SECTION 25

- 25 – 1 – 9 (Antoni)
- 25 – 2 – 1 (n. n.)
- 25 – 2 – 25* (Frey)
- 25 – 3 – 1 (Jäger)
- 25 – 3 – 5* (Stolz)
- 25 – 4 – 1* (Golliet)
- 25 – 5 – 4 (Ludwig · Million · Pfeufer)
- 25 – 6 – 1 (Feder)
- 25 – 6 – 25 (Eichenseher)
- 25 – 6 – 32 (Reiss)
- 25 – 7 – 15* (Büchl)
- 25 – 7 – 18 (n. n.)
- 25 – 7 – 23 (Rummel)
- 25 – 8 – 1 (n. n.)
- 25 – 8 – 13 (Hörmann)
- 25 – 8 – 21 (Wymetal)
- 25 – 8 – 30 (Zollner)
- 25 – 8 – 32 (Huber)
- 25 – 8 – 35 (Cramer · Neureuther)
- 25 – 9 – 18 (Erhart · Stahl)
- 25 – 9 – 19 (Lechleitner)
- 25 – 9 – 23* (Kargus)
- 25 – 9 – 35 (Correns)
- 25 – 10 – 1 (Weinkauff)
- 25 – 10 – 2 (Zellhuber)
- 25 – 10 – 40 (Mayer · Urban)
- 25 – 11 – 3·4 (Birzer)
- 25 – 11 – 11 (Koller)
- 25 – 12 – 8 (Pfeufer)
- 25 – 12 – 10 (Führmann)
- 25 – 12 – 17 (Kleinschrod · Lichtenthaler · Linsmayer)
- 25 – 12 – 21 (Föringer)
- 25 – 12 – 25 (Malia)
- 25 – 12 – 29 (Klotz)
- 25 – 12 – 31·32 (Morgenroth)
- 25 – 12 – 36 (Reicheneder)
- 25 – 13 – 1 (n. n.)
- 25 – 13 – 2 (Schneeweiß)
- 25 – 13 – 4 (Hertling)
- 25 – 13 – 5 (Urban)
- 25 – 13 – 6 (Göschl · Orff)
- 25 – 13 – 7* (Eger)
- 25 – 13 – 8·9 (Muffat)
- 25 – 13 – 13·14 (Jeetze)
- 25 – 13 – 16·17 (Wirschinger)
- 25 – 13 – 24 (Hocheder)
- 25 – 13 – 25 (Seinsheim)
- 25 – 13 – 31 (Kellerhoven)
- 25 – 13 – 35 (Ried)
- 25 – 13 – 36 (Seitz)

#25 – 1 – 9 (Antoni)


#25 – 2 – 1 (n. n.)


#25 – 2 – 25* (Frey)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Frey, Ludwig Josef Franz; 10.2.1819 (München) – 31.7.1888 (München); Majors-Sohn / Generalmajor a. D.
Das Grab ist nicht erhalten
#Ludwig Josef Franz Frey
* 10.2.1819 (München)
† 31.7.1888 (München)
Majors-Sohn / Generalmajor a. D.
#Jahresberichte über die Veränderungen und Fortschritte im Militärwesen (1889)
Ludwig Josef Franz Frey,
Königlich Bayerischer Generalmajor a. D.
Geb. 10. Februar 1819 zu München; gest. 31. Juli 1888 zu München.
Als Sohn eines Majors im Cadetten-Corps ausgebildet, trat er 1838 den 19. August in die Armee, zum Junker im Infanterie-Regiment »Kronprinz« ernannt. Befördert 1839 den 25. Juni zum Unterlieutenant im 6. Infanterie-Regiment »vac. Herzog Wilhelm«, im selben Regiment 1848 den 21. August zum Oberlieutenant, vermählte er sich 1852, nachdem er in diesem Jahre am 28. Februar zum Hauptmann zweiter Klasse im 15. Infanterie-Regiment avancirt war. In diesem Regimente 1858 Hauptmann erster Klasse und 1866 den 20. Mai zum Major während des Feldzuges befördert, wurde er 1869 den 8. Januar Oberstlieutenant im 5. Infanterie-Regiment »Großherzog von Hessen« und 1872 den 16. Februar Oberst und Commandeur dieses Regiments. Während des Krieges 1870/71 mußte er das Commando des immobilen 5. Infanterie-Regiments und die Stadt- und Etappen-Commandantur zu Bamberg führen; hatte daher wohl mühevollen Dienst, aber nicht die ersehnte Gelegenheit, vor den Feind zu kommen. In Folge zunehmender körperlicher Leiden erbat und erhielt er 1876 den 19. October die Pension mit dem Charakter als Generalmajor, verlebte den Rest seiner Tage im Kreise der Seinen und stand allgemein in wohlverdientem Ansehen. Nächst Hessischen Orden, war er mit dem Militärverdienst-Orden I. Klasse und dem Michaelsorden ausgezeichnet. K.
Jahresberichte über die Veränderungen und Fortschritte im Militärwesen. Berlin, 1889.

#25 – 3 – 1 (Jäger)



#25 – 3 – 5* (Stolz)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Stolz, Herrmann; – 28.6.1888 (München), 50 Jahre alt; Kunstmaler

Das Grab ist nicht erhalten

#25 – 4 – 1* (Golliet)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Golliet, Franziska Aloisia (vh) / Schinn (gb); 26.12.1805 (Salzburg) – 18.9.1889 (München); Sängerin

Das Grab ist nicht erhalten
#Franziska Aloisia Golliet (vh) / Schinn (gb)
* 26.12.1805 (Salzburg)
† 18.9.1889 (München)
Sängerin
#Augsburger Postzeitung (20.4.1830)
München, 18. April. Ihr jüngstes Sonntagsbeiblatt (vom 14. April) theilt einen Irrtum, der indeß um so verzeihlicher ist, als fast die ganze musikalische Welt hier in demselben befangen war und die N. M. Z. in ihrem Artikel »über die Leistungen Münchens im Gebiete der Musik« ihn nur bestätigte. Es ist nämlich in diesem Artikel gesagt, Referent habe der Aufführung des berühmten Misere von Felice Anerios und einer schönen Composition Aiblingers am folgenden Tage nicht beiwohnen können, da die Kirche überfüllt war; »die Stimme der ehemaligen Fräulein Hetzenecker hatte eine große Masse des Publicums dahingezogen.« Und dieses Publicum sprach allerdings beim Hinausgehen aus dem Gotteshause entzückt von dem Schmelz und der Schönheit der Stimme der ersten Solosängerin, nur war dieses nicht die gewesene Fräul. Hentzenecker, wie allgemein die Meinung herrschte, sondern die k. Hofcapellsängerin Frau Golliet, geb. Schinn, eine allgemein geachtete Künstlerin, deren großer Bescheidenheit wir nicht zu nahe zu treten glauben, wenn wir der Wahrheit die Ehre geben.
Augsburger Postzeitung No. 94. Samstag, den 20. April 1830.
#Signale für die Musikalische Welt (8.1889)
In München starb am 18. Septbr. das ehemalige verdienstvolle Mitglied der königl. Hof- und Vocalcapelle Frau Fanny Golliet, auch als Gesanglehrerin sehr geschätzt, im Alter von 84 Jahren. Die Verstorbene, am 26. Decbr. 1805 in Salzburg geboren, war eine Tochter des in Süddeutschland als Kirchenkomponist nicht unbekannten Flöten- und Violaspielers Georg Schinn, eines Schülers von Michael Haydn und bayerischem Hofmusikus.
Signale für die Musikalische Welt No. 55. Leipzig, Oktober 1889.
#Münchner Neueste Nachrichten (21.9.1889)
Theater, Literatur und Wissenschaft.
(Frau Fanny Golliet †.) Eine hochverdiente Sängerin unserer kgl. Hofkapelle schied am Nachmittag des 18. ds. aus diesem Leben. Frau Fanny Golliet, die Tochter des ehemals fürstbischöflich eichstättischen und nachmals kgl. bayrischen Hofmusikers Georg Schinn – ein Schüler Michael Haydn's – war denn 26. Dez. 1805 in Salzburg geboren und empfing im Institut der englischen Fräulein in Nymphenburg eine sehr sorgfältige Erziehung und war schon in noch jungen Jahren in den vornehmen Familien Münchens eine sehr geschätzte und gesuchte Gesang- und Klavierlehrerin. Frau Golliet war eine Zierde der k. Vokalkapelle und diente als Solosopranistin unter den k. Hofkapellmeistern Stuntz, Aiblinger und Lachner eine lange Reihe von Jahren. Aeltere Besucher der Gottesdienste in beiden k. Hofkapellen erinnern sich mit hoher Anerkennung an ihre schöne, wohlklingende, kunstgemäß auf's Sorgfältigste ausgebildete Stimme und rühmen ihren edlen, andachtweckenden Vortrag der Soli ganz besonders in der Mozartischen Meßkompositionen und speziell in der sogenannten Krönungsmesse. Die hochgeachtete Künstlerin, deren Ehe mit dem Rentier Golliet aus Lyon kinderlos geblieben, erfreute sich bis an ihren späten Lebensabend seltener Rüstigkeit und wird am Samstag Nachmittag 3 Uhr im südlichen Friedhofe zu Grabe getragen. (B. K.)
Münchner Neueste Nachrichten Nr. 436. Samstag, den 21. September 1889.
#Münchner Neueste Nachrichten (22.10.1889)
Versteigerungs-Bekanntmachung.
Als letztwillig ernannter Commissär in der Verlassenschaft der Frau Fanny Golliet, pensionirten Hof- und Kapellsängerin von München, läßt der unterfertigte Notar am
Dienstag, den 29. ds. Mts.,
Vorm. 9–12 Uhr und Nachm. 2–5 Uhr,
und wenn nöthig noch am Mittwoch, den 30. ds. Mts.,
von Vormittags 9 Uhr ab,
in der Erblasser'schen Wohnung Haus-Nr. 28 im 3. Stock an der von der Tannstraße in München den Mobiliar-Rücklaß der Frau Fanny Golliet, bestehend insbesondere:
in verschiedenen Wohnungs-Einrichtungs-Gegenständen, Bildern, Schmuck- und Zier-Gegenständen, mehreren Nippsachen, Etagére-Gegenständen und Sonstigem gegen Baarzahlung öffentlich versteigern, zu welcher Versteigerung eingeladen wird.
München, den 19. Oktober 1889.
Mesmeringer, k. Notar.
Münchner Neueste Nachrichten No. 487. Dienstag, den 22. Oktober 1889.

#25 – 5 – 4 (Ludwig · Million · Pfeufer)
Hier ruht
unser innigstgeliebter Gatte und Vater
Herr Johann Million
gest. den 7. März 1889 im 47. Lebensjahre.
Ihm folgte seine Gattin,
unsere innigstgeliebte Mutter
Frau Anna Million
gest. den 13. Jan. 1905 im 59. Lebensjahre.
Ihnen folgte unser liebes Töchterlein
Creszens Pfeufer
geb. 8. Okt. 1910, gest. 1. Juni 1911.
R. I. P.
Sockel
Hier ruht unsere gute Tante
Margaretha Ludwig
Sergeantens-Wtw.
geb. z. Schwandorf 15. Febr. 1821, gest. 31. Aug. 1898.
- Ludwig, Margaretha (vw); 15.2.1821 (Schwandorf) – 31.8.1898 (München); Sergeantens-Witwe
- Million, Anna (vw); – 13.1.1905 (München), 58 Jahre alt; Privatiers-Witwe
- Million, Johann; – 7.3.1889 (München), 46 Jahre alt; Kuttler
- Pfeufer, Kreszenz; 8.10.1910 – 1.6.1911



#25 – 6 – 1 (Feder)
S. Excellenz
Dr. Gottfried von Feder
Praesident des kgl.
Verwaltungsgerichtshofes,
geb. 17. Novbr. 1806,
gest. 12. Novbr. 1892.
Ihm voraus ging am 10. Mai 1870
seine Gattin
Anastasia von Feder,
geb. Douma
geb. zu Odessa, 20. Dezbr. 1820.
Linke Seite
Theodor Feder,
gepr. Rechtspraktikant,
geb. zu München 2. Dezbr. 1856,
gest. zu Triest 5. Dezbr. 1895.
Hans Phil. Gottf. Feder,
Baurats-Söhnchen,
geb. 28. Mai, gest. 1. August 1902.
Constantin Feder.
Gutsbesitzer
in Grignano bei Triest.
geb. zu München 17. Dezbr. 1843.
gest. zu Triest 8. Novbr. 1905.
Anne Marie / Marie Anne
Feder,
Baurats-Töchterchen,
geb. 5. Mai 1908,
gest. 22. April 1909, / gest. 6. Mai 1909.
Adele Feder,
geb. Calafati
geb. 1. Dez. 1850, gest. zu Triest 5. April 1913.
J. Lallinger.
Rückseite
Karl Feder,
k. b. Finanzrath,
geb. 6. Jan. 1763, gest. 21. Febr. 1839.
Magdalena Feder,
geb. Roder, dessen Gattin,
geb. 12. März 1778, gest. 5. Juli 1851.
Karl Feder,
k. b. Liqu.-Commissär,
geb. 30. Nov. 1791, gest. 9. März 1833.
Eleonora Feder,
geb. 17. Febr. 179¿, gest. 17. April 1865.
Söhne des k. Praesidenten
Dr. Gottfried von Feder:
Karl Feder,
cand. jur.
geb. zu Athen, 25. Jan. 1840,
gest. 20. Juli 1860.
Maximilian Feder,
k. Oberlieutenant,
geb. zu Athen, 18. Aug. 1841,
gest. zu Würzburg
an einer bei Rossbrunn
erhaltenen Wunde
am 3. Oktober 1866.
- Feder, Adele (vh) / Calafati (gb); 1.12.1850 – 5.4.1913 (Triest)
- Feder, Anastasia von (vh) / Douma (gb); 20.12.1820 (Odessa) – 10.5.1870 (München); Regierungspräsidentens-Gattin
- Feder, Anne Marie; 5.5.1908 – 22.4.1909
- Feder, Eleonora; 17.2.1793 – 17.4.1865 (München); Finanzrats-Tochter
- Feder, Gottfried von, Dr. jur.; 17.11.1806 (Ellingen/Mittelfranken) – 12.11.1892 (München); Präsident des bayerischen Verwaltungsgerichtshofs
- Feder, Hans Phil. Gottf.; 28.5.1902 – 1.8.1902; Baurats-Sohn
- Feder, Karl; 25.1.1840 (Athen) – 20.7.1860 (München); Jurastudent
- Feder, Karl; 30.11.1791 – 17.4.1833
- Feder, Karl; 6.1.1763 – 21.2.1839; Finanzrat
- Feder, Konstantin; 17.12.1843 (München) – 8.11.1905 (Triest); Gutsbesitzer
- Feder, Magdalena (vw) / Roder (gb); 12.3.1778 – 5.7.1851 (München); Finanzrats-Witwe
- Feder, Marie Anne; 5.5.1908 – 6.5.1909
- Feder, Maximilian; 18.8.1841 (Athen) – 3.10.1866 (Würzburg); Oberleutnant
- Feder, Theodor; 2.12.1856 (München) – 5.12.1895 (Triest)

#Dr. jur. Gottfried von Feder
* 17.11.1806 (Ellingen/Mittelfranken)
† 12.11.1892 (München)
Präsident des bayerischen Verwaltungsgerichtshofs
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Feder Gottfried, Dr. jur., von, 1806 (Ellingen/Mittelfranken) – 1892, Präsident des bayerischen Verwaltungsgerichtshofs; nach seinen Studien in München trat F. 1833 unter König Otto in griechische Dienste, wurde nach kurzer Zeit Rat am Obersten Rechnungshof in Athen, 1834 Chef des Regentschaftsbüros, wo er an die Vorbereitungen zur Durchführung eines Gerichtsverfassungsgesetzes und an die Verwaltungsreform in Griechenland ging; F. schuf einen Kassationshof für Griechenland in Athen und wurde 1835 zum Rat an diesem Hof und zugleich zum Professor der durch ihn neu errichteten Universität Athen ernannt; 1843 kehrte er nach Bayern zurück, wurde 1843 Fiskalrat der Bergwerks- und Salinenadministration in München und 1848 Ministerialrat im bayerischen Innenministerium und Mitglied des Frankfurter Parlaments; bei der Gründung des Verwaltungsgerichtshofs wurde F. dessen erster Präsident; sein Name ist mit der bayerischen Verwaltung Griechenlands eng verbunden.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#25 – 6 – 25 (Eichenseher)
Familien-Grab.
Hier ruhet in Gott
Herr Jos. Eichenseher,
Beamter der Münchener
Rückversicherungs-Gesellschaft
geb. 21. Novbr. 1867, gest. 16. Sept. 189¿
Dessen Vater
Herr Gg. Eichenseher,
pens. Staatssteindrucker
geb. 6. Novbr. 1840, gest. 5. Januar 1919.
Seine Gattin Frau
Franziska Eichenseher,
geb. 9. März 1842, gest. 28. Jan. 1933.
25.6.25. Schmidtner.
- Eichenseher, Franziska (vw); 9.3.1842 – 28.1.1933; Staatssteindruckers-Witwe
- Eichenseher, Gg.; 6.11.1840 – 5.1.1919; Pensionierter Staatssteindrucker
- Eichenseher, Jos.; 21.11.1867 – 16.9.189¿; Beamter der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft


#25 – 6 – 32 (Reiss)


#25 – 7 – 15* (Büchl)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Büchl, Josef; – November 1823 (München), 72 Jahre alt, Tod durch Ertrinken; Tagelöhner
Das Grab ist nicht erhalten

#25 – 7 – 18 (n. n.)


#25 – 7 – 23 (Rummel)
WALLY RUMMEL
1871 – 1933
- Rummel, Wally; 1871 – 1933


#25 – 8 – 1 (n. n.)


#25 – 8 – 13 (Hörmann)
Hier ruhen in Gott
Frau Therese Hörmann
* 9.3.1838 † 20.2.1889
Herr Ludwig Hörmann
* 11.11.1875 † 7.2.1892
Herr Josef Hörmann
* 4.6.1857 † 21.10.1923
Frl. Franziska Hörmann
* 13.7.1864 † 27.3.1923
- Hörmann, Franziska; 13.7.1864 – 27.3.1923
- Hörmann, Josef; 4.6.1857 – 21.10.1923
- Hörmann, Ludwig; 11.11.1875 – 7.2.1892
- Hörmann, Therese (vh); 9.3.1838 – 20.2.1889


#25 – 8 – 21 (Wymetal)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Wymetal, Wilhelm Ritter von, Dr. jur. / Wylt, W. (ps); 27.12.1838 (Wien) – 4.1.1896 (München); Jurist und Schriftsteller


#Dr. jur. Wilhelm Ritter von Wymetal / W. Wyl (ps)
* 27.12.1838 (Wien)
† 4.1.1896 (München)
Jurist und Schriftsteller
#Allgemeine Deutsche Biographie (1898)
Wymetal: Wilhelm Ritter v. W., Publicist unter dem Namen W. Wyl, (seit 1875) wurde am 27. December 1838 zu Wien als der Sohn des Hofraths Franz Ritter v. W. geboren. Er erhielt eine gründliche und vielseitige Bildung, entschied sich, nachdem er, jedenfalls auf Anregung der Familie, das juristische Studium mit dem Doctorat abgeschlossen, 1861 für die ihn früh anziehende Kunstwissenschaft, die er unter Erasmus Engerth als dessen Lieblingsschüler begeistert trieb, verließ aber, in der Hoffnung auf einen Conservator-Posten am Belvedere getäuscht, 1872 die Vaterstadt für immer und wurde, wie ihn später eigner wehmüthiger Scherz bezeichnete, der »Vagabund« »Wilhelm der Irrfahrer«. Zwei Jahrzehnte hat er die Erde durchstreift, und wenn er auch durch jenes Scheitern seines Plans, in fester Berufsstellung dem Kunst-Fachwissen zu dienen, an dauernder Pflege dieser seiner Herzensneigung behindert worden ist, er wurde der hehren Göttin und dem Ideale ästhetischer Schönheit niemals und nirgends untreu: wie nah und stark auch die Versuchung an ihn herantrat! Ein Meister und ein Held der Feder, hat er sich zwar dem Teufel des Journalismus verschreiben müssen, aber Ueberzeugung und litterarisches Gewissen hat er nicht geopfert. Ein gewandter Stil, rücksichtslose, durchaus subjective und dennoch unparteiische Kritik, welche er übte, die Lauge herben Spotts, den allgemach, besonders unter körperlichen Leiden der Weltschmerz und düstere Lebensbetrachtung ankränkelten, waren die bezeichnenden Eigenschaften der äußeren Wiedergabe seiner schriftstellerischen Intuition. Letztere selbst aber war an den Brüsten der echten Kunst und an ihren anerkanntesten Erzeugnissen genährt, von dem Weihehauche jener höheren Religion berührt, die in der Nächstenliebe die Basis der evangelischen Wahrheit erblickt und aus dieser Idee Christi auch »die sociale Frage« lösen will, und damit gattete sich ein warmes Mitgefühl für das Volk in seinen urwüchsigen Daseinsformen nach deren Ernst und Scherz. Wie er räthselhafte, scheinbar widerspruchsvollste Producte der bildenden Kunst zergliedert, kindlich naiv und scharfsichtig zugleich seines Freundes Franz v. Lenbach — vgl. Wyl's »Gespräche mit Lenbach« 'Dtsch. Revue' März 1896 — Bilder erfaßt und charakterisirt, wie er die Aera Tizian's, dessen ihm ans Herz gewachsene Assunta Lenbach als Weihnachtsgeschenk kurz vor dem Tode gesandt, in farbensatten Culturskizzen auferstehen hieß, wie er in zwei schlaflosen Schmerzensnächten der letzten Leidenszeit drei dicke holländische Bände über seinen neben Tizian vergötterten Rubens und Reynolds ausfüllte, so zauberte sein Gedächtniß Land und Leute, die er besucht, Scenerie und Situation, in denen er gewandert, mit keckem Pinsel aufs Papier. Auch die Musik hatte es ihm angethan: er beherrschte das Clavier, die Töne Haydn's, Beethoven's Schubert's, vor allem Mozart's, legte er sich zurecht.
Aeußere Verhältnisse verschiedener Art haben es leider verschuldet, daß dies Talent sich in anstrengenden Tagesarbeiten erschöpfen mußte. Wymetal's Laufbahn ging da nicht eben aufwärts; denn seine glänzenden Leistungen brachten ihn rasch unter die Elite der rastlosen Correspondenten, die von Ost nach West und zurück die Menschheitsschicksale im Augenblickspanorama auffangen sollen. So hat er für seine älteste Aufsehen erregende Publication, »Mein Tagebuch im Prozeß Sonzogno« (1876), als Berichterstatter der »Neuen Freien Presse« und der »Neuen Zürcher Zeitung« stenographisches und actenmäßiges Material bei den 22tägigen Verhandlungen der römischen Assisen (Herbst 1875) gesammelt, und dieser »einzige deutsche Originalbericht« mit Documenten, biographischen Beigaben und Porträts zeigt W. auch in zwei hervorstechenden Zügen seiner Schriftstellerei: einmal quellenmäßige Unterlagen mit einer gesuchten beinahe urkundlichen Genauigkeit zur Zeitgeschichte darzubieten, anderntheils diesen Nimbus halb unbewußt sofort wieder zu zerstören durch einen gewissen pikanten Aufputz, dem allerdings alle Affectirtheit fremd ist, vielmehr eine liebenswürdige Ungezwungenheit beiwohnt. Sogar wenn es das Thema verbietet, mit Grazie zu plaudern, wie in dem, inhaltlich dem erwähnten publicistischen Debüt verwandten Hefte »Der Kampf mit dem Drachen. Eine Studie über den Fall Crispi« (1895), fesselt seine leichte, lichtvolle Schreibart, der es nie an satirischen Spitzen und schlagendem Witze gebrach. In andern Fällen findet diese in dem besonderen Wesen der betreffenden Erscheinung den Uebergang, die Stimmung wirklicher Poesie mit der Actualität packender Gegenwartsereignisse zu mischen. Das sehen wir am deutlichsten in den beiden Büchern, die er der 1880er und 1890er Wiederkehr der berühmten oberbairischen Passionsspiele gewidmet hat: »Maitage in Oberammergau. Eine artistische Pilgerfahrt« (1880) und »Der Christus-Mayr. Neue Studien aus Oberammergau« (1890), zumeist wol aus den Referaten für das »Berliner Tageblatt« erwachsen. Die biedern Gebirgsbauern des bairischen Oberlandes mögen ja gar wol, wie es heißt, auf W. nicht nett zu sprechen gewesen sein, als er — in der ersten Schrift — nach eigener Aufnahme den Text »ihres« Passionsdramas durch den Druck der Controlle unterbreitete; trotzdem spiegeln diese flüssigen Schilderungen das Milieu dieses modernisirten Stückchens Mittelalter richtig und anmuthig ab, und der dargebotene Wortlaut brauchte die Druckerpresse ja gewiß weniger zu scheuen als das Secirmesser der Philologen, dem er verfiel. Alle genannten Richtungen seiner regen Phantasie verbinden ihre Fäden in den »Spaziergängen in Neapel, Sorrent, Pompeji, Capri, Amalfi, Pästum und im Museum Borbonico«, wovon die neueste unveränderte Auflage in Volksausgabe 1897 herauskam, die erste 1894. Da steht der Mann mit dem Dichterauge und dem heißblütigen Herzen, mit der schönheitsdurstigen Seele und dem feinen Kunstverstande als untrüglicher Cicerone vor uns, der aber nicht nüchterne Daten an Paragraphen kettet, sondern fesselnd eine herrliche verlorne und doch unvergänglich gebliebene Cultur nebst einer unvergleichbaren Naturwelt vor uns aufweckt: eine volkspsychologisch bedeutsame That. Und daran reihen sich endlich die köstlich erzählten »Venezianischen Geschichten und Gestalten des 16. Jahrhunderts« 'Aus Tizians Tagen' (1896, 4. Aufl. 1897; davor ein Porträt W.'s), vorgeblich aus einem alten bei einem Venediger Kleinantiquar aufgestöberten deutschen Renaissancebüchel ausgegraben, ganz verständlich im oben angedeuteten Zusammenhange.
Auf seinen Reisen mit dem Schreibstift in der Hand ist W. 1882 auch nach Nordamerika gelangt. Dorthin hatte ihn seine Gattin (seit 1878), die verwittwete Rosalie Köpfli, des Obersten z. D. S. D. Brodtbeck-Gysin älteste Tochter, gezogen, die seiner 1892 beginnenden Wassersucht eine ebenso treue Wärterin gewesen, wie seit Anfang seiner Wirksamkeit eine theilnehmende Gefährtin. In Utah entstanden damals »Mormon Portraits. Eine Geschichte Joseph Smith's und seiner Sekte, in englischer Sprache geschrieben in Salt Lake City« (1886), und nachdem er bis in den Urwald gestreift und mannichfach journalistisch thätig gewesen, kehrte er nach Europa heim — nein, er hatte ja nur das Heim seiner Familie, die ihm allenthalben folgte. 1891 ging er als Specialcorrespondent der »Kölnischen Zeitung« zur Chicagoer Weltausstellung, schrieb für diese und die (deutsche) »Illinois Staatszeitung« (hier als »Yorick« und auch als Redacteur) und ließ sich 1895 nach vergeblichem Aufenthalte in Neapels Klima in München nieder, wo er strebend und wider die nagende Qual am Herzen ringend am 4. Januar 1896 starb.
Die Bedeutung der Persönlichkeit Wymetal's und den weichen und doch so runden Charakter können erst die Sammlung seiner zerstreuten Feuilletons und mancherlei Berichte sowie der authentischen Mittheilungen über ihn klären, die Wymetal's Wittwe und Sohn Friedrich (geb. 1879), der die 4. Ausgabe der »Spaziergänge« so pietätvoll und schön nachempfindend einleitete, mit Ino Strannik vorbereiten. Danach wird der Unterzeichnete (vgl. dessen Anzeige im »Literar. Centralbl.« 1898, Nr. 6, Sp. 183) in Bettelheim's »Biogr. Jahrbuch u. dtsch. Nekrol.« (vgl. dessen I. Bd., S. VI) eine sorgsame Lebens- und Charakterstudie vorlegen. Bis jetzt sehe man auch die Nachrufe »Ueber Land u. Meer« 1895/96, Nr. 18; »Münchn. Neueste Nachrichten« v. 17. Jan. 1896, Nr. 26, S. 9; »Neue Zürch. Ztg« v. 5. Jan., Nr. 5, S. 2; (Pascal David i. d.) »Straßburger Post« 5. Jan. 1896; Illinois Staatsztg. 21. April 1898.
Ludwig Fränkel.
Ludwig Fränkel: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig; 1898.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Wymetal Wilhelm, Dr. jur., von, Ritter, 1839 (Wien) – 1896, Jurist und Schriftsteller; er studierte in seiner Heimatstadt Rechte, widmete sich dann aber hauptsächlich den Kunstwissenschaften und unternahm seit 1872 ausgedehnte Reisen, zumeist als Berichterstatter großer Tageszeitungen, lebte von 1882–1891 in Nordamerika und seit 1895 in München; nachdem er den Posten eines Konservators am Belvedere nicht erhielt, verließ er Wien und trieb sich als »Vagabund« oder »Wilhelm der Irrfahrer« (Pseudonym: »W. Wylt«) unstet zwei Jahrzehnte herum; W. verfügte über einen gewandten Stil, übte rücksichtslose, durchaus subjektive und dennoch unparteiische Kritik; sein herber Spott grenzte infolge körperlicher Leiden später an Weltschmerz und düstere Lebensbetrachtung; er war ein Freund F. von Lenbachs (»Gespräche mit Lenbach«) und konnte selbst malen und Klavier spielen (Werke von Haydn, Beethoven, Schubert und vor allem Mozart).
Hauptwerke: außer Feuilletons und Essays: Mein Tagebuch im Prozeß Sonzogno, Spaziergänge in Neapel, Sorrent, Pompeji usw., Maitage in Oberammergau, Aus Tizians Tagen, Der Christus-Mayr-Neue Studien aus Oberammergau.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#25 – 8 – 30 (Zollner)


#25 – 8 – 32 (Huber)
Familien-Grab.
Hier ruht in Frieden
unsere innigstgeliebte, unvergessliche
Gattin u. Mutter
Frau Sofie Huber,
Postamtsgehilfens-Gattin.
geb. 14. April 1864 zu Nördlingen,
gest. 25. Aug. 1895.
M. Sepp. 25.8.32.
- Huber, Sofie (vh) / Rastbucher (gb); 14.4.1864 (Nördlingen) – 25.8.1895 (München); Postamtsgehilfens-Gattin


#25 – 8 – 35 (Cramer · Neureuther)
PROFESSOR
EUGEN
NAPOLEON
NEUREUTHER
HISTORIENMALER
1806 + 1882
- Cramer, Sofie (vw) / Klotz (gb); 1779 – 23.5.1863 (München); Sängerin und Schauspielerin
- Neureuther, Eugen Napoleon; 13.1.1806 (München) – 23.3.1882 (München); Akademieprofessor, Historienmaler und Zeichner

