SECTION 21

- 21 – 1 – 6 (Düfflipp)
- 21 – 1 – 7·8 (Hauberrisser)
- 21 – 1 – 17 (Fleckinger · Krempelhuber)
- 21 – 1 – 18 (Ett)
- 21 – 1 – 20·21 (Winkler)
- 21 – 1 – 22 (Papius)
- 21 – 1 – 23 (Drähne)
- 21 – 2 – 6 (Kiderlin · Weinmann)
- 21 – 2 – 11* (Eckart)
- 21 – 2 – 20* (Hofmann)
- 21 – 3 – 1·2 (Reischl)
- 21 – 3 – 6* (Bund)
- 21 – 3 – 15 (Bauer)
- 21 – 3 – 21 (Strauss)
- 21 – 3 – 24 (Obernetter)
- 21 – 4 – 17 (Enger)
- 21 – 4 – 27 (Dilger)
- 21 – 4 – 28 (Esterhammer)
- 21 – 4 – 30 (Löweneck)
- 21 – 5 – 2 (Destouches)
- 21 – 5 – 6 (Konrad · Zwack)
- 21 – 5 – 7* (Schefzky)
- 21 – 5 – 31 (Sedlmair)
- 21 – 5 – 32 (Crailsheim · Drouet de Erlon)
- 21 – 6 – 9 (Seitz)
- 21 – 6 – 28 (Mayer)
- 21 – 6 – 29 (Cramer)
- 21 – 6 – 30 (Deinzer)
- 21 – 7 – 15 (Harras)
- 21 – 7 – 35 (Sendtner · Völderndorff-Waradein)
- 21 – 8 – 34* (Lochner)
- 21 – 8 – 35·36 (Petzl)
- 21 – 8 – 37 (Hasselwander)
- 21 – 9 – 1·2 (Koch)
- 21 – 9 – 29 (Renauld von Kellenbach)
- 21 – 9 – 39 (Waldenfels)
- 21 – 10 – 3 (Rebholz · Schliessleder)
- 21 – 10 – 18 (Gehrlein · Grasser)
- 21 – 10 – 25 (Eichhorn)
- 21 – 10 – 30 (Birkner)
- 21 – 11 – 1 (Schulzmann)
- 21 – 11 – 27 (Leigh)
- 21 – 12 – 1 (Ermarth)
- 21 – 12 – 4 (Behrens · Werner · Zierlein)
- 21 – 12 – 5 (Wolf)
- 21 – 12 – 16 (Peter)
- 21 – 12 – 17 (n. n.)
- 21 – 12 – 18 (n. n.)
- 21 – 12 – 26 (Karl)
- 21 – 12 – 27·28 (Demmelmaier)
- 21 – 12 – 29 (Beck)
- 21 – 12 – 30 (Braun · Heiss)
- 21 – 12 – 31 (Sauer)
- 21 – 12 – 32 (Interwies)
- 21 – 13 – 1·2 (Harlander)
- 21 – 13 – 6 (Würfl)
- 21 – 13 – 8·9 (Ziegler)
- 21 – 13 – 12·13 (Eggelkraut · Gröber)
- 21 – 13 – 14 (Schafhäutl)
- 21 – 13 – 21·23 (Ernst · Troglauer)
- 21 – 13 – 29 (Schnabl)
- 21 – 13 – 30 (Texter · Volkart)
- 21 – 13 – 31 (Dorner · Drechsel-Deuffstetten)
- 21 – 13 – 36 (Daurer)
- 21 – 13 – 38 (Aurbacher)
- 21 – 13 – 39 (n. n.)
- 21 – 13 – 40 (Damberger · Staudinger)
- 21 – 13 – 41 (Geuder · Kirchgessner)
- 21 – 13 – 42* (Brattler)

#21 – 1 – 6 (Düfflipp)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Düfflipp, Barbara (vh) / Jakob (gb); – 23.2.1855 (München), 38 Jahre alt; Lohnkutschers-Tochter / Zahlmeisters-Gattin
- Düfflipp, Emma; – 17.5.1885 (München), 18 Jahre alt; Hofrats-Tochter
- Düfflipp, Josefine von (vh) / Schierl (gb); 19.10.1835 – 10.1.1882 (München); Gallerieaufsehers-Tochter / Hofrats-Gattin
- Düfflipp, Karl; – (7).11.1864 (München), 1 Monat alt; Hofsekretärs-Sohn
- Düfflipp, Lorenz von; 21.8.1821 (Pleinfeld) – 9.5.1886 (München); Hofrat und Hofsekretär





#Lorenz von Düfflipp
* 21.8.1821
† 9.5.1886 (München)
Hofrat und Hofsekretär
#Allgemeine Zeitung (11.5.1886)
Verschiedenes.
(Todesfälle.) Wie uns mitgetheilt wird, ist der frühere Hofsecretär Sr. Maj. des Königs, Lorenz v. Düfflipp, am 9. d. in einem Alter von 66 Jahren hier gestorben. Derselbe, geboren in der Pfalz als der Sohn eines Feldwebels, trat freiwillig als Tambour in die Armee ein, wurde sodann im Jahre 1852 als Unterquartiermeister Hofofficiant bei der k. Cabinetscasse. 1854 wurde er zum Zahlmeister, 1858 zum Controleur und 1862 zum Cassier bei der genannten Casse befördert. 1864 ernannte I. M. die Königin-Mutter Düfflipp zu ihrem Secretär. Zwei Jahre später wurde derselbe als zweiter Hofsecretär wieder an die Cabinetscasse berufen, deren Leitung er nach der Ruhestandsversetzung v. Hofmanns übernahm und bis zum 17. October 1877 führte. v. Düfflipp war zweimal verheirathet: in erster Ehe mit der Lohnkutscherstochter Barbara Jacob, in zweiter Ehe mit der Gallerieaufsehers- und Kunstmalerstochter Josepha Schierl. Vor einigen Jahren traf ihn der schwere Schlag, auch seine zweite Frau durch den Tod zu verlieren. Auch einer der aus zweiter Ehe entsprossenen drei Töchtern mußte der Vater in das frühe Grab sehen. In die Zeit, während welcher er das Hofsecretariat führte, fällt der Bau des prunkvollen Schlosses Linderhof, der Beginn des Baues der großartigen Burg »Schwanstein« bei Hohenschwangau und ein wesentlicher Theil der Ausführung dieses Baues, dann der Ankauf der Insel Herrenchiemsee und die Entwerfung der Pläne zu dem dortigen Prachtbau. Die Verdienste v. Düfflipps wurden von seinem königlichen Herrn durch wiederholte Ordensauszeichnungen, durch Verleihung des Titels und Ranges eines kgl. Hofrathes und durch Gewährung einer lebenslänglichen Dienstwohnung im Wittelsbacher Palais anerkannt. Auch viele auswärtige Orden schmückten die Brust des Verstorbenen.
Allgemeine Zeitung Nr. 130. München; Dienstag, den 11. Mai 1886.
#Allgemeine Zeitung (12.11.1904)
Vom Weihnachtstisch.
I.
Eine sehr einfache Sammlung von Gedichten, Liedern und Festspielen für Weihnachten und Neujahr, aber ohne Melodien und Opernspektakel, hat August Thiemann als »Weihnachten im Dichtermund« (Düsseldorf bei C. Schaffnit) zusammengestellt. Manch' frühere oder weniger bekannte Namen werden dadurch in Erinnerung gebracht, darunter auch Lorenz v. Düfflipp († 9. Mai 1886, seinerzeit Hofsekretär König Ludwigs II.), der vielfach als Lyriker sich hervorwagte und auch zwei Operntexte »Clölia« und die »Rose von Irun", letztere komponiert von Fr. M. Prestele, verfaßte. Weit über anderthalb Hundert von wirklich am Parnaß wohlberechtigten Insassen, Ehrenmitgliedern oder Aufundzugängern, allerlei Einsiedler aus dem deutschen Dichterwalde, darunter auch viele Damen und schönschriftstellerische Versuchskünstlerinnen und Dilettanten erscheinen in diesem Gastrollen-Zyklus.
Allgemeine Zeitung Nummer 250. München; Samstag, den 12. November 1904.

