SECTION 14

rot: Zählrichtung der Grabreihen · schwarz: Zählrichtung der Grabnummern

#14 – 1 – 1·2 (Burger · Mappes · Sauter)


Grab der Familien Burger · Mappes · Sauter auf dem Alten Südfriedhof München (April 2015)

#14 – 1 – 3·4 (Bauer · Stierhof)


Familiengrab

Gg. Friedr. Stierhof, Rentner,
geb. 14. Novbr. 1812, gest. 1. October 1891.
Dessen Gattin
Kunigunde Stierhof,
geb. zu Nürnberg 16. Sept. 1815, gest. zu München 20. Nov. 190¿
Frau Sophie Stierhof
geb. zu München 25. Sept. 1846, gest. zu München 15. ¿ 1916.
Herr Johann Stierhof,
Großhändler u. Kommerzienrat
geb. zu Nürnberg ¿. Juni 1845
gest. zu München 20. Mai 1918.

Sockel
Fritz geb. 26. Nov. 1873, gest. 15. Oct. 187¿.
Lisa geb. 26. Jan. 1875, gest. 21. Oct. 1876.
Eugen, geb. 25. Jan. 1888, gest. 18. Jan. 1889.

Sockel Rechts
Frieda Bauer
geb. Stierhof
Arztensgattin
geb. 26. Juni 1890
gest. 29. Mai 1918


  • Bauer, Frieda (vh) / Stierhof (gb); 26.6.1890 – 29.5.1918 (München); Arzt-Gattin
  • Stierhof, Eugen; 25.1.1888 – 18.1.1889 (München); Kaufmanns-Sohn
  • Stierhof, Fritz; 26.11.1873 – 15.10.1876 (München); Kaufmanns-Sohn
  • Stierhof, Georg Friedrich; 14.11.1812 – 1.10.1891 (München); Rentner
  • Stierhof, Johann; ¿.6.1845 (Nürnberg) – 20.5.1918 (München); Großhändler und Kommerzienrat
  • Stierhof, Kunigunde (vw); 16.9.1815 (Nürnberg) – 20.11.1903 (München); Rentners-Witwe
  • Stierhof, Lisa; 26.1.1875 – 21.10.1876 (München); Kaufmanns-Tochter
  • Stierhof, Sofie (vh) / Heis (gb); 25.9.1846 (München) – 16.3.1916 (München); Kommerzianrats-Gattin

Todesanzeige für Fritz Stierhof

Todesanzeige für Elsa Stierhof

Todesanzeige für Georg Friedrich Stierhof

Todesanzeige für Kunigunde Stierhof

Todesanzeige für Sofie Stierhof

Todesanzeige für Frieda Bauer

Grab der Familien Bauer · Stierhof auf dem Alten Südfriedhof München (April 2015)

#14 – 1 – 5·6 (Kunst)


Grab der Familie Kunst auf dem Alten Südfriedhof München (April 2015)

#14 – 1 – 7 (Müller)


Grabstätte
der Famile
Friedr. Wilh. Müller


  • Müller, Friedr. Wilh.; – 1886; Königlicher Rat
  • Müller, Wilhelmine (vw) / Radlkofer (gb); – 29.7.1889 (München), 71 Jahre alt; Rats-Witwe

Todesanzeige für Wilhelmine Müller

Grab der Familie Müller auf dem Alten Südfriedhof München (April 2015)

#14 – 1 – 18·19 (Doblinger)


Grab der Familie Doblinger auf dem Alten Südfriedhof München (April 2015)

#14 – 1 – 20 (Schnitzler)


Frau
Maria Schnitzler
geb. von Schlichtegroll
geb. 15. Oktob. 1827
gest. 25. Mai 1882.
Ihr folgte
der tieftrauernde Gatte
Herr
Heinrich Schnitzler
kgl. Bezirksamtmann
geb. 8. Juli 1818,
gest. 28. Novemb. 1884.
Herr
Franz Schnitzler
K. b. Oberst a. D.
geb. 21. Dez. 1860,
gest. 11. Mai 1930.

Sockel
Die Seelen der Gerechten sind
in der Hand Gottes und die Qual
des Todes berührt sie nicht.
B. d. Weish. III. 1.

A. Aufleger 14.1.20.


  • Schnitzler, Franz; 21.12.1860 – 11.5.1930; Oberst
  • Schnitzler, Heinrich; 8.8.1818 – 28.11.1884 (München); Bezirksamtmann
  • Schnitzler, Maria (vh) / Schlichtegroll, von (gb); 15.10.1827 – 25.5.1882 (München); Hofrats-Tochter aus München / Bezirksamtmanns-Gattin

Todesanzeige für Marie Schnitzler

Grab der Familie Schnitzler auf dem Alten Südfriedhof München (April 2015)

#14 – 1 – 21 (Üchtritz)


Grabstätte
der Familie
von Uechtritz.


  • Üchtritz, Ernst von; – 31.7.1885 (München), 81 Jahre alt; Königlicher Postoffizial a. D.

Todesanzeige für Ernst von Üchtritz

Grab der Familie Üchtritz auf dem Alten Südfriedhof München (April 2015)

#14 – 1 – 22 (Vollmar)


Ludwig Vollmar
Genremaler
geb. z. SäcKingen ¿ 1842.
gest. z. München ¿ 1884.


  • Vollmar, Ludwig; 7.1.1842 (Säckingen) – 1.3.1884 (München); Genremaler

Todesanzeige für Ludwig Vollmar

Grab der Familie Vollmar auf dem Alten Südfriedhof München (April 2015)

#Ludwig Vollmar

* 7.1.1842 (Säckingen)
† 1.3.1884 (München)
Genremaler

#Allgemeine Zeitung (7.4.1884)

Nekrologe Münchener Künstler.
XXXVI.
(S. »Allg. Ztg.« Nr. 67 B.)

Ludwig Vollmar.

Ludwig Vollmar hatte das Glück, in verhältnißmäßig kurzer Zeit einen vorzüglichen, ja ausgezeichneten Namen zu erringen, und zwar nicht durch Reclamen-Gelärm oder Cameraderie, sondern einzig durch die Tüchtigkeit und Wahrhaftigkeit seiner Kunst.

Geboren wurde derselbe am 7. Jan. 1842 zu Säckingen, dem durch Scheffels Trompeter weltberühmt gewordenen Rheinstädtchen, wo sein Vater Joseph Vollmar, als städtischer Baumeister, Zeichnungslehrer, Bildhauer und Maler eine vielseitige Thätigkeit entfaltete und bei seinem am 8. Oct. 1870 erfolgten Ableben den Ruf eines wahren Ehrenmannes, festen Charakters und eines der besten Burger von echtem Schrot und Korn mit in das Grab nahm. Der Sohn genoß den Unterricht des Vaters, kam dann mit leidlichem Geld und frischem Blut und dem guten Vorsatz, etwas Rechtes zu lernen, 1858 auf die Münchener Akademie, exercierte von der Pike auf im Antikensaale und in der Malschule bei Hiltensperger und Anschütz und kam dann im gewissenhaften Fortschritt endlich 1862 in die Componirschule zu Plilipp Foltz, welcher eine ganze Reihe vorzüglicher Kräfte in seiner Schule bildete. Seit Kaulbach, welcher übrigens die Gabe hatte Einen zu loben, um Andere möglichst zu ärgern, den Ausspruch gethan, es gebe nur einen guten Lehrer an der ganzen Akademie und dieser sei der Philipp Foltz von Bingen – welcher, nebenbei bemerkt, nie ermüdete, dieses Directorial-Augurium im tiefsten Baß zur weitmöglichsten Verbreitung zu bringen – strebte Foltz auch mit brennendstem Ehrgeiz diesen Satz zu bewähren, und eine Anzahl glänzender Namen, wir erinnern nur an Andreas Müller, Schwoiser, Hauschild, Beyschlag, Schwörer Adamo, Baumeister, Watter, Pixis, Roegge, Weißbrod, Herterich, Munsch, Lossow u. s. w. geben hiefür Zeugniß. Ein feierlicher Ernst, ein enthusiastischer Wille, nur nach dem Höchsten und Idealen zu ringen, belebte das im Bewußtsein froherfüllter Pflicht so fröhlich schwärmende »Jung-München«, welches theilweise noch den Segen der echten Kunst, die Traditionen der früheren monumentalen Bestrebungen, als beiläufige Erbschaft mit in den Kauf erhielt. Die jüngste, geniale Generation liebt freilich über die Theorie der alten Zöpfe und Pedanten, die noch auf Schönheit der Linie, geschmackvoller Anordnung, Nichtigkeit und Strenge der Zeichnung bestanden, spöttisch und vornehm zu lächeln und jene Opfer einer überwundenen Zeit zu bedauern... Es war von jeher Brauch der Epigonen, die schwererungenen Principien ihrer Vorgänger auf den Kopf zu stellen. Wer besser dabei fährt, wird sich zeigen.

Vollmar componirte mit größtem Fleiße zwei große Cartons: »Petrus vom Engel aus dem Gefängniß befreit« und »Paulus vor Damaskus«, malte dann eine »Samariterin am Brunnen« und ein Altarbild für die Pfarrkirche zu Frick im Aargau, besuchte ein Semester lang die Kunstschule zu Karlsruhe und ging wieder nach München, wo er in der Schule des Professors Arthur v. Ramberg Aufnahme fand (1866–1870). Ein 1865 gemaltes Bild »Gretchen im Schmuck bei Frau Marthe« ist noch ganz nach dem Recepte der Foltz-Schule behandelt, während ein Stadt-Fräulein und -Herrlein im Kahn am See den unverdauten Einfluß Rambergs bekundet. Man sieht daraus, wie hart dem jungen Maler der Uebergang von der Historie zum Genre wurde. Bald aber hatte er mit den aus dem echten Volksleben genommenen Stoffen den ihm zusagenden Weg gefunden, auf welchem er mit sicherer Freudigkeit rasch vorwärts schritt. Auf vielen Ausflügen nach dem Schwarzwald und nach Tirol sammelte Vollmar einen Schatz von trefflich gemalten Studien, von Köpfen, Intérieurs u. s. w., die ihm wohl für eine doppelte Arbeitszeit immer noch erwünschtes Material geboten hätten. So wurde er der Maler der Dorfgeschichten, welche ebenso weit vom romantischen Süßholz wie vom schmutzigen Materialismus sich entfernt hielten, wobei ihm sein feiner Tact und der Gang seiner Lehrjahre wohl zu statten kamen.

Zu den frühesten Producten dieser Art gehört wohl ein Mädchen, welches über der Pflege ihres jüngsten Brüderchens im mächtigen Großvaterstuhle eingenickt ist und nun mit dem ihr zu Füßen in der Wiege liegenden beschwichtigten Liebling im süßen Bewußtsein treuerfüllter Pflicht um die Wette schlummert. Wie süß das holde Paar die warme Sommerluft umspielt, welche durch das halbgeöffnete Fenster in das lauschig stille Stübchen dringt; man könnte bei etwaiger Uebersetzung in mittelalterliches Costüm an Gretchen denken, welches, in der bekannten Gartenscene dem Faust ähnliche, wonnige Empfindungen erzählt. Dann führte uns Vollmar in eine bäuerliche Krankenstube, wo die auf Besuch gekommene Freundin dem treuen Liebchen eine Botschaft aus dem Briefe liest, welche die arme Patientin mit neuem Lebensmuthe zu beseelen scheint. Die Verlesende wie die Zuhörende sind beide mit jenem innigen Ausdrucke des Mitgefühls gegeben, welches Vollmars Bilder meist auszeichnet und für den Beschauer so anziehend und fesselnd macht. »Die Freundin« war auch das erste Bild unseres Künstlers, welches 1867 der Münchener Kunstverein erwarb. Dann folgten 1868 die »Altersfreuden«, wobei ein am schwäbischen Kachelofen sitzender Großvater in Abwesenheit der gerade zurückkehrenden netten Schwiegertochter den drallen Enkel füttert, ferner 1871 ein »Daheim« und 1873 das herzige »Stillleben« (Photographirt wie die meisten nachfolgenden Bilder in Hanfstängels Verlag) mit dem in ihre Näharbeit gedankenvoll vertieften Mädchen; man sieht das treuherzige, zudem theilweise durch eine Schleierhaube schimmernde Gesichtchen nur von der Seite, dessen Besitzerin in uns sogleich den Wunsch rege macht, die emsig Nadelnde möchte wohl an der eigenen Ausstattung arbeiten. Die Damen rühmten immer, wie schön Vollmar das Weißzeug behandle.

Wer so in die unscheinbare Alltäglichkeit eine Seele zu legen versteht, der ist ein Dichter und Künstler und begründet damit in nachhaltiger Weise einen ehrlichen Namen. Die Anerkennung in materieller Form ließ nicht lange warten; die erst schüchternen Preise wurden von den Kauflustigen, welche ein angefangenes Bild im voraus für sich belegten, gesteigert; Kunsthändler fanden sich ein; zu erhöhten Preisen wurden Wiederholungen gewünscht, welche immer wieder besser und schöner gelangen. Die Bilder fanden alsbald den Weg nach England und Amerika, wo der noble Sport des Bilderkaufens aufkam und mancher Crösus die Zinsen seiner schwer verdienten Capitalien lieber in Form guter Bilder an die Wand hängt, während anderswo vererbtes Vermögen mit Hunden, Pferden und dem Ewig-Weiblichen verjuckt wird. Auch äußere Ehren stellten sich ein, wie die z. B. Vollmars »Kartenlegerin« (angekauft 1877 vom Münchener Kunstverein) in der Ausstellung zu Sydenham-London 1879 durch die silberne Medaille ausgezeichnet wurde.

Nun brachte Vollmar alljährlich mehrere Bilder, von denen wir nur einzelne ausheben. So z. B. 1873 den stutzerischen »Freier« – man könnte auch sagen »Hr. Lehrer auf Freiersfüßen«, wo der siegesgewisse, tanzmeisterlich schwebende Fant einem dörflichen Gänseblümchen zum stillen Gaudium ihrer Freundinnen eine Rose anbietet (vergl. »Illustrirte Welt«, 1873 S. 517); die Scene »Vor der Schule« (1875), wie die ältere Schwester in Gegenwart der kleinen Geschwister das jüngere Brüderchen »überhört«, welches mit so grundgescheidtem Verständnisse antwortet, daß man wirklich auf eine brillante Zukunft des Examinirten wetten möchte.

Ein Meisterstück seiner, fröhlicher Laune, sowohl der Erfindung als der sorgsamen Durchbildung nach, war die »Ueberraschung«, welche Anfangs 1876 im Kunstverein erschien und von der Kritik mit verdientester Anerkennung besprochen wurde: als ein Genrebild »von einer Lebendigkeit, einer Wärme der Auffassung, von einer Lebenswahrheit, einem Geschmack und einer Kraft der Darstellung, wie wir sie höchstens von Vautier gesehen zu haben uns erinnern.« Ein bildschönes Bauernmädchen, ein jungfrisches Blut und wahres Blitzmädel, welches Kopf und Herz am rechten Fleck hat, kerngesund an Geist und Leib und vom vollendetsten Ebenmaße, wird von einer alten, unter ihrer ungeheuerlichen echt schwäbischen Radhaube ehrsam hereintretenden Frau aus der Nachbarschaft überrascht, welche nach Besorgung ihrer häuslichen Einkäufe an Linnen und herzstärkendem Nordhäuser, nicht umhin konnte, ihr liebes Bäschen oder Godenkind zu besuchen. Leider zur ungelegensten Zeit. Denn eben hatte sich ein ländlicher Adonis zur Erklärung eingefunden und die Rose in der Hand des Mädchens zeigt, daß selbe mit herzlichstem Einverständniß und gleichem Wohlgefallen angehört wurde. Aber der umgeworfene Stuhl, die vergessene Pelzkappe und Tabakpfeife und das offene Fenster zeigen von der plötzlichen Unterbrechung. Nun wird ein moralischer Kaltwassersturz, ein endloser Sermon losplatzen. In dem wunderhübschen Gesichte des Mädchens – diese Wahl gereicht dem Geschmacke des Werbers nur zur Ehre – streiten Betretenheit, Entrüstung und jungfräuliche Scham; das den inquirirenden Blick klar aushaltende Auge kämpft mit zornigen Thränen und der Mund zuckt vielleicht nach der Frage, ob ihr zahnlückiges Gegenüber denn nie geliebt oder geküßt habe. Vollmar hatte denselben Stoff schon früher bearbeitet, wobei der hinter das Mädchen versteckte Amoroso durch den bellenden Spitz der Alten verrathen wird. Ein oberflächlicher Blick beweist, wie sehr das zweite Bild in erneuter Fassung an lakonischer Kürze gewonnen hatte.

Unter Vollmars Bildern aus dem Jahre 1877 steht »Der kleine Cither-Virtuos« allen anderen voran. Wie prächtig ist der ganz in sein Spiel vertiefte, die Klänge aus eigenem Ingenium zusammenfindende Knabe gegeben, wie spiegelt und steigert sich das Hören und Staunen bei der ganzen Umgebung. (Auch dieses Bild hat Vollmar 1879 völlig und mit bestem gesteigerten Erfolge umgearbeitet) Im Bestreben, den ganzen inneren Menschen abzuspiegeln, in Farbe und Vortrag erinnerte das Bild an Defregger, ohne daß Vollmar je dessen Schüler gewesen wäre noch eine Imitation angestrebt hätte. Jeder Meister hat eine eigene Atmosphäre, welcher die Mitlebenden mehr und minder bewußt, sich nicht entziehen können, wie Raphaels und Rembrandts Einfluß lehrt, ohne daß man bei ihren Zeitgenossen an dolose Entlehnung oder absichtliches Nachtreten zu denken braucht.

Glücklicherweise malen und schreiben wir heutzutage keine pomadisirten Dorfgeschichten mit porcellanener Glätte, verwahren uns jedoch gegen einen nicht allein das Auge, sondern auch den Geruchssinn beleidigenden Realismus. Wer nun den richtigen Mittelweg gehen will, kann nicht anders, als unser die ganze Welt erobernder Tiroler-Meister, welcher neidlos neben sich gern allen Anderen gleiche Luft, Licht, Ehre und Freiheit läßt. Vollmar kam ihm sehr nahe, fast bis zum Verwechseln, wie auch der Berichterstatter über das vorgenannte, im Wiener Künstlerhaus ausgestellte Bild bemerkt: das sei eine virtuose Imitation, ein Pasticcio von Defregger-Figuren und -Köpfen und ganz in der Art und dem Colorit Defreggers gemalt; selbst in geringer Distanz glaube man noch vor einem Bilde des Tiroler Meisters zu stehen. (Lützow: Zeitschrift für bildende Kunst. 1877. 12. 492.)

Dann kamen, vielleicht auch, was hier ziemlich gleichgültig ist, in anderer Reihenfolge, eine »Briefleserin;« eine schüchterne »Erklärung« (1877); ein Zwiegespräch mit einer schmucken Maid und einem schneidig frischen Burschen; ein hübsches Mädchen am Herdfeuer, den zu ihren Füßen knuspernden Kaninchen zuschauend; ein mit Katzen spielendes Mägdlein! »Großvaters Freude« an dem im Bade sitzenden Enkel; »Großmutters Liebling;« spielende Kinder; ein »Freier« (1880), voll packender Komik, wobei wir über die nutzlosen Bemühungen des ehestiftenden Alten ebenso lachen müssen, wie über den Jüngling, der sich überaus »schön angethan« hat, oder über die mit ihrem Unmuth kämpfende Auserwählte, welche, reizender denn je, in ihrer unholden Verschmähung auf einen ausgiebigen Korb zu sinnen scheint. Ihnen folgte das »Bilderbuch« (1881 )und »Der Schwester Räthselschatz« (»Ueber Land und Meer.« 1881, 46. Bd. S. 1028.) und die »Strickstunde bei der Großmutter« (Nr. 22 »Illustrirte Frauen-Zeitung« vom 13. November 1882.) (1882). Im folgenden Jahre wurde die »Am frühen Morgen« auf ihrer Veranda Blumen begießende Bäuerin vollendet und die zwei großen Bilder »Die Gratulation der Großmutter« und der an die unrechte Adresse abgelieferte »Liebesbrief« – beide erschienen auf der jüngsten Münchener internationalen Kunstausstellung – vollendet; das eine ebenso reich an wohlthuender Wärme der Empfindung, wie das andere durch die humoristische Wirkung der im Grunde doch dramatischen Spannung ausgezeichnet, jedes von gleicher Feinheit des Tones und detaillirtester Durchbildung (Vgl. Fr. Pecht: Die Moderne Kunst auf der Internationalen Kunstausstellung zu München. 1883, S. 64.) Dazu kam noch, eine wahre Perle unter Vollmars Bildern, das herzige ganz in ihre Strickerei vertiefte »Bärbele«, ein wirklich holdseliges Mädchengesicht, von Anmuth, Fleiß und Selbstvergessenheit und einem süßen Reiz kindlicher Unschuld umspielt. Außer einer breit und sicher untermalten Wiederholung trug sich Vollmar noch mit vielerlei Stoffen und Entwürfen, welche seine volle Thätigkeit gewiß auf mehrere Jahre hinaus in Anspruch genommen hätten, darunter ein Zigeunerbild, ein italienischer Dudelsackbläser, der erste Gang zur Schule, eine Schaudergeschichten-Erzählerin, ein Guitarre-Spieler, zwei »Frühjahr« und »Herbst« betitelte Gegensätze u. s. w.

Das alles, und dazu ein glückliches Leben im Kreise seiner Familie, endete am 1. März lfd. Js. der frühzeitige Tod, welcher unter einem tückischen Lungenleiden dem Künstler schon längst aufgelauert hatte. Vollmar war, wie jeder echte Künstler, ein tief innerlicher Mensch, der außer der sonntäglichen Lust des Scheibenschießens und einer vorübergehenden Anwandlung zur Fischerei keine andere Passion kannte, außer im Genuß des eigenen Heims, welches sich denn auch in seinen Schöpfungen in anziehendster Weise ausspricht. Gezeichnet hat er wenig. Er war kein Freund des Bleistifts; wo er etwas Brauchbares fand, griff er lieber gleich zu Pinsel und Palette. Anderes hielt er, Dank eines photographisch treuen Gedächtnisses, in der Erinnerung fest. So reproducirte Vollmar nach einmaligem Beschauen die in der französischen Abteilung der Münchener Kunstausstellung vom Jahre 1879 befindliche »Arrestation« Salmsons mit einer Sicherheit, daß wir dieses Farbenproblem für die Original-Skizze des Autors hielten. Wie ein Componist seine Melodien für sich hinsummt, so kritzelte Vollmar seine Einfälle auf den häuslichen Ahorntisch; was ihm dann brauchbar däuchte, bauste er durch. Zahllose Einfälle verschwanden unausgenützt unter der Bürste des scheuernden Hausmädchens, da der Gebrauch sogenannter Skizzenbücher ihm unnütz dünkte. Daß sein prachtvolles Talent noch der Steigerung und weiteren Entwicklung fähig gewesen wäre, zeigt der frische Gang seiner geplanten Ideen und Projecte. Schüler hatte er keine. Am nächsten unter seinen Bekannten standen ihm der liebenswürdige sinnige Rudolf Epp und der heitere Karl Kronberger.

Das frühe Scheiden des Künstlers, dessen Name auswärts besser bekannt war als in der nächsten Umgebung, ist sicherlich tief zu beklagen. Weder München noch Karlsruhe besitzen vorerst etwas von seiner Hand, wozu wenigstens vorläufig noch Gelegenheit wäre. Folgen Vollmars letzte Bilder ihren Vorgängern in die ferne Fremde, dann bleibt uns nur die Photographie, welche gewiß mächtig beitragen wird, seinen Namen populär und im guten Andenken zu erhalten. Eine Ausgabe derselben und Sammlung in Albumform wäre sicherlich ein dankbares Unternehmen.

Allgemeine Zeitung Nr. 98. München; Montag, den 7. April 1884.

#Allgemeine Deutsche Biographie (1896)

Vollmar: Ludwig V., Genremaler, geboren am 7. Januar 1842 in dem durch Scheffel’s »Trompeter« weltberühmt gewordenen Rheinstädtchen Säckingen; genoß den ersten Unterricht bei seinem Vater Joseph V., welcher als städtischer Bauzeichner, Zeichnungslehrer und Bildhauer eine vielseitige Thätigkeit übte.

Mit guten Vorkenntnissen ausgestattet kam der Jüngling 1858 an die Münchner Akademie, besuchte den Antikensaal und die Malschule unter Prof. Hiltensperger und Anschütz und 1862 die sogen. Componirschule bei Philipp Foltz, welcher als guter Lehrer eine ganze Reihe von jüngeren Kräften zu erfreulicher Reife bildete. Hier componirte V. zwei Cartons »Petrus vom Engel aus dem Gefängniß befreit« und »Paulus vor Damaskus«, malte dann eine »Samariterin am Brunnen« und ein Altarbild für die Pfarrkirche zu Frick im Aargau, besuchte ein Semester lang die Kunstschule zu Karlsruhe und ging wieder nach München, wo er bei Professor Arthur v. Ramberg Aufnahme fand (1866–70).

Ein 1865 gemaltes »Gretchen im Schmuck bei Frau Marthe« war noch ganz nach dem Recepte der Foltz-Schule behandelt, während eine »Kahnfahrt« mit städtischen Insassen den Einfluß Ramberg’s bekundete. Man sieht daraus, wie hart dem jungen Maler der Uebergang von der stelzenden Phrase der Historie zum ungesuchten Genre wurde. Bald aber hatte sein gesunder Sinn mit den Scenen aus dem echten Volksleben den ihm zusagenden Weg gefunden, auf welchem V. mit sicherer Freudigkeit rasch vorwärts schritt.

Auf vielen Ausflügen nach dem Schwarzwald und nach Tirol sammelte er einen Schatz von trefflich gemalten Studien, von Köpfen und Interieurs, die ihm wol für eine doppelte Arbeitszeit immer noch neues Material geboten hätten. So wurde er der Maler selbsterfundener Dorfgeschichten, womit V., ohne je Defregger’s Unterweisung genossen zu haben, doch ganz in dessen Fußstapfen trat. Zu den frühesten Proben dieser Art gehört ein Mädchen, welches über der Pflege ihres jüngsten Brüderchens im Großvaterstuhle eingenickt ist und nun mit dem ihr zu Füßen in der Wiege liegenden beschwichtigten Liebling im süßen Bewußtsein treuerfüllter Pflicht um die Wette schlummert; die warme Sommerluft spielt über das holde Paar im lauschig stillen Stübchen; man könnte bei etwaiger Uebersetzung in mittelalterliches Costüm an »Gretchen« denken, welches in der Gartenscene dem Faust ähnliche, wonnige Empfindungen und Erinnerungen aus ihrer stillen Pflegethätigkeit erzählt.

Dann führte der Maler in eine bäuerliche Krankenstube, wo die auf Besuch gekommene Freundin dem treuen Liebchen eine Botschaft aus dem Briefe liest, welche die arme Dulderin mit neuem Lebensmuthe beseelen dürfte. Die Vorlesende wie die Zuhörende sind beide mit jenem innigen Ausdrucke des Mitgefühls gegeben, welches Vollmar’s Bilder für den Beschauer so anziehend und fesselnd macht.

Es dauerte nicht lange bis der Maler die goldne Regel vom Hineingreifen ins volle Menschenleben erfaßte und bewährte. Gleiche Sympathie erregte »Die Freundin«, das erste Bild Vollmar’s, welches der Münchener Kunstverein erwarb. Dann folgten 1868 die »Altersfreuden«, wo ein am schwäbischen Kachelofen sitzender Großvater in Abwesenheit der gerade zurückkehrenden netten Schwiegertochter den drallen Enkel füttert, ferner 1871 ein »Daheim« und 1873 das »Still-Leben« mit einem in ihre Näharbeit gedankenvoll vertieften Mädchen; obwol man das treuherzige, zudem theilweise durch eine Schleierhaube schimmernde Gesichtchen nur von der Seite sieht, so wird doch in uns sogleich der Wunsch rege, die emsig Nadelnde möchte an der eigenen Ausstattung arbeiten. Dazu kommt, daß die Damen immer rühmten, wie schön V. das Weißzeug behandle!

Wer so in die unscheinbare Alltäglichkeit eine Seele zu legen versteht, der ist ein Dichter und Künstler und begründet damit in nachhaltiger Weise einen ehrlichen Namen. Die Anerkennung ließ nicht lange warten, Kunsthändler fanden sich ein; Wiederholungen wurden gewünscht, welche der Maler immer in verbesserter Umarbeitung leistete; sie fanden den Weg nach England und Amerika. Unter den folgenden Bildern sei nur der »Freier« erwähnt (vgl. Illustrirte Welt 1873, S. 517), die Scene »Vor der Schule« (1875), die heitere, in ihrer dramatischen Lebendigkeit, Wärme und Lebenswahrheit an Vautier erinnernde »Ueberraschung« (1876), »Der kleine Citherspieler« (1877), womit V. der erzählenden Vortragsweise Defregger’s am nächsten kam, die »Briefleserin«, »Großmutters Liebling«, das »Bilderbuch« (1881), der »Schwester Räthselschatz« (1882), die »Strickstunde«, der an die unrechte Adresse abgelieferte »Liebesbrief«, das hübsche, strickende »Bärbele« – ein wirklich holdseliges Schwarzwaldmädchen, von Anmuth, Fleiß, Selbstvergessenheit und einem sanften Reiz kindlicher Unschuld umspielt.

V. trug sich noch mit vielen, seine ganze Thätigkeit für lange Jahre vollauf beanspruchenden Entwürfen (Zigeuner, italienische Dudelsackbläser, der erste Gang zur Schule, eine Schaudergeschichten-Erzählerin) als ein früh entwickeltes Lungenleiden schon am 1. März 1884 seiner Thätigkeit ein rasches Ende bereitete. Daß sein prachtvolles Talent noch der Steigerung und weiteren Entwicklung fähig gewesen wäre, zeigt der frische Gang seiner Ideen und Projecte. Schüler hatte er keine. Am nächsten unter seinen Bekannten standen ihm der liebenswürdige, sinnige Rudolf Epp und der heitere Karl Kronberger.

Zu Vollmar’s Eigenthümlichkeiten gehörte, daß er kein Freund sogenannter Skizzenbücher war. Wo er etwas Brauchbares fand, griff er lieber gleich zu Pinsel und Palette. Das meiste hielt er mit seinem photographisch treuen Gedächtniß in der Erinnerung fest. Als ein Beispiel dieser Art reproducirte V. nach einmaligem Beschauen Salmson’s »Arrestation« mit einer Sicherheit, so daß man dieses Farbenproblem für die Originalskizze des Autors halten konnte. Wie ein Componist seine Melodieen für sich hinsummt, so kritzelte V. seine Einfälle mitten im Lärm seiner Familie auf den häuslichen Ahorntisch; was ihn dann brauchbar dünkte, bauste er durch. Zahllose »Ideen« verschwanden unausgenützt unter der Bürste des scheuernden Hausmädchens. Seine besten Schöpfungen wurden durch Photographie, Holzschnitt und Stahlstich verbreitet.

Vgl. Nr. 98 Allgem. Ztg., 7. April 1884. Kunstvereinsbericht für 1884, S. 68. H. Holland, Illustr. Erinnerungen an Münchener Künstler. 1884, 1. Heft.

Hyac. Holland.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1896.

#Allgemeines Künstler-Lexikon (1921)

Vollmar, Ludwig, Maler, geb. 7. Jan. 1842 in Säckingen, † 1. März 1884 in München, Schüler seines Vaters, eines Bildhauers, von P. Foltz und Ramberg an der Münchener Akademie (1862–1870) und von der Karlsruher Akademie. Er besuchte den Schwarzwald, sowie Tirol und malte Genrebilder. V. war in München thätig. Von ihm Märchenerzählerin, Das erste Bilderbuch, Väterliche Ermahnungen, etc. Med. London.

Allgemeines Künstler-Lexikon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Frankfurt am Main, 1921.

#14 – 1 – 28·29 (Fodermayer)


Grab der Familie Fodermayer auf dem Alten Südfriedhof München (April 2015)

#14 – 1 – 30 (Schober)


Grab der Familie Schober auf dem Alten Südfriedhof München (April 2015)

#14 – 1 – 32 (Dürck)


Friedrich Dürck
Maler
geb. 13. Aug. 1809, gest. 25. Octob. 1884.
Frau Laura Dürck
geb. 15. Aug. 1813, gest. 5. Febr. 1900.
Josephine Dürck
geb. 27. Mai 1839, gest. 5. Juni 1924.
Wilhelm Dürck
Premier-Lieutnant a. D.
geb. 18. Janr. 1843, gest. 12. April 1878.

Tafel
FRIEDRICH DÜRCK
Direktor
der Bayer. Handelsbank
geb. 3. Sept. 1841.
gest. 23. Febr. 1913.
MARIE DÜRCK
geb. Ludorff
geb. 1. Novbr. 1840,
gest. 20. August 1925.

Rechte Seite
Dr. med. Hermann Dürck
O. Universitätsprofessor
geb. 11. Februar 1869, gest. 5. Januar 1941

Granitwerke Ackermann
Weissenstadt, Fichtelgebirg

Linke Seite
A. Lallinger.


  • Dürck, Agnes Marie (vw) / Ludorff (gb), Justizrats-Tochter aus Münster; 1.11.1840 – 20.8.1925
  • Dürck, Friedrich; 28.8.1809 (Leipzig) – 25.10.1884 (München); Genremaler, Kostümmaler und Portraitmaler
  • Dürck, Friedrich; 3.9.1841 – 23.2.1913 (München); Direktor der Bayerischen Handelsbank
  • Dürck, Hermann, Dr. med.; 11.2.1869 (München) – 5.1.1941 (München); Pathologe
  • Dürck, Josefine; 27.5.1839 – 5.6.1924 (München); Privatiere
  • Dürck, Laura (vw); 15.8.1813 – 5.2.1900 (München); Kunstmalers-Witwe
  • Dürck, Wilhelm; 18.1.1843 – 12.4.1878; Premier-Leutnant

Todesanzeige für Friedrich Dürck

Todesanzeige für Laura Dürck

Todesanzeige für Friedrich Dürck

Grab der Familie Dürck auf dem Alten Südfriedhof München (April 2015)

#Friedrich Dürck

* 28.8.1809 (Leipzig)
† 25.10.1884 (München)
Genremaler, Kostümmaler und Portraitmaler

#Die bildende Kunst in München (1842)

Friedrich Dürk ist im J. 1809 zu Leipzig geboren, erhielt vom Professor Schnorr den ersten eigentlichen Unterricht im Zeichnen an der dortigen Zeichnungsschule, worauf sich im Jahre 1824 sein Oheim, Stieler, in München erbot, seine fernere Ausbildung in der Kunst selbst zu leiten, weswegen sich Dürk nach München begab, bis zum Jahre 1829 hier die Akademie besuchte, aber seine eigentliche Kunstentwicklung zumeist seinem Oheim verdankt, der ihn väterlich mit Rath und That unterstützte.

Das erste größere Bild, welches er in jenem Jahre öffentlich ausstellte: »Abgebrannte vor einem Kreuze im Schnee betend« erhielt allgemeinen Beifall, nachdem er sich früher bloß mit der Darstellung von Bildnissen beschäftigt hatte. Darauf verwendete er einen Sommer zu landschaftlichen Studien im bayerischen Gebirge und in Tyrol, besuchte Wien und widmete sich dann in München mit neuem Eifer und Ernste der Bildnißmalerei. Das Bildniß eines Kurländers, mit kräftigem Pinsel und treuer Charakteristik ausgeführt, zeigte schon ganz den gediegenen Künstler und verschaffte ihm zahlreiche Aufträge. Im Jahre 1836 machte er eine Reise nach Italien, studirte mit besonderer Vorliebe die Werke Raphaels in Rom und Florenz, und bemühte sich, nach seiner Zurückkunft in, München, die gemachten Studien bei seinen neuen Arbeiten mit Umsicht anzuwenden.

Während er mehrere Bildnisse fürstlicher Personen ausführte, vollendete er andere höchst ansprechende Gemälde voll tiefen lyrischen Geistes und zarten sinnigen Ausdruckes: eine Frau, die schwermüthig den Kopf in die eine Hand stützt, während sie mit der andern den Spinnrocken hält, daneben ihr Kind, das mit fröhlichem Sinne Seifenblasen steigen läßt (halbe Figuren in Lebensgröße); eine Italienerin, welche mit Beeren Vögel lockt; eine Bauernfamilie, welche während eines Gewitters Schutz unter einem Felsen sucht; eine Mutter, die ihr auf einem Ruhebette schlummerndes Kind umfangen hält und dabei ihr Antlitz voll inniger Andacht emporrichtet; ein Kind mit einem Licht in der Hand bei einem Christbaume.

Dr. Johann Michael von Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.

#Universal-Handbuch von München (1845)

Dürk, Friedrich,

wurde 1809 zu Leipzig geboren, erhielt an der dortigen Zeichnungsschule seinen ersten Unterricht von Prof. Schnorr, worauf sein Oheim, Hofmaler Stieler in München, seine fernere Ausbildung in der Malerkunst leitete. Er machte viele Reisen nach Tyrol, Italien, besonders nach Rom und Florenz, und während er in späterer Zeit mehrere Bildnisse fürstlicher und adeliger Personen ausführte, vollendete er auch noch andere sehr schätzbare Gemälde. Dürk genießt als Porträtmaler einen großen, weitverbreiteten und wohlerworbenen Ruf. Gemälde von diesem Künstler besitzen: Graf Louis Arco, eine Hebe; die Frau Erzherzogin Sophie v. Oesterreich: ein Camaldulenser-Mönch u. v. a. Porträte von diesem Meister: I. k. M. die Kaiserin von Brasilien; I. D. die Fürstin Eugenie von Hechingen; die Herzogin von Goya, vermählte Gräfin Treuberg; Graf und Gräfin Wilhelm von Württemberg; Graf und Gräfin Louis Arco-Stepperg in ganzen Figuren in mittelalterlichem Costüme; Graf und Gräfin Montgelas; Fürst Ludwig von Wallerstein. Es bestehen aus früherer Zeit noch viele Familien-Porträts von diesem Künstler.

Universal-Handbuch von München. München, 1845.

#Allgemeines Künstler-Lexicon (1895)

Dürck, Friedrich, Bildniss- und Genremaler, geb. 28. Aug. 1809 in Leipzig, † 25. Oct. 1884 in München, wo er 1824 die Akademie bezog und sich unter seinem Oheim Joseph Stieler ausbildete. 1836 and 1837 bereiste er Italien and studirte in Florenz and Rom die Quattro- and Cinquecentisten. Nach seiner Rückkehr erzielte er in München mit seinen Bildnissen grossen Erfolg, z. B. mit denen der Leuchtenbergschen Familie, des Königs Ludwig I., des Königs Oskar von Schweden und dessen Familie, des Kaisers von Oesterreich (1852) und des Königs Ludwig II. von Bayern. Seit 1850 malte er auch Genrebilder, z. B. Die allgemeine Landesbewaffnung, Das ergötzliche Violinsolo (1855), Der kleine Republikaner, Lieder ohne Worte, Abendandacht und aus dem mythologischen Fache Hebe den Adler tränkend.

Allgemeines Künstler-Lexicon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Vorbereitet von Hermann Alexander Müller. Herausgegeben von Hans Wolfgang Singer. Erster Band. Frankfurt am Main, 1895.

#Allgemeine Deutsche Biographie (1904)

Dürck: Friedrich D., Porträt- und Genremaler, geboren am 28. August 1809 zu Leipzig als Sohn eines sehr vermöglichen Kaufmanns. Zu seinen frühesten, von ihm selbst höchst anmuthend erzählten Jugendeindrücken gehören die Ereignisse der berühmten Leipziger Schlacht: Der eines Tages mit der Großmutter von einem Spaziergange heimkehrende Knabe fand alle Wege und Plätze mit Soldaten, Kanonen, Pulverwagen und Pferden der Avantgarde Napoleon’s gefüllt und im väterlichen Hause achtundzwanzig Mann einquartiert. Bald sah er auch vom Fenster aus den »kleinen Mann im grauen Rocke mit dem dreieckigen Hütchen«. Darauf folgte der erste Schlachttag (16. October 1813), an dessen Abend auf Napoleon’s Befehl mit allen Glocken geläutet und von den Thürmen geblasen wurde. In Dürck’s Hause lag der ganze Vorsaal voll von Kranken und Verwundeten, Deutsche, Franzosen und Kosaken durcheinander. Am nächsten Morgen riefen die Leute aber kein »Vive l’Empereur« als der Kaiser an der Spitze seines Stabes über den Marktplatz sprengte; Einige lachten sogar, Andere ballten die Fäuste. Tags darauf, am 18. October läuteten wieder alle Glocken als (wie die »Leipziger Zeitung« mit officieller Sinnigkeit verkündete) am Schlachtabend »die drei Allerhöchsten« niederknieten, »um den Höchsten für den herrlichen Sieg zu preisen«, während vom Rathhause herab der Posaunen-Choral »Nun danket alle Gott!« erscholl. Ein leicht verwundeter französischer Officier, welcher bei Dürcks einlogirt war und immer Lagerscenen, Soldaten und Pferde zeichnete, scheint dadurch großen Eindruck auf die Phantasie des Knaben gemacht zu haben, welcher nun auch in der Schule auf jedes Stück Papier Pferde und Soldaten, besonders aber Kosaken, auch den Napoleon zeichnete, zum großen Ergötzen seiner Kameraden und der Großmutter, welche ahnungsvoll diese Dinge mit dem Motto: »Es is nix, aber ’s is doch was« sammelte und mit einem Kuß oder Apfel honorirte.

Da der Vater infolge seiner durch die Zeitereignisse mißglückten Speculationen sein Vermögen verlor, so gab es schwere, bittere, harte Tage und Jahre, bis der vielgeprüfte Mann als Inspector des kgl. Jagdschlosses Hubertusburg eine Stelle erhielt. Der junge D. aber kam aus der Bürgerschule in die »Leipziger Kunstakademie«, eine höchst mittelmäßige Zeichnungsschule, welcher der alte Veit Hans Schnorr von Carolsfeld als Director vorstand. Der Knabe mußte sich indessen gut gehalten haben, weil 1822 eine Einladung von Seite seines Oheims, des kgl. bairischen Hofmalers Karl Stieler erfolgte, sich unter seiner Leitung in München weiter zu bilden. Die Reise mit dem Eilwagen (bei halber Taxe, da der jugendliche Passagier nicht als voll galt) dauerte damals zweiundsiebzig Stunden in einer Tour – was unserer Generation, welche bei Courier- und Blitzzug noch Langeweile empfindet, wol ins Gedächtniß gebracht werden darf. Stieler nahm sich seines Neffen mit väterlicher Liebe und Sorge an, unterrichtete ihn selbst, da derselbe durch Peter v. Langer für den Antikensaal als nicht reif genug befunden war, und brachte ihn später doch auf die Akademie. Mit Feuereifer warf sich D. auf die Oelmalerei und das Porträt und war bald so glücklich, dem Oheim bei dessen Bildnissen helfen und Spitzen, Perlen und Stickerei malen zu dürfen. So ist beispielsweise der volle Schmuck und die überladen reichen Details auf den lebensgroßen, in ganzer Figur und im Königsornate dargestellten Bildnissen der Königin Therese und des König Ludwig I. (Schleißheim) von D., welcher dabei seinem berühmten Oheim Stieler mit nicht unerheblichen Handleistungen beistand. Das erste für ein Damenporträt erhaltene Honorar mit vier Ducaten gab, in Gesellschaft des singlustigen, wackern Wilhelm Lindenschmit aus Mainz, Anlaß zu einer Fußpartie nach Aibling und Berchtesgaden, wobei natürlich auch eine Besteigung des Watzmann erfolgte. Dann wurde zu München mit verdoppeltem Fleiße weiter gemalt, studirt und gezeichnet, auch ein Porträt Beethoven’s (nach Stieler) für Artaria in Wien auf Stein übertragen. Durch diese und ähnliche Arbeiten gewann D. die Mittel, nach vierjährigem Aufenthalte zu München wieder die Heimath zu besuchen. Bei dieser Gelegenheit sah der Maler die letzte große, von König Friedrich August in Hubertusburg abgehaltene Wildschweinjagd.

Mit dem sorgfältigst durchgeführten Porträt seines Freundes und Kunstgenossen, des Malers W. Lindenschmit, eines ächt germanisch blonden, blauäugigen, geistvollen Jünglings (welchen Moritz v. Schwind in seinem »Aschenprödel« als Prototyp der Treue verewigte), gab D. zum ersten Male im Münchener Kunstverein ein Zeugniß seiner selbständigen Kunst. D. erwarb durch diese Arbeit, ebenso durch ein darauf folgendes Genrebild die Gunst des Publicums, namentlich der höheren, kauflustigen Aristokratie, welche den Namen des Künstlers im Gedächtniß behielt und ihn mit zahlreichen Aufträgen fernerhin beehrte. Das genannte Genrebild, welches Landleute vorstellte, die vor einem beschneiten Kreuze bei winterlichem Sonnenuntergange für ein im Hintergrunde in Flammen stehendes Dorf beten, wurde 1828 vom Kunstverein angekauft und gelangte durch mehrere Hände endlich in Besitz des Baron Rothschild zu Paris. Kurz darauf antichambrirte D. als angehender Hofmaler, eingeladen von der Königin Karoline nach Tegernsee, daselbst ein Porträt König Max I. zu copiren. Der Aufenthalt an dem schönen Gebirgssee verlockte zu landschaftlichen Studien, welche D. in dem damals noch unbekannten Feldafing fortsetzte; dann aber wanderte er mit seinem Landsmann Bernhard Stange zu wochenlanger Bergeinsamkeit nach dem unter der Zugspitze gelegenen Eibsee, wo sie in einer Fischerhütte mit dem urwüchsigsten Comfort sich behalfen und D. nach Stange’s Abzug noch weiter verweilte, bis er endlich der anachoretischen Kasteiungen satt und überdrüssig, an seinem Talente zur künstlerischen Gestaltung dieser Felsenwüste verzweifelnd, in die gemäßigteren Regionen Partenkirchens zog und den ganzen landschaftmalerischen Anlauf mit einem Aufenthalte bei dem Norweger Thomas Fearnley zu Berchtesgaden und am wildromantischen Königsee beschloß.

Glücklicherweise brachte Onkel Stieler unsern D. wieder in das richtige Fahrwasser mit einer Reise nach Wien (1833), wo D. nicht nur das lustige Leben der Kaiserstadt kennen lernte, sondern auch fleißig Sammetroben, Orden, Decorationen, feine Toiletten und Putz malte. In München zählte D. nach seiner Rückkehr schon zu der jüngeren Elite, welche im Hinterstübchen des Scheidel’schen Kaffeehauses Rumor zu machen begann, sodaß die in der Vorderstube rauchenden und kannegießernden »Alten« besorgt auf den Nachwuchs blickten und bisweilen die jungen Grasteufel mit ihrem Besuche beehrten. Zu diesen zahmen Titanen gehörten Wilhelm Kaulbach, der damals gerade am »Narrenhaus« zeichnete, der heitere Philipp Foltz aus Bingen, Adolf Mende, der ebenso im Gebiete der Rechtswissenschaft, wie in der Costümkunde hochgebildete, auch als trefflicher Zeichner hervorragende Dr. Eduard Fellner und viele Andere, während Monten, Rottmann, Jos. Petzl u. s. w. mit olympischer Ruhe im »Herrenstübel« eben demselben nationalen Gerstenschleim so lange opferten, bis beide Fractionen in vereinter Stärke nach dem »Café Fink« auszogen. D., welcher nebenbei auch viel mit Studenten, namentlich edlen Kurländern verkehrte, die der Ruf der neuorganisirten Universität anzog, wagte sogar einige schüchterne Besuche in Schelling’s Auditorium, griff aber doch bald wieder nach Palette und Pinsel, um seine Freunde zu malen, darunter die Herren v. Osten-Sacken auf Dondangen, v. Derschön und v. Kleist, dessen Porträt im Kunstverein viel Aufsehen machte (vgl. Stuttgarter Kunstblatt 1834, S. 263. Raczynski 1840. II, 438). Weiteren Ruhm gewann D., welcher nun plötzlich ein gemachter Mann war, mit dem in fünf Stunden vollendeten Bildnisse des Malers Kaiser, welches nach der Meinung eines damaligen Kritikers »an die besten Werke der Venetianischen Schule zur Zeit Tizians« erinnerte. Ein anderes Bild einer jungen und schönen Frau schien dagegen mehr mit Kügelgen’s und Ritter v. Lampi’s Manier verwandt, obwohl auch Stieler’s Einfluß unverkennbar blieb. Ebenso malte D. das Bild des Landschafters Heinlein, welches Raczynski in kleiner Copie, geschnitten von Andrew, Best und Leloir in Paris, seiner »Kunstgeschichte« einverleibte – heute ein lehrreiches Exempel, wie nüchtern, trocken und geistlos diese damals berühmten Xylographen zu arbeiten pflegten. D. lieferte auch zeitweise einige, durch äußerste Harmlosigkeit des Inhalts, aber durch sorgfältigste Durchbildung ausgezeichneten Genrestücke: so 1830 die Scene mit einem Bruder Studio und einem Manichäer; die »Erscheinung eines Berggeistes«; eine Frau mit ihren Kindern während eines mächtigen Gewitters unter einer Felswand Schutz suchend (1834); dann folgte eine Mutter mit einem Seifenblasen machenden Kinde (1836); auch kam als Probe von Dürck’s vorübergehendem Beruf zur Landschafterei ein »See im Gebirg« zur Ausstellung (1832).

Nachdem noch die Bildnisse einiger Leuchtenberg’schen Prinzessinnen (lithographirt von Troendlin, Wölffle und Fertig) vollendet waren, rüstete sich D. mit dem Dänen Marstrand zu einer langersehnten Fahrt nach Italien. Vorerst gab es noch eine von dem damals zu München weilenden geist- und witzsprühenden Landschafter Andreas Achenbach in Sendling inscenirte Abschiedsfeier; dann ging die Fahrt mit sonnenhellem Jugendsinn durch die Schweiz, über Genua und Livorno, wo eine achtzehntägige Quarantäne abgesessen werden mußte und unter der damals üblichen Fülle von Paß-Plagereien und Zoll-Visitationen endlich über Pisa und Siena nach Rom, wo eine ganze Colonie von Künstlern, darunter Foltz, Haushofer, Aug. Riedel, Peter Schöpf, Kirner, Max Seitz u. A. den Ankömmling jubelnd in Empfang nahmen. Die Fluth neuer Eindrücke stürmte über D., der nur mit Mühe so weit sich zu sammeln vermochte, um zwei Bilder zu malen: eine junge, ihren Vogel fütternde »Albanerin« (welches König Wilhelm von Württemberg für den Rosenstein erwarb) und ein anderes Genrebild ähnlichen Inhalts (Herzog Wilhelm von Urach). Zu ruhigem Schaffen bot das lustige Künstlertreiben keine Zeit: da gab es Weihnacht-, Neujahr- und Carneval-Feste (der große Masken-Corso fiel aus Opposition gegen die Regierung 1837 freilich aus und es kam sogar vor, daß nur der Moccoli-Abend, aber auch ohne Lichter, abgehalten wurde), Colosseum-Beleuchtungen, Frühlingsfahrten, Ausflüge nach Neapel, Amalfi und Sorrent. In dieses wonnige Leben zu Neapel schlug auf einmal der Ausbruch der Cholera, welche Italien damals schon für längere Zeit unsicher gemacht hatte. Aus den dumpfen Scenen der Trauer und des Todes fuhr D. mit Gustav Jäger und Augustin Palme wiederholt und jeweilig auf längere Zeit nach dem reizenden Capri, wo sie in weltvergessener Sorglosigkeit mit den schönen Caprimädchen europäische Tänze übten und im reinsten »dolce far niente« auf dieser seligen Insel einen glücklichen Monat verbrachten. Die Erinnerung an diese sonnigen Tage gab später noch unserem Maler die Feder in die Hand: seine »Idylle auf Capri« bildet wirklich eine Perle unter den oft breiten, memoirenartigen Aufzeichnungen des Künstlers und liest sich, obwohl in schmuckloser Prosa, durch den activen Reiz der Unmittelbarkeit wie eine wohlklingende, abgerundete Dichtung. Die Freunde bestiegen noch den Vesuv, besuchten Ischia, Pompeji, Pozzuoli und Bajä, packten aber endlich doch zusammen und fuhren, froh dem von Quarantänen blockirten unglücklichen Neapel auf diesem Wege entkommen zu können, quer durch Italien und unangefochten von den in sichere Aussicht gestellten Briganten, nach Manfredonia hinüber, wo sie endlich, geprellt durch die im voraus bezahlte Gelegenheit mit einem Kriegsdampfer weiter zu fahren, auf einem elenden, von Korfu kommenden, Tintenpulver führenden griechischen Trabaculo nach Triest transportirt wurden. Von Venedig wendete sich D., um Versäumtes nachzuholen, furchtlos der überall spukenden Seuche trotzend, nach Parma, Florenz und Bologna, saß dann noch längere Zeit in Verona, gondelte mit seinem Freunde Eduard Arwedson auf den oberitalischen Seen, so lange die letzten Liren und Kaisergulden aushielten, bis der Maler schließlich nur durch die Bürgschaft eines gutwilligen Conducteurs per Eilwagen nach München zurückfuhr, wo zahlreiche Aufträge auf die Ankunft des Künstlers harrten, darunter die Familie des Herzogs von Leuchtenberg, Fürst Ludwig Oettingen–Wallerstein, Dr. Rohmer u. A.

Bei dem Künstler-Maskenzug von 1840 (das heute noch in fröhlicher Erinnerung lebende sogenannte Albrecht Dürer-Fest) erschien D. als Anführer der Fackelträger, ging dann im Herbst desselben Jahres wieder nach Dresden und schloß mit der Frau seines verstorbenen Bruders einen sein ganzes weiteres Leben beglückenden Bund zu Hubertusburg. Sie überlebte ihren Gatten und starb 87 Jahre alt, am 5. Februar 1900. In München, wo damals Ateliers im heutigen Sinne unbekannt waren, miethete D. im zweiten Stockwerk des Odeon einen Saal – nebenan schuf der liebenswürdige Karl Schorn an seinen in der Geschichte der Münchener Kunst epochemachenden »Wiedertäufern« – und begann, nach einer nach Venedig unternommenen Studienreise, die lebensgroßen Costümbilder des Grafen und der Gräfin Arco-Steppberg, welche damals ungetheilte Bewunderung erregten und heute noch den Schloßsaal zu Anif zieren. Von König Ludwig I. nach Berchtesgaden geladen, malte D. die Brustbilder des Freiherrn Heinrich von der Tann (Jugendfreund des Monarchen und Vater des berühmten bairischen Generals) und des Ministers Grafen Karl v. Seinsheim. Nach Vollendung des Porträts der Frau Kurfürstin Marie Leopoldine ging D. auf Schloß Kupferzell in Schwaben, um die Familie des Fürsten Hohenlohe-Waldenburg zu malen. Die Bestellungen drängten sich und verfolgten den Künstler auch in seine ländliche Sommerfrische an den damals noch weniger cultivirten Geländen des Starnberger Sees, wo zu Leoni nebenbei allerlei lustige Aufzüge, Waldfeste und Mummerei erfolgten und D. mit seinem Freunde Kaulbach und Andern die Villa des Bauraths Hiembsel mit Fresken zierte.

Der Wunsch, endlich ein eigenes Heim und ein praktisches Atelier zu besitzen, verleitete D. zu einem Hausbau (das Werk des Oberbaurath Eduard Metzger 1807, † 1894), welcher der Anlaß vielseitiger Verdrießlichkeiten und Aergernisse wurde, bis D. endlich, solcher Erfahrungen müde, das Haus an Dr. v. Schanzenbach verkaufte. Hier war es, daß eines Tages ein stattlicher junger Mann von auffallender Schönheit anklopfte und nach artigster Begrüßung im reinsten Deutsch sagte: »Ich habe mehrere Bildnisse von Ihnen gesehen und komme zu fragen, ob Sie mich nicht auch malen wollen; ich bin der Kronprinz von Schweden«. Das Bild des nachmaligen Karl XV. mußte zur hohen Befriedigung ausgefallen sein, da alsbald eine Einladung des Königs Oskar an D. erfolgte. Vorerst machte unser Maler mit dem Ingenieur und Dichter Theodor Simons noch einen Ausflug nach Tirol und wagte die kühne Expedition von Fendt über die Oetzthaler Ferner ins Schnalserthal, welche zur Freude und Zufriedenheit aller Betheiligten glücklich verlief und über Finstermünz und Landeck nach Pähl zurückführte, wo D. sommerfrischelnd rastete und endlich im August 1849 über Berlin und Lübeck nach Christiania abging (1849). Die Aufnahme daselbst war eine ehrenreiche, der Maler wurde mit größter Auszeichnung behandelt. So stand ihm zu einem Abstecher nach den schönsten Wasserfällen und Bergseen Norwegens ein vierspänniger Wagen mit allem möglichen Comfort zur Verfügung. Zur Fortsetzung seiner Aufgabe nach Stockholm geladen, wohin das kgl. Hoflager übergesiedelt war, machte D., wie bei seiner Fahrt nach Norwegen, die angenehme Reise in Gesellschaft des Architekten H. E. Schirmer, über Gothenburg auf dem Trollhätta-Canal durch den Mälar-See mit dem reizenden Gewirre von Eilanden und Buchten. Auf dem Schlosse Haga malte D. die Prinzen Gustav, Oskar, die Prinzeß Eugenie und zuletzt den König. Zwischendurch gab es Ausflüge nach dem Schlosse Drottningholm (Lieblingsaufenthalt Gustav III.) und Gripsholm, wo D. viele Kostbarkeiten sah, darunter auch die erst neuestens bekannt gewordenen köstlichen Augsburger Gobelins. Zu Gripsholm war D. Augenzeuge, wie Prinz Oskar ein vierjähriges, ins Wasser gefallenes Mädchen mit kühner Geistesgegenwart vor dem Ertrinken rettete. Mit dem letzten Schiffe, welches am 9. November Stockholm verließ, dampfte der in feierlicher Abschiedsaudienz noch mit dem Wasa-Orden decorirte Maler zurück, nachdem er einen furchtbaren Seesturm vor Ystad glücklich überstanden hatte.

In München häuften sich neue Bestellungen, die Porträts der Gräfin Bassenheim, der Herzogin Leuchtenberg, der Kaiserin von Brasilien mit ihrer Tochter Amalia. Im Jahre 1851 unternahm D. mit G. Flüggen eine Fahrt nach Paris und Brüssel, wo ihnen mit Ausnahme von Horace Vernet, die neuern Koryphäen gegen alles Erwarten weniger imponirten. Bald darauf finden wir ihn wieder als vielbegehrten Porträtmaler am Hofe des Fürsten von Thurn und Taxis zu Donaustauf und dann in Meran, wo D. 1852 und 1853 im Schlosse Rottenstein überwinterte und etliche Genrebilder malte, darunter den »Sonnenuntergang auf der Alpe« (erst im Besitze der Großherzogin Mathilde von Hessen-Darmstadt, dann Eigenthum des Kaisers Wilhelm I.; eine verkleinerte Wiederholung im König-Ludwig-Album, lithographirt von Arnst), einen »Meraner Bauernknaben« (welchen nachmals Kaiser Franz Joseph erwarb) und einen kleinen »Violin-Spieler« (Erzherzogin Sophie). Während D. im Sommer in der vielbelobten Künstlerherberge zu Frauen-Chiemsee weilte, erging an ihn von Herzog Maximilian der Auftrag, die Kaiserbraut Elisabeth in Possenhofen zu malen – ein Porträt, welches durch Schöninger galvanographirt, in Tausenden von Exemplaren durch ganz Oesterreich flog. Nun wurde D. nach Wien entboten, wo der Maler in den sog. Alexander-Zimmern (welche der Kaiser Alexander während des Wiener Congresses bewohnte) sein Atelier erhielt und seine Aufgabe mit einem Bilde des kaiserlichen Bräutigams glänzend löste. D. sah daselbst auch den Erzherzog Max Ferdinand (den nachmaligen Kaiser von Mexico), ohne jedoch dessen Bild zu malen; dagegen porträtirte er den Erzherzog Franz Carl, erkrankte aber am Typhus in bedenklicher Weise, sodaß er auf den Rath der Aerzte als Reconvalescent Wien verließ und seine Aufgaben, wozu noch ein Kaiser-Bildniß in ganzer Figur und in Feldmarschalls-Uniform kam, zu München vollendete. Im Herbst 1854 fuhr D. dann mit seinen Bildern die Donau hinab nach Wien, wo er ob eines Formfehlers unsägliche Verdrießlichkeiten und Aergernisse mit den kaiserlichen Mauthnern und Zöllnern durchzukosten hatte, bis endlich Graf Grünne den Handel schlichtete. Zu München harrte seiner schon wieder eine größere Bestellung: für eine von König Oskar zu Gripsholm erbaute Rotunde (welche die lebensgroßen Bilder sämmtlicher europäischer Monarchen vereinen sollte), das Porträt des König Otto von Griechenland zu liefern. Deshalb nach Athen zu reisen, wäre zu complicirt gewesen, D. behalf sich außer einigen Photographien mit der von Halbig nach dem Leben modellirten Büste, auch erhielt er das dazu benöthigte, prächtige griechische Costüm. Bald darauf malte D. die Königin Marie und schließlich (1858) auch den König Ludwig I., welcher für den Künstler immer eine gnädige Affection hegte, auch seiner Fürsprache gerne Gehör lieh. So war es z. B. D., welcher während einer Sitzung sich über Idee und Zweck des Künstler-Unterstützungs-Vereins weiter herausließ und als Vorstand desselben eingehenden und ausführlichen Detail-Bericht erstattete. Bald darauf erfolgte die Mittheilung, daß der greise Monarch mit der erheblichen Summe von 10000 Gulden eine Stiftung zu dieser im Stillen, namentlich für Witwen und Waisen höchst wohlthätig wirkenden Anstalt huldvollst gemacht habe. Später, kurz vor seinem Ableben, testirte der königliche Maecen abermals ein Legat von 30000 Gulden für denselben Verein. Im Jahre 1858 wurde D. an den großherzoglichen Hof nach Weimar geladen und entledigte sich seiner Aufträge ganz im Sinne eines Malers der »Haute Volée«. Als feingebildeter Sachse, kundig des guten Tons, weniger ein Meister der Rede, doch geistiger Causerie mächtig, außerdem auch gewandt mit der Feder und von anmuthender Darstellung, gewann er die hohe Aristokratie für seine Kunst. Er malte die Repräsentanten der Schönheit, einen blühenden Damenflor, Koryphäen der Wissenschaft z. B. den Kirchenhistoriker D. Hase und den Medicinalrath Dr. v. Ringseis, eine große Anzahl von Engländern und Amerikanern, die sich zeitweise geradezu in sein Atelier drängten und außer ihrem Conterfei auch Studienköpfe und Genrebilder mit in das Ausland nahmen. Was nun die letzteren betrifft, so blieb der Maler immer in einem engen Bereich des ruhigen Stilllebens: ein paar spielende Kinder, ein schönes Landmädchen, ein sanfter Engel, Schiffer- und Hirtenknaben bilden so ziemlich sein ganzes, immer salonfähiges Repertoire; dazu kam 1868 das »Brustbild einer Italienerin«, ganz umflossen von einer Morbidezza, welche den Künstler überhaupt zum beliebten Darsteller der Frauenschönheit bevorzugte. Wir, welche nun allmählich gewöhnt wurden, den Menschen entweder in nüchternster Tagesbeleuchtung mit wissenschaftlicher Pathologie behandelt zu sehen oder durch eine archaistisch gefärbte Brille betrachten zu müssen, sind häufig ungerecht in Beurtheilung dieser Maler, welche noch einen idealen Mittelweg verfolgten, an Ehrlichkeit und Wahrheit aber gewiß ebenso herzhaft hingen, wie die jüngere titanische Generation. Dürck’s ganzes Wesen war auf melodiösen Wohlklang gerichtet, wie überhaupt classische Musik das ergänzende Bedürfniß seiner Seele bildete. In seinem gastlichen Hause gab es musikalische Abende, aus welchen sich später der »Oratorien-Verein« entwickelte. Durch alljährlich wiederholte Reisen an den Rhein, nach dem Süden und der Nordsee suchte D. Herz und Auge zu erweitern. Diese Reiseeindrücke brachte er gern in Schrift, worunter der Aufenthalt auf der Insel Sylt Anlaß gab zu einem hübschen Essay. Die Gesellschaft der »Zwanglosen«, diese Elite der in München cursirenden Fülle von Kunst, Geist und Wissenschaft, dankte ihm manch angenehme Erinnerung. Die letzten, vielfach von den Leiden des Alters und einem leichten Schlaganfall getrübten Jahre benutzte der Künstler zur Ausarbeitung eines autobiographischen Rückblickes über seine Zeit; er vollendete diese Aufgabe in einem dreibändigen Memoirenwerke, welches, wenigstens auszugsweise, immer noch auf ein dankbares Publicum rechnen dürfte. D. schloß am 25. October 1884 sein an schönen Erfahrungen, Ehren und Auszeichnungen reiches, echtes Künstler-Dasein.

Vgl. Nagler 1836. III, 503. – Raczynski II, 438 ff. – Seubert 1878. I, 400. – H. A. Müller 1882, S. 149. – Nekrolog in Beil. 3 d. »Allgemeinen Zeitung« 1885. – Pecht, Geschichte der Münchener Kunst, 1888, S. 155. – Müller-Singer, Lexikon 1895. I, 367. – Fr. von Bötticher, Malerwerke 1895. I, 243.

Hyac. Holland.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1904.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Dürck Friedrich, 1809 (Leipzig) – 1884, Porträt-, Genre- und Kostümmaler; von seinem Onkel, dem Porträtmaler J. von Stieler, erhielt D. in München Unterricht und schuf Porträts der Fürstenfamilien in Stockholm, Wien und München, er hat auch Bilder der Schönheitsgalerie Ludwigs I. und Genre- sowie Kostümbilder gemalt; D., dessen Sohn Karl mit einer Tochter W. von Kaulbachs verheiratet war, gehört zu denjenigen Schülern Stielers, die sich vollkommen in dessen vornehme, aber auch kühle Manier eingelebt hatten und ihm daher auch vielfach bei seinen Arbeiten geholfen haben, zuweilen übertrifft er den Meister sogar in koloristischer Beziehung.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#14 – 1 – 34 (Bernhart)


Grab der Familie Bernhart auf dem Alten Südfriedhof München (April 2015)

#14 – 1 – 35 (Buchner)


Buchner’sche Grabstätte.

Hier ruhet
Herr Joseph Buchner
Gastwirth zum goldenen Stiefel
gest. den 8. Jäner 1866 im 56. Lebensjahre.
Ihm folgte sein Enkel
unser innigstgeliebter, herzensguter Sohn
Peter Buchner
gest. den 2. März 1894 im 18. Lebensjahre.
Unsere liebe Mutter und Grossmutter
Frau Ursula Buchner
Gastwirths-Witwe
gest. den 9. März 1901 im 78. Lebensjahre.
Ihr folgte
unsere unvergessliche, treubesorgte
Gattin, Mutter u. Schwiegermutter
Frau Elisabeth Buchner
Gasthofsbesitzers-Gattin
gest. den 12. Juli 1903 im 51. Lebensjahre.
Unser treubesorgter, lieber Vater,
Grossvater u. Schwiegervater
Herr Peter Buchner
Gasthofbesitzer zum goldenen Stiefel,
gest. den 25. Nov. 1903 im 71. Lebensjahre.

A. Aufleger 14.1.35.


  • Buchner, Elisabeth (vh); – 12.7.1903; Gasthofbesitzers-Gattin
  • Buchner, Josef; – 8.1.1866 (München), 58 Jahre alt; Gastwirt
  • Buchner, Peter; – 2.3.1894 (München), 17 Jahre alt; Gastwirts-Sohn
  • Buchner, Peter; – 25.11.1903; Gasthofbesitzer
  • Buchner, Ursula (vw); – 9.3.1901; Gastwirts-Witwe

Todesanzeige für Josef Buchner

Todesanzeige für Peter Buchner

Grab der Familie Buchner auf dem Alten Südfriedhof München (April 2015)

#14 – 1 – 37 (Cron · Neumeyer)


Caroline Cron,
geb. 9. Juni 1811, gest. 29. Sept. 1829.
Henriette Neumeyer,
geb. 30. April 1831, gest. 9. Mai 1833.
Heinrich Neumeyer,
geb. 16. Juli 1828, gest. 13. August 1841.
Frau Susanna Neumeyer, geb. Wolff,
geb. 20. August 1789, gest. 27. Febr. 1866.
Herr Johann Baptist Neumeyer,
k. Rath u. Geheimsekretär im Minist. der Justiz,
Ritter des Verdienst Ordens vom hl. Michael,
geb. 31. März 1794. gest. 10. Januar 1871.
Frl. Katharina Neumeyer, Inst. Vorsteherin.
geb. 6. März 1822, gest. 25. Oktbr. 1887.
Frl. Louise Neumeyer,
ehem. Inst. Vorsteherin,
geb. 19. März 1824, gest. 28. Sept. 1908.
Herr Ludwig Neumeyer,
K. Oberst a. D. Ritter des K. B. Militär.-Verd.-
Ordens u. des eisernen Kreuzes,
geb. 15. Novbr. 1823, gest. 28. März 1911.

R. I. P.

Familien-Grab.


  • Cron, Karoline; 9.6.1811 – 29.9.1829 (München); Hofkellereigehilfens-Tochter
  • Neumeyer, Heinrich; 16.7.1828 – 13.8.1841
  • Neumeyer, Henriette; 30.4.1831 – 9.5.1833
  • Neumeyer, Johann Baptist; 31.3.1794 – 10.1.1871; Königlicher Rat und Geheimsekretär im Ministerium der Justiz
  • Neumeyer, Katharina; 6.3.1822 – 25.10.1887 (München); Institutsvorsteherin
  • Neumeyer, Luise; 19.3.1824 – 28.9.1908 (München); Institutsvorsteherin
  • Neumeyer, Ludwig; 15.11.1823 – 28.3.1911; Königlicher Oberst a. D.
  • Neumeyer, Susanna (vh) / Wolff (gb); 20.8.1789 – 27.2.1866 (München); Rats-Gattin

Todesanzeige für Susanna Neumeyer

Todesanzeige für Katharina Neumeyer

Grab der Familien Cron · Neumeyer auf dem Alten Südfriedhof München (April 2015)

#14 – 1 – 41 (Reinwald)


Hier ruhet in Gott
Herr
Michael Reinwald
kgl. Major a. D.
geb. 30. Juli 1817, gest. 9. Mai 1896.
Frau Maria Reinwald
geb. Köck,
Majors-Witwe
geb. 16. März 1843, gest. 11. Sept. 1921.

I. Lallinger.


  • Reinwald, Maria (vw) / Köck (gb); 16.3.1843 – 11.9.1921 (München); Majors-Witwe
  • Reinwald, Michael; 30.7.1817 – 9.5.1896 (München); Major a. D.

Todesanzeige für Michael Reinwald

Todesanzeige für Marie Reinwald

Grab der Familie Reinwald auf dem Alten Südfriedhof München (April 2015)

#14 – 1 – 43 (Englmann)


LORENZ ENGLMANN
PHILOLOGE
1811 – 1881


  • Englmann, Lorenz; 11.9.1811 (Kirchendemenreuth/Opf.) – 29.8.1881 (Brennerbad/Tirol); Philologe und Gymnasialprofessor

Todesanzeige für Lorenz Englmann

Grab der Familie Englmann auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

Grab der Familie Englmann auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

#Lorenz Englmann

* 11.9.1811 (Kirchendemenreuth/Opf.)
† 29.8.1881 (Brennerbad/Tirol)
Philologe und Gymnasialprofessor

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Englmann Lorenz, 1811 (Kirchendemenreuth/Opf.) – 1881, Philologe und Gymnasialprofessor; nach philosophisch-theologischen Studien zu Freising sattelte E. zur Philologie über und wurde 1848 am Ludwigs-Gymnasium in München, 1849 am Kadettenkorps Studienlehrer und Repetitor, dann Professor in Kempten und Dillingen, seit 1860 war E. am Münchner Ludwigs- und seit 1872 am Wilhelms-Gymnasium Professor; »E. gab dem Gymnasium Bayerns, des ganzen, auch des österreichischen Südens, eine neue Kunst, die Anfänge einer Methode überhaupt, die Vorstufe der richtigen Methode, wofür heutzutage die Indiktion anerkannt ist, die Beschränkung aufs Wesentliche und Verbindliche. Schließlich wird es da keine Anstalt mehr gegeben haben, die nicht seine Bücher besitzte« (A. Patin).

