32 – 1 – 1 (Dengler)
- 32 – 1 – 2·3 (Aidlsburger)
- 32 – 1 – 4·5 (Kanzler)
- 32 – 1 – 8 (Herwagen)
- 32 – 1 – 9 (n. n.)
- 32 – 1 – 12·13 (Ammann)
- 32 – 1 – 15 (Horn)
- 32 – 1 – 16·17 (Voltz)
- 32 – 1 – 21 (Seydel)
- 32 – 1 – 22·23 (Stengel)
- 32 – 1 – 25 (Schwabe)
- 32 – 1 – 30·31 (Balbier · Spielberger)
- 32 – 2 – 2 (Mayerhofer · Müller)
- 32 – 2 – 4 (Kobler)
- 32 – 2 – 8 (Rupp)
- 32 – 2 – 13 (Hofmann)
- 32 – 2 – 14 (Weber)
- 32 – 2 – 18 (Wirth)
- 32 – 2 – 21 (Flossmann)
- 32 – 2 – 22 (Meggendorfer)
- 32 – 2 – 25 (Böck · Hemmerich · Stützinger)
- 32 – 2 – 26 (Birklein)
- 32 – 2 – 27* (Panzer)
- 32 – 2 – 28 (Ellmann · Koller)
- 32 – 2 – 30 (Götz)
- 32 – 2 – 31 (Bieber · Kaffel)
- 32 – 3 – 5 (Schremser · Sellmaier · Zeh)
- 32 – 3 – 14 (Westenberger)
- 32 – 3 – 15 (Fischer)
- 32 – 3 – 16·17 (Horn)
- 32 – 3 – 18 (Brand · Mayer · Schmidt)
- 32 – 3 – 30 (Fischbach)
- 32 – 3 – 34 (Aigner)
- 32 – 4 – 2 (Oberländer)
- 32 – 4 – 4 (Lange)
- 32 – 4 – 14 (Deischl · Petz · Thum)
- 32 – 4 – 15 (Riess)
- 32 – 4 – 20 (Brunner · Pöppel)
- 32 – 4 – 23 (Würth)
- 32 – 4 – 27 (Kiefl)
- 32 – 5 – 7 (n. n.)
- 32 – 5 – 10 (n. n.)
- 32 – 5 – 12 (Werner)
- 32 – 5 – 15* (Buchwieser)
- 32 – 5 – 18 (Schneider)
- 32 – 5 – 19 (n. n.)
- 32 – 5 – 32 (Widmann)
- 32 – 6 – 8 (Meier)
- 32 – 6 – 18 (Lederer · Moock)
- 32 – 6 – 19 (Engelhardt)
- 32 – 6 – 20 (Köller · Zugschwert)
- 32 – 6 – 24 (Reiser · Weinzierl)
- 32 – 6 – 25 (Fugger)
- 32 – 6 – 30 (Wallmüller)
- 32 – 6 – 31 (Rohrbacher · Sturm)
- 32 – 7 – 3 (Hundhammer · Wesenauer)
- 32 – 7 – 4·5 (Faber · Stockum Sternfels)
- 32 – 8 – 1 (Schachner)
- 32 – 8 – 3·4* (Heres)
- 32 – 8 – 2 (Schwarzmaier)
- 32 – 8 – 4·5 (Löffelholz von Colberg)
- 32 – 8 – 6·7 (Riedel)
- 32 – 8 – 8* (Cöster)
- 32 – 8 – 10 (Mayr)
- 32 – 8 – 18 (Hammer)
- 32 – 8 – 20 (n. n.)
- 32 – 8 – 23 (Keilhofer)
- 32 – 9 – 10·11 (Strauß)
- 32 – 9 – 14 (Lautenschlager)
- 32 – 9 – 23 (Scherm)
- 32 – 9 – 32 (Ortloph)
- 32 – 9 – 33 (Tobler)
- 32 – 10 – 13 (Liesinger)
- 32 – 10 – 20 (Neukam)
- 32 – 10 – 22 (Huber · Zeiss)
- 32 – 11 – 10 (Haag · Westermaier)
- 32 – 11 – 14 (Eder · Heilmann)
- 32 – 11 – 15·16 (Pfaffenzeller)
- 32 – 11 – 21 (Selmayer)
- 32 – 11 – 22 (Gutscher)
- 32 – 11 – 23 (Steinhäusser)
- 32 – 11 – 27 (Pestalozza)
- 32 – 11 – 28·29 (Brunthaler)
- 32 – 11 – 30* (Oehlschläger)
- 32 – 11 – 32 (Widmann)
- 32 – 12 – 10·11* (Mair · Zandt)
- 32 – 12 – 12 (n. n.)
- 32 – 12 – 13 (Schimon · Seebach)
- 32 – 12 – 14·15 (Laubmann · Trentini)
- 32 – 12 – 16 (Bienenthal)
- 32 – 12 – 19·20 (n. n.)
- 32 – 12 – 21 (Fleischmann)
- 32 – 12 – 28 (Frommel · Steinle)
- 32 – 12 – 29·30 (Schuster · Zenetti · Zipperer)
- 32 – 12 – 31·32 (Reitmaier · Sendtner)
- 32 – 12 – 33 (Geiger · Ortner)

#32 – 1 – 1 (Dengler)
Hier ruhet
Herr Johann Dengler
Privatier
geboren den ¿9. November 18¿
gestorben den ¿ Februar 1866.
¿
- Dengler, Johann; ¿.11.1815 – 25.2.1866 (München); Privatier, ehemaliger Brauereibesitzer aus Wien



#32 – 1 – 2·3 (Aidlsburger)
In Gott ruhen
Herr Markus Aidlsburger
Rentner
1836 – 1916.
Frau Cäcilie Aidlsburger
Rentnerswitwe
1846 – 1925.
Ihnen gingen voraus:
Frau Anna Aidlsburger
1839 – 1866
deren Kind Anna, 1865 – 1871.
Frau Therese Aidlsburger
1848 – 1872.
Herr Ludwig Aidlsburger
1861 – 1895.
R. I. P.
32.1.2. Heiligensetzer.
- Aidlsburger, Anna (vh) / Schmidbauer (gb); 1839 – 15.4.1866 (München); Tafernwirts-Gattin
- Aidlsburger, Anna; 1865 – Oktober 1871 (München); Gastwirts-Tochter
- Aidlsburger, Cäcilie (vw) / Deyerl (gb); 1846 – 6.4.1925 (München); Rentners-Witwe
- Aidlsburger, Ludwig; 1861 – 24.1.1895 (München)
- Aidlsburger, Markus; 1836 – 1916; Rentner
- Aidlsburger, Therese (vh) / Berger (gb); 1848 – 10.12.1872 (München); Gastwirts-Gattin





#32 – 1 – 4·5 (Kanzler)


#32 – 1 – 8 (Herwagen)


#32 – 1 – 9 (n. n.)


#32 – 1 – 12·13 (Ammann)
Hier erwartet die Auferstehung
meine geliebte Gattin, unsere unvergessliche Mutter
Frau Hofrat Ellen Ammann
geb. Sundström,
M. d. L., Vorsitzende des K. F. B.
geb. Stockholm 1.VII.1870, † München 23.XI.1932
und ihr treuer Gatte, unser lieber Vater
Herr Hofrat Dr. Ottmar Ammann
Spezialarzt für Orthopädie – Oberstabsarzt d. R. a. D.
geb. Niederpöcking 8.VIII.1861, † München 4.VIII.1939.
Dominus dei nobis suam pacem et vitam acternam. Amen!
Grabstätte der Familie Ammann.
Rückseite
Hier ruhen in Gott
der treueste Gatte und beste Vater
Dr. med. Wilhelm Ammann
pract. und Zahn-Arzt dahier
geb. 27. März 1811 zu Straubing gest. 31. Mai 1866 zu München.
Der hoffnungsvolle gute Sohn
Dr. phil. Hugo Ammann
k. Landwehr Lieutnant u. Ritter des Militär Verdienstordens II. Cl.
geb. 24. Dez. 1846, gest. den Heldentod i. d. Schlacht bei Beaugency 8. Dez. 1870.
Die unvergessliche teuerste Mutter
Maria Ammann geb. von Hellingrath
geb. 20. Oktober 1825, gest. 26. April 1888 zu München.
O Herr gib Ihnen die ewige Ruhe
- Ammann, Ellen (vh) / Sundström (gb); 1.7.1870 (Stockholm/Schweden) – 23.11.1932 (München); Abgeordnete der Bayerischen Volkspartei
- Ammann, Hugo, Dr. phil.; 24.12.1846 (München) – 8.12.1870 (Beaugency/Frankreich); Leutnant
- Ammann, Maria (vh) / Hellingrath, von (gb); 20.10.1825 – 26.4.1888 (München)
- Ammann, Ottmar, Dr. med.; 8.8.1861 – 4.8.1939; Hofrat und Orthopäde
- Ammann, Wilhelm, Dr. med.; 27.3.1811 (Straubing) – 31.5.1866 (München); Praktischer Arzt und Zahnarzt





#Ellen Ammann (vh) / Sundström (gb)
* 1.7.1870 (Stockholm/Schweden)
† 23.11.1932 (München)
Abgeordnete der Bayerischen Volkspartei
#Verhandlungen des Bayerischen Landtags (23.11.1932)
Nachruf auf die verstorbene Landtagsabgeordnete Frau Ellen Ammann
(Zum Zeichen der Trauer wird die Sitzung unterbrochen.)
Sehr verehrte Frauen und Herren!
(Die Abgeordneten erheben sich.)
In den Mitgliederkreis dieses Hauses hat der Tod in dieser Nacht eine außerordentlich schmerzliche Lücke gerissen. Das Leben unserer verehrten Kollegin, der Frau Abgeordneten Ellen Ammann, Hofrats- und Arztensgattin, dieses Leben, das köstlich war, weil sein Inhalt Mühe und Arbeit gewesen ist, ist heute nacht um einhalb ein Uhr erloschen. Ein Vorbote des Todes ist ihr gestern in diesem Hause schon begegnet in der Gestalt eines leichteren Schlaganfalls. Nach einer Rede, in der sie, schöpfend aus dem Gedankenschatz einer Frau und Mutter, die sechs Kinder geboren und erzogen und von ihnen vier Söhne dem Vaterland zur Wehr ins Feld geschickt hat, zu einem der brennendsten bevölkerungs- und sozialpolitischen Probleme, dem Problem der kinderreichen Familie sprach, ist sie, von einem Schlagfluß gerührt, aus diesem Saale getragen worden. Kollegen haben sie hinübergebracht in das Zimmer, in dem sie zunächst ruhen sollte, und in menschlicher Hilfsbreitschaft hat ein Mitglied dieses Hauses ihr den ersten ärztlichen Beistand geleistet. Die Wiederholung des Schlaganfalls hat ihren Tod herbeigeführt.
14 Jahre lang hat Frau Ellen Ammann diesem Haus angehört und mit einer vorbildlichen Pflichttreue und einem hingebenden Eifer die Aufgabe einer Abgeordneten erfüllt, für welche sie ein in vielen wissenschaftlichen Studien volkswirtschaftlicher und staatswirtschaftlicher Art gewonnenes und in der großen praktischen Schule sozialcharitativer Arbeit vertieftes und bereichertes Wissen mitgebracht hat.
Aber, meine verehrten Frauen und Herren, nicht bloß der Landtag hat eine hochgeschätzte Mitarbeiterin verloren, sondern auch viele Organisationen des öffentlichen Lebens beklagen in dem Tod der Frau Hofrat Ammann den Verlust einer außerordentlich wertvollen Arbeitskraft, die große katholische Frauenbewegung, der Mädchenschutzverein katholischer Prägung, die städtische Armenpflege, die Kriegerfürsorge und andere Organisationen ähnlicher Art.
In dieser Stunde wendet sich unser aufrichtigstes und tiefstes Mitgefühl der hinterbliebenen Familie, vor allem dem leidgebeugten Gatten zu, der mir heute früh, von furchtbarem Schmerz erfüllt, den Tod seiner Gattin, den Tod der Mutter seiner Kinder angezeigt hat.
Wir werden der verstorbenen Kollegin in voller Würdigung ihrer Persönlichkeit ein dauerndes Andenken, ein Andenken voll Ehre bewahren. Und ich darf als Christ wohl den Wunsch hinzufügen: Möge sie ruhen in dem heiligen Frieden Gottes, dem sie stets eine treue Dienerin gewesen ist!
Da sie aber gewissermaßen in den Sielen parlamentarischer Arbeit gestorben ist – ein gewiß seltener Fall in einem Parlament –, möchte ich dem Hause vorschlagen zum Ausdruck unserer Trauer die Sitzung um 10 Uhr wieder aufzunehmen.
Das Haus ist damit einverstanden.
Sie haben sich zum Zeichen der Trauer von den Sitzen erhoben. Ich danke Ihnen.
(Die Sitzung wird um 9 Uhr 13 Minuten unterbrochen.)
Die Sitzung wird um 10 Uhr 5 Minuten durch den Präsidenten Stang wieder aufgenommen.
Stenographischer Bericht über die Verhandlungen des Bayerischen Landtags. Zehnte öffentliche Sitzung. Mittwoch, den 23. November 1932.
#Dr. phil. Hugo Ammann
* 17.11.1846 (München)
† 7.12.1870 (Beaugency/Frankreich)
Leutnant
#Biographieen der in dem Kriege gegen Frankreich gefallenen Offiziere der Bayerischen Armee (1871)
Landwehr-Unterlieutenant Dr. Hugo Ammann, geboren zu München den 17. November 1847, als der Sohn des praktischen Arztes Dr. Ammann. Er trat am 15. März 1868 als Einjährig-Freiwilliger beim Infanterie-Leib-Regiment ein, wurde den 12. Mai 1869 zum Landwehr-Offiziers-Adspiranten und den 18. Juli 1870 zum Landwehr-Unterlieutenant im 2. Landwehr-Bataillon befördert. Bei Wörth am 30. und 31. August, am 1. September bei Sedan, bei Artenay, bei der Erstürmung von Orleans, in den Tagen des November und Dezember erprobte sich sein Heldenherz. Der 7. Dezember – das Gefecht bei Beaugency – löschte seines Lebens Fackel aus. Seine Brust schmückte das Ritterkreuz II. Classe des Militair-Verdienst-Ordens, das er sich für seine große Tapferkeit bei Sedan erworben hatte. Außerdem wurde er für sein Verhalten bei Wörth belobt. Um ihn trauern nicht nur Eltern und Freunde, auch der Genius der Wissenschaft, er trauert für einen seiner besten Jünger.
Biographieen der in dem Kriege gegen Frankreich gefallenen Offiziere der Bayerischen Armee. Nürnberg, 1871.

#32 – 1 – 15 (Horn)
¿
CARL WILHELM JOSEPH
HORN
k. b. Generalmajor a. D.
geb. den 10ten September 17¿
gest. den 13ten April 1866.
AMALIE HORN
geb. Freiin von S¿-Rautmannsdorf
geb. den 25. December 1798
gest. den 27ten April 1886.
HANS HORN Major a. D.
* ¿.III.18¿ † 19.IV.1919.
Sockel
MARIE HORN geb. Riedel
¿
Rechte Seite
Im Andenken an
ALEXANDER
HORN
¿ Hauptmann im ¿
geb. den 18¿ gefallen bei Orleans
den 11. Okt. 187¿ woselbst er ruht.
- Horn, Alexander [in memoriam]; – 11.10.1870 (Orleans/Frankreich); Hautpmann
- Horn, Amalie (vw) / Schmiel-Rautmannsdorf, von (gb); 25.12.1798 – 27.4.1886; Generalmajors-Witwe
- Horn, Hans; – 19.4.1919; Major a. D.
- Horn, Karl Wilhelm Josef; 10.9.17¿ – 13.4.1866 (München); Generalmajor a. D.
- Horn, Marie (vh) / Riedel (gb)

#Alexander Horn [in memoriam]
† 11.10.1870 (Orleans/Frankreich)
Hautpmann
#Augsburger Anzeigblatt (21.10.1870)
Hauptmann Alexander Horn des hiesigen 3. Infanterie-Regiments fiel am 11. Oktober Nachmittags 4 Uhr in der Vorstadt St. Jean zu Orleans. Die Kugel ging demselben durch beide Schläfe, so daß er augenblicklich todt war. Lieutenant v. Langenmantel berichtet, daß derselbe, bei einem furchtbaren Straßenkampfe den Truppen vorauseilend und sie zum Kampfe anfeuernd, an seiner Seite gefallen sei. Horn wurde am 14. Oktober mit vielen Braven des 3. Inf.-Regiments in Orleans begraben.
Augsburger Anzeigblatt Nro. 290. Freitag, den 21. Oktober 1870.
#Karl Wilhelm Josef Horn
* 10.9.17¿
† 13.4.1866 (München)
Generalmajor a. D.
#Der Bayerische Landbote (19.4.1866)
München, 18. April.
Der Beerdigung des Generalmajors Horn, welche gestern Nachmittags 4 Uhr auf dem Friedhofe stattfand, wohnte die gesammte Generalität, sowie eine große Anzahl Stabs- und Oberoffiziere an. Den militärischen Leichen-Conduct hatte eine Brigade aus drei Bataillonen Infanterie, Cuirassieren und reitender Artillerie formirt, gebildet, die dem Verlebten, der die Feldzüge mitgemacht und deßhalb die Denkzeichen an seiner Brust trug, die üblichen Salven ins Grab gab.
Der Bayerische Landbote No. 109. München; Donnerstag, den 19. April 1866.
#Tag- & Anzeigeblatt für Kempten und das Allgäu (21.4.1866)
Mannigfaltiges.
München, 18. April. Das Leichenbegängniß des am 15. ds. dahier verstorbenen pens. Generalmajors Horn hat gestern Nachmittags unter zahlreicher Theilnahme stattgefunden. Hr. Generalmajor v. Stephan commandirte den Leichenconduct, der aus drei Bataillons Infanterie, zwei Eskadrons Cuirassiere und einer halben Batterie reitender Artillerie mit vier Geschützen bestand.
Tag- & Anzeigeblatt für Kempten und das Allgäu No. 92. Samstag, den 21. April 1866.

#32 – 1 – 16·17 (Voltz)
Antonie von Voltz, geb. Köhler
Staatsraths-Gattin
¿ den 21. September ¿
gestorben den 7. Februar 1866
Ludwig von Voltz
köngl. bayr. Staatsrath
geboren zu Mosbach den 7. Mai ¿
gestorben den 26. März 1872.
- Voltz, Antonie von (vh) / Köhler (gb); 21.9.¿ – 7.2.1866 (München), 65 Jahre alt; Staatsrats-Gattin
- Voltz, Ludwig von; 7.5.1791 – 26.3.1872 (München); Staatsrat



#32 – 1 – 21 (Seydel)
hier ruht
der k. b. o. Professor der Rechte
Geheimrath
DR. MAX VON SEYDEL.
geb. zu Germersheim
den 7. Sept. 1846
gest. zu München
den 23. April 1901.
JOHANNA VON SEYDEL
GEB. ZOELLER
geb. zu Frankenthal
den 7. Febr. 1865
gest. zu München
den 29. Aug. 1917.
- Seydel, Johanna von (vw) / Zöller (gb); 7.2.1865 (Frankenthal) – 29.8.1917 (München)
- Seydel, Max von, Dr. jur. / Schlierbach, Max (ps); 7.9.1846 (Germersheim/Rheinland Pfalz) – 23.4.1901 (München); Dichter und Jurist

