SECTION 42

rot: Zählrichtung der Grabreihen · schwarz: Zählrichtung der Grabnummern

#42 – 1 – 2 (Hülder)


Grab der Familie Hülder auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2018)

#42 – 1 – 3 (Wolfsteiner)


Familie
Wolfsteiner


  • Wolfsteiner, Josef, Dr. med.; 2.2.1821 (Holzheim/Opf.) – 7.2.1915 (München); Arzt

Grab der Familie Wolfsteiner auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Dr. med. Josef Wolfsteiner

* 2.2.1821 (Holzheim/Opf.)
† 7.2.1915 (München)
Arzt

#Biographisches Lexikon hervorragender Ärzte des neunzehnten Jahrhunderts (1901)

Wolfsteiner, Joseph, in München, geb. 2. Febr. 1821 in Holzheim, studierte in München und kürzere Zeit in Erlangen, Heidelberg und ½ Jahr in Paris, war nach der 1849 erfolgten Promotion 2 Jahre Assistent unter von Gietl, ist seit 1853 ausübender Arzt, 1859 bis 64 als Arzt des Königs Max II. bis zu dessen Hinscheiden in München. W. schrieb: »Über psychische Störungen im Verlaufe des Typhus« (1857) – »Über Dekubitus« (1849) – zu dem grossen Werke »Bavaria« den Artikel: »Körperbeschaffenheit und Gesundheitsverhältnisse« (1859 – »Über Typhusätiologie als Gegner der Grundwassertheorie v. Pettenkofer’s« (1872) – »Über Typhus und Cholera in ihrer Beziehung zu Grundwasser und Trinkwasser« (München 1886).

Biographisches Lexikon hervorragender Ärzte des neunzehnten Jahrhunderts. Herausgegeben von Prof. Dr. J. Pagel. Berlin, 1901.

#42 – 1 – 8 (Deutinger)


Hier ruht
der tiefsinnige Denker
Martin Deutinger,
Phil. cl. Ss. Theol. D:
Professor der Phil. u. Universitätsprediger
geb. Charfreitag den 24. März 1815
zu Langenpreising
gest. Freitag den 9. September 1864
auf einer Erholungsreise zu Pfäffers
i. d. Schweiz.

Plötzlich war das Schiff an dem Lande
nach dem sie fuhren. Ev. Joh. VI. 21.

Gewidmet in Dankbarkeit u. Liebe
vom Georgianischen Clerikalseminar
und den Verehrern des
Dahingeschiedenen.


  • Deutinger, Martin, Dr. phil. et theol.; 24.3.1815 (Schachtenmühle bei Langenpreising, Lkr. Erding/Obb.) – 9.9.1864 (Bad Pfäffers/Schweiz); Katholischer Theologe

Grab der Familie Deutinger auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Dr. phil. et theol. Martin Deutinger

* 24.3.1815 (Schachtenmühle bei Langenpreising, Lkr. Erding/Obb.)
† 9.9.1864 (Bad Pfäffers)
Katholischer Theologe

#Augburger Postzeitung (13.9.1864)

München. Vergangenen Sonntag 5½ Uhr Abends wurde die Leiche des Professors und Universitäts-Predigers, Hrn. Dr. Martin Deutinger, zur Erde bestattet. Der hochw. Hr. Abt Haneberg, ein Freund des Verstorbenen, nahm diesen traurigen Act vor. Er entwarf in einer ergreifenden Ansprache ein vollständiges Bild von dem Leben und Wirken Deutingers, hob besonders hervor die Begabung desselben für die Behandlung der größten Fragen der Wissenschaft und erwähnte der anerkannt tüchtigen Leistungen desselben auf wissenschaftlichem Gebiete, wie sie in seinen Werken vorliegen. Auch der Verkennung Deutinger's gedachte Hr. Abt Haneberg mit wenigen aber treffenden Worten und seine Bemerkung ist leider nur zu wahr, daß Deutinger vielleicht günstiger beurtheilt worden wäre und weniger Opposition erfahren hätte, »wenn er nicht Priester gewesen wäre.« R. I. P.

Augburger Postzeitung No. 217. Dienstag, den 13. Spetember 1864.

#Allgemeine Deutsche Biographie (1877)

Deutinger: Martin D., geb. in der Schachtenmühle bei Langenpreising in Oberbaiern am 24. März 1815, † in Pfäffers am 9. Sept. 1864, fand an seinem gleichnamigen Oheime (s. d. Art.) von frühester Jugend an einen Förderer seiner Erziehung und Bildung, besuchte die vorbereitenden Studienanstalten zu München und Freising, dann (1832) das Lyceum zu Dillingen und hierauf (1833) die Münchener Universität, wo er sich insbesondere durch Schelling, Baader und Görres angeregt fühlte. Nachdem er das Studium der Theologie in Freising zum Abschlusse gebracht und (1837) die Priesterweihe empfangen hatte, wirkte er zunächst bis 1840 als Coadjutor in Rosenheim und hierauf als Krankencurat und Militärprediger in München. Gegen Ende des J. 1841 wurde er zum Lehrer der Philosophie am Lyceum zu Freising ernannt, und, nachdem er ein paar Monate hindurch der Münchener Universität als außerordentlicher Professor angehört hatte, im März 1847 an das Lyceum zu Dillingen versetzt. Als er 1852 in den erbetenen Ruhestand trat, siedelte er nach München um, wo er später das Amt eines Universitätspredigers übernahm. Von einem Gehirnleiden ergriffen (1864), suchte er Hülfe in St. Moritz, eilte aber bald von dort nach Pfäffers, wo er starb. Sowie er schon in seiner Knabenzeit eine frische Begabung des Geistes und des Gemüthes zeigte und auch in späteren Jahren als Katechet oder Prediger und als öffentlicher Lehrer sein bedeutendes rednerisches Talent mit Erfolg verwerthete, so entwickelte er auch mit sprudelnder Lebendigkeit eine reiche schriftstellerische Thätigkeit. Sehen wir hierbei von jenem, was in verschiedenen Zeitschriften zerstreut vorliegt, sowie von einzelnen gedruckten Predigten ab, so folgte auf einige kleinere Aufsätze (z. B. »Ueber das Verh. d. Hermes'schen Systems z. christl. Wissensch.«) bald der Beginn seines Hauptwerkes, welches unter dem Titel »Grundlinien einer positiven Philosophie« in mehreren Abtheilungen erschien, nämlich: »Propädeutik« (1843), »Seelenlehre« (1843), »Denklehre« (1844), »Das Gebiet der Kunst im Allgemeinen« (1845), »Das Gebiet der dichtenden Kunst« (1846), woran sich anschließt »Beispielsammlung aus allen wesentlichen Entwicklungsstufen der Dichtkunst« (1846); hierauf »Moralphilosophie« (1849) und »Geschichte der griechischen Philosophie« (1852 f.). Daneben veröffentlichte er (abgesehen von Grundrissen der Logik und der Moralphilosophie, welche für seine Zuhörer bestimmt waren, 1847 f.) als Frucht mehrfacher in kunstgeschichtlicher Absicht unternommener Ferienreisen »Bilder des Geistes in Kunst und Natur« (1846 u. 1850, eine Fortsetzung gab aus Deutinger's Nachlaß Kastner heraus, 1866). Im J. 1850 gründete er eine Zeitschrift für religiösen Fortschritt »Siloah«, welche jedoch bald wieder einging; auch ein von ihm gestifteter Verein für christliche Wissenschaft, als dessen Ergebniß unter seiner Leitung zwei Bände »Der Geist der christlichen Wissenschaft« (1850 f.) erschienen, löste sich aus Mangel an dauernder Theilnahme wieder auf. Nach einer kleinen Schrift »Wallfahrt nach Oberammergau« (1851) und einem Programm »Die organische Entwicklung der Philosophie in der Geschichte« (1851) folgten noch: »Das Princip der neueren Philosophie und der christlichen Wissenschaft« (1857), »Ueber das Verhältniß der Poesie zur Religion« (1861), »Beitrag zur Lösung der Streitfrage über das Verhältniß der Philosophie und Theologie« (1861), »Das Reich Gottes nach dem Apostel Johannes« (2 Bde., 1862 f., aus dem Nachlasse ergänzt durch Kastner, 1868) und »Renan und die Wunder« (1864). Nach dem Tode Deutinger's veröffentlichte Kastner außer den erwähnten Fortsetzungen auch noch die Schrift »Der gegenwärtige Zustand der deutschen Philosophie« (1866). D. knüpfte in seinem philosophischen Standpunkte an Baader an und suchte auf ähnliche Weise, wie dieser, in Gott und dessen Offenbarung den letzten positiven Grund aller Erkenntniß zu erfassen, aber sowie D. bezüglich der Durchführung des so begründeten Erkennens in höherem Grade die geistige Selbstthat des Menschen betonte, so versuchte er auch eine allseitige Systematisirung der Baader'schen Grundgedanken. Auf solchem Plane beruht Deutinger's »positive Philosophie«, welche zur Versöhnung zwischen Glauben und Wissen führen soll und daher auch Gegenstände der christlichen Dogmatik (Dreieinigkeit, Menschwerdung Gottes, Wunder, Unsterblichkeit und dgl.) speculativ zu construiren unternimmt. So sehr aber bei solchem Standpunkte eine Abneigung gegen jedweden Pantheismus von selbst geboten ist, so will D. hinwiederum auch den üblichen Dualismus vermeiden, d. h. er sucht den letzteren nicht durch Identitätsanschauungen aufzuheben, sondern durch irgend ein vermittelndes Drittes zu versöhnen, und gelangt so zu einer überall durchgeführten Verwerthung einer Trilogie, in welcher Einheit und Gegensatz dreieinig sich verbinden (z. B.: Gott, Natur, Mensch; Geist, Leib, Seele; Sein, Leben, Erkennen; Idee, Empfindung, Begriff; Wille, Sinnlichkeit, Denken; Vernunft, Natur, Sitte; Erhaben, Angenehm, Schön u. s. f.). Die Hauptgliederung des Systems beruht darauf, daß der Wille in drei Ideen als Strahlenbrechungen der Einen Idee sich bethätigt, indem der Geist 1) im Denken ein Aeußeres innerlich setzt und dabei den Wahrnehmungsstoff auf Einheit zurückführend zur Wahrheit vordringt, 2) in der Kunst nach innerem Bilde ein Aeußeres gestaltet und, soweit der höchste Inhalt die entsprechendste Form erlangt, Schönheit erreicht, und 3) im Handeln das Gegebene zu einem über der Natur liegenden Zwecke benützt und in dieser Ineinsbildung das Gute verwirklicht. In der Einzelndurchführung folgt D., verführt durch seine rednerische Begabung, häufig einem Fluge der Gedanken und Worte, welcher sich durch den thatsächlich gegebenen Stoff nicht beirren läßt und daher einem kritischen Maßstabe nicht unterworfen werden kann, – eine Eigenthümlichkeit, welche sich am meisten in jenen Schriften fühlbar macht, welche die Geschichte der Philosophie betreffen. – In ausführlichster Breite handelt über ihn: Lor. Kastner, Mart. Deutinger's Leben und Schriften, 1. Bd. München 1875. Vgl. auch die anonyme (von Oischinger verfaßte) Schrift: Würdigung der positiven Philosophie Deutinger's, 1853.

Prantl.

Karl von Prantl: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1877.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Deutinger Martin (d. J.), Dr. phil. et theol., 1815 (Schachtenmühle bei Langenpreising, Lkr. Erding/Obb.) – 1864, katholischer Theologe, Philosoph und Universitätsprofessor; von seinem gleichnamigen Oheim gefördert, studierte D. in Dillingen und München (bei F. von Baader, J. von Görres und F. W. von Schelling), wurde Priester und nach Verwendung in der Seelsorge 1841 Lehrer der Philosophie in Freising und 1846 Universitätsprofessor in München, später auch Mitglied der BAkdW; wegen seiner von der herkömmlichen Auffassung abweichenden Lehre wurde D. 1847 nach Dillingen versetzt, seit 1852 war er aber wieder rehabilitiert und als Universitätsprofessor und Universitätsprediger in München tätig; D. versuchte im Kampf gegen Hegel einerseits und gegen den Materialismus andrerseits eine Versöhnung von Glauben und Wissen anzubahnen, auch als Ästhetiker war er hervorragend; F. von Baaders Philosophie entwickelte er weiter, sich ganz in den Gedanken des spekulativen Theismus bewegend; D. ist die bedeutendste Gestalt der »deutschen« (vor- und neuscholastischen) katholischen Theologie in der zweiten Hälfte des l9. Jahrhunderts.

Hauptwerke: Grundlinien einer positiven Philosophie als vorläufiger Versuch einer Zurückführung aller Teile der Philosophie auf christliche Prinzipien, 8 Bde., Verhältnis der Kunst zum Christentum, Deutscher Dichterwald, Briefe über Musik, Geschichte der griechischen Philosophie, Das Prinzip der neueren Philosophie und die christliche Wissenschaft, Verhältnis der Poesie zur Religion.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#42 – 1 – 9 (Lang · Schweiger)


Hier ruhen in Gott:
Herr Ludwig Schweiger,
bürgl. Stadtgärtner,
gest. d. 29. Dezember 1875 im 49. Lebensjahre.
und meine unvergeßliche Gattin
Frau Viktoria Lang
Privatiers-Gattin
geb. 12. Mai 1828, gest. 6. Dez. 1917.
Ihr folgte der treue Gatte,
Herr Josef Lang
Privatier
geb. 24. Sept. 1846, gest. 6. Nov. 1921.

Sockel
Grabstätte der Familie Schweiger.

A. Riedl.


  • Lang, Josef ; 24.9.1846 – 6.11.1921; Privatier
  • Lang, Viktoria (vh); 12.5.1828 – 6.12.1917; Privatiers-Gattin
  • Schweiger, Ludwig; – 29.12.1875 (München); Stadtgärtner

Grab der Familien Lang · Schweiger auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2018)

#42 – 1 – 11 (Püls)


Hier ruhet
unser am 13. März 1876
im Blüthenalter v. 19 Jahren
in Gott entschlafener einziger
vielgeliebter Sohn
Franz Püls
Candid. jur.
Ihm zur Seite ruht
unser innigstgeliebter
Gatte und Vater
Herr Andreas Püls,
kgl. Landrichter a. D.
geb. am 26. Nov. 1819,
gest. am 8. April 1892.

Sit terra ei levis

Sockel-Tafel
Ihnen folgte meine einzige liebe gute Gattin
Marie Püls
geb. am ¿. Januar 18¿4. gest. am 9. März 1894
Mit ihren Lieben wurde wieder vereint
Frau Jeanette Püls
geb. am 19. Februar 1832, gest. am 1. Dezbr. 1908.

Auf Wiedersehen!


  • Püls, Andreas; 26.11.1819 – 8.4.1892 (München); Landrichter a. D.
  • Püls, Franz; – 13.3.1876 (München), 19 Jahre alt; Jurastudent
  • Püls, Jeanette; 19.2.1832 – 1.12.1908 (München), 76 Jahre alt; Landrichters-Witwe
  • Püls, Marie (vh); – 9.3.1894; Landrichters-Witwe

Todesanzeige für Andreas Püls

Grab der Familie Püls auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2018)

#42 – 1 – 18 (Küffner · Lüder)


Hier ruhen
Seine Excellenz
Herr
Bernhard Ritter von Küffner
Reichsrath der Krone Bayern
und Präsident
d. k. Oberlandesgerichtes München
geb. 8. Nov. 1827, gest. 8. März 1902
seine Gattin Friederike
geb. Saalwirth, gest. 25. Aug. 1889.
u. deren Sohn Ernst
geb. 13. Febr. 1867, gest. 31. Jan. 1872,
seine zweite Gattin Ludmilla
geb. Rüber, gest. 17. März 1938.

Sockel
Hier ruhen auch des Obigen Onkel u. Tante
Herr Ludwig von Lüder,
vormal. k. b. Feldzeugmeister u. Kriegsminister
gest. 6. März 1862 im 67. Lebensjahre.
Fräulein Karoline von Lüder,
gest. 27. Nov. 1854 im 89. Lebensjahre.

Schneider


  • Küffner, Bernhard Ritter von; 8.11.1827 – 8.3.1902 (München); Reichsrat und Präsident des Oberlandesgerichtes München
  • Küffner, Ernst von; 13.2.1867 – 31.1.1872 (München); Reichsrats-Sohn
  • Küffner, Friederike von (vw) / Saalwirth (gb); – 25.8.1889 (München), 59 Jahre alt; Reichsrats-Witwe
  • Küffner, Ludmilla von (vw) / Rüber (gb); – 17.3.1938; Reichsrats-Witwe
  • Lüder, Karoline von; – 27.11.1854 (München), 89 Jahre alt; Hofdame von Saarbrücken
  • Lüder, Ludwig von; 4.2.1795 (Kusel/Pfalz) – 6.3.1862 (München); Staatsminister

Todesanzeige für Ludwig von Lüder

Todesanzeige für Ernst Küffner

Todesanzeige für Friederike von Küffner

Todesanzeige für Bernhard Ritter von Küffner

Grab der Familien Küffner · Lüder auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2020)

#Bernhard Ritter von Küffner

* 8.11.1827
† 8.3.1902 (München)
Reichsrat und Präsident des Oberlandesgerichtes München

#Münchner Neueste Nachrichten (9.3.1902)

Lokales.
München, 8. März.

Reichsrath v. Küffner †.

Bernhard Ritter v. Küffner, k. Präsident des Oberlandesgerichts München, lebenslänglicher Reichsrath der Krone Bayerns, ist heute Früh 7 Uhr nach siebentägigem Krankenlager gestorben. Bernhard v. Küffner avancirte vorwiegend in der staatsanwaltschaftlichen Carrière, wurde 16. Juli 1870 Oberstaatsanwalt am Obersten Gerichtshofe und Appellgerichte München, am 4. September 1874 Oberstaatsanwalt am Obersten und am Oberlandesgerichte München und am 22. Oktober 1892 Oberlandesgerichtspräsident in München. In den achtziger Jahren zum Reichsrathe ernannt, zeigte v. Küffner, ein Mann von großer Pflichttreue und eisernem Fleiß, in diesem Parlamente mehrfach sehr selbständige Anschauung, die zuweilen erheblich mit derjenigen der k. Regierung differirte.

Münchner Neueste Nachrichten No. 115. Sonntag, den 9. März 1902.

#Friederike von Küffner (vh) / Saalwirth (gb)

† 25.8.1889 (München), 59 Jahre alt
Reichsrats-Witwe

#Münchner Neueste Nachrichten (28.8.1889)

(Beerdigung.) Im südlichen Friedhofe wurde heute Nachmittag 4 Uhr die Gattin des Reichsrathes und Oberstaatsanwaltes Herrn Franz v. Küffer, Frau Friederike v. Küffner, zu Grabe getragen. Zu dem Leichenbegängnisse hatten sich Reichsrath und Oberkonsistorialpräsident Dr. von Stählin, viele höhere Justizbeamte etc. eingefunden. Das Grab war mit Kränzen reich geschmückt. Die Einsegnung der Leiche nahm Herr Dekan Fikenscher vor. Derselbe schilderte die Verstorbene, welche im 60. Lebensjahre stand, als eine eifrige Christin und liebevolle Gattin, die mit ihrem Gatten während einer 32jährigen Ehe in glücklicher Harmonie lebte.

Münchner Neueste Nachrichten No. 394. Mittwoch, den 28. August 1889.

#Allgemeine Zeitung (1.9.1889)

Bayerische Chronik.
München. 31. Aug.

(Allerhöchstes Beileid) hat Se. k. Hoh. der Prinz-Regent dem kgl. Oberstaatsanwalt und lebenslänglichen Reichsrathe v. Küffner anläßlich des Hinscheidens seiner Gemahlin, Frau Friederike v. Küffner, in warm empfundenen Worten zum Ausdrucke bringen lassen.

Allgemeine Zeitung Nr. 242. München; Sonntag, den 1. September 1889.

#42 – 1 – 21 (Fahrmbacher)


Familien-Grabstätte.

Dem Andenken
des theuern, unvergesslichen Gatten u. Vaters
Herrn Georg Fahrmbacher,
ehemal. Fabrik-Besitzer und
Handels-Gerichts-Assessor in Landshut,
geb. in Landshut d. 24. März 1812,
gest. in München d. 14. Oktober 1875.
Ihm zur Seite ruht sein Sohn
Richard,
geb. den 18. Okt. 1844, gest. d. 29. Januar 1868.
Ihnen folgte zum ewigen Frieden
unsere liebe, unvergessliche Mutter
Frau Elise Fahrmbacher,
geb. Knorr,
geb. d. 11. September 1813, gest. 27. Oktober 1888.

R. I. P.


  • Fahrmbacher, Elise (vw) / Knorr (gb); 11.9.1813 – 27.10.1888 (München); Tabakfabrikantens-Witwe
  • Fahrmbacher, Georg; 24.3.1812 (Landshut) – 14.10.1875 (München); Ehemaliger Tabakfabrikant und Handelsgerichtsassessor
  • Fahrmbacher, Richard; 18.10.1844 (Landshut) – 29.1.1868 (München); Tabakfabrikantens-Sohn

Todesanzeige für Richard Fahrmbacher

Todesanzeige für Georg Fahrmbacher

Todesanzeige für Elise Fahrmbacher

Grab der Familie Fahrmbacher auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2018)

#Georg Fahrmbacher

* 24.2.1812 (Landshut)
† 14.10.1875 (München)
Ehemaliger Tabakfabrikant und Handelsgerichtsassessor

#Kurier für Niederbayern (17. u. 18.10.1875)

Landshut, 16. Okt. Aus München geht uns die Trauerkunde zu, daß vorgestern ein hiesiger hervorragender Bürger, der ehemalige Tabakfabrikbesitzer Herr Georg Fahrmbacher, welcher sich dorthin ins Privatleben zurückgezogen hatte, nach längerem schweren Leiden im 63. Lebensjahre verschieden ist. Der Verlebte hat im hiesigen Gemeindeleben dadurch, daß er durch eine Reihe von Jahren die Vorsteherschaft des Gemeindekollegiums mit ebenso großer Umsicht als Begabung bekleidete, eine hervorragende Stelle innegehabt, und wird sein Andenken in den Annalen unserer Stadt stets eine ehrenvolle Stelle einnehmen. Trotz seiner ausgebreiteten Geschäftsthätigkeit als Besitzer und Leiter einer durch ihn in den schönsten Flor gebrachten Fabrik, wendete er doch stets den Gemeindeinteressen die vollste Aufmerksamkeit zu, und war er auch jedem, der zu ihm kam, um sich von seiner Einsicht Rath zu erbitten, ein treuer, stets willfähriger Berather. Sein Arbeitspersonal verehrte ihn auf's Höchste, und erfreute er sich in allen Kreisen der allgemeinsten Achtung und Beliebtheit, da er durch und durch ein Ehrenmann gewesen.

Kurier für Niederbayern No. 284 u. 285. Tagblatt aus Niederbayern. Sonntag u. Montag 17. u. 18. Oktober 1875.

#42 – 1 – 25 (Macco)


¿

Tafel
Frau Lina Macco
geb. 26. Juli 1815, gest. 29. Okt. 1921


  • Macco, Josef; 12.6.1834 (Germersheim) – 25.10.1889 (München); Königlicher Oberst
  • Macco, Lina (vw) / Grauvogl, von (gb); 26.7.1815 – 29. 10.1921 (München); Oberstens-Witwe

Todesanzeigen für Josef Macco

Grab der Familie Macco auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2018)

#Josef Macco

* 12.6.1834 (Germersheim)
† 25.10.1889 (München)
Königlicher Oberst

#Allgemeine Zeitung (27.10.1889)

(Beerdigung.) Im südlichen Friedhofe fand heute Nachmittag halb 4 Uhr die Beerdigung des vorgestern dahier verstorbenen Obersten z. D. und Commandeurs des Bezirkscommando's München II, Hrn. Joseph Macco, unter überaus zahlreicher Theilnahme von Leidtragenden aller Stände statt. Dem von Flambeaux tragenden Soldaten des Landwehrbezirks und der vorgeschriebenen Ehrenbegleitung umgebenen Sarge folgten zunächst die Verwandten, dann die Generale der Infanterie Ritter v. Fries und Ritter v. Wirthmann, die Generalmajore Blume, Popp, Graf Thürheim, Kühlmann und Giehrl, zahlreiche Stabs- und Oberofficiere, namentlich solche des Ingenieurs-Corps, in welchem der Geschiedene seinerzeit diente, ferner der Commandeur des Landwehrbezirks München I mit vielen Officieren und Beamten beider hiesigen Bezirke, endlich die Bezirksfeldwebel. Beim Einsenken des Sarges gab ein außerhalb des Friedhofes postirtes Battaillon des 2. Infanterie-Regiments die vorgeschriebenen drei Ehrensalven unter den Klängen des Fahnenmarsches. Oberst Macco ist am 12. Juni 1834 geboren, im hiesigen Cadettencorps erzogen und als Junker in das Ingenieurcorps getreten, wo er 1868 Hauptmann, 1878 Major und 1881 Oberstlieutenant wurde. Im Jahre 1885 wurde er als Oberst z. D. gestellt und ihm das Bezirkscommando München II übertragen. Oberst Macco, welcher sich in den Feldzügen 1866 und 1870/71 mehrfach auszeichnete und sich verschiedene Ehrenzeichen erwarb, hat sich wegen seiner liebenswürdigen Charaktereigenschaften in einem zahlreichen Freundeskreise ein ehrendes Andenken gesichert. Er hinterläßt einen einzigen Sohn, welcher zur Zeit auf einem deutschen Schiffe in weiter Ferne dient.

Allgemeine Zeitung Nr. 298. München; Sonntag, den 27. Oktober 1889.

#Münchner Neueste Nachrichten (28.10.1889)

(Beerdigung des Oberst Macco.) Im südlichen Friedhofe fand heute Nachmittag halb 4 Uhr die Beerdigung des vorgestern dahier verstorbenen Obersten z. D. und Kommandeurs des Landwehr-Bezirks II in München, Herrn Josef Macco unter den vorgeschriebenen militärischen Ehren statt. Dem von sechs Unteroffizieren getragenen reich geschmückten Sarge schritt die vorgeschriebene Ehrenbegleitung zur Seite und den zahlreichen Leidtragenden schloß sich ein großes Trauergefolge an; unter demselben befanden sich die Generale der Infanterie Ritter v. Fries und Ritter v. Wirthmann, die Generalmajore Blume, Popp, Graf Thürheim und Giehrl, der direkte Vorgesetzte des Verstorbenen, Generalmajor und Kommandeur der 2. Infanterie-Brigade Kühlmann, zahlreiche Stabs- und Oberoffiziere, namentlich solche des Ingenieur-Korps, in welchem der Verstorbene seinerzeit diente. Weiter folgte der Bahre das Offiziers- und Beamten-Korps des Landwehr-Bezirks II München, der Kommandeur des Landwehr-Bezirks I München, Oberst Raila, mit mehreren seiner Offiziere, die Feldwebel des Bezirks II, viele Beamte etc. Beim Einsenken des Sarges gab ein mit Fahne und Musik ausgrücktes Bataillon des 2. Infanterie-Regiments die vorgeschriebenen Ehrensalven. – Oberst Macco war geboren am 12. Juni 1834 zu Germersheim, im Kadettenkorps erzogen und als Junker in das Ingenieurskorps getreten, wo er 1868 Hauptmann, 1878 Major und 1881 Oberstlieutenant wurde. Im Jahre 1885 wurde Macco, der sich in den Feldzügen 1866 und 1870/71 mehrfach ausgezeichnet hatte, als Oberst zur Disposition gestellt und ihm das Bezirks-Kommando II München übertragen. Der Verstorbene lebte 21 Jahre in glücklichster Ehe und hinterläßt einen einzigen Sohn, der auf einem deutschen Schiff gegenwärtig in weiter Ferne weilt. Zahlreiche Freunde werden dem geschiedenen Offizier ein ehrendes Andenken bewahren.

Münchner Neueste Nachrichten Nr. 498. 28. Oktober 1889.

#42 – 2 – 3 (Schweyer)


Hier ruhet in Gott:
unser treubesorgter
Gatte u. Vater
Herr Paul Schweyer
Bäckermeister.
gest. 19. Jan. 1901, i. 56. Lebensjahr.
Dessen treue Gattin
unsere liebe gute Mutter
Frau
Therese Schweyer
gest. 11. August 1918
im 68. Lebensjahre.

Sockel
Ihnen folgte ¿
Tochter unsere gute Schwester
Fräulein Therese Schweyer
Handarbeitslehrerin
geb. 4. März 1882 gest. 28. Febr. 1924.


  • Schweyer, Paul; – 19.1.1901; Bäckermeister
  • Schweyer, Therese; 4.3.1882 – 28.2.1924 (München); Handarbeitslehrerin
  • Schweyer, Therese (vw); – 11.8.1918; Bäckermeisters-Witwe

Todesanzeige für Therese Schweyer

Grab der Familie Schweyer auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2018)

#Therese Schweyer

* 4.3.1882
† 28.2.1924 (München)
Handarbeitslehrerin

#Generalanzeiger (4.3.1924)

Ein Familiengrab im Südfriedhof nahm die Handarbeitslehrerin Therese Schweyer auf. Der amtierende Kooperator von Heiliggeist richtete an die Geschwister und die übrigen Leidtragenden herzliche Worte religiösen Trostes. Therese Schweyer war viele Jahre in ihrem Berufe tätig.

Generalanzeiger der Münchner Neuesten Nachrichten Nr. 63. Dienstag, den 4. März 1924.

#42 – 2 – 7 (Hofstetter)


Grabstätte
der Familie
Hofstetter.

Herr Sebastian Hofstetter
Kofferträgermeister
geb. 18. Okt. 1829, gest. 27. Juni 1906.
Dessen Gattin
Frau Anna Hofstetter
geb. 1¿. Febr. 1834, gest. 27. März 1922.
Deren Sohn
Herr Sebastian Hofstetter, Buchhalter,
geb. 21. Febr. 1863, gest. 3. Nov. 1916.

J. Lallinger.


  • Hofstetter, Anna (vh); 1¿.2.1834 – 27.3.1922; Kofferträgermeisters-Witwe
  • Hofstetter, Sebastian; 18.10.1829 – 27.6.1906; Kofferträgermeister
  • Hofstetter, Sebastian; 21.2.1863 – 3.11.1916; Buchhalter

Grab der Familie Hofstetter auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2018)

#42 – 2 – 13 (Rattinger)


Hier ruht in Gott
unsere liebe unvergeßliche Mutter
Anna Rattinger
kgl. Kreisbauingenieurs-Wittwe
geb. 3.Dez.1801, gest. 25.Aug.1888
Eleonora Rattinger,
kgl. Bezirksamtmanns-Gattin
geb. 14. Mai 1847, gest. 13. Januar 1910.
Emil Kaspar Rattinger
kgl. Bezirksamtmann a. D.
geb. 19. April 1828, gest. 8. August 1912.


