SECTION 31

rot: Zählrichtung der Grabreihen · schwarz: Zählrichtung der Grabnummern

#31 – 1 – 1 (Mayr)


Grab der Familie Mayr auf dem Alten Südfriedhof München (August 2013)

#31 – 1 – 2 (Leib)


Familiengrab
des
Kommerzienrates
und
Hofzimmermeisters
Georg Leib.


  • Leib, Georg; 1846 (Wallerstein/Schwaben) – 10.10.1910 (München); Zimmermeister, Landrat von Oberbayern und Gemeindebevollmächtigter

Todesanzeige für Georg Leib

Todesanzeige für Georg Leib

Todesanzeige für Georg Leib

Grab der Familie Leib auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

#31 – 1 – 7 (Diehl)


Hugo von Diehl
k. b. General der Infanterie
Chef des Generalstabs der Armee
Ritter des Militär Max-Jos.-Ordens
Grosskreuz des Militär-Verdienst-
Ordens, Inhaber des Eisernen
Kreuzes I. Klasse etc. etc.
geboren 21. Dezember 1821
gestorben 12. März 1883.
Ihm folgte seine Gattin
Auguste von Diehl
geb. Kaiser
geboren 16. Februar 1828
gestorben 27. Juli 1899.


  • Diehl, Auguste von (vw) / Kaiser (gb); 16.2.1828 – 27.7.1899; Generals-Witwe
  • Diehl, Hugo Ritter von; 21.12.1821 (Würzburg) – 12.3.1883 (München); General und Kunstmaler

Todesanzeige für Ritter Hugo von Diehl

Grab der Familie Diehl auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

#Hugo Ritter von Diehl

* 21.12.1821 (Würzburg)
† 12.3.1883 (München)
General und Maler

#Allgemeine Zeitung (1.7.1883)

Nekrologe Münchener Künstler.

Die neuere Kunstgeschichte bietet mannichfache Beispiele – wir erinnern nur an Generalmajor Karl Wilhelm v. Heideck – daß die Palette des Malers mit dem Schwerte des Kriegers nicht unvereinbar sei, und daß derselbe Lorbeerkranz bisweilen beide umschließt, schmückt und ehrt. Ein neuer Beleg hiefür war General Hugo Ritter v. Diehl. Während seine militärische Thätigkeit ruhmvollst anerkannt ist, schulden wir ihm noch ein Wort der Erinnerung als Künstler, wozu sein über die gewöhnlichen Gränzen des Dilettantenthums gehender Ernst und Eifer vollauf berechtigen.

Hugo Joseph August Diehl wurde am 21. December 1821 als der Sohn eines k. Stallmeisters geboren. Der Trieb zum malerischen Schauen erwachte frühe, vielleicht durch Einfluß der Mutter, einer geborenen Enhuber, und machte sich schon im Cadettencorps bemerklich, wo derselbe durch guten Unterricht im Zeichnen besonders genährt wurde. Das Vorbild von Heideck gab weitere Anregung, außerdem besuchte Diehl nach seinem Eintritt in die Linie die Ateliers von Peter Heß und Albrecht Adam und zeichnete Acte mit Friedrich Voltz. Das ausgesprochene Talent weiter zu fördern, sendete König Ludwig I den jungen Officier, nachdem derselbe bei Gustav Seeberger die Elemente der Perspective studiert hatte, nach Paris zu Horace Vernet. Die Theilnahme an einer Expedition nach Algier blieb ihm leider verwehrt, obwohl selbe damals als eine wahre artistische Inaugural-Promotion galt, da ein Schlachtenmaler einzig auf diesem Terrain sein Métier studieren konnte. Somit blieb dem Künstler nichts übrig, als die Darstellung idealer Schlachtenscenen und die Reconstruction historischer Gefechte.

Mit einem »Schlachtstück« dieser Art trat der Lieutenant Diehl zuerst 1844 vor das Publicum im Münchener Kunstverein; weitere Bilder dieser Art folgten unter anderen 1847: »Am Abend eines Gefechts« und ein »Transport französischer Gefangener durch Kosaken«; 1849: die »Erstürmung des Dorfes Grand-Torey in der Schlacht bei Arcis sur Aube am 20. März 1814« (unter Major v. Baligand). Alle Kraft aber verwendete Diehl auf ein großes Bild, welches im März 1853, gleichzeitig mit Albrecht Adams »Gefecht auf der Düppeler Höhe nach Einnahme der Schanzen« im Kunstverein ausgestellt wurde. Diehl wählte die »Schlacht von Szöreg in Ungarn«, ohne daran persönlich theilgenommen oder an Ort und Stelle Terrainstudien gemacht zu haben, bloß auf Détail-Berichte und die genaue Information durch Augenzeugen gestützt. Dre Kritik äußerte sich übereinstimmend günstig, rühmte die großen die Schule Vernets bewährenden Fortschritte des Künstlers, seine Gewandtheit in Zeichnung und Farbenbehandlung, die richtige Perspective in der Landschaft, die plastische Gestaltung der Gruppen u. s. w.

Seine militärischen Kenntnisse kamen dem Künstler natürlich zu statten, welcher den wichtigen Entscheidungsmoment mit strategischem Blicke erfasste. Die Situation war kurz folgende: Feldzeugmeister Haynau hatte am 3. August (1849) den Uebergang über die Theiß erzwungen und am folgenden Tage das linke Ufer des Flusses besetzt. Da Dembinski mit seinen Ungarn auf dem zwischen der Theiß und der Maros hinlaufenden Damme eine vortheilhafte Stellung inne hatte, so beschloß Haynau diese zu nehmen. Die Ungarn vertheidigten sich und schoben eine Batterie vor, während sie auf anderen Punkten schon zu weichen begannen; ein forcirter Reiterangriff, welcher sich der ungarischen Artillerie entgegenwarf, entschied die Schlacht. Diesen Moment wählte der Maler: Haynau in Mitte seines Generalstabes empfängt die Rapporte über den Gang oer Schlacht, welche, wie das Artilleriefeuer zeigt, noch auf der ganzen Ausdehnung der Linie in Bewegung ist, während die Reiterei zum entscheidenden Angriffe ansprengt. Aus dem Mittelgrunde, wo die Schlacht tobt, spielen platzende Granaten bis in den Vordergrund herein, und stürzende Reiter sind neben gefangenen Honveds sichtbar; andere Krieger schauen von einem Hügel nach dem Schlachtfelde aus. Einen wirksamen Gegensatz bildet die Ruhe des Feldherrn mit seiner Umgebung; neben Haynau erkannte man die Portraits des Generalmajors Haslach, Oberstlieutenants Faber u. s. w. (Vergl. Nr. 81 »Bayer. Landbote«, 22. März 1853.). Das Bild fand seinen Lohn, indem Se. Majestät der Kaiser Franz Joseph selbes erwarb (»Allg. Ztg.« Nr. 11 1814.).

Diehl, welcher unterdessen zum Hauptmann vorgerückt war, vollendete noch zwei Bilder, ein »Avantgarde-Gefecht bei Gjat« aus dem russischen Feldzug 1812 und eine »Episode aus dem Gefechte von Galsalva« (17. Januar 1849). Dann legte er den Pinsel nieder, *) gewiß ohne zu ahnen, daß er noch ganz andere Scenen schauen und in persönlicher heldenmüthiger Action dirigiren werde, wie Diehl dieses in den Kriegsjahren 1866 und 1870 in ruhmvoller Weise bethätigte. Leider wurde ihm keine Gelegenheit und Muße diese seine Erlebnisse künstlerisch zu gestalten, dessenungeachtet bleibt sein Name doch berechtigt, von der Kunsthistorie fürder genannt zu werden, wenn er auch in den Annalen der Kriegsgeschichte mit hellerem Glanze strahlt.

*) Sechs Costümbilder mit der Uniformirung der Zöglinge des Cadettencorps aus der Zeit von 1756–1858, welche Diehl 1856 in diese Anstalt stiftete, kommen hier nicht in Betracht. Als Schriftsteller verfaßte Diehl eine »Anleitung zum Studium der Taktik für angehende Officiere aller Waffengattungen.« Augsburg 1864 (bei Rieger). Ueber Diehls militärische Laufbahn vgl. Schrettinger: »Der kgl. bayer. Militär-Max-Joseph-Orden und seine Mitglieder.« 1882. I. Band. S. 155 ff.

Beilage zur Allgemeinen Zeitung Nr. 181. München; Sonntag, den 1. Juli 1883.

#31 – 1 – 8·9 (Schwandner · Springinskle)


Hier ruhet
Herr Karl Springinskle
kgl. Betriebs-Maschinenmeister a. D.
gest. zu München d. 16. Jan. 1887
im 68. Lebensjahre.
Irmgard Springinskle,
geb. d. 21. Mai 1890, gest. d. 8. Jan. 1897.
August Schwandner,
Gymnasialschüler,
geb. d. 24. Mai 1883, gest. d. 15. Okt. 1898.
Frau Babette Springinskle,
geb. d. 15. März 1827, gest. d. 15. Februar 1906.
Herr August Springinskle,
Kgl. Regierungsrat,
geb. d. 30. Januar 1856, gest. d. 16. August 1913.

Sockel-Tafel
Herr
Hans Schwandner
kgl. Oberzollinspektor a. D.
geb. 10. Sept. 1848, gest. 19. Jan. 1920.
und seine Gattin
Frau
Marie Schwandner
geb. Springinskle
geb. 31. Okt. 1857, gest. 22. März 1933.

Rückseite
Familien-Grabstätte.
Schwarz.


  • Schwandner, August; 25.5.1883 – 15.10.1898; Gymnasialschüler
  • Schwandner, Hans; 10.9.1848 – 19.1.1920; Oberzollinspektor a. D.
  • Schwandner, Marie (vw) / Springinskle (gb); 31.10.1857 – 22.3.1933; Oberzollinspektors-Witwe
  • Springinskle, August; 30.1.1856 – 16.8.1913; Regierungsrat a. D.
  • Springinskle, Babette (vh); 15.3.1827 – 15.2.1906
  • Springinskle, Irmgard; 21.5.1890 – 8.1.1897
  • Springinskle, Karl; – 16.1.1887 (München), 67 Jahre alt; Betriebs-Maschinenmeister a. D.

Grab der Familien Schwandner · Springinskle auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

#31 – 1 – 10 (Epple)


Hier ruhet
Herr Georg M. Epple
Decorationsmaler,
gest. 22. Dezember 1886, im 63. Lebensjahre.
Dessen Gattin
Frau Elise Epple
geb. Baer,
gest. 15. März 1905, im 73. Lebensjahre.

Christus ist mein Leben,
Sterben mein Gewinn.

Rechte Seite
J. Lallinger.


  • Epple, Elise (vw) / Bär (gb); – 15.3.1905 (München); Dekorationsmalers-Witwe
  • Epple, Georg Matthäus; – 22.12.1886 (München), 63 Jahre alt; Dekorationsmaler

Todesanzeige für Georg Matthäus Epple

Grab der Familie Epple auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

#31 – 1 – 12 (Gassner · Zeiss)


J. B. Gassner
geb. ¿
Aug. Zeiss, geb. Gassner
geb. ¿. Februar 1867 gest. 2. April 1887.
Emma Gassner
geb. 13. Dez. 1870 gest. 27. Febr. 1892

Im Leben u. ¿
Im Tode unvergesslich.


  • Gassner, Emma; 13.12.1870 – 27.2.1892 (München); Cafétiers-Tochter
  • Gassner, Johann Baptist; 8.2.1843 (Regensburg) – 28.3.1890 (München); Cafétier und Schausteller
  • Zeiss, Auguste (vh) / Gassner (gb); ¿.2.1867 – 2.4.1887; Hoteliers-Gattin

Todesanzeige für Auguste Zeiss

Danksagung für Auguste Zeiss

Todesanzeige für Johann Baptist Gassner

Todesanzeige für Emma Gassner

Grab der Familien Gassner · Zeiss auf dem Alten Südfriedhof München (August 2013)

#Johann Baptist Gassner

* 8.2.1843 (Regensburg)
† 28.3.1890 (München)
Cafétier und Schausteller

#Führer durch München und seine Umgebung (1881)

Aquarium, Färbergraben 24, nach den Angaben des Besitzers J. B. Gassner erbaut in den Jahren 1880 u. 81 von J. Lutz, Facade und innere Decoration von O. Dédreux. Vielfach Sgraffito-Malerein an der Facade und im Hofraum.

Im Souterrain ausgedehnte Felsgrottengänge mit prächtiger Beleuchtung; hier befinden sch die Bassins für die Süss- und Seewasserfische, Krabben, Seespinnen, Krokodile, Schildkröten, Seehunde etc. – ferner Wasser- und Singvögel. – Taucherapparat.

Parterre: Affen, Meerkatzen, Schlangen, in- und ausländische Vögel; rechts vom Eingang die Restauration.

I. Stock: Physikalische und mechanische Kunstwerke, auch Alterthümer, Curiositäten, Seefisch-Fanggerätschaften, grosses elektrisches Harmonium.

Die Säle des II. Stockes bilden das Panoptikon. Auf dem flachen Dache Gartenanlage mit Conditorei.

Führer durch München und seine Umgebung. München, 1881.

#Münchener Bote für Stadt und Land (20.5.1882)

(Aquarium.) Den Bemühungen des Herrn Gaßner ist es gelungen, durch die Vermittlung der türkischen Gesandtschaft in Berlin die beiden Nubier, welche seit einiger Zeit in Castan's Panoptikum dortselbst zu sehen waren, für das hiesige Aquarium zu engagiren. Die Nubier, welche Dienstag Nachmittag im Aquarium ankamen, und nicht wie vielfach berichtet, für den Circus Corty engagirt wurden, Männer von wundervollem Körperbau, sind der 17 Jahre alte Prinz Alemid, Sohn des Königs Aragua, und sein Kampf-Genosse und unzertrennlicher Gefährte Aderiß, beide von Kassala, Land Taka in Nubien. Alemid ist nicht nur ein Prinz in Bezug auf Gestalt und Schönheit, sondern hat sonst sehr treffliche Eigenschaften, gesittetes Benehmen, ist gutmüthig, auch spricht er etwas deutsch. Während sein Genosse Aderiß Cigarren und Cigaretten gerne annimmt, weigert sich Prinz Alemid nicht selten, solche zu nehmen, auch gibt er sich nicht mit dem Verkauf ihrer Photographien ab, welchen Aderiß lebhaft betreibt. Die Nubier werden sich nun täglich drei Mal, um 11, 3 und 5 Uhr, in ihren Sitten und Gebräuchen produziren und auch Tänze im National-Costüm aufführen. Obgleich jetzt gleichzeitig die Nubier, die zusammengewachsenen Zwillinge zu sehen sind und auch täglich Vorstellungen mit dem hochiteressanten »Kopf des Ibikus« stattfinden, läßt Herr Gaßner, während in anderen Etablissements bei solchen Gelegenheiten stets die Eintrittspreise erhöht werden, keine Erhöhung eintreten und wird wie bisher der Eintrittspreis an Sonn- und Feiertagen 50 Pf. betragen. Es dürfte deshalb das Publikum Herrn Gaßner, welcher rastlos bestrebt ist, stets das Neueste und Interessanteste zu bieten und keine Kosten scheut, seine Anerkennung durch recht fleißigen Besuch zollen.

Münchener Bote für Stadt und Land No. 119. Samstag, den 20. Mai 1882.

#Der Zoologische Garten (1.1883)

Die Brillenschlange im Münchener Aquarium.

Ueber das Entrinnen einer nur 1,40 m langen Schlange aus dem Schlangenbehälter des Münchener Aquariums und über den ungeheuren materiellen Schaden, der in Folge dessen diesem Institute erwuchs, entnehmen wir dem »Sammler« (Beilage zur Augsburger Abendzeitung, No. 36, 1882) folgenden Bericht:

»Anfangs des Jahres 1882 kaufte der Unternehmer Herr Jean Gassner von dem Afrikareisenden Helmes in Bozen eine Collection Brillenschlangen (Naja haja). Herr Helmes brachte sechs dieser Schlangen lebend nach München, und obgleich er dieselben im Zimmer des Herrn Gassner eigenhändig aus dem Behälter nahm und mit ihnen nach Art indischer Gaukler allerlei Kunststückchen aufführte, so versicherte er dem Käufer dennoch, daß sie im höchsten Grade giftig, mithin sehr gefährlich seien. Einige Wochen nach Einverleibung der Schlangen in das Aquarium entdeckte der in demselben angestellte Ingenieur Herr Dedreaux, daß sich nur noch fünf Stück in dem Glaskäfig befänden. Tierwärter Kischnik, dem die Schlangen zur Pflege übergeben waren und der allein nur die Schlüssel zu den Käfigen der Reptilien besaß, erwiderte, hierüber befragt, er wisse schon seit acht Tagen, daß eine fehle, er könne sich aber nicht erklären, wie sie aus dem Käfig entkommen sei. Sofort setzte Herr Dedreaux den Besitzer in Kenntnis, der nun alle seine Leute zusammenrief und mit ihnen die eifrigsten Nachforschungen begann. Es wurden alle Winkel des Warmraums durchsucht und Jedermann glaubte, die Schlange müsse im »Warmraum«, in welchem die sechs Glasbehälter der Reptilien standen, gefunden werden, da man annehmen konnte, daß die entflohene Schlange, die erfahrungsgemäß schon unter 12° R. erstarrt, den warmen Raum mit der kalten Atmosphäre nicht vertauscht haben werde. Als man jedoch hier nichts fand, versuchte man es im sogenannten Grottenbau. Man erleuchtete denselben mit Fackeln, durchspritzte ihn mit kräftigen Wasserstrahlen und fuhr mit spitzen Instrumenten in allen Winkeln und Ritzen herum, allein auch hier war das Bemühen vergeblich. Man mußte annehmen, die Schlange existiere überhaupt nicht mehr. Der Tierwärter Kischnik hatte nämlich die Thürchen zu den Käfigen öfters offen stehen lassen, und da er selbst zugestanden, daß er manchmal schon durch Quetschung verletzte und dadurch umgekommene Reptilien verbrannt habe, so durfte man annehmen, daß es mit der Brillenschlange ebenso gegangen sein könne und diese daher nicht mehr am Leben sei. Natürlich verfehlte Herr Gassner nicht, dem unzuverlässigen Tierwärter, bei dem alle früheren Rügen und Warnungen fruchtlos geblieben waren, schwere Vorwürfe zu machen. Am 16. Februar erschien Kischnik, der es vielleicht für geraten hielt, der ganzen Affaire auszuweichen, bei Herrn Gassner und forderte, unter dem Vorgeben, daß er krank sei und nach Hause zurückkehren wolle, seinen Wochenlobn und sein Austrittszeugnis. Kischnik ging jedoch vorerst nicht nach seiner Heimat Berlin, sondern nach zwei Tagen, am 18. Februar, zur k. Polizeidirection, wo er, getrieben von seinem Gewissen, von dem Entweichen der Brillenschlange förmliche Anzeige machte.

Die Wirkungen dieser Denunziation, deren Motive ununtersucht bleiben mögen, waren für den Unternehmer verhängnisvoll.

Noch an demselben Tage verfügte die k. Polizeidirection die Sperrung des Aquariums. Herr Gassner erhielt den strengen Befehl, das Haus sofort zu schließen, Thüren, Fenster, Dach- und Kelleröffnungen zu versiegeln und binnen 24 Stunden Menschen und Tiere daraus zu entfernen. Kischnik wurde nochmals zu Protokoll genommen; seine Aussagen blieben aber dieselben. Eine von der Polizei berufene Kommission von Sachverständigen bewies ihm an Ort und Stelle, daß die Schlange nur aus dem Behälter entkommen sein könne, welcher ihm zur Bewachung anvertraut worden sei; er aber entgegnete kurz: »Nun, dann hat sie ein Anderer herausgenommen.«

Sonntag Morgens, den 19. Februar, begab sich Herr Gassner voll Verzweiflung zu Herrn Polizeirat Pfister und bat, die Anordnung zur Räumung binnen 24 Stunden redressieren zu wollen, da sonst sein Ruin besiegelt sei. Dies geschah jedoch nicht sofort, obgleich Herr Gassner selbst zugeben muß, daß sowohl von Seite des Herrn Polizeirat Pfister, wie des k. Polizeipräsidenten Frhr. v. Pechmann mit möglichster Schonung verfahren worden sei.

Während nun eine Berufung an die kgl. Regierung eingereicht wurde, setzte man im geschlossenen Aquarium die Nachforschungen unausgesetzt fort. Der Unternehmer begriff vollkommen, daß eine Wiedereröffnung nur dann möglich sein werde, wenn dem Publikum zuvor jede Garantie der persönlichen Sicherheit geboten werden könnte. Bei aller Bereitwilligkeit, den Anordnungen der Polizei in pünktlichster Weise nachzukommen, blieb gleichwohl die »Räumung binnen 24 Stunden« ein Ding absoluter Unmöglichkeit. Wohin sollte man in so kurz bemessener Frist alle die vielen Tiere bringen, die das Aquarium enthielt? Woher sollte man Käfige für Affen, Bären, Seehunde, Alligatoren und einige hundert Vögel nehmen; wie sollte man die Papageien und alle übrigen in großen Volièren frei herumfliegenden Vögel so schnell zusammenfangen, um sie in angemessenen und warmen Räumen unterzubringen? Die Wohnung mit Familie zu räumen, wäre wohl ein Leichtes gewesen; aber was geschah mit dem Seewasser, das mit enormem Geldaufwand endlich so gut geworden war, daß sich bereits Infusorien darin gebildet, sogar junge Tiere sich erzeugt und neue Polypen angesetzt hatten? Was sollte aus den Fischen und Polypen werden, wenn die Pumpwerke auch nur einen Tag nicht mehr fungieren durften? Alle diese Momente wurden von der kgl. Regierung wohlwollend berücksichtigt und Herr Gassner erhielt schon am 20. Februar die Erlaubnis, zu bleiben. Dagegen blieb das Aquarium nach wie vor geschlossen.

In diesem selbst herrschte eine begreifliche Aufregung, die sich durch mehrere überraschende Wahrnehmungen beim Nachforschen noch mehr steigerte. Einmal glaubte man die gesuchte Brillenschlange schon zu haben, ein Arbeiter hatte beim Umsetzen eines Käfigs eine Schlange entdeckt. Allein bei näherer Untersuchung ergab sich, daß es keine Naya Haya, sondern eine ganz andere Spezies war. Kurz darauf wurde abermals eine große Streifnatter gefunden, die einer Brillenschlange so ähnlich sieht, daß mehrere Arbeiter beschwören wollten, es sei die entkommene. Eine abermalige Täuschung!

Nach etwa acht Tagen vergeblichen Suchens war das ganze Etablissement so zu sagen auf den Kopf gestellt! Es war eine förmliche Zerstörung. Die vor kaum acht Monaten mit einem Aufwand von 13 000 M. hergestellten Pavillons mit großen Spiegelscheiben, Heizapparaten etc. waren eingelegt und teilweise zerschlagen, die Volièren sämmtlich abgebrochen, nachdem die Vögel zu einem Freunde Herrn Gassner's, einem bemittelten Manne, der demselben eine ganze leerstehende Etage seines Hauses bereitwilligst einräumte, gebracht worden waren. Alle Fußböden waren aufgerissen und das nette Höfchen, die sogenannte Alhambra, bedeckte ein wüster Trümmerhaufen.

Wer damals die Demolierung des Aquariums tagtäglich mit angesehen hatte, mochte wetten, die Vielgesuchte und Nirgendsgefundene befinde sich nicht mehr im Hause.

Während nun wirklich Viele in München im Ernst an eine bestehende Gefahr glaubten, welche die Maßnahmen der Behörden vollkommen gerechtfertigt erscheinen ließ, zirkulierte in den Zeitungen auf einmal ein Brief des Naturforschers Helmes, welcher der ganzen Schlangenaffaire bald eine komische Wendung gegeben hätte. Gassner hatte demselben nach dem Eintritt der Katastrophe telegraphiert, er möge schleunigst nach München kommen. Die Drahtantwort war: »Liege lungenkrank zu Bett; Tiere auf Eid unschädlich.« Der Besitzer machte von der Depesche gar keinen Gebrauch, so wenig Wert legte er auf diese kurze Mitteilung. Einige Tage zuvor war nämlich an allen Straßenecken und Litfaßsäulen die außerordentliche Gefährlichkeit der Brillenschlange als Reklame benutzt worden; wer würde jetzt, selbst auf den Eid des unbekannten Herrn Helmes hin, geglaubt haben, daß sie unschädlich seien? Dem Telegramme folgte aber später ein Brief, in welchem Helmes Herrn Jean Gassner die Eröffnung machte, daß er ihm nur ganz ungiftige Schlangen geliefert habe. Er habe ihm bei der Ablieferung diese Thatsache verhehlt, »um ihm seine Freude nicht zu verderben.« Allen sechs Brillenschlangen seien die Zähne längst ausgebrochen und zwar so gut, daß sie nie mehr nachwachsen könnten. Gegen angemessene Diäten erbiete er sich, nach München zu kommen und sich von allen Brillenschlangen in Hände und Füße beißen zu lassen; übrigens sei er jederzeit bereit, seine Aussagen vor Gericht zu beschwören etc. Sonach wäre also die ganze Panik unbegründet gewesen. Der Brief war aber für die Behörden von keiner Relevanz.

Damals erhielt Hr. Gassner von allen Seiten guten Rat und schriftliche Beweise inniger Teilnahme. Auch der hier lebende Chemiker Hr. Eckart erteilte ihm einen Rat, den derselbe, obschon längst stumpf geworden für »gute Ratschläge«, gleichwol berücksichtigen zu müssen glaubte. »Lassen Sie das ganze Haus von schwefeliger Säure durchdringen«, sagte Eckart, »und Alles, was durch Lungen atmet, muß ersticken!« Das war einleuchtend. »Gut«, sagte Hr. Gassner, »wollen wir auch das noch probieren.«

Dieser Vorschlag führte zu mehrfachen Experimenten, an denen sich mehrere Gelehrte und Sachverständige Münchens beteiligten.

Gassner und Eckart gingen noch an demselben Tage zu Hrn. Polizeirat Pfister, der das Experiment gleichfalls für das einzige Mittel ansah, um Gewißheit und Beruhigung in die Sache zu bringen und Hrn. Gassner aus der Kalamität zu reißen, wozu ja selbst die Polizei gerne beitrug. Hr. Pfister riet noch, das Gutachten eines Sachverständigen darüber einzuholen. Hr. Eckart schlug nun die Herren Professoren Dr. v. Pettenkofer und v. Voit vor. Dr. v. Pettenkofer erbot sich hierauf, zuerst eine Probe anzustellen, und ordnete sogleich alles Weitere selbst an.

Sonntags den 26. Februar begaben sich Eckart und Gassner mit einer Quantität Schwefel und einer lebenden Brillenschlange hinaus in die hygienische Anstalt vor dem Sendlingerthor. Viele Sachverständige hatten sich eingefunden und alle waren von dem Wunsche beseelt, Hrn. Gassner so bald als möglich aus seiner überaus mißlichen Lage zu reißen.

Die Anstalten zu einer Probe, ob die Brillenschlange unter dem Einflusse schwefeliger Säure verenden werde, in welchem Zeitraum etc. wurden sofort getroffen. In einem hinter der Anstalt gelegenen Häuschen befindet sich ein kleines Gemach, eigens für derartige Experimente bestimmt. Man setzte den Schlangenkäfig auf den Boden und ummauerte ihn von allen Seiten mit Backsteinen. Auf ein Tischchen stellte man eine irdene Schüssel mit dem Schwefel, Thüre und Fenster wurden sorgfältig geschlossen und nun der Schwefel angezündet. Durch das Fenster sah man noch eine Weile die blaue todbringende Flamme; schnell aber füllte sich der kleine Raum mit grauem, undurchsichtigem Dampf an, die Flamme war nicht mehr zu sehen. Nach etwas über 2 Stunden wollte man sich von dem Erfolge überzeugen. Man öffnete Thüre und Fenster, um die atmosphärische Luft einzulassen; aber es verging einige Zeit, bis es dem Sauerstoff gelang, die schwefelige Säure zu verdrängen. Endlich war die Stickluft verflogen und man konnte sich dem Käfig nähern. Man zog den Behälter ans Tageslicht und siehe, die Schlange war tot! Mehrere Gelehrten beschäftigten sich nun mit dem Kadaver. Man öffnete ihr den Rachen und vergeblich forschte man nach Giftzähnen, obgleich der Rachen mit einem Instrumente bis zum Kehlkopf untersucht wurde. Circa 8 cm hinter dem Kopfe hatte die Haut eine schwärzliche Färbung angenommen; die übrige Farbe war matt, die Augen trübe und der übrige Körper fühlte sich weich an.

Es herrschte nun allgemein die Gewißheit, das Beptil sei durch die schwefelige Säure getötet worden.

Allein Professor Dr. v. Pettenkofer ließ, um volle Gewißheit zu erlangen, die tote Schlange vorsichtshalber an einen recht warmen Ort bringen und hiezu eignete sich am besten der in der Anstalt befindliche Dampfkessel. Hierauf gingen alle im guten Glauben, erfolgreich experimentiert zu haben, zum Mittagstisch.