Hauptwerke: Grammatik der lateinischen Sprache, Gr. der griechischen Sprache, Gr. der deutschen Sprache, Formenlehre des attischen Dialekts, Mittelhochdeutsches Lesebuch, viele Übungsbücher, Lesebücher, Anthologien und Schulausgaben; sein moralisch und materiell erfolgreichstes Werk ist die Grammatik der deutschen Sprache.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#14 – 1 – 45·46 (Sailer)


Grab der Familie Sailer auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#14 – 1 – 50 (Stuntz)


JOSEPH STUNTZ
KOMPONIST
1792 – 1859


  • Stuntz, Josef Hartmann; 23.7.1792 (Basel) – 18.6.1859 (München); Dirigent, Kapellmeister und Komponist

Todesanzeige für Josef Hartmann Stuntz

Grab der Familie Stuntz auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

#Josef Hartmann Stuntz

* 23.7.1792 (Basel)
† 18.6.1859 (München)
Dirigent, Kapellmeister und Komponist

#Artistisches München im Jahre 1835 (1836)

Stuntz, Joseph Hartmann, k. b. Hofkapellmeister, geb. i. J. 1792 den 23. Juli bei Arlesheim in der Schweiz, erhielt seine erste Bildung in Strasburg, und zwar meistens durch seinen Vater, J. Stuntz, der, ehedem ein vorzüglicher Landschaftsmaler und trefflicher Musiker, gegenwärtig noch im hohen Alter in München lebt.

Der junge Hartmann zeigte ebenfalls große Anlagen für die zeichnenden Künste, doch war sein musikalisches Talent noch überwiegender und bald widmete er sich fast ausschließlich der Musik, in welcher er auch in Kurzem so glückliche Fortschritte machte, daß, als die Familie im Jahre 1808 wegen politischer Verhältnisse von Straßburg nach München zog, der allerhöchstselige König Maximilian die Gnade hatte, den jungen Hartmann sogleich als Accessisten in der königl. Hofkapelle, und zwar zur Violine, aufzunehmen. Als sich aber zeigte, daß er besonders für die Komposition ausgesprochene Anlagen besitze, so wurde er nach dem allergnädigsten Willen Sr. königl. Majestät dem damaligen hochberühmten Hofkapellmeister Ritter Peter v. Winter zum Unterrichte übergeben. Im Jahre 1813 begab er sich hierauf mit königlicher allergnädigster Unterstützung nach Wien, um sich hier unter Leitung des unsterblichen Salieri noch weiter auszubilden.

Die damaligen politischen Verhältnisse nöthigten ihn jedoch, noch im nämlichen Jahre Wien wieder zu verlassen, und erst im Jahre 1815 wurde es ihm möglich, den Unterricht bei Salieri, und zwar bis zum Jahre 1816 fortzugenießen. Nachdem in eben diesem Jahre in München die italienische Hofoper gegründet worden war, wurde er im nächstfolgenden Jahre derselben provisorisch als Maestro beigegeben.

Im Jahre 1818 verehlichte er sich mit Fräulein Marie Apenburg von Schaden, die ebenfalls durch eine hohe musikalische Bildung und eine klangvolle Stimme sich auszeichnet, niemals aber öffentlich, sondern immer nur in Privatzirkeln sich hören läßt. In demselben Jahre begab sich Stuntz mit allerhöchstem Urlaub nach Italien, und erhielt im Jahre 1819 von der Direktion des Theaters alla Scala in Mailand den Auftrag, eine Oper zu schreiben. Demnach entstand die Oper La Rapressaglia, welche mit solchem Beifall aufgenommen wurde, daß sie sechzigmal hintereinander aufgeführt ward, und Stuntz den Titel eines Maestro di cartello erhielt. Zu gleicher Zeit schrieb er aus Auftrag des Casino dei nobile eine brillante Cantate zu Ehren der Ankunft Sr. Maj. des Kaisers von Oestereich. Eben so wurde er im Jahre 1820 nach Venedig berufen, wo er die Oper Costantino für das Theater alla fenice mit allgemeinem Beifall komponirte, alsdann besuchte er in demselben Jahre sein Vaterland, und schrieb bei dieser Gelegenheit für die königl. Hofbühne unter der damaligen Intendanz des Herrn v. Stich die von J. Sendtner verfaßte Oper: »Charlot oder die Milchbrüder,« nach der Komödie gleichen Namens, von Voltaire, bearbeitet. Darauf folgte Stuntz einem Ruf nach Turin, wo er im Karneval 1821/22 die Oper Dalmiro ed Argene für das große Hoftheater schrieb.

Seine Mailänder Freunde beriefen ihn nochmals von Turin aus zu sich, und er bekam den Auftrag in der nächsten primavera die komische Oper Elvira et Lucindo zu schreiben.

Einer um diese Zeit an ihn ergangenen Aufforderung in Rom, ebenfalls eine Oper für das dortige Theater Argentina zu schreiben, konnte er Krankheitshalber nicht entsprechen. Nach seiner Rückkehr aus Italien i. J. 1823 wurden ihm die Stellen als Kapellmeister, und ein Jahr darauf noch als Direktor der königl. Hofoper übertragen, welche letztere er bei Gelegenheit der Jubelfeier Sr. Majestät des hochstseligen Königs Maximilian begann, wozu er die Musik des Festspieles theils komponirte und arrangirte; im Jahre 1825 aber, nach Winters Tode, wurde St. von Sr. Maj. dem Könige Ludwig zum ersten Kapellmeister ernannt.

Seit dieser Zeit war er fortwährend mit der Komposition theils von Messen und Psalmen, im strengen so wie im ungebundenen Style, theils von Chören, Cantaten und Ouverturen, theils Instrumentalstücken und einzelnen Arien etc. beschäftigt. In eben diese Zeit fällt auch die Bearbeitung der Oper: »Das Donauweibchen;« ferner die im Jahre 1827 zur Aufführung gebrachte Todtenfeier der Klara Vespermann, wozu Hr. v. Schenk den Text geliefert hat, eben so die Cantate zur Eröffnung der hiesigen Münchner Synagoge im Jahre 1826.

Eine seiner letzten Arbeiten schrieb er unter Beirath des berühmten Philologen Franz, nämlich die in altgriechischer Weise ausgeführte erste olympische Ode des Pindars, welche zur Feier des Namenstages Sr. Majestät des Königs Otto von Griechenland in der Gesellschaft des Frohsinns den 15. November 1832 aufgeführt worden ist, jedoch späterhin mit Begleitung der Harmonie und Chor vervollständigt wurde.

Auch hat Stuntz nicht nur mit Thätigkeit die Gesellschaft des im Jahre 1828 vom Hofsänger Löhle, Professor Zimmermann und Ministerialrath Morigotti gegründeten Liederkranzes bis jetzt als Direktor geleitet, sondern auch für denselben mehrere herrliche Tonwerke gesetzt, unter denen wir hier nur das »Sonett auf meine Frau,« und den »Schützenmarsch,« beide gedichtet von König Ludwig, aufzeichnen wollen.

Ohngeachtet seiner vielseitigen Beschäftigungen, die ihm seine Dienstgeschäfte, in der Direktion der königlichen Hofkapelle, der Hofkonzerte, des Theaters, der musikalischen Akademie, so wie sonst anderer öffentlicher Produktionen jeder Art auferlegen, fuhr Stuntz dennoch immer fort, neben diesen zeitraubenden Geschäften Kompositionen verschiedener Gattung zu setzen, wovon hier die namhaftesten aufgezeichnet sind.

Für das Kirchenfach und insbesondere für die königliche Hofkapelle:
3 Missae Solemnes, mit Orchester-Begleitung;
4 Missae a Capella 4 stimmig im strengen Styl;
30 und darüber Motetten, Gradualien, Offertorien im sowohl strengen als freyen Styl;
1 Stabat Mater, im Jahre 1816.
1 Litanei, 1830.
1 Te Deum zu der Vermählung Ihrer königl. Hoheit der Prinzesssin Elisabetha von Bayern mit Sr. königl. Hoheit dem Kronprinzen von Preußen, den 16. Nov. 1823;
1 Hymnus, vierstimmig mit Begleitung des Aeolodicon zur heiligen Firmungsfeier Sr. königl. Hoheit des Prinzen Otto von Bayern, Königs von Griechenland, 12. Juli 1831.

Für die protestantische Hofkirche:
1 Lobgesang an die Gottheit zur Geburtsfeier Sr. königl. Hoheit des Kronprinzen von Bayern im Jahre 1811.
1 Cantate zur Reformationsfeier im Jahre 1817.
2 Psalmen.
3 hebräische Hymnen.

Die vorzüglichsten Opern sind oben genannt.

Verschiedene theatralische Bearbeitungen, als: Chöre, Märsche oder Lieder in Trauerspielen oder melodramatische Scenen, so wie das Festspiel: »Ahnen und Enkel,« gedichtet von Hrn. v. Schenk zur Vermählungsfeier Ihrer Königl. Hoh. Prinzessin Mathilde von Bayern mit Sr. Hoh. dem Prinzen Ludwig von Hessen-Darmstadt im Jahre 1832, Ouverturen, wovon 2 im Stich erschienen; ferners: eine Fest-Ouverture zur Wiedereröffnung des vorher abgebrannten Hoftheaters im Jahre 1825, und im Jahre 1832 das orientalische Ballet Alasnam und Balsora und anderes mehr.

Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Mechaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Stuntz Josef Hartmann, 1792 (Basel) – 1859, Komponist und Hofkapellmeister; er studierte in Wien bei Salieri und in München bei P. von Winter, auf Reisen in Italien hat er Opern für Mailand, Venedig und Turin geschrieben in München wurde St. 1824 Vizekapellmeister und nach Winters Tod 1826 Hofkapellmeister und Operndirigent; er wurde aber bald, vor allem weil er im Gegensatz zur allgemeinen Gepflogenheit vom Klavier aus dirigierte, unter dem Einfluß der berühmteren Aiblinger und Lachner aus dem öffentlichen Wirken verdrängt und widmete sich dann der Komposition von Liedern für den Männerchor und von kirchlichen Stücken.

Hauptwerke: 25–30 Männerchöre, Bayerischer Schützenmarsch, Messe (A), Graduale, Stabat Mater, Grabgesang, Oper La Rappressaglia; Lieder sind voll Frische, Leben, Kraft und Gemüt, dabei auch humorvoll; kein Fest unter Ludwig I. fand ohne Lieder von St., der als der »Festkomponist Bayerns« galt, statt.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#14 – 1 – 54 (n. n.)


(Januar 2021)

#14 – 2 – 2 (Arnold)


Dr. phil.
Ferdinand
ARNOLD
BOTANIKER
1824 – 1901


  • Arnold, Ferdinand, Dr. phil. h.c.; 24.2.1824 (Ansbach) – 8.8.1901 (München); Botaniker und Oberlandesgerichtsrat

Todesanzeige für Dr. phil. h. c. Ferdinand Arnold

Grab der Familie Arnold auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familie Arnold auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Dr. phil. h.c. Ferdinand Arnold

* 24.2.1824 (Ansbach)
† 8.8.1901 (München)
Botaniker und Oberlandesgerichtsrat

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Arnold Ferdinand, Dr. phil. h. c., 1824 (Ansbach) – 1901, Naturforscher, Botaniker und Oberlandesgerichtsrat; er studierte auf den Universitäten von München und Heidelberg Rechte und trat dann in den Gerichtsdienst; in seiner Freizeit beschäftigte sich A. mit Naturforschungen, so legte er eine Pflanzensammlung an und konnte Phanerogame (= Pflanzen mit aus Staub- und Fruchtblättern bestehende Blüten) bestimmen, Freundschaften mit Zuccarini und anderen Botanikern förderten seine Kenntnisse; er beschäftigte sich vor allem mit der Erforschung der Kryptogamen der Moose und Flechten (= Pflanzen ohne Blüten) und der Phanerogame; die Botanik hat As. Namen in einer Flechtengattung verewigt, außerdem tragen nicht wenige Flechten, Pilze und Moose seinen Namen.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#14 – 2 – 3 (Müller)


Grab der Familie Müller auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#14 – 2 – 6 (Leimbach)


Familie
von
Leimbach.


  • Leimbach, Helene von (vh) / Bary, von (gb); 20.1.1829 – 24.3.1908 (München); Oberbaudirektors-Witwe
  • Leimbach, Karl von; 1814 (Aschaffenburg) – 25.1.1891 (München); Architekt

Todesanzeige für Helene von Leimbach

Grab der Familie Leimbach auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Karl von Leimbach

* 1814 (Aschaffenburg)
† 25.1.1891 (München)
Architekt

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Leimbach Karl, von, 1814 (Aschaffenburg) – 1891, Baukünstler und Oberbaudirektor; L. war Schüler F. von Gärtners und bildete sich in Italien weiter; 1853 hatte L. den ‚ durch den Bau der Maximilianstraße nötig gewordenen Umbau des Hoftheaters nach den Konstruktions- und Fassadenplänen F. von Bürkleins geleitet, dafür erhielt er vom König die Anerkennung und bekam die Bauleitung des Hof- und National- sowie auch des Residenztheaters übertragen.

Hauptwerke: Wilhelms-Gymnasium an der Thierschstraße, das Gebäude der Staatsschuldungskomission (1866), die Reisingersche Poliklinik an der Sonnenstraße, das Hygienische Institut und Kirchen in Bad Reichenhall und Palling (Lkr. Laufen/Obb.); L. hat als Baukünstler den Max-II.-Baustil Bürkleins überwunden, er gehört zu jener zahlreichen Gruppe von Eklektikern, die für den Profanbau den Renaissancestil, für den kirchlichen Bau die Gotik bevorzugten.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#14 – 2 – 11 (Vogl)


Grab der Familie Vogl auf dem Alten Südfriedhof München (März 2021)

#14 – 2 – 15 (Groß)


Grab der Familie Groß auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#14 – 2 – 22 (Müller)


Hier ruhen in Gott
Herr Friedrich Müller
k. Packmeister a. D.
* 1827 † 1908,
seine Gattin Frau
Henriette Müller, geb. Bischoff,
* 15.7.1850 † 30.7.1925.
Frau Therese Müller
* 1843 † 1865
u. deren Söhnchen
Joseph.

Sockel
Schneider


  • Müller, Friedrich; 1827 – 16.12.1908 (München); Königlicher Packmeister a. D.
  • Müller, Henriette (vw) / Bischoff (gb); 15.7.1850 – 30.7.1925 (München); Packmeisters-Witwe
  • Müller, Josef; Eisenbahnkondukteurs-Sohn
  • Müller, Therese (vh); 1843 – 26.12.1865 (München); Eisenbahnkondukteurs-Gattin

Todesanzeige für Therese Müller

Todesanzeige für Friedrich Müller

Todesanzeige für Henriette Müller

Grab der Familie Müller auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#14 – 2 – 23 (Reuter · Wich)


Familien-Grabstätte.

Hier ruhet
Frau Christine Wich
gest. 7. September 1882,
im 70. Lebensjahre.
Herr Philipp Wich
gest. 21. November 1891
im 79. Lebensjahre.
Fräulein Elise Wich
gest. 27. Februar 1900,
im 64 Lebensjahre.
Frau Henriette Reuter
geb. Wich,
gest. am 5. April 1925,
im 73. Lebensjahre.


  • Reuter, Henriette (vh) / Wich (gb); – 5.4.1925 (München), 72 Jahre alt; Fabrikantens-Witwe
  • Wich, Christine (vh); – 7.9.1882 (Altenburg), 69 Jahre alt; Gutsbesitzers-Gattin
  • Wich, Elise; – 27.2.1900 (München), 63 Jahre alt
  • Wich, Philipp; – 21.11.1891 (Altenburg), 78 Jahre alt; Gutsbesitzer

Todesanzeige für Christine Wich

Todesanzeige für Philipp Wich

Todesanzeige für Elise Wich

Grab der Familien Reuter · Wich auf dem Alten Südfriedhof München (April 2015)

#14 – 2 – 28 (Fischer)


HERR, UNTER DEINEM KREUZE
WILL ICH IN DEMUT STEHN

JOSEF
ANTON
FISCHER
1814 – 1859
HISTORIEN-
UND
KIRCHEN-
MALER

Rechte Seite
14.2.28


  • Fischer, Josef Anton; 28.2.1814 (Oberstdorf/Allgäu) – 20.3.1859 (München); Historienmaler und Kirchenmaler

Todesanzeige für Josef Anton Fischer

Grab der Familie Fischer auf dem Alten Südfriedhof München (November 2014)

#Josef Anton Fischer

* 28.2.1814 (Oberstdorf/Allgäu)
† 20.3.1859 (München)
Historienmaler und Kirchenmaler

#Die bildende Kunst in München (1842)

Joseph Anton Fischer, von Oberstorf, einer der vorzüglichsten Schüler des Heinrich Heß, hat mehrere Cartone zu den Glasgemälden für die Kirche in der Au mit religiösem Sinne entworfen. Seine Gestalten sind würdig, ernst, voll himmlischer Ruhe gehalten; in demselben Geiste hat er in jüngster Zeit ein schönes Oelgemälde: »die hl. Familie auf der Flucht nach Aegypten« ausgeführt.

Dr. Johann Michael von Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.

#Münchener Künstlerbilder (1871)

Josef Anton Fischer,
Historienmaler.

Josef Anton Fischer wurde am 28. Februar 1814 in Oberstorf, Landgericht Sonthofen im bayerischen Regierungsbezirke Schwaben und Neuburg, geboren, sohin im nemlichen Orte, in dem Schlotthauer und die beiden Schraudolph das Licht der Welt erblickten, nur einige Stunden von Hindelang, dem Geburtsorte Conrad und Franz Eberhard’s.

Im Algäu nimmt die Viehzucht die oberste Stufe der Landwirthschaft ein, und wenn auch die Cultur alle Welt beleckt, so ist es doch glücklicher Weise noch nicht so weit gekommen, daß sich der Bauer seines Berufes schämt. Am wenigsten thut dies aber gewiß der Algäuer, bei dem das Althergebrachte um seiner selbst willen in höchsten Ehren steht. Fischer’s Eltern, wenn auch nicht übermäßig mit Glücksgütern gesegnet, hatten doch einen recht anständigen Besitz, sonach, den dortigen Verhältnissen entsprechend, auch manches schöne Stück Milchvieh. Als der Knabe soweit herangewachsen war, daß man ihm die Aufsicht auf die Heerde auf dem gebirgigen Terrain anvertrauen konnte, ohne Schaden für beide Theile fürchten zu müssen, da war er gar manchen lieben Tag draußen auf der Trift und sich selbst überlassen.

Schon ungewöhnlich früh zeigte sich in ihm unwiderstehliche Neigung zum Zeichnen. Er versuchte es erst ohne fremde Anleitung, was ihm von Zeichnungen irgendwie in die Hand kam, nachzubilden und erreichte es endlich, daß ihn seine Eltern zur Zeichnungsschule schickten. Das machte jedoch nicht nöthig, daß Fischer das elterliche Haus verließ, denn Oberstorf, obwohl nur ein kleiner Flecken, besaß eine recht tüchtige Zeichnungsschule, welche der Vater der Brüder Schraudolph dort gegründet hatte. Den Eltern müßte die Beschäftigung ihres Kindes natürlich als nicht viel mehr denn eine Liebhaberei erscheinen, sie konnten daher auch von ihrem Standpunkte aus kein größeres Gewicht darauf legen. Weil nun aber im Hause des Landmanns alle Arbeit und zwar, den Kräften jedes Einzelnen entsprechend, auf Alle, die zum Hause gehören, vertheilt zu sein pflegt, so blieb dem Knaben an Werktagen nur jene Zeit übrig, um über dem Zeichnen zu sitzen, welche dem Beginn der häuslichen Arbeit vorausging. Er stand deshalb an Sommertagen schon vor der Sonne auf, um sich seinem Drange hinzugeben und ging dann mit den Andern gleichmäßig auf die Arbeit. Dagegen gehörten denn auch die Sonn- und Feiertage ihm ungestört, wenn er, was er in seinem frommen Gemüthe gar gern that, dem Gottesdienste beigewohnt hatte. An Claudius Schraudolph aber fand er einen lieben Freund und treuen Genossen seiner Bestrebungen, der sie mit ihm in und außer der von beiden gemeinschaftlich besuchten Schule theilte.

Seiner Freundschaft mit dem jüngern Schraudolph verdankte Fischer auch den nächsten Anlaß zur Uebersiedelung nach München und zum förmlichen Uebergange zum Künstlerleben, welche im Jahre 1830 erfolgten. Professor Schlotthauer hatte einige Jahre vorher den längere Zeit in sich getragenen Gedanken einer künstlerischen Reproduktion des Todtentanzes von Holbein in’s Werk zu setzen begonnen. Hofrath Gotthelf Heinrich von Schubert hatte die Vorrede und charakteristischen Reime dazu geschrieben und in dem jungen talentvollen Hoecherl war eine Kraft gewonnen worden, ganz geeignet, Holbein’s kostbare Arbeit trefflich wiederzugeben. Da war Hoecherl nach kurzer Krankheit seinem plötzlich bemerkbar gewordenen Lungenleiden erlegen und so sah sich Schlotthauer genöthigt um die Subscribenten zufrieden zu stellen und das unternommene Werk zu Ende zu führen, seinen Freund Johann Schraudolph um die Fortsetzung der Arbeit anzugehen. Dieser unterzog sich zwar derselben gerne, aber als er kurz darauf berufen war, unter Heinrich Heß die für die Allerheiligen-Hof-Kapelle bestimmten großen Cartons zu zeichnen und hierauf auch noch in Fresko auszuführen, mußte er jene Arbeit wieder aufgeben Auf seine Empfehlung hin ging der Auftrag an seinen Bruder Claudius über, der seinerseits wieder seinen Freund Fischer dabei in Thätigkeit setzte. Die dem Herausgeber von ihnen gemeinschaftlich vorgelegten Proben gefielen in so hohem Grade, daß beide sofort mit der Fortsetzung betraut wurden. Diese war aber wohl nur in München thunlich, und so wanderten denn die Freunde nach der neuen Kunst-Metropole. Dem vereinten Fleiße gelang es bald, die Aufgabe zu bewältigen. Nach vollendeter Arbeit kehrte Fischer nicht mehr in seine Heimath in den Bergen zurück, sondern blieb als Schüler der Akademie unter Schlotthauer’s besonderer Leitung in München. Seine Fortschritte waren so ungewöhnlich rasch, daß er schon zu Anfang des Jahres 1832 mit Dr. Ernst Förster und Claudius Schraudolph in’s gelobte Land der Kunst zu gehen unternehmen durfte. Die Freunde arbeiteten dort als Gehilfen Förster’s, dem der damalige Kronprinz Maximilian von Bayern den Auftrag ertheilt hatte, die bedeutendsten Werke altitalienischer Kunst in getreuen Copien zu sammeln. Claudius Schraudolph kehrte früher zurück, Fischer aber verblieb bis zum Jahre 1833 bei Förster und durchwanderte mit ihm Ober- und Mittelitalien, immer seiner bisweilen sehr schwierigen Aufgabe obliegend und immer mit feinstem Gefühle in den Geist seiner Originale eingehend.

Aus Italien zurückgekehrt, arbeitete Fischer einige Zeit bei Schlotthauer. Dieser Periode seiner künstlerischen Thätigkeit gehören die nebst zwei Zeichnungen von seiner Hand im Besitze des Hof-Vergolders Radspieler in München befindliche »Heimsuchung Mariä« und zwei in Relief ausgeführte Engel in der Kirche bei Erfding in der Nähe von Landsberg in Oberbayern an.

Damals waren dem Prof. Heinrich von Heß die Cartons zu den großen Glasgemälden der Auerkirche übertragen worden. Die Arbeit war zu umfangreich, als daß des einen Künstlers Kraft zu ihrer Durchführung hätte hinreichen können. H. Heß trat demzufolge mit dem kunstverwandten Joh. Schraudolph in Verbindung, dem er einen Theil der Aufgabe überließ. Prof. Schraudolph, seinerseits anderwärtig in Anspruch genommen, zog nun Fischer hinzu, und dieser zeichnete darauf unter Schraudolph’s Leitung zunächst die Cartons »die Geburt Christi«, »den Tod Mariä«, die »Kreuztragung«, und »die Grablegung«. Als diese vollendet waren, übertrug H. Heß eine weitere Reihenfolge von Cartons für die nemliche Kirche Fischer zur alleinigen und selbständigen Herstellung ohne Beiziehung Schraudolph’s. Sie wurden wie die ersten in Farben ausgeführt und behandeln nachbezeichnete Gegenstände: »Die Heimkehr Joachim’s«, »die Geburt Mariä«, »die Vermählung Mariä mit Josef«, »die Verkündigung«, »die Heimsuchung«, »den Abschied Christi von seiner Mutter vor der Kreuztragung«, »die Flucht nach Egypten« und »den Tempelgang Mariä.« Letztgenannter Carton trifft bereits in das Jahr 1840.

Dabei blieb ihm noch Zeit für mehrere kleine Staffeleibilder übrig und auch in Glasmalerei führte er ein Paar Figuren aus. Um dieselbe Zeit zeichnete er für den Herzog von Leuchtenberg einen Carton der »Maria mit dem Kinde« zwischen zwei Heiligen zeigte.

Wie schon bemerkt, hatte Fischer gelegentlich auf seiner Reise mit Dr. Förster nur Ober- und Mittel-Italien kennen gelernt. Er war nicht über Florenz hinausgekommen, und was er dort gesehen, hatte nur seine Sehnsucht nach Rom gesteigert. Er machte sich daher nach Vollendung der großen Cartons und nach Ordnung anderer Angelegenheiten im Anfange des Jahres 1843 neuerdings auf den Weg über die Alpen, eilte nach der ewigen Stadt und verblieb dort bis zum Frühlinge des nächstfolgenden Jahres. Fischer pflegte diese Zeit die glücklichste seines ganzen Lebens zu nennen. Sie theilte sich zwischen dem ernstesten Studium der Alten, unter denen besonders Fiesole es war, dessen Werke voll Innigkeit das verwandte Gemüth Fischer’s lebhaft angezogen, und eigenem angestrengten Schaffen. Darin ließ er sich auch durch ein öfter eintretendes körperliches Leiden nur in beschränktem Maße beirren; es bestand in heftigem Kopfschmerz, dem in der Regel Erbrechen folgte.

Als eine Frucht seines Aufenthalts in Rom, wo er sehr zurückgezogen lebte und für seine streng kirchliche Richtung neue Anhaltpunkte gewann, erscheint seine »Heimsuchung Mariä«, die er nach seiner Heimkehr nach Deutschland in München vollendete und welche in den Besitz des Malers Schwarzmann gelangte.

König Ludwig stiftete um jene Zeit eine Anzahl von – Fensterbildern für den Dom zu Cöln. Heinrich von Heß, der den bezüglichen Auftrag erhalten hatte, übertrug drei der dahin gehörigen Cartons Fischer. Er unterzog sich dieser Arbeit mit dem Eifer, der ihn immer beseelte und dem nur seine innerste Hingebung an den Gegenstand gleichkam, in dem er eine neue Gelegenheit fand, den Herrn, seinen Gott, zu preisen, an dessen Lehre er mit kindlich reinem Gemüthe hing. Hatte Fischer schon durch seine bisherigen Leistungen die Aufmerksamkeit der Kenner in hohem Grade auf sich gelenkt und dem Vertrauen allseitig entsprochen, das ihm zu Theil geworden, so trat er mit den neuen Cartons unzweifelhaft in die Reihe der ersten Künstler der Gegenwart ein. Er führte dieselben gleichfalls in der Größe der Gemälde und in Farben aus. Die ihm gegebenen Stoffe waren: »die Predigt Johannes des Täufers«, »die Anbetung der Könige und Hirten«, die »Kreuzabnahme«, »die Ausgießung des heiligen Geistes«, »die Steinigung des Stefanus,« wozu noch eine Anzahl kleinerer Bilder über und unter den Hauptgemälden kamen. Fischer vollendete diese Arbeiten im Jahre 1848. Neben der hohen Bedeutung des Stoffes, der einen Künstler wie Fischer ganz in Anspruch nehmen mußte, waren noch manche äußere Umstände wohl in’s Auge zu fassen und manche durch sie bedingte Schwierigkeiten zu überwinden. Vor Allen mußten nemlich die Compositionen mit dem kolossalsten Werke, das deutsche Baukunst je schuf, in Einklang gebracht werden, ohne sich andrerseits diesem Stile gar zu streng anzuschließen. Es galt, die rechte Mitte zu halten, alte und neue Kunst zu verbinden und dabei weder den Standpunkt der Gemälde, noch auch den unabweislichen Anspruch auf glanzvolle Farbengebung außer Acht zu lassen. Die architektonischen Theile der Gemälde, welche in der berühmten Glasmal-Anstalt in München von Sutner, Biller, Sonner und J. B. Müller ausgeführt wurden, sind von dem Vorstand dieser Anstalt, Aumiller gezeichnet. Fischer ward für diese ausgezeichneten Leistungen von der königlich preußischen Regierung mit der großen goldenen Medaille für bildende Kunst geschmückt.

Mit diesen Cartons schloß Fischer die Reihe derjenigen seiner Arbeiten ab, welche bestimmt waren, mittels der Glasmalerei zur Ausführung zu kommen. Er wendete sich nun mit großer Entschiedenheit der Oelmalerei zu, worin er sich schon früher, und zwar unmittelbar nach Vollendung seiner Cartons für die Maria-Hilf-Kirche in der Vorstadt Au, mit einer »Flucht nach Egypten« und einem »Engelgruß«, versucht hatte, beide nach den für die genannte Kirche gezeichneten Cartons gemalt. Er nahm die Oelmalerei um das Jahr 1848 wieder in Angriff, sich technische Studien sammelnd zu einem großen Gemälde, »die Grablegung Jesu Christi.« Aus dieser Zeit stammt eine weitere »Flucht nach Egypten« und »Simeon und Hanna im Tempel.« Als seine »Grablegung« vollendet war, wurde der Künstler durch deren Aufnahme in die neue Pinakothek in München geehrt, für welche sie König Ludwig sofort erworben hatte. Fischer ging mit Eifer unmittelbar darauf an eine »Kreuzabnahme«, welche er indeß gleichwohl erst später auszuführen vermochte. Diese Unterbrechung wurde nemlich dadurch herbeigeführt, daß ihm die Fürstin von Narischkin den Auftrag ertheilte, für ihre Hauskapelle in Odessa ein gegen 20 Fuß hohes Altarbild zu malen. Obwohl die Fürstin zuerst nur eine Copie der berühmten »Himmelfahrt Mariä« von Murillo aus der Galerie des Marschall Soult gewünscht hatte, ging sie doch bald von diesem Gedanken ab, und Fischer malte nun jenes herrliche Bild: »Maria zwischen sechs Engeln zum Himmel schwebend.« Es ist bekannt, welchen ungewöhnlichen Erfolg diese Arbeit in Kunstkreisen fand, weniger aber dürfte der Umstand bekannt geworden sein, daß die Fürstin, von Entzückung hingerissen, des Künstlers gottbegnadigte Hand küßte.

Nun kehrte Fischer zu seiner »Kreuzabnahme« zurück, der sich eine »Grablegung« und eine »Geburt Christi« anschloß. Zur nemlichen Zeit erhielt einer seiner Freunde die ehrenvolle Bestellung zweier Fresko-Gemälde für die Kirche Stony-Heart in Breston. Er theilte sich mit seinem Freunde Fischer in die Aufgabe und dieser zeichnete auch sofort einen Carton aus dem Leben des heil. Ignatius. Im nächsten Frühjahre, als Beide zur Ausführung ihrer Arbeit nach England abreisen wollten, erkrankte Fischer plötzlich so schwer, ja lebensgefährlich, daß an seiner Stelle ein anderer Künstler das Werk vollenden mußte.

Fischer hatte die letztbezeichneten drei großen Bilder ohne Bestellung gemalt und sie blieben sein Eigenthum. Es war eine schwere Zeit für den Künstler. Seit er die »Himmelfahrt Mariä« für die Fürstin Narischkin gemalt, waren nicht weniger als fünf Jahre und darüber verflossen. Man rühmte seine Arbeiten, aber Niemand kaufte sie, Niemand gab ihm neue Aufträge; dazu kam, daß er fast fortwährend körperlich litt. So groß Fischer’s Gottvertrauen und Ergebenheit war, manchmal war er nahe daran an seiner Zukunft zu zweifeln und nur die Liebe zur Kunst, die ihm Alles war, brachte ihn von dem Gedanken ab, seinem Berufe ganz zu entsagen. Da in der Stunde der höchsten Noth war die Hilfe am nächsten. Der kunstsinnige Bischof Heinrich von Passau, der, als er noch der juristischen Laufbahn folgte, mit ihm ein und dasselbe Haus bewohnt hatte, erinnerte sich seiner und erkundigte sich bei dessen Freund, dem Bildhauer Knabel, den er eben mit Aufträgen betraut hatte, nach seiner Lage. Knabel nahm daraus Veranlassung, dem Bischöfe auseinanderzusetzen, wie Fischer’s rastloses Streben weit weniger Beachtung fände, als es verdiente, und wie das Publicum überhaupt sich der Richtung der Kunst, der Fischer folgte, mehr und mehr entfremde, wie der Künstler seinen körperlichen Leiden und tiefem Seelenschmerze zu erliegen drohe, und wie wenig Hoffnung gegeben sei, daß die Verhältnisse sich zum Besseren wenden würden. Die Folge dieser Unterredung war, daß der Bischof nicht blos die bezeichneten drei Bilder sofort erwarb, sondern auch noch die Bestellung zweier neuer hinzufügte.

Fischer, mit einem Male aus so großer Trübsal erlöst, schien neugeboren und ging, trotz zerstörter Gesundheit, ohne Saumsal an die neue Arbeit. In kurzer Frist ward die »Kreuzschleppung Christi« vollendet; auch den Carton zur »Anbetung der Könige« vermochte er noch herzustellen. Aber nun brachen seine mühsam zusammengehaltenen Kräfte unaufhaltsam zusammen.

Der talentvolle Baumeister Berger, der Restaurator der Frauenkirche zu München, fand ihn auf dem Krankenlager, als er zu ihm kam, um ihn zur Uebernahme der Bilder für den neuen Hochaltar der genannten Kirche aufzufordern. Berger hätte gewiß keine bessere Wahl treffen können, doch Fischer war sich bewußt, daß er seinem Ende nahe. Hocherfreut durch den ruhmvollen Auftrag mußte er ihn doch ablehnen, und derselbe ging in Folge dessen an M. v. Schwind über. Zu Anfang des Jahres 1859 schien es, als ob in seinem Befinden einige Besserung eintreten wollte. Er zeichnete in dieser Zeit, mit einer wahrhaft rührenden Hingebung an seinen Stoff, eine »Geburt Mariä«, einen »englischen Gruß« und eine »Anbetung der Weisen.« Diese Federzeichnungen waren das Letzte, was der Künstler schuf. Er starb am 20. März 1859, sohin im kaum begonnenen 45. Lebensjahre, ruhig bei vollem Bewußtsein.

Es ist schon oben davon Erwähnung gemacht worden, daß Fischer oft sehr leidend war. Das Uebel schien seinen Sitz im Magen zu haben und war äußerst schmerzhafter Natur. Nach einem höchst gefährlichen Anfalle, der ihn im Jahre 1848, fern der Heimat, aber im Hause seines treuen Freundes Hellwegen zu Brunnecken in Tyrol, traf, war seine Gesundheit völlig zerstört und fast jährlich warf ihn sein Leiden auf längere Zeit auf’s Krankenbett.

In Fischer’s Seele war der tiefste Friede. Seine Werke sind der Abglanz seiner Seele. Seine Stellung zwischen den Parteien der Idealisten und Realisten war eine nichts weniger als beneidenswerthe. Die Einen verleugneten ihn, weil er es in starker Selbständigkeit wagte, die Fesseln der Convenienz zu brechen, die über eine gewisse Süßlichkeit der Auffassung und eine krankhafte Mattigkeit des Colorits sich nicht aufzuschwingen vermochte. Die Andern wollten keinen Theil an ihm haben, weil sie ihm über der leuchtenden Harmonie seiner Farbe gleichwohl die Strenge seiner Composition, den heiligen Ernst und die süße Inbrunst seiner Empfindungen nicht vergessen konnten. Mit hohem Sinne für das Schöne begabt, verstand er es, seine Gestalten auf’s Feinste zu idealisiren und in ihnen den tiefen Frieden seines Gemüthes, die ungetrübte Stimmung, das unwandelbare Vertrauen seiner Seele abzuspiegeln. Es ist nichts Gemachtes an ihnen, wir leben in ihrem Anschauen der Gewißheit, daß sie so und gerade so, wie der Künstler sie schuf, lebten und webten. Sie sind immer objectiv gedacht, in der Reinheit und Schönheit ihrer Form tritt uns der reichste Wechsel, der auf’s mannigfachste abgestufte Ausdruck ihres inneren Wesens entgegen. Der strenge Ernst, der alle Arbeiten Fischer’s durchweht, wird durch die überirdische Lieblichkeit seiner Engel und Seligen verklärt und gemildert. Die Linien seiner Kompositionen sind von untadelhafter Harmonie und Klarheit, seine Farbengebung ist leuchtend und manchmal geradezu prächtig Seine warme Empfindung überschritt nie die Grenzen, welche ihr ein scharfblickender Verstand anzuweisen nöthig fand; er wird ebenso wenig sentimental als trocken.

Es gab wohl kaum je einen Künstler von so bedeutender Begabung, dem auch nur die leiseste Spur von Eitelkeit und Selbstüberhebung so ferne lag als ihn. Lob, es mochte offen oder versteckt ausgesprochen werden, glitt an ihm wirkungslos ab. Seine Bescheidenheit ging nach dem Dafürhalten seiner intimsten Freunde manchmal weiter, als ihnen zweckmäßig schien. Eine Klage kam nur höchst selten über seine Lippen, und wie viel Grund hatte er doch zu klagen, er, der jahrelang vergessen schien, während Anderen die schönsten und lohnendsten Aufträge zu Theil wurden! Und geschah es ja einmal, daß er Reue über den eingeschlagenen Lebensweg zu empfinden schien, so war es nichts weiter als eine rasche Aufwallung seines bald wieder in’s stille alte Geleis zurückkehrenden harmlosen Gemüthes. Schweigsam und ernst konnte er in der fröhlichsten Gesellschaft wohl stundenlang wenig oder gar keinen Antheil an dem Gespräch nehmen, aber in seinem innigen Auge spiegelte sich die allgemeine Heiterkeit ab, die ihn umgab. Dabei war er aufopferungsfähig und der treuste Freund. In den letzten Jahren lebte Fischer ziemlich abgeschieden, früher hatte er in ziemlich lebhaftem Verkehr mit Dichtern und Künstlern gestanden, als mit Ludwig Schwanthaler, Franz Graf Pocci, Clem. Brentano, Friedrich Beck, und Andern.

Es folgten ihm Viele zur letzten Ruhestätte, darunter auch Mancher, dem sein Inneres sagen mochte, daß es nun zu spät wäre, das gut zu machen, was er an dem einfachen, anspruchslosen und kindlich vertrauenden Gemüthe des Künstlers gesündigt hatte. Das Rührendste aber war der Anblick seiner greisen Mutter, ihm unverkennbar ähnlich an den Zügen des Antlitzes, welche auf die Nachricht von seiner gefährlichen Erkrankung nach München geeilt, gleichwohl aber zu spät gekommen war, ihrem geliebten Sohne die Augen zu schließen.

Carl Albert Regnet: Münchener Künstlerbilder. Ein Beitrag zur Geschichte der Münchener Kunstschule in Biographien und Charakteristiken. Leipzig, 1871.

#Allgemeines Künstler-Lexicon (1895)

Fischer, Joseph Anton, Historienmaler, geb. 28. Febr. 1814 zu Oberstdorf im Algäu, † 20. März 1859 in München, wo er Schüler der Akademie unter Schlotthauer war. Seit 1832 eignete er sich in Italien die ganze Gefühlsinnigkeit des Fiesole an und malte nur religiöse Gegenstände. Nach seiner Rückkehr arbeitete er 1834–40 unter Heinr. Hess für die Fenster der Mariahilfkirche in München an den Cartons, die sich in der Neuen Pinakothek befinden, und nach einem zweiten Besuch in Italien entwarf er 1844–48 die Farbencartons zu mehreren Glasgemälden des Kölner Domes (ebenfalls daselbst). Unter seinen übrigen religiösen Bildern sind zu nennen: eine Anbetung der Könige, Heimsuchung Mariä, Simeon und Hanna im Tempel, Grablegung Christi (1849), Maria von Engeln zum Himmel emporgetragen, Flucht nach Aegypten (1850, Rudolfinum in Prag), Thronende Madonna u. A.

Allgemeines Künstler-Lexicon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Vorbereitet von Hermann Alexander Müller. Herausgegeben von Hans Wolfgang Singer. Erster Band. Frankfurt am Main, 1895.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Fischer Josef Anton, 1814 (Oberstdorf/Allgäu) – 1859, Historien- und Kirchenmaler; er war ein Hirtenbub, ehe er sich der Zeichnungsschule des alten Schraudolph in seiner Heimat zuwendete und dann bei J. Schlotthauer) in München sich zum Maler ersten Ranges ausbilden ließ; F. gehörte zur »Künstlergesellschaft zu den drei Schilden« (mit Schwanthaler, Ohlmüller, Schlotthauer, Graf von Pocci, den Brüdern Schraudolph, Brentano und Görres); 1832 war F. in Italien, um alte Meister zu kopieren, dort begeisterte er sich besonders an den Präraffaeliten und schloß sich den Nazarenern unter Overbeck an; unter P. von Hess malte F. die Maria-Hilf-Kirche in München-Au aus (Kreuztragung und Grablegung, Maria an der Goldenen Pforte, Mariae Geburt, Vermählung, Englischer Gruß, Anbetung der Weisen, Darstellung im Tempel und Flucht nach Ägypten); er malte ausschließlich religiöse Bilder, die viele heimatliche Kirchen und die Bayerische Staatsgemäldesammlung besitzen, sowie Kartons zu Glasgemälden im Kölner Dom und in der Maria-Hilf-Pfarrkirche in München-Au.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#14 – 2 – 30 (n. n.)


(Juni 2017)

#14 – 2 – 32* (Bärenhart)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Bärenhart, Rudolf; 1814 (Carlsburg, Siebenbürgen) – 10.12.1836 (München); Bildhauer

Das Grab ist nicht erhalten


#Rudolf Bärenhart

* 1814 (Carlsburg, Siebenbürgen)
† 10.12.1836 (München)
Bildhauer

#Museum der eleganten Welt (1836)

Hagar in der Wüste,
von
Rudolp Bärenhart, Bildhauer aus Wien.

Vor wenigen Tagen ist die Hagar in der Wüste von dem durch tiefes Studium und eisernen Fleiß sich auszeichnenden jungen Künstler Bärenhart im Hautrelief vollendet worden.

Wir haben diese Hagar schon von vielen Künstlern in Gemälden und in der Plastik ausgeführt gesehen, aber noch kein Werk dieser Art trug so sehr den Stempel der richtigen geschichtlichen Auffaßung, als wie das obengenannte in Idee und Darstellung gleich großartige Hautrelief des Herrn Bärenhart.

Das Geschichtliche der Hagar in der Wüste, welche als Sclavin nach der biblischen Geschichte und den damaligen Zeitverhältnissen, sammt ihrem Kinde von ihrem Herrn verstoßen ward, ist unsern Lesern ohnehin bekannt, so wie auch, daß die Mutter in der Wüste sammt ihrem Kinde dem Verschmachten nahe war, als der Hagar im Vertrauen auf die Vorsehung ein Engel erschien und ihr eine Quelle wies.

Aus diesem Geschichtlichen bildete nun Hr. Bärenhart seine Composition und führte seine Idee auf sehr ästhetische Weise aus. Er formirte in seinem Hautrelief mehrere Piramidal-Gruppen, die in ein simetrisches Ganzes ausgehen; die erste Piramidal-Gruppe bildet sich durch die Hagar mit dem zu ihren Füßen verschmachtenden Sohne, dem Reisebündel und dem leeren umgestürzten Wassergefäße; die zweite durch den Engel, dem obengenannten Kinde und der Quelle; dann die Dritte, durch das Kind und das umgeworfene Wassergefäß, und endlich die Vierte, welche die Hauptgruppirung bildet, und in sich alle zur unmittelbaren Gruppirung gehörenden Gegenstände schließt, gestaltet sich von dem Kopf des Engels rechts zur Quelle und links zum Reisebündel.

Hr. Bärenhart hat in den dargestellten Figuren sein tiefes psichologisches Studium bewährt. Der Ausdruk der leidenden trostlosen Mutter, das Hinweisen auf ihr verschmachtendes Kind, ist wahrhaft von hohem Kunstsinn zeugend; die hehre Gestalt des Engels trägt den Stempel göttlicher Abkunft und Milde, womit er der Mutter die Quelle weist; worin aber unsers Erachtens die größte Kunst sich herausstellt, und wovon der fühlende Mensch am meisten ergriffen wird, ist das verschmachtende Kind zu den Füßen der Mutter.

Die Komposition zeigt den geläuterten ästhetischen Geschmak. Was die Ausführung betrifft, dürfte, wie der junge Künstler selbst einsehen wird, so Manches, für Künstler nur zu Bemerkende, mehr geübt werden.

Wenn je ein junger Mann durch Fleiß und Ausdauer sich die Protektion einer hohen Mecänatin verdient hat, so ist es ganz gewiß Hr. Bärenhart.

Es wäre zu wünschen, daß dieses Hautrelief vor Absendung nach Wien, wohin es bestimmt ist, noch im hiesigen Kunstvereine aufgestellt würde. Dasselbe ist 7 Fuß hoch und 5½ Fuß breit.

Bei dieser Gelegenheit kommen wir darauf zurük, daß in der Wiener-Theater-Zeitung vom 2. Dezember 1834 schon eine sehr rühmliche Kritik über seine ersten Werke der Bildhauerkunst stund, nämlich über eine Gruppe aus der Sündfluth, welche sich gegenwärtig im Besiz des Hr. Grafen von Palfy in Wien befindet, dann Ariadne auf Naxos, welche dieser geniale Künstler in dem Zeitraume eines Jahres vollendete, und sich bei allen Beschauern die vollste Bewunderung erwarb, daher aber auch den Grundstein zu dem Gebäude einer glüklichen Zukunft legte.

Hr. Bärenhart berechtigt zu der Hoffnung als Künstler in wenigen Jahren eine Zierde seines Vaterlandes zu werden, besonders, da sein Streben nur dahin geht, sich so zu vervollkommnen, daß er seiner hohen und mächtigen Wohlthäterin durch rastloses Ringen nach möglichster Ausbildung seinen Dank darbringen könne.

Hr. Bärenhart wohnt in der Ludwigsstraße Nro. 1 zu ebner Erde.

Museum der eleganten Welt Nr. 31. München, 1836.

#Allgemeine Zeitung (11.12.1836)

Deutschland.

München, 9 Dec. Folgendes ist der heutige Stand der Brechruhrkranken: Vom vorigen Tage verblieben 256, neue Erkrankungen 31, ganzer Stand 287; genesen 52 (33 mehr als gestern), gestorben 17 (1 mehr als gestern), bleiben in Behandlung 218. Im Landgerichtsbezirk München war am 7 Dec. folgendes der Stand der Kranken: 19; genesen keiner; gestorben; in ärztlicher Behandlung verblieben 15. Vorbeugend behandelt 11. Unter den Verstorbenen hat man besonders einen jungen Künstler aus Wien, Hrn. Bernhard*, zu bedauern, der mit Unterstützung I. k. H. der Erzherzogin Sophie sich hier in der Bildhauerkunst zu vervollkommnen eifrig beflissen war. Seine große Arbeit, eine Ariadne, wurde schon vo zwei Jahren in Wien allgemein bewundert. Man war überzeugt, daß er sich bald in den ersten Rang der Künstler seines Faches emporschwingen würde. Doch er erlag in seinem 25sten Jahre den Folgen der Krankheit, nachdem man ihn fast schon wieder hergestellt glaubte.

* In den Todtenanzeigen finden wir den Namen des Künstlers Bernhard Rudolph angegeben. Der Irrthum in einer dieser Angaben scheint durch die Verwechslung des Taufnamens veranlaßt.

Allgemeine Zeitung No 346. Augsburg; Sonntag, den 11. Dezember 1836.

#Augsburger Postzeitung (12.12.1836)

Unter den an der Brechruhr Verstorbenen hat man besonders einen jungen Künstler aus Wien, Hrn. Bernhard, zu bedauern, der mit Unterstützung Ihrer kaiserl. Hoheit Erzherzogin Sophie sich hier in der Bildhauerkunst zu vervollkommnen eifrig beflissen war. Seine große Arbeit, eine Ariadne, wurde schon vor 2 Jahren in Wien allgemein bewundert. Man war überzeugt, daß er sich bald in den ersten Rang der Künstler seines Faches emporschwingen würde.

Augsburger Postzeitung Nro. 347. Montag, den 12. Dezember 1836.

#Allgemeine Zeitung (13.12.1836)

München, 11 Dec. Folgendes ist der heutige Stand der Brechruhrkranken: Vom vorigen Tage verblieben 222, neue Erkrankungen 24, genesen 9, gestorben 12 (wie gestern), bleiben in ärztlicher Behandlung 225. (Die Berichte von den Landgerichtsbezirken Au und München folgen morgen.) Bei dem heute eingetretenen kalten Wetter hoft man fortdauernd auf Verminderung der Krankheit und der Todesfälle. – Der in meinem letzten Briefe erwähnte hier verstorbene junge Künstler aus Wien war unter dem Namen Bernhard hier bekannt, und von dem in der Todtenanzeige ihm beigefügten Namen Rudolph ist mir nichts bekannt.

Allgemeine Zeitung No 348. Augsburg; Dienstag, den 13. Dezember 1836.

#Augsburger Postzeitung (20.12.1836)

Die Bildhauerkunst hat durch den Tod des talentvollen Rudolph Bärenhart (nicht Bernhart), dessen wir in früheren Berichten erwähnten, einen großen Verlust erlitten. Er starb nach langen Leiden, ein hoffnungsvoller Jüngling in den Stufen der Meisterschaft.

Augsburger Postzeitung Nro. 355. Montag, den 20. Dezember 1836.

#Die Bayer’sche Landbötin (30.9.1837)

Bekanntmachung.

In der Ludwigstraße 1/1, bey’m Oelfabrikanten Johann Hahn wird der in Kleidern, Wäsche, einigen Büchern, silberbeschlagenen Meerschaumköpfen und andern Effekten bestehende Rücklaß des Bildhauers Rudolph Bärenhart aus Wien kommenden Dienstag, den 3. October
von 9 bis 12 und 2 bis 6 Uhr
gegen sogleich baare Bezahlung an die Meistbietenden gerichtsöffentlich verkauft, wozu Kaufsliebhaber eingeladen werden.

Am 26. September 1837.
Königl. Kreis- und Stadtgericht
München.
(L. S) G. v. Lerchenfeld, Dir.
v. Winter.

Die Bayer’sche Landbötin Nro. 117. München; Samstag, den 30. September 1837.

#Der Oesterreichische Zuschauer (14.2.1838)

Notizenblatt.

Bärenhart's Gruppe: Ariadne und Bachus.

Der größte Theil der älteren Leser dieser Blätter wird sich unseres Urtheiles über die von Rudolph Bärenhart (recte Joseph Bernhard) verfertigte Gruppe: Ariadne und Bachus, in Nr. 79 und 94 der »Feierstunden« des Jahrganges 1835, erinnern. Während einige Blätter, deren Referenten entweder einem äußeren Einfluß erlagen oder nicht berufen waren, in einer Sache der Kunst ein Urtheil zu geben, sich über diese, damals öffentlich ausgestellte Gruppe mit dem ungemessensten Lobschwalle aussprachen und Alles thaten, um für den Verfertiger eine Partei zu gewinnen: sprachen wir ohne ein anderes Motiv, als den Eifer für die Kunst, eine tadelnde Ansicht aus. Wir sagten es geradezu, daß der Künstler, durch die Lobhudeleien seiner Freunde irre geführt, von weiterer Vervollkommnung abgehalten und der Kunst verloren gehen würde. Mancher wird sich noch erinnern, wie übel dieses unser leidenschaftsloses Wort von der Gegenpartei aufgenommen worden. Verläumdung, Geträtsch und Verkennung unserer besten Absicht war die Folge davon. Heute, nach fünf Jahren, wo jene des, am 7. December 1836 zu München verstorbenen Rudolph Bärenhart dem Concurse anheimgefallene Gruppe, nur auf 200 fl. geschätzt, auch um diesen geringen Preis in der öffentlichen Licitation nicht an Mann gebracht werden konnte; nun, nachdem die Erfahrung gelehrt hat, wie der, allerdings mit einigen Anlagen begabte, aber in jugendlicher Überschätzung seiner Kraft, in dem Trotze, den er an der hiesigen Akademie seinen Lehrern entgegengesetzt hatte und durch die Lobhudelei feiler Krittler bis zur Verblendung gebrachte junge Künstler, weder in noch außer seinem Vaterlande irgend etwas Namhaftes geleistet hat und als ein Opfer verkannter Kraft und mißhandelter Kunst dahingegangen ist, sei es uns vergönnt, Diejenigen, welche uns damals so schonungslos angegriffen, auf diese Thatsachen zu erinnern; es sei uns gewährt, in dieser Sache, so wie wir's in vielen andern könnten, mit einigem Stolz auf jene Wahrheitsliebe, auf jenes edlere und bessere Streben hinzuweisen, dem wir immer getreu geblieben. Möchte aber nun jene Riesengruppe: »Ariadne und Bachus,« welche von den lobhudelnden Stimmen damals das größte Kunstwerk Wiens gepriesen worden – möchte es nun, da es um den wohlfeilsten Preis von den getäuschten Gläubigern ausgeboten wird, von eben jenen Beurtheilern, welche an dem verkehrten Streben ihres Fertigers und der vereitelten Laufbahn desselben unläugbare Schuld tragen, zur Sühne angekauft und als eine Erinnerung bewahrt werden: Daß die Wahrheit in Kunst und im Leben am Ende doch jedes Mal siege; daß der Schaden, welchen eine parteiische und lobhudelnde Kritik jungen Talenten bringe, unberechenbar sei und auf das Haupt derjenigen zurückzufallen verdiene, welche bei Aussprüchen über Kunst und Wissenschaft weder ihr Gewissen, noch ihre Pflicht zu Rathe gezogen. E.

Der Oesterreichische Zuschauer Nr. 20. Zeitschrift für Kunst, Wissenschaft und geistiges Leben. Mittwoch, den 14. Februar 1838.

#Salzburger Wacht (12.10.1933)

Tagesneuigkeiten

Der Wiener Rochus-Platz heißt jetzt Ziehrer-Platz. Wien, 11. Oktober. Der Gemeinderatsbeschluß für allgemeine Verwaltungsangelegenheiten hat beschlossen, den Rochus-Platz auf der Landstraße in Ziehrer-Platz und die noch nicht ausgebaute Ziehrer-Gasse auf dem Heuberg nach dem Bildhauer Rudolf Bärenhart Rudolf-Bärenhart-Gasse umzubenennen. Die Erläuterungstafeln werden folgende Aufschrift tragen: »Carl Michael Ziehrer (1843–1922), Wiener Tanzkomponist« und »Rudolf Bärenhart (1814–1837), Bildhauer«.

Salzburger Wacht Nummer 236. Organ für das gesamte werktätige Volk im Lande Salzburg. Donnerstag, den 12. Oktober 1933.

#14 – 2 – 42 (Meisenbach · Pillmann · Wolf)


Hans Pillmann,
geb. 23. Nov. 1858, gest. 20. Mai 1879.
Helene Wolf geb. Pillmann,
geb. 20. März 1857, gest. 26. Juni 1879.
Frau Johanna Meisenbach
verw. Pillmann
geb. 10. Nov. 1835 gest. 4. Okt. 1892.
Georg Meisenbach, Rentier,
geb. 27. Mai 1841, gest. 24. Sept. 1912.

Friede ihrer Asche!

Babenstuber

Sockel-Tafel
Die Inschrift ist nicht erhalten


  • Meisenbach, Georg; 27.5.1841 (Nürnberg) – 24.9.1912 (Emmering bei Fürstenfeldbruck); Kupferstecher und Erfinder der Autotypie
  • Pillmann, Johanna (vw) / Meisenbach (gb); 10.11.1835 – 4.10.1892
  • Pillmann, Hans Georg; 23.11.1858 – 20.5.1879 (München); Kunstanstaltbesitzers-Sohn
  • Wolf, Helene (vh) / Pillmann (gb); 20.3.1857 – 26.6.1879 (Diessen); Kunstanstaltsbesitzers-Gattin

Todesanzeige für Hans Georg Pillmann

Todesanzeige für Helene Wolf

Grab der Familien Meisenbach · Pillmann · Wolf auf dem Alten Südfriedhof München (April 2015)

#Georg Meisenbach

* 27.5.1841 (Nürnberg)
† 24.9.1912 (Emmering bei Fürstenfeldbruck)
Kupferstecher und Erfinder der Autotypie

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Meisenbach Georg, 1841 (Nürnberg) – 1912. Er ist der Erfinder der Autotypie, eines Verfahrens, das ermöglicht, mittels eines Liniennetzes auf Glas (Raster) von jedem Original ein sogenanntes Halbtonnegativ herzustellen. Wegen ihrer Vorzüge (naturgetreue Wiedergabe, rascheste und billigste Herstellung der Druckplatte und Verwendungsmöglichkeit für den farbigen Buchdruck) hatte sich dieses photomechnische Bildreproduktionssystem in kürzester Zeit zu einer Weltindustrie entwickelt.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#14 – 2 – 43 (Seyfried)


Familie Seyfried

Anton Seyfried
Bibliothekar † 1878
Toni Seyfried
† 1889
August Seyfried
Kaufmann † 1902
Antonie Seyfried
† 1930


  • Seyfried, Anton; – 12.8.1878 (München), 55 Jahre alt; Ministerialbibliotheksfunktionär und Schriftsteller
  • Seyfried, Antonie; – 1930
  • Seyfried, August; – 10.10.1902 (München); Kaufmann
  • Seyfried, Toni; – 19.4.1889 (München), 2 Jahre alt; Kaufmanns-Sohn

Todesanzeige für Anton Seyfried

Todesanzeige für Toni Seyfried

Todesanzeige für August Seyfried

Todesanzeige für August Seyfried

Illustration zu »Pudl und Schnauzl« aus »Bei uns dahoam«

Grab der Familie Seyfried auf dem Alten Südfriedhof München (April 2015)

#Anton Seyfried

† 12.8.1878 (München), 55 Jahre alt
Ministerialbibliotheksfunktionär und Schriftsteller

#Bayerische Zeitung (12.1.1867)

Feuilleton.

(Zum k. Hof- und National-Theater.) Der Anfang dieser Woche brachte eine schon seit längerer Zeit angekündigte kleine Novität, für welche die allerjüngste Vergangenheit den Stoff geliefert hat. Sie nennt sich: »Nach'm Krieg«, und will nichts sein als eine bescheidene »ländliche Scene;« der Verfasser ist Hr. Anton Seyfried, bekannt und beliebt als Mitarbeiter der Fliegenden Blätter. Das Süjet ist höchst einfach und läßt sich wohl in folgenden Worten erschöpfend bezeichnen: Ein todtgeglaubter Sohn, bayerisches Kürassier, kehrt zu seinen Aeltern und zu seiner Geliebten zurück und heirathet letztere. Vorher herrscht viel Trauer, dann viel Freude, beides ausgedrückt durch sinnige Lieder und in der treuherzigen Sprache des bayerischen Gebirges. Auch an harmlosen Anspielungen auf die jüngsten Vorgänge fehlt es nicht. In Bezug auf die Musik beschränken wir uns darauf, zu constatiren, daß sie wie das ganze Stückchen, mit Beifall aufgenommen wurde, ein Erfolg, zu welchem auch die angemessene Besetzung der Rollen wesentlich mitwirkte.

Bayerische Zeitung Nr. 12. München; Samstag, den 12. Januar 1867.

#Tag- & Anzeigeblatt (12.12.1868)

Politische Nachrichten.

München, 10. Nov. Se. Maj. der König hat dem Verfasser der Gedichte in altbayerischer Mundart (Altbayrische G'schichteln und G'sangeln, Fleischmann, München) Herrn Anton Seyfried, Funktionär im k. Staatsministerium des Innern, durch den Kabinetssekretär, Herrn Ministerialrath Lipowsky, für die Uebersendung des Werkchens danken und die wohlgefällige Anerkennung des Strebens des Verfassers aussprechen und mittheilen lassen, daß Se. Maj. das Werkchen Seiner Privat-Bibliothek einverleibt habe.

Tag- & Anzeigeblatt für Kempten und das Allgäu Nro. 287. Samstag, den 12. Dezember 1868.

#Münchener Bote für Stadt und Land (21.10.1877)

Bei uns dahoam.

Unter diesem Titel sind im Verlag von Braun und Schneider dahier Gedichte in altbayrischer Mundart von Anton Seyfried erschienen. Schon der Umstand, daß dieses hübsche Werkchen, geziert mit den trefflichsten Illustrationen von unseren rühmlichst bekannten Künstlern Fröhlich, Heil, Oberländer, Stauber etc. sich im Verlag der Herausgeber der »Fliegenden Blätter« befindet, die ja seit einer Reihe von Jahrzehnten die deutsche und ausserdeutsche Welt besser wie irgend Jemand mit dem bayrischen Volkshumor vertraut gemacht haben, ist eine ganz vorzügliche Empfehlung für dasselbe. Im Uebrigen hat diese Dialectdichtung auch bereits von anderer competenter Seite ehrende Beachtung gefunden und war es namentlich Se. k. Hoh. Herzog Maximilian, der den Dichter dafür mit der silbernen Medaille auszeichnete. Und in der That weht aus den Seyfried'schen Gedichten der frische Geist ächt altbayrischen Volkslebens, wie uns dasselbe vom Verfasser, wenn wir nicht irren, schon zu öfterem in den obengenannten Blättern recht treuherzig vorgeführt wurde. Namentlich ist es der biderbe Ton, der dem wackeren Schüler des Altmeisters Kobell gelingt; [...]

Münchener Bote für Stadt und Land No. 249. München; Sonntag, den 21. Oktober 1877.

#Bayerischer Kurier (3.11.1877)

Literarisches.

Bei uns dahoam. Gedichte in altbayerischer Mundart von Anton Seyfried. München, Braun und Schneider. Ein großer Theil dieser gemüthlichen, ächt altbaerischen und deshalb von gesundem Humor durchwehten Dichtungen ist bereits in den »Fliegenden Blättern« erschienen und wir möchten den Griesgram kennen, der nicht laut auflachen mußte, wenn er die im Büchlein an erster Stelle eingerihten Gedichte: »Im Himmi«, »in da Höll« gelesen. Das ist nur ein Beispiel, wir könnten deren aber leicht ein paar Dutzend anführen. Man braucht jedoch das Büchlein nur in die Hand zu nehmen und auf Gerathewohl die nächst beste Seite aufzuschlagen um unser Urtheil bestätigt zu finden. Wir wünschen, daß Seyfrieds »Bei uns dahoam« recht bald überall daheim sei.

Ist dasselbe in der Hauptsache, dem Inhalte nach, der besten Empfehlung würdig, so darf die Ausstattung nichtg stillschweigend übergangen werden. Papier und Druck sind gleich schön, und die zahlreichen Illustrationen, von Künstlern wie Fröhlich, Heil, Oberländer, Stauber gezeichnet, in Holzschnitt meusterhaft ausgeführt. Wir wünschen dem Werke bald in zweiter, vermehrter Auflage zu begegnen!

Bayerischer Kurier No. 304. München; Samstag, den 3. November 1877.

#Neueste Nachrichten (15.8.1878)

Am verflossenen Dienstag wurde die irdische Hülle des in weiten Kreisen bekannten und beliebten Bibilothekars des kgl. Staatministeriums des Innern Anton Seyfried unter zahlreichem Geleite seiner Freunde, insbesondere der Mitglieder des kgl. Hoftheaters, zur Erde bestattet. Mit seiner Hülle wurde ein Herz von seltener Güte und Freundschaft, ein Gemüth voll rührender Innigkeit und Schlichtheit, ein fester Charakter zu Grabe getragen, Vorzüge, welche sich in allen seinen literarischen Arbeiten wiederspiegelten. Er war langjähriger Mitarbeiter der »Fliegenden Blätter« und schrieb reizende humoristische Gedichte in altbayerischer Mundart, deren letzte Sammlung unter dem Titel: »Bei uns Dahoam« unlängst erschienen ist und weit über Bayern hinaus allgemeine Anerkennung gefunden hat. Sein Humor machte ihn zum Liebling der ersten Gesellschaft Münchens; insbesondere war Seyfried eine Zierde und Stütze der Gesellschaft »Hölle«. Wir haben von den seltenen, einfachen und bescheidenen Gemüths- und Dichterleben wieder eines weniger.

Neueste Nachrichten Nr. 227. München; Donnerstag, den 15. August 1878.

#14 – 2 – 45 (n. n.)


(Januar 2021)

#14 – 2 – 48 (Fischer · Giehrl)


Hier ruhen:
Herr Josef Giehrl,
k. Professor der Akademie der Tonkunst
geb. 18. Septbr. 1857, gest. 24. April 1893.
Herr Dr. Josef von Giehrl,
kgl. Ministerialrath,
geb. 12. Januar 1825, gest. 7. Juni 1893.
Frau Anna von Giehrl,
geb. Aschenbrenner,
Ministerialraths-Wittwe
geb. 12. Mai 1830, gest. 9. Novbr. 1912.
Fraülein Anna Giehrl,
Ministerialraths-Tochter,
geb. 22. April 1855, gest. 27. Dezbr. 1917.

R. I. P.

Sockel
Grabstätte
der Familie Giehrl.

J. Lallinger

Rechte Seite
Katharina Giehrl
Sekretärs-Wittwe
geb. 2. Februar 1794
gest. 19. Dezember 1880


  • Fischer, Alois; 21.2.1826 (Steinweg bei Regensburg ) – 8.1.1887 (München); Advokat und Rechtsanwalt
  • Giehrl, Anna von (vw) / Aschenbrenner (gb); 12.5.1830 – 9.11.1912; Ministerialrats-Witwe
  • Giehrl, Anna; 22.4.1855 – 27.12.1917; Ministerialrats-Tochter
  • Giehrl, Josef von, Dr.; 12.1.1825 – 7.6.1893; Ministerialrat
  • Giehrl, Josef; 18.9.1857 – 24.4.1893 (München); Pianist, Komponist und Klavierlehrer
  • Giehrl, Katharina; 2.2.1794 – 19.12.1880; Sekretärs-Witwe

Todesanzeige für Josef Giehrl

Grab der Familien Fischer · Giehrl auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#Alois Fischer

* 21.2.1826 (Steinweg bei Regensburg )
† 8.1.1887 (München)
Advokat und Rechtsanwalt

#Neueste Nachrichten (12.1.1887)

Lokales.

München, den 12. Januar.
(Beerdigung.) Gestern Nachmittags 3 Uhr fand auf dem südlichen Friedhofe die Beerdigung des k. Advokaten Alois Fischer statt. Eine große Anzahl Leidtragender, darunter der k. Landgerichtspräsident Frh. v. Leonrod, Oberregierungsrath Reißenbach, mehrere Räthe des k. Oberlandes- und Landgerichts München I, ferner viele Offiziere und Rechtsanwälte, eine Deputation des Korps »Palatia«, folgten dem reichgeschmückten Sarge. Der Grabrede des Stadtpfarrers Thoma ist zu entnehmen, daß der Verstorbene zu Steinweg bei Regensburg am 21. Februar 1826 geboren wurde, das Gymnasium Regensburg absolvirte und dann die Universität München bezog, um sich dem Studium der Jurisprudenz zu widmen. Nach glänzendem Examen ging er als Praktikant nach Ebersberg, dann wirkte er 10 Jahre hier als Rechtskonzipient und wurde am 1. Mai 1863 zum k. Advokaten ernannt. Am 17. Mai desselben Jahres verehelichte er sich mit Fräulein Mathilde von Hohenhausen, mit welcher er fast 24 Jahre in der glücklichsten Ehe lebte. Sechs Kinder entsprossen dieser Ehe. Seit vielen Jahren von einem Leiden befallen, ertrug er dasselbe mit großer Willensstärke, bis ihn im Jahre 1881 eine schwere Krankheit an den Rand des Grabes brachte. Seit dieser Zeit erholte er sich nicht mehr ganz und am vergangenen Samstag schied er unvermuthet aus diesem Leben.

Neueste Nachrichten und Münchener Anzeiger No. 12. München; Mittwoch, den 12. Januar 1887.

#Josef Giehrl

* 18.9.1857
† 24.4.1893 (München)
Pianist, Komponist und Klavierlehrer

#Der Sammler (17.7.1877)

Musik.

München, 15. Juli. Das zweite öffentliche Prüfungskonzert der kgl. Musikschule zeigte im Allgemeinen ebenso erfreuliche künstlerische Resultate wie das erste. Hervorragend war vor Allem wieder das Klavierspiel vertreten. Herr von Duniecki spielte das Beethoven'sche es-dur-Konzert, oder vielmehr leider nur dessen ersten Satz, in jener nach Seite der Technik, wie des Vortrages fertigen, klaren und bedeutsamen Weise, welche an des jungen Mannes Vorträgen schon seit Jahren zu schätzen sind. Ein Neuling trat Hr. Josef Giehrl mit Schubert's »Wandererphantasie,« von Liszt orchestrirt, vor das Publikum. Das Stück ist theilweise recht undankbar, weil zu aufdringlich instrumentirt, so daß nicht selten die schönsten Klavierpassagen gedeckt werden; es stellt daher vor Allem die größten Anforderungen an die Kraft des Spielers, Anforderungen, denen Giehrl glänzend gerecht wurde. Wie empfindungsvoll und ächt musikalisch trug er ferner die Gesangstellen vor, wie brillant die schwierigen Passagen!

Der Sammler Nr. 85. Belletristische Beilage zur »Augsburger Abendzeitung«. Dienstag, den 17. September 1877.

#Neueste Nachrichten (3.12.1880)

München, 2. Dezember.

— Montag den 6. ds. veranstaltet der Pianist Herr Josef Giehrl, durch seine früheren Leistungen als Schüler der hiesigen k. Musikschule wohl noch im besten Andenken stehend, nach Beendigung seiner Studien bei Meister Franz Liszt unter gütiger Mitwirkung der k. Hofopernsängerin Frau Weckerlin und des k. Concertmeisters Herrn Walter ein Concert im großen Museumssaale.

Neueste Nachrichten Nr. 338. München; Freitag, den 3. Dezember 1880.

#Neueste Nachrichten (9.12.1880)

München, 8. Dezember.