  • Rattinger, Anna (vw); 3.12.1801 – 25.8.1888; Kreisbauingenieurs-Witwe
  • Rattinger, Eleonora (vh); 14.5.1847 – 13.1.1910; Bezirksamtmanns-Gattin
  • Rattinger, Emil Kaspar; 19.4.1828 – 8.8.1912; Königlicher Bezirksamtmann a. D.

Grab der Familie Rattinger auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2018)

#42 – 2 – 17* (Lachner)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Lachner, Ludwig; – (31).12.1887 (München), 17 Jahre alt; Steindrucker

Das Grab ist nicht erhalten

#42 – 2 – 18 (Meyer)


GOTTFRIED MEYER,
GRÜNDER UND REDAKTEUR DES
NÜRNBERGER ANZEIGERS.
GEB. 21. MAI 1817. GEST. 21. APRIL 1876.
SEI IHM DIE ERDE LEICHT!

IHM FOLGTE SEINE GATTIN
SOPHIE WILHELMINE MEYER
GEB. 13. NOV. 1815. GEST. 19. MAI 1880.

IHNEN FOLGTE IHR ENKEL
GOTTFRIED
GEST. 22. OKT. 1881 IM ¿ ALTER


  • Meyer, Gottfried; 21.5.1817 – 21.4.1876 (München); Gründer und Redakteur des Nürnberger Anzeigers
  • Meyer, Gottfried; – 22.10.1881
  • Meyer, Sofie Wilhelmine (vw); 13.11.1815 – 19.5.1880 (München); Redakteurs-Witwe

Todesanzeige für Gottfried Meyer

Todesanzeige für Sofia Meyer

Grab der Familie Meyer auf dem Alten Südfriedhof München (April 2016)

#Gottfried Meyer

* 21.5.1817
† 21.4.1876
Gründer und Redakteur des Nürnberger Anzeigers

#Bamberger Neueste Nachrichten (23.4.1876)

München, 21. April. Heute Morgens verstarb dahier unerwartet schnell nach kurzer Krankheit der frühere Redakteur und Eigenthümer des »Nürnberger Anzeigers« Herr Gottfried Meyer. Vom mittelfränkischen Schwurgerichte wurde er 22mal, wegen Preßvergehen angeklagt, freigesprochen. Bis zum letzten Augenblick stand er unbeirrt seinen Freunden und Gesinnungsgenossen bei.

Bamberger Neueste Nachrichten Nro. 111. Sonntag, den 23. April 1876.

#Memminger Zeitung (25.4.1876)

Verschiedenes.

München, 21. April. Heute Morgens ist hier Gottfried Meyer gestorben, der als Herausgeber und Redakteur des Nürnberger Anzeiger, welchen er in den fünfziger Jahren gegründet hatte, sich bekannt gemacht hat. Ein treuer und konsequenter Anhänger demokratischer Ideen hat er in den Jahren der Reaktion viel zu dulden gehabt und ist wegen Preßvergehen angeklagt mehr als zwanzigmal vor dem Schwurgericht gestanden, aber immer freigesprochen worden. Vor 5 Jahren verkaufte er sein Blatt an einen anderen Verleger und lebte seitdem hier zurückgezogen.

Memminger Zeitung No. 97. Dienstag, den 25. April 1876.

#Bayerischer Kurier (26.4.1876)

Lokales und Provinzielles
München 25 April.

Auf dem südlichen Friedhofe wurde vorgestern Nachmittag 5 Uhr unter sehr großer Betheiligung seiner Freunde und Parteigenossen dahier und von Auswärts der Privatier Hr. Gottfried Meyer, Gründer und vieljähriger Redakteur des Nürnberger Anzeiger beerdigt. Da sich derselbe die Begleitung der Geistlichkeit verbeten hatte, so fand dessen Beerdigung auch ohne deren Zuziehung statt und hielt sein Parteifreund Holzhändler Kröber von hier die Grabrede. Derselbe gab ein gedrängten Lebensabriß der Schicksale des Verstorbenen und schilderte die vielfachen Widerwärtigkeiten, die ihn schließlich zur Gründung des Nürnberger Anzeigers veranlaßten. Herr Meyer gründete den Nürnberger Anzeiger im Jahre 1857 und redigirte denselben bis zum Jahre 1872.

Bayerischer Kurier No. 116. München; Mittwoch, den 26. April 1876.

#Der Zeitgeist (28.4.1876)

† Gottfried Meyer.

Am Grabe G. Meyer's im südl. Friedhofe dahier hielt A. Kröber folgende Ansprache:

Verehrte Leidtragende, geehrte Trauerversammlung!

Wir stehen hier am Grabe eines Mannes, dessen Namen im ganzen Lande bekannt, ja weit über die Grenzen des Bayerlandes hinausgedrungen ist. War doch sein Leben ein beständiger Kampf gegen die Gewalt, für die Freiheit und für die Rechte des Volkes.

Gottfried Meyer war ein Mann der Freiheit, frei auf politischem, regilösem und socialem Gebiete, war es sein ausdrücklicher Wille, ohne Priester beerdigt zu werden. Langjährige persönliche Freundschaft, vollständige Uebereinstimmung in unserm gemeinsamen Streben nach Licht und Freiheit, verpflichtet mich, über sein Leben und Wirken hier an seinem offenen Grabe zu Ihnen zu sprechen.

Ich hätte nicht geglaubt, so bald diese traurige Pflicht erfüllen zu müssen. Noch vor wenigen Wochen, als er mir die körperlichen Leiden sagte, sagte ich scherzweise zu ihm: »Nun Gottfried, wenn Du stirbst, halte ich Dir die Grabrede.« Noch vor wenigen Tagen wandelte er unter uns. Er erlag einer Erkältung, welche er sich im Dampfbade zugezogen und ist bereits des Weges gegangen, von wannen keiner jemals rückwärts kann.

Gottfried Meyer wurde zu Ederheim bei Nördlingen im Ries geboren und starb im 59. Lebensjahre. Sein Vater war Lehrer, welcher ihn streng erzog und frühzeitig schon zu harter Arbeit anhielt. Vom Vater zum Lehrerberuf vorbereitet, besuchte er das Schullehrer–Seminar und erhielt darauf seine erste Anstellung als Schulgehilfe in Nördlingen, einige Jahre später wurde er Lehrer in Dürenzimmern bei Wallerstein, woselbst er bis Ende 1849 mit gutem Erfolg als Lehrer wirkte.

Die Zeugnisse seiner Vorgesetzten spendeten ihm das höchste Lob. Trotzdem wurde dieser Mann Ende 1849 durch Verfügung der k. Kreisregierung in Augsburg des Schuldienstes unwürdig erklärt und seines Amtes entsetzt, zu gleicher Zeit als ihn die vorgesetzte Schulbehörde für eine bessere Stelle präsentirte. Selbst das k. Landgericht Wallerstein mußte ihm bestätigen, daß er stets zur Gesetzlichkeit ermahnte. Sie werden fragen: was hatte die Regierung für einen Grund zu diesem Vorgehen. Er eiferte über die Frohnden und hohen Abgaben, welche die Gemeinde an die Patrimonialherrschaft zu leisten hatte und bekannte sich offen zur Demokratie. Mit raffinirter Bosheit wurde ihm das Absetzungsdokument am Weihnachtsabend zugestellt und mitten im Winter wurde er mit Frau und vier kleinen Kindern aus der Amtswohnung vertrieben. Getreu in Noth und Leid stand ihm seine Hausfrau, eine ächte Tochter des Rieses, zur Seite. Er fand ein Unterkommen bei der Redaktion des Fränkischen Kuriers in Nürnberg; jedoch mit einem so bescheidenen Gehalte, daß er kaum für sich und seine Familie das Nöthigste beschaffen konnte. Doch auch hier war seines Bleibens nicht, denn die Zeitung wurde unter seiner Redaktion beinahe täglich confiscirt, obwohl die Gerichte keinen genügenden Grund zur Klagestellung finden konnten.

Der geängstigte Verleger bat ihn daher, sich eine Zeit lang zurückzuziehen. Um seine Verhältnisse zu bessern, kaufte er im Jahre 1852 eine reale Bierwirthschaft, kam bei dem Magistrat um das Bürgerrecht ein. Er erhielt die Zusicherung, daß dem gegenüber kein Hinderniß, bestehe, sobald er die nöthigen Papiere aus seiner Heimat und den Kaufkontrakt vorlege. Erstere wurden ihm auf's Beste ausgestellt, jedoch auf Veranlassung des Herrn Regirungspräsidenten v. Welden in Augsburg cassirt, und der Magistrat von Nürnberg durch Drohungen eingeschüchtert, verweigerte nun die Bürgeraufnahme.

Das k. Stadtkommissariat Nürnberg beging nun eine Reihe von Gewaltthaten, von denen ich Ihnen aus den Tagebuch Meyer's aus dem Jahre 1853 einige, wie sie von seiner Hand verzeichnet wurden, vorlesen will:

»21. Juli 1853. Von der Regierung aus Nürnberg ausgewiesen. Das Stadtkommissariat sei nicht befugt, mir faktisch den Aufenthalt in Nürnberg zu gestalten. – 26. Juli. Durchs Ministerium bestätigt. – 26. August Volksfest; vom Stadtkommissariat angewiesen, augenblicklich die Stadt zu verlassen: nicht gemacht. 5. September Wirthschaft geschlossen, abermals ausgewiesen. – 10. September. Ins Ries gegangen. – 14. September. Aus Nördlingen und Gerichtsbezirk ausgewiesen. – 26. Sept. Aus meinem Haus in Nürnberg, in das ich am 22. September zurückkehrte, mit Gewalt weggerissen, in's Gefängniß geschleppt und am andern Tag per Schub nach Nördlingen gebracht. – 12. Oktober in München; 14. Okt. nach Augsburg; 15. Oktober Weiden. – 31. Oktober um 3 Tage Aufenthalt nachgesucht. (Reg. 9. Nov. publizirt 14. Nov. abgeschlagen.) – 11. Nov. In Wallerstein fl. 2. 5. vom Stadtkommissariat zu viel erhobene Taxen. – 14. Nov. Gesuch vom 31. Okt. abgeschlagen, die Polizeidiener auf meine Beschwerde vom 30. Sept. freigesprochen, die Kosten niedergeschlagen. – 31. Nov. Vom Landrichter in Nördlingen 24 Stunden Erlaubniß erhalten, meinen Vater in Ederheim zu besuchen. – 1. Dezbr. Wallerstein: Uebersiedelungsgesuch und Gesuch um Aufhebung der Ausweisung. 6. Dez. wiederholt nach Wallerstein in derselben Angelegenheit. – 8. Dezbr. Nach Gunzenhausen.«

(Schluß folgt.)

Der Zeitgeist Nro. 97. Organ des arbeitenden Volkes. München; Freitag, den 28. April 1876.

#Der Zeitgeist (29.4.1876)

Feuilletion.
† Gottfried Meyer.
(Schluß.)

Um sein Leben zu fristen, zog er in den Wald, trieb einen kleinen Holzhandel mit Köhlerei und wurde ihm erst Ende 1854 gestattet, nach Nürnberg in sein eigenes Haus zurückzukehren. Da ihm der Fränk. Kurier, der Gewalt folgend, inzwischen in seiner Opposition zu lau geworden, strebte er darnach, ein eigenes Blatt zu gründen, welches in dieser Zeit er Reaktion das Banner der Freiheit hochhalte. Und so sehen wir den Nürnberger Anzeiger entstehen. Nur schwer gelang es ihm, für sein Blatt Boden zu gewinnen.

Sahen sich doch selbst die Abonnenten vor Gewaltmaßregeln nicht sicher. Nun erst ging die Zeit der Entbehrungen für ihn und seine Familie recht an. Kaum konnte er dieser die nöthigen Lebensmittel beschaffen, da der Rest seines Vermögens auf Papier und Druckkosten bald aufging. Nur wenige wackere Demokraten, unter ihnen Titus von Bamberg, unterstützten ihn zeitweise pekuniär. Die Regierung that ihr Möglichstes, um das Blatt zu unterdrücken, doch ihre Maßregeln dienten nur dazu, den Nürnberger Anzeiger dem Publikum bekannt zu machen. Bereits Anfang der 60er Jahre hatte er sich einen Leserkreis errungen und Meyer's pekuniäre Verhältnisse allmählich günstig gestaltet. Wie sehr seine Bestrebungen von dem Volke getragen wurden, beweist am besten, daß er 22 mal vor dem Schwurgerichte für Mittelfranken angeklagt wegen Preßvergehen, Hochverrath, Majestätsbeleidigung etc. glänzend freigesprochen wurde.

Außer dem Ansbacher Schwurgericht arbeitete das Bezirksgericht in Mainz für immer weitere Verbreitung des Nürnberger Anzeigers. War doch damals beinahe keine Tagfahrt besagten Gerichtes, in welcher nicht Gottfried Meyer zu einigen Monaten Correktionshaft verurtheilt wurde, und wurde ihm in kurzer Zeit die glänzende Aussicht eröffnet, im großherzoglich hessischen Zuchthause 10 Jahre Zündhölzer zu fabriziren. Doch Freund Gottfried fand diese Aussicht nicht allzuverlockend und hütete sich wohl, das Land Hessen zu betreten und die Entziehung des Postdebits in diesem Großstaate war nur dazu angethan, dem Anzeiger dort eine immer größere Verbreitung zu verschaffen.

Im Nürnberger Anzeiger fanden namentlich die Klagen der Lehrer, niedern Beamten und Bediensteten eine Stätte. Auch bestand er mit den Herren in Talar manch ritterlichen Strauß und zwar zu einer Zeit, wo es noch nicht Modesache war, über die Clerisei zu schimpfen und der Kampf mit diesen Herren noch gefährlich war.

Vor Allem bekämpfte er jedoch die Uebergriffe der Bureaukratie und wenn wir heute theilweise bessere Zustände haben als damals, so ist dieses den Bemühungen unseres verstorbenen Freundes mitzuverdanken.

War doch der Nürnberger Anzeiger Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre so zu sagen das einzige, wirkliche Oppositionsblatt, in welchem die Sache der Freiheit und des Rechtes mit aller Kraft und zäher Ausdauer erfochten wurde. Bis zum Jahre 1866 wuchs das Blatt mit jedem Ouartal und hatte damals die Auflage die Zahl 10,000 erreicht. Da kam jener unglückselige Bruderkrieg und mit ihm die Spaltung in der seither geschlossenen wahrhaft liberalen Partei. Meyer war es nicht gegeben, dem Erfolge zuzujubeln. Auch wies er alle Versuche, welche der damalige preußische Civilkommissär in Nürnberg machte, um den Anzeiger zu gewinnen, kurz ab.

Langjährige Freunde trennten sich von ihm, als der Anzeiger das Banner der Demokratie festhielt und getreu bei der kleinen Schaar ausharrte, welche den Idealen ihrer Jugend getreu blieb. Leider muß ich hier konstatiren, daß Meyer und sein Anzeiger nicht allein von den Regierungen und ihren Organen verfolgt wurde, erklärten ihn doch auch frühere Gesinnungsgenossen mit wahrem Fanatismus in Acht und Aberacht und der Bürgerverein in Augsburg kündigte ihm 700 Abonnements. Obwohl die Zahl der Abonnenten von nun ab sich verminderte, konnte Meyer an dem was er für Recht hielt nicht irre werden. Hatte er doch schon zu verschiedenen Malen seine Existenz seiner Überzeugung zum Opfer gebracht. Sein Gesichtspunkt überragte weit die nationalen Grenzen, stand er doch im Jahre 1867 in Genf an der Wiege der internationalen Friedens- und Freiheitsliga, die in Frieden und Freiheit vereinigten Völker Europas waren das Endziel seiner Bestrebungen.

Hoch über das Banner der Nationalität pflanzte er das Banner der Freiheit, der Menschheit. Als im Jahre 1870 die Preßverfolgungen auf’s Neue angingen und er abermals einen Kreis seitheriger Freunde scheiden sah, sehnte er sich nach Ruhe. Er überließ im Jahre 1871 den Anzeiger bewährten Freunden und zog hierher um in Ruhe den Rest seiner übrigen Tage zu verleben. Doch auch hier war er fort und fort politisch thätig, und als die Demokratie Bayerns sich aufs Neue organisirte, wurde er Mitglied des Landesausschusses der deutschen Volkspartei in Bayern; als solches war er thätig bis zu seinem letzten Athemzuge. An diesem Grabe rufe ich stolz die Worte:

»Er lebte, kämpfte und starb seiner Pflicht und der Freiheit getreu.« Er bietet uns ein Bild treuer Charakterfestigkeit in allen Lagen des menschlichen Lebens. Mögen die Ueberlebenden sich ein Beispiel an ihm nehmen und sich nicht abschrecken lassen, getreulich auszuharren im Kampfe für Freiheit, Recht und Licht. Beweist auch Meyers Leben, daß der Kampf für die Freiheit ein schwerer ist, so lasset uns kämpfen wie er, bis zum letzten Athemzuge.

Die Parteigenossen Münchens schmücken seinen Sarg mit den Farben, unter welchen er gekämpft.

Lassen Sie mich noch mit einigen Worten des Menschen, des Familienvaters gedenken. Meyer war ein offener, biederer Charakter, eine natürliche Gutmüthigkeit war der Grundzug seines Wesens. Kaum gestalteten sich seine pekuniären Verhältnisse günstiger, so hatte er auch eine offene Hand für Alle, Keiner appellirte umsonst an ihn, für menschliches Elend hatte er stets ein warmes Herz.

In treuer Liebe hing er an seiner wackern Hausfrau, die über 30 Jahre sein Geschick theilte. Außer ihr hinterläßt er zwei erwachsene Söhne und eine glücklich verheirathete Tochter. Er erzog seine Kinder in den Grundsätzen, für welche er gelebt und gewirkt.

Seine Söhne sind heute eifrige Mitglieder der Volkspartei, der wahren (?) Demokratie. Möge es ihnen vergönnt sein, das hohe Ziel zu erschauen, für das ihr Vater gelebt und gestritten.

Nun, verehrte Trauerversammlung, lassen Sie mich zum Schlusse kommen. Bewahren Sie unserem dahingeschiedenen Freunde ein warmes Andenken und lassen Sie eine Thräne auf sein Grab fließen. Seinen, unsern Parteifreunden und der deutschen Demokratie rufe ich die Dichterworte zu:

»Es starb der Freiheit ein Soldat,
Ihr Andern schließt die Glieder!«

Der Zeitgeist Nro. 98. Organ des arbeitenden Volkes. München; Samstag, den 29. April 1876.

#42 – 2 – 22 (Holzmannstetter)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Holzmannstetter, Salomon; – (21).12.1886 (München), 77 Jahre alt; Privatier, ehemaliger Gärtner

Grab der Familie Holzmannstetter auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2018)

#42 – 2 – 23 (Praun)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Praun, Raimund; – 22.2.1888 (München), 30 Jahre alt; Architekt

Todesanzeige für Raimund Praun

Grab der Familie Praun auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2018)

#42 – 2 – 24 (Thünefeld)


Max Freiherr von
Thünefeld’sche Familie


  • Thünefeld und Ursensalen, Anna Freifrau von (vh); 11.4.1822 – 8.11.1868 (München); Rittmeisters-Gattin
  • Thünefeld und Ursensalen, Klara Freiin von; 5.1.1842 – 4.7.1904
  • Thünefeld und Ursensalen, Maximilian Josef Freiherr von; 16.7.1814 – 27.4.1880 (München); Rittmeister a. D.
  • Thünefeld und Ursensalen, Max Freiherr von; 8.12.1851 – 16.9.1904

Todesanzeige für Maximilian Josef Freiherr von Thünefeld und Ursensalen

Grab der Familie Thünefeld auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2018)

#42 – 2 – 26 (Dreselly)


Grab der Familie Dreselly auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2018)

#42 – 2 – 28 (Huhn)


In
Resurrectionem
Vitae.

Sockel
Die Inschrift ist nicht erhalten


  • Huhn, Eva (vw) / Herrmann (gb); – 13.7.1890 (München), 80 Jahre alt; Landgerichtsdieners-Witwe
  • Huhn, Franz Seraph; – 5.5.1889 (München), 81 Jahre alt; Pensionierter Landgerichtsdiener

Todesanzeige für Franz Huhn

Todesanzeige für Eva Huhn

Grab der Familie Huhn auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2018)

#42 – 3 – 1·2 (Söltl)


Dr. J. M. v. Soeltl, geh. Hofrath u. Univ. Professor
geb. 10. April 1797, gest. 14. April 1888.
Katharina von Soeltl, geb. Goering
geb. 10. Januar 1807, gest. 4. März 1890.
Fanny Soeltl, geb. Rothmund, Landgerichtsratsgattin.
geb. 28. Okt. 1836, gest. 31. Mai 1884.


  • Söltl, Fanny (vh) / Rothmund (gb); 28.10.1836 – 31.5.1884 (München); Landgerichtsrats-Gattin
  • Söltl, Johann Michael von, Dr. phil.; 19.4.1797 (Neunburg vorm Wald) – 14.4.1888 (München); Historiker und Schriftsteller
  • Söltl, Katharina von (vw) / Goering (gb); 10.1.1807 – 4.3.1890 (München); Universitätsprofessors-Witwe

Todesanzeige für Fanny Söltl

Todesanzeige für Dr. phil. Johann Michael Söltll

Todesanzeige für Katharina von Söltl

Grab der Familie Söltl auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

Grab der Familie Söltl auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Dr. phil. Johann Michael von Söltl

* 19.4.1797 (Neunburg vorm Wald)
† 14.4.1888 (München)
Historiker und Schriftsteller

#Allgemeine Deutsche Biographie (1892)

Soeltl: Dr. Johann Michael v. S., Historiker und Archivar, geboren zu Neunburg v. W. am 19. April 1797, † zu München am 14. April 1888.

S., der Sohn eines armen Tagelöhners, besuchte das alte Gymnasium zu Regensburg, das Lyceum zu München, endlich die Hochschule zu Landshut, wo er philologischen und historischen Studien oblag. 1822 erhielt er die erste Anstellung am Gymnasium zu Aschaffenburg, wurde aber schon nach wenigen Wochen an das königl. Erziehungsinstitut für Studirende in München berufen. Mit Erlaubniß und Unterstützung der Regierung bezog er 1825 die Universität Göttingen, um historische Vorlesungen zu besuchen; nach seiner Rückkehr wurde er zum Professor am Wilhelmsgymnasium zu München ernannt und zugleich zum Docenten an der vor kurzem nach München verlegten Hochschule.

Schon 1819 hatte S. »Poetische Versuche« veröffentlicht; es folgten eine populärgeschichtliche Studie »Heinrich IV., Kaiser und König der Deutschen« (1825), »C. J. Cäsar«, eine Monographie »aus den Quellen« (1826) und zahlreiche andere historische und historisch-belletristische Arbeiten, von welchen seine Antrittsrede »Wir Bayern sind Deutsche« hervorgehoben sein mag. 1835 erschien eine vierbändige »Geschichte der Deutschen«. Infolge einer Anzeige des Erzbischofs von München-Freising, daß das Werk nicht in katholischem Sinn geschrieben sei, wurde S. temporär quiescirt. Dagegen betraute ihn in den nächsten Jahren Kronprinz Maximilian mit litterarischen Arbeiten, von welchen das dreibändige Werk »Der Religionskrieg in Deutschland« (1842), worin Kurfürst Maximilian I. von Baiern mit den Worten charakterisirt wird: »Welch ein Mann, wären nicht Jesuiten seine Erzieher gewesen!« auf Anregung König Ludwig’s von K. M. v. Aretin und anderen lebhaft bekämpft wurde.

Nach der Thronbesteigung Maximilian’s II. wurde S. 1848 zum Honorarprofessor, im März 1849 zum außerordentlichen, im September 1849 zum ordentlichen Universitätsprofessor ernannt. Er hielt Vorlesungen über bairische und deutsche Geschichte, außerdem über Beredsamkeit; 1869 erschienen »Vorträge über Beredsamkeit«, wobei der Verfasser auf sich den horazischen Spruch angewendet wissen will, er sei der Wetzstein, der selbst nicht schneiden, wohl aber andere schneiden lehren könne. Auch eine »Aesthetik in Mittheilungen an eine deutsche Frau« erschien aus Soeltl’s Feder (1872), desgleichen eine Reihe von poetischen Arbeiten: »Konradin, ein Balladencyklus« (1848), »Dichtungen« (1855), »Gustav Adolf« (1883) u. a. Die Biographien »Max I., König von Bayern« (1836) und »Max II., König von Bayern« (1865), erheben nicht den Anspruch auf wissenschaftliche Bedeutung, sind aber anziehend und anregend geschrieben; das nämliche gilt von dem dreibändigen Werk »Das deutsche Volk und Reich in fortschreitender Entwicklung von den frühesten Zeiten bis auf die Gegenwart« (1877). Als relativ bedeutendste von seinen vielen belletristischen Arbeiten dürfte »Der Untersberg« (1862) zu bezeichnen sein, eine Sammlung von echten und erdichteten Sagen über Friedrich Barbarossa, Kaiser Max I., den alten Fritz und andere volksthümliche Persönlichkeiten der deutschen Geschichte.

1855 wurde S., um für Sybel Platz zu schaffen, zum Vorstand des königl. geh. Hausarchivs ernannt, jedoch mit dem Auftrag, seine geschichtlichen Vorlesungen an der Universität fortzusetzen; 1867 erhielt er »in Ansehung eifriger Dienstleistungen und loyaler Haltung« den Titel eines geheimen Hofraths; 1868 wurde ihm nach K. M. v. Aretin’s Ableben auch die Stelle eines Vorstands des geh. Staatsarchivs übertragen. Noch 1886 bot der nahezu Neunzigjährige eine Festgabe zum Centenarium Ludwig’s I., eine nicht uninteressante Briefsammlung: »Ludwig I., König von Bayern, und Graf von Armannsperg.«

Schaden, Gelehrtes München im Jahr 1834, S. 112. Personalakt im k. b. Staatsministerium des Aeußern und des k. Hauses.

Heigel.

Heigel: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1892.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Soeltl Johann Michael, Dr. phil., von, 1797 (Neunburg vorm Wald) – 1888, Historiker, Universitätsprofessor, Geheimer Haus- und Staatsarchivar und Geheimer Hofrat; er studierte in München und Landshut, war kurze Zeit Gymnasiallehrer in Aschaffenburg und am Münchner Erziehungsinstitut, studierte dann wieder in Göttingen, um schließlich Professor der Geschichte in München zu werden; wurde aber nach 1835 zeitweise beurlaubt, weil seine »Geschichte der Deutschen« nach Ansicht des Erzbischöflichen Ordinariats von München und Freising nicht im kirchlichen Sinn geschrieben war; dafür betraute ihn Kronprinz Maximilian (später Max II.) mit historischen Arbeiten, u. a. »Der Religionskrieg in Deutschland« (wo er Kurfürst Max I. so charakterisiert: »Welch ein Mann, wären nicht die Jesuiten seine Erzieher gewesen!«); unter Max II. wurde S. wieder Universitätsprofessor für bayerische und deutsche Geschichte; um für Sybel Platz zu schaffen, wurde S. zum Vorstand des königlichen Geheimen Hausarchivs später auch des Geheimen Staatsarchivs – mit dem Titel eines Geheimen Hofrats ernannt.

Hauptwerke: Heinrich IV. – Kaiser und König der Deutschen –, C. J. Cäsar, Ästhetik in Mitteilungen an eine deutsche Frau; auch poetische Arbeiten (Konradin – ein Balladenzyklus) und Dichtungen (wie Gustav Adolf und Der Untersberg) stammen von ihm.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#42 – 3 – 3 (Taillez)


Grab der Familie Taillez auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2018)

#42 – 3 – 5 (Hass · Reinhardt)


Ruhestätte
der Familien
Reinhardt & Hass


  • Reinhardt, Friederike (vw); – 13.1.1890 (München), 81 Jahre alt; Kassaoffiziantens-Witwe

Todesanzeige für Friederike Reinhardt

Grab der Familien Hass · Reinhardt auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2020)

#42 – 3 – 6 (Zettler)


Grab der Familie Zettler auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2018)

#42 – 3 – 22 (Storr)


GRABSTÄTTE DER FAMILIE STORR

Hier ruht in Frieden
mein unvergeßlicher teurer Gatte
unser lieber Vater
Herr Eugen Storr
Kunstanstaltsbesitzer
geb. 21. November 1863, gest. 7. Mai 1922

R. I. P.

Sockel
¿
geb. ¿ Juli 18¿
gest. ¿ Okt. 19¿9


  • Storr, Eugen; 21.11.1863 – 7.5.1922 (München); Kunstanstaltsbesitzer

Todesanzeige für Eugen Storr

Anzeige der Religiösen Kunstanstalt Eugen Storr

Grab der Familie Storr auf dem Alten Südfriedhof München (April 2016)

Grab der Familie Storr auf dem Alten Südfriedhof München (September 2014)

#Eugen Storr

* 22.22.1863
† 7.5.1922 (München)
Kunstanstaltsbesitzer

#Generalanzeiger (23.3.1913)

Geschäftsnotizen. Prinz Alfons mit Gemahlin, Prinz Clemens und Prinzessin Klara besuchten das Geschäft von Eugen Storr, Religiöse Kunstanstalt und Devotionalienverlag, Kaufingerstraße 23.

Generalanzeiger der Münchner Neuesten Nachrichten Nr. 151. Sonntag, den 23. März 1913.

#42 – 3 – 24 (n. n.)


(März 2021)

#42 – 3 – 27 (Drechsler)


Hier ruhen in Gott
Herr Johann Drechsler
Zimmermann
geb. den 22. März 1834,
gest. den 22. Juni 1893.
Dessen Gattin
Anna Drechsler,
geb. den 5. Januar 1835,
gest. den 10. Februar 1890.


  • Drechsler, Anna (vh); 5.1.1835 – 10.2.1890; Zimmermanns-Gattin
  • Drechsler, Johann (vh); 22.3.1834 – 22.6.1893; Zimmermann

Grab der Familie Drechsler auf dem Alten Südfriedhof München (März 2021)

#42 – 4 – 1 (Döberl)


Hier ruht
die Hochwohlgeborne Frau
Flora Döberl,
geb. Rebay von Ehrenwiesen,
geb. den 31. Juli 1867 in Weiler,
gest. den 8. Febr. 1889 in München.

Familien-Grab.

Sockel
42.4.1. Gschwender & Fischer.