#21 – 1 – 7·8 (Hauberrisser)
Familie Hauberrisser
Tafel
Erwin,
geb. 6. Okt. 1876
† 28. Aug. 77.
Tafel
Maria
geb. 30. April 79
† 3. Mai 81.
Tafel
Dr. phil. chem.
Georg Hauberrisser
geb. 19. Januar 1869
gest. 19. Dezbr. 1925
Liegestein
Georg von Hauberrisser
kgl. Professor und Architekt
Ehrenbürger von München u. Kaufbeuern
Erbauer des Münchener Rathauses
und der Paulskirche
* in Graz 19.3.1841
† in München 17.5.1922
Maria von Hauberrisser
* in Graz 27.11.1848
† in München 15.10.1922
Rechte Seite
21-1-7/8
- Hauberrisser, Erwin von; 6.10.1876 – 28.8.1877 (München); Professors-Sohn
- Hauberrisser, Georg Josef Ritter von, Dr. tech. h. c.; 19.3.1841 (Graz/Steiermark) – 17.5.1922 (München); Architekt
- Hauberrisser, Georg, Dr. phil. chem.; 19.1.1869 – 19.12.1925 (München)
- Hauberrisser, Maria Rosalia von; 30.4.1879 – 3.5.1881 (München); Architektens-Tochter
- Hauberrisser, Maria von (vw); 27.11.1848 (Graz/Steiermark) – 15.10.1922 (München); Architektens-Witwe





#Dr. tech. h. c. Georg Josef Ritter von Hauberrisser
* 19.3.1841 (Graz/Steiermark)
† 17.5.1922 (München)
Architekt
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Hauberrisser Georg Josef, von, Ritter, Dr. techn. h. c., 1841 (Graz/Steiermark) – 1922, Baukünstler und Akademieprofessor; er studierte »Technik« in seiner Heimatstadt, in München, Berlin und Wien; anfangs beschäftigte ihn die italienische Renaissance, später die Gotik (bei Oberbaurat von Schmidt in Wien), so entstanden das neue Rathaus in München (1867 bis 1874) und Erweiterungsbau mit Turm (1900/09), die Herz-Jesu-Kirche in Graz, die Paulskirche in München (die Pfarrkirche von Engelbrechtsmünster [Lkr. Pfaffenhofen a. d. llm] von seinem Sohn Heinrich ausgeführt) und die Ratshäuser von Saarbrücken, Kaufbeuren und Wiesbaden; seit 1874 war H. Ehrenmitglied der Münchner Kunstakademie; die Stadt München machte ihn zu ihrem Ehrenbürger; er versuchte streng den gotischen Stil nach dem Vorbild französischer Kathedralen geschickt nachzuahmen, sein Baustil, nach des Künstlers Tod ziemlich verachtet, beginnt nun wieder beachtet zu werden.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#21 – 1 – 17 (Fleckinger · Krempelhuber)
Hier ruhen im Frieden Gottes
Mathilde von Fleckinger
geb. von Krempelhuber
Hauptmanns-Gattin,
geb. 3. Februar 1843, gest. 1. März 1898.
Robert von Fleckinger
k. Major a. D.
geb. 9. August 1835, gest. 30. September 1920.
Sockel
Marie Anna von Krempelhuber,
geb. Freiin v. Dürsch auf Steinbach
geb. 9. Juli 1790, gest. 25. Nov. 1839.
Amalie von Krempelhuber,
geborne Maurmair
geb. 10. März 1811, gest. 14. März 1867.
Max Karl von Krempelhuber,
geb. 2. Nov. 1818, gest. 22. Sept. 1869.
Rechte Seite
J. Lallinger
- Fleckinger, Mathilde von (vh) / Krempelhuber, von (gb); 3.2.1843 – 1.3.1898 (München); Hauptmanns-Gattin
- Fleckinger, Robert von; 9.8.1835 – 30.9.1920; Major
- Krempelhuber, Amalie von (vh) / Maurmair (gb); 10.3.1811 – 14.3.1867 (München); Ministerialregistrators-Gattin
- Krempelhuber, Marie Anna von (vh) / Dürsch auf Steinbach, von (gb); 9.7.1790 – 25.11.1839 (München); Hofholzgarteninspektors-Gattin
- Krempelhuber, Maximilian Karl von; 2.11.1818 – 22.9.1869 (München); Ministerialregistrator



#Marie Anna von Krempelhuber (vh) / von Dürsch auf Steinbach (gb)
* 9.7.1790
† 25.11.1839 (München)
Hofholzgarteninspektors-Gattin
#Die Bayerische Landbötin (3.12.1839)
Nachruf
an
Fr. Maria Anna v. Krempelhuber,
geb. Freiin v. Dürsch auf Steinbach,
gestorben am 23. Nov. 1839.
Bist du nunmehr heimgegangen
In des Jenseits beß're Welt,
Wo kein Schmerz, kein herbes Bangen,
Und kein irdisches Verlangen
Mehr des Menschen Brust beseelt.
Wo im stillen ew'gen Frieden
Ruhe und Erholung weilt,
Und von allem Schmerz hienieden,
Den das Schicksal hat beschieden,
Jedes Herzens Wunde heilt.
Ruhe sanft im kühlen Grabe!
Glücklich nenne ich Dein Loos;
Was der Mensch für Leiden habe,
Alles ruht im stillen Grabe:
Friedlich ist der Erde Schooß!
M..
Die Bayerische Landbötin No. 145. München; Dienstag, den 3. Dezember 1839.

#21 – 1 – 18 (Ett)
Hier ruht
die sterbliche Hülle des
Caspar Ett,
geboren zu Eresing den 5. Januar 1788,
durch 31 Jahre Organist an der
St. Michaelskirche dahier,
gestorben den 16. Mai 1847,
des Wiedererweckers alter, heiliger Musik,
des tiefsinnigen Harmonikers
und Contrapunctisten,
des grossartigen Kirchencompositeurs.
Er, der in den erhabensten Weisen
Auf Erden das Lob des Herrn sang,
Ist eingegangen, um zu schauen
Ihn von Angesicht zu Angesicht,
Und mit einzustimmen in das ewige
Hallelujah der Verklärten.
Dieses Denkmal setzten
dem Unvergesslichen
seine trauernden Freunde,
Verehrer und Schüler.
- Ett, Kaspar; 5.1.1788 (Eresing, Lkr. Landsberg a. Lech) – 16.5.1847 (München); Musiker (Orgel) und Komponist