Der Pianist Herr Josef Giehrl, früher Eleve der hiesigen Musikschule, gab vorgestern im Saale des Museums sein erstes Concert, und zwar mit einem Erfolg, zu dem man dem jungen Künstler nur gratuliren kann. Der Saal war überfüllt, das Auditorium, unter welchem wir I. K. Hoh. Prinzessin Ludwig, Herrn Staatsminister Dr. v. Lutz, Frhr. v. Perfall u. A. erblickten, zeigte, mit welch' großem Interesse in Musikkreisen man diesem Abend entgegensah. Die feine Auffassung und Empfindung, die glänzende Wiedergabe und große Technik bei Durchführung von Werken verschiedener Meister, wie Beethoven, Rheinberger, Schubert, Schuhmann, Chopin, Liszt und Rubinstein, haben die noch so hohen Erwartungen übertroffen und reichen und wohlverdienten Beifalles konnte sich der junge und hochbegabte Künstler bei seinem ersten Auftreten in seiner Vaterstadt erfreuen.

Neueste Nachrichten Nr. 344. München; Donnerstag, den 9. Dezember 1880.

#Allgemeine Zeitung (25.4.1893)

Bayerische Chronik.

München, 24. April.

Todesfall. Heute Mittag ist Joseph Giehrl, k. Professor an der Akademie der Tonkunst, nach längerem Leiden gestorben. Diese Nachricht wird im musikalischen München und darüber hinaus das schmerzlichste Bedauern wachrufen. Der Verblichene war als Mensch wie als Künstler in den weitesten Kreisen beliebt und hochgeachtet. Besonders für das Concertleben Münchens wird die nimmermüde Kraft des feinsinnigen Pianisten, der insbesondere als Chopin-Spieler kaum einen Rivalen hatte, des unübertrefflichen Accompagnateurs, als welcher er unsern Sängern, insbesondere Eugen Gura, ein unschätzbarer Genosse war, kaum ersetzt werden können. Seines tückischen Leidens nicht achtend, hat der junge Künstler bis vor wenigen Wochen seine letzten Kräfte im Lehrberuf aufgerieben. Trauernd sahen seine zahlreichen Freunde die unabwendbare Katastrophe nahen, die nun einem erfolgreichen Künstlerleben ein frühes Ende bereitet hat.

Allgemeine Zeitung Nr. 114. München; Dienstag, den 25. April 1893.

#Rosenheimer Anzeiger (25.4.1894)

Bayerische Nachrichten.

München, 23. April. (Stipendienstiftung.) Morgen am 24. ds. Mts. jährt sich der Todestag des unvergeßlichen Giehrl. Zum Andenken an ihn hat eine ungenannt sein wollende Persönlichkeit (welche übrigens nicht in hiesigen musikliebenden Kreisen zu suchen ist) mit der Summe von 18000 Mk. eine Stipendienstiftung errichtet, welche den Namen des Verblichenen trägt und für Studierende des Klavierspiels an der Akademie der Tonkunst bestimmt ist.

Rosenheimer Anzeiger No. 93. Mittwoch, den 25. April 1894.

#14 – 2 – 49 (Bila · Hohenhausen)


Hier ruhen
Ferdinand Freyherr v. Hohenhausen
k. b. quiesc. Kreis-Landbau-Inspektor
geb. 29. April 1782, gest. 26. April 1852,
und dessen Gattin
Flora Freyfrau v. Hohenhausen
geb. v. Bila,
geb. 21. März 1809, gest. 3. August 1855.
deren Mutter
Christiana v. Bila,
k. preuss. Generals-Witwe
geb. 1. Juli 1773, gest. 17. Dezbr. 1839.


  • Bila, Christiana von (vw); 1.7.1773 – 17.12.1859 (München); Generals-Witwe
  • Hohenhausen, Ferdinand Freiherr von; 29.4.1782 – 26.4.1852 (München); Kreislandbauinspektor
  • Hohenhausen, Flora Freifrau von (vw) / Bila, von (gb); 21.3.1809 – 3.8.1855 (München); Kreislandbauinspektors-Witwe

Todesanzeige für Christiana von Bila

Grab der Familien Bila · Hohenhausen auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#14 – 2 – 54 (Baur)


Hier ruhen
Johann Georg Baur
Hofhutmacher
* 5.6.1775 † 28.4.1833
Katharina Baur geb. Hutter
* 28.10.1775 † 8.3.1819
Josef Baur
Hofhutmacher
* 23.10.1806 † 3.10.1869
Anna Baur geb. Ilg
* 8.11.1818 † 26.5.1880
Josef Baur
Privatier, Ehemal. Hofhutmacher
* 2.9.1841 † 15.6.1887
Anna Baur geb. Kaiser
* 10.11.1840 † 1.12.1920
Karl Baur
Realitätenbesitzer
* 8.11.1848 † 11.3.1899
Franziska Baur geb. Werle
Realitätenbes: Witwe
* 27.3.1852 † 12.6.1938

R. I. P.


  • Baur, Anna (vw) / Ilg (gb); 8.11.1818 – 26.5.1880 (München); Hofhutfabrikantens-Witwe
  • Baur, Anna (vw) / Kaiser (gb); 10.11.1840 – 1.12.1920 (München); Hofhutfabrikantens-Witwe
  • Baur, Franziska (vh) / Werle (gb); 27.3.1852 – 12.6.1938
  • Baur, Johann Georg; 5.6.1775 – 28.4.1833 (München); Hofhutmacher
  • Baur, Josef; 23.10.1806 – 3.10.1869 (München); Hofhutmacher
  • Baur, Josef; 2.9.1841 – 15.6.1887 (München); Hofhutmacher
  • Baur, Karl; 8.11.1848 – 11.3.1899; Realitätenbesitzer
  • Baur, Katharina (vh) / Hutter (gb)

Todesanzeige für Anna Baur

Todesanzeige für Josef Baur

Todesanzeige für Anna Baur

Grab der Familie Baur auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#14 – 2 – 55 (Mössmer · Schnitzler)


Hier ruht in Gott
der beste Gatte u. Vater
Herr Ferd. Mössmer
I. Canzlist der Gen. Zoll-Adm.
geb. 22. Mai 1826, gest. 26. Nov. 1872.
Seine Gattin
unsere heissgeliebte Mutter
Frau Karolina Mössmer
geb. 23. Dez. 1836, gest. 24. März 1903.

Friede Ihrer Asche.

Tafel
Hermann Mössmer
Kaufmann
geb. 5. April 1873
gest. 8. Juni 1940


  • Mössmer, Ferdinand; 22.5.1826 – 26.11.1872 (München); Kanzlist der Generalzolladministration
  • Mössmer, Hermann; 5.4.1873 – 8.6.1940; Kaufmann
  • Mössmer, Karolina (vw); 23.12.1836 – 24.3.1903
  • Schnitzler, Johann Michael; 24.9.1782 (Neustadt/Oberpfalz) – 1.10.1862 (München); Dekorationsmaler, Hoftheatermaler und Tiermaler

Todesanzeige für Johann Michael Schnitzler

Grab der Familien Mössmer · Schnitzler auf dem Alten Südfriedhof München (November 2014)

#Johann Michael Schnitzler

* 24.9.1782 (Neustadt/Oberpfalz)
† 1.10.1862 (München)
Dekorationsmaler, Hoftheatermaler und Tiermaler

#Baierisches Künstler-Lexikon (1810)

Schnitzler (Joh. Michael), geb. zu Neuburg an der Kammel, wo sein Vater Joh. Nepomuck Maler ist, bei dem er auch die Anfangsgründe im Zeichnen erlernte. Die ausgebrochenen Kriege schmälerten den Verdienst dieses Mannes, und so war er gezwungen, bei der Last vieler Kinder, sich des ältern Sohnes zu entledigen, und denselben in die Fremde zu schicken. Johann Michael Schnitzler verließ also das Vaterhaus ohne nur einen Pinsel führen zu können, und arbeitete bei verschiedenen Malern lediglich um Speise und Trank. Nun gelang es ihm nach Augsburg zu kommen, wo er die dortige Künstlerakademie frequentirte und Festigkeit in der Zeichnung erhielt. Er errang an dieser Akademie einmal den ersten, und in der Zeichnung nach dem Leben den zweiten Preis. Hierauf begab er sich nach Stuttgard, und bekam, seiner sich erworbenen Geschicklichkeit wegen, eine gute Condition; allein der gegen Preussen 1807 ausgebrochene Krieg zwang ihn dort fortzuwandern, denn ihm mangelte in der Folge Arbeit und so auch Verdienst. Er kam nun nach Ulm, wo er wieder eine gute Condition erhielt; allein auch diese war von kurzer Dauer, weil die Kriegszeiten der Kunst nicht vortheilhaft waren. Nach München zu gehen, dort sich um Broderwerb umzusehen, und nebenher in dortigen Gallerien zu studiren, war nun sein Entschluß. Er that es, und nährte sich mit Ausmalen der Zimmer, fand aber endlich Gelegenheit, bei der Weinmüllerischen Schauspieler-Gesellschaft zu München als Theatermaler unterzukommen. Seine Theaterdekorationen zeugen von dem Talente und Fleiße dieses jungen Mannes, von dem sich die Kunst vieles versprechen dürfte, wenn er in seiner Ausbildung unterstützt würde.

Felix Josef Lipowsky: Baierisches Künstler-Lexikon. München, 1810.

#Universal-Handbuch von München (1845)

Schnitzler, Michael.

Der k. Hoftheatermaler Michael Schnitzler, Malers-Sohn von Neuburg an der Ramlach, wurde im Jahre 1786 geboren.

Ohne Vermögen verließ er im 18ten Lebensjahre seinen Geburtsort und begab sich nach Augsburg, woselbst er sich durch Glas- und Oelmalen seinen Verdienst suchte, die abendlichen Feierstunden aber dem Besuche der Künstler-Akademie zu Augsburg widmete und zwar mit einem derartigen Erfolge, daß er in den Jahren 1805 und 1808 seine dießfallsigen Bemühungen mit zwei ersten Preisen gekrönt sah.

Einige Jahre später begab er sich nach München und hier eröffnete sich ihm in dem damaligen Weinmüller’schen Theater eine neue Bahn als Decorations-Maler. Nach der Einäscherung dieses Theaters erhielt er den Auftrag, sowohl das k. Hoftheater vor dem Isarthore als auch das alte Hoftheater theilweise zu decoriren.

Nach einiger Unterbrechung in dieser neuen Laufbahn, während dessen er sich in der Porzellan-Malerei bei der hiesigen Porzellain-Manufaktur beschäftigte, ward er von der damaligen k. Hoftheater-Intendanz neuerdings berufen, um an der Decorirung des jetzigen neuen Hoftheaters bei dessen Entstehen Theil zu nehmen. Um diese Zeit war es auch, daß derselbe die ersten Versuche in der Thier-Malerei machte und zwar mit so günstigem Erfolge, daß er alsbald die Aufmerksamkeit und Unterstützung hoher Gönner, namentlich Sr. Excellenz des Herrn Grafen von Rechberg und des k. Hrn. Central-Galerie-Direktors Ritter von Mannlich erregte. Einzelne seiner Thierstücke erhielten den allerhöchsten Beifall des verstorbenen Königs Maximilian, dessen Huld ihm nicht nur Arbeiten in diesem Fache in der k. Menagerie zu Nymphenburg verschaffte, sondern auch einige seiner Thierstücke für mehrere königl. Galerien ankaufte. Schnitzlers Thierstücke gehören zu den kostbarsten Leistungen in der Oelmalerei. Die naturgetreue Darstellung und Ausführung lebender oder getöteter Thiere sucht ihres gleichen. Besonders das Federwild, Singvögel, auch Hausthiere, sind von Schnitzler in solcher Meisterschaft vollendet, daß jeder Kunstkenner seine vollste Bewunderung hierüber äußert. In neuester Zeit hat Schnitzler mehrere Köpfe getödteter junger Hirsche, die gerade im Aufsetzen sind, gemalt und hat dadurch neuerdings den eklatantesten Beweis seiner Kunst abgelegt. Se. Maj. der König Ludwig kaufte jetzt erst wieder ein Gemälde dieses Meisters, welches »Rebhühner« darstellt. Aus unbekannten Gründen sind von Schnitzler nicht leicht Gemälde zu bekommen.

Universal-Handbuch von München. Herausgegeben von Dr. V. Müller. München, 1845.

#Galerie Leuchtenberg (1851)

Michael Schnitzler.

Er wurde 1784 zu Neuburg an der Kaulach geboren. Bis in sein achtzehntes Jahr versah er bei seinem Vater, einem Maler, die Feldarbeiten. Als er aber später nach Augsburg zu einem Glasmaler kam, benutzte er seine Freistunden zum Studium in der dortigen Akademie und erwarb sich durch seinen Fleiß zwei Preise. In München machte er Versuche im Porzellainmalen und wurde endlich als Decorationsmaler am neuen Hoftbeater daselbst angestellt. Nebenbei malte Schnitzler auch Oelbilder, welche Vögel und andere Thiere darstellen, die eben so viel Beifall erhielten, als seine Zeichnungen in Aquarell.

J. D. Passavant: Galerie Leuchtenberg. Gemälde-Sammlung Seiner Kaiserl. Hoheit des Herogs von Leuchtenberg in München. Frankfurt am Main, 1851.

#Die Monogrammisten (1858)

Michael Schnitzler, Decorations- und Thiermaler, geb. zu Neuburg a. d. Kaulach 1783, gest. zu München 1862, behauptet im Künstler-Lexicon eine verdiente Stelle, da er sowohl als k. Hoftheater-Landschaftsmaler, als im Fache, wie es Hondekoeter pflegte, Vorzügliches leistete. Das Monogramm findet man auf zart vollendeten Gemälden in Oel, welche todtes Geflügel, Vögel, Füchse, Hasen und andere Jagdthiere vorstellen. Auch treffliche Aquarellen und Zeichnungen in Deckfarben findet man. Sie stellen meist Wild und Geflügel vor. Das erste Monigramm ist oft beigefügt.

Dr. Georg Kaspar Nagler: Die Monogrammisten und diejenigen bekannten und unbekannten Künstler aller Schulen, welche sich zur Bezeichnung ihrer Werke eines figürlichen Zeichens, der Initialen des Namens, der Abbreviatur desselben etc. bedient haben. München, 1858.

#Bayerische Zeitung (10.12.1862)

Local-Chronik.

München, Anf. Dec. (Nekrolog.) Nachdem wir vor wenigen Monden am Grabe Albrecht Adam’s gestanden, haben wir am 4. October l. Js. einen der bedeutendsten der Münchener Künstler, den Thier- und Dekorationsmaler Michael Michael Schnitzler, zur letzten Ruhestätte begleitet. Schnitzler wurde zu Neuburg an der Kammel wo sein Vater Wappenmaler war, am 24. Sept. 1782 geboren und erhielt von seinem Vater den ersten Zeichnungsunterricht, welcher jedoch sehr unzulänglich war. Schon in frühester Jugend hatte er durch die Pocken das linke Auge eingebüßt und sowohl dieses Unglück, als auch die durch die Kriegszeiten herbeigeführten kümmerlichen Verhältnisse seines Vaters gestatteten ihm nur eine ganz nothdürftige Schulbildung; dagegen erstarkte sein Körper unter der harten Arbeit, welche ihm die Bewirtschaftung des kleinen väterliche« Grundbesitzes auferlegte. Achtzehn Jahre war Schnitzler alt, als sein Vater starb und da das kleine elterliche Besitzthum zur Ernährung einer Familie ohne besonderen Nebenerwerb nicht hinreichte, für Schnitzler’s Fach aber in der Heimath keine Aussicht auf Erwerb bestand, so begab er sich nach Augsburg, wo ein älterer Bruder Michaels als Maler bereits lebte; bei diesem Bruder verdiente er sich seinen Lebensunterhalt durch Coloriren von Kupferstichen und Faßmalen; in den Abendstunden aber war er ein fleißiger Schüler der Augsburger Kunstschule und sein eifriges Streben wurde bereits im J. 1805 mit einem Preise für ein in Oel gemaltes Schlachtstück nach Rugendas gelohnt; im J. 1808 errang er sich einen zweiten Preis durch ein nach einem lebenden Modelle gemaltes Bild. Wohl fand Schnitzler in Augsburg Ehre, nicht aber so reichliches Einkommen, daß er die geliebte Mutter nach Wunsch unterstützen konnte, obwohl er in der Zimmer- und Dekorationsmalerei Ausgezeichnetes leistete, weßhalb er, da in diesem Fache München mehr Beschäftigung erwarten ließ, im J. 1806 nach München ging. Zu Fuße wanderte der junge Mann in die Hauptstadt, wo er keine bekannte und befreundete Seele hatte, und als er zum Karlsthore hereinging und seine Baarschaft musterte, fand sich nur noch ein Groschen vor. Beim bürgerlichen Maler Deym im Schrammergäßchen fand er zwar augenblicklich Beschäftigung; allein erst nach drei Tagen, am Samstage nämlich, empfing er seinen Wochenlohn und während dieser drei Tage mußte der einzige Groschen zu seiner Ernährung hinreichen; denn sein Ehrgefühl gestattete ihm nicht, seinen Meister um einen Vorschuß am Lohne zu bitten. Während Deym dem unansehnlichen einäugigen Jüngling anfänglich nur geringe Leistungen zugetraut hatte, überzeugte ihn schon die erste Arbeit Schnitzlers, eine kleine Schießstätte, daß er keinen gewöhnlichen Malergesellen vor sich habe, und er konnte ihm sofort größere Arbeiten übergeben, deren Ausführung sehr gut bezahlt wurde. Von seinem Lohne unterstützte nun der gute Sohn seine Mutter reichlich und der Himmel hat es ihm dadurch vergolten, daß er in seinem hohen Greisenalter von seinen Kindern die treueste Hingebung, die liebevollste Pflege empfing. Bald fand Schnitzler Gelegenheit, für das damals vor dem Isarthore unter der Direction Weinmüllers gestandene Theater Decorationen zu malen, welche großen Beifall erhielten und ihm eine Berufung an das k. Hoftheater erwirkten. Ein unbedeutender Vorfall veranlaßte den so leicht erregbaren Künstler, sich vom k. Hoftheater abzuwenden, und nun begann er Thierstücke auf Porzellan sowie in Oel zu malen, bis ihn im J. 1824 der damalige k Hoftheater-Intendant, Hr. v. Weichs, wieder für das Theater zu gewinnen wußte und er als k. Hoftheatermaler eine definitive Anstellung erhielt. Bis zum J. 1854, wo er in den wohlverdienten Ruhestand versetzt wurde, malte er nun alle landschaftlichen Decorationen des k. Hoftheaters. Wie oft hat er das Theaterpublicum durch seine meisterhaften Leistungen entzückt, wie oft wurde er mit rauschendem Beifalle gelohnt! In seinen Mußestunden widmete er aber sich während dieser ganzen Zeit der Oelmalerei in Thierstücken und im Stillleben und man darf behaupten, daß Schnitzlers Leistungen in Darstellung von zahmem und wildem Federvieh bis jetzt unerreicht sind. Einzelne seiner Werke befinden sich wohl in hiesigen wie auswärtigen Sammlungen; eine große Anzahl derselben ist aber noch im Besitze seiner Familie und dürfte dieselbe eher zu einer Veräußerung derselben geneigt sein, als der nun geschiedene Meister, welcher sie nicht von sich lassen wollte, da sie ihm noch in der letzten Zeit schöne Erinnerungen aus einem langen ruhmreichen Leben gewährten. Seit einem Jahre nicht mehr im Stande, das Haus zu verlassen, feierte er noch am 24. Sept. seinen achtzigsten Geburtstag bereits unter den Anzeichen nahender Auflösung und am 1. ds. Mts. Abends 6½ Uhr schied er aus seinem Leben, heiß beweint von seinen Kindern, denen er allezeit ein treuer Vater gewesen. Am 4. Oct. d. Js. wurde er nun zu Grabe gebracht; doch nur wenige Künstler gaben ihm das letzte Geleite; lebte er ja doch seit Jahren ganz zurückgezogen und darum auch vergessen; allein die Kunstgeschichte hat seinen Namen verzeichnet und sein Andenken für alle Zelten aufbewahrt.

Bayerische Zeitung Nr. 325. Mittwoch, den 10. Dezember 1862.

#Münchener Kunst-Anzeiger (15.6.1865)

Aeltere Malwerke.

Der im Jahre 1862 in München verstorbene Thier- und k. Hoftheatermaler Michael Schnitzler hatte die Idee gefasst, seiner Familie die schönsten Bilder aus seiner Blüthezeit zu hinterlassen, um ihr nach dessen Tode den reichsten Lohn seines Strebens zu sichern. Der Name des Meisters wurde vor einer Reihe von Jahren mit Auszeichnung genannt, denn seine mit grösstem Fleisse durchgeführten Thier-Stillleben gehören zu den Meisterwerken ihrer Art. König Ludwig I. nahm vier Gemälde in die neue Pinakothek auf, Schnitzler selbst brachte aus dem erwähnten Grunde lange Zeit nichts mehr zur Ausstellung, und kam daher durch eigene Schuld gleichsam ausser Curs. Die schönsten Bilder sind noch gegenwärtig im Besitze der Familie: ein Rehkopf und ein Gemskopf mit Geflügel, eine Wildente auf einem Marmortisch mit Geflügel, eine an der Schnur hängende Wildente mit Geflügel, zwei lebende Nusshäher auf dem Baumaste, ein lebender Hase, ein lebender Hahn mit Henne, und andere kleinere Gemälde mit Geflügel und Federwild. Alle diese Thiere können nicht getreuer und minutiöser dargestellt werden, als dies Schnitzler gethan hat. Freunde dieses Genres finden Auskunft Sonnen-Strasse Nr. 2/4.

Münchener Kunst-Anzeiger Nro. 3. Für Künstler, Kunstfreunde und Kunsthändler. 15. Juni 1865.

#14 – 2 – 56 (Waidhaas)


Grab der Familie Waidhaas auf dem Alten Südfriedhof München (November 2014)

#14 – 3 – 1·2 (Halder · Mattiowsky)


Hier ruhen in Frieden
Frau Katharina Halder
Hauptmanns Gattin
geb. d. 28. Jan. 1821; gest. d. 19.April 1859.
Frau Anna Mattiowsky geb. Halder
Kaufmanns Gattin
geb. d. 13. Aug. 1849. gest. d. 14. Aug. 1883
Frau Therese Halder
Generalmajors Gattin
geb. d. 8. Mai 1818; gest. d. 21. Nov. 1886.
Herr Corbinian Halder
k. b. Generalmajor a. D.
geb. d. 4. Jan. 1817. gest. d. 31. Aug. 1888.
Exzellenz
Anton Ritter von Halder
kgl. Regierungspräsident
von Oberbayern a. D.
geb. d. 3. Juni 1845. gest. d. 19. Mai 1925.
und dessen Frau Ihre Exzellenz
Frau Selina von Halder
geb. d. 24. Aug. 1856. gest. d. 23. Nov. 1925.

Wiedersehen unser Trost und Glaube.


  • Halder, Anton Ritter von; 3.6.1845 – 19.5.1925; Regierungspräsident von Oberbayern
  • Halder, Katharina (vh) / Dorsch (gb); 28.1.1821 – 19.4.1859 (München); Hauptmanns-Gattin
  • Halder, Korbinian Anton; 4.1.1817 (München) – 31.8.1888 (München); Generalmajor
  • Halder, Selina von (vw); 24.8.1856 – 23.11.1925
  • Halder, Therese (vh); 8.5.1818 – 21.11.1886; Generalmajors-Gattin
  • Mattiowsky, Anna (vh) / Halder (gb); 13.8.1849 – 14.8.1883; Kaufmanns-Gattin

Grab der Familien Halder · Mattiowsky auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#Korbinian Anton Halder

* 4.1.1817 (München)
† 31.8.1888 (München)
Generalmajor

#Jahresberichte über die Veränderungen und Fortschritte im Militärwesen (1889)

Nekrologe von im Jahre 1888 verstorbenen hervorragenden Offizieren

Corbinian Anton Halder, Königlich Bayerischer Generalmajor a. D. Geb. 4. Januar 1817 zu München; gest. 31. August 1888 zu München.

Einer in Bayern wohlbekannten Artillerieoffiziers-Familie entstammend, als Sohn des Generalmajors und Max-Joseph-Ritters Anton v. Halder von Jugend an zum Militärdienste bestimmt, trat er, 1833 den 6. August zum Junker im 2. Artillerie-Regiment ernannt, aus dem Cadettencorps in die Armee und wurde am 26. October desselben Jahres im Regiment zum Unterlieutenant befördert. 1837 nach einjährigem Lehrcurs in der Salpeter-Raffinerie, 1838 den 1. Januar zur Ouvriercompagnie versetzt, bewies er besonderen Eifer und Geschick auch für das Technische, trat jedoch 1839 den 1. October wieder in den Truppendienst zum 2. Artillerie-Regiment »Zoller« zurück, und wurde in demselben 1847 den 7. April zum Oberlieutenant befördert.

Seiner Verwendbarkeit und des Eifers im Dienste zufolge 1848 den 25. April zum Regimentsadjutanten erwählt, blieb er dies bis zur erfolgten Beförderung zum Hauptmann 1849 den 9. October. Als Commandant 1853 den 11. October zur Ouvriercompagnie versetzt, führte er bis zur Versetzung in das 1. Feld-Artillerie-Regiment »Prinz Luitpold« 1856 den 29. November dies Commando in ersprießlichster Weise. Befördert 1859 den 9. Mai zum Major und 1866 den 18. Juni zum Oberstlieutenant im Regiment, machte er die Gefechte bei Kissingen und Helmstadt-Uettingen als Commandant der Artillerie der 1. Division rühmlich mit und erhielt hierfür das Ritterkreuz 1. Klasse des Militärverdienst-Ordens. 1870 den 1. Februar zum Oberst und Commandeur des 1. Feld-Artillerie-Regiments »Prinz Luitpold« befördert, mußte er bei Kriegsausbruch, da das ganze Regiment auf beide Divisionen des I. Bayerischen Corps vertheilt war, zur Disposition als Commandant der Ersatz-Artillerie zunächst zurückbleiben, wurde jedoch später bei den Belagerungen verwendet, zuerst vor Straßburg (September 1870) und dann von Ende December 1870 bis 28. Januar 1871 vor Paris. 1874 den 16. Februar erbat und erhielt der scheinbar noch rüstige Mann und Soldat, der sich im Felde ein schweres Leiden, dessen Nachwirkungen nun eintraten, geholt hatte, seine Pension, und 1875 den 15. December den Charakter als Generalmajor.

Vieles Leiden war ihm noch beschieden, so auch ein völliges Erblinden, und da auch seine zweite Gattin vor ihm starb, stand er allein, obwohl seine Kinder, zwei geachtete Civilbeamte und eine an Oberstlieutenant v. Lossow verheirathete Tochter, welche alle selbst Familienstand haben, Alles aufboten, dem Vater die letzten Jahre zu erleichtern. Halder, welcher seiner militärischen Kenntnisse halber öfter zu Reglementscommissionen beigezogen, auch 1862 zur Artillerie-Berathungscommission commandirt war, galt stets als Muster eines gemäß den Vorschriften strenge den Dienst handhabenden tüchtigen Soldaten, der seine Untergebenen ernst, aber mit Wohlwollen behandelte. K.

Jahresberichte über die Veränderungen und Fortschritte im Militärwesen. Berlin, 1889.

#14 – 3 – 3 (Bauer)


DR. PHIL.
WOLFGANG
BAUER
* 1828 † 1860
GRÜNDER DES
BAYERISCHEN
PHILOLOGEN
VERBANDES


  • Bauer, Wolfgang, Dr. phil.; 8.1.1828 (München) – 31.12.1880 (München); Altphilologe und Rektor des Münchner Wilhelms-Gymnasiums

Grab der Familie Bauer auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#Dr. phil. Wolfgang Bauer

* 8.1.1828 (München)
† 31.12.1880 (München)
Altphilologe und Rektor des Münchner Wilhelms-Gymnasiums

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Bauer Wolfgang, Dr. phil., 1828 (München-Au) – 1880, Altphilologe und Rektor des Münchner Wilhelms-Gymnasiums; armer Leute Kind, studierte B. in harter Not Philologie, Germanistik und Geschichte an der Münchner Universität, war aber eher ein Autodidakt, der selten Vorlesungen besuchte; nach einigen auswärtigen Gymnasiallehrerposten in Eichstätt und Kempten wurde er 1854 Gymnasialprofessor am Münchner Ludwigs- und 1855 am Wilhelms-Gymnasium, dessen Rektor er später werden sollte; dieser eigenwillige und einsame Mensch hat sich um das höhere Schulwesen in Bayern durch Gründung des Vereins von Lehrern der bayerischen Studienanstalten (1863), des heutigen Bayerischen Philologenverbandes, und Herausgabe der Blätter für das bayerische, Gymnasialwesen, der sog. »Blauen Blätter«, sehr verdient gemacht; dadurch wurde die soziale Stellung der bis dahin ziemlich schlecht bezahlten Gymnasiallehrer gehoben und möglich gemacht, daß die Lehrer an den höheren Schulen Bayerns ein wissenschaftliches Niveau erreichten, das den Professoren an den Universitäten nahekommt.

Hauptwerke: Kritisches und Exegetisches zu den Herakliden, zur Medea und zur Iphigenie.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#14 – 3 – 4 (Berger · Kuhn · Mühlbauer)


Familien-Grab

Hier ruhen
Frau Anna Kuhn 1770 – 1836.
Herr Heinrich Kuhn 1777 – 1849.
Herr Georg Mühlbauer 1774 – 1857.
Frau Barbara Mühlbauer 1776 – 1860.
Hr. F. X. Mühlbauer Gastwirth 1813 – 1857.
Frau Anna Mühlbauer geb. Kuhn 1811 – 1899.
Frau Sophie Mühlbauer geb. Brünner
geb. 22.¿.184¿ gest. ¿.4.1917
Herr F. X. Mühlbauer ehem. Gastwirth
geb. 28.3.1845. gest. 26.4.1922.

Linke Seite
F. X. Mühlbauer 1872 – 1875.
Heinr. Mühlbauer 1873 – 1880.
Frau Sophie Berger
geb. Mühlbauer
geb. 6.1.1870 gest. 17.4.1921.


  • Berger, Sofie (vh) / Mühlbauer (gb); 6.1.1870 – 17.4.1921 (München)
  • Kuhn, Anna (vh); 1770 – Dezember 1836 (München); Bierwirts-Gattin
  • Kuhn, Heinrich; 1777 – 2.1849 (München); Ehemaliger Bierwirt
  • Mühlbauer, Anna (vw) / Kuhn (gb); 1811 – Januar 1899 (München); Gastwirts-Witwe
  • Mühlbauer, Barbara (vh); 1776 – 20.5.1860 (München); Hofkonditors-Witwe
  • Mühlbauer, Franz Xaver; 1813 – 26.7.1857 (München); Gastwirt
  • Mühlbauer, Franz Xaver; 28.3.1845 – 26.4.1922; Ehemaliger Gastwirt
  • Mühlbauer, Franz Xaver; 1872 – Januar 1875 (München); Gastwirts-Sohn
  • Mühlbauer, Georg; 1774 – 31.1.1857 (München); Hofkonditorsgehilfe
  • Mühlbauer, Heinrich; 1873 – 1880
  • Mühlbauer, Sofie (vh) / Brünner (gb); 22.¿.184¿ – ¿.4.1917; Gastwirts-Gattin

Todesanzeige für Sofie Berger

Grab der Familien Berger · Kuhn · Mühlbauer auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2018)

#14 – 3 – 5 (Berger · Grassl)


Hier ruht
unser einziges geliebtes Kind
Philomena,
geb. den 10. Febr. 1880,
gest. den 18. Okt. 1891.
Ihr folgte
mein unvergesslicher Gatte
Herr Karl Grassl,
Wurstfabrikant u. Hausbesitzer
geb. den 26. Mai 1862,
gest. den 13. Aug. 1901.

Sockel
Grabstätte
der Familie Grassl.

14.3.5.
J. Deiser.

Rechte Seite
Anna Grassl,
geb. den 28. Dezb. 1863
gest. den 4. Sept. 1884


  • Berger, Anna (vh) / Grassl (gb); 28.12.1863 – 4.9.1884 (München); Bildhauers-Gattin
  • Grassl, Karl; 26.5.1862 – 13.8.1901 (München); Wurstfabrikant
  • Grassl, Philomena; 10.2.1880 – 18.10.1891 (München); Wurstfabrikantens-Tochter

Todesanzeige für Anna Berger

Todesanzeige für Philomena Grassl

Todesanzeige für Karl Grassl

Grab der Familien Berger · Grassl auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2017)

Grab der Familien Berger · Grassl auf dem Alten Südfriedhof München (April 2017)

#14 – 3 – 8 (Kröner)


FAMILIE
KRÖNER


  • Kröner, Nikolaus; – 14.3.1887 (München), 58 Jahre alt; Sergeant und Landeshilfsvereins-Aktuar

Todesanzeige für Nikolaus Kröner

Grab der Familie Kröner auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2017)

#14 – 3 – 9 (Winter)


Johann Winter
¿
Georg ¿
¿


  • Winter, Johann

Grab der Familie Winter auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#14 – 3 – 12 (n. n.)


(Februar 2021)

#14 – 3 – 23 (Jäcklein · Pfeuffer)


Pfeuffer’sche Ruhestätte.

Hier ruht in Frieden
meine liebe Tante
Frau Doroth. Jäcklein,
gest. 5. Juni 1879, 66 J. alt.
Ihr folgte deren Neffe, unser
teurer Vater u. lieber Bruder
Herr Dr. Philipp Pfeuffer
Fabrikbesitzer,
geb. 3. März 1842. gest. 12. April 1911.
Wiedersehen uns’re Hoffnung.
die liebe Schwester, Schwäg. u Tante
Fräul. Barbara Pfeuffer
Privatiere
geb. 3. März 1842 zu Würzburg,
gest. 10. Oktober 1915 zu München.

Sockel
Im Kreuz ist Heil!

14.3.23. Schwarz


  • Jäcklein, Doroth. (vh); – 5.6.1879
  • Pfeuffer, Barbara; 3.3.1842 (Würzburg) – 10.10.1915 (München); Privatiere
  • Pfeuffer, Philipp, Dr.; 3.3.1842 – 12.4.1911; Fabrikbesitzer

Todesanzeige für Barbara Pfeuffer

Grab der Familien Jäcklein · Pfeuffer auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#14 – 3 – 25 (Käss)


Grab der Familie Käss auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#14 – 3 – 30·31 (Herrgott · Hief · Weigand)


Familie Hief.

Hier ruhen
Frau Anna Weigand
geb. 17. Nov. 1825, † 24. Febr. 1889.
Wilhelmine Hief.
Herr Franz Hief
Spenglermeister,
geb. 21. Nov. 1851, † 3. Aug. 1889.
Meine unvergessliche Gattin
Elsa Herrgott
geb. Hief,
geb. 10. März 1885, gest. 28. Juli 1912.
Unsere liebe gute Mutter
Frau Katharina Hief
geb. 29. März 1847,
gest. 7. März 1913.

14.3.30&31. Kosenbach.


  • Herrgott, Elsa (vh) / Hief (gb); 10.3.1885 – 28.7.1912
  • Hief, Franz; 21.11.1851 – 3.8.1889; Spänglermeister
  • Hief, Katharina (vh); 29.3.1847 – 7.3.1913
  • Hief, Wilhelmine
  • Weigand, Anna (vh); 17.11.1825 – 24.2.1889

Grab der Familien Herrgott · Hief · Weigand auf dem Alten Südfriedhof München (November 2014)

#14 – 3 – 32 (Dirker)


Familie Dirker.

Hier ruhen
unsere lieben Kinder
Alexandrine,
geb. 28. Dez. 1865, gest. 22. Jan. 1866.
Marie,
geb. 15. Juli 1868, gest. 8. Juni 1871.
Mein unvergesslicher Gatte
Herr Albert Dirker,
gest. 14. Febr. 1900, 73 Jahre alt.
Ihm folgte
seine treue Gattin,
Frau Josefine Dirker,
geb. Hief,
geb. 5. Dez. 1828, gest. 29. März 1903.

Sie ruhen im Frieden!

Schneider.


  • Dirker, Albert; – 14.2.1900 (München), 72 Jahre alt; Privatier
  • Dirker, Alexandrine; 28.12.1865 – 22.1.1866 (München); Kammerdieners-Tochter
  • Dirker, Josefine (vw) / Hief (gb); 5.12.1828 – 29.3.1903
  • Dirker, Marie; 15.7.1868 – 8.6.1871 (München); Kammerdieners-Tochter

Grab der Familie Dirker auf dem Alten Südfriedhof München (November 2014)

#14 – 3 – 33·34* (Elser)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Elser, Katharina (vh); – 24.11.1889 (München), 60 Jahre alt; Hofkapelldieners-Gattin
  • Elser, Ludwig; – 30.1.1891 (München), 65 Jahre alt; Pensionierter Hofkapelldiener
  • Elser, Theresia (vh); – August 1890 (München), 60 Jahre alt; Hofkapelldieners-Gattin

Todesanzeige für Katharina Elser

Todesanzeige für Ludwig Elser

Das Grab ist nicht erhalten

#14 – 3 – 35 (Englberger)


Grab der Familie Englberger auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2007)

#14 – 3 – 43 (n. n.)


(Januar 2021)

#14 – 3 – 48 (Damert)


Grab der Familie Damert auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#14 – 3 – 53 (Rudhard)


Grab der Familie Rudhard auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#14 – 3 – 54 (Delcroix)


DELCROIX
Louise, geb. ¿
geb. ¿. Aug. 1840, gest. 11. Aug. 1910
Carl
geb. ¿. April 1830, gest. ¿. Aug. 1913.
Herr Friedrich Delcroix
Kunstmaler
geb. ¿. Juli ¿, gest. ¿. Juni ¿


  • Delcroix, Friedrich; 18.7.1864 (München) – 1.6.1918 (München); Architekt, Landschaftsmaler und Portraitmaler
  • Delcroix, Karl; 16.4.1830 (München) – 12.8.1913 (München); Realitätenbesitzer
  • Delcroix, Luise (vh); ¿.8.1840 – 11.8.1910 (München); Rentiers-Gattin

Todesanzeige für Friedrich Delcroix

Grab der Familie Delcroix auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familie Delcroix auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Friedrich Delcroix

* 18.7.1864 (München)
† 21.6.1918 (München)
Architekt, Landschaftsmaler und Portraitmaler

#Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler (1913)

Delcroix, Friedrich, Landschaftsmaler in München, geb. das. am 18.7.1864, Schüler der Akad. unter Gysis u. W. von Diez. Stellt seit 1901 im Glaspalast u. in anderen Ausst. (Heinemann, Kunstverein) aus: Motive aus Bayern, aus dem Engadin usw. Im April 1908 veranstaltete er eine Sonderausst. bei Heinemann (vgl. München. Neueste Nachr. v. 15.4.1908).

Dreßler’s Kunstjahrbuch 1911/12. – Kat. des Münchener Glaspal. 1901 f., der Gr. Kst-ausst. Berlin 1907.

Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Herausgegeben von Ulrich Thieme. Leipzig, 1913.

#Münchner Neueste Nachrichten (22.6.1918)

Bildende Kunst

Der Maler Friedrich Delcroix ist am 21. Juni in München gestorben. Delcroix, der 1864 hier geboren war, studierte an der Münchner Akademie unter Gysis und W. v. Diez. Seit etwa 1900 sah man seine Arbeiten im Glaspalast, bei Heinemann, im Kunstverein. Delcroix malte die bayerische, tirolische und schweizerische Landschaft; seine in lebendige Farbe gebundene einfache Naturwahrheit, der stille Stimmungsgehalt seiner Bilder, seine Neigung zum Idyllischen fand Sympathie.

Münchner Neueste Nachrichten Nr. 310. Samstag, den 22. Juni 1918.

#Generalanzeiger (25.6.1918)

Münchner Tagesneuigkeiten
München, 24. Juni

Bestattungen. — Der Einäscherung der Leiche des Kunstmalers Friedrich Delcroix ging eine schlichte Trauerfeier voraus, zu der sich namentlich viele Münchner Künstler eingefunden hatten. Unter ehrenden Nachrufen legten Kränze am Sarge nieder Geheimrat Dr. v. Thiersch für die Künstlergesellschaft Allotria, Kunstmaler Dr. Banzer für den Münchner Künstler-Unterstützungsverein und Kunstmaler Schnackenberger für die Künstlervereinigung Luitpoldgruppe. Schon vor der Trauerfeier hatten u. a. der Münchner Tierschutzverein und die Schwadron der Pappenheimer Kränze gewidmet.

Generalanzeiger der Münchner Nachrichten Nr. 315. Dienstag, den 25. Juni 1918.

#Münchner Neueste Nachrichten (2.11.1918)

Bildende Kunst

Kunstverein. Der Nachlaß von Friedrich Delcroix zeigt gewiß keinen Landschafter von ausgeprägter Eigenart, aber eine schöne Begabung, die sich die Natur gut ansah. Versuche, von der einfachen Studie zu persönlichem Ausdruck zu gelangen — wie bei dem »aufsteigenden Gewitter« — sind Delcroix weniger geglückt. Sein Bestes gab er wohl in den beiden Schneelandschaften, die neben dem Bildnisse seines Vaters ihren Platz haben.

Münchner Neueste Nachrichten Nr. 555. Samstag, den 2. November 1918.

#Karl Delcroix

* 16.4.1830 (München)
† 12.8.1913 (München)
Realitätenbesitzer

#Münchner Neueste Nachrichten (14.8.1913)

Lokales

München, 13. August
Hof- und Personalnachrichten

Realitätenbesitzer Karl Delcroix †. Gestern abend verschied nach kurzem, schwerem Leiden hochbetagt ein bekannter Münchner Bürger, Realitätenbesitzer Karl Delcroix, der seinerzeit als Universitätsstallmeister vielfach mit akademischen Kreisen in Berührung stand. Er war am 16. April 1830 in München geboren, gründete hier ein Reit- und Wagengeschäft, gehörte in den sechziger Jahren der Münchener Gemeindevertretung an, war Leutnant der Bürgergrenadiere, später Mitglied der Handelskammer. Auf humanitärem Gebiete war er als Vorstandsmitglied mehrerer charitativer Vereine, so des Tierschutzvereins, des Vereins zur Obsorge für entlassene Sträflinge, eifrig tätig, und einer Anzahl anderer gemeinnütziger Vereine gehörte er als Gründungsmitglied an. In diesem ausgedehnten Bekanntenkreis war Delcroix, ein echter Münchner vom alten Schrot und Korn, geschätzt und beliebt.

Münchner Neueste Nachrichten No. 413. Donnerstag, den 14. August 1913.

#Luise Delcroix (vh)

* ¿.8.1840
† 11.8.1910 (München)
Rentiers-Gattin

#Generalanzeiger (15.8.1910)

Münchner Tagesneuigkeiten

München, 13. August
Beerdigungen. Im südlichen Friedhof fand die im Alter von 70 Jahren verstorbene Rentiersgattin Luise Delcroix ihre letzte Ruhestätte. Mit den Angehörigen erwies ihr eine große Anzahl von Trauergästen aus den ersten Kreisen ein ehrendes Geleite. Stadtpfarrer Pater Benedikt Brenner gedachte der Verstorbenen als einer edlen Wohltäterin der Armen. Das reich geschmückte Grab zierten u. a. Kranzspenden der Pensionsanstalt deutscher Journalisten und Schriftsteller und des Bürgervereins v. 1819 München.

Generalanzeiger Nr. 397. Gratisbeilage der Münchner Neuesten Nachrichten. Montag, den 15. August 1910.

#14 – 4 – 11 (Forster)


Grab der Familie Forster auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2021)

#14 – 4 – 15 (n. n.)


(Januar 2021)

#14 – 4 – 24 (Gmeiner)


Hier ruht in Frieden
Herr
Joh. Bapt. Gmeiner
kgl. Garn.-Verw.-Inspektor a. D.
geb. 15. März 1823. gest. 21. Sept. 1890.
Dessen Gattin
Frau Anna Gmeiner
geb. 15. Febr. 1832. gest. 26. April 1905.

Sockel
Familie Gmeiner

Schwarz

Linke Seite
Deren Tochter
Fräulein
Anna Gmeiner
geb. 26. Oktober 1876
gest. 7. Juni 1932.


  • Gmeiner, Anna; 26.10.1876 – 7.6.1932; Garnisonsverwaltungsinspektors-Tochter
  • Gmeiner, Anna (vw); 15.2.1832 – 26.4.1905; Garnisonsverwaltungsinspektors-Witwe
  • Gmeiner, Johann Baptist; 15.3.1823 – 21.9.1890; Garnisonsverwaltungsinspektor a. D.

Grab der Familie Gmeiner auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#14 – 4 – 26 (n. n.)


(Oktober 2016)

#14 – 4 – 49* (Hetz)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Hetz, Johann Karl; 11.11.1828 (Kulmbach) – 5.8.1899 (München); Genremaler

Das Grab ist nicht erhalten


#Karl Hetz

* 11.11.1828 (Kulmbach)
† 5.8.1899 (München)
Genremaler

#Münchner Neueste Nachrichten (9.8.1899)

Lokales.

München, 8. August.
Um 4¼ Uhr fand die Beerdigung des im Alter von 71 Jahren verstorbenen kgl. Professors und Kunstmalers Johann Karl Hetz statt. Dem geschmückten Sarge folgten außer den nächsten Verwandten Leidtragende aller Kategorien. Johann Karl Hetz wurde geboren am 11. November 1828 als der Sohn eines Instrumentenmachers und Schreinermeisters, zeigte bereits in früher Jugend Liebe zur Kunst und zu technischen Arbeiten, mußte aber, dem Wunsche seiner Eltern folgend, Lehrer werden und wirkte auf verschiedenen Plätzen. Seine Liebe zur Kunst war es auch, die ihn nach München zog, das einen solchen Eindruck auf ihn machte, daß sein einziger Wunsch war, ganz hier zu bleiben. 1858 ließ er sich in München nieder, besuchte die Akademie der bildenden Künste und das Polytechnikum. Im Jahre 1862 machte er mit großem Erfolg seine Prüfiung als Zeichenlehrer. Einen Ruf nach Heilbronn an die Kunstgewerbeschule lehnte er ab, wirkte dann zunächst in Neubeurg a. D. im Jahre 1864 und in München 1868 in der Zeichen- und Modellirabtheilung der Kunstgewerbeschule. Trotzdem blieb er der Malerei stets treu. Im Jahre 1875 erhielt er für seine Verdienste den Titel und Rang eines k. Professors am Realgymnasium, an dem er bis zum Jahre 1893 thätig blieb. Nach seiner dann erfolgten Pensionierung lebte er nur mehr der Kunst und nahm unter den Landschafts- und Porträtmalern eine ganz besondere Stellung ein. Im Namen der Münchner Künstlergenossenschaft legte Kunstmaler Groß unter warmen Worten einen prachtvollen Kranz am Grabe nieder.

Münchner Neueste Nachrichten No. 364. Mittwoch, den 9. August 1899.

#Allgemeine Deutsche Biographie (1905)

Hetz: Johann Karl H., Genremaler und Professor, geboren am 11. November 1828 zu Kulmbach, † am 5. August 1899 in München; Sohn eines Instrumentenmachers und Schreinermeisters, zeigte er in frühester Jugend besondere Anlage zu technischen Arbeiten, mußte aber Lehrer werden nach dem Wunsche der Eltern. Seine Neigung zur Kunst zog ihn 1858 nach München, wo er das Polytechnikum besuchte und an der Akademie bei Arthur v. Ramberg Aufnahme fand. Einen Ruf an die Kunstgewerbeschule nach Heilbronn lehnte H. ab, wirkte dann in Neuburg und in München (1864), seit 1868 als Professor der Zeichnungs- und Modellirabtheilung der Kunstgewerbeschule bis 1893, jeden freien Augenblick im Landschaft- und Porträtfach thätig und die Ferienzeit zu weiteren Studienreisen nach Tirol, Dalmatien, Bosnien und der Herzegowina ausnützend. Noch 1897 brachte er eine stattliche Anzahl von Aquarell-Veduten aus diesen südlichen Ländern. Seine Genrebilder behandelten in guter Zeichnung und ansprechender Farbe ziemlich harmlose Stoffe aus dem Volks- und Kinderleben. Dazu gehören ein »Confirmations-Morgen«, »Vergebliche Strafpredigt«, ein »Angebinde« und »Ostergeschenk der Pathin«, der »Kindertanz in einem Tiroler Wirthshaus« (in »Blätter für den häuslichen Kreis«, 1874, S. 80), Kartenspiel mit dem »Schwarzen Peter«, ein »Schenken-Mädchen« aus der durch ihre Würste und Bier berühmten Eisenbahnstation »Kulmbach«; Kinder begrüßen mit einem »Guten Tag Caro!« einen Leonberger Hund; drei Kinder erwarten »In gespannter Erwartung« das Mittagessen u. s. w. Eine schöne »Dalmatinerin« erschien zuerst in der »Gartenlaube« (1893, Nr. 18) und 1898 als Oelbild im Münchener Kunstverein.

Hyac. Holland.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1905.

#14 – 4 – 50 (Guttenberg · Stademann)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Guttenberg, Friedrich; – 25.11.1890 (München); Zivilingenieur
  • Stademann, Wilhelm; 11.3.1846 (München) – 18.8.1884 (München); Landschaftsmaler

Todesanzeige für Friedrich Guttenberg

Grab der Familien Guttenberg · Stademann auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

Grab der Familien Guttenberg · Stademann auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#14 – 4 – 54·55 (Schroll)


Hier ruhen in Gott

Linke Stele
Die Kinder: Ludwig Wilhelm † 1866.
Ludwig † 1867. Wilhelm † 1868.
Amalie Schroll geb. Probst
k. Lieutenants-Gattin
geb. 1. Januar 1874 zu Dillingen
gest. 9. September 1896.
Frau Kreisschulrat
Josefa Schroll
geb. Menauer
geb. 19. März 1842 gest. 14. Mai 1903.
Ludwig Schroll
kgl. Kreisschulrath a. D.
geb. 24. Febr. 1832 gest. 18. Nov. 1917.

Rechte Stele
Anna Schroll Arbeitslehrerin
geb. 26. Febr. 1864. gest. 2. Febr. 1887.
Anna Schroll geb. Sammüller
Oberbeamtensgattin,
geb. 27. Dez. 1845, gest. 7. März 1893.
Heinrich Schroll
pens. Oberbeamter
geb. 14. Febr. 1835 gest. 16. April 1908.

Sockel
Grabstätte der Familie Schroll


  • Schroll, Amalie (vh) / Probst (gb); 1.1.1874 (Dillingen) – 9.9.1896; Leutnants-Gattin
  • Schroll, Anna; 26.2.1864 – 2.2.1887 (München); Arbeitslehrerin
  • Schroll, Anna (vh) / Sammüller (gb); 27.12.1845 – 7.3.1893; Oberbeamtens-Gattin
  • Schroll, Heinrich; 14.2.1835 – 16.4.1908; Oberbeamter
  • Schroll, Josefa (vh) / Menauer (gb); 19.3.1842 – 14.5.1903
  • Schroll, Ludwig; 1866 – 30.8.1867 (München), 10½ Monate alt; Lehrers-Sohn
  • Schroll, Ludwig; 24.2.1832 – 18.11.1917; Königlicher Kreisschulrat a. D.
  • Schroll, Ludwig Wilhelm; 1866 – 21.6.1866 (München), 6 Monate alt; Lehrers-Sohn
  • Schroll, Wilhelm; 1868 – 10.6.1868 (München), 6 Monate alt; Lehrers-Sohn

Todesanzeige für Anna Schroll

Grab der Familie Schroll auf dem Alten Südfriedhof München (November 2014)

#14 – 4 – 57 (Ries)


Hier ruhen
Johann Adam Ries
k. b. Münzmedailleur
geb. d. 16. Oct. 1813 zu
Kulmbach
gest. d. 16. Oct. 1889 zu
München
und dessen Ehegattin
Johanna Luise Ries
geb. Ruckdeschel
geb. d. 17. März 1829 zu
Kulmbach
gest. d. 17. März 1892 zu
München

Sockel
Deren Sohn
Joh. Karl Friedr. Ries
Künstler
geb. d. 18. Mai 1865 zu München
gest. d. 22. Mai 1895

Ant. Weigel.


  • Ries, Joh. Karl Friedr.; 18.5.1865 – 22.5.1895
  • Ries, Johann Adam Peter; 16.10.1813 (Kulmbach) – 16.10.1889 (München); Königlich bayerischer Münzmedailleur
  • Ries, Johanna Luise (vw) / Ruckdeschel (gb); 17.3.1829 – 17.3.1892 (München); Münzgraveurs-Witwe

Grab der Familie Ries auf dem Alten Südfriedhof München (November 2014)

#Johann Adam Peter Ries

* 16.10.1813 (Kulmbach)
† 16.10.1889 (München)
Königlich bayerischer Münzmedailleur

#Rosenheimer Anzeiger (13.12.1924)

Bunte Chronik

Bayerns seltenste und schönste Briefmarke. Am 6. März 1864 gab König Maximilian II. von Bayern den Auftrag, die Postmarken, die bis dahin nur die Wertzahl aufwiesen, fortab mit seinem Bildnis zu versehen. Zugleich wies das Kabinettssekretariat den Medailleur des Hauptmünzamtes in München an, einen Stahlstempel für ein solches Markenbild zu fertigen. Wenige Tage später lag der König auf der Totenbahre. Der Münzmedailleur Ries nahm als selbstverständlich an, daß nunmehr das Porträt von Maximilians Nachfolger auf die Briefmarken zu kommen habe, schnitt kurz entschlossen den Stempel mit dem Bildnisse Ludwigs II. und stellte eine Anzahl Probedrucke der Marke her, die er dem Kabinette vorlegte. Sie zeigten in leichter Prägung in einer geschmackvollen Umrahmung auf farbigem Grunde das Kopfbild des Monarchen und sollen diesem außerordentlich gefallen haben. Allein das damalige Handelsministerium hielt die Ausgabe der Königsmarke nicht mehr für »opportun«, weil inzwischen die meisten Postverwaltungen, die Briefmarken mit Regentenbildern im Gebrauche hatten, dazu übergegangen waren, die Porträts durch das Landeswappen zu ersetzen. Auf den Vortrag des Staatsministers von Pfeufer verzichtete Ludwig II. auf die Ausführung der Marke, die nur in wenigen Stücken der Nachwelt erhalten geblieben ist; eine Anzahl ging überdies bei einem Deckeneinsturz zugrunde. Die erste naturgetreue farbige Wiedergabe dieses Markenkleinods bringt das kürzlich im Bayerland-Verlag in München (Schellingstr. 41) erschienene Buch »Bayerns Postwertzeichen 1849–1920«, das, von Ministerialamtmann Johann Brunner mit amtlicher Unterstützung bearbeitet, auf 33 prächtigen farbigen Kunstdrucktafeln Abbildungen von rund 250 Briefmarken und Entwürfen enthält. Davon sind viele mit den Originaldruckstocken hergestellt, so daß vollwertige Neudrucke der betreffenden Stücke geboten werden.

Rosenheimer Anzeiger Nummer 289. Sonntags-Beilage zum »Rosenheimer Anzeiger«. Samstag, den 13. Dezember 1924.

#14 – 5 – 18 (Mayer · Wittmann)


Grab der Familien Mayer · Wittmann auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#14 – 5 – 31 (Schmidt)


Hier ruhen in Gott
Frau Käthi Schmidt
* 27. Febr. 1843 † 7. Nov. 1884
Herr Ludwig Schmidt
Kriegsministerialsekr. a. D.
* 31. März 1843 † 12. Febr. 1911
deren Sohn
Herr Anton Schmidt
Chemiker
* 23. Juli 1876 † 21. März 1924.


  • Schmidt, Anton; 23.7.1876 – 21.3.1924; Chemiker
  • Schmidt, Käthi (vh); 27.2.1843 – 7.11.1884
  • Schmidt, Ludwig; 31.3.1843 – 12.2.1911; Kriegsministerialsekretär a. D.

Grab der Familie Schmidt auf dem Alten Südfriedhof München (April 2017)

#14 – 5 – 32 (n. n.)


(April 2017)

#14 – 5 – 35 (Fischer)


FAMILIENGRAB
GEORG FISCHER


  • Fischer, Georg
  • Fischer, Therese (vh); – 1887 (München); Schreinermeisters-Gattin

Grab der Familie Fischer auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

#14 – 5 – 45 (Jäger)


Grab der Familie Jäger auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#14 – 5 – 46* (Hamm)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Hamm, Hermann; – (18).10.1890 (München), 71 Jahre alt; Historienmaler

Todesanzeige für Hermann Hamm

Das Grab ist nicht erhalten


#Hermann Hamm

† (18).10.1890 (München), 71 Jahre alt
Historienmaler

#Bayerische Zeitung (12.6.1863)

Münchener Kunstbericht

(9. Juni.) [... ] Im Wesentlichen findet das hier Gesagte auch auf ein in technischem Betracht vorzügliches Gemälde der dieswöchentlichen Kunstvereins-Ausstellung, welches Hermann Hamm zum Schöpfer und die »Heimkehr von Golgatha« zum Gegenstande hat, seine Anwendung. Das Bild macht – wenigstens bei der etwas trüben Beleuchtung, in der wir es gesehen haben – durch die Tiefe, Intensität und Harmonie seiner Farben einen sofort überraschenden, imponirenden und auch bei dauernder Betrachtung sich nicht abschwächenden Eindruck. Man kann es in dieser Hinsicht eine brillante, jedoch nicht bloß blendende, sondern auch fesselnde und wohlthuende Leistung nennen. Und nicht minder effektvoll ist es von Seiten seiner allgemeinen Anlage, in der Gruppirung der drei Figuren, in der Behandlung des landschaftlichen Hintergrundes und der tief-ernsten, der Bedeutung des Moments entsprechenden Beleuchtung. Auch die Behandlung der Gewänder, des Faltenwurfs etc. etc. ist von ästhetischer Wirkung; es liegt in dem Allen eine nicht gewöhnliche Einfachheit und Größe, und der Künstler hat in diesen Puncten bewiesen, daß er einen nicht minder ausgebildeten Sinn für die Eurhythmie der Linien, als für die Harmonie der Farben besitzt. Aber trotz alledem gewährt das Werk doch nicht diejenige Befriedigung, welche manches in technischer Beziehung weit hinter ihm zurückbleibende Bild gewährt; und die Schuld daran trägt, daß es eben für seinen Stoff zu effectvoll, zu sehr dem reinen Farben und Formensinn schmeichelnd ist und dadurch mehr, als es sollte, über die Wahrheit und Tiefe, Naivetät und Innigkeit des Ausdrucks hinausgegangen ist. Am meisten verräth sich dies in der Haltung und dem Gesichtsausdruck der Personen. Die Attitude, in welcher die eine der beiden trauernden Frauen hingegossen am Boden ruht, der dolorose Blick, mit welchem die andere zu Boden schaut, und die schmerzvolle Geberde, mit der Johannes sein Auge zum Himmel kehrt, sind nicht solche, wie man sie an diesen heiligen Personen in dieser Lage für ganz wahr zu halten vermag. Wie sie auf dem Gemälde erscheinen, machen sie mehr den Eindruck von Personen, die sich zur Erzielung eines gesellschaftlichen Zwecks zu einem lebenden Bilde zusammengestellt und, während ihr Geist in Wahrheit vorzugsweise mit der Annahme einer möglichst graziösen Haltung und einer möglichst malerischen Drapirung der Gewänder beschäftigt ist, so gut es gehen will auch die Miene eines nicht wirklich vorhandenen, sondern nur simulirten Schmerzes angenommen haben. Gerade das also, was das Bild eigentlich sein soll, ist es nicht; und erst, wenn man sich hierüber hinwegsetzt, wenn man sich bloß an die Farben und Formen als solche hält, ohne nach ihrer Bedeutung zu fragen, vermag man sich in ungetrübtem Genuß an seinen wirklichen Vorzügen zu erfreuen.

Bayerische Zeitung Nr. 159. Freitag, den 12. Juni 1863.

#14 – 5 – 57* (Sanguinetti)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Sanguinetti, Francesco/Franz; 1800 (Carrara) – 15.2.1870 (München); Bildhauer
  • Sanguinetti, Friederike; – 9.10.1858 (München), 19 Jahre alt, Mordopfer; Bildhauers-Tochter

Das Grab ist nicht erhalten


#Francesco/Franz Sanguinetti

* 1800 (Carrara)
† 15.2.1870 (München)
Bildhauer

#Bayerische National-Zeitung (29.9.1839)

München, 27. Sept. Auf der Ballustrade der von der Strasse zu dem Portale führenden Treppe des neuen Bibliothekgebäudes sind nun die vier dahin bestimmten, acht Fuß hohen Figuren von weissem Kalkstein aufgestellt, die dem Ganzen zur sinnvollen Zierde gereichen. Homer, Thucydides, Hippokrates und Aristoteles, als Repräsentanten aller Hauptrichtungen der Literatur in ihrer formellen und positiven Entwicklung, zeigen sich in ernster, würdiger Gestalt, in sizender nachdenklicher Stellung, mit charakteristischen Attributen. Diese Statuen sind aus dem Atelier der Bildhauer Mayer und Sanguinetti hervorgegangen.

Bayerische National-Zeitung No. 155. Sonntag, den 29. September 1839.

#Neues allgemeines Künstler-Lexicon (1845)

Sanguinetti, Francesco, Bildhauer, geb. zu Carrara 1804, erhielt den ersten Unterricht in seiner Vaterstadt, und bezog 1818 zur weiteren Ausbildung die Akademie der Künste in Berlin, wo er bald der Lieblingsschüler des berühmten Rauch ward, indem kein anderer den Geist dieses Meisters in dessen Skizzen so erfasste und wiedergab, als Sanguinetti. Desshalb sandte ihn Hauch 1829 nach München, um das Modell zu der Statue des höchstseligen Königs Maximilian auszuführen. Nachdem er sich dieses Auftrages zur vollen Zufriedenheit sowohl seines Meisters als des regierenden Königs Ludwig von Bayern entlediget hatte, unternahm er eine Reise durch Italien, um durch das Studium der Antike die letzte Reife zu erlangen, aber nach seiner Rückkunft war es ihm nicht lange mehr möglich in Berlin zu bleiben, indem ihn die grossartigen Kunstschöpfungen des Königs Ludwig unwiderstehlich nach München zogen. Doch Sanguinetti erwarb sich auch in München bald einen geachteten Namen, und geniesst somit seit mehreren Jahren eine ehrenvolle Selbstständigkeit.

Zu Berlin arbeitete er im Atelier des Professors Rauch, und lieferte einige Werke, die ein tüchtiges Talent verriethen. Darunter erwähnen wir vornehmlich einer Statue des Hylas in Marmor. Dann führte er auch mehrere Büsten in Marmor aus, wie jene des Generals Lestock, des Majors Scharnhorst u. a.

Auch in München zeichnen sich seine Werke unter dem vielen Vortrefflichen, welches die Plastik daselbst bereits geliefert hat, aus. Von ihm sind die Statuen des Aristoteles und Hippokrates am Portale des neuen, von Gärtner erbauten prachtvollen Bibliothekgebäudes, die Statuen der Heiligen Ottilia und Lucia über dem Portale des neuen Blinden-Institutes, die Statue des Ornamentisten im Giebelfelde der Glyptothek, die Statuen Correggio’s, Hemling’s und Velasquez’s unter den Standbildern berühmter Künstler auf dem Dachgesimse der Pinakothek, die 16 Cariatyden im Thronsaale der k. Residenz, u. A. Dann führte Sanguinetti im Auftrage des Königs für die bayerische Ruhmeshalle mehrere Büsten in Marmor aus, wie jene von Albrecht Dürer, Abbé Vogler, Conrad Peutinger, Baron Kreitmayer, und in letzter Zeit jene des Feldherrn Tilly. Sein Werk sind ferner auch die Medaillons von bayerischen Herzogen in der Aula der Universität und die Portraitmedaillons an der Facade dieses Prachtgebäudes, in gebrannter Erde ausgeführt.

Dr. Georg Kaspar Nagler: Neues allgemeines Künstler-Lexicon oder Nachrichten von dem Leben und Werken der Maler, Bildhauer, Baumeister, Kupferstecher, Formschneider, Lithographen, Zeichner, Medailleure, Elfenbeinarbeiter etc. Bearbeitet von Dr. G. K. Nagler. München, 1845.

#Allgemeine Zeitung (19.2.1870)

München, 17 Febr. Am 15 d. starb dahier der Bildhauer Francesco Sanguinetti. Geboren 1800 zu Carrara, studierte er zuerst in der Heimath unter der Leitung seines Vaters, und folgte schon im Jahr 1818 dem Meister Rauch nach Berlin, wo er bald dessen Lieblingsjünger wurde. Rauch sendete ihn 1829 nach München um die sitzende Kolossalstatue des Königs Maximilian Joseph I (mit den zu dessen Denkmal gehörigen Reliefs) zu modelliren. Nach einer kurzen Reise nach Italien kehrte Sanguinetti 1831 nach Berlin zurück, um mehrere Büsten nach Rauchs Modellen, auch eine Statue des Hylas in Marmor, selbständig auszuführen.

Nach München übergesiedelt arbeitete er anfangs größtentheils nach Schwanthalers Entwürfen und erwarb sich durch seine geschickte Ausführung in Stein einen rühmlichen Namen unter den gleich mitstrebenden Genossen Xaver Schwanthaler († 23 Sept. 1854), Leeb († 5 Juli 1883), Lossow (aus Bremen) und Gg. Zell. Nach Ludwig Schwanthalers Modellen meißelte er die an der Steintreppe der Hof- und Staatsbibliothek sitzenden Statuen des Aristoteles und Hippokrates, nach Konrad Eberhard die Standbilder der hl. Ottilia und Lucia am Portale des Blindeninstitutes. Zu Sanguinetti’s selbständigen Arbeiten gehören etliche Medaillon-Porträte von Gelehrten an der Facade der Universität, sowie die Herzogbilder in der Aula daselbst. Ferner entstanden die damals viel genannten Büsten des Ministers Karl Grafen v. Seinsheim, des Grafen v. Rechberg und einer vielgerühmten Münchener Schönheit, die Statue Memlings an der Pinakothek, desgleichen die des Ornamentisten im Giebelfelde der Glyptothek. Auch eine Anzahl kleiner Charakterstatuetten schuf Sanguinetti, z. B. die des Baumeisters Fr. Gärtner (noch in der Akademie) und einige humoristische Porträtfiguren, welche der Kunstverein erwarb.

Der überaus fleißige Mann erfreute sich bald eines behäbigen Wohlstandes und gründete einen eigenen Herd in einer mit drei Kindern gesegneten glücklichen Ehe. Der Abend seines Lebens wurde aber mit herben Schicksalsschlägen heimgesucht. Goethe’s goldene Wirthschaftsregel, daß der nicht von der Erde geborne Mann sich nicht mit der Erde einzulassen habe, bewährte sich auch hier in trauriger Weise: Sanguinetti verlor ein kleines Landgut (bei Starnberg), welches der Künstler nicht zu bewirthschaften verstand; dann fiel seine schön aufgeblühte Tochter, erst 19 Jahre alt, unter der Mörderhand eines eifersüchtigen Studenten (7 Oct. 1858); seine schöne Bildersammlung verschwand unbezahlt mit einem gewissenlosen Kunsthändler; zuletzt verlor er im Jahr 1866 sein mühsam erspartes Vermögen und wurde sogar zum Verkauf seines kleinen Hauses gezwungen. Sein letztes Werk, welches der seit fünf Jahren von der schmerzhaftesten Gicht geplagte, ehedem so bildschöne und baumstarke Mann nicht mehr vollenden konnte, war eine für das Nationalmuseum bestimmte Statue König Maximilians II, dessen Büste (noch als Kronprinz) seine erste selbständige Leistung in München gewesen war. Das ist der traurige Ausklang eines reinen, ursprünglich schön angelegten Künstlerlebens.

Allgemeine Zeitung Nr. 50. Augsburg; Samstag, den 19. Februar 1870.

#Augsburger Postzeitung (22.2.1870)

Lokales und Provinzielles.

Am 15. ds. starb in München der Bildhauer Sanguinetti. Der Allg. Z. entnehmen wir über denselben folgende biographische Notizen: Geboren 1800 zu Carrara studirte Sanguinetti zuerst in der Heimath unter der Leitung seines Vaters und folgte schon 1818 dem Meister Rauch nach Berlin, wo er bald dessen Lieblingsschüler wurde. In den Dreißigerjahren siedelte er nach München über, wo er Anfangs größtentheils nach Schwanthaler’s Entwürfen arbeitete und sich durch seine geschickte Ausführung in Stein einen rühmlichen Namen erwarb. In der Folgezeit entstand eine Reihe geschätzter, selbständiger Arbeiten. Der sehr fleißige Mann erfreute sich bald eines behäbigen Wohlstands und gründete einen eigenen Herd in einer mit 3 Kindern gesegneten Ehe. Der Abend seines Lebens wurde aber mit herben Schicksalschlägen heimgesucht. Sanguinetti verlor ein kleines Landgut (bei Starnberg), welches der Künstler nicht zu bewirthschaften verstand; dann fiel seine schön aufgeblühte Tochter, erst 19 Jahre alt, unter der Mörderhand eines eifersüchtigen Studenten (sie wurde von K Ferner am 7. Oktober 1838 erschossen); seine schöne Bildersammlung verschwand unbezahlt mit einem gewissenlosen Kunsthändler; zuletzt verlor er im Jahre 1866 sein mühsam erspartes Vermögen und wurde sogar zum Verkauf seines kleinen Hauses gezwungen. Sein letztes Werk, welches der seit 5 Jahren von der schmerzhaftesten Gicht geplagte, ehedem so bildschöne und baumstarke Mann nicht mehr vollenden konnte, war eine für das Nationalmuseum bestimmte Statue König Maximilian’s II.

Augsburger Postzeitung Nr. 44. Dienstag, den 22. Februar 1870.

#Allgemeine Deutsche Biographie (1890)

Sanguinetti: Francesco S., Bildhauer, geb. 1800 zu Carrara, erhielt von seinem Vater Gaetano S., einem vorzüglichen Musiker und Plastiker, den ersten Unterricht, folgte dann 1818 dem Bildhauer Rauch nach Berlin, wo er bald dessen Lieblingsschüler wurde, indem kein anderer den Geist dieses Meisters in dessen Skizzen so erfaßte und wiedergab als S. Deshalb sendete ihn Rauch 1829 nach München, um die sitzende Kolossalstatue des Königs Maximilian Joseph I. mit den zum Denkmal gehörigen Reliefs zu modelliren. S. löste seine Aufgabe sowol zur vollsten Zufriedenheit seines Meisters als auch des regierenden Königs Ludwig I., welcher in der Folge den Künstler immer im Auge behielt und mit Aufträgen betraute.

S. unternahm eine kurze Reise in seine Heimath, kehrte dann nach Berlin zurück, um in Rauch’s Atelier mehrere Büsten nach dessen Modellen zu vollenden und selbständig die Statue eines »Hylas« in Marmor auszuführen. Hierauf übersiedelte S. nach München, arbeitete anfänglich größtentheils nach Schwanthaler’s Modellen und erwarb sich durch seine geschickte Ausführung in Stein einen rühmlichen Namen ebenso wie Leeb, Xaver Schwanthaler, Lossow und Zell. Unter den die Steintreppe der Hof- und Staatsbibliothek schmückenden Statuen meißelte S. die Figur des Thucydides, auch die Statuetten der heiligen Ottilia und Lucia (nach Konrad Eberhard) über dem Portal des Blindeninstituts; ebenso ist die vorzügliche Statue des Ornamentisten im Giebelfelde der Glyptothek Sanguinetti’s Werk.

Im Gebiete der Kleinplastik erwies er sich gleichfalls thätig. S. modellirte die Charakterfigur eines »Münchener Bierwirths«, meißelte eine zierliche »Frauenhand« in Marmor (1833), schuf einen heiteren »Bettelknaben« (1834, in Erz gegossen von Stiglmayer) und zwei kleine Bildnißstatuetten von Leo v. Klenze und Fr. v. Gärtner (1835); später brachte er noch in den Kunstverein eine Statuette des Königs Maximilian II. (1850), der Königin Marie (1853) und eine Büste der Baronin v. Redwitz (1851).