Herr Eckart erbot sich nun, die nötigen Vorkehrungen zur Durchschwefelung des Aquariums zu treffen. Allein das einmal im Laufe befindliche Unheil wollte noch nicht einhalten! Ein neuer Schrecken traf schon Nachmittags 2 Uhr den schwer mitgenommenen Unternehmer. Man war eben mit Vorbereitungen beschäftigt, als Herr Molikof, der Hausmeister des hygienischen Instituts, mit dem Ausruf: »Die Schlange lebt immer noch!« herbeistürzte.

Herr Gassner wollte seinen Ohren nicht trauen. Er hatte sich ja selbst überzeugt, daß die Schlange tot war! Hat man sich draußen nicht getäuscht?

Herr Molikof beteuerte, daß die Schlange unter dem Einfluß der Wärme wieder lebendig geworden sei. Ist das nicht, um desperat zu werden?

Herr Gassner eilte sogleich in die hygienische Anstalt, fest überzeugt, daß er das Tier unmöglich lebend vorfinden könne. Er trat ein und war ganz starr: Die Brillenschlange lebte wirklich!

Also Alles vergebens! Die Schlange, die ein ganzer Kreis gelehrter Männer für tot gehalten, erholte sich von Minute zu Minute. Immer deutlicher gewahrte man den Pulsschlag des Herzens und schon nach Verlauf einer weiteren Viertelstunde richtete sie sich förmlich in die Höhe, obschon ihr der Kopf sichtlich schwer war. Das von den Herren Professoren abgegebene Arbiturium lautete dahin, daß die verbrannte Quantität Schwefel zu gering und die Zeitdauer eine zu kurze gewesen sei, um die Schlange zu töten. Nun traf Dr. v. Pettenkofer sofort wieder Anstalten zu neuen und verstärkten Experimenten. Diesmal sollte bei gleicher Quantität Schwefel das Beobachtungsobjekt sechs Stunden lang der Säure ausgesetzt bleiben. In Kurzem war das Gemach wieder mit Schwefeldampf angefüllt und Herr Professor Dr. v. Pettenkofer lud die Anwesenden ein, sich Nachts halb zehn Uhr wieder einzufinden, um bei Eröffnung der Kammer persönlich zugegen zu sein. Jedermann war gespannt und Niemand fehlte zur festgesetzten Stunde. Mit einer Laterne versehen, öffnete Dr. v. Pettenkofer das Kabinet; die Ziegelsteine wurden entfernt und nun sah Jedermann: die Schlange war tot! Der Körper fühlte sich eisig kalt an, der schwarze Fleck hinter dem Kopf war intensiver. Man legte sie nochmals auf den Dampfkessel, allein sie blieb bewegungslos. Alle vorgenommenen Belebungsversuche waren erfolglos. Auch waren die Merkmale des Todes diesmal stärker ausgeprägt, die Haut hing schlaff am Körper und dieser war merklich zusammengeschrumpft. Zwar wollte Herr Dedreaux bemerkt haben, daß sich die Schlange aufzublasen versuche, allein man hielt dies für eine Muskelzuckung. Als man aber die regungslose Masse auf den Rücken legte, da entrangen sich Allen Ausrufe höchsten Erstaunens: Die Schlange lebte trotz alledem und alledem!

Bald sah man deutlich den immer stärker werdenden Herzschlag. Die Herren Gelehrten erklärten die frappante Erscheinung dahin, daß die Schlange bei der geringen Wärme bloß erstarrt gewesen sei. Herr Dr. v. Pettenkofer glaubte, daß das Experiment in gut erwärmtem Raume gelingen müsse. Er befahl nun, die Schlange für den nächsten Morgen in sein Laboratorium zu bringen, um das Experiment nochmals zu wiederholen. Diesmal war der Erfolg in der That ein günstiger. Die Schlange war und blieb tot.

Herr Gassner traf nun Anstalten, das ganze Aquarium zu durchschwefeln. Um das Seewasser, dessen Behälter sich im unteren Grottenraume befinden, dem Einfluß der schwefeligen Säure zu entziehen, wurden die Oberflächen der Bassins mit Papier verklebt und diese so mit einander verbunden, daß das Wasser in fortwährender Zirkulation bleiben konnte. In dem oben befindlichen Hofraume wurden große Gefäße mit ca. 2000 Liter Seewasser aufgestellt.

Den Seetieren wurde durch Kautschukröhren atmosphärische Luft zugeführt, Seehunde, Süßwasserfische, Affen, Bären etc. wurden fortgeschafft, die Alligatoren mit großer Mühe in Kisten verpackt und im Hofe aufgestellt. Frau Gassner verließ mit ihren Kindern den Wohnraum. Sonntags den 2. März früh 6 Uhr wurden, nachdem die ganze Nacht hindurch geheizt worden und eine Temperatur von ca. 21° R. erreicht war, wiederum 2 Ctr. Schwefel, in 300 Gefäßen verteilt, von Herrn Eckart angezündet. Die Räumlichkeiten blieben bis anderen Morgen 9 Uhr geschlossen. Bei der Eröffnung war Herr Eckart abermals zugegen. Man fand eine Menge toter Mäuse, die offenbar erstickt waren, doch auch noch viele nur halbtote. Und als nunmehr der Kubikinhalt des geschwefelten Raumes berechnet wurde, fand sich, daß nicht, wie Herr Dr. Pettenkofer bestimmt hatte, 38 Gramm Schwefel auf den Kubikmeter kamen, sondern nur 22 Gramm, sonach 2 Ctr. nicht genügten, um den Zweck zu erreichen. Auch mag wohl im Gebäude eine zu große Ventilation geherrscht haben und durch das Heizen und Thürlüften mögen gewisse Mengen von schwefliger Säure entflohen sein. Die Wirkung war also noch nicht eine totbringende; halbtote Mäuse, die an die Atmosphäre gebracht waren, kamen wieder zum Leben. Hierauf wurde Polizeirat Pfister in Kenntnis gesetzt, daß man sich entschlossen habe, eine nochmalige Schwefelung des Aquariums vorzunehmen, um so allen polizeilichen Anordnungen zu genügen und die Beruhigung zu haben, daß alles Menschenmögliche gethan sei. Abermals wurde geheizt und die ganze Nacht hindurch gearbeitet, um alle Oeffnungen und Ritzen zu verstopfen. Abermals wurden die Seewasserbassins verklebt und die Kautschukröhren eingesenkt, und am 4. März früh 9 Uhr brannten im Aquarium nahezu sechs Centner Schwefel!

In der That, es war das Letzte, was man hatte thun können. Die Hoffnung, daß die Schlange gefunden werde, hatte Herr Gassner, wie er später versicherte, schon aufgegeben.

Man hatte beschlossen, daß Abends 4 Uhr geöffnet werden sollte. Herr Eckart, begierig, das Resultat zu erfahren, wagte es zuerst, den Raum, den ein unerträglicher Schwefelgeruch erfüllte, zu betreten, nachdem die Thüre, einige Minuten offen gehalten worden war. Die Anderen harrten gespannt vor der Thüre. Plötzlich erscholl von Innen heraus der Ruf; »Ich habe die Brillenschlange! Herr Gassner, schnell, die Schlange ist da, wir haben sie!« Nun stürzten Alle in den Saal. Wahrhaftig, da lag sie! Hr. Gassner erkannte sie sofort. »Welches Glück!« rief er aus, »wie leicht hätte sie in ihrem Schlupfwinkel verenden können! Das ist Fügung Gottes! Was hätte mir Alles genützt ohne den Nachweis, daß sie gefunden sei! Gewiß, alle Furchtsamen hätten Jahre lang das Haus gemieden!«

Die Freude war groß. Die Erklärung, wie die Schlange an's Tageslicht gekommen, war nicht schwer; im Todeskampf und bessere Luft suchend, war sie hervorgekrochen und gerade in die Nähe eines der mit Schwefel gefüllten Gefäße gegenüber vom Schlangenbehälter geraten und dort verendet. In dem geöffneten Rachen hatte sie noch halberbrochene Mäusereste.

Herr Gassner schritt sofort zur Feststellung ihrer Identität, um sich zu überzeugen, ob nicht abermals eine Täuschung im Spiele sei. Er untersuchte sogleich den Schlangenbehälter. Zwei Schlangen waren den Experimenten im hygienischen Institute geopfert worden, drei lagen noch im Käfig und die sechste hatte man endlich vor sich liegen, sie, umderentwillen man das ganze Haus von oberst zu unterst gekehrt hatte. Rasch verbreitete sich die Kunde von dem Wiederauffinden der Brillenschlange. Telegramme wurden sofort an Freunde, Gönner und Verwandte abgesandt, und als ob eine Schlacht gewonnen worden wäre, meldeten vor den Zeitungsexpeditionen angeschlagene Plakate: »Die Brillenschlange ist gefunden!«

Die Brillenschlange wurde ungesäumt zur Polizeidirection gebracht und auch hier war man über den kaum noch erwarteten Erfolg sehr erfreut.

Am 8. März wurde die Sperre aufgehoben und die Erlaubnis zur Wiedereröffnung des Aquariums erteilt. Dieses aber war von Grund aus zerstört. Diese Brillenschlange, nur 1, 40 m lang und nur 35 mm dick, kostet Gassner 30 000 M. Das ist gewiß das kostbarste Exemplar ihrer Art und als solches soll sie fortan unter den Sehenswürdigkeiten im Ausstellungslokale stehen, mit der Aufschrift: die teuerste Schlange der Welt!

Der Zoologische Garten No. 1. Zeitschrift für Beobachtung, Pflege und Zucht der Tiere. Frankfurt; Januar 1883.

#Der Zoologische Garten (6.1885)

Der neue Tiergarten und das ehemalige Aquarium in München.
Von Ernst Friedel.

Am 5. November 1884 faßte der Bayerische Verein für Geflügelzucht auf Anregung des Vorsitzenden J. Friedrich den Beschluß, in München einen »Tiergarten« (Der Ausdruck Zoologischer Garten ist absichtlich vermieden. Sprachlich und geschichtlich unterscheiden dich beide Begriffe übrigens erheblich.) zu errichten. Der Grundplan, nach welchem vorläufig ein Areal von 12 Tagwerken nächst der Reichenbachbrücke an der Ohlmüllerstraße und längs der Frühlingsstraße in südlicher Richtung, welches im ganzen mehr als 20 Tagwerke umfaßt und der Stadtgemeinde München gehört, in Aussicht genommen wird, ist vom Inspektor des Kgl. botanischen Gartens in München Max Kolb ausgeführt. Dieser Plan nebst dem ganzen Projekt soll zur öffentlichen Prüfung ausgelegt werden, namentlich Sache der in der Bildung begriffenen »Zoologischen Gesellschaft« in München sein, dem neuen Unternehmen des »Thiergartens« beratend und fördernd beizustehen.

Dieser plötzliche Entschluß erscheint um so erfreulicher, als kurz zuvor das Aquarium, also dasjenige Institut, welches im gewissen Sinne einen Zoologischen Garten zu ersetzen berufen war, eingegangen ist. Da ich im Sommer 1883 das Münchener Aquarium nicht lange vor der Katastrophe mehrmals besichtigt habe, so kann ich wohl sagen, daß mir die letztere unausbleiblich erschienen ist und wie mir bei objektiver Prüfung der ganzen Einrichtung lebhaft dasjenige einfiel, was ich in meinem Aufsatz: Die Krisis in der Verwaltung der öffentlichen Aquarien (Zool. G. XXII, 1882. S. 82 flg.) als Grund für den Vermögensverfall dieser Institute kurz zuvor angegeben hatte. Zwar trafen das Aquarium im Frühjahr 1882 infolge des Verschwindens einer egyptischen Uraeus-Schlange (Naja Haje) und der zwecks Tötung derselben polizeilicherseits vorgeschriebenen Schließung, Ausräumung und Ausschwefelung des Lokals herbe Verluste (Vgl. Zool. G. XXIV, 1883. S. 49 flg.), dennoch hielt man das Unternehmen als wieder einigermaßen in Gang gekommen.

Das Eintrittsgeld mit 1 Mark war überhaupt hoch, insbesondere für München, das glücklicherweise noch immer zu den billigsten Hauptstädten Deutschlands zählt, sehr hoch gegriffen. Dazu kamen 20 Pfennig für den gedruckten Führer, dessen XI. Auflage leider von Druckfehlern wimmelt. Auf dem Umschlag desselben hätten gewiß viele gern das aus etwas Selbstgefälligkeit angebrachte Bild des Direktors vermißt – dergleichen thun nicht einmal die Gebrüder Castan, Besitzer des Berliner Panoptikums, die doch sonst mit Reklamen nicht übermässig geizen. Von derselben Selbstschätzung zeugte der Text des »Führers«, der nicht weniger als folgendes versprach: »einen kolossalen Grottenbau mit Bassins für die seltensten uud interessantesten Bewohner unserer Flüsse, Seen und Meere, einen Zoologischen Garten en miniature im Grottenhof »Alhambra«, Affen- und Vogel-Pavillons, Kunstausstellung und Panoptikum, Ausstellung aller auf dem Kontinent vorkommenden Neuheiten und Specialitäten, täglich um 10, 3 und 5 Uhr elektrisches Konzert, Demonstration neuester Erfindungen etc.«

Der Unternehmer hielt es also mit den Multa im Gegensatz zum Multum und mit dem Sprichwort Variatio delectat.

Im Jahre 1880 den 26. April wurde der Bau des Münchener Aquariums am Färbergraben nahe dem Treffpunkt der Neuhauser und Staufinger Straße in der Mitte zwischen Carls- und Marienplatz, also in recht lebhafter Stadtgegend, begonnen und in einem Jahr und 43 Tagen beendet. Das von dem Direktor des Berliner Aquariums, Dr. Hermes, mit gewohnter Meisterschaft hergestellte künstliche Seewasser fand ich in recht befriedigendem Zustande. Aus einer großen Cementcisterne, welche sich 8 Fuß unter der Kellersohle befand, ward das Seewasser mittels Gasmotors durch eine eigens aus Hartgummi hergestellte Rotationspumpe in 3 etwa 50 Fuß hoch gelegene Wasserbehälter gebracht, aus welchen es durch die gusseiserne, innen glasirte Rohrleitung in die Becken und von hier aus wieder in die Cisterne, zu neuem Kreislauf, floß. Etwa 78,000 Liter Seewasser cirkulierten in dieser Weise.

Als ich das Aquarium an einem hellen Junitage das erste Mal besuchte, war ich gleich durch die überaus grosse Dunkelheit in dem unterirdischen Grottensystem überrascht, welche Einem zu gefährlichem Stolpern und Fallen verhelfen konnte, auch die Besichtigung einer Reihe von Beckenaquarien geradezu unmöglich machte. An anderen Stellen war elektrische Beleuchtung und ließ einen als Phoca annulata bezeichneten Seehund sowie mehre Alligatoren erkennen. Daß dergleichen Tiere bei solchem künstlichen Licht auf die Dauer sich wohl befinden könnten, erscheint geradezu unmöglich. Unter den in den Wasserbehältern vorhandenen, wenig mannigfaltigen Fischen notierte ich Katzenhaie (Scyllium catulus) als höchst dankbare Aquarienbewohner, Goldstrichbrassen (Sparus auratus) und Seebarsche (Serranus). Die vorhandenen Hechte schienen von der Aquarienkrankheit befallen.

Eine Treppe höher lag die Restauration im Freien, wenn man unter letzterem Begriff einen luftschachtartigen Hof zulassen will. Hier in der Nähe waren ein brauner Bär, mehre Papageien, Kakadus und Aras zu sehen. Nebenan stand ein fürchterlich riechender Affenkäfig, dann ein Gebauer mit 2 kleinen javanischen Bären und in einer winzigen, viel zu engen Einbuchtung ein schwarzes Shetländisches Pony kleinster Art. Die weiterhin aufgestellten ethnologischen, botanischen, zoologischen und mineralogischen »Sammlungen« waren mehr eine Ironie auf solche. In dieser Nachbarschaft stand ein ausgestopfter Wolf und daran bemerkt »reißende Tiere polizeilich verboten!« — eine unverständliche Bemerkung, denn es waren doch auch lebende Bären da, und Bären gehören mit ihrer tückischen Falschheit, die man ihnen nicht zutraut, sogar zu den gefährlicheren reißenden Tieren der öffentlichen Tiersammlungen.

Beim weitern Durchwandern mußte man nun ein verstaubtes Wachsfigurenkabinet u. dgl, passieren, Schneewittchen, Cleopatra, Sterbemoment der siamesischen Zwillinge, Bauernfänger, die Büßerin u. dgl.; das Ganze, welches auf mich den Eindruck einer Trödelbude machte, nannte sich mit dem stolzen Namen Panoptikum.

Allem setzte im eigentlichen Sinne die Krone auf das zuoberst belegene sogenannte Belvedere, zu welchem man endlose Stiegen hinauf klettern mußte, um vom höchsten Punkte eine keineswegs schöne Aussicht auf rußige Schornsteine, Kamine und Dachfirsten zu haben. Die hier befindliche oberbayrische Sennhütte war recht anschaulich und naturgetreu zusammengestellt, die Umgebung aber eine Parodie auf die großartige Alpenwelt, in welcher diese Häuschen zu stehen pflegen.

Der unparteiische Leser, welcher uns bishierher gefolgt ist, wird längst gefunden haben, daß dies »Aquarium« auch ohne die kostspielige Jagd nach der Cleopatra-Schlange, die dem Besitzer leider 34,000 Mark gekostet hat (Dabei hat sich schließlich herausgestellt, daß dieser Schlange die Giftzähne geraubt waren, so daß sie Thatsächlich keinen Schaden anrichten konnte.), nicht lebensfähig war. Um die verschiedenen Abteilungen, aus welchen das Unternehmen sich zusammensetzte, in einem verständigen und würdigen Zustande zu erhalten, hätten enorme Summen gehört. Es ist schwer, in dergleichen Sachen Rat zu erteilen, namentlich post festum, dennoch glauben wir, daß wenn das Aquarium sich auf sich selbst im engsten Rahmen beschränkt hätte, es lebensfähiger geblieben wäre. Jedenfalls wäre es in letzterem Falle für Staat und Stadt möglich gewesen, sich mit einem Zuschuß zum Unterhalt zu beteiligen.

Mögen die hier wiederum im Gebiete der Tierpflege gesammelten, leider mehr negativen Erfahrungen, nicht pro nihilo gesammelt sein, mögen sie vielmehr dem neuen Unternehmen eines Tiergartens in München, dem wir von Herzen Gedeihen wünschen, mit zu nutzen kommen.

Der Zoologische Garten No. 6. Zeitschrift für Beobachtung, Pflege und Zucht der Tiere. Frankfurt, Juni 1885.

#Rosenheimer Anzeiger (1.4.1890)

Bayerische Nachrichten.

München, 29. März. Herr Cafetier J. B. Gaßner, der den gestrigen Abend noch heiter im Kreise einiger Freunde und Bekannten in seinem Cafe zugebracht und sich dann zu Bette begeben hatte, wurde heute Morgen todt im Bette gefunden. Ein Schlag hatte dem Leben des Herrn Gaßner eine Ende bereitet. Herr Gaßner hatte ein Alter von 52 Jahren erreicht; er war bekanntlich früher Besitzer des Aquarium, dann des Hotel Gaßner und hatte in der letzten Zeit zwei Cafes. Er hatte ein sehr bewegtes Leben hinter sich, denn er war Jahre lang als Zauberkünstler in aller Herren Länder. Er ruhe in Frieden.

Rosenheimer Anzeiger No. 74. Tagblatt für Stadt und Land. Dienstag, den 1. April 1890.

#Allgemeine Zeitung (1.4.1890)

Bayerische Chronik.

Beerdigung. Einer der weit über die Grenzen Bayerns hinaus bekannten Münchener Bürger wurde heute Nachmittag 4 Uhr im südlichen Friedhofe zur letzten Ruhe bestattet, nämlich der am vergangenen Samstag schnell und unerwartet an einem Gehirnschlag verstorbene Cafetier Joh. Baptist Gaßner. Ein überaus zahlreiches Trauergeleite hatte sich eingefunden, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Den Trauerzug eröffnete der Gewerbeverein der Gastwirthe Münchens; dem reichgeschmückten Sarge folgten die Söhne und Verwandten des Verblichenen, sowie eine große Anzahl Freunde und Bekannte. Das Grab war prachtvoll mit Blumen und Pflanzen geschmückt. Aus der von Hrn. Cooperator Heufelder der St. Peterspfarrei gehaltenen Rede ist zu entnehmen, daß der Verstorbene am 8. Febr. 1843 in Regensburg geboren wurde und schon frühzeitig seine Eltern auf ihren Berufsreisen, die sich bis nach Italien und Rußland ausdehnten, begleiten mußte. Im Jahre 1879 machte er sich in München ansässig, gründete daselbst im Jahre 1881 das allen Münchnern wohlbekannte, von allen hieherkommenden Fremden besuchte Aquarium, welches dann im Jahre 1883 von ihm wieder aufgegeben wurde. Einige Zeit darauf errichtete er dahier das Hotel Gaßner, 1888 das Café Central und 1889 das Café Panorama, welches er bis zu seinem Tode leitete. Der Verstorbene war ein sehr liebenswürdiger Mann, der allgemein in großer Achtung stand und dessen hervorragendster Charakterzug war, daß er sich mit bewundernswerther Liebenswürdigkeit bereit finden ließ, stets seine Kräfte für wohlthätige Zwecke zur Verfügung zu stellen. Unter anderen wurden auch vom Gewerbeverein der Gastwirthe, vom Lehrergesangverein München und Männerturnverein München prachtvolle Kränze gewidmet.

Allgemeine Zeitung Nr. 91. München; Dienstag, den 1. April 1890.

#31 – 1 – 14 (Hamm)


Grab der Familie Hamm auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#31 – 1 – 15 (Klett · List · Lock)


Hier ruhen:
Herr Friedrich Klett
Jalousienfabrikant.
geb. 2. März 1840,
gest. 4. Juli 1881.
Dessen Associé
Herr
Franz List
geb. 17. Sept. 1855,
gest. 26. März 1891.
Frau Auguste Klett
Privatiere.
geb. 21. Januar 1836,
gest. 4. August 1907.

Familien-Grab.

Sockel
Frau Karoline Lock
geb. 28. Sept. 1837, gest. 8. Nov. 1915.

Kosenbach.


  • Klett, Auguste (vw); 21.1.1836 – 4.8.1907; Privatiere
  • Klett, Friedrich; 2.3.1840 – 4.7.1881; Jalousienfabrikant
  • List, Franz; 17.9.1855 – 26.3.1891 (München); Jalousienfabrikant
  • Lock, Karoline (vh); 28.9.1837 – 8.11.1915

Todesanzeige für Franz List

Grab der Familien Klett · List · Lock auf dem Alten Südfriedhof München (April 2020)

#31 – 1 – 20·21 (Mühlbaur)


1816 – 1889
FAMILIENGRAB
GENERALMAJ.
GUSTAV RITTER
v. MUEHLBAUR


  • Mühlbaur, Gustav Ritter von; 5.8.1816 – 29.3.1889 (München); Generalmajor a. D.
  • Mühlbaur, Theodor; – 15.10.1886 (München), 41 Jahre alt; Hauptmann a. D.
  • Mühlbaur, Theresia von (vh) / Wenger, von (gb); 7.9.1821 – 8.10.1875 (München); Generalmajors-Gattin

Todesanzeige für Theodor Mühlbaur

Todesanzeige für Gustav Ritter von Mühlbaur

Grab der Familie Mühlbaur auf dem Alten Südfriedhof München (August 2013)

#31 – 1 – 22 (Dennerlein · Fleckinger)


Hier ruht
Ferdinand von Fleckinger
kgl. Eisenbahn-Official a. D.
geb. 23. September 1815, gest. 25. Mai 1881.
Thomas Dennerlein
kgl. Professor und Bildhauer,
geb. 27. Januar 1847, gest. 24. Januar 1903.
Maria von Fleckinger
kgl. Eisenbahn-Officials-Witwe,
geb. 18. März 1835, gest. 22. November 1903.
Theodor von Fleckinger
Bankoberbeamter,
geb. 11. April 1853, gest. 5. Mai 1931.
Helene Dennerlein
geb. von Fleckinger, Bildhauers-Ww.
geb. 14. Juni 1857, gest. 5. Mai 1934.

Rechte Seite
Kosenbach

Rückseite
Hier ruht
FERD. v. FLECKINGER
kgl. Bahnoffizial a. D.
gest. 25. Mai 1881.

L. W. Grimm


  • Dennerlein, Helene (vw) / Fleckinger, von (gb); 14.6.1857 – 5.5.1934; Bildhauers-Witwe
  • Dennerlein, Thomas; 27.1.1847 (Mitterteich/Oberpfalz) – 24.1.1903 (München); Akademieprofessor und Bildhauer
  • Fleckinger, Ferdinand von; 23.9.1815 – 25.5.1881; Königlicher Eisenbahnoffizial a. D.
  • Fleckinger, Maria von (vw); 18.3.1835 – 22.11.1903; Eisenbahnoffizials-Witwe
  • Fleckinger, Theodor von; 11.4.1853 – 5.5.1931; Bankoberbeamter

Nachlassversteigerung Thomas Dennerlein

Grab der Familien Dennerlein · Fleckinger auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2012)

#Thomas Dennerlein

* 27.1.1847 (Mitterteich/Oberpfalz)
† 24.1.1903 (München)
Akademieprofessor und Bildhauer

#Allgemeines Künstler-Lexicon (1895)

Dennerlein, Thomas, Bildhauer, geb. 1847 in Mittereich, (Oberpfalz), besuchte die Kunstgewerbeschule in München, schuf plastische Arbeiten für Neureuthers Bauten, besonders am Polytechnikum und am Bau der Akademie, namentlich den grossen Kinderfries und die den Bau krönende Pallas Athene mit den Gestalten der Dichtung und der Wissenschaft. Von ihm auch die Colossalfiguren Feuer und Wasser als Krönung für den Königssalon des neuen Bahnhofs, das Denkmal Stielers für Tegernsee und die Bronzefigur eines Wache haltenden Pagen.

Allgemeines Künstler-Lexicon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Vorbereitet von Hermann Alexander Müller. Herausgegeben von Hans Wolfgang Singer. Erster Band. Frankfurt am Main, 1895.

#Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler (1913)

Dennerlein, Thomas, Bildhauer, geb. 1847 in Mitterteich (Oberpfalz), lebte in München, wo er am 24. 1. 1903 starb; besuchte dort die Kunstgewerbeschule, unternahm drei Studienreisen nach Italien und ward frühzeitig von Neureuther zur plastischen Ausschmückung von dessen Monumentalgebäuden herangezogen. Von seinen Werken, die eine Schulung an der Antike in ihrer Formenstrenge, in ihrer monumentalen Gestaltung offenbaren, sind zu erwähnen: die Terrakottastatue der Athene auf der Akademie d. bild. Künste, die der Künstler trotz der Anleihen bei der griechischen Skulptur aus dem Geiste und in der Auffassung des 19. Jahrh. geschaffen, die Figuren des Handels und Bergbaues auf dem Münchener Hauptbahnhof, das Kriegerdenkmal in Neuulm, ein straff u. fein durchgebildeter Page, eine durch frappante Ähnlichkeit u. virtuose Beherrschung der Technik ausgezeichnete Stielerbüste in Tegernsee (1887), das zierliche Grabmal eines kleinen Mädchens und die Büste seines Gönners Neureuther im Polytechnikum (1888), ferner verschiedene preisgekrönte Entwürfe für Denkmäler in Nürnberg u. Würzburg.

Bettelheim. Biogr. Jahrbuch VIII (1905) 76. – Pecht, Gesch. der Münchn. Kunst p. 310. – Arthur Schulz, Deutsche Skulptur der Neuzeit. III Tafel 3, 38. – Kunstchronik, XI, XIV, XIX, XX, XXI, XXII. N. F. V, VII, XIV. – Kunst für Alle I, II, III. – Kunst VII.

W. Burger.

W. Burger: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Herausgegeben von Ulrich Thieme. Leipzig, 1913.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Dennerlein Thomas, 1847 (Mitterteich/Oberpfalz) – 1903, Bildhauer und Akademieprofessor; Sohn eines Lehrers, besuchte D. die Münchner Kunstakademie, war Schüler und Mitarbeiter von G. von Neureuther, bereiste nach seiner Teilnahme am Kriege 1870/71 wiederholt Italien und wirkte dann als begehrter Bildhauer.

Hauptwerke: Karl-Stieler-Denkmal in Tegernsee, Athena-Statue an der Akademie der Bildenden Künste, allegorische Figuren des Handels und des Bergbaues auf dem ehemaligen Hauptbahnhofgebäude und plastische Ausstattung vieler öffentlicher und privater Bauten in München (Deutsche Bank, Parcushaus, Wappenaufsatz auf Kriegsschule).

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#31 – 1 – 23 (Berchtold)


Sockel
Herr Anselm Berchtold
Privatier
früher Kaufmann in Kempten
† am 23. Mai 1881 im 81. Lebensjahre.
Dessen Ehegattin
Josefa
geb. Mittenhofer
† am 30. Septbr. 1882 im 80. Lebensjahre.

