ALTE ARKADEN

rot: Zählrichtung der Grabreihen · schwarz: Zählrichtung der Grabnummern
Illustration zu C. Reber: Die »Ruhmeshalle« unter den Arkaden des südlichen (älteren) Friedhofes in München. Das Bayerland. Illustrierte Wochenschrift für bayerische Geschichte und Landeskunde. 9. Jahrgang. München, 1898.

#Das Bayerland.

Die »Ruhmeshalle« unter den Arkaden des südlichen (älteren) Friedhofes in München.
Von C. Reber.

Vita mortuorum in memoria posita est vivorum.
(In der Erinnerung der Lebenden besteht das Leben der Verstorbenen.)

Es wird wohl keinen Bayern, und vielleicht auch keinen Deutschen geben, der nicht schon von der großartigen Schöpfung König Ludwigs I., der Walhalla, dem Denkmale deutschen Ruhmes gehört hat, welche sich auf der eichenumkränzten Höhe des südlichen Abhanges des Braubergs bei Donaustauf majestätisch erhebt. Es werden auch nur wenige Bayern sein, denen die Ruhmeshalle hinter der ehernen Kolossalstatue der Bavaria, ebenfalls auf Geheiß Ludwigs I. im Jahre 1853 vollendet, auf der Theresienhöhe im Westen der Stadt München, fremd ist; aber es wird viele Bayern und leider sogar viele Münchner geben, denen unbekannt ist, daß auch die Stadtgemeinde München eine Ruhmeshalle, eine im Vergleich zu den genannten, allerdings bescheidene Ruhmeshalle errichtet hat.

Wenn man nämlich den südlichen Friedhof von Nord nach Süd, vom Stephanskirchlein aus, eine Hinterlassenschaft des ruhmreichen Kurfürsten Maximilians I., durchschreitet, so gelangt man zu den im Jahre 1819 von Vorher (Vorherr J. M., Baurat, geb. 1773 zu Freudenbach im Ansbachischen, gest. am 1. Oktober 1847, machte sich um Einführung des sogen. »Sonnenbaues« (off. Bausystems), der ja dann in der Häuseranlage der Sonnenstraße zum Ausdrucke gelangte, sehr verdient.) im dorischen Stile erbauten, die ältere Abteilung in Hufeisenform abschließenden Arkaden.

In den Bogenfeldern dieser Arkaden ließ der Architekt 74 Nischen anbringen, welche zur Aufnahme von Büsten hervorragender und verdienstvoller Männer bestimmt sind, die hier gelebt und gewirkt und ihre Grabesruhe im südlichen Friedhofe gefunden haben (Magistratsbeschluß vom Jahre 1866.). So entstand die allerdings erst mit 33 Nummern besetzte Ruhmeshalle.

Die zwei letzten Büsten auf der östlichen Seite der Arkaden verdanken nur dem Umstande ihr Dasein, daß sich die betreffenden Grabstätten hier befinden.

Die männliche Büste stellt den am 14. Juli 1857 verstorbenen Regierungspräsidenten von Schwaben und Neuburg, Dr. Karl Adolf Freiherr v. Welden-Großlaubheim vor. Die weibliche Büste ist die Freifrau Charlotte v. Redwitz, geborne Freiin v. Ritter, Obersthofmeisterin der Königin Therese, gestorben am 30. September 1832.

An der Aufstellung der Büsten nahmen bisher Anteil der Stadtmagistrat, Vereine und Angehörige der Verstorbenen.

Bei der geringen Anzahl der hier aufgestellten Büsten berühmter Männer möchte sich der Glaube aufdrängen, daß München arm an hervorragenden Männern war und ist; dem ist aber nicht so. Es fehlen z. B. die Büsten eines Liebig, Fraunhofer, Reichenbach, Steinheil, Gabelsberger, Heinrich Schubert, Görres, Döllinger, Kobell, Joseph Anton v. Maffei und vieler anderer.

Wir treten nun den Weg zur Besichtigung der Büsten an, indem wir uns von der Mitte der Arkaden aus nach rechts wenden. Von hier aus reihen sich die Büsten in folgender Weise aneinander:

1. Maximus v. Imhof, Professor der Physik und Chemie, Hofbibliothekar und geistlicher Rat, geboren am 26. Juli 1758 zu Reisbach bei Dingolfing in Niederbayern, wo sein Vater das Schuhmacherhandwerk und eine Krämerei ausübte. Den ersten Unterricht im Latein erhielt der junge Imhof in seiner Heimat; zwölf Jahre alt, setzte er dann seine Studien mit Auszeichnung in Landshut fort, und da er von seinen Eltern in keiner Weise unterstützt werden konnte, mußte er sich durch Singen in einer dortigen Klosterkirche seinen Unterhalt erwerben.

Mit 22 Jahren trat er in das Augustinerkloster zu München ein, dessen Gebäulichkeiten die Justizbehörden seit der Säkularisation bis zur Einweihung des neuen Justizpalastes (1897) inne hatten. Er erhielt den Klosternamen »Maximus«. Sein Taufname war »Johann«. Im Jahre 1782 zum Priester geweiht, oblag er noch eifrig dem Studium der Philosophie und Theologie, so daß er schon im Jahre 1786 in seinem Kloster als Lektor der Philosophie, Mathematik und Physik erfolgreich wirken konnte. Seine Ordensoberen übertrugen ihm im Jahre 1790 die Professur der Theologie; im gleichen Jahre erwählte ihn auch die Akademie der Wissenschaften zu ihrem Mitgliede.

Schon im nächsten Jahre bestieg er dann den Lehrstuhl der Physik, Mathematik und Ökonomie am kurfürstlichen Lyzeum zu München.

In dieser Stellung wirkte er sieben Jahre lang, insbesondere für die Verpflanzung der Naturkunde in weitere Volkskreise und namentlich für die Verbesserung und Verbreitung des Blitzableiters, jener, wenige Jahrzehnte vorher gemachten Erfindung Franklins.

Aus Gesundheitsrücksichten gab er 1798 sein Lehramt am Lyzeum auf, behielt aber, obgleich zum Prior seines Klosters erwählt, die Professur der Physik und Chemie an der Akademie bei. Im folgenden Jahre betrat er auf Berufung des Kurfürsten Max IV., welcher kurz vorher den bayerischen Kurstuhl bestiegen hatte, nochmals den Lehrstuhl der Physik am kurfürstlichen Lyzeum, auch wurde er zum Lehrer der Kurprinzen und Prinzessinnen bestellt.

Im Jahre 1802 trat er mit päpstlicher Genehmigung aus dem Orden der Augustiner aus, wurde aber 1803, kurz vor der Aufhebung des Kollegiatstiftes zu U. L. Frau noch zum Kanoniker desselben ernannt. Als Direktor der physikalischen Klasse der Akademie verwaltete er bis zu seinem Tode deren Sammlungen und half als zweiter Bibliothekar die Staatsbibliothek, die infolge der Säkularisation namhafte Bereicherungen erfahren hatte, ordnen.

König Max I. erkannte seine Verdienste, als einem der Ersten, durch Verleihung des damals neu errichteten Zivilverdienstordens der bayerischen Krone an.

An einer Lungenentzündung erkrankt, starb der ungemein thätige Gelehrte in München, Karlsplatz alte Nr. 7, neue Nr. 25, am 11. April 1817, nachdem er schon einige Jahre vorher endgiltig sein Lehramt niedergelegt hatte.

Seine Gebeine ruhen im südlichen Friedhofe, ältere Abteilung, Mauer links, Grabplatz Nr. 125. Kein Denkmal erinnert mehr an dieser Stelle an ihn. Die Stadtgemeinde München ließ dagegen seine Büste in einer Nische der Arkaden des südlichen Friedhofes aufstellen.

2. Franz Albert, Bürger und Stadtrat. Wann derselbe geboren wurde, ist nicht genau bekannt; jedenfalls aber in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts zu München, wo sein Vater seßhafter Bürger war. Als Besitzer des Gasthofes »zum goldenen Hahn« (der jetzigen Gendarmeriekaserne Haus-Nr. 12 an der Weinstraße) beteiligte sich Albert an gemeinnützigen Unternehmungen jeder Art.

So errichtete er u. a. eine deutsche Schule außerhalb der Stadt München, war Stifter der »Mildthätigen Gesellschaft« und des »Armenkinderhauses« zu Allach, förderte das Unternehmen des Militär-Akademie-Professors Franz Xaver Kefer, dessen Büste wir auch unter den Arkaden finden, die Feiertagsschule, durch namhafte Zuwendungen, kultivierte den nordwestlich vor der Stadt gelegenen öden Platz, Rennweg genannt, machte sich um die Hebung der Seidenzucht sehr verdient u. a. m.; kurz, er war rastlos in Förderung aller, seiner Vaterstadt nützlichen Anstalten bemüht.

Der Bürger beschloß am 4. November 1789 sein thätiges Leben. Seine Gebeine ruhen im südlichen Friedhof, Mauer rechts, Grabplätze 15, 16. Joseph Albert, Hofphotograph, gest. 5. Mai 1886 und dessen noch lebender Sohn Dr. Eugen Albert sind Nachkommen des Franz Albert, Beide um die Photographie sehr verdient.

Joseph Albert war der Erfinder der Photolithographie, die man nach ihm Albertotypie (1859) nannte. Durch diese Erfindung wurde die Brauchbarmachung der Photographie für Illustrationszwecke angebahnt.

3. Hermann Joseph Mitterer, Gründer der feiertäglichen Kunstschulen, Professor der polytechnischen Centralanstalt, Ehrenmitglied der kgl. Akademie der bildenden Künste.

Geboren als Sohn eines Krämers zu Osterhofen in Niederbayern am 8. Oktober 1762.

Seinen ersten Unterricht erhielt er im Kloster Farnbach; hierauf kam er nach Passau und im Jahre 1782 nach München, wo er das Gymnasium absolvierte. In seiner Berufswahl war er schwankend; er machte theologische, medizinische und Kunst-Studien. Letztere zogen ihn am meisten an, so daß er schließlich das Fach der Architektur und Kunsttechnik wählte.

Im Jahre 1791 erhielt er eine Stelle als Zeichnungslehrer am Gymnasium in München. Ein Jahr später gründete er mit kurfürstlicher Genehmigung eine »Feiertags-Handwerker-Zeichnungs- und Bossierschule«, die ihren Unterricht im Jahre 1803 begann, ferner eine »männliche Feiertagsschule«. Als Begründer der ersten lithographischen Kunstanstalt hob er die Senefeldersche Vervielfältigungskunst von der Stufe des Handwerkes auf die der Kunst empor.

Mitterer stellte in Verbindung mit seinem Kollegen, Professor Ramis, eine Presse, die sogen. Stern- oder Rollpresse, her, die den damaligen Anforderungen vollkommen entsprach.

Aus der von ihm geleiteten, trefflich eingerichteten Anstalt gingen namentlich zahlreiche Unterrichtswerke hervor, welche für Hebung des Zeichenunterrichtes von großer Bedeutung waren. Auch als Fachschriftsteller war Mitterer thätig und erwarb sich durch seine wissenschaftlichen Publikationen, insbesondere solche baugewerblicher Natur, hohe Verdienste.

In Anerkennung derselben wurde er zum Professor der polytechnischen Centralanstalt und von der Akademie der bildenden Künste zum Ehrenmitgliede ernannt.

Am 25. April 1829 beschloß dieser unermüdliche Mann in dem bescheidenen, nun längst abgebrochenen Schleiferhause am unteren Anger, welches vor ihm Kefer benützte, sein Leben. Sein Grab, geschmückt mit einer ehernen Büste, gefertigt von Bildhauer Peter Schöpf, befindet sich im südlichen älteren Friedhofe, Mauer links, Nr. 97; dessen Erhaltung verdanken wir einem ehemaligen Schüler Mitterers, dem Hofrat Franz Hanfstängl († 1877).

Als nämlich diese längst verfallene Grabstätte (Da die Grabstätte von Hanfstängl auf Descendenz gekauft wurde, ist dieselbe heute noch im Besitze der Familie.) nebst vielen anderen im Jahre 1861 zu anderweitiger Benützung bestimmt wurde, kaufte Hofrat Hanfstängl dieselbe und sicherte so den Überresten seines trefflichen Lehrers vorläufig Ruhe.

Die Stadtgemeinde München ehrte das Andenken Mitterers außer durch Aufstellung eines Abgusses seiner von Bildhauer Peter Schöpf modellierten Büste in einer Nische der Arkaden auch noch durch Benennung einer Straße als »Mittererstraße«.

(Fortsetzung folgt.)

C. Reber: Die »Ruhmeshalle« unter den Arkaden des südlichen (älteren) Friedhofes in München. Das Bayerland. Illustrierte Wochenschrift für bayerische Geschichte und Landeskunde. 9. Jahrgang. Heft Nr. 26. München, 1898.

(Fortsetzung.)

4. Anton Baumgartner, vormaliger kurfürstlicher Stadt-Polizeidirektor und kgl. Baurat; geboren am 4. September 1761 zu München als Sohn des Franz Joseph Baumgartner (1728–1797).

Im Jahre 1780 bezog der junge Baumgartner die Universität Ingolstadt, von der er drei Jahre später als Lizentiat der Rechte abging. Ein Jahr darauf schon fand er Anstellung als Auditor beim kurfürstlichen Leibregiment in München.

Als schmucker, junger Mann ward er der Gegenstand glühender Zuneigung eines Fräulein Fanny v. Ickstatt (nach anderen: v. Heppenstein), welche jedoch von Baumgartner in keiner Weise erwidert wurde. Deshalb beschloß die junge Dame, ihrem Leben ein Ende zu machen und führte diesen Vorsatz auch aus, indem sie sich, erst 17 Jahre alt, am 17. Dezember 1784, morgens 9 Uhr, aus einem Fenster der Türmerwohnung des Frauenturmes stürzte. Ein alter Stich, welcher dort oben noch unter Glas und Rahmen aufbewahrt wird, gibt Kunde von der verzweiflungsvollen That.

Der junge Auditor, welcher nebenbei die Arbeiten eines Assessors beim Justizdepartement im Hofkriegsrate besorgte, errang sich bald durch seine Brauchbarkeit die Gunst des Grafen Rumford, der 1790 seine Beförderung zum Hofkriegs-Justizrate erwirkte. Diese Stelle bekleidete er sieben Jahre.

Als der damals noch mächtige Graf Rumford eine unabhängige Polizeidirektion in München errichtete, wurde nebst Babo und Lipowsky auch Baumgartner zum Oberpolizeikommissär ernannt.

Mit dem Regierungsantritte des Kurfürsten Maximilian IV., nachmaligen Königs Max I., 1799, wurde eine Generallandesdirektion organisiert; einer eigenen Deputation derselben unterstanden die Geschäfte der Polizei, und Baumgartner wurde dieser als »Stadtpolizeidirektor« vorgesetzt. In dieser Stellung war er unermüdlich thätig, eine Unzahl Polizeierlasse geben Proben seiner Umsicht. An der Seite des Grafen Rumford wirkte er beständig zum Wohle der Armen Münchens und hatte er, was wohl eine Seltenheit für einen Mann in solcher Stellung genannt werden kann, keine Feinde, denn er war gegen alle, welche mit ihm in Berührung kamen, wohlwollend.

Leider blieb er nicht lange in dieser Stellung; das Jahr 1805 brachte, obwohl er erst 44 Jahre alt war, seine zeitliche Quieszierung.

Seine große Freigebigkeit mochte wohl viel an der Zerrüttung seiner Verhältnisse mit Schuld gewesen sein; über sein Vermögen wurde der Konkurs eröffnet, und dies war der Grund des Vorgehens gegen ihn.

Im Jahre 1809, nachdem die schwierige Angelegenheit endlich erledigt war, wurde Baumgartner als kgl. Baukommissionsrat reaktiviert.

Auch in dieser Stellung that er sich bis an sein Lebensende rühmlich hervor; so beteiligte er sich z. B. am 14. Januar 1823 bei dem Brande, dem das kgl. Hof- und Nationaltheater größtenteils zum Opfer fiel, bei grimmiger Kälte persönlich an den Lösch- und Rettungsarbeiten. Auch bei anderen derartigen traurigen Ereignissen war er einer der Ersten und Thätigsten am Platze, so daß es wohl nur ein Akt der Gerechtigkeit war, als ihn die Stadtgemeinde München in Anerkennung seiner Verdienste um die Stadt im Jahre 1825 durch Verleihung der goldenen Bürgermedaille auszeichnete.

Noch sieben Jahre konnte er diese Ehrung genießen, dann beschloß er, um die Stadt München hochverdient, in dem Hause Nr. 5/II (alte Nr. 1397/II) an der Löwengrube, 69 Jahre alt, sein Leben.

Seine Gattin war ihm bereits im Jahre 1820 am 5. April vorangegangen; beider Gebeine ruhen im südlichen Friedhofe, Sektion 9, Reihe 1, Grabnummer 17, jedoch ist dies durch kein Denkmal mehr kenntlich gemacht.

Zur weiteren Erinnerung an Baumgartner hat die Stadtgemeinde München eine Straße nach ihm benannt und seine Büste in einer Nische der Arkaden des südlichen Friedhofes aufstellen lassen.

5. Joseph Alois Amann, kgl. Kreisbaudirektor und Konservator der kgl. allgem. polytechnischen Sammlungen in München; geboren als der Sohn des kgl. Landesdirektionsrates v. Amann am 4. Januar 1780 zu Dillingen.

Er studierte die Rechte zu Landshut und oblag nebenbei auch Studien der technischen Wissenschaften, die ja damals, bis zur Gründung (1828) einer polytechnischen Schule, noch durch eine eigene technische Abteilung an der Universität gelehrt wurden.

Im Jahre 1805 bestand er bei der kurfürstlichen Landesdirektion zu Ulm eine Prüfung mit sehr rühmlichem Ergebnis und erfolgte noch im selben Jahre seine Anstellung als Straßen-und Wasserbauinspektor zu Kempten. Von da wurde er zum Oberinspektor in Straubing und im Jahre 1814 zum Direktor in Ansbach befördert.

Als im Jahre 1821 die Anlegung einer polytechnischen Sammlung in München beschlossen wurde, erhielt Amann, unter Berufung dahin, die Stelle eines Konservators derselben; durch das von ihm eingerichtete Maschinenmodellkabinett hat er sich ein bleibendes Denkmal gesetzt.

Mit Anfang des Jahres 1823 wurde ihm auch die Redaktion des Kunst- und Gewerbeblattes übertragen, mit welchem Organ er insbesondere vaterländische Industrie beförderte. Eine kurze, mir acht Tage lange Krankheit führte am 29. April 1825 zu München in seiner Wohnung, Thal Mariä Nr. 464, jetzt Thal Nr. 37, schnell und unerwartet den Tod dieses Mannes in seinen besten Jahren herbei.

Der Gewerbestand verlor an ihm einen thätigen und sachverständigen Ratgeber. Seine Witwe Elise, geb. v. Baunwarth, überlebte ihn 35 Jahre, indem sie am 12. August 1860 das Zeitliche segnete. Dem städtischen Waisenhause dahier vermachte sie letztwillig 1200 Gulden (2057,14 Mk.). Die Gebeine beider ruhen in dem noch erhaltenen Grabe Sektion 1, Reihe 1, Grabplatz Nr. 7.

Auf Antrag des Centralverwaltungsausschusses des polytechnischen Vereins für Bayern wurde die Aufstellung der Büste Amanns am 31. Oktober 1828 vom Stadtmagistrate München genehmigt.

6. Joseph v. Utzschneider, Geheimrat; großer Bürger, der auf staats- und volkswirtschaftlichem Gebiete Außerordentliches leistete, geboren als Sohn armer Landleute zu Rieden am Staffelsee am 2. März 1763.

Als Knabe verlor er durch unvorsichtiges Handhaben einer Schußwaffe sein linkes Auge. Schulpflichtig geworden, besuchte er erst die Volksschule in Uffing, später erhielt er dann Unterricht im Augustinerkloster Polling bei Weilheim.

Sein Onkel mütterlicherseits, der herzogliche Zahlmeister Andrä, brachte ihn, da er gar bald Proben von Scharfblick und Geistesregsamkeit ablegte, nach München und ermöglichte, daß er auch da die Lateinschule besuchen konnte. Nachdem er diese durchgemacht, kam er in die Kadettenschule. In dieser Zeit verwendete die Herzogin Maria Anna, hauptsächlich anläßlich jener wichtigen Verhandlungen, welche sie mit Preußen für Bayerns Selbständigkeit gegenüber Österreichs Ansprüchen anknüpfte und zum Nutzen Bayerns auch durchführte, den jungen Mann als Privatsekretär.

Nach seinem Austritt aus der Kadettenschule besuchte Utzschneider die Universität Ingolstadt, und wurde nach vollendetem rechtswissenschaftlichem Studium im Jahre 1783 von seiner Gönnerin, Maria Anna, zum Lehrer an der von ihr gegründeten »Landesakademie« nachmals »Militärakademie« nach München berufen. Durch seine Thätigkeit als Ökonomieverwalter eines herzoglichen Gutes lernte er die Landwirtschaft näher kennen und hegte fortan zeitlebens große Neigung dafür.

Im Jahre 1784 ernannte ihn Kurfürst Karl Theodor zum Hofkammerrate mit Sitz und Stimme, als welcher er besonders thätig für Austrocknung des Donaumooses war. Große Flächen Landes wurden durch ihn dem Ackerbau zugewendet und manches schöne Dorf verdankt ihm seine Entstehung.

Einige Zeit stand er auch der Saline in Berchtesgaden vor, auch hier wirkte er überaus umsichtig und förderlich.

Als der Nachfolger Karl Theodors, Maximilian IV., der nachmalige König Max I., den bayerischen Kurstuhl bestiegen hatte, wurde Utzschneider sofort zu einem der sieben Direktoren bei der neu errichteten Generallandesdirektion ernannt und bald darauf zum geheimen Referendar in den landständischen Angelegenheiten befördert. Er stand hoch in der Gunst seines Fürsten, was Wunder, wenn er eine Menge Neider hatte, die unausgesetzt an seinem Sturze arbeiteten. Im Jahre 1801 endlich siel er diesen zum Opfer, Verläumdungen führten seine Entlassung herbei.

Aber auch als Privatmann war er unausgesetzt thätig und schuf nacheinander verschiedene große industrielle Unternehmungen. Darunter nehmen die Ledermanufaktur, welche die ganze Nordseite der Rumfordstraße bis zur Zwingerstraße einnahm und die im Vereine mit Reichenbach, Liebherr und Fraunhofer im säkularisierten Klostergebäude zu Benediktbeuren errichtete optische Anstalt den ersten Platz ein.

Im Jahre 1807 wurde Utzschneider wieder in den Staatsdienst berufen und zum geheimen Finanzreferendar und Generaladministrator der Salinen ernannt. In dieser Stellung bewirkte er die Errichtung einer Saline in Rosenheim und machte dieses Regale überhaupt erst rentabel.

Als im Jahre 1809 der Krieg ausbrach, schwebte Utzschneider bei dem Einfalle der Tiroler in unser Land in Lebensgefahr, denn die Aufständischen hatten auf seinen Kopf einen Preis gesetzt, weil er gegen den Aufstand gewirkt hatte.

Aber auch während dieser unruhigen Zeit war der große Staatsmann unausgesetzt thätig. Er gab zur Anlage des Grundsteuerkatasters Veranlassung, förderte die neue Erfindung Senefelders, die Lithographie, verbesserte als deren Vorstand die Münzanstalt und gründete die Schuldendeckungs-Kommission.

Wiederholt trieb ihn Neid von seinem Posten, und im Jahre 1814 legte er seine Stellen sämtlich nieder, zugleich auf seinen wohlverdienten Ruhegehalt von jährlich 6000 Gulden zu Gunsten der Minderbesoldeten verzichtend. Der König zollte seinen Verdiensten Anerkennung durch Verleihung des Geheimratstitels und des Verdienstordens der bayerischen Krone.

Von nun ab war er fast ausschließlich auf industriellem Gebiete thätig. Auf seinem Besitztum wendete er seine volle Aufmerksamkeit der Runkelrübenzuckerfabrikation zu, in München errichtete er im Jahre 1815 ein großes Brauhaus am Ostende des Maximiliansplatzes, eine Tuchmanufaktur und eine Spritfabrik an der Spitalstraße.

Zur Zeit der Einführung der Verfassungsurkunde und des Gemeindeedikts vom Jahre 1818, als die Stadt München wieder einen Magistrat mit Bürgermeisteramt erhielt, wurde er zum 2. Bürgermeister gewählt. In dieser Stellung förderte er das Volksschulwesen, beantragte damals schon die Kanalisierung der Stadt und gab die erste Anregung zur Gründung einer Sparkassa. Nach sechs Jahren legte er, durch sein Alter hierzu berechtigt, sein Amt nieder. Auch als Abgeordneten für die zweite Kammer traf ihn die Wahl.

Im Jahre 1829 kaufte er das ehemals fürstbischöfliche Jagdschloß Erching, bei welchem 1500 Tagwerk Grund waren; hier gab es Gelegenheit zu mannigfachen Versuchen und Leistungen im Gebiete der Landwirtschaft.

Am 29. Januar 1840 verunglückte der äußerst thätige Mann bei einer Fahrt über den steilen Giesinger Berg, den Berg, der nachher bis zu seiner vor wenigen Jahren erfolgten Regulierung noch manches Opfer fordern sollte, und starb zwei Tage darauf im 77. Lebensjahre.

Sein noch erhaltenes Grab befindet sich im südlichen Friedhof, ältere Abteilung, Arkaden Nr. 32; es ist mit seiner, von Bildhauer Johann Halbig gefertigten Büste geschmückt. Einen Abguß hiervon ließ die Stadt München in einer Nische unter den Arkaden aufstellen. Auch das Haus Nr. 11 an der Müllerstraße, wo sich noch die Merzsche optische Anstalt befindet, ist neben der Büste Fraunhofers mit der Utzschneiders geschmückt. Meister Karl v. Piloty reihte ihn auf dem Wandgemälde im Sitzungssaale des neuen Rathauses zu München unter die für die Stadt bedeutsamsten Persönlichkeiten. Das städtische historische Museum besitzt ein Ölbildnis: »Utzschneider als Bürgermeister«, gemalt von Wagenbreth; eine Straße trägt zum bleibenden Andenken seinen Namen.

(Fortsetzung folgt.)

C. Reber: Die »Ruhmeshalle« unter den Arkaden des südlichen (älteren) Friedhofes in München. Das Bayerland. Illustrierte Wochenschrift für bayerische Geschichte und Landeskunde. 9. Jahrgang. Heft Nr. 27. München, 1898.

(Fortsetzung.)

7. Dr. Johann Andreas Schmeller, Sprachforscher und Germanist, geboren zu Tirschenreuth in der Oberpfalz am 6. August 1785 als Sohn eines armen Kürbenzäuners.

Früh schon lernte er das Wandern; denn als er erst zwei Jahre alt war, verzogen seine Eltern nach Rinnberg bei Pfaffenhofen.

Zu Hause vorbereitet, besuchte er vom Jahre 1794 an die Schule zu Pörnbach und fand dann durch Verwendung eines Gönners im Seminare des Klosters Scheyern Aufnahme. Doch nur kurze Zeit war dort seines Bleibens: im nächsten Jahre wurde das Kloster von französischem Kriegsvolke besetzt, und er mußte wieder wandern. Sein nächstes Ziel war Ingolstadt, wo er das Gymnasium besuchte. Auch hier blieb er nicht lange, sondern wandte sich nach München, wo er das Gymnasium und sodann das Lyceum absolvierte.

Nun hieß es einen Lebensberuf wählen! Am meisten hätte ihn wohl das Studium der Chemie und Mechanik angezogen, doch konnte er sich bei seiner Mittellosigkeit keinen Erfolg versprechen, deshalb wandte er sich der Landwirtschaft zu, allerdings ohne durch sie befriedigt zu werden.

Für seine erste Arbeit »über Schrift und Schriftunterricht« fand er keinen Verleger, und da seine Barmittel fast gänzlich erschöpft waren, beschloß er, sich an den damals gerade berühmt gewordenen Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi zu wenden. Im Alter von 18 Jahren mit 25 Gulden bar trat er die Wanderschaft nach der Schweiz an – es war vergebens, er fand auch dort keine Aufnahme.

Da, eines Tages, Schmeller mochte wohl gerade, die Straßen durchschreitend, über seine mißliche Lage Nachdenken und dabei ein verzweifeltes Gesicht machen, sprach den etwas fadenscheinig Gekleideten einer jener Werber an, die damals die ganze Welt durchstreiften.

Dem jungen Manne mußte bei seiner Lage und Aussichtslosigkeit das in den glänzendsten Farben geschilderte Militärleben schon als halbwegs glänzend erscheinen, so ließ er sich denn für ein spanisches Regiment anwerben und war bald auf dem Wege nach Spanien. In Tarragona, wo sein Regiment stand, verlebte er harte Monate. Im Jahre 1806 aber hatte sich seine Lage schon wieder verbessert. Er wirkte als Lehrer in Madrid an einer nach Pestalozzis Grundsätzen eingerichteten, für Offizierssöhne bestimmten Probeschule. Die Probe scheint die Schule allerdings nicht bestanden zu haben, denn zwei Jahre später erfolgte ihre Auflösung. Schmeller griff wieder zum Wanderstabe und wandte sich nach der Schweiz zurück. In Basel gründete er eine Privatanstalt, später wirkte er noch in Konstanz.

Als sich im Jahre 1813 ganz Deutschland gegen den korsischen Eroberer erhob, litt es auch Schmeller nicht mehr in der Fremde. Am Sylvesterabende desselben Jahres kehrte er nach München zurück und schloß sich sofort den bayerischen Freiwilligen an. Wenige Tage darauf schon wurde er auf Verwendung des Kronprinzen Ludwig zum Oberlieutenant bei dem freiwilligen Jägerbataillon des Illerkreises befördert. Zum Kampfe kam er zwar nicht mehr, doch führte ihn der Feldzug von 1815 nach Frankreich. Im kgl. bayer Armeemuseum zu München wird das Kaskett, das er beim Ausmarsche trug, aufbewahrt.

Nach seiner Rückkehr aus Feindesland erhielt er als Lieutenant unbestimmten Urlaub, den er sich zu verschiedenen Malen wieder verlängern ließ. Unverdrossen arbeitete er, der jetzt wieder Gelehrter war, an seinen großen sprachwissenschaftlichen Werken. Nach zehn Jahren heißen Mühens gelang es ihm endlich, unterstützt durch den Kronprinzen und die kgl. Akademie der Wissenschaften, eine außerordentliche Professur für deutsche Sprache und Literatur an der Münchener Universität zu erhalten.

Seine Hauptwerke sind das »Wörterbuch der bayerischen Mundart« und »Grammatik der Mundarten«. Durch sie ward er der Begründer der wissenschaftlichen Mundartenkunde und Erschließer des bayerischen Sprachschatzes, sie sind das glänzendste Denkmal, das ein Forscher einer Mundart setzen konnte.

Auch dichterisch war er thätig, doch veröffentlichte er nichts, er freute sich nur der poetischen Übung.

Infolge eines Choleraanfalles starb der hochverdiente Gelehrte am 27. Juli 1852 zu München in dem Hause Nr. 9 an der Theresienstraße, welches durch eine entsprechende Gedenktafel kenntlich gemacht ist.

Eine Vereinigung von Freunden und Verehrern ließ durch den Bildhauer Johann Halbig unter Benützung der Totenmaske und eines Ölbildnisses eine Büste Schmellers herstellen, welcher ein Ehrenplatz in der kgl. Hof- und Staatsbibliothek angewiesen wurde.

Von dieser Büste ließ die Stadtgemeinde München aus ihren Mitteln einen Abguß machen, der im Jahre 1853 in einer Nische unter den Arkaden Aufstellung fand.

Außerdem erinnern noch ein Medaillonbildnis an der Südfacade des kgl. Wilhelmsgymnasiums und der Name einer Straße in München, dem Schauplatze seiner Hauptthätigkeit, an ihn.

Aber auch seine Geburtsstadt Tirschenreuth, ehrte ihren großen Sohn durch Errichtung eines Denkmals, das am 20. Juli 1891 enthüllt wurde.

8. Franz Xaver v. Baader, namhafter deutscher Philosoph, geboren als der Sohn des kurfürstlichen Leibarztes Joseph Franz Baader zu München am 27. März 1765.

Als Knabe infolge einer Entwickelungskrankheit schwächlich an Körper und Geist, kräftigte sich seine Konstitution nach überstandener Krisis rasch und er bedurfte nur eines Jahres, um das Versäumte nachzuholen. Im 16. Jahre bezog er die Universität Ingolstadt, um dort Medizin zu studieren, erwarb sich nach drei Jahren den Doktorgrad und begab sich zur weiteren Ausbildung nach Wien.

Nach zwei Jahren in seine Heimat zurückgekehrt, assistierte er seinem Vater, fühlte sich jedoch mehr zu naturwissenschaftlichen, namentlich physikalischen Studien hingezogen. Infolgedessen trat er zum Bergwesen über, besuchte die Bergakademie zu Freiberg und erweiterte seine Kenntnisse, die er sich da erworben, durch Reisen in Norddeutschland, England und Schottland. Ein Jahr nach seiner Rückkehr nach München (1796) wurde er vom Kurfürsten Karl Theodor zum Münz- und Bergrat ernannt und rasch zum Oberbergrat befördert. Die Akademie der Wissenschaften erwählte ihn zu ihrem Mitgliede. Als im Jahre 1826 die Universität von Landshut nach München verlegt wurde, gründete er an derselben den Lehrstuhl der spekulativen Dogmatik, welchen er bis zu seinem Tode bebehielt. Wie rastlos und rüstig er, selbst noch im hohen Alter, gearbeitet hat, beweist die Anzahl seiner Schriften. Dieser scharfsinnige und tiefe Denker, dessen Brust der Kronorden schmückte, starb in München am 23. Mai 1841 in dem Hause 18a. in der Karlsstraße, welches die Stadtgemeinde München mit einer Gedenktafel schmücken ließ. Seine Büste, modelliert vom Erzgießer und Bildhauer Stiglmayer, ließ König Ludwig in der Ruhmeshalle aufstellen.

Das Grab, welches seine irdischen Überreste deckt, befindet sich im südlichen Friedhofe, Sektion 14, Reihe 12, Grabplatz Nr. 13.

Die Stadtgemeinde München ließ einen Abguß der Stiglmayerschen Büste in einer Nische unter den Arkaden aufstellen. Durch die Bezeichnung eines Platzes und einer Straße mit seinem Namen soll sein Andenken dauernd gewahrt bleiben.

9. Dr. Martin v. Deutinger, Dompropst und Geschichtschreiber, wurde am 11. November 1789 auf der väterlichen, in der ehemalig Herzog Ferdinandschen Besitzung Wartenberg bei Erding gelegenen Mühle geboren.

Mit 11 Jahren kam der begabte kleine Martin als Singknabe in das Kloster Weihenstephan, im nächsten Jahre schon an das Gymnasium in Landshut, wo er nach Absolvierung der Humaniora auch Philosophie und Theologie an der erst kurz, drohender Kriegsstürme wegen, von Ingolstadt dahin verlegten Universität studierte. Der Wissensdrang veranlaßte ihn, auch rechtswissenschaftliche Kollegien zu hören und als Doktor der Theologie zu promovieren. Am 21. März 1813 zum Priester geweiht, wurde er zuerst Seelsorger in Hohenkammer, dann Kooperatur-Provisor in Massenhausen. Nach kurzer Zeit berief ihn das bischöfliche Generalvikariat in Freising als Registrator und Taxator ein. In dieser Stellung fand er reichlichen Stoff zur Förderung seines Forschens in der Geschichte.

Bei der Errichtung des Erzbistums München-Freising kam er am 28. Oktober 1821 als der jüngste Domkapitular nach München, wo er bis zu seinem Tode verblieb. König Ludwig I. ernannte ihn im Jahre 1826 zum kgl. Oberkirchen- und Schulrat, Erzbischof Lothar Anselm 1836 zum Generalvikar und Senior des Domkapitels. Der Neujahrstag 1837 brachte ihm durch Verleihung des Zivilverdienstordens der bayerischen Krone den Adelsstand. In demselben Jahre erwählte ihn die Akademie der Wissenschaften zu ihrem Mitgliede, welchem Beispiele mehrere andere wissenschaftliche Vereine des In- und Auslandes folgten. Papst Gregor XVI. übertrug ihm im Jahre 1841 die hohe Würde des Dompropstes.

Der Nachfolger des am 1. Oktober 1846 verstorbenen Erzbischofes Lothar Anselm, Karl August Graf v. Reisach, ernannte ihn im Jahre 1846 zum Direktor des allgemeinen geistlichen Rates, sowie des Metropolitan-Kapitels.

Eine an der Durchfahrt am Mittelbau der Schrannenhalle angebrachte steinerne Gedenktafel verkündet der Nachwelt, daß Dompropst Deutinger dieses Gebäude in Anwesenheit Sr. Majestät des Königs Max II. am 15. September 1853 eingeweiht hat.

Die Enthüllung des Monuments Lorenz v. Westenrieders auf dem Promenadeplatze am 1. August 1854 war der letzte feierliche Akt, dem Deutinger beiwohnte. Am 30. Oktober 1854 starb er im Hause Nr. 3 an der Löwengrube, ein Opfer der bereits für erloschen erklärten Cholera. Seine Leiche wurde in der Gruft des Metropolitankapitels im südlichen Friedhof, ältere Abteilung, Arkaden rechts, Grabplätze 26–28, beigesetzt.

Er war ein Mann, der wegen seines eminenten Wissens, seiner rastlosen Berufsthätigkeit, wegen des hohen Adels seiner Gesinnung und des seltenen Vereins aller den Menschen und Priester zierenden Tugenden die allgemeinste Verehrung genoß.

10. Joseph Felix v. Lipowsky, kgl. Centralrat und Ständearchivar, geboren zu Wiesensteig in Württemberg am 25. Januar 1764 als der Sohn des kurbayerischen Kameralbeamten Thaddäus Lipowsky. Erst 5 Jahre alt, verlor er seinen Vater, und seine Mutter, gezwungen, sich wieder zu verehelichen, nahm den Steuersekretär Xaver Loritz zu ihrem zweiten Gatten. Mit seinem Stiefvater kam er im Jahre 1769 nach Amberg. Er besuchte dort Gymnasium und Lyceum. Als die Berufswahl kam, schwankte er zwischen der theologischen und juristischen Laufbahn. Er war bereits an der Reihe, in das Stift seines Geburtsortes als Stiftsherr einzutreten und hatte bereits die ersten Weihen erhalten, als er sich im letzten Augenblicke noch entschied, Jurist zu werden.

Im Jahre 1785 besuchte er die Universität Ingolstadt und empfing 1787 nach bestandener Prüfung das Diplom als Licentiat beider Rechte. In demselben Jahre kam er für immer nach München, wo er durch Verwendung des Grafen Rumford, an dem er einen hohen Gönner fand, im nächsten Jahre schon eine Lehrstelle an der Militärakademie erhielt. In kurzer Zeit wurde er durch Ernennung zum Unterlieutenant und Auditor beim Dragonerregiment Graf Larosé erfreut, ohne seinen Lehrstuhl der Geschichte an der Akademie verlassen zu müssen. Das Vertrauen seiner Vorgesetzten brachte ihm die Ernennung zum Hofgerichtsrats-Assessor mit Sitz und Stimme. Kurz vor Ausbruch des vom Reichstage zu Regensburg 1793 beschlossenen Reichskrieges gegen Frankreich wurde er zum Oberlieutenant befördert. Gut der französischen Sprache mächtig, wurden ihm verschiedene Missionen des deutschen Reiches, da eben Kurfürst Karl Theodor Reichsverweser war, zu teil. Die zufriedenstellende Besorgung trug ihm eine goldene Medaille mit der Inschrift: »bene merentibus« ein.

Als im Jahre 1796 die Österreicher und Condéer auf dem rechten Ufer der Isar, die französischen republikanischen Brigaden aber auf dem linken Ufer, München als neutrale Stadt dazwischen, sich feindlich gegenüberstanden, hatte Lipowsky als Adjutant des Grafen Rumford, mit den fremden Truppenführern Unterhandlungen zu pflegen, welche für sein Leben gefahrdrohend waren. Während der napoleonischen Feldzüge bekleidete er das Amt eines Stadtkommandanten von München. Eines Tages, am 5. Juli 1800, wurde in der kurfürstlichen Residenz ein Konzert abgehalten. Der französische Obergeneral Moreau ging in Begleitung Lipowskys dahin, später kam auch General Richepanse in Zivil nach. Alle Stühle waren besetzt. Als Richepanse über Müdigkeit klagte und sich einen Stuhl wünschte, überließ ihm Lipowsky den seinigen. Diese Artigkeit trug dem Stadtkommandanten die Gewährung einer Bitte ein. Nach einigen Tagen wurde von der französischen Besatzung die Auslieferung der Waffen des bürgerlichen Zeughauses verlangt. Lipowsky begab sich zu Richepanse, um Gegenordre zu erwirken. Jener wurde von diesem sogleich erkannt, und nachdem Lipowsky sein Anliegen vorgetragen hatte, fiel ihm der französische General in die Rede: »Dies machen wir kurz! Sie gaben mir, da ich müde war, Ihren Stuhl; dafür belasse ich Ihnen Ihre Waffen.«

Als Graf Rumford die Polizei einer unabhängigen Direktion übertrug, wurde Lipowsky zu einem der drei Oberpolizeikommissäre ernannt.

Im Jahre 1806, in welchem Bayern zum Königreich erhoben wurde, organisierte Lipowsky das Bürgermilitär, dem die Aufrechthaltung der Ordnung im Innern des Landes oblag. Auf Wunsch der gemäß der Verfassungsurkunde vom 26. Mai 1818 zusammengetretenen beiden Kammern wurde er zum Ständearchivar ernannt, in welcher Stellung er bis zum 12. Dezember 1837 aktiv blieb. In dieser Zeit war er literarisch außerordentlich thätig und machte sich um die bayerische und speziell um die Münchener Stadtgeschichte sehr verdient. Wer kennt nicht seine als Unikum geltenden »Urgeschichten«?

Am 20. März 1842, in einem Alter von 78 Jahren, schloß er die Augen für immer in dem Haus Nr. 4 an der Weinstraße, welches der Magistrat mit einer Gedenktafel von Stein schmücken ließ. Meister Karl Piloty reihte ihn auf seinem Gemälde im Sitzungssaale des neuen Rathauses unter die bedeutsamsten Münchener Persönlichkeiten. Sein wohlerhaltenes Grab befindet sich im südlichen Friedhofe, Sektion 12, Reihe 13, Grabplatz 27. Auf Antrag eines Verwandten ließ der Magistrat 1883 die Büste Lipowskys, gefertigt von Bildhauer Johann Hautmann, in einer Nische aufstellen. Zum immerwährenden Andenken wurde eine Straße nach ihm benannt.

(Fortsetzung folgt.)

C. Reber: Die »Ruhmeshalle« unter den Arkaden des südlichen (älteren) Friedhofes in München. Das Bayerland. Illustrierte Wochenschrift für bayerische Geschichte und Landeskunde. 9. Jahrgang. Heft Nr. 28. München, 1898.

(Fortsetzung.)

11. Georg Merz, Hofoptiker, Mitbegründer des heute noch nach ihm benannten optischen Instituts zu München; geboren als der Sohn des Mesners und Leinwebers Anton Merz am 26. Januar 1793 zu Bichl. Er besuchte die Klosterschule in Benediktbeuren. Als der unternehmende Industrielle v. Utzschneider im Jahre 1808 in den Räumen des säkularisierten Klosters Benediktbeuren eine Fabrik des Flint- und Crown-Glases für sein optisches Institut errichtete, fand Merz, erst 15 Jahre alt, darin Aufnahme. Er that sich alsbald sehr vorteilhaft hervor, da er mit brennendem Eifer theoretische Studien unter Anleitung des Mathematikers und Benediktiner-Exkonventualen Pater Amand Rauch machte. Er schwang sich bald zum Vorarbeiter empor. Nach dem im Jahre 1826 erfolgten Tode Fraunhofers nahm ihn Utzschneider als Geschäftsleiter und übertrug ihm die Direktion des optischen Instituts. Merz' erste Aufgabe war, das von Fraunhofer begonnene Königsberger Heliometer zu vollenden. Er versah dann Berlin und Kasan je mit einem Neunzöller, München mit einem 10½ Zöller und zeichnete sich auch bald durch seine Mikroskope aus. Im Jahre 1830 wurde er mit seinem Schwager Joseph Mahler Teilhaber an dem Institute und 1839 kauften es beide, von welcher Zeit an die Glanzperiode des Geschäfts begann. Er stellte die berühmten Pulkowaer Instrumente her, die zu sehen Astronomen aller Länder nach Pulkowa eilten. Kaiser Nikolaus von Rußland zeichnete ihn mit der goldenen Medaille für Kunst aus. König Max II. verlieh ihm den Michaelsorden I. Klasse und Papst Pius IX. das Ritterkreuz des St. Sylvesterordens. Nach seines Schwagers Tode führte Merz 1845 das Institut mit seinen beiden Söhnen Sigmund und Ludwig weiter, verlegte es aber 1859 nach München. Am 12. Januar 1867 starb er in seinem Hause Nr. 11 an der Müllerstraße nach fast 60jähriger ruhmvoller Thätigkeit, nachdem er die Direktion des Instituts schon einige Jahre vorher seinem Sohne Sigmund (Ludwig war bereits am 17. März 1858 gestorben) überlassen hatte. Er war ein self made man. Sein Grab findet sich an der Nordseite der Stephanskirche, nahe am Eingange. Im Jahre 1838, als dem 50. Jubeljahre seines Geschäftes, stiftete Merz ein Kapital von 4000 Gulden zum hl. Geistspital zunächst für seine Arbeiter. Auf Antrag der Verwandten ließ der Stadtmagistrat Merz' Büste, modelliert von Johann Halbig, in einer Nische aufstellen.

12. Dr. Ludwig Merz, Geograph und Optiker, geb. am 31. März 1817 zu Benediktbeuren, wo sein Vater Arbeiter im Fraunhoferschen optischen Institute war.

Er studierte zu Freising und München. An letzterer Universität erwarb er sich durch Lösung einer Preisfrage »Über die Analogie von Licht und Wärme« im Jahre 1842 den Doktorgrad, habilitierte sich hierauf als Privatdozent daselbst und hielt über physikalische Geographie, Geschichte der Entdeckungsreisen und allgemeine Erdkunde gut besuchte Vorlesungen. Auf einer Reise ins Ausland erweiterte er sein Wissen. Heimgekehrt, vermählte er sich 1846 mit Fräulein Anna Barbara Sepp. Im folgenden Jahre trat er mit seinem Bruder Sigmund in das optische Institut seines Vaters als Teilhaber ein.

Durch das sturm- und drangreiche Jahr 1848 angeeifert, war er publizistisch thätig. Begeistert ergriff er die von dem gottbegnadeten Priester Adolf Kolping angeregte Idee, dem armen verlassenen Gesellenstande unter die Arme zu greifen. Durch seine Mitwirkung entstand das Heim des im Jahre 1843 gegründeten katholischen Centralgesellenvereins Haus-Nr. 6 und 7 an der Schommerstraße in München, in welchem wir auf einer dort im Saale angebrachten weißen Marmortafel obenan seinen Namen als Erbauer des Heimes lesen und an der Längsseite seine Büste, modelliert von Kaspar Zumbusch, sehen. König Max II. ernannte ihn zum Mitgliede des Centralkapitels des St. Johannes-Vereins für freiwillige Armenpflege in Bayern. Als echter Humanist erwies er sich selbst still verborgen wohlthätig. Wie uns seine Grabschrift unterrichtet, war er Mitstifter des Missions-, Vincentius- und anderer katholischer Wohlthätigkeitsvereine. Seine durch unausgesetzte Arbeit erschütterte Gesundheit konnte einem typhösen Fieber nicht widerstehen, dem er am 16. März 1858 im Hause Nr. 11 an der Müllerstraße, neun Jahre vor seinem Vater, unterlag. Seine irdischen Überreste befinden sich im südlichen Friedhofe, ältere Abteilung, Mauer rechts, Grabplätze 165 und 166, Grabstätte seiner Schwiegereltern.

Auf Antrag der Verwandten genehmigte der Stadtmagistrat die Aufstellung der Büste des Verstorbenen, modelliert von Kaspar Zumbusch, in einer Nische der Arkaden.

13. Georg Simon Ohm, bahnbrechender Physiker, geboren am 16. März 1789 zu Erlangen.

Sein Vater war dort Schlossermeister, widmete aber all seine freie Zeit dem Studium der Mathematik und Philosophie.

Unser Simon besuchte das Gymnasium in Erlangen und erhielt nebst seinem Bruder Martin vom Vater nebenbei Unterricht in der Mathematik. Aber auch in der Schlosserei mußte er mit Hand anlegen, damit er für alle Fälle, die Mittel waren ja nicht groß, befähigt sei, sich durch die Welt zu bringen. Und gerade dies kam später dem Gelehrten sehr zu statten.

Im Jahre 1805 absolvierte Ohm das Gymnasium zu Erlangen und studierte an der dortigen Universität Mathematik, Physik und Philosophie. Allein der Vater hatte nicht die Mittel zur Fortsetzung der Studien, der junge Mann mußte schauen, sein Brot zu verdienen und begab sich 1806 deshalb als Hauslehrer nach der Schweiz.

Nach fünf Jahren kehrte er nach Erlangen zurück, erwarb sich da das Doktordiplom und habilitierte sich als Privatdozent für Mathematik.

Diese unabhängige Lehrthätigkeit hätte ihm wohl am meisten zugesagt, jedoch bald wurde er durch seine geringen Mittel gezwungen, eine Lehrstelle an der kgl. Gewerbeschule in Bamberg anzunehmen, von wo er bald darauf an die Lateinschule versetzt wurde.

Nach Erscheinen seiner ersten Schrift: »Grundlinien zu einer zweckmäßigen Behandlung der Geometrie als höheren Bildungsmittels an vorbereitenden Anstalten« erhielt er einen Ruf an das Gymnasium in Köln a. Rh., dem er alsbald Folge leistete.

Neun Jahre wirkte er, hauptsächlich als Lehrer der Mathematik, in Köln. Von seinen damaligen Schülern kamen viele später zu Ruhm und Ehren.

In Köln entdeckte er auch die, seinen Namen unsterblich machenden galvanischen Gesetze.

Allein Ohm erging es wie vielen anderen vor und nach ihm: seine Verdienste fanden keine Anerkennung, vielmehr sogar heftigen Widerspruch. Aber er ließ sich nicht irre machen; als die preußische Regierung ablehnte, ihm den Lehrstuhl an einer Universität zu übertragen, verzichtete er auch auf seine Stelle als Gymnasiallehrer und zog sich als Privatgelehrter nach Berlin zurück.

Dort lebte er von 1827 bis 1833 in wenig günstigen Verhältnissen, bis ihn völlig unerwartet im Jahre 1833 König Ludwig I. als Professor an das Polytechnikum in Nürnberg berief, um ihm schon nach sechs Jahren das Rektorat zu übertragen.

Jetzt wurde Ohm die Anerkennung als Entdecker des »Ohmschen Gesetzes« zu teil, und zwar zuerst von englischer Seite. Seine Hauptschrift »Die galvanische Kette, mathematisch bearbeitet« wurde ins Englische übersetzt, und im Jahre 1841 erhielt Ohm, in Anerkennung seiner Verdienste auf dem Gebiete exakter Forschung die goldene Copley-Medaille. Gleichzeitig wurde er zum auswärtigen Mitgliede der »Royal Society« in London ernannt. Sein wissenschaftlicher Ruf war begründet und auch andere Akademien, wie Berlin, München u. s. w. erwählten ihn zum Mitgliede. Zwei Jahre später entdeckte er noch ein akustisches Gesetz.

König Max II. berief den Gelehrten 1849 nach München als Konservator der mathematisch-physikalischen Sammlungen des Staates, woneben er als Professor der Physik an der Universität Vorlesungen zu halten hatte.

Am 6. Juli 1854 erlag er in seiner Wohnung, von der Tannstraße Nr. 30, als Junggeselle einem Schlaganfalle.

In mannigfacher Weise wird Ohms Andenken in München geehrt.

Nicht nur, daß seine, von Bildhauer Ruemann gefertigte Büste in der Ruhmeshalle und hier unter den Arkaden Aufstellung fand, die Stadtgemeinde benannte auch eine Straße nach ihm, und am 5. Juli 1895 wurde auf einem Rasenplatze vor der technischen Hochschule das von Professor Ruemann unter Mitwirkung des Architekten Thiersch geschaffene Ohmdenkmal von Marmor enthüllt.

Das Grab des genialen Gelehrten befindet sich im südlichen Friedhofe, Sektion 15, Reihe 2, Grab-Nr. 41; aber nur ein mehr als bescheidener Leichenstein deckt den Hügel.

14. Dr. Johann Nepomuk v. Nußbaum, kgl. Geheimrat, Universitätsprofessor der Chirurgie und Generalstabsarzt à l. s. der Armee, geboren als der Sohn des Geheimsekretärs im kgl. Justizministerium, Franz Paul Nußbaum, am 2. September 1829 in dem damals noch selbständigen Dörfchen Haidhausen.

Früh verlor er seinen Vater. Aber seine treue Mutter leitete mit sorgsamer Hand und hingehender Liebe seine Erziehung. Nachdem er das kgl. Ludwigsgymnasium in München 1848 absolviert hatte, wählte er an der Hochschule in München Medizin zu seinem Fachstudium. Eine glückliche Wahl seines Berufes. Nach bestandenem Examen trat er im Jahre 1851 im Dr. Haunerschen Kinderspitale, das damals noch in der Jägerstraße seine Thätigkeit entfaltete, in Praxis, und im nächsten Jahre als Assistent der chirurgischen Abteilung im allgemeinen städtischen Krankenhause ein. Im Jahre 1857 habilitierte er sich als Privatdozent für Chirurgie und Augenheilkunde an der Universität München, 1860 wurde er zum ordentlichen Professor an der chirurgischen und Augenklinik ernannt.

Nußbaum war ein edler Menschenfreund, der immer, wo es zu helfen galt, bereit war, mit Rat und That der leidenden Menschheit beizustehen. Er behandelte mittellose Kranke nicht nur unentgeltlich, sondern unterstützte solche auch noch aus eigenen Mitteln.

In den Kriegen von 1866 und 1870/71 wirkte er segensreich, und so oft man von jenen blutigen Kämpfen, welche die Einigkeit unseres Vaterlandes herbeiführten, reden wird, wird man auch dieses großen Chirurgen gedenken müssen.

Die Stadt München hat ihm ganz besonders die Säuberung der Spitäler von dem so gefürchteten Spitalbrande durch Einführung der Listerschen Wundbehandlung zu verdanken.

Viele hohe Auszeichnungen, wie der Verdienstorden der bayerischen Krone, der Geheimratstitel etc. wurden ihm zu teil; im Jahre 1880 ernannte ihn die Stadt München zu ihrem Ehrenbürger. – Er beschloß am 31. Oktober 1890 sein thatenreiches Leben in dem Häuschen, an dessen Stelle sich das 1892 erbaute Isolierkrankenhaus, der sogenannte »Nußbaumpavillon« an der nach ihm benannten Straße erhebt. Die Stadtgemeindc schmückte das Gebäude mit einer Gedenktafel von Stein mit folgender Inschrift:

»In dem vormals hier gestandenen, im Jahre 1892 durch diesen Neubau ersetzten Hause beschloß Geheimrat Dr. Joh. Nepomuk Ritter von Nußbaum, Ehrenbürger der Stadt, am 31. Oktober 1890 sein der Wissenschaft und dem Wohle der Menschheit geweihtes Leben.«

Sein Grab befindet sich im südlichen (älteren) Friedhofe, Mauerspitz rechts, Grabplatz Nr. 15.

In den Anlagen vor dem Krankenhause l. d. I. errichteten ihm Kollegen, Schüler, Freunde, Studiengenossen und Verehrer aus der Reihe der dankerfüllten Kranken ein von Bildhauer Theodor Haf modelliertes und ausgeführtes Denkmal: eine doppelt lebensgroße Büste aus carrarischem Marmor auf hohem Sockel von rötlich schwedischem Granit, die Stufen von dunklem Syenit. Es wurde am 16. Juli 1892 enthüllt. Besonders verdient um die Vollendung des Werkes machte sich der Radfahrerbund, der zu Gunsten des Denkmalfonds ein Fest im Volksgarten zu Nymphenburg veranstaltete, das dem Fonds über 3000 Mark eintrug.

Seine vom Bildhauer Paul Sayer stammende Büste wurde nach Magistratsbeschluß vom 25. November und 2. Dezember 1890 in einer Nische unter den Arkaden des südlichen alten Friedhofes aufgestellt. Um sein Andenken dauernd zu bewahren, bezeichnete die Stadtgemeinde auch die Straße, an der er lebte und wirkte, mit seinem Namen.

(Fortsetzung folgt.)

C. Reber: Die »Ruhmeshalle« unter den Arkaden des südlichen (älteren) Friedhofes in München. Das Bayerland. Illustrierte Wochenschrift für bayerische Geschichte und Landeskunde. 9. Jahrgang. Heft Nr. 29. München, 1898.

(Fortsetzung.)

15. Dr. Johann Ignaz Perner, Hofrat, geboren am 3. Juli 1796 als Sohn des Gastwirtes und früheren Gerichtsdieners Johann Georg Perner zu Ebersberg.

Von seinem 6. bis zum 11. Lebensjahre erhielt er Unterricht bei einem befreundeten Pfarrer in Frauenneuharting, dann besuchte er das Gymnasium zu München, wo er in jeder Klasse der Erste war und sein Absolutorium glänzend bestand. Dabei konnte er von zu Hause wenig unterstützt werden, er hatte ja noch zehn Geschwister, und mußte sich seinen Unterhalt großenteils selbst verdienen.