#Kaspar Ett
* 5.1.1788 (Eresing, Lkr. Landsberg a. Lech)
† 16.5.1847 (München)
Musiker (Orgel) und Komponist
#Allgemeine Deutsche Biographie (1877)
Ett: Kaspar E., Musiker, geb. am 5. Jan. 1788 zu Eresing, einem Dorfe am Ammersee, † am 17. Nov. 1847. Er war der Sohn einfacher Küfersleute. Die schöne Stimme des Knaben veranlaßte die Benedictiner des Klosters Andechs, ihn im Alter von 9 Jahren in ihr Seminarium auf dem »heiligen Berge« aufzunehmen und den hochbegabten Knaben drei Jahre später nach München in das damals gleichfalls von den Benedictinern geleitete Gregorianum zu senden, ein von Albrecht V. gegründetes Seminar, in welchem mit musikalischen Anlagen versehene arme Knaben in Musik und Wissenschaften unentgeltlich unterrichtet und verpflegt wurden. Durch Albrechts Nachfolger, Wilhelm V., wurde das anfangs sehr beschränkte Institut großartig erweitert, und Orlandus Lassus nahm sich bei Errichtung desselben mit ganzer Kraft der Ausbildung der jungen Sänger an. Das Institut leistete bald in musikalischer Beziehung Großartiges und war die Basis aller damaligen Kirchenmusik in München. Beim Eintritt Ett's fand sich als Inspector ein junger Weltgeistlicher, Johann Baptist Schmid, ein ausgezeichneter Bassist (Schüler Valesi's), der noch in seinen 70er Jahren mit ungebrochener Stimme sang. Schmid gewann den neuen Zögling, durch seine allseitigen Talente aufmerksam gemacht, bald überaus lieb und bildete auch ihn zu einem ausgezeichneten Sänger heran. Der junge Discantist entwickelte sich zuletzt zu einem sehr hohen Tenor. E. studirte, wie alle Zöglinge, an dem dortigen Gymnasium und später am Lyceum. Als Musiklehrer hatten sich aber an der altberühmten Anstalt alle musikalischen Größen der damaligen Zeit in München mit der größten Liberalität betheiligt: in der Composition gab damals neben Joseph Schlett, welcher z. B. Aiblinger heranbildete, der damals größte, geistreichste Contrapunktist im südlichen Deutschland, Joseph Grätz, Unterricht. Auch dieser nahm sich des Knaben mit aller Wärme an, indem er ihn durch die strengste Schule des reinen Satzes führte. Noch existirt aus dem J. 1805 ein Stabat mater aus G-moll, vierstimmig, mit Saitenquartett, drei Posaunen und Orgel, von dem damals 17jährigen E. componirt, das ein glänzendes Zeugniß seiner Schule und seines Geschmackes gibt. Es wirkt noch bei den heutigen Aufführungen mit voller Frische, selbst ohne Begleitung. — Einst waren im Gregorianum unter Lasso's Leitung natürlich die Lasso'schen Compositionen in aller Vollendung aufgeführt worden und ebenso beliebt waren die Werke seines Schülers und Lieblings Philipps de Monte. Indessen bald nach Lasso's Tode begann ein gewaltiger Umschwung im Gebiete des musikalischen Geschmacks. Die großartigen Schöpfungen dieser Meister, im Grunde eigentlich doch nur von berühmten musikalischen Capellen des Hofes so ausführbar, wie sie gedacht waren, wurden bald bei Seite gelegt; zur Zeit Ett's waren sie so gut wie vergessen. Der Jüngling stöberte öfters in seinen freien Stunden unter den Folianten, die seit einem Jahrhundert unberührt und bestäubt in einem Winkel der musikalischen Requisitenkammer lagen. Die großen breiten, in ihrer Verbindung so mysteriösen Noten erregten seine Neugierde; er fing an zu singen und verglich die sämmtlichen Stimmen. E. staunte über die fremden, großartigen Melodien und über ihre wunderbare Zusammenfügung. Der junge Genius ließ nicht nach zu probiren und zu experimentiren, bis er den Sinn und die Geheimnisse der alten Notenschrift entziffert hatte und theilte nun seinem verehrten Inspector den so hoch interessanten Fund in allen seinen Einzelnheiten mit. Das bald versuchte praktische Einüben dieser Werke mit den Zöglingen des Gregorianum erweiterte alsbald auch den Lehrplan der beiden Freunde. Das Singen dieser langen Noten ohne Begleitung durch eine ganze lange Composition erforderte eine eigenthümliche Uebung der Brustorgane. Das Halten und Tragen des Tones, der Anschlag, das Anschwellen und Abschwellen des Tones bei der deutlichsten Vocalisation mußte hier durchweg zu einem dauernden Studium gemacht werden. Bei diesen Studien und Uebungen erwuchs die Zuneigung der beiden Musiker zu inniger Freundschaft, die sie bis zum Tode ununterbrochen verbunden hielt. Es wurde fest beschlossen, diese großen Geister einer längst vergangenen Zeit so bald nur möglich wieder im Leben unserer Kirche zu erwecken. Schmid war seit 1788 Chordirector der gegenwärtigen St. Michaelshofkirche, damals unter den Auspicien der Malteser-Commende stehend. Es existirte wol kaum ein glücklicheres Local zur Entwicklung der Tonmassen dieser gewaltigen Compositionen als die großartige Michaelskirche, ohne Säulen von einem einzigen Tonnengewölbe überspannt. Die damalige Zeit freilich die nur von Napoleon's Kriegsthaten widerhallte, den Kurfürst von Baiern aus seiner Residenz zu fliehen zwang, war überhaupt für die schönen Künste und namentlich für die Kirchenmusik wol die ungünstigste. Die Kirchenmusik war in diesen kriegerischen Zeiten auf eine sehr tiefe Stufe herabgesunken. Nur mit Mühe und verstohlen gelang es dem Chordirector, die damals eingebürgerten Symphonien und weltlichen Concertstücke, welche gewöhnlich im Hochamte während des Graduale und Offertorium vorgetragen zu werden pflegten, zu entfernen und seit 1808 würdigere Kirchencompositionen an deren Stelle zu setzen. Erst im J. 1814, in welchem die Malteser-Commende aufgehoben ward und die Kirche wieder in die Hände des Staates überging, fand Schmid besseres Gehör und freundliche Unterstützung. Ohne Säumen ging es jetzt an die Vorführung des berühmten Miserere von Allegri, das bekanntlich selbst in Wien schon bei dem ersten Versuche durchfiel. Im Jahre 1816, am Charfreitage des Abends 7 Uhr, erklang zum ersten Male in Deutschland diese wunderbare Psalmodie Gregorio Allegri's. Sie machte einen so ungeahnten und ungewöhnlichen Eindruck auf die bisher nur an flüchtig dahinrauschende Instrumentalwerke gewöhnten Hörer, daß die Masse wie festgebannt noch lange in derselben Stelle blieb, nachdem alle Töne längst verklungen und das letzte Lichtchen verloschen war.
München war voll Jubel und Bewunderung. Alle Zeitungen brachten begeisterte Artikel. (Vgl. u. a. die Leipziger musikalische Zeitung, S. 32, den 7. Aug. 1816.) Schmid wurde mit Distichen, Chronodistichen, Glückwünschungsschreiben, mit artistischen Geschenken überschüttet. Das Miserere mußte natürlich im nächsten Jahre wiederholt werden. Damit war nun die Bahn für immer gebrochen und eine neue Aera für Kirchenmusik erblühte von dieser Zeit an in München und auch endlich in Baiern überhaupt. Schmid setzte sich durch Vermittlung der baierischen Gesandtschaft in Rom mit dem berühmten Sammler, Sänger und Componisten, Fortunato Santini, in Verbindung, durch dessen Hand man die unverfälschten Werke der größten italienischen Componisten alter und neuer Zeit erhielt. Der musikalische Gottesdienst der Münchener St. Michaelshofkirche wurde nun ganz nach den alten Vorschriften der Kirche eingerichtet, welche den Gebrauch aller Instrumente, selbst der Orgel, während der vier Advent- und Fastenwochen untersagt.