Nach Schwanthaler’s Skizzen fertigte S. die Statuen des Correggio, Memling und Velasquez unter den Standbildern berühmter Künstler, welche das südliche Dachgesimse der Alten Pinakothek schmücken. Sein Werk sind ferner die Medaillons von bairischen Herzogen in der Aula der Universität und die Porträtmedaillons (in gebrannter Erde) an der Hauptfaçade dieses Prachtgebäudes, ebenso die 16 Karyatiden im Thronsaale der Residenz. Dann führte S. im Auftrage des Königs für die bairische Ruhmeshalle (Bavaria) mehrere Büsten in Marmor aus, wie jene von Albrecht Dürer, Konrad Peutinger, Gf. Tilly, Andreas Wolf, Wiguläus Frhr. v. Kreittmayr, Abbé Vogler u. s. w. Zu seinen späteren Leistungen gehören zwei Victorien am Siegesthor, etliche Halbfiguren (Kränze haltend) am Nationalmuseum und die Genien auf der Bekrönung des Maximilianeum.

Während S. unter redlicher Arbeit alterte, hatte er noch das Unglück, daß seine einzige Tochter Friederike, völlig schuldlos, von ihrem eifersüchtigen Bräutigam am 7. October 1858 ermordet wurde. Am 15. Februar 1870 legte S. sein müdes Haupt zur Ruhe; er hatte, so viel es in seinen Kräften stand, beigetragen, der unter König Ludwig’s Aegide rasch erblühenden Stadt einen würdigen Theil ihres decorativen Schmuckes zu verleihen.

Vgl. Raczynski 1840, II, 683. – Nagler 1845, XIV, 264. – Nekrolog in Beil. 50 der »Allgem. Ztg.« vom 19. Februar 1870. – Lützow 1870, V, 106.

Hyac. Holland.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1890.

#Friederike Sanguinetti

† 9.10.1858 (München), 19 Jahre alt, Mordopfer
Bildhauers-Tochter

#Bayerisches Volksblatt (13.10.1858)

Deutschland.

München, 10. Oct. Heute Nachmittag ist die irdische Hülle der Bildhauerstochter Friederike Sanguinetti zur Erde bestattet worden. Schon gestern Nachmittag und heute während des ganzen Vormittags war der Gottesacker von Leidtragenden und Neugierigen äußerst zahlreich besucht, die alle gekommen waren, um dieses unschuldige Opfer einer unverantwortlichen Leidenschaft noch einmal zu sehen. Bei dem Leichenbegängnisse selbst aber zeigte sich die innigste und aufrichtigste Theilnahme. Der Leichenacker war überfüllt von Leidtragenden aus allen Ständen; Alles drängte sich herbei trotz des Pferderennens auf der Theresienwiese, um einem wirklich braven, gesitteten Mädchen die letzte Ehre zu erweisen; und wie der das Grab einsegnende Geistliche mit sichtlicher Ergriffenheit bei der Grabesrede erzählte, wie folgsam die Gemordete den Eltern war, wie treu sie ihre Pflichten als brave Katholikin erfüllte, wie schonend sie stets Dem die Nichtigkeit des Verhältnisses dargestellt hat, der, Liebe heuchelnd, sie dem frühzeitigen Tode überantwortete, mit welchen lockenden Worten und mit welcher Beharrlichkeit er nach eigenem Geständnisse das Mädchen in den Garten ihrer Eltern zu gehen bewogen hat, wie der Furchtbare, allen vernünftigen Erinnerungen kein Gehör schenkend, sie mit kalter Grausamkeit niederschoß und selbst die mit dem Tode Ringende ohne alle Theilnahme verließ, da entstand ein allgemeines Schluchzen und lautes Weinen unter den Tausenden, die das Grab umstanden. Wie gesagt, es zeigte sich die innigste und aufrichtigste Theilnahme. Mögen die tiefbetrübten Eltern hierin einigen Trost in ihrem gerechten Schmerze finden. – Die Mordthat bildet hier immer noch das Tagesgespräch. Die Angaben in Bezug auf die Details lauten zum Theil abweichend von den ersten Notizen welche die Blätter über den Vorfall ins Publikum brachten. So geschah, wie die »Ldb.« jetzt berichtet, die That nicht auf der Straße, sondern im Garten des Bildhauers Sanguinetti, wohin der Mörder, der Cand. jur. Förner aus Edenkoben in der Rheinpfalz, das unglückliche Opfer zu verlocken gewußt hatte. Das Mädchen, getreu den Befehlen seiner Eltern, wollte ein Verhältniß abbrechen, welchem diese ihre Zustimmung versagten, nach anderen Angaben drängte sie ihren Geliebten, ihren Eltern ihr beiderseitiges Verhältniß aufzudecken, wessen er sich weigerte; vielmehr forderte er in der Wildheit seiner ungebändigten Leidenschaft, sie solle sich mit ihm erschießen. Als sie hierauf nicht einging, faßte Förner sie krampfhaft am Arme und streckte sie durch einen Schuß nieder. Der Unselige soll nach der That den Plan gehegt haben, sich selbst zu entleiben; von diesem zweiten Verbrechen stand er jedoch nach längerem Umherirren wieder ab und gab sich auf der Polizeiwache als den Mörder seiner 19jährigen Geliebten an. Bei der am 8. stattgehabten Obduktion der Leiche soll er sich im hohen Grade ergriffen gezeigt haben. – Die »Allg. Ztg.« bringt über obigen Vorfall nachstehenden Bericht:

Das Ende der Tochter des Bildhauers Sanguinetti findet in allen Kreisen die lebhafteste Theilnahme. Der junge Mann (G. Förner von Edenkoben), welcher ihr das Leben nahm, war bis jetzt die Hoffnung seiner noch lebenden Eltern. Er hatte mit Auszeichnung (stets als der erste) die Gymnasialstudien in der Pfalz absolvirt, und heute (9) sollte er an hiesiger Universität sein juristisches Examen bestehen. Gewiß ist, daß er nicht bloß seiner Geliebten, sondern auch sich selbst das Leben nehmen wollte. In diesem Sinn schrieb er noch wenige Stunden vor der grauenhaften That an einen seiner Bekannten, die übrigens fast insgesammt, von dem schon seit drei Jahren bestehenden Verhältniß keine Ahnung hatten. Doch fehlte ihm, wie es scheint, der Muth, nachdem er das Mädchen hingestreckt, »sich im Tod mit ihr zu vereinen,« wie er die Absicht ausgesprochen haben soll (das Rauschen des Wassers habe ihn zur Besinnung gebracht, sagte er!), nachdem so wenig Hoffnung vorhanden war, dieß ersehnte Ziel im Leben zu erreichen. Dieser Fall, wie so manch andere Erscheinungen zeigen in erschütternder Weise, daß die Begriffe der Ehre und Sittlichkeit vielfach in höchst unglücklicher Weise aufgefaßt werden. Die Sentimentalität und Mangel an wahrem Mannesmuth und Mangel an Dem, setzen wir hinzu, was jenen allein zu geben vermag, an religiösem Glauben und Sinn,) spielen überall eine große Rolle, und die Selbstmordsgedanken wagen sich ohne Scheu selbst auf die offene Gasse. So lesen wir eben heute in den »Neuesten Nachrichten«, wo die Ergüsse der Verliebten ihre Ablagerung finden: »Wenn nicht Sie mir Hülfe senden, dann ist meinem Leben bald ein Ende.« Wir dächten aber, es wäre genug für einen Christen, das Musterdeutsch in dem Münchener Localbericht jenes weit verbreiteten Blattes lesen zu müssen. Mit den Qualen und Schmerzen der Verliebten sollte man billig verschont bleiben.

Bayerisches Volksblatt Nro. 241. Regensburg; Mittwoch, den 13. Oktober 1858.

#Münchener Bote für Stadt und Land (1.4.1859)

Schwurgerichtssitzung.
Am 31. März.

Unter einem sehr großen Andrang des Publikums, das schon vor 8 Uhr Morgens alle Räume gefüllt hat, findet heute Verhandlung statt gegen Georg Ferner, 22 Jahre alt, aus Edenkoben in der Pfalz gebürtig, Universitätsstudenten, – wegen Mordes. Der Vorsitzende des Gerichtes ist Appell-Ger.-Rath Graf Holnstein, die übrigen Richter sind die HH. Bezirks.-Ger.-Rath Dr. May, Rattinger, v. Heinleth und Bezirks-Ger.-Assessor v. Hermann. Die Staatsbehörde ist durch Hrn. Staatsanwalt v. Stenglein vertreten, die Vertheidigung wird vom Hrn. Accessisten Sensburg geführt. Als Geschworne fungiren: die HH. 1) Handelsmann Lechner von Niederaschau, 2) Kunstmaler Petzl v.h., 3) Privatier Wegmair v. h., 4) Wirth Karl von Geisenfeld, 5) Loderermeister Hell v. h., 6) Bräuer Liepold von Gaimersheim, 7) Spängler Bader von Erding, 8) Bader Köstler v. h., 9) Eisenhändler Krailer von Traunstein, 10) Vergolder Radspieler v. h., 11) Mühlbesitzer Reindl v. h., und 12) Maurermeister Wolf von Traunstein. Als Sachverständige sind geladen: HH. Gerichtsarzt Dr. Hofmann, Universitätsprofessor Dr. Martin und Universitätsprosessor Dr. Lindwurm. Die Anklageschrift führt Folgendes vor: Georg Ferner, ein junger Mann von Talent, war bis zur Zeit der That sehr gut beleumundet. Er hätte im verflossenen Herbst sein juridisches Schlußexamen machen sollen. Den Winter 1858 hätte er mit der Bildhauerstochter Friederike Sanguinetti ein Liebesverhältniß angefangen, dieselbe hatte auch einige, jedoch keineswegs leidenschaftliche Zuneigung zu ihm, wie das aus den Aeusserungen, die sie einigen ihrer Freundinnen gegenüber machte, hervorgeht: sie äußerte nämlich, daß sie, da er sie doch nicht versorgen könne, das Verhältniß bei seiner Abreise von München lösen wolle. Auch erzählte sie ihren Freundinnen, daß G. Ferner gedroht habe, er werde sich selbst den Tod geben, wenn sie ihm nicht treu bleibe. In Folge dieses Liebesverhältnisses willigte Friederike Sanguinetti auch zwei Mal ein, mit G. Ferner in dem Garten ihrer Eltern, der an der Arcisstraße unmittelbar hinter der Anlage der k. Glyptothek liegt, zusammenzukommen. Das dritte und letzte Mal kam sie mit ihm am 7. Okt. Abends zusammen. Wenige Tage darauf hätte G. Fernerer sein Examen machen und dann sofort in die Heimath abreisen sollen. Bei diesem letzten Zusammentreffen beabsichtigte F. Sanguinetti, ihm bestimmt zu erklären, daß sie sich für die Zukunft nicht binden könne. G. Ferner äußerte wiederholt, wie ungern er München verlasse, und war namentlich in den letzten Tagen, die dem 7. Oktober vorhergingen, sehr niedergeschlagen, eine auffallend erregte Gemüthsstimmung hat man jedoch an ihm nicht wahrgenommen, seine Freunde kannten seinen schwärmerischen Charakter und seine Liebe, aber nichts ließ darauf schließen, daß er einen Gewaltsschritt beabsichtige. Es findet sich aber von G. Ferner Schriftliches bis zum 21. September 1858 rückwärts vor, worin er von Selbstmord und einer vorangehenden Tödtung seiner Geliebten spricht. Ferner ist hergestellt, daß er sich gegen Ende Septembers mit einem Doppelterzerol, 6 Kugeln und Kapseln versehen und daß er sich mit diesem bei dem letzten Rendezvous eingefunden hat. Ueber die Weise, wie Friedr. Sanguinetti um's Leben kam, machte G. Ferner verschiedene Angaben. Er behauptete, daß er den bestimmten Entschluß, das Mädchen zu tödten, erst im Garten gefaßt habe, als er dort eine halbe Stunde lang allein gewartet hatte; ein andersmal sagte er: erst der letzte Augenblick der Trennung und der Gedanke, daß er nun seine Geliebte verlieren werde, hätten ihn zu der allerdings schon vorbereiteten Handlung hingerissen. Als Beweggrund zur That gab er bald Eifersucht, bald die Unmöglichkeit an, sich in eine Trennung zu finden, bald das Gefühl körperlicher Verkommenheit in Folge von geheimen Jugendsünden, die ihn nie in den Besitz seiner Geliebten gelangen lassen würden. Ein andersmal äußerte er: er habe die Friederike erschossen, als sie davon eilte, weil er geglaubt habe, sie wolle wegen des von ihm beabsichtigten Selbstmordes Lärm mache. Wieder ein andersmal sagte er: das Pistol habe sich entladen in Folge der Bemühung des Mädchens, ihn vom Selbstmorde abzubringen. – Die That geschah um halb 10 Uhr Nachts, um diese Zeit hörten zwei in der Nähe stehende Wachtposten einen Schuß. Um 11 Uhr meldete sich G. Ferner auf der Polizeidirektion. Er gestand dort seine That und gab, wenn auch mit Zeichen geistiger Aufregung, auf jede Frage richtig Antwort. Die Leiche des Märchens fand man am bezeichneten Orte der That; neben ihr lagen einige zerrissene Stücke von ihrem Kleide, man sah viele Fußtritte von Beiden in den Beeten des Gartens, Pulver-Reste in Papier eingewickelt und andere Gegenstände. Der Schuß war durch die Brust gedrungen, hatte die Leber und die großen Blutgefässe des Unterleibes zerrissen, so daß der augenblickliche Tod die nothwendige Folge war. Unmittelbar nach der That eilte Ferner in den englischen Garten, in der Absicht, sich selbst das Leben zu nehmen, das Rauschen des Wassers habe ihn aber zu sich gebracht und ihn an die Pflicht erinnert, sich der weltlichen Gerechtigkeit zu stellen; er habe die Pistole in's Wasser geworfen und sich dann auf die k. Polizeidirektion begeben. (Fortsetzung folgt.)

Münchener Bote für Stadt und Land No. 78. München; Freitag, den 1. April 1859.

#Münchener Bote für Stadt und Land (2.4.1859)

Hauptstadt-Neuigkeiten.

– Der Ferner'sche Prozeß am Schwurgericht nimmt gegenwärtig das ausschließende Interesse des Tages in Anspruch. Gestern war der Zudrang des Publikums – darunter der größte Theil weibliches – so groß, daß eine verschlossene Thüre eingedrückt wurde und zur Aufrechterhaltung der Ordnung 20 Mann Gendarmen am Platze waren.

Schwurgerichtssitzung.
Am 1. April.

[Fortsetzung der Verhandlung gegen Georg Ferner, Universitätsstudent – wegen Mordes.] Der Angeklagte übergab dem Gerichtshof ein umfassendes Schriftstück, seine Biographie enthaltend. Er führt in derselben durch, daß er von frühester Jugend an sich zur Poesie hingezogen fühlte, daß er einzig und allein in ihr und in der Musik seine Befriedigung fand, und daß er sich nur unlieb bloß um dem Willen seiner Eltern zu genügen zum juridischen Studium entschloß: Er schildert darin seine unendliche Liebe zu dem schönen Mädchen, von welchem er sich überzeugt fühlte, daß es, wären die Eltern nicht dagegen gewesen, sich ihm verbunden hätte. Der Gedanke, seine Friederike verlieren zu müssen und sie im Besitze eines Andern zu wissen, sei ihm unerträglich geworden. Er habe sich hierüber in seinen Gedanken bis zum Wahnsinn abgemartert. Mit Allem, was ihm theuer war, mit kleinen Andenken, die er von Friederike erhalten hatte, zum Tode geschmückt, sei er zum letzten Rendezvous in den Garten gekommen, einen Monolog aus dem rasenden Ajax recitirend. Als er längere Zeit im Garten allein gewesen, sei ihm der Gedanke aufgestiegen: Sie geht mit dir! Der Gedanke, sie hienieden im Besitze eines Andern zu wissen, sei ihm als das Schrecklichste erschienen, süß dagegen sei ihm die Zuversicht gewesen, sie allein zu sehen im Jenseits als Selige. Als Friederike endlich erschienen, seien sie lange schweigsam beisammen gesessen, sie habe ihn aufzuheitern gesucht, jedoch vergebens, der Gedanke, daß ein Anderer schwelgen sollte, wo er anbetete, habe ihn nicht mehr zur Besinnung kommen lassen. Wäre es an jenem Abend nicht so dunkel gewesen, hätte er in die schönen freundlichen Augen Friederikens blicken können, die That wäre nicht geschehen. Als sich nun endlich Friederike zum Gehen angeschickt und die Worte ausgesprochen: »Komm', da hast Du meinen letzten Kuß!« habe es ihn plötzlich wild durchzuckt und er wisse nicht, wie es geschehen, das Mädchen stürzte todt vor ihm nieder. Jetzt sei er plötzlich wieder zu sich gekommen, der Gedanke, sich selbst zu tödten, sei wieder erwacht, aber er wollte dieß nicht in Friederikens Nähe thun, sondern ferne von ihr. Der Angeklagte spricht schließlich in diesem Schreiben aus daß er allerdings gewärtigen müsse, daß man in seine Angaben Zweifel setze, er sagt, er würde selbst nicht daran glauben, wenn er es nicht erfahren hätte. Er will dieß Alles nur geschrieben haben, um der Wahrheit, nicht um seiner Erhaltung willen: »Ich muß, schließt er, zu ihr aber nicht durch meine Hand, sondern durch die Hand der strafenden Gerechtigkeit!« Die Zeugen bekunden Folgendes: Der Gendarm, welcher die Wache hatte, als Georg Ferner sich um halb 12 Uhr auf der Polizei stellte, ferner zwei damals anwesende Brigadiere deponiren, Ferner habe geäußert: »Ich wollte das Mädchen eigentlich nicht umbringen, sondern der Schuß ging los; ich hab' mich erschießen wollen, das Mädchen hat es nicht gelitten, da ist die Pistole losgegangen.« Sie sagen, der Angeklagte sei zwar sehr aufgeregt gewesen, aber nicht verwirrt, er habe auf alle Fragen eine bestimmte Antwort gegeben. Hr. Polizeiaktuar Entmoser, welcher den Angeklagten in jener Nacht vernommen hat, deponirt: der Angeklagte sei bei seiner Vernehmung bei voller Besinnung gewesen und habe als das Motiv des Verbrechens angegeben: »der Gedanke, das Mädchen zu verlieren, und es in den Armen eines Andern zu wissen, hat mich ganz aus der Fassung gebracht, und als ich Friederike davon fliehen sah, habe ich krampfhaft nach dem Pistol gegriffen und es abgedrückt, ich weiß eigentlich selbst nicht, wie es geschehen ist.« Der Hauseigenthümer Lanzer gibt an, er habe beobachtet, wie Ferner ganze Stunden lang vor dem Hause Sanguinetti's stand uad hinauf blickte, er glaubt, ein ernsthaftes Verhältniß habe zwischen ihm und dem Mädchen nicht bestanden, Friderike Sanguinetti habe oft Angst wegen Ferner und den Wunsch geäußert, wenn er nur bald fort wäre; einmal habe er beobachtet, wie Ferner hinter dem Mädchen nachgegangen sei und geweint habe; Friderike Sanguinetti habe geäußert: »er verlangt, daß ich ihm ewige Liebe und Treue schwöre, das thue ich nicht, verkaufen will ich mich nicht.« Die Leute bei welchen Ferner wohnte, sagen, daß er von jeher Hang zur Schwärmerei gehabt habe, in den letzten Lagen sei er sehr traurig und niedergeschlagen gewesen. Er sei am kritischen Abend nach 5 Uhr vom Hause weg, um, wie er sagte, ins Theater zu gehen, etwas auffallendes habe man aber an ihm damals nicht bemerkt. Einige Zeuginnen, Freundinnen der unglücklichen Friederike Sanguinetti, geben an, dieselbe habe geäußert: »sie habe zwar den Ferner lieb, aber keine Aussicht mit ihm, sie werde deßwegen das Verhältniß lösen und ihm dieses auch beim Abschiede sagen.« Ferner habe ihr einmal mit dem Umbringen gedroht, wenn sie ihm untreu würde, sie habe aber diese Drohung mehr als Spaß aufgenommen. Drei Freunde des Angeschuldigten, die HH. Glock, Lommel und Schrödler, welche ihn von Jugend auf kennen, sagen, daß er von jeher sehr schwärmerisch war, daher er auch den Beinamen der »Ueberschwängliche« hatte. Schon in seinem 10. Lebensjahre habe Ferner Schiller's Werke gelesen. In letzterer Zeit habe sich Ferner von ihrer Gesellschaft ferne gehalten, und auffallend war ihnen, daß er bezüglich seines Liebesverhältnisses ihnen gegenüber sich ganz verschlossen zeigte, von Selbstmordgedanken hätten sie aber nicht die entfernteste Ahnung gehabt. Der Büchsenmacher Stiegele gibt an, Ferner sei in der ersten Woche des Oktoberfestes zu ihm gekommen, habe eine Doppelpistole gekauft, und Kugeln, Kapseln und Pulver bestellt: Ferner habe dabei immer gelacht und die Aeußerung gemacht: »die vielen Kapseln verschieß' ich in meinem Leben auch nicht.« Aus den vielen Scripturen Ferners, die verlesen werden, theils an seine Freunde, theils an Friederike Sanguinetti gerichtet, ist ersichtlich, daß derselbe das Mädchen mit der edelsten Leidenschaft geliebt hat, »er liebte, heißt es in einem dieser Briefe, nur Gott und Friedericke.« In allen diesen Stripten gibt sich eine außerordentlich poetische Begabung, zugleich aber eine maaßlose Selbstüberschätzung kund, denn die Stellen, wo er von der Ueberlegenheit seines Geistes, von der Kälte und Ruhe, mit welcher er sonst alle Lebensverhältnisse ansah, von den sprühenden Funken seines Witzes etc. spricht, wiederholen sich öfters. Den Zeugen gegenüber hat G. Ferner nicht ein Wort zu erinnern, er bleibt bei seiner Angabe stehen, daß er den Vorsatz, die Geliebte zu tödten, nicht gehabt habe und daß er im Augenblicke der That vollends ausser sich gewesen sei. (Schluß folgt.)

Münchener Bote für Stadt und Land No. 79. München; Samstag, den 2. April 1859.

#Münchener Bote für Stadt und Land (3.4.1959)

Schwurgerichtssitzung.

[Schluß der Verhandlung gegen G. Ferner – wegen Mord.] Hr. Prof. Dr. Hofmann gab sein ausführliches Gutachten, welches im Publikum großen Eindruck hervorbrachte, dahin ab, daß sich der Angeklagte zur Zeit der That in jenem geistigen Zustande befunden hat, den das Gesetz unter dem Begriffe der geminderten Zurechnungsfähigkeit versteht. Die HH. Doktoren Lindbrunn und Martin führten die Ansicht des Obermedizinalkomites aus, welche dahin geht, daß sich G. Ferner in einem vollkommen geistesgesunden Zustande befunden habe. Der k. Staatsanwalt Hr. v. Stenglein hielt die Anklage auf Mord in ihrem vollen Umfange aufrecht, Hr. Vertheidiger Acc. Sensburg plaidirte auf das Verbrechen des Todschlages, begangen bei geminderter Zurechnungsfähigkeit. Den Geschwornen wurden 4 Fragen vorgelegt, die 1. auf Mord lautend, die 2., ob die That mit Vorbedacht beschlossen, die 3., ob sie mit Ueberlegung ausgeführt, die 4., ob der Angeklagte im Zustande geminderter Zurechnungsfähigkeit gehandelt habe. Der Wahrspruch lautete: Schuldig des Mordes, mit Vorbedacht beschlossen, jedoch ohne Ueberlegung ausgeführt, verübt im Zustande geminderter Zurechnungsfähigkeit. Der Gerichtshof verurtheilte den G. Ferner nach Antrag der Staatsbehörde zum Minmum, zur Festungsstrafe II. Grades auf 12 Jahre. Die Verhandlung endete erst gegen Mitternacht und das alle Räume füllende Publikum hielt bis zum letzten Augenblicke aus. Der Angeklagte, der während der ganzen zweitägigen Verhandlung sehr niedergeschlagen, mit gesenktem Blicke, öfters weinend, dagesessen war, zeigte bei Vernehmung des Wahrspruchs und der Urtheilsverkündung keine besondere Regung.

Münchener Bote für Stadt und Land No. 80. München; Sonntag, den 3. April 1859.

#Der Sammler (5.4.1859)

Schwurgerichts-Verhandlung
gegen den Studenten Georg Ferner wegen Mordes der Bildhauerstochter Friederike Sanguinetti.

München, 2. April. Georg Ferner, 22 Jahre alt, Lehrerssohn aus Edenkoben, ist des Mordes der Bildhauerstochter Friederike Sanguinetti von hier beschuldigt. Nach der Anklageschrift hat Ferner, ein sehr talentvoller junger Mann, im August 1854 das Gymnasium zu Zweibrücken absolvirt und kam im November des Jahres 1855 hieher an die Universität, wo er das Studium der Rechte ergriff und im vergangenen Herbste das theoretische Schluß-Examen hätte machen sollen. Schon im Winter 1857 knüpfte Ferner mit der 17jährigen Bildhauerstochtcr Friederike Sanguinetti von hier, welche schon längere Zeit seine Aufmerksamkeit erregt hatte, ein Liebesverhältniß an. Dieselbe hatte wohl auch einige, keineswegs aber leidenschaftliche Zuneigung zu Ferner, was aus Aeußerungen hervorgeht, die sie gegen Freundinnen machte, daß sie nemlich weder abwarten könne noch wolle, bis Ferner ihr eine Versorgung zu bieten im Stande sey, und daß sie deßhalb das Verhältniß mit ihm bei seiner bevorstehenden Abreise von München zu brechen gesonnen sey. Zugleich äußerte sie aber auch ernste Besorgnisse über von Ferner gegen sie gemachte Drohungen, daß er, wenn sie ihm nicht treu bleibe, sich selbst den Tod geben werde. In Folge dieses Verhältnisses, vielleicht aber auch wegen dieser Drohungen Ferner's willigte sie zweimal ein, mit ihm in dem unmittelbar hinter der Arcisstraße gelegenen Garten ihrer Eltern heimlich zusammenzukommen, wobei sie aber jedesmal gegen Ferner unverholen die Absicht aussprach, das Verhältniß mit ihm lösen zu wollen. Am 7. Oktbr. v. J. traf sie zum dritten-, und wie es wahrscheinlich verabredet war, zum letztenmale mit Ferner, der wenige Tage nachher nach bestandenem Examen in die Pfalz abreisen sollte, in diesem Garten zusammen, bei welch letztem Rendezvous sie dem Ferner die schon früher und mehrfach gemachte bestimmte Erklärung wiederholen wollte, daß sie sich nicht für die Zukunft binden könne. Ferner, der sich öfters geäußert hatte, daß er München sehr ungerne verlasse, zeigte sich in den letzten Tagen sehr niedergeschlagen, doch haben weder seine Hausleute noch seine Freunde eine auffallend erregte Gemüthsstimmung an ihm wahrgenommen; auch nicht am letzten Nachmittag und selbst nicht am letzten Abend, bevor er den Gang zum verhängnißvollen Rendezvous antrat, war solche an ihm wahrzunehmen. Seine Freunde, die wohl seinen schwärmerischen Charakter und seine Liebe zu Friederike Sanguinetti kannten, hatten durchaus keine Ursache anzunehmen, daß Ferner zu einem Gewaltschritte entschlossen sey. In seiner Wohnung aber fanden sich verschiedene bis zum 21. Sept. v. J. rückwärts gehende Schriftstücke, in denen Ferner von Selbstmord und von vorangehender Tödtung seiner Geliebten spricht. Hiezu kommt, daß er sich Ende Septembers eine Doppelterzerole, 6 Kugeln und Kapseln gekauft und alle diese Werkzeuge bei dem letzten Rendezvous mit sich geführt hat. Von diesem Augenblicke an differiren nun die Angaben Ferner's sehr; bei der Polizeidirektion machte er in der ersten Vernehmung ganz bestimmte Angaben, wurde später aber wieder schwankend, namentlich bezüglich des Zeitpunktes, in dem er den Entschluß gefaßt hat, seine Geliebte zu tödten. Während man aus allem schließen kann, daß Ferner den Entschluß, zuerst seine Geliebte und dann sich zu tödten, schon lange vor der That mit sich herumgetragen, behauptet er in spätern Verhören, diesen Entschluß erst im Garten gefaßt zu haben, als er dort eine halbe Stunde allein gewartet habe. Ein andermal behauptete er wieder, erst der letzte Moment der Trennung hätte ihn zu der allerdings schon vorbereiteten Handlung hingerissen. Ueber den Beweggrund der That machte er eben so verschiedene Angaben, bald gab er als solchen Eifersucht, bald die Unmöglichkeit an, sich in eine Trennung finden zu können, bald die Unmöglichkeit, sich mit ihr dereinst verbinden zu können. Ein andermal erzählte er den Hergang der That in der Weise, daß er seine Geliebte im Davoneilen erschossen habe, indem er geglaubt, sie wolle wegen des von ihm beabsichtigten Selbstmords Lärm machen. Weiters gab er einmal an, die Pistole habe sich durch ihr Bemühen, ihn vom Selbstmorde abzuhalten, gegen seinen Willen entladen. Die unselige That ereignete sich um ½10 Uhr Abends, um diese Zeit hörten zwei in der Nähe befindliche Wachposten einen Schuß, und um 11 Uhr schon meldete sich Ferner bei der Polizeidirektion, wo er sogleich seine That gestand und jede Antwort, wenn auch mit Zeichen geistiger Aufregung, richtig abgab. Die Leiche fand man an dem von ihm bezeichneten Orte der That; dort lagen auch abgerissene Stücke von dem Kleide des Mädchens, und waren zahlreiche Fußtritte von Beiden in den Gartenbeeten bemerklich, sowie sich in Papier eingewickelte Pulverreste und andere Gegenstände, darunter eine Weinflasche vorfanden. Der Schuß war durch die rechte Brust eingedrungen, hatte die Leber, sowie die großen Blutgefäße des Unterleibs zerrissen, so daß augenblicklicher Tod die nothwendige Folge war. Unmittelbar nach geschehener That eilte Ferner in den englischen Garten, angeblich in der Absicht, sich nun auch das Leben zu nehmen. Allein das Rauschen des Wassers habe ihn zur Besinnung gebracht, die bessere Natur sey in ihm erwacht und habe ihn an die Pflicht erinnert, der weltlichen Gerechtigkeit Genüge zu leisten, aus welchem Grunde er auch die Pistole, die er bei sich geführt, ins Wasser geworfen und sich sofort bei der k. Polizeidirektion gestellt habe. Bei der Verhandlung selbst macht nun Kerner unter großer Erregung und Schluchzen und Weinen, besonders als er auf die That selbst zu sprechen kommt, folgende Aussagen: Er sey 3 Jahre auf der Universität gewesen und habe schon im ersten Semester die Friederike Sanguinetti kennen gelernt. Er habe sie öfters gesehen, habe aber erst auf dem letzten Künstlerballe zum erstenmale Gelegenheit gefunden, sie zu sprechen. Sie hätten nun gegenseitig Briefe gewechselt, sich auch öfters gesehen und gesprochen, und später hätten sie sich dann im Garten ihrer Eltern Rendezvous gegeben. Er habe mit ihr öfters davon gesprochen, sich mit ihr einst ehelich verbinden zu wollen, womit dieselbe anfangs sich auch einverstanden gezeigt habe, späterhin habe sie aber erklärt, daß sie sich nicht binden könne. Er sey aber überzeugt, daß sie ihm treu geblieben wäre, wenn ihre Eltern die Einwilligung zu der später erfolgenden Verbindung ertheilt hätten. In welchem Zeitpunkte er den Entschluß seine Geliebte zu tödten gefaßt habe, könne er nicht bestimmt angeben. Nachdem sie am kritischen Abend bis gegen halb 8 Uhr im Gartensaletchen beisammen gesessen, habe er ihr den Entschluß mitgetheilt, sich tödten zu wollen, wogegen sie Einwendungen gemacht habe. Um halb 10 Uhr sey sie aufgestanden und habe gesagt: »Wir wollen fortgehen; wir wollen uns lieben, aber trennen.« Bei diesen Worten habe ein unbeschreibliches Gefühl seinen ganzen Körper durchzuckt, das Mädchen hätte das Saletchen verlassen und in diesem Augenblicke habe er, ohne zu wissen in welcher Richtung, die Pistole blindlings losgedrückt. Letztere habe er 3 bis 4 Tage vor der That gekauft, aber nur in der Absicht, um sich zu erschießen, mit welchem Vorhaben er schon Monate lang umgegangen sey. Er habe deßwegen sich tödten wollen und sey ihm der Tod als unvermeidlich erschienen, weil er geglaubt habe, ohne sie nicht leben zu können und ihm überdieß der Gedanke, zu sterben und Friederike in den Armm eines Andern zu lassen, schrecklich gewesen sey. Wenn er in der Voruntersuchung angegeben habe, daß er den Entschluß, seine Geliebte zu tödten, schon früher gefaßt habe, so sey dieß eine Folge der vielen an ihn gestellten eindringlichen Fragen gewesen. In einem am Tage der That von Ferner an einen Freund geschriebenen Briefe finden sich übrigens die Worte: »In dem Augenblicke, in dem Du diesen Brief empfängst, werden zwei Herzen zu schlagen aufgehört haben.« Als ihm dieß vom Herrn Präsidenten vorgehalten wurde, erklärte er, sich hieran nicht erinnern zu können, weil er in einer fortwährenden Aufregung gewesen. Nach der Vernehmung des Angeklagten wurden eine Menge Briefe, theils an seine Geliebte, theils an Freunde von ihm gerichtet, verlesen. Aus diesen Briefen ergibt sich ein anschauliches Bild von der schwärmerischen, ja beinahe wahnsinnigen Liebe Ferner's zu Friederike Sanguinetti. Die Sprache dieser Briefe, insbesondere die an Sanguinetti gerichteten Liebesbriefe kann man nicht anders als schön nennen, nicht selten schwingt sie sich zu hohem poetischem Fluge empor, verliert sich aber mitunter in das Gebiet des Phantastischen. Nach diesen Briefen sah Ferner in seiner Geliebten das unerreichte Ideal des Weibes. Wir wollen einige Stellen daraus, so weit sie uns noch im Gedächtnisse sind, anführen. Eine derselben schließt mit den Worten: »Gott und Friederike sind mir das Liebste.« In dem Briefe, indem er sie um das letzte Rendezvous bittet, findet sich die Stelle: »Dein gehöre ich, und doch willst Du, daß ich Dich verlasse, das kann ich aber nur, wenn ich zugleich das Leben verlasse. Sage nie Jemanden, daß Du mich geliebt hast, und möge Dein künftiger Geliebter Deiner würdiger seyn als ich. Vergiß mich, ich aber werde Dich nie vergessen, mein letztes Wort wird Friederike seyn. Aber noch einmal nur gib mir die Hand, und dann will ich gehen.« In einem andern Briefe macht er ihr Vorwürfe, daß sie die Liebe dem Vergnügen geopfert habe. Aus diesen Briefen erhellt aber auch, daß Ferner eine maßlose Eitelkeit besaß, so ist in einem Briefe an seine Geliebte gesagt: »Sieh, ich bin ein Mensch, der (ich darf es wohl sagen) bei hohem Verstande und herrlichen Talenten an seinem Herzen zu Grunde geht.« In einem andern Briefe spricht er von seiner geistigen Ueberlegenheit und seinen sprühenden Geistesfunken. Während des Laufes der Voruntersuchung hat Ferner in der Frohnfeste eine umständliche Selbstbiographie verfaßt, in welcher er auch Aufschlüsse über die Motive und den Hergang der That gibt. Dieselbe wurde gleichfalls verlesen, und wir entnehmen ihr Nachstehendes: Schon von frühester Jugend an habe er sich zur Poesie hingezogen gefühlt, mit 10 Jahren habe er schon Schillers Räuber gelesen, und nur in der Poesie und Musik habe er seine Befriedigung gefunden. Zum Studium der Jurisprudenz habe er sich bloß entschlossen, um dem Willen seiner Eltern nachzukommen, Neigung hiezu habe er durchaus keine gehabt. Er schildert dann seine unendliche Liebe zu dem schönen Mädchen, oft habe er aber geschwankt, ob er diese Liebe nicht aufgeben solle, aber er sey zu schwach hiezu gewesen, und habe so diese Liebe drei volle Jahre mit sich herumgetragen. Die fatalistische Nothwendigkeit, sich zu tödten, hätte sich wie ein Schleier über seinen Geist gebreitet. In den letzten Tagen vor der That sey er von einer unbeschreiblichen Unruhe erfaßt worden, sein Denkvermögen habe sich vollständig verwirrt, und er habe »den Wolf des Todes« ihn mit glühenden Augen anglotzen sehen. Förmliche Todesangst sey über ihn gekommen und er habe laut auf gelacht und gerufen: »Ein Wahnsinniger, ein Verliebter! auch ich sterbe!« Nachdem ihm Friederike zwei Tage vor der That die letzte Zusammenkunft versprochen, hätten die Worte: »letzte, letzte Zusammenkunft« unaufhörlich in ihm fortgeklungen, und immer habe er gedacht, diese letzte Zusammenkunft werde seine letzte Stunde seyn. Er habe geschwankt, ob er die Pistole, die er wenige Tage vorher gekauft, zum letzten Rendezvous mitnehmen solle, habe sich aber endlich dafür entschieden, sey dann zu Ott gegangen und habe dort eine Flasche Wein gekauft. Die Briefe Friederikens, alle ihre kleinen Andenken, kurz alles, was ihm theuer gewesen, hätte er bei dem letzten Gange mitgenommen. Er habe den Monolog des rasenden Ajax von Sophokles rezitirt, und freudig sey der Gedanke in ibm aufgestiegen: »sie geht mit mir.« Doch immer schrecklicher und schrecklicher seyen seine Gedanken geworden, klar habe er es gefühlt, daß wahnsinnige Eifersucht der Grund seines Leidens sey, er habe nicht an Hölle und nicht an Gott gedacht. Er habe seine Geliebte umarmt, aber diese Umarmung sey eine rasende Anklammerung gewesen, er habe sie geküßt, aber seine Lippen seyen kalt wie Eis gewesen, er sey an ihrer Brust gelegen und habe ausgerufen: Tod, Tod! Sie habe ihn getröstet und durch Erzählen zu zerstreuen versucht, sie habe ihn geküßt und umarmt, aber der Gedanke, sie könne einen andern gerade so küssen und gerade so umarmen, sey wie ein Gespenst in seiner Seele aufgestiegen. Er habe ihr angeboten, vom Weine zu trinken, sie habe aber abgelehnt, weil sie geglaubt, derselbe sey vergiftet. Als er endlich wiederholt den Entschluß ausgesprochen, sich nun tödten zu wollen, und die Pistole gezeigt habe, hätte sie gesagt: »Nein, du darfst nicht, ach wenn nur ich sterben könnte!« Was er hierauf geantwortet, wisse er nicht mehr, er glaube aber gesagt zu haben: »ja du gehst mit mir.« Sie sey dann so herzlich mit ihm gewesen, so daß er glaube, daß, wenn es nicht so dunkel gewesen und er sie gesehen hätte, die That nicht geschehen wäre. Nach 9 Uhr habe Friederike gehen wollen, sie sey aus dem Gartenhäuschen getreten, habe ihm seinen Rock und den Gartenschlüssel mit den Worten gereicht: »gehen wir.« Sodann habe sie gesagt: »komm, da hast du meinen letzten Kuß!« Nun habe es ihn jäh und wild durchzuckt, der Schuß sey gefallen – wie wisse er nicht – und das Mädchen todt zu seinen Füßen gelegen. Er habe dann gedankenlos in die Nacht hinausgestarrt, und nun sey ihm der Gedanke wiedergekommen, daß er sich auch erschießen solle, aber er habe dies nicht in Friederikens Nähe, sondern ferne von ihr thun wollen. Er sey nun in den englischen Garten gerannt, wo ihn das Rauschen des Wassers wieder zu sich gebracht habe, es sey die Erinnerung an seine Jugend, seine Eltern und Schwester, an seine Freunde, und die Reue über die vollbrachte Unthat in ihm erwacht. Er habe mit sich gekämpft, ob er sich den Tod geben solle, aber die bessere Natur sey in ihm erwacht, sie habe auch gesiegt, und mit dem Gedanken, daß er alles erdulden wolle, daß nichts zu schrecklich für ihn sey, habe er sich auf der Polizeidirektion gestellt. Wenn er sagen solle, welches Motiv ihn zur That getrieben, so sage er keines, sie sey so rein, so schön, so lieb gewesen, aber die Eifersucht habe ihn übermannt, der Gedanke, daß da wo er anbete, ein anderer schwelgen solle, sey ihm zu schrecklich gewesen. Um eines bitte er, man möge ihn strengstens beurtheilen und ihn in die Ewigkeit senden; mit dem Gedanken an Friederike möchte er sterben, sie sey nicht mehr hier, er müßte zu ihr, aber nicht durch seine eigenen Hände, sondern durch die des strafenden Richters. Mit diesen Worten schließt dieses Schriftstück, von dem wir nochmals bemerken, daß Ferner es während der Untersuchungshaft abgefaßt hat. Von den vernommenen Zeugen sagen Freundinnen der Getödteten aus, letztere habe ihnen mehrmals mitgetheilt, sie fürchte den Ferner und wünsche sehnlichst, das Verhältniß mit ihm abzubrechen. Sie sey am 7. Okt. nur deßhalb zu ihm in den Garten gegangen, um Abschied von ihm zu nehmen. Eine der selben deponirte, die Sangutnetti hätte ihr mehrere Briefe Ferners lesen lassen, sie glaube aber, daß die Sanguinetti diese Briefe gar nicht verstanden habe. Ein Nachbar des Vaters der Getödteten gibt an, dieselbe habe ihm mitgetheit, daß Ferner ihr immer schreibe und ihr überall nachgehe, daß sie ihn aber nicht wolle. Er habe Ferner oft Stunden lang Morgens vor dem Hause der Sanguinetti stehen sehen, und glücklich sey Ferner immer gewesen, wenn ihm dieselbe nur mit der Hand gewinkt habe. Nachts habe Ferner oft vor ihrem Fenster gesungen. Die Getödtete sey ein lebhaftes Mädchen gewesen, nur in den letzten Tagen habe sie sich auffallend betrübt gezeigt. Zwei Tage vor ihrem Tode habe sie noch des Zeugen Mutter besucht, wobei sie sehr aufgeregt gewesen sey, sie habe von Ferner gesprochen, große Angst gezeigt, und geäußert, sie wisse nicht, was sie thun solle, wenn er nur schon fort wäre. Friederike sey stolz auf ihre Schönheit gewesen, und von ihrer Seite sey das Verhaltniß kein aufrichtiges gewesen. Sie habe sich öfters geäußert, ewige Liebe und Treue schwöre sie nicht, sie wolle sich nicht verkaufen. Der Hausherr Ferner's sagt aus, daß er demselben nur das Zeugniß eines braven jungen Mannes geben könne, Musik und Poesie seyen seine Lieblingsneigungen gewesen; bei jeder Gelegenheit habe er sich aber als sehr schwärmerisch bewiesen. Einige Tage vor der That habe er den Zeugen gefragt, wie man ein Gewehr lade. Freunde Ferner's deponiren, daß er ihnen immer ein lieber Freund gewesen sey, daß er große Anlage und Neigung für Poesie und Musik besitze, übrigens aber in hohem Grade schwärmerisch sey, so daß sie ihm den Beinamen »der Ueberschwengliche« gegeben hätten. Der Büchsenmacher, bei dem Ferner die Doppelpistole gekauft, gibt an, solches sey in der ersten Woche des Oktoberfestes gewesen. Er habe dabei auch Kugeln, Kaseln und Pulver gekauft, aber immer dabei gelacht und sich geäußert: »Die vielen Kapseln verschieß ich in meinem Leben auch nicht.« Der Gendarm, der in der kritischen Nacht im Polizeigebäude auf dem Posten stand, gibt an, es sey damals ein junger Mensch zu ihm gekommen und habe erklärt, daß er seine Geliebte in der Arcisstraße umgebracht habe. Er habe denselben nun zum Brigadier geführt, der Ferner fragte, ob er denn wisse, was er angebe, und wo er sich befinde. Ferner habe hierauf mit Ja geantwortet, und auf die weitere Frage, ob noch Hülfe möglich sey, habe er gesagt: »dieß weiß ich nicht, ob sie todt ist.« Um das Motiv befragt, habe Kerner damals angegeben, er habe sie eigentlich nicht umbringen wollen, er habe sie nur in den Garten bestellt und gesagt, er wolle sich tödten, sie habe ihn aber davon abzubringen gesucht, auf den Knieen habe sie ihn gebeten, er solle sich nichts anthun, und da sey der Schuß losgegangen. Ferner habe sich hier verwirrt gezeigt und nur in abgebrochenen Sätzen gesprochen. Der Brigadier, welcher Ferner sofort nach der Anzeige an den Ort der That führte, deponirt: derselbe habe, an der Gartenthüre angelangt, ihm gesagt, wie die Thüre zu öffnen sey, im Garten sey Ferner stehen geblieben, da er nicht mehr gehen gekonnt, er habe heftig gezittert und geweint. Die Leiche sey auf dem Rücken neben dem Sommerhause gelegen. Der Polizeiarzt, der sich mit an den Ort der That begeben, will an Ferner keine besondere Verwirrung bemerkt haben, nur beim Anblick der Leiche habe er gezittert. Der Polizeioffiziant, der die erste Vernehmung mit Ferner pflog, gibt an: Ferner habe hiebei in abgebrochenen Sätzen erklärt, er sey schon seit Wochen so verwirrt, weil er sich mit seinem Vater, der ihn nicht mehr nach München zurücklassen wolle, entzweite und weil er fürchtete, seine Geliebte werde unterdessen einen Andern heirathen. Friederike Sanguinetti sey in den Garten gegangen, um von ihm für immer Abschied zu nehmen und ihn vom Selbstmord abzubringen. Er sey auch theilweise schon so weit gewesen, diesen Gedanken aufzugeben, als er ihr plötzlich sagte, sie solle mit ihm sterben. Das Mädchen habe geweint, ja fast geschrieen, da habe er plötzlich die Pistole abgedrückt, ohne selbst zu wissen, wie er dazu gekommen und wohin er getroffen. Ferner habe weiters angegeben, er sey von Jugend auf leidenschaftlicher Natur gewesen und habe seine Leidenschaften nur schwer bemeistern können. Der Gedanke, das Mädchen für immer zu verlieren und in den Armen eines Andern zu wissen, habe ihn so auseinander gebracht. Sein Benehmen sey im Ganzen ruhig gewesen, nur habe er mitunter stier auf den Boden geschaut und geweint. Von großem Interesse waren die Gutachten der Sachverständigen, deren drei vernommen wurden, die Herren Prof. Dr. Martin, Dr. v. Lindwurm, Mitglied des Medizinalkomites, und der k. Gerichtsarzt Prof. Dr. Hofmann. Die Ansicht des erstern geht dahin, daß Ferner, den er während fünf Monaten zu verschiedenen Zeiten in der Frohnfeste beobachtet, ein sehr leidenschaftlicher schwärmerischer und exzentrischer junger Mann sey, der übrigens sich körperlicher wie geistiger Gesundheit zu erfreuen habe, so daß er zu keinem andern Ausspruche kommen könne, als daß Ferner sowohl vor als bei der That sich in vollkommen zurechnungsfähigem Zustande befunden habe. Gleicher Ansicht ist Dr. v. Lindwurm, der das schriftlich bei den Akten liegende Gutachten des Medizinalkomites vertritt, von dem der Herr Sachverständige bemerkt, daß es einstimmig gefaßt worden sey. Ferner sey körperlich wie geistig gesund, er sey ohne Zweifel ein talentvoller, geistig begabter und vielseitig gebildeter junger Mann, mtt besonderer Anlage für Musik, Poesie und Malerei. Ein hervorstechender Charakterzug Ferners sey aber augenscheinlich eine allzu hohe Meynung von sich, eine in's Maßlose gehende Selbstüberschätzung, die bis zur Selbstbewunderung ausarte. Es sey auch ein großer Hang zu schwärmerischen Reflexionen bei Ferner nicht zu verkennen, welchen übrigens viele Menschen in diesem Alter theilen. Dieses seyen aber nur Charakterschwächen und keine Momente oder Symptome, um seine Zurechnungsfähigkeit getrübt erscheinen zu lassen. Um eine Anlage zu einer Geisteskrankheit annehmen zu können, liegen keine Anhaltspunkte vor. Ferner sey immer vollkommen geistig gesund gewesen, sowie seines Verstandes und seiner Vernunft vollkommen mächtig. Seine Zurechnungsfähigkeit zu bezweifeln, läge nichts vor als die verbrecherische That selbst und die sie bedingende Leidenschaft. Als Motiv der That kann der Hr. Sachverständige nur Eifersucht und Egoismus erkennen. Das Mädchen habe mit Ferner nicht gleich gefühlt, sie sey mehr berechnend gewesen und habe sich nicht zu seiner Leidenschaftlichkeit emporschwingen können, je mehr Ferner sie bestürmte, desto mehr sey sie ihm entfremdet worden, bis zuletzt lediglich Furcht ihre Handlungsweise bestimmt habe. Dieses Bewußtseyn verschmähter Liebe habe den eitlen Ferner verletzt, seine selbstsüchtige Liebe habe Opfer verlangt. Anfangs habe Ferner wohl an Selbstmord gedacht, aber der Gedanke, daß ein Anderer nach seinem Tode das Mädchen besitzen könne, habe ihn zu dem Entschlusse gebracht, die Geliebte zu tödten. Wie ein verwöhntes Kind ein ihm entzogenes Spielzeug lieber zerbreche als hergebe, so habe Ferner das Leben der ihm entrissenen Geliebten zerstört. Dieß sey ein Fehler, den Ferner durch Selbsterziehung hätte unterdrücken können, aber keine Krankheit, sondern eine maßlose unbekämpfte Leidenschaft des geistig und körperlich gesunden Menschen. Jede Leidenschaft weiche aber der Gewalt der Selbstbeherrschung, und diese werde um so leichter, je gebildeter ein Mensch sey; um so großer sey aber auch die Verantwortung für eine strafbare Handlung. Ferner habe dagegen sich nicht nur nicht beherrscht, sondern sich förmlich in diese Leidenschaftlichkeit hinein gearbeitet. Anfangs habe er mit den Mordgedanken gespielt, bis diese ihn endlich überwältigt hätten. Dieß seyen aber alles keine ärztlichen Momente, und es würde Krankheit mit Verbrechen verwechseln heißen, wenn man hier Unzurechnungsfähigkeit annehmen wollte. Nur der Wahnsinnige handle gezwungen, nicht aber auch der Leidenschaftliche, vom Standpunkte der Leidenschaft aus wäre jedes Verbrechen zu entschuldigen. Auch die Selbstmordsgedanken Ferners beweisen nichts für eine Sinnesstörung, derartige Gedanken würden häufig gehegt und ausgesprochen, ohne aber zur Ausführung zu kommen, wie ja der Angeklagte das Beispiel liefere, bei dem doch Jedermann ein solches Ende erwartet habe. Ferner stelle zwar die Nichtausführung seiner Selbstmordgedanken als den Sieg der in ihm erwachten bessern Natur hin, während in der That nur die Feigheit in ihm erwacht sey. Das schwere Verbrechen habe ihn niedergeschmettert, er habe keinen Muth gehabt, sich zu tödten und sich schließlich angezeigt. Auch davon könne keine Rede seyn, daß die That im höchsten Affekte, d. h. in momentaner, plötzlich entstandener höchstgradiger Aufregung geschehen sey. Nicht ein augenblicklicher Affekt, sondern ein mehr chronischer Gemüthszustand, eine sich langsam entwickelnde und lange andauernde Leidenschaft, eifersüchtige Liebe sey die Veranlassung zur That gewesen. Dem Allem nach könne er den Ferner nur für vollkommen zurechnungsfähig halten, obwohl anderseits anzuerkennen sey, daß bei der Geistesanlage und schwärmerischen Richtung Ferners mildernde Umstände vorliegen, welche zu würdigen aber nicht Sache des Arztes, sondern des Richters sey. Der dritte Sachverständige, Hr. Gerichtsarzt Dr. Hofmann dagegen sprach sich in beinahe einstündigem Vortrage dahin aus, daß Ferner bei geminderter Zurechnungsfähigkeit gehandelt habe. Der mit außergewöhnlichem Talent begabte junge Mann habe sich nach seinem ganzen innern Wesen ein Ideal der Liebe geschaffen, und habe dieses in seiner Liebe zu Frederike Sanguinetti für verwirklicht gehalten, er sey aber hiebei durch die bekannten äußern Verhältnisse und Hemmnisse auf einen Weg gerathen, der seine Leidenschaft zum Wahnsinn gesteigert habe. Die Liebe Ferners zu dem Mädchen sey eine maßlose eigennützige und wahnsinnige gewesen, und der einzige Schlüssel zum Motiv der That liege in der eingebildeten Eifersucht gegen einen noch gar nicht vorhandenen Nebenbuhler, sowie in dem geistigen Hochmuthe Ferners, der das Mädchen einem andern mit gleichen oder geringeren geistigen Fähigkeiten ausgestatteten Manne nicht gönnen zu können geglaubt. Ferners Ansicht von der Liebe sey die Ausgeburt einer idealisirenden Dichternatur. Daß Ferner von dem Vorhaben, sich selbst zu tödten, in jener furchtbaren Aufregung abgelassen habe, sey nicht Feigheit, sondern ein heroischer Akt, es sey dieß ein Beweis, daß der Gedanke an Gott in Ferner noch nicht vollkommen erstickt gewesen. Das nun folgende Plaidoyer, das von beiden Seiten mit großem Aufwande von Scharfsinn und Beredtsamkeit geführt wurde, nahm volle sieben Stunden in Anspruch. Die k. Staatsbehörde, vertreten durch den k. II. Staatsanwalt am Bezirks-Gerichte München l./I., Hrn. Stänglein, stützte sich vorzüglich auf die beiden Gutachten der Herren DD. Martin und Lindwurm, erörterte alle der That vorhergehende Handlungen Ferners, und sucht darzuthun, daß der Entschluß, die Geliebte zu tödten, von Ferner schon am 2l. September gefaßt worden, an welchem Tage er einem Freunde einen Brief schrieb, worin er von Selbstmord und vorausgehender Tödtung seiner Geliebten spricht. Hiezu komme das Kaufen der Pistole und den Kugeln etc. etc. sowie das Mitnehmen der geladenen Pistole. Aus allem diesen erhelle der bestimmte Entschluß und die planmäßig vollbrachte Tödtung: »sprechen Sie es aus«, schloß die Staatsbehörde ihren Vortrag, »daß Ferner ein Mörder ist, Sie sind es der Hingemordeten schuldig!« Der Schlußantrag ging dahin, den Ferner des Verbrechens des Mords, mit Vorbedacht beschlossen und mit Ueberlegung ausgeführt, für schuldig zu erklären. Die Vertheidigung, geführt vom Bezirksgerichts-Accessisten Sensburg, glaubt, daß die Anklage zu weit gehe und protestirt gegen das Zitiren des Schattens der Todten. Ein frevelhafter Angriff auf ein Menschenleben, der Strafe verdiene, sey allerdings geschehen, aber kein Mord. Aus Ferners ganzer Vergangenheit, die in jeder Beziehung musterhaft sey, und welche die Vertheidigung ausführlich darstellte, wird der Schluß gezogen, daß Ferner eines Mordes in seiner ganzen Scheußlichkeit gar nicht fähig sey. »Es muß zuvor der Tag in Nacht umgewandelt werden, bevor man annehmen kann, daß Ferner, eine so edle Seele, zu einem Morde in seiner Scheußlichkeit fähig sey.« Das Gutachten des Medizinalkomites und seines Vertreters wurde bitter kritisirt, namentlich der Schluß »je gebildeter Jemand, desto größer die Verantwortung.« Es sey dies ein Trugschluß, wogegen der Schluß viel richtiger sey: »je gebildeter und geistig befähigter Jemand ist, desto schwerer müssen die Seelenleiden gewesen seyn, welche ihn zu dem Schrecklichsten brachten.« Das Gutachten des Medizinalkomites sey nur auf die persönlichen Eindrücke gebaut, die der Referent desselben bei 3 kurzen Besuchen Ferners in der Frohnfeste erhalten habe. Die Vertheidigung suchte zu beweisen, daß Ferner im Zustande der geminderten Zurechnungsfähigkeit gehandelt habe, und daß nicht Mord sondern nur Todtschlag vorliege. Der Entschluß zur That sey erst bei den Worten: »da hast du den letzten Kuß« gefaßt worden und diesem sey unmittelbar die Ausführung gefolgt. Dagegen sagte die k. Staatsbehörde in ihrer Replik, wenn man dieß annehmen wolle, daß der Entschluß zur That erst bei diesen Worten gefaßt worden sey, so müsse man den Brief vom 21. Sept, sowie die Worte Ferner's: »du gehst mit mir« vergessen. Der Brief vom 21. Sept. sey nicht, wie die Vertheidigung behaupte, eine bloße poetische Idee. Sollen der Kauf der Pistole, das Laden und Mitnehmen derselben etwa Manifestationen dieser poetischen Idee seyn? fragt die Staatsbehörde. Die Quelle dieses Mordes, fährt dieselbe fort, sind Egoismus, Eigendünkel und geistige Selbstüberschätzung. Die Angaben bei der Polizei seyen nur eine Beschönigung der That gewesen und berechtigen zu dem Schlusse, daß Ferner den Selbstmord aus Feigheit und nicht aus Reue unterlassen habe. Am Schluße der Replik wies die Staatsbehörde auf die Gleichheit vor dem Gesetze hin: wenn ein Bauernbursche da sitzen würde, der seine Geliebte aus Eifersucht erschlagen, würde man nicht so viele Worte machen. »Halten wir fest an der Gleichheit vor dem Gesetze, und behandeln wir diesen Fall deßhalb, weil er mit einem poetischen Gewände umgeben werden kann, nicht milder als jeden andern.« Die Vertheidigung legte den Geschworenen in der Duplik nochmals alle Thatsachen vor mit der Bitte, alle zu prüfen, aber auch das Herz beim Urtheil zu Rathe zu ziehen, nicht aus Mitleid für den Angeklagten, sondern um der Sache willen. Die schweren Seelenleiden, welche auf den Menschen so gewaltig drücken, müsse man berücksichtigen, das Gefühl müsse hier zu Rathe gezogen werden, weil ohne dieses der Fall gar nicht richtig beurtheilt werden könne. An die Geschworenen wurden vier Fragen gestellt, die ersten drei waren auf das Verbrechen des Mordes gerichtet, ob die That mit Vorbedacht beschlossen und mit Ueberlegung ausgeführt wurde, oder ob sie mit Vorbedacht beschlossen und ohne Ueberlegung ausgeführt, oder endlich, ob sie, wenn auch nicht mit Vorbedacht beschlossen, doch mit Ueberlegung ausgeführt wurde? Die vierte Frage ging dahin, ob das Bewußtseyn Ferner's zur Zeit der That in so hohem Grade getrübt war, daß seine Zurechnungsfähigkeit als gemindert erscheint. Auf Todtschlag wurde keine Frage gestellt; die Verthetdigung hatte wohl auf Todtschlag plaidirt, es aber unterlassen, die Stellung einer Frage hierauf zu beantragen. Nach nur ¼stündiger Berathung erfolgte der Wahrspruch der Geschworenen, welcher die zweite und vierte Frage mit Ja beantwortete, den Ferner demnach der mit Vorbedacht beschlossenen Tödtung i. e. des Mordes, begangen im Zustande geminderter Zurechnungsfähigkeit, für schuldig erklärte. Die Staatsbehörde beantragte Festungsstrafe II. Grades (entsprechend der Zuchthausstrafe) auf die Dauer von 12 Jahren, welchem Antrage der Vertheidiger sich anschloß. Der Gerichtshof erkannte auch auf Festungsstrafe II. Grades auf die Dauer von 12 Jahren. Ferner nahm das Urtheil ruhig und gefaßt hin, er saß überhaupt während der ganzen Verhandlung anscheinend sehr ruhig mit fortwährend auf den Boden gehefteten Blicken da. Erregung zeigte er nur bei seiner Vernehmung, insbesondere bei Erzählung der unseligen That. Auf die Aussagen der Zeugen erwiderte er nie ein Wort. Seine äußere Persönlichkeit anlangend, ist Ferner von mittlerer Größe, sieht noch sehr jugendlich aus, hat regelmäßige auch nicht unschöne Gesichtszüge, hat eine gesunde blühende Gesichtsfarbe, trotz der fünfmonatlichen Haft, und ist noch vollkommen bartlos. Von Angehörigen des schönen Geschlechtes habe ich ihn einen »schönen jungen Menschen« nennen hören. Merkwürdig war, daß Ferner in hohem Grade die Sympathie des weiblichen Geschlechtes genoß, sowohl des bei der Verhandlung ziemlich zahlreich anwesenden Theiles desselben, als auch des nichtanwesenden, was man nicht hätte erwarten sollen, da er doch einer ihrer Mitschwestern das Leben nahm. Wenigstens konnte man aus weiblichem Munde viele Aeußerungen hören, die große Theilnahme und Mitleid für Ferner verriethen. Bei Verlesung der Liebesbriefe hörte der weibliche Theil des Publikums mit wahrer Andacht und Rührung zu. Während der ganzen zweitägigen Verhandlung war der Saal fortwährend zum Erdrücken gefüllt, wodurch im Verlaufe eine solche Ausdünstung entstand, daß die Wände eine immer mehr ins dunklere gehende Farbe annahmen und zuletzt von dem sich niederschlagenden Dampfe ganz naß wurden. Die Temperatur im Saale war schließlich auch die eines Dampfbades, und nur das große Interesse, das dieser Fall bot, konnte zum Ausharren in dieser unerträglichen Hitze bestimmen.

Der Sammler Nro. 37. 5. April 1859.

#Blätter für gerichtliche Anthropologie (1859)

I.

Mord aus unglücklicher Liebe, begangen von dem Studenten Ferner an seiner Geliebten Friederike Sanguinetti.

Mitgetheilt von Hrn. Bezirksgerichtsrath Rattinger in München.

Wenn es zu den glücklicher Weise seltenen Fällen gehört, daß ein an Geist, Herz und Bildung gleich ausgezeichneter Jüngling auf einmal so tief sich verirrt, daß er sich am Leben seines Nebenmenschen vergreift, so muß es für den Criminalpsychologen doppelt anziehend erscheinen, das Wachsen der verderblichen Leidenschaft gleichsam von ihrem Keime an zu verfolgen. Dies mag es rechtfertigen, wenn wir nachstehenden Fall einer eingehenderen Entwicklung unterziehen.

I.

Georg Ferner, am 13. August 1836 zu Edenkoben in der bayrischen Rheinpfalz geboren, zeigte schon frühe ungewöhnliche Geistesanlagen, weshalb sein Vater ihn zu den Studien bestimmte. Im neunten Jahre kam er in die Lateinschule seiner Vaterstadt, die er bis zum Jahre 1850 besuchte. Früher einer der wildesten Knaben wurde er nun still und von unauslöschlichem Wissensdurste ergriffen, dabei ehrgeizig im höchsten Grade. Schon damals begannen auch seine vorzugsweise auf die schönen Künste gerichteten Anlagen sich zu entwickeln. Im Jahre 1854 absolvirte er das Gymnasium zu Speier mit der ersten Note sowohl in wissenschaftlicher als sittlicher und religiöser Beziehung, und besuchte im darauf folgenden Jahre das dortige Lyceum mit vorzüglichem Fleiße und gleicher Aufmerksamkeit. Alle seine Lehrer sprechen sich sehr günstig über ihn aus. In einem Schreiben des Studienrectorates heißt es:

»Mit vorzüglichen Geistesanlagen verband Ferner andauernden und ernsten Fleiß und ein tadelloses sittliches Verhalten, dem bescheidene Anspruchslosigkeit noch einen besonderen Werth gab. Seine Fortschritte entsprachen diesen Vorbedingungen, so daß er immer einen Platz unter den Besten einnahm. An dem Lyceum erhielt er durch ein gleich ehrenhaftes Benehmen und fleißigen Besuch der Collegien den Ruf eines durchaus wackeren jungen Mannes. Seine Lieblingsbeschäftigung bildeten die Künste; er war ein vortrefflicher Sänger und Clavierspieler, hatte entschiedene Anlage zum Zeichnen, worin er es zu einer hohen Fertigkeit brachte, versuchte sich ganz selbstständig und allein im Malen, und zeigte bei Gelegenheit des fünfzigjährigen Amtsjubiläums des Studien-Rektors auch eine nicht unbedeutende Befähigung als Dichter. Diese reiche künstlerische Anlage ließ wohl auf ein reges und frisches Empfindungsleben und ein tiefes Gemüth schließen; aber sein stilles und bescheidenes Wesen hielt von ihm jeden Anflug und Anstrich von Ueberspanntheit und Genialitätssucht ferne. Im Umgang mit seinen Lehrern steigerte sich seine Bescheidenheit fast zur ehrerbietigen Scheue; unter seinen Altersgenossen war er heiter und fröhlich und durch seine musikalischen und künstlerischen Vorzüge beliebt und willkommen. Er schied von dortiger Studienanstalt unter den schönsten und hoffnungsreichsten Erwartungen, die man von ihm und für seine Zukunft zu hegen, so sehr berechtigt war.«

Von seinem eigenen Gemüthsleben in jener Zeit erwähnt Ferner in einem Briefe vom 6. Juni 1858 an seine Geliebte (Friederike Sanguinetti), daß er, früher schon zum Ernste geneigt, damals von der Außenwelt sich vollkommen zurückgezogen, desto mehr aber sich selbst gelebt habe; er schrieb:

»Von Natur mit einem feurigen sanguinischen Temperamente begabt kam ich durch die Poesie zur Schwärmerei. Meine Phantasie strengte sich aufs Aeußerste an, sich eine Welt zu bilden, schön und liebreizend, voll Erhabenheit und doch voll Anmuth. So schwärmte ich Nachts stundenlang am Rheine herum, bei Gewitter, bei Sturm und Regen, und ließ finstere Gedanken, schreckliche Schmerzensschreie der Seele über das Wasser tönen; Niemand hörte mich. Ach, ich sehnte mich damals nach einer mitfühlenden Seele, es drängte mich an einer Brust zu liegen, die mich verstände, ich fand keine außer mir.«

Ueber Mädchen urtheilte er geringschätzig, ihre Gesellschaft mied er, den Glauben an Liebe will er durch einige vor dem Uebertritte auf die Universität gemachte Erfahrungen völlig verloren haben.

Im Herbste 1855 bezog Ferner die Hochschule zu München, woselbst er sich den Ruf eines eingezogenen, jungen Mannes erhielt. Den Eindruck, den der Eintritt in die Musenstadt auf ihn machte und seine neue Lebensweise schildert er in erwähntem Briefe selbst folgendermaßen:

»Schon wie ich der Stadt so entgegenbrauste, da fassten mich eigenthümliche Gefühle. Der ganze frühere Mensch ward abgethan, wie es in der Schrift heißt. Jetzt hoffte ich ein neues Leben zu führen, jetzt meinem Drang nach Kunst und Bildung genügen zu können, jetzt wahre, neue Freunde zu finden. O München, du schienst mir ein neues Jerusalem, eine Seligstadt! Mein ganzes feuriges Gemüth brachte ich dir zu, voll brausender Entwürfe des Ehrgeizes, voll jugendlichen Uebermuthes, und überwallend von stürmenden Gefühlen! Die Liebe und Mädchen lagen hinter mir, und Poesie und Kunst hieß mein Panier. Jetzt fing ich an auf münchnerisch zu leben. Ich besuchte täglich das Hofbrauhaus, und das unsaubere Lokal war der fruchtbare Boden für einen herrlich blühenden Freundschaftsbaum. Da lebte ich zuerst wieder auf. Neue Ideen, neue Lebensansichten strömten mir zu, der Geist begann die Flügel zu heben und sich über Alles hinwegzuschwingen; Gott und die Welt, Mädchen und Liebe wurden verachtet, und nur der Verstand an ihre Stelle gesetzt. Mit dem scharfen Messer des kritisirenden Witzes wurden alle Blößen dargelegt, und ich konnte hier für meine Erfahrungen die gleichen Ansichten finden. So verfloß der Winter. Theater und Concerte wurden eifrig besucht, die Mädchen begafft, bekrittelt, bewitzelt und verlacht. Ich fand keine, die meinen Ansichten widersprochen hätte.«

Aber bald sollte es anders werden. Ferner war kalt, menschenscheu, voll Verachtung gegen Mädchen und Liebe gekommen; in dessen Innern aber kochte eine glühende Sehnsucht, gährte ein heißblütiger Geist mit der ganzen Schwärmerei einer dichterischen Phantasie, in der Brust pochte ein Herz voll jugendquellender Gefühle für Schönheit und Wahrheit, das einen Gegenstand für seine Liebesbedürftigkeit forderte. Diesen Gegenstand fand, oder glaubte Ferner wenigstens in der damals 16jährigen Bildhauerstochter Friederike Sanguinetti gefunden zu haben. Eine flüchtige Begegnung im Sommer 1856 gab den ersten Anlaß hiezu; Ferner schrieb:

»Ich sah hinauf auf die zufällig vorbeigehende Friederike Sanguinetti, und weiß der Himmel wie's kam, sie schaute herauf mit zwei Augen, wie ich mein Lebtag keine gesehen. Daran war ich nicht schuld. Aber geschehen warsS einmal wahrscheinlich durch geheime Sympathie«.

