SECTION 9

rot: Zählrichtung der Grabreihen · schwarz: Zählrichtung der Grabnummern

#9 – 1 – 1·2 (Raglovich zum Rosenhof)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Raglovich zum Rosenhof, Klemens von; 29.6.1766 (Dillingen/Schwaben) – 3.1.1836 (München); General

Grab der Familie Raglovich zum Rosenhof auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

Grab der Familie Raglovich zum Rosenhof auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2015)

#Klemens von Raglovich zum Rosenhof

* 29.6.1766 (Dillingen/Schwaben)
† 3.1.1836 (München)
General

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Raglovich zum Rosenhof Clement, von, 1766 (Dillingen/Schwaben) – 1836, General der Infanterie, Direktor des Topographischen Bureaus und Reichsrat der Krone Bayern; R. begann seine soldatische Laufbahn als Secondemajor im Reichskontingent (Schwäbischer Kreis) – Regiment Fürstenberg –, zuletzt war er dort Oberst, als welcher er 1803 in die bayerische Armee übernommen wurde (1806 Generalmajor und Brigadier); er hat an allen Feldzügen von 1792–1815 teilgenommen, wobei er viermal verwundet wurde; sein letzter militärischer Dienstgrad war als Chef der 2. Sektion des Kriegsministeriums General der Infanterie; in dieser Eigenschaft hat R. das bayerische militärische topographische Büro ins Leben gerufen, das sich um die Landesvermessung und die Herausgabe der Landkarten sehr verdient gemacht hat, für seine Leistungen wurde er von König Max I. zum lebenslänglichen Reichsrat der Krone Bayern ernannt.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#9 – 1 – 3 (Deisenrider · Stockhammern)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Deisenrider, Anna; – 6.7.1875 (München), 58 Jahre alt
  • Deisenrider, Antonia (vw); – 7.4.1855 (München), 67 Jahre alt; Postsekretärs-Witwe
  • Deisenrider, Franz Xaver; – 10.12.1855 (München), 34 Jahre alt; Generalpostsekretärs-Sohn
  • Deisenrider, Franz Xaver; – (15).11.1842 (München), 68 Jahre alt; Postsekretär
  • Deisenrider, Maximilian; – 3.7.1870 (München), 68 Jahre alt; Ehemaliger Hoffischmeister
  • Stockhammern, Ferdinand von; – 28.3.1879 (München), 70 Jahre alt; Major
  • Stockhammern, Therese von (vw) / Deisenrider (gb); – (12).8.1899 (München), 84 Jahre alt; Majors-Witwe

Todesanzeige für Maximilian Deisenrieder

Todesanzeige für Anna Deisenrieder

Todesanzeige für Ferdinand von Stockhammern

Grab der Familien Deisenrider · Stockhammern auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2016)

#9 – 1 – 4·5 (Haubl · Meier)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Haubl, Anna; – (9).1.1869 (München); Uhrmachers-Tochter
  • Haubl, Ursula (vh); – 25.9.1867 (München), 29 Jahre alt; Schwarzwälderuhrmachers-Gattin
  • Meier, Anna; – 15.7.1874 (München), 12 Jahre alt, Adoptiv-Tocher von Anna und Josef Haubl

Todesanzeige für Anna Meier

Grab der Familien Haubl · Meier auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#9 – 1 – 6…9 (Pschorr)


Sarkophag
Grabstätte der Familie Pschorr

Linke Spalte
Josef Pschorr
Privatier u. vormaliger Besitzer der
Brauereien zum Hacker u. Pschorr
geboren den 2. Juni 1770, gestorben den 3. Juni 1841.
Ihm folgte seine Gattin
Elisabeth Pschorr
geb. Blaß
geboren den 30. März 1798, gestorben den 25. Jänner 1874.

Ruhe ihrer Asche!

Rechte Spalte
Georg Pschorr Sen.
Privatier u. ehem. Bierbrauereibesitzer z. Pschorr
geboren den 16. März 1798, gestorben den 12. März 1867.
Juliana Pschorr geb. Riegg
Bierbrauers und Realitätenbesitzers-Gattin.
geboren den 17. Febr. 1809, gestorben den 15. Okt. 1862.


  • Pschorr, Elisabeth (vh) / Blaß (gb); 30.3.1798 – 25.1.1874 (München); Bierbrauers-Witwe
  • Pschorr, Georg; 16.3.1798 – 12.3.1867 (München); Bierbrauer
  • Pschorr, Josef; 2.6.1770 (Kleinhadern) – 3.6.1841 (München); Bierbrauer
  • Pschorr, Juliana (vh) / Riegg (gb); 17.2.1809 – 15.10.1862 (München); Bierbrauers-Gattin

Todesanzeige für Josef Pschorr

Todesanzeige für Juliana Pschorr

Todesanzeige für Georg Pschorr

Todesanzeige für Elisabeth Pschorr

Grab der Familie Pschorr auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

Grab der Familie Pschorr auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

Grab der Familie Pschorr auf dem Alten Südfriedhof München. Abbildung aus: Gambrinus. Humoristisches Münchener Taschenbuch für das Sudjahr 1853/54. München, 1853.

Grab der Familie Pschorr auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#Josef Pschorr

* 2.6.1770 (Kleinhadern)
† 3.6.1841 (München)
Bierbrauer

#Bayerische National-Zeitung (15.1.1837)

Miszellen.

München 14. Jäner. Es kann den Lesern der National-Zeitung nicht unangenehm sein, zu hören, wie Einer unserer würdigsten Bürgerveteranen, Pschorr der Vater, in fast jugendlicher Frische die Särge für sich und seine würdige Gattin am Kirchhofe, eigens dazu anwesend, für das Grab probiren ließ, ob sie nicht zu lang nicht zu kurz, nicht zu breit und nicht zu hoch seien. Andere fürchten sich schon vor dem Gedanken an die Ruhestätte der Todten – der ehrwürdige Pschorr läßt dagegen für sich und die Seinige noch bei Lebzeiten die Särge verfertigen und sieht mit eigenen Augen sein künftiges ewiges Ruhebett. Bürgern, die sich auf solche Weise mit dem Gedanken an den Tod befreunden, wird auch die letzte irdische Stunde süß und um so entfernter sein, je gewissenhafter dieselben auf die ordentliche Führung des Lebens gesehen haben und sehen.

Bayerische National-Zeitung Nro. 9. Sonntag, 15. Januar 1837.

#Nürnberger Allgemeine Zeitung (9.6.1841)

München, 6. Juny. Der reiche Bierbrauer Pschorr bot dem Publikum nach seinem Tode noch ein prunkvolles Schauspiel. Nachdem der Körper des Verstorbenen mehrere Tage in einem reich dekorirten Saale seines Hauses ausgestellt war, bewegte sich diesen Abend 5 Uhr der unabsehbar lange Leichenzug durch die vollgedrängten Straßen, an seiner Spitze mehr als 200 Fackelträger, größtentheils Genossen verschiedener Gewerke. Zu den Eigenheiten des Verblichenen gehörte, daß er schon seit Jahren seinen Sarg im Hause bewahrte, den er vor wenigen Wochen mit frischem Firniß überziehen ließ.

Nürnberger Allgemeine Zeitung Nro. 160. Mittwoch, 9. Juny 1841.

#Passavia (12.10.1841)

Der am 3. Juni l. J. in München verstorbene Privatier und vormalige Bierbrauer Joseph Pschorr, hat in seinem Testament nachstehende fromme Vermächtnisse bestimmt: zur Verbesserung des Benefiziums am Gottesacker einen Jahrtag in die Kirche zu St. Stephan dahier 1600 fl., dem Armenfonde in München 800 fl., dem Waisenfonde daselbst 800 fl., dem allgemeinen Krankenhause daselbst 800 fl., dem Blinden-Institute das. 800 fl., der Kinderbewahranstalt daselbst 800 fl., der Kinderbewahranstalt für Au und Haidhausen 800 fl.; zusammen 6400 fl. Se. Maj. der König haben zu befehlen geruht, daß diese, von dem frommen und wohlthätigen Sinne des Erblassers zeugenden Vermächtnisse durch das Regierungsblatt zur allgemeinen Kenntniß gebracht werden.

Passavia No. 283. Passau, Dienstag 12. Oktober 1841.

#Neuer Nekrolog der Deutschen (1843)

Joseph Pschorr,
Bierbrauereienbesitzer zu München;
geb. d. 2. Juni 1770, gest. d. 3. Juni 1841.

Unter Münchens ausgezeichneten Bürgern der gewerbetreibenden Klasse nimmt P. einen verdienten ehrenvollen Platz ein. Dieser würdige Mann hat einen erfreulichen Beweis geliefert, was Rechtschaffenheit, Thätigkeit, Ordnungsliebe und Sparsamkeit im bürgerlichen Leben mit geringen Mitteln vermögen.

Seine Eltern waren wackere nicht unbemittelte Bauersleute zu Kleinhadern im Landgerichtsbezirke München, welche dem mit guten natürlichen Anlagen ausgestatteten Sohn eine gewissenhafte sittlich-religiöse Erziehung gaben. Er hatte Vorliebe zum Brauwesen und widmete sich diesem Geschäfte. Zu München in dem Oberkandler Brauhause trat er in die Lehre und machte darin bald ausnehmende Fortschritte. Nachdem er in diesem Haus etliche Jahre in Diensten gestanden, kehrte er wieder einige Zeit zum Betriebe der Landwirtschaft auf sein väterliches Hofgut zurück, übernahm aber in der Folge das Hacker’sche Brauhaus in der Sendlingerstraße zu München durch Heirath der Tochter seines Vorfahres, Therese Hacker. Sein Vermögen mochte damals beiläufig 10,000 Fl. und das seiner Gattin ungefähr in halb so viel bestanden seyn. Als sie ihr Brauanwesen antraten, war es sehr verschuldet, ja dem Ruine fast nahe gekommen.

Aber durch kluge Leitung, beharrlichen Fleiß und strenge Ordnung hob P. mit ausgezeichneter Geschicklichkeit in kurzer Zeit seinen Gewerbsbetrieb auf eine hohe Stufe. Das Hacker Bier gewann allenthalben den besten Ruf, P.’s Wohlstand stieg sichtlich, so daß er bald auf die Vergrößerung seiner Brauerei bedacht seyn konnte. Zur Verdoppelung der Quantität seiner Biererzeugung begann er das Sudwerk auf 2 Pfannen zu führen.

Im J. 1813 unternahm er außer der Stadt vor dem Karlsthor am Ende der jetzigen Baierstraße auf einem meist öden oder zu ungeheuern Sandgruben benutzten Grundstücke von 8–10 Tagwerken zwischen der Hochstraße nach Landsberg und dem Marsfeld auf dem Platze, welcher in der Vorzeit der Galgenberg hieß, die Errichtung eines so großartigen Kellergebäudes in 2 Hauptabtheilungen mit Remisen, Holzmagazinen, Gartenanlagen u.s.w., wie man desgleichen vorher zu München noch nicht gesehen hatte, alles nach eigenen Angaben und mit Ueberwindung aller Schwierigkeiten, welche in dem ungünstigen Terrain lagen. Die erste Abteilung desselben brachte er noch im J. 1813 zu Stande, die andere und den ganzen Bau vollendete er erst im J. 1824. Die Baukosten werden auf eine Summe von 400,000 Fl. angeschlagen. Beiläufig 60,000 Eimer Bier können in diesen Kellern gelagert werden. Im J. 1840 wurde ganz in der Nähe der Bahnhof der Münchner-Augsburger Eisenbahn angelegt.

Inzwischen kaufte P. im J. 1820 in der Stadt die kleine fast ganz in Verfall gerathene Braustätte, genannt zum Bauernhansel, in der Neuhausergasse, nebst 4 anstoßenden kleinen Wohnhäusern, ließ diese Gebäude sämmtlich demoliren und baute auf deren Stelle mit einem Koftenaufwande von beiläufig 250,000 Fl. ein kolossales Brauhaus, das allgemein bekannte Pschorr’sche Brauhaus. Im J. 1825 wurde jedoch P.’s Glück auch durch eim herbes Mißgeschick getrübt. Am 13. März d. J. entstand Nachts in seinem Brauhaus in der Sendlingergasse ein großer Brand, welcher es nebst den bedeutenden Vorräthen zu Grunde richtete. Bei diesem Unglücke bewies er einen hohen Grad seltener Geistessstarke. Stets gegenwärtig da, wo die Gefahr am größten war, ordnete er mit eben so viel Umsicht als Fassung und Ruhe die Arbeiten, um dem Brande sowohl im Innern so viel möglich Einhalt zu thun, als dessen Verbreitung auf die Nachbarschaft zu verhindern. Er hatte einen Schaden von mehr als 80,000 Fl.

Allein der thätige und umsichtsvolle Mann war dadurch nicht entmuthigt; er bedurfte auch nicht einmal der ihm vielfältig dargebotenen, aber von ihm erkenntlich abgelehnten Hilfe, er kaufte vielmehr noch 2 kleinere Nebengebäude zum Abbruch und errichtete ein stattliches sehr großes Brau- und Wohngebäude, forthin das Hacker’sche Brauhaus in der Sendlingergasse genannt, mit einem Aufwande von beiläufig 150,000 Fl.

Das Sudwerk hatte er mit solcher Schnelligkeit wieder hergestellt, daß schon ein Paar Wochen nach dem Brande wieder gebraut wurde. So wirkte P. rastlos bis in das J. 1834. Am 21. Sept. dieses Jahres übergab er seinen 2 jüngeren Söhnen die beiden großen Bierbrauereien. Matthias erhielt das Hacker’sche, Georg das Pschorr’sche Brauhaus. Ueber die 2 Hälften des großen Kellergebäudes ließ er das Loos entscheiden. Der nördliche Theil fiel an Matthias, der südliche an Georg. Schon mehrere Jahre vorher nach jeder Bauvollendung hatte er Jedem derselben die völlige Verwaltung einer der beiden Brauereien mit förmlicher Besoldung, unter seiner Direktion, übertragen.

Diese beiden thätigen Männer fahren in ihrem Geschäftsbetriebe ganz im Geist und nach dem Vorbild ihres Vaters fort. In welchem Flore sie ihr ausgebreitetes Geschäft erhalten haben, erhellet aus der großen Quantität ihres Gerstenmalzverbrauches; so hat z. B. das Hacker’sche Brauhaus für das Sudjahr 1839–1840 in 400 Suden 7606, für 1840–1841 in 404 Suden 7568 und für 1841 bis 1842 in 416 Suden 7716 Scheffel, die Pschorr’sche Brauerei für das Sudjahr 1839–1840 in 382 Suden 7200, für 1840–1841 in 357 Suden 6749 und für 1841–1842 in 411 Suden 8040 Scheffel [Ein baier. Scheffel hat 4,0457 preuß. Scheffel oder 2,2236 franz. Hektoliter.] Gerstenmalz verbraucht, sonach für das letzte Sudjahr beide zusammen 15,756 Scheffel und folglich, da nach den Angaben in öffentlichen Blättern der Gesammtverbrauch aller Privatbrauereien braunen Bieres in der Stadt München (ohne die Vorstadt Au) für dieses Jahr 107,176 Scheffel Malz betrug, allein mehr als der siebente Theil des von denselben überhaupt erzeugten Bieres geliefert.

P.’s älterer Sohn, Kaspar, hatte sich schon lange vorher nach Wien begeben, wo er als Essigfabrikant ein ansehnliches Haus in der Vorstadt Landstraße besitzt.

Als P. sich von dem Hauptgeschäfte zurückzog, erbaute er für sich noch ein besonderes großes Haus im schönen Baustyl auf dem Hauptmarktplatze Münchens (Schrannenplatze) an der Stelle von 2 zu diesem Zweck angekauften Häusern mit einem Aufwande von beiläufig 250,000 Fl., das eine Zierde dieses Platzes ist. Alle von ihm ausgeführten Bauten tragen das Gepräge außerordentlicher Festigkeit, Dauerhaftigkeit und Großartigkeit an sich, so auch sein Familiengrabmonument mit Gruft, welches er auf dem allgemeinen Leichenacker mit einem Kostenaufwande von 6000 Fl. errichtete. Er endete sein Leben an Altersschwäche, mit der Beruhigung, die Seinigen zum sorgenfreien Wohlstände gebracht und in seinem Wirkungskreis Alles geleistet zu haben, was ihm möglich war.

Er besaß einen festen, nicht zu erschütternden Charakter, was er einmal aus reiflich überlegten Gründen beschlossen hatte, das mußte zur Ausführung kommen. Er war eben so wohlthätig als religiös. Schon einige Jahre vor seinem Ableben hatte er sich seinen Sarg verfertigen und in einem Gemache seines Wohnhauses aufstellen lassen, mit solcher Ruhe sah er dem Tod entgegen.

Durch letztwillige Verordnung vermachte er 800 Fl. zum allgemeinen Krankenhause, 800 Fl. dem Waisenhause, 800 Fl. dem Blindeninstitute, 800 Fl. dem Armenfonde, 800 Fl. der Kleinkinderbewahranstalt zu München und 800 Fl. jener in der Vorstadt Au, dann 1600 Fl. zur Verbesserung des Beneficiums der St. Stephanskirche am Gottesacker zu München, mit der Verbindlichkeit eines solennen Jahrtagsgottesdienstes an seinem Sterbetage. Jedem der Dienstboten in seinen und seiner beiden Söhne Diensten zur Zeit seines Ablebens vermachte er eine vollständige Trauerkleidung und denen, welche schon 4 Jahre in Diensten standen, 200 Fl., denen zwischen 3 und 4 Jahren 150 Fl., denen zwischen 2 und 3 Jahren 100 Fl. und den übrigen unter 2 Jahren Jedem 25 Fl.

P. war 4 Mal verehelicht. Er sah bei der Wahl seiner Gattinnen nicht auf Vermögensverhältnisse, sondern nur auf Sittsamkeit, Rechtschaffenheit und häusliche Tugenden. Seine erste Gattin verlor er schon nach 5 Jahren glücklicher Ehe; die vierte, Elisabeth Blaß, hinterließ er als 43jährige Witwe mit einem ansehnlichen Witwengehalt und dem Besitze des oben erwähnten schönen Hauses auf dem Schrannenplatze. Außer den oben genannten 3 Söhnen aus P’s erster Ehe hinterblieben aus der zweiten und dritten noch 4 Töchter, von denen eine unter dem Namen Theresia Augustina den Schleier als Nonne des Ordens der Salesianerinnen in dem Kloster zu Dietramszell in Oberbaiern genommen hat.

Neuer Nekrolog der Deutschen. Weimar, 1843.

#Gambrinus (1853)

I.

Joseph Pschorr.

Biographische Skizze.
Te facta dicunt.

Wo könnt‘ ich meinen projektirten Biographien-Ciklus besser beginnen, als mit dem Manne, der ausgestattet mit ächtem Bürgersinn, mit wahrer Gottesfurcht und eifriger, nie rastender und nie müder Menschenliebe, es noch überdieß bewiesen hat, was ein Mann mit weiter nichts, als mit seinen fünf Sinnen, mit Verstand, Thätigkeit, Sparsamkeit, vorzüglich aber mit dem, was jedes Mannes höchste Zierde ist; mit – Charakterstärke in einem kleinen Menschenleben zu erwerben, zu schaffen, herzustellen und auszurichten im Stande sei. Und dieser Mann war der Münchener Bürger und Bierbrauereienbesitzer Pschorr.

Kaum dem oberflächlichsten Beobachter, der in dem aufgehäuften, reichen Schatz der Münchener Merkwürdigkeiten sozusagen nur nascht, wird es entgehen, daß neben den imposanten, herrlichen König-Ludwigs-Bauten noch etliche Gebäude und Aufführungen stehen, die sowohl durch Kolossalität als durch Solidität sich vor Allen andern bemerkbar machen und unsere Wißbegierde reizen.

Wer könnte z. B. von der Bavaria zurückfahren, oder gar auf der Landsberger Landstraße hinaus, herein wandeln und nicht fragen: Wer hat über dem ungeheuren Erdaufwurf dort wieder das ungeheure Gebäude aufgeführt? Und unwillkührlich fallen ihm die mythischen Giganten ein, die auch Berge auf Berge gethürmt; allein wie dieses aus leidenschaftlicher Vermessenheit, so geschah jenes in ruhig-kluger Bemessung und Besonnenheit, und ist das kolossale Gebäude, das wie die deutsche Eiche sein Wurzelwerk eben so tief in die Erde gräbt, als es sein Kronwerk in die Lüfte streckt, weiter nichts, als das korrespondirende Kellerhaus zu den beiden Großbrauereien »Hacker« und »Pschorr« in der Stadt. Das wahrhaft grandiose Bauwerk mit zwei davorstehenden netten Lusthäuschen für die Elite von Stammgästen bei grobem Wetter und im Winter, umgibt weiter auf dem Walle mit den Bänken und Tischen für die Sommergäste ein grüner Kranz von kühlbeschattenden Linden und Kastanien. Einige davon, wahrscheinlich die Erstlinge der Pflanzung, sind mit wahrhaft »Pschorr’scher Munifizenz« durch massive Eichenvergitterung vor irgend möglicher Beschädigung geschützt und sichergestellt.

Um die Großartigkeit oder vielmehr den Reichthum der Ausstattung voll zu machen, ist, außer den Wallgräben, das weitläufige Ganze mit einem wohl zweimannshohen, ebenso massiven Stakettenzaun umgürtet – Saul, Bodenschwärtling, Stäbe und Balken, Alles und Jedes von Eichenholz!

Ein Werk, kostspielig und werthvoll, ja so kostbar und kostspielig, daß es von jedem Andern als Ostentation und Luxus, statt Lobes und Bewunderung, eher eine Rüge verdiente. Aber bei Pschorr ist das anders: besuche und besieh dir nur seine zwei Brauereien, die »Hacker’sche« in der Sendlinger- und die »Pschorr’sche« in der Neuhauserstraße, besieh sie dir wohl von außen und innen, und spaziere dann auf den (alten) Schrannenplatz und beschaue dir wieder das Haus, das er seiner Frau zum »Wittwensitz« erbaut hat, besieh es dir wieder wohl von innen und außen, und dann mache den weiteren Spaziergang hinaus auf den Kirchhof und betrachte dir sein Grabmal – Eines wie das Andere – kolossal, mit ungeheurem und ungescheuten Kostenaufwand! Eines wie das Andere bis ins Kleinste durchdacht, seinem Zweck entsprechend und für – ewige Dauer! Ohne daß man fragt, erscheint uns als Urheber alles Dieses ein Mann von außerordentlicher Willenskraft, von ebenso großem, praktischen Verstande und von Alles überragender Thätigkeit und Ausdauer! Nun, und ein Mann mit diesen Eigenschaften und Vorzügen ist auch im Stande durch Beischaffung materieller Mittel seinen Plänen und Conceptionen den sichtbaren Ausdruck, die körperliche Existenz zu verleihen. Daß auch die zeitlichen und politischen Verhältnisse nicht im Wiederspruch seyn dürfen, versteht sich von selbst.

Und so war es bei Pschorr. Die großen, französischen Kriegswirren waren allgemach vorüber, als er in voller Mannesreife seine schöpferischen Gedanken zu verwirklichen anfing.

Welcher redliche Biertrinker, nur von einigem gesetzten Alter, erinnert sich nicht noch der Calamität und des gerechten Jammers, wenn bei kaum begonnenem Herbste die Märzenfässer leer und Krug und Glas mit jenem abominablen Gesöff von sogenannt »gemeinen Bier« gefüllt vor Einem standen! Wie langte nicht Einer um den Andern seine Muskatnuß aus der Tasche und schabte und rieb und bröselte und rührte sie in sein hefenduftiges »Getränk,« und wieder, wie Andere, die das nicht mochten oder nicht vermochten, das Salzdöslein auf dem Tisch in Anspruch nahmen, und wie sie dann trotz dem Sämmtlich noch mit einem trommelartig gespannten Unterleib nach Hause gingen, und mit der gerechten Sorge: wie wird es mir heute Nacht, wie morgen früh, und den ganzen Tag ergehen??!

Nicht wahr, mein lieber, ehrlicher Gambrinese, das weißt du, sieh, und das wußte und sah Pschorr auch, aber er war mit dem bloßen Sehen und Wissen nicht zufrieden – er sann auf Mittel und Wege, dem Uebelstande zu steuern und – ersann und fand sie; mit ihnen aber auch zugleich die Quelle seines bis ins Unglaubliche wachsenden Wohlstandes, sowie seines Verdienstes und Nachruhmes! Kein Mensch wollte fortan, wenn jene gefürchtete Herbstzeit gekommen war, ein anderes als »Hackerbier« trinken. Die Wirthe aus Stadt und Vorstadt, die Wirthe von nah und fern kamen, das Geld in den Händen und die flehendlichste Bitte auf den Lippen, zu »Herrn Pschorr« um Hackerbier, nun, und dann that Herr Pschorr, was Jeder von uns an seiner Stelle auch würde gethan haben: er gab, soviel er erzeugen und ablassen konnte, an die besten und zuverläßlichsten Wirthe und – die andern ließ er laufen. Sieh‘, und aus diesem allereinfachsten, rein natürlichen Verfahren und Gebahren floßen ihm goldene Bäche, die aber unter seinen Händen neben unzähligen Wohlthaten und Gewinnausfall an seine Mitbürger sich zu Palästen thürmten und was noch mehr ist, zu einem ehrenhaften, festgegründeten, ja fast unvergänglichen Wohlstand seiner zahlreichen Nachkommenschaft.

Doch, was ich für ein seltsamer Biograph bin, und der kundige Leser mag wohl merken, daß dies meine erste biographische Arbeit ist; denn jetzt hab ich schon so Vieles erzählt und noch immer die Hauptsache verschwiegen, nämlich: wie dieser außerordentliche Mann, Pschorr, mit seinem Taufnamen geheißen, und wann und wo er das Licht der Welt erblickt hat? Ei denn, verzeihe, lieber Leser! und höre:

Joseph hat er mit seinem christkatholischen Taufnamen geheißen, schlicht und schlechtweg Joseph und nichts weiter, und sein Geburtsjahr ist, wo in Oestereich der große Kaiser Joseph bald seiner großen Mutter, der Kaiserin Maria Theresia mitregieren helfen durfte, und wo hier zu Lande der ebenfalls unvergeßliche Churfürst Maximilian Joseph III. sein gelindes Zepter schwang, nämlich das Jahr 1770, und das unfern von München gelegene Kleinhadern ist sein Geburtsort, und eine nicht allzugroße Bäuerei daselbst sein Vaterhaus. Ja, Hadern, das nach alten Schriftstellern altrömische Hadrianum, ist sein Geburtsort, und Schade, daß besagte Schriftsteller sich nicht auch über den Namen Pschorr hergemacht haben; denn das Psch, dann das doppelte rr ist jedenfalls aus Elision und Compression hervorgegangen und lautete vielleicht in seiner vollen Entfaltung ebenfalls urrömisch – (?) –, Schade!

Joseph war der einzige Sohn seiner Eltern, die sich ebenfalls durch Rechtschaffenheit, Sparsamkeit und Tätigkeit unter ihres Gleichen ausgezeichnet hatten; in allen Uebrigen hielten sie wahrscheinlich das Niveau der Uebrigen, indem unser Joseph erst groß und als Brauknecht in München seinen Namen schreiben lernen mußte.
Auffallend aber ist mir, der ich die Zähigkeit des Land- und Dorfbewohners kenne, daß Joseph, der einzige Sohn und Erbe vom geliebten Vaterhaus schied und daß er scheiden durfte. Ich ersehe daraus den scharf und streng ausgesprochenen Beruf, der sich in unverderbten Naturen immer als ein unwiderstehlicher Trieb zu erkennen gibt. Der Bauerssohn Joseph hatte den Beruf: der Verbesserer eines Hauptnahrungszweiges des bayerischen Volkes, überhaupt des kultivirten Menschen, und dadurch Einer der ersten und ausgezeichnetsten Bürger Münchens zu werden! Diesen Beruf hatte er, nicht aber den kleinen, bescheidenen seiner Eltern und seines Ortes: eine Weile unbeachtet in der Erde umzuwühlen und dann unter sie zu versinken und vergessen zu seyn.

Als Joseph Pschorr des Brauhandwerks mächtig, ja vielleicht schon im Besitze einiger Vortheile darin sich wußte, übernahm er durch Ehelichung der Tochter das »Hacker’sche« Bräuanwesen, und lud sich mit dieser Übernahme keine geringe Last und Sorge auf die Schultern, indem – wie der Nekrologist schreibt – »dasselbe hoch verschuldet, ja seinem völligen Ruine nahe gekommen war. Aber eben in diesem Besitze bewies er thatkräftig, was Fleiß, beharrliche Ordnung und sparsamer Sinn Gutes zu wirken vermögen.«

»Bald hob sich der Hacker’sche Gewerbsbetrieb auf überraschende Weise und das Münchener Hackerbier gewann allenthalben einen bevorzugten Ruf. Der Wohlstand des Bräuers Pschorr nahm sichtlich zu, und zwar in dem Maaße, daß er schon im Jahre 1819 auf Vergrößerung seines Geschäftes denken konnte. Demgemäß kaufte er sich 1820 ein kleines, fast gänzlich ruinirtes Bräuanwesen in der Neuhausergasse nebst 4 Wohnhäusern, und errichtete das nun kolossal dastehende Pschorr’sche Bräuhaus, war dadurch doppelter, im eigendlichen Sinn des Wortes Großbräuer.«

»Wie aber dem Glücke, um es vorsichtiger und besser genießen zu können, manchmal ein Tropfen Mißgeschicks von der Vorsehung beigemengt wird, so war es auch bei Pschorr der Fall. Es brannte ihm nämlich am 13. März 1825 sein Bräuanwesen in der Sendlingergasse ab. Allein der vorsichtige Geschäftsmann sorgt auch für mögliche Uebel schon voraus. So Herr Pschorr. Noch ehe 4 Wochen nach dem Brande vergingen, war das Sudwerk wieder in Thätigkeit, und selbst König Max kostete von dem neu erzeugten kräftigen Stoffe. Pschorr aber bedurfte auch nicht der geringsten, ihm vielfältig dargebotenen Hilfe, er kaufte vielmehr noch zwei Nebenhäuser, und errichtete auf deren Ruinen das nun stattlich aussehende Hacker’sche Bräu- und Wohngebäude in der Sendlingergasse. Früher schon hatte er nach eigenen Angaben das an der Pasinger-Landstraße liegende großartige Keller-Gebäude errichten lassen.«

Pschorr hatte während seines vielbewegten, thatenreichen Lebens 4 Gefährtinen, und sollte den in Gedanken, Unternehmung und Ausführung gleich großartigen Mann auch nicht Jede erkannt und begriffen haben, Eine, die Letzte – zu ihrer Ehre sei es gesagt! – hat ihn vollkommen zu würdigen verstanden. Sie ist es, die mit ihrer Liebe und Milde erst den rechten Frieden in sein Herz, den wahren Segen in sein Thun und Walten gebracht hat. Aber auch nur eine Solche konnte es ertragen, daß sie, an einer Zwillingsgeburt noch darniederliegend, aus dem Brande geflüchtet und in die Nachbarschaft in Schutz und Sicherheit gebracht, ihres theuren Mannes fast volle 3 Wochen nicht ansichtig ward; denn – sie kannte ja ihren Mann! – vor Allen mußte sein zerstörtes Sudwerk wieder in Gang und Thätigkeit gesetzt werden und – ward es auch, wie schon gesagt, eh noch ganze 4 Wochen um waren – dann freilich gab es ein Wiedersehen und eine gegenseitige Herzergießung!

Doch jedes, auch des größten Menschen Wirkungskreis hat seine Gränzen, jedes, auch das sonnigste Leben, wird schwächer und blässer und – doch wir wollen wieder einen Nekrologisten reden lassen. – »So wirkte und schuf Joseph Pschorr zum Wohl der bürgerlichen Gesellschaft und der Seinigen bis zum Jahre 1834, wo er seinen zwei Söhnen, Georg und Mathias seine beiden Braustätten durch’s Loos übergab, wo dann dem Herrn Georg Pschorr die Braustätte in der Neuhauserstraße – dem Herrn Mathias Pschorr das in der Sendlingerstraße gelegene Brauhaus zufiel. Sein letzter Bau war alsdann der des prächtigen, massiven Gebäudes am Schrannenplatze, wohin er sich von seinem angestrengten, thätigen Leben zurückzog, um seine letzten Lebensjahre in Ruhe hinzubringen.So überraschte ihn der Tod am 3. Juni 1841, den Tag nach seinem 71. erlebten Geburtstage, und er starb, wie sich die Todesanzeige so schön ausdrückt: sanft und selig in dem Herrn, getröstet und gestärkt durch die heiligen Sterbsakramente, an Altersschwäche, den Tod des mit seinem verflossenen Leben völlig zufriedenen Menschen. Bayern verlor an Ihm einen seiner ersten Bürger, die Armen Münchens einen großmüthigen Wohlthäter, seine Familie den zärtlichsten Gatten und Vater, und seine Freunde und Bekannten den edelsten, biedersten Freund. Die Erde sei Ihm leicht!«

Der verblichene Privatier und ehmalige bürgerliche Bierbrauereienbesitzer Joseph Pschorr hinterließ eine zahlreiche Familie in tiefster Trauer um ihn und in gerechtester Betrübniß. Die Todesanzeige lautet:

Indem wir diesen für uns höchst schmerzlichen Todesfall den geehrten Freunden und Bekannten des Verblichenen anzeigen, empfehlen wir den Verstorbenen Ihrem liebenden Andenken und uns Ihrem stillen Beileide

München, den 3. Juni 1841.