#Sofie Cramer (vw) / Klotz (gb)
* 1779
† 23.5.1863 (München)
Sängerin und Schauspielerin
#Münchener Conversationsblatt (20.5.1843)
Feuilleton der Kunst.
Theater.
Mittwoch, den 17. Mai. Auf allerhöchsten Befehl, bei aufgehobenem Abonnement, zum Vortheile der kgl. Hofschauspielerin Madama Sophie Cramer aus Anlaß ihres 50jährigen Dienstes Jubiläums »die Jäger«, ländliches Sitten-Gemälde in 5 Aufzügen von Iffland.
Mad. Cramer, seit einem halben Jahrhundert Mitglied unserer Bühne, und schon seit Jahren eine Zierde derselben in dem Rollenfache älterer Frauen, feierte heute einen doppelten Triumph, durch die gediegene Darstellung der Ober-Försterin, mehr noch durch die Bedeutung des Theaterabends, die der am Schlusse gekrönten ein eben so würdiges, als ehrenvolles Zeugniß ihres stets unermüdeten, hehren Strebens gab. Wir können die Freude nicht verbergen, mit der auch uns diese Feier erfüllte. Wer sich der Kunst, wer sein ganzes Leben Einer Bühne geopfert, verdient diese Auszeichnung, und es ist der heutige Abend ein schöner Beweis allerhöchster Gnade, von welcher wahres und ausdauerndes Verdienst nie unbeachtet verschwinden wird.
Münchener Conversationsblatt No. 40. München; Samstag, den 20. Mai 1843.
#Der Bayerische Eilbote (26.5.1852)
Die unseres Wissens noch nicht pensionirte Hofschauspielerin, welche am 17. Mai 1843 ihr 50jähriges Dienstjubiläum feierte, nämlich Frau Sophie Cramer, befindet sich dermalen im 60. Jahre ihres theatralischen Wirkens. Es ist noch nicht lange her, als sie im »verwunschenen Prinzen« die Mutter des Schusters spielte. In ihrem Spiele pflegte sie jene seltene Wahrheit und Natürlichkeit zu entfalten, die der älteren Schule des Schauspiels zu großem Ruhme gereicht und die Gediegenheit der künstlerischen Bildung, die Frau Cramer besitzt, beurkundet.
Der Bayerische Eilbote No. 106. München; Mittwoch, den 26. Mai 1852.
#Fremden-Blatt (14.1.1865)
Aus Bremen theilt uns unser Korrespondent mit, daß der Ruf der dortigen ausgezeichneten Operngesellschaft den Hofoperntheater-Direktor Hrn. Matteo Salvi veranlaßte, von Hamburg dorthin zu reisen, um einer Aufführung beizuwohnen und namentlich die ihm von vielen Seiten empfohlene dramatische Sängerin Frl. Klotz zu hören. Die Direktion des Stadttheaters setzte die Oper »Belisar« an, worin Frl. Klotz die Antonia sang und Hrn. Salvi’s Erwartungen zum großen Theil befriedigt haben soll, denn er machte ihr sofort einen Gastspielantrag für die heurige Sommersaison. An Schönheit und Fülle der Stimmmittel dürfte die genannte Sängerin wenig Rivalinnen in Deutschland haben, dagegen läßt ihre Gesangsbildung noch manches wünschen.
Fremden-Blatt Nr. 14. Wien; Samstag, den 14. Januar 1865.
#Eugen Napoleon Neureuther
* 13.1.1806 (München)
† 23.3.1882 (München)
Akademieprofessor, Historienmaler und Zeichner
#Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode (22.12.1838)
Gallerie einiger in München lebender Künstler.
(Fortsetzung.)
Neureuther, Eugen Napoleon.
Eugen Napoleon Neureuther, geboren zu München 1806, wurde von Göthe in die Welt auf eine glänzende Weise eingeführt. Das Talent des Vaters, der Landschaftsmaler war, ging auf den Sohn über. Dem Sohne war es vorbehalten, den Vater an Ruhm weit zu überragen und ihn mit sich der Nachwelt zu überliefern. Der große Künstler erzeugt oft mittelmäßige Söhne, der unbedeutende Künstler große. Das ist der Gang der Natur. Eugen Napoleon kam als Jüngling von siebzehn Jahren auf die Akademie der Künste in München, um sich im Landschaftmalen auszubilden. König Maximilian unterstützte großmüthig den hoffnungsvollen Jüngling. Nach dem Tode Sr. Majestät des Königs zwangen ihn seine Verhältnisse, sich mit Arabesken und Blumenmalen zu beschäftigen, wozu ihm Cornelius Gelegenheit gab. Sein erster Versuch zur Selbstständigkeit in diesem Fache waren Randzeichnungen zu Göthe's Balladen und Romanzen, wodurch er die Aufmerksamkeit des »deutschen Dichterfürsten« auf sich lenkte, und sich seine Gunst im vollsten Maße erwarb. Göthe war großer Kunstkenner. Er übte oft selbst die Kunst als Landschaftsmaler. Diesen Arabesken folgten: »bayrische Gebirgsländer.« Die Cotta'sche Buchhandlung ließ ihn nach Paris reisen, um die Juliustage in Randzeichnungen neufranzösischer Nationalgesänge darzustellen.
Nach seiner Rückkehr erschienen von ihm »Randzeichnungen um Dichtungen deutscher Classiker.« Nach der Vollendung der neuen königlichen Residenz in München überkam er in Folge Auftrags die Decoration des Salons Ihrer Majestät der regierenden Königinn; in einem Fries wurden von ihm Scenen aus Wieland's Oberon dargestellt nach der Composition des Herrn von Klenze. Eckerman läßt Göthe von diesem Künstler sagen: »Die Gegenstände aus allen Reichen der Natur sind ihm geläufig, er zeichnet ebensowohl Gründe, Felsen und Bäume, wie Thiere und Menschen; Erfindung, Kunst und Geschmack besitzt er im hohen Grade, und indem er eine solche Fülle in lichten Randzeichnungen gewissermaßen vergeudet, scheint er mit seinen Fähigkeiten zu spielen, und es geht auf den Beschauer das Behagen über, welches die bequeme, freygebige Spende eines reichen Vermögens immer zu begleiten pflegt.« Die neueste Production dieses Künstlers stellt in einem Aquarellrandgemälde Bürger's »wilde Jagd« dar.
Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode 153. Samstag, den 22. Dezember 1838.
#Universal-Handbuch von München (1845)
Neureiter, Eugen,
1806 in München geboren, erhielt seinen ersten Unterricht von seinem Vater, kam dann an die Akademie, wo er sich im Landschaftsfache, in der Arabesken- und Dekorationsmalerei übte, bildete sich aber insbesondere unter der Leitung des Direktors Cornelius als Dekorationsmaler gründlich aus, und stellte auch dadurch seinen großen Ruf als Künstler fest. Besonders rühmlich bekannt ist er durch seine Randzeichnungen zu verschiedenen Dichtungen.
Universal-Handbuch von München. München, 1845.
#Münchener Künstlerbilder (1871)
Eugen Neureuther,
Historienmaler.
Eugen Neureuther’s Vater, Ludwig Neureuther, 1775 im Zweibrücken’schen geboren, erwarb sich schon im Knabenalter das Wohlwollen des Herzogs Karl von Zweibrücken, vor dem er 13 Jahre alt eine Probe seiner Kunstfertigkeit abzulegen hatte, und folgte dessen Bruder, dem Herzoge Maximilian, nachmaligem Könige von Bayern, vor den Schrecken der Revolution erst nach Mannheim, dann nach München. Des ihm nicht zuträglichen Klimas wegen verließ er diese Stadt wieder und starb 1839 in Bamberg, nachdem er seit 1814 als Zeichnungslehrer am dortigen Gymnasium gewirkt hatte. Seine meist reich ausgestatteten Landschaften sind in Haltung und Farbe vortrefflich zu nennen.
Sein Sohn Eugen, nach seinem Pathen, dem Herzog Eugen von Leuchtenberg, so genannt, ward ihm während des Aufenthalts in München am 13. Januar 1806 geboren. Nachdem Eugen von seinem Vater den ersten Unterricht in seiner Kunst erhalten, begab er sich 1823 nach München zurück, woselbst ihm das Wohlwollen des Königs Max Josef den Besuch der Akademie ermöglichte. Er hatte sich unter Wilhelm v. Kobell’s Leitung gleichfalls der Landschaftsmalerei zugewendet und mußte nach des Königs unerwartetem Tode vor Allem daran denken, wie er seine Zukunft sichere. Cornelius war es, der des jungen Mannes Entwicklungsgang mit freundlicher Theilnahme verfolgt hatte und ihm jetzt (1826) in entscheidender Stunde die Hand bot. Er hatte schon früher Neureuther’s entschiedene Neigung zur Arabeske wahrgenommen und fand jetzt Gelegenheit, ihn darin zu beschäftigen. Er war eben in der Ausführung seiner großen Wandgemälde in der Glyptothek begriffen und übertrug sofort unserem Freunde einen Theil jenes decorativen Schmuckes: Arabesken und Laubgewinde im Trojanischen Saale. Cornelius hatte nur die Arabesken entworfen und gab so dem jungen Künstler Gelegenheit, sich auch im Entwurfe von Blumengewinden zu versuchen. Derselbe entwickelte dabei eine Fülle des reinsten Geschmackes und man kann behaupten, daß vor ihm dieser Kunstzweig nie mit solchem Geiste gepflegt worden war. Derselben Periode gehören auch Neureuther’s Wandmalereien in den Arkaden des Hofgartens an; von ihm entworfen und ausgeführt sind dortselbst die schönen Trophäen zu beiden Seiten der Eingänge, welche inzwischen leider durch die Einflüsse der Zeit und Temperatur so sehr gelitten haben.
Die Studien, deren Neureuther zu seinen Arbeiten in der Glyptothek bedurfte, erweckten in ihm den Gedanken, Dichtungen mit Randzeichnungen zu umgeben. Angezogen von dem plastischen Elemente in Goethe’s Gedichten und in seinem Vorhaben durch seines Meisters Cornelius freundlichen Rath bestärkt, versuchte er sich zuerst in Illustrationen zu Goethe’s Romanzen und Balladen und übersandte die Handzeichnungen dem Dichter, der in einem Briefe vom 23. September 1828 Neureuther über seine Arbeiten herzlich beglückwünschte und ihn aufforderte, selbe in Steindruck zu vervielfältigen, wobei er hervorhob, wie der Künstler »dem lyrisch-epischen Gedanken der Ballade einen glücklich bildlichen Ausdruck zu finden gewußt, der wie eine Art Melodie jedes einzelne Gedicht auf die wundersamste Weise begleitet und durch eine ideelle Wirklichkeit der Einbildungskraft neue Richtungen eröffnet.« Goethe verfolgte Neureuther’s Thätigkeit mit der größten Aufmerksamkeit, wie unter Anderem sein im Jahre 1830 in den Wiener Jahrbüchern erschienener Bericht beweist, den er dem befreundeten Künstler noch vor dem Drucke mittheilte. Es mag am Platze sein, einige Stellen daraus hervorzuheben. »Daß jenes hochgeschätzte, mit Randzeichnungen von Albrecht Dürer herrlich geschmückte Gebetbuch, welches auf der königlich bayerischen Bibliothek zu München bewahrt wird, den Herrn Neureuther zu diesen seinen Umrißblättern fruchtbringend anregt, geht aus der ganzen Anordnung der Ornamente hervor, aus den rankenden Pflanzen und Schreibmeisterzügen, mit denen er die Schriftcolumnen begleitet, und womit er den leeren Raum, welchen Figuren und Landschaften übrig lassen, geschickt ausfüllt; inzwischen ist Herr Neureuther keineswegs ein unbeholfener, flacher Nachahmer der vortrefflichen Dürerischen Vorbilder, sondern hat den Geist derselben erfaßt, schöpft aus eigner vollströmender Quelle und schließt sich mit seinen Bildern an Goethe’s Dichtungen auf eine erfreuliche Weise an. Wahrlich, es möchten nur wenige Kunsterzeugnisse unsrer Zeit hinsichtlich auf Zweckmäßigkeit und Anmuth des mannigfaltigen Bilderreichthums einen glücklichen Wettstreit mit diesen Randzeichnungen bestehen. Auch die Ausführung derselben befriedigt, die Figuren sind meistens gut, einige vorzüglich gut mit Geist und passendem Ausdruck gezeichnet; die Landschaften reich und gefällig, Pflanzen und Blumen meisterhaft.«
Die Theilnahme des Dichterfürsten mußte gerade in jenen Tagen Neureuther um so wohlthuender sein, als die Julirevolution, welche im nemlichen Jahre die Welt erschütterte, über sein Leben einen wenn auch nur vorübergehenden Schatten warf. Die Cotta’sche Kunsthandlung, in deren Verlag Neureuther’s Handzeichnungen zu Goethe’s Balladen und Romanzen erschienen waren, schickte den Künstler kurz nach jenen Tagen nach Paris, um die Lieder, welche der Julius-Revolution ihre Entstehung verdankten, in ähnlicher Weise zu illustriren. Der politische Umschlag, der nicht lange auf sich warten ließ, äußerte sich jedoch auch in Beziehung auf diese äußerst lebendigen und geistreichen Zeichnungen unsres Künstlers: Die Aufnahme, welche die »Souvenirs du 29., 30., 31. Juillet« an den maßgebenden Orten fanden, war eine sehr ungnädige; die Vervielfältigung unterblieb, und die wenigen durch den Druck erzeugten Exemplare sind zu wahren Seltenheiten geworden. Indeß kehrte Neureuther mit frischem Muthe auf sein eigenstes Gebiet zurück und erweiterte den Kreis der darzustellenden Gedichte, indem er sich die Aufgabe stellte, Dichtungen deutscher Classiker mit Randzeichnungen zu versehen. Goethe, vor dem er sein ganzes Herz ausgeschüttet, sprach seine Freude darüber in mehreren Briefen auf das wärmste aus, indem er wiederholt betonte, daß er sich durch diese Arbeiten wieder in sein eigenes Feld, in die vaterländische Concentration, Einheit und Einfalt zurückgezogen habe. Wir kennen Goethe’s Abneigung gegen alles Aufregende und können daher um so lebendiger fühlen, wie nachstehende Worte, die er am 4. Februar 1832 an Neureuther schrieb, so recht aus seinem Herzen kamen: »Ihre Reise nach Paris hat mich betrübt. Ihr Talent ist unmittelbar an der unschuldigen Natur, an der harmlosen Poesie wirksam, und da wird es Ihnen immer wohl sein und immer glücken; jetzt, da jenes wilde Wesen noch gewisse unangenehme Folgen für Sie hat, ist es mir noch trauriger.«
So nahm er denn in einem Briefe vom 28. desselben Monats Gelegenheit, sich umständlich und in der eingehendsten Weise über die ihm inzwischen zugekommenen ersten Hefte der erwähnten neuen Randzeichnungen auszusprechen und den Künstler zu versichern, wie sehr er »auf die Folge verlangend sei,« denn »in allen diesen Blättern, wie in den früheren, findet sich kein Zug, der nicht gefühlt wäre, und selbst die Elemente, die Sie zu Ihren Schöpfungen genialisch zusammenrufen, verwandeln sich einer zwar fantastischen, aber durchaus geistreichen Natur gemäß.« Durch diese Arbeiten manifestirte sich der Künstler, dessen ureigenthümliches tief romantisches Element und vollströmende Fantasie sich hier in einer bisher nie gesehenen Weise ausbreitete, als der eigentliche Schöpfer einer ganz neuen, überall mit lebhaftester Freude aufgenommenen Darstellungsweise. Dem gedachten Werke, dessen Vollendung Goethe nicht mehr erlebte und das zweiundzwanzig Jahre nach dessen Tode in neuer Auflage herausgegeben ward, folgte schon 1834 eine Reihe von Randzeichnungen zu bayerischen Gebirgsliedern, voll der liebenswürdigsten Naivetät und Wahrheit, so daß sie Alles, was bis in die jüngste Zeit in dieser Richtung erschien, weit überflügelte.
Mit dem Jahre 1835 begann ein neuer Abschnitt seines Lebens. Er hatte längst gefühlt, daß die bisher geübte Technik des Zeichnens mit der Feder auf Stein seinen Zwecken nicht genüge und griff nun mit großer Liebe zur Radirnadel. Seine bedeutenden Compositionen zur »Pfarrerstochter von Taubenheim« und zur »Lenore« von Bürger erschienen gewissermaßen nur als höchst werthvolle Vorstudien zu seinem »Dornröschen«, welches im Jahre 1836 der Münchener Kunstverein seinen Mitgliedern als Vereinsgeschenk widmete. Etwas zur Charakteristik dieses wundersamen Blattes voll Innigkeit und Humor zu sagen, hieße Eulen nach Athen tragen; nur das mag gestattet sein zu bemerken, daß es auch in Bezug auf die Behandlung der Radirnadel zu den geistreichsten Werken dieser Art zählt. Nach Vollendung der Platte malte Neureuther im Königsbau den Fries des Salons der Königin, indem er Wieland’s »Oberon« in einer Reihe trefflicher Compositionen vorführte.
Von seiner seltenen Productionsfähigkeit zeugt die im Jahre 1839 erschienene Prachtausgabe von Herder’s »Cid«, welche nicht weniger als 70 Zeichnungen von unsres Künstlers Hand aufweist, das erste illustrirte Originalwerk deutscher Buchdruckerkunst. Inzwischen hatte (1837) Neureuther seine Romfahrt unternommen und im gelobten Lande der Kunst und ihrer Jünger überreichen Stoff in sich aufgenommen. In seinem reizenden Gemälde aus der Villa Mils (ehemals Spada) erwies sich die ganze poetische Zauberkraft seiner Fantasie, welche selbst die gewöhnlichsten Erscheinungen der belebten und unbelebten Natur zu verklären weiß. Er behandelt im Laufe der Zeit wiederholt landschaftliche und architektonische Elemente in dieser Weise, meist in Aquarell, welche Technik ihrer innersten Natur nach ihm noch mehr zusagt als die Technik der Oelmalerei. Daneben griff er immer wieder zur geliebten Radirnadel und es entstand so eine Reihe theils tiefernster, theils köstlich humoristischer Blätter, von denen hier nur einzelne, wie: »Heute roth, morgen todt«, »Bauernregel« nach Uhland, »Kupferplatte und Scheidewasser«, »Jung gewohnt, alt gethan« u. s. w. genannt werden mögen.
Eine seiner figurenreichsten Kompositionen ist seine »Erinnerung an das große Maskenfest der Münchener Künstler im Jahre 1840«, welche er in Wasserfarben und mit der Nadel ausführte. Von sehr hohem Werthe sind ein paar nach Rottmann’s Landschaften in den Arkaden des Hofgartens radirte Blätter. Für den Münchener Kunstverein lieferte er ferner eine sehr umfangreiche Composition nach dem »Waldfräulein« von Zedlitz und kehrte darauf wiederholt zu den ihm lieb gewordenen und stark gesuchten Illustrationen zurück, wie wir denn solche zum »Nibelungenlied«, zu »Götz von Berlichingen« u. A. von seiner Hand besitzen und welche wie jene zum »Cid« in Holzschnitt ausgeführt wurden.
Unser Künstler zeigte von jeher große Neigung, für industrielle Zwecke zu arbeiten, und so wurde unter Anderem auch nach seinen Entwürfen ein großer Tafelaufsatz in Silber ausgeführt, welchen die Bürger Augsburgs dem Könige Maximilian II., damaligem Kronprinzen, im Jahre 1842 als Hochzeitsgeschenk darbrachten. Als fünf Jahre später der artistische Vorstand der königlichen Porzellanmanufactur in Nymphenburg, Akademiedirector von Gärtner, mit Tod abging, wurde Neureuther 1848 an dessen Stelle gesetzt. Er nahm sich der Interessen dieser Anstalt so warm an, daß er seine anderweitigen, Arbeiten fast ganz hintansetzte. Bald zeigte sich in allen Theilen der Anstalt eine bisher ungewohnte Thätigkeit, der rasch günstigere Resultate folgten. Unser Künstler strebte mit rastlosem Eifer und großer Geschäftsgewandtheit eine vielseitigere Verwerthung der vorhandenen technischen Mittel für höhere Zwecke an und übte unter Anderem die Porzellan-Mosaik-Malerei, eine Technik, welche zur Ausführung monumentaler Malereien an äußeren, den Einflüssen der Witterung ausgesetzten Wandflächen von großer Tragweite sein könnte. Leider gelang es bisher nicht, dieser Technik größere Aufmerksamkeit zuzuwenden, obwohl weder Fresko noch Stereochromie in Bezug auf Dauerhaftigkeit gleiche Garantie bieten.
Seine Bestrebungen konnten indeß nicht zu dem erfreulichen Ziele führen, das sie vor Augen hatten, denn im Jahre 1856 wurde in Folge des Einflusses hochgestellter und gelehrter Herren die artistische Betriebsrichtung aufgehoben und Neureuther mit dem Titel eines kgl. Professors in Ruhestand versetzt, damit aber auch seiner Kunst zurückgegeben, nachdem er einen schönen Theil seines Lebens mit größter Aufopferung ferner liegenden Zwecken geopfert hatte. Seine alte Vorliebe für das landschaftliche Element führte den Künstler in den letzten Jahren auf den Gedanken, seine in Rom und im bayerischen Gebirge gesammelten Studien in eigentümlicher, höchst anmuthiger Weise zu Wandgemälden zu verwerten, und er stellte im Kunstvereine zu München mehrere solche Entwürfe aus, welche sich des allgemeinen Beifalls zu erfreuen hatten. Er wußte durch ebenso poetische als praktische Auffassung der landschaftlichen Natur, sowie der einschlägigen baulichen Formen in Verbindung mit der menschlichen Gestalt als Staffage ein überaus reizendes Ganzes zu schaffen, und es ist nur auf das lebhafteste zu bedauern, daß bis jetzt keiner dieser genialen Entwürfe zur Ausführung gelangte. Daneben veranlaßten die neuesten Erscheinungen im Gebiete der Lyrik unsern Künstler zu neuen Illustrationen, die Schillerfeier des Jahres 1859 aber zu trefflichsten Compositionen nach Schiller’s Gedichten, welche unter Zugrundelegung der Teppichform den Odeonssaal schmückten.
Seit 1834 mit Josefa Kramer, Tochter des kgl. Hofmusicus Kramer, verehelicht und Vater von fünf Kindern, lebt unser Künstler zu München in einem allerliebsten Häuschen, das, hinter Gartenmauern versteckt, lebhaft an eine römische Vigna erinnert, längere Zeit seiner Kunst in stiller Zurückgezogenheit und wendete sich zu Anfang der seliger Jahre der Technik des Oelmalens mit staunenswerthem Erfolge zu, wie sein »Traum der Rezia« und »die sterbende Nonne« in der Galerie des Freiherrn von Schack in München beweisen. Dieselbe Sammlung besitzt ferner von seiner Hand die »Villa Mils«, die »Villa Malta«, eine »Mutter mit ihrem Kinde« und eine Scene aus »Hermann und Dorothea«. Als im Jahre 1868 die Münchener Kunstgewerbe-Schule gegründet ward, sah sich auch Neureuther als Professor an dieselbe berufen. Seine Thätigkeit als Lehrer nöthigte ihn jedoch nicht, der praktischen Ausübung der Kunst zu entsagen und so entstand in der letzten Zeit noch ein Cyclus von allegorischen Darstellungen der in das Gebiet der Technik einschlagenden Wissenschaften als Mechanik, Physik, Chemie u. s. w., welche von reichen Arabeskenformen umgeben, an der Außenseite des nördlichen Flügels des von seinem Bruder Gottfried Neureuther erbauten Polytechnicums in München in Sgraffito ausgeführt werden, Compositionen, welche durch Tiefe der Gedanken wie durch Schönheit der Erscheinung gleich bedeutend wirken.
Die bayerische Regierung hat Neureuther durch Verleihung des Verdienstordens vom heiligen Michael ausgezeichnet.
In der letzten Zeit wendete sich der Künstler entschieden der Oelmalerei zu und besitzt die Galerie Schack in München aus dieser Periode mehrere treffliche Arbeiten Neureuther’s, so namentlich eine »Scene aus Oberon« und »Die Nonne.«
Carl Albert Regnet: Münchener Künstlerbilder. Ein Beitrag zur Geschichte der Münchener Kunstschule in Biographien und Charakteristiken. Leipzig, 1871.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Neureuther Eugen Napoleon, 1806 (München) – 1882, Historienmaler, Zeichner und Akademieprofessor; N. besuchte die Münchner Akademie und war Schüler und Gehilfe von P. von Cornelius, der ihn zu Randzeichnungen zu Goethes Balladen und Romanzen veranlaßte; dies brachte ihn in Beziehung zu Goethe, der mit dem Künstler im Briefwechsel stand; N. widmete sich dann fast ausschließlich der Illustration mit Stoffen aus der heimischen Poesie, aus Sage und Volksweise.
Hauptwerke: Randzeichnungen zu den Schnaderhüpfeln, Dornröschen, Franz von Kobells bayerischen Gedichten und zum Nibelungenlied; in allen Werken ähnelt er Ludwig Richter, dessen Intimität und Gefühlswärme er teilt, den er in kompositionellen Bestrebungen oft sogar überragt; später schuf N. enkaustische Gemälde für den Königsbau und Ölgemälde mit Themen aus der deutschen Sagenwelt, jedoch war die Öltechnik seiner Kunst nicht förderlich. Ns Bruder, der Baumeister Gottfried N., liegt im Alten Nördlichen Friedhof an der Arcisstraße (Ml 11) bestattet.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#25 – 9 – 18 (Erhart · Stahl)
Familie
Stahl-Erhart
- Stahl, Cletus; – 1889; Freibankmetzger


#25 – 9 – 19 (Lechleitner)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Lechleitner, Josef; – 1889 (München); Zimmermeister


#25 – 9 – 23* (Kargus)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Kargus, Lina; – (15).12.1889 (München), 19 Jahre alt; Balletttänzerin

Das Grab ist nicht erhalten

#25 – 9 – 35 (Correns)
Erich Correns
Kunstmaler
* 1821 † 1877
Emilie Correns
geb. Ko¿
geb. 1¿. Feb. ¿
¿
- Correns, Emilie (vw) / Köchlin (gb); 1822 – 25.4.1881 (München); Kunstmalers-Witwe
- Correns, Erich; 3.3.1821 (Köln) – 14.6.1877 (München); Lithograph, Historienmaler und Portraitmaler



