SECTION 23

rot: Zählrichtung der Grabreihen · schwarz: Zählrichtung der Grabnummern

#23 – 1 – 1 (Brantl · Buchner)


Hier ruhen
Fr. Xaver Buchner
Optiker
u. Landw. Sec. Lieutenant a. D.
im k. b. Inf. Leibregiment
gest. am 27. August 1878 im 25. Jahre.
Ihm folgte der theure Gatte u. Vater
Nikolaus Buchner
Optiker.
gest. am 11. Juni 1879 im 67. Jahre.
Ihnen folgte die treue Gattin
und liebevolle Mutter
Maria Buchner
geb. am 6. März 1818 zu Mühlthal
gest. am 12. Septbr. 1880

R. I. P.

Sockel
Enkelin Elisabeth Brantl. geb. 5. Sept. 1885. gest. 8. Juni 1887

Grabstätte
der Familie Buchner.


  • Brantl, Elisabeth; 5.9.1885 – 8.6.1887
  • Buchner, Franz Xaver; – 27.8.1878; Optiker
  • Buchner, Maria (vw); 6.3.1818 (Mühlthal) – 12.9.1880
  • Buchner, Nikolaus; – 11.6.1879; Optiker

Grab der Familien Brantl · Buchner auf dem Alten Südfriedhof München (September 2019)

Grab der Familien Brantl · Buchner auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#23 – 1 – 4·5 (Kleiter · Rotberg · Schöllhorn)


Familien-Grabstätte
von
Ad. Schöllhorn.

Hier ruhet
Frau Anna Kleiter, Privatiere
geb. 14. April 18¿ zu Günzburg
gest.11. Jänner 1883 dahier.
Joseph Kleiter
geb. 28. Mai 18¿ zu Günzburg
gest. 11. Mai 188¿
Adolf Schöllhorn
Privatier
geb. 15. Juni 1827 zu Memmingen
gest. 3. Okt. 1909.

Sockel
Hier ruht unser innig geliebtes Söhnchen
Adolf,
geb. 25. Aug. gest. 11. Dez. 1872.

Linke Seite
Carl M¿
Fabrikdirektor
¿


  • Kleiter, Anna (vh); 14.4.18¿ (Günzburg) – 11.1.1883 (München)
  • Kleiter, Josef; 28.5.18¿ (Günzburg) – 11.5.1886 (München); Privatier
  • Rotberg, Freiin von
  • Schöllhorn, Adolf; 15.6.1827 (Memmingen) – 3.10.1909

Todesanzeige für Josef Kleiter

Grab der Familien Kleiter · Rotberg · Schöllhorn auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#23 – 1 – 6·7 (Adler)


Linke Spalte
Amalie Adler,
geb. 15. Juli 1872,
gest. 21. Juli 1886.

Rechte Spalte
Michael Adler,
geb. 29. Juli 1844,
gest. 3. Mai 1924.

Sockel
Familie
Mich. Adler.


  • Adler, Amalie; 15.7.1872 – 21.7.1886
  • Adler, Michael; 29.7.1844 – 3.5.1924

Grab der Familie Adler auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#23 – 1 – 10 (Schulze)


Grab der Familie Schulze auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#23 – 1 – 11 (Zander)


¿
Ignaz Zander
¿


  • Zander, Ignaz

Grab der Familie Zander auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#23 – 1 – 14 (Ihrl)


Hier ruhen in Gott
Dr. Wolfgang Ihrl
kgl. Advokat
geb. 1. Juli 1770, gest. 4. Okt. 1832
Eva Ihrl
kgl. Advokatens-Witwe
geb. 16. März 1793, gest. 13. Aug. 1865
Pauline Ihrl
Regimentsauditeurskind
geb. 14. Nov. gest. 8. Dez. 1867
Georg Ihrl
kgl. b. Oberstabsauditeur
u. Militär-Bezirks Gerichts-Direktor a. D.
geb. 16. Okt. 1822, gest. 12. Juli 1904.

Sockel
Ihm folgte dessen Gattin,
meine heissgeliebte, teure Mutter,
Frau Pauline Ihrl
geb. Kustermann
geb. 29. Juni 1845, gest. 29. November 1921.
Sie waren mein Liebstes und Einziges
was ich auf Erden besass.

Heiligensetzer


  • Ihrl, Eva (vw); 16.3.1793 – 13.8.1865 (München); Anwalts-Witwe
  • Ihrl, Georg; 16.10.1822 – 12.7.1904
  • Ihrl, Pauline; 14.11.1867 – 8.12.1867 (München); Regimentsauditors-Tochter
  • Ihrl, Pauline (vh) / Kustermann (gb); 29.6.1845 – 29.11.1921
  • Ihrl, Wolfgang, Dr.; 1.7.1770 – 4.10.1832; Advokat

Grab der Familie Ihrl auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#23 – 1 – 16 (Einsele · Hermann)


Familiengrab

Karl Herman
Glasermeister.

Tafel
Die Inschrift ist nicht erhalten


  • Einsele, August; – 13.4.1855 (München), 35 Jahre alt; Funktionär
  • Hermann, Karl; – (6).8.1883 (München), 49 Jahre alt; Glasermeister

Grab der Familien Einsele · Hermann auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#23 – 1 – 18·19 (Ruppaur)


Hier ruhen
unsere unvergessliche Eltern
Joh. Ruppaur, Schäfflermeister
geb. 9. Nov. 1787, gest. 29. Aug. 1854.
Anna Ruppaur, dessen Gattin
geb. 5. Jan. 1808, gest. 24. Juni 1873.
Dessen Sohn
mein innigstgeliebter Gatte
Max Ruppaur, Bäckermeister,
geb. 19. Juni 1847, gest. 6. Dezbr. 1902.
Frau Anna Ruppaur,
Bäckermeisterswitwe
geb. 1. Mai 1852, gest. 23. Januar 1923.


  • Ruppaur, Anna (vw); 1.5.1852 – 23.1.1923; Bäckermeisters-Witwe
  • Ruppaur, Anna (vw); 5.1.1808 – 24.6.1873 (München); Schäfflermeisters-Witwe
  • Ruppaur, Johann; 9.11.1787 – 29.8.1854 (München); Schäfflermeister
  • Ruppaur, Max; 19.6.1847 – 6.12.1902; Bäckermeister

Grab der Familie Ruppaur auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#23 – 1 – 20 (Max)


HIER RUHT
GABRIEL VON MAX
Kgl. PROFESSOR, EHRENDOKTOR DER UNIVERS. JENA
RITTER DES MAXIMILIANS u. a. HOHER ORDEN
Geb. 23. AUG. 1840 zu PRAG † 24. NOV. 1915 MÜNCHEN.

Liegestein
¿
CORNEILLE MAX
KUNSTMALER
1875 – 1924


  • Max, Corneille; 12.5.1875 (München) – 12.2.1924 (München); Landschaftsmaler, Portraitmaler und Radierer
  • Max, Cornelius Gabriel Ritter von; 23.8.1840 (Prag) – 24.11.1915 (München); Akademieprofessor und Historienmaler

Todesanzeige für Corneille Max

Grab der Familie Max auf dem Alten Südfriedhof München (August 2013)

Grab der Familie Max auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

#Corneille Max

* 12.5.1875 (München)
† 12.2.1924 (München)
Landschaftsmaler, Portraitmaler und Radierer

#Generalanzeiger (26.2.1924)

Bestattungen

Kunstmaler Corneille Max wurde im Südfriedhof zu Grabe getragen unter Beteiligung von Berufsgenossen und anderen Leidtragenden. Professor Doerner widmete im Namen der Münchner Künstler-Genossenschaft dem lieben Weggenossen einen herzlichen Nachruf und legte einen Kranz nieder; ein weiterer Kranz war von der »Gruppe«. Die Pfarrgeistlichkeit von St. Paul nahm die Einsegnung vor.

Generalanzeiger der Münchner Neueste Nachrichten Nr. 56. Dienstag, den 26. Februar 1924.

#Münchner Neueste Nachrichten (24.4.1924)

Der Maler Corneille Max, der, wie gemeldet, vor kurzem einem qualvollen Leiden erlegen ist, war der älteste Sohn von Gabriel Max, dessen Ruhm einst tatsächlich ganz Europa erfüllte und dessen künstlerischer Rang wohl auch erst wieder zu voller Geltung kommen wird. Corneille, geboren am 10. Mai 1875, war dieses Meisters ältester Sohn. Durch die bekannten Sonderinteressen und die Sammlungen des Vaters angeregt, wollte er erst Naturwissenschaften studieren, schließlich aber gelangte er doch, Sproß einer alten böhmischen Künstlerfamilie, zu dem Entschlusse, sich ganz der Kunst zuzuwenden. Schon im Vaterhause war er früh zum Zeichnen nach der Natur angehalten worden. Er besuchte etliche Semester die Münchener Kunstakademie — unter Professor Hackl — ging dann in die bekannte Privatschule von Azbé über und arbeitete außerdem noch in der Werkstatt seines Vaters, wo er den ersten Unterricht im Malen erhielt. Nachdem er sein Einjährigenjahr abgedient, begab sich C. Max auf mehrere Jahre nach Italien und zwar in Begleitung seiner Frau, einer Tochter unseres unvergeßlichen Lorenz Gedon. Nach seiner Rückkehr begann eine Zeit erneuten Lernens; er malte zunächst mit Vorliebe Landschaften und sein erstes, auch gleich verkauftes Bild war ein »Osterreigen« mit landschaftlichem Hintergrund. Immer mehr aber wurde nun das Bildnis, insbesondere das Kinderbildnis, sein Fach, und als Kinderporträtist ist Corneille Max denn auch am weitesten bekannt geworden. Er faßt seine Kinderporträte eigentümlich zwanglos und liebenswürdig auf und stellte seine Modelle gerne in eine anziehende Landschaft. So hat er eine stattliche Anzahl von derlei Porträten geschaffen, die ihm viele Freunde warben. Neben der Malerei, für die er sich eine intime Technik mit Vermeidung lauter, indiskreter Farben zurechtgelegt, pflegt C. Max im letzten Jahrzehnt besonders für die gleichen Zwecke der Bildnismalerei die farbige Radierung. Mit ihr erreicht er ganz ähnliche Wirkungen und schuf in dieser Technik eine ganze Reihe großer, eindrucksvoller Blätter.

Münchner Neueste Nachrichten Nr. 109. Donnerstag, den 24. April 1924.

#Cornelius Gabriel Ritter von Max

* 23.8.1840 (Prag)
† 24.11.1915 (München)
Akademieprofessor und Historienmaler

#Westermanns Illustrierte Deutsche Monatshefte (1883)

Gabriel Max.

Von Adolf Kohut.

»Der Genius hat seine eigene Bahn; bewegte er sich im Kreise des täglichen Lebens, so wäre er eben nicht der Genius, sondern etwas Alltägliches. Seine Bahn ist nicht notwendig eine phantastisch irrende, obwohl es oft so scheinen mag, da sie in weiten Kreisen geht. Der Genius ist gut und groß, und in seiner Güte und Größe sucht er die ewigen Gesetze der Ordnung, sucht er das Leben harmonisch zu gestalten.« Dieser Ausspruch Lewes', des berühmten Biographen Göthes, findet seine trefflichste Anwendung auf einen Genius, dem diese Skizze gewidmet ist, auf Gabriel Max. Die kleinen Geister, welche an alles Große und Gewaltige ihren winzigen Maßstab anzulegen pflegen, machten ihm vom Beginn seiner glanzvollen künstlerischen Laufbahn bis auf den heutigen Tag den Vorwurf, daß er nicht auf den staubigen Heerstraßen der Historien- und Genremaler der Durchschnittsbegabung einherwandle, sondern sich Pfade gewählt habe, welche durchaus abseits vom Wege seien; daß er mit Vorliebe durch Dickicht und Gestrüpp sich eine Bahn zu ebnen suche und es nicht verschmähe, seltene Blumen und Pflanzen zu pflücken, trotzdem sie einen betäubenden Duft verbreiten und das Leben vergiften. Diese Anklagen fanden jedoch nur kurze Zeit ein Echo bei dem deutschen Volke. Je mächtiger Gabriel Max seine künstlerischen Schwingen entfaltete und je zahlreicher die Gemälde wurden, welche er auf den Markt brachte, desto mehr wuchs die Sympathie des Publikums für den eigenartigen und originellen Meister; und wenn die Stimmen der kritischen Rhadamanthusse gar zu laut wurden, konnte sich der Meister mit dem Ausruf Lessings trösten:

Wer wird nicht einen Klopstock loben?
Doch wird ihn jeder lesen? – Nein!
Wir wollen weniger erhoben
Und fleißiger gelesen sein.

Und in der That wurde er »fleißig gelesen«, d. h. seine Bilder wurden emsig gekauft, während die Schöpfungen vieler von der Kritik belobten gebildeten Mittelmäßigkeiten zuweilen von Ausstellung zu Ausstellung wanderten, ohne Käufer zu finden. Aber von Jahr zu Jahr wird die Zahl der grundsätzlichen Tadler von Gabriel Max geringer, und in den weitesten Kreisen selbst der berufsmäßigen Beurteiler bricht sich immer mehr die Überzeugung Bahn, daß auch hier des Volkes Stimme Gottes Stimme sei und daß die allgemeine Beachtung, ja die außerordentliche Sensation, welche jedes neue Werk des Künstlers hervorrufe, als eine durchaus berechtigte und naturgemäße bezeichnet werden müsse.

Gabriel Max ist eben ein Genius, der »seine eigene Bahn hat«; den Russen Wereschagin etwa ausgenommen, der aber zumeist die Schattenseiten des Krieges auf die Leinwand gezaubert, hat es noch nie einen Helden der Palette gegeben, welcher die Tragik, aber auch die Poesie des Leidens, die Abgründe, aber auch die Süßigkeiten des Schmerzes, die Schrecken, aber auch die Geheimnisse des Todes mit solch ergreifenden, ich möchte fast sagen, fascinierenden Farben gemalt hätte wie Max. Was Arthur Schopenhauer in der Metaphysik, ist Gabriel Max in der Malerei; wie jener vertieft auch dieser sich in die Verneinung des Lebens; wie jener hebt auch dieser den Schleier der Maja, und wir erblicken schaudernd die finsteren Gestalten, die auf Erden auf Schritt und Tritt uns entgegengrinsen; und wie jener neigt auch dieser zum Mysticismus hin: das Geheimnisvolle, Unerforschliche und Traumhafte übt auf seinen Geist eine Wirkung aus, welche der scharfe, nur mit den gegebenen Thatsachen und Erscheinungen rechnende Logiker kaum begreifen kann. Ist's daher zu verwundern, daß in unserer Zeit, wo der Pessimismus eine solch gewaltige Rolle spielt, wo die socialen Gegensätze immer schärfer sich zuspitzen und die erleuchtetsten Politiker und Denker ihre ganze Erfindungsgabe erschöpfen, um die gähnende Kluft zwischen arm und reich einigermaßen zu überbrücken, ein Maler die allgemeinste Aufmerksamkeit auf sich lenken mußte, welcher den Weltschmerz in Farben austönen läßt und den Jammer des Daseins in kunstvollen Gebilden uns veranschaulicht? Als echter Sohn des neunzehnten Jahrhunderts und als Verehrer und Geistesverwandter Heinrich Heines ist aber Max nicht nur Pessimist, sondern auch Satiriker, denn wie der »ungezogene Liebling der Grazien« ist auch er bestrebt, dem Weltschmerz eine Dosis Ironie beizumischen, und diese pikante Zugabe mußte ein Zeitalter reizen, welches die Tragik des Lebens durch Selbstironie zu mildern trachtet und das über die Wirkung mächtiger Leidenschaften und tiefer Gefühle sich durch einen Scherz oder leichten Spott hinwegzuhelfen sucht.

Alles in allem genommen, erscheint Gabriel Max am Firmament der deutschen Kunst als ein Gestirn, welches in eigenem und nicht erborgtem Glanze leuchtet, und als inkommensurable Größe, welche mit keiner anderen verglichen werden kann. Eine solche Erscheinung ist sehr schwer im Bilde festzuhalten, aber der Versuch muß doch gemacht werden, – heißt es doch auch hier: et in magnis voluisse sat est!

Gabriel Cornelius Max stammt aus einer berühmten Künstlerfamilie. Er wurde am 23. August 1840 als Sohn des Bildhauers Joseph Max und der Bildhauerstochter Anna Max, geb. Schumann, in Prag geboren. Beide Großväter des Künstlers waren Bildhauer, und bis ins sechzehnte Jahrhundert läßt sich's nachweisen, daß in der Familie Max die edle Kunst des Praxiteles eine fleißige und würdige Vertretung gefunden. Merkwürdigerweise bestimmte ihn sein Vater nicht zum Bildhauer, sondern zum Maler; denn Joseph Max hatte eine große Vorliebe für die Malerei und malte und zeichnete selbst in den Mußestunden, namentlich aber seit seiner im Jahre 1841 unternommenen italienischen Reise, wo er in Rom die klassischen Meisterwerke italienischer Maler nicht genug bewundern konnte. Daß unser Gabriel bereits als Kind für die Malerei von ihm bestimmt war, beweist schon sein Name. Der zärtliche Vater war der Meinung, daß sein Söhnchen als dritter im Bunde mit den Erzengeln der Malerei: Raphael und Michael (Angelo), nur Gabriel heißen könne. Den ersten Unterricht in seiner Kunst genoß er beim Vater und lebte bis zum fünfzehnten Jahre im glücklichen Daheim bei den geliebten Eltern und drei Geschwistern. Zu jener Zeit gab es im Reiche der Stephanskrone ebensowenig wie in der Stadt des heiligen Nepomuk Staatsschulzwang oder einjährigen Unfreiwilligendienst, der Unterricht der Jugend wurde ausschließlich von den Eltern bestimmt. Ein Schullehrer kam regelmäßig morgens von sieben bis acht Uhr ins Haus und unterwies die Jugend in den nötigen Elementarkenntnissen; das Studium in den fremden Sprachen, im Lateinischen, Französischen, Englischen u. s. w., fiel nicht gerade auf fruchtbaren Boden, dafür aber schwärmte der junge Gabriel in Gemeinschaft mit fünfzehn bis zwanzig Schülern und Gehilfen des Vaters für das Zeichnen, Malen, Modellieren und die Freuden der Natur. Seine freie Zeit benutzte Gabriel dazu, um sich im Garten herumzutummeln und unter Bäumen zu träumen. An schönen Abenden ging der Jüngling mit seinen Eltern den Hradschin hinauf in das einsame und poetische Alsternbergsche Palais, in welchem der Freund seines Vaters, der Maler G. Kratzmann, Inspektor der daselbst in langen Saalreihen aufgestellten städtischen Gemäldegalerie war. In diesem alten Gebäude auf der Höhe des Hirschgrabens, in den Räumen der Galerie, vor deren Fenstern die Wipfel hoher Bäume, auf welche Jahrhunderte herabblicken, rauschten, wo man bei Amselgesang in Grabesruhe mit alten Meistern verkehren konnte, hielt sich Gabriel tagelang, sich selbst überlassen, malend und zeichnend, auf. Nahe der Stelle, wo Tycho de Brahe und Johann Kepler die ewigen Geheimnisse des Himmels erforschten, umgeben von Bildern auf Gängen, Zimmern, Speichern und Gartensälen, oder, wenn Gesellschaft war, draußen im Mondschein duftender Gartenbäume, lernte er schon frühzeitig die Mysterien der Natur belauschen, und die Schauer der Einsamkeit wie die Melancholie des Daseins erfüllten seine Seele mit unverlöschlichen Eindrücken. »Die mondbeglänzte Zaubernacht, die den Sinn gefangen nimmt«, regte den jugendlichen Romantiker gar gewaltig an, und wenn er das Palais verließ und sich nach Hause begab, konnte er sich an all den mondhellen historischen Bauten, an denen die alte Hauptstadt Böhmens so reich ist, nicht satt genug sehen; und wenn der Vater ihn auf dem Heimwege begleitete, wurde die Gelegenheit benutzt, um Gabriel auf diesem praktischen Wege allerlei Lokalgeschichtskenntnisse beizubringen. Wie absonderlich es auch erscheinen mag, eine Sommernacht in dem damaligen Prag war wie eine Mondnacht in Rom, und als Gabriel Max sich später nach Rom begab, wollte es ihm fast scheinen, als ob er keine fremde Metropole, sondern seine geliebte Vaterstadt vor sich habe! Seine ernste und düstere Stimmung, erzeugt in einsamen Nächten und in geheimnisvollen Gemäldesälen, steigerte sich noch und wurde verbittert, je mehr der Sohn in die Leiden eingeweiht wurde, welche der Vater auszustehen hatte. Obzwar Joseph Max ein vorzüglicher und namentlich im Dekorationsfach tüchtiger Künstler war, dessen Studentendenkmal aus dem dreißigjährigen Kriege, sowie fünfundzwanzig allegorische und historische Figuren am Denkmal des Kaisers Franz, ferner das Radetzkydenkmal und die vier Fürstenbilder am neuen Rathause in Prag ihm in der Geschichte der Bildhauerkunst einen ehrenvollen Namen sichern, so war er doch vielfachen Chicanen in seinem Berufe ausgesetzt. Die verlotterten österreichischen Zustände jener Zeit bereiteten ihm manch herben Kummer, denn da die meisten Bestellungen durch Behörden gingen, an deren Spitzen sich selbstsüchtige Wohldiener zu behaupten verstanden, und Joseph Max in seiner schlichten und offenen Natur jeder Intrigue und Speichelleckerei abhold war, mußte er Tag und Nacht mit diesen Elementen hart ringen im Kampfe um das Dasein. Aufs tiefste erschüttert wurde der vierzehnjährige Jüngling durch den am 18. Juni 1854 erfolgten Tod seines von ihm schwärmerisch geliebten Vaters, wobei das Mysterium gleichfalls eine Rolle spielte. Tags vorher nämlich, am 17. Juni, saß Gabriel gegen neun Uhr abends mit seinen Eltern und Geschwistern bei Tisch, als plötzlich dreimal ein schußartiger Knall die Luft erschütterte und alles in Bestürzung versetzte. Damals wütete die Cholera heftig, und Joseph Max war seit wenigen Stunden unwohl. Tags darauf um dieselbe Stunde holte Gabriel den Priester zum Vater, damit jener diesem die letzte Ölung reiche; um zehn Uhr verließ der Hausarzt und Freund der Familie weinend das Maxsche Haus und um zwölf Uhr hatte der Kranke ausgerungen, – die Fenster standen offen, draußen rauschte die Moldau und die Wasserfälle des Kaiser-Franz-Monuments, einer Schöpfung von Joseph Max, murmelten das alte Klagelied vom Tod und vom Scheiden. Da der Vater bis zu seinem Tode der ausschließliche Lehrer seines Sohnes war, kann man sich denken, welch tiefen Einfluß er auf den geistigen Entwickelungsgang Gabriels auszuüben vermochte. Joseph Max war eine strenge Natur, aber er liebte den Humor und war stets eifrig beflissen, das Gemüt seines Kindes mit den Idealen des Schönen und Guten zu befruchten. Neben der Malerei lehrte er Gabriel antike Geschichte und Geographie und las mit ihm die klassischen Werke der alten wie der deutschen Litteratur. Namentlich bevorzugte er den praktischen Anschauungsunterricht, wie dies das folgende wohlverbürgte Beispiel bekunden mag. Um dem kleinen Gabriel die malerische Anatomie recht eindringlich ad oculos zu demonstrieren, wurde dieser oft am ganzen Körper, speciell an Armen und Füßen, mit Tinte bezeichnet. Alle Muskeln wurden schwarz bemalt und mit Namen versehen, und bei jeder Bewegung war es dem jungen Schüler selbst überlassen, zu erforschen, wo die betreffende Muskel hingekommen. Das Studium der Anatomie bildete seitdem eine der Lieblingsbeschäftigungen von Gabriel Max. Alle seine Schöpfungen legen davon beredtes Zeugnis ab, daß er die tiefste Kenntnis des menschlichen Körpers besitzt. Hierin schwebt ihm als leuchtendes Vorbild stets Michel Angelo vor, der bekanntlich zwanzig Jahre hindurch im Kloster S. Spirito mit eisernem Fleiß dem Studium der Anatomie oblag, welcher Wissenschaft er vor allem jene große Meisterschaft in der Zeichnung verdankt, die noch späte Jahrhunderte an dem unvergleichlichen Altmeister italienischer Kunst bewundern werden. Mit dem Tode des Vaters und Lehrers waren nun die verhältnismäßig »schönen Tage von Aranjuez« vorüber. Nahrungssorgen blieben nicht aus, denn der Sensenmann kam zu unerwartet; aber die arme Mutter wollte doch nichts verabsäumen, um ihren Kindern eine gediegene Erziehung zu teil werden zu lassen. Der Onkel Gabriels, der Bildhauer Emanuel Max in Prag (geb. 1810 zu Bürgstein in Böhmen), berühmt durch zahlreiche Werke von ausdrucksvoller Haltung und geschickter Gewandung, wurde nun der Vormund, und Gabriel trat als Schüler in die Prager Malerakademie ein. Dort sollte er sich besonders mit dem Zeichnen der Antiken beschäftigen, aber dies sagte ihm nicht zu, und der bisher so fleißige Jüngling verlor fast alle Lust zur Kunst und wollte heimlich – reisender Naturforscher werden. Diese Flegeljahre des Genies kosteten der Mutter manche Thräne; denn statt die Schule zu besuchen, unternahm Gabriel Geh- und Schwimmübungen aller Art, er machte geologische Exkursionen in die Umgegend Prags, legte die wunderlichsten Sammlungen an, und was dergleichen Jugendstreiche mehr sind. Doch verschmähte er den Unterricht nicht ganz, vielmehr versenkte er sich oft tagelang in die Lektüre der Bridgewaterbücher seines Vaters, benutzte fleißig die Leihbibliotheken und das städtische Museum, und wenn der Geist der Schwermut seine finsteren Fittiche über ihn breitete, wenn trübe Stunden in seiner Schaffungskraft ihn lähmten, suchte er Zuflucht am Grabe des Vaters und erholte sich in der friedlichen Ruhe des Kirchhofs. Das erste Bild, welches er schuf, brachte er trotz alledem auf der Prager Akademie fertig: »Richard Löwenherz tritt an die Leiche seines Vaters und sie blutet.« Die ritterlichen Thaten des kühnen Feldherrn und Regenten gaben vielfachen Stoff zu Gesängen, Erzählungen und Sagen, und die alte grausige Sage von dem Helden und Löwen, welche Gabriel Max im Bilde auffrischt, verrät schon frühzeitig die Hinneigung des noch in Gärung begriffenen jungen Mannes zum Furchtbaren und Mystischen. Trotz des Unfertigen und Mangelhaften fand das Bild doch vielfache Beachtung, so daß der Kunstverein in Prag sich entschloß, dasselbe für 90 fl. ö. W. anzukaufen. Ungeachtet des geringen Preises war Gabriel namenlos glücklich, vielleicht glücklicher wie jetzt, wo er für seine Bilder – eine seiner letzten Schöpfungen: »Es ist vollbracht!« hat ihm 70000 Mark eingebracht – solch enorme Summen erhält! Denn endlich konnte nun des siebzehnjährigen Jünglings Sehnen in Erfüllung gehen: er hatte »Geld«, und sofort schüttelte er den Staub der Prager Malerakademie von seinen Füßen, indem er eine abenteuerliche Reiese über Dresden, Berlin und Hamburg an die Nordseeküste unternahm, um das Meer kennen zu lernen; wäre die Mutter nicht gewesen, für die sein Herz stets warm schlug, er wäre übers Meer gegangen und hätte wohl für immer die Heimat verlassen.

Um jene Zeit heiratete seine ältere Schwester Marie den Schriftsteller und Maler Rudolf Müller, einen vielseitig gebildeten Mann und kinderreichen Witwer. Seine Kirchenbilder zeichnen sich durch geschickte Komposition, sorgfältige Modellierung und tiefes Gefühl aus. Seiner Anregung dankt es Gabriel Max, daß er nach Wien an die dortige Kunstakademie kam. Die Akademie stand damals unter der bewährten Leitung des Historienmalers Karl v. Blaas; aber auch dort war es dem Jüngling nicht recht geheuer. Statt die Akademie zu besuchen, zog er es vor, in den Museen und Galerien, sowie auf belebten Plätzen vor der Stadt fortwährend Bewegungen zu skizzieren, welche Sekundenaufnahmen übrigens noch jetzt die Lieblingsbeschäftigung des Meisters bilden. Für seine kulturhistorischen und sonstigen mannigfachen Privatstudien bot ihm die große akademische Bibliothek sehr wertvolles Material. Er sammelte dort unglaublich viel Stoffe in Zeichnung und Abschrift für seinen kommenden Beruf. Inzwischen wurde der bereits erwähnte, ihm und seiner Familie befreundete Galerieinspektor Kratzmann in derselben Stellung von Prag nach Wien an die fürstl. Esterhazy-Galerie versetzt. Noch einmal standen ihm die Thüren dieser Familie ebensowohl wie diejenigen der Galerie – deren Bildersäle u. a. Kupferstich- und Handzeichnungsmappen der schönsten Art enthielten – offen. Sein künstlerischer Gesichtskreis erweiterte sich außerordentlich und befruchtete ihn mit einer Fülle von Ideen, Plänen und Aufschlüssen. In dieser Gemäldegalerie traf er oft mit dem berühmten Historienmaler Ritter Joseph v. Führich zusammen, damals Professor der geschichtlichen Komposition an der Wiener Akademie. Führich zeigte für Max ein sehr lebhaftes Interesse, und dieser verehrte ihn als Mensch wie als Künstler aufs höchste und studierte von Kindheit an seine großartigen Arbeiten. In dieser Periode entstanden jene zehn farbigen Zeichnungen: »Phantasiebilder zu Tonstücken«, welche mit einem Schlage die Augen aller Kunstverständigen auf ihn lenkten und die gewissermaßen einen Eckstein im Leben des Künstlers bildeten. War auch der pekuniäre Erfolg ein recht kläglicher – der Autor verkaufte dieselben an einen Photographenhändler für 20 fl. ö. W. und drei Abdrücke –, so war doch der moralische Erfolg ein durchschlagender. Der junge Mann, von dem man bisher nur wenig sprach, war plötzlich in aller Munde, und die Tuschzeichnungen, welche die Grundideen der Werke Beethovens, Mendelssohns und anderer Komponisten verkörperten und durch geistreiche Erfindung hervorragten, fanden allgemeinen Beifall. Am meisten wurden die Zeichnungen zu Beethovens Sonaten gerühmt, von denen ein »Zwiegespräch zwischen Largo und Allegro« die Perle bildet. Die Bethovensche Muse hat der für die Musik schwärmende Deutsch-Böhme augenscheinlich in der Sphinx, dem Weibe mit dem Löwenleib, verkörpert: »Derweilen des Mundes Kuß mich beglückt, zerfleischen die Tatzen mich gräßlich.« Der geheimnisvolle, tragische, gewaltige Beethoven hatte für Max begreiflicherweise etwas ungemein Anheimelndes und Anziehendes.

Der grüblerische und verschlossene junge Künstler fühlte sich in den drei Jahren seines Wiener Aufenthaltes (von 1858 bis 1861) in der »Stadt der Phäaken« gar nicht wohl; das leichtlebige und genußsüchtige Wien, die Metropole des österreichischen Optimismus, war dem schwermütigen und denkenden Maler ein Greuel, und seine Professoren, welche diese innerliche und skeptische Natur nicht verstanden, trugen dadurch, daß sie ihm sogar ein kleines Stipendium entzogen und ihn der Notdurft des Lebens erbarmungslos Preisgaben, wesentlich dazu bei, seine Lebenslust zu trüben und den Becher seiner Jugendfreuden vollends mit Wermutstropfen zu füllen. Bezeichnend für den jungen Max sind einige Episoden, welche vor einigen Jahren Joseph Lewinsky, ein Mitschüler desselben, in dem »Deutschen Montagsblatt« über die damaligen Studien Gabriels erzählte. Von kleiner Gestalt, mit feingeschnittenen, etwas zusammengekniffenen Gesichtszügen, war er eine ziemlich verschlossene und scheinbar kalte Natur, die jedoch auftaute, wenn ein bedeutender Gegenstand der Kunst, der Wissenschaft oder des gesellschaftlichen Lebens ihn anregte und fesselte. Der sonst einsilbige, ruhige und bloß beobachtende Geist konnte dann, besonders in heiterem Kreise, einer der Lebhaftesten, Geistreichsten und Witzigsten ein; sein Witz hatte allerdings eine starke Beimischung von Sarkasmus. Was besonders in seinem Wesen sich ausprägte, war ein gewisser Hang zum Absonderlichen, Bizarren, der sich in allerlei naturwissenschaftlichen und philosophischen Spekulationen und Liebhabereien gefiel. Die Erforschung toter Vögel beschäftigte ihn ebenso wie die Erforschung des Ursprungs aller Dinge. Es war etwas Faustisches und etwas Mephistophelisches zugleich in seiner Natur. In abgetragenen Kleidern, das Skizzenbuch in der Tasche, liebte er es, die verrufensten Lokale aufzusuchen und hier den »Leichtfertigen« oder gar den Spitzbuben zu spielen, um dabei »Studien« zu machen. Dergleichen das kriminelle Gebiet berührende Exkursionen hatten allerdings ihre bedenklichen Seiten, mitunter aber auch ihre ergötzlichen. So wurde einst polizeilicherseits ein Verbrechernest aufgehoben und zur Wache befördert, und als die saubere Gesellschaft dem Polizeibeamten vorgeführt wurde, befand sich auch Gabriel Max in deren Mitte. »So jung und schon auf dem Wege des Lasters,« redete der »Großinquisitor« den gefährlichen »Verbrecher« an. Dieser reichte statt aller Entgegnung dem Beamten das »Verbrecheralbum« hin, aus welchem die wohlgetroffenen Konterfeis der miteingebrachten Genossen »auf dem Wege des Lasters« sich jenem in effigie präsentierten. Der Mann des Gesetzes erriet, lächelte befriedigt und entließ den abenteuerlichen Maler, verfehlte aber nicht, ihm zuvor den wohlgemeinten Rat zu geben, für seine Studien in Zukunft sich doch ja minder gefährliche »Modelle« auszusuchen, da das von ihm beliebte Inkognito nicht immer gleich günstige Resultate aufzuweisen haben dürfte. Wie wenig geneigt indessen der junge Maler sich zeigte, der warnenden Stimme Gehör zu geben, sollte man bald erfahren. Eines Tages erschien Gabriel etwas entstellt in seinem Äußeren. Seine malerische Passion wäre ihm fast sehr übel bekommen. Nach seiner Gewohnheit in zerlumpter Kleidung eine der berüchtigtsten Spitzbubenversammlungen besuchend und im künstlerischen Genusse der köstlichen Zuchthäuslertypen schwelgend, war er leider in unangenehmer Weise in seinem Studium unterbrochen worden, denn nicht für einen Spitzbuben, sondern für einen »Spitzel« hatte man ihn angesehen. Seine Versicherungen, er sei einer der gefährlichsten Einbrecher, halfen ihm nichts; man hielt ihn für einen geheimen Polizisten, und nur mit Mühe gelang es ihm, den ärgsten Mißhandlungen zu entgehen. Die künstlerische Ausbeute dieses Abends, die auserlesensten Galgenphysiognomien enthaltend, sowie ein braun und blau geschlagenes Gesicht bildeten allerdings die bestätigenden llustrationen seines kleinen Kriminalromans. Mit diesen etwas ungewöhnlichen Mitteln zu großem künstlerischen Zweck waren die Quellengebiete seiner Studien indessen nicht erschöpft. Durch einen befreundeten Mediziner wußte er sich auch ins »Allgemeine Krankenhaus« Zutritt zu verschaffen; und hier waren es die letzten Augenblicke der Sterbenden, im Seciersaal die anatomische Zergliederung der Toten, welche er zu Objekten der eingehendsten und eifrigsten Studien machte. Und es dürfte wohl die Frage erlaubt sein, ob diese Lazarettscenen der düsteren Phantasie des Meisters nicht die ersten Anregungen zu jenen berühmten Werken gegeben, in welchen er mit besonderer Vorliebe den Tod in allen einen Erscheinungen zur Darstellung bringt?

Sichtlich erleichtert, verließ Max Wien auf Nimmerwiedersehen und begab sich wieder zurück nach Prag zu seiner Mutter. Not lehrt beten, und lediglich infolge pekuniärer Bedrängnisse malte er das bizarre Bild: »Judas.« Judas Ischarioth bringt dort die Silberlinge zurück und kommt auf den Gedanken, seinem Leben durch Erhängen ein Ende zu machen. Hierauf schuf er eine »Madonna mit dem Jesusknaben«: die Mutter Gottes sucht mit dem Erlöser in der Höhle des Ölbergs Schutz. Das geistvolle allegorische Bild machte Glück: das Deficit in der Kasse war bald gedeckt, denn der Prager Kunstverein kaufte das Werk für die Summe von 400 fl. ö. W. Wieder ließ es unserem Künstler in seiner Heimat keine Ruhe; im Besitze des wenigen Geldes machte er bereits Anstalten, nach Paris zu reisen, um in der Schule des von ihm hochverehrten Malers Paul Delaroche — ein photographisches Werk sämtlicher Schöpfungen Delaroches hatte einen mächtigen Eindruck auf seine künstlerische Auffassung gemacht — sich weiter auszubilden; aber gegen diesen Plan legten der Vormund und Schwager entschiedenen Protest ein. Als Ziel seines neuen Wirkungskreises wurde ihm München bezeichnet, und mit der Unterstützung eines edlen Onkels, Georg Max, trat er im August 1863 die Reise nach der Hauptstadt Bayerns, dem Sitz der bayerischen Künstlerschule, an. Die Wanderjahre im Leben Gabriels hatten nun ein Ende, die Meisterjahre sollten ihren Anfang nehmen und eine an Erfolgen und Ehren reich gekrönte Periode im Leben des Künstlers einleiten.