E., der bisher nur vom Musikunterricht gelebt hatte, wurde am 1. Juli 1816 statt seines verstorbenen Vorgängers wirklicher Organist an der St. Michaelskirche mit einem jährlichen Gehalte von 150 Gulden. Nun kamen während der Advent- und Fastenwochen die Messen von Lassus, die E. mit größtem Verständniß in die richtige Tonhöhe gebracht hatte, abwechselnd mit Palestrina an die Reihe. Durch Ett's nie zu ermüdende Thätigkeit folgten auch die Meisterwerke des 16. Jahrhunderts, neben Lasso, die Compositionen Senftl, Animuccia, Goudimel, Palestrina; aus dem 17. Jahrhunderte die Compositionen Allegri's, Paolo Agostini's; ferner die Werke von Anton Lotti, Alessandro Scarlatti, Caldara, Tommaso Baji, Bernabei; dann aus dem 18. Jahrhundert kamen Fux, Händl, Costanzi, Canniciari, Durante, Leo, Pergolese, Marcello, Pavone, Dav. Perez, Vallotti, Vogler u. dergl. ununterbrochen zur Aufführung, während außer den Advent- und Fastenwochen Instrumentalwerke von den beiden Haydn, von Mozart, Vogler u. s. f. mit aller Pracht aufgeführt, dem Chore der St. Michaelshofkirche auch im Auslande einen hohen Ruf verschafften. Zwischen jene Vocalcompositionen wurde hier und da auch eine polyphone Schöpfung von E. eingeschoben, deren glänzender Erfolg rasch Veranlassung zu neuen Schöpfungen im Geiste der classischen alten Vocalmusik gab. Schon 1815 hatte E. eine »Missa quadragesimalis« geschrieben, nämlich die Melodie des römischen Graduale vierstimmig contrapunktirt. 1816 folgte eine zweichörige Messe für 8 wesentliche Stimmen (F-dur) mit Introitus, Graduale und Offertorium, trotz all ihrer strengen contrapunktischen Durchführung dennoch voll Feuer und Glanz. Sie erregte bei ihrer ersten Aufführung sogleich die vollste Bewunderung und wird bis zu dieser Stunde pünktlich am Fastensonntag Lätare, für die sie geschrieben ist, gesungen. E. hatte bereits im J. 1822 für alle Theile des musikalischen Kirchenjahres im strengen Stile 45 Werke componirt, die ihm von der königlichen Behörde als streng zu bewahrendes Eigenthum der Michaelshofkirche um 300 Gulden abgekauft wurden – die größte Einnahme, die er je aus seinen Compositionen erhielt. Schmid bewachte diese und die Ett'schen Compositionen überhaupt mit Argusaugen, so daß keine Ett'sche Partitur in fremde Hände gerieth. In diesem Jahre 1822 faßte E. den Muth, auch Ockenheim's Messe »Cujusvis toni«, beinahe aus dem Anfange der polyphonischen Composition, 1440, in unsere Musiknoten zu übertragen und was sich für unsere Ohren noch verständlich erweisen mochte (nur das Credo wurde durch eine der ersten Compositionen Orlando Lasso's ersetzt) zu Gehör zu bringen. Diese Messe, obwol fremdartig, war von einer merkwürdigen Wirkung, die sich auch noch heutigen Tages erweist.
Die außergewöhnlichen Leistungen des Chores der St. Michaelshofkirche erregten die Aufmerksamkeit in der ganzen katholischen Welt, selbst in Rom. Thibaut war nahe daran, um ihretwillen von Heidelberg nach München überzusiedeln; mit E. stand er bis zu seinem Tode in Correspondenz. Am 13. Decbr. 1821 besuchte der allbekannte und gefürchtete, beißende Kritiker Georg Sievers, dem wir bekanntlich die ausführlichsten Nachrichten über die Sixtinische Capelle in Rom verdanken, auf seiner Reise von Rom nach Paris den Chordirector während der Probe einer Messe von Orlando Lasso. Sievers war über die hellen, reinen, geschulten Knabenstimmen mit der klarsten Vocalisation so entzückt, daß er erklärte, so etwas wäre selbst in Paris nicht zur Ausführung zu bringen. Im J. 1823 ertönte zum ersten Male Leonardo Leo's Miserere in München; und ein Jahr darauf trat E. selbst wieder in die Reihe mit seinem siebenstimmigen Miserere aus G-moll. E., der wol wußte, was von den großartigen Compositionen, an welchen er sich herangebildet hatte, dem Wesen selbst und was nur der Zeit angehörte, hielt sich in seinen polyphonen Kirchencompositionen an den Stil z. B. des Lotti und seines Zeitalters. Dadurch waren seine Compositionen, trotz aller Strenge der Ausführung, unserm Gefühle etwas näher gerückt.
Im J. 1827 erschien Ett's Miserere für vier Stimmen, deren Zahl aber mit der steigenden Empfindung bis zu acht wesentlichen Stimmen wächst. 1829 folgte eine Messe aus A-dur für zwei Chöre aus acht wesentlichen Stimmen. Für den Freitag (1832), an welchem die katholische Kirche die sieben Schmerzen der heiligen Jungfrau feiert, schuf E. ein Stabat mater aus Es für zwei Chöre und zu acht wesentlichen Stimmen, das zu dem gewichtigsten gehört, was in diesem Stile je componirt worden ist.
Im J. 1835 hatte der berühmte Bildhauer Konrad Eberhard ein Kunstwerk zum Lobe der hl. Jungfrau, illustrirt durch seine eigenen Handzeichnungen, geschaffen, die »Wallfahrt zum hl. Berge«. Eberhard legte das Lob Mariens in den Mund der neun Chöre der Engel und bat nun E., zu diesen Chören die Musik zu schaffen. So entstand seine merkwürdige Composition: »Die neun Chöre der Engel«, eine Jubelcantate in der reichsten Form, aus neun wesentlichen Stimmen bestehend, so daß jedem Chor-Engel nach seiner mystischen Rangordnung eine Stimme zugetheilt ist, nämlich 3 Discant-, 2 Alt-, 2 Tenor- und 2 Baßstimmen. E. ließ hier seinen Genius ganz frei walten, ohne zu ahnen, daß seine Composition je zur Ausführung gelangen würde. Indessen hat der Schreiber dieser Biographie diese Composition am 25. Novbr. 1843 wirklich zur Aufführung gebracht, mit einer Wirkung, die nach dem einstimmigen Urtheile aller Kenner durch kein Orchester je erreicht werden könnte. Den deutschen Text hatte der als Bischof von Speier jetzt verstorbene Haneberg, damals noch Universitätsstudent, ins Lateinische wörtlich übertragen.
1846 kam Ett's Vocalmesse zu zwei Chören und zu acht wesentlichen Stimmen in F-dur zur Aufführung. Das Benedictus, das aus einem dreifachen Canon besteht, überrascht dennoch selbst den Laien durch seine herrliche Wirkung.
Es gibt keinen Bestandtheil des solennen kirchlichen Gottesdienstes, über welchen von E. nicht durchgeführte Compositionen vorhanden und bis zur Stunde in den betreffenden Zeiten im Gebrauch wären. Wir besitzen deren über 180 Nummern.
Dazu kommen auch kirchliche Instrumentalwerke von tiefer Bedeutung: eine vierstimmige Messe D-dur, 1807 componirt und 1824 mit Orchester versehen, eine Messe für sechs wesentliche Stimmen, B-dur, geschrieben 1835, aber 1845 gleichfalls unter Begleitung des Orchesters aufgeführt. Drei Todtenmessen haben seinen Ruf auch ins Ausland gebracht: das erste Requiem aus C-moll (1825, bei Falter gedruckt), wird namentlich bei Trauergottesdiensten des Hofes aufgeführt. Ein zweites, D-dur (1835) für die jährliche Todesfeier des Herzogs von Leuchtenberg bestimmt, zeichnet sich durch das zwar einfache, aber dennoch tief erschütternde Offertorium aus; ein drittes, Es-dur (1842), ist durch die originelle Auffassung des »Dies irae« berühmt. Ein schönes Requiem blos für vier Singstimmen möge hier nur vorübergehend erwähnt werden.
Zu den bekanntesten Orchesterwerken Ett's gehört eine Cantate aus dem Psalm 23, V. 7: »Attollite portas principes vestras«, »Auferstehungschor« betitelt, in D-dur für volles Orchester (1825), zur Auferstehungsfeier in der St. Michaelshofkirche am Abende des Charsamstages, eine wahre Perle der Kirchenmusik.
Das große Verdienst Ett's für kirchliche Musik war und wird immer bleiben, daß er die großartigen Schöpfungen des 16. Jahrhunderts in Deutschland in der Kirche wieder einheimisch machte. Denn es waren nicht vorübergehende Experimente. E. zog sich sein Publicum heran und setzte die alten Meisterwerke hoffentlich für alle Zeit in der Kirche wieder auf ihren Thron.
Ein anderes Verdienst des Meisters war, daß er durch seine Lieblinge des 16. Jahrhunderts, sowie durch seine eigenen Compositionen unsere Zeit die Macht der Harmonie eines Chores wieder kennen und bewundern lehrte, welcher sich über die gewöhnliche Zahl von vier Stimmen hinaus durch 5, 6, 7, 8 bis zu 9 wesentlichen Stimmen entfaltet. E. hatte aus dem Studium der alten Meister die große Kunst erlernt, für Singstimmen stets singbar zu schreiben, eine Kunst, die jetzt immer mehr und mehr verloren geht; darum singen sich auch seine ausgedehntesten Werke so leicht, ohne alle Ermüdung des Singorganes.