R. I. P.


  • Berchtold, Anselm; – 23.5.1881, 80 Jahre alt; Ehemaliger Kaufmann in Kempten
  • Berchtold, Josefa (vw) / Mittenhofer (gb); – 30.9.1882, 79 Jahre alt; Kaufmanns-Witwe

Grab der Familie Berchtold auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2016)

#31 – 1 – 24 (Baumgartner · Paringer)


Obelisk
Paringer'sche
Familien-Grabstätte

Hier ruhen in Gott:
Herr Johann Paringer
bürgl. Melber von hier
geb. den 19. Mai 1837
gest. den ¿. Okt. 1874.
Seine Gattin, unsere liebe Mutter
Frau Therese Paringer
geb. den ¿. November 18¿
gest. den 27. November 1901
Deren Schiegersohn
Herr Albert Baumgartner
ehem. Posthalter zu Laufen a. d. Salzach
geb. den 18. März 1857 in Kelheim,
gest. den 3. Juli 1898 in München.

Sockel
Ihm folgte sein Enkel
Albert Baumgartner,
gest. den 11. Nov. 1887.

J. Kraiser.


  • Baumgartner, Albert; 18.3.1857 (Kelheim) – 3.7.1898 (München); Ehemaliger Posthalter in Laufen an der Salzach
  • Baumgartner, Albert; – 11.11.1887 (München); Posthalters-Sohn
  • Paringer, Johann; 19.5.1837 – 20.10.1874 (München); Melber
  • Paringer, Therese (vw); – 27.11.1901; Melbers-Witwe

Todesanzeige für Albert Baumgartner

Grab der Familien Baumgartner · Paringer auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2016)

#31 – 1 – 25* (Obermayer)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Obermayer, Peter; 1823 (Landau an der Isar) – (8).6.1887 (München); Stadtmusiker

Das Grab ist nicht erhalten

#31 – 1 – 27 (Meyer)


Auf Wiedersehn!

Dem Andenken
meiner
theuren unvergesslichen
Tochter
Johanna Meyer,
k.b. Hofschauspielerin,
geb. d. 21. Septbr. 1845
gest. d. 22. Mai 1874.

Friede Deiner Asche!

Babenstuber


  • Meyer, Johanna; 21.9.1845 (Hannover) – 22.5.1874 (München); Beamtens-Tochter / Schauspielerin

Grab der Familie Meyer auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2012)

#Johanna Meyer

* 21.9.1845 (Hannover)
† 22.5.1874 (München)
Beamtens-Tochter / Schauspielerin

#Deutscher Bühnen-Almanach (1876)

Johanna Meyer,
Mitglied des Königl. Hoftheaters in München.

Am 22. Mai 1874 starb zu München nach kaum achttägigem Krankenlager in der Blüthe ihres Lebens Johanna Meyer, seit 11 Jahren Mitglied des Königl. Bayr. Hofschauspiels und seit den letzten 6 Jahren der erklärte Liebling des Münchener Publikums. – Es ist kein gewöhnlicher Nekrolog, den wir verzeichnen, wenn wir das eigenartige Emporkeimen dieses seltenen Talentes von der ersten Stufe seiner Entwickelung an verfolgen. Am 21. Sept. 1845 zugleich mit dem letzten Sprößling des Welf'schen Königshauses zu Hannover geboren, wurde Johanna Meyer schon in den ersten Jahren dem elterlichen Hause entfremdet. Ihr Vater, ein kleiner Beamter des Salm'schen Fürstenhauses, übergab Bauersleuten im Braunschweigischen das Kind zur leiblichen Fortentwickelung. Von einer geistigen Erziehung konnte bei den bekannten, in damaliger Zeit noch höchst mangelhaften Schulverhältnissen braunschweigischer Dorfgemeinden gar nicht die Rede sein. So gedieh das junge Mädchen körperlich, verwahrloste geistig, und als sie in ihrem 15. Lebensjahre sich in Braunschweig dem tüchtigen Schauspieler und Regisseur Schultes als Aspirantin für die Bühne verstellte, bedurfte es der ganzen vorurtheilsfreien Anschauung dieses bewährten Fachmannes, um in der völlig bildungslosen, auch der geringsten Vorkenntnisse baaren Novize jene instinktive Begabung zu erkennen, welche zwei Jahre später sich so mächtig und überzeugend entfalten sollte. Die praktische Lehrmethode des Herrn Schultes, welcher schnell auf das Ziel losgehend, sich sagte: »Hier muß unter allen Umständen zuerst für den Lebensunterhalt gesorgt und dann bei gesicherter Existenzfrage die mangelnde Bildung nachgeholt werden, hier gilt es, das instinktive Talent zu fördern«, trug seine Früchte. Schon nach einjährigem Studium konnte Schultes es wagen, seine Schülerin dem Direktor Woltersdorff in Königsberg zu empfehlen, nachdem er das junge Mädchen zuvor an der Braunschweigischen Hofbühne den ersten theatralischen Versuch hatte machen lassen. Der Wurf gelang vollständig. Das bedeutsame Theaterwort: »Ein Quentchen Talent ist mehr werth, als ein Centner Bildung«, sollte gerade hier sich in hervorragender Weise bethätigen. Es ist Wahrheit, wenn wir sagen, daß Johanna Meyer in Königsberg kaum nothdürftig die Rolle im Druck lesen konnte, mit der sie Abends das Publikum zu allgemeinem Beifall hinriß. Aber der eisernen, zumeist dem weiblichen Geschlechts innewohnenden Energie und Zähigkeit gelang es in kurzer Zeit, die feste Basis zu ihrer geistigen Entwickelung zu legen.

Die hochgeachtete Familie des kunstsinnigen Baurathes H. in Königsberg nahm sich des jungen Mädchens dauernd hilfreich an. Mitten in der riesigen theatralischen Beschäftigung des Königsberger Repertoires, lernte das 17jährige Mädchen lesen und schreiben und mit Aufopferung mancher Nacht sich so weit in den Elementargegenständen vervollkommnen, daß sie nach zweijähriger Thätigkeit in Königsberg es wagen durfte, ein Engagement an einer Bühne anzunehmen, welche von ihren Mitgliedern auch die durchgeistete Ausarbeitung der darzustellenden Charaktere zu sehen gewohnt und berechtigt war. Johanna Meyer trat im Oktober 1864 in der Rolle der »Anna Lise« zum ersten Mal vor das Münchener Publikum und errang sich trotz der dortigen überreichen und akkreditirten Vertretung ihres Faches einen Erfolg, welcher sie bald ihren Kolleginnen ebenbürtig an die Seite stellen sollte. Zwar erkannte man das bedeutende Talent der jungen Dame nicht sogleich in seinem ganzen Umfange, oder wenn man es auch erkannte, wollte man es nicht so wirken lassen, als dieses Talent schon damals zu wirken berechtig gewesen wäre, doch hatte diese langsam wachsende und sich allmälig zu größeren Rollen ausdehnende Beschäftigung den gerade für Johanna Meyer nicht zu unterschätzenden Vorzug, daß es ihr gelang, in den nun reichlich sicher fließenden Mußestunden ihre autodidaktische Entwickelung zu vollenden und sich an jenen Kunstleistungen zu begeistern und weiter zu bilden, welche damals schon die Münchener Hofbühne zierten. Endlich aber brachte die gebietende Nothwendigkeit den ersehnten Augenblick mit sich, in welchem das zweite große theatralische Losungswort: Man braucht Dich! mit einem Schlage die Bedenken der Regie, die Rücksichten der Intendanz und die Privilegien gewisser Contrakte über den Haufen warf, und nun die jugendlich frische Kraft in unbeschränktem Raume ihre Schwingen entfalten ließ. »Louise« in »Kabale und Liebe«, »Julia«, »Thekla« – und mit dem steigenden Wohlwollen des Publikums, mit der wachsenden Würdigung der Kritik, mit dem daraus resultirenden Vertrauen der Intendanz, war der Weg zur alleinigen und dauernden Vertretung des Faches gebrochen, in welchem Johanna Meyer 6 Jahre hindurch, von Tag zu Tag sich der Vollendung nähernd, die Augen des gesammten deutschen Theaterpublikums auf sich ziehen sollte.

Und was war der Zauber dieses seltenen Talentes, das mit dem Momente, in welchem es die Bühne betrat, Auge und Ohr des Zuhörers sympathisch berührte und das Auditorium ausnahmslos in dem großen Zuge seiner Darstellung mit sich fortriß? Johanna Meyer war von der Natur nicht gerade verschwenderisch ausgestattet. Die Gestalt schlank, aber fast mager, beinahe eckig zu nennen, die Züge frisch, doch mehr interessant als regelmäßig, das Organ mäßig stark und von Natur nicht gerade umfangreich – und doch besaß diese Gestalt Geschmeidigkeit, doch zeigten diese Bewegungen Elasticität und Grazie, doch besaß dieses Gesicht ein Augenpaar, das die Affekte der Seele, sei es Liebe, Haß, Schmerz oder Wehmuth gleich mächtig und überzeugend ausdrückte, doch sprach dieser Ton der Stimme so lebenswarm, so voll und wahr zum Herzen, daß die Gesammtheit des Eindruckes, den die Darstellerin mit jeder ihrer Rollen hinterließ, ein allseitig überzeugender und hinreißender genannt werden mußte. Die Eigenart ihres Talentes verlieh ihrer Darstellungsweise ein sinniges, ja, wir dürfen sagen, wahrhaft deutsches Gepräge. Johanna Meyer vereinte in ihren Rollen eine reine und tiefe Empfindung mit rosiger, keuscher Jungfräulichkeit. Daher das magnetische Band, welches sich schon mit den ersten Sätzen einer »Thekla«, oder »Prinzessin Eleonore«, von Bühne zu Auditorium schlang, daher das sympathische Gefühl, welches bei dem Ton dieser Stimme und dem feuchten, seelenvollen Blick dieses Auges auch die lauschende Menge beseelte, und uns die dankbare Erinnerung hinterließ: hier hat die Bühne durch eine ihrer Auserwählten ihren Endzweck erfüllt, hier hat sie unser Herz erhoben, unsere Seele gerührt, unsere Gesinnungen entflammt und veredelt.

In dem Augenblick, wo die technischen Schwierigkeiten nach jahrelangem Studium fast ausnahmslos beseitigt, wo die gereiftere Anschauung den Geist der Rolle in seinem tief-innersten Kern zu erfaßen vermochte, und wo jene äußerliche und doch dem Schauspieler so unentbehrliche Macht, welche wir Bühnenroutine nennen, dem Dienste unserer Künstlerin sich spielend und willig fügte, in dem Augenblick, wo die harmonische Entwickelung dieses bedeutenden Talentes seine Früchte tragen sollte, zwang uns das unerbittliche Schicksal, den mühsam errungenen Lorbeer, den wir der Lebenden dankbar auf's Haupt gedrückt hätten, der entseelten Hülle wehmuthsvoll in die Gruft nachzuwerfen. Johanna Meyer starb! Wenige Jahre noch und die gesammte deutsche Theaterwelt hätte die Blüthen ihres Talentes genossen und ihr jene ruhmvolle Erinnerung bewahrt, welche nun leider München allein mit Stolz, aber auch mit Schmerz sein eigenstes Eigenthum nennen muß.

Die Trauer, welche alle Schichten der Münchener Bevölkerung gleichmäßig durchdrang, hat nicht mit der Bestattung Johanna Meyer's ihr Ende erreicht, sie erneuert sich an der geweihten Stätte ihrer Wirksamkeit mit jedem Abend, der eine Lieblingsrolle der Entschlafenen dem Publikum vor das Auge führt. – – So hat sich Johanna Meyer durch ihre Kunst ein unvergängliches Denkmal gesetzt: »besser als von Stein und Erz.«

E. P-t.

Deutscher Bühnen-Almanach. Berlin, 1876.

#Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903)

Meyer Johanna, geboren am 21. September 1845 in Hannover, Tochter eines kleinen Beamten des Salmschen Fürstenhauses. Sie wuchs bei braunschweigschen Bauersleuten auf, und ohne eine besondere geistige Erziehung genossen zu haben, entschloß sie sich schon in ihrem 15. Lebensjahre, Schauspielerin zu werden. Sie stellte sich dem braunschweigschen Hofschauspieler Schultes vor, und schon nach einjährigem Studium wagte sie an der Braunschweiger Hofbühne den ersten theatralischen Versuch. 1862 nahm sie ihr erstes Engagement in Königsberg, wo sie zwei Jahre verblieb und neben ihrer angestrengten schauspielerischen Tätigkeit vervollständigte sie daselbst auch ihre etwas zurückgebliebenen Schulkenntnisse über alles Erwarten. Im Oktober 1864 debütierte die junge Künstlerin als »Anna-Liese« am Münchner Hoftheater. Sie gefiel und wurde engagiert. M. fand nun reiche Beschäftigung vor, bewährte sich zuerst in kleineren, dann in größeren Rollen, und entzückte bald mit ihrer «Louise«, «Julie« «Thekla«, «Prinzessin Leonore« in «Tasso« etc. das Publikum stets mehr und mehr. Nach kaum vierjähriger Tätigkeit war sie bereits der erklärte Liebling der Münchner. Die Eigenart ihres Talentes verlieh ihrer Darstellungsweise ein sinniges, wahrhaft deutsches Gepräge; sie vereinte in ihren Rollen eine reine und tiefe Empfindung mit rosiger, keuscher Jungfräulichkeit, unterstützt durch eine geschmeidige Gestalt, elastische und graziöse Bewegungen, und besaß ferner ein Augenpaar, das alle Affekte der Seele mächtig und überzeugend auszudrücken vermochte. Der Ton ihrer Stimme war so lebenswarm, so voll und wahr zum Herzen sprechend, daß die Gesamtheit des Eindruckes, den die Darstellerin mit jeder Rolle hinterließ, ein allseitig überzeugender, ja hinreißender genannt werden mußte. So und ähnlich lauteten die Nekrologe, die man schrieb, als M. in der Blüte ihres Lebens von der Stätte ihrer Wirksamkeit hinweggerissen wurde und nach elfjähriger hervorragender allgemein anerkannter Tätigkeit am Münchner Hoftheater, am 22. Mai 1874, nach kaum achttägigem Krankenlager, verschied.

Ludwig Eisenberg’s Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Leipzig, 1903.

#31 – 1 – 28·29 (Perfall)


KARL
FREIHERR
VON PERFALL
1824 † 1907
GENERAL
INTENDANT
DES KGL. HOF-
THEATERS


  • Perfall, Julie Freifrau von (vh) / Reichert, von (gb); 4.1.1824 – 22.1.1874 (München); Generalintendantens-Gattin
  • Perfall, Karl Theodor Emanuel Freiherr von; 29.1.1824 (München) – 14.1.1907 (München); Generalintendant und Komponist
  • Perfall, Sofie von (vh) / Bethmann, Freiin von (gb); 5.12.1850 – 28.10.1909

Karl Freiherr von Perfall: Abbildung aus dem Rosenheimer Anzeiger No. 14. Donnerstag, den 17. Januar 1907.

Grab der Familie Perfall auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Karl Theodor Emanuel Freiherr von Perfall

* 29.1.1824 (München)
† 14.1.1907 (München)
Generalintendant und Komponist

#Die Scheinwelt und ihre Schicksale (1893)

Hebt sich da nicht der Schleier der Alltäglichkeit und offenbart uns im verklärten Scheine das Bildniß eines Mannes, der fünfundzwanzig Jahre an der Spitze der Münchener Bühne steht, ohne einmal zu wanken und zu verzagen, der mit seltenem klaren Blick seine Ziele verfolgte und sie echließlich mit Erfolg gekrönt sah! Gewiß wird der Gefühlsausdruck der Freude und des Stolzes ein allgemeiner sein, gilt es den Jubeltag unseres General-Intendanten, Karl Freiherrn von Perfall, zu feiern. Gewiß wird Niemand, auch wenn er sonst der obersten Leitung unserer kgl. Theater weniger sympathisch gegenüberstehen sollte, an diesem Tage das Auge angesichts der hervorragenden Thaten und Errungenschaften unseres Intendanten verschließen! Alle, die dem Theater und der Musik nahe stehen, werden die hohen Verdienste des Jubilars um die Hebung unserer Bühne zu schätzen wissen und werden sich an der seltenen Ehre, die ein derartiges Dienstjubiläum mit sich bringt, von ganzer Seele erfreuen!

Ende des Jahres 1867 wurde Intendanzrath Wilhelm Schmitt pensionirt. König Ludwig, der sofort nach seiner Thronbesteigung die Unmöglichkeit einsah, das Institut fernerhin der Willkür und unfähigen Händen zu überlassen, hatte in Baron von Perfall, den er bereits in Folge seiner hervorragenden musikalischen Kenntnisse 1864 zum Hofmusik-Intendanten ernannte, die richtige Persönlichkeit erkannt, die befähigt war, das Kgl. Hoftheater neuen gewaltigen Aufgaben entgegenzuführen. Der Monarch sandte den Hofrath Düflipp zu Perfall und ließ ihm die Leitung der kgl. Theater anbieten. Nur widerstrebend folgte der Baron dem königlichen Rufe und wurde am 25. November 1867 zum »provisorischen«, nächstes Jahr darauf, nach der ersten Rheingoldaufführung zum »wirklichen« Intendanten ernannt. Baron Perfall, am 29. Januar 1824 zu München geboren, fand seine Erziehung im holländischen Institute, widmete sich zunächst dem Studium der Rechtswissenschaft, bestand 1848 mit glänzendem Erfolg die Staatsprüfung, trat auch ein Jahr später in den Staatsdienst, konnte aber seinem von frühester Jugend auf genährten Hange zur Musik nicht länger mehr widerstehen, zog nach Leipzig und studirte bei dem damaligen berühmten Theoretiker Moriz Hauptmann Contrapunkt. Seine Erfolge auf diesem Gebiete deckten sich mit seinen hervorragenden Anlagen. Bereits im Jahre 1850 sehen wir Baron von Perfall als Dirigent der »Münchener Liedertafel«, während er vier Jahre später den Oratorienverein gründete, den er bis zum Jahre 1864 leitete. Um diese Zeit war es auch, wo König Ludwig auf das seltene Talent Perfalls aufmerksam wurde.

Baron von Perfall ist eine ächte Künstlernatur, für das Schöne empfänglich und begeistert. Er vertritt als Musiker in seinen Liedern und Compositionen eine edle, ächt deutsche Richtung, ohne deßhalb als Bühnenleiter in den eigenen Neigungen befangen zu sein. Die Weite des Blickes und das klare Erfassen seiner Zeit bewahrten ihn vor starrer Einseitigkeit. Doch ist Baron von Perfall auch ein Mann der That; er steht nicht nur allen Zweigen der Kunst vor, sondern greift auch persönlich in die einzelnen Sparten derselben ein. Vertraut mit dem ganzen Bühnenapparat, ausgerüstet mit eminenten Kenntnissen, vernimmt er wohl den Rath seiner Regisseure, doch ist er es immer selbst, der wägt und dann bestimmt. So kommt es, daß Alle, welche unter ihm stehen, nicht nur seine Menschenfreundlichkeit preisen, sondern auch seine künstlerische Einsicht schätzen. Die Döppeleigenschaft, die den General-Intendanten auch an die kgl. Musikschule fesselt, und ihm obendrein die ganze Bürde eines Musikschuldirektors noch aufbürdet, hält den Baron von früher Morgenstunde bis in die späte Nacht hinein in Thätigkeit und so sehen wir diese seltene Arbeitskraft, jedem Untergebenen ein Beispiel, Jedem ein Sporn zur Nacheiferung, volle fünfundzwanzig Jahre ohne Unterbrechung unverdrossen ihres verantwortungsvollen Amtes walten. Doch auch dort, wo es gilt, aufstrebenden Talenten die Hand zu bieten, oder was noch häufiger vorkommt, den Untalentirten, den Irrgeleiteten die Gefährlichkeit ihres Strebens vor Augen zu führen, finden wir den Chef mit einem richtigen, scharfen Blick, dessen strenges Urtheil wahre Theilnahme und Liebenswürdigkeit zu mildern weiß. Was Baron von Perfall in den fünfundzwanzig Jahren seiner Wirksamkeit geleistet, wie er die ihm anvertrauten Bühnen zu hoher künstlerischer Bedeutung zu heben gewußt hat, wie er ferners eine segensreiche Thätigkeit entfaltete im Interesse der sozialen Stellung und der materiellen Unterstützung der unter seiner Aegide wirkenden Künstler und Beamten, und wie er endlich der gesammten deutschen Theaterwelt gedient hat durch das, was er als zweiter Präsident des deutschen Bühnenvereines geleistet, das wird seinem Namen dauernd einen Ehrenplatz sichern, nicht nur in der Geschichte der kgl. bayerischen Hoftheater, sondern in der Geschichte des deutschen Theaters überhaupt. Doch auch nach rein menschlicher Seite hin bekundete Baron von Perfall aufopfernde Hilfsbereitschaft für alle Bestrebungen, sobald sie der Linderung menschlichen Elends galten und deren sind seit seiner fünfundzwanzigjährigen Amtsthätigkeit Viele zu verzeichnen. In welcher Weise sich aber Baron von Perfall um die Hebung unserer Bühne so verdienstlich machte, finden wir in den kommenden Blättern; hieher dürfte aber noch gehören, daß seine überzeugende Liebenswürdigkeit im persönlichen verkehr, seine wahre Herzensgüte, seine edle Denkungsart und seine Charakterstärke so manchen Gegner zum treuesten Freund umgewandelt hat. Und könnte es einen schöneren Erfolg noch geben, als diesen, hat unser Menschenthum noch größere Ehren zu spenden als diese, gipfelt nicht hierin Alles, was wir Priesterthum einer höheren Welt, was wir eine edle Seele nennen?

Die Scheinwelt und ihre Schicksale. Eine 127jährige Historie der Münchener kgl. Theater im populärer Form und als Jubiläums-Ausgabe. Zu Ehren des fünf und zwanzigjährigen Dienst-Jubiläums Seiner Excellenz des Herrn General-Intendanten Freiherrn von Perfall von Max Leythäuser. München; 1893.

#Münchner Neueste Nachrichten (16.1.1907)

Karl von Perfall †.

München, 15. Januar.

Ein reiches, vornehm fundiertes Künstlerleben war es, das nun abgeschlossen ist: über vierzig Jahre, 1864–1907, hat der Verstorbene als Intendant der kgl. Hofmusik das Szepter der Herrschaft inmitten der Münchner Musikwelt mit fester Hand gehalten und während einer großen Periode kraftvoll geführt; und wenige Tage, nachdem es dem allmählich doch mehr und mehr greis und müde Gewordenen entsunken war, ist er nun auch selber dahingegangen. Perfall war eine prononcierte Individualität, eine innerlich kräftige Künstlernatur, die mit dem ihr eigenen Wesen aber trefflich den Hofmann zu vereinigen verstand. Klug, zielbewußt, geschmeidig und zäh im Wollen und Erringen, dabei durchwegs von rückhaltloser Treue und Hingebung an seinen Souverän erfüllt, hat er selbst in den schwierigsten Tagen und Situationen seiner Amtsführung stets überlegene Besonnenheit und scharfe Urteilsfähigkeit an den Tag gelegt. So ist es ihm gelungen, sich auch als Bühnenleiter trotz mancher besonderer und außergewöhnlicher Schwierigkeiten, die ihn in dieser Position wiederholt zu bedrohen schienen, dauernd zu behaupten und seine Tätigkeit als Hoftheater-Intendant, die auf großer Sachkenntnis und ausgesprochenem praktischem Sinne beruhte, zur Stabilisierung und damit wie zur Blüte so auch zu voller Entfaltung zu bringen. So ist er ein machtvoller Faktor in unserem Musikleben geworden.

Es war eine interessante Zeit, zu der unser damals im besten Mannesalter des Anfangs der Vierziger stehender Hofmusik-Intendant an die Spitze unseres Bühnenlebens gestellt wurde: die Zeit, da durch den Willen Ludwigs II. München die Führung in der Wagnerfrage zugewiesen war, über die damals die Leidenschaften tief erregt, ja wild entfesselt waren, und von deren »zahllosen Nöten, Kämpfen und Streiten« man sich heute, da Wagner längst als allgemein gefeierter, unbestrittener Meister dästeht, kaum mehr recht eine Vorstellung machen kann. Da bedurfte es eines klaren Kopfes und festen Sinnes an der Spitze des Kunstinstituts. Beides hat Perfall in jenen stürmischen Tagen reichlich bewiesen. Obwohl das eigene musikalische Empfinden ihn mehr dem konservativen als dem fortschrittlichen Elemente zugesellte, wußte er doch im dienstlichen Interesse stets dem Neuen eine gewiße, wenn auch unwillkürlich etwas zögernde Empfänglichkeit entgegenzubringen. Ueber die umfassende Betätigung Perfalls in dieser seiner wichtigsten Eigenschaft als Intendant der k. Theater (1867–93) gibt den besten und gründlichsten Aufschluß sein eigenes Buch: »Ein Beitrag zur Geschichte der kgl. Theater«, das 1894 bei Piloty & Löhle in München erschienen ist und hiemit aufs nachdrücklichste in Erinnerung gebracht sei, da es tatsächlich über manche Einzelheiten (z. B. die Separatvorstellungen für Ludwig II.) als Quellenmaterial gelten kann.

Was an der Zeit der Perfallschen Bühnenleitung besonders günstig hervortrat, war die Schaffung und Erhaltung eines vorzüglichen Ensembles der Oper wie des Schauspiels. Freilich lagen damals die allgemeinen Verhältnisse dem Streben nach solch geordneten und sicheren Zuständen günstiger als heute. Die gegenseitige Konkurrenz der ersten Bühnen war noch nicht so stark entwickelt, die Verkehrsmittel für auswärtiges Gastieren noch nicht so verlockend; größer dagegen Anhänglichkeit und Sinn für nicht nur kontraktliche sondern auch ideale Verpflichtungen gegen die heimische Bühne, die Stätte, an der man groß geworden, die höhere Ausbildung durch gemeinsames Zusammenwirken mit befreundeten berühmten Kollegen erlangt hatte. Gerade diesem letzteren Punkte wußte Perfall durch sein gewissermaßen patriarchalisches System besondere Kraft zu verleihen. Und so kam es, daß seine Künstler ihm treu blieben. Sie wußten, daß sie hier nicht etwa bloß in einem dienstlichen Verhältnis zum Kunstinstitut standen, sondern daß sie gleichsam dessen künstlerischer Familie angehörten, daß sie an ihm ein dauerndes, gesichertes Heim hatten, aus dem sie durch keine feindliche Macht vertrieben werden konnten. Nach dieser Richtung hin besaß Perfall unzweifelhaft ein aufbauendes Talent, war er ein Organisator — nicht für Unternehmungen großen und größten Stils, aber in dem traulichen, bestimmten Rahmen, den er sich seiner Kunsterkenntnis gemäß zurechtgelegt und geformt hatte. Und unsere Bühne fuhr für jene Zeit sehr gut dabei: München besaß ein vorzügliches, stabiles Ensemble, um das es viel beneidet war und dessen künstlerische Gesamtheit sich getrost an die gewaltigsten Aufgaben der Bühnenkunst heranwagen durfte und sie meist mit glänzendem künstlerischem Erfolge bewältigte.

Auf dem Gebiete der Oper hatten wir zwar verhältnismäßig nicht gerade viele, dafür aber sehr »gute« Novitäten. Ein Blick in das vorhin erwähnte Perfallsche Buch gibt darüber reichlich bestätigenden Aufschluß. Wobei allerdings nicht übersehen werden darf, daß die damalige Zeit auch eine unvergleichlich hochbedeutende Produktionsperiode umschloß. Darin mag zum Teil »Glück« gesehen werden; aber die andere Seite der Medaille heißt eben trotzdem doch auch Geschick bei der Auswahl des Uebrigen. Das Entscheidende blieb freilich der unvergleichliche Umstand, den Perfall seiner künstlerischen Ueberzeugung nach mitunter als einen feindseligen zu betrachten geneigt war, daß nämlich damals gerade die letzten Wagnerschen Werke (die Meistersinger und der ganze Ring) als neue Erscheinungen in die Welt traten, dem Wunsche des Königs Ludwig II. gemäß in München zur Uraufführung oder (wie bei Siegfried und Götterdämmerung) wenigstens zur Erstaufführung nach Bayreuth gelangten und, wie sie unsere einheimische Bühne beherrschten, so auch von hier aus ihren späteren beispiellosen Siegeslauf durch die weite Welt antraten.

Vor allem war Perfall darauf bedacht, neben diesen Werken, die ihm, wie er oft äußerte, »auf alles Uebrige einen Schatten warfen«, das klassische Repertoire zu pflegen, was damals freilich nicht immer gerade eine stilistisch besonders prägnante Gestaltung in sich schloß. Daß er nebenher auch seine eigenen Versuche auf dem Gebiete der Oper dem Publikum vorführte, ist mit Rücksicht auf das große Interesse, das seiner Persönlichkeit schon um seiner Stellung willen von weitesten Kreisen stets entgegengebracht wurde, leicht verständlich, geschah übrigens auch nie etwa mit allzu großer Beharrlichkeit. In der Verwaltung und Oberleitung des Schauspiels erzielte er ebenfalls häufig glänzende Resultate. Die Veranstaltung von Gesamtgastspielen, die Schaffung der Shakespeare-Bühne und anderes trugen den Namen des Münchner Schauspiels auch in die Welt hinaus.