Am Anfang gefiel es Max in München wenig, doch bald fesselte ihn, den großen Freund des Schwimmens, er reizende Würmsee, und so söhnte er sich allmählich auch mit der Metropole Bajuvarias aus. Die Zeit der Vorbereitung war vorüber, es begann die Zeit des Schaffens, der rastlosen Arbeit. In dem sogenannten Affenkasten, das heißt der der Akademie gegenüber liegenden Augustinerbrauerei, lernte er einen Landsmann, den Geologen Dr. Schwager, kennen, und dessen Vermittelung hatte er es zu verdanken, daß er in die Schule Pilotys freundlich aufgenommen wurde. Der große Meister nahm sich seines Jüngers in gütiger Weise an, unterstützte ihn mit Rat und That und spornte ihn stets zur emsigen Tätigkeit an. Von den Schülern Pilotys übte am meisten Hans Makart mächtigen Einfluß auf ihn aus, dessen Genie wie eine frische Brise seine stürmische Seele berührte. In diese Periode fällt das Entstehen des Bildes »Die erdrosselte Herzogin Ludmilla«, welches nach Boston verkauft wurde, und das sensationelle Gemälde »Die Märtyrerin am Kreuz«, von dem Photographen Bruckmann in München fälschlicherweise »St. Julia« getauft. Eine christliche Dulderin hängt am Kreuz, bei deren Anblick ein vom wüsten Gelage heimkehrender Jüngling wie gebannt stehen bleibt und die Rosen von seinem Haupte der Sterbenden zu Füßen legt. Seit dem Erscheinen der »Märtyrerin am Kreuz« (1867) war der Ruf des Künstlers begründet. Friedrich Pecht erzählt in seinem liebenswürdigen Buche »Deutsche Künstler des neunzehnten Jahrhunderts« über die Wirkung dieses Bildes: »Es war eines Sonntags, als das ganze gebildete München in nicht geringe Aufregung geriet, alle Damen mit nassen Augen aus dem Kunstverein kamen und, »wo ein Bär den andern sah«, denselben mit der Frage empfing: »Haben Sie die Märtyrerin schon gesehen?« Die Menge drängte sich derart vor der armen gekreuzigten St. Julia, daß die meisten sie gar nicht ordentlich zu Gesicht bekamen und nur um so gerührter weggingen. Sie fand gleich in den ersten Tagen ihres Auftauchens einen spekulativen Liebhaber, der ganz Deutschland mit ihr unter Wasser setzte, es nicht Sadowa, sondern auch Luxemburg, welches damals an der Tagesordnung war, vergessen ließ und dann auf der Ausstellung in Paris die halbe civilisierte Welt wie die ganze Halbwelt mit ihr fascinierte.« Gabriel Max kam nun in Mode. Er machte das Gespräch in den künstlerischen und litterarischen Salons aus, und es bildeten sich Parteien für und gegen den Künstler. Das epochenmachende Bild zeigte auf einmal die ganze Eigenart des Künstlers: die Meisterschaft der koloristischen Stimmung und der Komposition, die geistvolle und originelle Erfindungsgabe, das tiefe, echt deutsche Gemüt und die bewunderungswürdige Zeichnung des leidenden, sterbenden Weibes. Diese Vorzüge hat Max in der Folgezeit bei jedem seiner Bilder in mehr der weniger folgerichtiger Weise entwickelt, und es ist nichts natürlicher, als daß das Publikum überall von dieser Offenbarung eines eigentümlichen schöpferischen Genius aufs tiefste ergriffen wurde. Die Gegner der Maxschen Dichtung warfen dem Meister vor, daß er sein Sujet zu sentimental behandelt habe und auf die Thränendrüsen der zartbesaiteten, nervösen Damen spekuliere. Ich kann diese Auffassung nicht teilen. Die himmlische Ruhe und Verklärung, die sich im Antlitz des zarten und herrlichen Wesens ausprägt, welches für seinen Glauben stirbt und beseligt den Kreuzestod erleidet um Jesu willen, ist echt künstlerisch und legt Zeugnis ab von den hohen Idealen, welche die Brust des Malers erfüllten. Die geisterhafte Farblosigkeit des Bildes ist noch keineswegs Effekthascherei, sondern durchaus geboten, um das entsetzliche Schicksal der entzückend schönen Dulderin und die Zerknirschung des lebenslustigen, vom Strahle der christlichen Liebe getroffenen römischen Jünglings zu veranschaulichen. Einen ähnlichen Gegenstand behandelte der Künstler einige Jahre später (1874) mit nicht geringerem Erfolge im »Letzten Gruß«. Schaudernd gewahren wir eine junge Christin im Cirkus, in der Arena zwischen zwei Löwen und einem Tiger, aber ihr Antlitz ist trotz alledem verklärt und leuchtet in himmlischer Glorie, als ein junger Römer ihr eine Rose zuwirft.

In Pilotys Schule malte Max noch »Die Verlassene«, die verzweifelte Margarete an der Stadtmauer vor der Mater dolorosa darstellend (das Bild befindet sich jetzt in Moskau); der Ausdruck der Verzweiflung im Antlitz Margaretes, die Trostlosigkeit des jungen und liebenden Weibes sind von erschütternder Wirkung. Die Hände Gretchens sind krampfhaft gerungen, der Kopf der fast Ohnmächtigen ist zurückgesunken und die kahle schwarze Mauer, sowie die beklemmende dunkle Scenerie – es ist ein Stimmungsbild, so ergreifend und großartig, daß wir in der gesamten Historienmalerei nur sehr wenige Schöpfungen ihm zur Seite stellen könnten. Die Gestalt Gretchens hat Max übrigens noch in anderen Werken verewigt, wie denn überhaupt Göthes »Faust« auf seinen grüblerischen Geist von jeher eine besondere Anziehungskraft ausübte. Wir besitzen von ihm: »Gretchen in der Gartenscene« (1869), »Margarete als Walpurgisnachterscheinung« (1873), »Margarete im Kerker« (1875) und »Faust und Margarete« (1876). Nur das erstere Bild ist ein sonniges und freudiges. Gretchen lehnt sich an Faust und bricht die Sternblume; die heitere Lichtgestalt thut dem Auge des Beschauers wohl, die übrigen Bilder hingegen haben insgesamt etwas Dämonisches und Grauenhaftes. In der Kerkerscene finden wir das früher so blühende Gretchen gebrochen und irrsinnig, in dem Augenblicke, wo sie Faust erkennt und in die Worte ausbricht:

Er ist's, er ist's! Wohin ist alle Qual?
Wohin die Angst des Kerkers und der Ketten?

Und in der epochemachenden »Walpurgisnachterscheinung«, in welcher Faust Gretchen zu erkennen glaubt: »Sie scheint mit geschlossenen Füßen zu gehen«, und wobei er ein rotes Schnürchen um den Hals bemerkt: »nicht breiter als ein Messerrücken«, tritt das Unheimliche in der im langen Sterbekleid einherwandelnden Erscheinung und dem magischen Kolorit des Bildes überhaupt besonders stark hervor.

In der Schule Pilotys übte er sich auch fleißig in Illustrationen. Er lieferte unter anderen Illustrationen zu Uhlands Gedichten (1865), zu Wielands Oberon (1867), zu Lenaus Gedichten (1867), zu Schiller (1867) und zu Göthes Faust (1868). Zu Göthes Faust, welchen Grote in Berlin herausgab, steuerte er achtzig Illustrationen bei. Da jedoch die Zeichnungen Max' der Firma aus Gründen, die unerörtert bleiben mögen, nicht konvenierten, brach alsbald zwischen dem Verleger und Künstler ein Konflikt aus, infolge dessen nur etwa acht Blätter nachträglich vervielfältigt wurden. Später (1874) illustrierte er auch Scheffels Ekkehard und eine Zeichnung: »Hadumoth im Gebet«, welche vielfache Beachtung gefunden hat. Für die bekannte Schillerausgabe der Firma Hallberger in Stuttgart lieferte er die Illustrationen zu Macbeth, – aber wie sehr sich auch die meisten dieser Zeichnungen durch originelle, zuweilen freilich von Bizarrerie nicht ganz freie Auffassung auszeichnen, so kann doch denselben keine besonders hervorragende Stellung in der Illustrationslitteratur eingeräumt werden; er, dessen Stärke in der vollendeten Darstellung einzelner Gestalten liegt, sah wohl selbst ein, daß die Illustration nicht sein eigentliches Element sei. So malte und illustrierte er »mit heißem Bemühn«, ohne aber seine alten Passionen zu opfern; er musizierte nach wie vor leidenschaftlich, machte philosophische und naturwissenschaftliche Studien, trieb allerlei geschichtliche Allotria und unternahm fortwährend Ausflüge in das bayerische Hochgebirge. Auf einer dieser Exkursionen im Herbst 1864 nahte sich dem ernsten und verschlossenen Jüngling der Liebesgott, der fast niemand mit seinem Pfeile verschont: er lernte die Tochter eines Münchener Oberstabsarztes kennen, und dieselbe, Fräulein Emma Kitzing, hatte im Fluge sein Herz gewonnen; allerdings vergingen noch schier zehn Jahre, bis es ihm vergönnt war, die Auserwählte als seine Gattin heimzuführen.

Im Jahre 1869 wurde Gabriel Max mit allen älteren Schülern Pilotys entlassen, – er hatte »ausgelernt« und mußte neueren Jüngern Platz machen. Nur ungern verließ er das Atelier des geliebten Altmeisters, dessen Lehrmethode er so viel verdankte und der ihm über vier Jahre lang ein väterlicher Freund und Gönner war. Nun trat die zwingende Notwendigkeit an ihn heran, nicht nur ein eigenes Atelier aufzuthun, sondern sich auch auf eigene Füße zu stellen. Max, der stets ein zärtlicher Sohn und Bruder war, beeilte sich, seine Mutter und Schwester Lina (jetzt Frau Professor J. Benczur) sowie seinen jüngsten Bruder zu sich zu nehmen. Hier, im Kreise seiner Familie, fühlte er sich außerordentlich glücklich, aber diese Häuslichkeit war freilich auch denkwürdig genug! In einem reizenden, poetischen Gartenhäuschen, in Gesellschaft von Hunden, Papageien, Affen, im Umgang mit einigen guten Freunden verbrachte er drei vergnügte Jahre und unternahm inzwischen wiederholt Reisen nach Paris, Italien, Holland und Belgien, überall Studien und Forschungen machend. Da starb seine Mutter um Pfingsten 1872. Den Schmerz, welchen ihm dieser Verlust verursachte, konnte er lange nicht verwinden; hierzu kam, daß seine Schwester den Professor Benczur heiratete und den Bruder mit nach Prag nahm – der Künstler fühlte ich in der großen Wohnung namenlos einsam und verlassen, und die alten Schatten der Melancholie senkten sich aufs neue auf sein Gemüt; die Dämonen der Qualen und Leiden suchten ihn heim, und in dieser Stimmung schuf er jene Gemälde des Pessimismus, auf welche ich gleich zurückkommen werde. Um nicht ganz menschenscheu zu werden, war es die höchste Zeit, daß er im Mai 1873 seine heißgeliebte Braut Emma Kitzing heimführte. Die Hochzeit wurde auf der Fraueninsel am Chiemsee gefeiert, und wenn es je einen großen Künstler gegeben, der im Schoße der Seinigen sich beglückt gefunden, so ist es Gabriel Max. Seine Gemälde haben ihm nicht nur Ruhm und Auszeichnungen aller Art, sondern auch pekuniäre Erfolge eingebracht, und durch Nacht hat er sich zum Licht siegreich emporgerungen. Im Winter lebt er in München, wo er als Professor der Historienmalerei ruhmreich wirkt und einen großen Schülerkreis um sich versammelt, und im Sommer hält er sich auf seiner hübschen Besitzung in Ammerland am Starnbergersee auf, wo sein gastfreies Haus sich allen Freunden zu jeder Zeit öffnet. Gabriel Max besitzt eine der reichhaltigsten und interessantesten osteologischen, prähistorischen und ethnographischen Sammlungen Deutschlands.

Mein Porträt wäre nicht vollkommen, wenn ich nicht noch einiger charakteristischer Züge der Persönlichkeit Gabriel Max' Erwähnung thäte. Hans Makart, Basil Wereschagin und Ludwig Knaus ausgenommen, wüßte ich keinen Maler der Gegenwart, über den in der Presse soviel geschrieben worden wäre wie über Max. Jedes größere Bild von ihm rief eine Flut von Zeitungsartikeln hervor, welche teils für ihn, teils gegen ihn plaidierten. Wenn er nun auch selbstverständlich für die Stimme der Kritik nicht unempfänglich erscheint, so ist ihm doch nichts so sehr verhaßt wie die Reklamemacherei, wie sie von gewissen Kunsthändlern betrieben wird, und er hat schon wiederholt seine Warnungssignale ertönen lassen, wenn diese Spekulanten es zu arg trieben und, um das Publikum anzulocken, unter seinem Namen allerlei Manipulationen unternahmen.

Während politische Fragen unsern Künstler nur wenig interessieren, hat er für religiöse und philosophische Erörterungen von jeher ein überaus lebhaftes Interesse an den Tag gelegt. Obzwar man glauben sollte, daß der Maler der Heiligen, ja des Göttlichen ein strenggläubiger Christ sein müßte, so ist dem doch nicht so. Als Geistesverwandter Arthur Schopenhauers schwärmt auch er für Buddha, den Stifter des Buddhaismus. Ein moderner Fakir, huldigt er dem Grundsatz, daß die Aufgabe des Menschen die Verneinung des Lebens sei, daß nur der selig genannt werden könne, welcher das Ewige habe. Die höchste Tugend ist für ihn die Barmherzigkeit, das Mitleid, mit der sich der Mensch der ringenden und kämpfenden Kreatur zuneigt und den Armen und Elenden, den Leidenden und Geängsteten das Bild des eigenen Friedens und stiller Ruhe und Entsagung entgegenhält. Darum haben Tod und Vernichtung, Krankheit und Verwesung, deren Stadien er so ergreifend und erschütternd zu malen weiß, für ihn ihre Schrecken verloren; denn nur durch die Loslösung vom Irdischen, durch Vernichtung des Begehrens gelangt der Sterbliche zur Ruhe, zur Erkenntnis, zur Erleuchtung, zum Nirwana. – Die Ähnlichkeit mit der Weltanschauung Arthur Schopenhauers geht so weit, daß er sich gleich diesem nicht allein zum Mysticismus hinneigt, sondern sogar – dem Spiritismus huldigt. Ob er gleich dem unsterblichen, aber wunderlichen Frankfurter Denker an Tischklopfen glaubt, weiß ich nicht genau, aber daß er ein Spiritist vom reinsten Wasser ist, steht fest. Durch den Umgang mit dem vor einigen Jahren verstorbenen Prof. Johannes Huber in München wurde er in seiner Verehrung für den Spiritisten Prof. Zöllner in Leipzig bestärkt, und so betreibt Gabriel Max in einen Mußestunden allerlei spiritistische Versuche. Doch wer wird diese Absonderlichkeit nicht begreiflich finden, wenn er erwägt, mit welchen Medien und Geistern Max während seines Lebens bereits verkehrt hat! Die zahlreichen Märtyrerinnen, Kindesmörderinnen, Löwenbräute und Wahnsinnige e tutti quanti konnten auf die lebhafte Phantasie und das tiefe Gemüt ihres Herrn und Meisters nicht ohne Wirkung bleiben. Die er rief, die Geister, wird er eben nicht mehr los. In dieser seiner spiritistischen Neigung wurde er noch wesentlich ermuntert durch die Lektüre des bekannten Wunderbuches von Justinus Kerner: »Die Seherin von Prevorst«, und so können wir uns auch darüber nicht wundern, daß dieser vorzügliche Anatom, der ja die Secierung des toten menschlichen Körpers im Interesse der Wissenschaft und Kunst für geboten erachten mußte, ein Gegner der Vivisektion ist. So beschäftigt er sich gegenwärtig mit einem Bilde: »Der Vivisektor«; auf demselben erblicken wir einen Vivisektor, dem der Genius des Mitleids ein Hündchen wegnimmt und ihm an einer Wage den Ausspruch Kants demonstriert, daß ein gutes Herz mehr wert sei als ein gutes Gehirn.

Zum Schluß erwähne ich noch, daß es dem Künstler an Auszeichnungen aller Art nicht fehlt.

Es würde zu weit führen, wollte ich sämtliche Bilder des Meisters wenn auch nur mit flüchtigen Strichen kizzieren; ich muß mich daher darauf beschränken, die namhaftesten, berühmtesten und originellsten Gemälde, in welchen sich sein Genie und seine Eigenart besonders offenbaren, mit einigen Worten näher zu bezeichnen. Es sind zunächst diejenigen, in welchen die Schattenseiten der Liebe, die gebrochenen Frauenherzen, die vernichteten Hoffnungen und qualvollen Leiden des Weibes in erschütternder Weise veranschaulicht werden. Wie kaum ein Zweiter ersteht er in unglücklichen Frauenseelen zu lesen. Die Nonne z. B., welche hinter den Klostermauern ihre Jugend vertrauert und sich abhärmt, hat er in verschiedenen Bildern uns vorgeführt, so unter anderem in der »Nonne im Klostergarten« und im »Waisenkind«. Im Klostergarten herrscht, trotzdem es Frühling in der Natur ist, trostlose Öde. Auf dem dürftigen Rasen sitzt eine wunderschöne junge Nonne und verfolgt mit vor Weinen geröteten Augen das lustige Gaukeln zweier Schmetterlinge. Wie beneidet sie die Libellen, welche hin und her flattern können, während sie in ihrem moralischen Kerker verkümmern muß! Wenn wir die verwitterte Klostermauer, die schaurige Öde, die dahinwelkende Mädchenknospe und die nsäglich melancholische Stimmung des Ganzen erblicken, schnürt sich unser Herz unwillkürlich krampfhaft zusammen. Auch im »Waisenkind« schildert der Künstler das Schicksal einer Nonne – aber sie ist keine weiße Lilie mehr, sondern eine vor Sorgen und Kummer, Entbehrung und Seelenschmerz ergraute barmherzige Schwester, auf deren Stirn die Worte leuchten: »Du sollst entsagen!« Der Genius des Erbarmens hat bereits ihr Gemüt beruhigt, denn er hat ihr einen Trost gesendet in Gestalt eines kleinen kranken Waisenkindes. Wie liebt sie das unschuldige Wesen, wie hegt und küßt sie es, und nur Gott allein hört den stillen Seufzer ihrer Brust: »O, daß das Kind mein wäre!« – Noch beklagenswerter als diese Opfer des Klosters ist auf dem bereits oben erwähnten Gemälde die blühende Jungfrau, welche als »Märtyrerin im Cirkus« dazu, bestimmt ist, von Löwen und Tigern zerrissen zu werden. Der unnatürliche Tod in seiner fürchterlichen Gestalt tritt uns auch in der »Löwenbraut« – nach dem Chamissoschen Gedicht gemalt – entgegen. Im Hochzeitsanzug, Rosen im Haar, liegt die Braut im Käfig; in ihrem entsetzlichen Todeskampfe hat sie krampfhaft ihre Finger in den Sand gegraben. Neben ihr lagert der König der Wüste; derselbe hat seine Tatzen auf sie gelegt, als wollte er sie nicht fürder loslassen, trotzdem der Bräutigam der armen Zerrissenen bereits mit der Flinte naht, um an dem Löwen die Braut zu rächen. Bei diesem Bilde vermissen wir leider das versöhnende Element, gewissermaßen die poetische Gerechtigkeit; meines Erachtens sollte kein Maler derartige bestialische Scenen überhaupt auf die Leinwand zaubern. – Eine größere Befriedigung gewährt »Julia Capulet.« Der Graf von Paris naht am Morgen des Hochzeitstages mit den Musikanten in fröhlichster Stimmung dem Gemache seiner Braut, aber – o Entsetzen! – sie ist starr, leblos, denn Lorenzo hat ihr den Schlaftrunk eingegeben. In ihren über die Brust geschlagenen Händen hält sie welke Blumen, ein rosiger Strahl der Sonne bricht durch das Fenster und verklärt das bleiche, aber reizende Gesicht. Über dem überwältigend schönen Eindruck des Ganzen vergißt man einige Freiheiten, die der Künstler sich genommen. So ist z. B. das Schlafzimmer Julias im Stil der Renaissance dekoriert. – Eines der rührendsten Bilder ist das »Geblendete Christenmädchen«. Wäre von Max nur dieses eine hochpoetische Werk geschaffen, so hätte er sich schon in den Annalen der Kunst mit unsterblichen Lettern verzeichnet. Das unter dem Namen »Licht!« besser bekannte Gemälde zeigt uns ein blindes Christenmädchen, welches am Eingang der Katakomben den hinabsteigenden Glaubensgenossen brennende Lampen und Palmen verkauft. Mit der ganzen Fülle seiner zauberhaften Farbengebung hat Max die Dulderin ausgestattet. Das noch blutjunge, bildhübsche Mädchen hat ein wahres Madonnengesicht, und das unschuldige, von rabenschwarzem Haar umrahmte Antlitz ist gleichsam verklärt wie von einem Glorienschein; in ihrem Glauben an ein Jenseits und an ein göttliches Wesen erträgt sie ihr Geschick mit Ergebung, und ein himmlischer Friede ist über die edlen Züge der Ärmsten ausgebreitet. Das meisterhaft komponierte Bild ist überaus zart und fein ausgeführt. – Wehmütige Stimmungsbilder aus dem socialen Leben sind ferner die folgenden vier Bilder: »Hin ist hin, verloren ist verloren!« denkt das traurige Mädchen, welches halb »verblüht« früh morgens vom Balle heimkehrend, an ihrem Bette sitzt und darüber nachdenkt, daß sie einsam durchs Leben gehen müsse und daß ein Freier noch immer nicht kommen wolle. Verlassen fühlt sich auch die »Klavierspielerin«. Ihr Geliebter ist längst gestorben, aber der letzte Feldblumenstrauß, den er ihr geschenkt, liegt doch getrocknet vor ihr auf dem Klavier, und immer und immer spielt sie seine Lieblingsweise, eine gar traurige Abschiedsmelodie. In der »Zwangsversteigerung« erblicken wir eine arme Witwe, der der »Exekutor« alles wegnimmt, auch die Bilder und Malerutensilien ihres verstorbenen Mannes, – das Entsetzen, welches sich in den Gesichtern von Mutter und Kind bei diesem Vorgange malt, ist mit erschütternder Tragik geschildert. Die »Kindesmörderin« endlich ist ein Bild, das auf Jedermann einen tiefschmerzlichen Eindruck hervorbringen muß. Die unglückselige, verführte Mutter, welche in ihrer Verlassenheit ihr Kindchen ermordet hat, die kleine Leiche aber noch einmal herzt und küßt, bevor sie dieselbe mit den Briefen und getrockneten Blumen, Andenken an die kurze glückliche Liebeszeit, begräbt, um dann – ihr eigenes Leben zu enden, ist zwar eine Verbrecherin, aber wer wird it ihrem Los nicht das größte Mitleid empfinden?

Auf dem Gebiete der religiösen Malerei hat Gabriel Max nicht minder Rumreiches geleistet. Das bedeutendste in diesem Genre ist wohl das symbolische Gemälde »Christuskopf auf dem Schweißtuch der heiligen Veronika«. Max hat das Antlitz Christi in natürlicher Größe auf dem Schweißtuch der heiligen Veronika, auf einem zerfallenen Byffus, dargestellt. In der Mitte thront das dorngekrönte Haupt des Erlösers. Das Gemälde ist mild und zart im Ausdruck und im Stile Correggios gehalten; es drückt in vollkommener Harmonie die idealste Verklärung des Schmerzes in einem Menschenantlitz aus; ebenso bringt es in staunenswerter Weise den Sieg der Unsterblichkeit über den Tod zur Darstellung. Strenge Krittler tadelten den Doppelausdruck im Antlitz Jesu; denn während man in der Nähe die Augen des Heilands geschlossen fand, geschah in der Ferne das Wunder, daß die Augen sich zu öffnen und den Beschauer mit mildem, traurigem Blick anzusehen schienen. – Eine höchst interessante Schöpfung ist: »Christus erweckt eine Tote.« Die Erweckung von Jairi Töchterlein haben bekanntlich auch andere Maler zum Gegenstand ihrer Darstellung gewählt, unter anderen Gustav Richter und Eduard v. Gebhardt, aber kein Gemälde wirkte durch seine Schlichtheit, Poesie und seine fein empfundene und bedeutende Komposition so mächtig auf den Beschauer wie das Maxsche. Die Farbe ist kräftig, harmonisch gestimmt und trefflich abgewogen. Als Pendant zum »Christuskopf« schuf Max »Maria Magdalena«, sowie »Judas Ischarioth«. Dieselben behandeln das Sujet der verklärten und verzweifelten Reue. Während der Gesichtsausdruck Magdalenas den durch den Tod Christi in ihr bewirkten Umwandlungs-Prozeß treffend widerspiegelt, bekundet das Antlitz Judas Ischarioths den Ausdruck der Verzweiflung über seinen Verrat. Beide Bilder gehören zu dem technisch Vollendetsten, was Max komponiert hat. – Daß Max als Madonnen- und Heiligenmaler seinesgleichen sucht, versteht sich nach dem Gesagten von selbst, und so sei aus der Menge dieses Genres nur der »Maria Regina« des Künstlers Erwähnung gethan. »Maria Regina« ist eine durchaus moderne Himmelskönigin, ausgezeichnet durch echte Poesie und den zarten Duft malerischer Ausführung. Mit unvergleichlicher Schönheit hat Max das Urbild idealer Weiblichkeit ausgestattet. – Das letzte religiöse Bild des Malers, welches viel Staub aufwirbelte, ist: »Es ist vollbracht!« Das große Tableau stellt den Moment der Passionsgeschichte dar, in dem Jesus am Kreuze die Worte »Es ist vollbracht!« gesprochen hat. (Evang. Joh. XIX, 30.) Das irdische Leiden Jesu erscheint in seiner furchtbarsten Gestalt, aber der Adel in den Zügen des göttlichen Dulders und die höchste Erhabenheit im Tode verleihen dem grauenhaft-schönen Bilde etwas Ideales und Hehres.

Wenn nun auch das Dämonische, Tragische und Mystische die stärkste Seite des Künstlers bilden, so besitzen wir doch mehrere Bilder von ihm, welche Heiterkeit, Glück und Frieden atmen und bezeugen, daß Max auch die Lichtseiten des Lebens mit dem glücklichsten Erfolge darstellen kann, wenn er will. Ich nenne nur das reizende »Frühlingsmärchen«, ein junges, bildschönes Mädchen, das unter blühenden Büschen sitzt und entzückt auf das Schlagen der neben ihm auf einem Zweige sitzenden Nachtigall lauscht. Der volle Zauber eines himmlischen Frühlingstages und die ganze Poesie der ersten Jugendliebe ist über das Bild ausgegossen: alles in demselben verkündet Lust und Freude, Glück und Wonne!

Neben den hier skizzierten glänzenden Eigenschaften des Maxschen Genius treten freilich auch Schwächen und Mängel desselben zu Tage, die nicht verschwiegen werden dürfen: große Kompositionen zu schaffen ist nicht seine Sache, und fast alle seine Bilder zeigen nur zwei Figuren. Nicht ohne Berechtigung ist ferner der Vorwurf, daß der Künstler sich – allerdings nur selten – von den Flügelschlägen seiner kühnen Phantasie ins Unbestimmte forttragen läßt und daß er dem Publikum geheimnisvolle Rätsel, welche eine mehrfache Deutung zulassen, zum Raten aufgiebt – aber diese Schattenseiten treten vor den Lichtseiten der durchaus selbständigen, originellen, poetischen und charaktervollen Künstlerindividualität in den Hintergrund – alles in allem genommen, ist Gabriel Max in ebenso berufener wie hochinteressanter Vertreter der deutschen Kunst in der Gegenwart und ein Genre- und Historienmaler, der unter den größten aller Zeiten genannt zu werden verdient.

Westermanns Illustrierte Deutsche Monatshefte 54. Band. Ein Familienbuch für das gesamte geistige Leben der Gegenwart. Braunschweig, 1883.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Max Cornelius Gabriel, von, 1840 (Prag) – 1915, Historienmaler und Akademieprofessor; er studierte in seiner Heimatstadt, in Wien (bei Blaas) und in München (bei K. von Piloty) und war von 1879–1883 Akademieprofessor; ein eigenartiger Bildnis- und Historienmaler, von Mystik und Spiritismus beeinflußt, dabei aber auch die stark sinnlichen Elemente seiner böhmischen Heimat wahrend, gilt M. als der Maler des Totenkults, der Schauer und der Grabesromantik.

Hauptwerke: Schweißtuch der Veronika, Märtyrin am Kreuz, Anatomie, Vivisektor, Das enthauptete Gretchen, Christus ein Kind heilend; er illustrierte auch Ausgaben von Wieland, Schiller, Uhland und Lenau; dunkeläugige und wachsbleiche weibliche Gestalten sind typisch für ihn.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#23 – 1 – 23 (Quenzer · Scheiber)


Hier ruhen:
Herr Balthasar Scheiber,
stdt. Zahlmeister u. Oberbeamter.
geb. 13. Nov. 1832, gest. 2. März 1896.
Dessen Gattin
Frau Karoline Scheiber,
gest. 21. Dezbr. 1900, im 81. Lebensjahre.
I Korinth. 13.13.
Die geliebte Schwester u. Freundin
Frl. Auguste Quenzer,
Schulvorsteherin a. D.
gest. 23. Mai 1930.
Maria Scheiber,
Oberlehrerin a. D.
geb. 12.I.1860, gest. 10.II.1934.

Sockel
Anton Scheiber, gest. 15. Dez. 1844.
Josepha Scheiber, gest. 5. Dez. 1845.

23.1.23. Burlein.


  • Quenzer, Auguste; – 23.5.1930; Schulvorsteherin
  • Scheiber, Anton; – 15.12.1844 (München), 54 Jahre alt; Leichenackeraufseher
  • Scheiber, Balthasar; 13.11.1832 – 2.3.1896; Leichenackeraufsehers-Sohn / Zahlmeister
  • Scheiber, Josefa; – 5.12.1845 (München), 44 Jahre alt; Leichenackeraufsehers-Witwe
  • Scheiber, Karoline (vw); – 21.12.1900; Zahlmeisters-Witwe
  • Scheiber, Maria; 21.1.1860 – 10.2.1934; Oberlehrerin

Grab der Familien Quenzer · Scheiber auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#23 – 1 – 24·25 (Schönfessl)


Grab der Familie Schönfessl auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

#23 – 2 – 2 (Kellner)


Hier ruhen in Frieden:
Caspar Kellner, Privatier,
geb. 20. Jan. 1804, gest. 28. Mai 1862.
Maria Kellner, geb. Traubl,
geb. 2. Febr. 1819, gest. 4. Juli 1873,
deren Sohn
unser unvergesslicher Gatte u. Vater
Josef Kellner, Prokurist,
geb. 20. Juli 1854, gest. 5. Juli 1905.
Ihm folgte seine Tochter
Anna Kellner,
geb. 5. Juli 1878, gest. 13. Mai 1921.
dessen Gattin. unsere gute Mutter
Frau Anna Kellner,
geb. Wimmer
geb. 1. Aug. 1847, gest. 6. Juli 1921.


  • Kellner, Anna; 5.7.1878 – 13.5.1921
  • Kellner, Anna (vw) / Wimmer (gb); 1.8.1847 – 6.7.1921
  • Kellner, Josef; 20.7.1854 – 5.7.1905; Prokurist
  • Kellner, Kaspar; 20.1.1804 – 28.5.1862 (München); Privatier
  • Kellner, Maria (vw) / Traubl (gb); 2.2.1819 – 4.7.1873 (München); Privatiers-Witwe

Grab der Familie Kellner auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#23 – 2 – 6 (Spieß)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Spieß, August; 18.1.1841 (München) – 16.7.1923 (München); Freskenmaler und Historienmaler
  • Spieß, Heinrich; 10.5.1832 (München) – 8.8.1875 (München); Freskenmaler und Historienmaler

Grab der Familie Spieß auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

Grab der Familie Spieß auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2009)

Grab der Familie Spieß auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2009)

#August Spieß

* 18.1.1841 (München)
† 16.7.1923 (München)
Freskenmaler und Historienmaler

#Münchner Neueste Nachrichten (16.7.1923)

Professor August Spieß, der bekannte Münchner Historien- und Genremaler, ist im 83. Lebensjahre gestorben. 1841 in München als der Sohn des Kupferstechers A. Spieß geboren, empfing er seine Ausbildung unter Foltz auf der hiesigen Akademie. Ganz im Sinne der Historienmalerei des Meisters schuf er für die Albrechtsburg zu Meißen, für Neuschwanstein, vor allem aber in den bekannten Wandbildern der Hochzeit Georgs des Reichen im Rathaus zu Landshut und in den kulturgeschichtlichen Alt-Münchner Bildern im hiesigen Rathaussaal lebendige, farbenprächtige historische Schilderungen. Aehnlich war er auch auf dem Gebiete der kirchlichen Kunst in den erneuerten Zwickelgemälden der Deckenfresken der hiesigen Ludwigskirche und mit Bildern in der Votivkapelle zu Berg am Starnbergersee tätig.

Münchner Neueste Nachrichten Nr. 190. Montag, den 16. Juli 1923.

#Münchner Neueste Nachrichten (17.7.1923)

Münchner Teil

Professor August Spieß †. Unter Beteiligung von Künstlern, Gelehrten und anderen Trauernden wurde im alten Südfriedhof Kunstmaler Professor August Spieß zu Grabe getragen. Der Stadtpfarrer von St. Paul gab in der Gedächtnisrede ein Lebensbild des Künstlers, den er als Menschen von hohem sittlichem Werte schilderte. Professor Geheimrat v. Marr, der im Namen der Münchner Künstler-Genossenschaft einen Kranz niederlegte, führte aus: »Spieß sah nicht nur die große Zeit der Künstler-Genossenschaft, er sah auch die goldene Zeit Münchner Kunstschaffens. Spieß schuf, arbeitete und war glücklich; er brauchte nicht den lauten Beifall der breiten Massen. Wer ihn kannte, schätzte ihn. In den Annalen der Künstler-Genossenschaft wird sein Name unvergessen bleiben, wie er auch unvergessen sein wird in den Annalen des Werdens der Münchner Kunst.« Kunstmaler Rögge erinnerte an das Wirken Spieß', der Ludwig II. und andere Fürstlichkeiten als Freunde und Gönner hatte. Die Kunst war für Spieß etwas Heiliges. Die Gesellige Vereinigung bildender Künstler, der er als Gründungsmitglied angehörte, weihte dem Freunde und Kollegen durch Rögge einen letzten Blumengruß. Der Sekretär des Künstler-Unterstützungsvereins rief Worte der Liebe und Freundschaft ins Grab.

Münchner Neueste Nachrichten Nr. 191. Dienstag, den 17. Juli 1923.

#Coburger Zeitung (18.7.1923)

Vermischtes.

Kunst, Wissenschaft, Literatur.

Professor August Spieß, der Münchener Genre- und Historienmaler, Schöpfer der Wandgemälde für König Ludwigs Schloß Neuschwanstein, für den neuen Rathaussaal in München und für die Albrechtsburg in Meißen, ist, 82 Jahre alt, in München gestorben.

Coburger Zeitung Nummer 166. Mittwoch, den 18. Juli 1923.

#Heinrich Spieß

* 10.5.1832 (München)
† 8.8.1875 (München)
Freskenmaler und Historienmaler

#Kunstvereinsbericht für 1876 (1877)

Heinrich Spieß,
Historienmaler,

wurde zu München als der älteste Sohn des geachteten Kupferstechers August Spieß am 10. Mai 1832 geboren. Die Eltern gaben den anfänglichen Plan, ihn studiren zu lassen, willig auf, als sie seine Neigung zur Kunst und ein nicht zu unterschätzendes Talent für dieselbe an ihm entdeckt hatten, und ließen ihn zunächst bei Professor A. Rhomberg auf den Besuch der Akademie seiner Vaterstadt sich vorbereiten. Im Jahre 1849 fand er Aufnahme an derselben und es gelang ihm bald die Aufmerksamkeit Kaulbach's, der bekanntlich damals die Leitung der Akademie übernommen hatte, in einer Weise auf sich zu ziehen, daß dieser ihn gerne zur Uebernahme von Hilfsarbeiten veranlaßte und auch als Zeichnungslehrer in seine Familie einführte. Nebenbei setzte Spieß seine Studien in der Malschule des Professors Anschütz eifrig fort. Im Jahre 1855, als Schwind die Ausführung der berühmten Wartburgfresken in Angriff nahm, ward ihm der ehrenvolle Auftrag zu Theil, hiebei mitzuwirken. Er hatte die ihm übertragenen Arbeiten fast zum Abschlusse gebracht und zwar, was nicht unerwähnt bleiben darf, zur vollsten Zufriedenheit Schwind's, als ihn die Nachricht von dem Tode des Vaters nach Hause rief. Es galt nun, seiner Familie den verlorenen Ernährer zu ersetzen, eine um so schwerere Pflicht für den immerhin noch nicht ganz selbstständigen Künstler, als bereits die Anfänge eines Brustleidens sich fühlbar machten. Sein reges Streben fand indessen bald wieder eine lohnende Anerkennung in dem Auftrage, an der Ausschmückung des bayerischen Nationalmuseums mit Frescogcmälden sich zu betheiligen. Zwei Darstellungen aus dem Leben Heinrich des Löwen, welche von Spieß für das genannte Museum entworfen und ausgeführt wurden, zählen zu den besten Arbeiten, denen wir dort begegnen. Nicht lange darauf — es war im Jahre 1865 — folgte er einem Rufe des damaligen Erbprinzen Georg von Sachsen-Meiningen, für dessen Villa zu Liebenstein Ludwig Richter eine Reihe von Idyllen entworfen hatte, um diese gemeinschaftlich mit seinem nicht minder talentvollen Bruder August in Fresco auszuführen. Nach München zurückgekehrt lieferte er eine Anzahl allegorischer Darstellungen von Wissenschaften für die Arkaden des Maximilianeums, wobei dem Bruder wieder ein Theil der Aufgabe zufiel. Auch im Aquarellmalen hat Spieß mit Glück sich versucht, wie mehrere größere Blätter zu Richard Wagners »Tristan und Isolde« und »Fliegendem Holländer« in des Königs Ludwig II. Privatsammlung bekunden. Mancher Carton, für Zwecke der Glasmalerei entworfen, sowie Illustrationen zu Dramen Schillers gaben außerdem beredtes Zeugniß von des Künstlers hervorragender Begabung.

