SECTION 7

- 7 – 1 – 1 (Lorenz)
- 7 – 1 – 2 (Schäffer)
- 7 – 1 – 4·5 (Kipfmüller · Schäffer)
- 7 – 1 – 6 (Vogl)
- 7 – 1 – 9* (Benz)
- 7 – 1 – 13 (Hailer)
- 7 – 1 – 14 (Hebberling)
- Edmund Hebberling
- Josefine von Hebberling
- Neue Ingolstädter Zeitung (20.8.1873)
- Weilheimer Tagblatt für Stadt und Land (20.8.1873)
- Der Bayerische Landbote (24.8.1873)
- Zweibrücker Zeitung (28.8.1873)
- Weilheimer Tagblatt für Stadt und Land (10.9.1873)
- Fürther Tagblatt (13.9.1873)
- Kemptner Zeitung (14.9.1873)
- Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik (17.9.1873)
- Der Grenzbote (17.5.1874)
- Der Grenzbote (24.5.1874)
- Maximilian Benedikt Hebberling
- 7 – 1 – 17 (Zürn)
- 7 – 1 – 18 (Becker · Gosen)
- 7 – 1 – 21 (Fahrmbacher)
- 7 – 1 – 22 (Zanders)
- 7 – 1 – 23 (Leiss)
- 7 – 1 – 24·25 (Kitzeder · Köll)
- 7 – 1 – 27 (Hohenauer)
- 7 – 1 – 51 (Matulka)
- 7 – 1 – 52·53 (Ruoesch)
- 7 – 1 – 54 (Bolgiano)
- 7 – 2 – 1 (Amsler)
- Samuel Amsler
- Artistisches München im Jahre 1835 (1836)
- Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode (8.12.1838)
- Die bildende Kunst in München (1842)
- Universal-Handbuch von München (1845)
- Gallerie berühmter Schweizer der Neuzeit (1871)
- Allgemeines Künstler-Lexicon (1895)
- Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
- Samuel Amsler
- 7 – 2 – 4 (Erk · Faist · Postl)
- 7 – 2 – 5·6 (Bauer)
- 7 – 2 – 7·8 (Eichheim)
- 7 – 2 – 9 (Schmid)
- 7 – 2 – 19 (Böheim · Hartmann)
- 7 – 2 – 34 (Illing)
- 7 – 2 – 51·52 (Schweykart)
- 7 – 2 – 53·54 (Block · Hanrieder)
- 7 – 3 – 1 (Burlein · Seelmeyr)
- 7 – 3 – 2 (Neumeyer)
- 7 – 3 – 37 (Rüber)
- 7 – 3 – 38·39 (Nordhoff)
- 7 – 3 – 41·42* (Vacchiery)
- 7 – 3 – 43 (Hoch · Lohmüller · Rath)
- 7 – 4 – 3 (Bertenbreiter · Link)
- 7 – 4 – 4 (Hammerschmid)
- 7 – 4 – 23 (Menzinger)
- 7 – 4 – 44 (Bogner · Glötzner · Schierlitz)
- 7 – 5 – 51 (Hermansdorfer)
- 7 – 5 – 56 (Seitz)
- 7 – 6 – 44 (Boller)
- 7 – 6 – 52 (Hannecker)
- 7 – 7 – 2·3 (Arnold)
- 7 – 7 – 4·5 (Niggl)
- 7 – 7 – 7 (Graf)
- 7 – 7 – 55 (Schimm)
- 7 – 8 – 3 (Mayerhöfer)
- 7 – 8 – 4 (Stocker)
- 7 – 8 – 7 (Neumayr)
- 7 – 8 – 10 (Herold)
- 7 – 8 – 23* (Guggumos)
- 7 – 8 – 27* (Spieler)
- 7 – 9 – 2 (Staden)
- 7 – 9 – 5 (Meisinger)
- 7 – 9 – 7 (Melzer)
- 7 – 9 – 9 (Stapf)
- 7 – 9 – 10 (Bauer)
- 7 – 9 – 36 & 38* (Opfer der Pulverexplosion auf dem Oberwiesenfeld)
- 7 – 9 – 56 (Adlmann)
- 7 – 10 – 1 (Hartmann)
- 7 – 10 – 3 (Kienzler · Lizius · Mayer)
- 7 – 10 – 4·5 (Braun)
- 7 – 10 – 15 (Leeb)
- Johann Leeb
- Der Bayerische Landbote (27.7.1831)
- Artistisches München im Jahre 1835 (1836)
- Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode (29.12.1838)
- Universal-Handbuch von München (1845)
- Morgenblatt zur Bayrischen Zeitung (13.7.1863)
- Morgenblatt zur Bayrischen Zeitung (14.7.1863)
- Allgemeine Deutsche Biographie (1883)
- Memminger Chronik (1894)
- Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
- Johann Leeb
- 7 – 10 – 16* (Ziegler)
- 7 – 10 – 39 (Riederer)
- 7 – 10 – 40 (Hofmann)
- 7 – 10 – 52 (Reisner von Lichtenstern)
- 7 – 10 – 54 (Gabelsberger)
- Franz Xaver Gabelsberger
- Bayerische National-Zeitung (5.8.1834)
- Allgemeine Zeitung (5.1.1849)
- Neue Fränkische Zeitung (9.1.1849)
- Der Bayerische Landbote (9.1.1849)
- Der Bayerische Landbote (10.1.1849)
- Deutsche Allgemeine Zeitung (12.1.1849)
- Kemptner Zeitung (12.1.1849)
- Neuer Nekrolog der Deutschen (1851)
- Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
- Franz Xaver Gabelsberger

#7 – 1 – 1 (Lorenz)
Familien Grabstätte
Hier ruhen:
David Lorenz,
bgl. Schriftgießer
geb. d. 11. Okt. 17¿ gest. d. 5. Jan. ¿
dessen erste Gattin
Isabella Lorenz
geb. Zangl
geb. 15. Aug. 178¿, gest. ¿ Dez. 183¿
dessen zweite Gattin
Franciska Lorenz
geb. Fleischmann,
geb. 23. Nov. 1812, gest. 2¿ April 1857
Wiedersehen unsere Hoffnung
unser Trost
- Lorenz, David; 11.10.17¿ – 5.1.1867; Schriftgießer
- Lorenz, Franziska (vh) / Fleischmann (gb); 23.11.1812 – 20.4.1857 (München); Schriftgießers-Gattin
- Lorenz, Isabella (vh) / Zangl (gb); 15.8.178¿ – 5.1.1837 (München), 47 Jahre alt; Schriftgießers-Gattin



#7 – 1 – 2 (Schäffer)
Familiengrab.
Hier ruhen:
Anton Schäffer
Privatier, ehemal. Charkutier,
geb. 27. Febr. 1832, gest. 12. Juni 1886.
Dessen Tochter
Maria Schäffer
geb. 28. März 1862, gest. 11. Juli 1879.
Frau Therese Schäffer
geb. Firschinger, Privatierswittwe
geb. zu Feistenhaar den 18. Nov. 1838,
gest. zu München den 26. Juni 1905.
Wilhelm Schäffer
geb. 6. Aug. 1867, gest. 27. Aug. 1947.
Sockel
Michael Schäffer, Privatier.
geb. 3. Okt. 1803, gest. 20. März 1863.
Theresia Schäffer, Privatierswittwe.
geb. 13. Okt. 1809. gest. 26. Dez. 1884.
7.1.2. Kosenbach
- Schäffer, Anton; 27.2.1832 – 12.6.1886; Privatier, ehemaliger Charkutier
- Schäffer, Maria; 28.3.1862 – 11.7.1879 (München); Garkochs- und Schweinemetzgers-Tochter
- Schäffer, Michael; 3.10.1803 – 20.3.1863; Privatier
- Schäffer, Therese (vw) / Firschinger (gb); 18.11.1838 (Feistenhaar) – 26.6.1905 (München); Privatiers-Witwe
- Schäffer, Theresia (vw); 13.10.1809 – 26.12.1884; Privatiers-Witwe
- Schäffer, Wilhelm [in memoriam]; 6.8.1867 – 27.8.1947



#7 – 1 – 4·5 (Kipfmüller · Schäffer)
Familien-Grabstätte.
Linke Spalte
Hier ruht unser
unvergesslicher Gatte und Vater
Xaver Schäffer,
Privatier,
geb. 25. Novbr. 1813, gest. 5. Dezbr. 1875.
Ihm folgte seine Tochter
Fräulein Vikt. Schäffer,
geb. 29. Novbr. 1853, gest. 28. Novbr. 1886.
Ihnen folgte unsere liebe Mutter
Viktoria Schäffer,
Privatiers-Wittwe,
geb. 20. Jan. 1829, gest. 30. Sept. 1893.
Rechte Spalte
Hier ruht unser innigstgeliebter
unvergesslicher Gatte und Vater
Adolf Kipfmüller,
Premierlieut. u. Bataill.-Adjut.
im I. Fussartill.-Regmt. Bothmer,
Inhab. d. b. Militair.-Verd.-Kreuzes
u. d. Kriegsdenkmünze 1870-71,
gest. 27. Nov. 1885, im 39. Lebensjahre.
Ihm folgte unsere
innigstgeliebte, treubesorgte Mutter
Frau Walburga Kipfmüller
geb. 30. März 1850, gest. 25. Mai 1897.
7.1.4.5. R. Kosenbach.
- Kipfmüller, Adolf; – 27.11.1885; Premierleutnant
- Kipfmüller, Walburga; 30.3.1850 – 25.5.1897
- Schäffer, Viktoria; 29.11.1853 – 28.11.1886
- Schäffer, Viktoria (vw); 20.1.1829 – 30.9.1893 (München); Privatiers-Witwe
- Schäffer, Xaver; 25.11.1813 – 5.12.1875 (München); Privatier, ehemaliger Schweinemetzger




#7 – 1 – 6 (Vogl)
Armin Vogl
¿
Emma Lisa Vogl
¿
- Vogl, Armin
- Vogl, Emma Lisa


#7 – 1 – 9* (Benz)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Benz, Sebastian; – 2.11.1826 (München), 51 Jahre alt; Oberkriegs- und Militär-Administrations-Kommissar
Das Grab ist nicht erhalten
#Sebastian Benz
† 2.11.1826 (München), 51 Jahre alt
Oberkriegs- und Militär-Administrations-Kommissar
#Der Bayerische Volksfreund (7.11.1826)
Nekrolog.
München den 6. Nov. Gestern Sonntag Nachmittags 4 Uhr wurde die Leiche des Hrn. Oberkriegs- und Militär-Administrations-Kommissärs Sebastian Benz, mit dem vorschriftsmäßigen militärischen Leichen-Kondukte auf die feyerlichste Weise zur Erde bestattet. Mehrere Stabsoffiziere des ersten Ranges, viele Offiziere der Garnison und Administrations-Beamte, dann eine große Anzahl Leidtragender aus allen Ständen begleiteten den Sarg des Verschiedenen zur ewigen Ruhe, und diese, so wie die ungewöhnliche Menge Menschen, welche sich um das offene Grab versammelten, haben im tiefsten und staunenden Schweigen des Pastors ernste Leichenrede und die schönen Worte vernommen, daß Er, der in die Gruft Versenkte, einer der Wenigen gewesen, der nicht nur seinen Berufsarbeiten im strengsten Sinne der Pflichterfüllung zugethan, sondern denselben mit ungetheilter Lust und Liebe wie dem Könige bis zu seiner letzten Todesstunde treu ergeben war.
Hat auch keine Mutter an seinem Sarge getrauert, und haben auch keine Kinder an seinem Grabe geweint, so fielen doch Thränen auf dasselbe. Es waren die Thränen der Dankbarkeit und die des allgemein anerkannten amtlichen Verdienstes seiner Freunde, Gönner und Vorgesetzten, die so zahlreich und in tiefster Betrübniß bei dem letzten Ehrengang an seine Gruft gekommen sind.
Wenn ein königl. Beamter mit unverdrossenem Eifer und unermüdeter Dienstes-Anstrengung Gesundheit und Leben dem Vaterlande und seinem Fürsten opfert, ausgezeichnet genannt zu werden verdient, so darf der mit allen diesen Eigenschaften in seinem 51sten Lebensjahre zu früh Dahingegangene von seinen Obern wie von den Untergebenen hochgeehrte, seit 17 Jahren bei der k. Zeughaus-Haupt-Direktion verwendete Oberkriegs- und Militär-Administrations-Kommissär Sebast. Benz um so mehr als ein ausgezeichneter Staatsdiener verehrt und tief betrauert werden, als der Karakter dieses Edeln auch nebst diesen in so seltenem Verein sich befindlichen Tugenden noch durch eine vielumfassende Intelligenz zu dem schönsten Vorbilde eines Staatsbeamten emporgehoben und auch allenthalben gewürdigt worden ist.
Sieben und dreißig volle Dienstesjahre sind es, – und in diesem Zeitraume vielleicht nicht einmal die nöthigen Ruhe- und Erholungsstunden ausgenommen, – welche Er, der stets zu früh Verblichene mit beispielloser Anstrengung und ohne Rücksichtnahme auf seine seit 5 Jahren in Folge einer schwer überstandenen Krankheit schon sehr geschwächten Gesundheit, dem allerhöchsten Dienst mit unbestechlicher Treue gewidmet, und die im Laufe seiner langen, durch die großen Kriegsereignisse verhängnißschweren Dienstesepoche sich rühmlich und anspruchlos erworbenen Verdienste mögen Ihm, dem Verklärten, verbunden mit dem Nachruf eines Biedermannes ein Denkmal auf das friedenvolle Grab erbauen, welches gewiß mehr als ein fürstliches Prachtmonument für die späteste Nachwelt noch unvergänglich fortbestehen wird.
Der Bayerische Volksfreund Nro. 132. München; Dienstag, den 7. November 1826.

#7 – 1 – 13 (Hailer)
Familie
Hailer
- Hailer, Ludwig; – 1886; Königlicher Salinenbuchhalter


#7 – 1 – 14 (Hebberling)
Grabstätte der Familie
Hebberling
Hier ruht an der Seite
seiner Mutter und Schwestern
Maximilian Hebberling
Generalleutnant
geb. 2¿ Juli 1814, gest. ¿. Aug. 1888.
Ihm folgte seine Gattin
Frau Pauline Hebberling
geb. von Krempelhuber
geb. 2¿. Juni 1828, gest. 22. ¿ 1900.
¿ heißgeliebter Sohn
Edmund Hebberling
¿
Sockel
¿
- Hebberling, Edmund; 1.1.1855 – 28.6.1891 (Würzburg); Hauptmann und Batteriechef im 2. Feld-Artillerie-Regiment Horn
- Hebberling, Josefine von; – 15.8.1873 (München), 76 Jahre alt, Opfer eines Raubmords; Hofkammerrats-Tochter
- Hebberling, Maximilian Benedikt; 21.7.1814 (Neuburg a. D.) – 10.8.1888 (München); Generalleutnant
- Hebberling, Pauline Maximiliane Amalia Karoline (vw) / Krempelhuber, von (gb); 2¿.6.1828 – 22.¿.1900; Kaufmanns-Tochter / Generalleutnants-Witwe






#Edmund Hebberling
† 1.1.1855
† 28.6.1891 (Würzburg)
Hauptmann und Batteriechef im 2. Feld-Artillerie-Regiment Horn
#Münchner Neueste Nachrichten (2.7.1891)
Lokales.
München, 1. Juli.
(Beerdigung.) Im südlichen Friedhofe fand heute Nachmittag 4 Uhr die Beerdigung des in Würzburg nach schwerem Leiden verstorbenen Hauptmanns und Batterie-Chefs im 2. Feld-Artillerie-Regiment, Edmund Hebberling, statt. Dem von 6 Artillerie-Unteroffizieren getragenen, mit Helm und Säbel, sowie Blumen und Kränzen, darunter solchen von den Offizierskorps der Feld-Artillerie-Regimenter Nr. 2 und 3, reich geschmückten Sarge folgte nach den nächsten Verwandten eine Offiziersdeputation des 2. Feld-Artillerie-Regiments, dann kam der Kommandeur der 1. Feld-Artillerie-Brigade, General-Major v. Malaisé mit zahlreichen Offizieren. Da die hier garnisonirende Artillerie z. Z. auf dem Lechfelde ist, erwies eine mit dem Trompeterkorps ausgerückte Schwadron schwerer Reiter die letzten Ehren. Der Verstorbene war im Jahre 1855, als Sohn des spätern Kommandanten des Kadettenkorps, Generals v. Hebberling, geboren, wurde im Kadettenkorps erzogen, im Jahre 1873 zum Sekondlieutenant, 1883 zum Premierlieutenant im 3. Feld-Artill.-Regmt. ernannt und 1888 zum Hauptmann im 2. Feld-Art.-Regmt. befördert, welches in ihm einen tüchtigen Offizier verliert.
Münchner Neueste Nachrichten No. 292. Donnerstag, 2. Juli 1891.
#Josefine von Hebberling
† 15.8.1873 (München), Opfer eines Raubmords
Hofkammerrats-Tochter
#Neue Ingolstädter Zeitung (20.8.1873)
Allgemeine Bestürzung hat der gestern gemeldete in der Amalienstraße verübte Raubmord hervorgerufen, welchem eine hochbejahrte Dame, die 77jährige Hofkammerrathstochter Frl. Josepha Hebberling, zum Opfer fiel. Die das Verbrechen begleitenden Umstände sind grauenerregend. Die That geschah gestern Nachts 2 Uhr und zwar in folgender Weise: Der Mörder gelangte in den Hofraum des Hauses Nr. 6 an der Amalienstraße jedenfalls dadurch, daß er vom Bauplatze der neuen protestantischen Kirche an der Gabelsbergerstraße ein paar Gartenmauern überstieg. Im Hofraume selbst befinden sich ein paar Feuerleitern, deren eine er an das offene Küchenfenster der im zweiten Stocke befindlichen Wohnung des Frl. Hebberling anlegte und durch dasselbe einstieg. Er überfiel nun sogleich sein unglückliches Opfer, aber zugleich war auch die Köchin, ein junges, vor einigen Tagen erst in den Dienst eingetretenes Mädchen, erwacht und war im Begriff Lärm zu machen, als der Mörder sie packte und mit aufgehobenem Beile drohte, sie sofort zu erschlagen, wenn sie den geringsten Laut von sich gebe; wenn sie ruhig bleibe, wolle er ihr das Leben schenken. Das natürlich auf den Tod erschrockene Mädchen ließ sich von der Drohung nicht nur einschüchtern, sondern ließ es sich auch gefallen, daß der Mörder sie in ihre Kammer einschloß. Frl. Hebberling ward mit dem Beile der Schädel zertrümmert, so daß sie jedenfalls gleich bewußtlos war; sie starb Morgens gegen 7 Uhr. Die Beute des Mörders besteht, soweit bis jetzt ermittelt, in einigen Obligationen, darunter ein Pfandbrief zu 500 fl., Schmucksachen, Silberzeug und einigem Baargeld, zusammen im Werthe von etwa 1500 fl., welches alles er in ein Kästchen oder Cassette packte und dann den Rückweg über die Stiege nahm, das hintere Hausthor aufschloß und dann durch die Gärten flüchtete. Die leere Cassette ward gestern früh an der Glypkothek aufgefunden. Daß der Mörder mittels einer Leiter einstieg und dann den Rückweg durch das Hofthor nahm, läßt vermuthen, daß er wohl einen Schlüssel zu diesem, nicht aber zur Wohnung des Frl. Hebberling hatte, obwohl im ganzen Hause kein Schlüssel zu jenem Hofthore abgängig ist. Auch bis heute ist noch keine Spur des Verbrechers aufgefunden.
Neue Ingolstädter Zeitung Nr. 188. Mittwoch, den 20. August 1873.
#Weilheimer Tagblatt für Stadt und Land (20.8.1873)
Vermischtes.
München, 16. Aug. Unsere Stadt durchläuft die schauerige Kunde eines entsetzlichen Verbrechens. Gestern Nachts zwischen 12 und 1 Uhr wurde die im Hause des Photographen Pössenbacher in der Amalienstraße wohnende Privatiere Fräulein v. Hebberling, eine alte Dame, in ihrer Wohnung überfallen, durch einen Schlag aus den Kopf getödtet und dann ausgeraubt, während man ihre Köchin geknebelt hielt, so daß dieselbe mit dem Schrecken davonkam. Die Thäter bedienten sich zum Einsteigen einer Leiter vom Hofe aus, woraus sich vermuthen läßt, daß es mit den Lokalitäten gänzlich bekannte Leute gewesen seien, die hoffentlich rasch ermittelt und ergriffen werden können. Die Aufregung im Hause der That, wie in der ganzen Nachbarschaft ist begreiflicherweise eine sehr große, denn das Verbrechen ist um so kühner, als das Pössenbacher’sche Haus wie die ganze Amalienstraße dicht bewohnt ist und die Mörder zwei Stock hoch hinaufklettern mußten. Man klagt allgemein über die zu geringe Anzahl unserer Sicherheitsorgane, und es wäre höchste Zeit, daß der Magistrat eine zeitgemäße Vermehrung der Sicherheitsmannschaft, koste es was es wolle, anregte und durchführte, denn Sicherheit der Person und des Eigenthums ist eine der berechtigtsten Forderungen des Einwohners, namentlich in den großen Städten, die, wie jeder Polizeimann leider erfahren muß, von Jahr zu Jahr ein größeres Contingent von Gesindel aufzuweisen haben.
Weilheimer Tagblatt für Stadt und Land No. 188. Mittwoch, den 20. August 1873.
#Der Bayerische Landbote (24.8.1873)
Lokales.
Bei dem in der Nacht vom 15. auf den 16. d. Mts. an der Hofkammerrathstochter Josephine Hebberling dahier verübten Raubmord kamen außer verschiedenem Silberzeuge, meist veralteter Form, alten Schmuckgegenständen und einer goldenen Damenuhr mit dünner, goldener Kette, dann außer einigen alten Münzen, insbesondere 3 Conventionsthalern alten bayer. Gepräges mit dem Marienbilde und einem alten sächsischen Thaler, auf der einen Seite mit drei, auf der anderen mit zwei Brustbildern, welche Münzen sich in einem etwa 16 Centm. langen, oben breiten und nach unten spitz zulaufenden Geldbeutel aus grünem Stoffe mit rother Einfassung und breitem Schlosse befunden hatten, auch noch eine Menge Werthpapiere und Coupons abhanden. Auf die Entdeckung des Verbrechers, welcher in der Nacht vom 15. auf 16. l. Mts. Fräulein Hebberling ermordet und beraubt hat, ist eine Belohnung von 200 fl. ausgesetzt.
Der Bayerische Landbote No. 198. München; Sonntag, den 24. August 1873.
#Zweibrücker Zeitung (28.8.1873)
München. Bei dem in der Nacht vom 15. auf den 16. d. M. an der Hofkammerrathstochter Frl. Josephine Hebberling dahier verübten Raubmorde sind außer verschiedenem Silberzeuge, alten Schmuckgegenständen und einer goldenen Damenuhr noch Werthpapiere im Betrage von etwa 2570 fl , sowie ein Revers der bayer. Hypotheken- und Wechselbank über ein Depositum von 20,000 fl., lautend auf den Obersten Max Hebberling, abhanden gekommen. Auf die Entdeckung des noch nicht ermittelten Täters ist ein Preis von 200 fl. gesetzt.
Zweibrücker Zeitung No. 201. Donnerstag, den 28. August 1873.
#Weilheimer Tagblatt für Stadt und Land (10.9.1873)
Die Prämie auf Ermittlung des Mörders des Frln. Hebberling ist vom Staatsministerium des Innern auf 500 Gulden erhöht worden.
Weilheimer Tagblatt für Stadt und Land No. 205. Mittwoch, den 10. September 1873.
#Fürther Tagblatt (13.9.1873)
Der Mörder des Frl. Hebberling in München soll in Bamberg beim Umwechseln eines geraubten Pfandbriefes ergriffen worden sein. Derselbe soll ein Verwandter der Ermordeten sein!
Fürther Tagblatt No. 220. Samstag, den 13. September 1873.
#Kemptner Zeitung (14.9.1873)
München, 11. Sept. Der Mörder der Frl. Hebberling soll entdeckt sein in der Person eines Vetters und ehemaligen Lieutnants. Derselbe wurde in Bamberg verhaftet als er eine (geraubte?) Obligation versilbern wollte.
Kemptner Zeitung No. 214. Sonntag, den 14. September 1873.
#Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik (17.9.1873)
Von der Familie Hebberling geht uns folgende Einsendung zu: »Das in mehreren Blättern mitgeteilte Gerücht, als sei in Bamberg ein des an Frl. J. B. verübten Raubmordes verdächtiges Individuum und zwar ein Verwandter desselben, ein (ehemaliger) Offizier verhaftet worden, beruht auf Unwahrheit. Nach eingezogenen Erkundigungen wurde in Bamberg überhaupt kein dieses Mordes Verdächtiger verhaftet. Abgesehen davon existiert in unserer Verwandtschaft selbst nach den weitesten Begriffen dieses Wortes Gottlob kein Individuum, zu dem man sich einer solchen Unthat verstehen könnte, insbesondere aber auch kein ehemaliger Offizier.«
Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik. München; Mittwoch, den 17. September 1873.
#Der Grenzbote (17.5.1874)
Oberbayerische Schwurgerichtssitzung.
München, 6. Mai. Vor dem oberbayerischen Schwurgerichte begann heute die Verhandlung gegen den 35jährigen Porzellandreher Heinrich Stöhr aus Burgberg, Gerichts Lichtenfels in Oberfranken, dem schwere Reate zur Last gelegt sind, darunter der Raubmord an Frl. von Hebberling, welcher seiner Zeit unter den Bewohnern unserer Stadt große Entrüstung verursacht hatte.
Die thatsächlichen Momente sind folgende: Am 15. August v. Js. ungefähr um Mitternacht hörte die Magd der Frl. Hebberling, welch‘ letztere den zweiten Stock des Hauses Nr. 6 an der Amalienstraße bewohnte, heftig schellen; sie kleidete sich rasch an und wollte durch das Küchenzimmer zu ihrer Herrin. Zu ihrem Erstaunen fand sie die von der Küche in den Hausgang führende Thüre von Außen verschlossen; sie rüttelte und klopfte an der Thür und rief dem Fräulein. Nach ein paar Minuten war die Thür geöffnet und vor ihr stand zu ihrem Entsetzen ein Mann, in der einen Hand ein Licht, in der andern ein Beil, ohne Fußbegleitung in Hemdärmel, den Kopf mit einer Larve verdeckt, durch welche nur die Augen, die Nase und ein Theil des Schnurrbartes sichtbar waren; um auch an den Beinkleidern nicht erkannt zu werden, hatte der Mann über dieselben einen Frauenrock gezogen, welcher auf dem Küchentische lag und der Magd Josepha Kreitmeier gehört. Er sagte zur Letzteren: »Sind Sie ruhig, es geschieht Ihnen Nichts«, und sperrte die Küchenthüre hinter ihr wieder ab. Josepha Kreitmeier weiß vor Schrecken nicht mehr, wie sie an das Bett der Hebberling kam; diese lag wie leblos da und Kreitmeier bemerkte sofort, daß sie am Kopfe verwundet war.
Inzwischen hatte der Mann, welcher im Salon Licht und Leuchter genommen und die Schlüssel zu den einzelnen Behältnissen in der Wohnung gefunden, begonnen, in allen Räumlichkeiten herumzuleuchten und die Kästen, Schränke etc. zu öffnen. Nach einigen Minuten fragte er: »Wo ist das Geld?« Fräulein Hebberling richtete sich auf, schaute auf den im Wohnzimmer stehenden Sekretär und sagte zur Magd die einzigen Worte vor ihrem Tode: »Thu dies herunter«, wobei sie auf ein ihr gegenüberhängendes Oelgemälde deutete, auf welchem der bereits abgerissene Glockenzug lag. Die Kreitmeier folgte diesem Befehle, Frl. Hebberling wollte nach dem Glockenzug greifen, der Fremde aber rieß denselben von der Wand weg und legte ihn auf einen Stuhl. Hierauf setzte er das Suchen fort und als er sich in das Speisezimmer begab, hob er die vom Alkoven dahin führende Thüre aus den Angeln und lehnte sie an den Ofen vom Speisezimmer, um auf diese Weise die Hebberling und deren Magd nicht aus den Augen zu verlieren. Ehe er in das Speisezimmer trat, wickelte er die in den vorderen Zimmern genommenen Gegenstände in einen Teppich, womit der Tisch des Wohnzimmers bedeckt gewesen war.
Nachdem er ungefähr eine Stunde lang gesucht hatte, richtete er die genommenen Werthsachen nebst einer kleinen hölzernen Kasette zu einem Pack zusammen und entfernte sich dann durch den Hausgang, dessen Ausgangsthür er sorgfältig abgesperrt hatte, mit einer brennenden Kerze über die Stiegen hinunter durch die hintere Hausthür, deren Schlüssel auf einem Tische in der Küche der Hebberling’schen Wohnung lag. Vom hinteren Hofraum stieg der Räuber über die Planke in den angrenzenden Garten und gelangte dann über den Bauplatz der neuen protestant. Kirche in die Gabelsbergerstraße. An der Planke des fraglichen Gartens hatte er den Rock der Kreitmeier und die Stearinkerze zurückgelassen und eine Woche später wurden auf dem erwähnten Bauplatz ein Beil und ein Stemmeisen gefunden, die dort versteckt waren.
In der Hebberling’schen Wohnung ließ der Räuber ein mit D. G. gemerktes Sacktuch zurück, offenbar in der Absicht, um die Verfolgung auf eine falsche Spur zu leiten. Den Weg zur Wohnung der Frl. Hebberling machte der Räuber durch die benachbarten Gärten, lehnte eine 30 Fuß lange Leiter, welche am nebenanstehenden Atelier zur Befestigung des Blitzableiters angebracht war, an das Hauptgebäude gerade unter dem Fenster der Hebberling’schen Küche, von dessen Brüstung die oberste Stufe der Leiter noch etwa 3 Schuh entfernt war. Von da aus schwang er sich an dem zum Wasseraufzuge gehörigen Seiles zum Küchenfenster, durch welches er in die Küche selbst gelangte.
Die 76 Jahre alte Frl. Hebberling verlor, nachdem sie die oben angeführten Worte zur Magd gesprochen, sofort das Bewußtsein, das auch nicht mehr zurückkehrte. Der gegen 2 Uhr Morgens gerufene Arzt fand sie mit Blut überströmt, eine Rettung war unmöglich und um 6¼ Morgens trat der Tod ein. Die Unglückliche erhielt nach dem ärztlichen Gutachten mit einem Handbeile einen wuchtigen Schlag auf die rechte Scheitelgegend, wodurch ein gewaltiger Sprung im Schädel veranlaßt wurde, der in der Mitte des ersten Scheitelbeines begann und von da bis in die rechte Hälfte der Hinterhautschuppe sich fortsetzte. Verletzungen, welche unter allen Umständen den alsbaldigen Tod zur Folge haben mußten.
Auf ähnliche Weise wie bei Frl. Hebberling wurde im ersten Stocke des Oekonomie-Anwesens der 83 Jahre alten Stadtkämmererswittwe, K. Bösner zu Regensburg eingebrochen, wobei es jedoch nur beim bloßen Versuche räuberischer Erpressung blieb. Dortselbst trat in der Nacht zum 7. Juni v. Js. ungefähr um 1 Uhr auf einmal in das Schlafzimmer der Bösner und deren Tochter ein Mann mit einer sogen. Spitzbuben-Larve angethan, barfuß in der einen Hand ein Licht, in der andern ein Handbeil und verlangte sofort 300 fl. Während nun die Tochter dem Eindringling erklärte, daß sie dieses Geld nicht habe, wurde auch ihre Mutter wach, worauf der Vermummte drohend das Beil mit den Worten erhob: »Heraus du Alte, 300 fl. muß ich haben.« Die beiden Frauen hatten jedoch den Muth, über den Mann herzufallen und entwanden demselben nach mörderischen Ringen das Beil, wobei die Karolina Bösner fortwährend um Hilfe schrie, was den Banditen mit Zurücklassung des Beiles zur Flucht veranlaßte.
Stöhr gesteht auch dieses Reat und behauptet nur, daß er weder Gewalt angedroht, noch gebraucht, sondern in seiner Noth nur um 20–30 fl. gebeten habe. Die alte Frau erlitt bei dem Ueberfall einen solchen Todesschrecken, daß sie seitdem mit einer Irritation des Nervensystems zu kämpfen hat und ein ärztliches Zeugniß bekundet, daß sie als Zeugin nicht erscheinen könne, denn der Anblick des raffinirten Räubers würde auf ihren Gesundheitszustand einen nachtheiligen Einfluß üben. Dem Angeklagten sind noch drei weitere Reate zur Last gelegt, die er aber, da ihm deren Verübung nicht direkt nachgewiesen werden kann, hartnäckig leugnet.
(Schluß folgt.)
Der Grenzbote Nro. 20. Sonntag, den 17. Mai 1874.
#Der Grenzbote (24.5.1874)
Oberbayerische Schwurgerichtssitzung.
(Raubmord an Frl. Hebberling.)
(Schluß.)
Allein bei der Gleichartigkeit der Ausführung und dem Umstande, daß der Verbrecher in die Wohnungen bejahrter und alleinstehender Damen eingedrungen, wobei es nur dem Zufälle zuzuschreiben ist, daß dieselben nicht, gleich wie Frln. Hebberling, dem Mörder zum Opfer fielen, lassen mit Recht annehmen, daß Stöhr der Thäter ist.
Der erste Fall betrifft einen nächtlichen Besuch in der Hochparterre-Wohnung der 60 Jahre alten Gräfin Askanie v. Berchem (Türkenstraße 84). In der Nacht zum 19. Februar v. Js. Morgens 3 Uhr hörte die Gräfin in dem an ihr Schlafzimmer anstoßenden Eckzimmer ein Geräusch, glaubte anfänglich das Dienstmädchen sei schon mit Einheizen beschäftigt, schöpfte aber dann doch Verdacht, sah durch’s Schlüsselloch hinaus und bemerkte, daß ein Licht im Zimmer sei. Sie rief: »Kathi, bist Du’s?« worauf sofort das Licht erlosch. Sie eilte nun auf der andern Seite des Schlafzimmers in das Zimmer ihrer zwei Dienstmädchen und befahl ihnen aufzustehen. Die Thüre, welche vom Zimmer der Mädchen in die Garderobe und von dieser in den Gang führt, war offen, woraus hervorgeht, daß der Dieb, welcher sich in der Wohnung ungefähr ein und eine halbe Stunde aufgehalten haben mag, auch in das Zimmer der Mägde gekommen ist. Einiges Silberzeug, welches er bereits zusammengerafft und in einer Serviette eingewickelt hatte, ließ er bei seiner Flucht zurück, desgleichen auch hier ein Beil, ein Stemmeisen und ein langes Messer, endlich zwei Lappen einer gewirkten Jacke oder Unterhose mit dem Zeichen B. 4., ohne Zweifel, um auch hier den Verdacht auf eine falsche Spur zu lenken. Ein paar Geldrollen dagegen im Betrage von über 100 fl. und ein Portemonaie mit kleiner Baarschaft und einige andere unbedeutende Gegenstände waren verschwunden. Der Dieb war, wie vorgefundene Fußspuren zeigten, von der Jägerstraße aus, wo damals Stöhr wohnte, über eine Planke in den Garten der preuß. Gesandtschaft gelangt, von diesem über einen Zaun in den Hausgarten der Gräfin Berchem und von da in jenem Hoftheil, auf welchen zwei Fenster des Speisezimmers herausgingen, die eingedrückt waren.
Ein weiteres Verbrechen des Versuches zu einem Verbrechen des Raubes, wovon Stöhr gleichfalls nichts wissen will, wurde am 24. Januar v. Js. an der 62 Jahre alten Metzgersfrau Rosalia Hummel verübt, welche ganz allein im vierten Stock des Hauses Nr. 19 am Marienplatze dahier wohnt. Als diese Frau am erwähnten Tage Abends halb 7 Uhr heimkam, wunderte sie sich, daß die Hausthüre noch offen war, da diese im Winter regelmäßig um 6 Uhr geschlossen wird. In ihrer Wohnung angekommen, kleidete sie sich um und hörte alsbald schellen. In der sicheren Erwartung, daß ihr Schwiegersohn Ig. Holzer von Augsburg, welcher damals bei ihr auf Besuch war, heimlich gekommen sey, öffnete sie, das Oellämpchen im Hausgange auf den Boden stellend, die Thüre und sagte: »Heute kommst Du aber beizeiten etc.« Sie erhielt keine Antwort und sah auch Niemand im Stiegenhause. Sie ging nun etwas vorwärts, um hinauszusehen: von da an hört ihr Bewußtsein über das, was weiter vorging, auf. Ihr Schwiegersohn kam ungefähr um 7 Uhr heim und als ihm auf zweimaliges Läuten nicht geöffnet wurde, war er der Meinung, seine Schwiegermutter sey ausgegangen. Er holte einen Schloßer, und als er wieder zurückkam, war die Wohnungsthüre halb offen, Rosalia Hummel lag bewußtlos auf dem Boden des Hausganges; das Gesicht war ganz blau und an den Ohren, sowie am Halse, zeigten sich deutlich Spuren von Eindrücken, und das ärztliche Gutachten nimmt an, die alte Frau habe wahrscheinlich einen heftigen, wegen des Chignons keine Spuren zurücklassenden Schlag auf den Kopf erhalten und sey hierauf so lange gedrosselt worden, bis sie bewußtlos zusammenfiel. Die Besinnungslosigkeit hielt eine ganze Woche mehr oder minder ausgeprägt an, jetzt aber ist der Gesundheitszustand der schwer mißhandelten alten Frau wieder hergestellt, ohne daß irgend ein Nachtheil geblieben ist. Nach allen Umständen wurde die Vergewaltigung nur in der Absicht rechtswidriger Zueignung vorgenommen, wobei jedoch der Räuber durch die unerwartete Heimkunft des Kaufmannes Ig. Holzer versprengt wurde. Sehr gravirlich für Stöhr ist der Umstand, daß er die Lebensgewohnheiten und Verhältnisse der Hummel genau wußte und eine sog. Diebslarve in der Wohnung der letzteren gefunden wurde, wie Stöhr sie bei derlei Exkursionen zu benützen pflegte.
Endlich das letzte Reat bildet einen Einbruchsdiebstahl im Pfarrhofe zu Bobingen. Als in der Christnacht 1872 Hr. Pfarrer Schmid von der sog. Mette heimkam, gewahrte er, daß mittlerweile (auch seine 62jährige Schwester war in der Kirche und der Pfarrhof während des Gottesdienstes von den Bewohnern verlassen) eingebrochen, Behältnisse und verschiedene Gemächer aufgesprengt und daraus Silberlöffel, Loose und Baargeld, letzteres im Betrage von etwa 60 fl., gestohlen worden waren. Auch an dieser Stelle blieb der abgebrochene Stiel eines Handbeiles zurück und in dem aufgesprengten Pult fand sich eine rothe Diebsmaske vor. Stöhr, dem dieser Einbruch zur Last gelegt ist, hatte die Zeit, um jeden Verdacht wegzubringen, derart benutzt, daß er schon am andern Morgen dahier bei seiner Geliebten, die er ausnahmsweise am Tage vorher nicht besuchte, erschien, wobei er ihr Geld gab. Was ihn jedoch am meisten verdächtigt, ist der Umstand, daß in seinem Notizbuch auch die Nummern der obigen Loose verzeichnet sind. Er will heute glauben machen, er habe die Loose schon im Oktober 1872 von einem unbekannten Packträger gekauft, was um so weniger möglich ist, als sie damals noch gar nicht gestohlen waren.
Der k. Staatsanwalt Hr. Hindringer leitete die Begründung der Anklage mit einer allgemeinen Charakteristik des Angeklagten ein. Als die Einzelnheiten des Hebberling’schen Mordes bekannt wurden, habe die ganze Stadt ein Gefühl der Unsicherheit beschlichen und man habe sich gesagt: Vor dem Menschen, der das gethan, ist Niemand sicher, der dringt in jedes Stockwerk eines Hauses ein; ausgerüstet mit Mordwerkzeugen scheut er nicht die Anwesenheit von Menschen, und wenn ihm bei Ausführung seiner Diebspläne Jemand in den Weg tritt, erschlage er ihn. Die beispiellose Kaltblütigkeit und Berechnung, womit er bei seinen Verbrechen gehandelt, zeige, daß nie ein gefährlicherer Mensch als der, den man den Hebberling-Mörder nenne, auf der Anklagebank gesessen sei. Gestern Morgen, ehe er in das Schwurgerichtsgebäude geführt wurde, habe er sich ohnmächtig gestellt, der Gerichtsarzt jedoch dies sofort als Simulation erklärt. Ebenso habe er sich in der Verhandlung als Heuchler gezeigt, dessen Thränen jedoch Niemanden zu täuschen vermögen. Nach diesen einleitenden Worten sah sich Herr Staatsanwalt mit Rücksicht auf das Ergebniß der öffentlichen Verhandlung veranlaßt, über das Erkenntniß des Appellationsgerichtes, welches den Angeklagten nur wegen Raubes verwiesen, hinauszugehen und den Antrag auf Schuldig des Mordes zu stellen, da die Ausrede des Stöhr, er habe die Josephine Hebberling nur betäuben wollen, eine unstichhaltige ist, vielmehr angenommen werden muß, derselbe habe nach der ganzen Vorbereitung und Durchführung der räuberischen Handlung, insbesondere nach dem wuchtigen Schlag, welchen derselbe auf die im Bette liegende Greisin geführt, Letztere um’s Leben bringen wollen.
Der Vertheidiger, Herr Dr. Blab jun., dagegen plaidirte in einem mit großer Eloquenz durchgeführten Vortrage auf Todtschlag, welchem Ansinnen die Geschwornen auch beipflichteten; die übrigen Schuldfragen wurden gleichfalls sämmtlich bejaht. Der Gerichtshof erkannte demgemäß auf lebenslängliches Zuchthaus und dauernden Verlust der Ehrenrechte.
Der Grenzbote Nro. 21. Sonntag, den 24. Mai 1874.
#Maximilian Benedikt Hebberling
* 21.7.1814 (Neuburg a. D.)
† 10.8.1888 (München)
Generalleutnant
#Jahresberichte über die Veränderungen und Fortschritte im Militärwesen (1889)
Nekrologe von im Jahre 1888 verstorbenen hervorragenden Offizieren
Max Benedikt Hebberling,
Königlich Bayerischer Generallieutenant z. D.Geb. 21. Juli 1814 zu Neuburg a. d. D.; gest. 10. August 1888 zu München.
Sohn eines Königlichen Hofkammerrathes, trat er nach absolvirtem Cadettencorps 1834 den 31. Juli als Junker des 15. Infanterie-Regiments in die Armee und wurde 1835 den 28. October zum Unterlieutenant im Regiment befördert. 1837 als Inspectionsoffizier ins Cadettencorps commandirt, verrichtete er daselbst von 1842 bis 1844 Adjutantendienste, wurde 1846 den 29. Mai zum Oberlieutenant befördert, vermählte sich in diesem Jahre mit Pauline v. Krempelhuber, aus welcher Ehe nebst der Wittwe mehrere Töchter und ein Sohn als Artillerie-Premierlieutnant leben, und wurde 1847 den 21. Mai zum Infanterie-Leibregiment versetzt. 1849 den 9. October zum Hauptmann 2. Klasse im 8. Infanterie-Regiment »Sekkendorf« befördert, dort 1855 den 31. März Hauptmann 1. Klasse, wurde er 1859 den 9. März Major im 10. Infanterie-Regiment, 1861 den 22. October zum 15. Infanterie-Regiment versetzt, und 1862 den 11. September zum Vorstand und Commandanten der seit vier Jahren erst errichteten Kriegsschule in München ernannt. 1866 den 20. Mai bei zeitweiliger Auflösung der Kriegsschule, zum 1. Infanterie-Regiment versetzt, bald mit der Führung des 4. Jäger-Bataillons beauftragt, machte er mit demselben den Feldzug 1866, besonders die Gefechte bei Uettingen-Waldbrunn, mit, und wurde unterm 17. August dieses Jahres zum Oberstlieutenant und Bataillonscommandeur befördert, jedoch bereits 1867 den 7. Februar bei der Neuorganisation der Militär-Bildungsanstalten zum Commandanten des Cadettencorps ernannt. 1870 den 1. Februar zum Obersten befördert, hatte er vom 1. Mai desselben Jahres an die Inspection der Militär-Bildungsanstalten mit zu versehen. Im Kriege 1870/71 wurde er zum Truppencommandanten der Festung Ulm (rechtes Ufer) ernannt, aber bereits 22. September 1870 wieder als Commandant des Cadettencorps zurückbeordert. 1873 den 26. Januar zum Commandanten der Festung Ingolstadt, am 1. Mai des Jahres Generalmajor und Commandeur der 4. Infanterie-Brigade, wurde er 1874 den 22. December im Reichsdienst zum Commandanten der Festung Ulm ernannt, 1875 à la suite der Armee gestellt, 1878 den 1. December zum Generallieutenant charakterisirt und ist 1882 den 26. November in Pension getreten, unter Anerkennung der nahezu fünfzigjährigen, mit Eifer und Treue geleisteten Dienste und mit Verleihung des Prädikates »Excellenz«. Vorzugsweise in militärisch-pädagogischer Art thätig, verstand es der stattlich schöne Mann, mit der nöthigen militärischen Strenge Humanität und Bildungsformen gut zu verbinden, und wirkte hierdurch anregend auf die Jugend. Das Comthurkreuz des Militär-Verdienst-Ordens, das Ritterkreuz des Michael-Ordens, der Preußische Kronen-Orden und das Comthurkreuz 1. Klasse des Württembergischen Friedrich-Ordens zierten seine Brust. K.
Jahresberichte über die Veränderungen und Fortschritte im Militärwesen. Berlin, 1989.