Mit 16 Jahren schon sehen wir ihn die Universität Landshut beziehen. Das akademische Leben sprach ihn sehr an und er genoß es in vollen Zügen. Er hatte dem Panier »weiß-blau-weiß« geschworen, denn er war Korpsbruder der Bayern. Der Fechtboden war ihm ein Lieblingsaufenthalt, und tüchtig verstand er die Waffen zu führen, weshalb er auch Consenior bei seinem Corps wurde. Manche Mensur hatte er auf seinen Bändern verzeichnet. Dabei vergaß er aber seine Studien nicht. Im Jahre 1815 löste er sogar eine Preisfrage.

Die Befreiungskriege hatten leider die erhoffte politische Freiheit nicht im Gefolge, im Gegenteile, die französische Revolution vom Jahre 1789 stand noch zu gut in der Erinnerung, man hielt die harmlosesten Vereine für staatsgefährlich und veranstaltete förmliche Jagd auf diese. Die Studentenverbindungen, in denen ja ein besonders freier Ton herrschte, erfreuten sich in dieser Beziehung auch einer ganz besonderen Fürsorge.

Wie an anderen Universitäten wurden sie ebenfalls in Landshut aufgehoben und ihre Mitglieder relegiert. Dies Schicksal traf auch Perner, er mußte Landshut verlassen, um erst ein Jahr später wieder dahin zurückkehren zu dürfen. Da studierte er dann wieder eifrigst und holte sich bald das philosophische und juristische Doktordiplom.

Er praktizierte bei einem Patrimonial-, sowie an einem kgl. Landgerichte. Die Staatsprüfung bestand er mit Note I.

Seine erste Anstellung erfolgte 1820 als Protokollist, der bald darauf die Beförderung zum Assessor und dann zum Kreis- und Stadtgerichtsrat in Landshut nachging. Als solcher wurde er nach München versetzt, verließ aber, trotz glänzender Aussichten, im Jahre 1827 den Staatsdienst.

Die freiere Thätigkeit eines Advokaten sagte ihm besser zu. Als solcher entfaltete er bald eine ungeheuere Wirksamkeit und sein Ruf als Advokat drang durch das ganze Land.

Seine Einkünfte waren derart, daß er schon nach fünf Jahren, also in einem Alter von 35 Jahren, seine Praxis als Anwalt aufgeben und sich ins Privatleben zurückziehen konnte. Gelegentlich seines Rücktrittes ehrte ihn der König durch Verleihung des Hofrattitels.

Durch nichts gebunden, konnte er sich nun ganz der Erfüllung seines Lieblingswunsches, dem Reisen, hingeben. Er durchstreifte fast ganz Europa und sah Glück und Elend in mancherlei Gestalt vorübergleiten. Er gelangte zu der Überzeugung, daß ohne wahres Mitleid kein wahres Glück denkbar sei, daß ohne dies der Mensch immer mehr verrohen müsse. Und er erkannte richtig, daß den Tieren, die ja in vielen Fällen Freunde des Menschen sind, in ausgedehntestem Maße Mitleid entgegenzubringen sei.

Im Jahre 1841 regte er zum erstenmale die Gründung eines »Vereines zum Schutze der Tiere« an, nicht ohne als Erwiderung Spott und Hohn zu ernten.

Doch er scheute weder persönliche Mühe, noch große Geldopfer und wußte einige hundert Personen zum Eintritt in den Verein zu bewegen.

Er stand mit den höchsten Kreisen in Verbindung, und als die Prinzen Eduard von Sachsen-Altenburg und Adalbert von Bayern sich der Sache annahmen, zählte der Verein bald mehrere Tausende Mitglieder mit gegen 200 Zweigvereinen, um sich nach und nach die ganze Welt zu erobern.

Perner wurde mit dem Verdienstorden vom hl. Michael ausgezeichnet.

Im Jahre 1866 stifteten die Tierschutzvereine eine »Perner-Medaille«, welche solchen Personm verliehen wird, die sich in der Tierschutzsache als besonders thätig erweisen.

Einige Jahre schon war Perner leidend und starb fast plötzlich am 16. Februar 1867, nachdem er kurz vorher noch seinen Vereinen 13000 Gulden geschenkt hatte.

Sein Sterbehaus, Gärtnerplatz Nr. 4/I, ist leider bis jetzt noch durch nichts als solches kenntlich gemacht.

Die von Bildhauer Michael Wagmüller modellierte Bronzebüste, welche das Grab (südlicher Friedhof, Sektion 37, Reihe 13, Nr. 33/34) des »edlen Förderers wahrer Humanität« schmückt, ist vom Münchener Tierschutzverein gestiftet.

Einen Abguß derselben schenkte Perners Nichte, Bertha v. Lößl, dem städtischen historischen Museum, ein weiterer gelangte auf ihre Anregung hin in einer der Nischen unter den Arkaden zur Aufstellung, zum Unterhalte des Grabes machte sie an das städtische Kinderasyl eine Schenkung von 1500 Mark.

16. Dr. Karl v. Graf, kgl. Obermedizinalrat und prakt. Arzt, geboren als Sohn des Medizinalrates und Oberstabsarztes Dr. Joh. Bapt. Graf zu München am 15. Mai 1801. Seine humanistischen Studien machte er in seiner Vaterstadt, Naturwissenschaften und Medizin studierte er auf der Universität zu Landshut, wo er im Jahre 1823 zum Doktor der Medizin promovierte. Seine praktische Ausbildung erlangte er darauf im allgemeinen Krankenhause zu München, in welchem er eine Assistentenstelle unter Professor Dr. Ernest v. Grossi (geb. 1782, gest. 1821) bekleidete. Später wurde er Leibarzt der im Jahre 1841 verstorbenen Königin Karoline und Mitglied des Obermedizinalausschusses. Er war ein scharfer Beobachter; reich an medizinischen Kenntnissen und allseitiger Bildung, erwarb er sich schon früh ein großes Vertrauen in weiten Kreisen der hauptstädtischen Bevölkerung und blieb bis in sein hohes Alter ein beliebter Arzt. Für die Förderung der Interessen der bayerischen Ärzte und die Erreichung der ihnen gebührenden sozialen Stellung trat er mit seiner ganzen Thatkraft ein. Er war Mitbegründer des Münchener ärztlichen Vereins und blieb 50 Jahre lang bis an sein Lebensende ein eifriges Mitglied desselben. An den wissenschaftlichen Verhandlungen dieses Vereins, namentlich über Volkskrankheiten, Cholera und Typhus, die seine Vaterstadt zur Zeit seiner Wirksamkeit so arg heimsuchten, nahm er lebhaften Anteil, wie seine in Zeitschriften veröffentlichten Vorträge über dieselben bezeugen. Im Jahre 1848 auf dem Reformkongreß bemühte er sich, die Vereinigung der bayerischen Ärzte zustande zu bringen. Als Ausschußmitglied des bayerischen Ärztevereins war er hauptsächlich bemüht, den Pensionsverein für die Witwen und Waisen bayerischer Ärzte ins Leben zu rufen, was ihm auch im Jahre 1852 gelang. Tausende von Witwen und Waisen sind ihm dafür zum ewigen Danke verpflichtet. Seine Verdienste wurden durch Verleihung des Ordens der bayerischen Krone und anderer anerkannt. In dem hohen Alter von 82 Jahren starb er nach längerem Leiden am 9. November 1883 zu München, Sonnenstraße 27/II. Seine Gattin Mathilde, geborne Vorbrugg, überlebte ihn nicht ganz vier Jahre, indem sie am 10. September 1887 starb. Segen war auch ihr Leben und Wirken. Das noch erhaltene Grab befindet sich am südlichen Friedhofe, Sektion 28, Reihe 1, Grabplatz 16. Seine Büste wurde im Jahre 1897 in einer Nische unter den Arkaden des älteren südlichen Friedhofes aufgestellt.

(Fortsetzung folgt.)

C. Reber: Die »Ruhmeshalle« unter den Arkaden des südlichen (älteren) Friedhofes in München. Das Bayerland. Illustrierte Wochenschrift für bayerische Geschichte und Landeskunde. 9. Jahrgang. Heft Nr. 30. München, 1898.

(Fortsetzung.)

Mit der Büste des bedeutenden Arztes Graf schließt zur Zeit die rechtsseitige Reihe. Wir gehen nun zu unserm Ausgangspunkt, zum Leichensaale, zurück und uns links wendend, treffen wir folgende Büsten:

17. Mathias v. Flurl, geheimer Rat und Vorstand der Generalbergwerks-, Salinen- und Münzadministration in München, geboren in Straubing den 5. Februar 1756, wo er die niederen und höheren Schulen besuchte. Ursprünglich wollte er Theologe werden, wendete sich aber frühzeitig mit Vorliebe den physikalischen Studien zu. Im Jahre 1777 kam er nach München, wo er als Repetitor der Physik am kurfürstlichen Lyceum Verwendung fand. Zwei Jahre darauf wurde er Lehrer an der Realschule, 1781 Professor der Physik und Naturgeschichte an der von der patriotischen Herzogin Maria Anna gestifteten Landesakademie in München, welche Stelle er neun Jahre bekleidete. Im Jahre 1791 zum Bergwerksrat, dann zum wirklichen Hofkammerrat und Direktor befördert, übernahm er 1797 die Leitung der kurfürstlichen Porzellanfabrik in Nymphenburg, wozu seine Entdeckung eines Porzellanerdelagers die Veranlassung gab. In dieser Stellung fühlte er sich in den hierzu erforderlichen Fachstudien nicht genug unterrichtet. Er begab sich deshalb an die Bergakademie Freiberg, um noch als 40 jähriger Schüler mineralogische Studien zu machen.

In demselben Jahre (1797) wählte ihn die Akademie der Wissenschaften zu ihrem Mitgliede, als welches er die Professur für Naturgeschichte und Chemie übernahm.

König Max I. zeichnete ihn mit dem Geheimratstitel und dem Verdienstorden der bayerischen Krone aus. In den Jahren 1816 und 1817 trug er zum Gelingen der unmittelbaren Verbindung des Berchtesgadener Salzbergbaues mit den inneren Landessalinen mit Rat und That bei.

Am 27. Juli 1823 starb Bayerns erster eingeborener Geognost auf einer Dienstreise in Kissingen. Flurls Hauptwerk »Beschreibung der Gebirge von Bayern« behauptet in der geognostischen Literatur einen ehrenvollen Platz. Durch einen Akt der Wohlthätigkeit, indem Flurl 5000 Gulden (8571,43 Mk.) dem städtischen Findel- oder Kinderhause vermachte, 300 Gulden (514,29 Mk.) dem Armenfonde München zuwendete, schuf er sich ein gesegnetes Andenken. Die Angehörigen erbaten sich die Aufstellung seiner Büste in einer Nische, welche vom Stadtmagistrate München im Jahre 1824 genehmigt wurde. Auf Karl v. Pilotys Gemälde im Sitzungssaale der Gemeindebevollmächtigten befindet sich Flurl unter denjenigen, für welche die Monachia einen Lorbeerkranz zur Empfangnahme bereit hält.

18. Karl v. Eckartshausen, kurfürstlich wirklicher erster geheimer Hausarchivar und Polygraph, geboren als der illegitime Sohn des Grafen Karl v. Haimhausen und der Marianne Eckart auf dem Schlosse Haimhausen bei Dachau am 28. Juni 1752.

Die niederen Schulen besuchte er in München, die Jurisprudenz studierte er in Ingolstadt. Im Jahre 1774 trat er in die Gerichtspraxis. Zwei Jahre später wurde er zum Hofrat in München ernannt und 1780 zum Bücherzensurrat, welche Stelle er 13 Jahre bekleidete. In dieser Zeit wählte ihn die Akademie der Wissenschaften zu ihrem Mitgliede. Im Jahre 1784 ernannte ihn Kurfürst Karl Theodor zum wirklichen geheimen Archivar, und das Jahr 1799 brachte ihm die Stelle des ersten geheimen Hausarchivars. Als solcher starb er am 12. Mai 1803 in München. Seine Grabstätte ist nicht mehr bekannt. Dreimal vermählte er sich. Er war einer der fruchtbarsten Schriftsteller Deutschlands und der Verfasser zahlreicher juristischer, belletristischer, alchemistischer und mystischer Schriften, deren Abfassung allerdings der Mangel gründlicher Kenntnis anhaftet.

19. Johann Alois Senefelder, Erfinder der Lithographie, geboren am 6. November 1771 als der älteste Sohn des Schauspielers Peter Senefelder aus Königshofen im Grabfelde zu Prag, wo sein Vater eben ein Gastspiel gab.

Im Jahre 1778 erhielt der Vater eine Anstellung am kurfürstlichen Hoftheater und der kleine Alois wanderte mit nach München. Hier machte er seine humanistischen Studien, und da er durch Talent und Fleiß hervorragte, ermöglichte ihm die Kurfürstin Maria Anna durch Verleihung eines Jahresstipendiums von 120 Gulden den Besuch der Universität Ingolstadt. Jedoch noch vor Vollendung seiner Rechtsstudien starb der Vater und Alois hatte als der Älteste von nun an für den Unterhalt der Familie zu sorgen.

Dies that er anfänglich, in seines Vaters Fußstapfen tretend, als Mitglied wandernder Trupps, doch gab er dies unstete Leben bald auf und kehrte nach Hause zurück.

Er wurde Dichter. Als solcher verfaßte er mehrere Lust- und Schauspiele, die auf seine Kosten gedruckt wurden und teilweise auch über die Bühne gingen.

Die Kosten für das Drucken seiner Schriften waren Senefelder zu hoch, deshalb wollte er diese selbst vervielfältigen. Jedoch die Mittel zur Anschaffung einer kleinen Druckerei fehlten und so bereitete er sich eine chemische Tinte und machte damit Versuche auf Kupfer- und Zinntafeln, zuletzt auch auf sogenannten »Solenhofer Platten«.

Um sich das zur Anschaffung von weiteren Steinen und einer Presse nötige Geld zu verschaffen, wollte er gegen ein Handgeld von 200 Gulden als Ersatzmann für einen Bekannten in ein bayerisches Artillerie-Regiment eintreten. Als man aber erfuhr, daß er in Prag geboren, wurde er als »Ausländer« zurückgewiesen.

Er kehrte wieder zu seinen Steinen zurück, und da er sah, daß sich die neue Druckart vorzüglich zum Notendruck verwenden ließe, verband er sich mit dem Hofmusikus Franz Gleißner und dem Musikalienhändler Macarius Falter. Die neue Steindruckerei konnte die Musikalien um ¼ wohlfeiler liefern, als sie bisher kosteten, und so erhielt er bald Aufträge von großen Firmen in Offenbach, Augsburg, Paris, Wien u. s. w., Notendruckereien einzurichten.

Senefelder hatte seine Erfindung der kgl. Akademie der Wissenschaften vorgelegt und erhielt eine Unterstützung von 12 Gulden.

Auch der Kurfürst schenkte ihm 100 Gulden und verlieh ihm ein Privilegium auf 15 Jahre.

Jedoch besondere finanzielle Erfolge hatte die neue Erfindung nicht aufzuweisen, und namentlich Senefelders Freund Gleißner büßte an ihr große Summen ein. Deshalb versuchte der Erfinder sein Glück im Auslande, er übergab seine Münchener Bestände seinen Brüdern und ging nach Wien.

Als er nach sieben Jahren zurückkehrte, mußte er erfahren, daß seine Brüder Theobald und Georg Senefelder seine Erfindung trotz des »Privilegiums« an den Staat veräußert hatten, wofür sie lebenslängliche Anstellung als »Professoren der Steingravierkunst«" erhielten.

(Fortsetzung folgt.)

C. Reber: Die »Ruhmeshalle« unter den Arkaden des südlichen (älteren) Friedhofes in München. Das Bayerland. Illustrierte Wochenschrift für bayerische Geschichte und Landeskunde. 9. Jahrgang. Heft Nr. 31. München, 1898.

(Fortsetzung.)

Senefelder hatte in Verbindung mit dem Abbé Vogler und dem Direktor der Hofbibliothek, Frhrn. v. Aretin, eine lithographische Kunstanstalt errichtet und trat nun wegen Verletzung seines Privilegiums klagend auf.

Nachdem sich der Prozeß mehrere Jahre hingezogen hatte, kam im Jahre 1809 ein Vergleich zu stande, nach welchem Senefelder auf sein Privilegium verzichtete, dafür aber als Inspektor der lithographischen Anstalt bei der neu errichteten kgl. Steuerkatasterkommission mit einem Gehalt von 1500 Gulden angestellt wurde.

Endlich also war seinen Verdiensten die gebührende Anerkennung geworden. Dieser Erfolg ermunterte ihn zu besonderer Thätigkeit, und unablässig war er bedacht, seine Erfindung, die noch heute eine herrschende Stellung unter den graphischen Künsten einnimmt, zu verbessern.

Im Jahre 1815 heiratete Senefelder; doch starb seine Frau nach wenigen Jahren.

Nun vermählte er sich zum zweitenmale. Am 26. Febr. 1834 starb er selbst in dem Hause Nr. 5 am Sendlingerthorplatz, das der Magistrat mit einer Gedenktafel kennzeichnen ließ. Seinem Sterbehause gegenüber wurde ihm ein Denkmal errichtet: seine über lebensgroße Büste, modelliert vom Bildhauer Kaspar Zumbusch, in Erz gegossen von Ferdinand Miller sen. und enthüllt am 6. November 1871. Seine vom Bildhauer Friedrich Brugger gefertigte Büste ließ König Ludwig I. in der Ruhmeshalle aufstellen. Meister Piloty reihte ihn auf seinem Gemälde im Sitzungssaale des neuen Rathauses unter die für die Stadt München bedeutsamsten Persönlichkeiten. Zum dauernden Andenken wurde eine Straße nach ihm benannt.

Sein Grab befindet sich im südlichen Friedhofe, Sektion 5, Reihe 2, Grabplatz 1; das Grabmal ist ein Geschenk König Ludwigs I.

Seine Büste ließ der Magistrat in einer Nische unter den Arkaden des Friedhofes aufstellen.

Senefelders zweite Gattin Anna, geborne Reis, die ihn 23 Jahre überlebte, bedachte die Stadt München mit einer Erbschaft für wohlthätige Zwecke (Krankenhaus und Armenfond); der Magistrat verwaltet die Zustiftung in einem rentierlichen Vermögen von 91268 Mark.

19. Johann Michael v. Eisenberg, Generalmajor im kurfürstlichen Generalquartiermeister-Stab und Referent im Kriegsministerium, geboren zu Düsseldorf 1772, wo sein Vater Hofkammerrat war. Nachdem er erst die Rechtswissenschaft zum Fachstudium erwählt hatte, entschloß er sich, 18 Jahre alt, die militärische Laufbahn zu betreten. Im Jahre 1790 wurde er beim 13. Füsilier-Regiment zum kurfürstlichen Lieutenant ernannt, acht Jahre später zum Oberlieutenant beim 2. Chevauxlegers-Regiment befördert. In dieser Stellung zeichnete er sich in der Schlacht bei Hohenlinden aus, was ihm nebst einer Belobung auch seine Beförderung zum Rittmeister eintrug. Er rückte nun rasch vor, ward 1807 Major, 1809 Oberstlieutenant, 1812 Oberst im Generalstabe, zehn Jahre später Generalmajor, als welcher er infolge eines Schlaganfalles am 2. September 1832 in München starb.

In den Jahren 1794 und 1795 machte er den Feldzug in den Niederlanden, dann 1800, 1805, 1806, 1807 und 1809 die napoleonischen Feldzüge mit. Sein König anerkannte seine Verdienste durch die Verleihung des Zivilverdienstordens der bayerischen Krone.

Seine Gebeine ruhen im südlichen Friedhofe, Sektion 22, Reihe 2, Grab 4. Ein Denkmal erinnert nicht mehr daran.

Auf Antrag seiner Verwandten wurde die Aufstellung seiner vom Bildhauer Joseph Kirchmayer gefertigten Büste vom Stadtmagistrate im Jahre 1833 genehmigt.

20. Adolph Heinrich Friedrich v. Schlichtegroll, Direktor der kgl. Hofbibliothek und Numismatiker, geboren den 8. Dezember 1765 zu Waltershausen bei Gotha. Seine erste Erziehung erhielt er im elterlichen Hause. Das Gymnasium besuchte er in Gotha. In Jena studierte er Philologie und Theologie, dann zu Göttingen vorzüglich Altertumswissenschaft. Im Jahre 1797 wurde er Lehrer am Gymnasium, 1801 Bibliothekar sowie Direktor des Münzkabinetts zu Gotha, wohin sein Vater als Rat bei der Landesregierung versetzt wurde. König Max I. berief ihn im Jahre 1807 als Generalsekretär der Akademie der Wissenschaften nach München, wo er, zum Direktor der kgl. Hofbibliothek befördert, den 4. Dezember 1822 starb. Er war Mitgründer des polytechnischen Vereins und Begründer des »Nekrolog der Deutschen«. Durch historische, philosophische und numismatische Schriften erwarb er sich einen ehrenvollen Ruf. Seine Verdienste erkannte König Max I. durch Verleihung des Verdienstordens der bayerischen Krone und des Hausordens des hl. Michael an. Mehrere wissenschaftliche Gesellschaften ernannten ihn zu ihrem Ehrenmitgliede. Sein noch erhaltenes Grab befindet sich im südlichen Friedhofe, ältere Abteilung, Mauer rechts, Nr. 212 und 213.

Der Centralverwaltungsausschuß des polytechnischen Vereins für Bayern stellte im Jahre 1823 an den Stadtmagistrat München die Bitte, die Büste Schlichtegrolls in einer Nische aufstellen zu dürfen, was der Magistrat genehmigte.

21. Ludwig Michael v. Schwanthaler, einer der genialsten Bildhauer, geboren zu München in dem Hause Nr. 6 an der Windenmacherstraße, welches die Stadtgemeinde München mit einer entsprechenden Gedenktafel versehen ließ, am 26. August 1802.

Er verlor seinen Vater, einen ebenfalls begabten Bildhauer, frühzeitig, denn Ludwig zählte erst 18 Jahre.

Nachdem er das Gymnasium absolviert hatte, trat er im Jahre 1818 in die Akademie der bildenden Künste ein. Im Jahre 1821 übernahm er das väterliche Geschäft. Bald wurde ihm der königliche Auftrag zu teil, einen silbernen Tafelaufsatz zu modellieren. Peter Cornelius zog ihn hierauf zu den plastischen Arbeiten in der Glyptothek heran.

Im Jahre 1826 erhielt er vom König Ludwig I. die Mittel zu einer Reise nach Italien, um dort, an der Quelle der Kunst, Studien zu machen. Krankheit, richtiger Heimweh, zwang ihn, diese zu unterbrechen und im nächsten Jahre nach Hause zurückzukehren. Wiederholt arbeitete er für die Glyptothek und schmückte den Speisesaal des Herzog Max-Palais an der Ludwigsstraße mit einem Bacchusfries. Schon in den Jahren 1832–1834 finden wir ihn wieder in Italien. Er modellierte nun für die Walhalla die großartigen Giebelfelder, schuf anderes für die kgl. Residenz in München und Malerstatuen für die Attika der alten Pinakothek.

Im Jahre 1835 ernannte ihn sein König zum Professor der Akademie der bildenden Künste in München. Eine große Anzahl von Schülern umgab ihn nun, mit denen er die zahlreichen Werke in Stein, Erz und anderem Material fertigte. Die vielen Friese in der kgl. Residenz zu München sind Schöpfungen seiner Hand.

Des Meisters größere plastische Werke gehören zu den höchsten Leistungen der neueren Kunst. Dazu sind die Giebelfelder der Walhalla, die Giebelgruppe für das Ausstellungsgebäude am Königsplatz und die Arbeiten an der Ruhmeshalle auf der Theresienhöhe zu rechnen. Das größte Werk aber ist das im Jahre 1850 aufgestellte Erzbild der Bavaria. An dieses Denkmal reiht sich eine Anzahl von Statuen, die hier und auswärts aufgestellt wurden. In seiner Vaterstadt finden wir von ihm im Thronsaale der kgl. Residenz zwölf Ahnenbilder der Wittelsbacher in Erz und jede mit 500 Dukaten vergoldet, in der Feldherrnhalle die ehernen Standbilder der Feldherrn Tilly und Wrede und auf dem Promenadeplatze das Standbild des Verfassers bayerischer Gesetze, des kurfürstl. bayer. Staatskanzlers Kreittmayr; ferner im Stiegenhause der kgl. Hof- und Staatsbibliothek die Standbilder des Herzogs Albrecht V., des Gründers, und des Königs Ludwig I., des Erbauers und Vermehrers der Bibliothek. Besonders meisterhafte Werke finden wir unter seinen sogenannten »intimen«, die er meistens ohne jede Beihilfe allein fertigte.

Ein heftiges Gichtleiden fesselte ihn oft monatelang an das Bett, in den letzten Jahren ganz an den Rohrsessel, so daß er seinen Verpflichtungen als Professor an der Schule nicht mehr nachkommen konnte.

Im Jahre 1844 erbaute er nach einer Lieblingsidee die Burg Schwaneck, oberhalb Großhesselohe. Sie gewährt heute noch ein getreues Bild früherer Rittersitze. Nur noch wenige Jahre konnte er sich dieser seiner Schöpfung erfreuen, denn er starb, erst 46 Jahre alt, am 15. November 1848 als Junggeselle in dem Hause Nr. 2 an der nach ihm benannten Straße. Fast zwei Jahre war er in der Gruft des Metropolitankapitels beigesetzt. Erst nach Vollendung des neuen Teiles (Campo Santo) des südlichen Friedhofes konnte er in die von König Ludwig I. geschenkte Gruft unter den Arkaden, Grabstätte Nr. 1, überführt werden. Das Denkmal ist mit seiner Büste, aus der Hand seines Vetters Franz Schwanthaler († 1854) geschmückt.

Letztwillig vermachte der heimgegangene Künstler seine gesammelten Modelle, welche er in einem eigenen Gebäude, gegenüber seines Wohnhauses und seiner Werkstätte, aufgestellt hatte, der kgl. Akademie der bildenden Künste in München. Das Museum, welches über 200 Modelle enthält, zählt zu den bedeutenden Sehenswürdigkeiten Münchens.

Wer keine Gelegenheit hat, in Städte zu gelangen, welche Standbilder von Schwanthalers Meisterhand auf ihren Plätzen aufgestellt haben, kann wenigstens die Modelle im Museum sehen.

Das Andenken des großen Künstlers wurde mannigfach verewigt. König Ludwig I. ließ seine Büste in der Ruhmeshalle und sein Standbild mit dem Modelle der Bavaria in einer Blende auf der Ostseite der Glyptothek aufstellen. König Max II. ließ sein Bild durch Seiberths Künstlerhand im nördlichen Saale des Vorbaues des Maximilianeums unter die Versammlung von Notabilitäten der Wissenschaft und Kunst reihen. Meister Karl Piloty stellte den Meister auf seinem Gemälde im Sitzungssaals des neuen Rathauses unter jene um die Stadt verdienten Persönlichkeiten, welche von der Monachia einen Lorbeerkranz überreicht erhalten. An der Facade seines Wohn- und Sterbehauses oberhalb der Eingangsthüre ist seine Büste von Marmor angebracht. Auch die Stadtgemeinde München ließ eine solche in einer Nische unter den Arkaden links des südlichen alten Friedhofes aufstellen.

(Fortsetzung folgt.)

C. Reber: Die »Ruhmeshalle« unter den Arkaden des südlichen (älteren) Friedhofes in München. Das Bayerland. Illustrierte Wochenschrift für bayerische Geschichte und Landeskunde. 9. Jahrgang. Heft Nr. 32. München, 1898.

(Schluß.)

22. Lorenz v. Westenrieder, geistlicher Rat, Domkapitular und bayerischer Geschichtschreiber, geboren als der Sohn eines schlichten Kornmessers am 1. August 1748 zu München im Hause Nr. 16 an der nach ihm benannten Straße. Schon mit 9 Jahren verlor er seinen Vater und wenige Jahre später auch die Mutter, welche inzwischen mit einem gewissen Schlichtinger in eine zweite Ehe eingegangen war. Er wurde für den geistlichen Stand bestimmt und besuchte mit zehn Jahren das von den Jesuiten geleitete Gymnasium in seiner Vaterstadt. Sein Fortgang war kein erfreulicher, weshalb er in ein Kapuzinerkloster eintreten wollte, seiner schwächlichen Gesundheit wegen aber abgewiesen wurde. Er setzte nun seine humanistischen und theologischen Studien in München und Freising fort. Am 6. Oktober 1771 feierte er seine Primiz. Da die Seelsorge ihn als Kaplan an der Frauenkirche nicht vollständig in Anspruch nahm, unternahm er schriftstellerische Arbeiten, welche nicht unbekannt blieben. Am 23. Oktober 1773 wurde er zum Professor der Poesie am Landshuter Gymnasium ernannt, ein Jahr darauf nach München an die Realschule, dann an das Gymnasium zurückberufen. 1776 wurde er zum Zensurrat und zehn Jahre später zum geistlichen Rat und Domkapitular von München ernannt. Das Jahr 1813 brachte ihm durch Verleihung des Verdienstordens der bayer. Krone den Adelsstand. – Durch seine Schriften, deren Gesamtausgabe 39 Bände füllen, hat er sich um Bayerns Geschichte verdient gemacht. Die Akademie der Wissenschaften wählte ihn zu ihrem Mitgliede. Im 81. Lebensjahre, am 15. März 1829, starb er im Hause Nr. 12 an der Kaufingerstraße und wurde im südlichen Friedhofe, Sektion 4, Reihe 9, Grabplatz 7, begraben. Erst später wurde er in den Gruftplatz Nr. 93 unter den alten Arkaden transferiert und die Stätte mit einem Grabmal, Relief von Bildhauer Leeb, geschmückt. Der verdiente Forscher mit aufgeschlagenem Buche und Stift in den Händen ist umgeben von den allegorischen Gestalten des Glaubens und der Geschichte. Von den Kosten zu 1680 Gulden trug das Metropolitankapitel zwei Drittel, die Stadtgemeinde München ein Drittel nebst freier Überlassung der Gruft bei.

Vielfache Erinnerungen an den bayerischen Herodot treffen wir ferner in seiner Vaterstadt: das Erzstandbild auf dem Promenadeplatz, modelliert von Bildhauer Max v. Widnmann, enthüllt am 1. August 1854, eine Gedenktafel an seinem Geburtshause, am 1. August 1848 von der Stadtgemeinde angebracht, ferner eine Büste in der Ruhmeshalle. Meister Piloty stellte ihn auf seinem Gemälde im Sitzungssaale des neuen Rathauses unter den Persönlichkeiten dar, denen von der Monachia Lorbeerkränze gereicht werden. Das städtisch-historische Museum ist im Besitze seines Olbildnisses.

Aus den Einnahmsüberschüssen des Denkmalfonds zu 6000 Gulden wurde ein Stipendium für einen der Geschichte beflissenen Studierenden gestiftet, welches sich sehr durch Admassierung erhöht hat.

Westenrieders Rücklaß war nicht bedeutend; denn wenige Tage vor seinem Tode verteilte er noch sein Vermögen; unter anderem erhielten das Josephs-, hl. Geist- und Gasteigspital dahier je 4000 Gulden von ihm geschenkt.

Der Magistrat ließ seine Büste unter den Arkaden des südlichen Friedhofes aufstellen.

23. Franz Xaver Kefer, Gründer der Feiertagsschulen für Handwerker und Lehrer an der Militärakademie, geboren am 8. Dezember 1763 zu Axöd bei Eggenfelden als Sohn eines Gerichtsdieners. In einer Klosterschule genoß er den Anfangsunterricht, besuchte dann das Gymnasium in Passau und das Lyceum in München, wo er, da er sich seinen Lebensunterhalt selbst schaffen mußte, eine Hofmeisterstelle übernahm. Seine erste Anstellung erhielt er an der kurfürstlichen Militärakademie, dem jetzigen Kadettencorps, als Lehrer der Geographie und Repetitor der lateinischen Sprache. Voll des lebendigsten Eifers für den Unterricht der Jugend, entwarf er einen Plan zum feiertäglichen Unterricht für Lehrlinge und Gesellen, welcher am 18. August 1793 die Genehmigung des Kurfürsten Karl Theodor erhielt. Ohne alle Mittel eröffnete er seine Schule in seiner eigenen Wohnung beim Unterottelbräu in der Sendlingerstraße. Schon im ersten Jahre sammelten sich gegen 400 Jünglinge, um von ihm lesen und schreiben zu lernen.

Zwei Jahre darauf räumte ihm die Landschaft ein ihr gehöriges Gebäude, das ehemalige Seidenhaus am Anger, ein, und die Stadtgemeinde versah diese Anstalt mit den nötigen Requisiten. An Professor Mitterer fand Kefer einen thätigen Mitarbeiter. Im Jahre 1795 verband dieser seine 1792 errichtete Fachzeichnungsschule mit Kefers Feiertagsschule. Die Schülerzahl steigerte sich rasch um das Doppelte und Dreifache. Als dem uneigennützigen Manne eine geringe Besoldung vom Staate bewilligt wurde, erhielt er den Auftrag, den Unterricht in den Feiertagsschulen ausschließlich zu übernehmen, und wurde angewiesen, diesen Unterricht auch für größere Mädchen zu organisieren. Der plötzliche Tod hinderte ihn an der Erfüllung dieses Auftrages. Dem stetigen Zuwachs der Schüler abhelfend, mußte um ein größeres Lokal umgesehen werden, welches dann auch durch den von seiten des deutschen Schulfonds erfolgten Ankauf des ehemaligen Hofwaisenhauses an der Kreuzgasse, das 1883 der Durchführung der Herzog Wilhelmstraße weichen mußte, gefunden wurde.

Leider konnte Kefer seine Wirksamkeit in den am 12. Januar 1804 eingerichteten Räumen nicht mehr entfalten, da ein plötzlicher Tod infolge eines Schlaganfalles am 11. September 1802 das Leben des noch jungen Mannes in dem schon längst abgebrochenen Schleiferhause am untern Anger endete. Kurfürst Max IV., der nachmalige König Max I., ehrte sein Andenken, indem er ihm im südlichen Friedhof, ältere Abteilung, Sektion 3, 1. Reihe, Grabplatz Nr. 32, ein Denkmal errichten ließ, das später an die westliche Abschlußwand der Arkaden, Mauerspitz rechts, versetzt wurde und so nicht mehr die Stelle bezeichnet, wo seine Gebeine und die seiner Gattin, welche ihn nahezu 50 Jahre überlebte, ruhen. »Tausende seiner Schüler durch Europa ehren sein Andenken in ihrem Herzen; Freunde und Mitgenossen seines Amtes durch Thränen,« so versichert uns die Grabschrift. Auch befahl der Fürst ausdrücklich, daß dessen Bildnis in einem Saale der Anstalt für immer aufgestellt werde. Die Stadtgemeinde München ließ seine Büste, bearbeitet unter der Leitung des Bildhauers Johann Weitzer von dem Schüler der Bossierschule Peter Sprenger in einer Nische unter den Arkaden dieses Friedhofes aufstellen und schuf ein dauerndes Andenken durch Bezeichnung einer Straße mit seinem Namen.

24. Johann Nepomuk Holzapfel, Volksschullehrer, geboren zu München, Landsbergerstraße Nr. 12, im Jahre 1779 als der Sohn eines kurfürstlichen Revierjägers. Er bildete sich für das Lehrfach aus und fand seine erste Anstellung an der von der Studiendirektion errichteten Armenschule, welche bis zum Jahre 1858 im Waisenhause an der Findlingstraße ihre Wirksamkeit entfaltete. Später kam Holzapfel an die damalige Domschule, im Jahre 1833 an die kgl. Kreisgewerbeschule, wo er bis 1841 verblieb. In den letzten Jahren seines Lebens war er als Lehrer an der im Jahre 1822 gegründeten städtischen höheren Bürger- und Töchterschule thätig. Am 22. März 1849 starb dieser pflichteifrige Mann in München im Hause Nr. 6/I an der Hofstatt. Sein Grab befindet sich im südlichen Friedhofe Sektion 18, Reihe 13, Grabplatz 1.

Er machte sich durch Herausgabe verschiedener Unterrichtsbücher, besonders für Rechnen, um das Münchener Schulwesen sehr verdient. Der Stadtmagistrat beschloß, seine Büste, modelliert von dem Bildhauer Peter Schöpf, hier in einer Nische aufzustellen und ihm durch die Bezeichnung einer Straße mit seinem Namen ein dauerndes Andenken zu wahren.

25. Kajetan v. Weiller, berühmter katholischer Theologe, geboren als der Sohn eines Säcklers den 22. August 1762 zu München. Unter mißlichen Verhältnissen aufgewachsen, konnte er nur durch die Unterstützung von Freunden seiner Eltern seiner Neigung für die Wissenschaft folgen. Seine Schulbildung genoß er in seiner Geburtsstadt, aber unter manchen Unfällen. Er hatte sich einst den Arm gebrochen und wurde damals so ungeschickt behandelt, daß er ihm zum zweitenmal gebrochen werden mußte, was er standhaft ertrug. Sein bis in die späte Nacht fortgesetzter Fleiß brachte den jungen Mann dem Tode nahe und er blieb körperlich schwächlich. Als die Frage der Berufswahl herantrat, erkor er das Studium der Theologie. Willens, in den Orden der Benediktiner einzutreten, ging er im Jahre 1779 als Novize in das Kloster Benediktbeuren, verließ aber dasselbe bald wieder, um seine Studien in München und Freising fortzusetzen. Zum Priester geweiht, wurde er Erzieher der Söhne adeliger Familien, dann Professor der Philosophie bei den Theatinern und in dem letzten Jahre des 18. Jahrhunderts am Lyceum zu München, womit seine eigentliche wirksame Laufbahn begann, besonders als er im Jahre 1806 zum Direktor des Gymnasiums und Lyceums ernannt wurde. In dieser Stellung war er auch der Lehrer des zweitältesten Sohnes des Königs Max I., des Prinzen Karl.

Die beiden Anstalten, welche er leitete, wurden Musteranstalten für ganz Bayern. In den teuern Jahren 1816 und 1817 entlehnte er sogar Geld, um seine armen Schüler unterstützen zu können. In Anerkennung seiner Verdienste verlieh ihm König Max I. den Verdienstorden der bayerischen Krone, und die Akademie der Wissenschaften erwählte ihn zu ihrem Mitgliede.

Wegen seiner freisinnigen Ansichten, insbesondere in Glaubenssachen, suchten seine Gegner ihn aus seiner Stellung zu verdrängen, und Weiller wurde im Jahre 1823 von der Anstalt, deren Vorstand er so lange Jahre gewesen war, entfernt, in ehrenvoller Beförderung aber zum ständigen Sekretär der kgl. Akademie der Wissenschaften ernannt. Nach drei Jahren, am 23. Juni 1826, schied der gelehrte Mann im Hause Nr. 4 an der Bayerstraße, vom Schlage gerührt, aus diesem Leben. Seine Gebeine wurden im südlichen Friedhofe, Sektion 5, Reihe 1, Grabplatz 54 zur ewigen Ruhe gebettet. Kein Denkmal ziert mehr die Stelle.

Seine von der Bossierschule unter Leitung des Reallehrers und Bildhauers Weitzer gefertigte Büste ließ der Magistrat im Jahre 1867 in einer Nische unter den Arkaden aufstellen.

26. Franz Brulliot, Inspektor der kgl. Kupferstichsammlung, namhafter Kenner der Chalkographie und Schriftsteller über dieselbe, geboren am 16. Februar 1780 in Düsseldorf, Sohn eines Professors an der Akademie der bildenden Künste und nachmaligen Inspektors der Bildergalerie in München. Sein erster Lehrer der Kunst war Direktor Johann Peter Langer an der Kunstakademie in seiner Heimat. Als im Jahre 1806 König Max I. die Düsseldorfer Galerie, die in den Kriegsläuften nach Kirchheimbolanden geflüchtet worden war, nach München bringen ließ, zog Brulliot kurz vorher mit seinem Vater nach München, wo er 1808 zuerst als ausübender Künstler und Hilfsarbeiter des Direktor Schmidt bei der kgl. Kupferstichsammlung angestellt wurde. Er widmete sich mit großem Fleiße nun ganz der Kupferstichkunde, sowie der Kunstgeschichte. Auf Reisen nach Frankreich, Italien und Holland suchte er sich in seinem Fache auszubilden und seine Erfahrungen zu schriftstellerischen Arbeiten zu verwerten. Im Jahre 1822 ernannte ihn König Max I. zum Konservator der Kupferstichsammluug und nach Schmidts Pensionierung unter dem Titel »Inspektor« zum Vorstand der Sammlung. Dieser kenntnisreiche Mann erwarb sich als Verfasser des »Dictionnaire de Monogrammes« um die Kunstgeschichte unbestrittene Verdienste. Unter seiner Leitung wurde die Kupferstichsammlung um ein Drittel bis zu 300000 Exemplaren vermehrt und von ihm nach Schulen und Alter geordnet, sowie ein vollständiges Inventar und Realkatalog hierüber hergestellt. Am 13. November 1836 überraschte ihn in seiner Wohnung, Nr. 7 an der Christophstraße, der Tod, ohne das begonnene berühmte Werk »oeintre graveur« vollendet zu haben. Sein noch erhaltenes Grab befindet sich im südlichen Friedhofe, ältere Abteilung, Mauer links, Grabplatz 290. Auf Antrag der Inspektorswitwe Josephine Brulliot wurde im Jahre 1866 die Aufstellung der von ihr beschafften Büste in einer Nische vom Stadtmagistrate genehmigt.

27. Dr. Adolf Ferdinand Gehlen, vorzüglicher deutscher Gelehrter der Chemie und Physik, geboren am 5. September 1775 in der Stadt Bütow in Preußisch-Pommern, Regierungsbezirk Köslin, wo sein Vater Apotheker war. Nach genossenem Vorunterrichte an seinem Geburtsorte begab er sich nach Königsberg, wo er als Doctor medicinae promovierte und sich insbesondere der Pharmacie widmete. An der dortigen Universität verband er mit den chemischen, medizinischen und naturhistorischen auch die linguistischen Studien. Er konnte acht lebende Sprachen sprechen und mit den verschiedenen Ländern literarischen Briefwechsel führen. Nach seiner Promotion begab er sich nach Berlin, dann nach Halle, wo er sich an der dortigen Universität habilitierte. Im Jahre 1807 erhielt er den Ruf nach München. Er war einer der ersten, welcher die Giftigkeit der Blausäure erkannte. Unter Gehlens Leitung wurde der ältere Teil des chemischen Laboratoriums an der Ecke der Sophien- und Arcisstraße begonnen, welches 1852 als Wohnhaus des Professors Liebig eingerichtet wurde,

Einatmungen der Dämpfe rauchender Salpetersäure, die einem zerbrochenen Ballon entströmte, tötete ihn und seinen Diener; denn nach nur neuntägigem, furchtbarem Leiden starb er am 15. Juli 1815 in dem Hause Königstraße 267, jetzt Haus-Nr. 3 Briennerstraße, im schönsten Mannesalter. Seine Begräbnisstätte ist unbekannt, da damals noch kein Burean bestand, welches hierüber Aufschluß gab. Eine unterhalb der Büste angebrachte kleine Steintafel gibt dem Besichtiger kund, daß der pharmazeutische Verein in Bayern die Aufstellung von Gehlens Büste erwirkte.

29. Kajetan Maria Ignaz aus dem Geschlechte der Freiherrn v. Reisach (Nicht zu verwechseln mit dem vormaligen Erzbischof Karl August Grafen von Reisach, der als Kardinal zu Annecy am 26. Dezember 1869 starb. Im Todesjahre des Hofbischofs war der Erzbischof erst ein Knabe von 6 Jahren.), geheimer Rat und Hofbischof, geboren am 6. August 1735. Er war schon zu Lebzeiten ein großer Wohlthäter der Armen und Bedrängten, daher er auch keine großen Schätze sammeln konnte. Sein Eigentum nannte er eine bescheidene Villa an der Landsbergerstraße. In dem hohen Alter von 70 Jahren starb er am 18. Juli 1806 und wurde im südlichen Friedhofe begraben. Mit ihm erlosch das Geschlecht der Freiherrn v. Reisach.

Mit seinem am 24. November 1784 errichteten Testamente hat der Verstorbene die von der Kurfürstin Maria Amalia im Jahre 1760 für weibliche Kranke gestiftete Anstalt St. Elisabeth zu seiner Universalerbin eingesetzt. Das ganze Vermögen sollte nach Wegfertigung einiger Legate zur Stiftung von Krankenbetten à 2000 Gulden verwendet werden. Es wurden demnach für 20000 Gulden (34285,71 Mk.) 10 Bettstiftungsbriefe ausgestellt.

Im Jahre 1813 wurden alle einzelnen Krankenanstalten der Stadt München, so auch die vorgenannte, aufgehoben und das Stiftungsvermögen und die Kranken derselben in das in den Jahren 1810 bis 1813 an der Krankenhausstraße erbaute allgemeine Krankenhaus, seit Einverleibung der Vorstädte Au, Haidhausen, Giesing »Krankenhaus München l. d. I.« genannt, transferiert. Nachdem die Verwaltung der Krankenhausstiftung auf den Stadtmagistrat München übergegangen war, beschloß derselbe in Ehrung des Stifters, daß diese Stiftung armen Kranken, die nicht aus anderen Ursachen Anspruch auf unentgeltliche Verpflegung haben, zugute kommen sollte.

Des Wohlthäters erste Grabstätte ist unbekannt geworden, denn das Denkmal wurde im Jahre 1829 unter die Arkaden der älteren Abteilung, Gruftplatz 92, übertragen. Im Jahre 1868 wurde das unschöne Denkmal auch von da entfernt, dafür aber seine Büste, von der Bossierschule unter der Leitung des Reallehrers und Bildhauers Johann Baptist Weitzer hergestellt und vom Stadtmagistrat in einer Nische aufgestellt.

Ein lebensgroßes Ölbildnis des Verewigten befindet sich auf dem Korridor des Krankenhauses München links der Isar, nach welchem die Büste hergestellt wurde.

30. Dr. Heinrich Klee, scharfsinniger kath. Theologe und Schriftsteller, geboren am 20. April 1800 zu Münstermaifeld bei Koblenz.

Seine humanistischen Studien machte er im bischöflichen Seminar zu Mainz. Erst 19 Jahre alt, wurde er schon Professor am kleinen Seminar, und nachdem er am 21. Mai 1823 die Priesterweihe erhalten, 1824 Professor der biblischen Exegese und der Kirchengeschichte, in der Folge auch Professor der Philosophie und Theologie am bischöflichen Seminar zu Würzburg. Er erwarb sich im Jahre 1825 den Doktortitel. Vier Jahre später wurde er als ordentlicher Professor nach Bonn berufen, wo er den Lehrstuhl über Dogmatik, Moraltheologie, Dogmengeschichte und neutestamentliche Exegese bis zum Jahre 1839 inne hatte, in welchem er als Professor der Theologie nach München berufen wurde.

Sein Wirken an der Münchener Hochschule, an der Seite seiner gelehrten Kollegen Allioli, Möhler und Windischmann, war ein äußerst kurzes; denn schon am 28. Juli 1840 verstarb er in seiner Wohnung Maximiliansplatz Haus-Nr. 10/II und wurde im südlichen Friedhofe, ältere Abteilung, Mauer links, Grabplätze Nr. 324, 325, zur Ruhe bestattet. Sein hinterlassenes Hauptwerk ist: »Katholische Dogmatik.«

Nach Auflassung seiner Grabstätte genehmigte der Stadtmagistrat München, Klees Büste auf Antrag eines Verwandten des Defunkten im Jahre 1869 in einer Nische der Arkaden aufzustellen. Sie wurde von der Bossierschule unter der Leitung des Reallehrers und Bildhauers Joh. Bapt. Weitzer modelliert.

31. Joseph Marius v. Babo, Dichter, Hoftheaterintendant und Studiendirektor der Militärakademie zu München, geboren zu Ehrenbreitstein den 14. Januar 1756.

Sein Vater starb als Hauptmann in französischer Kriegsgefangenschaft. Der junge Babo studierte in Koblenz, schrieb schon in seinem 15. Lebensjahre ein kleines Lustspiel: »Titus Varus oder das Gespenst von Trier.« Während seiner philosophischen und juridischen Studien war er für periodische Zeitschriften thätig. Im Jahre 1774 ging zu Mainz sein kleines Schauspiel »Arno« über die Bühne, welches mit großem Beifalle die Runde auf den meisten Theatern machte. Bald darauf wurde er vom Kurfürsten Karl Theodor als erster Sekretär nach Mannheim berufen. Vier Jahre später kam er nach München, wo er als Schriftsteller wirkte. 1784 übertrug ihm die patriotische Herzogin Maria Anna das Amt ihres geheimen Sekretärs.

Auf Veranlassung des Grafen Rumford, seines Gönners, wurde er in den Jahren 1789–1791 zur Teilnahme an den zu schaffenden Institutionen verwendet, insbesondere bei Errichtung der Militärakademie, an welcher er auch die Direktorstelle übernahm. Mit diesem Amte besorgte er auch nebenher die Geschäfte eines Zensurrates. Als Graf Rumford die Polizei einer unabhängigen Direktion übertrug, war Babo einer der drei Oberpolizeikommissäre. Vom Jahre 1792 bis 1799 leitete er als Theaterkommissär, dann von da an als Intendant bis 1810 die Hofbühne, welche unter ihm ihre Blütenperiode erreichte. 1807 wählte ihn die Akademie der Wissenschaften zu ihrem Mitgliede. Er schrieb eine Anzahl Bühnenstücke, worunter »Otto von Wittelsbach« als sein bestes gilt. Am 5. Februar 1822 starb Babo in dem Hause Nr. 27 auf dem Marienplatze zu München. Seine irdischen Überreste deckt der Grabhügel Sektion 24, Reihe 1, Grabplatz 4. Kein Denkmal erinnert mehr an dieser Stelle an ihn. Auf dem Pilotyschen Wandgemälde im großen Saale des neuen Rathauses finden wir sein Bild unter den hervorragenden Persönlichkeiten. Die Stadtvertretung ließ seine Büste unter den Arkaden aufstellen und zum bleibenden Gedächtnis eine Straße nach ihm benennen.

Dem Babo folgen in weiterer Entfernung die Büsten des bereits besprochenen Welden und der Freifrau v. Redwitz, welche nach dem Programme eigentlich nicht hierher gehören und sich daher einer biographischen Besprechung entziehen.

C. Reber: Die »Ruhmeshalle« unter den Arkaden des südlichen (älteren) Friedhofes in München. Das Bayerland. Illustrierte Wochenschrift für bayerische Geschichte und Landeskunde. 9. Jahrgang. Heft Nr. 32. München, 1898.

#AA – 1 (Reicheneder · Schnetter)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Reicheneder, Elise (vh) / Schnetter (gb); – (26).11.1851 (München), 37 Jahre alt; Instrumentenmachers-Tochter / Silberarbeiters-Gattin
  • Schnetter, Auguste; – (12).5.1891, 65 Jahre alt; Privatiere
  • Schnetter, Elise (vh) – (10).5.1838, 50 Jahre alt; Chirurgische Instrumentenmachers-Gattin
  • Schnetter, Elise (vw); – (18).2.1884, 60 Jahre alt; Privatiers-Witwe
  • Schnetter, Johann Kaspar; – 29.9.1839 (München), 18 Jahre alt; Chirurgische Instrumentenmachers-Sohn
  • Schnetter, Johann Kaspar; – 18.3.1860 (München), 81 Jahre alt; Ehemaliger Fabrikant chirurgischer Instrumente
  • Schnetter, Max Josef; – 12.12.1878 (München), 69 Jahre alt; Privatier

Todesanzeige für Johann Kaspar Schnetter

Todesanzeige für Johann Kaspar Schnetter

Todesanzeige für Max Josef Schnetter

Grab der Familien Reicheneder · Schnetter auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

#AA – 2 (Ertel)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Ertel, Traugott Leberecht von; 29.9.1778 (Oberforchheim bei Freiberg in Sachsen) – 8.2.1858 (München); Techniker

Todesanzeige für Traugott Leberecht Ertel

Grab der Familie Ertel auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

#Traugott Leberecht von Ertel

* 29.9.1778 (Oberforchheim bei Freiberg in Sachsen)
† 8.2.1858 (München)
Techniker

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Ertel Traugott Leberecht, von, 1778 (Oberforchheim bei Freiberg in Sachsen) – 1858, Mechaniker und Techniker; E., in Wien und Budapest vielseitig geschult, ließ sich 1804 als Instrumentenmacher in Wien nieder, trat nach Fortbildung in Budapest 1806 in die Werkstätte von Reichenbach, Utzschneider und Liebherr ein und wurde dort bald die erste Kraft; seiner Geschicklichkeit und Tätigkeit wegen nahm ihn Reichenbach nach Ausscheiden Liebherrs und Utzschneiders 1815 als Teilhaber in sein Institut auf, das E. 1821 völlig übernahm; unter ihm erfuhr das nach ihm später benannte Institut einen bedeutenden Aufschwung, so daß es immer mehr erweitert werden mußte; Es. Instrumente wurden z. B. an der Sternwarte Sydney, für Bessels ostpreußische Gradmessung und bei den Triangulationen des amerikanischen Coast and Geodetic Survey verwendet; die Triangulierung in Bayern wurde mit Es. Repetitionstheodoliten ausgeführt, ebenso später in Baden, Württemberg, Spanien und Italien; als E. »starb, beschäftigte er an die 100 Arbeiter und hinterließ eine in der Welt führende Firma«.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#AA – 3 (Kerstorf)


HEINRICH SIGMUND FRIEDRICH Edler von KERSTORF.
geb. den 23ten April 1769.
gest. den 2ten July 1832.
ELEONORE von KERSTORF.
geb. den. 10. Febr. 1813. gest. den 17. July 1853.
FANNY EDLE von KERSTORF geb. Freyin v. EICHTHAL
¿ Octob. 1774. gest. am ¿

Sockel
FRIEDRICH FERDINAND VINCENZ EDLER von KERSTORF.
geb. den 6. Juli 1804 in München,
gest. den 20. August 1880 in Augsburg.
FRIEDERIKE EDLE von KERSTORF, geb. MOLITOR,
geb. den 27. Februar 1813 in Aschaffenburg
gest. den 1¿. April 1896 in Augsburg.


  • Kerstorf, Eleonore von; 10.2.1813 – 17.7.1853 (München); Privatiers-Tochter
  • Kerstorf, Fanny Edle von (vh) / Eichthal, Freiin von (gb); 17.10.1774 – 11.5.1854 (München); Privatiers-Gattin
  • Kerstorf, Friederike Edle von (vh) / Molitor (gb); 27.2.1815 (Aschaffenburg) – 19.4.1896 (Augsburg)
  • Kerstorf, Friedrich Ferdinand Vincenz Edler von; 6.7.1804 (München) – 20.8.1880 (Augsburg)
  • Kerstorf, Heinrich Sigmund Friedrich Edler von; 23.4.1769 – 2.7.1832 (Andechs); Gutsbesitzer

Todesanzeige für Friedrich Ferdinand Vincenz Edler von Kerstorf

Grab der Familie Kerstorf auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familie Kerstorf auf dem Alten Südfriedhof München. Abbildung aus: Auswahl der vorzüglichsten Denkmäler des Münchner Kirchhofes. 2. Band. München, 1841.

#Heinrich Sigmund Friedrich Edler von Kerstorf

* 23.4.1769
† 2.7.1832 (Andechs)
Gutsbesitzer

#Der Bayerische Volksfreund (16.7.1832)

Erinnerung an den Edlen Heinrich v. Kerstorf.

Dieser Bewohner Münchens entschlief zu früh auf seinem Landsitze Andechs, da sein menschenfreundliches Herz ihn zugleich mit jenem Verhältniß zu irdischen Glücksgütern geadelt hatte, wodurch Reichthum auch zur Wohlthat und Gabe für Mitmenschen wird. Es ist hier in diesem Blatte nicht zu erwähnen und vorzutragen, welche Bildung und Kenntniß, welche Würdigung der Wissenschaften und Künste seinen persönlichen Umgang Jedem angenehm machten, der sein Vertrauen oder seine Gesellschaft genossen hatte. Nur zu bekannt ist, daß sein Haus jedem Fremden von Auszeichnung in der Gelehrsamkeit oder Kunst gastlich offen war, und daß die alte, größtentheils verklungene Sitte der Großen durch gesellige Gastmahle oder Ladungen von Zeit zu Zeit, Gelehrte, verdienstvolle Männer jeden Standes, Künstler und Staatsmänner zu ernsten oder fröhlichen Mittheilungen, zur nähern Bekanntschaft, oder Erkennung zu vereinen, in seinem Hause heimathlich geblieben, ein Bedürfniß, welches sonst als ein vorzüglichstes Gemeingut der Gebildeten geachtet war. In frühern Jahren als Schriftsteller bekannt, hatte der Verstorbene vieles Verdienstliche gethan, unter anderm zur Zeit, als Freiherr Christoph von Aretin den vaterländischen Creditverein auszuführen nahe war, um diese Wohlthat des Landes in Vollzug zu bringen. Er half mit aller Liebe zu dieser Angelegenheit, die schwierigsten Hindernisse zu heben, persönlich dann eine Summe von mehreren Hunderttausend Gulden anbiethend. Seine herrlichen Bücher- und andere Sammlungen zeigen von seiner Muse und seinem Aufwand für das Hohe und Schöne. Was dieser humane Mann für Unterstützungen und Belebung der Kunst und Bildung gethan, bleibe jenen zur Erinnerung, denen er unvergeßlich sein wird.