Leider machte die schon erwähnte Krankheit immer raschere Fortschritte und zwang ihn in den letzten Jahren zu häufigen Pausen in seiner Thätigkeit und zur Meidung fast allen gesellschaftlichen Verkehrs. Am 8. August 1875 schied Spieß in Folge eines Anfalles von Bluthusten aus einem Leben, in welchem die Freude über manchen schönen Erfolg mit Sorgen und Qualen nur zu theuer hat erkauft werden müßen.

Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München während des Jahres 1876. Nachtrag zum Rechenschaftsberichte des Jahres 1875. München, 1877.

#Allgemeine Deutsche Biographie (1893)

Spieß: Heinrich S., Historienmaler, geb. am 10. Mai 1832 in München als der älteste Sohn des Kupferstechers August S. Obwol anfänglich zum Studium bestimmt, errang das frühreife Talent doch die Erlaubniß zum Uebertritt in die Gewerbeschule, wo Professor Jos. Anton Rhomberg seine Begabung erkannte und zum Eintritt in die Akademie bei Prof. Anschütz vorbereitete. Hier sollte indessen der Junge zu seinem Heile nicht lange bleiben, denn Landschaftsmaler Heinlein empfahl ihn an Wilhelm v. Kaulbach, welcher ihn nicht allein als Zeichnungslehrer für seine Kinder annahm, sondern auch mannichfaltig im eigenen Atelier beschäftigte. So vergrößerte S. unter den Augen des Meisters Kaulbach's Entwurf zum »Kreuzfahrer«-Carton, auch lieferte er eine Copie des berühmt gewordenen, ein todtes Kind aufwärtstragenden Engels, zur vollsten Zufriedenheit seines strengen Lehrers. Indessen war M. v. Schwind nach München gekommen, der mit seiner sprudelnden Phantasie und seiner prägnanten Charakteristik die jüngeren Talente mächtig anzog. Ohne zu Schwind's Schülern zu gehören, fand sich S. doch mit einer eigenen Innigkeit in die Weise desselben, so daß ihn Schwind als Gehülfen mit auf die Wartburg nahm, wo S. bei Ausführung der »Werke der Barmherzigkeit« und der »Bilder aus dem Leben der hl. Elisabeth« mitwirkte. Ebenso zeigte eine Anzahl von Holzstockzeichnungen, welche S. in der Folge für die »Fliegenden Blätter«, die »Münchener Bilderbogen« und andere Unternehmungen des xylographischen Verlags von Braun und Schneider lieferte, ein so enges Anschließen an Schwind, daß diese Illustrationen häufig mit gleichzeitigen Original-Arbeiten Schwind's verwechselt wurden. Der wohlbewußte Drang nach weiterer Ausbildung im Colorit führte den Maler in die damals florirende Schule des Professor Philipp Foltz, wo sich eine große Anzahl gleichstrebender jüngerer Kräfte zusammenfand, die unter dem seither wieder verschwundenen Namen »Jung-München« eine vielverheißende Aera gründeten. Heinrich S. gewann 1856 durch eine Concurrenz-Zeichnung »Jacob mit dem Engel ringend«, den ersten Preis, erhielt mehrere Bestellungen zu Altarbildern und malte darauf im National-Museum die großen Fresken aus dem Pilgerzuge Herzog Heinrich's des Löwen nach Jerusalem und wie derselbe Löwe den Aufruhr der Römer während der Krönung des Kaisers Friedrich I. in der Peterskirche darniederschlug. In beiden Werken war eine sehr packende, scharf accentuirte Charakteristik, welche schöne weitere Hoffnungen erweckte. In der Folge arbeitete Heinrich S. fast unzertrennlich mit seinem jüngeren, unterdessen herangebildeten und überaus begabten Bruder August S. (geb. am 18. Januar 1841). In neidloser Weise vereint, zeichneten die Brüder viele Cartons für Swertschkow's Glasmalerei-Anstalt und andere ähnliche Etablissements, schmückten nach den kleinen Skizzen Ludwig Richter's die von Ludwig Lange erbaute, dem damaligen Erbprinzen von Meiningen gehörige Villa Feodora in Liebenstein, schufen in sorgfältig ausgeführten Aquarellen den Bildercyklus für König Ludwig II. zu »Tristan und Isolde« und dem »Fliegenden Holländer«; beide Arbeiten erschienen 1869 auf der Internationalen Kunstausstellung zu München und ernteten ob ihrer trefflichen Zeichnung und Farbengebung das verdiente Lob. Ebenso sind die 22 lebensgroßen allegorischen Figuren, welche in der offenen Vorhalle des Maximilianeums in Fresco gemalt wurden, das Werk der beiden Brüder. Außer einigen Genrebildern, die in Köln und Wien angekauft wurden, schuf Heinrich S. noch Zeichnungen zu Schiller's »Räubern«, zu »Fiesco« und »Kabale und Liebe« und mehrere Blätter zur »Shakespeare-Gallerie«. Neue schöne Aufträge waren in Sicht, welche der durch wiederholten Blutsturz todkranke Mann freudig dem jüngeren Bruder überließ, als er schon am 8. August 1875 aus dem Leben schied. Ein echtes Künstlerleben mit seinen Kämpfen und Leiden, mit seinen Freuden und dem verklärenden Schluß – einer glänzenden Aussicht auf längst ersehnte Aufträge, wenn das Auge bricht und die Hand erstarrt...

Vgl. Beil. 269 »Allgemeine Zeitung« vom 26. September 1875. – Lützow's Zeitschrift f. Kunst 1875. X, 809. – Kunstvereins-Bericht für 1876. S. 84. – Maillinger's Bilderchronik 1876. III, 100.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1893.

#23 – 2 – 7 (von der Mark)


Bertha von der Mark
geb. Rothpletz
geb. 8.5.1850 – gest. 27.9.1937

Linke Seite
Frida von der Mark
geb. 15. Febr. 1838 gest. 5. Mai 1868

Rechte Seite und Rückseite
Die Inschrift ist nicht erhalten

Liegestein
Hier ruhen
Anton von der Mark,
k. b. General der Infanterie
und Generalquartiermeister,
Grosscomthur des Verdienstordens der bayer. Krone,
Grosskreuz des Verdienstordens vom heiligen Michael,
Ehrenkreuz des Ludwigsordens, Inhaber des Militär-
Denkzeichens, des k. k. oesterr. Ordens der eisernen
Krone I. Classe, des k. preuss. rothen Adler-Ordens
II. Classe mit Stern und des kais. russ. St. Anna-
Ordens I. Classe
geb. 8. Nov. 1796, gest. 23. Mai 1869
Ihm ging voran seine Gattin
Emilie geb. Le Bret.
Sie starb am 27. März 1840
im 33. Lebensjahre
Emil von der Mark,
Lieutenant im Inf. Leib. Regt.
geb. 13. Juni 1839, gest. 24. Juli 1865.
Frieda von der Mark,
geb. 15. Februar 1838
gest. 5. Mai 1868
Leon von der Mark,
Hauptmann a. D.
geb. 29. Juli 1832, gest. 21. Januar 1898.


  • von der Mark, Anton; 8.11.1796 – 23.5.1869 (München); General
  • von der Mark, Bertha (vh) / Rothpletz (gb); 8.5.1850 – 27.9.1937
  • von der Mark, Emil; 13.6.1839 – 24.7.1865 (München); Leutnant
  • von der Mark, Emilie (vh) / le Bret (gb); – 27.3.1840 (München); Generals-Witwe
  • von der Mark, Frieda; 15.2.1838 – 5.5.1868 (München); Generals-Tochter
  • von der Mark, Leon; 29.7.1832 – 21.1.1898; Hauptmann

Todesanzeige für Emil von der Mark

Todesanzeige für Anton von der Mark

Grab der Familie von der Mark auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2014)

Grab der Familie von der Mark auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2014)

Grab der Familie von der Mark auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2014)

Grab der Familie von der Mark auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2014)

#23 – 2 – 8* (Mader)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Mader, Heinrich; – 12.3.1869 (München), 49 Jahre alt, Tod durch Sturz in eine ungesicherte Baugrube; Königlicher Registrator

Das Grab ist nicht erhalten


#Heinrich Mader

† 12.3.1869 (München), 49 Jahre alt, Tod durch Sturz in eine ungesicherte Baugrube
Königlicher Registrator

#Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik (14.3.1869)

(Lokalbericht.) Der leider so häufig wahrzunehmende Nachlässigkeit unsrer städtischen Arbeiter in Bezug auf die Verwahrung gefährlicher Wegstellen zur Nachtzeit fiel gestern Abends 10 Uhr der in weitem Kreise bekannte und beliebte Regierungsregistrator Hr. Mader zum Opfer. Derselbe war im Begriffe, auf dem Heimwege den Sendlingerthorplatz zu passiren, als er in eine behufs Umpflanzung von Bäumen hergestellte, höchst mangelhaft verwahrte und ohne Beleuchtung gelassene Grube stürzte und hiebei außer einem Beinbruche eine Gehirnerschütterung erlitt, welche nach wenigen Stunden den Tod des Unglücklichen zur Folge hatte. Wir können bei diesem Anlasse unserer städtischen Behörde die Bemerkung nicht ersparen, daß der richtige Begriff der Gemeinde-Autonomie sicherlich nicht darin liegt, sich von Niemanden, auch der Rücksicht auf das öffentliche Interesse nicht, »einreden zu lassen«. Auch die Lässigkeit, mit welcher in gewohnter Weise die Straßenreinigung betrieben wird, verdient eine öffentliche Rüge; trotzdem wir seit vier Tagen Thauwetter haben und trotzdem Hunderte von beschäftigungslosen Händen gewiß durch Straßenreinigung sich gerne einen kleinen Verdienst verschaffen würden, überläßt man die Beseitigung der Schneeschollen der lieben Sonne und das Trocknen der Straßen dem Winde.

Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik Nr. 73. Sonntag, den 14. März 1869.

#Landshuter Zeitung (16.3.1869)

Deutschland.

Bayern. München, 13. März. Gestern Nachts verunglückte dahier der k. Regierungsregistrator Hr. Mader, indem er auf dem Nachhausewege am Sendlingerthorplatze in eine der schlechtverwahrten Gruben fiel, welche dort zur Anpflanzung von Bäumen gegraben sind. Der unglückliche Mann erlitt einen doppelten Beinbruch, mußte längere Zeit hilflos in jener Grube liegen, bis ihn endlich zufällig Vorübergehende fanden und in seine Behausung schafften, wo er nach einigen Stunden an Gehirnlähmung starb. Allgemein ist das Bedauern über den Tod jenes allgemein geachteten und beliebten Mannes.

Landshuter Zeitung No. 61. Dienstag, den 16. März 1869.

#Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik (17.3.1869)

(Aus der Magistratssitzung.) Bezüglich der Notiz in den N. Nachr. vom 14. ds., wo anläßlich eines jüngsten beklagenswerthen Unglückes den städtischen Arbeitern der Vorwurf häufiger Nachlässigkeit gemacht wurde, konstatirt Baurath Zenetti, daß bisher keine Klage laut geworden und auch die Grube am Sendlingerthorplatze abgesperrt und beleuchtet gewesen sei. (Wir müssen es unserem Referenten überlassen, sich bezüglich der angefochtenen Stelle in seinem Berichte zu erklären.)

Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik Nr. 76. Mittwoch, den 17. März 1869.

#Der Bayerische Landbote (18.3.1869)

Kr. München. Oeffentl. Magistrats-Sitzung am 16. März. Auf Grund der neuerlichen Bemerkung der »N. N.«, daß die Fahrlässigkeit der Verwahrung von Seite der städtischen Arbeiter den Unfall des Registrators Mader vor dem Sendlingerthore veranlaßt habe, und daß man oft über solche Fahrlässigkeit zu klagen habe, bemerkt Baurath Zenetti, daß in dieser Richtung bisher noch keinerlei Klagen eingelaufen seien, und daß auch im genannten Falle eine solche nicht vorgelegen habe; daß aber leider oft aus Bosheit oder Muthwillen die getroffenen Sicherheitsmaßregeln zerstört würden. Uebrigens sei auch Mader nicht auf dem öffentlichen Wege geblieben, sondern von demselben zur Seite abgewichen.

Der Bayerische Landbote No. 77. München; Donnerstag, den 18. März 1869.

#Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik (18.3.1869)

München, 17. März.

(Zum neulichen Lokalbericht.) Hr. Baurath Zenetti hat nach dem Wortlaute Ihres Referates in der gestrigen magistratischen Sitzung erklärt: daß die (für den Registrator Mader verhängnißvoll gewordene) Grube am Sendlingerthorplatz abgesperrt und beleuchtet gewesen sei. Ihr Referent bedauert, dieser Erklärung mit dem Bemerken im ersteren Punkte entgegentreten zu müssen, daß nach dem Stande der bisherigen Erhebungen an 3 Seiten der fraglichen Grube theils ausgehobene Erde, theils Schrägen angebracht waren, daß dieselbe jedoch an der vierten, gerade nach dem Thorplatzhe gerichteten Seite in keiner Weise verwahrt war, so daß der Verunglückte, ohne ein Hemmniß zu finden, in die Grube stürzen konnte. Abgesperrt war hienach evident die Grube nicht. Bezüglich des zweiten Punktes ist zu bemerken, daß keine Sicherheits-Laterne, wie unbedingt nöthig gewesen wäre, angebracht und daß die in einiger Entfernung befindliche Straßenlaterne zur kritischen Zeit bereits ausgelöscht war. Wenn Hr. Baurath weiter anführte, daß bisher keine Klagen über häufige Nachlässigkeit städtischer Arbeiter bei solchen Gelegenheiten laut georden seien, so kann Ihr Referent nur bedauern, daß diese Klagen noch nicht bis zu Hrn. Baurath gedrungen sind, zu hören waren solche bisher in der That häufig genug, namentlich über die Sorte von Beleuchtung, welche nicht selten bei Pflasterarbeiten u. dgl. auf öffentlichen Straßen zur Anwendung kömmt. Wir möchten dem Hrn. Baurathe ganz besonders empfehlen, den Grad des Vertrauens, den derselbe den Rapporten seiner Untergebenen in diesen Dingen zu schenken scheint, zu mäßigen, er wird die Belege für unsere Behauptungen in überzeugendem Maße gewinnen. Einstweilen wollen wir, durch Hrn. Baurath in die Schranken gefordert, nur noch erzählen, welche Bewandtniß es im vorliegenden Falle mit der Vorkehrung der erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen sicherem Vernehmen nach hatte; der die Arbeiten zunächst leitende Palier beauftragte beim Weggehen von der Arbeitsstelle seine beiden Taglöhner, die kritische Grube durch Erdaufwürfe und Schrägen zu sichern, ohne daß, wie die angegebenen Details des Unfalles darthun, die Beauftragten dieser Weisung gehörig entsprachen und ohne daß genügende Kontrole geübt wurde. (Wir selbst werden seiner Zeit das Resultat der Untersuchung mittheilen, um beiden Theilen dadurch gerecht zu werden. D. Red.)

Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik Nr. 77. Donnerstag, den 18. März 1869.

#Bayerischer Kurier (19.3.1869)

München, 18. März.

Herr Baurath Zenetti erklärte in der jüngsten Magistratssitzung: die Hrn. Registrator Mader so verhängnißvoll gewordene Grube sei abgesperrt und beleuchtet gewesen. Jener geehrte Herr, welcher uns den Unglücksfall mittheilte und der selbst kurze Zeit, ehe das Unglück passirte, an der Grube vorüberging ermächtigt uns zu erklären, daß die Absperrung keine vollständige war und daß die Grube nicht beleuchtet gewesen. Das jeden Orts zu bezeugen ist er bereit.

Bayerischer Kurier Nr. 78. München; Freitag, den 19. März 1869.

#Bayreuther Anzeiger (20.3.1869)

Vermischte Nachrichten.

N. N. München, 19. März. In der letzten Magistratssitzung ergriff Herr Stadt-Baurath Zenetti das Wort, um wegen des Unglückes auf dem Sendlingerthorplatz, das dem k. Reg.-Registratur Mader das Leben kostete, die Schuld von den städtischen Arbeitern abzuwälzen und diese überhaupt gegen schon früher erhobene Beschwerden zu schützen. Redner bezeichnete auch die darüber in der Presse enthaltenen Urtheile als zu hart und ungerechtfertigt. Wir können dagegen kein Jota von unserm Bericht streichen, indem uns ein sicherer Gewährsmann, der am kritischen Abend um halb 10 Uhr die verhängnißvolle Stelle passirte, schreibt: daß die sechs Gruben nicht abgesperrt waren und daß keine Baulaternen vorhanden waren; mit zwei Schrägen, etwa 7 Fuß lang, kann man nicht 6 Gruben auf eine Länge von 30 oder 40 Schritten absperren. Hr. Stadtbaurath bemerkte übrigens selbst, daß er persönlich keine Einsicht an Ort und Stelle genommen habe, was unsers Dafürhaltens doch nothwendig gewesen wäre, ehe er sich ein so absprechendes Verdikt über Presse erlauben konnte. Es ist übrigens eine Untersuchung im Gange.

Bayreuther Anzeiger No. 79. Samstag, den 20. März 1869.

#Münchener Bote für Stadt und Land (11.4.1869)

Hauptstadt-Neuigkeiten.
München, 10. April.

Der unglückliche Sturz des k. Registrators Madler in der Nacht vom 12. März d. J., der demselben das Leben kostete, war heute Gegenstand der stadtgerichtlichen Verhandlung gegen 4 magistratische Arbeiter, die damals die verhängnißvollen Gruben auf dem Sendlingerthorplatz zu graben und zu verwahren hatten. Da sich nun durch die Zeugenaussagen und namentlich jene des Hrn. Prof. Dr. v. Nußbaum herausstellte, daß an dem Tod Madlers lediglich die schlechte Verwahrung der Grube die unmittelbare Schuld trägt, so erklärte sich das Stadtgericht in dieser Sache incompetent und verwies sie wegen Vergehens der fahrlässigen Tödtung an das Bezirksgericht.

Münchener Bote für Stadt und Land No. 86. München; Sonntag, den 11. April 1869.

#Landshuter Zeitung (13.10.1869)

München, 11. Okt. In der Nacht vom 12. auf den 13. März ist, wie damals gemeldet wurde, der Regierungsregistrator Mader zu München während des Nachhausegehens auf dem Sendlingerthorplatz in eine mehrere Fuß tiefe unversichert gebliebene Grube gefallen und hat durch diesen Sturz eine so bedeutende Gehirnerschütterung erlitten, daß er nach wenigen Stunden starb. Da die Grube von 4 magistratischen Arbeitern unter Aufsicht des magistratischen Gärtners Grimm hergestellt worden war, wurde gegen Grimm und die 4 Arbeiter Unteruchung wegen fahrlässiger Tödtung eingeleitet. Heute kam die Sache am Bezirksgerichte München links der Isar zur Verhandlung, die damit endigte, daß die 4 Arbeiter freigesprochen wurden, weil sie keine Weisung erhalten hatten, die Grube gehörig zu versichern und eine Sicherheitslaterne dortselbst aufzustellen, daß aber Grimm, welche die entsprechende Verischerung der Grube anzuordnen unterlassen hat, wegen fahrlässiger Tödtung zu 40 fl. Geldstrafe verurtheilt worden ist.

Landshuter Zeitung No. 235. Mittwoch, den 13. Oktober 1869.

#23 – 2 – 11·12 (Cavallo · Hausner · Schnitzelbaumer)


Stefan Hausner,
* 1782 † 1854.
Juliana Hausner,
* 26.IV.1797 † 24.III.1869.
Maria Cavallo,
* 26.III.1838 † 3.XII.1907.
Joh. Nep. Cavallo,
Chordirektor und Tonsetzer
* 5.V. 1840 † 3.X.1917.

23.2.11/12 AUFLEGER


  • Cavallo, Johann Nepomuk; 5.5.1840 (München) – 4.10.1917 (Altötting); Komponist und Musiker (Klavier)
  • Cavallo, Maria; 26.3.1838 – 3.12.1907
  • Hausner, Juliana (vw) / Hörmann (gb); 26.4.1797 – 24.3.1869 (München); Ehemalige Gastgebers-Witwe
  • Hausner, Stefan; 1782 – 21.4.1854 (München); Privatier
  • Schnitzelbaumer, Emma (vw); – (4).5.1898 (München), 73 Jahre alt; Rentbeamtenswitwe
  • Schnitzelbaumer, Johann; – (9).6.1886 (München), 75 Jahre alt; Rentbeamter a. D.

Grab der Familien Cavallo · Hausner · Schnitzelbaumer auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#23 – 2 – 15 (Strähuber)


PROFESSOR
ALEXANDER
STRÄHUBER
HISTORIENMALER
1814 – 1882


  • Strähuber, Alexander; 28.2.1814 (Mondsee/Österreich) – 1.1.1882 (München); Akademieprofessor, Historienmaler und Illustrator

Alexander Strähuber. Porträtsammlung des Münchner Stadtmuseums.

Alexander Strähuber: Der hl. Georg im Kampf mit dem Drachen

Grab der Familie Strähuber auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Alexander Strähuber

* 28.2.1814 (Mondsee/Österreich)
† 1.1.1882 (München)
Akademieprofessor, Historienmaler und Illustrator

#Allgemeine Zeitung (16.2.1883)

Nekrologe Münchener Künstler.
(S. Beilage Nr. 326 der »Allg. Ztg.« 1882)

XXVIII. Alexander Strähuber.

Am 28 Februar 1814 wurde zu Mondsee im Salzkammergut dem Stallmeister des kurz vorher zum Fürsten designirten Feldmarschall v. Wrede ein Sohn geboren, welcher zu Ehren des russischen Kaisers den Namen Alexander erhielt. Das Kind kam mit den Eltern nach dem schwäbischen Ellwangen und mit sieben Jahren nach München, wo der junge, nach dem Wunsche der Eltern zum geistlichen Stande bestimmte Studiosus bis zur zweiten Gymnasialclasse auf dem Wege der Wissenschaft aushielt, aber dann unaufhaltsam der Kunst zusteuerte. Bei Mitterer und J. A. Rhomberg wurde Strähuber an der polytechnischen Schule zum Eintritt in die Akademie vorbereitet. Frühzeitig auf eigenen Erwerb bedacht, zeichnete er für die Formscheider Thomas und Heinrich Neuer, welche damals ganz allein die Xylographie zu München ausübten, allerlei Vignetten für Zeitungsbedarf und Bücherschmuck, lithographirte und copirte – Alles mit einer beispiellosen Liebe und Gewissenhaftigkeit, immer nur seine Arbeit und nie den etwaigen, meist geringen Lohn vor Augen. Im Jahre 1829 erhielt Strähuber die Aufnahme in die Akademie, übte sich unter Heinrich Heß und Clemens Zimmermann im Antiken-Saal und endlich bei dem ihm so vielfach verwandten Julius Schnorr v. Karolsfeld, wo Strähuber seinen Formensinn und sein Componirtalent herrlich entfaltete. Mit der innigsten Begeisterung hing er an diesem Meister, welcher ihn bald zu seinen besten Gehülfen rechnete.

Strähuber versuchte sich mit gleichem Geschick vielfach in antiken, religiösen und mittelalterlich-historischen Stoffen. Zu den ersteren gehört z. B. ein von ihm (am 13 Januar 1836) auf Stein gezeichnetes Blatt: »Nessus entführt die Dejanira und wird von Herakles getödtet.« Für ein von Pustet in Regensburg herausgegebenes Erbauungsbuch zeichnete Strähuber biblische Scenen, aus dem alten und neuen Testament, welche in Form und Auffassung als die Vorläufer der späteren »Bilder-Bibel« Beachtung verdienen. Auch zu dem von Guido Görres und Franz Pocci herausgegebenen »Festkalender« (1834 ff.) lieferte Strähuber viele Compositionen (z. B. das Blatt beim Ableben des Kaisers Franz), und Umzeichnungen nach Bildern von Kaulbach, Führich, Ed. Steinle u. A. Die deutsche Heldensage begeisterte ihn zu verschiedenen Entwürfen, zu »Wieland der Schmied,« wie »Dietrich von Bern den Riesen Ecke erschlägt« u. s. w. Aus der Geschichte übertrug ihm Schnorr zwei Bilder: »Karl, als elfjähriges Kind, tritt dem Papst Stephan II entgegen, der bei Pipin Hülfe gegen die Langobarden sucht«, und »König Karl verwirft die Anträge des Langobardenkönigs Desiderius und erklärt sich für den Papst,« welche im Saalbau der Residenz von Echter und Palme gemalt wurde. Für die große, 1840–43 von der Cotta'schen Buchhandlung veranstaltete Prachtausgabe des Nibelungen-Liedes (Der Nibelungen Noth, illustrirt mit Holzschnitten (ausgeführt von K. Braun, Joh. Rehle u. A., in der von Kaspar Braun und Dessauer begründeten xylographischen Anstalt nach Zeichnungen von Julius Schnorr v. Karolsfeld und Eugen Neureuther. Bearbeitung des Textes von G. Pfizer. Stuttgart 1843. – Neue Auflage 1867 mit Text von Karl Simrock.) zeichnete Strähuber, ohne daß dabei sein Name genannt wurde, die Mehrzahl der Holzstöcke, und zwar nach den von Schnorr im Erdgeschoß der k. Residenz gemalten Fresken.

Zu Strähubers originellen Schöpfungen gehören u. a. ein »Aufnahmsdiplom des Künstler-Vereins in Triest« umgeben von fünf figürlichen Darstellungen (lithographirt bei Zacher, 1840); eine auf Pergament mit der Feder und in Farben ausgeführte Zeichnung, welche dem Kronprinzen Maximilian aus Anlaß seiner Vermählung von dem Gesangvereine der Münchener Künstler 1842 überreicht wurde; ein »Schutzengel« für England (»The Guardian Angel,« lithographirt von Melcher). Außerdem illustrirte Strähuber Luthers »deutsche Lieder« (Luthers deutsche geistliche Lieder, nebst den während seines Lebens dazu gebräuchlichen Singweisen und einigen mehrstimmigen Tonsätzen über dieselben von Meistern des 16. Jahrhunderts. Herausgegeben als Festschrift für die vierte Jubelfeier der Erfindung der Buchdruckerkunst von C. v. Winterfeld. Mit eingedruckten Holzschnitten nach Zeichnungen von A. Strähuber. Mit 1 Facsimile. Leipzig 1840 bei Breitkopf und Härtel. 4°. Preis 5 Thlr., Prachtausgabe 10 Thlr. Eine ausführliche Besprechung brachte das »Stuttgarter Kunstblatt« Nr. 67 vom 24 August 1841.) und die von Wenzel Alois Swoboda veranstaltete deutsche (und slavische) Uebersetzung von Thomas a Kempis' »Nachfolge Christi« (Prag 1843). Ebenso ist ein von Bischof Valentin veranstaltetes »Missale« (Regensburg bei Pustet 1851; 1852 und 1856 in neuen Auflagen) mit den Arabesken und Initialen dieses Künstlers ausgestattet. In allen diesen Arbeiten bewährte sich sein feines Gefühl für Anmuth, Grazie und Schönheit in überraschender Weise.

Einen neuen Aufschwung nahm Strähuber mit seinen Zeichnungen zur Bibel. Die Idee zu einer »Bilder-Bibel« hatte zuerst der Historiker Joh. Fr. Böhmer schon während seines Aufenthaltes zu Rom im Jahre 1819 angeregt; Passavant, Schnorr, S. Amsler und Karl Barth verabredeten den Plan; Schnorr sollte die ersten Zeichnungen liefern, Amsler und Barth die ersten Stiche ausführen, wozu Böhmer als ersten Zuschuß hundert Scudi steuerte. (Vgl. Janssen: Böhmer. 1869. S. 59.) Das Project scheiterte daran, weil der »vornehme« Kupferstich für ein populäres Unternehmen zu kostbar schien. Später dachte man an die billigere Lithographie, welche indessen nur eine geringe Vervielfältigung erlaubte. Endlich kam Schnorrs langgehegten Wünschen die Cotta'sche Verlagsbuchhandlung entgegen, wobei der durch seine Fresken in der königlichen Residenz schon mehr als billig in Anspruch genommene Meister seine besten Schüler und Gehülfen als Mitarbeiter und die durch Kaspar Brauns Atelier neu aufblühende Holzschneidekunst in Vorschlag brachte. So trat nun nach längeren, wohlgeplanten Vorarbeiten, lieferungsweise in der Zeit von 1847 bis 1850, dieses treffliche Werk ins Leben, wozu außer Schnorr und dessen Schülern Gustav Jäger, Fr. Schubert, Alex. Strähuber, L. Völlinger und dem damals in München anwesenden Alfred Rethel, noch E. Bendemann, J. Fischer, Overbeck, Veit, Ludwig Richter, E. Steinle und C. F. v. Stralendorf eingeladen wurden und sämmtliche Beiträge lieferten. (Die Bibel und die heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments nach Dr. Martin Luther. Mit Holzschnitten nach Zeichnungen der ersten Künstler Deutschlands. Stuttgart 1850 bei J. G. Cotta. (Vgl. Kunstblatt. Stuttgart 1848 Nr. 26 und 27.) In dritter Auslage Leipzig 1875 bei F. A. Brockhaus. Mit Allioli's Uebersetzung erschien dasselbe Werk in Landshut bei Vogel und in der liter.-artist. Anstalt der Cotta'schen Buchhandlung in München 1851; in neuer Ausgabe in Regensburg und New-York 1866 bei Fr. Pustet. Ein genauer Vergleich der Bilder ergibt indessen allerlei Differenzen, welche hier nicht in Betracht kommen, obwohl sie auch einige Compositionen Strähubers betreffen. – Fünfzig Holzstöcke daraus wurden neuestens in Römhelds »Biblischer Geschichte für Volksschulen« (Leipzig 1882 bei Velhagen und Klasing) abgedruckt.) Strähuber überflügelte bald die anderen Schüler Schnorrs; seinem Lehrer und Meister, welchem er immerdar mit der innigsten Verehrung und Dankbarkeit zugethan blieb, war er in Fülle und Beweglichkeit der Phantasie wohl ebenbürtig, übertraf ihn aber in der reinen Strenge und Schönheit der Zeichnung, so wie im Adel der Darstellung. Wenige neuere Künstler haben bestimmtere Contouren gezeichnet als unser Strähuber, oder denselben im wohlklingenden Fluß und Rhythmus der Linien erreicht. In der plastischen Kürze des Ausdrucks oder bündigen Gedrungenheit der Darstellung, in der weisen Benützung des Raumes und glücklichen Anordnung bewies Strähuber eine große Gewandtheit, Frische und Schwung. Er hatte den Geist der altdeutschen Holzschnitte tief studiert und erfaßt, voraus Dürer und Heinrich Goltzius und den daraus gezogenen Gewinn mit dem eigenen, oft ganz italischem Schönheitsgefühl erwärmt und belebt. Man betrachte z. B. nur die Blätter wie Isaak seine Braut erblickt, Jakobs Kampf mit dem Engel, die Kundschafter aus Kanaan, Josua's Boten bei der Rahad in Jericho, Josue's Sieg über die Amoriter, Gideons Opfer, Jephtha's unbesonnenes Gelübde, Davids Salbung, David und Jonathan (bezeichnet mit der Jahrzahl 1846), David und der Pestengel, Salomons weises Urtheil, die beiden Bilder zum Psalter und die Vignetten zum Neuen Testament, meist von Rupprecht, Kreuzer (Franz Kreuzer (gest. 25 Jan. 1872). Vergl. Beil. 35 »Allg. Ztg.« vom 4 Febr.1872.) und Blanz (Joseph Blanz (gest. 28 Febr. 1881). Vergl. Beil. 148 »Allg. Ztg.« vom 28 Mai 1881.) mit tiefem Verständniß meisterlich geschnitten. Das Maß der Bildstöcke ist größtentheils nur 11 Cent. Höhe und 14 Cent. Breite (doch kommen auch mehrere mit 13,70 Cent. Breite und 15,50 Cent. Höhe vor). Aber welch' durchgebildete Compositionen, viele mit dem herrlichsten landschaftlichen Hintergrunde! Diese nur beispielsweise genannten Compositionen sind, gleich den übrigen, ganz vollendete, durchgearbeitete Bilder. Nicht das Format, sondern der Gehalt entscheidet. Zählen wir richtig (nach der Ausgabe von 1850) so gab Strähuber 37 Zeichnungen und das Titelblatt zum Alten Testament. Geringer ist sein Antheil am Neuen; hier sind außer den vier Evangelisten nur wenige Bilder von seiner Hand, aber sämmtliche Vignetten und die geistvollen Copien nach E. Steinle.

Damit stand Strähuber auf der Höhe seines Ruhmes. Aber dieser gute Name war theuer erkauft. Der Künstler that sich nie genug; er legte an seine Arbeiten die strengste Kritik. Sobald ihm eine langsam gereifte Composition nicht mehr gefiel, warf er, anstatt etwaiger Aenderungen, das ganze Blatt in den Ofen und begann mit ungeschwächter Ausdauer eine neue, welche nur zu bald dasselbe Schicksal theilte, und so fuhr er unerbittlich fort, bis er zuletzt, nach vielen verdorbenen Tagen und Wochen, vielleicht zum ersten Project zurückkehrte. Zahllose Arbeiten zerstörte der Uebereiferige mit dieser unfruchtbaren Methode. Ein Anderer hätte mit jenen durch den Kamin gepusteten Entwürfen Schätze und Reichthümer gesammelt – auf Strähuber übte das Geld keinen Reiz. Um keinen Preis der Welt hätte er ein, seiner Meinung nach, unvollendetes oder unwürdiges Blatt aus der Hand gegeben! Dieses Nie-Fertigwerden, ewige Verbessern und immer wieder Beginnen wurde zu einer wahren Plage, Pein und Krankheit, welche ihm großen Schaden zufügte. Nicht selten verloren die Auftraggeber die Geduld, nahmen die schönsten, neidenswerthesten Bestellungen zurück, an welche der scrupulöse Mann die kostbarste Zeit, Mühe und Kraft gesetzt und verschwendet hatte, und das in einer Zeit, wo Strähuber keine Stelle bekleidete und verheirathet und mit munteren Knaben gesegnet, einzig auf den Ertrag seines Pinsels angewiesen war. Zu den wunderlichen Eigenthümlichkeiten dieses Künstlers gehörte auch die Gewohnheit, alle seine Kompositionen statt mit dem Stifte, lieber mittelst des Pinsels auf das Holz zu übertragen, wobei er durch lange Uebung in Führung desselben die größte Sicherheit erreicht hatte. Aber auch hier wusch er immer wieder aus und bereitete sich und Anderen böse Tage. Ein solches Schmerzenskind war das Blatt, wie Leopold der Schyre im Heldenkampfe gegen die Ungarn 907 sein Leben verliert (In dem von M. Echter, Ph. Foltz, G. Hiltensperger, Andreas Müller, Karl Piloty und M. v. Schwind gezeichneten Cyclus: »Zwölf Bilder aus dem Leben bayerischer Fürsten«, München in Holzschnitt bei Braun und Schneider (1852).), welches dem nimmersatten Verbesserer geradezu mit Gewalt aus den Händen genommen werden mußte. Aehnlich erging es mit der Copie von Kaulbachs »Hunnenschlacht,« welche Strähuber im Winter 1854 auf 1855 in Berlin nach dem daselbst im Besitze des Grafen Raczynski befindlichen Original für den Kupferstich zeichnete. (Gestochen von Louis Jacoby; photographirt von Fr. Bruckmann.) Aus den dazu bestimmten Wochen wurden Monate bis Strähuber mit dieser Arbeit zu Ende kam; er hat diese wirklich unvergleichliche Schöpfung freilich mit dem innigsten Verständnis wiedergegeben. Diese selbsuchtlose Treue schätzte Kaulbach hoch und übertrug dem Erprobten und Bewährten die Ausführung seines »Reformation-«Bildes, ebenso der »Schlacht von Salamis« und des »Nero,« das heißt: Strähuber zeichnete nach den kleinen Skizzen Kaulbachs für diese genannten Bilder den Contour im Großen auf die gewaltigen Cartons. Es mag ihm oft schwer genug geworden sein, mit völligem Verzicht auf eigene Erfindung, solche Handreichung zu thun; aber auch diese Leistungen vollführte Strähuber mit der ihm eigenen unverbrüchlichen Gewissenhaftigkeit, welche Kaulbachs vollste Befriedigung errang.

Nach seinen eigenen Compositionen zeichnete Strähuber viele Cartons, insbesondere im Auftrage Ainmüllers zu den in dessen Anstalt ausgeführten Glasgemälden für den Regensburger und den Kölner Dom; für Glasgow die Bekehrung des Paulus (nach Schnorrs Skizze) 1867 und eine Kreuzigung für St. Paul in London 1868; ersteres eine Stiftung des Sir Thomas Brown, letzteres eine solche der Londoner Tuchmacher-Innung. Strähubers letzte, leider unvollendete Arbeit war ein »St. Georg« mit einem riesigen Gottvater und einem meisterlich in einen Vierpaß componirten Engel.

Unter den weiteren Arbeiten Strähubers seien noch erwähnt die Holzstockzeichnungen zum sogenannten Hermann-Kalenders (Auf Veranlassung und mit besonderer Unterstützung Sr. k. Hoh. des Kronprinzen von Bayern, herausgegeben von Hofrath Dr. F. B. W. Hermann. Für den Jahrgang 1842 zeichnete Strähuber (nach einer von Schnorr 1840 entworfenen Composition) wie Otto von Wittelsbach Mailand bestürmt (S. 43); für 1843 die eigenen Compositionen: die Initialen (geschnitten von Ruepprecht) zu den »Sprüchen von G. F. D(aumer)« S. 54 und 66 und die beiden Bilder zu Ludwig Aurbachers Erzählung »Die Herren von Neunhofen« (geschnitten von Kreuzer) und zur Parabel »Der Wolf und die Armbrust« (geschnitten von Ruepprecht).) 1842 und 1843; die Beiträge zum »Buch für fromme Kinder,« (Das Buch für fromme Kinder in Bildern und Liedern. Zweite von G. Scherer bearbeitete Auflage. München (ohne Jahr) bei Braun und Schneider.) zu Tr. Löschke's »Himmelsblümchen;« (Joh. Traugott Löschke: Himmelsblümchen. München 1848, bei Kaiser.) für G. Scherers »Alte und Neue Kinderlieder« radirte Strähuber einige Blätter, welche in der vierten Auflage nicht besonders glücklich durch fremde Hand in Holzschnitt übersetzt wurden; ebenso enthalten Scherers »Volkslieder« vier Zeichnungen von Strähuber, welcher auch das schöne von H. Merz gestochene Titelblatt zu J. A. Meßmer: »Das heilige Land« (München 1860) componirte, und vieles Andere, was der fleißige Wurzbach im 39. Bande seines Lexikons (1879, S. 210–17) verzeichnet.