  • Döberl, Flora (vh) / Rebay von Ehrenwiesen, von (gb); 31.7.1867 (Weiler) – 8.2.1889 (München); Gymnasialassistentens-Gattin

Grab der Familie Döberl auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2018)

#42 – 4 – 2 (Burger · Seitz)


Familie
Seitz.

Sockel
Hier ruhen:
Herr Joh. Bapt. Burger,
Schmiedmeister.
gest. d. 22. Sept. 1882, im 27. Lebensjahre.
Frau Walburga Seitz,
geb. Gscheider,
geb. d. 25. Febr. 1857, gest. d. 23. Juli 1891.
Ihnen folgte
unser lieber, unvergesslicher Gatte u. Vater
Herr Georg Seitz,
Schmiedmeister,
geb. d. 9. Mai 1856, gest. d. 22. Okt. 1929.

42.4.2. J. Deiser.


  • Burger, Joh. Bapt. ; – 22.9.1882; Schmiedmeister
  • Seitz, Georg; 9.5.1856 – 22.10.1929; Schmiedmeister
  • Seitz, Walburga (vh) / Gscheider (gb); 25.2.1857 – 23.7.1891

Grab der Familien Burger · Seitz auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2018)

#42 – 4 – 28 (Gothart · Schmidt · Schmidt-Skitt)


Thekla
Freifrau von Gothart
geb. 14. Novbr. 1814,
gest. 26. Juni 1884.
Ihr folgte ihre Tochter:
Frau
Toska Schmidt-Skitt,
geb. von Gothart,
geb. 16. Juli 1837, gest. 7. Nov. 1909.
Herr Ludwig Schmidt
gen. Skitt,
geb. 7.11.1834, gest. 8. April 1913.

Sockel
Familien-Grab.

42.4.28. Babenstuber


  • Gothart, Thekla Freifrau von (vh); 14.11.1814 – 26.6.1884
  • Schmidt, Ludwig / Skitt (ps); 7.11.1834 (München) – 8.4.1913 (München); Schauspieler und Regisseur
  • Schmidt, Toska (vh) / Gothart, von (gb) / Schmidt-Skitt (ps) ; 16.7.1837 – 7.11.1909 (München); Schauspielers-Gattin

Todesanzeige für Toska Schmidt

Grab der Familien Gothart · Schmidt · Schmidt-Skitt auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2018)

#Ludwig Schmidt / Skitt (ps)

* 7.11.1834 (München)
† 8.4.1913 (München)
Schauspieler und Regisseur

#Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903)

Skitt Ludwig (eigentlich Schmidt), geb. am 7. November 1834 in München. War für den ärztlichen Stand bestimmt, allein die Bühne interessierte ihn weit mehr und so nahm er Unterricht bei Heinrich Richter und Friedrich Haase (s. d.) und betrat nach vollendeter Ausbildung im Oktober 1854 in Nürnberg die Theaterlaufbahn. Er war dann in Halle, am Hamburger Thaliatheater, in Mainz, Düsseldorf und Magdeburg engagiert und trat 1866 als Regisseur und Darsteller erster Charakter- und Väterrollen in den Verband des Gärtnerplatztheaters in München (Antrittsrolle: »Oberförster« in »Jäger«). Er blieb diesem Institute seither auch ununterbrochen treu, erwarb sich die Gunst und Neigung des Publikums und bildete unter allen Direktionen eine feste Stütze dieser Bühne. Früher war er ausschließlich in ersten Charakterrollen tätig und gehörten »Franz Moor«, »Carlos« in »Clavigo«, »Mephisto«, »Shylok«, »Alba«, »Philipp II.«, »Narciß«, »Thorane« etc. zn seinen beliebtesten Darbietungen. In München warf er sich mehr auf das Lokal- und Volksstück um schließlich nur Väterrollen zu übernehmen. So waren »Wurzlsepp«, »Meineidbauer«, »Kammerdiener Wolf«, »Alpenkönig«, »General Morin«, »Goldbauer«, »Pater Cölestin« (»Letzter Jesuit«), »Lindenwirt«, »Justus Schätzlein« etc. seine Domäne. Sein Urteil über Autor, Stücke und Darstellung wurde geschätzt und bereits 1872 ernannte man ihn zum Mitgliede des Lese- und Beurteilungskomitees bei der von König Ludwig für das Gärtnerplatztheater bewilligten Preisbewerbung volkstümlicher Bühnenautoren.

Ludwig Eisenberg’s Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Leipzig, 1903.

#42 – 5 – 1·2 (Hörsch)


Grab der Familie Hörsch auf dem Alten Südfriedhof München (April 2021)

#42 – 5 – 11* (Pechtl)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Pechtl, Ernst; – 23.12.1887 (München), 48 Jahre alt; Schauspieler

Das Grab ist nicht erhalten

#42 – 5 – 16* (Fromberger)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Fromberger, Johann; – (5).10.1888 (München), 49 Jahre alt; Stadtmusiker

Das Grab ist nicht erhalten

#42 – 5 – 20 (Hutzler)


¿
Dessen Bruder
Herr Georg Hutzler
geb. d. ¿ gest. d. 10. Nov. 1909.

R. I. P.

Sockel
Schwarz


  • Hutzler, Georg; – 10.11.1909 (München); Bauhilfsarbeiter

Todesanzeige für Georg Hutzler

Grab der Familie Hutzler auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2018)

#42 – 5 – 24 (Braun · Volk)


Grab der Familien Braun · Volk auf dem Alten Südfriedhof München (März 2021)

#42 – 6 – 20·21 (Laur)


Dr. Eugen Laur
Professor,
geboren 11. Februar 1825,
gestorben 31. August 1896.
Frau Katharina Laur
geb. Kappel,
geboren 9. November 1842,
gestorben 28. März 1923.


  • Laur, Eugen, Prof. Dr. phil et jur.; 11.2.1825 (Breslau) – 31.8.1896 (München); Privatdozent und Schriftsteller
  • Laur, Katharina (vw) / Kappel (gb); 9.11.1842 – 28.3.1923 (München); Professors-Witwe

Todesanzeige für Katharina Laur

Grab der Familie Laur auf dem Alten Südfriedhof München (März 2021)

#Prof. Dr. phil et jur. Eugen Laur

* 11.2.1825 (Breslau)
† 31.8.1896 (München)
Privatdozent und Schriftsteller

#Zeitschrift für Bücherfreunde (8/1902)

Die erste französische Ausgabe von Heines Werken.
Von Professor Dr. Eugen Laur (†) in München.

Vorbemerkung.

Der nachstehende Aufsatz hat eine eigentümliche Vorgeschichte. Der Verfasser desselben, Professor Dr. Eugen Laur (gest. 31. August 1896 in München), war ein grosser Verehrer von Heine und hat mancherlei persönliche Beziehungen, wenn auch nicht direkt zum Dichter selbst, so doch zu verschiedenen Persönlichkeiten gehabt, die Heine nahe standen. So wusste er manches, was anderen unbekannt geblieben ist Er besass Autographen von Heine, sogar Nachträge zu seinen »Reisebildern«, von denen einer durch die Güte der Witwe in meinen Besitz gelangt ist und als Faksimile in meinem Buch »Heinrich Heine. Aus seinem Leben und aus seiner Zeit« (Leipzig 1899) veröffentlicht werden konnte. [1] Ausserdem hat er, und dieses wird wohl zum ersten Male öffentlich bekannt, die sehr wichtigen Briefe Heines an Moses Moser 1862 bei Otto Wiegand in Leipzig herausgegeben. Ferner hat er dem ersten Biographen Heines, Adolf Strodtmann, mehrere andere Briefe für dessen Sammlung überlassen und die Originale einiger Heinescher Balladen auf Wunsch Adolf Stahrs für die Kestnersche Autographensammlung geschenkt.

Von seinem Aufenthalt in Paris aber wusste Laur manches interessante Kuriosum zu erzählen. In einem Briefe an mich vom 8. April 1892 teilt er mir folgendes mit: »Ich war seiner Zeit in Paris ersucht worden, das Originalmanuskript des zweiten Bandes der »Reisebilder« mit allen Namen, den üblichen hundertfachen Durchstreichungen u. s. w. zur Benutzung bei der Ausgabe 1861–63 dem Verleger zum Kaufe anzubieten. Herr Strodtmann befürwortete lebhaft die Annahme, so dass der Verleger sich endlich bewegen liess, als Preis für die sämtlichen Blätter – ein Freiexemplar der Werke daran zu wagen! Dieser Gedanke wurde zwar herzlich belacht, aber auch tief beklagt, denn die Besitzerin nahm den Auftrag zurück. Sie ist nicht lange nachher gestorben, so dass ich über den Verbleib der Reliquie nichts weiter erfahren habe...«

In einem folgenden Briefe vom 22. November desselben Jahres schrieb mir Laur über die Angelegenheit: »Das erwähnte Manuskript der Reisebilder wurde von Madame Valogne (der Frau des bekanntlich erschossenen Uhrmachers), Inhaberin des grossen Lesekabinetts Boulevard Montmartre 12, vor etwa 30 Jahren – où sont les neiges d'antan? – mir, ich weiss nicht in wessen Auftrage, angeboten.« Ein anderes Mal schrieb er mir: »Ich besitze unter anderem auch noch ein – wie ich glaube – Unikum, allerdings nicht von litterarischer Bedeutung. Auf der Garde des zweiten Teils der Cazin-Ausgabe »Oeuvres complètes de M. le C. de B. (Bemis), Londres 1786« hat der jugendliche Besitzer mit noch kindlichen Zügen seinen Namen »Harry Heine« geschrieben.« Solcher interessanten Reminiszenzen wusste Prof Laur wahrscheinlich noch sehr viele; besass er doch sogar einige Blättchen von Heines Notizbuch, das dieser während der italienischen Reise 1828 geführt hatte. Leider sind diese Reminiszenzen mit dem Besitzer begraben, und auch das Unikum aus Harry Heines Bibliothek ist nicht mehr aufzufinden.

Dagegen hat sich in seinem Nachlass das Brouillon des nachfolgenden Aufsatzes gefunden, der für bibliographische Kreise sicher von hohem Interesse ist. Ich verdanke es der gütigen Mitteilung der Frau Professor Laur und lasse den Aufsatz hier wörtlich folgen, so weit er vorhanden ist Er brach nämlich auf Seite 11 seines Manuscripts plötzlich ab nach dem Satze: »Darauf antwortete Charpentier...«

Das sind die letzten Worte, die Laur schrieb. Ich musste nun den Brief Charpentiers suchen und habe ihn in dem Buche von Adolphe Jullien: »Le Romantisme et l'Editeur Renduel« nach langen, vergeblichen Bemühungen endlich gefunden und zur Ergänzung des Aufsatzes mitgeteilt. Selbstverständlich ist alles folgende über die Beziehungen Heines zu Renduel auch von mir. Ob Laur noch anderes über diese Beziehungen wusste und sagen wollte, ist mir leider nicht bekannt In jedem Falle wird der Name des trefflichen Mannes unter denen, die Heines Andenken bewahrt und geehrt haben, fortab mit gebührender Ehre und Anerkennung genannt werden.

Berlin. Dr. Gustav Karpeles.

[1] Ein anderer Nachtrag, von dem er mir am 3. April 1892 Kunde gab, hat sich leider im Nachlasse Laurs nicht gefunden. Er trägt die Aufschrift »Montanero« und beginnt mit dem Satze: »Alles, was in der Welt geschieht ist ein Wunder. Die ganze Weltgeschichte ist eine Legende...!« Vielleicht weiss jemand im Leserkreise dieses geschätzten Blattes über den Verbleib dieses Autographen Auskunft zu geben.

Zeitschrift für Bücherfreunde. Monatshefte für Bibliophilie und verwandte Interessen. Heft 5. August 1902.

#42 – 6 – 22 (Greil · Steiger)


Grab der Familien Greil · Steiger auf dem Alten Südfriedhof München (März 2021)

#42 – 6 – 28 (Rohmer)


Friedrich Rohmer
geb. 21. Februar 1814 in Weissenburg i. B.
¿ 11. Juni 1856 in München.


  • Rohmer, Friedrich; 21.2.1814 (Weissenburg in Bayern) – 11.6.1856 (München); Philosoph und Schriftsteller

Grab der Familie Rohmer auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2018)

Grab der Familie Rohmer auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2018)

#Friedrich Rohmer

* 21.2.1814 (Weissenburg in Bayern)
† 11.6.1856 (München)
Philosoph und Schriftsteller

#Allgemeine Deutsche Biographie (1889)

Rohmer: Friedrich R., geboren am 21. Februar 1814 als Sohn eines Pfarrers in Weißenburg in Mittelfranken, † am 11. November 1856 zu München, besuchte das Gymnasium zu Ansbach und bezog (1832) die Universität München, wo er sich mit philosophischen Studien beschäftigte, aber in Schelling's Vorlesungen keine Befriedigung fand. Ein jugendliches Erzeugniß seines grübelnden Nachdenkens war die in deutscher und zugleich in lateinischer Sprache verfaßte Schrift: »Anfang und Ende der Speculation. Speculationis initium et finis« (1835), in welcher er an Spinoza anknüpfend in der Unterscheidung zwischen Unterlage und Eigenschaften ein letztes Princip gefunden zu haben glaubte. Hierauf ließ er einen heftigen Angriff gegen das junge Deutschland folgen: »An die moderne Belletristik und ihre Söhne, die Herren Gutzkow und Wienbarg insbesondere« (1836). Unablässig betrieb er psychologische Betrachtungen, indem er die Menschen und vor allem sich selbst zu beobachten bestrebt war; durch letzteres gelangte er zu einem schwindelnden Selbstbewußtsein, vermöge dessen er überzeugt war, daß er »die Eigenschaften aller menschlichen Individualitäten in sich schließe«, daß »er die größte Persönlichkeit sei, welche die Menschheit hervorgebracht habe« und das er »zu einer welthistorischen Rolle berufen« sei. Im J. 1841 glaubte er mit den Grundzügen seiner Psychologie im Reinen zu sein, deren schriftliche Darlegung sein jüngerer Bruder Theodor (geb. 1816, † am 12. December 1856 in Traunstein) übernehmen sollte, welcher überhaupt mehrfach als Verkündiger der Ideen Friedrich's auftrat. So erscheint Theodor äußerlich auch als Verfasser der von Friedrich inspirirten Schrift: »Deutschlands Beruf in der Gegenwart und Zukunft« (1841, 2. Auflage 1847), in welcher neben phantastischen Geschichtsbetrachtungen und mystischen Erörterungen über das Wesen Gottes die messianischen Tendenzen Friedrich's mit jugendlicher Begeisterung kundgegeben werden; gleichzeitig enthält ein Aufsatz Theodor's: »Die Hoffnung unserer Zeit« (in der deutschen Vierteljahrsschrift) die Messiashoffnungen seines Bruders. Noch im J. 1841 ging Friedrich R. nach Zürich, wo er mit Bluntschli und der von demselben geleiteten liberal-conservativen Partei in Verbindung trat und lebhaften Antheil am »Beobachter aus der östlichen Schweiz« bethätigte. Da es ihm an Subsistenzmitteln gebrach und er von stillen Beiträgen seiner Freunde leben mußte, suchte er eine Annäherung an Jul. Fröbel, welcher damals Eigenthümer des Litterarischen Comptoirs war, indem er glaubte, durch Veröffentlichung seiner Psychologie ein einträgliches Geschäft zu machen. Hierbei aber war sein Benehmen nicht gerade das beste, und es mochte gerathen sein, daß er Zürich verließ. Er kehrte (1842) über Berlin nach München zurück, wo er nunmehr acht Jahre hindurch sich lediglich der Politik hingab und den litterarischen Kampf gegen Reaction und Ultramontanismus aufnahm. Vorerst erschien die noch in Zürich entstandene und dann von Theodor redigirte »Lehre von den politischen Parteien« (1844), woraus Bluntschli im Staatswörterbuch (Bd. VII, S. 724 ff.) einen Auszug gab. Dann folgten von Friedrich selbst verfaßt: »Meinungsäußerung gegen den Ultramontanismus« (1846), »Denkschrift über den Einfluß der ultramontanen Partei in Bayern« (1846), »Der vierte Stand und die Monarchie« (1848), »Documentarischer Abriß der Geschichte der liberal-conservativen Politik von 1842–47« (als Manuscript 1848), »Deutschlands alte und neue Bureaukratie« (1848), »Sendschreiben an das bayrische Staatsministerium für Annahme der deutschen Reichsverfassung« (1849), »Erklärung an die bayrischen Wahlmänner« (1849) und seine letzte politische Schrift: »Bayern und die Reaction, für deutsche Freiheit und bayrische Ehre« (1850). Nachdem er sich einige Zeit (1853) in Schliersee und hierauf in Badenweiler aufgehalten hatte, kehrte er wieder nach München zurück; mit seiner Psychologie war er unterdessen ins Reine gekommen, unterließ aber immer die Veröffentlichung. Noch 1856 erschien (geschrieben von Theodor) »Kritik des Gottesbegriffes in den gegenwärtigen Weltansichten« (2. und 3. Auflage 1857), worin die ethischen und speculativen Bedenken, welche sowohl beim Pantheismus als auch beim Theismus sich ergeben, aufgezeigt werden, woraus stets ein Conflict zwischen Verstand und Gemüth hervorgehe. Nach dem Tode Rohmer's gab aus dessen Nachlaß Bluntschli (anonym) heraus: »Gott und seine Schöpfung« (1857) und »Der natürliche Weg des Menschen zu Gott« 1858); letztere Schrift enthält populäre naturphilosophische Betrachtungen über Makrokosmus und Mikrokosmus, wobei »der unbegrenzte Organismus als der Eine lebendige Gott« erfaßt werden soll; die erstere aber bietet eine mystische Vereinigung eines phantastischen Pantheismus mit dem Persönlichkeitsbegriffe, und es wird nicht bloß von einer »Entwicklung Gottes in zunehmender Selbsterkenntniß«, sondern sogar von einer »männlichen und weiblichen Seite Gottes« u. dgl. gesprochen. Die drei genannten religions-philosophischen Schriften erschienen vereinigt als: »Fr. Rohmer's Wissenschaft und Leben«, 1. Band: Wissenschaft von Gott (bearbeitet von Bluntschli, 1871); der 4. Band (besorgt von Schultheß 1885) enthält eine Auswahl der politischen Schriften, und im 2. und 3. Band ist auch die Psychologie unter dem Titel »Wissenschaft vom Menschen« (bearbeitet von Rud. Seyerlen, 1885) kund geworden. R. hat dabei sich selbst völlig abseits von der wissenschaftlichen Psychologie gestellt, und es dürften weder die 16 Grundkräfte, welche aus einer Combination der sog. Temperamente hervorgehen, noch auch die je 16 Rangstufen des Geistes und Gemüthes, welche durch politische und sogar durch zoologische Begriffe bezeichnet werden, irgend beifällige Aufnahme finden.

Bluntschli im Staatswörterbuche Bd. VIII, S. 643 ff. – Bluntschli, Denkwürdigkeiten aus meinem Leben, Bd. III, S. 414 ff. – Jul. Fröbel, Friedr. Rohmer und seine messianischen Geschäfte in Zürich (1842).

Prantl.

Karl von Prantl: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1889.

#42 – 7 – 6 (Krönauer · Weber)


Grab der Familien Krönauer · Weber auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2015)

#42 – 7 – 10 (Gantner · Hussendörfer · Schedl)


FAMILIE
SCHEDL
ANNA
1845 – 1910


  • Gantner, Franz; – 1888; Ehemaliger Krämer
  • Hussendörfer, Christian; – 11.5.1854 (München), 19 Jahre alt, Tod durch öffentliche Hinrichtung; Sattlergeselle, Todesurteil wegen Mordes an dem Sattler Josef Lindenmaier in Greding
  • Schedl, Anna (vw); 1845 – (27).8.1910 (München); Flosswarts-Witwe

Grab der Familien Gantner · Hussendörfer · Schedl auf dem Alten Südfriedhof München (April 2016)

Grab der Familien Gantner · Hussendörfer · Schedl auf dem Alten Südfriedhof München (April 2016)

#Christian Hussendörfer

† 11.5.1854 (München), 19 Jahre alt, Tod durch öffentliche Hinrichtung; Todesurteil wegen Mordes an dem Sattler Josef Lindenmaier in Greding
Sattlergeselle

#Münchener Bote für Stadt und Land (21.3.1854)

Verhandlungen des Schwurgerichtes von Oberbayern.

Am 20. März.

Christian Hussendörfer, 18 J. a., Sattlergeselle von Siebenburg, Ldg. Greding, Kreis Mittelfranken, ist angeklagt, am 29. September v. Js. Abends seinen Meister, den Sattler Niedermayr von Eurasburg, Ldg. Friedberg, mit dem er eine ganze Woche zuvor auf der sogenannten »Störe« in Holzburg gearbeitet hatte, im Nachhauseweg absichtlich um's Leben gebracht und seiner Baarschaft, bestehend in 13 fl. Geld, beraubt zu haben. Donnerstag zu Michaeli v. Js. befand sich Niedermayr mit Hussendörfer gegen Abend noch bei dem Taglöhner Hohlfelder, wo sie während der Woche gearbeitet hatten, jedoch alle Abend ohne die geringste Störung mit einander nach dem 1 Stunde entlegenen Eurasburg heimgegangen waren. An diesem Donnerstag wird dem Meister Niedermair der Arbeitslohn ausbezahlt; der Meister steckte das Geld in Gegenwart des Hussendörfer in die Hosentasche. Beide gingen von da weg n's Wirthshaus zu Holzburg, tranken dort und waren lustig und heiter; Hussendörfer erhielt von seinem Meister auf Ansuchen einen Zwanziger geborgt, einen Zwölfer Trinkgeld hatte er vom Taglöhner Hohlfelder bekommen, als sie jedoch das Wirthshaus verliessen, hatte Hussendörfer sein Geld alles bis auf fünfzehn Kreuzer schon verthan. Unter Spaß und Gesang gingen beide vom Wirthshause weg. Jetzt brachte Hussendörfer zwei Prügel, für sich einen starken hagebuchenen sogenannten Gabelstecken, für den Meister einen Zaunstecken von weichem Holz. Beide gingen nun miteinander fort. Niedermayr kam nicht mehr nach Hause, wohl aber Hussendörfer, welcher in der heftigsten Aufregung nach Eurasburg hineinlief und verkündete, es hätten ihn und den Meister Räuber angefallen, der Meister liege draußen erschlagen im Walde. Er selbst zeigte Blutspuren an seinen Händen vor, die von tödtlichen Angriffen der Räuber herrühren sollten. Man konnte aber die Leiche des Niedermayr nicht sogleich auffinden. Erst am andern Tage wurde sie aufgefunden; der Körper war gräßlich zugerichtet, das Hinterhaupt war zerschmettert, 36 Wunden bedeckten Gesicht, Brust und Arme. Man fand das Messer des Hussendörfer, auch der abgeschlagene Prügel des Hussendörfer kam zu Gerichtshanden. Zu Hause fand man, in dessen Sacktuch eingewickelt und im Heu versteckt, die Baarschaft, welche der unglückliche Niermayr an jedem Abend in der Tasche gehabt hatte. Hussendörfer, verhaftet, brachte auch jetzt noch die Lüge von dem Räuberanfall vor. Erst als ihm sein blutiges Messer vorgezeigt wurde, bekannte er sich als den Mörder. Als sie beide berauscht mit einander durch den Wald gegangen, habe er den Gedanken gefaßt, den Meister, welcher mit der Meisterin nicht gut gehaust und letztere immer mißhandelt habe, aus dem Leben zu räumen; unterwegs hätten sie wegen dieses ehelichen Zwistes Streit bekommen, der meister hätte ihn angepackt, öfters mit ihm gerauft bis er ihm endlich mehrere Stiche gegeben; das Geld habe er nur genommen, um den Raubanfall wahrscheinlich zu machen. Heute in öffentlicher Sitzung machte er wieder eine andere Angabe. Er habe dem Meister die Mißhandlung seiner Frau vorgeworfen, dieser sei darüber ergrimmt, und habe ihn drei Mal angepackt, erst das dritte Mal habe er aus Notwehr auf den Meister gestochen, der Meister habe ihm, sterbend am Boden liegend, selbst das Geld gegeben, und ihm aufgetragen, er solle es seiner Frau nach Hause tragen. (!) Alle diese Angaben machte er mit der gleichgültigsten Miene von der Welt, selbst da noch, als ihm das Messer, die Prügel, die von Blut getränkten Kleider und der Schädel des Ermordeten vorgezeigt wurden. Hussendörfer, ein schlanker, für sein Alter auffallend kräftig gebauter Mensch, wird als ein wilder, jähzorniger, das ihm einmal vorgesteckte Ziel mit Kälte und Ausdauer verfolgender Mensch geschildert, auch wird er als dem Eigenthum gefährlich bezeichnet und ist eine Anklage gegen ihn darauf gerichtet, daß er im Sommer 1852 einem seiner Meister in Augsburg Arbeitszeug im Werthe von 7 fl. gestohlen habe. Es sind 23 Zeugen geladen.

(Schluß folgt.)

Münchener Bote für Stadt und Land No. 68. München; Dienstag, den 21. März 1854.

#Münchener Bote für Stadt und Land (22.3.1854)

Verhandlungen des Schwurgerichtes von Oberbayern.

Am 20. März.

[Schluß der Verhandlung gegen Ch. Hussendörfer von Siburg wegen doppelt qualifizirten Mords.] Die öffentlich Verhandlung lieferte hinlänglich die zur Rechtfertigung der Anklage dienenden Gründe. Es wird konstatirt, daß von Holzburg weg ein Mann mitgehen wollte, um ihnen [¿] Weg zu weisen, daß aber dieser von Hussendörfer entschieden zurückgewiesen wurde; es wird wahrscheinlich gemacht, daß er unglückliche Meister in einem Augenblicke überfallen wurde, wo er eines natürlichen Bedürfnisses wegen auf die Seite gegangen war; es geht aus der Aussage des Angeklagten und aus dem Augenschein hervor, daß ein 4maliger Angriff stattgefunden hat. Charakteristisch für die Verschlagenheit des Angeklagten ist dessen Aeusserung, die er zur Wittwe des Gemordeten machte: »Ach, wie man doch so schlecht sein kann und einem Menschen wegen so ein Bischen Geld um's Leben bringen könne!« Alle seine Angaben, als daß z. B. die Sattlerseheleute mit einander nicht im guten Einvernehmen gelebt hätten, daß er und der Meister im berauschten Zustande mit einander nach Hause gegangen seien etc. erweisen sich als pure Unwahrheit. Auf die Frage des Präsidenten, warum er dem Meister das Geld genommen habe, anwortete er: der Meister habe ihm das Geld selbst gegeben. Sterbend habe er ihm das Geld, in ein Sacktuch eingebunden, überreicht und ihn gebeten, es doch seiner Frau einzuhändigen! Der Angeklagte gab auch in der Voruntersuchung noch an, daß ihn der Meister um Gottes Willen gebeten habe, er möge ihn doch am Leben lassen, daß er aber seiner Bitte nicht mehr Gehör schenken konnte, weil es schon zu spät gewesen; er sei so lange bei dem nieder gestreckten verwundeten Meister geblieben, bis er sich überzeugt, daß das Leben aus dem Körper entflohen; erst dann habe er die Flucht ergriffen, das Messer weggeworfen und sei nach Eurasburg hineingelaufen. Er kam in das Haus seines Meisters, am ganzen Körper heftig zitternd; in seiner Verwirrung hatte er noch den abgeschlagenen Prügel in der Hand mitgebracht.

Der k. Staatsanwalt Mähler hielt die Anklage in ihrem vollen Umfange aufrecht; die Vertheidigung (Acc. Schwaiger) plaidirte auf das Verbrechen des Todschlags. Den Geschworenen wurden Fragen auf doppelt qualifizirten Mord und Raub IV. Grades vorgelegt, wovon sie die erste bejahten. Hussendörfer wurde zum Tode verurtheilt. Er nahm das Urtheil ganz gleichgültig auf.

Münchener Bote für Stadt und Land No. 69. München; Dienstag, den 22. März 1854.

#Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik (10.5.1854)

Deutschland.

München, 9. Mai. Der zum Tode verurtheilte Sattlergeselle Christian Hussendörfer aus Sieburg gibt sich mit tiefer Ergebung und Reue über seinen grausam verübten Mord den frommen Zusprüchen seiner ihn umgebenden beiden Seelsorger hin. Auf seinen Wunsch, einen seiner auswärts befindlichen Brüder zu sprechen, wurde dieser brieflich hievon in Kenntniß gesetzt.

Der arme Sünder wird Donnerstag früh 8 Uhr von der Frohnveste abgeführt. Der Zug nach dem Stadtgerichtsgebäude (zur öffentlichen Publikation des Todesurtheils) und von da nach der Richtstätte bewegt sich, wie bisher, durch die Dult-, Sendlinger- und Rosengasse, an der Hauptwache vorüber durch die Wein- und Schäfflergasse, Löwengrube und Weitegasse, dann durch die Neuhausergasse zum Karlsthor hinaus durch die Schützen- und Salzstraße.

Die Rede nach der Hinrichtung wird Herr Vikar Freyer halten.

Schaugerüste auf dem Richtplatze aufzuschlagen bleibt polizeilich verboten.

Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik Nr. 130. Mittwoch, den 10. Mai 1854.

#Geschichtliche Darstellung des Verbrechens des Christian Hussendörfer von Syburg (11.5.1854)

Geschichtliche Darstellung
des
Verbrechens
des
Christian Hussendörfer
von Syburg.

Christian Hussendörfer, 19 Jahre alt, lediger Sattlergeselle von Syburg, k. Landgerichts Greding, führte seither kein tadelfreies Leben.

Er neigte sich dem Trunke und der Nachtschwärmerei hin, war dem fremden Eigenthum gefährlich, und bestahl auch schon einen seiner früheren Meister.

Im Monate Juli vorigen Jahres trat Christian Hussendörfer bei dem Sattlermeister Joseph Lindermaier von Eurasburg als Geselle gegen Kost und Lohn in Arbeit, und befand sich im September vorigen Jahres mit demselben bei einem Bauer in Holzburg auf der Störe.

Als sie am 29. desselben Monats die Arbeit dort vollendet hatten, begaben sie sich Nachts zwischen 10 und 11 Uhr auf den Rückweg nach Eurasburg.

Hussendörfer, welcher schon einige Tage vorher den Entschluß gefaßt hatte, seinen Meister zu ermorden und ihm den vereinnahmten Arbeitslohn, welcher in 13 fl. 30 kr. bestand, abzunehmen, überfiel nun plötzlich am Ende eines Waldes denselben, tödtete ihn nach längerer vergeblicher Gegenwehrdurch mehrere Schläge und Messerstiche, und nahm sodann dessen Baarschaft zu sich. In Eurasburg angekommen, rief Christian Hussendörfer sogleich um Hilfe und sagte unter Vorzeigung seiner blutigen Hände, er und sein Meister seien von Räubern überfallen worden, und dieser liege noch im Walde.