E. bekannte oft und dankbar, auch die Kunst der Polyphonie von seinen lieben Meistern des 16. Jahrhunderts erst recht gelernt zu haben.
Unter so glücklichen Erfolgen der beiden Freunde, die neben der allgemeinsten Anerkennung doch auch bei ihren vielen dirigirenden Collegen in München eine nichts weniger als freundliche Stimmung erregten, war Schmid schon 1820 zum Hofcaplan ernannt, der bescheidene E. ging bis zu seinem Tode leer aus. Inzwischen entschloß sich zuerst die Domkirche, den von E. und Schmid eröffneten Pfad zu betreten — die Hofcapelle dagegen unter Grua und Winter wich von ihrem glänzenden Instrumental- und Ouverturenwesen keinen Schritt, bis sie gezwungen durch die Begeisterung der Kirchenbesucher Leo's Miserere, zugleich aber auch das von Jomelli aufführte, eine Composition, die von Allegri in der Zeit nur ein Jahrhundert, im Stile aber um zwei Jahrhunderte abstand. Endlich, als nach Winter's Tode 1826 der bisherige Maestro der italienischen Oper, Kaspar Aiblinger (s. d.), Vicecapellmeister wurde, begann wenigstens eine theilweise Reformation, bis die von Klenze im byzantinischen Stile erbaute Hofcapelle die Aufführung einer Instrumentalcomposition der schlechten Akustik halber nicht mehr räthlich machte. Die neue Hofcapelle verfolgt noch bis jetzt den Pfad, den E. und Schmid seit 1816 gebahnt hatten. Der erste und letzte Platz der Wirksamkeit der beiden Freunde, die St. Michaelshofkirche, wirkt durch die Schüler Ett's noch bis zur Stunde in seinem Geiste fort.
E. war ein tiefer, unaufhörlich forschender Theoretiker. Als im J. 1805 der österreichische Krieg den ehemaligen Capellmeister des Mannheimer Orchesters, Abt Vogler aus Wien, vertrieb, kam er nach langer Irrfahrt wieder nach München zurück, erbaute dann die Orgel in der protestantischen Hofcapelle, sowie die Orgel in der St. Peterskirche ganz nach seinem Simplificationssysteme. In dies sein Orgelsimplificationssystem weihte er den jungen begeisterten E. mit solchem Erfolge ein, daß E. damals der Einzige in München war, welcher die Vogler’sche Orgel in der St. Peterskirche in ihrer ganzen Wirksamkeit vorzuführen vermochte, überhaupt der Einzige von den Organisten Münchens, welcher von der Orgel eine tiefere Kenntniß besaß. Er hatte auch ein paar Hymnen componirt, bei welchen die Petersorgel das Orchester vertrat und zwar in einer wunderbaren Selbständigkeit. Natürlich nahm auch das neue Vallotti-Vogler'sche Ton- und Harmoniesystem Ett's ganze Aufmerksamkeit in Anspruch; er legte es sogleich bei seinem Unterrichte zu Grunde und arbeitete fort und fort an der Ausbildung desselben. Ein tieferer Kenner der innern musikalischen Geschichte fand sich wol unter seinen Zeitgenossen nicht, dabei las er neben den alten die meisten neueren Sprachen – er setzte die Responsorien der griechischen Kirche in Musik, und seine Kenntniß des Hebräischen machte es ihm leicht, auch mehrere hebräische Psalmen der Münchener Synagoge in Musik zu setzen. Sogar im Sanskrit sah er sich um. Es gab daher keinen wissenschaftlichen, musikalischen Punkt im Leben, in welchem es leicht gewesen wäre, den bescheidenen, aber in seinen Urtheilen stets bestimmten und rücksichtslos offenen Mann irgendwie an einer schwachen Seite zu fassen; deshalb wurde er von seinen Collegen mit einer Art von nicht unbegründeter Scheu behandelt, und obwol er große Freunde und Verehrer in München zählte, hatte er doch keinen wahren Freund unter seinen dirigirenden Collegen.
Gleich nach seinem Eintritt in die Welt nahm ihn die Familie Huber (der Mann war ein gesuchter Clavierlehrer und Organist) unter ihre Fittige, und unter diesem Schutze lebte er beinahe bis zu seinem Tode, auch nach dem Ableben seiner zweiten Mutter (34 Jahre hindurch), kindlich gepflegt und gehegt, wie ein Sohn des Hauses. Eine geistreiche Schülerin faßte Zuneigung zu ihrem Lehrer, und der Lehrer zu seiner Schülerin; aber der hochgestellte Vater versagte ihm die Hand seiner Tochter, da der arme Organist mit 300 Gulden (er hat es nie weiter gebracht) ohne eigentliche pragmatische Anstellung war. Ihr Bild, von Meisterhand gemalt, hing noch über seinem Arbeitstische, als er schon längst entschlummert war.
Daß seine Schüler ohne Ausnahme mit ganzer Seele an ihm, wie am Herzen eines Vaters hingen, bedarf wol keiner Versicherung. E. hatte in seinem einfachen Leben sehr wenig Bedürfnisse, und so kam es, daß er sich trotz der dürftigen Besoldung noch etwas, wie er sagte, für seine alten Tage zurücklegte. Leider alles dieses verlor aber der arglose, kindlich-herzliche Mann durch falsche Freunde noch in seinen letzten Tagen, so daß er so arm aus dem Leben schied, wie er in dasselbe trat.
Auf seinem Grabmale, zu dessen Errichtung auch sein ehemaliger Schüler, König Max II., beigesteuert hatte, sagt unter anderm die bereits erlöschende Inschrift: »Dem Wiedererwecker alter heiliger Musik, dem tiefsinnigen Harmoniker und Contrapunktisten; dem großartigen Kirchencompositeur; dem Unvergeßlichen, setzen dieses Denkmal seine trauernden Freunde, Verehrer und Schüler.«
Schafhaeutl.
Karl Emil von Schafhäutl: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig; 1877.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Ett Kaspar, 1788 (Eresing, Lkr. Landsberg a. Lech) – 1847, Kirchenkomponist; Benediktinerzögling und Schüler von Michael von Haydn, wurde E. 1816 Organist an der St.-Michaels-Hofkirche zu München; er erneuerte die große Kirchenmusik früherer Jahrhunderte und erregte dadurch Aufsehen in den gesamten katholischen Musikkreisen; E. komponierte Messen und andere geistliche Tonwerke und veröffentlichte »Cantica sacra in usum studiosae iuventutis«, eine Kompositionslehre blieb ungedruckt; auf seinem Grabmal steht die heute nur noch schwer leserliche – Inschrift: »Dem Wiedererwecker alter heiliger Musik, dem tiefsinnigen Harmoniker und Kontrapunktisten, dem großartigen Kirchenkompositeur etc.«; weltberühmt ist sein »Attollite«; E. blieb zeit seines Lebens ein sehr bescheidener Mensch.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#21 – 1 – 20·21 (Winkler)
Im Frieden Gottes ruhet hier
Therese Winkler, geb. Zehetmayr,
Charkutiersgattin von hier,
geb. 28. Nov. 1840, gest. 20. Juni 1876
als treueste Gattin und Mutter
mit ihren lieben Kinderchen:
Georg, Therese, Joseph und Ludwig.
Weiter ruhen hier die Kinder:
Ludwig und Kunigunde Winkler.
Georg Winkler, Abiturient,
geb. 26. Aug. 1869, gest. 17. Aug. 1888,
ruht in Cinal in der Schweiz.
Rudolph,
geb. 8. Januar 1889, gest. 6. April 1893.
UNSER LIEBER
GATTE UND VATER
JOH. GEORG WINKLER
GEB: 5. JULI 1836, † 24. MAI 1906.
FRAU RAIMUNDA WINKLER
GEB. KRAUS.
GEB: 25. FEBRUAR 1855, † 22. MAI 1937.
Sockel
ROSA WINKLER
GEB: 31. MÄRZ 1887 † 19. MÄRZ 1919.
Rechte Seite
J. Lallinger
- Winkler, Georg
- Winkler, Georg [in memoriam]; 26.8.1869 – 17.8.1888 (Cinal/Schweiz), Tod durch Bergunfall; Bergsteiger
- Winkler, Joh. Georg; 5.7.1836 – 24.5.1906
- Winkler, Josef
- Winkler, Kunigunde
- Winkler, Ludwig
- Winkler, Raimunda (vh) / Kraus (gb); 25.2.1855 – 22.5.1937
- Winkler, Rosa; 31.3.1887 – 19.3.1919 (München); Beamtin der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank
- Winkler, Rudolf; 8.1.1889 – 6.4.1893 (München); Metzgers-Sohn
- Winkler, Therese
- Winkler, Therese (vh) / Zehetmayr (gb); 28.11.1840 – 20.6.1876 (München); Hausbesitzers- und Milchmanns-Tochter aus München / Metzgers-Gattin