#Dr. jur. Max von Seydel / Max Schlierbach (ps)
* 7.9.1846 (Germersheim/Rheinland Pfalz)
† 23.4.1901 (München)
Dichter und Jurist
#Rosenheimer Anzeiger (26.4.1901)
Professor Max v. Seydel †.
Fy. München, 25. April.
Seine k. Hoheit der Prinz-Regent hat an die Wittwe des Universitätsprofessors Dr. von Seydel nachstehendes Handschreiben gerichtet:
Frau Geheimrath von Seydel!
Das Hinscheiden Ihres Gatten, des ordentlichen Universitätsprofessors, Geheimen Raths Dr. Max von Seydel, erfüllt Mich mit tiefem Schmerze. Ich hatte Mich der Hoffnung hingegeben, daß es dem hervorragenden Lehrer und Gelehrten beschieden sein werde, wieder auf der Lehrkanzel zu erscheinen, auf der er seit vielen Jahren so segensreich wirkte. Mit seinem Heimgange verlor die Universität München eine ihrer glänzendsten Zierden, die deutsche Wissenschaft einen ihrer ersten Vertreter, das bayerische Land einen seiner besten Söhne, und ist einem wissenschaftlichen Schaffen ein Ziel gesetzt, von dem noch die schönsten Früchte zu erwarten gewesen wären. Unter dem Eindrucke dieses schweren Verlustes stehend, kann Ich Mir nicht versagen, Ihnen, Geehrte Frau, Meine aufrichtige Theilnahme und Mein herzliches Beileid, sowie die Versicherung zum Ausdrucke zu bringen, daß Ich dem hochverdienten Gelehrten stets ein dankbares Andenken bewahren werde.
Mit huldvollen Gesinnungen
Ihr wohlgeneigter
gez. Luitpold.
Heute Morgen ließ der Prinz-Regent der Wittwe des Geheimraths v. Seydel einen prachtvollen Kranz übersenden.
Rosenheimer Anzeiger No. 95. Tagblatt für Stadt und Land. Freitag, den 26. April 1901.
#Münchner Neueste Nachrichten (30.4.1901)
Nachruf
an meinen lieben Freund und Schüler
Max von Seydel.
Auch Du dahin! — Die Edelsten, sie sterben
Und wen'ge seh' ich ebenbürt'ger Erben.
Breslau, 28. April 1901. Felix Dahn.
Münchner Neueste Nachrichten No. 201. Dienstag, den 30. April 1901.
#Münchner Neueste Nachrichten (1.5.1901)
Max von Seydel †.
Von Dr. Ritter von Renauld, Oberst a. D.
Ob man mir einst den müden Leib begräbt,
Schon heute fühl ich's froh: ich hab' gelebt.
Mit diesen Versen schließt der Verblichene sein Gedicht »Segen«, eines von jenen herrlichen, seiner Hanna gewidmeten Kindern der Muse.
Ja, Du hast gelebt! Und welch' ein Leben!
Unendlich klein und unscheinbar dünk' ich mich dagegen. Und ich soll's wagen, Dir ein Schwanenlied zu singen? Vermessenes Beginnen! Und dennoch, liebevoll hat man mir's anvertraut.
So sei's, ich folg' dem Ruf', so gut ich kann, ein Schelm gibt mehr, als er vermag. Nur ein's erfleh' ich. Erlasset mir, dem Helden in's Reich der Wissenschaft zu folgen, das übersteigt die Kraft, die mich beseelt.
Ich will den Menschen zu erfassen suchen, wie ich ihn kannte, als Lehrer und als Freund. Mein Leitstern sei dabei die Wahrheit ganz allein, getreu dem Ideal, das ihn durchglühte!
Seydels Lebensgang zerfällt zunächst in zwei große Abschnitte, nämlich die Zeit bis zur Berufung als Professor der Rechte an die hiesige Universität, und sein Wirken von da bis zum Lebensende.
Geboren am 7. September 1846 zu Germersheim als der Sohn des damaligen Majors und Festungsbaudirektors — späteren Generalmajors und Kommandanten der Festung Germersheim — Wilhelm Seydel. Nach Ablegung der erforderlichen Studien in Würzburg und München absolvirte er 1867 die Universität Würzburg, woselbst er sich auch die Doktorwürde erwarb, und bestand 1871 den juristischen Staatskonkurs glänzend mit Note I, worauf er in das Kultusministerium als Hilfsarbeiter berufen wurde. Dortselbst rückte er 1874 zum Bezirksamtsassessor vor. Als an der Kriegsakademie das Staatsrecht in das Programm der Vorlesungen einbezogen wurde, fungirte er als dessen erster Lehrer mit bestem Erfolge. (Ein Theil seiner Schüler ist heute noch in den höchsten militärischen Stellungen.) 1878 zum Regierungsassessor bei der Regierung von Oberbayern befördert, erregte er durch ein scharfsinniges Gutachten zum Wuchergesetz die Aufmerksamdkcit des damaligen Ministers v. Pfeufer, der ihn 1879 in das Ministerium des Innern als Vorstand des statistischen Bureaus berief. Dortselbst rückte er 1881 zum Regierungsrath vor. Im gleichen Jahre erhielt er — 34 Jahre alt — die durch den Tod des Professors Dr. v. Pözl erledigte Professur für Staatsrecht an der Universität München.
Während dieser ganzen Zeit hatte Seydel bereits eine umfassende literarische Thätigkeit entfaltet. Seine erste größere Schrift, »Der Bundesstaatsbegriff«, erschien 1872 in der Zeitschrift für Staatswissenschaften.
Diese Abhandlung hat gewissermaßen die Frage über die rechtliche Natur des Deutschen Reiches wissenschaftlich aufgerollt. Sie wurde seitdem vielfach, und theilweise sehr leidenschaftlich behandelt. Eine allseitig acceptirte Lösung ist meines Wissens zur Zeit noch nicht gefunden. Zum Glück — so bemerkte Seydel des Oefteren — hat die Sache für den Bestand des Reiches keinen entscheidenden praktischen Werth, und ist schließlich auf einen Streit um Worte reduzirt worden.
1873 gab er die erste Auflage seines Kommentars zur Verfassungsurkunde für das Deutsche Reich, dann die »Grundzüge der allgemeinen Staatslehre« heraus; die zweiten Auflagen folgten 1897.
Ihnen schloß sich an eine Reihe von Abhandlungen in den Annalen des Deutschen Reiches, sowie im Jahrbuch von v. Holtzendorff (jetzt Schmoller) über Gewerbepolizeirecht, Freizügigkeit, über den Reichstag, Bundesrath u. s. w.
1881 trat er in die Redaktion der Annalen des Deutschen Reiches ein. Sehr charakteristisch ist das Vorwort Seydels zum Jahrgang 1881 der Annalen, auf das ich ausdrücklich verweisen möchte. Mit der Berufung zur Universität beginnt der zweite große Lebensabschnitt.
In der kurzen Zeit von einem halben Jahre fertigte er seine Skripten und eröffnete bereits im Herbst 1881 seine Vorlesungen. Und trotzdem war es ihm zugleich möglich, sein epochemachendes Werk des großen bayerischen Staatsrechtes zu beginnen. Der erste Band erschien 1884, der letzte (6.) im Jahre 1893. In neun Jahren gelangte das gewaltige Werk zum Abschluß. Im Jahre 1896 erfolgte bereits die zweite Auflage. Sein gewaltiges Schaffen wurde durch Verleihung des Verdienstordens der bayerischen Krone allerhöchst anerkannt, nachdem schon früher der Verdienstorden vom hl. Michael vierter Klasse seine Brust geziert hatte. An sonstigen äußeren Ehren sind im Laufe der Zeit zu nennen die Verleihung des Titels eines kgl. Geheimrathes im Jahre 1898, dann in jüngster Zeit die Verleihung des fürstlich Lippe'schen Hausordens, endlich die Promovirung zum Doktor der Rechte honoris causa seitens der Universität Czernowitz. Neben seinen großen Werken förderte die unerschöpfliche Arbeitskraft des Verstorbenen eine Reihe kleinerer Arbeiten in der »Allgemeinen Zeitung« über das Budgetrecht u. s.w., dann in den Blättern für administrative Praxis und in der kritischen Vierteljahrsschrift für Gesetzgebung und Rechtswissenschaft, dann besondere Rechtsgutachten u. s. w., zu Tage. Hervorzuheben ist seine Broschüre von 1886, »Das Recht der Regentschaft in Bayern«. Nicht zu vergessen sind »Das Staatsrecht des Königreichs Bayern« (sogenannter kleiner Seydel), in zwei Auflagen, dann die Grundrisse zu Vorlesungen über das bayerische Verfassungs- und Verwaltungsrecht und über deutsches Reichsstaatsrecht.
Und dennoch blseb ihm die Muße für eine umfassende und fruchtbare Thätigkeit auf schöngeistigem Gebiet. Seine zahlreichen herrlichen Gedichte, die 1872 und 1880 in erster, 1900 in zweiter, vermehrter Auflage in zwei Bänden erschienen, sind auch in diesem Blatt zu wiederholten Malen nach ihrem poetischen Werth und rein menschlichen Gehalt eingehend gewürdigt worden.
Wir wünschen von Herzen — so schließt Dahn seine Abhanolung —, daß diese schönen, edlen, gedankenreichen Lieder hell durch alles Land klingen mögen!
Eine, auch von philologischer Seite anerkannte, Meisterleistung ist seine 1881 veröffentlichte Uebersetzung des Lucretius, desjenigen antiken Dichters, der ihm wegen seines unbestechlichen Triebes nach Erforschung der Wahrheit besonders wahlverwandt und sympathisch war.
Endlich erfreute sich Seydel als Mitarbeiter der »Jugend« und der »Münchner Neuesten Nachrichten« eines hohen Rufes.
Zu alledem fand er noch Zeit für die Pflege der schönen Künste. Namentlich liebte er die Musik — er selbst war gediegener Klavierspieler —, Theater und Konzerte, bis ihn die Verschlimmerung eines chronischen, der Jugendzeit entstammenden Ohrenleidens zum Verzicht auf diese Genüsse zwang. Er war einer von Jenen, welche die Bedeutung Richard Wagners bald erkannten. Auch für Malerei und Architektur hatte er ein feines Verständniß.
Ein großer Freund der Bergwelt, überraschte er durch seine Leistungen im Bergbesteigen. Nicht minder groß war seine Reiselust, namentlich nach Italien. Dorthin zog es ihn immer wieder, lieferte es doch so reichen Stoff seiner Dichtermuse. Ueberallhin begleiteten ihn die alten Klassiker, aus denen er bis an sein Lebensende schöpfte.
Das größte Ereigniß in seinen persönlichen Verhältnissen ist die Vermählung mit seiner edlen Hanna — Tochter des Medizinalrathes und Direktors der Kreiskrankenanstalt Zoeller zu Frankenthal in der Pfalz — im Jahre 1883. Die Knüpfung des zarten Ehebundes bildete einen der schönsten Abschnitte in Seydels Leben. Zeugniß davon geben die reizenden poetischen Ergüsse an Hanna, sie athmen des reinsten Glückes.
Doch nicht zu lange war ihm die Freude seines irdischen Paradieses beschieden; im Hintergrund lauerte das tückische Verhängniß.
Im Jahre 1893 zeigten sich die Vorboten des künftigen Leidens in starker Unpäßlichkeit beim Universitätsexamen. Am 19. April 1894 erfolgte der erste Schlaganfall, den die Aerzte auf sein chronisches Ohrenleiden zurückführten. Nach relativ guter Erholung wechselte sein Zustand in den nächsten Jahren zwischen Wohlbefinden und Unbehagen. Eine allgemeine Verschlimmerung des Leidens 1897 führte zu einer Ohrenoperation in Wien, die glücklich verlief und die den Verblichenen Anfang 1898 seiner Lehrthätigkeit im vollsten Maße zurückgab.
Doch schon Anfang März 1899 traf Seydel der zweite Schlaganfall, begleitet von Lähmungserscheinungen in den unteren Extremitäten und Störungen der Nierenfunktion. Die ärztliche Diagnose stellte ein schweres Herzleiden mit beginnender Verkalkung der Arterien fest. Von da ab ging das Verhängniß seinen unerbittlichen Gang. Ende Oktober 1900 war es das letzte Mal, daß er gehend sein Heim verlassen konnte. Dann wurde das Gehen immer schwieriger, die Lähmung intensiver, bis endlich nur mehr der Rollstuhl das Verbringen an die frische Luft ermöglichte, während im Uebrigen mehr und mehr das Bett die dauernde Ruhestätte bildete. Am 23. April 1901 machte plötzlich ein starker Bluterguß in's Gehirn, durch hochgradige Arterienverkalkung veranlaßt, den schweren Leiden ein — immerhin unvermutetes — Ende!
Der Sektionsbefund ergab eine großartige Herzerweiterung — das Herz war 800 Gramm, also fast dreimal so schwer, als es normal sein sollte —, sowie chronische Nierenentzündung mit Nierenschwund.
Ich selbst bin Seydel in seinen Vorlesungen über bayerisches Staatsrecht Anfang 1898 näher getreten. Im kommenden Sommersemester hörte ich bei ihm die Vorlesung über deutsches Reichsstaatsrecht.
Die vorangegangene schwere Operation u. s. w. war naturgemäß nicht ohne Einfluß auf Seydels Lehrtätigkeit geblieben.
Daß sie ihn anstrengte, war unverkennbar. Aber nichtsdestoweniger zeigten die Vorlesungen den durchdringenden klaren Verstand. Wenn er sich ganz wohl zu fühlen schien, begleitete seine Ausführungen ein feiner Witz, eine gründliche Argumentirung zur Widerlegung seiner wissenschaftlichen Gegner, die aber nie in persönliche, verletzende Bemerkungen ausklang. Hohen Genuß bereiteten mir die Spaziergänge mit ihm im Englischen Garten. Sie waren freilich erschwert durch die steigende Gehörabnahme. Indeß, wir verstanden uns doch voll und ganz. Der feinsinnige und vom großen Weltgetriebe allmälig sich abwendende Gelehrte empfand doch wieder das Bedürfniß zur Geselligkeit. So erschlossen sich unsere Herzen gegenseitig und ich verdanke mit Anderen Seydel viele geistige Anregung in schwerer Zeit.
Der eigenartige Zauber, der von großen Männern auf den wissensdurstigen Schüler überströmt, verfehlte auch bei mir seinen mächtigen Eindruck nicht. So fühlte ich mich immer wieder zu ihm hingezogen und er vergalt es mir durch eine edle, treue Freundschaft. Und als er im Laufe der Zeit immer mehr nach mir verlangte, da zudem, wie er oft bemerkte, er mich so gut verstände, da war es mir eine wonnige Empfindung, ihm für kurze Zeit den Trübsinn aus den treuen Augen zu verscheuchen. Man hat es oft getadelt, daß Seydel in den letzten Zeiten in seinen schriftstellerischen Aeußerungen allzu scharf geworden sei. Gewiß ist dies bis zu einem gewissen Grade richtig, doch wer seine Leiden kannte, weiß, daß viel davon auf diese zurückzuführen ist. Denn an sich war Seydel persönlich durchaus nicht aggressiv, namentlich wenn er den Gegner als Gentleman erkannte. Er legte überhaupt das größte Gewicht darauf, den Menschen zuerst vom Standpunkt des Gentleman zu beurtheilen.
Wurde er angegriffen, dann vertheidigte er sich mit aller Schärft der Logik und des Verstandes. Vergessen darf dabei nicht werden, daß die Angriffe durchaus nicht immer rein objektiv geführt wurden. So konnte es leicht kommen, daß auch die Vertheidigung ab und zu den beabsichtigten Rahmen überstieg. Man hat ferner Seydel vorgeworfen, daß er politisch zu sehr Partikularist sei. Wenn man darunter versteht, daß Seydel jedem Bundesstaate im Deutschen Reiche — und sei er noch so klein — seine Rechte voll und ganz gewahrt wissen wollte, so hat man Recht. Im Uebrigen aber war Seydel sowohl der trefflichste Bayer als ein begeisterter Anhänger des föderativen Deutschen Reiches. Besonders mit dem heimgegangenen Reichskanzler Bismarck fühlte er sich in dieser Richtung durchaus eins.
Und nun seine treue Hanna!
Man muß es mit angesehen haben, welche Seelengröße diese hehre Frau in der großen Passionszeit bewiesen hat. Bedrückte doch außer dem schweren Leiden ihres Gatten auch die Krankheit und der erst vor wenigen Monaten erfolgte Tod des geliebten Vaters ihr Herz und Gemüth. Und dennoch, wie wußte sie die heiterste Ruhe vor ihrem Gatten zu zeigen, ihn zu trösten und aufzufrischen, zu heben, zu pflegen und ihm neuen Muth einzuflößen. Wie wunderbar ist doch der Einfluß einer zarten geliebten Frauenhand auf den unbehilflichen, verstimmten Kranken, wenn es z. B. gilt, seine körperliche Lage zu verbessern oder Schmerz von ihm abzuwenden. Wie ungeschickt stellt sich die rauhe ungeschickte Männerhand trotz allen Vortheils der Kraft.
So litt die edle Hanna, so kämpfte sie als Heldin bis zum Ende des Getreuen! Das sei Dir, erhabene Frau, der erste Trost in diesem herbsten Weh. Du hast in treuester Pflichterfüllung Uebermenschliches geduldet und geleistet. Ein weiterer Trost sei Dir das Bewußtsein, daß der große Todte neben Dir durch sein Wirken und Schaffen auch dem Vaterlande, ja Allen angehört. Den Samen, den er gesät, er wird herrliche Früchte tragen in der Nachwelt! So ist er einer der Unsterblichen geworden, ein Loos, das nur Wenigen zutheil wird. Auch Du, edle Frau, die Mutter des gewaltigen Geistesheros, die Du in unsagbarem Schmerze dem verklärten Sohne in's dunkle Grab nachzublicken vom Schicksal bestimmt warst, mögest Dich aufrichten und laben an der Unsterblichkeit Deines Sohnes. Nicht die Länge des Lebens bestimmt das Verdienst, sondern dessen Inhalt! Wie reich ist er hier, wie rein und erhaben!
Und Euch, akademische Jünger, rufe ich zu: Ehret den großen Tobten durch Nachahmung seines Vorbildes. Euch möchte ich für den Lebensweg noch besonders sein Lied vor Augen halten, das seine Lebensauffassung und namentlich seinen edlen, zarten Sinn unvergleichlich zum Ausdruck bringt. Es heißt:
Heiligthümer.
Willst als Gerechter
Durch's Leben Du wandeln.
Dann sei Dir heilig Dreierlei.
Heilig der Glaube!
Wo im "Herzen des Menschen
Er die friedliche Wohnstatt fand
Da verscheuch' ihn nicht,
Den Ruhespender,
Und wandle segnend Deine Straße.
Heilig sei Dir das Weib!
Den keuschen Schleier,
Der es verhüllt,
Zerreiß' ihn nicht
Mit frevelnder Gier!
Das flehende Auge
Der Schwachen scheuche
Zurück den Starken.
Heilig sei Dir der Tod!
Wenn auf die bleichen Lippen
Den Kuß des Friedens
Gedrückt ein Genius,
Den soll die sterbliche
Zunge nimmer schmäh'n noch lästern.
Schweigend vorüber
Schreite dem Schweigsamen
Und gedenke der Zeit,
Wo Du ruh'n wirst, friedlich
Wie er und wehrlos!
München, 27. April 1901.
Münchner Neueste Nachrichten No. 203. Mittwoch, den 1. Mai 1901.
#Münchner Neueste Nachrichten (4.5.1901)
Lokales.
München, 8. Mai.
Dankschreiben. Im Verwaltungssenate gab Bürgermeister v. Brunner folgende Zuschrift der Wittwe des verstorbenen Geheimraths Max von Seydel bekannt:
»Ew. Hochwohlgeboren hatten die große Güte, mir Ihr Beileid an meinem unersetzlichen Verluste in überaus warmen Worten zum Ausdruck zu bringen und im Namen des Stadtmagistrats München einen herrlichen Kranz an der Bahre meines verewigten Gatten niederzulegen. Ich bitte Ew. Hochwohlgeboren, für Ihre wohlthuende Theilnahme und für das dem theueren Todten bewiesene letzte Geleite meinen innigsten Dank entgegenzunehmen und bin mit dem Ausdruck der ausgezeichnetsten Verehrung Ew. Hochwohlgeboren ganz ergebenste Johanna von Seydel.«
Münchner Neueste Nachrichten No. 208. Samstag, den 4. Mai 1901.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Seydel Max, Dr. jur., von, 1846 (Germersheim/Rheinland-Pfalz) – 1901, Jurist, Staatsrechtler und Universitätsprofessor; Sohn eines hohen bayerischen Offiziers, besuchte S. das Gymnasium in München, wo er eine besondere Eignung für alte Sprachen und eine starke Vorliebe für die Antike zeigte; seine juristischen Studien machte er in Würzburg und München (1869 Promotion in Würzburg mit Arbeit über Senatus consultum Macedonianum); seine berufliche Laufbahn verlief folgendermaßen: 1872 Hilfsarbeiter im Staatsministerium für Kirchen- und Schulangelegenheiten, von 1873–1881 Lehrer des Staatsrechts an der Kriegsakademie, daneben Assessor im Ministerium und dann bei der Regierung von Oberbayern und seit 1879 Vorstand des Statistischen Büros, 1880 Regierungsrat; einen Ruf an die Universität Dorpat lehnte S. ab, dafür wurde er 1881 zum Nachfolger von Pözls als Professor des Verfassungs- und Verwaltungsrechts in die Münchner juristische Fakultät berufen; das Verfassungsrecht des deutschen Reichs von 1871 behandelte er unter starker Betonung föderalistischer Gedanken.
Hauptwerke: Kommentar zur Verfassungsurkunde für das Deutsche Reich, Bayerisches Staatsrecht, 7 Bde., 2. Aufl., 1896, 4 Bde., Das Staatsrecht des Königreichs Bayern, Grundzüge einer allgemeinen Staatslehre; S. war auch dichterisch tätig (unter dem Pseudonym Max Schlierbach), der Gedichte und eine Lukrez-Übersetzung verfaßte; er gilt heute noch als eine Autorität auf dem Gebiet des Bayerischen Staatsrechts.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#32 – 1 – 22·23 (Stengel)
Hier ruhet
Karl Albert Leopold
Freyherr von Stengel
¿
Ihm folgte seine Gattin
Julie Freifrau von Stengel
geb. von Meyer
geboren am 27. April ¿
gestorben am 20. Februar 1885.
Linke Seite
Otto Freiherr v. Stengel
¿
Leopold
Franz Freiherr v. Stengel
¿
Rechte Seite
Friedrich Freiherr v. Stengel
¿
Nikolaus Freiherr v. Stengel
¿
Marie Freiin v. Stengel
geb. ¿
Freifrau ? v. Stengel
geb. ¿
¿
Sockel
¿
- Stengel, Friedrich Freiherr von; 3.8.1823 – 24.3.1888; Forstrat
- Stengel, Julie Freifrau von (vh) / Meyer, von (gb); 27.4.1796 – 20.2.1885
- Stengel, Karl Albert Freiherr von; 27.10.1784 – 5.12.1865 (München); Appellationsgerichtspräsident
- Stengel, Leopold Freiherr von; 4.3.1835 (Speyer) – 10.12.1904 (München); Oberst a. D.
- Stengel, Marie Freiin von; – 16.6.1913, 95 Jahre alt
- Stengel, Nikolaus Leopold Freiherr von; 30.3.1827 – 3.6.1891; Oberlandesgerichtsrat a. D.
- Stengel, Otto Freiherr von; 15.3.1833 (Speyer) – 20.7.1903 (München); Bezirksgerichtsrat a. D.


#32 – 1 – 25 (Schwabe)
Familie Schwabe
Hier ruhet unser theurer, guter Gatte und Vater
Johann Conrad Schwabe
geb. in ¿ 12. Januar 1808, gest. in München 17. Juli 1881.
Frau Katharina Schwabe
geborne Albrecht,
geb. in Dettenheim 14. Aug. 1813, gest. in München 24. Febr. 1892.
Ihnen voran gingen unsre drei innigstgeliebten Söhne u. Brüder
Carl Schwabe
geb. in München 5. Okt. 1847, gest. in München 20. August 1874.
Albrecht Schwabe
Gatte u. Vater
geb. in München 15. Mai 1846, gest. in München 22. Jan. 1880.
Wilhelm Schwabe
geb. in München 29. Juli 1849, gest. in Meran 10. März 1881.
Rechte Seite
Unsere
beiden Enkel
Conr. u. Elsa Schwabe
gest. d. 23. Nov. 1877.
Sockel
Ruhet im Frieden.
- Schwabe, Albrecht; 15.5.1846 – 22.1.1880
- Schwabe, Elsa (Amalie Elisabeth); – 23.11.1877 (München), 2¾ Jahre alt
- Schwabe, Johann Konrad; 12.1.1808 – 17.7.1881 (München)
- Schwabe, Karl; 5.10.1847 (München) – 20.8.1874 (München)
- Schwabe, Katharina (vw) / Albrecht (gb); 14.8.1813 (Dettenheim) – 24.2.1892 (München)
- Schwabe, Konrad (Johann Konrad); – 23.11.1877 (München), 4½ Jahre alt


#32 – 1 – 30·31 (Balbier · Spielberger)


#32 – 2 – 2 (Mayerhofer · Müller)
Hier ruhen in Gott:
Herr Xaver Müller
4.III.1801 – 27.IV.1860.
Frau Anna Müller
10.III.1808 – 11.V.1865.
Frau Anna Mayerhofer
geb. Müller
20.VII.1838 – 13. V. 1885.
Herr Georg Mayerhofer
I.I.1823 – 2.VI.1892
Ihnen folgte mein
innigstgeliebter unvergesslicher Gatte
Herr Alois Müller
Justizrat K. Advokat
geb. 18.IX.1836, gest. 3.XII.1909.
Linke Seite
Anna Mayerhofer
1 ½ Jahr.
Georg Mayerhofer
10 Jahr.
32.2.2. H. SCHNITZER u. SOHN.
- Mayerhofer, Anna
- Mayerhofer, Anna (vh) / Müller (gb); 20.7.1838 – 13.5.1885
- Mayerhofer, Georg; 1.1.1823 – 2.6.1892
- Mayerhofer, Georg
- Müller, Alois; 18.9.1836 – 3.12.1909; Justizrat und Königlicher Advokat
- Müller, Anna (vh); 10.3.1808 – 11.5.1865 (München); Hauptzollamtsladers-Witwe
- Müller, Xaver; 4.3.1801 – 27.4.1860 (München); Hauptzollamtslader


#32 – 2 – 4 (Kobler)
Familie
Bezirksgerichtsrat
Anton Kobler.
- Kobler, Anton; Bezirksgerichtsrat


#32 – 2 – 8 (Rupp)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Rupp, Josef; – 18.5.1888 (München), 48 Jahre alt; pensionierter Hoflakai



#32 – 2 – 13 (Hofmann)
Hier ruht in Gott:
Herr Georg Hofmann,
Privatier,
geb. 16. Juli 1830, gest. 1. Jan. 1906.
Ihm folgte
Frau Therese Hofmann,
Privatierswitwe,
geb. 29. Sept. 1839. gest. 20. Okt. 1916.
32.2.13. Burlein.
- Hofmann, Georg; 16.7.1830 – 1.1.1906; Privatier
- Hofmann, Therese (vw); 29.9.1839 – 20.10.1916; Privatiers-Witwe


#32 – 2 – 14 (Weber)
Grabstätte
der
Familie Weber.
Schneider.
- Weber, Karolina; – 9.5.1891 (München), 14 Jahre alt; Schreinermeisters-Tochter


#32 – 2 – 18 (Wirth)
Hier ruhet in Gott
unsere innigstgeliebte
Gattin u. Mutter
Frau Anna Wirth
geb. den 8. März 1825, gest. den 26. März 1895.
Ihr folgte ihr Gatte
unser unvergesslicher Vater
Herr Franz Xaver Wirth
geb. den 14. Februar 1828, gest. den 28. Juli 1901.
Adelgunde Wirth
* 18.XII.1852 † 17.II.1932.
R. I. P.
- Wirth, Adelgunde; 18.12.1852 – 17.2.1932
- Wirth, Anna (vh); 8.3.1825 – 26.3.1895
- Wirth, Franz Xaver; 14.2.1828 – 28.7.1901


#32 – 2 – 21 (Flossmann)
32.2.21.
ANNA
FLOSSMANN
1839 – 1885.
- Flossmann, Anna; 1839 – 30.5.1885 (München); Privatiere



#32 – 2 – 22 (Meggendorfer)


#32 – 2 – 25 (Böck · Hemmerich · Stützinger)
Hier ruhen meine lieben Eltern:
Frau Fried. Stützinger
Vergolders-Gattin,
gest. 22. März 1860 im 38. Jahre.
Herr Franz Stützinger, Privatier,
gest. 18. September 1875 im 63. Jahre.
Meine liebe Schwester
Frau Meli Böck
Hutfabrikantens-Gattin,
gest. 26. Juli 1883 im 36. Jahre.
Ihnen folgte
mein innigstgeliebter, unvergesslicher Gatte
Herr Eduard Hemmerich
Privatier und Armenpflegschaftsrat,
gest. 1. April 1911 im 69. Jahre.
Ihm folgte seine treue Gattin
Frau Wally Hemmerich
gest. 3. August 1922 im 71. Lebensjahre.
- Böck, Meli (vh) / Stützinger (gb); – 26.7.1883, 35 Jahre alt; Hutfabrikantens-Gattin
- Hemmerich, Eduard; – 1.4.1911, 68 Jahre alt; Armenpflegschaftsrat
- Hemmerich, Wally (vw) / Stützinger (gb); – 3.8.1922, 70 Jahre alt; Armenpflegschaftsrats-Witwe
- Stützinger, Franz; – 18.9.1875 (München), 62 Jahre alt; Privatier, ehemaliger Vergolder
- Stützinger, Friederika (vh); – 22.3.1860 (München), 37 Jahre alt; Vergolders-Gattin


#32 – 2 – 26 (Birklein)


#32 – 2 – 27* (Panzer)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Panzer; Oberbaurat
Das Grab ist nicht erhalten

#32 – 2 – 28 (Ellmann · Koller)
Hier ruhet in Gott
mein unvergesslicher Gatte
Herr Georg Ellmann
Hafnermeister,
geb. den 28. April 1864 in Roding
gest. den 15. Nov. 1935 in Aubing.
Herr Josef Koller
Hafnermeister
1838 – 1887.
- Ellmann, Georg; 28.4.1864 (Roding) – 15.11.1935 (Aubing); Hafnermeister
- Koller, Josef; 1838 – Juli 1887 (München), 49 Jahre alt; Hafnermeister


#32 – 2 – 30 (Götz)
Hier ruhen:
Frau Josepha Götz,
Sattlermeisters-Gattin,
geb. 11. Mai 1844, gest. 11. Mai 1884.
Frau Franziska Götz,
Sattlermeisters-Gattin,
geb. 2. Dezbr. 1827, gest. 6. Jan. 1893.
Herr Vitus Götz,
Sattlermeister,
geb. 16. April 1819, gest. 20. Juli 1893.
Herr Johann Götz
Tapezierermeister
geb. 10. April 1870, gest. 20. Nov. 1919.
J. Lallinger.
- Götz, Franziska (vh); 2.12.1827 – 6.1.1893; Sattlermeisters-Gattin
- Götz, Johann; 10.4.1870 – 20.11.1919; Tapezierermeister
- Götz, Josefa (vh); 11.5.1844 – 11.5.1884; Sattlermeisters-Gattin
- Götz, Vitus; 16.4.1819 – 20.7.1893; Sattlermeister


#32 – 2 – 31 (Bieber · Kaffel)
Hier ruhen
Paul Bieber
* 12.V.1832 † 28.V.1879.
Ignatz Kaffel
* 18.V.1822 † 2.I.1880.
Maria Bieber
* 18.IV.1837 † 16.IV.1911.
Agnes Kaffel
* 22.II.1840 † 18.XII.1913
Ihnen folgte mein lieber Gatte & Vater
Ludwig Bieber
¿ 1870 † ¿.XI.1923.
¿
- Bieber, Ludwig; 1870 – ¿.11.1923
- Bieber, Marie; 18.4.1837 – 16.4.1911
- Bieber, Paul; 12.5.1832 – 28.5.1879
- Kaffel, Agnes; 22.2.1840 – 18.12.1913
- Kaffel, Ignaz; 18.5.1822 – 2.1.1880


#32 – 3 – 5 (Schremser · Sellmaier · Zeh)
Obelisk
Familie Zeh.
Sockel
Hier ruht
mein innigstgeliebter Gatte
Herr Max Zeh
Messerfabrikant, k. b. Hoflieferant,
geb. d. 15. Sept. 1849, gest. d. 22. Jan. 1894.
Frau Amalie Sellmaier
* 1857 † 1928.
32.3.5. ¿
Linke Seite
Herr Joseph Zeh
geb. d. 28. Sept. 1844, gest. d. 1. Juli 1877.
Frau Mathilde Schremser geb. Zeh,
geb. d. 7. Dez. 1855, gest. d. 19. Juli 1879.
Rechte Seite
Herr Joseph Zeh
Messerschmiedmeister,
geb. d. 26. Jan. 1812, gest. d. 2. Febr. 1873.
Frau Marie Zeh
geb. d. 29. Dez. 1820, gest. d. 7. Jan. 1874.
- Schremser, Mathilde (vh) / Zeh (gb); 7.12.1855 – 19.7.1879 (München)
- Sellmaier, Amalie (vh); 1857 – 10.10.1928 (München); Oberinspektors-Witwe
- Zeh, Josef; 26.1.1812 – 2.2.1873 (München); Messerschmiedmeister
- Zeh, Josef; 28.9.1844 – 1.7.1877 (München); Chirurgischer Instrumentenmacher
- Zeh, Marie (vh); 29.12.1820 – 7.1.1874 (München); Messerschmiedmeisters-Witwe
- Zeh, Max; 15.9.1849 – 22.1.1894; Messerfabrikant



#32 – 3 – 14 (Westenberger)
Hier ruhet
der beste Gatte und Vater
Herr Ferd. Westenberger
Feilenhauermeister,
geb. den 18. Okt. 1839, gest. den 18. Jan. 1893,
unsere liebe Mutter
Frau Amalie Westenberger
geb. den 15. März 1841, gest. den 22. Nov. 1922.
Sockel
Familien-Grab.
32.3.14. Babenstuber
- Westenberger, Amalie (vw); 15.3.1841 – 22.11.1922; Feilenhauermeisters-Witwe
- Westenberger, Ferdinand; 18.10.1839 – 18.1.1893; Feilenhauermeister


#32 – 3 – 15 (Fischer)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Fischer, Josef; – 29.4.1891 (München), 65 Jahre alt; Postoberkondukteur a. D.