#7 – 1 – 17 (Zürn)
Hier ruhen
General Max Zürn
und
seine Ahnen
- Zürn, Auguste; – 1885
- Zürn, Max; General


#7 – 1 – 18 (Becker · Gosen)
FAMILIENGRABSTÄTTE
BECKER UND V. GOSEN
- Becker, Elise (vw); – 14.2.1902 (München), 81 Jahre alt; Leibarzt-Witwe
- Gosen, Julius von, Dr.; – 21.7.1874 (Augsburg), 35 Jahre alt; Redakteur der Allgemeinen Zeitung

#Dr. Julius von Gosen
† 21.7.1874 (Augsburg), 35 Jahre alt
Redakteur der Allgemeinen Zeitung
#Allgemeine Zeitung (22.7.1874)
Verschiedenes.
Augsburg, 21 Juli. Die Redaction der »Allg. Ztg.« ist von einem schweren Verlust betroffen worden. Hr. Dr. Julius v. Gosen, seit dem November 1869 Mitglied der Redaction, ist heute Morgen um 6 Uhr nach zehnwöchigem Krankenlager an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. In noch jugendlichem Alter – er hatte kaum das 35. Lebensjahr zurückgelegt – sinkt mit ihm ein Mann ins Grab der sich durch eine ungewöhnlich reiche wissenschaftliche Bildung, durch die vortrefflichsten Eigenschaften des Geistes und Herzens schon frühzeitig vor vielen seiner Altersgenossen hervorgethan und während seiner mehr als fünfjährigen Mitarbeiterschaft an der »Allg. Ztg.« seine außerordentliche Befähigung für die Publicistik in hervorragender Weise bethätigt hatte. Mit feuriger Seele und nationaler Begeisterung war er am Redactionspulte den Großthaten unserer vaterländischen Heere während des deutsch-französischen Krieges gefolgt (wovon er in einem großem, in Gemeinschaft mit Dr. Hirth unternommenen und von der Kritik einstimmig als mustergültig anerkannten, Werke das glänzendste Zeugniß ablegte) und hatte sich später, nachdem unsere Armeen ihre siegreiche Arbeit vollendet, mit besonderer Vorliebe der Erörterung der staats- und völkerrechtlichen Fragen gewidmet welche mit der Neugestaltung des Deutschen Reiches zusammenhängen und wofür ihn seine mit Eifer und Vorliebe gepflegten fachwissenschaftlichen Studien in vorzüglicher Weise befähigten. Was ihn der Redaction der »Allg. Ztg.« besonders lieb und schätzenswerth machte, war sein rastloser, auch unter den größten Anstrengungen nicht ermüdender Fleiß, seine Pünktlichkeit, seine Gewissenhaftigkeit, sein in jeder Beziehung ehrenhafter und makelloser Charakter. Den tiefen Schmerz seiner jugendlichen Gattin, mit welcher er vier Jahre in der glücklichsten Ehe lebte, und das herbe Geschick seiner beiden im zartesten Knabenalter zurückgelassenen Waisen zu würdigen, entzieht sich unserer Feder. Wir würden aber unserer Pflicht zu fehlen glauben, wenn wir an dem frischen Grabe unseres so früh dahin geschilderten Collegen und Mitstreiters hier nicht öffentlich ein Zeugniß der tiefen Achtung, Liebe und Dankbarkeit niederlegten, mit welchem wir sein Andenken über Tod und Grab hinaus für alle Zeiten in Ehren halten werden. Die Redaction der »Allg. Ztg.«
Allgemeine Zeitung Nr. 203. Augsburg; Mittwoch, den 22. Juli 1874.

#7 – 1 – 21 (Fahrmbacher)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Fahrmbacher, Julius; – 15.1.1877 (München), 35 Jahre alt; Rechtsconcipient
- Fahrmbacher, Maria; – (31).12.1898 (München), 55 Jahre alt; Rats-Tochter



#7 – 1 – 22 (Zanders)
Familie Zanders.
Hier ruhet in Gott
unser theurer innigstgeliebter
Gatte und Vater, Herr
Johann Theodor Zanders,
Königlicher Confectmeister a. D.
geb. 4. Mai 1835, gest. 2. April 1891.
Ihm folgte dessen Gattin
unsere liebe gute Mutter
Frau Elise Zanders
geb. 22. Jan. 1848. gest. 24. Sept. 1925.
7.1.22. Babenstuber.
Rechte Seite
Joh. Th. Zanders,
k. Confectmeisters-Soehnchen,
geb. am 16. September 1876, gest. am 19. Oktober 1876.
- Zanders, Elise (vw); 22.1.1848 – 24.9.1925; Konfektmeisters-Witwe
- Zanders, Johann Theodor; 16.9.1876 – 19.10.1876; Konfektmeisters-Sohn
- Zanders, Johann Theodor; 4.5.1835 – 2.4.1891; Konfektmeister


#7 – 1 – 23 (Leiss)
Hier ruhet in Gott
Herr Anton Leiss
kgl. Hof-Kupferschmidmeister,
geb. 5. Nov. 1845 zu Neu-Oetting,
gest. 7. Mai 1889 zu München.
Frau Brigitta Leiss
geb. 14. Jan. 1846. gest. 20. Aug. 1938.
Unser lieber Sohn
Fritz Leiss
geb. 6. Dezember 1884.
gest. 3. Juni 1905.
Grabstätte
der Familie Leiss.
Rechte Seite
Hier ruhen in Gott
unsere lieben Kinder
Emilie,
geb. 5. Mai 1874, gest. 20. April 1877.
Anton,
geb. 25. Dez. 1876, gest. 7. Febr. 1882.
Johann,
geb. 24. Jan. 1878, gest. 17. Febr. 1882.
Karl,
geb. 4. Nov. 1879, gest. 20. Febr. 1882.
Pauline,
geb. 21. Juni 1881, gest. 14. Febr. 1882.
A. Lallinger.
- Leiss, Anton; 5.11.1845 (Neu-Ötting) – 7.5.1889 (München); Königlicher Hof-Kupferschmiedmeister
- Leiss, Anton; 25.12.1876 – 7.2.1882
- Leiss, Brigitta (vw); 14.1.1846 – 20.8.1938
- Leiss, Emilie; 5.5.1874 – 20.4.1877
- Leiss, Fritz; 6.12.1884 – 3.6.1905
- Leiss, Johann; 24.1.1878 – 17.2.1882
- Leiss, Karl; 4.11.1879 – 20.2.1882
- Leiss, Pauline; 21.6.1881 – 14.2.1882


#7 – 1 – 24·25 (Kitzeder · Köll)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Kitzeder, Barbara; – (28).6.1894 (München), 63 Jahre alt; Köchin
- Köll, Josef; – (4).4.1881 (München), 74 Jahre alt; Privatier
- Köll, Katharina (vh) / Strobel (gb); – 24.6.1853 (München), 46 Jahre alt; Müllers-Gattin
- Köll, Maria; – 4.4.1867 (München), 1 Jahr alt; Müllers-Tochter
- Köll, Walburga; – (8).1.1864 (München), 2 Monate alt; Mehlhändlers-Tochter


#7 – 1 – 27 (Hohenauer)
Hier ruht:
Herr
Franz Xaver Hohenauer.
Privatier.
geboren den 12. Februar 1814.
gestorben den 3. März 1871.
Eduard Hohenauer,
Kaufmann
geb. 30. Mai 1858, gest. 22. Febr. 1921.
Friede seiner Asche!
Sockel
Katharina Hohenauer
geb. Lützel
geb. 21. Mai 1861. gest. 13. März 1934.
Burlein
- Hohenauer, Eduard; 30.5.1858 – 22.2.1921; Kaufmann
- Hohenauer, Franz Xaver; 12.2.1814 – 3.3.1871; Privatier
- Hohenauer, Katharina (vh) / Lützel (gb); 21.5.1861 – 13.3.1934


#7 – 1 – 51 (Matulka)


#7 – 1 – 52·53 (Ruoesch)
Grabstätte
¿ Ruoesch
- Ruoesch, Gustav von; 21.1.1832 – 16.4.1863; Hauptmanns-Sohn
- Ruoesch, Heinrich von; 25.11.1861 – 4.8.1886
- Ruoesch, Johann Nepomuk von; 30.6.1819 (München) – 8.12.1870 (Beaugency/Frankreich); Hauptmanns-Sohn / Major
- Ruoesch, Luise von (vh); 4.4.1801 – 11.7.1851; Hauptmanns-Gattin

#Johann Nepomuk von Ruoesch
* 30.6.1819 (München)
† 8.12.1870 (Beaugency/Frankreich)
Hauptmanns-Sohn / Major
#Biographieen der in dem Kriege gegen Frankreich gefallenen Offiziere der Bayerischen Armee (1871)
Major Nepomuk von Ruoesch,
geboren den 30. Juni 1819 zu München, als der Sohn des Hauptmanns von Ruoesch. Im Jahre 1833 trat er am 27. Juli als Freiwilliger ins 3. Jäger-Bataillon, wurde jedoch, als er in kgl. griechische Dienste den 12. Februar 1834 übertrat, verabschiedet. Zwei Jahre stand er in griechischen Diensten und focht während dieser Zeit gegen die Mainotten.
Wieder nach Bayern zurückgekehrt, wurde er im Jahre 1845 den 31. Oktober zum Unterlieutenant im 4. Jäger-Bataillon ernannt, den 23. Dezember 1849 zum Oberlieutenant im 7. Infanterie-Regimente, am 16. Mai 1859 zum Hauptmann II. Classe im 6. Jäger-Bataillon, den 29. Mai 1864 zum Hauptmann I. Classe befördert und als Stabshauptmann zum 10. Jäger-Bataillon versetzt.
Im Jahre 1866 nahm er Antheil an den Gefechten von Roßdorf und Kissingen. Im Jahre 1870 leistete er dem Rufe des Vaterlandes freudigen Herzens Folge, und fand gleich Anfangs bei Weißenburg und dann bei Wörth, nach welcher Schlacht er (am 12. August) zum Major im Infanterie-Leib-Regimente befördert wurde, Gelegenheit sich auszuzeichnen. Später focht er bei Artenay und Orleans mit vieler Bravour, überstand glücklich die Novembertage, bis ihn am 8. Dezember in der Schlacht bei Beaugency eine feindliche Kugel tödtlich traf. Die Leiche des Major von Ruösch wurde nach München übergeführt.
Seine Brust schmückten die Großherzoglich Badische Gedächtniß-Medaille für 1849 und das kgl. griechische Denkzeichen für die Freiwilligen. Das Ritterkreuz I. Classe des Militair-Verdienstordens, welches dem tapfern Offizier zuerkannt wurde, traf ihn nicht mehr am Leben.
Biographieen der in dem Kriege gegen Frankreich gefallenen Offiziere der Bayerischen Armee. Nürnberg, 1871.

#7 – 1 – 54 (Bolgiano)
Hier ruht
Herr Bolgiano
¿
Tafel
Hier ruht:
unser unvergeßlicher Gatte und Vater
Dr. Carl Bolgiano
k. Geheimer Hofrat u. Universitäts-
Professor a. D.
geb. am 11. Nov. 1816, gest. am 29. Okt. 1897.
Ihm folgte
seine teuere Gattin,
unsere innigstgeliebte Mutter
Babette Bolgiano
geb. am 14. Okt. 1831, gest. am 24. Juni 1912.
Der einzig wahre Trost ist die Hoffnung
auf ein Wiedersehen im ewigen Leben.
- Bolgiano, Babette (vw) / Müller (gb); 14.10.1831 – 24.6.1912 (München); Stallmeisters-Tochter aus Amorbach / Hofrats-Witwe
- Bolgiano, Franz; 8.5.1778 (Zweibrücken) – 11.1.1857 (München); Galerist und Kunstsammler
- Bolgiano, Karl Theodor, Dr. jur.; 11.11.1816 (München) – 29.10.1897 (München); Jurist und Hofrat


#Babette Bolgiano (vw) / Müller (gb)
* 14.10.1831
† 24.6.1912 (München)
Stallmeisters-Tochter aus Amorbach / Hofrats-Witwe
#Generalanzeiger (27.6.1912)
Münchner Tagesneuigkeiten
München, 26. Juni
Beerdigungen. Zahlreiche Trauergäste, namentlich auch aus Künstlerkreisen, erwiesen im südlichen Friedhof der im hohen Alter von 80 Jahren verstorbenen Geh. Hofrats- und Universitätsprofessorswitwe Babette Bolgiano die letzte Ehre. Vor dem Sarge schritt der große Kondukt der St.-Ludwigspfarrei mit Stadtpfarrer Geistlichen Rat Fischer als Offiziator. An der Grabstätte, die u. a. eine Kranzspende des Vorstands der Münchener Künstlergenossenschaft zierte, legte Direktor Zettler namens der »Adler-Ritter« einen Kranz nieder.
Generalanzeiger der »Münchner Neuesten Nachrichten« Nr. 323. Donnerstag, den 27. Juni 1912.
#Franz Bolgiano
* 8.5.1778 (Zweibrücken)
† 11.1.1857 (München)
Galerist und Kunstsammler
#Universal-Handbuch von München (1845)
Die Gemälde-Sammlung des Herrn Collegial-Sekretärs
Bolgiano,
(Galleriestrasse Nr. 1 e. E.)
besteht nur aus Werken neuester Zeit, jedoch von den berühmtesten Künstlern, und obgleich dieselbe nicht zahlreich ist, so sind dafür alle Stücke, die sich daselbst befinden, von ausgezeichneter Schönheit, z. b. die Sybille von Tybur, von Maes aus Rom; Venedig, von Ainmiller; Landschaft von Algier, Beduinen am Strande, auf den Feind lauernd, von Simonsen; Limburg an der Lahn, von Schönfeld; Kloster Nonnberg bei Salzburg, von Ainmiller; ein Bild in Niederländer Manier, von Schleißner; Hilas Geschichte, von Professor Koch.
Universal-Handbuch von München. München, 1845.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Bolgiano Franz, 1778 (Zweibrücken?) – 1857, Kollegialsekretär im Bayerischen Kriegsministerium, Galeriebesitzer und Kunstsammler; dieser kunstsinnige Halbitaliener, ein Freund der Brüder Boisserée war unter Max Joseph IV. nach München gekommen, wo er 1815 heiratete; neben seiner beruflichen Stellung im Kriegsministerium besaß B. eine eigene Galerie an der Galeriestraße 1, für die er im Laufe von 25 Jahren an die 800 Ölgemälde zeitgenössischer Meister erkauft hatte, u. a. Werke von P. von Hess, Albrecht Adam, H. Bürkel, M. J. Wagenbauer, K. Zimmermann, Domenico Quaglio, K. Rottmann, E. Schleich, M. E. Ainmiller, D. Monten und Chr. Morgenstern; König Ludwig I. kaufte ihm eine große Anzahl derselben ab, die heute einen Hauptbestandteil der Neuen Pinakothek bildet; A. Lewald berichtet über ihn in seinem »Panorama von München«: »Einer der (Kunstmakler) ist Herr Bolgiano, der gute Geschäfte machen soll; ihm vorzüglich sendet Maes in Rom seine Arbeiten zum Verkaufe ein. Die liebenswürdigen Effektstücke dieses italienisierten Niederländers machen großes Aufsehen. Wird ein neues Bild von ihm ausgestellt, so kann man darauf rechnen, in den ersten acht Tagen zu keiner ruhigen Beschauung desselben gelangen zu können, weil ein immerwährend wechselnder Haufen gaffend davor steht.«
© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.
#Dr. jur. Karl Theodor Bolgiano
* 11.11.1816 (München)
† 29.10.1897 (München)
Jurist und Hofrat
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Bolgiano Karl, Dr. jur., 1816 (München) – 1897, Jurist, Zivilprozessualist und Universitätsprofessor; nach Studien in München und Heidelberg wurde er 1850 a. o. 1856 o. Professor des bayerischen Zivilprozesses und des französischen Zivilrechts- und Zivilprozeßrechts; nahe Beziehungen zu den ersten Künstlerfamilien Münchens wirkten fördernd auf seine Veranlagung und sein von der Romantik beherrschtes Fühlen und Denken; sein ausgeprägter Natursinn trieb B. zu botanischen Studien, er sammelte auch Conchylien und Schmetterlinge; von seinen Schülern wurde B. wie ein Vater verehrt.
Hauptwerke: Beitrag zur Lehre vom Rückfall nach bayerischem Strafrecht, Handbuch des Reichszivilprozeßrechts auf rationellen Grundlagen mit vergleichender Darstellung des gemeinen deutschen Zivilprozesses; dieser universalgebildete Jurist war an der Anpassung des bayerischen Rechts an das deutsche Reichsrecht wesentlich beteiligt.
© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#7 – 2 – 1 (Amsler)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Amsler, Samuel; 17.12.1791 (Schinznach im Aargau/Schweiz) – 18.5.1849 (München); Kupferstecher