Einsender dieses Gedenkens an Kerstorf hatte nicht die Ehre, ihn persönlich zu kennen. Aber ein Abend in der Nähe des Ammersee's bald nach dem Todestage des Edlen bewog ihn, seiner zu erinnern. Landleute der dortigen Nähe von Andechs sprachen mit solcher Rührung von dem so plötzlichen Verluste dieses Herren, daß sie mit innigstem Gefühle erzählten, wie gütig er so vielen Bedrängten unter ihnen seither geholfen, wie er auf Treue und Glaube viele Summen verschiedener Größen den Hilfesuchenden übergeben, wo fast nirgends Rettung zu hoffen war, und wie er in seinem Schlosse Trost, Hilfe und Unterstützung so vielen gespendet hatte, die durch Unglück seiner Güte und Theilnahme würdig waren. Unter diesem gegenseitigen Austausche der Trauer bejammerten sie, daß man seine Leiche nicht dort zu Grabe trug, indem sie riefen, wir hätten ihm aus allen nahen Gemeinden einen Leichentag frommer und zahlreicher gehalten, als vielleicht die in München, seine Ruhestätte hätten wir stets mit Thränen besucht. Auch wünschte ein Bauer, daß die Herrschaft in Andechs dem Seligen in der dortigen Kirche einen Jahrtag stiften möchte, und die Landleute jährlich, wie es gebräuchlich, auf diese Art bei solchem Gottesdienste für ihn beten könnten. Dieses Vernehmen riß den Zuhörer immer mehr zur Achtung des Verstorbenen hin. Der Ausdruck des Leidtragens in dem Munde solcher herzlichen Biederleute mußte wohl wahr, und eine aufrichtige Gedenkblume auf dem Grabe des Betrauerten sein. Solche Erinnerungen sind der ächte Nekrolog eines Verstorbenen. Da im Leben der Menschen oft vieles dem Buche der Wohlthaten und Verdienste anvertraut wird, ohne Anspruch auf Lob ober Lärm, so verdienen doch diese menschenfreundlichen Züge des Verstorbenen, Gefühle des Andenkens. Zugleich darf man ihm danken, daß er seinen Besitz Andechs, nämlich das ehemalige Kloster in jenem schönen Stande erhielt, welchen dieser historisch-merkwürdige Ort, durch seine Lage verdient, während die meisten Klostergebäude in den Händen ihrer Käufer und Unterhändler zertrümmert, und fast in Trümmer verwandelt werden. Hr. v. Kerstorf pflegte mit Aufwand und Liebe der übernommenen Klosterökonomie, während ähnliche ehemals so herrliche Klosterökonomien, sonst die Zierden des Landes, größtentheils sammt ihren Käufern und Verkäufern zu Grunde giengen. Daß in dem Hause Kerstorfs der Sinn für Edles und Menschenfreundliches sein Asyl gefunden, fühlt der Frauenverein für leidende schwangere Weiber, da die edle Gemahlin des Verstorbenen in Frauenmilde sich ihm so wohllhuend widmet. –a–

Der Bayerische Volksfreund Nro. 9. München; Montag, den 16. Juli 1832.

#AA – 4 (Eichthal)


Tafel an der Gruftwand
HIER RUHET IN FRIEDEN
DER K. B. HOFBANQUIER
L. A. E. FREYHERR VON EICHTHAL
ER WARD, ALS ER LEBTE UND WIRKTE
VON SEINEM KÖNIGE HOCH GEACHTET,
VON SEINEN MITBÜRGERN SEHR VEREHRT,
VON SEINEN KINDERN ZÄRTLICHST GELIEBT
UND ALS ER VERSCHIED
VON ALLEN SEINEN FREUNDEN
AUFRICHTIG BEWEINT.
GEB. DEN 22. APRIL 1747
GEST. DEN 11. JANUAR 1824.

Stein Links an der Gruft
Hier ruht in Gott
Ludwig Freyherr von Eichthal,
geboren den 20. September 1815, gestorben den 11. Juni 1886.
Sein Streben und steter Lebenszweck war,
gerecht und wohlwollend zu sein für Alle.
Selig die Friedsamen, sie werden
Kinder Gottes genannt werden.
Hier ruhet auch in Gott
Amalie Freyfräulein von Eichthal
geboren den 26. September 1817, gestorben den 22. Februar 1902.
Ich war hungrig und Du hast mich gespeist,
ich war durstig und Du hast mich getränkt,
ich war nackt und Du hast mich bekleidet
darum gehe ich ein in die Freude deines Herrn.
Ludwig Freyherr von Eichthal,
geboren den 3. August 1838, gestorben den 22. Februar 1915.
Selig sind die Friedfertigen, denn sie
werden Kinder Gottes genannt werden.
Constantin Freyherr von Eichthal,
Major a. D.
geboren den 27. Mai 1873, gestorben den 19. Mai 1932.

Grabstelle Links von der Gruft
Hier ruhet bis zum Auferstehungs-Morgen
die irdische Hülle des beßten Vaters, Bürgers u. Menschen:
Simon Freyherrn von Eichthal,
königl. bayer’schen Hofbanquiers, k. griech. Staatsrathes,
Ritter des Civil-Verdienst-Ordens der bayer. Krone,
Großkomenthurs des k. griech. Erlöserordens,
Ritter des kais. ruß. Wladimir Ordens etc.
geb. 11. Okt. 1787, gest. 28. Aug. 1854.
Was der Vater geschaffen, hat er erhalten u. befestiget.
Sein Geist walte fort über seinem Hause!
An seiner Seite ruhet die liebevollste Mutter
u. Gattin, die edelste Wohlthäterin der Armen:
Julie Freyfrau von Eichthal,
geborne Mayer,
geb. 11. Juli 1788, gest. 17. Dez. 1855.
Die Dankesthränen der Armen sind ihre schönsten
Schmuckperlen vor Gottes Thron.


  • Eichthal, Aaron Elias Freiherr von; 22.4.1747 – 11.1.1824 (München); Bayerischer Hofbankier
  • Eichthal, Amalie Freifräulein von; 26.9.1817 – 22.2.1902
  • Eichthal, Julie Freifrau von (vh) / Mayer (gb); 11.7.1788 – 17.12.1855 (München); Hofbankiers-Witwe
  • Eichthal, Konstantin Freiherr von; 27.5.1873 – 19.5.1932 (München); Major a. D.
  • Eichthal, Ludwig Freiherr von; 20.9.1815 – 11.6.1886 (München)
  • Eichthal, Ludwig Freiherr von; 3.8.1838 – 22.2.1915; Postsekretär
  • Eichthal, Marie Freiin von (vh) / Armansperg, Gräfin von (gb); 5.11.1828 (München) – 2.3.1850 (München); Zitherspielerin, Pianistin und Komponistin, St. Theresien-Ordens-Ehrendame
  • Eichthal, Simon Aron Freiherr von; 11.8.1787 (Leimen bei Heidelberg) – 28.8.1854 (München); Bayerischer Hofbankier

Aaron Elias Freiherr von Eichthal

Todesanzeige für Simon Aron Freiherr von Eichthal

Todesanzeige für Julie Freifrau von Eichthal

Todesanzeige für Ludwig Freiherr von Eichthal

Todesanzeige für Konstantin Freiherr von Eichthal

Ignaz Fertig: Marie von Eichthal. 1847. Porträtsammlung des Münchner Stadtmuseums.

Grab der Familie Eichthal auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familie Eichthal auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

#Aaron Elias Freiherr von Eichthal

* 22.4.1747
† 11.1.1824 (München)
Bayerischer Hofbankier

#Eos (21.1.1824)

Biographische Notiz über A. E. Freyherr v. Eichthal.

Der k. b. Hofbanquier A. E. Freyherr von Eichthal ist den 13. Jänner d. J. an den Folgen einer Altersschwäche 77 Jahre alt, nach Empfang aller hl. Sterbsakramente in München verstorben. Den 14. Nachmittags wurde er auf dem allgemeinen Kirchhofe unter den Arkaden beerdigt, und am 16. wurde in der U. L. Fr. Metropolitan-Kirche der feyerliche Gottesdienst für ihn gehalten. Wer in einer vlelbewegten Zeit, wie die unsrige ist, über bedeutende Summen zu disponieren hat, der empfindet im Mittelpunkte seines Geschäftes alle Erschütterungen der Zeit-Ereignisse und ihrer Bedürfnisse, und er hat Mittel und Gelegenheit, dem Staate, dessen Mitglied er ist, in Vereinigung mit der nothwendlgen Selbsterhaltung seines Hauses, auf vielfache Weise nützlich zu seyn. Dieß bringt unzählige Berührungen mit Menschen von allen Ständen hervor. Daher der große Menschendrang bey seinem feyerlichen Leichenzuge, und daher die Anwesenheit so vieler Andächtigen bey seinem Gottesdienste. Klassisch war das Seelenamt, von Georg Pastrowitz, einem österreichischen Klostergeistlichen vor 80 Jahren komponiert, und nach den Notizen, welche mir der Kapellmeister Hr. Anton Schröfel, und dessen Sohn, Chorregent in der U. L. Fr. Metropolitan-Kirche, gegeben hat, von dem berühmten Michael Haidn selbst in Partitur gesetzt. Die vortrefflich gelungene Exekution erfüllte alle Anwesende mit der Empfindung, wie sehr der Meister dieser Musik den Text zu beherzigen und kraft- und effektvoll heraus zu heben wußte. In den Fugen führte uns gleichsam ein Engelchor mit einem Schwunge, der sich nicht zurückdrängen läßt, durch alle verwandten Tonarten der Harmonie zu dem allerhöchsten Wesen empor. Viele Arme, welche dieser Feyerlichkeit beygewohnt haben, erhielten Billeten, um aus den Händen des Hrn. Stadtpfarrers und Domherrn Riegg im Namen der Familie beschenkt zu werden. Ueberhaupt lebte ein edler Wohlthätigkeitssinn auch für höhere Zwecke in dem Herzen des Verstorbenen, der selten bekannt wurde, weil er dessen selten erwähnt hat. Erst jetzt nach seinem Tode sprechen die von ihm Beschenkten selbst davon. Zu Laim bey Heidelberg in der paradiesischen Gebürgsstrasse geboren, hatte er schon in seiner mit virginischen und pfälzischen Blättern auf das musterhafteste bearbeiteten Tabaksfabrike die geschmackvollsten Gärten angelegt. Diesen schönen Sinn nahm er mit hieher, als er sich bey dem Anfange der gegenwärtigen allerhöchsten Regierung hier etablierte. Im Jahre 1807 kaufte er von dem damaligen Landschafts-Hauptkassier Hrn. Joseph Edlen v. Binder den geräumigen Garten vor dem Isarthore, welcher ehedem dem Kloster der Karmeliten, und nach deren Aufhebung dem Schulfonde angehörig war. Dieser Garten ist dadurch merkwürdig, weil Graf von Rumford im Jahre 1796 seine Strassen-Erweiterung von Aussen um München herum daselbst begonnen hat, und weil wir dem verlebten Baron von Eichthal verschiedene Pflanzen und Blumen verdanken, welche letzterer aus dem milden Klima der Gebürgsstrasse in unser rauheres Klima versetzt, und zu acclimatisieren getrachtet hat. Das prächtige Haus, welches diese Familie in der Schwabingerstrasse besitzt, gehörte im Jahre 1515 dem Hofmeister Hans von Trenbach zu Waldberg, und kam von dessen Descendenten (1625) an Churfürst Maximilian I., wornach es von Churfürst Karl Albert, nachmals Kaiser Karl VII. (1729) an Joseph Grafen von Piosasque de Non, nachmaligen Capitan des Gardes der churfürstl. Leibgarde der Hartschiers donationis modo überlassen wurde. Nach seinem Tode, und nachdem Tode seines Sohnes Joseph kam es an den k. sardin. Brigadier Chev. de Piosasque de Rossi de Non, an das Militär-Waisenhaus, und das hiesige Armen-Institut, endlich 1801 an den Sekretär der rheinpfälzischen Salinen-Kommission, Hrn. Adam Patinger, wornach es an den damaligen k. Hofbanquier A. E. Seeligmann, nachmaligen B. v. Eichthal übergieng. Dieses Haus mit dem ihm eigenthümlichen hohen Style von Cuvillier erbaut, war seiner Zeit größtentheils die Wohnung der k. k. österreichischen Gesandtschaft. Es wurde nebst dem daranstossenden Garten von dem verlebten B. v. E. jederzeit auf das geschmackvollste unterhalten. Jeder, der dort Zutritt hatte, hatte sich der höflichsten und anspruchlosen Aufnahme zu erfreuen. Gleichwie er schon bey seiner Laimer Tabaksfabrike vielen Menschen Nahrung und Brod verschaffte, so hatten sich auch mehrere Gewerbsmänner eines ansehnlichen Verdienstes bey seinen Realitäten allhier zu erfreuen. Se. Königl. Majestät haben unterm 22. Sept. 1815 huldreichst geruht, die Anhänglichkeit, und die getreuen Dienste, welche der Verlebte in einem Zeitraum von 40 Jahren Sr. Königl. Majest. fortwährend bewiesen hat, mit der Erhebung in den Freyherrnstand unter dem Namen eines Freyherrn von Eichthal für ihn selbst und für alle seine Nachkommen zu belohnen. Die Zweige dieses fruchtbaren Baumes haben sich von München über Augsburg, Hannover, Karlsruhe, Paris, Bamberg und Prag ausgebreitet, wo sie den Namen ihres Vaters überall mit verdienten Ehren werden aussprechen hören. (Man erwartet mit Nächstem die vorliegenden Testamentarischen Verfügungen über ein circa 5 Millionen stark hinterlassenes Vermögen, welches dem Gerüchte zu Folge in der Art den Erbsinteressenten überlassen seyn solle, daß der Glanz des Hauses nie darunter leiden kann.)

Ant. Baumgartner.

Eos, Zeitschrift aus Bayern Nr. 12. Mittwoch, den 21. Januar 1824.

#Marie Freiin von Eichthal (vh) / Gräfin von Armansperg (gb)

* 5.11.1828 (München)
† 2.3.1850 (München)
St. Theresien-Ordens-Ehrendame, Zitherspielerin, Pianistin und Komponistin

#Die Volksbötin (6.3.1850)

Bayern.
Hauptstadt-Neuigkeiten.

München, 5. März. Die schöne, einundzwanzigjährige Gattin des Baron Eichthal, eine Tochter des Grafen Armansperg, erhielt ihre Ruhestätte noch im alten Kirchhof. Graf Armansperg, der ohne männliche Nachkommenschaft ist, hat an seinen Töchtern verschiedene Schicksale erlebt. Die eine ist in ihrer Jugendblüthe, mitten im Glück vom Tode dahingerafft. Eine zweite ist, mit ihrem Vater von Constantinopel nach dem Piräus segelnd, auf dem Schiffe gestorben, und wurde auf einer kleinen, einsamen Insel begraben; das später dort errichtete Monument ragt aus dem Meere hoch empor und die sausende Brandung spielt fortwährend um ihr frühes Grab. Eine dritte Tochter hat den Florian Mördes, den Finanzminister der badischen Revolution, zum Gemahl, dem sie nun in die Verbannung nach Amerika gefolgt ist.

Die Volksbötin Nro. 56. München; Mittwoch, den 6. März 1850.

#Kemptner Zeitung (7.3.1850)

Deutschland.

Bayern. München, 4. März. Der neue, nach den Plänen des seitdem verstorbenen Oberbauraths Gärtner erbaute Leichenacker, der erst in letzter Woche die priesterliche Weihe erhalten, hat gestern einen großen Trauerkondukt geschaut. Der jungen, ihrer Herzengüte halber so beliebten als durch Anmuth ausgezeichneten Gattin des Baron Eichthal öffnete sich zuerst eine der Größe unter den das Leichenfeld nach dem Vorbilde des Pisaer Campo santo einschließenden Loggien. Die Verstorbene war eine Tochter des Grafen Armansperg, der, ohne männliche Nachkommenschaft, im Schicksale seiner vier Töchter eine reiche Geschichte abgespiegelt erblickt. Seiner ältesten Tochter ist ihr Gatte, Cantacuzenos aus Griechenland nach Bayern gefolgt und bewohnt nun mit ihr ein an der Donau bei Kehlheim gelegenes Gut, wo der Betrieb eines Eisenwerkes ihm Gelegenheit zu einer, einem moldauischen Großen sonst nicht gewöhnlichen Thätigkeit gibt. Einer zweiten Tochter hat Graf Armansperg einen Leichenhügel auf griechischem Boden errichtet; die dritte schläft nun den letzten Schlaf am Strande der Isar, während die vierte Tochter dem flüchtigen Gatten, Florian Mördes, dem Minister aus der badischen Revolutionsepoche, in das freiwillige Exil gefolgt ist.

Kemptner Zeitung Nro. 66. Donnerstag, den 7. März 1850.

#Geschichte der deutschen Höfe seit der Reformation (1853)

Seligmann ward, wie Rothschild, 1814 als von Eichthal baronisirt. Dieser bairische Rothschild ist durch die großen Heirathen, die seine Kinder machten, die aber nicht allemal gut ausfielen, bekannt geworden. Einen seiner Söhne, Carl, heirathete 1843 eine schöne und reiche Gräfin Khuen-Belasi: die Ansicht über die vermeintliche Liebenswürdigkeit ihres Gemahls soll sich aber bei derselben bald geändert haben. Ein zweiter Sohn Eichthal's heirathete Maria, Gräfin Armansperg, die sehr schöne jüngste Tochter des ehemaligen Präsidenten des Regentschaftsraths in Griechenland: Eichthal, der Vater, hatte diesem große Vorschüsse gemacht, die er nicht zu bezahlen vermochte, die Gräfin, die ihre Eltern auf den Knieen beschworen haben soll ihr diese Ehe, der sie das Kloster vorziehe, zu ersparen, starb, angeblich dazu gezwungen, sehr bald aus Gram. Eine Tochter Eichthal's, die »schöne Rebecca« in München benannt, heirathete einen Herrn von der Leyen und Sophie Eichthal den Grafen Caspar Berchem.

Dr. Eduard Vehse: Geschichte der deutschen Höfe seit der Reformation, 24er Band. Hamburg, 1853.

#Simon Aron Freiherr von Eichthal

* 11.8.1787 (Leimen bei Heidelberg)
† 28.8.1854 (München)
Bayerischer Hofbankier

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Eichthal Simon Aron, später Leonhard, von Freiherr, 1787 (Leimen bei Heidelberg) – 1854, königlich bayerischer Hofbankier, Kämmerer und königlich griechischer Staatsrat; der jüngste Sohn des berühmten Hoffaktors und Hofagenten Aron Elias Seligmann (seit 1814 Freiherr von E.) trat 1814 mit seiner Frau Julie Mayer in St. Michael zu Berg am Laim (Stadtteil von München) zum Katholizismus über; als tüchtiger Finanzfachmann übernahm er die Leitung des väterlichen Bankhauses, wurde königlicher Hofbankier und war entscheidend an der Gründung der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank beteiligt, die König Ludwig I. am 18. VI. 1835 genehmigt hatte; die Errichtung erfolgte im wesentlichen nach den Prinzipien Es.; sie ist die älteste Aktien- und die größte Regionalbank Deutschlands; da E. auch an den Anleihen für Griechenland unter König Otto führend beteiligt war, wurde er Griechischer Staatsrat; für seine Verdienste als Hofbankier wurde er Ritter des Civil-Verdienstordens der Bayerischen Krone; zur Unterstützung seiner Nachkommen errichtete E. 1854 eine Familienstiftung mit einem Kapital von 200 000 fl.; beim Aussterben der Nachkommen fiel die eine Hälfte des Kapitals an das Münchner Waisenhaus, die andere an das Stadtkrankenhaus; die Stiftung fiel der Inflation zum Opfer; neben diesem bedeutenden Finanzfachmann liegen in dieser und in den angrenzenden Grüften andere Mitglieder dieser Familie.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#AA – 5 (Meßthaler)


Ruhestätte
der Familie Messthaler.

¿er ruhet in Gott
¿her innigstgeliebter Gatte u. Vater
¿nn Messthaler
¿besitzer
¿, gestorben den 8. August 1886.
¿ unsere geliebte Mutter
¿ Messthaler
¿ b. Münsterer,
geboren den 1. April 1847, gestorben den 4. März 1916.
Ihnen folgte ihr Sohn, unser lieber Bruder,
Herr Emil Messthaler
geboren den 20. Juni 1869, gestorben den 7. Januar 1926.

Dein Tod, Dein baldes Scheiden,
Es bracht uns namenloses Ach!
Die Gattin klagt in tiefen Leiden
Dir jammern Deine Kinder nach.
Doch heilig sei des Vaters Wille
So beten wir aus Herzensgrund,
Daß Gott die bittern Thränen stille,
Die uns vereint zum ewigen Bund.


  • Meßthaler, Emil; 20.6.1869 (Landshut) – 7.1.1926 (München); Schauspieler, Regisseur und Theaterdirektor

Todesanzeige für Emil Meßthaler

Emil Meßthaler. Direktor des Gastspiel-Ensembles »Theater der Modernen«. Abbildung von Jan Vilímek aus »Der Humorist Nr. 20«. Wien, 10. Juli 1894.

Emil Meßthaler als Willy Janikow in »Sodoms Ende« und Oswald in »Gespenster«. Abbildung von Jan Vilímek aus »Der Humorist Nr. 20«. Wien, 10. Juli 1894.

Emil Meßthaler. Schauspieldirektor des Deutschen Theaters in München. Abbildung von Jan Vilímek aus »Der Humorist Nr. 25. Fest-Nummer anlässlich der Eröffnung des neuen Deutschen Theaters in München«. Wien, 1. September 1896.

Grab der Familie Meßthaler auf dem Alten Südfriedhof München (April 2016)

#Emil Meßthaler

* 20.6.1869 (Landshut)
† 7.1.1926 (München)
Schauspieler, Regisseur und Theaterdirektor

#Der Humorist (10.7.1894)

Emil Meßthaler.
Director des »Theater der Modernen.«

Emil Meßthaler ist geboren am 20. Juni 1869 und somit heute wohl der jüngste deutsche Theaterdirector. Nachdem Meßthaler einige Jahre als Schauspieler thätig war, gründete er am 4. Februar 1894 das Gastspiel-Ensemble »Theater der Modernen«, welches seitdem in Leipzig, Halle, Hannover, Bremen, Aachen, Wiesbaden und München die hervorragendsten und charakteristischesten Werke der Autoren Ibsen, Hauptmann, Halbe, Sudermann, Zola und Tolstoi mit großartigem Erfolge aufführte. Ungewöhnlich viel Staub haben die Gastspiele des »Theaters der Modernen« in Leipzig aufgewirbelt; der dortige Erfolg, welcher einen doppelten Sieg, einen Sieg des modernen Dramas und der realistischen Literaturbewegung einerseits, und einen solchen des Meßthaler'schen Schauspiel-Ensembles andererseits bedeutete, ging damals durch die gesammte deutsche Presse Deutschlands und der Name »Meßthaler« ist seitdem wohl Keinem, der sich für Literatur und Theater interessirt, unbekannt. In der Geschichte der modernen Literatur und des Theaters der Gegenwart wird der erfolgreiche Vorstoß Meßthaler's mehr als eine bloße Reminescenz sein.

Als Schauspieler erringt Meßthaler nicht minder große Erfolge, denn als Theaterleiter. Sein »Oswald« in Ibsen's »Gespenster« sein »Willy« in »Sodoms Ende«, sein »Laurent« in Zola's »Therese Raquin«, sein »Hermann« in »Die Haubenlerche« wurden von der Kritik als eminent schauspielerische Leistungen anerkannt. Meßthaler ist ein zielbewußter, kühner Interpret realistischer Darstellungsweise. Für ihn gibt es keine Tradition. Meßthaler's Modelle sind die Menschen, seine Studien macht er auf der Straße, im Salon und in Heilanstalten für Nervenkranke. Außergewöhnliches leistete er in der Darstellung der pathologischen Momente seiner Rollen; er studirt diese an Kranaken selbst und verkörpert sie mit klinisch genauer, manchmal allerdings widerwärtiger Deutlichkeit. Am Stadttheater in Hannover spielte er, wie wir dem »Berliner Börsen-Courier« entnehmen, die letzte Scene seines »Oswald« in »Gespenster« derart craß und lebenswahr, daß einige Damen im Zuschauerraum ohnmächtig wurden. Ein wohl in seiner Art einzig dastehendes schauspielerisches Experiment leistete sich Meßthaler am Stadttheater in Bremen; er spielte in einer Doppelvorstellung (»Gespenster« und »Cyprienne«) die Rolle des »Oswald« und hierauf die des »Prunelles« – an einem Abend! – Der Erfolg dieses Experimentes war enorm.

Wir hatten leider nie Gelegenheit, Director Meßthaler und sein Ensemble kennen zu lernen und entnehmen Obiges den Urtheilen von Kritikern, wie: Dr. Max Bernstein – München, Dr. Haas – München, Baron Mensi – München, Rudolf v. Gottschall – Leipzig, Hans Merian – Leipzig, Dr. Kohlrausch – Hannover, Franziskus Hähnel – Bremen, C. Voß – Bremen, Schukte von Brühl – Wiesbaden, Jul. Schaumberger (»Berliner Börsen-Courier«) etc. Auf Seite 4 bringen wir Bilder Meßthaler's als »Oswald« in »Gespenster« und »Willy« in »Sodoms Ende«; beide Aufnahmen stellen die Sterbescenen aus diesen Rollen vor. A. E.

Der Humorist Nr. 20. Wien, den 10. Juli 1894.

#Allgemeine Zeitung (17.10.1895)

Feuilleton.

Aus Leipzig geht dem »B. Vaterland« eine von sieben für das »Deutsche Theater« in München engagirten Künstlern unterschriebene Erklärung zu, die sich gegen den künftigen Director dieses Theaters, Emil Meßthaler, richtet und die das neulich an dieser Stelle ausgesprochene Urtheil über dessen Befähigung nach einer andern Seite ergänzt. Sie lautet, mit Weglassung von Nebensächlichem: »Hr. Meßthaler aus München, früher Director des meist umherreisenden »Theater der Modernen«, hatte Anfang Februar ds. Js. Verträge mit Bühnenmitgliedern abgeschlossen, welche diese für ein neues »Deutsches Theater« in München verpflichtet. Unbekannt mit Münchener Verhältnissen, mußten die Unterzeichneten annehmen, daß es sich um ein vollendetes, zum mindesten um ein bereits so weit im Bau fortgeschrittenes Haus handelte, daß dessen geplante Eröffnung mit dem Beginn der Verträge, dem 1. October ds. Js., sehr gut zusammenfallen konnte. Nachdem aber zu größter Verwunderung durch Zeitungsnotizen die Ueberzeugung sich aufgedrängt hatte, daß das neue Theater nicht nur nicht fortgeschritten, sondern – im Sommer dieses Jahres! – überhaupt noch gar nicht zu bauen begonnen war, ließ Hr. Meßthaler plötzlich im September Briefe an seine Mitgieder versenden, durch welche er diese aufforderte, pünktlich, statt in München, in Leipzig zu einem Gastspiel am Carolatheater einzutreffen, da das »neue deutsche Theater in München« noch nicht vollendet wäre, während nach Beendigung des Gastspiels am 15. October, die Uebersiedelung des »Ensembles« zu dauerndem Aufenthalt in München vor sich gehen würde. Die Unterzeichneten kamen am 23. September nach Leipzig, mußten die Kosten der Reise, eines achttägigen Aufenthalts und große Toilettenanschaffungen aus eigenen Mitteln bestreiten und wurden vor, während und unmittelbar nach der ersten Vorstellung am 1. October durch eine vierzehtägige Kündigung – gerade der Dauer des Gastspiels – überrascht, trotzdem einige noch gar nicht, andere in ganz unbedeutenden Rollen und wieder andere mit so großem Erfolg bei Publicum und Kritik Leipzigs aufgetreten waren, daß von schauspielerischer Unzulänglichkeit in keiner Weise gesprochen werden konnte. Die Unterzeichneten sind durch Hrn. Meßthaler auf das schwerste geschädigt worden; im Interesse ihres künstlerischen Rufes glaubten sie das Benehmen Meßthalers den Theaterkreisen der Residenz nicht vorenthalten zu dürfen.«

Allgemeine Zeitung Nr. 288. München; Donnerstag, den 17. Oktober 1895.

#Allgemeine Zeitung (3.11.1895)

Leipzig, 1. Nov. Das hiesige Polizeiamt hat Hrn. Emil Meßthaler in München auf sein Gesuch um Gestattung der Aufführung der »Weber« von Gerhard Hauptmann folgenden Bescheid zugehen lassen: »Bereits im Mai dieses Jahres hatte Hr. Karl Werkmeister, Mitglied des Deutschen Theaters in Berlin, um Genehmigung zur Aufführung dieses Stückes hier gebeten. Der Rath der Stadt Leipzig und das unterzeichnete Polizeiamt aber haben durch gemeinschaftlichen Beschluß das Gesuch abgelehnt. Wenn nun auch in dem von Ihnen überreichten Exemplar einige Streichungen vorgenommen worden sind, so können diese doch nur als Regie-Kürzungen angesehen werden, so daß nichts geändert ist an dem Inhalt und der Tendenz des Stückes, die auf die Schilderung des Elends in den crassesten Farben und auf die Verherrlichung der rohen Gewaltthat gegen die besitzende Classe und gegen die Staatsorgane gerichtet ist. Wir sind deshalb nicht in der Lage, den früheren, vorher erwähnten Beschluß zu ändern, und können Ihnen die Genehmigung zur Aufführung des Stückes hier nicht ertheilen.«

Allgemeine Zeitung Nr. 305. München; Sonntag, den 3. November 1895.

#Der Humorist (1.9.1896)

Emil Meßthaler.
Schauspieldirector des Deutschen Theaters in München.

Das neue, von dem genialen Architekten Alexander Bluhm erbaute »Deutsche Theater« in München wird, zuverlässigen Berichten zufolge, im September l. J. eröffnet werden. Ganz unglaublich groß waren die Schwierigkeiten und Hindernisse, die sich dem neuen Unternehmen entgegenstellten, und die es nun siegreich überwunden hat. Mit gespanntem Interesse sieht man dem beginnenden Wettkampfe des neuen Theaters entgegen und naturgemäß concentriert sich der größere Theil dieser Aufmerksamkeit auf die Persönlichkeit seines Directors: Emil Meßthaler, dessen wohlgetroffenes Porträt wir auf der Stirnseite der vorliegenden Ausgabe unseren geehrten Lesern bieten. Ist der kaum 27jährige Director, hört man im Publikum fragen, auch der geeignete Mann, dem neuen Kunstinstitute Geltung und Bedeutung in der Theaterwelt zu verschaffen? Die künstlerischen Erfolge, welche Director Emil Meßthaler als Theaterleiter bis jetzt erzielt hat, lassen diese Frage ohne Weiteres mit einem »Ja« beantworten. Durch die Gründung und Leitung des »Theaters der Modernen« ist es Emil Meßthaler gelungen, seinen Namen in ganz Deutschland zu einem rühmlichst bekannten zu machen. Muthig, unverzagt, keine pecunären Opfer scheuend, nahm er sich der allerorten so stiefmütterlich behandelten modernen dramatischen Muse an und führte sie in einem Siegeslauf durch die deutschen Lande. Wer erinnert sich nicht z. B. des ungewöhnlichen Aufsehens, welche das »Theater der Modernen« vor ungefähr zwei Jahren in Leipzig erregte? Es entfachte einen fast noch nicht dagewesenen Zeitungskrieg und bewirkte eine Massenwanderung der biederen, schwer aus ihrer Ruhe zu bringenden Leipziger zu den Vorstellungen von »Gespenster«, »Jugend«, »Einsame Menschen« etc. Enthusiastisch nahm das zahlreich erschienene Publicum die Darbietungen auf, und freute sich dankbarst der Bekanntschaft jener Werke, welche man ihm so lange beharrlich vorenthalten hatte, und so wie in Leipzig, sah Meßthaler mit seiner wackeren Künstlerschaar in allen größeren Städten Deutschlands und Hollands, wie Bremen, Breslau, Hannover, München, Wiesbaden, Halle, Amsterdam, Rotterdam etc. sein muthiges Wagen durch große Erfolge belohnt. Ibsen, Zola, Hauptmann, Halbe u. A. dürfen in Emil Meßthaler getrost einen ihrer eifrigsten Apostel erblicken. Jung, thatkräftig, mit zäher Ausdauer Alles beseitigend, was sich ihm hindernd in den Weg stellt, mit enstem Verständnis für die wahre Kunst ausgerüstet, wird Emil Meßthaler bald zu den hervorragendsten Bühnenleitern, das »Deutsche Theater« in München zu den ersten Kunstinstituten Deutschlands zählen.

Der Humorist Nr. 25. Fest-Nummer anlässlich der Eröffnung des neuen Deutschen Theaters in München. Wien, den 1. September 1896.

#Rosenheimer Anzeiger (3.11.1896)

Vermischtes.

(Meßthaler's schlichter Abschied.) Seitens der Oberleitung des Deutschen Theaters hat man endlich eingesehen, daß das Unternehmen verloren ist, wenn sie noch länger Meßthaler die Direktion des Schauspiels überläßt. Herr Architekt Bluhm hat nunmehr an Herrn Meßthaler folgendes Schreiben gerichtet:

Herrn Emil Meßthaler hier!

Die in der hiesigen und auswärtigen Presse und von berufener Seite geäußerte Kritik über die Leistungen der Schauspiel-Ensemble unter Ihrer Leitung sind Ihnen sicherlich wohl bekannt. Diese wegen ihrer Einheitlichkeit nicht als tendenziös zu bezeichnenden Kritiken sind als unparteiische im Sinne unseres Vertrages zu erachten. Ich muß sogar behaupten, und allgemein wird meine Behauptung bekräftigt, daß Sie sich als vollständig unbefähigt erwiesen haben, nach Außen wie nach Innen der künstlerischen Leistung des Deutschen Theaters vorzustehen und Sie hiedurch eine nicht wieder gut zu machende Schädigung dem kaum ins Leben gerufenen Unternehen zugefügt haben. Weiter muß ich befürchten, daß eines Tages vollständige Anarchie unter Ihren Mitgliedern herrschen wird. Sie sind also bis jetzt nicht nur Ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen, sondern haben Ihr vollständiges Unvermögen gezeigt, disen Verpflichtungen überhaupt nachkommen zu können.

Von einer weiteren Mahnung sehe ich als vollständig resultatlos ab, und nehme hiermit Veranlassung, um das Unternehmen vor dem Untergange zu wahren, den bestehenden Vertrag mit Empfang dieses Briefes, spätestens aber am 30. Oktober a. c., 8 Uhr Früh, als gelöst zu betrachten.

Ich behalte mir alle civilrechtlichen Ansprüche wegen begangenenen Vertrauensmißbrauchs vor.

Hochachtungsvoll!
A. Bluhm.

Soweit das Schreiben. Bis zum Abschluß der schwebenden Verhandlungen übernimmt Herr Architekt Bluhm bis auf Weiteres die Oberleitung über das Schauspiel unter Hinzuziehung eines Regie-Collegiums. Eine Entlassung der engagirten Kräfte findet nicht statt, wohl aber soll eine Anzahl neuer Kräfte engagirt werden.

Die Herrlichkeit des Herrn Direktors Meßthaler wäre damit zu Ende, nachdem sie nur kurze Zeit, aber jedenfalls viel zu lang gedauert hat.

Das energische Vorgehen des Unternehmers gegen Herrn Meßthaler wird allerseits mit Freuden begrüßt werden, zumal Herr Meßthaler seine Stellung als Theaterdirektor insbesondere dem weiblichen Personal gegenüber als diejenige eines modernen Sklavenhalters aufgefaßt hat. Er entblödete sich nicht, die jungen Künstlerinnen, indem er ihnen geradezu schmähliche Gagen bot, auf die Freigebigkeit reicher Verehrer zu vertrösten. Je reicher der Verehrer, desto niedriger die Gage. Herr Meßthaler darf zufrieden sein, wenn das von ihm betrogene Personal seine Ansprüche gegen ihn nur auf civilrechtlichem und nicht auch auf strafrechtlichem Wege geltend macht. Denn Herr Meßthaler, welcher 108.000 Mk. pro Jahr für die Zusammenstellung eines geeigneten, aus 15 Köpfen bestehenden künstlerischen Ensembles bezog, hat hiervon nur 30.000 Mk. zu dem gedachten Zweck verwendet, den Löwenantheil von 78.000 Mk. aber in die eigene Tasche gesteckt. Es involvirt dieses schimpfliche Vorgehen einen groben Vertrauensmißbrauch, der haarscharf an den strafrechtlichen Begriff des Betrugs streift, denn Herr Meßthaler hat zur Verschleierung dieser Thatsache einzelne seiner Mitglieder bewogen, höhere Gagen anzugeben, als sie bezogen und fingirte Namen engagirter Mitglieder auf den Zettel gesetzt. Wir vom Herrn Meßthaler gespielt worden ist, darüber sind sämmtliche Stimmen einig; er mag es sich daher selbst zuschreiben, wenn nunmehr ihm mitgespielt wird. Wirklich gut gespielt hat er nur ein einziges Mal in seinem Leben, als er noch Theaterdirektor in partibus, d. h. ohne Personal, auf der Spielbank in Monaco spielte. Dorthin paßt dieser Glücksritter am besten.

Rosenheimer Anzeiger No. 251. Tagblatt für Stadt und Land. Dienstag, den 3. November 1896.

#Allgemeine Zeitung (7.11.1901)

Feuilleton.

Freigabe der »Weber« für Leipzig. Bei der am 6. November d. J. vor dem Oberverwaltungsgericht in Dresden stattgehabten Verhandlung fällte nach einstündigem Plaidoyer des Rechtsanwalts Dr. Hermann Gottschalk der Gerichtshof das Urtheil: »Das Zensurverbot der »Weber« wird aufgehoben, die Kosten fallen der Staatskasse zur Last«.

Direktor Emil Meßthaler hat Gerhart Hauptmanns »Weber« für Leipzig, Dresden, sowie für eine Anzahl größerer Städte Sachsens erworben und wird das Schauspiel mit einem eigens zusammengestellten Ensemble demnächst zur Aufführung bringen. Bekanntlich hatte im April d. J. Direktor E. Meßthaler auch durch seinen Anwalt, Dr. H. Gottschalk, vor demselben Gerichtshofe die Freigabe von Tolstoi's »Macht der Finsterniß« für Leipzig erwirkt.

Allgemeine Zeitung Nr. 309. München; Donnerstag, den 7. November 1901.

#Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903)

Meßthaler Emil, geboren 1869 in Landshut, Sohn eines Münchner Hoteliers, wandte sich schon sehr früh der modernen Bühnenrichtung zu. 1891 nahm er Engagement am Gärtnerplatztheater, trat 1893 als jugendlicher Held und Liebhaber in den Verband des Dresdner Schauspielensembles und übernahm 1894 als selbständiger Leiter das Schauspielensemble in München. Mit diesem hatte er unter dem Titel »Theater der Moderne« die Propaganda für die andere Richtung in hervorragenden deutschen Städten mit einem aus ihren Stücken gebildeten Repertoire und mit Schauspielern, die »für diese oft tiefsinnigen, oft abgeschmackten Seelenmalereien besonders geschult waren« mit Eifer betrieben. Er selbst spielte mit großem Erfolg die jugendlichen Hauptrollen, und zwar gastierte er vom 1. März bis 1. Juli 1894 in Leipzig, Halle, Hannover, Bremen, Aachen, Wiesbaden und München und vom 1. Oktober 1894 bis 1. Mai 1895 u. a. auch in den größeren Städten Hollands. Im Jahre 1896 eröffnete er das Deutsche Theater in München, und hielt mit seiner Truppe, meistens Schauspielern, die bei seinen deutschen Tourneen mitgewirkt, seinen Einzug. Er wurde von dem Unternehmer auf die Dauer von zehn Jahren verpflichtet, mit seinem Schauspielensemble während des ganzen Jahres daselbst Vorstellungen zu geben. Doch bald folgten unerquickliche Streitigkeiten und Prozesse und M. trat zurück. Er wurde von Emil Drach abgelöst. Fortab erschien er meist ohne festes Engagement, sondern nur gastierend, wozu ihm hauptsächlich wieder Ibsen, Hauptmann, Sudermann etc. das Material lieferten. 1900 gründete er im Herbst mit gleichem Repertoire das intime Theater in Nürnberg und reüssierte daselbst außerordentlich. Der ihm innewohnende Wandertrieb veranlaßte jedoch den Künstler zur Verpachtung des Theaters ab Herbst 1901. Von diesem Termine ab will er sich wieder neuen Projekten zuwenden.

Ludwig Eisenberg’s Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Leipzig, 1903.

#AA – 6 (Arco · Kleinschrod · Lodron · Marschall · Pallavicini · Perouse · Seinsheim)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Arco-Köllnbach, Karl Maria Rupert Graf von; – (5).8.1856 (München), 87 Jahre alt; Ehemaliger Präsident des Oberappellationsgerichts
  • Arco-Valley, Karl Graf von; 10.8.1836 – 27.12.1904 (München), 68 Jahre alt; Kämmerer
  • Arco-Valley, Ludwig Graf von; – 15.10.1891 (Berlin), 46 Jahre alt; Deutscher Gesandter in den Vereinigten Staaten
  • Arco-Valley, Sofie Gräfin von; – 31.3.1885 (München), 20 Jahre alt; Kämmerers-Tochter
  • Kleinschrod, Mathilde von; – 1.9.1878 (Aibling), 1 Jahr alt; Stadtgerichtsassessors-Tochter
  • Lodron, Theresia Gräfin von (vw) / Helmstadt, von (gb); – (4).1.1837 (München), 82 Jahre alt; Palastdame und Präsidentens-Witwe
  • Marschall, Elisabeth Gräfin von (vw); – 3.11.1857 (München), 91 Jahre alt; Pallastdame der Kaiserin von Österreich
  • Pallavicini, Theresia Maria Marquise von (vw); – (30).11.1850 (München), 88 Jahre alt; Privatiers-Witwe aus Genua
  • Perouse, Maria Anna Gräfin von de la (vh) / Arco, Gräfin von (gb); – (23).4.1850 (München), 80 Jahre alt
  • Seinsheim, Karolina Gräfin von; – (3).7.1840 (München), 19 Jahre alt; Kämmerers-Tochter

Todesanzeige für Mathilde von Kleinschrod

Todesanzeige für Sofie Gräfin von Arco-Valley

Todesanzeige für Ludwig Graf von Arco-Valley

Grab der Familien Arco · Kleinschrod · Lodron · Marschall · Pallavicini · Perouse · Seinsheim auf dem Alten Südfriedhof München (April 2014)

Grab der Familien Arco · Kleinschrod · Lodron · Marschall · Pallavicini · Perouse · Seinsheim auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

#Karl Maria Rupert Graf von Arco-Köllnbach

† (5).8.1856 (München), 87 Jahre alt
Ehemaliger Präsident des Oberappellationsgerichts

#Der Volksbote für den Bürger und Landmann (9.8.1856)

Deutschland.

München, 8. August. Letzten Dienstag fand die feierliche Beisetzung der Leiche des ehemaligen Präsidenten des Oberappellationsgerichts Hrn. Karl Maria Rupert Grafen von und zu Arco in die Gruft unter den Arkaden des alten Gottesackers statt, woselbst die Leiche bleiben wird, bis sie in die im Bau begriffene auf dem Gute Köllenbach, übergeführt werden kann. Den Zug eröffnete die lange Reihe der Fackel tragenden Dienerschaft des hiesigen Adels, welcher diejenige der k. Prinzen sich anschloß. Den eigentlichen Trauerzug eröffnete ein k. Hoffourier, dem die zahlreiche Geistlichkeit und der mit vier schwarzen Pferden, schwarz und silbergestickt behangen, bespannte Leichenwagen folgte, umgeben von der Wachslichter tragenden Dienerschaft des gräflichen Hauses. Hinter diesem ging der einzige Sohn des Verstorbenen, Herr Reichsrath Graf v. Arco-Valley, mit seinen beiden jüngsten Söhnen und den übrigen Verwandten in tiefer Trauer, worauf die andern Leidtragenden folgten. Unter ihnen befand sich der Oberzeremonienmeister Graf Yrsch, der Minister v. Zwehl, die Staatsräthe Frhr. v. Pelkhoven und v. Fischer, mehrere Reichsräthe, dann der zweite Präsident des Oberappellationsgerichts v. Heinz an der Spitze seines Kollegiums. Rührend war der Schmerz des Sohnes und der beiden Enkel des Verstorbenen! Das Andenken des nach so langer, so äußerst ehrenvoller Laufbahn Heimgegangen wird ein von Tausenden gesegnetes seyn!

Der Volksbote für den Bürger und Landmann No. 189. Samstag, den 9. August 1856.

#AA – 7 (Darchinger · Schwarze · Strauss)


LASSET DIE KINDERLEIN ZU MIR KOMMEN


  • Darchinger, Josef; – (2).2.1821; 74 Jahre alt; Pfarrer an der Frauenkirche
  • Schwarze, Karoline (vh) / Strauß (gb); – (26).6.1865 (München), 42 Jahre alt; Bergwerkdirektors-Gattin aus Remagen
  • Strauß, Antonia Walburga; – 12.3.1842 (München), 29 Jahre alt; Oberstleutnants-Tochter
  • Strauß, Johann Baptist; – 12.5.1861 (München), 82 Jahre alt; Pensionierter Artillerieoberst
  • Strauß, Johann Baptist; 18.8.1810 (München) – (9).5.1888 (München); Geistlicher Rat
  • Strauß, Walburga (vh); – (28).4.1841 (München), 56 Jahre alt; Artillerie-Majors-Gattin

Todesanzeige für Johann Baptist Strauss

Grab der Familien Darchinger · Schwarze · Strauss auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familien Darchinger · Schwarze · Strauss auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familien Darchinger · Schwarze · Strauss auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familien Darchinger · Schwarze · Strauss auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familien Darchinger · Schwarze · Strauss auf dem Alten Südfriedhof München (April 2016)

#AA – 9 (Fallot von Gemeiner)


Tafel
Ehemalige
Grabstätte
der Familie Fallot
von Gemeiner
1820


  • Fallot von Gemeiner, Johann Gottfried; 12.10.1750 – 22.12.1820; Großherzoglicher Sachsen-Weimarscher Finanzrat
  • Fallot von Gemeiner, Karl Theodor; 29.1.1801 – 12.7.1846 (Marienbad); Gutsherr auf St. Mariakirchen
  • Fallot von Gemeiner, Rosalie (vw); 13.8.1803 – 4.4.1868 (München); Gutsbesitzers-Witwe

Grab der Familie Fallot von Gemeiner auf dem Alten Südfriedhof München (April 2014)

#AA – 10 (Mannlich)


JOHANN CHRISTIAN
VON MANNLICH
* 2.10.1741 IN STRASSBURG
† 3.1.1822 IN MÜNCHEN
HOFMALER, BAUMEISTER
UND GALERIEDIREKTOR
IN PFALZ-ZWEIBRÜCKEN
ZENTRALDIREKTOR ALLER
KÖNIGLICH-BAYERISCHEN
GEMÄLDEGALERIEN

DIE FAMILIENGRUFT MANNLICH WURDE IM JULI
1944 DURCH BOMBEN VÖLLIG ZERSTÖRT

Gedenktafel
ERRICHTET 1972
IM 150. TODESJAHR
MANNLICHS


  • Mannlich, Johann Christian von; 4.10.1740 (Straßburg) – 3.1.1822 (München); Hofmaler und Generaldirektor der königlichen Galerien

Lorenz Quaglio: Johann Christian von Mannlich. ca. 1820. Porträtsammlung des Münchner Stadtmuseums.

Grab der Familie Mannlich auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2011)

Grab der Familie Mannlich auf dem Alten Südfriedhof München. Abbildung aus: Auswahl der vorzüglichsten Denkmäler des Münchner Kirchhofes. 2. Band. München, 1841.

Grab der Familie Mannlich auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2011)

#Johann Christian von Mannlich

* 4.10.1740 (Straßburg)
† 3.1.1822 (München)
Hofmaler und Generaldirektor der königlichen Galerien

#Allgemeine Deutsche Biographie (1884)

Mannlich: Johann Christian v. M., Maler und Galeriedirector, geb. am 4. October 1740 zu Straßburg, † am 3. Januar 1822 zu München, stammte aus einer Augsburger Patrizierfamilie, kam mit seinem Vater Konrad M. (s. u.) nach Zweibrücken, studirte, anfänglich zur Theologie bestimmt, auf dem Gymnasium daselbst; da er seine Schulbücher und Hefte mit Randzeichnungen füllte, erkannte der Vater rechtzeitig die künstlerische Begabung und unterrichtete ihn nach den Anfangsgründen; bald darauf sendete Herzog Christian IV. den Jüngling nach Mannheim zum Maler Zinzenich und dem Bildhauer und Architekten Peter Verschafelt. Im J. 1763 ging M. mit seinem Herzog nach Paris, wo ihn der hohe Maecen selbst bei Charles Vanloo und Francois Boucher einführte, welch' Letzterer ihn zum Schüler annahm. M. blieb aber nur kurze Zeit und kehrte schon 1764 wieder nach Mannheim zurück, machte aber 1766 mit dem Herzog eine zweite Reise nach Paris, von wo M., welcher mit einer »Venus« eine Probe seiner Technik abgelegt hatte, auf Empfehlung des Herzogs als Pensionär der französischen Akademie 1767—71 nach Rom und Neapel ging. Gegen Boucher's Rath studirte M. Raphael's Werke, zeichnete und copirte selbe und verwerthete später diese Ausbeute als Lehrmittel für junge Maler. Endlich zog er über Florenz, wo M. mit Raphael Mengs bekannt wurde, nach Parma, vertiefte sich daselbst in Correggio's Manier, so daß M. durch ein Diplom vom 27. Juni 1771 zum Mitglied der Reale Accademia delle Belle Arti (Original in der Maillinger-Sammlung 1876, I. 113 Nr. 1047) aufgenommen wurde. Nach dem Tode seines Vaters 1772 erhielt M. dessen Stelle mit der Leitung der neuen Kunstschule zu Zweibrücken, später ernannte ihn Herzog Karl III. zu seinem Hofmaler und Baudirector. Bei Ausbruch der französischen Revolution brachte M. die Galerie von Zweibrücken nach Mannheim in Sicherheit (1793). Auch Maximilian Joseph bewahrte ihm seine Gunst und rief M. nach München, ernannte ihn zum Centraldirector aller Kunstsammlungen in Baiern und verlieh ihm 1808 den Verdienstorden der baierischen Krone. M. vereinte die Gemäldesammlungen von Zweibrücken, Mannheim und Düsseldorf nach München und Schleißheim und verfaßte darüber einen dreibändigen Katalog (»Beschreibung der churpfalzbaierischen Gemähldesammlungen zu München und Schleißheim«, München 1805—1810) und verwendete die Lithographie zu Kunstzwecken. Unter seiner Leitung begann 1810 die Herausgabe der Originalhandzeichnungen des königlichen Kupferstichcabinets (Ouevres lithographiques, 432 Blätter in 72 Heften) mit Strixner, Piloty und seinen Zöglingen, wobei M. selbst Blätter dazu gab. Im J. 1817 unternahm M. die Wiedergabe der vorzüglichsten Gemälde aus den beiden Galerien, ein wahres Prachtwerk, wobei die Lithographie als Kunst auftrat und außer Strixner und Piloty auch Dorner, Muxel, Lorenz und Dominik Quaglio, Heideck und Auer als Steinzeichner mitwirkten. M. war nicht nur ein trefflicher Maler und ausgezeichneter Lehrer, sondern behauptete auch als Schriftsteller eine achtungswerthe Stellung. Als Maler bewegte er sich mit gleicher Leichtigkeit im Gebiete der antiken Mythologie und des christlichen Kultusbildes; seine im Geiste der akademischen Richtung gehaltenen Compositionen zeigen von lebhafter Phantasie, Charakter, Ausdruck, richtiger Zeichnung und glänzendem Colorit, wozu ihm Rubens als Vorbild diente. Als Schriftsteller kann M. mit seinem Werke »Versuch über Gebräuche, Kleidung und Waffen der ältesten Völker bis auf Konstantin den Großen« (München 1802, mit Kupfertafeln in 4°) als Vorläufer der Kulturhistoriker und Costümforscher gelten; es verdient allen Dank, daß er das Studium Raphael's wieder empfahl, wozu er seine freilich ziemlich flauen Copien verwerthete (vgl. »Zeichnungsbuch für die Zöglinge der Kunst und für Liebhaber, aus Rafael's Werken gezogen«, 18 Blätter in Fol., in Umrissen lithogr. von Strixner 1804); er wagte sich auch an das Gebiet der Aesthetik (»Versuch über die Schönheitslehre«, München 1812, mit 3 Kupfern) und betonte das Studium der Anatomie (»Versuch über die Zergliederungskunde für Zöglinge und Liebhaber der bildenden Künste«, München 1812, mit 8 Kupfern). Als Dichter versuchte sich M. 1793 mit einer Idylle, welche jedoch erst 1812 unter dem charakteristischen Titel »Aeskulap's Hahn und Amor's vergiftete Fackel« (nebst einigen Fabeln und sechs eigenen Compositionen in Lithographie) erschien. M. verfaßte 1817 auch seine Autobiographie in französischer Sprache (eine Abschrift dieser Memoiren in vier Foliobänden ist auf der Münchener Hof- und Staatsbibliothek hinterlegt), woraus Professor Späth in Nr. 42—44 des Stuttgarter Kunstblatts vom 27. Mai bis 3. Juni 1822 Auszüge gab. Mannlich's Porträt hat Seele gemalt, Hofnaß gezeichnet und L. Quaglio lithographirt. M. sammelte auch eine Privatgalerie, welche erst im September 1875 durch Karl Förster zu München versteigert wurde. Hier sei auch noch kurz seines Vaters und Großvaters gedacht. Konrad M., geb. 1701 zu Augsburg, lernte bei Joh. Kupetzki in Wien, bereiste Ungarn und dachte nach Italien zu gehen, erkrankte aber zu Triest. Von hier berief ihn Herzog Eberhard Ludwig nach Stuttgart und bald darauf der Pfalzgraf Christian III., Herzog von Birkenfeld nach Rappolsweiler im Elsaß als ersten Hofmaler; mit seinem gnädigsten Herrn übersiedelte M. auch nach Zweibrücken, wo er 1759 starb. Konrad M. malte Historien, Porträts und insbesondere Thiere »mit großer Vollkommenheit, einfacher, deutlicher Anordnung, richtiger Zeichnung, hellem kräftigem Colorit und einer leichten, geistreichen, fleißigen Behandlung« (Späth). In Schleißheim befinden sich die Bildnisse des herzoglich zweibrückener Cabinetssecretärs Louvier und etliche Thierbilder. Als Mannlich's Schüler wird Daniel Hirn genannt. Johann Heinrich M. (Vater des Vorstehenden), geb. 1660, † 1718 zu Augsburg, fertigte als berühmter Silberarbeiter 1710 für den damaligen Kurfürsten von der Pfalz einen Altar aus Silber mit lebensgroßen Statuen und für den Kurfürsten Max Emanuel ein vielbewundertes goldenes Service mit dem Bildnisse dieses Fürsten.

Vgl. Späth in Nr. 42—44 im Stuttgarter Kunstblatt, 1822. Nagler 1889 VIII, 243 ff.; XVI, 258 ff. Raczynski II, 456. Seubert 1878 II, 511.

Hyac. Holland.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1884.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Mannlich Johann Christian, von, 1740 (Straßburg) – 1822, Hofmaler und Generaldirektor der königlichen Galerien; er war zuerst Hofmaler der Herzöge von Pfalz-Zweibrücken und kam 1799 nach München; M. hatte seine entscheidenden künstlerischen Eindrücke in Paris, namentlich bei Boucher, empfangen und diese ohne hervorstechende persönliche Eigenart, aber handwerklich gediegen weiter kultiviert; in München kam er als ausübender Künstler fast gar nicht in Betracht, da ihn hier die oberste Leitung der staatlichen Gemäldesammlungen, die durch die Säkularisation der Klostergüter (1803) und die Überführung der Düsseldorfer Galerie (1806) ins Unübersehbare anschwollen, völlig in Beschlag nahm; Mußestunden scheint er vor allem graphischen Arbeiten, in der eben erfundenen Technik des Steindrucks, gewidmet zu haben; M. hat als Günstling Max Josephs außer der Gemäldegalerieverwaltung vorübergehend die ganze Kunstpolitik in seinen Händen gehalten; durch reiche Erfahrungen gebildet, voll warmer Anhänglichkeit an seinen Fürsten, im tiefsten aber doch skeptisch gegen Gunst und Ungunst des Hoflebens, trat M. in den Kreis der Münchner Künstler als eine Persönlichkeit, die geistig die reichste Anregung und Belehrung zu spenden hatte; sein Hauptverdienst liegt in der Organisation der heutigen Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Ms. Lebenserinnerungen (aus dem Französischen übersetzt von E. Stolreiter) sind eine anschauliche Quelle für die Napoleonische Zeit; Bronzefigur – liegende Frauengestalt – befindet sich jetzt im Hof des Münchner Stadtmuseums.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#AA – 11 (Reichenbach)


GEORG
VON
REICHENBACH
* 24.8.1772
† 21.5.1826


  • Reichenbach, Georg von; 24.8.1772 (Durlach/Baden) – 21.5.1826 (München); Mechaniker, Optiker und Salinenrat

Grab der Familie Reichenbach auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familie Reichenbach auf dem Alten Südfriedhof München. Abbildung aus: Auswahl der vorzüglichsten Denkmäler des Münchner Kirchhofes. 2. Band. München, 1841.