#32 – 3 – 16·17 (Horn)
ELSA HORN
geb. 6. Dezember 1878, gest. 15. April 1879
BERTHA HORN
geb. Schultze,
geb. 31. August 1853, gest. 22. August 1902.
Ihr folgte ihr Gatte
KARL WILHELM HORN
Generalmajor a. D.
geb. 1. Juni 1831, gest. 19. April 1907.
- Horn, Bertha (vh) / Schultze (gb); 31.8.1853 – 22.8.1902; Generalmajors-Gattin
- Horn, Elsa; 6.12.1878 – 15.4.1879
- Horn, Karl Wilhelm; 1.6.1831 – 19.4.1907; Generalmajor a. D.


#32 – 3 – 18 (Brand · Mayer · Schmidt)
Familiengrab.
Hier ruhen
Linke Spalte
unsere lieben Eltern
Andreas u. Creszentia
Schmidt
Ihnen folgte ihr Sohn
unser einziger lieber Bruder
Herr
Eugen Schmidt
Oberbuchhalter,
gest. 4. April 1906,
im 49. Lebensjahre.
Mein geliebter Mann
Herr Karl Mayer
Bankprokurist,
gest. 13. Dez. 1923
im 76. Lebensjahre.
Rechte Spalte
unsere liebe Mutter
Frau
Babette Brand
Ihr folgte ihr Sohn,
mein unvergessl. Gatte
Herr
Friedrich Brand
Bankbeamter,
gest. 23. Juni 1905
im 59. Lebensjahre.
Mathilde Brand
† 20. Juni 1935.
Betty Mayer
† 8. Juli 1935.
Aschenbrenner.
Sockel-Tafel
Studienprofessor
Willy Schmidt
geb. 1. März 1871, gest. 23. Nov. 1933
Rosa Schmidt
geb. 17. Dezember 1876, gest. 13. Juni 1941
- Brand, Babette (vh)
- Brand, Friedrich; – 23.6.1905, 58 Jahre alt; Bankbeamter
- Brand, Mathilde; – 20.6.1935
- Mayer, Betty; – 8.7.1935
- Mayer, Karl; – 13.12.1923, 75 Jahre alt; Bankprokurist
- Schmidt, Andreas
- Schmidt, Eugen; – 4.4.1906, 48 Jahre alt; Oberbuchhalter
- Schmidt, Kreszentia (vh)
- Schmidt, Rosa; 17.12.1876 – 13.6.1941
- Schmidt, Willy; 1.3.1871 – 23.11.1933; Studienprofessor


#32 – 3 – 30 (Fischbach)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Fischbach, Johann; 5.4.1797 (Grafenegg bei Krems/Österreich) – 19.6.1871 (München); Landschaftsmaler

#Johann Fischbach
* 5.4.1797 (Grafenegg bei Krems/Österreich)
† 19.6.1871 (München)
Landschaftsmaler
#Die Deutschen Maler-Radirer (1877)
JOHANN FISCHBACH.
Er ist am 5. April 1797 auf dem Schlosse Grafenegg bei Krems in Unter-Oesterreich geboren, wo sein Vater, ein Westphale, die Stelle eines Haushofmeisters in der Gräflich Breuner’schen Familie bekleidete. Mit vier Jahren kam er nach Wien, wohin der Vater versetzt wurde. Hier zeigte er schon in frühester Jugend eine besondere Vorliebe und ein ausgesprochenes Talent für die bildende Kunst, welchem sich auch endlich der Vater, der ihn zum Handwerk bestimmt hatte, unterordnen und demselben erlauben musste, die Akademie zu besuchen. In diese wurde er 1813 aufgenommen und sein Hauptbestreben ging gleich dahin, neben der Antike auch die lebende Natur zu studiren. Die freien Stunden wurden ausserdem anderen Wissenschaften und dem Sprachstudium geweiht.
Im Jahre 1821 erhielt er für eine ideale Landschaft den ersten Preis. Da er auch das Bild verkauft hatte, so verwendete er den Erlös zu einer Studienreise in die Berge Steiermarks. Förderlich war für den jungen Künstler die Gunst, in welcher er bei seinen Vorgesetzten, besonders beim Akademie-Director J. Zauner und Professor Mössmer stand.
Graf Fries, der auf seinem Besitzthum in Plankenberg ein adeliges Erziehungsinstitut gestiftet hatte, übertrug daselbst unserem Künstler den Zeichenunterricht. Dieser führte hier, in der herrlichen Gegend, ein idyllisches Leben. Hier fasste er auch den Entschluss, ein Künstlerlexikon herauszugeben und sammelte zu diesem Behufe reiches Material. Zwar wurde der Plan nie ausgeführt, aber die beim Ordnen des Materials gewonnenen Kenntnisse blieben nicht resultatlos; Fischbach erwarb sich neben der Sachkenntniss auch eine Routine im Ausdruck und in gefälliger Form, was ihn befähigte, später mit schriftstellerischen Arbeiten sich zu befassen und öffentlich aufzutreten.
Im Jahre 1825, nachdem er Plankenberg verlassen hatte, machte er eine Reise durch Süddeutschland und in die Schweiz und brachte im Geiste wie in der Mappe eine reiche Ausbeute heim. Darauf erhielt er die Directorstelle an der Graf Paar’schen berühmten Kupferstichsammlung. Die Nähe der holländischen Malerradirungen, besonders eines Berghem, Potter, deren Mappen er mit besonderer Vorliebe studirte, blieben nicht ohne Einwirkung auf seinen schaffenden Geist, er griff zur Radirnadel, um seine fleissig ausgeführten Zeichnungen zu vervielfältigen und mit den Abdrücken seine Freunde zu erfreuen. Zu diesem Behufe machte er eingehende Studien nach den Löwen in der Schönbrunner Menagerie, nach welchen die Blätter mit Löwen radirt wurden. Doch ruhte in dieser Zeit auch sein Pinsel nicht. In derselben Zeit entstanden zwei ideale Landschaften, die allgemein gelobt wurden. Die eine ist in den Besitz des Erzherzogs Max von Este gekommen, die andere befindet sich in der Lichtenstein-Gallerie.
Zunächst, um in seinen Landschaften selbst die Staffage malen zu können, versuchte er sich im Genre, das er später mit gleichem Glücke wie die Landschaft cultivirte.
Nachdem er sich seit 1837 einige Zeit im Salzkammergut und am Gmunden-See aufgehalten, siedelte er sich 1840 in Salzburg an, wo er sich bis 1851 aufhielt, worauf er sich in der Nähe des Parkes von Aigen ein schönes Landhaus erbaute. In Salzburg nahm er thätigen und eifrigen Antheil an der Gründung des Kunstvereins. Hier wie in der stillen Behausung seines Landsitzes entstanden zahlreiche Bilder, die ihm viele Verehrer gewannen. Es war eine glückliche Zeit für den Künstler, um so mehr, als auch sein Sohn August (geb. 1828) bereits als Genremaler in die Fusstapfen seines Vaters und Lehrers trat. Doch hatte diese glückliche Zeit einen traurigen Abschluss; sein Sohn starb plötzlich in München am Typhus im Jahre 1860. Dieser Todesfall wirkte lähmend auf den Vater. Er verliess sein liebgewonnenes Land und zog nach München. Es dauerte lange, bis die Kunst und das Schaffen in ihr ihm einigen Trost brachte. Er führte als Zeichnungen zwei Folgen aus, die Bäume Deutschlands (28 Bl.) und Wanderungen eines Künstlers durch das Salzkammergut. Sie sind mit der Kohle ausgeführt; der zweite Cyklus erreichte die Zahl dreizehn. Beide Folgen werden durch die Photographie vervielfältigt werden. Der Künstler starb in München am 15. Juni 1871.
Im Jahre 1843 hatte ihn die Wiener k. k. Akademie zu ihrem ordentlichen Mitgliede ernannt.
Fischbach giebt in seinen Landschaften die Natur in wahren und doch gewählten Formen wieder. Die Alpennatur Salzburgs besonders ist so zu sagen sein geistiges Eigenthum geworden. In seinen Genrebildern bringt er gern Scenen aus dem Leben des Volkes, das in inniger Beziehung zu dem Lande steht, das er in so vielen Bildern verherrlichte. Ebenso wahr als ausdrucksvoll ist er in der Darstellung des Thierlebens. Das beweist besonders die Folge der Zuchtthiere, Typen österreichischer Zuchtthierracen, die er für das landwirtschaftliche Centralcomité zur Ausstellung radirte. Mit Ausnahme dieser Folge sind seine Radirungen nur zum Privatvergnügen entstanden und nicht im Kunsthandel erschienen, weshalb auch selten. Sie bekunden einen tüchtigen Zeichner, der auch mit der Radirnadel auf einer kleinen Fläche einen künstlerischen Totaleffect hervorzuzaubern verstand.
Von seinen Gemälden wollen wir folgende hervorheben:
1821. Ideale Landschaft.
1830. Zwei ideale Landschaften. Im Text erwähnt.
1838. Die Wildschützen.
Ein Bauernknabe streitet mit einem Mädchen um einen Vogel (Belvedere). Rosenlauigletscher in der Schweiz.
Die Wittwe auf dem Kirchhof.
1844. Bange Erwartung.
1845. Wiedergefundene Kinder.
Beide als Kunstvereinsbl. von Wölfle lithographirt.
Rastende Jäger (Gallerie Lichtenstein).
Die Wittwe (Belvedere).
Erzherzog Johann mit seinem Sohn im Gasteiner Gebirg (von Kriehuber und Weixelgärtner lithographirt).
Der hohe Göll (als Salzburger Kunstvereinsbl. 1848 lithographirt).
1851. Salzachthal und Watzmann (Cardinal Schwarzenberg in Prag).
1858. Untersberg im Vorfrühling (Münchner Pinakothek).
Ausserdem erschienen nach seinen Zeichnungen in Salzburg (Verlag von Baldi) 40 Bl. Malerische Ansichten von Salzburg und Oberösterreich, von Verschiedenen in Stahl gestochen.
Dr. phil. Andreas Andresen: Die Deutschen Maler-Radirer (Peintres-Graveurs) des neunzehnten Jahrhunderts, nach ihren Leben und Werken. Leipzig, 1877.
#Allgemeine Deutsche Biographie (1878)
Fischbach: Joh. F., Landschafts- und Genremaler, geboren zu Grafenegg 1797, † in München den 19. Juni 1871, gehört zu den verdienstvolleren Künstlern der älteren Wiener Schule, die in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts, wie Steinfeld, Gauermann, Rud. Alt, Waldmüller, sich ganz selbständig am Studium der Natur und der Alten gebildet, und das bürgerliche und bäuerliche Leben der Heimath, wie ihre landschaftlichen Reize in ebenso eigenthümlicher, als liebenswürdiger Art geschildert haben.
F. nun, der eine gute Erziehung und nicht gewöhnliche allgemeine Bildung erhalten, bildete sein schönes Talent an der Wiener Akademie unter Potter und Kraft, wirkte dann länger als Lehrer am Fries’schen Institut und Director der fürstlich Paar’schen Kupferstichsammlung, wie er denn auch selbst mit viel Geschick radirte und stach. Zunächst machte er sich durch bäuerliche Idyllen in der Art Waldmüller’s bekannt, die er aber immer mit landschaftlicher Darstellung verband, und die sich wie seine gleichzeitigen Landschaften durch einen idealen stimmungsvollen Zug vortheilhaft auszeichneten. Besteht der Reiz dieser gesammten Kunst in ihrem naiven und poetischen Naturgefühl und ihrer aquarellartig zierlichen, ganz eigentümlichen Technik, die weder Helldunkel, noch Licht und Ton oder auch nur Farbe im späteren Sinn vorzugsweise cultivirt, sondern mehr durch den Reiz der fein empfundenen Zeichnung und das liebevolle Verständniß des Details wirkt, so verstand F., seinen vielen Figuren und Landschaftsbildern, besonders aus dem Salzkammergut, dadurch einen großen echt poetischen Reiz zu geben. Ein gutes Muster dieser Art gibt ein »Untersberg im ersten Schnee« in der Münchener Pinakothek, der von einer ebenso frappanten, ja großartigen Naturauffassung als feiner Durchbildung Zeugniß ablegt, wie er denn durchaus den denkenden, ihre Vorwürfe seelenvoll durchbildenden Künstlern zugezählt werden muß.
1840 nach Salzburg übergesiedelt, widmete er sich fast ausschließlich der Darstellung der dortigen Natur. Seinen Lebensabend dann in München zubringend, hatte er dort mit einer Serie Handzeichnungen, »Die Bäume Deutschlands«, in hübsch erfundenen Gruppen dargestellt und durch Photographie vervielfältigt, ob der charakteristischen Auffassung derselben besonderen Erfolg. Pecht.
Friedrich Pecht: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1878.
#Allgemeines Künstler-Lexicon (1895)
Fischbach, Johann, Landschafts- und Genremaler, geb. 5. April 1797 in Grafenegg (Niederösterreich), † 20. Juni 1871 in München, machte seit 1813 seine Studien auf der Akademie in Wien, bereiste Süddeutschland und die Schweiz, lebte von 1840–51 in Salzburg, bis 1860 in Aigen und zuletzt in München. Er malte Landschaften, meistens aus den bayrischen und österreichischen Gebirgen, z. B. die in der Neuen Pinakothek befindlichen: Im Tannengebirge bei Salzburg (1855), Aussicht auf das Lattengebirge bei Salzburg (1858), Ein Klosterpark (1863), aber auch Genrebilder, Bildnisse und Architekturstücke; er radierte viele Landschaften.
Allgemeines Künstler-Lexicon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Vorbereitet von Hermann Alexander Müller. Herausgegeben von Hans Wolfgang Singer. Erster Band. Frankfurt am Main, 1895.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Fischbach Johann, 1797 (Grafenegg bei Krems/Österreich) – 1871, Landschaftsmaler; F. trat 1818 in die Wiener Akademie ein und errang bereits 1821 den ersten Preis für eine Landschaft; nach einer längeren Studienreise durch Deutschland und die Schweiz (1825) wurde er Direktor der Paarschen Kupferstichsammlung in Wien; 1840 verzog er nach Salzburg, von wo aus seine berühmten Landschaften vom Watzmann, Untersberg und von Schweizer Gletschern, aber auch Tierstücke und Genreszenen, entstanden; hier schuf F. auch im Auftrag des landwirtschaftlichen Komitees die Typen der österreichischen Zuchtstierrassen und die Ansichten von Salzburg und Oberösterreich; seit 1860 hielt er sich in München auf; hier lieferte er in Kohlenzeichnungen seine Werke: »Die Bäume Deutschlands« und »Wald und Hain«; von F. besitzen Gemälde die Bayerische Staatsgemäldesammlung, das Museum Leipzig, die moderne Galerie in Wien u. a.; in seinen Genres ähnelt F. sehr der Art Waldmüllers.
Hauptwerk: Untersberg im ersten Schnee.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#32 – 3 – 34 (Aigner)
Hier ruht
der beste Gatte und Vater
Herr
Heinrich Aigner
Rentner u. kgl. Handelsrichter.
geb. 1836, gest. 15. März 1889.
Ihm folgte sein jüngster Sohn
Herr Dr. med.
Alfons Aigner
geb. 25. März 1880. gest. 8. Juni 1910.
Tafel
Frau Marie Aigner
¿
Rechte Seite
Ihm gingen im Tode voran
seine drei Söhnchen:
Adalbert
geb. April 1864, gest. August 1866.
Roman
geb. Dezbr. 1872 gest. Jänner 1873.
Alfred
geb. März 1869, gest. August 1878.
Frau
Auguste Aigner.
Rentners-Witwe.
geb. 31.III.1843. gest. 16.XII.1916.
Sockel
Zwisler & Baumeister.
- Aigner, Adalbert; April 1864 – August 1866; Kaufmanns-Sohn
- Aigner, Alfons, Dr. med.; 25.3.1880 – 8.6.1910 (München); praktischer Arzt
- Aigner, Alfred; März 1869 – 16.8.1878 (München); Kaufmanns-Sohn
- Aigner, Auguste (vw) / Hueber (gb); 31.3.1843 – 16.12.1916 (München); Rentners-Witwe
- Aigner, Heinrich; 1836 – 15.3.1889 (München); Rentner und Handelsrichter
- Aigner, Marie
- Aigner, Roman; Dezember 1872 – 2.1.1873 (München); Kaufmanns-Sohn





#Dr. med. Alfons Aigner
* 25.3.1880
† 8.6.1910 (München)
Praktischer Arzt
#Generalanzeiger (13.6.1910)
Münchener Tagesneuigkeiten.
München, 11. Juni.
Beerdigungen. Am Samstag Nachmittag wurde im südlichen Friedhof der praktische Arzt Dr. Alfons Aigner zu Grabe getragen. Mit den Angehörigen erwiesen ihm Kollegen, Mitglieder des Akademischen Gesangsvereins, des Männerturnvereins München u. a. m. die letzte Ehre. Außer den beiden genannten Korporationen widmete noch der Rauchclub Concordia eine Kranzspende.
Generalanzeiger Nr. 270. Gratisbeilage der Münchner Neuesten Nachrichten. Montag, den 13. Juni 1910.

#32 – 4 – 2 (Oberländer)
ADOLF
OBERLÄNDER
PROFESSOR u. KUNSTMALER
* 1.10.1845 † 29.5.1923
SOPHIE
OBERLÄNDER
GEB. SCHEURLIN
* 12.8.1844 † 24.2.1919
- Oberländer, Adam Adolf; 1.10.1845 (Regensburg) – 29.5.1923 (München); Akademieprofessor, Genremaler und Illustrator
- Oberländer, Sofie (vh) / Scheurlin (gb); 12.8.1844 – 24.2.1919

#Adam Adolf Oberländer
* 1.10.1845 (Regensburg)
† 29.5.1923 (München)
Akademieprofessor, Genremaler und Illustrator
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Oberländer Adam Adolf, 1845 (Regensburg) – 1923, Genremaler, Illustrator und Akademieprofessor; er war von 1861 bis 1866 Schüler von K. von Piloty an der Münchner Kunstakademie; Jahrzehnte hindurch war O. einer der besten Humoristen und Karikaturisten von Empfindungskraft und großer Mannigfaltigkeit der künstlerischen Mittel; als Mitarbeiter der »Fliegende Blätter« verhalf er diesen zu einem beachtlichen Aufschwung; Os. Besonderheit, Tiere als menschlich-handelnde Wesen auftreten zu lassen, hat weit und breit Schule gemacht.
Hauptwerke: Oberländer-Album, 1879 bis 1901 (12 Bde.), Ölgemälde in Dresden (Siesta), Hamburg (Humor und Schwerfälligkeit), München (Resignation) und Berlin (Noahs Schenke, Himmelwiese); seine Handzeichnungen besitzen München und Berlin.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#32 – 4 – 4 (Lange)
Julius Lange
kgl. Hofmaler
60 Jahre alt
- Lange, Julius; 17.8.1817 (Darmstadt) – 25.6.1878 (München); Landschaftsmaler