#Erich Correns
* 3.3.1821 (Köln)
† 14.6.1877 (München)
Lithograph, Historienmaler und Portraitmaler
#Nachrichten von dem Leben und den Werken Kölnischer Künstler (1850)
Correns, Erich, Maler und Lythograph, geboren um 1820 zu Köln, wo sein Vater Rath beim Appellationsgerichtshofe war. Erich genoß eine sorgfältige wissenschaftliche Bildung und hatte bereits die Universität Bonn zum Studium der Jurisprudenz bezogen – da siegte die Neigung zu künstlerischem Wirken, die er bis dahin nur in seinen Nebenstunden hatte befriedigen können, und, Bonn verlassend, begab er sich zur Malerakademie nach München, wo er noch gegenwärtig verweilt. Wir dürfen von dem viel versprechenden jungen Manne zu behaupten wagen, daß er in dem Künstlerberufe seinen wahren Beruf erwählt habe und seiner Vaterstadt Ehre machen werde. Schon in Köln hatte er während einer mehrjährigen Anleitung des Malers und Gymnasial-Zeichnenlehrers Everh. Bourel sowohl im Zeichnen als in der Miniaturmalerei die glücklichsten Gaben an Tag gelegt und manche wohlgelungene Bildnisse gefertigt. In Bonn führte er einige große Blätter mit Studentengelagen auf Stein aus, deren figurenreiche Gruppen nur Bildnisse enthalten. Andere von ihm lythographirte Bildnisse sind:
Richard von Hontheim. Advokat-Anwalt zu Köln, ohne dessen Namen; Brustbild, der Kopf fast ganz von vorne genommen, wenig nach rechts gewendet, die linke Hand hält er unter dem halb zugeknöpften Rocke; links am Arme steht: Fecit Erich Correns, rechts: Coeln 1843. Kl. fol.
F. E. Frhr. von Mering, Doctor der Philosophie. Brustbild, Fecit Erich Corrnes stud. jur. Bonn 1843. 8. Gehört zum siebenten Hefte der Geschichte der Burgen u. s. w. in den Rheinlanden, von F. E. von Mering. Köln, 1844.
Franz Raveaux, Kniestück; Erich Correns 1844. Gr. fol. Spätere Abdrücke haben bei Raveaux’ Namen den Zusatz: Abgeordneter für die Stadt Köln bei der Deutschen National Versammlung in Frankfurt. Erwählt am 10. Mai 1848.
Bernard Steinbüchel, Ehrendomherr, gest. 1845, Brustbild. Gez. nach einem Bilde v. Gottf. Weisenahl, v. E. Correns. rechts die Adresse des Druckers: Lith. v. C. W. Meissner in Bonn. Fol.
Everhard Bourel, Maler, (siehe Diesen.)
Sein eigenes Bildniß, ohne seinen Namen, wurde 1844 von E. Jenichen lythographirt; er sitzt nach rechts gewendet, das Zeichnenheft auf dem Schooße und die Reißfeder in der Linken der übereinander gelegten Hände haltend; links steht: E. Jenichen fec. 44. Fol.
Johann Jakob Merlo: Nachrichten von dem Leben und den Werken Kölnischer Künstler. Köln, 1850.
#Allgemeine Zeitung (11.7.1877)
Erich Correns,
Porträt- und Historienmaler.
Nicht jeder Lebensweg liegt vom Anfang an klar und eben vor dem Wanderer. Oft geht es seitwärts auf weitverschlungenen, mehr steinigen als blumenreichen Pfaden, und nur das Sonntagskind, welchem die Musen ihr Gnadengeschenk in die Wiege legten, findet sicher aus dem Irrgarten des Lebens die schmale Bahn zu dem meist abseits der staubigen Heerstraße geborgenen Tempel des Ruhmes.
Es war übrigens kein Unglück für Correns daß er (geboren am 3 März 1821 zu Köln) nach dem Vorbilde seiner Vaters, eines geachteten Appellationsgerichtsraths, zum Juristen bestimmt wurde und deßhalb eine gründliche Schul- und Jugendbildung erhielt, welche ihm später noch trefflich zu statten kam. Doch fand ebenmäßig seine künstlerische Begabung frühzeitig die gehörige Pflege, insbesondere durch den Maler Everhard Bourel, welcher am Gymnasium als tüchtiger Zeichnungslehrer fungirte. Vorerst kam Correns als Studiosus der Rechtsgelehrsamkeit auf die hohe Schule nach Bonn, wo im lustigen Studentenleben die ersten Freundesporträte gezeichnet und allerlei Compositionen entworfen wurden. Letztere kamen dem durchreisenden Cornelius unter die Augen, welcher dem Glücklichen den entscheidenden Rath gab getrost die Künstlerlaufbahn zu beginnen.
So fuhr Correns – der Abschied von der Themis mochte ihm kaum schwer geworden sein – nach dem hochbelobten München. Als er seinen Geleitsbrief bei Director Zimmermann überbrachte, erregte der neue Kunstjünger bald gerechtes Aufsehen, einerseits durch seine Begabung, womit das scharf beobachtende Auge und seine sichere Hand den Strich mit eben so großer Wahrheit wie mit gestaltendem Schönheitstrieb fühlte und führte, dann aber auch durch seine originelle Erscheinung. Auf dem beinahe schmächtigen Körper saß ein von langen goldgelben Haaren und einem gleich rothen stacheligen Bart umrahmtes mächtiges Haupt, mit breiter, gewaltiger, eckiger Stirn, unter welcher die hellblauen Augen seelenvergnügt und morgenfröhlich in die Welt lachten, ein sprechendes Bild jugendfrischer Kraft und geistiger Gesundheit. Das reine Blut der Usipeter und Tenchterer rollte in seinen Adern mit dem speciellen Kölner Typus der Mittelalters, welchen schon die Meister Wilhelm und Stephan bei ihren Apostelköpfen unsterblich dargestellt haben; dazu kam eine glückliche Mischung von echtem Selbstbewußtsein und wahrer Schüchternheit, welche dem Mann jene reizende Bescheidenheit verlieh die ihn zeitlebens nicht verließ.
Und wieder war es schwerlich ein Unglück daß der fleißige Kunstschüler, seit dem Tode des Vaters ganz auf sich angewiesen, gleich auf die praktische Verwerthung des Erlernten bedacht sein mußte. So hielt er sich an der Akademie nicht zu lang auf, sondern eilte 1846 auf die Einladung einiger Freunde nach Heidelberg, der schönen und wunderbaren Musenstadt, wo sein Stift reiche Beschäftigung fand. Correns durchkostete das lustige Studentenleben noch einmal, und brachte dasselbe als Maler in so origineller Weise auf das Papier, wie es Jos. Victor v. Scheffel in seinem »Gaudeamus igitur!« unsterblich gestaltete. Ich traf ihn daselbst (erzählt uns ein Augenzeuge) in seinem Zimmer beim »Falkner,« jener bekannten Wirthschaft neben dem Schloß. Vor ihm lag eine mächtige Lithographie-Platte auf dem Tisch; eine Studentenmütze auf den Flachsen, eine riesige Pfeife im Munde saß der Maler vom Morgen bis zum Abend, von einem Schwarm lustiger Studenten umringt, die unter Liederklang und Knasterdampf auf Stühlen, Tischen und Kasten Platz suchten. Einer derselben mußte immer zum Porträt halten, und so schuf Correns, bisweilen selbst in den jauchzenden Chorus einstimmend und einen Schluck Rebensaft nippend, jene prächtigen Kneipen- und Gesellschaftsbilder welche damals rheinauf und rheinab gingen, und die man heute noch als Illustrationen zu Redwitz' »Hermann Stark« betrachten könnte. Unter den Arbeiten aus seiner frühesten Zeit erwähnen wir noch nachträglich die Porträte des Kölner Anwaltes Richard v. Hontheim und F. E. Frhrn. v. Mering (1843), dann des Pädagogen Fr. Christ. Kapp und des nachmals im Frankfurter Parlament vielgenannten Franz Raveau (1844), auch sein eigenes von Jenichen lithographirtes Bildniß zeichnete er in dieser Zeit, dann in dankbarer Erinnerung die Figur seines ersten Lehrers Everhard Bourel (1847 gedruckt von C. Meißner in Bonn) und Anderes, was der wißbegierige Leser etwa in Merlo's »Kunst und Künstler in Köln« (1850) vergeblich nachsuchen mag.
Zurückgekehrt nach München treffen wir Correns im regen Verkehr mit Karl Piloty, dem jetzigen Pontifex maximus jener an der Isar-Stadt so blühende und üppige Ranken treibenden Maler-Akademie, mit dem leider schon 1866 verstorbenen Landschaftsmaler Löffler, welcher gerade damals in Halbreiters riesigem »Rundgemälde von Palästina« seine Sehnsucht nach dem Orient vorerst unter den selbstgemalten Palmen kühlte; dazu kamen der vielseitige Bildhauer Hans Gasser aus Wien († 24 April 1868 zu Pest), der nachmalige Professor Ludwig Thiersch, der wackere Julius Zimmermann u. s. w. Jeder brachte seine neuesten Sachen in ein Componir-Kränzchen, und behalf sich in Ermangelung anderer Förderung mit der Kritik wahrhafter Freunde – ein Verfahren welches freilich weiter führte als das heutige Trompetengeschmetter, welches bei bevorzugten Namen schon im voraus in erhabener Tonart erschallt, bevor nur die dazu gehörige Leinwand grundirt und die Farben gerieben werden. Correns, der nicht nur ein Stab und Trost für seine alte Mutter war, sondern auch mit zärtlicher Liebe für einen jüngeren Bruder sorgte, mußte immer noch Porträte lithographiren, worunter auch ein Cyklus der Gesellschaft »Alt-England.« Bald hatte sein Name – ein Porträt mit geistreicher Bleistiftzeichnung erschien zuerst 1847 im Kunstverein – einen guten Klang auch in den für einen fremden Neuling noch schwer zugänglichen höheren Kreisen, man verlangte Miniatur-Porträte und Aquarelle von ihm, worunter dem Maler in ersterer Technik ein Bildniß I. M. Majestät der Königin Marie (1849), in letztgenannter Manier ein Porträt der Gräfin von Quadt-Isny zu neuem Ruhm gereichten.
Jetzt erst eilte Correns, wie plötzlich von einer gelinden Angst überrieselt, als sollte er etwa mit solchen »Düpfeleien« sein ganzes Leben zersplittern müssen, in die Schule des seiner Zeit coloristisch weit vorausarbeitenden Prof. Karl Schorn (1802–1850), wo er die beiden Piloty im vollen Zuge fand, dazu Feuerbach, Thiersch, Willich, Jos. Molnár u. a. m. Correns begann jetzt erst in Oel zu malen; es machte ihm Vergnügen; rasch ging es vorwärts. Als er etliche Jahre darauf von einem Ausfluge nach seiner Heimath zurückkehrte, überraschte er das Publicum durch die in kurzer Zeit zu Köln gemalten Porträte, darunter in erster Reihe das Bild der Frau La Valette und des Bankiers Stein. Nun wollte alles von ihm gemalt sein, und Correns that, trotz seiner minutiösen Ausführung und der liebevollsten Durchbildung des Details, sein möglichstes allen an ihn gerichteten Anforderungen gerecht zu werden. Er malte, um nur Einiges aufzuzählen, eine Jagdgesellschaft für Frhrn. v. Malsen, wobei Correns die Genugthuung erlebte daß ein Kritiker dieselbe für ein beliebiges Genrebild erklärte, und darüber vergaß daß alle Personen, nebst den Hunden, nur aus Porträten bestanden; dann die Erbprinzessin Helene von Taxis und ihren Gemahl, überhaupt alle Glieder der Familie des Herzogs Maximilian in Bayern, die Herzogin von Sachsen-Meiningen, das durch Ingenmay's Lithographie auch vervielfältigte Porträt der Gräfin Arco-Valley und das große Familienbild des genannten Hauses, ein Brustbild der jetzt auch als Malerin brannten Gräfin Marie Pocci, und, damals noch etwas Unerhörtes, nach einem verbleichten Daguerreotyp die verstorbene Lady Granville, die Mutter des heutigen Lords Acton. So gewann er allgemach die ganze Crême der Aristokratie unter seinen Pinsel, man stritt ordentlich um das Vorrecht von ihm gemalt zu werden, und fügte sich nur ungern in die einmal nach Tagen, Monaten und Jahren hinaus vorgesteckte Ordnung der Dinge, bis es Correns satt bekam immer nur »Gesichter« zu malen und seinen Unmuth darüber den verdutzten Originalen zu erkennen gab. Da lichtete sich endlich der Zudrang, und die Masse verdampfte. Nur mit Mühe war es ihm inzwischen gelungen eine lang herumgetragene Composition zu Heinrich Heine's »Wallfahrt nach Kevlaar« auf die Leinwand zu bringen. Bald folgten ein badendes Mädchen und einige Genrebilder, ebenso eine liebliche religiöse Scene mit der unter einem Palmenbaum rastenden Madonna. Eine Menge Ideen wogten durch sein Haupt und drängten nach Form und Gestaltung, insbesondere war es die Landschaft welche ihn mächtig anzog, darunter am liebsten Motive aus den vulcanischen, großartigen Gebilden des Eifellandes. Aber es wurde ihm nicht so wohl nach seines Herzens freiem Willen schaffen zu können. Wieder pochten Porträte an seine Thüre, und ließen sich um so weniger abweisen, als Correns mit einer hochbegabten Schülerin ein eigenes Heim begründet hatte. Inzwischen war auch im Gebiete der Porträt-Malerei ein Umschwung und Rückschlag erfolgt: es kam jene antiquarische oder archäologische Liebhaberei empor welche mit ihren Vorbildern zu den alten Meistern des 14. und 15. Jahrhunderts oder noch lieber zu denen des 17. Säculums zurückgriff, und im letzteren Falle die Bilder mit jener Patina heute schon überschleierte welche sonst nur die Unbilde der unerbittlichen Zeit verleiht. Correns, welcher das Einseitige dieser vielgepriesenen Manier bemerkte, zog sich verstimmt zurück, zumal selbst in jenen Regionen welche seither seine unbestrittene Domäne schienen ein langsam verkühlender Uebergang erfolgte. Je weiter die neue Methode zur Mode wurde, desto ängstlicher wich Correns diesem breiten angeblichen Realismus aus, und verfiel dabei, ohne es vielleicht je zu bemerken, gleichfalls einem Dämon, einer süßlichen, seinen früheren Kreisen überhaupt nahe liegenden Eleganz. Am überraschendsten trat diese zu Tage an einem Kniestück welches Correns mit zwei Kinderporträten auf die erste internationale Kunstausstellung des Jahres 1869 brachte; freilich fällt ein Theil der Schuld mit auf das Original, welches seine männliche Schönheit mit großer Selbstgefälligkeit zur Schau stellte. Aus diesem unerquicklichen Dilemma riß den Künstler endlich eine lang ersehnte Reise nach Italien, welche er mit seinem talentvollen Schüler Wilhelm Marc antrat. Dort begeisterten seinen von jeher eben so sehr auf die Farbe angelegten Sinn insbesondere die Venetianer. Das aufrichtige Streben ihnen näher zu kommen, spricht sich in seinen nachfolgenden historischen Bildern aus, unter denen wir eine Grablegung Christi, eine heilige Familie und sein letztes Werk »Kain und Abel« erwähnen. Hätte Correns noch länger gelebt, so wäre es seinem regen Geist leicht gelungen den zwischen den hadernden Parteien liegenden Mittelweg zu betreten und die beiderseitigen Vorzüge vereint zum Austrag zu führen. Allein seine anscheinend blühende Gesundheit, welche ein dauerhaftes Alter wie bei Tizian erwarten ließ, war durch ein heimtückisches Herzleiden schon unterwühlt, welches im heurigen Winter den Künstler in die Krankenstube zwang und nach kurzer friedlicher Pause plötzlich den Tod herbeiführte, welcher am 14 Juni das verglimmende Lebenslicht durch einen Schlaganfall sanft auslöschte. Sein letztes Werk (die Kinder seines Freundes, des Prof. Dr. Karl Cornelius, in dessen Haus ihn auch der Tod ereilte) erschien auf der vorjährigen Kunst-Industrie-Ausstellung; ein sarkastischer in seinen Aussprüchen oft mehr als schwankender Kritiker, beliebte das Bild freilich mit einem bitteren Epitheton zu ignoriren. Hoffentlich veranstalten die Freunde des Verstorbenen zu seinen Ehren eine eigene Ausstellung, wobei dann der Meister mit seinen Schöpfungen im Gebiete der Historie und Landschaft, wovon er zeitlebens nie dem größeren Publicum etwas bieten wollte, erst zur weiteren Kenntniß gelangen wird. Von den religiösen Werken rühmt Franz Reber (»Geschichte der neueren Kunst,« 1876, S. 641), dem wir aufs Wort glauben, daß Correns »eine glückliche Verbindung von niederländischen und italienischen Studien, von Modell und Styl, wie von seinem Form- und Farbe-Gefühl zeigte.«
Unter seinen zahlreichen Schülern standen ihm I. M. Ingenmay, Julius Jury und Wilhelm Marc am nächsten. Unter seinen älteren noch durch Steindruck vervielfältigen Werken erinnern wir in beiläufig historischer Reihenfolge an die Porträte des herzoglich Leuchtenberg'schen Administrationtrathes Xaver Karl Berüff, des Reichsraths B. v. Niethammer (1847), Dr. Rottmund und Forstmeister Schenk (1848), Se. k. Hoheit Herzog Maximilian, erst in Civilkleidung und Brustbild, dann an einem Baumstamm sitzend und Cither spielend (ersteres lithographirt von Hanfstängl, letzteres als Kniestück galvanographirt von L. Schöninger), ebenso den Meister des Citherspieles Joh. Petzmayer, den Botaniker Fr. v. Ledebour, Ministerialrath G. v. Bezold, Frhrn. v. Gumppenberg, Medicinalrath Dr. v. Schrettinger, sodann Se. Maj. König Maximilian II in Leibregiment-Uniform (lithographirt von Piloty und Löhle), dann denselben auf dem weit verbreiteten Familienbilde mit der Königin Marie, dem Kronprinzen Ludwig und dem Prinzen Otto im Schloßgarten zu Hohenschwangau (lithographirt Von J. Wölffle), ferner Hofrath v. Martius (1850), den Dichter O. v. Redwitz (gestochen von Schultheiß 1851), Generalmajor v. Kretschmann (1852), General Graf Wilhelm v. Isenburg (1853), Frhrn. v. Schlettheim, Staatsrath v. Zenetti (1854) u. s. w.
Als Mensch und Charakter blieb Correns geachtet von allen welche Gelegenheit hatten ihn näher kennen zu lernen, selbst von seinen künstlerischen Antipoden, die an dem Todten jetzt manches zu sühnen hätten, obwohl er selbst nie mit dem leisesten Worte des Tadels die ihm feindselig gegenüberstehende Richtung verletzte, und ihrem Geist, ihrem Geschick und ihrer virtuosen Technik die gebührende Achtung zutheil werden ließ.
Blickt man ruhig auf den ganzen Entwicklungsgang der neueren Zeit zurück, so ergeben sich ungesucht einige Sätze welche vielleicht zur Klärung der Parteien, wenigstens für unbefangene Mitglieder, von Nutzen sein dürften, z. B. daß eine jede Schule ihr Keimen, Sprossen und Blühen, ihre Sonnenhöhe und ihren Untergang habe; daß jeder Eklekticimus erst mit dem Sinken der wahren Kunst eingetreten sei; daß aber alles Schöne und Wahre über dem Parteigetriebe sich bleibend erhalte und zur Geltung komme, und daß die Meisterregel doch ewig unumstößlich bleibe welche Goethe in der Osternacht dem Faust in jener Scene in den Mund legt wo er den Famulus zu belehren sucht – eine Stelle welche vielleicht nie gräulicher interpretirt wurde als von jenen Herren die den Namen des großen Dichters am liebsten im Munde führen.
Allgemeine Zeitung Nr. 192. Augsburg; Mittwoch, den 11. Juli 1877.
#Allgemeine Deutsche Biographie (1903)
Correns: Erich C., Porträt- und Genremaler, geboren am 3. März 1821 zu Köln a. Rhein, war als der Sohn eines Appellationsgerichtsrathes zum Juristen bestimmt, fand aber durch den Maler Everhard Bourel, welcher am Gymnasium als tüchtiger Zeichnungslehrer fungirte, die rechtzeitige Pflege seiner Kunstbegabung. Während C. zu Bonn dem Studium der Jurisprudenz oblag, zeichnete und lithographirte er Studentenporträts und andere Compositionen, welche bei seiner Uebersiedlung nach München als offener Geleitsbrief für seinen künftigen Künstlerberuf galten. Indeß vertauschte C. die Isarstadt bald wieder mit dem fröhlichen Heidelberg, wo er das heitere Studentenleben in Bildern festhielt, welche ebenso beredt wie J. Victor v. Scheffel’s »Gaudeamus« diese sonnigen Tage abschildern, wie sie auch O. v. Redwitz in seinem »Hermann Stark« in so fesselnder Weise der Nachwelt überlieferte.
Zu Köln hatte C. schon früher die Bildnisse des dortigen Anwalts Richard v. Hontheim und F. C. Freiherrn v. Mering (1843), des Pädagogen Fr. Christ. Kapp, des nachmals im Frankfurter Parlament vielgenannten Franz Raveaux (1844) gezeichnet, auch sein eigenes Conterfait (lithographirt von Jenichen) und in dankbarer Erinnerung die Figur seines ersten Lehrers Everhard Bourel (1847, gedruckt bei C. Meißner in Bonn) und viele andere. In München verkehrte C. mit dem Landschaftsmaler Aug. Löffler, welcher sich damals schon zu seiner Orientfahrt rüstete, mit dem Bildhauer Hans Gasser aus Wien, dem Maler Ludwig Thiersch, dem wackeren Julius Zimmermann: sie schlossen ein Componirkränzchen, wohin jeder seine neuesten Sachen brachte und sich mit der Kritik wahrhafter Freunde behalf.
Correns, der nicht nur ein Stab und Trost für seine alte Mutter war, sondern auch mit zärtlicher Fürsorge an seinem jüngeren Bruder hing, lithographirte viele Porträts, darunter etliche Philhellenen und einen ganzen Cyclus aus der Gesellschaft »Alt-England«. Bald hatte sein Name – ein Bildniß in geistreicher Bleistiftzeichnung erschien 1847 zuerst im Kunstverein – einen guten Klang auch in den für einen Neuling schwer zugänglichen höheren Kreisen, man verlangte Miniaturporträts und Aquarelle von ihm, worunter dem Maler in ersterer Technik ein Bildniß der Königin Marie (1849,) in letztgenannter Manier ein Porträt der Gräfin v. Quadt-Isny und des Dichters Oskar v. Redwitz zu neuem Ruhme gereichten.
Jetzt erst eilte C., wie plötzlich von einer gelinden Angst überrieselt, als sollte er etwa mit solchen »Düpfeleien« sein ganzes Leben versplittern müssen, in die Schule des seiner Zeit coloristisch weit voraus arbeitenden liebenswürdigen Professors Karl Schorn (1802–1850), wo er die beiden Piloty im vollen Zuge fand, dazu Anselm Feuerbach, Thiersch, Willich, Jos. Molnár u. a. C. begann jetzt erst in Oel zu malen; es machte ihm Vergnügen; rasch ging es vorwärts. Als er etliche Jahre darauf von einem Ausfluge nach seiner Heimath zurückkehrte, überraschte er das Publicum durch die zu Köln gemalten Porträts, darunter in erster Reihe das Bild der Frau La Valette und des Bankiers Stein. Nun wollte alles von ihm gemalt sein und C. that, trotz seiner minutiösen Ausführung und der liebevollsten Durchbildung des Details, sein möglichstes, den an ihn gerichteten Anforderungen gerecht zu werden. Er malte beispielsweise eine Jagdgesellschaft für Freiherrn v. Malsen, von ungezierter und freier Gruppirung, worüber C. die Genugthuung erfuhr, daß ein Kritiker das Ganze für ein beliebiges Genrestück, etwa nach dem Vorbild von L. Knaus »Ein Fest im Walde«, erklärte und darüber vergaß, daß alle Personen, nebst den Hunden, nur aus Porträts bestanden; dann die Erbprinzessin Helene von Taxis und ihren Gemahl, überhaupt alle Glieder der Familie des Herzog Maximilian in Baiern, die Herzogin von Sachsen-Meiningen, das durch Ingenmay’s Lithographie vervielfältigte Porträt der schönen Gräfin Arco-Valley und das große Familienbild des genannten Hauses, ein ganz à la van Dyck gehaltenes Bildniß der, als Malerin hervorragenden Gräfin Marie v. Pocci und, damals noch eine unerhörte Leistung, nach einem verblichenen Daguerrotyp die verstorbene Lady Granville, die Mutter des am 15. Juni 1902 zu Tegernsee verstorbenen Lord Acton. Nach ähnlichen Vorbildern malte C. auch das Bildniß der schönen Ada Geibel, der so frühe verstorbenen Gattin des Dichters (vgl. Nr. 36 Ueb. Land u. Meer 1884, LII, 723 und Litzmann: Emanuel Geibel 1887, S. 104). So gewann er nach dem Vorgang »König Maximilian im Kreise seiner Familie« (lithogr. v. J. Wölfle) plötzlich die ganze Crême der Aristokratie unter seinen Pinsel, man stritt ordentlich um das Vorrecht von ihm gemalt zu werden und fügte sich nur ungern in die einmal nach Tagen, Monaten und Jahren hinaus vorgesteckte Ordnung der Dinge, bis es C. satt bekam, immer nur »Gesichter« zu malen und seinen Unmuth darüber den verdutzten Originalen zu erkennen gab. Da lichtete sich endlich der Zudrang und die Masse verlor sich.
Nur mit Mühe war es ihm inzwischen gelungen, eine lang herumgetragene Composition zu Heinrich Heine’s »Wallfahrt nach Kevelaer« auf die Leinwand zu bringen. Bald folgten ein »Badendes Mädchen« und einige Genrebilder, ebenso eine liebliche religiöse Scene mit der unter einem Palmbaum rastenden »Madonna«. Eine Menge Ideen wogten durch sein Haupt und drängten nach Form und Gestaltung, insbesondere war es die Landschaft welche ihn mächtig anzog, darunter am liebsten Motive aus den vulcanischen, großartigen Gebilden des Eifellandes. Aber es wurde ihm nicht so wohl, nach seines Herzens freiem Willen schaffen zu können. Wieder pochten Porträts an seine Thür und ließen sich um so weniger abweisen, als C. mit einer hochbegabten Schülerin sein eigenes Heim begründet hatte. Inzwischen war im Gebiete der Porträtmalerei nach der früheren Periode, gegen welche C. selbst in verständige Opposition getreten war, ein neuer Umschwung und Rückschlag erfolgt: es kam jene antiquarische Liebhaberei, alles durch die Brille der späteren Niederländer zu sehen oder lieber gleich die Natur in größtmöglicher alltäglicher Nüchternheit nachzubilden. C., welcher das Einseitige dieser Manier nebst den unvermeidlichen Consequenzen fühlte, zog sich verstimmt zurück, zumal da selbst in jenen Regionen, welche seither seine unbestrittene Domäne schienen, ein langsam verkühlender Uebergang erfolgte. Je weiter die neue Methode zur Mode wurde, desto ängstlicher wich C. diesem angeblichen Realismus aus und verfiel dabei, ohne es vielleicht je zu bemerken, gleichfalls einem Dämon, einer süßlichen Eleganz. Aus diesem unerquicklichen Dilemma riß den Künstler endlich eine lang ersehnte Reise nach Italien, welche er mit seinem talentvollen Schüler Wilhelm Marc antrat; hier begeisterten seinen für die Farbe so empfänglichen Sinn aufs neue die Venetianer. Das aufrichtige Streben, ihnen näher zu kommen, trat in den historischen Bildern von C. zu Tage; darunter eine »Grablegung Christi«, eine »Heilige Familie« und »Kain und Abel«.
Bei längerem Leben wäre es seinem regen Geiste leicht geworden, einen zwischen den hadernden Parteien liegenden Mittelweg zu betreten. Allein seine anscheinend blühende Gesundheit war durch ein tückisches Herzleiden untergraben, welches am 14. Juni 1877 sein Leben beendete. Sein letztes, unvollendetes Bild hätte einen »Versehgang« behandelt. Unter seinen zahlreichen Schülern standen ihm J. M. Ingenmay, Julius Jury und Wilhelm Marc am nächsten. Zu seinen älteren, durch Steindruck vervielfältigten Werken gehören die Bildnisse des herzoglich Leuchtenberg’schen Administrationsrathes Xaver Karl Berüff, des Reichsraths B. v. Niethammer (1847), Dr. Rottmund und Forstmeister Schenk (1848), der Herzog Maximilian von Baiern (erst in Civilkleidung und in Brustbild, dann an einem Baumstamm sitzend und Cither spielend, ersteres lithographirt von Hanfstängl, letzteres als Kniestück galvanographirt von Leo Schöninger), ebenso Joh. Petzmayer der Cithervirtuose, der Botaniker Fr. v. Ledebour, Ministerialrath G. v. Bezold, Frhr. v. Gumppenberg, Medicinalrath Dr. v. Schrettinger, König Maximilian II. (lithographirt von Piloty und Löhle), dann derselbe auf dem weitverbreiteten Familienbilde mit der Königin Marie und den Prinzen Ludwig und Otto im Schloßgarten zu Hohenschwangau (lithographirt von J. Wölfle), der Botaniker Hofrath v. Martius (1850), der Dichter Oskar v. Redwitz (gestochen 1851 von Schultheiß), Generalmajor v. Kretschmann (1852), General Graf Wilhelm v. Ysenburg (1853), Frhr. v. Schlettheim, Staatsrath v. Zenetti (1854) etc.
Vgl. Nekrolog in Beil. 192 d. Allg. Ztg., 11. Juli 1877. Nr. 40. – Lützow’s Zeitschrift, 13. Juli 1877, S. 644. – Reber Gesch. d. neueren Kunst. 1876 S. 641.
H. Holland.
Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1903.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Correns Erich, 1821 (Köln) – 1877, Porträt- und religiöser Historienmaler; er studierte zuerst in Bonn und München Rechte, betätigte sich aber daneben auch schon als Künstler (Mitglied und Porträtist der Münchner Gesellschaft »Alt-England«, der u. a. Graf von Pocci angehörte) und ging dann ganz zur Malerei über, indem er die politische Prominenz seinerzeit und Mitglieder der königlichen Familie porträtierte, wobei er unter dem Einfluß von K. Schorn und K. von Piloty) steht (König Maximilian im Kreise seiner Familie); eine Reise nach Italien bildete in ihm den religiösen Historienmaler aus (Grablegung Christi, Hl. Familie, Kain und Abel, Wallfahrt nach Kevelaer, sein letztes Werk »Versehgang« blieb unvollendet); Cs. Bilder sind zart aufgefaßt und sorgfältig durchgebildet.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#25 – 10 – 1 (Weinkauff)
JOSEPHINE WEINKAUFF
geb. ¿. Januar 1834.
gest. 13. Juli 1888.
- Weinkauff, Josefine; ¿.1.1834 – 13.7.1888; Privatiere


#25 – 10 – 2 (Zellhuber)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Zellhuber, Johann; – 5.3.1890 (München), 68 Jahre alt; Schlossermeister




#25 – 10 – 40 (Mayer · Urban)
Ernst ist das Leben
doch heiter die Kunst
Wilhelm Urban.
K. bayr. Hofschauspieler.
geb. 14. Sept. 1793, gest. 28. Febr. 1833.
Wilhelm Urban.
Hofschauspielerssohn.
geb. 22. April 1828, gest. 7. Jan. 1857.
Wilhelmine Urban, geb. Abel.
Hofschauspielerswittwe u. pens. Hofsolotänzerin.
geb. 17. Mai 1792, gest. 11. Jan. 1862.
Wilhelmine Urban.
Hofschauspielerstochter.
geb. 7. Febr. 1830, gest. 31. Juli 1876.
Dr. Louise Mayer, geb. Urban.
Redakteurswittwe,
geb. München 19. Nov. 1817, Nürnberg 5. Nov. 189¿
Julius Urban.
Tondichter.
geb. München, 30. Apr. 1825, gest. München 19. Nov. 1879
Rückseitige Inschrift
Das aus dem Ertrag einer Vorstellung des Volkstheaters in der Au
von dem Direktor Joseph Schwaiger 1840
errichtete Monument, wurde von der Familie
1891 erweitert und 1901 erneuert.
Metallrelief der Familie Mayer mit Wappen und Putten am Fuße des Grabsteins
Anno 1900 den 8ten Juni
verschied zu Charlottenburg
die Bankdirektors-Gattin
Emmy Mayer, geb. Kaßler,
geboren zu Namslavin Schlesien
den 26ten Mai 1858. Sorgen, Müh’n
u. Schaffen war ihr Leben, Arbeit ih-
res Daseins höchste Lust, rastlos
ihres Geistes edles Streben,
Liebe wohnte stets in ihrer Brust.
Anno 1923 den 3ten Januar
verschied zu Charlottenburg
der Kommerzienrat
Wilhelm Mayer Direktor
der Vereinsbank in Nürnberg
geb. zu Nürnberg d. 24. März 1851
- Mayer, Emmy (vh) / Kaßler (gb); 26.5.1858 (Namslavin/Schlesien) – 8.6.1900 (Berlin); Bankdirektors-Gattin
- Mayer, Luise, Dr. (vw) / Urban (gb); 19.11.1817 (München) – 5.11.1890 (Nürnberg); Redakteurs-Witwe
- Mayer, Wilhelm; 24.3.1851 (Nürnberg) – 3.1.1923 (Berlin); Bankdirektor
- Urban, Julius; 30.4.1825 (München) – 19.11.1879 (Isar/Freimann), Tod durch Selbstmord; Komponist
- Urban, Wilhelm; 14.9.1793 (München) – 28.2.1833 (München); Schauspieler und Theaterschriftsteller
- Urban, Wilhelm; 22.4.1828 – 7.1.1857 (München); Schauspielers-Sohn
- Urban, Wilhelmine; 7.2.1830 – 31.7.1876 (München); Schauspielers-Tochter
- Urban, Wilhelmine (vw) / Abel (gb); 17.5.1792 – 11.1.1862 (München); Tänzerin und Schauspielers-Witwe