Elisabetha Pschorr, geb. Blaß, als Gattin.
Kaspar Pschorr, Inhaber einer Essigfabrik in Wien,
Georg Pschorr, bgl. Bierbrauereibesitzer,
Mathias Pschorr, bgl. Bierbrauereibesitzer, als Söhne.
Theresia Geiger, geb. Pschorr,
Elisabetha Lutz, geb. Pschorr,
Theresia Augustina geb. Pschorr,
Schwester von dem Orden der Heimsuchung Mariä,
Mathilde Pschorr, als Töchter.
Maria Anna Pschorr, geb. Scheffel,
Juliana Pschorr, geb. Rieg,
Anna Maria Pschorr, geb. Rechl, als Schwiegertöchter.
Dr. Joh. Nep. Geiger, Bataillons- und praktischer Arzt,
Joseph Lutz, Tapezierer, als Schwiegersöhne
und die übrigen Verwandten.

Das Leichenbegängniß geschah wahrscheinlich nach seinem letzten Willen, in feierlichster und zugleich würdigster Weise.

Wir haben ihn nun zur Ruhe gelegt, zur Ruhe in das von ihm viel beunruhigte Erdreich. Ein weniger gewissenhafter Biograph wäre zu Ende und vertauschte zufrieden die Feder mit der Streubüchse. Allein uns drängt es noch einige charakteristische Züge aus Pschorr’s Leben mitzutheilen, um sein Bild möglichst zu vervollständigen.

  1. Als Pschorr einmal glücklich seinen Namen schreiben gelernt hatte, übte er diese schöne Kunst so fleißig, daß die Familie ein ganzes Paquet Schrift von ihm aufbewahrt, worin er seine Erfahrungen und Rathschläge bezüglich des Brauwesens niedergelegt hat. Ein großer Theil der Schrift aber ist res privatissima familiae Pschorricae, da ein Glied derselben dazu die Veranlassung gab.
  2. Die Entwürfe zu seinen großartigen Bauten gab er bis ins kleinste Detail alle selbst an.

  3. Zu jeder geleisteten Arbeit verlangte Pschorr den Conto und bezahlte auf der Stelle ohne Abbruch. Doch die Arbeit mußte recht und gut, die Rechnung richtig seyn.
    So stellte er z. B. einen Schloßer zu Rede und sprach: Meister! Ihr Conto ist unrichtig! »Herr Pschorr mit meinem Wissen nicht.« – Und doch, Sie haben die ausgesetzten ½ und ¼ kr. nicht gerechnet. – »Das hab‘ ich mir nicht zu thun getraut.« – Wissen Sie aber wie viel das macht? Es macht über 60 fl.! Hier sind sie. Ein andermal aber genaue Rechnung!

  4. Pschorr glaubte Ursache zu haben, in die Redlichkeit seines Schneiders Zweifel zu setzen. Er wog daher das für den neuen Kaputrock bestimmte Tuch, detto den fertigen, vom Schneider gebrachten Rock wieder, und siehe da! der fertige Rock trotz Futter, Fadenwerk, Knöpfen etc. wog weniger als das Tuch.
    Der Schneider wurde bezahlt, aber seine Kundschaft war verloren.

  5. Wie seine Pünktlichkeit im Zahlen, so war sie auch im Einkassiren. Bei Uebergabe seines Ursitzes im »Hacker« fanden sich im Buche 4 fl. und etliche Kreuzer Ausstand.

  6. Pschorr bestellte bei einem betreffenden Meister schwere gepolsterte Stühle. Die Holzgattung, Form, Gewicht des Polsters, kurz alles ward genau bestimmt und angegeben. Vorher aber sollte der Meister zwei zur Besichtigung und Probe stellen. Der Meister kam ohne Säumen dem ehrenvollen Auftrag nach und stellte zur Zufriedenheit des Auges die zwei Probestühle. Pschorr besah sie um und um. – Gut! sagte er, aber jetzt machen Sie einen davon, diesen hier, auf. Der Meister sah ihn verwundert an. – »Ich will, daß Sie mir einen aufmachen!« Der Meister meinte, daß es ja doch für die Arbeit Schade wäre. Aber nichts half, er mußte den Sessel aufreißen und die Polsterung los machen. Jetzt kam wieder die Wage und – wieder siehe da! – am festgesetzten Gewicht ging ab. So – sagte Pschorr zum todverlegenen Meister — so, jetzt machen Sie nur wieder zu! – Hier ist das Geld dafür, aber ich brauche von Ihnen nichts mehr. Aber Herr Pschorr! bedenken Sie doch, einen armen Bürgersmann! – und – rief er in jäher Erbossung – Sie können ja doch auch ihren Reichthum nicht mitnehmen, und können auch nicht verhindern, daß Ihnen, wie jeden andern armen Teufel der Hund über das Grab läuft und – »dafür kümmern Sie sich nicht, das ist meine Sache, dafür wird schon gesorgt werden!« unterbrach Pschorr mit ruhigem Ernste den erbosten Meister; und sei es, daß er damals den Gedanken faßte, oder schon hatte; aber daß ihm kein Hund über sein Grab läuft, dafür (man sehe!) ist wahrlich durch eichenen Kasten und durch Eisengitter mehr als gesorgt!

F. St.

Franz Stelzhamer: Gambrinus. Humoristisches Münchener Taschenbuch für das Sudjahr 1853/54.

#Münchener Ratsch-Kathl (29.1.1898)

12 Millionen für eine Büste in der Ruhmeshalle.

Das nette Sümmchen von 12 Millionen würde der Rentier Mathias Pschorr dem Magistrate als Geschenk spenden, wenn es dieser ermöglichte, daß dem Gründer der Weltfirma Pschorr, seinem Großvater, in der Ruhmeshalle eine Büste aufgestellt wird. Was wir dazu sagen? Zugreifen, sagen wir, denn mit 12 Millionen kann der Magistrat, falls er das Geld zu wahrhaft edlen Zwecken verwendet, unendlich viel Gutes schaffen. Allerdings müßte dem Magistrate ein starker Riegel in der Verwendungsweise des Geldes vorgeschoben werden, da er sehr viel Neigung zeigt, Gelder zu byzantinischen Zwecken zu verpulvern und für andere recht windige Liebhabereien hinauszuwerfen. Indeß ist die Sache nicht so einfach, da es vom Magistrate allein nicht abhängt diesen Wunsch des Herrn Math. Pschorr zu erfüllen. Bavaria und Ruhmeshalle sind nicht Eigenthum der Gemeinde, sondern des Staates. Ob nun der Staat sich bereit erklärt, auf ein diesfallsiges Gesuch des Magistrats einzugehen, bleibt fraglich, da er unter die »Unsterblichen« schwerlich einen schlichten Bürger, wie es der Gründer der Pschorrbrauerei war, einzureihen gesonnen sein dürfte. Wir stehen da freilich auf einem anderen Standpunkte, uns erscheint ein Geschenk von 12 Millionen zu edlen Zwecken mindestens eine ebenso rühmliche That, wie gewisse Leistungen von »Unsterblichen«, die in Bezug auf ihre Nützlichkeit für die Allgemeinheit hie und da einen Zweifel gestatten.

Eine hochherzige That erscheint uns, namentlich in unserer Zeit der krassen Selbstsucht und der rein materialistischen Lebensauffassung, eine gleichwerthige rühmliche Leistung als eine oft durch Zufall gemachte Entdeckung oder ein durch vieles Experimentiren und Probiren, oft auf Kosten des Staates, gelöstes Problem von lediglich theoretischer Bedeutung. Wenn dem nun so ist, so empfiehlt es sich, daß der Magistrat event. selbst eine Art Ruhmeshalle errichtet, in welcher er Menschen, die sich durch edle Handlungen auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit ausgezeichnet, Denkmale setzt, Denkmale der Dankbarkeit, auf welchen die Handlungen verzeichnet sind, welche uns weitaus bedeutungsvoller erscheinen, als die Bravouren irgend eines geschichtlichen Haudegens und die nicht selten oft höchst fragwürdigen »Großthaten« so einer von der Parteien Gunst gemachten Berühmtheit. Thaten der Menschlichkeit erscheinen uns ebenbürtig mit den Thaten des Geistes und erstere wirken oft weitaus befruchtender für die Allgemeinheit, als oft die Leistungen sogenannter »berühmter Männer«, gezeitigt durch Gunst und Zufall in der Epoche der Corruption.

Münchener Ratsch-Kathl No. 9. Unabhängiges Volksblatt. Samstag, den 29. Januar 1898.

#Münchener Ratsch-Kathl (9.2.1898)

Also doch in die Ruhmeshalle

kommt die Büste von dem Großvater des Herrn Mathias Pschorr, dem Gründer der hiesigen Brauereifirma Pschorr. Wir sind gefeit dagegen, daß wir für das Großkapital das Wort ergreifen. Ganz im Gegentheil, wir bekämpfen es, weil es das Unglück der Welt ist, weil alles Unrecht aller Menschenjammer demselben entspringt. Aber, fragen wir, sind wir denn für das Kapital, wenn wir wünschen, daß dieses wohlthätigen Zwecken zufließt? Wir wünschten, daß Herr Mathias Pschorr Gelegenheit finde, die der Stadtgemeinde angebotenen 12 Millionen anzubringen, indem ihm seine Wünsche erfüllt werden. Man sei nur nicht ein so verbohrter Bewunderer von sogenannten »Berühmten«, um es gleich als eine Entwürdigung anzusehen, wenn ein Mann, der durch einen rühmlichen und imposanten Akt der Wohlthätigkeit sich auszeichnet, in die Büstenreihen dieser Unsterblichen eingereiht werden soll. Sind 12 Millionen Geschenk keine öffentliche Großthat, wenn sie geeignet sind die Thränen Tausender zu trocknen, den Hunger Tausender zu stillen, Menschen vom Untergang zu retten, emporzuheben aus dem Schmutze in dem sie geboren und in dem sie ohne fremde Hilfe verkommen müssen? Ist es weniger rühmlich, wenn ein Mann Armen und Enterbten zur Stufe des wirklichen Lebens, das unter anderen Umständen nur Vegetiren heißt, emporhilft und so glühende Dankbarkeit im Herzen Hunderter und Tausender entfacht, als wenn Einer wissenschaftlichen und philosophischen Krims-Krams sein Leben hindurch angehäuft hat, von dem seine Generation kaum Notiz genommen, spätere Generationen aber möglicherweise über die Verrücktheiten des »Berühmten« sogar lachen werden? Wir glauben nein! Uns erscheint eine That die das menschliche Elend lindert, die nach verschiedenen Richtungen hin die wohlthätigsten Folgen zu äußern geeignet ist, gewiß nicht minderwerthiger als die beste Geistesthat. Und wenn man erst erwägt, wie die Berühmten und Unsterblichen gemacht werden, wie sie z. B. die heutige Corruption sozusagen fix und fertig montirt liefert, dann sagen wir: Der Gründer der Pschorrbrauerei, der einen solch eminent wohlthätigen Enkel hinterlassen, der ihn, seinen Großpapa, noch über das Grab hinaus geehrt wissen will, daß er jetzt thun kann, was er zum Wohle der Armen und Bedürftigen der Stadt zu thun Willens ist, er schädigt die Gesellschaft der Unsterblichen in der Ruhmeshalle keineswegs an ihrem Ruhm, wohl aber wird er die Reihen der Würdigen, die dort in Büsten verewigt sind, ergänzen.

Münchener Ratsch-Kathl No. 12. Unabhängiges Volksblatt. Mittwoch, den 9. Februar 1898.

#9 – 1 – 14 (Keyhl)


FAMILIE
KEYHL-DIETRICH


  • Keyhl, Friedrich; – 27.1.1892 (München), 58 Jahre alt; Privatier
  • Keyhl, Irene (vh) / Schneider (gb); – 31.7.1876 (München), 33 Jahre alt; Rentiers-Gattin

Todesanzeige für Irene Keyhl

Todesanzeige für Friedrich Keyhl

Grab der Familie Keyhl auf dem Alten Südfriedhof München (März 2016)

#9 – 1 – 15·16 (Triva)


JOHANN NEPOMUK
GRAF VON TRIVA
1755 – 1827
GENERAL DER ARTILLERIE
KGL. BAYER. KRIEGSMINISTER


  • Triva, Franziska von (vh) / Janson von der Stockh (gb); 8.4.1760 – 9.12.1810 (München); Generals-Gattin
  • Triva, Johann Nepomuk Josef Florian Graf von; 20.9.1755 (München) – 8.4.1827 (München); General und Kriegsminister
  • Triva, Maria Floriana von (vh) / Velhorn auf Ursensollen und Treffau, von (gb); – 1.3.1791 (München), 27 Jahre alt; Generals-Gattin
  • Triva, Wilhelmine von; 19.11.1781 – 16.8.1798

Todesanzeige für Franziska Juliana von Triva

Grab der Familie Triva auf dem Alten Südfriedhof München (April 2014)

Grab der Familie Triva auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Johann Nepomuk Josef Florian Graf von Triva

* 20.9.1755 (München)
† 8.4.1827 (München)
General und Kriegsminister

#Der Bayersche Landbote (12.4.1827)

Allerley.

Nachträgliche Nachrichten aus Bayern.
(München.) Gestern Abends 5 Uhr erfolgte das feyerliche Leichenbegängniß Sr. Exc. des verstorbenen Hrn. Generals der Artillerie, Grafen v. Triva, mit allen seinem Range gebührenden Ehrenbezeigungen, unter dem Oberkommando Sr. Excell. des Herrn Generals der Infanterie, Frhrn. v. Raglovich, wobey eine unzählige Menge Menschen sowohl auf den Straßen, welche der Zug passirte, als auf und vor dem Friedhofe, sich einfanden.

Der Bayersche Landbote Nro. 44. München; Donnerstag, den 12. April 1827.

#Friedens- und Kriegs-Kurier (19.4.1827)

Deutschland.

München, 12. April. Gestern Nachmittags 5 Uhr hatte das Leichenbegängniß des verstorbenen Hrn. Staatsministers, Generallieutenants der Artillerie, Grafen von Triva, auf die ausgezeichnetste Weise Statt gefunden. Der große Leichenkondukt bestand aus dem kön. 1. Cuirassierregimente, dem kön. Leibregimente, dem 1. und 2. Linieninfanterieregimente mit ihren Musiken, Fahnen and Standarten, den technischen Compagnieen und zwei 12 Pfünder Batterieen unter dem Kommando des Hrn. Generallieutenauts und Flügeladjudanten Sr. Maj. des Königs, Grafen v. Pappenheim. Der Zug bewegte sich von dem Sterbehause am Karolinenplatze aus, durch die Stadt nach dem Leichenacker. Der mit den Insignien der hohen Würde des Verlebten reichgeschmückte Sarg wurde von acht Feldwebeln getragen und von vier Obersten und vier Majors begleitet. Die hohe Generalität, alle Militärbeamte und Offiziere der Garnison, so wie viele Civilbeamte begleiteten den Sarg zur Gruft, und die aus dem großen Geschütze und den Gewehren der Infanterieregimenter dreimal gegebenen Ehrensalven verkündeten den Bewohnern der Hauptstadt, dass dem dunkeln Schooße die verlebten Reste eines Mannes übergeben worden, welcher sich auf seinem wichtigen Standpunkte in einer langen Reihe von Dienstesjahren während der verhängnißvollsten Zeitepoche große Verdienste um den König und das Vaterland erworben hat.

Friedens- und Kriegs-Kurier Nro. 94. Nürnberg; Donnerstag, den 19. April 1827.

#Neuer Nekrolog der Deutschen (1829)

130. Johann Nepomuk Graf v. Triva,

königl. baier. General der Artillerie, ehemaliger Kriegsminister u. Staatsrath, Großkreuz des Militär-Max. Josephs u. des Civil-Verdienstordens der baier. Krone, Kapitular des Ordens vom heil. Hubertus, Groß-Offizier der franz. Ehrenlegion u. Ritter des russ. St. Annenordens 1r Klasse zu München; geb. d. 20. Sept. 1755, gest. d. 8. April 1827.

Wenn große Männer vom Schauplatz abtreten und die Stufe verlassen, auf die sie Verdienst oder Geburt gestellt hat, dann folgt ihnen die Geschichte zu Grabe und zeichnet dort nach dem Ausspruche der Hinterbliebenen ihre Thaten auf. Dem verewigten Grafen von Triva, diesem langjährigen und treuen Diener des baierschen Hauses ist sein Vaterland großen Dank schuldig geworden. Er war zu München geboren; die Familie Triva stammt aber eigentlich aus Italien, von der ein Glied derselben, der Hofrath Askan Triva, zu Anfang des vorigen Jahrhunderts in Baiern erst geadelt wurde. Sein Enkel war so glücklich, daß er seiner Voreltern bürgerliche Abkunft gänzlich vergessen machte. In den ersten Feldzügen gegen die französische Republik sehen wir ihn schon als Obersten und Chef eines Infant.-Reg. und namentlich im Feldzuge vom J. 1799 als Befehlshaber des baier. Kontingents in der Reichsfestung Philippsburg. Die schöne Vertheidigung dieses Platzes wird dem Grafen Salm, dem damaligen Gouverneur, stets zur Ehre gereichen, von der jedoch auch ein Theil dem Hrn. v. Triva zukommt. Im Feldzuge des J. 1800 wohnte er der Schlacht von Hohenlinden bei und wurde hierauf nach wiederhergestelltem Frieden zum Brigadegeneral und Generalquartiermeister ernannt. Im März 1804 vertraute ihm der Kurfürst, sein Herr, den hohen Posten als Vorstand des Geheimen-Kriegsbüreaus, welches im J. 1808 die Benennung »Ministerium der Armee« erhielt. Auch jetzt blieb dem zum Generallieutenant vorgerückten Offiziere wieder das Portefeuille dieses Ministeriums, jedoch nur mit dem Titel eines Minister-Staatssekretär, da sich der König selbst noch die persönliche Leitung des Kriegswesens vorbehielt. Doch zwei Jahre darauf übertrug ihm der König die ausschließliche Leitung des Kriegswesens des Reiches, ernannte ihn zum Beisitzer des Staatsrathes und wirklichen Kriegsminister, wie er ihn früher schon zum Großwürdenträger zweier Orden erhoben hatte.

In den Tagen der rheinischen Conföderation, der sich manche unserer Zeitgenossen mit Schmerz erinnern, weil sie nur der Uebel, aber nicht der Vortheile derselben gedenken, in jener glanzvollen Periode, wo Baierns tapfere Krieger so oft Ruhm und Ehre ernteten, zierte der Kaiser Napoleon, die Verdienste v. Triva’s anerkennend, ihn mit dem großen Bande der Ehrenlegion.

Als die Verbindung mit Frankreich ihr Ende erreicht hatte und der Austritt des Grafen Montgelas aus dem Ministerium eine gänzliche Veränderung in der Staatsverwaltung erwarten ließ, behielt dennoch v. T. sein Portefeuille, bis ihn endlich fortdauernde Kränklichkeit zwang, im J. 1823 um seine Entlassung aus dem Staatsdienste nachzusuchen, die ihm der König in den huldvollsten Ausdrücken zugestand. Was v. T. während der 20 J. seiner Verwaltung für das Wohl des Vaterlandes gethan, wie er, unbeschadet der Verdienste des Feldmarschalls Fürsten Wrede, so wesentlich zur Umgestaltung der Streitkräfte Baierns wirkte, wie er die Errichtung der Nationalgarden und der Landwehr anordnete, die Kriegsschulen verbesserte, Militärwittwen und Waisenfonds begründete und was er überhaupt für den Ruhm des baier. Heeres geschaffen, wird das dankbare Vaterland nie vergessen, wie ihn auch der König in Berücksichtigung seiner großen Verdienste im Dec. 1816 in den Grafenstand erhob und die letzten Jahre seines Ministeriums noch mit dem Hubertusorden zierte. Die letzten Jahre seines Lebens bildeten ein ununterbrochenes Krankenlager. Sein hohes Alter und die allgemeine Entkräftung ließen kein Aufkommen mehr gedenken und so starb er denn alt und lebensmüde – ergeben in den Willen des Höchsten. Wir haben bereits der weltbürgerlichen Verdienste des Verewigten gedacht, wir dürfen nun auch der Biederkeit seines Herzens gedenken und erinnern deswegen nur an sein Benehmen gegen den Sohn des berüchtigten Speckbacher Insurgenten-Chefs von Tyrol, dem er Vater und Freund ward und von dem uns Bartholdy einen rührenden Brief aufbewahrt hat. Sein Andenken wird den Baiern stets theuer seyn.

Neuer Nekrolog der Deutschen. Ilmenau, 1829.

#Allgemeine Deutsche Biographie (1894)

Triva: Johann Nepomuk Joseph Florian Graf v. T., königlich bairischer General der Artillerie und Kriegsminister, ward am 26. September 1755 als der Sohn des Commissärs beim Oberhofmeisterstabamte von Triva zu München geboren, trat nach dem frühzeitig erfolgten Tode seiner Eltern am 1. September 1766 als Regimentscadett in das kurfürstliche Heer und ward am 1. December des nämlichen Jahres in das »innere« oder »noble« Cadettencorps aufgenommen, dessen Zöglinge eine höhere Stellung einnahmen als die dem »äußeren« angehörigen. Aus dieser Anstalt kam er am 26. September 1772 als Pikeur und Fähnrich zumIngenieurcorps und ward zunächst beim Festungsbau in Rothenberg verwandt, 1780 aber, nachdem ihm 1777 der Charakter als Unterlieutenant verliehen war und er sodann eine Compagnie gekauft hatte, in das zu Neuburg an der Donau garnisonirende Infanterieregiment Kronprinz, jetzt 2. Infanterieregiment, versetzt. Veranlassung zu diesem Schritte gab ihm seine 1779 erfolgte Verheirathung mit einer Tochter des Regierungsrathes von Velhorn zu Amberg, die Möglichkeit gewährte ihm der Besitz eines kleinen Vermögens.

1785 kam er als Secondmajor zum Infanterieregimente Pfalzgraf Max (jetzt 8. Infanterieregiment) nach München in Garnison, wo demnächst Graf Rumford ihn bei der Anlage des englischen Gartens gebrauchte, 1791 starb seine Gattin. Im November 1792 führte ihn der Krieg gegen Frankreich ins Feld und namentlich im Jahre 1793 fand er mehrmals Gelegenheit sich hervorzuthun, so daß er zu den ersten gehörte, welche 1795 das Militärehrenzeichen, den Vorläufer des Militär-Max-Joseph-Ordens, erhielten. Er dankte diese Auszeichnung vornehmlich seinem tapferen Verhalten als Bataillonscommandeur bei dem fehlgeschlagenen Versuche in der Nacht vom 16.–17. Juni 1793 die Laufgräben gegen die Festung Mainz zu eröffnen, der Umsicht, welche er einige Monate später bei der Ausführung von Feldbefestigungsanlagen im Elsaß bewies, und der Standhaftigkeit, welche er als Führer eines combinirten Regiments am 22. December jenes Jahres bei einem Rückzugsgefechte auf dem späteren Schlachtfelde von Wörth an den Tag legte. Nach seiner im Herbst 1795 erfolgten Heimkehr aus dem Felde kam er als Oberst und Commandeur zum 2. Grenadierregiment, in welchem er seine infanteristische Laufbahn begonnen hatte und welches jetzt in München stand, 1797 vermählte er sich zum zweiten Male mit der Kammerdienerin der verstorbenen Kurfürstin Elisabeth, Fräulein v. d. Stockh. Das Jahr 1798 rief ihn von neuem auf den Kriegsschauplatz am Oberrhein. Ungeachtet seines, bei einem Officier auffallenden, auf die ihm erwachsenden Kosten begründeten Sträubens und der von ihm ausgesprochenen Bitte, man möge ihn in München belassen und ihn lieber im Generalstabe oder beim Hofkriegsrathe verwenden, mußte er das Commando der zur Reichsarmee gehörigen bairischen Truppen übernehmen. Seine Theilnahme an der Vertheidigung von Philippsburg trug ihm von neuem die Anerkennung seiner Vorgesetzten ein.

Inzwischen war am 16. Februar 1799 Kurfürst Karl Theodor gestorben. Sein Tod verhinderte die Ausführung weitgehender Pläne, durch welche das Heerwesen umgestaltet werden sollte und die auch T. Beförderung gebracht haben würden. Der Nachfolger, Kurfürst Maximilian IV. Joseph, erkannte aber ebenfalls die Nothwendigkeit einer gründlichen Reform und nahm sich sofort vor T. eine wichtige Rolle dabei zuzuweisen. Zunächst indessen mußte dieser die Stellung als Generalquartiermeister bei einem Hülfscorps übernehmen, welches Baiern unter dem Befehle des Generallieutenants Freiherrn v. Zweibrücken im englischen Solde zum Kriege gegen Frankreich stellte. Mit diesem wohnte er dem Feldzuge|des Jahres 1800 bei, ohne, da seine Geschäfte nicht die vom Inhaber der gleichnamigen Stellung gegenwärtig zu erledigenden sondern die eines Intendanten waren, zu eigentlich soldatischer Thätigkeit zu gelangen. Am 14. Juni war er außer der Reihe zum Generalmajor befördert. Eine im folgenden Jahre geschlossene Verbindung seiner Tochter erster Ehe mit dem später sehr einflußreichen Staatsrath Krauß blieb nicht ohne Einfluß auf Triva’s eigene Laufbahn. Diese gestaltete sich immer günstiger. Wenn auch die Stellung als Generalquartiermeister der Armee, welche ihm 1802 zu Theil wurde, damals nicht diejenige Bedeutung hat, welche die eines Chefs des Generalstabes jetzt beanspruchen darf, so ward sie doch unter T. zu einer sehr gewichtigen, da er das Ohr des Kurfürsten hatte und zugleich Chef des Militärcabinets war.

Schon zu jener Zeit leitete er die gesammten inneren Heeresangelegenheiten. Auch begannen bereits damals die bedeutenden Zuwendungen an Geld und Geldeswerth in Gestalt von Gageerhöhungen u. s. w., durch welche der Kurfürst Triva’s Leistungen zu wiederholten Malen anerkannte und belohnte. Des letzteren Geschäfte vermehrten sich bald durch die in Gemäßheit des Reichsdeputationshauptschusses vom 25. Februar 1803 eingetretene Erweiterung der bairischen Grenzen und die damit zusammenhängende Verstärkung und Neugestaltung des Heeres. Die letztere veranlaßte, daß am 9. März 1804 ein neues Amt geschaffen wurde, dessen Inhaber – zunächst »Chef des geheimen Kriegsbüreaus«, seit 1808 »Ministerstaatssecretär im Kriegswesen«, seit 1814 »dirigirender Minister des Kriegswesens«, seit 1817 »Staatsminister der Armee« betitelt – an der Spitze der gesammten Verwaltung stand. Das Amt ward T. übertragen, welcher am 28. September d. J. zum Generallieutenant aufrückte. Die Theilnahme der bairischen Truppen am Kriege des Jahres 1805 bewies, daß Triva’s Friedensthätigkeit eine höchst ersprießliche gewesen war, Kaiser Napoleon erkannte sie durch Verleihung des Großofficierkreuzes der Ehrenlegion und einer Ordenspension von 5000 Francs an, T. selbst aber war bestrebt, die in diesem sowie bei den nachfolgenden Kriegen gemachten Erfahrungen zu immer weiteren Verbesserungen auszunützen. Die große Zahl der durch ihn geschaffenen Einrichtungen legt Zeugniß für seine umfassende Wirksamkeit und sein Verständniß ab. Am lautesten aber sprechen für seine Leistungen die in den zehn Jahren von 1805 bis 1815 stets erneuten Truppenaufstellungen, zuerst im Dienste der Heeresfolge Napoleon’s, dann für die Ziele der Befreiungskriege und nach Beendigung der letzteren die den geänderten Verhältnissen angepaßte Neuorganisation der Armee. Wenn es dabei auch nicht ohne Mißgriffe abging, so zeugen doch die getroffenen Anordnungen sämmtlich von Triva’s Sachkenntniß, seinem richtigen Urtheile und seiner Thatkraft. Die Anerkennung blieb nicht aus. König Maximilian Joseph ernannte ihn am 11. Januar 1811 zum General der Artillerie, einer Waffe, welcher er selbst freilich nie angehört, in der aber sein Vorgänger Rumford den Rang eines Generallieutenants bekleidet hatte; am 3. Dec. 1816 nahm der König ihn für sich und für seine Nachkommen in den Grafenstand des Königreiches auf; nachdem er ihn am 1. März 1806 zum Großkreuze des an diesem Tage gestifteten Militär-Max-Josephordens ernannt hatte, verlieh er ihm am 20. October 1820 den Haus- und Ritterorden des Heiligen Hubertus, welcher meist nur fürstlichen Personen zu Theil wurde.

Am 26. Sept. 1822, an welchem Tage er vor fünfzig Jahren in den Truppendienst getreten war, erhielt er den erbetenen Abschied nebst vollem Gehalte, Rang und Titel. Er hatte schon ein Jahr früher um seine Versetzung in den Ruhestand nachsuchen wollen, zumal in Aussicht stand, daß Wrede, mit dem er nicht immer übereinstimmte, den Oberbefehl des Heeres übernehmen würde, hatte aber den Gedanken aufgegeben, weil er das Bedürfniß fühlte, bevor er aus dem Amte schiede, der Ständeversammlung Rechenschaft über seine gesammte Geschäftsführung und auch über seine persönlichen Einnahmen, abzulegen. Die Stelle als Chef des Generalstabes hatte er schon im J. 1820 an General v. Raglovich abgetreten; man warf ihm vor, daß er für diesen Zweig seiner Geschäfte nicht das genügende Interesse und auch nicht hinreichendes Verständniß gezeigt habe. T. hatte überhaupt viele Gegner. Seine langsame, trockene, etwas pedantische Natur paßte weder für den hochangelegten, lebhaften Kronprinzen Ludwig noch für den frischen thatkräftigen Wrede und die Mehrzahl der Officiere glaubte, daß seine Fähigkeiten die eines tüchtigen Verwaltungsbeamten und pünktlichen, ordnungsliebenden Geschäftsmannes seien, daß sie aber für die Ansprüche, welche sein Amt machte, nicht ausreichten und daß sein Gesichtskreis ein beschränkter sei, dabei verletzte sein rauhes unfreundliches Wesen und seine Derbheit. Seine Rechtlichkeit und seine Unparteilichkeit aber wurden allgemein anerkannt. Er starb am 8. April 1827 zu München. In ihm erlosch der Mannesstamm seines Geschlechtes. Seit dem 24. September 1842 führt ein an der Donau belegener Cavalier der Festung Ingolstadt seinen Namen.

Bayerische Bibliothek. Begründet und herausgegeben von Karl v. Reinhardstoettner und Karl Trautmann, 29. und 30. Band: Johann Nepomuk Graf v. Triva, von Adolf Erhard, Oberst z. D. und Vorstand des Kriegsarchivs. München 1892.

B. Poten.

Bernhard von Poten: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1894.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Triva Johann Nepomuk Josef Florian, von, Graf, 1755 (München) – 1827, General der Artillerie und bayerischer Kriegsminister; er stand seit 1766 in der bayerischen Armee, als Secondemajor im Infanterie-Regiment Pfalzgraf Max hat T. unter Rumford bei der Anlage des Englischen Gartens mitgewirkt, in den Revolutionskriegen zeichnete sich T. besonders aus, der unter König Max I. von Bayern die gesamten inneren Heeresangelegenheiten leitete; er wurde von ihm zum Chef des Geheimen Kriegsbureaus berufen, später zum Minister-Staatssekretär im Kriegswesen und 1814 zum Staatsminister der Armee befördert; nach den Befreiungskriegen organisierte T. die bayerische Armee neu, wobei er besonders gegen die damals noch übliche Soldatenmißhandlung eingeschritten ist; wegen Mißstimmigkeiten mit seinem Nachfolger von Wrede trat er 1822 in den Ruhestand; T. hat sich um das bayerische Heerwesen zu Beginn des 19. Jahrhunderts sehr verdient gemacht.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#9 – 1 – 17 (Baumgartner · Parrot)


Grabstätte Parrot

Hermann Parrot
geb. 11.6.1839 † 8.7.1896
Dr. Jean Parrot
geb. 28.6.1813 † 7.2.1901
Sofie Parrot
geb. 7.11.1831 † 16.7.1901


  • Baumgartner, Anton; 4.9.1761 (München) – 30.3.1831 (München); Baurat, Münchner Polizeidirektor und Schriftsteller
  • Parrot, Hermann; 11.6.1839 – 8.7.1896 (München); Kaufmann aus London
  • Parrot, Jean, Dr. med.; 28.6.1813 (Frankfurt a. M.) – 7.2.1901 (München); praktischer Arzt und gräflich Castell’scher Hofrat
  • Parrot, Sofie; 7.11.1831 – 16.7.1901

Todesanzeige für Hermann Parrot

Grab der Familien Baumgartner · Parrot auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2013)

#Anton Baumgartner

* 4.9.1761 (München)
† 30.3.1831 (München)
Baurat, Münchner Polizeidirektor und Schriftsteller

#Das gelehrte Baiern (1804)

BAUMGARTNER (Anton), Policeydirektor in München, geboren daselbst am 4. Sept. 1761. Sein Vater Franz Joseph Baumgartner, eines Rechtsgelehrten Sohn aus München, war daselbst 1728 geboren, wurde königl. preussischer Soldat, machte einige Feldzüge des siebenjährigen Kriegs mit, verheurathete sich in Schlesien, gieng wieder nach Baiern zurück, kam unter die kurf. Leibgarde der Hatschier zu München, und starb daselbst am 8ten Nov. 1797 als Major der Kavallerie mit Hinterlassung von 6 Kindern, wovon Anton Baumgartner der älteste Sohn ist.