Grab der Familie Reichenbach auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2008)

#Georg von Reichenbach

* 24.8.1772 (Durlach/Baden)
† 21.5.1826 (München)
Mechaniker, Optiker und Salinenrat

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Reichenbach Georg, von, 1772 (Durlach/Baden) – 1826, Salinenrat, Mechaniker und Optiker; R., in Mannheim aufgewachsen und seit 1796 in München, hat auf einer Studienreise in England Watts Dampfmaschine kennengelernt und dann im Münchner Zeughaus praktische Experimente gemacht, arbeitete zusammen mit J. Liebherr, bis er sich dem Kreis um J. von Utzschneider anschloß, mit dem er das mechanisch-mathematische Institut 1804 begründete; dann rief R. mit J. von Fraunhofer das Optische Institut 1809 und mit T. L. Ertel 1812 das Institut für mathematisch-astronomische Instrumente ins Leben; als königlicher Salinenrat hat R. Solenleitungen von Reichenhall nach Rosenheim und von Berchtesgaden nach Reichenhall eingerichtet; letztgenannte, 1817 vollendet, gilt als ein Meisterwerk der Mechanik in ganz Europa.

Andere Werke: Erfindung eines neuen Kreisteilungsprinzips, Wassersäulenmaschine in Ilsang, Wasserwerk für Trinkwasserversorgung in Augsburg, Stückbohrerei in Wien; seit 1813 war R. Mitglied der BAkdW, 1830 Direktor der Obersten Baubehörde; R., auch Erfinder der sogenannten gezogenen Geschütze, zählt zu den bedeutendsten Mechanikern und technischen Genies seiner Zeit.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#AA – 12 (Fraunhofer)


JOSEF
FRAUNHOFER
6.3.1787 STRAUBING
7.5.1826 MÜNCHEN


  • Fraunhofer, Josef von; 6.3.1787 (Straubing) – 7.6.1826 (München); Optiker und Techniker

Grab der Familie Fraunhofer auf dem Alten Südfriedhof München (März 2008)

Grab der Familie Fraunhofer auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#Josef von Fraunhofer

* 6.3.1787 (Straubing)
† 7.6.1826 (München)
Optiker und Techniker

#Allgemeine Deutsche Biographie (1878)

Fraunhofer: Joseph F., der berühmteste und verdienstvollste Optiker seiner Zeit, der durch seine Entdeckungen über Eigenschaften des Lichtes neue Bahnen der Forschung eröffnete und durch seine zur Zeit noch nicht übertroffenen Leistungen in Herstellung dioptrischer Telescope für beobachtende Astronomie die vollendetsten Hülfsmittel bot, wurde in Straubing, einer kleinen Stadt in Niederbaiern, 6. März 1787 geboren. Sein Vater, ein Glasermeister, lebte in engen, beinahe dürftigen Verhältnissen. Doch selbst die bescheidene Hülfe, die der Vater dem Sohne gewähren konnte, sollte früh dahinschwinden. F. verlor im 11. Jahre seines Lebens seine Mutter, im 12. Jahre seinen Vater. Der verwaiste Knabe wurde durch seinen Vormund im J. 1799 einem Spiegelmacher in München in die Lehre gegeben. Für den lernbegierigen Knaben war, nach dem mangelhaften Unterricht einer Volksschule damaliger Zeit, der Besuch einer Sonntagsschule ein mächtiger Fortschritt. Durch Unterricht in geometrischem Zeichnen erfuhr er zuerst, daß Geometrie einen besonderen Wissenszweig bilde und sofort erwarb er sich mit den wenigen Pfennigen, über die er verfügen konnte, auf dem Trödelmarkt ein Lehrbuch der Elemente der Geometrie, das in späten Abendstunden ihm den Lehrer ersetzen sollte. Alles war seinem Beginnen entgegen. Meister und Meisterin hielten den Gebrauch eines Buches für Zeitverderb und die Altersgenossen verfolgten mit Spott die Lernbegierde. Erst eine schwere Katastrophe eröffnete dem gequälten Lehrling neue Bahnen. Im J. 1801 am 21. Juli stürzten im Thierekgäßchen zwei Häuser ein, in deren einem sich F. befand. F. war der einzige Bewohner, der nach vierstündiger gefahrvoller Arbeit lebend den Trümmern entzogen werden konnte. Ein kleines Geldgeschenk, bestehend in 18 Ducaten, welches der hülfreiche König Max Joseph dem Geretteten zustellen ließ, zeigte sich, verbunden mit jener Energie des Willens, die noch immer das Talent kennzeichnet, ausreichend, um mit Erfolg ein neues für die Forschung so erfolgreich gewordenes Leben zu durchschreiten. F. war, wie kaum je ein anderer Forscher, von den Anfangsgründen aus in jeder Richtung sein eigener Lehrer. Die Lösung der Probleme praktischer Optik war sein nächstes Ziel. Geometrie und analytische Optik waren zur theoretischen Orientirung, und die Erfindung neuer Apparate und Werkzeuge waren zur praktischen Ausführung erforderlich. Durch das Studium der Lehrbücher der Optik von Klügel, Kästner und Priestley erwirbt er sich das eine, während er mit seiner reichen Erfindungsgabe in unübertroffener Vollendung die andere Aufgabe zur Lösung bringt. Sechs Jahre waren auf diesen Selbstunterricht verwendet, es waren ohne Zweifel wenn nicht die schwersten seines Lebens, so doch die, welche die größte Energie des Charakters verlangten. Im J. 1807, im 20. Lebensjahre von F., trat eine günstigere Wendung seines Geschickes ein. Er wurde zu dem von Reichenbach & Utzschneider gegründeten Institute für Herstellung geodätischer und astronomischer Instrumente als Optiker beigezogen. Die Aufgabe, die ihm zunächst zufiel, war die der Herstellung achromatischer Fernröhren. Die Bedingung der Möglichkeit der Lösung war durch Euler festgestellt und die praktische Lösung war Dollond für schwach vergrößernde Fernröhren gelungen. Warum bei stärkerer Vergrößerung unter Anwendung der gleichen Theorie und unter Benützung gleicher Technik in der Ausführung keine brauchbaren Resultate erzielt werden konnten, war erst aufzudecken. Die Lösung hing einerseits von der Erweiterung der Theorie, andererseits von Erweiterung der Physik des Lichtes, speciell der Feststellung der Gesetze der Farbenzerstreuung des Lichtes, und endlich von der Lösung technisch-chemischer Probleme, der Herstellung homogener Silicate, ab. F. gelang die Lösung in einer Weise, daß nicht allein mit den von ihm construirten achromatischen Telescopen und Meßinstrumenten eine neue Epoche in beobachtender Astronomie zu datiren ist, sondern daß zugleich die Physik des Lichtes durch eine der folgenreichsten Entdeckungen der, nach dem Entdecker bezeichneten, frauenhoferschen dunklen Linien des Sonnenspectrums erweitert wurde. – Die Abhandlung, in welcher F. über die von ihm eingeschlagenen Wege und Entdeckungen berichtet, ist in den Denkschriften der Münchener Akademie der Wissenschaften, für die Jahre 1814 und 1815, erschienen. Ein Zeitraum von 7 Jahren war für F. ausreichend, um durch Entdeckungen und Erfindungen eine neue Epoche in praktischer Optik zu begründen. Das Problem der Achromatie war in großer Vollendung zur Lösung gebracht, durch scharfsinnig erdachte Constructionen war das neue dioptrische Telescop zu den exactesten astronomischen Messungen verwendbar gemacht, die Grenzen des Ermeßlichen am Fixsternhimmel waren unter Anwendung fraunhoferscher Instrumente erweitert. Dem Forschungstriebe Fraunhofer's verdankt die physische Optik noch eine zweite, für die Begründung der Undulationstheorie fundamentale Erweiterung, nämlich die Bestimmung der Wellenlänge der verschiedenen Farben des Lichtes. Die von Grimaldi im J. 1666 gemachte Entdeckung der Beugung des Lichtes beim Vorübergang an der Kante der Körper, wurde durch mehr als ein Jahrhundert hindurch nur als eine bemerkenswerthe Modification des Lichtes bezeichnet. Erst Thomas Young, der auch den Weg zur Entzifferung der ägyptischen Hieroglyphen anbahnte, machte darauf aufmerksam, daß die Entzifferung der Farbensäume im gebeugten Licht unter Zugrundlegung der Undulationstheorie möglich werde. Thomas Young war nicht Experimentalforscher, er begnügte sich auf die Anwendung des Interferenzprincipes bei Wellenbewegungen aufmerksam zu machen. Die Beugungserscheinungen des Lichtes waren nur mit sehr unvollkommenen Mitteln untersucht. Ein Blatt Papier, auf dem man die Erscheinung auffing und eine Lupe, mit der man die Erscheinung beobachtete, waren der ganze Meßapparat. F. nahm die Aufgabe auf, Beobachtungsmethoden zu erfinden, nach welchen eine exacte Messung ausführbar und die Bestimmung der Wellenlängen der Farben des Lichtes ermöglicht werde. Die von ihm hergestellten achromatischen Fernröhren dienen ihm als Werkzeug, und durch die von ihm erfundenen Beugungsgitter versteht er es unter mannigfaltigen Modificationen die Beugungserscheinungen zu verfolgen, sie meßbar zu machen und hierauf gestützt die Wellenlänge jeder Farbe des Lichtes mit einer Exactheit zu bestimmen, die von späteren Forschern nur bestätigt, aber nicht übertroffen werden konnte. Die Resultate seiner Forschungen hat F. in den Denkschriften der Münchener Akademie der Wissenschaften für die Jahre 1821 und 1822 in der Abhandlung »Neue Modificationen des Lichtes durch gegenseitige Einwirkung und Beugung der Strahlen« mitgetheilt. In den letzten Jahren seines Lebens wurden die Symptome eines Brustleidens immer bedenklicher. Die Anlage dazu war nicht ererbt. Eine mühsame harte Jugend mag die ohnedies nicht starke Constitution geschwächt haben, aber gewiß ist, daß nach den anstrengenden Arbeiten bei der Bereitung des Bleiglases die ersten besorglichen Symptome auftraten. Er starb am 7. Juni 1826 in einem Alter von 39 Jahren und 4 Monaten. Mit 14 Jahren nur mit der dürftigen Vorbereitung, welche eine Volksschule gewähren konnte, ausgerüstet, mit 20 Jahren durch Selbstunterricht zum Forscher vorbereitet, reichen für ihn 19 Lebensjahre aus, um eine Reform in praktischer Optik zu begründen, um für beobachtende Astronomie neue Bahnen zu eröffnen und die Physik des Lichtes durch Epoche machende Entdeckungen zu bereichern.

Ph. Jolly: Das Leben Fraunhofer's (Rede, gehalten an der Münchener Universität), 1865.

Philipp von Jolly: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1878.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Fraunhofer Josef, von, 1787 (Straubing) – 1826, Optiker, Professor, Konservator und technischer Erfinder; F. ist als 14jähriger Glasschleiferlehrling beim Einsturz eines Hauses an der Thiereckstraße 3 verunglückt; dadurch wurden J. von Utzschneider, G. von Reichenbach und J. Liebherr auf das Talent des Knaben aufmerksam und F. trat in deren Institut ein; gemeinsam mit den beiden ersten gründete er 1809 ein eigenes Institut; die ersten Erfindungen dieses reinen Autodidakten waren ein Sphärometer, ein hochempfindlicher mechanischer Taster, die Herstellung völlig homogenen Flint- und Crownglases; nach Veröffentlichung der ersten genauen Bestimmung der von ihm entdeckten dunklen Linien im Sonnenspektrum (sogenannte Fraunhofersche Linien) in den Schriften der BAkdW konstruierte F. sein erstes großes Teleskop, dem die Erfindung des Heliometers zur Messung von Durchmesser und Entfernungen der Planeten folgte; kurz vor seinem frühen Tod (er starb an einem Brustleiden, das er sich vermutlich durch seine Arbeiten am Schmelzofen zugezogen hat) gelang ihm noch die Konstruktion des für Dorpat bestimmten Riesendiopters von 9 Zoll Objektivöffnung und 160 Zoll Länge; 1823 wurde F. Mitglied der BAkdW, Professor und Konservator des Physikalischen Kabinetts; »Approximavit sidera« (= er hat die Gestirne nähergerückt) stand auf dem früheren Grabmal; F. gehörte zu den größten Optikern, sein Name hat internationalen Klang.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#AA – 13 (Rüdorffer)


Hier befand sich die Gruft der
Edlen von Ruedorffer
1828 – 1944


  • Rüdorffer, Auguste von (vh) / Greiner (gb); 24.12.1811 – 4.7.1832 (München); Großhändlers-Gattin
  • Rüdorffer, Emma Antoinette; 5.10.1837 – 4.6.1838
  • Rüdorffer, F. X. von; 28.9.1773 – 12.11.1828 (München); Partikulier in München
  • Rüdorffer, Friedrich Wilhelm von; 22.10.1840 – 28.1.1842 (München); Großhändlers-Sohn
  • Rüdorffer, Karl von; 11.5.1805 – 5.10.1875 (München); Privatier
  • Rüdorffer, Karoline von (vh) / Andlinger, von (gb); 13.1.1779 – 1.9.1822
  • Rüdorffer, Karoline von (vh) / Ernst (gb); 29.5.1809 – 3.3.1860 (München); Privatiers-Gattin
  • Rüdorffer, Klementine von (vh) / Meier (gb); 18.9.1812 – 10.10.1887
  • Rüdorffer, Max von; 28.7.1840 – 25.9.1886
  • Rüdorffer, Rudolf von; 6.11.1840 – 15.7.1898; Königlicher Hauptmann a. D.
  • Rüdorffer, Wilhelm von; 15.1.1807 – 28.11.1884

Grab der Familie Rüdorffer auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familie Rüdorffer auf dem Alten Südfriedhof München. Abbildung aus: Auswahl der vorzüglichsten Denkmäler des Münchner Kirchhofes. 1. Band. München, 1841.

Grab der Familie Rüdorffer auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2012)

#AA – 16 (Lotzbeck)


FREIHERR VON LOTZBECK'SCHES FAMILIENGRAB


  • Lotzbeck auf Weyhern, Alfred Freiherr von; 5.2.1819 – 27.10.1874 (Ilmenau); Kämmerer und Reichsrat
  • Lotzbeck auf Weyhern, Amalia Henriette Freifrau von (vh) / Sautier (gb); 14.7.1790 – 4.3.1841 (Paris); Kämmerers-Gattin
  • Lotzbeck auf Weyhern, Helene Freifräulein von; 2.1.1875 – 14.9.1879
  • Lotzbeck auf Weyhern, Henriette Freifrau von (vh) / Mallet, von (gb); 15.2.1829 – 30.3.1853 (München); Kämmerers-Gattin
  • Lotzbeck auf Weyhern, Johanna Antonie Freifrau von (vh) / Hill (gb); 18.1.1819 – 1.10.1896
  • Lotzbeck auf Weyhern, Karl Ludwig Freiherr von; 20.2.1786 – 18.1.1873 (München); Königlich bayerischer Kämmerer und Reichsrat
  • Lotzbeck auf Weyhern, Karl Otto Freiherr von; 19.8.1812 – 26.11.1831 (München); Kämmerers-Sohn
  • Lotzbeck auf Weyhern, Laura Elisabetha Freifräulein von; 25.5.1879 – 25.6.1879
  • Lotzbeck auf Weyhern, Ludwig Freiherr von; 2.6.1883 – 30.7.1896

Todesanzeige für Karl Otto Freiherr von Lotzbeck auf Weyhern

Grab der Familie Lotzbeck auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familie Lotzbeck auf dem Alten Südfriedhof München. Abbildung aus: Auswahl der vorzüglichsten Denkmäler des Münchner Kirchhofes. 3. Band. München, 1841.

#AA – 17 (Kamerknecht)


Hier ruhet
der hochwohlgeborne Herr
Karl Ritter von Kamerknecht
¿


  • Kamerknecht, Karl Ritter von; 7.4.1808 – 27.1.1885 (München); Senatspräsident

Grab der Familie Kamerknecht auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2012)

#AA – 18 (Dörnberg)


Hier ruhet in Gott
Fried. J. Karl Freyherr von Doernberg
Koenigl. Kaemmerer und ¿
¿

Dem treuen Gatten
die trauernde Ehefrau
Ernestine geb. Freyin von Pfeffel


  • Dörnberg, Friedrich Karl Freiherr von; 22.7.1796 – 20.2.1833 (München); Kämmerer

Grab der Familie Dörnberg auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2012)

Grab der Familie Dörnberg auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2012)

#AA – 19 (Karg-Bebenburg)


GRUFT DER FREIHERRN KARG v. BEBENBURG


  • Karg-Bebenburg, Frances/Fanny Isabella Freifrau von (vw) / Frerichs (gb); 2.8.1847 (Thirlestaine Hall/England) – 15.5.1899 (St. Zeno/Bad Reichenhall)
  • Karg-Bebenburg, Gabriele Freiin von; 4.5.1870 – 28.4.1899 (St. Zeno/Bad Reichenhall)
  • Karg-Bebenburg, Josef Freiherr von; 30.5.1833 (Regensburg) – 5.5.1899 (St. Zeno/Bad Reichenhall)

Grab der Familie Karg-Bebenburg auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familie Karg-Bebenburg auf dem Alten Südfriedhof München (März 2019)

Grab der Familie Karg-Bebenburg auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2012)

#Frances/Fanny Isabella Freifrau von Karg-Bebenburg (vw) / Frerichs (gb)

* 2.8.1847 (Thirlestaine Hall/England)
† 15.5.1899 (St. Zeno/Bad Reichenhall)

#Rosenheimer Anzeiger (17.5.1899)

Bad Reichenhall, 16. Mai. (Freifrau Fanny von Karg-Bebenburg †.) Ihrer Tochter Gabriele, gestorben am 28. April, und ihrem Gatten Josef, gestorben am 5. Mai, folgte vorgestern Sonntag Abends im Tode Freifrau Fanny von Karg-Bebenburg. Eine Familientragödie, wie sie wohl selten sich ereignete! Ein tiefes schmerzliches Wehe geht bei dieser betrübenden Kunde durch die Herzen aller Bewohner von St. Zeno und Bad Reichenhall, durch das ganze Thal. Mit der Verlebten steigt eine Frau in das Grab, die mit Recht als die edelste Frau, die größte Wohlthäterin der Armen verehrt worden ist. Tief schwer hat sich die Hand des Schicksals in letzter Zeit auf die hochgeachtete Familie Karg gelegt. Noch hat sich die Gruft über die Tochter und den Gatten kaum geschlossen, und wieder hat der unerbittliche Tod in der schwergeprüften Familie Einkehr gehalten und die theure Frau unbarmherzig aus dieser Zeitlichkeit abberufen. Es war zu viel des Unglückes und des Schmerzes für die nun Verlebte, die beim Hinscheiden ihres geliebten Gatten und der geliebten Tochter geäußert hatte, daß sie diesen Schlag nicht lange überdauern werde, und diese Vermuthung sollte nach so kurzer Zeit zur traurigen Gewißheit werden. Was St. Zeno an Freifrau von Karg verliert, das wissen am Besten die Armen und Nothleidenden, für die sie stets eine offene Hand und ein warmes Herz besaß, das weiß die ganze Bewohnerschaft von weit und breit, die in der edlen Frau den guten sorgenden und schützenden Engel verehrt. Verwaist ist nun das Schloß, nach kaum acht Tagen trug man Herr und Herrin zur letzten Ruhestätte hinfort, wohin bereits die Tochter vorausgegangen. Ruhe sanft, du gute Frau des ganzen Reichenhaller Gau! Die Leiche wird mit der Eisenbahn nach München überführt und in der im südlichen Friedhofe angelegten Familiengruft beerdigt werden.

Rosenheimer Anzeiger No. 112. Mittwoch, den 17. Mai 1899.

#Gabriele Freiin von Karg-Bebenburg

* 4.5.1870
† 28.4.1899 (St. Zeno/Bad Reichenhall)

#Rosenheimer Anzeiger (30.4.1899)

Bad Reichenhall, 28. April. (Todesfall.) Baronesse Gabriele v. Karg-Bebenburg ist heute Vormittag nach längerem Leiden im Alter von 28 Jahren gestorben. Herrn Baron v. Karg, der als großer Wohlthäter der Armen weit und breit bekannt ist und seiner Familie wird wegen dieses herben Verlustes die aufrichtigste Theilnahme aus allen Schichten der Bevölkerung entgegengebracht.

Rosenheimer Anzeiger No. 99. Sonntag, den 30. April 1899.

#Josef Freiherr von Karg-Bebenburg

* 30.5.1833 (Regensburg)
† 5.5.1899 (St. Zeno/Bad Reichenhall)

#Rosenheimer Anzeiger (7.5.1899)

Rosenheim, 6. Mai. (Baron Karg †.) Gestern Früh 5 Uhr ist in seinem Tuskulum in Sct. Zeno bei Bad Reichenhall Baron von Karg-Bebenburg gestorben. Tiefe Trauer herrscht in Bad Reichenhall, der beste und größte Bürger und Wohlthäter ist in die Ewigkeit eingezogen und folgte nur zu schnell seiner am 28. April verstorbenen Tochter Freifräulein Gabriele von Karg-Bebenburg, welche im Alter von 29 Jahren durch den unerbittlichen Tod entrissen wurde. Dieser erneute schmerzliche Verlust des durch große Liebenswürdigkeit, Leutseligkeit und Herzensgüte Hochgeschätzten empfindet die ganze Gegend des Reichenhaller Gebietes sehr schwer. Baron Karg hatte unter den Nachwehen der glücklich überstandenen Influenza schwer zu leiden gehabt. Die Theilnahme, welche der so schwer heimgesuchten Familie in ganz hervorragender Weise von allen Schichten der Bevölkerung selbst in weiter Ferne entgegengebracht wird, ist begreiflich, wenn man weiß, wie entgegenkommend, freundlich und hilfsbereit die Karg'sche Familie gegen Jedermann ist und wie viel Gutes Herr Baron Karg den Armen der ganzen Gegend des Saalgaues, insbesondere der Stadt Bad Reichenhall fortgesetzt erwiesen hatte. Das treue Gedenken des Volkes bleibt ihm gesichert, er war eine Hauptstütze für Bad Reichenhall, der Bürger reinster Edelstein.

Rosenheimer Anzeiger No. 105. Sonntag, den 7. Mai 1899.

#AA – 20 (zu Rhein)


WIR WERDEN UNS WIEDER SEHEN!

HIER
RUHET DEN SCHLAF DES GERECHTEN
MAXIMILIAN JOSEPH FREYHERR von ZU RHEIN
KOENIGL. BAYER. KAEMMERER ¿
¿ DER JUSTIZ
¿ D. KOENIGL. WÜRTEMBERGISCHEN
CIVIL VERDIENST-ORDENS COMMANDEUR etc. etc.
GEB. ZU WÜRZBURG DEN VII. OCTOBER MDCC¿
GEST ZU MÜNCHEN DEN XXI. OCTOBER MDCCCXXXII.


  • zu Rhein, August Ferdinand Freiherr von; 23.7.1842 (Kissingen) – 28.10.1870 (München); Oberleutnant
  • zu Rhein, Maximilian Josef Freiherr von, Dr. jur.; 7.10.1780 (Würzburg) – 21.10.1832 (München); Bayerischer Justizminister
  • zu Rhein, Otto Franz Freiherr von; 3.12.1844 (Kissingen) – 31.8.1870 (Heidelberg); Oberleutnant
  • zu Rhein, Philipp Hermann Freiherr von; 5.12.1809 (Würzburg) – 13.1.1870 (München); Kämmerer und Regierungspräsident

Grab der Familie zu Rhein auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familie zu Rhein auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

Grab der Familie zu Rhein auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Dr. jur. Maximilian Josef Freiherr von zu Rhein

* 7.10.1780 (Würzburg)
† 21.10.1832 (München)
Bayerischer Justizminister

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Zu Rhein Maximilian Josef, von, Freiherr, Dr. jur., 1780 (Würzburg) – 1832, bayerischer Justizminister; nach Studien zu Mainz und Würzburg stand er anfangs im Dienst des Fürstbischofs von Würzburg, wurde großherzoglich-würzburgischer Geheimrat, bis er 1814 in bayerische Dienste übernommen wurde; er war 1817 Vizepräsident des Untermainkreises und 1826/32 Generalkommissär und Regierungspräsident dieses Kreises (heute: Unterfranken); Staatsminister der Justiz war Z. nur vom 1. Januar bis zum 21. Oktober 1832 (Todestag); »Sein bleibendes Verdienst als Justizminister aber ist es, daß er allzu weitgehende Forderungen königlicher Selbstherrlichkeit zurückwies und sich nicht darin gefiel, sie noch zu bestärken, wie es von anderen Ratgebern der Krone jener Zeit geübt wurde.«; Ludwig I. nannte ihn den »treuen und redlichen Zu Rhein«; sein Sohn, Friedrich Freiherr von Zu Rhein – bestattet in Würzburg –, war nach Sturz der Regierung von Abel Ministerverweser des Staats-Ministeriums des Innern für Kirchen- und Schulangelegenheiten und des der Finanzen.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#AA – 21 (Riedheim · Ringel)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Riedheim, Franz Xaver Freiherr von; 25.5.1842 – 8.12.1909 (München); Generalmajor
  • Riedheim, Karoline Freifrau von (vh) / Neger-Peilnstein, von (gb); 31.5.1821 – 26.4.1901
  • Riedheim, Max Josef Freiherr von; 15.1.1813 – 2.10.1879 (München); Major
  • Ringel, Charlotte von (vh) / Zentner, Freiin von (gb); 1.5.1782 – 27.10.1828

Todesanzeige für Franz Xaver Freiherr von Riedheim

Grab der Familien Riedheim · Ringel auf dem Alten Südfriedhof München (August 2013)

#AA – 22 (Beckers zu Westerstetten)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Beckers zu Westerstetten, Karl August Graf von; 8.8.1779 (Mußbach) – 8.11.1832 (München); General

Grab der Familie Beckers zu Westerstetten auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#Karl August Graf von Beckers zu Westerstetten

* 8.8.1779 (Mußbach)
† 8.11.1832 (München)
General

#Neuer Nekrolog der Deutschen (1834)

November.

D. 8. zu München Carl August, Graf v. Beckers zu Westerstetten, k. baier. General d. Inf., Präsident des Generalauditoriats, Commandeur des k. baier. militär. Max-Josephord., Großkreuz des Civilverdienstord. der baier. Krone, Ritter des k. Ludwigord., Officier der franz. Ehrenlegion, Ritter des k. k. östreich. Maria-Theresia- u. des russ. St. Annenord. 1. Kl., geb. zu Mannheim, wo sein Vater geh. Rath u. Gesandter war – im 63. Lbsj. Im J. 1806 wurde er Oberst u. 1807 Generalmajor und Brigadier bei der in Polen damals stehenden baier. Inf.-Division. Bei den am 13. und 17. April 1807 von den Preußen aus Glatz unternommenen Ausfällen, ebenso wie in der Schlacht bei Abensberg (20. April 1809) und am 7. Juli d. J. bei Linz zeichnete er sich ganz besonders aus. Im August 1813 erhielt er das Generalcommando einer Armeedivision und nahm in dieser Stellung auch Antheil an der Schlacht von Hanau. Er besaß ein sehr bedeutendes Vermögen.

Neuer Nekrolog der Deutschen. Ilmenau, 1834.

#AA – 23 (Kesling)


Hier ruhet
Karl Heinrich
Freyherr von Kesling
Junker im koeniglich bayer¿
I.sten Cuirassier-Reg¿
Sohn des großherzoglich badischen ¿
Heinrich Friedrich ¿
Freyherrn von K¿
geboren am 1¿.ten September ¿
gestorben am 22. Januar 1833.

Gewidmet
von
dessen Oheim
dem koenigl. bayer. Oberstallmeister
Freyherrn von Kesling,
und
der Schwester des Verblichenen
Ida Freyinn von Kesling.

Gottes Friede sey mit dem Entschlafenen!


  • Kesling, Adelheid Freifrau von (vh) / Perfall, von (gb); 17.1.1828 (München) – 14.6.1906 (München)
  • Kesling, Emanuel Freiherr von; 20.12.1879 (München) – 14.4.1902 (Pasing); Student
  • Kesling, Karl Freiherr von; 13.11.1819 (Gerstheim) – 14.12.1901 (München); Kämmerer und Gutsbesitzer
  • Kesling, Karl Heinrich Freiherr von; 19.9.1808 – 22.1.1833 (München), Opfer eines Duells; Junker
  • Kesling, Karl Ludwig Philipp Freiherr von; 25.8.1763 – 4.1.1843 (München); Oberstallmeister
  • Kesling, Luise Freifrau von (vh) / Wangenheim, von (gb); 3.8.1758 – 16.11.1830 (München); Königliche Palastdame

Todesanzeige für Karl Ludwig Philipp Freiherr von Kesling

Grab der Familie Kesling auf dem Alten Südfriedhof München (August 2013)

Grab der Familie Kesling auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familie Kesling auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#Karl Heinrich Freiherr von Kesling

* 19.9.1808
† 22.1.1833 (München), Opfer eines Duells
Junker

#Augsburger Postzeitung (25.1.1833)

Der Junker des 1sten Kürassierregiments, Frhr. v. Keßling, ein junger Mann von 22 Jahren, ist von einem studierenden Wallachen, Namens Rolla, aus Jassy, im Duell erschossen worden. Sein Leichnam wurde vorgestern Abend im Wald zwischen der Nockerschwaige und Harlaching, an eine Eiche gelehnt, gefunden. Dieses Duell soll auf dem Museumsballe durch eine Kleinigkeit bei dem Tanze veranlaßt worden seyn, und ist vorgestern Morgens vollzogen worden. Der Unglückliche wurde durchs Herz geschossen und ist nach wenigen Stunden verschieden. Die Sekundanten sollen sich geflüchtet haben.

Augsburger Postzeitung Nro. 25. Freitag, den 25. Januar 1833.

#Augsburger Postzeitung (26.1.1833)

München, den 25. Jan.
Gestern Nachmittag gegen 5 Uhr wurde der im Duell gebliebene Junker des 1sten Kürassier-Regiments, Frhr. Heinrich von Keßling, beerdigt, wobey der protestantische Geistliche eine eindringende, rührende Rede hielt.

Augsburger Postzeitung Nro. 26. Samstag, den 26. Januar 1833.

#Die Bayer’sche Landbötin (26.1.1833)

Neueste Nachrichten.

München. Der Leichnam des Frhn. v. Keßling wurde erst gegen Mittag von einer Frau, die Holz sammelte, an dem Stamm einer Eiche in halb sitzender Stellung mit festgeschlossener Uniform, den Säbel an der Seite, die Kappe zu den Füßen, gefunden. Der Mantel des Getödteten war über den Leichnam geworfen. Der entflohene Thäter, Rolla, ist der Sohn eines der reichsten Bojaren zu Jassy (in der Moldau), und privatsirte hier. Vorgestern Nachm. wurde Frhr. v. Keßling beerdigt. Allgemein war die Theilnahme, die an diesem Grabe sich aussprach, und als der hiesige protest. Dekan in einer christlich männlichen, eindringenden Rede sich an die Versammelten wandte, da stimmten wohl Alle in seinen Wunsch ein: »Möchte dies das letzte Opfer eines Vorurtheiles seyn, welches aus den Zeiten der Finsterniß sich bis in unser Zeitalter erhalten und schon namenlosen Kummer in vielen Familien verursacht hat!« – Herr Decan Boeckh wird in Vieler Namen hiermit ersucht, seine Rede dem Druck zu übergeben.

Die Bayer’sche Landbötin Nro. 12. München; Samstag, den 26.1.1833.

#Münchener Conversations-Blatt (26.1.1833)

Münchener Conversation.

Der angezeigte unglückliche Tode des Heinrich Freiherrn von Keßling soll auf dem letzten Museums-Balle durch eine Kleinigkeit Veranlassung gefunden haben. Thäter und Sekundanten, bereits mit Pässen versehen, sind flüchtig gegangen, außer einem vom Militär, welcher in Arrest ist. Ersterer, von unansehnlicher Figur, wird mit Steckbriefen verfolgt. Die glückliche Aufgreifung dieses Mörders, der sich gegen der untern Inngränze gewendet haben dürfte, wäre ein Meisterstück für unsere thätige Gensdarmerie. Die Angaben im »Tagblatte« über die Auffindung des Leichnams ist falsch. Vor der, ehegestern statt gehabten Beerdigung des jungen, unglücklich Gemordeten, war der Andrang im Leichenhause, ihn theilnehmend noch einmal zu schauen, so groß, daß die Fenster klirrten, und »ach und weh« geschrieen wurde. Zahlreich war der Zug zum Grabe von Livrebedienten mit Fackeln, Ober- und Unteroffizieren aller Waffen, kgl. Edelknaben, Hofbereitern und Laquaien, ergreifend die Rede des protest. Geistlichen.

Münchener Conversations-Blatt Nr. 26. München; Samstag, den 26.1.1833.

#Aschaffenburger Zeitung (28.1.1833)

Der Junker des 1. Kürassierregiments, Frhr. v. Keßling, ein hoffnungsvoller junger Mann von 22 Jahren, ist von einem studierenden Wallachen, aus Jassy, im Duell erschossen worden. Sein Leichnam wurde vorgestern abends im Walde zwischen der Nockerschwaige und Harlaching, an eine Eiche gelehnt, gefunden. Dieses Duell soll auf dem Musikballe durch eine Kleinigkeit bei dem Tanze veranlaßt worden seyn, und ist vorgestern morgens vollzogen worden. Der Unglückliche wurde durch’s Herz geschossen und ist nach wenigen Stunden verschieden. Die Secundanten sollen sich geflüchtet haben.

Aschaffenburger Zeitung No. 24. Montag, den 28. Januar 1833.

#Regensburger Zeitung (30.1.1833)

Vermischte Nachrichten.

München, den 26 Jan. Der als ein neues Opfer der unseligen Duellwuth gefallene Junker, Heinrich Baron von Keßling, Neuve Sr. Excell. unsers allgemein verehrten königlichen Oberststallmeisters Frhrn. von Keßling, welcher vorgestern Nachmittag 5 Uhr mit den seinem Range und Stande angemessenen Ehrenbezeugungen unter großem Zudrange des Volkes begraben wurde, wird allgemein bedauert. So viel man noch über diese traurige Geschichte vernimmt, hatten die Duellanten zu gleicher Zeit geschossen, wobei die eine Kugel dem Wallachen durch den Hut gegangen ist. Die Brustwunde des Gefallenen war absolut tödtlich, und der bei diesem Vorfall anwesende Arzt verließ den Unglücklichen erst dann, als er verschieden war; alle andern Gerüchte haben sich unbegründet befunden. Wie viele Opfer werden wohl noch fallen müssen, bis es der gesetzlichen Macht oder der Vernunft gelingt, diese wahnsinnige Selbsthülfe, dieses abscheuliche Ueberbleibsel aus dem barbarischen Zeitalter des Faustrechts, welches die Gesittung, das Gesetz und das Menschenrecht in gleichem Grade so tief verletzt, zu verdrängen und auszurotten?

Regensburger Zeitung Nro. 26. Mittwoch, den 30. Januar 1833.

#Gemeinnützige Blätter (7.2.1833)

Miscellen.

Aus München, 24. Jan. »Auf dem lezten Museums-Ball hier entstand über eine Geringfügigkeit (es gibt keine Geringfügigkeiten) ein Ehrenstreit zwischen dem Cürassier-Junker Baron Keßling, und dem Studenten Rolla aus der Walachey; der Streit endigte gestern mit einem Duell zu Harlaching unweit München; Baron Keßling, lezter Sprößling einer reichen und angesehenen Familie, wurde in demselben erschossen; Rolla, ebenfalls reich, hat, samt den Secundanten und dem Arzt, sogleich die Flucht ergriffen. Nicht das Duell ist an diesem Unglück, sondern die Menschen sind am Duell Schuld.«

Gemeinnützige Blätter XI. 7. Februar 1833.

#Mährischer Wanderer (1835)

Zweikampf.

Ein sehr tragischer Vorfall trübte zu München die Freuden der erwachten Fastnacht 1833: Baron Keßling, Neffe des allgemein sehr hoch geachteten königl. Oberstallmeisters gleichen Namens, wurde von einem aus der Moldau gebürtigen Hrn. Rolla im Zweikampfe erschossen; ein Streit über das sogenannte Austanzen auf einem Museumballe gab Veranlassung zu diesem unseligen Duelle. Baron Keßling tanzte dann vorerst noch die ganze Nacht über auf einem Balle beim Minister der auswärtigen Angelegenheiten, wechselte früh am Morgen die Kleider, fuhr nach einem auf dem rechten Ufer der Isar bei der sogenannten Menterschwaige gelegenen Hölzchen, und wurde in demselben getödtet. Baron Keßling war Junker in dem daselbst garnisonirenden ersten Kuirassierregiment, er war ein schöner hoffnungsvoller Jüngling, dem ein sehr bedeutendes Vermögen zugefallen wäre. Rolla ist mit seinem Sekundanten entflohen; er war ein ruder junger Mensch, von nicht sehr gutem Rufe, daher es auch getadelt wird, daß sich Keßling überhaupt mit ihm schlug.

(Planet 1833, Nr. 39.)

Mährischer Wanderer. Spiegelbilder. Belehrung und Warnung in Beispielen. Brünn, 1835.

#Luise Freifrau von Kesling (vh) / von Wangenheim (gb)

* 3.8.1758
† 16.11.1830 (München)
Königliche Palastdame

#Münchener Conversations-Blatt (20.11.1830)

Am 16. Morgens um halb zehn Uhr ist die Freifrau Louise v. Kesling, geb. Freiin v. Wangenheim, königl. Pallastdame, Gemahlin Sr. Exzell. des Hrn. Oberststallmeisters, im siebzigsten Jahre ihres Alters gestorben. Vorgestern um 5 Uhr Abends fand die feierliche Beerdigung dahier statt.

Münchener Conversations-Blatt Nro. 324. München; Samstag, den 20.11.1830.

#AA – 24 (Freyberg · Freyberg-Eisenberg · Kesling)


Die Grabanlage besteht aus 4 Grabsteinen-/tafeln, die nachfolgend (entsprechend der Grabnummerierung der Alten Arkaden) von rechts nach links aufgeführt sind

I
Linke Spalte
Karl Freiherr von
Freyberg-Eisenberg
General d. Kav. z. D.
geb. 5.IV.1828, gest. 24.IV.1919.
Lucie Freifrau von
Freyberg-Eisenberg
geb. von Hardegg
geb. 12.VIII.1846, gest. 24.II.1924.

Mitte
Ludwig Freiherr von
Freyberg-Eisenberg
kgl. b. Major a. D.
geb. 21.I.1834, gest. 10.XII.1905.
Julius
Max Freiherr von
Freyberg-Eisenberg
kais. Bezirkspräsident a. D.
geb. 9.IX.1832, gest. 30.IX.1912.
Emma Freifrau von
Freyberg-Eisenberg
geb. von Koch-Sternfeld
geb. 3.VII.1844, gest. 23.IV.1889.

Rechte Spalte
Marie Freiin von
Freyberg-Eisenberg
geb. 22.III.1828, gest. 16.VI.1907.
Ludwig Freiherr von
Freyberg-Eisenberg
Hauptmann i. 3. Garde-Rgt. z. F.
Ritter d. Eis. Kreuzes u. hoh. Ord.
geb. 18.XI.1878, gest. den Heldentod
fürs Vaterland 26.IX.1914 an seinen
bei Saint-Quentin am 29.VIII.
erhaltenen Wunden.
Ernst Freiherr von
Freyberg-Eisenberg
geb. 16.II.1872, gest. 5.VI.1877.
Dr. phil. Josef Freiherr von
Freyberg-Eisenberg
geb. 21.X.1877, gest. 17.X.1928.

II
ALEXANDER
FREIHERR von FREYBERG
K. B. GENERALLIEUTNANT z. D.
GEB. ZU ANSBACH 2. APRIL 1821.
GEST. ZU THALKIRCHEN 20. OKT. 1894.
THEKLA
FREIFRAU von FREYBERG
GEB. FREIIN von FREYBERG
GEB. ZU MUENCHEN 8. APRIL 1850.
GEST. DASELBST 3. DEZEMBER 1914.

R. I. P.

III
Dem Andenken
der geliebten Gattin u. Mutter
gewidmet
von dem trauernden Gatten
und den trauernden Kindern
Karl, Max, und Wilhelm
Freyh. von Freyberg.
Hier ruhet die Gemahlin S. Ex.
des K. B. Oberststallmeisters
Louise Freyfrau von Kesling
geborne Freyin von Wangenheim
Pallast-Dame S. M. der Königin
und Ehrenmitglied des Theresien Ordens
geb. den 3. Aug. 1758. gest. den ¿ Nov. 1830.
Friede ihrer Asche
und
einstiges Wiedersehen!

IV
Johann Baptist Willibald des K. B. Freyherr v. Freyberg
und Eisenberg auf Allmedingen Altheim und Henberg.
Kurpfalzbayrischer Kammerer und geheimer Rath. uih
Fürstlich Freyhrgischer geheimer Rath, Oberst Jägermeister und
Haupt Pfleger zu Burgrhain, des Bayrischen
St. Georgii-Ordens ¿ gebohren den 2. July 1757.
starb den 27ten August 1796.
So edel an Herz als an Geburt,
So innig von Gattin Kindern und Freunden geliebt,
Als er sie libte ward er zu ihrem unvergeßlichen Schmerzen
zu bald entrissen. Er ruhe ewig wohl.


  • Freyberg-Eisenberg, Emma Freifrau von (vh) / Koch-Sternfeld, von (gb); 3.7.1844 – 23.4.1889
  • Freyberg-Eisenberg, Ernst Freiherr von; 16.2.1872 – 5.6.1877 (Metz), Tod durch Schlangenbiss; Kreisdirektors-Sohn
  • Freyberg-Eisenberg, Josef Freiherr von, Dr. phil.; 21.10.1877 – 17.10.1928
  • Freyberg-Eisenberg, Julius Max Freiherr von; 9.9.1832 – 30.9.1912; Bezirkspräsident a. D.
  • Freyberg-Eisenberg, Karl Freiherr von; 5.3.1828 – 24.4.1919; General
  • Freyberg-Eisenberg, Lucie Freifrau von (vh) / Hardegg, von (gb); 12.8.1846 – 24.2.1924
  • Freyberg-Eisenberg, Ludwig Freiherr von; 18.11.1878 – 26.9.1914; Hauptmann
  • Freyberg-Eisenberg, Ludwig Freiherr von; 21.1.1834 – 10.12.1905; Major a. D.
  • Freyberg-Eisenberg, Marie Freiin von; 22.3.1828 – 16.6.1907
  • Freyberg, Alexander Freiherr von; 2.4.1821 (Ansbach) – 20.10.1894 (München); Generalleutnant
  • Freyberg, Johann Baptist Willibald Freiherr von; 2.7.1757 – 27.8.1796; Kämmerer und Geheimrat
  • Freyberg, Marie Elektrine Freifrau von (vh) / Stuntz (gb); 24.3.1797 (Straßburg) – 1.1.1847 (München); Historienmalerin, Landschaftsmalerin, Portraitmalerin und Lithographin
  • Freyberg, Thekla Freifrau von (vh) / Freyberg, Freiin von (gb); 8.4.1850 (München) – 3.12.1914 (München)
  • Kesling, Luise Freifrau von (vh) / Wangenheim, Freiin von (gb) / Freyberg-Eisenberg, Freifrau von (vw); 3.8.1758 – 16.11.1830

Beerdigungsanzeige für Ludwig Freiherr von Freyberg-Eisenberg

Marie Elektrine Freifrau von Freyberg: Selbstbildnis. ca. 1836.

Marie Elektrine Stuntz (verheiratete Freifrau von Freyberg): Blatt aus »Mes leçons de mythologie«. München; 1810. Museen der Stadt Straßburg.

Marie Elektrine Stuntz (verheiratete Freifrau von Freyberg): Die Gipsmühle in Thalkirchen. Kreidelithographie, um 1814.

Marie Elektrine Stuntz (verheiratete Freifrau von Freyberg): Italienische Festung (Trente). ca. 1820. Museen der Stadt Straßburg.

Marie Elektrine Stuntz (verheiratete Freifrau von Freyberg): Detailstudie nach Raffaels Fresko »Die Vertreibung des Heliodor aus dem Tempel«, Stanza di Eliodoro, Vatikan. Städel Museum, Frankfurt am Main.

Monogramm-Variationen der Marie Elektrine Freifrau von Freyberg, geborene Struntz. Aus Georg Kaspar Nagler: Die Monogrammisten. München; 1860.

Marie Elektrine Freifrau von Freyberg, geborene Stuntz: Maria mit dem Kind. 1829. Bayerische Staatsgemäldesammlungen – Neue Pinakothek München.

Marie Elektrine Freifrau von Freyberg, geborene Stuntz: Blinder mit Kind. Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München.

Marie Elektrine Freifrau von Freyberg, geborene Stuntz: Kinderportrait (Natalie Stuntz, Nichte der Künstlerin). 1826. Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München.

Grab der Familien Freyberg · Freyberg-Eisenberg · Kesling auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2013)

Grab der Familien Freyberg · Freyberg-Eisenberg · Kesling auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

Grab der Familien Freyberg · Freyberg-Eisenberg · Kesling auf dem Alten Südfriedhof München (August 2013)

Grab der Familien Freyberg · Freyberg-Eisenberg · Kesling auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

Grab der Familien Freyberg · Freyberg-Eisenberg · Kesling auf dem Alten Südfriedhof München (August 2013)

Grab der Familien Freyberg · Freyberg-Eisenberg · Kesling auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2008)

Grab der Familien Freyberg · Freyberg-Eisenberg · Kesling auf dem Alten Südfriedhof München (August 2013)

#Freyberg-Eisenberg, Ernst Freiherr von

* 16.2.1872
† 5.6.1877 (Metz), Tod durch Schlangenbiss
Kreisdirektors-Sohn

#Illustrirte Bayerische Volkszeitung (17.6.1877)

Vermischtes.

Festung Metz in Lothringen. Durch einen Schlangenbiß und seine bedauerlichen Folgen ist eine Familie in tiefe Trauer versetzt worden. Herr Kreisdirektor und Bürgermeisterei-Verwalter Freiherr von Freyberg hatte am Sonntag einen Ausflug nach Gravelotte unternommen, und in der Umgegend dieses Ortes war es, wo der 5jährige Sohn desselben von einer giftigen Viper gebissen wurde. Wohl wurde die Wunde sofort sorgsam ausgesaugt, doch konnten weitere kräftigere Gegenmittel erst nach der Rückkunft nach Metz in Anwendung gebracht werden. Leider erwiesen sich dieselben als fruchtlos, denn in vergangener Nacht ist das arme Kind verschieden. Es ist dies seit wenigen Jahren der dritte Fall, daß Bisse giftiger Schlangen in hiesiger Umgegend zu verzeichnen waren.

Illustrirte Bayerische Volkszeitung Nr. 24. Sonntag, den 17. Juni 1877.

#Marie Elektrine Freifrau von Freyberg (vh) / Stuntz (gb)

* 24.3.1797 (Straßburg)
† 1.1.1847 (München)
Historienmalerin, Landschaftsmalerin, Portraitmalerin und Lithographin

#Journal des Luxus und der Moden (1812)

September 1812.

Kunst.

I.

Ueber die lythographischen Bilderhefte der Mlle. Stuntz in München.
(Mitgetheilt von einer Kunstfreundin.)

München im August 1812.

Schon seit geraumer Zeit zeugen die, aus den hiesigen lythographischen Kunstanstalten hervorgehenden Arbeiten von dem Werthe einer Erfindung, die anfänglich kaum ihr dürftiges Daseyn fortfristete, viel weniger je Einem die Idee rege machte, als sey ihr für die Zukunft ein schönes, selbstständiges Leben bestimmt. Seit der Erscheinung von Albrecht Dürer's, sich auf der hiesigen k. Centralbibliothek befindenden Handzeichnungen, welche Göthe im Jahre 1808 seiner ganz besondern Aufmerksamkeit in der Jenaer Literatur-Zeitung Stück 67 würdigte, sah man stets vollendetere Kunstproducte ans Licht treten, und es gebührt vorzüglich dem Institut der Herrn Strixner Piloty und Comp. das Lob, alles geleistet zu haben, und fortwährend noch zu leisten, was auch die strengsten Anforderungen eigensinniger Kunstrichter befriedigen kann. Man darf diese Anstalt mit gutem Gewissen die erste der Welt nennen; zumal da Baiern, und München insbesondere, als die Wiege und Nährerin der Erfindung des Steinzeichnens zu achten sind.

Aber nicht nur die Herausgabe trefflicher Copien der köstlichen Handzeichnungen, die sich in den Privat-Sammlungen Sr. Maj. des Königs von Baiern befinden, sondern auch ein zweites Unternehmen dieser Anstalt, oder vielmehr eines Mitglieds derselben, verdient besonders berücksichtigt zu werden, indem man lithographischer Kunst und Schöpfung gedenkt.

Es erscheinen nämlich seit einiger Zeit unter dem Titel: Mes leçons de Mythologie, Bilderhefte mit erläuterndem Text, die eine fortlaufende bildliche Darstellung der mythologischen Dichtungen nach chronologischer Zeitfolge enthalten. Die Verfasserin ist ein junges, l4jähriges Mädchen, Electrine Stuntz.

Die Verfasserin setzte sich ein hohes, schwer zu erreichendes Ziel. Ihre Bilder sollten keine Schöpfungen der Ueppigkeit seyn; sie sollten sich Jedem so zeigen, wie sie in der Idee der reinen Bildnerin hervor traten. Das schöne Gewand zarter Weiblichkeit sollte der Fabel umgeworfen werden, die aus dem Schoose eines üppigen Volkes hervor gieng, und später (in unsern Zeiten erst strahlt helleres Denken über diesen Punkt), durch unzarte Erklärer und Deuter noch mehr in den Staub gezogen wurde.

Auf die erste Ankündigung dieses Unternehmens mochte wohl Mancher tadelnd über dasselbe, als nicht vereinbar mit weiblichem Sinn und weiblicher Sitte, die Achseln gezuckt haben, zumal da die Jugend der Verfasserin eine Schwierigkeit mehr der wirklichen Ausführung ihrer schönen Idee, in den Weg legte. Sie besiegte mit ihrem ersten Heft die Ungläubigen auf eine glänzende Weise, und gab zugleich den Freunden und Schützern des aufblühenden Talentes Ansprüche auf die Erfüllung der schönen Hoffnung, in ihr der Kunst eine preiswürdige Schülerin reifen zu sehn.

Die Uebersicht ihrer bisher gelieferten Blätter in Bezug auf Idee und Ausführung, soll unsern Lesern, wenn nicht Beweis des Gesagten, den sie nur durch eignes Anschaun erhalten können, doch wenigstens einen Begriff von der Weise geben, wie sie die darzustellenden Gegenstände aufgefaßt hat, um sie ihrem Zwecke zu vereinigen.

[…]

Wir haben nun den Cyklus der bis jetzt erschienenen Hefte vollendet. Nicht die Werke einer Anfängerin nur sind es, die wir so ausgezeichnet zu würdigen gedachten, sondern die Zeugen eines erwachenden Genies, zu dessen Reife wir, wenn anders günstige Umstände sein Fortschreiten unterstützen, in diesen armen Zeiten freudiges Vertrauen hegen dürfen.

Dieselbe Künstlerin liefert Blätter in Federzeichnungs-Manier, zu einer Bearbeitung der Nibelungen, die in München heraus kommen wird.

Journal des Luxus und der Moden. Weimar; September 1812.

#Journal für Literatur, Kunst, Luxus und Mode (1815)

Junius 1815.

VI.
Kunst.

Kunst-Nachrichten aus München. – Neueste Gemälde der Dlle. Electrine Stuntz.

Es bleibt der Kunst aufbehalten, die Hand der Bekräftigung und Verwirklichung auf manche religiöse Dogmen und Mythen zu legen, und durch ihre Gestaltungen das auszudrücken, was alle Figuren der Redner nicht anschaulich zu machen im Stande sind: vor Allem aber ist es der Malerei gegeben, das Wort lebendig, das Unbegreifliche begreiflich, das Unkörperliche körperlich darzustellen, und dadurch dem Menschen alles Geistige näher zu bringen, daß sie seine Ideen gleichsam personifizirt.

Der Katholicismus ist fruchtbar an dergleichen, aus dem Reiche des Uebernatürlichen genommenen Gegenständen. Wir rechnen dazu das Dogma von der unbefleckten Empfängniß Maria, welcher Gegenstand an und für sich ganz und gar nicht geeignet scheint zu irgend einer bildlichen Darstellung, sey es auch auf eine allegorische Weise. Aber gerade an solchen Vorwürfen zeigt sich die Sublimität der Kunst, und große Meister haben schon durch ihre Behandlung derselben bewiesen, wie innig sich die Wahrheit der Darstellung mit der des dargestellten Gegenstandes vereinigen lasse. Doch gehört es einem zarten jungfräulichen Gemüthe zu, die schöne Poesie in dem Englischen Grusse so aufzufassen, wie sie uns als Schönheit und Wahrheit zugleich und allseitig befriedigend vor die Augen tritt.

Davon überzeugt uns ein Oelgemalde der Dlle. Electrine Stuntz, welches den Englischen Gruß vorstellt. Dieses Gemälde (Kniestück, in Lebensgröße 25 franz. Zoll hoch und 36 Zoll breit) ist von so großer Schönheit in Zeichnung, Composition und Colorit, daß es schwer hält, dasselbe mit bloßen Worten zu beschreiben. Was ein zartes Gemüth in Stunden der Weihe gefühlt, woran es mit inniger Liebe gehangen, offenbart sich in den zwei göttlichen Gestalten des Engels und der Jungfrau. In den klaren, blauen Augen der Letztern, wie sie so kindlich fromm und treu-ergeben, und dennoch so begeistert von jener Andacht, von der sich sagen laßt, sie vermähle uns mit dem Ueberirdischen, nach dem himmlischen Boten blicken; in ihren holden, und dennoch ernsten Mienen erscheint uns wirklich ein Wesen höherer Art, ein Wesen, das wir uns wohl denken konnten, ohne es je mit den Augen der Sinne zu erblicken. Dasselbe gilt von dem Engel, dessen majestätische und doch unbeschreiblich liebreizende Züge uns Alles zurückrufen, was wir einst in seligen Träumen von überirdischen Wesen geschaut. Die Jungfrau befindet sich im Lichte, während der sich zu ihr neigende Engel im Schatten schwebt. Die Mitteltinten, die halb- und ganz dunkeln Partien sind trefflich gehalten, und ein genaues Studium der Carnation nicht zu verkennen. Die Kunstgröße läßt sich leicht voraussehen, wenn auch nicht ermessen, die ein solcher Anfang verkündigt, denn noch ist diese Künstlerin nicht 18 Jahre alt, und hat nie einer andern Leitung, als der ihres, freilich sehr kenntnißreichen Vaters, des rühmlichst bekannten Landschaftmalers Stuntz genossen. Was muß nicht aus ihr werden, gesellt sich erst die Erfahrung zu ihrem Genie, wird ihr unermüdlicher Forschungsgeist mehr durch vielfältigeren Umgang, durch Lectüre, und hauptsächlich durch die Gelegenheit zum Ziele geführt, nach der Natur arbeiten und ihre geistreichen Phantasien darnach berichtigen zu können! Sie besitzt jetzt schon eine ganz besondere originelle Farbentechnik, und der in ihren Gemälden sichtbare Fleiß läßt sich einzig mit dem der altteutschen und altniederländischen Maler vergleichen. Man kann sagen, das Gefühl führe ihren Pinsel, und ein so richtiges und schönes Gefühl, das dem Wunsche keinen Raum mehr läßt. Alle starken, grellen Pinselstriche, wodurch einige unter den heutigen Malern, Rubens und andere große Meister nachahmend, ihre Genialität zeigen wollen, sind selbst da aus ihren Gemälden verbannt, wo sie nicht ohne Wirkung seyn würden. Sie arbeitet nicht auf den Effect, und doch wirkt er unausbleiblich und stärker, als alle Pinselstreiche unserer sogenannten Genies.

Eben so weit entfernt ist sie von einer andern Mode, die unter den jetzigen Malern einzureißen beginnt, und im eigentlichen Verstande einreißt und wegwirft, was Jahrhunderte mühsamer Forschung im Gebiete der Kunst entdeckten, um sie wissenschaftlich zu begründen. Man könnte es die kindische Manier nennen, obgleich sie als Nachahmung des Naiv-Frommen der altteutschen und altitalienischen Schulen kindlich und nicht kindisch seyn möchte. Diese Manier schließt alle Kenntniß der Perspective, der Anatomie und der Optik aus, und man kann auf diesem Wege wirklich sehr bequem zu Ruhm und Ehren gelangen, zumal leider auch talentvolle Künstler ihr schwer erworbenes Wissen von sich werfen, um dieser Mode und den Launen der sogenannten Liebhaber zu fröhnen, deren geringste Sünde es ist, Alles, was den wahren Vortheil der Kunst betrifft, über ihre Einfälle zu vergessen. Die Ansichten dieser Menschen richten sich meistens nach ihrem Umgange und ihrer Lectüre, und da es der umgehenden und schreibenden Narren so viele giebt, wechseln sie jene eben so oft, als eine neue Narrheit zum Vorschein kommt. Der Werth, den diese Nachahmungen der Nachahmung, wie sie Manlich gar treffend nennt, in den Augen der Liebhaber hat, ist von kurzer Dauer, vorübergehend wie ihre Launen, nur das wahrhaft Kunstgemäße lebt durch alle Zeiten, und krönt das Verdienst des Künstlers durch sich selbst, und durch den Beifall, den es sich in den Augen aller Kunstgenossen und Kunstfreunde erwirbt. Es ist diesen bei'm Anblick eines nach den Regeln der Kunst erschaffenen Bildes gerade, als wären sie durch eine lange Galerie schlechter Copien gewandert, und erblickten nun zuletzt noch ein schönes Originalgemälde, über welches sie sich freuen, und an dem sie sich von ihrer unbehaglichen Wanderung erholen können. Und gerade dieß Gefühl der Erholung nach einer ausgestandenen Mühseligkeit war es, welches Referent empfand, als er dieß erwähnte Gemälde der Dlle. Stuntz, und noch ein anderes, Madonna mit dem schlafenden Jesuskinde erblickte. Nicht ohne Bedauern, über das letztere nicht weitläuftiger seyn zu können, schließen wir diese Anzeige, welche, wie wir hoffen, dazu beitragen wird, die Ausmerksamkeit des Publicums auf ein Talent zu richten, welches einst ein Stern erster Größe am Kunsthimmel aufgehen wird.