#Julius Urban
* 30.4.1825 (München)
† 19.11.1879 (Isar/Freimann), Tod durch Selbstmord
Komponist
#Allgemeine Zeitung (9.5.1849)
München, 2 Mai. Vorgestern trat hier mit einem großen Instrumental- und Vocalconcert ein junger Musiker aus München, Hr. Julius Urban, zum erstenmal als Componist auf.Sämmtliche Musikstücke: eine Sinfonie (aus D dur), eine Cantate (Nacht und Morgen), zwei Lieder mit Clavierbegleitung und eine Ouvertüre waren von der Composition des Concertgebers. Entschieden schöpferisches Talent, Originalität und geschickte Verarbeitung der Gedanken und Melodien und fleißiges Studium unsrer großen Meister sind nach dem Urtheil vieler Sachverständigen die Eigenschaften die der junge Tonsetzer an den Tag gelegt hat, und neben welchen die technischen Mängel (an denen wie alle Erstlingsarbeiten auch seine Compositionen leiden) mehr nur von formeller Bedeutung sind. Es ist von dem Fleiß und dem kühnen Muthe des jungen Mannes, der als Autodidakt mühsam und unter zahlreichen Hindernissen sich emporarbeiten mußte, zu erwarten daß sein Genius einst noch bedeutende, der Muse der deutschen Musik würdige Werke schaffen wird. Das Auditorium sprach seine Anerkennung ganz in obigem Sinn durch lebbaften im Verlauf des Concerts sich steigernden Beifall aus, welcher letzte wohl noch größer gewesen wäre wenn es dem in der schwierigen Kunst des Dirigirens noch wenig geübten Concertgeber gelungen wäre seine Werke vom Orchester durchweg mit Lust und Liebe, mit jener Präcision und in jenem genialen Gusse ausgeführt zu sehen wie wir ihn unter Franz Lachners Leitung von jeher im Odeonsaale zu bewundern gewohnt sind.
Allgemeine Zeitung Nr. 129. Augsburg; Mittwoch, den 9. Mai 1849.
#Abendblatt zur Neuen Münchener Zeitung (12.5.1860)
Concert des Herrn Julius Urban.
R.Z. München, 10. Mai. Herrn Julius Urbans Cantate »Die Rückkehr des Odysseus« erfreute sich bei ihrer gestrigen Aufführung im großen Odeonsaale sehr lebhaften Beifalles. Die Wahl des Stoffes ist als eine recht glückliche zu bezeichnen, und auch die Ausarbeitung zeigt von vielem Geschicke, wenngleich nicht geläugnet werden kann, daß der für den antiken Stoff richtige Ton nicht immer eingehalten ist, und überdieß die ganze Disposition sowohl zu Gunsten des poetischen als auch namentlich musikalischen Theiles da und dort hätte vortheilhafter getroffen werden können. So machen zum Beispiel das Bacchanale der Freier, die für die specielle Bearbeitung ziemlich nebensächliche Flucht des Telemachos und die Klagen Penelope's hierüber in der ersten Abtheilung einen den Fortgang der Handlung ziemlich störenden Eindruck, während die gleichen Motive in der zweiten Abtheilung ganz am geeigneten Platze sein würden. Was nun die Musik betrifft, so erfreut zunächst ein ernstes und nur dem Edlen zugewendetes Kunststreben, eine Tugend, die nicht hoch genug anzuschlagen ist, nicht allein wegen ihrer Seltenheit, sondern auch weil sich den von ihr beseelten Künstlern ein günstiges Prognostikon stellen läßt. Was an dem Werke zumeist stört, ist eine gewisse Zerfahrenheit, die Ihrem Ref. aus dem Ringen nach einem selbstständigen Styl zu entspringen scheint. Die Motive treten selten in klaren bestimmten und charakteristischen Umrissen hervor, das Gleiche gilt von der Form, und auch das orchestrale Colorit ist von Monotonie nicht freizusprechen. Diese letztere hat ihren hauptsächlichsten Grund darin, daß der Componist durch das ganze Werk mit nur geringen Unterbrechungen die sämmlichen ihm zu Gebote stehenden Klangfarben zugleich in Wirksamkeit erhält. Dieß ist auch der Grund, warum die Singstimmen nur in wenigen Fällen zur Geltung gelangen können. Eine weitere Schattenseite bieten die nichts weniger als sparsam angebrachten Textwiederholungen, was um so mehr bei einem Tondichter auffallen muß, der im übrigen ein so entschiedenes Augenmerk auf eine sinnige Behandlung des Gedichtes richtet. Eine rühmliche und zwar eine sehr rühmliche Ausnahme hinsichtlich der eben aufgeführten Mißstände macht in der zweiten Abtheilung der Chor »Cumäus, sieh dein König kommt zu dir« (Nr. 15). Hier hat der Componist, ohne irgend wie als ein sklavischer Nachahmer zu erscheinen, jenen Weg eingeschlagen, den Haendel und Gluck bei der Composition antiker Stoffe mit so herrlichem Erfolge voraufgingen, den Weg edler Einfachheit bei sorgfältigster Auswahl der für die poetische Stimmung sich eignenden Ausdrucksmittel. Wer einen Chor wie den eben berührten zu schreiben vermag, von dem steht des Schönen noch viel zu erwarten, wofern er die Sturm- und Drangperiode innerer Entwicklung, die keinem ächten Künstler erspart bleibt, glücklich überwunden haben wird.
Die Solopartieen wurden von den Damen Hefner, Kapp-Young und Mayer, und den Herren Bausewein, Heinrich und Lindemann gesungen.
Abendblatt zur Neuen Münchener Zeitung Nr. 114. Samstag, den 12. Mai 1860.
#Abendblatt zur Neuen Münchener Zeitung (16.5.1860)
Erklärung des Herrn Julius Urban,
auf unsere im Abendblatte Nro. 114 gegebene Besprechung seines Concertes.
Darf sich ein Autor, der sein Werk aufführt oft schon aus der mißfälligen Stille oder aus den Beifallsbezeugungen seines anwesenden Auditoriums, sowie aus den persönlichen Meinungsäußerungen der ihm befreundeten oder ihm fremden Sachverständigen und Laien in seiner Kunst eine lehrreiche Kritik ziehen, so erfreut es ihn gewiß sehr, wenn auch die Presse einer großen Sache angemessen ihre Ansicht äußert, wie dies der Fall war in Nummer 114 dieses Blattes.
Wer jedoch weiß, wie schwer es ist, ein Tonwerk, das so rasch am Zuhörer vorüberrauscht nach einmaligem Hören gerecht beurtheilen zu können, der wird mir nicht verargen, den Ansichten des Herrn R. Z. Correspondenten dieses Blattes gegenüber auch die Meinigen entgegen zu stellen.
Weit entfernt beim Schaffen meiner Cantate des antiken Stoffes wegen einen hiefür eigenen Ton anzuschlagen, hielt ich es für geeigneter mich an Homers Auffassung zu halten, der uns in seinen Heldengestalten Gefühlsmenschen darstellt, die sich der Freude wie dem Schmerze in vollem Maaße hingeben; ich überließ es deshalb auch meinem Gefühle, den geeigneten Ton meinem Stoffe anzupassen. Das Bacchanale der Freier und Penelope's Klage über des Telemachos Flucht als die Handlung der ersten Abtheilung »störend« zu bezeichnen, mag der Herr R. Z. Correspondent nach seinem Gefühle vielleicht nicht unrecht haben; mir jedoch schien die Veränderung des Schauplatzes der Geschichte, insofern sie Abwechslung in der Stimmung der Situationen hervorruft eine Hauptaufgabe, die ich mir stellte von guter Wirkung.
Die Klage einer vom Schicksal schwergebeugten Königin und treuen Gattin, an sich schon ein bedeutender Gegenstand musikalischer Composition, kann durch die ihr angekündigte Flucht ihres Sohnes, welche ihren Schmerz verdoppeln muß, nur noch interessanter sein, deshalb aber die Flucht nicht als »nebensächlich« bezeichnet werden. Die Wiederaufnahme der Fahrt der Odysseus erst nach Penelope's Klage, hielt ich in der Wirkung für wohlthätig und deshalb für berechtigt. Eine gewisse Zerfahrenheit, welche mir der Herr Correspondent zum Vorwurfe macht, dürfte vielleicht im Ausdrucke nicht ganz richtig zu nennen, wohl aber dahin zu berichtigen sein, daß bei vielen Stellen meines Werkes mehrere Motive zugleich aufreten, somit durch diese tonmalende Art, und wie auch ganz richtig bemerkt wurde, durch oft zu starke Instrumentation, (ein Uebel dem leicht abzuhelfen) die Singstimmen nicht zur Geltung kamen. Diesen Fehlern ist es gewiß beizulegen, daß die Kritik die Form nicht immer gewahr werden konnte, welche, bei manchem neuen Versuche gegen das Bisherige, sehr wohl im Periodenbau meines Werkes zu finden ist, und warum Herr Correspondent von vorhandener oder nicht vorhandener Erfindungsgabe und Charakteristik der treffenden Situationen schwieg.
Jene Schattenseite, der »nichts weniger als sparsam angebrachten Textwiederholungen« dürfte im Zusammenhang mit dem weiter unten folgenden Lobe des Chores Nr. 15 als in einem ziemlichen Widerspruche stehend bezeichnet werden. Die Händel'schen Oratorien wie die anderer Meister auch haben ja nur, mit Ausnahme der Recitative und Choräle, fast alle Arien und Chöre auf Wiederholungen des Textes gebaut. So viel glaubte ich mir zur weiterer Ausführlichkeit des besagten Artikels in Nr. 114 dieses Blattes erlauben zu dürfen und selbst schuldig zu sein. Im Uebrigen danke ich dem Herrn Verfasser jenes Aufsatzes, wie billig, für Manches Anerkennende und Rühmliche, was er meinem Werke angedeihen ließ.
Schließlich halte ich es noch für meine Pflicht, des großen Verdienstes sämmtlicher Mitwirkenden in meinem Concerte zu erwähnen, welches sich Alle durch die gelungene Ausführung meines schwierigen Werkes erwarben, insoferne für daselbe nur eine Correcturprobe für das Orchester, und für die vereinten Kräfte nur eine, nämlich die Hauptprobe möglich war.
Jul. Urban.
Nachschrift der Redaction.
Vorstehender Erklärung des Hrn. Urban glaubt die Redaction folgende Bemerkungen als ausführlichere Begründung ihrer einmal ausgesprochenen Ansicht beifügen zu müssen.
Herr Urban hat mit der Behauptung, daß Homer in seinen Heldengestalten »Gefühlsmenschen darstelle etc.« vollkommen recht. Er übersieht jedoch hiebei, daß ganz dieselben Gefühle je nach der Culturperiode, in der ihre Träger leben, schon nach ihrem sprachlichen und formellen Theil unter sich auch verschieden darzustellen seien, wenn man überhaupt fein charakterisiren will. Wenn aber z. B. Odysseus singt:
»Sei gegrüßt du traute Stätte
Sei gegrüßt mein Vaterland!
Mehr wenn ich gebüßt noch hätte,
Nichts wärs gegen solch ein Pfand.«
so versetzt uns die ganze Haltung dieser Trochäen, denn doch eher in eine ganz moderne Oper, als in die Zeit der Homerischen Helden. Nach gleichen Grundsätzen wäre denn auch der musikalische Theil dem gewählten Gegenstande in manchen Parthien mehr anzupassen gewesen, und wir haben, und das gewiß mit Recht, auf Gluck und Händel hingewiesen, welche bisher als unerreichte Muster in Bezug auf musikalische Behandlung antiker Stoffe anerkannt sind. Wir glauben sonach zu der Annahme berechtigt gewesen zu sein, daß der zeitweise Aufblick zu diesen Heroën der Tonkunst auf die Urbanische Cantate nur einen wohlthätigen Einfluß ausgeübt hätte, ohne daß Herr U., so wenig wie Mendelssohn, deshalb genöthigt gewesen wäre, seine eigene schöpferische Gabe sclavisch den vorhandenen Vorbildern unterzuordnen.
Wenn Hrn. U. in der ersten Abtheilung die Veränderung des Schau-Platzes einer abwechselnden Situation halber von guter Wirkung erschien, so hat er dabei wohl nicht beachtet, daß er hiedurch die Einheit des Ortes verletzte, ohne irgend einen aus dem Stoffe selbst entspringenden triftigen Grund für sich zu haben. Mag man auch die dürren Speculationen, die mit den sogenannten drei Einheiten getrieben wurden, nicht billigen, so soll das Gesetz dieser Einheiten eines rein äusseren Effectes halber doch auch nicht zur Seite geschoben werden, zumal dann nicht, wenn das Gedicht in Folge seines speciellen Zweckes von den decorativen Hilfsmitteln der Bühne ohnehin keinen Gebrauch machen kann.
Wenn weiterhin Herr U. den Schmerz der Mutter durch die Flucht des Telemachos »nur noch interessanter« machen wollte, so hätte er uns zuerst den Positiv zu diesem Comparativ, nämlich die Klage der treuen Gattin allein, vorführen müssen. Erst dann würde der neu hinzutretende Schicksalsschlag die Klagen Penelope's »interessanter« gemacht haben, gleichwohl aber das Nebensächliche dieser Klage geblieben sein, und zwar deshalb, weil die Flucht des Telemach nicht als wesentliches Handlungsmoment in die Dichtung eingreift.
Den von unserem Corresporrdenten ausgesprochenen Tadel hinsichtlich des speciell musikalischen Theiles sucht Herr U. dadurch zu widerlegen, daß bei vielen Stellen »mehrere Motive« zugleich aufträten. Dieses an sich höchst rühmliche Streben nach Polyphonie kann jedem Werke nur zum Vortheil gereichen, wofern nicht Klarheit und Uebersichtlichkeit darunter leiden. Tritt aber dieser Fall ein, dann sind die »mehreren Motive« nur vom Uebel. Unser Corresp. macht auch Hrn. U. nirgends den Vorwurf, daß er die Form nicht hätte gewahr nehmen können. Er wünschte ihr nur klarere und bestimmtere Umrisse.
Wenn endlich in unserer Besprechung der Urban'schen Cantate von »nichts weniger als sparsam angebrachten Tertwiederholungen« die Rede ist, so liegt hierin weder ein Widerspruch mit dem Lobe des Chores Nr. 15, noch ist damit – wie Herr U die Stelle auffaßt – eine principielle Verdammung der Textwiederholungen ausgesprochen. Es handelt sich lediglich darum, ob sie innerhalb jener Grenzen geblieben sind, die ein geläuterter Geschmack zieht, und nur die Ueberschreitungen dieser Grenzen haben wir getadelt.
Den Standpunkt des wahren Kritikers im vollem Sinne des Wortes hat unser Hr. Corresp. sonach weder Hrn. Urban noch unsern geehrten Lesern gegenüber verlassen, und denjenigen Eindruck wiedergegeben, welchen dessen Cantate, (unbeschadet der von allen Anwesenden anerkannten schwierigen und in vielen Parthien glücklich gelösten Aufgabe des Herrn U.), auf den Theil der Versammlung gemacht hat, welcher der Aufführung des Concertes unpartheiisch anwohnte, Andere Stimmen der Kritik (vgl. Landbote Nr. 136) haben ebenfalls unsere Anschauung getheilt, und sie huldigen gewiß auch mit uns dem Grundsatze, daß man emporstrebenden Talenten durch eine gewissenhafte und mit Ruhe abgewogene Prüfung ihrer Leistungen einen größeren Dienst erweise, als durch einseitige Beurtheilung, sofern eben die Betreffenden einen wohlgemeinten Rath anzunehmen und denselben auch anzuwenden gesonnen sind.
Abendblatt zur Neuen Münchener Zeitung Nr. 117. Mittwoch, den 16. Mai 1860.
#Allgemeine Zeitung (26.11.1879)
Verschiedenes.
(Todesfälle.) Man schreibt uns aus München unterm 24 Nov.: »Am 19 d. verschwand der hier lebende Componist Julius Urban (ein Sohn des seiner Zeit so gefeierten Hofschauspielers); ein zurückgelassener Brief des schon seit längerer Zeit an tiefer Melancholie leidenden Tondichters ist ein weiterer Beleg dafür daß derselbe im Verfolgungswahn sein Leben im Wasser endete. Die von der Isar bei Freimann ans Land gespülte Leiche wurde gestern gefunden und wird morgen daselbst begraben.«
Allgemeine Zeitung Nr. 330. Augsburg; Mittwoch, den 26. November 1879.
#Allgemeine Zeitung (20.12.1879)
Nekrologe von Münchener Künstlern.
VII.
[...]
An diese Maler reihen wir den Tondichter Julius Urban, geboren am 30 April 1825 als der Sohn des berühmten Mimen Wilhelm Urban.
Der frühzeitige Unterricht welchen Julius im Clavierspiel erhielt, wurde durch den raschen (schon am 28 Februar 1833 erfolgten) Tod des Vaters nur zu bald wieder unterbrochen, da die mit acht Kindern hinterlassene Wittwe keine Mittel für Lehrer aufzuwenden vermochte. Der Junge durchlief die Schulen und bildete sich selber fort, so gut es ging. Harmonielehre und Composition studierte Urban mehrere Jahre unter der Leitung des Professors A. Wohlmuth, bis der Capellmeister Jos. Hartmann Stuntz den talentvollen feurigen Jüngling in seine eiserne Lehre nahm. Später unterwies ihn Professor Christian Wanner im höheren Clavierspiel. Es galt nun bald seine Kenntnisse und Fähigkeiten zu verwerthen. So begann Urban seine Laufbahn durch Ertheilen von Unterricht. Trotz der ermüdenden Tagesarbeit blieb ihm noch Kraft und Muth genug eigene Werke zu schaffen und sich geistig weiter zu fördern: die Lust und Liebe der Jugend glüht durch solche Schranken nur höher auf, weiß alle Mühsale zu überwinden und wagt sich deßhalb mit jubelndem Uebermuthe an die höchsten und schwersten Probleme. Auch die Dichtkunst wurde eifrig gepflegt; eine Zeit lang rangen die beiden Schwesterkünste gleichsam um den Vorrang, welcher zuletzt doch wieder der Musik zufiel. Anfangs 1848 trat Julius Urban für Wilhelm Speidel in eine Familie zu Thann (im Elsaß) aber nur zu bald endete der Ausbruch der Revolution seine erfreuliche Thätigkeit, da seine Schüler für die Pflege der heiteren Künste des Friedens weder Zeit noch Gelegenheit fanden. Unser Maestro eilte nach München zurück und begrub sich in einer Fülle von Schöpfungen und Compositionen, so daß schon am 30 April 1849 der kaum vierundzwanzig Jahre zählende Tondichter mit einem großen Instrumental- und Vocalconcert vor das Publicum zu treten wagte, wobei nur eigene Werke, eine Symphonie (aus D-dur), eine Cantate (Nacht und Morgen), zwei Lieder mit Clavier-Begleitung und eine Ouvertüre zur Aufführung gelangten. Daß dem jungen Dirigenten dabei das Herz etwas zitterte und er sein Orchester nicht mit einer Präcision à la Lachner ins musikalische Treffen führen konnte, ist begreiflich. Dessenungeachtet wuchs von Nummer zu Nummer der theilnehmende Beifall des allmählich erwärmten Auditoriums. Der von bewährter Hand stammende Bericht in Nr. 129 der »Allg. Ztg.« vom 9 Mai 1849 rühmte den Fleiß und den kühnen Muth des jungen Mannes, der als Autodidakt mühsam und unter zahlreichen Hindernissen sich emporarbeiten mußte; ebenso wurde das entschieden schöpferische Talent, die Originalität und geschickte Verarbeitung der Gedanken und Melodien und das fleißige Studium der großen Meister anerkannt – Vorzüge wogegen die allen Erstlingsarbeiten anhaftenden formellen Mängel nicht in Betracht kamen; schließlich wurde die Erwartung ausgesprochen, daß sein Genius einst noch bedeutende, der Muse der deutschen Musik würdige, Werke schaffen werde.
Darauf begannen für Urban zwei Decennien voll glücklicher Thätigkeit: Er leitete den damals frisch erblühenden Künstler-Sänger-Verein, welcher zum fröhlichen Gedeihen der schönen, unvergeßlichen Mai-Feste immer eine dankenswerthe Folie bot. Hier bildete Urban auch die verständniß-innigen Kräfte welche die zahlreichen Liedercompositionen und heiteren musikalischen Einfälle ihres Dirigenten executirten. Ständchen klangen eine Zeit lang allen hervorragenden Personen welche München berührten, allerlei Spiele und dramatischer Schnickschnack wurden inscenirt, jedes die Künstler-Genossenschaft berührende Ereignis galt als Signal. So — um nur einiges wieder in Erinnerung zu bringen — componirte Urban den nachmals auch in Druck gebrachten und mit einer Vignette von Moriz v. Schwind ausgestatteten »Festmarsch« zum Rubens-Feste (1857); er lieferte die Introduction zu der Grundsteinlegung der neuen Maximilians-Brücke, womit im Jahre 1858 die siebente Säcularfeier des Bestehens der bayerischen Hauptstadt inaugurirt wurde; ebenso den Chorgesang zur Eröffnung der berühmten Kunst-Ausstellung desselben Jahres; er leitete den ganzen Cyclus von musikalischen Ovationen womit die letzte Anwesenheit des großen Cornelius zu München im Juni 1861 erst den rechten Strich und Ton gewann. Was der Künstler-Sänger Verein leistete, steht allen Betheiligten gewiß in unvergänglicher Erinnerung. Urban aber war der Zauberer welcher mit seinem Stabe die Begeisterung schürte, nährte und leitete – letzteres freilich mit einer Strenge und Pflichtbeflissenheit welche jeden Dilettantismus verbannte und an die Betreffenden Forderungen setzte welche oft nicht nach eines Jeden Geschmack sein konnten. Mit der unvermeidlichen Aenderung des Materials, als der Spiritus allmählich verflog und bloß das gemüthliche Moment der Unterhaltung in den Vordergrund rückte, legte Urban seine Stelle nieder. Die Genossenschaft ehrte seine Verdienste durch Ueberreichung einer Dankadresse und eines köstlichen Albums, in welchem die meisten durch Handzeichnungen und Skizzen dem scheidenden Freunde ein Zeichen der Erinnerung boten.
Das waren nach Urbans eigenem Geständniß seine glücklichsten Jahre, in welchen bei ununterbrochenem Schaffen seine großen Werke entstanden, darunter eine zweite Symphonie, eine große Oper »die Guerrillas« (Text von Herman v. Schmid), eine andere »die letzten Tage von Pompeji« (in 3 Acten), ein komisches Singspiel »der dumme Peter« (in 3 Aufzügen), »das Schwabenmädle« (Liederspiel in einem Aufzug) und viele andere Gelegenheitscompositionen, Quartette, Lieder, Chöre und Walzer. Da sich andere Orchester, Directoren und Fachgenossen meist ablehnend dagegen verhielten, beschloß Urban seine die »Rückkehr des Odysseus« betitelte Cantate unter eigener Direction aufzuführen, was am 9 Mai 1860 im großen Saale des Odeon geschah. Das Publicum spendete überschwänglichen Beifall, es war ein glänzender succès d’estime, gerade so wie bei seiner »Frithjof-Sage,« welche drei Jahre später (1863) von mehr als dilettantischen Kräften executirt und mit rauschendster Anerkennung belohnt wurde. Die Kritik, welche das erstemal (in Nr. 114 Abendblatt zur »Neuen Münchener Ztg.« vom 12 Mai 1860) mit so klugem Vorbedacht lobte, daß der gekränkte Tonsetzer dagegen (Nr. 117 ebendaselbst vom 16 Mai) repliciren zu müssen glaubte, verhielt sich gegen die Proben aus »Frithjof« still und schweigend, so daß der davon tief betroffene Dichter-Componist fortan jedes weitere Hinaustreten in die Oeffentlichkeit vermied.
Dafür gedachte Urban ernstlich auf dem Gebiete der dramatischen Dichtung weiter zu schreiten. Er schrieb ein Märchen »Schneewittchen,« welches später wohl auch auf eine musikalische Inscenirung berechnet war, dann die Original-Lustspiele »Eine Stunde vor der Trauung« und »das Familienfest,« ebenso ein fünfactiges Schauspiel »Adeline oder Provinz und Residenz.« Vergebens bot er allen Scharfsinn auf um unerkannt seine Werke vor die rechte Schmiede zu bringen; mit erfinderischer List ersann er allerlei Winkelzüge die betreffenden Bühnenleiter und kritischen Regisseurs über die wahre Autorschaft zu täuschen: die Manuscripte folgten auf weiten Umwegen abgelehnt zurück. Dem letztgenannten Stück fehlte es, wie ich dem Dichter, der mich in geheimnißvoller Weise ins Vertrauen zog, nicht verheimlichte, an plastischer Gestaltung, es verrieth eine Abwesenheit aller Bühnenkenntniß bei einer Kindlichkeit der Sprache welche insbesondere bei gebundener Rede den autodidaktischen Dilettantismus nur zu sehr bekundete.
Statt seine Kräfte zu concentriren, schweifte Urban gern auf fremde Gebiete über, naschte bei Strauß und Schopenhauer, klügelte über dringliche Reformen im Medicinalwesen, vertiefte sich auch in diplomatische Fragen und setzte kühn manches Mémoire darüber auf, wie denn auch beim Ausbruch des Bruderkampfes im Jahre 1866 und ebenso bei Beginn des deutschen Krieges die gerade nicht unglaubliche Rede ging : Urban habe den obersten Kriegsherren erhebliche Winke gegeben wie der ganze Handel glorreich und auf kürzestem Wege beendet werden könne.
In Folge vieler gescheiterten Hoffnungen schloß sich Urban nur um so schroffer gegen die umgebende Welt ab und zog sich in sein Inneres zurück. Er strebte und arbeitete noch rastlos, wieder ganz der Pflege seiner Kunst zugewendet, aber weniger freudig. Die Lust war ihm vergällt. Solange einer noch diesseit der möglichen Lebenshälfte steht, treibt die schaffende Kraft vergnüglich mit hoffender Zuversicht weiter; ist aber die Polhöhe resultatlos überschritten, so erlahmt der willigsten Phantasie nur allzu leicht der Flügelschlag. Dazu trat auch die Existenz-Frage ernstlicher heran. Urban bewarb sich ein paarmal vergeblich um eine Director-Stelle, trotz der Protection Sr. Excellenz des Ministers v. Zwehl, welcher das edle Streben und den Charakter des Petenten achtete und schätzte; erst schob ein kluger Pastor, im entscheidenden Moment die Orthodoxie des Componisten bekritelnd, eine beliebigere Persönlichkeit vor, dann sprang eine andere collegiate Neidhämmelei dazwischen. Der durch solche Erfahrungen niedergebeugte Künstler hielt sich fürder von allen Concurrenzen mit jüngeren Kräften zurück, selbst wenn ihre Leistungen im Vergleich mit den seinigen einzig noch im Dintenfasse schliefen. So blieb ihm die unangefochtene Thätigkeit eines Privatlehrers mit ihrer stolzen Freiheit, mit ihren Leiden und Freuden. Hatte er tagsüber im Kampf ums Dasein seine Zeit mit hartfingerigen Schülern verklimpert, »Stunden« und theoretischen Unterricht ertheilt, so durfte der todmüde, in sein stilles leeres Heim Rückkehrende kaum auf einen Besuch der Muse rechnen. Zwar glückte ihm noch eine »Bunte Reihe kleinerer und größerer Clavierstücke,« wovon aber nur drei Piècen, »Abendläuten,« ein »Hochzeitsmarsch« und »Wiegenlied« (Verlag des Verfassers), im Druck erschienen; auch entstanden allerlei »Kammermusik« (1867), viele Sonaten (1873) und Lieder, darunter die unpraktischerweise gleichfalls im Selbstverlag edirten »Frühlingsnacht,« der »Einsame« und »Nachklang.« »Zwei Lieder ohne Worte« und ein »Capriccio in H-moll« waren früher bei Jos. Aibl erschienen.
Urban verzweifelte in der jetzt hochgehenden musikalischen Richtung durchzudringen. Kein principieller Gegner der »Zukunftsmusik« und dieselbe vom Standpunkt eines Historikers objectiv betrachtend, hatte er doch von Jugend auf andere Sterne kennen gelernt als die gerade am musikalischen Himmel funkelnden Lichter. Er baute auf die Nachwelt, welche vielleicht freundlicher über ihn urtheilen werde. So schloß er seine besten Sachen in ein stattliches Köfferchen, mit der ausgesprochenen Absicht dasselbe erst nach zwei Decennien wieder öffnen zu lassen. Schon längst hatte er sich von seinen Freunden eigensinnig zurückgezogen. Nach dem 1876 erfolgten Tode seiner theuern Schwester Wilhelmine, deren Briefe er wie ein Kleinod hütete und in einer letztwilligen Verfügung der besonderen Beachtung empfahl, fühlte sich Urban völlig vereinsamt. Eine nicht zu überwindende Melancholie gewann die Oberhand, vielleicht genährt durch ein belästigendes Magenübel. Wenn er die Vergangenheit überdachte, ein Schaffen ohne Erfolg, Arbeit ohne Gewinn, so rauschten wohl schwarze Ahnungen um sein Haupt. Nur die Erhabenheit und Schönheit der Natur, wofür er immer ein offenes empfängliches Auge besaß — freilich nur eines, denn das andere hatte er schon früher durch einen unglücklichen Stoß verloren — der Genuß der großen Meisterwerke der Tonkunst und der Gedankenaustausch mit seinen in der Ferne lebenden Schwestern erhellten sein Leben mit einigem Freudenscheine. Schon im Herbste des vorigen Jahres dämmerte der Plan herauf demselben ein Ende zu setzen. Er brachte alles in musterhafte Ordnung, bis ins Kleinste. Materielle Sorgen quälten ihn nicht, seine Existenz war bei seinem äußersten Verzicht auf weitere Ansprüche eine hinreichend ergiebige gewesen. Die Katastrophe beschleunigte jedoch ein plötzlicher Irrwahn: er hielt sich eines ungeheuren Verbrechens angeklagt, eine riesenmäßige Verleumdung, welche ihn unschuldigerweise zum Geächteten machte, schwirrte um sein Haupt, zog auf ihn die Augen der Welt. Rath- und hülflos dagegen schrieb er ein wirres Lebewohl für einen treuen Freund nieder, dem er die Vollstreckung seiner letzten Wünsche anvertraute, verließ am 19 Nov. spät Abends die Wohnung und suchte, obwohl ein rüstiger Schwimmer, Hülfe und Rettung in jenem Element welches er mit seinen Liedern und Dichtungen nur zu gern besungen und gefeiert hatte.
Auf seinem Clavier lag Beethovens 32. Sonate in 8-sur aufgeschlagen. Ihre Klänge waren sein letzter Trost.
Der Körper des Entseelten landete bei Freimann. Als sollte das ihn zeitlebens verfolgende Mißgeschick auch über sein Grab hinaus walten, verweigerte das Dekanat der protestantischen Kirche, zu welcher er sich immer bekannt hatte, in Ermangelung eines ärztlichen Zeugnisses und Section-Befundes die Einsegnung der letzten Ruhestätte. Der Reiseprediger sprach mit Uebergehung des Namens und der üblichen Formel nur ein Gebet. Desto wärmer klang die Stimme des Wortführers einer Künstler-Deputation, er rühmte das ideale Streben und den sittlich reinen Charakter des armen Freundes, indem er den verdienten Lorbeer zu den schönen von dankbaren Schülern und Verehrern reichlich gespendeten Blumengewinden fügte. Die ganze Scene vor dem erst in Gegenwart der Leidtragenden, worunter auch die aus Nürnberg herbeigeeilte Schwester sich befand, geschaufelten Grabe, die trübnebelige Einsamkeit und winterliche Morgenstimmung im kleinen Dorfkirchhofe, der schon manch stilles Unglück in seiner Erde barg — es war wie ein Bild von Courbet. Seltsam! Kein Lied klang über der Scholle darunter Urban liegt, welcher, solange der von ihm geleitete Verein bestand, unzähligemal seinen Freunden und Bekannten den Abschiedsgruß ertönen ließ.
Allgemeine Zeitung Nr. 354. Augsburg; Samstag, den 20. Dezember 1879.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Urban Julius, 1825 (München) – 1879, Komponist; Sohn des Hofschauspielers Wilhelm U., mußte er sich sein Studium, da sein Vater früh verstorben, schwer verdienen; vom Hofkapellmeister J. H. Stuntz sehr gefördert, trat der in der Harmonielehre sehr Versierte erstmals 24jährig mit einem großen Instrumental- und Symphoniekonzert auf, wobei er nur eigene Werke (Symphonie in C-dur, eine Kantate, zwei Lieder mit Klavierbegleitung und eine Ouvertüre) aufführte; die Texte zu seinen Kompositionen schrieb der dichterisch Veranlagte zum Großteil selbst; U. litt lange Jahre an einem schweren Verfolgungswahn und hat in der Isar den Freitod gesucht.
Hauptwerke: Festmarsch zum Rubensfest (1857) mit einer Vignette von M. von Schwind versehen, Die Guerillas (Oper), Die letzten Tage von Pompeji (Oper), Der dumme Peter (komisches Singspiel), Das Schwabenmädle (Liederspiel) und Quartette, Lieder, Chöre und Tänze sowie Märchen (Schneewittchen).
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.
#Wilhelm Urban
* 14.9.1793 (München)
† 28.2.1833 (München)
Schauspieler und Theaterschriftsteller
#Neuer Nekrolog der Deutschen (1835)
71. Wilhelm Urban,
königl. Hofschauspieler zu München;
geb. im J. … , gest. d. 28. Febr. 1833 (Abendzeitung 1833, N. 33.)
Er war einer der genialsten Schauspieler Deutschlands, und starb in dem noch nicht vollendeten 39. Jahre seines Lebens. Auf ihn kann man wörtlich anwenden, was von dem größten Schauspieler, dessen die Bühne sich je erfreut hat, von Garrick gesagt wurde: »Er war klein von Person, aber wohl gebaut und gut gebildet, hatte schwarze, lebhafte Augen und eine reine melodische Stimme. Seine Gestalt, seine Mienen hatte er auf das bewundernswürdigste in seiner Gewalt; jede Leidenschaft stand ihm zu Gebote, Alles war an ihm voller, treffender Ausdruck derselben«. Daher war er auch gleich groß im Tragischen wie im Komischen. Uebrigens verband Urban mit mit einem feurigen Geiste eine lebhafte Phantasie, einen durchdringenden Scharfsinn in der Auffassung dramatischer Werke und alle Mittel zu einer vollendeten Darstellung. Den berühmten Monolog Hamlet’s »Sein oder Nichtsein u. s. w.« trug er unübertrefflich vor.
Urban hinterläßt eine Witwe und 8 unmündige Kinder. Seine Krankheit, die über 4 Monate währte, war äußerst schmerzhaft.
Neuer Nekrolog der Deutschen. Weimar, 1835.
#Die Scheinwelt und ihre Schicksale (1893)
Das Hoftheater hatte im Jahre 1813 mehrere Abgänge, darunter die Schauspieler Langlois, Lambrecht und den ersten Tenor Schack. Das Schauspiel gewann durch das Engagement W. Urbans, von dem wir bereits im Isarthortheater sprachen, eine vorzügliche Kraft. Seine Glanzrollen waren: »Faust«, »Egmont« und »Hamlet«. Tragisch ist sein früher Tod. Im Jahre 1832 erhielt Urban einen Ruf nach Berlin, dem er auch folgen wollte, als ein beklagenswerthes Geschick seiner Carrière ein jähes Ende bereitete. Beim Abschied-Souper im »Grünen Baum«, ein Lieblingsplätzchen der Münchener Künstler, sollte Urban, der als verwegener Turner bekannt war, über die mit allem Tischzubehör beladene Tafel mit einem Sprunge ohne Anlauf setzen. Das Bravourstück gelang, jedoch mit Nachfolge einer anfangs unbedeutenden inneren Verletzung an der Hüftseite, von welcher sich der Künstler aber nicht mehr erholte.
Nach längerem Siechthum, das ihm zur entsetzlichsten Qual wurde, starb W. Urban am 28. Februar 1833, im Alter von 38 Jahren. Urban war der erste »Faust.«
[...]
Ueber den Schauspieler Urban, dessen Vortrefflichkeit und dessen frühen Tod wir bereits berichtet, sagt Herr von Küstner, daß er in der Reihe der deutschen Schauspieler einen der ersten Plätze eingenommen hat. Von der Natur gerade nicht mit jener Figur bedacht, die auf der Bühne imponirt, machte sein innwohnendes Talent, sein reger Geist, seine oft geniale Darstellung dieses leicht vergessen. Selten hat ein Schauspieler eine edlere, geistreichere und ausdrucksvollere Physiognomie gehabt, und in seinem klaren, flammenden Auge lag der Spiegel der Seele, der Abglanz einer ewig bewegten, oft nur zu stürmisch aufgejagten Seele. Urban war ein denkender und kenntnißreicher Schauspieler; eine sorgfältige Ausbildung seines Geistes und seines Wissens ließen ihn bald nicht nur mechanischer Schauspieler, sondern bildender und schaffender Künstler in seinem Fache werden. (Leider ist Urban, wie wir wissen, für die Kunst zu früh gestorben.)
Die Scheinwelt und ihre Schicksale. Eine 127jährige Historie der Münchener kgl. Theater im populärer Form und als Jubiläums-Ausgabe. Zu Ehren des fünf und zwanzigjährigen Dienst-Jubiläums Seiner Excellenz des Herrn General-Intendanten Freiherrn von Perfall von Max Leythäuser. München; 1893.
#Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903)
Urban Wilhelm, geboren 1795 in München. Er sollte sich in Frankfurt dem Kaufmannsstande widmen, hielt es jedoch im Comptoir nicht lange aus und als 17jähriger Jüngling kam er voll Kunstbegeisterung nach München zurück und suchte beim dortigen Hoftheater anzukommen. Man ließ ihn lange auf Entscheidung warten. Endlich erfolgte 1813 sein Engagement. Er blieb aber auch dem Theater fortab bis zu seinem Tode treu, der ihn in seiner besten Kraft ereilte.
U. hatte einen ausdrucksvollen Kopf und ein kräftiges, aber angenehmes Organ. Sein Wuchs war leider klein, aber elegant. U. hatte seine Mienen auf das Bewunderungswürdigste in seiner Gewalt und der Ausdruck jeder Leidenschaft stand ihm zu Gebote. An die großen Aufgaben ging er mit wahrem heiligem Eifer und mit Aufbietung seiner besten Kräfte. Seine Prosa war seinen Versen vorzuziehen. Ausbrüche des Gefühls gelangen ihm über alle Maßen. Von seinen Leistungen im Liebhaber- und Heldenfache verdienen sein »Don Carlos«, »Ferdinand«, »Don Cesar«, »Pylades«, »Franz« im »Götz« besondere Erwähnung. Zu seinen gelungensten Darstellungen muß jedoch »Hamlet« gerechnet werden, dem er jahrelanges Studium widmete, und soll er den Monolog im dritten Alt unübertrefflich gesprochen haben. U., der eine lebhafte Phantasie und einen durchdringenden Scharfsinn in der Auffassung dramatischer Werke besaß, feierte auch im bürgerlichen Drama große Erfolge.
Eine rätselhafte Krankheit, die scheinbar gefahrlos begann, machte seinem Leben ein frühzeitiges Ende. Er starb am 28. Februar 1833 auf der Höhe seines hervorragenden Schaffens und Wirkens.
Ludwig Eisenberg’s Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Leipzig, 1903.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Urban Wilhelm, 1795 (München) – 1833, Hofschauspieler; er trat erstmals als »Fridolin« in dem gleichnamigen Schauspiel von Holbein auf der Hofbühne seiner Vaterstadt, der er bis zu seinem frühen Tod als eines ihrer besten Mitglieder angehörte, auf; obwohl klein von Gestalt, so entzückte U. doch als jugendlicher Liebhaber durch seine lebhaften, schwarzen Augen und durch seine reine, melodische Stimme; er besaß einen entschiedenen Sinn für das Große und zeichnete sich durch künstlerischen Ernst, große Innigkeit und Feinheit der Auffassung aus; u. a. spielte er die Titelrolle in Goethes Tasso und Faust sowie den Pylades in der Iphigenie, den Bassanio in Shakespeares Kaufmann von Venedig, vor allem glänzte er als Hamlet, dessen Monolog im 3. Akt er unübertrefflich gesprochen haben soll; häufige Gastspiele in Berlin, Wien und Hamburg machten seinen Namen auch außerhalb Münchens berühmt; U. hat es auch als Dichter versucht (Dramatisches Phantasiegemälde, Das erwachte Gewissen – Musik von Lindpaintner – und freie Bearbeitung von Shakespeares Komödie der Irrungen).
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#25 – 11 – 3·4 (Birzer)
Hier ruht
in Gottes Frieden
meine innigstgeliebte Gattin
unsere treubesorgte Mutter
Frau Frieda Birzer
geb. 4. Juli 1870
gest. 7. Juli 1929
u. unser lb. Vater
Herr Frz. Ser. Birzer
geb. 22.5.1862
gest. 21.6.1936.
- Birzer, Frieda (vh); 4.7.1870 – 7.7.1929 (München); Brauereibuchhalters-Gattin
- Birzer, Frz. Ser.; 22.5.1862 – 21.6.1936



#25 – 11 – 11 (Koller)


#25 – 12 – 8 (Pfeufer)
Familie Pfeufer
¿
- Pfeufer, Benno Heinrich Ritter von; 21.8.1804 (Bamberg) – 10.2.1871 (München); Bayerischer Finanzminister

#Benno Heinrich Ritter von Pfeufer
* 21.8.1804 (Bamberg)
† 10.2.1871 (München)
Bayerischer Finanzminister
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Pfeufer Benno Heinrich, von, Ritter, 1804 (Bamberg) – 1871, bayerischer Finanzminister; er studierte in Würzburg Rechtswissenschaft und trat dann in den bayerischen Verwaltungsdienst, wo er 1832 in das bayerische Finanzministerium berufen, seit 1834 Ziviladjunkt am Landgericht Bayreuth, 1836 Assessor bei der dortigen Regierung (mit dem Referat für katholische Kirchen- und Schulangelegenheiten), 1846 Rat bei der Regierung von Niederbayern, 1847 Ministerialrat im Innenministerium, 1848 dann im neuerrichteten Handelsministerium (als Referent für Industrie, Gewerbe, Verkehr, Eisenbahn und Banken), 1859–1866 Staatsrat und Finanzminister (1864/65 zugleich auch Verweser des Staatsministeriums für Handel und öffentliche Arbeiten) war; P. machte sich durch die Einführung der zweijährigen Finanzperiode verdient.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#25 – 12 – 10 (Führmann)
Hier ruhen in Gott:
Frau Antonia Führmann
gest. 1. Oktober 1840, 45 Jahre alt.
Ihr folgte ihr Gatte
Herr Josef Führmann
b. Stadtgärtner,
gest. 7. August 1856, 66 Jahre alt.
Unser innigstgeliebter Gatte u. Vater
Herr Anton Führmann
Kunst u. Handelsgärtner,
gest. 22. November 1892, 59 Jahre alt.
Unsere liebe gute Mutter
Frau Maria Führmann
gest. 27. Januar 1919, 84 Jahre alt.
Sockel
Unsere liebe Schwester
Fräulein Maria Führmann
gest. 31. März 1932 70 Jahre alt.
Rechte Seite
J. Lallinger.
- Führmann, Anton; – 22.11.1892, 59 Jahre alt; Kunstgärtner und Handelsgärtner
- Führmann, Antonia (vh); – 1.10.1840 (München), 45 Jahre alt; Gärtners-Gattin
- Führmann, Josef; – 7.8.1856 (München), 66 Jahre alt; Bürgerlicher Stadtgärtner
- Führmann, Maria; – 31.3.1932, 70 Jahre alt
- Führmann, Maria (vh); – 27.1.1919, 84 Jahre alt


#25 – 12 – 17 (Kleinschrod · Lichtenthaler · Linsmayer)
Tafelfragment
Grabstätte
von Lichtenthaler
von Kleinschrod
Linsmayer
- Lichtenthaler, Philipp von; 8.5.1778 (Sulzbach/Operpfalz) – 12.11.1857 (München); Direktor der Bayerischen Hof- und Staatsbibliothek und Universitätsprofessor

#Philipp von Lichtenthaler
* 8.5.1778 (Sulzbach/Operpfalz)
† 12.11.1857 (München)
Direktor der Bayerischen Hof- und Staatsbibliothek und Universitätsprofessor
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Lichtenthaler Philipp, von, 1778 (Sulzbach/Oberpfalz) – 1857, Direktor der Bayerischen Hof- und Staatsbibliothek und Universitätsprofessor; nach Studium der Philosophie und evangelischen Theologie wurde L. 1811 vom Gymnasium Bamberg ans Münchner Wilhelms-Gymnasium berufen, dabei war er zugleich Prinzenerzieher am königlichen Hof; er verfuhr mit so übertriebener Strenge und Härte gegen seinen Zögling, den späteren König Max II., daß dieser während mancher Unterrichtsstunde seine Aufmerksamkeit weniger auf den Lehrgegenstand als vielmehr auf die Frage konzentrierte, wie er sich der Disziplinierung durch diesen Lehrer entziehen könnte; 1815 wurde L. Professor und Hofbibliothekar in Würzburg; 1825 nach München versetzt, war er von 1826 bis 1855 erster Direktor der Bayerischen Hof- und Staatsbibliothek; durch planvolle Ergänzung der Bestände der Bibliothek, Überführung derselben in den Neubau an der Ludwigstraße und Loslösung der Bibliothek von der BAkdW hat sich dieser Vertraute König Ludwigs I. sehr verdient gemacht; der gelehrte klassische Philologe hat auch auf Anregung seines Königs für die von diesem neubegründete Skulpturen-Sammlung den Namen »Glyptothek« neugeprägt, der zu einem internationalen terminus technicus geworden ist (z. B. Glyptothek von Kopenhagen).
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#25 – 12 – 21 (Föringer)
HEINRICH FÖRINGER
HOFRAT
1802 – 1880
- Föringer, Heinrich Konrad von; 14.8.1802 (München) – 9.2.1880 (München); Bibliothekar, Hofrat und Mitbegründer des historischen Vereins von und für Oberbayern


#Heinrich Konrad von Föringer
* 14.8.1802 (München)
† 9.2.1880 (München)
Bibliothekar, Hofrat und Mitbegründer des historischen Vereins von und für Oberbayern
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Föringer Heinrich, von, 1802 (München) – 1880, Bibliothekar, Hofrat und Mitbegründer des historischen Vereins von und für Oberbayern; Sohn eines Mesners vom Herzogspital, beschäftigte sich F. schon als Kind mit Geschichte, Sprachen und Musik, jeden ersparten Pfennig brachte er zum Antiquar, nach philosophisch-juristischen Studien in Landshut, Würzburg und Heidelberg und ausgedehnten Reisen wurde er 1826 Rechtspraktikant beim Landgericht München Rechts der Isar, aber schon 1827 trat er bei der bayerischen Hof- und Staatsbibliothek ein (seit 1828 Praktikant); daneben besuchte er noch Kollegien an der Universität München (vor allem bei K. Mannert, Ocken und Schelling); 50 Jahre war er Kustos (zuletzt Oberbibliothekar) an der Münchner Staatsbibliothek (in der Abteilung Jurisprudenz und Handschriften), er war auch Bibliothekar und Archivar des von ihm mitbegründeten historischen Vereins von Oberbayern und Privatbibliothekar König Ludwigs I. sowie Mitglied der BAkdW; über seine Teilnahme an der Gründung des historischen Vereins schreibt F. selbst in seinem Tagebuch: »Was will ich machen? Ich kann und will mich den Zwecken des Vereins, die so innig mit dem innersten Streben meiner Seele zusammenhängen, nicht entziehen.«
Hauptwerke: Zur Jugendgeschichte Maximilians I., Der Landtag zu Ranshofen, kritische Untersuchung des Schwabenspiegels und des Rechtsbuchs Kaisers Ludwig, Erwerbung der Mark Brandenburg durch das Luxemburgische Haus; der eng mit seiner Heimat verbundene Gelehrte war Freund von J. J. von Görres, Graf von Pocci, J. N. von Ringseis, J. A. Schmeller und den Brüdern Boisserée.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#25 – 12 – 25 (Malia)
Es ist vollbracht
HIER RUHEN IN GOTT
KAROLINA MALIA
1825 – 1848
FRANZ MALIA
1819 – 1873
FRANZ MALIA
1854 – 1890
THERESE MALIA
1821 – 1919
MARIA MALIA
1881 – 1921
- Malia, Franz; 1819 – August 1873 (München); Schweinemetzger
- Malia, Franz; 1854 – 21.1.1890 (München); Schweinemetzger
- Malia, Karolina (vh); 1825 – Januar 1848 (München); Garkochs-Gattin
- Malia, Maria; 1881 – 7.5.1921 (München); Schweinemetzgers-Gattin
- Malia, Therese (vw) / Ritt (gb); 1821 – 1919; Bauers-Tochter aus Schellenberg / Garkochs-Witwe