#Julius Lange
* 17.8.1817 (Darmstadt)
† 25.6.1878 (München)
Landschaftsmaler
#Universal-Handbuch von München (1845)
Lange, Julius,
ist geboren 1817 zu Darmstadt. Er begann seine artistischen Studien unter der Leitung des Prof. Schirmer zu Düsseldorf und zum Theil auf Reisen; er befindet sich seit mehreren Jahren in München, wo er sich vorzüglich als Landschaftsmaler beschäftigt. Landparthien, von denen er wirklich schon auserlesen schöne lieferte, sind sein Hauptfach. Bilder von diesem Künstler besitzen: die Städte Triest, Stuttgart, München, und überhaupt viele Private, darunter hat Hr. Lebzelter Karl eines im Jahr 1844 im Kunstvereine gewonnen, welches zu den bedeutenderen Werken dieses talentvollen jungen Meisters gehört.
Universal-Handbuch von München. München, 1845.
#Münchener Künstlerbilder (1871)
Julius Lange,
Landschaftsmaler.
Julius Ludwig Christian Lange ist der Bruder des Architekten Ludwig Lange, dem der folgende Abschnitt dieses Buches gewidmet ist, und ward am 17. August 1817 in Darmstadt geboren. Seine Jugendzeit erscheint nicht durch hervorragende Umstände charakterisirt und ist hier nur festzustellen, daß sich die ausgesprochene Neigung zum Zeichnen schon während des Schulbesuches in dem Knaben kund gab, wozu sein vielfaches Herumstreifen in den herrlichen Laubwäldern, welche seine Vaterstadt umgeben, sowie öfter wiederkehrende Ausflüge auf die nahe Bergstraße und den Odenwald namhaft beitragen mochten.
Der Vater nahm um so weniger Anstand den Knaben ganz in den Dienst der Kunst einzuführen, als diese in der Familie bereits heimisch war, da sein älterer Bruder, Ludwig Lange, selbst ausübender Künstler war und sein zweiter Bruder, Gustav Lange, um jene Zeit an der Spitze einer im schönsten Aufblühen befindlichen Kunsthandlung stand.
In seinem fünfzehnten Jahre hatte Julius bereits eine solche Gewandtheit im Aufnehmen landschaftlicher Momente nach der Natur sich angeeignet, daß ihn sein Bruder Gustav mit Aufträgen für ein größeres Werk betrauen konnte, das in seinem Verlage erschien und eine Sammlung von Ansichten der schönsten Gegenden Deutschlands in Stahl- und Kupferstichen bildete. Es war Heidelberg mit seiner romantischen Umgebung der erste landschaftliche Vorwurf, mit welchem der jugendliche Künstler vor das größere Publicum trat.
In jenen Tagen blühte die landschaftliche Kunst an der Akademie zu Düsseldorf unter des Directors J. W. Schirmer trefflichster Leitung. Um ihn hatte sich eine Anzahl junger, mitunter sehr bedeutender Talente geschaart und auch Julius Lange wendete sich dorthin und entwickelte in kurzer Frist eine überraschende Selbständigkeit.
Nach einem mehrjährigen Aufenthalte in Düsseldorf folgte Julius Lange dem Zuge, welcher auch aus Düsseldorf eine Anzahl von Künstlern in die neue Kunststadt München führte. Im naheliegenden bayerischen Hochgebirge eröffnete sich ihm eine neue Welt und dasselbe bildete auf viele Jahre hinaus seinen Landschaftsstudien eine ebenso mannigfaltige als unerschöpfliche Fundgrube; aus den Bergen schöpfte er mit jenem rastlosen Eifer und Fleiße, der schon damals Julius Lange charakterisirte, das reiche Material, das wir in seinen Arbeiten verwerthet finden, und schon damals zählte er zu den Lieblingen des Münchener kunstsinnigen Publicums.
Im Jahre 1860 gründete Lange durch Verehlichung mit der Regierungsdirectorstochter Emilie Bettinger von Speyer seinen eigenen Herd, während er bis dahin eines der regsamsten Mitglieder der Künstlergesellschaft Neuengland gewesen, welcher seine gesellschaftlichen Talente gar oft trefflich zu Statten gekommen waren.
Schon einige Jahre vorher war ein in Sachen der Kunst wohlvertrauter Edelmann, Herr Franke aus Verona, durch ein Waldbild unseres Künstlers auf diesen aufmerksam geworden, welches der Kunstverein in Triest zur Verloosung angekauft und die Gräfin Marie von Wimpffen, geborene Baronin Eskeles, gewonnen und ihrer bedeutenden Galerie in Venedig einverleibt hatte. Dieses Bild wurde so zu sagen zum Saatkorn, aus welchem die erfreulichsten und lebhaftesten Beziehungen Julius Lange’s zu Italien entkeimten und kräftig gediehen.
In Bälde liefen mehrfache Bestellungen bei Julius Lange ein und erfreute sich sein Name in den oberitalienischen Städten eines trefflichen Klanges. Auch die Akademien der bildenden Künste zu Venedig und Mailand traten mit dem Künstler in Verkehr, und zwar indem die erste ihn mit der Anfertigung von Skizzen zum Behufe des Studiums der Landschaftsmalerei beauftragte und gleich darauf der Präsident Graf Nova ihn ersuchte, für die Mailänder Akademie zwei größere Bilder zu malen. Beiden Aufträgen entsprach Julius Lange zu solcher Zufriedenheit der Besteller, daß ihm die ehrenvolle Auszeichnung zu Theil ward, unter die Mitglieder der beiden obengenannten Akademien aufgenommen zu werden.
Solche Erfolge mußten den Künstler nothwendig anregen und ermuthigen und so entschloß er sich, nicht ohne einen harten Kampf, denn seine Stellung in der Münchener Kunstwelt ließ nach keiner Richtung etwas zu wünschen übrig, für einige Zeit seinen Aufenthalt in Italien zu nehmen.
In Verona, Venedig und Mailand fand Julius Lange die freundlichste und zuvorkommendste Aufnahme, und nachdem er sich in Mailand niedergelassen, ward er sowohl von dem dortigen kunstsinnigen Adel als auch von den daselbst wohnenden Deutschen und Schweizern mit so zahlreichen Aufträgen betraut, daß er trotz seiner Leichtigkeit im Schaffen kaum im Stande war, denselben gerecht zu werden.
Auch an persönlichen Verbindungen der erfreulichsten Art fehlte es nicht, und wurde der Künstler namentlich dem edlen Marchese Antonio Busen, in welchem er einen liebenswürdigen Gönner gefunden, zum lebhaftesten Dank verpflichtet.
In jener Zeit ward die Stelle eines Professors der Landschaftsmalerei an der Akademie der bildenden Künste zu Mailand erledigt und durfte Julius Lange mit Recht annehmen, daß man bei Besetzung dieser Stelle zunächst ihn in’s Auge fassen werde. Und er täuschte sich darin auch nicht soweit dabei Mailänder Persönlichkeiten in Frage kamen, denn der dortige akademische Senat schlug ihn auf Grund seiner glänzenden Zeugnisse fast einstimmig an erster Stelle für diesen Posten vor. Gleichwohl ward derselbe Albert Zimmermann verliehen, der von Wien aus warm befürwortet worden war, den aber der akademische Senat erst an zweiter Stelle vorgeschlagen hatte.
Trotz dieser Zurücksetzung blieb Julius Lange noch den darauf folgenden Winter und Frühling in Mailand und erfreute das dortige Publicum nach wie vor durch eine Reihe trefflicher Bilder, zu denen er die Motive von den reizenden Gestaden des Garda-, Comer- und Langensees geholt hatte. Im Herbste 1857 stellte er eine Anzahl derselben in der Brera aus, welche die Aufmerksamkeit des kaiserlichen Statthalters, Erzherzog Ferdinand Max und seiner jungen Gemahlin Carlotta auf sich zog.
Die Erzherzogin verband mit allseitiger Bildung namentlich auch eine schöne Begabung für Kunst und wünschte weitere Ausbildung derselben. Der Beifall, welchen das fürstliche Paar den Arbeiten Julius Lange’s gewidmet hatte, lenkte die Wahl eines Lehrers in der Landschaftsmalerei auf unsern Künstler. Derselbe, darüber hoch erfreut, stellte sich der Erzherzogin alsbald zur Verfügung und war freudig überrascht bei der hohen Frau einem ungewöhnlichen Talente zu begegnen, das schon damals Namhaftes geleistet hatte. Es konnte ihm nur ein außergewöhnlicher Genuß sein, eine so reiche Begabung und einen so feinen Sinn weiter zu entwickeln. In dieser Stellung, welche ihn in vielfache Beziehungen zum erzherzoglichen Hofe brachte, verblieb er bis zum Sommer 1858 und die Erinnerung an seinen Verkehr mit dem jungen kaiserlichen Paare, dessen unglückseliges Schicksal damals noch niemand ahnen konnte, gehört mit Recht zu dem Interessantesten, was das reichbelebte Künstlerleben ihm bot.
Um diese Zeit ereignete sich in seiner Familie ein Todesfall, der ihn veranlaßte in der Heimat einen Besuch abzustatten, und er war später nicht ohne Grund geneigt, darin einen wohlwollenden Fingerzeig des Schicksals zu sehen.
Nach kurzem Aufenthalt in München nemlich ging er studienhalber in’s Gebirg und nahm seinen Aufenthalt auf der Insel Bartholomä im Königssee, woselbst er durch einen Besuch des Königs Maximilian II. überrascht wurde. Nach Besichtigung der eben zur Hand liegenden Skizzen betraute ihn der kunstsinnige Fürst mit so zahlreichen Aufträgen, daß sich Julius Lange veranlaßt sah, seine in Malland noch bestehenden Verbindlichkeiten ganz zu lösen und seinen ständigen Wohnsitz wieder in München zu nehmen. Inzwischen waren am politischen Horizont Oberitaliens immer dunklere Wolken heraufgezogen und als Lange im Winter 1858 seine Rückkehr in die alte Heimat bewerkstelligte, begann bereits ein drohendes Wetterleuchten, das im nächsten Sommer zum Gewitter ward. Was dem Künstler vorerst als ein Mißgeschick erschienen war, nemlich daß ihm die Stelle eines Professors an der Kunstakademie in Mailand nicht verliehen worden, durfte er jetzt fast als Glück betrachten, da es ihn von dem blutigen Kriegsschauplätze rechtzeitig entfernte.
Von nun an verblieb Julius Lange, kürzere oder längere Reisen zu seiner Ausbildung abgerechnet, in seiner zweiten Heimat München, in stetigem fortschreitendem Wirken begriffen und durfte sich der Gunst sowohl der beiden Könige Maximilian II. und Ludwig I., sowie der Königin Maria als auch des Publicums im Allgemeinen in hohem Grade erfreuen.
Aus dieser Zeit stammt auch ein Gedanke, dessen Ausführung zwar nicht zu Stande kam, der aber doch original genug war, um hier erwähnt zu werden. König Max hatte eben unternommen seine Residenz durch die Maximiliansstraße zu verschönern, und es tauchte die Frage auf, ob nicht das am östlichen Ende des Forums befindliche Rondell architektonisch abzuschließen sei. Julius Lange, an welchen diese Frage ebenfalls herantrat, war der Ansicht, es könnte dies am besten durch einen im Styl des Ganzen gehaltenen Arkadenbau geschehen, dessen Innenseiten mit einer Reihe von Ansichten bayerischer Städte und Gegenden geschmückt würde. Bedenkt man, daß dieser selbe Platz nach dem Tode des Königs Maximilian II. gewählt wurde das große Nationaldenkmal dieses geliebten Fürsten aufzunehmen, so wird man zugeben müssen, daß der Gedanke unseres Künstlers hierdurch eine noch tiefere Bedeutung gewonnen hätte.
Im Jahre 1865 wurde Julius Lange durch den Ankauf größerer Bilder seitens des Königs Ludwig I. für dessen Neue Pinakothek beehrt, deren eines den Dachstein bei Tagesbeleuchtung, das zweite im Abendlichte darstellt.
Im Herbste desselben Jahres wurde ihm die Auszeichnung zu Theil, daß der greise Fürst Professor Halbig zur Anfertigung seiner Büste für die bekannte Sammlung in der Neuen Pinakothek beauftragte. Ueberhaupt durfte er sich der besonderen Zuneigung und Gewogenheit dieses hohen Beschützers der Künste in hohem Grade erfreuen. Derselbe besuchte Lange sehr häufig ohne vorgängige Anmeldung in seiner Werkstätte, um von seinen neuesten Arbeiten Einsicht zu nehmen und dessen Streben und Schaffen eingehend zu besprechen. Vor seiner letzten Abreise nach Nizza erschien der König noch einmal in Lange’s Atelier, um ihm in seiner herzgewinnenden Weise Lebewohl zu sagen.
Auch nach dem Ableben dieser beiden Fürsten setzte sich das Interesse für Lange’s Werke sowohl beim Könige Ludwig II. als bei der Königin Mutter in erfreulichster Weise fort und Ludwig II. verlieh diesem Wohlwollen besonderen gnädigen Ausdruck dadurch, daß er denselben im Juni 1867 zum königlich bayerischen Hofmaler ernannte und wiederholt mit Aufträgen beehrte.
Die Arbeiten Julius Lange’s erfreuen sich einer ungewöhnlich weiten Verbreitung; außer der neuen Pinakothek in München finden sich solche in der Brera zu Mailand, in den Staatssammlungen zu Darmstadt und Stuttgart, sowie in vielen Privatgalerien Deutschlands und Englands. In neuerer Zeit finden dieselben insbesondere nach Nordamerika ergiebigen Absatz.
Julius Lange hat mehrere Schüler gebildet, von denen Karl Millner der bekannteste ist. Dieser ungewöhnlich reich begabte Künstler folgte zwar im Allgemeinen der von Julius Lange eingeschlagenen Richtung und leistete in technischer Beziehung sehr Bedeutendes, ließ sich jedoch leider allzusehr hinreißen, dem Effecte, diesem Götzen der Gegenwart, zu huldigen.
Lange zählt entschieden zu den fruchtbarsten Künstlern der Gegenwart, er producirt mit einer staunenswerthen Raschheit, läßt sich aber nirgends durch diese ungewöhnliche Befähigung dazu verführen, die Sache leicht zu nehmen. Seine Bilder sprechen immer zum Gemüthe, ohne damit zu kokettiren, und wenn er mit den Mitteln der Technik, welche ihm in reichem Maße zu Gebote stehen, im Allgemeinen haushälterischer ist als Manche wünschen mögen, so läßt sich doch gegen seine Anschauung nichts einwenden, daß alle Mode nur etwas Vorübergehendes ist und nur das wahrhaft Schöne Bestand hat. Es war noch in den vierziger Jahren, als ihm halb im Scherz halb im Ernst der Vorwurf der Einseitigkeit in der Wahl seiner Motive gemacht wurde, da er ausschließend Partien aus dem bayerischen Hochlande male. Damals entgegnete er diesem Vorwurfe nicht durch Worte, sondern durch ein Bild, das denselben in schlagendster Weise widerlegte; es hatte die Haide zwischen München und Nymphenburg im Lichte der untergehenden Sonne zum Gegenstände. Kein Hügel, kein Strauch, der Horizont wagerecht abgeschlossen und doch welche wunderbare Wirkung! Das Bild kam kurz nach seiner Vollendung nach Rio Janeiro und blieb leider das einzige in seiner Art. Später holte sich Julius Lange seine Motive außer aus den Gegenden des bayerischen Hochgebirges vielfach auch aus der nächsten Umgebung Münchens, und seine Reisen durch die Schweiz und an die oberitalienischen Seen ließen ihn seine Portefeuilles mit mancher werthvollen Skizze bereichern.
Julius Lange’s ganzes Streben ist der Wirkung durch Licht und Farbe mehr zugewendet als der durch die Form, wenn er auch diese nicht so hintenan setzt wie Viele, welche der neueren aus Frankreich herübergekommenen Richtung huldigen und dabei der Mahnung vergessen, welche der Filosof Kleobulos in den Worten niederlegte, daß Maß halten gut sei. In den letzteren Jahren betont er übrigens die Anordnung der Linien entschieden mehr als früher und es ließe sich gar manches seiner Bilder bezeichnen, welche mit der Radirnadel oder der Kreide übersetzt, nichts an Wirksamkeit verlieren. Im Allgemeinen liegt dem Künstler das Anmuthige näher als das Gewaltige, das Liebliche näher als das Ernste, und so kommt es auch, daß sich seine Arbeiten der Gunst der Frauen in hervorragendem Maße erfreuen dürfen. In einzelnen Fällen jedoch bewegte er sich mit demselben Glücke auch in der Darstellung einsamer, düsterer Wald- und Felsenpartien und behandelt mit derselben Sicherheit die dunklen Massen über die Berge hinziehender Regenwolken wie das letzte Leuchten der Sonne auf den weich, geschwungenen Höhen am Ufer des Comersees. Eine ungewöhnliche Gewandtheit besitzt Julius Lange im Zeichnen mit der Kohle. Es existirt von seiner Hand eine Reihenfolge höchst werthvoller landschaftlicher Kohlezeichnungen, welche in Folge der Anwendung einer dem Künstler eigenthümlichen Technik in überraschender Weise vollkommen die Wirkung in Farbe ausgeführter Bilder machen, und eine Klarheit und ein Lüstre sowie eine Bestimmtheit der Farbe zeigen, wie sie bisher mit diesem Material kein anderer Künstler erreichte und Kupferstich und Lithografie nur in den seltensten Fällen erreichen.
Julius Lange betheiligte sich auch an der Herausgabe des Werkes »Die große deutsche Landschaftsschule«, welche im Jahre 1860 in Fotografien von Markwort (Darmstadt, Verlag von Karl Köhler jun.) erschien und Originalstudien von Lange, Prof. C. F. Lessing in Carlsruhe, Christian Morgenstern in München, Prof. J. W. Schirmer in Carlsruhe, Karl Schweich in Düsseldorf und Prof. Seeger in Darmstadt enthalten.
Carl Albert Regnet: Münchener Künstlerbilder. Ein Beitrag zur Geschichte der Münchener Kunstschule in Biographien und Charakteristiken. Leipzig, 1871.
#Kunstvereins-Bericht für 1878 (1879)
Nekrologe.
Julius Lange,
Landschaftsmaler,
geboren zu Darmstadt am 17. August 1817, ward ihm bereits in frühester Jugend günstige Gelegenheit, seinen künstlerischen Neigungen unbeirrt nachzugehen und sein ausgesprochenes Talent zur Landschaft reichlich auszubilden. Kaum fünfzehn Jahre alt, zeichnete er schon selbstständig eine Reihe von malerischen Ansichten aus Heidelbergs Umgegend, welche für das damals im Verlage eines seiner Brüder, des Kunsthändlers Gustav Lange, erscheinende Prachtwerk »Das malerische und romantische Deutschland« in Stahl gestochen wurden. Zu seiner weiteren Ausbildung bezog er dann die Düsseldorfer Akademie, wohin ihn die damals in Blüthe stehende Landschafterschule Wilhelm Schirmers lockte. Rasch entwickelte sich hier sein eigenartiges Talent zur künstlerischen Individualität, welche bereits in sich vollendet und kräftig ausgebildet war, als Lange einige Jahre später dem allgemeinen Künstlerzuge der Zeit folgend, nach dem damals eben in frisch sprossender artistischer Werdelust befindlichen München übersiedelte. Neben den vielfach befruchtenden Anregungen der Kunststadt selbst, erschloß sich dem Neuangekommenen für sein Fach eine förmlich neue Welt in dem zu jener Zeit bei uns kaum erst »entdeckten«, auswärts noch völlig terra incognita gebliebenen bayerischen Hochland. Es wurde für Lange alsbald zur unerschöpflichen Fundgrube landschaftlicher Motive. Sein originelles Talent in der Darstellung dieser Gegenden, die malerische Ausführung in immer neuen Variationen, machte ihm bald einen Namen und es dauerte nicht lange, so gehörte er zu den ausgesprochenen Lieblingen der damaligen kunstfreundlichen Münchener Kreise. Aber auch weit darüber hinaus fand sein Ruf und Ruhm bald den Weg. Zunächst durch eine Waldlandschaft, welche vom Kunstverein in Triest für dessen jährliche Verloosung angekauft, von der kunstsinnigen österreichischen Gräfin Wimpffen gewonnen und in deren reichen Privatsammlung in Venedig aufgestellt worden war. Das Bild erregte dort ungewöhnliches Aufsehen und ward die Veranlassung zu mehrfachen Aufträgen von Seite italienischer Kunstfreunde. Als darunter auch Bestellungen der Kunstakademien von Mailand und Venedig einliefen und die Aufnahme Lange's als Mitglied dieser Körperschaften zur Folge hatten, da entschloß sich der Künstler, seinen Aufenthalt ganz in Italien zu nehmen und wohnte nun abwechselnd in Verona, Mailand und Venedig. Als Motive zu seinen Bildern benützte er nun auch die reizenden Uferlandschaften der oberitalienischen Seen; einige Gemälde darnach, die er im Herbst 1857 in Mailand ausstellte, zogen die Aufmerksamkeit des damaligen österreichischen Statthalters, Erzherzogs Ferdinand Maximilian und dessen kunstsinniger Gemahlin Charlotte auf sich und zugleich auf die Person des Künstlers. Bald wurde Lange in den engeren Familienkreis des liebenswürdigen und hochgebildeten fürstlichen Ehepaares gezogen und von der Erzherzogin zu ihrem Lehrer in der Landschaftsmalerei, wozu die hohe Frau besondere Vorliebe und ausgesprochene Begabung zeigte, ernannt. Die Erinnerung an die an dem kleinen Musenhofe des erzherzoglichen Paares verlebten Stunden gehörte zu den angenehmsten aus dem ganzen Leben unseres Künstlers; das tragische Ende des Erzherzogs Max als Kaiser von Mexiko und die geistige Erkrankung seiner Gemahlin warf später freilich einen düsteren Schatten auf diese Erinnerung. Im Herbst 1858 kam Lange wieder hierher, um von nun an München auf die Dauer nicht mehr zu verlassen. Er hatte diesen Wohnungsrücktausch um so weniger zu bereuen, als unmittelbar darauf der italienische Krieg ausbrach und dort eine Neugestaltung der Dinge zur Folge hatte, die der Stellung unseres Künstlers schwerlich zu Gute gekommen wäre. In München dagegen erfreute sich Lange allenthalben der besten Werthschätzung. Im Auftrag König Ludwig I. malte er für die neue Pinakothek zwei Ansichten des Dachstein in Morgen- und Abendbeleuchtung. Königin Marie hieß ihn ihre Lieblingsstellen im Gebirge für sie durch den Pinsel und Stift auf Leinwand oder Cartons festhalten. Nicht minderer Gunst erfreute sich Lange auch bei Sr. Majestät dem regierenden König Ludwig II., welcher ihn 1867 mit dem Titel eines Hofmalers auszeichnete und wiederholt seine erprobte Kunst in Anspruch nahm. Lange schaffte unermüdet bis zu seinem Ende, seine Fruchtbarkeit war außerordentlich, ohne daß ihn jedoch die Schnellfertigkeit seines Pinsels zur Manier verleitete. Seine künstlerische Richtung war eine vermittelnde zwischen dem strengen Styl der Ideallandschaft Rottmann's und dem ungebundenen Realismus der modernen Malweise, wobei indessen sein Kolorit mehr der letzteren Tendenz sich zuneigte. Lange's Bilder sind über die ganze Erde verbreitet. Nicht nur die öffentlichen Sammlungen in München, Stuttgart, Darmstadt, die Privatgallerien in England und Rußland enthalten solche, auch nach Rio de Janeiro und neuerdings besonders häufig nach Nordamerika haben sie den Weg gefunden. In ihnen wird des Künstlers Name als einer der besten seines Faches fortleben. Er starb Mitte Juni nach mehrmonatlichem Leiden.
Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München während des Jahres 1878. München, 1879.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Lange Julius, 1817 (Darmstadt) – 1878, Landschafts- und Hofmaler; nach erstem Unterricht in Darmstadt bezog er 1834 die Kunstakademie in München, dann in Düsseldorf; 1840 lernte er K. Rottmann kennen; nach weiten Studienreisen durch die Schweiz, Süddeutschland und Oberitalien, wo er Ehrenmitglied der Akademien Mailand und Venedig wurde, blieb er dauernd in München; L. hatte im bayerischen Hochland sein Arbeitsfeld erkannt, er malte fast nur solche Partien; er gilt als ein Entdecker der Alpenschönheit; die große deutsche Landschaftsschule hatte ihn zum Mitarbeiter.
Hauptwerke: Ein Dorf im Walde, Partenkirchen, Zugspitze von Oberau gesehen, Partie bei Dachau, Teil des Gosau-Sees im Salzkammergut; seine Kunst vertritt die ideale Landschaftsmalerei.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#32 – 4 – 14 (Deischl · Petz · Thum)
Hier ruhet
unser liebster Gatte u. Vater
Herr Johann Thum
Gastwirth,
geb. 3. Sept. 1844, gest. 29. Juli 1899.
Ihm folgte unsere liebe Mutter,
Frau Therese Deischl,
Metzgermeistersgattin
geb. 11. August 1857, gest. 24. Juli 1920.
Sockel
32.4.14. Schwarz
- Deischl, Therese (vh); 11.8.1857 – 24.7.1920; Metzgermeisters-Gattin
- Petz, Karoline; – April 1885 (München), 59 Jahre alt; Gerichtsarzt-Tochter
- Thum, Johann; 3.9.1844 – 29.7.1899; Gastwirt


#32 – 4 – 15 (Riess)
Hier ruhen in Frieden:
Herr Josef Riess
Maschinen-Schlosser
geb. 23. Juli 1838. gest. 11. Juni 189¿.
dessen Gattin
Frau Susanna Riess,
geb. 17. Sept. 1841. gest. 29. Jan. 1904.
Herr Richard Riess
Kaufmann
geb. 12. März 1904 in München,
gest. 19. April 1933 in Newyork.
Sockel
Franz Riess
Bahnadjunktens-Kind
geb. 8. Dez. 1902. gest. 30. Dez. 1902.
M. Sepp.
- Riess, Franz; 8.12.1902 – 30.12.1902; Bahnadjunktens-Sohn
- Riess, Josef; 23.7.1838 – 11.6.189¿; Maschinenschlosser
- Riess, Richard; 12.3.1904 (München) – 19.4.1933 (New York); Kaufmann
- Riess, Susanna (vh); 17.9.1841 – 29.1.1904; Maschinenschlossers-Gattin


#32 – 4 – 20 (Brunner · Pöppel)
Hier ruhen
Anna und Paul
Pöppel
- Brunner, Max; – (31).8.1891 (München), 42 Jahre alt; Ehemaliger Gastwirt
- Pöppel, Anna
- Pöppel, Paul


#32 – 4 – 23 (Würth)


#32 – 4 – 27 (Kiefl)


#32 – 5 – 7 (n. n.)


#32 – 5 – 10 (n. n.)


#32 – 5 – 12 (Werner)


#32 – 5 – 15* (Buchwieser)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Buchwieser, Jakob; – Juli 1891 (München), 41 Jahre alt; Bildhauer

Das Grab ist nicht erhalten

#32 – 5 – 18 (Schneider)


#32 – 5 – 19 (n. n.)


#32 – 5 – 32 (Widmann)
Widmann'sche Grabstätte.
Hier ruht
unsere innigstgeliebte Tochter
Katharina,
gest. d. 20. Febr. 1860 im 16. Lebensjahre.
Ihr folgte ihr Vater
Lorenz Widmann
am 27. Juli 1867 im 60. Lebensjahre.
Und seine treue Gattin,
die liebe, unvergeßliche Mutter
Anna Widmann
gest. d. 5. März 1873 im 64. Lebensjahre.
Hier ruht
unser lieber Bruder
Herr Alois Widmann
prakt. Tierarzt in Leutershausen
geb. am 8. Februar 1883
gest. am 27. Februar 1941.
- Widmann, Alois; 8.2.1883 – 27.2.1941; Tierarzt
- Widmann, Anna (vw); – 5.3.1873 (München), 63 Jahre alt; Melbers-Witwe
- Widmann, Katharina; – 20.2.1860 (München), 15 Jahre alt; Melbers-Tochter
- Widmann, Lorenz; – 27.7.1867 (München), 59 Jahre alt; Melber


#32 – 6 – 8 (Meier)
Hier ruht
Friedrich Meier
Revisor u. ¿
† 7. Mai 1907 im 51. Lebensjahre
u. dessen Söhnchen
Wolfgang
† 21. Jan. 1889 im 5. Lebensjahre.
Schneider
- Meier, Friedrich; – 7.5.1907, 50 Jahre alt; Revisor
- Meier, Wolfgang; – 21.1.1889, 4 Jahre alt; Revisors-Sohn


#32 – 6 – 18 (Lederer · Moock)
Hier ruhen in Gott:
Herr Georg Lederer,
Müllermeister zu Luhe i. d. Oberpf.
gest. d. 21. Febr. 1874, im 80. Lebensjahre.
Herr Paul Lederer,
Instrumentenfabrikant d. h.
geb. d. 21. Dez. 1836, gest. d. 23. Sept. 1893.
Herr Johann Lederer,
kgl. b. Hof-Instrumentenfabrikant d. h.
geb. d. 24. Juni 1839. gest. d. 21. Dezbr. 1896.
Frau Fanny von Moock,
geb. Lederer, Privatiere,
geb. d. 25. April 1842, gest. d. 14. Juni 1911.
R. I. P.
Sockel
Familie Lederer.
32.6.18. Burlein.
Rückseite
Hier ruhen in Gott
Frau Anna Lederer
geb. Casella
* 23.IX.1869 zu Hattenhofen b/F.Bruck
† 4.X.1925 zu München.
u. ihr Gatte
Herr Josef Lederer
Instrumenten-Fabrikant
* 8.VII.1861 zu Luhe (Oberpf.)
† 13.I.1926 zu München.
Zu früh seid, Eltern, ihr geschieden;
Verlassen stehe ich am Grab.
Ihr lebt nun in Himmelsfrieden;
Mit ihm mich segnend, schaut herab.
R. I. P.
- Lederer, Anna (vh) / Casella (gb); 23.9.1869 (Hattenhofen bei Fürstenfeldbruck) – 4.10.1925 (München); Instrumentenfabrikantens-Gattin
- Lederer, Georg; – 21.2.1874, 79 Jahre alt; Müllermeister
- Lederer, Johann; 24.6.1839 – 21.12.1896; Hof-Instrumentenfabrikant
- Lederer, Josef; 8.7.1861 (Luhe/Oberpfalz) – 13.1.1926 (München); Instrumentenfabrikant
- Lederer, Paul; 21.12.1836 – 23.9.1893; Instrumentenfabrikant
- Moock, Fanny von (vh) / Lederer (gb); 25.4.1842 – 14.6.1911; Privatiere


#32 – 6 – 19 (Engelhardt)


#32 – 6 – 20 (Köller · Zugschwert)
Hier ruht
unser unvergesslicher
Gatte u. Vater,
Herr Johan Köller
Viktualienhändler,
geb. 27. Apr. 1843, gest. 20. Feb. 1900.
Ihm folgte seine Gattin:
unsere liebe Mutter
Frau Ursula Köller
gest. 2. Nov. 1914 i. 67. Lebensjahre.
- Köller, Johan; 27.4.1843 – 20.2.1900; Viktualienhändler
- Köller, Ursula (vw); – 2.11.1914, 66 Jahre alt; Viktualienhändlers-Witwe
- Zugschwert, Margaretha (vw); – 1891 (München); Schneiders-Witwe


#32 – 6 – 24 (Reiser · Weinzierl)
Hier ruhen
Herr Andreas Weinzierl,
gest. 16. Juli 1891, 57 Jahre alt.
Dessen Söhne
Hans, gest. 25. März 1895.
Rudolf, gest. 4. Novbr. 1896.
Herr Thomas Reiser,
Geh. Kanzlei-Sekretär
im k. Kriegsministerium.
gest. 12. Novbr. 1902, 51 Jahre alt.
Frau Marg. Weinzierl
geb. 11. Dez. 1839, gest. 15. Mai 1921.
Frau Elisabet Reiser
geb. ¿. Aug. 18¿, gest. 1. Mai 1942.
32.6.24. Schwarz
- Reiser, Elisabet; ¿.8.18¿ – 1.5.1942
- Reiser, Thomas; – 12.11.1902; Kanzleisekretär im Kriegsministerium
- Weinzierl, Andreas; – 16.7.1891, 57 Jahre alt; pensionierte Briefträger
- Weinzierl, Hans (Johann); – 25.3.1895 (München)
- Weinzierl, Margarete (vw); 11.12.1839 – 15.5.1921 (München); Postbeamtens-Witwe
- Weinzierl, Rudolf; – 4.11.1896 (München), 20 Jahre alt; Diätar


#32 – 6 – 25 (Fugger)


#32 – 6 – 30 (Wallmüller)
Familie Wallmüller.
Sockel
J. Lallinger.
- Wallmüller, Max; – 1881 (München); Regierungssekretär a. D.