Journal für Literatur, Kunst, Luxus und Mode. Weimar; Juni 1815.

#Journal für Literatur, Kunst, Luxus und Mode (1815)

September 1815

Kunst-Nachrichten aus München.

Bei dieser Gelegenheit muß ich auch eines Besuches erwähnen, den II. MM. die Kaiserin von Rußland [Elisabeth Alexejewna], unsere Königin [von Bayern, Karoline Friederike Wilhelmine], und I. K. H. die Herzogin von Zweibrücken im Atelier der Dlle. Elektrine Stunz machten. Die Absicht der allerhöchsten Herrschaften war es nämlich, sich über die Kunst des Steinzeichnens und Druckens genauere Kenntnisse zu verschaffen. II. MM. verweilten beinahe eine Stunde im Kreise dieser liebenswürdigen Familie; ein Sohn, Joseph Hartmann, den Sie vielleicht aus einer Recension in der Leipz. Musikal. Zeitung als einen sehr geschickten Tonsetzer kennen gelernt haben, befand sich gerade von einer Schweizerreise wieder auf kurze Zeit bei den Seinigen. Die Herrschaften unterhielten sich mit unbeschreiblicher Huld mit Allen über Gegenstände der Kunst und die besondern Interessen der Familie, wobei sie sich genau von Allem unterrichteten, was zur Lythographie gehört. Sie besahen auch die Malereien der Künstlerin, und bezeigten derselben die schmeichelhafteste Zufriedenheit. Es mußte vor Ihren Augen gezeichnet und gedruckt werden, und I. M. die Königin zeichneten mit eigner Hand die Umrisse eines Blumenkörbchens auf einem, zu dem mythologischen Werke der Elektrine Stunz gehörigen Stein. Der Kaiserin von Rußland Maj. ließen der Dlle. Stunz ein kostbares Halsband-Schloß von Brillanten, in deren Mitte sich ein sehr großer blaß-rother Rubin befindet, (welche I. M. selbst getragen haben,) und dem Hrn. Hartmann Stunz eine goldene Uhr mit der Kette einhändigen.

So viel für heute, Leben Sie wohl.

Journal für Literatur, Kunst, Luxus und Mode. Weimar; September 1815.

#Journal für Literatur, Kunst, Luxus und Mode (1817)

Oktober 1817.

IV.
Kunst.

1. Kunstnachrichten aus München.

Eine langwierige, schwere Krankheit, in welcher die Verehrer wahrer Kunst oft bebten, eine ihrer herrlichsten Kunstblüthen abfallen zu sehen, ehe sie sich ganz in ihrer Pracht entfaltet, hinderte Elektrinen Stuntz, diese hoffnungsvolle, bescheidene Künstlerin, ihre begonnenen Arbeiten zu vollenden. Dennoch hat sie in diesem Jahre eine Charitas, von herrlichem Colorit und eine der lieblichsten Compositionen, ein wahrhaft Raphaelisches Bild, das Portrait des General Grafen Jos. Rechberg, Gesandten Sr. M. am Berliner Hofe, und zwei Landschaften vollendet, welche beweisen, wie sehr die Künstlerin auch in diesen Fache der Malerei unter der Leitung ihres geschickten und einsichtsvollen Vaters gewonnen. Wir hoffen in diesem Blättern Raum zu finden, diese schönen Gemälde ausführlicher zu beschreiben, wenn anders eine bloße Beschreibung es vermag, den überirdischen Farbenglanz, den Duft, das Verschwimmen der Töne von Licht, Schatten und Halbschatten, alle jene Eigenthümlichkeiten zu versinnlichen, welche die Magie des Colorits ausmachen, wodurch sich diese, in ihrem Fache ganz originelle, Künstlerin vor vielen Neueren so vortheilhaft auszeichnet.

Journal für Literatur, Kunst, Luxus und Mode. Weimar; Oktober 1817.

#Monogrammen-Lexikon (1831)

Künstlerinnen, welche schon vor ihrer Verheirathung Kunstruhm sich erworben hatten, setzten in diesen seltnen Fällen ihrem angeheiratheten Namen noch ihren ursprünglichen Familiennamen bei; so bezeichnete sich z. B. als geborne Stunz die zu München lebende, durch ihre Oelgemälde, Lithographien und Kupferätzungen rühmlich bekannte Electrine v. Freiberg.

Joseph Heller: Monogrammen-Lexikon enthalten die bekannten, zweifelhaften und unbekannten Zeichen, so wie die Abkürzungen der Namen der Zeichner, Maler, Formschneider, Kuferstecher, Lithographen u. s. w. mit kurzen Nachrichten über dieselben. Bamberg; 1831.

#Neues allgemeines Künstler-Lexicon (1837)

Freyberg, Elektrine Freifrau von, eine berühmte Künstlerin, die 1797 zu Strassburg geboren wurde. Von der Natur zur Kunst aufgefordert, fand sie schon als Kind am Zeichnen Lust, und geleitet von ihrem Vater, dem Landschaftsmaler Johann Stuntz, erkräftigte sie sich immer mehr. Sie wählte das historische Fach, und hierin entwickelte sie ein tiefes poetisches Gefühl. Zu ihrer Bildung trugen auch Reisen in Frankreich und Italien bei, und besondern Nutzen zog sie aus ihrem Aufenthalte in Rom, wo die Künstlerin von 1821 bis 1822 verweilte. Sie wurde auch Ehren-Mitglied der Akademie von S. Luca, da man schon damals in Rom ihren grossen Werth anerkannte, und gegenwärtig behauptet sie in der Kunstgeschichte einen weit höheren Hang als die gepriesene Angelica Kaufmann. Frau von Freyberg übertrifft diese Künstlerin an Ernst der Gedanken, an Correktheit und Adel des Styls und in der Ausführung beurkundet sie eine Meisterhand. Im Colorite haben alle ihre Bilder einen mehr oder minder bräunlichen Ton, der jedoch weder der Wahrheit der Carnation, noch der Kraft der übrigen Farben Schaden thut, und ein überaus wohlthuendes Helldunkel bewirkt. In der Mischung der Farben besitzt sie tiefe Einsicht, und sie weiss diese besonders angenehm und markig aufzutragen.

Diese Künstlerin malt mit Erfolg Landschaften und Portraite, aber doch ist es besonders die Historie, in welcher sie sich mit Vorliebe bewegt. Ihre Madonnen sind von hoher Schönheit, Anmuth und Lieblichkeit, und der Ausdruck aller ihrer Figuren ist tief gefühlt, doch fern von aller Sentimentalität, nach Massgabe ernst und naiv, immer wahr. Man bewunderte mehrere ihrer Bilder auf den öffentlichen Kunstausstellungen, denn sie gehören immerhin zu den besten Erzeugnissen der modernen Kunst, und dabei sind sie in Form und Gestalt von einer Lieblichkeit, die stets das Auge fesselt.

Elektrine Stuntz trat 1823 mit dem Baron Wilhelm von Freyberg in ein eheliches Verhältnis, und so widmet sie jetzt ihre Zeit in München der Kunst und ihrer liebenswürdigen Familie. In letzterer Zeit beschäftigte sie sich mit mehreren Gemälden von bedeutender Dimension.

Man hat auch kleine geätzte Blätter von ihrer Hand und auch in der Lithographie hat sie sich versucht. Ein kleines Blatt mit der Vermählung der heil. Jungfrau ist mit E. bezeichnet, auf den meisten ihrer Gemälde aber ist ein Monogramm, das Elektrine von Freyberg, geborne Stuntz bedeutet.

Dr. G. K. Nagler: Neues allgemeines Künstler-Lexicon oder Nachrichten von dem Leben und den Werken der Maler, Bildhauer, Baumeister, Kupferstecher, Formschneider, Lithographen, Zeichner, Medailleure, Elfenbeinarbeiter, etc. München; 1837.

#Kunst-Blatt (16.8.1838)

Nachrichten vom Juni.

Versteigerungen.

München, 7. Juni. Die in diesen Tagen stattgehabte Versteigerung der auserlesenen Gemäldesammlung des verstorbenen Barons E. v. Eichthal, welche größtentheils Werke hiesiger Künstler enthielt, erregte ungewöhnliche Theilnahme, und die Bilder von P. Heß, Rottmann, Alb. Adam, v. Bayer, Dom. Quaglio, Weller etc. wurden zu bedeutend hohen Preisen verkauft. Die Madonna einer talentvollen Dilettantin, Elektrine von Freyberg, erstand der Herzog Max von Leuchtenberg um 1850 fl.

Kunst-Blatt No. 66. Donnerstag, den 16. August 1838.

#Die bildende Kunst in München (1842)

Elektrine, Freifrau von Freyberg,

geboren 1797 zu Straßburg, ist die Tochter des Landschaftmalers Johann Stuntz, welcher zu seinem Aufenthalt München wählte, in dessen Nähe er zu Thalkirchen ein Landgütchen, die jetzige verschönerte Villa Freyberg besaß. Sie widmete sich frühe der Kunst und bildete ihre herrlichen Anlagen in München, dann auf Reisen in Frankreich und Italien, vorzüglich während eines längeren Aufenthaltes in Rom, aus. Von der Natur mit einem tiefen poetischen Gefühle beglückt wußte sie ihre innersten Anschauungen bald mit einem zarten Pinsel voll Geist und Leben vorzutragen, daß ihre Bilder überall die verdiente Anerkennung fanden und sie schon während ihres Aufenthaltes in Italien zum Ehrenmitglied der Akademie von St. Luca ernannt wurde.

Wie ihr Leben selbst vom poetischem Geiste durchdrungen ist – nach einer durch viele Hindernisse schwer geprüften und von beiden Seiten mit romantischer deutscher Treue bewährten Liebe vermählte sich im J. 1821 mit der liebenswürdigen Künstlerin der wackere Freiherr Wilhelm von Freyberg, – so weiß sie die zartesten Gefühle mit jungfräulicher Anmuth und Wahrheit zu schildern, und in jedem Beschauer die Gefühle der stillen Freude, der Andacht und Liebe durch ihre Darstellung zu erwecken.

Mit welchem zarten Pinsel ist der Besuch der Frauen am Grabe des Heilandes geschildert, wie ihnen der auf dem Rande des geöffneten Grabes sitzende Engel die fröhliche, kaum glaubliche Botschaft verkündet, und die eine der Frauen, deren aufgelöstes Haar die Eile ihrer Annäherung bezeichnet, mit dem Salbengefäße in den Händen, am Grabe in stiller Freude niedersinkt, während die beiden anderen noch wie zweifelnd stehen. Das schöne Bild war schon längst für die Leuchtenbergische Galleite erworben und ist jetzt durch den Steindruck von Strixner allgemein bekannt.

Wer erinnert sich nicht an die schöne Madonna, die jetzt ebenfalls für die Leuchtenbergische Gallerie erworben ist? Wie ist die anmuthvolle Mutter (in halber Lebensgröße ausgeführt) im Anblicke des göttlichen, blonden Kindes beseligt, das vor ihr steht und in eben so milden als kräftig warmen Fleischestönen gehalten ist? Wie lieblich naiv ist in einem anderen Bilde der Hirtenknabe, welcher die Flöte bläst! Wie edel das kleine Brustbild einer betenden Madonna! Wie oft, treu und wahr und beseligend schilderte die Künstlerin nicht die Mutterliebe in der Madonna, welche sie mit dem göttlichen Kinde in den mannichfaltigsten Gruppen darstellte! So in einem Bilde, wie sie, in einer Rebenlaube sitzend, das Kind auf ihrem Schooße hält, welches den vor ihm stehenden kleinen Johannes liebkosend umfängt. Sinnend und voll inniger Freude ruht der Blick der Mutter und jedes Beschauers auf der schönen Gruppe.

Eigenthümlich ist der Künstlerin der mehr oder minder bräunliche Ton, welchem sie ihre Gemälde wie in einem zarten Grundtone zu halten pflegt.

Prof. Dr. Johann Michael Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.

#Allgemeine Zeitung (5.1.1847)

München, 8 Jan. Sie haben bereits erwähnt wie am ersten Tage des neu eingetretenen Jahres aus unserer Mitte ein edler Geist den Flug in die Heimath erhoben. Electrine Freifrau v. Freyberg, geb. Stunz aus Straßburg, wurde durch den Tod einer liebenden Familie, sie verehrenden Freunden, und der edlen Kunst der Malerei entrissen. Wenige ihrer Werke sind zwar in die Oeffentlichkeit gekommen, diese wenigen aber sprechen rühmlich, wenn auch nicht genügend, den hohen Kunstberuf, die Meisterschaft und das innige Gemüth ihrer Urheberin aus. Die ganze Bedeutsamkeit der Leistungen der Verstorbenen konnte nur jener ganz würdigen dem das Glück geworden war in ihre Häuslichkeit zu gelangen. Von den Wänden ihrer Gemächer zeugen zahlreiche Gemälde, Zeichnungen, Skizzen und Cartons von der ächten Kunstweihe der edlen Frau. Ein Künstler, den viele den größten seiner Zeit nennen, sagte von ihr: »Sie übertrifft die Angelica Kauffmann, und ist überhaupt als das bedeutendste Kunsttalent das noch unter dem Frauengeschlechte sich hervorgethan, zu betrachten.«

Allgemeine Zeitung Nr. 5. Augsburg; Dienstag, den 5. Januar 1847.

#Kunstblatt (18.3.1847)

Nekrolog.

München. Am 1. Januar starb hier nach langen Körperleiden, allgemein betrauert, die Freifrau Electrine v. Freyberg, geb. Stuntz, Gattin des k. Viceoberstallmeisters Frhrn. Wilhelm v. Freyberg, welche mit seltenen Vorzügen des Geistes und Herzens auch ein ausgezeichnetes Talent zur Malerei verband. Mehrere ihrer geschätzten Bilder sichern ihr auch in der Kunstwelt ein dauerndes Andenken. Sie war Ehrenmitglied der römischen Akademie von San Luca. Ihr Alter brachte sie bis ins 50ste Lebensjahr.

Kunstblatt Nr. 13. Donnerstag, den 18. März 1847.

#Conversations-Lexikon für Bildende Kunst (1848)

von Freyberg, Elektrine, geb. 1797 zu Strassburg, † am 1. Januar 1847, war die Tochter des Landschaftsmalers Johann Stuntz, der 1808 von Strassburg nach München übersiedelte, bildete sich früh unter väterlicher Leitung zur Künstlerin, besuchte 1821–22 Italien, wo infolge ihrer Anschauung der Werke Raffaels und andrer Heroen der Malerei ihr Sinn für religiöse Kunst zur Reife gedieh, und entfaltete darauf bald eine solche Kunstkraft, dass sie als Historienmalerin zu den vorzüglichsten künstlerischen Namhaftigkeiten, welche je in der Frauenwelt erstanden sind, gezählt werden konnte.

Mit ihrer Kunstbegeistrung verband sich aber aufs Schönste das zarteste weibliche Liebegefühl, das ihrem Leben und Streben den poetischen Hauch verlieh.

Nach einer durch viele Hindernisse schwergeprüften und beiderseits mit deutschromantischer Treue bewahrten Liebe vermählte sich Elekrine Stuntz in den ersten Zwanzigern des Jahrh. mit dem Freiherrn Wilhelm von Freyberg, mit dem sie in München sowie auf ihrem väterlichen Erbe, dem unweit der Stadt liegenden Landgütchen zu Thalkirchen, das zur »Villa Freyberg« verschönert ward, das gemüthlich befriedetste Leben führte, bis sie endlich in ein Körperleiden verfiel, dem sie unter allgemeiner Betraurung erlag.

In Ihren Bildern wusste sie mit jugendlicher Anmuth und Wahrheit die zartesten Gefühle zu schildern. In der Leuchtenbergschen Gall. zu München ist Ihre wunderschöne Schilderung des »Frauenbesuchs am Grabe des Heilands.« Den heil. Frauen verkündet der auf dem Rande des geöffneten Grabes sitzende Engel die fröhliche, kaum glaubliche Botschaft; die eine der Frauen, deren aufgelöstes Haar die Eile ihrer Annäherung bezeichnet und die das Salbengefäss in Händen hat, sinkt am Grabe in stiller Freude nieder, während die beiden andern noch wie zweifelnd dastehen. (Verbreitet ist dies Bild durch eine Steichzeichnung von Nep. Strixner.) In ders. Gall. ist von ders. Künstlerin eine anmuthreiche Muttergottes in halber Lebensgrösse. Die schöne Madonna erscheint beseligt im Anblicke des göttlichen blonden Kindes, das vor ihr steht und in ebenso milden als kräftig warmen Fleischtönen gehalten ist.

Edel ist auch ihr kleines Brustbild einer betenden Madonna und ein Wonnebild der Mutterliebe bietet die Madonna in der Rebenlaube, wo sie das Kind auf ihrem Schoose hält, welches den vor ihm stehenden kleinen Johannes liebkosend umfängt. Sinnend und voll inniger Freude ruht der Blick der Mutter und jedes Beschauers auf der schönen Gruppe. (Auch Volksstücke kennt man von Elektrinens zartem Pinsel, z. B. das lieblich naive Bild des flötenden Hirtenhuben.)

Eigenthümlich ist Elektrinens Gemälden der mehr oder minder bräunliche Ton, in welchem dieselben wie in einem zarten Grundtone gehallen sind. Der Ruf ihrer Leistungen erwarb der Malerin, als sie in Rom verweilte, die Ehrenmitgliedschaft der Akademie von San Luca.

Valentin Schertle lithographirte nach ihr die Mad. mit dem Kinde, welche Hr. von Eichthal zu München besitzt; U. Köhler lithographirte eine Charitas, und die Meisterin selbst zeichnete auf Stein eine knieende Muttergottes.

Friedrich Faber: Conversations-Lexikon für Bildende Kunst. Leipzig, 1848.

#Neuer Nekrolog der Deutschen (1849)

Maria Elektrina Freifrau v. Freyberg, geb. Stunz, zu München; geb. im Jahr 1798, gest. d. 1. Jan. 1847.

Sie war zu Straßburg im Elsaß geboren, die Tochter des Landschaftsmalers Johann Stunz, der sich später zu München oder vielmehr in dessen Nähe ansiedelte, wo er ein Landgütchen sich erwarb, die jetzige verschönerte Villa Freyberg zu Thalkirchen.

Schon früher entwickelte sich bei ihr das Talent und die Liebe zur Kunst, der sie sich denn auch mit ganzer Seele widmete und in welcher ihr der Vater den ersten Unterricht ertheilte und sie zum thätigen Fortschritt ermunterte. Sie bildete ihre herrlichen Anlagen zuerst in München, dann auf Reisen in Frankreich und Italien aus, vorzüglich aber in dem mit Kunstwerken aller Art so reich begabten Rom, wo sie sich längere Zeit aufhielt.

Ihre Bilder, die sie mit wahrem poetischen Gefühl und mit zartem Pinsel voll Geist und Leben ausführte, fanden bald die verdiente Anerkennung und schon während ihres Aufenthaltes in Italien wurde sie zum Ehrenmitgliede der Akademie von St. Lucas ernannt.

Sie vermählte sich im J. 1821 mit Wilhelm Freiherrn v. Freyberg, königl. bayer. Kämmerer und Viceoberststallmeister, nachdem ihre gegenseitige treue Liebe die Hindernisse besiegt hatte, die ihnen durch Verwandte von beiden Seiten entgegengestellt worden waren. Sie wußte die zartesten Gefühle mit einer unbeschreiblichen Anmuth und Wahrheit darzustellen, daß in jedem Beschauer die Gefühle der reinsten Freude, der Andacht und Liebe erweckt werden. Wie zart und sinnig ist der Besuch der Frauen am Grabe des Heilandes geschildert, wie ihnen der am Grabe sitzende Engel die fröhliche, kaum glaubliche Botschaft verkündet und die eine der Frauen, deren aufgelöstes Haar die Eile ihrer Annäherung bezeichnet, mit dem Salbengefäße in den Händen, am Grabe in stiller Freude niedersinkt, während die beiden Anderen noch wie zweifelnd stehen. Dieses schöne Bild ist schon längst eine Zierde der leuchtenberg’schen Galerie und wurde von Strixner durch Steindruck vervielfältigt und dadurch allgemein verbreitet.

Wer nur einmal obenerwähnte Galerie besuchte, erinnert sich gewiß noch an die schöne Madonna (in halber Lebensgröße ausgeführt) von dieser liebenswürdigen Künstlerin.

Eben so anmuthvoll und edel sind noch viele andere Bilder von ihr, die alle einzeln aufzuführen und zu beschreiben, der Raum dieser Blätter nicht gestattet. Zu früh wurde sie ihrem schönen Wirken und ihrer sie so innig liebenden Familie durch den Tod entrissen.

Sie starb nach schwerem Leiden einer langwierigen Abzehrungskrankheit als gottergebene Dulderin und hinterließ ihrem Gemahle, der sie stets mit innigster Zärtlichkeit liebte, vier hoffnungsvolle Kinder, drei Söhne und eine Tochter.

Neuer Nekrolog der Deutschen. Weimar, 1849.

#Die Monogrammisten (1860)

1570. Elektrine, Freifrau von Freyberg, geborne Stuntz. geb. zu Strassburg 1797, gest. zu München 1847, gehört zu den gemüthvollsten Künstlerinnen ihrer Zeit. Schülerin ihres Vaters, des Landschaftsmalers Johann Stuntz, malte sie anfangs ebenfalls Landschaften in der Weise jener französischen Meister, welche zur Zeit ihrer Anfänge das Feld behaupteten. Ein längerer Aufenthalt in Rom führte sie aber auf das Gebiet der religiösen Malerei, welche sie mit grösster Zartheit und Liebe pflegte. Oft schilderte sie die Mutterliebe in der Madonna mit dem göttlichen Kinde, und zwar in den mannigfaltigsten Gruppen. Eines der schönsten Gemälde dieser Art, die hl. Jungfrau in halber Lebensgrösse mit dem vor ihr stehenden Kinde, kam mit der Gallerie des Herzogs von Leuchtenberg in letzter Zeit nach St. Petersburg. Ein zweites Bild, welches die heil. Frauen am Grabe des Heilandes vorstellt, ging denselben Weg. Letzteres ist von Strixner lithographirt, und von J. Muxel für das Leuchtenbergische Galleriewerk zart radirt, so wie die Madonna mit dem Kinde. Die Madonna mit dem Kinde in der Sammlung des Baron von Eichthal zu München ist von V. Schertle lithographirt, gr. fol. Eine knieende Maria mit dem Kinde hat die Künstlerin selbst lithographirt, gr. fol. Ein liebliches Bild der Charitas ist durch die Lithographie von H. Kohler bekannt, gr. fol. Der Gatte der Künstlerin, Baron Wilhelm von Freyberg in München, besitzt noch mehrere Gemälde und Zeichnungen von der Hand derselben. Darunter ist das lebensgrosse Bildniss der Künstlerin von feinster Vollendung, und ein sehr zartes Bild der Geburt des Johannes mit dem Monogramme und der Jahrzahl 1829, so wie ein Gemälde mit der Madonna und den beiden Kindern in einer Landschaft, in der Weise Rafael's componirt und gemalt. Auch dieses Gemälde ist mit dem Monogramme und der Jahrzahl 1826 versehen. Es kommt überhaupt auf den meisten Gemälden und Zeichnungen der Künstlerin vor, gewöhnlich in Cursiven, und mit der Jahrzahl. Der Buchstabe F ist nur selten durch den charakteristischen Querstrich angedeutet, so dass man auch E T lesen kann. Die Grösse ist nicht durchgehends gleich. Auf Gemälden ist das Cursivmonogramm öfters grösser, es stimmt aber mit den obigen Zeichen, welche wir nach Radirungen copirt haben.

Die radirten Blätter der E. von Freyberg sind nicht häufig, da sie nicht in den Handel kamen. Wir kennen folgende:

  1. Die drei musicirenden Mädchen vor dem Wirthshause unter dem Baume. Das eine spielt die Harfe, das zweite am Baume die Violine, und das zwischen beiden sitzende Mädchen hält ein Notenbuch. Rechts oben ist das zweite Zeichen. H. 4 Z. 11 L. Br. 6 Z. 4 L.
  2. Ein die Schalmey blasender Knabe vor einer Mauer, an welcher links Schlinggewächse wuchern. Das Gemälde besitzt Baron von Freyberg, indem es das Bildniss seines Sohnes gibt. Links oben ist das dritte Zeichen mit der Jahrzahl 1824. H. 5 Z. 9 L. Br. 4 Z.
  3. Die drei Kinder unter der Weinlaube, in einem an die Antike streifenden Costüme. Der Knabe spielt die Lyra, das gegenüber stehende Mädchen hält eine Rolle, und der zweite sitzende Knabe malt. Links unten das Cursivzeichen mit der Jahrzahl 1825. Höhe 6 Z. Breite 4 Z. 2 L.
  4. Christus stehend, in ganzer Figur. Original-Lithographie. Rom den 22. Februar 1822. 8.
  5. Die Verlobung Mariä. Original-Lithographie, 8.
  6. Maria mit dem Kinde knieend. Original-Lithographie, gr. fol.

Die Monogrammisten und diejenigen bekannten und unbekannten Künstler aller Schulen, welche sich zur Bezeichnung ihrer Werke eines figürlichen Zeichens, der Initialen des Namens, der Abbreviatur desselben etc. bedient haben.

#Allgemeine Deutsche Biographie (1878)

Freyberg: Elektrine Freifrau v. F., geb. Stuntz, Historienmalerin, geb. in Straßburg am 24. März 1797, gest. in München am 1. Januar 1847. Durch Schönheit und Geist, wie Talent gleich ausgezeichnet, bildete diese zu ihrer Zeit berühmte Frau sich erst in Straßburg und Paris, dann in München unter dem Einflusse Langer’s und besonders in Rom aus, wo sie 1821–22 verweilte, und Overbek auf sie wirkte. Indeß zeigt sie in ihren Madonnen und sonstigen fast ausschließlich kirchlichen Bildern keineswegs seine Sentimentalität, sondern ist frischer und naiver, freilich auch ohne die Innigkeit seines religiösen Gefühls. Nach der überlegenen Marie Ellenrieder war sie jedenfalls eine der bedeutendsten Malerinnen ihrer Zeit in Deutschland, und eine Madonna mit Kind, die sich nebst zwei anderen Bildern in der neuen Pinakothek in München neben Overbek’s heiliger Familie wohl behauptet, legt von ihrer damals ungewöhnlichen technischen Geschicklichkeit, wie ihrer zierlich anmuthigen Auffassung Zeugniß ab. Auch die Leuchtenberg’sche Gallerie in Petersburg enthält ein Bild von ihr, viel Anderes ist in Privatsammlungen zerstreut.

Friedrich Pecht: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1878.

#Beilage zur Augsburger Zeitung (8.1.1898)

Jubiläumsstreifzüge durch die Kunst- und Literaturwelt.
Von Al. Zottmann.

I. Kunst.

Den Schluß der deutschen Künstlerjubilare bilde eine Vertreterin des schönen Geschlechts, die talentvolle Malerin Elektrine Freifrau von Freyberg. Geboren 1797 zu Straßburg als Tochter des Kunsthändlers und Landschaftsmalers Joh. Bapt. Stunz, verrieth sie schon sehr früh viel Talent und eine reiche Phantasie, und obwohl sie keinen Unterricht als den ihres Vaters genossen hatte, wurde sie bald eine treffliche Malerin, wozu besonders ihre Reisen in Frankreich und Italien beitrugen. In Rom war sie von 1821–1822 und wurde dort zum Mitglied der bekannten Malerakademie von S. Luca ernannt. 1823 verehelichte sie sich mit dem Baron Wilhelm von Freyberg, blieb aber auch von dieser Zeit an der Ausübung ihrer Kunst treu. Sie starb 1847 zu München. Von ihren Bildern, welche eine ungemeine Zartheit an sich tragen und die Frauenhand nicht wohl verläugnen können, habe ich in unseren Münchener Sammlungen drei gefunden; in der neuen Pinakothek die Namengebung des hl. Johannes und eine Porträtstudie; dann in der Lotzbeck'schen Sammlung am Karolinenplatz eine sogenannte Caritas, Mutter mit drei Kindern. Die Bilder fallen sofort auf, da sie vom modernen Realismus ziemlich abweichen und mehr etwas von der toskanisch-umbrischen Schule Italiens entlehnt zu haben scheinen. Es liegt etwas von »Unschuld, Anmuth und Natürlichkeit, von Anspruchslosigkeit« in diesen Bildern, »bei aller Schönheit der Farbenwirkung, Tiefe und Klarheit des Colorits«. Freilich verfällt die Malerin auch ins andere Extrem, daß verschiedene Figuren zu sinnig und in stilles Träumen verloren erscheinen, als ob sie die ganze Scene, zu welcher sie gehören, gar nichts angehe.

Beilage zur Augsburger Zeitung Nr. 1. (8. Januar 1898)

#Allgemeines Künstler-Lexicon (1895)

Freyberg, Marie Electrine, Freifrau von, geb. Stuntz, Historienmalerin, geb. 14. März 1797 in Strassburg, † 1. Jan. 1847 in München, Tochter und Schülerin des Landschaftsmalers und Lithographen Joh. Bapt. Stuntz, zeigte schon in früher Jugend ein grosses Talent zur Malerei, bereiste Frankreich und Italien, bildete sich besonders in Rom aus und malte nachher in München namentlich Historienbilder. Solche sind in der Neuen Pinakothek eine Madonna mit dem Kinde und Zacharias gibt dem kleinen Johannes den Namen; ausserdem das Johanneskind bei Zacharias, die 3 Frauen am Grabe Christi (Gal. Leuchtenberg in St Petersburg), eine betende Madonna, Verherrlichung der Religion durch die Künste, Maiandacht und einige Bildnisse. Man hat von ihr auch einige Original-Lithographien und Radierungen. 1888 wurde sie zum Mitglied der Akademie von S. Luca ernannt.

Allgemeines Künstler-Lexicon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Vorbereitet von Hermann Alexander Müller. Herausgegeben von Hans Wolfgang Singer. Erster Band. Frankfurt am Main, 1895.

#AA – 25 (Zentner)


GEORG FRIEDRICH FRHR. VON ZENTNER
1752 – 1835
KGL. BAYERISCHER STAATSMINISTER
MITSCHÖPFER DER ERSTEN BAYERISCHEN
VERFASSUNG VON 1818


  • Zentner, Adelgunde von (vh) / Rist (gb); 8.10.1824 – 1.2.1871 (München); Majors-Gattin
  • Zentner, Anna von (vw) / Topor-Morawitzky, von (gb); 11.1.1789 – 20.6.1860 (München); Generalleutnants-Witwe
  • Zentner, Christina Freifrau von (vw) / Hoffstadt, von (gb); 13.6.1764 – 9.9.1839 (München); Staatsministers-Witwe
  • Zentner, Franz Xaver Ritter von; 31.3.1816 – 20.4.1888; Major a. D.
  • Zentner, Friedrich Jakob Ritter von; 5.5.1777 (Mannheim) – 29.1.1847 (München); Generalleutnant
  • Zentner, Georg Friedrich Freiherr von; 27.8.1752 (Heppenheim) – 20.10.1835 (München); Staatsminister
  • Zentner, Theodora – 1886 (München); Generalleutnants-Tochter

Grab der Familie Zentner auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

Grab der Familie Zentner auf dem Alten Südfriedhof München. Abbildung aus: Auswahl der vorzüglichsten Denkmäler des Münchner Kirchhofes. 1. Band. München, 1841.

Grab der Familie Zentner auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Georg Friedrich Freiherr von Zentner

* 27.8.1752 (Heppenheim)
† 20.10.1835 (München)
Staatsminister

#Neuer Nekrolog der Deutschen (1837)

Friedrich Freiherr von Zentner, königl. baier. Staatsminister zu München; geb. am 27. Aug. 1752, gest. den 20. Oct. 1835.

v. Zentner nimmt in der Reihe der ausgezeichnetsten Staatsmänner Baierns und seiner Zeit einen wohlverdienten Rang ein, zu welchem er sich, hervorgegangen aus den untern Classen der bürgerlichen Gesellschaft, was ihn in der Achtung jedes Vernünftigen nur höher stellen kann, in einem seltenen Stufengange emporgeschwungen hatte.

Er ward geboren in der ehemaligen Rheinpfalz zu Heppenheim an der Bergstraße, wo seine Eltern in der friedlichen Wirksamkeit eines ländlichen Gutsbesitzes lebten. Den ersten Unterricht genoß er unter den Jesuiten zu Mannheim, studirte im Seminarium und an der Akademie zu Heidelberg und ward daselbst 1770 nach einer Disputation ex universa philosophica zum Magister ernannt.

Um sich in der französischen Sprache zu vervollkommnen, verlebte er anderthalb Jahre zu Metz und Nancy, ging dann nach Göttingen, wo er sich unter Pütter, Selchow, Bödmer, Beckmann, Satterer und Schlözer ausbildete, prakticirte eine kurze Zeit am Reichskammergerichte zu Wetzlar und ward darauf zum Professor des Staatsrechts an der Universität Heidelberg ernannt. Ehe er diesen Lehrstuhl wirklich betrat, erhielt er noch von dem Kurfürsten Carl Theodor die Erlaubniß, zwei Jahre einer gelehrten Reise widmen zu dürfen.

Er besuchte nochmals Göttingen, benutzte daselbst vorzüglich die Bibliothek und veranlaßte Selchow durch eine zufällig hingeworfene Aeußerung, über das Territorial-Staatsrecht zu lesen, welches Beispiel dann von den übrigen Akademien befolgt wurde.

Von Göttingen reiste er 1777 nach einigen Seitenausflügen nach Wien, um die Geschäfte und das Verfahren am damaligen höchsten Reichsgerichte, dem Reichshofrath, kennen zu lernen. Nachdem er auf der Rückreise von Wien zu Ingolstadt zum Doctor beider Rechte ernannt worden war, kehrte er 1779 nach Heidelberg zurück und eröffnete unter dem Titel eines Regierunsraths seine Vorlesungen über das Staatsrecht und die allgemeine Reichsgeschichte, welche sich des größten Beifalls und eines außerordentlichen Andrangs von Zuhörern zu erfreuen hatten, unter welchen sich auch der noch in voller Mannskraft wirkende, um Baierns Heer und seinen Ruhm hochverdiente Feldmarschall Fürst von Wrede befand.

Im J. 1780 erwählte ihn die gelehrte deutsche Gesellschaft zu Mannheim zu ihrem außerordentlichen und drei Jahre nachher zu ihrem ordentlichen Mitgliede, wo er bei feierlichen Gelegenheiten über sehr interessante Gegenstände Vorträge hielt.

Der Herzog von Würtemberg, der Stifter der berühmten Carls-Schule, wählte ihn in dieser Zeit öfter zu seinem berathenden Gesellschafter. Im J. 1786 genoß er die Ehre, die zur Jubiläumsfeier der Universität Heidelberg von dem Kurfürsten Carl Theodor mit Abordnung seines Staatsministers, Grafen von Oberndorff, veranstalteten Feste als Rector magnificus zu leiten.

Während seines Lehramts wurde er bei besondern Gelegenheiten, vorzüglich in Schulsachen, von dem genannten Kurfürsten um Rath befragt, bald darauf aber, um von seinen tiefen publicistischen Kenntnissen Gebrauch zu machen, in die Staatsgeschäfte gezogen und nach vorher erhaltenem Ritterdiplom den Missionen zur letzten Krönung eines deutschen Kaisers in Frankfurt, 1792, und zum Congresse in Rastadt 1797 beigegeben.

Von nun an war der als talentvoll, kenntnißreich und wohlgesinnt erprobte Mann dem weiten Bereiche der Staatsgeschäfte für immer gewonnen. Der unvergeßliche Maximilian Joseph, welcher mit gleichem Rechte der König unter den Guten, oder der Gute unter den Königen genannt wird, berief ihn bei seinem Regierungsantritte 1799 sogleich nach München und ernannte ihn zum geheimen Rarh im Ministerial-Departement der geistlichen und sehr bald darauf auch der auswärtigen Angelegenheiten. Hier öffnete sich dem würdigen Manne ein doppelter fruchtbarer Wirkungskreis. Auf der einen Seite stand er bei den beständigen Veränderungen in der innern Staats-Organisation, welche die von Zeit zu Zeit sich gefolgten Friedensschlüsse nothwendig machten, an der Spitze der Berathung; auf der andern Seite gingen von ihm die äußerst merkwürdigen Anordnungen aus, welche die Verbesserung des Erziehungswesens in den Volks- und gelehrten Schulen und die Verbreitung der Kultur und einer vernünftigen Aufklärung unter dem Volke bezielten.

Sein Werk war die denkwürdige Instruktion vom Jahr 1802 für die Aufhebung der Klöster, welche in der Residenzstadt mit besonderer Humanität für die Ordensmitglieder vollzogen wurde und welcher die bei der schnellen Ausführung einer allgemeinen Maßregel nicht ganz vermeidlichen Mißgriffe einzelner Commissäre im Lande nicht aufgerechnet werden können.

Bei der Errichtung des Staatsministeriums des Innern und dessen organischer Abtheilung in Sectionen, im Jahr 1808, wurde er zum Vorstand der Section für Erziehung und Unterricht ernannt, in welcher Eigenschaft er die Hoch- wie die Volksschulen mit gleicher Liebe umfaßte und seine besondere Aufmerksamkeit den philosophischen und philologischen Studien zuwandte. Bei der im Jahr 1817 eingetretenen Einsetzung eines Staatsraths und Umgestaltung des Gesammtministeriums, ward er zum Staatsrath und Generaldirector im Staatsministerium des Innern erhoben. Das Jahr 1818 führte den in der Staatengeschichte glänzenden Tag herauf, an welchen der hochherzige König Maximilian Joseph seinen Baiern aus freiem Entschlusse eine Verfassungurkunde gab, deren Bearbeitung und Zusammenstellung wesentlich dem Geiste und der Feder Z.’s angehörte.

Es gewährte einen erhebenden, allen Anwesenden unvergeßlichen Eindruck, als der König, nachdem er den Akt der Beeidung des Staatsraths auf die Verfassung vollzogen hatte, den Mann des Werkes an seinen Thron berief, ihn mit dem Großkreuze des Civil-Verdienstordens der baierschen Krone eigenhändig schmückte und als Großmeister umarmte. Bald nach dieser Auszeichnung fühlte sich der Magistrat der Residenzstadt berufen, von dem durch die Verfassung den Gemeindekörpern wiedergeschenkten Rechten den ersten würdigen Gebrauch zu machen, indem er durch eine Deputation mit dem ersten Bürgermeister an der Spitze dem neuen Ordensträger das Diplom des ersten Ehrenbürgers der Stadt München überreichte.

Es verdient bemerkt zu werden, daß die baiersche Verfassung bald in ganz Deutschland Nachahmung gefunden hat, und daß einige ihrer Artikel selbst in die portugiesische Constitution Don Pedro’s übergegangen sind. Als die neu begründeten ständischen Verhältnisse in Deutschland einen neuen Minister-Congreß in Wien 1819 hervorriefen, war es die natürlichste Wahl des Königs, den vorzüglichsten Mitbegründer der Verfassung, nachdem er ihn zuvor in den Freiherrnstand erhoben hatte, dahin abzusenden. Hier gelang es ihm sehr bald, durch sein von Einsicht, Klugheit und Mäßigung geleitetes Benehmen das Vertrauen des ersten Staatsmannes der Zeit, des Staatskanzlers Fürsten von Metternich zu gewinnen, an der Redaction der Wiener Schlußakte wesentlichen Antheil nehmen zu dürfen und so sein Verfassungswerk siegreich zu schirmen.

Bei seiner Zurückkunft ward ihm von seinem Könige die höchste Anerkennung seines ausgezeichneten Wirkens und Benehmens zu Theil, durch Ernennung zum Staatsminister mit Sitz und Stimme im Ministerrathe und durch Verleihung eines ansehnlichen Lehens in der vormaligen Oberpfalz, mit Uebergang auf den Sohn seiner einzigen Tochter, nachdem er früher schon seinen einzigen hoffnungsvollen Sohn in den Gymnasialstudien verloren hatte.

Auch auswärtige Monarchen schmückten ihn nun in Anerkennung seiner Verdienste, begleitet von den schmeichelhaftesten Schreiben, mit ihren Orden: Oesterreich mit seinem Leopoldsorden, Preußen mit seinem rothen Adlerorden, Würtemberg mit seinem Orden der Krone, das Großherzogthum Hessen mit seinem Hausorden. Der jetzige König Leopold von Belgien beehrte ihn bei seiner mehrmaligen Anwesenheit in München jedesmal mir seinem persönlichen Besuche. Endlich schloß sich der Cyklus seiner Bestimmung unter König Maximilian, nachdem er ihn zuletzt noch zum lebenslänglichen Reichsrath und zum Staatsminister der Justiz 1823 ernannt hatte.

Es durfte erwartet werden, daß der Erbe des Throns, König Ludwig, Er, der »Gerecht« an die Spitze seines Wahlspruchs gestellt hat, einen solchen Mann nicht minder würdigen werde. Er vertraute ihm neben dem Ministerium der Justiz auch längere Zeit hindurch jenes des königlichen Hauses und des Aeußern und als dem hochverdienten Staatsmanne das seltene Glück erwuchs, 1827 sein fünfzigjähriges Amtsjubiläum zu feiern, erhielt er, vorher schon unter die Ehrenritter des Ludwigordens aufgenommen, den St. Hubertusorden – der erste nicht adelig Geborne, der dieser großen Auszeichnung würdig gehalten wurde, indem dieser Orden sonst nur den Mitgliedern der königl. Familie und andern fürstlichen Häuptern verliehen wird. Auch der Staatsrath hatte diesem feierlichen Tage eine prächtige Festmedaille gewidmet. Nachdem Z. noch einige Jahre das Ministerium der Justiz mit ausdauernder Thätigkeit verwaltet hatte, fand er in den wachsenden Beschwerden seines hohen Alters die Mahnung, sich den Ruhestand zu erbitten, welcher ihm in den huldvollsten Ausdrücken der Zufriedenheit und des Dankes Ende Decembers 1831 gewährt wurde. Dies hinderte ihn jedoch nicht, bei eintretenden Stände-Versammlungen in den wichtigern Ausschüssen thätig zu sein. Uebrigens lebte er in seinen letzten Jahren seinen Freunden und mit Vorliebe den Studien, welche sich auf den Zustand des öffentlichen Lebens beziehen, als ein durch tiefe Einsicht und lange Erfahrung zur Weisheit und dadurch auch zur innern Ruhe gereifter Greis, von der Achtung Aller umgeben, die ihm näher zu stehen das Glück hatten. Am oben genannten Tage setzte eine Entkräftung nach kurzem Krankenlager, welches ihm sein nahes Ende nicht fühlen ließ, im vier und achtzigsten Jahre seinem thatenreichen und viel bewegten Leben ein für König und Vaterland immer noch zu frühes Ziel. Seine edle, männliche Erscheinung ist von uns gewichen, aber die Werke seiner hervorragenden Geisteskraft und seines besonders zur Vermittelung geneigten Gemüths leben in dem Andenken seiner Zeitgenossen fort und werden auch bei den Nachkommen ein ehrendes Gedächtniß finden.

Neuer Nekrolog der Deutschen. Weimar, 1837.

#AA – 26…28 (Metropolitankapitel München-Freising)


Tafel 1
DR. JOHANNES BAPT. HERB CAC. ET
DIRECT. NAT. 31. JAN 1806 DEF. 28.
JUN. 1890 HENRICUS GOTTHARD CAN.
NAT. 6. OCT. 1810 DEF. 19. JAN. 1893
LEONARDUS DE ENZLER DECAN.
NAT. 12. APR. 1817 DEF 5. JUN. 1893
MATTHIAS OSTERMAYER CAN. NAT
7. NOV. 1814 DEF. 9. APR. 1896 SEP. IN
JETZENDORF DR. ERNESTUS FURTNER
PRAEP. ET VIC. GEN. CAN. NAT. 27. JAN
1832 DEF. 3. NOV. 1898 DR. JOSEPHUS
DE KRONAST PRAEP. NAT. 1. NOV. 1827
DEF. 2. DEC. 1898 THEODORUS WEBER
CAN. NAT. 19. SEPT. 1828 DEF. 13. MART.
1904 JOSEPHUS SPENGLER CAN. ET
PAROCH. NAT. 8. MART. 1851 DEF. 31.
MART 1905 DR. MARCELLUS STIGLOHER
PROT. AP. VIC. GEN. CAN. NAT. 6. JAN. 1838
DEF. 20. AUG. 1905 SEP. IN FREISING
GEORGIUS DE ERLENBORN DECAN.
NAT. 10. JAN. 1824 DEF. 3. FEBR. 1906
SEBASTIANUS ANDRELANG CAN.
ET DIRECT. NAT. 3. JAN. 1821 DEF.
25. MART 1907 DR. ANTONIUS DE
LECHNER PRAEP. NAT. 15. FEBR.
1847 DEF. 6. JAN. 1914 DR. FRAN-
CISCUS ANTONIUS SPECHT CAN.
NAT. 19. JUN. 1847 DEF 20. FEBRUAR
1908 DR. MAXIMILIANUS KAISER
CAN. NAT. 4. MAI 1830 DEF. 30. JUL.
1909 MARTINUS HARTL DECAN.
NAT. 25. MAI 1849 DEF. 7. APR. 1915
SEPULTUS IN NASSENHAUSEN

Tafel 2
SEPULCHRUM CAPIT.
METROP. MONACO
FRISINGENSIS

JOSEPHUS KLEIN CAN. ET VIC.
GEN. NAT. 27. FEBR. 1748 DEF. 16. APRIL
1822 LAURENTIUS DE WESTENRIE-
DER CAN. NAT. 1. AUG. 1748 DEF. 15. MAR.
1828 JOHANNES BAPT. AINGLER CAN.
NAT. 8. JUN. 1780 DEF. 19. APRIL 1829
DR. AUGUSTINUS HACKLINGER CAN.
ET VIC. GEN. NAT. 12. OCT. 1755 DEF.
19. FEBR. 1830 DR. JOSEPHUS DE HEC-
KENSTALLER DECAN. NAT. 15. JUL. 1748
DEF. 7. NOV. 1832 DR. THEODORUS PANT.
SENESTREY CAN. ET VIC. GEN. NAT. 10.
NOV. 1764 DEF. 18. AUG. 1836 REVS. D.
FRANC. IGNATIUS DE STREBER EPISC.
BIRTH. ET PRAEP. NAT. 2. FEBR. 1758
DEF. 26. APR. 1841 ANDREAS BAADER
CAN. ET PAROCH. NAT. 17. NOV. 1779
DEF. 1. JAN. 1842 LEONHARDUS KURZ-
MILLER CAN. NAT. 1. NOV. 1778 DEF.
26. JUL. 1843 CORBINIANUS RIES-
TER. CAN. NAT. 18. NOV. 1775 DEF. 22.
FEBR. 1844 LIC. BALTHASAR SPETH
CAN. NAT. 22. DEC. 1774 DEF. 31. MAI
1846 DR. JOHANNES NEPOM. HORTIG
CAN. NAT. 3. MAR. 1774 DEF. 27. FEB. 1847

Tafel 3
J. MICHAEL MOSER CAN. NAT. 5. FEBR
1761 DEF. 31. DEC. 1851 FRANCISCUS
SERAPH. MAYR CAN. NAT. 5. JAN. 1809
DEF. 2. JAN. 1859 DR. FRIEDERICUS
WINDISCHMANN CAN. ET VIC. GEN.
NAT. 13. DEC. 1811 DEF. 23. AUG. 1861
DR. G. FRIEDERICUS WIEDEMANN
CAN. NAT. 14. JUN. 1787 DEF. 20. JAN.
1864 DR. MARTINUS DE DEUTINGER
PRAEP. ET VIC. GEN. NAT. 2. NOV. 1789
DEF. 30. OCT. 1854 PETRUS PAULUS
GRADLER CAN. NAT. 31. JUL. 1788 DEF.
24. APR. 1866 JOSEPHUS WURM CAN.
NAT. 13. DEC. 1786 DEF. 29. JUN. 1866
MAXIMILIANUS PUZZER CAN. NAT.
29. JUL. 1778 DEF. 5. SEPT. 1866 DR. JOA-
CHIM SIGHART CAN. NAT. 16. JAN. 1824
DEF. 20. DEC. 1867 JOSEPHUS RIEDL
CAN. NAT. 15. NOV. 1802 DEF. 19. AUG.
1868 ANTONIUS LICHTENAUER CAN.
NAT. 2. NOV. 1802 DEF. 21. JUN. 1869
ALOISIUS SCHMID CAN. ET PAROCH
NAT. 20 FEBR. 1796 DEF. 22. JUN. 1869
DR. JOSEPUS AL. DE PRAND. PRAEP.
ET VIC. GEN. NAT. 27. JAN. 1801 DEF. 2.
AUG. 1882 NICOLAUS WEBER CAN PA-
ROCH. NAT. 4. AUG. 1820 DEF. 28. AUG.
1882 DR. GEORGIUS CAROLUS DE REINDL
DECAN. ET DIRECT. NAT. 4. NOV. 1803
DEF. 22. DEC. 1882 DR. JOHANNES BAPT.
HUBER CAN. NAT. 22. MAR. 1842 DEF. 16.
OCT. 1886 CAROLUS DE PRENTNER CAN.
NAT. 1. MAI 1806 DEF. 17. SEPT. 1888

Tafel 4
JOHANNES BAPT. OSTERMUNCHNER
CAN. NAT. 28 FEBR. 1852 DEF. 5. JAN.
1917 GEORGIUS BRÜCKL CAN. NAT.
25. AUG. 1856 DEF. 1. SEPT. 1917 DR.
SEBASTIANUS HUBER DEC. VIC. GEN
NAT. 17. MAI 1860 DEF. 10. AUG. 1919
FRANCISCUS GESSL CAN. ET PAR.
NAT. 6. FEBR. 1857 DEF. 4. SEPT. 1922
SEPULTUS IN SCHNAITSEE REVS. D.
D. ALOISIUS HARTL EPISC. GERMA-
NICIANUS CAN. NAT. 1. SEPT. 1845 DEF.
22. JUL. 1923 SEP. IN NASSENHAUSEN
DR. JOH. BAPT. DE NEUDECKER EP.
HELENOPOLITANUS PRAEP. NAT. 4. APR
1840 DEF. 15. OCT. 1926 SEP. IN ECCL.
CATHEDR. SEBASTIANUS DEGENBECK
DECAN. NAT. 13. JAN. 1849 DEF. 26. JAN
1930 SEP. IN CIM SILV. DR. RUDOLPHUS
HINDRINGER CAN. VIC. GEN. NAT. 4.
JUL. 1886 DEF. 1. SEPT. 1932 SEP. IN
CIM. SILV. MATTHIAS DUNSTMAIR
PRAEP. NAT. 22. FEBR. 1853 DEF. 22
MART 1933 SEP. INCIM. SILV. DR.
AEMIL UTTENDORFER CAN ET DIRECT.
NAT. 22. AUG. 1849 DEF. 9. NOV. 1933
SEP. IN CIM. SILV. PETRUS RÖHRL
CAN. NAT. 2. MAI 1875 DEF. 6. FEBR.
1935 SEP. IN CIM. SILV. LAURENTIUS
GALLINGER CAN. NAT. 25. JUL. 1853
DEF. 25. SEPT. 1937 SEP. IN CIM. SILV
DR. JOHANNES BAPT. SCHAUER EPISC.
SABADI. PRAEP. NAT. 5. JUN. 1872 DEF.
15. SEPT. 1942 SEP. IN ECCL. CATHEDR.


  • Aingler, Johannes Baptist; 8.6.1780 – 19.4.1829; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Andrelang, Sebastian; 3.1.1821 – 25.3.1907; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Baader, Andreas; 17.11.1779 – 1.1.1842; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Brückl, Georg; 25.8.1856 – 1.9.1917; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Degenbeck, Sebastian [in memoriam]; 13.1.1849 – 26.1.1930; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Deutinger, Martin von, Dr.; 2.11.1789 – 30.10.1854 (München); Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Dunstmair, Matthias [in memoriam]; 22.2.1853 – 22.3.1933; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Enzler, Leonhard von; 12.4.1817 – 5.6.1893; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Erlenborn, Georg von; 10.1.1824 – 3.2.1906; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Furtner, Ernst, Dr.; 27.1.1832 – 3.11.1898; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Gallinger, Lorenz [in memoriam]; 25.7.1853 – 25.9.1937; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Gessl, Franz [in memoriam]; 6.2.1857 – 4.9.1922; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Gotthard, Heinrich; 6.10.1810 – 19.1.1893; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Gradler, Peter Paul; 31.7.1788 – 24.4.1866; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Hacklinger, August, Dr.; 12.10.1755 – 19.2.1830; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Hartl, D. Alois [in memoriam]; 1.9.1845 – 22.7.1923; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Hartl, Martin [in memoriam]; 25.5.1849 – 7.4.1915; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Heckenstaller, Josef von, Dr.; 15.7.1748 – 7.11.1832; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Herb, Johannes Baptist, Dr.; 31.1.1806 – 28.6.1890; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Hindringer, Rudolf, Dr. [in memoriam]; 4.7.1886 – 1.9.1932; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Hortig, Johannes Nepomuk, Dr.; 3.3.1774 – 27.2.1847; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Huber, Johannes Baptist, Dr.; 22.3.1842 – 16.10.1886; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Huber, Sebastian, Dr.; 17.5.1860 – 10.8.1919; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Kaiser, Maximilian, Dr.; 4.5.1830 – 30.7.1909; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Klein, Josef; 27.2.1748 – 16.4.1822; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Kronast, Josef von, Dr.; 1.11.1827 – 2.12.1898; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Kurzmiller, Leonhard; 1.11.1778 – 26.7.1843; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Lechner, Anton, Dr.; 15.2.1847 – 6.1.1914; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Lichtenauer, Anton; 2.11.1802 – 21.6.1869; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Mayr, Franz Seraph; 5.1.1809 – 2.1.1859; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Moser, J. Michael; 5.2.1761 – 31.12.1851; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Neudecker, Johann Baptist von, Dr. [in memoriam]; 4.4.1840 – 15.10.1926; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Ostermayer, Matthias [in memoriam]; 7.11.1814 – 9.4.1896; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Ostermunchner, Johannes Baptist; 28.2.1852 – 5.1.1917; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Prand, Josef Alois von, Dr.; 27.1.1801 – 2.8.1882; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Prentner, Karl von; 1.5.1806 – 17.9.1888; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Puzzer, Maximilian; 29.7.1778 – 5.9.1866; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Reindl, Georg Karl von, Dr.; 4.11.1803 – 22.12.1882; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Riedl, Josef; 15.11.1802 – 19.8.1868; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Riester, Korbinian; 18.11.1775 – 22.2.1844; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Röhrl, Peter [in memoriam]; 2.5.1875 – 6.2.1935; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Schauer, Johannes Baptist, Dr. [in memoriam]; 5.6.1872 – 15.9.1942; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Schmid, Alois; 20.2.1796 – 22.6.1869; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Senestrey, Theodor, Dr.; 10.11.1764 – 18.8.1836; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Sighart, Joachim, Dr.; 16.1.1824 – 20.12.1867; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Specht, Franz Anton, Dr.; 19.6.1847 – 20.2.1908; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Spengler, Josef; 8.3.1851 – 31.3.1905; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Speth, Baltasar; 22.12.1774 – 31.5.1846; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Stigloher, Markus [in memoriam]; 6.1.1838 – 20.8.1905; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Streber, Ignaz von; 2.2.1758 – 26.4.1841; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Uttendorfer, Emil, Dr. [in memoriam]; 22.8.1849 – 9.11.1933; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Weber, Nikolaus; 4.8.1820 – 28.8.1882; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Weber, Theodor; 19.9.1828 – 13.3.1904; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Westenrieder, Lorenz von; 1.8.1748 – 15.3.1828; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Wiedemann, G. Friedrich, Dr.; 14.6.1787 – 20.1.1864; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Windischmann, Friedrich, Dr.; 13.12.1811 – 23.8.1861; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising
  • Wurm, Josef; 13.12.1786 – 29.6.1866; Geistlicher der Erzdiözese München-Freising

Grab des Metropolitankapitel München-Freising (August 2007)

Grab des Metropolitankapitel München-Freising (August 2007)

Grab des Metropolitankapitel München-Freising (August 2007)

#Dr. Martin von Deutinger

* 2.11.1789
† 30.10.1854 (München)
Geistlicher der Erzdiözese München-Freising

#Das Bayerland (1898)

9. Dr. Martin v. Deutinger, Dompropst und Geschichtschreiber, wurde am 11. November 1789 auf der väterlichen, in der ehemalig Herzog Ferdinandschen Besitzung Wartenberg bei Erding gelegenen Mühle geboren.