Strähubers äußere Lebensereignisse sind sehr einfach: 1853 wurde er Ehrenmitglied, 1862 Corrector in der Antikenclasse, 1865 Professor der Akademie, wo er sich als ausgezeichneter, von seinen zahlreichen Schülern immerdar hochverehrter Lehrer bewies, für welche Thätigkeit er 1879 durch Verleihung des Ritterkreuzes I. Klasse vom Verdienstorden vom heil. Michael ausgezeichnet wurde. Mit unermüdlichem Eifer seinen Berufspflichten obliegend und in der ihm kurz zugemessenen Freizeit unausgesetzt künstlerisch thätig, erlahmte schließlich seine Kraft; sein Leben erlosch in den Morgenstunden des Sylvestertages 1882. Rein und lauter wie seine ideale Kunst, war auch sein edler, männlicher und durchweg ehrenhafter Charakter.

Allgemeine Zeitung Nr. 47. München; Freitag, den 16. Februar 1883.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Strähuber Alexander, 1814 (Mondsee, Land Salzburg/Osterr.) – 1882, Historienmaler und Akademieprofessor; er studierte in München, war Schüler und Gehilfe J. von Schnorrs und schuf viele geistreiche Zeichnungen mit antiken und biblischen Motiven sowie wohlstilisierte Kartons zu Glasgemälden in und außer Deutschlands, namentlich in England; nach J. von Schraudolphs Rücktritt war St. erster Vorstand des christlichen Künstlervereins.

Hauptwerke: Illustrationen zu vielen Andachts- und Gebetbüchern, zu den Pustet-Meßbüchern, zu den von G. Görres und Graf Pocci herausgegebenen Festkalendern, zur Prachtausgabe des Nibelungenlieds, Jakobs Kampf mit dem Engel, Schlacht bei Salamis, Kartons für Glasfenster des Doms zu Glasgow.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#23 – 2 – 18 (Heindel)


Grab der Familie Heindel auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#23 – 2 – 19 (Röbl)


ROEBL

Linke Seite
Hier ruhet in Gott
unser innigstgeliebter, herzensguter
Gatte u. Vater
Herr Joseph Roebl,
Schlachthof-Direktor
geb. 3. August 1829, gest. 19. Februar 1899.
Zur ersehnten Wiedervereinigung
folgte ihm seine Gattin
Franziska Roebl,
geb. 30. August 1837, gest. 27. August 1922.

Rechte Seite
Ihm ging voran
unser heissgeliebter, braver
Sohn u. Bruder
Felix Roebl,
stud. pharm.
geb. 27. August 1859, gest. 19. Februar 1880.


  • Röbl, Felix; 27.8.1859 – 19.2.1880
  • Röbl, Franziska (vw); 30.8.1837 – 27.8.1922; Schlachthofdirektors-Witwe
  • Röbl, Josef; 3.8.1829 – 19.2.1899; Schlachthofdirektor

Grab der Familie Röbl auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#23 – 2 – 21 (Falk)


Hier ruhen in Frieden
Paul Falk, Gärtner
geb. 1793 gest. 30. März 1855
dessen Gattin
Regina Falk,
geb. 15. März 1789,
gest. 9. Aug. 1873.
Michael Falk, Bildhauer
geb. 23. Dez. 1827,
gest. 25. Mai 1906
Frl. Anna Falk
geb. ¿
gest. ¿


  • Falk, Anna
  • Falk, Michael; 23.12.1827 – 25.5.1906 (München); Bildhauer
  • Falk, Paul; 1793 – 30.3.1855 (München); Gärtner
  • Falk, Regina (vw); 15.3.1789 – 9.8.1873; Gärtners-Witwe

Grab der Familie Falk auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#Michael Falk

* 23.12.1827
† 25.5.1906 (München)
Bildhauer

#Münchner Neueste Nachrichten (13.1.1912)

Lokales
München, 12. Januar

Generalversammlung des Kunstvereins. [...] Im Laufe des Jahres wurden für Verlosungsankäufe im ganzen 44,090 M ausbezahlt. Als Vereinsgabe für 1912 ist eine Mappe ins Auge gefaßt, die diesmal Reproduktionen nach klassischen Werken englischer Frauenportraitkunst enthalten soll. Die Zinsen aus dem Vermächtnis der Schwester des 1906 verstorbenen Mitgliedes Bildhauer Michael Falk sollen in Zukunft zu einer Sonderverlosung verwendet werden, an der nur Mitglieder teilnehmen sollen, die ununterbrochen 25 Jahre und länger dem Verein angehören und in dieser Zeit keinen Gewinn gemacht haben. Verlost würden nicht Anrechtscheine, sondern Kunstwerke, welche eine besondere Kommission des Ausschusses anzukaufen hätte. Die erste derartige Verlosung soll im Laufe des Winters stattfinden.

Münchner Neueste Nachrichten No. 20. Samstag, 13. Januar 1912.

#23 – 2 – 26 (Mayer)


Grab der Familie Mayer auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#23 – 3 – 1·2 (Stulberger)


IDA STULBERGER
PROFESSORSGATTIN
GEST. 20.7.1926.
FRANZ PAUL STULBERGER
ARCHITEKT UND PROFESSOR
GEST. 9.6.1936
ADAM STULBERGER
GEST. 23.4.1895
PRIVATIER
GRÜNDER EINER
WOHLTÄTIGKEITSSTIFTUNG


  • Stulberger, Adam; – 23.4.1895 (München), 77 Jahre alt; Privatier
  • Stulberger, Franz Paul; – 9.6.1936; Architekt
  • Stulberger, Ida (vh); – 20.7.1926; Architektens-Gattin

Todesanzeige für Adam Stulberger

Annonce in »Das Bayerische Vaterland« No. 194. München; Freitag, den 27. August 1886.

Grab der Familie Stulberger auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#23 – 3 – 10 (Rummel · Staudinger)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Rummel, Johann Paul; 5.6.1774 (München) – 28.9.1832 (München); Portraitmaler
  • Staudinger, Susanna (vw); – (23).1.1886 (München), 59 Jahre alt; Uhrmachers-Witwe

Grab der Familien Rummel · Staudinger auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#Johann Paul Rummel

* 5.6.1774 (München)
† 28.9.1832 (München)
Portraitmaler

#Kunst-Blatt (23.7.1833)

Paul Rummel, Maler,

Sohn eines churfürstl. Leibgarde-Hartschier-Lieutenants, geb. am 5. Juni 1774 in München, würde ohne den frühen Tod seines Vaters und die Bedrängnisse seiner Mutter, die von einer unzulänglichen Wittwenpension leben sollte, nach vorgefaßtem Plane die militärische Laufbahn betreten haben. Statt der Aussicht in’s Cadettenkorps aufgenommen zu werden, womit sich der Knabe sonst geschmeichelt hatte, stellte sich ihm nun die Nothwendigkeit dar, in Verbindung mit seinem Bruder für den Unterhalt der Mutter möglichst zu sorgen. Schon mehrmals hat die Verfertigung von Heiligenbildern den ersten Anstoß zu Kunstversuchen gegeben; dieß war auch bei dem dreizehnjährigen Rummel der Fall. Der Druck der Noth und der Ruf der Natur vereinigten sich wechselsweise um die künftige Richtung seines Lebens zu bezeichnen. Laut der vorliegenden Nachricht könnte man beinahe auf die Vermuthung gerathen, er sey vom Hause aus ein Autodidakt gewesen. Seine ursprüngliche Entwickelung könnte sonach ein besonderes Interesse erregen, wofern sie sich wirklich unter diesem Gesichtspunkt auffassen läßt. Eigentlichen Unterricht scheint er erst in München von dem Maler Weiß empfangen zu haben, der sich seiner überhaupt menschenfreundlich annahm. Mit dem Besuche der Akademie verband er fleißige Uebungen im Kopiren, und zwar nach Bildern der churfürstlichen Gallerieen. Von der Oelmalerei ging er später zur Miniaturmalerei über und erwarb sich in beiden Fächern Beifall. Augenschwäche führte ihn später wieder auf die Oelmalerei zurück. Seine Kopien nach den Bildnissen Sr. Majestät des Königs wurden wegen ihrer Aehnlichkeit von den Provinzialstädten geschätzt und gesucht. Nachdem er längere Zeit gekränkelt hatte, starb er am 28. Sept. 1832 am Schlagflusse.

Kunst-Blatt No. 59. Dienstag, den 23. Juli 1833.

#Neues allgemeines Künstler-Lexicon (1841)

Rummel, Johann Paul, Maler, geb. zu München 1774, gest. daselbst 1832. Dieser Künstler übte sich schon frühe im Zeichnen, und war noch nicht 13 Jahre alt, als er schon Heiligenbilder in Oel malte. Später erhielt er von Weiss sorgfältigeren Unterricht, und eine Unterstützung des Churfürsten setzte ihn in den Stand, die Akademie zu besuchen. Hierauf copirte er in der Galerie zu München mehrere Werke, so wie später in Leopoldskron, wo er namentlich etliche Bilder von Mengs und der Angelica Kaufmann copirte. Rummel malte in München, wo er als ausübender Künstler lebte, anfangs verschiedene Bilder in Oel, dann aber verlegte er sich fast ausschließlich auf die Miniaturmalerei, in welcher er gelungene Bildnisse fertigte. In den letzten acht Jahren seines Lebens kehrte er wieder zur Oelmalerei zurück. Die Werke dieser Periode bestehen wieder in Copien und Portraiten, worunter er jenes des Königs Ludwig für verschiedene Städte des Reiches ausführte. Diese Bildnisse werden der Aehnlichkeit wegen geschätzt.

Dr. Georg Kaspar Nagler: Neues allgemeines Künstler-Lexicon oder Nachrichten von dem Leben und Werken der Maler, Bildhauer, Baumeister, Kupferstecher, Formschneider, Lithographen, Zeichner, Medailleure, Elfenbeinarbeiter etc. Bearbeitet von Dr. G. K. Nagler. München, 1841.

#23 – 3 – 18 (Strahl · Strohmeier)


Grabstätte der Familie
Strohmeier.

Hier ruhen meine lieben Eltern:
Herr Wolfgang Strahl,
Früchtenhändler,
gest. 17. Dez. 1870 im 55. Lebensjahr.
Ihm folgte seine Gattin
Frau Martina Strahl,
Früchtenhändlerswittwe,
gest. 19. März 1874 im 62. Lebensjahr.
Ihnen folgte unser unvergesslicher,
treubesorgter, liebevoller Gatte u. Vater,
Herr Ignatz Strohmeier,
Grossfrüchtenhändler
geb. den 3. Febr. 1835. gest. den 9. März 1902.
Ihnen folgte unsere innigstgeliebte Mutter
Frau Creszenzia Strohmeier,
geb. Koller, Grossfrüchtenhändlers-Wtw.
geb. den 4. Mai 1844, gest. den 17. Januar 1906.


  • Strahl, Martina (vw); – 19.3.1874 (München), 61 Jahre alt; Obsthändlers-Witwe
  • Strahl, Wolfgang; – 17.12.1870 (München), 54 Jahre alt; Obsthändler
  • Strohmeier, Ignatz; 3.2.1835 – 9.3.1902; Obsthändler
  • Strohmeier, Kreszentia (vw) / Koller (gb); 4.5.1844 – 17.1.1906; Obsthändlers-Witwe

Grab der Familien Strahl · Strohmeier auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#23 – 3 – 19 (Winkler)


Grabstätte der Familie
Winkler.

Hier ruhet in Gott
mein innigstgeliebter unvergesslicher Gatte
Herr Josef Winkler,
Güterschaffner,
geb. d. 15. Nov. 1828, gest. 8. August 1888.
Ihm folgte meine unvergessliche Gattin,
Frau Franziska Reindl,
verwitw. Winkler, Güterschaffnersgattin,
geb. d. 4. März 1839, gest. d. 17. Febr. 1904.


  • Winkler, Franziska (vw) / Reindl (gb); 4.3.1839 – 17.2.1904; Güterschaffners-Witwe
  • Winkler, Josef; 15.11.1828 – 8.8.1888; Güterschaffner

Grab der Familie Winkler auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#23 – 3 – 25 (Quaglio)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Quaglio, Lorenz; 17.12.1793 (München) – 15.3.1869 (München); Genremaler und Lithograph

Grab der Familie Quaglio auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#Lorenz Quaglio

* 17.12.1793 (München)
† 15.3.1869 (München)
Genremaler und Lithograph

#Artistisches München im Jahre 1835 (1836)

Quaglio, Lorenz, Sohn des kgl. bayer. Hoftheater-Architekten Joseph Quaglio; geboren im Jahre 1794 zu München. Sein Vater und sein Bruder Angelo waren seine ersten Lehrmeister in der Architektur. Da der kunstsinnige Jüngling das Architekturfach seinem jugendlichen Drange wenig zusagend fand, und es darin dennoch so weit gebracht hatte, daß seine Lehrer mit ihm zufrieden waren; so ließ man ihn die Akademie der bildenden Künste besuchen und sich hier seiner Neigung gemäß auf das Figurenzeichnen verlegen. Er studirte nach den Antiken und nach der Natur; der Genius der bildenden Kunst beschäftigte sein ganzes Wesen. So wie er die technischen und praktischen Bedingungen der Malerei erfüllt und die Räthsel ihrer Erscheinungen gelöst hatte, ergriff er mit Liebe das Genrefach, welches ihn durch seine Mannigfaltigkeit und seine Wärme Tag und Nacht beschäftigte.

Durch seine Reisen in die bayerischen Hochlande fand sein stiller, durchdringender und festhaltender Beobachtungsblick in den gemüthlichen Zirkeln des Gebirgslebens bald reichlichen Stoff zu den gelungensten Bildern. Die alterthümlichen Gemächer, Tische, Heiligen-Bilder, Oefen u. s. w., überhaupt das Stillleben jener Gebirgsbewohner, ihre Kleidungen, Spiele, Trinkgelage und Lebensweisen stellte er immer mit jener Wahrheit dar, die den Beschauer in den Kreis guter und fröhlicher Menschen versetzt, unter denen jeder Reisende immer gerne gelebt hat, und die in Jedem, der sie noch nicht in der Wirklichkeit sah, den Wunsch erzeugt, diese Menschen auch von Angesicht zu Angesicht kennen zu lernen. Der höchstselige König Maximilian, ein Kenner und Beschützer der Künste, erkannte dieses Talent, erkaufte mehrere Bilder, wovon einige im Schlosse Tegernsee aufgestellt sind, und bethätigte seinen Beifall mit des Künstlers Leistungen durch eine lebenslängliche Pension. Viele Arbeiten des L. Quaglio wurden theils auf auswärtigen Kunstausstellungen, oder auch auf eigene Bestellungen im Auslande erkauft.

Als besonders gelungen nennen wir: ein Scheibenschießen, jetzt im Besitze Sr. churfürstl. Durchlaucht von Hessenkassel; einige Gebirgsbauern-Hochzeiten und Wirthsstuben, dann die Darstellung des Münchner Fischmarktes, im Besitze Sr. königl. Hoheit des Kronprinzen von Preußen; und die Brautwerbung in einer Münchner Bürger-Familie, ebenfalls nach Berlin verkauft und von Kennern gepriesen. Außer diesen befinden sich mehrere Bilder von ihm in den Sammlungen Sr. königl. Hoheit des Kronprinzen von Bayern und anderer kunstliebender Privaten. Ferner malte L. Quaglio auch Szenen aus dem Mittelalter mit deutschem Fleiße und mit vieler Wahrheit. Zu der in München erfundenen und großgezogenen Lithographie lieferte er einige sehr gute Blätter, wovon sich besonders die Almosenspende, nach seinem in der herzogl. von Leuchtenberg’schen Gallerie aufgestellten Gemälde, und mehrere für das Galleriewerk: München und Schleißheim, gefertigte Blätter anerkannt auszeichnen. Gegenwärtig ist er bei Herstellung der Wandgemälde im Schloße Sr. königl. Hoheit des Kronprinzen von Bayern in Hohenschwangau beschäftiget, wo er geschichtliche Darstellungen, theils nach eigenen Compositionen, theils nach vorgegebenen Zeichnungen anderer Künstler enkaustisch ausführt.

Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Mechaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.

#Kunst-Blatt (6.9.1836)

Die Künstlerfamilie Quaglio.

Es gehört wohl zu den seltensten Erscheinungen, daß in einer Reihe von Generationen die Söhne außer dem Namen auch das Talent des Vaters erben. Eigenthümlich ist dieses in der Familie Quaglio, in welcher das Talent für die Kunst gegen zweihundert Jahre ununterbrochen fortblüht. Die Familie stammt aus Laino, im sogenannten Val Intelvi, fünf Stunden vom Komersee.

Julius Quaglio war der Erste der Familie, der sich als Künstler ausgezeichnet, Historien- und Freskomaler. Er hielt sich zu der Schule des Tintoretto, in welcher schon sein Vater gebildet gewesen seyn soll. Die Familie bewahrt noch jezt viele Zeichnungen und Entwürfe zu Altarblättern, Decken- und Wandmalereien, die zum Theil in Wien, Salzburg und Laibach ausgeführt wurden, doch ist mir nicht bekannt, was davon noch vorhanden; in Italien sollen sich mehrere Altargemälde von ihm befinden.

Lorenz v. Quaglio, am 25. Juli 1750 zu Laino geboren, kam mit seinem Vater, dem k. k. Ingenieur und Baumeister Giovanni Maria Quaglio, nach Wien, studirte auf der dortigen Academie das historische Fach und Architektur, und kam 1750 als Hoftheaterarchitekt in die Dienste des Kurfürsten Carl Theodor nach Mannheim. 1772 machte Lorenz eine große Reise über München nach Rom und Neapel. Als der Kurfürst seine Residenz nach München verlegte, wurde er 1778 in gleicher Eigenschaft dorthin versezt, wo er am 7. Mai 1804 an den Folgen eines Schlagflusses starb. Er baute das Theater und den Redoutensaal zu Mannheim, das Theater in Frankfurt und das Rathhaus zu Lauingen, Zeugen seines großen Talents und seines geläuterten Geschmacks. Von seinen Theaterdecorationen ist wenig erhalten, indeß stehen die zu »Castor und Pollux,« »Ariadne« und »Agnes Bernauerin« noch in lebhaftem Andenken bei seinen Zeitgenossen. Zwei Architekturblätter sind von ihm bekannt: »unterirdische Gruft, von einer Lampe beleuchtet,« in der Vorhalle neben einem Sarge eine Betende, in Quart, und »das Innere eines Tempels mit scheinbar oben offenstehender Rotunde,« in Folio. Die Erhebung in den Adelstand verdankt er nur seinen Verdiensten.

[...]

Kunst-Blatt No. 71. Dienstag, den 6. September 1836.

#Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode (24.12.1838)

Gallerie einiger in München lebender Künstler.
(Fortsetzung.)

Quaglio, Lorenz.

Dominik Quaglio, ruhmvoll bekannt im In- wie im Auslande, schloß, wie allenthalben bekannt, mitten auf seiner glänzenden Laufbahn, mitten in thätiger Vollführung seiner künstlerischen Anordnungen und eigener Mitwirkung, zu Hohenschwangau in der vollsten Kraft der Jahre, von ganz Deutschland betrauert, sein künstlerisches Leben. Die altehrwürdige Burg, die nun in ihrem Innern eine wahre Feenwelt aufschließt und ein Gegenstand allgemeiner Bewunderung ist, durfte der edle Künstler nicht mehr in ihrer ganzen Vollendung schauen, welcher er sie, einsichtsvoll leitend, entgegenführte. Der Name Quaglio blüht indessen in voller Glorie fort. Dieses Künstlergeschlecht, schon seit einem Jahrhundert berühmt, gleicht einem mächtigen Stamme, der immer frische Zweige nachtreibt, wenn ihm auch von Zeit zu Zeit der Sturm eine Wunde schlägt. Der Genius der Kunst lebt in dieser merkwürdigen Familie fort und mit der Zahl ihrer Söhne mehren sich auch die Künstler.

Lorenz Quaglio, Bruder des Dominik Quaglio, Sohn des k. bayrischen Hoftheater-Architekten Joseph Quaglio, wurde zu München 1794 geboren. Sein Vater und sein Bruder Angelo, letzterer zu früh in der Blüthe der Jahre und des Ruhmes der Kunst entrissen, waren seine ersten Lehrmeister in der Architektur. Lorenz Quaglio machte zwar als fleißiger Zögling gute Fortschritte und befriedigte seine Lehrer, allein es entwickelte sich in ihm eine andere Neigung, seine lebhafte Phantasie fühlte sich in der Architektur zu eingeschränkt, und man gewährte seinen Wunsch in die Akademie der bildenden Künste überzutreten und sich ganz, seinem Drange entsprechend, auf das Figurenzeichnen zu legen. Er studierte nach den Antiken und nach der Natur, und sein Künstlertalent entwickelte sich zusehends. In Kurzem waren die technischen und praktischen Bedingungen der Malerey erfüllt und die Räthsel ihrer Erscheinungen gelöst. Lorenz Quaglio ergriff mit Liebe das Genrefach, welches ihn durch seine Mannigfaltigkeit und Wärme Tag und Nacht beschäftigte. Wie jeder begabte, sinnige Künstler, der das Leben naiver Menschen und ungekünstelter Formen, von einem innern Drange bestimmt, zu erschauen sucht, unternahm auch er Reisen in die bayrischen Hochlande, wo sein stiller, durchdringender und festhaltender Beobachtungsblick in den gemächlichen Zirkeln des Gebirgslebens bald reichlichen Stoff zu den gelungensten Bildern fand. Die alterthümlichen Gemächer, Tische, Heiligenbilder, Öfen, Kammern, Söller etc., überhaupt das Stillleben jener Gebirgsbewohner, ihre Kleidungen, Spiele, Trinkgelage und Lebensweisen stellte er immer mit jener Wahrheit dar, die den Beschauer in den Kreis guter und fröhlicher Menschen versetzt, unter denen jeder Reisende immer gerne gelebt hat.

König Maximilian erkannte dieses Talent, er kaufte mehrere Bilder und bethätigte seinen Beyfall mit des Künstlers Leistungen durch eine lebenslängliche Pension. Viele Arbeiten des Lorenz Quaglio wurden theils auf auswärtigen Kunstausstellungen oder auch auf eigene Bestellungen im Auslande erkauft.

Als ganz besonders gelungen nennen wir: ein Scheibenschießen, jetzt im Besitze Sr. churfürstl. Durchlaucht von Hessen-Cassel; einige Gebirgsbauern-Hochzeiten und Wirthsstuben, dann die Darstellung des Münchner Fischmarktes, im Besitze Sr. k. Hoheit des Kronprinzen von Preußen, und die Brautwerbung in einer Münchner Bürgerfamilie, ebenfalls nach Berlin verkauft und von Kennern gepriesen. Außer diesen befinden sich mehrere Bilder von ihm in den Sammlungen Sr. k. Hoheit des Kronprinzen von Bayern und anderer kunstliebenden Privaten. Lorenz Quaglio malte auch Scenen aus dem Mittelalter mit ächt deutschem Geiste und mit vieler Wahrheit. Zu der in München erfundenen und nun zur hohen Stufe der Vollendung gebrachten Lithographie lieferte er einige sehr gute Blätter, wovon sich besonders die »Almosenspende« nach seinem in der herzogl. Leuchtenbergischen Gallerie aufgestellten Gemälde, und mehrere für das Galleriewerk: München und Schleißheim, gefertigte Blatter anerkannt auszeichnen. Er führte die jüngste Zeit an der Seite seines gefeyerten Bruders Dominik Quaglio in Auftrag Sr. k. Hoheit des Kronprinzen von Bayern auf dem Schlosse Hohenschwangau geschichtliche Darstellungen, theils nach eigenen Compositionen, theils nach vorgegebenen Zeichnungen anderer Künstler, die dort mit ihm zugleich beschäftigt waren, enkaustisch aus.

Die prachtvollen Wände Hohenschwangaus zeugen von den Meisterwerken der Quaglio's wie der übrigen Künstler, die mit der Ausschmückung dieser Burg beauftragt sind.

(Werden fortgesetzt.)

Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode 154. Montag, den 24. Dezember 1838.

#Kunstvereins-Bericht für 1869 (1870)

Lorenz Quaglio, Genremaler,

1794 geboren, war der drittälteste Sohn des dahier im Jahre 1828 verstorbenen k. Hoftheaterarchitekten Joseph Quaglio. Gleich seinem Bruder Simon Quaglio, der bekanntlich als Dekorationsmaler im Architekturfach bei den k. Theatern noch gegenwärtig in ersprießlicher Thätigkeit wirkt, sollte auch Lorenz diesem Kunstzweige sich zuwenden. Er wurde demzufolge von seinem Vater und älteren Bruder, dem verstorbenen berühmten Architekturmaler Angelo Quaglio sorgfältig in den einschlägigen Fächern unterrichtet. Allein diese Studien sagten dem angehenden Kunstjünger nicht recht zu, er entschloß sich vielmehr zum Besuche der hiesigen Akademie, wo er alsbald im Figuren-Zeichnen nach der Antike wie nach dem Leben einen vielversprechenden Eifer entwickelte.

Nachdem er durch den genossenen zweifachen Unterricht die Grundsätze der Darstellung und Malerei in technischer wie formeller Beziehung sich zu eigen gemacht und in ihrer Anwendung eine befriedigende Sicherheit erlangt hatte, wählte er sich das Genrefach zum Felde seiner künstlerischen Thätigkeit und fand durch die glücklichen Stoffe, welche er dem Leben und Treiben der Bevölkerung des bayerischen Hochlandes entlehnte und in trefflichen Bildern wiederzugeben wußte, bald allgemeine Anerkennung. Der kunstliebende König Maximilian I. erwarb mehrere Werke des noch jungen Künstlers und lohnte außerdem dessen eifriges Streben durch Verleihung einer lebenslänglichen Künstlerpension. Quaglio suchte sich seine Vorbilder fast ausschließlich in jenen Kreisen der Gebirgsbewohner, die ein Bild friedlichen Stilllebens und behaglichen Zusammenseins zu geben geeignet sind, und blieb dieser Wahl des Stoffes bis in sein spätestes Alter treu. In der Darstellung verrieth Quaglio entschieden das Zeitalter, in welches sein erstes künstlerisches Auftreten fiel. Correkte Zeichnung und regelrechte Composition sind die charakteristischen Merkmale derselben, ebenso ein beinahe ängstliches Streben nach Vermeidung aller starken Gegensätze von Licht und Schatten, was oft auf Kosten der Farbe geschah.

Quaglio's Bilder sind in den vorzüglichsten Sammlungen zu finden. König Maximilian I. stellte, wie schon angedeutet, einige derselben in seinem Schlosse zu Tegernsee auf, andere gingen in den Besitz der damaligen Kronprinzen von Bayern und Preußen, dann des Churfürsten von Hessen und verschiedener anderer Kunstfreunde des In- und Auslandes über. In den Jahren 1834 und 1835 führte er im Schlosse zu Hohenschwangau, welches sein Bruder Domenico, das berühmteste Mitglied dieser Künstlerfamilie, erbaut hatte, eine Reihe geschichtlicher Darstellungen theils nach Entwürfen von Ruben aus der Sage vom Schwanritter, theils nach eigenen Compositionen aus dem Leben der Burgfrauen in einer eigenthümlichen Art Fresco aus. In Bezug auf letztere ist noch zu erwähnen, daß Quaglio auch außerdem mehrmals Scenen aus dem deutschen Mittelalter mit treuer Wiedergabe des Kostüms und der gesammten landschaftlichen, architektonischen und häuslichen Umgebung in Oel gemalt hat. Auch in der Lithographie hat er mit großem Glück sich versucht. Die Blätter, welche er für das Münchener-Galleriewerk sowie nach anderen Gemälden ausführte, bilden vorzügliche Leistungen.

Der 15. März v. Js. schloß das thätige und an schönen Erfolgen reiche Leben dieses Künstlers ab.

Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München während des Jahres 1869. München, 1870.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Quaglio Lorenz, 1793 (München) – 1868, Genremaler und Lithograph; eigentlich zum Theatermaler bestimmt, erhielt er, besonders in Architektur und Perspektive, von seinem Vater Giovanni Maria und seinem Bruder Angelo (dem Älteren) Unterricht, bildete sich aber auf der Münchner Kunstakademie zum Genremaler aus, der charakteristische Szenen aus dem bayerischen Hochland bevorzugte; seine Bilder wurden seinerzeit sehr geschätzt (von Fürsten gekauft), erscheinen aber heute trotz Klarheit und Heiterkeit doch in der Farbe kalt und trocken und bei aller sicheren und strengen Zeichnung etwas steif und hölzern; zur Schaffung der Fresken im Schloß Hohenschwangau – Szenen aus Lohengrin (nach Skizzen von Chr. Ruben) und aus dem Leben Karls des Großen (nach Entwürfen von M. von Schwind) – wurde Qu. ganz gegen seine natürliche Begabung von seinem Bruder Domenico herangezogen; als Lithograph hat er wertvolle Beiträge für das Münchner Galeriewerk gebracht (Fra Bartolomeo, Velasquez, Pietro de Hooch, Tilborgh u. a.).

Hauptwerke: Tiroler Wirtshaus mit kartenspielenden Bauern, Tiroler Schützenschießen, Almosenverteilende Dame vor dem Kirchenportal, Brautwerbung, Münchner Fischmarkt, Holzschnitzer.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#23 – 3 – 28 (Wolfring)


Grabstätte
der
Familie
Dr. Max Wolfring.


  • Wolfring, Max, Dr.

Grab der Familie Wolfring auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

#23 – 4 – 1 (Rosner)


Grab der Familie Rosner auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#23 – 4 – 4 (Strobl)


Tafel
¿ Gott ¿
Franz Xaver und Anna Strobl
* 27.¿.1821 ¿ 1872 * 2¿
Franz Xaver Strobl ¿
Georg und Rosa ¿
* ¿ X.1845 † 1.III.1905 * ¿
Maria Strobl ¿


  • Strobl, Anna
  • Strobl, Franz Xaver
  • Strobl, Georg
  • Strobl, Maria
  • Strobl, Rosa

Grab der Familie Strobl auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#23 – 4 – 7·8 (Giggenbacher · Kolb · Seemann · Winreiter)


Hier ruhen in Gott
Frau Anna Kolb
† 19.I.1897.
Herr J. B. Kolb
k. Hofsakristan
† 2.IX.1899.
Herr J. B. Kolb
Krankenhausverwalter a. D.
† 7.II.1914.
Herr Carl Kolb
Bankbuchhalter a. D.
† 2.XII.1937.
Frl. Maria Kolb
† 19.10.1942.

Sockel
Herr David Winreiter, Kaufmann
gest. d. 24. April 1883.

Linke Seite
Anna u. Theresia
Giggenbacher
Josepha Seemann.

Rechte Seite
A. Aufleger


  • Giggenbacher, Anna
  • Giggenbacher, Theresia
  • Kolb, Anna (vh); – 19.1.1897
  • Kolb, J. B.; – 2.9.1899; Königlicher Hofsakristan
  • Kolb, J. B.; – 7.2.1914; Krankenhausverwalter a. D.
  • Kolb, Karl; – 2.12.1937; Bankbuchhalter a. D.
  • Kolb, Maria; – 19.10.1942
  • Seemann, Josefa
  • Winreiter, David; – 24.4.1883; Kaufmann

Grab der Familien Giggenbacher · Kolb · Seemann · Winreiter auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#23 – 4 – 16 (Rigauer)


GRAB-
STÄTTE
FAMILIE
RIGAUER


  • Rigauer, August; – (28).8.1852 (München), 13 Jahre alt; Arzt-Sohn
  • Rigauer, Georg; – (4).10.1832 (München), 74 Jahre alt; Ehemaliger Bortenmacher
  • Rigauer, Walburga; – (23).8.1862 (München), 94 Jahre alt; Bortenmachers-Witwe

Grab der Familie Rigauer auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#23 – 4 – 17 (n. n.)


(Oktober 2014)

#23 – 4 – 19 (Weingärtner)


Hier ruht in Gott:
Unser lieber,
treubesorgter Gatte u. Vater
Herr Josef Weingärtner,
Privatier, ehem. Bäckermeister
geb. 28. Jan. 1842, gest. 20. Juli 1914.
Unsere liebe, unvergessliche Mutter
Frau Marie Weingärtner,
geb. Bittermann
geb. 8. Juli 1855, gest. 4. Febr. 1932.

Rechte Seite
Heiligensetzer 23.4.19.


  • Weingärtner, Josef; 28.1.1842 – 20.7.1914; Privatier, ehemaliger Bäckermeister
  • Weingärtner, Marie (vw) / Bittermann (gb); 8.7.1855 – 4.2.1932; Bäckermeisters-Witwe

Grab der Familie Weingärtner auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#23 – 4 – 23 (Knab · Menzel)


Skulptur
DIE LIEBE IST STARK WIE DER TOD

Rückseite
GUSS v. C. LEYRER H. WADERE

Sockel
FAMILIE
MENZEL


  • Knab, Camille; – (16).1.1889 (München), 57 Jahre alt; Kaufmann
  • Menzel, Emma (vh) / Kempff (gb); 1863 (Regensburg) – (20).1.1896 (München), 39 Jahre alt; Landgerichtsrats-Gattin
  • Menzel, Frieda; – (27).3.1887 (München), 1 Jahr alt; Landgerichtsrats-Tochter

Grab der Familien Knab · Menzel auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

Grab der Familien Knab · Menzel auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

Grab der Familien Knab · Menzel auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2006)

Grab der Familien Knab · Menzel auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

#Emma Menzel (vh) / Kempff (gb)

† (20).1.1896 (München), 39 Jahre alt
Landgerichtsrats-Gattin

#Münchner Neueste Nachrichten (1.11.1897)

[…] Von hier aus uns dem alten Theile des Friedhofes zuwendend, führt uns unser Weg an die Grabstätte der Frau Landgerichtsrath Emma Menzel (23.4.23.). Herr Professor Waderé brachte hier durch Frauengestalten, die an dem Kreuze lehnen, die Liebe und geduldige Hingebung, den Trost im Leiden suchend, zum Ausdruck. Die Figuren sind von der Firma Leyrer in Bronze ausgearbeitet. […]

Münchner Neueste Nachrichten No. 505. Montag, den 1. November 1897.

#23 – 4 – 24 (Mannhardt)


Familie Mannhardt.

Hier ruhet
Frau Therese Mannhardt,
geb. Steinbacher,
kgl. Lokomotivführers Gattin,
geb. d. 9. Oktbr. 1849 z. Tegernsee,
gest. d. 17. April 1895,
deren Schwiegertochter
Frau Anna Mannhardt
geb. Wagner,
geb. d. 13. Januar 1875,
gest. d. 2. April 1933.
Eduard Mannhardt
geb. 3. Juni 1912, gefallen
10. Sept. 1941 vor Murmansk.

R. I. P.


  • Mannhardt, Anna (vh) / Wagner (gb); 13.1.1875 – 2.4.1933
  • Mannhardt, Eduard; 3.6.1912 – 10.9.1941 (Murmansk)
  • Mannhardt, Therese (vh) / Steinbacher (gb); 9.10.1849 (Tegernsee) – 17.4.1895; Lokomotivführers-Gattin

Grab der Familie Mannhardt auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#23 – 4 – 29 (Fröhlich)


Hier ruhen
Herr Josef Fröhlich
¿
geb. 27. Jan. 18¿ gest. 8. April 1869
¿
Herr Leonhard Fröhlich
¿
¿ gest. ¿ Jan. 1906
Ihm folgte seine Gattin u¿
liebe unvergessliche Mutter
Frau Anna Fröhlich
¿

Sockel
Fräulein Anna Fröhlich
¿


  • Fröhlich, Anna
  • Fröhlich, Anna (vh)
  • Fröhlich, Josef; 27.1.18¿ – 8.8.1869 (München); Professor am Real-Gymnasium
  • Fröhlich, Leonhard; – (28).1.1906 (München), 64 Jahre alt; Privatier und Hausbesitzer, ehemaliger Schmiedmeister

Grab der Familie Fröhlich auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

#Leonhard Fröhlich

† (28).1.1906 (München), 64 Jahre alt
Privatier und Hausbesitzer, ehemaliger Schmiedmeister

#Generalanzeiger (30.1.1906)

Münchener Tagesneuigkeiten.

München, 29. Januar.
Beerdigung. Ein bekannter Bürger, der im Alter von 64 Jahren verstorbene Privatier und Hausbesitzer Leonhard Fröhlich, wurde gestern Nachmittag im südlichen Friedhofe unter ungemein zahlreicher Beteiligung beerdigt. Den Trauerzug eröffneten mit Musik und umflorter Fahne der Veteranen- und Kriegerverein Isarvorstadt, dessen Mitglieder auch den Sarg mit Flambeaus begleiteten. Diese Korporation, dessen Ehrenmitglied der Verstorbene war, die Innung der Huf- und Wagenschmiede Münchens (Fröhlich war früher Schmiedmeister) und die Gesellschaft »Sterneckerzunft«, die sich vollzählig eingefunden hatte, ließen unter Nachrufen Kränze am Grabe niederlegen. Dieses zeigte in einem reichen Blumenflor auch Kränze vom Turnverein München von 1860 (seinem 25jährigen Mitgliede) und vom Verein für Erhaltung der Volkstracht »Die Wallberger.

Generalanzeiger Nr. 48. Gratisbeilage der Münchner Neuesten Nachrichten.Dienstag, den 30. Januar 1906.

#23 – 4 – 30 (Apoiger)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Apoiger, Josef, Dr. med.; 18.3.1833 (Straubing) – 21.6.1884 (München); Oberstabsarzt

Grab der Familie Apoiger auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#23 – 5 – 3 (Dorn)


Hier ruhen in Gott:
Josef Dorn
städt. Oberoffiziant a. D.
langj. 2. u. 1. Vorst. d. D. K. B. München
geb. 27.II.1857, gest.
dessen Gattin
Franziska Dorn
geb. 6.III.1870, gest.

Sockel
J. Deiser


  • Dorn, Franziska (vh); 6.3.1870 –
  • Dorn, Josef; 27.2.1857 –

Grab der Familie Dorn auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#23 – 5 – 12 (Endres)


Hier ruht in Gott
Frau Rosa Endres
geb. Niederreuther
* zu Annweiler 30. Nov. 1847
† zu München 2. Oct. 1895.