#Samuel Amsler
* 17.12.1791 (Schinznach im Aargau/Schweiz)
† 18.5.1849 (München)
Kupferstecher
#Artistisches München im Jahre 1835 (1836)
Amsler, Samuel, 1794 zu Schinznach im Argau in der Schweiz geboren. Neben landwirthschaftlichen Geschäften widmete er die übrige Zeit von früher Jugend an vorzugsweise dem Zeichnen, später, unter beschränkter Anleitung, den Versuchen, auf Kupfer zu radiren, welche ihn alsdann auch bestimmten, sich dem Kupferstecher-Fache zu widmen. Im Jahre 1810 kam er daher nach Zürich zu L. Oberkayler, dann zu dem bekannten L. Lips in die Lehre. 1814 besuchte er zu seiner weitern Ausbildung die königl. Akademie der Künste in München, wo er unter der Leitung des damaligen Professors C. Heß die ersten Versuche, nach Gemälden zu stechen, machte. Im Jahr 1816 reiste er nach Rom, wo er bald die meiste Zeit, als Kupferstecher, von Thorwaldsen für dessen Werke beschäftigt ward. 1820 besuchte er von dort aus sein Vaterland, und kehrte in selbem Jahre wieder nach Rom zurück, wo er während dem letzten Jahren seines Aufenthaltes daselbst mehrere Zeichnungen nach Raphael’schen und andern Gemälden, zu künftigen Stichen bearbeitete; und zugleich begann er den Stich des Alexanders Triumphzug in Babylonien, in 21 Blättern, nach Thorwaldsen, und aus Auftrag für denselben.
Im Spätjahr 1824 verließ er zum zweitenmale Rom, um in seiner Heimath neben der Fortsetzung vorbenannten Werkes, den beabsichtigten Stich der Raphael’schen Grablegung Christi, aus der Gallerie Borghese, auszuführen. Im Jahre 1829 erhielt er von Sr. Majestät dem Könige Ludwig von Bayern den Ruf, als Professor der Kupferstecher-Schule, an die königl. Akademie nach München, welchem er auch bald darauf folgte; hier vollendete er nun die beiden oben benannten Arbeiten, und ist nun mit der Vollendung einer andern großem Platte nach Raphael, eine heilige Familie vorstellend, aus der königl. Kabinets-Gallerie in München, beschäftigt.
Die Zahl seiner sämmtlichen, bis dahin gestochenen kleinern und größern Arbeiten belauft sich über 100 Blätter.
Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Mechaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.
#Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode (8.12.1838)
Gallerie einiger in München lebender Künstler.
(Fortsetzung.)
Amsler, Samuel.
Wir stellen mit Vergnügen einen Mann in die Reihe der Künstler, der als Kupferstecher sich einen Namen in Europa erworben hat. Wer kennt nicht die bewunderte Schöpfung des größten Bildhauers unserer Zeit, den Triumphzug Alexander des Großen von Thorwaldsen? Wenigen ist gegönnt dieses ausgezeichnete Werk der Sculptur an Ort und Stelle zu beschauen, und sich bey der Betrachtung eines Meisterwerkes, das seiner Vollendung gemäß den besten Zeiten der griechischen Plastik angehört, mit den großen Intentionen des Genies zu betrauen. Amsler hat sich die ganze gebildete Welt verbindlich gemacht, denn er lieferte Thorwaldsen's Werk mit gleicher Schöpferkraft als Kupferstich und verschaffte ihm daher Verbreitung durch ganz Europa.
Samuel Amsler ist ein geborner Schweizer. Zu Schinznach im Aargau erblickte er 1794 das Tageslicht. In früher Jugend äußerte sich bey ihm eine vorherrschende Neigung zum Zeichnen. Er versuchte sich bald im Radiren auf Kupfer und die günstigen Fortschritte bestimmten den Jüngling, sich dem Kupferstecherfache zu widmen. Er bildete sich in Zürich bey C. Oberkayler und bey dem bekannten H. Lips aus. Im Jahre 1814 begab er sich nach München und besuchte die königl. Akademie der Künste, wo er unter der Leitung des damaligen Professors Heß die ersten Versuche, nach Gemälden zu stechen, machte. Im Jahre 1816 reiste er nach Rom, wo er bald die meiste Zeit als Kupferstecher von Thorwaldsen für dessen Werke beschäftigt ward. Im Jahre 1820 besuchte er von dort aus sein Vaterland und kehrte in demselben Jahre wieder nach Rom zurück, wo er während der letzteren Jahre seines Aufenthaltes daselbst mehrere Zeichnungen nach Raphael'schen und anderen Gemälden zu künftigen Stichen bearbeitete. In dieser Periode begann er zugleich den berühmten Stich des Alexander-Triumphes in Babylonien, in ein und zwanzig Blättern, nach Thorwaldsen. Der Meister hatte ihm den Auftrag dazu ertheilt. Amsler verließ im Jahre 1824 zum zweyten Male Rom, um in seiner Heimat neben der Fortsetzung des begonnenen Werkes den Stich der Raphael'schen Grablegung Christi, aus der Gallerie Borghese, auszuführen.
Im Jahre 1829 erhielt er von Seiner Majestät dem König Ludwig von Bayern den Ruf als Professor der Kupferstecherschule an die königl. Akademie nach München. Hier vollendete er die beyden obenerwähnten Arbeiten. Diesen Werken folgte ein anderes in seiner Vollendung, eine heilige Familie nach Raphael, aus der königl. Cabinetsgallerie in München. Die Zahl seiner sämtlichen bisher gestochenen, kleinern und größern Arbeiten beläuft sich über einhundert Blätter.
(Der Schluß folgt.)
Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode 147. Samstag, den 8. Dezember 1838.
#Die bildende Kunst in München (1842)
Samuel Amsler, Professor an der k. Akademie,
der Sohn eines Arztes, wurde im Jahre 1793 zu Schinznach in der Schweiz geboren, wo er auch den ersten Unterricht, wie in der deutschen, so in der lateinischen und französischen Sprache erhielt; die in ihm schlummernde Kunstanlage erwachte schon früh und er übte sich ohne alle Anleitung im Zeichnen, welches seine Lieblingsbeschäftigung war und auch dann blieb, als er sich der landwirtschaftlichen Geschäfte seiner Aeltern annehmen mußte. Nachdem er sich im Graviren mehrerer Amts- und Handwerks-Siegel, im Radiren und Aezen mit Glück versucht hatte, faßte er endlich den Entschluß, sich ganz der Kupferstecherkunst zu widmen, und begab sich deswegen im Jahre 1810 nach Zürich zuerst zu dem Kupferstecher Oberkogler, später zu dem bekannten Heinrich Lips in die Lehre. Seine Fortschritte waren bald so befriedigend, daß er die alleinige Bearbeitung zweier größerer Platten nach seines Meisters Zeichnung erhielt und eine Nachbildung des heiligen Johannes nach Fr. Müller mit dem allgemeinsten Beifall ausführte.
Nachdem er bereits eine große Kunstfertigkeit erlangt hatte, wollte er im Auslande seine Kenntnisse und Erfahrungen bereichern, seinen Geschmack vervollkommnen und was ihm noch fehlte, durch Rath und Belehrung anderer Künstler sich aneignen, und so kam er zuerst im Jahre 1814 nach München, wo er während seines zweijährigen Aufenthaltes die Akademie besuchte und den größten Theil seiner Zeit auf das Zeichnen nach der Natur und der Antike verwendete, zugleich zwei Zeichnungen nach Zurbarans hl. Bruno und einer hl. Magdalena von Carlo Dolce nach den Gemälden in der k. Gallerie fertigte, deren erste er unter der Leitung des Prof. Karl Heß radirte, die andere aber in der Grabstichelmanier ausführte, und zwar in der neueren Stechweise, daß die breite Taille und die Zwischenarbeit an Raphael Morghens Manier erinnert, welche er sich zum Vorbilde genommen.
Im Herbste 1816 begab er sich nach Rom, wo ihn vor allen die herrlichen Gebilde Raphaels im Vatikane begeisterten, daß er sogleich den Entschluß faßte, noch während des Winters sich durch Zeichnungen nach denselben in das Eigentümliche dieses Meisters, was Zeichnung, Form und Charakter betrifft, ganz einzustudiren, um diese unsterblichen Gebilde in der Folge im Kupferstiche wieder zu geben. Vorher aber führte er den Stich einer Charitas nach einem kleinen Relief von Thorwaldsen so befriedigend aus, daß ihm dieser sogleich mehrere Arbeiten nach seinen Werken übertrug, mit deren Stich er die Zeit seines ersten Aufenthaltes in Rom zubrachte und zugleich einen Theil des von Cornelius zu dem Niebelungenliede gezeichneten Titelblattes (den Theil zur Rechten) ausführte.
Da es sich bei dem Nachbilden der Werke beider Meister nicht um Farbe, sondern vorzüglich um Bestimmtheit und Strenge der Umrisse, so wie des Charakters im Runden handelte, wozu die breite Behandlung der neueren Stechweise, so lobenswerth und achtungswürdig sie auch sonst erschien, nicht förderlich und geeignet schien; so bediente er sich hiebei der Behandlung des Grabstichels, wie sie in früheren Jahrhunderten üblich war, die darin besteht, daß die älteren Künstler bei ihren Werken auf eine höchst einfache Weise verfuhren, mit Wenigem Vieles, ja das Wesentlichste leisteten. Sie bedienten sich hiezu nur zweier Taillen, einer Haupttaille in sehr engen Lagen, und einer zweiten, der umwickelnden, theils zur Verstärkung der Schatten überhaupt, insbesondere in den Gewändern, theils und hauptsächlich zur bestimmteren Bezeichnung der Knochen und Muskeln. Die Anwendung einer dritten Taille, der sogenannten malenden, und die Zwischenarbeiten, wobei man dem Stiche noch mittels eines Tuschtones eine malerische Wirkung zu geben beabsichtigte, hatte erst eine spätere Zeit eingeführt. Bei jenen Arbeiten nach Thorwaldsen und Cornelius bediente sich nun Amsler der alten Behandlungsweise und gab auf diese Weise den Geist und Charakter seiner Vorbilder treu und wahr wieder.
Als er aber nach einem vierjährigen Aufenthalte in Rom, im Jahre 1820, in sein Vaterland zurückkehrte und hier den Stich einer kleinen Madonna mit dem Kinde nach Raphael, von welcher er in Perugia noch eine Zeichnung genommen hatte, in runder Form begann und seiner Stechweise auch hiebei treu bleiben wollte; überzeugte er sich bald, daß sie bei Stichen nach Gemälden nicht ganz anwendbar sei. Nachdem er dieses Werk vollendet hatte, begab er sich zum zweitenmale nach Rom, wo er mehrere Platten nach Thorwaldsen, das Bildniß dieses Meisters nach Begas in einem sprechend ähnlichen Stich ausführte, die übrige Zeit aber auf Zeichnungen, meistens nach Raphael, zu künftigen größeren Stichen verwendete, worauf er gegen das Ende des Jahres 1824 wieder in sein Vaterland zurückkehrte und sogleich neben der Fortsetzung des in Rom schon begonnenen Triumphzuges Alexanders nach Thorwaldsen mit dem Stiche der Grablegung Christi nach Raphael begann. Während dieser Arbeiten erhielt er im Jahre 1828 den ehrenvollen Ruf als Professor an die Akademie der bildenden Künste zu München, an die Stelle seines hier in demselben Jahre verstorbenen Lehrers Karl Heß, welchem Rufe er freudig folgte und im April 1829 in München eintraf.
Während er hier den Unterricht in der Kupferstechkunst leitete, vollendete er den erwähnten Aleranderszug, dann die Grablegung Christi und eine heilige Familie, beide nach Raphael, mit solcher Meisterschaft, daß sie allgemeine Bewunderung und Anerkennung erhielten und überhaupt vielleicht zu den beßten Nachbildungen des unsterblichen Künstlers gehören. Mit der größten Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit sind alle Umrisse gezeichnet, alle Theile im Runden bestimmt, der Ausdruck in seiner Tiefe so unvergleichlich aufgefaßt und geschildert, daß man bei dem Anblicke jener Grablegung, bei der unendlichen Zartheit und Zierlichkeit der Umrisse und Formen, in welchen sich der Seele tiefstes Leiden in allen Köpfen, besonders den weiblichen, zu erkennen gibt, kein Nachbild, sondern das Gemälde selbst zu sehen glaubt. Mit der innigsten Theilnahme versenken wir uns bei dem Betrachten der heiligen Familie in die göttliche Ruhe und himmlische Anmuth, welche über alle Gestalten ausgegossen ist, die das Gemüth wunderbar erquickt: das sind Raphaels Charaktere, seine feinen Gesichtszüge und Formen.
Amsler erreichte diese Wirkung bei seinem Stiche dadurch, indem er bei der Ausführung dieser Platten die einfache Stechweise der Alten zu Grunde legte, um der Bestimmtheit und Strenge der Umrisse des Originals keinen Abbruch zu thun, es aber auch nicht verschmähte, mit jener auch die neuere Behandlungsweise zweckmäßig und glücklich zu verbinden, wenn es nöthig schien, dem Ganzen dadurch eine malerische Wirkung zu geben. Zu dem Ende bediente er sich einer Haupt- oder Grundtaille mit enger Lage und zwar an vielen Stellen nur dieser allein, selbst da, wo in ihrer fortlaufenden Bewegung leichte Knochen und Muskelerhöhungen anzudeuten waren. Dabei fehlt es am geeigneten Orte nicht an ungemein leichter, mehr fühl- als sichtbarer Zwischenarbeit, theils um das Licht zu gemäßigteren Mitteltönen zu dämpfen und zur Andeutung zarter Muskellagen, theils zur Erzeugung des nöthigen Tuschtones, um dem Ganzen auch Farbe und Haltung zu geben. Zur Verstärkung der Schatten in den dunkleren und dunkelsten Stellen, und zur kräftigeren Bezeichnung der durch Anstrengung mehr hervorgetretenen Muskeln gebrauchte er eine zweite Taille und brachte in den Fleischtheilen die kalte Nadel vorzugsweise in Anwendung, um seinen Platten einen zarten gefälligen Silberton und eine größere Dauerhaftigkeit zu geben.
So bildete Amsler durch die tiefdurchdachte und mit Erfolg durchgeführte Verbindung der alten und neueren Stechweise eine ihm ganz eigentümliche einfache Weise aus, in welcher man die Sicherheit und Festigkeit der Hand in Führung der Schneidnadel, die Reinheit des Grabstichels, den leichten und zierlichen Schwung der Linien und das sichtbar vorherrschende Streben erkennt, die Taille nicht nur nach der Lage und Bewegung der Muskeln anzulegen, sondern sie auch in ihrer Fortführung gleichsam wie aus sich selbst entspringend und fortlaufend erscheinen zu lassen.
In dem erst vor Kurzem ausgegebenen Blatte der Madonna dei Tempi nach Raphael spricht sich des Künstlers meisterhafte Auffassung des großen Malers und sein Streben nach Vollendung wohl am deutlichsten aus, und es übertrifft an zarter Behandlung und Reinheit des Stichels noch die früheren ähnlichen Arbeiten.
Sein neuestes Unternehmen, welches ihn mehrere Jahre beschäftigen wird, ist der Stich des Oelgemäldes von Overbeck: der Triumph der Religion in den Künsten, welches sich im Städel’schen Institute in Frankfurt befindet, und das er im großen Formate wieder geben wird. Zum Behufe der Zeichnung machte Amsler eine Reise dorthin.
Derselbe Gegenstand nach Overbecks erstem Entwurfe wurde bereits von ihm in Umrissen auf Kupfer gegeben.
Dr. Johann Michael von Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.
#Universal-Handbuch von München (1845)
Amsler, Samuel,
k. Professor an der Akademie d. bild. Künste zu München, ist geboren zu Schinznach in der Schweiz, woselbst sein Vater Arzt war. Sehr früh erwachte seine Kunstanlage, und er übte sich ohne irgend eine Beihülfe im Zeichnen, was für lange Zeit seine Lieblingsbeschäftigung auch dann noch blieb, als er im elterlichen Hause die landwirthschaftlichen Geschäfte übernehmen mußte. Er versuchte sich in seinen Mußestunden mit dem Graviren mehrerer Amts- und Handwerkssiegel, so wie im Radiren und Aetzen, und als er sah, daß ihm dies so ziemlich gelang, wollte er sich ganz der Kupferstecherkunst widmen. Er begab sich deshalb im Jahre 1810 nach Zürich, zuerst zu dem Kupferstecher Oberkogler und in der Folge zu dem bekannten Heinrich Lips in die Lehre. Bald erntete er den Beifall seines Lehrers, nachdem er zwei größere Platten nach seines Meisters Zeichnung gelungen ausgeführt hatte.
Um sich an Kenntnissen und Kunstgeschmack zu vervollkommnen, reiste er 1814 nach München, besuchte die Akademie, zeichnete nach der Natur und der Antike und radirte unter Professor Carl Heß mehrere Bilder; 1816 begab er sich nach Rom. Hier war die wichtigste Entwicklungsperiode für seine Kunstrichtung. Die herrlichen Gebilde Raphaels im Vatikan begeisterten ihn; er übte sich durch Zeichnungen an dem Eigenthümlichen dieses Meisters, um es in der Folge im Kupferstichs wieder zu geben. Thorwaldsen und Cornelius beschäftigten zu dieser Zeit schon diesen talentvollen Künstler und er befriedigte sie in hohem Grade. Amslers Arbeiten trugen in rascher Zeitfolge das Gepräge der Treue und Wahrheit im Geiste und Charakter seiner Vorbilder. Nachdem er sich nach wiederholtem Aufenthalt in Rom in sein Vaterland begab, erhielt er den Ruf als Professor an die k. Akademie der bildenden Künste nach München; er nahm ihn an und traf im April 1829 hierselbst ein. Er leitete den Unterricht in der Kupferstechkunst und außerdem war er viel beschäftigt mit größern Arbeiten: als dem Alexanderszug, die Grablegung Christi und eine heilige Familie (nach Raphael), welche den größten Beifall fanden. Aus neuerer Zeit sind seine Kupferstiche: eine Madonna del Tempi, nach Raphael; der Triumph der Religion in den Künsten, nach Overbeck; die Schwanthalerschen Malerstatuen; die Traumdeutung Josephs, nach P. Cornelius; das neueste von ihm in Kupfer gestochene Bild ist die Statue vom Göthe-Monument in Frankfurt a. M.
Universal-Handbuch von München. München, 1845.
#Gallerie berühmter Schweizer der Neuzeit (1871)
Samuel Amsler
Kein Kunstzweig fordert vom Künstler ein so großes Maß von Bescheidenheit und Selbstverläugnung, von Fleiß und Ausdauer, wie die Kunst des Kupferstechers. Die Platte, auf welche er Jahre der unverdrossensten Arbeit verwenden muß, bringt keineswegs die eigene geniale Conception des Künstlers zur Darstellung, sondern sie ist die Nachbildung einer fremden Schöpfung. Der Kupferstecher fliegt nicht seine eigenen Bahnen, sondern seine Pflicht ist Hingebung, seine Aufgabe das Versenken des eigenen Denkens und Empfindens in ein fremdes, und sein Ziel, so getreu als möglich das Werk eines Andern nachzubilden, damit es, statt nur Wenigen, recht Vielen zugänglich und zum Genusse werde. Der Fleiß der Biene, die Beharrlichkeit der Ameise, muß Jenem zu eigen sein, der oft nach wochen- und monatelanger angestrengter Arbeit nur wenige Quadratzolle seiner Kupferplatte bewältiget hat. Eine innerliche Freudigkeit muß ihn erfüllen bei seinem langsamen Wirken, wie sie jene Mönche des Mittelalters hatten, welche zuweilen ein ganzes Leben auf die zierliche Abschrift eines einzigen Buches verwandten. Eine solche nach Innen gewandte, fast ascetische Natur, welche – abgesehen vom äußerlichen Erfolge – die Kunst als eine Religion und ihre Ausübung als einen Gottesdienst betrachtete, war der berühmte schweizerische Kupferstecher Samuel Amsler.
Die Geburtsstätte dieses Mannes war das aargauische Dorf Schinznach am linken Aarufer, gegenüber der gleichnamigen berühmten Heilguelle, die von der alten Habsburg überragt wird. Dort wirkte sein Vater als geschickter und geschätzter Arzt und als Landwirth. Seine zahlreiche Familie erzog derselbe mit Ernst und Strenge in der Furcht des Herrn, indem er selbst seine Söhne und Töchter im Wissenswürdigsten unterrichtete und sie nebenbei auf seinen Aeckern und Wiesen arbeiten ließ, wo sie im Schweiß ihres Angesichtes ihr täglich Brod verdienen mußten.
Samuel Amsler wurde 1791 geboren und war das viertälteste von 14 Geschwistern. Der Unterricht, den er von seinem Vater erhielt, erstreckte sich auf Lesen, Schreiben und Rechnen, auf Geometrie und Naturgeschichte, auf Latein und Französisch. Sein angeborner Formensinn zeigte sich schon früh in seinen Schreibheften. Schon im achten Jahre waren seine Schriftzüge sicher und scharf. Mit Bleistift gezeichnete Seitenanfänge, Vögel, Blumen, Schmetterlinge darstellend, müssen den Heften zum Schmucke dienen. Diese Illustrationen vervollkommnen sich von Heft zu Heft. Sie werden statt mit dem Stifte mit der Feder ausgeführt, später sogar kolorirt. Auch dieser Privatfleiß ward vom Vater beaufsichtigt und unnachsichtliche Kritik von demselben ausgeübt. Das weniger Gelungene mußte der Knabe sogleich vor den Augen des Vaters vernichten; so gewöhnte sich derselbe eine strenge Selbstbeurtheilung an. Aber nicht nur in den Schreibheften trat das angehende Künstlertalent zu Tage. Es sind aus jenen Jahren einzelne fliegende Blätter aufbewahrt worden, auf welche der Knabe Blumen, Käfer nach der Natur gezeichnet hat. Seine Phantasie erging sich auch zuweilen in allerlei Arabesken und in der Darstellung von Fabelthieren; und sogar an die Porträts seiner Geschwister wagte er sich.
Nachdem sich Samuel einstmals während einer Abwesenheit seines Vaters aus Ungeschicklichkeit an der Schnitzelbank verwundet hatte, suchte er das bevorstehende Ungewitter väterlichen Zornes durch eine außergewöhnliche Kunstleistung zu beschwören. Er zeichnete und malte den Tellenschuß und kam mit dem Blatte dem heimkehrenden Vater entgegen, der darob die sonst unausweichliche Strafpredigt vergaß.
Als 12–14jähriger Knabe durfte Samuel wöchentlich ein paar Mal in die nahegelegene Kattundruckerei von Wildegg, wo ihm der dort angestellte Dessinateur Zeichnungsunterricht ertheilte. Da aber dieser erste Lehrer dem Vater zusprach, den Knaben zum Künstler ausbilden zu lassen, schüttelte derselbe den Kopf und mochte nichts von »brodlosen Künsten« wissen. Dem Mann, der 14 Kinder zu ernähren und zu erziehen hatte, stand die Prosa des Lebens zu nah. Es bedurfte des ernsten Zuspruchs bewährter Freunde, um ihn endlich zu bestimmen, seinen Sohn dem Kupferstecher Oberkogler in Zürich in die Lehre zu geben.
Es war im Jahr 1810. Amsler zählte 19 Jahre, es begann für ihn die schöne Blüthezeit des Lebens.
Bald hatte sich ein geistig reger, für das Schöne und Gute begeisterter Freundeskreis um ihn gesammelt. Die spätern aargauischen Dichter Fröhlich und Tanner waren darunter, Lusser aus Altorf, Bodmer aus Zürich und andere. Göthe wurde gemeinschaftlich gelesen. Mit Begeisterung nahmen die Freunde Uhland's Gedichte, Körner's Leier und Schwert entgegen. Es wurde gezeichnet und gemalt, gedichtet und musizirt. Die großen Weltereignisse, die ihren Schatten auch auf jenen harmlosen Kreis jugendlicher Schwärmer warfen, trugen dazu bei, die Stimmung ihrer Geister zu heben und sie für den Ernst des Lebens empfänglich zu machen.
Schon nach einem Jahre verließ Amsler seinen Lehrer Oberkogler und trat unter die Leitung des rühmlich bekannten Künstlers Heinrich Lips. Schon 1811 erschienen die ersten Erzeugnisse seines Grabstichels, ein Porträt nach Sandrat und »die Kommunion der Attala«; 1812 folgten »die Schulmeisterin« nach Wille und »Niklaus von Flüh's Abschied« nach Volmar. Dann stach er ein Porträt Salomon Geßner's als Titelkupfer zu einer Taschenausgabe seiner Werke; ebenso die Bildnisse Joh. Rud. Meiers von Aarau und des Malers Freudweiler; und nach Zeichnungen seines Lehrers Lips die biblischen Bilder »Tobias«, »Maria und Martha«, »die Jünger zu Emaus« und den »Johannes« des Domenichino.
Das war ein warmer sonniger Lebensmai für unsern Amsler, ganz dazu angethan, eine lange Laufbahn zu durchwärmen und manche Blüthe im jungen Künstler zu wecken, die bestimmt war, zur köstlichen Frucht heranzureifen.
Nach dreijährigem Aufenthalt in Zürich schied er von dieser ihm lieb gewordenen Stadt und aus seinem trauten Freundeskreise, um sich an der Kunstakademie zu München die höhern Weihen der Kunst zu holen, kaum ahnend, daß diese Stadt später seine Adoptivheimat werden würde.
Es war im Oktober 1813, als Amsler nach München übersiedelte. Wenn gleich er sich durch seine in Zürich gestochenen Kupferplatten in der Künstlerwelt schon einen gewissen Namen erworben hatte, so wollte er in München doch nur Schüler sein. Er fing wieder an, nach der Antike und nach der Natur zu zeichnen. Erst nachdem er diese Schule noch einmal durchgemacht, griff er wieder, und zwar mit erneuter Lust, zum Grabstichel. Zwei Blätter aus den Jahren 1815 und 1816 zeigen die Fortschritte, die er seit Zürich und seit er sich von Lips' Manier befreit, gemacht hat. Diese Blätter sind ein hl. Franziskus nach Spagnoletto und die hl. Büßerin Magdalena nach Carlo Dolce. Sie sind Zeugen nicht nur des ausgebildeten Form- und Farbensinns des Künstlers, sondern ganz besonders auch der innigen Frömmigkeit seines Gemüthes, welche, wenn gleich er ein überzeugungstreuer Protestant war, sich doch mit hingebender Liebe den katholischen Heiligen zuwandte, deren Bildnisse er in's Kupfer grub.
München war damals im Beginn seiner Kunstblüthe, der Sammelplatz einer Menge zum Theil genialer junger Künstler, die später zu den Sternen erster Größe zählen sollten. Wie anregend eine solche Umgebung auf den schweizerischen Kupferstecher wirken mußte, ist selbstverständlich. Sehr förderlich war ihm die Freundlichkeit seines Lehrers, des Prof. Heß, welcher seine Sammlung von Aetzabdrücken der Kupferstiche großer Meister zum Studium ihm zur Verfügung stellte. Ein inniger Freundschaftsbund schloß Amsler mit dem jungen Maler J. A. Ramboux aus Trier, der sich später durch seine »Denkmäler der Malerei in Italien« und seine »Alterthümer und Naturansichten im Moselthale« einen Namen machte.
Von seinem damaligen Aufenthalt in München datiren die Stiche verschiedener damals in Tyrol aufgefundener Bronzen und die Bildnisse des Ritters Götz von Berlichingen nach Pfarr und des Hofraths Weigel.
Im Sommer 1816 schnallte Amsler sein Ränzchcn und kehrte – wie er gekommen war – zu Fuß in Begleitung seines Freundes Ramboux nach der Heimat zurück.
Unseres Künstlers Lehrjahre sind zu Ende und seine Wanderjahre beginnen. Nachdem die beiden Freunde einige fröhliche Ferienmonate in der Schweiz verlebt, machten sie sich im Herbst 1816 – abermals zu Fuß – auf den Weg nach dem gelobten Lande der Kunst, nach Italien.
Das Ziel ist Rom. Aber nur langsam kommt man vorwärts. In allen Städten werden die Sammlungen und Kunstwerke beschaut und studirt, in Mailand, Lodi, Piacenza, Bologna, Florenz.... Manches Stündchen mögen unsere Fußreisenden unter der rebenbesponnenen Pergola einer ländlichen Osteria verträumt haben, mit entzücktem Auge die violetten Tinten der appenninischen Berge, die goldbraunen Wölkchen am tiefblauen Himmel, die malerischen Gestalten der italienischen Hirten und Bäuerinnen betrachtend. Endlich liegt die Siebenhügelstadt vor ihren erstaunten Blicken; klopfenden Herzens, voll Ehrfurcht schreiten sie über den klassischen Boden.
Es war damals ein reges Kunstleben in Rom. Overbeck, Cornelius, Thorwaldsen lebten und wirkten dort. Niebuhr, Preußischer Gesandter in Rom, bot den Künstlern deutscher Zunge einen Vereinigungspunkt, während die protestantische Kapelle des Gesandtschaftshotels die Glaubensgenossen zusammenhielt. Amsler besuchte nicht nur fleißig diesen Gottesdienst, sondern wirkte durch sein Orgelspiel an demselben thätig mit.
Als Künstler und Kupferstecher beschritt er in Rom neue Bahnen. Nach dem Vorbilde alter Meister befliß er sich vorzugsweise der Strenge und Einfachheit in seiner Zeichnung. In dieser Weise stach er zuerst die Bildwerke Thorvaldsens: die Charitas, eine Mutter mit zwei Kindern, Amor und Venus, fliegende Genien, den Tag und die Nacht, die Speranza, den Schäfer, den Merkur.
Langathmige Arbeiten erschreckten den fleißigen ausdauernden Schweizer nicht. Er begann den Stich des Alexanderzugs von Thorwaldsen, jenes 109 Fuß langen und 3½ Fuß breiten Frieses, welches zur Feier der Anwesenheit Napoleons einen Saal des Ouirinals zu schmücken bestimmt war. Die Nachbildung dieses plastischen Werkes im Kupferstich erforderte nicht weniger als 21 Platten, welche erst 1835 vollendet und von Cotta in Stuttgart verlegt und herausgegeben wurden.
Aber nicht nur dem großen Bildhauer lieh Amsler seinen Grabstichel; nicht weniger begeisterte ihn der große deutsche Maler Cornelius, dessen Nibelungenbilder er gemeinschaftlich mit seinem Freund und Zimmergenossen Barth aus Hildburghausen in Kupfer stach.
Von den ältern Malern war es der größte, Raphael, welcher unsern Amsler am meisten anzog. 1820 begann er den Stich der Madonna connestabile, 1822 jenen der Grablegung aus der Gallerie Borghese. Eine Reihe fernerer Arbeiten zeugen für seine nimmer ermüdene Arbeitslust. Dennoch fand er Zeit, seinen Aufenthalt in der ewigen Stadt von Zeit zu Zeit durch Ausflüge und Reisen zu unterbrechen. Im Jahr 1818 treffen wir ihn zu Ariccia, wo er mit dem Dichter Friedrich Rückert das Zimmer theilt; 1820 macht er einen Besuch in der Heimat, wo er bei seinem Bruder, dem Arzte, in Wildegg das Bildniß Pius VII. vollendet; 1823 wandert er bis Neapel hinunter.
Aber allmälig wird ihm Rom wieder fremder. Die Künstler, seine Genossen, sind unstäte Zugvögel, sie kommen und gehen wieder, und neue, unbekannte füllen die leergewordenen Lücken. Cornelius, der Hervorragendste unter der deutschen Künstlerzunft und mit Amsler persönlich befreundet, ist schon im Sommer 1818 geschieden. Einen andern Freund, den trefflichen Landschaftsmaler Philipp Fohr aus Heidelberg, mußte Amsler mit eigenen Augen beim Baden in dem gelben Tiber ertrinken sehen. Die schönsten Tage des deutschen Künstlervereins, jene Tage des Oktoberfestes von 1817 und des Frühlingsfestes von 1818, welche der große Förderer der Kunst, Ludwig von Bayern, als Kronprinz in munterster Laune mitfeiern half, waren zur Neige gegangen, ohne sich in gleichem Glanze wiederholen zu wollen. Und wenn gleich unser Amsler nun schon jahrelang vom Wasser des Trevibrunnens getrunken, so war dieß Zauberwasser doch nicht im Stande gewesen, die Liebe zur alten Heimat aus seinem Herzen wegzuspülen. Aus der Majestät der ewigen Stadt sehnte er sich nach dem bescheidenen Rebgelände von Schinznach, den waldbewachsenen Hügeln von Wildegg zurück. Im Jahr 1825 verließ er Rom, um es nicht wieder zu sehen. Die Alpen überschreitend, betrat er wieder sein Vaterland, um in demselben für die nächsten Jahre seinen bleibenden Wohnsitz aufzuschlagen.
Das Jahr 1826 brachte er in Basel zu, dann kehrte er wieder bei seinem Bruder in Wildegg ein und arbeitete dort am Alexanderzug und an der Grablegung.
Amsler zählte nun seine 35 Jahre. Es ist uns nicht gesagt worden, ob der schalkhafte Gott Amor bis dahin je im Herzen des fleißigen ernsten innigen Kupferstechers sich eingenistet hatte; ob vielleicht schon zur Zeit seines sonnenbeglänzten Lebensfrühlings an der Limmat eine zürcherische Jungfrau seine Pulse höher schlagen ließ; oder später in München eines jener reizenden Mädchen, denen die goldene Riegelhaube damals so zierlich die dunkeln Locken krönte; oder noch später eine stolze plastische Römerin. So viel steht fest, daß sein Herz noch nicht ausgebrannt war, als er nach fast zehnjährigem Aufenthalt in den Armidengärten Italiens nach der Heimat zurückkehrte. Während er im ländlichen Hause des Bruders zu Wildegg unverdrossen hinter seinen Kupferplatten saß, entfaltete sich in seinem Gemüth ein später aber nicht minder wonniger Liebesfrühling. Ein Mädchen von Wildegg, Louise Laué, that es ihm an. Seine Werbung wurde nicht verschmäht, und er führte die Auserkorene Anfangs 1829 zum Altar.
Um diese Zeit consolidirte sich auch noch in anderer Weise Amsler's bürgerliche Existenz. Er erhielt einen ehrenvollen Ruf als Professor der Kupferstecherkunst und Mitglied der Akademie der schönen Künste nach München, wohin er im Mai 1829 in Begleitung seiner jungen Frau übersiedelte.
Einige Jahre früher war der kunstsinnige, schönheitsliebende Ludwig seinem Herrn Vater auf den bayerischen Thron gefolgt, jener Kronprinz Ludwig, welchen unser Amsler an jenen schönen Künstlerfesten in Rom kennen gelernt hatte.
Ludwig war kein Freund des köstlichen Soldatenspiels, noch einer verschwenderischen Hofhaltung. Einen Theil der Summen, welche seine in dieser Richtung haushälterischen Neigungen dem Staatsschatz und Seiner Privatchatoulle ersparten, ließ er in seiner Hauptstadt München der Kunst und den Künstlern zu gute kommen.
Wie durch Zauber begann es auf der rauhen und unfruchtbaren bayerischen Hochebene, wo einst ascetische Mönche ihr Kloster gegründet und im Laufe der Zeiten um die Wallfahrtskirche unserer Lieben Frau eine Stadt sich angebaut hatte, zu treiben und zu sprießen. Zur Verwunderung der ächten Münchnerkinder wuchsen neben den Brauhäusern und Bierkellern Kunsttempel aus der Erde. Zuerst sah man an der Straße nach dem Nymphenburgerschlosse, nicht weit von der Stelle, wo der Pschorrbräu seine kolossalen Bierfässer gelagert hat, die Glyptothek erstehen, einen Tempel im klassisch griechischen Styl, in welchem Meisterwerke der Bildhauerkunst aus den ältesten bis zu den neuesten Zeiten ausgestellt wurden. Der Glyptothek folgte der neue Königsbau, jenes nach dem Vorbild florentinischer Paläste in der Nähe des Hofbräuhauses erbaute Residenzschloß, dessen Sääle die Malereien einer ganzen Reihe genialer Künstler schmücken sollten. An der neuen Ludwigsstraße erhob sich zur Begehung heilerer Ballfeste und als Räumlichkeit für klassische Musikproduktionen das Odeon. Hinter der Residenz ward als Schloßkapelle mit byzantinischem Luxus die Allerheiligenkirche und an einer andern Stelle in ähnlichem Baustyl die Ludwigskirche gebaut, während im Norden der Stadt eine Basilika und in der Auervorstadt ein gothischer Münster errichtet werden sollten. Hinter der Glypothek wurde der Grundstein einer großartigen Gemäldegallerie im römischen Styl angelegt, welcher der griechische Name Pinakothek ertheilt wurde.
Zur Herstellung all' dieser Kunstbauten und zu ihrer künstlerischen Vollendung und Ausschmückung wurden eine Menge genialer und berühmter Künstler nach München berufen. Diese Stadt, welche bisanhin durch ihr Bier und die etwas böotischen Sitten ihrer Bewohner sich ausgezeichnet hatte, wandelte sich in ganz kurzer Zeit fast übergangslos in ein deutsches Athen um, – in das Mekka der Künstler und Kunstfreunde und in den dauernden Wohnsitz einer ganzen Reihe von Koryphäen der Kunst. Dahin ward auch unser Amsler vom König Ludwig berufen als Mitglied der neuorganisirten Akademie und als Nachfolger seines frühern Lehrers, Professor Heß.
Kaum hätte er eine angenehmere Stellung sich wünschen können. Seine amtlichen Geschäfte waren wenig beschwerlich und er erfreute sich einer genügenden Muße zur freien Ausübung seiner Kunst. Neben ihm wirkten als Maler seine alten Freunde Cornelius, Schnorr, Peter und Heinrich Heß, dann Kaulbach und viele Andere, deren Namen erst später berühmt wurden; als Bildhauer Schwanthaler; als Baumeister Klenze, der Erbauer der Glypothek und der Schöpfer der Prachtbauten der für München fast zu großartig angelegten Ludwigsstraße.
Das war ein urgemüthliches Künstlerleben im München von dazumal: eines Theils der Hochgenuß mitten in der Verwirklichung so großartiger Pläne und Projekte, wie sie nur eine fruchtbare Künstlerphantasie aushecken und nur ein mit königlichen Mitteln ausgestatteter Kunstgönner verwirklichen konnten; andern Theils das zwanglose Zusammenleben so vieler hochbegabter Geister im rauchgebräunten Brauhaus hinter dem schäumenden Bierkrug, wo der Humor sich gehen lassen und der Witz die Glacéhandschuhe in die Tasche stecken durfte. Wer das München von dannzumal kannte, wird gestehen müssen, daß die bayerische Hauptstadt zwar seither an Größe, Bevölkerungszahl, äußerm Glanz und Sittenverfeinerung zugenommen, aber das Leben daselbst seinen originellen und genialen Duft und Hauch großentheils eingebüßt hat.
Es versteht sich, daß unser Amsler in jener fruchtbaren Künstlerathmosphäre nicht unfruchtbar blieb, sondern zu fleißigem freudigem Schaffen angeregt wurde. Hier vollendete er den Stich des Alexanderzugs und die Grablegung. Die Gemäldegalerie bot ihm verschiedene Bilder seines Lieblingsmalers Raphael, deren Reproduktion er unternahm: die heilige Familie und die »Madonna Tempi«. Dann beschäftigte ihn der Stich des großen Christusbildes vom Bildhauer Dannecker; die Bildnisse Herders, seiner Freunde Gornelius und Klenze, letzteres nach Kaulbach; dasjenige des schweizerischen Dichters Ulrich Hegner. Im Jahr 1835 stach er für den Münchner Kunstverein den heil. Georg nach Schwanthalers Basrelief; in den folgenden Jahren 16 der 21 Standbilder Schwanthalers, welche auf der Zinne der Pinakothek aufgestellt sind; dann den Fries, mit welchem derselbe Künstler einen der Sääle der neuen Residenz schmückte, den Kreuzzug des Friedrich Barbarossa darstellend; endlich ebenfalls nach Schwanthaler Mozart's und Göthe's Standbilder. Und wiederum bot ihm Cornelius einen würdigen Gegenstand der Nachbildung, dessen Carton für den Kunstverein in Hannover, Joseph's Traumdeutung darstellend. Auch nach Schnorr wurde ein kleines Blatt gestochen: wie Siegfried Chriemhilden den Gürtel Brunhildens übergibt.
Im Jahr 1840 begann Amsler wiederum ein großes Werk, welches sein letztes sein sollte. Overbeck, sein Freund von Rom her, hatte sein großes Gemälde für das Städel'sche Institut in Frankfurt vollendet: der Triumph der Religion in den Künsten oder »das Magnifikat der Kunst«. Amsler übernahm es, dieses Bild in Kupfer zu stechen, welche Arbeit nicht weniger als 6 Jahre in Anspruch nahm. Er vollendete sie 1846.
Amsler, im reifen Mannesalter von 55 Jahren, war auf dem Höhepunkt seines Lebens angelangt. Er erfreute sich der Liebe und Achtung aller seiner Kunstgenossen. Und auch an äußerer Anerkennung fehlte es ihm nicht. König Ludwig suchte ihn durch Verleihung des Michaelsordens auszuzeichnen. Seine häuslichen Verhältnisse waren die glücklichsten und sein Familienkreis der Ort, wo er am liebsten verweilte. Er hätte noch eine lange Reihe glücklicher Jahre verleben können. Aber dem Klima Münchens, welches besonders den Schweizern verderblich ist, konnte auch unser Amsler in die Länge nicht Trotz bieten.
Er wurde 1848 von einer bedenklichen Krankheit befallen. Er gab sich der Hoffnung hin, die heimatliche Luft werde ihn wieder heilen und brachte den Sommer im Bade Schinznach zu, wo zwei seiner Brüder, beides geschickte Aerzte, ihn mit aller Sorgfalt und Liebe behandelten. Noch nicht genesen, kehrte er im Herbst nach München zurück. Sein Lebenslämpchen flackerte noch bis im Mai des folgenden Jahres 1849 und erlosch dann. Er wurde auf dem großen Gottesacker vor dem Sendlingerthor begraben, wo schon so manche seiner Landsleute, vom Münchnerklima hingerafft, ihre letzte Ruhestätte fanden.
Es sei gestattet, diese biographische Skizze mit einer kurzen Charakteristik Amslers als Mensch und als Künstler zu schließen, welche die liebevolle Feder seines Jugendfreundes, des Dichters Abraham Emanuel Fröhlich, im Jahrgang 1850 des von demselben herausgegebenen Taschenbuches »Alpenrosen« niedergelegt hat.
»Amsler war ein Mann von vielseitiger wissenschaftlicher Bildung; er las in mehr als einer Sprache stets das Beste, besonders gern Poesie und Geschichte; er kannte und liebte klassische Musik. Er war ein edler Charakter, bescheiden und anspruchslos, voll Anerkennung gegen Andere, gefällig und dienstfertig, vorzüglich gegen jüngere Künstler, zumal wenn es Landsleute waren. Ein zärtlicher Vater, ein treuer Freund, fand er sich nirgends wohler, als im traulichen Kreise der Seinigen, der Freunde oder einiger schlichten Nachbarn. Er hegte eine seltene Pietät gegen Eltern und Geschwister, eine treue Anhänglichkeit gegen sein schweizerisches Vaterland, das er alle drei Jahre mit immer neuer Freude besuchte. Amsler war nicht nur ein vorzüglicher, er war auch ein gewissenhafter, frommer Künstler. Er hatte Zeiten zu überwinden, in denen er bei dem ihm vorleuchtenden hohen Ziele fast an sich selber verzweifelte; überhaupt er drang von Jugend auf, gleich allen ächten Meistern, nur durch Kampf zum Siege und wurde nur so der Meister, der Gemälde Raphaels, Bildwerke Thorwaldsens und Schwanthalers getreuer als jeder Andere wiedergab, der als Zeichner mit äußerst wenigen Linien den Charakter eines Kopfes vollkommen darstellte, der eine solche Sicherheit des Auges und der Hand besaß, daß er Hegner's Kopf sogleich nach dem Gemälde stach, ohne vorher auch nur den Umriß einer Zeichnung gemacht zu haben. Sobald er selbstständig seine Gegenstände wählen konnte, weihte er seine Kunst stets nur dem Höchsten, dem Heiligthume der Religion, sowie dem Heldenthum und Verdienste. Seine Lehrjahre schloß er mit den biblischen Bildern von Lips und dem heil. Johannes von Domenichino; und die Meisterjahre begann er mit dem heil. Franziskus und der hl. Magdalena. Seine Hauptwerke sind religiöse Weihegeschenke christlicher Frömmigkeit, vor Allem die Grablegung und die heilige Familie, diese köstlichen, immer neue Andacht und Bewunderung erweckenden Blätter, die zu den treuesten Nachbildungen Raphaels gezählt werden; dann die beiden Madonnen, wetteifernd an Tiefsinn und Holdseligkeit; dazu gehörte auch seine letzte Arbeit, das Magnifikat der Kunst. Er wollte Kunst und Talent, jahrelange Arbeit und Ausdauer nur dem Höchsten widmen, und das Höchste war ihm Christus. Diese Gesinnung theilte er mit seinen Freunden Overbeck, Cornelius und Andern, und sie ist ein Segen eben jener nach den großen Freiheitskriegen anhebenden Kunstepoche..... Amsler war ein Priester im Heiligthume. Daher sein erstaunlicher Fleiß; es war Gewissenhaftigkeit, mit der er nicht nur seinen Raphael ehrte, sondern auch von seiner Votivtafel die geringste Nachlässigkeit fern hielt. Daher seine ebenso treue als sinnige Auffassung, daher die Strenge und Sorgfalt, die er auf Alles und Jedes, auf den Fuß wie auf das Haupt, auf die Falte wie auf die Gesichstszüge verwendete. Dem, der die Blätter nicht kennt, würde dieses umsonst im Einzelnen nachgewiesen; wer sie besitzt, erbaut sich oft daran und die Nachwelt wird dem getreuen und frommen Künstler danken. Das Zweite, was ihn begeisterte, war das Heldenthum, vor Allem das deutsche, und er hat es verherrlicht durch seine Nibelungen und seinen Barbarossa. Der sogenannte Alexanderzug ist nicht ausschließlich eine Feier des Eroberers; dieser selbst ist nur auch eine der manchfaltigen Erscheinungen des vorüberschreitenden Lebens, und der Held, den Amsler in diesen herrlichen Blättern gefeiert, ist der Erfinder dieser großen Lebensprozession, Albrecht Thorwaldsen selbst....«
So spricht der aargauische Dichter über den aargauischen Künstler.
In München bleibt das Andenken an den Meister der Kupferstecherkunst und der Ruhm, den er seinem schweizerischen Vaterland in der Fremde erworben, aufrechterhalten durch seine zwei würdigen Schüler Merz und Gonzenbach.
Alfred Hartmann: Gallerie berühmter Schweizer der Neuzeit. Baden im Aargau, 1871.
#Allgemeines Künstler-Lexicon (1895)
Amsler, Samuel, Kupferstecher, geb. 17. Dec. 1791 in Schinznach (Kanton Aargau), † 18. Mai 1849 in München, war seit 1810 Schüler von Joh. Heinr. Lips und von K. Hess, besuchte seit 1814 die Akademie in München und ging 1816 nach Rom, wo er die Stecher der Renaissancezeit studirte und Blätter nach Thorwaldsen’s Bildwerke und nach Cornelius das Titelblatt zu den Nibelungen stach. 1820 begann er seine Stiche nach Thorwaldsen’s Alexanderzug, kehrte dann in die Schweiz zurück und wurde 1829 Professor der Kupferstecherkunst in München. Seine bedeutendsten Stiche, zum Theil in Cartonmanier, sind nach Raffael die Madonna Conestabile Staffa, die Madonna Tempi, die Madonna Canigiani und die Grablegung, Johannes nach Domenichino, der Triumph der Religion in den Künsten nach Overbeck, Schwanthaler’s Malerstatuen in der Pinakothek und Dannecker’s Christus. Er arbeitete in strengem Stil, der nicht nach Effecte strebt, sondern sich stets an die Gesetze der plastischen Erscheinung hält.
Allgemeines Künstler-Lexicon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Vorbereitet von Hermann Alexander Müller. Herausgegeben von Hans Wolfgang Singer. Erster Band. Frankfurt am Main, 1895.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Amsler Samuel, 1791 (Schinznach im Aargau/Schweiz) – 1849, Kupferstecher und Akademieprofessor; dieser Künstler war seit 1810 Schüler von Oberkogler und Lips in Zürich und seit 1814 von K. E. Ch. Hess in München und wurde nach einem längeren Studienaufenthalt in Rom (1816) Professor an der Münchner Kunstakademie (1829); seine Kupferstiche (Alexanderzug nach Thorwaldsen, Grablegung und Madonnen nach Raffael, Triumph der Religion in den Künsten nach Overbeck sowie von Figuren von L. M. von Schwanthaler) zeichnen sich durch Klarheit und Treue im kleinen aus.
© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#7 – 2 – 4 (Erk · Faist · Postl)
Säule
Familie
Faist.
Sockel
7.2.4. Babenstuber.
Tafel
Christian Faist
Kaufmann
geb. 28. Sept. 1810, gest. 19. Mai 1849.
Johanna Erk
geb. Faist
Fabrikantensgattin
geb. 29. Juli 1841, gest. 24. Sept. 1899.
Friederike Postl
verw. Faist, geb. Brenck
kgl. Professorswitwe
geb. 13. Febr. 1818, gest. 13. Okt. 1897.
Georg Faist
kgl. Telegraphenverwalter a. D.
geb. 23. Okt. 1846, gest. 19. Jan. 1916.
- Erk, Johanna (vh) / Faist (gb); 29.7.1841 – 24.9.1899; Fabrikantens-Gattin
- Faist, Christian; 28.9.1810 – 19.5.1849; Kaufmann
- Faist, Georg; 23.10.1846 – 19.1.1916; Königlicher Telegraphenverwalter a. D.
- Postl, Friederike (vw) / Faist (vw) / Brenck (gb); 13.2.1818 – 13.10.1897; Professors-Witwe


#7 – 2 – 5·6 (Bauer)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Bauer, Anna (vw); – (29).3.1903 (München), 73 Jahre alt; Bäckermeisters-Witwe
- Bauer, Anna Maria (vh); – 14.9.1857 (München), 34 Jahre alt; Bäckermeisters-Gattin
- Bauer, Georg; – (4).6.1841 (München), 19 Jahre alt; Bäckermeisters-Sohn
- Bauer, Ursula (vw); – (5).8.1840 (München), 47 Jahre alt; Bäckermeisters-Witwe


#7 – 2 – 7·8 (Eichheim)
Hier ruhen
F. X. Eichheim, k. Rath
geb. 1776 † 1864
und dessen Gattin
Cäc. Eichheim geb. Eisenbarth,
geb. 1783 † 1849
deren Sohn
Ludwig Eichheim, k. Oberförster,
geb. 1807 † 1887
und dessen Gattin
Cresc. Eichheim geb. Vollnhals,
geb. 1821 † 1891.
Sockel
¿ Babenstuber
Linke Seite
Mathilde Eichheim,
geb. 1846 † 1895.
Clara Eichheim, geb. Wanney,
geb. 1866 † 1928.
Rechte Seite
Käthe Eichheim, geb. Harrer
Kunstschlossermeistersgattin
* 30.8.1864 † 26.1.1935
- Eichheim, Cäcilia (vh) / Eisenbarth (gb); 1783 – Mai 1849 (München); Rats-Gattin
- Eichheim, Klara (vh) / Wanney (gb); 1866 – 14.1.1928 (München); Oberstabsrats-Gattin
- Eichheim, Krescentia (vw) / Vollnhals (gb); 1821 – 8.4.1891 (München); Oberförsters-Witwe
- Eichheim, Franz Xaver; 1776 – 27.1.1864 (München); Königlicher Rat
- Eichheim, Käthe (vh) / Harrer (gb); 30.8.1864 – 26.1.1935; Kunstschlossermeisters-Gattin
- Eichheim, Ludwig; 1807 – Januar 1887 (München); Königlicher Oberförster
- Eichheim, Mathilde; 1846 – 30.9.1895 (München); Privatiere




#7 – 2 – 9 (Schmid)
Hier ruhen in Gott
Karl Aug. Schmid
* 17.II.1873 † 27.XII.1880.
Wilhelmine Schmid
* 11.V.1834 † 17.V.1899.
Johann Leonh. Schmid
* 22.VII.1827 † 7.V.1900.
Hans Seb. Schmid
* 22.VI.1862 † 21.VIII.1929
Karoline Schmid
* 26.III.1858 † 2.XII.1937
Sockel
Familien-Grabstätte.
- Schmid, Hans Seb.; 22.6.1862 – 21.8.1929
- Schmid, Johann Leonh.; 22.7.1827 – 7.5.1900
- Schmid, Karl Aug.; 17.2.1873 – 27.12.1880
- Schmid, Karoline; 26.3.1858 – 2.12.1937
- Schmid, Wilhelmine; 11.5.1834 – 17.5.1899


#7 – 2 – 19 (Böheim · Hartmann)
Familien-Grabstätte
Hier ruhet
¿ beste Gattin u. Mutter
Frau Anna Böheim,
bürgl. Eisenhändlers-Gattin,
geb. 12. Jan. 1800, gest. 22. April 1842.
Frau Anna Böheim,
gest. 11. März 18¿ im 52. Lebensjahre
Wilhelmine Hartmann,
kgl. Sekretärstochter,
geb. 19. Nov. 18¿4, gest. 26. April 1889.
Frau Anna Hartmann,
kgl. Amtgerichts-Sekretärs-Wittwe,
geb. 5. März 1836, gest. 19. November 1907.
Herr Max Hartmann,
Kaufmann
geb. 13. Juni 1860, gest. 6. Oktober 1924
- Böheim, Anna (vh) / Hartmann (gb); – 11.3.1875 (München), 54 Jahre alt; Kaufmanns-Gattin
- Böheim, Anna (vh); 12.1.1800 – 22.4.1842; Eisenhändlers-Gattin
- Hartmann, Anna (vw); 5.3.1836 – 19.11.1907; Amtsgerichtssekretärs-Witwe
- Hartmann, Max; 13.6.1860 – 6.10.1924; Kaufmann
- Hartmann, Wilhelmine; 19.11.18¿4 – 26.4.1889; Sekretärs-Tochter


#7 – 2 – 34 (Illing)
Obelisk
Illing.
Marie von Illing
Oberst¿
geb. 17. Sept. 18¿ gest. ¿
Oskar Illing
Major a. D.
zul. kgl. bayer. I. Inf. Regt. König.
geb. 7. Febr. 1854, gest. 23. Juli ¿
Sockel
Johann Illing,
k. b. Ingenieur-Oberst,
geb. 24. Dez. 1813, gest. 27. Nov. 1876.
Josephine Illing, geb. Kremer,
k. b. Ingenieurhauptmanns-Gattin,
geb. 15. Aug. 1822, gest. 24. Juli 1856.
sowie seine zweite Gattin,
Helene Illing, geb. Grimm
k. b. Ingenieur-Obersten-Witwe,
geb. 21. Mai 1833, gest. 31. Januar 1914.
Franz Ritter von Illing
Oberst z. D. zuletzt Generalstabschef 1. A. C.
geb. 14. März 1852. gest. 31. Dezbr. 1902.
Zum Gedächtnis seiner Söhne:
Hans Illing, k. preuss. Leutnant
geb. 23. Nov. 1889, gefallen u. begraben 22. Aug. 1914
in Filliéres in Frankreich.
Oskar Illing, Oberleutnant d. k. b. Inf.-Leib-Rgts.
Führer einer Kampfstaffel, geb. 21. Aug. 18¿7
gef. im Luftkampf 30. Juli 1916, begr. in Murville in Frankreich.
Tafel
Max Illing
k. Forstpraktikant
geb. 8. Dez. 1863, gest. ¿. März 1891
Marie Illing
Oberstenstochter
geb. 7. Aug. 1867, gest. 24. Nov. 1935
Linke & Rechte Seite
¿
- Illing, Franz Ritter von; 14.3.1852 – 31.12.1902 (München); Oberst
- Illing, Hans [in memoriam]; 23.11.1889 – 22.8.1914 (Filliéres/Frankreich); Königlich preussischer Leutnant
- Illing, Helene (vw) / Grimm (gb); 21.5.1833 – 31.1.1914 (München); Ingenieur-Oberstens-Witwe
- Illing, Johann; 24.12.1813 – 27.11.1876 (München); Königlich bayerischer Ingenieur-Oberst
- Illing, Josefine (vh) / Kremer (gb); 15.8.1822 – 24.7.1856 (München); Ingenieurhauptmanns-Gattin
- Illing, Marie; 7.8.1867 – 24.11.1935; Oberstens-Tochter
- Illing, Marie von; 17.9.¿ – ¿
- Illing, Max; 8.12.1863 – 21.3.1891 (München); Königlicher Forstpraktikant
- Illing, Oskar; 7.2.1854 – 22.7.1932 (München); Major a. D.
- Illing, Oskar [in memoriam]; 21.8.18¿7 – 30.7.1916; Oberleutnant










#7 – 2 – 51·52 (Schweykart)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Schweykart, Johann; – (1).12.1888 (München), 78 Jahre alt; Privatier
- Schweykart, Josef; – (14).6.1890 (München), 68 Jahre alt; Regierungsrat und Bezirksamtmann a. D.