Mit 11 Jahren kam der begabte kleine Martin als Singknabe in das Kloster Weihenstephan, im nächsten Jahre schon an das Gymnasium in Landshut, wo er nach Absolvierung der Humaniora auch Philosophie und Theologie an der erst kurz, drohender Kriegsstürme wegen, von Ingolstadt dahin verlegten Universität studierte. Der Wissensdrang veranlaßte ihn, auch rechtswissenschaftliche Kollegien zu hören und als Doktor der Theologie zu promovieren. Am 21. März 1813 zum Priester geweiht, wurde er zuerst Seelsorger in Hohenkammer, dann Kooperatur-Provisor in Massenhausen. Nach kurzer Zeit berief ihn das bischöfliche Generalvikariat in Freising als Registrator und Taxator ein. In dieser Stellung fand er reichlichen Stoff zur Förderung seines Forschens in der Geschichte.

Bei der Errichtung des Erzbistums München-Freising kam er am 28. Oktober 1821 als der jüngste Domkapitular nach München, wo er bis zu seinem Tode verblieb. König Ludwig I. ernannte ihn im Jahre 1826 zum kgl. Oberkirchen- und Schulrat, Erzbischof Lothar Anselm 1836 zum Generalvikar und Senior des Domkapitels. Der Neujahrstag 1837 brachte ihm durch Verleihung des Zivilverdienstordens der bayerischen Krone den Adelsstand. In demselben Jahre erwählte ihn die Akademie der Wissenschaften zu ihrem Mitgliede, welchem Beispiele mehrere andere wissenschaftliche Vereine des In- und Auslandes folgten. Papst Gregor XVI. übertrug ihm im Jahre 1841 die hohe Würde des Dompropstes.

Der Nachfolger des am 1. Oktober 1846 verstorbenen Erzbischofes Lothar Anselm, Karl August Graf v. Reisach, ernannte ihn im Jahre 1846 zum Direktor des allgemeinen geistlichen Rates, sowie des Metropolitan-Kapitels.

Eine an der Durchfahrt am Mittelbau der Schrannenhalle angebrachte steinerne Gedenktafel verkündet der Nachwelt, daß Dompropst Deutinger dieses Gebäude in Anwesenheit Sr. Majestät des Königs Max II. am 15. September 1853 eingeweiht hat.

Die Enthüllung des Monuments Lorenz v. Westenrieders auf dem Promenadeplatze am 1. August 1854 war der letzte feierliche Akt, dem Deutinger beiwohnte. Am 30. Oktober 1854 starb er im Hause Nr. 3 an der Löwengrube, ein Opfer der bereits für erloschen erklärten Cholera. Seine Leiche wurde in der Gruft des Metropolitankapitels im südlichen Friedhof, ältere Abteilung, Arkaden rechts, Grabplätze 26–28, beigesetzt.

Er war ein Mann, der wegen seines eminenten Wissens, seiner rastlosen Berufsthätigkeit, wegen des hohen Adels seiner Gesinnung und des seltenen Vereins aller den Menschen und Priester zierenden Tugenden die allgemeinste Verehrung genoß.

C. Reber: Die »Ruhmeshalle« unter den Arkaden des südlichen (älteren) Friedhofes in München. Das Bayerland. Illustrierte Wochenschrift für bayerische Geschichte und Landeskunde. 9. Jahrgang. Heft Nr. 28. München, 1898.

#AA – 29 (Lodron-Laterano · Sutner)


Linke Tafel
Marie Auguste
von Sutner
Erzieherin des König Ludwig
¿

Rechte Tafel Oben
Philipp
Graf zu Lodron Laterano,
Königl. bayerischer Rittmeister a. D.
geb. zu München den 19. Oktbr. 1830,
gest. zu München den 3. Dezbr. 1876.
Clotilde
Gräfin zu Lodron Laterano
geb. Gräfin Seinsheim-Grünbach,
Theresienordens-Ehrendame
geb. zu Grünbach den 14. Juli 1839,
gest. zu München den 26. März 1915.

R. I. P.

Rechte Tafel Unten
Die Hochgeborne Frau
Gräfin Auguste
von Lodron.
Schlüßeldame ¿
¿
Emilia
Gräfin von Lodron,
geb. Freiin ¿ von Lodron
¿


  • Lodron-Laterano, Auguste Gräfin von; 26.2.1780 – 2.2.1854 (München); Ehemalige Schlüsseldame der Königin Karoline von Bayern
  • Lodron-Laterano, Clotilde Gräfin zu (vh) / Seinsheim-Grünbach, Gräfin (gb); 14.7.1839 (Grünbach) – 26.3.1915 (München); Theresienordens-Ehrendame
  • Lodron-Laterano, Emilia von (vh) / Kreusser, Freiin von (gb); 16.3.1800 – 22.7.1875
  • Lodron-Laterano, Karl Graf von; – 25.12.1836 (München), 55 Jahre alt; Major
  • Lodron-Laterano, Karl Graf zu; 20.1.1833 – 13.8.1891
  • Lodron-Laterano, Philipp Graf zu; 19.10.1830 (München) – 3.12.1876 (München); Rittmeister a. D.
  • Lodron-Laterano, Sofie Gräfin von; 2.7.1792 – 18.9.1876 (München); Ehemalige Hofdame der Königin Karoline von Bayern
  • Lodron-Laterano, Theresia Gräfin von (vw) / Helmstädt, Freiin von (gb); – 1.1.1837 (München), 83 Jahre alt; Präsidentens-Witwe und ehemalige Palastdame
  • Sutner, Marie Auguste von

Grab der Familien Lodron-Laterano · Sutner auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

Grab der Familien Lodron-Laterano · Sutner auf dem Alten Südfriedhof München (August 2013)

#Sofie Gräfin von Lodron-Laterano

* 2.7.1792
† 18.9.1876 (München)
Ehemalige Hofdame der Königin Karoline von Bayern

#Tag- & Anzeigeblatt für Kempten und das Allgäu (27.9.1876)

Politische Nachrichten

Bayern. München, 20. Sept. Gestern starb hier, 85 Jahre alt, die Gräfin Sophie zu Lodron-Laterano, Hofdame weiland der Königin Karolina von Bayern. Als eine sehr geistreiche, liebenswürdige Frau und in ihrer Jugend eine gefeierte Schönheit, erfreute sie sich der Freundschaft des Königs Ludwig I. bis zu dessen Lebensende (1868). Der greise König ist noch in seinen letzten Jahren an bestimmten Wochentagen des Abends nach der bescheidenen Wohnung der Gräfin gegangen, um bei ihr die gewohnte Partie Whist zu spielen.

Tag- & Anzeigeblatt für Kempten und das Allgäu No. 219. Mittwoch, den 27. September 1876.

#AA – 30 (Grandaur · Rothe-Grandaur)


Dr. Michael von Grandaur, k. Staatsrath
* 18.XII.1776, † 23.XI.1838.
Magdalena von Grandaur, geb. Lommel,
* 8.I.1783, † 8.X.1845.
Magdalena Grandaur, * 4.VI.1854 † 13.X.1854.
Magdalena Grandaur, geb. Berr,
* 28.II.1831, † 18.XI.1854.
Dr. Franz Grandaur, k. Hof-Opernregisseur a. D.
* 7.III.1822, † 7.V.1896.
Charlotte Rothe-Grandaur, * 7.VII.1879, † 14.III.1900.
Felix Grandaur, kgl. Rat,
* 17.V.1852, † 17.I.1920.
Auguste Grandaur, geb. Schricker, kgl. Ratswitwe,
* 10.XII.1855 † 5.VIII.1931.


  • Grandaur, Auguste (vw) / Schricker (gb); 10.12.1855 – 5.8.1931; Rats-Witwe
  • Grandaur, Felix; 7.5.1852 – 17.1.1920; Königlicher Rat
  • Grandaur, Franz, Dr.; 7.3.1822 (Karlstadt/Unterfranken) – 7.5.1896 (München); Komponist, Regisseur, Schauspieler, Schriftsteller und Übersetzer
  • Grandaur, Johann Michael Bernhard Ritter von; 12.12.1776 (Würzburg) – 23.11.1838 (München); Staatsrat
  • Grandaur, Magdalena; 4.6.1854 – 13.10.1854
  • Grandaur, Magdalena (vh) / Berr (gb); 28.2.1831 – 18.11.1854 (München); Arzt-Gattin
  • Grandaur, Magdalena von (vw) / Lommel (gb); 8.1.1783 – 8.10.1845 (München); Staatsrats-Witwe
  • Rothe-Grandaur, Charlotte (vh) / Grandaur (gb); 7.7.1879 – 14.3.1900

Grab der Familien Grandaur · Rothe-Grandaur auf dem Alten Südfriedhof München (August 2013)

Grab der Familien Grandaur · Rothe-Grandaur auf dem Alten Südfriedhof München. Abbildung aus: Auswahl der vorzüglichsten Denkmäler des Münchner Kirchhofes. 3. Band. München, 1841.

#Dr. Franz Grandaur

* 7.3.1822 (Karlstadt/Unterfranken)
† 7.5.1896 (München)
Komponist, Regisseur, Schauspieler, Schriftsteller und Übersetzer

#Biographisches Bühnen-Lexikon der Deutschen Theater (1892)

Grandauer, Franz Dr., *7.III.22 Karlstadt (Unterfranken). Oprreg., Sch., Schrftst. Ausb. Universitäten München u. Prag. Von 1. XI. 69 bis 1. XI. 87 München Hfth. Schrieb von 51/69 für verschiedene Zeitschriften Artikel über Musik u. Th., besorgte 71 für die k. Hofbühne in München eine neue dtsch. Bearbeitung d. Textes zu Isouards Opr. »Joconde« unter dem Titel »Minnefahrten«, lieferte zu gleichem Zweck 75 eine Uebersetzung des Textes zu Gounods Opr. »Der Arzt wider Willen« u. 76 eine dtsch. Bearbeitung des Textes zu Hallströms Opr. »Der Bergkönig«, 71 gab er eine neue dtsch. Bearbeitung d. »Don Juan« heraus, 78 die »Chronik d. Münchener Hof- u. Nationalth.«, 80 eine neue Bearb. d. Textes zu Webers »Oberon« und schrieb 85 das Buch zu K. v. Perfalls Opr. »Junker Heinz«. Lebt in Pens. München.

O. G. Flüggen: Biographisches Bühnen-Lexikon der Deutschen Theater. München, 1892.

#Neuer Theater-Almanach (1897)

1897.
Mai.

7. Dr. Franz Grandaur, Hofopern-Regisseur a. D., Schriftsteller, † München, geb. Karlstadt (Unterfranken) 7. März 1822 (Genoss.-Pens. 607). Er wirkte als Regisseur der Königl. Hofoper in München 1869–87; Uebersetzer und Neubearbeiter mehrerer Operntexte: Jsouard's »Joconde«, »Don Juan«, Gounod's »Arzt wider Willen«, »Oberon«; Textdichter der Perfall'schen Oper »Junker Heinz«, Verfasser der »Chronik des Königl. Hof- und National-Theaters in München« (1878 zur Feier seines hundertjährigen Bestehens).

Neuer Theater-Almanach. Berlin, 1897.

#Johann Michael Bernhard Ritter von Grandaur

* 12.12.1776 (Würzburg)
† 23.11.1838 (München)
Staatsrat

#Fränkischer Merkur (28.11.1838)

Bayern. München, 25. Nov. Gestern Abend gegen fünf Uhr wurden die Ueberreste des Herrn Staatsraths von Grandauer durch den vierspännigen Todtenwagen von seiner Wohnung in das Leichenhaus gebracht. Die hohen Herrschaften hatten, wie das hier so gebräuchlich ist, ihre Bedienten in Gallalivrer geschickt, welche die Leiche mit Wachsflambeaus begleiteten, die nun auf der schwarzen Bahre in Staatsrathsuniform bis zum Tage des Begräbnißes beigesetzt bleibt. Die Züge des hochgestellten Staatsmannes, der im Leben so vieles durchgesetzt hat, tragen noch im Tode die volle Spur eines bestimmten durchgedrungenen Charakters.

Fränkischer Merkur No. 332. Bamberg; Mittwoch, den 28. November 1838.

#AA – 31 (Grainger)


F¿ ¿gersche Grabstätte

R¿ Freyherr von Grainger,
gestorben am ¿ August 1832 im 9ten Monat Seines Alters.
¿ Freyherr von Grainger,
gestorben am ¿ August 1841 im 74ten Jahre Seines Alters.
W¿ Freyherr von Grainger,
gestorben am ¿6ten Dezbr. 1841 im 4ten Jahre Seines Alters.
S¿ Freyin von Grainger,
gestorben am ¿ten Febr. 1842 im 3ten Jahre Ihres Alters.

Sockel
Die Inschrift ist nicht erhalten


  • Grainger, Eduard Freiherr von; – 11.8.1841 (München), 73 Jahre alt; Rentier
  • Grainger, Robert Freiherr von; – 7.8.1832 (München), 8 Monate alt
  • Grainger, Sofie Freiin von; – 19.2.1842 (München), 2 Jahre alt
  • Grainger, William Freiherr von; – 26.12.1841 (München), 3 Jahre alt

Grab der Familie Grainger auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familie Grainger auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2011)

Grab der Familie Grainger auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2011)

#AA – 32 (Utzschneider)


DEM EDELSTEN
VATERLANDS-FREUNDE
JOS. V. UTZSCHNEIDER
GEB. ZU RIEDEN AM
STAFFELSEE. 2TEN MAERZ 1763
GEST. 31TEN JANUAR 1840.


  • Utzschneider, Amalie von (vw) / Walch (gb); 15.10.1758 – 19.3.1842 (München); Technikers-Witwe
  • Utzschneider, Josef von; 2.3.1763 (Rieden am Staffelsee/Obb.) – 31.1.1840 (München), Tod durch Unfall; Techniker, Volkswirtschaftler, Generaladministrator der Salinen und 2. Bürgermeister von München

Grab der Familie Utzschneider auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

Grab der Familie Utzschneider auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Josef von Utzschneider

* 2.3.1763 (Rieden am Staffelsee/Obb.)
† 31.1.1840 (München), Tod durch Unfall
Techniker, Volkswirtschaftler, Generaladministrator der Salinen und 2. Bürgermeister von München

#Der Bayerische Volksfreund (31.1.1840)

Deutschland.
Bayern.

Vorgestern Morgens ereignete sich ein Unglück, welches zwei sehr verdienstvolle allgemein geachtete Männer traf. Der Herr geh. Rath von Utzschneider und der hochwürdige Herr Pfarrer von Giesing, fuhren über den Giessingerberg herab zur Stadt, um als Landtags-Abgeordnete der Sitzung beizuwohnen. Die Pferde wurden scheu, gingen durch, warfen den Wagen um und zertrümmerten ihn. Beide Herren wurden aus demselben geworfen, der erstere war am Abend noch nicht zu sich gekommen, der letztere erhielt bedeutende Kopfwunden. Allgemein hat sich die Theilnahme über diesen Unglücksfall ausgesprochen.

Der Bayerische Volksfreund No. 26. München; Freitag, den 1. Januar 1840.

#Der Bayerische Volksfreund (1.2.1840)

Deutschland.
Bayern.

Allgemeine Theilnahme erregt im Publikum das dem geh. Rath v. Utzschneider widerfahrene Unglück, welches leider das Leben dieses hochgeachteten Mannes aufs Spiel setzte. Die Aerzte haben noch keine Hoffnung zu dessen Wiedergenesung.

Der Bayerische Volksfreund No. 27. München; Samstag, den 1. Februar 1840.

#Der Bayerische Volksfreund (5.2.1840)

Deutschland.
Bayern.

Nicht leicht hatte sich auf dem hiesigen Leichenacker eine solche Menge Menschen versammelt, als bei der Begräbniß des Herrn geh. Rathes v. Utzschneider, welches am verflossenen Montag Abends 4 Uhr statt hatte. Eine Deputation der Kammer der Reichsräthe, die meisten Mitglieder der Kammer der Abgeordneten, Staatsdiener aus allen Branchen, die Mitglieder des Magistrats, die Herren Gemeindebevollmächtigten, so wie Personen aus allen Ständen, hatten sich eingefunden, und begleiteten die Leiche des so allgemein geachteten und eben so sehr auch bedauerten Biedermannes zu Grabe. Der Sarg wurde von hiesigen Bürgern getragen, die Herren Professoren der polytechnischen Schule gingen mit brennenden Wachskerzen neben demselben. Vierzehn Livrebediente und zwei Pedelle der beiden Kammern, dann eine Menge Herrschaftsbediente gingen mit Flambeaux dem Sarge voran. Die ersten und ausgezeichnetsten Staatsbeamten befanden sich in dem Leichenkondukt. Der hochwürdige Herr Dechant Weinzierl von Regensburg hielten eine sehr ergreifende Rede an dem Grabe. Die allgemeine Theilnahme an diesem Todtenfeste beweiset klar, wie sehr der Verblichene geschätzt und geehrt war. Sein Name wird in den Annalen des Staates noch lange fortleben. Unweit der Ruhestätte seiner vorausgegangenen Freunde reichenbach und Fraunhofer rechts in den Arkaden, ruht nun auch in ewigem Frieden Joseph von Utzschneider.

Der Bayerische Volksfreund No. 30. München; Mittwoch, den 5. Februar 1840.

#Der Bayerische Volksfreund (9.2.1840)

Deutschland.
Bayern.

Vorgestern hatte Vormittags 10 Uhr der feierliche Gottesdienst für den verstorbenen geh. Rath von Utzschneider in der St. Peterspfarrkirche statt, bei welchem sich, so wie bei dem Leichenbegängniß desselben eine ungewöhnliche Zahl von Personen aus hohen und niedern Ständen einfanden. Die Büste des Verewigten wird dem Vernehmen nach in den Arkaden des Leichenackers aufgestellt werden. Man vermißt dortselbst noch eine, die Büste des um die Stadt München hochverdienten Bürgermeisters Edlen von Mittermayr, welche sich gewiß den Büsten anderer ausgezeichneter Männer anreihen dürfte.

Der Bayerische Volksfreund No. 34. München; Sonntag, den 9. Februar 1840.

#Grundzüge der Verfassung und Vermögensverwaltung der Stadtgemeinde München (1845)

Joseph v. Utzschneider,
Ritter des Verdienst-Ordens der bayer. Krone.

Der Sohn eines Bauern zu Rieden am Staffelsee, den 2. März geboren, genoß den ersten Unterricht in der Klosterschule zu Benediktbeuern, und wurde von da in die von Churfürsten Maximilian III. errichtete Kadetenschule aufgenommen, aus der er in die lateinischen Schulen zu München übertrat. Im Jahre 1777 wurde er Geheimschreiber der Frau Herzogin Maria Anna, als solcher trat er aber wieder ab und besuchte die hohe Schule in Ingolstadt, wo er im Jahre 1783 die Rechte absolvirte. Im Jahre 1784 wurde er Hofkammer-Rath, im J. 1799 Mauth- und Commerz-Deputations-Direktor, und endlich geheimer Referendär im Finanz-Ministerium, welchen Dienstes er im Jahre 1801 enthoben, aber im J. 1807 wieder in seine frühere Stellung eingesetzt und ihm das Amt eines General-Administrators der Salinen übertragen wurde. Im Jahre 1814 nahm er wiederholt seine Entlassung aus dem Staatsdienste, und verzichtete auf jeden Gehalt. Im J. 1818 wurde er als II. Bürgermeister der Stadt München gewählt und bestätigt, verließ aber im J. 1823 den magistratischen Dienst, und lebte wieder als thätiger Privatmann, bis er an den Folgen eines unglücklichen Sturzes aus dem Wagen am 31. Jänner 1840, also in seinem 77. Lebensjahre starb. Das, was der talentvolle Utzschneider als Beamter und als Privatmann wirkte, gehört der bayerischen Staats-Wirthschafts- und Finanz-Geschichte an.

Dr. Jakob Bauer: Grundzüge der Verfassung und Vermögensverwaltung der Stadtgemeinde München mit besonderer Rücksicht auf die dem Magistrate durch das Gemeinde-Edikt vom Jahre 1818 zugewiesenen Verwaltungszweige von Dr. Jakob Bauer, I. Bürgermeister. München, 1845.

#Das Bayerland (1898)

6. Joseph v. Utzschneider, Geheimrat; großer Bürger, der auf staats- und volkswirtschaftlichem Gebiete Außerordentliches leistete, geboren als Sohn armer Landleute zu Rieden am Staffelsee am 2. März 1763.

Als Knabe verlor er durch unvorsichtiges Handhaben einer Schußwaffe sein linkes Auge. Schulpflichtig geworden, besuchte er erst die Volksschule in Uffing, später erhielt er dann Unterricht im Augustinerkloster Polling bei Weilheim.

Sein Onkel mütterlicherseits, der herzogliche Zahlmeister Andrä, brachte ihn, da er gar bald Proben von Scharfblick und Geistesregsamkeit ablegte, nach München und ermöglichte, daß er auch da die Lateinschule besuchen konnte. Nachdem er diese durchgemacht, kam er in die Kadettenschule. In dieser Zeit verwendete die Herzogin Maria Anna, hauptsächlich anläßlich jener wichtigen Verhandlungen, welche sie mit Preußen für Bayerns Selbständigkeit gegenüber Österreichs Ansprüchen anknüpfte und zum Nutzen Bayerns auch durchführte, den jungen Mann als Privatsekretär.

Nach seinem Austritt aus der Kadettenschule besuchte Utzschneider die Universität Ingolstadt, und wurde nach vollendetem rechtswissenschaftlichem Studium im Jahre 1783 von seiner Gönnerin, Maria Anna, zum Lehrer an der von ihr gegründeten »Landesakademie« nachmals »Militärakademie« nach München berufen. Durch seine Thätigkeit als Ökonomieverwalter eines herzoglichen Gutes lernte er die Landwirtschaft näher kennen und hegte fortan zeitlebens große Neigung dafür.

Im Jahre 1784 ernannte ihn Kurfürst Karl Theodor zum Hofkammerrate mit Sitz und Stimme, als welcher er besonders thätig für Austrocknung des Donaumooses war. Große Flächen Landes wurden durch ihn dem Ackerbau zugewendet und manches schöne Dorf verdankt ihm seine Entstehung.

Einige Zeit stand er auch der Saline in Berchtesgaden vor, auch hier wirkte er überaus umsichtig und förderlich.

Als der Nachfolger Karl Theodors, Maximilian IV., der nachmalige König Max I., den bayerischen Kurstuhl bestiegen hatte, wurde Utzschneider sofort zu einem der sieben Direktoren bei der neu errichteten Generallandesdirektion ernannt und bald darauf zum geheimen Referendar in den landständischen Angelegenheiten befördert. Er stand hoch in der Gunst seines Fürsten, was Wunder, wenn er eine Menge Neider hatte, die unausgesetzt an seinem Sturze arbeiteten. Im Jahre 1801 endlich siel er diesen zum Opfer, Verläumdungen führten seine Entlassung herbei.

Aber auch als Privatmann war er unausgesetzt thätig und schuf nacheinander verschiedene große industrielle Unternehmungen. Darunter nehmen die Ledermanufaktur, welche die ganze Nordseite der Rumfordstraße bis zur Zwingerstraße einnahm und die im Vereine mit Reichenbach, Liebherr und Fraunhofer im säkularisierten Klostergebäude zu Benediktbeuren errichtete optische Anstalt den ersten Platz ein.

Im Jahre 1807 wurde Utzschneider wieder in den Staatsdienst berufen und zum geheimen Finanzreferendar und Generaladministrator der Salinen ernannt. In dieser Stellung bewirkte er die Errichtung einer Saline in Rosenheim und machte dieses Regale überhaupt erst rentabel.

Als im Jahre 1809 der Krieg ausbrach, schwebte Utzschneider bei dem Einfalle der Tiroler in unser Land in Lebensgefahr, denn die Aufständischen hatten auf seinen Kopf einen Preis gesetzt, weil er gegen den Aufstand gewirkt hatte.

Aber auch während dieser unruhigen Zeit war der große Staatsmann unausgesetzt thätig. Er gab zur Anlage des Grundsteuerkatasters Veranlassung, förderte die neue Erfindung Senefelders, die Lithographie, verbesserte als deren Vorstand die Münzanstalt und gründete die Schuldendeckungs-Kommission.

Wiederholt trieb ihn Neid von seinem Posten, und im Jahre 1814 legte er seine Stellen sämtlich nieder, zugleich auf seinen wohlverdienten Ruhegehalt von jährlich 6000 Gulden zu Gunsten der Minderbesoldeten verzichtend. Der König zollte seinen Verdiensten Anerkennung durch Verleihung des Geheimratstitels und des Verdienstordens der bayerischen Krone.

Von nun ab war er fast ausschließlich auf industriellem Gebiete thätig. Auf seinem Besitztum wendete er seine volle Aufmerksamkeit der Runkelrübenzuckerfabrikation zu, in München errichtete er im Jahre 1815 ein großes Brauhaus am Ostende des Maximiliansplatzes, eine Tuchmanufaktur und eine Spritfabrik an der Spitalstraße.

Zur Zeit der Einführung der Verfassungsurkunde und des Gemeindeedikts vom Jahre 1818, als die Stadt München wieder einen Magistrat mit Bürgermeisteramt erhielt, wurde er zum 2. Bürgermeister gewählt. In dieser Stellung förderte er das Volksschulwesen, beantragte damals schon die Kanalisierung der Stadt und gab die erste Anregung zur Gründung einer Sparkassa. Nach sechs Jahren legte er, durch sein Alter hierzu berechtigt, sein Amt nieder. Auch als Abgeordneten für die zweite Kammer traf ihn die Wahl.

Im Jahre 1829 kaufte er das ehemals fürstbischöfliche Jagdschloß Erching, bei welchem 1500 Tagwerk Grund waren; hier gab es Gelegenheit zu mannigfachen Versuchen und Leistungen im Gebiete der Landwirtschaft.

Am 29. Januar 1840 verunglückte der äußerst thätige Mann bei einer Fahrt über den steilen Giesinger Berg, den Berg, der nachher bis zu seiner vor wenigen Jahren erfolgten Regulierung noch manches Opfer fordern sollte, und starb zwei Tage darauf im 77. Lebensjahre.

Sein noch erhaltenes Grab befindet sich im südlichen Friedhof, ältere Abteilung, Arkaden Nr. 32; es ist mit seiner, von Bildhauer Johann Halbig gefertigten Büste geschmückt. Einen Abguß hiervon ließ die Stadt München in einer Nische unter den Arkaden aufstellen. Auch das Haus Nr. 11 an der Müllerstraße, wo sich noch die Merzsche optische Anstalt befindet, ist neben der Büste Fraunhofers mit der Utzschneiders geschmückt. Meister Karl v. Piloty reihte ihn auf dem Wandgemälde im Sitzungssaale des neuen Rathauses zu München unter die für die Stadt bedeutsamsten Persönlichkeiten. Das städtische historische Museum besitzt ein Ölbildnis: »Utzschneider als Bürgermeister«, gemalt von Wagenbreth; eine Straße trägt zum bleibenden Andenken seinen Namen.

C. Reber: Die »Ruhmeshalle« unter den Arkaden des südlichen (älteren) Friedhofes in München. Das Bayerland. Illustrierte Wochenschrift für bayerische Geschichte und Landeskunde. 9. Jahrgang. Heft Nr. 27. München, 1898.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Utzschneider Josef, von, 1763 (Rieden am Staffelsee/Obb.) – 1840, Techniker, Volkswirtschaftler, Generaladministrator der Salinen und 2. Bürgermeister von München; er wirkte in jungen Jahren schon als Privatsekretär der Herzogin Maria Anna am Hof zu Potsdam bei Verhandlungen zwischen Preußen und Bayern wegen der Selbständigkeit Bayerns gegenüber den Ansprüchen Österreichs; unter Karl Theodor zum Hofkammerrat ernannt, hat sich U. durch Austrocknung des Donaumooses verdient gemacht; bei Max I. stand er sehr in Ehren, Direktor der Generallandesdirektion, Geheimer Referendär in landständischen Angelegenheiten, Geheimer Finanzreferendär, Generaladministrator der Salinen, 2. Bürgermeister von München, waren die Hauptstufen seiner öffentlichen Laufbahn; er war auch Mitglied der BAkdW; als Privatmann schuf U. große industrielle Unternehmen (Ledermanufaktur, Mitarbeit an der Optischen Fabrik mit Fraunhofer und Reichenbach, Tuchherstellung, Gewinnung von Zuckerrüben; auf Us. Vorschläge geht in erster Linie die Anlage des Grundsteuer-Katasters in Bayern zurück.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#AA – 33 (Asch zu Asch auf Oberndorff · Schrenk)


Familien-Grabstätte.

¿
¿ Kammerjunker
¿ zu Brückenau
Geboren den 4t. September 1804.
Gestorben den 31t. Maerz 1839.
Leopoldine Freyfrau v. Schrenk
v. Notzing, geborne Freyin v. Asch,
Reichsraths- u. Justizministers Gattin.
Geboren den 21t. Dezember 1778.
Gestorben den 17t. Oktober 1840.
Sebastian Freyherr v. Schrenk
v. Notzing ¿, ReichsRath,
¿
¿ der
¿ k. Ludwigordens.
¿ 27t. September 1774.
¿ 16t. Mai 1848.
Rosa Freiin v. Schrenk
geboren den ¿5t. Juli 18¿4, gestorben ¿ Juni ¿


  • Asch zu Asch auf Oberndorff, Adolf Freiherr von; 30.10.1839 (München) – 18.2.1906 (München); Generalleutnant und bayerischer Kriegsminister
  • Asch zu Asch auf Oberndorff, Irene Freiin von; 26.9.1835 – 23.1.1906; Stiftsdame
  • Asch zu Asch auf Oberndorff, Josef Maria Freiherr von; 16.12.1793 – 18.1.1865 (München); Generalmajor und königlich bayerischer Kämmerer
  • Asch zu Asch auf Oberndorff, Josefine Freiin von; 9.11.1788 – 15.10.1854 (München); Landrichters-Tochter / Stiftsdame
  • Asch zu Asch auf Oberndorff, Maria Freifrau von (vh) / Helvig, von (vw) / Haimer (gb); 25.3.1840 – 1.10.1900
  • Asch zu Asch auf Oberndorff, Violanda Leopoldine Rosa Freifrau von (vw) / Schrenk von Notzing (gb); 22.9.1799 – 12.8.1873 (München); Appellationsgerichtspräsidentens-Tochter / Generalmajors-Witwe
  • Schrenk von Notzing, Eduard Freiherr von; 4.9.1804 – 31.3.1839 (München); Landrichter zu Brückenau und königlicher Kammerjunker
  • Schrenk von Notzing, Leopoldine Freifrau von (vh) / Asch zu Asch auf Oberndorff, Freiin von (gb); 21.12.1778 – 17.10.1840 (München); Reichsrats- und Justizministers-Gattin
  • Schrenk von Notzing, Sebastian Freiherr von; 27.11.1774 (Hillstett bei Neunburg vorm Wald) – 16.5.1848 (München); Bayerischer Kultusminister und Justizminister
  • Schrenk von Notzing, Rosa Freiin von; ¿5.7.18¿4¿ – ¿.6.¿

Grab der Familien Asch · Schrenk auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

Grab der Familien Asch · Schrenk auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Adolf Freiherr von Asch zu Asch auf Oberndorff

* 30.10.1839 (München)
† 18.2.1906 (München)
Generalleutnant und bayerischer Kriegsminister

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Asch zu Asch auf Oberndorff Adolf, von, Freiherr, 1839 (München) – 1906, Generalleutnant und bayerischer Kriegsminister; der Offizierssohn begann seine militärische Laufbahn 1859 als Unterleutnant, er wurde 1866 Bataillonsadjutant und Oberleutnant, 1870 2. Adjutant des Generals L. von der Tann und war schließlich – letzter Dienstgrad: Generalleutnant – von 1893 bis 1905 bayerischer Kriegsminister; er bearbeitete im Auftrag des Großen Generalstabs den Anteil der bayerischen Truppen am Krieg 1870/71; die Bedeutung As. liegt in der Organisation sowie in der praktischen Schulung der bayerischen Armee, deren Belange er auch gegenüber dem Parlament zu wahren verstand; fällt doch in die «Ära A.« die Errichtung des 3. Armeekorps (Sitz Nürnberg) 1900, die Organisation der Feldartillerie (seit 1901 in 6 Brigaden, 16 Regimenter), die Aufstellung der ersten bayerischen Maschinen-Gewehr-Abteilung und die Bildung des ersten Detachements Jäger zu Pferd, ferner die Lösung der Frage einer einheitlichen Militär-Strafprozeßordnung sowie die Entsendung des bayerischen Kontingents nach Ostasien; er war als Truppenführer, Organisator, Verwalter und Wirtschafter gleich berühmt.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#Eduard Freiherr von Schrenk von Notzing

* 4.9.1804
† 31.3.1839 (München)
Landrichter zu Brückenau und königlicher Kammerjunker

#Fürther Tagblatt (5.4.1839)

Vermischte Nachrichten.

Freiherr Eduard v. Schrenk, k. Landrichter in Brückenau, an welchem, zu München im väterlichen Hause Sr. Exc. des kgl. Justizministers Frhrn. von Schrenk, eine höchst schmerzhafte Operation an der Kinnlade vorgenommen wurde, nach welcher aber leider eine abermalige Auswucherung seines Uebels statt fand, ist am 31. v. M. Vormittags, 34 Jahre alt, gestorben.

Fürther Tagblatt No. 55. Freitag, den 5. April 1839.

#Sebastian Freiherr von Schrenk von Notzing

* 27.11.1774 (Hillstett bei Neunburg vorm Wald)
† 16.5.1848 (München)
Bayerischer Kultusminister und Justizminister

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Schrenk Sebastian, von, Freiherr, 1774 (Hillstett bei Neunburg vorm Wald) – 1848; bayerischer Kultus- und Justizminister; er entstammt einem alten Münchner Patriziergeschlecht, das schon 1279 sich im Innern Rat der Stadt nachweisen läßt; nach juristischem Studium zu Ingolstadt wurde Sch, 1796 Regierungsrat an der adeligen Bank in Straubing, 1798 Pfleger in Wetterfeld bei Cham, 1807 königlicher Landrichter in Kemnath, 1808 Hofgerichtsrat in Straubing, 1808 Appellations- bzw. 1811 Oberappellationsgerichtsrat in München; seit 1819 war Sch. Mitglied der II. Kammer des bayerischen Landtags und deren I. Präsident bis 1837, 1820 wurde er Ministerialrat im Justizministerium, 1827 Präsident des Appellationsgerichts für den Regenkreis in Amberg und von 1832 bis 1846 war Sch. Staatsminister der Justiz; als Leiter des Ministeriums des Innern für kirchliche Angelegenheiten (seit 1846) war Sch. erster bayerischer Kultusminister.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#AA – 34 (Preysing-Lichtenegg)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Preysing-Lichtenegg, Anna Maria Gräfin von; 15.6.1808 – 6.11.1887
  • Preysing-Lichtenegg, Johann Georg Anton Graf von; 18.11.1811 – 29.12.1889; Hauptmann a. D.
  • Preysing-Lichtenegg, Leopold Georg Josef Alois Graf von; 29.12.1817 – 29.6.1838 (München); Rittergutsbesitzer
  • Preysing-Lichtenegg, Maria Kreszentia Gräfin von (vh) / Enzberg, Gräfin von (gb); 1.1.1782 – 16.12.1851 (München); Kämmerers-Witwe
  • Preysing-Lichtenegg, Oktavia Gräfin von (vh) / Oberkirch-Malsheim, Freiin von (gb); 4.12.1825 – 26.1.1900

Todesanzeige für Leopold Georg Josef Alois Graf von Preysing-Lichtenegg

Grab der Familie Preysing-Lichtenegg auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#AA – 35 (Harlander · Heideck)


DEM ANDENKEN
DER THEUREN GATTIN
UND MUTTER
CAROLINE von HEIDECK
GEB. DEN 13. JAN. 1805.
GEST. DEN 14. MÄRZ 1838.
OTTO FRIEDRICH FREIHERR V. HEIDECK
JUNKER IM K. I. CUIRASSIERREGMT. PRINZ CARL
GEB. DEN 16. APRIL 1835. GEST. DEN 29. JULI 1857.
CARL WILHELM FREIHERR V. HEIDECK
GENANNT HEIDEGGER
K. KÄMMERER, GENERAL ¿
DES K. GENERAL-AUDITORIATES
GROSSKREUZ D. GRIECH. ERLÖSERORDENS – GROSSCOMTHUR
DES VERD. ORD. V. HL. MICHAEL – RITTER DES VERD. ORDENS
DER BAY. KRONE D. LUDWIGSORD. D. FRANZ. EHRENLEGION etc. etc.
GEB. DEN 6. DEZ. 1788. GEST. DEN ¿ FEBR. 186¿

Linke Tafel
HIER RUHT
FRAU
KAROLINE HARLANDER
GEB. FREIIN VON HEIDECK
GEB. ZU NAUPLIA
DEN 11. JUNI 1833
GEST. IN MUENCHEN
DEN 2. APRIL 1907.
FRIEDE IHRER ASCHE!

Rechte Tafel
HIER RUHT
HERR
HIPPOLYT HARLANDER
KGL. B. OBER-AUDITORIATE
GEB. ZU AMBERG
DEN 5. MAERZ 1833
GEST. IN MUENCHEN
DEN 3. MAERZ 1903.
FRIEDE SEINER ASCHE!


  • Harlander, Hippolyt; 5.3.1833 (Amberg) – 3.3.1903 (München); Oberauditor
  • Harlander, Karoline (vh) / Heideck, von (gb); 11.6.1833 (Nauplia) – 2.4.1907 (München)
  • Heideck, Karl Wilhelm Freiherr von / Heidegger (ps); 6.12.1788 (Saaralben/Lothr., Frankreich) – 21.2.1861 (München); Generalleutnant, Genremaler, Landschaftsmaler, Tiermaler und Radierer
  • Heideck, Karoline von (vh); 13.1.1805 – 14.3.1838 (München); Kämmerers-Gattin
  • Heideck, Otto Friedrich Freiherr von; 16.4.1835 – 29.7.1857 (München); Junker

Grab der Familien Harlander · Heideck auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

Grab der Familien Harlander · Heideck auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Karl Wilhelm Freiherr von Heideck / Heidegger (ps)

* 6.12.1788 (Saaralben/Lothr., Frankreich)
† 21.2.1861 (München)
Generalleutnant, Genremaler, Landschaftsmaler, Tiermaler und Radierer

#Die bildende Kunst in München (1842)

Karl Wilhelm von Heideck,
genannt Heidegger,

schildert mit Lebendigkeit einzelne Scenen des Volkslebens der verschiedensten Nationen, die er zu beobachten Gelegenheit hatte. Er ist im J. 1788 zu Saaralben in Lothringen geboren, wo sein Vater, der Sproße eines alten helvetischen Geschlechtes, bei dem Schweizer-Regimente in Garnison stand, und dann in die Dienste des Herzogs von Zweibrücken übertrat. Nach dem Falle von Kusel, wo er angestellt war, kehrte er mit seiner Familie nach Zweibrücken zurück, wo sein Sohn Karl Wilhelm anfangs die gelehrten Schulen besuchte und zugleich im Zeichnen Unterricht erhielt. Darin übte er sich fortwährend und mit Vorliebe in Zweibrücken, wohin er sich mit seiner Mutter im Jahre 1799 begeben hatte, und auch in München, wo er im J. 1801 ankam, um sich hier in der Militärakademie zum Krieger zu bilden. Bereits hatte er im Guachemalen, in der Tusch- und Aquarell-Manier große Fortschritte gemacht, als er im Jahre 1805 zum Lieutenant der Artillerie ernannt ins Feld zog, zuerst im Kriege gegen Preussen, dann im Jahre 1809 gegen Oesterreich und Tyrol kämpfte, darauf von Kampfeslust getrieben freiwillig den französischen Feldzügen in Spanien und Portugal beiwohnte, dann nach dem ersten Pariser-Frieden im Gefolge des Kronprinzen Ludwig von Bayern nach England ging, dem Kongresse in Wien beiwohnte und im Herbste des Jahres 1816 als Grenzberichtigungs-Commissär zwischen Bayern und Oesterreich eine Zeit lang in Salzburg und der Umgegend weilte.

Während dieses vielfach thätigen und bewegten Lebens war ihm die Uebung in der Kunst eine angenehme Erholung und, allein an die Natur gewiesen, suchte er die mannichfaltigen Erscheinungen bei den verschiedenen Völkern, zu welchen ihn das Schicksal geführt, in charakteristischen Skizzen, die er später ausführte, zu schildern und die flüchtigen gleichsam festzuhalten. Auf diese Weise entstanden seine vielen Zeichnungen nach der Natur, in welchen er ernste kriegerische, ländliche und heitere Scenen mit treuer Auffassung der landschaftlichen Umgebung und des Klima, so wie der physiognomischen Nationalverschiedenheit der Völker und ihrer eigenthümlichen Tracht und ganzen Lebensweise, bald in einzelnen Gestalten, bald in schön geordneten Gruppen darstellte: angenehme Denkblätter seiner Ergebnisse und Anschauungen, voll Geist und Lebendigkeit.

Schon in Spanien hatte er sich auch der landschaftlichen Schilderung zugewendet und die ältere und neuere Bauart jenes Landes nach ihren äußeren Formen und inneren Einteilung gründlich zu erkennen gesucht und sie vielfach in seinen Zeichnungen und in den nachmals ausgeführten Gemälden auf das Treueste und Glücklichste hervorgehoben, wie die Brücke von Cuenca mit der Ansicht eines Theiles dieser Stadt, den römischen Triumphbogen des Hadrian, bei welchem eine spanische Guerilla zu Pferd von französischen Reitern verfolgt wird; noch entschiedener ergriff er aber die landschaftliche Schilderung während seines Aufenthaltes in Salzburg und nach demselben, da die großartigen mannichfaltigen Gebirgsformen, die lieblichen Thäler und Matten und die üppige Pflanzenwelt jener Gegend seine Phantasie mit den anmuthigsien Bildern erfüllt und einen unvergeßlichen Eindruck in seinem Gemüthe zurückgelassen hatten.

Erst im Jahre 1816 begann er die Uebungen im Oelmalen, überwand mit ausdauerndem Fleiße die Schwierigkeiten und bewegte sich bald frei in dieser Art der Darstellung, so daß er schon bis zu dem Ende des Jahres 1825 an siebzig Staffeleigemälde vollendet hatte, theils Scenen aus seinen reichen Lebensanschauungen der mannichfaltigsten Art, theils Landschaften, verschieden nach ihrem ernsten oder heiteren Charakter: Felsenthäler oder angenehme Ebenen, jede mit Figuren im Vordergrunde – einer der Landschaft angemessenen Staffage – belebt und mit der jede Tages- und Jahreszeit klar bezeichnenden Luft-, Licht- und Pflanzen-Erscheinungen. Landschaft und Handlung, aus der Menschen- oder Thierwelt, vor Allen liebt auch er, Pferde darzustellen, sind stets auf das Innigste miteinander verbunden und ergänzen sich wechselseitig; die Gruppen sind lebendig gefällig geordnet.

Eine neue Welt zu lebendigen Darstellungen eröffnete sich ihm während seines Aufenthaltes in Griechenland, wohin er zuerst aus freiem Antriebe im Jahre 1826 als Philhellene gegangen war und dort am Kampfe des edlen Volkes gegen die Türken Theil nahm und die verschiedenartigsten Aeußerungen des kriegerischen, öffentlichen und häuslichen Lebens zu Wasser und Land zu beobachten Gelegenheit hatte; dann als er im J. 1832 als Mitglied der Regentschaft dahin zurückkehrte und mehrere Jahre dort, in dem ihm angewiesenen Wirkungskreise thätig, verweilte. Seit dieser Zeit hat er mit Vorliebe belebte Scenen aus Griechenland dargestellt, besonders die Kämpfe des zur Freiheit erwachenden Volkes: das freie Leben der Palikaren in ihrer reichen, eigenthümlichen Tracht, sonnenverbrannt, zum beständigen Kampfe gerüstet. Hier lagern sie auf den Ruinen einstiger Größe von Hellas; hier vergnügen sie sich an Lautenspiel und Tanz; dort sind sie im glühenden Streite mit den Türken geschildert, und jedes Volk zeigt die ihm eigentümliche Physiognomie, Gewandung und Art des Kampfes; die Türken zu Roß anstürmend, mit dem krummen Säbel und mit Pistolen angreifend; die Palikaren zu Fuß, mit dem langen Feuerrohre sich verteidigend. Auf einem anderen Bilde sind Palikaren und Philhellenen verschiedener Nationen im Lager vor Athen in bunter Mischung traulich zu einander gesellt, in mannichfache Gruppen vertheilt; hier schildert er den belebten Marktplatz in Athen; ein anderes Mal aber nur eine einfache friedliche Scene: wie ein Greis mit seinem Enkel im Schatten an einem Brunnen sitzt, daneben die junge Frau mit ihrem Säugling, weiter ab der Vater steht, welche Beide dem Gespräche und der Unterhaltung Jener zu lauschen scheinen. Oder wie hier die Türken eine griechische Verschanzung angreifen, heiß der Kampf und die Verteidigung glüht, wie die Massen und einzelne Gruppen und Gestalten die Aufmerksamkeit auf sich lenken, theilen und wieder vereinigen; wieder ein anderes Bild schildert ein Gefecht zwischen griechischen und türkischen Reitern; andere dagegen das Leben der Seeräuber, jetzt, wie sie auf Beute lauern; dann, wie sie verfolgt sich in eine Bucht retten.

Mit derselben technischen Fertigkeit und Wahrheit gibt er auch Bilder, in welchen das Architektonische und Landschaftliche als die Hauptsache hervortritt: Brunnen, wohlummauerte, welche aus früherer Zeit herstammen und die als wahre Denkmale erscheinen, mit dem eigenthümlichen landschaftlichen Hintergrunde und den sie umgebenden Bäumen und Gebüschen; Thore; das Gewölbe in den alten Kaiserpalästen zu Rom; Hirten mit mancherlei Vieh. Zuweilen läßt er der heiteren Laune freies Spiel, wie in der Schilderung einer Scene, da ein Viergespann kräftiger Hengste, durch ein Gewitter scheu gemacht, brausend dahinstürmt und der Bauernbursche sie vergebens zu zügeln sich bemüht; und in einer Scene aus Victor Hugo’s Notre Dame zu Paris, da der alberne Philosoph bei nächtlicher Beleuchtung von den Gaunern, in deren wildtobende betrunkene Gesellschaft er gerieth, so eben an einem Balken soll aufgehängt werden.

Dr. Johann Michael von Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.

#Ansichten und Bemerkungen über Malerei und plastische Kunstwerke (1846)

Ich gehe nun zu einigen Bildern der neueren Epoche meiner eigenen Sammlung über, von denen ich namentlich heraushebe:

16a. General Heideck, in München, ist ein guter Thierzeichner. Eine kräftigere Färbung und stärkere Schatten würden den Werth seiner Gemälde noch erhöhen. (Von ihm besitze ich ein Bildchen: eine Winterlandschaft mit schwerer Cavallerie im Vordergrunde.)

Freiherr Max von Speck-Sternburg: Ansichten und Bemerkungen über Malerei und plastische Kunstwerke. Leipzig, 1846.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Heideck Karl Wilhelm, von, Freiherr, 1788 (Saaralben/Lothr., Frankreich) – 1861, Generalleutnant, Landschaftsmaler und Radierer; als junger bayerischer Leutnant kämpfte H. 1805 für, 1810/13 in Spanien und 1814/15 als bayerischer Hauptmann gegen Napoleon; erst dann widmete er sich der Malerei als Schüler J. Chr. Mannlichs, von 1826/28 war er Offizier im griechischen Befreiungsheer, 1833 organisierte er als Mitglied des griechischen Regentschaftsrats das dortige Militärwesen; den jugendlichen Max II. begleitete M. auf seinen Reisen durch Kleinasien; all seine militärischen Erlebnisse hielt er auf der Leinwand fest, dabei hat er auch viele Zeichnungen und Radierungen neben italienischen, spanischen und griechischen Landschaften sowie Genre- und Pferdebilder hinterlassen; viele seiner Werke besitzt die Maillinger Sammlung.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#AA – 36 (Maffei)


Linke Tafel
PETER PAUL RITTER VON MAFFEI
GEB. IN TRIENT 1754 GEST. 1836
WALBURGA EDLE VON MAFFEI
GEB. MAYR 1764-1803
JOSEF ANTON RITTER VON MAFFEI
REICHSRAT DER KRONE BAYERNS
INHABER DER GOLDENEN
BÜRGERMEDAILLE DER STADT
MÜNCHEN. 1790-1870
ANTONIE EDLE VON MAFFEI
GEB. SCHUH 1795-1876
JOHANN RITTER VON MAFFEI
KGL. OBERST 1792-1885
FRIEDERIKE EDLE VON MAFFEI
GEB. STEITZ 1802-1889

Rechte Tafel
HUGO RITTER VON MAFFEI
EXCELLENZ ERBL. REICHSRAT
DER KRONE BAYERNS
GUTS- UND FABRIKBESITZER
GEB. 1836 GEST. 1921
IDA EDLE VON MAFFEI
GEB. VON MAFFEI 1841-1927
ALFONS RITTER VON MAFFEI
GEB. 1862 GEST. 1926
GABRIELE EDLE VON MAFFEI
GEB. VON SCHAUSS 1867-1905
HUGO RITTER VON MAFFEI
GEB. 1888 GEST. 1932 IN JAVA
PETER PAUL RITTER VON MAFFEI
GEB. 1918 GEF. 1945


  • Maffei, Alfons Ritter von; 1862 – 1926
  • Maffei, Antonie Edle von (vw) / Schuh (gb); 1795 – 5.1876 (München); Reichsrats-Witwe
  • Maffei, Friederike Edle von (vh) / Steitz (gb); 1802 – 1889
  • Maffei, Gabriele Edle von (vh) / Schauss, von (gb); 1867 – 1905
  • Maffei, Hugo Ritter von; 1836 (Bamberg) – 1921 (München); Fabrikant
  • Maffei, Hugo Ritter von; 1888 – 1932 (Java)
  • Maffei, Ida Edle von (vh) / Maffei, von (gb); 1841 – 1927
  • Maffei, Johann Ritter von; 1792 – 1885; Oberst
  • Maffei, Josef Anton Ritter von; 4.9.1790 (München) – 1.9.1870 (München); Fabrik- und Gutsbesitzer
  • Maffei, Peter Paul Ritter von; 1754 (Trient) – 13.11.1836 (München); Ehemaliger Großhändler
  • Maffei, Peter Paul Ritter von; 1918 – 1945
  • Maffei, Walburga Edle von (vh) / Mayr (gb); 1764 – 1803

Todesanzeige für Peter Paul Ritter von Maffei

Grab der Familie Maffei auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

Grab der Familie Maffei auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

Grab der Familie Maffei auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

Grab der Familie Maffei auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Josef Anton Ritter von Maffei

* 4.9.1790 (München)
† 1.9.1870 (München)
Fabrik- und Gutsbesitzer

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Maffei Josef Anton, von, Ritter, 1790 (München) – 1870, Fabrik- und Gutsbesitzer, Großhändler und Reichsrat der Krone Bayern; anfangs betrieb M. wie sein Vater, Peter Paul M., der aus Trient kam, eine Tabakgroßhandlung in München; um Bayern auf dem Gebiet der Maschinenindustrie mit dem Ausland konkurrenzfähig zu machen, gründete er dann in der Hirschau beim Englischen Garten in München 1837 sein Eisenwerk, das, aus kleinen Anfängen heraus, eine der bedeutendsten Anstalten für den Bau von Lokomotiven in Deutschland geworden ist; M. stellte als erster in Süddeutschland Lokomotiven her; er war ein vielseitiger Mann, dem vor allem die München-Augsburger Eisenbahnlinie ihr Entstehen verdankt; M. wurde Münchner Magistratsrat, dann Landtagsabgeordneter und später Reichsrat der Krone Bayern; »einer der gediegensten und vornehmsten Industriellen des Königreichs« (J. N. von Ringseis).

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#AA – 39 (Mittermayr)


Franz Paul
v. Mittermayr
Bürgermeister
* 2. April 1766 zu München
† 6. Juli 1836 zu München


  • Mittermayr, Franz Paul Josef von; 2.4.1766 (München) – 6.7.1836 (München); Münchener Bürgermeister

Grab der Familie Mittermayr auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2008)

#Franz Paul Josef von Mittermayr

* 2.4.1766 (München)
† 6.7.1836 (München)
Münchener Bürgermeister

#Die Bayer’sche Landbötin (12.7.1836)

Dann in seinem 71sten Lebensjahre Hr. Franz de Paula Edler von Mittermayr, I. und rechtskundiger Bürgermeister der Haupt- und Residenzstadt München seit Wiedereinführung der städtischen Verfassung. Ein wahrer Vater der Stadtgemeinde! Das Leichenbegängnis findet heute Abends 6 Uhr Statt. Der Gottesdienst ist am Donnerstag um halb 11 Uhr bey St. Peter.

Die Bayer’sche Landbötin Nr. 83 , Dienstag, den 12. Juli 1836.

#AA – 57 (Teng)


JOSEF
VON
TENG
1786
1837


  • Teng, Josef von; 29.8.1786 (Passau/Ndb.) – 7.12.1837 (München); Münchener Bürgermeister

Grab der Familie Teng auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

Grab der Familie Teng auf dem Alten Südfriedhof München. Abbildung aus: Auswahl der vorzüglichsten Denkmäler des Münchner Kirchhofes. 2. Band. München, 1841.

#Josef von Teng

* 29.8.1786 (Passau/Ndb.)
† 7.12.1837 (München)
Münchener Bürgermeister

#Münchner-Tagespost (12.12.1837)

Das Begräbnis des verstorbenen Bürgermeisters Hrn. v. Teng, das vorgestern Nachmittag stattfand, war sehr feyerlich. 66 Fackeln eröffneten den Leichenzug; dann folgten die Waisenkinder, die Schuljugend, die barmherzigen Schwestern, die PP. Franziskaner, die Pfarrgeistlichen. Die Leiche wurde ferner begleitet von den Magistratsräthen, den Bevollmächtigten der Stadt, vieler kön. Beamten, dem Bürger Offizier-Corps und einer Menge von Bürgern und Leuten aller Stände, obgleich die Witterung regnerisch war. Ein Beweis, daß der Verstorbene die allgemeine Liebe und Achtung, durch seine biedere, unpartheiische Amtsführung, sich erworben hat. Die Rede welche am Grabe der geistl. Rath und Pfarrer von St. Peter hielt, war eben so gehaltvoll als das Gemüth durchdringend.

Münchner-Tagespost. No. 5. Dienstag, den 12. Dezember 1837.

#AA – 58 (Nibler · Schintling)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Nibler, Adolf von; 31.3.1819 – 2.11.1825
  • Nibler, Amalia von (vw) / Valta, von (gb); 1800 – 6.11.1831 (München); Advokatens-Witwe
  • Nibler, Anna von (vh) / Ertel (gb); 10.3.1823 – 7.4.1851 (München); Apothekers-Gattin
  • Nibler, Antonia von (vh) / Riedt, von (gb); 28.12.1782 – 9.5.1836 (München); Advokatens-Gattin
  • Nibler, August Emanuel von; 30.1.1817 – 24.4.1852 (München); Apotheker
  • Nibler, Emanuel Maria von, Dr.; 16.11.1784 – 15.1.1851 (München); Königlicher Advokat
  • Nibler, Ida von (vh) / Schintling, von (gb); 13.3.1840 – 25.11.1902
  • Nibler, Katharina von (vh) / Ertel (gb); 26.10.1846 – 7.3.1863 (München); Privatiers-Tochter / Apothekers-Gattin
  • Schintling, Josefine von (vh) / Nibler, von (gb); 18.7.1815 – 3.2.1880

Grab der Familien Nibler · Schintling auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familien Nibler · Schintling auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2014)

#Dr. Emanuel Maria von Nibler

* 16.11.1784
† 15.1.1851 (München)
Königlicher Advokat

#Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik (19.1.1851)

Nekrolog.

Dr. Emanuel von Nibler war der Sohn des seiner Zeit ausgezeichneten Hofgerichts-Advokaten Licentiaten Nibler dahier. Seinen Talenten entsprechend, widmete ihn sein Vater den Studien, welche er vom Jahre 1804 bis 1807 auf der Universität zu Landshut in der Art vollendete, daß er durch Diplom des Universitäts-Senates vom 12. September 1807 zum Doctor der beiden Rechte creirt, die hohe Schule verließ. Nachdem derselbe sich in einem Zeitraum von neun Monaten der Gerichts-Praxis beim königlichen Landgerichte München gewidmet hatte, bestand er im August 1808 nach erhaltener Dispensation von der vorgeschriebenen einjährigen Praxis die Prüfung im Staats-Concurse, nahm hierauf den Acceß beim königlichen Stadtgerichte München und widmete sich gleichzeitig der Advokaten-Praxis bei seinem Vater, weil er für die Sphäre eines Rechtsanwaltes besondere Vorliebe hatte. Ohne um eine Anstellung im Staatsdienste nachgesucht zu haben, wurde er in einem Alter von 25 Jahren durch allerhöchstes Rescript vom 20. Jänner 1809 zum Aktuar des königl. Landgerichtes Landau im damaligen Unterdonaukreise ernannt, und bei der neuen Organisation der Landgerichte mit collegialer Verfassung am 4. März 1809 zum ersten Assessor des nämlichen Gerichtes befördert. Sein 6jähriges Wirken in dieser Eigenschaft wurde durch nachstehenden Inhalt des allerhöchsten Rescriptes vom 29. März 1815 gewürdiget:

»Wir haben beschlossen, den – bei ihm amtlich bezeugten vorzüglichen Rechts- und Geschäftskenntnissen, ausgezeichneten Fleiße und bewährten Diensteifer vorzüglicher Bedachtnahme würdigen bisherigen ersten Assessor des Landgerichtes Landau Dr. Emanuel Nibler die bei dem Stadtgerichte zu Straubing erledigte Assessor-Stelle zu verleihen etc. etc.«

Im November des nämlichen Jahres starb der Vater des nun Dahingeschiedenen, und obwohl demselben, erst im 31. Lebensjahre stehend, und bei der Anerkennung seiner bisherigen Dienstesleistungen die schönste Aussicht zum Vorrücken im höhern Staatsdienste blühte, konnte er seiner angebornen Neigung zur freieren Entwicklung seiner Thätigkeit im Gebiete der Advocatur nicht widerstehen – und er bat, gegen Verleihung der durch den Tod seines Vaters in München erledigten Advokaten-Stelle auf den Staatsdienst mit seinen Vortheilen Verzicht leisten zu dürfen.