#25 – 12 – 29 (Klotz)
MATTHIAS
KLOTZ
MALER
1748 – 1821
- Klotz, Matthias; 25.2.1747 (Straßburg) – 21.3.1821 (München); Landschaftsmaler, Portraitmaler und Theatermaler

#Matthias Klotz
* 25.2.1747 (Straßburg)
† 21.3.1821 (München)
Landschaftsmaler, Portraitmaler und Theatermaler
#Kunst-Blatt (26.4.1821)
Nekrolog.
Matthias Klotz, königlich baierischer Hofmaler war im Jahre 1748 zu Straßburg geboren. Haldenwanger war dort sein erster Lehrer, von dem er sich in seinem 18ten Jahre hinweg und nach Stuttgart begab, um bey Guibal, dem damaligen Hofmaler, und bey Scoti, einem Theater-Architekten und Fresco-Maler, sich weiter auszubilden. Nach erlangter höherer Vervollkommnung in verschiedenen Fächern der Kunst, begab er sich mit 25 Jahren nach Mannheim, wohin ihn der damals glänzende Hof des Chunrfürsten Carl Theodor gezogen hatte, unter dessen Regierung Künste und Wissenschaften sich einer hohen, ausgezeichneten Begünstigung erfreuten.
Klotz hatte sich vorzüglich der Porträt-Malerey zugewendet, als der leichtesten Art, sich seinen Unterhalt zu sichern. Die Aehnlichkeit, die er seinen Bildnissen zu geben, und das Gefällige seiner Hintergründe, die er mit Landschaften und Blumen geschickt zu staffiren wusste, sagten dem damaligen Geschmacke zu, und erwarben ihm Ruhm und ausgezeichneten Beyfall.
Diese Gewandtheit im Fache der Landschaft bewog den Hoftheater-Architekten Lorenz Quaglio, dem Künstler den Antrag zu machen, die Stelle eines Hoftheater-Malers im Landschaftfache anzunehmen. Klotz verstand sich um so eher dazu, als er seine Existenz dadurch mehr gesichert sah, und ihm, da seine Arbeit sich nur auf Decorationen für die italienische Oper beschränkte, noch Zeit genug übrig blieb, nebenbey auch Porträte zu malen und selbst einige Reisen zu unternehmen.
Seit 1775 war er also unter Carl Theodor Hoftheater Maler in Mannheim, binnen welcher Zeit er mehrere der angesehensten Städte Deutschlands und Hollands besuchte.
Im Jahre 1778 erhielt er in derselben Eigenschaft den Ruf nach München. Doch dehnten sich jezt seine Arbeiten auch auf landschaftliche Decorationen für die deutsche Schaubühne aus. Die große Anstrengung seiner physichen Kräfte, womit er 20 Jahre lang ununterbrochen seiner Kunst lebte, zogen ihm endlich eine chronische Krankheit zu, die ihn von Jahr zu Jahr mehr schwächte, und ihm zulezt hinderlich war, seinem Geschäfte vorzustehn.
An Thätigkeit gewöhnt und ganz für die Kunst lebend, konnte Klotz nicht müßig bleiben. Jezt ging er mit Ernst daran, sein schon frühzeitig projektirtes Farbensystem auszuarbeiten, worüber er schon 1779 in der Berliner Zeitschrift: Archiv der Zeit, seine Gedanken eröffnete in dem Aufsatze: Aussicht auf eine Farbenlehre, welche die ersten Grundmaximen hierzu enthält. – Später legte er in einer andern periodischen Zeitschrift, Nürnberg 1796, die ersten Grundprinzipien zu einer Farbenlehre für die Malerkunst dem Publikum vor. Endlich folgte im Jahre 1810 die erklärende Ankündigung seiner Farbenlehre etc. München bey Giel; und 1816 die Farbenlehre selbst, in zwey Abschnitten: Allgemeine Chromatologie, als Farbkunstlehre und reine Prismatoligie, als Farbnaturlehre. Dem Ganzen liegen die drey Urfarben: Reingelb, Reinpurpur und Reinblau zum Grunde, aus welchem dreyquelligen Ursprunge er ihre stufenweise Nüancirung bis zur Urfarbe, die Entstehung aller Mittelfarben, die 24 Buntfarben und ihren absoluten Contrast-Kanon etc. ableitet und durch colorirte Tafeln anschaulich macht.
Allen diesen Untersuchungen, die Klotz mit leidenschaftlicher Liebe und Beharrlichkeit begonnen und fortgesezt hat, liegt großer Scharfsinn, und allen weiteren Folgerungen und Resultaten ein tiefer Beobachtungsgeist zum Grunde, worin man zugleich den praktischen Künstler gewahr wird.
Alle Bildnisse, die Klotz später und mit Anwendung seiner Farbentheorie gemalt hat, geben die Anwendbarkeit der lezteren mit gutem Erfolge deutlich zu erkennen, und sind darum selbst seinen früheren weit vorzuziehen.
So war dieser theoretisch und praktisch gebildete Künstler unermüdet thätig bis ans Ende seines Lebens, das er am 21. März dieses Jahres rühmlich beschlossen hat.
Speth.
Kunst-Blatt Nr. 34. Donnerstag, den 26. April 1821.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Klotz Matthias, 1748 (Straßburg) – 1821, Hoftheater- und Kabinettsminiaturmaler; er war in seiner Vaterstadt Schüler von Henri Haldenwanger, ging 1766 zur Weiterbildung nach Stuttgart, 1775 wurde er auf Betreiben Lorenzo Quaglios zum »Hoftheatermaler im Landschaftsfach« in Mannheim ernannt; da seine Arbeit sich auf Dekorationen für die italienischen Opern beschränkte, blieb ihm noch Zeit zum Porträtmalern und zu Reisen, die ihn durch Deutschland und Holland führten; mit Verlegung des Mannheimer Hofstaates nach München kam K. 1778 als Theatermaler dorthin, wo er 1794 auch zum Kabinettsminiaturmaler ernannt wurde; einen Ruf an die Berliner Akademie lehnte K. ab; er war auch schriftstellerisch tätig (fachliche Schriften); von ihm sind außer einigen Zeichnungen und Aquarellen mehrere Porträts bekannt, die ihn, wie das lebensgroße Ganzfigurenbildnis des Grafen Anton Klemens von Törring, als tüchtigen, in den Bahnen J. G. Edlingers sich bewegenden, Porträtisten erweisen.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#25 – 12 – 31·32 (Morgenroth)
Hier ruhen in Frieden
Frau Ida von Morgenroth,
geb. von Müller
¿raths-Gattin
geb. ¿. März 1813 gest. 28. September 1878.
Herr Heinrich von Morgenroth
k. Geheimrath u. Ministerialrath a. D.
geb. 18. Oktober 1804, gest. 6. September 1887.
Herr Julius Morgenroth
kgl. Rentamtmann a. D.
geb. 30. September 1837. gest. 3. April 1899.
Linke Seite
Walter Morgenroth
Premierlieutenants-Sohn
geb. 16. Juni 1878,
gest. 5. April 1879.
Ernst Morgenroth
Majors-Sohn.
geb. 8. März 1887.
gest. 28. Januar 1894.
Rudolf Morgenroth
Regierungsakzessist
geb. 16. Juni 1877,
gest. 7. Juni 1906.
Rechte Seite
Ferdinand Morgenroth
Rechtspraktikant
geb. den 21. Jan. 1835
gest. den 12. Mai 1887
Edgar Morgenroth
kgl. Major a. D.
geb. den 7. April 1849
gest. den 8. September 1919.
- Morgenroth, Edgar; 7.4.1849 – 8.9.1919 (München); Major a. D.
- Morgenroth, Ernst; 8.3.1887 – 28.1.1894; Majors-Sohn
- Morgenroth, Ferdinand; 21.1.1835 – 12.5.1887; Rechtspraktikant
- Morgenroth, Heinrich Andreas von; 18.10.1804 (Thurnau/Oberfranken) – 6.9.1887 (München); Justizrats-Sohn / Geheimrat a. D.
- Morgenroth, Ida von (vh) / Müller, von (gb): 3.1813 – 28.9.1878 (München); Geheimrats-Gattin
- Morgenroth, Julius, 30.9.1837 (Augsburg) – 3.4.1899 (München); Rentamtmann a. D.
- Morgenroth, Rudolf; 16.6.1877 – 7.6.1906 (München); Regierungsaccessist und Amtsanwalt am königlichen Amtgericht München II
- Morgenroth, Walter; 16.6.1878 – 5.4.1879; Premierlieutenants-Sohn


#25 – 12 – 36 (Reicheneder)
Hier ruhet
unser unvergesslicher, bester
Gatte und Vater
Herr Anton Reicheneder,
Privatier,
geb. 8. Okt. 1833, gest. 30. Okt. 1898.
Dessen Gattin
Frau Anna Reicheneder,
geb. 6. Febr. 1840, gest. 1. Nov. 1922.
Ruhet sanft in Gott!
Reicheneder’sches Familiengrab.
- Reicheneder, Anna (vw) / Rank (gb); 6.2.1840 – 1.11.1922; Nadlermeisters-Tochter aus Augsburg / Nadlermeisters-Witwe
- Reicheneder, Anton; 8.10.1833 – 30.10.1898; Nadlermeister


#25 – 13 – 1 (n. n.)


#25 – 13 – 2 (Schneeweiß)
Familie
von
Schneeweiß
- Schneeweiß, Antonia von (vh) / Bäumen, von (gb); 25.11.1775 – 20.11.1823
- Schneeweiß, Christian Ritter von; 17.3.1842 – 5.5.1909; Bahninspektor
- Schneeweiß, Franziska von; 4.2.1798 – 30.11.1866 (München); Hofrats-Tochter
- Schneeweiß, Marie von (vh) / Wanney (gb); 19.6.1831 – 11.5.1905
- Schneeweiß, Max, Ritter von; 27.3.1844 – 28.7.1882; Regierungsassessor
- Schneeweiß, Rudolf Ritter von; – 24.6.1871 (München), 39 Jahre alt; Polizeikommissar
- Schneeweiß, Rudolf Ritter von; 31.12.1794 – 15.2.1852; Appellationsgerichtsrat
- Schneeweiß, Rudolfine von; 15.8.1871 – 11.4.1877 (München); Stadtgerichtsassessors-Tochter
- Schneeweiß, Sofie Auguste von (vh) / Seyler (gb); 17.6.1809 – 7.4.1842 (München); Stadtgerichtsassessors-Gattin
- Schneeweiß, Wilhelmine von (vh) / Müller (gb); 24.6.1813 – 18.10.1869 (München); Appellationsgerichtsrats-Witwe





#25 – 13 – 4 (Hertling)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Hertling, Anna Maria Freifrau von (vh) / Kalkhof, Reichsfreiin von (gb); 28.10.1790 – 14.3.1868 (München); Kriegsministers-Witwe
- Hertling, Auguste Freifrau von (vh) / Reichlin von Meldegg, Freiin (gb); 26.7.1836 – 23.3.1910
- Hertling, Franz Freiherr von, Exzellenz; 28.6.1780 – 17.9.1844 (München); Kriegsminister
- Hertling, Karoline Freiin von; 6.5.1817 – 5.3.1891; St.-Anna-Ordens-Stiftsdame
- Hertling, Maximilian Josef Alois von; 11.9.1822 – 23.11.1823
- Hertling, Philipp Freiherr von, Exzellenz; 1.1.1825 – 6.12.1901; Kämmerer und Generalleutnant


#Franz Freiherr von Hertling
* 28.6.1780
† 17.9.1844 (München)
Kriegsminister
#Ansbacher Tagblatt für Stadt und Land (20.9.1844)
Vermischte Nachrichten.
München, 13. Septbr. Ein imposantes militärisches Schauspiel bot gestern Nachmittag das Leichenbegängniß des General-Lieutenants Frhrn. v. Hertling, der als Ritter des Max-Joseph-Ordens einen Grad höher, im Rang eines General-Feldzeugmeisters, beerdigt wurde. Die gesammte Garnison unserer Residenzstadt, eben jetzt über 5000 Mann stark, bildete den Zug, der von der Wohnung des Verlebten in der Frühlingsstraße über den Wittelsbacher und Maxplatz durch die Sonnenstraße nach dem allgemeinen Gottesacker sich bewegte. Es war dies die erste Beerdigung, die in dem Sprengel der Ludwigskirche seit ihrem achttägigen Bestehen vorkam.
Ansbacher Tagblatt für Stadt und Land Nro. 96. Freitag, den 20. September 1844.

#25 – 13 – 5 (Urban)
MAX
URBAN
- Urban, Max


#25 – 13 – 6 (Göschl · Orff)
Ignaz von Göschl
Generalmajor
1773 – 1847
Franziska Göschl
geb. Augustin
1769 – 1854
Carl von Orff
Kriegsrat
1799 – 1874
Caroline von Orff
geb. Göschl
1799 – 1890
Carl von Orff
Generalmajor
1828 – 1905
Franziska von Orff
geb. Kraft
1833 – 1919
- Göschl, Franziska (vh) / Augustin (gb); 1769 – 12.9.1854 (München); Generalmajors-Witwe
- Göschl, Ignaz von; 1773 – 11.5.1847 (München); Generalmajor
- Orff, Franziska von (vh) / Kraft (gb); 1833 – 1.12.1919; Generalmajors-Witwe
- Orff, Karl von; 1799 – 16.10.1874 (München); Kriegsrat a. D.
- Orff, Karl von; 23.9.1828 (München) – 25.10.1905 (München); General
- Orff, Karoline von (vh) / Göschl (gb); 1799 – 1890




#25 – 13 – 7* (Eger)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Eger, Friedrich; – 30.8.1870 (München), 25 Jahre alt; Dekorationsmaler und Soldat

Das Grab ist nicht erhalten

#25 – 13 – 8·9 (Muffat)
KARL MUFFAT
STADTBAURAT
1797 – 1868
- Muffat, Franz Karl; 16.2.1797 (Sulzbach/Opf.) – 23.4.1868 (München); Baumeister und Stadtbaurat
- Muffat, Karl August von; 29.10.1804 (Sulzbach/Opf.) – 28.9.1878 (München); Schloßverwalters-Sohn / Reichsarchivrat und Historiker



#Franz Karl Muffat
* 16.2.1797 (Sulzbach/Opf.)
† 23.4.1868 (München)
Baumeister und Stadtbaurat
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Muffat Franz Karl, 1797 (Sulzbach/Opf.) – 1868, Baumeister und Stadtbaurat; M. hat als Junker und Leutnant die Feldzüge von 1813/15 nach Frankreich mitgemacht und wurde nach seiner Entlassung aus dem Heeresdienst 1825 als funktionierender Kreisingenieur angestellt, mit Genehmigung der Regierung des Isarkreises wurde ihm am 1. III. 1831 die Stadtbauratsstelle übertragen (die amtliche Einführung bei der Stadt erfolgte erst am 1. X. 1831); als Stadtbaurat schuf M. die meisten öffentlichen Bauten, die um die Mitte des 19. Jahrhunderts in München entstanden; sein Hauptwerk, die ehemalige 1852/53 erbaute Maximilians-Getreide-(Schrannen-)Halle an der Blumenstraße, ganz aus Eisen und Glas (wie der ziemlich gleichzeitig von A. Voit erbaute Glaspalast, der fast zur selben Zeit [1931] wie diese [1932] abgebrannt ist), war wohl eine der ersten Konstruktionen dieser Art in Deutschland und, als Wunder der Technik bezeichnet, aufsehenerregend; die Bedeutung dieses Baus ist auch daran zu erkennen, daß der König selbst und der ganze königliche Hof der Grundsteinlegung beiwohnten und dem Künstler für diese Leistung der Verdienstorden vom hl. Michael verliehen wurde; unter M. wurde der erste Kanal Münchens im Zug der hygienischen Maßnahmen M. von Pettenkofers erbaut, darin liegt das Hauptverdienst dieses Mitarbeiters A. von Zenettis und Karl Probsts; nach M. ist das 1893 von Stadtbaurat Frauenholz erbaute Elektrizitätswerk an der Zweibrückenstraße »Muffat-Werk« benannt.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.
#Karl August von Muffat
* 29.10.1804 (Sulzbach/Opf.)
† 28.9.1878 (München)
Schloßverwalters-Sohn / Reichsarchivrat und Historiker
#Einundvierzigster Jahres-Bericht des historischen Vereines von Oberbayern (1880)
Karl August v. Muffat,
Reichsarchivrath und Akademiker.
Den zweiten Band des Organes unseres Vereines, des oberbayerischen Archives für vaterländische Geschichte, eröffnet der Abdruck des wichtigen Traditionscodex des ehemaligen Collegiatstiftes St. Castulus in Moosburg. Es ist ihm ein sorgfältig gearbeitetes Verzeichniß der Namen die darin begegnen von S. 79–90 angereiht. In einer Note bei demselben heißt es: Entworfen von dem Vereinsmitgliede K. A. Muffat.
Wenn man so will, ist da in gedrängter Weise sein Wesen und seine Thätigkeit gekennzeichnet. Sein Wesen, indem die bescheidene Einfachheit, mit der er hier eingeführt ist – wie mancher andere hätte seinen Namen mit fetten Buchstaben an der Spitze seiner Zeilen sehen müssen! – einen Grundzug seines Lebens bildet. Seine Thätigkeit, indem eine bis in das Kleinste sich erstreckende Gewissenhaftigkeit allen seinen Arbeiten eigen ist.
Nur wenige Anhaltspunkte stehen über seine Jugendjahre und die Entwicklung zu Gebot, welche er bis zu seinem Eintritte in die Hof- und Staatsbibliothek genommen. Seine Geburt fällt auf den 28. Oktober 1804 nach Sulzbach, wo sein Vater kurfürstlicher Schloßverwalter gewesen. Fort und fort bewahrte er auch dieser seiner Heimat, der Oberpfalz, treue Anhänglichkeit. Im übrigen entrückt sich seine Erziehung näheren Blicken. Es verlautet nur von einem Betriebe von Studien zu Dillingen und München. Im Jahre 1825 trat er hier in die Praxis auf der Hof- und Staatsbibliothek. Auf eine schöne Laufbahn mochte er da rechnen. Sieben Jahre brachte er in diesem Dienste hin, unterstützt von Sprachkenntnissen, die er fast ausschließlich als Autodidact sich erworben, und holte jetzt so manches nach, was er für seinen künftigen Beruf als wünschenswerth oder nothwendig erachten mochte. So verschaffte er sich zunächst im Jahre 1827 ein Absolutorial-Zeugniß beim Gymnasium zu Landshut und bildete sich insbesondere an der Universität weiter aus. Namentlich fesselte ihn die Geschichte mit ihren Hilfswissenschaften, so daß er sich im Jahre 1832 an die Bearbeitung einer von der philosophischen Facultät gestellten geschichtlichen Preisaufgabe machte, welcher das Accessit zuerkannt wurde.
Jetzt trat eine Versuchung an ihn heran, deren Gefahren in ihrer ganzen Tragweite er nicht zu ahnen vermochte. Er widerstand ihr nicht. Wäre er seinem besseren Genius treu geblieben, wie vielen geistigen und körperlichen Ungelegenheiten wäre er wohl entkommen! Der Vorstand des allgemeinen Reichsarchives, Freiherr von Freyberg, suchte den strebsamen Mann für diese Anstalt zu gewinnen. Er folgte der Verlockung, und wurde noch im Jahre 1832 als Canzellist daselbst angestellt, was dem jetzigen Titel eines Secretärs entspricht. Ueber vierzig Jahre widmete er in aller Hingebung dem allgemeinen Reichsarchive seine Dienste. Im Jahre 1853 wurde er zum Secretär befördert, was jetzt der Stellung des Assessors gleichkommt. Im Jahre 1859 wurde er Reichsarchivrath. Die Pflichterfüllung, welche er beim Eintritte mitgebracht, sie übte er bis zu dem Tage als ihm im Jahre 1877 wegen Alter und geschwächter Gesundheit seine Enthebung vom Amte unter huldvollster Anerkennung seiner Leistungen zu Theil, und – nachdem er vor einem Jahrzehent das Ritterkreuz erster Classe des Verdienstordens vom heiligen Michael erhalten hatte – das Ritterkreuz des Verdienstordens der bayerischen Krone verliehen wurde.
Der Außenwelt könnte es scheinen, als ob Muffat oder jetzt v. Muffat sich in diesem seinem langjährigen Wirkungskreise wenn nicht glücklich, so doch jedenfalls nicht unbehaglich gefühlt. Wer ihn genauer gekannt, wird diese Anschauung nicht theilen. Er machte Freunden und Bekannten nie, hauptsächlich je älter er wurde, ein Hehl daraus, daß ihn die Erinnerung an den Uebertritt von der Hof- und Staatsbibliothek ins allgemeine Reichsarchiv düster und düsterer stimme. So oft er auch, insbesondere in seinen späteren Jahren, auf diesen Umstand, selbst wenn seine jeweilige Umgebung in zarter Rücksichtnahme die Berührung desselben zu vermeiden suchte, zu sprechen kam, ward eine eigenthümliche Unruhe an ihm bemerkbar, seine sonst so freundlichen Züge verfinsterten sich unter dem dichten schneeweißen Haare zusehends, bis eine Ablenkung auf ein anderes Gebiet sich ergab. Es wird das Niemanden auffallen können, der je Gelegenheit gehabt, Muffats weiches Gemüth kennen und schätzen zu lernen. Weg von dem amtlichen wie wissenschaftlichen Verkehre mit Männern von dem bekannten Seelenadel wie er einem Schmeller und Föringer eigen gewesen, war er in ein bureaukratisches Treiben gerathen, das ihn in gewaltigem Abstande an die frühere – wie er nur zu gut merkte, mehr zusagende – Thätigkeit mahnte.
Mit Freude – so äußerte er sich in der Denkrede auf seinen Vorstand Dr. Georg Thomas v. Rudhart am 26. März 1861 – erfülle ich die schöne Pflicht, das Wirken eines seinem Berufe mit voller und innigster Hingebung lebenden Mannes, eines Forschers, dessen ganzes Sein und Wesen nur zwischen seiner amtlichen Thätigkeit und seinen Studien getheilt war, zu schildern: eines Mannes, der seiner Lebensaufgabe mit ungeschwächter Kraft und Theilnahme bis auf den letzten Hauch treu geblieben.
Es hat dieser Ausspruch Muffats zum guten Theile Geltung für ihn selbst.
Was hiebei sein amtliches Wirken in einem bekannten Archive anlangt, in dessen weiten Räumen er wie kein zweiter zu Hause war, das einläßlich zu beurtheilen, muß billig seinen dortigen Collegen überlassen bleiben.
Wenden wir uns daher von diesem seinem Berufe, dem er in stiller Selbstüberwindung seine persönlichen Gefühle zum Opfer zu bringen wußte, und der unseres Wissens nie anders denn als ein durch und durch ersprießlicher bezeichnet worden ist, weg.
Es mag gewissermaßen als eigenthümliches Verhängniß hier nur noch berührt sein, daß gerade da auch die Thätigkeit, der er sich ehedem bestimmt hatte, nutzbringend werden sollte. Seine bibliothekarischen Erfahrungen kamen der Bibliothek des allgemeinen Reichsarchives vielfach zu Guten, die ihm Jahrzehnte lang anvertraut gewesen.
Auf der anderen Seite aber verschaffte ihm seine archivalische Tüchtigkeit auch einen weiteren derartigen Wirkungskreis, indem ihm die Leitung des hiesigen Stadtarchives übertragen wurde, dem er bis an sein Lebensende mit steter Neigung seinen Dienst widmete, und aus welchem er werthvollen Stoff für verschiedene seiner schriftstellerischen Erzeugnisse schöpfte.
Sie beginnen schon verhältnißmäßig früh. In demselben Jahre in welchem er die vorhin berührte Preisaufgabe der Ludwigs-Maximilians-Universität bearbeitete und im allgemeinen Reichsarchive angestellt wurde, untersuchte er die Frage nach dem Geburtsorte Karls des Großen, und veröffenlichte weiter eine während seiner Praxis an der Hof- und Staatsbibliothek begonnene Geschichte derselben, deren Abdruck freilich durch das Eingehen der bayerischen Blätter für Geschichte Statistik und Kunst im Jahre 1832 unvollendet blieb. Im folgenden Jahre schrieb er etwas über Aventin. Bald fesselte ihn Hohenschwangau. Es erschien im Jahre 1835 sein Aufsatz: War Martin Luther auf Hohenschwangau? Nach zwei Jahren folgte die Beschreibung und Geschichte des Schlosses und der ehemaligen Reichsherrschaft selbst. Gerade im Gebiete der bayerischen Geschichte vielfach bewandert, fehlte er auch nicht bei der Gründung des historischen Vereins von und für Oberbayern, wie er damals hieß, im Dezember des Jahres 1837. Die Akademie der Wissenschaften wählte ihn im Jahre 1852 zu ihrem außerordentlichen, und beförderte ihn im Jahre 1861 zu ihrem ordentlichen Mitgliede. Nicht minder finden wir ihn inzwischen in der sogenannten archivalischen, und nach deren Auflösung in der eben der Akademie der Wissenschaften angeschlossenen historischen Commission. Sicher Beweis genug, wie man sein Wissen und seine Arbeiten zu schätzen verstand!
Wie steht es denn hiemit genauer? Ein Archivbeamter, der nicht blos Routinier, sondern der den Aufgaben des archivalischen Berufes wirklich gewachsen ist, hat nach einer Seite hin vor anderen Menschenkindern etwas voraus. Ihm bereitet es keine Schwierigkeit, Stoff in Hülle und Fülle auch weiteren Kreisen zugänglich zu machen. Da kann man denn gerade von Muffat sagen, daß er in dieser Beziehung mehr als hundert andere geleistet. Es war ihm eben dieses schriftstellerische Schaffen, das ihm auch, wie wir gesehen, Ehren eintrug, geistige Erholung von den oft geradezu tödtenden Aufgaben des Amtes und Bedürfniß gegen die Verscheuchung der Unlust am bureaukratischen Getriebe, in dessen Bann er gefangen lag. Macht nun aber auch die Beschaffung verschiedenartigen Stoffes dem Archivar keine Sorge, so ist derjenige, welcher nicht von vorneherein sich die Lösung einer umfassenderen Aufgabe gestellt hat, deren Ziel er unablässig verfolgt, anderen Kreisen hauptsächlich der gelehrten Welt gegenüber mehr oder minder in entschiedenem Nachtheile. Er wird eine Menge höchst verdienstlicher Arbeiten zu Tage fördern können, er wird aber nur in der Minderzahl der Fälle ein großartiges selbständiges Werk mit vollster geistiger Durchdringung des Stoffes zu Stande bringen, das seinen Namen über das engere Vaterland hinaus verewigt. Dieses ist denn das Loos, welches auch unserem Muffat beschieden gewesen. Ein derartiges Werk liegt von ihm nicht vor. Das kann aber keineswegs hindern, auszusprechen, daß seine zahlreichen Veröffentlichungen fort und fort nicht allein Zeugniß seines gewissenhaften ja so zu sagen ängstlichen Arbeitens ablegen, sondern auch daß er durch dieselben sich den wärmsten Dank derjenigen, welche auf dem Felde der bayerischen Geschichte wie der von München – und diesem Gebiete fast ausschließlich gehören sie an – zu schaffen haben, in seltenem Grade gesichert.
Es liegt eigentlich nicht ferne, gerade bei der Betrachtung des Gegenstandes, welchem er so ununterbrochen seine Studien zugewendet, auf die Vermuthung zu verfallen, daß er einmal den Gedanken gefaßt, einen wichtigen aber ungemein schwierigen Abschnitt der älteren Geschichte Bayerns als Ganzes zu behandeln. Die Geschichte seiner Grafschaften und Grafengeschlechter war es, womit er sich angelegentlich beschäftigte. Bereits in der Sitzung der historischen Classe der Akademie der Wissenschaften vom 19. November 1853 sprach er über die Grafen von Velburg und Klamm. Zwei Jahre darauf wies er die Grafen von Treffen in Kärnthen als einen Zweig des alemannischen Dynastengeschlechtes der Grafen von Veringen-Alshausen nach. Fort und fort sammelte er Stoff hiefür. Im allgemeinen Reichsarchive wie sonst war seine Vorliebe zu diesem Gegenstande so bekannt, daß schon in den Fünfzigerjahren ein befreundeter Spaßvogel ihm den Namen des »Grafenfängers« aufbrachte. Und noch spät hat er, wie es den Anschein hat, die Hoffnung nicht ganz sinken lassen, mit diesem Werke zu Stande zu kommen. Wenigstens äußerte er wenige Jahre vor seinem Hinscheiden gegen einen jungen Collegen, er warte jetzt noch das Erscheinen von dessen Geschichte der Grafen von Andechs ab, um dann mit seiner umfassenden Arbeit abzuschließen. Wie weit er zuletzt damit gediehen, ist zur Zeit nicht bekannt.
Mag dem sein wie ihm wolle, hat die ältere bayerische Geschichte in hohem Grade zu beklagen, dieser Gabe nicht theilhaft geworden zu sein, so verdankt sie ihm eine höchst beträchtliche Zahl von einzelnen Abhandlungen und eine Reihe von Veröffentlichungen von Quellenstoff, die bleibenden Werth besitzen, indem namentlich die letzteren mit einer so zu sagen peinlichen Gewissenhaftigkeit bewerkstelligt sind. Man denke nur an die zweite Abtheilung des 36. Bandes der Monumenta boica mit ihren wichtigen altbayerischen Salbüchern.
Aus den vielen Abhandlungen Muffats, welche die Denkschriften der Akademie der Wissenschaften zieren, und worüber das im Anhange mitgetheilte Verzeichniß genauere Auskunft gibt, sei hier nur auf die »Beiträge zur Geschichte des bayerischen Münzwesens unter dem Hause Wittelsbach vom Ende des zwölften bis in das sechzehnte Jahrhundert« hingewiesen. Wer auch nur einen beiläufigen Begriff von den Schwierigkeiten hat, mit welchen Fragen des Münzwesens verknüpft sind, wird das Verdienst dieser Untersuchung zu schätzen wissen. Wer miterlebt hat, wie Muffat bei ihr verfahren, wird sie mit noch um so größerem Danke begrüßen. Prüfte er überhaupt bei allen Gegenständen, an welche er sich gemacht, lange Zeit bis ihm die Sache genügte, so war gerade diese Forschung eine nahezu peinliche. War er auch wie kein Anderer in den hier einschlagenden Fragen zu Hause, welch Hunderte von Berechnungen bis in die kleinsten Einzelheiten mußte er da anstellen! Der Verfasser dieser Zeilen kann hievon mehr als sonst Jemand Zeugniß ablegen. Wie oft kam er des Morgens ganz verstört in sein Amtszimmer! Auf den ersten Blick erkannte man, daß er wieder eine Nacht anstatt sich Ruhe vergönnt zu haben an seinem Schreibtische durchwacht, mit Berechnungen bis in alle möglichen Bruchtheile hinein beschäftigt. Wie glücklich war er, wenn Nachmittags die Prüfung die hier und dort gemeinsam vorgenommen wurde stimmte! War das nicht der Fall, wie kummervoll begann er wieder nächtlicher Weile neue Versuche bis sich allmälig die Ungewißheiten lösten, und nach Mühen von welchen wohl nur wenige Benützer der trefflichen Arbeit eine Ahnung haben das Werk erscheinen konnte. Es ist gewiß ein ganz außerordentlicher Beleg für die Gewissenhaftigkeit seines Forschens, wenn hier noch bemerkt werden kann, daß er trotz all dieser Anstrengungen und trotz der schließlichen Selbstüberzeugung von der Richtigkeit der Ergebnisse doch gerade im letzten Augenblicke wieder schwankte, ob er zur Veröffentlichung schreiten solle oder nicht. Es fehlte gar nicht viel, daß er die ganze Frucht langer Plage zu ewigem Kerker in seinem Pulte verurtheilt hätte!
Aber nicht allein die Geschichte von Bayern, auch die Geschichte seiner zweiten Heimat, seines ihm ins Herz gewachsenen München, war ihm ein Lieblingsgegenstand. Von dessen Rathhause handelte er in der Sitzung der historischen Classe vom 17. Dezember 1853. Von Münchens Entwicklung bis zum Anfange des 15. Jahrhunderts bei einer besonderen festlichen Gelegenheit wovon alsbald die Rede sein wird. Von der Baugeschichte des Domes zu Unserer Lieben Frau bei der Erinnerung an die vierhundertjährige Jubelfeier der Grundsteinlegung im Jahre 1868. Einem Abschnitte endlich aus der Geschichte Münchens, den Unruhen in den Jahren 1397–1403, galt die Arbeit, für deren Vollendung ihm der Tod unerbittlich die Feder nicht mehr gönnte. Ein eigenthümliches Geschick!
Als die Stadt München– sprach der Secretär der historischen Classe der Akademie der Wissenschaften wie der historischen Commission, Geheimrath v. Giesebrecht, bei seiner Gedächtnißrede in der öffentlichen Sitzung am 28. März 1879 – im Jahre 1858 ihr siebenhundertjähriges Jubiläum feierlich beging, wurde Muffat berufen, in der großen Versammlung auf dem Rathhause am 28. September die Festrede zu halten. Keiner war nach seinen Studien für diesen ehrenvollen Auftrag geeigneter, und er entledigte sich desselben in der würdigsten Weise. Uebersichtlich stellte er die Entwicklung Münchens bis zum Anfange des fünfzehnten Jahrhunderts dar. Es war der Tag, an welchem der sich so gern in seine Archive und sein Studierzimmer zurückziehende Mann am meisten öffentlich hervorgetreten ist. Gerade zwanzig Jahre später an demselben Tage lag er auf dem Sterbebette und hauchte den letzten Athem aus. Abends war sein Name in Aller Munde. Denn so wenig er sich herandrängte und nach Anerkennung bei der Menge trachtete, wußte man doch allgemein, daß ein Gelehrter abgeschieden sei, der Bayern und München zur Zierde gereichte, und dessen Bestrebungen um so mehr Antheil verdienten, als sie vom reinsten Patriotismus getragen waren.
Dieser ist es denn auch, welcher Muffat gleich bei der Gründung unseres Vereines in denselben führte. Finden wir ja bereits im zweiten Bande des Organs desselben die im Eingange erwähnte Arbeit von ihm. Bewahrte er ihm fort und fort seine Anhänglichkeit, gab er in seinem Auftrage den Theilnehmern der Versammlung des Gesammtvereines der deutschen Geschichts- und Alterthumsvereine hieselbst im September 1860 den niedlichen geschichtlichen Wegweiser durch »Münchens merkwürdigste Straßen Gebäude und Denkmale« zu freundlichem Andenken in die Hand, so sollte ihm noch am späten Abende seines Lebens Veranlassung werden, eine Veröffentlichung des trefflichen von ihm jederzeit so hoch gehaltenen Schmeller im achten Bande unseres Archives für vaterländische Geschichte zum Besten der großen von der historischen Commission ins Leben gerufenen Sammlung der deutschen Städtechroniken zu verwerthen. Hatte Schmeller die Vorgänge zu »München unter der Vierherzog-Regierung 1397–1403, nach einer gleichzeitigen Denkschrift des Bürgermeisters Jörg Katzmair« zum Gegenstande eines Vortrages in der öffentlichen Sitzung der Akademie der Wissenschaften am 28. März 1833 gewählt, hatte er sodann am berührten Orte im Organe unseres Vereines S. 3–54 diese interessante Denkschrift selbst ihrem ganzen Inhalte nach zum Abdrucke gebracht, und sollte sie jetzt im fünfzehnten Bande der Städtechroniken, welcher Bayern gewidmet ist, Aufnahme finden, so konnte wohl Niemand einen Zweifel darüber hegen, daß da außer Muffat, der ja auch seit Jahrzehnten das städtische Archiv (Sein Nachfolger in diesem, Ernst v. Destouches, widmete ihm in der Monatsversammlung unseres Vereines vom 1. Oktober 1878 einen warmen Nachruf. Vgl. den Sammler, belletristische Beilage zur Augsburger Abendzeitung, 1878 Num. 115.) durch und durch kannte, kaum Jemand die Aufgabe genügend lösen könne. Wirklich nahm er sich auch schließlich der Sache an. Wie er seinem Auftrage gerecht geworden, darüber spricht sich der Secretär der Commission folgendermassen aus: er wußte dieser neuen Bearbeitung durch eine ausführliche Einleitung, wie durch zahlreiche Erläuterungen einen besonderen Werth zu verleihen, den er noch durch eine Reihe interessanter Beilagen zu erhöhen beabsichtigte. Der Tod überraschte ihn bei der Arbeit, aber sie ist dennoch, wie sie in der Hauptsache vollendet vorliegt, die wichtigste Publication, welche wir für die Münchner Stadtgeschichte des Mittelalters neuerdings erhalten haben.
Es bedarf wohl nicht mehr vieler Worte darüber, daß die Geschichte Bayerns und seiner Hauptstadt mit dem Hintritte Muffats einen empfindlichen Verlust erlitten. Ein bleibendes Denkmal hat er sich selbst in seinen Schriften gesetzt, die hier in einer Verzeichnung, wie er sie selbst im Almanache der Akademie der Wissenschaften für das Jahr 1875 gegeben mit einigen Vervollständigungen ihre Stelle finden mögen.
Anhang.
Karls des Großen Geburtsort. In den bayerischen Blättern für Geschichte Statistik und Kunst 1832 Nr. 6.
Geschichte der k. Hof- und Staatsbibliothek in München. Ebendort 1832 Nr. 10. 11. 24. 26. 27.
Ueber Aventin. In den bayerischen Annalen 1833 Nr. 71 (Blatt für Vaterlandskunde Nr. XXIV) S. 507 und 508.
War Martin Luther auf Hohenschwangau? Ebendort 1835, Abtheil. für Vaterlandskunde Nr. 37 S. 381–384.
Beschreibung und Geschichte des Schlosses und der ehemaligen Reichsherrschaft Hohenschwangau. München 1837.
Index zum Traditionscodex des Collegiatstiftes St. Castulus in Moosburg. Im oberbayerischen Archive für vaterländische Geschichte II S. 79–90 (München 1840).
Zur Geschichte Herzog Christophs 1460–1471. In dem Taschenbuche für Geschichte von Dr. Georg Thomas v. Rudhart 1850 und 1851 S. 359–383.
Orlando di Lasso, oberster Kapellmeister der bayerischen Herzoge Albrecht V. und Wilhelm V. Eine biographische Skizze. Ebendort 1852 und 1853 S. 244–292.
Münchens merkwürdigste Straßen, Gebäude und Denkmale, geschichtlich erläutert. Den Theilnehmern der Versammlung des Gesammtvereins der deutschen Geschichts- und Alterthumsvereine in München (vom 18.–21. September 1860) gewidmet von dem historischen Vereine für Oberbayern. München 1860.
Erinnerung an Georg Thomas v. Rudhart. Im 23. Jahresberichte dieses Vereines, S. 138–148 (München 1861).
Texte zu den Erinnerungsblättern an die Vergangenheit Münchens nach Originalzeichnungen Lebschée's in der Sammlung des Magistrats, photographirt von Friedrich Sauer. München 1862.
Im Abrisse der Ortsgeschichte von Oberpfalz und Regensburg in der »Bavaria« ist von Muffat der erste Abschnitt: Das Land und seine territoriale Gestaltung, Band II S. 398–439; dann der dritte und vierte: Die Kreishauptstadt Regensburg S. 675–715, die Stadt Amberg S. 715–720.
Abhandlungen in den Denkschriften der k. Akademie der Wissenschaften.
Das Bündniß des Adels und der Städte von Oberbayern zur Beilegung der brüderlichen Zerwürfnisse zwischen König Ludwig und Herzog Rudolph vom Jahre 1315, Band VII Abth. 2. 1854.
Beiträge zur Lebensgeschichte des Herzogs Ludwig I. von Bayern. Ebendaselbst Band VII Abth. 2. 1854.
Die Grafen von Treffen in Kärnthen, als ein Zweig des alemannischen Dynastengeschlechtes der Grafen von Veringen-Alshausen nachgewiesen. Ebendort Band VII Abth. 3. 1855.
Die Ansprüche des Herzogs Ernst, Administrators des Hochstiftes Passau, auf einen dritten Theil und an die Mitregierung des Herzogthums Bayern. Ebendort Band X Abth. 1. 1865.
Ueber die Größe und Schicksale der Entschädigungen, welche dem Hause Wittelsbach für die Abtretung der Mark Brandenburg von dem Kaiser Karl IV. verschrieben worden sind. Ebendaselbst Band X Abth. 3. 1867.
Beiträge zur Geschichte des bayerischen Münzwesens unter dem Hause Wittelsbach vom Ende des 12. bis in das 16. Jahrhundert. Ebendort Band XI Abth. 1. 1869.
Geschichte der bayerischen und pfälzischen Kur seit der Mitte des 13. Jahrhunderts. Ebendort Band XI Abth. 2. 1871.
Ueber das Gewicht und den Gehalt der österreichischen Pfennige von der Mitte des 13. bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts und der böhmischen Groschen im 14. Jahrhunderte. Ebendaselbst Band XII Abth. 1. 1872.
Vorträge in den Sitzungen der historischen Classe.
1853. 15. Januar. Ueber die Lehen, welche das Haus Wittelsbach vom Erzstifte Mainz in Thüringen besaß. Abgedruckt im Bulletin der k. Akademie der Wissenschaften 1853 Nr. 23 und 24.
1853. 7. Mai. An welchem Tage hielt Kaiser Otto IV. sein Beilager mit Beatrix? Ebendort 1853 Nr. 34.
1853. 19. November. Die Grafen von Velburg und Klamm. Abgedruckt ebendort 1853 Nr. 52, in den gelehrten Anzeigen Nr. 14 vom 12. Dezember 1853.
1853. 17. Dezember. Ueber das Rathhaus der k. Haupt- und Residenzstadt München. Abgedruckt in den gelehrten Anzeigen 1854 Nr. 11 und 12.
1854. 18. Februar. Ueber ein geistliches Schauspiel, das im Jahre 1510 in München aufgeführt wurde. Ebendort 1854 Nr. 44.
1854. 16. Dezember. Grundzüge zur ältern Geschichte der bayerischen Landesarchive. Ebendort 1855 Nr. 10. 11. 12.
1855. 20. Januar. Der kärnthnische Markgraf Ulrich und dessen Söhne waren nicht aus dem thüringischen Hause der Grafen von Weimar, sondern Bayern. Ebendort 1855 Nr. 50.
1857. 17. Januar. Ueber die Vergebung von Greding durch Kaiser Lothar an seinen Schwiegersohn Herzog Heinrich den Stolzen. Ebendort 1857 Nr. 33 und 34.
1861. 15. November. Ueber die Bewerbung des Herzogs Wilhelm IV. von Bayern um die römische Königswürde. Abgedruckt in den Sitzungsberichten 1861 Band II. S. 155–179.
1866. 28. Juli. Ueber den Zeitpunkt, in welchem das Haus Wittelsbach die pfalzgräfliche Würde wieder erlangte. Ebendort 1866 Band II S. 195–203.
1869. 1. Mai. Heinrich von Pfolspeunt (nicht Pfolsprunt) Bruder des deutschen Ordens. Ein medizinischer Schriftsteller des 15. Jahrhunderts aus Bayern gebürtig. Ebendaselbst 1869 Band I S. 564–570.
1873. 6. Dezember. Feststellung der Geburtsdaten von Kaiser Ludwigs des Bayers Söhnen. Ebendort 1873 S. 889–899.
1875. 6. Februar. Ueber Margaretha von Schwangau. Ebendaselbst 1875 S. 98–104.
Festschriften.
München in seiner Entwicklung bis zum Anfange des 15. Jahrhunderts. Vortrag in der Festversammlung auf dem Rathhause am 28. September 1858 zur Feier des 700jährigen Stadtjubiläums. München 1858.
Denkrede auf Dr. Georg Thomas v. Rudhart. Gelesen in der öffentlichen Sitzung der k. Akademie der Wissenschaften am 26. März 1861.
Die Verhandlungen der protestantischen Fürsten in den Jahren 1590 und 1591 zur Gründung einer Union. Vortrag ebendaselbst am 25. Juli 1865 zur Vorfeier des Geburts- und Namensfestes S. M. des Königs.
Baugeschichte des Doms zu Unser Lieben Frau in München. Zur Erinnerung an die 400 jährige Jubelfeier der Grundsteinlegung. München 1868.
Publikationen.
1856. Schenkungsbuch der ehemaligen gefürsteten Probstei Berchtesgaden. In den Quellen und Erörterungen zur bayerischen und deutschen Geschichte, Band I S. 225–364.
Historische Notizen aus einem Rechnungsbuche des Klosters Aldersbach. Ebendort S. 442–474.
1857. Correspondenzen und Aktenstücke zur Geschichte der politischen Verhältnisse der Herzoge Wilhelm und Ludwig von Bayern zu König Johann von Ungarn. Ebendaselbst Band IV.
1861. Monumenta boica. Volumen XXXVI. Pars II. Enthält wichtige altbayerische Salbücher des 14. Jahrhunderts.
1864. Monumenta boica. Volumen XXXVII. Enthält den Anfang der Urkunden des Hochstiftes Wirzburg von 788 bis 1287.
1878. Jörg Kazmair's Denkschrift über die Unruhen zu München in den Jahren 1397–1403 (Einleitung I. Zur Geschichte der Stadt. II. Jörg Kazmair und seine Denkschrift; Text; Anmerkungen; Anhang: Die Unterwerfung der Stadt und deren Folgen; Beilage: Der Tag zu Ingolstadt. (1398–1399). In den »Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis ins 16. Jahrhundert, herausgegeben von der historischen Commission bei der k. b. Akademie der Wissenschaften«, 15. Bd., Leipzig 1878, S. 411–583.
Dr. Ludwig Rockinger
Dr. Ludwig Rockinger: Einundvierzigster Jahres-Bericht des historischen Vereines von Oberbayern. Für das Jahr 1878. München, 1880.
#Allgemeine Deutsche Biographie (1885)
Muffat: Karl August von M., k. baierischer Reichsarchivrath, Historiker. Geboren am 29. October 1804 zu Sulzbach als Sohn des kurfürstlichen Schloßverwalters, wurde er zuerst durch mißliche Umstände in seinem Studiengange gehemmt, fand aber dennoch im J. 1825 Zulassung zur Praxis an der königlichen Hof- und Staatsbibliothek zu München, deren Geschichte er zu schreiben begann. Sieben Jahre später ging er zum königlichen allgemeinen Reichsarchive über, wo er sogleich als Kanzelist angestellt, im J. 1853 zum Secretär und 1859 zum Rath befördert wurde. Seine Pensionirung im J. 1877, welche von der Verleihung des Kronenordens und hiermit des persönlichen Adels begleitet war, überlebte er nur bis zum 28. September des folgenden Jahres. M. fungirte (seit den 1840er Jahren) auch als Archivar der Stadt München und war seit 1852 Mitglied der königlich bayerischen Akademie der Wissenschaften, dann der hiermit verbundenen historischen Commission. Den historischen Verein von Oberbayern hat er im J. 1837 mitbegründet, um dann die Zwecke desselben bei besonderen Anlässen auch schriftstellerisch zu fördern. Am Liebsten jedoch in seinen Archiven und seinem Studirzimmer weilend, ist M. außerhalb der Akademie nur einmal öffentlich hervorgetreten, als er nämlich am 28. September 1858 beim siebenhundertjährigen Jubiläum der Stadt München auf deren Rathhause die Festrede hielt, welche Münchens Entwickelung bis zum Anfange des 15. Jahrhunderts übersichtlich darstellte. Die ausführliche Stadtgeschichte, welche man von ihm erwarten konnte, hat er nicht verfaßt, nur ein paar Gelegenheitsschriften ließ er in diesem Betrachte erscheinen; zuletzt freilich (er starb während der Drucklegung) ist ein großer Theil seines reichen Wissens über Verfassungs- und Familiengeschichte der Stadt als Einleitung und Kommentar zu Jörg Katzmairs Denkschrift über die Unruhen zu München 1397–1403 (Städtechroniken XV, 411 ff.; vgl. oben XV, 459) noch Gemeingut geworden. Ein anderes wichtiges Ziel, fast eine Lebensaufgabe, hat sich M. allerdings gesteckt: aus lange und eifrig gepflegten Sammlungen über ältere süddeutsche Grafenhäuser traten indeß nur einige bayerisch-österreichische Geschlechter an das Licht. Was er aber sonst, wie eben Neigung oder Auftrag ihn bestimmte, meist in den Schriften der Akademie und der historischen Commission veröffentlicht hat, ist von bedeutendem Gesammt- wie Einzelwerthe, ein vollgültiges Zeugniß seiner Befähigung und Zuverlässigkeit. Vornehmlich hat er sich da mit der Geschichte Bayerns unter dem wittelsbachischen Hause befaßt, so in den »Beiträgen zur Lebensgeschichte des Herzogs Ludwig I. von Bayern« (1854), den »Correspondenzen und Aktenstücken zur Geschichte der politischen Verhältnisse der Herzoge Wilhelm und Ludwig von Bayern zu König Johann von Ungarn« (Quellen und Erörterungen zur bayer. und deutschen Gesch. Bd. IV, 1857), und der »Geschichte der bayerischen und pfälzischen Kur seit der Mitte des 13. Jahrhunderts« (1871), theils auch mit süddeutscher Münzgeschichte, wie in den »Beiträgen zur Geschichte des bayerischen Münzwesens unter dem Hause Wittelsbach vom Ende des 12. bis in das 16. Jahrhundert« (1869), einer mit fast peinlicher Genauigkeit geführten Untersuchung; dann mit bayerischer Ortsgeschichte, biographischen Stoffen, Archivgeschichte u. s. w. Seine verdienstlichsten Editionen sind das »Schenkungsbuch der ehemaligen gefürsteten Propstei Berchtesgaden« (Quellen und Erörterungen Bd. I, 1856, S. 225–364) sowie die Bände XXXVIb und XXXVII der Monumenta Boica, altbayerische Salbücher des 14. Jahrhunderts und die Urkunden des Hochstiftes Würzburg von 788 bis 1287 enthaltend.
E. v. Destouches, Gedächtnißworte auf K. A. v. M. (»Sammler«, Beil. z. Augsburg. Abendzeitung 1878, Nr. 115), Nekrologe auf K. A. v. M. von W. v. Giesebrecht in den Sitzungsberichten der hist. Cl. der Münchener Akademie d. W. 1879, 1. Bd., S. 329–334 und (mit Schriftenverzeichniß) von L. Rockinger im 41. Jahresbericht des Hist. Ver. v. Oberbayern f. d. J. 1878, München 1880, S. 82–91. v. Oefele.
Edmund Freiherr von Oefele: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1885.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Muffat Karl August, von, 1804 (Sulzbach/Oberpfalz) – 1878, Reichsarchivrat und Historiker; Sohn eines kurfürstlichen Schloßverwalters und Bruder des Baumeisters Franz Karl M., wurde er anfangs in seinem Studiumgang gehemmt, fand aber 1825 dennoch eine Anstellung bei der königlichen Hof- und Staatsbibliothek, deren Geschichte er zu schreiben begann; 1832 trat er ins königliche allgemeine Reichsarchiv über, wo er als Kanzlist angestellt, 1853 zum Sekretär und 1859 zum Rat befördert wurde; in den vierziger Jahren war er auch Stadtarchivar von München; bei der 700-Jahr-Feier von München 1858 hielt M. die offizielle Festrede; er ist Mitbegründer des historischen Vereins von und für Oberbayern (1837); seine wichtigsten Editionen sind das Schenkungsbuch der ehemaligen gefürsteten Propstei Berchtesgaden, die altbayerischen Salbücher des 14. Jahrhunderts und die Urkunden des Hochstifts Würzburg von 788 bis 1287 in den Quellen und Erörterungen zur bayerischen und deutschen Geschichte (1. Bd., 1856, 225–364) und in den Monumenta Boica (Bd. 36b und 37).
Hauptwerke: Beschreibung und Geschichte des Schlosses Hohenschwangau, Beschreibung der prachtvollen Fronleichnamsprozession in München (anonym), Beiträge zur Lebensgeschichte des Herzogs Ludwig I. von Bayern, Das Bündnis des Adels und der Städte von Oberbayern v. J. 1315; Correspondenzen und Aktenstücke zur Geschichte der politischen Verhältnisse der Herzöge Wilhelm und Ludwig v. B. zu König Johann von Ungarn, Münchens merkwürdigste Straßen, Gebäude und Denkmale (anonym), Baugeschichte des Domes U. L. Frau in München, Beiträge zur Geschichte des bayerischen Münzwesens, Geschichte der bayerischen und pfälzischen Kur.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#25 – 13 – 13·14 (Jeetze)