So wird Perfalls Wirken für die Geschichte des Münchner Theaterlebens unvergessen bleiben und darin stets einen ehrenvollen Platz einnehmen. Was er als Chef der Theater wie der Instrumentalkapelle an humanitären Einrichtungen für seine Schutzbefohlenen schuf, welch reiche Ehrungen, Titel und Würden ihm in seiner hervorragenden Stellung bei Hofe zuteil wurden, wie er auch Jahrzehnte lang an der Spitze der neubegründeten Musikschule stand, die noch unter ihm zur Akademie der Tonkunst mit den für die Lehrerschaft damit verbundenen Vorteilen erhoben wurde — all das sind Dinge, die dazu beitrugen, seine Lebensstellung zu einer außergewöhnlichen zu machen.

Das wird vollauf bestätigt durch einen Blick auf den glücklichen Lebensgang des einfachen Edelmannes, der sich in jungen Jahren vom juristischen Studium und Staatsdienst weg zur Musik gewandt hatte und sich aus einfachen Verhältnissen heraus über die Etappen eines Dirigenten der Münchner Liedertafel und des von ihm bald darauf begründeten Oratorienvereins bis zur gesellschaftlich höchsten Stellung im Musikleben Bayerns emporschwang.

Seine Gestalt steht vor uns als die eines ritterlichen Schirmers übernommener Kunstverhältnisse, der für ihre Weiterentwicklung, wie er sie nach seinem Sinne erkannte, stets das Beste wollte und mit Erfolg erstrebte. So war er gewissermaßen sogar ein Mann des Fortschrittes, zwar nicht des stürmischen, großzügigen, sondern des bedingten und bedächtigen. Groß blieb seine Abneigung gegen die neueste Wendung in der Musik. Er bezeichnete Rich. Strauß schlechtweg als »musikalischen Anarchisten, zu dessen Beförderung in eine königliche Uniform (als Hofkapellmeister) er als Intendant niemals die Hand bieten werde«. Mit dem Geist, der durch den künstlerischen »Revolutionär Wagner« in die Hallen der musikalisch-dramatischen Kunst eingezogen war, hat er sich, wenn auch nie völlig ausgesöhnt, so doch redlich abzufinden bestrebt — schon aus Hochachtung für den königlichen Willen. Und dann sprachen auch sonst die Tatsachen da doch gar zu gewaltig.

Erst vor kurzem, gelegentlich des 80. Geburtstages (29. Januar 1904) des nun Verewigten, ist von mir an dieser Stelle eine ausführliche Schilderunq, ein Bild seiner vielseitigen Tätigkeit (vergl. »M. N. N.« 1904 Nr. 45) gegeben worden, das, wenn auch in knapper Form, so doch hauptsächlich den Lebensgang und das künstlerische Programm Perfalls veranschaulichte. Zu ihm mögen die heutigen Ausführungen als Ergänzungen gelten und dazu beitragen, das Andenken an den Entschlafenen auch für die jetzige neue Generation zu beleben. Denn von dem großen Wirkungskreise als Chef des Theaters ist Perfall ja schon Anfang Januar 1893 zurückgetreten und deshalb manchem Neueren nicht mehr bekannt geworden.

Die bis zum heutigen 1. Januar fortführte Stellung als Chef der Hofmusik brachte ihn mit den weiteren Kreisen und dem öffentlichen Interesse verhältnismäßig wenig in Berührung. Während der Zeit seines unmittelbaren Nachfolgers in der Bühnenleitung betrat er selten mehr das Theater, nur etwa bei pietätvollen Wiedervornahmen seiner letzten Oper: Junker Heinz, die er zu diesem Behufe sogar einer teilweisen Umarbeitung (als »Jung Heinrich«) unterzogen hat, oder bei anderen besonderen Anlässen, z. B. Mozart-Aufführungen im Residenztheater und Gastspielen berühmter Leute. Es blieb ihm immer schmerzlich, daß er, wie er meinte, seinen Posten hatte vor der Zeit verlassen müssen. Dadurch trat während der letzten 14 Jahre eine seiner Art eigentlich fremde Bitterkeit in sein Wesen. Doch auch diese wußte er allmählich zu überwinden.

Und nun, da der Hochbetagte, fast 83jährige auch die letzte seiner zahlreichen früheren Tätigkeiten beschlossen und bei dem ihm so lieb gewordenen, altgewohnten, seit 43 Jahren, innegehabten Bureau der Hofmusik-Intendanz in der kgl. Residenz zum letzten Male die Türe hinter sich geschlossen hatte, da legte er so bald darauf, am Schlusse eines langen, tätigen und reichgesegneten Lebens anqelangt, nun das endlich doch müde gewordene Haupt zur ewigen Ruhe nieder. Eine zahlreiche Familie, darunter drei Söhne, und die weite, große Gemeinde der Münchner Kunstwelt und der Gesellschaft stehen trauernd an der sterblichen Hülle eines ihrer Ersten.

Oskar Merz.

* * *

Das Kunstleben Münchens hat eine seiner markantesten Persönlichkeiten verloren: Generalintendant Karl Freiherr v. Perfall ist nach kurzem Krankenlager sanft entschlafen. Der alte freundliche Herr mit dem breiten weißen Vollbart und dem großen schwarzen Zwicker war schon seit einigen Jahren, seit dem Sturze auf der Treppe, körperlich etwas gebrechlich; seine Füße konnten nur schwer und langsam das Gewicht des Körpers tragen. Auf seinen treuen Diener gestützt, konnte man ihn noch im vorigen Monat von seiner Wohnung an der Maximilianstraße zur Residenz wandern sehen, um in unermüdlichem Pflichteifer die Geschäfte der Hofmusik-Intendanz zu erledigen, von denen er erst am 1. Januar d. J. enthoben wurde. Sein Gehen war freilich nur noch ein Schleifen; aber sein Geist zeigte noch die gleiche Regsamkeit und Frische wie früher. Am 27. Dezember 1906 verließ er zum letzten Male seine Wohnung. Trotz der großen Kälte wollte er einem Festmahle im Hotel Vier Jahreszeiten beiwohnen, das die Mitglieder der Hofmusik anläßlich seines Rücktrittes vom Amte veranstaltet hatten. Der liebenswürdige, fürsorgliche Chef wurde mit großem Jubel von seinen Hofmusikern empfangen, er dankte in einer kurzen Ansprache für die ihm erwiesene Ehrung und verfügte sich bald wieder nach Hause — er fühlte sich schon damals nicht ganz wohl. Am Sonntag, 30. Dezember, überreichte ihm dann in seiner Wohnung eine Deputation der Hofmusiker ein Ehrengeschenk, einen prächtigen silbernen Kranz, als Ausdruck der Verehrung und Dankbarkeit. Perfall nahm das Geschenk mit tiefer Rührung entgegen. Von diesem Tage an trat die Influenza-Erkrankung, die schon seit einigen Tagen seinen Gesundheitszustand beeinträchtigt hatte, in stärkerem Maße in die Erscheinung; die Lunge war bald angegriffen, und auch das Herz verlangsamte mehr und mehr seine Schläge. Nur mit künstlichen Mitteln konnte er noch einige Zeit am Leben erhalten werden; heute Nacht 11½ Uhr trat der Tod ein.

Im Laufe des Vormittags wurden zahlreiche prächtige Kranzspenden von Mitgliedern des k. Hauses im Trauerhause abgegeben, darunter auch ein mächtiger Kranz Sr.k. Hoheit des Prinz-Regenten. Prinz Leopold fand sich persönlich m der Wohnung des Verstorbenen ein, um der Witwe und den Hinterbliebenen sein Beileid auszusprechen. Um halb 12 Uhr erfolgte die Aussegnung der Leiche im Trauerhause durch die Geistlichkeit der St. Anna-Kirche und darauf mit großem Kondukt die Ueberführung der Leiche nach dem südlichen (alten) Friedhofe.

Münchner Neueste Nachrichten No. 25. Mittwoch, den 16. Januar 1907.

#Münchner Neueste Nachrichten (16.1.1907)

Lokales.
München, 15. Januar.

Generalintendant a. D. Freiherr v. Perfall †. Im Trauerhause sind bereits heute Kranzspenden und Kondolenzen in Gestalt von Schreiben und Telegrammen von hier und von auswärts in überaus großer Zahl eingegangen. Es sandten u. a. Kränze die Herzogin von Modena, Prinz und Prinzessin Ludwig, die Prinzen Rupprecht, Karl, Leopold, Alfons, Ludwig Ferdinand, Herzog und Herzogin Karl Theodor, ferner gemeinsam die sämtlichen Generaladjutantcn sowie die obersten Hofchargen, die Gesandten, die Kreise der Hofgesellschaft und die Privatgesellschaft »Daburger«, in der der Verstorbene etwa dreißig Jahre verkehrte. Unter den eingegangenen Kondolenzen befindet sich ein Telegramm des Kaisers, das Nachmittags ½6 Uhr von Potsdam abging und lautet: »Se. Majestät der Kaiser und König lassen Ew. Exzellenz Allerhöchst ihr aufrichtiges Beileid aussprechen. Se. Majestät betrauern den Heimgang des Verewigten aufrichtig und haben den Gesandten Grafen Pourtalès mit Allerhöchst ihrer Vertretung bei der Beisetzung zu beauftragen geruht. Gez. v. Plessen, Generaladjutant.« Im Auftrag des Kaisers von Oesterreich traf aus Wien von heute Nachmittag datiert folgendes Telegramm ein: »Se. k. u. k. apostolische Majestät vernahmen mit aufrichtigstem Bedauern das Ableben Sr. Exzellenz des Herrn Generalintendanten Freiherrn v. Perfall, Ew. Hochwohlgeboren nun von Gott abberufenen Vaters, und geruhten, Herrn Baron Allerhöchst ihre innigste Teilnahme an dem Schmerz ob dieses Verlustes mit der Versicherung auszudrücken, daß Allerhöchstdieselben dem von Sr. Majestät sehr geschätzten Verblichenen stets eine ehrende Erinnerung bewahren wollen. Im allerhöchsten Auftrage: General der Kavallerie Graf Paar.« Unter den übrigen Telegrammen sind solche von dem bayerischen Gesandten in Berlin Grafen Lerchenfeld und vom Intendanten Hülsen, datiert von Frankfurt, welch' letzterer »tief erschüttert von dem Heimgange seines unvergeßlichen Gönners und Freundes« seine innigste Teilnahme den Hinterbliebenen ausdrückt. Von den Hofmarschallämtern sämtlicher Prinzen gingen Beileidsschreiben ein.

Münchner Neueste Nachrichten No. 26. Mittwoch, den 16. Januar 1907.

#Rosenheimer Anzeiger (17.1.1907)

Karl von Perfall †.

Der ehemalige Generalintendant des Münchener Hoftheaters, Karl Freiherr von Perfall, ist gestorben. Er wurde 1824 in München geboren. Perfall widmete sich zuerst dem Staatsdienst, den er jedoch bald aufgab. Er ging zu seiner musikalischen Ausbildung an das Leipziger Konservatorium und widmete sich ganz der Komposition. Die erste Oper, die er schrieb, war »Sakuntala«, die zweite das »Konterfei«. 1854 gründete Perfall den Münchener Oratorienverein. 1864 wurde er königlicher Hofmusikintendant. Am 1. Januar 1872 erfolgte seine Ernennung zum Generalintendanten. Er verfasste dann noch die Opern »Raimondin«, »Melusine« (1881), »Junker Heinz« (1886). Außerdem schrieb er Festmusiken, die Märchen »Dornröschen«, »Undine« und »Rübezahl« sowie Chöre für Frauenstimmen.

1906 wurde Perfall in den Ruhestand versetzt. Der Prinz-Regent von Bayern verlieh ihm die Insignien des Hausritterordens von Heiligen Hubertus.

München. 15. Jan. (von Perfall †.) Die Beerdigung des heute nacht verstorbenen Generalintendanten Freiherrn v. Perfall findet am Donnerstag nachmittag 4 Uhr auf dem südlichen Friedhofe statt. In der heutigen Magistratssitzung widmete Bürgermeister Dr. v. Borscht dem Verstorbenen einen warmen Nachruf, in welchem er die Verdienste des Heimgegangenen um die Förderung des künstlerischen Rufes der Stadt München gedachte. Der Magistratsrat beschloß einstimmig, eine hervorragende Straße Perfall-Straße zu nennen, sich an der Beerdigung durch Deputationen der städtischen Kollegien zu beteiligen und an der Bahre einen Kranz niederzulegen.

Rosenheimer Anzeiger No. 14. Donnerstag, den 17. Januar 1907.

#Münchner Neueste Nachrichten (17.1.1907)

Lokales.
München, 16. Januar.

Generalintendant Freiherr v. Perfall †. Se. k. Hoheit der Prinz-Regent ließ heute Vormittag einen prachtvollen Kranz an der Bahre des Verstorbenen niederlegen. Ueberaus groß ist die Zahl sonstiger Kranzspenden und der gestern und heute bei den Hinterbliebenen eingelaufenen Trauerkundgebungen, darunter von fast sämtlichen Hoftheatern, der Deutschen Bühnengenossenschaft, von zahlreichen Fürstlichkeiten u. s. w.

Generalintendant v. Possart sandte von Bern aus ein herzliches Beileidstelegramm.

Se. k. Hoh. der Prinz-Regent hat aus Berchtesgaden folgendes Handschreiben an die Witwe des Generalintendanten Frhrn. v. Perfall gerichtet:

»Meine liebe Frau Baronin v. Perfall! Als Ich erst vor wenigen Wochen dem Gesuche Ihres Gatten um Versetzung in den Ruhestand willfuhr, geschah dies mit dem aufrichtigen Wunsche, es möge dem verdienten Manne nach so vielen Jahren unermüdlichen Schaffens und hingebungsvoller Pflichterfüllung ein langer, glücklicher Lebensabend im Kreise seiner Familie beschieden sein. Die Vorsehung hat es anders gefügt. Heute schon betraure Ich mit Ihnen das Hinscheiden Ihres von Mir so hochgeschätzten Gemahls, dem seine treue Anhänglichkeit an Mich und das ganze königliche Haus und sein ersprießliches Wirken auf dem Gebiete theatralischer und musikalischer Kunst Meine stete dankbare Anerkennung gesichert haben. Von Herzen nehme Ich innigen Anteil an dem herben Schmerze, der Ihnen, liebe Frau Baronin, und allen Angehörigen der Familie auferlegt ist; möge die Gnade des Himmels Sie stärken, die schwere Prüfung zu ertragen, und möge die Versicherung, daß Ich dem Verblichenen ein ehrendes Gedenken bewahren werde, Ihnen einigen Trost gewähren in den Stunden bitterer Heimsuchung. Mit huldvollsten Gesinnungen verbleibe Ich Ihr wohlgeneigter
Luitpold, Prinz von Bayern.«

Generalintendant Freiherr v. Perfall war zweimal verheiratet; erstmals mit Fräulein Julie v. Reichert, die im Jahre 1874 verstorben ist, und zum zweiten Male mit einer Freiin v. Bethmann. Aus der ersten Ehe entstammen zwei Söhne — Generalmajor z.D. Freiherr Ludwig v. Perfall, der frühere Kommandeur der 1. Feld-Artillerie-Brigade, und Oberst Freiherr Emanuel v. Perfall, Hofmarschall des Prinzen Leopold — und zwei Töchter, Frau Professor Hierl-Deronco und eine Tochter, welche unverheiratet ist; die zweite Ehe war gesegnet mit einer Tochter, welche unverheiratet ist, und einem Sohne, Leutnant Freiherr Alexander v. Perfall des 8. Infanterie-Regiments. Eine Schwester des verstorbenen Generalintendanten lebt als Witwe im hohen Alter von 79 Jahren in München. Die Schriftsteller Karl und Anton Freiherren v. Perfall sind Neffen des Verstorbenen.

Von den Mitgliedern des Hoftheaters, welche beim Amtsantritte v. Perfalls am 25. November 1867 der Hofbuhne bereits angehörten, leben noch Frau Hofschauspielerin Marie Dahn-Hausmann, Frau Kammersängerin Vogl, Hofschauspielerin Fräulein Klara Weiß, Generalintendant v. Possart und die Hofschauspieler Rohde, Häusser und Tomschütz.

Münchner Neueste Nachrichten No. 27. Donnerstag, den 17. Januar 1907.

#Allgemeine Zeitung (18.1.1907)

Feuilleton

Karl Freiherr von Perfall †.

Heute haben wir ihn begraben, unsern alten Intendanten. Begraben mit all den Ehren, die seinem Stande und Rang, aber noch mehr seiner Bekanntheit und Beliebtheit entsprachen. Nun mag es an der Zeit sein, sich dankbar ins Gedächtnis zurückzurufen, was er uns gewesen und was er für die Münchener Kunst seiner Tage bedeutete. Ins Gedächtnis zurückrufen — denn unsere schnellebige Zeit, für die Vorgänge des abgelaufenen Jahres oft schon in nebelhafte Ferne rücken, ist wenig dazu aufgelegt, sich zu erinnern, was vor zehn und mehr Jahren geschehen, und stünde sie hundertmal selbst auf dem Boden, den jene Zeiten erst geschaffen.

Nun sind es aber schon dreizehn Jahre her, daß Karl v. Perfall die Leitung der kgl. Theater niedergelegt hat und sich auf dem der Oeffentlichkeit minder ausgesetzten Posten des Generalintendanten der kgl. Hofmusik und des Ehrenpräsidenten der Akademie der Tonkunst zurückgezogen hatte. Der schöne Greis mit dem weißen Barte und jener zarten, rosigen Gesichtsfarbe, die man so häufig bei den Senioren des alten englischen Landadels findet — ein Zeichen kernigster Gesundheit — ließ sich noch bis vor wenig Wochen durch seinen treuen Diener in sein Bureau in der kgl. Residenz geleiten, ja er ließ sich über die zwei Treppen des Odeonsaales tragen, um den Konzerten der Musikalischen Akademie beizuwohnen, denn sein Geist war frisch und aufnahmsfähig für alles Gute und Schöne geblieben. Aber die Beine versagten ihren Dienst schon seit dem bösen Sturze, den er auf der Treppe seines Hauses getan. Konnte man sich den lieben, alten Herrn inaktiv, pensioniert, nicht für Musikinteressen tätig, denken? Nein, er konnte es selbst nicht. Vierzehn Tage, nachdem er selbst den Regenten gebeten, ihn von den letzten Funktionen zu entheben, legte er sich hin, um zu sterben.

Wir trauern um ihn, denn mit Karl Frhrn. v. Perfall ist die ehrwürdigste, erfahrenste und die liebenswerteste musikalische Autorität der Stadt und des Landes von uns geschieden. Seine Liebenswürdigkeit unterwarf sich alle Herzen; sie wurde gewissermatzen sein Verhängnis, denn er konnte von jeher schwer Nein sagen. Und doch, was für herrliche Tage haben wir unter seinem milden Theaterszepter erlebt! An anderer Stelle haben wir mit der Todesnachricht unseren Lesern die Daten aus Perfalls Künstlerleben mitgeteilt. Von Zahlen sei hier nicht mehr die Rede, aber allen, welche die letzten fünfundzwanzig Jahre in München erlebt und genossen, bleibt unvergänglich in Herz und Sinn gegraben eine unvergeßbare Glanzzeit der kgl. Hofbühne. Wohl war sie auch das Resultat einer glücklichen Komplikation günstiger Umstände, aber nicht minder auch das Verdienst des Intendanten, in dem sich der gutmütige und wohlwollende Mensch, der einsichtige Künstler und der vollendete Kavalier im seltenen Grade gegenseitig ergänzten und stützten. Karl v. Perfall war nichts weniger als ein adeliger Kunstdilettant, für den ihn nur absichtliche Verkennung und Mißwollen hätten ansehen können. Er war ein gründlicher, tüchtiger und geschmackvoller Musiker von ganz regelmäßiger ernster Schulung, und nur die Liebe zur Musik hat ihn von dem juristischen Schablonenwege abbringen können, für den er durch ein glänzendes Examen mehr als vorbereitet schien. Als Tonkünstler hat Perfall keine triviale Note geschrieben. Nie hat er seine Macht zugunsten seiner Sachen mißbraucht: seine Opern erschienen selten, als er an der Spitze des Theaters stand, sie erschienen gar nicht mehr, als er keine Hand rühren wollte, zu ihren Gunsten eine Pression auszuüben. Es sind Sachen darunter, die nicht vergessen werden sollten.

Aus der alten guten Hauptmannschen Schule war er hervorgegangen und somit war er kein Wagnerianer. Und doch ist Wagner an seiner Bühne so groß geworden, wie er heute dasteht. Unter ihm ist der Ruf der Münchener Oper als der damals ersten Wagner-Bühne entstanden und gewachsen. Aber er sorgte auch für das nötige Gleichgewicht im Repertoire: alles Neue, was gut war, war neben dem guten Alten willkommen. Perfall ließ andere arbeiten und folgte ihnen da, wo er nicht mitgehen konnte oder wollte, klug abwartend und beobachtend, und er arbeitete selbst. Wir hatten ein festes, ineinander eingespieltes Ensemble, in dem jeder einzelne ein ganzer Künstler war. Es gab damals noch keine Winterurlaube, kein Amerika, selten ein Gastspiel, und man brauchte keine Agenten. Die Zeit ist anders geworden, ebenso die Künstler und nicht zuletzt das Publikum.

Obwohl durch und durch Musiker, hatte Perfall Sinn und Verständnis auch für das Schauspiel. Musterspiele und Preisausschreiben sollten das deutsche Drama fördern. Mit und durch ihn und seinen getreuen Regisseur Savits kam die Shakespeare-Bühne zustande, die, heute noch mehr als damals umstritten, vielleicht erst in ferner Zeit und an anderem Orte ihren Ewigkeitskern entfalten wird. Man ging damals noch ebensogern ins Schauspiel wie in die Oper, die ihre ältere Schwester noch nicht an die Wand gedrückt hatte, und jede Premiere im Residenztheater war ein Fest vornehmster Kritik. Ja die Kritik! Sie hatte auch an Perfall manches auszusetzen, und auch an dieser Stelle hat es daran nicht gefehlt. Aber es war, ich möchte sagen, ein Genuß, Perfall und sein Werk zu kritisieren. In den Schauspiel- und Opernproben, zu denen Perfall damals die maßgebende Kritik lud, lernte man ihn und seine Leute, vor allem aber das Werk, das man vor sich hatte, verstehen. Man lernte und wurde unwillkürlich milder, weil man eben die Schwierigkeiten besser verstand. Darum ist uns ja eben das französische Theater so unendlich überlegen, weil dort die Fühlung zwischen dem schaffenden Theaterdichter und der Kritik auf der einen, und dem Theater auf der anderen Seite eine ungleich engere ist.

Am 19. Dezember 1892 hatte Baron und Baronin Perfall im Hotel Continental zur Feier des 25jährigen Jubiläums des Intendanten über hundert Gästen der Theater- und sonstigen Gesellschaft ein Souper gegeben. Wenige Tage darauf mußte er sein Amt seinem Schauspieldirektor Possart überlassen. Es war ein schwerer Tag, den Perfall aber wie ein echter Grandseigneur überstand. Er ging nicht klein aus dieser Lebenskrise hervor, er blieb aufrecht und hat später zum Lohne noch manche Genugtuung erlebt. Eine Zeitlang blieb noch die Akademie der Tonkunst, die unter ihm als einfache kgl. Musikschule größer und bedeutender gewesen als später unter dem stolzeren Titel, sein Sorgenkind. Als Generalintendant der kgl. Hofmusik stand er noch an der Spitze des Hoforchesters und der Hofkapelle, aber es war eine halbe Sache, und es ist gut, daß die beiden Kompetenzen der Hofbühne und des Hoforchesters wieder unter einer Hand vereinigt sind. In einem durch seine Gewissenhaftigkeit und die dokumentarischen Belege sehr wertvollen Buche »Ein Beitrag zur Geschichte der königlichen Theater in München (25. November 1867 bis 25. November 1892)«, dem nur leider ein Register zu seiner vollen Brauchbarkeit abgeht, hat der Jubilar die Summe seiner reichen Tätigkeit gezogen. Es bildet eine bleibende Ergänzung zur Grandaurschen Chronik unserer Hofbühne.

Die letzten Ehren wurden auf den prächtigen aufrechten Greis zu seinem 80. Geburtstag im Januar 1904 und bei seiner Pensionierung gehäuft. Den 83. Geburtstag sollte er nicht mehr erleben. An der Spitze der damals ihm Huldigenden stand sein Nachfolger, Intendant v. Possart, der den früheren Chef, durch den er manche Förderung erfahren, in einer längeren Rede feierte. Die Rede klang in Versen aus, in denen Thalia und Euterpe dem Jubilar huldigen. Nimmt auch ein Dichter bei solchen Gelegenheiten den Mund immer etwas voll, die Schlußstrophen dürfte er auch heute im bitteren Ernst als wehmütigen Scheidegruß aufs frische Grab legen:

Denn beiden Künsten hat er reich gegeben,
Vieltausend Herzen hochbeglückt gemacht,
Drum krönend heut' sein tatenfrohes Leben
Sei neidlos ihm der Musen Dank gebracht.

Und segenspendend, wie sie stets erschienen,
Ergreifen sie den Lorbeer frisch belaubt,
drücken treuvereint mit holden Mienen,
Den Kranz des Ruhmes auf des Meisters Haupt.

Alfred Frhr. v. Mensi.

*

Ueber Perfall und Ludwig II. finden wir im Berliner Tageblatt eine Anekdote, die an sich ziemlich unwahrscheinlich klingt, aber dann wenigstens den Vorzug hat, gut erfunden zu sein. In die Jahre der Hauptwirksamkeit des verstorbenen Münchener Generalintendanten fiel bekanntlich auch die Wagner-Epoche Münchens. Frhr. v. Perfall brachte trotz seiner ganz anders gearteten musikalischen Richtung nicht nur die Hauptwerke Wagners auf die Hofbühne, sondern leitete auch die Sondervorstellungen, die der König so liebte, so zum Beispiel die des ungekürzten »Don Carlos«. Als aber der König den Wunsch zu erkennen gab, daß sein Generalintendant ihm den »Parsifal« in einer Sondervorstellung vorspielen lasse, soll folgendes kleine Intermezzo stattgefunden haben: Perfall wollte an diese Vorstellung aus allerhand sachlichen Gründen nicht gleich heran. Der König, der sonst keinen Widerspruch vertragen konnte, war gerade in bester Laune und verstand es, seinen Intendanten durch einen etymologischen Scherz, der ihm gerade einfiel, sofort umzustimmen. »Sie wissen, lieber Perfall,« sagte er, »daß der reine Tor in dem Weihespiel Wagners manchmal auch Persifal geschrieben wird — nun betrachten Sie einmal Ihren Namen! Wenn ich »Sie« dazu nehme, wird aus einem »Perfall« sofort ein »Persifal« — wollen Sie sich nun noch länger sträuben?« Lachend versetzte der Intendant, daß er sich selbstverständlich seiner Schicksalsbestimmung füge!

Allgemeine Zeitung Nr. 29. München; Freitag, den 18. Januar 1907.

#Münchner Neueste Nachrichten (18.1.1907)

Lokales.
München, 17. Januar.

Die Beerdigung des General-Intendanten Freiherrn v. Perfall †.