Nach dem Inhalt des allerhöchsten Rescriptes vom 6. Februar 1816 wurde »der gestellten Bitte zur Belohnung seiner bisher mit besonderer Auszeichnung geleisteten Dienste« stattgegeben, und derselbe unter Bezeigung der vollsten Zufriedenheit über seine bisherige Geschäftsführung des bisher bekleideten Amtes enthoben.

Sein Vater war vom Jahre 1790 bis zu seinem Tode einer der thätigsten und geschicktesten Advokaten in München, sein Sohn trat in seine ausgebreitete Praxis ein, und rechtfertigte das in ihn gesetzte Vertrauen im vollsten Maße. Durch die dem Königreiche gegebene Konstitution vom Jahre 1818 und respective durch das allerhöchste Edict über die Siegelmäßigkeit verlor der nun Verstorbene dieses Recht, welches er durch Erlangung der akademischen Doktor-Würde erworben hatte, und welches für ihn in Beziehung auf seine Geschäftssphäre von äußerster Wichtigkeit war. Er mußte deßwegen wiederholt die Gnade Sr. Majestät des Königs in Anspruch nehmen, und in Nachweisung seiner Würdigkeit um Erhebung in den Adelstand bitten. Durch Diplom vom 1. Februar 1823 geruhte Se. Majestät der König, den Bittsteller für sich und seine ehelichen Nachkommen beiderlei Geschlechts in den Adelstand des Königreiches Bayern zu erheben. Im Monat Januar 1849 hatte derselbe sein 40jähriges Dienstes-Alter zurück gelegt, welches den Staatsdiener gesetzlich berechtigt, mit einem seiner Besoldung entsprechenden lebenslänglichen Pensionsbezug sich in die Ruhe des Privatlebens zurückzuziehen. Zu dieser Zeit trat in Folge der Welt-Ereignisse des Jahres 1848 ein ganz neues Verfahren vorläufig in der Criminal-Gerichtspflege mit Oeffentlichkeit und Mündlichkeit der Verhandlungen ein – und auch dem Verfahren in allen übrigen Verwaltungszweigen wurde durch neue Gesetzes-Vorlagen eine durchaus veränderte Richtung angedeutet. In einem Alter von 65 Jahren fühlte er nicht mehr den Muth und die Kraft, sich dem Studium der neuen Gesetze mit der Ausdauer zu unterziehen, um wie bisher mit den Besten seines Standes die Concurrenz halten zu können, und er beschloß daher, noch das volle Vertrauen seiner Clienten besitzend, eine Praxis niederzulegen, in welcher er noch 2 Concipienten beschäftigte. Durch königliches allerhöchstes Rescript vom 27. März 1849 wurde seine Verzichtleistung auf seine Advokaten-Stelle genehmigt, und demselben die allerhöchste Zufriedenheit mit seiner langjährigen ausgezeichneten Dienstesleistung zu erkennen gegeben. Das schönste Zeugniß über sein Wirken erhielt er aber durch seine Standesgenossen selbst, indem der Anwalt-Verein in München in einem Schreiben vom 7. April 1849 als Organ seiner Standesgenossen seiner 40jährigen Wirksamkeit als eines Collegen gedachte, welcher eben so sehr in Folge seiner Intelligenz, seines praktischen Scharfblickes und seines ehrenhaften Charakters eine Zierde des Standes war, als seine Loyalität und collegial würdiges Benehmen mit seltenem Takte jene Grenzlinie festzuhalten wußte, welche mit fester Manneskraft die Rechte der Clienten zu schützen weiß, ohne deßhalb jene Rücksichten aus dem Auge zu verlieren, welche man der Persönlichkeit und individuellen Anschauungsweise des gegnerischen Anwaltes schuldig ist. Er erhielt das gleiche Zeugniß von seinen Standesgenossen nach seinem Tod wiederholt dadurch, daß die sämmtlichen Mitglieder der hiesigen Anwaltschaft, ihm die letzte Ehre erweisend, seiner Beerdigungsfeier anwohnten, ein Zeugniß, welches sich nicht minder auf ergreifende Weise in der zahlreichen Versammlung seiner ehemaligen Clienten und seiner Verehrer aus allen Ständen am Grabe aussprach, als die leibliche Hülle jenes Mannes ihre Ruhesiätte fand, dessen Geist, Wille und Charakter ihr Vertrauen, ihre Freundschaft und Verehrung in seinem Leben, sowie ihre trauernde Theilnahme und ihr ehrendes Andenken nach seinem Tode ihm gesichert hatte. Seine Ruhetage gedachte er der Ordnung seiner häuslichen und sonstigen Verhältnisse zu widmen, aber nicht lange konnte er diese von ihm so sehr ersehnte Ruhe genießen. Denn kaum war er von einem Unwohlseyn während der letzten Monate des abgewichenen Jahres etwas genesen, trat am Abende des 1. Jänners jene Krisis ein, welche seinem Leben am 15. ds. Mts. Vormittags 9 Uhr in Mitte seiner Kinder ein Ziel setzte. Seine unermüdliche, uneigennützige Thätigkeit beschränkte sich jedoch nicht auf die Sphäre seiner anwaltschaftlichen Praxis, sondern umfaßte mit gleichem Eifer und Erfolge auch andere gesellschaftliche und gemeinnützige Zwecke; es genügt eine beispielweise Hinweisung auf sein Wirken für die hiesige Schützengesellschaft, seine Vorstandschaft im Häuser- und Maximillans-Jubiläums-Vereine, welch letzterer insbesondere, von ihm ins Leben gerufen und fortan verwaltet, aus den geringfügigsten Mitteln ein Stammvermögen von 10,000 fl. angesammelt und für wohlthätiges Bestehen für alle Zukunft gesichert hat.

Seine Familie verlor in ihm einen besorgten Vater, seine Freunde den wohlwollendsten Freund, seine Mitbürger den uneigennützigsten, besten Rathgeber, und wer den Scharfblick desselben zu bewundern, seine gerade Ehrlichkeit, seine biedere, jedes Falsch hassende Offenheit, zu achten Gelegenheit hatte, wer weiß, mit welcher Integrität des Charakters, mit welcher Uneigennützigkeit er seine glänzenden Talente zur Vertretung seiner Clientel anwendete, wird die seltene Theilnahme, die aufrichtige Trauer um den zu früh Verschiedenen, wird die Achtung, die jetzt noch demselben von Seite aller Gerichte wurde, eben so erklärlich finden, als den Schmerz aller Jener, die ihm näher gestanden sind.

Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik Nro. 19. Sonntag, den 19. Januar 1851.

#AA – 60 (Schilcher)


v. Schilcher


  • Schilcher, Alois von; 26.12.1801 – 13.4.1877 (München); Regierungspräsident
  • Schilcher, Franz Sales Ritter von; 29.1.1766 (Pflugdorf bei Landsberg a. Lech) – 20.7.1843 (München); Forstspezialist und II. Präsident des Obersten Rechnungshofs und Staatsrat
  • Schilcher, Josefa von; 30.9.1797 – 20.2.1873 (München); Direktionsrats-Tochter
  • Schilcher, Max August Dr. von; 18.5.1794 (Mindelheim) – 17.2.1872 (München); Staatsrat
  • Schilcher, Therese; – 18.8.1897; Staatsrats-Tochter
  • Schilcher, Walburga von (vw) / Lackner (gb); 3.4.1811 – 27.1.1897 (München); Staatsrats-Witwe

Grab der Familie Schilcher auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

#Franz Sales Ritter von Schilcher

* 29.1.1766 (Pflugdorf bei Landsberg a. Lech)
† 20.7.1843 (München)
Forstspezialist und II. Präsident des Obersten Rechnungshofs und Staatsrat

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Schilcher Franz Sales, von, Ritter, 1766 (Pflugdorf bei Landsberg a. Lech) – 1843, Forstspezialist, II. Präsident des Obersten Rechnungshofs und Staatsrat; Sohn eines Oberförsters, war Sch. seit 1790 Repetitor an der neugegründeten Forstschule in München; 1793 hat er im kurfürstlichen Auftrag drei Jahre lang ganz Deutschland, vor allem die nördlichen Gegenden, bereist, um die Forstverhältaisse zu studieren; er wurde dann Forsttaxator, 1795 Forstkommissar bei der kurfürstlichen Forstkammer in München; von nun an wurde Sch. für Finanzaufgaben verwendet, er war 1799 Generallandesdirektionsrat bei der pfalz-neuburgischen Landesdirektion, 1804 Direktor bei der Landesdirektion in Würzburg, 1806 in derselben Stellung in Bamberg, 1808 Geheimer Finanzreferendär und seit 1817 II. Präsident des Obersten Rechnungshofs; Schs. Verdienst liegt in der Organisation des bayerischen Forstwesens; in seinem Werk »Über die zweckmäßigste Methode, den Ertrag der Waldungen zu bestimmen«, vertrat er auf neuer Grundlage die damals schon verlassene Methode der reinen Schlageinteilung; das Charakteristische seines Verfahrens liegt darin, daß er durch geschickte Kombination der Standorts- und Bestandesbonität die Nachteile der reinen Schlageinteilung zu vermindern suchte.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#AA – 61 (Forbach)


CHRISTIAN GRAF VON FORBACH
* 20. JULI 1752 ZWEIBRÜCKEN
† 25. OKTOBER 1817 MÜNCHEN
WILHELM GRAF VON FORBACH
* 18. JULI 1754 ZWEIBRÜCKEN
† 21. JULI 1807 MÜNCHEN

ALS KOMMANDEUR DES REGIMENTS ROYAL DEUX-PONTS NAHMEN DIE BEIDEN
SÖHNE DES HERZOGS CHRISTIAN IV. VON PFALZ-ZWEIBRÜCKEN AM
AMERIKANISCHEN UNABHÄNGIGKEITSKRIEG TEIL. SIE ZEICHNETEN SICH
BEI DER ENTSCHEIDENDEN SCHLACHT VON YORKTOWN AM 19. OKTOBER 1781
BESONDERS AUS. FÜR IHRE TAPFERKEIT VERLIEH IHNEN GENERAL GEORGE
WASHINGTON DEN CINCINNATI-ORDEN. UNTER KÖNIG MAX I. JOSEPH WAREN
DIE GRAFEN CHRISTIAN UND WILHELM VON FORBACH HOHE OFFIZIERE IN DER
BAYERISCHEN ARMEE

ERRICHTET ZUM 200. JAHRESTAG DER SCHLACHT VON YORKTOWN IM ZEICHEN
DEUTSCH-AMERIKANISCHER FREUNDSCHAFT AM 19. OKTOBER 1981


  • Forbach, Christian Graf von; 20.7.1752 (Zweibrücken) – 25.10.1817 (München); Offizier
  • Forbach, Wilhelm Graf von; 18.6.1754 (Zweibrücken) – 21.7.1807 (München); Offizier

Grab der Familie Forbach auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2008)

Grab der Familie Forbach auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2008)

Grab der Familie Forbach auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2008)

#AA – 62 (Mussinan auf Zellerreit)


JOSEF
ANTON
VON
MUSSINAN
1766
1837
JURIST UND
GESCHICHTS-
SCHREIBER


  • Mussinan auf Zellerreit, Josef Anton Ritter von; 13.12.1766 (Viechtach) – 24.5.1837 (München); Oberfinanzrat und historischer Schriftsteller
  • Mussinan auf Zellerreit, Josef Ritter von; 13.8.1810 – 25.4.1865 (München); Bezirksgerichtsrat
  • Mussinan auf Zellerreit, Josefine von (vw) / Altmann, von (gb); 7.8.1772 – 22.4.1848 (München); Rats-Witwe
  • Mussinan auf Zellerreit, Karl Ritter von; 13.9.1799 – 23.4.1851 (München); Zollverwalter

Grab der Familie Mussinan auf Zellerreit auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2008)

Grab der Familie Mussinan auf Zellerreit auf dem Alten Südfriedhof München. Abbildung aus: Auswahl der vorzüglichsten Denkmäler des Münchner Kirchhofes. 1. Band. München, 1841.

#Josef Anton Ritter von Mussinan auf Zellerreit

* 13.12.1766 (Viechtach)
† 24.5.1837 (München)
Oberfinanzrat und historischer Schriftsteller

#Biographie jetzt lebender, oder erst im Laufe des gegenwärtigen Jahrhunderts verstorbenen Personen, welche sich durch Thaten oder Schriften denkwürdig gemacht haben (1826)

Mussinan (Joseph Ritter v.), königl. baier’scher Ministerial- und General-Fiscalatsrath, Mitglied der königl. Akademie der Wissenschaften in München, ward den 13ten December 1766 in Viechtach im baier’schen Walde geboren. Er erhielt seinen ersten Unterricht in Regensburg und Straubing. alsolvirte im Jahr 1784 in München die Rhetorik, und bezog ein Jahr darauf die Universität zu Ingolstadt. Nachdem er hier in 3 Jahren die philosophischen und juridischen Studien beendigt, das Diplom als Lizenziat, mit der ersten Note, erhalten und in den Jahren 1787 bis 1789 advocirt hatte, wurde er in dem letzteren Jahre als Regierungsrath in Burghausen angestellt. Unter Maximilian Joseph ward er als Regierungsrath nach Landshut, dann im Jahr 1802 als Hofgerichtsrath nach Straubing berufen, im Jahr 1813 zum Oberfinanzrath ernannt, in welcher Eigenschaft er bey der königl. Ministerial-Steuer- und Domainen-Section die fiscalischen Arbeiten zu besorgen hatte, und endlich bey der im Jahr 1817 eingetretenen Organisation zum Ministerialrath befördert, zugleich auch als Mitglied bey der neu geschaffenen Stelle des General-Fiscalats verwendet.

Von Mussinan verehelichte sich im Jahr 1793 mit einer gebornen v. Altmann, aus welcher Ehe ihm drey Söhne und eine Tochter am Leben sind.

Er hat sich nicht nur als Staatsdiener hervorgethan, sondern auch durch mehrere Schriften im Fach der Geschichte bekannt gemacht. Von diesen führen wir hier folgende an: Das Schicksal Straubings während des dreyßigjährigen Krieges. – Ludwig der Baier, und das Jahr 1809. – Gedicht auf das Kriegs-Jahr 1805. – Die Geschichte Straubings während der Kriege in den Jahren 1632, 1705 und 1742. – Geschichte des Löwler Bundes. – Baierns Regierungs-Gemälde. – Vaterländisches Schauspiel, Bernhard von Stauffen. – Die Geschichte der französischen Kriege in Baiern 1796, 1800, 1805 und 1809.

Von Mussinan beschließt die Vorrede zu seinem Werk über die Befestigung und Belagerung Straubings mit den Worten:
»Bey dem Unternehmen gegenwärtiger dritten historischen Arbeit erkläre ich hiemit, dabey durchaus keinen andern Zweck zu haben, als die mir von meinen Berufs-Geschäften übrig bleibende Stunde zu solchen Arbeiten in der Ueberzeugung zu benutzen, wenn auch nur eine einzige noch unbekannte historische Ursache einigen Werth hat, ich hinreichend schon dadurch entschädigt bin, etc.«

Nach dieser Erklärung darf man an v. Mussinan’s Werke keine zu strengen Forderungen stellen, und erwarten, daß die gesammelten Materialien jedesmal zu einem erschöpfenden Ganzen sich ausbilden.

Freiherr Friedrich von Lupin auf Illerfeld: Biographie jetzt lebender, oder erst im Laufe des gegenwärtigen Jahrhunderts verstorbenen Personen, welche sich durch Thaten oder Schriften denkwürdig gemacht haben. Stuttgart und Tübingen, 1826.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Mussinan Josef Anton, von, 1766 (Viechtach/Ndb.) – 1837, Oberfinanzrat und historischer Schriftsteller; nach Studien in Ingolstadt wurde M. 1789 Regierungsrat in Burghausen, 1799 war er in gleicher Stellung in Landshut, 1802 Hofgerichtsrat in Straubing (seit 1808 Appellationsrat); 1813 wechselte er, wohl um nach München zu kommen, den Beruf und wurde Oberfinanzrat bei der Ministerialsektion der Steuer und Finanzen und 1817 Finanzministerial beim Regierungsfiskalat; nach Aufhebung dieses Instituts kehrte M. zur Rechtspflege zurück und war bis zu seiner Pensionierung Direktor beim Appellationsgericht in Landshut; hierauf zog er sich in sein Gut Zellerreit bei Wasserburg zurück, um sich schriftstellerisch zu betätigen; er wurde wegen seiner Arbeiten auch Mitglied der BakdW.

Hauptwerke: Beiträge zur Geschichte des Schwedenkrieges in Bayern, Geschichte der herzoglichen niederbaierischen Linie Straubing-Holland, Geschichte der französischen Kriege in Deutschland, besonders auf baierischem Boden in den Jahren 1796, 1800, 1805 und 1809, Bayerns Gesetzgebung; er verfaßte auch einen geschichtlichen Überblick über das bayerische Staatsschuldenwesen; sein »Französischer Krieg« ist eine wichtige zeitgeschichtliche, heute noch nicht überholte, Quelle.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#AA – 64 (Patz)


HERMANN
VON PATZ
1787 + 1843
ADVOKAT
STIFTER
UND
WOHLTÄTER


  • Patz, Hermann Josef Michael von; 31.8.1787 (München) – 16.4.1843 (München); Advokat

Grab der Familie Patz auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#Hermann Josef Michael von Patz

* 31.8.1787 (München)
† 16.4.1843 (München)
Advokat

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Patz Hermann Josef Michael, von, 1787 (München) – 1843, Advokat; er besuchte von 1798 – 1803 das Gymnasium, dann das Lyzeum zu München und bildete sich auf der Universität Landshut bei den Rechtsgelehrten Krüll, von Mosham, N. Th. von Goenner, von Kellersberg und von Leveling aus; von 1808/09 war er am Landgericht Landshut, dann als Akzessist am Kriegsgericht in München angestellt; 1811 wurde P. in Anerkennung seiner Leistungen zum Advokaten und zum Vertreter der Stiftungen in Fällen, in denen das Finanzärar mit denselben und umgekehrt kollidiert, am Stadtgericht München ernannt; er war ein gewissenhafter Advokat, der nur einen Prozeß übernahm, wenn er überzeugt war, daß das Recht wirklich auf Seite der Partei stand, der er Beistand leisten sollte; sein ganzes väterliches Erbe, vermehrt durch Arbeit und Sparsamkeit, wollte P. dem Trappistenorden in Frankreich unter der Bedingung zuwenden, daß dieser die Torfmoore in Bayern austrockne, als sich aber die Verhandlungen zerschlugen, vermachte er dies der Witwen- und Waisenkasse der Advokaten; »Wohlan, so will ich der Vater der Witwen und Waisen werden, wohlan, ich will, soweit ich es vermag, die Lücke ausgleichen, die im Betreff meiner Amtsbrüder besteht, indem der Staat sie als seine Diener betrachtet und behandelt, aber keine Mittel findet für die gebrechlichen Alten, für die in Armut und Elend Hinterlassenen«, äußerte er sich, als er 1842 294 884 fl. dem Advokaten-Witwen- und Waisenfond testamentarisch überließ; dieser große Wohltäter verdient es gewiß, aus der Vergessenheit geweckt zu werden.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#AA – 65 (Willibald)


FERDINAND VON WILLIBALD
GEB. 13. SEPT. 1849. GEST. 3. JAN. 1919


  • Willibald, Anton von; 24.12.1793 – 31.12.1854 (München); Gutsbesitzer
  • Willibald, Ferdinand von; 13.9.1849 – 3.1.1919
  • Willibald, Karolina Maria von; 29.7.1846 – 4.9.1846
  • Willibald, Katharina Elise von (vh) / Werner (gb); 26.3.1798 – 28.6.1844 (München); Gutsbesitzers-Gattin
  • Willibald, Kreszentia von (vh) / Miller (gb); 28.12.1824 – 19.8.1910 (Schloss Kaltenberg)

Grab der Familie Willibald auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#AA – 66 (Mejan)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Mejan, Moritz Graf von; – (20).7.1849 (München), 63 Jahre alt; Kämmerer und Generalmajor

Grab der Familie Mejan auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#AA – 67 (Burghard · Zanoli)


Linke Stele
Ludwig Zanoli
* 4.8.1852 † 6.9.1930

Rechte Stele
Ludwig Zanoli
¿ bei Verdun

Sockel
Kaufmann Burghard und Zanoli’sche Ruhestätte.


  • Zanoli, Ludwig; 4.8.1852 – 6.9.1930
  • Zanoli, Ludwig; – 30.05.1916 (Bois des Fosses/Verdun)

Grab der Familien Burghard · Zanoli auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#AA – 68 (Mauchenheim)


ZUM GEDAECHTNIS DER
FREIHERREN VON
MAUCHENHEIM GENANNT
BECHTOLSHEIM
LINIE HELDENBERGEN

ALEXANDER 1808-1852 *
KATHARINA, GEB. GRAEFIN
DUROUX DE BUEIL 1787-1872
KAROLINE, GEB. FREIIN VON
FREYBERG/EISENBERG 1816-
1886 *︎ MARIA 1887 *︎ CLEMENS
1888 *︎ ROBERT 1896-1905
CLEMENTINE 1845-07 *︎ ELISA-
BETH 1893-1907 *︎ WOLFRAM
1909 *︎ GUSTAV 1842-1924
MARIA, GEB. GRAEFIN DEYM
FREIIN VON STRITEZ 1857-
1927 *︎ MAXIMILIAN 1848-
1930 *︎ CLEMENS 1852-1930
HELENE 1844-1931 *︎ HELMUT
1912-1935 *︎ THERESE, GEB.
GRAEFIN FUGGER VON KIRCH-
BERG UND WEISSENHORN 1857-
1943 *︎ MARIA-ANTONIE, GEB. VON
TAEUFFENBACH 1857-1943
HARTMANN 1887 † 1914
BERNHARD 1913 † 1941

REQUIESCANT IN PACE


  • Mauchenheim, Alexander Freiherr von; 1808 – 30.1.1852 (München); Ministerialrat
  • Mauchenheim, Bernhard Freiherr von; 1913 – 1941
  • Mauchenheim, Clemens Freiherr von; – 1888
  • Mauchenheim, Clemens Freiherr von, Dipl. Ing. Dr. h. c. / Bechtolsheim (ps); 15.9.1852 (München) – 4.7.1930 (München); Techniker
  • Mauchenheim, Clementine Freiin von; 1845 – 1907
  • Mauchenheim, Elisabeth Freiin von; 1893 – 1907
  • Mauchenheim, Gustav Freiherr von / Bechtolsheim (ps); 2.11.1842 (Regensburg) – 27.1.1924 (München); Landschaftsmaler
  • Mauchenheim, Hartmann Freiherr von; 1887 – 1914
  • Mauchenheim, Helene Freiin von; 1844 – 1931
  • Mauchenheim, Helmut Freiherr von; 1912 – 1935
  • Mauchenheim, Karoline Freifrau von (vh) / Freyberg-Eisenberg, Freiin von (gb); 1816 – 1886
  • Mauchenheim, Katharina Freifrau von (vh) / Duroux de Bueil, Gräfin von (gb); 1787 – 1872
  • Mauchenheim, Maria Freifrau von (vh) / Deym von Stritez, Gräfin (gb); 1857 – 1927
  • Mauchenheim, Maria Freiin von; – 1887
  • Mauchenheim, Maria-Antonie, Freifrau von (vh) / Täuffenbach, Freiin von (gb); 1857 – 1943
  • Mauchenheim, Maximilian Freiherr von; 1848 – 1930
  • Mauchenheim, Robert Freiherr von; 1896 – 1905
  • Mauchenheim, Therese Freifrau von (vh) / Fugger auf Kirchberg und Weißenhorn zu Zinneberg, Gräfin (gb); 1857 – 1943
  • Mauchenheim, Wolfram Freiherr von; – 1909

Grab der Familie Mauchenheim auf dem Alten Südfriedhof München (August 2013)

#Gustav Freiherr von Mauchenheim

Bechtolsheim (ps)
* 2.11.1842 (Regensburg)
† 27.1.1924 (München)
Landschaftsmaler

#Biographisches Künstler-Lexikon der Gegenwart (1884)

Bechtolsheim, Gustav, Freiherr von, Landschaftsmaler, geb. 2. Nov. 1842 zu Regenburg, Sohn des bayrischen Ministerialrats Alexander v. B., widmete sich anfangs der Jurisprudenz, ging jedoch später zur Malerei über und wurde in München Schüler von Karl v. Piloty. Er malte bis jetzt recht ansprechende Stimmungslandschaften.

Dr. Hermann Alexander Müller: Biographisches Künstler-Lexikon der Gegenwart. Die bekanntesten Zeitgenossen auf dem Gesamtgebiet der bildenden Künste aller Länder mit Angabe ihrer Werke. Leipzig, 1884.

#Allgemeines Künstler-Lexicon (1895)

Bechtolsheim, Gustav von, Landschaftsmaler, geb. 2. Nov. 1842 in Regensburg, ging von der Jurisprudenz zur Malerei über, wurde in München Schüler von Karl v. Piloty und von Lier und malte recht ansprechende Stimmungslandschaften, z. B. der Weiher, Flusslandschaft, Steinbruch bei Kehlheim, die Isar oberhalb Tölz.

Allgemeines Künstler-Lexicon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Vorbereitet von Hermann Alexander Müller. Herausgegeben von Hans Wolfgang Singer. Erster Band. Frankfurt am Main, 1895.

#AA – 69 (Magerl · Montgelas · Waldkirch)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Magerl, Gabriele Freifrau von (vw) / Waldkirch, von (gb); – 22.8.1876 (München), 85 Jahre alt; Kämmerers-Witwe
  • Montgelas, Amalie Gräfin von; – (25).2.1875 (München), 63 Jahre alt; Ministers-Tochter
  • Waldkirch, August Klemens Graf von; 7.2.1806 (Mannheim) – 15.12.1855 (München); Diplomat
  • Waldkirch, Augustin Graf von; – (1).5.1855 (München), 79 Jahre alt; Kämmerer
  • Waldkirch, Franz Graf von; – 1.4.1870 (München), 24 Jahre alt; Leutnant a la suite
  • Waldkirch, Karl Graf von; – 3.12.1877 (München), 25 Jahre alt; Leutnant a. D.

Grab der Familien Magerl · Montgelas · Waldkirch auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#AA – 70 (Fischer)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Fischer, Adalbert von; 9.2.1832 – 15.6.1910; Forstmeister a. D.
  • Fischer, Anton von; 26.7.1863 – 17.12.1888; Buchhalter
  • Fischer, Anton von, Dr. jur.; 1.11.1792 (Würzburg) – 12.6.1877 (München); Staatsrat
  • Fischer, Edmund von; 1.10.1829 – 8.1.1896; Regierungsrat
  • Fischer, Emma von (vh); 22.10.1843 – 5.6.1891
  • Fischer, Fanni von (vw); 10.12.1807 – 30.6.1879; Staatsrats-Witwe
  • Fischer, Ottmar von; 22.1.1866 – 17.8.1875 (München); Rittmeisters-Sohn
  • Fischer, Theobald von; 13.11.1834 – 4.11.1891; Major a. D.

Grab der Familie Fischer auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familie Fischer auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2008)

#AA – 71 (Haid)


Grabstätte
des
Hochwürdigen Herrn Herenäus Haid
der heil. Gottesgelehrtheit Doktors u. Erzbischöfl. geistl. Rathes als Gründers u. achtjährig. Pflegers der Christenlehre für ¿ zu
U. L. Frau dahier in Wort und Schrift ¿


  • Haid, Herenäus; 15.2.1784 (Geisenfeld/Obb.) – 7.1.1873 (München); Katholischer Priester und Schriftsteller

Grab der Familie Haid auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2008)

#Herenäus Haid

* 15.2.1784 (Geisenfeld/Obb.)
† 7.1.1873 (München)
Katholischer Priester und Schriftsteller

#Allgemeine Deutsche Biographie (1879)

Haid: Herenäus H., katholischer Geistlicher, geb. am 15. Febr. 1784 zu Geisenfeld in Baiern, † am 7. Januar 1873 in München. Der Sohn unbemittelter Eltern, besuchte er, von Wohlthätern unterstützt, von 1795 an das Gymnasium zu Neuburg an der Donau, von 1801 an das Lyceum zu München und studirte dann von 1804 an zu Landshut Theologie. Er löste dort 1807 eine Preisfrage und wurde 1808 Doctor der Theologie. Am 30. Aug. 1807 zum Priester geweiht, war er mehrere Jahre an verschiedenen Orten als Hülfsgeistlicher thätig. Er veröffentlichte schon als junger Geistlicher mehrere kleine homiletische, katechetische und ascetische Schriften, u. a. über »Metamorphose« (zeitgemäße Reform) des Rosenkranzgebetes. 1814 wurde er Professor der Theologie zu St. Gallen. 1818 kehrte er nach Baiern zurück und wurde Domprediger in München. Er veröffentlichte eine große Anzahl von Predigten und katechetischen und ascetischen Schriften, u. a. »Die gesammte christliche Lehre in ihrem Zusammenhange in Katechesen vorgetragen«, 7 Bde., 1841 ff., 3. Aufl. 1844 ff., auch eine neue Ausgabe der Summa doctrinae christianae des Peter Canisius, 4 Bde., 1833–45, und eine Uebersetzung des größeren Katechismus des Canisius, 1824, 4. Aufl. 1846.

Felder, Gelehrten-Lex. I. 291, III. 499. Thesaurus librorum rei cath. p. 344.

Reusch.

Heinrich Reusch: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig; 1879.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Haid Herenäus, 1784 (Geisenfeld/Obb.) – 1873, katholischer Priester und Schriftsteller; nach vielen Entbehrungen wurde H. 1807 Priester; er stand sehr unter dem Einfluß und in der Gunst des Bischofs Johann Michael Sailer von Regensburg, auf dessen Empfehlung er 1813 Professor in St. Gallen und 1818 Domprediger in München wurde, 1824 kam er unfreiwillig als Pfarrer nach Pondorf, 1825/27 war er Benefiziat in Jetzendorf; seit 1827 wirkte H. als Dombenefiziat in München und betätigte sich als Prediger, Katechet, Beichtvater und Schriftsteller unermüdlich; er begründete die christliche Feiertagsschule an der Münchner Frauenkirche, seine volkstümlichen Sonntagspredigten erschienen als »Die gesamte katholische Lehre« (7 Bde.), außerdem machte er sich durch eine Neuausgabe und Übersetzung der Werke des hl. Petrus Canisius verdient; H. wird der »Sailer Münchens« bezeichnet.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#AA – 72 (Reininger)


Grabstätte der Familie Reininger.

Linke Spalte
Hier ruhet in Gott
der beste, heißgeliebte
Gatte und Vater
Herr
Georg Reininger
Besitzer des kgl. Hofbades
geb. den 3. April 1836,
gest. den 9. April 1892.

Rechte Spalte
Selig im Herrn
entschlief die liebevollste
Mutter und Großmutter
Frau
Maria Reininger
Hofbadbesitzerswitwe
geb. den 19. April 1839,
gest. den 10. März 1911.


  • Reininger, Georg; 3.4.1836 – 9.4.1892; Besitzer des königlichen Hofbades
  • Reininger, Maria (vw); 19.4.1839 – 10.3.1911; Hofbadbesitzers-Witwe

Grab der Familie Reininger auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2016)

Grab der Familie Reininger auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familie Reininger auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2016)

Grab der Familie Reininger auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

Grab der Familie Reininger auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familie Reininger auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

#AA – 73 (Narischkin)


Tei
repose la depouille
mortille
de
Marie Narischkin
née Princes¿
Czelwerlynska
¿ 1779
¿ Septembre
1854


  • Narischkin, Marie (vh) / Czelwerlynska (gb); 14.2.1779 – 6.9.1854 (Starnberg)

Grab der Familie Narischkin auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2012)

#AA – 74 (Geyer)


Familien Grabstätte.

Hier ruhet
Herr Jacob Geyer
Tuchfabrikant dahier
geb. den 23. Juli 18¿
gest. den 18. April 185¿
Ihm folgte
seine treue Gattin
Frau Elisabeth Geyer
geb. D¿,
geb. den. 21. Dezb. 1805
gest. den 29. Juni 1880.
Selig sind, die in den Herrn entschlafen,
sie ruhen von ihren Mühseligkeiten aus
und ihre Werke folgen ihnen nach.
Offenb. 14.13.

Linke Tafel
Herr
Jakob Geyer
Rentier
geb. 17. Dezbr. 18¿
gest. 1. Mai 190¿
¿ Geyer
¿schmid
¿ 1884
¿ 1912
Herr
A¿ Geyer
¿
¿ 1844
¿ Novbr. 1902.

Sockel
Die Inschrift ist nicht erhalten

Rechte Tafel
Herr
¿
Lebens
der gute Sohn u. ¿
Theobald
geb. den 11. Juni 1845
gest. den 24. Dezbr. 1865
Franziska
geb. ¿. März 1842
gest. 24. März 186¿.


  • Geyer, Elisabeth (vw); 12.12.1805 – 29.6.1880; Tuchfabrikantens-Witwe
  • Geyer, Franziska; ¿.3.1842 – 24.3.1860 (München); Tuchfabrikantens-Tochter aus München
  • Geyer, Jakob; 17.12.18¿ – 1.5.190¿
  • Geyer, Jakob; 23.7.18¿ – 18.4.1858 (München); Tuchfabrikant
  • Geyer, Karolina (vh) / Brunschmid (gb); 1884 – 1912; Gerichtshalters-Tochter aus München
  • Geyer, Theobald; 11.6.1845 (München) – 24.12.1865 (München); Tuchmachers-Sohn

Grab der Familie Geyer auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2012)

#AA – 75 (Khuen-Belasi)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Khuen-Belasi, Anna Maria von (vw) / Mayr auf Johanneskirchen, von (gb); 24.10.1798 – 15.6.1872 (München); Generalleutnants-Witwe
  • Khuen-Belasi, Johann Baptist Graf von; 20.7.1775 (Tirol) – 17.8.1857 (München); Kämmerer und Generalleutnant
  • Khuen-Belasi, Ludwig von; 6.4.1829 (München) – 7.7.1860 (Dresden), Tod durch Ertrinken; Kämmerer und Oberleutnant

Grab der Familie Khuen-Belasi auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2013)

#Ludwig von Khuen-Belasi

* 6.4.1829 (München)
† 7.7.1860 (Dresden), Tod durch Ertrinken
Kämmerer und Oberleutnant

#Bayerischer Kurier (11.7.1860)

Der ehemalige Cuirassieroberlieutenant Graf v. Khuen-Belasi, Hofmarschall I. k. Hoheit der Frau Prinzessin Helene, Gmahlin des Erbprinzen v. Thurn und Taxis ist bei Dresden beim Baden in der Elbe ertrunken. Graf Kuehn-Belasi stand in den schönsten Jahren und vereinigte in sich alle Eigenschaften eines tüchtigen Offiziers sowohl, wie eines feingebildeten, kenntnisßreichen Welt- und Hofmannes, daher sein betrübendes Ende um so tiefer von Allen, die ihn kannten, bedauert wird. Die Leiche des Verunglückten ist leider noch nicht aufgefunden worden.

Bayerischer Kurier Nr. 189. München; Mittwoch, den 11. Juli 1860.

#Bayerischer Kurier (13.7.1860)

Ueber das plötzliche Ableben des Grafen Ludwig von Khuen-Belasi bringt die N. M. Z. folgendes Nähere: Graf Khuen belustigte sich in Gesellschaft des Dr. May auf der Elbe zwischen Dresden und Pillnitz durch eine Wasserfahrt in einem Segelkahne. Ein plötzlicher Windstoß legte den Kahn auf die Seite, so daß dieser Wasser schöpfte, sich aber doch gleich wieder aufrichtete. Graf Khuen in der Meinung, der Kahn sinke, rief seinem Begleiter zu, sich durch Schwimmen zu retten, zumal das Ufer keine 20 Schritte entfernt lag, und sprang auch sogleich in den Strom. Dr. May folgte ihm und war in wenigen Augenblicken an Land, von wo aus er sich gleich nach dem Grafen umschaute, diesen aber nicht mehr erblickte! Und leider hatte man bis 10. d. Abends auch den Leichnam des Verunglückten in der Elbe noch nicht aufgefunden trotz des emsigen Nachsuchens. Eine betagte, verwittwete Mutter, zwei Brüder und eine Schwester sind von dieser Trauernachricht auf das Tiefste getroffen worden. In ihrem Schmer mag nur der einzige Umstand einige Linderung bringen, daß buchstäblich die ganze Stadt mit ihnen um den Entrissenen trauert, der das seltene Glück genossen, keinen Feind gehabt zu haben.

Bayerischer Kurier Nr. 191. München; Freitag, den 13. Juli 1860.

#Der Bayerische Landbote (14.7.1860)

Ueber die Verunglückung des Grafen v. Khuen-Belasi theilt die »N. M. Ztg.« aus einem Briefe des Dr. May aus Dresden vom 8. d. noch Folgendes mit: Nachdem Dr. May das Ufer erreicht hatte, sah er sich sogleich nach Graf Khuen um, aber nirgends war etwas von ihm zu sehen; ohngefähr 30 Schritte vom Ufer entfernt, erblickte Dr. May aber im Flusse einen nicht genau zu unterscheidenden Gegenstand; er stürzte sich hierauf sogleich zum zweitenmale in die Wellen, erreichte auch diesn Gegenstand, aber es war nur der Hut des Grafen. Er selbst war spurlos verschwunden. Dr. May kann sich nichts anders denken, als daß Graf Kuehn, der ein guter Schimmer war, sehr erhitzt durch das Rudern bei der niedern Temperatur des Wassers vom Schlage getroffen oder durch Krampf gelähmt wurde und hierauf augenblicklich untergesunken ist. (Nach Berichten aus Dresden bis 11. d. war der Leichnam des Grafen noch nicht aufgefunden.)

Der Bayerische Landbote No. 196. München; Samstag, den 14. Juli 1860.

#Der Bayerische Landbote (15.7.1860)

Nach gestern hier eingetroffenen Nachrichten ist die Leiche des Grafen Khuen-Belasi in der Elbe endlich aufgefunden worden. Dieselbe wird hieher gebracht und auf dem hiesigen Leichenacker beerdigt werden.

Der Bayerische Landbote No. 197. München; Sonntag, den 14. Juli 1860.

#Kempter Zeitung (17.7.1860)

Bayerisches.

München, 14. Juli. Aus Dresden ist dahier die Mittheilung eingetroffen, daß es endlich gelungen ist, nach 5tägigem Suchen die Leiche des in der Elbe verunglückten Grafen Khuen-Belasi aufzufinden. Dieselbe wurde sogleich einbalsamiert und wird in den nächsten Tagen hier eintreffen, um auf dem hiesigen Friedhofe bestattet zu werden. Der Verunglückte soll ein Vermögen von nahezu einer Million hinterlassen.

Kempter Zeitung No. 168. Dienstag, den 17. Juli 1860.

#Der Bayerische Landbote (18.7.1860)

Nachdem die Leiche des Grafen v. Khuen-Belasi gestern früh auf der Eisenbahn hieher verbracht wurde, wird deren Beerdigung heute Nachmittags 5 Uhr vom Leichenhause aus stattfinden. Der Trauergottesdienst ist auf Mittwoch um 11 Uhr Vorm. in der St. Michaels-Hofkirche festgesetzt.

Der Bayerische Landbote No. 200. München; Mittwoch, den 18. Juli 1860.

#Münchener Bote für Stadt und Land (19.7.1860)

Hauptstadt-Neuigkeiten.

München, 18. Juli. Der gestern Nachmittag erfolgten Beerdigung des Oberlieutenants Grafen von Khuen-Belasi wohnte eine große Anzahl Personen aller Stände bei. Den Zug eröffneten 12 Unteroffiziere und zahlreiche herrschaftliche Diener mit Flambeaux; den Sarg trugen Unteroffiziere, demselben folgten als Leidträger zwei Brüder und ein Neffe des Hingeschiedenen, dann eine sehr große Anzahl Offiziere aller Grade, darunter 3 Generäle; das Offizierskorps des ersten Kuirassierregiments war vollständig vertreten; aber auch von Freising, Landshut und Kaufbeuern waren Kuirasieroffiziere hieher gekommen, um dem Allen gleich theueren Freunde die letzte Ehre zu erweisen. Herr Dompfarrer geistlicher Rath Schmid schilderte in warmen Worten den Lebenslauf und die traurige Katastrophe des Dahingeschiedenen. Möge ihm die Erde leicht sein.

Münchener Bote für Stadt und Land No. 171. München; Donnerstag, den 19. Juli 1860.

#Augsburger Postzeitung (28.7.1860)

Ludwig Graf v. Khuen-Belasi.
(Nekrolog.)

Rasch tritt der Tod den Menschen an,
Es ist ihm keine Frist gegeben:
Es reißt ihn fort aus seiner Bahn,
Recht mitten aus dem vollen Leben!
Schiller.

(Eingesandt.) Wir wüßten keine passendere Einleitung zu den folgenden Zeilen, die ein Gedenkblatt für einen viel zu früh entrissenen Freund bilden möchten, als die oben stehenden Worte unsers großen Dichters, für deren tiefe Wahrheit das frühe, rasche Ableben des jungen Edelmannes in Mitten eines schönen reichen Lebens mit der Aussicht auf eine glänzende Laufbahn vor sich, einen so erschütternden Beleg liefert.

Ludwig Graf v. Khuen-Belasi, zweitgeborner Sohn des vor drei Jahren hier verstorbenen königl. Generallieutenants und königl. Kämmerers, war geboren am 6. April 1829. Er genoß von frühester Jugend an die sorgfältigste Erziehung, die dann ihre Fortsetzung in der königl. Pagerie erhielt, wo er sich für seine künftige militärische Laufbahn mit dem größten Eifer und Fleiß vorbereitete. Bei seinem Austritte aus diesem Institute wurde er als Lieutenant im 1. Cuirassier-Regimente »Prinz Carl von Bayern« ernannt, und war bereits zum Oberlieutenant vorgerückt, als er zum Adjutanten Sr. kgl. Hoheit des Prinzen Adalbert von Bayern ernannt wurde. In dieser Stellung begleitete er den Prinzen zweimal nach Spanien und besuchte bei seinem erstmaligen Aufenthalte in jenem Lande auch Afrika, namentlich verschiedene Bezirke von Marocco. Später, auf sein Ansuchen von dieser Stelle enthoben, trat Graf Khuen wieder in sein Regiment zurück, aber nur auf kurze Zeit, denn er wurde alsbald aus Anlaß der Vermählung Ihrer kgl. Hoheit der Prinzessin Helene in Bayern mit dem Erbprinzen von Thurn und Taxis zum Ehrencavalier dieser hohen Dame ernannt. Die politischen Verhältnisse im Frühling des vergangenen Jahres bestimmten ihn jedoch, auch diese ehrenvolle Stellung niederzulegen, um abermals bei seinem Regiment einzurücken und seinem Pflichtgefühle zu genügen, das ihm keine müssige Ruhe verstattete zu einer Zeit, wo dem Vaterlande von Außen Gefahr drohte. Und selbst als nach dem Frieden von Villafranca diese Gefahr abgewendet erschien und Graf Khuen wieder in seinen früheren Posten bei der Prinzessin Helene zurück trat, that er dies nur mit dem ausdrücklichen Vorbehalte, im Falle eines Krieges sogleich wieder in sein Regiment eintreten zu können. Gott der Herr wollte dieß aber anders. Nicht in er Schlacht, nicht den fröhlichen Reitertod sollte er sterben; plötzlich und unerwartet, im blühendsten Mannesalter rief ihn der Herr zu sich nach seinem unerforschlichen Rathschlusse, und wir standen gebeugten Hauptes und nassen Auges an seinem Grabe, das sich für so Viele viel zu früh über ihn schloß und über Alles, was Menschen Glück und glänzende Zukunft nennen! Der edle ritterliche Sinn, welcher ihn, wie wir gestehen, als Soldat und Officier leitete, erstreckte sich aber auch nach jeder andern Richtung hin, und ließ ihn durch und durch als Edelmann in des Wortes vollster Bedeutung erblicken, wozu auch seine äußere Erscheinung, die Jedermann für ihn einnehmen mußte, vollkommen stimmte. Sanftmuth und Freundlichkeit fanden sich in ihm mit einem vollkommen entschiedenen Charakter gepaart, der alles Unedle streng von sich abzuhalten wußte. Ein zärtlicher Sohn und Bruder, treuer, aufopfernder Freund, seinem Monarchen ergeben und treu bis zum Aeußersten, streng gegen sich, mild gegen Andere – so war Graf Khuen ein würdiger Sprosse seines uralten Geschlechts und als solcher hatte er, keinen Feind! Möge er im Frieden ruhen und die Erde ihm leicht sein!

Augsburger Postzeitung No. 172. Samstag, den 28. Juli 1860.

#AA – 76 (Baligand · Greiner · Heusler)


Hier ruhen in Frieden

Linke Spalte
Herr Joh. B. von Greiner,
vormals k. Regierungsdirektor
dann Gutsbesitzer,
geb. am 11. Februar 1781,
gest. am 7. März 1857.
Dessen Gattin:
Katharina von Greiner
geborne Borzaga,
geb. 24. Nov. 1791, gest. 21. Dez. 185¿.
Deren Sohn
Emil Ferdinand von Greiner
geb. 29. Juni 1828, gest. 18. Jan. 1885.
Dessen Gattin
Guste von Greiner
geborne Zenetti,
geb. 4. Juli 1846, gest. 1¿. April 1907.
Deren einziger Enkel
geb. 7. Mai 18¿
Karl von Baligand
Inh. des Eis. Kreuzes I. u. II. Cl.
gestorben den Heldentod als
Leutnant im 1. Chev.-Regt.
in Rußland am 12. Sept. 1916.

Rechte Spalte
Herr Ludwig von Heusler
¿
Dessen Gattin:
Johanna von Heusler
geborne von Greiner
¿ gest. 3. Dez. 1870
¿
Ludwig von Heusler
¿ a. D.
¿ gest. 11. Dez. 1894,
¿ von Heusler,
¿ a. D.
geb. 18. Nov. ¿, gest. 18. Mai 1902.
¿ von Heusler
¿
kgl. Oberamtsrichter
geb. 15. Dez. 18¿, gest. 16. April 1915.
Dessen Gattin
¿ von Heusler
geb. ¿
¿, gest. ¿. März 1924.
Betty von Heusler,
geb. Schuster
¿ Sept. 1843, gest. ¿ 19¿

Sockel
Ruhestätte ¿
¿ von ¿
von Greiner u¿


  • Baligand, Karl von; 7.5.18¿ – 12.9.1916 (Russland); Leutnant
  • Greiner, Emil Ferdinand von; 29.6.1828 – 18.1.1885
  • Greiner, Guste von (vw) / Zenetti (gb); 4.7.1846 – 10.4.1907
  • Greiner, Johann Baptist von; 11.2.1781 – 7.3.1857 (München); Ehemaliger Regierungsdirektor
  • Greiner, Katharina von (vh) / Borzaga (gb); 24.11.1791 – 21.12.1852; Gutsbesitzers-Gattin
  • Heusler, Betty von (vh) / Schuster (gb); ¿.9.1843 – 19¿
  • Heusler, Theodor von; 18.11.1841 – 13.5.1902 (Landshut); Rittmeister a. D.
  • Heusler, Johanna von (vh) / Greiner, von (gb); 12.12.1812 – 3.12.1870 (München); Generals-Witwe
  • Heusler, Ludwig von; 3.7.1840 – 11.12.1894 (München); Major a. D.

Todesanzeige für Johann Baptist von Greiner

Todesanzeige für Ludwig von Heusler

Grab der Familien Baligand · Greiner · Heusler auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2013)

Grab der Familien Baligand · Greiner · Heusler auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2014)

Grab der Familien Baligand · Greiner · Heusler auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2014)

#AA – 77 (Müller · Weger)


Hier ruhen
Herr Jacob Weger
Privatier,
geb. am 18. Juli 1813, gest. am 24. Jan. 1890,
und dessen Gattin
Frau Anna Weger
geb. am 13. Jan. 1809, gest. am 4. Aug. 1894.
Herr Carl Bernhard Müller,
Privatier,
geb. in Leipzig am 31. März 1820,
gest. in München am 12. Dez. 1869

R. I. P.


  • Müller, Karl Bernhard; 31.3.1820 (Leipzig) – 12.12.1869 (München); Privatier
  • Weger, Anna (vw); 13.1.1809 – 4.8.1894
  • Weger, Jakob; 18.7.1813 – 24.1.1890

Grab der Familien Müller · Weger auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2013)

Grab der Familien Müller · Weger auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2014)

#AA – 78 (Brunner · Haubenschmied · Schauss · Sprengler)


ANTON SCHAUSS, k. Hofbauinspektor
geb. 8. Januar 1772, gest. 28. November ¿
ANTONIE KAROLINE, Kind des Staatsanwaltes
FERD. HAUBENSCHMIED,
und seiner Gattin CHARLOTTE, GEB. SCHAUSS
geb. 30. Juni 1852, gest. 24. März 1858.
DR. ANTON VON SCHAUSS,
k. b. Rath u. Advokat, herzogl. b. Hofrath etc. etc.
geb. 18. Januar 1800, gest. 27. September 1867.
PAUL FERDINAND BRUNNER,
geb. 5. November 1879 gest. 9. August 1884.
CHARLOTTE VON SCHAUSS,
herzoglich b. Hofrathswittwe,
geb. 20. Januar 1802 gest. 8. Januar 1891.
DR. FRIEDRICH VON SCHAUSS
Direktor der Süddeutschen Bodenkreditbank.
geb. 22. Januar 1832, gest. 19. Mai 1893.
und dessen Gattin
LAURA VON SCHAUSS,
geb. 11. November 1838, gest. 1. April 1900.
GEHEIMRATH DR. EMIL VON SCHAUSS
¿ Münzdirektor und Schatzmeister
des k. b. Hausschatzes
¿ Februar 1833, gest. 29. November 1900.
FRIEDRIKE SPRENGLER geb. VON SCHAUSS,
geb. ¿. Januar 1870, gest. 26. Dezember 1915,
und deren Gatte
OBERST FRANZ SPRENGLER
geb. 9. November 1862, gest. 4. Februar 1916.
FANNY VON SCHAUSS geb. HUTTER
geb. 5. März 1838, gest. 26. September 1926.

Rechte Tafel
Den Eltern folgten:
FRANZ SPRENGLER
¿ † 1917
EMIL SPRENGLER
Forstreferendar
1901 – 1935


  • Brunner, Paul Ferdinand; 5.11.1879 – 9.8.1884
  • Haubenschmied, Antonie Karoline; 30.6.1852 – 24.3.1858 (München); Staatsanwalts-Tochter
  • Schauss, Anton; 8.1.1772 – 28.11.1848 (München); Hofbauinspektor
  • Schauss, Anton von, Dr.; 18.1.1800 – 27.9.1867; Hofrat und Advokat
  • Schauss, Charlotte von (vw); 20.1.1802 – 8.1.1891; Hofrats-Witwe
  • Schauss, Emil von, Dr.; ¿.2.1833 – 29.11.1900; Münzdirektor und Schatzmeister des königlich bayerischen Hausschatzes
  • Schauss, Fanny von (vh) / Hutter (gb); 5.3.1838 – 26.9.1926
  • Schauss, Friedrich von, Dr.; 22.1.1832 (München) – 19.5.1893 (München); Bankdirektor
  • Schauss, Laura von (vw); 11.11.1838 – 1.4.1900; Bankdirektors-Witwe
  • Sprengler, Emil; 1901 – 1935; Forstreferendar
  • Sprengler, Franz; – 1917
  • Sprengler, Franz; 9.11.1862 – 4.2.1916; Oberst
  • Sprengler, Friederike (vh) / Schauss, von (gb); ¿.1.1870 – 26.12.1915

Grab der Familien Brunner · Haubenschmied · Schauss · Sprengler auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#AA – 79 (Gabelsberger · Stegmüller)


Barbara Gabelsberger
geb. Stegmüller, Kunstmalersgattin
geboren den 29. Oktober 1869,
gestorben den 14. Dezember 1921.


  • Gabelsberger, Anna (vw); – 2.11.1861 (München), 56 Jahre alt; Privatiers-Witwe
  • Gabelsberger, Anna; – (30).7.1862 (München), 2 Monate alt; Cafetiers-Tochter
  • Gabelsberger, Barbara (vh) / Stegmüller (gb); 29.10.1869 – 14.12.1921; Kunstmalers-Gattin
  • Gabelsberger, Johann Nepomuk; – (2).1.1877 (München), 40 Jahre alt; Privatier
  • Stegmüller, Joh. Nep.; – (8).6.1901, 60 Jahre alt; Privatier

Grab der Familien Gabelsberger · Stegmüller auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2012)

#AA – 80 (Stengl)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Stengl, Josef; – 1.1.1863 (München), 58 Jahre alt; Kriegskommissär

Grab der Familie Stengl auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#AA – 81 (Müller)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Müller, Ludwig, Dr.; – 1891; Polizeirat a. D.

Grab der Familie Müller auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2012)

Grab der Familie Müller auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familie Müller auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2014)

#AA – 82 (Fahrmbacher · Rathgeber)


Linke Spalte
Hier ruht
Herr
Joseph Rathgeber
Wagenfabrikant
zu München
geboren den 26. Februar 1¿
gestorben den 11. März 1865,
dessen Gattin
Frau
Marie Rathgeber
geb. Kellerer,
geboren den 13. August 1816
gestorben den 31. Januar 1900.
Frau
Anna Fahrmbacher
geb. Rathgeber
Majors-Witwe
geboren den 26. Juli 1852
gestorben den 23. Februar 1935

Rechte Spalte
Herr
Joseph Rathgeber
k. Commerzienrat
u. Fabrikbesitzer
geboren den 15. Februar 1846
gestorben den 9. Oktober 1903
dessen Gattin
Frau
Bertha Rathgeber
geb. Hayler,
geboren den 17. September 1851
gestorben den 16. Oktober 1930.
Pauline Rathgeber
geboren den 11. November 1835
gestorben den 22. November 1911
August Rathgeber
geboren den 11. April 1857
gestorben den ¿ Dezember 1¿


  • Fahrmbacher, Anna (vw) / Rathgeber (gb); 26.7.1852 – 23.2.1935; Majors-Witwe
  • Rathgeber, August; 11.4.1857 – ¿.12.1¿
  • Rathgeber, Bertha (vw) / Hayler (gb); 17.9.1851 – 16.10.1930; Fabrikantens-Gattin
  • Rathgeber, Josef; 15.2.1846 (München) – 9.10.1903 (München); Fabrikant und Kommerzienrat
  • Rathgeber, Josef; 26.2.1810 (Ering/Ndb.) – 11.3.1865 (München); Wagenfabrikant
  • Rathgeber, Marie (vw) / Kellerer (gb); 13.8.1816 – 31.1.1900; Wagenfabrikantens-Witwe
  • Rathgeber, Pauline; 11.11.1835 – 22.11.1911

Grab der Familien Fahrmbacher · Rathgeber auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familien Fahrmbacher · Rathgeber auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2014)

Grab der Familien Fahrmbacher · Rathgeber auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2014)

#AA – 83 (Güntsch)


Familien-Grabstätte

Linke Stele
Hier ruhet in Gott
mein ganzes Glück
mein innigstgeliebter Gatte
Emil Güntsch
Kaufmann,
geboren 20. Juni 1844,
gestorben 17. April 1889.
Der Gerechte ruht in Gottes Hand.
Sein Andenken bleibt ewig.
Vereint auf ewig gehören wir
auch dort,
Wo keine Trennung ist, uns wieder.

Rechte Stele
Ihm gingen voran
die Polizei-Officiantens-Wittwe
von Regensburg
Barbara Güntsch
geb. 1778, gest. 1851.
Friedrich Güntsch
Rentier,
geb. 1812, gest. 1882.
Dessen Gattin
Marie Güntsch
geborne Bümlein
von Ansbach,
geb. 1827, gest. 1877.
Herr gib Ihnen die ewige Ruhe.

Mitte
R. I. P.


  • Güntsch, Barbara (vw); 1778 – 3.1851 (München); Polizeioffiziantens-Witwe
  • Güntsch, Emil; 20.6.1844 – 17.4.1889; Kaufmann
  • Güntsch, Friedrich; 1812 – 1882; Wirt
  • Güntsch, Marie (vh) / Bümlein (gb); 1827 – 9.1877 (München); Obstlers-Tochter aus Ansbach / Wirts-Gattin

Grab der Familie Güntsch auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2013)

#AA – 85 (Danilwitz · Schauroth)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Danilwitz, Konstantin; – (30).3.1842 (München), 33 Jahre alt; Privatier aus Warschau
  • Schauroth, Louise von; – 24.6.1856 (München), 44 Jahre alt; Oberstleutnants-Tochter

Todesanzeige für Louise von Schauroth

Grab der Familien Danilwitz · Schauroth auf dem Alten Südfriedhof München (März 2016)

Grab der Familien Danilwitz · Schauroth auf dem Alten Südfriedhof München (März 2016)

#AA – 86 (Coulon)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Coulon, Ludwig von; 1791 (Landsberg) – 20.9.1859 (München); Ministerialrat

Grab der Familie Coulon auf dem Alten Südfriedhof München (April 2014)

Grab der Familie Coulon auf dem Alten Südfriedhof München (April 2014)

#Ludwig von Coulon

* 1791 (Landsberg)
† 20.9.1859 (München)
Ministerialrat

#Abendblatt (8.10.1859)

Ludwig v. Coulon.
Nekrolog.