#25 – 13 – 16·17 (Wirschinger)
Dr. Ludwig von Wirschinger
¿
- Wirschinger, Amelie von (vh) / Schiber, von (gb); 29.3.1816 – 28.5.1880
- Wirschinger, Berta von; – (23).7.1905 (München), 87 Jahre alt; Finanzministers-Tochter
- Wirschinger, Edmund von; 6.11.1826 – 24.5.1904; Geheimrat und Regierungsdirektor a. D.
- Wirschinger, Elisabeth von (vh) / Polizka (gb); 21.6.1788 – 6.6.1868 (München); Staatsministers-Witwe
- Wirschinger, Heinrich von, Dr.; 8.1.1811 (Wörth bei Regensburg) – 24.10.1878 (Augsburg); Finanzministers-Sohn / Appellationsgerichtspräsident
- Wirschinger, Isabelle von; – 13.5.1840 (München), 21 Jahre alt; Finanzministers-Tochter
- Wirschinger, Josefine von; – 22.4.1879 (München); Finanzministers-Tochter
- Wirschinger, Ludwig Ritter von, Dr. jur. utr.; 1781 (Stadtamhof/Opf.) – (21).3.1840 (München); Bayerischer Finanzminister
- Wirschinger, Therese von; – 1870




#Dr. jur. utr. Ludwig Ritter von Wirschinger
* 1781 (Stadtamhof/Opf.)
† (21).3.1840 (München)
Bayerischer Finanzminister
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Wirschinger Ludwig, Dr. jur. utr., von, Ritter, 1781 (Stadtamhof/Opf.) – 1840, bayerischer Finanzminister; W. studierte bis 1805 in Landshut Rechte, war dann Sekretär des Fürstentums Regensburg (Bearbeiter der Statistik), 1806 wird er fürstlich-regensburgischer Landrichter zu Wörth a. d. Donau mit dem Charakter eines Oberlandesgerichtsrats, 1811 Polizeikommissär in Landshut, Ende 1811 I. Polizeikommissär in München und 1814 provisorischer Polizeidirektor in Augsburg, 1818 Stadtkommissär in Augsburg, 1823 Ministerialrat im Innenministerium, 1828 im Finanzministerium und Vorstand der Generalzolladministration, von 1835–1840 war W. Staatsminister der Finanzen; Ws. Verdienste beruhen in seinen Bemühungen um das Zustandekommen des Deutschen Zollvereins.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#25 – 13 – 24 (Hocheder)
PROFESSOR
DR. PHIL.
FRANZ VON PAULA
HOCHEDER
PHILOLOGE UND
SCHRIFTSTELLER
1783 – 1844
- Hocheder, Franz von Paula, Dr. phil. / Norus, Emmerich (ps); 23.3.1783 (Roßdorf/Obb.) – 3.5.1844 (München); Philologe, Schriftsteller und Universitätsprofessor


#Dr. phil. Franz von Paula Hocheder / Emmerich Norus (ps)
* 23.3.1783 (Roßdorf/Obb.)
† 3.5.1844 (München)
Philologe, Schriftsteller und Universitätsprofessor
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Hocheder Franz von Paula, Dr. phil., 1783 (Roßdorf/Obb.) – 1844, Philologe, Schriftsteller und Universitätsprofessor; H. studierte in Salzburg, war dann Hofmeister in Vallendar am Rhein, wurde 1811 Gymnasiallehrer in München, 1819 Gymnasialdirektor in Würzburg, 1824 in München, 1842 Professor der Philologie und Asthetik an der Münchner Universität und Mitglied der BAkdW; er war auch Erzähler (Pseudonym Emmerich Norus) und Übersetzer sowie Mitarbeiter am Stuttgarter »Morgenblatt«, an der »Eos«, »Aurora« u. a.
Hauptwerke: Ferienliebe (Roman), Des Horatius Brief an die Pisonen, Des Sophokles Oedip auf Kolonos, Des Horatius Episteln für Gymnasien bearbeitet.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#25 – 13 – 25 (Seinsheim)
Gräflich
Seinsheim’sche
Familiengrabstätte
Tafel
Die Inschrift ist nicht erhalten
- Seinsheim, Anna Gräfin von (vh) / Bouteville, Freiin von (gb); 1851 – 27.1.1889 (München)
- Seinsheim, August Karl Maria Graf von; 11.2.1789 (München) – 18.12.1869 (München); Historienmaler, Portraitmaler, Radierer und Kämmerer
- Seinsheim, August von; 1880 – 1907
- Seinsheim, August von; 1841 – 6.1842 (München), 7 Monate alt; Reichsrats-Sohn
- Seinsheim, Emilie Gräfin von (vw) / Basselet von la Rosée, Gräfin (gb); 21.10.1800 – 27.2.1882 (München); Kämmerers-Witwe und St. Anna-Ordens-Ehrenstiftsdame
- Seinsheim, Ida von; 1821 – 1821
- Seinsheim, Josef Graf von; 1835 – 19.4.1870 (München); Leutnant
- Seinsheim, Julius von; 1822 – 24.2.1870 (München); Major
- Seinsheim, Karl von; 1826 – 1835
- Seinsheim, Klara von; 1838 – 1845
- Seinsheim, Ludwig von; 1823 – 1824
- Seinsheim, Marie Gräfin von; 1843 – 6.7.1863 (München); Reichsrats-Tochter






#August Karl Maria Graf von Seinsheim
* 11.2.1789 (München)
† 18.12.1869 (München)
Historienmaler, Portraitmaler, Radierer und Kämmerer
#Artistisches München im Jahre 1835 (1836)
Seinsheim, August Karl Graf v., königl. bayerischer Kämmerer und Maltheser-Ordensritter, ist der jüngste Sohn des Maximilian Grafen von Seinsheim, churpfalzbayerischen wirklichen geheimen Raths und des Kirchen-Administrationsraths Präsidenten, und der Marianna Gräfin v. Seinsheim, geb. Freyin von Frankenstein-Ulstadt. Er wurde in München den 11. Februar 1789 geboren.
In früher Jugend entwickelte sich bei S. schon Neigung und Anlage zur Zeichenkunst, welche noch mehr erweckt und gebildet wurde durch seinen damaligm Erzieher, und dessen Jugendfreund, den Herrn Gallerie-Direktor Georg von Dillis.
Während Graf v. Seinsheim auf der Universität Landshut in den Jahren 1809, 18l0 und 1811 sich dem Rechtsstudium widmete, setzte er in den Mußestunden seine Kunstübungen fort, und erlernte unter der Leitung des verdienstvollen Künstlers und Professors Simon Klotz die Oelmalerei. Nachdem er in Landshut seine Studien vollendet, das Absolutorium erhalten, die gesetzlich vorgeschriebene Praxis bei dem königlichen Landgerichte Au bei München angetreten, im Sommer 1612 den allgemeinen Staatskonkurs mitgemacht, und so alle Bedingungen zum Anspruch zu einer Anstellung im Staatsdienst erfüllt hatte, widmete er sich von nun an als Diletant, mit mehr Ausschließung dem Studium der Kunst, und besuchte in den Jahren 1813, 1814, 1815 und Anfangs 1816 die königl. Akademie der bildenden Künste, wo er unter der freundschaftlichen Leitung des um die Kunst hochverdienten Hrn. Direktors Peter Paul von Langer, und dessen Sohn Professor Robert von Langer sich in Zeichnung, Composition und Oelmalerei mehr ausbildete.
Im Frühjahre des Jahres 1816 reiste er mit seinem ältern Bruder, Grafen Karl von Seinsheim, nach Italien, wo er sich am längsten in Rom aufhielt, und die dortigen großen Kunstwerke eines Raphaels etc. fleißig studirte, mit den damals versammelten ausgezeichnetsten deutschen Künstlern in freundschaftliche Berührung kam, und einen großen Carton zu einem Altarbild, die Mutter Gottes mit dem Jesuskind in einer Glorie von Engeln und den 14 heiligen Nothhelfern umgeben vorstellend, entwarf; welcher sodann in München in den Jahren 1820 bis im Juni 1822 in Oel ausgeführt, in der Dorfkirche von Grünbach, dem Landgute seines Brüders Karl, am 2. August desselben Jahres in einem neuerbauten Altar aufgestellt wurde. Während seinem Aufenthalte zu Rom machte er auch einige Versuche in der damals von den deutschen Künstlern erst wieder versuchten Fresco-Malerei, und malte unter andern eine Frau mit einem Kinde an die Wand seines Studienzimmers.
Auf der Rückreise besuchte er Florenz, Bologna, Ferara, Venedig etc., und kehrte zu Ende des Jahres 1817 in seine Vaterstadt zurück.
Bei Gelegenheit der Jubelfeier des Königs Maximilian im Jahre 1824, arbeitete er auch an den allegorischen transparenten Gemälden mit, welche zu dieser Feier von einem Verein mehrerer Künstler unter der Leitung des Hrn. Peter Heß auf dem Rathhause gemalt, und in dem Circus vor dem Maxthor aufgestellt wurden. Am 16. Februar 1824 wurde er zum Ehrenmitgliede der königl. Akademie der bildenden Künste ernannt.
In demselben Jahre vollendete er auch ein Altarbild: Christus vorstellend, wie er dem heil. Petrus die Himmelsschlüssel übergibt; welches er der Pfarrkirche des Städtchens Vohburg an der Donau verehrte, und welches am 25. Juni 1824 dort aufgestellt wurde. Uebrigens malte er mehrere kleinere Gemälde und viele Bildnisse von Freunden und Verwandten, unter denen das des verstorbenen Hrn. Bischofs Joh. Mich. Sailer in Regensburg (welches auch vom Hrn. Hanfstängel lithographirt worden) eines der gelungensten seyn möchte. Dieselben befinden sich meistens zerstreut an verschiedenen Orten, so wie einige kleine Radirungen auf Kupfer, die sich in den Sammlungen mehrerer Kunstliebhaber befinden.
Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Mechaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.
#Neues allgemeines Künstler-Lexicon (1846)
Seinsheim, August Carl, Graf von, Königlich bayerischer Cämmerer und Reichsrath, nimmt auch unter den Künstlern eine bedeutende Stelle ein, obgleich ihn sein Stand und sein Vermögen nur in die Reihe der Dilettanten setzen. Graf von Seinsheim ist Maler und gleich anderen Künstlern auch durch radirte Blätter und lithographische Versuche bekannt.
Im Jahre 1789 zu München geboren fand er an dem berühmten Georg von Dillis einen Erzieher und Jugendfreund, der seine angeborne Neigung zur Zeichenkunst nur noch mehr weckte und unterstützte. Der edle Graf widmete sich aber auch mit Eifer den vorbereitenden Studien, absolvirte 1811 an der Universität in Landshut die Jurisprudenz, und erfüllte im folgenden Jahre durch die Concursprüfung alle Bedingnisse zum Staatsdienste, welchen er aber von nun an mit der Malerei vertauschte. Er besuchte in den Jahren 1813–16 die Akademie der Künste in München, wo er sich unter Leitung des P. v. Langer in der Oelmalerei ausbildete, und die Kunstausstellung von 1814 wies schon einige gelungene Proben seines Fortschrittes auf. Im Frühjahre des J. 1816 reiste er mit seinem älteren Bruder, dem Minister Grafen Carl von Seinsheim, nach Italien, wo jetzt Roms Kunstschätze der Gegenstand eines längeren Studiums waren, und der Aufenthalt der ausgezeichnetsten deutschen Künstler, mit denen er in freundschaftliche Berührung kam, nicht minder Einfluss auf seine Kunstrichtung hatte. In Rom fertigte Graf Seinsheim einen grossen Carton zu einem Altarbild, welches Maria mit dem Jesuskinde in einer Glorie von Engeln und von den 14 Nothhelfern umgeben vorstellt. Diese schöne Composition führte der Graf in Oel aus und seit 1822 sieht man sie auf dem Altare der Kirche in Grünbach, dem Gute des Grafen Carl von Seinsheim. Auch in der Frescomalerei versuchte sich unser Künstler in Rom, da in jene Zeit die Wiedererweckung dieser Kunst in der Villa Massimi fällt. Auf der Rückreise besuchte der Graf auch Florenz, Bologna, Ferrara, Venedig u. s. w., und der Besuch jeder Stadt war seiner Kunst förderlich.
Nach München zurückgekehrt malte er die Skizze zu dem genannten Altarbilde der Kirche in Grünbach, welche auf der Ausstellung 1820 zu sehen war, neben vier anderen Bildern, wovon eines die hl. Jungfrau als Kind von Engeln umgeben, ein anderes die hl. Jungfrau mit dem Jesuskinde vorstellt. Dann arbeitete er auch an den allegorischen Transparentgemälden, welche 1824 bei der Jubelfeier des höchstseligen Königs Maximilian aufgestellt waren und in einem Prachtwerke in lithographirten Umrissen erschienen. In demselben Jahre ernannte ihn die Akademie der Künste in München zum Ehrenmitgliede. Hierauf vollendete er das Altarbild in der Pfarrkirche zu Vohburg an der Donau, wovon die Skizze auf der Ausstellung von 1823 zu sehen war. Damals brachte er auch ein Paar Genrebilder vor das Publikum: eine Frau mit dem Kinde auf dem Arme in einer Landschaft, und das Bildniss eines Bauern Mädchens aus der Gegend von Starnberg. Ein späteres Gemälde stellt die Flucht nach Aegypten dar. Nebenbei malte der Graf auch mehrere Bildnisse von Verwandten und Freunden. Darunter ist auch jenes des ehrwürdigen Bischofs Joh. Michael Sailer, welches Hanfstängel lithographirt hat. Zu Kiefersfelden, in der Kapelle, wo König Otto von Griechenland von seinem Vaterlande Abschied nahm, ist vom Grafen Seinsheim ein schönes Altarbild, welches den hl. Otto mit St. Ludwig und St. Theresia verstellt, in sinniger Beziehung auf den jungen König und die königlichen Eltern, und Bildnisse der dargestellten hohen Personen. Graf von Seinsheim, ist fortwährend thätig, und somit gingen noch mehrere andere Bilder aus seinem Atelier hervor, die theils zu frommen Zwecken bestimmt sind, theils in die Hände seiner Familie und von Freunden übergingen. Im Jahre 1839 malte er ein Denkbild auf die Erneuerung der Gelübde des Ordens der Nonnen bei Wiedererrichtung des Klosters Frauen-Chiemsee 1838. Ein anderes Gemälde stellt den Herzog und Pfalzgrafen Ludwig bei Rhein (gest. 1545) dar, nachgebildet seinem Grabmale in der Klosterkirche von Seligenstadt bei Landshut.
Ausser dem oben genannten von Hanfstängel lithographirten Bildnisse des Bischofs Sailer haben wir von C. Theodori zwei radirte Blätter nach Zeichnungen des Grafen von Seinsheim. Sie stellen zwei Bauernmädchen in halber Figur vor, mit K. O. Bamberg 1825. 26. bezeichnet.
Graf von Seinsheim hat selbst mehrere schöne Blätter radirt.
- Brustbild eines Mannes. A. S. 1809. H. 3 Z., Br. 2 Z. 8 L.
- Derselbe von vorn 1813. H. 4 Z. 4 L., Br. 3 Z. 6 L.
- Ein schlafendes Kind. A. S. 1812. H. 4 Z. 4 L., Br. 3 Z. 6 L.
- Eine betende Bäuerin mit zwei Kindern bei einer Martersäule am Wege stehend. Links unten A. S. 1825. H. 6 Z. 10 L., Br. 5 Z. 4 L.
- Eine alte Frau im Lehnstuhle sitzend und lesend. A. S. 1813. H. 4 Z. 2 L., Br. 3 Z.
- Eine Madonna sitzend mit dem Kinde, dem sie eine Birne reicht. Mit dem Namen. H. 5 Z., Br. 4 Z. 1 L.
- Die Schaafschur. Seinsheim 1815. H. 4 Z. 8 L., Br. 3 Z. 9 L.
Dr. Georg Kaspar Nagler: Neues allgemeines Künstler-Lexicon oder Nachrichten von dem Leben und Werken der Maler, Bildhauer, Baumeister, Kupferstecher, Formschneider, Lithographen, Zeichner, Medailleure, Elfenbeinarbeiter etc. Bearbeitet von Dr. G. K. Nagler. München, 1846.
#Unsere Zeit (1870)
Chronik der Gegenwart.
Nekrologe.
Am 18. Dec. 1869 starb in München der königlich bairische Kämmerer, Reichsrath und Ehrenmitglied der Akademie der bildenden Künste, Reichsgraf August Karl Maria von Seinsheim. Derselbe hat sich nicht nur als Freund und Beschützer der Kunst um letztere in hohem Maße Verdienste erworben, auch sein eigenes Leben war zum nicht geringen Theile der künstlerischen Arbeit gewidmet. Am 11. Febr. 1789 in München geboren, entwickelte sich neben einer vortrefflichen Erziehung bei ihm schon frühzeitig tiefere Anlage bekundende Vorliebe für das Zeichnen, die von seinem Erzieher Auracher und dem damaligen Galerieinspector Dillis, der mit letzterm befreundet war, nur gefördert und gepflegt wurde. Der junge Graf wandte sich schon früh der von Sennefelder gemachten Erfindung zu, indem er verschiedenes mit chemischer Tusche auf Stein zeichnete, und setzte überhaupt seine angefangenen Kunstübungen auch während seiner Universitätsstudien fort, denen er in den Jahren 1809–11 namentlich auf dem Gebiete der Rechtswissenschaft an der Universität zu Landshut oblag. Hier ließ er sich auch von dem Maler Simon Klotz, welcher als Professor der Theorie der bildenden Künste damals in Landshut lebte, in der Technik der Oelmalerei unterrichten, während er auf der andern Seite seine juridischen Studien erfolgreich beendete. Nachdem er hierauf die Universitätsprüfung bestanden, die gesetzlich vorgeschriebene Praxis angetreten und auch den allgemeinen Staatscursus durchgemacht hatte, die Vorbedingungen seines Eintritts in den Staatsdienst sonach von ihm erfüllt waren, zog er sich ins Privatleben zurück, um seinen künstlerischen Interessen zu leben; zu welchem Zwecke er dann auch von 1813–16 die Akademie der bildenden Künste in München besuchte. Hier übte er sowol das Zeichnen nach der Antike und nach dem Leben, wie auch die historische Composition und das Malen in Oel. Daneben setzte er seine mit Glück begonnenen Versuche im Radiren fort, von denen mehrere aus den Jahren 1812–15 erhalten sind.
Im Jahre 1816 trat Seinsheim in Begleitung seines Bruders, des spätem Ministers Grafen Karl von Seinsheim, eine größere Reise nach Italien an, deren nächstes Ziel Rom war. Hier verkehrte er mit den dort anwesenden deutschen Malern, unter denen namentlich J. A. Koch ihn vorwiegend anzog. Nachdem er sich auch in Florenz noch einige Zeit aufgehalten, kehrte Seinsheim gegen Ende des Jahres 1817 nach München zurück, wo er sich bald darauf mit der Gräfin Emilie von La Rosée vermählte, um neben dem Umgange mit seinen Freunden, zu denen Dillis, R. Langer, dann aber auch Schletthauer, C. Zimmermann, Ph. Foltz, sowie Cornelius und Heß gehörten, fortan seiner Neigung für die Kunst zu leben. Im Jahre 1822 wurde von ihm ein Altargemälde vollendet, welches in der Dorfkirche zu Günzbach aufgestellt ist. Ein anderes größeres Oelgemälde, welches die Uebergabe der Schlüssel an Petrus darstellt, wurde 1824 von ihm vollendet und der Gemeinde Vohburg an der Donau zum Geschenk gemacht. In derselben Zeit ernannte ihn die Akademie der bildenden Künste zu ihrem Ehrenmitgliede. Im Jahre 1837 trat Seinsheim in die Kammer der Reichsräthe, wo er, keiner bestimmten Partei angehörend, an den vorkommenden Arbeiten auch in den Ausschüssen, in die er gewählt wurde, gewissenhaften Antheil nahm. Seinsheim war eine einfache, bescheidene Persönlichkeit, und hat namentlich als Vorstand des Sanct-Vincentius-Vereins in München den Armen und Kranken viel Trost und Hülfe gebracht.
Unsere Zeit. Deutsche Revue der Gegenwart. Monatsschrift zum Conversations-Lexikon. Leipzig, 1870.
#Die Deutschen Maler-Radirer (1872)
AUGUST GRAF v. SEINSHEIM.
August Graf von Seinsheim, königl. bayerischer Kämmerer, Reichsrath und Maltheser-Ordensritter, ist der jüngste Sohn des Maximilian, Grafen von Seinsheim, churpfälzisch-bayerischen wirklichen geheimen Raths und Kirchen-Administrations-Präsidenten und der Marianna, Gräfin von Seinsheim, geb. Freiin von Frankenstein-Ulstadt. Er wurde in München den 11. Februar 1789 geboren. Neigung zur Kunst offenbarte sich schon frühzeitig in seiner Seele, durch seinen Erzieher Johann Auranger, Jugendfreund und Studiengenosse des Gallerieinspectors G. von Dillis, erhielt diese Neigung neue Nahrung und bestimmte Entwickelung. Aber Stand und Vermögen machten Ansprüche geltend, die der junge Graf nicht vernachlässigen durfte, er hatte Anfangs weniger in der Ausbildung für die Kunst, als in der staatmännischen Carriere die Aufgabe seines Lebens zu erkennen. In den Jahren 1809 bis 1811 widmete er sich mit Eifer dem Studium der Rechtswissenschaft; nachdem er diese Studien vollendet und das Absolutorium erhalten hatte, trat er die gesetzlich vorgeschriebene Praxis bei dem königlichen Landgericht Au bei München an und absolvirte im Sommer 1812 den allgemeinen Staatsconcurs. Hatte er so alle Bedingungen zum Anspruch auf eine Anstellung im Staatsdienste erfüllt, so durfte er sich von nun an auch als Dilettant mit mehr Ausschliessung dem Studium der Kunst hingeben.
Unter der Leitung des verdienstvollen Professors Simon Klotz hatte er schon früher die Technik der Oelmalerei erlernt, in den Jahren 1813 bis 1816 besuchte er die Akademie der bildenden Künste, wo er unter der Aufsicht und Leitung der beiden Langer Gelegenheit fand sich in der Zeichnung, Composition und Farbenbehandlung weiter auszubilden. Schon im Jahre 1814 konnte er mit einigen gelungenen Proben seines Fleisses auf der akademischen Ausstellung auftreten, der Katalog nennt drei Bilder: eine Madonna mit dem Kinde, einen Eremiten und das Portrait seines Bruders Carl.
In Italien suchte er die Vollendung seiner Ausbildung; im Frühjahr 1816 reiste er mit seinem Bruder Carl ab, Rom war das Endziel der Reise und hier hielt er sich am längsten auf. Das Studium der Werke Raphael's lag ihm am meisten am Herzen und in diesem Studium hatte er einen ebenso eifrigen als kunsterfahrenen Genossen, den Professor Clem. v. Zimmermann, späteren Central-Gallerie-Director. Doch nicht blos die alten Meister, auch die Neudeutschen, die um jene Zeit einen neuen Aufschwung der deutschen Malerei in Rom begründeten, wirkten mannigfach bildend und fördernd auf seine Entwickelung ein. Die bedeutendste Frucht dieses römischen Aufenthalts war ein grosser Carton mit der Madonna in Engelglorie umgeben von den vierzehn Nothhelfern; Seinsheim hat die Composition später (1820–1822) in Oel ausgeführt und sie in der Dorfkirche zu Grünbach, dem Landgut seines Bruders, auf einem neuerbauten Altar aufstellen lassen. Auch in der Freskomalerei, die damals in Rom durch die deutschen Werke der Villa Massimi neue Belebung erhielt, hat sich der Graf versucht, er malte unter Anderm an die Wand seines Studienzimmers eine Frau mit einem Kinde, Neigung aber wie seine eigenthümliche Stellung zur Kunst überhaupt wiesen ihn auf die leichtere und bequemere Oelmalerei als sein eigentliches Feld hin.
Gegen Ende des Jahres 1817 kehrte Seinsheim aus Italien nach München zurück. Es galt nun zunächst die in Rom und anderen Städten Italiens gemachten Studien für seine Kunst zu verwerthen, und die ersten Früchte dieser Arbeit waren eine heilige Jungfrau als Kind umgeben von Engeln, eine heilige Jungfrau mit dem Kinde und die Skizze zu jenem oben erwähnten Madonnenbild mit den vierzehn Nothhelfern; alle drei Bilder waren nebst einem Portrait und dem Studium eines Kopfes auf der akademischen Ausstellung 1820 zu sehen. Die Skizzen zu einer Anbetung der Hirten so wie zu jenem Altarbild Christus wie er Petrus die Schlüssel übergiebt, das Seinsheim für die Pfarrkirche des Städtchens Vohburg an der Donau ausführte, waren auf der Ausstellung 1833; zwei Genrebilder: eine Frau mit dem Kind auf dem Arm in einer Landschaft, und ein Starnberger Bauernmädchen sah man ebenfalls auf dieser Ausstellung.
Bei Gelegenheit der Jubelfeier des Königs Maximilian I. im Jahre 1824 war Seinsheim auch an den allegorischen Transparentgemälden thätig, welche für diese Feier von verschiedenen Künstlern unter der Leitung des P. Hess auf dem Rathshause gemalt und im Circus vor dem Maxthor ausgestellt wurden. Diese Gemälde sind in einem grossen Prachtwerke durch lithographische Umrisse der Vergessenheit entrissen worden. – Am 16. Februar 1824 ernannte ihn die Akademie der Künste zu ihrem Ehrenmitgliede.
Seinsheim hat die Kunst nur aus Neigung geübt, aber mit solchem Eifer, solcher Hingabe und solchem Geschick, dass, obschon Stand und Vermögen ihn nur in die Reihe der Dilettanten setzen, er in Wirklichkeit dennoch in der Künstlerwelt Münchens eine achtungswerthe und verdienstliche Stellung einnimmt. Seine Bilder sind wenig in die Oeffentlichkeit gelangt, er arbeitete nicht für akademische Ausstellungen und Kunstvereine, sondern meistens nur für fromme Zwecke, für arme Kirchen, für seine Familie und für Freunde. Unter solchen Verhältnissen mehr wohlthätiger Art konnte Seinsheim auch fast nur die beiden Gebiete der religiösen oder kirchlichen Malerei und des Portraits als sein eigentliches Feld betrachten und bebauen. Er hat es bis in die Gegenwart hinein gethan mit seltener Ausdauer und Begeisterung.
[...]
Dr. phil. Andreas Andresen: Die Deutschen Maler-Radirer (Peintres-Graveurs) des neunzehnten Jahrhunderts, nach ihren Leben und Werken. Leipzig, 1872.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Seinsheim August, von, Graf, 1789 (München) – 1869, königlich bayerischer Kämmerer, Reichsrat der Krone Bayern, Kunstfreund, Historienmaler und Radierer; er studierte in Landshut 1809/11 Rechte, ging aber nach dem juristischen Staatskonkurs 1813/16 auf die Münchner Kunstakademie, um bei den beiden Langer sich in Zeichnung, Komposition und Ölmalerei auszubilden, nachdem er schon als 16jähriger für seine Bilder und Porträts den Beifall J. G. Edlingers geerntet hatte; 1816 kam er anläßlich eines Aufenthalts in Rom unter den Einfluß von P. von Cornelius und Overbeck; schon dort entstand ein großer Karton zu einem Altarbild, einer Madonna mit den vierzehn Nothelfern, das in München 1820/22 in Öl ausgeführt, in der Kirche des gräflichen Landguts Grünbach (Lkr. Erding) Aufstellung fand; in Rom versuchte S. sich auch in der Freskenmalerei zu bewähren; bei der Jubelfeier für König Max I. (1824) arbeitete er zusammen mit K. von Heideck, J. A. Rhomberg, J. von Stieler, L. Quaglio, P. von Hess u. a. an den Transparentbildern, die auf dem Dultplatz (heute Maximiliansplatz) in nächtlicher Illumination aufgestellt wurden; S. war auch ein selten begabter und kapitalkräftiger Kunstfreund; seine Altarbilder verschenkte er an Kirchen; auch Porträts (u. a. von Bischof J. M. Sailer) und Genres stammen von ihm.
Hauptwerke: Altargemälde in Pfarrkirche Vohburg a. d. Donau und in der Otto-Kapelle bei Kiefersfelden.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#25 – 13 – 31 (Kellerhoven)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Kellerhoven, Eva; – 22.9.1885 (München), 83 Jahre alt; Rats- und Professors-Tochter
- Kellerhoven, Moritz von; 1758 (Altenrath/Niederrh.) – 14.12.1830 (München); Akademieprofessor, Portraitmaler und Radierer