Die hohe Verehrung und Wertschätzung, die der Verstorbene genoß, kam bei der heute Nachmittag im südlichen Friedhofe erfolgten Beerdigung in geradezu überwältigender Weise zum Ausdrucke. Schon eine halbe Stunde vor der festgesetzten Zeit hatte sich die Aussegnungshalle zum Teil gefüllt, und schließlich war die Aussegnungshalle, das ganze Rondell vor dieser und ein großer Teil der sich anschließenden Arkaden dicht bestanden von Leidtragenden. Als Vertreter Sr. k. Hoheit des Prinz-Regenten war Obersthofmeister Graf zu Castell, als Vertreter des Deutschen Kaisers der Militärattache der preußischen Gesandtschaft Hauptmann Freiherr v. Salmuth erschienen. Prinz Leopold hatte sich persönlich eingefunden. Sämtliche Prinzen des k. Hauses hatten ihre persönlichen Adjutanten entsendet, Erzherzog Joseph August von Oesterreich den Grafen Batthyany. Anwesend waren auch der sächsische Gesandte Freiherr v. Friesen, der badische Gesandte Freiherr v. Bodman und der Gesandte von Oesterreich-Ungarn Dr. Vilcs v. Lászlófalva. Ferner waren zugegen die obersten Hofchargen in Uniform: Obersthofmarschall Graf Seinsheim, Oberststallmeister Graf Wokffskeel, Oberstzeremonienmeister Graf Moy Und General-Intendant Freiherr v. Speidel; die Minister Graf Feilitzsch, von Miltner und v. Pfaff, als Vertreter des Ministeriums des k. Hauses und des Aeußern Staatsrat v. Bever, in Vertretung des Kultusministeriums Staatsrat Dr. v. Bumm, die Reichsräte Freiherr v. Soden-Fraunhofen, Freiherr v. Gumppenberg, v. Thelemann u. a., viele Mitglieder des hohen Adels, darunter der Familien v. Oettingen-Spielberg, Oettingen-Wallerstein und Schönborn, der Generalkapitän der Hartschiere General Graf Verri della Bosia, der Chef des Generalstabs Generalleutnant v. Endres, die Generale v. Schuh, Graf Tauffkirchen, Freiherr v. Speidel u. a., der Intendant des Stuttgarter Hoftheaters Freiherr v. Putlitz, der frühere General-Intendant von Weimar Freiherr v. Bronsart-Schellendorf; Generalmusikdirektor Mottl, die Hofkapellmeister Fischer, Rüber und Professor Becht mit dem gesamten Hoforchester, das Opernpersonal, die meisten Hofschauspieler, die Beamten der Hofmusik- und Hoftheater-Intendanz, der Polizeidirektor Freiherr von der Heydte, eine Deputation der städtischen Kollegien mit den beiden Bürgermeistern Dr. v. Borscht und Dr. v. Brunner und dem 1. Vorstande des Kollegiums der Gemeindebevollmächtigten Schwarz, die Professoren der Akademie der Tonkunst, Mitglieder aller hiesigen Theater, Offiziere aller Waffengattungen in großer Zahl, darunter Deputationen der Offizierskorps des 8. Infanterie-m 1. Schweren-Reieter- und 1. und 7. Feldartillerie-Regiments, zahlreiche Künstler mit Abordnungen der Münchner Künstlergenossenschaft, der Sezession, der »Allotria« und der Geselligen Vereinigung Münchner Künstler, der Akademische Gesangverein, Deputationen des Münchner Journalisten- und Schriftsteller-Vereins, der Bürgersängerzunft München und einer großen Menge anderer Vereine u. s. w.

Der Trauerakt wurde in feierlicher Weise eingeleitet durch den Grabgesang »Ruhe sanft in Frieden!«, vorgetragen vom Hoftheater-Singchor. Hierauf bewegte sich der außerordentlich lange Trauerzug nach dem Campo santo zum Grabe. An der Spitze schritten Mitglieder des technischen Personales des Hoftheaters mit Flambeaus; ihnen reihte sich eine stattliche Kolonne von Kranzträgern an. Vor dem Sarge, den Mitglieder des Sterbevereins des Hoftheaters trugen und Hoflakaien mit Flambeaus begleiteten, schritt ein Diener voraus, der die vielen hohen Orden des Verstorbenen auf einem schwarzen Samtkissen trug. Hinter dem Sarge schritten als nächste Leidtragende die drei Söhne des Verstorbenen, Generalmajor z. D. Ludwig Freiherr v. Perfall, Oberst Emanuel Freiherr v. Perfall und Leutnant Alexander Freiherr v. Perfall, der Schwiegersohn Kunstmaler Professor Hierl-Deronco, die Neffen, unter diesen Generalmajor Freiherr v. Keßling, und die übrigen Verwandten. Ihnen folgten die Vertreter des Prinz-Regenten und des Deutschen Kaisers, Prinz Leopold, die Abgesandten der Prinzen des k. Hauses und die kolossale Menge der anderen Trauergäste.

Ueber dem Grabe erhob sich eine mehrere Meter hohe, etwa 20 Meter breite Wand, gebildet aus Gruppen von Palmen, Lorbeer und anderen Zierpflanzen und behangen mit prachtvollen Kränzen. Aus diesen ragten hervor die Blumenspende Sr. k. Hoheit des Prinz-Regenten, ein Lorbeergewinde mit Rosen und Camelien und Schleifen in den Landesfarben, bedruckt mit Krone und Initial in Gold, die Kränze und Blumenspenden der Mitglieder des k. Hauses, von Fürst und Fürstin Oettingen-Spielberg, Graf Arco, Graf und Gräfin Crenneville, den obersten Hofchargen, Lola v. Lenbach, Klara Ziegler, Mary Levi, Hermine Bland, Hofkapellmeister Fischer, den Gemeindekollegien Münchens, den Offizierkorps des 8. Infanterie-, 1. Schweren-Reiter-, 1. und 7. Feldartillerte-Regiments, der Gesellschaft »Daburger« Aufsichtsrat und Direktion der Bayerischen Handelsbank, von der Heimat Greifenberg, dem Armenballkomitee, dem Verein bildender Künstler München(Sezession), dem Gouvernement Metz, dem St. Cäcilien-Verein. Es können wohl ein halbes Tausend Kränze gewesen sein, die am Aufbau und an dessen Saum niedergelegt waren; alle aufzuzählen gestattet der Raum nicht.

Der kirchliche Offiziator Stadtpfarrer P. Remigius Stadler gab in der Gedächtnisrede, dem Willen des Verstorbenen entsprechend, nur ein gedrängtes Lebensbild mit besonderer Hervorhebung der Pflichttreue. Nach dem rituellen Akte trat der Vertreter des Deutschen Kaisers an das Grab, um im Namen Sr. Majestät stillschweigend einen Kranz niederzulegen, ein riesiges Lorbeergewinde mit Palmen und Maiglöckchen, versehen mit Schleifen, denen die Kaiserkrone mit Initial aufgedruckt war. Hierauf widmeten, zum Teil unter hochehrenden Nachrufen, Kränze: General-Intendant Frhr. v. Speidel namens der Hofmusik- und der Hoftheater-Intendanz, Generalmusikdirektor Mottl im Namen des dankbaren Hoforchesters, Direktor Professor Bußmeyer für die Akademie der Tonkunst, Hofkapellmeister Fischer namens der Musikalischen Akademie und 1. Konzertmeister Ahner für die Gesellige Vereinigung des Hoforchesters, Hoftheater-Intendant Frhr. v. Putlitz im Namen der Stuttgarter Hofbühne sowie des Deutschen Bühnenvereins, dessen Präsident, General-Intendant v. Hülsen, die Absicht, am Beerdigungsakte persönlich teilzunehmen, wegen Krankheit aufgeben mußte. Ferner Professor Weltrich namens der Schiller-Stiftung München, Professor v. Petersen für die Münchner Künstler-Genossenschaft, Professor Gabriel v. Seidl im Namen der Künstlergesellschaft »Allotria«, für die Bürger-Sängerzunft München, der Frhr. v. Perfall als Meistersinger seit Jahren angehörte, der 1. Vorstand Neuner; für den Münchner Journalisten- und Schriftsteller-Verein der Wirkl. Rat Leher, Professor v. Kramer für die gesellige Vereinigung Münchner Künstler, Schauspieler Raabe in Vertretung der Direktion der Vereinigten Theater und für den Wiener Männersesangverein der Vorstand des Münchner Männergesangvereins. Außerdem ließen noch Kränze niederlegen die Musikschule Würzburg, die Internationale Mozart-Gemeinde, der Freundeskreis der Zwanglosen, der Akademische Gesangverein München, das technische Hoftheaterpersonal, die Münchner Liedertafel und der Männergesangverein »Neu-Bavaria«. Die oben angeführten Korporationen zählten den Hingeschiedenen fast ausnahmslos zu ihrem Ehrenmitgliede.

Münchner Neueste Nachrichten No. 30. Freitag, den 18. Januar 1907.

#Münchner Neueste Nachrichten (19.1.1907)

Lokales.
München, 18. Januar.

Trauergottesdienst für Generalintendanten Frhrn. v. Perfall. In der St. Annakirche fand heute Vormittag ll Uhr der feierliche Trauergottesdienst für den Generalintendanten Frhrn. v. Perfall statt, dem außer den Hinterbliebenen noch Frau Prinzessin Leopold und zahlreiche Damen und Herren der Hofgesellschaft und sonstige Trauergäste beiwohnten. Im Presbyterium der Kirche war ein von zahlreichen Lichtern und einem prächtigen Pflanzen-Arrangement umgebener Katafalk errichtet, zu dessen Seiten Hoflakaien standen. Während des Trauergottesdienstes trugen die Vokalkapelle und das Hoforchester das Requiem von Ett in c-moll vor, das Hofkapellmeister Becht dirigierte.

Münchner Neueste Nachrichten No. 31. Samstag, den 19. Januar 1907.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Perfall Karl Theodor Emanuel, von, Freiherr, 1824 (München) – 1907, Komponist und Generalintendant der bayerischen Hoftheater; aus altfreiherrlichem Hause stammend; studierte P. in seiner Vaterstadt Rechte, dann in Leipzig Musik, wurde Dirigent der Münchner Liedertafel, gründete 1854 hier den Oratorienverein, rückte 1864 zum Intendanten der Hofmusik und 1867 zum Direktor der Königlichen Musikschule (späteren Akademie der Tonkunst) auf; gleichzeitig übernahm er die Intendanz der Hoftheater, seit 1872 Generalintendant und Exzellenz; seine Ämter behielt P. bis 1893 bei und machte so die ganze musikalische Entwicklung in München von R. Wagners Aufstieg an, den er freilich bekämpfte, führend mit; er komponierte Lieder, Märchenspiele, Chöre und Opern (Sakuntala, Das Konterfei, Raimondin = Melusine und Junker Heinz) und lieferte theaterhistorische Schriften (Fünfundzwanzig Jahre Münchner Hoftheater-Geschichte, Ein Beitrag zur Geschichte des kgl. Theaters in München, Die Entwicklung der modernen Theater).

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#31 – 1 – 30 (Possart)


PROFESSOR
DR. ERNST VON POSSART
GENERALINTENDANT
geb. 11. Mai 1841 gest. 7. April 1921
ANNA VON POSSART
geb. DEINET
geb. 22. Febr. 1843 gest. 8. Aug. 1919

Rechte Seite
Hermann Pos¿
¿0.11.1868 gest. 3¿
Maxi Po¿
geb. 29.1.1871 ¿


  • Possart, Anna von (vh) / Deinet (gb); 22.2.1843 (Frankfurt/Main) – 18.8.1919 (München); Sängerin
  • Possart, Ernst Ritter von, Dr. phil. h. c.; 11.5.1841 (Berlin) – 8.4.1921 (Berlin); Generalintendant und Schauspieler
  • Possart, Hermann; ¿0.11.1868 –
  • Possart, Maxi; 29.1.1871 –

Grab der Familie Possart auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

Grab der Familie Possart auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Anna von Possart (vh) / Deinet (gb)

* 22.2.1843 (Frankfurt/Main)
† 18.8.1919 (München)
Sängerin

#Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903)

P. [Ernst von Possart] ist verehelicht mit Anna Deinet, geboren in Frankfurt, s. Zt. eine äußerst geschätzte Koloratursängerin, Schülerin von Elise Seebach. Sie begann ihre Laufbahn in Wiesbaden, wurde dann nach Bremen engagiert und gastierte am 21. Juni am Münchener Hoftheater als »Isabella« in »Robert«, »Leonore« in »Troubadour« und »Königin der Nacht«. Infolge günstiger Beurteilung ihrer gesanglich technischen Leistungen wurde sie engagiert und vertrat bis zu ihrer Pensionierung (1. August 1878 mit bestem Erfolg das Koloraturfach an der Hofbühne, zu deren beliebtesten Mitgliedern die Künstlerin zählte. Von ihren bedeutenden Partien seien erwähnt: »Brangäne«, »Isabella«, »Königin der Nacht«, »Regimentstochter«, »Venus«, »Ines« (»Afrikanerin«), »Susanne«, »Constanze« etc. Eine Tochter des Künstlerpaares, Ernestine von Possart, widmete sich ebenfalls der Bühne. Sie wurde Schülerin der Dresdner Gesanglehrerin Natalie Haenisch und September 1902 an die Kölner Oper engagiert.

Ludwig Eisenberg’s Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Leipzig, 1903.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Possart Anna, von, geb. Deinet, 1843 (Frankfurt/Main) – 1919, Kammersängerin und Mitglied der Münchner Hofoper; Schülerin von Elise Seebach, begann sie ihre Laufbahn als Koloratursängerin in Wiesbaden, wurde dann in Bremen engagiert und gastierte schließlich am Münchner Hoftheater als »Isabella« in »Robert«, »Leonore« in »Troubadour« und »Königin der Nacht«; infolge günstiger Beurteilung ihrer gesangstechnischen Leistungen wurde sie engagiert und vertrat bis zu ihrer Pensionierung am 1. VIII. 1878 mit bestem Erfolg das Koloraturfach an der Münchner Hofbühne, zu deren beliebtesten Mitgliedern die Künstlerin zählte; ihr Gatte schreibt in seinen Memoiren »Erstrebtes und Erlebtes usw.«, wie er ihr zum erstenmal begegnete: »Donnerwetter, ist das ein schönes Mädchen, Herr Kern! Und die gehört auch zum Hoftheater?«; 1868 heiratete sie Ernst von P.

Hauptrollen: Brangäne, Isabella, Königin der Nacht, Regimentstochter, Venus, Ines (Afrikanerin), Susanne, Konstanze.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#Dr. phil. h. c. Ernst Ritter von Possart

* 11.5.1841 (Berlin)
† 8.4.1921 (Berlin)
Generalintendant und Schauspieler

#Die Scheinwelt und ihre Schicksale (1893)

Ernst Possart, geb. 1841 zu Berlin, stammt aus einer bürgerlichen Familie, der das Interesse für das Theater völlig ferne lag. Possart war von seinen Eltern für den Buchhandel bestimmt, er absolvirte auch in dieser Branche seine Lehrzeit zur vollsten Zufriedenheit des Prinzipals, aber der in ihm wohnende Trieb zur Schauspielkunst, ließ sich trotz aller Gegenvorstellungen seitens der bekümmerten Eltern nur scheinbar dämmen, denn eines Tags ließ er Haus, Eltern, Geschäft und Prinzipal in Stich und entfloh nach Breslau, wo er Engagement suchte und auch fand. Das Glück begünstigte Ernst Possart ganz besonders und schuf in ihm den fast alleinstehenden Fall im Fache der Characterdarstellung: schon in den ersten Anfängen Meister zu sein. Während der Zeit seines ersten Breslauer Engagements ereignete es sich, daß er, als das Gottschall'sche Trauerspiel »Der Nobob« gegeben wurde und Possart den Indier Malati spielte, derart einen im Theater anwesenden Mörder in das Innerste traf, daß der Verbrecher nach der Scene, in welcher Malati, von Gewissensbissen gequält, sich selbst ersticht, plötzlich aufsprang und verwirrt und entsetzt das Theater verließ, um am andern Tag sich reuevoll dem Gerichte zu stellen. Dieser Erfolg war für den jungen, erst zwanzigjährigen Possart ein Triumph seiner Kunst, der selbst da nicht übertroffen wird, wo der Meister auf der Sonnenhöhe seines Könnens steht. Nach dem Breslauer Engagement, ging der Künstler nach Bern, ein Jahr später an das Hamburger Theater und trat 1864 in das Ensemble des Münchener Hoftheaters ein, dem er bis zum Jahre 1887 angehörte.

Die Scheinwelt und ihre Schicksale. Eine 127jährige Historie der Münchener kgl. Theater im populärer Form und als Jubiläums-Ausgabe. Zu Ehren des fünf und zwanzigjährigen Dienst-Jubiläums Seiner Excellenz des Herrn General-Intendanten Freiherrn von Perfall von Max Leythäuser. München; 1893.

#Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903)

Possart Ernst von, geboren am 11. Mai 1841 in Berlin als Sohn wohlhabender Eltern. Dieselben glaubten ihren Ernst einst auf der Kanzel als Prediger zu erblicken, denn wo es ihm nur möglich war, erprobte er sich als Redner, und schon als Kind bestieg er Kisten oder Stühle, um vor seinen Schulkameraden oder dem Hausgesinde lange Standreden zu halten, zu deklamieren oder auch ein Lied zu singen. Herangewachsen, wurde er in eine Buchhandlung als Lehrling gegeben.

Sein ganzes Dichten und Trachten galt jedoch dem Theater, und so entschloß er sich, sich dem Bruder seines Prinzipals, dem bekannten Berliner Hofschauspieler Wilhelm Kaiser anzuvertrauen und diesen mit seinem Plan, den Schauspielerberuf zu ergreifen, bekannt zu machen. Der erfahrene Mann erkannte sehr bald, daß, wenn er P.’s Bitte, ihm schauspielerischen Unterricht zu erteilen, ablehne, der junge P. einfach durchgehen und sein Heil irgendwo bei einer herumziehenden Truppe versuchen würde. Darum willigte er in den Unterricht, jedoch mit der Bedeutung, daß der junge Kunstenthusiast für den Fall, daß sein Talent sich nicht stichhaltig erweise, vorläufig in der Buchhandlung verbleibe. Diese Übereinkunft blieb solange eine geheime, bis P. sich praktisch aus dem Liebhabertheater »Urania«, wo er unter dem Namen Ernst auftrat, bewährte.

Doch nun hielt ihn nichts mehr zurück, und nachdem er auch als Einjährig-Freiwilliger seiner Wehrpflicht Genüge getan hatte, verschaffte er sich ein Engagement am Stadttheater in Breslau. Dort betrat er am 15. Oktober 1861 als »Siegfried von Mörner« im »Prinzen von Homburg« zum ersten Male die Bühne. Im Anfang wurde er trotz des Beifalls, den er bei seinem Debüt gefunden hatte, nicht besonders beschäftigt. Er spielte wohl u. a. den »Silberkalb« in den »Karlsschülern«, den »Fortinbras« in »Hamlet«, doch erst der plötzliche Abgang des dortigen Charakterspielers war für P.’s Zukunft von großer Bedeutung. Er mußte nämlich für den Abgegangenen den »Wurm« in »Kabale und Liebe« spielen. Durch diesen Zufall wurde ihm das Genre vorgezeichnet, in welchem er einst so große Erfolge erzielen sollte, nun erst wurde es ihm und seiner Umgebung klar, wozu ihn das Schicksal eigentlich bestimmt hatte.

Trotzdem er von diesem Zeitpunkt an viel größere Charakterrollen zugeteilt erhielt, mußte er doch auch bei seinem nächsten Engagement 1862 in Bern, den kleinen Verhältnissen Rechnung tragend, alles Mögliche nebenbei spielen; heute den Intriguanten, morgen eine jugendlich-komische Rolle, dann wieder eine kleine Charge, oder gar einen Heldenvater, sodaß er im eigentlichen Sinn des Wortes fast nicht mehr von den Brettern herunterkam. Aber gerade diese vielseitige Verwendung sagte ihm für die Dauer nicht zu, und 1863 finden wir ihn als Nachfolger Görners am Stadttheater in Hamburg, wo dem Künstler die schwere Aufgabe zufiel, unmittelbar nach Dawison, der gerade längere Zeit dort gastiert hatte, eine Anzahl der bekannten Charakterrollen dieses großen Meisters zu spielen. Er begann mit dem »Wurm«, wobei es so über Erwarten gut ging, daß er sogleich nach seinem Debüt definitiv für das Stadttheater verpflichtet wurde. Als er bald darauf als »Narziß« erschien, ließ es Heinrich Marr, damals der bedeutendste unter den Veteranen der Schauspielkunst, welcher der Vorstellung mit großtem Interesse gefolgt war und der grundsätzlich nie die Bretter des Stadttheaters betreten hatte, keine Ruhe, er eilte nach dem vierten Akte zu P. auf die Bühne und prophezeite ihm in Worten höchster Anerkennung eine glänzende Zukunft.

Schon während seines Engagements in Breslau verschaffte ihm seine naturwahre Darstellung in einer anderen Richtung einen sensationellen Erolg. Es wurde daselbst ein neues Stück von Gottschall »Der Nabob«, aufgeführt. P. spielte darin die Rolle des Inders »Natal« mit solch ungemeiner Lebendigkeit und Wahrheit, daß, während er gerade eine der erschütterndsten Szenen durchführte, auf der Galerie ein Mann, der vor wenigen Tagen in Breslau unter den mysteriösesten Umständen an einem Schlossermeister einen grauenhaften Mord vollbracht hatte, der die ganze Stadt in Aufregung versetzte, ohne daß man des Täters habhaft werden konnte, vom Spiel des jungen Schauspielers so mächtig gepackt und ergriffen, und sein schlummerndes Gewissen derartig aufgerüttelt wurde, daß er sich noch während des Stückes selbst den Händen der Gerechtigkeit übergab – gewiß ein noch nie dagewesener Triumph der Schauspielkunst.

Nach kaum einjährigem hervorragendem Wirken in Hamburg sollte er bereits zwischen einer viel vorteilhafteren Kontrakterneuerung und einem Rufe ans Münchner Hoftheater wählen. Der junge Künstler entschied sich für das letztere, nachdem Lilla von Bulyowsky gelegentlich ihres Gastspiels in Zürich auf den talentvollen Anfänger durch sein wundervolles Organ, verbunden mit einer auffallenden Eigenart seiner Spielweise, aufmerksam gemacht, denselben in einem enthusiastischen Brief dem Hoftheater empfohlen hatte. Am 9. Juni 1864 debütierte er bereits daselbst als »Franz Moor«. Man sah dem Gastspiel dieses in großen Kreisen noch unbekannten Schauspielers teils mit geringem Interesse entgegen, teils fürchtete man einen Durchfall. Und ähnlich wie sechs Jahre früher Lewinsky in Wien, so eroberte sich an diesem Abende P. in München seine Stellung in der deutschen Schauspielerwelt in der Rolle des »Franz Moor«.

Mit dieser gewaltigen Leistung, die jedem unvergeßlich blieb, der ihr beigewohnt, wurde er Münchner Hofschauspieler und der Liebling des Publikums. Seit diesem denkwürdigen Abend ging der Münchner, wenn P.’s Name auf dem Zettel stand, doppelt gerne ins Theater, wußte man doch, daß von des kühnen Neuerers interessantem realistischem Spiel immer etwas Bedeutendes zu erwarten sei. Schon im Oktober desselben Jahres sah ihn der junge Monarch Ludwig II., dessen Herz begeistert für Literatur und Kunst schlug, zum erstenmal als »Wurm« und wandte dem künstlerischen Streben des jungen Schauspielers von nun ab das wärmste Interesse zu. Nun folgten der Reihe nach »Carlos« (»Clavigo«), »Friedrich der Große« (»Des Königs Befehl«), »Antonio« (»Tasso«), »Geßler«, »Muley Hassan«, »Richard III.«, »Nathan«, »Marinelli«, »Mephisto«, »Shylock«, »Jago« etc. etc. und mit jeder neuen Leistung wuchs der Künstler immer höher und erweiterte sich der Kreis seiner Freunde.

Alles was er brachte, war reiflichst durchdacht, aufs fleißigste ausgeführt. Sein ernstes Ringen und Streben, seine nicht gewöhnliche Bildung, an der er mit rastlosem Fleiße fort und fort arbeitete, seine geradezu hervorragende Technik errangen sich höchste Anerkennung. Nie schuf er etwas Unreifes, nie etwas Unbedachtes. Und mochte man auch mit der Auffassung dieser oder jener Rolle nicht einverstanden sein, über die Durchführung gab es niemals Meinungsverschiedenheiten. Als vorzüglichstes Requisit für seine künstlerischen Darbietungen dient ihm sein prachtvolles Organ von seltener Schulung. Es ist vielleicht das klangschönste, und ausdrucksfähigste, das je ein deutscher Schauspieler besaß. Der Künstler versteht aber auch dieses volle, runde, der feinsten Modulation ebenso gehorsame, wie den strengsten Affekten genügende Sprachinstrument meisterlich zu handhaben. Es ist daher nicht zu verwundern, daß P., der an Klarheit und Plastik der Rede nur wenig ebenbürtige Rivalen auf deutscher Bühne hat, stets den größten Wert auf die rhetorische Seite der Darstellung legt. Dabei versteht er es vortrefflich den Geist des Zuhörers zu beschäftigen, sein Denken anzuregen. Wie er das Wort zu meißeln versteht, so ist in seiner Haltung, seinen Gebärden, Bewegungen und Posen alles malerisch. Dem Unschönen geht er instinktiv aus dem Weg und folgt in allen seinen Darbietungen dem Prinzip, daß der Künstler die Natur wahrheitsgetreu, doch in veredelter Form wiedergeben soll. Für ihn gab es nie einen Stillstand, nie ein Ausruhen auf den bereits errungenen Lorbeeren. Immer vorwärts, rastlos vorwärts.

Felix Philippi, der sich vielfach mit der Charakterisierung der Münchner Schauspieler beschäftigte, wendete selbstverständlich auch diesem bedeutenden Künstler sein Augenmerk zu, und wie immer, so zeichnet er auch in diesem Falle das künstlerische Charakterbild in scharfen Umrissen. »In Possart tritt uns eine schauspielerische Kraft von erstaunlicher Intensität entgegen. Seine schauspielerischen Gaben, sein ganzes Wesen drängten ihn in das Fach der Charakterrollen: ausgeprägte Physiognomieen mit schneidender Schärfe des Geistes, Verstandeshelden, deren eiseskühle Reflexion jedes sich regende menschliche Gefühl im Keim erstickt, Bösewichter voll dunkelster Leidenschaften, Intriguanten, welche mit dem Glück ihrer Mitmenschen Fangball spielen, sind vor allem die Gestalten, denen Possart seine Künstlerschaft leiht. Das ganze Gemälde, in großen Strichen entworfen, ist hier mit haarscharfem Pinsel bis in die geringfügigsten Details ausgeführt, und einfach bewunderungswürdig die Schärfe der Beobachtung, welche den Charakter in all seinen Tiefen bis auf den Grund erschöpft. Possarts Mimik ist so vollendet: ich glaube, ein des Gehörs völlig Beraubter könnte aus diesen ewig wechselnden Zügen die ihm sonst völlig verschlossene Handlung entziffern. Er denkt eben überall, wie Lessing sagt, mit dem Dichter und, wo es notwendig erscheint, für denselben.« Sein seltener, eiserner Fleiß, seine originelle Begabung, sowie reiche Phantasie, sein phänomenales Gedächtnis und seine unbeugsame Energie fanden aber auch ihren Lohn.

Bereits 1872 wurde er Regisseur, 1875 Oberregisseur, 1892 königlicher Professor, 1893 Generaldirektor, 1895 Intendant der bayr. Hofbühne, 1898 sogar in den Adelstand erhoben – eine Karriere, die in der modernen Schauspielgeschichte ohnegleichen dasteht. Wenn man seine Großtaten als Schauspieler – abgesehen von den bereits früher erwähnten Meisterleistungen – wie der Neubelebung von Byrons »Manfred« (er brachte diese mystische Figur zum ersten Male in Deutschland auf der Münchner Hofbühne siegreich zur Verkörperung, 18. Februar 1868), seines »Advokaten Behrend« im »Fallissement«, »Rabbi Sichel«, »Napoleon I.« etc., Kabinettstücke feinsinniger Charakterisierungskunst erwähnt, so muß man auch seiner bahnbrechenden Tätigkeit als Bühnenleiter und Regisseur gedenken. Hierzu gehören die effektvollen, in mustergültiger Weise inszenierten Aufführungen Wagnerscher Werke, wie nicht minder die Vorführung der Opern Mozarts zum erstenmal nach dem Original, nebst anderen wichtigen organisatorischen Taten auf dem Gebiete der Oper und des Dramas, und endlich das von ihm ins Leben gerufene Prinzregententheater, das am 22. August 1901 mit »Meistersinger« feierlichst eröffnet wurde und seinem Schöpfer neuerdings Ruhm und Ehre brachte.

Stets erfolgreich bemüht, das Interesse für Wagners Schöpfungen zu fördern, veranstaltete er März 1902 einen auf vier Abende berechneten Cyklus von Rezitationen der Tetralogie, Textdichtung (»Rheingold«, »Walküre«, »Siegfried« und »Götterdämmerung«), um durch das Studium der Wortdichtung, welche er durch seinen Vortrag zu erleichtern bestrebt war, das Verständnis des Musikdramas zu erhöhen. 1887 verließ P. für einige Zeit das Münchner Hoftheater, beteiligte sich 1888 als »Nathanan« an der Eröffnungsvorstellung des Lessingtheaters in Berlin, woselbst er ein Jahr künstlerisch wirkte, heimste auch in Amerika ungeheuerliche Erfolge ein, durchzog dann gastierend noch ganz Deutschland, Rußland, Holland, leuchtende Spuren seiner Kunst hinterlassend, um 1892 wieder unter das schützende Dach des königlichen Hoftheaters nach München zurückzukehren. P.’s Wirken und Schaffen bleibt für alle Zeit mit der Geschichte des Münchner Hoftheaters, welche Bühne ihm eine neue Ära verdankt, auf das innigste verflochten.