Von nun an suchte Ferner sie täglich zu sehen, bald auch ihr durch Ständchen seine Gefühle kund zu geben. Sie erschien ihm nicht gleichgiltig, was seine Gefühle nur verstärkte. Doch kamen ihm bald Zweifel, ob man nicht bloses coquettes Spiel mit ihm treibe, Zweifel, die durch den Spott seiner Freunde noch genährt wurden. Auf dem Künstlerball im Winter 1857 war es, wo er sie das erstemal sprach. Aber Schüchternheit band ihm die Zunge, wenn auch ihre Blicke auf ihm zu ruhen schienen, und mit quälenden Zweifeln und allerlei hemmenden Zwischenfällen verging abermals ein Jahr, bis eine erste, wenn auch nur halbe Erklärung der Sanguinetti am Künstlerballe im Februar 1858, daß er ihr nicht gleichgiltig sei, nur um so heftiger den bisher mühsam zurückgedämmten Strom der Ferner'schen Liebe hervorschießen ließ. Mit welchem Entzücken Ferner die Hoffnung ihrer Gegenliebe, durch den Gedanken, das heißersehnte Ideal seiner Jugendträume in ihr gefunden zu haben, erfüllt wurde, geht aus einem wenige Tage daraus an seinen vertrautesten Freund G. gerichteten Brief hervor, der besonders geeignet erscheint, uns ein lebendiges Bild von den schwärmerischen, überwallendem Gemüthe Ferner's zu geben, und damit das Verständniß des spätern, so unvermutheten und traurigen Ausganges dieser Liebe zu erleichtern. Lassen wir einige Stellen aus diesem Briefe hier folgen:

»Juble mit mir: es gibt eine Liebe! das schönste Phänomen der beseelten Schöpfung ist nicht untergegangen! Sie liebt mich, sie ist mir gut von Herzen. O ich weiß nicht wie ich es fassen soll, wie ich es ausdrücken soll. O mir ist, wie einem Tropfen im Meere der Unendlichkeit, nichts drückt, nichts hemmt ihn, er schwebt so leicht, so frei, im Ganzen zerfließend und doch bestehend. Mir ist – doch halt, wo führt der phantastische Enthusiasmus mich hin? das Flammenrad der Schwärmerei trillt in meinem Kopfe. Du wirst lächeln. Thu's, aber freue dich nur. Denn, sieh, mein Herz ist so voll, ich muß dir's ganz aufschlagen, dir Alles mittheilen. Ein anderer Mensch bin ich geworden seit kurzer Zeit, auf meiner Stirne thront, aus meinem Antlitz leuchtet die Lust, der Stolz, geliebt zu sein. Die ganze Welt ist eine andere für mich. Es kommt mir vor als sei mein Herz mit allen seinen Gefühlen ein verzauberter Wald gewesen. Das Dunkel des Zweifels wohnte darin und die Kühle der Bitterkeit. Hohe Bäume wuchsen darin und schlossen die Kronen zusammen, so eng, daß kein Sonnenstrahl des Glaubens hineinfallen könnte, und Veilchen und Maßliebchen, die zarten Pflänzchen, sie kamen nur kümmerlich auf. Und in der Dämmerung des Unglücks lag dort ein Leichenstein, worauf die trüben Worte standen, »die Liebe lebt nicht.« Darunter hatte ich meine Liebe begraben und die Poesie. Um das Grab her hatte aber noch die Hoffnung einen Garten gepflanzt, und darein aus Vergißmeinnicht einen Namen geschlungen, der mir ewig theuer sein sollte. Dorthin trieb mich oft der Unmuth und stets düsterer ward die Waldesnacht im Herzen. Und weinend hingesunken kniete ich einst dort in der Geisterstunde der Verzweiflung an dem Grabe meiner Liebe, sieh! da fiel ein Strahl glänzend leuchtend auf den Stein. Er sprang auf, und hervor stieg die Liebe und mit ihr Freude und Muth; sie umfaßten mich, den Sinkenden, die holden Begleiterinnen, und die Liebe legte weihend die rosige Hand auf mein Haupt, und wies lächelnd nach den Blumen. Da erhob sich ein flüsterndes Rauschen, und lichter ward all das Dunkel, und ein seliger Gesang machte mein Herz beben. Zitternd stand ich und schaute das werdende Wunder. Die Veilchen und Vergißmeinnicht wuchsen empor, Blüthen regneten herab, und aus dem duftenden Nebel trat sie im sonnigen Unschuldsgewande, deren Namen dort geblüht, und reichte mir lächelnd die Hand zum ewigen Bunde. Da öffnet sich das Dickicht, und hell und wonnig liegt vor uns die Welt. Wir sind glücklich .... Ich sah Friederiken, und alle Hoffnungen der ersten Jugendträume erwachsen wieder. Sie hatten nur geschlummert. Meine dichterische Natur arbeitete sich wieder empor und mit ihr die Liebe. Ich weiß, wie oft du mich tadeltest, wie oft die Andern. Alle gaben zu, daß sie ein liebliches Geschöpf sei. Aber traurige Erfahrungen hatten sie mit Verachtung des weiblichen Herzens erfüllt, sie hielten alle Mädchen mehr oder weniger für Coquetten, von denen nicht Eine einer wahren Liebe fähig sei. Und auch Friederike konnte sie nicht bekehren. Nur ich allein nahm sie in Schutz, und fand in ihrem allerdings etwas freiem Benehmen auf dem damaligen Balle nur das Hingeben einer unverdorbenen Seele an dieß Vergnügen, das sie ja zum ersten Mal genoß. Und wie glücklich war ich, als auch Du dich durch meine standhafte Anhänglichkeit rühren ließest, und zu mir sprachst, »sie setzt kein Falsch in die Welt, darum ist sie so heiter und offen« .... Wie viele Anzeichen hatte ich wahrgenommen, daß ich ihr keineswegs gleichgültig sei, und doch wagte ich es nicht, sie für Gewißheit zu nehmen. Ich baute meine ganze Hoffnung auf den Künstlerball; ich wollte Ueberzeugung, ich wollte mich zusammenraffen und mit einem Male meinem Fieberzustande ein Ende machen. O Freund, wenn es eine Physiognomik der Empfindungen gibt, wenn die geheimsten Rührungen der Seele auf der Außenseite des Körpers geoffenbart werden, in den Augen, auf dem Antlitz sich spiegeln, im Benehmen sich ausdrücken, so durfte ich damals mit Recht ein Glücklicher genannt werden. Es war nicht das Schmachten einer sentimentalen Jungfrau in ihren Augen, nicht die eckelhafte Taschenspielerkunst der Coquette, nein, sondern die einfach verständliche Sprache eines frohen, frischen Herzens, daß es mir gut sei, daß es mein sein wolle. Die Rechte, die sie mir dadurch auf ihren Besitz gab, werde ich nie aufgeben .... Die geistigen Anstrengungen und Aufregungen der letzten Zeit hatten mich sehr angegriffen. Ich bekam einigemal des Abends konvulsivische Zuckungen am Herzen, die mit heftigem Schwindel begleitet waren. Der letztere überfiel mich einmal in der Nähe ihres Hauses mit solcher Gewalt, daß ich geraume Zeit besinnungslos im Schnee lag, bis ein wohlthuendes, starkes Nasenbluten mich weckte. Der von mir darüber befragte Freund Sch. sagte, daß derlei Zufälle bei heftigen und tieffühlenden Naturen sich öfters einfänden, besonders in Folge von Affekten. Ich kannte nun meine Lage, und, um meinem siegenden Glauben volle Gewißheit zu geben, faßte ich die ganze Geschichte und Entwicklung meiner Liebe in einfache Worte zusammen, und erbat mir von ihr eine Antwort. Sie kam und mit ihr Friede in meine Brust. Ein Billet von ihr gab mir die gewünschte Klarheit; sein Inhalt ist kurz folgender: »sie ist mir von Herzen gut und will die Meine, d. h. mein Weib werden, wenn meine Liebe so treu und wahr ist, daß ich nur diese Absicht hege; allein ein Verhältniß mit einem jungen Manne anzuknüpfen, ohne die Eltern davon wissen zu lassen, müsse ich gewiß selbst für die Handlung eines leichtsinnigen Mädchens halten« Das liebe Kind!, gerade so hatte ich es erwartet; es ist dies eine Antwort, die jedem Mädchen Ehre machen muß, und Zeugniß gibt, daß sie ihre Eltern liebt. Sie ist mir dadurch noch viel werther geworden .... Ist das nicht das edelste Verhältniß zweier Seelen, die, ohne sich näher zu kennen, ohne sich körperlich irgendwie liebend berührt zu haben, dennoch einander lieben? Ich fühle zwar oft einen Drang mich an ihren Busen zu stürzen, aber ihre schöne Weiblichkeit hält mich ab. O Freund! bekenne mit mir »es gibt eine reine Liebe.« O wie bereue ich, daß ich früher diesen himmlischen Trieb aus der menschlichen Seele wegschelten wollte! Ich glaube an die Wirklichkeit einer wahren Liebe, und kein Zweifel wird ihn zerstören diesen Glauben, wenn nicht die Geliebte selbst ihn auslöscht. Ich habe Augenblicke, wo ich jede Blume und jedes entlegene Gestirn, jeden Wurm und jeden geahnten höhern Geist an die Brust drücken, gleichsam die Natur umarmen möchte, statt der Geliebten ....«

Das Verhältniß gestaltete sich nun bald zu einem innigen. Ferner war es hiebei besonders darum zu thun, seiner Geliebten begreiflich zu machen, daß sie es nicht mit einem gewöhnlichen Menschen zu thun habe, der nur liebe wie der große Haufe, und zugleich seine Friederike zu eben dieser Anschauung empor zu heben. Er sagte derselben auch einmal in einem Briefe: „daß sie seine Liebe nicht dem Verliebtsein der alltäglichen Fratzen gleichstellen möge, daß sie nicht glauben solle, er liebe sie, wie vielleicht Tausend Andere sie geliebt haben würden; er habe seine Ansicht von der wahren Liebe aus den klaren Geistesquellen großer vortrefflicher Menschen gebildet,« und nun gibt er eine Definition und Erklärung der Eigenschaften der Liebe nach Zoroaster, Aristoteles, Jean Paul, Schiller, Wieland, Redwitz, eine philosophische Erörterung des Unterschiedes zwischen bloßem Verliebtsein, das seinen Grund gewöhnlich in der Sinnlichkeit habe, und zwischen Liebe, die nur Eine sein könne, eine volle, ganze sein müsse, um am Ende daraus zu deduciren, daß seine Handlungen mit jenen erhabenen Ansichten im Einklang stünden und darum auch nicht strafbar seien. In einem andern Briefe wendet er sich gegen Jene, die seit einiger Zeit bemüht seien, seiner Geliebten eine schlimme Meinung von der Redlichkeit junger Männer beizubringen, um aus seiner ganzen Natur, seinem Charakter den Schluß zu rechtfertigen, daß er nur sie lieben könne, die seine erste und heiligste Empfindung nicht zurückgestoßen. Mit bitterem Hohne schildert er die Art und Weise, wie Ehen gewöhnlich geschlossen werden; er aber fühle und denke anders, wie der große Haufe, und werde deßhalb auch anders handeln. Er liebe sie, und schwöre auch nur die zu nehmen, die er liebe; werde sie gezwungen einen Andern zu nehmen, so soll sie es in Gottes Namen thun, aber nur jetzt, so lange er bei ihr sei, solle sie ihm die Hoffnung nicht ganz rauben, es könnte ein Unglück geben. Gegen die Ansicht gewisser Mütter und Mädchen »wenn ich noch frei bin, wenn du wieder kommst, magst du mich haben« erzählt er abschreckende Beispiele aus dem Leben. Nicht blos in Briefen, auch in zahlreichen Gedichten suchte Ferner seinen Gefühlen gegen seine Geliebte Worte zu leihen. Als Probe mag hier eines folgen, das er seiner Geliebten statt aller Vertheidigung gebe, um auszudrücken, was er stets fühle, wenn er sie küsse: es führt den Titel: »Dein Auge und deine Thränen:«"

Dein Auge ist so rein und klar,
Du hast noch nie geweint,
Es ward noch nie dir offenbar
Wie's eine Thräne meint.

Dein Auge blitzt so schelmisch gut.
So kindesheiter bald,
Bald weilt's auf mir mit stiller Gluth
Voll heimlicher Gewalt.

Nur wenn mein Arm dich eng umschließt,
Dein Haupt sich aufwärts beugt,
Mein Mund den deinen innig küßt,
Da wird es thränenfeucht,

Da senkt es sich in schönster Scham
Auf Blümchen frisch bethaut,
Dann blickt's auf mich mit stillem Gram,
Und doch so liebestraut.

Es kommt auch mich wehmüthig an:
Was bangt in deiner Brust?
Hat dir denn leid und weh gethan,
Was liebend ich gemußt?

O! nein! dein treues Auge spricht:
»Mein Glück vertrau' ich dir,«
Und zitternd fleht die Thräne licht:
»Zerstör' es nimmer mir.«

Der ganze Liebeshimmel ruht
In deiner Augen See,
Und strahlend winkt aus dunkler Fluth
Ein Stern zum Glück durch Weh.

Wie verhielt sich nun der Gegenstand seiner Huldigungen zu alle dem? Wohl mochte Friederike sich durch seine Bewerbungen geschmeichelt fühlen, wohl gestattete sie ihm, sie auf ihren Gängen in die Stadt ein Stück Weges zu begleiten, wohl gewährte sie ihm im Sommer 1858 heimlich zwei Zusammenkünfte im Garten ihrer Eltern. Aber trotz alle dem erklärte sie ihm auf sein Bestürmen, ihm ewige Liebe und Treue zu schwören, daß sie von dem Willen ihrer Eltern abhänge, und eine passende frühere Gelegenheit zu einer Versorgung ergreifen müsse. Daß Friederike überhaupt die Dinge ruhiger ansah, und ihr auch für ihre Person nicht so viel am Zustandekommen der vom Ferner beabsichtigten ehelichen Verbindung lag, geht auch aus dem Rathe hervor, den sie ihm auf die Mittheilung einer angeblich von seinen Eltern ihm proponirten anderweitigen ehelichen Verbindung, (womit Ferner sie aber bloß prüfen wollte) gab, indem sie ihm schrieb, »er solle sich nicht mit seinen Eltern entzweien, er müsse thun, was sein Vater wolle u. dgl.« Ihre intimste Freundin charakterisirte das Verhältniß zu Ferner dahin: »sie habe Ferner nicht verstanden, sie sei ein fröhliches heiteres Mädchen, aber ferne von allen Ferner'schen Ueberschwenglichkeiten; sie habe ihn gerne, d. h. sie könnte ihn gut leiden, aber es war ihrer praktischen Natur zunächst um eine Versorgung zu thun, und zwar um eine glänzende, die sie bei ihrer Schönheit hoffen zu dürfen glaubte; und darum habe sie bei der Trennung, die das Examen Ferner's im Oktober 1858 herbeiführen mußte, das Verhältniß brechen wollen (Das sie in letzter Zeit ohnedies mehr blos aus Furcht vor den drohungen Ferners's, er werde sich Leids anthun wenn sie ihn lasse, fortgesetzt zu haben scheint.) Das war es aber gerade, was ihm unerträglich schien, und die traurige Katastrophe herbeiführte.

II.

So leer und öde erschien Ferner das irdische Dasein ohne seine Friederike, daß er den Gedanken der Trennung von ihr nicht zu überleben zu können meinte. Seine Stimmung und sein Entschluß sich das Leben zu nehmen (ein Entschluß den er bereits in früheren Jahren seines Lebens aus andern Motiven gehegt haben will), geht deutlich aus Briefen an seine Geliebte hervor, die Mitte September geschrieben wurden. In einem dieser Briefe sprach er sich folgendermaßen aus:

»Du liebst mich nicht mehr. Mein Entschluß ist gefaßt. Du mußt von mir befreit werden, und das ist nothwendig für dein Glück und meine Ruhe. Da es sich um mein Leben handelt, so wollte ich nicht meiner Stimme allein folgen, sondern vorher die Gründe eines ruhigen, edlen Verstandes hören, und begab mich deßhalb zu meinem Freunde L. Ich hab ihm Alles erzählt. Er malte mir die Zukunft, die Welt schön, suchte mir zu zeigen, welche Ansprüche ich an sie habe. Ich sagte ihm: »ich kann zeichnen, malen, singen, Klavierspielen, dichten und bin auch wohl sonst nicht dumm; aber alle diese Eigenschaften, die wohl in der Welt Etwas gelten, konnten mir das Herz derjenigen nicht gewinnen, die ich liebte.« Einige Stunden redeten wir so; er hat seine Gründe erschöpft, er kann mir nichts mehr entgegen halten. Du mußt nicht glauben, geliebtes Mädchen, daß mich Verzweiflung so weit brachte, nein, sondern die ruhige Ueberlegung, das klare Bewußtsein, daß es dein Glück gelte. Mit eben so viel Besonnenheit habe ich meinen Plan gefaßt. Du weißt daß ich öfter klagte über ein Herzübel, das bei großer Aufregung mit Herzklopfen beginnt und mit Ohnmacht endet. Ein Arzt sagte mir, eine starke Erkältung könne hinreichen mir eine kurze aber unheilbare Krankheit zuzuziehen. Bei Tage werde ich nun heiter sein, Walzer, Polkas componiren, die mein Vater nach meinem Tode verkaufen kann. Bei Nacht kann ich dann meine Heilung beginnen und fortsetzen. Das Isarwasser soll sehr kalt sein. Dort könnte ich meine Füße baden bis zum Erstarren. Es wird ja nicht so lange währen. So wird kein Verdacht auf mich fallen, und Jedermann wird sich trösten. Du willst, daß ich dich vergessen soll? O! Friederike, diesen Wunsch hat dir nicht die Liebe eingegeben. Vergessen kann ich dich nur mit dem Tode, und er allein bleibt mir, das siehst du gewiß ein. Ich bin der Stein, der auf deinem Wege ein Hinderniß ist; er muß hinweggeräumt werden. Ich hoffe nichts mehr. Drum sage ich dir ewiges Lebewohl, wir dürfen uns weder hier noch jenseits begegnen. Wenn du mich heute Nacht singend an deinem Fenster vorübergehen hörst, so weißt du wo ich war und magst beten, daß mir Gott die Qualen einer harten Krankheit mildern möge. Lebe wohl, weihe mir eine Thräne, und dann vergiß mich.« ....

Bald aber begegnen wir dem Gedanken Ferner's, daß er nicht allein ans der Welt zu gehen gesonnen sei. In einem Aufsatze, der sich nach der That in Ferner's Zimmer fand, finden sich die Worte: »O! Leben, schön bist du für den Kräftigen, eine Last für den Kranken! Kaum daß ich einen Schmerz fühle dich zu verlassen, denn sie wird mir vorangehen.« Bemerkenswerth ist noch, daß Ferner einen Traum hatte, der eine auffallende Ähnlichkeit mit dem später eingetretenen unglücklichen Ereignisse hatte. Wir schreiten nun dem verhängnißvollen Ereignisse immer näher. In der demselben vorausgegangenen Woche bittet Ferner brieflich seine Geliebte um eine letzte Zusammenkunft im Garten ihrer Eltern. Das verlangte Rendez-vous wurde am Montage vor der That bei einem Gange, auf den Ferner Friederiken begleitete, für den darauffolgenden Donnerstag Abends verabredet. Unterwegs fragte Ferner seine Geliebte wieder, ob sie ihm treu bleiben und auf ihn warten wolle; sie äußerte aber, wie früher immer, auch damals, daß sie von ihren Eltern abhänge und auf ihn nicht warten könne. An demselben Montage Morgens kaufte Ferner ein doppelläufiges Terzerol nebst Schießzeug, und ließ sich, in der Handhabung von Feuerwaffen unerfahren, die Manipulation des Ladens von seinem Vetter K., bei dem er wohnte, zeigen. In der Zwischenzeit bis zum Rendez-vous sprach Ferner seine Geliebte nicht mehr. Am Tage der That selbst, Donnerstag den 7. Oktober 1858 schrieb er zwei Briefe (die wir unten erwähnen werden), einen an seinen Freund G., den andern an seinen Vetter und Hausherrn K.; beim Mittagessen las er, auf Fragen gab er keine Antwort. Nachmittags packte er seinen Koffer. Abends etwa um 5 Uhr verließ er seine Wohnung, und nahm das geladene Pistol mit. Die beiden Briefe ließ er auf dem Tische zurück. Aus dem an seinen Freund G. geschriebenem Briefe heben wir folgende Stellen aus:

»Eine schreckliche That ist geschehen, wenn du diese Zeilen empfängst; zwei junge Herzen haben aufgehört zu schlagen, und beide durch mich. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel wird das Alle treffen, die Anhänglichkeit an mich hatten, und Niemand wird es glauben wollen. Welche Gedanken, Vermuthungen durch die verschiedenen Gehirne schwanken werden, sehe ich voraus. Damit aber wenigstens Ihr, die Ihr doch gewohnt seid zu denken, und nicht oberflächlich zu urtheilen, damit wenigstens Ihr klarer sehen möchtet, will ich Einiges anführen, was vielleicht geeignet ist, den Vorfall zu erklären, denn zu rechtfertigen ist das Geschehene nicht. Ich weiß das recht wohl, aber eben so gewiß ist, daß es so kommen mußte, denn meine ganze innere Entwicklung mußte dazu führen. Deßhalb will ich kurz den psychologischen Gang meines Wesens darstellen, er wird Euch Stoff zum Nachdenken geben, vielleicht zur Belehrung Eurer in Euern Kindern dienen. (Nun schildert Ferner sich selbst, seine psychischen Anlagen, seine frühe Neigung zur Lectüre und Wissenschaft, seine Verführung durch einen Kameraden zum Laster der Onanie, wovon er den in seinem 15. Jahre bemerkbaren Verlust der männlichen Kraft herleitete, was oft Selbstmordsgedanken in ihm erregt, und von allem Umgange mit Menschen abgezogen habe. Nun geht er zu seiner Ankunft in München über, und schildert lebhaft, wie er Friederike gesehen und von heißer Liebe zu ihr erfaßt worden, wie ihm diese Liebe über den Kopf gewachsen sei, und sich mit all seinen Gedanken und seinem Leben verbunden habe.) ... So kams, daß ich einsah oder wähnte, ihr Schicksal sei an meines festgebunden, daß mir der Gedanke schrecklich ist, daß ein Anderer sie als Weib besitzen könnte, wenn ihre Eltern sie nöthigten. Sie in eines Andern Armen sehen zn müssen, das find Höllengedanken, und deßhalb geht sie mit mir. Was drüben meiner wartet weiß ich nicht. Ich frevle gegen die Natur, das weiß ich ..... Lebt wohl! die Liebe möge Euch besser blühen! Verachtet mich nicht, sondern bemitleidet mich, und auch von meiner geliebten Friederike denkt nicht gering. Sie ist ein natürliches freies Wesen mit einem klaren Geist, sie gab sich so ganz ihrem Gefühle hin und war ganz mein. Von ihr zu gehen, von ihr mich trennen, das hätte geheißen sterben, ich konnte nicht mehr ohne sie sein. Diese Liebe war bisher das Einzige was mich noch auf Erden hielt, jetzt da sie getrennt werden sollte, will und muß ich sterben. Merkwürdig ist mir aber, daß der Todesgedanke mich nicht schreckt; ich bin ruhig wohl deßhalb, weil der Gedanke mit mir aufgewachsen ist. Leb wohl! das Geschick ruft, und wenn ich nur drüben ich selbst bleibe, so mag kommen was will.«

An seinen Vetter und Hausherrn K. schrieb Ferner Folgendes. »Zwischen Leben und Tod stehend danke ich Ihnen für Alles, was ich Gutes von Ihnen empfing. Es ist viel und ich weiß nicht wie ich meinen Dank ausdrücken soll. Durch meinen Tod diene ich Ihnen nicht; aber doch sind Sie mir Mann genug, und zwar einer der wenigen Männer, denen ich mich wenigstens theilweise enthüllte, und deßhalb hoffe ich, daß Sie niemals meine That einem schlechten Motive unterstellen werden. Sie wissen selbst, daß ich nie Etwas Unrechtes gethan habe. Meinen Eltern mögen Sie melden, ich sei am Schlagflusse oder in einem Duell gestorben, nur den wahren Sachverhalt verheimlichen Sie, wenn es möglich ist. Alles was sich in der obern Schublade meines Kastens befindet, Bilder, Farben etc. gehört Ihnen zum ewigen Andenken; es sind werthvolle Sachen dabei, besonders das Aquarellgemälde. Was die Begräbnißkosten betrifft, so wird mein Vater Alles berichtigen. Vielleicht begräbt man mich wie einen Hund. Was liegt daran, ich spür es nicht. Auch das Doppelterzerol soll Ihnen gehören; verkaufen Sie es. So ist mein letzter Wille geschrieben. Leben Sie wohl und glücklich mit ihrer Familie. Was ich je Beleidigendes gethan habe, verzeihen Sie mir, ich bitte darum. Leben Sie wohl! Wenn es ein Jenseits gibt, sehen wir uns, vielleicht besser, als wir hoffen. Ade, Ade, ich muß zum Tode gehen.«

Zwischen 9½ und 9¾ Uhr Abends hörte ein in der Nähe jenes Gartens, wo die Zusammenkunft statt fand, bei der Glyptothek wachestehender Soldat einen Schuß fallen. Ungefähr um 11 oder 11½ Uhr in derselben Nacht stellte sich Ferner auf der Polizei mit der Anzeige, er habe vor einer Stunde seine Geliebte erschossen. Er schien sehr aufgeregt und verwirrt, konnte z. B. Namen und Alter nicht recht angeben, sprach sehr leise und in abgebrochenen Sätzen. Auf die Frage, ob sie schon todt sei, erklärte er: das weiß ich nicht. Eine Polizeicommission in Begleitung eines Assistenzarztes ließ sich alsbald von Ferner an den Ort der That führen. Auf dem Wege dahin will der Assistenzarzt nichts Auffallendes an ihm wahrgenommen haben; er sei ruhig gewesen und habe Nichts gesprochen. Der Garten war geschlossen. Ferner erklärte aber, man dürfe nur den Reiber aufmachen. Innen zeigte Ferner den Weg. Etwa 20 Schritte vor dem am Ende des mittleren Gartenganges befindlichen Sommerhäuschens war die noch warme Leiche der Friederike Sanguinetti auf der Gartenrabatte vor dem Sommerhäuschen auf dem Rücken hingestreckt. Ferner bat nicht weiter gehen zu dürfen, zitterte und schluchzte heftig. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Nach der Zurückkunft auf die Polizei erzählte Ferner: »er sei seit Wochen sehr niedergeschlagen, weil er fortmüsse und wahrscheinlich sie so verliere; er habe deßhalb schon eine Zeit lang den Entschluß in sich getragen sich das Leben zu nehmen, den er auch seiner Geliebten mitgetheilt, die ihn aber davon abzubringen versucht habe. Er habe von ihr verlangt sich mit ihm zu erschießen, worauf sie aber nicht einging. Eifersucht sei dabei nicht im Spiele gewesen. Am Meisten habe ihbn der Gedanke auseinander gebracht, daß dieselbe für ihn sollte verloren sein und er sie in den Armen eines Andern wissen müsse. (Eine weitere damals gemachte Angabe, er habe sie nur erschossen, weil sie davon laufen und Lärm machen wollte, wurde von ihm in einem spätern Verhöre ausdrücklich als unrichtig zurückgenommen; er sei damals, als er jene Angabe auf der Polizei gemacht, ganz verwirrt gewesen.) Sein Benehmen schien dem Polizeijourhabenden im Ganzen ruhig, doch weinte er und seine Blicke waren stier.

Am 9. Oktober fand die Recognition und Obduction der Leiche im Sectionssaale des Leichenhauses statt. Ferner war dabei höchst aufgeregt. Die Obduction zeigte Folgendes. Der Schuß war von Links nach Rechts eingedrungen. Der Schußkanal ging durch den Spigel'schen Lappen vom rechten Leberlappen herüber. Die Kugel fand sich im Dornfortsatze des dritten Lendenwirbels. Die Verletzung hatte eine vollständige Zerreißung der Leber, der großen Gefäßstämme und der Bauchspeicheldrüse herbeigeführt. Das Hymen war unverletzt, und die Gebärmutter in der Größe wie im ungeschwängertem Zustande. Das gerichtsärztliche Gutachten sprach sich dahin aus, daß die Verletzungen ihrer allgemeinen Natur nach nothwendig tödtlich gewesen seien, und auch augenblicklich den Tod herbeigeführt haben. Am nämlichen Tage (9. Oktob.) wurde auch ein gerichtlicher Augenschein am Orte der That vorgenommen. Nach diesem liegt das Gartenhäuschen, wo die Zusammenkunft statt fand, am obern Ende des 80 Schritte langen Gartens. Unter der Bank in demselben fand sich Pulver in Papier eingewickelt, auf dem Tische eine halb geleerte Flasche rothen Weines, und »die bezauberte Rose« von Schulze. Hart vor dem Gartenhäuschen in der Mitte des Einganges fand man zwei Knöpfe vom Kleide der Sanguinetti, links nahe an der Rabatte, an welcher sich ein das Gartenhäuschen umziehender wilder Wein befindet, einen dritten Knopf. In der linken Rabatte war eine kleine Lacke Blut ersichtlich, augenscheinlich die Stelle, wo die Leiche gelegen war.

Am Tage nach der That modificirte Ferner seine ersten Angaben bei der Polizei dahin: »die Pistole habe er gekauft, um den länger gehegten Selbstmordsgedanken auszuführen. Beim Anblicke seiner Geliebten im Garten habe er geglaubt, allein und ohne ihre Begleitung nicht aus der Welt gehen zu können; er habe ihr diese Absicht mitgetheilt, sie habe ihm diesen Gedanken auszureden gesucht und ihn auch beruhigt; als sie aber das Gartenhäuschen verließen, sei ihm eine plötzliche Verwirrung der Sinne gekommen, er habe an seine bevorstehende Abreise und die Trennung von ihr gedacht, und bewältigt hievon habe er die bisher absichtslos in der Hand behaltene Pistole auf sie losgedrückt.« Bei Gericht bewilligte man ihm, da er sich in einem solchen Zustande der Gemüthsaufregung befand, daß er auf gestellte Fragen Antworten gab, die gar nicht darauf paßten, seinem Ersuchen gemäß Schreibmaterialien, um für seine psychischen Zustände Anhaltspunkte zu gewinnen. Am vierten Tage übergab er unter der Ueberschrift »eine Geistesgeschichte« ein sehr ausführliches Curriculum vitae. Da der Raum dieser Zeitschrift nicht gestattet, den vollständigen, acht Bogen starken Aufsatz hier abdrucken zu lassen, so mag es genügen, daraus die vorzüglichsten Stellen hier mitzutheilen:

» .... Die Gedanken, die jetzt in mir durcheinander wirren, sind von der Art, daß ich Nichts wünsche als den Tod um vielleicht mit ihr vereint zu werden, daß ich keinen Glauben verlange, weil ich dann doch Etwas wirklich zu leiden habe, daß ich kein Mitleid begehre weil ichs nicht verdiene. Bei dieser Voraussetzung und in der Ueberzeugung, daß man mich nicht zu einem elenden, wahnsinnigen Leben verdammen werde, kann ich keinen Grund haben die Wahrheit zu verheimlichen, und ich werde deßhalb sagen was ich weiß, wie ich es weiß, Folgerungen irgend welcher Art zu ziehen, überlasse ich vollkommenster Ergebung erfahrnen Männern. Für mich gibt es nur einen erfreulichen Gedanken, und das ist Tod. Da bisher alle meine Gedanken zu sehr auseinander gestäubt waren, wie eine Schaar Vögel, wennman einen Stein unter sie wirft, so will ich alle meine Geisteskräfte aufbieten, ein möglichst deutliches Bild meines Seelenzustandes zu entwerfen. Mögen diejenigen Herrn, denen die unerquickliche Aufgabe geworden, diese Geschichte lesen zu müssen, in ihrer Geduld nicht ermüden! (Nun erzählt Ferner von seiner Abkunft, seiner Familie, von seinen eigenen geistigen Anlagen, seinem Schulbesuche, von seiner besondern Neigung zur Poesie und zum Theater, von seiner Lectüre; dann von seinem Uebertritte zum Gymnasium, von seiner Krankheit, dem allmähligen Verluste seiner männlichen Kraft, und von seinem einsamen, zurückgezogenem Leben, seinen öftern Selbstmordsgedanken, wo ihn aber die Wissenschaft und Kunst aufrecht erhielt; dann von seiner Ueberwanderung auf die Universität zu München.) .. Hier (in München) bekam mein Sinn für Kunst alle Nahrung, und mein geistiger Horizont wurde in einem Kreise von Freunden erweitert, die Alle nach Einem Ziele strebten, der Vervollkommnung ihrer selbst. Sie hatten Alle ähnliche Geistesperioden durchgelebt, mit der Ausnahme, daß sie nicht unglücklich waren wie ich, und daß bei ihnen der Verstand überwog, während bei mir Herz und Gefühl. Aus diesem Kreise war alles Gemeine verbannt, und hier herrschte nur Begeisterung für alles Große und Schöne. Ich fühlte in dieser Umgebung wie sehr, wie rasch mein Geist mit kräftigen Flügeln sich erhob; aber wenn ich allein war und über mich nachdachte, da fürchtete ich das Erlahmen meiner Kräfte, da fühlte ich mich namenlos elend. Aber meine Natur war doch feurig und heftig, was ich liebte liebte ich für immer, meine Gefühle waren schwärmerisch, und meine Gedanken gaben nur zu sehr meiner weit greifenden flammenden Phantasie nach. Jetzt sah ich Friederike. Bisher hatte ich kein Mädchen berührt, es schien mir keine liebenswürdig, und an ihre Tändeleien hatte ich geglaubt, nicht an Liebe. Von dem Augenblicke an, wo ich Friederike sah, fühlte ich mich unendlich zu ihr hingezogen; sie war wirklich reizend, schien nicht verbildet, sondern natürlich zu sein, sie gab sich stets wie sie dachte und fühlte, ohne Verstellung, aber auch ohne Rücksicht auf die Umgebung, daher schien sie frei in ihrem Benehmen, was mir zwar anfangs auffiel, aber bald mir klar wurde, daß sie sich nur ihrer lebhaften, fröhlichen Natur überließ. Damals war meine Liebe ganz uneigennützig, denn ich hoffte nicht, daß sie mich lieben könne. Ich hatte keinen Wunsch als sie zu sehen, und fühlte mich glücklich, wenn ich sie nur mit einem Blicke sehen konnte. Das war die schönste Zeit, und es wäre besser gewesen, Friederike hätte mir nie einen Blick geschenkt; denn damals hatte der Gedanke noch nichts Schreckliches für mich, daß sie nicht die Meine würde. Bald aber erkannte ich, daß in ihr Etwas vorgegangen sein müsse, denn wie oft ertappte ich ihre Blicke, wie sie auf mir verweilten. Nun konnte ich mich nicht mehr von ihren wunderschönen Augen losreißen, ich fühlte eine Umwandlung meines Wesens bis in die tiefste Seele. Jetzt, da ich Hoffnung hatte, sie könne mich lieben, jetzt erst nahm meine Liebe einen eignen Charakter an. Mit aller Gluth, mit aller Leidenschaft, deren nur eine junge, lange niedergedrückte, sich verhaßt glaubende Seele fähig ist, klammerte ich mich an dieses Wesen, das meine erste Empfindung nicht zurückstieß. (Nun erzählt Ferner sein schon erwähntes Zusammentreffen mit ihr auf den Künstlerbällen) ... Hier ist nun der Wendepunkt in meinem ganzen Leben. Meine Liebe nahm immer mehr den Charakter einer Krankhaftigkeit an, sie wurde eine wahnsinnige Liebe. Ich fühlte, daß ich mit meiner Liebe fallen mußte; mir meine Liebe nehmen, hieß mir den Boden unter den Füßen wegnehmen. So stieg nach und nach das fürchterliche Gespenst in mir auf, die Furcht vor ihrem Verluste, die Furcht, daß ein Anderer sie mir rauben könnte.

Ich lebte jetzt in einer steten Aufregung. [Nun erzählt Ferner, wie er öfters bei wach gewordenen Zweifeln ihrer Liebe Briefe an sie geschrieben, dieselben in ihr Fenster geworfen, und auf demselben Wege von ihr Antwort erhalten; sie habe ihn zu beruhigen gesucht. Bei einer mündlichen Besprechung erklärte sie, daß ihr Vater kein Verhältniß dulde, daß sie nicht warten dürfe bis sie sein Weib sein könne, da ihre Eltern eine baldige Versorgung wünschten.] Niemals war mir in ihrer Nähe eine sinnliche Anwandlung gekommen, und es wird mein süßester Trost im Tode sein, daß nie die leiseste Anspielung, nie die geringste Zweideutigkeit über meine Lippen kam, es ist nie der zarte poetische Hauch von unserer Liebe geflohen, und ich kann meine Hand rein aufheben vor ihrem abgeschiedenen Geist zu dem Schwure, dass ich nie einen solchen Gedanken zu ihr geäußert. In ihrer Gegenwart war ich auch ganz anders; und wenn ich allein war, da griff mir der Gedanke der Hoffnungslosigkeit wie eine kalte Hand ans Herz, und zerrte so lange, bis mein armer Verstand oft ganz dahinsank; ich konnte stundenlang sitzen mit dem Gefühle entsetzlicher Mattigkeit, ohne einen andern Gedanken, als den an die durch eine finstere Phantasie vergrößerten Folgen des Verlustes. Ich fürchtete damals wahnsinnig zu werden. Dazu kam noch ein anderer schrecklicher Umstand, der meine Verzweiflung vermehrte; ich bemerkte nämlich, daß ich sichtbar auffallend an Armen, Beinen und dem Körper abnahm. Ich wußte nicht, sollte ich diese Veränderung meiner steten Aufregung zuschreiben, oder jener Krankheit, die mich so lange verfolgte; meine Augen- Nasen- und Mundmuskeln zuckten oft heftig zusammen, ich fühlte oft einen stechenden Schmerz durch den Kopf und eine Müdigkeit an den Muskeln jener Gegend, daß ich kaum den Kopf aufrecht halten konnte; oft zitterten meine Hände und Finger, und hatte das Gefühl ob Spinnen oder Fliegen darüber hinwegliefen. Ich hielt diese Symptome für Vorboten des Wahnsinnes. Auch meine geistige Kraft hatte abgenommen. Nur wenn ich bei Friederiken war, da schienen alle diese Raben des Wahnsinnes zu fliehen, und ich überzeugte mich immer mehr, daß ich getrennt von ihr nicht mehr sein könne, daß nach der Trennung mein Verstand zu Grunde gehen müsse in Wahnsinn. [Nun schildert Ferner mit den lebhaftesten Bildern die Furcht vor seiner bevorstehenden Trennung, da er zum Examen abreisen sollte, die Furcht seine Geliebte zu verlieren, und die Todesgedanken, welche sich dazu gesellten; wie er des Nachts von größter Unruhe und Angst gequält die Straßen durchlief, und schlaflose Nächte durchphantasirte.] Mein Seelenzustand war bedauernswerth. Es mußte ein Ende gemacht werden; die Pistole wurde gekauft. Ich verabredete mit Friederiken die letzte Zusammenkunft um uns Lebewohl zu sagen; dabei schwankte ich lange ob es nicht auch meine letzte Stunde sein sollte; ich schwankte ob ich die Pistole mitnehmen solle oder nicht. Ich kaufte eine Flasche Wein, denn es lebte in mir noch ein Wunsch in der Seele, es könne vielleicht noch gut werden, vielleicht daß der Wein mich erheitern könne, denn mir hatte niemals der Wein festere Entschlüsse gegeben, sondern im Gegentheil mein Herz war dann immer weicher und konnte leicht von einer Stimmung zur andern gebracht werden. Die Nacht, die nun folgte, war schlaflos; alles, was seit Monden in meinem Gehirne sich wälzte, legte sich nun über mich wie eine erdrückende Last. Ich fühlte mich zu Grunde gehen. Ich beschloß die Pistole mitzunehmen. Ich probirte, ob es mir gelänge beide Läufe auf mich abzudrücken; nach mehreren Versuchen gelang es mir, und entsetzlich kalt murmelte ich: »es ist gut.« Die Perlen, ein Angedenken an den letzten Künstlerball hing ich um; ein Sammetbändchen, das sie mir einst von ihrem Halse gab, trug ich. Ich war zum Tode geschmückt mit dem was mir theuer war. Um fünf Uhr ging ich fort; auf meinem Wege betrachtete ich Alles, die Gegend, jedes Haus, jeden Menschen; es sollte ja das letztemal sein. Ich kam zuerst zu der verabredeten Zusammenkunft in den Garten. Da trank ich ein Glas Wein, nahm die Pistole und betrachtete sie lange gedankenlos. Dann sprach ich mit wahnsinnigem Lächeln den Monolog des rasenden Ajax aus Sophokles, »der Mörder steht bereit.« Ich nahm Abschied von Allem, aber ohne Thränen; als mir aber der Gedanke kam auch von ihr Abschied nehmen zu müssen, da saß ich dumpf, stier, todt. Finster und blutig wie eine Traumgestalt stieg mir der Gedanke auf, sie geht mit dir. Früher einmal hatte ich aus falscher Eifersucht ihren Tod geschworen in fürchterlichster Aufregung; und jetzt war es wahnsinnige Eifersucht auf den, der an meine Stelle treten, auf den, der sie lieben könnte .... Friederike kam. Ich schloß sie in die Arme, ich küßte sie. Meine Umarmung war eine Umklammerung der Verzweiflung, mein Kuß von kalten Lippen, nicht mehr glühend wie sonst, der des Todes. Sie saß zu meiner rechten Seite. Sie schlang den Arm um meinen Nacken, ich die beiden Arme um ihren Leib, mein Kopf lag an ihrer Brust. Ich sprach fast gar nicht; ich wußte Nichts mehr; todt, todt, todt war Alles. Sie versuchte vergebens mich aufzuheitern. Sie legte ihre Hand auf meine Stirne; sie glühte. Jetzt ward dem armen Kinde bang« »hast du Etwas Böses gethan« sprach sie. Ich schüttelte den Kopf. Sie sah das Glas, sie fragte, ich sagte vom Weine, sie glaubte mich vergiftet; es wäre besser gewesen .... Wahnsinnige Kälte lag auf mir. Ich legte die Pistole auf den Tisch: »Nein, nein, rief sie, du darfst nicht, ich würde sterben, ach, wenn ich nur gleich sterben könnte.« Ich sagte: »das wirst du auch, du gehst mit mir.« Ich kniete vor ihr, mein Haupt lag in ihrem Schooß, sie sprach: »muß ich denn sterben?, o! du bist so kalt, du sprichst wirr; thu mit mir was du willst, lebe nur Du.« Ach, daß es so dunkel war, wenn ich sie hätte sehen können wäre es gewiß nicht geschehen. Sie hob mich auf mit den Worten: »komm, wir gehen zur Mutter, zu deiner Mutter.« Ich folgte ihr; es war kein Wille, kein Gedanke in mir. Beim Hinausgehen muß ich die Pistole vom Tisch genommen haben. Wir setzten uns auf die Schwelle vom Hüttchen; dann erhoben wir uns und sie sagte: »komm' da hast du den letzten Kuß.« Das Wort riß alle Wunden wieder auf; ich preßte sie in wahnsinniger Hast an mich, viele Gedanken schlugen sich in meinem Gehirne, alles wirbelte, ich glaubte sie wolle mich nicht mehr lieben, wolle mich verlassen. Sie machte eine Bewegung zum Gehen, mein Arm zuckte auf, der Schuß fiel, sie sank, und wenn ich mein Erinnern recht quäle, glaub' ich, sie wimmerte. Der Schuß brachte mich noch immer nicht zur Vernunft, nur das Gefühl, das Bewußtsein einer ungeheuern Schuld hatte ich. Plötzlich dachte ich, daß ich mich ja erschießen wollte. Ich blickte abwärts, ich sah ihre Gestalt. »Nein, nicht in ihrer Nähe, Mörder, riefs in mir, weit weg, an der Isar, da fällst du ins Wasser.« Ich rannte davon, sinnlos, und nur »Mörder, Mörder« rief's. Ich kam in den englischen Garten. Das Rauschen der Bäume brachte mich zu mir. Ich hatte die Pistole in der Hand, ich glaubte mich aus einem Traume erwacht; ich roch an den Lauf, an meinen Kleidern. Ich suchte mir eine Vorstellung zu machen, es ging nicht. Nur das fühlte ich, sie war todt, Alles war todt. Die Reue fiel mich an, so gewaltig, daß sie mich niederwarf auf dem Wege. Jetzt dachte ich was geschehen solle. Meine bessere Natur überwand, und ich ging mich anzuzeigen .... Wenn ich bedenke, welches Motiv ich hatte, so weiß ich keines. Sie hatte mir Nichts gethan, sie war so rein, so gut, sie liebte mich so sehr. Aber der Gedanke an den Andern, die Eifersucht vor einem Künftigen, der nach meinem Tode käme, die Eifersucht ewig sie mit einem Andern wandeln zu sehen, und der Wahn, der dem größten Schwärmer Ehre gemacht hätte, daß es schön für mich sei sie ewig allein zu sehen, mein gequälter, verrückter Geist, diese wahnsinnige Liebe, der Schmerz der Trennung der mir alle Besinnung raubte, sie machen mir die That erklärlich, aber nicht weniger strafbar. Ich will auch keine Rechtfertigung. Man wird fragen, wie ich doch jetzt so ziemlich bei Verstand sei, und ob es möglich sei, daß eine solche Verdüsterung der Vernunft vorkommen könne, wie ich sie beschrieb? Ich verdenke das Niemand, der Zweifel ist dem vernünftigen Menschen zu natürlich. Aber man frage Alle die mich kennen, ob sie mich dessen fähig gehalten hätten? Wenn ich nicht selbst an mir es erlebt, ich glaubte es nicht. Ich kann nicht anders sagen, als Wahnsinn war's. Nur um Eines bitte ich, man möge mich strenge beurtheilen, mich zur Ewigkeit senden, bevor ich gänzlich in die Arme der Nacht sinke. Ich möchte mit denkendem Geiste aus der Welt gehen, ich möchte an sie, an unser Wiedersehen denken können. Ich bin jetzt ganz ermattet, todt sind alle meine Gedanken, sie ist nicht mehr hier, ich will, ich muß zu ihr, aber nicht durch meine eigenen ruchlosen Hände, sondern durch die des strafenden Gerichtes.«

In einem spätern Verhöre gestand Ferner dagegen zu: «Der Gedanke nicht nur sich sondern auch seine Geliebte zu tödten, sei ihm ungefähr vierzehn Tage vor der That gekommen. Er habe den Gedanken nicht ertragen können sie in dieser oder jener Welt in den Armen eines Andern zu sehen. Er habe gedacht, er werde durch den Selbstmord verdammt werden, Friederike dagegen als schuldlos in die Ewigkeit eingehen; es sei ihm aber immer noch lieber gewesen, ewig von ihr getrennt zu sein als sie nach seinem Tode in den Armen eines Andern zu wissen. Er habe die Ueberzeugung gehegt, daß er, wenn sie auch an verschiedenen Orten in der Ewigkeit sich befinden sollten, dennoch sie sehen könne, und zwar rein, nicht im Besitze eines Andern. Dieser Gedanke habe ihn am Tage der That selbst überwältigt. Am fraglichen Abende sei er eine halbe Stunde früher vor Friederike in den Garten gekommen, und da erst habe er mit aller Bestimmtheit beschlossen sie zu tödten, weil auch der Selbstmord bei ihm beschlossen und der Gedanke ihm unerträglich gewesen sei, allein aus der Welt zu gehen, in der Befürchtung, daß sie einen Andern heirathen werde. Als er immer aufgeregter geworden, habe er ihr die Pistole gezeigt und gesagt, daß er sich tödten wolle und sie ihm vorangehen werde. Sie habe ihn gebeten, das doch nicht zu thun, lieber sie zu tödten. Sie sei sehr niedergedrückt gewesen und habe nur geäußert »muß ich denn sterben?,« worauf er erwiederte: „du gehst mit mir.« Abweichend von den frühern Angaben äußerte sich Ferner bei der öffentlichen Verhandlung, wo er unter heftiger Aufregung Folgendes deponirte: »Er wisse selbst nicht, wann er den Entschluß, seine Geliebte zu tödten, gefaßt habe; derselbe sei ohne Klarheit und Bestimmtheit gewesen, er sei am kritischen Abende wie im Traum dahin gegangen. Den Entschluß, sich selbst zu tödten, habe er schon Monate lang mit sich herumgetragen; der Gedanke aber, auch sie zu tödten, sei erst am Nachmittage vor der That in ihm aufgestiegen, aber ohne Klarheit gewesen. Er habe kein bestimmtes Motiv zur That gehabt; er habe sterben wollen und ohne sie nicht sterben können; er habe den Gedanken nicht überwinden können, daß, wenn sie zurückbleibe, ein Anderer sie bekommen werde; es sei so schön mit einander zu sterben. Er sei am kritischen Abende ganz bewußt- und gedankenlos an ihrer Seite gesessen, auf einmal habe sie das Wort »Mutter« ausgesprochen, das habe ihn im ganzen Körper durchdrungen; sie habe dann gesagt »wir wollen jetzt gehen, ich gebe dir nun den letzten Kuß,« und in diesem Momente habe Alles in ihm aufgezuckt, er wisse nicht ob er das Pistol losgedrückt, er habe Nichts gehört, aber er habe gefühlt, daß Etwas unerwartetes, gräßliches geschehen sei, dann sei er wieder zu sich gekommen, und habe sie vor sich liegen sehen. Als er einige Tage vorher das Pistol gekauft, habe er noch nicht den Gedanken gehabt sie zu erschießen, sondern nur den sich selbst zu tödten. Er sei sich selbst nicht klar, warum er gerade ein Doppelterzerol gekauft, er habe eben genommen was man ihm gegeben.«

III.

Ueber den psychischen Zustand Ferner's wurden zwei Gutachten erstattet, A. eines von dem Gerichtsarzte Prof. Dr. Hofmann in München, welches sich für geminderte Zurechnungsfähigkeit aussprach, und B. das Andere vom Medizinalkomité in München, welches vollständige Zurechnungsfähigkeit annahm.

A.
Das Gutachten des Prof. Hofmann sprach sich wie folgt, aus. »An der Zurechnungsfähigkeit eines Menschen darf nach psychologischen Gesetzen desto mehr gezweifelt werden, als zwischen der That und dem bisherigen Verhalten des Thäters ein Kontrast besteht. Ferner war als braver, stiller junger Mann anerkannt, dessen hervorragende Geistesgaben zu den schönsten Hoffnungen für die Zukunft berechtigten, und seine literarischen und artistischen Produkte rechtfertigten dieses Urtheil und diese Hoffnungen, aber überall leuchtete der Fantast, der Schwärmer, der Träumer, aber auch der Jüngling von wahrem, ächten Seelenadel hervor. Dem mannbar werdenden Jüngling traf das Unglück, daß er zur Onanie verleitet wurde. Ein Unglück Ferner's war es, daß dieser in seinem Innern dadurch entstandene Zwiespalt in eine Zeit fiel, wo der mit Intelligenz begabte junge Mann so gerne zu philosophiren anfängt, aber falsch philosophirt, weil die Phantasie so gerne noch den Verstand überflügelnd diesen ins Schlepptau nimmt. Auch Ferner philosophirte, aber falsch. Er nahm die Welt nicht objectiv wie sie ist, sondern von der Vogelperspective herab, wo sie sich anders zeigte als sie war, und er mußte dadurch dahin kommen, sich eine Welt nach seinen Begriffen zu construiren, die von der realiter existirenden materiellen Welt so abstand, wie die zwei Endpunkte des Durchmessers eines Kreises. Daher sein Hang zur Einsamkeit, denn diese gewährte ihm das, was die Welt, weil sie anders fühlte und dachte, ihm nicht gewähren konnte, die Möglichkeit seinen Träumereien nachzuhängen; dieß ist der Grund, warum er mit solcher Leidenschaftlichkeit die Musen umfing, weil sie ihm Befriedigung gewährten, die die ihn mißverstehende Außenwelt nicht gewähren konnte. Die Folgen dieser unglücklichen Geistesrichtung waren klar. Seine religiösen Anschauungen sind noch nicht consolidirt und geläutert. Ohne moralischen Halt (?) sehen wir den Universitätsstudenten Ferner in sich zerrissen, im Konflikt mit der Außenwelt, deren Thun und Treiben er im Bewußtsein, besser zu sein, verachtet, ein Bewußtsein, das zum Theil allerdings ein in seiner eminenten geistigen Begabung begründetes war, zum Theil aber auf Selbstüberschätzung beruhte, zu welcher er durch die Lobeserhebungen aller derer, die ihn kannten, gedrängt wurde. Das war ein Abgrund, an dem er wandelte.«

»Die Brust sehnend nach einem Wesen, das, weil die Freunde ihn nicht liebend zu erkennen vermochten, sein nach idealer Liebe sehnendes Herz befriedigen würde, wer möchte es Ferner'n verdenken, wenn ihn der Liebreiz eines schönen jungen Mädchens im Momente des Ansichtigwerdens bezauberte? Sie sehen und sie lieben war Eins. Natürlich, nicht verbildet, sich stets so gebend wie sie dachte und fühlte, ohne Verstellung, aber auch ohne Rücksicht auf die augenblicklich umgebenden Verhältnisse, d. h. naiv, schalkhaft, lebhaft, kindlich unschuldig, befriedigte das junge Mädchen anfänglich Ferner vollständig. Er war im Besitze dessen, wornach sein früheres Sehnen gerichtet war, in seine Brust war die wahre Liebe eingezogen. Sie war rein, sie zeigte sich nicht abgeneigt. Mit dem Fallen aber der Schranke des Nichtwissens, wie das Mädchen seine Liebe aufnehme, wurde seine Liebe eine krankhafte. Er dachte sich nun auch des Mädchens Gegenliebe so, wie er sich sein Ideal von Liebe construirte. Daß er sich leidenschaftlich auf den Gegenstand seiner Liebe warf, daran trägt sein Charakter allein die Schuld; daran daß er nicht die Qualität der Gegenliebe fand, die er sich idealisirte, daran trug die Verschiedenheit der beiderseitigen Charaktere Schuld. Ferner's Liebe war leidenschaftlich; sie war noch mehr als leidenschaftlich, sie war wahnsinnig, das Centrum alles seines Thuns und Treibens, außerhalb welchem es für ihn gar Nichts mehr auf der Erde gab. Man möchte meinen, Ferner sei Modell gestanden zu dem Sprichworte »Liebe macht Narren.« Ausfluß partiellen Wahnsinnes nenne ich es, wenn Ferner nirgends mehr Ruhe und Rast findet, verzweifelte Nächte auf dem schlaflosen Lager zubringt, und die Tage rastlos hin- und herrennt, stundenlang sich hinstellt nur um ihr Fenster zu sehen, stundenlang vor sich hinbrütend und stierend einmal in das Gelächter ausbricht »sie liebt mich«, dann verzweifelnd ausruft »sie liebt mich nicht,« und schließlich wieder aufschreit »und sie liebt mich doch.« Ferner verlangte idealisirte Liebe, die nur in dem Gegenstande der Liebe leben müsse, die nicht abläßt wenn das Weltall zerstiebt. Des Mädchens Liebe dagegen war nüchtern, materiell auf Versorgung gerichtet, praktisch; ihre Liebe war lau, warm genug um sein Feuer zu unterhalten, nicht kalt genug um es zu dämpfen. Diese beiden Seelen, jede mit einer so entgegengesetzt qualificirten Liebe, waren nicht dazu geeignet zwei Herzen und ein Schlag zu sein; es waren zwei Herzen mit zwei verschiedenen Schlägen, deren jeder als Diffonanz im andern Herzen wiedertönte. Dieses Liebesverhältniß mußte unglücklich werden, und wurde es auch, aber in gegenseitig anderer Weise. Sie quälte weder sich noch ihn um Liebe; sie quälte ihn nur unabsichtlich durch nicht genugsames Quantum und nicht befriedigendes Quale ihrer Liebe, weil sie eines größeren Quantum und anderen Quale nicht fähig war. Er aber quälte sich, weil er sich den Glauben aufzwingen wollte, sie hänge mit voller Seele an ihm und nur Außenverhältnisse träten zwischen ihn und ihr. Er quälte aber auch das Mädchen mit seiner Bitte um Gegenliebe, daß sie am Ende ihn ob seiner Excentricität und vorhabendem Entschlusse fürchtete, aber nicht mehr liebte. Furcht, nicht Spiel oder Koketterie, war es, wenn sie das Verhältniß nicht brach, vielmehr ihn ihrer fortgesetzten Zuneigung versicherte; Furcht war es, welche sie zu der letzten Zusammenkunft bestimmte, welche früher die Liebe gewährt hatte.«

»Dem Ferner kam es zum Bewußtsein, daß Außenverhältnisse sich seiner künftigen ehelichen Verbindung mit seiner Geliebten entgegenstellen. Es siegte momentan bei ihm der kalt reflectirende Verstand über die Leidenschaft, und er beschloß das Verhältniß zu brechen. Bald aber gewann die Leidenschaft wieder die Oberhand, denn Ferner wähnte den Stachel der Liebe so tief in sein Herz gedrückt, daß er nur mit Vernichtung der irdischen Existenz seiner Person (denn Liebe und irdische Existenz sind ihm identisch) herausgerissen werden könne. Eben darum war Ferner hoffnungslos, verzweifelte, und dachte an Selbstmord. Es ist ungewiß, in welchem Stadium seines vorhabenden Entschlusses zum Selbstmorde der Gedanke vor seine Seele trat, mit der Geliebten ins Jenseits zu gehen; gewiß ist nur, daß letzterer Gedanke bereis zwei bis drei Wochen vor der That in seiner Seele war. Was war das Motiv dazu? Es läßt sich in wenige Worte zusammenfassen: der Gedanke, sie auf der Erde zurückzulassen, und zwar höchst wahrscheinlicher Weise als künftige Gattin in den Armen eines Andern zu wissen, dieser Gedanke war für Ferner's Selbstüberschätzung seiner geistigen Vorzüge unerfaßbar; wahnsinnige Liebe ist der Grund, warum er sie nicht in den Armen eines Andern wissen konnte. Diese seine Eifersucht, wenn auch bis zur Stunde der That gegenstandslos, war doch nach menschlicher Vorausberechnung begründet Auch den Gedanken in der jenseitigen Welt sie einst an der Seite eines Andern wandeln zu sehen, konnte Ferner nicht fassen. Eher sich am Orte der ewigen Verdammniß, sie an dem Orte der Seligkeit, aber allein. Das ist ihm ein Trost, aber der Trost eines Wahnsinnigen. Wahnsinn, nicht Leichtsinn war der Gedanke, die Ewigkeit in die Schanze zu schlagen, sich ewig verdammt zu wissen, wenn nur der Gegenstand seiner Liebe nicht einem Andern gehöre. Daß Ferner nach der That den Entschluß des Selbstmordes nicht ausführte, war nicht Feigheit. Der Selbstmord wäre für ihn, den Gefühlsmenschen, ein leichterer Schritt gewesen, als der Tod auf dem Schaffote oder jahrelange Festungsstrafe. Die Selbstanzeige war ein heroischer Entschluß, hervorgerufen durch das niemals in ihm unterdrückte, wenn auch durch falsche philosophische Reflexionen auf falscher Fährte befindliche Gefühl der wirklichen Existenz eines Gottes und eines Jenseits, welches ihm als guter Genius in diesem fürchterlichen Augenblicke seines Lebens zurief: nicht an der Seite dieser Unschuld sollst du ins Jenseits übertreten, der irdischen Gerechtigkeit hast du Genüge zu leisten.«

»Es fragt sich nun, wie verhält sich die Zurechnung zur That? Die That war die eines wahnsinnig Liebenden, d. h. eines Menschen, dessen Auffassungs- und Urtbeilsvermögen in allen Richtungen ungetrübt war, nur nicht in der seiner Liebe. Hier hinderte die zum Wahnsinn gesteigerte Leidenschaft eine objektiv richtige Auffassung und Beurtheilung der Lage der Dinge. Kann Ferner hiefür verantwortlich gemacht werden? Ja. Eifersucht gegen eine noch nicht existirende Person, nebenbei auch geistige Selbstüberschätzung waren das Motiv zur That. Die Furcht vor Verlust ist die nothwendige Voraussetzung der Eifersucht; diese Leidenschaft hat Ferner's ursprüngliches mit seinem Vernunftgebrauche identisches Rechtsbewußtsein, daß noch irgend Jemand ein Anrecht auf die von ihm Geliebte haben werde, nach und nach verdunkelt und abgeschwächt, bis dasselbe zuletzt keinen Widerstand gegen das aus Interesse der Leidenschaft fließende strafbare Motiv mehr leisten konnte. Sein Rechts- und moralisches Bewußtsein »du darfst sie nicht tödten« konnte keinen positiven Widerstand gegen das aus Interesse der Leidenschaft fließende egoistische Motiv leisten, und da ein Objekt für seine Eifersucht, auf das sich dieselbe richten konnte, nicht existirte, so blieb kein anderer Ausweg als die Vernichtung jener Person, wegen welcher seine Eifersucht in Phantomen entbrannte, denn damit war die Möglichkeit des künftigen Auftretens von Persönlichkeiten, auf und gegen welche sich seine Eifersucht richten konnte, aufgehoben. Es war sohin Nothwendigkeit, daß der wahnsinnig liebende und wahnsinnig eifersüchtige Ferner die Geliebte erschießen mußte. Aber eben so gewiß ist, daß Ferner eine Zeit nicht blos hatte, sondern bis in die allerkürzeste Zeit vor der That, möglicherweise bis noch wenige Sekunden vor der That hatte, wo in ihm Gewissen und Rechtsbewußtsein »du darfst sie nicht erschießen« nur mit Mühe zum Schweigen gebracht werden konnten. Zeuge dessen ist Ferner's zwei bis drei Wochen langer Kampf gegen den in ihm aufsteigenden verbrecherischen Gedanken. Und wenn Ferner geflissentlich diesen seinen drei Wochen lang mahnenden innern Richter zu verstummen zwang, so liegt eben seine Schuld in diesem willkührlich herbeigeführten Causalitätsverhältniß, und er darf nicht zu seiner Entschuldigung geltend machen, daß er dem verbrecherischen Willen nicht habe Widerstand leisten können; er darf dies um so weniger, als gerade von seinem reich entwickeltem Verstande mehr Widerstandskraft verlangt werden konnte. Auch die Mittel, die er zur Ausführung des gefaßten Vorhabens, sich und die Geliebte zu tödten, einschlug, zeugen von vollständiger Integrität des Geistes. Er wählt den Tod durch die Kugel, kauft eine Doppelpistole, probirt im Beisein des Büchsenmachers die Schlösser, verlangt von ihm Schußmaterial, probirt das Abdrücken, und nimmt an dem verhängnißvollen Abende die geladene Pistole mit sich. Beweis genug dafür, daß innerhalb jenes Rayons, für den ich Wahnsinn vindicire, noch nicht jede Spur richtiger, gesunder Reflexionen gewichen war. Also keine Unzurechnungsfähigkeit! Die Frage kann nur so lauten: »soll Ferner ganz oder nur theilweise dem Gesetze gegenüber für den Mord psychologisch verantwortlich gemacht werden?« Von den drei Grundkräften der Seele, Verstand, Gemüth und Wille, steht nicht blos gemäß der ursprünglichen Organisation der Seele die Willenskraft in einem Abhängigkeitsverhältnisse von der Verstandes- und Gemüthskraft, sondern letztere stehen auch in einem gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnisse, so daß nicht blos jede die andere mehr oder weniger beherrschen kann, sondern tatsächlich in jedem Menschen mehr oder weniger vorherrscht. Die Unterordnung des Verstandes unter die Gemüthskraft erreicht bei jeder Leidenschaft einen viel höhern Grad, als beim Gleichgewichte der Gemüthstriebe unter sich und mit der Verstandeskraft, welches Gleichgewicht die psychologische Grundlage der objectiven Besonnenheit bildet. Durch die Leidenschaft wird der Verstand gezwungen, die Personen, Dinge und Verhältnisse ihrer objectivcn Bedeutung nach zu verkennen und falsch aufzufassen, d. h. es entsteht eine Verstandesverwirrung, eine Verwirrung der Sinne. Für diese Verstandesverwirrung kann und muß der geistig so eminent ausgestattete Ferner vor dem Forum der Moral und Psychologie allerdings verantwortlich gemacht werden. Nicht verantwortlich aber kann er gemacht werden für die Phantasterei, die von Haus aus in seine Seele hineingelegt war. Dazu kommt noch die völlig falsche Haltung seiner Geliebten, die das Verhältniß geradezu und ohne Rückhalt hätte brechen sollen. Nicht das ganze psychologische Verschulden kann daher auf Ferner's Schultern geworfen werden.«

B.
Das Gutachten des Medicinalkomités zu München (Ref. Privatdocent Dr. Lindwurm) sprach folgende Ansicht aus. »Zur richtigen psychologischen Würdigung der von Ferner begangenen That müssen wir vorerst dessen Körper- und Geisteszustand im Allgemeinen betrachten, um zu sehen, ob sich vielleicht Momente ergeben, in denen die That eine psychologische Begründung findet. Nicht aus der That allein darf der Maaßstab der Beurtheilung für den Geisteszustand des Thäters genommen werden. Ferner's körperlicher Zustand war gesund; die Schilderungen seiner geschwächten Gesundheit sind übertrieben, sein Muskelzittern, Schwächegefühl, Kopfschmerz sind Folgen seiner psychischen Aufregung. Ebenso ist sein Geistes- und Gemüthszustand vollkommen gesund. Er ist seines Verstandes vollkommen mächtig, sehr begabt. Ein hervorstechender Charakterzug Ferner's ist Selbstüberschätzung, die nur zu oft in Selbstbewunderung ausartet. Eben so ausgesprochen finden wir bei ihm den Hang zur Schwärmerei. Als poetische Natur überläßt er sich gerne dem Fluge seiner Phantasie, und gefällt sich in überspannten Ideen und schwärmerischen Reflexionen, die nur zu oft das eigene Ich zum Gegenstande haben. Indem er aber dieses Ich durch ein (wie er glaubte) unheilbares Leiden (Pollutionen) geistig und körperlich gefährdet wähnt, nehmen diese Reflexionen leicht den Charakter des Trüben und Melancholischen an, sogar Selbstmordsgedanken tauchen bisweilen in ihm auf. Er wendet sich völlig der Außenwelt ab, ist nur von seinen Interessen berührt und in seinen Ideenkreis vertieft; er liebt die Einsamkeit und flieht die Welt, die ihn nicht versteht, wohl aber auch nicht genug anerkennt. Er jagt nach Idealen, und lernt nicht in das Leben, wie es in Wirklichkeit ist, sich schicken. Kurz, wir haben das Bild eines excentrischen, schwärmerischen Jünglings, eines überspannten, sich selbst überschätzenden Phantasten. Alle diese Eigenschaften des Geistes und Charakters dürfen aber vom ärztlichen Standpunkte aus noch nicht in das Gebiet eines wirklich Kranken gezogen werden. Es sind eben individuelle Eigenheiten, Schwächen, wie sie jeder Mensch mehr oder weniger aufzuweisen hat. Zu keiner Zeit vor und nach der That war irgend eine Störung der Vernunft, eine Form der Verwirrung oder des Wahnsinnes zugegen, welche dessen Zurechnungsfähigkeit in Zweifel ziehen ließe. Ferner hat bei den Besuchen, die Referent bei ihm im Gefängniße machte, gesundes Urtheil und normales Fassungsvermögen gezeigt, seine Aussagen haben den Eindruck der Wahrheit gemacht. Aber von Reue war keine Spur. Er hatte gemeint, es hätte bei seiner Individualiät und Geistesdisposition so kommen müssen, und er müsse in einem ähnlichen Falle wieder so handeln.«

»Ferner verübte die That in leidenschaftlicher Aufregung, in welche ihn Liebe und Eifersucht versetzt. Es fragt sich nun, ob eine von einem geistesgesunden Individuum in der Leidenschaft begangene verbrecherische That für eine unfreiwillige, für eine durch unverschuldete Sinnesverwirrung bedingte, wofür der Thäter unverantwortlich ist, erklärt werden darf? Nimmermehr darf von ärztlicher Seite eine solche Auffassung stattfinden. Um dies näher zu erweisen, wollen wir die leidenschaftliche Liebe Ferner's und die aus ihr entsprungene That einer nähern Prüfung unterziehen. Von einer in momentaner, plötzlich entstandener höchster Aufregung unwillkührlich, ohne Ueberlegung und Vorbedacht begangenen That kann nach seinen vor der That geschriebenen Briefen sowie nachher gemachten Geständnissen nicht die Rede sein, da diese zeigen, daß er die Ermordung seiner Geliebten vorher überlegt und beschlossen, die That also mit Vorbedacht ausgeführt hat. Nicht ein augenblicklicher Affekt, sondern ein mehr chronischer Gemüthszustand, eine sich langsam entwickelnde und lange dauernde Leidenschaft, eifersüchtige Liebe, war die Veranlassung zur That. Die Briefe und Gedichte Ferner's geben ein Bild der in ihm aufkeimenden, wachsenden und zuletzt in voller Gluth auflodernden Liebe. Als unpraktischer Idealist und excentrischer Kopf wurde der früher am weiblichen Geschlechte verzweifelnde, ja dasselbe verachtende, schwärmerische junge Mann um so leidenschaftlicher von der Liebe umfangen, als er in seiner Geliebten das Ideal des Weibes, an dessen Existenz er nicht geglaubt, nun wirklich gefunden zu haben träumte. Ein neues Leben beginnt für ihn; er weiß sich wieder geliebt vom Gegenstande seiner Liebe. Bald aber ändert sich die Sache. Die Wirklichkeit gewann doch eben einmal die Oberhand, und das von seiner Phantasie entworfene Ideal, das natürliche, nüchterne, wohl auch berechnende Mädchen war doch sehr verschieden vom Phantasiegebilde Ferner's. Die Liebe, welche sie ihm schenkte, konnte ihm nicht genügen; er verlangte mehr, eine Liebe die ganz von ihm erfüllt war. Ferner, der seinen eigenen Werth so gut kannte, eine so hohe Meinung von dem eigenen Ich hatte, konnte sich nicht mit der gewöhnlichen Liebe des einfachen, prosaischen Mädchens zufrieden geben. Sie ging nicht ein auf seine Schwärmereien, wurde anfangs beunruhigt, später selbst abgestoßen durch sein fortwährendes Bestürmen. Gewährte sie ihm auch noch Zeichen ihrer Gunst, so geschah es nach ihren eigenen Aeußerungen mehr aus Angst vor seinen Drohungen; ja sie erklärte ihm selbst, sie müsse sich nach Versorgung umseben, könne nicht auf ihn warten. Dadurch mußte die Eigenliebe des stolzen Jünglings auf das Empfindlichste verletzt werden, und seine Liebe, statt zu erkalten, steigerte sich auf das Höchste. Denn ein mächtiger Quell unglücklicher Liebe ist verletzte Eitelkeit; die demüthigende Gewißheit, nicht oder nicht genug geliebt zu werden, führt nur zu oft zu den Gedanken ohne den geliebten Gegenstand nicht leben zu können, und zwar um so leichter, je höher die Selbstüberschätzung geht. Diese Art von Liebe ist aber keine edle, denn ihre Basis ist Egoismus, die nur das Selbst im Auge hat, Opfer verlangt, aber selbst keines fähig ist. Diesen egoistischen Zug sehen wir allenthalben hervortreten; in Allem was Ferner schreibt und thut, nur an sich denkt er, nur der Gedanke, daß er nicht ohne sie leben kann, macht ihn unglücklich. Darum will er, als sich ihm die Gewißheit aufdrängt, daß er sich trennen muß und er auf ihre Treue nicht rechnen kann, sich selbst Hilfe verschaffen, seiner Qual durch Selbstmord ein Ende machen. Während nun diese Selbstmordgedanken in ihm aufsteigen, stellt er sich vor, daß nach seinem Tode ein Anderer die Geliebte besitzen werde. Die heftigste Eifersucht überfällt ihn und verläßt ihn nicht mehr, der Gedanke, daß ein Anderer sie besitzen soll ist ihm unerträglich; er beschließt daher, sie soll mit ihm sterben. Aus Eifersucht opfert er das, was er das Theuerste auf Erden wähnt, seiner egoistischen Leidenschaft. Wie ein verwöhntes Kind Dinge, die es nicht haben darf, lieber zerbricht als hergibt, mordet er die für ihn verlorne Geliebte. Dieser selbstsüchtige Zug der menschlichen Natur ist aber nicht identisch mit Sinnesverwirrung und Wahnsinn; seine Grundlage ist der Neid, ein Fehler aber keine Krankheit. Daß Ferner sich diese Leidenschaft über den Kopf wachsen ließ und die verbrecherische That beging, dafür kann vom ärztlichen Standpunkte keine Entschuldigung gefunden werden. Denn seine jugendliche Schwärmerei und phantastische Richtung, die ihn allerdings leichter als einen nüchternen Verstand dahin bringen konnte einen blutigen Roman zu spielen, berechtigt uns nicht anzunehmen, daß er durch seine individuelle Gemüthsverfassung gezwungen war so zu handeln. Jeder Mensch hat Selbstbeherrschung, und diese darf um so mehr gefordert werden, je begabter und unterrichteter ein Mensch ist; Bildung erleichtert Selbsterkenntniß, und diese die Selbstbeherrschung. Der That Ferner's lag aber, wie schon erwähnt, ein ausgesprochen selbstsüchtiges Motiv zu Grunde. Und daß er die ganze Schwere des Verbrechens erkennt, geht aus seinen eigenen Briefen und Aussagen deutlich hervor. Er hatte sonach die klarste Einsicht in seinen eigenen Seelenzustand und beurtheilte aufs Genauste sein verbrecherisches Vorhaben als solches. Die Art und Weise, wie er die That beschlossen und ausgeführt, schließt jede Verwirrung der Sinne vollständig aus. Er traf mit Umsicht alle Vorbereitungen zur That, und sein Verstand war klar, die rechten Mittel zur Ausführung zu finden. Daß er zugleich die Absicht hatte sich selbst zu tödten, ändert Nichts an der Sache. Wie wir gesehen, tauchten zu wiederholtenmalen Selbstmordgedanken in ihm auf; das einemal ist er von Abscheu und Eckel gegen sein Leben erfüllt, da er seine Gesundheit zerrüttet glaubt, kommt aber niemals zu einem bestimmten Entschlusse. Auf derlei unklare Selbstmordgedanken ist kein zu großes Gewicht zu legen, da sie nur zu häufig bei solchen excentrischen und schwärmerischen Naturen vorkommen, aber nur in den allerseltensten Fällen ausgeführt werden. Ernster scheinen die durch seine unglückliche Liebe wieder geweckten Selbstmordgedanken. Mangel an sittlichem und religiösem Halt führt ihn in seiner Exaltation zu diesem Entschlusse, weder Sinnesverwirrung noch Wahnvorstellung. Deßhalb sind wir auch nicht berechtigt, aus den Selbstmordgedanken des Mörders eine Seelenstörung desselben zu folgern. Auffallen muß nur, daß Ferner den Selbstmord nicht ausführte. Mußte er sich nicht beeilen, seiner Geliebten augenblicklich zu folgen, um sich gleichsam ihren Besitz im Tode zu sichern? Er stellt uns dies als den Sieg seiner bessern Natur hin; fehlt ihm aber nicht vielmehr der Muth zu sterben? Jedenfalls liefert er den thatsächlichen Beweis, daß er ohne sie leben kann, und zwar ruhig und gelassen, denn ließ sich auch nur der entfernteste Wunsch wahrnehmen, bald mit seiner Geliebten vereinigt zu werden? Daß Ferner sich selbst dem Gerichte überlieferte, ist begreiflich. Die Aussicht auf dem Schaffotle zu sterben, hat in diesem Augenblicke etwas Wünschenswerthes und Beruhigendes für ihn, er geht dem Tode entgegen ohne gezwungen zu sein, selbst Hand an sich zu legen. Wir wiederholen, Ferner gab sich selbst Rechenschaft davon, was er zu thun im Begriffe stand, er kannte die Größe des zu begehenden Verbrechens, es war ihm die Handlung selbst, sowie die Absicht und der Grund klar, warum er so handelte. Er mußte seine Leidenschaft überwinden, da er sie als schlecht erkannt, und konnte sie überwinden, da er geistig und körperlich gesund und seines Vernunftgebrauches mächtig war. Seine Zurechnungsfähigkeit läugnen, hieße Verbrechen mit Krankheit verwechseln. Ein körperlich und geistig gesunder Mensch, der sich Rechenschaft gibt von der That, die er zu begehen im Begriffe steht, sie als Verbrechen erkennt, und dennoch mit Vorbedacht und Zweckmäßigkeit ausführt, und zwar aus egoistischen Motiven, muß von ärztlicher Seite für vollkommen zurechnungsfähig erklärt werden. Gleichwohl läßt sich nicht verkennen, daß in der Persönlichkeit Ferner's, in seiner Jugend und schwärmerischen phantastischen Natur Momente liegen, welche die That in einem milden Lichte erscheinen lassen; diese haben aber nicht Einfluß auf die Zurechnungsfähigkeit, sondern nur auf die Bemessung der Schuld, fallen demnach nicht in das Bereich des Arztes, sondern des Richters.«

So weit die ärztlichen Gutachten, von denen das erste von Dr. Hofmann eine beschränkte, das zweite von den Medicinalkomité (Dr. Lindwurm) eine vollkommene Zurechnungsfähigkeit annahm. Letzteres Gutachten verwerthete der Staatsanwalt, welcher die Anklage auf Mord aufrecht erhielt, für sich. Ersteres Gutachten suchte der Vertheidiger geltend zu machen, welcher die Ansicht zu vertreten bemüht war, daß es sich nur um einen einfachen Todtschlag handele, und daß die auf Mord hindeutenden Gedanken in den Ferner'schen Briefen gleichsam nur poetische Fiktionen seien. Die Geschwornen beantworteten die an sie gerichteten Fragen (eine Frage auf Todtschlag wurde nicht gestellt), und zwar jene auf Beschluß der That mit Vorbedacht (aber ohne Ueberlegung bei der Ausführung), sowie die Frage auf Annahme geminderter Zurechnungsfähigkeit mit Ja, worauf der Schwurgerichtshof den

Ferner zu der geringsten gesetzlich zulässigen Strafe zu zwölfjähriger Festungsstrafe zweiten Grades verurtheilte.