#7 – 2 – 53·54 (Block · Hanrieder)
Herr Ludwig Block
* 27.IV.1837, † 22.XII.1890.
Herr Ludwig Block
* 24.IX.1875, † 31.VIII.1920.
Christine Block
* 13.II.1909, † 27.II.1921.
Herr Christian Block
* 24.IX.1875, † 18.XII.1922.
Frau Karoline Block
* 20.II.1852, † 29.IV.1939.
Grabstätte der Familie Block.
Linke Seite
Frau Marie Block
¿
Herr Christian Block
¿
Rechte Seite
Herr Christian Block
¿
- Block, Amalie; – 21.12.1874 (München), 3 Jahre alt; Strohhutfabrikantens-Tochter
- Block, Auguste; – 16.12.1874 (München), 1 Jahr alt; Strohhutfabrikantens-Tochter
- Block, Christian; – (12).6.1860 (München), 68 Jahre alt; Hofgürtlermeister
- Block, Christian; – (21).2.1881, 47 Jahre alt; Hofgürtlermeister
- Block, Christian; 24.9.1875 – 18.12.1922
- Block, Christine; 13.2.1909 – 27.2.1921
- Block, Elise (vw); – (11).4.1894, 56 Jahre alt; Hofgürtlermeisters-Witwe
- Block, Franziska (vh); – (22).9.1879, 43 Jahre alt; Strohhutfabrikantens-Gattin
- Block, Franziska; – (22).3.1881, 3 Jahre alt; Strohhutfabrikantens-Tochter
- Block, Georg; – (12).12.1871 (München), 45 Jahre alt; Schwertfeger
- Block, Georg; – 1.9.1861 (München), 5 Monate alt; Schwertfegers-Sohn
- Block, Karoline; 20.2.1852 – 29.4.1939
- Block, Luise; – (26).3.1872 (München), 3 Monate alt; Hofgürtlermeisters-Tochter
- Block, Ludwig; 24.9.1875 – 31.8.1920
- Block, Ludwig; 27.4.1837 – 22.12.1890
- Block, Marie (vh); – (15).6.1849 (München), 42 Jahre alt; Gürtlers-Gattin
- Hanrieder, Maria Anna (vw); – 22.10.1865 (München), 87 Jahre alt; Hartschiers-Witwe




#7 – 3 – 1 (Burlein · Seelmeyr)
Familien-Grabstaette.
Unter diesen
Marmor ruht mein ganzes Glück
Es ist mein vielgeliebter Mann
Josef Seelmeyr
Schuhmachermeister
geb. den 13. Jänner 1827,
gest. den 11. Septb. 1892.
Maria Seelmeyr
geb. Dopp,
geb. den 29. August 1934,
gest. den 31. Mai 1912.
Herr Michael Burlein
Steinmetzmeister
geb. den 13. März 1851,
gest. den 5. Oktober 1902.
Frau Rosina Burlein
geb. Seelmeyr,
Steinmetzmeisters-Gattin
geb. den 2. April 1857,
gest. den 28. Septb. 1883.
Sockel
Die Inschrift ist nicht erhalten
- Burlein, Michael; 13.3.1851 – 5.10.1902 (München); Steinmetzmeister
- Burlein, Rosina (vh) / Seelmeyr (gb); 2.4.1857 – 28.9.1883; Steinmetzmeisters-Gattin
- Seelmeyr, Josef; 13.1.1827 – 11.9.1892; Schuhmachermeister
- Seelmeyr, Maria (vw) / Dopp (gb); 29.8.1834 – 31.5.1912; Schuhmachermeisters-Witwe




#7 – 3 – 2 (Neumeyer)
Familiengrab Neumeyer.
Hier ruht
mein unvergeßlicher Gatte
Herr Hubert Neumeyer
städt. Baukommissions-Ingenieur
geb. 16. Sept. 1835 in Rosenheim,
gest. 6. März 1879 in München.
Frau Christine Neumeyer
geb. Krieger
geb. 21. Juli 1843, gest. 20. Febr. 1932.
- Neumeyer, Christine (vh) / Krieger (gb); 21.7.1843 – 20.2.1932
- Neumeyer, Hubert; 16.9.1835 (Rosenheim) – 6.3.1879 (München); Städtischer Baukommissions-Ingenieur


#7 – 3 – 37 (Rüber)
HIER RUHEN
EDUARD RÜBER
ARCHITEKT
ERBAUER DER LINDAUER
HAFENEINFAHRT
UND VIELEN BAYRISCHEN
BAHNHÖFEN
GEB. 17.5.1804, GEST. 10.11.1874.
KAROLINE RÜBER
UND IHRE KINDER
AURELIE U. THEOBALD
GUNDRAM KGL. B. MAJOR
OTTMAR HOFKAPELLMEISTER
- Rüber, Aurelie
- Rüber, Eduard; 17.5.1804 (Deisenhausen) – 10.11.1874 (München); Architekt
- Rüber, Gundram; 1834 (München) – 28.8.1897 (München); Major a. D.
- Rüber, Karoline (vw) / Nick (gb); 2.10.1812 (Stuttgart) – 27.8.1897 (München); Arzt-Tochter / Architektens-Witwe
- Rüber, Ottmar; 1843 (Nürnberg) – 6.7.1909 (München); Hofkapellmeister, Komponist und Sänger
- Rüber, Theobald





#Eduard Rüber
* 17.5.1804 (Deisenhausen)
† 10.11.1874 (München)
Architekt
#Nürnberger Kurier (28.7.1861)
In der literarisch-artistischen Anstalt der J. G. Cotta'schen Buchhandlung ist soeben erschienen und kann durch alle Buchhandlungen bezogen werden:
Das Rasendach
die wohlfeilste, dauerhafteste und feuersicherste Eindeckungsart für Stadt- und Landgebäude
von
Eduard Rüber,
königl. bayer. Regierungs- und Baurath, Ritter des k. b. Verdienstordens vom heiligen Michael und des herzoglich Sachsen-Ernestinischen Hausordens.
gr. 8 brochirt mit 3 Tafeln.
Preis fl. 1. 48 kr.
Der Verfasser sucht in obiger Schrift die entschiedenen Vortheile, welche ein Rasendach gewährt, nachzuweisen. Er erläutert nach gemachten Erfahrungen die Konstruktionsweise und liefert dabei Behelfe für die Kosten-Berechnungen solcher Dachungen.
Zur Empfehlung des Buches sei erwähnt, daß durch einen Erlaß des kgl. bayer. Staatsministeriums des Innern sämmtliche Kreis- und Distrikts-Baubehörden zur Anschaffung auf Regiekosten ermächtigt sind.
Nürnberger Kurier No. 208. Sonntag, den 28. Juli 1861.
#Tag- und Anzeigblatt für Stadt und Land (17.11.1874)
Politische und andere Neuigkeiten.
München, 13. Nov. Der k. Generaldirektionsrath, Herr Ed. Rüber, ist vorgestern im vollendeten 70. Lebensjahre in Folge einer Erkältung, welche er sich vor Kurzem bei Anlaß der Uebergabe der Eisenbahnlinie von Buchloe nach Memmingen von der Neubau-Abtheilung an der Sparte des Bahnunterhaltes zugezogen hatte, zu allgemeinen Bedauern gestorben.
Tag- und Anzeigblatt für Stadt und Land No. 258. Dillingen; Dienstag, den 17. November 1874.
#Gundram Rüber
* 1834 (München)
† (30).8.1897 (München)
Major
#Allgemeine Zeitung (31.8.1897)
Bayerische Chronik.
München, 30. August.
Beerdigung. Im südlichen Friedhof fand heute Nachmittags 4 Uhr die Beerdigung des Majors a. D. Guntram Rüber statt. Dem Sarge folgten zunächst die Verwandten, darunter Staats-Minister Dr. Frhr. v. Riedel als Schwager, und Hofcapellmeister Rüber als Bruder, dann ein langer Zug anderer Leidtragender, darunter die Staatsräthe v. May und Neymayr, Officiere etc. Der Verstorbene war im Jahr 1834 geboren und diente von 1853 bis 1884 im 2. Feldartillerie-Regiment vom Freiwilligen bis zum Major, machte die Feldzüge von 1866 und 1870/71 mit und erwarb sich in letzterem das Eiserne Kreuz.
Allgemeine Zeitung Nr. 241. München; Dienstag, den 31. August 1897.
#Karoline Rüber (vw) / Nick (gb)
* 2.10.1812 (Stuttgart)
† (29).8.1897 (München)
Arzt-Tochter / Architektens-Witwe
#Allgemeine Zeitung (30.8.1897)
Bayerische Chronik.
München, 30. August.
Beerdigung. Gestern Nachmittag 4 Uhr wurde im südlichen Friedhof die im Alter von 85 Jahren verstorbene Frau Generaldirectionsraths-Wittwe Rüber beerdigt. Hiezu hatten sich außer den nächsten Anverwandten, darunter Herr Finanzminister Frhr. v. Riedel als Schwiegersohn, eine besonders große Zahl Leidtragender eingefunden, so u. A. die staatsräthe v. Neumayr und v. Mayer. Die Verstorbene war geboren zu Stuttgart am 3. Oct. 1812 als Tochter eines praktischen Arztes dortselbst. Im Jahre 1833 vermählte sie sich und lebte in glücklichster Ehe, aus der zwölf Kinder stammten, von denen jetzt noch neun am Leben sind. Sechs volle Jahre lag die Geschiedene schwer leidend darnieder, bis sie nun der Tod erlöste. Das übliche Gebet schloß den Traueract. – Heute Nachmittag 4 Uhr findet die Beerdigung des der Mutter in den Tod gefolgten Sohnes, Hrn. Guntram Rüber, k. Majors a. D., im gleichen Friedhofe statt.
Allgemeine Zeitung Nr. 240. München; Montag, den 30. August 1897.
#Ottmar Rüber
* 1843 (Nürnberg)
† 6.7.1909 (München)
Hofkapellmeister, Komponist und Sänger
#Münchner Neueste Nachrichten (9.7.1909)
Theater und Musik
Hofkapellmeister Ottmar Rüber, Dirigent der k. Hofkapelle, ist vorgestern Abend auf dem Transport von seiner Wohnung ins Krankenhaus, das er eines Asthmaleidens wegen aufsuchen wollte, im Sanitätsmobil plötzlich an einem Herzschlag verschieden. Ursprünglich als Maler und Bildhauer akademisch ausgebildet, wandte sich Rüber später dem Studium der Musik zu und hat insbesondere auf dem Gebiete der Kirchenmusik einige schöne Kompositionen geschaffen. Der verstorbene verdienstvolle Musiker war Inhaber des Ritterkreuzes 4. Klasse des Michaelsordens, der k. bayer. Ludwigsmedaille für Wissenschaft und Kunst und des Ritterkreuzes des belgischen Leopoldordens.
Münchner Neueste Nachrichten No. 314. Freitag, den 9. Juli 1909.
#Münchner Neueste Nachrichten (10.7.1909)
Lokales.
München. 9. Juli.
Hofkapellmeister Ottmar Rüber †. Am Freitag Nachmittag trug man im südlichen Friedhof den so plötzlich verstorbenen Hofkapellmeister der k. Vokalkapelle Ottmar Rüber zu Grabe. Die Trauerfeier leiteten Mitglieder der Vokalkapelle in der Aussegnungshalle durch den Vortrag eines Trauerchores ein, hierauf setzte sich der stattliche Zug nach dem mit einer Fülle von Kranzspenden geschmückten Grabe in Bewegung. Vor dem Sarge schritt der große Kondukt der St. Ludwigspfarrei, mit den Angehörigen folgten der Bahre für die Hofmusikintendanz die Intendanzräte Grünewald und Zollner mit anderen Beamten der Intendanz, die Hofkapellmeister Fischer und Becht, Hoforganist Prof. Maier, Kammer- und Hofmusiker, Mitglieder der Vokalkapelle, der Akademische Gesangverein mit Fahne und zahlreiche sonstige Trauergäste aus allen Kreisen, darunter der Präsident der Akademie der Wissenschaften Dr. v. Heigel u. a. m. Der Gedächtnisrede des Geistlichen entnehmen wir, daß der Verstorbene 1843 zu Nürnberg geboren war, schon in früher Jugend nach München kam und daß sich in ihm schon bald hohe Talente sowohl für Musik wie für Malerei und Skulptur entwickelten. Fast 40 Jahre wirkte er an der Vokalkapelle, vorübergehend auch als Solorepetitor an der Hofbühne und fand mannigfache, wohlverdiente Auszeichnungen. Noch am 29. Juni leitete er in der Hofkirche die Aufführung einer von ihm komponierten Messe. — cand. jur. Schilling widmete »dem hochverdienten Ehrenphilister« namens des Akademischen Gesangvereins Kranz und Nachruf. Hofkapellmeister Rüber habe dem Verein zu einer Zeit seine Unterstützung gewährt, da er noch schwere Kämpfe für seine Ideale und Prinzipien zu bestehen hatte, und der Verein habe seinen treuen Mitkämpfer daher in dankbarer Anerkennung vor nahezu 25 Jahren zum Ehrenphilister ernannt. Unter Niederlegung einer Kranzspende für die Generalintendanz der Hoftheater und der Hofmusik ergänzte Intendanzrat Zollner das von dem Geistlichen bereits gegebene Lebensbild Rübers und würdigte namentlich noch seine ausgezeichneten Eigenschaften als Beamter, als Dirigent, als Komponist und als Mensch und Freund. Von den zahlreichen, sonstigen Kranzspenden seien hier noch erwähnt die der Musikalischen Akademie München und der Mitglieder der Vokalkapelle.
Münchner Neueste Nachrichten No. 317. Samstag, den 10. Juli 1909.
#Generalanzeiger der Münchner Neuesten Nachrichten (14.7.1909)
Ottmar Rüber.
(Ein freundschaftliches Gedenkblatt.)
Eben finde ich ferne von München in den M. N. N. die Kunde, daß Ottmar Rüber verschieden ist. Tief betrübt gedenke ich des alten Freundes, der mit so vielen — vielleicht zu vielen — Gaben von der Natur beschenkt, eine reiche Zukunft vor sich zu haben schien, bis sich die Hoffnungen, die er auf sich setzte, eine nach der andern verflüchtigten. Er ragte zu uns herüber als ein Zeichen aus jener heiteren Zeit, in der ein lustiges Künstlervölkchen. unbesorgt um den Tag, frei von Verwürfnissen, seinen Geist und Witz spüren ließ und Feste schuf, die uns Alten noch heute, nach 40 Jahren, köstliche Erinnerungen sind.
Wo sind sie nun alle hin, die damals die spiritus rectores waren? Otto Stöger (spätcr als Dekorationsmaler im Hoftheater beschäftigt) mit seinen unglaublich witzigen Improvisationen, Heinel, der Landschafter, mit seinem prächtigen Geigenspiel, Heinr. Spieß (der dann durch seine Arbeiten für König Ludwig II. sich auszeichnete), Adalbert Waagen, der bis zum Ende in Berchtesgaden den ernsten Schönheiten der gewaltigen Gebirgswelt seine Kunst in Dienst stellte, und allen voran Ottmar Rüber, der Plastiker, Zeichner, Komponist, Klavierspieler, Schauspieler, Sänger. In allen Sätteln war er gerecht, in jeder seiner Künste hervorragend, immer heiter, anspruchslos, zu jeder Gefälligkeit bereit, eine sonnig liebenswürdige Natur. Ueber seine Zukunft war er damals als junger Mensch noch nicht klar. Ich glaube, daß er im stillen gerne daran dachte, der bildenden Kunst sich zu widmen und daß seine seine Begabung ihn zu Hoffnungen berechtigte. Eine seiner kleinen Plastiken ist immer eine reizende Erinnerung. In seinem Zimmerchen an der Türkenstraße, wo ich ihn oft besuchte, um mit ihm zu musizieren, hatte er am Fenster eine Palme stechen. Und in ihrem Schatten war auf der Erde eine große Gesellschaft etabliert: Reisende Engländer mit großem Gefolge, Dienern und Trägern, Eseln und Kamelen, die sich's hier in der Oase, unter den Wedeln der Palme, wohl sein ließen. Und das alles so fein und zierlich, so lebendig und vollendet aus Wachs modelliert und leicht getönt, daß es eine Freude war, das Kunstwerk zu betrachten. Bald scheint aber die musikalische Neigung die Oberhand gewonnen zu haben. Auf dem Konservatorium älterer Gestaltung — noch vor der Umwandlung, die es durch Rich. Wagners Anregung erfuhr — hatte er unter Hausers Leitung ernste Studien gemacht in Kontrapunkt, Klavierspiel und Gesang.
Eine Reihe der schönsten Kompositionen Rübers stammt aus dieser und der späteren Zeit. Wohl eine seiner letzten wird die reizvolle Musik zu dem Festspiel »Vor hundert Jahren« gewesen sein, das gelegentlich des 100jährigen Jubiläums des Münchener Hoftheaters von Karl v. Heigel gedichtet und mit großem Beifall aufgeführt wurde. Aber eine frühere war noch bedeutender und verdiente wohl eine pietätvolle Wiedererweckung bei geeigneter heiterer Gelegenheit. Das war, als die lustige Künstlergesellschaft »Neumünchen« ihr großes »Historisches Musikfest« in der Westendhalle gab. Es wird wohl etwa 1865 gewesen sein. Da wurde in großen Zügen die Geschichte der Musik vorgeführt, beginnend mit den »Trompeten von Jericho« und endend mit einem Schubertschen Lied, das Heinel auf seinem selbsterfundenen »Sägolodikon« vortrug. Das Instrument war ein Sägebock, wie ihn die Holzmacher handhaben. Statt des Sägeblattes war ein Fidelbogen eingespannt. Und auf dem Holzbock darunter lag die Fidel, mit zwei Saiten — Tonika und Dominante — bespannt, über die nun der kunstfertige Heinel zu Heinrich Langs, des Schlachtenmalers, Klavierbegleitung, hin und her sägte. Der Glanzpunkt des Abends aber war Rübers großes Oratorium für Solos, Chor und Orchester: »Moses in Verlegenheit«, eine Dichtung von köstlichem Witze. Gura, der, wie ich glaube, noch Eleve des Konservatoriums war, Rübers intimer Freund, sang mit großer Kunst und effektvoller Entfaltung seiner Koloratur den »Moses«. Vom Inhalt weiß ich nicht mehr viel. Er behandelte den Auszug der Juden aus Aegypten, bei dem sich zeigte, daß es mit dem Silber im Tempelschatz nicht ganz in Ordnung schien, wobei Moses nicht einwandfrei war und in Verlegenheit geriet. Gott Vater half ihm aber heraus. Es war eine Musik, die ganz in der Weise der dem Publikum damals viel mehr als heute geläufigen Händelschen Oratorien zunächst die musikalische Parodie zum Zweck hatte, so fein und reizvoll, so reich in der Erfindung, daß die Zuhörer, zu begeistertem Beifall hingerissen, den Dichterkomponisten mit Jubel überschütteten. Es war vielleicht einer der größten Erfolge seines Lebens.
Ich habe schon seines außerordentlichen Klavierspieles gedacht. Er ist nie damit an die Oeffentlichkeit getreten. Oft war es mir vergönnt, mich in Stunden gemeinsamen Musizierens daran zu erfreuen. Aber in gesellschaftlichem Kreise machte er davon gelegentlich Gebrauch, unter anderm wenn er sich bewegen ließ, ein sogenanntes »Flötenkonzert« zum Besten zu geben, wobei er, höchst gewandt pfeifend und sich selbst improvisiert begleitend, jene anspruchsvolleren Kunstleistungen travestierte, wie man sie von einem Virtuosen im Konzertsaal zu hören bekam. Der Höhepunkt seiner pianistischen Leistung war sein »Hans Bülow«. Einige wenige Male sah und hörte ich ihn von Rüber dargestellt. Unvergeßlich ist, wie er da mit einigen Strichen seiner Hand den Schnurr- und den kurzen Knebelbart zurecht- und das Gesicht in Falten legte, daß schon die so rasch bereitete Maske uns den Meister zeigte, den wir ja oft im Konzert zu sehen gewohnt waren. Und nun legte er los, fegte über die Tasten, wie es eben nur ein Meister vermag, und parodierte mit tiefem Ernst und dadurch um so wirksamerer Komik die Mätzchen, die bekanntlich Bülow liebte. Da begrüßte er inmitten des lebhaftesten Spiels irgend einen Bekannten, den er im Publikum entdeckt, mit einem Winken der Hand, die er von den Tasten hobt oder er fixierte plötzlich einen der Hörer, der durch Sprechen sein Mißfallen erregte, so intensiv und mit so bohrenden Augen, daß man — Bülow zu sehen glaubte. Nie habe ich seitdem so geniale Komik am Klavier gesehen.
Diese eminente humoristische Begabung in Verbindung mit einer geradezu herrlichen Baritonstimme, die er auch gesangstechnisch trefflich zu meistern verstand, legten, uns seinen Freunden, und auch ihm, den Gedanken nahe, daß wohl auf dem Gebiet des Buffo seine Zukunft liegen müsse. Man mußte glauben, daß ihm hier reiche Erfolge nicht versagt sein könnten. Er hat sich auch auf der Bühne versucht; aber der Erfolg scheint ihn nicht befriedigt zu haben. Es lag vielleicht an dem Unglück jedes Debütanten auf einer ganz kleinen Bühne, daß man ihm nicht das gibt, wozu er berufen ist, sondern nur, wozu ihn eben der Direktor gerade braucht. Nie sprach er mir später davon. Nur eine Mitteilung besitze ich darüber in einem Briefe, den er mir — nicht schrieb, sondern zeichnete. Auf diesem köstlichen Blatt stellte er in Bildern seine Erlebnisse des Winters 1866/67 dar. Er bummelt in der Maximilianstraße, er sieht den Tanzenden auf einem Ball im Odeon zu, er reist ab. Der Wegweiser zeigt Würzburg als Ziel. Man sieht ihn als »Eremiten« im Freischütz, auch in einigen anderen Rollen; dann folgt die Entlohnung, die ihn der zierlich geschniegelte Direktor in einem — ach — nur ganz kleinen Beutelchen bietet, welches der Sänger mit einer drastisch ablehnenden Gebärde würdigt; er reist ab. Der Wegweiser zeigt München. Und wieder bummelt er in der Maximilianstraße. Und wieder steht er, den Zylinder vor sich haltend, im Odeonssaal. Der Traum war aus. Eine Verlegenheit war's nicht für ihn.
Rübers reiche musikalische Begabung und Bildung führten ihn dem Hoftheater und der Hofkapelle als Kapellmeister zu. Aber ein schon früh beginnendes und stets zunehmendes asthmatisches Leiden behinderte ihn körperlich im Dirigieren und wies ihn auf stillere musikwissenschaftliche Tätigkeit, zwang ihn damit, dem äußeren Erfolg vor der Bühne und an der Spitze des Orchesters zu entsagen. Sein Leideg wuchs in den letzten Jahren erschreckend. Andere Wege führten uns nicht selten zusammen. Aber eines Tages, als ich plaudernd mit ihm ging, blieb er nach Atem ringend stehen und sagte: »Laß Dich nicht von mir aufhalten. Gehen und reden, das kann ich nicht.« Traurig gab er mir die Hand, traurig verabschiedete ich mich von ihm, Wünsche aussprechend, an deren Erfüllung ich selbst nicht glauben konnte. Es war das letzte Mal, daß ich ihn sah. Er hat Ruhe und ist ein stiller Mann geworden, noch stiller, als er's in den letzten Jahren war. Und wenn's auch von großen Worten zu seinem Ruhm stille bleiben sollte, mögen diese kleinen den vielen Freunden, die er sich durch seine trefflichen Eigenschaften erworben hat, als Erinnerung an ihn und an schöne, alte Zeiten, die er mit seinem Geist und Humor zu verherrlichen wußte, von einigem Wert sein und damit ihm selbst ein bescheidenes Denkmal setzen.
Göscheuen am Gotthart. Dr. D.
Generalanzeiger der Münchner Neuesten Nachrichten Nr. 323. Mittwoch, den 14. Juli 1909.

#7 – 3 – 38·39 (Nordhoff)
FAMILIE
NORDHOFF
- Nordhoff, Maria; – 10.2.1877 (München), 8 Jahre alt; Kaufmanns-Tochter



#7 – 3 – 41·42* (Vacchiery)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Vacchiery, Josefine von; 8.2.1895 (München) – 21.5.1897 (Deggendorf)
- Vacchiery, Karl Albert von; 26.8.1746 (Dachau) – 12.11.1807 (München); Direktor der Akademie der bildenden Künste, Geheimrat
- Vacchiery, Karl Albrecht Ritter von; 31.8.1808 – 28.12.1857 (Dresden); Privatier
- Vacchiery, Leopold von; 1813 – 1815
- Vacchiery, Maria von (vw) / Biehly (gb); 27.9.1831 (Paris) – 12.4.1869 (München); Privatiers-Witwe
- Vacchiery, Maximiliana Franziska von; 1779 – 1795
- Vacchiery, Therese von (vh) / Jägerhuber (gb); 17.12.1781 – 23.9.1851 (München); Forstmeisters-Witwe
- Vacchiery, Therese von; 4.10.1805 (Deggendorf) – 3.4.1894 (München); Forstmeisters-Tochter


Das Grab ist nicht erhalten
#Karl Albert von Vacchiery
* 26.8.1746 (Dachau)
† 12.11.1807 (München)
Direktor der Akademie der bildenden Künste, Geheimrat
#Historisch-biographisches Handwörterbuch (1827)
Vacchiery (Karl Albert von), königl. bair. wirklicher geheimer Rath und Hofgerichtskanzler, Obercurator der baierischen Schulen und Director der historischen Classe der baierischen Academie der Wissenschaften in München, geb. zu Dachau 1745, besuchte die hohe Schule zu Ingolstadt, wurde in der Folge Hofrath, war von 1779–1781 Director der historischen Classe in der Academie der Wissenschaften, 1781 Mitglied der Universitätscuratel, 1787 wirklicher geh. Rath, und st. den 12. Nov. 1807. Er zeichnete sich durch unermüdeten Fleiß in Erfüllung seiner Amtspflichten aus, und errichtete 1783 eine Pensionsanstalt für die Wittwen der Advokaten. Er schrieb: Beurkundende Geschichte des Chorstifts in der Hauptkirche zu München, 2 Bde. Fol.; Grabschriften (gesammelt), 5 Bde. Fol., unter dem Titel: Bavaria subterranea, seu Epitaphia boica collecta etc.; Vacchierische Geschichte, 2 Bde. Fol. u. a. m.
Dr. Karl Florentin Leidenfrost: Historisch-biographisches Handwörterbuch der denkwürdigsten, berühmtesten und berüchtigtsten Menschen aller Stände, Zeiten und Nationen. Ilmenau; 1827.

#7 – 3 – 43 (Hoch · Lohmüller · Rath)
Familien-Grab
Rath u. Lohmüller.
Hier ruhen
Herr J. N. Lohmüller
Optiker
gest. 13. Mai 1870.
Herr Georg Hoch
gest. 24. Dez. 1881
und dessen Gattin Babette
gest. 10. Nov. 1876.
Unsere lieben Kinder
Babette, Elsa, Heinrich u. Anton Rath
mein unvergesslicher Gatte
Herr Heinrich Rath
k. b. Hof Optiker,
geb. 4. Aug. 1843, gest. 29. Jan. 1904.
Seine Gattin, unsere liebe Mutter
Frau Josefa Rath, geb. Hoch
geb. 24. Dez. 1844, gest. 16. Sept. 1909.
7.3.43. Schneider.
- Hoch, Babette (vh); – 10.11.1876 (München), 69 Jahre alt; Assekuranzbuchhalters-Gattin
- Hoch, Georg; – 24.12.1881 (München), 74 Jahre alt; Oberbuchhalter der München-Aachener Feuer-Versicherungs-Gesellschaft
- Lohmüller, Johann Nepomuk; – 13.5.1870 (München), 30 Jahre alt; Optiker
- Rath, Anton
- Rath, Babette
- Rath, Elsa
- Rath, Heinrich; 4.8.1843 – 29.1.1904 (München); Königlich bayerischer Hof-Optiker
- Rath, Heinrich
- Rath, Josefa (vw) / Lohmüller (vw) / Hoch (gb); 24.12.1844 – 16.9.1909; Optikers-Witwe






#7 – 4 – 3 (Bertenbreiter · Link)
Hier ruhen in Gott:
Herr Franz Link
Privatier,
geb. 29. Dez. 1800, gest. 3. März 1873.
Ihnen folgte:
Unsere liebe, gute Gattin und Mutter
Frau Frieda Link,
geb. Schindler,
geb. am 20. Sept. 1834,
gest. am 8. Febr. 1906 zu München.
Ihr folgte ihr treuer Gatte,
unser lieber Vater
Herr Franz Link,
Privatier, ehem. Schmiedmeister,
geb. am 5. Sept. 1829, gest. am 13. Mai 1910.
Ihnen folgte ihr Sohn
unser bester Gatte u. Vater
Herr Franz Link,
Schmiedmeister,
geb. 23. Okt. 1865 – gest. 9. Aug. 1936.
Sockel
Linke Spalte
Ernestina Anna Link,
geb. 17. Mai 1896, gest. 28. Aug. 1896.
Franz Link,
geb. 11. Aug. 1891, gest. 25. April 1897.
Maria Link,
geb. 28. Febr. 1894, gest. 30. Sept. 1903.
Rechte Spalte
Frau Frieda Bertenbreiter,
geb. Link, Schreinermeistersgatt.
geb. 12. Juli 1867, gest. 22. April 1900.
Creszentia Link,
geb. 7. Sept. 1871, gest. 10. April 1872.
Anna Link,
geb. 23. Okt. 1874, gest. 23. Okt. 1874.
Karl Link,
geb. 26. Juli 1876, gest. 17. Aug. 1877.
Joseph Link,
geb. 17. März 1872, gest. 28. Okt. 1877.
- Bertenbreiter, Frieda (vh) / Link (gb); 12.7.1867 – 22.4.1900; Schreinermeisters-Gattin
- Link, Anna; 23.10.1874 – 23.10.1874
- Link, Ernestina Anna; 17.5.1896 – 28.8.1896
- Link, Franz Xaver; 29.12.1800 – 3.3.1873 (München); Privatier, ehemaliger Rothgerbermeister
- Link, Franz; 11.8.1891 – 25.4.1897
- Link, Franz; 23.10.1865 – 9.8.1936; Schmiedmeister
- Link, Franz; 5.9.1829 – 13.5.1910; Privatier, ehemaliger Schmiedmeister
- Link, Frida (vh) / Schindler (gb); 20.9.1834 – 8.2.1906 (München); Privatiers-Gattin
- Link, Josef; 17.3.1872 – 28.10.1877
- Link, Karl; 26.7.1876 – 17.8.1877
- Link, Krezentia; 7.9.1871 – 10.4.1872
- Link, Maria; 28.2.1894 – 30.9.1903



#7 – 4 – 4 (Hammerschmid)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Hammerschmid, Georg; – Juni 1888 (München), 70 Jahre alt; Milchhändler


#7 – 4 – 23 (Menzinger)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Menzinger, Juliana (vh); – Mai 1888 (München); Schreinermeisters-Gattin


#7 – 4 – 44 (Bogner · Glötzner · Schierlitz)
Hier ruht
Fräulein
Katharina Bogner,
Privatiere
geb. in Weiden am 8. Mai 1828,
gest. dahier am 16. Sept. 1894.
Ihr folgte ihre Schwester:
Frau Margaretha Glötzner,
geb. Bogner, Privatiers-Wittwe;
geb. am 8. Mai 1828, gest. am 14. Juli 1896.
Fräulein Anna Bogner,
Privatiere
geb. 27. April 1826, gest. 13. Aug. 1907.
Sockel
Frau Käthe Schierlitz
geb. Glötzner, Postdirektorswitwe
geb. 27. Juni 1864. gest. 20. Nov. 1944.
- Bogner, Anna; 27.4.1826 – 13.8.1907; Privatiere
- Bogner, Katharina; 8.5.1828 (Weiden) – 16.9.1894 (München); Privatiere
- Glötzner, Margaretha (vw) / Bogner (gb); 8.5.1828 – 14.7.1896; Privatiers-Witwe
- Schierlitz, Käthe (vw) / Glötzner (gb); 27.6.1864 – 20.11.1944; Postdirektors-Witwe


#7 – 5 – 51 (Hermansdorfer)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Hermansdorfer, Franz; – (5).2.1894 (München), 42 Jahre alt; Buchhalter
- Hermansdorfer, Ursula (vw); – (30).9.1888 (München), 73 Jahre alt; Sattlermeisters-Witwe


#7 – 5 – 56 (Seitz)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Seitz, Otto; 3.9.1846 (München) – 13.3.1912 (München); Historienmaler, Landschaftsmaler und Zeichner


#Otto Seitz
* 3.9.1846 (München)
† 13.3.1912 (München)
Historienmaler, Landschaftsmaler und Zeichner
#Über Land und Meer (1883)
Otto Seitz.
(Hiezu das Porträt S. 1024 und das Bild S. 1025.)
»Aber es ist doch ewig schade,« sprachen Sie, meine schöne Reisegefährtin, auf unserer Retourfahrt von Würzburg, »wenn Sie das uns eben Erzählte nicht einem weitverbreiteten Blatte zur Verfügung stellen. Hunderte der Festgäste der Alma Julia, die den herrlichen Jubiläumszug bewunderten, möchten gewiß den genialen Arrangeur näher kennen lernen.«
Ob es mir aber gelang, wieder so zu erzählen wie damals unter dem Zauber Ihrer schönen Augen, mögen Sie selbst beurtheilen, meine Gnädige.
Professor Otto Seitz, geboren 1846, ist der Sohn des rühmlichst bekannten Graveurs und kundigsten Antiquitätensammlers M. Jos. Seitz, der mit Recht von Dr. Sepp der Münchener Benvenuto Cellini genannt wird. Hier wohl in der Kunstwerkstätte des Vaters mag der nachherige Professor seine ersten Anregungen zur Kunst erhalten haben, wie er denn heute noch mit Begeisterung erzählt, welch’ gewaltige Eindrücke die Rüstungen und Gobelins und holzgeschnitzten Madonnen auf ihn machten. Spielend führte ihn so der Vater in Kunst und Alterthumskunde ein und bald konnte der Knabe mit ziemlicher Sicherheit von einem Kunstgegenstande sagen, in welches Jahrhundert sein Geburtsdatum fällt.
Maler zu werden, war des Jungen einziger Wunsch. Er durchlief die Kunstgewerbeschule und lag als Akademiker mit seltenem Eifer dem Studium der Antike ob. Unermeßlich groß war seine Freude, wie er oft im Kreise trauter Freunde zu erzählen pflegt, als ihn Piloty, der beste Lehrer seiner Zeit, in die Komponirschule aufnahm. Das waren für ihn Tage der höchsten Begeisterung und des ernstesten Strebens. Die Akademie zeichnete seine Arbeiten mit den üblichen Preismedaillen aus und Piloty selbst war es, der den kaum fünfundzwanzigjährigen Mann als Lehrer für die Akademie vorschlug.
Was Otto Seitz uns seit diesem Dezennium geschenkt hat, ist eine Fülle von Bildern und Illustrationen, die schon ohne jeden Bezug auf ihren Werth unsere Achtung und Bewunderung erzwingen. Ihm ist Kunst Bedürfniß und Erholung – der Tag scheint für ihn zu kurz bemessen zu sein; denn wer in später Mitternachtsstunde in München die Schellingstraße entlang geht, der könnte ihn in den meisten Fällen noch arbeitend finden. Und diesem »Viel« seiner Schöpfungen gesellt sich das »Vorzüglich« nach Gehalt und Form. Wenn wir seine neuesten Illustrationen zu Goethe’s Werken (Deutsche Verlags-Anstalt in Stuttgart) bis zu seinen ersten uns vergegenwärtigen, so ist es ein Etwas, das uns fesselt – es ist die glücklichste Erfassung des packendsten Momentes, jedesmal ein Kernschuß – und wir bleiben gerne vor dem Bilde eine Weile, lassen dasselbe auf uns wirken und müssen anerkennen, daß es überall eine congeniale Schöpfung ist, die sein Stift uns vor Augen gestellt. Einer seiner unbestreitbarsten Vorzüge ist, daß ihm auf dem Wege vom Geiste bis zur Hand nichts verloren geht, daß er das eigene göttlich Empfundene in die schönste Form zu bannen weiß und unsere seelischen Saiten gleichsam zwingt, mitzuklingen. Hätte es Otto Seitz aus irgend welchem Grunde nur bis zum Illustrator gebracht, er hätte gleichwohl »gelebt für alle Zeiten«.
Aber unser Künstler ist noch größer in der Beherrschung der Farbe. Ein Blick in die Kataloge der Ausstellung von München, Philadelphia und Wien zeigt uns den Namen Otto Seitz, und die im Kampfe mit den bedeutendsten Meistern der Gegenwart errungenen Preise sind ein ehrendes Zeugniß für sein künstlerisches Gestalten.
Von seinen Werken sind besonders hervorzuheben: »Neptun’s Meerfahrt«, das seinerzeit in Amerika einen Sturm von Begeisterung hervorrief, dann »Riccio’s Ermordung«, »Welke Blätter«, »Der gute Stahl«, »Heimatsklänge«, »Faun und Nymphe« mit lebensgroßen Figuren in üppiger Landschaft. Pecht, der berühmte Kunstschriststeller schrieb darüber: »In Farbe und Technik erinnert das Bild an die besten Werke des Caravaggio und Spagnoletto.«
Wunderschön und geradezu ergreifend sind »König Eduard’s Söhne«, ein Werk, das ein bekannter Kunstkritiker mit Recht »Das hohe Lied des guten Gewissens« nannte. Die sorglos schlummernden prächtigen Knaben und die von Richard zur Ermordung der Neffen gedungenen Bravi sind trefflich kontrastirt und der Künstler hat mit seltenem Geschick die delikate Aufgabe gelöst, einen an sich entsetzlichen Vorgang auf eine wohl erschütternde, aber nicht abstoßende Weise vorzutragen.
Die Perle seiner Schöpfungen bleibt aber »Der gefesselte Prometheus«. Dieses herrliche Bild zeigt uns die überlebensgroße Figur des Titanen, an den Felsen in den scythischen Einöden mit ehernen Fesseln geschmiedet, wie er den Adler heranschweben sieht, welchen Jupiter sendet, um dem duldenden Heros die Leber auszureißen. Der titanische Trotz ist in dem schönen, männlichen Kopfe vollendet zum Ausdrucke gebracht und mit größter Meisterschaft ist die menschliche Form in Farbe und Zeichnung behandelt. Der einsame Felsen und das weite Meer bilden einen wirkungsreichen Gegensatz und geben dem Bilde den Charakter hoher Poesie.
Unser Künstler leistet aber nicht allein Hervorragendes im Figurenfache, er entzückt uns auch durch hochpoetische und großartige Landschaften; wir begegnen auf Ausstellungen und in Privatsammlungen manchem frischen Blumenstrauße und farbenprächtigen Stillleben.
Was Seitz als Lehrer ist, zeigt die hohe Zahl seiner Schüler. Alljährlich hört man das Lob des Meisters bei den öffentlichen Ausstellungen der Schülerarbeiten in der Akademie, man hört sein Lob aus dem Munde seiner begeisterten Schüler selbst, denen er nicht nur der gewissenhafteste Lehrer, sondern auch der väterlichste Freund ist.
Dürfen wir uns erlauben, einen Blick in seine stille Häuslichkeit zu werfen? Es sind nicht Prunkgemächer, in denen man uns empfängt: es ist ein gemüthliches Daheim, vom Künstler mit feinstem Geschmacke ausgestattet. »Alt und echt«, sagt Seitz mit besonderem Stolze, wenn wir seine hohen, reichgeschnitzten Kästen, seine Waffen und Majoliken bewundern. Hier waltet in stiller Geschäftigkeit die kluge Hausfrau, die Tochter eines geachteten Beamten, welche er sich vor zehn Jahren erkor. Und wie erschallen diese ernstschönen Räume von frischem Leben, wenn die drei Söhnchen des Meisters im Alter bis zu neun Jahren mit ihren jugendlichen Stimmen ein altes Florentiner Volkslied oder eine Barcarola singen. Der Künstler, obwohl ein guter Deutscher, schwärmt für das so oft bereiste Italien und in seiner Familie wird nur italienisch gesprochen. A rivederci. A. R.
Über Land und Meer No. 51. Allgemeine Illustrirte Zeitung. 52. Band. Sechsundzwanzigster Jahrgang. Oktober 1883–1884.
#Allgemeines Künstler-Lexicon (1901)
Seitz, Otto, Maler, geb. 3. Sept. 1846 in München, Schüler des Piloty. 1873 wurde er Professor an der Münchener Akademie. Von ihm Der entfesselte Prometheus, Riccios Ermordung, Lose Blätter – todte Liebe, Landschaften, Genrebilder, etc., ferner ein Todtentanz (Federzeichnungen, in der Münchener Jugend reproducirt). Med. Baltimore, Wien, München.
Allgemeines Künstler-Lexicon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Herausgegeben von Hans Wolfgang Singer. Vierter Band. Frankfurt am Main, 1901.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Seitz Otto, 1846 (München) 1912, Historien- und Landschaftsmaler, Zeichner und Akademieprofessor; er war ein Piloty-Schüler, stammt aus einer weitverzweigten Münchner Künstlerfamilie und war schon Mit 25 Jahren Akademieprofessor; von S. stammen außer mythologisch-historischen Bildern (Prometheus, Neptuns Meerfahrt, Riccios Ermordung) viele Landschaftsbilder und Illustrationen, darunter ein Totentanz (30 Blatt); dieser Romantiker hatte auch eine besondere Vorliebe für Szenen aus der englischen Geschichte sowie für Idylle und Stilleben (Waldhornblasen, Zopfdämchen, Blumenstücke und derbe Kinderporträts); S. ist ein vielseitiger und typischer Vertreter der neueren Romantik.
© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#7 – 6 – 44 (Boller)
LUDWIG
BOLLER
LANDSCHAFTS-
MALER
* 1862 † 1896
- Boller, Ludwig; 28.4.1862 (Frankfurt am Main) – 19.5.1896 (München), Tod durch Unfall; Landschaftsmaler


#Ludwig Boller
* 28.4.1862 (Frankfurt am Main)
† 19.5.1896 (München), Tod durch Unfall
Landschaftsmaler
#Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog (1897)
Boller, Ludwig, Landschaftsmaler, geboren am 28. April 1862 zu Frankfurt am Main, erhielt seine erste Ausbildung am Städel’schen Institut daselbst, ging 1883 nach Karlsruhe zu Hermann Baisch und 1886 nach München, wo er sich durch seine Landschaften alsbald einen geachteten Namen machte. Die malerischen Moosgegenden Oberbaierns boten ihm ein reiches Studienfeld: Weiden- und Erlen-begrenzte Bäche mit schilfumstandenen Altwässern, sanfte Hügelflächen mit ehrwürdigen Eichen waren seine Lieblingsmotive, die er zu vielen, fein empfundenen Studien und Bildern, darunter eine »Ernte« (1890), »Abend« (1892), welche im Kunstverein gerne angekauft wurden, verwerthete. Auch beschickte er regelmässig die Ausstellungen im Glaspalast und in der sog. Secession, immer als wahrer Dichter bildend und schaffend, indem er zugleich aus der Technik der Neueren Nutzen zog ohne ihre Einseitigkeit zu theilen. Inzwischen bethätigte sich Boller bei der Ausführung grosser Rundgemälde als Gehülfe von Philipp Fleischer u. A. So übernahm er 1894 den landschaftlichen Theil des für Lemberg bestimmten Panoramas »die Schlacht bei Raclawice«; im folgenden Jahre erhielt er den Auftrag, mit einem polnischen Künstler ein Rundgemälde mit der Aussicht von der hohen Tatra darzustellen. Mit Eifer unterzog er sich dieser Riesenarbeit und freute sich auf die Stunde, wo er wieder zu seinen zahlreich projectirten Staffeleibildern zurückkehren könne, verunglückte aber kurze Zeit vor der Vollendung des Panorama durch einen Sturz vom Gerüste am 11. Mai und verschied trotz sorgfältigster Pflege am 19. Mai 1896 – drei Monate nach seiner Verheiratung – innig betrauert von Allen, die seinen herzensguten Charakter kannten und den originellen Künstler zu schätzen wussten. Sein überraschend reicher Nachlass von sorgfältig gewählten Studien, welche grösstenteils schon den Charakter der daraus zu erwartenden Bilder trugen, erschien in drei Reihenfolgen im Dezember 1896 im Münchener Kunstverein; sie fanden alle in kurzer Zeit dankbare und freudige Käufer.
»Kunst für Alle« vom 15. Novbr. 1893; F. v. Boetticher: Malerwerke des XIX. Jahrh. 1895. Nekrolog im Rechenschaftsbericht des Kunstvereins für 1896. S. 73.
H. Holland.
Dr. phil. Hyazinth Holland: Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog. Berlin, 1897.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Boller Ludwig, 1862 (Frankfurt am Main) – 1896, Landschaftsmaler; B. erhielt seine erste Ausbildung am Städelschen Institut, ging 1883 nach Karlsruhe zu Hermann Baisch und 1886 nach München, wo er sich durch seine Landschaften alsbald einen Namen machte; die malerischen Moosgegenden Oberbayerns boten ihm reiches Studienfeld; B. betätigte sich auch bei der Ausführung großer Rundgemälde, so übernahm er 1894 den landschaftlichen Teil des für Lemberg bestimmten Panoramas »Die Schlacht bei Raclawice«; im folgenden Jahr erhielt er den Auftrag, mit einem polnischen Künstler ein Rundgemälde mit der Aussicht von der hohen Tatra darzustellen; kurz vor der Vollendung des Panoramas verunglückte B. aber durch einen Sturz vom Gerüst, dem er nach acht Tagen erlag.
© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#7 – 6 – 52 (Hannecker)
Hier ruhet in Gott
¿r Johann Hannecker
Trambahn-Condukteur
geb. zu Forbach 26. Januar 1849, gest. zu München 1. November 18¿
Herr Heinrich Hannecker
Mechaniker
geb. 1875, gest. 18. Aug. 1909.
Frau Maria Hannecker
Trambahnkondukteurs-W.
geb. 31. Dez. 1850, gest. 20. Jan, 19¿1
Sockel
Zur Erinnerung an meinen im Ehrenfriedhof
in Bukarest ¿ lieben Gatten
Herrn Leonhard Dö¿
¿
geb. 20. Mai 18¿, gest. 29. Dez. 1917.
7.8.52. ¿
- Hannecker, Heinrich; 1875 – 18.8.1909; Mechaniker
- Hannecker, Johann; 26.1.1849 (Forbach) – 1.11.1894 (München); Trambahnkondukteur
- Hannecker, Maria (vw); 31.12.1850 – 20.1.19¿1; Trambahnkondukteurs-Witwe