Ludwig Eisenberg’s Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Leipzig, 1903.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Possart Ernst, von, Ritter, Dr. phil., 1841 (Berlin) – 1921, Schauspieler und Generalintendant der Münchner Hoftheater; er trat als Lehrling in eine Berliner Buchhandlung ein, wo er den Schauspieler W. Kaiser kennenlernte, der seine Ausbildung ermöglichte; seine ersten Engagements erhielt er in Breslau, 1862 in Bern und 1863 in Hamburg; seit 1864 war P. Charakterspieler am Münchner Hoftheater, 1872 dort Regisseur, 1878 Schauspieldirektor und von 1895–1905 Generalintendant; durch »Gesamtgastspiele« (Musteraufführungen mit bedeutenden Schauspielern deutscher Bühnen) machte er sich 1880 bekannt; damit wurde P. der Begründer einer Tradition, die mit dem alljährlichen Münchner Festspielsommer immer stärkere Bedeutung gewann; 1901 gründete er das Prinzregententheater (für Wagner-Opern), seit 1905 gastierte P., ein stark rhetorisch-pathetischer Schauspieler, als Rezitator; er inszenierte die Mozartschen Opern neu, führte im Münchner Residenztheater eine drehbare Bühne ein, sein letztes Werk war die Neuinszenierung von K. M. von Webers Freischütz; daneben schrieb P. auch Fachschriften (Der Lehrgang des Schauspielers, Die Kunst des Sprechens, Erstrebtes und Erlebtes, Erinnerungen – Selbstbiographie).

Hauptrollen: Franz Moor, Nathan, Marinelli, Antonio, Geßler, Mephisto, Manfred.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#31 – 1 – 33·34 (Pettenkofer)


MAX
VON
PETTENKOFER
1818
1901


  • Pettenkofer, Helene von (vh) / Pettenkofer (gb); – 6.10.1890 (München), 71 Jahre alt; Universitätsprofessors-Gattin
  • Pettenkofer, Max von, Dr. med. / Tenkof (ps); 3.12.1818 (Lichtenheim bei Neuburg a.d. Donau) – 10.2.1901 (München), Tod durch Selbstmord; Hygieniker und Schauspieler

Todesanzeige für Helene von Pettenkofer

Grab der Familie Pettenkofer auf dem Alten Südfriedhof München (März 2008)

#Dr. med. Max von Pettenkofer / Tenkof (ps)

* 3.12.1818 (Lichtenheim bei Neuburg a.d. Donau)
† 10.2.1901 (München), Tod durch Selbstmord
Hygieniker und Schauspieler

#Illustrirtes Kreuzerblatt (1869)

Max Joseph Pettenkofer.

Der Träger dieses in der Gelehrtenwelt häufig genannten Namens ist zu Lichtenstein bei Neuburg in Bayern am 3. Dezember 1818 geboren, Sohn eines Landwirthes. Er besuchte, nachdem er seine ersten Jugendjahre in dem einsam im Donaumoor gelegenen väterlichen Hause zugebracht, die Lateinschule und das Gymnasium zu München mit ausgezeichnetem Erfolge und ging im Herbste 1837 an die dortige Universität über. Hier studirte er Philosophie, Chemie und Medicin, und wurde am 30. Juni 1843 zum Doctor der Medicin, Chirurgie und Geburtshilfe promovirt, worauf er jedoch, um unter J. Scherer und J. v. Liebig seine wissenschaftliche Ausbildung zu vollenden, noch die Universitäten Würzburg und Gießen bezog. Später arbeitete er als Assistent an der königlichen Münzanstalt zu München. Seine wissenschaftliche Bedeutung ward früh anerkannt; denn schon 1846 erwählte ihn die bayerische Akademie der Wissenschaften zu ihrem Mitgliede; 1847 wurde er zum Professor an der medicinischen Fakultät der münchener Universität ernannt. Im Jahre 1850 starb sein Oheim, der königliche Leib- und Hofapotheker Dr. Franz Pettenkofer, welcher viel Einfluß auf den wissenschaftlichen Bildungsgang des Neffen genommen. Letzterem wurde hierauf an Stelle des Verstorbenen die Hofapotheke anvertraut, später ward er noch Mitglied des Obermedicinalausschusses.

Man kann wohl behaupten, daß diese vielseitige Beschäftigung, die einen Anderen verflacht haben würde, auf Pettenkofer’s Genie einen höchst günstigen Einfluß nahm und es zu jenen Folgen brachte, die dem Manne einen bleibenden Namen in seiner Wissenschaft verschaffen. Pettenkofer hatte sich von vornherein auf einen hohen Standpunkt gestellt, welcher ihm erlaubte, nach allen Seiten hin seine wissenschaftlichen Hebel in Bewegung zu setzen, wo immer sie auf die Bedürfnisse der Zeit einwirken konnten. Dabei unterstützte ihn eine imposante Arbeitskraft. So konnte er Arbeiten schaffen wie jene über die Affinirung des Goldes, über die Verbreitung des Platins, über Cemente. Glänzend sind seine Verdienste um die Fabrikation von Leuchtgas aus Holz und Torf, welche auch sofort unmittelbar praktische Würdigung fanden. Von höherer Bedeutung noch sind seine seit Jahren ununterbrochenen Arbeiten über die Verbreitung der Cholera, verbunden mit seinen Untersuchungen der Bewegung und sanitätlichen Einwirkungen des Grundwassers, welche ihn in jüngster Zeit bis nach Spanien geführt haben. Diese Untersuchungen sind es, welche ihm den größten wissenschaftlichen Ruf verschafften, freilich nicht ohne eine lebendige Polemik zu veranlassen, welche indessen schließlich mit dem Siege Pettenkofer’s endete. Ein von ihm erfundener Respirationsapparat, aufgestellt im münchener physiologischen Institute, verschaffte ihm neue Lorbeeren. Dieser Apparat, das größte existirende Meßinstrument für wissenschaftliche Zwecke, gestattet die genaueste Beobachtung und Untersuchung der dem athmenden Organismus zu- und abströmenden atmosphärischen Luft und ihre sowie ihrer einzelnen Bestandtheile Messung. Dieser Apparat wird durch eine Dampfmaschine bedient und enthält eine förmliche Wohnung; die Mittel zu der kostspieligen Herstellung bot König Maximilian. Eine andere Erfindung Pettenkofer’s, die in der Kunstwelt das größte Aufsehen machte, ist sein Regenerationsverfahren. Durch einen einfachen chemischen Proceß macht es dieses Verfahren möglich, alte Oelgemälde, welche den Glanz und das Licht ihrer Farben verloren haben und deren Farbenfläche durch kleine Risse vielfach zersprengt ist, in ursprünglicher Schönheit wieder herzustellen. Dabei wird die Restauration durch den Pinsel, welche eben so viel werthvolle Kunstschöpfungen zerstört als wiederhergestellt hat, überflüssig gemacht.

Die Praxis, deren Verhältniß zur wissenschaftlichen Theorie Pettenkofer in einer der schönsten und gehaltreichsten Universitätsreden, die je gehalten wurden, dargelegt hat, hat die Erfindungen Pettenkofer’s längst zu verwerthen begonnen.

Pettenkofer ist eine liebenswürdige, anspruchslose Persönlichkeit und unstreitbar eine der ideenreichsten Gelehrten der modernen Wissenschaft, welche von dem noch im Vollgenusse seiner schöpferischen Geisteskraft stehenden Mann das Größte erwarten darf. Der verstorbene König Maximilian ehrte ihn und nahm ihn unter die Ritter des Maximiliansordens für Kunst und Wissenschaft auf; die münchener Universität erwählte ihn 1865 zum Rektor.

Illustrirtes Kreuzerblatt Nr. 69. Eine Wochenschrift für Jedermann. Augsburg, 1869.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Pettenkofer Max Dr. med., von, 1818 (Lichtenheim bei Neuburg a. d. Donau) – 1901, Mediziner, Hygieniker, Obermedizinalrat und Universitätsprofessor; P. studierte in München, war zuerst Apotheker, dann Schauspieler, bildete sich jedoch schließlich in München, Würzburg und Gießen (u. a. bei J. von Liebig) weiter aus, arbeitete als Technologe am Münzamt, wurde 1853 Professor der med. Chemie und 1865 (erster) Professor der Hygiene in München; P. ist der Begründer der experimentellen Hygiene in Mitteleuropa; die ersten Beobachtungen stellte er an der Luft in Wohnräumen, dem Gaswechsel und der Folgen der Bekleidung beim Menschen fest; die Cholera veranlaßte ihn zur Erforschung des Grundwassers; größtenteils ist die moderne Kanalisation unserer Städte auf P. zurückzuführen; er hat sich somit nicht nur um München, sondern um ganz Mitteleuropa verdient gemacht; München verdankt außerdem P. seine großartige Wasserversorgung aus dem Taubenberg; nebenbei beschäftigte sich P. auch mit der Erhaltung und Wiederauffrischung alter Ölgemälde, zu deren Behandlung er das sogenannte Pettenkofersche Regenerationsverfahren erfand; Mitherausgeber des »Archiv für Hygiene«.

Hauptwerke: Über den Luftwechsel in Wohngebäuden, Cholera-Regulative, Das Kanal- oder Sielsystem in München, Boden und Grundwasser in ihren Beziehungen zu Cholera und Typhus.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#31 – 2 – 1 (Jacob · Wittmayr)


August Jacob,
Kaufmann,
geb. 7. Jan. 1837, gest. 18. April 1887.
Theobald Jacob,
Kaufmann,
geb. 31. Juli 1864, gest. 4. Juli 1887.
Jerta Jacob,
geb. 9. Juni 1838, gest. 7. Mai 1914.
Max Wittmayr,
Kaufmann,
geb. 3. Sept. 1861, gest. 13. Nov. 1933.
Eugenie Jacob,
geb. 23. Sept. 1865, gest. 22. Nov. 1942.

Familie Jacob.

31.2.1. Kosenbach.


  • Jacob, August; 7.1.1837 – 18.4.1887; Kaufmann
  • Jacob, Eugenie; 23.9.1865 – 22.11.1942
  • Jacob, Jerta; 9.6.1838 – 7.5.1914
  • Jacob, Theobald; 31.7.1864 – 4.7.1887; Kaufmann
  • Wittmayr, Max; 3.9.1861 – 13.11.1933; Kaufmann

Grab der Familien Jacob · Wittmayr auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#31 – 2 – 2 (Geyer)


Hier ruhen in Frieden
Frau Ida Geyer
geb. Schmidt
Bahnverwaltersgattin
* 10.VII.1842 † 20.VI.1881.
Herr Karl Geyer
kgl. Bahnverwalter
* 1.III.1828 † 15.XII.1881.
Fräulein Wilhelmine Geyer
Hauptlehrerin i. R.
* 1.IV.1865 † 26.1.1932.


  • Geyer, Ida (vh) / Schmidt (gb); 10.7.1842 – 20.6.1881; Bahnverwalters-Gattin
  • Geyer, Karl; 1.3.1828 – 15.12.1881; Königlicher Bahnverwalter
  • Geyer, Wilhelmine; 1.4.1865 – 26.1.1932; Hauptlehrerin i. R.

Grab der Familie Geyer auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#31 – 2 – 3 (Fuchs · Kurz · Ragaller)


Hier ruhen in Gott
Herr Joseph Kurz,
Privatier
geb. 3. Januar 1836, gest. 7. Dezember 1902.
Frau Maria Kurz,
gest. 19. Juli 1874 im 39. Lebensjahre.
Frau Johanna Kurz,
gest. 10. April 1894 im 62. Lebensjahre.

Sockel
Grabstätte der Familie Kurz.

31.2.3.

Rechte Seite
Aufleger

Linke Seite
Unsere geliebten Kinder
Joseph Emil Ragaller
geb. 11. Sept. 1891, gest. 5. Okt. 1891.
Wilh. Friedrich Ragaller
geb. 6. April 1895, gest. 18. Juli 1897.
Edeltraud Marie Ragaller
geb. 9. Juni 1899, gest. 15. Juli 1899.

Rechte Seite
Frau Theresia Fuchs
geb. Kurz
geb. 6. Nov. 1871, gest. 4. Febr. 1897.


  • Fuchs, Theresia (vh) / Kurz (gb); 6.11.1871 – 4.2.1897
  • Kurz, Johanna (vh); – 10.4.1894, 61 Jahre alt
  • Kurz, Josef; 3.1.1836 – 7.12.1902; Privatier
  • Kurz, Maria (vh); – 19.7.1874 (München), 38 Jahre alt; Schreinergehilfens-Gattin
  • Ragaller, Edeltraud Marie; 9.6.1899 – 15.7.1899
  • Ragaller, Josef Emil; 11.9.1891 – 5.10.1891
  • Ragaller, Wilh. Friedrich; 6.4.1895 – 18.7.1897

Grab der Familien Fuchs · Kurz · Ragaller auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2011)

#31 – 2 – 8 (Neuper)


Grab der Familie Neuper auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#31 – 2 – 12 (Tauber)


Familien-Grabstaette.

Herr Friedrich Tauber,
städt. Ingenieur
geb. 25.XII.1841, gest. 12.XII.1886.
Herr Heinrich Tauber,
geb. 2.X.1870, gest. 17.II.1888.
Frau Maria Tauber,
geb. Tonella,
geb. 25.V.1844, gest. 13.III.1895.
Herr Wilhelm Tauber,
k. Rat,
geb. 24.II.1837, gest. 3.II.1912.
Frau Anna Tauber,
Ingenieurs-Wwe.
geb. 19.II.1850, gest. 19.IX.1927.


  • Tauber, Anna (vw); 19.2.1850 – 19.9.1927; Ingenieurs-Witwe
  • Tauber, Friedrich; 25.12.1841 – 12.12.1886; Städtischer Ingenieur
  • Tauber, Heinrich; 2.10.1870 – 17.2.1888
  • Tauber, Maria (vh) / Tonella (gb); 25.5.1844 – 13.3.1895
  • Tauber, Wilhelm; 24.2.1837 – 3.2.1912; Rat

Grab der Familie Tauber auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#31 – 2 – 13 (Wollbauer)


Barbara Wollbauer
geb. Höllriegel
Xaver Wollbauer


  • Wollbauer, Barbara (vh) / Höllriegel (gb)
  • Wollbauer, Xaver

Grab der Familie Wollbauer auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

Grab der Familie Wollbauer auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#31 – 2 – 21 (Hörbrand · Schärfl)


Ruhet sanft!

Hier ruhen
unsere teuren,
unvergesslichen Eltern:
HERR WILHELM SCHÄRFL
Realitätenbesitzer
geb. 21. Juni 1846, gest. 24. Okt. 1929
FRAU FRANZISKA SCHÄRFL
geb. 11. Feb. 1853, gest. 24. Juni 1902.
Unsere lieben Grosseltern
HERR MICHAEL HÖRBRAND
geb. 1. Jan. 1825, gest. 22. Mai 1905.
FRAU JOHANNA HÖRBRAND
geb. 20. Mai 1821, gest. 23. Feb. 1887.

Sockel
.31.2.21. H. Schnitzer u. S.


  • Hörbrand, Johanna (vh); 20.5.1821 – 23.2.1887; Milchhändlers-Gattin
  • Hörbrand, Michael; 1.1.1825 – 22.5.1905; Milchhändler
  • Schärfl, Franziska (vh); 11.2.1853 – 24.6.1902
  • Schärfl, Wilhelm; 21.6.1846 – 24.10.1929

Grab der Familien Hörbrand · Schärfl auf dem Alten Südfriedhof München (September 2019)

#31 – 2 – 22 (Haller)


Grab der Familie Haller auf dem Alten Südfriedhof München (März 2021)

#31 – 2 – 28 (Leisewitz)


Hier ruhet in Frieden
Frau Ottilie Leisewitz
geb. zu Berleburg, 13. Juni 1845,
gest. zu München, 6. Februar 1887.
Ihr folgte ihr Gatte
Dr. phil. Carl Leisewitz
o. Professor
a. d. kgl. Techn. Hochschule
zu München.
geb. zu Dorfmark 21. Dez. 1831.
gest. zu München 19. Dez. 1916.

Familie Leisewitz.

A. Aufleger 31.2.28.


  • Leisewitz, Karl, Prof. Dr. rer. nat.; 21.12.1831 (Dorfmark b. Hannover) – 19.12.1916 (München); Professor für landwirtschaftliche Betriebslehre
  • Leisewitz, Ottilie (vh); 13.1.1845 (Berleburg) – 6.2.1887 (München); Professors-Gattin

Grab der Familie Leisewitz auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#31 – 2 – 31 (Sinzinger)


Grab der Familie Sinzinger auf dem Alten Südfriedhof München (März 2021)

#31 – 2 – 33 (Wohnlich)


Hier ruht in Frieden
Ida Freiin von Wohnlich,
geb. den ¿. Juni 1821,
gest. den 1¿. April 1882.

"Ich habe Dich je und je geliebt,
darum habe ich Dich zu mir
gezogen aus lauter Güte."
Jeremia 3.

Rechte Seite
¿


  • Wohnlich, Ida Freiin von; Juni 1821 – 11.4.1882 (München), 60 Jahre alt

Todesanzeige für Freiin von Wohnlich

Grab der Familien Wohnlich auf dem Alten Südfriedhof München (März 2021)

#31 – 2 – 34 (Bausewein)


1838 *
KASPAR
BAUSEWEIN
† 1903
HOFOPERN und
KAMMER-
SÄNGER


  • Bausewein, Kaspar; 15.11.1838 (Aub/Unterfranken) – 18.11.1903 (München); Sänger

Grab der Familie Bausewein auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Kaspar Bausewein

* 15.11.1838 (Aub/Unterfranken)
† 18.11.1903 (München)
Sänger

#Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903)

Bausewein Caspar, geb. am 15. November 1838 in Bayern, erhielt seine Ausbildung von Dr. Hartinger in München und wurde bereits am 1. Oktober 1858 ans Hoftheater daselbst verpflichtet, dem er ununterbrochen bis 1901 angehörte. Er beherrschte das ganze Baß- und Baßbusso-Fach, er war ein echter Bassist der deutschen Schule, für den weder stimmlich noch künstlerisch eine Grenze seines Könnens existierte, der aber sein Höchstes in Rollen bot, wo er seinen jovialen köstlichen Humor auslassen konnte – ein Spielbaß sondergleichen. Als unübertroffen in dieser Hinsicht galt sein »Basilio« im »Barbier«, sein »van Bett« im »Zar und Zimmermann« sowie »Caspar«, »Leporello«, »Figaro«, »Papageno«, »Kellermeister« etc. Sein Abschied von der Bühne bildete ein wahres Familienfest des Münchener Hoftheaters, denn er dankte, nach mehr als vierzigjähriger höchst erfolgreicher Wirksamkeit reich an Ehren und Auszeichnungen, ab, als man noch sagen mußte, »schade daß er geht.« B., in Anerkennung seiner Verdienste längst zum bayrischen Kammersänger ernannt, hat seinen Wohnsitz in München beibehalten.

Ludwig Eisenberg’s Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Leipzig, 1903.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Bausewein Kaspar, 1838 (Aub/Unterfranken) – 1903, Hofopern- und Kammersänger; er sollte Schneider wie sein Vater werden, wollte aber nicht; im Lehrerseminar zu Würzburg erkannte man seine musikalischen Fähigkeiten, so kam er nach München, wo F. von Lachner von seinem Baß so überrascht war, daß er ihn sofort dem Intendanten des Hoftheaters empfahl; B. kam in den Opernchor, er wollte aber Solosänger werden und ging deshalb zu dem berühmten Tenor Dr. Härtinger; 1858 wurde B. für die Münchner Oper engagiert; der Sarastro war seine erste Solorolle; musikalisch durch und durch, beherrschte er das ganze seriöse und Buffobaßfach, war Meister im Kontrapunkt, spielte Gitarre und blieb dabei als das nützlichste Mitglied der Oper mit einer geringen Gage zufrieden; B. war der erste Pogner in den Meistersingern, der erste Fafner in Rheingold, der erste Hunding in der Walküre; bei den anstrengenden Wagner-Aufführungen zog er sich eine Stimmbändererkrankung zu; mit Fra Diavolo nahm B. 1900 von der Bühne für immer Abschied; durch seinen zündenden Humor und seine geistvolle Gestaltungsweise konnte er alle fesseln.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#31 – 3 – 1 (Mantey)


Grab der Familie Mantey auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#31 – 3 – 27 (Stelzl)


Grab der Familie Stelzl auf dem Alten Südfriedhof München (März 2021)

#31 – 3 – 28 (Wengenmaier)


Familien-Grab.

Hier ruht
Frau
Theresia Wengenmaier
Schreinermeisters-Gattin
geb. 10. Juli 1847
gest. 2. April 1887.
Ihr folgte unser lieber Vater
Herr
Michael Wengenmaier
Schreinermeister
geb. 14. Mai 1841
gest. 1. Juni 1889.


  • Wengenmaier, Michael; 14.5.1841 – 1.6.1889; Schreinermeister
  • Wengenmaier, Theresia (vh); 10.7.1847 – 2.4.1887

Grab der Familie Wengenmaier auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#31 – 3 – 32 (Essig)


Ruhestätte der Familie Essig.

Hier ruht
unsere unvergessliche Tochter
Fräulein Crescentia Essig,
Fabrikantenstochter,
geb. 10. Juli 1871, gest. 4. März 1892.
Ihr folgte
die liebe Mutter, Gattin u. Grossmutter
Frau Rosina Essig,
Fabrikantens-Gattin,
geb. am 12. April 18¿. gest. am 21. Juni 1905.
Ihnen folgte ihr Gatte
Herr Karl Essig,
Fabrikant
geb. am 5. Juni 1839, gest. am 16. Sept. 1906.

Sockel
Unser lieber Gatte u. Vater
Herr Martin Essig, Fabrikant,
geb. 12. Jan. 1867, gest. 24. Febr. 1934.
u. unsere liebe Mutter Frau Fanny Essig
geb. 1. Juli 1869, gest.

Rechte Seite
Ant. Weigel.


  • Essig, Fanny (vw); 1.7.1869 –; Fabrikantens-Witwe
  • Essig, Karl; 5.6.1839 – 16.9.1906; Fabrikant
  • Essig, Kreszentia; 10.7.1871 – 4.3.1892; Fabrikantens-Tochter
  • Essig, Martin; 12.1.1867 – 24.2.1934; Fabrikant
  • Essig, Rosina (vh); 12.4.18¿ – 21.6.1905; Fabrikantens-Gattin

Grab der Familie Essig auf dem Alten Südfriedhof München (März 2021)

#31 – 4 – 2 (Dörr)


Grab der Familie Dörr auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2012)

#31 – 4 – 3 (Mayer)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Mayer, Karl; – 1887; Postaspirant

Grab der Familie Mayer auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2012)

Grab der Familie Mayer auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2021)

Grab der Familie Mayer auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2021)

#31 – 4 – 4 (Bader · Forstner)


Mathias Forstner
1860 – 1901
Mathias 1900 – 1901
Anna Bader
verwitw. Forstner
1874 – 1933.
Johann Bader
1871 – 1937.

Linke Seite
Unsere lieben Kinder
Eugen
geb. d. ¿. Mai 1891,
gest. d. ¿. Mai 1891.
Franz
Ludwig Ferdinand,
geb. d. 30. März 1897,
gest. d. 18. Mai 1897.


  • Bader, Anna (gb) / Forstner (vw); 1874 – 1933
  • Bader, Eugen; ¿.5.1891 – ¿.5.1891
  • Bader, Franz Ludwig Ferdinand; 30.3.1897 – 18.5.1897
  • Bader, Johann; 1871 – 1937
  • Forstner, Mathias; 1860 – 1901
  • Forstner, Mathias; 1900 – 1901

Grab der Familien Bader · Forstner auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2012)

#31 – 4 – 5 (Selner)


Grab der Familie Selner auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#31 – 4 – 6 (Vollmar)


Hier ruht
unsere einzige Freude
unser liebes Kind
Fritz Vollmar,
geb. 8. Aug. 1894,
gest. 17. Jan. 1896.
Ihm folgte
seine gute Mutter, Frau
Babette Vollmar,
geb. Friess,
geb. 7. Nov. 1865.
gest. 29. April 1900.


  • Vollmar, Babette (vh) / Friess (gb); 7.11.1865 – 29.4.1900
  • Vollmar, Fritz; 8.8.1894 – 17.1.1896

Grab der Familie Vollmar auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#31 – 4 – 10 (Kolb · Obermaier · Wolf)


Hier ruhen in Gott:
Michael Obermaier, k. Spezialkassier a. D.
* 4. Sept. 1822, † 3. Nov. 1895.
Therese Obermaier, Gattin.
* 26. Aug. 1828, † 7. Juli 1906.
Karl Obermaier, Realgymnasiast,
* 3. Nov. 1856, † 20. Aug. 1874.
Antonie Kolb, k. Expeditorswitwe,
* 6. Jan. 1807, † 19. April 1884.
Wilhelm Wolf, Gymnasiast,
* 13. Aug. 1881, † 23. Sept. 1898.

Sockel
Unser lieber Schwiegersohn, Gatte, Vater,
Bruder, Schwager u. Onkel:
Wilhelm Wolf, k. Oberstleutnant a. D.
geb. 30. März 1841, gest. 10. Nov. 1904.

31.4.10. Schwarz


  • Kolb, Antonie (vw); 6.1.1807 – 19.4.1884; Expeditors-Witwe
  • Obermaier, Karl; 3.11.1856 – 20.8.1874 (Kampenwand/Chiemgau), Tod durch Bergunfall; Realgymnasiast
  • Obermaier, Michael; 4.9.1822 – 3.11.1895; Königlicher Spezialkassierer a. D.
  • Obermaier, Therese (vw); 26.8.1828 – 7.7.1906; Spezialkassierers-Witwe
  • Wolf, Wilhelm; 13.8.1881 – 23.9.1898; Gymnasiast
  • Wolf, Wilhelm; 30.3.1841 – 10.11.1904; Königlicher Oberstleutnant a. D.

Grab der Familien Kolb · Obermaier · Wolf auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2012)

#31 – 4 – 15 (Koch)


Grab der Familie Koch auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#31 – 4 – 25 (Obermaier)


Grab der Familie Obermaier auf dem Alten Südfriedhof München (März 2021)

#31 – 4 – 34 (Stoll)


Grab der Familie Stoll auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#31 – 5 – 7 (Kerner · Klotz)


Grab der Familien Kerner · Klotz auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2012)

#31 – 5 – 9 (Braun · Kunkel)


Familiengrab
Braun-Kunkel


  • Braun, Georg; – 1891; Königlicher Polizeifunktionär

Grab der Familien Braun · Kunkel auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2012)

#31 – 5 – 23 (Meier)


Hier ruht in Gott
unser lb. herzensguter Gatte u. Vater
Herr Michael Meier
städt. Bürodiener.
geb. 29.6.1849. gest. 9.9.1923.
Ihm folgte
seine treubesorgte Gattin unsere
liebe gute Mutter
Frau Anna Meier
geb. 12.3.1850. gest. 16.3.1935.


  • Meier, Anna (vw); 12.3.1850 – 16.3.1935; Bürodieners-Witwe
  • Meier, Michael; 29.6.1849 – 9.9.1923; Städtischer Bürodiener

Grab der Familie Meier auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2017)

#31 – 5 – 27 (Strampfer)


Grab der Familie Strampfer auf dem Alten Südfriedhof München (März 2021)

#31 – 6 – 1 (Heymann)


Hier ruhet in Gott:
Frau Franziska Heymann,
k. p. Sattelkammerdieners Gattin
geb. 30. April 1807, gest. 9. Febr. 1887.
Herr Friedrich Heymann
k. p. Hofsattelkammerdiener,
geb. 28. Sept. 1809, gest. 29. Dezbr. 1888.
Herr Carl Heymann,
frg. k. Advokat u. Rechtsanwalt.
geb. 3. April 1836 zu München.
gest. 11. Januar 1903 zu München.

Linke Seite
M. Sepp.