#32 – 6 – 31 (Rohrbacher · Sturm)
Hier ruhen
Karl Sturm
* 1832 – † 1890
Maria Sturm
* 1827 – † 1902
Marie
Rohrbacher
* 1860 – † 1932
- Rohrbacher, Marie; 1860 – 6.12.1932 (München); Gemüsehändlerin
- Sturm, Karl; 1832 – 1890
- Sturm, Maria; 1827 – 1902


#32 – 7 – 3 (Hundhammer · Wesenauer)
Frau Marie Hundhammer
Privatiersgattin,
geb. in Salzburg 21. Sept. 1829,
gest. in München 2. Dez. 1893.
unsere gute Mutter
Fr. Marg. Hundhammer geb. Ebner
gest. 21. Febr. 1860 i. 69. Lebensj.
u. d. Enkel Carl Hundhammer Buchhalter
geb. i. Wien 29. Sept. 1851
gest. i. München 25. Nov. 1891.
u. dessen Gattin
Frau ¿ Hundhammer
geb. i. München 26. März 1853 gest. 8. März 1925.
Ihm folgte seine Tante
Amalie Wesenauer
geb. i. Salzburg 1838, gest. i. München 1893.
Ihr folgte
Herr Georg Hundhammer
Betriebsleiter
geb. 18. Juli 1876 gest. 24. Aug. 1941
Und dessen Gattin
Frau Maria Hundhammer
geb. 5. Sept. 1878, gest. 20. Dez. 1942.
32.7.3. Kosenbach.
- Hundhammer, Georg; 18.7.1876 – 24.8.1941; Betriebsleiter
- Hundhammer, Karl; 29.9.1851 – 25.11.1891 (München); Buchhalter
- Hundhammer, Kreszentia (vw) / Glashauser (gb); 26.3.1853 – 8.3.1925; Buchhalters-Witwe / Tagelöhners-Tochter aus München
- Hundhammer, Margretha (vw) / Ebner (gb); – 21.2.1860 (München), 68 Jahre alt; Heizers-Witwe
- Hundhammer, Maria (vw); 5.9.1878 – 20.12.1942; Betriebsleiters-Witwe
- Hundhammer, Marie (vh) / Wesenauer (gb); 21.9.1829 (Salzburg) – 2.12.1893; Schuhmachermeisters-Tochter
- Wesenauer, Amalie; 1838 (Salzburg) – 1893 (München)


#32 – 7 – 4·5 (Faber · Stockum Sternfels)
Sally Cornelie Freifrau von
Stockum Sternfels geb. Lavater
Generalmajorswittwe
geb. d. 18. März 1802 in Liverpool
gest. d. 29. Februar 1880 in München.
Louise Franziska Freiin
von Stockum Sternfels
geb. d. 14. Jan. 1828 in Zweibrücken
gest. d. 6. April 1869 in München.
Marie Freiin
von Stockum Sternfels
geb. d. 23. Febr. 1828 in Zweibrücken
gest. d. 25. Febr. 1884 in München.
Gustav Faber
Oberst im Ingenieurs-Corps
Ritter mehrerer joher Orden
geb. d. 9. Dez. 1824 in Ansbach
gest. d. 9. April 1883 in München.
Emilie Faber
geb. Freiin von Stockum Sternfels
Oberstenswitwe
geb. d. 9. Juni 1840 in Ansbach,
gest. d. 21. Dez. 1910 in München.
J. Lallinger
- Faber, Emilie (vw) / Stockum Sternfels, von (gb); 9.6.1840 (Ansbach) – 21.12.1910 (München); Oberst-Witwe
- Faber, Gustav; 9.12.1824 (Ansbach) – 9.4.1883 (München); Oberst
- Stockum Sternfels, Louise Franziska Freiin von; 14.1.1828 (Zweibrücken) – 6.4.1869 (München)
- Stockum Sternfels, Marie Freiin von; 23.2.1828 (Zweibrücken) – 25.2.1884 (München)
- Stockum Sternfels, Sally Cornelie Freifrau von (vw) / Lavater (gb); 18.3.1802 (Liverpool – 29.2.1880 (München); Generalmajors-Witwe


#32 – 8 – 1 (Schachner)
Hier ruhen in Frieden
Auguste Schachner
geb. Niedermayer
geb. am 14. März 1849
gest. am 18. Juni 1876
und
Max Schachner
rechtskundiger Magistratsrat
in München
geb. am 6. Oktober 1843
gest. am 13. Januar 1896
Sockel-Tafel
Dr. jur. et rer. pol.
Robert Schachner
a. o. Universitäts-Professor
in Jena
geb. am 19. April 1875 in München
gest. am 8. März 1912 in Jena
- Schachner, Auguste (vh) / Niedermayer (gb); 14.3.1849 – 18.6.1876 (München); Rechtsrats-Gattin
- Schachner, Max, Dr.; 6.10.1843 – 13.1.1896; Magistratsrat
- Schachner, Robert, Dr. jur et rer. pol.; 19.4.1875 München) – 8.3.1912 (Jena); Universitätsprofessor


#32 – 8 – 3·4* (Heres)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Heres, Karoline von (vw); – Mai 1889 (München), 83 Jahre alt; Staatsrats-Witwe
- Heres, von; Staatsrat
Das Grab ist nicht erhalten

#32 – 8 – 2 (Schwarzmaier)


#32 – 8 – 4·5 (Löffelholz von Colberg)
LÖFFELHOLZ VON COLBERG
- Löffelholz von Colberg, Eduard Freiherr; 30.6.1817 – 10.9.1853 (München); Hauptmann
- Löffelholz von Colberg, Eugen Freiherr; 18.5.1839 (Nördlingen) – 11.1.1897 (München); Professor
- Löffelholz von Colberg, Karoline Freiin; 20.5.1833 – 17.8.1883
- Löffelholz von Colberg, Luise Freifrau (vh) / Furtenbach, von (gb); 1.9.1811 – 21.1.1892


#32 – 8 – 6·7 (Riedel)
EDUARD von RIEDEL
kgl. Hofbaudirektor u. Vorstand
d. kgl. Hofbau-Intendanz
geb. d. 1. Febr. 1813, gest. d. 24. Augst. 1885.
ANTONIE von RIEDEL
GEB. MOHR
geb. d. 25. Januar 1819, gest. d. 12. Juni 1896.
AUGUST
geb. d. 19. Juli 1851, gest. d. 28. Dez. 1853.
FERDINAND
geb. d. 11. Januar 1854, gest. d. 15. Febr. 1857.
AMALIE
geb. d. 2. Januar 1849, gest. d. 16. Januar 1859.
MARIE
geb. d. 17. Nov. 1842, gest. d. 21. Dez. 1920.
IRENE
geb. d. 4. Sept. 1844, gest. d. 8. Jan. 1933.
JOHANNA
geb. d. 19. Juli 1851. gest. d. 4. März 1934.
32.8.6.&7.
Sockel-Tafel
Anna Riedel
geb. Kaipf
geb. 26. Sept. 1865,
gest. 10. März 1905.
Frau Wally Riedel
geb. Helferich
geb. 3. Febr. 1872,
gest. 5. April 1926.
- Riedel, Amalie von; 2.1.1849 – 16.1.1859 (München); Hofbauinspektors-Tochter
- Riedel, Anna (vh) / Kaipf (gb); 26.9.1865 – 10.3.1905
- Riedel, Antonie von (vw) / Mohr (gb); 25.1.1819 – 12.6.1896
- Riedel, August von; 19.7.1851 – 28.12.1853
- Riedel, Eduard von; 1.2.1813 (Bayreuth) – 24.8.1885 (Starnberg); Hofbaudirektor
- Riedel, Ferdinand von; 11.1.1854 – 15.2.1857 (München); Hofbauinspektors-Sohn
- Riedel, Irene von; 4.9.1844 – 8.1.1933
- Riedel, Johanna von; 19.7.1851 – 4.3.1934
- Riedel, Marie von; 17.11.1842 – 21.12.1920
- Riedel, Wally (vh) / Helferich (gb); 3.2.1872 – 5.4.1926

#Eduard von Riedel
* 1.2.1813 (Bayreuth)
† 24.8.1885 (Starnberg)
Hofbaudirektor
#Allgemeine Deutsche Biographie (1889)
Riedel: Eduard v. R. Hofbaudirector, geboren am 1. Februar 1813 zu Bayreuth, Bruder des vorgenannten August R., erhielt den ersten Unterricht im Zeichnen bei seinem Vater Karl Christian R., studirte in seiner Heimath und zu München am Gymnasium, dann 1829 an der Universität und Akademie, wo er sich ganz dem Baufache zuwendete und 1834 die Staatsprüfung als Architekt mit solcher Auszeichnung bestand, daß R. nicht nur vom Militärdienst befreit wurde, sondern auch ein Staatsstipendium zu einer Reise nach Rom erhielt. Vorerst aber übertrug ihm Fr. v. Gärtner, welcher sein Talent schon früher erkannt und ihn praktisch beschäftigt hatte, die Bauleitung des »Damenstiftes« in der Ludwigsstraße.
Endlich 1839 ging R. nach Italien, welches er gewissenhaft anderthalb Jahre durchzog. Mit vielen Studien bereichert kehrte R. 1840 nach München zurück, wo der Künstler durch die geschmackvolle Decoration eines Privathauses die Aufmerksamkeit König Ludwig’s I. gewann, welcher ihn unter gleichzeitiger Anstellung bei der Hofbauintendanz zur Ausführung der für König Otto in Athen nach Gärtner’s Entwürfen zu erbauenden Residenz bestimmte. Im December 1840 reiste R. nach seinem neuen Bestimmungsort, vollendete daselbst den ganzen Palast, besorgte dessen decorative Ausschmückung und die Anlage des dazu gehörigen Schloßgartens. Obwol Riedel’s Aufgabe daselbst gelöst gewesen wäre, so behielt ihn König Otto doch als Hofarchitekt bei sich und beschäftigte ihn vollauf bis 1850, wo R., welcher sich 1842 mit Antonie Mohr aus Mannheim verheirathet hatte, infolge der durch das dortige Klima in seiner Familie verursachten Fiebererkrankungen, sich gezwungen sah, Athen zu verlassen und nach München zurückzukehren. Hier trat er unter Leo von Klenze in die ihm seiner Zeit vorbehaltene Stellung als Bauconducteur bei der Hofbauintendanz. In dieser Stellung war R. am Bau des zwischen der Residenz und dem Hoftheater entstandenen »Wintergartens« und bei Vollendung der Propyläen thätig und bekleidete, 1853 zum Hofbauinspector ernannt, von 1852–57 die Stelle eines Professors an der polytechnischen Schule; sein Werk war die Herstellung der Marmorcascade und großen Fontäne zu Schleißheim und der Ausbau der Flügelarkaden daselbst. Auch fertigte R. die Pläne für die Kirche des Cistercienserklosters in Mehrerau bei Bregenz, für eine Kathedrale zu Minnesota in den Vereinigten Staaten und für die Pfarrkirche zu Dornbirn in Vorarlberg.
Seine Professur verließ R. 1857, um den vielen Projecten und Arbeiten zu genügen, womit König Maximilian II. den Künstler betraute. R. entwarf für das bairische Nationalmuseum die sämmtlichen Pläne, nach welchen dann mit einigen Modificationen der Bau zur Ausführung gelangte. Im gleichen Auftrage baute R. das für die Relicten von Beamten bestimmte Stift zu Bogenhausen (1863–65), ferner lieferte er das vollständig ausgearbeitete Project für ein neues Münzgebäude, ebenso für eine neue Universität (nebst Kirche), welche an die Stelle des Kadettencorps geplant war. Nachdem R. schon 1861 zum Mitglied des Baukunstausschusses ernannt worden war, erhielt er seit Leo v. Klenze’s Tode die interimistische Leitung der königlichen Hofbauintendanz, wurde dann nach König Max’ II. Ableben – sein Werk war auch die Grabcapelle für diesen Monarchen – Rath und Vorstand der genannten Behörde und 1872 königlicher Hofbaudirector, nachdem derselbe die Pläne und Skizzen zum Schlosse »Neuschwanstein« geliefert hatte, dessen oberste Bauleitung R. an Dollmann abgab (1872), da ihm bei seinen vorgerückten Jahren die vielfachen Reisen nach Schwangau zu beschwerlich fielen.
Seitdem nur mehr die eigentlichen Büreaugeschäfte leitend, richtete R. seine Hauptthätigkeit auf die würdige und pietätvolle Erhaltung der verschiedenen königlichen Schlösser und Gebäude in Würzburg, Aschaffenburg, Bayreuth, restaurirte beispielsweise die sogenannten Trier’schen Zimmer in der königlichen Residenz, und besorgte den Umbau des Schlosses Berg u. s. w. Außerdem fertigte R. im allerhöchsten Auftrage die Pläne für einen Brunnen mit dem Standbilde des Parcifaldichters Wolfram v. Eschenbach in der fränkischen Stadt Eschenbach, wofür R. 1864 gleichzeitig mit dem Schreiber dieser Zeilen das Ehrenbürgerrecht daselbst erhielt. Außer dem neuen Kunstvereinsgebäude lieferte R. eine Reihe von Plänen zu Privatbauten und viele Zeichnungen für kunstgewerbliche Gegenstände, insbesondere für die Glasfabrik seines Freundes Steigerwald, zu den silbernen Urnen zur Aufbewahrung der Herzen der hochseligen Könige Ludwig I. und Max II., desgleichen die Zeichnungen zu den Sarkophagen für König Otto und die Königin Amalie von Griechenland.
R. verschied, nachdem er sich auf einer Dienstreise nach Berchtesgaden eine Erkältung zugezogen hatte, zu Starnberg, im Kreise seiner Familie, sanft und schmerzlos am 24. August 1885.
Vgl. Beilage 237 Allgem. Zeitung vom 27. August 1885 und Bericht des Münchener Kunstvereins 1885, S. 70 ff.
Hyac. Holland.
Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1889.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Riedel Eduard, von, 1813 (Bayreuth) – 1885, Baukünstler, Hofbaudirektor und Professor; nach Studien zu Bayreuth und München übertrug ihm F. von Gärtner, der sein Talent schon früh erkannt hatte, die Bauleitung des Damenstifts an der Ludwigstraße, darauf machte er eine Studienreise nach Italien, dann wurde R. zu den Bauten König Ottos in Griechenland herangezogen, er vollendete 1840 die königliche Residenz in Athen, schmückte sie dekorativ aus und legte einen Schloßpark an; aus gesundheitlichen Gründen nach München heimgekehrt, wurde er unter L. von Klenze Baukondukteur bei der Hofbauintendanz (als solcher erbaute er den Wintergarten zwischen Residenz und Hoftheater und vollendete die Propyläen), 1853 Hofbauinspektor, 1852–1857 Professor an der Technischen Hochschule; er verließ aber seine Professur, um sich den Projekten Max’ II. zu widmen (altes Bayerisches Nationalmuseum – heute Museum für Völkerkunde – an der Maximilianstraße, Beamtenrelikten-Anstalt in Bogenhausen); nach Klenzes Tod wurde R. Hofbauintendant, 1872 Hofbaudirektor; zu Neuschwanstein lieferte R. wohl noch die Pläne, überließ aber G. von Dollmann die Bauleitung, während er selbst sich nur noch der Erhaltung der königlichen Schlösser in Bayern widmete; auch R. schuf in dem damals so beliebten Stil der Neugotik, seine Werke ähneln sehr denen F. von Bürkleins.
© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#32 – 8 – 8* (Cöster)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Cöster, Ernst von, Baron; – 28.10.1852 (München), 28 Jahre alt, Opfer eines Duells
Das Grab ist nicht erhalten
#Baron Ernst von Cöster
† 28.10.1852 (München), 28 Jahre alt
Opfer eines Duells
#Allgemeine Zeitung (10.11.1852)
Deutschland.
Bayern. München. Aus Anlaß des unglücklichen Zweikampfs zwischen den HH. v. Cöster und Conradi hatte die N. Münchener Ztg. die Schuld der Provocation bloß auf Seite des Hrn. Conradi gesehen. Briefe aus Stuttgart (dem der bei München begüterte Hr. Conradi ursprünglich angehört) rühmen den friedlichen, edlen Charakter und die ausgezeichnete Bildung desselben. Wir hören daß in jenem beklagenswerthen Fall die Schuld auf beiden Seiten gelegen habe. Baron Cöster habe bei Hrn. Conradi gewohnt. Da er ihm die Hausmiethe schuldig geblieben, habe Conradi ihn in unhöflicher Weise schriftlich daran gemahnt. Hr. v. Cöster habe dieß mit ein paar Ohrfeigen erwiedert. Diese Beschimpfung glaubte Hr. Conradi mit einer Ausforderung beantworten zu müssen; sie ward angenommen und Hr. v. Cöster fiel, von der Kugel seines Gegners ins Herz getroffen. Ist an dieser Stelle etwas zu ergänzen oder zu berichtigen, so werden wir das nachtragen. Uebrigens liegt der eine der Kämpfer im Grab, der andere befindet sich auf flüchtigem Fuß, während seine Gattin in München und seine Familie in Stuttgart von tiefer Trauer ergriffen sind, gleich den Angehörigen des Gefallenen. Beide junge Männer also haben schwer gebüßt.
Allgemeine Zeitung Nr. 315. Augsburg; Mittwoch, den 10. November 1852.
#Allgemeine Zeitung (12.11.1852)
Aus München erhalten wir aus achtbarster Quelle folgende Berichtigung, die wir mitzutheilen uns beeilen: »In der Allg. Ztg. vom 10 Nov., Nr. 315, wird die angebliche Veranlassung zu dem beklagenswerthen Zweikampfe mitgetheilt welcher zwischen dem jungen Baron v. Cöster und Hrn. Conradi aus Stuttgart am 28. Oct. stattgefunden, und für erstern so unglücklich geendet hat. Zugleich wird die Bemerkung hinzugefügt daß Ergänzungen und Berichtigungen zu dieser Erzählung nachgetragen werden sollten. Man fühlt sich daher veranlaßt der vollsten Wahrheit gemäß folgendes zu berichtigen und zu widerlegen: 1) daß die Angabe Hr. Conradi habe noch die Wohnungsmiethe zu fordern gehabt – unwahr ist, wie dessen eigene Quittung vom 20 Oct. darthut, während die Veranlassung zu dem Duell am 26 stattfand. 2) Daß es mithin ebenso unwahr ist daß zur Berichtigung dieses angeblich rückständigen Miethzinses eine schriftliche Mahnung von Seite des Hrn. Conradi erfolgt sey. 3) Daß es unwahr ist daß von Seite des Barons Cöster mit ein paar Ohrfeigen hierauf geantwortet, oder überhaupt von diesem irgend eine Real-Injurie ausgeübt wurde. 4) Daß es unwahr ist daß die Ausforderung von Seite des Hrn. Conradi erfolgt sey, und endlich: 5) daß es unwahr ist daß Baron v. Cöster ins Herz getroffen wurde; vielmehr geschah die Verwundung in die rechte Seite, und erschien im Laufe der ersten Tage weder tödlich noch gefährlich, und erst ein hinzugetretener Purpurfriesel verschlimmerte deren Zustand so plötzlich, daß nach sechs Tagen der Tod erfolgte. Die Veranlassung zu dem Zweikampfe war ein Wortwechsel welcher am 26 October stattfand, und welcher eine Ausforderung von Seite des Barons Cöster hervorrief. Man hofft daß die Aufnahme dieser lediglich auf Wahrheit und Thatsachen gegründeten Berichtigung baldigst erfolgen, und hiermit die Erinnerung an dieses für die Angehörigen beider Theile so traurige Ereigniß für immer beendigt seyn möge!«
Allgemeine Zeitung Nr. 317. Augsburg; Freitag, den 12. November 1852.
#Donau-Zeitung (12.11.1852)
München, 7. Nov. Gestern Morgen wurde der jüngst im Duelle erschossene Baron Ernst v. Cöster auf dem hiesigen Friedhofe beerdigt. Es hatten sich zu diesem Trauerakt, dem zwar ein Priester jedoch nicht kirchlichen Gewande beiwohnte, eine große Anzahl von Offizieren und Honoratioren eingefunden. Die Rede, welche der anwesende Priester am Grabe hielt, in welcher er zugleich die Motive auseinandersetzte, weßhalb keine offizielle kirchliche Funktion hier stattfinden könne, rührte sehr viele der Anwesenden zu lautem Schluchzen.
Donau-Zeitung Nro. 311. Passau; Freitag, den 12. November 1852.
#Münchener Tagblatt für Stadt und Land (9.1.1853)
Hiesiges.
München, 8. Jan. Der Gutsbesitzer Conradi, der, wie man sich erinnert, nach jenem vor ungefähr 2 Monaten mit dem jungen Baron Cöster bestandenen unglücklichen Pistolenduell von hier sich entfernt, und seitdem in Württemberg aufgehalten hatte, ist, wie von Ulm hieher berichtet wurde, dieser Tage auf Begehl des Oberamtsgerichtes daselbst verhaftet worden. Da Conradi ein württembergischer Unterthan ist, so scheint es, daß die Untersuchung, welche von dem kgl. bayerischen Landgerichte München eingeleitet worden war, nunmehr bei der genannten württembergischen Justizbehörde fortgeführt werden wird, wenigstens vernimmt man, daß diese Behörde um Uebersendung des Untersuchungsactes bei dem diesseitigen kgl. Landgerichte bereits nachgesucht hat.
Münchener Tagblatt für Stadt und Land No. 8. Sonntag, den 9. Januar 1853.
#Allgemeine Zeitung (21.10.1853)
Württemberg. Biberach, 20 Oct. Wir haben Ihnen früher hier von der wegen des bekannten Pistolenduells mit unglücklichem Ausgang zwischen dem Frhrn. v. Cöster in München und dem in Schwabing ansässigen Gutsbesitzer Conradi von Stuttgart auf den Grund der vom hiesigen königl. Oberamtsgericht geführten Untersuchung erfolgten Verurtheilung des letzteren Nachricht gegeben, in Folge welcher Conradi, nach erhaltenem Strafaufschub, sich seit dem 1 Aug. d. J. auf der Festung Hoherasperg befindet. Inzwischen ist nun, wie man vernimmt, die erkannte dritthalbjährige Festungshaft auf ein Gesuch des Verurtheilten im Wege der Gnade durch königliche Entschließung auf acht Monate herabgesetzt worden, und derselbe wird daher bis zum nächsten Frühjahr seine Freiheit wieder erlangen. Wie man hört, soll die Begnadigung der Verurtheilten von Seite der königlich bayerischen Regierung (?) selbst in einer Weise befürwortet worden seyn welche an einem günstigen Erfolg des eingereichten Gnadengesuchs nicht wohl zweifeln lassen konnte, zumal auch der Fall selbst für eine Ausübung des Begnadigungsrechts mehrfache Gründe an die Hand gegeben haben dürfte. Es erhält hiemit, der wohl auch das strafrechtliche Verfahren gegen die Secundanten bei dem Duell in Bayern erledigt seyn wird, ein unseliges Ereigniß seinen versöhnenden Abschluß, das beide Familien lange Zeit in Trauer und Kummer versetzt hat.
Allgemeine Zeitung Nr. 294. Augsburg; Freitag, den 21. Oktober 1853.
#Bayerische Landbötin (22.10.1853)
Aus Biberach (in Württemberg) ist hier die Nachricht eingetroffen, daß dem in Schwabing ansäßigen Gutsbesitzer Conradi, der bekanntlich den jungen Frhrn. v. Cöster im Duell erschossen hat und deßhalb sich seit dem 1. Aug. d. J. auf der Festung Hohenasperg befindet, im Wege der Gnade die ihm vom Oberamtsgericht Biberach zuerkannte dritthalbjährige Festungshaft auf 8 Monate herabgesetzt wurde, so daß Hr. Conradi bis zum nächsten Frühjahr wieder in den Kreis seiner Familie zurückkehren wird. – Sein Begnadigungsgesuch soll auch von unserer k. Regierung befürwortet worden sein.
Bayerische Landbötin No. 254. München; Samstag, den 22. Oktober 1853.

#32 – 8 – 10 (Mayr)
Hier ruhet
Herr Franz Mayr
k. Hofbeschlagschmied,
geb. 20. Juli 1839, gest. 25. Febr. 1891.
Frau Elise Mayr
geb. 23. März 1831, gest. 4. Juli 1919
Sockel
Frau Babette Mayr, geb. Hofbauer,
geb. 8. Febr. 1853, gest. 8. Mai 1880.
Frau Anna Mayr
geb. 17. Jan. 1803, gest. 10. Juli 1860.
Herr Lorenz Mayr
geb. 5. April 1806, gest. 21. Jan. 1861.
Rechte Seite
Kosenbach.
- Mayr, Anna (vh) / Petz (gb); 17.1.1803 – 10.7.1860 (München); Hofbeschlagschmieds-Gattin
- Mayr, Babette (vh) / Hofbauer (gb); 8.2.1853 – 8.5.1880
- Mayr, Elise (vh); 23.3.1831 – 4.7.1919
- Mayr, Franz; 20.7.1839 – 25.2.1891; Hofbeschlagschmied
- Mayr, Lorenz; 5.4.1806 – 21.1.1861 (München); Hofbeschlagschmied


#32 – 8 – 18 (Hammer)
HIER RUHT MEINE LIEBE
GATTIN, UNSERE GUTE MUTTER
FRAU ANNA HAMMER
GEB. HUPPMANN
* 1879 – † 1921
- Hammer, Anna (vh) / Huppmann (gb); 1879 – 29.12.1921 (München); Oberinspektors-Gattin



#32 – 8 – 20 (n. n.)