#7 – 7 – 2·3 (Arnold)
Grabstätte der Familie
Arnold.
- Arnold, Hugo; 12.5.1842 (München) – 3.10.1904 (München); Offizier und Schriftsteller

#Hugo Arnold
* 12.5.1842 (München)
† 3.10.1904 (München)
Offizier und Schriftsteller
#Münchener Stadt-Anzeiger (5.10.1904)
Todesfall. Gestern abend 8½ Uhr ist der kgl. bayer. Hauptmann a. D. Hugo Arnold nach langem, schwerem Leiden sanft entschlafen. Mit Hauptmann Arnold ist ein tapferer Veteran aus den Feldzügen von 1866 und 1870/71 und ein bekannter, namentlich auf ethnographisch-anthropologischem Gebiete tätiger Schriftsteller dahingegangen. Von 1892 bis 1895 gehörte er auch dem Redaktionsverbande der Allgemeinen Zeitung an, für deren Feuilleton und Beilage er bis in die letzte Zeit noch manchen Beitrag lieferte.
Münchener Stadt-Anzeiger und Bayrische Rundschau Nr. 458 der Allgemeinen Zeitung. Mittwoch, den 5. Oktober 1904.
#Münchener Stadt-Anzeiger (8.10.1904)
Beerdigungen. Zu gleicher Zeit [Beerdigung von Charlotte von Herigoyen] trug man einen tapferen Offizier, den kgl. bayer. Hauptmann a. D. und Schriftsteller Hugo Arnold zu Grabe. Zur Bezeigung der letzten militärischen Ehren war eine Kompagnie des Infanterie-Leib-Regiments mit Musik ausgerückt. Unter Vorantritt der Vereinigung ehemaliger Angehöriger des 11. Infanterie-Regiments setzte sich der Zug nach dem Grabe in Bewegung. Dem Sarge folgten als nächste Verwandte der Oberstudienrat Dr. Ritter v. Arnold. Rektor des Wilhelm-Gymnasiums und Mitglied des Obersten Schulrates, Staatsminister a. D. Exzellenz Dr. v. Landmann, der Direktor des Reichsarchivs Dr. Franz Baumann, Rektor Dr. Friedrich Ohlenschlager, der Vorstand des Kriegsarchive und Oberst a. D. Ritter v. Erhard, Professor Dr. Sigmund Günther, der kgl. Wirkl. Rat Chefredakteur Leher, Intendanzrat Moralt, die Mitglieder der Anthropologischen Gesellschaft, eine Offiziersdeputation des 2. Infanterie-Regiments, viele Schriftsteller, Gelehrte und andere Leidtragende. Der amtierende Geistliche entwarf ein kurzes Lebensbild des Verstorbenen und wies auf die vielen militärischen und publizistischen Ehren hin, die der Verstorbene sich errungen. Mit der Niederlegung reicher Kranzspenden schloß der Trauerakt.
Münchener Stadt-Anzeiger und Bayrische Rundschau Nr. 459 der Allgemeinen Zeitung. Samstag, den 8. Oktober 1904.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Arnold Hugo, 1842 (München) – 1904; A. war ursprünglich Offizier beim Bayerischen Infanterie-Leibregiment und nahm an den Kriegen von 1866 und 1870/71 teil; wegen seiner Tapferkeit erhielt er das Eiserne Kreuz und den bayerischen Militärverdienstorden; nach seiner 1887 wegen eines Kriegsleidens erfolgten Pensionierung wirkte er als Schriftsteller; er betätigte sich vorwiegend auf geschichtlichem, ethnographischem und anthropologischem Gebiet, betrieb Forschungen über römische Lagerplätze, Straßenzüge und Standquartiere in Bayern, leitete die Aufdeckung und Ausgrabung prähistorischer Gräber und Hügel, z. B. am Wörthsee, am Auerberg im Lechrain u. a., entdeckte die letzten Reste der von Heinrich dem Löwen erbauten Münchner Stadtmauer; auch die oberbayerischen Seen zogen ihn in den Kreis seiner historischen Betrachtung; er schuf so auch heitere kulturhistorische Landschaftsbilder aus der Urzeit; ziemlich spät machte A. noch Aufzeichnungen über sich selbst (»Unter General von der Tann«) und über alte Volksbräuche (Keferloher Pferdemarkt, Ortsnamen der Münchner Gegend, Tölzer Leonhardifahrt u. a.).
© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#7 – 7 – 4·5 (Niggl)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Niggl, Karl; – 5.5.1890 (München), 75 Jahre alt; ehemaliger Kaufmann und langjähriger Buchhalter bei J. A. Maffei



#7 – 7 – 7 (Graf)
Familien-Grab.
Hier ruhen in Gott:
Herr Josef Graf
Gastwirth,
geb. 14. Mai 1858, gest. 16. Sept. 1892.
Herr Martin Graf
Gütler von Türkenfeld,
geb. 28. Nov. 1816, gest. 23. April 1899.
Frl. Therese Graf
Gastwirts-Tochter,
geb. 13. Nov. 1891, gest. 26. Mai 1907.
Frau Therese Graf
Gastwirts-Gattin
geb. 17. Febr. 1873, gest. 21. März 1936.
Herr Georg Graf, Gastwirt,
geb. 14.4.1866, gest. 8.9.1939.
Rückseite
Sockel
Kosenbach. 7.7.7.
- Graf, Georg; 14.4.1866 – 8.9.1939; Gastwirt
- Graf, Josef; 14.5.1858 – 16.9.1892; Gastwirt
- Graf, Martin; 28.11.1816 – 23.4.1899; Gütler aus Türkenfeld
- Graf, Therese; 13.11.1891 – 26.5.1907; Gastwirts-Tochter
- Graf, Therese (vh); 17.2.1873 – 21.3.1936; Gastwirts-Gattin


#7 – 7 – 55 (Schimm)
Friedrich Schimm
† 20. Mai 1918
Philomena Schimm
† 5. März 19¿1
- Schimm, Friedrich; – 20.5.1918
- Schimm, Philomena; – 5.3.19¿1


#7 – 8 – 3 (Mayerhöfer)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Mayerhöfer, Kaspar; – 23.9.1877 (München), 67 Jahre alt; Klavierfabrikant
- Mayerhöfer, Margarethe Sofia (vw) / Bufhammer (gb); – (26).9.1883 (München), 73 Jahre alt; Rechnungsrevisors-Tochter aus Ansbach / Klavierfabrikantens-Witwe



#7 – 8 – 4 (Stocker)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Stocker, Anna; – (6).11.1891 (München), 24 Jahre alt; Schuhmachermeisters-Tochter
- Stocker, Johann Baptist; – (18).11.1905 (München), 69 Jahre alt; Schuhmachermeister
- Stocker, Johann; – (27).1.1890 (München), 21 Jahre alt; Schuhmachermeisters-Sohn
- Stocker, Josef; – (30).12.1886 (München), 20 Jahre alt; Schuhmachermeisters-Sohn


#7 – 8 – 7 (Neumayr)
Hier ruht
Herr Wolfgang Neumayr
k. Bahnexpeditor,
geb. am 16. Oktbr. 1823. gest. am 17. Novbr. 1888.
Dessen Gattin
Frau Walburga Neumayr
geb. am 10. April 1826. gest. am 30. Novbr. 1906.
Sockel
Familien-Grab.
Kosenbach.
- Neumayr, Walburga (vw); 10.4.1826 – 30.11.1906; Bahnexpeditors-Witwe
- Neumayr, Wolfgang; 16.10.1823 – 17.11.1888; Königlicher Bahnexpeditor


#7 – 8 – 10 (Herold)
Familie Herold
Hier ruht
unsere unvergeßliche geliebte
Gattin und Mutter
Frau Clara Herold
Rentamtsdienersgattin
geb. 30. April 1824 gest. 5. Januar 1895.
Ihr folgte unser lieber guter Vater
Herr Josef Herold
Rentamtsdiener
geb. ¿. April 18¿2 gest. 30. März 1900.
Tafel
Die Inschrift ist nicht erhalten
- Herold, Josef; – 30.3.1900; Rentamtsdiener
- Herold, Klara (vh); 30.4.1824 – 5.1.1895; Rentamtsdieners-Gattin


#7 – 8 – 23* (Guggumos)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Guggumos, Franz; – 8.5.1835 (München), 24 Jahre alt, Tod durch Selbstmord; Soldat
Das Grab ist nicht erhalten

#7 – 8 – 27* (Spieler)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Spieler, Franz Josef; – 7.5.1835 (München), 45 Jahre alt, Tod durch Selbstmord; Schreiber
Das Grab ist nicht erhalten

#7 – 9 – 2 (Staden)
Hier ruht in Gott
Fräulein Julie von Staden
aus Wolmar in Livland
geboren d. 14. Juli 1822
gestorben d. 4. Sept. 1890.
Christus ist mein Leben
und Sterben ist mein Gewinn. Philipper Kap 1,21.
- Staden, Julie von; 14.7.1822 (Wolmar/Letland) – 4.9.1890 (München); Rittergutbesitzers-Tochter


#7 – 9 – 5 (Meisinger)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Meisinger, Katharina; – Januar 1890 (München), 74 Jahre alt; Bäckers-Tochter


#7 – 9 – 7 (Melzer)
Familie
Melzer.
- Melzer, Rosina (vw); – 1886 (München); Gastwirts-Witwe


#7 – 9 – 9 (Stapf)
MARGARETE STAPF
29. JULI 1863 – 22. JULI 1909
ALOIS STAPF
30. NOVEMBER 1852 – 25. JULI 1916
- Stapf, Alois; – Juni 1888 (München); Ehemaliger Schuhmachermeister
- Stapf, Alois; 30.11.1852 – 25.7.1916 (München); Schuhmachermeister
- Stapf, Margarete; 29.7.1863 – 22.7.1909 (München); Schuhmachermeisters-Gattin


#7 – 9 – 10 (Bauer)


#7 – 9 – 36 & 38* (Opfer der Pulverexplosion auf dem Oberwiesenfeld)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Behr, Johann; – 16.5.1835 (München), 24 Jahre alt, Opfer des erweiterten Selbstmords von Stanislaus Schmitt durch Pulverexplosion auf dem Oberwiesenfeld; Bäckers-Sohn aus Urspringen/Remlingen / Unterkanonier
- Brandl, Nikolaus; – 16.5.1835 (München), 37 Jahre alt, Opfer des erweiterten Selbstmords von Stanislaus Schmitt durch Pulverexplosion auf dem Oberwiesenfeld; Häuslers-Sohn aus Wiesend/Regenstauf / Bombardier
- Brindl, Karl; – 16.5.1835 (München), 19 Jahre alt, Opfer des erweiterten Selbstmords von Stanislaus Schmitt durch Pulverexplosion auf dem Oberwiesenfeld; Zeughausschäfflers-Sohn aus München
- Daller, Michael; – 16.5.1835 (München), 41 Jahre alt, Opfer des erweiterten Selbstmords von Stanislaus Schmitt durch Pulverexplosion auf dem Oberwiesenfeld; Oberfeuerwerker und Magazinaufseher
- Gottlieb, Johann; – 16.5.1835 (München), 21 Jahre alt, Opfer des erweiterten Selbstmords von Stanislaus Schmitt durch Pulverexplosion auf dem Oberwiesenfeld; Häuslers-Sohn aus Pfaffenhofen / Unterkanonier
- Hagemann, Karl; – 16.5.1835 (München), 22 Jahre alt, Opfer des erweiterten Selbstmords von Stanislaus Schmitt durch Pulverexplosion auf dem Oberwiesenfeld; Cafetiers-Sohn aus München / Artilleriekorporal
- Schmitt, Stanislaus; – 16.5.1835 (München), 23 Jahre alt; Tod durch erweiterten Selbstmord – Pulverexplosion auf dem Oberwiesenfeld; Lehrers-Sohn aus Apfeldrang/Günzburg / Oberkanonier
- Stückl, Bartholomä; – 16.5.1835 (München), 31 Jahre alt, Opfer des erweiterten Selbstmords von Stanislaus Schmitt durch Pulverexplosion auf dem Oberwiesenfeld; Zeugdiener
- Weber, Johann; – 16.5.1835 (München), 25 Jahre alt, Opfer des erweiterten Selbstmords von Stanislaus Schmitt durch Pulverexplosion auf dem Oberwiesenfeld; Unteroffiziers-Sohn aus Würzburg / Oberkanonier


Das Grab ist nicht erhalten
#Stanislaus Schmitt
† 16.5.1835 (München), 23 Jahre alt; Tod durch erweiterten Selbstmord – Pulverexplosion auf dem Oberwiesenfeld
Lehrers-Sohn aus Apfeldrang/Günzburg / Oberkanonier
#Die große Pulver-Explosion zu Oberwiesenfeld bey München, am 16. May 1835.
Eine aus dem bayer. Volksfreund entnommene geschichtliche, getreue Darstellung aller bei diesem durch die Hand der Bosheit herbeigeführten großen Unglücke sich ergebenen traurigen Ereignisse und Merkwürdigkeiten.
Ein höchst beklagenswerthes, unglückliches Ereigniß hat Sonnabend am 16. Mai Nachmittags die Einwohnerschaft der Hauptstadt und die ganze Umgebung derselben in Schrecken und Betrübniß versetzt. Es war nämlich zwischen halb und dreiviertel auf 4 Uhr, als ein furchtbarer, gleich einem Erdbeben Luft und Erde erschütternder Schlag, so wie auch eine langsam und drohend von Norden nach Osten hoch über die k. Residenz schwebende, schwarzgraue große Rauchwolke, die Explosion des Pulvermagazins zu Oberwiesenfeld verkündete.
Die Verwirrung, die Angst und der Schrecken in der Stadt war allgemein. Jeder Hausherr oder Inwohner glaubte ein Erdbeben würde die Stadt vernichten, und laut klagend stürzten sich die Leute aus den Häusern auf die Straße, wo man ihnen in dem ersten Augenblicke des Schreckens kein Bescheid über das Geschehene mittheilen konnte.
Der Luftdruck und die Erderschütterung war so gewaltig, daß nicht nur in der benachbarten Umgebung des Magazins viele Häuser bedeutend beschädigt, die Fensterstöcke und Thüren etc. aus den Angeln gerissen, die Bedachung zertrümmert, sondern auch in der Stadt selbst und auch noch in den Vorstädten ein großer Theil der Fenster zerschmettert wurden. In der Pinakothek, Glyptothek und den benachbarten Gebäuden wurden nicht nur alle Fenster zertrümmert, sondern auch die Kreuzstöcke und Thüren herausgerissen, und in der ganzen Karls- und Türkenstraße war kein ganzes Fenster mehr zu sehen; in der Sonnenstraße und andern Orten sind sogar die Gläser und Blumentöpfe über die Tische und Stellagen geworfen worden. In den Kasernen, der k. Residenz, dem Münzgebäude, dem Zeughause, wurden größtentheils die Fenster zerschmettert, an der Frauenkirche ein Theil des Daches eingestürzt, und sogar in dem beinahe dreiviertel Stunden weit entfernten Krankenhaus die Fenster eingeschlagen. In Schwabing stürzten einige Städeln ein, und wurden ebenfalls, wie in einem Distrikt der Vorstadt Au und Haidhausen, die Fenster zertrümmert. Ein Maurer-Handlanger wurde am neuen Posthaus-Baue von dem Gerüste heruntergeschleudert, als wäre er vom Blitze erschlagen worden.
Ein verstümmelter Menschen-Arm wurde bis in das Innere der Pinakothek, und ein eisernes Zentner-Gewicht bis nach Schwabing geschleudert.
Weitern Nachrichten zu Folge sind dann nicht nur in den mehr als eine Stunde weit entfernten Dorfe Vöhring und Ismaning, sondern sogar an den hochgelegenen Gebäuden zu Freising und derselben Umgebung, viele Fenster zertrümmert worden. Merkwürdig ist besonders, wie weit bei diesem unglückseligen Ereignisse die Körpertheile der Verunglückten geschleudert wurden, denn bis jetzt hat man sogar einige derselben in der über eine Stunde weit entfernten Gegend der Sternwarte und der Hirschau aufgefunden, und man vermuthet daher nicht ohne Grund, daß noch mehrere Reste der zerrissenen Leichnamen in eine weitere Entfernung geschleudert worden sind.
Eingekommenen Nachrichten zu Folge ist die Pulver-Explosion selbst auf der 44 Stunden entfernten Festung, Oberhaus bei Passau, von den wachhabenden Kanonieren vernommen worden.
In Zeit von einer halben Stunde war der weite Raum des Unglücks und der Vernichtung mit vielen Tausenden von den zu Wagen, zu Pferde und Fuß herbeigeeilten Einwohnern der Stadt und benachbarten Umgebung bedeckt, und es war gräßlich anzusehen, wie da Einer den halben Arm, dort Einer den Theil von einen Schenkel, einer Hand, oder sonst einen verstümmelten, schwarz verbrannten und kaum mehr kennbaren Theil eines Leichnams von den Feldern herbeischleppte.
Bei dieser furchtbaren Explosion sind leider 9 Menschen, welche in diesem Augenblicke beim Umleeren des Pulvers in andere Fässer beschäftigt waren, ein Opfer des Todes geworden!
Der vor diesem Pulvermagazine gestandene Wachtposten wurde 3 bis 400 Schritte in einen Graben geschleudert, allein in einem solchen Zustande, ohne alle Kleidungsstücke, ohne Kopf und mit zerrissenen Gliedmassen gefunden, daß man gerade nur noch einen menschlichen Leichnam an diesen wenigen Resten erkennen konnte. Von den Leichnamen der andern 8 Individuen konnten bis jetzt in einem Umkreise von einer Viertelstunde, nur einige kleine Gebeine und andere schwarze Fleischrerste, hie und da das Stück von einer Hand oder einen Theil des Fußes, auf den Feldern aufgefunden werden, auf welchen die rauchenden Trümmer der Pulverfässer, des Holzgebälkes und die Steine des Gebäudes nach dem Windstriche bis in die Nähe der Türkenstraße geschleudert wurden. Auf dem Platze selbst, wo das Magazin gestanden hat, in welchem sich einige hundert Zentner Pulver und einige laborirte Munition befunden haben mögen, war das Mauerwerk dergestalt aus dem Grund und Boden gerissen und vernichtet, daß man nur aus der Verwüstung und Aufwühlung der Erde die Stelle mehr erkennen konnte, wo das Magazin gestanden ist.
Merkwürdig ist dabei der Umstand, wie wunderbar ein Kanonier bei diesem Ereigniß dem Tode entkommen ist. Der Magazin-Aufseher sandte wie vom Himmel ermahnt, den Bombardeur Osteried wenige Augenblicke vor der Explosion mit einen Brief auf die Post, kaum aber war er so weit entfernt, daß ihn das Unglück nicht mehr erreichen konnte, so wurde er von dem gewaltigen Schlag der erfolgten Explosion zwar zu Boden geworfen, aber am Leibe nicht beschädigt. Die bei 150 Schritte von dem Pulvermagazin entfernte Wachtmannschaft wurde von den zertrümmerten Fenstern und Theilen des ziemlich ruinirten Wachthauses zwar verwundet, jedoch keiner von den Soldaten bedeutend beschädigt, indem glücklicher Weise dieses Wachthaus sich in diesem Augenblick außer dem Windstriche befunden hat. Recht sehr wird indeß der traurige Umstand bedauert, daß der verunglückte Magazinär eine Frau mit fünf Kindern hinterläßt, welche sich auch noch im schwangern Stande befindet; die übrigen Verunglückten sind bis auf den Zeugdiener, nicht verheirathet.
Während in der Stadt nun über die Veranlassung dieses großen Unglückes verschiedene Gerüchte und Meinungen in Umlauf gekommen sind, die größtentheils die Schuld der Explosion der Unvorsichtigkiit zumuthen wollten, hatte man am Sonntage Morgens bei der vorgenommenen Montur-Visitation der verunglückten Artilleristen in dem Tornister des mitverunglückten Oberkanoniers Stanisl. Schmitt, einen eigenhändigen Brief aufgefunden, aus welchen man die schreckliche Gewißheit erhielt, daß dieser Elende aus Rache und Bosheit wegen angeblicher schlechter Behandlung das Pulvermagazin absichtlich, und vermutlich mit einem chemischen Zündhölzchen, angezündet hat. Dieser Kanonier ehemals ein Student, welcher gegenwärtig drei Jahre im königl. 1. Artillerie-Regimente gedient, hat laut den Aeußerungen seines hinterlassenen Briefes diese Schandthat schon seit längerer Zeit beschlossen, und sich zu diesem Zwecke an dem betreffenden Tage von dem Zeughausdienste zu den Arbeiten in dem Pulvermagazin absichtlich vertauscht, und leider mit kanibalischer Bosheit sich und noch 8 schuldlose Menschen hingeopfert! Der erwähnte Brief lautet wie folgt:
»Die schon seit längerer Zeit erlittene unwürdige Behandlung von Seite der Unteroffiziere der 1sten Linien-Batterie, dann die Sorge für meine fernere Existenz, die ich als Soldat äußerst gefährdet sah, bewog mich, meinem Leben auf eine gewaltsame Weise ein Ende zu machen, und zwar: daß ich den Pulverthurm in die Luft sprengte.
Möge mir mein Vorhaben gelingen: möge ferner dieses Ereigniß den betreffenden Behörden einen Wink geben, Sorge zu tragen, daß Leute, die durch ihre Bildung Anspruch auf eine bessere Behandlung halten, nicht behandelt werden, wie mir das Unglück zu Theil wurde, sonst könnte ein noch größeres und nicht in materieller Hinsicht allein bedauernswürdiges Unglück entstehen.«
Stanislaus Schmitt.
Ein zweiter Brief, den er einige Tage früher an einem aus seinen frühern Studien-Jahren bekannten hiesigen Geistlichen schrieb, der ihn öfters lehrreiche Ermahnungen gegeben und auch einige Unterstützungen zukommen ließ, lautet ungefähr wie folgt:
P. P.
Die traurige Lage, in welcher ich mich befinde, läßt mir zwar recht sehr die Reue fühlen, Ihren freundlichen Ermahnungen kein Gehör gegeben zu haben; allein nachdem ich Skribent zu werden gedenke, und zu diesem Zwecke eine Reise zu machen nothwendig habe, so finde ich mich veranlaßt, Euer Hochwürden neuerdings um eine kleine Unterstützung zu bitten, und verbleibe etc.
Nachdem nun auf dieses Schreiben weder eine Unterstützung noch eine Antwort eingekommen ist, so begab er sich den Tag vor seiner ruchlosen That, nämlich am Freitage, persönlich zu dem Geistlichen Herrn, um die Antwort zu erholen; allein derselbe, welcher wohl wußte, wie nutzlos eine Gabe an diesem Menschen verschwendet wird, hatte den Bittsteller mit dem Bescheid abgefertigt: daß er in Rücksicht der Unterstützung zu sehr von würdigen Kandidaten der Theologie in Anspruch genommen ist, als daß man auch noch Ex-Studenten berücksichtigen könne. Dieser Brief, welcher sich, wie man vernimmt, bei der kompetenten Behörde befindet, wird auch die Identität des erstern Briefes vollkommen erwiesen.
Am Montag den 18. Mai Nachmittags 3 Uhr wurden die aufgefundenen sterblichen Reste der durch die Pulver-Explosion verunglückten neun Individuen in zwei Särgen feierlichst zur Erde bestattet. Die große und allgemeine Theilnahme der gesammten Einwohnerschaft der Hauptstadt an diesem unglückseligen, schaudervollen, in den Annalen der Weltgeschichte denkwürdigen und gewiß in seiner Art beispiellosen Ereignisse, hat sich auch bei diesem eben so seltenen als bedauerungswürdigen Leichenzuge wieder lebhaft ausgesprochen; denn das Menschengedränge an der Grabstätte war so groß, daß die Träger der Särge sich kaum durchdrängen konnten. Der Trauerzug bewegte sich von dem Militär-Haupt-Spitale aus, von einem kommandirenden Artillerie-Offizier und 80 Mann mit Unter- und Obergewehr bewaffneten Artilleristen und 3 Trompetern begleitet, auf dem Kirchhofe. – Auf dem Leichenwagen befand sich ein Artillerie-Unteroffiziers-Kasket von einem mit weißen Rosen geschmückten Lorbeerkranz umwunden, und sonstens keine Insignen. Dem Leichenwagen folgte eine große, ehrenvolle Begleitung. Sr. Excellenz dem Herrn Generallieutenant Freiherrn von Colonge mit dem Kommandanten des k. 1sten Artillerie-Regiments, Hrn. Obersten v. Göschl an der Spitze, folgte das gesammte Offizier-Korps des k. 1sten Artillerie-Regiments mit mehreren Offizieren der Garnison, dann einige Stabsoffiziere und Mitglieder der k. Zeughaus-Hauptdirektion und dir Administrations-Beamten derselben, mehrere Hartschiere; ferners die Werkmeister der Ouvrier-Kompagnie, sowie die Unteroffiziere des 1. Artillerie-Regiments und viele Unteroffiziere der hiesigen Garnison, dann beinahe die ganze hiesige Kompagnie der k. Stadtgendarmerie. Als am Thore des Friedhofes der Leichenwagen angekommen, und die Träger die zwei Särge übernommen hatten, war der Anblick dieses Zuges herzerhebend und tieferschütternd! Der alte Schwiegervater des verunglückten Magazin-Aufsehers Daller wankte, so wie die unglückliche Gattin desselben, die späterhin ohnmächtig von dem Grabe getragen werden mußte, dem Sarge nach, der vielleicht nicht das kleinste Gebein von dem so schauderhaft dahin Geschiedenen umschloß; – und seine guten Kinder, welche zum Theil auf den Armen nachgetragen wurden, weinten laut um ihren Vater, der nicht mehr heimgekommen ist von seinem Dienste, den er immer getreu und redlich vollbracht!
Bei Einsenkung der beiden Särge wurden von dem im Friedhofe aufgestellten militärischen Leichen-Condukte eine dreimalige Musketen-Salve gegeben, und nach derselben, als der Priester das Grab-Gebeth verrichtet hatte, erstattete dieser über die unglücklichen Todesopfer der um die Gräber versammelten leidtragenden Menge folgenden individuellen Bericht:
»Unter denjenigen, die der Herr zu sich gerufen hat und deren Todtenfeier wir dahier begehen, befinden sich:
1tens der Magazins-Aufseher, Oberfeuerwerker Michael Daller aus München, 41 Jahre alt, mit 27jähriger Dienstzeit, Vater von 5 unmündigen Kindern;
2tens Artillerie-Korporal Karl Hagemann, Kaffetiers-Sohn aus München, 22 Jahre alt;
3tens Bombardeur Nikolaus Brandl, Häuslers-Sohn von Wiesend, k. Landg. Regenstauf, 37 Jahre alt;
4tens Oberkanonier Johann Weber, Unteroffiziers-Sohn aus Würzburg, 25 Jahre alt;
5tens Unterkanonier Johann Behr, Bäckers-Sohn aus Urspringen, k. Landg. Remlingen, 24 Jahre alt;
6tens Unterkanonier Johann Gottlieb, Häuslers-Sohn aus Pfaffenhofen, k. Landg. Weißenhorn, 21 Jahre alt;
7tens Oberkanonier Stanislaus Schmitt, Schullehrers-Sohn aus Apfeldrang, k. Landg. Günzburg, 22 Jahre alt;
8tens Zeugdiener Bartholomä Stückl aus Gräfenried, k. Landg. Weilheim, 31 Jahre alt, verheirathet, mit Hinterlassung eines angenommenen Waisenkindes;
9tens N. Brindl, b. Zeughaus-Schäfflers-Sohn von München, 19½ Jahre alt.«
Nachdem nun dieser priesterliche Akt der Einsegnung vollendet war, nahm der protestantische Geistliche das Wort, und hielt über die seiner Confession Angehörigen eine der schmerzlichen Veranlassung dieser Todtenfeier angemessene ergreifende Rede, und nach derselben beschloß eine von den Verwandten der Verunglückten veranstaltete Grabmusik die Leichenfeier, die nicht nur den Angehörigen und Bekannten der unglücklichen Opfer unmenschlicher Bosheit; sondern auch vielen andern Zuschauern und leidtragenden Menschen Thränen der Wehmuth und des innigsten Mitleides unwillkührlich entlockt hatten.
Die Geschichte liefert uns zwar viele Gräuelthaten der raffinirtesten Menschen-Bosheit und Entartung, und schreckliche Handlungen von den Grausamkeiten der Rache; allein, zu einen solchen Meuchelmord, wie Schmitt ihn vollbracht, und ihn derselbe, wie seiner kalten, verwegnen, der Gott und Menschheit Hohn sprechenden, wahrhaft teuflischen Schadenfreude gemäß zu folgern ist, noch allgemeiner, furchtbarer vollbringen wollte; – haben wir nichts ähnliches dieser Ar- von Verbrechen aufzuweisen? Denn wäre nicht an diesem verhängnißvollen Tage ein schlechtes Wetter eingefallen; so würden die Straßen der Umgegend frequenter, auch ein größerer Dienst auf dem Exerzierplatze gewesen und bei einem allenfalls veränderten Windzüge dürfte das Unglück nicht zu berechnen gewesen seyn. Es hätten in einem solchen Falle mehrere Hundert Menschen unter den Trümmern ihrer Häuser begraben werden können; – und das alles konnte einem Menschen, der 3 Jahre als Kanonier Dienste leistete, und dem die verheerenden Wirkungen des Pulvers wohl bekannt waren, nicht entgehen, und daher wird dieses Ereigniß, im Hinblicke der Veranlassung eben so schmachvoll und schändlich, als in Ansehung der so entsetzlich dahin geopferten, schuldlosen Menschen, in der Geschichte beklagenswerth erscheinen, und die ruchlose Gräuelthat selbst aber, nicht einmal auf dem Gebiethe der größten Frevel menschlicher Verworfenheit, ein solches Beispiel aufzuweisen haben.
Der für die Einwohner der Hauptstadt München gewiß unvergeßliche Tag, nämlich der 16. Mai 1835, an welchem das schreckliche Ereigniß dieser Pulver-Explosion, in Ansehung der damit verbundenen, höchst beklagenswerthen Umstände stattgefunden hatte, und jedes Menschengemüth empören mußte, ist wirklich reich an seltsamen, traurigen, merwürdigen und wunderbaren Erscheinungen, welches dieses gräßliche Unglück herbeigeführt hat; aber unter allen diesen Ergebnissen des Entsetzens und der großen Schrecknisse, dürfte sich wohl folgende Thatsache am meisten interessant und merkwürdig darstellen. Der Bruder des verunglückten Artillerie-Korporals Hagemann, ebenfalls Unteroffizier beim königl. Infanterie-Leibregimente, war eben im Begriff wegen einer anzutretenden Urlaubsreise von seinem geliebten Bruder in dem Magazine zu Oberwiesenfeld Abschied zu nehmen, als ihn auf halbem Wege dorthin die plötzliche Explosion beinahe zu Boden schmetterte, und der erste Blick nach seinem Erstaunen über dieses ihn unerklärbare Ereigniß fiel auf die abgerissene Hand seines unglücklichen Bruders, die zwar zerrissen, aber an dem wohlbekannten Siegelring, der sich noch an den schwarzen Fingern befand, kennbar genug auf dem Felde neben andern traurigen Resten der Zerstörung zu seinen Füßen lag. – Etwas später eilte sein Vater zu Pferde hinaus auf dem Platze des Schreckens und der Vernichtung, und als er auf dem Wege dahin die schreckliche Kunde von dem Tode seines Sohnes vernahm, sank der unglückliche Vater ohnmächtig von dem Pferde, das ihn auf jenen Platz getragen, wo eine verstümmelte Hand, als der einzig kennbare Theil von seinem verunglückten Sohne, und zwar von dem eigenen Bruder aufgefunden wurde.
Donnerstag den 21. May – wurde in der St. Michaelskirche ein größerer, solenner Trauergottesdienst für die bei der Pulver-Explosion Verunglückten, mit Predigt gehalten, durch welche alle zahlreich in der Kirche befindlich gewesenen Andächtigen tief und bis zu Thränen ergriffen wurden. Das ganze Artillerie-Regiment ist zu diesem Zwecke in Parade ausgerückt, und von dem Offiziers-Korps der übrigen Regimenter und Abtheilungen hiesiger Garnison, sowie von den Unteroffizieren derselben, hatte eine Deputation dem Gottesdienste beigewohnt. Die durch dieses beispiellose Ereigniß verunglückten Militärs sind (mit Ausnahme des Thäters) im Dienste bei der getreuesten Erfüllung ihrer Pflichten und eines schweren Berufes auf die entsetzlichste Weise durch das Werk der Menschenbosheit schuldlos umgekommen, und daher hat man ihnen auch mit vollem Rechte noch größere Ehren und Auszeichnungen angedeihen lassen, als denjenigen, welche auf dem Schlachtfelde gefallen sind.
So viel man vernimmt, wird dem kleinen sterblichen Reste der so höchst beklagenswerth Dahingeschiedenen auf dem Friedhofe ein Monument gesetzt werden.
Der Schaden, welcher durch die Pulver-Explosion zertrümmerten Fenster den königlichen Gebäuden zugegangen ist, wird vor der Hand auf 25,000 fl., und jener an den andern Gebäuden der Stadt und deren Umgebung auf mehr als 200,000 fl. angeschlagen.
Stanislaus Schmitt,
Oberkanonier im königl. 1ten Artillerie-Regimente, Mordbrenner und Selbstmörder.
In Betreff der früheren Laufbahn des unglücklichen Stanislaus Schmitt, können wir in Folge der von einer ehrenwerthen Hand erhaltenen Mittheilung nachstehende, ganz sicher verbürgte Nachrichten geben. Er begann seine Studien in Kaufbeuern, und kam im Jahre 1826/27 an die Studienanstalt zu Kempten, wo er aber schon im Jahre 1828 wegen Faulheit und schlechter Aufführung dimittirt wurde. Von dort ging er im Jahre 1828/29 nach Augsburg, und da er auch hier nicht entsprach, indem er ungeachtet seiner vielen Talente einmal eine Klasse wiederholen mußte, und sonst sehr viel Anlaß zu Klagen gab, wurde er im Jahre 1831 ebenfalls entlassen. Nun begab er sich nach Landshut in die vorletzte Klasse des Gymnasiums (die ehemalige Poesie), wo er aber nach einer kurzen Probe von 14 Tagen im Studienjahre 1831/32 zum drittenmale dimittirt wurde. Jetzt ging er zum Militär, wo er sich seitdem befand, und dem Vernehmen nach seinen unlöblichen Lebenswandel, besonders das Saufen, fortsetzte, und sich dadurch ganz natürlich auch wieder viele Verdrüßlichkeiten und Zurechtweisungen zuzog, mithin dasjenige selbst veranlaßte, was er in seinem hinterlassenen Briefe auf Andere – vorzüglich auf seine Vorgesetzten – hinüber zu schieben suchte.
Seine nun schon gestorbenen Aeltern waren recht wackere, brave, achtungswerthe Leute, und seine drei noch lebenden Schwestern sollen ebenfalls recht brav seyn. Wie aber der unglückliche Stanislaus zu so einem hohen Grade von Gottvergessenheit kam, läßt sich nicht bestimmen. Der Anfang war sicherlich ganz gering und unbedeutend, so wie der Funke, den er in das Pulverfaß warf, und der dann eine so furchte bare Wirkung hervorbrachte, und eine noch schrecklichere hätte hervorbringen können? So viel ist gewiß, daß keiner von seinen Mitschülern mit ihm Umgang haben mochte, und daß sein scheuer, unstäter Blick kein gutes Herz verrieth. Er konnte Niemanden frei und offen in's Gesicht sehen.
Sein Herz war stets den edlen Empfindungen der Freundschaft und der Geselligkeit, so wie den Trostgründen der Religion verschlossen, und menschenfeindselig in sich selbst zurückgezogen vermied der Finsterling allen kameradschaftlichen Verkehr, und Niemand kann sich erinnern, an demselben jene Regungen der Lust und Freude wahrgenommen zu haben, die bei dem guten moralisch-gebildeten Menschen, selbst in den bedrängtesten Lebens-Verhälnissen nicht zerstört werden können.
Seine Hauptleidenschaft war der Trunk, dem er sich schon frühzeitig ergab, und der ihn immer weiter in alle Laster führte; denn der Trunkenbold, der sich tief unter das Vieh erniedriget, ist zu aller Schlechtigkeit fähig und aufgelegt. Es gibt nicht leicht ein Laster, welches so viel Unheil anrichtet, als das – leider so häufige – Laster der Trunkenheit, mit welchem alle die übrigen immer im Gefolge sind. Das furchtbare Ereigniß, der schreckliche Knall, der noch lange in unsern Ohren forttönen wird, predigt diese Wahrheit auf eine fürchterliche Weise. Möchte dieser Schall nur auch in das Herz hinabtönen, und Manche, die diesem Laster ergeben sind, von denselben zurückschrecken; besonders aber diejenigen, welche demselben vorbeugen können, darauf aufmerksam machen, und ihnen zeigen, daß bei einem Menschen, der keine Religion hat, auch die Moral auf schlechten Füßen stehe. – Auch dieser Unglückliche mußte alle Religion und allen Glauben weggeworfen haben; denn es ist nicht möglich, daß ein Mensch, der nur das glaubt, was auch schon die Heiden glaubten – nämlich die Unsterblichkeit der Seele und die Belohnung und Bestrafung nach dem Tode, daß ein Solcher zum Selbstmorde, und zwar auf eine so schaudererregende Weise schreiten könne! Denn der Selbstmord ist eines der schrecklichsten Verbrechen, und das einzige, das man nicht mehr bereuen kann, sondern wobei man sich selbst unmittelbar dem strengen Gerichte Gottes überliefert. Jedoch der liebe Gott soll dann blos allein gnädig und barmherzig seyn, Seine Gerechtigkeit aber, die doch auch zu Seinen Eigenschaften gehört, ganz bei Seite legen, und soll einen Menschen, der im Leben nichts von Ihm wissen wollte, und durch den Selbstmord Sein köstlichstes Geschenk – das Leben – Ihm gleichsam vor die Füße hinwirft, sogleich mit liebevollen väterlichen Armen aufnehmen? Ein Solcher wird nicht mehr gerichtet, er hat sich schon selbst gerichtet, er hat sich sein Urtheil selbst gesprochen. (Joh. 3, 18.) Freilich wissen wir nicht, ob ein solcher Unglücklicher nicht noch im letzten Augenblicke einen Gedanken der Reue etc. gefaßt, und so einige Hoffnung hat auf Gottes Barmherzigkeit, welcher wir nie vorgreifen können; aber wahrscheinlich ist es nicht, daß ein Mensch, der im Leben Gottes-Gnade gleichsam mit Füßen trat, dieselbe im letzten Augenblicke noch erhalten werde. Solche Ereignisse, wie das mit dem rechten Schächer am Kreuze, sind eben sehr selten. Aber das ist leider das große Uebel unserer Zeit, daß der Glaube so sehr erloschen ist, – sogar bei gemeinen Leuten! Ja selbst gemeine Leute sind jetzt schon so starkgeistig geworden, daß sie die Unsterblichkeit der Seele und somit Himmel und Hölle läugnen, und blos als Pfaffentrug etc. ausgeben; nur erfunden, um das gemeine Volk im Zaume zu halten. Man will Alles begreifen und wissen, und nichts glauben, namentlich das nicht, was dem lieben Ich nicht schmeichelt. Man will aber nichts wissen, von den Verschriften der heil. Religion, man will mündig, selbstständig seyn, die geistigen Fesseln alle abwerfen, und so trennt man sich los von Gott, wird gottlos, und fällt so ganz dem Erbfeinde Gottes, dem Bösen, anheim, der dann eine so größere Gewalt über den Menschen ausübt, und ausüben kann, je mehr man sich jetzt Mühe gibt, ihn und seine Macht zu läugnen, oder auch wegzuspotten. Das ist die Frucht der falschen Aufklärung und – !!!
Als ein Beitrag zur Karakteristik des Kanoniers Stanislaus Schmitt, dessen Name in der Nachwelt wegen seiner verübten beispiellosen Gräuelthat, als berüchtigt fortleben wird, mögen folgende Züge und Aeußerungen nicht ohne Interesse erscheinen, bei Gelegenheit der Erzählungen und Zeitungsberichte über die häufigen Selbstmorde bemerkte Stanislaus Schmitt immer: die Menschen mit ihrem Erschießen, Erhänken, Ertränken und Halsabschneiden etc. wären sehr einfältig, denn ein resoluter ordentlicher Mann, der sich einmal das Leben nehmen will, müsse es auf eine Art bewerkstelligen, daß die Welt von ihm spräche, was auch er in einem solchen Falle thun würde. Zu einem seiner Kameraden, der auf dem entferntern Wachtposten stand, sprach der Bösewicht, nicht lange vor der schrecklichen Katastrophe: »Du wirst von einem Glück sagen können, wenn du heute deinen Kopf nicht verlierst!« zu dem nachher verunglückten Wachtposten vor dem Pulvermagazin sagte er: »Du wirst heute auch noch glücklich werden!« dem so glücklich und wunderbar entkommenen Bombardeur Osteried, bemerkte der Schändliche vor seinem Weggehen: »Bleibe nur noch ein wenig hier, wir werden ohnehin bald mitsammen abmarschiren!« Es lag also in seinem teuflischen Plane, in seiner lange vorher gemachten Berechnung, recht viele Menschen hinzuopfern, zu welchem Zwecke er sich ohne Zweifel einige Wochen früher in das große Pulvermagazin zu Grünenwald, glücklicher Weise aber durch die Wachsamkeit des dortigen Magazin-Aufsehers, vergebens einzuschleichen gesucht hat.
Es wird ferner von diesem, ehemaligen Studenten, Schmitt erzählt, daß er sich schon vor 4 Jahren mit zwei Krumbacher Purschen als Primiziant auf dem Lande herumgetrieben, den Leuten den heil. Segen gegeben und auf diese Art Leute um Geld und Gut betrogen habe, und als er sich endlich noch größern und lautbarern Unfug erlaubte, auch unter andern, angeblich von Amtswegen, Hunds-Visitationen vorgenommen hatte, wurde er endlich entdeckt, eingefangen und bestraft. Späterhin nahm er dann seine Zuflucht zu dem Militär, wo er in keinem Fache etwas Entsprechendes geleistet hat.
Bombardeur Georg Osteried, wunderbar errettet von dem schrecklichsten Tode.
Dieser von der Vorsehung so unverkennbar beschützte wackere Mann ist der Sohn eines Maurer-Meistere aus Weißenstein, königl. Landgerichts Ebermanstadt im Untermain-Kreise, hat schon in seiner Jugend eine gute christliche Erziehung erhalten und seinen Vater bereits durch den Tod verloren. Er ist gegenwärtig 40 Jahre alt, ledig, katholischer Religion, dient schon 23 Jahre, und hat drei Feldzüge mit Auszeichnung mitgemacht; in welchen er öfters den größten Todesgefahren glücklich entkommen ist; besonders in der Schlacht bei Hüningen, wo nur er alleinig, nachdem bereits die ganze Bedienungs-Mannschaft seiner Kanone gefallen war, am Leben verblieben, um Gott dem Herrn für seine Erhaltung zu danken, damit er noch länger als tapferer Soldat dem Könige und seinem Vaterlande nützen möge. Er war auch unter denjenigen braven Bayern, welche den König Otto von Griechenland nach Hellas begleiteten und auch auf dieser Reise, und in diesem Lande hatte Osteried wieder neuen Anlaß die schützende Hand Gottes, in Ansehung seiner Person, auf eine besondere Weise zu erkennen und zu bewundern! Kaum den vielfachen Gefahren der stürmischen Seefahrt entkommen, drohte ihm eine neue Gefahr, und zwar die große Gefahr auf Negropont mit der Festung in die Luft gesprengt zu werden. Diese Festung, welche bei Ankunft der Bayern die Türken noch in Besitz hatten, und nur bei den Vorkehrungen eines ernstlichen Angriffes dieselbe mit Unwillen verließen, wollten bei ihrem Abzuge die von der Festung besitznehmende Bayern in die Luft sprengen, welches Unglück jedoch durch die Wachsamkeit und den Muth der Bayern, unter denen sich auch Osteried befand, verhindert wurde, unglücklicher Weise sind aber doch bei dem gefahrvollen Unternehmen zwei bayerische Soldaten zu Grunde gegangen.
Osteried besitzt das Denkzeichen aus dem französ. Befreyungs-Kriege, so wie das königl. griechische Denkzeichen, hat einen tadellosen Lebenswandel, ist deßwegen auch von allen seinen Vorgesetzten geliebt und nur der Umstand, daß er mehrere Jahre als Fourierschütze gedient, konnte ihn von seinen weitern Beförderungen zurückhalten. Er, stets gewohnt den Pflichten seiner Religion eben so getreu und willig nachzukommen, wie den Pflichten seines Berufes, hatte bei seinem zweijährigen Aufenthalte in Griechenland selbst bei dem Mangel an Kirchen und Priester, seine heil. Religion nicht vergessen, und daher hat auch der liebe Gott seiner gedacht in der Stunde der höchsten Gefahr, und seinen getreuen Knecht mit göttlich schützender Hand, gleichsam aus den Flammen getragen, denen er bereits schon auf eine schaudervolle Weise so rettungslos hingeopfert war. Der Gerettete erkennt auch dieses Glück, er erkennt auch die große göttliche Gnade, die ihm wiederfahren, und überall wird ihm die größte herzlichste Theilnahme bezeugt, Jedermann will ihn sehen und sprechen, er wird von den ansehnlichsten Personen zu diesem Zwecke eingeladen, und Jedermann erkennt und bewundert auch an dem Schicksale desselben ein besonderes Werk der Gnade Gottes, welche Gnade aber auch jeden Frommen, der in dem Herrn wandelt und so wie Osteried auf Ihn vertraut, theilhaftig werden wird.
Worte
der
Trauer und des Trostes.
Eine
Gedächtnißrede am Grabe
bey der
durch die Pulver-Explosion vom 16. Mai verunglückten schuldlosen Menschenopfer und für die Hinterlassenen derselben.
Die entsetzliche Katastrophe vom 16. Mai, welche noch zu sehr und zwar mit allen ihren Schrecknissen, meine verehrtesten Zuhörer! in Ihrem Andenken leben wird, als daß sie eine weitere Erklärung der Ursache unserer gegenwärtigen Versammlung bedarf, giebt uns zu vielen ernsthaften, ja höchst traurigen und wichtigen Betrachtungen Anlaß, indem neun Menschen größtentheils in der Blüthe ihrer Jahre, ja wenigstens in dem schönsten Mannes-Alter, auf eine grausame Weise ihren Tod gefunden haben.
Ich sage: auf eine grausame Weise, und denke aber dabei an ein durch Zufall und Unvorsichtigkeit herbeigegeführtes Unglück, oder ich gehe noch weiter und denke wie die Gerüchte und vorliegenden Umstände es veranlassen: dieses Unglück und der entsetzliche Tod der Hingeopferten sey ein Werk der Rache, die ein Unglücklicher in seiner Verzweiflung an seinen Feinden verübt, die ihn Böses gethan, und die ihn zu diesem desperaten Schritte verleitet haben; – ja ich selbst fühle dieses Ereigniß unter diesen Umständen schon entsetzlich genug und nicht minder den Tod der Verunglückten grausam, und gewiß Jeder unter uns wird diese Gefühle und diese Ansicht mit mir theilen; aber, meine Verehrtesten! wenn ich denken soll, wenn ich denken muß, daß die Hand der Bosheit die Unschuld auf eine so furchtbare Weise hingeopfert hat: wenn ich denken, wenn ich glauben muß, daß ein boßhafter, entarteter Mensch, 8 schuldlose Menschen, seine eigenen Kameraden auf eine solche gräßliche Art und Weise vernichtet hat: da weiß ich nicht mehr was ich denken soll? Das empörte Gemüthe hat keine Empfindungen mehr für den Schmerz, der mich bei diesen Gedanken und bei diesen Worten ergreift, und ich weiß keinen Namen mehr um diese himmelschreiende Sünde, dieses beispiellose Verbrechen, für den Thäter zu bezeichnen, und es fehlt mir an Kraft, um das Mitleid und die Betrübniß über die Unglücklichen und für die Hinterlassenen derselben nach meinen innigsten Gefühlen auszusprechen; – ich kann hierauf nur mit meinen Thränen antworten, und meine Betrachtungen und Reflexionen über dieses beispiellos unglückselige Ereigniß mit dem Veranlasser desselben beginnen.
Wahrlich ich sage Euch, es gehört eine schwarze Seele, eine besondere Verdorbenheit des Herzens und eine Gottvergessenheit ohne Gleichen dazu, um einen solchen Frevel zu begehen, den wir besonders seinen unglückseligen Folgen wegen hier am Grabe der schuldlos Gemordeten beweinen, im Tempel des Herrn an allen Orten und zu allen Zeiten bedauern und beklagen werden; allein so groß und so unerhört auch die Entartung eines tiefgefallenen Menschen erscheint, so werden wir dennoch die nächste Veranlassung hiezu und niemals anders, als in der schlechten Kinder-Erziehung, oder in der Sittenlosigkeit und dem Unglauben der gegenwärtigen Zeit, und endlich in der immer mehr um sich greifenden Hintenansetzung, Geringschätzung, oder wohl gar Verachtung der Religion und damit vernichtet werdenden Nächstenliebe, aufsuchen und finden können?
Verehrungswürdige! Blicken Sie hin auf die überfüllten Gefängnisse, blicken Sie hin auf die Menge der in Zucht, und Straf-Arbeitshäuser büßenden Verbrecher; blicken Sie hin auf die große Zahl der einsamen Leichenhügel, unter welchen die Selbstmörder modern, und auf das Blut unter den Hochgerichten: werfen Sie endlich nur einen Blick auf die traurigen Tagesgeschichten unserer Zeit, nach welchen keine Woche, ja öfters in einer Woche kein Tag vorüber geht, ohne daß wir nicht einen Diebstahl, einen Betrug, ein Raub, eine schändliche Kinderverführung, einen Todschlag, einen Raub-Mord oder einen Mordbrand vernehmen und auch wirklich zu beklagen haben?
Blicken Sie hin auf diese furchtbaren Zeugen der Sittenn und Menschen-Verderbniß, und gestehen Sie selbst: ob nicht Ihr Herz, ob nicht die Menschheit zurückschaudern muß?! – O könnten Grabsteine und Leichenhügel, diese stummen unbestechlichen Zeugen der Wahrheit, sprechen: was würden sie uns oft zu sagen haben? Gar mancher wird uns sagen: »hier ruht ein Jüngling, dahingerafft in der Blüthe seiner Jahre durch den Tod, den als Folgen der schlechten Erziehung, seine Ausschweifungen in den Lastern mancherlei Art herbeigeführt haben. Hier, wird ein anderer sagen, ruht ein Mädchen, die einzige Hoffnung und die Freude ihrer Eltern, gefallen und gestorben in den schönsten Jahren als ein Opfer der Verführung, und nebenan würden wie die Klagen der unglücklichen Eltern vernehmen, welche durch das Unglück des geliebten Kindes vor der Zeit in das Grab gesunken sind. Ja, könnten wir aus dem ewigen Jenseits herüber die Stimmen der Geister vernehmen, so würden solche Jammertöne noch gar viele aus denen Gräbern kommen, in welchen jene Eltern modern, die durch Affenliebe, schlechte Relgions-Grundsätze, oder überdieß noch durch schlechtes Beispiel im Lebenswandel, das Verderben ihrer Kinder selbst bereitet haben? Hier unter diesem Gestein, dürfte sich eine andere Stimme vernehmen lassen: ruht der Vater einer zahlreichen Familie, der dem Drucke seines unglücklichen Schicksals erlag, das herz- und gewissenlose Menschen, denen er untergeben zu seyn das Unglück hatte, bereitet haben, und bei einem andern Verlaßenen in einem öden Winkel ohne Gedenkzeichen verwüsteten Hügel würden wir vernehmen: Hier ruht ein Jüngling, der durch Desperation wegen erlittenen Ehrenkränkungen, boshaften Verfolgungen, harte ungerechte Behandlung und Mißbrauch der Authorität und der Amtsgewalt, sich selbst den Tod gegeben hat. Wehe denjenigen, die eine solche Schuld auf ihren Gewissen tragen! der ewige Richter, die Gerechtigkeit Gottes, wird strenge Rechenschaft fordern von denjenigen, die da aufgestellt sind über ihre Untergebenen zu befehlen, und zu wachen haben über ihre Wohlfahrt; diese aber nicht beachten, die Pflicht, das Recht und die Menschlichkeit, gottvergessen mit Füßen zu treten sich erfrechen!
Wenn ich nun bei dieser Gelegenheit ein ernstes Wort über so manche traurige Veranlassung eines Selbstmordes zu sprechen mir erlaubt habe, so glaube ich nicht, daß Jemand der Meinung seyn wird: als würde ich nur im Mindesten diesem schändlichsten der Laster ein rechtfertigendes Wort angedeihen lassen; nein, im Gegentheil, dieses gegen Gott wie gegen sich selbst so unverantwortliche Verbrechen, ist unter jedem noch so niederdrückenden schmerzlichen Lebensverhältnisse höchst verdammenswürdig; denn der Selbstmörder, dem die Philosophen unsers lichtvollen und aufgeklärten Zeitalters, oder der (Wahnsinn?) sogar einen seltenen oder ehrenvollen Heroismus zuschreiben wollen, bleibt stets ein kleinmüthiger Feigling, der nicht einmal soviel Geisteskraft, soviel Muth im Herzen trägt, nicht einmal für Gott seinem Schöpfer und Erlöser, soviel Dankbarkeit, oder für sein eigenes Seelenheil soviel Liebe und Hoffnung besitzt, um die Spanne Lebenszeit geduldig auszuharren, die uns der Herr und Allerbarmer zur Prüfung unserer Tugend zum Ziele gesetzt hat? Hier in solchen schweren Prüfungstagen feiert bei dem guten Menschen die Religion, der Glaube, die Hoffnung und die Liebe zur Tugend, den glorreichsten Triumph, während der Böse die himmlischen Tröstungen der Gottesgnade und die beseligenden Erwartungen der Unsterblichkeit der Seele entbehrend, sich sowohl im Leben von den Gewissensmartern verfolgt, wie in der Stunde seines Todes der Verzweiflung überlassen muß! – Hier in diesem Falle wird uns die Kraft des Geistes eines frommen gottergebenen Christen wieder im glänzenden Lichte erscheinen! In der frommen Ergebung seines Schicksals, durch Standhaftigkeit und Muth im herben Leiden, durch Duldung und Resignation im vollen Vertrauen auf Gott, Erfüllung seiner Berufpflichten und im Gehorsam gegen seine Vorgesetzten; hier kann der Mensch die wahre Größe seines Geistes, den wahren Edelmuth seines Herzens und den Adel seiner Seele in dem schönsten Lichte zeigen; hier hat er Gelegenheit seinen Mitbruder durch ein edles Beispiel zu nützen, und für das Heil seiner Seele sich der Tugend Krone zu erwerben!
Meine lieben Freunde! durchsuchen Sie die voluminösen Akten der Justiz-Tribunale aller seit Jahrhunderten auf dem Schaffot verbluteten oder in den Zuchtanstalten verstorbenen und noch lebenden Verbrecher, oder fragen Sie die jetzt noch lebenden Beamten dieser Gerichtsstellen, so werden Sie aus der alten, wie aus der neuen Zeit erfahren, daß diese Unglücklichen größtentheils Religionsverspötter, Kirchen- und Priesterfeinde oder auch Trunkenbolde waren, dann als solche, zu allen Schlechtigkeiten fähige Menschenfeinde, allmählig gottvergessene Verbrecher geworden sind, und ein großer Antheil an der Entartung jenes Unglücklichen, welchem wir aus den vorliegenden Thatsachen den hier betrauerten schrecklichen Menschenmord zumuthen, dürfte wohl auch der Leidenschaft des Trunkes, und diesem zunächst eine überspannte Selbstschätzung, eine falsche, und eine auf eitle Prunksucht und den Genuß berechneter Ehrenliebe zugerechnet werden, und obwohl noch die von 8 schuldlos hingeopferten Menschen, in mehr als tausend Stücke zerrissenen und aber leider noch wenig aufgefundenen Körpertheile ein unerhörtes Verbrechen bezeichnen, obwohl zwei Wittwen und sechs unmündige Kinder und mehrere brave allgemein geachtete Eltern um ihre ihnen so furchtbar entrissene hoffnungsvolle Söhne jammernd und um Trost bittend ihre Hände gegen den Himmel heben; ist es dennoch Christenpflicht dem verirrten so tief gefallenen Sünder eingedenk der Worte des Herrn: »Richte nicht, so wirst du auch nicht gerichtet etc.« nicht zu verdammen, sondern unsere Pflicht erheischt es, sogar diesen armen Sünder selbst in unser Gebeth mit einzuschließen, auf daß ihm der Allmächtige gnädig und barmherzig seyn möge. Amen.
Nun auch zu Euch ein Wort des Trostes. ihr bedauerungswürdigen unglücklichen Eltern, die Ihr Eure geliebten Kinder, und ihr armen Kinder, die ihr eure guten Eltern verloren habt. – Trostvoll ist für Euch der Umstand, daß Eure Lieben in ihrem Dienste eines Todes gestorben sind, der durch ein großes Unglück herbeigeführt, von der ganzen Welt mit der herzlichsten Theilnahme tief betrauert wird, trostreich ist für Euch, meine Lieben, daß Gott der Allwissende seine Kinder oft zu sich ruft, um sie größeren Gefahren und leidenvollern Verunglückungen zu entreißen, die auch noch auf Familien schmerzlicher übergehen könnten, als sie gegenwärtig auf sie wirken; denn die Wege der Vorsehung sind heilig und unerforschlich!
Tröstlich indeß gewiß auch für Euch Ihr Mütter und Kinder, ist die Allerhöchste Theilnahme, die Huld und Gnade Sr. Majestät des Königs und der allergnädigsten Königin, Allerhöchstwelche für Euch väterliche Sorge tragen, so wie es Euch auch nur erfreulich seyn kann, daß alle, selbst auch Eure Behörden mit andern Wohlthätern wetteifern, um Euer Geschick durch Unterstützungen aller Art möglichst zu erleichtern, und trostreich darf Euch endlich der Gedanke seyn, daß Ihr Eure Lieben wieder sehen werdet in einer besseren Welt, wo es keine Bosheit, keine Täuschung und keine Trennung mehr giebt, und die guten Kinder die lieben Eltern und die Eltern ihre geliebten Kinder nicht mehr verlieren werden!
O möchte doch diese traurige unglückselige Katastrophe jedem Menschen zur Warnung bleiben, jedem Menschen ein Fingerzeig geben, also zu leben und zu wandeln in Gott und mit demselben: daß er alle Augenblicke bereitet ist zu kommen, wenn er abgerufen wird aus diesem Jammerthale; denn der Erdenpilger weiß es nicht, ob er, wie uns dieses schaudervolle Ereigniß wieder neuerdings gelehrt, wenn er sich am Abend seiner Tagesarbeit schlafen legt, am Morgen wieder erwacht und den neuen Tag erschaut; er weiß es nicht, ob er, wenn er am Morgen aus seinem Hause tritt, wieder heimkehrt am Mittag und sein Weib und seine Kinder sieht, von denen er keinen Abschied genommen, und vielleicht gar in Zank und Hader geschieden ist?
Der Vater Daller ist zwar liebevoll noch Mittag von seinem Weibe und seinen Kindern geschieden, aber er ist nicht mehr heimgekehrt zu ihnen am Abend nach vollbrachter Tagesarbeit zum häuslichen Male, und die Kinder fragen noch immer die weinende Mutter: warum der Vater nicht heimkehrt aus der Stadt, wo er niemals so lange geblieben ist, und die Mutter, die zwar weiß, daß er nicht mehr ist unter den Lebendigen, hat seinen Leichnam nicht, hat ihn nicht mehr, keinen Staub mehr von ihm gesehen, und kann mit zerrißnem Herzen und zum Himmel erhobenen Blicken den armen Kindern nur mit Thränen antworten.
Auf eine solche Weise trauern und klagen auch Eltern um ihre Söhne und Geschwisterte um ihre Brüder, aber sie kommen nicht mehr zurück in ihre Arme! denn der Allmächtige und Allbarmherzige hat sie abgerufen, und als Kinder der Seligkeit zu sich in den Himmel aufgenommen. Amen!
Die große Pulver-Explosion zu Oberwiesenfeld bey München, am 16. May 1835. Eine aus dem bayer. Volksfreund entnommene geschichtliche, getreue Darstellung. München, 1835.