  • Heymann, Franziska (vh); 30.4.1807 – 9.2.1887; Sattelkammerdieners-Gattin
  • Heymann, Friedrich; 28.9.1809 – 29.12.1888; Hofsattelkammerdiener
  • Heymann, Karl; 3.4.1836 (München) – 11.1.1903 (München); Advokat und Rechtsanwalt

Grab der Familie Heymann auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2017)

#31 – 6 – 10 (Geiger)


Walburga Geiger
geb. Müller
* 28.4.1847 † 26.11.1908
Anton Geiger
* 28.11.1887 † 1.11.1909


  • Geiger, Anton; 28.11.1887 – 1.11.1909
  • Geiger, Walburga (vh) / Müller (gb); 28.4.1847 – 26.11.1908

Grab der Familie Geiger auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2022)

#31 – 6 – 15 (Bromberger)


Familien-Grab

Hier ruhen in Gott
Herr Cölestin Bromberger
Obermüller
¿ Sept. 1828 gest. 5. ¿
und dessen Gattin
Frau Barbara Bromberger
¿ Juni 1839 gest. 26. ¿


  • Bromberger, Barbara (vw) / Bindl (gb); – (28).3.1905 (München), 65 Jahre alt; Melberstochter aus München / Müllers-Witwe
  • Bromberger, Cölestin; 9.1828 – 5.2.1877 (München); Obermüller

Grab der Familie Bromberger auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2022)

#31 – 6 – 26 (Echinger)


¿
Herr Josef Echinger
Lehrer,
¿
Frau Babette Echinger
geb. Di¿
¿
Maria Echinger
¿
Konrad Echinger
¿


  • Echinger, Babette (vw) / Ditterich (gb); – 5.5.1922 (München), 79 Jahre alt; Lehrers-Witwe
  • Echinger, Josef
  • Echinger, Konrad
  • Echinger, Maria

Grab der Familie Echinger auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2022)

#31 – 6 – 33 (Hoerhager · Kornbrust · Lahr · Stiglbauer)


Familie
Hoerhager

Hier ruht in Gottes Frieden:
Frau Magdalena Hoerhager
– geb. Kornbrust –
eine wahrhaft edle, unvergeßliche Gattin u. Mutter
geb. 9.IX.1857 gest. 10.X.1924
Mein herzensguter teurer Vater
Herr Laurentius Hoerhager
geb. 10.VIII.1858 gest. 31.III.1943

Rechte Seite
Tafel
Zum Gedenken:
Georg Stiglbauer
* 14.4.1853 † 5.5.1881
Therese Kornbrust
* 29.7.1816 † 7.1.1892
Johann Kornbrust
* 10.5.1816 † 12.4.1892
Maria Lahr
geb. Kornbrust
* 23.2.1840 † 6.3.1900
Kath. Kornbrust
* 17.11.1854 † 10.10.1906
Johann Kornbrust
* 23.3.1861 † 13.9.1901

31-06-33 L. HOERHAGER

Sockel
L. HOERHAGER. BILDH. 31.6.33


  • Hoerhager, Laurentius/Lorenz; 10.8.1858 – 31.3.1943; Architekt und Bildhauer
  • Hoerhager, Magdalena (vh) / Kornbrust (gb); 9.9.1857 – 10.10.1924
  • Kornbrust, Johann; 10.5.1816 – 12.4.1892
  • Kornbrust, Johann; 23.3.1861 – 13.9.1901
  • Kornbrust, Kath.; 17.11.1854 – 10.10.1906
  • Kornbrust, Therese; 29.7.1816 – 7.1.1892
  • Lahr, Maria (vh) / Kornbrust (gb); 23.2.1840 – 6.3.1900
  • Stiglbauer, Georg; 14.4.1853 – 5.5.1881

Grab der Familien Hoerhager · Kornbrust · Lahr · Stiglbauer auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2011)

#31 – 7 – 28 (Finkenbach · Rotermundt)


Hier ruhet
Herr ¿. Heinr.
Finkenbach
Kaufmann
¿

Sockel
Ruhe in Frieden
¿

Linke Seite
Appolonia
Rotermundt
1836 – 1915.


  • Finkenbach, Heinr.; Kaufmann
  • Rotermundt, Appolonia; 1836 – 1915

Grab der Familien Finkenbach · Rotermundt auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2022)

#31 – 7 – 32 (Wochinger)


Hier ruht in Gott
der theuerste beste Gatte u. Vater
Herr Otto Wochinger
kgl. Hauptmann a. D.
geb. 21. März 1821. gest. 9. Febr. 1892.
Ihm folgte seine treue Gattin
Frau Sofie Wochinger
geb. Abel,
Hauptmanns-Witwe.
geb. 13. April 1842. gest. 7. April 1913.

Auf Wiederseh'n.

31.7.32. Rehm.


  • Wochinger, Otto; 21.3.1821 – 9.2.1892; Hauptmann a. D.
  • Wochinger, Sofie (vw) / Abel (gb); 13.4.1842 – 7.4.1913; Hauptmanns-Witwe

Grab der Familie Wochinger auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2022)

#31 – 8 – 34 (Hänlein · Hänlein-Petri)


Familie
Haenlein

Linke Seite
Karl Haenlein
1874 † 1914
Else Haenlein-Petri
1882 – 1932


  • Hänlein, Karl; 1874 – 1914
  • Hänlein, Wilhelmine (vw); – 1886 (München); Ministerialrats-Witwe
  • Hänlein-Petri, Else; 1882 – 1932

Grab der Familien Hänlein · Hänlein-Petri auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#31 – 9 – 4 (Dandler)


Hier ruhet
unser lieber, unvergesslicher Gatte u. Vater
Herr Carl Dandler,
k. württ. Hofsänger,
geb. 25. Mai 1828, gest. 21. Mai 1893.
Ihm folgte unsere heissgeliebte,
treubesorgte Mutter
Frau Anna Dandler, geb. Rueff,
geb. 9. März 1832, gest. 1. April 1895.
Deren Tochter
Fräulein Anna Dandler.
k. bayr. Hof- & Kammerschauspielerin,
geb. 14. März 1862. gest. 17. Sept. 1930.


  • Dandler, Anna; 14.3.1862 (Stuttgart) – 17.9.1930 (Wiesbaden); Schauspielerin
  • Dandler, Anna (vw) / Rueff (gb); 9.3.1832 – 1.4.1895
  • Dandler, Karl Max; 25.5.1828 – 21.5.1893; Sänger

Todesanzeige für Anna Dandler

Anna Dandler. Porträt- und Ansichtensammlung der Bayerischen Staatsbibliothek.

Postkarte: Anna Dandler als »Beate« in »Es lebe das Leben«

Grab der Familie Dandler auf dem Alten Südfriedhof München (April 2021)

#Anna Dandler

* 14.3.1862 (Stuttgart)
† 17.9.1930 (Wiesbaden)
Schauspielerin

#Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903)

Dandler Anna, geboren im März 1864 in Stuttgart als die Tochter eines Chorführers am dortigen Hoftheater, der auch schauspielerisch und gesanglich wirkte. Als 15jähriges Mädchen betrat sie in Stuttgart zum erstenmal die Bühne. Eigentlich wollte sie Sängerin werden, wozu sie auch ihr Vater am liebsten erzogen hätte.

Durch Zufall jedoch wurde Clara Ziegler auf sie aufmerksam, das hübsche Kind gefiel der großen Tragödin, sie durfte ihr einige Rollen vorsprechen, gefiel ihr dann noch besser, sodaß sie ihr einen Engagementsantrag an die Meininger Hofbühne verschaffte. Da sie aber die Eltern nicht allein in die Fremde ziehen lassen wollten, so konnte D. diesen Antrag nicht annehmen. Clara Ziegler war von ihrem Talente jedoch derartig überzeugt, daß sie sie an Possart empfahl, und als dieser nach einem Probesprechen der Ansicht der Meisterin beipflichtete, zog die ganze Familie nach München, nachdem D. ans bayerische Hoftheater engagiert worden war. Zum erstenmal trat D. daselbst im Oktober 1880 als »Marketenderin« in »Wallensteins Lager« auf, und bewegte sich so zierlich und so sicher, daß es eine wahre Freude war. Auch zeigte sie bei dieser Gelegenheit so viel natürliches Temperament und so viel natürliche Begabung für die Bühne, daß ihr schon damals erfahrene Berufsgenossen eine bedeutende Laufbahn voraussagten.

Doch so verblüffend auch der Erfolg war, so kamen doch nicht gleich die großen Rollen, die »Julias« und »Ophelias«, von denen sie geträumt, und es dauerte acht Jahre, bis sie aus den Rollen der zweiten und dritten Liebhaberinnen, sowie der Stubenmädchen herauskam und endlich durch Intervention des Hofschauspielers Keppler in der Tat die »Julia« zugeteilt erhielt. Die vornehme Bühnenerscheinung, die liebliche Anmut, die Beherrschung des Dialoges, die geradezu blendende Technik und die Charakterisierungskunst der Künstlerin veranlaßten nun, daß man ihrer Gestaltungsfähigkeit auch andere hervorragende Partien auf klassischem Gebiete anvertraute, und sie errang als »Gretchen«, »Julia«, »Louise«, »Käthchen«, »Emilia Galotti«, »Melitta«, »Beatrice«, »Vasantafena« »Marie Beaumarchais« etc. unbedingte große Erfolge.

Ihr Sinn steht jedoch hauptsächlich nach dem modernen Stück, und hat sie auch bewiesen, in wie überaus vornehmer Weise sie die eleganten Frauen im modernen Konversationsstück zu verkörpern imstande ist. Sie braucht nur sich selbst zu geben, der Rolle den Stempel ihrer eigenen Individualität aufzudrücken, und die Wirkung ist unfehlbar. »Am siegreichsten ist D. dort,« erwähnt Otto Julius Bierbaum, »wo sie in Verbindung der warmen Innerlichkeit und schlichten Anspruchslosigkeit ihres Spieles die äußerlichen Gaben, die ihr von Mutter Natur in schöner Fülle beschert wurden, ins Feld führen kann. Sie tut dies – wo es sein kann – mit einem liebenswürdigen Zuge von Zurückhaltung, der auch ihre künstlerischen Leistungen überhaupt auszeichnet. Pastoses Auftragen, unnatürliches Verweilen im hohen Ton, deklamieren, kurz jedes leere Reimprunken ist ihr fremd. Ein naturgerechtes Spiel ist ihr Streben, dem sie beharrlich nachgeht.« Von den modernen Rollen seien erwähnt »Pepa« in »Maus«, »Leonie« in »Damenkrieg«, »Herzogin von Bligny« im »Hüttenbesitzer« und in neuerer Zeit »Goldene Eva«, »Magda« in der »Heimat« etc. Die Künstlerin zählt zu den namhaftesten, weiblichen Kräften des Münchener Hoftheaters.

Ludwig Eisenberg’s Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Leipzig, 1903.

#Alt-Münchner Theater-Erinnerungen (1924)

Anna Dandler und Elsa Brünner

Ich nenne sie zusammen, wenn sie auch verschiedenen Rollenfächern angehörten, als zwei hochbegabte Schwäbinnen, engste Landsmänninnen, beide in Stuttgart geboren und beide von frühester Jugend auf unverkennbar für die Bühne geschaffen.

Die Eine, Anna Dandler, ist im März 1864 als Tochter eines Chorführers am Stuttgarter Hoftheater geboren, der auch schauspielerisch wie gesanglich wirkte. Sängerin wollte und sollte die kleine Anna auch ursprünglich werden, als sie als Fünfzehnjährige zum erstenmale die Bretter betrat. Da sah sie zufällig Clara Ziegler. Das bildhübsche Kind gefiel ihr, noch mehr, als es ihr ein paar Rollen vorsprach. Auf die Empfehlung der großen Tragödin machte sogar die Meininger Hofbühne der jungen Dandler sofort einen Engagementsantrag, den die Eltern jedoch nicht annehmen zu können glaubten, weil sie ihr Kind nicht allein in die Fremde ziehen lassen wollten. Wohl aber zogen sie später mit ihm gern nach München, als die Ziegler auch Possart auf die talentvolle Schwäbin aufmerksam gemacht hatte und diese nach einem gelungenen Probesprechen fürs Münchner Hoftheater verpflichtet worden war. Trotzdem schon ihr Debut als Marketenderin in »Wallensteins Lager« im Oktober 1880 einen großen Erfolg bedeutete, kam sie doch noch lange nicht zu den ersehnten großen Rollen, die ihr erst ihr Kollege und Regisseur Keppler verschaffte. Nun durfte sie die Julia, Luise, Käthchen und Gretchen, noch lieber aber die unzähligen ersten Liebhaberinnen des modernen und Conversationsstückes spielen. Aus jener Zeit ist mir ihre Vasantasena in der gleichnamigen Bearbeitung des dem Könige Sudraka zugeschriebenen altindischen Schauspiels »Mricchatika« (Das irdene Wägelchen) durch Emil Pohl unvergeßlich geblieben. Dieses Stück, von dem unsere heutigen Bühnenleiter und Regisseure natürlich keine Ahnung mehr haben, wurde damals unzähligemale vor vollen Häusern gegeben mit der Dandler in der Hauptrolle als bildhübsche Vasantasena. Aber sie war nicht nur schön, sondern auch überaus liebenswürdig und von entzückender Natürlichkeit, in dieser wie in allen ihren anderen Rollen. Auch heute gehört Anna Dandler noch dem Schauspiel-Ensemble des Münchner Staatstheaters an, aber sie tritt nur mehr selten auf, in ernsten und heiteren Mütterrollen – auch heute noch eine sprechende Zeugin von der Glanzzeit des Münchner Hofschauspiels.

Alfred von Mensi-Klarbach: Alt-Münchner Theater-Erinnerungen; München 1924.

#Münchner Neueste Nachrichten (19.9.1930)

Anna Dandler †

Die Kammerschauspielerin Anna Dandler, die im vergangenen Jahr das Jubiläum 50-jähriger Zugehörigkeit zum Staatsschauspiel feiern konnte, ist am 17. September, 66 Jahre alt, nach längerer Krankheit gestorben. Durch Klara Ziegler kam Fräulein Dandler, die eine geborene Stuttgarterin war, 1879 unter Possart ans Münchner Hoftheater. Sie gehörte zu den beliebtesten und populärsten Mitgliedern unseres Nationaltheaters und war noch im letzten Jahr in klassischen Rollen eine kultivierte und im besten Sinne der Tradition wirkende Darstellerin. Als Julia, Gretchen, Luise, Emilia Galotti ist sie vielen älteren Theaterfreunden in bleibender Erinnerung.

Münchner Neueste Nachrichten Nr. 255. Freitag, den 19. September 1930.

#Münchner Neueste Nachrichten (24.9.1930)

Abschied von Anna Dandler

Daß die Kammerschauspielerin Anna Dandler sich in Vieler Herzen einen Platz erobert hatte, bewies das große Trauergeleite bei ihrer Bestattung am Dienstag im alten Südlichen Friedhof. Mit dem Generalintendanten Frhrn v. Franckenstein, dem Schauspieldirektor Pape und Oberspielleiter Fritz Basil waren die meisten Mitglieder des Staatsschauspiels erschienen; dazu hatte sich eine stattliche Zahl von Verehrern und Verehrerinnen eingefunden.

Zur Einleitung der Trauerfeier spielte Kapellmeister Dr. Julius Dorfelder auf dem Harmonium das »Salve Regina« aus dem »Evangelimann« von Kienzl. Dann setzte sich der lange Zug, voran die Fahne des Kathol. Begräbnisvereins, dessen Mitglieder mit brennenden Wachsfackeln den Sarg begleiteten, in Bewegung zum reichgeschmückten Grab, an dem auch schon prächtige Kränze, darunter ein Kranz von Prinz Ludwig Ferdinand, niedergelegt waren. Der Geistliche von St. Ludwig bezeichnete in seiner Ansprache die im Alter von 68 Jahren Heimgegangene als eine Frau von mildtätigem Herzen und religiöser Gesinnung. Sie sei aber auch als Mittlerin der Kunst, die berufen ist, ideale Gedanken in uns zu wecken, das Höchste, Ewige herabzuziehen, eine Botin des Himmels gewesen. Generalintendant Frhr. v. Franckenstein beklagte den schweren Verlust, den das Staatstheater durch den Tod der bis in die letzte Zeit tätig gewesenen Künstlerin erlitt. Er hob hervor, daß sie von unermüdlichem Fleiß und größter Pflichterfüllung war und sich für all das Schöne, was sie aus dem Schatz ihres Könnens uns geschenkt, den Dank der Ueberlebenden verdient hat, dem der Generalintendant durch Niederlegung eines Lorbeergebindes Ausdruck gab. Kammerschauspieler Friedrich Ulmer erinnerte daran, daß in Anna Dandler das letzte Mitglied eines Meister-Ensembles dahinging, das in den 70er und 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts das Münchner Hof- und Residenztheater zu einer der ersten deutschen Schaubühnen schuf. Eine Schalkhaftigkeit von drolligem Liebreiz war ihr wertvollster schauspielerischer Eigenbesitz. Sie war eine Aristokratin des Schauspielerstandes, ein wahrhaft adeliger Mensch, eine verehrungswürdige Frau. Für die Mitglieder des Staatsschauspiels weihte der Redner, mit poetischen Worten Abschied nehmend, den Lorbeer. Noch manch letzter Blumengruß wurde der liebenswürdigen Darstellerin in das Grab gelegt, in das sie ihre Schönheit mitnahm. H. R.

Münchner Neueste Nachrichten Nr. 260. Mittwoch, den 24. September 1930.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Dandler Anna, 1862 (Stuttgart) – 1930, Hof- und Kammerschauspielerin; sie, die Tochter eines Chorführers am Stuttgarter Hoftheater, sollte Sängerin werden; kaum 15jährig, wurde auf dieses Talent Clara Ziegler aufmerksam, die es E. von Possart bekannt machte; da D. das Probesprechen vortrefflich gelang, konnte sie fürs Münchner Hoftheater verpflichtet werden; große Rollen vermittelte ihr sodann ihr Kollege und Regisseur Keppler; sie durfte die Luise, Julia, Käthchen und Gretchen, überhaupt die unzähligen ersten Liebhaberinnen des modernen und des Konversationsstücks, später ernste und heitere Mütterrollen spielen; andere Rollen: Galotti, Pepa in Maus, Leonie in Damenkrieg, Herzogin von Bligny im Hüttenbesitzer, Magda in der Heimat; D. war nicht nur sehr schön, sondem auch überaus liebenswürdig und von entzückender Natürlichkeit in allen ihren Rollen; später trat diese sprechende Zeugin der Glanzzeit des Münchner Hofschauspiels nur mehr selten auf; persönlich war D. eine gläubige praktizierende Katholikin.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#31 – 9 – 23 (Kneil)


Hier ruhen
Herr Ernst Kneil
Dekorationsmaler
und Vergoldermeister
geb. 9. Febr. 1843 gest. 11. Okt. 1893
Frau Katharina Kneil
geb. Bittrich
geb. 6. Okt. 1843. gest. 9. Mai 1903
Berta Kneil
geb. 7. Nov. 1879 gest. 13. Okt. 1893


  • Kneil, Berta; 7.11.1879 – 13.10.1893
  • Kneil, Ernst; 9.2.1843 – 11.10.1893; Dekorationsmaler und Vergoldermeister
  • Kneil, Katharina (vw) / Bittrich (gb); 6.10.1843 – 9.5.1903; Dekorationsmalers-Witwe

Grab der Familie Kneil auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2022)

#31 – 9 – 24 (Notz)


Hier ruhet
Frl. Pauline Notz,
Oberamtspflegers-Tochter,
geb. 7. März 1865 in Ulm
gest. 12. Septbr. 1893 in München.

Friede ihrer Asche!

Sockel
31.9.24. Burlein.


  • Notz, Pauline; 7.3.1865 (Ulm) – 12.9.1893 (München); Oberamtspflegers-Tochter

Grab der Familie Notz auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2022)

#31 – 9 – 30 (Grad)


Hier ruht
Frau Maria Grad
geb. d. 9. Sept. 1841, gest. d. 23. Apr. 1888
nebst vorausgegangenen fünf
Kindern,
und Herr
Johann Grad
Privatier
geb. d. 3. März 1841, gest. d. 2. Apr. 1890.

Linke Seite
Hier ruht
unser heissgeliebter
Gatte u. Vater
Herr
Hans Grad
Diplom-Ingenieur
geb. 13. Aug. 1872
gest. 15. Aug. 1912

Rechte Seite
Hier ruht
meine heissgeliebte
treubesorgte Mutter
Frau
Emilie Grad
Diplom-Ingenieurs-W.
geb. 27. Mai 1875,
gest. 3. März 1924.

Sockel
Familie Grad.

Rückseite
Familie Grad

Zwisler & Baumeister.


  • Grad, Emilie (vw); 27.5.1875 – 3.3.1924; Ingenieurs-Witwe
  • Grad, Hans; 13.8.1872 – 15.8.1912; Diplom-Ingenieur
  • Grad, Johann; 3.3.1841 – 2.4.1890; Privatier
  • Grad, Maria (vh); 9.9.1841 – 23.4.1888; Privatiers-Gattin

Grab der Familie Grad auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2022)

#31 – 9 – 31 (Kauer · Unterseher)


Hier ruht
unser unvergessl. Gatte u. Vater,
Herr Burghart Kauer,
Lithograph.
geb. 27. April 1831, gest. 24. Okt. 1896.
Ihm folgte seine treue Gattin,
meine herzensgute Mutter,
Frau Margaretha Kauer,
geb. Schäffer
geb. d. 25. März 1837, gest. d. 15. Dez. 1901.
Frau Hermine Unterseher
geb. d. 24. Jan. 1877, gest. d. 3. Okt. 1931.


  • Kauer, Burghart; 27.4.1831 – 24.10.1896; Lithograph
  • Kauer, Margaretha (vw) / Schäffer (gb); 25.3.1837 – 15.12.1901; Lithographens-Witwe
  • Unterseher, Hermine (vh); 24.1.1877 – 3.10.1931

Grab der Familien Kauer · Unterseher auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2022)

#31 – 10 – 1 (Michaelis)


Grab der Familie Michaelis auf dem Alten Südfriedhof München (April 2020)

Grab der Familie Michaelis auf dem Alten Südfriedhof München (April 2020)

#31 – 10 – 3 (Gronen)


Familien-Grab.

Hier ruhen:
Herr Eduard Gronen,
k. Graveur,
geb. 29. Jan. 1817, gest. 14. Oktbr. 1874.
Frau Therese Gronen,
geb. 28. Dez. 1818, gest. 23. Sept. 1895.
Fräulein Marie Gronen,
gestorben am 26. November 1885.

Sockel
Der guten Marie in Verehrung gewidmet.

Rechte Seite
Hier ruht in Frieden
Herr
Adolf Gronen,
Kgl. Oberbauführer
geb. 27. Nov. 1840,
gest. 26. Febr. 1907,
und seine Gattin
Frau
Marie Gronen,
geb. May,
geb. 8. Jan. 1843,
gest. 6. Sept. 1931.

J. Simetsreiter.


  • Gronen, Adolf; 27.11.1840 – 26.2.1907; Oberbauführer
  • Gronen, Eduard; 29.1.1817 – 14.10.1874 (München); Graveur
  • Gronen, Maria; – 26.11.1885 (München); Graveurs-Tochter
  • Gronen, Marie (vw) / May (gb); 8.1.1843 – 6.9.1931; Oberbauführers-Witwe
  • Gronen, Therese (vh); 28.12.1818 – 23.9.1895

Grab der Familie Gronen auf dem Alten Südfriedhof München (April 2020)

#31 – 10 – 5 (n. n.)


(April 2020)

#31 – 10 – 11 (Mühlbauer · Noder · Stürzer)


Hier ruht in Gott
Herr Johann Noder, Viehschaffner
geb. 8. Juni 1861, gest. ¿. Aug. 1889.
Frau Maria Stürzer,
geb. 1. November 1821, gest. 11. Juli 1903.
Ihr folgte unsere innigstgeliebte unvergessliche
Gattin und Mutter
Frau Margarethe Mühlbauer
Viehkommissionärsgattin
geb. 20. Juli 186¿, gest. 7. Januar 1904.

Rechte Seite
Marie Mühlbauer
geb. 1. Nov. 1892 gest. 3. Nov. 1893
Josef
geb. 20. Febr. u. gest. 29. Nov. 1898


  • Mühlbauer, Josef; 20.2.1898 – 29.11.1898
  • Mühlbauer, Margarethe (vh); 20.7.186¿ – 7.1.1904; Viehkommissionärs-Gattin
  • Mühlbauer, Marie; 1.11.1892 – 3.11.1893
  • Noder, Johann; 8.6.1861 – 11.8.1889; Viehschaffner
  • Stürzer, Maria (vh); 1.11.1821 – 11.7.1903

Grab der Familien Mühlbauer · Noder · Stürzer auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2022)

#31 – 10 – 14 (Reith)


Hier ruhet:
unser unvergeßlicher
Gatte u. Vater
Herr
Johann Bapt. Reith
Hausmeister,
geb. am 8. Sept. 1842
gest. am 6. Dezb. 1886.
Unsere liebe
Mutter u. Großmutter
Frau Anna Reith
geb. am 21. Okt. 1847
gest. am 20. Sept. 1935.


  • Reith, Anna (vh); 21.10.1847 – 20.9.1935
  • Reith, Johann Bapt.; 8.9.1842 – 6.12.1886; Hausmeister

Grab der Familie Reith auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2022)

#31 – 10 – 26 (Gebhart)


Familiengrab.

Hier ruht in Gott
mein unvergesslicher Gatte
unser geliebter Vater
Herr Joh. Ev. Gebhart
städt. Schaffner,
geb. den 19. Dez. 1841, gest. den 9. Juni 1896.
Dessen Gattin
unsere liebe, gute Mutter
Frau Anna Gebhart, geb. Kolbeck,
geb. den 3. Mai 1850, gest. den 15. Okt. 1924.

R. I. P.

Sockel
31.10.26. Kosenbach.


  • Gebhart, Anna (vw) / Kolbeck (gb); 3.5.1850 – 15.10.1924; Schaffners-Witwe
  • Gebhart, Joh. Ev.; 19.12.1841 – 9.6.1896; Städtischer Schaffner

Grab der Familie Gebhart auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2022)

#31 – 11 – 11·12 (Himmelein · Koch)


Hier ruhen
Frau Amalie Koch
Privatiersgattin.
Frau Minna Himmelein
k. Hauptmannsgattin.
Herr Franz Paul Koch
Privatier.
Fräulein Berta Koch
Privatiere,
gest. den 11. November 1910.

Sockel
Grabstätte
der
Familie Koch.

Rechte Seite
A. Aufleger.

Linke Seite
31.11.11.12.


  • Himmelein, Minna (vh) / Koch (gb); – 23.6.1893 (Starnberg); Hauptmanns-Gattin
  • Koch, Amalie (vh); Privatiers-Gattin
  • Koch, Berta; – 11.11.1910; Privatiere
  • Koch, Franz Paul; Privatier

Grab der Familien Himmelein · Koch auf dem Alten Südfriedhof München (April 2018)

#31 – 11 – 13 (n. n.)


(April 2020)

#31 – 11 – 14 (Ungemach)


Hier ruht
nach mühevoller u. segensreicher Arbeit
Frau Justina Ungemach
geb. Kröckel,
Lehrerswitwe aus Münnerstadt
geboren zu Sommerach a. Main
am 10. September 1826,
gestorben zu München am 21. Mai 1908.
Herr Dr. Fritz Ungemach
Obermedizinalrat u. Direktor a. D.
geb. 22. Juni 1859, gest. 27. Mai 1932.

Saat, gesäet von Gott, dem Tage der
Garben zu reifen.


  • Ungemach, Fritz, Dr.; 22.6.1859 – 27.5.1932; Obermedizinalrat
  • Ungemach, Justina (vw) / Kröckel (gb); 10.9.1826 (Sommerach am Main) – 21.5.1908 (München); Lehrers-Witwe

Grab der Familie Ungemach auf dem Alten Südfriedhof München (April 2020)

#31 – 11 – 15 (Hirschböck)


Grab der Familie Hirschböck auf dem Alten Südfriedhof München (April 2020)

#31 – 12 – 1 (Ritter)


Familien-Grabstätte.

Frau Friederike Ritter,
geb. Beer, aus Erlangen,
gest. den 2. Dez. 1874 im 29. Lebensjahre.
Herr Carl Ritter,
vormaliger Apotheker in Nürnberg,
geb. den 15. Febr. 1819, gest. den 12. Febr. 1890.
Herr Adolf Ritter,
k. Landgerichtsrath a. D.
geb. den 9. Sept. 18¿ gest. den 24. Nov. 1903.
Frau Mina Ritter,
Landgerichtsratswitwe
geb. 13. Sept. 1860, gest. 13. Juli 1929.

Sockel
Rechte Seite
Ant. Weigel.


  • Ritter, Adolf; 9.9.19¿ – 24.11.1903; Landgerichtsrat a. D.
  • Ritter, Friederike (vh) / Beer (gb); – 2.12.1874 (München), 28 Jahre alt; Apothekers-Gattin
  • Ritter, Karl; 15.2.1819 – 12.2.1890; Ehemaliger Apotheker
  • Ritter, Mina (vw); 13.9.1860 – 13.7.1929; Landgerichtsrats-Witwe

Grab der Familie Ritter auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2022)

#31 – 12 – 3 (Petzet)


Tafel
Valeska
1893

Sockel
Valeska Petzet, geb. Krause
geb. zu Glatz am 12. Sept. 1841
gest. zu München am 28. Jan. 1893
Dr. phil. hon. c. Christian Petzet
vormals Chefredakteur der Allgemeinen Zeitung
geb. zu Hof a. S. am 1. März. 1832
gest. zu München am 1. April. 1905


  • Petzet, Christian, Dr. phil. h. c.; 1.3.1832 (Hof a.d. Saale) – 1.4.1905 (München); Redakteur
  • Petzet, Valeska (vh) / Krause (gb); 12.9.1841 (Glatz) – 28.1.1893 (München); Redakteurs-Gattin

Grab der Familie Petzet auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2015)

Grab der Familie Petzet auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2014)

Grab der Familie Petzet auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2014)

Grab der Familie Petzet auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2015)

#Dr. phil. h. c. Christian Petzet

* 1.3.1832 (Hof a.d. Saale)
† 1.4.1905 (München)
Redakteur

#Allgemeine Zeitung (4.4.1905)

Dr. Chrstian Petzet †.