Erst am andern Tage wurde Joseph Lindermaier gräßlich verstümmelt und in einem Acker auf dem Rücken liegend entseelt gefunden.

Bei der gerichtlichen Besichtigung der Leiche ergab sich, daß der Hirnschädel gänzlich zerschmettert, das rechte Schläfenbein durchstoßen und die edelsten Organe der Brust und des Unterleibs mehrfach beschädigt waren, Verletzungen, welche nothwendig, unmittelbar und in ihrer allgemeinen Natur nach tödlich gewesen.

Christian Hussendörfer wurde als der Tat verdächtig alsbald in Untersuchung gezogen und nach erfolgter Verweisung vor das Schwurgericht von Oberbayern in der Sitzung vom 20. März l. Js. abgeurtheilt.

Die Geschworenen erkannten ihn des Verbrechens des doppelt qualifizirten Mordes für schuldig, worauf der Schwurgerichtshof von Oberbayern durch Urtheil vom 20. desselben Monats die Todesstrafe gegen ihn aussprach.

Nachdem der oberste Gerichtshof, welchem die Prüfung des Urtheils gemäß Artikel 233 des Strafprozeß-Gesetzes vom 10. November 1848 von Amtswegen zustand, weder in dem gegen den Angeklagten durchgeführten Strafverfahren, noch in dem erlassenen Strafurtheile einen Nichtigkeitsgrund gefunden hatte, haben Seine Majestät der König am 1. Mai l. Js. zu erklären geruht, daß zur Begnadigung des Cjristian Hussendörfer kein zureichender Grund vorliege.

Demzufolge wurde heute Vormittags das Todesurtheil an Christian Hussendörfer durch öffentliche Enthauptung mit dem Schwerte vollzogen.

München, den 11. Mai 1854.

Königliches Kreis- und Stadtgericht München.

Freiherr v. Mulzer,
königl. Kreis- und Stadtgerichts-Direktor.

Weichsler, Rath.

Muckenthaler, Aktuar.

Geschichtliche Darstellung des Verbrechens des Christian Hussendörfer von Syburg (11.5.1854), veröffentlicht in der Beilage zum königlich bayerischen Kreis-Amtsblatte von Oberbayern No. 28. München, den 14. Juli 1854.

#Münchener Bote für Stadt und Land (11.5.1854)

Hauptstadt-Neuigkeiten.

Das bei früheren Anlässen bereits bekannt gegebene Verbot der Aufrichtung von Schaugerüsten und des Verkaufes von Viktualien auf dem Richtplatze, wird für die am künftigen Donnerstag den 11. l. Mts. stattfindende Hinrichtung durch die k. Polizeidirektion wiederholt. Die Salzstraße und das Marsfeld bleiben an diesem Tage von 7–11 Uhr für Fuhrwerke jeder Art und für Reiter gesperrt.

Münchener Bote für Stadt und Land No. 112. München; Donnerstag, den 11. Mai 1854.

#Bayerisches Volksblatt (13.5.1854)

Neueste Nachrichten

München, 11. Mai. Die heute stattgefundene Hinrichtung des Sattlergesellen Hußendörfer, welcher am 29. Sept. v. Js. einen doppelt qualificirten Mord an seinem Meister Joseph Lindenmaier durch 36 Schnitt- und Stichwunden beging, war von einem eigenen Unstern begleitet. Der Verbrecher bewies zwar Ruhe, wenn auch eine starke Blässe des Gesichtes von dessen innerer Angst zeigte, und bestieg festen Trittes das Gerüst. Allein dem Scharfrichter Schelerer, der sonst in ähnlichen Fällen die Sicherheit seiner Hand bewährte, gelang es erst auf dem siebenten Schwertstreich das Haupt des Delinquenten vom Rumpfe zu trennen. Der Anblick dieser Hinrichtung war ein gräßlicher und drang durch Mark und Bein. Gleich nach dem ersten Hiebe, der zu tief geführt war, wohl aber tödtend gewesen sein mag, obgleich der Delinquent noch die Füße krampfhaft von sich streckte, bemächtigte sich ein schauderhaftes Gefühl der ganzen Zuschauer-Masse, das sich in dumpfen Lauten kundgab. Die übrigen sechs Hiebe folgten mit Blitzesschnelle und als der Gehilfe des Scharfrichters den abgeschlagenen Kopf zeigte, von dem ganze Strimmen herabhängten, machte es auf die Menge einen gräßlichen Eindruck. Viele Gesichter erblaßten und man hörte mehrere Personen sagen, daß es ihnen kalt wie Eis über den Rücken lief. Scharfrichter Schelerer wurde zu seiner Sicherheit mittelst starker Eskorte nach Hause begleitet.

Bayerisches Volksblatt Nro. 112. Regensburg; Samstag, den 13. Mai 1854.

#Landshuter Zeitung (13.5.1854)

Bayern.

München, 11. Mai. Es scheint bei der heutigen Hinrichtung des Christian Hussendörfer, welcher seinen Meister auf so schauderhafte und martervolle Weise mordete, die Vergeltung mitgewirkt zu haben. Scharfrichter Schellerer, dessen Tüchtigkeit zu seinem traurigen Amte wenigstens erprobt schien, mußte heute sieben Hiebe gegen den Delinquenten führen, bis sich dessen Kopf vom Rumpfe trennte. Machten schon die Vorbereitungen der Hinrichtung, sowie die nochmalige Urtheils-Verkündung mit dem Stabbrechen und die Ablieferung nach dem Richtplatze des von zwei protestantischen Geistlichen begleiteten reumüthigen und in sich gegangenen, todtenblassen, übrigens ziemlich gefaßten Verbrechers einen widerlichen Eindruck, so mußte erst die schauderhaft-blutige Hinrichtung selbst alles menschliche Gefühl auf eine gräßliche Art erregen. Schellerer führte zwar die Hiebe mit außerordentlicher Schnelligkeit, doch bemächtigte sich seiner nach dem zweiten Schwertstreich schon eine gewisse Verwirrung, da Mißfallenstöne aus dem zahlreichen Zuschauerheere vernommen wurden, und gerage dies mag ihm seine Blut-Arbeit erschwert und unsicherer gemacht haben. Kaum war der Kopf abgeschlagen, warf er auch das Todes-Instrument weg und rang die Hände zum Himmel, als wollte er sagen, er glaube doch nicht gänzlich verlassen zu seyn. Dann aber zeigte sich erst das Gräßlichste und Schauderhafteste, was ich je gesehen habe. Der Gehilfe des Scharfrichters zeigte nämlich das zerfetzte Haupt, von dem bluttriefende Stücke herabhingen, der ohnehin bis zum Entsetzen erregten Menge, ein Anblick, den kein menschliches Auge mehr ertragen konnte und wobei es Tausenden von Zuschauern ganz eisig durch Mark und Bein drang. Viele wurden daher auch ohnmächtig. Nachdem der bebende und zitternde Scharfrichter mittelst starker Eskorte nach seiner Wohnung gebracht war, wurde auch der Leichnam des Hingerichteten nach der Anatomie geschafft und hier zeigte sich bei der ärztlichen Untersuchung, daß schon der erste jedoch zu tief geführte Schwertstreich absolut tödtend gewesen sey; daher der Delinquent darnach keine Schmerzenstöne mehr ausgestoßen haben konnte, wie Einige vernommen haben wollen. Solche fielen übrigens allein lediglich von einigen dem Blutgerüste nahe postirten Zuschauern. Ein besonderer Unfall kam nicht vor und erholten sich auch alle ohnmächtig Gewordenen alsbald wieder. Da hier der Fall schon vorgekommen, daß bei einer Hinrichtung erst der achte Schwertstreich den Kopf vom Rumpfe trennte, so wäre es wirklich an der Zeit, daß auch in Bayern ein anderes, mehr Sicherheit versprechendes Hinrichtungs-Instrument eingeführt würde.

Landshuter Zeitung Nr. 111. Samstag, den 13. Mai 1854.

#Katholisches Sonntagsblatt (14.5.1854)

Vergangenen Donnerstag um 9 Uhr Vorm. wurde in München abermals ein Mörder Christian Hussendörfer, Sattlergesell von Syburg, Landg. Greding, mit dem Schwerte hingerichtet. Er hatte seinen Meister Johann Lindermaier von Eurasburg Donnerstag d. 29. September v. J. Nachts auf dem Heimwege von der Arbeit auf schreckliche Art (mit 36 Wunden) getödtet und beraubt. Als eine bemerkenswerthe Zulassung Gottes mag daher angesehen werden, daß der Scharfrichter erst nach 6 Schwertstreichen das Haupt des Unglücklichen vom Rumpfe trennen konnten. In der nach der Hinrichtung vom (protestantischen) Vikar Freyer gehaltenen Anrede wird gesagt, daß der früher sich so gleichgiltig benommene Verbrecher mit heißen Reue-Thränen seine Schuld beweint habe. Zugleich wird hingewiesen auf das ewige Gericht Gottes, dem schon auf Erden nicht leicht ein Frevler enteilt. Kein menschlich Auge sonst hatte die Mordthat gesehen, in tiefe Nacht war das grauenvolle Werk der Finsterniß gehüllt, aber das Auge des ewigen Richters wachte; seinem Arm konnte er nicht entfliehen. »Das kommt auf! das kommt auf!« so hatte damals der in grausamer Weise ermordete sterbend ausgerufen. Wie bald hat sich das Wort erfüllt. Und was auch hier auf Erden verborgen bleibt, der Tag des göttlichen Gerichts wird Alles an's Licht bringen. Darum hüte dich vor der Sünde! Furchtbar geht die Saat der Sünde auf. Erst war es die Lüge, die des Unglücklichen Herz verhärtete; sie dann führte ihn zum Diebstahl und endlich zu grauenvollem Morde an seinem eigenen Dienstherrn, dessen Brod er aß; u. s. w.

Katholisches Sonntagsblatt No. 20. München, den 14. Mai 1854.

#Aschaffenburger Zeitung (19.5.1854)

Deutschland.

München, 17. Mai. Gegen den Scharfrichter Schellerer ist eine Disziplinar-Untersuchung eingeleitet, um zu ermitteln, ob und welche Schuld an der unglücklichen Exekution des Hussendörfer ihn trifft. Se. Maj. der König hat sich über den Vorfall genauen Vortrag erstatten lassen.

Aschaffenburger Zeitung Nro. 120. Freitag, den 19. Mai 1854.

#42 – 7 – 16* (Erbschwender)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Erbschwender, Georg; – 2.11.1855 (München), 40 Jahre alt, Tod durch öffentliche Hinrichtung; Knecht, Todesurteil wegen Mordes an dem Bauern Sebastian Giglmaier in Fridolfing

Das Grab ist nicht erhalten


#Georg Erbschwender

† 2.11.1855 (München), 40 Jahre alt, Tod durch öffentliche Hinrichtung
Knecht, Todesurteil wegen Mordes an dem Bauern Sebastian Giglmaier in Fridolfing

#Der Bayerische Landbote (15.8.1855)

München. II. außerordentl. Schwurgerichtssitzung für Oberbayern. 16te Verhandlung am 13. August gegen Gg. Erbschwendner, Dienstknecht von Fridolfing – wegen Mordes.
Oberstaatsanwalt: Dr. Barth; Vertheidiger: Dr. Hierl. Geschworne: Fleischmann, Groß, Teichlein, Ritter, Genz, Quellhorst, Pröbstl, Kaltenegger, Strixner, Henzler, Schlegel, Witt.

In Fridolfing, Ldgrs. Tittmoning, wurde am 10. Okt. v. Js. Abends 10 Uhr der Bauer Seb. Giglmaier durch das Fenster erschossen, während er Geld zählte, das er am andern Tage zu der Reise nach Salzburg mitzunehmen dachte. Durch den Schuß waren beinahe sämmtliche Bewohner des Hauses aufgeschreckt worden, die Bäuerin, der Gast des Giglmaier, der Bauer Neumaier, der mit ihm nach Salzburg fahren wollte, der Knecht Gg. Erbschwendner, ein Vetter zu der Giglmaier; die Mägde hatten einen so gesunden Schlaf, daß sie geweckt werden mußten. Die erste Person, welche in die Vorstube kam, war die Bäuerin, und in ihren Armen hauchte Seb. Giglmaier nach einigen Minuten sein Leben aus. Eine große Menge Schrote waren in die Brust eingedrungen, so daß der Tod die nothwendige Folge dieser Verletzungen seyn mußte. Im ersten Augenblick hatte man die Vermuthung. daß hier ein Raub beabsichtigt wurde, weil Giglmaier Geld zählte, was vom Fenster her gut gesehen werden konnte, und der Vetter Gg. Erbschwendner wurde daher sogleich an das Landgericht geschickt, um von diesem Vorfall Anzeige zu machen. Ein Brigadier verfügte sich in derselben Nacht mit Erbschwendner nach Fridolfing und ließ sich die Ermordung des Bauern von diesem erzählen; bei dieser Gelegenheit behauptete Erbschwendner zu wiederholten Malen, daß sich auf dem ganzen Hofe kein Gewehr befinde. Von der Bäuerin erfuhr man aber, daß Erbschwendner schon vor einem halben Jahre eine Flinte gekauft habe und wahrscheinlich noch in deren Besitz seyn werde; die Gerichtskommission fand auch dieselbe am folgenden Morgen im Bette des Knechtes versteckt, und Erbschwendner, der überhaupt bei diesem Vorfalle ein verdächtiges Benehmen verrieth, wurde verhaftet. Gg. Erbschwendner war bereits fünf Jahre im Giglmaier'schen Hause, dessen Besitzer das 60ste Lebensjahr schon überschritten und überdieß kinderlos waren, als Knecht im Dienst und hatte seit dem 1. Febr. 1853 das ganze Anwesen in Stand zu halten und die Felder zu bestellen, weil ihm durch das bei Gericht deponirte Testament auf das Absterben der Giglmaier'schen hin das Anwesen als Erbe zufallen solle. Trotzdem daß er mit dem Bauern nicht gut harmonirte und öfters drohte, auf und davon zu gehen, blieb er jetzt doch und die Bekanntschaft mit einer Magd im Hause, welcher er das Heirathen versprochen, scheint auch ein Motiv gewesen zu sein, seinen Aufenthalt nicht zu verändern. Da aber das Anwesen ihm erst nach dem Tode der Giglmaier'schen zufallen sollte, so ist es klar, daß Erbschwender diesen Augenblick seiner Selbständigwerdung nicht zu weit hinausgeschoben wissen wollte, umsomehr als er Mühe hatte, das Verhältnis mit seiner Geliebten zu erhalten, denn als der Bauer einmal krank war, glaubten Beide, die Stunde sei gekommen, aber wider ihr Vermuthen, erholte sich Giglmaier und schien gesünder wie vorher. Seit dieser Zeit kam Erbschwender mit seinem Herrn gar nicht mehr aus; es ist zwar richtig, daß Giglmaier einen rohen, herrischen Charakter hatte und dabei verschwenderisch und ein Trunkenbold war, aber Erbschwender in dessen Seele der Geiz und Neid geherrscht haben mögen, konnte diese Wirthschaft nicht länger ruhig mehr mit ansehen und in jene Zeit fallen mehrere Aeußerungen, in denen er den Tod des Giglmaier herbeiwünschte und noch Schlimmeres ahnen ließ. Daß diese Worte dem Giglmaier selbst zu Ohren gekommen, beweisen die Befürchtungen desselben, denn er sagte einmal: »Ich werde entweder erschlagen oder erschossen, eines natürlichen Todes sterb' ich nicht.« Gg. Erbschwender konnte auch wirklich dem Untersuchungsrichter gegenüber, der ihn ohne zu fragen starr anschaute, »in den Verstand hineinschaute«, wie sich der Angeklagte ausdrückt, seine Schuld nicht länger verberbergen und gestand, seinen Dienstherrn erschossen zu haben. Er gab an, daß ihm der Gedanke, das Anwesen sobald als möglich zu erhalten, keine Ruhe mehr gelassen habe und deshalb wäre er an jenem Abend mit seiner Flinte aus der Kammer durch den Stall geschlichen und hatte sich an das Fenster begeben. Hier angekommen, habe er den Bauern gesehen, wie er Geld zähle und bei diesem Anblick habe er erst recht gefühlt, wie die Arbeit seiner Hände verschwendet werde und das Anwesen immer weiter herunterkomme, wenn diese Wirthschaft fortdauere. Schon bereit zum Schießen, habe er aber doch inne gehalten und gedacht, »es sei doch gar zu grob, so durch's Fenster hineinzuschießen«, sei wieder umgekehrt und in seine Kammer gegangen. Im Bette habe er es jedoch nicht aushalten können, er sei bald wieder aufgestanden, habe den Bauern noch am Tische getroffen, gezielt und abgedrückt. Nach dem Schuße sei er schnell in seine Kammer geeilt und dann auf das Hilferufen in das Wohnzimmer gekommen. Dem Gütler Neumaier fiel bei diesem Erscheinen des Erbschwendner im Wohnzimmer alsogleich auf, daß er ängstlich umhersehe und seine Geliebte sagt, daß ihr erster Gedanke war: »In Gottes Namen, wird ihn doch der Görgl nicht erschossen haben.« (Schl. f.)

Der Bayerische Landbote No. 227. München; Mittwoch, den 15. August 1855.

#Der Bayerische Landbote (16.8.1855)

München. II. außerordentl. Schwurgerichtssitzung für Oberbayern. 16te Verhandlung am 14. August gegen Gg. Erbschwendner, Dienstknecht von Fridolfing – wegen Mordes. (Schluß.)

In der öffentlichen Sitzung suchte Gg. Erbschwendner sein Verbrechen als in der Hitze der Leidenschaft begangen darzustellen und haranguirt jeden Zeugen in dieser Weise, indem er ihn an seinen Eid erinnert. Er behauptet nämlich, sein Dienstherr Giglmaier habe ihm, wo er nur konnte, ungünstige Dinge nachgeredet und ihm dadurch an der öffentlichen Meinung, an der ihm viel gelegen sei, geschadet. Giglmaier habe Aeußerungen dieser Art am Abend der That in Gegenwart Neumaiers und der Dienstmägde wiederholt, denn er habe gehorcht und sei darüber so in Wuth und Aufregung gerathen, daß er in seiner Kammer die Flinte ergriffen und dann den Verläumder niedergeschossen habe. Dieses ganz neu vorgebrachte Motiv des Erbschwendner widersprechen nun alle Zeugen, alle sagen im Gegentheil, daß Giglmaier den Erbschwendner als tüchtigen Arbeiter lobte, der »gut regiere und sich nichts einreden ließe«, und besonders erklären Neumaier und die Dienstmägde Erbschwendners Angabe als völlig unwahr. Sie geben wohl zu, daß Giglmaier, wenn er betrunken, roh und spöttisch war, Erbschwendner sei ihm dann immer aus dem Wege gegangen und habe dadurch jeden Disputat abgeschnitten. Mit der Bäuerin kam Erbschwendner ganz gut aus, denn sie hatte ebenfalls unter der Rohheit ihres Mannes viel zu leiden, doch sie selbst gibt ihm das Zeugniß, daß er im nüchternen Zustande der beste Mensch von der Welt war. Erbschwendners heutige Angabe stimmt aber mit allen früher gemachten Aeußerungen nicht überein, denn in der Voruntersuchung gestand er selbst, daß er einmal den Giglmaier schon erwartet, »damit er in's Gewehr hineinrenne,« er sei ihm aber damals zu lange ausgeblieben. Erbschwendner ist jetzt 40 Jahre alt und kein Mensch vermuthet in dieser Person einen Meuchelmörder. Habsucht und Eigenutz scheinen die hervorragendsten Eigenschaften seiner Seele zu seyn, die einen so hohen Grad erreicht haben, daß er jeden Umgang mit Leuten seines Alters mied und immer für sich allein seinen Gedanken nachhing, die sich auf die Erwerbung des Anwesens concentrirten.

Die k. Staatsbehörde begründete die Anklage auf das Verbrechen des doppelt qualifizirten Mordes und die Vertheidigung bemühte sich die eine Qualifikation, die eigennützige Absicht, als nicht gegeben darzustellen und glaubt, daß Haß das Motiv zur That war. Die Geschwornen erkannten nach kurzer Berathung den Erbschwendner des doppelt qualifizirten Mordes für schuldig und der Gerichtshof verurtheilte ihn zur Todesstrafe. Erbschwendner vernahm dieses Urthell ganz ruhig; die Vertheidigung hatte beim Gerichtshof in Anbetracht des guten Leumunds einen Official-Begnadigungsantrag erbeten.

Der Bayerische Landbote No. 228. München; Donnerstag, den 16. August 1855.

#Der Bayerische Landbote (1.11.1855)

Georg Erbschwendner hat, nachdem er gebeichtet und communizirt hatte, heute früh um 6 Uhr seinen letzten Gang angetreten. Ziemlich gefaßt und aufmerksam den Zusprüchen seiner beiden geistlichen Begleiter zuhörend, saß er bis zur Richtstätte auf dem Armensünder Wagen. Als er die Treppe zum Schaffot hinanging, verließ ihn alle Kraft, so daß er ganz ganz getragen werden mußte. Wenige Augenblicke später fiel das Schwert und der Gerechtigkeit war Sühne geworden. Eine große Menschenmenge wohnte dem eben so traurigen als ergreifenden Akte bei. Die geschichtliche Darstellung des Verbrechens lautet wie folgt:

Georg Erbschwendner, 40 J. alt. Bauerssohn aus St. Nikolaus im k. k. österreichischen Bezirksgerichte Weitwörth, genoß in seiner Jugend eine christliche Erziehung und führte einen sehr ordentlichen Lebenswandel. Im Jahre 1832 trat er als Knecht in den Dienst der Bauersleute Sebastian und Genovefa Giglmaier zu Fridolfing. k. Ldg. Tittmoning, und blieb dortselbst bis zum Jahre 1846. S. Giglmaier batte als Wittwer eine Vatersschwester des Erbschwendner geheirathet, und da diese, sowie die frühere Ehe kinderlos blieb, so wünschte sowohl Genovefa Giglmaier, als auch die Eltern und Verwandten des Erbschwendner in Oesterreich, daß dereinst das Giglmaier'sche Anwesen auf G. Erbschwendner übergehen solle. Als daher im Jahre 1850 Seb. Giglmaier so krank wurde, daß man an dessen Aufkommen zweifelte, trat G. Erbschwendner wieder als Baumeister in seinen Dienst. Allein schon das erste Mal hatten sich Beide durchaus nicht miteinder vertragen können, und diese Zerwürfnisse steigerten sich nun so weit, daß Erbschwendner erklärte, nicht mehr im Dienste bei Giglmaier bleiben zu wollen, wenn er nicht etwas Bestimmtes zu hoffen habe. Deßhalb machten am 1. Februar 1853 die Giglmaier'schen Eheleute ein gegenseitiges Testament, worin sie bestimmten, daß Georg Erbschwendner nach ihrem beiderseitigen Tode ihr ganzes Vermögen erben solle. Nun betrachtete sich der Letztere als den baldigen Herrn des Bauernhofes, weil ihm sofort nach dem Tode des Seb. Giglmaier, welcher täglich bevorzustehen schien, die Wittwe das Anwesen übergeben wollte. Allein im Laufe des Sommers 1834 erholte sich Seb. Giglmaier plötzlich von seiner Krankheit, fing an gut zu leben, und machte mehrfache Aeußerungen, als wolle er es nicht bei dem Testamente belassen. Deßhalb faßte Gg. Erbschwendner den Entschluß, den Giglmaier gewaltsam aus der Welt zu schaffen, und nachdem er schon einige Wochen vorher demselben einmal aufgelauert hatte, ohne seinen Zweck erreichen zu können, vollführte er sein Verbrechen am 10. Okt. 1854 Nachts dadurch, daß er von Außen durch das Fenster der Wohnstube auf Seb. Giglmaier einen Schuß aus seinem mit Schroten geladenen Gewehre abfeuerte, welcher denselben auf Brust und Hals traf und sofort dessen Tod zur Folge hatte. Nach durchgeführter Untersuchung, in deren Verlaufe Gg. Erbschwendner ein vollständiges Bekenntniß seiner That abgelegt hatte, wurde derselbe vor das Schwurgericht von Oberbayern verwiesen und in der Sitzung vom 13. und 14. Aug. l. Js. abgeurtheilt. Die Geschwornen erkannten ihn des Verbrechens des doppelt qualifizirten Mordes für schuldig, worauf er am 14. August l. Js. vom Schwurgerichtshofe gemäß Art. 142, 146, 147 No. II. und IV. Th. I. des Str.-G.-B. zum Tode verurtheilt wurde. Nachdem der oberste Gerichtshof, welchem die Prüfung des Urtheils gemäß Art. 233 des Str.-Pr.-Ges. vom 10. Nov. 1848 von Amtswegen zustand, weder in dem gegen den Angeklagten durchgeführten Strafverfahren, noch in dem erlassenen Strafurtheile einen Nichtigkeitsgrund gefunden hatte, haben Se. Maj. der König am 24. Okt. l. J. zu erklären geruht, daß zur Begnadigung des Gg. Erbschwendner kein zureichender Grund vorliege. Demzufolge wurde heute Vormittags das Todesurtheil an Gg. Erbschwendner durch öffentliche Enthauptung vollzogen.

Der Bayerische Landbote No. 260. München; Donnerstag, den 1. November 1855.

#42 – 7 – 22* (Rupp)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Rupp, Christian; – Januar 1888 (München), 64 Jahre alt; Photograph

Das Grab ist nicht erhalten

#42 – 7 – 24 (Kah · Lieberth · Schröder)


Familie Kah.

Hier ruhen in Frieden
mein innigstgeliebter, unvergesslicher,
Gatte
Herr Wilhelm Kah,
Küchenmeister
geb. d. 24. Feb. 1843, gest. d. 8 Feb. 1901.
Ihm folgte dessen Gattin
Frau Regina Kah.
geb. 31. Mai 1847. gest. 24. Dez. 1920.

Sockel
Voran ging unsere liebe Nichte,
Regina Lieberth,
gest. 16. Sept. 1894, im 11. Lebensjahre.

A. Köppel


  • Kah, Regina (vw); 31.5.1847 – 24.12.1920; Küchenmeisters-Witwe
  • Kah, Wilhelm; 24.2.1843 – 8.2.1901; Küchenmeister
  • Lieberth, Regina; – 16.9.1894
  • Schröder, Erdmann; – 1888; Vergolder

Grab der Familien Kah · Lieberth · Schröder auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#42 – 7 – 27 (Hasslinger)


Ruhestätte
des ¿
¿ Herrn
Konrad Hasslinger
Benefiziat
geb. zu München d¿
18¿
Ober¿
¿ der Seite ¿
¿
wohlgeborenen Frau
Anna Hasslinger
Kammerdieners-Wittwe
geb. d. 23. Nov. 1786,
gest. d. 13. Febr. 1876.

Sockel
R. I. P.

¿


  • Hasslinger, Anna (vw); 23.11.1786 – 13.2.1876; Kammerdieners-Witwe
  • Hasslinger, Konrad; Benefiziat

Grab der Familie Hasslinger auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2018)

#42 – 8 – 1 (Zitt)


Familie Zitt.

Hier ruht in Gott:
all unser Glück u. Freude,
unsere einzige innigstgeliebte
Tochter
Josefine Zitt,
geb. 4. Dez. 1868, gest. ¿. März 1889.
Ihr folgte
Frau Josefa Zitt,
Privatiers-Gattin,
geb. 13. März 1850 gest. 13. Febr. 1906.
Herr Johan Zitt
Privatier,
geb. 24. Okt. 1840, gest. 9. Okt. 1922.

Sockel
Es ist bestimmt in Gottes Rath,
Dass man vom Liebsten
was man hat, muss scheiden.

42.8.1.Burlein.


  • Zitt, Johan; 24.10.1840 – 9.10.1922; Privatier
  • Zitt, Josefa (vh); 13.3.1850 – 13.2.1906; Privatiers-Gattin
  • Zitt, Josefine; 4.12.1868 – (4).3.1889 (München); Kälberschaffners-Tochter

Todesanzeige für Josefine Zitt

Grab der Familie Zitt auf dem Alten Südfriedhof München (April 2015)

#42 – 8 – 4 (Feller · Kreis · Meditz)


Tafel oben
Hier ruhet in Gott
mein heißgeliebter Mann,
unser guter Vater, Sohn u. Bruder
Joseph Feller,
geb. 10. Juni 1861, gest. 26. Juli 1894.
Ihm folgte seine liebe Mutter
Frau Maria Feller
geb. 5. Sept. 1835
gest. 9. Nov. 1902.

Umsonst war deiner Gattin heisses Fleh’n,
Gott rief dich und Du musstest zu ihm geh’n.

Tafel unten
Ihr folgte deren Gatte
unser lieber guter Vater, Grossvater
und Schwiegervater,
Herr Heinrich Aug. Feller,
Kaufmann.
geb. 26. Oktbr. 1830, gest. 7. Mai 1903.
Frau Luise Meditz
geb. 9. Jan. 1871, gest. 26. März 1931.


  • Feller, Heinrich Aug.; 26.10.1830 – 5.5.1903; Kaufmann
  • Feller, Josef; 10.6.1861 – 26.7.1894 (München); Kaufmann aus Berlin
  • Feller, Maria (vh); 5.9.1835 – 9.11.1902
  • Kreis, Susanna (vw); – (6).1.1888 (München), 65 Jahre alt; Fabrikantens-Witwe
  • Meditz, Luise (vh); 9.1.1871 – 26.3.1931

Todesanzeige für Josef Feller

Grab der Familien Feller · Kreis · Meditz auf dem Alten Südfriedhof München (April 2015)

#42 – 8 – 11 (Frönau)


Grab der Familie Frönau auf dem Alten Südfriedhof München (September 2015)

#42 – 8 – 10* (de Marees)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • de Marees, Karl Albert; 20.1.1834 (Dessau) – 9.10.1890 (München); Marinemaler

Das Grab ist nicht erhalten

#42 – 8 – 13 (Klotz · Pachmayr)


Familie
Pachmayr.

42.8.13. A. Weigel.


  • Klotz, Michael; – 26.2.1860 (München), 27 Jahre alt, Tod durch öffentliche Hinrichtung; Schneidergeselle, Todesurteil wegen Mordes an dem Knecht Michael Münzhuber bei Thierham
  • Pachmayr, Max; – 1889 (München); Ehemaliger Posthalter

Grab der Familien Klotz · Pachmayr auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2018)

#Michael Klotz

† 26.2.1860 (München), 27 Jahre alt, Tod durch öffentliche Hinrichtung
Schneidergeselle, Todesurteil wegen Mordes an dem Knecht Michael Münzhuber bei Thierham

#Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik (22.12.1859)

München, 19. Dez. (9. Verhandlung der III. ordentlichen Schwurgerichtssitzung für Oberbayern.)