#7 – 9 – 56 (Adlmann)
HIER RUHT DER PRIVATIER
HERR MARTIN ADLMANN
GEST. AM 3. APRIL 1864 IN EINEM
ALTER VON 53 JAHREN.
DERSELBE HAT EINE STIFTUNG FÜR
REKONVALESZENTEN GEGRÜNDET.
DANKBAR EHRT SEIN ANDENKEN
DIE STADTGEMEINDE MÜNCHEN
IHM GINGEN VORAUS UND LIEGEN
HIER BEGRABEN:
DER VATER, GASTGEBER
HERR MARTIN ADLMANN
GEB. ZU ADLMANNSHAUSEN BEI ELL-
WANGEN GEST. AM 8. AUGUST 1825
DER BRUDER
HERR JOSEPH ADLMANN
GEST. AM 9. NOVEMBER 1835.
DIE MUTTER,
FRAU MARIA ADLMANN
GEST. AM 18. DEZEMBER 1840.
FRIEDE IHRER ASCHE.
- Adlmann, Josef; – 9.11.1835
- Adlmann, Maria (vh); – 18.12.1840
- Adlmann, Martin; – 8.8.1825; Gastgeber
- Adlmann, Martin; – 3.4.1864 (München), 53 Jahre alt; Privatier, ehemaliger Hof-Zitherspieler des Prinzen Luitpold von Bayern



#7 – 10 – 1 (Hartmann)
Tafel
Familiengrabstätte
Hartmann
Anna Barbara Hartmann
† 3.11.1874
Johann Jakob Hartmann
† 9.12.1887
Johanna Hartmann
* 21.6.1851 † 13.8.1913
Eduard Hartmann
geb. 13. ¿ 18¿1 gest. 20. Jan. 1919.
- Hartmann, Anna Barbara (vh) / Wanner (gb); – 3.11.1874 (München), 65 Jahre alt; Parkettbodenfabrikantens-Gattin
- Hartmann, Eduard; – 20.1.1919
- Hartmann, Johann Jakob; – 9.12.1887
- Hartmann, Johanna; 21.6.1861 – 13.8.1913



#7 – 10 – 3 (Kienzler · Lizius · Mayer)
Hier ruhen
Frau Maria Lizius, geb. Mayer,
Regierungsratsgattin in Erding,
geb. 23. November 1889, gest. 16. Mai 1925,
Herr Adalbert Mayer
Regierungsdirektor a. D.
geb. 28. August 1847, gest. 7. Juli 1926,
Frau Anna Mayer, geb. Buchner,
Regierungsdirektorswitwe,
geb. 1. Mai 1852, gest. 17. März 1927.
Sockel
Wiedersehen unser Trost.
A. Riedl.
- Kienzler, Friedrich; – 1888 (München); Zigarrenfabrikant
- Lizius, Maria (vh) / Mayer (gb); 23.11.1889 – 16.5.1925; Regierungsrats-Gattin
- Mayer, Adalbert; 28.8.1847 – 7.7.1926; Regierungsdirektor a. D.
- Mayer, Anna (vw) / Buchner (gb); 1.5.1852 – 17.3.1927; Regierungsdirektors-Witwe


#7 – 10 – 4·5 (Braun)
GRABSTAETTE
DER
FAMILIE BRAUN.
J. Lallinger.
- Braun, Karl Otto; 24.12.1852 (München) – 8.2.1904 (München); Genremaler, Landschaftsmaler und Portraitmaler
- Braun, Kaspar; 13.8.1807 (Aschaffenburg) – 29.10.1877 (München); Historienmaler und Xylograph


#Karl Otto Braun
* 24.12.1852 (München)
† 8.2.1904 (München)
Genremaler, Landschaftsmaler und Portraitmaler
#Münchner Neueste Nachrichten (11.2.1904)
Lokales.
München, 10. Februar.
Beerdigung. Unter dem Geleite einer größeren Gemeinde von Künstlern und anderer Leidtragender wurde am Mittwoch Nachmittag im südlichen Friedhofe der im Alter von 51 Jahren aus dem Leben geschiedene Kunstmaler Herr Karl Otto Braun zur letzten Ruhe bestattet. Unmittelbar hinter dem Sarge schritt der Bruder des Verstorbenen, Kommerzienrat Braun. Der Dahingeschiedene, ein Sohn der weltbekannten Kaspar Braun, des Gründers der »Fliegenden Blätter«, studierte an der hiesigen Akademie der bildenden Künste als Schüler Rambergs und widmete sich dann ausschließlich der Kunst, zuerst als Figuren- und Genremaler und dann als Landschafter. Im Feldzuge 1870/71 tat er sich (als freiwilliger Krankenpfleger) in der Pflege kranker und verwundeter Krieger hervor. Er war eine in Künstlerkreisen sehr beliebte Persönlichkeit. Nach dem kirchlichen Akte widmete namens der Münchner Künstlergenossenschaft deren erster Schriftführer Kunstmaler Groß Kranz und Nachruf »dem verdienten früheren Vorstandsmitgliede, das auch noch nach seinem Scheiden aus der Vorstandschaft die genossenschaftlichen Angelegenheiten mit Eifer und Tatkraft unterstützte und besonders die festlichen Veranstaltungen durch Inszenierung poesie- und humorvoller Darbietungen verschönte«. Zum Schlusse rief Kunstmaler Steinmetz-Noris dem Verstorbenen im Namen der Geselligen Vereinigung der Münchner Künstlergenossenschaft Worte der Anerkennung und des Dankes nach.
Münchner Neueste Nachrichten No. 68. Donnerstag, den 11. Februar 1904.
#Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog (1906)
Braun, Karl Otto, Genre- und Landschaftsmaler, * 24. Dezember 1852 in München, † 8. Febr. 1904 ebendas. – B. erhielt, sobald seine künstlerische Begabung frühzeitig hervortrat, im Hause und unter der Schulung des Vaters, des als Xylograph und Maler so wohlbekannten Kaspar Braun (A. D. B. XXXXVII, 198), des Schöpfers der »Fliegenden Blätter« und Begründers der weltberühmten Firma »Braun und Schneider« den ersten grundlegenden Unterricht nebst einer vortrefflichen, allseitigen Bildung. Weitere Förderung wurde auf der Akademie unter Arthur von Rambergs (A. D. B. XXVII, 203) Leitung, woselbst B. längere Zeit nach dem Vorbild des trefflichen, im koloristischen Sinne mit Karl von Piloty rivalisierenden Meister zum Genrefach sich bekannte, dann aber, seiner inneren Veranlagung folgend, gänzlich zur Landschaft überging, ohne sich einem bestimmten Vorbilde anzuschließen. Auf beiden Gebieten erreichte er gleich ehrenvolle Anerkennung, trotz seines immer bescheidenen Rückhaltens. Er drängte sich nicht in die Ausstellungen, schwur auch zu keiner der Parteien, förderte aber mit aufopfernder Mühewaltung und unermüdlicher Ausdauer alle Interessen der Künstlerschaft, verschönte ihre festlichen Veranstaltungen mit geschickten und humoristischen Inszenierungen.
In seinen landschaftlichen Bildern »zeigte er eine stille, gediegene, freilich auf wenige Töne gestimmte, immer aber liebenswürdige Individualität«; »seine nebelfeuchten Tage und wohligen stillen Nächte erwecken einen stark naturhaftträumerischen Eindruck«. In den weichen, duftigen Stimmungen, in denen er am liebsten die scheidende Stunde des Tages und die Dämmerung mit dem aufsteigenden, durch den jungen Birkenbestand schimmernden Mond schildert, athmet eine leise klingende, sanfte lyrische Schwermut. Es war ein guter Teil Eichendorff in ihnen, freilich wenig von dessen fröhlicher Wanderlust. In rein malerischer Beziehung blendeten die Werke nicht; sie waren weder virtuos gemalt – getreu der Dichterregel, daß »Natur und rechter Sinn mit wenig Kunst sich selber vortrage« – noch großartig gezeichnet, sondern bescheidene, anspruchslose symphonische Sätze lieblicher Innigkeit.
Bei seinem Begräbnis ergab sich eine überraschende Teilnahme als sprechender Beweis, daß der zeitlebens immer bescheidene Mann aufrichtige Freunde und Verehrer in den weitesten Kreisen besaß.
Eine Ausstellung seines Nachlasses im Münchener Kunstverein machte den größeren Teil der Beschauer erst mit den hochachtungswerten Bestrebungen und Leistungen dieses Künstlers nachträglich bekannt.
Vgl. Nr. 44 und 71 »Bayer. Kurier« 13. Februar und 11. März 1904. Nr. 59 »Augsburger Postzeitung« 12. März 1904. Nr. 35 »Münchener Zeitung« 12. Febr. 1904. – Brauns Name fehlt bei Singer und Fr. v. Bötticher, auch im Bericht des Münchener Kunstvereins, welcher, gegen seine bisherige Gepflogenheit, keinem seiner im Jahre 1904 verstorbenen Mitglieder einen Nachruf widmete.
Hyac. Holland.
Dr. phil. Hyazinth Holland: Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog. Berlin, 1906.
#Kaspar Braun
* 13.8.1807 (Aschaffenburg)
† 29.10.1877 (München)
Historienmaler und Xylograph
#Die Bildende Kunst in München (1842)
Bei dem glänzenden Erwachen des vielseitigsten Kunststrebens in München richtete man das Augenmerk auch wieder auf die so lange verwahrlosete, wenn auch durch Einzelne noch fortgeübte, Kunst des Holzschnittes, und
Kaspar Braun
unternahm es, dieselbe in Bayern wieder herzustellen, und sie im Geiste der alten deutschen Künstler mit der Anwendung der neuen Hülfsmittel zu behandeln und zu fördern.
Er ist geboren im Jahre 1807 zu Aschaffenburg, besuchte die gelehrten Schulen seiner Vaterstadt, wendete sich dann der Malerei zu, und begab sich deswegen im Jahre 1826 zur weiteren Ausbildung nach München, wo er die Akademie besuchte und einige sehr gelungene, kräftig und lebendig behandelte, Schlachtenbilder und romantische Darstellungen zur öffentlichen Ausstellung brachte, die durch ihre richtige Zeichnung und angenehme Färbung gefielen. Sein Streben aber sich in irgend einer Kunst ganz auszuzeichnen, bestimmte ihn, die Malerei zu verlassen, da er die vielen großen in München versammelten Meister nicht zu erreichen hoffen durfte, und so wendete er sich, ermuntert und unterstützt von dem k. Hofrathe Dessauer, plötzlich mit Entschiedenheit der Holzschneidekunst zu, und übte sich im Verein mit seinem Schüler und Freunde, Johann Rehle, geboren 1814 zu Neuburg an der Donau, im Holzschneiden. Allein die Schwierigkeiten, die ihnen überall begegneten, da sie aller Anleitung entbehrten, bestimmten sie, in Frankreich die Hülfe eines erfahrenen tüchtigen Meisters aufzusuchen. Sie begaben sich daher im Frühjahre 1838 nach Paris, wo sie ihre Arbeiten und Studien unter der Leitung des Heinrich Brevière aus Rouen, des geistvollsten Künstlers der neuesten Zeit in dieser Art, mit rastlosem Eifer fortsetzten.
Bei ihrer tüchtigen Kunstbildung gelang es ihnen, nicht bloß die Schwierigkeiten zu besiegen, sondern auch bereits, wie ihre ersten Blätter aus Paris vom Jahre 1839 zeigten, ganz in den Geist dieser Kunst einzudringen, und sowohl die Umrisse der Gestalten, als auch Bewegung und Ausdruck in allen Abstufungen einfach plastisch auszudrücken, und Licht und Schatten auf das Wirksamste anzuwenden. Einen überzeugenden Beweis davon werden nächstens die Darstellungen zum Nibelungenliede und zur Braut von Messina geben, und es ist nur zu wünschen, daß diese Kunst durch Ermunterung und Aufträge sich in der gewählten Bahn fortbewegen könne.
Bereits haben die Künstler eine eigene Anstalt für den Holzschnitt in München gegründet, welche durch ein reges gemeinschaftliches Zusammenwirken mit vereinigten Kräften diese Kunst mächtig zu fördern verspricht. Unter den, um sie versammelten Künstlern und Schülern zeichnen sich aus: Friedrich von Exter, aus Ungarn, und Franz Dettendorfer aus Wasserburg in Oberbayern, welche die Holzschneide-Kunst in Wien unter der Anleitung des Professor Höfel erlernten, Franz Kreuzer und Johann Herburger.
Eine ähnliche Anstalt leitet Neuer.
Dr. Johann Michael von Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.
#Universal-Handbuch von München (1845)
Braun, Caspar,
geboren 1807 in Aschaffenburg, begann seine Kunststudien in München im J. 1826, malte dann im Historienfache bis zum Jahre 1837, widmete sich aber in der Folge dem Fache der Xylographie (Holzschneidekunst). Um sich hierin möglichst auszubilden, reiste er nach Paris und gründete bei seiner Rückkunft nach München im Jahre 1839 ein Atelier für diese seit vielen Jahren ruhende und fast in Vergessenheit gerathene Kunst.
Diese xylographische Kunstanstalt ist gegenwärtig im kräftigen Erblühen und beschäftigt 16 Künstler. Seit einem Jahre hat sich Braun mit einem Hrn. Friedr. Schneider associrt und durch die besondere Thätigkeit dieses Letzteren hat diese Anstalt sehr gewonnen.
Unter mehreren aus diesem Atelier hervorgegangenen bedeutenden Werken verdienen besondere Beachtung: Die Braut von Messina, das Niebelungen-Lied, Götz von Berlichingen, die Bilder der deutschen Kaiser, welche bei Cotta, so wie die kleinen Soldaten- und Jägerlieder – vom Graf Pocci – die bei Perthes in Gotha erschienen.
Universal-Handbuch von München. München, 1845.
#Die Künstler aller Zeiten und Völker (1857)
Braun, Caspar, geb. 1807 zu Aschaffenburg, widmete sich anfänglich der Malerei auf der Akademie zu München, bildete sich aber später bei Brevierès in Paris in der Holzschneidekunst aus und gründete 1839 in München eine xylographische Anstalt, aus welcher seitdem eine Menge trefflicher Werke, wie: die Illustrationen zu Schiller’s Braut von Messina; zum Nibelungenlied, nach Zeichnungen von Schnorr und Neureuther; zu Musaeus Volksmährchen; zum Volkskalender; zum Götz von Berlichingen; zu der grossen Bibel (herausgeg. v. Cotta) u. s. w. hervorgegangen sind. Im Jahr 1844 unternahm er mit seinem Associé Schneider die Herausgabe der Zeitschrift: Fliegende Blätter, ein sowohl seines ausgezeichneten Inhalts, als der Illustrationen wegen sehr geschätztes humoristisches Blatt. In den aus Brauns Institut hervorgegangenen Holzschnitten sieht man mit Vergnügen den Styl des altdeutschen Holzschnitts, verbunden mit der unserer Zeit eigenen Technik, glänzend durchgeführt.
Friedrich Müller: Die Künstler aller Zeiten und Völker. Stuttgart, 1857.
#Allgemeines Künstler-Lexicon (1895)
Braun, Kaspar, Holzschneider, geb. 1807 in Aschaffenburg, † 29. Oct. 1877 in München, betrieb zunächst auf der dortigen Akademie die Malerei und ging 1837 nach Paris, wo er unter Breviére die Holzschneidekunst erlernte. 1839 kehrte er zurück und gründete mit Hofrath von Dessauer eine xylographische Anstalt, aus der viele illustrirte Werke hervorgingen. Als er sich 1843 mit Friedrich Schneider aus Leipzig associirt hatte, nahm die Anstalt noch grösseren Aufschwung und wurde eine Schule für Holzschneider. Beide gründeten auch ein Verlagsgeschäft, gaben die bekannten humoristischen »Fliegenden Blätter« heraus und zahlreiche mit Holzschnitten versehene Werke, z. B. Das Nibelungenlied nach Schnorr und Neureuther, Volkskalender, Holzschnitte zu der Cotta’schen Bilderbibel und zu den Münchener Bilderbogen.
Allgemeines Künstler-Lexicon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Vorbereitet von Hermann Alexander Müller. Herausgegeben von Hans Wolfgang Singer. Erster Band. Frankfurt am Main, 1895.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Braun Kaspar, 1807 (Aschaffenburg) – 1877, Historienmaler und Xylograph; er begann seine Kunststudien 1826 in München und malte im Historienfach bis 1837, dann widmete er sich der Xylographie (= Holzschneidekunst) und gründete nach Studien bei H. Bréviére zu Paris 1839 in München zusammen mit Hofrat von Dessauer eine xylographische Kunstanstalt, in die Bréviére seinen Sohn Emile zur Lehre schickte und bei der u. a. die »Stuttgarter Volksbibel« und die »Nibelungen« erschienen; 1844 begründete B. mit dem Buchhändler Fr. Schneider die später weitbekannte Verlagsanstalt, aus der u. a. die Werke von Wilhelm Busch (vor allem »Max und Moritz«), die »Fliegende Blätter« und der »Münchner Bilderbogen« hervorgingen; er versuchte sich in allen Arten der Technik, in Freskomalerei, Steinzeichnen, Radieren und Holzzeichnen, dabei bevorzugte er romantische (Undine, Ritterturniere, brennende Burgen) und geschichtliche (Pappenheims Heldentod, Gustav Adolf bei Lützen) Stoffe; für sein Werk »Deutsche Burgen und Schlösser« waren weite Donaureisen bis nach Ungarn notwendig.
© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#7 – 10 – 15 (Leeb)
JOHANN LEEB
BILDHAUER
1790 – 1863
- Leeb, Johann; 1.9.1790 (Memmingen/Schwaben) – 5.7.1863 (München); Bildhauer