Dieser studirte die ersten Klassen und die Philosophie am kurfürstl. Schulhause zu München, und gieng mit Ende Oktober 1780 nach Ingolstadt, wo er an der dasigen hohen Schule die Instituten und Reichsgeschichte unter Kandler, das Recht der Natur und das kanonische Recht unter Weishaupt, die Pandekten, den Reichsprocess, und das allgemeine Kriminalrecht nach Siardi, die Statistik nach Krenner, den bair. Kodex nebst dem bair. Staatsrecht nach Prugger, das teutsche öffentl. und Privatrecht nach Spengel, das Lehenrecht unter Senner, das Wechselrecht, die Policey- und Staatswirthschaft nach Moshammer, die Chemie unter Rousseau, gerichtliche Medicin unter Stöberl, Landwirthschaft unter Gabler, und die Baierische Geschichte unter Mederer hörte, in den Herbstferien beym Pfleggerichtsverweser Nissl zu Neustaft an der Donau, die Gerichtspraxis nahm, und im August 1783 den gradum licentiatus aus den Rechten erhielt.

Er nahm darauf in München die Praxis der Militärrechtsgelehrsamkeit beym kurf. Leibregiment, und wurde 1784 desselben Regiments wirkl. Auditor, im Jahr 1785 Rathsaccessist im kurf. Hofrathskollegium, 1789 Assessor cum voto decisivo, und am 1sten Febr. 1790 wirklicher Hofkriegs- und Justizrath. Im April 1791 wurde er zu dem im Jahre 1790 errichteten Münchner Armeninstitut als Rath gezogen, und setzte die damit verbundenen Geschäfte und Rechnungen bis Ende Sept. 1799 fort. Am 31. Jänner 1798 wurde er vom Kurfürsten dem Grafen von Rumford, bey der durch denselben neu errichteten Pilicey in München, nebst dem geheimen Sekretär Babo und dem Oberlandesregierungsrath (nachmaligen geheimen Referendär) von Stichaner, als Policeyoberkommissär beygegeben, und arbeitete als solcher mit dem noch bey Rumford angestellten Lypowsky (nachmals Generallandesdirektionsrath) und nach Rumfords Abreise unter dem Vicepräsidenten Freyherrn von Weichs bis Ende April 1799 fort. Unterm 1sten Mai des nämlichen J. bey Errichtung der Generallandesdirektion wurde er von seiner kurfürstl. Durchlaucht Maximilian IV. zum Policeydirektor der Stadt München ernannt, worauf er seine Rathsstelle im Hofkriegsrathe niederlegte, und seitem seinem mühseligen Amte mit ausserordentlicher Thätigkeit, und zur allgemeinen Zufriedenheit des Publikums vorsteht. Während seiner vorigen Dienstlaufbahn 1784–1799 wurden ihm viele wichtige Kommissionsgeschäfte, Abordnungen und Reisen, Truppenmärsche und Bauanlagen anvertraut.

Die von ihm erschienen Drukschriften sind:
Beschreibung der Stadt und des Gerichts zu Neustadt an der Donau, 8. München bey Strobl 1783.S. ADB. 63 B. II. 500.
Fanny, die den 14ten Jänner 1785 in München vom Frauenthurme stürzte. Ein Traumgesicht, 8. München bey Strobl, 2 Auflagen 1785.S. 1en. ALZ. 1785, V. S. 72. ADB. 71 B. II. S. 603. Münchner gel. Z. 1785. S. 47.
Kurzer, deutlicher und vollständiger Auszug aus der (Westenriederschen) Geschichte von Baiern zum Unterrichte für die Kinder, 8. München bey Strobl 1786.
An meine lieben Mitbürger, als das hohe Wittelsbachische Haus im Monat August 1786 in der zweybrückischen und Birkenfeldischen Linie mit 2 Prinzen erfreut wurde. Abgelesen in einem Zirkel guter Freunde. 8. Mit 1 Vign. München bey Strobl 1786, 31 S.
Ausserdem erschienen von ihm einige Gedichte und Aufsätze in periodischen Schriften. Zum Drucke liegen fertig: Vollständige Beschreibung und Geschichte des Armeninstituts zu München von seiner Entstehung bis Ende September 1799; und Darstellung der beym Einzuge seiner jetzt gloreichst regierenden kurf. Durchlaucht Maximilian Josephs in München veranstalteten Feyerlichektien.

S. Eigene Sammlungen. Privat-Nachrichten. Meusels gel. Teutschl. 5te A. B. I. S. 171.

Klement Alois Baader: Das gelehrte Baiern oder Lexikon aller Schriftsteller, welche im achtzehnten Jahrhunderte erzeugte oder ernährte. Nürnberg und Sulzbach, 1804.

#Münchener Conversations-Blatt (2.4.1831)

Der bis an sein Ende um das allgemeine Beste hochverdiente k. Baurath Herr Baumgartner, dessen leidenvolles Hinscheiden wir vorgestern zuerst angezeigt haben, lieferte in früherer Zeit manchen gemeinnützigen vaterländischen Beitrag in hiesige Volksblätter, in letzterer Zeit und noch im Voraus den historischen Tagskalender in dem »Tagsblatte,« wodurch manche schöne Erinnerung unter uns erhalten wurde, für die wir ihm dankbar sind.

Oftmals ärgerte er sich während seines Krankenlagers über die Redaktion dieses Blattes; aber was würde der Verlebte zu seiner um sechs Stunden zu früh gemachten Todesanzeige sagen, formalia: »Der um die Staat (Stadt) München so hochverdiente k. Baurath Anton Baumgartner ist gestern Morgens 4 Uhr (10 Uhr) gestorben etc.,« oder endlich zu der Drohung, daß sogar seine Biographie dort erscheinen soll?

Nothwendiger Weise dringt sich hier der in diesen Blättern bei mehreren Todesfällen bereits niedergelegte Wunsch wiederholt auf, es möchte auch dieser, um den Staat, besonders in der früheren Stellung, in allgemeinen und besonderen gefahrvollen Epochen sehr verdiente Beamte wenigstens nach seinem Tode eine Auszeichnung genießen, daß nämlich dessen Nekrolog, durch eine würdige Feder aus seinen reichhaltigen Papieren gezogen, in dem k. Regierungs-Blatte einen ehrenvollen Platz finde.

Uebrigens besaß dieser wackere Patriot und eifrige Staatsdiener ein ausgebreitetes Wissen, besonders im geschichtlichen Forschungsfache, und schätzbare Sammlungen an Manuskripten und gedruckten Werken; er war, so zu sagen, ein lebendiges Repertorium, ein Biograph ohne gleichen. Seine unersetzlichen Eigenschaften hei gefahrvollen Gelegenheiten und außerordentlichen Vorfällen sind Münchens Bewohnern ohnehin bekannt. Friede seiner Asche!

Münchener Conversations-Blatt Nro. 92. Mitgabe zum Bayer’schen Beobachter. München; Samstag, den 2. April 1831.

#Augsburger Tagblatt (7.4.1831)

Gestern Abend fand die Beerdigung des dahingeschiedenen, allgemein bedauerten Baurathes Herrn Anton Baumgartner statt. Was dieser edle Mann als Staatsdiener, vorzüglich in der Eigenschaft als Polizei-Direktor der Haupt- und Residenzstadt, (welche Stelle er längere Zeit begleitete, und in Beziehung auf Thätigkeit, umfassende Kenntnisse, genauester Bekanntschaft mit den hiesigen Lokalverhältnissen, dann wichtiger Ansicht seines wichtigen Standpunktes, noch beiweiten von keinem seiner Herren Nachfolger erreicht worden ist,) was er später als Baurath bei unzähligen Gelegenheiten, namentlich bei dem gefahrvollen Brande im großen Hof- und Nationaltheater den 14. Jänner 1823, mit gänzlicher Hingebung seiner selbst geleistet hat, wie er im stillen gutes wirkte, und seinen letzten Groschen mit dem bedrängten Nebenmenschen theilte, ist zu allgemein bekannt, als daß nicht viele Thränen am Grabe dieses Biedern geflossen wären. Unter dem sehr zahlreichen Leichenzuge, bemerkte man viele hohe Civil- und Militärbeamte, dann eine Deputation des Magistrates, an deren Spitze sich der Herr Bürgermeister Klar befand. Ein Bruder des verewigten Herrn Rathes Baumgartner, diente mit vieler Auszeichnung in der vaterländischen Armee, und starb als Rittmeister an den Folgen einer den 20. April 1809 erhaltenen schweren Wunde bei Abensberg, am 6. Mai desselben Jahres zu Ingolstadt.

Augsburger Tagblatt Nro. 95. Donnerstag, den 7. April 1831.

#Der furchtlose Bayer (7.4.1831)

Ein Blümchen
auf
das Grab des seligen
Anton Baumgartner.

Anton Baumgartner – ehemals königl. Polizey-Direktor und zuletzt – königl. Baurath in München, war auch Einer aus jenen Tausenden, welche auf Erden am meisten wirkten, und am Meisten verkannt wurden.

Seine Ehrlichkeit, seine Uneigennützigkeit und sein Eifer für seinen Fürsten, für sein Vaterland und für das gemeine Beste überhaupt, brachte ihn häufig um die gerechte Anerkennung, und sehr oft um seinen Namen.

Manche tragen auf ihrer Brust ein Kreuz für ihre Sorgenlosigkeit, Hrn. Baumgartner ward es versagt, weshalb er es nur mit desto größerem Muthe und Beharrlichkeit selbst, jedoch in einer andern Form, auf den Rücken nahm, und bis zu seinem Tode nachschleppte.

Wir können in Wahrheit hierüber sprechen; denn nicht selten waren wir mit einander in persönlichem und literarischem Verkehre.

Baumgartner hatte größere Wissenschaften, als man ihm zuzutrauen pflegte, und er verband damit ein so seltenes Gedächtniß für Kleinigkeiten, daß er als eine ambulante Lokal-Chronik, als ein lebendiges Archiv betrachtet werden konnte.

Er kannte jeden Stein, jeden alten Dachziegel in der Hauptstadt, von welchem er zu erzählen wußte, wo diese und zu welcher Bestimmung sie dort gewesen seyen; Wer, wohin und warum dieselben versetzt worden seyen u. dgl.

Der Bauplan jedes einzelnen Hauses lag ihm vor Augen, was ihm eben jene Vorzüge gab, die er bey allen Feuersgefahren entwickelte.

Man legte ihm, ihn sehr kränkende, Schwächen zur Last; allein wir konnten an ihm nie eine andere entdecken, als solche, welche wir an Andern finden, vielleicht verschieden an der Form, die aber doch in Bezug auf die Sache selbst durchaus nichts ändert; wobey zu seinem Vortheile und zu seinem Lobe noch besonders bemerkt werden muß, daß Baumgartner, hätte er die Zeit, und seine Stellungen widerrechtlich benützt, wie tausend Andere sie, bisweilen sogar auf die grausamste Art, benützt haben, eben so viele Klugheit besessen hätte, jene Schwächen mit Gold oder Silber, oder gar mit dem »Excellenz«-Titel vor den Augen der Welt zuzudecken.

Das Zusammentreffen verschiedener politischer und organischer Verhältnisse bewirkten eine so große Mißkennung dieses Mannes. Wir wollen hier nur der Vorzüglichsten erwähnen.

Wer es weiß, und zu würdigen versteht, was eine Zeit heiße, in welcher das Licht – von der Finsterniß gewaltsam ausgeschieden werden soll – der wird es auch begreifen und würdigen, welche Last Herrn Baumgartner, der gerade damals die Polizey-Direktion übernahm, aufgeladen wurde.

Baumgartner ward durch diese Stellung verurtheilt, mit der Regierung gleichen Schritt halten zu müssen, ja! noch mehr, er mußte die Aufklärungs-Theorien praktisch in das Leben einführen, in einer Zeit – wir wiederholen es – in welcher der Bruch eines Fasttages, wenn nicht mehr, doch eben so viel, als Hochverrath und Meineid galt.

Einen faktischen Beleg hiezu gibt jene Prozession, welcher der Polizey-Direktor, den allerhöchsten Absichten gemäß, den Einzug durch das Sendlinger-Thor verwehren wollte.

Baumgartner wurde von dem frommen (!) Volke mit Füßen getreten, und auf alle Art und Weise thätlich mißhandelt.

Weiß man nun, wie bey vielen Menschen es heute noch ein entsetzliches Verbrechen ist, Ketzer, das ist: nicht Katholik – zu seyn, so fällt es nur um so mehr in die Augen, welche Gottlosigkeit Baumgartner damals begangen habe, einem so frommen Zwecke – einer Prozession – hinderlich in den Weg treten zu wollen, zumal Baumgartner selbst Katholik war.

Er also war es, der, nach dem Volksausspruche, als Vorläufer des Antichrists bestimmt und berufen war; und wessen also bedürfte es noch, um ihn, den gewiß edlen Mann, allgemein verhaßt zu machen?

Was diesen Haß und diese Verachtung noch mehr vergrößerte, war der besondere Umstand, daß der König Maximilian, in seiner unermeßlichen Güte, dem Polizey-Direktor schriftliche und mündliche Aufträge ertheilte, bald an Diesen, bald an Jenen – sechs bis zwölf und auch zwanzig Louisd’or auszubezahlen.

Der ganze Amts-Etat betrug, mit Ausschluß der Besoldung des Direktors, damals 12.000 fl. jährlich – ohne allen Reserve-Fond.

Solche Anweisungen brachten den Direktor fast täglich in die peinlichsten Lagen, ohne sich Jemand in Wahrheit offenbaren zu dürfen.

Die Begnadigten waren der Meynung, das Geld sey den Anweisungen beygelegen, und jede Zahlungs-Verzögerung sahen sie also wenigstens als einen Vorenthalt, wenn nicht gar – als eine Veruntreuung von Seite des Direktors an, und somit war dieser nothgedrungen, jedes Opfer solchen Aufträgen im Stillen zu bringen. Aber auch mit diesem noch nicht genug! sondern selbst die Darleiher glaubten nicht anders, als Baumgartner brauche diese Gelder alle für sich.

So ward Baumgartner Ketzer, so gerieth er in Schulden, und was wäre also noch erfoderlich, vom großen Haufen, und selbst von vielen Bessern, der Verachtung und der Schmähung Preis gegeben zu werden.

Gleichwie der Reiche – Ehre und Achtung genießt, ohne daß Jemand Rücksicht darauf nähme, wie? er reich geworden sey, eben so wird dem Armen – Schmähung, Verläumdung und Geringschätzung zu Theil, ohne daß Jemand fragen möchte, wie? ist er arm geworden, ob aus Unglück, ob aus Ehrlichkeit, alterirt gar nichts, und dieß war zum Theile das Loos des so edlen, so thätigen, so uneigennützigen und rastlosen Baumgartner.

Von diesem Allem aber wollen wir nun einen Augenblick hinweg, und auf die Feuers-Gefahren hinsehen, wo wir den Baumgartner jedesmal, ohne Ausnahme, zuerst und an der Spitze der Hilfeleistenden ordnend und leitend sahen.

Seine Lokalitäten-Kenntnisse, sein Eifer, seine Ausdauer, mit Verachtung jeder Gefahr, wendete, durch eine Reihe von Jahren, namenlose Unglücke ab, und seine bittersten Feinde machten ihm nicht streitig, daß er der Stadt Hunderttausende direkte und Millionen indirekte an Beschädigungen bey diesen Funktionen verhütet habe, und doch vermochte dieses Alles nicht, den Mann zu allgemeinen Ehren und Hoachtung ju bringen!!!

Kurz vor seinem Tode, nach seiner letzten scheinbaren Rekonvaleszenz, sagte er zu uns, an der Ecke des Lentner’schen Hauses nach der Fürstenfeldergasse, ausruhend:
»Mein Blasbalg läßt die Luft, es wird wohl bald ausgeblasen seyn, ich tröste mich aber, trotz aller meiner Mißkennungen, mit meinem guten Gewissen.«
Ja wohl! Baumgartner! dieß hattest du gewiß, und gewiß trägt es dir dort die Zinse, wofür dir hier das Kapital verweigert wurde; allein ich bemerkte ihm doch zu jenen Worten:
»Was hilft’s, wenn Jemand meiner wegen in der Hölle sitzt, und hat meine Kleider an.«
Er nickte mit dem Kopfe, herzlich lachend, und setzte bey:
»Es ist einmal so, und wird vermuthlich noch lange so bleiben.«

Dies war das Letztemal, als wir uns sahen.

Wir werden später noch bey verschiedenen Gelegenheiten auf diesen seltenen Mann zurückkommen, für jetzt sey uns nur noch gestattet, zu sagen: daß wir die innigste Indignation empfanden, als wir auf dem sogenannten Leichenzettel den Namen des so nahen Anverwandten, des Privatier’s Hrn. Sutner, nicht gelesen haben.

Wahrlich! der Ehrenmann Sutner hätte sich nicht schämen sollen, dem Ehrenmanne Baumgartner diese Ehre zu erweisen, und wir nehmen keinen Anstand, laut zu erklären, daß das Publikum, welches nach dem Tode eines Mißkennten immer schonender zu urtheilen Pflegt, diese Unterlassung und Geringschätzung gar nicht gut aufgenommen habe.

Doch vielleicht hat Herr Sutner, da er doch – wenn wir nicht irren – durch jenen Tod Kapitals-Vortheile bezieht, die ehrenvolle Absicht, jenes gewiß indignirende Uebersehen durch die Stiftung eines bleibenden Grab-Monumentes – allerwenigstens – auszugleichen.

Unserer Seits müssen wir uns begnügen, dem edlen Baumgartner das Letzte

»Friede seiner Asche«

zurufen zu können.

Der furchtlose Bayer Nro VI. Ein satyrisches, nicht periodisches, Unterhaltungs-Blatt. München, den 7. April 1831.

#Münchener Conversations-Blatt (19.4.1831)

Man liest wohl von einer Staatsrath v. Ringl’schen Mobilien-Auktion, nichts aber von einem Nekrolog des Verblichenen, wie wir in diesen Unterhaltungsblättern bereits früher zu hoffen uns erlaubt haben. Wären nicht auf Privatkosten herausgegebene öffentliche Blätter hie und da so gefällig und uneigennützig, das Andenken verdienter Staatsbeamter durch Aufnahme ihrer Nekrologe zu ehren, so würde dieses, wie schon bei mehreren Gelegenheiten bezüglich auf das Regierungsblatt (s. Nr. 89 d. B.) in wiederholte Anregung gebracht worden ist, seit einiger Zeit gänzlich unterblieben seyn. Das neueste Beispiel haben wir wieder von dem verlebten königl. Herrn Obermedicinalrathe von Haberl dahier erfahren, dessen Nekrolog die »Flora« lieferte, wo man ihn nach Umfluß von Jahren freilich nicht suchen wird, so wie jenen des k. Staatsraths etc. v. Widder in einem »Landboten-Blatt.« Sogar der »reisende Teufel« modo »furchtlose Bayer« sah sich genöthigt, nach unserm Blatte Nr. 92 ein Blümchen auf das Grab des seeligen Anton Baumgartner zu legen. Vor Zeiten rechnete sich’s auch die Akademie der Wissenschaften zum Verdienste, selbst von Nichtmitgliedern, aus verschiedenen Ständen nach ihrem Tode biographische Notizen in Druck zu geben. Dieses wäre bei Baumgartner um so gewisser nicht mehr als billig, als derselbe durch seine angestrengteste Sorgfalt und Wachsamkeit sich um dieselbe und ihre kostbaren Attribute (Bibliothek) hohe Verdienste erworben hat, weil ihm speziell die Leitung und Aufsicht des Dienstpersonals für die Feuerlösch-Requisiten, Wasserleitungen und Hauskamine übertragen ward, mit welchem er täglich ein Protokol abhielt.

Münchener Conversations-Blatt Nro. 109. Mitgabe zum Bayer’schen Beobachter. München; Dienstag, den 19. April 1831.

#Die Jahres-Zeiten (7.2.1832)

Eine Blume auf das Grab
Anton Baumgartners,
(gestorben den 30, März 1831.)

Wenn wir so über dem heiligen Dunkel des Grabes stehen, wenn wir hinnüber blicken in Gedanken der Rührung und Tröstung versunken in das Jenseits, das uns so wonnig anstrahlet aus dem Geisterreiche der Aeonen, wenn wir in patriotischem Gefühle derjenigen gedenken, welche für das Wohl eines Landes, einer Stadt so viel geleistet haben, wenn wir dessen Werth auch nur gering bemessen, so bleibt uns die Erinnerung an Anton Baumgartner die theuerste nach der der abgeschiedenen, deren Gebeine auch nun schon längst im Grabe ruhen, eines Eckartshausen, Flurl, Weiler, Westenrieder, Mutschelle, Babo u. s. w.; sie waren es, welche zuvörderst Licht über das Nebelmeer des ehemaligen Bayerlandes brachten, sie waren es, welche in friedlicher Abgeschlossenheit und stoischer Entsagung vieles Irdischen ihr ganzes Leben nur dem Wohle der Enkel und Zeitgenossen eines Landes aufopferten, das ihnen schon durch die Geburt und die vielen, schönen Erinnerungen, die ja doch jedes menschliche Herz in schwachen oder mächtigen Anklängen fühlt, theuer, ja unverletzlich geworden.

Alle jenen Reize, die den schlichten Bürger auf den großen Trödelmarkt des Lebens ziehen, ihn da mit so mächtigem Zauber an Alles fesseln, was nah und fern Freund und lieb sich nennt, Alles boten sie in hoher Begeisterung auf, für Menschenwohl und Menschenglück ewlg da zu stehen, in That und Wort. Das ist die wahre Vaterlandsliebe, das ist jener verkannte Patriotismus, denn er steht für Menschenrecht und Menschenglück im Staate als das heilige Palladium einer unzubesiegbaren Freiheit, er glänzet noch, wenn der ganze deutsche Gau mit seinen herrlichen Räumen sich unter der Despotie eines benachbarten Volkes beugen soll, und hebet das Herz der hochgestellten Menschen unerschütterlich für Tod und Freiheit, und in ruhmbekränztern Frieden lächeln dann die Alpen, die Triften und Fluren des deutschen Reiches in dem Auge des freudeentzückten Deutschen, der es empfand, was Mensch und Menschlichkeit zu thun vermag.

So will ich denn auch zu dir, du abgeschiedener Geist Anton Baumgartners rufen in das Reich der erfüllten Klarheit, so will ich denn auf deinem Grabe die Denkart theilen, welche frommer Glaube und Lieb in uns so liebend eingelegt, die Wissenschaft uns fester hielt, und ein Gott uns Allen gab, will dir in dem Namen der stolzen Monachia den Ehrenkranz auf’s kühle Haupt drücken, mit dem webmüthigen Rufe: Lebe wohl! – da du noch in unserer Mitte warst, guter Greis, als du noch so emsig wandeltest innerhalb der Mauern der Stadt, die du so reichlich beschenkt mit den himmlisch-göttlichen Gaben der Unendlichkeit in Wissenschaft und Liebe, als Mensch, als Freund und Bruder – da dachten wir in thränenstiller Wehmuth versunken: wer wohl dir ein Denkmal setzen würde, für späteste Zeit ein Denkmal, das du dem bescheidenen Verdiente so gerne zukommen ließest, und das deiner würdig wäre – da hob sich von den Stufen der Bavaria der erhabene Genius – also sprechend: »Eigenen Verdienstes, eigene Kronen allein sind unverwelklich für ewige Zeiten, sie hat Er sich erworben, Er trage sie – bis sie vor den Stufen Jehovas, an jenem seligen Tage der Tage abgeblüht, wo Ihm der Mcnschlichkelt Lohn in Seinem ruhigen Erdenwallen schon zugedacht war.

Da dacht ich in stummer Rührung dem Gebilde nach – und der Traum – er war vorüber – und tief faßte mich des Mitgefühls hohe Wonne, indem ich ausrief: Ja, dem Verdienste seine Kronen, Kronen einer bessern Welt, sie allein bleiben ewig grün – dein sind sie auch, abgeschiedener Geist Baumgartners – du in Jenes Vaters Wohnungen oben – sie winkten schon lange dir in duftendem Grün, in lieblicher Blüthe – du harrest in den Reichen der Unersetzbaren – den stets betrauerten: Westenrieder, Weiler, Flurl, Mutschelle, Babo, Spix und aller derer – die auch du kanntest, als du noch im Leben wirktest. Doch nur da hingestreckt der Liebe Blüthen, da dich der Tod verschloß in seinen Pforten – umpfängt die Treue dich überall – in dankeswerthem Andenken deiner Opfer, und ein Verehrer deines stillen Wirkens steht nun auf deinem Grabe, streuet Blumen und Garben, streuet Rosen dir in’s Grab – wohlfühlend des Zeitlichen Ungemach, wo nur das Schnöde schön sich regt – wo das bescheidene Verdienst still und unbemerkt zu Grabe geht.

Was wir an Baumgartner verloren, das kann nur der bemessen, welcher seine Bemühungen, seine übertriebene Thätigkelt seiner Schriften, schon vor vielen Jahren her verfaßt, kannte. Er war ein seelenvoller Freund, ein herrlicher Mann seines Faches, und berühmt in dem Gebiete der Historiegraphie und Poesie. Seinem Entstehen verdanket München Viel, ja großes, er hat seinem München Viel gethan und geleistet für lange Zeiten, tief betrauert ihn die menschliche Schaar, die seinem Sarkophage folgten; tief weinet Monachia in der schmerzlichen Zeit der Erinnerung an die Leiden unsers Erlösers, und wenn je Thränen dankbar fielen, so fallen diese, denn Verdient um Volk und Vaterland schmücke der Bürgerkranz die Stirne des Toten, und ein Denkmal zeige noch lange, daß ein Baumgartner der unserige war, den München stolz den seinigen nennt, denn er war ihres Stolzes in hohem Grade werth, und wird es auch bleiben, bis der irdischen Güter eitles Gut vom Strome der Zeit hinabgezogen, in das stille Heimathland des ewigen Friedens!

J. G.

Die Jahres-Zeiten Nr. 16. Ein Familienblatt aus Bayern zur nützlichen und angenehmen Unterhaltung für die Gebildeten aller Stände. Dienstag, den 7. Februar 1832.

#Allgemeine Zeitung (9.3.1834)

Bekanntmachung.

Alle diejenigen, welche an dem Rücklaß des am 30 März 1831 dahier verstorbenen königl. Oberbaurathes Anton Baumgartner aus was immer für einen Rechtstitel Ansprüche zu machen haben, werden hiemit aufgefordert, dieselben binnen 60 Tagen a dato um so gewisser hierorts geltend zu machen, als außerdem ohne Rüksicht auf sie mit Behandlung der Verlassenschaftssache vorgeschritten werden würde.

Anbei wird noch bemerkt, daß der nicht bedeutende Nachlaß beträchtlich überschuldet ist.

Den 28 Februar 1834.
Königl. Kreis- und Stadtgericht München.
Lerchenfeld, Dir.
G. Rambald.

Allgemeine Zeitung Nr. 68. Beilage zur Allgemeinen Zeitung. Augsburg; Sonntag, den 9. März 1834.

#Münchener Politische Zeitung (10.3.1834)

Bekanntmachung.

Alle diejenigen, welche an dem Rücklaß des am 30. März 1831 dahier verstorbenen k. Ober-Bau-Rathes, Anton Baumgartner, aus was immer für einem Rechtstitel Ansprüche zu machen haben, werden hiemit aufgefordert, binnen 60 Tagen a dato dieselben hierorts um so gewisser geltend zu machen, als außerdem ohne Rücksicht auf sie mit Behandlung der Verlassenschaftssache fortgeschritten werden würde.

Anbei wird noch bemerkt, daß der nicht bedeutende Rücklaß beträchtlich überschuldet ist.

Den 28. Febr. 1834.
Königliches Kreis- und Stadtgericht München.
Graf Lerchenfeld, Direktor.
Graf Rambaldi.

Münchener Politische Zeitung Nro. 59. Montag, den 10. März 1834.

#Das Bayerland (1898)

4. Anton Baumgartner, vormaliger kurfürstlicher Stadt-Polizeidirektor und kgl. Baurat; geboren am 4. September 1761 zu München als Sohn des Franz Joseph Baumgartner (1728–1797).

Im Jahre 1780 bezog der junge Baumgartner die Universität Ingolstadt, von der er drei Jahre später als Lizentiat der Rechte abging. Ein Jahr darauf schon fand er Anstellung als Auditor beim kurfürstlichen Leibregiment in München.

Als schmucker, junger Mann ward er der Gegenstand glühender Zuneigung eines Fräulein Fanny v. Ickstatt (nach anderen: v. Heppenstein), welche jedoch von Baumgartner in keiner Weise erwidert wurde. Deshalb beschloß die junge Dame, ihrem Leben ein Ende zu machen und führte diesen Vorsatz auch aus, indem sie sich, erst 17 Jahre alt, am 17. Dezember 1784, morgens 9 Uhr, aus einem Fenster der Türmerwohnung des Frauenturmes stürzte. Ein alter Stich, welcher dort oben noch unter Glas und Rahmen aufbewahrt wird, gibt Kunde von der verzweiflungsvollen That.

Der junge Auditor, welcher nebenbei die Arbeiten eines Assessors beim Justizdepartement im Hofkriegsrate besorgte, errang sich bald durch seine Brauchbarkeit die Gunst des Grafen Rumford, der 1790 seine Beförderung zum Hofkriegs-Justizrate erwirkte. Diese Stelle bekleidete er sieben Jahre.

Als der damals noch mächtige Graf Rumford eine unabhängige Polizeidirektion in München errichtete, wurde nebst Babo und Lipowsky auch Baumgartner zum Oberpolizeikommissär ernannt.

Mit dem Regierungsantritte des Kurfürsten Maximilian IV., nachmaligen Königs Max I., 1799, wurde eine Generallandesdirektion organisiert; einer eigenen Deputation derselben unterstanden die Geschäfte der Polizei, und Baumgartner wurde dieser als »Stadtpolizeidirektor« vorgesetzt. In dieser Stellung war er unermüdlich thätig, eine Unzahl Polizeierlasse geben Proben seiner Umsicht. An der Seite des Grafen Rumford wirkte er beständig zum Wohle der Armen Münchens und hatte er, was wohl eine Seltenheit für einen Mann in solcher Stellung genannt werden kann, keine Feinde, denn er war gegen alle, welche mit ihm in Berührung kamen, wohlwollend.

Leider blieb er nicht lange in dieser Stellung; das Jahr 1805 brachte, obwohl er erst 44 Jahre alt war, seine zeitliche Quieszierung.

Seine große Freigebigkeit mochte wohl viel an der Zerrüttung seiner Verhältnisse mit Schuld gewesen sein; über sein Vermögen wurde der Konkurs eröffnet, und dies war der Grund des Vorgehens gegen ihn.

Im Jahre 1809, nachdem die schwierige Angelegenheit endlich erledigt war, wurde Baumgartner als kgl. Baukommissionsrat reaktiviert.

Auch in dieser Stellung that er sich bis an sein Lebensende rühmlich hervor; so beteiligte er sich z. B. am 14. Januar 1823 bei dem Brande, dem das kgl. Hof- und Nationaltheater größtenteils zum Opfer fiel, bei grimmiger Kälte persönlich an den Lösch- und Rettungsarbeiten. Auch bei anderen derartigen traurigen Ereignissen war er einer der Ersten und Thätigsten am Platze, so daß es wohl nur ein Akt der Gerechtigkeit war, als ihn die Stadtgemeinde München in Anerkennung seiner Verdienste um die Stadt im Jahre 1825 durch Verleihung der goldenen Bürgermedaille auszeichnete.

Noch sieben Jahre konnte er diese Ehrung genießen, dann beschloß er, um die Stadt München hochverdient, in dem Hause Nr. 5/II (alte Nr. 1397/II) an der Löwengrube, 69 Jahre alt, sein Leben.