Sockel-Tafel
Herr
Christian Endres
* zu Freising 4. März 1830
† zu München 22. Mai 1914.


  • Endres, Christian; 4.3.1830 (Freising) – 22.5.1914 (München)
  • Endres, Rosa (vh) / Niederreuther (gb); 30.11.1847 (Annweiler) – 2.10.1895 (München)

Grab der Familie Endres auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#23 – 5 – 29·30 (Dreselly · Morin)


Familiengrab
Max Dreselly,
Morin.

Heiligensetzer.


  • Dressely, Elise (vh); – 1885; Privatiers-Gattin
  • Dressely, Max

Grab der Familien Dreselly · Morin auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

#23 – 6 – 3·4 (Fanger · Hauttmann)


Hier ruhen in Frieden
PETER FANGER
senior u. junior


  • Fanger, Peter (jun.)
  • Fanger, Peter (sen.)
  • Hauttmann, Margaretha (vh) / Schweighart (gb); – 18.11.1866 (München), 74 Jahre alt; Bildhauers-Gattin
  • Hauttmann, Johann Nepomuk; 21.4.1820 (München) – 30.1.1903 (München); Bildhauer

Todesanzeige für Johann Nepomuk Hautmann

Grab der Familien Fanger · Hauttmann auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Margaretha Hauttmann (vh) / Schweighart (gb)

† 18.11.1866 (München), 74 Jahre alt
Bildhauers-Gattin

#Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik (11.12.1866)

Eine Blume
auf das Grab der am 18. November verstorbenen
Frau
Margaretha Hautmann,
Bildhauers-Gattin.

Ein edles Herz hat aufgehört zu schlagen,
Das seinen Schöpfer über Alles liebte,
Des Gatten und der Kinder Thränen sagen,
Daß es um sie sich freute und betrübte.
Wie gern erfüllte sie Bedrängter Bitten,
D'rum ward verliehen ihr des Himmels Krone,
Die mit Geduld hier standhaft ausgestritten.

Hedwig Losch.

Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik Nr. 345. Dienstag, den 11. Dezember 1866.

#Johann Nepomuk Hauttmann

* 21.4.1820 (München)
† 30.1.1903 (München)
Bildhauer

#Allgemeines Künstler-Lexikon (1921)

Hautmann, Johann, geb. 21. April 1820 in München, † 30. Jan. 1903 das., Schüler der Münchner Akad. unter Schwanthaler, Eberhard etc. Vieles von ihm befindet sich in den Schlössern Linderhof und Herrenchiemsee.

Allgemeines Künstler-Lexikon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Frankfurt am Main, 1921.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Hauttmann Johann Nepomuk, 1820 (München) – 1903, Hofbildhauer; Bruder des Anton H., der in Florenz als Bildhauer gewirkt hatte, war er Schüler von K. Eberhard und L. M. von Schwanthaler in München; als Custos des Schwanthaler-Museums arbeitete H. für die Schlösser Linderhof und Herrenchiemsee; von ihm stammen zahlreiche Porträtbüsten – er formte noch Haupt und Hände des toten Ludwigs II. von Bayern auf der Bahre – und religiöse Skulpturen.

Hauptwerke: Heiligenfiguren im Dom zu Augsburg und in der Pfarrkirche von Friedberg bei Augsburg; Kopie der kolossalen Madonna im Dom zu Kalocsa (Ungarn).

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#23 – 6 – 9 (Rößler)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Rößler, Maria; – (27).7.1897 (München), 3 Monate alt
  • Rößler, Maria; – (2).5.1895 (München), 11 Monate alt
  • Rößler, Mathias; – (5).12.1898 (München), 69 Jahre alt

Grab der Familie Rößler auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

#23 – 6 – 10 (Tann)


Hier ruhet in Gott
unser innigstgeliebter
Gatte u. Vater
Herr Johann Tann,
kgl. Zugführer a. D.
geb. 13. Apr. 1827, gest. 30. Okt. 1885.


  • Tann, Johann; 13.4.1827 – 30.10.1885; Zugführer

Grab der Familie Tann auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

#23 – 6 – 18 (Haberl · Meittinger)


Familiengrab
Haberl-Meittinger

Hier ruhen
Herr Ant. Haberl
Dek. Maler
* 23.VIII.1831 † 3.I.1884
Dessen Gattin
Frau Karol. Haberl
verw. Meittinger
* 25.IV.1835 † 21.IX.1910
Lina Meittinger
Schauspielerin
* 2. Nov. 1857 † 10. Aug. 1928.


  • Haberl, Anton; 23.8.1831 – 3.1.1884; Dekorationsmaler
  • Haberl, Karol. (vw) / Meittinger (vw); 25.4.1835 – 21.9.1910
  • Meittinger, Lina; 2.11.1857 (München-Pasing) – 10.8.1928 (München); Regisseurin und Schauspielerin

Todesanzeige für Lina Meittinger

Todesanzeige für Lina Meittinger

Abbildung aus: Fest-Album für das Volks-Fest im Maximilians-Keller. München, am 6. Septmber 1891.

Lina Meittinger – die Direktorin des neuen Volkstheaters. Münchener Ratsch-Kathl No. 58. Samstag, den 21. Juli 1900.

Grab der Familien Haberl · Meittinger auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#Lina Meittinger

* 2.11.1857 (München-Pasing)
† 8.8.1928 (München)
Regisseurin und Schauspielerin

#Münchener Ratsch-Kathl (17.1.1900)

Gastspiel.

Frl. Lina Meittinger, eines der beliebtesten früheren Mitglieder des Theaters am Gärtnerplatze, gastiert ab Freitag mehrere Abend am hiesigen Volkstheater. Frl. Meittinger besitzt hier eine stattliche Zahl Anhängerinnen und Anhänger, die es mit Freuden vernehmen werden, daß nunmehr wieder Gelegenheit geboten ist, das vortreffliche Spiel der tüchtigen Künstlerin bewundern zu können. Als erste Gastspielrolle hat sich Frl. Meittinger die Köchin in der bekannten Posse »Ihr Korporal« gewühlt und dürfte mit dieser Auswahl kein Mißgriff gemacht sein, denn das Stück vermag wirklich köstlich zu unterhalten, umsomehr, als die weibliche Hauptrolle in so bewährten Händen liegt. Ueber den weiteren Verlauf des Gastspieles werden wir noch eingehender berichten.

Münchener Ratsch-Kathl No. 5. Mittwoch, den 17. Januar 1900.

#Münchener Ratsch-Kathl (21.7.1900)

Fräulein Lina Meittinger, eine in München und weit darüber hinausbekannte Persönlichkeit, hat es im Vereine mit einem Finanzier unternommen, im Osten der Stadt, am Orleansplatz Nr. 2, ein neues Volkstheater zu gründen, das am Samstag, den 21. Juli, Abends 8 Uhr, eröffnet wird. Indem wir heute das Portrait der neuen Direktorin bringen, glauben wir einem Wunsche weitester Kreise zu entsprechen. Frl. Meittinger war am hiesigen Theater am Gärtnerplatze 27 Jahre als Schauspielerin thätig und hat sich während dieser Zeit einen großen Kreis von Bekannten, Verehrerinnen und Gönnern geschaffen, der zweifelsohne dem neuen Unternehmen wohlwollend gegenüberstehen wird. Das neue Volkstheater ist ein hübscher Saalbau, der über 400 Plätze, durchgehends nur Sitzplätze von 30 Pfennig bis 1 Mk. 50 Pf., aufweist. Die Bühne ist vollständig neu mit Requisiten ausgestattet. Im neuen Theater soll das Volksstück, der Schwank, das Lustspiel und die Gesangsposse eifrig gepflegt werden. Besondere Berücksichtigung sollen einheimische und vaterländische Autoren finden. Auch die altbewährten Werke sollen eine Wiederaufführung erfahren. Zur Eröffnung wird ein von Peter Auzinger verfaßter Prolog gesprochen, dem sich die Posse »Heitere Stunden« von Julius Moser anschließt. Da das Theater direkt am Endpunkt der neu eröffneten, elektrischen Trambahnlinie Nymphenburg—Ostbahnhof liegt, ist es auf sehr bequeme Art billigst zu erreichen, auch vom entlegensten Stadttheil aus. Wir wünschen dem neuen Unternehmen und seiner Direktion vom Herzen Glück und dem Theater stets volle Häuser.

Münchener Ratsch-Kathl No. 58. Samstag, den 21. Juli 1900.

#Münchener Stadtanzeiger (1.5.1920)

50 Jahre Bühnenleben!

Ein halbes Jahrhundert! Das ist eine lange Zeit! Diese lange Zeit, 50 volle Jahre, hat unser liebes echtes Münchner Kind Lina Meittinger auf den Brettern, die die Welt bedeuten, verlebt. Als geborene Münchnerin hat sie schon von Kindesbeinen an »Komödie« gespielt und nun sind es volle 50 Jahre, daß Lina Meittinger zur Bühne gehört. Wer von den älteren Theaterbesuchern die Lina Meittinger noch als junges fesches Dirndl in den damals neuerblühenden Bauernkomödien sah, mußte seine helle Freude haben an der erfrischenden Natürlichkeit dieser begabten Darstellerin. Aber auch späterhin hat es die Jubilarin verstanden, die Uebergänge stets rechtzeitig und geschickt zu vollziehen und aus der temperamentvollen Liebhaberin hat sich eine famose Charakterspielerin entwickelt, die stets und wo man sie auch einsetzte, ihre Aufgabe mit feinem künstlerischem Verständnis und mit starkem schauspielerischem Können löste. So ist Lina Meittinger, die Jubilarin, zum Schluß mit Geschick noch zur Operette übergegangen und die Rollen, die sie heute noch, man möchte fast sagen, mit jugendlichem Feuer und Temperament spielt, sind stets und immer bei ihr in guten Händen. Ihr Erdenwallen war ja nicht immer ein rosiges und sie hat schwer mit dem Schicksal zu ringen gehabt. Selbst die »Direktorenleiden« sind ihr als Leiterin des Volkstheaters München-Ost nicht erspart geblieben. Aber unterkriegen hat sich die »Lina« nie lassen und heute hat die Jubilarin noch mehr Lebenslust und Tatendrang als je. Wir freuen uns von Herzen, unserer lieben Landsmännin alles Gute zu ihrem Bühnenjubiläum wünschen zu können und hoffen, daß wir ihr in gleicher Rüstigkeit wie jetzt noch recht lange am Gärtnertheater begegnen und uns noch recht oft an ihren echt künstlerischen Darbietungen ergötzen werden.

Münchener Stadtanzeiger Nr. 18. Samstag, den 1. Mai 1920.

#Münchner Neueste Nachrichten (12.8.1928)

Lina Meittinger †. Im Alter von 72 Jahren ist Lina Meittinger, das bekannte Mitglied des Theaters am Gärtnerplatz, in einem Münchner Sanatorium gestorben. Die in weiten Kreisen beliebte und geschätzte Künstlerin ist ein Münchner Kind. Sie war die Tochter eines Malermeisters, ihr bürgerlicher Name Haberl. Schon früh regte sich in ihr das Theaterblut; von Hofrat Hüther wurde sie bereits mehrfach in Kinderrollen beschäftigt. Sensation erregte sie dann später in dem oft gegebenen Stück »Hasemanns Töchter«, als sie als jüngste Tochter Hasemanns mit einem auf eine Gabel gespießten Knödel, dein ersten Erzeugnis ihrer Kochkunst, auf die Bühne kam. Ihre hübsche, dralle, jugendliche Erscheinung, ihr natürliches munteres Spiel machten sie auch in der Folge zu einem Liebling der Münchner, ihre vielfache Verwendbarkeit in Volksstück und Operette zu einem wertvollen Mitglied des Gärtnerplatztheaters, dem sie unter den verschiedensten Direktionen bis zu ihrem Lebensende treu blieb. Am 30. April 1920 konnte sie an dieser Bühne unter vielfachen Ehrungen ihr 50jähriges Bühnenjubiläum feiern. Im Jahre 1879 machte Meittinger auch die Reise des damals von Max Hofpaur geleiteten Ensembles der »Münchner« mit, die in 60 deutsche und außerdeutsche Städte führte. Neben Amalie Schönchen, Hartl-Mitius, Elise Bach, Noris konnte sie als Trägerin kleinerer Rollen in Ehren bestehen. Außer Frau Hartl-Mitius weilt noch Konrad Dreher von den Teilnehmern der damaligen Tournee unter uns. In den folgenden Jahren blieb Lina Meittinger in München bis in die allerletzte Zeit noch an der Bühne beschäftigt, dem die liebenswürdige, bescheidene Künstlerin, die von seltener Pflichttreue war, sozusagen bis zum letzten Atemzuge gedient hat.

Münchner Neueste Nachrichten Nr. 219. Sonntag, den 12. August 1928.

#Münchner Neueste Nachrichten (16.8.1928)

Münchner Teil
Kurze Stadtnachrichten

Lina Meittingers Beerdigung. Im alten südlichen Friedhof, der so viele Münchner Berühmte aufgenommen hat, fand am Dienstag vormittag Lina Meittinger ihre Ruhestätte. Groß war ihr Gefolge, viele Verehrer und Verehrerinnen hatte sie durch ihr langes Wirken sich erworben. Die Kollegen hatten für eine ehrende Feier, für einen Chor und Musik gesorgt, die dem langen Zuge voranschritt. Lorbeerbäume umsäumten das Grab, über dem schon viele Blumengebinde prangten. Der katholische Geistliche von St. Maximilian sagte eingangs seiner Rede, daß ein Mund verstummt sei, der oft zur Münchner Bevölkerung gesprochen und den man gerne gehört, daß eine gereifte Künstlerin in Lina Meittinger dahingegangen, die 1856 in Pasing als Tochter des praktischen Arztes Meittinger geboren ward und schon in frühester Kindheit den Vater verlor. Ihre Mutter reichte dann in zweiter Ehe dem Malermeister Anton Haberl die Hand. Ihre guten Anlagen wollte sie ursprünglich im Lehrberuf verwerten, ging aber dann nach dem Besuch der höheren Töchterschule an das Konservatorium. Ein edler Mensch sei in ihr dahingegangen. Freudig wirkte sie bei allen Wohltätigkeitsveranstaltungen mit und wußte in den Kriegsjahren schmerzgebeugten Kämpfern frohe Stunden zu bereiten. Reiche Anerkennung wurde ihr wiederholt, auch durch König Ludwig II., zuteil. Viele heitere Stunden durfte sie erleben, aber sie mußte sich auch ehrlich durchs Leben kämpfen und ringen. Ihre Kunst faßte sie als Gottesgabe auf. Möge sie, so schloß der Priester, in das Reich reiner Harmonien eingehen. Für den abwesenden Direktor Dr. Warnecke nahm Tenorist Kunig, mit dem Rudolf Seibold, Zeder und andere Solomitglieder gekommen waren, – es waren auch Kollegen von anderen Theatern da – das Wort, um der lieben Weggenossin namens der Direktion zu danken, die fast 60 Jahre lang der Kunst gedient im wahren Sinne des Wortes mit einer Treue und Pflichtauffassung, die heute selten geworden ist. Schon als Kind der Klenzeschule fiel ihr Sprechtalent auf, und man holte sie, wenn Kinderrollen zu besetzen waren. Hofrat Hüther verpflichtete dann später das junge Talent für das Kgl. Volkstheater am Gärtnerplatz, wie es damals hieß. Aus der Naiven wurde die Liebhaberin, die die Glanzzeit des Volksstückes miterlebte, in Hofpaurs Verband der »Münchner« große Erfolge errang. Als sie später dann in das Fach der Mütterrollen übertrat, zeigte sie so recht ihr tiefes Gemüt und später als komische Alte ihren feinen und herzerfrischenden Humor. Untadelig ist sie, was für eine Frau nicht immer leicht ist, durch die Welt des Theaters gegangen. Ein Schlaganfall rührte sie in den letzten Wochen; sie kam gleichwohl noch zu den Proben und meinte, als ihr das Sprechen schwer wurde, »spiel'n wenn i nimmer kann, b'stell i mir mein hölzern' Schlafrock und leg mi neb'n mei Muatterl«. An ihrer Seite möge sie nun ruhen! Für den Bezirksverband Bayern der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger nahm Kurt Hartl das Wort. Ein Stück alter Münchner Theatergeschichte sei mit Lina Meittinger dahingegangen, eine Glanzzeit des Volksstückes, die nicht wiederkehrt. Der Künstlerin, die zur letzten großen Tournee sich angeschickt hat, war das Wort Kollegialität kein leerer Begriff. Wo immer es galt, bedrängten Berufsgenossen zu helfen, ließ sie sich finden. Sie hatte beim Theater keine Feinde und hielt unwandelbare Treue der Bühne, der Direktion, ihrer Kunst, der Organisation und dem Münchner Publikum. Zugleich im Namen seiner Mutter, Frau Hartl-Mitius, der ältesten Kollegin der Dahingegangenen, legte der Redner eine Kranzspende nieder. Weitere Blumengebinde weihten Sekretär Busse im Auftrag von Direktor Konrad Dreher, ferner Vertreter von Orchester, Chor und technischem Personal des Gärtnerplatztheaters. Gar viele traten an das offene Grab; die außerordentlich starke Beteiligung von Frauen und Männern bewies, daß in Lina Meittinger wieder einer der Lieblinge des Münchner Publikums geschieden ist.

Münchner Neueste Nachrichten Nr. 222. Donnerstag, den 16. August 1928.

#Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903)

Meittinger Lina, geboren in München. Schon als Kind von neun Jahren wurde sie als »Genius« in »Orpheus in der Unterwelt« im Aktientheater beschäftigt. Da sich die Kleine sehr geschickt anstellte, so wurde sie auch noch in anderen Stücken, z. B. als »Schützender Engel« im »Käthchen von Heilbronn« etc. verwendet, erhielt sogar nach und nach kleine Kinderrollen zugeteilt.

Die Eindrücke, die sie damals empfing, waren so nachhaltend, daß sie, nachdem sie das Mädcheninstitut verlassen hatte, keinen anderen Wunsch mehr hatte, als Schauspielerin zu werden. Die Liebe und der Hang zum Theaterspiel waren bereits viel zu mächtig in ihr geworden, als daß der Widerstand, den sie bei ihrem Vater fand, groß genug gewesen wäre, um sie von dem bereits erwählten Lebensberufe abzuhalten.

Sie nahm dramatischen Unterricht an der königlichen Musikschule in München und trat 1877 in den Verband des Gärtnerplatztheaters in ihrer Vaterstadt. Dort wirkte sie lange Zeit, schloß sich auch den »Münchnern« an und erntete als Soubrette und Liebhaberin auf den Reisen dieser oberbayerischen Gastspielgesellschaft reiche Anerkennung.

Die Künstlerin wirkte am Gärtnerplatztheater bis zum Jahre 1898, war zwei Jahre in keinem festen Theaterverband, sondern erschien als Gast und übernahm im Jahre 1900 die Direktion des neuen Volkstheaters in München, woselbst sie die Oberregie führte, aber auch ihre künstlerische Kraft als Darstellerin dem Unternehmen widmete, das sie jedoch 1901 wieder aufgab.

Ludwig Eisenberg’s Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Leipzig, 1903.

#23 – 6 – 33 (Heiss · Winkler)


Familien-Grab.

Dr. Joseph Heiss
kgl. Landrichter a. D.
von Stadtsteinach,
geb. 14. März 1794 gest. 9. April 1855.
Dr. Gustav Winkler
kgl. Professor a. D.
geb. 1. Aug. 1820, gest. 26. Jan. 1896.
Margareta Winkler
k. Professorswitwe,
geb. 6. Nov. 1825, gest. 2. Okt. 1904.

Rechte Seite
Schneider


  • Heiss, Josef; 14.3.1794 – 9.4.1855 (München); Landrichter
  • Winkler, Gustav, Prof. Dr.; 1.8.1820 (Audorf) – 26.1.1896 (München); Mineraloge
  • Winkler, Margareta (vw); 6.11.1825 – 2.10.1904; Professors-Witwe

Grab der Familien Heiss · Winkler auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#23 – 7 – 3 (Seebald)


¿
Herr Peter Seebald
¿
Frau A¿ Seebald
¿

Sockel
Seebald’sche
Ruhestätte


  • Seebald, Peter

Grab der Familie Seebald auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#23 – 7 – 12 (Koch · Moser)


Hier ruhet
unsere unvergessliche Gattin u. Mutter
Frau Anna Koch,
geb. Magerl
Kälberschaffners-Gattin
geb. 21. Juli 1842, gest. 16. April 1895.
Ihr folgte
deren Gatte unser guter Vater
Herr Georg Koch,
Privatier
geb. 26. März 1833, gest. 13. Mai 1905.
Ihnen folgte Ihr lieber Sohn
unser lb. unvergessl. Gatte und Vater
Herr Wilhelm Koch
Restaurateur
geb. 10. OKt.1882, gest. 24. Dez. 1930.

Sockel
Grabstätte
der
Familie Koch.

A. Aufleger 23.7.12.

Tafel
Ihr folgte der Schwiegersohn
mein unvergesslicher Gatte
Herr Joseph Moser
Gastwirt
geb. 23. Sept. 1863, gest. 7. Okt. 1895.
Ihm folgte seine Gattin
Frau Franziska Moser
geb. Loch
geb. 5. März 1869, gest. 21. März 1897.


  • Koch, Anna (vh) / Magerl (gb); 21.7.1842 – 16.4.1895; Kälberschaffners-Gattin
  • Koch, Georg; 26.3.1833 – 13.5.1905
  • Koch, Wilhelm; 10.10.1882 – 24.12.1930; Restaurateur
  • Moser, Franziska (vw) / Loch (gb); 5.3.1869 – 21.3.1897
  • Moser, Josef; 23.9.1863 – 7.10.1895; Gastwirt

Grab der Familien Koch · Moser auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#23 – 7 – 14 (Miehling)


Hier ruht in Gott
meine liebe Mutter
Frau M. Miehling
geb. 1. Sept. 1889 gest. 13. Feb. 1923.
Agnes Miehling
geb. 18. März 1863 gest. 3. Aug. 1943.

Lebet in Gott


  • Miehling, Agnes; 18.3.1863 – 3.8.1943
  • Miehling, M. (vh); 1.9.1889 – 13.2.1923

Grab der Familie Miehling auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#23 – 7 – 21 (Sauer)


Hier ruht in Gott
unsere unvergeßliche
gute Gattin und Mutter
Frau Maria Sauer
Lokomotivführersgattin
gest. 17. Dez. 1896
im 64. Lebensjahre
Ihr folgte
unser lieber Gatte u. Vater
Herr Andreas Sauer
pens. Lokomotivführer
geb. 26. Nov. 1826
gest. 6. März 1916
Dessen II. Gattin
Frau Katharina Sauer
geb. 12. März 1862
gest. 2. November 1940


  • Sauer, Andreas; 26.11.1826 – 6.3.1916; Lokomotivführer
  • Sauer, Katharina (vw); 12.3.1862 – 2.11.1940
  • Sauer, Maria (vh); – 17.12.1896; Lokomotivführers-Gattin

Grab der Familie Sauer auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#23 – 7 – 24 (Hettich)


Hier ruht
Frau Katharina von Hettich
Oberlandesgerichts-
Senatspräsidentens Wittwe
geb. d. ¿. Okt. 1827 gest. d. 11. Aug. 1901.


  • Hettich, Katharina von (vw); 6.10.1827 – 11.8.1901; Oberlandesgerichtspräsidentens-Witwe

Grab der Familie Hettich auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#23 – 7 – 34 (Reitz)


Herr Julius Reitz
Dipl. Ing. u. Chemiker.
2.V.1864 – 22.III.1930
Frau Therese Reitz
geb. Schmied
7.VI.1867 – 13.XII.1934.


  • Reitz, Julius; 2.5.1864 – 22.3.1930; Chemiker
  • Reitz, Therese (vw) / Schmied (gb); 7.6.1867 – 13.12.1934; Chemikers-Witwe

Grab der Familie Reitz auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#23 – 7 – 35 (Stengel)


Hier ruhen in Gott:
Herr Goswin Stengel,
k. Landrichter a. D.
geb. den 17. Septb. 1797, gest. den 24. Oktb. 1855.
Frau Katharina Stengel,
geb. Fuchs, Landrichterswittwe,
geb. den 22. Dezb. 1798, gest. den 24. Aug. 1869.
Herr Emil Stengel,
k. Finanzrat und Centralzoll-
Kassier a. D.
geb. den 25. Septb. 1828, gest. den 11. Januar 1903.
Frau Lina Stengel,
geb. Müller, Finanzratswitwe.
geb. den 22. Jan. 1835, gest. den 14. Oktbr. 1909.

Sockel
Dessen Kinder
Karolina, Katharina u. Anna.

R. I. P.

23.7.35. J. Maier in Erding.


  • Stengel, Anna
  • Stengel, Emil; 25.9.1828 – 11.1.1903; Finanzrat
  • Stengel, Goswin; 17.9.1797 – 24.10.1855 (München); Landrichter
  • Stengel, Karolina; – 7.7.1870 (München), 15 Jahre alt; Finanzrats-Tochter
  • Stengel, Katharina
  • Stengel, Katharina (vw) / Fuchs (gb); 22.12.1798 – 24.8.1869 (München); Landrichters-Witwe
  • Stengel, Lina (vw) / Müller (gb); 22.1.1835 – 14.10.1909; Finanzrats-Witwe

Todesanzeige für Karolina Stengel

Grab der Familie Stengel auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#23 – 8 – 23 (Bühler · Fichtl · Steidl)


Linke Spalte
Therese
Fichtl
† 1885

Rechte Spalte
Anna
Fichtl
1896


  • Bühler, Johanna; – (9).1.1889 (München), 24 Jahre alt; Näherin
  • Fichtl, Anna; – (9).7.1896 (München), 43 Jahre alt
  • Fichtl, Therese; – (26).6.1885 (München), 47 Jahre alt; Ladnerin
  • Steidl, Michael; – (19).1.1884 (München), 49 Jahre alt; Dienstknecht

Grab der Familien Bühler · Fichtl · Steidl auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#23 – 8 – 24 (Bätz · Hoffmann · Lacroix)


Ruhestätte der Familien
Bätz-Hoffmann
Lacroix


  • Bätz, Babette; – (28).10.1904 (München), 24 Jahre alt; Pflegerin
  • Bätz, Lorenz; – (2).3.1889 (München); Eisengießer
  • Hoffmann, Heinrich; – (10).3.1895 (München), 6 Monate alt
  • Lacroix, Heinrich; – (13).6. 1905 (München), 86 Jahre alt; Werkmeister

Grab der Familien Bätz · Hoffmann · Lacroix auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#23 – 9 – 8 (Krämer · Neumayer)


Grab der Familien Krämer · Neumayer auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

#23 – 9 – 17 (Hofstetter)


Hofstetter’sches Familiengrab.

Hier ruht:
Frau Anna Hofstetter,
Metzgermeisters-Wittwe,
geb. 8. Dez. 1808, gest. 29. Jan. 1889.
Frau Karolina Hofstetter,
geb. 16. Febr. 1843, gest. 10. Jan. 1904.
Jak. Hofstetter
Privatier, ehem. Metzger Altgeselle
geb. 7. Novemb. 1854, gest. 29. Juni 1922.

Sockel
J. Deiser.


  • Hofstetter, Anna (vw); 8.12.1808 – 29.1.1889; Metzgermeisters-Witwe
  • Hofstetter, Jakob; 7.11.1854 – 29.6.1922; Metzger-Altgeselle
  • Hofstetter, Karolina (vh); 16.2.1843 – 10.1.1904

Grab der Familie Hofstetter auf dem Alten Südfriedhof München (April 2015)

#23 – 9 – 20 (Ruf)


Familien-Grab

Hier ruhen in Gott
Herr JaKob Ruf
¿
Frau Margareth Ruf
gest. den ¿. Mai 1871 im 83. Lebensjahre
Herr Heinrich Ruf
Bildhauer
gest. den 23. ¿ 1883 im 56. Lebensjahre
Frau Antonie Ruf
geb. Barth
Bildhauerswittwe
geb. 2. Nov. 1822 zu Rastatt
gest. 26. Okt. 1900 zu München


  • Ruf, Antonie (vw) / Barth (gb); 2.11.1822 (Rastatt) – 26.10.1900 (München); Bildhauers-Witwe
  • Ruf, Heinrich; 10.3.1837 (München) – 23.1.1883 (München), Tod durch Selbstmord; Bildhauer
  • Ruf, Jakob
  • Ruf, Margareth (vh); – ¿.5.1871, 82 Jahre alt

Grab der Familie Ruf auf dem Alten Südfriedhof München (April 2015)

#Heinrich Ruf

* 10.3.1837 (München)
† 23.1.1883 (München), Tod durch Selbstmord
Bildhauer

#Allgemeine Zeitung (25.2.1883)

Nekrologe Münchener Künstler.
(S. »Allg. Ztg.« Nr. 47 B.)

XXIX.

[...]

Daß die Sorge ihm [Anton Deibl] nicht nahe trat, bevor sein Leben erlosch, verhinderten wackere Freunde.

Solche scheint der Bildhauer Johann Heinrich Ruf nicht erworben zu haben, welcher in der Nacht vom 22 auf den 23 Januar dieses Jahres seinem Leben gewaltsam ein Ziel setzte. Derselbe wurde am 10 März 1827 als der Sohn eines armen Maurergesellen zu München geboren, kam frühzeitig zu einem Büchsenmacher in die Lehre, und gewann durch Schneiden von Jagdstücken auf Büchsenschäfte die erste Anregung zur plastischen Kunst. Sein Entschluß, Bildhauer zu werden, führte ihn auf die polytechnische Schule, dann 1845 auf die Akademie, wo Ruf durch Fleiß und Talent Schwanthalers Gunst errang. Um seinen alten Eltern eine Stütze zu sein, verzichtete er auf eine in Aussicht stehende Reise nach Italien. Auf der Kunstausstellung vom Jahre 1848 erregte er durch seine Leistungen schon schöne Erwartungen. Er wies keine Arbeit ab. Der Kampf ums Dasein war schwer und lang. Aber die Ausdauer siegte. Als Heinrich Ruf in dem unterdessen an der damaligen Sendlinger-Landstraße (nun Lindwurmstraße) erworbenen Häuschen sein Atelier öffnete und die Münchener Kunstwelt im December 1857 zum Besuche seiner Ausstellung einlud, überraschte er durch vierzig vollendete Originalarbeiten. Darunter waren neun lebensgroße Statuen von Aposteln, Madonnen, Heiligen und Engeln; allegorische Figuren, Portraits, darunter die Büsten von Zedlitz und Fr. Halm, Grabdenkmale und Anderes zeigte sich im bunten Wechsel. Seine Vielseitigkeit und Geschicklichkeit war rühmenswerth. Nun erinnerte man sich auch, daß die Statuetten der »vier Jahreszeiten« an dem gleichnamigen Hotel in der Maximiliansstraße und anderer plastischer Häuserschmuck in Medaillon- und Relief-Form von diesem Künstler herrührten. Allgemeine Anerkennung fand eine überlebensgroße sitzende »Loreley« 1858 auf der Kunstausstellung im Glaspalast. Nun folgten schöne Aufträge: Für König Maximilian lieferte Ruf die Statuen Karl X und Karl XII in das Wittelsbacher-Museum und die Figur des »Schmied von Kochel« an die Facade dieses Gebäudes. Ebenso beehrte ihn Se. Maj. König Ludwig II mit vielfachen Aufträgen, und der Künstler wäre mehr als geborgen gewesen, hätte sich der leicht erregbare Mann, offenbar durch übelwollende Einflüsterung verhetzt, nicht zu einer Klage gegen das kgl. Cabinet verleiten lassen. Ruf war nicht im Stande vor den ihres Diensteides entbundenen Beamten auch nur eine seiner schwer klingenden Anschuldigungen zu behaupten. Den üblen Eindruck und den vielen Staub, welchen dieser unsinnige Proceß hervorgerufen hatte, vergessen zu machen, begab sich Ruf 1868 nach Basel, wo er vielfach Arbeit und eine brave Frau fand, mit welcher derselbe 1875 in sein altes Heim zurückkehrte. Allerlei hübsche Arbeiten, wie die Statuette eines »Trompeter von Säklingen,« der Reliefkopf eines »Haideröslein,« die Büsten von Liszt, C. v. Binzer und Ferdinand Lang brachten seinen Namen wieder in Erinnerung, zwei Relief-Medaillons »Nacht und Morgen,« edel an Form und voll feiner Empfindung, (Vgl. Lützow: Zeitschrift für bildende Kunst. 1876. XI, 662.) ein »Kinderengel mit Blumenkorb,« die »Jahreszeiten in Kindern dargestellt« (1879), dazu die Statuen von Steinheil, James Watt und Stephenson in der Einsteighalle des neuen Bahnhofs, gaben Zeugniß von dem Fleiße, dem Eifer und der Geschicklichkeit des Mannes, welcher nebenbei auch vielen idealen, nicht bestellten Projecten oblag und ihre Ausführung in Marmor wagte. Darüber mag er wohl in Geldverlegenheit und Wucherhände gerathen sein. Im peinlichen Bewußtsein, sein gegebenes Wort nicht einlösen zu können, verließ er Abends unbemerkt das Schlafzimmer seiner Kinder, welche am anderen Morgen zu ihrem Entsetzen die Leiche des Vaters in einem Winkel seines Ateliers entdeckten.

Allgemeine Zeitung Nr. 56. München; Sonntag, den 25. Februar 1883.

#23 – 9 – 25 (Kiermaier)


Hier ruhen in Gott
Engelbert Kiermaier
25 Jahre Hausmeister im
kath. Zentralgesellenhaus
* 30.10.1862 † 17.12.1925
und seine Mutter
Elisabeth Kiermaier
* 26.10.1821 † 21.2.1906

M. HIERL 23.9.25


  • Kiermaier, Elisabeth; 26.10.1821 – 21.2.1906 (München); Privatiers-Witwe
  • Kiermaier, Engelbert; 30.10.1862 – 17.12.1925 (München); Hausmeister

Todesanzeige für Engelbert Kirmaier

Grab der Familie Kiermaier auf dem Alten Südfriedhof München (März 2008)

Grab der Familie Kiermaier auf dem Alten Südfriedhof München (März 2008)

Grab der Familie Kiermaier auf dem Alten Südfriedhof München (März 2008)

Grab der Familie Kiermaier auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2021)

#23 – 10 – 2·3 (Vara)


Grab der Familie Vara auf dem Alten Südfriedhof München (April 2015)

#23 – 10 – 4 (Schneberger)


FAMILIE
SCHNEBERGER


  • Schneberger, Karolina; – 15.4.1842 (München), 15 Jahre alt; Schneidermeisters-Tochter
  • Schneberger, Magdalena (vh) / de Sabbo (gb); – 3.4.1839 (München), 35 Jahre alt; Schneidermeisters-Gattin

Grab der Familie Schneberger auf dem Alten Südfriedhof München (April 2016)

#23 – 10 – 9 (Stury)


Hier
ruhen in Gott
unser unvergesslicher Vater
Anton Stury
kgl. Postoberconducteur
geb. 1824, gest. 14. Sept. 1877
u. unsere heissgeliebte Mutter
Therese Stury
geb. 1834, gest. 12. Febr. 1903.

Friede ihrer Asche!


  • Stury, Anton; 1824 – 14.9.1877 (München); Postoberkondukteur
  • Stury, Therese (vw); 1834 – 12.2.1903

Grab der Familie Stury auf dem Alten Südfriedhof München (April 2015)

#23 – 10 – 12 (Rommel)


Hier ruht
Frau Nannette Rommel,
geb. Wolf,
Privatiersgattin.
geb. am ¿. Juni 1836, gest. am 19. August 1903.
und deren Ehegatte
Herr Johannes Rommel,
geb. am 21. März 1832, gest. am 16. März 1905.


  • Rommel, Johannes; 21.3.1832 – 16.3.1905
  • Rommel, Nannette (vw) / Wolf (gb); ¿.6.1836 – 19.8.1903

Grab der Familie Rommel auf dem Alten Südfriedhof München (April 2015)

#23 – 10 – 19 (Grimmer)


Hier ruht
unser unvergeßlicher Gatte u. Vater
Herr Josef Grimmer,
Spänglermeister,
geb. 22. Dez. 1844, gest. 27. Feb. 1902.
Frau Magd. Grimmer,
geb. Stiller,
geb. 22. Okt. 1861, gest. 25. April 1923.


  • Grimmer, Josef; 22.12.1844 – 27.2.1902; Spänglermeister
  • Grimmer, Magd. (vh) / Stiller (gb); 22.10.1861 – 25.4.1923

Grab der Familie Grimmer auf dem Alten Südfriedhof München (September 2014)

#23 – 10 – 24 (Grimm)


Hier ruhen
Herr Albert Ritter von Grimm
k. Generalauditeur a. D.
geb. 9. Dez. 1823 gest. 23. Jan. 1895.
Max Grimm
geb. 10. Okt. 1860 gest. 30. Sept. 1877.
Herr Albert Grimm, Kaufmann
geb. 6. Nov. 1854 gest. 21. Dez. 1900.
Herr Hermann Grimm
k. Bauamtmann,
geb. 26. Okt. 1853 gest. 29. Juli 1906.
Julie von Grimm, geb. Seidel,
Generalauditeurs-Witwe,
geb. 16. Jan. 1830, gest. 23. Juli 1911.
Babette Grimm, geb. Kitzing
geb. 20. Sept. 1863, gest. ¿7. Nov. 1936.
Konrad Grimm, Kaufmann
geb. 24. Apr. 1857, gest. 16. Apr. 1937.

Linke Seite
Tafel
Die Inschrift ist nicht erhalten


  • Grimm, Albert; 6.11.1854 – 21.12.1900; Kaufmann
  • Grimm, Albert Ritter von; 9.12.1823 – 23.1.1895; Generalauditor
  • Grimm, Babette (vh) / Kitzing (gb); 20.9.1863 – ¿7.11.1936
  • Grimm, Hermann; 26.10.1853 – 29.7.1906; Bauamtmann
  • Grimm, Julie von (vw) / Seidel (gb); 16.1.1830 – 23.7.1911; Generalauditors-Witwe
  • Grimm, Konrad; 24.4.1857 – 16.4.1937; Kaufmann
  • Grimm, Max; 10.10.1860 – 30.9.1877

Grab der Familie Grimm auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

#23 – 10 – 26 (König · Naneder)


HIER RUHEN
HERR HANS NANEDER
WERKMEISTER
GEST. 29. JAN. 1889
IM 37. LE¿
HERR JAKOB KÖNIG
BAUMEISTER
¿ GEST. 16. MAI 1925
FRAU URSULA KÖNIG
GEB. 21. OKT. 1853 GEST. 6. JAN. 1935


  • König, Jakob; – 16.5.1925; Baumeister
  • König, Ursula (vw); 21.10.1853 – 6.1.1935
  • Naneder, Hans; – 29.1.1889; Werkmeister

Grab der Familien König · Naneder auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

#23 – 10 – 28 (Zabuesnig)


Familie
von Zabuesnig.