#32 – 8 – 23 (Keilhofer)
Familiengrab
Herr Kaspar Keilhofer
k. Stationsmeister
geb. 1827, gest. 1891
Frau Elise Keilhofer
geb. 1829, gest. 1894.
- Keilhofer, Elise (vw); 1829 – 22.7.1894 (München); Stationsmeisters-Witwe
- Keilhofer, Kaspar; 1827 – 30.7.1891 (München); ehemaliger Stationsmeister in Traunstein




#32 – 9 – 10·11 (Strauß)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Strauß, Antonie Freiin von; 24.1.1833 – 12.4.1902
- Strauß, Elise Freifrau von (vh) / Strelow (gb); 9.3.1806 – 4.7.1853 (München); Staatsrats-Gattin
- Strauß, Franziska Freifrau von (vh); 25.5.1848 – 17.5.1897
- Strauß, Friedrich Freiherr von, Dr.; 3.7.1787 (Mainz) – 21.6.1855 (München); Staatsrat und Botaniker
- Strauß, Lucie Freiin von; 5.4.1843 – 1.9.1890; Staatsrats-Tochter
- Strauß, Regina Freiin von; 4.3.1831 – 10.2.1897
- Strauß, Therese Freifrau von (vh); 14.10.1850 – 8.8.1889; Bezirksamtmanns-Gattin

#Dr. Friedrich Freiherr von Strauß
* 3.7.1787 (Mainz)
† 21.6.1855 (München)
Staatsrat und Botaniker
#Neue Würzburger Zeitung (27.6.1855)
Dr. Friedrich Karl Joseph Frhr. von Strauß,
k. bayer. Straatsrath im ordentlichen Dienste, Comthur des Verdienstordens vom hl. Michael, Ritter des Verdienstordens der bayer. Krone, Ehrenmitglied der k. bayer. Akademie der Wissenschaften etc.
(Nekrolog.)
Am 21. Juni 1655 starb zu München nach einem dreiwöchentlichen Krankenlager Hr. Dr. Friedrich Karl Joseph Frhr. v. Strauß, k. bayer. Staatsrath im ordentlichen Dienste etc.
Er war geboren am 3. Juli 1787 zu Mainz, als der Sohn des churfürstl. Mainz'schen Direktorialgesandten und Ministerresidenten Maximilian Frhrn. v. Strauß zu Regensburg.
Seine wissenschaftliche Vorbildung erhielt er auf dem Lyceum zu Regensburg, machte dann seine juristischen Studien in den Jahren 1805–1809 auf der Universität Göttingen, und begann die praktische Laufbahn im Jahre 1809 in Aschaffenburg.
Als in Gemäßheit des Organisations-Patents des vormaligen Großherzogthums Frankfurt die dortige Verwaltung geordnet ward, wurde Frhr. v. Strauß von Karl, dem damaligen Fürsten Primas und Großherzoge von Frankfurt, am 19. Nov. 1810, zum Präfektur-Generalsekretär des Departements Aschaffenburg ernannt, eine Stellung, wodurch er unmittelbar nach dem Präfekten den Rang hatte und in dessen Abwesenheit als Chef des ganzen Departements Aschaffenburg angesehen ward.
Am 9. April 1817 zum supernumerären Regierungsrathe bei der Kammer des Innern des damaligen Ober-Mainkreises ernannt, rückte er am 14. Oktober 1818 in die erledigte statusmäßige Stelle daselbst ein, und wurde durch allerhöchste Entschließung vom 23. Febr. 1832 zur Regierung des Oberdonaukreises, am 20. Jan. 1837 aber zur Regierung des Isarkreises in gleicher Eigenschaft versetzt.
In jedem dieser Regierungsbezirke seine Kenntnisse und Erfahrungen bethätigend, erhielt er am 1. Januar 1838 das Ritterkreuz des Verdienstordens vom heil. Michael und wurde am 25. Mai desselben Jahres zum Direktor der Regierung von Schwaben und Neuburg, Kammer des Innern, befördert, mit dem 1. Nov. 1840 aber »aus k. allerhöchstem Vertrauen« in gleicher Eigenschaft zur Regierung von Unterfranken und Aschaffenburg versetzt.
Stets wurde ihm in allen diesen Dienstkategorien das Zeugniß ausgezeichneten Fleißes, unermüdeten Eifers und fortwährender Anstrengung zu Theil, daher seine Brust am 1. Januar 1853 mit dem Ritterkreuz des Verdienstordens der bayer. Krone geschmückt ward.
Die von Frhrn. v. Strauß in den verschiedenen Dienstesstufen gesammelten Erfahrungen über die Verhältnisse in den einzelnen Regierungsbezirken Bayerns veranlaßten des Königs Ludwig Majestät, denselben in die höchste berathende Stelle des Königreiches zu berufen, und ihn am 29. Novbr. 1847 zum Staatsrathe im ordentlichen Dienste zu ernennen.
Hier bewährte er sich als ein seinem Monarchen treu ergebener Diener, als kenntnißreicher, gewissenhafter und klarer Arbeiter, als gefühlvoller Mensch – und das königliche Vertrauen übertrug ihm auch mehrmals während der Beurlaubung eines der Staatsminister die interimistische Führung des betreffenden Staatsministerium, wie er denn namentlich in einer sehr bewegten Zeit – vom Mai bis Oktober 1848 – die Geschäfte des Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schulangelegenheiten leitete.
Als im Landtagsabschiede vom 25. Juli 1850 – dem besonderen Wunsche und Antrage der Kammern willfahrend – ausgesprochen worden war: »daß Se. Königl. Majestät wegen Fortsetzung der bestehenden Sammlung der administrativen Verordnungen die geeignete Einleitung werden treffen lassen«, erbot sich Frhr. v. Strauß aus eigenem Antriebe, diese mühevolle Aufgabe neben seinen übrigen Berufsgeschäften unentgeltlich zu übernehmen, und er löste sie mit seltenem Fleiße und mit großer Sachkenntniß in 15 erschienenen Bänden (fortgesetzte Sammlung der im Gebiete der inneren Staatsverwaltung des Königreichs Bayern bestehenden Verordnungen von 1835 bis 1852, aus amtlichen Ouellen bearbeitet) zur allerhöchsten königlichen Zufriedenheit, welche ihm zu wiederholtenmalen in den schmeichelhaftesten Ausdrücken kundgegeben wurde.
Am 1. Januar 1852 ward ihm die Auszeichnung des Komthurkreuzes des Verdienstordens vom hl. Michael zu Theil.
Frhr. v. Strauß machte sich aber auch um die vaterländische Naturgeschichte verdient, indem derselbe eine sehr interessante Abhandlung über die Pilz-Flora Bayerns diesseits des Rheins publizirte. (Frhr. v. Strauß beschäftigte sich bereits frühzeitig mit Bestimmung und Untersuchung von Pilzen, von welchen der eifrige Forscher theils Original-Zeichnungen, theils Kopien seltener Abbildungen entwarf und mit großer Genauigkeit ausführte. Als Frucht dieser rein wissenschaftlichen Thätigkeit hinterläßt er eine sehr umfangreiche und werthvolle Sammlung von Pilzen und Abbildungen derselben. Strauß ist es auch, dem wir das erste Verzeichniß der in Bayern diesseits des Rheins bis jetzt gefundenen Pilze verdanken, worunter eine große Anzahl von ihm erst entdeckt und beschrieben wurde. Der Jahrgang 1850 der »Regensburger Flora« enthält die Bekanntmachung dieses Verzeichnisses.)
In gebührender Anerkennung dieser gewiß seltenen Studien eines so hochgestellten Staatsmannes, dann in rühmlichem Andenken seines Wirkens als früherer kgl. Ministerial-Kommissär an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, überreichte ihm die dortige philosophische Fakultät unterm 1. März 1852 das Ehrendiplom des philosophischen Doktorats, und die kgl. bayer. Akademie der Wissenschaften ernannte ihn am 15. Dezember 1852 zu ihrem Ehrenmitgliede.
Eine strenge Rechtlichkeit und eine unerschütterliche Geradheit und Biederkeit waren die Grundzüge des Charakters des Mannes, der am obengenannten Tage im 68. Lebensjahre – nachdem ihm seine Gattin vor wenigen Jahren im Tode vorausgegangen war – mit Hinterlassung von sieben zum Theil noch unmündigen Kindern verschied. (N. M. Z.)
Neue Würzburger Zeitung No. 176. Mittwoch, den 27. Juni 1855.

#32 – 9 – 14 (Lautenschlager)
Hier ruht
Frau
Marie Lautenschlager,
geb: Soeldner,
Hauptmanns-Gattin,
geboren den 13. Juni 1851,
gestorben den 25. Mai 1891.
Herr
Michael Lautenschlager
K. Hauptmann a. D.
geboren den 23. Sept. 1846,
gestorben den 20. Mai 1904.
Familien-Grab.
- Lautenschlager, Marie (vh) / Söldner (gb); 13.6.1851 – 25.5.1891; Hauptmanns-Gattin
- Lautenschlager, Michael; 23.9.1846 – 20.5.1904; Hauptmann a. D.


#32 – 9 – 23 (Scherm)
Hier ruht
mein lieber Gatte u. Vater
Herr Georg Scherm
Schlossermeister
¿
- Scherm, Georg; Schlossermeister


#32 – 9 – 32 (Ortloph)
EMMY ORTLOPH
* 25 VIII 1895 † 12 VI 1919
HANS ORTLOPH
* 2 II 1863 † 2 IX 1933.
ANNA ORTLOPH
GEB. KLEEBERGER
* 29 III 1863 † 10 IV 1941
- Ortloph, Anna (vw) / Kleeberger (gb); 29.3.1863 – 10.4.1941
- Ortloph, Emmy; 25.8.1895 – 12.6.1919
- Ortloph, Hans; 2.2.1863 – 2.9.1933


#32 – 9 – 33 (Tobler)
Familie Tobler
Hier ruht in Gott
Herr Ludwig Tobler
Kaufmann
* 9.4.1866 † 15.7.1931.
- Tobler, Ludwig; 9.4.1866 – 15.7.1931; Kaufmann


#32 – 10 – 13 (Liesinger)
Hier ruhet
Herr
Joseph Liesinger,
k. Regierungs-Registrator a. D.
geb. am 17. März 1818,
gest. am 14. April 1892.
Ihm folgte seine Gattin
Frau Anna Liesinger,
geb. Kronenberger,
geb. am 11. November 1821,
gest. am 4. Dezember 1897.
R. I. P.
32.10.13. Babenstuber
- Liesinger, Anna (vw) / Kronenberger (gb); 11.11.1821 – 4.12.1897; Regierungsregistrators-Witwe
- Liesinger, Josef; 17.3.1818 – 14.4.1892; Regierungsregistrator a. D.


#32 – 10 – 20 (Neukam)
Grabstätte
der
Familie Neukam.
Sockel
32.10.20. F. Ronchelli
Sockel-Tafel
Hier ruhen
Herr
Wolfgang Neukam
k. Bahnexpeditor
geb. 27. Sept. 18¿
gest. ¿. März ¿
Frau
Marie Neukam
geb. ¿ Juli 1827 gest. 13. Jan. ¿
und deren Tochter
Fräulein
Marie Neukam
¿ 1854 gest. ¿
- Neukam, Marie (vw) / Niederländer (gb); – 13.1.1789 (München), 62 Jahre alt; Bahnbeamtens-Witwe
- Neukam, Marie; – 5.7.1882 (München); Bahnbeamtens-Tochter
- Neukam, Wolfgang; Bahnexpeditor




#32 – 10 – 22 (Huber · Zeiss)
Hier ruhen in Gott:
Unsere liebe Mutter
Frau Elise Huber
geb. Zeiss. Cantorsw. a. Altdorf
geb. d. 12. Aug. 1803. gest. d. 7. April 1879.
Unsere liebe Mutter
Frau Marg. Zeiss
geb. Hammerbacher. k. Obercons.-Sekr.-W.
geb. d. 20. Febr. 1800. gest. d. 18. Nov. 1879.
Unsere gute Schwester
Frl. Helene Huber
geb. d. 1. Aug. 1838. gest. d. 16. Juli 1882.
Mein innigstgeliebter Gatte
Herr Carl Zeiss
k. b. Major a. D.
geb. d. 31. Juli 1842. gest. d. 21. Juni 1906.
Frau Christiana Zeiss
kgl. Majorswitwe
folgte ihrem Gatten am 1. März 1918
im 76. Lebensjahre.
- Huber, Elise (vw) / Zeiss (gb); 12.8.1803 – 7.4.1879; Kantors-Witwe
- Huber, Helene; 1.8.1838 – 16.7.1882
- Zeiss, Christiana (vw); – 1.3.1918, 75 Jahre alt; Majors-Witwe
- Zeiss, Karl; 31.7.1842 – 21.6.1906; Major a. D.
- Zeiss, Marg. (vw) / Hammerbacher (gb); 20.2.1800 – 18.11.1879; Oberkonsistorialsekretärs-Witwe


#32 – 11 – 10 (Haag · Westermaier)
Hier ruhen
Herr
Jakob Westermaier
k. b. Hauptmann a. D.
* 1818 † 18¿6
Seine Gattin
Frau
Anna Westermaier
* 1823 † 1916
Sockel
Friedrich Alfred Haag
geb. 22. Februar 1882, gest. 8. Februar 1883.
- Haag, Friedrich Alfred; 22.2.1882 – 8.2.1883 (München); Postoffizials-Sohn
- Westermaier, Anna (vw); 1823 – 26.10.1916 (München); Hauptmanns-Witwe
- Westermaier, Jakob; 1818 – 20.8.1876 (München); Hauptmann a. D.





#32 – 11 – 14 (Eder · Heilmann)
Familiengrab.
Michael Eder
k. Rath und Landrichter,
geb. 22. Nov. 1784, gest. 11. April 1863.
Josephine Eder
geb. von Branca,
Landrichtersgattin,
geb. 3. Juli 1796, gest. 11. Juli 1836.
Johann von Heilmann
k. Generalleutnant
geb. 3. Februar 1825, gest. 6. Nov. 1888.
Adelheid von Heilmann
geb. Eder,
k. Generalleutnantswittwe,
geb. 3. Januar 1826, gest. 2. Mai 1900.
- Eder, Josefine (vh) / Branca, von (gb); 3.7.1796 – 11.7.1836; Landrichters-Gattin
- Eder, Michael; 22.11.1784 (Tännesberg) – 11.4.1863 (München); Landrichter
- Heilmann, Adelheid von (vw) / Eder (gb); 3.1.1826 – 2.5.1900; Landrichters-Tochter / Generalleutnants-Witwe
- Heilmann, Johann Ritter von; 5.2.1825 (München) – 6.11.1888 (München); Generalleutnant und Militärschriftsteller

#Michael Eder
* 22.11.1784 (Tännesberg)
† 11.4.1863 (München)
Landrichter
#Neues Bayerisches Volksblatt (14.4.1863)
Morgenpost.
München, 14. April. Hiesige Blätter melden, daß am Samstag Abends 9 Uhr der k. Rath Michael Eder gestorben ist. Derselbe war zu Tännesberg in der Oberpfalz am 22. Nov. 1786 geboren. Die Bayer. Ztg. sagt über Eder: Nach einer äußerst regsamen und sehr verdienstlichen Amtsthätigkeit von 54 Jahren, in Folge der neuen Gerichtsorganisation quieszirt, waren dem unaufhaltsam rührigen Ehrenmanne nur 9 Monate des Ruhestandes gegönnt. Sein wirksames Amtsleben ist wohl genugsam bekannt, doch möge es uns erlaubt sein, hier der ungewöhnlichen Leistungen Erwähnung zu machen, welche er bereits als jugendlicher Assessor und Landrichter in Tyrol in den Jahren 1809–1813, insbesondere bei der gefährlichen Belagerung der Feste Kufstein bewiesen hat. Seine Klugheit, sein persönlicher Muth, sein Patriotismus, seine Menschenfreundlichkeit bestanden bei jener Gelegenheit, dann bei Wiederherstellung der Ruhe in den tumultuarischen Landgerichten Meran, Lana etc., bei der mit dem Verluste des größten Theils seines Vermögens erlittenen Deportation nach Oesterreich, Ungarn, Mähren und Böhmen etc. die Probe.
Der Bayer. Kur. bemerkt über denselben: Sein Wirken war bis zum letzten Augenbicke wirklich rastlos, streng pflichtgetreu, auch ein ersprießliches und sein Begegnen wohlwollend gegen Jedermann insbesondere gegen die Hilfsbedürfenden aus den ärmeren Klassen. In allerhöchster Anerkennung dessen schmückten seine Brust der Verdienstorden vom heil. Michael und das Ehrenkreuz des Ludwigsordens. Möge er sich nun auch jenseits des bessern Lohnes erfreuen, in vielen dankbaren Herzen wird sein Andenken fortleben.
Neues Bayerisches Volksblatt Nr. 102. Stadtamhof; Dienstag, den 14. April 1863.
#Johann Ritter von Heilmann
* 5.2.1825 (München)
† 6.11.1888 (München)
Generalleutnant und Militärschriftsteller
#Jahresberichte über die Veränderungen und Fortschritte im Militärwesen (1889)
Nekrologe von im Jahre 1888 verstorbenen hervorragenden Offizieren
Johann Baptist v. Heilmann,
Königlich Bayerischer Generallieutenant z. D.
Geb. 5. Februar 1825 zu München; gest. 6. November 1888 zu München.
1843 den 18. August zum Junker im 7. Infanterie-Regiment »Carl Pappenheim« ernannt, trat der als Offizierssohn im Cadettencorps Ausgebildete in die Armee. 1845 den 31. Oktober zum Unterlieutenant im 15. Infanterie-Regiment »vac. Hertling« befördert, am 22. November desselben Jahres wieder zum 7. Infanterie-Regiment versetzt, wurde er in demselben 1848 den 8. Oktober zum Bataillonsadjutanten ernannt, 1849 den 9. Oktober zum Oberlieutenant befördert und zum Adjutanten des Generals Winther, Commandeurs der 3. Brigade, erwählt. Nach dem Ableben desselben 1851 den 21. September eingerückt, wurde er von dessen Nachfolger General Ermarth wiedergewählt und blieb in der Adjutantenfunction bis 1856 den 23. Februar, bis zu seiner auf Nachsuchen erfolgten Versetzung in das topographische Büreau nach München. 1852 hatte er sich mit der Landrichterstochter Eder vermählt, welche nach glücklicher Ehe nun seinen Tod mit einer Tochter und einem Sohne, K. Premierlieutenant im 13. Infanterie-Regiment, betrauert. Als Brigadeadjutant veröffentlichte der mit besonderer Neigung zu historischen Forschungen Begabte die ersten Resultate, reichte 1850 schon Allerhöchsten Ortes eine Monographie ein über »die Schlacht von Leuthen«, die Meisterschlacht, wie er selbe nannte, – dann folgten bald die »Rückblicke auf einige militärische Einrichtungen der Oesterreicher und Schweden zur Zeit des 30jährigen Krieges«, – dann 1851 die »Feldzüge der Bayern unter Mercy 1643 bis 1645«, – hierauf der »erste Theil« 1852, und 1853 der »zweite Theil« der »Kriegskunst der Preußen unter König Friedrich dem Großen«. In Folge höheren Auftrages erschien auch 1853 »der Bayerische Soldat im Felde«, als belehrende und aufmunternde Lektüre für Soldaten, abgefaßt in Form eines gemeinnützigen, militärischen Geschichtswerkes. 1857 erschien von ihm »der Antheil der Bayern am Feldzuge 1813 seit dem Rieder Vertrage«, 1859 wurde er commandirt zur von König Max II. ernannten historischen Commission, spectell »zur Abfassung einer Kriegsgeschichte von Bayern«, und erschien 1868 »die Kriegsgeschichte von Bayern, Franken, Pfalz und Schwaben von 1506–1651«, als Resultat der durch manche Unterbrechungen dienstlicher Art sich verzögernden Arbeit. Gleichzeitig mit der Commandirung zur historischen Commission war nämlich auch 1859 den 16. Mai seine Beförderung zum Hauptmann im Generalstabe erfolgt, in welchem er 1866 den 5. Juli Major und 1870 den 10. November Oberstlieutenant wurde. Der Mobilisirungs-Ausmarsch 1859, ein unter dem Fürsten von Thurn und Taxis 1863 mitgemachtes Cavallerie-Uebungslager, dann die 1865 den 1. Mai erfolgte Commandirung zum Generalkommando Nürnberg, der 1866 beim Stabe der mobilen 3. Infanterie-Division miterlebte Feldzug, speciell die Gefechte von Dermbach, Cella, Kissingen, wobei er leicht verwundet wurde, Helmstadt und Uettingen-Roßbrunn (er ward unterm 9. September durch Armeebefehl belobt), alle diese Dienstleistungen unterbrachen die dazwischen immer eifrigst betriebenen Geschichtsstudien. Bereits 1852 ernannte ihn die Bayerische Akademie der Wissenschaften zum Mitgliede, und für das 1868 erschienene Geschichtswerk erhielt er eine besondere Allerhöchste Belobung und Anerkennung. 1869 wieder zum Dienste beim Generalstab in München eingerückt, machte er im Stabe des Bayerischen II. Armee-Corps den Krieg 1870/71 gegen Frankreich mit, war in den Gefechten und Schlachten bei Weißenburg, Wörth, Uebergabe von Marsal, Sedan, bei Bicetre, Bagneux und bei der Belagerung von Parts und erwarb sich unter anderen Auszeichnungen besonders auch das Eiserne Kreuz l. Klasse. Nebst diesem schmückten seine Brust das Comthurkreuz des Bayerischen Militär-Verdienst-Ordens, die Ritterkreuze des Großherzoglich Badischen Ordens vom Zähringer Löwen mit Eichenlaub, des Großherzoglich Hessischen Ordens Philipp des Großmüthigen, des K. Griechischen Erlöser-Ordens, des kaiserlich Russischen St. Stanislaus-Ordens, des Königl. Schwedischen Schwert-Ordens, des Königl. Preußischen Rothen Adler-Ordens 4. Klasse und des Kronen-Ordens 2. Klasse, endlich die Comthurkreuze der königl. Württembergtschen Kronen- und Friedrichs-Orden. Nach dem Kriege einige Zeit functionirender Generalstabschef, dann im August 1871 zur Eisenbahn-Central-Commission nach München beordert, erschien 1872 der von ihm verfaßte »Antheil des Bayerischen II. Armee-Corps am Feldzuge 1870/71«. 1872 den 3. November erfolgte die Versetzung zum 1. Infanterie-Regiment »König« und 1873 den 1. Mai die Beförderung und Ernennung zum Oberst und Commandeur des in Metz garnisonirenden 4. Infanterie-Regiments »König Carl von Württemberg«. Dasselbe commandirte er bis zu seiner unter à la suite-Stellung des Regiments 1878 den 1. December erfolgten Ernennung zum Commandeur der 5. Infanterie-Brigade, welcher kurz darauf die Beförderung zum Generalmajor folgte. 1881 veröffentlichte er sein Buch »Feldmarschall Fürst Wrede«, welches zu einer literarischen Polemik führte und worin er die Vertheidigung dieses Bayerischen Heerführers mit warmem Patriotismus gut und standhaft durchführte. Körperliche Leiden veranlaßten 1883 das Nachsuchen um Pension, welche am 22. November mit Charakteristrung zum Generallieutenant und Verleihung des Prädikates »Excellenz« huldvollst erfolgte. 1885 noch arbeitete er an einem bisher nicht erschienenen, zum Druck bestimmten Werke »Kriegsgeschichte von Bayern 1598 bis 1871«, die Nichtvollendung dieses Werkes ist gewiß beklagenswerth, denn er besaß eine seltene Quellenmaterialkenntniß und Stoffbeherrschung. Mit der 1887 noch erfolgten Verleihung des Bayerischen Verdienst-Ordens der Krone übernahm derselbe auch mit Allerhöchster Bewilligung noch am 16. Juli die ihm angetragene Präsidentschaft des Bayerischen Veteranenbundes. Doch ein Herzleiden raffte bald den sonst rüstig Aussehenden dahin. Zeitlebens rastlos fleißig und thätig, leistete er viel Gutes, bewies sich als pflichttreuer Mann und Soldat, der von seinen Fürsten stets hochgeschätzt war und welcher in der Bayerischen Armee durch seine kriegsgeschichtlichen Schriften stets in gutem Andenken bleiben wird. K.
Jahresberichte über die Veränderungen und Fortschritte im Militärwesen. Berlin, 1889.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Heilmann Johann, von, Ritter, 1825 (München) – 1888, Generalleutnant und Militärschriftsteller; selbst Sohn eines Offiziers, nahm H. am Krieg von 1866 als Generalstabsoffizier (bei Bad Kissingen verwundet), ebenso am Krieg von 1870/71, teil; zuletzt war er Brigade-Kommandeur der Infanterie und Generalleutnant; seine Bedeutung liegt in seiner Betätigung als Militärschriftsteller, als solcher wurde H. Mitglied der BakdW.
Hauptwerke: Das Kriegswesen der Kaiserlichen und Schweden zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges, Die Zukunft der europäischen Armeen, Die Feldzüge der Bayern 1643–1645 unter Feldmarschall von Mercy, Die Kriegskunst der Preußen unter Friedrich dem Großen, Der bayerische Soldat im Felde, Geschichte Bayerns, Anteil der Bayern seit dem Rieder Vertrag, Die Bayern im Kriege, Kriegsgeschichte von Bayern, Franken, Pfalz und Schwaben (1506–1651).
© Dr. phil. Max Joseph Berühmte Tote: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#32 – 11 – 15·16 (Pfaffenzeller)
Anna Pfaffenzeller
geborne Seifried
k. Landgerichts-Assessors-Gattin
gestorben 5. Febr. 1873 im 54. Lebensjahre.
Franz Pfaffenzeller
k. Landgerichts-Assessor a. D.
gestorben 15. Juni 1880, im 74. Lebensjahre.
Fanny Pfaffenzeller
k. Postbeamtens-Gattin
gestorben 25. Okt. ¿ im 42. Lebensjahre
Franz Pfaffenzeller
k. Postexpeditor
gestorben ¿
Albert Pfaffenzeller
gest. d. 10. Dez. 1908, 34 Jahre alt
Sockel
Babenstuber
32.11.15.16.
- Pfaffenzeller, Albert; – 10.12.1908 (München), 34 Jahre alt; Chauffeur bei Prinz Ludwig Ferdinand
- Pfaffenzeller, Anna (vh) / Seifried (gb); – 5.2.1873 (München), 53 Jahre alt; Landgerichtsassessors-Gattin
- Pfaffenzeller, Fanny (vh); – 25.10.¿, 41 Jahre alt; Postbeamtens-Gattin
- Pfaffenzeller, Franz; – 15.6.1880, 73 Jahre alt; Landgerichtsassessor a. D.
- Pfaffenzeller, Franz; Postexpeditor


#32 – 11 – 21 (Selmayer)


#32 – 11 – 22 (Gutscher)
Fräulein Antonie Gutscher,
geb. 25. März 1874, gest. 22. Juli 1903.
Anna Gutscher
Gärtnereibesitzerswitwe,
gest. 28.8.1926, im 80. Lebensj.
Ernst geb. 28. Oktbr. 1886. gest. 24. Febr. 1888.
Alois geb. 11. Jan. 1872. gest. 29. Aug. 1872.
Kätchen geb. 9. April 1873. gest. 30. Mai 1873.
Sockel
Familie Gutscher.
32.11.22. Burlein.
- Gutscher, Alois; 11.1.1872 – 29.8.1872 (München); Gärtners-Sohn
- Gutscher, Anna (vw); – 28.8.1926, 79 Jahre alt; Gärtnereibesitzers-Witwe
- Gutscher, Antonie; 25.3.1874 – 22.7.1903
- Gutscher, Ernst; 28.10.1886 – 24.2.1888
- Gutscher, Katharina; 9.4.1873 – 30.5.1873


#32 – 11 – 23 (Steinhäusser)
Hier ruhen in Gott
Herr August Steinhaeusser,
kgl. Oberappellationsgerichts-Rath,
geb. am 21. Okt. 1804, gest. am 28. Juli 1856.
Seine treue Gattin
Frau Nannette Steinhaeusser,
geb. am 8. Febr. 1812, gest. am 19. Mai 1877.
Deren Kinder:
Fräulein Mathilde Steinhaeusser,
geb. am 25. Juli 1835, gest. am 14. Mai 1885.
Fräulein Julie Steinhaeusser,
geb. am 20. Jan. 1837, gest. am 23. Febr. 1894.
Mein lieber, unvergesslicher Gatte
Herr Wilhelm Steinhaeusser, Rechtsrath,
geb. am 20. Jan. 1837, gest. am 24. Jan. 1908.
In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen,
und ich will wieder kommen u. euch zu mir nehmen,
auf dass Ihr seid, wo Ich bin.
Joh. 14.2 u. 3.
Linke Seite
A. Aufleger.
Rechte Seite
Seine treue Gattin
Frau Marie Steinhaeusser
geb. am 11. Febr. 1862, gest. am 22. Juni 19¿4
32.11.23.
- Steinhäusser, August; 21.10.1804 – 28.7.1856 (München); Königlicher Oberappellationsgerichtsrat
- Steinhäusser, Julie; 20.1.1837 – 23.2.1894
- Steinhäusser, Marie (vh); 11.2.1862 – 22.6.19¿4
- Steinhäusser, Mathilde; 25.7.1835 – 14.5.1885
- Steinhäusser, Nannette Juliana (vw); 8.2.1812 – 19.5.1877 (München); Oberappellationsgerichtsrats-Witwe
- Steinhäusser, Wilhelm; 20.1.1837 -24.1.1908; Rechtsrat


#32 – 11 – 27 (Pestalozza)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Pestalozza, Emma Friederika Gräfin von (vh) / Wohnlich, Freiin von (gb); 16.6.1823 (Augsburg) – 14.3.1888 (München); Rittergutbesitzers-Tochter / Kämmerers-Witwe
- Pestalozza, Siegmund Graf von; 16.6.1819 (Schrobenhausen) – 20.10.1859 (München); Kämmerer und Gutsbesitzer



#32 – 11 – 28·29 (Brunthaler)
Familie Brunthaler.
Hier ruhen in Gott:
unsere unvergessliche Gattin u. Mutter
Frau Maria Brunthaler,
Kaufmanns-Gattin,
geb. 20. Nov. 1826, gest. 15. Juni 1896.
Unser unvergesslicher Gatte, Vater, Sohn u. Bruder
Herr Johann Brunthaler,
Grosshändler,
geb. 29. Sept. 1860. gest. 20. Sept. 1902.
Ihnen folgte unser unvergesslicher Vater,
Gross- u. Schwiegervater
Herr Johann Brunthaler,
Kaufmann,
geb. 12. Nov. 1820, gest. 11. Sept. 1903.
Sockel
Unsere liebe Tante
Frl. Maria Brunthaler
geb. 17. Juli 1858 zu München
gest. 5. Febr. 1941 zu München.
Rückseite
Frau Marie Brunthaler,
Botenswitwe,
gest. 12. Aug. 1874, im 83. Jahre.
Maria Brunthaler, gest. 3. Jan. 1884, im 67. Jahre.
Elise Brunthaler, gest. 16. April 1860, im 9. Jahre.
32.11.28.29. Schwarz
- Brunthaler, Elise; – 16.4.1860 (München), 8 Jahre alt; Obstlers-Tochter
- Brunthaler, Johann Baptist; 12.11.1820 – 11.9.1903 (München); Privatier, ehemaliger Obst- und Südfrüchtehändler
- Brunthaler, Johann; 29.9.1860 – 20.9.1902 (München); Grosshändler
- Brunthaler, Maria (vh); 20.11.1826 – 15.6.1896 (München); Kaufmanns-Gattin
- Brunthaler, Maria; 17.7.1858 (München) – 5.2.1941 (München)
- Brunthaler, Maria; – 3.1.1884 (München), 66 Jahre alt
- Brunthaler, Marie (vw); – 12.8.1874 (München), 82 Jahre alt; Botens-Witwe





#32 – 11 – 30* (Oehlschläger)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Oehlschläger, Karolina; – 20.6.1886 (München); Pianistin

Das Grab ist nicht erhalten
#Karolina Oehlschläger
† 20.6.1886 (München)
Pianistin
#Die Bayerische Landbötin (29.5.1845)
Philharmonischer Verein. Bei der am 25 d. M. stattgehabten Produktion des philham. Vereins sind besonders die Leistungen der Dem. Johannes und Caroline Oehlschläger zu erwähnen. Erstere sang mit seelenvollem Vortrage und besonders üppiger Stimme ein Lied, das ihr ungetheilten Beifall brachte. Die gute Schule der Dem. J. wird die sicherlich zu dem durch Fleiß und Kunstliebe erstrebten Ziele führen. – Dem. C. Oehlschläger beschritt diesmal ihr erstes Debüt in dem Klaviervortrage einer großen Fantasie von Herz über Thema's aus der Oper »le Comte Ory«. Geschmack und Fertigkeit im Spiele verrieth ihren Eifer für den erwählten Kunstzweig, und eine fortwährend gute Leitung an der Hand ihres Lehrers, wird sie bald unter die Reihe der besseren Pianistinnen stellen.
Die Bayerische Landbötin No. 64. München; Donnerstag, den 29. Mai 1845.
#Neue Münchener Zeitung (30.5.1851)
Privat-Anzeigen.
Das
Concert
der Pianistin Karolina Oehlschläger
findet morgen Samstag den 31. Mai unter gefälliger Mitwirkung mehrerer Kunstnotabilitäten im großen Saale des Museums statt.
Neue Münchener Zeitung. Freitag, den 30. Mai 1851.