Seine Gattin war ihm bereits im Jahre 1820 am 5. April vorangegangen; beider Gebeine ruhen im südlichen Friedhofe, Sektion 9, Reihe 1, Grabnummer 17, jedoch ist dies durch kein Denkmal mehr kenntlich gemacht.

Zur weiteren Erinnerung an Baumgartner hat die Stadtgemeinde München eine Straße nach ihm benannt und seine Büste in einer Nische der Arkaden des südlichen Friedhofes aufstellen lassen.

C. Reber: Die »Ruhmeshalle« unter den Arkaden des südlichen (älteren) Friedhofes in München. Das Bayerland. Illustrierte Wochenschrift für bayerische Geschichte und Landeskunde. 9. Jahrgang. Heft Nr. 27. München, 1898.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Baumgartner Anton, Lic. jur., 1761 (München) – 1831, Münchner Polizeidirektor und Baurat; er studierte auf der Universität in Ingolstadt; 1783 finden wir B. als Auditor beim Kurfürstlichen Leibregiment in München und zugleich als Assessor beim Justizdepartement im Hofkriegsrat; auf Veranlassung seines Gönners, des Grafen von Rumford, wurde B. 1790 Hofkriegsjustizrat und 1797 zusammen mit J. M. von Babo und J. F. von Lipowsky Oberpolizeikommissär; im Zuge der Organisation der Generallandesdirektion unter König Max I. wurde B. als Stadtpolizeidirektor Vorstand der Deputation für die Polizeigeschäfte; durch seine unzähligen Polizeierlasse zur Durchführung der Säkularisation (Klosteraufhebungen, Verbot der mitternächtlichen Weihnachtsmetten, der Feiertage und Wallfahrten) machte er sich bei der Münchner Bevölkerung sehr unbeliebt, obwohl er zusammen mit Graf Rumford viel für die Armen tat; als Polizeidirektor von München hat B. auch ein »kleines Polizei-Versatzamt« errichtet und 1805 eine gedruckte Übersicht über die Münchner Polizei herausgegeben; »Hercules dürfte ein leichteres Geschäft gehabt haben, Augias Stall zu reinigen, als das Geschäft des Titl. Baumgartner ist, eine ganz in Unordnung gerathene und Jahre lang in selber erhaltene Polizey-Registratur wieder in Ordnung zu bringen« (Pro Memoria vom 30. VII. 1805); als Polizeidirektor hat er auch namhafte Amtsverschuldungen hinterlassen; später hat B. als Baukommissionsrat eine statistische Beschreibung von München verfaßt; beim Brand des Münchner Hof- und Nationaltheaters am 14.1.1823 soll er persönlich mitgelöscht haben.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#9 – 1 – 19·20 (Metivier)


FAMILIE METIVIER


  • Metivier, Johann Baptist; 1.4.1781 (Rennes/Frankreich) – 15.10.1853 (München); Landschaftsmaler und Architekt

Grab der Familie Metivier auf dem Alten Südfriedhof München (November 2014)

#Johann Baptist Metivier

* 1.4.1781 (Rennes/Frankreich)
† 15.10.1853 (München)
Aquarellmaler und Architekt

#Artistisches München im Jahre 1835 (1836)

Metivier, Johann Baptist, geboren zu Rennes in der Bretagne, im Jahre 1781, stammt aus einer Künstlerfamilie, welche sich später in Paris niederließ. Er studirte bei mehrern ausgezeichneten Architekten dieser Hauptstadt, bis er 1811 nach München kam, wo er unter dem Schutz einiger Personen hohen Ranges, deren Gunst ihm die gelungene Ausführung mehrerer seiner Arbeiten erwarb, als Inspektor der königl. Baukommission ernannt wurde, und später zur königl. Hofbau-Intendanz als Hofbau-Dekorateur überging. Im Jahre 1824 erhielt er den Titel und Rang eines königl. Baurathes.

Seine vorzüglichern Werke in Bayern sind:

In München
das Haus des königl. Staatsministers etc. Herrn Grafen v. Montgelas, auf dem Karolinen-Platze;
ein kleines Wohnhaus des königl. Kriegsministers, Baron Maillot de la Treille, bei Schwabing;
das Hotel der Frau Baronin von Bayersdorf, in der Briennerstrasse, im Jahre 1824–25;
die Synagoge 1824–25;
ein Haus in der Ludwigsstraße 1825–26;
die Stallungen Sr. königl. Hoheit des Prinzen Karl von Bayern;
die innere Dekoration des Palais Sr. königl. Hoheit;
das Haus des Herrn Reichsraths Baron v. Lotzbeck, in der Briennerstraße, 1828–29;
die Ausstattung der protestantischen Kirche.

Im Bade Kreuth
Ein Monument zum Andenken des Königs Maximilian von Bayern, 1828–29.

In Regensburg
die neuen Schloßbauten Sr. Durchlaucht des Hrn. Fürsten von Thurn und Taxis, mit den Wohnungen für den Dienst, dann den Stallungen, Remisen und einer Reitschule von 1829–32.

In diesem Augenblicke ist er noch beschäftigt bei dem großen Werke des Königsbaues.

Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Mechaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.

#Die bildende Kunst in München (1842)

Johann Metivier, k. Baurath, geboren 1781 zu Rennes in der Bretagne, aus einer Künstlerfamilie stammend, von welcher mehrere geschickte Bildhauer und Architekten waren, bildete sich in Paris, wo sich seine Eltern niedergelassen hatten, und kam im Jahre 1811 nach München. Hier fand er bald Gelegenheit, mehrere Bauten nach seinen Entwürfen auszuführen und die innere Einrichtung in geschmackvoller Weise zu ordnen, daß man sich in den Räumen ganz heimisch findet. Von ihm ist die Synagoge in München gebaut, die protestantische Kirche im Innern hergestellt, und die schönen Wohnhäuser der Freifrau von Bayersdorf, des Grafen Montgelas, des Kriegsministers Maillot de la Treille bei Schwabing, die neuen Schloßbauten des Fürsten von Thurn und Taxis in Regensburg ausgeführt.

Er lieferte mehrere schöne Zeichnungen, Ansichten von alten Gebäuden, Stadtthoren u. s. w. in Aquarell, gab unter dem Titel: »Architektonische Verzierungen« mehrere Umrisse von architektonischen und Zimmerverzierungen in Steindruck heraus, und andere, die seine eigenen Bauwerke darstellen.

Dr. Johann Michael von Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Métivier Johann Baptist, 1781 (Rennes/Frankreich) – 1853, Baumeister und Aquarellist; aus einer Künstlerfamilie von Bildhauern und Architekten stammend, hat M. in Paris sich ausgebildet, kam 1811 nach München, wo er namhafte Aufträge erhielt, Inspektor der königlichen Baukommission, Hofbaudekorateur und 1824 königlicher Baurat wurde; M. zählte zu den modernsten Baukünstlern seiner Zeit, und nur der frühe Tod K. von Fischers sowie seine untergeordnete Stellung gegenüber F. von Gärtner und L. von Klenze haben mit Unrecht sein Andenken zurückgedrängt; auch als Innenarchitekt hat er Bedeutendes geleistet, wie seine »Architektonische Verzierungen« erkennen lassen; Ms. Frühwerke erinnern an Gärtners Romantik und Klenzes Klassizismus.

Hauptwerke: Palais des Grafen Montgelas, des Baron Lotzbeck und der Baronin Bayerstorff (Almeida-Haus), Maillot-Schlößchen in Schwabing, ehemalige Synagoge an der Frauenstraße, Thurn- und Taxis-Schloß in Regensburg, Innendekoration für ehemalige Matthäuskirche, Nationaltheater (nach 1823) und Prinz-Karl-Palais, Zeichnungen und Aquarells mit Münchner Ansichten.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#9 – 1 – 20 (Herigoyen · Reck)


FAMILIEN
EMANUEL JOSEF D’ HERIGOYEN
1746 – 1817
KARL VON HERIGOYEN
1807 – 1875
HEINRICH VON HERIGOYEN
1859 – 1927
ALBERT FREIHERR VON RECK
1835 – 1906


  • Herigoyen, Emanuel Josef von; 4.11.1746 (Belas bei Lissabon) – 27.7.1817 (München); Architekt
  • Herigoyen, Heinrich von; 1859 – 26.6.1927 (München); Bankdirektor a. D.
  • Herigoyen, Karl von; 1807 – 16.5.1875 (München); Forstrat und Regierungsrat
  • Reck, Albert Freiherr von; 1.7.1835 – 8.7.1906 (Bad Kreuth); Generalleutnant z. D. und Hofmarschall a. D.

Todesanzeige für Heinrich von Herigoyen

Grab der Familien Herigoyen · Reck auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

Grab der Familien Herigoyen · Reck auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#Emanuel Josef von Herigoyen

* 4.11.1746 (Belas bei Lissabon)
† 27.7.1817 (München)
Architekt

#Regensburger Zeitung (6.8.1817)

Miscellen.

Am 27. Juli 1817 starb in München Emanuel Joseph d'Herigoyen, Ober-Bau-Kommissär beim königl. Ministerium des Innern, geboren zu Lissabon in Portugal am 4. Nov. 1746, ein Mann, merkwürdig durch seine Schicksale, und ausgezeichnet durch Gente und Kenntnisse. Sein Vater, Martin d'Herigoyen, gebürtig aus Bayonne in Frankreich, war Truchseß beim Infant von Portugal Don Emanuel, Bruder Johannes V., Königs von Portugal. Seine Mutter, Anna Margaretha von Balorsin war in Wien geboren. Das schreckliche Erdbeben vom Jahre 1755, fällt in die früheste Lebenszeit des Verblichenen. Während der Knabe mit anderen seines Gleichen sich in einem Garten ausser der Stadt Lissabon mit Spielen belustigte, verschlang die Erde seiner Eltern ganzes Hab und Gut, ließ ihm aber das Beste, seine Eltern. Nach qualvollen Besorgnissen, tödtenden Beängstigungen fand sich die Familie erst Abends, wie durch Gottes Führung erhalten, im freien Feld wieder beisammen, als einer den andern vom Abgrunde verschlungen hielt. Der junge d'Herigoyen zeigte frühe große Anlage und Neigung zum Zeichnen, Mahlen und Baukunst. Ein italienischer Künstler, der berufen war, mit andern portugisieschen Künstlern, einen allgemeinen Plan zur Aufbauung und Herstellung von Lissabon zu bearbeiten, war sein Lehrer darin. Seine Studien hatte er bereits im königl. Kollegium, »das Necessidades«, unter den Vätern vom Oratorium des heil. Philippus Nerius, beendigt. Als 1762 der Krieg von Seite Spaniens und Frankreichs gegen Portugal und England ausbrach, verließ der 16jährige Jüngling die gewählte Bahn, und weihete sich der Vertheidigung seines Vaterlandes. Er nahm Dienste in der Marine, unterwarf sich mit aller Beharrlichkeit der härtesten Verrichtungen, strengsten Disciplin, und allen Müheseligkeiten und Gefahren des Dienstes. Das Geschwader, auf welchem er seine militärische Laufbahn begann, bestand aus 3 Linienschiffen und einer Fregatte. Selbiges lief zu Anfang des Jahres 1762 aus, nahm seinen Weg geradezu nach Madera, und von dort nach den kanarischen Inseln. In dieser Gegend sollte es die aus Amerika zurückkommende spanische Flotte erwarten, und ihr ein Treffen liefern. Nach drei Monaten lief das Geschwader wieder im Hafen von Lissabon ein, und im November, durch einige andere Kriegsschiffe verstärkt, wieder aus, und zwar nach Brasilien, um die reiche portugiesische Flotte von Rio-Janeiro, und der Allerheiligen-Bay nach Portugal zu begleiten. Diese Fahrt dauerte mit Einschluß des Aufenthaltes in Brasilien 13 Monate. Dieser Aufenthalt und das Versinken von Lissabon haben den tiefsten und nie verlöschbaren Eindruck auf Ihn gemacht. Als in den letzten Jahren seine angeborne Lebhaftigkeit sehr merklich abgenommen hatte, fast ganz verschwunden war, da durfte man ihn nur auf eine dieser Epochen zurückbringen, dann war wieder Jugendfeuer in Wort und Geberden; mit den lebhaftesten Farben mahlte er das Zusammensinken der Häuser, Palläste und Kirchen wie wie aufgesetzter Kartenblätter, das Verschwinden aller Gegenstände umher unter einer Staubwolke, das Schwanken der Erde mit Meereswogen gleicher Beweglichkeit. Brasilien war ihm eine paradiesische Erde, wo die üppigste Natur ihren Reichthum an Arme und Reiche in Fülle spendet, wo der Name Armuth unbekannt, und beim geringsten Creolen oder Sclaven wenigstens Wohlhabenheit gefunden werde. 1764 trat d'Herigoyen auf ein Kriegsschiff, das bestimmt war, in den Gewässern zwischen Spanien und Portugal zu kreuzen, und von den Barbaresken zu säubern. In einem Gefechte mit einer Algierer Schebecke erhielt er durch eine Musketenkugel, (welche der fliehende Korsar auf obiges Schiff abschoss), eine Wunde am Kopf. Auf eben diesem Schiffe begleitete Er mehrmals Kauffarteischiffe nach Brasilien, jedoch nur bis zu den Azorischen Inseln. Als 1766 die Regierung von Portugal um die Kolonien auf den Inseln Bissajes an den Küsten von Guinea wieder herzustellen, eine Fregatte nach dem grünen Vorgebirge und den genannten Inseln abschickte, schiffte sich d'Herigoyen wieder mit ein. Dieß war aber sein letzter Seedienst, denn als er nach seiner Zurückkunft durch den Tod des Don Emanuel, Infanten von Portugal (der sein Taufpathe war) sein und seiner Eltern Wohlthäter und Stütze verloren hatte, verließ er sein militärische Laufbahn, und 1767 sein Vaterland. Er faßte den Entschluß, seine Verwandten in Bayonne zu besuchen, bei denen er freundschaftliche Aufnahme fand. Nach einigem Aufenthalt gieng er seines bessern Fortkommens und fernern Ausbildung wegen, mit guten Empfehlungen versehen, nach Paris.

(Fortsetzung folgt.)

Regensburger Zeitung Nro. 186. Mittwoch, den 6. August 1817.

#Regensburger Zeitung (7.8.1817)

Miscellen.
(Beschluß der Biographie d'Herigoyen's)

In Paris legte er sich nun mit verdoppeltem Fleiße auf sein früher gewähltes und verlassenes Fach. Als er nach 2jährigem eifrigen Bemühen es so weit gebracht zu haben glaubte, daß sein theoretisches Wissen in That und Anwendung gebracht werden könne, trat er seine Reise nach Wien an, wo er durch seine Verbindungen bald mit Vornehmen vom Hofe bekannt, und gebraucht wurde. Hier lernte ihn Graf Wilhelm von Sickingen kennen, der ihm Beschäftigung auf seinen Gütern, und namentlich in Landstuhl gab. Als dieser Herr Minister des Kurfürsten von Mainz wurde, brachte er den jungen Baumeister als Ingenieur-Oberlieutenant im Jahre 1778 in kurfürstlich Mainzische Dienste, und hierin stieg er bis zum Oberstlieutenant. Durch diese Anstellung fand d'Herigoyen Gelegenheit und Mittel, seine Talente zu zeigen, zu entwickeln, und mehr und mehr auszubilden, sowohl im Militärfach als der bürgerlichen Baukunst. Auch machte er in Absicht der Erweiterung seiner Kenntnisse 1789 eine Reise durch die Niederlande und Holland nach England. Nach Ausbruch des Krieges gegen Frankreich im Jahre 1792 zog d'Herigoyen sich ganz auf das Ingenieur-Wesen zurück, und diente im Felde mit Auszeichnung und Muth. Er erzählte alle Thaten seiner Waffenbrüder mit seinem gewöhnlichen Feuer, von den Seinigen sprach er nie. Als Mainz 1798 an Frankreich abgetreten wurde, folgte d'Herigoyen mit andern treuen Dienern des Militär- und Civilstandes seinem Herrn nach Aschaffenburg, und im Jahre 804 nach Regensburg, und als endlich im Jahre 1810 diese Stadt mit Gebieth an die Krone Bayern fiel, wurde der Oberstlieutenant d'Herigoyen als Ober-Baukommissär beim Ministerium des Innern nach München berufen. Seine spärlich zusammengeschriebenen Notizen schließt er am 1. Jänner 1816 mit der Reflexion: daß ihm das Schicksal, welches ihn in Portugal habe geboren werden lassen, die Ehre aufbewahrt habe, nach so vielen und vielerlei Begebenheiten und Wanderungen im Dienste Sr. Maj. des Königs von Baiern zu sterben. Nun ist er nicht mehr, aber fort lebt er in der Liebe seiner Hinterlassenen, dem Andenken seiner Freunde, und in seinen Werken. Von den durch ihn ausgeführten Gebäuden wollen wir anzeigen, was unser Gedächtniß aufbewahrt hat. Das Schloß in Aschaffenburg mußte zu stetem und bequemen Wohnsitze für den Kurfürsten von Mainz eingerichtet werden. Doeß geschah durch veränderten innern Bau und durch nöthigen Anbau zur Zufriedenheit des Kurfürsten durch d'Herigoyen. Die Gartengebäude im Schönbusch bei Aschaffenburg, das Theater- und Harmoniegebäude in Regensburg, das Finanz- und Schulgebäude, das Haus im botanischen Garten, die Ehrensäule, welche der Fürst Primas, Karl Theodor v. Dalberg, dem dankbaren Andenken des verstorbenen Fürsten Karl Anselm von Thurn und Taxis, als Gründer der Allee um die Stadt herum, setzen ließ, das Kepplersche Monument, sind von ihm. Er entwarf den Plan zur Wiederaufbauung des durch die Franzosen eingeäscherten Stadttheils, und war mit dessen Ausführung beschäftigt, als er nach München berufen wurde.

In München sind von ihm: das neue Theater vor dem Isar-Thor, die zwei Gebäude für den Arzt und Verwalter auf beiden Seiten des allgemeinen Krankenhauses vor dem Sendlingerthor, das Portal am botanischen Garten, die Facade des Gebäudes des Ministeriums des Aeussern, die innere Bau-Einrichtung des Erziehungs-Hauses am Anger. Den 10. Dezember 1810 geruhten Se. königl. Majestät den bereits ehevor zum Oberbaukommissär des Innern beförderten d'Herigoyen auch zum Mitglied der königl. Baukommission in München zu ernennen. Bei dieser Kommission wohnte er allen Sitzungen und den besonderen Augenscheinen an Ort und Stelle bei. Seine Rathschläge waren jederzeit auf eine sichere Theorie und auf seine vieljährigen geprüften Erfahrungen praktisch gegründet, und wurden nach ihrem vollen Verdienste gewürdigt und geschätzt. Unternahm der Verstorbene einen Bau, dann wurde alles auf dessen Zweck gerichtet und berechnet. Alles wurde diesem untergeordnet. Diesen ganz zu erreichen, Solidität und Geschmack zu verbinden, alles mit dem möglichst geringen Kostenaufwand zu vollbringen, das war Hauptsache bei ihm. In hohem Grade uneigennützig und rechtlich würde er lieber vieles verloren als sich einen einzigen ungerechten Heller angeeignet zu haben. Von seinen Werken sprach er selten und wenig. Er ließ diese sprechen. Ein gegründetes kunstrichterliches Urtheil war ihm werth. Das belehrt. Einen ungerechten Tadel achtete er nicht. Der fällt auf die Tadler zurück. Nichts war ihm unerträglicher als Selbstlob, Anmassung und Stolz, besonders junger Künstler. Verdienste und Talente schätzte er überall, wo er es fand; bei Freund und Feind. Sein Urtheil war kalt und besonnen. Nie gwann sein warm fließendes Blut (Frucht des warmen Clima's seines Geburtslandes) Einfluß darauf, so wie die Hitze seines Temperaments nie in That gegen die überging, welche um, neben und unter ihm waren, denn durch Vernunft und Verstand durch das Studium der Weisen des Alterthums gebildet, war er Herr über selbige. Neid kannte er nur, weil er selbigen oft von aussenher gegen sich gerichtet, empfunden hatte. Spero invidiam soll der Wahlspruch jedes Künstlers seyn. Der Tod überraschte ihn nicht. Mehrere Monathe sprach er davon mit der Ruhe und Ergebenheit eines Weisen und eines Christen. Je näher er sein Ende herannahen sah, desto mehr zoger sich in seine Familie zurück. Bis in seine letzten Tage fand er Vergnügen an der Bildung seiner beiden hoffnungsvollen Söhne, dem einen von 10, dem andern von 12 Jahren, denen er im Italienischen, Französischen und Englischen Sprachunterricht ertheilte. Seit dem verflossenen Monath Juni ordnete d'Herigoyen seine Papiere und häuslichen Sachen, als trete er eine Reise an, von welcher er nimmer zurückkommen werde. Sein Tod war ein ruhiges Einschlafen zum frohen Erwachen. Friede sey mit ihm!

Berichtigung: Sicherm Vernehmen nach war der Plan zur Wiederaufbauung des eingheäscherten Stadttheils von Regensburg nicht von d'Herigoyen, sondern von dem königl. Landbau-Inspektor, Hrn. Popp in Regensburg. Ersterem war nur die Aufsicht bei dessen Vollzug übertragen. Der Verstorbene eignete sich nie Anderer Pläne und Werke an, man würde sich sehr gegen ihn verfehlen, wenn man nicht jedem das Seinige ließ, und obige Nachricht berichtigte. Bei Benennung der in Regensburg von ihm ausgeführten Gebäude, wurde der Neubau des Freiherrn von Dittmer'schen Hauses auf der Haide vergessen.

Regensburger Zeitung Nro. 187. Donnerstag, den 7. August 1817.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Herigoyen Emanuel Josef, von, 1746 (Lissabon) – 1817 Baumeister; der Portugiese H. studierte in Wien, war dann unter Fürstbischof von Dalberg in Aschaffenburg tätig, wo er die Villa Schönbusch erbaute; mit Dalberg übersiedelte er nach Regensburg; dort schuf er 1804 das Präsidialpalais (Sitz des Regierungspräsidenten der Oberpfalz), erst 1810 kam H. nach München; sein Hauptwerk in München, das Portal zum Alten Botanischen Garten, gehört zu den schönsten Leistungen des älteren, weniger prunkvollen, Klassizismus in München.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#9 – 1 – 28·29 (Gessele)


Grabstätte
der
Familie Gessele.

Franz v. Paula Gessele
Kgl. bayr. wirkl. Rat
1.4.1784 – 12.4.1857.
Anna Gessele geb. Riedmayr
24.6.1806 – 29.3.1884.
Franz Gessele Hofopernsänger
28.7.1873 – 16.11.1936.


  • Gessele, Anna (vw) / Riedmayr (gb); 24.6.1806 – 29.3.1884
  • Gessele, Franz / Gessner (ps); 28.7.1873 (Ingolstadt) – 16.11.1936 (München); Sänger
  • Gessele, Franz von Paula; 1.4.1784 – 12.4.1857 (München); Ministerialbeamter

Todesanzeige für Franz von Paula Gessele

Grab der Familie Gessele auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#Franz Gessele / Gessner (ps)

* 28.7.1873 (Ingolstadt)
† 16.11.1936 (München)
Sänger

#Münchener Kunst- u. Theater-Anzeiger (6.11.1897)

Bühne

Franz Gessele, ein Münchener, hat dieser Tage am Hoftheater in Karlsruhe den Jäger (»Nachtlager von Granada«) gesungen, und zwar mit sehr günstigem Erfolg, wie wir aus dem »Badischen Beobachter« ersehen, der u. a. schreibt: »Der noch im jugendlichen Alter stehende Künstler bot uns eine in jeder Hinsicht abgeglichene, wohldurchdachte und mit feinen Zügen ausgearbeitete Leistung. Vor allem ist er im Besitze eines wirklich weichen und leicht ansprechenden Pianos und verfügt über eine schon jetzt hochentwickelte Kehlfertigkeit, die ihm ermöglicht, die in der Partie des Jägers vorkommenden musikalischen Verzierungen mit spielender Leichtigkeit zu bewältigen. Ebenso gut ist bei ihm die Atemführung ausgebildet, die Deklamation verdient tadellos genannt zu werden. Ueberhaupt hatte man den Eindruck, daß man es da mit einer stark ausgeprägten musikalischen wie schauspielerischen Intelligenz und vor allem mit einm wirklichen Gesangstalent zu thun habe.«

Münchener Kunst- u. Theater-Anzeiger No. 3533. Samstag, den 6. November 1897.

#9 – 1 – 31* (Reinhard)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Reinhard, Karl; 1763 – 24.12.1837 (München); Schauspieler, Sänger und Schriftsteller

Das Grab ist nicht erhalten


#Karl Reinhard

* 1763
† 24.12.1837 (München)
Schauspieler, Sänger und Schriftsteller

#Neuer Nekrolog der Deutschen (1839)

377. Karl Reinhard,

Hofschauspieler in München;
geb. im Jahr 1763, gest. den 24. Dec. 1837*).
*) Unser Planet. 1888. Nr. 7 und 8.

Er wurde im Gothaischen geboren und ging eigentlich erst 1787 bei Klooß in Bonn und Köln ganz zum Theater über, denn die drei Jahre vorher privatisirte er in Frankfurt a. M., Mannheim und der Rheingegend und war nur wenige Monate bei zwei reisenden Gesellschaften; noch früher hatte er drei Jahre unter den hessen-kasselschen Truppen in Amerika als Lieutenant gedient. Bei Klooß fand er damals die beste Oper in Deutschland und sang Aushülfsrollen. Als zwei Jahre nachher Klooß die Gesellschaft aufgab, ging R. von Aachen, wo das Letztere geschah, nach Holland, wo er zuerst in deutscher, dann aber in holländischer Sprache auf einigen Liebhabertheatern sang und spielte. Das Jahr darauf begab er sich zum Schweriner Theater und war dann eine kurze Zeit darauf mit Tilly in Lübeck und Braunschweig, wo er auch noch zuweilen den Himmelsturm im Deserteur, Conrado in der Lilla, den Sichel in Doktor und Apotheker und den Capulet in Romeo und Julie und mehrere andere Rollen in Singspielen sang, bis er 1793 im December nach Hamburg zum Schröderschen Theater kam und den Gesang in der Oper nun ganz aufgab. Kurz vorher hatte er Charlotte Henriette Sallbach (geb. 1776 zu Frankfurt a. d. O.) geheirathet. Er spielte in Hamburg gesetzte Liebhaber-, Helden- und Charakterrollen. Als Schröder 1797 das Theater verpachtete, gingen Reinhard und dessen Gattin nach Frankfurt a. M., im folgenden Jahr aber nach Hanover, wo er zuerst unter der Entreprise von Walter und Reinicke als Mitglied einer Komité das Theater dirigiren half und vier Jahre später auf Befehl der dortigen Regierung und unter der Oberdirektion des Stallmeisters von dem Busche ein Theater für immer errichtete, welches eine von allen Bühnen ganz abweichende Konstruktion hatte und womit ein Pensionsfond verbunden war, nach welchem die Schauspieler nur 15–20 Jahre höchstens beim hanoverschen Theater bleiben durften und dann ein Dritttheil ober die Hälfte ihres Gehalts Zeitlebens bezogen. Die Okkupation dieses Landes durch die Franzosen vernichtete dieses Theater und R. ging mit seiner Frau 1803 noch Berlin, wo sie zwei Jahre früher mit ausgezeichnet großem Beifalle Gastrollen gegeben hatten und beide nahmen dort ein ihnen deshalb von Iffland angebotenes Engagement an. In Berlin trat R. in des vortrefflichen Schauspielers Fleck Stelle, so wie ehemals in Hamburg in die des berühmten Zumarini. Von hier erhielt R. nebst seiner Gattin ein Engagement in München, das er den 20. Juni 1805 antrat.

R.’s innerer Beruf und mächtiger Hang für die Kunst trieb ihn an, sie überall aufzusuchen und wo er sie fand, zu verherrlichen. Sein schön gebauter nervigter Körper war aller Bewegungen, in denen Würde und Anmuth herrschte, fähig und seine Stimme erhob sich beinahe von der süßen Flöte bis zur schmetternden Tube. Er war ein Schauspieler von tiefer Einsicht, mit der er große praktische Gewandtheit, Selbstständigkeit und Fleiß verband. Diese und seine deutliche gute Aussprache haben ihn bei dem königlichen Hof und Münchner Publikum sehr beliebt gemacht und krönten mit lautem Beifalle seine Verdienste um die Kunst und die Bühne.

Außer mehreren Abhandlungen sind von ihm noch erschienen: Der Pasquillant, oder: Es lebe Friedrich der Große! E. Schausp. Braunschw. 1792. – Zwei Schauspiele. Hamburg 1795. – Der Bund zu Alcala, ein romantisches Schausp. München 1810. – Während er am Rhein privatisirte schrieb er mehrere kleine Schriften über wichtige Zeitereignisse und zuletzt noch in München seine Beobachtungen über den Krieg von 1809 in 5 Heften, dann Andreas Hofer u. d. Tyrolerinsurrektion, ein historisches Gemälde, welche alle eine innige Vorliebe für sein sich selbst gewähltes Vaterland Baiern verrathen.

Neuer Nekrolog der Deutschen. Weimar, 1839.

#Deutsches Dichter-Lexikon (1876/1877)

Reinhard, Karl, geboren 1763 im Gotha’schen, diente drei Jahre unter den hessischen Truppen in Amerika als Lieutenant und ging 1787 zum Theater über. Er spielte in Bonn und Köln, kam 1792 nach Hamburg zum Schröder’schen Theater und trat hier mit vielem Beifall in Liebhaber-, Helden und Charakterrollen auf. Im Jahre 1797 begab er sich nach Frankfurt, dann nach Hannover, wo er mit Elise Bürger (s. d.) in einen literarischen Streit verwickelt wurde. Er errichtete dort auf Befehl der Regierung ein stehendes Theater mit ganz abweichernder Einrichtung. Nach der französischen Besetzung des Landes ging er 1803 nach Berlin, 1805 nach München, wo er sich die Achtung und Liebe des Publikums erwarb. Er starb daselbst am 24. Dezbr. 1837.

D.: Der Pasquillant, oder: Es lebe Friedrich der Große. Schausp. in 2 A. Braunschw. 1792. – Heinrich der Löwe. Schausp. in 5 A. Ebd. 1793. – Zwei Schauspiele. (Scheinverbrechen. – Die Tugend unter den Barabren.) Hamb. 1795.

Franz Brümmer: Deutsches Dichter-Lexikon. Biographische und bibliographische Mittheilungen über deutsche Dichter aller Zeiten. Unter besonderer Berücksichtigung der Gegenwart. Eichstätt & Stuttgart, 1876.

#Allgemeine Deutsche Biographie (1889)

Reinhard: Karl R., Schauspieler, geb. 1763, † 1836 zu München, ging in seiner Jugend mit den hessen-kasselschen Truppen auf 3 Jahre nach Amerika und avancirte dort auf dem Schlachtfelde zum Officier. Erst 1787 trat er zur Bühne über und wirkte zunächst am Niederrhein in sehr bescheidenen Stellungen. Etwas höher hob er sich in Schwerin, Lübeck, Braunschweig. 1793 kam er mit seiner Frau Charlotte Henriette geb. Sallbach (geb. 1775 zu Frankfurt a. O.) nach Hamburg unter die Direction F. L. Schröder’s. Sie debütirten dort am 7. December als Rolla und Cora in Kotzebue’s »Sonnenjungfrau«. 1797 kam es wegen Gagenstreitigkeiten zu heftigen Conflicten zwischen Schröder und R., der unter den Kunstgenossen eine wahre Verschwörung gegen seinen Director anzettelte und dadurch auch im Publicum Aergerniß erregte. Reinhards verließen Hamburg, wo Er neben seiner Kunst ein kaufmännisches Geschäft betrieben haben soll, hielten sich kurze Zeit in Frankfurt a. M. auf und kamen dann nach Hannover, wo R. 1802 unter der Verwaltung des Oberstallmeisters v. d. Busche die artistische Leitung erwarb und sich mit dem Gedanken trug, durch Errichtung einer Pensionsanstalt festere Verhältnisse im Bühnenleben zu begründen. Auch war ihm zugesichert worden, dermaleinst der Nachfolger des Herrn v. d. Busche zu werden. All‘ diese schönen Aussichten wurden durch das Kriegsunglück zerstört. Als General Mortier 1803 Hannover belagerte, löste sich das deutsche Theater dort auf und R. ging nach Berlin, wo er schon ein Jahr vorher am königl. Nationaltheater sechsmal als Gast aufgetreten war, ohne den Engagementsantrag Iffland’s anzunehmen. Er konnte sich zu Berlin nicht halten, und folgte 1805 einem Rufe an das Hoftheater zu München. Hier hat er bis zu seinem Tode gewirkt und 1821 auch kurze Zeit die Regie geführt. R. hat sich hauptsächlich in Heldenrollen ausgezeichnet, wofür ihm seine heroische Gestalt und sein mächtiges, wandlungsfähiges Organ zu statten kam. Seine Frau war ihm eine passende Partnerin: von schlankem, königlichem Wuchs und schön von Angesicht.F. L. W. Meyer, F. L. Schröder, II, S. 113, 148 ff., Hamburg 1823. – Jahrbuch für Theater, S. 180. Hamburg 1841. – Blum-Herloßsohn-Marggraff, Allg. Theater-Lexikon, Bd. VI, Altenburg-Leipzig 1846.