Sockel
Therese v. Zabuesnig, Privatiersgattin.
* 28. Dez. 1809, † 4. Febr. 1889.
Maria v. Zabuesnig, Privatierstochter.
* 8. Dez. 1843, † 5. Nov. 1902.


  • Zabuesnig, Anton von; 2.3.1816 – 5.1.1906
  • Zabuesnig, Maria von; 8.12.1843 – 5.11.1902; Privatiers-Tochter
  • Zabuesnig, Therese von (vh); 28.12.1809 – 4.2.1889; Privatiers-Gattin

Grab der Familie Zabuesnig auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

#23 – 11 – 2 (Asen · Hutter)


Josef Asen
1820 – 1885
Julius Hutter
1851 – 1932


  • Asen, Josef; 1820 – (21).4.1885 (München), 64 Jahre alt; Privatier
  • Hutter, Julius; 1851 – 17.5.1932 (München); Kaufmann

Todesanzeige für Julius Hutter

Grab der Familien Asen · Hutter auf dem Alten Südfriedhof München (März 2008)

#23 – 11 – 6 (Streiter)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Streiter, Katharina von (vw) / Graberg (gb); – 12.3.1864 (München), 79 Jahre alt; Generalleutnants-Witwe
  • Streiter, Michael von; – 1.6.1838 (München), 65 Jahre alt; Generalleutnant
  • Streiter, Theodor; – 23.7.1868 (München), 34 Jahre alt; Hauptmann

Grab der Familie Streiter auf dem Alten Südfriedhof München (April 2015)

#23 – 11 – 7·8 (Molitor)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Molitor, Franz von; 4.10.1789 – 17.2.1874 (München); Geheimrat
  • Molitor, Julie von (vh) / Bettinger (gb); 1.5.1800 – 23.2.1832
  • Molitor, Julius von
  • Molitor, Karoline von (vh) / Fliessen (gb); 8.4.1798 – 6.11.1836 (München); Oberappellationsgerichtsrats-Gattin
  • Molitor, Marie von
  • Molitor, Otto von

Grab der Familie Molitor auf dem Alten Südfriedhof München (April 2015)

#23 – 11 – 20 (Steiner)


Grab der Familie Steiner auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

#23 – 11 – 29 (Fluher)


KARL FLUHER
* 20.V¿.1858
† 3.V¿.19¿0
ELISE FLUHER
* 20.¿.1859
† 3.¿. 1940


  • Fluher, Elise; 20.¿.1859 – 3.¿.1940
  • Fluher, Elise; – (15).12.1888 (München), 1 Jahr alt; Juweliers-Tochter
  • Fluher, Josef; – (30).6.1886 (München), 10 Monate alt; Juweliers-Sohn
  • Fluher, Karl; 20.¿.1858 – 3.¿.19¿0
  • Fluher, Richard; – (27).11.1886 (München); Juweliers-Sohn
  • Fluher, Sofie (vw); – 26.5.1884 (München), 59 Jahre alt; Privatiers-Witwe

Todesanzeige für Josef Fluher

Grab der Familie Fluher auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

#23 – 11 – 32 (Bruckbräu · Peetz)


Hartwig Peetz
geb. d. 28. März 1822
gest. d. 17. April 1892
Rosa Peetz
geb. von Mayer
1830 – 1910.

Tafel
Irene Peetz
1868 – 1937

Rechte Seite
Frau Maria
Bruckbräu
geb. von Mayer
k. b. Majorswittwe
geb. am 19. März 1822
gest. am 2. April 1869.

Friede ihrer Seele.


  • Bruckbräu, Maria (vw) / Mayer, von (gb); 19.3.1822 – 2.4.1869 (München); Majors-Witwe
  • Peetz, Hartwig; 28.3.1822 – 17.4.1892
  • Peetz, Irene; 1868 – 1937
  • Peetz, Rosa (vw) / Mayer, von (gb); 1830 – 1910

Grab der Familien Bruckbräu · Peetz auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

#23 – 11 – 42 (Steinbrecher)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Steinbrecher, Anton; – 4.5.1864 (München), 63 Jahre alt; Industrie-Comptoir-Inhaber, ehemaliger Bergwerksbesitzer
  • Steinbrecher, Brigitta Pauline; – 26.12.1867 (München), 1 Jahr alt; Rechtskonzipientens-Tochter
  • Steinbrecher, Katharina (vh); – 24.3.1863 (München), 62 Jahre alt; Privatiers-Gattin
  • Steinbrecher, Oskar; – (10).9.1900, 62 Jahre alt; Landgerichtsschreiber
  • Steinbrecher, Paul; – 1.7.1874 (München), 4 Jahre alt, Tod durch Verkehrsunfall; Gerichtsschreibers-Sohn

Todesanzeige für Paul Steinbrecher

Grab der Familie Steinbrecher auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

Grab der Familie Steinbrecher auf dem Alten Südfriedhof München (September 2007)

Grab der Familie Steinbrecher auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

#Paul Steinbrecher

† 1.7.1874 (München), 4 Jahre alt, Tod durch Verkehrunfall
Gerichtsschreibers-Sohn

#Münchener Bote für Stadt und Land (4.7.1874)

Hauptstadt-Neuigkeiten.
München, 3. Juli.

Vorgestern Mittags wurde der 4 Jahre alte Gerichtsschreiberssohn Paul Steinbrecher, als derselbe unter Aufsicht einer Dienstmagd über die Utzschneiderstraße ging, durch das sog. Waagscheit des vorüberfahrenden Stadt-Omnibus erfaßt und so heftig auf das Pflaster geschleudert, daß der arme Kleine nach einer Stunde an den Folgen der erlittenen Gehirnerschütterung verschied.

Münchener Bote für Stadt und Land No. 155. München; Samstag, den 4. Juli 1874.

#23 – 11 – 43 (n. n.)


(September 2019)

#23 – 12 – 4 (Neumayr)


Grab der Familie Neumayr auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2014)

Grab der Familie Neumayr auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2014)

Grab der Familie Neumayr auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

Grab der Familie Neumayr auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

Grab der Familie Neumayr auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

#23 – 12 – 6 (Ebersperger · Stahl)


Hier ruht
unser unvergesslicher Gatte u. Vater
Herr Martin Ebersperger
Bäckermeister
geb. 26. Aug. 1842, gest. 22. Okt. 1891.
Frau Karolina Ebersperger
geb. Maier
geb. 12. Aug. 1849, gest. 7. Sept. 1894.
Unsere Tochter, Schwester u. Nichte
Karolina Stahl
* 11.4.1896 † 12.11.1900.
Unsere Mutter u. Schwester
Frau Josefina Stahl
geb. Ebersperger
Prokuristenswitwe
* 26.3.1874 † 26.3.1931

Sockel
Familien-Grab.


  • Ebersperger, Karolina (vw) / Maier (gb); 12.8.1849 – 7.9.1894
  • Ebersperger, Martin; 26.8.1842 – 22.10.1891; Bäckermeister
  • Stahl, Josefina (vw) / Ebersperger (gb); 26.3.1874 – 26.3.1931; Prokuristens-Witwe
  • Stahl, Karolina; 11.4.1896 – 12.11.1900

Grab der Familien Ebersperger · Stahl auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2015)

#23 – 12 – 12 (Schleinkofer)


FAMILIE
SCHLEINKOFER
1869 – 1934


  • Schleinkofer, Walburga (vw); – 1890; Privatiers-Witwe

Grab der Familie Schleinkofer auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

#23 – 12 – 13 (Hafenrichter)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Hafenrichter, Anna Maria; – (18).2.1873 (München), 4 Monate alt; Baders-Tochter
  • Hafenrichter, Johann; – (11).9.1876 (München), 7 Monate alt; Badereibesitzers-Sohn
  • Hafenrichter, Johann; – (21).9.1879, 1 Jahr alt; Badereibesitzers-Sohn
  • Hafenrichter, Maria; – (5).9.1882, 7 Monate alt; Badereibesitzers-Tochter

Grab der Familie Hafenrichter auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

#23 – 12 – 16* (Ballogh)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Ballogh von Galantha, Johanna; – 21.12.1888 (München), 79 Jahre alt; Pensionierte königliche Hofsolotänzerin

Todesanzeige für Johanna Ballogh von Galantha

Das Grab ist nicht erhalten


#Jeannette/Johanna von Ballogh

† (23).12.1888 (München), 79 Jahre alt
Pensionierte königliche Hofsolotänzerin

#Museum der eleganten Welt (13.7.1836)

An Fräulein Jeanette Ballogh,
nachdem sie die Fenella in der »Stummen von Portici« darstellte; am 8. Juli 1836.

Wir sahen Deiner Seele tiefes Leiden
In groß gedachtes Mienenspiel sich kleiden,
Du wußtest Dich durch jede Klipp' zu winden,
Den Knoten klug zu lösen und zu binden;
Damit an Dir sich unsre Augen weiden
Verstehest jeden Mißgriff Du zu meiden;
Wo solch' Gefühl und solche Kunst sich finden,
Beginnt die Meisterschaft sich zu verkünden.

Du zeigst der Liebe wonnige Gestalten;
Des Herzens Trauer, der Hoffnung freudig Walten
Vermagst vor uns Du sinnig zu entfalten.
Darum von ihrem hohen Strahlenthrone
Es reicht zum wohlverdienten Künstlerlohne,
Die Muse Dir die duft'ge Lorbeerkrone!

A. v. Sch.

Museum der eleganten Welt Nro. 56. Mittwoch, den 13. Juli 1836.

#23 – 12 – 17 (Pabst)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Pabst, Friedrich; – 1889 (München); Privatier

Grab der Familie Pabst auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2017)

#23 – 12 – 22 (Weckbecker)


Grab der Familie Weckbecker auf dem Alten Südfriedhof München (September 2019)

#23 – 12 – 29 (Ketterl · Werner)


Büste
Rechte Seite
F. Kühn
fecit.
1891

FRANZ WERNER
Kgl. bayr. Hof-Photograph
* 1848 † 1891
Und dessen Gattin
FRAU MARIE WERNER
geb. Schropp
¿ † 18. Mai 1906
FRAU EMMA KETTERL
¿


  • Ketterl, Emma (vh) / Werner (gb); – (21).1.1904 (München), 22 Jahre alt; Leutnants-Gattin
  • Werner, Franz; 1848 (Friedberg) – 1.3.1891 (München); Hofphotograph
  • Werner, Marie (vw) / Schropp (gb); – 18.5.1906; Photographens-Witwe

Todesanzeige für Franz Werner

Todesanzeige für Franz Werner

Todesanzeige für Emma Ketterl

Annonce in »Der Bayerische Landbote« Nr. 122. München; Sonntag, den 26. Mai 1878.

Grab der Familien Ketterl · Werner auf dem Alten Südfriedhof München (März 2008)

Grab der Familien Ketterl · Werner auf dem Alten Südfriedhof München (29. März 2021)

Grab der Familien Ketterl · Werner auf dem Alten Südfriedhof München (März 2008)

Grab der Familien Ketterl · Werner auf dem Alten Südfriedhof München (März 2008)

#Franz Werner

* 1818
† 1.3.1891 (München)
Hofphotograph

#Der Bayerische Landbote (2.6.1878)

Stadtneuigkeiten.

(Herr Photograph Mathaus) beabsichtigt bekanntlich schon lange München zu verlassen und hat sein Atelier nebst Einrichtung und sämmtlichen vorhandenen werthvollen Originalaufnahmen an Herrn Franz Werner verkauft, welchem, da er 13 Jahre im Hanfstängl'schen Atelier thätig war, der beste Ruf vorausgeht.

Der Bayerische Landbote Nr. 127. München; Sonntag, den 2. Juni 1878.

#Bayerischer Kurier (19.6.1878)

P. P.

Erlaube mir einem verehrlichen Publikum anzuzeigen,

dass ich das

Photographische Geschäft
Schwanthalerstrasse Nr. 1

käuflich erworben, dasselbe bereits unter der Firma

Atelier Werner

eröffnet und allen werthen Geschäfts-Aufträgen höflichst entgegensehe.

Meine seitherige Stellung als Operateur, die ich nahezu 13 Jahre in einem der ersten Geschäfte Deutschlands (Kunstnstalt Hanfstängel, München) einnah und der Besitz eines gut eingerichteten Ateliers, das allen Anforderungen entspricht, lassen mich hoffen, dass mein eifriges Bestreben für das Interesse meiner Geschäftsfreunde von Erfolg begleitet sein werde.

Empfehle mich zu Aufträgen aller Art:

Lebensgrosse Portraits bis zur Album-Karte.

Gruppen und Zusammenstellungen ganzer Gesellschafts-Tableaux, Kinder-Aufnahmen mit der besonders hiezu erforderlichen Rücksicht und Geduld,

Reproductionen von eingesandten Photographien, selbst älterer Bilder zur Vergrößerung in jedem Maas-Verhältnisse, ebenso von Oelbildern, Zeichnungen, Landschaften, plastischen Werken etc. etc.

Von seinerzeitigen Aufnahmen im Mathhaus-Atelier werden Nachbestellungen bereitwilligst entgegen genommen.

Achtungsvollst ergebens

München, im Mai 1878.

Franz Werner, Photograph.

Bayerischer Kurier No. 170. München; Mittwoch, den 19. Juni 1878.

#Münchner Neueste Nachrichten (5.3.1891)

Lokales

München, 4. März.
(Die Beerdigung) des in weiten Kreisen bekannten k. b. Hofphotographen Herrn Franz Werner fand gestern Nachmittag 3¾ Uhr im südlichen Friedhofe statt, wozu sich eine außerordentlich große Schaar von Leidtragenden eingefunden hatte. Außer den nächsten Verwandten folgte dem reich mit Kränzen geschmückten Sarge eine große Anzahl von Künstlern, Mitgliedern der Hofbühne u. s. w. Werner war im Jahre 1848 zu Friedberg geboren, war viele Jahre im Geschäft der Firma Hanfstängl thätig, bis er sich im Jahre 1878 selbständig machte. Der nach kurzer Krankheit erfolgte Tod machte der erfolgreichen Thätigkeit des Biedermanns ein plötzliches Ende. Musik und Trauerchöre schlossen die Trauerfeier, nachdem vorher noch verschiedene Korporationen Kränze am Grabe hatten niederlegen lassen. – Herr Bildhauer Fried. Kühn hat die Todtenmaske des Verstorbenen abgenommen.

Münchner Neueste Nachrichten No. 104. Donnerstag, den 5. März 1891.

#Münchner Neueste Nachrichten (10.10.1891)

Kunstchronik.

(Das Grabdenkmal) des jüngst verstorbenen k. b. Hofphotographen Franz Werner, welches demnächst den südl. Friedhof zieren wird, ist seiner Vollendung nahe. Es trägt auf edel geformtem mit ionischem Kapitäl gekrönten Unterbau nach dem Entwurfe des Architekten Eug. Drollinger die sprechend ähnliche Büste des Verstorbenen, das Werk des Bildhauers Friedrich Kühn. — Beide Künstler haben zusammen bekanntlich auf dem hiesigen Friedhofe schon verschiedene größere Denkmale ausgeführt, so das Freiherr v. Wendland'sche und das Denkmal des Professor Friedr. Voltz.

Münchner Neueste Nachrichten No. 461. Samstag, den 10. Oktober 1891.

#Allgemeine Zeitung (9.2.1907)

Bekanntmachung.

Betreff: Registerführung.

A. Handelsregister.

II. Veränderungen eingetragener Firmen.

Franz Werner, k. b. Hofphotograph, Inh. Marie Werner. Sitz: München. Marie Werner als Inhaberin gelöscht. Nunmehriger Inhaber der geänderten Firma »Franz Werner«: Hans Lipp, Photograph in München. Forderungen und Verbindlichkeiten sind nicht übernommen.

Allgemeine Zeitung Nr. 67. München; Samstag, den 9. Februar 1907.

#23 – 12 – 31 (Greve)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Greve, Georg; – (5).8.1876 (München), 6 Jahre alt; Kaufmanns-Sohn
  • Greve, Philipp; – 8.2.1878 (München), 2 Jahre alt; Kaufmanns-Sohn
  • Greve, Rudolf; – (31).5.1862 (München), 56 Jahre alt; Instrumentenmacher
  • Greve, Johanna (vh); – (29).5.1900 (München), 59 Jahre alt

Todesanzeige für Philipp Greve

Grab der Familie Greve auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

Grab der Familie Greve auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

Grab der Familie Greve auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#23 – 13 – 6·7 (Zenetti)


Ruhestätte
der
Familie Josef Zenetti

R. I. P.


  • Zenetti, Josef
  • Zenetti, Michael; – 8.7.1885 (München), 73 Jahre alt; Rentier, ehemaliger Besitzer der Ellepeck’schen Eisenhandlung, Gemeindebevollmächtigter und Handelsrat

Grab der Familie Zenetti auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2014)

Grab der Familie Zenetti auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2014)

#23 – 13 – 10·11 (Schleich)


¿
¿ joci, Satyri Saturaeque valete!
Quibiscum er saeculo valedixit
Illustris quondam vir Monacensis.
Dr. phil. Martinus Schleich,
defunetus 13. Oct. 1881,
natus 12. Febr. 1827.
Qui hoc epigramma sibi fieri voluit.
Iacet. Tacet. Placet.

Linke Seite
Ihnen folgte deren Tochter
Frl. Franziska Schleich
geb. 17. Oktbr. 1864,
gest. 12. Dezbr. 1932.

Rechte Seite
Frau Franziska Schleich
geb. Akermann
geb. 1. Septbr. 1829,
gest. 11. Novbr. 1909.
Tief betrauert von ihrer Tochter
Franziska.


  • Schleich, Franziska; 17.10.1864 – 12.12.1932; Schriftstellers-Tochter
  • Schleich, Franziska (vh) / Akermann (gb); 1.9.1829 – 11.11.1909
  • Schleich, Martin, Dr. phil. / Bertram, M. E. (ps); 12.2.1827 (München) – 13.10.1881 (München); Schriftsteller und Theaterschriftsteller

Grab der Familie Schleich auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2014)

Grab der Familie Schleich auf dem Alten Südfriedhof München (29. März 2021)

Grab der Familie Schleich auf dem Alten Südfriedhof München (29. März 2021)

Grab der Familie Schleich auf dem Alten Südfriedhof München (29. März 2021)

Grab der Familie Schleich auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

Grab der Familie Schleich auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2014)

Grab der Familie Schleich auf dem Alten Südfriedhof München (September 2007)

Grab der Familie Schleich auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2014)

#Dr. phil. Martin Schleich / M. E. Bertram (ps)

* 12.2.1827 (München)
† 13.10.1881 (München)
Schriftsteller und Theaterschriftsteller

#Allgemeine Zeitung (26.11.1881)

Martin Schleich.

Martin Schleich wurde am 12 Februar 1827 zu München geboren, als der Sohn eines königl. Kämmerers und Forstmeisters. Er stammte, ebenso wie sein beiläufiger Vetter, der große Landschaftsmaler Eduard Schleich, aus einer freiherrlichen Familie. In der Jugend wurde ein »von« seinem Namen beharrlich vorgesetzt; später warf der Sohn auch dieses letzte »aristokratische Feigenblatt« ab.

Da der Vater früh starb, so mochte Schleich unter allerlei herben Erfahrungen aufgewachsen sein. Das focht ihn aber wenig an. Denn schon aus den Zügen des kleinen Lateiners lachte ein ganzer Schalk. Das Wilhelms-Gymnasium stand damals unter der milden Leitung des alten guten Rectors Fröhlich (geb. 1780 zu Markt Bissingen, gest. 1849), welcher von seinem oft gebrauchten Lieblingswort auf gut studentisch kurzweg der »alte […]« hieß; Schleich widmete ihm bei irgendeinem Jubel-Anlaß ein schönes warmes Fest-Carmen, welches, jedoch ohne den Namen des Poeten, auf Kosten der Classe im Druck erschien. Es war aber gewiß nicht das erstemal, daß der junge Autor sich gedruckt sah.

In den letzten Klassen des Gymnasiums bildete Schleich den Mittelpunkt eines kleinen vielversprechenden Kreises. Dazu gehörten der ernste Jacob Gotthelf, der hochgeachtete Rechtsanwalt, welcher damals durch sein schönes, von langen Locken umwuchertes Oval und seine schwärmerischen Verse excellirte, noch mehr aber durch seine weiche Baritonstimme als Vorsänger in der Synagoge und als Künstler im Concertsaal Alles bezauberte; im Vortrage von Schubert-Liedern und dramatischen Balladen, z. B. des von Esser componirten »Sängers Fluch,« rivalisirte Gotthelf mit dem berühmten Pischek.

Zu den in der Stille reifenden Genies gehörte Georg Meßmer, welcher schon auf den Schulbänken seinen Shakespeare in der Westentasche trug und an einer neuen originellen und eigenartigen Uebersetzung arbeitete, wovon bisher leider nur »König Lear« in wiederholter Auflage erschien; es guckte nämlich nicht »König Lear,« sondern unser Georg Meßmer schon frühzeitig nach den Gestirnen, deren Studium er später mit wissenschaftlichem Ernst verfolgte.

Dann war da, durch zierliche Grazie des Benehmens und mädchenhafte Bescheidenheit gleich ausgezeichnet, der fröhliche Franz Bonn, jetzt wirklicher Präsident der Domänenkammer und Direktor des fürstlich Thurn- und Taxis’schen Civil-Collegialgerichts zweiter Instanz zu Regensburg – frühzeitig ein Meister aller geselligen Künste, Taschenspieler und Akrobat im Gebiete der Zeichenkunst und Musik, welcher mit seinen Vorträgen alle Lachmuskeln in Bewegung setzte, und dabei jene tiefsinnige Gründlichkeit bewährte, welche sich nachmals im Gebiete der lustigen Naturgeschichte, in Botanik und Mineralogie so eklatant erfüllte.

Schleich aber sprühte von tollen muthwilligen Einfällen und Witzen, die er ungesucht und mit der trockensten Miene von der Welt losließ. Dabei nahm er das Studium ernst, blieb immer unter den Besten und den steten Preisträgern, die wie eine untrennbare Phalanx zusammenhielten, hart auf den Fersen.

Dazu gehörten der vom unermüdlichsten Fleiß beseelte Wolfgang Bauer, welcher mit dem letzten Tage des vergangenen Jahres sein von unvergleichlicher Berufstreue aufgeriebenes Leben viel zu früh beschloß (vgl. Beil. Nr. 145 der »Allg. Ztg.« vom 25 Mai 1881), weiter der insbesondere in romanischen Sprachen heimathberechtigte Joh. Fesenmair und der wackere J. B. Heiß, ein wohlbestallter Weltgeschichtsprofessor und Orientalist am Passauer Lyceum, welcher damals schon die »krausverschlungenen Züge des arabischen Alphabets« erkundete und nach sprachvergleichendcn Sanskrit-Wurzeln grub.

Nach Jean Paul Richters Vorbild las Schleich alles Mögliche durcheinander: Bibel, Koran und Talmud, überall Material für – seinen Witz suchend, dazu Romane, Theaterstücke, die Schriften von Saphir und Heine, Lewalds »Europa,« die alten klassischen Satiriker und neueren englischen Spottgeister. Natürlich platzte dann aus dem kunterbunten Hexenbrei bisweilen auch den Lehrern etwas an den Kopf, so daß einmal der alte ehrliche J. B. Schwarz, der es wahrlich gut, wie ein Vater mit uns meinte – er endete in gräßlicher Weise 1849 unter den Händen zweier Raubmörder – die Hände vor das Gesicht schlug und bitterlich in Thränen ausbrach.

Als im Jahr 1846 die Absolventen ihre von Th. Hudemann auf Stein gezeichneten Silhouetten austauschten – die Photographie war noch nicht erfunden, mit theuren Daguerreotypen oder Edel’schen Lichtbildern befaßte sich die Jugend nicht, ebensowenig wie mit gedruckten »Cantus-Liedern,« welche letzteren nach Bedarf eigenhändig zusammengeschrieben wurden; wer dann gar die von Franz Pocci und Ludwig Richter illustrirten »Studentenlieder« besaß, wurde vielfach beneidet – hatte Schleich das facsimilirte Motto: »Unsere Schattenseite kennen die Menschen immer am besten!« gleichsam als Programm »zur steten Erinnerung« darunter gesetzt.

Die Universität besuchte Schleich in seiner Manier, d. h. sporadisch: er kam in jedes Colleg, meist aber nur einmal, und birschte sich bisweilen noch während des Vortrags mit ostensibler Stille hinaus. Nach den sogenannten philosophischen Studien inscribirte sich Schleich auf die Jurisprudenz, trieb sich aber überall herum, besuchte fleißig das Theater, hielt humoristische Vorträge, z. B. in der Museumsgesellschaft, trollte wohl auch einmal sporenklirrend in »Burschenwichs« zu einem Commers.

Um seinem nimmermüden Witz Abfluß zu verschaffen und seine Finanzen zu verbessern, griff er zur Feder. Unter dem Pseudonym eines »M. E. Bertram,« welches er sich der halb Mephistophelischen Rolle wegen aus Meyerbeers Oper »Robert der Teufel« beilegte und dann längere Zeit mit Vorliebe beibehielt, erschien am 14 December 1846 in dem von Vanoni redigirten »Münchener Tagblatt« der erste Artikel: »Worte über das Wort Tagblatt,« womit unser Humorist antichambrirte, nachdem er vielleicht schon längere Zeit bei der in diesem Blatte stehenden Rubrik von »Tageslügen« die Hand mit im Spiele gehabt hatte. Im Antithesen-Spiele suchte Schleich immer zu glänzen. So heißt es also hier z. B.: »Von den Baumblättern zehren die Raupen, von den Tagblättern aber andere Blätter. Baumblätter gehen zu Grunde, wenn sie braun werden; Tagblätter halten sich oft nur dadurch daß sie die Farbe ändern. Baumblätter und Tagblätter bleiben selten ruhig, denn sie rühren sich nach dem Winde… Blätter stellen Alles in Schatten, wir müssen Alles ins schönste Licht stellen; über die Baumblätter kommt der Reif, über die Tagblätter – die Censur!« Dann stellte er sich fast täglich ein mit einer Dosis »Glockenspiel, angestimmt von M. E. Bertram,« worin Ernst und Scherz in vergnüglicher Weise wechselten. So heißt es in Nr. 355: »Am 15 December wurde in Paris eine Druckerei eingeäschert. Ein Pompier ist lebensgefährlich verwundet, Papier und andere Preßeffecten gingen sämmtlich zu Grunde. Etwas für Uebersetzer, die gern mit verbrannten Schriften speculiren! Uebrigens sollen mehrere Theaterstücke den Tod gefunden haben. Hr. Börnstein ist in Verzweiflung.« Auf Heinrich Börnstein, welcher in der damaligen literarischen Windstille eine Menge leichter dramatischer Waare aus Paris herüberspedirte,(1)blitzte Schleich überhaupt gern auch späterhin los.

Im Januar 1847, während die herkömmliche sogenannte Dreikönig-Dult abgehalten wurde, kam in Nr. 13 des vorgenannten höchst harmlosen Organs folgende Anzeige, »Moralischer Dultartikel,« welche dem sel. Georg Christoph Lichtenberg seiner Zeit gewiß zur Ehre gereicht und den Weg in alle literarhistorischen Anthologien gefunden hätte: »Keine Marktschreierei! Bei Gott, keine! Wahr, aber doch unglaublich! Ausverkauf von Unschuld und gutem Gewissen. Große Niederlage der allerbesten Bestrebungen. Treffliches Waschwasser für Schandflecken aller Art. Herrliches Räucherwerk für Recensenten und Dichter. Bedeutender Nachlaß für Schamgefühl! Unentbehrlich für Jedermann. Localveränderung des sogenannten guten Geschmackes! Gewiß noch nie dagewesen: Vollkommen einiges Wirken aller deutschen Schriftsteller! Schlafröcke aus der Fabrik zum »deutschen Michel,« hauptsächlich für künftige Landesdeputirte. Sehr noble elastische Handschuhe, um lange Finger zu machen, in den Conditorläden sehr bequem. Taschentücher für Krokodilsthränen und erwünschtes Gesichtsreißen. Schwere Trauerspielstoffe, thränendicht und für die Kritik kaum zerreißbar! Moderne Lustspielstoffe nach den besten französischen Mustern; können dreimal gewendet werden und sehen immer wie neu aus.« Nachträglich werden noch »um einen wahrhaft niederträchtigen Schand- und Spottpreis« empfohlen: »Cravatten für Halsstarrige; Messer, um Jedermann auf die feinste Manier etwas aufzuschneiden; 500 Fläschchen Zeitgeist, bewußtlosen Personen unter die Nase zu reiben. Außerdem erlaube ich mir, auf die unbegreifliche Herabsetzung vieler ausgezeichneten Werke aufmerksam zu machen.« Man sieht, das ist also schon der ganze Schleich.

Unterm 26 Januar 1847 machte er den ernstlichen Vorschlag, da man verlegen schien, wie ein neuentdeckter Planet zu benennen sei, ihn Pius zu heißen »nach dem Namen des bedeutungsvollen Mannes, in welchem unserer Zeit ein neuer Stern aufging, der sich näher um die Sonne der Aufklärung bewegt, als man je zu ahnen wagte.« Gleich darauf persiflirt er einen neuberufenen Logiker: »Meine Herren! Obgleich dem Menschen die Selbstliebe eigentlich eingepflanzt ist, so übt dennoch der Anblick der empörten Natur großen Eindruck auf den Beschauer; denn es gibt noch eine Gerechtigkeit auf Erden, und der Sabbath ist um des Menschen, nicht der Mensch um des Sabbaths willen da. Freilich ist das weibliche Geschlecht immer mehr zur Sanftmuth geneigt, weil kein Gelehrter vom Himmel fällt; aber der eigentliche Grund der meisten Krankheiten liegt doch in der Atmosphäre; denn so wie die Sonne ein Fixstern ist, ist auch die Uebung die beste Lehrmeisterin. Das Wasser hat zwar keine Balken, aber die Buchdruckerkunst ist dessenungeachtet in Deutschland erfunden worden. Bei dieser Gelegenheit darf man nicht vergessen, daß München längst eine Gasbeleuchtung haben könnte, wenn die Elephanten nicht so lange Zähne hätten, daß der Krug so lange zum Brunnen geht, bis er bricht. Bedenkt man aber, daß sechzig Kreuzer einen Gulden machen, so leuchtet von selbst ein, daß alle Menschen sterben müssen; übrigens ist Italien ein zu gutes Weinland, als daß die Eisenbahntaxe herabgesetzt werden könnte. Ich würde noch mehr hierüber sagen, wenn es je eine deutsche Einigkeit gegeben hätte; aber die Blitzableiter sind einmal aus Amerika gekommen, und somit will ich auch nicht zurückbleiben, meinen Vortrag zu beschließen.«

So geht es nun in wahrer Faschingslaune das ganze Jahr hindurch weiter, in Prosa und Versen, mit dramatischen »Seelengemälden« und Theater-Recensionen, Alles im tollsten Humor: eine Turnschule des Witzes als Vorstudie zum nachfolgenden »Punsch.«

Schleich hatte gelegentlich schon die Frage aufgeworfen, »wie viel ein deutscher Schriftsteller Quellen der Phantasie, Quellen des Humors und Thränenquellen zusammenthun müsse, bis eine Erwerbsquelle daraus werde?« Der »Punsch« gab bald darauf eine sehr befriedigende Antwort. Die erste Nummer erschien am 30 Januar 1848. Anfänglich sollte es nur ein Carneval-Blatt sein, bloß aus sechs Nummern bestehen und, wie jedes richtige Glas Punsch, achtzehn Kreuzer kosten, jede Nummer aber beliebig auch einzeln um einen Groschen zu haben sein; Abonnements wurden in der Expedition des »Münchener Tagblatt« und beim Hofbuchbinder Fuchs am sog. Schrannen-Platz (wie harmlos und armselig sah damals noch der Laden eines mit dem Hoftitel begnadeten Bürgers aus) angenommen. Der Erfolg in dieser bleischweren, gewitterschwülen Zeit schlug, alle Erwartung übertreffend, glücklich ein; die nachfolgenden Februar- und März-Ereignisse halfen nach. Die ersten Nummern mußten in mehrfachen und immer zahlreicheren Auflagen nachgedruckt werden; schon in der fünften Nummer (am 27 Februar) wird »das fernere Fortbestehen Münchens ohne Punsch für absolute Unmöglichkeit erklärt und also noch ein Abonnement auf sechs weitere Nummern eröffnet,« nach deren Ablauf die Quartale halb- und ganzjährigen Bestellungen sich also drängten, daß der »Punsch« schon bei der zwanzigsten Nummer eine neidenswerthe Zahl Abonnenten hatte, abgesehen von dem Détail-Verkaufe der Colportage.

In Nummer 13 verkündete der »Punsch« sein Programm: »Er will Wohlstand – seiner Abonnenten, damit sie pünktlich zahlen; Sicherheit – vor einem Preßgesetz der jetzigen Kammer; Bildung – der Polizeibehörde, damit sie ihn nicht confiscirt. Nehmt der Redaction ein feierliches Handgelübde ab, daß sie nie aufhören wird, auf der betretenen Bahn der Originalität und des Humors fortzufahren; dann, nur dann, erreicht ihr das Ziel, weshalb ihr euch abonnirt habt.«

Schleich schrieb Alles selbst, allein, ohne Mitarbeiter. Anfangs kam es öfter vor, daß der Redactor am Abend vor der Ausgabe der neuen Nummer ohne Manuskript in der Druckerei erschien, Papier und Feder verlangte, und nun dem in seinem Haupte angestauten Strome die Schleußen öffnend und die nassen Blätter bruchstückweise dem Setzer übergebend, und sein Werk auf einen Sitz abmachte. Bald fügte er auch selbstgezeichnete Holzschnitte hinzu, auch hier eine unnachahmbare Urkomik offenbarend. Schleich hatte während seiner Gymnasialzeit beim obligaten Zeichnungsunterricht des wackeren Franz Xaver Kleiber – er starb 77 Jahre alt am 20 Juni 1872 – in seiner Manier hospitirt und, bei erstaunlicher Begabung, zur Verzweiflung des wohlwollenden Lehrers, durch fleißige Abwesenheit geglänzt, da sein eminentes Talent zur Caricatur hier keinen erwünschten Boden fand.

Später zog er es vor, seine formlosen Einfälle doch von Künstlerhand umzeichnen zu lassen, wobei etwa von 1886 bis 1865 Eduard Ille, dann Jos. Resch und, von 1869 an, meist Karl Baumeister artistische Gevatter-Dienste leisteten. Zu jeder Illustration zeichnete Schleich selbst seine Idee, meist ziemlich groß, immer hudelig, aber mit so drastischer Komik hingeworfen, daß der mit der Formgebung ringende Künstler mit Lust folgen konnte. Auch war charakteristisch dabei, daß Schleich nie früher kam, als wenn die Zeit schon auf den Nägeln brannte; so pochte er oft in der ihm wohlgelegenen Wohnung den guten Resch noch spät Abends und tief in der Nacht, wenn derselbe schon in der Ruhe lag, aus den Federn, mit dem stricten Auftrag, am frühesten Morgen den Holzstock ja dem Xylographen zu überliefern. Dabei beobachtete er streng die Sitte, dem Künstler nie ein Wort der Anerkennung, aber auch keine Sylbe eines Tadels zu spenden.

Es ist nicht unsere Aufgabe, eine Geschichte des »Punsch« zu schreiben. Er hatte eine vielbewegte Geschichte, spielte durch mancherlei Farben und Schattirungen, wurde vielfach confiscirt, ohne je zu einem Preßproceß zu gelangen, welcher für Richter und Geschworne, für Autor und Publicum nur zu einem mehr oder minder großen Gaudium gedient hätte. Die bis 1871 reichenden vierundzwanzig Bände repräsentiren ein gut Stück deutscher Geschichte mit allen ihren Phasen; Schleich schlug mit der Pritsche seines Witzes nach allen Dimensionen, nach oben und unten, rechts und links; er schrieb nicht allein mit dem Kopf und Verstand, auch das Herz hatte sein Recht dabei; Zorn, Wuth, Laune und Uebermuth führten ihm oft die leidenschaftlich gallige Feder; meist aber war es doch nur der harmlose, echt süddeutsche Mutterwitz, der mit gemüthlicher Derbheit etwas ungeschlacht herauspolterte, wie denn auch die Liebe nicht immer mit zuckerner Süßigkeit ihre Gefühle manifestirt. Sein Kern war immer grunddeutsch, bisweilen zog er auch ein blauweißes Fähnlein auf, welches er mit der jedem Stamm angebornen Heimathliebe eifersüchtig bewachte und vertheidigte.

Nach dreijähriger Pause erschien 1875 noch einmal der »Punsch,« und zwar unter dem besonderen Titel als »Glossirte Wochen-Chronik der Gegenwart,« machte aber im vergrößerten Gewände und ohne die gewohnten Bilder so wenig Glück, daß er beinahe unbemerkt mit dem Schlusse des Jahres mit der 52. Nummer wieder verschwand.

Wie weit Schleich bei den von Alexander Ringler 1848–1850 redigirten »Leuchtkugeln« betheiligt war, ist schwer zu bestimmen, dagegen weist der »Nürnberger-Trichter« mehrfach den Namen »M. E. Bertram« auf. Es lag sehr nahe, daß von dem ununterbrochenen Raketen- und Feuerwerk-Sprühregen seines Geistes manch‘ Schwärmer in andere, verwandte Organe hinüber blitzte, zumal da Schleich damals mit allerlei verwandten Genies, darunter auch so proteus-artige Naturen wie Herbert König, C.L. Kaulbach und anderen verkehrte. Auch für die »Fliegenden Blätter« lieferte Schleich interimistische Beiträge, wie denn erst kürzlich noch in Nr. 1893 die jocose Verballhornung der modernen Plastik aus seiner Feder stammt.