#Moritz von Kellerhoven
* 1758 (Altenrath/Niederrh.)
† 14.12.1830 (München)
Akademieprofessor, Portraitmaler und Radierer
#Allgemeine Deutsche Biographie (1882)
Kellerhoven: Moritz K., Maler und Radirer, geb. 1758 zu Altenrath (Herzogthum Berg), † 1830 zu München; erst wissenschaftlich zu Köln gebildet, wendete er sich 17jährig nach dem Tode seines Oheims zur Kunst in Düsseldorf (unter F. L. Krahe) und Antwerpen, ging 1779 nach Wien und 1782 nach Italien. Kurfürst Karl Theodor berief ihn 1784 als Hofmaler nach München, wo er 1808 bei der Reorganisation der Akademie zum ersten Professor ernannt wurde. Außer einigen Gesellschaftsstücken »in niederländischer Manier« und etlichen historischen Gemälden excellirte K. im Porträt; sein Colorit mit dem breiten, freien und pastosen Vortrag wird heute noch bewundert, ebenso die täuschende Nachbildung von mannigfaltigen Stoffen, Seide, Sammt, Spitzen, Schmuck und Gestein. K. zählt zu den wenigen Künstlern, welche bis in ihr spätestes Alter nicht nur keinen Stillstand, sondern fortwährend die merkbarsten Fortschritte machten; er radirte kleine Porträts in geistreicher Weise nach Rembrandt's Manier, darunter die Bildnisse der ihrer Zeit vielgefeierten Schauspieler Marchand und Lambrecht, des Malers Dillis und sein eigenes Porträt. Eines seiner schönsten Blätter, das »Brustbild eines Kapuziner mit dem Stock« (nach Raphael Mengs) erschien anonym; auch existirt von K. ein seltenes Blatt, »Die Vier Apostel«, nach Alb. Dürer. Zu seinen gerühmten Oelbildern gehörten das lebensgroße Bildniß des Kurfürsten und nachmaligen König Max I. im Krönungsornat (letzteres in der Aula der Münchener Universität) und der Königin Karoline (beide gestochen von J. Rauschmayr), ebenso malte er den König Gustav Adolph IV. und die Königin von Schweden während ihrer Anwesenheit zu München, den Erzherzog Karl von Oesterreich (gestochen von Schiavonetti), viele Mitglieder des königlich baierischen Hauses, den Kronprinz Ludwig I. (Jac. Lips sc.), Auguste Amalie von Leuchtenberg (Strixner lithogr.), den Weihbischof von Streber, die Bischöfe J. A. von Riegg in Augsburg, Freiherrn v. Gebsattel (radirt von Muxel), F. X. v. Schwäbel (A. F. Spieß sc.), die Historiker Jos. Milbiller (gestochen von Laurenz in Berlin) und Lorenz Westenrieder (B. Haas sc.), 1803 den Buchhändler Jos. Lentner (auch von K. radirt in Aquatintaton) etc.
Vgl. Raczynski, Gesch. der neueren Kunst, II. 518. Nagler, Künstlerlex., 1838, VI. 553 u. Monogramm. 1864, IV. 608 (Nr. 817 u. 1953). Seubert, 1878. II. 329.
Hyac. Holland.
Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1882.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Kellerhoven Moritz, von, 1758 (Altenrath/Niederrh.) – 1830, Porträtmaler, Radierer und Akademieprofessor; wie J. G. Edlinger das Gesicht des traditionellen München in der Zeit des Kurfürsten Karl Theodor beschreibt, so bestimmt der Rheinländer K., ein Zeitgenosse von Langers und gleich ihm ein Schüler der Düsseldorfer Akademie, das Gepräge der offiziellen höfischen Kunst, beeinflußt von niederländischen Meistern; 1784 hat ihn Karl Theodor nach München als Hofmaler berufen; sein Porträtstil beherrschte die Münchner Malerei; zu seinen berühmten Ölgemälden gehörten das lebensgroße Bildnis des Kurfürsten und späteren Königs Max I. im Krönungsornat, die Porträts der Königin Karoline von Bayern, des Königs Gustav Adolf IV. von Schweden, der Königin von Schweden, des Erzherzogs Karl von Österreich u. a. auch L. von Westenrieders und der Bischöfe Gebsattel und Riegg.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#25 – 13 – 35 (Ried)
Hier ruhet
die theure unvergessliche Gattin und Mutter
Frau Anna Ried geb. Ebersperger
Gastwirths-Gattin,
geb. den 12. März 1845, gest. den 28. August 1879.
Herr Marcus Ried
Realitätenbesitzer,
geb. den 27. April 1837, gest. den 13. August 1924.
Herr Michael Ried
Rechtsanwalt.
geb. den 30. April 1884, gest. den 10. Mai 1925.
Ruhet sanft in Gottes Frieden!
- Ried, Anna (vh) / Ebersperger (gb); 12.3.1845 – 28.8.1879; Gastwirts-Gattin
- Ried, Markus; 27.3.1837 – 13.8.1924 (München); Realitätenbesitzer
- Ried, Michael; 30.4.1884 – 10.5.1925 (München); Rechtsanwalt





#Markus Ried
* 27.3.1837
† 13.8.1924 (München)
Realitätenbesitzer
#Generalanzeiger (19.8.1924)
Bestattungen
Ein Familiengrab im alten Südfriedhof nahm den Realitätenbesitzer Markus Ried auf. Geistlicher Rat, Stadtpfarrer Msgr. Burggraf, widmete dem 88 Jahre alt gewordenen Manne, der besonders in den Münchner Geschäfts- und Jägerkreisen sehr bekannt und beliebt war, ehrende Gedächtnisworte. An der Trauerfreier beteiligten sich zahlreiche Leidtragende. Die Ruhestätte war reich geschmückt.
Generalanzeiger der Münchner Neuesten Nachrichten Nr. 225. Dienstag, den 19. August 1924.

#25 – 13 – 36 (Seitz)
PROFESSOR
FRANZ VON SEITZ
DIREKTOR DES
HOFTHEATERS
1817 – 1883
UND SEIN SOHN
RUDOLF VON SEITZ
AKADEMIEPROFESSOR
UND KONSERVATOR
1842 – 1910
- Seitz, Franz von; 31.12.1817 (München) – 13.4.1883 (München); Kostümbildner, Lithograph, Maler, Theaterdirektor und Zeichner
- Seitz, Rudolf von; 15.6.1842 (München) – 18.6.1910 (München); Akademieprofessor, Genremaler und Konservator