Paul Schlenther.

Paul Schlenther: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1889.

#9 – 1 – 40* (Brauneis)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Brauneis, Josef; – (5).5.1887 (München), 68 Jahre alt; Volkssänger

Das Grab ist nicht erhalten

#9 – 1 – 42·43 (Ehrengut)


A. EHRENGUT

Linke Spalte
ANTON EHRENGUT
ZIMMERMEISTER
geboren den 6. März 1840.
gestorben den 23. Dezember 1890.

Rechte Spalte
ROSINA EHRENGUT
geb. ¿kel
geboren den 5. Juli 1851
gestorben den 14. Mai 1916.

Linke Seite
F. P. Stulberger A¿

Rechte Seite
ACKERMANN
Weissenstadt
Fichtelgebirg.


  • Ehrengut, Anton; 6.3.1840 (München) – 23.12.1890 (München); Zimmermeister
  • Ehrengut, Rosina (vw) / Oettiker (gb); 5.7.1851 – 14.5.1916; Fabrikantens-Tochter / Zimmermeisters-Witwe

Grab der Familie Ehrengut auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

Grab der Familie Ehrengut auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2015)

#Anton Ehrengut

* 6.3.1840 (München)
† 23.12.1890 (München)
Zimmermeister

#Münchner Neueste Nachrichten (19.10.1890)

Beehre mich ergebenst anzuzeigen,daß ich in Folge andauernder Krankheit veranlaßt war, aus dem seither unter der Firma A. & L. Ehrengut betriebenen Zimmermeister- und Bautischlerei-Geschäft auszuscheiden und die alleinige Führung derselben meinem Neffen und seitherigen Theilhaber, Herrn Leopold Ehrengut zu übertragen.

Für das mir von allen Seiten während meiner Geschäftsthätigkeit entgegengebrachte Vertrauen und Wohlwollen bestens dankend, bitte ich, dasselbe dem Geschäfte auch ferner erhalten zu wollen.

Hochachtungsvollst
Anton Ehrengut.

Bezug nehmen auf Vorstehendes beehre ich mich ergebenst anzuzeigen, daß ich das Geschäft unter der seitherigen Firma auf alleinige Rechnung unverändert fortführen werde und bitte um ferneres geneigtes Wohlwollen.

Hochachtungsvollst
Leopold Ehrengut.

Münchner Neueste Nachrichten No. 480. Sonntag, den 19. Oktober 1890.

#Der Wendelstein (11.1.1891)

München, 9. Jan. Der verstorbene Zimmermeister Anton Ehrengut hat die Stadt München zur Universal-Erbin seines sehr bedeutenden Vermögens eingesetzt; das städtische Waisenhaus erhält 10,000 Mark, das Korbinianum 10,000 Mark. Die Stadtgemeinde München hat in der künftigen Maximilians-Kirche ein Meß-Benefizium mit 85,000 Mark zu stiften; 50,000 Mark sind zur Unterstützung armer alter arbeitsunfähiger und verdienstbeschränkter Bauhandwerker und deren Wittwen und Waisen zu verwenden. Der Rest des Vermögens ist als »Anton und Rosina Ehrengut'sche Stiftung zur Förderung der Kunst in München« zu verwalten. Die Zinsen sind zu verwenden zur Anschaffung von Kunstwerken der Malerei, Plastik oder auch des Kunsthandwerks von Münchener Künstlern und Kunsthandwerkern.

Der Wendelstein Nr. 8. Rosenheim; Sonntag, den 11. Januar 1891.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Ehrengut Anton, 1840 (München) – 1890, Zimmermeister; diesen bürgerlichen Zimmermeister hat König Ludwig II. zur Erbauung seiner Schlösser Herrenchiemsee, Linderhof und Neuschwanstein herangezogen; E. zeigte auch seine künstlerischen Fähigkeiten bei der Erweiterung der Heilig-Geistkirche in München nach Abbruch des Spitals (1885), wo er an der Errichtung der stattlichen Fassade wesentlich beteiligt war; auch als Unternehmer hat er viele Privatbauten in München geschaffen, durch eine großzügige Stiftung zur Förderung der Kunst hat sich E. um die soziale Stellung der Münchner Künstler verdient gemacht; von seiner Freigebigkeit gegen die Kirche zeugt das heute noch an der St.-Maximilians-Kirche bestehende Ehrengut-Benefizium.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#9 – 1 – 46 (Kraus · Schörg)


Familien-Grab.
Franz Schörg.

Unsere lieben Eltern:
Frau Therese Kraus, Priv.
gest. 8. Sept. 1873, 72 J.
Herr Josef Kraus, Priv.
gest. 4.8.1879, 73 J.
Ihnen folgte
unser lieber Gatte und Vater
Herr Franz Schörg
Privatier,
gest. 6. Juli 1924, 92½ Jahre alt.
Dessen Gattin
unsere liebe Mutter
Frau Amalie Schörg
geb. Kraus.
gest. 30. März 1936, 95½ Jahre alt.

Sockel-Tafel
Unsere Kinder:
Franz,
gest. 10. Mai 1862, 5 M.
Josefa,
gest. 18. Nov. 1867, 1 J.
Amalie,
gest. 9. Febr. 1870, 5 J.

9.1.46. Schneider.


  • Kraus, Josef; – 4.8.1879 (München), 72 Jahre alt; Privatier, ehemaliger Hausmeister bei Herrn Grafen Arco-Valley
  • Kraus, Therese (vh) / Zoller (gb); – 8.9.1873 (München), 72 Jahre alt; Hausmeisters-Gattin
  • Schörg, Amalie (vw) / Kraus (gb); – 30.3.1936, 95 Jahre alt; Privatiere
  • Schörg, Amalie; – 9.2.1870 (München), 5 Jahre alt; Schlossermeisters-Tochter
  • Schörg, Franz; – 6.7.1924, 92 Jahre alt; Privatier
  • Schörg, Franz; – 10.5.1862 (München), 5 Monate alt; Schlossermeisters-Sohn
  • Schörg, Josefa; – 18.11.1867 (München), 1 Jahr alt; Schlossermeisters-Tochter

Todesanzeige für Josef Kraus

Grab der Familien Kraus · Schörg auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2015)

#9 – 1 – 47 (Schörg)


Hier ruhen in Frieden:
Franz u. Elisabeth Schörg
Viktoria Schörg, geb. Kellerer
gest. 17. August 1854.
Karl Schörg, Privatier
geb. 31. Okt. 1813. gest. 17. März 1886
Unser unvergesslicher Gatte u. Vater
Christian Schörg,
Schlossermeister u. Armenrat
geb. 16. Sept. 1843, gest. 10. Sept. 1906.
Unsere liebe Mutter,
Louise Schörg, geb. Anton
geb. 18. Mai 1852, gest. 31. März 1923.

Sockel
Unser lieber, unvergesslicher Gatte u. Vater
Herr Christian Schörg
Oberingenieur
geb. 2. Juli 1878, gest. 24. März 1943.

Schneider


  • Schörg, Christian; 16.9.1843 – 10.9.1906; Schlossermeister und Armenrat
  • Schörg, Christian; 2.7.1878 – 24.3.1943; Oberingenieur
  • Schörg, Elisabeth
  • Schörg, Franz
  • Schörg, Karl; 31.10.1813 – 17.3.1886; Privatier
  • Schörg, Luise (vw) / Anton (gb); 18.5.1852 – 31.3.1923; Schlossermeisters-Witwe
  • Schörg, Viktoria (vh) / Kellerer (gb); – 17.8.1854 (München), 35 Jahre alt; Schlossermeisters-Gattin

Grab der Familie Schörg auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2015)

#9 – 2 – 3·4 (Lipowsky)


FAMILIE LIPOWSKY

Wilhelm Lipowsky
rechtsk. Rechnungsrevisor,
geb. 29. Dez. 1794, gest. 20. Juli 1837.
Dessen Gattin Katharina Lipowsky
geb. 11. Dez. 1795, gest. 24. Sept. 1851.
Felix Lipowsky
Ministerial Secret. Söhnchen,
geb. 7. Oktbr. 1858, gest. 20. Juli 1861.
Excellenz
Felix Friedr. Ritter von Lipowsky
k. Regierungs-Praesident a. D. von Niederbayern,
geb. 3. Juni 1824, gest. 26. Jan. 1900.
Dessen Gattin Ernestine von Lipowsky
geb. Eder, geb. 2. April 1828, gest. 30. Oktbr. 1910.
Hans Lipowsky
Bankbeamter a. D.
geb. 28. Jan. 1861, gest. 23. Mai 1934.

R. I. P.


  • Lipowsky, Ernestine von (vw) / Eder (gb); 2.4.1828 – 30.10.1910; Regierungspräsidentens-Witwe
  • Lipowsky, Felix Michael; 7.10.1858 – 20.7.1861 (München); Ministerialsekretärs-Sohn
  • Lipowsky, Felix Friedrich Ritter von; 3.6.1824 (Oettingen) – 26.1.1900 (München); Regierungspräsident
  • Lipowsky, Hans; 28.1.1861 – 23.5.1934; Bankbeamter
  • Lipowsky, Katharina (vw); 11.12.1795 – 24.9.1851 (München); Rechnungsrevisors-Witwe
  • Lipowsky, Wilhelm; 29.12.1794 – 20.7.1837 (München); Rechnungsrevisor

Grab der Familie Lipowsky auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#9 – 2 – 6 (Scheuchenpflug)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Scheuchenpflug, Amalie (vh); – (16).10.1869 (München), 44 Jahre alt

Grab der Familie Scheuchenpflug auf dem Alten Südfriedhof München (März 2021)

#9 – 2 – 17 (Brandmayer)


Grab der Familie Brandmayer auf dem Alten Südfriedhof München (März 2016)

#9 – 2 – 20 (Ablassmayer)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Ablassmayer, Hans; – 1885; Schuhmachermeisters-Sohn
  • Ablassmayer, Maria (vh); – 3.11.1886 (München), 48 Jahre alt; Schuhmachermeisters-Gattin

Todesanzeige für Maria Ablassmayer

Grab der Familie Ablassmayer auf dem Alten Südfriedhof München (März 2016)

#9 – 2 – 22 (Leistner)


Grabstätte
von
Leistner.


  • Leistner, Amalie von; 13.4.1808 – 16.2.1886
  • Leistner, Anna von; 2.10.1806 – 27.6.1875 (München); Advokatens-Tochter
  • Leistner, Franz von; 28.9.1870 – 2.8.1882
  • Leistner, Josef von; 26.7.1809 – 1.8.1875 (München); kgl. Kreiskassier von Oberfranken a. D.

Grab der Familie Leistner auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#9 – 2 – 23 (Seidl)


Familie
Seidl

Anton
* 11.1.1771 † 12.3.1839
Maria Anna
geb. Koeck
* 28.11.1779 † 8.6.1835
Anton
* 6.12.1806 † 6.2.1869
Therese
geb. Sedlmayr
* 10.10.1850 † 8.1.1898
Anton
* 23.10.1844 † 4.5.1898
Karoline
geb. Grünewald
* 24.5.1856 † 2.8.1930
Anton
* 4.4.1884 † 25.7.1942


  • Seidl, Anton; 11.1.1771 – 12.3.1839 (München); Bäckermeister
  • Seidl, Anton; 23.10.1844 (München) – 4.5.1898 (München); Bäckermeister
  • Seidl, Anton; 4.4.1884 – 25.7.1942
  • Seidl, Anton; 6.12.1806 – 6.2.1869 (München); Bäckermeister und Magistratsrat
  • Seidl, Karoline (vh) / Grünewald (gb); 24.5.1856 – 2.8.1930
  • Seidl, Maria Anna (vh) / Köck (gb); 28.11.1779 – 8.6.1835
  • Seidl, Therese (vh) / Sedlmayr (gb); 10.10.1850 – 8.1.1898 (München)

Grab der Familie Seidl auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

Grab der Familie Seidl auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#Anton Seidl

* 23.10.1844 (München)
† 4.5.1898 (München)
Bäckermeister

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Seidl Anton, 1844 (München) – 1898, Hofbäckermeister; auch er, der Bruder der berühmten Architekten Gabriel und Emanuel von S., ist als Kunstkenner und Kunstförderer berühmt; 1799 hatte sein Großvater, Anton S. aus Großdingharting (Ldkr. Wolfratshausen), das Anwesen des »Bäckers durchs Haus« am Anger in München erworben; seit 1823 ist sein Vater im Besitz der Theatinerbäckerei, in der das Bäckergewerbe seit 1551 nachweisbar ist; nach Übernahme durch S. wurde die primitive Einrichtung rasch verbessert, die Qualität der Erzeugnisse gehoben und das »mürbe Gebäck« stadtbekannt; 1852 wurde der Grundbesitz an der Marsstraße erworben, wo S. 1889 die Fabrik, die den Grundstock zum heutigen Großbetrieb bildet, erbaute; hoher Sinn für angewandte Kunst, der in der Geschichte der Ss. große Namen einreihen konnte, hat auch diesen bürgerlichen Bäckermeister ausgezeichnet, der der »kunstsinnige Bäck« genannt wurde und Mitglied der kulturpflegenden »Gesellschaft zu den drei Schilden« (historischer Verein) war, ein Zeuge dafür, daß in Münchner Bürgersfamilien Kunst gepflegt wurde.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#9 – 2 – 33 (Beck)


FRIEDRICH BECK
* 1809 EBERSBERG
† 1888 MÜNCHEN
GYMNASIALPROFESSOR
UND SCHRIFTSTELLER


  • Beck, Friedrich; 20.6.1806 (Ebersberg) – 30.8.1888 (München); Gymnasialprofessor und Schriftsteller

Grab der Familie Beck auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2008)

Grab der Familie Beck auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2008)

#Friedrich Beck

* 20.6.1806 (Ebersberg)
† 30.8.1888 (München)
Gymnasialprofessor und Schriftsteller

#Biographisch-literarisches Lexikon der katholischen deutschen Dichter, Volks- und Jugendschriftsteller im 19. Jahrhundert (1868)

Dr. Christian Friedrich Beck

wurde geboren am 21. Juni 1806 zu Ebersberg in Oberbayern, wo sein Vater, ein Freund J. M. Sailers (s. d.), als Johanniterordensgroßprioratspfleger damals seinen Wirkungskreis hatte. Mit seinem Vater, der 1809 nach Innsbruck, 1815 nach Neuburg an der Donau übersiedelte, kam B. dorthin, studierte im Gymnasium zu Neuburg, dann auf der Universität München, bestand 1826 die Konkursprüfung für das Gymnasiallehramt, wurde 1836 an der lateinischen Schule zu München angestellt, besorgte 1839–46 die Redaktion der Münchener politischen Zeitung, wurde 1864 als Gymnasialprofessor pensioniert. In seinen Gedichten herrscht bei lyrischer Grundstimmung ein religiösphilosophischer Ton und ein warmes Naturgefühl vor. – Brühl 5, 36. Hub 2. A. 702. Litz. 1858, 341. 1860, 266. 1861, 127.

Geschichte eines deutsch. Steinmetzen. Mn, 1832. – Andeutungen zu einer tiefern Begründung d. relig. Kunst. Mn. 1834. – Gesam. Gedichte. Mn. 1843. – Bericht üb. d. München. Kunstausstellung v. 1845. Im Kunstblatt Nr. 85 f. – Rückblick auf d. Leben u. künstl. Wirken Fr. Hoffstadts. Im Jahresber. d. histor. Vereins f. Oberbayern. 1847. – Ueb. d. Schicksalsidee in d. Religion d. Griechen. Gymnasialpr. 1847. – Theophania. Epos. G. 1852. 2. A. 1855. – Die Weihe d. Tages. Festsp. Mn. 1856. – Telephos. Trg. Mn. 1858. – Zeitklänge. Gedichte. Mn. 1860. – Stillleben. Lyr. Dichtungen in neuer Auswahl. Mn. 1881. – Lehrbuch d. deutsch. Prosaftils f. höhere Unterrichtsanstalten, wie auch z. Privatgebrauche. Mn. 1861. 3. A. 1867. – Lehrbuch d. Poetik. 2. A. Mn. 1867. – Theorie d. Prosa u. Poesie. Mn. 1862. – Materialien u. Dispositionen z. Uebungsaufsätzen nebst einzelnen Musterbeispielen. Für d. untere Lehrstufe. Mn. 1862. 2. A. 1867. – Materialien etc. Für d. obere Lehrstufe. Mn. 1867. – Rother u. Waller. Episch Ged. Mn. 1864. – Einzelne Ged. in d. Charitas 1844, in d. Cölestina 1838. 39. – Zahlr. Beiträge in d. Jugendbl. v. Isab. Braun.

Joseph Kehrein: Biographisch-literarisches Lexikon der katholischen deutschen Dichter, Volks- und Jugendschriftsteller im 19. Jahrhundert. Zürich, Stuttgart und Würzburg, 1868.

#Deutsches Dichter-Lexikon (1876/1877)

Beck, Christian Friedrich, nach seinem Taufpathen Christian Friedrich Graf v. Stolberg also genannt, wurde am 21. Juni 1806 zu Ebersberg in Oberbayern geboren, wo sein Vater, ein Freund des edlen Bischofs Sailer, als Johanniterordens-Großprioritätspfleger in den damaligen Kriegszeiten einen sehr bewegten Wirkungskreis hatte. Drei Jahre später wurde der Vater als königlich bayrischer Landgerichtsvorstand nach Innsbruck versetzt, – und die reiche Alpennatur wirkte frühzeitig durch ihre großartigen Bilder auf das empfängliche Gemüth des Knaben. Aber seine reifere Entwickelung begann erst zu Neuburg a. d. Donau, wo sein Vater, der infolge der Abtretung Tyrols an Oesterreich Innsbruck verlassen mußte, 1815 eine bleibende Stätte gefunden hatte. Friedrich Beck besuchte daselbst das Gymnasium und bezog dann 1822 das Lyceum in München, um die philosophischen Fächer zu hören. Nach Beendigung eines zweijährigen Kursus folgte er dem Wunsche seines Vaters und widmete sich dem gelehrten Unterrichtsfache. Er entsagte damit seiner Neigung für die Landschaftsmalerei, die bis dahin mit Vorliebe von ihm betrieben worden. Er besuchte das unter Thiersch' Leitung stehende philologische Seminar in München und beschäftigte sich dort, nachdem er 1826 die Konkursprüfung für das Gymnastallehrfach bestanden, mit Privatunterricht, poetischen und künstlerischen Versuchen. Im Jahre 1836 erfolgte seine Anstellung im philologischen Lehrfach an der Lateinschule zu München und 1850 ward er zum Professor am Ludwigsgymnasium ernannt. Die seit 1839 besorgte Redaktion der »Münchener politischen Zeitung« legte er nach achtjähriger Führung Ende 1846 freiwillig nieder, ließ sich jedoch späterhin nochmals bestimmen, zwei Jahre hindurch (1857 und 1858) die Leitung des nämlichen, mittlerweile zur »Neuen Münchener Zeitung« umgewandelten Blattes zu besorgen. Im Jahre 1860 wurde Beck auf seinen Antrag in den Ruhestand versetzt und lebt er seitdem in München, theils durch einzelne poetische Produktionen, theils durch Ausarbeitung von Lehrbüchern für den deutschen Unterricht an Gymnasien noch fortwährend literarisch thätig.

D.: Geschichte eines deutschen Steinmetzen. Stuttg. u. Tübing. 1834. – Gedichte. München. 1844. – Theophanie. Ein Lehrgedicht. Gotha, 1855. – Die Weihe des Tages. Festspiel zur Jubelfeier des k. b. Kadettencorps. München, 1856. – Telephos Eine Tragödie. Ebd. 1858. – Zeitklänge. Gedichte a. d. Jahren 1845 bis 1860 München, 1860. – Stillleben. Lyrische Dichtungen in neuer Auswahl. (Mit einem Fragment: Die Schlacht bei Termopylä.) Ebd. 1861. – Lothar und Maller. Ein episches Gedicht. Ebd. 1863.

Franz Brümmer: Deutsches Dichter-Lexikon. Biographische und bibliographische Mittheilungen über deutsche Dichter aller Zeiten. Unter besonderer Berücksichtigung der Gegenwart. Eichstätt & Stuttgart, 1876/1877.

#Allgemeine Deutsche Biographie (1902)

Beck: Friedrich B., Dichter und Gelehrter, geboren am 20. Juni 1806 zu Ebersberg, studirte zu Neuburg und München Philologie unter Fr. Thiersch, wurde (1836) Lehrer an der Lateinschule zu München und Gymnasialprofessor 1850. Frühzeitig mit schöngeistigen Bestrebungen vertraut und ebenso der Landschaftsmalerei ergeben wie unter Schelling und Franz Baader dem Studium der Philosophie, oblag B. auch der Pflege der Poesie, insbesondere angefeuert durch das Beispiel einer begeisterten Anzahl junger Männer aus allen Facultäten und Ständen, welche unter dem Namen der »Gesellschaft zu den drei Schilden« künstlerische und wissenschaftliche Bestrebungen (1832–39) verfolgten, in welchen ebenso der Plan zum »Historischen Verein für Oberbaiern« wie zu dem durch Frhrn. v. Aufseß nachmals bewerkstelligten »Germanischen Museum« vorgezeichnet war.

Aus dieser Zeitströmung entstand die ganz im Geiste von Wackenroder und Novalis erfundene »Geschichte eines deutschen Steinmetz« (Stuttgatt 1834, neuestens in Reclam’s Bibliothek Nr. 1377) und die erste Sammlung seiner »Gedichte« (1844). Später folgte das didaktische Epos »Theophanie« (1855 und 1876) und eine nach antiken Vorbildern gehaltene Tragödie »Telephos« (1858), dann die lyrischen »Zeitklänge« (1860) und »Still-Leben« (1861) und eine Uebersetzung von Louis Claude de St. Martin’s Dichtungen (1863).

Von 1839–1846 bethätigte sich B. als Publicist in der Redaction der »Münchener Politischen Zeitung« und der »Münchener Zeitung« (1857–58). Außer seinen »Andeutungen zur tieferen Begründung der Geschichte der Kunst« (1835) verfaßte B. mehrere wissenschaftliche Abhandlungen (z. B. über »Die Zeus-Idee in ihrer centralen Stellung zum hellenischen Götterkreise« 1852), in welchen der, auch von König Maximilian II. mit der Ausarbeitung von philosophischen Fragen und Problemen betraute Dichter, sein vielseitiges Wissen im Gebiete der antiken Mythe und Religionsphilosophie bekundete. Im J. 1860 infolge seines zunehmenden Augenleidens in den Ruhestand versetzt, benützte B. die wohlverdiente Muße zur Ausarbeitung von Lehrbüchern, welche der mit den Bedürfnissen wohlbekannte Praktiker der lernbegierigen Jugend sozusagen auf den Leib schrieb. Seine »Poetik« (7. Aufl. Lpz. 1896), sein »Lehrbuch des deutschen Prosastiles« (1887 in 7. Aufl.) und das »Stilistische Hilfs- und Musterbuch« (1868 und 1878) erfreuten sich einer vielfachen und fortdauernden Theilnahme. Sein unter den qualvollsten Leiden unausgesetzt arbeitender Geist gestaltete die alte Märe von »Loher und Maller« (1863) und den schwierigen »Lohengrin« in neuer Formgebung, während er die Resultate seiner philosophischen Speculation in dem heiteren »Spruch- und Räthselbüchlein« (1883) niederlegte.

B. starb nach langen, mit unerschütterlicher Geduld ertragenen Nervenschmerzen am 30. August 1888 zu München. Er war ein stiller, edler, neidloser Mensch und wahrer Philanthrop, der alles Gute, Edle, Schöne und Wahre mit freudiger Herzlichkeit begrüßte, obwol ein gleiches Entgegenkommen ihm selber nur höchst selten zu theil wurde.

Sein Vater Karl Theodor B. (geboren am 4. November 1767 zu Lustenau in Schwaben) war Pfleger der Malthesercomthurei zu Ebersberg, dann Landrichter 1809–15 in Tirol, wo er sich durch seine versöhnliche Milde hervorthat und deshalb vom bairischen Kronprinzen Ludwig besonders ausgezeichnet wurde; er diente in gleicher Stellung zu Neuburg und Aichach, wo derselbe am 17. Februar 1830 starb; unter seinen zahlreichen juridischen, historischen und nationalökonomischen Schriften (vgl. Baader, Baier. Gelehrten-Lexikon) befinden sich auch viele Lieder, Gedichte und das seiner Zeit vielbeliebte Büchlein »Ernst, Gefühl und Laune« (1784).

Hyac. Holland.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1902.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Beck Friedrich, 1809 (Ebersberg) – 1888, Gymnasialprofessor und Schriftsteller; er studierte in München bei F. W. von Thiersch, F. von Baader und F. W. von Schelling; neben seiner schulmeisterlichen Tätigkeit nahm B. auch an der kulturpflegenden »Gesellschaft zu den drei Schilden« in München teil, von 1834–1846 war er Schriftleiter der »Münchener Politischen Zeitschrift«, 1857–1858 der »Münchener Zeitung«; seit 1864 im Ruhestand, betätigte er sich als Gelehrter, Schriftsteller und Dichter im Sinne der Spätromantik.

Hauptwerke: Gedichte, Telephos (Tragödie), Lehrbuch des deutschen Prosastils, Lehrbuch der Poetik, Theorie der Prosa und Poesie, Spruch- und Rätselbüchlein.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#9 – 2 – 41·42 (Stitzinger)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Stitzinger, Luise (vh) / Bayer (gb); – 8.7.1902 (München), 28 Jahre alt; Apothekers-Gattin
  • Stitzinger, Franziska (vw); – (22).10.1847 (München), 49 Jahre alt; Zimmermeisters-Witwe
  • Stitzinger, Martin; – (30).8.1840 (München), 53 Jahre alt; Zimmermeister
  • Stitzinger, Max; – (14).7.1865 (München), 11 Stunden alt; Zimmermanns-Sohn
  • Stitzinger, Max; – (10).5.1884 (München), 53 Jahre alt; Privatier

Grab der Familie Stitzinger auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2017)

#9 – 2 – 43 (Hörmann)


Hier ruhen:
H. Herr Johann Baumann,
Benifiziat,
geb. 25. Jan. 1825 zu Ka¿ gest. 2. Sept. 1871.
Frau Marie Baummann.
geb. 13. Aug. 1836. gest. 2. Juni 1876.
Herr Josef Baumann
Bäckermeister
geb. 11. Dez. 1826. gest. 21. Sept. 1879.


  • Hörmann, Andreas; – 22.3.1887, 38 Jahre alt; Metzgermeister
  • Hörmann, Therese (vh); – 7.3.1921, 70 Jahre alt

Grab der Familie Hörmann auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2016)

#9 – 2 – 55 (Boxler · Huhn · Knon · Ramoser)


Hier ruhen in Gott
Dr. Georg Ramoser
1809 – 1855
Ferdinand Boxler
1823 – 1875
Prälat
Adalbert Huhn
1839 – 1903
Geistl. Rat
Joh. Bapt. Knon
1867 – 1935

Grabstätte
der Hochwürdigen Herrn Stadtpfarrer
an der heil. Geistkirche
in München


  • Boxler, Ferdinand, Dr. theol.; 1823 – 29.7.1875 (München); Stadtpfarrer an der Stadtpfarrkirche zum hl. Geist
  • Huhn, Georg Adalbert; 19.4.1839 (Bad Orb/Hessen-Nassau) – 11.8.1903 (Aussee/Steiermark); Katholischer Priester und Schriftsteller
  • Knon, Joh. Baptist; 1867 – 1935
  • Ramoser, Georg, Dr.; 1809 – 1855

Grab der Familien Boxler · Huhn · Knon · Ramoser auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#Georg Adalbert Huhn

* 19.4.1839 (Bad Orb/Hessen-Nassau)
† 11.8.1903 (Aussee/Steiermark)
Katholischer Priester und Schriftsteller

#Rosenheimer Anzeiger (13.8.1903)

Münchener Neuigkeiten

München, 12 Aug. (Prälat und Stadtpfarrer zum Hl. Geist Adalbert Huhn), der in Aussee zum Landaufenhalt weilte, ist dort gestern nachmittags 5 Uhr gestorben. Georg Adalbert Huhn ist am 19. April 1839 in Orb, in dem Bezirksamte geboren, welches nach dem Kriege 1866 von Bayern abgelöst wurde und erreichte sonach ein Alter von 64 Jahren. Derselbe erhielt am 23. April 1862 die Priesterweihe und wurde am 2. Juli 1883 als Stadtpfarrer zur Hl. Geistkirche (mit 26,493 Seelen, früher ca. 50,000 Seelen) investiert. Bei Hof und bei allen offiziellen Stellen und besonders innerhalb der Stadtpfarrei Hl. Geist war Stadtpfarrer Huhn allgemein geschätzt. Der Verblichene war Hausprälat Sr. Päpstl. Heiligkeit, erzb. geistl. Rat und Prosynodal-Examinator, Stadtpfarrer und Schulinspektor, Diözesanpräses des St. Cäzilienvereins, Inhaber des k. k. österreichischen Franz Josefs-Ordens und Ritter vom Heiligen Grabe.

Rosenheimer Anzeiger No. 181. Donnerstag, den 13. August 1903.

#Münchner Neueste Nachrichten (18.8.1903)

Lokales.
München, 17. August.

Beerdigung des Stadtpfarrers Huhn.

Das ganze katholische München war heute Nachmittag im südlichen Friedhofe vertreten, um dem von ihm hochverehrten Priester, Prälat, Stadtpfarrer Huhn, einem seiner geistigen Führer, das letzte ehrende Geleite zu geben. An der Spitze des außerordentlich langen, in seiner Ausdehnung nicht übersehbaren Trauerzuges schritten Mädchen aller Klassen der Hl. Geist-Schule in weißen Kleidern mit Trauerschärpen. Dann folgten die Zöglinge des Klosters der Armen Schulschwestern und jene des Katholischen Mädchen-Schutzvereins, ferner die Mädchen der Wallfahrts-Bruderschaft zum Hl. Geist, alle in weißen Kleidern mit blauen Umschlagekrägen, Blumenkränze im Haar und Pilgerstäbe in den Händen, hierauf Niederbronner Schwestern und die männlichen Mitglieder der Wallfahrts-Bruderschaft zum Hl. Geist im Pilgerhabit mit brennenden Kerzen. Diesen Korporationen, die in der Buntfarbigkeit der Trachten ein schönes malerisches Bild boten, reihten sich die katholischen Vereine Münchens mit schwarz umflorten Fahnen an. Es waren dies der Katholische Gesellenverein München-Au mit Musik, die katholischen Arbeitervereine München-Neuhausen, München-Innere Stadt, Au-Giesing, München-Ost, München-West, München-Nord, Schwabing, St. Anna und St-Maximilian, die katholischen Volksvereine St. Anna und St. Maximilian, der Verband katholischer bürgerlicher Vereine Münchens, der Katholisch-kaufmännische Verein Hansa, der Kranken-Unterstützungsverein der Alt- und Jungmetzger, der Zentral-Gesellenverein, das Katholische Bürgerkasino zum Hl. Geist, die katholischen Kasinos St. Peter, Au, Haidhausen, Schwabing, der Max-Vorstadt, der Isar-Vorstadt, die katholischen Männervereine St. Stephan, St. Wolfgang, St. Ludwig, St. Paul, St. Antonius, St. Joseph-Neuhausen, St. Joseph-München-Nord, St. Rupert und Giesing. Außerdem schritten noch vor dem Sarge Deputationen des Bäuerischen Veteranenvereins Feldzugssoldaten und der Angestellten der Mayerschen Hof-Kunstanstalt sowie Magistratsbedienstete mit Flambeaus.

Den mit einem Hügel von Kränzen gezierten Sarg geleiteten die gesamte Geistlichkeit der Hl. Geist-Pfarrkirche mit dem als kirchlicher Offiziator fungierenden Stadtpfarrer P. Remigius Stadler von St. Anna, Benediktiner, Franziskaner, Kapuziner und ein Augustinermönch. Hinter dem Sarge folgten Deputationen der beiden städtischen Kollegien, der Lokalschulkommission und des Armenpflegschaftsrats, Generalvikar Dr. Stigloher als Vertreter des Erzbischofs, das Domkapitel, die sämtlichen Stadtpfarrer Münchens, viele andere hiesige und auswärtige Geistliche, Reichstags- und Landtaqsabgeordnete der Centrumspartei, die Kirchenratsmitglieder der Hl. Geist-Pfarrkirche, Deputationen der katholischen Studentenverbindungen Aenania und Saxonia und Bürger aller Berufsarten in großer Menge. Auf dem ganzen weiten, durch Seile abgesperrten Weg von der Leichenhalle zum Grabe bildete eine dichte Menschenmenge Spalier. Das Grab war von der Stadtgärtnerei mit Zierpflanzen prächtig geschmückt worden; hier hatten u. a. das Lehrpersonal der Schule an der Wittelsbacherstraße und der Kirchenchor Hl. Geist Kränze niederlegen lassen.