#21 – 1 – 22 (Papius)
Christine Papius
geb. Röttger,
geb. 22. Juni 1805 zu Siegen in Westph.
gest. 15. Nov. 1839.
Dr. Caspar Papius
q. k. Universitäts-Professor,
geb. 9. August 1786 zu Würzburg,
gest. 6. März 1862.
Margaretha Papius
geb. 6. August 1822, gest. 4. Okt. 1902.
Caroline Papius
geb. 26. August 1828, gest. 21. Okt. 1904.
R. I. P.
Sockel
J. Lallinger.
- Papius, Christine (vh) / Röttger (gb); 22.6.1805 (Siegen) – 15.11.1839 (München); Universitätsprofessors-Gattin
- Papius, Karoline; 26.8.1828 – 21.10.1904 (München); Universitätsprofessors-Tocher
- Papius, Kaspar Georg Lorenz, Dr.; 9.8.1786 (Würzburg) – 6.3.1862 (München); Universitätsprofessor
- Papius, Margaretha; 6.8.1822 – 4.10.1902 (München); Universitätsprofessors-Tocher



#21 – 1 – 23 (Drähne)
Hier ruhet HERR
ANDREAS
DRAEHNE.
¿
- Drähne, Andreas; – 15.7.1864 (München), 56 Jahre alt; Schlossermeister


#21 – 2 – 6 (Kiderlin · Weinmann)
JOHANNA KIDERLIN
1806 – ¿88¿
HEINRICH WEINMANN
1840 – 1893
AGNES WEINMANN
1847 – 1928
- Kiderlin, Johanna; 1806 – (5).11.1883 (München), 77 Jahre alt; Privatiere
- Weinmann, Agnes; 1847 – 1928
- Weinmann, Heinrich; 1840 – 24.11.1893 (München); Staatsanwalt


#21 – 2 – 11* (Eckart)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Eckart, Alexander; – 7.2.1887 (München), 67 Jahre alt; Pensionierter Hoftheatermeister


#21 – 2 – 20* (Hofmann)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Hofmann, Josef; – 1887; Herzoglicher Hof- und Kunstmaler