IV.

Schließlich möge es dem Berichterstatter, der der öffentlichen Verhandlung mit gewissenhafter Aufmerksamkeit gefolgt ist, gestattet sein einige Bemerkungen hier beizufügen. Das Obergutachten des Medicinalkomités läßt sich füglich in den Satz zusammenfassen: »Ferner war körperlich und geistig gesund, wenigstens war er nicht wahnsinnig, ergo ist er vollkommen zurechnungsfähig.« Das Obergutachten geht offenbar von der Theorie aus: es gibt nur eine vollkommene oder gar keine Zurechnungsfähigkeit; ein drittes scheint demnach undenkbar. Die Frage, ob dieß criminalpsychologisch richtig sei oder nicht, ist aber wenigstens für den Richter in Bayern seit der Einführung des Art. III. des Gesetzes vom 29. August 1848 (Dieser Art. sagt: »Wenn das Bewußtsein der Strafbarkeit der Handlung in dem Verbrecher zur Zeit der begangenen That zwar nicht gänzlich aufgehoben, aber durch große Geistesbeschränktheit, durch Altersschwäche, durch Gemüthskrankheit, durch unverschuldete Trunkenheit, oder durch eine andauernde derartige Verwirrung der Sinne oder des Verstandes in so hohem Grade getrübt war, daß bei der Entscheidung der Thatfrage die Zurechnungsfähigkeit als gemindert erklärt wird, so sind die Gerichte ermächtigt, auf eine geringere als die gesetzliche Strafe zu erkennen.«) »die Abänderung einiger Bestimmungen des Thl. I. des Strafgesetzbuches von 1813 betreffend« eine müssige; für den Richter ist die Streitfrage, ob es auch eine beschränkte Zurechnungsfähigkeit gebe, bereits in erwähntem Gesetze entschieden, und er hat sich an diese Norm zu halten. Für den Richter könnte sich höchstens der Zweifel ergeben, ob sich dann die im Art. III. vorausgesetzte Trübung des Bewußtseins der Strafbarkeit der Handlung zur Zeit der begangenen That, sei es in Folge von Geistesbeschränktheit, einer Gemüthskrankheit oder einer ähnlichen Verwirrung der Sinne oder des Verstandes vereinbar sei mit dem Begriffe des Mordes nach Art. 146 Thl. I des Strafgesetzbuches, der eine mit Vorbedacht beschlossene oder mit Ueberlegung ausgeführte Tödtung voraussetzt. Mit einem Worte; läßt sich ein Mord bei geminderter Zurechnungsfähigkeit denken? Allein auch diese Frage wird, da das Gesetz selbst eine nahegelegene Beschränkung der Anwendung jenes Artikels nicht ausgedrückt hat, für den Richter zu bejahen sein, und zwar um so mehr, als ja die Annahme chronischer Affekte und Leidenschaften, welche die Klarheit des menschlichen Bewußtseins trüben, nicht ausgeschlossen ist. Wenn nun in concreto das Obergutachten die phantastische Natur Ferner's als Milderungsgrund gelten läßt, während das Gutachten Hofmann's aus derselben und der falschen Haltung des Mädchens den Schluß ableitet, daß nicht das ganze psychologische Verschulden dem Ferner imputirt werden könne, so dürften beide Ansichten im Wesentlichen am Ende weniger auseinander gehen, als es auf den ersten Anblick scheinen möchte. Es dürfte aber auch für denjenigen die Annahme geminderter Zurechnungsfähigkeit seitens der Geschwornen nicht als ungerechtfertigt erscheinen, für denjenigen, der den ganzen Entwicklungsgang Ferner's mit Aufmerksamkeit verfolgt, wie er uns in seinen Briefen, Gedichten, Geständnissen, und den Zeugnissen Dritter vorgeführt wird, der den unglücklichen Jüngling gesehen, an dem das Aeußere und jede Aeußerung nur zu lebhaft den poetischen Schwärmer verräth, welcher sich eine Welt nach eigenem Ideale gestaltet, Menschen und Dinge nicht beurtheilt, wie sie wirklich sind und jedem Anderen erscheinen, sondern wie sie nach seinen Illusionen und Träumereien sich darstellen oder sein sollten; mit einem Worte, für denjenigen, der in Ferner's Anschauungsweise und Gemüthsverfassung einzugehen vermag. Es drängten sich hier unwillkührlich die Fragen auf: ist wohl bei einem Schwärmer, der nicht in der realen sondern nur in seiner selbstgeschaffenen Traumwelt lebt, ein klares ungetrübtes Bewußtsein überhaupt vorauszusetzen? Ist es wohl gewagt, von einer Gemüthskrankheit zu sprechen, wenn ein Mensch, bei dem das Gemüth über den Verstand vorherrscht, dessen moralische Stärke in Folge früherer Verwirrungen bereits gebrochen, sich in den Gedanken, er könne nicht mehr ohne seine Geliebte sein, in der er nicht blos sein Ideal verehrt, sondern seine einzige Rettungsleuchte erblickt, so sehr hineingelebt hat, daß er sich ihr gegenüber selbst mit einem Kinde vergleicht, wenn es sich am Kleide der Mutter hält?; daß die Trennung von ihr ihm am Ende so viel heißt wie sterben? Oder, muß nicht die gleichsam zur fixen Idee gewordene Angst, bald dem körperlichen und geistigen Siechthum, dem Wahnsinne zu verfallen, selbst schon eine Sinnesverwirrung erzeugen?

Zur nähern Charakteristik des psychischen Zustandes Ferner's wollen wir hier noch einige Stellen aus seinen an seine Geliebte und seinen Freund G. geschriebenen Briefen und aus seinen Gedichten mittheilen, woraus wir durchgehends phantastische Liebe, Mißmuth und Todesgedanken hervorleuchten sehen.

In einem Briefe an seine Geliebte sagt er von sich selbst: »denke dir einen Menschen, auf dessen ganzer früherer Lebenszeit ein düsterer Schmerzensschleier liegt (wenn auch nur innerlich auf der Seele), einen Menschen, der seiner unglücklichen Gestalt wegen (Ferner hatte einen dicken Kopf und kurze Beine, weßhalb er von seinen Mitschülern einige Spitznamen erhielt, was ihn veranlaßte den Umgang mit ihnen zu vermeiden, und schon jenesmal den Grund zu seinem Hange nach Einsamkeit legen half.) schon als Kind von seinen Schulgenossen verspottet und auch späterhin verhöhnt wurde, der jedes heimliche Zischeln und Gelächter als einen Angriff auf seine Persönlichkeit betrachtete, und deßhalb jeden Umgang mit Menschen mied; einen Menschen mit einer glühenden und feurigen Natur, der sich von der Welt zurückgesetzt und verachtet glaubte und sie deßhalb mit aller Leidenschaftlichkeit haßte, der, früh an Geist gereift, keinen Freund hatte als sein Klavier und die Natur, der keine Gesellschaft hatte als sich selbst, und dem das Leben so nur seine Schattenseite zeigen konnte; einen Menschen, der nun begann in offenen Kampf mit der Welt sich zu sehen, der hart und bitter sich äußerte und jede Annäherung von sich stieß; dem die bürgerliche Geziertheit lächerlich, die vornehme Welt eckelhaft war; einen Menschen, der an Gott und allem Heiligen zweifelte; einen Menschen, der alles Gewöhnliche haßte, und mit einem so verdüstertem Blicke alle Verhältnisse des Lebens betrachtete; einen Menschen, der obendrein zwischen Pflicht und Neigung kämpfte und nach langem, harten Kampfe seine schönsten Hoffnungen fallen ließ: denke dir, sage ich, einen Menschen in einem solchen Seelenzustande, angefressen von einem innern verzehrenden Feuer lieblos, Alles verachtend, Alles hassend, bestärkt durch gleichdenkende Freunde, ja damals schon in einem solchen Zwiespalt mit sich selbst und der Welt, daß er auf dem besten Wege war sich von ihr zu trennen; kurz, einen Menschen, dessen von Natur offenes und heiteres Gemüth, durch sich selbst unsäglich unglücklich war, und sicher zu Grunde gegangen wäre, ohne irgend eine Blüthe; denke dir einen solchen Menschen, und füge noch hinzu einen guten, kräftigen Verstand, eine flammende hochaufstrebende Phantasie und eine unendliche, ungestillte Sehnsucht nach Liebe, die er doch total verworfen und geläugnet hatte; denke dir nun einen solchen Menschen, und jetzt urtheile, wie heftig er sich an ein Wesen anklammern mußte, das so sehr all seinen Gedanken und Wünschen entsprach, das so plötzlich in der Finsterniß erschien wie eine Offenbarung der Gottheit, wie ein Stern in dunkler Nacht, wie eine Rettungsleuchte; wie heftig sich diese glühende, lang verschlossene Natur an ein Wesen anklammern mußte, das ihr zum ersten Mal das Leben schön und wünschenswerth erscheinen ließ, an ein Wesen zu dem dies Gemüth zum ersten Male Liebe fühlte, und das diese meine erste und heiligste Empfindung nicht zurückstieß! O Friederike, wenn du so gedacht hättest, so hättest du gewiß gefunden, daß ein solches Gemüth mit all seiner Kraft und Gluth an dem geliebten Gegenstand halten müsse, daß es voll in seiner Liebe aufgehen müsse, daß es ganz und gar nur dem Wesen angehören müsse, das diese Empfindungen hervorgerufen, daß es niemals ein anderes Wesen lieben könne.«

In einem andern Briefe an seine Geliebte sagt er: »Wo seid ihr, süße Bilder froher Zukunft? Kommt, o! kommt ihr Erinnerungen, ihr schönen Augenblicke geträumter Seligkeit, kommt und laßt noch Einmal meine Seele aufleuchten, ehe Alles, Alles in schales Nichts zerstäubt. O kommt und gebt mir Thränen, Thränen, sonst reißt das Band entzwei, das mich an die Gottheit fesselt. O! laß mich weinen, gütiger Himmel, laß mich weinen, wenn nicht der schreckliche Drang die Riegel von dem Gesängnisse des Wahnsinns wegsprengen soll. O! Friederike, Engel meiner Tage, wo ist dein liebes Bild? Warum verschwimmst du vor meinen Augen im Nebel schöner Stern? Du Gott, der mich erschuf, der meine Seele in den eckeln Leib gebannt, blick her auf dein Geschöpf, das dir sein Dasein niemals dankt, das dir flucht, zerschmettere es mit der Wucht deines Zornes, zermalme mich! Nur meine Liebe, die ich bisher im Herzen trug, sie laß mir, Gott, bis der letzte Schlag aufgehört, bis mein Herz unter dem Rasen ruht. Niemand soll es erfahren, was es gelitten, die Erde wird den Schmerz verkühlen, und die Winde werden meinen Namen so weit tragen, daß er an keines Menschen Ohr mehr schlägt. Die Liebe laß mir, ich muß ja lieben, ich muß dich lieben. O! liebes Kind, was hast du gethan? Ich komme mir vor, wie ein Verbrecher. Wenige Tage habe ich noch zu leben, und heißt das leben? In einem Kerker, in einer Marterhöhle liege ich von den gräßlichsten Gedanken gefoltert. Viel Leid hab ich verschuldet, viel Leid trag ich auf matten Schultern, und vor dem weitsehenden Geist hebt sich ein Blutgerüst, und ich zittre nicht? Was ist mir ein Leben, das du nicht mit mir lebst?«

In einem Briefe an seinen Freund G. kommt vor: »Letzte Gedanken! ist's nicht ein fürchterliches Wort? Letzte Gedanken! Sollte ich's nicht mit Schaudern denken. Hier sitz ich, wohl wehmüthig, aber doch gleichgültig genug. Geöffnet ist das Fenster, und herein schallt das wirre Treiben des Tages; da draußen rennt das alltägliche Leben vorüber, das Leben aus dem ich zu scheiden gehe. Und hier innen bin ich, allein mit meinen letzten Gedanken! O Leben, schön bist du für den Kräftigen, eine Last für den Kranken! Kaum daß ich einen Schmerz fühle, dich zu verlassen, denn sie wird mir vorangehen .... Einen jungen Geistlichen sah ich vor einiger Zeit. Es dunkelte schon, und verschwundene Sonne küßte noch Himmel das Antlitz flammend, daß er glühte wie ein schämiges Mägdlein. Schön war's all überall. Und der Priester las in seinem Breviere, und er schaute nicht rechts und nicht links, nicht zum Himmel empor und nicht auf die Erde im Dämmerungsschleier, er schaute in sein Buch, auf die todten Buchstaben und las gemachte Gebete. O armseliges Herz, das nicht im Anschau'n der Schönheit Worte der Anbetung finden kann! O! elendes Gemüthe, das sein Auge verschließen muß, um Andacht zu erobern. Wie angenehm muß dem Ewigen nicht das einfache Wort einer gläubigen Seele klingen, wenn sie die hehren Naturwunder anstaunend ausruft: »wie groß bist du, Gott!« Ich bin nicht gläubig, aber ich fühlte tief den Zauber, und seufzend sprach ich: »wie schön bist du, Natur!« Ist das ein schlechteres Gebet, als das Gebet des Pfaffen? ....

Gedicht an seine Geliebte, betitelt »Wunsch und Erfüllung«:

O wüßt ich ein Plätzchen, ein Plätzchen so traut,
So heimlich und still, wo Niemand uns schaut,
Wo könnte ohne Zagen
Dein Herz an meinem schlagen.

O wüßt ich ein einsames Kämmerlein,
Das uns beide schlöße auf immer ein,
Wo ich dich könnte küssen,
Und Niemand thät es wissen.

O wüßt ich, wo ewige, dunkle Nacht
Die Liebenden deckt mit schirmender Macht,
Dort würd' ich mit dir gehen,
Und die Leute könnten's nicht sehen!

Wohl weiß ich ein Plätzchen voll stiller Ruh,
Dem wank' ich gebrochnen Herzens zu;
Wohl Viele dorthin wandern,
Und Keiner störet den Andern.

Wohl weiß ich ein einsames Kämmerlein,
Dort muß, dort muß ich bald gehen hinein,
Doch muß ich zurück dich lassen,
Das Stübchen kann Eins nur fassen.

Wohl weiß ich eine dunkle Nacht,
Dort scheinet nicht Sonne, nicht Sternenpracht;
Die Nacht wird sich über mich senken,
Und Niemand wird meiner mehr denken.

Bezirksgerichtsrat Rattinger: »Mord aus unglücklicher Liebe, begangen von dem Studenten Ferner an seiner Geliebten Friederike Sanguinetti« in »Blätter für gerichtliche Anthropologie«, VI. Heft; Nürnberg; November/Dezember 1859.

#14 – 6 – 26 (Brunner · Kling · Rast)


Hier ruhen in Gott
Herr F. S. Rast,
Schlossermeister
geb. 3. Oct. 1838,
gest. 18. Mai 1893.
Herr
Kaspar Brunner,
Regimentsschneider
geb. 14. Nov. 1799, gest. 25. Sept. 1884.
Frau Anna Brunner,
gest. 7. Juni 1899, 80 Jahre alt.
Frau Victoria Kling,
gest. 2. März 1891, 80 Jahre alt.

Sockel
A. Aufleger 14.6.26.


  • Brunner, Anna; – 17.7.1899, 80 Jahre alt
  • Brunner, Kaspar; 14.11.1799 – 25.9.1884 (München); Regimentsschneider
  • Kling, Viktoria (vh); – 2.3.1891 (München), 80 Jahre alt; Bahnwärters-Gattin
  • Rast, F. Serafin; 3.10.1830 – 18.5.1893 (München); Schlossermeister

Todesanzeige für F. Serafin Rast

Grab der Familien Brunner · Kling · Rast auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#14 – 6 – 43 (n. n.)


(April 2017)

#14 – 6 – 44 (Maier)


Grab der Familie Maier auf dem Alten Südfriedhof München (April 2017)

#14 – 6 – 48* (Keil)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Keil, Adam; – 30.9.1862 (München), 20 Jahre alt; Photograph
  • Keil, Christian; 4.4.1826 (Siegritz) – 20.6.1890 (München); Bildhauer

Todesanzeige für Adam Keil

Das Grab ist nicht erhalten


#Christian Keil

* 4.4.1826 (Siegritz)
† 20.6.1890 (München)
Bildhauer

#Der Volksbote für den Bürger und Landmann (8.1.1858)

Im Laufe dieser Woche ist in meinem Atelier eine für das Clerikalseminar in Regensburg gefertigte Statue des sel. Bischofs Joh. Mich. von Sailer ausgestellt und lade ich die Schüler und Verehrer desselben zur Besichtigung ein.

Christian Keil,
Bildhauer, Karlsstraße Nr. 27.

Der Volksbote für den Bürger und Landmann No. 5. Freitag, den 8. Januar 1858.

#Landshuter Zeitung (23.12.1876)

Landshut, 22. Dezbr. Ein schönes, werthvolles Christgeschenk – ich möchte es so nennen – wurde der Stadtpfarrkirche St. Nikola gebracht. Durch milde Gaben Pfarrangehöriger nämlich wurde es ermöglichet, im Laufe der Woche einen neuen, zum gothischen Bau der Kirche passenden Kreuzaltar aufzustellen. Entwuf und Zeichnung ist von unserm Meister Hrn. Paul Weiß. Man weiß nicht, was man nun mehr bewundern soll, die herrliche Ausführung des Altares durch Hrn. Bildhauer Marzellus Meier oder die brillante Fassung desselben durch Hrn. Pfaffenzeller. Die drei Figuren, der Crucifixus, die schmerzhafte Mutter Gottes und der hl. Johannes – gefertiget von einem Meister aus München, Namens Christian Keil – befriedigen im vollsten Maße, um nicht zu sagen, Aug und Herz. – In der That, dieser neue Altar ist für die Kirche St. Nikola, welche, wie allgemein angenommen wird, im 15. Jahrhundert mit den hiesigen Prachtbauten der St. Martinskirche und der hl. Geistkirche erbaut worden ist, eine wahre Zierde, zugleich aber auch ein neues Monument frommen Sinnes und werkthätiger Rekigiosität von Seite der Pfarrangehörigen.

Landshuter Zeitung Nr. 296. Samstag, den 23. Dezember 1876.

#Allgemeine Zeitung (16.6.1890)

Bayerische Chronik.

Hr. Architekt Johann Marggraff hat in seinem Atelier (Arcisstraße 27) soeben einen für die Capelle des Krankenhauses in Haidhausen bestimmten Altar vollendet und vom 15. bis 18. ds. zur Ausstellung gebracht. Derselbe ist im spätromanischen, einen leisen Anflug zur Gothik zeigenden Stile gehalten. Auf der mit entsprechenden Reliefs geschmückten Mensa steht der kostbare, reichvergoldete Tabernakel mit bildgeschmückten Seitenflügeln; darüber erhebt sich, von zwei in Nischen stehenden Statuen flankirt, das große von Julius Frank gemalte Hauptbild. Da in sinnigster Weise die ganze Symbolik in innigsten Bezug auf die Krankenpflege gebracht ist, so repräsentiren die von Christian Keil sculptirten Statuen mit den Heiligen Vinzenz und Elisabeth die hülfsbereite Charitas, während Franks Oelbild selbstverständlich »den die Kranken heilenden Christ« in edelster Composition und kräftigster, aber feingestimmter coloristischer Wirkung darstellt. Das ganze, aus Eichenholz aufgebaute, mit Gold und Farbe blühend ornamentirte Werk bietet aber noch manche Ueberraschung. So können durch einen höchst einfachen Mechanismus augenblicklich nicht allein die am Antependium angebrachten Reliefs, sondern auch die gleichfalls von Julius Frank gemalten Figuren der Seitenflügel, dreimal, je nach den heiligen Festen des Kirchenjahres, gewechselt werden. Dazu kommt noch, daß der Tabernakel gegen Einbruch und Feuergefahr gesichert ist. Absonderliche Vorsorge ermöglicht auch den üppigsten Schmuck von Blumen, ohne daß durch ihre Pflege ein (z. B. durch unvorsichtiges Begießen) so häufig drohender Schaden entstehen kann.

Allgemeine Zeitung Nr. 165. München; Montag, den 16. Juni 1890.

#Allgemeine Zeitung (23.6.1890)

Bayerische Chronik.

Bildhauer Keil †. Gestern wurde der Bildhauer Hr. Christian Keil (geboren am 4. April 1826 zu Siegritz bei Erbendorf in der Oberpfalz, gestorben am 20. ds. zu München) begraben. Eine stattliche Anzahl von Kunstgenossen , Freunden und Verehrern gab ihm das Ehrengeleit. Er hatte zeitlebens die christliche Kunst gepflegt und durch seine zahlreichen Arbeiten, wie durch die Gediegenheit seines Charakters einen lauteren, ehrenvollen Namen erworben. (Zu einem kurzen Rückblick auf seine Leistungen wird sich demnächst Gelegenheit bieten. Seiner letzten Statuen geschah erst jüngst im Abendblatt 165 der »Allg. Ztg.« vom 16. ds. rühmliche Erwähnung.)

Allgemeine Zeitung Nr. 172. München; Montag, den 23. Juni 1890.

#14 – 6 – 56 (Dercum)


Hier ruht in Gott
Christiane Dercum
geb. Hed¿
gestorben am ¿. August 1878,
im ¿. Lebensjahre.
Ehegattin von Hermann Dercum
k. Rath am obersten Gerichtshof.
Im Tode folgte
ihr Ehegatte
Hermann Ritter von Dercum
im 87ten Lebensjahre
am 27. Januar ¿

Sockel
Familien-Grab.


  • Dercum, Christiane (vh) / Hedenus (gb); – 3.8.1878 (München); Obergerichtsrats-Gattin
  • Dercum, Hermann Ritter von; – 27.1.1908 (München), 86 Jahre alt; Rat am obersten Gerichtshof

Todesanzeige für Christiane Dercum

Todesanzeige für Hermann Ritter von Dercum

Grab der Familie Dercum auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2018)

#14 – 7 – 56* (Lefeldt)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Lefeldt, Auguste (vh) / Stöger (gb/ps) / Althaller (gb); – 8.11.1868 (München), 29 Jahre alt; Sängers- und Theaterdirektors-Tochter / Sängerin

Todesanzeige für Auguste Lefeldt

Das Grab ist nicht erhalten


#Auguste Lefeldt (vh) / Stöger (gb/ps) / Althaller (gb)

† 8.11.1868 (München)
Sängers- und Theaterdirektors-Tochter / Sängerin

#Monatsschrift für Theater und Musik (1856)

Frl. Stöger, die Tochter des Theaterdirectors Stöger, scheint Anspruch zu haben, unter die festen Kräfte unserer Oper mit einbezogen zu werden, obwohl der bei uns nur zu oft schalkhafte Theaterzettel dieselbe immer noch als Mitglied des Weimarertheaters kennzeichnet. Frl. Auguste Stöger trat bereits vor ungefähr zwei Jahren als Schauspielerin bei uns auf und verwendete sich längere Zeit in kleineren Partieen, wobei sie ein sehr wohlklingendes, sympathisch ansprechendes Organ entwickelte. Schon damals betrieb das Fräulein, wie sich die Theaterhabitués zuflüsterten, Gesangsstudien, mit denen es auf nichts Geringes abgesehen war. Der zu einem Gastspiele in Prag anwesende Marr geleitete das Fräulein nach Weimar, wo sie als Mitglied der Bühne fungirte und unter Lißt's Augen ihre musikalischen Studien weiter betrieb. Plötzlich annoncirte sie bei uns der Theaterzettel als Elsbeth im »Tannhäuser.« Die Leistung war eine für eine Anfängerin recht anständige, ohne Anspruch auf jene Verhimmelung zu haben, die sie in der Localpresse erfuhr. Das Publicum nahm die jugendliche Sängerin recht warm auf, von welcher sich, eben sagen laßt, sie fülle ihre Stelle angemessen aus, habe eine frische, versprechende Stimme und werde auch durch ein entsprechendes Spiel ihrem Parte nach der schauspielerischen Richtung hin gerecht. Außer im »Tannhäuser« trat Frl. Stöger bisher als Agathe im »Freischütz« auf, in welcher Partie see uns aber fast daran zweifeln ließ, ob wirklich ein Fond sinnigen poetischen Wesens in ihrem Inneren ruhe. Bei der Agathe ist es eben nicht Alles, der Note gerecht zu werden. Es gibt keine zweite Partie in der deutschen Oper, die in solchem Grade ein Prüfstein der Innerlichkeit wäre wie die Agathe. Frl. Stöger ist dem Vernehmen nach bestimmt in der Wagner'schen Oper »Lohengrin« aufzutreten.

Monatsschrift für Theater und Musik. Wien, 1856.

#Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik (7.7.1859)

München, 5. Juli. (Königl. Hof- und Nationaltheater.) Bei 28 Grade Tageshitze Abends ein volles Haus zu treffen, setzt selbstredend großes Interesse für die Vorstellung wie für die darstellenden Künstler voraus. Dies rechtfertigte sich Sonntags bei der Aufführung von R. Wagners »Tanhäuser,« welche Oper in Folge der neuen Besetzung der Elisabeth durch Frl. A. Stöger, v. k. Hoftheater zu Hannover, einen neuen Reiz bot. Die jugendliche Gastin, welche das letzte Jahr in Paris verweilte, um bei den ersteren dortigen Gesangsmeistern noch die letzte Kunstweihe zu empfangen, bethätigte sich als kunstverständige Sängerin und sinnige Darstellerin. Ihre umfangreiche, durch alle Register rein und vollkräftige Stimme, wirkte überraschend befriedigend auf das freudig lauschende Auditorium, das den ausgezeichneten Leistungen der Künstlerin durch oftmalig rauschende Beifalls- und wiederholte Hervorrufe in offener Scene und nach Schlußakten ungeteilte Anerkennung zollte. Dem weiteren Auftreten dieser mit ungewöhnlichen Kunstmitteln reichlich ausgestatteten und von Mutter Natur höchlich begünstigten Künstlerin sieht man um so mehr mit Spannung entgegen, als man damit den Wunsch verbindet, es möge gelingen, die verwaiste Stelle einer dramatischen Sängerin recht bald durch Frl. A. Stöger besetzt zu erhalten.

Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik Nr. 188. Donnerstag, den 7. Juli 1859.

#Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik (17.7.1859)

München, 16. Juli. (Königl. Hof- und Nationaltheater.) Unser gefeierter Operngast Frln. Auguste Stöger trat diese Woche zweimal – als Recha in Halevy's »Jüdin« und als »Lucrezia Borgia«, beide Male mit entschiedenem, die jugendliche Künstlerin höchst ehrendem Erfolge auf. Frl. Stöger bewährte sich in beiden Parthieen als kunstvollendete dramatische Sängerin und verständige, noble Darstellerin. Ihre umfangreiche, klangvolle und trefflichst gebildete Stimme, ihr brillanter geschmackvoller Vortrag wirkte elektrisch auf das entzückte, sich jedesmal trotz fortdauernder tropischer Hitze sehr zahlreich eingefundene Auditorium. Oftmalig stürmische Beifalls- und Hervorrufe ehrten die liebliche Gastin an beiden Abenden sowohl nach ihren Soloparthieen als mit Hrn. Grill – Gleasar u. Gennaro, und Hrn. Kindermann – Herzog von Ferrara. – Morgen Sonntag wird Frl. Stöger als Agathe in Weber'a »Freischütz« ihr so reichlich gekröntes Gastspiel beschließen. Möge es den inzwischen eingeleiteten dankenswerthen Bemühungen unserer k. Intendanz gelingen, diese hochbegabte, vielseitig gebildete, jugendliche Künstlerin für die verwaiste Stelle einer Prima Donna zu gewinnen und damit dem ungetheilten Wunsch aller Opernfreunde gerecht werden.

Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik Nr. 198. Sonntag, den 17. Juli 1859.

#Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik (21.7.1859)

S. M. der König haben das von der k. Hoftheater-Intendanz abgeschlossene Engagement mit unserem gefeierten Operngaste, Fräul. Auguste Stöger, als k. Hofopernsängerin, genehmigt. Den Opernfreunden stehen daher für die nächste Saison ausgezeichnete Kunstgenüsse, sowie ein reichhaltiges Opern-Repertoir in Aussicht.

Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik Nr. 202. Donnerstag, den 21. Juli 1859.

#Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik (14.8.1859)

München, 13. Aug. (Königl. Hof- und Nationaltheater.) Die morgige Aufführung der Oper: »die Hugenotten«, bietet den Kunstfreunden durch die veränderte Besetzung, der Valentine - Frl. Auguste Stöger als Antrittsrolle (Raoul - Hr. Grill), dann des Marcell - Hr. delle Aste als Gast, neuen Reiz. Die ausgezeichneten Kunstleistungen der Fräul. A. Stöger, welche während deren jüngsten Gastdarstellungen als Elisabeth, Lucrezia, Recha und Annchen entschieden beifällige Anerkennung gefunden haben, stehen bei Kunstkennern und Kunstfreunden in so lebhaft ehrendem Andenken, daß es einer besondern Einführung derselben als unsere neuengagirte erste dramatische Sängerin, wahrlich nicht bedarf.

Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik Nr. 226. Sonntag, den 14. August 1859.

#Neue Berliner Musikzeitung (21.5.1862)

Hamburg. Selten haben wir über eine so grossartige durch und durch epochemachenden Leistung zu berichten, als jetzt, da wir über die Margarethe des Frl. Auguste Stöger in Gounod's »Faust« schreiben, als welche die durch ihre Valentine und Recha so hoch dastehende Gastkünstlerin vor uns hintrat. Wir bemerken vorweg zweierlei: 1) Dass Frl. Stöger die Parthie hier überhaupt zum ersten Male sang, 2) das eine 36malige Vorführung des Faust in rascher Reihenfolge mit zwei beliebten Darstellerinnen der Margarethe unmittelbar vor ihr lag. Wenn un Frl. Stöger trotzdem einen Erfolg erzielte, wie er nicht glänzender gedacht werden kann, so ist derselbe blos aus der Leistung selbst zu erklären. Was Frl. Stöger in musikalischer Beziehung gibt, ist, wie wir schon aus Valentine und Recha sahen, durchweg fertig, es hat überall den Stempel des Selbständigen, des Edeln und Ernsten an sich. Die Stimme einer der klangvollsten Mezzosoprane, die uns je vorkamen, erscheint in allen Lagen gleichmässig gebildet, die Technik brillant und von zartester Construction. Doch zur Margarethe unseres Gastes. Auch hier haben wir das Selbständige der Anlage und die richtige, consequente Durchführung derselben vor Allem zu rühmen; die Künstlerin hat sich sehr in die Situation hineingedacht und diese so sehr Wirklichkeit werden lassen, dass sie billig in Erstaunen setzte; da war nichts Abgesehenes, Alles original. Diese dramatische Aufgabe, schwierig an und für sich, führte Frl. Stöger unter Anwendung einer Menge sinniger Nuancen auf's herrlichste durch: Höhepunkte waren besonders die Gartenscene, die Scene mit Valentin. Ausserordentlich sinnig und den höchsten Preis erkennen wir der Schlusscene zu, die einen überwältigenden Eindruck hervorbrachte, kurz, da Gesang und Spiel in so wunderbarer Weise harmonirten, Alles so glänzend vermittelt war, erhielten wir eine unnachahmliche Margarethe. Bemerken wir endlich, dass die klare Auseinandersetzung der Stimmung, des Wesens nach jeder Richtung einzig dasteht, sowie dass Manches wie z. B. der Walzer (trotzdem gerade dies vielleicht nicht der Genre des Gastes ist), in eben so brillanter Weise zum Ausdrucke kommt, nehmen wir Alles zusammen, so sind wir zu der Behauptung vollauf berechtigt, dass Frl. Stöger die erste Margarethe ist. So sehr ist die Künstlerin überall trefflich. Dass die Aufnahme der Leistung Seitens des Publikums eine überaus glänzende war, bedarf keiner Bemerkung, er Applaus wollte kein Ende nehmen, die Hervorrufe folgten in rapider Reihe und bei der Schlussscene, die wir nochmals als meisterlich bezeichnen, erhob sich ein so enthuastischer Beifall und Hervorruf, wie seit lange nicht. Frl. Stöger feierte einen der grössesten Triumphe und sie darf stolz auf denselben sein, denn sie hat ihn errungen durch sich selbst, durch ihre vorzügliche, unwiderstehlich zündende Leistung als Margarethe, die niemals aus der Erinnerung Aller, die sie sahen und hörten, verschwinden wird.

Neue Berliner Musikzeitung No. 21. 21. Mai 1862.

#Münchener Tages-Anzeiger und Fremden-Blatt (13.10.1866)

Die großherzoglich hessische Hofsängerin Auguste Stöger, welche dereinst unserer Hofbühne angehörte, wird sich mit einem Münchener (Hrn. Lehfeld, Stallmeister Sr. k. Hoh. des Prinzen Carl von Bayern) verehelichen.

Münchener Tages-Anzeiger und Fremden-Blatt No. 286. Samstag, den 13. Oktober 1866.

#Bohemia (13.11.1868)

(Sterbefall.) In München ist, wie das »Fremdenblatt« berichtet, am 8. d. die ehemalige baierische Hofopernsängerin Auguste Stöger, Tochter des früheren Prager Theaterdirectors und Gattin des Stallmeisters des Prinzen Karl, Herrn Lehfeld, an einem Halsleiden verschieden. Die verstorbene gehörte zu den beliebtesten Mitgliedern der dortigen Oper, lebte aber schon seit Langem in größter Zurückgezogenheit.

Bohemia Nr. 272. Freitag, den 13. November 1868.

#14 – 7 – 57 (Bram)


Ruhestätte
der Familie
Bram
1859 - 1935


  • Bram, Anna (vw); – 1886 (München), 63 Jahre alt; Majors-Witwe

Grab der Familie Bram auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2018)

#14 – 8 – 23·24 (Pechmann)


Hans
Freiherr von Pechmann
Staatsminister, † 1868.
Auguste
Freifrau von Pechmann
geb. Freiin von Imhof, † 1896.
Deren Kinder
Hans Oberleutnant † 1886
Therese, † 1891.
Eduard Major a. D. † 1918.
Anna, † 192¿
Auguste, geb. 17.2.1816, gest. 13.10.192¿


  • Pechmann, Anna Freiin von; – 192¿
  • Pechmann, Auguste Freifrau von (vh) / Imhof, Freiin von (gb); 4.1.1814 – (11).3.1896 (München); Staatsrats-Witwe
  • Pechmann, Auguste Freiin von; 17.2.1816 – 13.10.1929 (München); ehemalige Hofdame im bayerischen Königshaus
  • Pechmann, Eduard Freiherr von; – 9.1.1918 (München), 74 Jahre alt; Landstallmeister und Major a. D.
  • Pechmann, Hans Freiherr von; – 1886; Oberleutnant
  • Pechmann, Hans/Johann Nepomuk Freiherr von; 7.1.1809 (Vilsbiburg/Ndb.) – 24.2.1868 (München); Staatsminister
  • Pechmann, Therese Freiin von; – 21.1.1891 (München), 50 Jahre alt; Staatsministers-Tochter

Todesanzeige für Hans/Johann Nepomuk Freiherr von Pechmann

Todesanzeige für Therese Freiin von Pechmann

Todesanzeige für Eduard Freiherr von Pechmann

Todesanzeige für Auguste Freiin von Pechmann

Grab der Familie Pechmann auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2008)

#Hans/Johann Nepomuk Freiherr von Pechmann

* 7.1.1809 (Vilsbiburg/Ndb.)
† 24.2.1868 (München)
Staatsminister

#Allgemeine Zeitung (25.2.1868)

München, 24 Febr. König und Land haben einen schweren Verlust zu beklagen: der Staatsminister des Innern, Frhr. v. Pechmann, ist diesen Nachmittag gegen 2 Uhr sanft und ruhig entschlafen, nachdem er in den letzten Tagen schmerzliche Leiden zu erdulden gehabt. Unmittelbar auf die Kunde von dem Hinscheiden seines pflichttreuen Ministers sandte Se. Maj. der König den Flügeladjutanten Major v. Sauer an die so schwer betroffene Familie ab, um derselben sein Beileid ausdrücken zu lassen.

Joh. Nep. Frhr. v. Pechmann war geboren am 7 Jan. 1809 zu Vilsbiburg, wo sein Vater Landrichter gewesen war. Nach vollendeten Studien und jahrelanger Praxis erhielt er seine erste Anstellung am 12 Mai 1838 als Landgerichtsactuar zu Untergünzburg, und rückte am 30 Sept. desselben Jahrs zum zweiten Landgerichtsassessor daselbst vor. Am 16 Aug. 1839 wurde er erster Assessor am Landgericht Donauwörth, am 4 Nov. 1845 Landrichter in Berchtesgaden. Am 19 Aug. 1846 zur Verwesung der Stelle eines Polizeidirectors der Hauptstadt München berufen, wurde er schon am 12 Dec. desselben Jahrs dieser Stelle wieder enthoben und zum Landrichter in Landshut ernannt. In der schwierigen Zeit des Jahrs 1848 aber wurde er am 17 März als wirklicher Polizeidirector hieher zurückberufen, und bekleidete diesen Posten während der zwei drangvollsten Jahre bis 1 Juni 1850, wo er zum Regierungsrath bei der Kreisregierung von Niederbayern in Landshut ernannt wurde. Am 16 Jan. 1858 erfolgte seine Beförderung zum Regierungsdirector in Bayreuth, am 1 Mai 1863 seine Ernennung zum Regierungspräsidenten von Mittelfranken, und unterm 30 Juli 1868 zum Staatsminister des Innern. Er ist – das kann man mit voller Wahrheit sagen – das Opfer der Hingebung und Pflichttreue geworden, womit er sich der Erfüllung seiner dornenvollen Aufgabe gewidmet hat: er ist wie ein Soldat im Kampfe geblieben. Bayern hat in ihm einen seiner edelsten Männer und Charaktere verloren, einen Ehren- und Edelmann im vollsten Sinne des Wortes. Eine schwer heimgesuchte Wittwe und 7 Kinder weinen an seinem Grabe.

Allgemeine Zeitung Nr. 56. Augsburg; Dienstag, den 25. Februar 1868.

#14 – 8 – 47 (Wecker)


WECKER-EUBLER
HIER RUHEN UNSERE
LIEBEN ELTERN
BERNHARD WECKER
GEST. IM 7¿ LEBENSJAHR
22. FEBR. ¿
MAGDALENA WECKER
GEST. IM ¿ LEBENSJAHR
¿ DEZ. 1901
¿


  • Wecker, Bernhard
  • Wecker, Magdalena (vw); – Dezember 1901 (München), 75 Jahre alt; Roßhaarreinigers-Witwe

Grab der Familie Wecker auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2011)

Grab der Familie Wecker auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2011)

#14 – 8 – 53·54 (Geiger)


HIER RUHEN
SIMON GEIGER
KGL. LANDRICHTER * 1805 † 1885
SEINE GATTIN MATHILDE
GEBORENE
FREIIN VON PECHMANN
GEB. 1820 GEST. 13.6.1871
DEREN SÖHNE
EMIL * 1848 † 10.7.1869
THOMAS * 1855 † 16.12.1876
JOSEPH GEIGER
K. B. OBERSTLEUTNANT
GEB. 1828. GEST. 3.6.1873.
KARL GEIGER
REVISOR-LANDWEHRLEUTNANT D. R.
GEB. 2.12.1864 GEST. 10.3.1901
SEINE GATTIN THERESE
* 24.7.1874 † 31.3.1921 DEREN SOHN
ALOIS GEIGER
KAUFMANN * 24.3.1871 † 24.3.1916

Sockel
Die Inschrift ist nicht erhalten


  • Geiger, Alois; 24.3.1871 – 24.3.1916 (München); Kaufmann
  • Geiger, Emil; 1848 – 10.7.1869 (München); Student
  • Geiger, Josef; 1828 – 3.6.1873; Oberstleutnant
  • Geiger, Karl; 2.12.1864 – 10.3.1901 (München); Revisor
  • Geiger, Mathilde (vh) / Pechmann, von (gb); 1820 – 13.6.1871; Landrichters-Gattin
  • Geiger, Simon; 1805 – 11.12.1880 (München); Landrichter a. D.
  • Geiger, Therese (vw); 24.7.1874 – 31.3.1921
  • Geiger, Thomas; 1855 – 16.12.1876

Todesanzeige für Simon Geiger

Todesanzeige für Emil Geiger

Todesanzeige für Alois Geiger

Grab der Familie Geiger auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#14 – 8 – 55 (Schmittinger · Sedlmaier)


Grab der Familien Schmittinger · Sedlmaier auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#14 – 8 – 57 (Rockinger)


Dr. Ludwig Ritter
v. ROCKINGER
Reichsarchivdirektor
1824 – 1914


  • Rockinger, Ludwig Ritter von, Dr. jur.; 29.12.1824 (Würzburg) – 24.12.1914 (München); Rechtshistoriker, Reichsarchivdirektor, Geheimer Hofrat und Universitätsprofessor

Grab der Familie Rockinger auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2008)

#Dr. jur. Ludwig Ritter von Rockinger

* 29.12.1824 (Würzburg)
† 24.12.1914 (München)
Rechtshistoriker, Reichsarchivdirektor, Geheimer Hofrat und Universitätsprofessor

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Rockinger Ludwig, Dr. jur., von, Ritter, 1824 (Würzburg) – 1914, Rechtshistoriker, Reichsarchivdirektor, Geheimer Hofrat und Universitätsprofessor; nach philosophisch-juristischen Studien wurde R. Praktikant beim Allgemeinen Reichsarchiv (heute: Bayerisches Hauptstaatsarchiv) in München; neben seiner Tätigkeit als Archivar (Würzburg, Geheimes Staats- und Geheimes Hausarchiv München) war er anfangs Privatdozent der juristischen Fakultät und dann Honorarprofessor für Paläographie und bayerische Geschichte an der Universität München, seit 1868 o. Mitglied der BAkdW und von 1889–1895 Reichsarchivdirektor; er gab viele bahnbrechende Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Rechtsgeschichte, der Germanistik und der geschichtlichen Hilfswissenschaften heraus und bereitete die Edition des Schwabenspiegels vor.

Hauptwerke: Denkmäler des bayerischen Landrechts, über die Formelbücher vom 13. bis zum 16. Jahrhundert als rechtsgeschichtliche Quelle, Die Verwaltung der bayerischen Landesarchive, Wörterbuch zu dem Urkundenwerke der altbayerischen landständischen Freiheitsbriefe, Die Handschriftliche Grundlage der Ausgabe des kaiserlichen Land- und Lehenrechtes, Über Schreibstoffe in Bayern, An der Wiege der bayerischen Mundartgrammatik des Bayerischen Wörterbuchs, Geheimschrift bayerischer Fürsten und Staatsmänner des 16. Jahrhunderts.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#14 – 9 – 18·19 (Blume)


FAMILIE
VON BLUME


  • Blume, Frido Ritter von; 26.3.1832 – 22.5.1907 (München); Generalleutnant

Todesanzeige für Frido Ritter von Blume

Grab der Familie Blume auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#14 – 9 – 54 (Ostojski)


(Oktober 2016)

#14 – 9 – 56 (März)


Familien Grab

Hier ruht in Gott
Herr Martin März
Locomotivführer
geboren den 3. November ¿
gestorben den 9. Dezember 1894.
Herr Georg März
Ban¿
gestorben den 31. ¿ 1895
im 41. Lebensjahre.
Frau Maria März
Locomotivführers Witwe
gestorben den 3. Oktober 1906
im 85. Lebensjahre.

Sockel
Friede seiner Asche.


  • März, Georg; – 31.8.1895 (München), 41 Jahre alt; Bankbeamter der Süddeutschen Bodenkreditbank
  • März, Maria (vw); – 3.10.1906; Lokomotivführers-Witwe
  • März, Martin; 3.11.¿ – 9.12.1894; Lokomotivführer

Grab der Familie März auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2014)

#14 – 10 – 2·3 (Vogel)


Grab der Familie Vogel auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2021)

#14 – 10 – 10 (Nagler)


Familie Nagler.

Hier ruhen in Gott:
¿
Caroline Nagler
Kunstschriftstellerstochter
geb. ¿. Juni ¿
gest. ¿. Okt. 19¿4.


  • Nagler, Georg Kaspar, Dr. phil.; 6.1.1801 (Obersüßbach bei Freising) – 20.1.1866 (München); Antiquar und Schriftsteller
  • Nagler, Karoline; Schriftstellers-Tochter

Grab der Familie Nagler auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#Dr. phil. Georg Kaspar Nagler

* 6.1.1801 (Obersüßbach bei Freising)
† 20.1.1866 (München)
Antiquar und Schriftsteller

#Kunst-Chronik (16.2.1866)

Nagler, Georg Kaspar, der bekannte Verfasser des »Künstlerlexicons«, wurde am 6. Januar 1801 geboren, und starb am 20. Januar d. J. in München. Schon in seinen ersten Studienjahren richtete er mit Vorliebe sein Augenmerk auf die Geschichte der bildenden Kunst und sammelte mit großem Eifer nach und nach die Materialien zu seinem allgemeinen Künstlerlexicon oder »Nachrichten von dem Leben der Maler, Bildhauer, Architekten, Kupferstecher, Formschneider etc.«, dessen Herausgabe er sich zur Lebensaufgabe gemacht. Dasselbe begann im Jahre 1835 zu erscheinen und wurde, ein Zeugniß deutschen Fleißes und deutscher Ausdauer, im Jahre 1853 mit dem 22. Bande beendet. Leider sollte es dem unermüdlich für die Vervollständigung und Verbesserung seines Werkes thätigen Gelehrten nicht vergönnt sein, das Erscheinen der zweiten Auflage seines Künstlerlexicons, das bekanntlich seit Jahren vergriffen ist, zu erleben. Der erste Band sollte gerade im Druck begonnen werden, als ein jäher Tod seiner Thätigkeit ein Ziel setzte. Auch sein im Jahre 1857 begonnenes Monogrammenlexicon mußte er vor der völligen Beendigung zurücklassen. Außer den beiden encyklopädischen Sammelwerken veröffentlichte er in den dreißiger Jahren drei kleine Schriften: »Albrecht Dürer und seine Kunst«, »Michel Angelo Buronarotti« und »Raphael als Mensch und Künstler«. Nagler war kein eigentlich kritischer Kopf, aber ein unermüdlicher Sammler und Ordner. Wie er einerseits manche Nachricht, welche die strengere Forschung verwerfen mußte, in seine lexikalischen Arbeiten auf Grund sehr trüber Quellen aufgenommen, so pflegte er andererseits aus bedenklichen Prämissen oft ebenso kühne wie falsche Schlüsse zu folgern. Gleichwohl hat er als einzelner Mann eine Riesenarbeit vollführt, die immerhin trotz ihrer Mängel von hohem Werthe und großem Verdienste ist. Er hat den Boden bereitet, auf welchem eine exacte Forschung weiter zu bauen hat, um das zu erreichen, was Nagler im Sinne hatte, nämlich zwei encyklopädische Werke zu schaffen, die bei größtmöglicher Vollständigkeit und Genauigkeit unschätzbare Hilfsmittel für das Studium der Kunstgeschichte abzugeben geeignet sind.

Kunst-Chronik Nr. 3 und 4. Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst. Leipzig; 16. Februar 1866.

#Allgemeine Deutsche Biographie (1886)

Nagler: Georg Kaspar N., Kunsthistoriker, geb. am 6. Januar 1801 zu Obersiesbach (Moosburg in Oberbaiern) als der Sohn eines unbemittelten Zimmermanns, kam, nur ungenügend vorbereitet, 1815 in die Studienanstalt in München, wo er sich durch Fleiß und ein »wörtlich treues« Gedächtniß, welches bei ihm Zeitlebens eine so große Rolle spielte, hervorthat; bezog 1823 das Lyceum, betrieb philologische und naturwissenschaftliche Studien, ging 1826 nach dem Wunsche seiner Eltern zur Theologie über, verließ aber selbe wieder, um sich 1827 mit der Antiquarswittwe Johanna Ehrentreich zu verheirathen, worauf er als Bürger und Antiquar in die Stadtgemeinde München aufgenommen wurde. Nachdem N. mit einer Dissertation: »De Rhapsodis«, 1829 von der Universität Erlangen die philosophische Doctorwürde erworben hatte, betheiligte er sich als fleißiger Mitarbeiter an der von Dr. Jos. H. Wolf herausgegebenen »Bayerischen Nationalzeitung« mit allerlei die Kunst und ihr historisches Gebiet betreffenden Artikeln, darunter z. B. 1834 in Nr. 102 ff. die »Geschichte der Porzellanmanufactur zu München«. Angeregt durch die vorwiegend auf historische Fächer gehende Richtung der Zeit und mit besonderer Anlage für compendienhaftes und lexikographisches Zusammenfassen, legte N. den Grund zu einem systematisch geordneten Schatz von Notizen, welche er freilich ziemlich schwerfällig und unhandsam in großen Folianten zusammenschrieb. Das gab den Grundstock zu seinem Riesenwerke, welches, sobald ihn die Idee dazu beseelt hatte, den Verfasser mit einem beispiellosen Feuereifer erfüllte. Indem er regelmäßig die Vormittage auf der Staatsbibliothek und dem Reichsarchiv verbrachte, sammelte N. ein ungeheueres Material, wozu ihm sein Antiquariatshandel (welchen übrigens zum großen Theil seine Frau besorgte) eine Menge der unentbehrlichsten Litteratur zuführte. Außer den lexikographischen Werken der damaligen Kunstforscher, wie Campe, Heller, Füßli u. A. durchstöberte N. unzählige andere Schriften über Kunst und Künstler, er sammelte mit wahrem Bienenfleiße biographische Originalmittheilungen lebender Künstler, trug aus Zeitschriften, Galeriekatalogen, aus Zunftbüchern und anderen archivalen Urkunden, endlich auch aus dem Augenschein der Originalbildwerke ein staunenswerthes Wissen zusammen. Glücklicherweise besaß ein ihm befreundeter Verleger genug Muth und Einsicht, um das große Werk zu wagen, dessen erster Band schon im Jahre 1835 mit einer vom 3. April datirten Vorrede erschien: »Neues Allgemeines Künstler-Lexikon oder Nachrichten aus dem Leben und den Werken der Maler, Bildhauer, Baumeister, Kupferstecher, Formschneider, Lithographen, Zeichner, Medailleure, Elfenbeinarbeiter, bearbeitet von Dr. G. K. Nagler«. München 1835 bei Fleischmann. XII und 564 S. 8°. Die auch im letzten Bande wiederholte Dedication ist an den Herzog Maximilian von Baiern gerichtet, welcher überhaupt im Rufe eines den Künstlern wohlgeneigten Mäcen stand und während mehr denn eines halben Jahrhunderts zahlreiche Huldigungen von den verschiedensten Schriftstellern empfing. Ein großer Theil des Nagler'schen Werkes ist, wie der allzeit bescheidene Mann selbst gesteht und wie dieses auch nicht anders sein konnte, überliefertes Gut, doch ein ebenso großer Theil ist — nach der richtigen Bemerkung seines Biographen Marggraff — sein alleiniges Eigenthum, ein Hauptvorzug desselben aber die sorgfältige Aufzählung der Originalarbeiten der Künstler und der darnach gefertigten Kupferstiche, Lithographien, Farbendrucke und anderweitigen Reproductionen, wie nicht minder ihrer Holzschnitte und eigenhändigen Radirungen, die wenigstens nach der damaligen Kunstwissenschaft als eine annähernd vollständige angesehen werden kann. Daß es Mißgriffe, Irrthümer und Fehler gab, wußte N. am besten und bat beinahe in jeder Vorrede um wohlwollende Nachsicht und Belehrung. Bei dem ungewöhnlichen Umfange des zu bewältigenden Stoffes, bei der überreichen Fülle von Namen und Thatsachen, die in den meisten Fällen erst noch zu sichten und zu ordnen war, bei dem damals noch so unvollkommenen Standpunkt der Kunstforschung und ganz unkritischen Gemäldekenntniß (wie verwahrlost waren die Galeriekataloge!); bei der Nothwendigkeit sich auf das trügerische Urtheil Anderer zu verlassen: »Unter diesen u. anderen Umständen hätte jedes Bemühen, das Werk in mangelloser, sachlicher und sprachlicher Vollendung, frei von allen Ungleichheiten und Flüchtigkeiten der Behandlung herzustellen, an der Unvermeidlichkeit der Klippen und an dem Drange der Verhältnisse, die zur Eile mahnten, nothwendig scheitern müssen.« Indessen war doch ein breites und sicheres Fundament gelegt, auf welchem fortgebaut werden konnte. N. hielt beim Fortgange seiner an Umfang täglich wachsenden Arbeit möglichst gleichen Schritt mit der kunsthistorischen und kritischen Forschung, ihm entging nicht leicht eine irgendwie bemerkenswerthe neue Thatsache und Ansicht, mochte sie in einem Buche oder in den Spalten eines Journals auch noch so versteckt liegen; der reine Gewinn ist nicht hoch genug anzuschlagen. Auch hat N. selbst manchen dunklen Punkt glücklich beleuchtet, manche Frage zur Entscheidung gebracht oder doch ihr näher geführt; immerdar aber wird man zu seinem Werke als einer Quelle zurückkehren müssen, welche selten versagt, meist die genügende, häufig noch eine überraschende Auskunft gewährt.

Habent sua fata libelli — und erst ein solches, durch achtzehn Jahre laufendes Werk! Es war ursprünglich nur auf sechs Bände berechnet. Als es sich aber über den sechsten, den siebenten, den achten Band hinaus in eine nicht übersehbare Reihe weitere Bände ausdehnte, fiel auch nicht ein Abonnent ab, vielmehr steigerte sich die Zahl derselben, und als das Werk schließlich, im Jahre 1852, mit dem zweiundzwanzigsten Bande zu Ende ging und bald vergriffen war, fing es erst recht an, in der Theilnahme des Publicums zu wachsen. Inzwischen war der gedruckte und noch unversendete Vorrath zweier Bände, welcher in einem Keller der Frauenhoferstraße lag, bei der großen Isarüberschwemmung des Jahres 1852 zu Grunde gegangen; dem Wunsche des Verlegers, das Fehlende durch eine neue Auflage zu ersetzen, widersprach N., welcher eine verbesserte Ueberarbeitung plante, so daß nun für viele Besitzer und Bibliotheken nichts anderes übrigblieb, als die beiden fehlenden Bände — abschreiben zu lassen. Vollständige Exemplare des Lexikon stehen heute im Antiquarpreise höher als ehedem neu im Buchhandel.

Von dem fabelhaften Fleiße des Verfassers zeigt die verhältnismäßig rasche Folge der einzelnen Bände. Noch in demselben Jahre 1835 folgte der zweite Band (mit einer Vorrede vom November), im Januar 1837 der vierte und schon im Juli 1838 konnte N. in der Vorrede zum sechsten Bande verkünden, seine Materialien lägen schon bis zum Ende bereit! Und welche Mühe von Untersuchungen steckt darinnen! z. B. nur in den Artikeln über den Meister E. S. 1466 und H. W. 1482 (9. Bd.)! Der zwölfte Band (November 1842) brachte den Artikel »Rembrandt« (S. 412–548), der dreizehnte Band (Februar 1843) die Arbeit über »Rubens« (S. 513–604), der vierzehnte Band (November 1844) die Riesenartikel über »Giovanni« (S. 274—285) und »Raphael Santi« (S. 285–589) und schon ein Jahr darauf erschien der fünfzehnte Band mit »Martin Schön« (S. 424–454) und »Heinrich Schön« (S. 459–462) in welchem N. den Baumeister entdeckte, welcher für Herzog Maximilian (den späteren Churfürsten) den Residenzbau schuf! – ein Fund, welcher hartnäckig ignorirt wurde, bis neuestens Haeutle (Gesch. der Residenz. Leipzig 1883) die Richtigkeit von Nagler's Forschungen — zugleich auch andere gleichzeitige baierische Künstler, welche N. zuerst urkundlich nachwies — glänzend durch weitere Resultate bestätigte. Andere Musterarbeiten sind beispielsweise die Biographien über Simon Schmidt (Bd. XV, S. 358–366) u. Senefelder (Bd. XVI, S. 239–270) von denen Jeder die Priorität in Erfindung der Lithographie beansprucht. Die Vorrede zum achtzehnten Band (November 1848) ist unter »Freiheitsgetümmel und slavischem Kanonendonner« geschrieben, die natürlich unseren Autor in der regelmäßigen Fortführung der gewohnten Arbeit nicht behelligten, welcher im November 1852 das für einen Mann fast überwältigende Werk mit dem zweiundzwanzigsten Bande und den bescheidenen Worten schloß: „O! das Menschenleben ist Stückwerk, nur mit Sorgen kann ein halbes Ziel erreicht werden. Ich sehe mit Betrübniß, daß Vieles unerreicht geblieben ist und theilweise bleiben mußte!« Zugleich verwies er auf sein ergänzendes »Monogrammisten-Lexikon«, welches alsbald beginnen sollte, da »in wenigen Wochen« — aus denen doch mehrere Jahre wurden — das Material geordnet wäre!

Um Nagler's Leistungen gebührend zu würdigen, ist noch ein statistischer kurzer Rückblick gestattet. Jeder Band umfaßt durchschnittlich 564–572 Seiten, nur der 12., 15. und 22. (letzterer mit bloß 368 S.) sind etwas zurückgeblieben, dagegen bietet der 14. Bd. 589 und der 13. gar 604 Seiten. Das macht zusammen 12,507 Seiten, welche in monatlichen Lieferungen von 6 Bogen (der Buchhändlerpreis betrug per Bogen 6 Kreuzer) erschienen. Das Alles leistete der eine Mann, ohne Beihülfe, ohne Mittel und Vermögen oder Subvention, einzig mit seiner Hand und den beiden scharfblickenden Augen! das mußte Alles, abgesehen von der mühseligen Materialsammlung und -Sichtung, geschrieben und gelesen sein, dazu noch die ganze Mühwaltung der unvermeidlichen, so musterhaft und sauber gemachten Correcturen und der letzten Revision! Und das Alles für ein heutzutage unglaublich geringes Honorar von 10 Gulden per Bogen — freilich in einer Zeit, wo ein Gulden noch mehr werth war, als jetzt ein Fünfmarkstück. Anerkennung widerfuhr ihm wenig, außer daß Herzog Max in Baiern und König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen den Autor durch Verleihung goldener Medaillen für Kunst und Wissenschaft auszeichneten. Die Presse und Kritik that damals noch wenig für die öffentliche Meinung, keine Akademie dachte daran den Verfasser des Künstlerlexikon's als Ehrenmitglied aufzunehmen, die Conversationslexika ignorirten seinen Namen und schrieben ihn dafür wacker aus, sogar Prof. Fr. Müller, welcher ein populäres Lexikon: »Die Künstler aller Zeiten und Völker« (Stuttg. 1857 ff.) herausgab, nützte ihn unverzeihlich aus, ohne seine Quelle mit einer Silbe zu nennen Nur der »Historische Verein von Oberbaiern« wählte ihn in seinen Ausschuß, wofür N. jahrelang in den jeweiligen Monatsversammlungen belebende Vorträge hielt und viele seiner mühsamsten Forschungen der Vereins-Zeitschrift ohne Honorar überließ. Jeden Vormittag verbrachte N. materialsammelnd auf der Bibliothek, im Kupferstichcabinet oder im Archiv; Nachmittags saß er an seinem Pulte in dem engen, einzimmerigen Laden, in welchen man durch eine Glasthüre (welche zugleich als einziges Fenster diente) unmittelbar von der »Dienergasse« hereintrat und schrieb und schrieb. Abends noch bei einer kleinen grünen Blechlampe; nur sehr vertraute Bekannte und wenige Freunde traten hier ein; wir Studenten hatten selten den Muth öfter anzuklopfen, nachdem der Inhaber erklärte, daß er keine Lehr- und Schulbücher führe. Seine gewerblichen Geschäfte als Antiquar waren unerheblich; Jahre lang bekleidete er in der Landwehr den Posten eines Quartiermeisters. Trotzdem fand N. unter Sorgen und Arbeiten noch Zeit und Muße zu umfassenden topographischen Studien in Bezug auf München und dessen mittelalterlichen Baudenkmale und Sculpturen, welche er in drei Fortsetzungen unter dem Titel: »Beiträge zur älteren Topographie von München« im Archiv des Hist. Vereins f. Oberbaiern. 1847–1850 (zweite, umgearbeitete und sehr vermehrte Auflage. München 1863) niederlegte. Das kleine, von 1834–1862 neunmal überarbeitete und verbesserte Büchlein: »Acht Tage in München«, darf hierbei nicht übersehen werden. Auch verwerthete er seine Kunststudien in den Monographien: »Raphael als Mensch und Künstler« (München 1835 bei Fleischmann) und »Albrecht Dürer und seine Kunst« (ebendaselbst 1837), daran schloß sich die biographische Skizze über »Michel-Angelo Buonarotti als Künstler« und der Separatabdruck: »Leben und Werke des Malers und Radirers Rembrandt van Ryn« (1843). Außer dieser schriftstellerischen Thätigkeit hielt N. seit 1836 an der kgl. Baugewerkschule auch Vorträge über Geschichte der Architektur, mit besonderer Rücksicht auf das Volksbauwesen, welche ihm gerade wenig Vorbereitung verlangten und wöchentlich nur zwei Stunden kosteten, aber auch so bescheiden honorirt wurden, daß auf die Stunde kein ganzer Gulden fiel!

Schon frühzeitig hatte N. sein Interesse den Monogrammisten zugewendet, d. h. jener Classe von bekannten und unbekannten Künstlern aller Gattungen und Schulen, welche sich zur Bezeichnung ihrer Werke eines figürlichen Zeichens oder der Initialen und Verkürzungen ihres Namens bedienten. N. faßte seine Aufgabe in weiterem Sinne als Bartsch und Brulliot; Zufall, glückliche Funde mehrten unerwartet die Ausbeute, in erfreulichster Weise aber begünstigten viele ehrenwerthen Sammler die Ausführung des Unternehmens, wie Joh. Andr. Börner in Nürnberg, Passavant zu Frankfurt, R. Brulliot in München, Freiherr v. Löffelholz in Frankfurt, C. Becker und R. v. Reiberg, G. E. Harzen in Hamburg und Rud. Weigel in Leipzig. Das erforderte freilich damals noch eine sehr kostspielige und zeitzersplitternde Correspondenz; außerdem durchmusterte N. Hunderte von Galeriewerken und -Katalogen, zahllose Journale, Künstleralbums, eine Unzahl kleiner Monographien über Malerei, Chalkographie, Holzschnitt-, Münz- und Antiquitätenkunde; die größte Ausbeute gewährte die Autopsie von Kupferstichen, Xylographien und anderen Kunstblättern aller Art, welche N. zur Gewinnung neuer Monogramme und Initialen, sowie zur Richtigstellung früher ungenügend edirter, im Kupferstich und Handzeichnungs-Cabinet zu München und anderswo nach Tausenden und Abertausenden durchforschte. Da sich nun die Zahl der aufgenommenen Monogramme, Initialen, Namenskürzungen auf nahezu 15,000 Nummern beläuft, die sich nach etwa 12,000 Künstlern vertheilen, »so begreifet man, welch' ein Ordnungssinn und Gedächtniß, welche Sicherheit und Klarheit des Ueberblickes dazu gehörten, diesen für ein gewöhnliches Auge kaum übersehbaren Stoff, diesen Reichthum an kunstgeschichtlichen und kunstarchäologischen Thatsachen und Fragen, die sich an die Monogramme, an die bekannten und unbekannten Träger derselben knüpfen, zu bewältigen, und diese Tausende von oft gleichartigen Zeichen und Namenszügen nach vorausbestimmtem Plane in geeigneter Sonderung und Reihenfolge zu halten und jedesmal für die rechte Stelle aufzubewahren, ihren Schnitt zu überwachen und zuletzt das Einzelne kritisch gesichtet einzuordnen und wissenschaftlich zu erörtern.«

Die »Monogrammisten« erschienen bei G. Franz in München von 1857 an heftweise. Der 1. Bd. mit XVIII Seiten Einleitung umfaßt 1088 Seiten mit 2594 Nummern aus den Buchstaben A–CF; er trägt auf dem Schlußtitel die Jahrzahl 1858; der 2. Bd. 1860, XVIII und 1121 Seiten CF–GI in 3144 Nummern; der 3. Bd. 1863, IV und 1143 Seiten GK—IML in 2956 Nummern. Während der 4. Band im Drucke war, starb der Chef der Verlagsbuchhandlung und kurz darauf, als mit den Erben desselben die Auseinandersetzungen geordnet schienen, rief der Tod am 20. Januar 1866 den Autor aus dem Leben und beraubte ihn nicht nur der Freude, das große Werk vollendet zu sehen, sondern stellte das ganze Unternehmen in Frage, bis Dr. A. Andresen die Redaction übernahm (4. Band 1871, 1155 S. IMM–SH in 4134 Nummern). Als nun auch dieser unerwartet im besten Mannesalter am 1. Mai 1871 die Augen schloß, führte C. Clauß den 5. Band 1879 zu Ende (S. V. Z. II und 436 S. mit 2133 Nummern). An Zahl der Artikel überragt Naglers Werk alle seine Vorarbeiter, die Masse des neuen und berichtigenden Materials ist höchst ansehnlich, doch mußten während der Arbeit viele Notizen und Berichtigungen zurückgestellt und nachgeliefert werden, wodurch die Handsamkeit gerade nicht gefördert, durch gute Register jedoch wieder ins Gleichgewicht gebracht wird. Mißstände dieser Art bleiben auf einem Gebiete, wo jeder Tag neue Entdeckungen, Funde und Berichtigungen bringt, unabweisbar. Naglers Erklärungen unbekannter Monogramme sind, wie sein Nekrologist Dr. Rudolf Marggraff (im XXIX. Jahresbericht des Histor. Vereins v. Oberbaiern f. 1866. S. 118 ff.) zugibt, bisweilen gewagt, auch schließt die von N. eingeschlagene historisch-kritische Behandlungsweise des Gegenstandes einzelne Irrthümer nicht aus und öfters muß man das Richtige aus den Wiederholungen und Widersprüchen verschiedener Artikel zusammensuchen: Deßungeachtet bleibt es ein bis heute noch unentbehrliches Hand- und Nachschlagebuch, welchem Jeder zu aufrichtig anerkennendem Danke verpflichtet ist. N. hat viele Künstler zu Ehren gebracht, andere aus dem Dunkel ans Licht gezogen, dabei sind fremde Forschungen mit großer Umsicht und Gewissenhaftigkeit benützt und alles Geflunker vermieden. In dem Für und Wider der Meinungen entschlug sich N. immer des Vorrechtes, eine entscheidende Stimme abzugeben, indem er sich damit begnügte, Alles gehörig abgehört und abgewogen zu haben. Er sammelte diesesmal viele Anerkennung von allen Seiten (vgl. z. B. G. F. Waagen's Besprechung in Eggers Deut. Kunstblatt. IX. Bd. 1858 S. 51 f.), aber wenig Lohn, so daß er als armer Mann, der von der saueren Arbeit seiner Hände leben mußte, in das Grab stieg. Doch bleibt ihm der Ruhm eines unwandelbar ehrlichen Charakters, der achtungswerthe Ruf eines exacten Forschers und Gelehrten, welcher Wissenschaft und Wahrheit hoch hielt und der wissentlich nie ein falsches Wort sprach oder schrieb. Das Project eines »Münchener Kunstanzeigers«, welches N. 1864 begann und durch 2 Jahrgänge mit je 12 Nummern führte, brachte viele treffliche Artikel aus der Feder seines Redacteurs (über Dürer's »Krönung Maria« und den Residenzbrand 1674, über Christoph Schwarz, über »die St. Lucaszunft in München« u. s. w.), ohne demselben im geringsten die aufgewendete Mühe und Arbeit zu lohnen. Sein Leben war voll Arbeit und Mühe — sein Name aber bleibt immerdar und in Ehren!