Stadtpfarrer P. Remigius Stadler entwarf in der von warmer Verehrung durchdrungenen Grabrede ein ausführliches Lebensbild des Verstorbenen, schilderte diesen als Weltpriester in des Wortes schönster Bedeutung, durchdrungen von echt priesterlichem Geiste, als Freund und Gönner der Armen und beleuchtete sein verdienstvolles Wirken als Prediger, Katechet, Seelenführer und Hirte seiner Pfarrgemeinde, als Schulinspektor, langjähriger Konferenz-Vorstand und Literat, wie in den katholischen Vereinen, in der christlichen Charitas, im wahren kirchlichen Leben und in der christlichen Sozialpolitik. »Als einer der beliebtesten Priester unserer Zeit hat Prälat Huhn die Liebe und Anhänglichkeit seiner Parochianen in seltenem Maße gefunden. Aber nicht nur in München, in ganz Bayern, in Deutschland, im Norden und Osten Europas, in Oesterreich, in Italien und in der Terra sancta, überall erklingt sein Name.«

Nach Beendigung der kirchlichen Zeremonien ließen die meisten der genannten Korporationen unter Nachrufen Kränze am Grabe niederlegen, außerdem der Münchner Vorstand der Centrumspartei, der Kirchenbau-Verein St. Maximilian, die Kirchenratsmitglieder von Hl. Geist und die ehemaligen Schüler der kaufmännischen Fortbildungsschule. Grabmusik beschloß den feierlichen Akt.

Münchner Neueste Nachrichten No. 382. Dienstag, den 18. August 1903.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Huhn Georg Adalbert, 1839 (Bad Orb/Hessen-Nassau) – 1903, katholischer Priester, Historiker, Publizist und päpstlicher Hausprälat; nach philosophisch-theologischen Studien in Würzburg wurde H. 1862 Priester, 1864 Stadtkaplan bei St. Agatha in Aschaffenburg, 1871 Stadtpfarrprediger in Mariahilf (München-Au) und 1883 Stadtpfarrer bei Heiliggeist in München; H. zählt zu den bedeutendsten Münchner Kanzelpredigern vor allem bei Katholikentagen wurde er weit und breit als unerschrockener Rufer gegen die Unterdrückung der katholischen Kirche im Kulturkampf bekannt; H. hat sich auch als Verfasser von apologetischen und historischen Schriften einen Namen gemacht.

Hauptwerke: Eine Ministerantwort im Lichte der Wahrheit, Robert Emmet, eine Erzählung aus der Geschichte Irlands, Geschichte des Spitals, der Kirche und Pfarrei zum Hl. Geist in München, Ausgewählte Predigten und Reden; H. ist die Erweiterung der Heilig-Geist-Pfarrkirche von 1885 zu verdanken.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#9 – 3 – 36 (Niggl · Nusser)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Niggl, Josef; 28.12.1778 (Vogtareuth, Lkr. Rosenheim/Obb.) – 24.10.1835 (München); Optiker
  • Nusser, Johann; – 1889 (München); Schreinermeister

Grab der Familien Niggl · Nusser auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#Josef Niggl

* 28.12.1778 (Vogtareuth, Lkr. Rosenheim/Obb.)
† 24.10.1835 (München)
Optiker

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Niggl Josef, 1778 (Vogtareuth, Lkr. Rosenheim/Obb.) – 1835, Optiker und Brillenfabrikant; N. ging aus dem Fraunhoferschen Institut unter der Direktion von G. Merz hervor und war nach A. Lewald als der beste Meister in Brillen und Operngläsern auf dem Kontinent bekannt; um die von ihm geschliffenen Gläser stritt man sich angeblich seinerzeit in der City von London als die eines Optikers vom ersten Rang; für Goethe fertigte er zwei Polarisationsapparate an, die dessen vollen Beifall fanden, trotzdem wohnte N. wie ein armer Brillenschleifer in einer engen Kammer in der Kreuzgasse und ist dort so dürftig, wie er gelebt hat, auch gestorben; nach seinem Tod übernahm Raimund Hellerauer die Werkstätte.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#9 – 3 – 42 (Castell)


FAMILIE CASTELL

THERESE geb. HOFINGER
* 28.2.1855 † 6.5.1911
JOS. LEOPOLD 1803 – 64
ELISABETH 1820 – 98
JOSEF K. B. LEUTNANT
1844 – 77
MAGDALENA 1884 – 89
RESERL 1885 – 86

R. I. P.


  • Castell, Elisabeth; 1820 – 1898
  • Castell, Josef; 1844 – 15.4.1877 (München); Landwehr-Secondlieutenant und städtischer Stenographist
  • Castell, Josef Leopold; 1803 – 1864
  • Castell, Magdalena; 1884 – 30.11.1889 (München); Ministerialfunktionärs-Tochter
  • Castell, Therese (vh) / Hofinger (gb); 28.2.1855 – 6.5.1911
  • Castell, Therese/Reserl; 1885 – 1886

Grab der Familie Castell auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2015)

#9 – 3 – 47 (Lössel · Moller)


Familie Moller.

Hier ruhen unsere lieben Kinder
Frieda und Emilie,
unsere gute Mutter und Grossmutter
Frau Emilie Lössel
Lehrerswitwe,
gest. 28. Febr. 1886.
Ihnen folgte
mein lieber unvergesslicher Gatte
Herr Johann Moller
Amtsoberlehrer a. D.
geb. 3. Nov. 1856, gest. 28. Okt. 1935.

9.3.47. Schneider.


  • Lössel, Emilie (vw); – 28.2.1886; Lehrers-Witwe
  • Moller, Emilie
  • Moller, Frieda
  • Moller, Johann; 3.11.1856 – 28.10.1935; Amtsoberlehrer

Grab der Familien Lössel · Moller auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2012)

#9 – 4 – 1* (Schöppner)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Schöppner, Alexander / Einsiedel, Johannes (ps); 1.4.1820 (Fulda) – 3.8.1860 (München); Pädagoge und Schriftsteller

Das Grab ist nicht erhalten


#Alexander Schöppner / Johannes Einsiedel (ps)

* 1.4.1820 (Fulda)
† 3.8.1860 (München)
Pädagoge und Schriftsteller

#Biographisch-literarisches Lexikon der katholischen deutschen Dichter, Volks- und Jugendschriftsteller im 19. Jahrhundert (1868)

Dr. Alexander Schöppner
(pseud. Johannes Einsiedel)

wurde geboren am 2. April 1820 zu Fulda, besuchte daselbst das Gymnasium, studierte dann zu Würzburg Theologie und Philologie, trat daselbst ins Augustinerkloster, legte am 29. Oktober 1839 Profeß ab, wurde 1843 Priester wirkte dann fast 5 Jahre als Revisor der dritten lateinischen Schule zu Münnerstadt, trat 1847 mit päpstlichem Dispens aus dem Orden, erhielt in demselben Jahre das bayerische Indigenat und wurde am 8. Juni 1848 Studienlehrer in Neuburg a. D., am 17. Oktober 1850 als solcher ans Maximiliansgymnasium in München versetzt, kränkelte seit 1852, wurde auf sein Ansuchen am 30. Juli 1855 in Ruhestand versetzt und starb am 3. August 1860. »In den »Augsburgerinnen« besingt er in einer nicht sehr poetischen Sprache dreizehn mehr oder weniger berühmte Augsburgerinnen«. Kurz 4, 371. – Biographie im »Abendblatt zur Neuen Münchener Zeitung.« 1860. Nr. 189.

Ueber des Verfassers »Sagenbuch«, das nur theilweise, und über seine »Charakterbilder«, die mit Recht großen Beifall fanden, vergl. Hist, polit. Bl. 33, 189. Litz. 1856, 414. 1858, 278. 1859, 45. 1864, 106. 1865, 217. 1867, 154. Katholik 1865, 1, 627. 1866, 1, 240. Ueber die vortrefflichen humoristischen Sachen des Johann Einsiedel, vergl. Litz. 1860, 55. 186.

Glaubensfreiheit. Ein Wort zum Frieden Deutschlands an alle Confessionen. Würzburg 1848. – Die Lehrfreiheit, ihre Motive, Bedingungen und Folgen für Staat, Kirche und Schule. Augsburg 1848. – Gymnasialblätter. Ein Archiv für die wichtigsten Interessen deutscher Gelehrtenschulen. (Mit C. Clesca † 15. Juli 1850.) Augsburg 1848 bis 1850. 2 Bde. – Bavaria. 12 Bilder ihrer Geschichte. (Mit Beiträgen von Verschiedenen.) München 1850. – Augsburgerinnen. Bildnisse deutscher Frauen der Vorzeit. Augsburg 1850. – Der neue österreichische Schulplan für Gymnasien und Realschulen. Mit Rücksicht auf den bayerischen Schulbestand und die preußische Schulreform. Regensburg 1850. – Bayerische Geschichte in Romanzen, Balladen und Liedern deutscher Dichter. München 1853. – Sagenbuch der bayerischen Lande. Aus dem Munde des Volkes, der Chronik und der Dichter, herausgegeben München 1852–54. 3 Bde. Volksausgabe 1866. – Kleine Literaturkunde. Mit Proben aus den Meisterwerken der alten und neuen Literatur. Zum Unterricht für Töchter. München 1854. 2. revidirte Ausg. von Professor Dr. J. N. Uschold 1863. – Hausschatz der Länder und Völkerkunde. Leipzig 1856–58. 12 Lief. 2. A. 1867–68. 17. Lief. – Charakterbilder der allgemeinen Geschichte. Nach den Meisterwerken der Geschichtschreibung alter und neuer Zeit. 1. Bd. Das Alterthum. Schaffhausen 1859. 2. A. 1865. 2. Bd. Das Mittelalter. Schaffhausen 1858. 2. A. 1866. 3. Bd. Die neuere Geschichte. Schaffhausen 1858. 2. A. 1866. – Johann Einsiedel: Parochus jovialis. Augsburg 1857. 2. A. 1858. – Kurzweiliger und lehrreicher Schulmeisterspiegel. München 1858–59. 2 Bde. – Speculum pastorum. München 1858. 2. A. 1859. – Angenehmer und nützlicher Zeitvertreiber für das Jahr 1860. München. – Spaziergänge durch Christen-, Türken- und Heidenwelt, vornämlich in Sachen der Religion und Mission, Civilisation, Aufklärung und mannigfaltiger Zeitgeisterei. Mitgetheilt fürs Volk. Schaffhausen 1860.

Joseph Kehrein: Biographisch-literarisches Lexikon der katholischen deutschen Dichter, Volks- und Jugendschriftsteller im 19. Jahrhundert. Zürich, Stuttgart und Würzburg, 1868.

#9 – 4 – 22 (Ertl · Fischer)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Ertl, Katharina; – (17).8.1891 (München), 79 Jahre alt; Ehemalige Kammerjungfer
  • Fischer, Andreas; – (19).7.1907 (München), 78 Jahre alt; Privatier

Grab der Familien Ertl · Fischer auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familien Ertl · Fischer auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2015)

#9 – 4 – 27 (Attenkofer · Seitz)


Grabstätte
der Familie Attenkofer

Hier ruhen in Gott
mein über alles geliebter edler Gatte
der beste Vater
Herr Georg Attenkofer
Präsident des bayr. Oberbergamtes
Ritter hoher Orden
geb. 21. Juni 1860 gest. 20. Sept. 1924
Ihm folgte seine Tochter
Maria Karoline
geb. 27.II.1893 – gest. 15.XII.1940

Zum Andenken an unsern
in fremder Erde ruhenden Sohn
Paul
* 29.7.1894. gef. 23.6.1916

Sockel
Franz Attenkofer
* 1747 † 1826
Therese Attenkofer
* 1742 † 1810
Anna verm. Seitz
* 1780 † 1841


  • Attenkofer, Franz; 1747 – 1826
  • Attenkofer, Georg; 21.6.1860 – 20.9.1924; Präsident des bayrischen Oberbergamtes
  • Attenkofer, Maria Karoline; 27.2.1893 – 15.12.1940
  • Attenkofer, Paul [in memoriam]; 29.7.1894 – 23.6.1916
  • Attenkofer, Therese; 1742 – 1810
  • Seitz, Anna (vh) / Attenkofer (gb); 1780 – 1841

Grab der Familien Attenkofer · Seitz auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familien Attenkofer · Seitz auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2015)

#9 – 4 – 33 (Multerer)


Hier ruhen in Gott
Herr
Josef Multerer
Privatier
* 15. Okt. 1851, † 19. Dez. 1915.
Dessen Gattin
Frau
Aloisia Multerer
* 28. März 1860, † 18. Febr. 1935.
Fräulein
Josephine Multerer
Privatierstochter
* 3. Aug. 1873 † 17. Nov. 1932.


  • Multerer, Aloisia (vw); 28.3.1860 – 18.2.1935; Privatiere
  • Multerer, Josef; 15.10.1851 – 19.12.1915; Privatier
  • Multerer, Josefine; 3.8.1873 – 17.11.1932; Privatiers-Tochter

Grab der Familie Multerer auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2013)

#9 – 4 – 39 (Hauth)


Grab der Familie Hauth auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#9 – 4 – 49 (Richter · Schönwetter)


JOSEF
SCHOENWETTER
* 1815 – † 1888
EMIL RICHTER
* 27.10.1861
† 17.10.1917
ELISE RICHTER
* 29.10.1840
† 8.8.1919


  • Richter, Elise; 29.10.1840 – 8.8.1919
  • Richter, Emil; 27.10.1861 – 17.10.1917
  • Schönwetter, Josef; 1815 – 1888

Grab der Familien Richter · Schönwetter auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

#9 – 4 – 53 (Dimpfl)


FAMILIE
DIMPFL


  • Dimpfl, Franziska (vh); – 1888; Maschinenfabrikantens-Gattin

Grab der Familie Dimpfl auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familie Dimpfl auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2011)

#9 – 5 – 1·2 (Daniel)


Hier ruhen unsere lb. Eltern
Franz Daniel
Kgl. bayr. Hoflieferant,
1864 – 1941
Katharina Daniel
1869 – 1956


  • Daniel, Franz Xaver; 1864 – 1941; Bäckermeister
  • Daniel, Katharina [in memoriam]; 1869 – 1956; Bäckermeisters-Witwe

Grab der Familie Daniel auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

#9 – 5 – 14 (n. n.)


(Mai 2018)

#9 – 5 – 21 (Brizzi)


Grab der Familie Brizzi auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familie Brizzi auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

#9 – 5 – 26 (Kinshofer)


¿
unser lieber Gatte, Vater
u. Großvater
Herr Franz Kinshofer
Metzgermeister
geb. 20. Juli 18¿4, gest. 25. Juli 191¿
Ihm folgte dessen Gattin
unsere liebe Mutter u. Großmutter
Frau Karolina Kinshofer
Metzgermeisterswitwe
geb. 5. Okt. 1857, gest. 19. August 1929.

Euer Wohl war stets mein Glück
Denket oft an mich zurück!


  • Kinshofer, Franz; 20.7.18?4 – 25.7.191¿; Metzgermeister
  • Kinshofer, Karolina (vw); 5.10.1857 – 19.8.1929; Metzgermeisters-Witwe

Grab der Familie Kinshofer auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2015)

#9 – 5 – 40·41 (Quaglio)


DIE THEATERMALER
QUAGLIO
1747 GIUSEPPE 1828
1795 SIMON 1878
1829 ANGELO 1890


  • Quaglio, Angelo; 13.12.1829 (München) – 5.1.1890 (München); Theatermaler
  • Quaglio, Guiseppe/Josef; 1747 (Laino, Prov. Cosenza/Italien) – 23.1.1828 (München); Architekt, Freskenmaler und Theatermaler
  • Quaglio, Simon; 23.10.1795 (München) – 8.3.1878 (München); Landschaftsmaler, Lithograph, Theatermaler und Zeichner

Grab der Familie Quaglio auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2008)

#Angelo Quaglio

* 13.12.1829 (München)
† 5.1.1890 (München)
Theatermaler

#Bayerischer Kurier (8.1.1890)

Angelo Quaglio.

† Am 5. ds. hat der Tod von schwerem Leiden einen Mann erlöst, dessen Name innig mit der neueren Münchner Kunstgeschichte verknüpft ist.

Geboren zu München am 13. Dezember 1829 als der älteste Sohn des k. Hoftheatermalers Simon Quaglio, trat er schon frühzeitig in die Laufbahn seines Vaters ein und wurde am 1. Dezember 1850 unter dem damaligen Intendanten Frhrn. v. Frays als kgl. Hoftheatermaler angestellt. Im Jahre 1855 verheirathete er sich mit Amalie Zaubzer, Tochter des leider zu früh verlebten Apothekers und Magistratsraths Dr. Michael Zaubzer, welcher Ehe 2 Kinder entsprossen, von denen der ältere, ein Sohn, bereits seit mehreren Jahren in dem Atelier des Vaters thätig ist. Im Laufe seiner 40jährigen Dienstzeit schuf Angelo Quaglio eine ungezählte Reihe von Theater-Dekorationen, sowohl für das hiesige k. Hoftheater, als auch für eine große Anzahl auswärtiger Bühnen, so z. B. die Hoftheater in Berlin, Dresden, St. Petersburg, Stuttgart, Hannover, Schwerin und Oldenburg, ferner für das neue böhmische Landestheater in Prag, die Stadttheater in Augsburg, St. Gallen, Bern, Solothurn und Fürth, das Lessing-, Berliner und Groll'sche Theater in Berlin etc.

Die meisten Dekorationen für Richard Wagners Bühnenwerke, welche auf Allerhöchsten Wunsch Sr. Maj. des Königs Ludwig II. an der hiesigen Hofbühne zuerst aufgeführt wurden, waren im Vereine mit seinen Kollegen Jank und Döll seine Schöpfungen, welche genau nach den Angaben des Meisters ausgeführt wurden und welche fast für alle folgenden Aufführungen dieser Werke an den übrigen deutschen Bühnen und die Bayreuther Festspiele maßgebend blieben.

Große Anforderungen stellten die Separat-Vorstellungen für weiland Se. Maj. König Ludwigs II. an seine künstlerische Thätigkeit und wurde er dafür durch Verleihung der Ludwigs-Medaille für Kunst und Wissenschaft ausgezeichnet, nachdem er mehrere Jahre vorher schon von Sr. Maj. dem König von Sachsen das Ritterkreuz des Albrechts-Ordens erhalten hatte.

Mit rüstiger Gesundheit ausgestattet, die es ihm ermöglichte, der anstrengendsten Thätigkeit gerecht zu werden, wurde er im verflossenen Sommer von einer tückischen Krankheit befallen, welche, der Kunst der Aerzte spottend, am 5. ds. sein für die Kunst sowohl, als für Familie und Freunde zu frühes Ende herbeiführte.

Bayerischer Kurier No. 7|8. München; Mittwoch, den 8. Januar 1890.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Quaglio Angelo, 1829 (München) – 1890, Theatermaler; er lernte bei seinem Vater Simon Qu. und F. Adam in München, bei K. W. Gropius in Berlin und bei Ch. A. Cambon in Paris; am 1. 1. 1850 wurde Qu. als Hoftheatermaler der erste Gehilfe seines Vaters am Hoftheater in München; nach Studienreisen (1854–1855) schuf er zusammen mit Simon Qu. 1855 Dekorationen zu »Tannhäuser«, 1858 zu »Lohengrin«; seit 1860 stand er an der Spitze des Theaterdekorationswesens; die Entwürfe zu den Aufführungen Richard Wagners, die ganz im Sinne des Meisters und genau nach seinen persönlichen Angaben erfolgten, und zu den Separatvorstellungen für Ludwig II. begründeten den Weltruf der Werkstätten A. Qus.; eines seiner Glanzstücke war die Ausstattung von Brachvogels »Narziss«; außerdem stammen Dekorationen zu den Opern Mozarts, Meyerbeers, Aubers, Rossinis, Gounods usw. von ihm, der auch als Zimmerarchitekt bei der Ausstattung des Schlosses Herrenchiemsee beteiligt war; seine Entwürfe sind fast lückenlos im Münchner Theatermuseum erhalten, die Ergänzungen dazu liegen im Ludwig-II.-Museum in Herrenchiemsee.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#Guiseppe/Josef Quaglio

* 1747 (Laino, Prov. Cosenza/Italien)
† 23.1.1828 (München)
Architekt, Freskenmaler und Theatermaler

#Kunst-Blatt (29.5.1828)

Nekrolog.

Joseph Quaglio; königl. bair. Hof-Theater-Architect in München,

wurde zu Laino in einem Thale unweit des Comersees 1747 geboren. Sein Vater, Domenico Quaglio, ein zu seiner Zeit sehr gesuchter Frescomaler im Historienfach, unterrichtete ihn in den Anfangsgründen der Kunst und schickte ihn nach Wien, wo er bey seinem Onkel Lorenz von Quaglio die Architektur studirte und für die Theatermalerey gebildet wurde. Demselben folgte er nach Mannheim, wo er unter der Regierung Karl Theodors als churfürstlicher Theatermaler Anno 1772 angestellt wurde; er vollendete eine große Menge Decorationen für die Theater in Mannheim, Frankfurt, Schwetzingen und Ludwigsburg, große Festbeleuchtungs-Decorationen bey den Kaiserkrönungen zu Frankfurt, den Concertsaal in Mannheim, mehrere Architektur-Perspectiven in Fresco, sowohl in Mannheim als in Schwetzingen und Speyer. Bald darauf kam er mit dem Churfürsten Karl Theodor 1783 nach München, übernahm die Festdecoration in der alten Reitschule, die er zur größten Zufriedenheit seiner Vorstände vollendete und fuhr fort, das alte churfürstliche Hoftheater, so wie das Residenztheater bey den italienischen Opern mit allgemein beliebten Decorationen zu verzieren. Es wird ihm das große Verdienst zugetheilt, die Decorationsmalery auf eine, bisher noch unbekannte Stufe der Vollkommenheit erhoben zu haben, indem er von der ältern Schule der Bibiena, Gaspari, Burracini, Lorenz v. Quaglio, u. a. abwich. Diese hatten in den Decorationen sowohl Perspective als Beleuchtung vom Mittelpunkt aus angenommen, wodurch ein unmalerisches und monotones Ansehen entstanden; J. Quaglio dagegen bediente sich der Beleuchtung von der Linken zur Rechten, wie sie bey Gemälden üblich ist, und wendete die von ihm erfundene sogenannte Drey-Punkt-Perspective auf die Theaterdecorationen an; überdies führte er einen reinern Styl der Architectur überhaupt bey seinen Darstellungen ein, und suchte sich genau an die Baustyle der Zeiten, worin die Vorstellungen spielten, zu erhalten, was vor ihm durchaus nicht für nöthig erachtet worden war; durch diese vielen Bemühungen wurde es ihm möglich, die Kunst der Decorationsmalerey zu einer ehrenvollen Stufe zu erheben.

Eine Menge ganz vorzüglicher Dekorationen in allen Baustylen, welche jezt noch in frischem Andenken stehen, obgleich sie ein Raub der Flammen wurden, zeugten von seinem Erfindungsgeiste, seinen Kenntnissen der Perspective und seinem Fleiße. Besonders waren die Dekorationen zu Numa Pompilius, Titus, Wilhelm Tell, Frauenbund, Regulus u. v. a. sehr beliebt.

Er bildete seinen Bruder Julius Quaglio in Mannheim und München zu einem vortrefflichen Theatermaler, ferner Andrea Bolla, und andere; eben so seine vier Söhne; jedoch entschieden sich für die Theatermalerey nur der älteste, Angelo Quaglio, welcher die vortrefflichen, allgemein bewunderten Dekorationen im Theater am Isarthor und nach seiner Zurückkunft aus Italien die Peterskirche zu Rom auf dem Theater ausstellte, leider aber in einem Alter von 37 Jahren allgemein bedauert, starb, und der vierte Sohn, Simon Quaglio, welcher jezt noch als der lezte der Schule die Kenntnisse und Vortheile der Theaterperspektive erhält. Seine beyden andern Söhne, Dominik und Lorenz, obwohl seine Schüler, ergriffen später ein anderes Fach der Kunst. Sowohl der Churfürst Carl Theodor als auch der kunstliebende König Marimilian schäzten ihn als einen vorzüglichen Künstler und treuen Diener. Von dem König Maximilian erhielt er bey Gelegenheit seines fünfzigjährigen Dienstjubilänms die große goldene, Civilverdienstmedaille als einen Beweis seiner Zufriedenheit. Er war ein wissenschaftlich gebildeter Künstler von allgemein anerkanntem biedern und rechtschaffenen Charakter und genoß die Hochachtung und Liebe Aller, die ihn zu kennen Gelegenheit hatten.

Er starb, in Ruhestand versezt, in München an den Folgen der Wassersucht ruhig in den Armen seiner Angehörigen in einem Alter von 8l Jahren, den 23. Jenner 1828, tief betrauert von seiner Familie und seinen Bekannten.

Kunst-Blatt No. 43. Donnerstag, den 29. Mai 1828.

#Kunstvereins-Bericht für 1828 (1829)

Beilage IX.

Biographische Notizen
über
Joseph Quaglio.
Königl. bayr. Hof-Theater-Architecten in München.
Gestorben den 23. Januar 1828.

Joseph Quaglio, königl. bayr. Hof-Theater-Architect in München, wurde zu Laino in einem Thale unweit des Comersees 1747 geboren. Sein Vater, Domenico Quaglio, ein zu seiner Zeit sehr gesuchter Frescomaler im Historienfach, unterrichtete ihn in den Anfangsgründen der Kunst und schickte ihn nach Wien, wo er bei seinem Onkel, Lorenz von Quaglio, die Architectur studirte und für die Theatermalerei gebildet wurde. Demselben folgte er nach Mannheim, wo er unter der Regierung Karl Theodors als churfürstlicher Theatermaler Anno 1772 angestellt wurde. Er vollendete eine große Menge Decorationen für die Theater in Mannheim, Frankfurt, Schwetzingen und Ludwigsburg, große Festbeleuchtungs-Decorationen bei den Kaiserkrönungen zu Frankfurt, des Concertsaal in Mannheim, mehrere Architectur-Perspectiven in Fresco, sowohl in Mannheim als in Schwetzingen und Speyer. Bald darauf kam er mit dem Churfürsten Karl Theodor 1783 nach München, übernahm die Festdecoration in der alten Reitschule, die er zur größten Zufriedenheit seiner Vorstände vollendete, und fuhr fort, das alte churfürstliche Hoftheater, so wie das Residenztheater bei den italienischen Opern mit allgemein beliebten Decorationen zu verzieren. Es wird ihm das große Verdienst zugetheilt, die Decorationsmalerey auf eine, bisher noch unbekannte Stufe der Vollkommenheit erhoben zu haben, indem von der ältern Schule der Bibiena, Gaspari, Burnacini, Lorenz von Quaglio u. A. abwich. Diese hatten in den Decorationen sowohl Perspective als Beleuchtung vom Mittelpunkt aus angenommen, wodurch ein unmalerisches und monotones Ansehen entstanden; J. Quaglio dagegen bediente sich der Beleuchtung von der Linken zur Rechten, wie sie bei Gemälden üblich ist, und wendete die von ihm erfundene sogenannte Drei-Punkt-Perspective auf die Theaterdecorationen an; überdies führte er einen reinern Styl der Architectur überhaupt bei seinen Darstellungen ein, und suchte sich genau an die Baustyle der Zeiten, worin die Vorstellungen spielten, zu erhalten, was vor ihm durchaus nicht für nöthig erachtet worden war; durch diese vielen Bemühungen wurde es ihm möglich, die Kunst der Decorationsmalerei zu einer ehrenvollen Stufe zu erheben.

Eine Menge ganz vorzüglicher Decorationen in allen Baustielen, welche jetzt noch in frischem Andenken stehen, obgleich sie ein Raub der Flammen wurden, zeugten von seinem Erfindungsgeiste, seinen Kenntnissen der Perspective und seinem Fleiße. Besonders waren die Decorationen zu Numa Pompilius, Titus, Wilhelm Tell, Frauenbund, Regulus u. v. a. sehr beliebt.

Er bildete seinen Bruder Julius Quaglio in Mannheim und München zu einem vortrefflichen Theatermaler, ferner Andrea Bolla, und andere; eben so seine vier Söhne; jedoch entschieden sich für die Theatermalerei nur der älteste, Angelo Quaglio, welcher die vortrefflichen, allgemein bewunderten Decorationen im Theater am Isarthor und nach seiner Zurückkunft aus Italien die Peterskirche zu Rom auf dem Theater aufstellte, leider aber in einem Alter von 37 Jahren allgemein bedauert starb, und der vierte Sohn, Simon Quaglio, welcher jetzt noch als der letzte der Schule die Kenntnisse und Vortheile der Theaterperspective erhält. Seine beiden andern Söhne, Dominik und Lorenz, obwohl seine Schüler, ergriffen später ein anderes Fach der Kunst. Ersterer, Mitstifter des Vereins und eines seiner thätigsten Mitglieder, ist der kunstliebenden Welt bekannt durch seine vortrefflichen Leistungen in der landschaftlichen Architectur-Malerei, der zweite, Lorenz, hat sich mit ausgezeichnetem Erfolg der Darstellung ländlicher Szenen im Genre-Fach gewidmet. Sowohl der Churfürst Karl Theodor als auch der kunstliebende König Maximilian schätzten ihn als einen vorzüglichen Künstler und treuen Diener. Von dem König Maximilian erhielt er bei Gelegenheit seines fünfzigjährigen Dienstjubiläums die große goldene Ehrenmedaille als einen Beweis seiner Zufriedenheit. Er war ein wissenschaftlich gebildeter Künstler von allgemein anerkanntem biedern und rechtschaffenen Charakter und genoß die Hochachtung und Liebe Aller, die ihn zu kennen Gelegenheit hatten.

Er starb, in Ruhestand versetzt, in München an den Folgen der Wassersucht ruhig in den Armen seiner Angehörigen in einem Alter von 81 Jahren, den 23. Jänner 1828, tief betrauert von seiner Familie und seinen Bekannten.

Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München während des Jahres 1828. München, 1828.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Quaglio Giuseppe (Josef), 1747 (Laino, Prov. Cosenza/Italien) – 1828, Architekt, Theater- und Freskenmaler; er lernte bei Lorenzo Qu. (dem Älteren) in Wien, bereiste Italien und Deutschland – überall Zeichnungen von bedeutenden Gebäuden und Landschaften fertigend – die ihm dann bei seinen Theaterausstattungen zu statten kamen; 1770 trat Qu. in kurfürstliche Dienste; er malte für die Theater in Mannheim, Frankfurt, Schwetzingen, Ludwigsburg, Speyer und – seit 1801 – in München, wo er an Stelle seines Bruders Giuglio zum Hoftheater-Architekten ernannt wurde; sein großes Talent bewies Qu. bei Festen und Aufzügen, so z. B. bei der Kaiserkrönung in Frankfurt, bei der Festdekoration der alten Reitschule in München, insbesondere der Schaubühne, die durch ihn als Maler zu einer wahren Kunstanstalt gehoben wurde; er war nicht nur Maler und Architekt, sondern auch vollkommener Meister in der Perspektive, wodurch er, sowie durch seine künstlichen Beleuchtungseffekte, große Erfolge erreichte.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#Simon Quaglio

* 23.10.1795 (München)
† 8.3.1878 (München)
Aquarellmaler, Lithograph, Theatermaler und Zeichner

#Jahrbuch für das deutsche Theater (1879)

Unsere Todten.

Theaterarchitecten und Decorationsmaler

Der namhafte Decorationsmaler, den wir verloren, ist der bereits seit einiger Zeit pensionirt gewesene kgl. Hoftheatermaler

Simon Quaglio,

der in München am 8. März starb. Der berühmten aus Luino stammenden Künstlerfamilie Quaglio angehörig, war Simon als vierter Bruder des als Architekturmaler berühmten Domenico Quaglio (1787–1837) am 23. Oktober 1795 zu München geboren, wo er schon 1812 als Hoftheatermaler angestellt, neben tüchtigen Architekturbildern ausgezeichnete Dekorationen schuf, die seinen Namen auf diesem Gebiet zu einem wohlklingenden machten. Fast bis an sein Ende thätig, war Quaglio Inhaber der goldnen Ludwigsmedaille für fünfzigjährige Dienstzeit, und der Ludwigsmedaille für Kunst und Wissenschaft.