#21 – 3 – 1·2 (Reischl)
Familie Reischl.
Hier ruhen in Frieden:
Herr August Reischl
Ziegeleibesitzer
geb. 8. Sept. 1854. gest. 1. März 1902.
Ihm folgte dessen Gattin
unsere beste Mutter
Frau Maria Reischl
geb. 24. Sept. 1855. gest. 11. Jan. 1924.
Linke Seite
Unsere liebe,
gute Tochter und Schwester
Frl. Kreszenz Reischl
geb. 5. Dez. 1881, gest. 30. Mai 1914.
Ihr folgte unser lieber Bruder
Herr August Reischl
Ingenieur
geb. 8. Okt. 1875, gest. 6. April 1931.
Rechte Seite
Frau Anna Reischl
geb. Messerer
geb. 16. Mai 1824, gest. 4. Juli 1866.
Herr Kaspar Reischl
Ziegeleibesitzer
geb. 7. Jan. 1825, gest. 10. Mai 1874.
- Reischl, Anna (vh) / Messerer (gb); 16.5.1824 – 4.7.1866 (München); Tafernwirts-Tochter aus Kleinhelfendorf (Aibling) / Privatiers-Gattin
- Reischl, August; 8.10.1875 – 6.4.1931 (München); Ingenieur
- Reischl, August; 8.9.1854 – 1.3.1902 (München); Ziegeleibesitzer
- Reischl, Kaspar; 7.1.1824 – 10.5.1874 (München); Ziegeleibesitzer
- Reischl, Kreszenz; 5.12.1881 – 30.5.1914 (München); Ziegeleibesitzers-Tochter
- Reischl, Maria (vw); 24.9.1855 – 11.1.1924; Ziegeleibesitzers-Witwe




#August Reischl
* 8.9.1854
† 1.3.1902 (München)
Ziegeleibesitzer
#Generalanzeiger (4.3.1902)
Münchener Tagesneuigkeiten.
München, 3. März.
Beerdigung. Ein in weiten Kreisen bekannter und geachteter Bürger, der im Alter von 47 Jahren verstorbene Ziegeleibesitzer Herr Augustin Reischl wurde am Montag Nachmittag im südlichen Friedhofe unter außerordentlich zahlreicher Betheiligung von Bürgern und sonstigen Leidtragenden bestattet. Reischl hatte seine Vorbildung im hiesigen Holland'schen Institut und im Institut zu Lautra empfangen. Schon im jugendlichen Alter von 19 Jahren übernahm er das elterliche Anwesen und die von seinem Vater gegründete Fabrik. Er war, wie Stadtpfarrer geistl. Rath Dr. Ettmayer in der Grabrede hervorhob, ein guter Gatte, ein treu besorgter Familienvater, ein fleißiger, biederer, friedliebender Bürger und ein Mann von hervorragender Herzensgüte. Die Loosvereine »Bavaria« und »Die alten Deutschen«, die Deputationen entsandt hatten, ließen unter Nachrufen Kränze am reich geschmückten Grabe niederlegen.
Generalanzeiger Nr. 106. Gratisbeilage der Münchner Neuesten Nachrichten. Dienstag, den 4. März 1902.

#21 – 3 – 6* (Bund)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Bund, Benedikt; – 13.1.1863 (München), 20 Jahre alt, Tod durch Selbstmord; Medizinstudent
Das Grab ist nicht erhalten
#Benedikt Bund
† 13.1.1863 (München), 20 Jahre alt, Tod durch Selbstmord
Medizinstudent
#Bayerische Zeitung (14.1.1863)
Gestern Abend kurz vor 7 Uhr erschoß sich in einem der Wartesäle des Staatsbahnhofes ein Studierender der Medicin an hiesiger Universität. Benedict Bund, derselbe, der kürzlich eine oft genannte Dame als Hofmeister ihrer beiden Söhne nach der Schweiz begleitete, als dieselbe sich veranlaßt sah, München plötzlich zu verlassen. Er war in der Anwesenheit des dienstthuenden Gendarmen und einiger Reisender ruhig im Saale auf und ab gegangen, setzte sich plötzlich in einer Ecke desselben nieder und schoß sich eine Kugel durchs Herz, die seinem Leben sofort ein Ende machte. In seiner Tasche fand sich ein Fläschchen mit einer Flüssigkeit, die wahrscheinlich Gift enthält.
Bayerische Zeitung Nr. 14. München; Mittwoch, den 14. Januar 1863.

#21 – 3 – 15 (Bauer)
Hier ruhen
unsere lieben Eltern
Herr Johann Bauer
Gastwirt
geb. 24.5.1849 gest. 11.5.1902
dessen Gattin
Frau Babette Bauer
geb. 21.7.1853 gest. 24.9.1931
und ihre beiden Kinder
Hans u. Ludwig
- Bauer, Babette (vh); 21.7.1853 – 24.9.1931; Gastwirts-Witwe
- Bauer, Hans
- Bauer, Johann; 24.5.1849 – 11.5.1902 (München); Gastwirt
- Bauer, Ludwig



#21 – 3 – 21 (Strauss)
FRANZ STRAUSS
26.II.1822 + 31.V.1905
JOSEPHINE STRAUSS
GEB. PSCHORR
10.IV.1838 + 16.V.1910
- Strauss, Franz; 26.2.1822 (Parkstein) – 31.5.1905 (München); Musiker (Horn)
- Strauss, Josefine (vw) / Pschorr (gb); 10.6.1838 – 16.5.1910; Musikers-Witwe



#Franz Strauss
* 26.2.1822 (Parkstein)
† 31.5.1905 (München)
Musiker (Horn)
#Die Musik (1904/1905)
TODTENSCHAU
Franz Strauss, der langjährige erste Hornist des Münchner Hoforchesters, der Vater Richard Strauss', ist am 2. Juni in München, 83 Jahre alt, gestorben. Er war ein hervorragender Verteter seines Instruments, und sein Spiel war besonders um des schönen, echten und vollen Tons willen hochgeschätzt und berühmt. Die »Musik« brachte in ihrem Richard Strauss-Heft (Jahrg. IV, Heft 8) ein Bild des Verstorbenen.
Die Musik Heft 19. Berlin & Leipzig 1904/1905.
#Allgemeine Zeitung (3.6.1905)
Münchener Stadtanzeiger.
München, 2. Juni.
Todesfall. Franz Strauß, der Vater Richard Strauß', ist am Mittwoch im Alter von 83 Jahren gestorben. Franz Strauß war am 26. Februar 1822 geboren, kgl. Kammermusiker und noch im hohen Alter in unserem Hoforchester tätig. Aeltere Musikfreunde erinnern sich gewiß noch seiner Solokonzerte, die er in verschiedenen Orten Deutschlands und Oestereichs gab. Er hatte die Berechtigung, das Waldhorn als Soloinstrument zu spielen, denn sein Blasen war wie Gesang. Strauß hat viele Schüler ausgebildet, seine besten sitzen heute an den Notenpulten unseres Hoforchesters. Für seine Person war Strauß ein streng konservativer Musiker, die Richtung, die sein berühmter Sohn eingeschlagen, war ihm anfangs geradezu ein Greuel, später versöhnte er sich mit den Tatsachen, je mehr der Ruhm seines Sohnes stieg, der auf dem Weg von Rheinberger aus über Bülow das geworden ist, was er heute ist. Die Verdienste des Verstorbenen fanden in der Verleihung des Professorentitels ihre offizielle Anerkennung.
Allgemeine Zeitung Nr. 254. München; Samstag, den 3. Juni 1905.

#21 – 3 – 24 (Obernetter)
Hier ruhet
mein lieber, unvergesslicher Gatte,
unser theurer Vater,
Herr J. B. Obernetter
Kunst-Anstalt-Besitzer,
geb. d. 31. Mai 1840, gest. d. 1¿. April 1887.
Auch unser lieber Hermann,
geb. d. 28. Septb. 1870, gest. d. 23. April 1876.
Ihnen folgte
unsere liebe, gute Mutter
Frau
Josefine Obernetter
Kunstanstaltbesitzers-Witwe,
geb. d. 2. Okt. 1844, gest. d. 10. Aug. 1914.
Sockel
Familien-Grab Obernetter.
Herr Emil Obernetter
Kunstanstaltsbesitzer,
geb. 27. Dez. 1866, gest. 2. Jan. 1932.
21.3.24. Babenstuber
Rechte Seite
Anastasia
Obernetter
gest. d. 5.April 1859.
Johann
Obernetter
kgl. Inspektor,
gest. d. 26. März 1866
im 66. Jahre.
- Obernetter, Anastasia (vh) / Friedl (gb); – 5.5.1859 (München), 43 Jahre alt; Lithographens-Gattin
- Obernetter, Emil; 27.12.1866 – 2.1.1932 (München); Kunstanstaltsbesitzer
- Obernetter, Hermann Maria; 28.9.1870 – 23.4.1876 (München); Chemikers-Sohn
- Obernetter, Johann Baptist; – 26.3.1866 (München), 65 Jahre alt; Inspektor der lithographischen Anstalt
- Obernetter, Johann Baptist; 31.5.1840 (München) – 12.4.1887 (München); Chemiker und Kunstanstaltsbesitzer
- Obernetter, Josefine (vw) / Spagl (gb); 2.10.1844 – 10.8.1914 (München); Kunstanstaltsbesitzers-Witwe