Im Mai 1849 begann der Unermüdliche die »Volksbötin,« ein loses politisches Tagblatt als äußersten Gegensatz zu Ernst Zander, worin er den großen Bullenbeißer mit unablässigem Gekläff ironisirte, äffte, ärgerte und verhöhnte. Er ließ schließlich zu Ende 1852 diese nutzlose Polemik fahren, um freiere Hand für eigene dramatische Schöpfungen zu gewinnen.(2)

Den ersten dramatischen Versuch hatte er als M. E. Bertram mit einem in Compagnie mit Leopold Feldmann ausgeheckten Lustspiel gewagt, welches ohne Erfolg spurlos verschwend; allerlei dramatischer Schnickschnack war vorher schon im obengenannten »Münchener Tagblatt« und im »Punsch« abgelagert. Dann nahm er eine im Gymnasium geplante Tragödie »Nero« vor, welche 1852 »als Manuskript« erschien. (München, in der Dr. Wild’schen Buchdruckerei, 74 Seiten, 8°.) Ob dieselbe je irgendwo über die Bretter ging? Es wäre wenigstens heute noch einer Probe werth. Die fünf Acte sind, was junge Poeten sonst hartnäckig vermeiden, in origineller Prosa und mit einer Wucht geschrieben, welche das nicht anziehende Thema vergessen läßt, und, wie man glauben sollte, doch das Publicum ergreifen und mitreißen müßte. Die achte Scene des 2. Acts, wo der Dichter die neue Kaiserin Poppäa mit Nero’s Mutter Agrippina einander gegenüberstellt, erinnert etwas an den Streit der Königinnen in Schillers »Maria Stuart;« sonst ist das Ganze eigenartig, und die Charaktere sind mit sicherer Hand herausgemeißelt. Als lustige Person ist ein Narr als Nero’s Historiograph beigegeben. Andrerseits macht sich der Fehler bemerkbar, daß außer der Schauspielerin Epicharis und deren treugeliebtem Julius Piso keine weitere Person das Interesse bleibend erwärmt. Trotzdem wäre immer noch eine Probe mit dem keinen besonderen scenischen Aufwand erheischenden Stücke zu machen und gewiß mehr als ein bloßer »succès d’estime« zu gewärtigen.

Bei der am Faschingsdienstag üblichen Vormittagsvorstellung ging Schleichs »Bürger und Junker« am 20 Mai 1855 zum erstenmal, und zwar mit so glücklichem Erfolg über die Bretter, (Vgl. Nr. 53 »Allg. Ztg.« 1855.) daß sich dieses »altbürgerliche Charakterbild« nicht allein in der Gunst der Münchener bleibend festsetzte, sondern auch anderwärts ähnliche Aufnahme fand und den Namen seines Verfassers im dramatischen Fach begründete. Der zweite Act entschied; er ist ein Meisterstück, so rund und sicher im Wurf, dabei voll echten, tiefen Gemüths, wie dieß Schleich später nimmer erreichte. Der vierte Act fällt indessen schon etwas ab und ist sichtlich mit geringer Kunst zur befriedigenden Lösung nur angeschweißt.

Im Beginn des Jahres 1856 brachte er »Das Heirathsversprechen,« (Vgl. Julius Grosse im Abendblatt Nr. 10 der »Neuen Münchener Ztg.« 1856) ein am sächsischen Hofe zur Zeit der Gräfin Cosel agirendes Lustspiel, sehr geschickt und diplomatisch gebaut und jedenfalls eines besseren Schicksals werth, als jetzt schon den vergessenen beigezählt zu werden. Rasch folgte darauf, wieder am Faschingsdienstag, »die letzte Hexe« (Vgl. Julius Grosse im Abendblatt Nr. 34 der »Neuen Münchener Ztg.« vom 8 Febr. 1856.) und noch im October desselben Jahres »Die Bayern in Italien« (Ebendaselbst Nr. 241 vom 8 Oct. 1856) ein »Volksschauspiel« in vier Aufzügen. Letzteres hatte so wenig Erfolg, daß es Schleich nicht in die Reihe seiner gesammelten Stücke aufnahm.

Desto glänzender bewährte sich die »letzte Hexe,« welche trotz allerlei Gebrechen, z. B. einer possenhaften Carikirung einzelner Charaktere und der offenbaren Unglaublichkeit mancher Scenen, dennoch jahrelang ein beliebtes Zugstück blieb und sogar auswärts (z. B. in Weimar, durch A. Rost umgearbeitet) gute Aufnahme erzielte. Nachdem 1861 auch noch das Lustspiel »Ansässig« verdienten Beifall und Aufnahme gefunden, veröffentlichte Schleich eine Sammlung seiner »Lustspiele und Volksstücke« (München 1862–63, bei Gustav Beck) in zwei Bänden, welche 1874 in neuer (Titel) Ausgabe erschienen und auch einige mindere Arbeiten enthielten. (3)

Für Frhrn. v. Perfall dichtete Schleich den Text zu der romantisch-komischen Oper »Das Conterfei« (München 1863, bei Wolf u. Sohn. 43 S. 8°). Das spurlose Verschwinden des »Eine falsche Münchnerin« betitelten Lustspiels (1864) verleidete dem Autor eine Zeit lang die Bühne, welcher dessenungeachtet nicht ermüdete, neue Projekte und Stoffe zu erwägen, welche jedoch, trotz der gewandten Dialogisirung und den fortdauernden Aggregaten von Witz und Humor, an einem bedenklichen Mangel von Handlung oder an stofflicher Unbedeutendheit leiden. Dazu gehören das vieractige Lustspiel »Der Ehrgeizige,« (4) wo er einen freiresignirten Rechtsanwalt schildert, welcher die Ruhe nicht vertragen kann und deßhalb, um sich politisch bedeutsam zu machen, die unglaublichsten Thorheiten begeht; die Aufnahme auf der Bühne, wie in der Presse, blieb kalt und frostig. Auch die am Faschingsdienstag 1878 abgespielte »Bauern-Komödie« (mit musikalischem Einschlag von Rüber) theilte dasselbe Schicksal, da eine Fülle humoristischer Détails nicht für die Zerfaserung des Inhalts entschädigte. In »Kraft und Stoff,« einem knappen Einacter, nahm der witzige Essayist dem Dramatiker zu viel Spielraum, obwohl das die Resultate der exacten Naturforschung travestirende Thema zeitgemäße Fragen berührte.

Während Schleich auf dem Gebiete der dramatischen Kunst seine Kräfte zersplitterte, versuchte er sich auch im Gebiete der Politik, wo es ihm gleichfalls, obwohl nur vorübergehend, gelang, eine Rolle zu spielen. Das könnte zu vielseitigen Erörterungen verleiten, welchen wir jedoch kurz die Spitze abbrechen mit der gewiß nicht unrichtigen Wahrnehmung, daß an so vielseitig begabte Naturen die strenge Anforderung einer stereotypen Festigkeit des Charakters nicht gestellt werden dürfe. Wer mit einem Clown über die größten Principien des Lebens rechten wollte, würde die Wette verlieren. Die Frage bleibt nur: ob derselbe in der Zeit der Noth und Gefahr die übliche Schellenkappe herabzunehmen und die Situation würdig und richtig zu erfassen vermöge. Und das hat Schleich gethan. Nachdem er lang‘ im Irrgarten der jeweiligen Tagesmeinung gefackelt und verschiedenen Parteien gedient hatte, trat er doch mannhaft und fest für Deutschlands Ehre in die Schranken, als er am 19 Juli 1870 in der bayerischen Kammer die Bewilligung der Kriegscredite beantragte und mit zornbebender Stimme und mit Thränen im Auge erklärte, wie man es von Paris her den bayerischen und großdeutschen Patrioten zuzumuthen wage, mit Frankreich gegen die nationale Sache zu gehen. Nachdem er kurz vorher noch im ultramontanen Lager auf Engagement in Gastrollen gespielt hatte, sprang er mit dem anonymen »Büchlein von der Unfehlbarkeit« (München, bei Gummi, 1872) in sein altes Fahrwasser zurück und bekannte sich mit derselben Leichtigkeit, wie ehedem zum Deutsch-, so jetzt zum Altkatholicismus, nachdem er inzwischen seinen blau-weißen Wählern im klerikalen Costüm eines römisch-katholischen Patrioten Sand in die Augen gestreut und durch sie einen Sitz in der bayerischen Kammer der Abgeordneten von 1869 bis 1875 errungen hatte.

Im November 1873 bildete Schleich die aus sieben Mitgliedern bestehende »freie Vereinigung,« aus welcher die neueste »gemäßigte Partei« erblühte. Als publicistischer Herold rief er dann am 1 Juli 1881 »Den Gemäßigten« ins Leben – eine Zeitung, welche er gleichsam zu seinem Vergnügen, ganz légèrement, einfädelte und mit ironisch-moquanter Bonhomie also »redigirte,« daß er, alsbald selbst davon gelangweilt, den Stand verließ und seinen Nachfolgern das schwierige Problem stellte, den zerschnittenen Zeug bestmöglichst wieder zusammenzuflicken und in genießbare Gestalt zu bringen.

Insbesondere seit dem jüngsten Decennium excellirte Schleich durch seine Essays in der »Allgemeinen Zeitung,« indem er bald mit der ernsthaftigen Miene eines Theologen oder dem wissenschaftlichen Feuer eines Juristen, im gelehrten Tone des Culturhistorikers oder als Tourist – wir erinnern nur an die »Römischen Apriltage« (5) – alle Leser erheiterte, ärgerte oder entzückte.

Er hatte ein schönes Stück Erde gesehen und frühzeitig schon allerlei Fahrten nach drei Himmelsgegenden unternommen, den Süden aber fast nur allzu lange sich vorenthalten. Hier wurde der in ihm versteckte Poet wieder lebendig, doch nur stoßweise und vorsichtig gönnte er ihm bisweilen freie Luft zu schöpfen. Ihm war von dieser prächtigen Himmelsgabe eine tüchtige Portion als Erbtheil zugefallen. Aber er wucherte nicht damit, sondern vergrub lieber sein Pfund oft lang und hartnäckig. Es gibt problematische Naturen, welche sich ihrer tieferen Empfindungen schämen, und, obgleich von Haus aus sehr weichherzig, ihre Gemüthstiefe lieber mit Brutalität maskiren. So affectirte Schleich einen lächerlichen Abscheu gegen alles Ideale; in seiner Angst schlug er dann mit kaustischer Drastik um sich oder rettete sich hinter eine cynische Derbheit. Im „»Verein für deutsche Dichtkunst« und im »lustigen Krokodil« ging er, wie überhaupt in allen Gesellschaften, nur als dilettirender Hospitant ab und zu.
Zu den Perlen seiner Lyrik gehört »Ein Spaziergang auf dem Gasteig bei München,« woraus die tiefgefühlte Klage über das unerwartete Abscheiden Sr. Maj. Königs Maximilian II erklingt. (6)

Wahre Meisterwerke sind auch seine Nachdichtungen Jacob Balde’s. Seit 1869 bis 1874 beschäftigte er sich an den von Johannes Schrott ins Leben gerufenen Balde-Festen und -Ausflügen; seiner Natur gemäß zog ihn die humoristische Seite dieses Dichters besonders an. Zu der mit Johannes Schrott unter dem Titel »Renaissance« herausgegebenen Auswahl von Balde’s Dichtungen (München 1870 bei Lindauer) lieferte Schleich fünfundzwanzig Uebertragungen, welche von einem tiefen, eingehenden Studium des Originals zeugen. Aus dieser Zeit stammt auch die Vorliebe für den Kurfürsten Maximilian l, dessen Bildniß er in Thalerform an seiner Uhrkette trug.

Die Erträgnisse seiner fleißigen Feder gaben die Mittel zum Ankauf eines stattlichen Hauses, welchem auch eine Villa in Starnberg folgte. Ersteres vertauschte er wieder und änderte noch öfter seinen Besitz in mancherlei Form; er hatte überhaupt etwas Unstätes und das Bedürfniß oftmaliger Veränderung. Eine feine Renaissance-Stube, ein »unterirdisches Kaffeehaus mit Billard« und eine langjährig aufgestapelte Bibliothek wurden bei guter Gelegenheit wieder losgeschlagen und alsbald durch neue noble Passionen ersetzt.

Seine gute »Hausmannskost mit Encyklica« (Damaliger Lieblingsausdruck des Gastgebers für Enzian.) soll auch den Beifall hochwürdiger Kenner erhalten haben. Schleich schlug bei Tisch immer eine wackere Klinge, deßhalb pflegte er auch eine gute Köchin weitaus über die größte Clavierkünstlerin zu setzen. Seit 1858 glücklich verheirathet, genoß er ein schönes Familienleben und noch die Freude, einer Tochter den Myrtenkranz für einen braven Mann aufzusetzen. Sein einziger Sohn, welcher das Talent der Mutter erbte und deßhalb einen guten Beleg zu Levin Schückings Geneanomischen Studien bieten dürfte, widmet sich dem Ballet, wozu der etwas schwerfällige Hr. Papa, außer einer persönlichen Inclination in früheren Jahren, nicht das geringste Ingenium besaß. Seine Erscheinung hatte nie etwas Graciöses, wenn er, die mit einem schweren Stock bewaffneten Hände meist auf den Rücken gelegt, sich breitspurig dahin schob. Auch sein Antlitz mit dem sinnlichen, einem Bonvivant oder einem Volksredner passenden Munde, aus welchem nie eine wohltönige Rede, sondern ein gehackter mühevoller Auswurf mit einer verrosteten, schartigen Stimme, kam, schien nicht völlig affectlos, bei einer Anrede oder Begrüßung erstaunt und mit einem Ausruf der Ueberraschung aufschauend. Dann wetterleuchtete aber gleich der Witz über das ganze Gesicht und zeigte den Meister des blitzenden Apercu.

Den philosophischen Doctorhut erhielt Schleich als besondere Auszeichnung und honoris causa, wenn uns die Errinnerung nicht täuscht, sogar von der Münchener Ludwigs-Maximilians-Universität; die Nachricht und Kunde davon lief damals durch alle Zeitungen; ein Berichterstatter verlor leider die betreffende Notiz aus seinen Miscellaneen. Schleichs charitative Bestrebungen während des französischen Kriegs wurden durch den Verdienstorden von 1870/71 gelohnt.

Einige Zeit vor seinem Ende lud er einen alten Bekannten zu Beiträgen von Nekrologen für den »Gemäßigten« ein. Daß der nächste Artikel ihm gelten sollte, dachte damals keiner von uns. »Sehr verbunden wäre ich auch – setzte er wörtlich bei – wenn du mir immer anzeigen würdest, wann ein großer Künstler geboren wird.« Ganz der echte Schleich! Wenige Wochen darauf starb er nach kurzem Uebelbefinden, am 13 October. Für die schon früher bestimmte Grabstätte hatte er folgende Inschrift skizzirt: »Hic Dr. Martinus Schleich jacet, tacet, placet.« Er ruhe in Frieden!

  1. Die aveturiöse Autobiographie dieses Mannes erschien so eben unter dem Titel: »Fünfundsiebzig Jahre in der Alten und Neuen Welt. Memoiren eines Unbedeutenden.« Leipzig 1881, bei O. Wigand. 2 Bde.
  2. Die erste Nummer der »Volksbötin« erschien am 4 Mai 1849; die letzte am 31 Oct. 1852, womit das Blatt käuflich in den Besitz der Dr. Wild’schen Buchdruckerei überging und unter dem Titel »Münchener Bote für Stadt und Land« heute noch florirt. Daß Schleich demselben nicht entfremdet wurde, beweist das schöne Gedicht »Der tausendjährige Baum,« welches Schleich zum Wittelsbacher-Jubiläum verfaßte und in Nr. 199 des genannten Blattes vom 25 Aug. 1880, aber ohne Nennung seines Namens, drucken ließ.
  3. I. B. 463 S.: »Drei Candidaten,« Lustspiel in fünf Aufzügen. »Die letzte Hexe,« Volksstück in drei Aufzügen. »Ansässig,« Volksstück in drei Aufzügen. »Das Kanonenfieber,« Schwank in einem Aufzug. II. B. 424 S.: »Bürger und Junker,« Volksstück in vier Aufzügen. »Das Heirathsversprechen,« Lustspiel in fünf Aufzügen. »Der Bürgermeister von Füssen,« Volksstück (aus der Zeit des Bauernkrieges) in drei Aufzügen. »Die Haushälterin,« Schwank in einem Aufzug.)
  4. »Der Ehrgeizige.« Als Ms. gedruckt, München 1876, bei Parcus. 111 S. gr. 8°. (Vergl. Beil. Nr. 143 zur »Allg. Ztg.« vom 23 Mai 1877.)
  5. Dieselben erschienen später unter dem Titel: Römische Apriltage. Erinnerung aus einer confessionslosen Romfahrt. München und Leipzig bei Hirth. 1880. XVI. und 200 S. kl. 8°.
  6. Vierzehn vierzeilige Strophen in Nr. 12 des »Punsch« (17. Jahrgang) vom 20 März 1864.

Beilage zur Allgemeinen Zeitung Nr. 330. Augsburg; Samstag, den 26. November 1881.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Schleich Martin, Dr. phil., 1827 (München) – 1881, Schriftsteller und Dramatiker; Sohn eines Forstmeisters, studierte Sch. in München Philologie, begründete 1848 die politisch-satyrische Zeitschrift »Punsch« (von dem das Exemplar gleich einem Glas englischen Punsch 36 Kreuzer kostete), die er bis 1872 leitete; Sch. war ein heftiger Gegner Bismarcks und R. Wagners; er redigierte daneben auch die Tageszeitung »Volksbötin« (Gegensatz zum »Volksboten«), verfaßte volkstümliche Dramen, als glänzender Neulatinist war Sch. sehr bekannt (Grabinschrift: »Iacet-Tacet-Placet« = hier liegt und schweigt er und das ist gut so).

Hauptwerke: Nero (Trauerspiel), Pimpelhuber im Gebirg, Gesammelte Lustspiele und Volksstücke, Eine falsche Münchnerin (Lustspiel), Renaissance (Ausgewählte Dichtungen von Jakob Balde, zusammen mit Johann Schrott übertragen), Italische Apriltage (Erinnerungen an eine konfessionslose Romfahrt), Der Jude von Cäsarea (Roman); Sch. »schrieb zur Triaspolitik der Kabinette im weißblauen Punsch seine geistreichen Glossen« (S. von Pölnitz).

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#23 – 13 – 13·14 (Reschreiter)


Grab der Familie Reschreiter auf dem Alten Südfriedhof München (April 2018)

#23 – 13 – 15·16 (Tambosi)


Hier ruhen
Alois Tambosi
geb. ¿


  • Tambosi, Alois; – 28.8.1872 (München), 75 Jahre alt; Rentner
  • Tambosi, Alois; 1768 (Roveredo) – 17.11.1832 (München); Cafetier
  • Tambosi, Isabella; – 5.11.1866 (München), 65 Jahre alt; Privatiere
  • Tambosi, Josef; – 29.3.1872 (München), 77 Jahre alt; Pensionierter Hofkellermeister
  • Tambosi, Kajetan; – 25.9.1867 (München), 55 Jahre alt; Cafetier und Zuckerbäcker
  • Tambosi, Karolina; – 12.12.1865 (München), 60 Jahre alt; Privatiers-Tochter
  • Tambosi, Leopoldina (vw); – (19).6.1839 (München), 59 Jahre alt; Cafetiers-Witwe
  • Tambosi, Leopoldine; – (16).2.1856 (München), 9 Jahre alt; Privatiers-Tochter
  • Tambosi, Leopoldine (vw) / Augustini, de (gb); – (19).6.1839 (München); Cafetiers-Witwe
  • Tambosi, Luise; – (30).6.1852 (München), 36 Jahre alt; Cafetiers-Tochter

Todesanzeige für Isabella Tambosi

Todesanzeige für Josef Tambosi

Todesanzeige für Alois Tambosi

Domenico Quaglio: Die Alte Reitschule mit dem Café Tambosi im Jahr 1822. Bayerische Staatsgemäldesammlungen – Neue Pinakothek München.

Grab der Familie Tambosi auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

#Alois Tambosi

* 1768 (Roveredo)
† 17.11.1832 (München); Cafetier
Cafetier

#Conversationsblatt für Deutschland und Bayern (12.3.1834)

»Quid hic statis otiosi?«

»Warum sitzt ihr denn nicht beim Tambosi?«

Tambosi ist der einzige öffentliche Mann in Neu-Athen; bei Tambosi ist das einzige öffentliche Leben Neuathens; um Tambosi dreht sich die ganze Lustwandlung Neuathens; in Tambosi raucht ganz Neu-Athen; zu Tambosi bestellt sich ganz Neu-Athen; von Tambosi holen die Neuathenieuser ihre Glut und die Neu-Athenieuserinnen ihr Eis; kurz Tambosi ist unser Akropolis, unser Parthenon, unser Pantheon, unser Lyceum, unser Ceramikus. Vor Tambosi sind unsere Propyläen, vor Tambosi gehen unsere Peripatetiker auf und ab, kurz es fehlte uns nicht als die Oelbäume, und – die Philosophen und Stoiker. Indessen wenn man keine Oelbäume hat so thuens auch wilde Kastanienbäume, wenn man keine Philosophen sieht, so sieht man doch Hömorrhoidal-Leidende die doch immer etwas Philosophisches an sich haben, und wenn auch keine Stoiker, so sieht man doch Kindermädchen und Gensdarms die beide zu stoischen Gedanken Anlaß geben.

Tambosi ist unser Mittel- und Schwerpunkt – zu ihm strebt die Naturkraft der Dinge; ohne Tambosi fänden sich in Neuathen nicht zwei Menschen zusammen; ohne Tambosi würden wir in Neuathen vergessen ob denn der Mensch wirklich wie Rouseau, nicht der Erredakteur der Münchner polit. Zeitung, sondern Joh. Gabbes Rousseau sagt, wirklich eine gesellige Bestie ist; ohne Tambosi wüßten 10,000 Neuathenieuser nicht was die andern Neuathenieuser eigentlich für Sprache reden, ob rein Haidhausisch oder rein Neuathenisch; Tambosi mit seinem Kaffee ist eigentlich unser Mocca-Mecca; kurz ohne Tambosi wäre das Leben in Neu-Athen nur ein halbes Leben; Tambosi ist der eigentliche Gott Neuathens denn es hängt nur von ihm ab Frühling zu machen, sobald Tambosi seine grünen Nationalbänke, d. h. seine Bänke die er der Sitzsamkeit der Nation Preis giebt, in den Hofgarten setzt, wird Frühling! Kaum setzt Hr. Tambosi seine Bänke unter die Bäume, da kommen die als Spatzen bescheiden maskirte Nachtigallen, die als wilde Kastanien maskirte Olivenbäume; die als Ammen maskirten Dryaden und Harrmadryaden und die als Betteljungen maskirten Oreaden.

Vor Tambosi ist um vier Wochen früher Frühling als in ganz Neuathen; die Bäume und die Kindermädchen blühen das viel früher, obwohl die letzten da seltner uns später ausschlagen als die erstern; und ich glaube Tambosi hat immer ein Stückchen Frühling vom vorigen Jahr in den Eiskeller gelegt, und präsentirt ihn vier Wochen früher seinen Gästen im Hofgarten.

M. G. Saphir: National-Bank-Adresse an Herrn Tambosi. Conversationsblatt für Deutschland und Bayern No. 61. München; Mittwoch, den 12. März 1834.

#Münchner-Augsburger Figaro (4.4.1838)

Ich schlug ihm vor, zu Tambosi zu fahren. »Tambosi, mein Herr Komet, ist der Rothschild unserer Conditors, Caffetiers und Chokoladiers. Sie finden hier alle Journale, die ausgenommen, welche fehlen. Ein Blatt, das in München erscheint und nicht bei Tambosi zu finden ist, wird sich nicht lange halten können. Es gibt keinen zweiten Ort in München, der tagtäglich ein so großes Publikum bei sich sieht, als Tambosi. Hier ist es, wo man, und zwar noch brühheiß, die neuesten Nachrichten des In- und Auslandes erfährt. Was die allgemeine Zeitung morgen bringt, das weiß man heute schon bei Tambosi. Um 11 Uhr 25 Minuten kommt in München eine berühmte Sängerin oder eine berüchtigte Tänzerin an, um 11 Uhr 26 Minuten weiß man es bei Tambosi. Um 12 Uhr 3 Minuten stirbt eine angesehene Person, um 12 Uhr 4 Minuten weiß man bei Tambosi, welche Farbe der letzte Hauch des Verstorbenen hatte. Ist Jemand Nachts um 1 Uhr durchgegangen, so weiß man es Morgens 7 Uhr bei Tambosi; ja, man weiß sogar schon, wie viele Kinder, wie viel Prozesse und wie viel Schulden er hinterlassen hat. Mit einem Wort: bei Tambosi erfährt man Alles.«

Münchner-Augsburger Figaro. Probeblatt. No. 10. Mittwoch, den 4. April 1838.

#Münchener Hundert und Eins (1840)

Wer die Eleganz der französischen oder Wiener Lokale hier suchen wollte, irrte sich. Nur Eines macht den Anspruch, in diesem Sinne fashionable zu seyn: Tambosi unter den Arkaden am Eingang des Hofgartens. Dieß ist ein von künstlerischer Hand geschmücktes Café mit allen begehrten Vorzügen. Tambosi ist das Gesellschaftshaus der jungen Leute. Dort kannst Du die ausgezeichnetsten Schauspieler und Musiker, die vorzüglichsten Maler, Literatoren, Studenten, vornehme Offiziere, interessante Fremde, die besten Karten- und Billardspieler kennen lernen. Es wird viel gespielt und kritisirt bei Tambosi. Der Ton ist frei und anständig. Aber auch flotte Burschen und schlechte Zahler fehlen nicht. Man kann gewiß seyn, jeden Abentheurer, der nach München kommt, bei Tambosi zu sehen. Vor dem Buffet unter den Kastanienbäumen des Hofgartens, wo nicht geraucht werden darf, stehen grüne Tischchen für die schöne Welt, und sie sind vorzugsweise an Sonn- oder Festtagen, so wie an Mittwochen Abends bei der vom Mai an stattfindenden Militärmusik zahlreich besetzt. (An den Sonnabenden findet dieselbe am chinesischen Thurme im Englischen Garten statt.) Tambosi hat auch eine Chocoladefabrik; aber berühmter ist die von Mayerhofer und die Saitini-Babellische.

Sebastian Franz von Daxenberger: Münchener Hundert und Eins. München, 1840.

#23 – 13 – 20·21 (Kobell)


Wilhelm v. Kobell
1766 – 1853
und seine
Nachkommen


  • Kobell, Ferdinand von; 12.1.1798 (München) – 17.9.1852 (München); Assessor der Generaldirektion der königl. bayerischen Verkehrs-Anstalten
  • Kobell, Wilhelm von; 6.4.1766 (Mannheim) – 15.7.1853 (München); Akademieprofessor, Landschaftsmaler und Radierer

Todesanzeige für Ferdinand von Kobell

Todesanzeige für Wilhelm von Kobell

Grab der Familie Kobell auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2008)

Grab der Familie Kobell auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2008)

#Ferdinand von Kobell

* 12.1.1798 (München)
† 17.9.1852 (München)
Assessor der Generaldirektion der königl. bayerischen Verkehrs-Anstalten

#Neuer Nekrolog der Deutschen (1854)

Ferdinand v. Kobell, Assessor der Generaldirektion der königl. bayer’schen Verkehrs-Anstalten zu München; geb. den 12. Jan. 1798, gest. den 17. Sept. 1852.

München ist sein Geburtsort, wo sein Vater, der rühmlichst bekannte Maler Wilhelm v. Kobell, als Professor der Akademie der bildenden Künste lebt; seine Mutter, eine geb. v. Krempelhuber, aber vor 13 Jahren ihm im Tode vorausging. Nach vollendeten Gymnasialstudien besuchte v. K. die Akademie der bildenden Künste und widmete sich dem Fache der Architektur, welches er aber nach kurzer Zeit wieder verließ, um sich zu einer Anstellung im königl. Postdienste vorzubereiten, wofür er auch sodann die vorgeschriebene Prüfung bestand und am 20. Dec. 1816 den Postacceß erhielt. Er hatte sich nun mit allem Fleiße den ihm obgelegenen Geschäften gewidmet und ward unterm 23. Juli 1822 als Oberpostamtsofficial angestellt. Am 1. Jan. 1837 erfolgte hierauf seine Beförderung zum Coursbeamteten bei der Generaladministration der Posten, und am 4. Juli 1843 zum Assessor und ersten Coursbeamteten dieser Centralstelle, welche in neuester Zeit die Benennung »Generaldirektion der königl. bayer. Verkehrs-Anstalten« erhielt. v. K. war von ausgezeichneten Kenntnissen im Postcourswesen und von ausdauerndem Fleiße in seinen Berufsgeschäften, von unerschütterlicher Treue und Anhänglichkeit an seinen König und sein Vaterland. Er zeigte sich im Umgange als treuer Freund seiner Freunde, und es gewährte ihm das größte Vergnügen, Ändern gefällig seyn zu können. Zumal in geselligen Kreisen, wo er seiner heiteren Laune wegen sehr beliebt war, wurde sein schnelles Hinscheiden – die Folge einer geringfügigen Veranlassung – lebhaft bedauert. Es entfiel nämlich seiner Hand eine Scheere in den Fuß. Anfangs wenig auf die kleine Verletzung achtend, ging er seinen Geschäften nach, als sich daraus in Kurzem eine Venenentzündung bildete, welche, jeden Versuch einer Rettung vereitelnd, binnen wenigen Tagen seinem Leben ein Ende machte. Nach 8jähriger glücklicher Ehe wird er von einer ihn zärtlich liebenden Gattin, einer geb. Binder, Senatorstochter aus Hamburg, von drei hoffnungsvollen Kindern und von zahlreichen Verwandten und Freunden tief betrauert.

Neuer Nekrolog der Deutschen. Weimar, 1854.

#Wilhelm von Kobell

* 6.4.1766 (Mannheim)
† 15.7.1853 (München)
Akademieprofessor, Landschaftsmaler und Radierer

#Artistisches München im Jahre 1835 (1836)

Kobell, Wilhelm v., königl. Professor, geb. zu Mannheim 1766. Sein Vater Ferdinand war Lehrer. Er studirte in den kurfürst. Sammlungen zu Mannheim und Düsseldorf, wo er die größten Fortschritte machte, und in vielen Stücken seinen Vater übertraf.

Er wählte Philipp Wouwermann zum Muster, und suchte ohne Ängstlichkeit diesen großen Maler, sowohl in Zeichnung als in Färbung und Composition, nachzuahmen. Kobell hat es auch in der sogenannten Waschmanier sehr weit gebracht, und vortreffliche Platten geliefert.

Er lebt in München als ehemaliger kurfürst. Kabinetsmaler. Im Jahre 1809 war er in Wien, 1810 in Paris.

Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Mechaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.

#Die bildende Kunst in München (1842)

Wilhelm von Kobell, geb. 1766 zu Mannheim, der Sohn des berühmten Landschaftmalers Ferdinand, der als Galleriedirektor in Mannheim 1799 starb, von dem er auch den ersten Unterricht empfing, durch das Studium der Düsseldorfer- und Mannheimer-Gallerien sich bildete, und dann, in München zum Professor an der Akademie ernannt, in den verschiedensten Kunstzweigen mit Erfolg sich bewegte, und Landschaften, Thierstücke und ländliche Scenen mit gleicher Leichtigkeit darstellte. Bekannt sind seine Schlachtenbilder, die er im Auftrage des Königs Maximilian und des Kronprinzen ausführte: die Schlachten von Abensberg, Landshut, Eckmühl und Hanau. Sechs andere Schlachtgemälde erhielt der Fürst Berthier.

Dr. Johann Michael von Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.

#Die Deutschen Maler-Radirer (1866)

WILHELM von KOBELL.

Die Vorfahren der Künstlerfamilie Kobell, deren Name nicht blos in Deutschland, sondern auch in den Niederlanden einen guten Klang hat, wohnten im Anfang des 18. Jahrhunderts in Frankfurt am Main. Nachdem im Juni 1719 eine furchtbare Feuersbrunst einen grossen Theil dieser Stadt verwüstet hatte, verliessen zwei Brüder und Glieder dieser Familie die alte freie Reichsstadt, der eine, der Vater der beiden Maler Ferdinand und Franz und der Grossvater unsers Wilhelm, zog nach Mannheim, wo er in der Folge im kurfürstlichen Finanzbureau angestellt ward, der andere ging nach Rotterdam und etablirte dort ein Handelsgeschäft mit englischem Porzellan. Dieser wurde der Stammvater des niederländischen Zweiges dieser Familie und hinterliess zwei Söhne, Hendrik und Jan, die sich als Landschafts- und Thiermaler unter den neueren holländischen Künstlern einen guten Namen erworben haben.

Unser WILHELM von KOBELL wurde den 6. April 1766 zu Mannheim geboren und von seinem Vater Ferdinand, der das Amt eines Professors an der Kunstakademie dieser Stadt bekleidete, in den Anfangsgründen des Zeichnens und Malens unterrichtet, später vervollkommnete er sich durch das Studium der Bilder in der Mannheimer und Düsseldorfer Gallerie, unter welchen vorzüglich die Gemälde Wouwerman’s ihn anzogen. Sein reiches Talent brachte ihn auf der betretenen Bahn schnell vorwärts, so dass er seinen Lieblingsmeister Wouwerman sowohl in Zeichnung als in Composition und Färbung glücklich nachzuahmen begann, ohne dabei seine künstlerische Selbstständigkeit zu opfern. Ländliche Scenen und Thierstücke waren die Vorwürfe, welche er sich wählte und die er bald in Oelbildern und Aquarellen, bald in Radirungen und Aquatintablättern mit getreuer Naturauffassung, markigem Pinsel, geschmackvoller und correcter Zeichnung bearbeitete. Später versuchte er sich mit Glück in Darstellung kriegerischer Scenen, wozu ihm die damalige Zeit reichen Stoff bot. So malte er im Auftrag Königs Maximilian I. von Bayern die Schlacht bei Hanau unter Wrede, welches Bild sich 1814 auf der Münchener akademischen Kunstausstellung befand, für den damaligen Kronprinzen die Schlachten bei Eckmühl, Abensberg und Landshut und viele andere Schlachtenbilder, welche neben ihrem künstlerischen Werthe durch die zahlreichen in denselben angebrachten Portraits berühmter Personen noch ein besonderes Interesse haben.

Sein Leben, nur der Kunst gewidmet, verfloss ohne bemerkenswerthe Ereignisse. Die Uebersiedelung seines Vaters nach München veranlasste auch ihn, in dieser Stadt seinen Wohnsitz zu nehmen, 1808 wurde er zum Professor an der Akademie der Künste ernannt, 1809 und 1810 hielt er sich behufs Studien für seine Schlachtenbilder in Wien und in Paris auf, 1816 wurde er von seinem Monarchen durch Verleihung des Civilverdienst-Ordens der bayerischen Krone ausgezeichnet. In seinem spätern Leben scheint er die Kunst wenig mehr ausgeübt zu haben. Er starb nach einem glücklich durchlebten Alter in den Armen seiner beiden Kinder, als Künstler geehrt und als Mensch geliebt von Allen die ihn kannten, den 15. Juli 1855.

Seine Gemälde wurden in seiner Blütezeit von Kunstfreunden eifrig gesucht, er malte sie gewöhnlich auf Bestellung oder wusste sie auf privatem Wege an ihre Käufer zu bringen, so dass er die öffentlichen akademischen Ausstellungen selten beschickte. Sie sind aus diesem Grund in weiteren Kreisen weniger bekannt geworden als die Arbeiten anderer gleichzeitiger Künstler und wir glauben unsern Lesern einige Nachweise über jetzige Aufbewahrungsorte derselben schuldig zu sein. In der Neuen Pinakothek zu München: die Schlacht bei Hanau. In Schleissheim: die Schlacht bei Bar sur Aube 1814 (dieses und die Schlacht bei Brienne befanden sich 1817 auf der Münchener akademischen Ausstellung), die Belagerung von Kosel 1806; die Erstürmung von Glatz 1807; der Angriff der Russen bei Poglawi 1807; Landschaft mit zwei Reitern; ein Herr und eine Dame besteigen einen Kahn; ein Fuhrmann, der sich mit einem Weibe unterhält. Im Festsaalbau des Königl. Schlosses zu München: verschiedene Schlachtenbilder. Im Städelschen Institut zu Frankfurt: eine Heerde, die an einer hohen Mauer vorübergetrieben wird, vorn ein Hirtenknabe, der seinen Hut in die Höhe wirft. In der Wagnerschen Sammlung zu Berlin: Viehstück, Rindvieh und Ziegen mit zweien sie hütenden Kindern, ruhig im Wasser stehend, im Hintergrund Regen. 1820. Auf der Münchener akademischen Ausstellung 1829: Gegend bei Tegernsee. In der Darmstädter Gallerie: Gebirgslandschaft, zwei beladene Esel, ein Knabe und ein Hündchen; ein kleines Pferdestück. In Lütschena: Gewittersturm, ein Bursche reitet zwei Pferde aus der Schwemme. 1804. In Weimar: Jagdzug vornehmer Herren an einem bayerischen See. Bei Prehn in Frankfurt: zwei kleine Pferdestücke. Im Ferdinandeum zu Innsbruck: Landschaft mit Thierstaffage.

Nicht jeder Liebhaber hat Gelegenheit, Kobell aus seinen Gemälden kennen zu lernen, aus seinem ebenso reichen als schönen Kupferstichwerke kann ihn jeder kennen lernen. Dasselbe umfasst etwa 124 Blätter, die theils radirt, theils in Aquatinta gearbeitet sind, theils Originalzeichnungen des Meisters, theils berühmte Gemälde namhafter niederländischer und deutscher Maler reproduciren. Obschon er seine Nadel in seinen Originalradirungen mit Sorgfalt und Feinheit, mit Geist und spielender Leichtigkeit zu handhaben verstand, so verdankt er seinen kupferstecherischen Ruhm doch weniger diesen Erzeugnissen, als seinen Aquatintablättern, was noch um so höher anzuschlagen ist, als das mechanische Verfahren dieser Stechart mit grossen Schwierigkeiten verbunden ist. Wir bewundern nicht blos die vollkommene Ueberwindung dieser Schwierigkeiten, mehr seinen glücklichen Geschmack in der Wahl passender Stoffe und ganz besonders die getreue, charakteristische und ungezwungene Wiedergabe der Gegenstände, des eigentümlichen Charakters jedes Meisters und ihrer Schönheiten in Zeichnung, Anordnung und Farbe, anders im Berghem, anders im Wouwerman, anders im Roos.