Präsident: Appell.-Ger.-Rath Geyr. Oberstaatsanwalt: v. Schab. Vertheidiger: Rechtsprakt. Dietherr.

Geschworne: 1) Graf v. Hundt, Gutsbesitzer von Unterweikertshofen; 2) Seitz, Apotheker von Haidhausen; 3) Erhard, Handelsmann von der Vorstadt Au; 4) Hörl, Privatier und Gutsbesitzer von Ottenhofen; 5) Ritter, Schreinermeister v. h.; 6) Kotz, Taschnermeister v. h.; 7) Kluftinger, Schweinemetzgermeister v. d. Vorst. Au; 8) Glas, Bauer von Kleinhadern; 9) Auracher, Bauer von Hasling; 10) Chorherr, Bäckermeister und Mag.-Rath von Haidhausen; 11) Jank, Kupferschmiedmeister v. h.; 12) Riederer sen., Kaufmann und Magistr.-Rath v. h.

Angeklagt ist Mich. Klotz, 27 J. a., lediger Schneidergeselle von Thierham, wegen qualifizirten Mordes.

Die Voruntersuchung hat Folgendes ergeben: Am Morgen des 2. Juli l. J. entdeckte der Gütler Michael Burghardt von Thierham in dem Paarflusse einen männlichen Leichnam, der bis auf Hemd, Unterhose u. Gilet entkleidet war und mehrere Kopfverletzungen zeigte. Von der Leiche ohngefähr 8 Schuh entfernt, stand im Wasser ein mit einem abgeschnittenen Strick versehener Schubkarren, dessen Geleise von Thierham herführte; es wurde hergestellt, daß jener Karren in der Nacht vom 20. auf 21. Juni aus der Schupfe eines Gütlers von Schlott, unweit Thierham, entwendet worden war. Es wurde sofort die Obduktion und Sektion der Leiche, die von Niemand erkannt wurde, vorgenommen, wobei sich herausstellte, daß die Zeit des Todes höchstens auf den 20. Juni Abends oder Nachts zurückzuverlegen sei und daß die Verletzungen ohne Zweifel mit dem hinteren breiten Theile einer sog. Holzhauerhacke beigebracht worden seien; die ganze Basis der Schädelhöhle war buchstäblich in Scherben zertrümmert und das Gehirn sah eher einem Blutklumpen als einem Gehirne gleich. Am Laufe der Untersuchung stellte sich heraus, daß der Getödtete der übelbeleumundete Dienstknecht Mich. Münzhuber von Manching, Ldg. Neuburg, sei; zwar konnte die Leiche, weil bereits beerdigt, nicht recognoscirt werden, indeß erklärten 2 Schwäger und eine Verwandte desselben, daß nach der zu den Akten genommenen Beschreibung den Leiche, sowie nach den Kleidungsstücken, womit dieselbe angethan war und der übrigen Habseligkeiten, welche von dem Getödteten herrührend, aufgefunden wurden, kein Zweifel über die Identität der Person bestehen könne. Weitere Nachforschungen haben ergeben, daß dieser M. Münzhuber am 18. Juni dem zu Manching abgehaltenen Fischer-Jahrtage beiwohnte, daß er am andern Tag Morgens zwischen 5 und 6 Uhr schlafend getroffen wurde, daß er am selben Vormittage ungefähr um 10 Uhr in das Wirthshaus zu Ebenhausen gekommen, dort bis Abends gegen 5 Uhr gezecht und sich dann mit dem etwa um halb 1 Uhr angekommenen fremden Handwerksburschen, welcher später als der Schneidergeselle Mich. Klotz von Thierham erkannt wurde, entfernt habe, ferner, daß Münzhuber sich mit Klotz am selben Tage in Grillheim bei einer Colonistenswittwe eingefunden und nach kurzem Aufenthalte Abends gegen halb 9 Uhr abermals in Gesellschaft des Klotz im Wirthshause zu Adelshausen erschien, welches er mit demselben gegen 10 Uhr verließ, von welcher Zeit an Münzhuber nicht mehr gesehen wurde.

Münzhuber hatte einen schlechten Leumund, er war bereits wegen Diebstahls mit Arbeitshaus bestraft worden. Mich. Klotz war im Schulbesuche nachläßig, erwarb sich wenige Kenntnisse u. pflog ein tadelhaftes u. unsittliches Betragen, die Lokalschulinspektion äußerte sich über ihn: daß im Ganzen nie etwas Gutes von ihm zu erwarten war. Er wurde schon wegen Arbeitsscheu auf 4 Monate ins Zwangsarbeitshaus eingeschafft, wegen Widersetzung zu 2½ Jahren Arbeitshaus verurtheilt u. mußte wegen Mißhandlung seines leiblichen Vaters gestraft werden. Michael Klotz wurde nach Auffindung der Leiche als der That verdächtig alsbald verhaftet, er leugnete anfangs, machte aber später ein umfassendes Geständniß. (F. f.)

Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik Nr. 356. Donnerstag, den 22. Dezember 1859.

#Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik (23.12.1859)

München. (Schluß der 9. Verhandlung vom 19. Dezbr.)

Mich. Klotz machte folgendes Geständniß: Er habe den Münzhuber am 19. Juni l. J. im Wirthshause zu Ebenhausen zum Erstenmal gesehen, gleichen Gelichters haben sie sich bald genähert, Münzhuber habe ihm vertraut, daß er einen Diebstahl begehen wolle, zu dessen Verübung er Weibskleider benöthigt sei, Klotz werde wohl etwas ausfindig machen. Sie seien beide am selben Tage nach Thierham gegangen, Münzhuber habe vorgeschlagen, nicht im Klotz'schen Hause, sondern im Walde zu übernachten, aus der Klotz'schen Behausung aber eine Axt mitzunehmen, damit Klotz, falls er von Jemanden gesehen würde, sagen könne, er befinde sich in Holzarbeit. Er habe nun eine Axt mitgenommen und nun seien sie beide in den Wald, den sog. Brandschlag, gegangen, wo sie sich gelagert und übernachtet haben. Am anderen Morgen haben sie neuerdings das Diebstahlsvorhaben berathen. Etwa um 10 Uhr seien sie von Hunger und Durst gequält worden und nun habe er, nachdem sie ihre aus ?0 kr. 1 dl. bestehende Baarschaft zusammengeschossen haben, die Stiefel des Münzhuber angezogen und in Hemdärmeln, mit der Holzaxt versehen, nach Engelmannsberg sich begeben, wo er 2 Maß Bier, in eine steinerne Flasche gefüllt, Brod und Käs um 23 kr. gekauft habe. Auf dem bezeichneten Lagerplatz hatten sie gemeinschaftlich diese Lebensmittel verzehrt, wobei Münzhuber bis auf Gilet, Hemd und Unterhose entkleidet war, damit die übrigen Kleider, die er in einem nahen Boschen verborgen hatte, nicht beschmutzt würden.

Münzhuber sei abermals auf das Diebstahlsvorhaben zurückgekommen u. habe ihn beredet, von seiner Geliebten in Schlott Weibskleider zu holen; er habe sich wirklich auf den Weg dahin begeben, jedoch unterwegs wankend geworden, weil er gefürchtet, es könne ihn Jemand mit diesen Kleidern sehen; er sei wieder in den Wald zurückgekehrt und habe dem Münzhuber gesagt, daß seine Schwester die Kleider nicht hergebe, worauf jener sich sehr ungehalten zeigte. Es möge damals beiläufig halb 2 Uhr gewesen sein, Münzhuber habe sich, um Schutz vor dem Regen zu suchen, unter einen Tannenboschen gesetzt, er sei mit der Axt in der Hand vor demselben gestanden, es sei wieder die Sprache von der Ausführung des Diebstahls gewesen und da habe er dem Münzhuber den Rath gegeben, seine Uhr und Kette zu versetzen, wodurch er auf redliche Weise Geld bekommen würde, während sie bei einem Diebstahle leicht erwischt werden könnten. Auf dieses Bedenken habe Münzhuber geäußert, er würde sich vor einer Person nicht fürchten, mit dieser wäre er sogleich fertig, er würde ihr das Halszapfel eindrücken. In demselben Augenblick, als Münzhuber diese Aeußerung gemacht, sei ihm der Gedanke gekommen: »ich bring' dich um!« und dieser Gedanke habe ihn so in Anspruch genommen, daß er wie wahnsinnig war und denselben sogleich ausführte. Münzhuber sei in gebückter Stellung, wahrscheinlich mit Uhr und Kette tändelnd vor ihm auf dem Boden gesessen, er habe, von demselben nicht bemerkt, mit der Axt ausgeholt und mit deren Rücken einen Schlag auf die Schläfegegend des Münzhuber versetzt, der sogleich lautlos zusammengesunken sei, er habe ihm hierauf noch ein paar Hiebe vermuthlich auf das Hinterhaupt beigebracht; die auf dem Boden liegende Kette, Uhr und Geldbeutel, sowie ein seidenes Halstuch zu sich genommen, die Leiche mit Tannenreisern und Moos zugedeckt und die Axt im Gebüsche versteckt, hierauf habe er die Bierflasche nach Engelmannsberg zurückgetragen, dort bis Abends 5 Uhr sich aufgehalten, dann seine Geliebte besucht, ihr das seidene Tüchl geschenkt und Uhr und Kette gezeigt. Ganz verstört u. halb von Sinnen habe er sich an jenem kritischen Abend an verschiedenen Orten herumgetrieben, sei nächtlicher Weile nach Schlott gekommen, habe aus einer Schupfe den Schubkarren genommen und die Leiche aus dem Dickicht auf den Fahrweg geschleift, auf den Karren geladen, mit einem Stricke angebunden und bis an die Paar, wo sie gefunden wurde, verfahren, dortselbst habe er den Leichnam über das Ufer hinab in das Wasser hineinrennen wollen, der Karren habe sich aber überstürzt und sei in den Stauden hängen geblieben, weshalb er genöthigt gewesen, den Strick abzuschneiden und die Leiche u. den Karren gesondert in das Wasser zu werfen, die Leiche habe er noch mit einer herbeigeholten Zaunstange untergetaucht. Die That aber habe er in augenblicklicher Sinnesverwirrung ausgeführt und zwar nicht aus Habgier und Lüsternheit nach dem Besitzthume des Münzhuber, dem er auch nichts abgenommen habe, indem die Uhr, Kette und das Halstüchl auf dem Boden gelegen, auch habe er gewußt, daß Münzhuber kein Geld habe.

Dasselbe Geständniß der That legte Klotz früher schon einem Mitarrestanten ab, diesem gegenüber aber äußerte er sich geradezu, daß er den Münzhuber unter dem Vorwand, einen Diebstahl auszuführen, in den Wald gelockt habe, um dessen Geld u. Montur zu bekommen und ihn deshalb erschlagen habe, weil er gemeint, Münzhuber besitze noch mehr Geld. Dieses Gespräch wurde vom Gerichtsdienersgehilfen Mich. Böck belauscht. Im Uebrigen stimmen die Erhebungen mit dem gerichtlich abgelegten Geständniß des Klotz vollkommen überein; die Uhr und Kette sowie die Stiefel des Münzhuber wurden in der Wohnung des Klotz, sorgfältig verborgen, aufgefunden, die übrigen Kleider des Ermordeten wurden in der Nähe des Ortes der That entdeckt, auch die Zaunstange, welche Klotz zum Untertauchen der Leiche brauchte, fand sich neben der Leiche des Münzhuber.

Der Angeklagte widerrief in öffentlicher Sitzung, was er in der Voruntersuchung gestanden hatte, er will von Münzhuber angegriffen worden sein und im Zustande der Nothwehr gehandelt haben, das Geständniß habe er nur gemacht, um von den Fesseln befreit zu werden. Diese neue freche Angabe fand jedoch keinen Glauben.

Michael Klotz wurde der Anklage gemäß des mit Vorbedacht beschlossenen und mit Ueberlegung ausgeführten qualifizirten Mordes schuldig gesprochen und zur Todesstrafe verurtheilt. Er hörte das Urtheil mit scheinbarer Gleichgültigkeit an.

Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik Nr. 357. Freitag, den 23. Dezember 1859.

#Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik (23.2.1860)

München, 23. Febr. Die in letzter IV. ordentl. Schwurgerichtssitzung unterm 8. und 20. Dez. gefällten Todesstrafen – über den ledigen Dienstknecht Max Aigner von Sinnertsbichl, wegen quilifizirten Mordes (begangen an dem Melcherbauern Westner (Nr. 340 bis 344 v.J.), dann über den ledigen Schneidergesellen Michael Klotz von Thierham, wegen qualtfizirten Mordes (begangen an dem Dienstknecht Michael Münzhuber (Nr. 356 und 357 vor. Jrs.) – haben die königl. Bestätigung erhalten. Die Publikation beider Todesurtheile fand heute Morgens 7 Uhr durch die kgl. Gerichtskommission in hiesiger Frohnveste statt. – Die in der Verhandlung gegen Max Aigner mitangeklagte und gleichfalls zum Tode verurtheilt gewordene Melcherbauers-Wittwe Maria Westner wurde zur Kettenstrafe begnadigt. – Max Aigner und Mich. Klotz erbaten sich auf Anfragen den gesetzlich gegönnten dreitägigen Aufschub des Vollzugs der Todesstrafe. Die öffentliche Hinrichtung beider Verurteilten findet daher am Samstag Morgens statt.

Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik Nr. 54. Donnerstag, den 23. Februar 1860.

#Bayerische Landbötin (26.2.1860)

Heute Morgen fand die Hinrichtung der beiden zum Tode Verurtheilten Michael Klotz und Max Aigner statt. Der Zug ging von der Frohnfeste unter herkömmlicher Eskorte durch's Angerthor, die Blumen-, Sonnen-, Schützen-, Mars- und Salzstraße, in welcher der zweite Armensünderwagen mit dem Delinquenten Max Aigner unter Bedeckung der Eskorte hinter der Jägerkaserne während der Exekution an Michael Klotz warten mußte. Die öffentliche Publikation des Todesurtheils erfolgte in Anwesenheit des kgl. Vollzugscommissärs Hrn. Bezirksgerichts-Assessors Erdmansdorfer unmittelbar nach Abzug außerhalb der Frohnfeste – erst an Michael Klotz dann an Max Aigner. Beide zeigten sich reuig und gefaßt namentlich war letzterer fast zerknirscht.

Geschichtliche Darstellung des Verbrechens des Michael Klotz von Thierham. Michael Klotz, gegenwärtig 27 Jahre alt, lediger Schneidergeselle von Thierham, Ldg. Schrobenhausen, pflog schon in den Jahren seiner Schulpflichtigkeit ein tadelhaftes Betragen. In späterm Alter bewies er sich als einen leichtsinnigen, arbeitsscheuen, der Sittenlosigkeit und dem Trunke ergebenen Menschen. Er erlaubte sich sogar gegen seinen eigenen Vater Mißhandlungen, so daß dieser genöthiget war, obrigkeitlichen Schutz anzurufen, wurde wegen verschiedener Exzesse öfter polizeilich bestraft und im Herbste 1852 in das Zwangsarbeitshaus auf die Dauer von 4 Monaten geschafft. Im Mai 1853 beging er eine Widersetzung an der Gendarmerie, wofür er vom Kreis- und Stadtgerichte Aichach am 19. Okt. 1853 zu einer Arbeitshausstrafe von 2¼ Jahren verurtheilt wurde‪.‬ Aber auch diese Strafe hatte ihn nicht gebessert, schlechte Gesellschaft und sein Hang zum Müssiggange brachten ihn wieder auf die Bahn des Verbrechens. Am 19. Juli v. Js. lernte M. Klotz im Wirthshause zu Ebenhausen, Ldg. Neuburg a‪.‬ D., den gleichfalls übelbeleumundeten, schon zweimal wegen Diebstahls bestraften, 22 Jahre alten Dienstknecht Michael Münzhuber von Manching kennen. Beide wurden bald sehr vertraut mit einander, verabredeten mit einander die gemeinschaftliche Begehung eines Diebstahls und begaben sich spät Abends nach einem in der Nähe von Thierham, der Heimath des M. Klotz, gelegen Walde. Dort brachten sie in einem abgelegenen Dickicht die Nacht zu, und blieben daselbst auch am andern Tage, nachdem Klotz Morgens aus einem nahe gelegenen Wirthshause Lebensmittel herbeigeholt hatte. Münzhuber war bei dem Zusammentreffen mit Klotz gut gekleidet, trug eine silberne Uhr nebst silberner Kette und war auch im Besitz einiger Baarschaft. Der Anblick dieser Habe erregte die Begierde des M. Klotz, der schon seit einiger Zeit in seiner Kleidung sehr herabgekommen war, und eben erst den letzten Rest seiner an sich geringen Baarschaft im Wirthshause ausgegeben hatte. Er faßte deßhalb den Entschluß, den M. Münzhuber zu tödten und sich seiner Habseligkeiten zu bemächtigen. In dieser Absicht versetzte er Nachmittags, während Münzhuber an der zum Ruheplatze gewählten Stelle im Walde arglos auf dem Boden saß, demselben unversehens mittelst einer Holzhacke, welche er vorher in seinem elterlichen Hause geholt hatte, mehrere Hiebe auf den Kopf mit solcher Gewalt, daß die dem Mißhandelten dadurch beigebrachten schweren Verletzungen an der linken Schläfegegend und am Hinterhaupte den Tod desselben sofort zur nothwendigen Folge hatten. Dann nahm Klotz die in einigen Gulden bestehende Baarschaft des Ermordeten, die Uhr nebst Kette, das seidene Halstuch und die Stiefel desselben zu sich und entfernte sich damit, während er den Hut, Spenser und die Hose Münzhubers in einem Gebüsche verborgen zurückließ. Um Mitternacht kehrte er jedoch, mit einem Schubkarren versehen, wieder in den Wald zurück, lud die Leiche auf den Karren, führte sie an den ungefähr eine Stunde entfernten Paarfluß und warf sie über das steile Ufergehänge hinab in das Wasser, in dem sie am andern Tage gefunden wurde. M. Klotz wurde am 25. Juli vor. Js. als der That verdächtig verhaftet und in Untersuchung gezogen, nach deren Schluß am 19. Dezember v. Js. in öffentlicher Sitzung des Schwurgerichtes von Oberbayern des Verbrechens des qualifizirten Mordes für schuldig erkannt und in Anwendung der Art. 146 und 147, Ziffer IV. Strafgesetzbuch Thl. I. zur Todesstrafe verurtheilt. Nachdem der oberste Gerichtshof zufolge der ihm von Amtswegen obgelegenen Prüfung erkannt hatte, daß weder in dem gegen M. Klotz durchgeführten Strafverfahren, noch in dem gegen ihn erlassenen Strafurtheile ein Nichtigkeitsgrund vorliege, haben Seine Majestät der König durch allerhöchste Entschließung vom 18. Februar d. Js. auszusprechen geruht, daß zur Begnadigung desselben kein hinreichender Grund vorhanden sei. Demgemäß wurde heute Morgens das Todesurtheil an Michael Klotz öffentlich vollzogen.

Bayerische Landbötin No. 57. München; Sonntag, den 26. Februar 1860.

#42 – 8 – 15* (Aigner)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Aigner, Max; – 26.2.1860 (München), 35 Jahre alt, Tod durch öffentliche Hinrichtung; Knecht, Todesurteil wegen Mordes an dem Bauern Westner bei Oberhofen

Das Grab ist nicht erhalten


#Max Aigner

† 26.2.1860 (München), 35 Jahre alt, Tod durch öffentliche Hinrichtung
Knecht, Todesurteil wegen Mordes an dem Bauern Westner bei Oberhofen

#Der Bayerische Landbote (27.9.1859)

München. III. ordentliche Schwurgerichtssitzung von Oberbayern. 11te Verhandlung am 24. Sept. u. folgende Tage gegen Maria Westner, Bauerswittwe von Jedling, Max Aigner und Georg Aigner, led. Dienstknechte von Sinnertsbüchl, und Elise Niedermaier, led. Dienstmagd von Tuntenhausen – wegen Mordes und Meineides.

Staatsanwalt: v. Reichert; Vertheidiger: Sensburg, Dr. Rau, Rothmüller; Geschworne: Lex, Geyer, Sedlmayer, Estermann, Mayer, Merk, Bedall, Knorr, Lachmaier, Schwarzmann, Münsterer, Attenberger; Bronberger, Ersatzgeschworner.

Im Jahre 1849 starb zu Unteratting, Ldg. Trostberg, der Schobersöderbauer Joseph Mödler und hinterließ eine Frau mit vier Kindern, die aber über den Tod ihres Mannes nicht besonders betrübt seyn mochte, denn schon nach vierwöchentlichem Wittwenstande heirathete die Maria Modler den Bauernssohn Ignaz Westner von Schalkham. Sechs Jahre später, im Jahre 1855 kauften die Westner'schen Eheleute das Melcherbauernanwesen zu Jedling, Gemeinde Irschenberg, Ldg. Miesbach, ohne die Ansässigkeit zu erlangen; der Mann beschäftigte sich nämlich lieber mit dem Steinkohlenfuhrwerk von Miesbach nach Rosenheim, als mit ökonomischen Arbeiten, während die Frau als eine sehr fleißige Bäuerin, aber auch leider als eine sehr ausschweifende Person geschildert wird. Das im November 1857 ihr von der Gemeinde Irschenberg ausgestellte Leumundszeugniß lautete deshalb auch folgendermassen: »Maria Westner wurde nicht nur erwachsenen Personen, welche sie näher zu kennen Gelegenheit hatten, sondern auch ihren eigenen vier Kindern sowohl in Wort als That zum Aergerniß, da sie den Keim alles Guten in den letzteren gleichsam erstickte und ihnen als Muster der Liederlichkeit und Ausschweifung ein schlechtes Beispiel gab.« Vom Landgerichte bereits wegen unsittlichen Betragens mit ihrem Knechte Andr. Hauser und unerlaubter Beherbergung bestraft, ertappte sie der Ehemann selbst mehrmals mit demselben, der deshalb auch den Dienst verlassen mußte, wie noch viele andere Knechte, da es allgemein bekannt war, daß die Westner es lieber mit diesen als mit ihrem Ehemanne hielt. Dieses vorausgeschickt, wird es Niemand Wunder nehmen, daß es zwischen diesen Eheleuten zu vielfachem Zank und Streit kam, und Ign. Westner seine Frau öfters mit Faustschlägen traktirte. So äußerte der erst zehnjährige Sohn der Westner im Frühjahre 1857 in der benachbarten Schmiede zu Wollkam naiverweise: »Sein Vater erschlage die Mutter noch, weil sie immer beim Knechte schlafe, aber die Mutter habe gesagt, daß der Vater noch eher erschlagen werde, das sei auch besser für die Kinder, weil sie dann leichter die Aufnahme in die Gemeinde bekämen, denn den Vater mögen die Leute nicht.« Die Prophezeiung sollte nun schon in der darauffolgenden Nacht beinahe in Erfüllung gehen. Ig. Westner fuhr nämlich am Donnerstag den 30. April 1857 Morgens 2 Uhr mit seinem Knechte Mart. Huber auf die Schranne nach Rosenheim, war aber noch nicht weit von Jedling entfernt, im sogenannten Schinderhölzchen, als plötzlich auf ihn, der links auf dem Wagen saß, mit einem Prügel und zwar so heftig auf den Kopf eingeschlagen wurde, daß er das Bewußtsein verlor. Es war damals auch so dunkel, daß weder Westner noch Huber sehen konnten, von wem die Schläge kamen und ob es nur ein Angreifer war oder ihrer mehrere. Während der ganzen Affaire wurde kein Wort gesprochen und auch nicht der leiseste Versuch gemacht, aus dem man schließen könnte, es wäre auf einen Raub abgesehen gewesen. Wegen dieser That fiel alsbald der Verdacht auf den früheren Liebhaber der Westner, Andr. Hauser, der damals in Sturzelham diente und ein ziemlich genügendes Alibi nachweisen konnte. Ein anderer Knecht, Max Aigner, der vom Ziel Georgi 1856 bis Lichtmeß 1857 bei Westner im Dienst und mit der Frau in ehebrecherischem Verhältniß gestanden, arbeitete zu dieser Zeit am Wasserbau in Miesbach und schlief bei dem Kistler Auer dort auf dem Heu. Dieser Max Aigner kam gerade in der Nacht des Ueberfalles in das Bett des Knechtes Xav. Unsinn, unter dem Vorgeben, daß ihn so friere. Als sich unter Tags in Miesbach die Kunde verbreitete, daß der Melcherbauer Westner so geschlagen worden sei in der vorigen Nacht, äußerte Aigner zu den Kistlersleuten: »Bin auch schon einmal bei ihm im Dienste gewesen und so mittelmäßig weggekommen; da könnte man auch oft hinein kommen; ist gut, daß ich heute Nacht bei dem Knecht geschlafen, ihr wißt dann gleich, was ihr zu sagen habt, wenn ihr einmal deßhalb gefragt werdet.« (Forts. folgt.)

Der Bayerische Landbote No. 270. München; Dienstag, den 27. September 1859.

#Der Bayerische Landbote (28.9.1859)

München. III. ordentliche Schwurgerichtssitzung von Oberbayern. 11te Verhandlung am 24. Sept. u. folgende Tage gegen Maria Westner, Bauerswittwe von Jedling, Max Aigner und Georg Aigner, led. Dienstknechte von Sinnertsbüchl, und Elise Niedermaier, led. Dienstmagd von Tuntenhausen – wegen Mordes und Meineides.

(Fortsetzung.) Auf Jakobi 1857 trat Max Aigner in Jedling selbst wieder in Dienst beim Blasibauern Thomas Kirchberger und setzte sein ehebrecherisches Verhältniß mit der Westner in der schamlosesten Weise fort. In diese Zeit fallen auch zwei gewichtige Aeußerungen von Seite der Westner, welche bei der Heuarbeit den Max Aigner auf die Kirchweih einlud, die auf Ende August fällt, worauf Aigner entgegnete: »Ja, wenn der Eure nicht wäre!« und die Westner erwiederte: »Bis dahin wird's schon anders werden.« Zu der Schmiedin Baumann sagte sie aber zur selben Zeit auf dem Wege nach Miesbach: »Du wirst sehen, mein Mann wird noch einmal recht erschlagen, und sag' dann, daß ich Dir das gesagt habe. Von welcher Seite dem Westner aber die Schläge zugedacht wurden, darüber täuschte er sich selbst gar nicht, denn zu dem Bauern Guggenbichler sagte er noch am Sonntag den 9. August, daß er seine Frau mit dem Max Aigner im Bette betreten habe, und fügte hinzu, daß sich sein Weib wohl irgendwohin verlobt haben werde, daß er ein anderesmal ganz erschlagen werde. Diese Ahnung sollte in der schrecklichsten Weise in Erfüllung gehen, denn schon in der darauffolgenden Nacht wurde der Melcherbauer Gg. Westner erschlagen aufgefunden.

In der Nacht vom 9. auf den 10. August gegen 2 Uhr Morgens wurde der Großbauer Xav. Hörmann von Oberhof durch einen Schrei aus dem Schlafe geweckt und sah deßhalb zum Fenster hinaus, konnte jedoch, weil es noch ganz dunkle Nacht war, nichts weiter wahrnehmen. Als er aber Morgens um 5 Uhr aus dem Hause trat, fand er in einer Entfernung von beiläufig 30 Schritten den Melcherbauern Westner todt daliegen, mit dem Gesichte gegen den Grasboden gekehrt, während dessen mit zwei Pferden bespannter, mit Steinkohlen schwer beladener Wagen etwas weiter rückwärts auf der Straße gerade an der Stelle stand, wo sie eine kleine Erhöhung hat und Westner immer einige Augenblicke anzuhalten pflegte, um die Pferde verschnaufen zu lassen. Zunächst des Wagens fand sich das 2½ Schuh lange Stück einer abgebrochenen Wagenstange, und 10 Schritte davon entfernt nach vorwärts das größere 6½ Schuh lange Stück dieser 2½ bis 3 Zoll im Durchmesser dicken Stange. Bei der Obduktion ergab sich, daß der Schädel einen vollständigen Bruch erlitten und die Zersprengung bis auf dessen Grund gedrungen war, so daß der k. Gerichtsarzt Dr. Beck versicherte, während einer 23jährigen Praxis noch keine größere absichtliche Körperverletzung gesehen zu haben. Während der Melcherbauer Westner in dieser Nacht zu Oberhof ermordet wurde, schlief die Maria Westner bei dessen Mutter zu Schalkham, wohin sie sich mit ihrer Tochter Maria Mödler zur Kirchweih begeben hatte, in derselben Kammer. Morgens um 4 Uhr, also beiläufig zwei Stunden nach dem Tode ihres Mannes, erzählte sie ihr, es habe ihr geträumt, daß ihr Mann todtgeschossen worden sei und daß sie deßhalb so viel geweint habe. Die alte Frau konnte hievon wohl nichts mehr bemerken, doch war ihr aufgefallen, daß die Mar. Westner am Tage vorher ungemein still war, sehr wenig aß und von den andern Kirchweihgästen entfernt sich allein auf den Anger legte, was sie jedoch der Ermüdung von der Reise zuschrieb. Dafür drängte die Mar. Westner am Montag früh nach Hause und entfernte sich mit ihrer Tochter schon Morgens zwischen 5 und 6 Uhr. Diesen Traum erzählte sie unterwegs auch ihrer Tochter Maria, so wie dem Gendarmen Ant. Zepf, der sie schon Abends 5 Uhr auf dem Heimwege in Au arretirte. Zu diesem äußerte sie sich weiter, daß sie zu ihrer Tochter, weil die Elstern immer so auf ihrem Wege schrieen, gleich gesagt habe: »Heute ist gewiß etwas besonderes, ein Unglück bei uns vorgefallen.« Nachdem sie den Tod ihres Mannes erfahren, sagte sie, sie habe deßhalb schon eine Ahnung gehabt, übrigens sei sie nur froh, daß sie keinen Rückfall hinausbezahlen dürfe, weil ihr Mann ihre Kinder als seine eigenen einkommen ließ; sie habe sich erst kürzlich erkundigt, daß sie nichts hinausbezahlen dürfe, das sei ihr noch das Liebste. Am 11. Aug. zur Leiche ihres Mannes geführt, ging sie festen Schrittes und mit kecker Miene an den Sarg hin, und erst als man sie auf das verstellte Gesicht der Leiche aufmerksam machte, fing sie zu weinen an, was jedoch nur so lange dauerte, als sie die Leiche sah; alsdann entfernte sie sich trockenen Auges und sprach, als ob nichts vorgefallen wäre. Zwei Tage später wurde im Melcherbauernhof der Dienstknecht Max Aigner arretirt, wo er gerade aushilfsweise arbeitete, und war darüber sehr betroffen. In seinem ersten Verhöre läugnete er jede Bekanntschaft mit der Mar. Westner, zu der er seit seinem Dienstesaustritte nicht mehr in das Haus gekommen seyn will. In der Mordnacht sei er um 10 Uhr zu Bette gegangen, das er die ganze Nacht nicht mehr verlassen habe. Mit einem starken Brustleiden behaftet, habe er von 11 bis 1 Uhr mehrfach husten müssen, dies habe die in der Nähe befindliche Dirne Elisabeth Niedermaier gehört, welche er deßhalb auch als Zeugin benannte. Diese Elise Niedermaier bestätigte in ihrer eidlichen Vernehmung Folgendes: Alle Hausangehörigen seien am Sonntag, den 9. August Abends 10 Uhr in das Bett gegangen, mit Ausnahme des Georg Aigner, eines Bruders des Max Aigner, der sich damals gleichfalls im Scheindienste beim Blasibauern zu Jedling aufhielt, aber sich nur mit Kohlenfuhrwerk beschäftigte. Da damals eine Kuh am Kälbern war, fährt die Niedermaier fort, so sei sie um ¾11 Uhr wieder in den Stall gegangen, um nachzusehen. Da sei gerade der Georg Aigner heimgekommen; sie habe auf sein Klopfen die Thüre geöffnet und ihm in die Schlafkammer hinaufgeleuchtet, wo er seinen Bruder Max weckte und sich von diesem die Stiefel ausziehen ließ. Als es in Frauenried Nachts 1 Uhr schlug, sei sie wieder in den Stall und habe da an der Schlafkammer der Brüder Aigner vorübergehend, sie miteinander plaudern gehört und zwar darüber, daß wegen des starken Regens das Wasser durch das Dach eindringe. Ebenso habe sie den M. Aigner mehrfach bis gegen 2 Uhr, das letztemal um 2½ Uhr husten gehört. In gleicher Weise deponirte der als verdächtiger Zeuge vernommene Georg Aigner, und da auch der der That verdächtige A. Hauser ein genügendes Alibi nachgewiesen hatte, so wurde durch Erkenntniß des Bezirksgerichts Traunstein gegen diese drei Personen sowie gegen die Maria Westner das Strafverfahren eingestellt und Max Aigner und Mar. Westner am 27. März 1858 aus der Untersuchungshaft entlassen. (Forts. folgt.)