#32 – 11 – 32 (Widmann)
FAMILIE
FRANZ WIDMANN
MESSERSCHMIED
- Widmann, Franz; Messerschmied


#32 – 12 – 10·11* (Mair · Zandt)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Mair, Emilie (vh) / Zandt, von (gb); 5.1.1821 – 10.11.1861 (München); Privatiers-Gattin
- Zandt, Antonia Freifrau von (vh) / Conninx, Freiin von (gb); 22.7.1783 – 14.8.1854 (München); Generalmajors-Witwe
- Zandt, Leopold Freiherr von; 8.4.1784 (Düsseldorf) – 6.5.1851 (München); Generalmajor und Kämmerer
- Zandt, Leopold Freiherr von; 28.4.1848 – 24.5.1900 (München); Bahnexpeditor



Das Grab ist nicht erhalten
#Leopold Freiherr von Zandt
* 1784 (Düsseldorf)
† 6.5.1851 (München)
Generalmajor und Kämmerer
#Neue Münchener Zeitung (23.5.1851)
Leopold, Freiherr v. Zandt,
pensionirter Generalmajor und Generaladjutant Sr. Maj.
des Königs von Bayern.
(Nekrolog.)
Immer lichter werden die Reihen der Männer, welche die großen Kriege zu Ende des vorigen und Anfangs des jetzigen Jahrhunderts mit durchgekämpft haben. Einer nach dem Andern legt das müde Haupt und den narbenvollen Körper zur stillen Ruhe nieder, und die Salven, welche über die lorbeergeschmückten Gräber dahin rollen, verkünden es weithin, daß wieder einer der Tapferen, auf welche die Armee mit Stolz und Verehrung geblickt, zu seinen ihm vorangegangenen Waffen- und Ruhmesgefährten hinübergegangen!
So haben wir nun auch den am 6. d. Mts. verstorbenen k. Kämmerer, pens. Generalmajor und Generaladjutanten Sr. Maj. des Königs von Bayern, Ritter und Kommandeur vieler hohen Orden etc., Freiherrn Leopold v. Zandt zu seiner letzten Ruhestätte begleitet, und erachten es für eine Pflicht, nicht nur dem Geschiedenen gegenüber, sondern auch gegenüber der ausgezeichneten Armee, in deren Mitte er seine Helden-Laufbahn gemacht, ihm zum Gedächtniß, anderen zur Nacheiferung, eine kurze Skizze seines Lebens in diesen Blättern zu veröffentlichen.
Leopold Freiherr v. Zandt war geboren zu Düsseldorf im Jahre 1784, und trat im Jahre 1798 als Volontär in das 2 Kürassier-Regiment Minucci, später Churfürst Chevauxlegers, machte 1800 den Feldzug gegen die Franzosen mit und wurde im Jahre darauf als Estandartenführer zum Chevauxlegers-Regimente Leiningen versetzt. Zwei Jahre später finden wir ihn als Lieutenant beim zweiten Chevauxlegers-Regimente König und in diesem Range machte er die Feldzüge 1805 gegen Oesterreich und 1806 und 1807 gegen Preußen mit, und wurde im Armeebefehle vom 10. Juni 1807 wegen seiner bei der Affaire bei Kanth bewiesenen Bravour belobt.
Als Oberlieutenant machte er in demselben Regimente den Feldzug von Oesterreich mit, erhielt am 13. Mai des Jahres den Orden der französischen Ehrenlegion und wurde am 10. Juli desselben Jahres in der Schlacht von Znaym durch einen Schuß in das Bein schwer verwundet. In demselben Jahre blieb auch sein tapferer Vater, der General v. Zandt auf dem Felde der Ehre im Treffen bei Landshut. – Im Jahre 1810 zum Rittmeister befördert, machte er die Feldzüge von 1812, 13, 14 und 15 mit. Bereits 1813 war er Major im 7. Chevauxlegers-Regimente, später 1. Kürassier-Regimente Prinz Karl, und wir erblicken ihn im dichtesten Schlachtgewühle des mörderischen Kampfes bei Arcis sur Aube (1. März 1814), wo ihm ein Pferd unter dem Leibe erschossen wurde, und schon 12 Tage später schmückte die Brust des tapferen Reiteranführers der russische St. Annaorden 2. Klasse. Auf gleich rühmlicher Weise hatte sich der Verewigte in der Affaire bei Villeneuve 1e Comte ausgezeichnet, wofür er am 24. Juni 1815 mit der ruhmvollen Dekoration des königl. bayer. Militär-Max-Josephs-Ordens belohnt wurde. Im Jahre 1820 wurde er im gleichen Range zu der Garde du Corps zu Pferd, nachhin 1. Kürassier-Regimente Prinz Karl, versetzt, 1824 zum Oberstlieutenant in demselben befördert, erhielt 1826 den k. k österr. Leopoldsorden, sowie später das Kommandeurkreuz desselben Ordens. Im Jahre 1830 treffen wir ihn als Oberst des 4. Chevauxlegers-Regiments König und 1831 in gleicher Eigenschaft beim 1. Kürassier-Regimente Prinz Karl. 1837 erhielt er den k. sächsischen Heinrichsorden, 1836 das Ehrenkreuz des k. bayer. Ludwigsordens für 50 Dienstjahre, wurde 1843 charakterisirter Generalmajor und Sekonde-Lieutenant in der k. Leibgarde der Hartschiere, 1845 wirklicher Generalmajor und Generaladjutant Sr. Majestät des Königs und trat endlich im Oktober 1849 in den wohlverdienten Pensionsstand.
Wir haben in dem Vorstehenden nur in sehr skizzenhaften Umrissen das Leben eines Offiziers angedeutet, der ununterbrochen in neun Feldzügen, worunter der nach Rußland, mit stets gleicher Bravour und Auszeichnung diente und nun zum großen Leidwesen seiner noch lebenden Waffengenossen den Folgen seiner Wunden und Strapazen erlegen ist. In den Annalen des bayerischen Heeres wird sein Name unvergänglich strahlen als Muster und Vorbild für kommende Zeiten. Ruhe seiner Asche. – I.
Neue Münchener Zeitung Nr. 122. Freitag, den 23. Mai 1851.

#32 – 12 – 12 (n. n.)



#32 – 12 – 13 (Schimon · Seebach)
Hier ruht
Elise Seebach
Ehrenmitglied der kgl. bayr.
Hofbühne
geboren zu München 17. April 1806
gestorben zu Tegernsee 4. Okt. 1878
Friede sei mit Dir
- Schimon, Ferdinand; 6.4.1797 (Pest) – 29.8.1852 (München); Sänger und Portraitmaler
- Seebach, Elise; 17.4.1806 (München) – 3.10.1878 (Tegernsee); Schauspielerin



#Ferdinand Schimon
* 6.4.1797 (Pest)
† 29.8.1852 (München)
Sänger und Portraitmaler
#Kunstvereins-Bericht für 1852 (1853)
Nekrologe.
Ferdinand Schimon,
pens. k. bayer. Hofsänger und Maler, geboren in Pesth am 6. April 1797,
kam in früher Jugend nach Wien, um sich unter der Leitung des k. k. Hofmalers Lampi in der Kunst auszubilden, vertauschte aber später, durch seinen Freund Schuberth veranlaßt, die Staffelei mit der Bühne und ward so im Jahre 1821 als Tenorist am k. Hoftheater in München engagirt.
Seiner Lieblingsbeschäftigung, der Malerei, konnte er während der Dauer seines Engagements nur in den Musestunden nachkommen und erst vom Jahre 1840 an, wo er als Hofsänger pensionirt wurde, war es ihm gestattet, ganz der Kunst zu leben.
In jene Zeit fallen die bedeutendsten seiner Gemälde, nämlich ein im Besitz des Kaisers von Rußland befindliches Portrait Sr. Maj. des Königs von Württemberg; die für den Hof in Stuttgart gemalten Portraits der regierenden Königin von Holland und der Prinzessinen des k. Hauses von Württemberg, ferner die in der herzogl. Leuchtenberg Gallerie und auf dem k. Lustschlosse Rosenstein bei Stuttgart befindlichen Genrebilder. In der Pinakothek in München ist ein Theil der Loggia »die Kuppel des Michel Angelo« unter der Leitung des jetzigen Galleriedirektors Zimmermann durch ihn gemalt.
Kurz vorher von einer Reise zurückgekehrt, wie er alljährlich eine unternahm, starb er in Folge eines Schlagflusses am 29. August 1852 zu frühe für die Kunst wie für seine trauernde Familie.
Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München während des Jahres 1852. München, 1853.
#Neuer Nekrolog der Deutschen (1854)
August.
D. 29. zu München Ferdinand Schimow, pens. kön. bayer. Hofsänger und Maler, plötzlich in Folge eingetretenen Schlagflusses. Sch. wurde den 6. April 1797 zu Pesth in Ungarn geboren und kam in früher Jugend nach Wien, um sich unter der Leitung des k. k. Hofmaler Lampi in der Malerkunst auszubilden. Schon damals erkannte sein tüchtiger Meister, daß in dem Jüngling ungewöhnliches Talent schlummere, denn er erfand mit Leichtigkeit und wußte diese glücklichen Erfindungen stets mit sorgfältigem Pinsel auszuführen. Der Umgang mit seinem Freunde, dem berühmten Schubert, bestimmte ihn, später die Staffelei mit den Bretern zu vertauschen, und so ward Sch. im J. 1821 als Tenorist am kön. Hoftheater in München engagirt, wo er als tüchtiger, mit Stimmmitteln reich begabter dramatischer Sänger glänzende Erfolge erzielte und ehrenvolle Erinnerung an seine damaligen Leistungen noch im heutigen Publikum genießt. Seiner Lieblingsbeschäftigung, der Malerei, konnte er während der Dauer seines Engagements nur in Musestunden gedenken; doch verdankt man auch jener Zeit werthvolle, Poesie ausströmende Gemälde, in welchen viel Leben und Wahrheit herrscht. Im J. 1840 als Hofsänger pensionirt, konnte er nun ganz wieder seiner Kunst leben, der er mit aller Gluth angehörte. In jene Zeit fallen die bedeutendsten Gemälde von seiner Hand, unter welchen als hervorragendstes das für den stuttgarter Hof gemalte Portrait der regierenden Königin von Holland, ferner ein im Besitz des Kaisers von Rußland befindliches Bild des Königs von Würtemberg, sodann des Herzogs von Leuchtenberg u. s. w. rühmlichst genannt zu werden verdienen. Viele Kunstvereine sind im Besitz geschätzter Werke von der Hand des Verblichenen. In der Pinakothek zu München ist ein Theil der Loggia, die Michel-Angelo-Kuppel, unter der Leitung des jetzigen Gallerie-Direktors von Zimmermann durch ihn verfertigt. Drei Eigenschaften sind es besonders, die glänzend bei diesem Künstler hervortreten: Grazie, Harmonie und Führung des Pinsels. Es herrscht eine liebliche Anmuth in den Stellungen seiner Figuren, ein eigenthümlicher Reiz in deren Erfindung und dem Ausdruck derselben, der bei Lüsternen den Wunsch nach Besitz erregen könnte. Genau und mit psychologischer Richtigkeit bezeichnete er Alter, Geschlecht und Stand seiner Figuren, und wußte jeder derselben ihren eigenthümlichen Charakter zu verleihen. Sch. war als Künstler in doppelter Beziehung geschätzt, aber auch als wackerer, edler, herzensguter Mensch von Jedem, der ihn kannte, geachtet und geliebt. Einfach und gerade, liebevoll gegen Jedermann, war es ihm stets die größte Freude, sich dienstfertig erweisen zu können; jüngere Künstler fanden in ihm einen wahrhaft väterlichen Freund. Schlummernde Talente rüttelte er kräftigst auf, nährte und pflegte sie; anders Befähigte führte er auf die schonendste Weise neuen Bahnen zu, auf denen sie sich ehrenvoll bewegen konnten und ihm nun heiße Dankesthränen in sein Grab nachsenden. Sch. war heiter bis an sein Lebensende, obwohl er bereits vor meheren Jahren einen Schlaganfall erlitt. Eine Reise, die er alljährlich einmal unternahm, gehörte zu den schönsten Freuden des tief gemüthlichen Mannes, diesesmal bildete sie eben den Rest seines Lebens; denn kurz vorher erst zurückgekehrt, schlummerte er am Morgen des oben genannten Tages wie ein schuldloses Kind ein und ging hinüber in ein besseres Jenseits, eine Welt verlassend, auf die er ungetrübt seine letzten Blicke werfen konnte.
Neuer Nekrolog der Deutschen. Weimar, 1854.
#Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich (1875)
Schimon, Ferdinand (Maler und kön. bayerischer Hofsänger, geb. zu Pesth 6. April 1797, gest. zu München 29. August 1832). Kam in früher Jugend nach Wien, um sich unter der Leitung des Malers Lampi des Sohnes [Bd. XIV, S. 61] in der Kunst auszubilden. In einiger Zeit aber von seinem Freunde Schubert veranlaßt, gab er das Malen auf und wendete sich als Sänger der Bühne zu, für welche ihn seine schöne Tenorstimme besonders geeignet machte. Im Jahre 1821 wurde er als Tenorist an dem kön. Hoftheater in München angestellt und nahm nun in dieser Stadt seinen bleibenden Aufenthalt. Aber auch die Führung des Pinsels hatte er nicht aufgegeben; konnte er aber letzterer Kunst, so lange er Sänger war, nur in den Mußestunden obliegen, so widmete er sich derselben ganz, nachdem er im Jahre 1840 als Hofsänger pensionirt worden. Von nun an malte er mit allem Eifer und mit großem Geschick. Schon seit 1838 hatte er die verschiedenen Ausstellungen zu München, Nürnberg, Karlsruhe, Stuttgart mit Porträts und Genrebildern, auf welch' letzteren aber immer das Porträt vorherrschend war, beschickt. Seine mit Geschmack ausgeführten Arbeiten fanden allgemein Beifall, die Kritik rühmte an denselben die lebendige Auffassung, Naturtreue, gute Technik, namentlich in den Fleischtönen. So z. B. fanden seine beiden Bilder: »Schlafendes Mädchen« und »Die besorgte Mutter«, womit S. die Wiener Jahres-Ausstellung 1842 – das einzige Mal – beschickt hatte, sehr viel Beifall. In ersterem wollte die Kritik Amerling'schen Einfluß gewahren, auf letzterem aber fand das Kennerauge den Kopf ideal-schön, den Ausdruck wahr, die Beleuchtung sehr vortheilhaft. Ueberhaupt gelangen S. vor Allem Frauenbildnisse; ohne in's Weichliche, Geleckte, Almanachartige zu verfallen, gab er seinen weiblichen Porträten einen Reiz, einen Anmuth, welche das Auge zu fesseln verstanden. Dadurch wurde S. auch in den höchsten Kreisen gesucht; so malte er das Bildniß des verstorbenen Königs von Württemberg für den Kaiser Nikolaus von Rußland, malte die verstorbene Königin von Holland, die sämmtlichen württembergischen Prinzessinen und noch mehrere fürstliche Personen. Von seinen Künstlerporträten sind Ludwig von Spohr und der berühmte Eßlair bekannt, welche er auch nach seinen eigenen Gemälden (Fol.) lithographirte. Ein besonders anmuthiges Bild des Künstlers ist »Adriana«, welches auch in der Kunstanstalt von Friedrich Korn für einen Almanach in Stahl gestochen wurde. Es ist ein Frauenbild, das in der Linken das Tambourin, die Rechte auf das Knie gelegt hält. Die Arme sind entblößt, das lose anliegende Hemd läßt eine herrliche Büste sehen, im gescheitelten Haare steckt eine Rose. Das Gesicht ist von einer Anmuth und Lieblichkeit ohne Gleichen. In der Leuchtenberg'schen Gallerie und im kön. Lustschlosse Rosenstein bei Stuttgart befinden sich mehrere Genrebilder Schimon's. Auch hat er in der Pinakothek zu München einen Theil der Loggia, »Die Kuppel des Michel Angelo«, unter der Leitung des Gallerie-Directors Zimmermann gemalt. Alljährlich unternahm S. in den Sommermonaten eine kleine Erholungsreise; von einer solchen in den letzten Tagen der August 1852 zurückgekehrt, raffte ihn ein plötzlicher Tod im Alter von erst 55 Jahren dahin.
Sein jüngerer Bruder Maximilian (geb. zu Pesth 1805, nach Anderen 1806) widmete sich gleichfalls der Kunst, u. z. besuchte er zuerst die Kunstakademie seiner Vaterstadt Pesth, 1831 aber begab er sich zur weiteren Ausbildung nach München, wo damals bereits seit mehreren Jahren sein Bruder Ferdinand als Hofsänger sich befand. Nach sechsjährigem Aufenthalte in der Isarstadt kehrte er im Jahre 1836 nach Pesth zurück. Später begab er sich nach Wien, wo er am 13. Juni 1859 im Alter von 54 Jahren starb. Maximilian S. malte Bildnisse, Historien, Darstellungen aus dem ungarischen Volksleben. Näheres über seine Arbeiten ist nicht bekannt. In den Ausstellungen begegnete man seinen Arbeiten nicht.
Rechenschafts-Bericht des Verwaltungs-Ausschusses des Kunstvereins in München für das Jahr 1852, S. 49. – Frankl (Ludwig Aug.). Sonntagsblätter (Wien 8°.) I. Jahrg. (1842). S. 365, im Ausstellungsberichte von L. Dusch. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1839, E. A. Fleischmann, 8°.) Bd. XV, S 235. – Kunst-Blatt (Stuttgart, Cotta. 4°) 1829, Nr. 95, S. 379, im »Münchener Kunst-Ausstellungsberichte«.
Dr. Constantin von Wurzbach: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. Wien, 1875.
#Allgemeine Deutsche Biographie (1890)
Schimon: Ferdinand S., Porträtmaler und Sänger, geboren am 6. April 1797 zu Pesth, kam frühzeitig nach Wien, bildete sich unter dem älteren J. B. Ritter v. Lampi, dem Sohne des berühmten Bildnißmalers, wendete sich aber auf den Rath seines Freundes, des berühmten Tondichters Franz Schubert, zur Bühne. Seine schöne Tenorstimme verschaffte ihm 1821 eine Anstellung am königlichen Hoftheater in München; er galt als beliebter Opernsänger bis zu seiner 1840 erfolgten Pensionirung. Von da an trat die Malerei, welche er inzwischen nur in den Mußestunden cultivirt hatte, wieder in den Vordergrund; verschiedene Porträts, auch in genrehafter Form, wie ein »Mädchen in italienischer Tracht« (1837), eine »Gruppe von Mädchen« (1838) u. s. w. waren ziemlich regelmäßig in verschiedenen Kunstvereinen zur Ausstellung gelangt. Bis zu seinem am 29. August 1852 erfolgten Tode malte S. viele Damenbildnisse und Genrestücke mit Frauen, welche gute Aufnahme fanden. Man rühmte damals seine lebendige Auffassung, Naturtreue und gute Technik in den Fleischtönen, womit freilich alle Vorzüge von Schimon’s süßlichem Colorit und theatralischer Haltung erschöpft sind. Dieser hinreichend hervortretenden Begabung wegen wurde S. in den höchsten Kreisen gesucht; er malte das Bildniß des Königs von Württemberg für den Kaiser Nikolaus von Rußland, die Königin von Holland, die sämmtlichen württembergischen Prinzessinnen und mehrere fürstliche Personen. Sein eigenes Porträt aus dem Jahre 1820 findet sich als Bleistiftzeichnung in der sogenannten Maillinger-Sammlung (1886 IV. B. Nr. 1060; bei dieser Gelegenheit muß die Unzuverlässigkeit der biographischen Angaben dieses vierten Bandes auf das schärfste gerügt werden). Auch als Lithograph bethätigte sich S., indem er die von ihm gemalten Bildnisse Eßlair’s und L. Spohr’s auf Stein zeichnete; das von S. gemalte Porträt des Hoftheater-Intendanten und Oberstkämmerers Freiherrn v. Poißl wurde jedoch durch Legrand lithographirt. Eine »Adriana« hat Fr. Korn in Stahl gestochen. Unter Clemens Zimmermann malte S. einen Teil der »Kuppel des Michel-Angelo« in der sogenannten Loggia der alten Pinakothek – eine übrigens kaum erhebliche und darum auch vereinzelt gebliebene Leistung Schimon’s im Bereiche des Fresko. – Sein jüngerer Bruder Maximilian S., geboren 1805 zu Pesth, widmete sich gleichfalls der Kunst, besuchte die Akademie seiner Vaterstadt, weilte 1831–36 in München, malte dann wieder in Pesth und Wien und starb daselbst am 13. Juni 1859. Er lieferte Bildnisse, Historien und Darstellungen aus dem ungarischen Volksleben.
Vgl. Nagler 1845 XV, 235. – Kunstvereins-Bericht für 1852, S. 49. – Wurzbach 1875. XXIX, 342.
Hyac. Holland.
Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1890.
#Elise Seebach
* 17.4.1806 (München)
† 3.10.1878 (Tegernsee)
Schauspielerin
#Die Deutsche Schaubühne (1861)
Fräulein Seebach spielt chargirte komische Akte. Die Versuchung zu karrikiren, liegt hier sehr nah, und schon dieser Versuchung siegreich widerstanden zu haben, verdient Lob und Anerkennung. Aber Fräulein Seebach thut noch mehr. Sie individualisirt, wie man es bei Damen selten findet; wir möchten sie einen »weiblichen Charakterdarsteller« nennen, und deshalb folgen wir denn auch mit dem lebhaftesten Interesse ihren meist undankbaren Rollen, aus denen wir nur eine Baronin von Morin (»Pariser Taugenichts«), Mademoiselle Reinhold (»Hagestolzen«), Caton (»Grille«), Katharina (»Ich bleibe ledig«) u. s. w. als Beweis des Gesagten herausgreifen wollen.
Die Deutsche Schaubühne. Organ für Theater und Literatur. Redigirt von Dr. Teodor Mehl. Hamburg; 1861.
#Almanach der Königlichen Theater und des Volks-Theaters zu München für das Jahr 1872 (1873)
Fünfzigjähriges Jubiläm
des Fräulein
Elise Seebach,
Königl. Bayerische Hof-Schauspielerin.
Selten wohl wurden einer Jubilarin so viele innige Beweise von Liebe und Verehrung dargebracht, als Elise Seebach, der trefflichen Künstlerin, der das Glück zu Theil wurde, ein fünfzigjähriges Kunst- und zugleich Dienst-Jubiläum zu feiern, denn fünfzig Jahre hatte die Künstlerin am Hoftheater zu München gewirkt. Es ist ein seltenes Fest; nur Wenigen ist vergönnt, es feiern zu können.
Elise Seebach ward am 17. April 1806 zu München geboren. Ihr Vater, Musikmeister beim Infanterie-Leibregimente, starb, als dieselbe kaum das neunte Jahr erreicht hatte. Verständniß für Musik, aber ohne genügende Ausbildung, war das Einzige, was das Mädchen aus dem elterlichen Hause mitbrachte. Dagegen hatte sich schon in dem Kinde ein mächtiger Hang zur Schauspielkunst gezeigt, und drang sie unaufhörlich in die Mutter, bis ihr diese gestattete, auf dem damals bekannten Liebhaber-Theater im Frohsinn ein paar Rollen zu spielen. Charlotte Birch-Pfeiffer sah sie bei dieser Gelegenheit und nahm sich sofort des talentvollen 15jährigen Mädchens an. Ihr geistvoller Unterricht ging rasch in das empfängliche Gemüth über, und so beschloß die Lehrerin, sie auf der Hofbühne einen Versuch machen zu lassen. Doch manche Schwierigkeit stellte sich ihren Wünschen entgegen. Man erlaubte ihr die selbstgewählte Rolle nicht, schickte ihr dagegen drei Tage vor der Aufführung die Rolle der Aphanasia in Kotzebue’s »Graf Benjovsky«, und so betrat denn Elise Seebach am 18. August 1822 mit nur einer Probe zum ersten Male die Königl. Hofbühne. Ihre erste Leistung wurde mit großem Beifall vom Publikum belohnt. Das gab ihr den Muth, ihre Lehrerin auf einer Kunstreise nach Stuttgart, Kassel, Hannover, Hamburg und Berlin zu begleiten. An allen diesen Orten spielte sie mit Charlotte Birch-Pfeiffer, und überall ward ihr gleiche Anerkennung und Aufmunterung zu Theil.
Nach München zurückgekehrt, trat sie sofort in die Reihen der Mitglieder der Kgl. Hofbühne ein, und durfte sie noch mit Eßlair und Sophie Schröder in Phädra, Sappho und vielen anderen Stücken spielen. Einem Wunsche der Intendanz folgend, trat sie bald in das damals ganz verwaiste ältere komische Fach über, und wurde darin rasch der erklärte Liebling des Publikums, der sie bis heute blieb. Doch nicht nur selbst wirken als Künstlerin, auch heranbilden wollte sie Künstlerinnen, und deshalb stellte sie der Intendant v. Küstner gern als Lehrerin an. Manch talentvolles Mädchen verdankt ihr eine glückliche Laufbahn, unter denen die Namen Sophie Stehle und Mathilde Mallinger obenan stehen.
Der 18. August war für die Jubilarin, wie für alle dabei Betheiligten ein schönes Fest. Briefe, Geschenke, Telegramme, Blumen trafen von allen Seiten ein. Se. Kgl. Hoheit Herzog Max v. Bayern übersandte ihr Glückwünsche, der Kgl. Prinz Adalbert v. Bayern durch seinen Adjutanten ein Bouquet und Glückwunsch. Mittags 12 Uhr war das gesammte Personal im großen Saale des Theaters versammelt. Se. Excellenz der General-Intendant Baron v. Perfall in Gala-Uniform, von den Regisseuren und Beamten begleitet, begrüßte die Jubilarin. In feierlicher, ergreifender Rede schilderte er die Verdienste derselben und ernannte sie im Namen Sr. Majestät des Königs zum Ehrenmitglied der Kgl. Hofbühne. Zugleich heftete er ihr die goldene Medaille des Ludwig-Ordens für 50jährige treue Dienste an und betonte hiebei besonders, daß seit Gründung des Ordens außer der Jubilarin nur noch eine Dame damit ausgezeichnet wurde. Tief ergriffen dankte Frl. Seebach mit einfachen, herzlichen Worten Sr. Majestät für diese Auszeichnung , aber auch ihrem Chef, dessen Fürsorge ihr diese Ehren erwirkt hatte. Alle Anwesenden waren sichtlich ergriffen, und wollten die Beglückwünschungen und Gratulationen nicht enden. Baron von Perfall hatte in seinem gastlichen Hause ein Diner veranstaltet, wozu die Jubilarin, wie auch die Regisseure des Schauspiels mit ihren Frauen geladen waren. Passende Toaste würzten das Mahl, und freudig und frohen Herzens, wie man gekommen, schied man von seinem Vorstande.
Der 19. August gab dem Publikum Gelegenheit, seinen Liebling auszuzeichnen. Gegeben wurde: »Die alte Schachtel« und »Des Nächsten Hausfrau«, zwei Glanzrollen der Jubilarin. Das Haus war gedrängt voll, und als der Vorhang sich hob und die Künstlerin auftrat, wurde sie vom stürmischsten Jubel und nicht enden wollenden Blumenregen empfangen. Den ersten Kranz warf Se. Kgl. Hoheit Herzog Ludwig von Bayern, den zweiten Se. Excellenz Baron von Perfall, und viele, viele folgten. Se. Majestät der König, welcher der Vorstellung anwohnte, ließ der Jubilarin sein lebensgroßes Brustbild mit eigenhändiger Unterschrift, ein prachtvolles Armband und ein Rosenbouquet durch Baron von Perfall überreichen. Am Schluß der Vorstellung dankte die Jubilarin in einfachen, herzlichen Worten dem Publikum für die Theilnahme, die ihr dasselbe seit 50 Jahren geschenkt und die sich von den Eltern auf die Kinder vererbt hätte. Tiefgerührt verließ sie die Bühne und betrat ihre festlich geschmückte Garderobe, die einem herrlichen Blumengarten glich, denn alle Collegen und Colleginnen hatten reichliche Blumenspenden geschickt. Währenddem hatte sich das ganze Kunstpersonal, dem sich auch der Hr. General-Intendant Excellenz mit Familie angeschlossen, auf der Bühne in festlicher Kleidung versammelt, auch das Volks-Theater hatte eine Deputation gesandt. Herr Regisseur Sigl führte die Jubilarin zurück in den feierlichen Kreis. Herr Regisseur Richter ergriff das Wort und sprach mit bewegter Stimme:
»Heute ist ein halbes Jahrhundert verflossen, seitdem Sie die hiesige Bühne zum ersten Male betraten. Sie blieben seit jenem Tage nicht nur der Kunst, sondern auch mit seltener Beständigkeit dem Königl. Hoftheater – Einem Theater 50 Jahre hindurch – treu, bekundeten stets in allen Ihren Leistungen künstlerisches Streben und Schaffen, Eifer und Ernst für die heilige Sache der Kunst, und erwarben und erhielten sich dadurch die Liebe und Achtung des Publikums und Ihrer gesammten Collegen und Colleginnen. Empfangen Sie von dem Kunstpersonale des Kgl. Hoftheaters als ein Erinnerungszeichen an Ihren goldenen Jubeltag diese Kette und nehmen Sie dies Andenken sinnbildlich als Ausdruck unseres Wunsches: Sie an unsern Kreis auch ferner gefesselt und Sie noch lange in voller Gesundheit und Laune auf der Kgl. Bühne mit der alten Lust wirken zu sehen.«
Ein prachtvolles Gedenkbuch mit Namensunterschrift aller Mitglieder, sowie auf einem Sammetkissen eine schwere goldene Kette nebst Kreuz überreichend, schloß Herr Richter die Feier mit einem Lebehoch auf die Jubilarin, welche vor Thränen kaum Worte des Dankes finden konnte.
Möge sich die hochverdiente Künstlerin noch viele Jahre bei bester Gesundheit der Erinnerung dieses schönen Festes erfreuen.
Anton Hagen: Almanach der Königlichen Theater und des Volks-Theaters zu München für das Jahr 1872. München, 1873.
#Deutscher Bühnen-Almanach (1873)
Jubiläen.
Elise Seebach,
Königlich Bairische Hof-Schauspielerin.
Fünfzigjähriges Künstlerjubiläum.
Ein seltenes Fest ist und bleibt ein fünfzigjähriges Jubiläum, welches nur wenigen Menschen vergönnt ist, feiern zu können. Was drängen sich in diese Zahl 50 nicht für Ereignisse im gewöhnlichen, um wie viel mehr in das bewegte Leben des Künstlers!
Der Hofschauspielerin Elise Seebach ward das Glück zu Theil, dieses Fest am 18. August in München feiern zu können. Die Jubilarin ward am 17. April 1806 zu München geboren. Ihr Vater, Musikmeister beim Leibregimente in München, starb schon, als Elise das 9. Jahr erreichte. Verständnis für Musik, aber keine Ausbildung war das einzige, was das Mädchen aus dem elterlichen Hause mitbrachte. Ein unwiderstehlicher Hang zur Kunst hatte sich früh bei ihr eingeschlichen, und so ließ sie der Mutter nicht Ruh, bis sie ihr erlaubte, auf dem damalig bekannten Liebhaber-Theater im »Frohsinn« ein paar Rollen zu spielen. Bei dieser Gelegenheit sah Charlotte Birch-Pfeiffer sie in einer derselben, entdeckte Talent und nahm sich des 15jährigen Mädchens an. Ihr geistvoller Unterricht ging schnell in das empfängliche Gemüth über, und so beschloß die Lehrerin, sie auf der Hofbühne einen Versuch machen zu lassen. Nicht ohne Schwierigkeit ging dies von statten: man erlaubte ihr die selbstgewählte Rolle nicht und schickte ihr 8 Tage vor der Aufführung die Partie der Affanasia in dem Kotzebue’schen Drama »Graf Benjofsky«. Schnelles Studiren war eine Gabe, die ihr verliehen, und so betrat Elise Seebach am 18. August 1822 mit einer Probe zum ersten Male die Bühne und wurde mit großem Beifall, welcher zum Theil auch der Jugend des Mädchens galt, aufgenommen. Hierauf begleitete sie ihre Lehrerin auf einer Kunstreise und spielte in Kassel, Hannover, Hamburg und Berlin an deren Seite, und überall ward das Mädchen gut aufgenommen und aufgemuntert. Nach München zurückgekehrt, trat sie in das Engagement und hatte das Glück, mit Eßlair und Sophie Schröder in Phädra, Sappho und in vielen anderen Stücken zu spielen. Sehr früh ging sie nach dem Wunsche der Intendanz in das ältere, damals ganz verwaiste Fach über, in welchem sie ein Liebling des Publikums geworden ist. Ihrem regen Geiste genügte die Beschäftigung als Schauspielerin nicht, und so entschloß sie sich, jungen, angehenden Künstlerinnen Unterricht zu ertheilen. Sie wurde schon unter dem Intendanten v. Küstner als Lehrerin bestallt, und es gelang ihr namentlich, junge Sängerinnen als Darstellerinnen auszubilden. Sophie Stehle, Mathilde Mallinger, Alma Possart sind Schülerinnen von ihr, so wie viele andere bedeutende Sängerinnen an den deutschen Bühnen.
So kam die Zeit ihres 50jährigen Wirkens heran. Mit frischer Kraft und glücklichem Humor hat der Himmel sie beschenkt, und so war der 18. August 1872 für die Jubilarin wie für alle Anwesenden ein schönes Fest. Schon vor dem 18. kamen Briefe und Geschenke aus allen Städten, am Tage selbst Telegramme, Blumen und Zuschriften. Se. Königliche Hoheit Herzog Max von Baiern ließ ihr Glück wünschen, Prinz Adalbert von Baiern schickte durch seinen Adjutanten ein Bouquet nebst Glückwunsch. Um 12 Uhr war im großen Saale des Theaters das ganze Kunst- und technische Personal versammelt. Se. Excellenz Baron v. Perfall in Gala-Uniform, von Beamten und Regisseuren begleitet, begrüßte die Jubilarin. In feierlicher, ergreifender Rede schilderte er die Verdienste derselben und ernannte sie im Namen Sr. Majestät zum Ehrenmitglied der königl. Hofbühne und heftete ihr die Medaille des Ludwigsordens für 50jährige treue Dienste an. Se. Excellenz betonte noch besonders, daß das eine Auszeichnung sei, welche seit der Gründung des Ordens nur noch einmal einer Dame zu Theil ward. Elise Seebach, tief ergriffen, dankte mit einfach herzlichen Worten Sr. Majestät für diese Auszeichnung, aber auch ihrem Chef, dessen Sorge und Liebe ihr diese Ehren erwirkt hatten. Die Rührung, welche nach diesem Akte auf allen Gesichtern zu lesen war, gaben der Jubilarin den besten Beweis, daß ihre Kunstgenossen sich selbst in ihr geehrt fühlten. Baron v. Perfall hatte in seinem gastlichen Hause ein Diner veranstaltet. Die anwesenden Regisseure mit Frauen bemühten sich, mit passenden Toasten das Mahl zu würzen, und freudig, wie man gekommen, schied man dankend von seinem Vorstande.
Am 19. August war nun die Feier für das Publikum. Elise Seebach spielte in zwei ihrer Glanzrollen: »Die alte Schachtel« und »Des Nächsten Hausfrau«. Das Ankleidezimmer war reizend decorirt, Schiller’s und Göthe’s Büsten in Blumen und Kränzen, von Künstlern und Verehrern gespendet, zierten dasselbe. Das Haus war gedrängt voll, und als der Vorhang sich hob, die Künstlerin auftrat, brach ein Jubel und Blumenregen aus. Se. Hoheit, Prinz Louis von Baiern warf den ersten Kranz, der Königl. Intendant v. Perfall den zweiten, und viele folgten. Beifall während und nach dem Stücke ward reichlich gezollt. Se. Majestät der König, welcher der Vorstellung beiwohnte, ließ der Jubilarin sein lebensgroßes Brustbild mit eigenhändiger Unterschrift, ein prachtvolles Armband und ein Rosen-Bouquet durch Baron v. Perfall überreichen. Im zweiten Stücke trug die Künstlerin das Bouquet in der Hand und wurde abermals mit Jubel empfangen. Am Schlusse mehrmals gerufen, dankte Elise Seebach für die Theilnahme, welche ihr durch 50 Jahre ununterbrochen gezollt wurde, indem sich dieselbe vom Kinde auf Kindeskinder vererbt hätte. Tief gerührt verließ sie die Bühne, und auch unter den Zuschauern waren viele feuchte Augen zu sehen. Diesem Feste folgte noch ein Nachspiel. Die Collegen hatten sich, als das Publikum sich entfernt hatte, in Festkleidern auf der erleuchteten Bühne versammelt; die Mitglieder der Königl. Volksbühne hatten eine Deputation gesendet. Am Arme des Herrn Regisseur Sigl ward Elise Seebach vorgeführt, und nun hielt Herr Regisseur Richter eine Ansprache mit bewegter Stimme. Ein prachtvolles Gedenkbuch mit Namensunterschrift aller Mitglieder, so wie auf einem Sammelkissen eine schwere goldene Kette mit Kreuz überreichend, schloß er mit einem Lebehoch die Feier, für welche Elise Seebach vor Thränen kaum Worte des Dankes finden konnte. Möchten ihr doch diese zwei Tage noch viele Jahre in Erinnerung bleiben!
Deutscher Bühnen-Almanach. Berlin, den 1. Januar 1873.
#Die Scheinwelt und ihre Schicksale (1893)
Elise Seebach, 17. April 1806 geboren, betrat als sechzehnjähriges Mädchen zum erstenmal, als Aphanasia in Kotzebue’s »Graf Benjowsky« die Münchener Hofbühne und erzielte schon in ihrem ersten Debut einen durchschlagenden Erfolg. Ihre Lehrerin war die bekannte Charlotte Pfeiffer. Seit 1826 gehörte sie der Hofbühne als engagirtes Mitglied an, wandte sich aber schon nach einigen Jahren dem älteren Fache zu. Besonders verdienstlich wirkte Elise Seebach als dramatische Lehrerin und kann mit Stolz eine Sophie Stehle, M. Mallinger ihre Schülerinnen nennen. Im Jahre 1872 feierte sie unter lebhafter Betheiligung des Hofes, der Collegen und des Publikums das schöne Fest ihres fünfzigjährigen Küstlerjubiläums. Elise Seebach starb am 3. October 1878; die Künstlerin gehörte volle 56 Jahre der Hofbühne an.
Die Scheinwelt und ihre Schicksale. Eine 127jährige Historie der Münchener kgl. Theater im populärer Form und als Jubiläums-Ausgabe. Zu Ehren des fünf und zwanzigjährigen Dienst-Jubiläums Seiner Excellenz des Herrn General-Intendanten Freiherrn von Perfall von Max Leythäuser. München; 1893.
#Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903)
Seebach Elise, geb. am 17. April 1806 in München als Tochter des Musikmeisters beim Leibregiment. Sie hat von ihrem Vater das Verständnis für Musik geerbt und ein unwiderstehlicher Hang zur Kunst veranlaßte sie, die Bühnenkarriere zu ergreifen. Zuerst versuchte sie sich auf dem Liebhabertheater »Frohsinn«, wo sie eine Anzahl Rollen aus dem Fach der naiven Liebhaberinnen spielte. Dort sah sie einst (1821) Charlotte Birch-Pfeiffer, die sich des hochtalentierten Mädchens annahm, und ihr Unterricht erteilte.
Nach einjährigem Studium war die Kunstnovize bereits so weit, daß sie es wagen konnte, sich auf der Bühne zu versuchen und zwar erschien sie am 18. August 1822 als »Aphanasia« in »Graf Benjowsky« vor dem Münchner Hoftheater-Publikum. Allgemein wurde ihr Talent anerkannt, nur wünschte man, daß sie sich noch zur weiteren Ausbildung auf anderen Bühnen versuche, um ihr hierauf die Tore der Hofbühne öffnen zu können. In Begleitung der Birch-Pfeiffer begab sie sich nun auf Gastspielreisen, die sie während der Jahre 1823 und 1824 nach Kassel, Hannover, Hamburg und Berlin führten.
Nach München zurückgekehrt trat sie in die Reihen der Hofschauspieler und gehörten u. a. »Emilia Galotti«, »Louise« und »Melitta« zu ihren anerkanntesten Darbietungen. Auf Wunsch des Intendanten von Perfall ging sie jedoch frühzeitig ins ältere Fach über, zumal man für dasselbe keine des Instituts würdige Vertreterin finden konnte. Die Rolle der »Oberförsterin« in »Die Jäger« galt als eine geradezu unübertreffliche Leistung der Künstlerin. Auch kreierte sie bei der allerersten Aufführung von Goethes »Faust« in München (12. April 1830) die »Hexe«.
So wirkte S. mit frischer Kraft und glücklichem Humor bis 1872, in welchem Jahre sie am 18. August die Feier ihres 50jährigen Jubiläums als königl. bayer. Hofschauspielerin beging. Sie erschien in zwei ihrer Glanzrollen, in »Alte Schachtel« und »Des Nächsten Hausfrau« und erkannte in dem stürmischen Jubel die große Verehrung und Liebe, die sie beim Theaterpublikum genoß. Zum Ehrenmitglied des Hoftheaters ernannt, war sie mit seltener Frische bis zu ihrem Ableben tätig. Die Künstlerin, die sich während ihrer letzten Lebensjahre noch mit der Heranbildung junger Schauspielerinnen befaßte, wurde sogar vom Intendanten als Lehrerin bestellt um namentlich junge Sängerinnen als Darstellerinnen auszubilden. Sie starb am 3. Oktober 1878 in Tegernsee.
Ludwig Eisenberg’s Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Leipzig, 1903.