Der Nestor der Münchener Journalistik, der langjährige Redakteur und Chefredakteur der Allgemeinen Zeitung Dr. phil. h. c. Christian Petzet wurde am Montag nachmittag im neuen südlichen Friedhofe zu Grabe getragen. Mit den Söhnen folgte die Münchener Journalisten- und Schriftstellerwelt, darunter die Vertreter der Redaktion, Expedition und Druckerei der Allgemeinen Zeitung, Vertreter der Münchener Neuesten Nachrichten und der übrigen Münchener Tagespresse, der Vorstand und Vertreter des Münchener Journalisten- und Schriftstellervereins, der Pensionsanstalt, des Zweigvereins München des Evangelischen Bundes, der nationalliberalen Partei München, des Akademisch-literarischen Vereins, sowie viele Offiziere und Leidtragende aller Kreise der Residenz.

Herr Stadtpfarrer Lembert hielt die Grabrede und entwarf mit hinreißender Herzenswärme ein getreues Bild des Verewigten. Drei Sterne, so führte er aus, glänzten am Leben Petzets. »Gott, Freiheit und Vaterland«; die Liebe für sein Vaterland erglühte in dem jungen Mann und blieb bis zum Todestage. Geboren im Jahre 1832 als Sohn eines Volksschullehrers, erhielt er, wie es in einem deutschen Lehrerhaus üblich ist, eine gute Erziehung auf den Lebensweg, aber Schätze gab es nicht, und so fiel es dem Vater schwer, den intelligenten zweiten Sohn dem Studium zuzuführen, dem der erste bereits obgelegen, der später als Stadtpfarrer zu St. Lorenz in Nürnberg wirkte und starb. Der junge Gymnasiast absolvierte 1848 das Gymnasium; damit waren aber auch die Mittel erschöpft und nun zeigte sich die Energie und der Idealismus des jungen Studenten, der sich die Mittel zum Studium durch Stundengeben verdienen mußte. Er studierte in München und Leipzig, und zwar hauptsächlich volkswirtschaftliche, literarische und geographische Materie. Dann verdiente er sich seinen Lebensunterhalt zunächst als Hauslehrer in einem Patrizierhaus Warschaus, bis er 1863 dortselbst die Redakteurstelle in der von ihm mitbegründeten Deutschen Warschauer Zeitung übernahm. Die hochgehenden Stürme des polnischen Aufstandes zwangen den Mann, der nach links und rechts für Wahrheit und Freiheit eingetreten, Warschau zu verlassen, um im gleichen Jahre in Breslau die Chefredaktion der Schlesischen Zeitung zu übernehmen, die er bis 1876 behielt, in welchem Jahre er sich durch eine Aenderung im Verlage und der damit erfolgten Verschiebung der politischen Stellung des Blattes veranlaßt sah, seine Tätigkeit einzustellen. Er ging nun in seine engere Heimat, nach Bayern, zurück, übernahm eine Redakteurstelle bei der Augsburger Allgemeinen Zeitung, mit der er 1882 nach München übersiedelte und bei welcher er bis 1896, also fast 20 Jahre, verblieb. Als Chefredakteur leitete er in den letzten Jahren seiner Tätigkeit die Allgemeine Zeitung. Die ergreifende Ansprache schloß mit einer ausgezeichneten Charakterisierung Petzets als eines Mannes von echt nationaler und freiheitlicher Gesinnung, von einem tief gewurzelten politischen Pflichtbewußtsein und wahrhaft gläubig-evangelischer Frömmigkeit.

Hierauf trat Chefredakteur Dr. Mohr an das offene Grab, um namens des Verlags der Allgemeinen Zeitung mit folgender Ansprache eine Kranzspende niederzulegen: »Im Auftrag des Verlags der Allgemeinen Zeitung trete ich an die Stätte, die den lieben Mann aufnimmt, der zwei Jahrzehnte der bevorzugte Träger der Traditionen der Allgemeinen Zeitung war und ihr ein väterlicher Freund und Berater blieb, bis sein Auge brach. Blumen legen wir auf sein Grab als Zeichen der Treue, die um Treue gegeben wird; als bescheidenen Ausdruck der Dankbarkeit, die wir diesem seltenen Manne in der Tiefe des Herzens bewahrt haben. Denn diese Stunde gebietet zu sagen: daß über jede Möglichkeit des Dankes turmhoch hinausragt, was ein Publizist von dieser redlichen Ueberzeugung und solcher Bildung des Geistes und Gemütes in mühseligen Tagen und durchwachten Nächten wie mit seinem Herzblut in die Zeitung hineingewirkt hat. Darum lege ich drei Kränze hinzu, wie sie keines Gärtners Hand windet. Es sind drei Kränze, die ihm das Leben reichte; und alle drei waren mit Dornen durchflochten, und er hat sie getragen wie ein ganzer Mann.

Der eine Kranz, das war die dornige Krone publizistischer Arbeit, die still hinter der Zeitung zurücktritt, nimmer rastet und ruht, auch wenn die Kräfte versagen wollen. Er achtete der Dornen nicht. Die eigene Berufstreue webte ihm blaue Frühlingsveilchen hinein. Und was ihm vielleicht an äußeren Ehren nicht zuteil ward, das ersetzten ihm die weißen Rosen der Achtung der Berufsgenossen, und nicht zum mindesten die Palme der Wissenschaft, die ihrem Ehrendoktor die Alma mater Münchens bot.

Der zweite Dornenkranz, das war die Verkennung und Befehdung, die das Schaffen des Publizisten findet. Dieser Kranz wurde ihm in den Stunden gereicht, wenn er im heiligen Feuer der Begeisterung für die Ideale unseres Volkes stritt. Und der spitzigste Dorn war, daß das Werk, an dem er wirkte, landfremd wäre. Dann hob sich sein Auge zu der Größe unseres deutschen Vaterlandes, zu unserem schönen bayerischen Heimatlande, zu dem ehrwürdigen Herrscherhaupt. Und der Genius unseres Volkes kam und krönte ihn mit Eichenlaub, der Ehrenzier des Patrioten.

Den dritten dornigen Kranz hat er bis zu seiner letzten Stunde getragen. Das war der große Schmerz, der keinem deutschen Publizisten seiner Gesinnung erspart bleibt. Das ist, wenn er als Türmer den Weckruf patriotischer Besorgnis in das Land hinaussendet und im kleinlichen Getöse des Alltags nur zu sehr verhallt, was die Kraft und die Einsicht des deutschen Bürgers zu neuer Tat erwecken sollte.

Doch heute, wo ihn bei seinem Scheiden soviel Verehrung umgibt, da beginnt es auch in dieser Dornenkrone zu grünen und zu knospen. Alle die Trauer, die heute an seinem Grabe steht, sie schmückt ihm diesen Kranz mit den herrlichsten Blüten, der Liebe aller, die ihn kannten.

Und ein Symbol sei dieser Kranz, den ich seinem Andenken weihe im Namen und Auftrag des Verlags der Allgemeinen Zeitung.«

Redakteur Hans Tournier sprach für die Redaktion der Allgemeinen Zeitung und führte etwa folgendes aus:

Hochgeehrte Trauerversammlung!

Nach den herzenswarmen und beredten Worten, die der Vorredner als Vertreter des Verlags der Allgemeinen Zeitung dem ehemaligen Chefredakteur derselben, dem hervorragenden Publizisten gewidmet hat, möge es nun mir gestattet sein, namens der Redaktion an dieser offenen Gruft den Zoll tiefen Dankes und inniger Verehrung niederzulegen. Sind auch nahezu zwei Lustren dahingegangen, seit Christian Petzet die Arbeitsstätte verlassen, an der er so lange mit hingebender Treue seines Amtes gewaltet hatte, während der letzten vier Jahre in leitender Stellung und daher schwerer noch als zuvor mit Sorgen und Mühen belastet, gehören auch wenige nur von denen, die dort seine Mitkämpfer waren, dem gegenwärtigen Redaktionsstabe noch an, so bekennt doch heute, wo wir das letzte Lebewohl ihm zurufen, die gesamte Redaktion, vom ältesten bis zum jüngsten Mitgliede, einmütig und tief bewegt: »Ja, er war unser« und dem Bekenntnis fügt sie das Gelöbnis hinzu: »Und er soll unser bleiben auch über das Grab hinaus.« Jede Zeitung, die auf ein längeres Bestehen zurückblicken darf, hat ihre Tradition, und die alte, stolze Tradition der Allgemeinen Zeitung hat Christian Petzet als Nachfolger der Kolb und Altenhofer allezeit zu wahren sich bestrebt und unter den schwierigsten Verhältnissen auch zu wahren gewußt. Das danken wir alle ihm, die Alten wie die Jungen, diejenigen, die mit ihm arbeiteten, wie diejenigen, die erst nach ihm gekommen sind und ihm nun nacheifern in treuer und idealer Hingebung an ihren Beruf.

So schmerzlich die Pflicht auch ist, an der Stätte, an der alles Leiden aufhört und so vieles Leid beginnt, einem treuen Freunde den Abschiedsgruß zu entbieten, so bin ich doch innig dankbar dafür, daß man gerade mir gestattet hat, diese Pflicht hier zu üben. Denn ich darf wohl mit dem Dichter sagen: »Ach, sie haben einen guten Mann begraben, doch mir war er mehr.« Es ist wahrlich nicht Selbstüberhebung, die mich so sprechen läßt, und weit weniger noch ein Unterschätzen der tiefen Trauer der Familienangehörigen, die in dem teuren Toten alles verloren haben, oder der schmerzlichen Ergriffenheit des durch die Zeit so stark gelichteten Kreises der Jugendfreunde. Ihnen gebührt unter den Leidtragenden selbstverständlich der erste Platz. Unter denen aber, die Christian Petzet beruflich nahe gestanden und mit ihm gewirkt und gekämpft haben, denen er Führer, Arbeitsgenosse und Freund gewesen und geworden ist, glaube ich der älteste zu sein, derjenige jedenfalls, der ihm mehr als viele zu danken hat. Und nur an die Größe der Dankespflicht, der Dankesschuld denke ich, wenn ich hier ausspreche: Mir war er mehr.

Um volle 35 Jahre liegt unsere erste Begegnung bereits zurück. Ich kam damals als angehender Journalist nach Breslau zur Schlesischen Zeitung, bei der Petzet längere Zeit schon wirkte, seit kurzem als Chefredakteur. Ich sehe ihn, den wir heute als Greis in das Grab gesenkt haben, so wie er damals war, im Geiste noch vor mir, in der Vollkraft der Jahre, ein Urbild der Gesundheit, die breite Stirn von dunklen Locken umwallet, schaffenslustig und schaffenskräftig, von geradezu staunenswerter Arbeitsfähigkeit. Er, der um 13 Jahre Aeltere, nahm den jungen Adepten mit herzlicher Freundlichkeit auf und unterwies ihn nicht nur in der Technik des Journalismus, sondern, selbst begeistert, verstand er es auch, ihn für das Große und Schöne des journalistischen Berufes zu begeistern und ihn die hohen Pflichten desselben erkennen zu lassen. Freilich standen wir damals inmitten einer Zeit, in der es eine Lust war, Deutscher zu sein und als deutscher Publizist dem Gange der weltgeschichtlichen Ereignisse registrierend und kommentierend zu folgen. Mit glühender, jugendlicher Begeisterung begrüßte Christian Petzet, obwohl damals schon ein gereifter Mann, jeden Erfolg unserer Waffen, jede neue Siegeskunde. Der deutsche Frühling, der deutsch-nationale Auferstehungstag, den er als Jüngling vergebens erhofft hatte — nun war er endlich gekommen, und mit tiefem Dank, mit inniger Bewunderung blickte er auf zu den Männern, die ihn heraufgeführt hatten. Und wie in der Presse und in den politischen Vereinigungen, denen er angehörte, war er auch im eigenen, von sonniger Harmonie durchleuchteten Hause, in dem an seiner Seite die liebenswürdige, herzliche Gattin weilte, und in dem wir nach den Tagen der Arbeit wahre Feierstunden verlebten, ein treuer und beredter Vertreter aller idealen und nationalen Bestrebungen. Er trug sein Bekenntnis nicht nur auf den Lippen, sondern war jederzeit bemüht, es auch in Taten umzusetzwn. Ein solcher Lehrer und Führer mußte auch der Freund seiner Schüler und Arbeitsgenossen werden.

Diese Freundschaft ist auch bestehen geblieben, als unsere Lebenswege zeitweise sich trennten, sie ist befestigt und inniger geworden, als sie später wieder zusammenführten. Petzet war in die Redaktion der Allgemeinen Zeitung eingetreten, zu deren auswärtigen Mitarbeitern er gehörte, mich hatte das Geschick nach Norden verschlagen. Als er dann, gegen Ende des Jahres 1892, sich entschloß, unter den schwierigsten Verhältnissen die ihm angetragene politische Leitung des altangesehenen Blattes zu übernehmen, richtete er an mich die Frage, ob ich die alte Arbeitsgenossenschaft erneuern wolle und freudig leistete ich seiner Aufforderung Folge. Ich fand ihn äußerlich wohl verändert: das dunkle Haar war gebleicht und schneeweiß geworden und die breite Stirne gefurcht; Sorgen und Mühen hatten ihre Runen auf ihr verzeichnet. Aber das Herz war frisch und jung geblieben, goldtreu und gut wie ehedem, innen im Marke lebte noch immer die schaffende Gewalt und die Ideale der Jugendzeit hatte er sich bewahrt durch die Mannesjahre hindurch bis an des Alters Schwelle. Auch Arbeitskraft und Arbeitstreue waren unvermindert. Mit Bewunderung sah ich, wie er auch in jener Zeit, in der die Aufgaben des Berufes ihn unablässig in Anspruch nahmen, der erste und der letzte bei der Arbeit war, bis tief hinein in die Nächte, obwohl daheim die heißgeliebte Gattin, zu der es ihn hinzog mit magischer Gewalt, auf dem Sterbebette lag. Ein solches Beispiel mußte die Mitarbeiter aneifern, auch ihrerseits ihr Bestes zu tun und zu geben, obwohl sie in dem nun Entschlafenen, der von sich alles verlangte, einen selten milden und nachsichtigen Beurteiler hatten. Der hohen und idealen Auffassung, die Christian Petzet vom journalistischen Beruf hatte, dem vollen Vertrauen, das er seinen Redaktionsgenossen entgegenbrachte, denen er nicht ein Herr und Gebieter, sondern ein Freund und Führer sein wollte, entsprach, daß er ihre Arbeit nicht als ein wohl oder übel abzuleistendes Pflichtpensum auffaßte, sondern als einen, nach der Kraft eines jeden einzelnen willig und gern gelieferten Beitrag. Es sollte jedem eine Ehre und eine Lust sein, für die Allgemeine Zeitung und in ihr zu wirken.

Das Nachlassen der Sehkraft und andere, mit dem zunehmenden Alter sich meldende körperliche Schwächen und Leiden zwangen Petzet im Sommer 1896 der journalistischen Tätigkeit im eigentlichen Sinne zu entsagen und die Stätte zu verlassen, an der er so treu gewirkt und so viel Liebe gesäet und geerntet hatte. Er trat in den wohlverdienten Ruhestand über, jedoch nicht um nun wirklich zu ruhen und die Hände in den Schoß zu legen. Im Gegenteil; diese stillere Zeit wurde für ihn zu einer Periode erneuten geistigen Schaffens, deren Produkte selbst bei denen, die seine geistige Regsamkeit kannten, freudiges Staunen hervorriefen und in weitesten Kreisen ehrende Anerkennung fanden. Man konnte ihn einer Jericho-Rose vergleichen, die dem heißen Wüstensand entrückt, im erquickenden Naß neu sich entfaltet. Dabei ließ sein warmes, wohlmeinendes Herz ihn auch sonst nicht ruhen. Er, der für sich selbst nichts mehr erlangte und erstrebte, war bis in die letzten Lebensjahre hinein überall eifrig und hingebend tätig, wo es galt für die Interessen der Allgemeinheit einzutreten. Jedes gemeinnützige Unternehmen suchte er unter Aufgebot dessen, was an körperlicher Kraft ihm geblieben war, mit Rat und Tat zu fördern.

Nun ist er angelangt am Ziele seiner Laufbahn, seine reiche und gesegnete Arbeit ist zum Schluß gekommen. Im Namen derer, die mit und unter ihm, dem tüchtigen, guten und selbstlosen Manne gewirkt und gekämpft haben, denen er voranleuchtete in idealer Begeisterung, lege ich zum Zeichen unauslöschlichen Dankes und tiefster Verehrung an seinem offenen Grabe diese Kranzesspende nieder. Ruhe aus von deiner Arbeit, Christian Petzet; ruhe in Frieden!

Ein Vertreter des technischen Personals dieser Zeitung, Schriftsetzer Pfrang, widmete dem Verstorbenen einen herzlichen Nachruf und gedachte dessen, wie Dr. Petzet, den Traditionen der Zeitung gemäß, ein herzliches Verhältnis zwischen Leitung des Blattes und allen Mitarbeitern gepflegt hatte und jedem Arbeiter persönlich gewinnend näher getreten war. Namens des Münchener Journalisten- und Schriftsteller-Vereins sprach Dr. Georg Hirth dem Verstorbenen den Dank aus für sein 20jähriges Wirken im Verein, dem er sein ganzes Wissen und Können gewidmet hat, und pries ihn als einen Journalisten, der allen Berufsgenossen vermöge der hohen Auffassung seiner Berufspflicht lieb und wert geworden sei. Für die Pensionsanstalt sprach Ritter v. Schmädel Dankesworte für den edlen Förderer und verdienstvollen Mitbegründer dieser humanitären Anstalt. Redakteur Dr. P. Busching legte im Auftrag von Redaktion und Verlag der Münchener Neuesten Nachrichten einen Kranz auf das Grab und gedachte des liebenswürdigen Berufskollegen, wackeren und tapferen Vorkämpfers der nationalen und liberalen Ideen in warmempfundenen Worten. Justizrat Krauzold sprach den Dank aus für das unermüdliche Eintreten des Verlebten um das Gedeihen des Zweigvereins München des Evangelischen Bundes, Herr Verleger Lehmann widmete dom trefflichen Autor und Kampfgenossen eine Kranzspende, Rechtsanwalt Frhr. von Liebig sprach namens der nationalliberalen Partei München, und schließlich Oberst a. D. Hölzl für die Dienstag-Gesellschaft, der unter dem Namen der Zeitgenossen bekannten gesellig-literarischen Vereinigung, der der Verstorbene angehört hatte. Weiter waren noch viele prachtvolle Kranzspenden niedergelegt worden, u. a. auch von einer Offiziersdeputation des 1. Feld-Artillerie-Regiments.

Dann schritten die Leidtragenden zur Gruft und nahmen, nachdem ein jeder ihm drei Schäuflein Erde auf den Sarg gestreut, von dem lieben Freunde und den trauernden Familienangehörigen herzlich Abschied.

Allgemeine Zeitung Nr. 157. München; Dienstag, den 4. April 1905.

#31 – 12 – 6 (Danzer)


Hier ruhen in Gott:
Andreas Danzer
pens. Feldwebel,
geb. ¿. Juli 1825 gest. 23. Septbr. ¿
Dessen Tochter
Antonia
¿


  • Danzer, Andreas; Pensionierter Feldwebel
  • Danzer, Antonia; Feldwebels-Tochter

Grab der Familie Danzer auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2022)

#31 – 12 – 15 (Schwemmer · Venzl)


Hier ruhet
Unser unvergeßlicher Gatte u. Vater
Herr Jakob Venzl
k. b. Major a. D.
Inhaber des eisernen Kreuzes
Ritter hoher Orden etc.
gestorben am 9. Juni 1889
im 61. Lebensjahre.

Herr Georg Schwemmer
kgl. Verwalter a. D.
gest. am 20. October 1898 im 93. Lebensjahre.

Wagner Vilsbiburg.

Linke Seite
Frau Marie Venzl
Majorswitwe
gest. am 20. Dez. 1942
im 100. Lebensjahre.


  • Schwemmer, Georg; – 20.10.1898; Königicher Verwalter a. D.
  • Venzl, Jakob; – 9.6.1889; Königlich bayerischer Major a. D.
  • Venzl, Marie (vw); – 20.12.1942; Majors-Witwe

Grab der Familien Schwemmer · Venzl auf dem Alten Südfriedhof München (April 2018)

Grab der Familien Schwemmer · Venzl auf dem Alten Südfriedhof München (April 2018)

#31 – 12 – 19 (Gerold · Lindner)


Hier ruht in Frieden
unser teurer, unvergesslicher
Gatte u. Pflegevater
Herr Johann Gerold
Privatier, früher Restaurateur i. Planegg
geb. 4. April 1835 zu Huglfing,
gest. 7. April 1892 zu München.
Ihm folgte seine Gattin
Frau Mechthilde Gerold
geb. 14. Januar 1842 z. Rott b. Landsberg
gest. 18. Juni 1913.
Ihm ging voran die liebste, beste
Mutter u. Grossmutter, Frau
Creszentia Lindner
ehem. Schäfflermeisterswitwe v. Landsberg
geb. 13. Juni 1813 zu Rott,
gest. 8. März 1887 zu München.

Sockel
Gerold’sche Famiien-Grabstätte

Trennung ist unser Loos –
Wiedersehen unsere Hoffnung!

A. Weigel


  • Gerold, Johann; 4.4.1835 (Huglfing) – 7.4.1892 (München); Privatier, ehemaliger Wirt
  • Gerold, Mechthilde (vw); 14.1.1842 (Rott am Lech) – 18.6.1913; Wirts-Witwe
  • Lindner, Kreszentia (vw); 13.6.1813 (Rott am Lech) – 8.3.1887 (München); Schäfflermeisters-Witwe

Grab der Familien Gerold · Lindner auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2013)

#31 – 12 – 21 (Nonner)


ANTON NONNER
DOCTORAND DER MEDICIN
geb. 26. Sept. 1861, gest. 23. Febr. 1887.
JOSEF NONNER
HUETTEN U. BERGWERK. DIRECKT.
geb. 8. April 1829, gest. 17. Dez. 1888.


  • Nonner, Anton; 26.9.1861 – 23.2.1887; Medizindoktorand
  • Nonner, Josef; 8.4.1829 – 17.12.1888; Bergwerks- und Hüttendirektor

Grab der Familie Nonner auf dem Alten Südfriedhof München (April 2018)

#31 – 12 – 22 (Taucher)


Grab der Familie Taucher auf dem Alten Südfriedhof München (April 2020)

#31 – 12 – 27 (Bernhart · Linder)


Hier ruhet in Gott:
unser unvergeßlicher Gatte u. Vater
Herr Quirin Linder,
kgl. Bezirksgeometer;
geb. den 28. März 1831,
gest. den 28. Febr. 1887.
Frau Amalie Linder
geb. Bernhart
geb. den 9. Nov. 1847.
gest. den 24. Juni 1925.
Frau Gertrud Bernhart,
Geometerswitwe
geb. den 21. Novbr. 1825, gest. den 3. Novbr. 1908

Sockel
Familien-Grabstätte.

Schwarz


  • Bernhart, Gertrud (vw); 21.11.1825 – 3.11.1908; Geometers-Witwe
  • Linder, Amalie (vh) / Bernhart (gb); 9.11.1847 – 24.6.1925
  • Linder, Quirin; 28.3.1831 – 28.2.1887; Bezirksgeometer

Grab der Familien Bernhart · Linder auf dem Alten Südfriedhof München (April 2020)

#31 – 13 – 1 (König)


Obelisk
MATHILDE
Hofschauspielerin
Frythjoff.

Rechte Seite
Auf
den Busen der Erde
schreib ein regnicht Auge
”Jammer.”

Sockel
10. Aug. 1903.
Richard
Frythjoff Erich
Ingeborg
Margerit
Carl Gustav König
von Königsberg und zu Lindau
Erich König
Fabrikdirektor i. R.
* 3.2.1868 † 5.2.1956
Zum Gedenken

E. ACKERMANN
in Weissenstadt.

Rückseite

30. April 72.
Mathilde von König
geborene Freiin von Gschwendner
geb. zu Budapest 1823
gestorben zu Grosshesselohe 22. Jan. 1910
9 Uhr Abends.

Gitter-Plakette
J. L. Kaltenecker & Sohn,
MÜNCHEN.


  • König, Erich [in memoriam]; 3.2.1868 – 5.2.1956
  • König, Frythjof/Fritjof von; – 1903
  • König, Mathilde von; 1848 (Budapest) – 30.4.1872 (München); Schauspielerin
  • König, Mathilde von (vh) / Gschwendner, Freiin von (gb); 1823 (Budapest) – 22.1.1910 (Grosshesselohe/München)

Grab der Familie König auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2014)

#31 – 13 – 5 (Dorner · Strauß)


Therese Freifrau von Strauß,
geb. 4. April 1819, gest. 16. Juni 1891.
deren Tochter
Antonie Freiin von Strauß,
geb. ¿. Juli 1847. gest. 13. Aug. 1907.
Frau Johanna Dorner
kgl. Landgerichtsassessorswittwe,
geb. 3. Juli 1824, gest. 13. März 1899.

R. I. P.


  • Dorner, Johanna (vw); 3.7.1824 – 13.3.1899; Landgerichtsassessors-Witwe
  • Strauß, Antonie Freiin von; 3.7.1847 – 13.8.1907
  • Strauß, Therese Freifrau von (vh); 4.4.1819 – 16.6.1891

Grab der Familien Dorner · Strauß auf dem Alten Südfriedhof München (März 2008)

Grab der Familien Dorner · Strauß auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#31 – 13 – 6 (Löffelholz · Riedel · Strauß)


Ruhestätte
der
Familie Riedel.

Sockel
Trennung unser Loos.
Wiederseh’n unsere Hoffnung.

31.13.6. A. Aufleger.

Rechte Seite
Heinrich Riedel
1830 – 1901.
Konrad Riedel
1835 – 1892.
Luise v. Löffelholz
1839 – 1908.

Sockel-Tafel
¿
Freiherr von Strauß
¿
geb. ¿ Mai 1797, gest. 9. April 1839
dessen Gattin Tafel-Teil fehlt


  • Löffelholz, Luise von; 1839 – 1908
  • Riedel, Heinrich; 1830 – 1901
  • Riedel, Konrad; 1835 – 1892
  • Strauß, ¿ Freiherr von; ¿.5.1797 – 9.4.1839

Grab der Familien Löffelholz · Riedel · Strauß auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2013)

#31 – 13 – 10 (Denk)


Grabstätte
der
Familie Denk

Hier ruht
der letzte der Familie
Seine Excellenz
der Kgl. bayr. General
der Artillerie
Martin
Ritter von Denk
geb. 12. Juli 1853
in München
gest. 6. Sept. 1935
in Ammerland
am Starnb. See


  • Denk, Josef; 18.1.1849 (München) – 22.1.1927 (München); Pfarrer, Redakteur und Übersetzer
  • Denk, Martin Ritter von; 12.7.1853 (München) – 6.9.1935 (Ammerland am Starnberger See); Königlich bayerischer General der Artillerie

Grab der Familie Denk auf dem Alten Südfriedhof München (April 2018)

Grab der Familie Denk auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

#31 – 13 – 14 (Brug)


Hier ruht
Fräulein Marie Brug
geb. 16. Febr. 1837, gest. 13. Dez. 1918.

Sockel
Hier ruht
Frau Josephine Brug,
geb. Kleinheinz, k. Bezirksarzt-Gattin,
geb. 17. Mai 1833, gest. 3. Juni 1888.
Herr Karl Maria Brug,
k. Medizinalrat a. D. geb. 7. Juli 1826. gest. 29. Apr. 1897.

R. I. P.

Linke Seite
31.13.14.


  • Brug, Josefine (vh) / Kleinheinz (gb); 17.5.1833 – 36.1888; Bezirksarzt-Gattin
  • Brug, Karl Maria; 7.7.1826 – 29.4.1897; Medizinalrat a. D.
  • Brug, Marie; 16.2.1837 – 13.12.1918

Grab der Familie Brug auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2022)

#31 – 13 – 21 (n. n.)


(Mai 2018)

#31 – 13 – 23 (Moises)


MOISES

¿
Familie Moises


  • Moises, Franz; – 12.7.1891 (München), 28 Jahre alt; Lithographieanstaltsbesitzer

Grab der Familie Moises auf dem Alten Südfriedhof München (April 2018)

#31 – 13 – 25 (Heyder · Himmler)


Grabstätte
der
Familie Heyder.
Himmler.


  • Heyder, Anna (vw) / Hofreiter (gb); – 4.3.1887 (München); Privatiers-Witwe
  • Himmler, Gebhard; 17.5.1865 (Lindau) – 29.10.1936 (München); Oberstudiendirektor

Todesanzeige für Anna Heyder

Grab der Familien Heyder · Himmler auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

#31 – 13 – 27 (Aigner)


Max u. Ursula
Aigner


  • Aigner, Max
  • Aigner, Ursula (vw) / Glockner (gb); – 13.12.1875 (München), 75 Jahre alt; Lehrers-Witwe
Grab der Familie Aigner auf dem Alten Südfriedhof München (April 2018)

#31 – 13 – 28 (Aigner)


Ruhestätte ¿

Karl u. Helene
Aigner
1842 – 1898

Sockel
Die Inschrift ist nicht erhalten


  • Aigner, Helene
  • Aigner, Karl; – 2.8.1891 (München), 49 Jahre alt; Kaufmann

Todesanzeige für Karl Aigner

Grab der Familie Aigner auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2018)

#31 – 13 – 29·30 (Scycava)


Grab der Familie Scycava auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2013)