Der Bayerische Landbote No. 271. München; Mittwoch, den 28. September 1859.

#Der Bayerische Landbote (29.9.1859)

München. III. ordentliche Schwurgerichtssitzung von Oberbayern. 11te Verhandlung am 24. Sept. u. folgende Tage gegen Maria Westner, Bauerswittwe von Jedling, Max Aigner und Georg Aigner, led. Dienstknechte von Sinnertsbüchl, und Elise Niedermaier, led. Dienstmagd von Tuntenhausen – wegen Mordes und Meineides.

(Fortsetzung.) Nachdem Mar. Westner aus der Untersuchungshaft entlassen war, konnte sie um so leichter ihren Lüsten fröhnen, als sie nicht mehr von einem mit Recht eifersüchtigen Mann genirt war. In dieser Beziehung gab Kaspar Greißl, der bei der Westner zu Georgi 1858 in Dienst trat, an, daß er noch nicht lange im Hause gewesen sei, als er einmal Nachts schwere Tritte auf dem Hausboden hörte. Er ging deßhalb hinauf und traf einen ihm fremden Burschen, der sich als einen Knecht, der früher im Hause diente, zu erkennen gab und zur Bäuerin verlangte. Greißl führte ihn auch zu ihr und fragte sie, ob sie diesen Menschen kenne? Nach einigem Zögern erhielt er zur Antwort: Es sei der Max Aigner, von welchem man sage, daß er ihren Mann erschlagen habe. Am andern Tage fragte Greißl die Bäuerin, was denn dieser Mensch wollte, und sie sagte dann daraus: »ich sollte ihn alleweil heirathen und dies thut kein gut, sonst kommen wir gleich auf.« Auch in Miesbach sah sie Greißl miteinander gehen und zwar am Frohnleichnamstage den 8. Juni 1858, während noch im selben Monate, am Tage vor Johanni, der frühere Liebhaber Andr. Huber die Melcherbäuerin besuchte und Greißl ihn am folgenden Morgen in der Schlafkammer der Bäuerin antraf, wo er mit dieser und der 16jährigen Tochter Anna in einem Bette lag! Aus diesem liederlichen Leben wurden aber die Maria Westner und Max Aigner plötzlich durch den Arm der Gerechtigkeit gerissen und die eine am 1. Juli und der andere am 3. Juli 1858 wieder verhaftet. Im Arbeitshause zu Kaisheim hatte der zu 6 Jahren Strafe verurtheilte Bruder der M. Westner, der Dienstknecht Mich. Manhart von Hochschätzen, ziemlich glaubwürdige Angaben über die Ermordung des Melcherbauern gemacht, welche dessen Ablieferung an das Landgericht Rosenheim zur Folge hatte. Dort angekommen, nahm aber Manhart sein in Kaisheim gemachtes Geständniß, soweit es seine Betheiligung am Morde betrifft, als gänzlich unwahr zurück und erklärte sich dahin, daß er seine ganze Wissenschaft von der Sache lediglich von der Dienstmagd Elis. Niedermaier habe, mit welcher er, als er Mitte August 1857 zur Aushilfe nach Jedling kam, sofort ein Liebesverhältniß angefangen, obwohl sie damals noch einen andern Liebhaber, den Dienstknecht Martin Stock hatte. Diese habe ihm nun erzählt, daß sie schon acht Tage vor der Ermordung des Westner von dessen Frau und dem Max Aigner angegangen worden sei, dem Letztern für die Nacht des 9/10. August zu bestätigen, daß er nicht aus dem Hause gekommen sei und daß ihr hiefür 600 fl. versprochen worden seien; daß neben dem sogenannten »starken Hans«, einem Zimmermann Namens Johann Seidl aus dem Ldg. Wolfratshausen, auch Georg Aigner von der Sache gewußt habe, und daß die Maria Westner, um den Verdacht von sich abzulenken, deßhalb eigens auf die Kirchweih nach Schalkham gegangen sei, endlich daß die That von Max Aigner und dem starken Hans verübt worden sei, während Georg Aigner mit seinem Fuhrwerke auf der Lauer gestanden sei und den andern Beiden das Zeichen gegeben habe. Manhart behauptete auch, daß er zu seiner Schwester, seit sie den Westner geheirathet hatte, gar nicht mehr in deren Haus gekommen sei, und daß er den starken Hans und den Max Aigner von Person gar nicht kenne, was sich später auch als so ziemlich glaubwürdig herausgestellt hat. Auf diese Angaben hin wurden auch Georg Aigner und Elis. Niedermaier verhaftet. Die letztere blieb aber bei ihren früheren, eidlich gemachten Aussagen im ersten Verhöre stehen, und bezeichnte die ganze Erzählung des Mannhart als völlig unwahr, nur fügte sie bei, daß in der Nacht vom 9. Aug. ihr Geliebter Martin Stock bei ihr in der Kammer gewesen sei. Diese Bemerkung gab der Sache eine überraschende Wendung, es wurde Martin Stock jetzt als Zeuge vernommen, allein dieser wollte weder gehört haben, daß Georg Aigner mit der Niedermaier heraufkam, als diese vom Stall zurückkehrte, noch daß die Brüder Aigner miteinander sprachen, noch daß Max Aigner hustete, überhaupt von Alledem nichts, was die Niedermaier bekundet hatte. Jetzt ging auch die Elis. Niedermaier in sich und in einem selbst erbetenen Verhör vom 2. Oktober nahm sie alle ihre Angaben als völlig unwahr zurück, und sagte, sie wolle nun ihr Gewissen, das sich schon lange wegen des abgelegten falschen Eides gedrückt fühle, erleichtern und sagen, was sie von der Sache wisse.

Die neuen Angaben der Elis. Niedermaier sind nun folgende: Max Aigner sei allerdings am 9. Aug. mit den übrigen Hausgenossen schlafen gegangen, allein sie habe in der fraglichen Nacht ihn weder husten gehört, noch habe sie dem Georg Aigner hinaufgeleuchtet; sie habe lediglich glaublich Nachts um 1 Uhr auf der Stiege ein Geräusch gehört, als wenn Jemand heraufschleiche, den Georg Aigner aber gar nicht zu Gesicht bekommen. Am Montag den 10. Aug. sei sie schon Morgens 6 Uhr nach Glon geschickt worden, wovon sie erst am Dienstag Vormittags zurückgekommen und von Max Aigner nun erfahren habe, daß der Melcherbauer erschlagen worden sei. Von diesem Augenblicke an begannen die Bemühungen der Brüder Aigner, sie zu dem falschen Zeugnisse zu bestimmen, denn es falle Verdacht auf den Max Aigner, und den könne man doch nicht unschuldig einsperren lassen. Als dieser bereits verhaftet war, setzte Georg Aigner die Ueberredung fort, indem er ihr mehrmals genau vorsagte, was sie alles bei Gericht anzugeben hätte. Sie habe sich nun durch dieses Zureden wirklich verführen lasten, in Miesbach falsche Angaben zu machen. Ende Oktober v. Js. ließ sich die Elis. Niedermaier wieder znm Verhöre melden und gab da an, daß sie den starken Hans (Seidl) vor und nach der Ermordung des Westner zwar einigemal in Jedling gesehen habe, daß sie ihn aber nicht näher kenne. Ferner, daß sie einmal 2 oder 3 Wochen vor dem Tode des Westner zu Max Aigner, der über ihn schimpfte, gesagt habe: »der Melcherbauer ist noch gut genug für seine Frau,« worauf Max Aigner antwortete: »Du sagst so, und die Melcherbäuerin hat mir 900 fl. versprochen, wenn der Melcherbauer nicht mehr heimkomme.« Max Aigner habe ihr übrigens nach der Hand 5 bis 600 fl. für ihr Zeugniß versprochen, nur müsse zuvor die Maria Westner aus dem Arrest herauskommen, denn er selbst habe nicht so viel Geld. Einige Wochen später, am 3. Dez. v. J., ließ die Niedermaier sich wieder zum Verhör melden und erzählte nun, daß ihr am Montag früh, ehe sie nach Glon ging, Georg Aigner ein seinem Bruder Max gehöriges blutiges Hemd zum Auswaschen gegeben habe, und dieser sagte ihr am Dienstag, daß er sich an der rechten Hand gerissen habe, wovon sie aber nichts bemerkte. Als sie erfuhr, daß der Verdacht auf Max Aigner falle, machte sie ihm deßhalb Vorhalt, wobei derselbe ganz blaß wurde, aber nichts sagte, und als sie dies dem Georg Aigner erzählte, äußerte dieser, sie solle nur sagen, wie es ausgemacht sei, sonst gehe es ihr wie dem Melcherbauern. Endlich, nachdem Max Aigner schon verhaftet war, habe ihr der Georg gestanden, daß er und der Max den Westner erschlagen hätten. Die Elis. Niedermaier gab dann weiters an, daß Georg Aigner zwar am fraglichen Sonntag Abends gegen 11 Uhr nach Hause gekommen, daß er aber gar nicht in seine Schlafkammer hinaufgegangen, sondern ein Pferd einspannte, um dem Westner Vorspann zu leisten. Zur selben Zeit sei auch Max Aigner zum Tennenthor hinausgegangen in der Richtung nach Oberhofen. Georg Aigner habe dem Westner schon am Samstag vorher versprochen, ihm in der Nacht vom Sonntag auf Montag Vorspann zu leisten und habe deßhalb dieser am Sonntag Nachmittags zweimal gefragt, ob der Georg noch nicht nach Hause gekommen sei. Alles dieses habe sie dem Mich. Manhart erzählt, als sie mit ihm Bekanntschaft angefangen habe, dagegen müsse sie in Abrede stellen, dem Manhart auch gesagt zu haben, daß der starke Hans dabei gewesen sei, sie habe nur gesagt, daß dieser wohl auch etwas davon wissen könne, weil er öfters nach den Brüdern Aigner gefragt und sie ihn auch mehrmals in der Nähe des Melcherbauernanwesens gesehen habe. Schließlich bemerkte die Niedermaier, daß sie wegen Krankheit erst kürzlich gebeichtet und nun Alles angegeben habe, um ihr Gewissen zu entlasten, und daß sie nur noch angeben müsse, daß der Vater des von ihr am 8. Mai v. J. gebornen Kindes nicht der Mart. Stock, sonder Mich. Manhart sei, was dem Landgericht Aibling mitgetheilt werden möge. In Folge dieser Angaben und weil Joh. Seidl zudem einen genügenden Alibibeweis geführt hatte, wurde das Strafverfahren gegen diesen, sowie gegen Manhart eingestellt, und die Anklage wegen Ermordung des Melcherbauern gegen die Brüder Aigner und Mar. Westner festgestellt. (Schluß folgt.)

Der Bayerische Landbote No. 272. München; Donnerstag, den 29. September 1859.

#Der Bayerische Landbote (30.9.1859)

München. ILI. ordentliche Schwurgerichtssitzung von Oberbayern. 11te Verhandlung am 24. Sept. u. folgende Tage gegen Maria Westner, Bauerswittwe von Jedling, Max Aigner und Georg Aigner, led. Dienstknechte von Sinnertsbüchl, und Elise Niedermaier, led. Dienstmagd von Tuntenhausen – wegen Mordes und Meineides.

(Schluß.) Außerdem ist Maria Westner noch des Verbrechens des Meineides angeklagt, welches sie dadurch begangen haben soll, daß sie in der Untersuchungssache gegen den Dienstknecht Rupert Greißl dessen Anwesenheit am 29. März v. Js. im Melcherbauernhofe behauptete und eidlich bekräftigte, während sie in ihrer ersten Aussage das Gegentheil ebenfalls eidlich behauptete, und somit wissentlich die Wahrheit in Lüge verwandelte. – Die Angeklagten behaupteten fort und fort ihre Unschuld und kamen durch das von der Elis. Niedermaier unter vielen Thränen wiederholte Geständniß in die unangenehme Lage, die Glaubwürdigkeit dieser von ihnen anfangs selbst vorgeschlagenen Zeugin so viel als möglich herabzusetzen, wobei ihnen die von derselben mit dem sicherheitsgefährlichen Mich. Manhart eingegangene Verbindung sehr zu statten kam. Die Bäuerin Maria Westner stellte ebenfalls jede Betheiligung an der That direkt in Abrede und will mit keinem Worte je dem Max Aigner die Ehe versprochen oder sonst ihm oder ihrem Bruder Anschläge gegen ihren Mann angestiftet zu haben. Der unbeeidigt vernommene Mich. Manhart wiederholte seine in der Voruntersuchung gemachten Aussagen, die nicht immer, wie bereits bekannt, mit denen der Elis. Niedermaier übereinstimmen, wie überhaupt diese Persönlichkeit nicht dazu angethan war, der Anklage eine bessere Stütze zu verleihen.

Die k. Staatsbehörde begründete die Anklage auf das Verbrechen des qualifizirten Mordes und das Verbrechen des Meineides in einem sehr ausführlichen Vortrag und trug auf ein Schuldig sämmtlicher Angeklagten an. Die Vertheidigung plaidirte hingegen auf Freisprechung, weil sowohl bezüglich der Maria Westner die intellectuelle Urheberschaft zum Verbrechen des Mordes nichts weniger als erwiesen, und ebenso wegen der Thäterschaft der Brüder Max und Georg Aigner keine feste und volle Ueberzeugung sich gewinnen lasse. Die Schuld der Elis. Niedermaier betreffend, machte die Vertheidigung geltend, daß diese unter dem Eindrucke von Drohungen zu ihrer falschen Aussage verleitet worden sei und fortwährend in Furcht und Angst vor dem Aigner'schen Brüderpaar habe leben müssen, weshalb auch bei dieser auf Freisprechung angetragen wird. Den Geschwornen wurden sieben Fragen vorgelegt, von den drei auf Mord, bezüglich der Westner auf intellectuelle Urheberschaft und auf Thäterschaft im Complott in Bezug der Aigner, gingen, während die übrigen auf Verleitung zum Meineid und den Meineid der Niedermaier und der Westner betreffend gerichtet waren. Nach dreistündiger Abwesenheit, während welcher Zeit das sehr zahlreich versammelte Publikum sich nicht entfernte, erschienen die Geschwornen, welche sämmtliche Fragen bejahten. Der k. Staatsanwalt stellte hierauf den Antrag, die Maria Westner, den Max und Georg Aigner zur Todesstrafe und die Elis. Niedermaier zu einer 4jährigen Arbeitshausstrafe zu verurtheilen; der Gerichtshof verkündete aber nach halbstündiger Berathung das Erkenntniß dahin, daß sich die Geschwornen nach einstimmigem Urtheil des Gerichtshofes in der Hauptsache geirrt und daher nach Art. 212 der Strafprozeßordnung, die Untersuchungssache unter Zugrundelegung des Verweisungserkenntnisses an ein anderes Schwurgericht zur wiederholten Aburtheilung zu verweisen sei.

Der Bayerische Landbote No. 273. München; Freitag, den 30. September 1859.

#Der Bayerische Landbote (6.12.1859)

München. IV. ordentliche Schwurgerichtssitzung für Oberbayern. 4te Verhandlung am 5. Dezbr. u. folg. Tage gegen Maria Westner, Bauerswittwe von Jedling, Max Aigner und Georg Aigner, led. Dienstknechte von Sinnertsbüchl und Elisabeth Niedermaier, led. Dienstmagd von Tuntenhausen – wegen Mordes und Meineides.

Oberstaatsanwalt: v. Schab; Vertheidiger: Dietherr, Aub, Rau, Rothmüller. Geschworne: Ettlinger, Graf Hundt, Villgradter, Höllmaier, Braun, Bittel, Herold, Jank, Kotz, Niederer, Daxenberger, Uhland; v. Barth, Ersatz-Geschworner.

Mit ungewöhnlicher Spannung wurde nicht blos in juridischen Kreisen der heutigen Verhandlung entgegengesehen, welche das Loos dreier Menschen entgiltig feststellen soll, über welche bereits in der vorigen Saison die Geschwornen ein »Schuldig« gefällt, der Gerichtshof aber den überraschenden Beschluß gefaßt hatte, daß die Geschwornen sich in der Hauptsache geirrt haben. In Folge dessen kommt jetzt die Sache neuerdings zur Verhandlung und das Interesse hiefür ist demnach hinlänglich begründet.

Aus der Voruntersuchung geht nun Folgendes hervor: Im Jahre 1849 starb zu Unteratting, Ldg. Trostberg, der Schobersöderbauer Jos. Mödler und hinlerließ eine Frau (mit vier Kindern), die aber über den Tod ihres Mannes nicht besonders betrübt seyn mochte, denn schon nach vierwöchentlichem Wittwenstande heirathete die Maria Mödler den Bauernssohn Ignaz Westner von Schalkham. Sechs Jahre später, im Jahre 1855 kauften die Westner'schen Eheleute das Melcherbauernanwesen zu Jedling, Gemeinde Irschenberg, Ldg. Miesbach, ohne die Ansässigkeit zu erlangen; der Mann beschäftigte sich nämlich lieber mit dem Steinkohlenfuhrwerk von Miesbach nach Rosenheim, als mit ökonomischen Arbeiten, während die Frau als eine sehr fleißige Bäuerin, aber auch leider als eine sehr ausschweifende Person geschildert wird. Das im Novbr. 1857 ihr von der Gemeinde Irschenberg ausgestellte Leumundszeugniß lautete deßhalb auch folgendermaßen: »Maria Westner wurde nicht nur erwachsenen Personen, welche sie näher zu kennen Gelegenheit hatten, sondern auch ihren eigenen vier Kinder sowohl in Wort als That zum Aergerniß, da sie den Keim alles Guten in den letzteren gleichsam erstickte und ihnen als Muster der Liederlichkeit und Ausschweifung ein schlechtes Beispiel gab.« Vom Landgerichte bereits wegen unsittlichen Betragens mit ihrem Knechte Andr. Hauser und unerlaubter Beherbergung bestraft, ertappte sie der Ehemann selbst mehrmals mit demselben, der deßhelb auch den Dienst verlassen mußte, wie noch viele andere Knechte, da es allgemein bekannt war, daß die Westner es lieber mit diesen als mit ihrem Ehemanne hielt. Dieses vorausgeschickt, wird es Niemand Wunder nehmen, daß es zwischen diesen Eheleuten zu vielfachem Zank und Streit kam, und Ign. Westner seine Frau öfters mit Faustschlägen traktirte. So äußerte der erst zehnjährige Sohn der Westner im Frühjahre 1857 in der benachbarten Schmiede zu Wollkam naiverweise: »Sein Vater erschlage die Mutter noch, weil sie immer beim Knechte schlafe, aber die Mutter habe gesagt, daß der Vater noch eher erschlagen werde, das sei auch besser für die Kinder, weil sie da leichter die Aufnahme in die Gemeinde bekämen, denn den Vater mögen die Leute nicht.« Die Prophezeiung sollte nun schon in der darauffolgenden Nacht beinahe in Erfüllung gehen. Ign. Westner fuhr nämlich am Donnerstag den 30. April 1857, Morgens 2 Uhr, mit seinem Knechte, Martin Huber, auf die Schranne nach Rosenheim, war aber noch nicht weit von Jedling entfernt, im sogenannten Schinderhölzchen, als plötzlich auf ihn, der links auf dem Wagen saß, mit einem Prügel und zwar so heftig auf den Kopf eingeschlagen wurde, daß er das Bewußtsein verlor. Es war damals auch so dunkel, daß weder Westner noch Huber sehen konnten, von wem die Schläge kamen und ob es nur ein Angreifer war oder ihrer mehrere. Während der ganzen Affaire wurde kein Wort gesprochen und auch nicht der leiseste Versuch gemacht, aus dem man schließen könnte, es wäre auf einen Raub abgesehen gewesen. Wegen dieser That fiel alsbald der Verdacht auf den früheren Liebhaber der Westner, Andr. Hauser, der damals in Sturzelham diente, jedoch ein ziemlich genügendes Alibi nachweisen konnte.

Der Bayerische Landbote No. 340. München; Dienstag, den 6. Dezember 1859.

#Der Bayerische Landbote (7.12.1859)

München. IV. ordentliche Schwurgerichtssitzung für Oberbayern. 4te Verhandlung am 5. Dezbr. u. folg. Tage gegen Maria Westner, Bauerswittwe von Jedling, Max Aigner und Georg Aigner, led. Dienstknechte von Sinnertsbüchl und Elisabeth Niedermaier, led. Dienstmagd von Tuntenhausen – wegen Mordes und Meineides.

(Forts.) Ein anderer Knecht, Max Aigner, der von Georgi 1856 bis Lichtmeß 1857 bei Westner im Dienst und mit der Frau in ehebrecherischem Verhältniß gestanden, arbeitete zu dieser Zeit am Wasserbau in Miesbach und schlief bei dem Kistler Auer dort auf dem Heu. Dieser Max Aigner kam gerade in der Nacht des Ueberfalles in das Bett des Knechtes Xav. Unsinn, unter dem Vorgeben, daß ihn so friere. Als sich unter Tags in Miesbach die Kunde verbreitete, daß der Melcherbauer Westner so geschlagen worden sei in der vorigen Nacht, äußerte Aigner zu den Kistlersleuten: »Bin auch schon einmal bei ihm im Dienste gewesen und so mittelmäßig weggekommen; da könnte man auch oft hineinkommen; ist gut, daß ich heute Nacht bei dem Knecht geschlafen, ihr wißt dann gleich, was ihr zu sagen habt, wenn ihr einmal deßhalb gefragt werdet.«

Auf Jakobi 1857 trat Max Aigner in Jedling selbst wieder in Dienst beim Blasibauern Thom. Kirchberger und setzte sein ehebrecherisches Verhältniß mit der Westner in der schamlosesten Weise fort. In diese Zeit fallen auch zwei gewichtige Aeußerungen von Seite der Westner, welche bei der Heuarbeit den Max Aigner auf die Kirchweih einlud, die auf Ende August fällt, worauf Aigner entgegnete: »Ja, wenn der Eure nicht wäre!« und die Westner erwiederte: »Bis dahin wird's schon anders werden.« Zu der Schmiedin Baumann sagte sie aber zur selben Zeit auf dem Wege nach Miesbach: »Du wirst sehen, mein Mann wird noch einmal recht erschlagen, und sag' dann, daß ich Dir das gesagt habe.« Von welcher Seite dem Westner aber die Schläge zugedacht wurden, darüber täuschte er sich selbst gar nicht; denn zu dem Bauern Guggenbichler sagte er noch am Sonntag den 9. Aug., daß er seine Frau mit dem Max Aigner im Bette betreten habe, und fügte hinzu, daß sich sein Weib wohl irgendwohin verlobt haben werde, daß er ein andersmal ganz erschlagen werde. Diese Ahnung sollte in der schrecklichsten Weise in Erfüllung gehen, denn schon in der darauffolgenden Nacht wurde der Melcherbauer Ign. Westner erschlagen aufgefunden. In der Nacht vom 9. auf den 10. Aug. gegen 2 Uhr Morgens wurde der Großbauer Xv. Hörmann von Oberhof durch einen Schrei auS dem Schlafe geweckt und sah deßhalb zum Fenster hinaus, konnte jedoch, weil es noch ganz dunkle Nacht war, nichts weiter wahrnehmen. Als er aber Morgens um 5 Uhr aus dem Hause trat, fand er in der Entfernung von beiläufig 30 Schritten den Melcherbauern Westner todt daliegen, mit dem Gesichte gegen den Grasboden gekehrt, während dessen mit zwei Pferden bespannter und mit Steinkohlen schwer beladener Wagen etwas weiter rückwärts auf der Straße gerade an der Stelle stand, wo sie eine kleine Erhöhung hat und Westner immer einige Augenblicke anzuhalten pflegte, um die Pferde verschnaufen zu lassen. Zunächst des Wagens fand sich das 2½ Schuh lange Stück einer abgebrochenen Wagenstange, und zehn Schritte davon entfernt nach vorwärts das größere 6½ Schuh lange Stück dieser 2½ bis 3 Zoll im Durchmesser dicken Stange. Bei der Obduktion ergab sich, daß der Schädel einen vollständigen Bruch erlitten und die Zersprengung bis auf dessen Grund gedrungen war, so daß der k. Gerichtsarzt Dr. Beck versicherte, während einer 23jährigen Praxis noch keine größere absichtliche Körperverletzung gesehen zu haben. Während der Melcherbauer Westner in dieser Nacht ermordet wurde, schlief die Maria Westner bei dessen Mutter zu Schalkham, wohin sie sich mit ihrer Tochter Maria Mödler zur Kirchweih begeben hatte, in derselben Kammer. Morgens um 4 Uhr, also beiläufig zwei Stunden nach dem Tode ihres Mannes, erzählte sie ihr (Westner's Mutter), es habe ihr geträumt, daß ihr Mann todtgeschossen worden sei und daß sie deßhalb so viel geweint habe. Die alte Frau konnte hievon wohl nichts bemerken, doch war ihr aufgefallen, daß die Maria Westner am Tage vorher ungemein still war, sehr wenig aß und von den andern Kirchweihgästen entfernt sich allem auf den Anger legte, was sie jedoch der Ermüdung von der Reise zuschrieb. Dafür drängle die Maria Westner am Montag früh nach Hause und entfernte sich mit ihrer Tochter schon Morgens zwischen 5 und 6 Uhr.

(Fortsetzung folgt.)

Der Bayerische Landbote No. 341. München; Mittwoch, den 7. Dezember 1859.

#Der Bayerische Landbote (8.12.1859)

München. IV. ordentliche Schwurgerichtssitzung für Oberbayern. 4te Verhandlung am 5. Dezbr. u. folg. Tage gegen Maria Westner, Bauerswittwe von Jedling, Max Aigner und Georg Aigner, led. Dienstknechte von Sinnertsbüchl und Elisabeth Niedermaier, led. Dienstmagd von Tuntenhausen – wegen Mordes und Meineides.

(Forts.) Diesen Traum erzählte die Maria Westner unterwegs auch ihrer Tochter Maria, so wie dem Gendarmen Ant. Zepf, der sie schon Abends 5 Uhr auf dem Heimwege in Au arretirte. Zu diesem äußerte sie sich weiter, daß sie zu ihrer Tochter, weil die Elstern immer so auf ihrem Wege schrieen, gleich gesagt habe: »Heute ist gewiß etwas besonderes, ein Unglück bei uns vorgefallen.« Nachdem sie den Tod ihres Mannes erfahren, sagte sie, sie habe deßhalb schon eine Ahnung gehabt, übrigens sei sie nur froh, daß sie keinen Rückfall hinausbezahlen dürfe, weil ihr Mann ihre Kinder als seine eigenen einkommen ließ; sie habe sich erst kürzlich erkundigt, daß sie nichts hinausbezahlen dürfe, das sei ihr noch das Liebste. Am 11. Aug. zur Leiche ihres Mannes geführt, ging sie festen Schrittes und mit kecker Miene an den Sarg hin, und erst als man sie auf das verstellte Gesicht der Leiche aufmerksam machte, fing sie zu weinen an, was jedoch nur so lange dauerte, als sie die Leiche sah, alsdann entfernte sie sich trockenen Auges und sprach, als ob nichts vorgefallen wäre.