Jahrbuch für das deutsche Theater. Leipzig; 1879.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Quaglio Simon, 1795 (München) – 1878, Theaterdekorationsmaler; Schüler seines Vaters Giovanni Maria Qu. und seines Bruders Angelo (des Älteren), zeichnete er sich schon frühzeitig als Theaterdekorationsmaler aus; schon 1814 erhielt er seine Anstellung am Münchner Hoftheater; zu den bedeutendsten Leistungen zählen die Dekorationen zur Zauberflöte, zum Maskenball, zum Glöckner von Notre Dame, insbesondere zu Meyerbeers Hugenotten; er verbesserte vielfach den Bühnenmechanismus – 1839 führte er statt der Kulissendekoration die gebaute Dekoration auf der Bühne ein – und reiste 1840 zu weiteren Studien nach Frankreich; zurückgekehrt, entstanden die Dekorationen zu Guido und Ginevra und zu von Lachners Katharina Cornaro; daneben betätigte sich Qu. auch als Zeichner, Lithograph und Aquarellmaler, und durch seine Ölgemälde, in denen er viele Kathedralen und Dome (Rheims, Freiburg, Bamberg, Como u. a.), Klostergänge und Städteansichten darstellte, bewies er den Meister in der Perspektive.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#9 – 5 – 51·52* (Lossow)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Lossow, Arnold Friedrich; – 8.6.1858 (München), 18 Jahre alt; Bildhauers-Sohn
  • Lossow, Arnold Hermann; 24.10.1805 (Bremen) – 3.2.1874 (München); Bildhauer
  • Lossow, Friederike (vw) / Müller (gb); – 5.6.1885 (München), 78 Jahre alt; Landrichters-Tochter von Hersbruck / Bildhauers-Witwe
  • Lossow, Friedrich; 13.6.1837 (München) – 19.1.1872 (München); Illustrator und Tiermaler
  • Lossow, Heinrich; 10.3.1843 (München) – 19.5.1897 (Schleißheim); Genremaler, Illustrator und Zeichner

Todesanzeige für Arnold Friedrich Lossow

Todesanzeige für Friedrich Lossow

Todesanzeige für Friedrike Lossow

Das Grab ist nicht erhalten


#Arnold Hermann Lossow

* 24.10.1805 (Bremen)
† 3.2.1874 (München)
Bildhauer

#Die bildende Kunst in München (1842)

Lossow, aus Bremen geboren 1805, kam trefflich vorbereitet nach München, dann nach Rom, wo er sich während vier Jahren noch mehr ausbildete und nun seit dem Jahre 1833 bei Schwanthaler beschäftigt ist, und führte nach dessen Modellen meistens die Hauptfiguren für die Giebel der Walhalla und des Gebäudes für Kunstausstellungen in Marmor und auch andere Statuen aus. Er besitzt in der Bearbeitung dieses Materials eine ungemeine Tüchtigkeit, die durch seine Liebe zur Antike und durch eine eigene im Geiste dieser gefertigten Entwürfe vorzüglich gefördert wird.

Als schöpferischer Künstler zeigte er sich bereits durch manche schön und sorgfältig ausgeführte Figuren und Büsten, unter welchen vor allem die Statue einer Madonna in weißem Marmor gefiel, die als wahre liebende Mutter aufgefaßt und höchst zart gehalten war. Sie hält das Kind auf dem rechten Arm, das sich liebend an sie schmiegt und mit seinen Händchen das Kinn der Mutter berührt; die linke Hand dieser unterstützt in schöner Biegung herüberlangend den rechten Arm; das Haar fällt in Wellenlocken über die Schultern auf den Rücken herab; das Haupt neigt sich, mit dem Antlitz voll Liebe und Anmuth, dem himmlischen Kinde zu.

Im Auftrage des Königs Ludwig fertigte er einige Büsten für die Ruhmeshalle und die Walhalla.

Dr. Johann Michael von Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.

#Augsburger Tagblatt (26.10.1850)

Die Stadt Augsburg ist nicht sehr reich an neuen Kunstwerken, namentlich nicht an plastischen, und es wird daher vielen Freunden der Kunst erfreulich seyn, zu erfahren, daß gegenwärtig ein Kunstwerk in Ausführung steht, welches der Stadt zur Zierde gereichen soll, wie kein anderes in neuerer Zeit geschaffenes. Es ist dies ein Grabmal, welches von den Erben des verstorbenen Freiherrn v. Süßkind bei dem Bildhauer Lossow in München bestellt wurde. Dieses Grabmal besteht aus einem acht Fuß hohen Engel mit der Siegespalme, als Symbol der Auferstehung. Er steht auf einem hohen Postamente, dessen Vorderseite von einem Basrelief geziert ist, welches Christus mit ausgebreiteten Armen darstellt, wie er zur allgemeinen Auferstehung ruft. Ihm zu beiden Seiten knieen anbetende Engel. Auf den beiden Seiten des Postamentes werden in Basrelief die Brustbilder des Verstorbenen und seiner Gemahlin angebracht. Diese beiden, wie das vordre Basrelief, sind bereits in Thon modellirt. Die großartige, erhabene, höchst edel gehaltene Gestalt des Engels ist als Modell schon in Gyps gegossen und der Marmor bereits punktirt. Der Künstler war so glücklich, einen überaus schönen, reinen Marmor zu erhalten, aus welchem die Figur in einem Stücke gearbeitet wird. Bis Ostern wird das Kunstwerk vollendet seyn, da der Künstler mit ungewöhnlichem Eifer an demselben thätig ist. Der unbetheiligte Schreiber dieser Zeilen ist überzeugt, daß dann jeder Beschauer die gleiche Freude an diesem Kunstwerke genießen wird, die er selbst in dem Atelier des bescheidenen Künstlers in überraschender Weise empfand.

Augsburger Tagblatt No. 294. Samstag, den 26. Oktober 1850.

#Allgemeine Zeitung (8.2.1874)

Verschiedenes.

München, 6 Febr. (Arnold Herrmann Lossow †.) Schon wieder ist München um einen hervorragenden Künstlernamen der Ludwig'schen Glanzperiode, um ein ehemals sehr geschätztes Talent, ärmer. Der Bildhauer Arnold Herrmann Lossow starb am 3 d. Nachmittags, ohne vorgängige Krankheit, am Schlagfluß. In Bremen am 24 Oct. 1805 geboren, wurde er von seinem Bruder zuerst in der Kunst unterrichtet. Nachdem er sich die Sculptur bestimmt hatte, begab er sich so vom Hause der Eltern aus, mit guten Vorkenntnissen versehen, um das Jahr 1820 hieher nach München, und von hier nach einem längeren Weiterstudium nach Rom. In der ewigen Stadt verweilte er, in die Kunst ganz und gar vertieft, ungefähr fünf Jahre. Verschiedene bedeutende Werke seines Meißels, wovon unten noch ein Wort, stammen aus dieser Zeit des Rom-Aufenthalts. Im Jahr 1831 aus Italien nach München zurückgekehrt, war er von 1833 an fortwährend bei Ludwig Schwanthaler in dessen Werkstatt beschäftigt, um die diesem Arbeitsgenie übertragenen zahllosen Arbeiten zur Ausführung bringen zu helfen. Nach Schwanthalers Modellen führte Lossow meistens die Hauptgestalten an den Giebeln der Walhalla bei Regensburg, dann des Kunstausstellungsgebäudes dahier aus. Aus seiner Römerzeit stammen zwei von den in der Glyptothek hier ausgestellten Standbildern Lossows, Canova's, nach dem Modell des Professors Max Widnmann hier, und Thorwaldsens, nach Thorwaldsens eigenem Modell, die beiden andern in der Glyptothek aufgestellten Standbilder Lossows stammen aus einer späteren Zeit, nämlich Schwanthaler nach Friedrich Bruggers, und John Gibson, nach desselben Modell. Uebrigens stammt von Lossow eine große Anzahl von Kunstwerken eigener Erfindung, nach eigenen Entwürfen. So die Büsten in der Walhalla König Ludwigs, die trefflichen Arbeiten in der Befreiungshalle, und so noch vieles andere. Ganz besonderes Aufsehen machte vor einer Reihe von Jahren bereits die Statue einer Madonna, in weißem Marmor ausgeführt; dieselbe hat Lossow hier als eine wahre liebende Mutter aufgefaßt und auf das zarteste aufgeführt. Maria hält das Kind auf dem rechten Arm, welches sich liebend an sie schmiegt und mit seinem Händchen der Mutter das Kinn berührt. Ihre Linke unterstützt die Rechte, nach der sie in malerischer Biegung hinüberreicht. Das Haar der Jungfrau Maria wallt in langen Wellenlocken über die Schultern zum Rücken hinab, und ihr Haupt neigt die Himmelskönigin mit dem höchsten Liebreiz dem göttlichen Kinde zu. Lossow zeichnete sich unter allen Schülern Schwanthalers ganz besonders durch eine feine Auffassungsgabe und geläuterten Geschmack aus, mit dem er eine ungemeine technische Gewandtheit und hohe Meisterschaft in der Bearbeitung des spröden Marmormaterials verbindet. Diese Tüchtigkeit wurde in ihm noch durch eine unverkennbare Liebe zur Antike gefördert. Auf alle Zeit wird Lossow ein sehr ehrenvoller Platz unter den Münchener Bildhauern der schönen Zeit König Ludwigs I gesichert sein. Viel Freud' und Leid erlebte er am genialen Aufschwung dreier Söhne, alle hervorragende Künstler in ihren Fächern; Leid ob des frühen Hingangs der beiden älteren: der Historienmaler Karl Lossow, geboren in München am 6 Aug. 1835, gestorben schon den 12 März 1861 in Rom, war ein vielversprechendes Talent; Friedrich, geboren dahier am 13 Juni 1837, gestorben am 19 Jan. 1872 daselbst, war weitaus einer der genialsten unter den gesammten hiesigen Thiermalern. Allein der jüngste Sohn überlebt den Vater, Heinrich, ein Geschichtsmaler, der in des ältesten Bruders Fußstapfen bereits in würdigster Weise getreten ist.

Allgemeine Zeitung Nr. 39. Augsburg; Sonntag, den 8. Februar 1874.

#Friedrich Lossow

* 13.6.1837 (München)
† 19.1.1872 (München)
Illustrator und Tiermaler

#Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst (8.3.1872)

Friedrich Lossow, der bekannte geistvolle Thiermaler, starb in München am 19. Januar. Derselbe war im Jahre 1838 geboren und gehörte einer geachteten Künstlerfamilie an: sein Vater ist der wackere Bildhauer Arnold Lossow, der von König Ludwig I. vielfach mit Aufträgen zur Herstellung von Büsten betraut wurde, sein Bruder der Genremaler Heinrich Lossow. Je seltener in unseren Tagen der echte Humor geworden, desto willkommener waren die Arbeiten Friedrich Lossow’s, welcher mit einer reichen Gabe davon ausgestattet war. Seit dem Ende der fünfziger Jahre brachte er eine Reihe zum Theil ganz köstlicher Bilder, so 1860 einen »Hofhund«, 1861 eine »Hündin mit ihren Jungen« und eine ungemein humoristische »Rattenjagd«, in der die Angst des »armen« Thieres, um mit Siebel in Auerbach’s Keller zu sprechen, und die Hast der sich überstürzenden Hunde der verschiedensten Racen einen ansprechenden Gegensatz bildeten, 1862 wieder eine »Rattenjagd« mit einer Ratte und einem Pinscher, 1865 eine »ländliche Scene am Backofen«, 1866 eine »Hunde- und Affenkomödie auf der Reise«, 1870 einen »Dachshund«, der eine Puppe aus dem Kinderwägelchen geworfen, um sich auf dem weichen Bettchen derselben ein behagliches Lager zu suchen. Friedrich Lossow zeichnete sehr korrekt, aber seine Farbe war nicht ohne Härten. So wendete er sich mit Recht vorzugsweise dem Zeichnen auf Holz zu und lieferte für die Verlagshandlung Braun & Schneider eine lange Reihe köstlicher Arbeiten, die theils in den Fliegenden Blättern, theils in den Münchener Bilderbogen Platz fanden. Dahin gehören die lustigen Streiche eines von seiner Besitzerin verzogenen Schooßhundes, die Leiden und Freuden eines Sonntagsreiters und die Abenteuer eines Einspänners. Seine heiteren Bilder aus dem »Leben der Hausthiere« erschienen mit Versen von Eduard Ille gesondert. Auch für den Verleger Kröner in Stuttgart zeichnete Friedrich Lossow vieles, so »Ami in der Fremde«, »die Geschichte des kleinen Reh«, ein »Fabelbuch«, »das leichtsinnige Miezel«, »die Kynopädie oder der wohlerzogene Hund«, sämmtlich Illustrationen zu gegebenen Stoffen. Zu seinen letzten Arbeiten gehören die beiden Blätter aus dem letzten Kriege in den Münchener Bilderbogen von herzergreifender elegischer Stimmung. Seinem Tode ging eine lange schmerzliche Krankheit voraus.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst Nr. 11. 8. März 1872.

#Kunstvereins-Bericht für 1872 (1873)

Friedrich Lossow,
Thiermaler,

geboren zu München am 13. Juni 1837, war der Sohn des bekannten, seiner Zeit von König Ludwig I. namentlich mit Büsten vielbeschäftigten Bildhauers Arnold Lossow. Schon während er die Elementar-, und später die Lateinschule besuchte, verrieth er eine ausgeprägte Vorliebe für Darstellungen aus dem Thierleben und versuchte sich auch fleißig in solchen, ohne jedoch einen regelmäßigen Unterricht zu erhalten. Indessen förderte er bald so auffallende Proben eines ungewöhnlichen Talentes zu Tage, daß es sich unmöglich verkennen ließ, wie viel besser er seinen Platz hinter der Staffelei als dem Studiertische ausfüllen würde, und man beschloß, ihn auf die Akademie zu schicken, wo er zunächst den Antikensaal besuchte. Was er hier zeichnen sollte, sagte jedoch Lossow’s Geschmack wenig zu, und statt der ihm gegebenen Aufgabe entstanden sehr oft Thierstudien, welche mit weit mehr Liebe und Verständniß durchgeführt waren, als jene nach der Antike. Er trat daher bald wieder aus, entschlossen, es mit der Kuust nun allein zu versuchen. So ganz sollte er sich jedoch nicht überlassen bleiben; seine Arbeiten zogen vielmehr die Aufmerksamkeit manches bedeutenden Künstlers auf sich und Männer wie Theodor Horschelt, Friedrich Voltz und v. Kotzebue sind mit Rath und That oft und gerne zur Hand gewesen, wenn es galt, dem jungen, ebenso strebsamen als bescheidenen Fachgenossen über Schwierigkeiten, denen er noch nicht gewachsen war, hinwegzuhelfen. In verhältnißmäßig kurzer Zeit hatte es Lossow so weit gebracht, daß seine Arbeiten nur noch eine vollendetere Technik in der Malerei hätten aufweisen sollen, um sie als ganz vorzügliche Leistungen bezeichnen zu können. Um diese sich zu erwerben, trat er im Anfang der sechziger Jahr bei Carl v. Piloty als Schüler ein. Wie rasch es ihm gelungen ist, auch in der angedeuteten Beziehung sich zu vervollkommnen, beweisen die Bilder, deren Entstehung in die erwähnte Zeit oder bald nach derselben fällt. Wir erwähnen beispielsweise nur eine »Rattenjagd«, eine »ländliche Scene am Backofen« und eine »Hunde- und Affenkomödie auf der Reise«. Neben ihren Vorzügen vom künstlerischen Standpunkte aus ist es der in den meisten seiner Werke zu Tage tretende prächtige Humor, der sie so anziehend macht. Außer seinen, in der Folge der Zeit sehr gesuchten Oelbildern verdanken wir Lossow auch eine Menge Zeichnungen für den Holzschnitt, für welche er eine ganz besondere Befähigung besaß und in denen er seine köstliche Laune noch viel glänzender zur Freude für Alt und Jung entwickelt hat. Dieselben fanden ihren Platz theils in den Fliegenden Blättern und Münchener Bilderbogen, theils sind sie als Illustrationen zu gegebenen Stoffen in eigenen Werkchen erschienen. Zu seinen letzten Arbeiten in diesem Fache gehören die beiden Blätter aus dem jüngsten Kriege m den Münchener Bilderbogen, die jedoch ganz im Gegensatze zu früheren Werken von herzergreifender elegischer Stimmung sind. Der wackere Künstler, dessen Gesundheit seit Jahren erschüttert war, hat wohl damals schon die Ahnung eines frühen Todes in sich getragen. Nur allzubald sollte diese Ahnung auch in Erfüllung gehen. Am 19. Januar 1872 ist er nach langer schmerzlicher Krankheit verschieden.

Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München während des Jahres 1872. München, 1873.

#Heinrich Lossow

* 10.3.1843 (München)
† 19.5.1897 (Schleißheim)
Genremaler, Illustrator und Zeichner

#Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog (1898)

Lossow, Heinrich, Genremaler, * am 10. März 1843, † am 19. Mai 1897. – L. stammte aus einer Künstlerfamilie. Der Vater Arnold Hermann Lossow, geboren am 24. October 1805 zu Bremen, hatte schon im väterlichen Hause die Bildhauerei gelernt, sich dann in Rom weiter gebildet und 1831 in München niedergelassen, wo er bald zu Schwanthaler’s Lieblingsschülern und ausführenden Gehülfen zählte. Als guter Marmorarbeiter lieferte er unter anderem die Statuen Thorwaldsen's und Canova's (nach Max Widnmann) für die Nischen der Glyptothek und eine grosse Anzahl von Büsten für die Walhalla und die Bayerische Ruhmeshalle. Er starb am 3. Februar 1874. Zwei seiner talentvollen Söhne waren schon vor ihm aus dem Leben gegangen: der Historienmaler Karl L. und der als humoristischer Thierzeichner wohlbekannte Friedrich L. Ersterer, geboren am 6. August 1835 zu München, hatte sich unter Philipp Foltz der historischen Richtung zugewendet, dann aber unter dem Einfluss seines gleichstrebenden älteren Freundes Andreas Müller, insbesondere auch nach Moriz von Schwind, selbständig weiter gefördert. Auf einer Reise nach Oberitalien traf L. zufällig den damaligen Erbprinzen von Meiningen und erhielt schöne Aufträge für die herzogliche »Villa Carlotta« am Comersee: einen Cyklus aus der »Gudrun« und einen ähnlichen zu Uhland's Balladen. Aber noch vor der Vollendung seiner vorzüglich componirten Bilder starb Karl L., eine herrliche Kraft voll Schönheitsgefühl und Originalität, zu Rom am 12. März 1861. Sein jüngerer Bruder Friedrich L. (geboren am 13. Juni 1837) hatte sich erst bei Karl Piloty im Genrefach umgethan, dann aber ganz auf das Thierbild geworfen. Seine ländlichen Scenen, seine Hunde- und Affentheater, die komischen Eselbilder mit zudringlichen Gänsen, ergötzlichen Hühnern, mit Ladenrittern und Sonntagsreitern, seine Viehmärkte und militärischen Uebungslager gewannen ihm viele Freunde, ebenso wie die zahlreichen Zeichnungen in den weltbekannten »Münchener Bilderbogen« und den »Fliegenden Blättern«. Friedrich L. starb nach langen Leiden am 19. Januar 1872.

Sein Bruder, der jetzt in Rede stehende Heinrich L., hospitirte bei Piloty und Arthur von Ramberg, trat schon 1864 mit einem kleinen »Mozart als Orgelspieler« in die Oeffentlichkeit, wie er denn das Oelbild und die Illustration gleichmässig cultivirte. So zeichnete er, nach Grützner's Beispiel, Scenen zu den »Lustigen Weibern« und zu »Kabale und Liebe«, warf sich auf Heinrich Heine’s »Buch der Lieder« (insbesondere die »Sphinx«), kokettirte mit üppigen, schauerlichen Zopfdamen des vorigen Säculums, mit pikanten Kammerkätzchen und Putzmacherinnen und ihren galanten Courschneidern im zweckdienlichsten Rocococostüm. Er übersetzte Watteau, sein französisches Ideal, in's Deutsche, freilich ohne dessen Feinheit und Eleganz zu erreichen, obwohl L. an Roben, Spitzen und anderem Beiwerk sein möglichstes that. Dadurch unterschied er sich von den rohen Fadaisen des Joh. Heinrich Ramberg, als dessen technisch verbesserte Neuauflage L. öfter bezeichnet wurde. Auch bearbeitete er in »hochpikanten« Bleistiftzeichnungen zwölf »Metamorphosen nach Homer und Ovid« (München 1884) im zopfigen Charakter, womit er »den ganzen Reiz schöner Plastik und weiblicher Formvollendung verewigte«, und lieferte amouröses Getändel (eine im Bette liegende Coquette jonglirt auf den Fusssohlen ihr Leibhündchen) und allerlei trivialen Schnickschnack, gerade nicht immer zum Ruhme der deutschen Kunst, welche dergleichen Firlefanz besser unseren westlichen Nachbarn überlassen hätte. Hohe Aufgaben stellte er sich nicht, löste sie aber mit vielem Fleiss. In einem »Ich thue, was ich will« benannten Oelbilde (1874) ist das eigensinnige Handschuhanziehen der fascinirenden Reiterin mit bestem Chik dem Leben abgelauscht. Die lüsternen Scenen mit den »galanten« Putzmacherinnen und das ewige Parfüm der ganzen Demimonde enuyirte ihn schliesslich selbst, er warf sich auf Landschaften, wie sie ihm der Park von Schleissheim, woselbst L. seit 1885 als Galerie-Conservator eine Stelle fand, in bereitwilliger Auswahl bot. Hier huldigte er auch dem Plainairiren und quälte seine armen Modelle mit kalten Bädern in den von schattigen Kastanien oder mageren Akazien überwölbten geradelinigen Kanälen. In dieser Zwitterstellung zwischen alter und moderner Methode verdarb es L. mit der Ausstellungs-Jury 1897, welche seine Einsendungen abwiesen. In's Herz getroffen, verschied der darob erzürnte Künstler auf der Heimfahrt nach Schleissheim, worauf das beanstandete mit einer Trauerschleife ausgezeichnete Bild im Glaspalast Aufnahme erhielt. Kurz vorher hatte L. noch ein Deckenbild im Directorialzimmer des neuerbauten Münchener Justiz-Palastes vollendet (vgl. »Kunst für Alle« vom 1. Juli 1897 S. 310). Vortreffliches leistete L., natürlich in gleichem Genre, auch als Kleinmeister für das Kunstgewerbe, wie zahlreiche Blätter und practische Entwürfe für Goldschmiede und Metallarbeiter beweisen. Viele diese Mustervorlagen wurden in der Zeitschrift des Münchener Kunstgewerbe-Vereins reproducirt. Als eine besondere Schöpfung L.’s muss der Juwelierladen von Julius Elchinger genannt werden, welchen er als ein malerisch und plastisch wirkendes, wahres Schatzkästchen ausstattete. Auch sonst that er mit bereitwilliger Liebenswürdigkeit überall mit, malte beispielsweise der »Vitruvia« ein muthwilliges Wappenbild, ebenso die auf dem Siegeswagen von Löwen gezogene »Kunst« für den Mittelbau der Kunstgewerbe-Ausstellung (1888), half bei allen Künstlerfesten »mit kundigem Geist der Erfindung« und stellte lebende Bilder, sogar im Style eines Dierick Bouts van Harlem. Bei der Exposition seines zahlreichen Nachlasses im Münchener Kunstverein (Januar 1898) erschien auch das sehr energisch gemalte Selbstportrait L.’s, eine höchst charakteristische Leistung.

Vergl. Fr. Pecht, »Geschichte der Münchener Kunst«. 1888. S. 248 ff. – No. 140 »Allgemeine Zeitung« 21. Mai 1897 und No. 10 vom 11. Januar 1898. »Kunst für Alle« vom 1. Juli 1897. S. 310. Kunstvereinsbericht für 1897. S. 75.

Hyac. Holland.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog. Berlin, 1898.

#9 – 6 – 26 (n. n.)


(Mai 2018)

#9 – 7 – 28* (Pleitner)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Pleitner, Josef; – August 1888 (München), 49 Jahre alt; Volkssänger

Das Grab ist nicht erhalten

#9 – 7 – 31·33 (Lebling)


Grab der Familie Lebling auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2016)

#9 – 8 – 11 (Rupprecht)


Grab der Familie Rupprecht auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2016)

#9 – 8 – 24 (Brysakis)


THEODOR
PETROS
BRYSAKIS
* 1814 THEBEN
† MÜNCHEN 1878
HISTORIENMALER


  • Brysakis, Theodor Petros; 31.10.1814 (Theben/Griechenland) – 7.12.1878 (München); Historienmaler

Grab der Familie Brysakis auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Theodor Petros Brysakis

* 31.10.1814 (Theben/Griechenland)
† 7.12.1878 (München)
Historienmaler

#Leipziger Zeitung (24.2.1859)

München, Mitte Febr. Je seltener bis jetzt unter den Neugriechen künstlerische Talente von Bedeutung aufgetreten sind, desto mehr möchte es Pflicht sein, eines Künstlers dieser im Ganzen so reichbegabten Nation zu erwähnen, der in der Kunstgeschichte des jungen Königreichs als Epoche machend betrachtet werden darf. Hellas hat Dichter, deren Ruf die Grenzen ihrer Heimath weit überschritten hat, wie z. B. Rhigas, Soutzos, Bernadakis, Maler aber und Bildhauer suchte man bis jetzt vergeblich am Ilissus und Eurotas. Allerdings lebt der Maler, von welchem wir hier reden wollen, auch nicht in Griechenland, aber er ist ein geborener Grieche und seinem Vaterlande mit Leib und Seele zugethan.

Theodor Brysakis trat zum ersten Male auf der großen Pariser Ausstellung im Jahre 1855 mit einem großen historischen Gemälde vor die Oeffentlichkeit. Der Gegenstand, den es darstellte, ist der Fall Missolunghi’s. Großartigkeit der Conception, feines Gefühl in der Composition und harmonische Farbe neben gediegener technischer Ausführung zeichneten dieses Gemälde in sehr vortheilhafter Weise aus. Jetzt befindet es sich im Nationalmuseum zu Athen, dem es der Künstler als Dank für die Unterstützung, welche ihm die griechische Regierung durch eine Reihe von Jahren hindurch hatte zu Theil werden lassen, zum Geschenk gemacht hat.

Diesem ersten folgte rasch ein zweites Gemälde in großen Dimensionen, dem Inhalte nach unmittelbar an das vorangehende anknüpfend. Nach der Erstürmung Missolunghi’s hatte sich der greise Christo Kapsalis mit allen, welche sich der ausfallenden Schaar des Noti Bozzaris nicht angeschlossen hatten, Frauen, Kinder und Greise, ins Arsenal geflüchtet, wo noch ansehnliche Pulvervorräthe aufgehäuft lagen. Die plündernden Türken gelangten endlich auch zu diesem Gebäude, und im Momente ihres Eindringens sprengte sich Kapsalis mit allen seinen Landsleuten in die Luft. Allein mit ihnen wurden bei dieser Gelegenheit auch 2000 Türken das Opfer dieser heroischen That. Brysakis hat in seinem Gemälde den Moment unmittelbar vor dem Auffliegen dargestellt. Die Griechen sind in den ausdruckvollsten Gruppen und Stellungen um Kapsalis gedrängt, der die todtbringende Fackel dem offenen Pulverfaße nähert. Im Hintergrunde dringen die Türken ein. Man kann sich vor diesem Gemälde eines tiefen Schauers nicht erwehren und dieser wächst in dem Grade, je meisterhafter Brysakis die einzelnen Gruppen und Köpfe zu halten gewußt. Auch dieses zweite größere Gemälde befindet sich in Athen.

Ein drittes ist bis vor wenigen Tagen im Atelier des Künstlers ausgestellt gewesen und jetzt gleichfalls auf dem Wege nach Athen, wo es im Hause der Familie Ypsilanti’s seine Stelle finden wird. Es hat den von Demetrios Ypstlanti am 25. Juni 1825 bei den Mühlen von Lerná über Ibrahim Pascha erfochtenen Sieg zum Gegenstande. Die Griechen, nur 227 Mann stark, haben die Weingärten vor den Mühlen besetzt, gegen welche Ibrahim 7200 Mann und drei Geschütze zum Sturme geführt. Im Hintergrunde die bekannten Lernäischen Sümpfe, der Golf von Nauplia und jenseits desselben Nauplia selbst; einige kleine griechische Fahrzeuge unterstützen von der See aus ihre Landsleute bei den Mühlen.

Was sämmtlichen Gemälden Brysakis’ einen mehr als vorübergehenden Reiz verleiht, ist die Menge von Portraits, welche er auf denselben angebracht hat. Kannte er doch die meisten Führer von Person und hatte selbst in den letzten Jahren des Befreiungskampfes in den Reihen seiner Landsleute mitgekämpft. Und diesem Kampfe ist seine ganze Kunstthätigkeit gewidmet: alle Hauptmomente desselben gedenkt er durch große Gemälde zu illustriren. So hat er jetzt schon wieder eine Skizze zu dem vierten vollendet, welches die blutige Metzelei bei Peter darstellen soll, wo bekanntlich das Corps der Philhellenen bis auf nur einige wenige Mann aufgerieben wurde. Möge es dem patriotischen Manne vergönnt sein, den großartigen Plan, den er sich zur Aufgabe seines Lebens gemacht, auch durchzuführen, und bei seinen Landsleuten auch die nöthige Unterstützung zu finden.

Wissenschaftliche Beilage zur Leipziger Zeitung No. 16. Donnerstag, den 24. Februar 1859.

#Allgemeines Künstler-Lexicon (1895)

Brysakis, Theodoros Petros, griech. Historienmaler, geb. 31. Oct. 1814 in Theben, † 7. Dec. 1878 in München, wo er sich schon seit 1832 zu einem geschätzten Historien- und Genremaler ausbildete. Er wählte seine Stoffe vorzugsweise aus der neueren Geschichte Griechenlands und aus dem Freiheitskampf von 1821. Dahin gehören seine 1867 in Leipzig ausgestellten Bilder: Hellas sammelt seine Kinder, Fahnenweihe in einem griechischen Kloster 1821, Der Grieche Jordakis sprengt sich in die Luft 1821, Lord Byron’s Landung in Griechenland 1824, Die Besatzung von Missolunghi erkämpft 1826 einen Ausweg durch die Belagerer; in der Neuen Pinakothek zu München Der Metropolit Germanos segnet die Kreuzesfahne der Griechen gegen die Türken (1851).

Allgemeines Künstler-Lexicon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Vorbereitet von Hermann Alexander Müller. Herausgegeben von Hans Wolfgang Singer. Erster Band. Frankfurt am Main, 1895.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Brysakis Theodor Petros, 1814 (Theben/Griechenland) – 1878, griechischer Historienmaler; B. kam mit den ersten griechischen Knaben 18jährig in das von König Ludwig I. und dessen Sohn Otto gestiftete Griechische Erziehungsinstitut in München; er bildete sich unter K. von Heideck, P. von Hess, J. Petzl und H. von Mayr aus; seine ersten Proben der Malkunst brachte B. 1841 in den Münchner Kunstverein (junger Grieche in den Armen eines Mädchens in einer Felsenhöhle, Der blinde Pafikar, Der Verbannte).

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#9 – 8 – 52 (Ziemssen)


Dr. Hugo Ziemssen
geb. 19. September 1858,
gest. 26. Mai 1891.
Marie von Ziemssen
geb. 1. Juli 1835,
gest. 15. März 1892.
Gertrud Ziemssen
geb. 6. Juni 1866, gest. 31. Dez. 1878.

Tafel
Dr. Hugo von Ziemssen
kgl. Geheimer Rath,
Universitätsprofessor und Direktor
des städtischen allg. Krankenhauses l. I.
Ehrenbürger der Stadt München
geb. in Greifswald 13. Dez. 1829,
gest. in München 21. Jan. 1902.


  • Ziemssen, Gertrud; 6.6.1866 – 31.12.1878 (München); Krankenhausdirektors-Tochter
  • Ziemssen, Hugo von, Dr. med.; 13.12.1829 (Greifswald/Pommern) – 21.2.1902 (München); Arzt
  • Ziemssen, Hugo, Dr.; 19.9.1858 – 26.5.1891 (Leipzig)
  • Ziemssen, Marie von (vh) / Wakenitz, von (gb); 1.7.1835 – 15.3.1892 (München); Arzt-Gattin

Todesanzeige für Dr. Hugo Ziemssen

Todesanzeige für Marie von Ziemssen

Grab der Familie Ziemssen auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Dr. med. Hugo von Ziemssen

* 13.12.1829 (Greifswald/Pommern)
† 21.2.1902 (München)
Arzt

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Ziemssen Hugo, Dr. med., von, 1829 (Greifswald/Pommern) – 1902, Mediziner, Universitätsprofessor und Direktor des Allgemeinen Krankenhauses. Er studierte in seiner Heimatstadt, in Berlin und Würzburg und wirkte anfangs als Privatdozent und Assistent in der Medizinischen und Poliklinik seiner Heimat; 1863 wurde er Professor der Pathologie und Therapie und Direktor der Medizinischen Klinik in Erlangen, seit 1874 wirkte Z. in gleicher Stellung in München; an dem Aufschwung der modernen Medizin hat Z. durch viele, scharfsinnige, z. T. geradezu bahnbrechende, Untersuchungen hervorragend Anteil genommen, vor allem sind seine Arbeiten über Kaltwasserbehandlung beim Abdominaltyphus, über die Anwendung der Elektrizität in der Medizin und seine lichtvolle Bearbeitung der Kehlkopf- und Speiseröhrenerkrankungen zu erwähnen; ein ganz besonderes Verdienst erwarb sich Z. um die gesamte Medizin durch sein großes »Handbuch der speciellen Pathologie und Therapie«, 17 Bde., und durch sein »Handbuch der allgemeinen Therapie«, 4 Bde.; als einen Teil des ersten Werks gab er zusammen mit M. Pettenkofer ein »Handbuch der Hygiene und der Gewerbekrankheiten«, 3 Bde., heraus; er hat auch ein wissenschaftliches Institut für die klinische Medizin und ein Physikalisches Therapeutikum in München gegründet.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#9 – 9 – 10 (n. n.)