Was die Anordnung unseres Katalogs betrifft, so bemerken wir, dass wir die Originalradirungen des Meisters an die Spitze gestellt haben. Wo uns Abdrucksgattungen bekannt waren, haben wir nicht unterlassen, solche anzuzeigen. Von den Aquatintablättern, die alphabetisch nach den Malern geordnet sind, kommen manchmal unvollendete Probedrücke vor, zum Theil mit einer Zahlenscala behufs Abstufung der Töne im Rand. Auf eine Aufzählung dieser ziemlich wertlosen Probedrücke haben wir selbstverständlich verzichtet.

Dr. phil. Andreas Andresen: Die Deutschen Maler-Radirer (Peintres-Graveurs) des neunzehnten Jahrhunderts, nach ihren Leben und Werken. Leipzig, 1866.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Kobell Wilhelm, von, 1766 (Mannheim) – 1853, Landschaftsmaler, Radierer und Akademieprofessor; Sohn und Schüler von Ferdinand K., studierte er zu Mannheim und Düsseldorf, zog 1778 nach Rom und wurde kurfürstlicher Hofmaler, seit 1793 war er in München; anfangs Landschafter, dann Schlachtenmaler (Schlacht bei Hanau 1813), vervollkommnete sich K. in Wien und Paris; er schuf auch Porträts und Fresken (z. B. im Bankettsaal des Königsbaus in München) und zeichnete sich in Tierstücken auch als Radierer aus; seine oberbayerischen Landschaften erinnern in etwa an K. von Heideck, mit dem er befreundet war.

Hauptwerke: Das Treffen von Bar sur Aube, Aufbruch zur Jagd, Fuhrmann im Gespräch mit einer Bäuerin, Ansichten von München (Aquatinta-Blätter), Das Pferderennen auf der Theresienwiese.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#23 – 13 – 22 (Wehrle)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Wehrle, Josef; – 18.3.1867 (München), 72 Jahre alt; Königlicher pensionierter Hofgärtner

Todesanzeige für Josef Wehrle

Grab der Familie Wehrle auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

#23 – 13 – 23 (Quellhorst)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Quellhorst, Eduard; 17.12.1806 (Lavelsloh) – 3.5.1875 (München); Juwelier
  • Quellhorst, Eduard; – (25).2.1901 (München), 60 Jahre alt; Juwelier
  • Quellhorst, Friederike Wilhelmine Sofie (vh) / Stolberg (gb); – (20).2.1895 (München), 77 Jahre alt; Chirurgen-Tochter aus Weißenburg / Juweliers-Witwe
  • Quellhorst, Hedwig (vh) / Maurer (gb); – 1.10.1868 (München), 21 Jahre alt; Juweliers-Gattin
  • Quellhorst, Wilhelmine; – 6.4.1848 (München), 5 Monate alt; Juweliers-Tochter

Todesanzeige für Hedwig Quellhorst

Grab der Familie Quellhorst auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

#23 – 13 – 27 (Schleiß von Löwenfeld · Vorherr)


Linke Spalte
Dr. Gustav Vorherr,
kgl. Kreisbaurath.
geb. XIX Oktober
MDCCLXXVIII.
gest. I. Oktober
MDCCCXLVII.
Erbauer dieses Friedhofes,
Gründer der Baugewerb-
schule,
und dessen Gattin
Karoline
geborene Orthwein
geb. im Februar
MDCCLXXXIII.
gest. XI Februar
MDCCCLXVI.

Rechte Spalte
Adeline
Schleis von Löwenfeld
geborne Vorherr
k. b. Obermedicinalrathsgattin,
geb. zu Fulda den VII. Juli
MDCCCXIV,
gest. in Berg am Würmsee
den XXV. Juli MDCCCLXXV.
Max
Schleis von Löwenfeld
kgl. Geheimrath
Obermedicinalrath
u. Leibwundarzt dreier Könige.
geb. den VII. Juni MDCCCIX
gest. den VII. Februar
MDCCCLXXXXVII.


  • Schleiss von Löwenfeld, Adeline (vh) / Vorherr (gb); 7.7.1814 (Fulda) – 25.7.1875 (Berg am Würmsee); Obermedizinalrats-Gattin
  • Schleiss von Löwenfeld, Max Josef, Dr. med.; 7.6.1809 (Sulzbach) – 7.2.1897 (München); Geheimer Obermedizinalrat und königlicher Leibarzt
  • Vorherr, Gustav Johann Michael Christian, Dr.; 19.10.1778 (Freudenbach/Wttbg.) – 1.10.1848 (München); Kreisbaurat und Oberbaurat
  • Vorherr, Karoline (vw) / Orthwein (gb); 2.1783 – 11.2.1866 (München); Kreisbaurats-Witwe

Grab der Familien Schleiß von Löwenfeld · Vorherr auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Dr. med. Max Josef Schleiss von Löwenfeld

* 7.6.1809 (Sulzbach)
† 7.2.1897 (München)
Geheimer Obermedizinalrat und königlicher Leibarzt

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Schleiß von Löwenfeld Max Josef, Dr. med., 1809 (Sulzbach) – 1897, Geheimer Obermedizinalrat und königlicher Leibarzt; nach Studien zu München wurde er Privatassistent bei Ph. von Walther und war von 1833–1836 Assistent im Krankenhaus links der Isar in München; er machte eine Studienreise durch Deutschland, Frankreich, England, Holland und Belgien und wurde 1848 Hofstabsarzt, nach Walthers Tod Leibarzt der Könige Max II. und Ludwig II.; Sch. wirkte auch als fruchtbarer Fachschriftsteller.

Hauptwerke: Skizzen zu einem Lehrbuch für eine Allgemeine pathologische Anatomie, Zur Symptomatologie und Therapie der Prostatakrankheiten, Anfangsgründe der Physik, Physikalische Briefe, über den Ursprung der Sprache – eine physiologisch-linguistische Studie, Über die Entstehung von Epidemien, mit besonderer Rücksicht auf Cholera und Typhus.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#Dr. Gustav Johann Michael Christian Vorherr

* 19.10.1778 (Freudenbach/Wttbg.)
† 1.10.1848 (München)
Kreisbaurat und Oberbaurat

#Allgemeine Deutsche Biographie (1896)

Vorherr: Gustav (Johann Michael Christian) V., Dr., Architekt, geboren am 19. October 1773 zu Freudenbach (im ehemaligen Fürstenthum Ansbach), Sohn eines geschickten Maurermeisters; erhielt eine sorgfältige Erziehung, studirte an den Universitäten Erlangen und Marburg die Staatswissenschaft und machte seine strengen architektonischen Studien an den Kunstakademien zu Berlin und Paris. Als Baupraktikant bereiste V. mit einem preußischen Stipendium ganz Deutschland und die Schweiz, die Niederlande, Frankreich und England und sammelte durch Autopsie jene Fülle von architektonischen Erfahrungen und Kenntnissen, welche er in der Folge mit wahrer Begeisterung für die Landesverschönerung verwendete. Als Architekt des Grafen Görtz zu Schlitz baute er 1800—1803 das Schloß Halleburg nebst mehreren Garten- und Wirthschaftsgebäuden und einige Brücken und wirkte damals schon, auf Anregung seines kunstsinnigen Bauherrn für Landesverschönerung. Von 1803 bis 1806 lebte V. als fürstlich-oranischer, dann bis 1809 als kaiserlich französischer Baumeister zu Fulda, wo unter seiner Leitung die Wilhelmstraße, eine Kirche, Schulhäuser, sowie mehrere Hof-, Domänen- und Salinenbauten, eine Hochstraße entstanden; da die Kriegszeiten zur Realisirung seiner Ideen für Landesverschönerung wenig geeignet waren, so legte er dieselben in ausgearbeiteten Programmen 1807 und 1808 (im Allgemeinen Anzeiger der Deutschen) nieder. Im Herbste 1809 als Kreisbauinspector nach München berufen, wurde er 1810 Mitglied des Oberbaucommissariates, dann Baureferent bei der Kreisoberadministration, 1815 Baucommissionsrath, 1817 Oberbaucommissär im Staatsministerium des Innern, 1818 Baurath bei der Regierung des Isarkreises und entfaltete in allen diesen Stellungen eine ganz außerordentliche Thätigkeit bis zu seinem 1847 erfolgten Ableben. Viele Kirchen, Pfarr- und Schulhäuser, Wohlthätigkeitsgebäude, Wasser-, Brücken- und Straßenbauten leitete V., er entwarf die Pläne zur Erweiterung und Gestaltung des (südlichen alten) Friedhofs mit den Arkaden (1813 und 1818 auf Stein gezeichnet von Jos. Unger). V. wirkte zur Bildung und Unterstützung des Bauhandwerkes, auch zur Verbreitung eines besseren Baustils und Geschmacks und gab in seinen »Andeutungen über die Direktion des öffentlichen Bauwesens in Baiern« (1819) schätzbare Winke und Beiträge zur Organisation dieses wichtigen Zweiges der Verwaltung. Insbesondere betrieb er die Verwirklichung seiner Landesverschönerungs-Ideen, welche theilweise an Goethe's Projecte anklingen, anderseits aber das früher beliebte sog. physiokratische Princip in das Artistische übertragen. Die an der Spitze aller Künste stehende Landesverschönerung »umfaßt im allgemeinen den großen Gesammtbau der Erde auf höchster Stufe, lehrt den Menschen sich besser und vernünftiger anzusiedeln, den Boden neu in Besitz zu nehmen und klüger auszunützen, sie legt das Fundament zu einem verbesserten Kunst- und Gewerbewesen, gründet die echte Bauhütte, trägt wesentlich zur Veredlung der Menschheit bei, webt ein hochfreundliches Band, wodurch künftig alle gesitteten Völker zu einer großen Familie verkettet werden und knüpft durch den Sonnenbau die Erde mehr an den Himmel“. Das also sei die Aufgabe des neunzehnten Jahrhunderts »das gesammte Bauwesen eines Landes, Wasser-, Brücken-, Straßen- und Hochbau des Hofes und Staates, der Communen und Stiftungen, dann die Baupolizei nebst dem Feld- und Gartenbau zu umfassen, die Hochgebäude nach den vier Hauptgegenden (man denkt dabei unwillkürlich an die Anlage der Stadt Mannheim) zu orientiren, die Wohnhäuser mit steter Hinsicht auf das Schöne möglichst vollkommen einzurichten, die Städte und Dörfer zu verschönern, die Fluren vernünftiger einzutheilen und zu gestalten, geschicktere Bauleute zu bilden (!), ein glückliches Bürgerthum zu gründen und zu erhalten. Gemeines zu veredeln und Niedriges zu erhöhen«. Die wahre Landesverschönerung oder »Verschönerung der Erde entsteht nur dadurch, daß Agricultur, Gartenkunst und Architektur in größter Reinheit, ungetrennt, nicht bloß für das Einzelne, sondern hauptsächlich für das Gemeinsame wirken«. In den von V. 1821 bis 1830 redigirten »Monatsblättern für Bauwesen und Landesverschönerung« brachte er mit unermüdlicher Redseligkeit bei jeder Gelegenheit seine Ideen zur Geltung, insbesondere über die richtige Himmelsstellung der Häuser, der Häuserreihen, der Dörfer und Städte, ein Problem, welches Dr. Faust in einer eigenen Schrift »Zur Sonne sollen die Menschen wohnen« (Bückeburg 1832) abermals betonte. Auf Vorherr's Betrieb wurde 1821 in Baiern ein eigenes Comité für Landesverschönerung zusammengesetzt, 1823 trat zu Altenburg ein ähnlicher Bauverein ins Leben, 1827 für Wittenberg und an verschiedenen anderen Orten. Seine Landesverschönerung wurde bei V. nicht nur eine deutsche, sondern eine europäische, ja sogar die ganze Erde und die gesammte übrige Welt betreffende Angelegenheit. Ueberall theilte er seine Lehre mit und ließ selbe durch seine Schüler in Blättern und Zeitschriften verbreiten, so daß V. bei der redlichsten Gesinnung zuletzt doch den Vorwurf eines immerwährenden Eigenlobes auf sich lud. Sein immer wiederkehrendes Programm lautete: »Freundliche, auf das beste eingerichtete Häuser und Höfe; glückliche Bewohner; schönere Städte, Dörfer und Fluren, bessere Bürger, verschönerte Länder, verbesserte Völker; verschönerte Erde, veredelte Menschheit! Wenn sich auch die Menschen weder in der Religion, noch in der Politik zu vereinigen im Stande sind, so werden sie sich doch in der Landesverschönerung — die alle Baustyle duldet, aber aufräumt, sichtbare Ordnung und Reinlichkeit nicht bloß im Einzelnen, sondern im Allgemeinen verbreitet, Wohlstand befördert und Liebe zum Vaterlande mehrt — aneinander schließen und verbrüdern zum Glücke der Menschheit. Heil und Ruhm demjenigen Staate, welcher in dieser Hinsicht mit einem trefflichen Beispiele vorleuchtet! Möchte für diese große Volkssache bald auf der ganzen Erde mit aller Liebe und Ausdauer gearbeitet werden!« Dabei ging V. freilich mit dem besten Beispiele voran, wirkte darauf hin, daß die Baugewerke emporgebracht und die Werkleute an Geist und Herz veredelt würden und eine standesgemäße Bildung erlangten. Deshalb gründete er eine Baugewerkschule (1823), welcher durch die Unterstützung der Regierung der Charakter einer öffentlichen Anstalt verliehen wurde. Hatte schon früher der edle Professor Mitterer für Gewerbeleute eine Sonntagsschule ins Leben gerufen, so dehnte V. den Unterricht für den ganzen Winter aus, so daß die Schule allgemach in großen Flor kam und bis zu Vorherr's Ableben schon über 2000 Zöglinge, darunter sogar aus dem Auslande, zählte. Ihm schwebte dabei der Geist der mittelalterlichen Bauschulen mit ihren Ordnungen und Satzungen vor, eine Institution, von welcher man zu Vorherr's Zeiten freilich am allerwenigsten mehr wußte; Solidität der Arbeit und gewissenhafte Erfüllung der obliegenden Pflichten wurden mit echt deutscher Ehrlichkeit Jedem ans Herz gelegt. So sollte der Weg gebahnt werden, auf welchem das Gewerbe der Kunst mit klarem Bewußtsein zu ihren Schöpfungen die hülfreiche Hand bieten könnte. Auch eine gewisse Selbständigkeit schien erreichbar, wie die vielen, aus dieser Schule hervorgehenden Landbaumeister bewiesen. Vierundzwanzig Jahre leitete V. seine Schöpfung, ebenso unter Ehren wie Anfeindungen. Eine Menge von Plänen, Rissen und Projecten (darunter auch der Einfall das Louvre mit den Tuilerien zu verbinden, 1809) wurden nebst vielen Vorlagenblättern lithographirt, vieles von seinem treuen Schüler Joseph Unger, welcher, geboren 1785 in der damaligen Vorstadt Au, als Bauingenieur im Ministerium am 15. September 1857 starb. — Vorherr's Porträt ist seinen »Entwürfen zu Landschulgebäuden« (1811) beigegeben; 1844 wurde dasselbe von C. Haach gezeichnet.

Vgl. Nagler 1850. XX, 537 ff.

Hyac. Holland.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1896.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Vorherr Johann Michael Christian Gustav, Dr., 1778 (Freudenbach/Wttbg.) – 1847, Architekt und Oberbaurat; er studierte in Erlangen und Marburg Staatswissenschaft und machte seine architektonischen Studien an den Kunstakademien von Berlin und Paris; als Baupraktikant bereiste V. fast ganz Deutschland und die Schweiz, die Niederlande, Frankreich und England; 1809 wurde V., der bis dahin in Norddeutschland gewirkt hatte, als Kreisbauinspektor nach München berufen, wo er es bis zum Oberbaurat bei der Regierung von Oberbayern gebracht hat; er machte sich durch Einführung des sogenannten »Sonnenbaues«, eines offenen Bausystems, das zuerst in der Münchner Sonnenstraße praktisch durchgeführt wurde (im Gegensatz zu den in der Altstadt eng aneinandergebauten Häusern), verdient; der Abschluß des alten Teils des Südlichen Friedhofs mit den ehemaligen Arkaden verdankt V. seine Gestalt (1819); auf seine Veranlassung wurde 1821 in Bayern ein eigenes Komitee für Landesverschönerung konstituiert.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#23 – 13 – 32 (Böhaimb)


Böhaimb
August Böhaimb
Oberstudienrat i. R.
Konrektor der Luitpold
Oberrealschule
Major der Landwehr
1859 – 1938
Seine Gattin
Genny Böhaimb
geb. Rölch,
* 1862 † 1940

Linke Seite
¿

Rechte Seite
Alois Böhaimb
Stiftungs Administrator,
1825 – 1898
seine Gattinen
Albertine Böhaimb
geb. von Valta
1832 – 1865
Huberta Böhaimb
geb. List,
1833 – 1913.

Rückseite
¿


  • Böhaimb, Albertine (vh) / Valta, von (gb); 1832 – 27.12.1865 (München); Stiftungsadministrators-Gattin
  • Böhaimb, Alois Maria; 1825 – 11.1.1898 (München); Stiftungsadministrator
  • Böhaimb, August; 1859 – 1938; Oberstudienrat
  • Böhaimb, Genny (vw) / Rölch (gb); 1862 – 1940; Oberstudienrats-Witwe
  • Böhaimb, Huberta (vw) / List (gb); 1833 – 15.9.1913 (München); Stiftungsadministrators-Witwe

Todesanzeige für Alois Maria Böhaimb

Todesanzeige für Huberta Böhaimb

Grab der Familie Böhaimb auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#23 – 13 – 33 (Kaiser)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Kaiser, Franziska (vw); – (22).10.1885 (München), 81 Jahre alt; Landrichters-Witwe

Grab der Familie Kaiser auf dem Alten Südfriedhof München (September 2019)

Grab der Familie Kaiser auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2021)

#23 – 13 – 46 (Krause)


DR. PHIL.
KARL CHRISTIAN
KRAUSE
* 1781 EISENBERG
† 1832 MÜNCHEN
SCHRIFTSTELLER


  • Krause, Karl Christian, Dr. phil.; 6.5.1781 (Eisenberg/Sachsen-Altenburg) – 27.9.1832 (München); Philosoph und Schriftsteller

Grab der Familie Krause auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

#Dr. phil. Karl Christian Krause

* 6.5.1781 (Eisenberg/Sachsen-Altenburg)
† 27.9.1832 (München)
Philosoph und Schriftsteller

#Neuer Nekrolog der Deutschen (1834)

Dr. Carl Christian Friedrich Krause,
Philosoph zu München;
geb. d. 6. Mai 1781, gest. d. 27. Sept. 1832
(Nach: Beilage z.allg. Zeitung, 1883, N. 125–127; preuß. Staatszeitung, 1832, N. 316; allgem. Anzeiger, 1832, N. 313; Convers. Lex. v. Meusel.)

Zu Eisenberg im Altenburgischen geboren, wo sein Vater vierter Lehrer an der Stadtschule (später Pastor in Nobitz) war, erhielt Kr. seine erste Ausbildung auf dem Lyceum seines Geburtsortes, dann in der Klosterschule zu Donndorf (preuß. Regierungsbezirk Merseburg) und später auf dem Gymnasium zu Altenburg, studirte in Jena (1797–1800) unter Fichte und Schelling die Philosophie und las daselbst, nachdem er sich als Privatdocent habilitirt hatte, von 1802–1804 mit Beifall über Logik, reine Mathematik, Naturrecht, Naturphilosophie und sein System der Philosophie. Als im Jahre 1804 die Zahl der in Jena Studirenden sich plötzlich sehr verminderte, verließen viele Lehrer diese Hochschule. Getrieben von dem sehnlichen Verlangen, die Theorie der schönen Künste, die er im Geiste seines wissenschaftlichen Systems ausgearbeitet und vorgetragen hatte, durch eigenes Anschauen und Studium von Meisterwerken, vorzüglich in der Malerei, Bildhauerei und der Musik, tiefer zu begründen und reichhaltiger auszubilden, sowie die Geographie und Geschichte, vornehmlich für die Philosophie der Geschichte zu studiren, beschloß K., sich nach Dresden zu wenden, wo sich ihm zunächst für Studien dieser Art die reichsten Hilfsmittel boten. Ehe er sich jedoch dahin begab, besuchte er im J. 1804 noch Rudolstadt, dessen Fürst ihm den Zutritt zu seinen sehr ansehnlichen Kunstsammlungen gestattete. Vom J. 1805–1813 lebte er in Dresden, verfolgte daselbst seine Kunstzwecke und arbeitete unausgesetzt an seinem Systeme der Wissenschaft. Die dortigen Kunstschätze, die Aufführungen der Opern- und Kirchenmusik, sowie die königliche Bibliothek gewährten ihm, was er suchte und wünschte. Nachdem er im J. 1805 in Altenburg uum Freimaurer aufgenommen und von einer Dresdner Loge zum Redner erwählt worden war, ließ er in deren Auftrage eine Sammlung von freimaurerischen Vorträgen (Freiberg 1810, 3., A. Ebd. 1820.) drucken und schrieb später auch ein größeres Werk über die Idee, die Geschichte und die Gebräuche dieses Ordens unter dem Titel: »Die drei ältesten Kunsturkunden der Freimaurerbrüderschaft«, (Dresden u. Freiberg 1813; 2. A. ebd. 1820 u. 1821. 2 B.), in der Absicht, diese Gesellschaft zu ihrem wahren Zwecke zurückzuführen und sie zu veranlassen, das ihrer eigenen Idee und dem allgemeinen Rechte widerstreitende und dieselbe bei den Regierungen nothwendig verdächtig machende Geheimthun abzulegen. Ob nun gleich die Loge, deren Mitglied Kr. war, diese seine Schrift selbst den andern deutschen Logen angepriesen und in einem gedruckten Circularschreiben zur Subskription empfohlen hatte, so zog er sich dennoch durch dieselbe nicht nur die unversöhnliche Feindschaft der mysteriokryptischen Obern der Gesellschaft, sondern auch die aller Freimaurer zu, eine Feindschaft, welche ihn nachher überall hin verfolgt und alle seine Lebensverhältnisse gestört und verdorben hat.

Durch die Drangsale des Krieges aus seinem Asyle vertrieben, ging er gegen Ende des Jahres 1813 in der Hoffnung nach Berlin, daselbst bei der Universität eine Anstellung zu erhalten, und erlangte 1814 durch seine »Oratio de scientia humana et de via ad eam perveniendi« und durch eine von ihm gehaltene Probevorlesung die Erlaubniß, als Privatdocent an der Berliner Universität lehren zu dürfen. Da er aber dennoch, vornehmlich wegen der freimaurerischen Verfolgungen, die Professur, um welche er nach dem Wunsche vieler Lehrer der dasigen Hochschule nachgesucht hatte, nicht erhielt und ihm das Leben in Berlin zu theuer war, so kehrte er 1815, nach wieder hergestelltem Frieden, mit dem Vorsatze nach Dresden zuruck, dort nur seinen philosophischen und mathematischen Arbeiten zu leben. Zunächst gedachte er indessen sein vollständiges hochdeutsches Wörterbuch unter dem Titel: »Urwortthum der deutschen Volkssprache«, vollends auszuarbeiten und herauszugeben, wozu er als Mitstifter »der Berlinischen Gesellschaft für deutsche Sprache«, der er als Ordner vorgestanden, den Entschluß gefaßt hatte. Leider zerschlug sich aber auch dieses Unternehmen an dem ihm überall feindselig entqegenwirkenden Einfluße der Maurer, da die gehoffte königliche Unterstützung durch Letztere hintertrieben wurde. Auch die im J. 1816 herausgegebene öffentliche Ankündigung dieses Werkes hatte keinen günstigen Erfolg; denn obgleich viele Sprachforscher und Freunde der Spracherforschung die Vollendung desselben eifrig wünschten und darauf subskribirten, so kam doch die zur ruhigen Ausarbeitung und zum Selbstverlage erforderliche Geldsumme nicht zusammen.

Im J. 1817 machte er als Begleiter eines kunstliebenden Freundes eine Reise durch Deutschland, Italien und Frankreich und studirte auf derselben als philosophischer Aesthetiker die Meisterwerke der bildenden Künste. Die Vorarbeiten zu seinem großen Werke »Das System der Wissenschaft«, welches Philosophie und Mathesis, sowie die Philosophie der Geschichte gleichförmig umfassen sollte, waren im Jahre 1822 beendet. Mit dem Wunsche, dasselbe so bald als möglich herauszugeben, erwachte in ihm von neuem das Verlangen, sein wissenschaftliches System und überhaupt die Resultate seiner langjährigen wissenschaftlichen Forschungen als Universitätslehrer mitzutheilen. Allein auch diesmal scheinen seine maurerischen Ordensbrüder die Schritte, welche er that, um eine Professur an einer Universität zu erlangen, erfolglos gemacht zu haben. Kr. sah sich daher gezwungen, zum drittenmale den Weg des Habilitirens als Docent einzuschlagen, begab sich im Jahre 1823 nach Göttingen, disputirte 1824 über 14 Theses (von denen er in Oken's »Isis«, 1832, 10. Heft, eine mit Anmerkungen begleitete Übersetzung gab) und begann daselbst eine Reihe von Vorlesungen, die er bis ins Jahr 1830 fortsetzte. Seine mit unermüdlichem Fleiße gehaltenen akademischen Vorträge waren der Einleitung in die Philosophie, der Logik, dem Naturrechte, der Psychologie, der Aesthetik, der Philosophie der Geschichte, der Theorie der Musik und Acustik, sowie auch der Geschichte der Philosophie und der Darstellung und Würdigung der neuen deutschen philosophischen Systeme gewidmet. Aber auch in Göttingen wurde er von seinen unversöhnlichen Feinden mit den absurdesten Verleumdungen verfolgt. Alles nur Ersinnliche wendete man an, um ihm die Achtung und Gunst einflußreicher Personen zu entziehen und zunächst seine Zuhörer von ihm abwendig zu machen. Obgleich nun der Plan, ihm den Aufenthalt in Göttingen zu verleiden und ihn von dort zu verdrängen, an seinem Fleiße und seiner unermüdlichen Gewissenhaftigkeit als Lehrer scheiterte, so zehrte doch übermäßige Arbeit und entmuthigender Kummer an seiner Gesundheit, und es gelang ihm unter solchen Umständen nicht, die beabsichtigte Herausgabe seines Systems des Wissenschaft möglich zu machen.

Auf drei Universitären des deutschen Vaterlandes war K. nach ehrenvollen Probeleistungen in die philosophische Facultät aufgenommen worden; aber überall hin verfolgt, hatten ihn alle seine Anstrengungen und seine anerkannten Lehrergaben dennoch zu keinem ordentlichen Lehramte zu führen vermocht. Er selbst beklagte dies mit folgenden Worten: »Gewiß, es ist hart, bei einem langen, einzig dem Wahren, Guten und Schönen mit treuestem, angestrengtestem Fleiße gewidmeten Leben, mich an der Erreichung meines Lebenszweckes überall verhindert zu sehen durch den unverständigen, blinden Haß einer Gesellschaft, welcher ich meine Jugendkräfte mit dem besten Herzen gewidmet, und auf deren Liebe und Dankbarkeit ich, nach dem Urtheile der Sachkenner, mir gegründete Ansprüche durch meine Vorträge und durch meine Schriften erworben habe.« Richtig gewürdigt finden sich seine freimaurerische Arbeiten unter Anderem in der Encyklopädie der Freimaurerei von Lenning, im Conversationslexicon (n. F. 12. Bd. 1825) und in Moßdorf's »Mittheilungen an denkende Freimaurer«.

Unter den vorher erwähnten, für K. so ungünstigen Umständen faßte er bereits im Frühjahre 1829 den Entschluß, Göttingen zu verlassen und seinen Wohnort im südlichen Deutschland zu nehmen; er konnte aber, vornehmlich durch Krankheit gehindert, denselben nicht sogleich ausführen, zumal da ihm die dazu nöthigen Geldmittel mangelten, in deren Besitz ihn erst im J. 1831 eine Erbschaft versetzte. Als er sich im Frühjahre 1831 wohler fühlte, zog er nach München, lebte daselbst still und arbeitsam der Hoffnung, seine von einer heftigen Krankheit erschütterte Gesundheit wieder herzustellen und die beiden Hauptwerke seines Lebens, sein »System der Wissenschaft« und das »Urwortthum der deutschen Volkssprache«, zu vollenden und herauszugeben. Aber auch nach München drangen die Verläumdüngen seiner Feinde und verbitterten ihm noch sein letztes Lebensjahr; nur an der Gerechtigkeit des königlichen Ministeriums scheiterten ihre Pläne. K. konnte leider die volle, kräftige Gesundheit nicht wieder erlangen, die ihm als Jüngling und als Mann so viele Mühen und Anstrengungen zu ertragen erlaubt hatte; doch war er heiter, zufrieden und arbeitete noch am Tage seines Todes bis 8½ Uhr Abends. Eine Stunde später rief ihn ein Schlagfluß aus diesem Leben ab.

Das Leben des Hingeschiedenen war eben so sehr ein Muster thatkräftiger Tugend, Gerechtigkeit, Liebe und Schönheit, als sein Wissenschaftswerk ein Muster der Wahrheitforschung ist. Der Zweck seines Wirkens war das Wohl der gesammten Menschheit; Liebe zu seinen Mitmenschen, Freunden und Feinden, war der Quell all seines Thuns und Strebens. Sein Herz kannte keine Feindschaft. Dem Irrthume hielt er friedlich und ohne Spott die Wissenschaft und die Wahrheit entgegen; dem Hochmuthe begegnete er mit Bescheidenheit, der Falschheit mit Biederkeit, der Feindschaft mit Lieberbieten. Gegen alle Menschen bestrebte er sich, auch in den scheinbar geringfügigsten Dingen, gerecht und duldsam zu seyn. Wr schonte eines Jeden sittliche Freiheit in allen Lebensverhältnissen, und nie, auch nicht zum besten Zwecke, erlaubte er sich gegen irgend einen Menschen des Gewaltmittels der Ueberredung. Er war ein ruhiger, treuer, fleißiger Bürger, achtete die Gesetze und Obrigkeiten des Staates, dem er angehörte, und gehorchte denselben. Sein ganzes Leben suchte er tugendhaft und schön zu bilden; alle Kräfte seines Geistes und des Leibes übte er gleichmäßig und harmonisch. Seine liebste Arbeit war die Erforschung der Wissenschaft und der Wahrheit, welche letztere er, sobald er sie als solche erkannt hatte, nach bester Einsicht und nach besten Kräften mittheilte; ob sie Eingang fände und anerkannt würde, dafür stellte er die Sorge Gott anheim. Er achtete und ehrte die schöne Kunst und ihre Werke; in der Tonkunst, im Gesange und auf dem Klavire, war er selbst ein guter Künstler. Als Familienvater zeichneten ihn Treue in Liebe und Sorgfalt aus; bei allen Schwierigkeiten und Hemmnissen, die von seiner äußern Lage herrührten, verlor er nie eine echt menschliche Erziehung und Ausbildung seiner 12 Kinder aus dem Auge.

Im Umgange war K. ehrerbietig, bescheiden, liebreich und gefällig; seine liebenswürdige Heiterkeit nahm Jeden für ihn ein, der ihn persönlich kannte. Die Würde, Ruhe und Schönheit seines Benehmens ließen den tugendhaften, frommen Weisen nicht in ihm verkennen. Nie, auch in den schwierigsten Verhältnissen nicht, hat man gesehen, daß er seinen Gleichmuth und das Bewußtseyn seiner Menschenwürde verloren hätte.

Als Verkünder und Stifter des Menschheitbundes, dessen Idee er in seinen Schriften darlegte, ging sein ganzes Streben dahin, einen gesunden, unverletzbaren Keim zu legen zu einem höheren und schöneren Leben der Menschen und zu gründlicher Besserung aller menschlichen Verhältnisse. Daß seine menschenfreundlichen Absichten auch in dieser Hinsicht mißdeutet und der große Gedanke, der ihnen zu Grunde lag, verkannt wurden, gibt ein trauriges Zeugniß von dem kleinlichen, leidenschaftlichen Geiste, mit dem man oft in unseren Tagen des Menschen würdige und des Dankes werthe Bestrebungen beurtheilt. Kr.'s Ideen und Bemühungen erfuhren keine gründliche Beleuchtung oder Discussion, sondern gaben nur Veranlassung zu neuen Verleumdungen gegen den Verewigten, welchen man in Folge der Göttinger Unruhen und weil er zur Zeit derselben bedeutende Geldsendungen erhalten hatte, für einen Agenten des berüchtigten Pariser Comite Directeur ausgab. Wie grundlos dieses so leichtfertig und zuversichtlich verbreitetes Gerücht ist, beweisen die im »Allgemeinen Anzeiger« (1833, N. 42,64.) eingerückten desfalsigen Berichtigungen, welche aus München von der Witwe des Hingeschiedenen, Amalia Concordia Kr., geb. Fuchs, und von seinem Schwager J. F. Fuchs zu Eisenberg im Herzogtum Altenburg eingesendet sind. Gewiß hatte Kr. eben so wenig Antheil an den Göttinger Unruhen, als er das in Frage stehende Geld von den politischen Fanatikern Frankreichs erhielt; denn außer den Geldern, welche er 1831 aus dem Nachlasse seiner in demselben Jahre verstorbenen Schwiegermutter bezog, übersendete ihm eine Prinzessin, welche nicht genannt seyn wollte, nach und nach die Summe von 300 Thalern. Sie wünschte ihn der Universität zu erhalten und machte es ihm durch ihre Unterstützung möglich, noch eine Zeit lang abzuwarten, ob seine vieljährigen Verdienste nicht endlich doch über die schon mehrfach öffentlich gerügten Verläumdungen einiger einfußreichen dortigen Gelehrten den Sieg davon tragen würden.

Die noch nicht angeführten Werke des Verstorbenen sind: Diss. philos. mathematica de philosophiae et matheseos notione et earum intima conjuctione. Jenae 1802. – Grundriß der historischen Logik. Ebd. 1803. – Grundlage des Naturrechts. Leipz. u. Jena 1803. – Anleitung zu der Naturphilosophie. Ebd. 1804. – Grundlage d. Arithmetik. Jena 1804. – Faktoren u. Primzahlentafeln u. s. w. Ebd. 1804. – Vollständige Anleitung, allen Fingern beider Hände zum Klavier- und Pianofortespielen Stärke u. Gewandheit zu verschaffen. Dresden 1808. – System der Sittenlehre. Leipz. 1810. 1. Bd. – Eine Vorrede und berichtigende Anmerkungen zu C. F. A. Burkhardt's deutscher Uebersetzung der Geschichte der Freimaurerei u. s. w. Freiberg 1810. – Das Urbild der Menschheit. Dresden 1811. 2. A. Ebd. 1819. – Tageblatt des Menschenlebens. Ebd. 1. Viertelj. 1815. – Von d. Würde der deutschen Sprache u. s. w. Ebd. 1817. – Zweck und Inhalt d. Schrift über die drei ältesten Kunsturkunden der Freimaurerbrüderschaft. Freiberg 1819. – Darstellungen aus d. Gebiete der Musik u. s. w. Göttingen 1827. – Vorlesungen über d. System der Philosophie. Ebd. 1828. – Abriß des Systems der Philosophie. 1. Abth. Ebd. 1828. – Abriß des Systems d. Logik. Ebd. 1828. 2. A. – Abriß der Rechtsphilosophie. Ebd. 1828. – Vorlesungen über die Grundwahrheiten der Wissenschaft. Ebd. 1829. Sie wurden 1823 in Dresden gehalten.

Neuer Nekrolog der Deutschen. Ilmenau, 1834.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Krause Karl Christian Friedrich, Dr. phil., 1781 (Eisenberg/ Sachsen-Altenburg) 1832, Philosoph und Schriftsteller; er studierte in Jena, wo er sich 1802 als Privatdozent habilitierte, lebte in Rudolstadt, dann in Dresden; sein Versuch, in Berlin, wo er Vorlesungen hielt und die Berlinische Gesellschaft für deutsche Sprache stiftete, eine Anstellung zu finden, war erfolglos; ebenso blieb K. auch in Göttingen und München ohne Amt; er lebte nur ein Jahr in München; die Ansicht, daß die Menschheit auf Erden ein Teil eines höheren Geisterreiches sei, bildete den Grund seines Lehrsystems, das als die Aufgabe an die Menschheit stellte, sich zu einem organisch und harmonisch gestalteten Bund herauszubilden; wegen seiner Schriften wurde er von der Freimaurerbrüderschaft, deren Lehre er zwar förderte, ausgeschlossen.

Hauptwerke: Die drei ältesten Kunsturkunden der Freimaurerbrüderschaft, Urbild der Menschheit, Abriß des Systems der Philosophie, Vorlesungen über die Grundwahrheiten der Wissenschaft; in München, wo er nur ein Jahr lebte, wollte man ihm die Aufnahme verweigern, weil aus seinem unsteten Leben in Dresden, Göttingen und Berlin vermutet wurde, daß besondere Umstände den Wohnungswechsel veranlaßt hätten, »wie man dießfalls in Erfahrung brachte, daß die Compromittierung der Freymaurer seine Entfernung aus Berlin herbeygeführt haben soll«; er selbst verteidigt sich als unbescholtener, ruhiger Familienvater mit Frau und sieben Kindern nach München als einen Freihafen der Sicherheit und Ruhe für rein wissenschaftliche Bestrebungen aus Alters- und Gesundheitsgründen gekommen zu sein, er kündigte die Herausgabe eines Systems der Philosophie und eines Vollständigen Wörterbuchs der deutschen Sprache an; auch seinem Sohn Dr. Karl Erasmus K., Privatdozenten der Philosophie in Göttingen, wurde wiederholt (1831, 1832, 1836, 1839 und 1844) wegen politischer und religiöser Verdächtigungen der Aufenthalt in München untersagt, nur um die Werke seines Vaters herauszugeben, wurde ihm dieser endlich 1844 gebilligt.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#23 – 13 – 47 (n. n.)


(September 2019)