#32 – 12 – 14·15 (Laubmann · Trentini)
Malwina Laubman
geb. d. 26. April 1860 gest. d. 1. April 1866
Johann Georg Laubmann
k. Generaldirektionsrath a. D.
Ritter hoher Orden
geb. d. 8. Febr. 1822 gest. d. 23. Sept. 1889.
seine Gattin
Ida, geb. Heinzelmann
geb. d. 22. Juli 1825, gest. d. 4. Sept. 1902.
Ernst Laubmann
geb. d. 26. Novbr. 1854 gest. d. 9. Febr. 1903.
K. b. Generalmajor a. D.
Alois von Trentini,
Ritter hoher Orden
geb. d. 1. Januar 1843, gest. d. 18. Juli 1925
Sockel
Dessen Gattin Amalie von Trentini, geb. Laubmann,
geb. 7. Januar 1856, gest. 6. März 1941
Sockel-Tafel
Hans Laubmann
Kunstmaler
geb. ¿ gest. ¿ April ¿
¿
- Laubmann, Ernst; 26.11.1854 – 9.2.1903
- Laubmann, Hans; – 21.4.1930 (Grafrath); Kunstmaler
- Laubmann, Ida (vw) / Heinzelmann (gb); 22.7.1825 – 4.9.1902; Generaldirektionsrats-Witwe
- Laubmann, Johann Georg; 8.2.1822 – 23.9.1889; Generaldirektionsrat a. D.
- Laubmann, Malwina; 26.4.1860 – 1.4.1866 (München); Betriebsingenieurs-Tochter
- Trentini, Alois von; 1.1.1843 – 18.7.1925; Generalmajor a. D.
- Trentini, Amalie von (vw) / Laubmann (gb); 7.1.1856 – 6.3.1941; Generalmajors-Witwe



#32 – 12 – 16 (Bienenthal)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Bienenthal, Karl Bender von; 23.8.1792 – 12.6.1853 (München); Generalmajor




#Karl Bender von Bienenthal
* 23.8.1792
† 12.6.1853 (München)
Generalmajor
#Bayerische Landbötin (15.6.1853)
Tagesbericht.
München, 14. Juni.
† Vorgestern Abends starb dahier der k. Generalmajor und Brigadier Hr. Karl Bienenthal im besten Mannesalter. Der Verstorbene war ein ausgezeichneter Offizier, der auch als Privatmann sich der allgemeinsten Achtung erfreute. Bis zu seiner Beförderung zum Generalmajor und Ernennung zum Commandanten der ersten Cavallerie-Brigade war Karl Bienenthal bei den Truppenabtheilungen in der Pfalz, wo er sich, namentlich während der Jahre 1848 und 1849, vielfache Verdienste erwarb.
Bayerische Landbötin No. 143. München; Mittwoch, den 15. Juni 1853.
#Münchener Bote für Stadt und Land (17.6.1853)
Hauptstadt-Neuigkeiten.
München, 16. Juni. Gestern Nachmittag wurden die irdischen Ueberreste des Hrn. Generalmajors und Brigadiers v. Bienenthal feierlich zur Erde bestattet, wobei Truppenabtheilungen der ganzen Garnison ausrückten. Die ganze hier anwesende Generalität, worunter auch der Hr. Kriegsminister und Prinz Adalbert, folgten dem Sarge; als dieser in die Grube gesenkt wurde, ertönten die üblichen Salven. Die Truppen, nachdem sie vor dem Generalstabe vorbeidefilirt hatten, kehrten unter klingendem Spiele um 5 Uhr in ihre Kasernen zurück.
Münchener Bote für Stadt und Land No. 145. München; Freitag, den 17. Juni 1853.
#Die Wappen der deutschen freiherrlichen und adeligen Familien (1856)
Bender v. Bienenthal.
Im blauen Schilde ein schräglinker, silberner Balken, welcher mit drei goldenen, über einander stehenden Bienenkörben belegt ist. Auf dem Schilde steht ein gekrönter Helm, welcher einen offenen, goldenen Adlersflug trägt, von dessen Flügeln jeder mit einer blauen Weintraube belegt ist. Die Helmdecken sind blau und silbern. – N. Geneal. Handb., 1777. S. 193, und 1778. S. 252, u. Nachtrag, II. S. 136. – v. Hellbach, I. S. 141. v. Bienenthal.
Frankfurt a. M. und Bayern. Ein seit 1669 der adeligen uralten Gesellschaft Frauenstein zu Frankfurt a. M. einverleibtes Adelsgeschlecht, welches mit dem k. bayer. General Christian Carl Bender v. Bienenthal, welcher nur Töchter hinterliess, 1853 im Mannsstamme erloschen ist.
Prof. Dr. Ernst Heinrich Kneschke: Die Wappen der deutschen freiherrlichen und adeligen Familien. Leipzig, 1856.
#Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon (1859)
Bender v. Bienenthal. (in Blau ein schräglinker, silberner Balken, welcher mit drei goldenen, über einander stellenden Bienenkörben belegt ist). Adelsgeschlecht der freien Stadt Frankfurt a. M., welches seit 1669 der altadeligen Gesellschaft Frauenstein in Frankfurt a. M. angehörte und mit dem k. bayer. General Christian Carl Bender v. Bienenthal, welcher nur Töchter hinterliess, im Mannsstamme erloschen ist. Die bekannte Stammreihe beginnt mit Jacob v. B., geb. 1644, gest. 1695, Schöff und des Raths zu Frankfurt a. M., verm. 1666 mit Maria Margaretha Fleischbein v. Kleeberg. Aus dieser Ehe entspross Carl Wilhelm B. v. B., geb. 1683, gest. 1745, älterer Schöff und des Raths zu Frankfurt, verm. mit N. Bauer v. Eyseneck und ein Sohn desselben war Friedrich B. v. B., gest. 1791, holländ. Oberst, verm. mit Mariana v. Malapert. Aus dieser Ehe stammte neben einer Tochter, Maria Charlotte, geb. 1756, welche sich mit Christian v. Wreden, herz. zweibr. Kammerherrn und Rittmeister verm., ein Sohn Friedrich Wilhelm B. v. B., geb. 1758, welcher 1791 hessen-casselscher Rittmeister war. Die bekannten genealogischen Verhältnisse der Familie lassen annehmen, dass von demselben der obengenannte letzte männliche Sprosse des Geschlechts stammte.
N. geneal. Handb. 1777. S. 193, 1778, S. 252 u. Nachtrag, II. S. 136. – Kneschke, III. S. 40. – Suppl. zu Siebm. W.-B. V. 49.
Prof. Dr. Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon. Leipzig, 1859.

#32 – 12 – 19·20 (n. n.)


#32 – 12 – 21 (Fleischmann)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Fleischmann, Johann von; 24.3.1771 (Ingolstadt) – 27.12.1853 (München); Generalmajor



#32 – 12 – 28 (Frommel · Steinle)
Hier ruhen:
Frau Emma Steinle,
geb. Reichenbach
Reichsbankvorstands-Gattin
geb. 3. Febr. 1839, gest. 28. März 1885.
Frau Emma Steinle,
geb. Werner
Kaiserl. Bankdirektors-Gattin
geb. 8. Oktob. 1843, gest. 3. Febr. 1896.
Frau Fanny Frommel,
geb. Steinle
Kgl. Majors-Gattin
geb. 6. Juli 1870, gest. 18. Mai 1897.
Rudolf Ritter v. Frommel,
kgl. bayr. General der Cavallerie
geb. 17. Mai 1857, gest. 12. Juli 1921.
Max von Steinle,
kais. Geheimer Regierungsrat
geb. 25. Oktober 1833, gest. 1. September 1923.
- Frommel, Fanny (vh) / Steinle (gb); 6.7.1870 – 18.5.1897; Majors-Gattin
- Frommel, Rudolf Ritter von; 17.5.1857 (Augsburg) – 12.7.1921 (Rauhenzell bei Immenstadt); General der Kavallerie
- Steinle, Emma (vh) / Reichenbach (gb); 3.2.1839 – 28.3.1885; Reichsbankvorstands-Gattin
- Steinle, Emma (vh) / Werner (gb); 8.10.1843 – 3.2.1896; Bankdirektors-Gattin
- Steinle, Max von; 25.10.1833 – 1.9.1923; Geheimer Regierungsrat


#32 – 12 – 29·30 (Schuster · Zenetti · Zipperer)
Dem theuren Andenken unserer lieben
Aeltern und Schwiegerältern
Frau Rosa Zenetti geb. Knorr
geb. 28. Juli 1818. gest. 13. Juni 1860.
Herr Aug. Ferd. Zenetti
Kaufmann. Ritter und Commandant
der Landwehr Cavallerie ae. O.
geb. 15. Mai 1812. gest. 1. August 1878.
Ihnen voraus ging ihr einziger Sohn
Angelo
geb. 22. August 1848. gest. 2. März 1854.
Ruhet in Frieden!
Sockel
Commerzienrat Josef Schuster,
geb. 13. September 1842, gest. 13. April 1895.
Dessen Gattin
Marie Schuster, geb. Zenetti,
geb. 28. November 1849, gest. 6. Dezember 1908.
Juta Maria Zipperer,
geb. 17. Januar 1901, gest. 5. September 1913.
- Schuster, Josef; 13.9.1842 – 13.4.1895 (München); Grosshändler und Kommerzienrat
- Schuster, Marie (vw) / Zenetti (gb); 28.11.1849 – 6.12.1908
- Zenetti, Angelo; 22.8.1848 – 2.3.1854 (München); Kaufmanns-Sohn
- Zenetti, August Ferdinand; 15.5.1812 – 1.8.1878 (München); Kaufmann und Kommandant der Landwehrkavallerie
- Zenetti, Rosa (vh) / Knorr (gb); 28.7.1818 – 13.6.1860 (München); Kaufmanns-Gattin
- Zipperer, Juta Maria; 17.1.1901 – 5.9.1913




#32 – 12 – 31·32 (Reitmaier · Sendtner)


#32 – 12 – 33 (Geiger · Ortner)