Zwei Tage später, am 13. Aug., wurde im Melcherbauernhof der Dienstknecht Max Aigner arretirt, wo er gerade aushilfsweise arbeitete, und war darüber sehr betroffen. In seinem ersten Verhöre leugnete er jede Bekanntschaft mit der Mar. Westner, zu der er seit seinem Dienstesaustritte nicht mehr in das Haus gekommen seyn will. In der Mordnacht sei er um 10 Uhr zu Bette gegangen, das er die ganze Nacht nicht mehr verlassen habe. Mit einem starken Brustleiden behaftet, habe er von 11 bis 1 Uhr mehrfach husten müssen, dieß habe die in der Nähe befindliche Dirne Elisab. Niedermaier gehört, welche er deßhalb auch als Zeugin benannte. Diese Elis. Niedermaier bestätigte in ihrer eidlichen Vernehmung Folgendes: Alle Hausangehörigen seien am Sonntag den 9. August Abends 10 Uhr in das Bett gegangen, mit Ausnahme des Georg Aigner, eines Bruders des M. Aigner, der sich damals gleichfalls im Scheindienste beim Blasibauern zu Jedling aufhielt, aber sich nur mit Kohlenfuhrwerk beschäftigte. Da damals eine Kuh am Kälbern war, fährt die Niedermaier fort, so sei sie um ¾11 Uhr wieder in den Stall gegangen, um nachzusehen. Da sei gerade der Georg Aigner heimgekommen; sie habe auf sein Klopfen die Thüre geöffnet und ihm in die Schlafkammer hinaufgeleuchtet, wo er seinen Bruder Max weckte und sich von diesem die Stiefel ausziehen ließ. Als es in Frauenried Nachts 1 Uhr schlug, sei sie wieder in den Stall und habe da an der Schlafkammer der Brüder Aigner vorübergehend, sie miteinander plaudern gehört und zwar darüber, daß wegen des starken Regens das Wasser durch das Dach eindringe. Ebenso habe sie den Max Aigner mehrfach bis gegen 2 Uhr, das letztemal um 2½ Uhr husten gehört. In gleicher Weise deponirte der als verdächtiger Zeuge vernommene Georg Aigner, und da auch der der That verdächtige A. Hauser ein genügendes Alibi nachgewiesen hatte, so wurde durch Erkenntniß des Bezirksgerichts Traunstein gegen diese drei Personen, sowie gegen die Maria Westner das Strafverfahren eingestellt und Max Aigner und Mar. Westner am 27. März 1858 aus der Untersuchungshaft entlassen. Mar. Westner konnte nun um so leichter ihren Lüsten fröhnen, als sie nicht mehr von einem mit Recht eifersüchtigen Manne genirt war. In dieser Beziehung gab Kasp. Greißl, der bei der Wester zu Georgi 1858 in Dienst trat, an, daß er noch nicht lange im Hause gewesen sei, als er einmal Nachts schwere Tritte auf dem Hausboden hörte. Er ging deßhalb hinauf und traf einen ihm fremden Burschen, der sich als einen Knecht, der früher im Hause diente, zu erkennen gab und zur Bäuerin verlangte. Greißl führte ihn auch zu ihr und fragte sie, ob sie diesen Menschen kenne? Nach einigem Zögern erhielt er zur Antwort: Es sei der Max Aigner, von welchem man sage, daß er ihren Mann erschlagen habe. Am andern Tage fragte Greißl die Bäuerin, was denn dieser Mensch wollte, und sie sagte dann darauf: »ich sollte ihn alleweil heirathen und dieß thut kein gut, sonst kommen wir gleich auf.« Auch in Miesbach sah sie Greißl miteinander gehen und zwar am Frohnleichnamstage den 3. Juni 1858, während noch im selben Monate, am Tage vor Johanni, der frühere Liebhaber Andr. Huber die Melcherbäuerin besuchte und Greißl ihn am folgenden Morgen in der Schlafkammer der Bäuerin antraf, wo er mit dieser und der 16jährigen Tochter Anna in einem Bette lag! Aus diesem liederlichen Leben wurden aber die Mar. Westner und Max Aigner plötzlich durch den Arm der Gerechtigkeit gerissen, und die eine am 1. Juli und der andere am 3. Juli wieder verhaftet. Im Arbeitshause zu Kaisheim hatte der zu 6 Jahren Strafe verurtheilte Bruder der M. Westner, der Dienstknecht Mich. Mannhart von Hochschützen, ziemlich glaubwürdige Angaben über die Ermordung des Melcherbauern gemacht, welche dessen Ablieferung an das Landgericht Rosenheim zur Folge hatte. Dort angekommen, nahm aber Mannhart sein in Kaisheim gemachtes Geständniß, soweit es seine Betheiligung am Morde betrifft, als gänzlich unwahr zurück und erklärte sich dahin, daß er seine ganze Wissenschaft von der Sache lediglich von der Dienstmagd Elis. Niedermaier habe, mit welcher er, als er Mitte August 1857 zur Aushilfe nach Jedling kam, sofort ein Liebesverhältniß angefangen, obwohl sie damals noch einen anderen Liebhaber, den Dienstknecht Mart. Stock hatte.

Der Bayerische Landbote No. 342. München; Donnerstag, den 8. Dezember 1859.

#Der Bayerische Landbote (9.12.1859)

München. IV. ordentliche Schwurgerichtssitzung für Oberbayern. 4te Verhandlung am 5. Dezbr. u. folg. Tage gegen Maria Westner, Bauerswittwe von Jedling, Max Aigner und Georg Aigner, led. Dienstknechte von Sinnertsbüchl und Elisabeth Niedermaier, led. Dienstmagd von Tuntenhausen – wegen Mordes und Meineides.

(Forts.) Die Elise Niedermaier, gab Mannhart an, habe ihm erzählt, daß sie schon 8 Tage vor der Ermordung des Westner von dessen Frau und dem Max Aigner angegangen worden sei, dem Letzteren für die Nacht des 9/10. August zu bestätigen, daß er nicht aus dem Hause gekommen wäre und daß ihr hiefür 600 fl. versprochen worden seien; daß neben dem sog. »starken Hans«, einem Zimmermann Namens Johann Seidl aus dem Ldg. Wolfratshausen, auch Gg. Aigner von der Sache gewußt habe, und daß die Maria Westner, um den Verdacht von sich abzulenken, deßhalb eigens auf die Kirchweih nach Schalkham gegangen sei, endlich daß die That von Max Aigner und dem starken Hans verübt worden sei, während Gg. Aigner mit seinem Fuhrwerk auf der Lauer gestanden und den andern Beiden das Zeichen gegeben habe. Mannhart behauptete auch, daß er zu seiner Schwester, seit sie den Westner geheirathet hatte, gar nicht mehr in das Haus gekommen sei, und daß er den starken Hans und den Max Aigner von Person gar nicht kenne, was sich später auch als so ziemlich glaubwürdig herausgestellt hat. Auf diese Angaben hin wurden auch Gg. Aigner und Elise Niedermaier verhaftet. Die Letztere blieb aber bei ihren früheren eidlich gemachten Aussagen im ersten Verhöre stehen und bezeichnete die ganze Erzählung des Mannhart als völlig unwahr, nur fügte sie bei, daß in der Nacht vom 9. August ihr Geliebter Martin Stock bei ihr in der Kammer gewesen sei. Diese Bemerkung gab der Sache eine überraschende Wendung, es wurde Martin Stock jetzt als Zeuge vernommen, allein dieser wollte weder gehört haben, daß Gg. Aigner mit der Niedermaier heraufkam, als diese vom Stadel zurückkehrte, noch daß die Brüder Aigner mit einander sprachen, noch daß Max Aigner hustete, überhaupt von alle dem nichts, was die Niedermaier bekundet hatte. Jetzt ging auch die Elise Niedermaier in sich und in einem selbst erbetenen Verhöre vom 2. Okt. nahm sie alle ihre Angaben als völlig unwahr zurück, und sagte, sie wolle nun ihr Gewissen, das sich schon lange wegen des abgelegten falschen Eides gedrückt fühle, erleichtern und sagen, was sie von der Sache wisse. Die neueren Angaben derselben waren nun folgende: Max Aigner sei allerdings am 9. Aug. mit den übrigen Hausgenossen schlafen gegangen, allein sie habe in der fraglichen Nacht ihn weder husten gehört, noch habe sie dem Georg Aigner hinaufgeleuchtet, sie habe lediglich, glaublich Nachts um 1 Uhr, auf der Stiege ein Geräusch gehört, als wenn Jemand heraufschleiche, ihn, den Gg. Aigner, aber gar nicht zu Gesicht bekommen. Am Montag den 10. Aug. sei sie schon Morgens 6 Uhr nach Glon geschickt worden, woher sie erst am Dienstag Vormittags zurückgekehrt, und von Max Aigner nun erfahren habe, daß der Melcherbauer erschlagen worden sei. Von diesem Augenblicke an begannen die Bemühungen der Brüder Aigner, sie zu dem falschen Zeugnisse zu bestimmen, denn es falle Verdacht auf den Max Aigner, und den könne man doch nicht unschuldig einsperren lassen. Als dieser bereits verhaftet war, setzte Gg. Aigner die Ueberredung fort, indem er ihr mehrmals genau vorsagte, was sie alles bei Gericht anzugeben hätte. Sie habe sich nun durch dieses Zureden verführen lassen, in Miesbach falsche Angaben zu machen. Ende Oktober vor. Js. ließ sich die Niedermaier wieder zum Verhöre melden und gab da an, daß sie den starken Hans (Seidl) vor und nach der Ermordung des Westner zwar einigemal in Jedling gesehen habe, daß sie ihn aber nicht näher kenne. Ferner, daß sie einmal zwei oder drei Wochen vor dem Tode des Westner zu Max Aigner, der über ihn schimpfte, gesagt habe: »der Melcherbauer ist noch gut genug für seine Frau«, worauf Max Aigner antwortete: »Du sagst so, und die Melcherbäuerin hat mir 900 fl. versprochen, wenn der Melcherbauer nicht mehr heimkommt.« Max Aigner habe ihr übrigens nach der Hand 5 bis 600 fl. für ihr Zeugniß versprochen, nur müsse zuvor die Mar. Westner aus dem Arrest herauskommen, denn er selbst habe nicht so viel Geld. Einige Wochen später, am 3. Dez. v. J., ließ die Niedermaier sich wieder zum Verhöre melden und erzählte nun, daß ihr am Montag früh, ehe sie nach Glon ging, Georg Aigner ein seinem Bruder Max gehöriges blutiges Hemd zum Auswaschen gegeben habe, und dieser sagte ihr am Dienstag, daß er sich an der rechten Hand gerissen habe, wovon sie aber nichts bemerkte. Als sie erfuhr, daß der Verdacht auf Max Aigner falle, machte sie ihm deßhalb Vorhalt, wobei derselbe ganz blaß wurde, aber nichts sagte, und als sie dies dem Georg Aigner erzählte, äußerte dieser, sie solle nur sagen, wie es ausgemacht sei, sonst gehe es ihr wie dem Melcherbauern. Endlich, nachdem Max Aigner schon verhaftet war, habe ihr der Georg gestanden, daß er und der Max den Westner erschlagen hätten. Die Elis. Niedermaier gab dann weiters an, daß Georg Aigner zwar am fraglichen Sonntag Abends gegen 11 Uhr nach Hause gekommen, daß er aber gar nicht in seine Schlafkammer hinaufgegangen, sondern ein Pferd einspannte, um dem Westner Vorspann zu leisten. Zur selben Zeit sei auch Max Aigner zum Tennenthor hinausgegangen in der Richtung nach Oberhofen. Gg. Aigner habe dem Westner schon am Samstag vorher versprochen, ihm in der Nacht vom Sonntag auf Montag Vorspann zu leisten und habe deßhalb dieser am Sonntag Nachmittags zweimal gefragt, ob der Georg noch nicht nach Hause gekommen sei. Alles dieses habe sie dem Mich. Mannhart erzählt, als sie mit ihm Bekanntschaft angefangen habe, dagegen müsse sie in Abrede stellen, dem Mannhart auch gesagt zu haben, daß der starke Hans dabei gewesen sei; sie habe nur gesagt, daß dieser wohl auch etwas davon wissen könne, weil er öfters nach den Brüdern Aigner gefragt und sie ihn auch mehrmals in der Nähe des Melcherbauernanwesens gesehen habe. Schließlich bemerkte die Niedermaier, daß sie wegen Krankheit erst kürzlich gebeichtet und nun Alles angegeben habe, um ihr Gewissen zu entlasten, und daß sie nur noch angeben müsse, daß der Vater des von ihr am 8. Mai gebornen Kindes nicht der Mart. Stock, sondern Mich. Mannhart sei, was dem Landgericht Aibling mitgetheilt werden möge. In Folge dieser Angaben und weil Joh. Seidl zudem einen genügenden Alibibeweis geführt hatte, wurde das Strafverfahren gegen diesen sowie gegen Mannhart eingestellt, und die Anklage wegen Ermordung des Melcherbauern nur gegen die Brüder Aigner und Mar. Westner fortgeführt. (Schluß folgt.)

Der Bayerische Landbote No. 343. München; Freitag, den 9. Dezember 1859.

#Der Bayerische Landbote (10.12.1859)

München. IV. ordentliche Schwurgerichtssitzung für Oberbayern. 4te Verhandlung am 5. Dezbr. u. folg. Tage gegen Maria Westner, Bauerswittwe von Jedling, Max Aigner und Georg Aigner, led. Dienstknechte von Sinnertsbüchl und Elisabeth Niedermaier, led. Dienstmagd von Tuntenhausen – wegen Mordes und Meineides.

(Schluß.) In der öffentlichen Sitzung, in welche eine Reihe von Zeugen geladen wurde, die bei der ersten Verhandlung noch nicht aufgetreten, wurden die Ergebnisse der Voruntersuchung größtentheils bestätigt. Die Elis. Niedermaier wiederholte ihr Geständniß von dem falschen Zeugniß, während die Maria Westner, Max und Georg Aigner jede Schuld an dem Morde des Melcherbauern durchweg in Abrede stellten. Mar. Westner ist nur des Meineides geständig, den sie in der Untersuchungssache gegen Greißl wissentlich geschworen. Die Gebrüder Aigner beharren fortwährend auf der ersten Angabe der Elis. Niedermaier, als der reinen Wahrheit, und bezeichnen ihre späteren Depositionen als ein Lügengewebe, das durch die Einwirkung des Mich. Mannhart entstanden sei. Aus der weitläufigen Erzählung der Elis. Niedermaier ergaben sich aber noch mehrere wichtige Momente, wie daß während der Zeit, als Max Aigner und Mar. Westner das erstemal im Arreste in Aibling saßen, Georg Aigner Zettelchen geschrieben habe, auf welchen stand: »sie sollen nur getrost seyn, es fehle nichts, die Zeugen halten schon her!« Diese Zettel seien in Nudeln eingebacken worden, so daß sie ganz an den Rand gekommen seien, und sie habe dann dieselben der Mar. Westner und dem Max Aigner in die Frohnveste gebracht. Bezüglich dieses Punktes versucht Georg Aigner die Unwahrheit dadurch zu beweisen, daß er behauptet, er könne gar nicht schreiben, worauf es sich aber doch herausstellt, daß er wirklich einmal ein Dienstbüchl unterschrieben hat. Die Behauptung des Georg Aigner wird jedoch unterstützt durch die eidliche Aussage der Köchin seines Dienstherrn, welche niemals solche Nudeln mit Zetteln gebacken haben will, so wie durch die Gerichtsdienerseheleute von Aibling, welche die Nudeln untersucht und nichts darin gefunden hatten, die überdies nur an den Max Aigner und nicht an die Mar. Westner geschickt worden waren. Elis. Niedermaier gab ferner noch an, daß ihr Georg Aigner mitgetheilt habe, es wäre besser gewesen, wenn sie den Westner statt zu erschlagen unter den Wagen gebracht hätten, damit es ausgesehen hätte, als wäre ihm ein Unglück zugestoßen. Diese Aeußerung findet einen seltsamen Wiederhall in der Deposition des Stationskommandanten Zepf, welcher die Mar. Westner alsbald in Au arretirte, denn hier fragte sie ihn schon, ob man denn wisse, daß ihr Mann erschlagen worden sei, er könne ja auch unter den Wagen gekommen seyn. Georg Aigner leugnet natürlich, je eine solche Aeußerung gegenüber der Niedermaier gemacht zu haben. Ein Widerspruch dieser Angeklagten ergibt sich ferner aus deren Behauptung, daß sie erst am Dienstag nach der That, nach ihrer Rückkehr von Glon, zwei blutbefleckte Hemden gewaschen haben will, während eine Nachbarin des Melcherbauern angibt, sie habe am Montag Morgen schon zwei Hemden auf der Laube des Blasibauern hängen sehen und es sei ihr auffallend gewesen, daß diese schon nach zwei Stunden wieder verschwunden waren. In dem ganzen Getriebe der gegenwärtigen Untersuchung ist es aber weitaus die Persönlichkeit des Mich. Mannhart, des Bruders der Mar. Westner, welche die gründlichste Verachtung und Abscheu erwecken muß, indem er, um aus dem Arbeitshaus zu kommen, nicht bloß dem dortigen Funktionär Ranft seine Mitschuld an diesem Morde vorspiegelte, sondern auch sogar seinen Beichtvater anlog, während er spater erklärte, daß seine Wissenschaft von dem Verbrechen nur von der Elis. Niedermaier herrühre. Dieser Mich. Mannhart sagt nun, daß er von Georg Aigner selbst auf einer Fahrt nach Rosenheim erfahren habe, wo der Melcherbauer erschlagen worden und daß Max Aigner der Thäter gewesen sei. Eben so soll auf die weitere Bemerkung Mannhart's, daß die Niedermaier nach Aibling gehen und Anzeige machen wolle, Georg Aigner geantwortet haben, indem er die Faust ballte: »das soll sie nur thun, dann darf sie Reu und Leid machen!« Georg Aigner erklärt dies Alles für falsch, aber auch die Niedermaier wiederholt, daß sie sich nur aus Furcht vor den Brüdern Aigner zu ihrer falschen Angabe habe hinreissen lassen, weil sie ihr drohten: »sie bekomme kaltes Eisen vor den Mund.« Zur Charakteristik des Mich. Mannhart wurde endlich noch ein früherer Sträfling Namens Schmidbauer vorgeführt, welcher auf seinen Eid hin angab, daß Mannhart ihm mitgetheilt habe, er habe aus Rache seine Schwester denuncirt; weil diese ihn in's Arbeitshaus gebracht habe, dafür bringe, er sie in's Zuchthaus. »Wenn's schön geht, bring' ich sie um den Kopf, und wenn's gut geht, kommen noch zwei hinein!« Deßgleichen bekundet der Funktionär Ranft, daß Mannhart bei seiner Ablieferung zur gegenwärtigen Schwurgerichtsverhandlung geäußert habe: »es thut mir nur leid, daß einer unschuldig dabei ist,« welches Wort Mannhart jetzt also deuten will, daß es sich auf den starken Hans bezogen habe, der, nach seiner Meinung, wieder verhaftet worden seyn soll.

Nach diesen Ergebungen begann das Plaidoyer, das, obwohl am dritten Tage bis Nachts 11 Uhr fortgesetzt, doch noch den ganzen nächsten Tag in Anspruch nahm und eines der glänzendsten genannt werden muß, das je in einem Gerichtssaal geführt, wie denn auch das Publikum alle Räume bis zum Schluss dicht besetzt hatte. Von der k. Staatsbehörde, wie von Seite der Vertheidigung wurde mit allem Aufwande von Scharfsinn und Beredsamkeit der schwierige Fall beleuchtet, und es muß als ein nicht kleiner Verlust betrachtet werden, daß diese sämmtlich gediegenen Reden verhallt sind und nicht in weitere Kreise dringen können. Hr. Oberstaatsanwalt v. Schab hielt sich auf Grund der gegenwärtigen Verhandlung für berechtigt, auf ein Schuldig aller Angeklagten antragen zu können, während die Vertheidigung durchweg auf Freisprechung plaidirte, weil einestheils die Angaben der Elis. Niedermaier und Mannhart's durchaus keinen Glauben verdienen und unmöglich eine feste Ueberzeugung gewinnen zu können geeignet erscheinen, und anderntheils eben für die Angeklagte Niedermaier die volle Glaubwürdigkeit beansprucht werden mußte, die deßhalb keinen Meineid begangen, weil sie ihre falsche eidliche Aussage noch rechtzeitig, vor Einleitung einer Untersuchung wegen Meineids zurückgenommen und überdieß die Handlung in Folge der Drohungen in einem nicht willensfreien Zustande verübt habe.

Den Geschwornen wurden dießmal 16 Fragen vorgelegt, welche vollständigen Spielraum gewährten und die persönliche Schuld in verschiedenen Abstufungen getrennt vorführten, um nicht in den früher gemachten Fehler zu verfallen. Nach 2½stündiger Berathung erklärten die Geschwornen durch ihren Obmann, Hrn. Kaufmann Riederer, bezüglich des Mordes den Max Aigner als physischen Urheber und die Maria Westner als intellectuelle Urheberin schuldig und verneinten alle den Gg. Aigner (vertheidigt von Hrn. Conc. Aub) betreffenden Fragen; bezüglich des Meineides und der Verleitung hiezu wurde Elis. Niedermaier (von Hrn. Conc. Rothmüller vertheidigt) freigesprochen und deßhalb die beiden Aigner nur des nächsten Versuches zu diesem Verbrechen für schuldig befunden; ebenso wurde die auf Meineid gerichtete Frage bezüglich der Westner bejaht. Nachdem der k. Oberstaatsanwalt die Strafanträge gestellt und der Gerichtshof sich zur Fällung des Urtheils zurückgezogen hatte, machte sich bei Max Aigner immer mehr eine heftige innere Bewegung geltend, die bald völlig zum Ausbruch kam. Er warf den HH. Geschwornen fein Miesbacherhütl zweimal vor die Füße und äußerte sich zornig: »Dös wär' mir die rechte Verhandlung, ich käm' unschuldig hinein und die da (auf Niedermaier deutend) wird frei, Dir g'hört was mir g'schieht; da habt's mein Hütl, den Kopf könnt's morgen auch haben!« Augenblicklich abgeführt, erlangte Max Aigner bis zur Verkündigung des Urtheils seine Ruhe wieder und hörte den Spruch gelassen an, der für ihn wie für die Maria Westner auf Todesstrafe lautet; Georg Aigner wurde zu 2½ Jahren Arbeitshaus verurtheilt und Elis. Niedermaier freigesprochen. Schluß der Sitzung um 11 Uhr Nachts.

Der Bayerische Landbote No. 344. München; Samstag, den 10. Dezember 1859.

#Der Bayerische Landbote (26.2.1860)

München, 25. Febr. Schon am frühen Morgen hatte sich heute ungeachtet der großen Kälte eine zahlreiche Menge Neugieriger vor der Frohnveste eingefunden, um der nochmaligen Publikation des Todesurtheils und der Ausführung der beiden Delinquenten beizuwohnen. Auf der Richtstätte selbst war die Volksmenge weit zahlreicher als bei den in der letzten Zeit stattgehabten Hinrichtungen. Beide Delinquenten, Max Aigner, 35 Jahre alt, led. Dienstknecht von Sinnertsbichl, k. Ldg. Miesbach, und Michael Klotz, 27 Jahre alt, led. Schneidergeselle von Thierham, k. Ldg. Schrobenhausen, waren die letzten drei Tage vor ihrer Hinrichtung in ein und demselben Lokale vereinigt und empfingen daselbst gemeinschaftlich geistlichen Zuspruch, dem sich auch beide mit Reue und Andacht hingaben. Sie waren äußerst gefaßt und blieben standhaft bis zum letzten Augenblick. Max Aigner wurde zuerst enthauptet, derselbe weinte beim Auskleiden unter dem Schaffot noch bitterlich. Der andere Delinquent wurde zwischen die Salzstädel gefahren, und hatte daselbst zu verbleiben bis die Hinrichtung des erstern vollzogen war, was eine ziemlich lange, für den letztern Delinquenten wohl schreckliche Zeit in Anspruch nahm.

Mich. Klotz betrat mit festem Schritt das Schaffot und rief noch in dem Augenblick als er auf das Brett gelegt wurde, mit lauter, weithin gehörter Stimme die Gnade des Erlösers an. Von Seite ihrer Verwandten erhielt weder der Eine, noch der Andere in den letzten drei Tagen einen Besuch.

Der Bayerische Landbote No. 57. München; Sonntag, den 26. Februar 1860.

#Bayerischer Kurier (26.2.1860)

Die Vollstreckung der vom Schwurgerichtshofe von Oberbayern ausgesprochenen, durch allerh. Signat vom 18. d. Mts. bestätigten Todesurtheile hat heute Morgens zwischen 7 und 8 Uhr an dem 27 Jahre alten Mich. Klotz und an dem 35 Jahre alten Dienstknecht Max Aigner öffentlich mittelst des Fallbeiles stattgefunden. Die beiden Delinquenten benahmen sich auf dem Weg zur Richtstätte äußerst zerknirscht und beteten laut mit den sie begleitenden Geistlichen. Klotz hätte ohne Unterstützung der Spitzwürfel die Stufen des Schaffots nicht ersteigen können, Aigner dagegen bestieg festen Schrittes das schauerliche Gerüst. Die Exekutionen, denen eine zahllose Menschenmenge trotz der großen Kälte beiwohnte, gingen rasch und sicher vorüber. Die Delinquenten waren wegen der Kälte mit Mänteln bekleidet und legten diese erst im Armensünderstübchen unter dem Schaffot ab. Ein stilles Gebet schloß jeden der traurigen Acte. Aus den geschichtlichen Darstellungen der Verbrechen beider Delinquenten theilen wir mit, daß Klotz und Aigner von frühester Jugend an arbeitsscheue und liederliche Burschen waren und daß Klotz den ebenfalls schlechtbeleumindeten 22 Jahre alten Mich. Münzhuber am 20. Juli v. Js. in einem Wald bei Thierham mittelst einer Holzaxt ermordet, May Aigner aber den Bauern Westner in der Nacht vom 10. auf 11. August 1857 mit einer 9 Schuh langen, armsdicken Wagenstange auf der Strasse bei Oberhofen erschlug. Am Tage nach der Verkündung des schwurgerichtlichen Urtheils ließ sich Aigner, der bis dahin gleich der Maria Westner fortwährend seine Unschuld betheuert hatte, zum Verhöre melden und legte nun das Bekenntniß ab, daß er nicht nur den früheren Anfall auf Westner ausgeführt, sondern denselben auch in Folge vorbedachten Entschlusses in der Nacht vom 10. auf den 11. Aug. 1857 auf die oben bezeichnete Weise erschlagen habe. Dabei erklärte er indeß, daß er die That aus eigenem Antriebe verübt habe, ohne von der Bäuerin Maria Westner hiezu verleitet worden zu sein. – Letztere wurde auch zur Kettentrafe begnadigt.

Bayerischer Kurier Nr. 56. München; Sonntag, den 26. Februar 1860.

#42 – 8 – 24 (Baureis · Heider)


Obelisk
FAMILIE
BAUREIS.

Sockel
Hier ruht
unser lieber Vater
Herr Johann Baureis,
geb. am 18. Dezember 1822,
gest. am 23. September 1909.
Frau Maria Heider
* 1858 † 1934
Herr Paul Heider
* 1861 † 1936
Hier ruhet unsere gute Gattin u. Mutter
Frau Maria Baureis,
geb. am 22. September 1826, gest. am 29. Dezember 1882.

Linke Seite
Frau Marie Baureis
* 1878 † 1938
Herr August Baureis
* 1866


  • Baureis, August; 1866 –
  • Baureis, Johann; 18.12.1822 – 23.9.1909
  • Baureis, Maria (vh); 22.9.1826 – 29.12.1882
  • Baureis, Marie; 1878 – 1938
  • Heider, Maria (vh); 1858 – 1934
  • Heider, Paul; 1861 – 1936

Grab der Familien Baureis · Heider auf dem Alten Südfriedhof München (September 2015)

#42 – 9 – 17 (Müller)


Tafel
Hier ruhen in Gott
unsere lieben Eltern
Herr
Ludwig Müller
gest. am 23.III.1888
Frau
Marg. Müller
gest. am 26.IV.1931


  • Müller, Ludwig; – 23.3.1888; Graveur
  • Müller, Marg. (vh); – 26.4.1931

Grab der Familie Müller auf dem Alten Südfriedhof München (April 2018)

#42 – 9 – 21 (Waldmann)


Hier ruhen
meine lb. Eltern
Ignaz Waldmann
gest. 15.3.1890
Josefa Waldmann
gest. ¿.12.1942
meine lb. Geschister
Josef
gest. ¿.9.1890
Rosa
¿.12.1894
Betty
¿


  • Waldmann, Betty
  • Waldmann, Ignaz; – 15.3.1890
  • Waldmann, Josef; – ¿.9.1890
  • Waldmann, Josefa; – ¿.12.1942
  • Waldmann, Rosa; – ¿.12.1894

Grab der Familie Waldmann auf dem Alten Südfriedhof München (April 2018)

#42 – 9 – 27 (Eisele)


Hier ruht in Gott:
eine edle, treue Gattin u. Mutter
Frau Babette Eisele,
Poststallverwaltersgattin
geb. 27. Dez. 1841 – gest. 24. Juli 1904.
u. unser liebster, bester Vater
Herr Ludwig Eisele
Poststallverwalter a. D.
Inh. d. gold. Tapferkeitsmedaille
d. eis. Kreuzes 1870/71. etc. etc.
geb. 10. Febr. 1835. gest. 27. März 1915

A. Köppel.


  • Eisele, Babette (vh); 21.12.1841 – 24.7.1904; Poststallverwalters-Gattin
  • Eisele, Ludwig; 10.2.1835 – 27.3.1915; Poststallverwalter a. D.

Grab der Familie Eisele auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#42 – 9 – 28 (Kaupp)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Kaupp, Johanna (vw); – 1885; Dekorationsmalers-Witwe

Grab der Familie Kaupp auf dem Alten Südfriedhof München (April 2018)

#42 – 10 – 3 (Moosmüller · Vonficht)


Hier ruht in Gott
mein guter Gatte
Herr
Hans Moosmüller
Stadtbauamtmann a. D.
geb. 1. Febr. 1866 gest. 3. Aug. ¿


  • Moosmüller, Hans; 1.2.1866 – 3.8.¿; Stadtbauamtmann a. D.
  • Vonficht, Frieda; – 15.6.1888 (München), 21 Jahre alt; Buchhalterin der bayerischen Handelsbank
  • Vonficht, Maria; – 1885; Schneidermeisters-Tochter
  • Vonficht, Theresia (vh); – 1891; Schneidermeisters-Gattin

Todesanzeige für Frieda Vonficht

Grab der Familien Moosmüller · Vonficht auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2018)

#42 – 10 – 9 (Kagerbauer · Klein)


In Frieden ruht hier
unsere lb. Mutter
Frau Anna Kagerbauer
geb. Stopfer,
geb. 15. Sept. 1823, gest. 13. April 1901.
Hochwürden
Herr Jakob Kagerbauer
freires. Pfarrer
geb. 7. Mai 1860, gest. 11. Febr. 1934.
Unsere edle Tante
Frl. Johanna Kagerbauer
geb. 12. März 1863 gest. 12. Jan. 1936.