Aus dem Kreise der Beamten, die mit gewissenhafter Treue ihrer Pflicht genügen und ihrem Könige mit inniger Anhänglichkeit ergeben sind, ist wieder ein Mann geschieden, der das Vertrauen seiner Vorstände im vollen Maße genoß und verdiente, und der seinen Untergebenen selbst ein milder Vorstand war. Ludwig v. Coulon, geboren zu Landsberg im Jahre 1791, war der Sohn eines k. Salzbeamten, seine Mutter war die Tochter des geheimen Rathes v. Stubenrauch. Da seine Jugend gerade in die Zeiten der Kriegsstürme fiel, welche ganz Europa und insbesondere Bayern mit ihren Schrecken erfüllten, und seine Vaterstadt namentlich durch die beständigen Heereszüge beunruhigt wurde, so übte dieß auf den Gang seiner Erziehung und geistigen Ausbildung nothwendig hemmend ein. Als aber sein Vater im Jahre 1805 nach München versetzt ward, und dem fähigen Knaben der Unterricht trefflicher Lehrer sowohl in den öffentlichen Schulen als im elterlichen Hause zu Theil wurde, entwickelten sich seine Anlagen rasch und bei seinem kräftigen Körper durfte er seinen Geist mehr als gewöhnlich anstrengen, und so gelang es ihm, nicht den gewöhnlichen Gang durch die öffentlichen Schulen zu gehen und alljährlich um eine Classe vorzurücken, sondern mehrere Classen zu überspringen und doch in der nächst höheren immer den ersten oder einen der ersten Plätze im Jahresfortgang zu erringen. Am Schlusse des Studienjahres 1811 erhielt er das Gymnasial-Absolutorium mit der ersten Note, besuchte ein Jahr lang die philosophischen Vorlesungen auf dem Lyceum und widmete sich dann der Rechtswissenschaft auf der Universität Landshut 1811/12–1814/15 mit der Note der Auszeichnung. Darauf trat er in Praxis bei dem k. Landgerichte München, erhielt schon am 18. Juli 1816 den Zutritt zu dem Rechnungscommissariat der Lehen- und Hoheitssection, ward kurze Zeit darauf zum Secretär der Ministeriail-Liquidationscommission für die Forderungen an Frankreich ernannt und am 9. Nov. 1817 zum Aushilfssecretär bei der Bundestagsgesandtschaft zu Frankfurt a. M. berufen. In dieser Stellung blieb er, bis er am 29. Aug. 1822 auf sein eigenes Ansuchen in den inneren Dienst des Ministeriums zurückberufen wurde, wo er zuerst als Legationssecretär, dann als Reichsherold und Legationsrath wirkte. Im Jahre 1836 ward er mit der Leitung des k. Haus- und Staatsarchivs betraut und am 29. April 1843 zum wirklichen Ministerialrathe ernannt. In der Erfüllung seiner Pflichten war er streng, gewissenhaft und pünktlich bis zur Aengstlichkeit, wie dieß bei den Beamten aus der alten Schule meistens der Fall ist. Dafür ward ihm auch die Anerkennung seiner Vorstände und die Auszeichnung mit vielen Orden von seinem Könige und anderen Monarchen zu Theil. Nie vermählt lebte er gern zurückgezogen, ein treuer väterlicher Freund Allen, die ihm in irgend einem Anliegen nahten, insbesondere seinen Verwandten, die er mit Rath und That unterstützte. Er war ein ausgezeichneter Kenner der Heraldik und Genealogie, insbesondere der bayerischen Adelsgeschlechter und der neueren Geschichte. Als Lieblingsbeschäftigung galt ihm die Pflege seines Zimmergartens, in welchem er schöne seltene Pflanzen glücklich zu ziehen wußte, und eine große Sammlung von Kupferstichen, die er bis zu seinem Tode vermehrte, zeugt von seinem Kunstsinne. Er starb am 20. Sept. 1859. Friede seiner Asche!

Abendblatt zur Neuen Münchener Zeitung Nr. 240. Samstag, den 8. Oktober 1859.

#AA – 88 (Pillement)


MARQUISE DE BOISSESON
NEE RECU DE CANTIGNY
1762 – 1855
MARQUISE DE BOISSESON
NEE BRUN DE STE CATHERINE
1791 – 1856
GENERAL DE PILLEMENT
1777 – 1836
BARONNE DE PILLEMENT
1786 – 1879
MARIE DE BOISSESON
1812 – 1861
VICOMTE D‘ ALTIER
1752 – 1828
PRIEZ POUR EUX


  • Pillement, Euphrasia von (vw); 24.10.1786 (Paris) – 6.4.1879 (München); Generalmajors-Witwe
  • Pillement, Franz von; 4.12.1775 (Bitsch/Elsaß) – 10.3.1836 (München); Generalmajor

Grab der Familie Pillement auf dem Alten Südfriedhof München (April 2014)

Grab der Familie Pillement auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2008)

#Franz von Pillement

* 4.12.1775 (Bitsch/Elsaß)
† 10.3.1836 (München)
Generalmajor

#Augsburger Postzeitung (13.12.1836)

Den 10. März Nachmittags um 3 Uhr starb dahier Herr Franz von Pillement, Generalmajor und Brigadier der Infanterie der 1ten Armee-Division, Ritter des königl. bayer. Max-Joseph- und Ludwigsordens, Inhaber des königl. bayer. Armee-Denkzeichens, dann Ritter des kaiserl. russischen St. Anna-Ordens zweyter Klasse, im 60sten Lebensjahre. Die Beerdigung findet am Sonntag Nachmittags um 4 Uhr vom Leichenhause aus statt.

Augsburger Postzeitung Nr. 73. Sonntag, den 13. März 1836.

#AA – 91 (Redwitz)


GRABSTÄTTE
DER
FREIHERRN VON
REDWITZ-KUPS


  • Redwitz, Adalbert Freiherr von; 6.2.1848 – 9.4.1875 (München); Sekondeleutnant a. D.
  • Redwitz, Charlotte Freifrau von (vh) / Ritter, von (gb); 8.5.1773 – 30.9.1832 (Dinkelsbühl); Oberhofmeisterin
  • Redwitz, Helene Freifrau von (vh) / Stillfried-Ratenic, von (gb); – 24.2.1913, 61 Jahre alt
  • Redwitz, Ida Freifrau von (vw) / Kesling, von (gb); 13.5.1807 – 16.7.1877 (München); Kämmerers-Witwe
  • Redwitz, Josef Freiherr von, Dr. jur. et rer. pol.; 2.4.1884 (München) – 23.5.1912 (Rom); Kammerjunker, Legationssekretär und Leutnant der Reserve
  • Redwitz, Karl Freiherr von; 25.9.1797 – 14.9.1857 (München); Kämmerer
  • Redwitz, Karl Freiherr von; 4.12.1836 – 4.2.1844
  • Redwitz, Karoline Freifräulein von; 2.9.1835 – 7.10.1836
  • Redwitz, Konstantin Freiherr von; 11.11.1799 – 12.9.1850; Major
  • Redwitz, Ludwig Freiherr von; 10.4.1841 – 24.2.1844
  • Redwitz, Marianne Freifrau von (vh) / Podewils, von (gb); 10.10.1851 – 5.1.1874 (München); Leutnants-Gattin
  • Redwitz, Marie Freifräulein von; 23.8.1839 – 23.2.1844
  • Redwitz, Melchior Freiherr von; 14.9.1845 – 27.7.1904; Deutscher Konsul und Oberleutnant a. D.
  • Redwitz, Philipp Freiherr von; – 14.4.1913, 67 Jahre alt; Kämmerer, Major und Hofmarschall
  • Redwitz, Rosalie Freifrau von (vh) / Lotzbeck, von (gb); 12.6.1809 – 18.8.1854 (München); Gutsbesitzers-Gattin

Grab der Familie Redwitz auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#AA – 92 (Westenrieder)


Lorenz Westenrieder
Geistl. Rat Domkapitular
u. Mitglied der Akademie
der Wissenschaften
1748 – 1829


  • Westenrieder, Lorenz von; 1.8.1748 (München) – 15.3.1829 (München); Priester, Pädagoge, Schriftsteller und Historiker

Grab der Familie Westenrieder auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2008)

#Lorenz von Westenrieder

* 1.8.1748 (München)
† 15.3.1829 (München)
Priester, Pädagoge, Schriftsteller und Historiker

#Münchener Wochen-Zeitung (6.8.1848)

München. Das Haus gegenüber der Synagoge in der Theaterstraße, in welchem der bayerische Geschichtsschreiber Lorenz v. Westenrieder geboren wurde (1. August 1748), ist am 1. August mit einer Gedächtnißtafel, aus einem einfachen Granit bestehend, bezeichnet worden. Das Haus war an diesem Tage zum Andenken an den gefeierten Greis mit Blumen und Fahnen geschmückt, und 24 Schulmädchen wurden ausgespeist. Den Veranstaltern dieses ächt patriotischen Werkes gebührt der Dank aller Vaterlandsfreunde. Auch Nürnberg besitzt Denkmäler berühmter Männer, welche den Fremden wie Einheimischen an eine ruhmreiche Vergangenheit erinnern, wir bezeichnen hier nur das Haus Albrecht Dürrers, Hans Sachsens etc.

Münchener Wochen-Zeitung No. 27. Sonntag, den 6. August 1848.

#Münchener Bote für Stadt und Land (28.7.1853)

Die Einleitungen zur Errichtung eines Standbildes des Geschichtsschreibers Lorenz v. Westenrieder, geborenen Müncheners, welches auf dem Promenadeplatz dem Kreittmayr’schen gegenüber aufgestellt werden soll, nehmen einen so erfreulichen Fortgang, daß schon jetzt die Summe von beinahe 13,000 fl. bereit liegt, ohne daß die Sammlung noch geschlossen ist. Es ist sonach anzunehmen, daß mit Errichtung dieses Monuments, wie es bei jenem für Kreittmayr geschah, ebenfalls die Stiftung mindestens Eines namhaften Stipendium verbunden werden kann, so daß nicht nur das eherne Standbild, sondern auch eine lebendige Schöpfung das Andenken eines Mannes ausspricht, welcher seiner Zeit – wie dies so oft zu geschehen pflegt – von mancher Seite verkannt oder doch wenigstens nicht hinlänglich anerkannt wurde. Die Anfertigung des Modells der Statue durch Professor Widnmann schreitet rasch vorwärts, und dürfte wohl vor Anfang des kommenden winters vollendet sein, so daß dann unverzüglich Meister Miller im Gußhaus seine Arbeit beginnen kann.

Münchener Bote für Stadt und Land No. 180. München; Donnerstag, den 28. Juli 1853.

#Deutsches Dichter-Lexikon (1876/1877)

Westenrieder, Lorenz von, wurde am 1. August 1748 zu München geboren, studierte daselbst und trat dann in den Jesuitenorden. Nach dessen Aufhebung wurde er 1773 Professor der Dichtkunst in Landshut, 1774 Professor der Rhetorik in München, 1776 Censurrath, 1786 geistlicher Rath und Lokalschulkommissär, 1799 Direktor der Bücher-Kommission, 1800 Domkapitular, Scholastikus und Hofkaplan, 1808 Direktor der Akademie und 1813 in den Adelsstand erhoben. Er starb am 15. März 1829. Im Jahre 1854 ließ ihm König Ludwig auf dem Promenadenplatz in München ein von Widmann verfertigtes Erzstandbild setzen.

Dichtungen: Die zwei Kandidaten. Lustsp. in 3 A. München 1774. – Mark Aurel. Histor. Drama in 5 A. Ebd. 1776. – Leben des guten Jünglings Engelhof Roman; II. Ebd. 1781–82. – Sämtliche Werke; XXIX. Kempten 1831 bis 1835, herausgeg. von E. Große. Neue Ausg. X. Ebd. 1881–38.

Franz Brümmer: Deutsches Dichter-Lexikon. Biographische und bibliographische Mittheilungen über deutsche Dichter aller Zeiten. Unter besonderer Berücksichtigung der Gegenwart. Eichstätt & Stuttgart, 1876/1877.

#Das Bayerland (1898)

22. Lorenz v. Westenrieder, geistlicher Rat, Domkapitular und bayerischer Geschichtschreiber, geboren als der Sohn eines schlichten Kornmessers am 1. August 1748 zu München im Hause Nr. 16 an der nach ihm benannten Straße. Schon mit 9 Jahren verlor er seinen Vater und wenige Jahre später auch die Mutter, welche inzwischen mit einem gewissen Schlichtinger in eine zweite Ehe eingegangen war. Er wurde für den geistlichen Stand bestimmt und besuchte mit zehn Jahren das von den Jesuiten geleitete Gymnasium in seiner Vaterstadt. Sein Fortgang war kein erfreulicher, weshalb er in ein Kapuzinerkloster eintreten wollte, seiner schwächlichen Gesundheit wegen aber abgewiesen wurde. Er setzte nun seine humanistischen und theologischen Studien in München und Freising fort. Am 6. Oktober 1771 feierte er seine Primiz. Da die Seelsorge ihn als Kaplan an der Frauenkirche nicht vollständig in Anspruch nahm, unternahm er schriftstellerische Arbeiten, welche nicht unbekannt blieben. Am 23. Oktober 1773 wurde er zum Professor der Poesie am Landshuter Gymnasium ernannt, ein Jahr darauf nach München an die Realschule, dann an das Gymnasium zurückberufen. 1776 wurde er zum Zensurrat und zehn Jahre später zum geistlichen Rat und Domkapitular von München ernannt. Das Jahr 1813 brachte ihm durch Verleihung des Verdienstordens der bayer. Krone den Adelsstand. – Durch seine Schriften, deren Gesamtausgabe 39 Bände füllen, hat er sich um Bayerns Geschichte verdient gemacht. Die Akademie der Wissenschaften wählte ihn zu ihrem Mitgliede. Im 81. Lebensjahre, am 15. März 1829, starb er im Hause Nr. 12 an der Kaufingerstraße und wurde im südlichen Friedhofe, Sektion 4, Reihe 9, Grabplatz 7, begraben. Erst später wurde er in den Gruftplatz Nr. 93 unter den alten Arkaden transferiert und die Stätte mit einem Grabmal, Relief von Bildhauer Leeb, geschmückt. Der verdiente Forscher mit aufgeschlagenem Buche und Stift in den Händen ist umgeben von den allegorischen Gestalten des Glaubens und der Geschichte. Von den Kosten zu 1680 Gulden trug das Metropolitankapitel zwei Drittel, die Stadtgemeinde München ein Drittel nebst freier Überlassung der Gruft bei.

Vielfache Erinnerungen an den bayerischen Herodot treffen wir ferner in seiner Vaterstadt: das Erzstandbild auf dem Promenadeplatz, modelliert von Bildhauer Max v. Widnmann, enthüllt am 1. August 1854, eine Gedenktafel an seinem Geburtshause, am 1. August 1848 von der Stadtgemeinde angebracht, ferner eine Büste in der Ruhmeshalle. Meister Piloty stellte ihn auf seinem Gemälde im Sitzungssaale des neuen Rathauses unter den Persönlichkeiten dar, denen von der Monachia Lorbeerkränze gereicht werden. Das städtisch-historische Museum ist im Besitze seines Olbildnisses.

Aus den Einnahmsüberschüssen des Denkmalfonds zu 6000 Gulden wurde ein Stipendium für einen der Geschichte beflissenen Studierenden gestiftet, welches sich sehr durch Admassierung erhöht hat.

Westenrieders Rücklaß war nicht bedeutend; denn wenige Tage vor seinem Tode verteilte er noch sein Vermögen; unter anderem erhielten das Josephs-, hl. Geist- und Gasteigspital dahier je 4000 Gulden von ihm geschenkt.

Der Magistrat ließ seine Büste unter den Arkaden des südlichen Friedhofes aufstellen.

C. Reber: Die »Ruhmeshalle« unter den Arkaden des südlichen (älteren) Friedhofes in München. Das Bayerland. Illustrierte Wochenschrift für bayerische Geschichte und Landeskunde. 9. Jahrgang. Heft Nr. 32. München, 1898.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Westenrieder Lorenz, von, 1748 (München) – 1829, Priester, Pädagoge und Historiker; 1771 Priester, 1773 Lehrer der Poetik und Rhetorik am Gymnasium in Landshut, 1775/79 zu München, 1777 Mitglied der Bayerischen AkdW, 1784 Schulrat, 1786 Bücherzensurrat und Domkapitular, war W. anfangs der Aufklärung zugeneigt, kurze Zeit sogar Mitglied des Illuminatenordens; er vertrat diese Ansichten anfangs auch in seinen Schriften; später wandte er sich jedoch ganz davon ab; neben kritischen Arbeiten über die Geschichte Münchens, Bayerns und Deutschlands verfaßte W. auch pädagogische Schriften.

Hauptwerke: Baierische Beiträge zur schönen und nützlichen Literatur, Geschichte von Baiern für Jugend und Volk, Geschichte der bairischen Akademie der Wissenschaften, Deutsch-lateinisches Glossarium mittelalterlicher Ausdrücke, Handbuch der baierischen Geschichte; Gesamtwerke: 39 Bde.; W. wird der »Volkslehrer seines Vaterlandes« genannt, er ist Bayerns erster großer kritischer Geschichtsschreiber.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#AA – 93 (Vogel von Vogelstein)


CARL VOGEL V. VOGELSTEIN. K. S. PROF. U. HOFMALER
* 26.6.1788 † 4.3.1868 – SEINE SCHWIEGERTOCHTER
EMILIE GEB. V. PUCHPECKH * 28.2.1830 † 7.4.1868
SEIN SOHN DR. J. E. VOGEL V. VOGELSTEIN
* 21.1.1827 † 26.8.1889 – VOGEL V. VOGELSTEIN
MARIE GEB. HENNEMANN * 31.8.1844 † 23.3.1898

R. I. P.


  • Vogel von Vogelstein, Emilie (vh) / Puchpeckh, von (gb); 28.2.1830 – 7.4.1868 (München); Stadtgerichtsassessors-Gattin
  • Vogel von Vogelstein, J. E., Dr.; 21.1.1827 – 26.8.1889
  • Vogel von Vogelstein, Karl; 26.6.1788 (Wildenfels/Sachsen) – 4.3.1868 (München); Portraitmaler und Zeichner
  • Vogel von Vogelstein, Marie (vh) / Hennemann (gb); 31.8.1844 – 23.3.1898

Grab der Familie Vogel von Vogelstein auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#Karl Vogel von Vogelstein

* 26.6.1788 (Wildenfels/Sachsen)
† 4.3.1868 (München)
Portraitmaler und Zeichner

#Die Deutschen Maler-Radirer (1867)

CARL VOGEL v. VOGELSTEIN.

Carl Christian Vogel v. Vogelstein (Vgl. »Abdruck des im 20. Bande von Dr. Nagler’s Künstler-Lexikon befindlichen Artikels über C. Vogel, mit einigen Berichtigungen und dessen radirtem Portrait. München, J. G. Weiss, Universitätsbuchdrucker. 1852.« 4. Nicht im Handel.), k. sächsischer Hofmaler, Mitglied des akademischen Rathes, ehemaliges vieljähriges Mitglied der Gallerie-Commission zu Dresden, wurde den 26. Juni 1788 zu Wildenfels im sächsischen Erzgebirge geboren. Er war der Sohn des Hofmalers Christian Lebrecht Vogel (1759–1816), der sich durch geistvolle Arbeiten im Historien- und Portraitfach, besonders durch Kindergruppen und Köpfe auszeichnete. Bis zu seinem 14. Jahre stand er in Wildenfels unter der liebevollen Leitung seines Vaters und begann seine Vorstudien mit Zeichnen nach Kupferstichen berühmter Meister, dann aber auch mit Studien nach der Natur: Portraits, Landschaften, Blumen etc.

Im Jahre 1804 betrat er die Akademie zu Dresden, wo er schon als Jüngling durch treu und genial aufgefasste Portraits in Oel Aufmerksamkeit erregte. Das Bildniss des Sprachgelehrten Lindner fand allgemeinen Beifall, indem der junge Künstler die Individualität so fein und wahr aufgefasst und das Bild so künstlerisch vollendet durchgeführt hatte, wie es in jener Zeit selten vorkam. In der Gallerie begann er Stadien mit Kreide und in Oelfarben nach den besten Meistern zu machen, in Kreide ausser der Sixtinischen Madonna mehrere gross gezeichnete Köpfe, wie die Christusköpfe von Guido Reni and A. Caracci, in der Universität zu Dorpat. Er kopirte in Oel A. van Dyck’s Karl I., Potiphar’s Weib von C. Cignani und den Genius des Ruhmes von A. Caracci. In diese Zeit fallen auch seine ersten selbstständigen Versuche in der historischen Malerei, unter welchen sich das Bild »Milo mit in den Baumstamm geklemmten Händen« auszeichnete.

Im Hause des Landraths Baron von Löwenstern, dessen Töchtern er Unterricht im Zeichnen ertheilte, trat im Leben des jungen Künstlers ein günstiger Wendepunkt ein. Der Baron kehrte 1807 nach Russland zurück und forderte Vogel auf, ihm dahin zu folgen. Vogel sehnte sich nach Italien und dessen Kunstschätzen, hatte aber keine Aussicht, weder durch seine Eltern noch durch den Staat die Mittel zu einer solchen Studienreise zu erhalten. Um so erfreulicher kam ihm die Aufforderung zur Reise nach Russland, weil er sich dort durch Arbeiten and Bestellungen, namentlich im Portraitfach, die Mittel zur italienischen Reise zu erwerben hoffte. Im Herbste 1807 reiste Vogel voll Hoffnung auf besseres Glück von Dresden nach Memel ab, von da im November nach Dorpat, wo er den Winter im Hause seines Gönners v. Löwenstern zubrachte. Er setzte den Zeichnenunterricht der beiden jüngeren Töchter fort und malte verschiedene Portraits angesehener Persönlichkeiten, die sich im Hause des Barons versammelten. Die Frau Landräthin, eine Dame von deutscher Bildung, von edelen Geistes- und Herzensgaben, liebte interessante und ausgezeichnete Personen in ihrer Umgebung und lieh allem Guten and Schönen bereitwilligste Unterstützung. Im Frühjahre 1808 begab sich die Familie v. Löwenstern nach St. Petersburg, und Vogel folgte ihr in einigen Wochen dahin nach. Er richtete sich selbstständig ein und fand im fürstlich Gagarin’schen Palais an der Newa eine kleine Wohnung.

Vogel war bald einer der beliebtesten Portraitmaler in St. Petersburg. Ausser dem Bildnisse des Grafen Bray und des französischen Botschafters Mr. de Caulincourt Duc de Vicence, erregte besonders das Kniestück des berühmten Grafen Joseph de Maistre allgemeine Bewunderung und öffnete dem eifrigen jungen Künstler die höheren Stände der Gesellschaft, in welchen er bis zu seiner Abreise von St Petersburg 1812 immerfort beschäftigt war.

Seine Verhältnisse hatten sich günstig und erfreulich gestaltet, aber die Sehnsucht nach Italien war im warmen Gemüthe des Künstlers nicht erloschen, und die höheren Geisteskräfte, die in seinem Innern ruhten, konnten durch stetiges Portraitmalen nicht entwickelt und gezeitigt werden. Er hatte sich jetzt die Mittel zu einer Studienreise nach Italien erworben und im August 1812 reiste er durch Vermittelung des Ministers Grafen Soltikoff mit einem russischen Kriegskutter zunächst nach Deutschland zurück. Auf seiner Durchreise in Berlin malte er die Portraits seines mütterlichen Onkels Charles Le Cocq und dessen Sohnes, des damaligen Polizeipräsidenten Le Cocq, in Dresden seine beiden Eltern lebensgross als Kniestücke.

Im Sommer des Jahres 1813 begrüsste Vogel zum ersten Male das lange ersehnte Rom, wo er bis zum December 1820 verweilte. Er fühlte wohl, dass seine zeitherige Manier für das Höchste in der Kunst unzureichend sei, und begann zunächst sich eine klare Anschauung von der Entwickelung der Malerei in Italien zu bilden, er prüfte und verglich »sowohl Giotto’s strengen feierlichen Styl, Angelico’s seelenvolle, liebseelige Bilderträume, des Benozzo lebensvolle Werke, der Florentiner Ernst und der Venetianer Farbenzauber, sowie Raphael’s Werke. Auch der Bologneser Technik blieb von ihm nicht unbeachtet. Dies Prüfen und Streben, sich Aneignen und Aufgeben, Verwerfen und Wählen ist die wahre Prüfungszeit eines jeden Künstlers, dem es Ernst ist, sich zu entwickeln. Er durchforschte zur Sommerszeit, wo in Rom die Aria cattiva herrscht, die Klöster, Kirchen, Rath- und Privathäuser in Umbrien, Toskana, Mantua, Viterbo, Orvieto, Mailand, Neapel etc. und gab diesen Studien eine um so fruchtbarere Richtung, als er sich dabei eine Sammlung von zwei grossen Bänden mit mehr als 245 Zeichnungen und Calquen nach den grossen italienischen Malern von Giotto bis auf Raphael anlegte. (Diese Sammlung ist auf späteren Reisen noch vermehrt worden und umfasst gegenwärtig über 300 Blätter in 3 grossen Bänden. Es wäre zu wünschen, dass sie in den Besits einer Kunstbildungsanstalt übergehen möchte. Vogel hat ein Verzeichniss derselben in Druck gegeben: »Verzeichniss der in den Jahren 1814—1857 in Italien von C. Vogel v. Vogelstein theils selbst gemachten, theils gesammelten Abzeichnungen und Durchzeichnungen nach altitalienischen Meistern«. München 1800. 4.)

Fast wäre er auf einer solchen Studienreise in Perugia dem bösen Fieber erlegen, alle seine Freunde gaben ihn verloren, und wie ein Wunder ist seine Genesung zu betrachten. Er kehrte nach Rom zurück und setzte dort mit wiederkehrenden Kräften und neuem Muthe seine Studien fort. Ueber das Studium der grossen Meister verabsäumte er jedoch nicht das ebenso wichtige Studium der Natur, wozu in Rom, das an schönen Modellen reich ist, die beste Gelegenheit war. Im Spitale della Consolazione lag er zwei Winter hindurch eifrigen anatomischen Studien ob.

Als Vogel in Rom ankam, fand er die deutsche Künstlerschaft bereits im gewaltigen Ringen zur Wiedergeburt unserer Kunst begriffen. Alle waren darin einig, dass das leere, hohle Akademikerthum gestürzt werden müsse, aber über die Mittel und Wege sowohl als über die Zwecke der neuen Wiederbelebung der Kunst gingen die Ansichten und Bestrebungen bereits auseinander. Auf der einen Seite standen die unmittelbaren Nachfolger von Carstens, Thorwaldsen, Koch, Schick, Wächter, Reinhart, auf der andern die Romantiker Overbeck, Pforr, Schadow. Diese, die im alten Ordenshause St. Isidoro ihre Wohnung hatten, schlicht und recht fast wie Ordensbrüder lebten, wollten Nichts von der Antike wissen, sondern eine rein christliche Kunst, und fanden ihre begeisternden Vorbilder in den schlichten und einfachen Werken der vorrafaelischen Meister Italiens.

Auch Vogel huldigte im Allgemeinen dieser neuen christlich-romantischen Richtung, auch er wollte eine kirchlich religiöse Kunst, basirt auf die altitalienischen Meister, deren Werke er, wie wir gesehen, ganz besonderen Studien unterwarf. Doch ging er im Ganzen eine mehr selbstständige Bahn, die den Anforderungen der Zeit und Wirklichkeit grössere Rechnung trug als manche Anhänger und Nachfolger der romantischen Schule, eine Erscheinung, die wir zu einem grossen Theile aus seiner früheren, dem Realen zugewandten Thätigkeit im Felde der Portraitmalerei zu erklären haben.

Vogel malte während seines Aufenthaltes in Rom mehrere Bildnisse, unter welchen jenes des Pabstes Pius VII. in ganzer Figur für den König von Sachsen grosses Aufsehen erregte, da es von vollkommener Aehnlichkeit war, und in Zeichnung, Färbung und Behandlung in gleichem Grade befriedigte. Zwei Jahre früher, 1815, hatte er das Portrait Thorwaldsens gemalt, welches man mit den besten Leistungen des A. van Dyck verglich; es kam in die Sammlung des verstorbenen österreichischen General-Consuls Jac. v. Krause. Ein drittes Bild aus dieser Zeit ist das des Lucian Bonaparte in ganzer Figur, das sich im Palast Borghese befindet Die Leistungen dieses geistvollen Charaktermalers fanden in Rom allgemeinen Beifall, die römischen Zeitschriften jener Zeit rühmen seine »eccellenze e bravura in questa arte divina».

Von seinen übrigen Arbeiten in Rom nennen wir ausser einer Kopie der beiden Engel im Heliodor von Raphael, jetzt in der Gallerie zu Philadelphia, eine Versuchung Christi, Geschenk für die Kirche seines Geburtsortes, die Verkündigung und die Taufe Christi für Baron Funke, die Rechtfertigung der Susanna durch Daniel. Für Schmidt in Frankfurt fertigte er eine allegorische Zeichnung mit Randarabesken, in welcher ein pilgernder Künstler durch die Kunst der Religion zugeführt wird. Als Vogel im Jahre 1819 die Bäder zu Lucca gebrauchte, wiederholte er diesen Gegenstand als Federzeichnung und Professor Rühs aus Greifswalde machte folgendes Gedicht dazu:

Die Kunst an den Jüngling.

Noch ist Dir nicht der Sonne Glanz erschienen,
Die Du gesucht mit ungeduld’gem Streben,
Du bist bemühet mir mit Ernst zu dienen,
Und hülfreich führ’ ich Dich in’s wahre Leben.

Die Jungfrau schau im Kranz von Cherubinen,
Den Knaben zeigt sie Dir mit Wonnebeben,
In dem der Hoffnung goldne Früchte grünen,
Zum höchsten Himmel wird er Dich erheben,
Wenn fester Glaube Deine Seele stählet,
Und Du Dein Sein in Liebe ganz entzündest.

Hier ist das Ziel, wo Du Erhörung findest,
Hier flieht der Zweifel, der Dich heimlich quälet,
Den Du, durch ihn erleuchtet, überwindest,
Darum lass fahren, was die Welt erwählet.

Vogel stand in steter Verbindung mit hervorragenden Künstlern und Gelehrten und bereicherte seinen Geist mit wissenschaftlichen und artistischen Kenntnissen, um sich auf die Höhe veredelter Weltbildung zu erheben. Vertraut mit der Literatur seines Vaterlandes, wendete er seine warme Theilnahme auch den Dichtern Italiens zu, unter welchen besonders Dante, durch Koch und Cornelius gewissermassen von neuem in die Künstlerwelt eingeführt, ihm eine unerschöpfliche Quelle zu reichen Aufgaben seiner Kunst eröffnete. »Ein für Alles, was dem Reiche der Poesie und Kunst angehört, empfänglicher und lebendiger Sinn, ein selbst bei vorgerückten Jahren sich gleichbleibendes Gemüth, eine die Härten des Lebens ausgleichende innere Heiterkeit, Herzensgüte und liebenswürdige Bescheidenheit« werden in Heller’s Taschenbuch »Perlen«, Nürnberg 1847, als die hervorragendsten Eigenschaften in Vogel’s Charakter bezeichnet.

Im Frühlinge des Jahres 1819 hatten die deutschen Künstler zu Rom eine grosse Ausstellung ihrer Werke im Palazzo Cafarelli eröffnet, Vogel beschickte diese Ausstellung mit zwei Portraits und einigen Oelbildern. Als dann der kunstbegeisterte Kronprinz Ludwig von Bayern in den Künstlerkreis eintrat und die höchsten Hoffnungen erregte, beschlossen die Künstler, als Zeichen ihrer Anerkennung und ihres Dankes, ihm ein glänzendes Fest in der Villa Schultheiss zu geben. Zwischen Blumengewinden und Festons prangten nach dem Entwurfe von Cornelius eine Reihe von Transparentgemälden mit Bezug auf die bildende und dichtende Kunst. Auch Vogel steuerte zur Ausschmückung des Saales durch einen »Moses« bei.

Im December 1820 folgte Vogel einem Rufe an die Akademie zu Dresden, um die Professur des unglücklichen G. v. Kügelgen zu übernehmen. Gleich nach seiner Rückkehr malte er für den Domherrn von Ampach den Heiland am Kreuz mit Maria, Johannes und Magdalena (jetzt im Dome zu Naumburg), für die Stadtkirche zu Wolmar in Lievland wiederholte er seine Versuchung Christi, den Betschrank der Prinzessin Amalia zierte er mit der heil. Anna, wie sie die kleine Maria im Lesen unterrichtet (eine grössere Wiederholung dieses Bildes erhielt Herr v. Quandt), für den Betschrank des Prinzen Johann malte er den betenden Johannes von Nepomuck und führte diesen Gegenstand später für Graf Ribeaupierre in St. Petersburg nochmals aus. Daneben entstanden eine Reihe Portraits, namentlich von Gliedern des sächsischen Königshauses, unter welchen wir den König Friedrich August im Brustbild, in der Gallerie zu Dresden, dann denselben Monarchen zwei Mal in ganzer Figur, im Cadettenhause zu Dresden und auf der Veste Königstein hervorheben.

1824 wurde Vogel zum Hofmaler ernannt. Um diese Zeit fallen zwei Altarbilder: St. Franciscus Xaverius für die Neustädter katholische Kapelle in Dresden, und St. Antonius für die katholische Freischule. Von höherer Bedeutung waren jedoch seine Deckenmalereien im Speisesaale des Lustschlosses zu Pillnitz, die ihm Gelegenheit gaben, seine Begabung für edle und grosse Compositionen sinnvoll und lebendig zu entfalten. »Die Künste, welche das Leben verschönern und die Völker beglücken, Wohlstand, Geistescultur und Genuss befördern«, das ist der Inhalt von acht Bildern mit überlebensgrossen Figuren: es sind die Malerei, die Muse der Musik, die Bildhauerkunst und die Architektur, schützend umschwebt von der Poesie, Liebe, Philosophie und Anmuth. Die Compositionen sind durch die Stiche von Barth, Krüger, Stölzel und Thäter in weiteren Kreisen bekannt; einen eingehenden Bericht bringt das Kunstblatt 1822. No. 98. aus der Feder der bekannten Amalie v. Imhoff. Vogel selbst hat in einem Sendschreiben an Cornelius (Kunstblatt 1824) mit Bezug auf die Bildung junger Künstler sich näher über die Gedanken ausgesprochen, die in ihm während der Vollendung der Arbeit zur klaren Anschauung gediehen waren.

1826 begann Vogel in der neuen Hofkapelle zu Pillnitz das Leben der heil. Jungfrau in zehn Fresco-Bildern zu malen, nachdem seit 100 Jahren diese Technik in Sachsen nicht mehr geübt worden war. Die Kapelle wurde 1830 eingeweiht und zog viele Bewunderer herbei.

Nach Beendigung dieser Fresken fand Vogel wieder Muse zur Ausführung von Portraits und Staffeleibildern. Wir nennen von ersteren die Söhne des Prinzen Johann, die Gruppen der Prinzessin Sidonia und Anna (1839), sämmtlich im Alter von 5 bis 6 Jahren, Hofrath Tieck, in Besitz des Geheimraths F. v. Raumer in Berlin, Prälat Salesius Krüger von Ossegg, Gräfin Harrach in Wien, lebensgross, Oberhofprediger von Ammon, Graf Solms v. Wildenfels, Professor G. Herrmann, für die Aula zu Leipzig. Durch sinnige Anordnung zeichnet sich auch aus dieser Zeit das Eigenbildniss des Meisters aus, er erscheint in ganzer Figur, sich von der Arbeit wegwendend zu seinem vierzehnjährigen Sohne, um ihn vor dem Gange in die Schule zum Fleiss und zur Tugend zu ermahnen. Interessanter ist das unter dem Namen »Atelier des Meisters« bekannte Bild, welches zwei Mal mit Veränderungen wiederholt wurde:
David modellirt die kolossale Büste von Tieck, und Vogel fixirt die im Sessel sitzende Gestalt des Dichters, um sie zu malen, hinter dem Maler blickt Graf Baudissin hervor, und zurück im Mittelgrunde stehen Baron v. Stackelberg und Geheimrath Dr. Carus. Das erste Bild erhielt Brockhaus in Leipzig, das zweite Herr v. Soudienko in Kiew, das dritte kaufte der König von Sachsen; auf den beiden letzteren sind Hofrath Böttiger, Professor Förster und Baron Unger-Sternberg hinzugefügt, und auf dem letzten ist an Dr. Carus Stelle der Kupferstecher Steinla getreten.

Von historischen Staffeleibildern dieser Zeit vor der zweiten italienischen Reise 1842 erwähnen wir: »St. Joseph von Calazans mit seinen armen Schulkindern am Altar«, in der Gymnasialkirche zu Brüx in Böhmen, eine veränderte Wiederholung dieses Gegenstandes in der katholischen Kirche zu Annaberg, »die Auferweckung des Lazarus«, im Besitz der Gräfin Einsiedel in Herrnhut, sowie eine etwas kleinere Darstellung desselben Bildes bei Herrn v. Soudienko in Kiew, »eine Madonna mit dem Kinde«, im Besitz der Frau General Tseffkin in St. Petersburg; 1835 kopirte er die Sixtinische Madonna von Raphael, welches Bild sich jetzt in der Gallerie zu Baltimore befindet.

Neben diesen religiösen und idealen Darstellungen entstanden auch einige genreartige Bilder, in welchen Vogel sein Talent für treue und tiefempfundene Naturauffassung beurkundete. Ein Gemälde dieser Art malte er 1840, zwei kleine Mädchen, welche in der Gegend von Schandau auf einer Gartenmauer an der Elbe sitzen.

1834 machte Vogel eine Studienreise nach London. Im Frühjahr 1842 trat er seine zweite Römerfahrt an und verweilte in Italien bis zum Juni 1844. Der gereifte Meister zählt diese Jahre seines zweiten Aufenthaltes in Italien zu den schönsten seines Lebens. Vor allem begeisterte ihn Dante, und 1844 stellte er zu Florenz im Studio alla candele sein elf Palmen hohes Bild »Dante in seiner Beziehung zur Divina Comedia« aus. Dieses schöne und reiche Gemälde, welches in einer zusammenhängenden Reihenfolge von Bildern die Oekonomie und innere Gliederung der göttlichen Comödie darstellt, fand in Rom und Florenz grossen Beifall, der Grossherzog von Toskana kaufte es für den Palast Crocetta und beauftragte zugleich den Künstler, sein eigenes Bild für die berühmte Florentiner Künstlergallerie zu malen. Die Akademie zu Florenz ernannte ihn zu ihrem Mitgliede und der Gelehrte G. B. Giuliani schrieb eine eigene Abhandlung (La divina Commedia di Dante Alighieri, dipinto del Sign. Carlo Vogel di Vogelstein. Discorso del P. Giamb. Giuliani. Roma 1844. Mit einem radirten Umriss.) über das Gemälde.

Ein betender heil. Carl Borromäus, nach der Todtenmaske gezeichnet, kam in Besitz des Baron v. Richthofen in Schlesien, eine kleinere Wiederholung erhielt Graf Kueffstein in Dresden, eine Sorrentinerin mit einem Lorbeerkranze Baron Speck v. Sternburg. Ganz besondern Beifall fand seine »Märtyrerin Perpetua im Gefängniss«, die in namenlosem Schmerze ihre Arme nach ihrem von der Wärterin getragenen Kinde ausstreckt. Der Grossherzog von Toskana kaufte das Bild. Wiederholungen finden sich bei Herrn v. Soudienko in Kiew, bei Graf Zurowsky in Volhynien und bei Banquier Carl Heine in Hamburg, der auch einen betenden Evangelist Matthäus besitzt.

Nach seiner Rückkehr nach Dresden 1844 ging Vogel zunächst an ein Doppelbild aus dem fünften Gesange in Dante’s Hölle, Francesca von Rimini und Paolo Malatesta, welche von den Stürmen umhergetrieben aufwärts schweben, und als Gegenstück zu dieser düstern ergreifenden Scene, Francesca im Bade am waldbewachsenen Felsabhange; dort grausiger Sturm, Verdammung, Elend, hier Friede, Unschuld und Ruhe.

Als Gegenstück zu »Dante in seiner Beziehung zur göttlichen Comödie« wählte Vogel später Goethe’s Faust und gliederte dieses Bild analog dem des Dante in mehrere Abtheilungen; oben erscheint Gott Vater auf dem Regenbogen, in der mittleren Abtheilung erblicken wir Faust in seinem Studirzimmer, in den kleineren Räumen sind passende Momente der Dichtung dargestellt. Vogel vollendete dieses bereits 1847 begonnene Bild 1852 zu Venedig, wohin er Weihnachten 1851 gegangen war. (Vergleiche die Augsburger Allgemeine Zeitung vom 15. August 1852. Von beiden Werken existiren kleinere Wiederholungen und eine Beschreibung in deutscher wie französischer Sprache: Description de deux petits tableaux, repésentant, l’un l’histoire de Faust, poeme de Goethe, peint à Dresde en 1847, l’autre la divine Comédie du Dante, ce dernier la reproduction avec quelques changements en petit du grand tableau au palais Pitti. – Eine andere hierher gehörige Schrift ist folgende: Die Hauptmomente von Göthe’s Faust, Dante’s divina Comedia und Virgil’s Aeneide. Bildlich dargestellt und nach ihrem innern Zusammenhange erläutert von C. Vogel v. Vogelstein. Mit Kupfern von Volkert, Rohrdorf, Gonzenbach und Mayr. München 1861. fol.)

Vogel liebt Aufgaben, welche zu zusammenhängenden Bilderreihen Anlass bieten. Dahin gehört auch sein grosses Altarbild für die von Heideloff neu erbaute katholische Kirche in Leipzig. Das Hauptbild zeigt die kolossale Gestalt des Heilandes, auf den Seiten sind die fast lebensgrossen Evangelisten und an der Predella die sieben Werke der Barmherzigkeit in chiar’ oscuro gemalt. Der Bau der Kirche kam durch milde Graben zu Stande und Vogel malte für diesen Zweck eine Allegorie in Aquarell: die Religion mit dem Kreuze, im Hintergrunde die neue Kirche, ringsum Arabesken mit aus Blumenkelchen aufsteigenden Engeln, welche die Werkzeuge der Künste tragen.

1860 vollendete Vogel zwei colossale Christusbilder für die katholische Hofkirche in Dresden: den am Kreuze verschiedenen und den erscheinenden Heiland, beide en medaillon, im folgenden Jahre zwei grosse Oelgemälde: den Engel Gabriel und die heil. Jungfrau, ein Geschenk für die Kirche zu Franzensbad.

Als im December 1850 die Mitglieder der Dresdener Conferenzen zusammentraten, fasste Vogel den Entschluss, die hervorragendsten Persönlichkeiten derselben in einem Tableau darzustellen, ihre Zahl wuchs gegen den ursprünglichen Plan während der Ausführung auf 28 an. Vogel zeichnete und malte sie zuerst nach der Natur, und dann, als er sie auf das Bild übertragen hatte, auf diesem selbst wieder nach dem Leben. Um die beiden Portraits des Herrn v. Manteuffel und des Fürsten von Schwarzenberg zu vollenden, musste der Künstler mit dem Bilde nach Berlin und Wien reisen. Ausser diesem Tableau nennen wir noch folgende in diese spätere Zeit fallende Portraits: Minister v. Beust und seine Gemahlin, Gräfin Kueffstein, Frau v. Hartmann, Frau Major Serre, Madame Jung, Radin Saleh und Prinz Boachi von Ashantee.

Im Jahre 1853, nach 34jährigem Dienste in der Königl. Akademie zu Dresden, wurde Vogel auf sein Ansuchen in den Ruhestand versetzt und erhielt bei dieser Gelegenheit das Ritterkreuz des Albrechtsordens; bald darauf vertauschte er seinen Wohnsitz in Dresden mit München, wo sein Sohn eine Anstellung im Staatsdienste erhalten hatte. Dort erhielt er vom Grossherzog von Toskana den Auftrag zu einer Wiederholung seines grossen Faustbildes als Gegenstück zum Dantebilde im Palast Pitti. Später kaufte derselbe Fürst ein Oelgemälde, Christus mit einer Gruppe Kinder. Unter vielen andern Bildern malte Vogel in München eine Kreuzigung Christi für die Kapelle in Hoddersville in Irland. Gegenwärtig hat er zwei grosse Altarbilder für die Kirche zu Altstetten im Allgäu beendet, die Kreuzigung Christi und die Madonna del Rosario mit dem heil. Dominicus, ein drittes wird den heil. Joseph mit dem Christkinde darstellen.

Im Jahre 1865 bei der Dantefeier in Florenz anwesend, fasste Vogel den Plan, die Enthüllungsfeierlichkeit der grossen Dantestatue in chiaroscuro zu malen und führte diesen Plan nach seiner Rückkehr aus. Das Gemälde ist durch eine Photographie vervielfältigt worden. Im Vorgrunde ist das Portrait des Königs Johann von Sachsen mit mehreren berühmten Staatsmännern angebracht, auf der andern Seite mehrere gelehrte Dante-Freunde, und ganz in der Ecke rechts auch das Portrait des Künstlers. Ueber dem Hauptbilde ist ein kleineres ovales Gemälde, Dante von der Italia gekrönt, mit zwei Nebenbildern, in welchen Dante’s classische Gelehrsamkeit durch Homer, Aristoteles und Virgil, und das theologische Wissen durch die Beatrice, St. Bernardus und St Tomaso angedeutet ist.

Gegenwärtig ist der unermüdlich thätige Künstler beschäftigt, die bedeutendsten Gleichnisse in Dante bildlich darzustellen.

Vogel hinterlässt sehr ausführliche Tagebücher von einer langen Reihe von Jahren, welche später durch den unausgesetzten Briefwechsel mit seinem Sohne ihre Fortsetzung gefunden haben. Er ist Mitglied der Akademien der bildenden Künste zu Berlin, Wien, St. Petersburg, Madrid, Kopenhagen, Pensilvanien, Florenz und Venedig, desgleichen von mehreren gelehrten Gesellschaften. Ganz neulich hat ihn der König von Italien in Hinblick auf seine unermüdliche Thätigkeit auf dem Gebiete der Dante-Verehrung mit dem Ritterkreuze des St. Mauritius-Ordens decorirt.

Bevor wir vom Meister scheiden, haben wir noch seiner berühmten, in ihrer Art fast einzigen Sammlung von Bildnissen kunstliebender Fürsten, Staatsmänner, Künstler, Kunstfreunde und Gelehrten der Gegenwart zu gedenken. Sie sind grösstentheils von ihm selbst nach der Natur gezeichnet und mit aller jener charakteristischen Schärfe dargestellt, die Vogels Bildnisse so vorteilhaft auszeichnet. Er begann diese Sammlung 1811 zu St. Petersburg, setzte sie auf seinen Reisen und nach seiner Rückkehr fort, so dass sich die Zahl derselben mit derjenigen, welche sich noch in seinem Besitze befinden, über 700 beläuft Im Jahre 1831 übergab er 253 Blätter als Geschenk an das K. Kupferstichkabinet zu Dresden, wofür König Anton ihn unter dem Namen Vogel von Vogelstein in den Adelstand erhob. Der Künstler liess in den Jahren 1831 und 1840 ein Verzeichniss drucken, da jedoch die Sammlung noch fortwährend bereichert worden ist, so wäre der Druck eines neuen Verzeichnisses sehr wünschenswerth. Nur wenige von diesen Blättern sind durch den Stich und die Lithographie bekannt.

Vogels Portrait kommt zu wiederholten Malen vor; von seinem »Atelier des Meisters« und seinem Bildniss in Florenz haben wir bereits gesprochen. Im Jahre 1828 von Körner und 1841 zu Rom von Paul Delaroche gezeichnet, findet man es in seiner berühmten Portraitsammlnng. J. M. Edlinger, jung verstorbener Schüler von Vogel, hat 1846 das in Florenz befindliche Bild radirt. Das Bild, wie er vor der Staffelei seinen Sohn ermahnt, ist durch einen kleinen Stahlstich in Heller’s Taschenbuch »Perlen« bekannt; das »Atelier des Meisters« wurde von E. Schuler als Briefvignette und in seiner spätern Gestalt von Payne für das Universum gestochen.

Dr. phil. Andreas Andresen: Die Deutschen Maler-Radirer (Peintres-Graveurs) des neunzehnten Jahrhunderts, nach ihren Leben und Werken. Zweiter Band. Leipzig, 1867.

#Allgemeines Künstler-Lexikon (1921)

Vogel von Vogelstein, Carl Christian, Maler, geb. 26. Juni 1788 in Wildenfels (Sachsen), † 4. März 1868 in München, Schüler seines Vaters Christian L. V. und der Dresdener Akad. (1804). 1808–12 lebte er in St. Petersburg, 1813 ging er nach Italien und wurde katholisch, 1820 wurde er als Nachfolger Kügelgens Akad.-Professor in Dresden, 1834 besuchte er London, 1840–2 nochmals Rom, 1851–2 Venedig, 1853 zog er nach München. In seine Dresdener Zeit fällt die Sammlung von ca. 700 zeitgenössischen Kreide-Bildnissen meist von Künstlern, die sich jetzt im kgl. Kupferstich-Kabinet befindet und zwar wenig künstlerischen, aber grossen iconographischen Werth hat. 1817 malte er 10 Fresken aus dem Leben Mariae in der Schlosskapelle zu Pillnitz, ferner 8 Wandbilder für den Speisesaal dort. 1824 wurde er Hofmaler, 1831 als V. von Vogelstein geadelt. V. hat auch 4 Blatt radiert. Von ihm Pio VII. (Gal. Dresden), Friedrich August d. Gerechte (das.), Goethes Faust u. A. (das.), Maler Miville (1811, Mus. Basel), Scenen zu Goethes Faust (Pal. Pitti, Florenz), Selbstbildniss (Uffizi, das.), Ludwig Tieck (Nat.-Gal. Berlin), Königin Augusta (Rudolfinum, Prag), etc., auch Historien in Kirchen zu Annaberg, Dresden, Leipzig, Naumburg und Wolmar. Mitgl. der Akad. in Berlin, Florenz, München, St. Petersburg und Wien.

Allgemeines Künstler-Lexikon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Frankfurt am Main, 1921.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Vogel von Vogelstein Karl, 1788 (Wildenfels/Sachsen) – 1868, sächsischer Hof- und Porträtmaler; den ersten Unterricht erhielt V. bei seinem Vater Christian Leberecht V., seit 1804 auf der Dresdener Akademie und in St. Petersburg (= Leningrad), wo er als Porträtmaler auftrat; 1813 konvertierte er in Italien zur katholischen Kirche; in Rom schuf er das Porträt Pius’ VII. (sitzend), Thorwaldsens und König Ludwigs von Holland; seit 1824 war V. in Dresden als Akademieprofessor und Hofmaler, wo er das Deckengemälde des königlichen Schlosses zu Pillnitz, Porträts seines Königs und Fresken aus dem Leben Mariae für die Pillnitzer Schloßkapelle malte; wegen einer Komposition aus Dantes Göttlicher Komödie ging V. 1842 nochmals nach Rom, 1853 übersiedelte er nach München, um von dort aus eine dritte Romreise zu machen; sein reiches Portefeuille von Porträts besitzen die Dresdener Sammlungen die ersten 300 Zeichnungen davon schenkte der Künstler dem König, um dafür den sächsischen Adel zu erhalten; in seinen letzten Jahren schuf V. Altarbilder (katholische Kirche in Leipzig, Dresdener Hofkirche, Dom zu Naumburg), eine Sammlung von Zeichnungen nach italienischen Meistem von Giotto bis Raffael (133 Stück) kam in den Besitz der Moskauer Akademie.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#AA – 94 (Thiereck · Weiller)


EMANUELA THERESE
VON THIERECK
GEBORENE VON DELLING
GEST. 1. OKTOBER 1813
WITWE DES 1810 VER-
STORBENEN CHURFÜRST-
LICH BAYERISCHEN HOF-
KAMMERRATS UND SCHATZ-
MEISTERS KARL JOSEPH
VON THIERECK
SIE HAT DIE HIESIGEN ARMEN
ZU ERBEN IHRES GANZEN SEHR
BEDEUTENDEN VERMÖGENS
EINGESETZT
DANKBAR EHRT IHR ANDENKEN
DIE STADTGEMEINDE MÜNCHEN
KAJETAN VON WEILLER
GEHEIMER RAT
1762 – 1826


  • Thiereck, Emanuela Therese von (vw) / Delling, von (gb); – 1.10.1813
  • Weiller, Kajetan von, Dr. phil.; 2.8.1762 (München) – 24.6.1826 (München); Priester, Philosoph, Schriftsteller und Pädagoge

Grab der Familien Thiereck · Weiller auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familien Thiereck · Weiller auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2012)

Grab der Familien Thiereck · Weiller auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

#Dr. phil. Kajetan von Weiller

* 2.8.1762 (München)
† 24.6.1826 (München)
Priester, Philosoph, Schriftsteller und Pädagoge

#Das Bayerland (1898)

25. Kajetan v. Weiller, berühmter katholischer Theologe, geboren als der Sohn eines Säcklers den 22. August 1762 zu München. Unter mißlichen Verhältnissen aufgewachsen, konnte er nur durch die Unterstützung von Freunden seiner Eltern seiner Neigung für die Wissenschaft folgen. Seine Schulbildung genoß er in seiner Geburtsstadt, aber unter manchen Unfällen. Er hatte sich einst den Arm gebrochen und wurde damals so ungeschickt behandelt, daß er ihm zum zweitenmal gebrochen werden mußte, was er standhaft ertrug. Sein bis in die späte Nacht fortgesetzter Fleiß brachte den jungen Mann dem Tode nahe und er blieb körperlich schwächlich. Als die Frage der Berufswahl herantrat, erkor er das Studium der Theologie. Willens, in den Orden der Benediktiner einzutreten, ging er im Jahre 1779 als Novize in das Kloster Benediktbeuren, verließ aber dasselbe bald wieder, um seine Studien in München und Freising fortzusetzen. Zum Priester geweiht, wurde er Erzieher der Söhne adeliger Familien, dann Professor der Philosophie bei den Theatinern und in dem letzten Jahre des 18. Jahrhunderts am Lyceum zu München, womit seine eigentliche wirksame Laufbahn begann, besonders als er im Jahre 1806 zum Direktor des Gymnasiums und Lyceums ernannt wurde. In dieser Stellung war er auch der Lehrer des zweitältesten Sohnes des Königs Max I., des Prinzen Karl.

Die beiden Anstalten, welche er leitete, wurden Musteranstalten für ganz Bayern. In den teuern Jahren 1816 und 1817 entlehnte er sogar Geld, um seine armen Schüler unterstützen zu können. In Anerkennung seiner Verdienste verlieh ihm König Max I. den Verdienstorden der bayerischen Krone, und die Akademie der Wissenschaften erwählte ihn zu ihrem Mitgliede.

Wegen seiner freisinnigen Ansichten, insbesondere in Glaubenssachen, suchten seine Gegner ihn aus seiner Stellung zu verdrängen, und Weiller wurde im Jahre 1823 von der Anstalt, deren Vorstand er so lange Jahre gewesen war, entfernt, in ehrenvoller Beförderung aber zum ständigen Sekretär der kgl. Akademie der Wissenschaften ernannt. Nach drei Jahren, am 23. Juni 1826, schied der gelehrte Mann im Hause Nr. 4 an der Bayerstraße, vom Schlage gerührt, aus diesem Leben. Seine Gebeine wurden im südlichen Friedhofe, Sektion 5, Reihe 1, Grabplatz 54 zur ewigen Ruhe gebettet. Kein Denkmal ziert mehr die Stelle.

Seine von der Bossierschule unter Leitung des Reallehrers und Bildhauers Weitzer gefertigte Büste ließ der Magistrat im Jahre 1867 in einer Nische unter den Arkaden aufstellen.

C. Reber: Die »Ruhmeshalle« unter den Arkaden des südlichen (älteren) Friedhofes in München. Das Bayerland. Illustrierte Wochenschrift für bayerische Geschichte und Landeskunde. 9. Jahrgang. Heft Nr. 32. München, 1898.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Weiller Kajetan, Dr. phil., von, 1762 (München) – 1826, Priester Philosoph und Pädagoge; W. war einige Zeit Novize in Benediktbeuern, nach kurzer Tätigkeit in der Seelsorge wurde er Hofmeister, Mitglied der BAkdW, Professor und Direktor des Münchner Wilhelms-Gymnasiums und Lyzeums, als solcher wollte W. die dortige Studien-(ehemalige Karmeliten-)Kirche in einen »Tempel des geläuterten Christentums« verwandeln; seine philosophischen und pädagogischen Schriften sind ziemlich aufgeklärt.

Hauptwerke: Über den nächsten Zweck der Erziehung nach kantischen Grundsätzen, Versuch eines Lehrgebäudes der Erziehungskunst, Ideen zur Geschichte der Entwicklung des religiösen Glaubens, Über die religiöse Aufgabe unserer Zeit, Was ist Christentum?; gegen die letzten Schriften mußte die kirchliche Behörde vorgehen; seine letzte Arbeit »Der Geist des ältesten Katholizismus als Grundlage für jeden späteren« steht aber wieder auf dem kirchlichen Standpunkt; W. ist ein typischer Vertreter der aufgeklärten Philosophie um 1800.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.