#Franz von Seitz
* 31.12.1817 (München)
† 13.4.1883 (München)
Kostümbildner, Lithograph, Maler, Theaterdirektor und Zeichner
#Allgemeine Deutsche Biographie (1891)
Seitz: Franz v. S., Maler, Kunstgewerbemeister und Kostümier, geb. am 31. December 1817 zu München als der zweite Sohn von Joh. Bapt. Seitz (s. u. S. 663), dessen Vielseitigkeit und Uebermaß von Talenten völlig auf Franz sich vererbte. Da der Vater außer seinen prächtigen Jungen mit keinen besonderen Glücksgütern gesegnet war, so suchte jeder derselben baldigsten Verdienst und Erwerb auf eigenen Wegen. Keiner schreckte vor einer Arbeit zurück, die, je ungewöhnlicher, doch nur um so größeres Vergnügen bereitete und wie spielend aus der Hand lief. Franz half seinem Vater bei dessen mechanischem Theater, machte Figuren aus Pappe und lieferte ganze Regimenter Soldaten aus demselben Stoffe, leitete die Productionen im damaligen »Schwarzen Adler«, ging dann mit dem ganzen Apparat auf Reisen, nach Salzburg, Linz und Wien, von wo er aber ziemlich abgekühlt und ausgestöbert nach München zurückkehrte. Hier mag der angehende Künstler heimlich manche Firma heruntergepinselt, manch' rauchenden Türken als Wahrzeichen einer Tabakniederlage gemalt haben. Nach dem Beispiel seines Bruders Alexander kam Franz gleichfalls frühzeitig auf die Akademie und zu Professor Schlotthauer (vgl. A. D. B. XXXI, 554–61), hielt aber nicht lange aus und stellte sich schon auf eigene Füße, ehe er die volle Beherrschung der Form erreichte – ein Mißstand, welcher ihm lange noch fühlbar genug nachging; seiner eminenten Begabung wäre bei gründlicher Schulung manch bittere Erfahrung erspart geblieben. Aber das Leben machte seine Rechte geltend und S. war nicht der Mann, demselben aus dem Wege zu gehen; er wagte den Kampf um's Dasein, wobei sein leichter Sinn und seine elastische Phantasie ihm hülfreich zur Seite standen: und schlug sich tapfer durch. Es gehört auch zu den charakteristischen Zügen dieses Originals, daß S., natürlich ohne die gehörigen Mittel, in einem Alter von zweiundzwanzig Jahren einen eigenen Herd gründete. Seine wackere Frau Wilhelmine, die Tochter des Kronfiscalrathes Königer, theilte redlich die Sturm-, Regen- und Sonnentage ihres Gatten; sie hat das anfangs wohl auch auf hochgehenden Wogen tanzende Schifflein ihres Haushaltes mit weiser Kunst gesteuert. S. arbeitete aber auch, »vor keiner Mühe bleich«, für die Seinen, immer mit Lust und Freude. Eine unübersehbare Reihe von Zeichnungen und Projecten, erst nach fremder, dann immer nach eigener Erfindung, auf Stein und Holz, bezeichnen seinen Weg. So lithographirte S. die »Judith« und die »Fischerfamilie« von Riedel für Piloty und Löhle's Verlag, dann die »Geusenfahrt« nach C. Scheuren und die »Brandschatzung eines Klosters« nach Max Heß (im König-Ludwig-Album), führte die Radirnadel (Porträt des Lithographen Bodmer), lieferte Illustrationen zu dem gereimten »Theater-Katechismus« von Franz Loehle (München 1840), zu Blumauer's »Aeneide« (Lpz. 1842) und erfand, anlehnend an Eugen Neureuther's Vorbild, »Umrisse zu Franz von Kobell's Gedichten in altbaierischer Mundart« 1842 (München 1843 bei Lindauer). Nach der Skizze des Grafen Franz Pocci fertigte S. die große Zeichnung zu dem vom Juwelier Jaud in Silber ausgeführten »Ehren-Schilde«, welchen der baierische Adel dem Kronprinzen Maximilian zu dessen Vermählung 1842 verehrte (Abbildung in Nr. 61 der Illustrirten Zeitung, Leipzig vom 31. August 1844. III. Band, S. 141). Dazu kam das »Preisdiplom des Münchener Jockey-Club« (1844). Mit diesen Arbeiten, welchen alsbald ähnliche folgten, betrat S. zuerst jenes Gebiet der kunstgewerblichen, stylgerechten Zeichnungen, worin er in der Folge so unvergleichlich durch originelle Schönheit, Frische und überraschende Phantasie excellirte. Beim Beginne der »Fliegenden Blätter« betheiligte sich auch S. mit Zeichnungen, übernahm dann 1848 die artistische Leitung der von Emil Roller in fünf Bänden redigirten, zahlreich mit Holzschnitten illustrirten »Leuchtkugeln« (1848 bis 1851) und skizzirte, gleichfalls für Roller's ziemlich radicalen Verlag, einen gegen Alfred Rethel's gleichnamige großartige Composition gerichteten »Todtentanz« (1849), welcher zur Ehre aller Betheiligten besser unterblieben wäre. Außerdem war S. auch an Trautmann's »Nürnberger Trichter« mit satyrischen, jene politisch wirre Zeit sattsam charakterisirenden Beiträgen thätig. Seine stark sarkastische Laune gab ihm gerne den Stift zu muthwilligen Caricaturen, mit welchen der doch so gutmüthig und jovial angelegte Mann die Lachlust der Beschauer kitzelte. Außer dem Crayon handhabte er auch das Modellirholz und schuf die köstlichen Charakterfiguren eines Südsee-Insulaner-Paares, eines Chinesen und hausirenden Tabulet-Krämers für die Schaufenster einer Handlung. Indem er wie ein Operateur an alte Gypsfiguren das anatomische Messer legte, hier Arme, Köpfe, Füße abnahm, durch anders bewegte Gliedmaßen ergänzte und neue Attribute beifügte – auf solche Manier construirte er auch eine auf kostbaren Tieger-(Katzen-)Fellen ruhende kleine Bacchantin – bildete sein neckischer Humor allerlei possirliche Gestalten zu Zier-, Haus- und Tafelschmuck. S. ätzte und tauschirte mittelalterliche Waffen, Hellebarden, Helme und Brustpanzer, schnitt in Holz und Elfenbein und imitirte oder restaurirte altdeutsche Plastik so verständnißinnig, daß Manches davon, gegen den Willen seines Urhebers, durch Zwischenhändler verbreitet und von gewiegten Kennern als ächt erklärt, zu hohen Ehren gelangte, darunter beispielsweise ein kleiner »St. Georg«, welcher, schließlich in Rothschilds Besitz, unter dem Namen eines noch unentdeckten, altdeutschen Meisters ersten Ranges auf einer Pariser Exposition prangend, seinem überraschten Verfertiger wieder begegnete. Seiner Vielseitigkeit einen neuen Tummelplatz zu öffnen, betrieb S. auch die Oelmalerei. Er begann mit kleinen Cabinetsbildern, wobei Gisbert Flüggen anfänglich als Corrector noch die Freundeshand bot: Zuerst 1846 mit einem »Architekturbild«, 1849 kam ein »Nächtlicher Ueberfall auf einem Schloß«, 1851 eine »Einquartirung« und eine »Maurische Halle«, 1852 ein unter seinen Schätzen eingeschlafener »Alterthums-Sammler«; 1856 malte er einen »Mundschenk«, eine »Architektur-Partie« aus einem Kloster, einen »Zeitungsleser am Kamin« und 1859 und 1860 zwei große »Weihnachtsbilder« (in Aquarell). S. wäre, wenigstens theilweise nach der Wahl seiner Stoffe, ganz auf demselben Wege gewesen, wie Meissonier, nur hielt den Deutschen die ungeduldige Rast und die zersplitternde Ubiquität von jeder strengeren Vertiefung zurück. Aber eben diese Vielseitigkeit in allen Gebieten wußte der scharfblickende Dingelstedt zu schätzen, welcher als Hoftheater-Intendant in S. den rechten, langersehnten Mann für seine reformatorischen Projecte erblickte. Dingelstedt legte vorerst die Kostümbranche in seine Hand und übertrug ihm weitere, damit zusammenhängende Obliegenheiten im Gebiete der Beleuchtung und Decoration. S. bethätigte mit der am 13. Mai 1855 nach Dingelstedt's Bearbeitung erfolgten ersten Darstellung des »Macbeth«, eine bahnbrechende, virtuose Kenntniß. Außer Heinrich Wagner's »Trachtenbuch des Mittelalters« (München 1830) und Hefner-Alteneck's »Trachten des christlichen Mittelalters« (Frankfurt 1840–55, in 3 Bänden) existirte damals noch kein wissenschaftlicher Apparat; S. blieb eben auf eigene Studien angewiesen. Und doch war seine Regeneration des Bühnenwesens durchschlagend und erweckte auch bei dem ferner stehenden Laien die Ueberzeugung, daß die ganze vordem verwendete Garderobe der Rumpelkammer verfallen sei und bei weiterem Gebrauche höchstens die Heiterkeit und Lachlust des Publicums reize. S. kam oft genug in den Fall, seine Zeichnungen selbst mit der Scheere in der Hand demonstriren und die Stoffe eigenhändig zuschneiden zu müssen. Seine Bemühungen um Inscenirung der »Antigone«, bei Shakespeare's »Sturm« u. A. ernteten die lauteste Anerkennung und zogen dem Künstler viele Aufträge von auswärts zu; seine Skizzen wurden bald nach Paris, London, Meiningen, Wien und Berlin verlangt und bestellt. So kostümirte er beinahe alle Tondichtungen Richard Wagner's: »Tannhäuser«, und »Lohengrin«, die »Meistersinger«, »Tristan«, den »Fliegenden Holländer«, »Rienzi« und die ganze Trilogie vom »Ring des Nibelungen« – letztere freilich nur für München, da für Baireuth ein anderer Künstler beliebt wurde. Es war eine Freude, ihm zuzuschauen, wie er mit wenigen Andeutungen z. B. aus Ferd. Keller's Pfahlbauten-Funden, Lindenschmit's »Alterthümern der heidnischen Vorzeit« und etlichen Abhandlungen über die sog. Bronze-Zeit, das ihm nöthige Material schöpfte, geistvoll belebte und für seine Zwecke wirksam gestaltete. Was seine sprudelnde, augenblicklich auffassende Phantasie gestaltete, floß wie ein Spiel aus dem Stift und gewann, in Form von leicht aquarellirten Skizzen, Wahrheit und Leben. Außer den genannten Opern lieferte er auch seinen Antheil für »Wilhelm Tell«, die »Afrikanerin« und den »Nordstern«, den nach Dr. Grandauer's Bearbeitung neu inscenirten »Don Juan«, zu den Dramen von Ibsen und Björnson »Bergkönig's Braut«, zur »Aida«, Zenger's »Wieland der Schmied«, zur »Königin von Saba« u. dgl. S., welcher seit 1855 eine bleibende Stellung am Hof- und Residenz-Theater, 1858 den Professor-Titel und am 1. Januar 1859 die Ernennung zum Kostümier erhielt, war lange schon der artistische Director, bevor ihm am 16. Januar 1869 endlich der Förmlichkeit wegen auch dieser Titel übertragen wurde. Seine Thätigkeit blieb unermüdlich. Was leistete er bei eigenen Familienfesten und den Freudentagen der Freunde! Zu seinen »noblen Passionen« als Jäger und Fischer kam die exquisite Kenntniß in culinarischen Künsten, die der als Gourmand bekannte heitere Mann zum Erstaunen der Beglückten gerne spielen ließ. Er nahm dann nach saueren Wochen des angestrengtesten Fleißes keinen Anstand – was theilweise auch zu seinen erquickenden Morgenspaziergängen gehörte – den Markt selbst zu besuchen und manch' taugsamen, mit Kennerblicken ausgewählten Leckerbissen eigenhändig einzuheimsen und die selbst bereiteten Köstlichkeiten mit strahlendem Bewußtsein aufzutischen. Und wie bethätigte sich S. bei den Gesellschaftsabenden fröhlicher Genossenschaften als Arrangeur, Decorateur und Universalgenie, wie fesselte er Aug' und Ohr mit Ueberraschungen, wie stand ihm dann in Prosa und Versen die immer skurrile Rede mit aphoristischen Impromptus zu Gebote, Eingebungen der jovialsten Laune und des blühenden Mutterwitzes, die stets einen stürmischen Jubel zündeten. Auf einem Album-Blatt (das Farbendruck-Facsimile in der Zeitschrift des Kunstgewerbe-Vereins 1883, Tafel 19) hat er sich in ganzer Figur abconterfait; bepackt, ausgerüstet und beladen mit allen möglichen Requisiten: Da liegen zu seinen Füßen die von ihm gezeichneten Tarockkarten, daneben die dampfende Pfanne und der zur Fixirung von Wandbildern durch Wasserglas (er rühmt sich in den das Ganze exegesirenden Versen als einen Maler »in Wasser und Glas«) nöthige Trittapparat mit Gummischlauch und Zerstäuber, dahinter Tafelaufsätze und Pokale; dann Partisanen, ritterliche Stech-Helme und Degen, welche er aus der ächtesten Pappe aufs täuschendste fabrizirte, dazu ein mit Perlen, Email und Edelstein verziertes Schmuckkästchen; er selbst führt in der Rechten den Malstock mit Palette und Pinseln zu allerlei Bedarf; an der Seite hängt der Fischreusen nebst dem stattlichen Zwilling, Angelstock und Netz, welche den Sportsmann kennzeichnen, während ein mächtiger, auf den Rücken hinabhängender Landsknechthut mit wallender Feder sowohl den Kostümier bedeutet, wie auch an das bewegte Sturmjahr (1848) erinnert, in welcher das schmucke Corps der Münchener Künstlerschaft auch als taktischer Körper hervortrat und unnöthiger Weise eine Menge guter Zeit verlor, – unter dem Arme schleppt S. schwere Albums und Prachtbände; die Linke faßt die Maler-Leinwand-Zange, während zwei andere mächtige Waffen in Gestalt von Schneiderscheere und Küchenmesser die anderweitigen Obliegenheiten unverkennbar andeuten. Und dann erst der Meister selbst: Wie lacht aus dem ganzen Mann mit den behäbigen, rundlichen Formen eine Lebensfrische, eine gewinnende Güte und Bonhommie? Das Blatt giebt den Künstler wie ein ganzes Programm, es ist die echteste Autobiographie! Als seine vielseitigen Gaben einmal ruchbar geworden, da gab es, etwa vom Ende der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts durch drei Decennien in München keine Veranstaltung öffentlicher Lustbarkeiten und feierlicher Manifestationen zur Ehrung im Bereiche der Kunst, der Wissenschaft und der Politik, welche nicht den Stempel der Erfindungsgabe unseres Künstlers an sich getragen hätte. Wie glänzte S. als Arrangeur bei den Festen der Gesellschaft »Frohsinn«, wovon heute noch die Tradition zu erzählen weiß. Hier inscenirte er mit gleich veranlagten Genossen, wie ehedem der erfindungsreiche Piero da Cosimo zu Florenz, unerhörte Faschingsfreuden, Festzüge und Turniere, oder stellte auch zur Abwechselung »plastische Darstellungen aus der Passion nach classischen Vorbildern« (1845). Ein Beispiel seiner Leistungsfähigkeit aber gab S. mit dem großen historischen Festzug beim siebenhundertjährigen Jubiläum der Stadt München (1858), welcher, obwohl einzelne Künstler die befreundete Hand boten und mithalfen, doch in der ganzen Idee und ihrer detaillirtesten Durchführung als sein eigentliches Verdienst zu betrachten ist. Er verstand dabei, trotz aller Prachtentfaltung und obwohl der Festzug größere Dimensionen annahm als anfänglich projectirt war, doch innerhalb der Kosten des Voranschlags und der vom Magistrat bewilligten Summe zu bleiben. – Was den genialen Mann in allen Kreisen so beliebt machte, war sein eigenartiges Talent aus dem unscheinbarsten Material und den primitivsten Behelfen – womit übrigens, wie seine Brunnenprojecte, Festaufbauten, Prunkwagen und Denkmale beweisen, auch Albrecht Dürer zu handiren verstand – wahre Musterleistungen hervorzuzaubern. Mit geringen Mitteln konnte der zunächst »aus Holz und Grünzeug« bestehende Grundstock beschafft werden, welcher für S. der Hauptsache nach hinreichte, um einem Saale oder einem Hintergrunde festliches Gepränge zu verleihen; das übrige Beiwerk ergab sich dann schier von selbst. Welch' eine Anzahl von neidenswerthen Interieurs schuf S. auf diese Manier aus altem Urväter-Hausrathe, der ohne seine belebende Künstlerhand im Staube der Vergessenheit verschollen geblieben wäre. Er bewährte seine malerische Begabung für Decoration sowohl mit Salonarbeiten, als mit monumentalen Fresken, wozu die Façade und der Thurm des alten Münchener Rathhauses Platz und Gelegenheit boten (1862). Für sich selbst baute S. auf einem von König Maximilian II. geschenkten Restchen des früheren »Holzgartens« ein längst ersehntes eigenes Gelaß, einem stattlichen Patricier-Herrenhaus vergleichbar, und gestaltete die Räumlichkeiten mit Atelier und Garten, heimlich, vergnüglich und imposant zu einem wahren Künstlerheim. Daß ein Mann mit solcher Begabung zur Uebung des Kunsthandwerks ganz geschaffen war, ist selbstverständlich, er gehörte auch mit zu den Gründern des Kunst-Gewerbe-Vereins, dessen Ziele und Bestrebungen S. mit freudiger Begeisterung förderte. In der Zeitschrift des besagten Vereins publicirte er eine Reihe von köstlichen Zeichnungen, z. B. zu Innungsschilden für Zimmerleute und Maurer (1853), allerlei Mustervorlagen für Damastwebereien, zu Tafelaufsätzen, Urkundenrollen, Festdiplomen und anderen Ehrengaben, Projecte zu Prachtkerzen, Standarten (1856), Messer- und Tisch-Nécessaire, für Silberarbeiter und Juweliere (1865). Besondere Erwähnung verdienen das von einem wilden Mann getragene Straußenei (als Trinkgefäß 1870) und ein »Schiff« mit den in die silbernen Wellen des Fußes eingelegten grünen Römern, welches, meisterlich durch Harrach ausgeführt, als Ehrengeschenk des deutschen Bühnenvereins dem Frhrn. von Hülsen in Berlin zu dessen fünfundzwanzigjährigem Dienstjubiläum 1876 übersendet wurde (abgebildet in der »Zeitschrift des Münchener Kunstgewerbe-Vereins« 1877. Tafel 3). Die Krone aller dieser Erzeugnisse bildete aber jenes Album, welches die baierische Armee ihrem Feldmarschall, dem Prinzen Karl, bei dessen Ausscheiden aus dem Heer überreichte (1867), ein Werk, welches erfunden von Franz Seitz und ausgeführt von dessen Bruder Max Joseph Seitz – welcher, ein Meister der Kleinkunst, die minutiös durchgebildeten Waffentrophäen ciselirte –, von Rockenstein und Anderen (die Eckbilder malte Franz Adam), als ein unschätzbares Kleinod bezeichnet werden muß (photographirt in 2 Blättern von J. Albert) und nach dem Ableben des Prinzen in das Nationalmuseum als bleibendes Zierstück gestiftet und somit dem Publicum zugänglich gemacht wurde. Auch die Miniaturen auf der innen liegenden Adresse malte Franz Seitz, der sich ebenso leicht und gewandt im feierlichen Charakter des Rundbogenstyles, wie in zierlicher spitzbogiger Ornamentik, im heiteren Spiele des graciösen Cinquecento, wie im ausgelassenen Muthwillen der Renaissance und der späteren Perückenzeit bewegte. Eine im Style des königlichen Schlosses Schwanstein ausgestattete Urkunde wurde 1869 in das Fundament dieses märchenhaften Bauwerkes eingeschlossen. Heiteres Gepränge trug die Adresse zu Baron von Perfall's zehnjähriger Bühnenleituug, jene zur goldenen Hochzeitsfeier des Herzog Maximilian (1878, wobei Emil Kirchner den landschaftlichen Theil übernahm), die von den städtischen Collegien Münchens aus gleichem Anlaß an Kaiser Wilhelm I. nach Berlin übersendete Beglückwünschung, die Adresse des oberbaierischen Landraths an den Regierungspräsidenten Freiherrn von Hermann etc. Geradezu unzählig aber ist die Menge der Diplome, Eintritts- und Einladungskarten, Menu-Zettel, welche S. zu Ernst und Scherz, bei Künstler- und Kellerfesten, Zweckessen, Bällen und sonstigen Faschingsfreuden, zu den Banketts der fröhlichen »Pappenheimer« bereitwillig beisteuerte, immer neu, gefällig und sinnig. Manches davon verwahrt nun die im Besitze der Stadt befindliche »Maillinger-Sammlung«, deren Vorbild auch für andere Städte nachahmenswerth wäre, wie denn überhaupt nicht genugsam empfohlen werden kann, Alles mit Umsicht und Achtsamkeit zusammenzutragen, was sich auf unsere Vergangenheit und Gegenwart bezieht. S. entwarf die Zeichnungen zu den Kostümen der Banner- und Preiseträger und Zieler beim alljährigen Octoberfest (1840), für die Livreen und den artistischen Haushalt des Prinzen Adalbert (1856). Auch der höchst geschmackvolle Kronleuchter im Volkstheater am Gärtnerplatz (nun durch die elektrische Beleuchtung beseitigt) war sein Werk. Was er berührte, sei es zum Hausgebrauch oder zu Schmuck und Zier, erhielt unter seiner Hand eine neue, immer anmuthig-gefällige, geistreiche Form. Auch zu Grabdenkmalen wurde seine Erfindungsgabe in Anspruch genommen, wie denn S. auch beim Ableben seiner Gattin (1880) über sein Familiengrab einen Stein setzte, welcher durch ein sinnreiches, schmiede-eisernes Kreuz in originellster Ornamentirung bekrönt ist. Sehr Vieles entstand im Auftrage König Maximilian II. wie z. B. die Uniformirung der Hartschiere und die malerische Tracht der Georgsritter; auch die Restauration einiger Prachtsäle der alten Residenz. Ebenso wußte König Ludwig II. ein solches Talent zu schätzen und durch zahlreiche Aufträge zu ehren. Im Jahre 1876 wurde S. (gleichzeitig mit seinem berühmten Namensvetter, dem Genremaler Anton Seitz, Hofrath Hanfstängl und Alexander Duncker) Ehrenmitglied der Akademie, nachdem ihm schon früher der Michaels-Orden, das Ritterkreuz der baierischen Krone und der spanische Isabellen-Orden zutheil geworden. Mit seinem Eintritt in den Ruhestand am 1. Mai 1880 erfolgte die Ludwigs-Medaille für Kunst und Wissenschaft. Nun erst gedachte S. mit ungebrochener Kraft und einer immer gleichbleibenden Jugendlichkeit und Frische die wohlverdiente Ruhe für neue Arbeiten auszubeuten. Er schuf mit neuem Frohsinn und Gelingen. Eine Trübung brachte der nach schwerem Leiden 1880 erfolgte Tod seiner Gattin, welche in musterhaftester Weise das Hauswesen geleitet hatte. Sein Trost, seine Freude und sein Stolz blieb sein Sohn Rudolph, welcher längst schon durch tüchtige Leistungen einen guten Namen errang. Aber nicht lange dauerte die Freude der innig zusammenwirkenden Thätigkeit. Am 13. April 1883 endete eine Herz-Degeneration nach kurzer aber qualvoller Krankheit seine ruhmvolle Künstlerlaufbahn. Auf seinem Arbeitstische lag eine erst begonnene Adresse zur Feier von Franz Lachner's achtzigstem Geburtstage. – Rudolph S. vollendete selbe im Geiste des Vaters.
Vgl. Nagler 1846. XVI, 225 und dessen Monogrammisten 1860. II, 884 (Nr. 2481). – Seubert 1879. III, 296. – Maillinger, Bilder-Chronik der Stadt München 1876. II, 249. – Grandauer. Chronik des Hof- und Nationaltheaters in München. 1878. S. 159 und 205. – Nekrologe in Nr. 104 der Münchener »Neuesten Nachrichten« vom 14. April 1883. Nr. 54 »Sammler« Augsburg, 3. Mai 1883. Lützow. 1883. XVIII, 495. Beil. 158 »Allgemeine Zeitung« 8. Juni 1883 und »Zeitschrift des Kunstgewerbe-Vereins« 1883. S. 61–67.
Hyac. Holland.
Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1891.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Seitz Franz, von, 1817 (München) – 1883, Maler und Kunstgewerbler, artistischer Direktor des Hoftheaters und Professor; er war ein Sohn des Kupferstechers Max Josef S. und studierte auf der Münchner Akademie, je nach den Umständen war er Maler, Lithograph, Xylograph, Ziseleur, Zeichner, Modelleur, Graveur, Dekorateur, Architekt und schließlich Kostümierer, als welcher er auf Empfehlung des Prinzen Adalbert ins Hoftheater aufgenommen und 1859 engagiert wurde, seit 1868 war S. technischer Direktor des Hoftheaters, das ihm in bezug auf szenische Arrangements und Komparserie viel zu verdanken hatte.
Hauptwerke: Lithographien: Judith, Fischerfamilie, Brandschatzung eines Klosters; Illustrationen zum »Theater-Katechismus« von F. Loehle, zu Franz von Kobells Gedichten in bayerischer Mundart; Zeichnungen für die »Fliegende Blätter« und »Nürnberger Trichter«; Bilder: Nächtlicher überfall auf ein Schloß, Altertumssammler, Zeitungsleser am Kamin; Kostümierung von fast allen Tondichtungen Richard Wagners.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.
#Rudolf von Seitz
* 15.6.1842 (München)
† 18.6.1910 (München)
Akademieprofessor, Genremaler und Konservator
#Münchner Neueste Nachrichten (20.6.1910)
Theater- und Kunstnachrichten.
München, 18. Juni.
Professor Rudolf v. Seitz †
München, 18. Juni. Wie wir unmittelbar vor Redaktionsschluß hören, ist Professor Rudolf v. Seitz, Ehrenkonservator des Nationalmuseums, Ehrenmitglied der Akademie der bildenden Künste, einer der populärsten Münchener Künstler, heute Abend gegen 11 Uhr im Kreise seiner Freunde in der Allotria einem Schlagfluß erlegen.
Münchner Neueste Nachrichten No. 282. Montag, den 20. Juni 1910.
#Münchner Neueste Nachrichten (21.6.1910)
Lokales.
München, 20. Juni.
Professor Rudolf v. Seitz †. Se. k. Hoh. der Prinz-Regent hat an die Witwe des Professors v. Seitz nachstehendes Handschreiben gerichtet:
Meine liebe Frau v. Seitz! Schmerzlich ergriffen durch die Nachricht von dem so plötzlichen, unerwarteten Hinscheiden Ihres Gatten, des k. Akademieprofessors und Ehrenkonservators- des Bayerischen Nationalmuseums Rudolf Ritter von Seitz, den Ich erst vor wenigen Tagen in bester Gesundheit und Frohsinn bei Mir zu sehen die Freude hatte, spreche Ich Ihnen, liebe Frau von Seitz und Ihrer Familie Meine innige, tiefgefühlte Teilnahme aus. Ich bedaure von Herzen den Heimgang dieses trefflichen Mannes, der durch sein tatkräftiges Wirken und segensreiches Schaffen sich so hervorragende Verdienste um das Kunstleben Münchens erworben hat. Wie Ich dem Lebenden aufrichtig zugetan war, werde Ich dem Dahingeschiedenen jederzeit ein ehrendes Andenken bewahren. Möge diese Versicherung Ihnen einigen Trost in Ihrem herben Schmerze bieten und möge Gott Ihnen Kraft in diesen schweren Tagen verleihen. Mit huldvollen Gesinnungen.
München, 19. Juni 1910.
gez.: Luitpold, Prinz von Bayern.
Sonntag Nachmittag ließ der Regent eine herrliche Kranzspende an der Bahre des Professors v. Seitz niederlegen.
Eine eingehende Würdigung des Schaffens und Wirkens von Rudolf v. Seitz werden wir im nächsten Morgenblatt veröffentlichen.
Münchner Neueste Nachrichten No. 283. Dienstag, den 21. Juni 1910.
#Münchner Neueste Nachrichten (21.6.1910)
Rudolf v. Seitz †
Eine der markantesten, der münchnerischsten Gestalten unserer Künstlerschaft ist dahingegangen: Rudolf v. Seitz! Und mitten in dem Kreise, der ihm der liebste war, hat ihn der Tod überrascht, in seiner Allotria! Ein rascher, schmerzloser und gütiger Tod war dem Schönheitsfrohen beschicken, ein Tod ohne die Häßlichkeiten des Sterbens. Klänge es nicht frivol, so möchte man sagen, dieser Tod hatte Stil, wie der ganze Mann, von dem man sagen darf, daß sein Leben ausschließlich dem Schönen geweiht war, der kein Ding, keine Betätigung menschlicher Kraft unter einem anderen Gesichtswinkel anzusehen vermochte als unter dem der Schönheit. Was schön war, war ihm gut, war ihm heilig; für alles, was ihm schön erschien, war er zu haben. Der schlichte, liebenswürdige, kerndeutsche und gesunde Mann war ein Priester der Schönheit — freilich ohne Hohepriesterallüren und Prophetengebärden. Freudig griff er zu, wo man ihn haben wollte, irgend etwas in seinem geliebten München würdig und schmuck zu gehalten — mit Feuereifer und fast fanatischer Energie, wenn es galt, Schönes vor dem Untergang zu retten, heilige Güter zu schirmen. Rudolf Seitz war ein Idealist vom reinsten Wasser, immer um die gute Sache selbst bemüht, in ihr aufgehend, durch sie glücklich. Und diese reine, flammende Begeisterung mag weiter wirken auch in einer Zeit, deren Kunst andere Quellen und andere Ziele sucht als er! Dieser Idealismus, diese freudige und selbstlose Hingabe an die Sache ist das beste Element im besonderen Wesen der Münchner Kunst; sie ist das, was ihr im heißen Wettbewerb der Gegenwart noch immer den Vorrang in Deutschland bewahrt hat!
Rudolf Seitz war der echte Sohn und Erbe seines Vaters Franz v. Seitz, dem er am 15. Juni 1842 geboren wurde. Die Generation von heute weiß kaum mehr, was dieser in allen Sätteln gerechte, an Schätzen der Phantasie unerschöpflich reiche Künstler für die Entwicklung des Geschmacks in München getan hat, sei es in fünfundzwanzigjähriger Tätigkeit als technischer Direktor des Hoftheaters, sei es als Förderer des Kunsthandwerks, dem er zusammen mit Gleichgesinnten neue Bahnen wies aus einer Zeit der Oede und Armut heraus. Sein Sohn Rudolf, in Pilotys Schule weitergebildet, nahm die Waffen des Vaters auf, und Wort für Wort paßt auf ihn alles, was Georg Hirth im Januar 1884 in seiner begeisterten Gedächtnisrede auf Franz v. Seitz und Lorenz Gedon von diesen beiden gesagt hat. Wir finden den Nachruf in Hirths »Wegen zur Kunst«. Da heißt es:
»In ihnen war wieder aufgelebt jener alte göttliche Kunstgeist, der da über alles menschliche Wesen und Schaffen seine Fittiche ausbreitet und, indem er dem kleinsten wie dem größten Dinge von Menschenhand den Stempel künstlerischer Empfindung verleiht, unser ganzes Dasein verschönert, adelt, in höhere Regionen erhebt. Es ist der Kunstgeist der Bramante und Giulio Romano, der Dürer und Holbein, der Jamnitzer und Peter Candid, welcher in unseren beiden abgeschiedenen Freunden seine Auferstehung gefeiert, welcher sie zugleich mit hoher Begeisterung und ungewöhnlicher Energie erfüllt hatte. Es ist, wenn ich so sagen darf, die Kunst als Religion, die Kunst unter dem Dreigestirn Glaube, Liebe, Hoffnung.«
Der persönliche Stil von Rudolf v. Seitz war ganz auf die Verehrung jener großen Alten gestellt. Ihm stand unverrückbar fest, daß sie allein zu gelten hätten als ewig unübertreffliche Vorbilder, und in die Formensprache dieser Vorbilder war er so eingearbeitet, daß sie die Muttersprache seiner eigenen Kunst wurde. Aber nur in der Form lehnte er sich an — als Erfinder war er ein Eigener, ein Unerschöpflicher. Wäre er in der großen Zeit der Renaissance geboren worden, aus ihrem Stil heraus — statt in ihn hineingewachsen, sein Name hätte noch ganz anderen Klang. Man muß aber immer wieder darauf hinweisen, daß die Rückkehr zum Alten, für die sich die beiden Seitz und ihre Freunde begeisterten, kein Rückschritt, sondern ein gewaltiger Fortschritt war. Ein Fortschritt zur Schönheit überhaupt!
Was Rudolf v. Seitz alles geschaffen hat an kunstgewerblichen Werken und Entwürfen, an Wandgemälden, an Festdekorationen u. s. w., das kann man hier unmöglich aufzählen. Er hat nicht viele eigentliche Staffeleibilder gemalt nach seinem ersten Historienbilde »Peter Vischer zeigt den Bestellern den Entwurf des Sebaldusgrabes«. Die meisten seiner Gemälde trugen dekorativen Charakter; darunter sind Wandbilder im Landshuter Rathaus zu nennen, andere im Hause Thomas Knorr, im Münchner Kaufmannskasino, schöne Stilleben im Dampfer »Bavaria« u. s. w. Seitz hat unzählige Entwürfe für alle Zweige des Kunsthandwerks gefertigt, die oft von köstlicher Liebenswürdigkeit und Heiterkeit der Erfindung sind; ein gemütvoller Humor kennzeichnet sie ebenso wie eine erstaunliche Sicherheit der stilistischen Handschrift. Dr. Georg Hirth besitzt zwei Bände solcher Entwürfe, die zu durchblättern ein hoher Genuß ist. Einen richtunggebenden Einfluß gewann R. Seitz auf das Buchgewerbe, als auch dies hier in München seine Auferstehung feierte. Seine schönen Kalenderentwürfe für die Buchdruckerei von Knorr & Hirth sind in ganz Deutschland bekannt geworden und ebenso unendlich viele stilvolle Zeichnungen für Buchschmuck und Kunstdruck. Für Bayreuth, speziell für den Parsifal, hat R. Seitz Kostüme entworfen — er war eben überall zur Stelle, wo es galt, der Kunst, irgend einer Kunst zu dienen.
Seine geradezu rührende Begeisterung für die kunstgewerblichen Schöpfungen unserer Vorfahren und seine umfassenden Kenntnisse auf diesem Gebiete legten es nahe, daß er als Konservator in unser Nationalmuseum gerufen wurde, und als die herrliche Sammlung in das neue Heim an der Prinz-Regentenstraße übersiedelte, war er mit unendlicher Liebe und Aufopferung um die künstlerische Aufstellung dieser Schätze und um die Ausschmückung der Räume besorgt. Dafür wurde ihm zum Danke der Titel eines Ehrenkonservators verliehen. Seit dem Jahre 1888 war Rudolf v. Seitz auch Professor an der Münchner Kunsthochschule. Er war in der Münchner Monumentalbaukommission tätig — ein Ding, das sich von selbst verstand. Denn seit Jahrzehnten war er ja immer vorn dran, wo es galt, seiner Vaterstadt ihr Recht auf Schönheit zu wahren und sie vor Verunstaltung zu schützen.
Mit dem stolzen Rufe Münchens, ein Hort der Kunst und der vom Geschmack geadelten Lebensfreude zu sein, wird der Name Rudolf v. Seitz auch für immer untrennbar verbunden bleiben!
F. v. O.
Münchner Neueste Nachrichten No. 284. Dienstag, den 21. Juni 1910.
#Münchner Neueste Nachrichten (22.6.1910)
Professor Rudolf v. Seitz †
München, 21. Juni.
Die Münchner Künstlerschaft hat seit Lenbachs Tod wohl keinem ihrer Vertreter mehr eine so imposante Trauerfeier veranstaltet, wie dem so plötzlich aus ihrer Mitte gerissenen Rudolf von Seitz, der am Dienstag Nachmittag im südlichen Friedhof zur ewigen Ruhe gebettet wurde. Zu beiden Seiten des in weitem Bogen abgesperrten, mit Lorbeer- und Blumenspenden prächtig gezierten Grabes hatten Studierende der Akademie mit brennenden Flambeaux Aufstellung genommen, beim Herannahen des Leichenzuges, der - um sich entfalten zu können – einen weiten Umweg zum Grabe nehmen mußte, stimmte der Hofopernchor einen erhebenden Trauergesang an.
An der Spitze des Zuges schritten der große Kondukt der Dompfarrei, flammbeauxtragende Akademiediener und die Schar der Kranzträger. Den Sarg, zu dessen Seiten Mitglieder der Allotria mit brennenden Fackeln schritten, trugen Diener des Nationalmuseums. Mit den Angehörigen folgten der Bahre die sämtlichen Professoren der Akademie der bildenden Künste mit dem Direktor Ferdinand v. Miller, Geheimrat v. Klug, der Präsident der Akademie der Wissenschaften Geheimrat Dr. v. Heigel, als Vertreter des Kultusministeriums Ministerialrat Dr. Winterstein, für das Ministerium des Innern Ministerialrat Kahr, für die Oberste Baubehörde Ministerialrat von Stempel, für die Gemeindeverwaltung Oberbürgermeister Dr. v. Borscht, Rechtsrat Wölzl, die Magistratsräte Birk und Nagler, der 2. Vorstand des Gemeindekollegiums Huber und die Gemeindebevollmächtigten Kellner, Schweiger und Ullmann, ferner Graf Max v. Moy, Dr. Georg Hirth, Prof. v. Hauberrisser, Baurat Grassel und zahlreiche sonstige Trauergäste aus der Gesellschaft. Die Einsegnung nahm Dompfarrer Domkapitular Hartl vor, der auch die Grabrede hielt.
Nach Beendigung der kirchlichen Zeremonien trat Akademiedirektor v. Miller ans Grab und legte namens der Akademie der bildenden Künste einen mächtigen Lorbeerkranz nieder. In bewegten Worten schilderte er die seltenen Charaktereigenschaften des Entschlafenen, mit dem ihn schon die innigste Freundschaft in der gemeinsam verlebten Jugend verband, und schloß mit den Worten: »Ich möchte ihm danken im Namen der Akademie für all' das, was er geschaffen, was er getan hat für uns, für seine Schüler, für die Allgemeinheit. Er war nie müde, er hatte nie Ruhe und so wünsche ich ihm: Möge Gott ihm die Ruhe geben, die er sich selbst nicht gegönnt hat.«
Direktor Dr. Stegmann widmete hierauf namens des Bayerischen Nationalmuseums unter Würdigung der unvergänglichen Verdienste Seitzens um das Museum einen Kranz, indem er versicherte, der Geist des verstorbenen Künstlers werde fortleben in dem von ihm so heißgeliebten Museum: »Die Treue, die er bis zum letzten Tage dem Museum bewahrt hat, wollen wir Ueberlebenden ihm vergelten, wir wollen in Treue seiner gedenken, in Treue gedenken seiner hingebenden Liebe und ihm nacheifern in gleicher Liebe und in gleichem Eifer« — so schloß die tiefempfundene Gedächtnisrede.
Die »Allotria« ließ durch Professor Dr. Gabriel v. Seidl dem unvergeßlichen Freund und Mitbegründer die letzten Grüße, den letzten Dank für die so lange Jahre bewiesene Treue übermitteln. Kunstgewerbeschuldirektor v. Lange widmete namens eines weiteren Freundeskreises, des »Bundes der Humpenburger«, Kranz und Nachruf. Ebenfalls unter ehrenden Nachrufen legten noch Kranzspenden nieder Generalkonservator Dr. Hager für das Generalkonservatorium der Kunstdenkmale und Altertümer Bayerns, Prof. Hans v. Petersen für die Münchner Künstlergenossenschaft, Professor v. Habermann für die Münchner Sezession, Professor Emanuel v. Seidl für den Künstlerhausverein, Profesior Wenglein für den Isartalverein, Professor v. Defregger für die Äkademieprofessoren, geistl. Rat Standhammer für die Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst, Kunstmaler Scheuermann für den Münchner Künstler-Unterstützungsverein, Konservator Dr. Halm für die Beamten und das Personal des Nationalmuseums, Universitätsprofessor Dr. Karl Mayr für den Historischen Verein für Oberbayern, Professor Pfeifer für den Bayerischen Kunstgewerbeverein. Dr. Georg Hirth legte im Namen seiner »Jugend«, welche den Verstorbenen zu ihren, wenn auch seltenen Mitarbeitern zählte, einen Lorbeerkranz nieder mit den Worten: »Lieber Rudolf, Dein liebliches Bild wird unauslöschlich unseren Herzen eingeprägt bleiben, und wir wollen dafür sorgen, daß auch unsere Kinder und Kindeskinder, wenn von den interessantesten und besten Münchnern dieser Zeit gesprochen wird, Deiner stets in Liebe und Achtung gedenken.«
Endlich ehrten noch die Schüler Seitzens und die Studierenden der Akademie der bildenden Künste das Andenken des verehrten Meisters durch Widmung von Kranzspenden. Der Hofopernchor beschloß die eindrucksvolle Trauerfeier mit dem Vortrag eines Grabliedes. Von der Fülle von Kranzspenden, die schon vor der Beerdigung an der Grabstätte niedergelegt worden waren, seien hier noch erwähnt die des Regenten, des Prinzen Rupprecht, der Stadtgemeinde München, der Monumentalbankommission, des Vereins für Volkskunst und Volkskunde, Franz v. Stucks, Thomas Knorrs, des Grafen Max v. Moy, der Frau v. Lenbach, der Zettlerschen Hofglasmalerei und des Vereins für freiwillige Armenpflege.
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Im Magistrat widmete Oberbürgermeister Dr. v. Borscht dem verstorbenen Prof. R. v. Seitz heute folgenden, ehrenden Nachruf:
Am vergangenen Samstag Abend, mitten im geselligen Kreise seiner Freunde, ist einer unserer hervorragendsten Mitbürger und Künstler, Herr Professor Rudolf v. Seitz, plötzlich einem Schlagfluß erlegen.
Er war unser nach seiner Geburt, unser nach seinem ganzen Wirken, unser mit seinem ganzen Herzen. Wo die Gemeinde seiner künstlerischen Kraft bedurfte, ist er ihr uneigennützig und erfolgreich zur Seite gestanden. Er gehörte dem Verwaltungsrate der Prinz-Regent-Luitpold-Stiftung seit ihrer Gründung und ebenso dem Ausschusse des gemeindlichen Kunstfonds als bewährtes, treues Mitglied an. Bei fast allen künstlerischen Konkurrenzen, welche die Stadt veranstaltete, war er ihr Beirat und übernahm stets bereitwilligst die oft mühevolle Aufgabe eines Preisrichters.
Seitz stand in vorderster Reihe, als zu Beginn der 70er Jahre Kunst und Kunstgewerbe in München zu neuem Leben erweckt wurden, und wenn heute das Münchner Kunsthandwerk sich in aller Welt des höchsten Ansehens erfreut, wenn die von hier ausgegangenen Bestrebungen, die Kunst in bestem Sinne des Wortes zum Gemeingute zu machen, den Ruhm unserer Stadt als erster Pflegestätte deutscher Kunst nachhaltig zu fördern und zu mehren, von dem größten Erfolge begleitet waren, so ist dies in hervorragendem Maße ein Verdienst des Dahingeschiedenen.
Obwohl sein Leben reich an Ehren und Auszeichnungen war, ist er immer der bescheidene, anspruchslose Künstler geblieben, der durch seine Liebenswürdigkeit und Leutseligkeit sich die Herzen aller gewann, die ihm persönlich nahegetreten sind. Sein Tod bedeutet nicht nur einen großen Verlust für die Kunstwelt, sondern auch für unsere Stadt, die ihm stets ein dankbares Andenken bewahren wird.
Zum äußeren Zeichen ihrer Anteilnahme werden die städtischen Kollegien sich an der Beerdigung durch Deputationen beteiligen, die Aussegnungshalle im südlichen Friedhof wird von der Stadtgärtnerei geschmückt und ein Kranz am Grabe niedergelegt werden.
Das Plenum erhob sich der Aufforderung des Oberbürgermeisters entsprechend zu einem Trauersilentium von den Sitzen.
Münchner Neueste Nachrichten No. 286. Mittwoch, den 22. Juni 1910.
#Münchner Neueste Nachrichten (28.6.1910)
Buntes Feuilleton
M. F. Rudolf v. Seitz und der Autographensammler. Ein noch nicht 15 Jahre alter Junge war von einigen Bildern des jüngst verstorbenen Meisters Rudolf v. Seitz so begeistert, daß er danach trachtete, des Professors Handschrift in seinen Besitz zu bekommen. Da er sich aber nicht getraute, dem Künstler sein Anliegen selbst vorzutragen, so schrieb er ihm einen Brief des Inhalts, er habe ein Kiste mit zwölf Weinflaschen an einen Herrn Seitz gesandt. Da die Kiste aber nicht angekommen sei, so erlaube er sich die Anfrage, ob nicht der Herr Professor sie irrtümlicherweise erhalten habe. Der Knabe dachte, Professor v. Seitz werde ihm zurückschreiben, er habe die Kiste nicht erhalten. Dann hatte er ja das Autogramm!
Aber es kam anders. Professor v. Seitz erschien nämlich selbst in der Wohnung des »Weinsenders«. Er wurde von der Mutter des Knaben empfangen. Der wahre Sachverhalt stellte sich bald heraus. Professor v. Seitz ließ sich den Autographensammler rufen und las ihm gehörig die Leviten. Am nächsten Tage gelangt an die Adresse des Knaben ein Brief mit folgendem Inhalt:
Es kommt sehr häufig vor auf Erden,
Daß kleine Spitzbub'n später große werden,
Drum willst Du wirklich Autographen fangen,
So schwindle nicht, Du kannst sie ehrlich auch erlangen.
München, den 26. August 1901.
Rudolf von Seitz.
Münchner Neueste Nachrichten No. 295. Dienstag, den 28. Juni 1910.
#Allgemeine Zeitung (2.7.1910)
Kunst und Literatur
Rudolf von Seitz †.
Im Alter von 68 Jahren ist in München am 18. Juni Professor Rudolf von Seitz gestorben. Mitten aus dem ihm seit vielen Jahren innig vertrauten Kreise der Künstlergesellschaft »Allotria« hat ihn der Tod mit sich genommen. Von Rudolf von Seitz kann man sagen: Als er starb, war sein Tagewerk getan. Das Schicksal hat ihn nicht aus einer aufsteigenden Entwicklung gerissen; er schied nicht von einem halbvollendeten Werk, sondern er hat die Früchte mühevoller Arbeit alle reifen sehen. Rudolf Seitz war der Sohn des als Kunstgewerbler hochgeschätzten Malers Franz von Seitz, und seine eigenen Verdienste liegen auf dem Gebiete des Kunstgewerbes. Was er als Maler in Wand- oder Staffeleibildern geschaffen hat, besitzt nicht Ewigkeitswert, aber die Anregungen, die er dem Kunstgewerbe gegeben hat, behalten ihre Bedeutung. Wie Franz Lenbach, mit dem ihn treue Freundschaft und Geistesverwandtschaft verband, ging Seitz von der Renaissance aus; sie erschien ihm als der niemals übersteigbare Höhepunkt der Kunst. Daher förderte er in Kunst und Kunstgewerbe jene im Grunde unselbständige Richtung, die in allem streng auf die Meister der Renaissance zurückging, die aber wenigstens in der Ausgestaltung durch souveräne Geister (namentlich Gedon!) Eigenart und Charakter hatte. Jedenfalls gelang es Seitz im Verein mit seinen Freunden, den Sinn für historische Kunstwerte wieder zu wecken, und – hierin liegt sein größtes Verdienst — den entsetzlich verwahrlosten Geschmack des kunstkonsumierenden Publikums jener Zeit wieder zu heben. Gewiß war die »altdeutsche Überflutung« nichts an und für sich Erfreuliches; aber sie war doch die Erlösung von dem grenzenlosen Ungeschmack und Schund der ihr voraufgehenden Epoche der siebziger Jahre. Vor allem: sie brachte dem Publikum wie den Kunsthandwerkern wieder die Ehrfurcht vor gediegener und ordentlicher Arbeit bei, die verschwunden war, seitdem die Biedermeierzeit gewesen war. Weiter ist es eine große Tat des Kreises, in dem Rudolf von Seitz Führer war, daß man wieder gutes Material nicht nur schablonenhaft verwendete, sondern auch auf weitere Möglichkeiten studierte; dadurch ist zweifellos das moderne Kunstgewerbe, mit dem im übrigen die Schule Seitz nichts zu tun haben wollte, in seiner raschen Entwicklung wesentlich gefördert worden, und das sollten auch die Jungen, die tatsächlich weitergekommen sind als Rudolf von Seitz, diesem nicht vergessen.
Im Lebenswerk des nun Verstorbenen darf nicht übergangen werden, was er für das bayerische Nationalmuseum getan hat. Als Gabriel von Seidl, der zu dem festgeschlossenen kleinen Kreise der maßgebenden Künstler Münchens gehört, den Auftrag erhalten hatte, den Neubau des Nationalmuseums zu entwerfen und auszuführen, stellte er Rudolf von Seitz neben sich. Seitz ist – das darf man wohl sagen – der geistige Vater der inneren Einrichtung dieses eigenartigen Museums. Er hielt die übliche museale Zusammenstellung von historisch oder sachlich zusammengehörigen Objekten für falsch und schuf, wo das nur anging, ein Milieu: ein Rokokomilieu, Säle, Kostüme, Kunstgewerbe, ein Empiremilieu, ein Renaissancemilieu usw. So bekamen die einzelnen Räume des Museums ihren »Stil«. Was nicht in den »Stil« paßte, wurde ausgeschaltet, und wo zum »Milieu« etwas Wesentliches fehlte, da wurde eine Nachbildung aufgestellt oder hingehängt, von der sich zwar nicht der Laie, wohl aber der Kenner mit Entsetzen abwendet. Es ist viel über das »System« des Nationalmuseums gesprochen und geschrieben worden; die Kunsthistoriker haben es nicht so bedingungslos anerkannt wie harmlose Besucher: unter allen Umständen war es eine höchst originelle Idee, mit dem traditionellen massenhaften Vereinigen zwecklich gleichgearteter Objekte aus verschiedenen Perioden in endlosen Räumen zu brechen und geschlossene Bilder des künstlerischen und kunstgewerblichen Standes der einzelnen Epochen zu geben, die mit dem vollen Reiz des Zusammengestimmten, organisch Lebendigen zu wirken vermochten. Wir glauben nicht, daß die Ausführung der Idee durch Seitz über alle Bedenken erhaben ist oder daß sein System ohne weiteres überall »Schule machen« wird; fraglos aber wird es alle künftigen Museumsbauten beeinflussen und überall da auch an gewendet werden, wo es — vielleicht mit mehr innerer Berechtigung als in München — angewendet werden darf.
Als »Ehrenkonservator« des Bayerischen Nationalmuseums wird Rudolf von Seitz unvergessen sein; denn seinem Findertalent, seinem ordnenden Geschmack und seinem feinen, sicheren Urteil verdankt das Museum einen guten Teil seines wohlbegründeten Ruhmes. Zum zweiten ist ihm die Stadt München verpflichtet, für deren Verschönerung er unermüdlich tätig gewesen ist, sei es durch eigene Werke oder durch weisen Rat zur Erhaltung oft unscheinbarer, aber doch wertvoller Kunstdenkmäler aus alter Zeit, sei es durch seine eifrige Mitarbeit bei der Monumentalbau-Kommission. Mich dünkt, bei soviel echtem Verdienst mindert es den Wert des Toten nicht, wenn man von ihm ehrlich sagt, daß er kein Gefühl hatte für das, was eine jüngere Künstlergeneration wollte und – konnte.
Pietro Aretino.
Allgemeine Zeitung Nummer 27. München; Samstag, den 2. Juli 1910.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Seitz Rudolf, von, 1842 (München) – 1910, Genremaler, Akademieprofessor und Konservator; er war Schüler seines Vaters Franz von S. und der Münchner Akademie, vor allem bei K. von Piloty; zusammen mit Gabriel von Seidl gründete S. ein Atelier für Innendekoration, er war auch Seidls Mitarbeiter bei der Innengestaltung des Bayerischen Nationalmuseums, seit 1883 war S. Konservator am Bayerischen Nationalmuseum, seit 1888 Akademieprofessor, seit 1900 geadelt.
Hauptwerke: vier mythologische Deckengemälde im nordwestlichen Eckpavillon der Münchner Residenz, Kartons zu den Glasfenstem im Sitzungssaal des neuen Münchner Rathauses, Apsisgemälde der St.-Anna-Pfarrkirche in München (Hauptwerk); Altarbilder in der Kirche des neuen Hl.-Geist-Spitals und in der Kapelle der Chirurgischen Klinik an der Nußbaumstraße, Fassadenmalereien am Deutschen Haus am Karlsplatz und am Marienplatz (hl. Onuphrius), Fresken im Rathaus zu Landshut a. d. Isar, allegorische Gemälde im Rathaussaal von Nürnberg und vier Kaiserbilder im Kaiserzimmer der Nürnberger Burg; Ss. Wirken zur Hebung des Kunstgewerbes in München war von ausschlaggebender Bedeutung.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.