#Johann Leeb
* 1.9.1790 (Memmingen/Schwaben)
† 5.7.1863 (München)
Bildhauer
#Der Bayerische Landbote (27.7.1831)
Auswärtig gestorben.
Zu Kempten starb am 17. Juli Frau Maria Regina Leeb, geb. Zorn, Strumpffabrikantens Wittib von Memmingen, (gebürtig von Kempten) an ihrem Geburtstage im vollendeten 77sten Jahre, an Altersschwäche.
Die Vollendete hatte beim Eintritt des Greisenalters ihre Kinder in 3 Welttheilen zerstreut, und sämmtlich ehrenvoll und gut versorgt. Der älteste Sohn: Johann Ludwig Leeb, lebte in Süd-Afrika in der Colonie Graaf-Reinette, als engl. Gouvernements-Feldmesser. Ein zweiter Sohn, Johann Leonhard Leeb, lebte in Amerika in Rio-Janeiro, Hauptstadt des brasilianischen Kaiserthums, als kaiserl. Ober-Lieutenant, wo er Anno 1826 starb. Anno 1821 ging er, als kgl. bayr. Ober-Lieutenant und Adjutant, mit einem 2jährigem Urlaub versehen, von Europa zu seinem Bruder nach Afrika, verweilte allda 3 Jahre und suchte endlich sein Grab in Amerika. Zwei Söhne: Johannes Leeb, Bildhauer in München, und Johann Georg Leeb, Zeugfabrikant und Armenpflegschaftsrath in Memmingen; dann eine Tochter, Maria, Gattin des bgl. Magistrats-Raths Röblin in Kempten, lebten in Europa.
Ihr Bruder Zorn, starb vor wenigen Jahren als engl. Landdrost in der Colonie Cap auf dem Vorgebirge der guten Hoffnung.
Sie lebte beinahe ein viertel Jahrhundert im Wittwenstand; war eine christliche und rechtschaffene Frau.
Der Bayerische Landbote Nro. 199. München; Mittwoch, den 27. Juli 1831.
#Artistisches München im Jahre 1835 (1836)
Leeb, Johannes, geb. in Memmingen 1790. Dessen Vater ein Strumpffabrikant, Namens Johann Georg Leeb, besuchte die Frühlings- und Herbst-Märkte in Lindau, wo er denn gewöhnlich den Sohn mitnahm.
1804 wurde eben dort die Kaserne für die österreichische Garnison gebaut, und er bekam Lust, Steinmetz zu werden. Dieß theilte er seinem Vater mit, welcher bald Anstalt machte, den Sohn bei dem Steinmetzmeister Naumann in die Lehre zu bringen, wo er 1805 auch eintrat.
1807 ward aus Immenstadt ein bejahrter Bildhauer berufen, die Trophäen vor dem Eingange der Kaserne aus Sandstein zu fertigen; diesem wurde er beigesellt, und so erlangte Leeb die ersten Begriffe in dem Dekorationfache.
Im Jahre 1809 verließ er Lindau, und wanderte als Steinmetz in die Schweiz. In Winterthur, Lausanne und Genf war er bis 1811 in dieser Eigenschaft abwechselnd beschäftiget, aber von Genf aus begann Leeb eine neue Laufbahn. Dort errichtete auf der Kolonie, eine Stunde von Genf, der reiche Tronctain auf dessen Gut einen Pavillon in korinthischer Ordnung, gegenüber dem Montblanc, wozu eine große Parthie der Verzierungen des Hauptgesimses und der Kapitäler Leeb zur Fertigung übernahm, und dadurch eine größere Fertigkeit in solchen Arbeiten erlangte. Nach Vollendung derselben reiste er nach Paris, um bei der bel’ Escalier im Louvre beschäftigt zu werden, was ihm auch gelang, worauf er 1812 und 1813 abwechselnd im Louvre und Pantheon thätig mitwirkte.
Im Jahre 1814 wurden die öffentlichen Bauten eingestellt, und er benutzte diesen Stillstand dazu, seine Studien in der höhern Plastik zu erweitern, besuchte deshalb Privat-Akademieen, und später l’academie des quatres nations.
Im Jahre 1815, als er von keiner Seite mehr Unterstützung zu hoffen hatte, machte Leeben das Handlungshaus Gorgerat in Paris das Anerbieten, ihm Waaren in Kommission zum Verschleisse zu überlassen, welches Geschäft er kurze Zeit betrieb, bis die Alliirten nach Paris zurückkehrten, worauf er durch den königl. Oberst-Kämmerer, Herrn Grafen Karl von Rechberg, Seiner Königlichen Hoheit dem Kronprinzen von Bayern empfohlen, und mit der angekauften Albanischen Kunstsammlung nach München gesendet wurde, woselbst er dann zwei Jahre hindurch nach den Entwürfen des Hrn. v. Klenze für die königl. Glyptothek Verzierungen und Gyps-Modelle ausführte.
Ein unbesiegbarer Hang zur höhern Plastik führte Leeben inzwischen immer auf neue Versuche. Nachdem er eine Leda lebensgroß gefertigt hatte, erhielt er auf zwei Jahre ein Reisestipendium, um sich in Italien in der Kunst zu vervollkommnen.
Im Jahre 1817 reiste er mit dem Architekten, Hrn. Thürmer, durch die Schweiz über den Simplon nach Rom, studirte fleißig nach Antiken, und stellte 1819 bei der Kunst-Ausstellung, welche zu Ehren Sr. Maj. des Kaisers von Oesterreich auf dem Kapitol veranstaltet wordrn war, eine Bachantin so wie auch ein Basrelief mit den drei Horen, welche den Pegasus pflegen, dort auf.
Im Jahre 1820 reiste er nach Neapel, wo er durch den trefflichen Beschützer der Künste, den Marquis de Poublon, bei dem Herzog d’Alba eingeführt wurde, der eine Bestellung nach seinem Sinne machte. Leeb entwarf dessen zufolge eine Gruppe des Hülas mit der Nymphe Efidazia, und dieselbe wurde in Lebensgröße in Marmor ausgearbeitet.
Als im Jahre 1821 der Herzog Neapel verließ, kam diese Gruppe in den Besitz Sr. Exzellenz des Herrn Generallieutenants Baron v. Koller, welcher sie nebst andern Kunstgegenständen auf sein Gut an der Elbe bei Prag einschiffen ließ; aber das Schiff strandete in der Meerenge von Gibraltar, jedoch soll die erwähnte Gruppe vom Strandrechte wieder vorgefunden, und in Spanien verkauft worden seyn; nähere Notizen hierüber fehlen.
Auch eine Psyche in Marmor, und das Portrait des berühmten Paganini, verfertigte L. in Neapel.
Im Jahre 1823 kehrte er wieder zurück nach Rom, und arbeitete in dem Atelier des Ritters Albert v. Thorwaldsen, als er von Sr. Königlichen Hoheit dem Kronprinzen von Bayem den ehrenvollen Auftrag erhielt, für die Walhalla mehrere Brustbilder in Marmor zu fertigen. Im Oktober desselben Jahres wurde von dem königl. würtembergischen geheimen Legationsrath von Kölle für Se. Maj. den König von Würtemberg einer der vier Evangelisten – Mathäus nämlich – nach der Skizze und Leitung des Ritters von Thorwaldsen, für die Grab-Kapelle auf den Rothenberg bei Stuttgart in Marmor bestellt. Zur nämlichen Zeit erhielt er von Sr. Erlaucht dem Grafen von Schönborn in Rom den Auftrag, nach seiner Skizze einen schlafenden Amor in Marmor zu machen, mit welchem er sehr viel Beifall ärndtete, und welcher gegenwärtig in Reichertshausen aufgestellt ist.
Im Jahre 1824 verfertigte er ein nach dem Vorgebirge der guten Hoffnung bestimmtes Brustbild in Marmor.
Ein junges Mädchen, die Unschuld bezeichnend, mit Amoretten, führte er ferner in Marmor aus.
Im Jahre 1826 verließ er Rom und ging nach München, woselbst er den Auftrag erhielt, für den großen Odeons-Saal die Büsten zehn der berühmtesten Kompositeurs, als: Mozart, Beethoven, Haydn, Händel, Gluck, Mehul, Weber, Winter, Cimarosa und Vogler anzufertigen.
Im Jahre 1827 modellirte er nach Irlbach für S. Exz. den Herrn Grafen de Bray, aus dem Leben Odysseus, 35 Fuß lange Basreliefs, woselbst auch das Basrelief in Marmor, die drei Horen mit dem Pegasus vorstellend, aufgestellt ist; führte für die königl. Glyptothek in das Giebelfeld zwei Statuen in Marmor aus, und in der neuen königl. Residenz dekorirte er einen – in der Pinakothek aber zwei Säle nach den Entwürfen des Herrn geheimen Rathes von Klenze.
In die Kirche nach Niederaschau verfertigte er aus ganz weißem Marmor, das 15 Fuß hohe Denkmal des 92jährigen Greisen, Sr. Exzellenz Hrn. Grafen Max v. Preysing.
Im Jahre 1828 fertigte er ein Denkmal von schwarzem Marmor in die Kirche nach Donzdorf, für die Frau Ministerin, Gräfin von Rechberg, dann das Denkmal des bayerischen Geschichtschreibers, Lorenz von Westenrieder, für den Münchner Kirchhof; ferner unter dem Vestibul des allgemeinen Krankenhauses zwei Denksteine für die verdienstvollen Männer, Simon und Xaver v. Häberl.
Im Jahre 1832 modellirte er nach dem Leben die Brustbilder der drei griechischen Deputirten Botzaris, Miaulis und Kaliopulos, auch eine kleine Statue des Admirals Miaulis in Bronce, auf den Anker sich stützend, und in der Rechten das Fernrohr haltend; so wie das Brustbild Seiner Erlaucht des Herrn Grafen von Bassenheim in Marmor.
Im Jahre 1833 gab er Abbildungen eines Theils seiner plastischen Werke heraus, worunter fünf Blätter, von Mertz in Kupfer gestochen, Figuren und fünf Blätter lithographirte Denkmäler enthalten.
Ferner sind von ihm mehrere Entwürfe in Gyps-Modellen zu öffentlichen Brunnen, als:
- Eine Scylla.
- Zwei übereinander stehende Wasserschalen, in deren oberer sich ein Amor badet.
- Der Bavaria-Brunnen; die Bavaria in der Mitte auf einer Säule stehend, und umher acht bayerische Hauptflüsse; zu den Füßen derselben liegen die Hauptprodukte eines jeden der acht Kreise.
- Die Quelle Hypokrene mit dem Pegasus und Bellerophon, unten die bayerischen Minnesänger, als: Wolfram von Eschenbach von der Pfalz, Konrad Graf von Killkberg, ein Schwabe, Konrad von Würzburg aus Franken, und Heinrich von München, ein Altbayer.
- Der Brunnen der Venus victrix mit mythologischen Sinnbildern umgeben.
Im Jahre 1834 verfertigte er ein Basrelief in kararischem Marmor, die Verbindung des Rheins mit der Donau vorstellend; der Rhein und die Donau in der Mitte, dann Se. Majestät König Ludwig I. mit Germania zur Rechten, und die Bavaria mit den Annalen der Geschichte zur Linken; ein Genius schwebt oben in der Mitte mit dem Caduceusstab.
Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Mechaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.
#Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode (29.12.1838)
Gallerie einiger in München lebender Künstler.
(Schluß.)
Leeb, Johannes.
Wir rühmen uns in München einen der größten Bildhauer unserer Zeit an Schwanthaler zu besitzen und stellen ihn ohne Bedenken einem Thorwaldsen an die Seite. Schwanthaler ist ein großes Talent und die Schöpfungen, die sein Meißel lieferte, rechtfertigen diese Behauptung. Allein, da selten eine Größe ganz allein steht, und sich nur im Vergleiche mit anderen eine Bedeutung verschafft, so wählen wir unter den übrigen, vorzüglichen Bildnertalenten, die neben dem so gefeyerten jungen Meister aufragen, für diese Gallerie den Johann Leeb, geboren zu Memmingen im Jahre 1790. Der Sohn eines Strumpffabrikanten barg einen Apollodorus in sich, den später der Steinmetzmeister Naumann zur Behandlung des Marmors und ein alter Bildhauer, der Trophäen vor dem Eingang einer Caserne meißelte, zum Plastiker umschuf. Der alte Bildnermeister, welcher aus Sandsteinmassen Sculpturverzierungen am Kriegergebäude weckte, veranlaßte im gelehrigen Zögling die ersten Begriffe des Decorationsfaches. Wenn der Sohn eines Löffelmachers im alten Athen ein großer Staatsmann und Feldherr werden konnte, so darf der Abkömmling eines Strumpffabrikanten sich zum ausgezeichneten Bildhauer erheben. Das Genie ist zum Gluck keine exclusive Prärogative der hohen Geburt; im Gegentheil, es ist in der bürgerlichen Stube heimischer als in den Salons. Das Genie ist von Hause aus einfach und verschmäht die Unnatur und den Flitter. Leeb entschied sich für die Sculptur nach mehreren Wanderungen im Jahre 1811 zu Genf, wo eine Stunde davon der reiche Tronktain auf seinem Gute einen Pavillon in korinthischer Ordnung, dem Montblanc gegenüber, errichtete, wozu eine große Parthie der Verzierungen des Hauptgesimses und der Capitäler dem Johann Leeb übertragen wurde, und ihm eine größere Fertigkeit in solchen Arbeiten verschaffte. Der angehende Meister fand später in Paris bey dem Bel Escalier im Louvre und darauf in diesem und im Pantheon abwechselnd Beschäftigung. Im Jahre 1814 pausirten in Paris die öffentlichen Bauten. Leeb besuchte fleißig die Académie des quatre Nations. Im Jahre 1815 ganz ohne Unterstützung mußte der deutsche Statuar seine Zuflucht beim Kaufmannsstande in Paris suchen. Das Handlungshaus Gorgerat überließ ihm Waaren in Commission. Der Meißel wurde bey Seite gelegt, und Wage und Elle traten an seine Stelle, bis die Alliirten nach Paris zurückkehrten und Leeb durch den königl. bayerischen Oberstkämmerer, den Grafen Carl von Rechberg, Sr. königl. Hoheit dem Kronprinzen Ludwig empfohlen wurde, und mit der angekauften albanischen Kunstsammlung nach München gesendet wurde, wo er dann zwey Jahre hindurch nach den Entwürfen des Hofarchitekten Klenze für die Glyptothek Verzierungen und Gypsmodelle ausführte. Ein unbesiegbarer Hang zur höheren Plastik drängte ihn immer zu neuen Versuchen. Eine lebensgroße Leda, die für sein höheres Talent sprach, erwirkte ihm auf zwey Jahre ein Reisestipendium, um in Italien sich auszubilden. Im Jahre 1819 stellte Leeb zu Rom bey der Kunstausstellung zu Ehren Sr. Majestät des Kaisers Franz auf dem Capitol eine Bacchantinn so wie auch ein Basrelief mit den drey Horen, welche den Pegasus pflegen, auf. Im Jahre 1820 reiste er nach Neapel, wo er durch den Marquis de Poublon bey dem Herzog von Alba eingeführt wurde, der eine Bestellung nach seinem Sinne machte. Leeb entwarf diesem Auftrag zufolge eine Gruppe des Hylas mit der Nymphe, und dieselbe wurde in Lebensgröße in Marmor ausgearbeitet. Diese Gruppe ging in der Meerenge von Gibraltar zu Grunde.
In Neapel verfertigte der fruchtbare Künstler eine Psyche in Marmor und das Porträt des berühmten Paganini. Im Jahre 1823 kehrte er wieder nach Rom zurück, und arbeitete in dem Atelier des Ritters von Thorwaldsen, als er von Sr. königl. Hoheit dem Kronprinzen von Bayern den ehrenvollen Auftrag erhielt, für die Walhalla mehrere Brustbilder in Marmor zu fertigen. Nach einer Reihe von plastischen Arbeiten kam Leeb nach München zurück im Jahre 1826, wo er für den großen Odeonssaal die Büsten zehn der berühmtesten Tonsetzer, als: Mozart, Beethoven, Haydn, Händel, Gluck, Mehul, Weber, Cimarosa und Vogler fertigte. Im Jahre 1827 modellirte er für den Grafen de Bray aus der Odyssee 35 Fuß lange Basreliefs; führte für die Glyptothek in dem Giebelfeld zwey Statuen in Marmor aus und decoricte in der neuen königl. Residenz einen, in der Pinakothek zwey Säle nach den Entwürfen des Hofarchitekten Klenze. Leeb modellirte im Jahre 1832 nach dem Leben die Brustbilder der drey griechischen Deputaten Botzaris, Miaulis und Kaliopulos.
Leeb wetteifert an Fruchtbarkeit mit dem in München gefeyerten Schwanthaler. Sein Atelier regt sich von plastischen Gestalten, es leert und füllt sich immer wieder. Die Natur verlieh ihm aber zur Fülle der Productivität großen poetischen Sinn und seine Studien in Rom trugen nicht wenig bey, im Geiste der Alten den Formen das Edle und Schöne im Bunde mit künstlerischer Wärme einzuhauchen.
Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode 156. Samstag, den 29. Dezember 1838.
#Universal-Handbuch von München (1845)
Leeb, Johann,
geboren 1790 zu Memmingen, erhielt seinen ersten Unterricht bei einem Steinmetzmeister in Lindau. 1809 verließ er diese Stadt und begab sich als Steinmetzgeselle nach Winterthur, Lausanne und Genf. Im Jahre 1811 bot sich ihm Gelegenheit in der Ausführung kunstreicher Verzierungen und Kapitäler in korinthischer Ordnung sich zu üben. Bald darauf kam er nach Paris und er fand Beschäftigung in seinem Fache. Später widmete er sich den Studien in der Bildnerei und besuchte Privat- und öffentliche Akademien. Als Kronprinz Ludwig im Jahre 1816 in Paris war, wurde er durch den Grafen Rechberg demselben empfohlen und sodann mit der albanischen Kunstsammlung, welche der Kronprinz angekauft hatte, nach München geschickt. Hier fand er nun ein weites Feld zu seiner Ausbildung; er arbeitete 2 Jahre lang, nach Klenze’s Entwürfen, Verzierungen und Modelle für die Glyptothek und übte sich mit großem Eifer an plastischen Entwürfen und Darstellungen. Die gelungene Ausführung eines lebensgroßen Modelles einer Leda verschaffte ihm ein Reisestipendium auf 2 Jahre, um sich in Italien ganz der Bildhauerkunst zu widmen Er ging nach Rom, und im Jahre 1819 gab er eine Bacchantin und ein Relief, darstellend die 3 Horen, welche den Pegasus pflegen, zur Kunstausstellung auf das Capitol. 1820 ging er nach Neapel und entwarf für den Herzog von Alba die Gruppe des Hias mit einer Nymphe; dort fertigte er auch eine Psyche in Marmor und das Brustbild Paganinis. Er kehrte wieder nach Rom zurück, und fand im Atelier Thorwaldsens Beschäftigung; er erhielt sodann den ehrenvollen Auftrag vom Kronprinzen Ludwig von Bayern, mehrere Brustbilder in Marmor für die Walhalla auszuführen. Außer vielen schönen Werken wollen wir nur noch einige anführen, worin er sich besonders auszeichnete: Die Statue des Mathäus für die Grabkapelle der Höchstsel. Königin von Württemberg auf dem Rothenberg; einen schlafenden Amor für den Grafen Schönborn; dann die allegorische Darstellung der Unschuld in carrarischem Marmor, in der Gestalt eines lieblichen Mädchens mit Amoretten in einem Neste, die eben flügge werden. Im Jahre 1826 führte er die Brustbilder der berühmtesten Tonkünstler für den großen Saal des Odeons aus, schmückte in der Pinakothek 2 Säle mit Reliefs nach Klenze, und vollendete 2 Statuen für das Giebelfeld der Glyptothek. Für den Grafen Bray nach Irlbach lieferte er ein 35 Fuß langes Relief in Gyps: Darstellungen aus dem Leben des Odysseus. Längere Zeit beschäftigte er sich mit der Ausführung von Denkmälern für berühmte und hochgestellte Männer: für den Grafen Preying in der Kirche zu Niederaschau, für die Gräfin Rechberg in der Kirche zu Donsdorf, für Westenrieder in den Arkaden des Münchner Kirchhofes, 2 Denksteine für die berühmten Aerzte Simon und Franz Xav. Häberl, in der Vorhalle des allgemeinen Krankenhauses zu München aufgestellt. Eine kleine Statue des Admirals Miaulis, wie er sich auf den Anker stützt, in der Rechten das Fernrohr haltend, ist ebenfalls von ihm und wurde von Stiglmaier in Erz gegossen. Seine Modelle zu öffentlichen Brunnen verdienen ebenfalls rühmliche Erwähnung. Wunderschön ist die Statue eines Sohnes der Niobe, der auf dem bäumenden trefflichen Pferde sich rückwärts beugend mit der einen Hand den Todespfeil abzuwehren sucht. Zu seinen neueren Werken gehört ein Eros in carrarischem Marmor. Er ist stets mit der Ausführung von Aufträgen zu Brustbildern und Denkmälern beschäftigt.
Universal-Handbuch von München. München, 1845.
#Morgenblatt zur Bayrischen Zeitung (13.7.1863)
Johannes Leeb, Bildhauer.
(Nekrolog.)
Am 5. Juli lauf. Js. ging in München der Bildhauer Johann Leeb im 73. Lebensjahre mit Tod ab, dessen Ruf als bedeutender Künstler weit über die Grenzen unseres Vaterlandes hinausreicht.
Derselbe ist am 1. September 1790 in der damaligen Reichsstadt Memmingen geboren, woselbst sein Vater als Strumpfwirkermeister ansässig und wohnhaft war.
Seine Knabenzeit fällt zwar in jene Periode großer politischer Ereignisse, dieselben gingen jedoch an der in aller Stille lebenden Bürgerfamilie so ziemlich spurlos vorüber, und auch in des Knaben Entwickelungsgange trug sich Bemerkenswerthes nicht zu.
Von seinem Vater dazu bestimmt, dereinst das väterliche Geschäft zu betreiben, begleitete er ihn häufig, wenn derselbe mit den Erzeugnissen seines Handwerks nahe und ferne Jahrmärkte besuchte. So kam er auch im Jahre 1804 nach Lindau, woselbst man eben mit dem Bau einer Kaserne begonnen hatte.
Der Anblick der Steinmetzarbeiten für diesen Bau war es, der zuerst seinen Sinn für technische Thätigkeit anregte und er sprach sich mit solcher Vorliebe für dieses Geschäft aus, daß der Vater keinen Anstand nahm, den Sohn diesen Weg gehen zu lassen.
So kam der vierzehnjährige Knabe noch im nämlichen Jahre als Lehrling zu dem Steinmetzmeister Naumann in Lindau, der die Arbeiten für den Kasernenbau zu liefern hatte und war in seinem Herzen glücklich bel der Herstellung derselben Trophäen beihelfen zu dürfen, die ihn kurz vorher so unwiderstehlich angezogen hatten.
Nachdem er seine Lehrzeit vollendet hatte und förmlich als Geselle freigesprochen worden, wanderte er im Jahre 1809 in die benachbarte Schweiz, woselbst er nacheinander in Winterthur, Lausanne und Genf auf seinem Handwerk arbeitete.
Während dieser Zeit schritt seine Ausbildung so weit vor, daß er schon im Jahre 1810 in der Lage war, – er hielt sich damals in Genf auf – die Ausführung reicher Sandstein-Verzierungen selbständig zu übernehmen, welche einen von Herrn von Troneheim auf seinem Landhause zu Coligny, dem Montblanc gegenüber erbauten, im corynthischen Styl gehaltenen, Tempel schmücken.
Damit hatte er bereits die Grenzen des Handwerks entschieden hinter sich gelassen. Genf war nicht länger ein Aufenthalt für das strebsame Talent Leeb’s.
Paris erschien zu jener Zeit als der Mittelpunkt nicht blos des politischen, sondern auch des Kunstlebens. Die ersten Sammlungen der Welt waren ihrer Perlen beraubt worden, um die Eitelkeit der Franzosen zu kitzeln. Es zog Leeb, der bedeutendes nicht blos sehen, sondern auch schaffen wollte, nach Paris und er machte sich bereits im nächsten Jahre 1811 dahin auf den Weg.
Napoleon fand in den kurzen Pausen seiner Kriege noch Zeit übrig, die Kunst zu beschützen und die öffentlichen Bauten, wie jene des Louvre, des Pantheon und andre boten willkommene Gelegenheit für junge Talente, sich in ihrer Kunst zu vervollkommnen. So fand auch Leeb am Louvre und am Pantheon, später am kaiserlichen Lustschlosse zu Fontainebleau eine seinen Kräften angemessene Beschäftigung.
Der Einzug der Verbündeten zu Paris im Monate März 1814 machte allen öffentlichen Bauten urplötzlich ein Ende. Leeb ward hievon schwer genug getroffen. An die Stelle eines für die Bedürfnisse des jungen Mannes mehr als zureichenden Entkommens trat mit Einemmale Mangel. Aber schmerzlicher als dieß war es für Leeb, daß er nun keine Mittel mehr besaß, den bei dem Bildhauer Querfaut im Zeichnen und Modelliren genommenen Privatunterricht fortzusetzen. Er mußte sich in Folge dessen darauf beschränken, seiner weitern Ausbildung durch den fortdauernden Besuch der Academie des quatre nations nachzugehen.
Als endlich alle bisherigen Hilfsquellen versiegt waren, griff Leeb, um nur sein Leben zu fristen, zu kaufmännischen Commissionsgeschäften, welche ihm denn auch bis nach dem zweiten Einzuge der Verbündeten in Paris seinen Unterhalt verschafften.
In jenen Tagen hatte er das Glück, dem kunstliebenden Kronprinzen Ludwig von Bayern in Paris vorgestellt zu werden. Der Prinz benützte seinen Aufenthalt zu bedeutenden Ankäufen von Werten antiker Plastik und versetzte Leeb wieder in Thätigkeit, indem er ihm den Auftrag ertheilte, das Gesammelte nach München zu bringen und weiter für die im darauffolgenden Jahre in Angriff genommene Glyptothek dekorative Modelle zu liefern.
Indessen stand des Künstlers Sinn nach Italien gerichtet, woselbst er sich für das figürliche Fach auszubilden gedachte.
Eine lebensgroße Figur der Leda, welche den Beifall des Königs Max Joseph fand, verschaffte ihm die Mittel, diesen seinen Lieblingsgedanken in’s Werk zu setzem, da sie ihm ein Reisestipendium eintrug.
Er machte sich sofort (1817) auf den Weg über die Alpen und lag zwei Jahre lang in Rom mit dem größten Eifer seinen Studien ob.
Als nach Ablauf dieser Zeit das Stipendium, erlosch, wanderte Leeb nach Neapel, wo er hoffte, für die Kirche St. Vincenz und Paul Aufträge zu erhalten. Zwar gelang ihm dieß nicht; das Schicksal entschädigte ihn jedoch dadurch, daß er dem Herzoge von Alba empfohlen wurde, der ihm den ehrenden Auftrag ertheilte, den Hylas mit der Nymphe in Marmor auszuführen, eine Aufgabe, deren glückliche Lösung ihn drei Jahre im schönen Neapel festhielt.
Hatte den Künstler in Paris die Wiedereinführung der legitimen Herrscherfamilie um seine Existenz zu bringen gedroht, so brachte ihm dagegen in Neapel der von den Carbonari’s gegen das Princip der Legitimität geführte Kampf großen Nachtheil. Der Carbonarismus verscheuchte nemlich den Herzog von Alba aus Neapel. Indeß war die Gefahr nur eine vorübergehende und die für den Herzog begonnene Gruppe ging in den Besitz des mit den Occupationstruppen nach Neapel gekommenen österreichischen General-Lieutenants Freiherrn v. Keller über.
Aus jener Zeit stammt auch eine in Marmor ausgeführte Psyche und ein Porträt Paganini’s, welches dem Künstler durch die frappante Aehnlichkeit und geistreiche Auffassung viele Freunde erwarb, und zugleich eine ansehnliche Anzahl von Bestellungen von Gypsabgüssen für Neapel, Palermo und Genua verschaffte.
(Schluß folgt.)
Regnet: Morgenblatt zur Bayrischen Zeitung Nr. 189. Montag, den 13. Juli 1863.
#Morgenblatt zur Bayrischen Zeitung (14.7.1863)
Johannes Leeb, Bildhauer.
(Nekrolog.)
(Schluß.)
Im Jahre 1822 kehrte Leeb wieder nach Rom zurück und arbeitete einige Zeit lang in Thorwaldsen’s Atelier, woselbst er mehrere Entwürfe des unsterblichen Künstlers unter dessen Augen in Marmor ausführte.
Thorwaldsen, welcher unsern Künstler lieb gewonnen, empfahl ihn dem Könige von Württemberg, der ihm den Auftrag ertheilte, für die auf dem Rothenberge bei Stuttgart erbaute griechische Capelle den Evangelisten Matthäus in mehr als Lebensgröße aus cararischem Marmor herzustellen.
Diesem Auftrage folgte schon im nächsten Jahre (1823) ein weiterer des Grafen Schönborn, der damals eben Rom besuchte und einen schlafenden Amor bestellte, der im Schlosse zu Reinhardshausen am Rhein aufgestellt wurde. Daran reihten sich 1824 die Büsten Stein’s und Boerhave’s für die Walhalla und 1826 der Auftrag, die zehn weiteren Büsten Mozart’s, Händel’s, Gluck’s, Mehul’s, Haydn’s, Vogler’s, Beethoven’s, Winter’s und C. M. v. Weber’s gleichfalls für die Walhalla auszuführen.
S. Maj. König Ludwig hatte den Künstler schätzen gelernt und zog ihn auch herbei, als es galt, das Giebelfeld seiner Glyptothek mit Statuen zu schmücken. Leeb arbeitete für dasselbe die Statue der Minerva und für zwei untere Nischen den Hadrian und Perikles.
Als im Jahre 1832 die Abgesandten Miaulis, Bozzaris und Plaputas in München erschienen, um dem zweitgeborenen Sohne des Königs Ludwig die Krone des jugendlichen Königreiches Hellas zu Füßen zu legen, modellirte Leeb dieselben nach dem Leben und den Seehelden Miaulis insbesondere als Statuette auf den Anker sich stützend, und fand dafür zahlreiche Abnehmer.
Die Grafen von Preising-Hohenaschau und Preisiag-Moos, die Grafen von Rechberg und Bray übertrugen Leeb die Herstellung zum Theil sehr umfangreicher Familiendenkmäler.
Zu des Künstlers größeren Arbeiten gehört namentlich eine originell erfundene Niobiden-Gruppe zu Pferd in ganzer Lebensgröße. Durch bestehende Anmuth zeichnet sich die in cararischem Marmor ausgeführte Figur der Unschuld aus, welche mit einem Amoretten-Neste spielt. Besonderer Erwähnung würdig erscheint auch ein gleichfalls aus Marmor gemeißelter Amor, den Pfeil schleifend, der auf der Londoner Ausstellung des Jahres 1851 durch die Jury ausgezeichnet wurde.
Fünf Jahre früher ward ihm durch die Empfehlung des Erzherzogs Stephan Gelegenheit geboten, durch mehrere Arbeiten zur Ausschmückung der neuerbauten Kirche zu Marienbad in Böhmen beizutragen.
Leeb hat auch das Verdienst, die terra cotta wieder zur practischen Anwendung gebracht zu haben. Seine in dieser Technik behandelten vier Jahreszeiten fanden nicht blos in Deutschland und der Schweiz, sondern auch in England freundliche Aufnahme.
Während der großen Kunst- und Industrie-Ausstellung zu München im Jahre 1854 schmückte ein Gypsmodell des grandiosen Danaiden-Brunnens von Leeb, den zwanzig Wasserstrahlen belebten, das Querschiff des Ausstellungsgebäudes und es erinnert sich wohl jeder Besucher derselben dieses Kunstwerks.
Zwei Jahre später erhielt Leeb von der Stadt Genf den ehrenvollen Auftrag, für einen der dortigen öffentlichen Plätze einen monumentalen Brunnen zu entwerfen, und dabei das historische Ereigniß der Abwehr des Einfalls des Herzogs Carl Emanuel von Savoyen durch die Bürger von Genf (die Escalade von 1602) zur Anschauung zu bringen. Leeb’s geistvolle Arbeit fand in Genf ungetheilten Beifall und übersandte ihm die Stadt dafür die große goldne Medaille sammt einem sehr anerkennenden Schreiben.
Unmittelbar darauf stellte Genf unserm Künstler die Aufgabe, für einen dortigen Platz ein Denkmal zum Gedächtniß des am 15. Angust 1815 erfolgten Anschlusses des Cantons Genf an die Eidgenossenschaft zu erfinden, welche Aufgabe unser Künstler mit demselben großem Geschick löste.
Im Jahre 1857 wandte sich seine Vaterstadt Memmingen an ihn, nachdem sie beschlossen hatte, vor dem neuerbauten Bezirksgerichtsgebäude eine Colossalbüste Sr. Majestät des Königs Maximilian II. aufzustellen.
Das Jahr 1859 fand Leeb mit der Ausführung des Gypsmodells der Hauptgruppe für das zweite der Genfer Monumente beschäftigt: sie zeigt die Helvetia im Vereine mit der Republik Genf, beide als Frauengestalten aufgefaßt, ernst und edel im Ausdruck.
Im selben Jahre arbeitete Leeb im Aufträge der Stadt Winterthur zwei allegorische Figuren über Lebensgröße für das neuerbaute großartige Schulhaus in Stein. Er wählte hiefür die Perseverantia und Diligentia als die Symbole, ohne welche die Wirkungen des Unterrichts und der Bildung nicht denkbar sind.
Als letzte bedeutende Schöpfung Leeb’s erscheint die Statue seines Landsmannes Burghard Zingg, der als Geschichtsschreiber und Staatsmann unter seinen Zeitgenossen gleich hervorragte und in hohen Würden stand, so daß er selbst einige Zeit als Gesandter in Konstantinopel fungirte. Sein Denkmal schmückt seit wenigen Monaten einen der Plätze Memmingens.
Leeb hinterließ eine höchst werthvolle Sammlung von Handzeichnungen, meist Entwürfe des verschiedensten Inhalts, Darunter befinden sich namentlich eine Sammlung von Brunnen-Entwürfen in 3 Abtheilungen von je 15 Blättern, geschieden je nachdem sie für öffentliche Plätze, Gärten, oder Parke bestimmt sind, nicht alle bedeutend durch Großartigkeit oder Anmuth der Form, aber alle originell. Mögen sie nicht für immer in den Mappen verschlossen bleiben, sondern auf irgend eine Weise vervielfältigt und so für das Gemeinwesen benützbar werden!
Regnet.
Regnet: Morgenblatt zur Bayrischen Zeitung Nr. 191. Dienstag, den 14. Juli 1863.
#Allgemeine Deutsche Biographie (1883)
Leeb: Johannes L., Bildhauer, geboren 1790 zu Memmingen, † am 5. Juli 1863 zu München. Erst zum Geschäft seines Vaters (Strumpfwirker) bestimmt, dann Steinmetzlehrling bei Naumann in Lindau 1805–9, durchwanderte er die Schweiz, arbeitete in Winterthur und Lausanne und Genf (1811 bei Decorirung der Villa Tronctain); ging nach Paris, um bei der bell’ Escalier im Louvre beschäftigt zu werden, wo er 1812 und 1813 abwechselnd im Louvre und Pantheon mitwirkte und 1814 die Académie des quatres nations besuchte, um sich für die plastische Kunst die nöthigen Vorkenntnisse zu erwerben. In dieser Zeit hatte er das Glück, durch den baierischen Oberstkämmerer Karl Grafen von Rechberg an den Kronprinzen Ludwig empfohlen zu werden, welcher ihn mit der von demselben angekauften Albani’schen Sammlung nach München sendete, woselbst L. zwei Jahre lang nach den Entwürfen von Klenze’s für die neue Glyptothek zahlreiche Verzierungen und Gypsmodelle ausführte; diese Beschäftigung hinderte ihn jedoch nicht, sein Studium im Figürlichen eifrig fortzusetzen.
Eine lebensgroße Statue der »Leda« wurde mit Beifall aufgenommen und verschaffte ihm 1817 ein Stipendium zu einer zweijährigen Studienreise nach Italien, wo er zu Rom fleißig die Antike studirte und bei der zu Ehren des Kaisers von Oesterreich auf dem Capitol veranstalteten Ausstellung mit eigenen Werken erschien: einer Bacchantin und einem Basrelief, darstellend die den Pegasus pflegenden Horen (nachmals in Marmor für den Grafen Bray). In Neapel meißelte L. für den Herzog von Alba eine Gruppe des »Hylas mit einer Nymphe«, eine »Psyche« und eine Büste von Paganini (1820–22).
Zurückgekehrt nach Rom (1823) arbeitete er in Thorwaldsen’s Atelier die colossale Büste Boerhave’s für den Kronprinzen Ludwig (Walhalla), eine Marmorstatue des Evangelisten Matthäus für den König von Württemberg (in die Grabkapelle auf dem Rothenberg bei Stuttgart); gleichzeitig bildete er die Statue eines »jungen Mädchens mit einem Nest voll Amoretten« und einen »schlafenden Amor« für Graf Schönborn.
Seit 1826 in München, wurde L. vielfach bei den großen Schöpfungen König Ludwigs verwendet, von ihm sind z. B. die 10 Büsten der berühmtesten Tondichter in der Apsis des großen Odeonsaales, zwei Statuen im Giebelfelde der Glyptothek (nach Wagner) und die Statuen des Perikles und Hadrian in den Nischen der Facade; 1832 modellirte L. die Büsten der griechischen Deputirten Botzaris, Miaulis und Kaliopulos; von Miaulis fertigte er auch eine kleine, von Stiegelmayer gegossene Statue (gestützt auf einen Anker, ein Fernrohr in der Hand); eine colossale Büste König Ludwigs; 1835 ein Marmor-Basrelief: die Verbindung des Rhein mit dem Main und König Ludwig als Vermittler zwischen Germania und Bavaria, auch viele Büsten für die bairische Ruhmeshalle etc.
Außerdem modellirte er 1827 für den Grafen Bray ein 35 Fuß langes Relief mit Darstellungen aus der Odyssee (in Irlbach) und lieferte viele Grabmonumente, z. B. für den Grafen von Preysing (zu Niederaschau) und den Grafen Rechberg (zu Donzdorf) und das Grabdenkmal auf den Geschichtschreiber Lorenz von Westenrieder (unter den Arkaden des alten Münchener Friedhofes), ebenso den Denkstein für Simon und Xaver Häberl im Vestibulum des Allgemeinen Krankenhauses. Großes Aufsehen machte 1838 das Gypsmodell einer Reiterstatue: »Der Niobide Sypilus auf einem bäumenden Araber (!) vom tödtlichen Pfeile getroffen, zurücksinkend«; am Sockel: der Tod der Söhne der Niobe durch Apollo, jener der Töchter durch Diana; an den Schmalseiten die Genien des Lebens und Todes. Ein pfeilschleifender Amor in Marmor wurde 1851 auf der Londoner Exposition durch die Jury ausgezeichnet. Auch modellirte L. die »vier Jahreszeiten«, welche (durch Lithographie und Terracotta) in Deutschland, der Schweiz und England Verbreitung fanden.
Mit besonderer Vorliebe cultivirte L. den Gedanken, die Plastik für Brunnenbauten in Anwendung zu bringen. Zahlreiche Entwürfe zeugen von seiner Phantasie und Originalität, namentlich gelang es ihm öfters, die Eigenthümlichkeiten eines öffentlichen Platzes, seine geschichtliche Bedeutung und den Charakter der Umgegend in einem bedeutungsvollen Brunnenbilde zusammenzufassen. So entstanden ein »Brunnen des Eros« mit zwei übereinander befindlichen Wasserbecken, in deren oberem der Liebesgott badet; der »Bavaria-Brunnen« (achteckig mit zwei Reihen von Wasserbehältern, in der Mitte die Bavaria, umher die acht Hauptflüsse mit den Hauptprodukten der betreffenden Kreise); ein »Brunnen der Venus victrix«, zu ihren Füßen Amor und vier wasserspeiende Thiere; ein »Brunnen der Scylla« mit Hunden und Delphinen; dann mit wunderlicher Mischung: »Die Quelle Hippokrene mit Pegasus und Bellerophon«, unten vier baierische Minnesänger (!).
Das Beste dieser Art war sein »Danaiden-Brunnen« (1854 als Gypsmodell im Münchner Industrie-Ausstellungs-Gebäude) und der Brunnen in Genf (vgl. Nr. 42 Abendblatt der Neuen Münchner Ztg. 1856), wobei nach dem Concurrenzausschreiben die »Escalade von 1602« (die Abwehr des Einfalls des Herzog Karl Emanuel von von Savoyen durch die Bürger von Genf) zum Ausdruck kommen sollte; L. gewann den Preis und die Ausführung. Ebenso zur Zufriedenheit der Besteller löste L. die von derselben Stadt gestellte Aufgabe, ein Denkmal zum Gedächtniß des am 15. August 1815 erfolgten Anschlusses des Kantons Genf an die Eidgenossenschaft zu erfinden (1859). Gleichzeitig lieferte L. die allegorischen Figuren der »Perseverantia und Diligentia« für das Schulhaus in Winterthur. Mit der Statue des Historikers und Staatsmannes Burghard Zingg (für Memmingen) schloß L. seine künstlerische Thätigkeit.
Er war ein guter, übrigens mehr decorativer Techniker im Stein, seinem ganzen Geiste und Schaffen nach ein Epigone von Thorwaldsen und Wagner. In seinem Nachlasse befand sich eine Sammlung aller seiner Brunnenentwürfe, 3 Hefte mit je 15 Blättern in Großfolio, sehr effektvoll in Farbe gesetzt; darunter viel Schönes, Großes und Originelles, aber auch viel Barockes und Geschmackwidriges, wie er denn Zeitlebens einer zopfigen Auffassung der Antike huldigend, trotz allen Ansätzen nicht zu einer nationalen und volksthümlich wahren Behandlung seiner Kunst kam.
Vgl. Stuttgarter Kunstblatt 1835, S. 419. A. v. Schaden, Artist. München 1836, S. 61 ff. Nagler 1839. VII, 390 ff. Raczynski II, 495. Vinc. Müller, Handbuch von München 1845. S. 157. Regnet Nr. 190. Morgenblatt zur Bayer. Ztg. 1863. Kunst-Vereins-Bericht f. 1863. S. 51.
Hyac. Holland.
Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1883.
#Memminger Chronik (1894)
1839 am 27. Juni starb am Schlagfluß Tobias von Wachter, geboren am 29. November 1775. Er war 1818–1836 Bürgermeister der Stadt, 1818–1836 Abgeordneter zur 2. Kammer. Seine Marmorbüste von Bildhauer Johannes Leeb ist im Rathaussaale aufgestellt.
1856 den l. Mai wurde im Rathaussaale die Marmorbüste des verstorbenen Bürgermeisters v. Schelhorn aufgestellt. Bildhauer Johannes Leeb in München, ein geborener Memminger, hat sie gerfertigt, ohne Honorar dafür zu anzunehmen. Die Barauslagen haben die Magistratsräte und die Gemeindebevollmächtigten aus Privatmitteln bezahlt (Im Rathaussaale sind jetzt die Marmorbüsten von drei Bürgermeistern aufgestellt: Tobias v. Wachter, Adolf v. Schelhorn, Juius v. Röck.).
1857 Samstag den 28. November, am Geburtsfeste des Königs, wurde als Schlußstein zum neuen Bezirksgerichts-Gebäude auf dessen Frontispitz die Marmorbüste S. M. des Königs Maximilian II. in feierlicher Weise enthüllt. Nach dem Gottesdienste begaben sich sämtliche königlichen und städtischen Behörden und Bediensteten sowie das Landwehrbataillon auf den Hallplatz. Auf einer eigens hiezu errichteten Tribüne hielt Bürgermeister v. Zoller eine angemessene Rede, womit er die Büste als Geschenk der Stadtgemeinde dem kgl. Bezirksgericht übergab. Bezirksgerichtsdirektor v. Langen acceptierte das Geschenk mit dankenden Worten und schloß mit einem Hoch auf den König. Die Musik spielte auf dem Platze, Böllerschüsse ertönten, die Begeisterung war allgemein. Von Seiten der Kreisregierung war der k. Civilbau-Inspektor v. Stengel anwesend, auch der Verfertiger der Büste, Professor Leeb aus München, ein renommierter Künstler und geborener Memminger, war zugegen. Abends 6 Uhr schloß die Feier mit einem von der Stadtgemeinde gegebenen und in jeder Beziehung gelungenen Festball im bayer. Hof. Die Herstellung der Büste nebst Zugehör wurde aus Mitteln der Stadtkasse im Betrage von 800 fl. bestritten. Der eherne Wappenschild mit den Metallbuchstaben kam noch besonders auf c. 500 fl. zu stehen.
1862 4. September. Johannnes Leeb, Bildhauer zu München, geboren den 6. Sept. 1790 zu Memmingen, hat das Standbild des Burkhart Zingg (1396–1470) auf dem Hallplatz gestiftet. Die Statue ist aus Marmor, der Sockel von Sandstein. Das Denkmal trägt die Inschrift: Aus großer Hochachtung für seinen Landsmann errichtet dieses Standbild Bildhauer Johannes Leeb 1862. Vorderseite: Burkhart Zingg, bayer. Geschichtschreiber, Augsburger Chronist und Gesandter nach Pest, Rom und Rhodus, geb. 1396 in Memmingen, gestorben 1470 in Augsburg. Abends fand ein Ständchen vor der Wohnung Leebs im Gasthof zum bayer. Hof statt, das Monument wurde mit farbigen Flammen beleuchtet und dem Künstler ein Hoch ausgebracht.
1863 Den 5. Juli starb der Bildhauer Johann Leeb in München, ein geborener Memminger. Von seinen Werken sind hier bekannt: Fünf Statuetten und der Engel in der Drauenkirche, das Standbild des Burkhart Zingg, die Marmorbüste S. M. des Königs Max II. auf dem Bezirksgerichtsgebäude, in München an der Außenseite des Siegesthores 8 große Genien mit langen Gewändern. Ein Nekrolog Leebs findet sich in der bayerischen Zeitung 1863 Nr. 190 und 191 vom 13. und 14. Juli. Leeb war mit einer Italienerin verheiratet, blieb aber ohne Kinder.1. November. Der zweite Stock des Rathauses wurde umgebaut und so verschiedene Zimmer gewonnen; der Vorplatz wird mit Gipsstatuen aus der Leeb’schen Sammlung geziert.
1870 den 30. Mai. Der Marktplatz, bisher mit kleinen Steinen gepflastert, wurde einfach chaussiert und mit gepflasterten Trottoirs umgeben. An der Nordseite des Platzes wird ein gußeiserner Springbrunnen mit Marmorschale, einen auf einem Schwan reitenden Jungen darstellend, aus der Leeb’schen Modellsammlung angebracht. – Der Brunnen wurde im April 1872 wieder entfernt (Der auf einem Schwan reitende Junge ist 1893 im Bassin vor der neuen Badeanstalt aufgestellt worden.).
Friedrich Clauß: Memminger Chronik des Friedrich Clauß, umfassend die Jahre 1826–1892, herausgegeben und erläutert von Friedrich Döderlein, kgl. Gymnasiallehrer. Memmingen, 1894.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Leeb Johann, 1790 (Memmingen/Schwaben) – 1863, Bildhauer; er erlernte das Steinmetzhandwerk in Lindau, Winterthur, Lausanne und Genf und studierte dann Bildhauerei auf der Akademie in Paris; Kronprinz Ludwig (König Ludwig I.) wurde 1816 dort auf ihn aufmerksam, so kam er mit der von diesem angekauften Albanischen Kunstsammlung nach München, wo er zwei Jahre lang an Verzierungen und Modellen (nach L. von Klenzes Entwürfen) für die Glyptothek arbeitete; nach einem längeren Studienaufenthalt, namentlich in Neapel und Rom, wo er Thorwaldsens Schüler war, schuf L. in München für Kronprinz Ludwig viele Marmorbüsten für die Walhalla.
Hauptwerke: Matthäus für Grabkapelle der Königin von Württemberg in Rothenberg, Brustbilder der berühmtesten Tonkünstler für das Münchner Odeon, Reliefschmuck von zwei Sälen der Münchner Pinakothek (nach Klenze), zwei Statuen für das Giebelfeld der Münchner Glyptothek, viele Grabdenkmäler im Südlichen Friedhof, Modelle für öffentliche Brunnen in München, Unionsdenkmal und Escaladebrunnen in Genf.
© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#7 – 10 – 16* (Ziegler)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Ziegler, Peter; – 6.5.1835 (München), 52 Jahre alt, Tod durch Arbeitsunfall; Zimmermann
Das Grab ist nicht erhalten