J. Lallinger.


  • Kagerbauer, Anna (vh) / Stopfer (gb); 14.9.1823 – 13.4.1901
  • Kagerbauer, Jakob; 7.5.1860 – 11.2.1934; Freires. Pfarrer
  • Kagerbauer, Johanna; 12.3.1863 – 12.1.1936
  • Klein, Peter; – 1887; Kommissionär

Grab der Familien Kagerbauer · Klein auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2018)

#42 – 10 – 15 (Kastner)


PROFESSOR
DR. LORENZ
KASTNER
* 1833 † 1919
BIOGRAPH VON
M. DEUTINGER


  • Kastner, Lorenz, Prof. Dr.; 10.8.1833 (Burgau) – 6.10.1919 (München); Philosoph und Schriftsteller

Grab der Familie Kastner auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2018)

#42 – 10 – 18 (Rummel)


FAMILIENGRAB
RUMMEL

AUGUST
RUMMEL
¿


  • Rummel, August; – 20.2.1855 (München), 46 Jahre alt; Magistratsbote
  • Rummel, Kreszenz (vw); – Januar 1888 (München), 72 Jahre alt; Magistratsbotens-Witwe

Todesanzeige für August Rummel

Grab der Familie Rummel auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2018)

#42 – 10 – 20 (Schretzmayr · Uttenthaler)


Grabstätte
der
Familie Schretzmayr.

Hier ruht
Frau Fanny Schretzmayr
Architekt. u. Baumeistersgattin,
geb. 24. Okt. 1854. gest. 24. Okt. 1894.
Ihr folgte
Herr Josef Schretzmayr
Architekt u. Baumeister,
geb. 20. Sept. 1845, gest. 20. April 1918.


  • Schretzmayr, Fanny (vh); 24.10.1854 – 24.10.1894; Architektens-Gattin
  • Schretzmayr, Josef; 20.9.1845 – 20.4.1918; Architekt und Baumeister
  • Uttenthaler, Georg; – (15).1.1888 (München), 29 Jahre alt; Schauspieler

Grab der Familien Schretzmayr · Uttenthaler auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#42 – 10 – 24* (Engl)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Engl, Eva; – 3.1.1888 (München), 40 Jahre alt; Hoftheaterchorsängerin

Das Grab ist nicht erhalten

#42 – 10 – 25 (Schächtling · Weber)


Familiengrab.

Hier ruhet in Gott
unser unvergesslicher Gatte u. Vater
Herr Nikolaus Weber,
Privatier, vorm. Goldarbeiter,
geb. 1. Nov. 1828, gest. 26. Jan. 1895.
Ihm folgte dessen Gattin
unsere gute treubesorgte Mutter
Frau Johanna Weber,
geb. Löcherer,
PrivatiersWittwe,
geb. 13. Sept. 1832, gest. 22. Sept. 1900

Linke Seite
¿ Enkel
Karl Weber
¿


  • Schächtling, Therese; 1754 – ?.12.1854 (München); Kleinwüchsige Hofnärrin
  • Weber, Johanna (vw) / Löcherer (gb); 13.9.1832 – 22.9.1900; Privatiers-Witwe
  • Weber, Karl
  • Weber, Nikolaus; 1.11.1828 – 28.1.1895; Privatier, ehemaliger Goldarbeiter

Grab der Familien Schächtling · Weber auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2018)

#Therese Schächtling

* 1754
† ?.12.1854 (München)
Kleinwüchsige Hofnärrin

#Tag-Blatt der Stadt Bamberg (18.12.1854)

Die Zwergin Theres Schächtling, welche vor einigen Tagen in dem seltenen Alter von 100 Jahren starb, befand sich seit 1803, also über volle 50 Jahre, bis zu ihrem Tode in dem Armen-Versorgungshaus am Gasteig. Sie genoß selbst in ihren letzten Lebenstagen nichts, als die dort eingeführte Hausmannkost.

Tag-Blatt der Stadt Bamberg Nro. 347. Montagg, den 18. Dezember 1854.

#Didaskalia (24.12.1854)

Mannichfaltigkeiten.

(München, 14. Nov.) Eine kleine hiesige Celebrität verschied dieser Tage im hundertsten Lebensjahre; nämlich eine Zwergin (Namens Therese Schächtling), welche als solche in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts am churfürstl. Hofe lebte und seit geraumer Zeit von unserer königl. Familie unterstützt wurde.

Didaskalia No. 307. Blätter für Geist, Gemüth und Publicität. Sonntag, den 24. Dezember 1854.

#Pfälzische Blätter (31.12.1854)

Mannigfaltiges.

Eine sehr kleine Berühmtheit ist dieser Tage in München vom Tode weggerafft worden: Therese Schächtling, in der letzten Häfte des vorigen Jahrhunderts Zwergin am kurfürstlich bayerischen Hofe, ist in dem seltenen Alter von 100 Jahren gestorben.

Pfälzische Blätter für Geschichte, Poesie und Unterhaltung No. 156. Sonntag, den 31. Dezember 1854.

#42 – 11 – 4 (Knott)


Familie Knott.

Hier ruht in Gott
mein teurer, heissgeliebter,
unvergesslicher Gatte
unser bester Vater
Herr Josef Knott
Bäckermeister
geb. 14. April 1861, gest. 15. Okt. 1925.
in’s ewige Leben folgte ihm
nach unsere gottergebene,
innigstgeliebte Mutter
Frau Anna Knott
geb. 19. Sept. 1863, gest. 10. Dez. 1930.

Sockel
Ihm gingen voran unsere lieben Kinder
Peperl, geb. 1892, gest. 1896.
Jos. Peter, “ 1897, “ 1897.
Frieda, “ 1901 “ 1903.

Wiedersehen ist unser Trost.

42.11.4. Burlein.


  • Knott, Anna (vw); 19.9.1863 – 10.12.1930; Bäckermeisters-Witwe
  • Knott, Frieda; 1901 – 1903; Bäckermeisters-Tochter
  • Knott, Jos. Peter; 1897 – 1897; Bäckermeisters-Sohn
  • Knott, Josef; 14.4.1861 – 15.10.1925; Bäckermeister
  • Knott, Peperl; 1892 – 1896; Bäckermeisters-Sohn

Grab der Familie Knott auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2018)

#42 – 12 – 4 (Kriebel · Winter)


Hier ruht in Gott
Theodor Kriebel
Oberst a. D.
Ritter des Milit.-Verd.-Ordens I. Cl.
des eisernen Kreuzes I. Cl. etc.
geb. 9. Aug. 1830, gest. 12. März 1895.
Adele Kriebel
geb. 14. Febr. 1840, gest. 8. Juni 1923.

42.12.4. Kosenbach.


  • Kriebel, Adele; 14.2.1840 – 8.6.1923
  • Kriebel, Theodor; 9.8.1830 – 12.3.1895; Oberst a. D.
  • Winter, Wilhelmine (vh); – 1888; Goldarbeiters-Gattin

Grab der Familien Kriebel · Winter auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

#42 – 12 – 5 (Mändl · Manz · Reisner)


Hier ruhen in Gott
Therese Mändl,
geborne Faist
Lehrerswittwe aus Weilheim
geb. 26. Sept. 1826 gest. 29. Juli 1894.
Otto Reisner,
k. Premierlieut. a. D.
Ritter des Militärverdienstordens
II. Cl. mit Schwertern,
u. Redacteur der Münchn. N. N.
geb. 17. Nov. 1842, gest. 22. Mai 1895.
Seine Gattin
Emma Reisner
geb. Mändl
geb. 22. Jan. 1852, gest. 17. Jan. 1934.


  • Mändl, Therese (vw) / Faist (gb); 26.9.1826 – 29.7.1894; Lehrers-Witwe
  • Manz, Josef; – 1888; Königlicher Postexpeditor
  • Reisner, Emma (vw) / Mändl (gb); 22.1.1852 – 17.1.1934; Redakteurs-Witwe
  • Reisner, Otto; 17.11.1842 – 22.5.1895; Premierleutnant a. D. und Redakteur der Münchner Neuesten Nachrichten

Grab der Familien Mändl · Manz · Reisner auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2018)

#42 – 12 – 6 (Grauert)


HIER RUHEN IN GOTT
DR. HERMANN von GRAUERT
¿ UNIV. PROFESSOR
¿ IX. 1850, GEST. 12. III. ¿
AMELIE GRAUERT
¿ IX. 1890, GEST. 31. VII. 189¿
¿ GATTEN FOLGTE
ANNA VON GRAUERT
GEB. VON REGENAUER
GEB. 10. V. 1855, GEST. 7. I 1935
¿
JOH. HEINRICH GRAUERT
¿
STARK WIE DER TOD IST DAS LEBEN


  • Grauert, Amelie; ¿.9.1890 – 31.7.189¿
  • Grauert, Anna von (vw) / Regenauer, von (gb); 10.5.1855 – 7.1.1935
  • Grauert, Hermann von, Dr. phil.; 7.9.1850 (Pritzwalk/Brandenburg) – 12.3.1924 (München); Historiker
  • Grauert, Joh. Heinrich

Grab der Familie Grauert auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

Grab der Familie Grauert auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

#Dr. phil. Hermann von Grauert

* 7.9.1850 (Pritzwalk/Brandenburg)
† 12.3.1924 (München)
Historiker

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Grauert Hermann, Dr. phil., von, 1850 (Pritzwalk/Brandenburg) – 1924, Historiker, Universitätsprofessor und Geheimrat; nach vierjähriger kaufmännischer Beschäftigung studierte G. in Münster, Göttingen, Berlin, Straßburg und München, 1877 wurde er Praktikant beim Allgemeinen Reichsarchiv in München; nach seiner archivalischen Staatsprüfung arbeitete G. zunächst im Auftrag der BAkdW in den von Leo XIII. eben eröffneten vatikanischen Archiven; seit 1884 Professor in München, leitete er 1900 die Ausgrabungen der Kaisergräber im Speyrer Dom; seine vielen durch archivalische Funde bereicherten Abhandlungen, besonders zur Geschichte der Papstwahl, zur Reichstheorie, Romgedanke und Friedensidee im Mittelalter, zum spätmittelalterlichen Geistesleben (Dante, Petrarca), aber auch zur Geschichte der Bismarck-Zeit, erwiesen ihn als Meister der Urkunden- und Quellenkritik mit stark rechtshistorischer Ausprägung; als Nachfolger des ihm politisch wie weltanschaulich eng verbundenen G. von Hertling stand er 1920/24 der Görres-Gesellschaft als Präsident vor, er war auch Mitglied der BAkdW.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#42 – 12 – 8 (Stadler)


Hier ruhen
Herr
¿ Walter Stadler
¿ – 1888
Dessen Gemahlin
Frau
Anna Stadler
18¿2 – ¿


  • Stadler, Anna (vh); Oberzollinspektors-Gattin
  • Stadler, Johann Walter; ¿ – 1888; Oberzollinspektor

Grab der Familie Stadler auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2018)

#42 – 12 – 13 (Hofmann)


Hier ruhet in Gott:
mein lieber unvergesslicher Bruder,
Herr Wilhelm Hofmann,
Bildhauer und Conservator am Schwanthaler-
Museum,
geboren am 20. August 1820,
gestorben am 7. August 1894.
Frl. Jeanette Hofmann,
kgl. Direktorstochter,
geboren am 13. April 1819,
gestorben am 10. September 1902.

42.12.13. A. Köppel


  • Hofmann, Jeanette; 13.4.1819 – 10.9.1902; Direktors-Tochter
  • Hofmann, Wilhelm; 20.8.1820 – 7.8.1894 (München); Bildhauer und Konservator am Schwanthalermuseum

Grab der Familie Hofmann auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2013)

#42 – 12 – 22 (Kirchner · Kolb)


Hier ruht
unser lieber Gatte u. Vater
Herr Adam Kolb,
k. Oberlandesgerichtsrath,
geb. 30. Jan. 1820, gest. 1895.
Unsere innigstgeliebte Mutter
Frau Friederike Kolb
geb. 14. Nov. 1832, gest. 18. Nov. 1919.
Mein theurer, herzensguter Gatte
Herr Ferdinand Kirchner,
Rentner,
geb. zu Bamberg am 4. Nov. 1841
gest. zu München am 5. Dez. 1909.


  • Kirchner, Ferdinand; 4.11.1841 (Bamberg) – 5.12.1909 (München); Rentner
  • Kolb, Adam; 30.1.1820 – 1895; Oberlandesgerichtsrat
  • Kolb, Friederike (vh); 14.11.1832 – 18.11.1919

Grab der Familien Kirchner · Kolb auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2013)

#42 – 12 – 26 (Auerbacher)


Dr. Karl Auerbacher,
k. Militär-Assistenzarzt I. Klasse,
geb. am 7. März 1844,
gest. am 28. März 1876.

Sockel
Fr. Domberger


  • Auerbacher, Karl, Dr.; 7.3.1844 – 28.3.1876; Militär-Assistenzarzt

Grab der Familie Auerbacher auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2022)

#42 – 12 – 27 (Braun)


REINHOLD
BRAUN
* 1821 † 1884
SCHLACHTEN-
UND
PFERDEMALER

Rechte Seite
OPPENRIEDER
42.12.27


  • Braun, Reinhold; 25.4.1821 (Altenstein/Baden) – 21.1.1884 (München); Genremaler, Schlachtenmaler und Tiermaler (Pferde)

Grab der Familie Braun auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Reinhold Braun

* 25.4.1821 (Altenstein/Baden)
† 21.1.1884 (München)
Genremaler, Schlachtenmaler und Tiermaler (Pferde)

#Die Künstler aller Zeiten und Völker (1857)

Braun, Reinhold, geb. 1821 in Hall, besuchte vom Jahr 1836 an die Kunstschule zu Stuttgart und begab sich sodann zu seiner weiteren Ausbildung im Jahr 1843 nach München, wo er bis zum Jahr 1850 blieb. Bei seiner vorherrschenden Neigung für militärische Darstellungen unterliess Braun keine Gelegenheit, das Soldatenleben bei Kriegsübungen in Lagern zu studieren und machte desshalb auch im Jahr 1849 den badischen Feldzug im Hauptquartier des Prinzen von Preussen mit. Braun malt übrigens auch friedliche Darstellungen aus dem Leben, wie Weidscenen, Pferde, Märkte und dergl. und seine Bilder zeichnen sich alle durch Wahrheit und Natur, kräftiges Colorit und fleissige Ausführung aus. Auf den Ausstellungen, die er beschickt, ärndten seine Gemälde überall unbedingten Beifall.

Friedrich Müller: Die Künstler aller Zeiten und Völker. Stuttgart, 1857.

#Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst (17.2.1884)

Nekrologe.

Reinhold Braun †. Die Kolonie schwäbischer Künstler in München hat durch das am 22. Januar erfolgte Ableben des Genremalers Reinhold Braun einen empfindlichen Verlust erlitten.

Reinhold Braun war am 25. April 1821 als der Sohn eines Beamten in Altensteig im württembergischen Schwarzwalde geboren und siedelte, zehn Jahre alt, mit seinem Vater infolge dessen dienstlicher Versetzung nach Schwäbisch-Hall über. Vom Vater für die Beamtenlaufbahn bestimmt, begann er die üblichen Studien, erwirkte es aber bald danach, daß er seiner Neigung gemäß sich der Kunst widmen durfte, und besuchte nun gleichzeitig die Kunst- und die polytechnische Schule in Stuttgart von 1836 an, wobei er das Fach der Schlachtenmalerei in Aussicht nahm.

Im Jahre 1844 zog Reinhold Braun nach München, schloß daselbst mit dem Tiermaler Friedrich Voltz enge Freundschaft und folgte eine Zeitlang der Kunstrichtung des Freundes. Da erweckte der heldenmütige Kampf der Schleswig-Holsteiner in Braun die alte Lust an der Schlachtenmalerei, doch war es ihm nicht gegönnt, dem heißen Verlangen, das ihn nach dem Norden zog, zu folgen. Dagegen fand er ein Jahr später Gelegenheit, im Hauptquartier des Prinzen Wilhelm von Preußen, nunmehrigen deutschen Kaisers, den Feldzug gegen die Aufständischen in Baden mitzumachen und dabei schätzbares Material zu sammeln, das er in einem Bilde »Das Gefecht bei Waghäusel« für den Prinzen Friedrich Karl von Preußen und in mehreren »Scenen aus dem Lager der württembergischen Truppen bei Gernsbach« verwertete.

Nach der Rückkehr des Friedens wendete sich Reinhold Braun wieder der Idylle zu, wurde aber zwischendurch vom Könige von Württemberg und dem Großherzoge von Sachsen-Weimar wiederholt mit Aufträgen auf Schlachtenbilder betraut.

Als seine bedeutendste Arbeit erweist sich indes ein im Besitze der Königin von Württemberg befindlicher Cyklus von dreißig Aquarellen, in welchem er eine Schilderung des württembergischen Volkslebens giebt.

Obwohl er seit Jahren an hochgradiger Kurzsichtigkeit litt, widmete Reinhold Braun doch sein ganzes Leben der Kunst. Professor Ludwig Braun ist der jüngere Bruder des Verstorbenen, dem er zum Teil seine Ausbildung für den Künstlerberuf zu danken hat.

Carl Albert Regnet.

Carl Albert Regnet: Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst Nr. 17. Leipzig, den 7. Februar 1884.

#Allgemeines Künstler-Lexicon (1895)

Braun, Reinhold, Soldatenmaler, geb. 25. April 1821 in Altenstein (Baden), † 22. Jan. 1884 in München, Bruder des Louis B., besuchte seit 1836 ebenfalls die Kunstschule in Stuttgart und 1843 die Akademie in München, wo er sich niederliess. Er behandelte weniger das Schlachtengetümmel, als das Leben der Soldaten im Lager und machte deshalb 1849 den Feldzug in Baden im Hauptquartier des Prinzen von Preussen mit, malte aber auch in Oel und in Aquarell sehr naturwahre, figurenreiche Bilder aus dem Volksleben, Jahrmärkte, ländliche Feste und dgl. Solche sind Freischaarenzug in Baden (1849), Gefecht bei Waghäusel (21. Juni 1849), Das Innere eines Pferdestalles (Museum in Leipzig), Am Dorfbrunnen, Heimkehr und ein Cyklus von 30 Aquarellen aus dem württembergischen Volksleben.

Allgemeines Künstler-Lexicon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Vorbereitet von Hermann Alexander Müller. Herausgegeben von Hans Wolfgang Singer. Erster Band. Frankfurt am Main, 1895.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Braun Reinhold, 1821 (Altenstein/Baden) – 1884, Schlachten-, Panorama- und Pferdemaler; er studierte am Stuttgarter Polytechnikum, wo er die Lithographie erlernte und bei Truppenübungen eifrig Pferdestudien und Malerei betrieb; als Schlachtenmaler erhielt B. die Einladung, im Hauptquartier des Prinzen Wilhelm von Preußen an den strategischen Operationen gegen den Badischen Aufstand (1849) teilzunehmen, er war dabei Zeuge der Belagerung und Übergabe von Rastatt und malte ein großes Aquarell mit dem Prinzen und dessen Gefolge sowie vom Husarengefecht bei Wiesenthal; in Stuttgart schuf B. für die Kronprinzessin Olga dreißig Genrebilder aus dem schwäbischen Volksleben mit Trachten, Gebräuchen, Jahrmärkten und Festen; die sichere Zeichnung, naturhafte Farbe und delikate Ausführung seiner Pferdebilder verschafften ihm den Ehrennamen eines »schwäbischen Wouwermann«; 1872 übersiedelte B. nach München; in allen Kunstvereinen und Ausstellungen fanden seine Bilder Aufnahme und Verbreitung durch Holzschnitt und Photographie; bald wurde sein Name auch im Ausland bekannt; sein Bruder Louis B. (1836–1916, liegt im Alten Nördlichen Friedhof auf 3-1-20) wurde durch ihn zum Schlachtenmaler ausgebildet.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#42 – 13 – 3* (Regnier)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Regnier, Ferdinand Ritter von; Königlich bayerischer Oberst
  • Regnier, Wilhelmine (vw); – 1889; Forstmeisters-Witwe

Das Grab ist nicht erhalten

#42 – 13 – 7·8 (Schimon)


Carl Schimon
geb. 24. Mai 1870, gest 20 Januar 1901.
Frau Agnes Schimon
geb. Goebeler
geb. 26. Septbr 1840, gest. 11. Juli 1907.
Herr Ferdinand Schimon
geb. 17. Januar 1839, gest. 7. März 1914.

A Weigel


  • Schimon, Agnes (vh) / Göbeler (gb); 26.9.1840 – 11.7.1907
  • Schimon, Ferdinand; 17.1.1839 – 7.3.1914
  • Schimon, Karl; 24.5.1870 – 20.1.1901

Grab der Familie Schimon auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2022)

#42 – 13 – 9 (Krug · Lutz)


Hier ruhen in Gott
Familie Lutz u.
Anna Krug, geb. Lutz
u. ihr Wilhelm


  • Krug, Anna (vh) / Lutz (gb)
  • Krug, Wilhelm
  • Lutz, Josef; – 1891; Ehemaliger Loderermeister

Grab der Familien Krug · Lutz auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2018)

#42 – 13 – 10 (Hochholzner)


Hier
ruhen in Frieden
Herr Andreas Hochholzner
k. Bauamtsassistent
geb. d. ¿. Sept. 18¿ gest. d. 22. Aug. 1¿
Frau Eva Hochholzner
geb. Eichinger
geb. d. 7. Nov. ¿ gest. d. ¿. Jan. 1885
Herr Kasimir Hochholzner
k. Leutnant
geb. d. 30. April 1844, gest. d. 8. Nov. 1868
Frl. Kr. Hochholzner
Lehrerin a. D. Mitgründerin
d. Münchner Jugendfürsorge
geb. d. 28. März 1848, gest. d. 7. Mai 1930


  • Hochholzner, Andreas; 1.9.1817 (Burgham bei Marktl) – 22.8.1900 (München); Zimmermeisters-Sohn / Königlicher Bauamtsassistent a. D.
  • Hochholzner, Eva (vh) / Eichinger (gb); – 3.1.1883 (München), 68 Jahre alt; Bauamtsassistentens-Gattin
  • Hochholzner, Kasimir; 30.4.1844 – 8.11.1868 (Ingolstadt); Leutnant
  • Hochholzner, Kreszentia; 28.3.1848 – 7.5.1930 (München); Lehrerin und Mitgründerin der Jugendfürsorge München

Todesanzeige für Kasimir Hochholzner

Todesanzeige für Eva Hochholzner

Grab der Familie Hochholzner auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2018)

#Andreas Hochholzner

* 1.9.1817 (Burgham bei Marktl)
† 22.8.1900 (München)
Zimmermeisters-Sohn / Königlicher Bauamtsassistent a. D.

#Münchner Neueste Nachrichten (27.8.1900)

Lokales.
München, 25. August.

Beerdigungen. [… ] Um 4 Uhr fand im gleichen [südlichen] Friedhofe die Beerdigung des k. Bauamtsassistenten a. D. Andreas Hochholzner statt. Den ungemein großen Trauerzug eröffnete der Volksverein St. Anna; dem reich geschmückten Sarge folgten viele Leidtragende aller Stände, Mitglieder des Magistrates und eine Deputation des Katholischen Studentenvereins. Der Verstorbene ward geboren zu Burgham bei Marktl am 1. September 1817 als der Sohn eines Flußwartes und Zimmermeisters und besuchte in München die Gewerbeschule. Nach Absolvirung dieser Anstalt fand er Anstellung als Bauführer bei dem Bau des Ludwigs-Donau-Main-Kanales; im Jahre 1841 würde er Rechenmeister am Triftamt, kurz darauf Bauamtsassistent und später Assessor beim Flußbauamte. Nach fast fünfzigjähriger Dienstzeit zog er sich in's Privatleben zurück. Er wurde mit der Ludwigs-Medaille ausgezeichnet. Unter den vielen Kränzen waren solche vom Verein zur Obsorge entlassener Sträflinge und den obengenannten Vereinen.

Münchner Neueste Nachrichten No. 395. Montag, den 27. August 1900.

#Kreszentia Hochholzner

* 28.3.1848
† 7.5.1930 (München)
Lehrerin und Mitgründerin der Jugendfürsorge München

#Generalanzeiger (10.5.1930)

Bestattungen

Ein Familiengrab im Südfriedhof nahm die im Alter von 82 Jahren gestorbene Lehrerin Kreszentia Hochholzner auf. Vertreter des Münchner Jugendfürsorge-Verbandes, Anstaltszöglinge, Lehrerinnen und andere Leidtragende nahmen an der Trauerfeier teil. Das Pfarrgeleite von St. Anna vollzog die Einsegnung. Der Münchner Jugendfürsorge-Verband und der Katholische Bezirkslehrerinnenverein München widmeten Blumen. Kreszentia Hochholzner war in weiten Kreisen bekannt als unermüdliche Mitarbeiterin des Münchner Jugendfürsorge-Verbandes. Nachdem sie über 30 Jahre lang in der Volksschule als Lehrerin gewirkt hatte, gründete sie im Juni 1903 gemeinsam mit dem 1908 verstorbenen Rechtsrat Dr. Menzinger den Münchner Jugendfürsorge-Verband, der auf paritätischer Grundlage aufgebaut war. Fräulein Hochholzner übte ihre Tätigkeit mit der ganzen Wärme ihrer liebenswürdigen Persönlichkeit und mit einer Hingabe, einem Eifer ohnegleichen aus. Was sie an Leid und Not gelindert, wie viele Jugendliche sie vor Verwahrlosung und sittlichem Verderben behütet hat, das läßt sich nicht aufzählen. Ein Vierteljahrhundert wirkte sie — seit 1908 im Verein mit dem 1927 verstorbenen 1. Vorsitzenden, Oberregierungsrat Braun, im Münchner Jugendfürsorge-Verband.

Generalanzeiger der Münchner Neuesten Nachrichten Nr. 127. Samstag, den 10. Mai 1930.

#42 – 13 – 11 (Geissler)


Hier ruhen in Frieden:
Frau Maria Geissler,
geb. Hochholzner,
Bauamtmannsgattin,
gest. zu Weilheim den 7. April 1890
im 43. Lebensjahre.
Herr Johann Geissler,
kgl. Bauamtmann,
geb. den 28. Nov. 1828,
gest. den 7. Okt. 1892 zu München.
Ihnen folgte ihr treuer Sohn
Herr Hans Geissler,
Pharmazeut,
gest. den 1. Juni 1897 im 21. Lebensjahre.

42.13.11. Kosenbach.


  • Geissler, Hans; – 1.6.1897; Pharmazeut
  • Geissler, Johann; 28.11.1828 – 7.10.1892 (München); Königlicher Bauamtmann
  • Geissler, Maria (vh) / Hochholzner (gb); – 7.4.1890 (Weilheim)

Grab der Familie Geissler auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2013)

#42 – 13 – 12 (Böhler · Laibl)


Grab der Familien Böhler · Laibl auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2018)

#42 – 13 – 13 (Kiehbl)


JOH. NEP.
KIEHBL


  • Kiehbl, Joh. Nep.

Grab der Familie Kiehbl auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2018)

#42 – 13 – 14·15 (Bischoff · Tiedemann)


FAMILIE
BISCHOFF.

Linke Spalte
Dr. Theodor v. Bischoff
Professor zu Heidelberg,
Giessen u. München,
geb. 23. Okt. 1807, gest. ¿. Dez. 1882.
dessen Gattin
Kunigunde v. Bischoff
geborne Tiedemann,
3. März 1809, gest. 23. März 1889.

Mitte
Theodor Bischoff
Eisenbahn-Direktor
in Tegernsee
geb. 10. Nov. 1848, gest. 6. Nov. 1923.
Amalie Bischoff, geb. Schoen
geb. 14.12.1850 Neubeuern a. Inn
gest. 30.8.1939 St. Quirin
a. Tegernsee.

Liegestein
Die Inschrift ist nicht erhalten


  • Bischoff, Amalie (vh) / Schön (gb); 14.12.1850 (Neubeuern am Inn) – 30.8.1939 (St. Quirin am Tegernsee)
  • Bischoff, Kunigunde von (vh) / Tiedemann (gb); 3.3.1809 – 23.3.1889; Arzt-Witwe
  • Bischoff, Theodor; 10.11.1848 – 6.11.1923; Eisenbahndirektor
  • Bischoff, Theodor Ludwig Wilhelm von, Dr. med.; 28.10.1807 (Hannover) – 5.12.1882 (München); Arzt
  • Tiedemann, Friedrich, Dr. med.; 23.8.1781 (Kassel) – 22.1.1861 (München); Arzt

Grab der Familien Bischoff · Tiedemann auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

Grab der Familien Bischoff · Tiedemann auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

Grab der Familien Bischoff · Tiedemann auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

Grab der Familien Bischoff · Tiedemann auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

Grab der Familien Bischoff · Tiedemann auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2008)

#Dr. med. Theodor Ludwig Wilhelm von Bischoff

* 28.10.1807 (Hannover)
† 5.12.1882 (München)
Arzt

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Bischoff Theodor Ludwig Wilhelm, Dr. med., 1807 (Hannover) – 1882, Anatom, Physiologe und Universitätsprofessor; er studierte in Bonn, Heidelberg und Berlin und war Professor der Physiologie und Anatomie in Heidelberg, Gießen, wo er das Physiologische Institut und das Anatomische Theater gründete, und seit 1855 Professor in München, später auch Mitglied der BAkdW; B. machte sich um die Entwicklungslehre sehr verdient, indem er in einer Reihe von Spezialuntersuchungen den Unterschied zwischen dem Menschen und dem höheren Affen feststellte; auch wies B. als einer der ersten die Gegenwart freier Kohlensäure im lebenden Blut nach; B. war ein entschiedener Gegner der Zulassung von Frauen zum Medizinstudium.

Hauptwerke: Entwicklungsgeschichte der Säugetiere und des Menschen, Beweis der von der Begattung unabhängigen periodischen Reifung und Loslösung der Eier der Säugetiere und des Menschen, Historisch-kritische Bemerkungen zu den neuesten Mitteilungen über die erste Entwicklung der Säugetiere, Harnstoff als Maß des Stoffwechsels, Die Gesetze der Ernährung des Fleischfressers (zusammen mit K. Voit herausgegeben).

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#42 – 13 – 25 (Geiger)


Hier ruht in Gott
unser innigstgeliebter Gatte u. Vater
Herr John. Nep. Geiger
kgl. Regierungsrath u. Rentamtmann
in Traunstein
geb. d. 4. März 1832 zu München
gest. d. 9. Sept. 1895 zu Luzern.
Ihm folgte sein Sohn
Herr Theodor Geiger
Oberjustizassessor
geb. d. 6. Oktbr. 1863. gest. d. 2. August 1910.

R. I. P.

Sockel
Frau Karoline Geiger
kgl. Regierungsrats-Witwe
geb. 28. Mai 1837. gest. 12. Dezb. 1913.


  • Geiger, Joh. Nep.; 4.3.1832 (München) – 9.9.1895 (Luzern); Regierungsrat und Rentamtmann
  • Geiger, Karoline (vw); 28.5.1837 – 12.12.1913; Regierungsrats-Witwe
  • Geiger, Theodor; 6.10.1863 – 2.8.1910; Oberjustizassessor

Grab der Familie Geiger auf dem Alten Südfriedhof München (April 2018)