Hyac. Holland.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1886.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Nagler Georg Kaspar, Dr. phil., 1801 (Obersüßbach bei Freising) – 1866, Kunstschriftsteller und Antiquar; aus sehr ärmlichen Verhältnissen kommend, besuchte N. das Lyzeum in München, studierte Philologie und Naturwissenschaften, wandte sich auch kurz der Theologie zu und heiratete schließlich 1827 eine Antiquarswitwe, worauf er als Bürger von München aufgenommen wurde; nach einer Dissertation »De Rhapsodis« (1829) zu Erlangen wurde N. Mitarbeiter der von Dr. J. H. Wolf herausgegebenen »Bayerische Nationalzeitung«; angeregt durch die vorwiegend auf historische Fächer gehende Richtung der Zeit und mit besonderem Talent für kompendienhaftes und lexikographisches Zusammenfassen, legte er im Laufe der Jahre den Grund zu einem systematisch geordneten Schatz von Notizen, die er aus Bibliotheken, Archiven und Werken seines Antiquariats zusammenschrieb, dabei sammelte er auch biographische Originalmitteilungen lebender Künstler, trug aus Zeitschriften, Galeriekatalogen, aus Zunftbüchem, Urkunden und aus dem Augenschein der Kunstwerke selbst ein staunenswertes Wissen zusammen; daraus entstanden seine Werke, die heute noch zitiert werden.

Hauptwerke: Neues Allgemeines Künstler-Lexikon oder Nachrichten aus dem Leben und Werken der Maler usw. (23 Bde.), Die Monogrammisten (5 Bde.), Beiträge zur älteren Topographie von München, Acht Tage in München, Topographische Geschichte von München und seinen Vorstädten (2 Bde.).

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#14 – 10 – 11 (Klein · Weingartner)


Hier ruhen
Herr Friedr. Klein
Bierwirt
Herr Fritz Klein
Frau
Kath. Weingartner
* 12.X.1865 † 30.III.1907
Ther. Klein


  • Klein, Friedrich; Bierwirt
  • Klein, Fritz
  • Klein, Ther.
  • Weingartner, Katharina (vh); 12.10.1865 – 30.3.1907 (München); Trambahnschaffners-Gattin

Grab der Familien Klein · Weingartner auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#14 – 10 – 14 (Frauenknecht)


Grab der Familie Frauenknecht auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#14 – 10 – 15 (Joas)


Familien Grabstätte

Hier
ruhet in Gott
Herr
Martin Joas,
Gasthofbesitzer,
geb. 24. Febr. 1829. gest. 13. Dez. 1876.
Ihm folgte seine theure Gattin
Frau
Rosina Joas, geb. Kinner,
geb. 11. Febr. 1834, gest. 2. April 1889.
Adolf Joas,
geb. 17. Nov. 1834, gest. 12. Mai 1882.
Rosina Joas,
geb. 1. Juli 1867, gest. 16. Nov. 1888.
Herr Martin Joas,
Kaufmann
geb. 10. April 1857 gest. 4. Sept. 1924

R. I. P.

GEBR. PFISTER.


  • Joas, Adolf; 17.11.1834 – 12.5.1882
  • Joas, Martin; 10.4.1857 – 4.9.1924; Kaufmann
  • Joas, Martin; 24.2.1829 – 13.12.1876; Gasthofbesitzer
  • Joas, Rosina (vw) / Kinner (gb); 11.2.1834 – 2.4.1889; Gasthofbesitzers-Witwe
  • Joas, Rosina; 1.7.1867 – 16.11.1888; Privatiere

Grab der Familie Joas auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#14 – 10 – 16 (Emmerling)


Familiengrab
Emmerling


  • Emmerling, Johann; – 1887; Maurermeister
  • Emmerling, Otto; 30.10.1860 (München) – 19.2.1881 (München), Opfer des Kolosseum-Brandes; Bildhauer

Weitere Opfer des Kolosseum-Brandes
Gemeinschaftgrab 20 – 8 – 14 (Opfer des Kolosseum-Brandes)

  • Christ, Adam; 12.3.1856 (Bamberg) – 19.2.1881 (München), Opfer des Kolosseum-Brandes; Bildhauer
  • Einhart, Emil; 27.11.1854 (Konstanz) – 19.2.1881 (München), Opfer des Kolosseum-Brandes; Bildhauer
  • Gehrke, Adolf; 8.11.1849 (Berlin) – 20.2.1881 (München), Opfer des Kolosseum-Brandes; Bildhauer
  • Guttermann, Ernst; 6.1.1859 (Ulm) – 20.2.1881 (München), Opfer des Kolosseum-Brandes; Bildhauer
  • Hößbacher, Adolf; 2.10.1863 (Frankfurt a. M.) – 19.2.1881 (München), Opfer des Kolosseum-Brandes; Bildhauer
  • Kraus, Karl; 8.9.1857 (Ulm) – 19.2.1881 (München), Opfer des Kolosseum-Brandes; Bildhauer
  • Schnetzer, Johann; 7.9.1850 (Fürstenfeldbruck) – 19.2.1881 (München); Opfer des Kolosseum-Brandes; Goldarbeiter

16 – 2 – 22* (Maier)

  • Maier, Anton; – 19.2.1881 (München), 39 Jahre alt, Opfer des Kolosseum-Brandes; Photograph

Todesanzeige für Otto Emmerling

Grab der Familie Emmerling auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#Otto Emmerling

* 30.10.1860 (München)
† 19.2.1881 (München), Opfer des Kolosseum-Brandes
Bildhauer

#Allgemeine Zeitung (24.3.1881)

Nekrologe Münchener Künstler.

XIV.

Die Opfer vom 18 Februar.

[...]

Ihm [Emil Einhart] folgen alsbald Otto Emmerling, Sohn eines Maurermeisters, geb. 30 Oct. 1860, welcher, mit seinen Eltern nach München übersiedelnd, anfänglich bei dem Gürtlermeister Christain Block (derselbe starb gleichfalls am 19 Febr. und wurde fast gleichzeitig mit dem jungen Emmerling auf demselben Friedhof in die Erde gesenkt) lernte, dann zwei Jahre lang die Kunstgewerbeschule besuchte und im vorigen Sommer an die Akademie übertrat, wo er sich fast zwei Semester im Copiren antiker Büsten übte. Emmerling wird als ein höchst liebenswürdiger Mensch geschildert. Er begriff alsbald die Tragweite seiner Verwundung und bereitete sich gefaßt als gutes Beispiel für seine Freunde. Sein liebes Benehmen, seine Dankbarkeit für allen leiblichen und geistigen Trost gewannen ihm die herzlichste Theilnahme aller derjenigen, welche ihm, wie den übrigen, die letzten Stunden möglichst zu erleichertn suchten.

[...]

Beilage zur Allgemeinen Zeitung Nr. 83. Augsburg; Donnerstag, den 24. März 1881.

#14 – 10 – 33 (Herrschel · Klüpfel · Späth)


Hier ruhen
Georg Klüpfel, Sekretär d. k. Rechnungskammer
geb. 7. ¿ gest. 5. Febr. 18¿.
Josefine Herrschel, geb. Klüpfel,
geb. ¿. Jan. 1842, gest. 19. Jan. 1874.
Eva Klüpfel, geb. Blum,
geb. 11. Nov. 1819. gest. 17. Okt. 1887.
Louise Klüpfel,
geb. 18. April 1858, gest. 22. Febr. 1901.
Frl. Kätchen Klüpfel
geb. ¿. Mai 1850, gest. 20. Okt. 1927.
Anna Späth, geb. Klüpfel,
geb. 2. März 1848, gest. 18. Dez. 1928.

Sockel
Leon Späth, Correktor
geb. 11. Okt. 1847, gest. 22. Okt. 1899.


  • Herrschel, Josefine (vh) / Klüpfel (gb); ¿.1.1842 – 19.1.1874 (München); Chirurgens-Gattin
  • Klüpfel, Eva (vh) / Blum (gb); 11.11.1819 – 17.10.1887
  • Klüpfel, Georg; – 5.2.1866 (München), 56 Jahre alt; Rechnungskammersekretär
  • Klüpfel, Kätchen; ¿.5.1850 – 20.10.1927
  • Klüpfel, Louise; 18.4.1858 – 22.2.1901
  • Späth, Anna (vh) / Klüpfel (gb); 2.3.1848 – 18.12.1928; Korrektors-Witwe
  • Späth, Leon; 11.10.1847 – 22.10.1899; Korrektor

Grab der Familien Herrschel · Klüpfel · Späth auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

#14 – 10 – 34 (Mayer)


Grab der Familie Mayer auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

#14 – 10 – 36 (Albrecht · Bernhard)


Familiengrabstätte.

Hier ruhen:
Herr Joseph Bernhard
kgl. Hausverwalter,
geb. 21. Sept. 1824, gest. 1. Juli 1893.
Herr Hugo Bernhard
Brauereitechniker,
geb. 25. Juni 1859, gest. 22. April 1901.
Frau Elise Bernhard
geb. Carré,
geb. 3. Dez. 1833, gest. 9. Febr. 1910.
Herr Max Bernhard
Kaufmann,
geb. 24. April 1861, gest. 28. Nov. 1916.
Fräulein Marie Bernhard
geb. 8. Juni 1858, gest. 10. April 1936.

Sockel
Kaspar Bernhard † 13. Juni 1873 im 75. Jahre.
Ursula Bernhard, geborne Albrecht,
† 6. Mai 1859, im 61. Jahre.
Susanna Albrecht † 13. März 1887, im 78. Jahre.
Maria Bernhard, † 14. März 1909, im 75. Jahre.


  • Albrecht, Susanna; – 13.3.1887, 77 Jahre alt
  • Bernhard, Elise (vh) / Carré (gb); 3.12.1833 – 9.2.1910
  • Bernhard, Hugo; 25.6.1859 – 22.4.1901; Brauereitechniker
  • Bernhard, Josef; 21.9.1824 – 1.7.1893; Hausverwalter
  • Bernhard, Kaspar; – 13.6.1873 (München), 74 Jahre alt; Diener
  • Bernhard, Maria; – 14.3.1909, 74 Jahre alt
  • Bernhard, Marie; 8.6.1858 – 10.4.1936
  • Bernhard, Max; 24.4.1861 – 28.11.1916; Kaufmann
  • Bernhard, Ursula (vh) / Albrecht (gb); – 6.5.1859 (München), 60 Jahre alt; Heizers-Gattin

Grab der Familien Albrecht · Bernhard auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

#14 – 11 – 18 (Pechmann)


HEINRICH
FREIHERR VON PECHMANN
1774 – 1861
KGL. BAYER. GEH. OBERBAURATH
PLANER UND ERBAUER DES
DONAU-MAIN-KANALS
RITTER D. MILITÄR MAX-JOSEPH-ORDENS

Linke Seite
FRIEDRICH
FREIHERR VON PECHMANN
1818 – 1895
KGL. BAYER.
OBERSTLT.

Rechte Seite
FRIEDRICH
FREIHERR VON PECHMANN
1849 – 1910
KGL. BAYER. REG.-RATH
u. BEZIRKSAMTMANN


  • Pechmann, Friedrich Freiherr von; 1818 – 17.2.1895 (München); Oberstleutnant
  • Pechmann, Friedrich Freiherr von; 1849 – 30.9.1910 (München); Bezirksamtmann und Regierungsrat
  • Pechmann, Heinrich Freiherr von; 26.2.1774 (Regen/Opf.) – 4.7.1861 (München); Oberbaurat

Todesanzeige für Heinrich Freiherr von Pechmann

Todesanzeige für Friedrich Freiherr von Pechmann

Todesanzeige für Friedrich Freiherr von Pechmann

Grab der Familie Pechmann auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familie Pechmann auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

#14 – 11 – 23·24 (Schmid · Simmerlein)


Linke Stele
Abgerufen vom Leben
am 3. Dez. 1879 im Alter von 38 Jahren
ruht hier
unsere liebe Gattin u. Mutter
Frau Marie Simmerlein
geb. Schmid,
Fabrikantensgattin.
Josef Schmid
cand. jur.
geboren 5. März 1870,
gestorben 22. Februar 1900.
Herr Eduard Simmerlein
Goldschlägerei-Besitzer.
geboren 26. Oktober 1830
gestorben 15. September 1903.
Frau Karoline Simmerlein
verw. Schmid. geb. Blamberger.
geboren 7. Dezember 1844
gestorben 1. Juli 1925.

Rechte Stele
Hier ruhen
Herr Joh. Steph. Simmerlein
Goldschläger.
geboren 1800, gestorben 1847.
Dessen Gattin
Frau Josefa Simmerlein
geb. Kopp
geboren 3. August 1810.
gestorben 4. August 1889.
Unser lieber Gatte u. Vater
Herr Albert Simmerlein
ehemal. Grosshändler.
geboren 18. Juli 1842.
gestorben 4. Januar 1926.
Dessen Gattin
unsere liebe Mutter
Frau Therese Simmerlein
geb. Schipf.
geboren 20. Februar 1851.
gestorben 25. April 1934.

Sockel
E. u. A. SIMMERLEINSCHES FAMILIEN GRAB.


  • Schmid, Josef; 5.3.1870 – 22.2.1900
  • Simmerlein, Albert; 18.7.1842 – 4.1.1926; Grosshändler
  • Simmerlein, Eduard; 26.10.1830 – 15.9.1903; Goldschlägereibesitzer
  • Simmerlein, Johann Stephan; 1800 – 16.8.1847 (München); Goldschläger
  • Simmerlein, Josefa (vw) / Kopp (gb); 3.8.1810 – 4.8.1889
  • Simmerlein, Karoline (vh) / Schmid (vw) / Blamberger (gb); 7.12.1844 – 1.7.1925
  • Simmerlein, Marie (vh) / Schmid (gb); – 3.12.1879; Fabrikantens-Gattin
  • Simmerlein, Therese (vw) / Schipf (gb); 20.2.1851 – 25.4.1934; Grosshändlers-Witwe

Grab der Familien Schmid · Simmerlein auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2011)

#14 – 11 – 33 (Hahn)


Hier ruhen:
Caroline Hahn
geb. Ulmer,
geboren am 4. März 1831,
gestorben am 20. Novbr. 1898.
Franz Hahn, geb. 20. August 1857,
Leonhard Hahn, geb. 17. Mai 1860, gest. am 6. und 13. Oktober 1862.
Paul Hahn, geb. 10. Jan. gest. 26. Jan. 1866.
Ihnen folgte ihr Gatte und Vater
Kgl. geheimer Hofrat
Carl Hahn,
o. Professor u. langjähr. Direktor
an der tierärztlichen Hochschule,
geboren am 4. Septbr. 1829, gestorben am 2. März 1901.

R. I. P.

Sockel
Mathilde Hahn. Hauptlehrerin i. R.
geb. 19. Febr. 1867. gest. 23. Juni 1934.
Anna Hahn. Hauptlehrerin i. R.
geb. 5. Aug. 1861. gest. 25. Januar 1943.

J. Lallinger

Linke Seite
Matthaeus
Hahn
Oberlandes-
gerichtspräsident.
geb. 19.11.1868.
gest. 4.8.1932


  • Hahn, Anna; 5.8.1861 – 25.1.1943; Hauptlehrerin im Ruhestand
  • Hahn, Franz; 20.8.1857 – 6.10.1862 (München); Gerichtsarzt-Sohn
  • Hahn, Karl; 4.9.1829 – 2.3.1901; Professor und Direktor an der tierärztlichen Hochschule
  • Hahn, Karoline (vh) / Ulmer (gb); 4.3.1831 – 20.11.1898
  • Hahn, Leonhard; 17.5.1860 – 13.10.1862 (München); Gerichtsarzt-Sohn
  • Hahn, Mathilde; 19.2.1867 – 23.6.1934; Hauptlehrerin im Ruhestand
  • Hahn, Matthäus; 19.11.1868 – 4.8.1932; Oberlandesgerichtspräsident
  • Hahn, Paul; 10.1.1866 – 26.1.1866 (München); Professors-Sohn

Grab der Familie Hahn auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2021)

#14 – 11 – 37 (Schlägel)


Grab der Familie Schlägel auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2021)

#14 – 11 – 38 (Will)


Grab der Familie Will auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familie Will auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familie Will auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

#14 – 11 – 43 (Anzinger)


Grab der Familie Anzinger auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2021)

#14 – 11 – 49 (Naue)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Naue, Julius August Erdmann, Dr. phil. h. c.; 7.7.1833 (Köthen/Anhalt) – 14.3.1907 (München); Historienmaler und Vorgeschichtsforscher

Grab der Familie Naue auf dem Alten Südfriedhof München (August 2013)

#Dr. phil. h. c. Julius August Erdmann Naue

* 7.7.1833 (Köthen/Anhalt)
† 14.3.1907 (München)
Historienmaler und Vorgeschichtsforscher

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Naue Julius August Erdmann, Dr. phil. h. c., 1832 (Köthen/ Anhalt) – 1907, Historienmaler und Vorgeschichtsforscher; er war Schüler von M. von Schwind und Kreling; bei seinen Gemälden bevorzugte N. Szenen aus der Kriegsgeschichte, aus der Völkerwanderung und der nordischen Götter- und Sagenwelt; schriftstellerisch beschäftigte er sich als Archäologe.

Hauptwerke: (Aquarellzyklen) Germania, Roma, Alarich, (Fresken) Das Märchen vom Kaiser Heinrich I., Prinzessin Ilse, Prometheus, Kallias und Arete kehren aus der Schlacht von Salamis zurück (Schack-Galerie), Wandgemälde in der Villa-Lingg bei Lindau und im Römischen Haus zu Leipzig; Schriften: Hügelgräber zwischen Ammer- und Staffelsee, Die Bronzezeit in Oberbayern, Vorrömische Schwerter, L’epoque de Hallstatt en Bravière; seit 1889 war N. Herausgeber der Prähistorischen Blätter.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#14 – 11 – 51 (Schleich)


AKADEMIE-
PROFESSOR
EDUARD
SCHLEICH D. Ä.
LANDSCHAFTS-
MALER
1812 – 1874


  • Schleich, Eduard (jun.); 15.2.1853 (München) – 28.10.1893 (München); Landschaftsmaler
  • Schleich, Eduard (sen.); 12.10.1812 (Schloß Harbach bei Landshut/Ndb.) – 8.1.1874 (München); Landschaftsmaler und Akademieprofessor

Franz Hanfstaengl: Eduard Schleich (d. Ä.). Porträtsammlung des Münchner Stadtmuseums.

Grab der Familie Schleich auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

#Eduard Schleich (jun.)

* 15.2.1853 (München)
† 28.10.1893 (München)
Landschaftsmaler

#Allgemeine Deutsche Biographie (1908)

Schleich: Eduard Sch. jun., Landschaftsmaler, geboren am 15. Februar 1853 in München, † am 28. October 1893 ebendaselbst, sollte sich, nach dem Willen seines Vaters, des berühmten gleichnamigen Malers (s. A. D. B. XXXI, 393) nicht zur Kunst wenden; besuchte die Volks- und Lateinschule, absolvirte 1872 als einer der Besten das Gymnasium, wo Sch. indessen schon als Schüler von Julius Zimmermann (geboren 1824 in Augsburg, † am 7. April 1906 zu München) mit leidenschaftlichem Eifer zeichnete und aquarellirte. Am liebsten hätte der Jüngling die Künsterlaufbahn betreten, allein der Vater, in Erinnerung des dornenvollen Weges, auf welchem er sich freilich so glorreich durchgerungen hatte, widerstand entschieden seiner Neigung und schickte ihn auf das Polytechnikum, um sich zum Architekten zu bilden. Obwohl der Sohn alle darauf bezüglichen Fächer fleißig betrieb, so stieß ihn doch der technische Theil derselben, insbesondere die Mathematik, entschieden ab, wogegen er im Zeichnen und Malen rühmlichst hervorstach. Da nunmehr das väterliche Talent unverkennbar vererbt schien, erlosch die bisherige principielle väterliche Abneigung und der Alte ertheilte ihm die erste Anleitung, ebnete die Wege, indem er jedoch jederzeit eindringlichst auf die unabsehbaren Mühen, Schwierigkeiten, Entbehrungen und Enttäuschungen hinwies, die jede Künstlerlaufbahn durchqueren. Da nach kaum halbjährigem Unterricht der väterliche Meister der damals grassirenden Cholera am 8. Januar 1874 rasch erlag, so suchte Sch. Rath und Hülfe an der Akademie, verließ dieselbe aber bald wieder, um im Umgang mit den bewährten Freunden des Vaters, zugleich in dessen Skizzen und Studien, die Räthsel zu lösen, wendete sich ebenso an das Studium der Natur, in welches ihn Jos. Wenglein liebevoll einführte und mit Rath und That weiter förderte. Die mit Recht bestaunten coloristischen Experimente seines Vaters fochten ihn wenig an, er vermied auch auf Studienreisen nach Paris, Belgien oder Frankreich fremde Stimmungen einzuheimsen: lieber kehrte er zu der ehedem von seinem Vater so treugepflegten deutschen Heimath zurück, die er mit hellen Augen erfaßte und wiedergab. Sch. hatte nicht bloß den Namen, sondern auch die außerordentliche Begabung des Vaters geerbt. Die Münchener Hochebene und das bairische Gebirge lieferten ihm fürderhin die Stoffe für seine Bilder. Er liebte lichte, sonnige, freundliche Stimmungen: dunstige, helle Sommermorgen mit schräg einströmenden Lichtwellen, prächtige thaufrische Scenen aus dem heimischen Laubwald, mit äugendem oder äsendem Wild staffirt. Sch. begann 1881 mit einem Morgen im Moos, mit einer Mondnacht aus den Isarauen, die ungetheilten freudigen Beifall fanden; 1883 kamen Eindrücke aus dem bairischen und ein Abend in dem herbstlich belaubten Thüringerwalde: unter dem Beschauer liegt in verlockender abendlicher Kühle das enge Waldthal, hoch darüber ragen die mächtigen im blendenden Lichte der sinkenden Sonne aufleuchtenden Bauten der Wartburg (Lützow's Zeitschrift 1883, XVIII, 497) Dann kam ein Nebelmorgen über sumpfiger Landschaft (Gartenlaube 1885, S. 269); ein Motiv aus Mittelfranken (Schillingsfürst) und eine Erinnerung an das Starnberger Mühlthal (1885), ein Herbstmorgen in den Bergen (1886). Das Jahr 1888 lieferte eine ganze Serie: den Frühling unter den Birken und einen epochemachenden »Buchenwald«: das volle heiße, weiße, unruhige Mittagsonnenlicht fällt über die Höhe in einen Holzschlag, zitternd, flimmernd, an allen Kanten glitzernd. Ein »Garteninterieur« im Frühling, mit blühenden Apfelbäumen brachte eine duftige, frische Lenzstimmung in höchst poetischer und naturwahrer Weise zur Geltung. Dann ein nebeliger »Morgen« in einer Thalniederung mit äsenden Rehen; der Reiz der Ebene bei Freising (1889); ein colossales Bild schilderte die flache Gegend zwischen Feldmoching und Schleißheim mit ihren feinen Beleuchtungseffecten, ihrer zarten duftigen Ferne und einem klaren, lichtdurchflutheten Himmel; eine ähnliche Fernsicht von Dachau aus bis in die Alpen hatte ehedem sein Vater auf die Leinwand gebannt. Die Ausstellung des Jahres 1890 gewährte einen tiefen Einblick in die überraschende Schaffenskraft des Malers. Da erschien ein Vorfrühling aus den Isarauen: noch sproßt kein Grün, doch das blattlose, in dichtem Gewirr den Thalboden deckende Strauchwerk zeigt schon abwechslungsreiche Farben, die in Verbindung mit dem fahlen Gras, mit den überwinterten welken Blättern und den tiefen Tönen der Nadelbäume ein entzückendes coloristisches Ganze geben. Zwei andere Bilder entstammen der Ebene: das eine schildert im Vordergrunde ein Stück sumpfigen Terrains mit reicher, sommerlicher Flora, blühendem Schilf, formenschönen mächtigen Blattpflanzen, eine Viehherde als Staffage. Das andere giebt eine Sommerabendstimmung: das Dorf im Vordergrunde liegt schon in tiefem grauen Schatten, aber der ganze Himmel ist noch hell und leuchtend, mit kleinen vom Abendwind verstreuten Wölkchen. Ein weiteres Bild gewährt den Einblick in Frühjahrgärten mit Blüthenbäumen; auf dem Gras schimmert noch der Thau und Morgendunst. Abermals führt er uns in einen Wald, im vorgeschrittenen Frühjahr, helles gebrochenes Morgenduftlicht wogt über dieses freundliche Stückchen Erde. Wie hat der Meister die stillste Natur in ihrem heimlichen Schaffen, hoffenden Treiben, Keimen und Werden belauscht! wie verstand Sch. mit allem technischen Raffinement schön zu malen, immer überzeugend und wahr zu sein; ein echter Dichter im Bereich der Farbe. Das »Wie« aller dieser Arbeiten hält ihrem gegenständlichem Reiz die Waage. Seine ganze Art hatte sich organisch zur möglichsten Höhe entwickelt. Er malte hell, farbig, breit, flott, ohne bei aller Minutiosität gequält zu werden. Die einfachsten Motive und scheinbar unbedeutendsten Gegenden wußte er interessant zu machen, überall weht ein idealer Duft. Was er, nicht allein mit dem Stift, sondern auch mit der Flinte auf dem Rücken Wald und Au durchschweifend, zu seines Herzens Lust und Entzücken fand, wußte er festzuhalten und so wiederzugeben, daß es dem Beschauer unwiderstehlich die Seele erfüllte, ihn erquickte und erheiterte.

Das Vertrauen seiner Freunde berief ihn zu Commissionen und in Ausstellungen, wo er seine schweren, vielseitigen Verpflichtungen glänzend löste, und als tüchtiger Rathgeber die gemeinsamen Interessen förderte. Aber mitten im schönsten, glücklichsten Schaffen und Familienleben ereilte ihn das lauernde Unheil. Schon im Herbst 1891 trübte sich sein heller Geist. Im folgenden Winter schien die Krankheit zu schwinden zur größten Freude der Angehörigen, die wetteifernd alles aufboten, die gefährdete Gesundheit zu retten. Doch Ende April 1893 trat die Krankheit heftiger und kräftiger auf und trennte ihn von den Seinen, bis den ganz Umnachteten der Tod in einer Heilanstalt vom martervollen Dasein erlöste. Eine Ausstellung vieler fertiger Landschaften und Studien erweckte ebenso freudige Bewunderung wie auch die erneute Klage um die heillos zerstörte Frische und den edlen, sonnigen Geist.

Vgl. Nekrolog im Münchener Kunstvereins-Bericht, 1893, S. 73. – A. Rosenberg, Gesch. der modernen Kunst, 1894, III, 130. – Singer 1901, Nr. 205 weiß nur daß Sch. »wie der Vater malte«. Eine kurze Uebersicht s. Leistungen gibt der fleißige Bötticher 1901, II, 577.

Hyac. Holland.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1908.

#Eduard Schleich (sen.)

* 12.10.1812 (Schloß Harbach bei Landshut/Ndb.)
† 8.1.1874 (München)
Landschaftsmaler und Akademieprofessor

#Münchener Propyläen (1869)

Eduard Schleich.

Es ist nicht wohl möglich die Bedeutung eines so hoch über das gewöhnliche Maß hervorragenden Künstlers wie Eduard Schleich auch nur annähernd zu erfassen, wenn man sich die Richtung nicht klar gemacht hat, welche sich in ihm gewissermaßen verkörpert. Gar Mancher, der täglich die Worte Styl und Stimmung im Munde führt, käme in arge Verlegenheit, wenn er sagen sollte, welche Begriffe er damit verbindet.

Ist der Styl, etwas Bleibendes, innerlich Nothwendiges, der dauernde Charakter der Natur, durch Form und Farbe ausgesprochen, unwandelbar wie der Verstand, so zeigt sich uns dagegen die Stimmung als etwas Wechselndes, Zufälliges, als der vorübergehende Charakter der Natur, durch Licht- oder Farbenwirkung zum Ausdruck gebracht, beweglich wie das Leben des Gemüthes. Demnach ist wohl keine von allen Kunstfragen müßiger als die, ob die stylisirte, oder ob die Stimmungslandschaft höher zu stellen sei. Für den Künstler handelt es sich nur darum, zu welcher von Beiden er sich stärker hingezogen fühlt; für den Beschauer noch weiter darum, was Jener in der einmal gewählten Richtung leistet. Der Stylist wie der Stimmungslandschafter verfolgen dasselbe Ziel, wenn auch auf verschiedenen Wegen. Der Eine erreicht die poetische Wirkung durch charakteristische Auffassung und Wiedergabe einer stylvollen Natur, der Andre durch Festhalten einer auf Auge oder Gemüth wirkenden Stimmung. Der wahre Unterschied zwischen Beiden liegt keineswegs in dem stärkeren oder schwächeren Betonen der Farbe, sondern darin, daß der Stylist zunächst den in der Form sich aussprechenden Charakter der Natur in's Auge faßt und seine Farbe hienach, wenn und soweit es nöthig, modifizirt, wobei ein mehr oder minder selbstständiges Verhalten der künstlerischen Anschauung zur Natur nicht ausbleiben kann, während der Stimmungslandschafter zunächst die Farbe in Betracht zieht und dem Formcharakter nur in die zweite Reihe stellt. Man könnte Jenen dem epischen, diesen dem lyrischen Dichter vergleichen.

Kein Kunstzweig räumt der künstlerischen Individualität einen weiteren Spielraum ein als die Landschaftsmalerei; in ihr spiegelt sich die subjective poetische Empfindung klarer ab, als irgend anderswo, in ihr bedient sich der Künstler in fast unbeschränkter Weise der Form, wie der Farbe, um jene zum Ausdruck zu bringen. Und gerade darin liegt das wahrhaft ideale Element der Landschaftsmalerei, das nicht hoch genug angeschlagen werden kann. Nur ein wahrhaft poetisches Talent wird in diesem Kunstzweige wirklich Bedeutendes leisten und als ein solches im vollsten Sinne des Wortes tritt uns Eduard Schleich entgegen.

Durch seine Werke weht jener ideale Duft dichterischen Empfindens, welcher allein die Seele der Natur zu versinnbildlichen vermag. In ihnen schauen wir jenes tiefe Sichversenken des Künstlers in das innerste Leben und Weben derselben, welches, vor dem lauten Geräusche des Tages zurückbebend, in eine ideale Einsamkeit flieht, um dort in ahnungsvoller Beschaulichkeit seiner selbst zu genießen. Gleich den Klängen einer fremdartigen Melodie gemahnt uns diese, halb schwermüthige, selten heitere, aber immer empfindungstiefe Poesie, wie die regellosen, aber wunderbar ergreifenden Accorde der vom Hauche der Natur selbst beseelten Aeolsharfe gegenüber der rauschenden eleganten Musik der Concerte und Opern. Schleich ist eine innerlichst musikalische Natur; die Farben sind die Töne, die er zu wohlklingenden Harmonien zu verbinden weiß, und in Harmonieen löst er scheinbare und selbst wirkliche Dissonanzen auf. Sein Grundton aber ist ein vorwiegend ernster, elegischer. Motive, die in der Hand eines Andern völlig werthlos wären, erhalten in seiner eine Tiefe der Bedeutung, welche sich kaum ahnen ließ und so das glänzendste Zeugniß für seine dichterische Begabung ablegt.

Aus dem Gesagten erklärt sich leicht seine Vorliebe für die Wirkung von Mondnächten, in deren Wiedergabe er eine seltene Meisterschaft besitzt. Wir stehen inmitten eines weit gestreckten Moores; der Himmel ist stark bewölkt, das Schilf schwankt im Winde; im Wasser zwischen den schlanken Rohren glitzert das bleiche Mondlicht. Ein roher Knüppeldamm führt in das Moor hinein, und wir scheuen uns fast ihn zu betreten, nicht als ob wir unbekannten Gefahren entgegen zu schreiten fürchteten, sondern weil unser tönender Schritt die geheimnißvolle Ruhe der Natur stören wird. Unwillkührlich gedenken wir vor dem Bilde der Schilflieder des unglücklichen Lenau.

Und wieder sehen wir uns vom Lichte des Mondes umflossen. Wer es glänzt auf den blanken Kuppeln von St. Maria della Salute und spielt wie flüssiges Silber über den Wellen der Lagune an den Marmorstufen, welche von der Riva degli Schiavoni zu jener hinabführen. Dunkle Gondeln schaukeln träumerisch hin und her. Lichte Wölkchen ziehen über den Himmel und lassen die wunderbaren Formen der Paläste an der Piazzetta und am Canal grande noch phantastischer hervortreten. Sei uns gegrüßt, du Königin der Meere!

Dann führt uns der Künstler hinab an die flachen Ufer der Schelde, die langsam dem Meere zuschleicht. Es ist, als ob selbst die Lüfte etwas vom holländischen Phlegma angenommen hätten; die Wolken, hinter denen der Mond schläferig hervorschaut, bewegen sich nur schwerfällig dahin, die Segel der Boote hängen schlaff von den Raaen herab, der Fluß liegt still wie ein See.

Aber diese Ruhe ist nicht des Künstlers wahres Element, das ist Bewegung, lebensfrische, energische Bewegung. Er liebt es mit gewaltigen Massen zu wirken, bald läßt er unsern Blick über weite Ebenen schweifen, über denen grandiose Wolkenformen sich aufbauen, bald verlegt er den Schwerpunkt seiner Wirkung geradezu in diese selbst.

Wir stehen im Hofgarten zu Dachau; vor uns liegt die weite Hochebene Münchens, viel verleumdet und doch ewig schön; dem zu früh heimgegangenen Christian Morgenstern gebührt das Verdienst, sie für die Landschaftsmalerei entdeckt zu haben. Noch breitet über einen Theil derselben das Sonnenlicht seinen Zauber, aber vom Westen her zieht in majestätischer Ruhe ein Heer dichtgeballter Gewitterwolken und sendet dunkle Schatten voraus. Unser Standpunkt ist ein hoher. Mit geringen Mitteln wußte der Künstler in uns die Empfindung rege zu machen, als ob das Terrain, über welches unser Auge bis zu den fernen Alpen wegfliegt, einen Schritt vor uns jäh und unvermittelt abfalle. Unser Herz klopft dem großartigen Schauspiel entgegen, das in wenigen Minuten beginnen wird.

An die Stelle der Ebene bei München tritt die vom nähergerückten Hochgebirge begrenzte, reichbebaute mit freundlichen Ortschaften belebte, im Charakter der Umgebung des Chiemsees, in welcher Fruchtfelder und Waldpartien lieblich wechseln. An den Bergen zieht ein mächtiges Gewitter hin und gibt die prächtigsten Lichteffecte. Ein Regenbogen spannt sich leuchtend über das Land und drückt den Gedanken des Wohlthuenden und Versöhnlichen der großen Naturerscheinung prägnant aus.

Weite Wasserflächen üben auf Schleich keinen geringeren Reiz, als weite Ebenen. Seine ganze Meisterschaft in der Behandlung der Luft concentrirt sich in dem Kampfe der Sonne mit dem Nebel, der über dem See liegt. Er weiß ihn so täuschend und zugleich so künstlerisch schön darzustellen, daß man jeden Augenblick das Durchbrechen der Sonne erwartet. Denn daß der Sieg ihr bleibt, das zeigen die leuchtenden Reflexe auf dem Spiegel des Sees, das Wogen und Wallen der feuchten Dünste, die unter ihren erwärmenden Strahlen in Bewegung kommen.

Aber nicht immer wird die Sonne Siegerin im Kampfe. Wir stehen in eintöniger Fläche; unendlich stürzt der Regen herab und legt einen dichten Schleier zwischen uns und die einsamen Baumgruppen, die dort und da zwischen den Wiesen aufsteigen. Der Anblick ist ein völlig trostloser, und doch können wir unser Auge nicht abwenden von so viel Wahrheit und Poesie; denn – wie sehr wir dem Gedanken widerstreben möchten – Poesie ist auch im strömenden Regen. Aber es bedarf des dichterischen Gemüthes eines Schleich, um sie in so überzeugender Weise zum Ausdruck zu bringen.

Dort regnet es wohl auch, aber es ist einer jener warmen leichten Sommerregen, die Natur und Menschen gleich wunderbar erquicken. Die Bäume und Sträucher werfen bereits wieder leichte Schatten, die Ebene glitzert und flimmert in den Strahlen der Sonne, welche eben durch die dünnen Wolken bricht, die vor unsern Augen wegzufliegen scheinen.

Und wieder war es eine stürmische Nacht; Regenschauer um Regenschauer zog über das Land, und mit krankhaft bleichem Lichte steigt die Sonne über den Horizont empor, um den zweifelhaften Kampf mit den noch immer dichten Wolken aufzunehmen, den sie gestern unentschieden abgebrochen. In solchen Stimmungen muß Schleich geradezu unerreichbar genannt werden.

Es ist wunderbar, mit welch' unendlich einfachen Motiven derselbe Künstler oft zu wirken weiß, dem kein Blick ins Land zu weit, ja dem der Himmel darüber manchmal zu eng scheint. Ein kleines Stück Moor, ein einsames Kornfeld, ein paar Bäume auf der Ebene genügen ihm, um uns unwiderstehlich zu fesseln, um uns in die geheimsten Schönheiten der Natur einzuweihen. Keiner weiß mit solcher Meisterschaft den eigenthümlichen Zauber darzustellen, der dem Himmel über unsrer bayerischen Hochebene eigen ist; kein Andrer versteht es bei gleicher Großartigkeit der Auffassung, die uns unwiderstehlich packt, und bei gleicher Gewalt der Stimmung, der wir uns nicht zu entziehen vermögen, die bedeutendsten Erscheinungen der Natur in poetischer Weise mit so scheinbar geringen Mitteln festzuhalten, wie Schleich. Fesseln auch manche seiner Bilder nicht auf den ersten Blick, so doch später mit desto größerer Entschiedenheit und Nachhaltigkeit, sei es durch Größe und Adel der Conception, sei es durch ihre geradezu unübertroffene Farbe. Eine reichquellende Phantasie und eine unglaubliche Fülle von künstlerischen Erfahrungen schützen ihn auch bei größter Productivität vor Wiederholungen. Sein Hauptwerth dürfte übrigens nach unserm subjektiven Dafürhalten in der Darstellung von Scenen unruhigen und heftigen Lichtwechsels liegen, die wir schwerlich anderswo so durch und durch harmonisch vorgetragen finden, während hinter scheinbarer Monotonie (und hie und da wohl auch Skizzenhaftigkeit) sich ein Reichthum und eine Durchbildung der Luftsperspective birgt, die selbst sehr genau behandelte Landschaften nicht immer aufzuweisen haben.

Münchener Propyläen Nr. 28. Wochenschrift für Literatur, Theater, Musik und bildende Kunst. München, 1869.

#Münchener Künstlerbilder (1871)

Eduard Schleich,
Landschaftsmaler.

Eduard Schleich, nach Carl Rottmann unzweifelhaft der bedeutendste von allen Münchener Landschaftsmalern, ist am 12. October 1812 im Schlosse Haarbach, Bezirksamts Vilsbiburg, wenige Stunden von der alten Herzogsstadt Landshut, geboren. Nachdem er den üblichen Vorunterricht genossen, verbrachte er einige Jahre im k. Erziehungsinstitute zu Amberg in der Oberpfalz, verließ jedoch die Studien bald, um sich der Kunst zu widmen, wozu ihn lebhafte Neigung von früher Jugend an gezogen, obwohl es an äußeren Elementen fehlte, welche dieselbe hätten wecken oder steigern können.

Eduard Schleich ist vorwiegend Autodidakt; er bildete sich erst an der Natur und dann durch das Studium der alten Meister in den Sammlungen zu München und Schleißheim. Wie die meisten Münchener Künstler empfing er die ersten tiefer gehenden Natureindrücke auf Reisen in das bayerische Gebirge und Tyrol und er verwerthete selbe auch in den Bildern jener ersten Periode. Erst später erschloß sich ihm die ganze künstlerische Bedeutung der Ebene mit ihrer großen Luftperspective, in deren Behandlung er eine so außerordentliche Meisterschaft erreichen sollte. In späteren Jahren dehnte er seine Studienreisen weiter aus, sah Oberitalien, Belgien und Frankreich, sowie Holland, und nahm dort in Natur und Sammlungen eine Menge neuer Eindrücke in sich auf, welche von wesentlicher Einwirkung auf seine künstlerische Entwickelung waren.

Es ist nicht wohl möglich, die Bedeutung eines so hoch über das gewöhnliche Maß hervorragenden Künstlers, wie Eduard Schleich, auch nur annähernd zu erfassen, wenn man sich nicht die Richtung klar gemacht hat, welche sich in ihm gewissermaßen verkörpert.

Gar Mancher, der täglich die Worte Styl und Stimmung im Munde führt, käme in arge Verlegenheit, wenn er sagen sollte, welche Begriffe er damit verbindet.

Man pflegt ein Bild stylisirt zu nennen, dessen Urheber nicht sowohl die Natur in ihrer Erscheinung stricte wiedergeben, als vielmehr im Bewußtsein derselben hinsichtlich ihrer Form und Farbe, ohne sie wesentlich zu verändern, frei schöpferisch verfahren wollte. So erscheint uns der Styl als etwas Bleibendes, innerlich Nothwendiges, als der dauernde Charakter der Natur, durch Form und Farbe ausgesprochen, unwandelbar wie der Verstand. Wir verbinden damit den Begriff des Idealisirens, weil, wie wir gesehen, das Kunstwerk nicht aus dem Verlangen nach einfacher Nachahmung, sondern aus dem Drange entsprungen ist, der Schönheitsidee Ausdruck zu geben, mit welcher der Künstler die Idee der Natur auffaßte und durch einen gewissermaßen zweiten Schöpfungsproceß das im Kunstwerke zu erreichen trachtete, was sie in ihrer Wirklichkeit so bedeutsam nicht darzubieten vermag.

Andrerseits zeigt sich uns die Stimmung als etwas Wechselndes, Zufälliges, als der vorübergehende Charakter der Natur, durch die Wirkungen des Lichtes und der Farbe zum Ausdruck gebracht, beweglich wie das Leben des Gemüthes.

Es ist deshalb wohl keine von allen Kunstfragen müssiger, als die, welche von beiden Landschaften höher zu stellen sei, die stylisirte oder die Stimmungslandschaft. Für den Künstler aber handelt es sich nur darum, zu welcher von beiden er sich stärker hingezogen fühlt; für den Beschauer noch weiter darum, was Jener in der einmal gewählten Richtung leistet.

Der Stylist wie der Stimmungslandschafter verfolgen das nemliche Ziel, wenn auch auf verschiedenen Wegen. Der Eine erreicht die poetische Wirkung durch charakteristische Auffassung einer stylvollen Natur, der Andere durch Festhalten einer auf Auge oder Gemüth wirkenden Stimmung. Der wahre innerliche Unterschied zwischen Beiden liegt keineswegs in dem stärkeren oder schwächeren Betonen der Farbe, wie man häufig behaupten hört, sondern darin, daß der Stylist zunächst den in der Form sich aussprechenden Charakter der Natur in’s Auge faßt und seine Farbe hienach, wenn und soweit nöthig, modificirt, wobei ein mehr oder minder selbständiges Verhalten der künstlerischen Anschauung zur Natur nicht ausbleiben kann, während der Stimmungslandschafter zunächst die Farbe in Betracht zieht und den Charakter der Form erst in die zweite Reihe stellt. So könnte man Jenen dem epischen, Diesen dem lyrischen Dichter vergleichen.

Kein Kunstzweig räumt der künstlerischen Individualität einen weiteren Spielraum ein, als die Landschaftsmalerei. In ihr spiegelt sich die subjektive poetische Empfindung klarer ab, als irgend anderswo, in ihr bedient sich der Künstler in fast unbeschränkter Weise der Form wie der Farbe, um sie zum Ausdruck zu bringen. Und gerade darin liegt das wahrhaft ideale Element der Landschaftsmalerei, das nicht hoch genug angeschlagen werden kann. Nur ein wahrhaft poetisches Talent wird in diesem Kunstzweige Bedeutendes leisten, und als solches im vollsten Sinne des Wortes tritt uns Eduard Schleich entgegen.

Durch seine Bilder weht jener ideale Duft dichterischen Empfindens, der allein im Stande ist, die Seele der Natur zu versinnbildlichen. In ihnen schauen wir jenes tiefe Sichversenken des Künstlers in das innerste Leben und Weben derselben, welches, vor dem lauten Geräusche des Tages zurückbebend, in eine ideale Einsamkeit flieht, um dort in ahnungsvoller Beschaulichkeit seiner selbst zu genießen. Gleich den Klängen einer fremdartigen Melodie gemahnt uns diese halb schwermüthige, selten heitere, aber immer empfindungsvolle Poesie, wie die regellosen aber wunderbar ergreifenden Accorde der vom Hauche der Natur selbst beseelten Windharfe gegenüber der rauschenden eleganten Musik der Opern und Concerte.

Schleich ist eine innerlichst musikalische Natur. Die Farben sind die Töne, die er zu wohlklingenden Harmonien zu verbinden weiß und in Harmonien löst er scheinbare und wirkliche Dissonanzen auf. Sein Grundton aber ist ein vorwiegend ernster, elegischer. Motive, die in der Hand eines Andern völlig werthlos wären, erhalten in seiner eine Tiefe der Bedeutung, welche sich vorher kaum ahnen ließ und so das glänzendste Zeugniß für seine dichterische Begabung ablegt.

Aus dem Gesagten erklärt sich mit Leichtigkeit seine Vorliebe für die Wirkung von Mondnächten, in deren Wiedergabe er eine seltene Meisterschaft besitzt. Nicht minder gilt dies von der Darstellung von Regenschauern. Sogenannte schöne Gegenden sucht man bei Schleich vergebens, obwohl ihm kein Blick in’s Land zu weit, ja der Himmel darüber oft zu eng scheint. Ein kleines Stück Moor, ein schilfbewachsener Teich, ein einsames Kornfeld, ein paar Bäume auf der Ebene genügen ihm, um den Beschauer unwiderstehlich zu fesseln, um ihn in die geheimsten Schönheiten der Natur einzuweihen. Keiner weiß mit solcher Meisterschaft den eigenthümlichen Zauber wiederzugeben, welcher dem Himmel über der bayerischen Hochebene eigen, der schon Claude Lorrain begeisterte; kein Andrer versteht es bei gleicher Großartigkeit der Auffassung, die uns unwiderstehlich packt, und bei gleicher Gewalt der Stimmung, der wir uns nicht zu entziehen vermögen, die bedeutendsten Erscheinungen der Natur mit scheinbar so geringen Mitteln in so poetischer Weise festzuhalten, wie Schleich. Fesseln auch manche seiner Bilder nicht auf den ersten Blick, so doch später mit desto größerer Entschiedenheit und Nachhaltigkeit, sei es durch Größe und Adel der Conception, sei es durch unübertroffene Schönheit der Farbe. Eine reichquellende Fantasie und eine unglaubliche Fülle von künstlerischen Erfahrungen schützen ihn auch bei größter Productivität vor Wiederholungen. Sein Hauptwerth liegt übrigens in der Darstellung von Scenen unruhigen und heftigen Lichtwechsels, die man schwerlich bei irgend einem andern Meister so durch und durch harmonisch vorgetragen findet, während hinter scheinbarer Monotonie und hie und da wohl auch Skizzenhaftigkeit sich ein Reichthum und eine Durchbildung der Luftperspective birgt, die selbst sehr genau behandelte Landschaften nicht immer aufzuweisen haben.

Die Werke eines so productiven Künstlers hier auch nur annähernd aufzuzählen, daran kann aus naheliegenden Gründen nicht gedacht werden. Doch mag es versucht sein, das eine und andere kurz zu charakterisiren.

Wir stehen inmitten eines weitgestreckten Moores; der Himmel ist stark bewölkt, das Schilf schwankt im Winde; im Wasser zwischen den schlanken Rohren glitzert das bleiche Mondlicht. Ein roher Knüppeldamm führt in das Moor hinein und wir scheuten uns fast denselben zu betreten, nicht als ob wir unbekannten Gefahren entgegen zu gehen fürchteten, sondern weil unser tönender Schritt die geheimnißvolle Ruhe der Natur stören würde. Unwillkürlich gedenken wir vor dem Bilde der Schilflieder des unglücklichen Lenau.

Und wieder sind wir vom Lichte des Mondes umflossen. Aber es glänzt auf den blanken Kuppeln von Sta. Maria della Salute und spielt wie flüssiges Silber über den Wellen der Lagune an den Marmorstufen, welche von der Riva degli Schiavoni zu jener hinabführen. Dunkle Gondeln schaukeln träumerisch hin und her, lichte Wölkchen ziehen am Himmel und lassen die fantastischen Formen der Paläste an der Piazetta und am Canal grande noch fantastischer hervortreten.

Dann führt uns der Künstler hinab an die flachen Ufer der Schelde, die langsam dem Meere zuschleicht. Es ist, als ob selbst die Lüfte etwas vom holländischen Phlegma angenommen; die Wolken, hinter denen der Mond schläfrig hervorschaut, bewegen sich nur schwerfällig dahin, die Segel der Boote hängen schlaff an den Raaen und der Fluß liegt still wie ein See.

Aber diese Ruhe ist nicht des Künstlers wahres Element. Das ist Bewegung, lebensfrische, energische Bewegung. Er liebt es mit gewaltigen Massen zu wirken, bald läßt er unsern Blick über weite Ebenen schweifen, über denen grandiose Wolkenformen sich aufbauen, bald verlegt er den Schwerpunkt seiner Wirkung geradezu in diese selbst.

Nun befinden wir uns im Hofgarten zu Dachau, vor uns liegt die weite Hochebene Münchens, viel verleumdet und ewig schön. Noch breitet über einen Theil derselben das Sonnenlicht seine Zauber, aber von Westen her zieht in majestätischer Ruhe ein Heer dichtgeballter Gewitterwolken und sendet dunkle Schatten voraus. Unser Standpunkt ist ein hoher, mit geringen Mitteln wußte der Künstler in uns die Empfindung rege zu machen, als ob das Terrain, über das unser Auge bis zu den fernen Alpen wegfliegt, einen Schritt vor uns jäh und unvermittelt abfalle. Unser Herz klopft dem großartigen Schauspiel entgegen, das in wenigen Minuten beginnen wird.

An die Stelle der Ebene bei München tritt die vom nähergerückten Hochgebirge begrenzte, reichbebaute, mit freundlichen Ortschaften belebte im Charakter der Umgebung des Chiemsee’s, in welcher Fruchtfelder und Waldpartien lieblich wechseln. An den Bergen zieht ein mächtiges Gewitter hin und giebt die prächtigsten Lichteffecte. Ein Regenbogen spannt sich leuchtend über das Land und drückt den Gedanken des Wohlthätigen und Versöhnenden der großen Naturerscheinung prägnant aus.

Weite Wasserflächen üben auf Schleich keinen geringeren Reiz, als weite Ebenen. Seine ganze Meisterschaft in der Behandlung der Luft concentrirt sich im Kampfe der Sonne mit dem über dem See liegenden Nebel. Er weiß ihn so täuschend und zugleich so künstlerisch schön darzustellen, daß man jeden Augenblick das Durchbrechen der Sonne erwartet. Denn daß sie Siegerin sein wird, das zeigen die leuchtenden Reflexe auf dem Spiegel des Sees, das Wogen und Wallen der feuchten Dünste, die unter ihren erwärmenden Strahlen in Bewegung kommen.

Aber nicht immer siegt die Sonne. Wir stehen in eintöniger Fläche; unendlicher Regen stürzt herab und legt einen grauen Schleier zwischen uns und die einsamen Baumgruppen, die dort und da zwischen den Wiesen aufsteigen. Der Anblick ist ein völlig trostloser und doch können wir unser Auge nicht abwenden von so viel Wahrheit und Poesie, denn Poesie ist auch im strömenden Regen. Aber es bedarf des dichterischen Gemüthes eines Schleich, um das in so überzeugender Weise zum Ausdruck zu bringen.

Dort regnet es wohl auch, aber es ist einer jener leichten warmen Sommerregen, die Natur und Menschen gleich wunderbar erquicken. Bäume und Sträucher werfen schon wieder leichte Schatten, die Ebene glitzert und flimmert in den Strahlen der Sonne, die eben durch dünne Wolken bricht, welche vor unfern Augen wegzufliegen scheinen.

Und wieder war es eine stürmische Nacht; Regenschauer um Regenschauer zog über das Land und mit krankhaft bleichem Lichte steigt die Sonne über den Horizont empor, um den gestern unentschieden gebliebenen Kampf heute wieder aufzunehmen.

Schleich’s Verdienste um die deutsche Kunst wurden mehrfach offiziell anerkannt: er ist Ehrenmitglied der bildenden Künste und Professor, sowie Ritter des bayerischen Verdienstordens vom heil. Michael. Die Regierung bediente sich auch seiner umfassenden Kenntnisse, als sie im Jahre 1863 eine aus Künstlern und Gelehrten bestehende Commission zur Untersuchung des Pettenkofer’schen Regenerationsverfahrens einsetzte. Im Interesse der Kunstausstellungen in München, namentlich der von 1858, 1863 und 1869, entwickelte Schleich eine sehr ersprießliche Thätigkeit.

Schleich gründete keine Schule im gewöhnlichen Sinne des Wortes, d. h. er sammelte nie Schüler um sich; aber es giebt nur wenige jüngere Landschaftsmaler in München, die sich nicht seine Auffassung der Natur zum Vorbild genommen hätten, ja selbst auf ältere Kunstgenossen übt er einen weitgehenden Einfluß, so daß man ihn den Vater der neueren Münchener Landschaftsmalerei nennen möchte.

Carl Albert Regnet: Münchener Künstlerbilder. Ein Beitrag zur Geschichte der Münchener Kunstschule in Biographien und Charakteristiken. Leipzig, 1871.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Schleich Eduard, 1813 (Schloß Harbach bei Landshut/Ndb.) – 1874, Landschaftsmaler und Akademieprofessor; nach Studien auf der Münchner Kunstakademie wurde er bald wegen »Talentlosigkeit« zurückgewiesen, begann aber dann ohne Anleitung Landschaften zu malen, wobei ihm Chr. Morgenstern und K. Rottmann Vorbilder waren; entscheidenden Einfluß auf Schs. Stil machten die Niederländischen Meister; er bereiste die Alpenländer, die Niederlande und Oberitalien und schuf zahlreiche Landschaftsgemälde, die stimmungsvoll besonders große Luftperspektive zum Ausdruck brachten; Sch. gilt als einer der Begründer der Münchner Landschaftsschule.

Hauptwerke: Flache Gegend, Aussicht aus einer Hochalpe, Fernsicht von Dachau; St. Maria della Salute in Venedig.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#14 – 12 – 1·2 (Hönig)


Familie
Hönig

Linke Seite
R. I. P.

Deren Kinder
Joh. Nep. Hönig
geb. 12. Mai 1860, gest. 19. März 1861
Heinrich Hönig,
geb. 14. Aug. 1867, gest. 4. Febr. 1868.
Josef Hönig,
geb. 3. Dez. 1878, gest. 5. Dez. 1878
Pauline Brigitta Hönig,
geb. 10. Dez. 1879, gest. 25. Jänner 1880.

14.13.1.2.


  • Hönig, Heinrich; 14.8.1867 – 4.2.1868 (München); Maurermeisters-Sohn
  • Hönig, Joh. Nep.; 22.5.1860 – 19.3.1861
  • Hönig, Josef; 3.12.1878 – 5.12.1878
  • Hönig, Pauline Brigitta; 10.12.1879 – 25.1.1880

Grab der Familie Hönig auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2011)

#14 – 12 – 5 (Attenkofer)


FAMILIE – ATTENKOFER


  • Attenkofer, Karoline (vh) / Gratzmüller (gb); – 2.11.1885 (München), 68 Jahre alt; Privatiers-Gattin

Todesanzeige für Karoline Attenkofer

Grab der Familie Attenkofer auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2017)

#14 – 12 – 10 (Hübler)


Hier ruhet
der beste Gatte und Vater
Herr Wendelin Hübler
Schlossermeister
gest. den 27. Oktober 1869
im 33. Lebensjahre.
Ihm folgte seine Gattin
Frau Josepha Hübler
geb. Aufleger
gest. den 20. Juni 1927
im 88. Lebensjahre.


  • Hübler, Josefa (vw) / Aufleger (gb); – 20.6.1927; Schlossermeisters-Witwe
  • Hübler, Wendelin; – 27.10.1869 (München), 32 Jahre alt, Tod nach einem Einsatz bei der Freiwilligen Feuerwehr; Schlossermeister

Todesanzeige für Wendelin Hübler

Grab der Familie Hübler auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2011)

#Wendelin Hübler

† 27.10.1869 (München), 32 Jahre alt, Tod nach einem Einsatz bei der Freiwilligen Feuerwehr
Schlossermeister

#Freisinger Tagblatt (31.10.1869)

Landesposten.

München. Schlossermeister Wend. Hübler, ein tüchtiger Geschäftsmann, ist leider einer Halskrankheit erlegen, welche er sich bei dem Brande in der Wassermann'schen Fabrik, wo er las Feuerwehrmann thätig war, zugezogen hatte.

Freisinger Tagblatt No. 249. Zugleich Amtsblatt für Freising, Moosburg und Dachau. Sonntag, den 31. Oktober 1869.

#14 – 12 – 11·12 (König · Schwaiger)


FAMILIE SCHWAIGER.

Hier ruhen in Gott
Frau Elisabetha Schwaiger
geb. Dafelmeyer,
geb. 7. März 1798, gest. 26. Dezbr. 1871.
Herr Alois Schwaiger,
Magistratsrath ehm. Kaufmannn.
geb. 21. Aug. 1803. gest. 24. Dezbr. 1877.
Herr Heinrich Schwaiger,
Kaufmann.
geb. 31. Juli 1825. gest. 26. Oktbr. 1886.

Sockel
Frau Josefa Schwaiger,
geb. 16. März 1827, gest. 11. Nov. 18¿
Herr Max Schwaiger, cand. med.
geb. 14. April 18¿5 † gest. 8. März 1922.
Frl. Josefine Schwaiger,
geb. 13. Apr. 1860. gest. 3. Nov. 1933.

Linke Seite
Frl. Theresia Koenig
geb. 24. Mai 1820.
gest. 15. August 1887.


  • König, Theresia; 24.5.1820 – 15.8.1887
  • Schwaiger, Alois; 21.8.1803 – 24.12.1877 (München); Magistratsrat, ehemaliger Kaufmann
  • Schwaiger, Elisabetha (vh) / Dafelmeyer (gb); 7.3.1798 – 26.12.1871 (München); Privatiers-Gattin
  • Schwaiger, Heinrich; 31.7.1825 – 26.10.1886; Kaufmann
  • Schwaiger, Josefa (vw) / König (gb); 16.3.1827 – 11.11.1897 (München); Kaufmanns-Witwe
  • Schwaiger, Josefine; 13.4.1860 – 3.11.1933
  • Schwaiger, Max; 14.4.18¿5 – 8.3.1922 (München); cand. med. Leutnant der Reserve a. D.

Todesanzeige für Josefa Schwaiger

Grab der Familien König · Schwaiger auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

#14 – 12 – 13 (Baader)


GRABSTÄTTE DER FAMILIE VON BAADER

HIER RUHEN IN GOTT
FRAU FRANZISKA v. BAADER
OBERBERGRATSGATTIN
GEB. 1785 GEST. 20. JAN. 1835
HERR FRANZ v. BAADER
OBERBERGRAT
GEB. 27. MÄRZ 1765 GEST. 25. MÄRZ 1841.
FRAU MARIE v. BAADER
OBERBERGRATSWITWE
GEB. 16. OKT. 1814 GEST. ¿. DEZ. 1877.
HERR ANTON GUIDO BAADER
K. POSTOFFIZIAL
GEB. 21. APRIL 1831 GEST. 1. AUG. 1874.
HERR JOHANN BAADER
FEINMECHANIKERMEISTER
GEB. 1861 GEST. 12. OKT. 1909.
FRAU KLARA BAADER
K. POSTOFFIZIALSWITWE
GEB. 1832 GEST. 23. FEBR. 1900.
HERR AUGUST BAADER
STAATL. REVISOR A. D.
GEB. 19. AUG. 1863 GEST. 10. AUG. 193¿


  • Baader, Anton Guido; 21.4.1831 – 1.8.1874; Postoffizial
  • Baader, August; 19.8.1863 – 10.8.193¿
  • Baader, Franz Xaver von, Dr. med.; 27.3.1765 (München) – 23.5.1841 (München); Philosoph, Naturforscher, Oberbergrat und Professor
  • Baader, Franziska von (vh); 1785 – 20.1.1835 (München); Oberbergsrats-Gattin
  • Baader, Johann; 1861 – 12.10.1909; Feinmechanikermeister
  • Baader, Klara (vw); 1832 – 23.2.1900; Postoffizials-Witwe
  • Baader, Marie von (vw) / Robel (gb); 16.10.1814 – 8.12.1877 (München); Oberbergrats-Witwe

Todesanzeige für Marie von Baader

Grab der Familie Baader auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

Grab der Familie Baader auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Dr. med. Franz Xaver von Baader

* 27.3.1765 (München)
† 23.5.1841 (München)
Philosoph, Naturforscher, Oberbergrat und Professor

#Allgemeine Zeitung von und für Bayern (28.5.1841)

Franz von Baaders Tod wird von seinen Freunden, Collegen und Schülern ja von allen herzlich betrauert, die den hochbegabten und liebenswürdigen Mann persönlich kannten und zu würdigen wußten. Im großen Publikum ward der Verstorbene häufig verkannt. Der Mann, der immer in einem Buche lesend und notierend gesehen ward, galt Vielen trotz dem Ernst und der Würde seiner äußern Erscheinung, als ein »Träumer, der sich entfernt von anderer Leute Weise.« Wie rastlos der Mann gearbeitet, und wie er noch in hohem Alter mit rüstiger Kraft und frischem Jugendmuth für seine Ueberzeugung gekämpft, bezeugt die große Anzahl seiner Schriften (man sehe bei Heinsius und in Kaysers Index). Baader war 1765 geboren, demnach 76 Jahre alt.

Allgemeine Zeitung von und für Bayern No. 148. Nürnberg; Freitag, den 28. Mai 1841.

#Wochenblatt für Zweibrücken, Homburg und Cusel (3.8.1841)

Vaterländisches. Dem verstorbenen Philosophen Franz v. Baader in München hat sein Freund, Herr v. Stransky, einen ehrenden Denkstein in der Allgemeinen Zeitung gesetzt und dabei bedauert, daß seiner Leiche kaum 20 Menschen folgten, während einige Tage später der Leiche des Bierbrauers Pschorr, Tausende sich anschlossen. Macht’s wohl, daß die Münchner mehr Geschmack am Pschorrschen Bier, als an der Baaderschen Philosophie haben.

Wochenblatt für Zweibrücken, Homburg und Cusel No. 93. Dienstag, den 3. August 1841.

#Das Bayerland (1898)

Die »Ruhmeshalle« unter den Arkaden des südlichen (älteren) Friedhofes in München.
Von C. Reber.

8. Franz Xaver v. Baader, namhafter deutscher Philosoph, geboren als der Sohn des kurfürstlichen Leibarztes Joseph Franz Baader zu München am 27. März 1765.

Als Knabe infolge einer Entwickelungskrankheit schwächlich an Körper und Geist, kräftigte sich seine Konstitution nach überstandener Krisis rasch und er bedurfte nur eines Jahres, um das Versäumte nachzuholen. Im 16. Jahre bezog er die Universität Ingolstadt, um dort Medizin zu studieren, erwarb sich nach drei Jahren den Doktorgrad und begab sich zur weiteren Ausbildung nach Wien.

Nach zwei Jahren in seine Heimat zurückgekehrt, assistierte er seinem Vater, fühlte sich jedoch mehr zu naturwissenschaftlichen, namentlich physikalischen Studien hingezogen. Infolgedessen trat er zum Bergwesen über, besuchte die Bergakademie zu Freiberg und erweiterte seine Kenntnisse, die er sich da erworben, durch Reisen in Norddeutschland, England und Schottland. Ein Jahr nach seiner Rückkehr nach München (1796) wurde er vom Kurfürsten Karl Theodor zum Münz- und Bergrat ernannt und rasch zum Oberbergrat befördert. Die Akademie der Wissenschaften erwählte ihn zu ihrem Mitgliede. Als im Jahre 1826 die Universität von Landshut nach München verlegt wurde, gründete er an derselben den Lehrstuhl der spekulativen Dogmatik, welchen er bis zu seinem Tode bebehielt. Wie rastlos und rüstig er, selbst noch im hohen Alter, gearbeitet hat, beweist die Anzahl seiner Schriften. Dieser scharfsinnige und tiefe Denker, dessen Brust der Kronorden schmückte, starb in München am 23. Mai 1841 in dem Hause 18a. in der Karlsstraße, welches die Stadtgemeinde München mit einer Gedenktafel schmücken ließ. Seine Büste, modelliert vom Erzgießer und Bildhauer Stiglmayer, ließ König Ludwig in der Ruhmeshalle aufstellen.

Das Grab, welches seine irdischen Überreste deckt, befindet sich im südlichen Friedhofe, Sektion 14, Reihe 12, Grabplatz Nr. 13.

Die Stadtgemeinde München ließ einen Abguß der Stiglmayerschen Büste in einer Nische unter den Arkaden aufstellen. Durch die Bezeichnung eines Platzes und einer Straße mit seinem Namen soll sein Andenken dauernd gewahrt bleiben.

C. Reber: Die »Ruhmeshalle« unter den Arkaden des südlichen (älteren) Friedhofes in München. Das Bayerland. München, 1898.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Baader Franz Xaver, Dr. med., von, 1765 (München) – 1841, Philosoph, Naturforscher, Oberbergrat und Professor; zuerst übte B. den Arztberuf aus, in England studierte er das Bergwesen und die Philosophen Böhme, Humes und Hartley; 1814 veranlaßte seine Denkschrift an Österreichs, Preußens und Rußlands Herrscher die Entstehung der Hl. Allianz; die geistige Entwicklung des späteren Oberbergrats und Honorarprofessors zu München bestimmten auch Herder, Kant, Fichte, Schelling und Sailer, er selbst wirkte auf Schelling ein; die durchaus theistische Philosophie des scharfen Gegners des Rationalismus sucht Natur, Geist, Glauben und Wissen miteinander zu versöhnen; in seiner Gesellschaftslehre fordert B. die »Einbürgerung des Proletariats« auf Grund der alles bindenden und lösenden religiösen Idee, ein Bahnbrecher des christlich-sozialen Gedankens; obwohl er der Kirche treu bleiben wollte, brachte sein ausgesprochener Subjektivismus ihn zuweilen mit ihr in Widerstreit; System und Ausdrucksform dieses Romantikers sind oft unklar, seine Spekulation jedoch tief mit vielen Anregungen; Bs. große Bedeutung für die Geistesgeschichte ist unbestritten (Franz-von-Baader-Gesellschaft); sein Wohnsitz in Mitterschwabing wurde das »Baader-Schlößl« genannt.

Hauptwerke: Fermenta cognitionis, Grundzüge der Sozietätsphilosophie, Sämtliche Werke herausgegeben von F. Hoffmann, 16 Bde.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#14 – 12 – 15 (Knorr)


WILH. KNORR
K. SAL.-INSP.
1790 – 1833.
DR. MAX KNORR
PR. ARZT
K. TÜRK. GEN. KONSUL
1832 – 1902
CRESC. GEB. ZAUBZER
1837 – 1862
CLOT. GEB. GRATHWOHL
1845 – 1907
1868 ERWIN 1874
WILHELM VON KNORR
GENERALLEUTNANT A. D.
1859 – 1940.


  • Knorr, Clothilde (vh) / Grathwohl (gb); 1845 – (7).1.1907 (München); Arzt-Witwe
  • Knorr, Erwin; 1868 – 17.3.1874 (München); Arzt-Sohn
  • Knorr, Kreszentia (vh) / Zaubzer (gb); 1837 – 22.7.1862 (München); Apothekers- und Magistratsrats-Tochter aus München / Arzt-Gattin
  • Knorr, Max, Dr. med.; 1832 – 14.3.1902 (München); Arzt und Türkischer Generalkonsul
  • Knorr, Wilh.; 1790 – 1833; Salineninspektor
  • Knorr, Wilhelm von; 1859 – 1940; Generalleutnant a. D.

Todesanzeige für Dr. med. Max Knorr

Todesanzeige für Dr. med. Max Knorr

Todesanzeige für Dr. med. Max Knorr

Grab der Familie Knorr auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2011)

#14 – 12 – 16 (Diernberger · Hierstetter)


Hier ruhen:
Herr
Balthasar Hierstetter
Gastwirt zum Humplmayr
geb. 24. Mai 1839, gest. 16. Febr. 1884
Herr
Joseph Diernberger
Rentner
geb. 9. April 1833, gest. 10. Jan. 1913
Frau
Elise Diernberger
geb. 27. Okt. 1845, gest. 26. Jan. 1935


  • Diernberger, Elise (vh); 27.10.1845 – 26.1.1935
  • Diernberger, Josef; 9.4.1833 – 10.1.1913
  • Hierstetter, Balthasar; 24.5.1839 – 16.2.1884; Gastwirt

Grab der Familien Diernberger · Hierstetter auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2011)

Grab der Familien Diernberger · Hierstetter auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2011)

#14 – 12 – 17·18 (Völderndorff-Waradein)


OTTO FREIHERR
v. VOELDERNDORF
STAATSRAT
1825 – 1899


  • Völderndorff-Waradein, Frida von (vh) / Pergler von Perglas (gb); 4.1.1820 – 11.9.1898
  • Völderndorff-Waradein, Friedrich Wilhelm Freiherr von; 28.9.1793 – 19.7.1859 (Oberaudorf); Kämmerer und Generalmajor
  • Völderndorff-Waradein, Marie von; – 8.7.1887
  • Völderndorff-Waradein, Mathilde von; – 5.11.1898
  • Völderndorff-Waradein, Otto Freiherr von, Dr. jur.; 12.6.1825 (Zweibrücken) – 10.12.1899 (München); Ministerialrat und Schriftsteller
  • Völderndorff-Waradein, Theodor von; – 2.5.1906; Oberst a. D.

Grab der Familie Völderndorff-Waradein auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2008)

#Dr. jur. Otto Freiherr von Völderndorff-Waradein

* 12.6.1825 (Zweibrücken)
† 10.12.1899 (München)
Ministerialrat und Schriftsteller

#Münchner Neueste Nachrichten (12.12.1899)

Freiherr v. Völderndorff-Waradein †.

Heute Nacht ist Dr. Otto Freiherr v. Völderndorff-Waradein, k. b. Staatsrath im a. o. Dienste, gestorben. Mit ihm ist ein Mann aus dem Leben geschieden, der, wenn auch nicht in der weitesten Oeffentlichkeit, so doch im Stillen einst einen großen Einfluß auf den Gang der politischen Verhältnisse in unserem engeren und weiteren Vaterlande genommen hat.

Otto Frhr. v. Völderndorff wurde am 12. Juni 1825 in Zweibrücken als Sohn des vormaligen kgl. Kämmerers und Generalstaatsprokurators Heinrich Frhrn. v. Völderndorff geboren. Sein Großvater war Graf Reigersberg. Der junge Völderndorff wurde in der Pagerie in München erzogen. Aus dem Kreise seiner damaligen Kameraden leben noch u. A. Justizminister Frhr. v. Leonrod, Intendant Frhr. von Perfall, der vormalige Gesandte Graf Hompesch. Zu seinen nahen Jugendfreunden zählte auch der verstorbene Oberzeremonienmeister Graf Moy, der verstorbene Gesandte Graf Tauffkirchcn, der verstorbene Dichter Oskar Frhr. v. Redwitz, zu dem er in sehr nahen Beziehungen gestanden ist, und viele Andere, zu denen er in geistig belebtem Verkehr stand.