#7 – 10 – 39 (Riederer)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Riederer, Anna Freifrau von (vw); – (6).8.1868 (München), 44 Jahre alt; Bezirksgerichtsrats-Witwe
- Riederer, Moritz Freiherr von; – (26).10.1899 (München), 57 Jahre alt; Major
- Riederer, Moritz Freiherr von; – (12).6.1864 (München), 63 Jahre alt
- Riederer, Otto Freiherr von; – (11).6.1883 (München), 24 Jahre alt; Privatier
- Riederer, Theresia Freifrau von (vh); – (20).6.1849 (München), 33 Jahre alt; Kreis- und Stadtgerichtsrats-Gattin


#7 – 10 – 40 (Hofmann)
HOFMANN.
- Hofmann, Julius Ritter von; 20.2.1840 (Triest) – 5.8.1896 (München); Architekt




#Julius Ritter von Hofmann
* 20.2.1840 (Triest)
† 5.8.1896 (München)
Architekt
#Schloß Herrenwörth, das bayerische Versailles in Wort und Bild (1887)
Oberbaurath Hofmann.
Julius Hofmann geboren im Jahre 1840 in Triest, machte als Architekt seine Studien in Wien, wurde schon im Jahre 1858 von dem Erzherzog Maximlian nach Triest berufen und mit der vollständigen Ausschmückung des Schlosses Miramar betraut.
Bei Ausbruch des italienischen Feldzugs wurden auf Miramar die Arbeiten eingestellt, und in Folge dessen kam Hofmann zum ersten Male nach München, wo er den russischen Hofmaler Swertschkoff kennen lernte und für diesen bedeutende Arbeiten ausführte, die nach Petersburg bestimmt waren.
Im Jahre 1863 wurde er beauftragt, seine Thätigkeit in Miramar fortzusetzen und 1 Jahr später in vertrauter Mission von dem nachmaligen Kaiser Maximilian nach Mexico gesendet woselbst er bis vor dem tragischen Ende dieses edlen Fürsten (1867) als Hofarchitekt verblieb. Kurz vor der Katastrophe reiste Hofmann auftragsgemäß nach Europa, um das Schloß Lacroma in Dalmatien für den zukünftigen Aufenthalt des Kaisers Max herzurichten. Während dieser Reise erfolgte die Füsilirung des unglücklichen Habsburger Sprößlings, weßhalb sich Architekt Hofmann sofort wieder nach München begab und hier die Glasmalerei studirte. Nachdem er sich in diesem Fache hinreichend Kenntniß erworben hatte, errichtete er eine Glasmalerei für die Mayer'sche Hof-Kunstanstalt am Stiegelmayerplatz zu München.
Der dieser Anstalt vorstehende Direktor Zettler hat sich aber bereits 1 Jahr später von derselben getrennt und in Gemeinschaft mit diesem errichtete Hofmann die jetzt blühende Zettler'sche Hof-Glasmalerei zu München, welcher er in technischer und künstlerische Richtung 10 Jahre lang vorgestanden ist.
Schon beim Baue des kgl. Schlosses Linderhof wurde Hofmann privatim mit mehreren Arbeiten betraut; ein Gleiches geschah beim Schloßbau von Herrenwörth, und als schließlich die Frage ventilirt wurde, wer wohl Neu-Schwanstein ausstatten könnte, wurde vom Oberbaudirektor von Dollmann dem Architekten Hofmann die gesammte innere Ausschmückung übertragen, welche Arbeiten 3 Jahre in Anspruch nahmen. Nach der Pensionirung Dollmanns wurde als dessen Nachfolger im kgl. Privatbureau unter vielen Andern auch Hofmann dem Könige vorgeschlagen, und ist Hofmann auch unter Ernennung zum Hofbaurath als Dollmanns Nachfolger von Seiner Majestät auserwählt worden.
In dieser Stellung wurden ihm die Neubauten von Linderhof, Hohenschwangau und Chiemsee, sowie der kgl. Residenz in München anvertraut. Auch wurde er mit dem Baue des Hubertus-Pavillons, sowie des Schlosses Falkenstein beauftragt und hatte er im Auftrage des Königs Projekte für ein großes Byzantinisches und für ein Chinesisches Schloß zu fertigen, welche Projekte jedoch auf dem Papier geblieben sind.
In dieser seiner Laufbahn hat Hofmann sehr viele Reisen unternommen: Er besuchte Frankreich, England, Deutschland, Italien und Spanien, war, wie erwähnt, in Mexico und wurde zu öfteren Malen als Privatperson von S. Maj. König Ludwig II. mit besonderen Aufträgen nach Paris gesandt. Bis zum tragischen Ende des kunstverständigen Königs hatte sich Hofmann der Gunst und Gnade desselben erfreut, wovon verschiedene Handschreiben Zeugniß geben. Nach des Königs Tode verblieb Hofmann nicht nur in seiner Stellung, sondern er wurde sofort vom Prinz-Regenten zum Oberbaurath befördert. In dieser seiner jetzigen Stellung sind ihm nicht allein die kgl. Privatschlösser zur Ueberwachung übertragen, sondern es wurden ihm auch die sämmtlichen Hofbauten in München, Nymphenburg, Schleißheim, Dachau und Schloß Berg übrgeben.
Hof-Baurath Hofmann ist Münchner Bürger, also auch bayerischer Staats-Bürger, seit 1865 verheirathet und ist Vater eines Sohnes. Derselbe gilt als ein hochwissenschaftlich gebildeter und sehr befähigter Mann in seinem Fache.
Wie nicht leicht ein zweiter, war es ihm vom Schicksal bestimmt, als »Hofarchitekt« das tragische Ende zweier kunstsinniger Monarchen, bei denen er angestellt, erleben zu müssen.
J. L. Craemer: Schloß Herrenwörth, das bayerische Versailles in Wort und Bild. München, 1887.
#Allgemeines Künstler-Lexikon (1921)
Hofmann, Julius, Baumeister, geb. 1840 (?), † 5. Aug. 1896 in München. Er stand in Diensten des Kaisers Maximilian von Mexiko und hatte später Antheil an den bayerischen Königsschlössern Herrenchiemsee, Lindenhof und Neuschwanstein. Von ihm ferner die Entwürfe zur neuen Schatzkammer der Münchener Residenz und zur Gedächtniskirche für Ludwig II. in Berg am Starnbergersee. Hof-Oberbaurath.
Allgemeines Künstler-Lexikon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Frankfurt am Main, 1921.

#7 – 10 – 52 (Reisner von Lichtenstern)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Reisner von Lichtenstern, Anton Freiherr von; – (12).8.1880 (München), 66 Jahre alt; Königlicher Oberstleutnant a. D.


#7 – 10 – 54 (Gabelsberger)
Dem
Erfinder deutscher
Stenographie
Franz Xaver
Gabelsberger
k. g. Ministerialsekretär
geboren am 9. Februar 1789
gestorben am 4. Januar 1849
Seine
Schüler und Verehrer
Currant verba licet
manus est velocior illis.
Nondum lingua suum,
dextra peregit opus.
Rechte Seite
Georg
Gabelsberger
Stenograph
und Pharmaceut
geboren am 15. August
- Gabelsberger, Franz Xaver; 9.2.1789 (München) – 4.1.1849 (München), Opfer kirchlicher Verfolgung; Erfinder eines Kurzschriftsystems
- Gabelsberger, Georg; 15.8.¿ –; Pharmazeut und Stenograph






#Franz Xaver Gabelsberger
* 9.2.1789 (München)
† 4.1.1849 (München)
Opfer kirchlicher Verfolgung; Erfinder eines Kurzschriftsystems
#Bayerische National-Zeitung (5.8.1834)
Ankündigung
Allen Freunden der Stenographie, oder der Kunst, so schnell zu schreiben, wie ein Redner spricht, habe ich die Ehre hiemit anzuzeigen, das nun mein auf gründlichen Selbstunterricht berechnetes Lehrbuch unter dem Titel:
»Anleitung zur teutschen Redezeichenkunst der Stenographie, von Fr. Xav. Gabelsberger; München 1834.«
vollendet im Druke erschienen, und sowohl bei mir selbst, als in den verschiedenen Buchhandlungen Münchens zu haben ist.
Dasselbe besteht aus zwei Theilen, einem allgemeinen; theoretischen und geschichtlichen, welcher im Buchdruke – und einem besonderen, praktischen, welcher im Steindruke ausgeführt ist.
Ich habe die möglichste Bemühung aufgeboten, den Gegenstand gründlich und klar zu behandeln, eine umfassende Geschichte der Kunst hinsichtlich ihrer Ausbildung und Pflege unter verschiedenen Völkern des höchsten Alterthums, wie der neuern und neuesten Zeit zu geben, ihren vielseitigen Nuzen auseinander zu sezen, ihre Grundprinzipien und deren verschiedenartige Anwendung zu bezeichnen, und endlich das von mir erfundene specielle Schrift-System mit solcher Genauigkeit und durch so viele Beispiele zu erläutern, dass, wie bereits faktische Beweise vorliegen, dasselbe ohne alle mündliche Unterweisung, blos aus dem Werke erlernt und eingeübt werden kann.
Das Ganze ist in Quartformat, 72 Bogen, auf weissem Velin-Drukpapiere im schönsten Druke hergestellt. – Preis in loco bis 1. Dezember 1834 6 fl. baare Bezahlung. – Buchhandlungen könne bei Abnahme des ersten, resp. Probe-Exemplars einen Rabatt von 36 kr. in Abzug bringen; bei weiterer Abnahme ist das siebente Exemplar frei. – Vom 1. Dezember d. Js. an steigt der Preis auf 8 fl. 6 kr. rheinisch. – Briefe und Gelder erbitte ich mir portofrei, so wie Namen und Ort des Hrn. Bestellers, allenfalls auch die geeignetste Sendungsgelegenheit deutlichst zu bezeichnen. – Diejenigen Herren Subscribenten, welche den praktischen Theil schon früher erhalten haben, werden ersucht, das Uebrige erholen zu lassen.
München, im Juli 1834.
Fr. X. Gabelsberger, k. quiesz. Sekretär, und erster landständ. Stenograph, wohnhaft in der neuen Karlstrasse Nro. 49 ebener Erde.
Bayerische National-Zeitung. 5. August 1834.
#Allgemeine Zeitung (5.1.1849)
München, 4 Jan. Der Erfinder der Stenographie, Ministerialsecretär Gabelsberger, welcher erst in den jüngsten Tagen durch Zuerkennung eines lebenslänglichen Jahresgehalts einigermaßen für die großen Verdienste belohnt wurde die er durch seine Erfindung um die wissenschaftliche, ganz besonders aber die parlamentarische Welt sich erworben hat, verstarb plötzlich in Folge eines Schlagflusses, welcher ihn auf öffentlicher Straße heute Morgens 10 Uhr ereilt hat.
Allgemeine Zeitung Nr. 5. Augsburg; Freitag, den 5. Januar 1849.
#Neue Fränkische Zeitung (9.1.1849)
München, 7. Januar. (Priv.-Corr.) Gestern hatten wir wieder einmal einen Beweis davon, daß die ultramontane Partei in Bayern sich seitdem Hrn. v. Abel die huldvollste Aufnahme bei Hofe zu Theil wird, wieder auf dem Gipfel ihrer Macht wähnt. Bei der gestern stattgehabten Beerdigung des berühmten Erfinders der Stenographie, Ministerialsekretär Gabelsberger, zu der sich 600 Leidtragende aus allen Ständen und von allen Confessionen eingefunden hatten, hielt der Geistliche eine, das Wirken und den ehrenwerthen Charakter des verstorbenen Greises gar nicht berührende Rede, hingegen erwähnte er mit besonderem Nachdruck, daß Gabelsberger plötzlich am Schlage und daher ohne mit den Sterbesakramenten versehen zu sein, gestorben sei, jedoch hoffe er, daß er Gnade vor Gott und ein Plätzchen im Himmel finden werde. »Weiter,« so schloß er seine eben nicht von christlicher Liebe überfließende Rede, »weiter weiß ich von ihm nichts zu sagen.« Sie können Sich denken, welche allgemeine Entrüstung dieses Benehmen des Geistlichen hervorrief.
Neue Fränkische Zeitung. Ein grundrechtliches Staatsbürgerblatt. No. 9. Würzburg; Dienstag, den 9. Januar 1849.
#Der Bayerische Landbote (9.1.1849)
Nekrolog.
Franz Xaver Gabelsberger, Erfinder der deutschen Stenographie.
Geschildert von Dr. J. H. Wolf.
Franz Xaver Gabelsberger, der Erfinder und unermüdliche Förderer einer deutschen, formell und materiell systematischen Stenographie, ist todt. Mit seinem Leben ist unstreitig die fortschreitende Seele seinee Systeme erloschen und wenn wir auch mit ihm die praktische Seite seiner Kunst nicht zu Grabe tragen, so trauern wir an seinem Sarge doch über den entschwundenen schöpferischen Geist derselben; denn so, wie Gabelsberger, mit so großartig aufopfernder Liebe für das ureigene Kind seines Geistes wirkt ganz gewiß keiner seiner Jünger mehr.
Gabelsberger hat seiner Erfindung tausend und tausend Nächte; er hat ihrer Vervollkommnung ganz sicher sein Leben geopfert. Jenes sein geistiges Kind, wird nun wohl freilich adoptirt werden; aber der Adoptivvater kann nie und nimmermehr die Liebe des wahren Vaters besitzen. Doch ein Trost bleibt uns, Gabelsberger’s Stenographie ist fast volle 30 Jahre alt, groß genug, um allein sich durch die Welt zu tragen und gesund genug, um durch ihre Früchte die Schüler des Meisters auch zur geistigen Fortbildung derselben anzuregen. Dem Andenken des großen Meisters wollen wir eine Blume reichen.
Franz Xaver Gabelsberger erblickte das Licht der Welt am 9. Februar 1789 in München. Frühzeitig Waise erzog ihn ein Verwandter, der Chorregent und Lehrer Plinkhardt von Haag. Er studirte auf dem Gymnasium in München bis zur Poesie im Jahre 1808. Ein Jahr später versiegten die Quellen zur Fortsetzung seiner Studien und er mußte lediglich dahin streben, seine Subsistenz zu erhalten. Durch Empfehlung wurde er als Schreiber bei der Stiftungs-Administration in München untergebracht. Der Zufall machte ihn später mit Leopold Sennefelder bekannt, und während er diesem bei Lithographieen aushalf, lernte er diese Kunst selbst und verdiente sich manches Sümmchen damit. Als Kanzelist im Ministerium erwarb er sich durch Fleiß und moralisches Betragen allseitige Achtung. Er wurde Ministerialsekretär, aber bei eintretender Organisation bald pensionirt, jedoch gegen eigene Remuneration viele Jahre zuletzt im statistischen Büreau verwendet. Dies war die eine, für das Vaterland weniger relevante Seite des Verblichenen. Um desto großartiger ist die andere gewesen. Es ist seine Meisterschaft in der Stenographie.
Die Stenographie hat in Bayern mit der ersten Ständeversammlung im Jahre 1819 auch ihren ersten sehr schwachen Anfang genommen. Franz Xaver Gabelsberger, damals als Kanzelist in der Kammer der Abgeordneten verwendet, hatte sich für den Zweck des Nachschreibens der Reden eine ganz eigenthümliche Abkürzungsschrift erfunden. Oberflächliche Geister lächelten darüber; der einzige Feldmarschall Fürst von Wrede, dem der Versuch bekannt wurde, ermunterte das Streben des kühnen Autographen. Gabelsberger reichte jedoch mit seiner Kraft allein nicht aus, er nahm sich also einen Gehilfen. Jedoch trotz dieser Beihilfe waren seine Versuche, die Reden ganz und wörtlich nachzuschreiben, höchst mangelhaft. Um diesem Mangel abzuhelfen, wenigstens ihn nicht so sehr fühlbar zu machen, erfand sich Gabelsberger eine Schrift von neuen, auf das Prinzip der Stamm-, Vor- und Nachsylben gegründeten Zeichen, welche in der wechselnden Strichform zunächst die Consonanten nur ausdrücken, die Vokale aber andeuten sollten – und dieser Erfindungs-Moment gab eigentlich die Veranlassung zur später so sehr berühmten deutschen Stenographie, die den Namen »die Gabelsberger’sche« mit unbesieglicher Präeminenz trägt. Zur Vervollkommnung der Zeichen sowohl, wie zur Organisirung eines auf diese Zeichen und die Tironischen Noten der Römer gebauten Systems verwendete er seit fast 30 Jahren alle seine über den Beruf hinaus reichenden Stunden bis zu seinem am 4. Jan. 1849 Vormitt. ¾10 Uhr plötzlich in der Schwabingergasse vor dem russischen Gesandtschaftshotel erfolgten Tode oft, ja sehr oft bis in die tiefste Nacht hinein.
Nur mit einem solchen, gewiß auch seinen Tod leider fördernden Fleiße schuf er eine deutsche Stenographie von Grund auf neu und so fest, daß dieselbe ohne alle Widerrede jetzt den Ruf der besten in Deutschland und weit über seine Gränzen hinaus behauptet.
Das System des H. Gabelsberger in seinen beiden Hauptabtheilungen, Schrift- und Sprach-Kürzung, zeigte sich in seiner ganzen Vortrefflichkeit auch in der Anwendung auf die neugriechische Sprache; so wurde dasselbe durch einen k. bayerischen Beamten, J. M., für dieselbe angewendet und bewährte sich in der Ausübung als ganz vortrefflich, worüber der nämliche Beamte in dem Senate Griechenlands Probe ablegte. Die wirkliche Einführung der Stenographie in Griechenland scheiterte theils an der Indolenz der k. griechischen Regierung, theils und hauptsächlich an dem Umstande, daß die bayerische Regierung ihrem Beamten den nöthigen Urlaub für längere Zeit und die Erlaubniß, zu diesem Zwecke in k. griech. Dienste temporär überzutreten, verweigerte.
Stolpe in Berlin war nicht im Stande, dem Systeme der Gabelsberger’schen Stenographie Eintrag zu thun. Beim ersten preußischen Landtag waren Stolpe’s Schüler in den ersten Sitzungen schon nicht fähig, das nach dem Systeme ihres Meisters Geschriebene wieder zu lesen – und man mußte Gabelsbergersche Stenographen aus Dresden durch Estaffette kommen lassen, um das auf Sand getriebene Schiff wieder flott zu machen.
Selbst der auf ähnliche Weise zu einer eigenthümlichen Stenographie gekommene Winter in Stuttgart beugt sich mit seinen Schülern vor der unüberwindlichen Tüchtigkeit der Gabelsbergerschen Kunst, in der nicht allein eine Schnellschrift, sondern die Fähigkeit zur Ausbildung der deutschen Sprache selbst liegt. Nicht allein aber die deutsche Sprache war es, auf welche die Kunst des edlen Todten Anwendung fand; auch andere Sprachen, todte wie lebende, hat er in seinen zauberhaften Bildungskreis gezogen. So kam im Sommer des verwichenen Jahres ein Schüler sogar aus Dänemark – und Gabelsberger befriedigte seinen Durst nach praktisch- und theoretisch-stenographischem Wissen vollkommen, freilich um den sein Nervenleben sehr anstrengenden Preis der Voraus- und Zwischenerlernung der dänischen Sprache selbst. Rußland selbst hat sich vor zwei Jahren bei dem weithin bekannten Gabelsberger angefragt, ob sein Stenographie-System auf die russische Sprache anwendbar sey – und der Gefragte hat mit »Ja« geantwortet.
(Schluß folgt.)
Dr. J. H. Wolf: Der Bayerische Landbote Nr. 7. München; Montag, den 9. Januar 1849.
#Der Bayerische Landbote (10.1.1849)
Nekrolog.
Franz Xaver Gabelsberger, Erfinder der deutschen Stenographie.
Geschildert von Dr. J. H. Wolf.
(Schluß.)
So kam es denn, daß die Gabelsberger’sche Stenographie-Schule im Interesse mündlich-öffentlicher wie Kanzel- und Katheder-Verhandlungen eine entschiedene Wichtigkeit behauptet, und daß es ein wahres Unglück wäre, wollte man ihre Relevanz im Staatsleben mißkennen oder gar unterdrücken.
Die Regierung von Sachsen, eine der erleuchtetsten in Deutschland, hat diese Wichtigkeit auch längst erkannt und eine selbstständige stenographische Schule unter Führung eines Schülers von Gabelsberger gebildet, ihm den Titel eines Professors und 1400 sächsische Thaler jährlichen Gehalt gegeben. Es ist dies der Deputirte beim Frankfurter Parlament, Wigard. In ähnlicher Weise hat sich die Winter’sche Schule in Stuttgart und in Karlsruhe etablirt. Gabelsberger blieb nicht zurück. Er hat schon seit 1835, anfangs im Lokal der polytechnischen Schule allein, und seit 1848 auch im Universitäts-Gebäude Unterricht in der Stenographie ertheilt und viele sehr tüchtige Schüler herangebildet. Dieselben erhielten nach einander durch ihren Meister den Ruf zur Verwendung bei den Ständeversammlungen in Innsbruck, Stuttgart, Sigmaringen, Karlsruhe, Frankfurt etc., und ärndteten sich und ihrem Lehrer überall das unbedingteste Lob.
Aber Gabelsberger hatte nicht bloß Schüler durch eigene, durch lebendige Vorträge, sondern auch solche, die ihn von Person nie gesehen, nie gesprochen, die Stenographie also lediglich aus seinen Werken erlernt haben. Um so größer war seine Freude, wenn sich ein solcher bei ihm gemeldet hat oder auf andere Weise ihm bekannt geworden ist. So hat er erst im vorigen Monate noch einen durchaus stenographirten Brief von einem österreichischen Oberlieutenant aus Mailand erhalten, worin derselbe erzählt, daß er die Stenographie aus Gabelsbsrgers Werk allein erlernt habe, und daß diese Kunst ihn bereits in alle Garnisonen, in alle Lager, auf alle Schlachtfelder begleitet habe, und daß er sie daher in jedem freien Stündchen bei Tag und Nacht übe, hiefür aber dem Erfinder selbst seine innigste Hochachtung und seinen herzlichsten Dank zolle.
Solche Anerkennungen wirkten natürlich entschieden wohlthuend auf das zarte Gemüth des Verstorbenen; sie wirkten auf ihn um so lebhafter, je länger ihm die offizielle Anerkennung seiner Verdienste im eigenen Vaterlande versagt blieb. Es ist nun einmal das traurige Loos aller großen Männer, daß ihre Würdigung erst nach ihrem Tode zum Durchbruch kommt. Gabelsberger hat übrigens jene Anerkennung noch erlebt. Freudig bewegt theilte er seinen Freunden die Nachricht mit, daß ihm Se. Maj. der König Max durch das Staatsministerium des Innern erst in der letztern Zeit des vorigen Jahres für seine Leistungen in der Stenographie die frühern prekären 500 fl. nun als definitive Besoldung, bei eintretender Gebrechlichkeit aber 250 fl. bewilligt habe. Daß ihm der Titel »Professor« verliehen worden sei, wie öffentliche Blätter meldeten, ist unrichtig. Allerdings aber hat er ein eigenes Belobungs-Dekret vom k. Staatsministerium erhalten. Offenbar wurden beide Resultate lediglich von Hrn. Frhrn. von Thon-Dittmer erzielt, wofür ihm öffentlicher Dank gebührt; denn er hat dadurch die letzte Zeit des berühmten Todten wahrhaftig auf’s Freudigste bewegt.
Diese Freude wurde ihm auch stets von seinen Schülern geboten. Väterlich ist er ihnen gegenüber gestanden. Ueber ihren Vorzug in der praktischen Uebung der von Ihm erlernten Kunst hat er niemals ihre Dürftigkeit vergessen. In ihrem steigende Verdienste hat er die glorreichste Errungenschaft seines Strebens, seiner vieldurchwachten Nächte gefunden. Oft hat man ihn dieser, die Körperkraft so sehr consumirenden Anstrengungen wegen liebreich getadelt. Seine Entschuldigung war und blieb immer die Hoffnung auf bessere Zeiten. Gabelsberger hat aber auch die k. Regierung veranlaßt, daß sie Prämien den besten Stenographen ertheilte, die in Form von Stipendien eine kräftige Stütze zur praktischen Ausbildung der Kunst selbst geworden sind. Dank der Regierung für diese schöne Handlung. Sie ist durch eine große Zahl tüchtiger Stenographen bereits mit den fruchtreichsten Erfolgen gekrönt worden.
Und so hat denn Gabelsberger Gutes gewirkt, wo es in seiner Macht stand. Im Ständehaus lebte er stets im freundlichsten Verkehr mit allen Denen, die seiner Hilfe bedurften. Kein böses Wort ist aus seinem Munde gekommen. Höchstens war es eine väterlich ernste Mahnung, die den Schuldigen beschämte. Dem Hrn. Archivar und Regierungsrathe Stumpf hing er mit entschiedener Treue für die Wichtigkeit des Dienstes an, und kein Mißklang hat je diese und die Harmonie mit den jezeitigen Direktorien zu ihm gestört. Wen er vorschlug, der erhielt die Stelle, und hat sie auch nach Kräften ausgefüllt. Sein Nachfolger in der Stenographen-Direktion ist der älteste Stenograph, nach dem Willen des Verstorbenen, nach Zustimmung des Archivariats und der älteren Stenographen, der Hr. Rathsaccessist Scheiber, ein Schüler des berühmten Todten schon seit dem Jahre 1834. Die Rettung der Einheit und Tüchtigkeit des Institutes darf man von seinem Nachfolger mit Bestimmtheit erwarten.
Und so scheiden wir denn von einem Manne, dem die bayerisch-deutsche Geschichte die Bürgerkrone nicht versagen kann; wir scheiden auf Ewig von ihm. Er war nicht minder groß wie Sennefelder, Utzschneider, Frauenhofer und Westenrieder. Ein Monument wird ihm nicht versagt bleiben; das schönste hat er sich durch seine unsterbliche Kunst selbst gesetzt. Friede seiner Asche! Muth seinen Schülern, auf der vom Meister betretenen Bahn unaufhaltsam der Vollendung entgegen zu ringen! Trost seiner Gattin und seiner einzigenm Tochter, deren Verlobung am dritten Tag vor seinem Tode noch den liebenden Vater zur thränenden Freude begeistert hat. Auf einstiges Wiedersehen, geliebter Freund!
Dr. J. H. Wolf: Der Bayerische Landbote Nr. 8. München; Mittwoch, den 10. Januar 1849.
#Deutsche Allgemeine Zeitung (12.1.1849)
Das Begräbniß des Ministerialraths Gabelsberger hat eine Art zelotischen Scandals auf dem Gottesacker veranlaßt. Gabelsberger war in ganz München und Hunderten seiner Schüler und Freunde auswärts bekannt als ein Mann der Liebe und des Friedens, als ein Muster an Sanftmuth, Biedersinn und Rechtschaffenheit. Dem erzeugt Gott in den Augen von Tausenden die Gnade, ihn abzurufen ohne Leiden und Kummer auf dem Krankenbett. Aber die Kirche läßt sich Rechte auf die Seeln so wenig nehmen wie ihre Stolgebühren. Darum ging die kurze Rede am offenen Grabe in Gegenwart von vielleicht Tausend Menschen dahin, ein solcher rascher Tod durch Schlagfluß sei ein Strafgericht des Herrn; also für die arme Seele zu beten! Vielleicht wäre der Priester an Ort und Stelle gemishandelt worden, wenn die Entrüstung dort Zeit gehabt hätte, sich nach außen zu entladen. Dafür ist sie wie ein Blitzstrahl über ganz München hingefahren und widerhallt in tausend Verwünschungen über den unausrottbaren Fanatismus noch zur Stunde fort.
Deutsche Allgemeine Zeitung Nr. 12. Freitag, den 12. Januar 1849.
#Kemptner Zeitung (12.1.1849)
Heute fand die Beerdigung des vorgestern plötzlich gestorbenen Erfinders der Stenographie, des allbeliebten u. verehrten Greises Gabelsberger statt. Wohl an 600 Personen aller Stände und Konfessionen schloßen sich dem Trauerzuge an, um den wackern Meister die letzte Ehre zu bezeugen, kehrten aber empört über das Benehmen des die Grabrede haltenden Pfaffen wieder heim. Dieser Geistliche, ich werde Ihnen wohl später den Namen mittheilen können, sprach in seiner Rede weder von dem durch seinen langjährigen Staatsdienst als Ministerialsekretär um Bayern, noch durch seine Erfindung um ganz Deutschland, ja um ganz Europa hochverdienten Manne, sondern meinte nur, man dürfe sich wohl der Hoffnung hingeben, daß der Verblichene Gnade vor Gott finden und, trotz dem, daß er seines plötzlichen Todes wegen ohne geistlichen Beistand von hier geschieden sei, in den Himmel gelangen werde. »Mehr,« so schloß er seine Rede, »weiß ich von ihm nicht zu sagen.« Ja, wie vorhin gesagt, das Korps der Finsterniß fühlt sich schon wieder stark. (U. S.)
Kemptner Zeitung Nro. 12. Freitag, den 12. Januar 1849.
#Neuer Nekrolog der Deutschen (1851)
Franz Xaver Gabelsberger, königl. bayer. quiescirter Ministerialrath, Erfinder der deutschen Stenographie, zu München; geb. den 9. Febr. 1789, gest. den 4. Jan. 1849* (* Nach der »Deutschen Gewerbezeitung.« 1849. Nr. 10. – dem »Kunst- und Gewerbeblatte des bayer. polytechnischen Vereins.« 1849. Heft 2. u. a. Blättern.).
G. ward zu München geboren, wo sein Vater, Joh. Gabelsberger, Hofblaseinstrumentmacher war. Als Knabe bahnte er sich durch seine schöne Stimme und durch seine Ausbildung in der Singekunst den Weg in das Kloster Ottobeuern. Nach dessen Aufhebung trat er in ein Studienseminar in München; entschloß sich jedoch aus Mangel an Mitteln um eine Universität besuchen zu können, sich dem Elementarschullehrfache zu widmen. Aber seine schwächliche Gesundheit nöthigte ihn, auch diese Berufsart aufzugeben und er erhielt als Kalligraph im Jahr 1809 seine erste Anstellung bei der Generaladministration der Stiftungen im nächsten Jahr als Kanzellist bei der königl. Kreisregierung in München. Nachdem er vom Jahr 1813 an als Kanzellist der Centralstiftungskasse gedient hatte, ward er im J. 1823 zum geheimen Sekretär im Staatsministerium befördert und erhielt späterhin den Titel eines Ministerialraths. Seine Mußestunden widmete er fortwährend wissenschaftlicher Ausbildung und beschäftigte sich besonders mit Lithographie. Seine für den Gebrauch in Schulen gelieferten Vorschriften fanden reißenden Absatz; auch erfand er eine sehr zweckmäßige Vorrichtung für den Elementar-Rechenunterricht, welche unter dem Namen: »Mechanische Rechnentafeln« etwa dieselben Dienste leisten sollten, wie die Lesemaschine beim Leseunterrichte.
Doch das höhere Verdienst erwarb sich G. durch Emporbringung und Verbreitung der nach einer ganz eigenthümlichen, von ihm selbst erfundenen, für Deutsche berechneten Schnellschreibemethode, nicht nur in Bayern, sondern in ganz Deutschland. Die erste Idee dazu erfaßte er lediglich zu seinem Privatgebrauch in der Absicht, Alles, was er sich im Dienste und privatim zu notiren hatte, mit größter Zeitersparnis aufzuzeichnen. Bald aber zeigte sich ein noch viel dringenderes und umfassenderes Bedürfniß der Anwendung einer solchen Schnellschrift. Denn als sich im Jahr 1819 die bayer. Landstände zum ersten Male versammelten, war G. im Stande, einige Proben seiner Schnellschreibekunst durch Aufnahme einzelner Verhandlungen vorzulegen. Was die vorhergegangene kurze Uebung noch zu wünschen übrig ließ, holte er bald durch ungemeinen Fleiß nach und es wurden ihm von Seiten des Staats besondere Unterstützungen gewährt, um seine Kunst zu immer größerer Vollkommenheit zu erheben.
G. schrieb zu seiner Uebung Hunderte von Predigten nach und als im Jahr 1829 Langenschwarz auf dem königl. Hoftheater in München als Improvisator auftrat, zeichnete er hinter den Koulissen die Vorträge wörtlich auf. In demselben Jahre ward sein Schnellschreibesystem auf Anordnung des Ministerium des Innern von der königl. Akademie der Wissenschaften geprüft und diese sprach sich dahin aus, daß diese Schnellschreibemethode einfacher, naturgemäßer und in Bezug auf die deutsche Sprache vortheilhafter sey, als die bisher zur Anwendung empfohlenen englischen und französischen Methoden. Auf den Antrag der Landstände ward G. im J. 1831 als erster landständischer Stenograph angestellt.
Er unterrichtete seit dieser Zeit viele junge Leute in seiner Kunst der Geschwindschreiberei eben so uneigennützig als erfolgreich; seine Lehrmethode war anziehend und gründlich; viele Studirende in München wurden durch ihn in den Stand gesetzt, bei dem Besuche ihrer Kollegien von der Stenographie den vortheilhaftesten Gebrauch zu machen. Mehere Jahre hindurch beschäftigte er sich mit der Ausarbeitung eines ausführlichen Lehrbuchs der Stenographie, das im J. 1834 unter dem Titel: »Anleitung zur Stenographie. München.« im Druck erschien und von Seiten aller Sachverständigen rühmlichste Anerkennung fand. Es verdiente sie besonders darum, weil G. nicht empirisch, sondern rationell verfuhr und sein Schreibesystem aus den Tiefen der Sprache und Grammatik hervorholte. Eben darum leisten bei ihm die sinnreichsten Vortheile im Stufengange grammatikalischer Entwickelung Das, was bei anderen stenographischen Lehrmethoden gewöhnlich nur Willkür erschaffen hat. Von den Vorzügen seiner stenographischen Kunst giebt die schnelle Verbreitung derselben das beste Zeugniß.
Zu Stuttgart wurde sie durch einen Schüler G.’s, Krieg, eingeführt; in Wien gründete ein junger Mann, J. Heger, der sie lediglich aus des Meisters Werken erlernt hatte, ein stenographisches Institut, das bald zur Blüthe gelangte. Auch in Karlsruhe, Kassel, Dresden und in der Schweiz werden Schüler des erprobten Meisters beschäftigt. Selbst das Ausland scheint seine Grundsätze anzuerkennen und zur Anwendung bringen zu wollen. Im Jahr 1833 übertrug ihm das Ministerium des Innern die stenographische Aufnahme der Verhandlung in dem vor den Asfisen zu Landau schwebenden Proceß gegen Wirth und Siedenpfeiffer.
Auch nachdem er in Ruhestand versetzt worden war, bediente sich der Staatsminister von Oettingen-Wallerstein seiner oft zur Aufnahme der wichtigsten Verhandlungen und außerdem beschäftigte ihn eine in vieler Beziehung höchst eigenthümliche Telegraphenschrift, die sich besonders durch sinnreiche Bezeichnung in größter Kürze auszeichnen soll. Von seinen Bestrebungen, die Stenographie auf die richtigsten Punkte zurückzuführen, zeugt sein letztes Werk: Neue Vervollkommnungen in der deutschen Redezeichenkunst. München 1843.
Von Charakter war G. ein Muster von Sanftmuth, Biedersinn und Rechtschaffenheit; gegen seine Schüler und auswärtigen Freunde war er bis zur Aufopferung gefällig. Der wackere Mann starb am oben bezeichneten Tage, getroffen von einem Schlagflusse auf der Straße und augenblicklich dem Leben entrückt. Als bei seiner Beerdigung der Priester in seiner kurzen Rede am Grabe die Andeutung machte: »ein rascher Tod durch Schlagfluß sey ein Strafgericht Gottes« und demnach für die arme Seele zu beten aufforderte, so wäre – nach einer Korrespondenznachricht in der Deutschen Allg. Ztg. v. d. J. Nr. 12. Seite 111 – »der Priester vielleicht an Ort und Stelle gemißhandelt worden, wenn die Entrüstung dort Zeit gehabt hätte, sich nach Außen zu entladen. Dafür ist sie wie ein Blitzstrahl über ganz München hingefahren und wiederhallt in tausend Verwünschungen über den unausrottbaren Fanatismus noch zur Stunde fort.«
Neuer Nekrolog der Deutschen. Weimar, 1851.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Gabelsberger Franz Xaver, 1789 (München) – 1849, Geheimer Ministerialsekretär und Erfinder eines Kurzschriftsystems; seine Berufslaufbahn begann G. als Gehilfe bei A. Senefelder, 1809 wurde er Diurnist (= mit Tageslohn entschädigter Hilfs-Schreiber), bei der Generaladministration der Stiftungen und Kommunen, 1810 Kanzlist bei der Kreisregierung, 1823 Geheimer Ministerialsekretär, 1826 Sekretär im statistischen Büro des Ministeriums des Innern, später Vorsteher des Stenographischen Büros und erster Landtagsstenograph; seit 1817 entwickelte G. das von ihm erfundene System der Kurzschrift, 1834 gab er die »Anleitung zur deutschen Redezeichenkunst oder Stenographie« heraus (2. Aufl. 1849, Neudruck 1904), die die Grundlage des nach ihm benannten Systems bildete; seine »Stenographische Lesebibliothek« (seit 1838) schuf weiteren Lesestoff; in der Folge entstanden in ganz Deutschland Hunderte von Gabelsberger-Vereinen; ihn selbst nannte man den »deutschen Tiro« oder »Vater der Stenographie«.
© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.