(Juli 2016)

#9 – 9 – 11 (n. n.)


(Juli 2016)

#9 – 10 – 13 (Schertl)


JOSEF SCHERTL
LANDSCHAFTSMALER
* 1810 – AUGSBURG
† 1869 – MÜNCHEN


  • Schertl, Josef; 10.1.1810 (Augsburg) – 8.3.1869 (München); Landschaftsmaler

Grab der Familie Schertl auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

Grab der Familie Schertl auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Josef Schertl

* 10.1.1810 (Augsburg)
† 8.3.1869 (München)
Landschaftsmaler

#Münchener Künstlerbilder (1871)

Josef Schertl,
Landschaftsmaler.

Angesichts der in unseren Tagen zur Mode gewordenen, manches Mal haarscharf an die Grenze des Schicklichen streifenden, eigenen Werthschätzung und beglückenden Selbstzufriedenheit, sowie der vielgestaltigen Reclame, möchte man Schiller’s Worte von der »besten Frau« analog auf einen Künstler in Anwendung bringen, dessen schöne Erfolge im Kreise wirklicher Kenner seiner liebenswürdigsten Bescheidenheit keinen Abbruch thun konnten und der auch durch sein bestes Werk nicht zufrieden gestellt ward. Schertl’s Bescheidenheit war für unsere Zeit strenge genommen gar nicht am Platze; eine Anschauung, welche er freilich nicht gelten lasten wollte, weil sie mit seinem ganzen schlichten Wesen in Widerstreit war. Ohne sie wäre indeß sein rastloses Streben unmöglich geworden und so wäre die Kunstwelt um einen Mann wie Schertl ärmer geblieben, wenn auch in seinen persönlichen Verhältnissen sich vielleicht Manches anders gestaltet hätte.

Josef Schertl war am 10. Januar 1810 in der ehemaligen freien Reichsstadt Augsburg geboren, woselbst sein Vater damals die Stelle eines kgl. bayerischen Zoll-Ober-Inspectors bekleidete. Der Sohn sollte, wenn auch nicht in der gleichen Branche, wie der Vater, seine Carriere machen, so doch jedenfalls in den Staatsdienst treten und begann seine wissenschaftlichen Studien an den Lehranstalten seiner Vaterstadt, um sie später in Würzburg fortzusetzen. Die Erinnerungen an seine Jugend mögen nicht ganz erfreulich gewesen sein, und es scheint an Meinungsverschiedenheiten zwischen Vater und Sohn nicht gefehlt zu haben. Nachdem dieser ein paar Gymnasialklassen zurückgelegt hatte, trat er mit Einwilligung des Vaters aus und wurde einem Lithografen übergeben, um von diesem in den Anfangsgründen des Zeichnens unterrichtet zu werden.Diese Thätigkeit sagte Schertl entschieden mehr zu. Er widmete sich mit großem Eifer dem neuen Fache und erwarb sich, auf ein schon in früheren Jahren hervorgetretenes Talent gestützt, bald eine ganz achtenswerthe Fertigkeit, jedoch ohne dadurch innerlich befriedigt zu werden, denn sein Sinn war immer darauf gerichtet, in die Kunst des Malens eingeweiht zu werden.

Seine Uebersiedelung nach München, welche in den ersten dreißiger Jahren erfolgte, führte ihn endlich auf die gewünschte Bahn. Von der kräftigen Strömung des damaligen Münchener Kunstlebens getragen, wendete sich Schertl nun mit Entschiedenheit der Landschaftsmalerei zu, welche unter allen Kunstzweigen die größte Anziehungskraft auf ihn ausübte. Damals bildete der Chiemsee die ausschließende Domäne der Münchener Landschaftsmaler, die auf der Frauen-Insel ihr fröhliches Wesen trieben, und dort war es auch, wo sich ein Ereigniß vorbereitete, das, so unbedeutend es auch an sich war, in seinen Folgen den entscheidendsten Einfluß auf Schertl’s ganzes Leben und Streben gewinnen sollte. Unter dem lustigen Malervölkchen befand sich auch der damals schon sehr bekannte Daniel Fohr, der an dem treuherzigen, echt deutschen und verständnißinnigen Wesen des jungen Schertl besonderen Gefallen fand und diesen zum Besuche einlud, wenn sie nach München heimgekehrt sein würden.

Schertl fühlte sich durch diese Freundlichkeit des geachteten Künstlers hoch geehrt und fand sich bald bei Fohr ein, welcher damals mit dem Landschafter Christian Morgenstern zusammen wohnte. Hierdurch ward nun seine Bekanntschaft auch mit diesem vermittelt, und bald vereinigte Beide eine eben so herzliche als dauernde Freundschaft. Unleugbar ist Schertl’s Beziehung zu Morgenstern der wichtigste Moment für seine ganze künstlerische Laufbahn geworden. In rückhaltlosestem Umgange und ununterbrochenem geistigen Verkehre mit dem liebenswürdigen Meister wuchs der junge Künstler, von diesem mit sicherer Hand geführt und geleitet, selbst zum Meister heran, Beide durch rastloses Ringen und Streben nach dem einen hohen Ziele verbunden und Hand in Hand demselben sich nähernd.

Die meisten Studien aus dieser Zeit behandeln Motive aus der Umgebung Münchens, dazwischen weisen einige größere mit Sorgfalt und Pietät gegen die Natur ausgeführte, welche Schertl’s Arbeiten kennzeichnet, auf einen vorübergehenden Aufenthalt desselben im schönen Algäu hin. Dieselben tragen die Jahreszahl 1843 und läßt die Reihenfolge der Daten darauf schließen, daß sich der Künstler von der lieblichen und zugleich großartigen Natur jenes Gebirgslandes, das schon in auffallender Weise den Charakter der nahen Schweizerberge trägt, lebhaft angesprochen fühlte.

Schertl’s Thätigkeit ward bald von schönen Erfolgen gekrönt, seine Stellung in der Münchener Künstlerrepublik eine allgemein geachtete; auch die soziale Seite des Lebens consolidirte sich, und so sehen wir unsern Künstler im stürmischen Jahre 1848 in den ruhigen Hafen einlaufen. Es war ein Fräulein Emma Zeitler, das er heimführte und das ihm einen Sohn und eine Tochter schenkte. Das junge Ehepaar verlebte seine Flitterwochen in Murnau und Polling, angesichts der bayerischen Hochalpen, in der Gesellschaft Morgenstern’s; ein Aufenthalt, der mehrere Bilder vom Staffelsee im Gefolge hatte.

Während der nächsten Jahre verzichtete Schertl auf Studienreisen und beschränkte sich darauf, das in der Umgegend von Polling und Murnau gesammelte reiche Material zu verwerthen. Das Jahr 1852 führte ihn nach Wasserburg und Trostberg, von wo er mit zahlreichen Studienschätzen heimkehrte. Den Sommer 1854 verlebte er an den reizenden Ufern des Starnberger Sees, an denen auch sein Freund Morgenstern seinen Aufenthalt genommen hatte. Im darauffolgenden Jahre ging er nach Landsberg und wanderte den Lech hinauf und hinab, dabei Eindrücke für ein größeres Bild, eine Schlucht bei Landsberg, gewinnend.

Im Jahre 1856 finden wir Schertl am Gestade des Ammersees mit Studien beschäftigt, wobei er sein Standquartier im Marktflecken Bayerdießen genommen. Mehrere in größtem Format gehaltene Zeichnungen aus jener Zeit sind so recht dazu angethan, die außerordentliche Gewissenhaftigkeit kennen zu lernen, mit welcher Schertl auf alle Einzelnheiten in der Natur einging, deren keine seinem geübten Auge sich zu entziehen vermochte.

Um jene Zeit machte sich in der Entwicklung Schertl’s ein bedeutender Umschwung bemerkbar. Es war nichts natürlicher, als daß ein Mann von so schlichtem, bescheidenem und gemüthlich sich anschließendem Wesen wie seines war, von dem Genius Morgenstern’s, mit dem ihn überdies die wärmsten Gefühle der Freundschaft verbanden, in künstlerischer Richtung vollständig beherrscht wurde. Aber gerade der Verkehr mit Morgenstern war es wieder, der Schertl kräftigte und der Vervollkommnung zuführte; denn Morgenstern besaß eine viel zu edle Seele, als daß er seinen Einfluß auf den Freund dazu benutzt hätte, diesen in seiner Abhängigkeit von ihm zu erhalten. Er ließ es sich im Gegentheil eifrigst angelegen sein, dahin zu wirken, daß sich Schertl’s schönes Talent möglichst selbständig entfalte und seine natürlichen Eigenthümlichkeiten erhalte und bewahre. Von jener Zeit an sehen wir Schertl freier und origineller schaffen, wenn auch der Einfluß seines Freundes immer ungestört fortdauerte. War es doch gerade Morgenstern, der sich von Allen, die Schertl im Leben näher standen, dieser größeren und eigenartigeren Entwicklung Schertl’s am meisten freute.

Das Jahr 1857 wurde ihm ein sehr verhängnißvolles: im Laufe desselben machte sich zum ersten Male jenes körperliche Leiden bemerkbar, welches nach langen Jahren allerdings, aber auch nach vielen Schmerzen, ihm den Tod bringen sollte. Er ward von einer auffallenden Schwerathmigkeit befallen, die seinen ganzen Organismus herabstimmte und den an rastlose Thätigkeit gewöhnten Künstler zu lang andauernder Unthätigkeit verurtheilte. Zu seiner Erholung nach Schäftlarn an der Isar, wenige Stunden oberhalb München, geschickt, verlebte er dort einen Theil des Sommers in sehr gedrückter Gemüthsstimmung und entwarf während jenes Aufenthaltes in einer an Schönheiten so reichen Gegend nur wenige Blätter.

Im folgenden Jahre machte Schertl werthvolle Studien in der Hochebene zwischen Rosenheim und dem Chiemsee, als deren bedeutendstes Resultat eine große Composition mit Motiven von dort erscheint. Man irrt wohl kaum, wenn man dieses Bild, das in den Besitz des k. Professors der Chemie Herrn Dvr. Buchner in München überging, für das beste Werk Schertl’s hält.

Im Jahre 1860 treffen wir den Künstler in Miesbach und im Jahre 1861 in Gesellschaft des Fabrikbesitzers, Herrn O. Forster von Augsburg, im heiteren Zillerthal, wo sich Schertl außerordentlich wohl fühlte. Gleichwohl scheint er dort mehr seiner Erholung als dem Studium gelebt zu haben, wenigstens findet sich in seinem künstlerischen Rücklasse nichts, was auf eine größere Thätigkeit während jener Tage schließen ließe. Im nächsten Jahre hielt sich Schertl am Walchensee auf, mit einem Freunde seiner Kunst, Herrn v. Zamboni aus Florenz, die herrliche Umgebung durchstreifend. Von den Reizen derselben im höchsten Grade angezogen, wiederholte Schertl den Aufenthalt daselbst im nächsten Jahre und nahm dort eine Reihe von Eindrücken auf, welche ihn zu den feinsten Bildern begeisterten, die er je schuf.

Das Jahr 1863 brachte neues Leid. Schertl ward plötzlich von heftigem Blutbrechen befallen, welches seinen ohnehin nicht allzu kräftigen Körper zerrüttete und ihn einen ganzen Sommer lang seiner künstlerischen Thätigkeit entzog, während er erst im freundlichen Mühlthal zwischen München und Starnberg, dann am Chiemsee Erholung suchte.

Im Jahre 1865 lebte er im Kreise der Seinigen in Partenkirchen und im Dorfe Grainau. Sein Befinden hatte sich inzwischen wieder so bedeutend gebessert, daß vorerst keine ernstlichen Besorgnisse mehr gegründet waren. Aus jener Zeit stammen zwei treffliche Bilder Schertl’s: das erste eine »Partie aus Partenkirchen«, das andre eine »Partie bei Grainau« darstellend, Jenes erwarb der Banquier Hr. Bonnet in Augsburg, dieses der Münchener Kunstverein. Seinem Aufenthalt im nahen Mittewald verdankt das schöne Bild vom »Barmsee bei Krün« sein Entstehen.

Das nächste Jahr verlebte Schertl fast ganz in München und an seiner Staffelei, nur wenige Tage sich auf einer Gebirgstour nach Miesbach und Kufstein erholend. Sein Gesundheitszustand hatte sich mehr und mehr verschlimmert. Das hektische Roth auf seinen Wangen verrieth ein tiefer sitzendes Uebel. Seine Stimme, früher voll und kräftig, hatte ihren Klang verloren und war zu einem halblauten Flüstern herabgesunken. Die Familie lebte in tiefen Sorgen. Gleichwohl schien sein Leiden im nächsten Jahre weniger vorzuschreiten. Ein kleiner Ausflug nach Partenkirchen, Leermoos und Fernstein erquickte ihn sichtlich. Fernstein mit seinem smaragdenen »Siegmunds-See« lieferte ihm die Motive zu einem seiner köstlichsten Bilder.

Ein den Obersee betreffender Auftrag gab ihm in dem darauffolgenden Jahre 1868 Veranlassung, Berchtesgaden zu besuchen, von wo er durch die Ramsau heimkehrte, aber nur um seine Familie in dies schöne Thal zu holen, mit welcher er nun weitere fünf Wochen verlebte. Wie wohl und behaglich er sich dort fühlen mochte, wie ihm selbst sein altes Leiden dort ferne blieb, das spricht sich unverkennbar in den damals zahlreich gesammelten Studien, den besten und zahlreichsten von seiner Hand, aus. Außer dem im Auftrag eines Kunstfreundes gemalten Bilde »Der Obersee« malte er, von jenem Ausfluge heimgekehrt, auch noch den »Hinter-See«, welchen erst in der jüngsten Zeit der Frankfurter Kunstverein erwarb. Die Nachricht vom Ankauf traf am Tage nach seinem Ableben bei der Familie ein, welches am 8. März 1869 in München erfolgte.

Schertl’s künstlerischer Nachlaß, in mehreren der Vollendung näher oder ferner stehenden Bildern, in Skizzen und Studien bestehend, ging zum Theil in den Besitz des oben genannten Hrn. O. Forster in Augsburg über, der Rest befindet sich in den Händen seiner Familie und seines Schülers Karl Ernst Morgenstern, des Sohnes seines treuen Freundes Christian Morgenstern, der vor zwei Jahren vorausging in’s Land, »aus deß‘ Gebiet kein Wandrer wiederkehrt.« Morgenstern’s Tod machte einen um so tieferen Eindruck auf Schertl, als derselbe so ganz unerwartet erfolgt war. In ihm hatte Schertl, dessen Gemüth in Folge seines körperlichen Leidens oft tief verstimmt war, einen freundlichen Tröster gefunden, dessen heitere Seele auf ihn lebhaft einwirkte und der mit seiner liebenswürdigen Unterhaltungsgabe oft die gramgefurchte Stirne Schertl’s zu glätten wußte.

Er vermißte den heimgegangenen Freund unsäglich und fühlte sich oft so nervös aufgeregt, daß es ihm, dem ununterbrochenes Schaffen zur zweiten Natur geworden, unmöglich war, an seiner Staffelei zu bleiben. Zum Glück waren solche Stimmungen doch nur selten. Sein Pflichtgefühl einerseits und seine Liebe zur Kunst andrerseits hielten ihn auch im ärgsten Leiden aufrecht und gaben ihm die zum Schaffen nöthige Kraft des Geistes und Ruhe des Gemüthes. Nur so erklärt sich die ungetrübte Frische und Klarheit, welche auch seine letzten Bilder kennzeichnet.

Schertl’s Leben war ganz seiner Kunst und seiner Familie gewidmet. Ohne bewegteren Verkehr nach Außen war sein Dichten und Trachten, sein Hoffen und Genießen auf die Kreise beschränkt, die von jenen umspannt werden. Arm an Ereignissen von äußerem Belange glich sein ganzes Leben seinen eigenen Bildern oder waren vielmehr diese ein Product desselben: einfach, anspruchslos, nicht in die Augen fallend, aber echt und wahr, voll tiefer Empfindung, von dem Feuer einer ewigen Jugend durchglüht, von ungekünstelter Anmuth durchweht. Es war ihm nicht gegeben, durch schlagende Gegenstände zu fesseln, durch grandiöse Auffassung zu bestechen, durch brillante Technik zu blenden oder ein Bild in wenigen Tagen mit kräftigen und kecken Pinselstrichen hinzuwerfen, wie es die Mode des Tages erheischt. Was er sich in seiner Seele erdacht, aus der Natur in sich aufgenommen, das trat nur nach langer, mühevoller Arbeit an’s Licht, aber es trug auch das Gepräge innerster Wahrheit und eingehendster Liebe zur Sache an sich und legte ein glänzendes Zeugniß ab von der Gewissenhaftigkeit, mit welcher Schertl seiner Kunst oblag. Das Große, Gewaltige in der Natur sprach weniger zu seinem Wesen als das Anmuthige; das Ernste, Düstere weniger als das Heitere. Ueber seinen Bildern liegt eine wohlthuende Ruhe, welche der Abglanz ist jener Ruhe in seinem Innern, die seinen Charakter durchdrang. Seine Farbe ist leuchtend und klar, ohne deshalb an Feinheit zu verlieren. Ganz besonders gelangen ihm herbstliche Stimmungen, belaubte Höhen in weichen Linien sich hinziehend, stille Seen und heimlich abgeschlossene Thäler, liebliche, sonnige Gründe, von leicht bewölktem Himmel überspannt. Voll tiefster Pietät für die Natur suchte er ihr in allen ihren Erscheinungen gerecht zu werden, hielt er nichts für unbedeutend und werthlos, trieb jedoch diesen Cultus nie so weit, daß er dem Unbedeutenden die Stelle des Bedeutenden anwies. Mit seiner seltenen Gewissenhaftigkeit hängt auch seine Technik zusammen, die es liebte, sich dünner Farbe und spitzer Pinsel zu bedienen. Als trefflicher Zeichner erwies er sich nicht blos mit dem Stifte, sondern auch mit dem Pinsel in der Hand und durch Anlage seiner Linien, in der sich ein feiner Sinn für die Schönheit der Form aussprach.

Carl Albert Regnet: Münchener Künstlerbilder. Ein Beitrag zur Geschichte der Münchener Kunstschule in Biographien und Charakteristiken. Leipzig, 1871.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Schertl Josef, 1810 (Augsburg) – 1869, Landschaftsmaler; humanistisch gebildet, machte sich Sch. nach seiner künstlerischen Ausbildung auf der Münchner Akademie mit anderen Künstlern auf der Fraueninsel im Chiemsee heimisch; später war er von der großartigen Bergwelt bei Partenkirchen und dem Eibsee, schließlich vom Staffelsee und dem Berchtesgadener Land angezogen; (Hauptwerke: Gegend von Trostberg, Walchensee, Aus dem Allgäu u. a.); Sch. zählte zu den ersten Schilderern der Schönheit der bayerischen Alpen.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#9 – 10 – 29 (Piglhein)


BRUNO ELIMAR
PIGLHEIN
* 1848 HAMBURG
† 1894 MÜNCHEN
HISTORIENMALER


  • Piglhein, Bruno Elimar Ulrich; 19.2.1848 (Hamburg) – 15.7.1894 (München); Genremaler und Historienmaler

Grab der Familie Piglhein auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Bruno Elimar Ulrich Piglhein

* 19.2.1848 (Hamburg)
† 15.7.1894 (München)
Genremaler und Historienmaler

#Allgemeine Deutsche Biographie (1907)

Piglhein (Zu S. 59.): Elimar Ulrich Bruno P., Maler, wurde am 19. Februar 1848 in Hamburg als der Sohn eines angesehenen Decorateurs geboren, der ihn schon frühzeitig mit seinem Handwerk vertraut machte, indem er ihn zahlreiche kunstgewerbliche Zeichnungen anfertigen ließ. Als er seine Schulzeit hinter sich hatte, trat er in das Bildhaueratelier von Lippelt ein. Nach dessen Tode bezog er im J. 1864 die Dresdner Kunstakademie und wurde hier Schüler Schilling's. Da er jedoch viel zu realistisch arbeitete und zu malerisch empfand, entschloß er sich, die Bildnerei an den Nagel zu hängen und Maler zu werden. In diesem Berufe wandte er sich zunächst nach Weimar, wo er sich an der unter Pauwel's Leitung stehenden Kunstschule ausbilden wollte. Da ihm aber das kleinstädtische Wesen in Weimar nicht behagte, siedelte er schon nach einem halben Jahre (1870) nach München über. Er wurde hier vorübergehend Schüler von Wilhelm Diez, machte sich jedoch sehr bald selbstständig und schuf zunächst unter dem Einflusse Makart's eine Reihe decorativer Arbeiten, die über den engsten Kreis ihrer Besteller nicht hinaus bekannt geworden sind. Ferner übte damals auch Böcklin eine große Anziehungskraft auf ihn aus, wovon eine Reihe von Centaurenbilder aus den siebziger Jahren Rechenschaft gibt. Obwohl er schon damals für Hans v. Schöen in Worms die nachmals in vielen Nachbildungen verbreitete Idylle »Kind und Hund am Ufersteg sitzend« gemalt hatte, blieb er doch noch lange dem Publicum so gut wie unbekannt. Das änderte sich erst im J. 1879, wo er auf der Münchener Ausstellung mit seinem großen Kreuzigungsbilde: »Moritur in Deo« (heute in d. Berliner Nat.-Gal.) allgemeines Aufsehen erregte. Aber die Käufer blieben auch diesmal aus. P. entschloß sich daher auf Anregung des Kunsthändlers Ackermann in München, zum Pastellstift zu greifen und sein Glück mit der Schilderung pikanter Damen zu versuchen, unter denen er Pieretten, weibliche Jockeys, spanische Tänzerinnen und stark dekolletirte Ballschönheiten bevorzugte. Gleichzeitig schuf er eine Reihe von Kinderbildern und wußte sich noch durch mehrere Porträts aus der Münchener Gesellschaft einen Namen zu machen. Bald kam er in die Mode, wurde freilich auch von der strengen Kritik als ein Sittenverderber und Hetärenmaler angegriffen. Daß er diesen Vorwurf nicht verdiente, sondern im Grunde ein durchaus ernst veranlagter Künstler war, zeigte er durch das mit großer Sorgfalt auf Grund eingehender Studien in sehr kurzer Frist gemalte »Panorama der Kreuzigung Christi«, durch das er einen vollgültigen Beweis seines bedeutenden Wissens und ungewöhnlichen Könnens ablegte. Leider ging das im J. 1886 vollendete und zuerst in München aufgestellte Rundgemälde, das die allgemeine Bewunderung voll verdiente, im J. 1892 bei einem Brande in Wien vollständig zu Grunde. In den nächsten Jahren beschäftigte sich P. wiederum mit größeren Arbeiten ernsten Inhalts. Die große »Grablegung« vom Jahre 1888 erwarb der bairische Staat für die neue Pinakothek in München. Viel Aufsehen erregte im J. 1890 »Die Blinde«, ein Riesenbild, das im J. 1891 in Berlin an einen Amerikaner verkauft wurde. Bei Begründung der Münchener Secession im J. 1892 trat er als Präsident an deren Spitze, obwohl er schon damals mit einem schweren, seine Arbeitskraft hemmenden körperlichen Leiden zu kämpfen hatte. Er starb am 15. Juli 1894. Vom Januar bis März 1895 fand eine Ausstellung seiner Werke in der Berliner National-Galerie statt.

Zeitschrift für bildende Kunst. 22. Jahrg. Leipzig 1887. S. 165 bis 172. — Friedrich Pecht, Geschichte der Münchener Kunst im 19. Jahrhundert. München 1888. S. 381–382. — Ad. Rosenberg, Die Münchener Malerschule in ihrer Entwicklung seit 1871. Leipzig 1887. S. 70–72. — Ders., Geschichte der modernen Kunst III, 119–120. Leipzig 1889. — Die Kunst für Alle, 9. Jahrg., 1893–1894. München 1894. S. 342, 343. — Illustrirte Zeitung. Leipzig 1894. Nr. 2665, S. 103. — Frdr. v. Boetticher, Malerwerke des 19. Jahrhunderts II, 269–272. Dresden 1898.

H. A. Lier.

Adolf Heinrich Lier: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig; 1907.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Piglhein Bruno Elimar Ulrich, 1848 (Hamburg) – 1894, Genre- und Historienmaler; ursprünglich studierte P. in Hamburg und Dresden Bildhauerei und ging erst 1871 zur Malerei über, wo er in München Schüler von W. Diez war; mit seiner religiösen Komposition »Moritur in Deo« (Sterbender Christus von einem Engel getröstet) machte er sich bekannt; hauptsächlich lieferte P. Pastellzeichnungen, Brustbilder, Köpfe und Halbfiguren von Modedamen, Gecken, Maskenfiguren und Kindern (»Douze pastels«), auch Genrebilder aus dem Kinderleben; 1885 unternahm er eine Studienreise nach Palästina; die kolossale Kreuzigungsgruppe, die er als Ergebnis danach mit anderen ausführte, fiel 1892 einem Brand in Wien zum Opfer; Ps. religiöse Szenen (auch Ölgemälde) sind äußerst realistisch.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#9 – 10 – 32·33 (Boshart)


FAMILIE
BOSHART
1825 – 1941


  • Boshart, Wilhelm; 16.3.1815 (München) – 31.8.1878 (Aisching, Gstadt, am Chiemsee); Landschaftsmaler

Grab der Familie Boshart auf dem Alten Südfriedhof München (November 2014)

#Wilhelm Boshart

* 16.3.1815 (München)
† 31.8.1878 (Aisching, Gstadt, am Chiemsee)
Landschaftsmaler

#Zeitschrift für bildende Kunst (5.12.1878)

Nekrolog.

W. Boshart †.

Am 31. August schied in seinem Landhause am Chiemsee der Landschaftsmaler Wilhelm Boshart nach langem, schwerem Leiden aus dem Leben. Er war im Jahre 1815 zu München geboren und widmete sich zu Anfang der dreißiger Jahre der landschaftlichen Kunst, in welcher er sich später hauptsächlich nach Eduard Schleich bildete. Gleich diesem kultivirte Boshart die Stimmungslandschaft. Bei seinem unermüdlichen Fleiße schuf er eine ansehnliche Zahl von Werken, welche er – im Gegensatze zu seinem Meister – mit größter Sorgfalt durchzubilden pflegte. Uebrigens arbeitet sich der wackere Künstler erst in den letzten Jahren zu einer größeren Freiheit der Anschauung und Gestaltung hindurch, so daß seine aus dieser Zeit stammenden Bilder weit höher zu stellen sind als die früheren.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst Nr. 8. 5. Dezember 1878.

#Allgemeines Künstlerlexikon (1878)

Boshart, Wilhelm, Ldschftsmlr., geb. 1815 in München, studirte anfangs Pharmacie, welche er 1838 absolvirte, worauf er eine 4 Jahre dauernde Bildungsreise durch Deutschland, Belgien, Holland, England, Frankreich, die Schweiz und Italien unternahm. Der Besuch der Kunstsammlungen jener Länder wurde die nächste Ursache, dass er sich 1844 der Kunst widmete. Er genoss dann mehrere Jahre den Unterricht des Ldschftsmlrs. E. Schleich in München und malte in der Folge selbstständig Landschaften, welche durch die Einfachheit ihrer Motive ansprechen und auch in der Staffage trefflich gemalt sind: Buchenwald (Graf Boucquoi in Prag), Partie aus dem bayrischen Gebirge (Fürst Anton Auersperg in Wien), Partie am Chiemsee (Kaiserin Wittwe von Oesterreich). Autobiogr.

Allgemeines Künstlerlexikon. Stuttgart, 1878.

#Die Monogrammisten (1879)

Wilhelm Boshart, Landschaftsmaler, geb. 1815 in München, gest. ebenda 1878. er hatte sich anfänglich der Pharmacie gewidmet, wendete sich aber gegen 1844 ausschliesslich der Kunst zu, und zwar unter Ed. Schleich’s Leitung der Landschaftsmalerei. Wir sahen Bilder, welche mit den Initialen seines Namens bezeichnet waren.

Dr. Georg Kaspar Nagler: Die Monogrammisten und diejenigen bekannten und unbekannten Künstler aller Schulen, welche sich zur Bezeichnung ihrer Werke eines figürlichen Zeichens, der Initialen des Namens, der Abbreviatur desselben etc. bedient haben. München, 1879.

#Kunstvereins-Bericht für 1878 (1879)

Nekrologe.

Wilhelm Boshart,

geboren 16. März 1815 zu München als der Sohn des k. Kammerfourier's Michael Boshart und dessen Ehegattin Wilhelmine geb. Löschhorn. Mit 8 Jahren verlor er seinen Vater; seine Mutter, eine ebenso feinfühlende als kräftige Frau, hatte nun die Aufgabe, ihn und seine 3 Geschwister zu erziehen. Wilhelm Boshart studirte, absolvirte das Gymnasium, bezog die Hochschule und bestand das Apothekerexamen, widmete sich dann aber noch weiter dem Studium der Chemie in der Absicht, eine chemische Fabrik zu übernehmen. Damals, gegen Ende der 30er Jahre, zog die in mächtigem Aufschwung sich befindende Kunst den jungen Boshart bald an. Hatte er doch schon auf seinen Reisen in der Schweiz, Italien und Südfrankreich fleißig gezeichnet, so wandte er sich jetzt der Malerei vollständig zu, anfangs unter Anregung seines Vetters M. Haushofer, später im Atelier E. Schleich's. Zahlreiche feinempfundene Stimmungsbilder, Landschaften aus dem Alpenvorlande, aus Brannenburg, Polling, besonders aber von den Ufern des Chiemsees, die er als 13 jähriger Knabe zum ersten Mal sah, sicherten ihm bald eine ehrenhafte Stellung unter den Landschaftsmalern Münchens. Vor allein waren es die landschaftlichen Schönheiten des Chiemsees, welche ihn fesselten und ihm immer wieder die liebsten Anregungen zum Schaffen gaben. Die eichenbestandenen Ufer, die feingezeichneten Waldlinien des zwischen Ebene und Gebirg sich hinziehenden Hügellandes, der See selbst mit seinen unerschöpflich wechselnden Effekten bildeten die Hauptmotive seiner Bilder, welche sich zumeist durch brillante Lichtwirkung und Farbentiefe auszeichneten.

Im Jahre 1844 verheirathete er sich mit Frl. Henriette Weiß, der Tochter des Stabsrathes J. Weiß, mit welcher er 34 Jahre in in glücklicher Ehe lebte. Im Jahre 1858 hatte er sich am Chiemsee angesiedelt und brachte nun dort die schönere Jahreszeit zu, größtentheils im Atelier oder nach der Natur arbeitend.

Die ersten Anzeichen des Leidens, dem er erlag, zeigten sich schon im Jahre 1875. Im November 1876 aber traten Symptome von beginnendem Verfall der Kräfte auf, welche zu ernsten Besorgnissen Anlaß gaben. Noch einmal – im Sommer 1877 – schien sich sein Zustand zu bessern, aber es war nur ein Aufflackern der versiegenden Lebenskraft. Eine langsam aber unaufhaltsam sich vollziehende Entmischung des Blutes, begleitet von unsäglichen Schmerzen, sollte sein Ende herbeiführen. Unter großen Schwierigkeiten erreichte er noch einmal – im Juni 1878 – den Strand des Chiemsee's, den er so sehr geliebt und von dem er noch einmal Wiederherstellung seiner Gesundheit erhoffte. Es war umsonst. Nach dreimonatlichem qualvollem Leiden erlag er – aber schmerzlos und kampflos – am 31. August 1878. Die Leiche wurde nach München gebracht und da am alten Friedhof bestattet. – Er hinterließ außer einer Wittwe eine Tochter, derzeit Gattin des Professor Dr. K. Haushofer.

Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München während des Jahres 1878. München, 1879.

#Allgemeines Künstler-Lexicon (1895)

Boshart, Wilhelm, Landschaftsmaler, geb. 1815 in München, † 31. Aug. 1878 am Chiemsee, studirte anfangs Pharmacie, machte dann durch Deutschland, Belgien, Frankreich und England längere Reisen, auf denen sich sein Kunstsinn entwickelte und er die Landschaftsmalerei ergriff, weshalb er Schüler von Ed. Schleich in München wurde. Die meisten seiner Landschaften sind aus den gegenden Oberbayerns und vom Chiemsee, einige auch aus der Umgegend von Rom und von Pästum.

Allgemeines Künstler-Lexicon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Vorbereitet von Hermann Alexander Müller. Herausgegeben von Hans Wolfgang Singer. Erster Band. Frankfurt am Main, 1895.