Aus seinem weiteren Bildungs- und Lebensgang heben wir unter Anderem folgende Data hervor: 1848 absolvirte er die Universität München, wurde 1850 zum Dr. jur. promovirt, bestand im selben Jahre das Staatsexamen mit Note I als Erster in Oberbayern, als Zweiter im Königreich und erhielt 1854 die pragmatische Anstellung als Ministerialsekretär im Justizministerium. 1856 wurde er dort geheimer Sekretär, 1862 Rath am vormaligen Handelsappellationsgericht in Nürnberg, 1867 Ministerialrath im Ministerium des Aeußern, 1883 Generalsekretär dieses Ministeriums, 1892 wurde er Geheimrath, am 1. November 1895 auf Grund des vollendeten 70. Lebensjahres pensionirt und gleichzeitig zum Staatsrath im außerordentlichen Dienst ernannt. Dies die trockenen Daten seiner amtlichen Laufbahn.

Völderndorff war ein Mann von seltener Begabung, von einer Vielseitigkeit, die schier ohne Grenzen war. Scharfsinn und Gründlichkeit in der Arbeit, Gelehrsamkeit in der gesammten Rechtswissenschaft zeichneten ihn aus. Dabei besaß er treffenden Witz, der niemals verletzend war, weil von echtem Humor getragen. Er war stets voll Herzensgüte und unerschöpflich an Einfällen, und deshalb das belebendste Element geselliger Kreise. Bekannt war seine stupende Gedächtnißkraft. Sein Gedächtniß umfaßte die Angelegenheiten der großen Politik, wie der speziell bayerischen Staatsangelegenheiten, ebenso aber Alles, was auf den Gebieten der Kunst und der schönen Literatur, der Musik, des Theaters und der Gesellschaft in seinem reichen Leben an ihn herangetreten war.

In die Jahre vor und während Nürnberg fielen umfangreiche wissenschaftliche Arbeiten, so besonders die großen Kommentare über das Deutsche Handelsgesetzbuch, über die Konkursordnung und über das Gesetz betreffend die Aktiengesellschaften, Werke, die seine ganze Individualität widerspiegeln, voll profunder Gelehrsamkeit und doch ohne jede Spur von Trockenheit. Diese Werke sind noch jetzt geschätzt.

Daneben entfaltete er eine staunenerregende Thätigkeit auf dem Gebiete der Belletristik und Journalistik. In dieser Eigenschaft war er auch ein geschätzter Mitarbeiter der »M. N. N.«. Seine »Harmlosen Plaudereien«, ursprünglich in Tagesblättern (insbesondere »Allgem. Ztg.«) erschienen, später in Buchform in zwei Bänden, erregten das Vergnügen und das Interesse Aller. Hier gibt er sich in seiner ganzen Originalität und Liebenswürdigkeit. Sein Talent schillert hier in allen Farben.

Politisch sind seine Beziehungen zum Fürsten Hohenlohe, dem jetzigen Reichskanzler, bemerkenswerth. Er stand dem Fürsten in den Jahren 1867 bis 1870 als Berather zur Seite und verblieb in inniger Freundschaft bis zu seinem Tod mit ihm verbunden. Durch Hohenlohe wurde er in das Ministerium berufen.

Auch die Thätigkeit, die er bei der internationalen Zentral-Kommission für die Rheinschifffahrt(in Mannheim) entfaltete, ist von hervorragender Bedeutung. Von 1880 bis nach seiner Pensionirung erfüllte er die wichtige Mission, Bayern bei dieser Kommission zu vertreten, welche über die Angelegenheit der Schifffahrt auf dem Rheine zu berathen hat und zugleich letzte Instanz in den einschlägigen Rechtsstreitigkeiten ist. Hier fanden sein intensives Wissen, seine Gewandtheit im Debattiren und seine konzilianten Umgangsformen das rechte Feld der Bethätigung.

Nach seinem Rücktritt aus dem Dienst war seine Wohnung der Sammelpunkt zahlreicher alter und junger Freunde. Seine geistige Regsamkeit bewahrte er bis wenige Wochen vor seinem Tode, obwohl er schon lange leidend war und zwar in qualvoller Weise. Herzleiden und Wassersucht kamen dazu. Er konnte nicht im Bette liegen und starb auch im Lehnstuhl sitzend.

Zahlreiche bayerische und außerbayerische Orden schmückten seine Brust.

Münchner Neueste Nachrichten No. 571. Dienstag, den 12. Dezember 1899.

#Allgemeine Deutsche Biographie (1908)

Völderndorff: Otto Freiherr von V. und Waradein wurde am 12. Juni 1825 zu Zweibrücken geboren, und es war, als ob die heitere Rheinpfalz ihm die Lebhaftigkeit ihres Temperamentes in die Wiege gelegt hätte. Sein Vater Franz Erdmann, bairischer Generalstaatsprocurator dortselbst (geboren zu Baireuth am 1. Juni 1788) starb schon frühe (28. Novbr. 1827) und ließ eine Wittwe mit zwei eigenen und vier Stiefkindern zurück. Drei derselben, darunter unseren Otto, brachte sie nach München zu ihrem Vater, dem früheren Reichskammerrichter und späteren bairischen Justizminister Heinrich Grafen v. Reigersberg, der die junge Frau liebevoll in sein Haus aufnahm. Da aber dem damals schwächlichen Knaben die Stadtluft wenig zusagte, entschloß sich die Mutter, sich von ihm in seinem sechsten Lebensjahre zu trennen und ihn, gleich seinen beiden Stiefbrüdern, dem protestantischen Pfarrer Gottfried Walker in dem weltentlegenen Haunsheim am Ausgange der schwäbischen Alb anzuvertrauen. Hier verbrachte V. seine Knabenzeit, und das protestantische Pfarrhaus hinterließ offenbar tiefere Eindrücke in seinem Geiste. Er ist sein Leben lang ein guter Protestant geblieben und erzählte oft und gerne, daß seine Familie zu denen gehört habe, die nach einer dem Friedenscongreß zu Münster im März 1647 übergebenen Liste, in Oesterreich unter der Enns auch nach der Gegenreformation dem evangelischen Glauben anhängen durften und unter Aufgabe kostbarer Güter den Wanderstab ergriffen, als die Verfolgungen nicht aufhörten.

Im Alter von dreizehn Jahren wurde V. in die kgl. Pagerie zu München aufgenommen, wo er während fünf Jahren Gymnasialunterricht genoß. Es darf hier auf die reizvolle Schilderung hingewiesen werden, die er selbst über diese Epoche seines Lebens entworfen hat. (»Aus meiner Hofzeit«, Velhagen und Klasings Monatshefte, Heft 6, Februar 1900.) Schon damals gab er Proben einer außerordentlichen Begabung. So sah sich die Direction der kgl. Pagerie veranlaßt, König Ludwig I. am 11. August 1840 ein Gedicht zu unterbreiten, »welches der Edelknabe Otto Baron von Völderndorff, ein Jüngling von 15 Jahren, der nach Herz und Kopf zu den schönsten Erwartungen berechtigt, aus Anlaß des Allerhöchsten Geburts- und Namensfestes verfaßt hatte.« Der Poesie ist V. sein Leben lang treu geblieben, und wenn auch seine Bedeutung auf einem anderen Gebiete lag, so erblühen ihm doch überall auf seinem Lebensweg von den sonnigen Jugendtagen bis in sein hohes Alter launige und warm empfundene Dichtungen, die er selbst nie gesammelt hat und deren Werth auch über die gebietende Stunde nicht hinausreicht.

Eine Kniegelenkentzündung, die er sich im J. 1841 infolge eines Sturzes vom Pferde beim Reitunterricht zugezogen hatte, und ein schweres Augenleiden, das ihn im J. 1842 befiel, nöthigten ihn, ein volles Jahr Gymnasium und Pagerie zu verlassen. Der Kunst des Dr. Schlagintweit verdankte er es, daß er im Frühjahr 1843 wieder in die Pagerie eintreten und im Herbste desselben Jahres die Absolutorialprüfung mitmachen konnte. Er bestand sie mit der ersten Note, und bei seinem Austritt aus der Pagerie wurde ihm unter dem 21. August 1843 bezeugt: »daß er sich während seines fünfjährigen Aufenthaltes in dieser Anstalt durch ununterbrochenen Fleiß und Eifer für die Wissenschaften, sowie durch sittlich gute Aufführung so auszeichnete, daß er in beiderseitiger Hinsicht seinen Mitpagen als Muster aufgestellt werden könne«. Bei seinen ausgezeichneten Talenten hätte er es dahin gebracht, daß er nicht nur in wissenschaftlicher Beziehung immer den ersten Rang unter seinen Mitpagen behauptete, sondern sich auch am kgl. neuen Gymnasium stets als einer der ersten und besten Schüler hervorthat.

Nun bezog V. für fünf Jahre die Münchener Universität. Seine Studien waren in der ersten Zeit noch vielfach durch Augenleiden gestört, doch war er unermüdlich thätig und widmete sich während der damals vorgeschriebenen zwei philosophischen Jahre mit Vorliebe fremden Sprachen. Er studirte Hebräisch, Sanskrit und Chinesisch und bearbeitete eine Preisfrage über den Ursprung der römischen Götternamen, wofür ihm eine öffentliche Belobung zu Theil wurde. Auf Wunsch seines Großvaters, des Grafen v. Reigersberg, trat er, anfangs ohne Neigung, zum juristischen Studium über. Die anregenden Vorträge des Nationalökonom v. Herrmann und die persönliche Theilnahme des Geheimraths v. Bayer an seinen Studien machten ihn aber bald zum eifrigsten Juristen. In jugendlicher Begeisterung nahm er auch an den Bewegungen im Studentenleben des Jahres 1848 Theil. Er wurde Hauptmann im Studentenfreicorps und Präsident der allgemeinen Studentenversammlung. Als aber nach Wiederkehr der Ruhe Uebereifrige und Streber den Ausschluß des Corps der Alemannen verlangten, welche unter dem Banne der bestrickenden Lola Montez gestanden waren, rettete er dieselben in einer hierüber abgehaltenen Studentenversammlung durch eine donnernde Rede, deren pathetischer Schluß lautete: »So oft Tyrannen siegten, haben sie Proscriptionslisten erlassen; aber freie Männer verzeihen den Unterlegenen.«

Bald wurde seine Betheiligung an der Politik eine ernstere; er schloß sich als Jünger den Anschauungen der liberalen Adeligen der zweiten Kammer, Rotenhan, Lerchenfeld, Thon-Dittmer, Bassus, Hegnenberg, Pfetten, Scheurl, Lindenfels u. A. an und wurde ein eifriger Mitarbeiter des »Nürnberger Kuriers«. Durch solche Nebenbeschäftigungen erlitten jedoch Völderndorff's juristische Studien keine Einbuße; er bearbeitete die juristische Preisfrage über den Erlaß, errang das Accessit hiefür und bestand am 18. October 1848 das Universitätsexamen. In Praxis trat er bei dem kgl. Landgericht und später bei dem Kreis- und Stadtgericht dortselbst. Während dieser Zeit, am 3. Juli 1850, promovirte er zum Doctor utriusque juris, wobei seine erste juristische Arbeit, »Zur Lehre vom Erlaß«, die umgearbeitete Preisaufgabe, im Verlag von Christian Kaiser in München im Druck erschien. Im gleichen Jahre (1850) bestand er den Staatsconcurs und erhielt im Justiz- wie im Administrativfache die Note I und den ersten Platz unter 47 Rechtspraktikanten. Zu seiner Erholung reiste er dann nach Italien, wo er in der Vaticana fleißig die Glossatoren und die Kanonischen Sammlungen studirte.

Zurückgekehrt, trat er als Rechtspraktikant bei dem kgl. Landgericht München, dann als Accessist bei dem kgl. Kreis- und Stadtgericht dortselbst und später als Volontär bei dem kgl. Advocaten Dr. Simmerl ein. Unter dem Minister v. Kleinschrod wurde er in das Justizministerium einberufen und fand, trotz starker dienstlicher Inanspruchnahme, noch Muße zu vielseitigen litterarischen Arbeiten auf dem Gebiete der Jurisprudenz. So setzte er nach dem Tode des Herausgebers die bekannte Sammlung des Appellrathes Fertig fort, schrieb 1851 eine Einleitung in das Studium des Rechtes, 1856 eine Abhandlung über die Papiere au porteur nach bayerischem Rechte, 1857 eine Studie über die Form der Rechtsgeschäfte und Commentare zu den Gesetzen betr. die Gewährleistung bei Viehveräußerungen (1860; 2. Aufl. 1861), die Verjährungsfristen (1859), die Abänderungen des Civilrechts, die Forderungen der Staatsschuldentilgungsanstalt (1861) und einige Bestimmungen der Wechselordnung (1864). Außerdem lieferte er Beiträge in die Blätter für Rechtsanwendung, die Blätter für administrative Praxis, die Allgemeine und die Münchener Zeitung, den Gerichtssaal, die Zeitschrift für Civilrecht und Prozeß, Hitzig's Annalen und andere Zeitschriften. Seine Fähigkeit der schnellen Auffassung und allseitigen Wiedergabe von Ideen war eine stupende, und ich erinnere mich, daß er zuweilen, noch während man einen Gegenstand mit ihm besprach, einen Aufsatz darüber zu Stande brachte. Dabei litten seine Arbeiten wenig unter der Vielseitigkeit, welche, indem sie die menschliche Persönlichkeit hebt und bereichert, sonst zuweilen die Gründlichkeit des Fachmanns beeinträchtigt.

In den Kreisen der von König Max II. nach München berufenen Gelehrten war der liebenswürdige, geistvolle junge Mann ein gern gesehener Gast. Er wurde von Liebig aufgefordert, sich an den damals beliebten Vorträgen zu betheiligen und sprach im J. 1858 über das Gesetzbuch der Kreuzfahrer und im folgenden Jahre über das Alphabet. Inzwischen, am 16. April 1853, war er zum functionirenden Staatsanwaltssubstituten bei dem königl. Kreis- und Stadtgericht München ernannt worden und hatte in dieser Eigenschaft während der Choleraepidemie des Jahres 1854 Gelegenheit, neben juristischen Kenntnissen auch moralischen Muth zu beweisen. Als Ringelmann das Portefeuille der Justiz übernahm, erinnerte er sich daran, daß V. ihn einst zu der Uebertragung der Ausarbeitung eines Civilgesetzbuches beglückwünscht hatte, und berief ihn als Hülfsarbeiter zu dieser Thätigkeit. Am 27. October 1854 wurde er zum Ministerialsecretär und schon am 17. September 1856 zum Geheimen Secretär befördert. Als solcher nahm er unter Oberappellrath v. Endres nicht nur eifrig an den Gesetzgebungsarbeiten Theil und führte bei den Berathungen über den Entwurf das Protokoll, sondern er bearbeitete gleichzeitig das Referat über das pfälzische Justizwesen.

Anläßlich seiner Beschäftigung mit dem Civilrechte Baierns empfand er das Bedürfnis, vor allem über den damaligen Stand des bürgerlichen Rechtes im Königreiche in seiner Mannichfaltigkeit und seinen verschiedenen Geltungsgebieten sich zu orientiren. Da eine verlässige Statistik in dieser Hinsicht fehlte, verwandte er seine Mußestunden auf diese schweren und mühevollen Erhebungen. Als er damit zum Abschluß gekommen war und Verleger Rohmer das Werk durch den Druck zum Gemeingut machen wollte, äußerte Völderndorff's damaliger Chef Bedenken gegen dessen Veröffentlichung, da der Name eines Justizbeamten der Arbeit ein gewisses officielles Ansehen geben und die Anonymität zur Nachfrage nach dem Verfasser führen würde. V. legte die Frucht seiner Mühe zurück und ließ die überarbeitete Statistik erst im J. 1862, als die neue Organisation gekommen war, unter dem Namen des Rechtspraktikanten Joseph Peißl (Nördlingen 1863, Beck) erscheinen. In der Vorrede der zweiten, wesentlich vermehrten Ausgabe der Civilgesetzstatistik, welche 1880 erschien, nennt V. seinen angeblichen Mitarbeiter »einen braven, talentvollen jungen Mann, der, wie die Lieblinge der Götter, früh gestorben sei«, allein, so viel ich weiß, hat er niemals existirt.

Am 1. Juli 1862 trat V. als Rath an das neuerrichtete Handelsappellationsgericht zu Nürnberg über und warf sich dort mit vollem Eifer auf die ehrenvolle Aufgabe, das neue deutsche Handelsgesetzbuch in die Praxis einzuführen. Unter der Leitung des vortrefflichen Präsidenten v. Seuffert strengte er alle seine Kräfte an, die kolossale Arbeitslast, welche den Gerichtshof fast erdrückte, zu bewältigen. Hundert Referate in einem Quartale war die von ihm gewöhnlich geleistete Arbeit. Daneben redigirte er die in der »Sammlung handelsgerichtlicher Entscheidungen seit Einführung des Handelsgesetzbuches in Bayern« (Erlangen 1865, Palm & Enke, 2 Bde.) erschienenen Erkenntnisse und lieferte mit Professor Anschütz den ersten Band des Commentars zu dem Allgemeinen Deutschen Handelsgesetzbuch (Erlangen 1867, Palm & Enke), ein Werk, welches dazu beitrug, seinen Namen in der Juristenwelt vortheilhaft bekannt zu machen. Auch am politischen Leben betheiligte er sich lebhaft in jenen Tagen; seine Erholung fand er im Umgang mit dem in seiner Art einzig dastehenden Redacteur des »Korrespondenten von und für Deutschland«, Dr. Philipp Feust, einem Manne von seltenem Wissen, scharfem Geiste und echt conservativer Gesinnung.

Einen bestimmenden Einfluß auf Völderndorff's späteren Lebensgang sollten die Beziehungen zu dem Fürsten Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst gewinnen, dem er durch seinen Großvater vorgestellt worden war, und dem er in Nürnberg in dem Hause des alten Vorkämpfers des aristokratischen Liberalismus, des Grafen v. Giech, näher trat. Als Hohenlohe am 31. December 1866 zum Minister des kgl. Hauses und des Aeußern und zum Vorsitzenden im Ministerrathe ernannt worden war, setzte er es durch, daß V. an Stelle des nach Petersburg versetzten Grafen v. Tauffkirchen als Ministerialrath in das Ministerium des kgl. Hauses und des Aeußern einberufen wurde. Am 9. Januar 1867 betrat der neue Ministerialrath zum ersten Mal das Bureau in dem Ministerium, zu dessen unermüdlichsten Arbeitern er fast dreißig Jahre lang gehören sollte.

Die folgenden drei Jahre bilden den Zenith der Beamtenlaufbahn Völderndorff's und sein Name wird an die für Baiern so wichtige Uebergangszeit des Ministeriums Hohenlohe immer geknüpft bleiben. Nun fand der geborene Reformator Gehör, nun konnte er seiner immer webenden Phantasie die Zügel schießen lassen. Die Ideen jagten sich förmlich in seinem Kopfe, Entwürfe folgten auf Entwürfe. »Es waren aufreibende, an Mühe und Arbeit reiche Jahre.« »Oft ging ich um 7 Uhr morgens in das Bureau und kehrte abends um 10 Uhr heim, ohne etwas Anderes genossen zu haben, als ein belegtes Brod und ein Glas Madeira; aber es war doch die schönste Zeit meines Lebens.« (Harmlose Plaudereien, Neue Folge S. 262.) Man hat sich vor dem Erscheinen der Hohenlohe'schen Denkwürdigkeiten Völderndorff's Einflußnahme vielleicht sogar größer gedacht, als sie in der That war, indem man seine Eigenart verkannte und die Selbständigkeit des Fürsten Hohenlohe unterschätzte. Allein V. hatte mehr die Gabe, die fast unerschöpflichen Hülfsmittel seiner reichen Begabung einem fremden Willen dienstbar zu machen und anzupassen, als das Bestreben, seine Anschauungen Anderen aufzuerlegen und um jeden Preis zu verwirklichen. Sein glänzender Geist widerstrebte zuweilen etwas dem Zügel der steten Rücksichtnahme auf die gegebenen Verhältnisse und die praktischen Schranken. So kam es auch, daß von seinen Entwürfen über die Reform des Adels, der Fideicommisse, der Reichsrathskammer, des Ordenswesens, des Auslieferungsverfahrens u. a., trotz vielen trefflichen Ideen im Einzelnen, keiner in das praktische Leben überführt werden konnte, und daß es Hohenlohe auch nie gelang, V. eine maßgebende, selbständige Stellung, wie die des Justizministers, zugänglich zu machen, für welche er so viele Eigenschaften besessen hätte. V. führte freilich diese Thatsache auf den Umstand zurück, daß es von den Gegnern des Fürsten eine im voraus beschlossene Sache gewesen sei, jede von ihm stammende Maßnahme, die dem Fürsten zum Verdienst hätte angerechnet werden können, zu verhindern.

Trotzdem war sein Antheil an der Politik jener Tage ein bedeutender. Er vertrat die Haltung Hohenlohe's betreffs des Dogmas der Unfehlbarkeit in der Kammer und wurde mit mehreren diplomatischen Missionen betraut. Auch mit Richard Wagner hatte er zu verhandeln, als der König den Auftrag gab, dessen politischen Ideen näher zu treten, und selbst zu Bismarck kam er damals in persönliche Berührung. Am meisten und tiefsten berührten ihn die Bemühungen Hohenlohe's, eine Verbindung mit dem Deutschland jenseits der Mainlinie wieder zu gewinnen. Im Auftrage des Fürsten entwarf er eine »Verfassung für den süddeutschen Bund«, welche zuerst in der »Allgemeinen Zeitung« vom 26. März 1870 (Nr. 85) erschien, und die er nebst dem »Entwurf einer Verbindung des Norddeutschen und des Süddeutschen Bundes auf Grund des Prager Friedens« und dem »Entwurf eines Vertrages über die Errichtung eines Eisenbahnvereines« wiederholt in Hirth's Annalen (Jahrg. 1890, S. 241 ff.) veröffentlichte.

Die spät erschienenen und Fragment gebliebenen Erinnerungen Völderndorff's »Vom Reichskanzler Fürsten von Hohenlohe« (München 1902, Sep.-Abdr. aus den Beil. d. Allg. Zeitung) scheinen uns nicht ganz frei von den Spuren des Alters und geben ein viel weniger richtiges und bedeutendes Bild von der Zeit, als die gerade für diese Epoche sehr interessanten Denkwürdigkeiten Hohenlohe's. Die Freundschaft der beiden Männer überlebte übrigens das dreijährige Ministerium und dauerte bis zum Tode. V. wurde nicht müde, auch dem späteren Reichskanzler als juristischer Berather getreulich zur Seite zu stehen und aus seiner vielleicht noch erhaltenen Correspondenz dürfte hervorgehen, daß er seine Stimme immer in einem wahrhaft liberalen Sinne abgegeben hat.

Als Fürst Hohenlohe von dem bairischen Ministerium zurücktrat, gab sich V. alle Mühe, wieder in den Justizdienst zurückzukommen. Seine Wünsche scheiterten jedoch an dem Widerstreben des damaligen Justizministers v. Lutz, welcher ihm abgeneigt war. Für V. kamen unter den folgenden Ministerien Hegnenberg und besonders Pfretschner Tage, von denen er sagte, sie gefielen ihm nicht. Was ihm aber jede Lage erträglich machte, war der Humor, der ihn nie dauernd im Stich ließ und seine literarische Nebenbeschäftigung, der er eifrig oblag. Obwohl der Praxis der Jurisprudenz thatsächlich entfremdet, fuhr er fort, juristische Werke zu liefern, welche den vollen Beifall der Praktiker fanden und heute noch haben. Sein Commentar zur Reichs-Concurs-Ordnung in 3 Bänden erlebte im J. 1884 die zweite Auflage, obwohl er den etwas trockenen Stoff zuweilen durch ein drastisches Beispiel würzte und statt Cajus und Sempronius den Studenten Lustig, die Hausfrau Brummig und die Putzmacherin Lieblich einführte. Auch zu dem Reichsgesetz, betr. die Commanditgesellschaften auf Actien und die Actiengesellschaften vom Jahre 1884 lieferte er einen Commentar (Erlangen 1885, Palm & Enke).

Weiteren Kreisen aber trat er durch die »Harmlosen Plaudereien« nahe, die er seit Anfang der siebziger Jahre in der Beilage der Allgemeinen Zeitung veröffentlichte und welche gesammelt in zwei Bänden (München 1892 u. 1898, Beck) erschienen sind. »Diese 'Harmlosen Plaudereien'«, schrieb ich aus Anlaß des Erscheinens des ersten Bandes der Sammlung in der Beilage der Allg. Zeitung vom 12. December 1891, »griffen hinein ins volle Leben, sprangen nach dem Grundsatz, daß man, um zu unterhalten, 'den Diskurs wechseln muß', vom Hundertsten ins Tausendste, brachten vom Großen das Kleine und vom Kleinen das Große und trugen oft durch einen guten Witz mehr zur Lösung einer Tagesfrage bei, als es der längste Artikel vermocht hätte. So wurden sie schnell populär, ihre Witzworte wurden verbreitet, ihre Einfälle belacht, ihre ernsten Seiten discutirt; man mußte sie gelesen haben, um mitreden zu können.« Was besonders zu ihrer Beliebtheit beitrug, war der liebenswürdige Optimismus, der aus Völderndorff's Weltanschauung lächelte. Die Pfeile, die er abschießt, sind immer befiedert, niemals vergiftet. Sein Schutzpatron ist stets »der Harmlos« geblieben, dem er einen seiner sprudelndsten und reizendsten Artikel gewidmet hat.

Nur einen Vorbehalt fühlen wir uns verpflichtet zu machen. Die Anekdoten und historischen Reminiscenzen, welche sich in den harmlosen Plaudereien und in anderen Schriften Völderndorff's finden, müssen mit einer gewissen Vorsicht aufgenommen werden. Seine hohe Intelligenz ließ ihn mit Leichtigkeit juristische Schwierigkeiten entwirren, aber eine etwas eigenwillige Phantasie drängte ihn zuweilen weitab von den Bahnen des Realen und machte ihn Paradoxen geneigt. Es machte ihm Spaß, Andere zu mystisiciren und er gehörte zu denen, die einen glücklichen Einfall, ein geistreiches Wort, eine gewagte Combination höher schätzen als die peinliche Feststellung einer nackten Thatsache.

Inzwischen war im Ministerium des kgl. Hauses und des Aeußern auf Freiherrn v. Pfretschner Graf Crailsheim gefolgt, welcher die hohen Eigenschaften und die seltene Arbeitskraft Völderndorff's zu schätzen wußte. Wenn er auch einen anderen Beamten zu seiner ständigen Stellvertretung für mehr qualificirt erachtete, so ließ er doch V. nicht nur die äußeren Ehrenzeichen zukommen, welche die Persönlichkeit des Beamten allmählich zu umgeben pflegen wie Ringe den alternden Baum, sondern er brachte ihn für außergewöhnliche Auszeichnungen in Antrag. So wurde V. im J. 1893 zum Geheimen Rath und am 10. October 1895, bei seinem Rücktritt, zum Staatsrath i. a. D. ernannt. Unter den zahlreichen Referaten, die er bearbeitete, war ihm die mehr selbständige Function eines Rheinschifffahrtsbevollmächtigten, welche er seit 1879 inne hatte, besonders ins Herz gewachsen. Sie führte ihn alljährlich nach dem schönen Heidelberg und stellte seinen umfassenden juristischen Kenntnissen und seinem Organisationstalent neue schwierige und interessante Aufgaben.

Nur wenige Jahre sollte es ihm vergönnt sein, sich in dem kleiner gewordenen Kreis alter und neuer Freunde des wohlverdienten Ruhestandes zu erfreuen. Ein quälendes Herzleiden setzte seinem bis zuletzt thätigen Leben am 10. December 1899 das Ziel. Da seine Ehe kinderlos geblieben war und seine Gattin, die mit vollster Hingabe an ihm hing, ihm im Tode vorausgegangen war, bestimmte er einen Theil des von ihm ersparten Vermögens zu Präbenden des St. Annenordens.

Ein Lebensbild Völderndorff's würde nicht vollständig sein, wenn wir nach Schilderung seiner geistigen Thätigkeit seine gemüthliche Veranlagung mit Stillschweigen übergingen. Er war nicht nur ein geistig hochstehender, sondern, was vielleicht noch seltener ist, ein durchaus liebenswürdiger Mensch. Seine Güte war unerschöpflich. In dem Kreis der Mitstrebenden, die so Vieles trennt, vertrat er immer das vereinigende Princip des Wohlwollens. Auch die Abneigungen der Laune, des Temperaments, der Partei hielten bei ihm nie Stand angesichts einer Bedrängniß, die ihm persönlich gegenübertrat. Stets hülfsbereit war er der treueste Freund und der zuverlässigste Berather. Neidlos erkannte er fremde Verdienste an, und gern half er der Jugend bei ihren ersten Schritten ins Leben und in den Dienst. Wenige werden ihm näher getreten sein, die ihm nicht Dank schuldig geworden sind, und die ihn kannten, werden den Worten beipflichten, die nach seinem Tode Fürst Hohenlohe schrieb: »Er war der beste, edelste Mensch, der mir im Leben begegnet ist.«

Gottfried v. Böhm.

Gottfried von Böhm: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1908.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Voelderndorff Otto, von, Freiherr, Dr. jur., 1825 (Zweibrücken) – 1899, Ministerialrat, Publizist, Staats- und Geheimer Rat; nach seinem Staatskonkurs war V. seit 1854 Sekretär im Justizministerium, 1862 Handelsappellationsrat, seit 1867 Ministerialrat im Außenministerium; mit gleichgesinnten jungen Männern war er Mitglied der studentischen Vereinigung Novathenia, an der Universität pflegte er nebenbei Fremdsprachen und schöne Literatur, dazu kam in den fünfziger Jahren ein reger Verkehr mit Doenniges und J. von Liebig; V. sagt, er habe das Plaudern hier gelernt; so wurde er Schriftsteller, und seine bekannteste literarische Arbeit sind die »Harmlosen Plaudereien eines alten Münchners«, humorvoll, geistreich und flüssig geschrieben und alle Gebiete, Politik, Gesetzgebung, Reisen, Selbstbekenntnisse, Literatur und Theater behandelnd; seine ziemlich antikatholische Einstellung läßt sich hier nicht verleugnen; Ästhet ist er sein Leben lang geblieben, auch in der Politik.

Hauptwerk: Zivilgesetzstatistik.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#14 – 12 – 19·20 (Hascher · Sailer)


Grab der Familien Hascher · Sailer auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#14 – 12 – 21·22 (Sigl)


Familien-Grab.
Unserm teuern Gatten u. Vater
Herrn Ignaz Sigl,
k. Postrat a. D.
geb. 23. Aug. 1831, gest. 7. April 1898,
und
unserer inniggeliebten Mutter
Frau Louise Sigl, geb. Gresbek
geb. 6. Mai 1827, gest. 26. Mai 1910.

R. I. P.

Ignaz Sigl, k. Hofmusiker † 1863.
Antonie Sigl, † 1855,
Johanna Sigl, † 1907.

A. Aufleger. 14.12.21.22.


  • Sigl, Antonie (vh) / Böck (gb); – 9.10.1855 (München), 53 Jahre alt; Musikers-Gattin
  • Sigl, Ignaz; – 14.10.1863 (München), 64 Jahre alt; Musiker (Violoncello)
  • Sigl, Ignaz; 23.8.1831 – 7.4.1898; Postrat
  • Sigl, Johanna; – 1907
  • Sigl, Luise (vh) / Gresbek (gb); 6.5.1827 – 26.5.1910

Grab der Familie Sigl auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2011)

#Ignaz Sigl

† 14.10.1863 (München), 64 Jahre alt
Musiker (Violoncello)

#Münchener Punsch (3.2.1856)

Artistisch-literarischer Theil.

Münchener Concert-Zuhörer.

Das Odeon zierte vergangenen Samstag die herrliche Mozart-Statue (das Schwanthaler'sche Modell), auf demselben Platze postirt, wo früher das Beethoven'sche Standbild. Der Anblick des großen Meisters hob nicht wenig die ohnehin feierliche Stimmung des Publikums. Aus seinem Opernschatze kamen die Ouverture zur Zauberflöte und das Ouintett aus Cosi fan tutte; aus der Kammer-Musik das Adagio des Clarinett-Quintetts, worin besonders Hr. Bärmann sich auszeichnete; aus dem Vocale das Göthe'sche Lied vom Veilchen, das Frau Diez auf Verlangen repetiren mußte, und der mächtige Isis-Chor, von mehr als hundert Sarastro-Priestern gesungen. Die Krone des Abends war das Requiem. (Die Soli vorgetragen von den Damen Diez u. Lenz und den HH. Kindermann u. Young.) Jede der fünf Abtheilungen rief lauten Beifall hervor. Die Ausführung war eine meisterhafte, und die Kapelle zeigte sich wahrhaft begeistert.

Während der Pause überraschte ein Mitglied der Kapelle, Hr. Hofmusikus Ignaz Sigl, seine Kollegen mit einer interessanten Mozart'schen Reliquie. Hr. Sigl zeigte nämlich jenes kleine Violoncello vor, auf welchem Mozart als Knabe von 6 Jahren gespielt hatte, und mit dem er auch unter der großen Pastete saß, die der Fürstbischof von Salzburg über ihn hatte machen lassen und unter welcher er versteckt auf die Tafel gebracht wurde. Man denke sich das Erstaunen der Gäste des Prälaten, als dem Innern der Pastete jene wundervollen Harmoniken entstiegen, durch die Mozart als Wunderkind die Welt entzückte. Als Sigl, ebenfalls im Knabenalter, i. J. 1804 mit seinen Geschwistern in Salzburg musicirte, und nur eine Viola hatte, worauf er die Cellostimme spielte, schenkte ihm Mozart's Schwester, Frau Sonnenburg, dieses kleine Violoncello, das einst Mozart's Händchen beherrscht hatte. Auch der anwesende König Ludwig betrachtete dieses theure Andenken mit großen, Wohlgefallen.

Münchener Punsch Nro. 5. Sonntag, den 3. Februar 1856.

#Der Bayerische Landbote (16.10.1863)

München, 15. Okt. Gestern ist der k. Hofmusikus, Hr. Ignaz Sigl, ein Bruder des k. Hof- und Kapellsängers und langjähriges Mitglied unserer Kapelle, an den Folgen einer Operation verschieden.

Der Bayerische Landbote No. 289. München; Freitag, den 16. Oktober 1863.

#Münchener Bote für Stadt und Land (18.10.1863)

Hauptstadt-Neuigkeiten.
München, 17. Oktober.

Das gestrige Leichenbegängniß des verlebten Hofmusikus Ignaz Sigl hat unter äußerst zahlreicher Betheiligung aller Stände stattgefunden. Zöglinge des kgl. Erziehungs-Institutes gingen mit brennenden Kerzen neben dem Sarge und eine Abtheilung königlicher Edelknaben erwies ihrem Lehrer gleichfalls die letzte Ehre. Der geistliche Herr Grabredner hob in gediegener Weise hervor, wie der Verstorbene, der als Mitglied der Hofkapelle viele Jahre lang ruhmwürdig gewirkt, durch persönliche Rechtschaffenheit und Religiosität seiner Kunst die höhere Weihe gegeben habe. Ignaz Sigl, Sohn eines fürstbischöflichen Hofmusikus in Passau, stund 49 Jahre lang in bayerischen Diensten, denen er sich in frühester Jugend geweiht hatte. Er war ein vorzüglicher Meister seines Instruments (des Cello) und die berühmten klassischen Quartetten unserer Akademie zählten ihn zu ihren Mitgliedern. Gleichwie der unvergeßliche Menter seinen letzten Bogenstrich beim Musikfest des Jahres 1855 ausgeführt hatte, so beschloß auch Ignaz Sigl seine künstlerische Thätigkeit mit dem großen Festkonzert, das vor ein paar Wochen stattgefunden. Er hatte eine äußerst rüstige Constitution und war in seinem Leben niemals krank gewesen; eine zur Beseitigung angesetzten Wassers vorgenommene Operation sollte dem Leben des wackern Künstlers ein unvermuthetes Ziel setzen. Obwohl mit sehr zahlreicher Familie gesegnet und gleich vielen seiner Collegen Jahre lang kärglich besoldet, war er doch in geordneten Verhältnissen. Künstler aller Branchen Bürger, Beamte, Offiziere und viele andere Leidtragende folgten seinem Sarg in einem massenhaften Zuge. Das Chorpersonal des k. Hoftheaters exekutirte einen herrlichen Trauergesang.

Münchener Bote für Stadt und Land No. 248. Sonntag, den 18. Oktober 1863.

#Münchener Theater-Journal (29.10.1863)

München.
Königliches Theater.

München. Unter sehr zahlreicher Betheiligung aller Stände hat das Leichenbegängniß des verlebten Hofmusikus Ignaz Sigl am 16. d. M. stattgefunden. Während 49 Jahren im Dienste der k. Hofkapelle thätig, bewährte sich derselbe als tüchtiger Cellospieler, der, gleichwie Menter, seinen letzten Bogenstreich beim ersten Musikfeste des Jahres 1855 ausgeführt hatte, seine künstlerische Thätigkeit bei dem diesjährigen Musikfeste beschloß. Zwar schon kränkelnd, mochte er dennoch nicht geahnt haben, daß er vielleicht als ein Opfer dieses Musikfestes, schon so schnell in's bessere Jenseits hinüberschlummern sollte, sonst würde er wohl seine letzten Kräfte nicht angestrengt haben für eine Sache, deren Nothwendigkeit durchaus nicht einleuchtet, die aber vielleicht nur dazu dienen sollte, einzelnen Persönlichkeiten ein glänzenderes Relief zu verleihen. Das Andenken des Hrn. Sigl wird noch lange denen theuer bleiben, die ihm näher standen und den biedern Charakter des Freundes zu schätzen wußten und manche Thräne der aufrichtigen Theilnahme folgte ihm nach in sein stilles Asyl, wo enden die Leiden dieses Lebens.

Münchener Theater-Journal für dramatische und bildende Kunst, Literatur, Musik, Geselligkeit und für die Gesammt-Interessen der Bühnenwelt Nr. 44. 29. Oktober 1863.

#14 – 12 – 23 (Jahn · Meingandt)


Hier ruhen in Frieden
Herr Georg Meingandt
Kürschner-Meister
geb. d. 12. Nov. 1808. gest. d. 28. Feb. 1837.
Frau Katharina Jahn
k. Hofkürschners-Gattin
geb. d. 21. Nov. 1812. gest. d. 28. März 1876.
Herr Anton Jahn
k. Art. Hauptmann
Inhaber des eisernen Kreuzes n. S. b.
und der Feldzugsmedaille 1870/71.
geb. d. 4. März 1846. gest. d. 3. Octbr. 1886.
Herr Anton Jahn
Privatier, ehem. k. Hofkürschner
geb. d. 18. Dez. 1813. gest. d. 6. Sept. 1897.
Fräulein Anna Jahn
Privatiere
geb. d. 28. Juni 1838, gest. d. 25. Jan. 1913.

R. I. P.

Sockel
Grabstätte der Familie
Jahn


  • Jahn, Anna; 28.6.1838 – 25.1.1913; Privatiere
  • Jahn, Anton; 4.3.1846 – 3.10.1886 (Augsburg); Artilleriehauptmann
  • Jahn, Anton; 18.12.1813 – 6.9.1897 (München); Privatier, ehemaliger Hofkürschner
  • Jahn, Katharina (vh); 21.11.1812 – 28.3.1876 (München); Hofkürschners-Gattin
  • Meingandt, Georg; 12.11.1808 – 28.2.1837 (München); Kürschnermeister

Grab der Familien Jahn · Meingandt auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

#14 – 12 – 25·26 (Scherer)


Familie Scherer
¿


  • Scherer, Nikolaus; – 1.9.1887 (München), 50 Jahre alt; Milch- und Viktualienhändler

Todesanzeige für Nikolaus Scherer

Grab der Familie Scherer auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2011)

Grab der Familie Scherer auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2011)

#14 – 12 – 28 (Tutschek)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Tutschek, Ludwig Ritter von; 24.1.1864 (München) – 9.9.1937 (München); General

Grab der Familie Tutschek auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2008)

#14 – 12 – 30 (Heckel)


v. HECKEL’SCHES FAMILIENGRAB
¿


  • Heckel, Antoinette von; 18.3.1820 – 8.2.1887
  • Heckel, August von; 26.9.1824 (Landshut) – 26.10.1883 (München); Stadtgerichtsdirektors-Sohn / Freskenmaler und Genremaler
  • Heckel, Josef von; 13.7.1821 – 10.2.1875 (München); Hofblumenfabrikant
  • Heckel, Maximilian von; 15.10.1831 – 7.11.1889
  • Heckel, Therese von (vw); 17.8.1798 – 16.5.1890; Stadtgerichtsdirektors-Witwe
  • Heckel, Valentine von (vh) / Grathwohl (gb); 24.3.1825 – 11.6.1871 (München); Hofblumenfabrikantens-Gattin

Grab der Familie Heckel auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familie Heckel auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#August von Heckel

* 26.9.1824 (Landshut)
† 26.10.1883 (München)
Stadtgerichtsdirektors-Sohn / Freskenmaler und Genremaler

#Allgemeine Deutsche Biographie (1905)

Heckel: August von H., Genre- und Historienmaler, geboren am 26. September 1824 zu Landshut, † am 23. October 1883 in München, als jüngster Sohn des Kreis- und Stadtgerichtsdirectors Joseph v. H. H. war zum gelehrten Fache des Vaters bestimmt, setzte es aber durch, 1842 die Kunstschule in Augsburg besuchen zu dürfen, wodurch ihm der Weg in die Münchener Akademie 1844 geebnet wurde. Auf Erwerb bedacht, zeichnete und malte H. viele Porträts (darunter das Bildniß des nachmals als Heraldiker hervorragenden Dr. K. H. Ritter von Mayerfels, als »Fuchs« im Studentencorps »Suevia«, im Schnürflaus mit Cerevismütze); auch übte er sich nach Schnorr's Vorbild in figurenreichen Compositionen. Im J. 1848 trat H. unter die Waffen des Künstlerfreicorps, wo seine Kameraden ihn zum Officier erwählten. Es war ein schmuckes und gentiles Corps, welches in kürzester Zeit unter dem Obercommando des Schlachtenmalers Feodor Dietz, Wilh. Gail's u. A. einexercirt, durch flotte Elasticität in taktischen Paraden glänzte; H. aber vertauschte bald den schwarzsammetnen Waffenrock wieder mit der Atelierblouse und trachtete durch neuen Fleiß die kostbare Zeit nachzuholen. H. fand in der Schule des Professors Schorn Aufnahme (wo die beiden Piloty, Ludwig Thiersch u. A. im heißesten Wetteifer malten und schufen) und nach dessen frühzeitigem Ableben weiteren Rath und Unterweisung durch Philipp Foltz von Bingen. Schon 1850 antichambrirte H. im Kunstverein mit einer »Atala« (nach Chateaubriand), 1851 folgten die »Schwäbischen Auswanderer« (nach Freiligrath), ein Bild, welches in kleinem Formate (1854) wiederholt, vom Wiener Kunstverein angekauft und in Kreidemanier durch Jos. Bauer lithographirt, 1855 als Prämienblatt der bei M. Auer in Wien erscheinenden illustrirten Zeitschrift »Faust" beigegeben wurde. Dann glückten mehrere Genrestücke, mit damals beliebten Stoffen, wie »Mignon und der Harfner«, eine Scene »Nach dem Hagelwetter« (angekauft von König Max II.), ein »Gretchen am Spinnrade« (1852), ein »Chiemgauer Fischermädchen«, der »Findling« (1854) – damals ziemlich breitgetretene Themata, welche H. vielfach repetirte, ebenso 1855 eine sehr lebendig durchgearbeitete »Episode aus dem Bauernkrieg« (ausführlich besprochen von Eduard Ille in Beil. 111 der »Neuen Münchener Ztg.« vom 10. Mai 1855; angekauft 1855 in Bremen und 1860 in Hannover), ein »Vorlesendes Mädchen«, eine »Häusliche Scene« und eine »Inspection der Feiertagsschule« (Budapest). – Um die Welt zu sehen und sich als Maler weiter zu bilden, begab sich H. erst nach Paris und Belgien und dann auf drei Jahre nach Italien, insbesondere nach Rom, von wo er alsbald neue Proben seiner Fortschritte nach München schickte, darunter einen »Flickschuster (Ciabattino) aus Olevano«, einen »Morgen« und »Abend in Rom« und einige andere, unbedeutende Sachen, welche als Abfälle neben größeren Projecten entstanden und bald nach seiner Rückkehr im Kunstverein ausgestellt wurden. Dazu kam ein Carton (mit der Farbenskizze) »Judith, das Haupt des Holofernes dem versammelten Volke zeigend« – eine nur zu figurenreiche, opernhaft ausgestattete Composition, welche H. in größter Dimension ausführen wollte. Der Maler hatte die Scene auf einen von Palästen und Tempeln begrenzten Platz in Bethulia, mit der Aussicht über Felsen und Thäler bis zum feindlichen Lager verlegt; links erscheint Judith, den abgehauenen Kopf des Feindes in der einen, sein Schlachtschwert in der andern Hand; ihr entgegen strömt das Volk, Weiber, Kinder, Krieger, Priester mit Palmen in den Händen, die Befreierin Israels zu preisen. Die Magd Alba breitet einen kostbaren Teppich, welchen sie aus dem Zelte des Holofernes mitgenommen, vor ihre Füße. Mütter zeigen ihren Kindern die Heldin; der Ammoniter Achior, den Holofernes nach Bethulien gesandt, damit er ein gleiches Schicksal mit den Feinden erlebe, weil er den Gott Israels gepriesen, fällt ihr zu Füßen. Die Hauptperson der Huldigenden aber ist Osia, der Fürst des Volkes Israel, welcher die Heldin preist; den Hintergrund füllen Krieger und Gruppen mit Tanzenden. Noch mehr! Der Künstler hat in diesen, den äußersten Gegensatz zu August Riedel's einfachster Darstellung bildenden Theaterspectakel noch allerlei hineingeheimnißt. So stellte er z. B. hinter die Heldin ein zärtliches, nur der Liebe lebendes und deshalb die That einer Heroine nicht begreifendes, ihr aber zur Folie dienendes Brautpaar. H. machte sich die Arbeit möglichst schwer, indem er ganz im Sinne Schnorr's den möglichsten Luxus von Statistenpersonal, Landschaft und Architektur aufbot. Und damit noch nicht zufrieden, sehnte er sich, diesen Stoff in lebensgroßen Figuren auszuführen und wollte deshalb seine immerhin elf Schuh breite und acht Fuß hohe Composition nur als vorläufige »Skizze« betrachtet wissen! Später bildete er diese seine Skizze noch weiter durch und genoß die Freude, das Werk nach Philadelphia zu verkaufen, wo es in seliger Vergessenheit begraben liegt (vgl. Julius Grosse im Abendblatt der »Neuen Münchener Ztg.« vom 9. October 1860). Gleichzeitig nahm noch ein anderer Vorwurf »Der Krönungszug Ludwig des Baiern in Rom« (am 7. Januar 1328) seine Künstlerphantasie in Anspruch: Der edle Kaiser auf stolzem reich gezäumten Rosse, mit dem zahlreichen, waffenstrahlenden Gefolge, welches nagelneu uniformirt, kein Stäubchen und keine Spur von den jüngsten Strapazen der Heerfahrt zeigt, das neugierig zudringende Volk, im Vordergrunde schöne, blumenstreuende Römerinnen, die antike Architektur als Folie des im heitersten Sonnenschein in eine Straße einbiegenden Zuges, machten einen pompös-festlichen, vielleicht nur zu bunten Eindruck. Eigentlich war Heckel's Bild eine »Ilias post Homerum«, da Bernhard Neher einen ähnlichen Stoff schon 1835 am Isarthore zu München und zwar echt monumental behandelt hatte. Natürlich plante der Maler eine Ausführung mit lebensgroßen Figuren, unbekümmert wer eines solchen Bilderbandwurms irgend bedürftig sein könnte. Die Mittel zur Ausführung sollte eine Menge leicht verkäuflicher kleinerer Bilder bieten. So entstand unbekümmert um Schwind's Vorgang, die Composition, wie »Kaiser Friedrich II. der Leiche der h. Elisabeth eine Krone aufsetzt«, dann mannichfaches Genre: »Die Heimkehr«, eine »Scene aus Rom«, »Aus der Cerbara« mit landschaftlichen Anklängen, ebenso eine »Prozession« und eine »Villa« – alle noch im Laufe des Jahres 1859; darauf folgten 1860 außer der umfangreichen Skizze des »Kaiser Ludwig« eine Ansicht der »Piazza Navona«, eine »Scene aus dem Forum« und ein »Bauernmädchen aus Cerbara«; 1861 »Mutter und Kind aus der römischen Campagna«, die für ihren fieberkranken Sohn vor einer Capelle »Betende Pilgerin« (wiederholt als »Madonna della febre«, auch photographisch vervielfältigt), ein »Im Gängelband« marschirendes Bambino und abermals ein »Mädchen aus Cerbara«. Dann lieferte H. zwei Fresken in das bairische Nationalmuseum: »Max Emanuels Einzug in Brüssel als Statthalter der spanischen Niederlande« und die »Gründung des Bades Kreut durch König Max I.« (vgl. v. Spruner: Wandbilder des Nationalmuseums in München, 1868, S. 165 u. 609; der Carton zum »Max Emanuel« wurde 1864 auch in Brüssel ausgestellt; vgl. Nr. 269 »Allg. Ztg.«, 25. September 1864); ersteres zu den gelungensten Bildern dieser Galerie zählend; das zweite eine Arbeit im sachgemäßen Biedermeierstil. Dann lenkte H. wieder zum Genre zurück; er verarbeitete seine italienischen Studien und landschaftlichen Erinnerungen (z. B. »Abend in der Cerbara« und »Zwischen Albano und Castel Gandolfo«) die ihm leicht aus der Hand gingen, malte einige hübsche Mädchenköpfe, als »Frühling« (1862) oder »Erato« (1864), zeichnete mit Piloty, Makart, Ramberg u. A. Holzstöcke zur illustrierten Ausgabe von Schiller's Gedichten (Stuttgart bei Cotta). Auch ein Oelbild mit der »Tochter der Herodias« gehört in diese Zeit, womit er »seine besondere Begabung für sinnlich-reizende Frauengestalten bewies«. Er faßte die Tänzerin in dem Augenblick, wo sie sich mit der leeren Schüssel entfernt, um dieselbe mit dem Haupte des verhaßten Sittenpredigers zurückzubringen; über ihr Antlitz spielen alle Schatten des Verführerischen: Coketterie, Leichtfertigkeit, Liebreiz, Wollust, selbst an dem Schein der Unschuld und Harmlosigkeit fehlt es nicht; sogar ein Gefühl des Mitleids scheint sie anzuwandeln, aber mit einer leichten Handbewegung setzt sie sich hierüber hinweg (vgl. A. Zeising im Morgenblatt 319 der »Baier. Ztg.« vom 20. November 1865; die Herodias wurde 1867 wiederholt). Das alles aber fertigte H. nur, um die Mittel zur möglichst großen Ausführung eines längst geplanten Stoffes zu beschaffen: »König Lear verstößt seine treue Tochter Cordelia«; er löste die höchst dramatische Scene, so gut selbe überhaupt einer malerischen Darstellung, die mit den tiefsten psychologischen Problemen zu ringen hat, fähig ist. Ihm gelang die schwierige Schöpfung einer Cordelia, die, in lieblicher Jungfräulichkeit, unfähig ihren inneren Reichthum in einen Wortschwall zu kleiden, mit dem tiefsten Schmerz ringend, vor dem verblendeten, unglücklichen Vater steht, eine »in Gesichtsbildung und Körperbau, Ausdruck und Haltung, Schmuck und Gewandung ungemein liebliche, durch blondes Haar, blaue Augen und zarten Teint sofort ihr inneres Wesen, ihre mehr seelische als sinnliche Natur offenbarende Erscheinung, die ihren herzgewinnenden Eindruck umsomehr mildernd und verklärend über die tragische Wirkung des Ganzen verbreitet, als die ihrer Sanftmuth gesellte Festigkeit dafür Bürgschaft leistet, daß sie nicht eher ruhen wird, als bis die heraufbeschworene Dissonanz schließlich wieder gelöst ist« (A. Zeising in Nr. 121 Morgenblatt der »Baier. Ztg.« vom 2. Mai 1866. Beil. 122 »Allgem. Ztg«. vom 22. April 1866. Schasler: »Deutsche Kunstztg.« Nr. 36 vom 21. October 1866. Holzschnitt in der »Gartenlaube«, 1873, S. 547). Damit ist auch der Glanzpunkt des Bildes erschöpft, welchem die rohe, diabolische Goneril und die schlangenartige gleißnerische Schönheit Regan's nur zur Folie dienten; Cornwall und Albanien wären als Lückenbüßer ebenso leicht entbehrlich geblieben, während der warnende Kent gar zu barock seine Mahnung erhebt und der mitleidige, seine übermäßige Länge möglichst eckig verbergende Narr gar zu gezwungen als Abrundung hingesetzt schien. Die Aeußerlichkeiten, die Ausstattung des Thronsaals, die Costumirung waren mit Geschick und Geschmack behandelt, die Farbenwirkung eine gefällige; »sie befriedigt (wie ein Kritiker sehr fein bemerkte), den Sinn, ohne den Gedanken von dem Gehalt abzulenken«. Das Bild, welches nach seiner Vollendung im Atelier des Malers zum Besten des Künster-Unterstützungsvereins ausgestellt wurde, machte eine Rundreise auf allen Ausstellungen, nach Berlin, Paris, London u. s. w., um wieder nach München zurückzukehren.

In der Folge wurde der Maler im Auftrage König Ludwig's II. mit einem »Bildercyklus aus dem Leben der hl. Elisabeth« betraut, da Moritz v. Schwind für diesen Stoff nicht mehr zu haben war. Also abermals eine in Secundärbahnen führende Arbeit, worüber nur ein Bericht von J. Schrott (Beil. 9 »Augsburger Postzeitung« vom 26. Februar 1867) in die Oeffentlichkeit gelangte. H. empfahl sich durch achtzig kleine Aquarelle zu Wolfram's »Parcival« (die ebenso vergessen blieben, wie C. Hermann's frühere Fresken in der Residenz) seinem königlichen Maecen, der ihn mit vielen hohen Aufträgen begnadete, neben welchen H. noch hinreichend Zeit und Muße fand, seinen eigenen Lieblingsplänen und Phantasien nachzugehen. H. verarbeitete neuerdings italienische Erinnerungen (»Villa Mondragone bei Frascati«, »Mädchen aus Albano«, 1866 und »Procida«, 1868), machte sich an eine »Perdita« (aus Shakespeare's Wintermärchen) und warf sich schließlich, durch die zufällige Lectüre des Dio Cassius angeregt, auf die abenteuerliche »Cleopatra«, ließ es aber bei deren Tod bewenden – ein Thema, welches er als Gegenstück zu »König Lear«, im gleichen lebensgroßen Format behandelte (1869). Cleopatra machte genau dieselbe Rundreise wie »Lear«, um gleichfalls, nicht überall freundlichst begrüßt, doch mit etlichen Medaillen decorirt, dafür aber seekrank und buchstäblich abgespannt und von einigen Bretternägeln der Kiste durchbohrt, in ihres Autors Atelier zurückzukehren, wodurch die überhaupt etwas eigenartige Freude des Wiedersehens noch mehr getrübt wurde. Solch bittere Erfahrungen vergaß der Künstler bald über neuen königlichen Bestellungen: In kurzem hatte er, wie H. in einem nach Mannheim gerichteten Briefe rühmt, für die Lieblingssitze der Majestät in Linderhof, Fernstein u. s. w. Plafonds, Wandbilder, Sürportes, Gobelins zu malen; dazu kam, zur Erfüllung seiner von Jugend auf gehegten kühnsten Hoffnungen, ein Riesenbild von dreißig Fuß Länge und zwanzig Fuß Höhe als Illustration zu Richard Wagner's »Tannhäuser«. Nach vielen Aenderungen und Umarbeitungen wurde die Scene im Venusberg vollendet und in der berühmten blauen Grotte des Linderhofes als Rückwand untergebracht, infolge der Feuchtigkeit aber völlig zerstört, sodaß jetzt nur mehr ein kleiner Lichtdruck »von verschwundener Pracht zeugt«. Es war ein ungeheures Ballet von Grazien und luftdurchgaukelnden, Rosenguirlanden haltenden Amoretten, ein schwärmerisches »Dolce far niente«, eine unendliche Melodie von in Morphiumdusel verrauschten Visionen! Der frühe Verlust des Bildes ist vom Standpunkt der deutschen Kunst gewiß nicht zu beklagen. Zwischendurch überarbeitete H. frühere Stoffe (z. B. Mutter mit Kind, die Fiebermadonna, Perdita, »Italisches Bauermädchen« [1872], eine »Spinnerin« [1873]). Ein großes Fresko malte H. 1877 auf dem südlichen Campo santo für die Gruft der Familie Rigauer: die Kinderstube eines hier zur letzten Ruhe gebetteten Sprößlings, ein Bild, in welchem sich vielfache Anklänge an Schnorr und L. Richter und ein bedenkliches Schwanken zwischen Realismus und Idealität bemerklich machten. Eine »Flötenspielerin« und das »Liebesorakel«, welche erst 1882 ausgestellt wurden, waren wol schon früher entstanden. In seiner sehr schwerverdienten behaglichen Existenz dachte er alte Lieblingspläne aufzunehmen, da trat aber ein lange anpochendes Nervenleiden hemmend dazwischen. Schon 1879 und 1880 hatte der Patient im Alexanderbad Hülfe und Heilung gesucht, die Resultate jedoch nur zu bald wieder durch vorzeitige Arbeit getrübt. Seine Krankheit nahm in der Form einer Gehirnerweichung überhand. Einige Zeit assistirte unter dem Titel eines Schülers noch ein Wärter, welcher den an Thätigkeit gewöhnten Maler vor Ausschreitungen behütete. Endlich schloß er im Mai 1882 sein Atelier. Bisweilen loderte sein Bewußtsein klar auf, brach aber wieder zusammenhangslos nieder, bis der nur noch glimmende Funke erlosch. Sein Ende erklärte manche frühere Seltsamkeiten, wie die selbstgefällige Ruhmredigkeit über wirkliche oder erträumte Bestellungen u. s. w.

H. theilte mit Anderen das Unglück, ein Epigone der alten historischen Kunst zu sein. Er hielt an ihren Traditionen fest, ohne die schöpferische bahnbrechende Kraft seiner Vorbilder zu theilen. Der nachfolgende realistische Umschwung stieß ihn ab; beide desavouirten sich gegenseitig, was man im gewöhnlichen Leben auch zwischen zwei Stühlen sitzen heißt. Er war, obwol alle Vergleiche hinken, wie Abel de Pujol in seiner Art, zwischen zwei Richtungen eingeklemmt. Rühmenswerth bleibt seine Begeisterung für die ideale Seite der Kunst, seine innige Hingebung an dieselbe, sein unermüdlicher Fleiß und seine rastlose Ausdauer. – Jahre lang ging H. auf demselben Wege am frühesten Morgen nach seinem Atelier und verließ es erst bei dämmerndem Abend; ehrgeizige Arbeit war ihm alles. Nie trat er in die Ehe; nur im Kreise seiner Angehörigen, für die er, insbesondere für seine alte Mutter, auf das zarteste besorgt war, fand er Ruhe und Erholung. Mit Kunstgenossen verkehrte er nur in engster Wahl. Nie betheiligte er sich an einer Versammlung oder einem Feste seiner Collegen; allen Angelegenheiten und Fragen der Genossenschaft ging er aus dem Wege. Feinde hatte er nicht, aber auch wenige Freunde, eigentlich nur einen, der jedoch als Mensch und Künstler die höchste Achtung genoß. – König Ludwig II. verlieh an H. das Ritterkreuz I. Classe vom hl. Michael und die Ludwigsmedaille für Kunst und Wissenschaft.

Vgl. Regnet in den Münchener »Propyläen«, 1869, S. 160. – Seubert, Lexikon, 1878. II, 187. – H. A. Müller, Lexikon, 1882, S. 245. – Beil. 362 »Allgemeine Zeitung«, 30. Dec. 1883. – Kunstvereinsbericht f. 1883, S. 81. – Singer 1896. II, 145. – Fr. von Bötticher, 1895. I, 477 f. – Luise von Kobell, König Ludwig II., 1898, S. 321 f.

Hyac. Holland.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1905.

#14 – 12 – 32·33 (Simmerl)


Grabstätte
der
Familie Simmerl.


  • Simmerl, Josef, Dr.; – 16.9.1886 (Steinach am Brenner), 72 Jahre alt; Hofrat und ehemaliger Advokat

Todesanzeige für Dr. Josef Simmerl

Grab der Familie Simmerl auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familie Simmerl auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2011)

#14 – 12 – 34 (n. n.)


(Februar 2021)

(Mai 2018)

#14 – 12 – 36 (Hafen)


Beda Hafen
Schriftsteller
* 18.2.1875 † 16.2.1933


  • Hafen, Beda; 18.2.1875 (München) – 16.2.1933 (München); Schriftsteller

Abbildung aus: AZ am Abend Nr. 264. München; Montag, den 15. November 1926.

Grab der Familie Hafen auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familie Hafen auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2008)

#Beda Hafen

* 18.2.1875 (München)
† 16.2.1933 (München)
Schriftsteller

#AZ am Abend (15.11.1926)

Beda Hafen
Der imaginäre Lebenslauf eines Münchener Dichters

Beda Hafen, dessen eigenartiger und interessanter Kopf wohl den meisten Münchnern schon aufgefallen ist und der den bekannten Münchener Künstler Professor Hans Best zur Herstellung einer gelungenen Porträtbüste reizte, ist Württemberger, belastet mit dem unsteten Blute eines Vaters, der um die Mitte der vorigen Jahrhunderts halb Amerika durchwanderte und dem beweglichen Blute einer indianischen Mutter aus dem Grenzgebiet von Texas und Kansas.

Die Eltern müssen dem Knaben allerhand Energien vererbt haben, denn als junger Gymnasiast erledigte er in einem Jahre das Pensum von drei Jahresklassen, indem er nach Umfluß des ersten Schuljahres von der ersten Gymnasialklasse direkt in die vierte Gymnasialklasse übertrat.

So kam es, daß er nach bestandenem Examen noch zu jung für den Besuch der Landesuniversität war und eine längere Reise nach dem Orient antrat. Wegen Entführung der jüngsten Tochter des Sultans von Lahore wurde Beda Hafen in Wawrapur lebendig bis zum Halse eingemauert. Doch bereits in der vierten Nacht erschien die schöne Sultanstochter und fütterte den Märtyrer so reichlich mit Affenbrotbaumfrüchten, daß sein Körper an Umfang gewann und die Mauer sprengte. Hafen ritt nun auf einem weißen Elefanten über Kabul, Teheran und Bagdad und gelangte am 11. Mai 1896 an den Bosporus.

Hier ging ihm der Elefant ein und das Geld aus, so daß er gezwungen war, in Konstantinopel eine Stellung als Nachtwächter und Hundefänger anzunehmen. Hier war es nun, wo das Lieblingskind des verflossenen Sultans Abdul Hamid, Selima, auf den prächtigen Haarbalg des jugendlichen Nachtwächters aufmerksam wurde. Abdul Hamid ließ den Träger dieses Haarschopfes sofort ins Schloß rufen, kaufte ihm kurzerhand seinen Balg für 3000 Piaster ab und sicherte sich gleichzeitig das Vorkaufsrecht aus die Jahresschur für die Dauer von 24 Jahren.

Und wirklich erschien Jahr für Jahr immer kurz vor dem Beiramsfeste der Leibbarbier des Sultans bei Beda Hafen, schor ihn eigenhändig und übermittelt er ihm die ausbedungenen [?]nensumme. Noch heute ruht Selima, die inzwischen ihr Domizil an der Seine aufgeschlagen hat, ausschließlich auf Kissen, die mit Haaren von Beda Hafen gefüllt sind. Die Verleihung des Osman-Ordens, den als erster kein Geringerer als der Seeheld Nelson trug, ist ein Zeichen des Vertrauens, das Beda Hafen beim türkischen Herrscher genoß.

Bereits nach Umfluß eines Jahres hatte Hafen seine Stellung als Hundefänger und Nachtwächter aufgegeben und bezog, im Genusse der glänzenden Einnahmequelle aus dem Verkauf seiner Haare, die Universitäten Tübingen, München, Freiburg i. Br., studierte Philosophie und Rechtswissenschaft, hörte Vorlesungen über Kunst und Literatur, schriftstellerte seit 1900 in München, machte den Weltkrieg vom Anfang bis zum Ende als Offizier eines württembergischen Reserveregiments mit und wurde wiederholt verwundet und ausgezeichnet.

Im Jahre 1900 erfand Hafen die hutlose Mode, entging in Stuttgart mit großer Mühe den be- und handgreiflichen Nachstellungen eines Mützenfabrikanten und verschob den Eintritt einer Glatze um vierzig Jahre.

Beda Hafens sportliche Leistungen sind bekannt: Mit 18 Jahren durchschwamm er die Minnehaha-Wasserfälle in Nordamerika, mit 19 den Regensburger Strudel und mit 25 den Glockenbach in München.

Und nun kommen wir zu Beda Hafen als Schriftsteller. Gott Apoll und die neun Musen stunden seinerzeit an seiner Wiege und wimmelten nur so. Was hat Beda Hafen im Laufe der letzten 25 Jahre nicht alles verbrochen! Igel und Stachelschweine, wadenbeißende Köter, saftige Apfelsinen, Granatäpfel, Galläpfel, zuckersüße Birnen, exotische Pflaumen, Rosen, Nelken und widerborstige Saudisteln.

Das alles muß man gesehen haben, das alles muß man gekostet haben!

Hafen reitet den Pegasus nachklassischer Latinität ebenso schneidig wie das hochgezäumte Luftpferd des 16. und 17. Jahrhunderts, den schwarzen Hengst der Polemik ebenso kunstgerecht wie den niedlichen Zelter des Liedes, die Rosinante des romantischen Abenteuers ebenso freudig wie das mutwillige Springroß der lyrischen und erotischen Ballade, aber er kennt auch den Ritt auf dem deutschen Vollblut des vaterländischen Sanges.

Seil 25 Jahren liegen die literarischen Produkte Beda Hafens zerstreut in der Münchener »Jugend«, in den »Fliegenden Blättern« und vielen anderen Orten.

Die Herausgabe einer Auswahl unter dem Titel »Sprünge und Seitensprünge« ist in Vorbereitung. Hafens Weltanschauung scheint pessimistisch zu sein. Er singt im Schlußvers seines Malerliedes:

»Die Bilder werden aufgehängt;
Den Malern aber wird's geschenkt.
Es läßt sich wirklich nicht bestreiten:
Wir leben in humanen Zeiten!"

Dieselbe melancholische Stimmung spricht auch aus seinem »Werdegang des Rindvieh's«; dort schreibt er vom jungen Rind:

»Zwei Jahre geht's auf Kälberhaxen,
Dann ist das Rindvieh ausgewachsen
Als Stier, als Ochse oder Kuh.
Der Mensch braucht zwanzig Jahr dazu.«

Wenn Beda Hafens Buch erschienen sein wird, dann geht hin und kauft es in Massen!!

AZ am Abend Nr. 264. München; Montag, den 15. November 1926.

#14 – 12 – 38·39 (Zettler)


Relief mit zwei Porträts
Signatur Rechts
H. WADERE. 06.

FRANZ XAVER ZETTLER, GRÜNDER DER
KGL. HOFGLASMALEREI * 21.8.1841 † 27.3.1916.
THERESE ZETTLER, GEB. MAYER * 26.1.1843
† 25.8.1905. FRANZ ZETTLER, PROFESSOR
KGL. U. PÄPSTL. HOFGLASMALER * 11.2.1865
† 23.10.1949 RUHT IM WALDFRIEDHOF
THERESE ZETTLER, GEB. HINKER
* 17.3.1864 † 6.1.1930. FRANZ JOSEF
ZETTLER * 19.3.1897 GEFALLEN 20.9.1917
IN FLANDERN. REQUIESCANT IN PACE


  • Zettler, Franz, Prof. [in memoriam]; 11.2.1865 – 23.10.1949; Hofglasmaler
  • Zettler, Franz Josef; 19.3.1897 – 20.9.1917 (Flandern)
  • Zettler, Franz Xaver; 21.8.1841 (München) – 27.3.1916 (München); Gründer der königlichen Hofglasmalerei und Kunstsammler
  • Zettler, Therese (vh) / Hinker (gb); 17.3.1864 – 6.1.1930
  • Zettler, Therese (vh) / Mayer (gb); 26.1.1843 – 25.8.1905

Grab der Familie Zettler auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2012)

Grab der Familie Zettler auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

Grab der Familie Zettler auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

Grab der Familie Zettler auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

Grab der Familie Zettler auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2009)

#Franz Xaver Zettler

* 21.8.1841 (München)
† 27.3.1916 (München)
Gründer der königlichen Hofglasmalerei und Kunstsammler

#Allgemeines Künstler-Lexikon (1921)

Zettler, Franz Xaver, Glasmaler, geb. 21. Aug. 1841 in München, Schüler der Mayerschen Anstalt in München, die er übernahm und sehr in die Höhe brachte, so dass sie Hofglasmalerei wurde und ein Zweiggeschäft in London eröffnete. Mit Enzler und Stockbauer veröffentlichte Z. »Ausgewählte Kustwerke .. der reichen Kapelle .. in München«. Von ihm Christus auf dem Oelberg (Ulmer Münster), Abendmahl (das.), Ausgiessug des Hl. Geistes (das.), etc. Bayer. Nichaels-Ord., Oesterr. Franz-Josef-Ord., Italien. und Preuss. Kronen-Ord., Rumänischer Stern-Orden.

Allgemeines Künstler-Lexikon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Frankfurt am Main, 1921.

#14 – 12 – 41 (n. n.)


(Februar 2021)

#14 – 12 – 43 (Kusswetter)


Grab der Familie Kusswetter auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2018)

#14 – 12 – 44·45 (Kampferseck)


TOT IST NUR WER VERGESSEN IST

HIER RUHET
UNSER INNIGSTGELIEBTER GATTE UND BESTER VATER
HERR JOSEF KAMPFERSECK
BAUMEISTER.
GEB. AM 29. MÄRZ 1841 GEST. AM 3. JULI 1907.
IHM FOLGTE
UNSERE UNVERGESSLICHE MUTTER UND GROSSMUTTER
FRAU MARIE KAMPFERSECK
GEB. SETTERL
GEB. AM 16. MAI 1845 GEST. AM 16. MAI 1912.

R. I. P.


  • Kampferseck, Josef; 29.3.1841 – 3.7.1907; Baumeister
  • Kampferseck, Marie (vw) / Setterl (gb); 16.5.1845 – 16.5.1912

Grab der Familie Kampferseck auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familie Kampferseck auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2008)

#14 – 12 – 46 (n. n.)


(Februar 2021)

#14 – 12 – 47 (n. n.)


(Februar 2021)

#14 – 12 – 52 (Kirchmaier)


Grab der Familie Kirchmaier auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familie Kirchmaier auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

#14 – 12 – 54 (n. n.)


(Juli 2016)

(Juli 2016)

#14 – 12 – 55 (Dall’Armi)


FAMILIE
von DALL’ARMI


  • Dall’Armi, Andreas Michael Ritter von; 11.11.1765 (Trient) – 27.4.1842 (München); Bankier und Kaufmann
  • Dall’Armi, August Ritter von, Dr. med.; 29.9.1806 (München) – 22.8.1885 (Aichach); Pensionierter königlicher Bezirksgerichtsarzt (zuletzt in Weilheim)
  • Dall’Armi, Friedrich Andreas von; 24.5.1824 (München) – 14.4.1888 (München); Königlich bayerischer Hauptmann a. D.

Grab der Familie Dall’Armi auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familie Dall’Armi auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)