#Emil Obernetter
* 27.12.1866
† 2.1.1932
Kunstanstaltsbesitzer
#Münchner Neueste Nachrichten (20.2.1893)
Lokales.
München, 18. Februar.
Auszeichnung. Dem Photochemiker und Techniker der J. B. Obernetter'schen Kunstanstalt dahier, Herrn Emil Obernetter, wurde von dem Herog von Anhalt der Verdienstorden für Wissenschaft und Kunst als Anerkennung für besondere Leistungen in der vervielfältigenden Kunst verliehen.
Münchner Neueste Nachrichten No. 82. Montag, den 20. Februar 1893.
#Münchner Neueste Nachrichten (9.1.1932)
Zum Gedächtnis Emil Obernetters
Mit Emil Obernetter, der im 65. Lebensjahre verschied, ist nicht nur ein Stück guten alten Münchnertums, sondern auch ein hervorragender Fachmann auf dem Gebiete der Heliogravüre und des Kunstdruckes dahingegangen. Der Vater des Abberufenen, Johann Baptist Obernetter, der ein Lieblingsschüler von Liebig gewesen war, wendete sich ganz der Photochemie zu und machte durch eine Reihe von Erfindungen seinen Namen schon über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt. In seinem Hause in der Schillerstraße verkehrten viele Gelehrte und Künstler, unter ihnen Schwanthaler, Adam, Holmberg u. a. Obernetter, mehr Wissenschaftler als Kaufmann, hatte die Ausnützung seiner Erfindungen anderen überlassen. Als er, 46 Jahre alt, starb, übernahm von seinen sechs unmündigen Kindern das Aelteste, der erst neunzehnjährige Sohn Emil, die Führung des Geschäftes, das er durch unermüdlichen Fleiß und Ausdauer zu großer Blüte brachte. Bald wurde der aufstrebenden, auch im Auslande hochangesehenen Firma der Raum zu eng, die an das Wohnhaus anschließenden Gärten nahmen Fabrikgebäude auf. Die Einführung des Schnellpressenbetriebes erhöhte die Leistungsfähigkeit der Kunstanstalt, die sich namentlich auch der damals noch in den Anfängen steckenden Heliogravüre annahm. Es erfolgten auf dem Gebiete der Photochemie Verbesserungen der Trockenemulsionsplatten, des Aetzverfahrens, sowie Neuerungen bei den Entwicklungspapieren (Pigmentpapier). Obernetter war einer der Pioniere des Tiefdruckes in seinen verschiedenen Gestaltungen. Die Herstellung der ersten Bildpostkarte im Lichtdruck anläßlich der Bayerischen Landes-, Industrie-, Gewerbe- und Kunst-Ausstellung Nürnberg 1882 erfolgte in der Anstalt, die auch die Naturlichtbildkunst förderte, ebenso die Stereo-Photographie und alpine Panoramas herstellte. Eine Reihe namhafter Werke ist aus der Anstalt hervorgegangen. Eine Reihe namhafter Verlage, Universitäten und wissenschaftliche Institute zählten zu den ständigen Kunden der Anstalt, die sich auf Ausstellungen des In- und Auslandes erste Preise und Anerkennungen holte. Als Persönlichkeit hatte Obernetter, ein biederer Mann, sich viele Freunde erworben, die an seinem Humor sich erfreuten; er war ein großer Naturfreund und ein ausgezeichneter Sportfischer, der nach dem frühen Ableben seiner Gattin, einer geborenen Vogl, im Jahre 1905, im Fischereisport seine einzige Erholung und Zerstreuung nach den Anstrengungen und Aufregungen seines sich immer mehr ausdehnenden Geschäftsbetriebes suchte und fand. H. R.
Münchner Neueste Nachrichten Nr. 7. Samstag, den 9. Januar 1932.
#Johann Baptist Obernetter
* 31.5.1840 (München)
† 12.4.1887 (München)
Chemiker und Kunstanstaltsbesitzer
#Passauer Zeitung (30.8.1864)
Deutschland.
München, 25. Aug. Gestatten Sie mir, die Aufmerksamkeit Ihrer Leser auf die von dem hiesigen Chemiker Hrn. Obernetter gefertigten Photographien auf Porzellan zu lenken, nachdem das neue Verfahren dieses in wissenschaftlicher Richtung viel bestrebten Mannes soeben vom Zentral-Ausschuß des polytechnischen Vereins nach eingehender strenger Prüfung die vollste Anerkennung erhalten und die höchst erfreulichen Resultate des größten Lobes würdig befunden wurden. Das Verfahren des Hrn. Obernetter unterscheidet sich wesentlich von den bisherigen Versuchen. (Bekanntlich wurden schon in Wien und Paris, sowie 1862 in der Weltausstellung zu London verschiedene Versuche in diesem Genre der Oeffentlichkeit übergeben.) Die bisherigen Manipulationen suchten das Bild durch Ueberzug von Wasserglas, oder Einschmelzung eines Metalloxyds ohne Fluß auf Porzellan-Glas oder Email zu befestigen, während Obernetter seine Photographien auf vorbezeichneten Materien vollständig mit höchstem Glanze einzuschmelzen im Stande ist. Es identifizirt sich hiedurch das Bild selbst mit den genannten Materien und die Dauerhaftigkeit desselben bleibt gegen irgendwelche schädliche Einflüsse gesichert. Es dürfte eine so wichtige Verbesserung in der Presse schon deshalb zur Sprache kommen, weil nicht selten Unberufene die Früchte des gelehrten Forschers sich zu vindiziren suchen, welche auch nicht das leiseste Verdienst an derartigen Verbesserungen zu beanspruchen haben.
Passauer Zeitung No. 239. Dienstag, den 30. August 1864.
#Der Schwäbische Stadt- und Land-Vetter (28.5.1866)
Geschäfts-Eröffnung.
Hiemit erlaube ich mir, die ergebene Mittheilung zu machen, daß ich hier ein
photographisches Geschäft
eröffne, welches sich außer mit Portraitirung und Reproduktion von Bildern jeder Art auch mit
Porzellan-Photographie
befaßt. Durch Vertrag mit dem Erfinder Herrn J. B. Obernetter in München, habe ich für hier das alleinige Fabrikationsrecht für diese Porzellanphotographien erworben und garantire für Unzerstörbarkeit derselben.
Zur Portrait-Aufnahme sind die Stunden von 10-12 und von 2-3 Uhr täglich bestimmt, mit Ausnahme der Sonntags Nachmittage und des ganzen Donnerstags.
Die M. Rieger'sche Buch- & Kunsthandlung hier hält ein Lager meiner Artikel und nimmt auch Aufträge für mich entgegen.
Ich empfehle mein Unternehmen freundlichem Woglwollen.
Ferd. Brauer jun., Maximilianstraße A. 8.
Der Schwäbische Stadt- und Land-Vetter Nr. 21. Augsburg; Samstag, den 26. Mai 1866.
#Allgemeine Zeitung (22.4.1887)
J. B. Obernetter.
In der vergangenen Woche, am 12. April, starb zu München in Folge einer Herzlähmung einer der bedeutendsten und scharfsinnigsten Forscher auf dem Gebiete der photographischen Chemie, J. B. Obernettcr, ein Mann von jener glücklichen Combinationsgabe, welche aus dem Vorhandenen stets durch neuartige Verbindungen auch neue Dinge entstehen läßt und selten darin Täuschungen erlebt. Obernetters Name ist mit der Geschichte der Photographie ebenso verwachsen wie der eines Niepce, Daguerre, Fox Talbot, Legray, Russel etc. Weil aber gerade die Photochemie nicht in weiteren Kreisen jene Würdigung findet, die sie unbedingt verdient, denn heutzutage ist ja der Gebrauch der Photographie in alle Wissenschaften eingedrungen, und ihr hat man mehr denn eine Entdeckung zu verdanken, so erscheint es thunlich, den Tod eines Mannes wie Obernettcr nicht unbeachtet vorübergehen zu lassen, um so mehr, als gerade in seinem engeren Vaterlande wohl Wenige wußten, was der Verstorbene war, und in wie hohem Grade er sich Verdienste um sein Specialstudium nicht allein erwarb, sondern speciell auch dadurch, daß er mit unter den Ersten begann, die reichen Kunstschätze unserer Museen einem weiteren Publicum zugänglich zu machen. Wohl prangte auf seiner Brust kein einheimischer Orden, dafür aber widerfuhr ihm die Genugthuung, daß aus dem fernen Westen Amerika's Leute zu ihm kamen, um sich Rath zu erholen, daß seine Präparate nicht nur überall in Europa Eingang fanden, sondern auch nach allen möglichen transatlantischen Orten verschickt wurden. Ihn trug nicht die Gunst irgendwelcher Verhältnisse empor; die Rührigkeit seiner Hände, die rastlose Energie, welche ihm innewohnte und ein jeglich begonnen Ding mit Conseguenz zu Ende führte, vor allem aber sein klarer Blick, der auf streng wissenschaftlicher Basis beruhte, haben ihn zu einer Capacität ersten Ranges gemacht, welche von Niemandem angezweifelt worden ist. Abgesehen davon, hat er ganz directe Verdienste um München selbst, welches er, wie andere unserer großen Kunstanstalten hier zu einem Stapelplatze der vervielfältigenden Kunst machte, wie es deren in Deutschland nicht viele gibt. Aber die alte Geschichte von dem Propheten und seinem Vaterlande traf auch bei Obernetter vollständig zu, nur machte er sich nichts daraus, sintemalen er vom Auslande derart mit Aufträgen überschüttet wurde, daß er gar nicht allen Anforderungen genügen konnte. Er selbst bekümmerte sich um die geschäftliche Seite der Ausbeutung seiner Erfindungen gar nicht weiter. Das überließ er seinen Specialarbeitern. Einmal bei einem positiven Resultat in irgendwelcher Untersuchung angekommen, präcisirte er dieß, wußte ihm die richtige Verwendbarkeit zu geben und schritt dann sofort zur Lösung eines anderen wissenschaftlichen Problems.
Obernetter ist am 31. Mai 1840 zu München geboren. Sein Vater war Inspector der königlichen Staatsdruckerei, und an ihm hatte allerdings der zum Studenten gewordene Sohn ein Exempel festester Willenskraft. Unter Professor Erdmanns Leitung begann er seine chemischen Studien. Das Doppelverhältniß physikalischen und chemischen Inhalts, welches der Boden ist, auf dem die Photographie steht, nahm sein Interesse vor allem anderen in Anspruch, und so wandte er sich nach Heidelberg zu Bunsen, der damals den Grund zu der Thatsache feststellte, daß photographische Vorgänge nicht lediglich vom Sonnenlichte abhängig seien (Verbrennung von Magnesium). Die jüngsten Tage bringen die Bestätigung dieses Lehrsatzes in glänzendster Weise. Kein Wunder, daß es den jungen Obernetter mit einer wahren Begeisterung zu eigenen photochemischen Untersuchungen trieb, als Bunsen und Kirchhoff zusammen die bedeutsame Entdeckung der Spectralanalyse machten. Obernetter hat mir persönlich des öfteren mitgetheilt, wie diese Entdeckung geradezu elektrisirend auf ihn gewirkt und in ihm die Ueberzeugung wachgerufen habe, daß hier ein Feld mit unabsehbarer Perspective sich dem eröffne, der nach streng wissenschaftlichen Grundsätzen daran gehe, seine Schätze zu heben. Seine Thätigkeit ward ihm eine um so liebere, als er, nach München zurückgekehrt, nunmehr Assistent bei Pettenkofer und Liebig wurde. In welchem wissenschaftlich angelegten Menschen hätte nicht der directe Einfluß solcher Männer ein mächtiger Hebel werden müssen! Liebig selbst bestimmte Obernetter, sich ganz nur der Photochemie zu widmen, und fürwahr, der Schüler machte seinen Lehrern keine Schande. München hatte damals in Albert den bedeutendsten Photographen, und bei ihm trat der Verstorbene ein, um praktisch zu arbeiten. Bald war er auch mit einer bedeutsamen Neuerung fertig. Es war die erste Vergrößerungsmethode mittelst Entwicklung. Mit Molke vorpräparirtes Papier, welches man nach dem Sensibilisiren ancopirte, wurde dabei verwendet. Die Entwicklung selbst geschah mittelst Pyrogallus-Säure. Das Verfahren wird hie und da noch heute angewendet. Von großer Bedeutsamkeit war dann aber seine Erfindung, Photographien auf Porzellan oder Glas einzubrennen, und als er sah, wie dieses neue Verfahren glückte, da machte er sich selbständig. Viele Porzellanfabriken kauften ihm das Verfahren ab und arbeiten noch heute danach. Für die Photographie auf Glas fand sich eine treffliche Verwendung beim Copiren alter oder der Herstellung neuer gemalter Fenster. Neben dieser bedeutsamen Entdeckung machte er gleichzeitig verschiedene andere, die ebenfalls zu einer Verfeinerung und Verbesserung der Technik führten, so z. B. das Collodiumpapier. Während seiner dreijährigen Thätigkeit bei Albert hatte dieser sich mit den Principien des Lichtdruckes beschäftigt, war aber zu keinem positiven Resultat gekommen und ließ deßhalb die ganze Geschichte wieder liegen. Obernetter nahm die Untersuchungen auf, und es glückte ihm binnen kurzer Zeit die Einwirkung des Lichtes auf Chromgelatine zu eruiren und der gefundenen Thatsache praktisch Hand und Fuß zu geben. Albert kaufte das Geheimniß von Obernetter, und kurze Zeit nachher kannte ja die ganze Welt das neue, Albertotypie genannte Verfahren, d. h. die auf mechanischem Wege vervielfältigte Photographie, also ein ganz wesentlicher Fortschritt gegenüber dem mühsamen Copiren jedes einzelnen Blattes unter dem Negativ. Zu den ersten größeren Arbeiten, die Obernetter mittelst des Lichtdruckes herstellte, gehörte die Vervielfältigung von Aufnahmen des photographischen Détachements des preußischen Generalstabes im französischen Kriege. Die Wiener Weltausstellung gab ihm dann Gelegenheit, seiner Arbeit den richtigen Nachdruck zu verleihen. Sämmtliche Aufnahmen der 1873er Weltausstellung machte und vervielfältigte er. Wohl war die Feinheit des gewöhnlichen Silberabzuges vorerst noch eine größere, und Lichtdruck sowohl als Woodburydruck erreichten die Zartheit der Halbtöne, die Tiefe und Klarheit der Schatten bei den ersteren nicht, weßhalb auch bei der Portraitphotographie das Druckverfahren noch nicht recht viel Eingang gefunden hat. Doch auch diesem Nachtheile half Obernetter ab, und seine Aufnahmen aus dem Nationalmuseum zu München, aus der 1876er Kunst- und Kunstgewerbe-Ausstellung ebendaselbst (Werk über die alte Abtheilung) und vieles Andere haben in der Klarheit und Schärfe der Modellirung sowohl als der Zeichnung fabelhafte Leistungen aufzuweisen. Vor allem war er auch bestrebt, die ziemlich bedeutenden Complicationen, welche anfänglich mit dem Lichtdrucke verknüpft waren, beiseite zu schaffen, die ganze Manipulation zu vereinfachen, und dieß erreichte er durch das Einstäubungsverfahren mittelst Graphit, welche Erfindung ihm alsbald die große goldene Voigtländer Medaille eintrug. Nachdem die Sache reliefirt auf Glas ging, war es eine nahe liegende Consequenz, dieselbe auch auf Metall zu übertragen und so begann Obernetter eingehende Studien über alle möglichen Methoden der Metallätzung zu machen. Gleichzeitig mit Albert ging er der Idee des Farbenlichtdruckes lange Zeit nach. Der Umstand, daß die materielle Seite der Sache sich nicht so gestaltete, wie er gedacht hatte, bewegten ihn, die Aufgabe vorerst wieder fallen zu lassen. Damals begann der Engländer N. L. Maddox damit, dem nassen Verfahren (Collodiumplatten) ein neues Präparat entgegenzustellen. Es sind dieß Platten, welche in Verbindung mit Silbersalzen einen Leimsubstanzüberzug bekommen, also fix und fertig präparirt in den Handel kommen können. Obernetter erfaßte den Gedanken und im Verlauf der Jahre 1880 bis 1882 gelang es ihm, dergleichen Platten zu machen. Sein Bestreben, die Trockenplatten so sicher als nur immer möglich arbeitend herzustellcn, gelang aufs glänzendste und hatte alsbald den Erfolg, daß sie in sehr vielen großen Ateliers Deutschlands und auch auswärts eingeführt wurden. Uebertroffen sind sie bis zur Stunde nicht. Gleichzeitig mit dieser Neuerung führte er eine weitere ein, die nämlich, von einem Negativ in der Camera selbst ein beliebig großes zweites Negativ direct mittelst Entwicklung herzustellen. Angaben über das äußerst sinnreiche Verfahren finden sich in allen Zeitschriften und Jahrbüchern, welche über photochemische Themata handeln.
Seine früheren Versuche mit Metallätzung wieder aufnehmend, begann er nun, sich speciell mit dem Wesen der Heliogravure zu beschäftigen. Wohl existirten schon seit langer Zeit solche Blätter in ganz wunderbarer Ausführung, z. B. die im Verlage von Goupil in Paris erschienenen. Wer jedoch die Blätter genauer untersucht, wird bei einiger Sachkenntniß bald die Spuren von Nadel, Polirstahl, Roulette und Schaber finden, mit anderen Worten: Die Platten bedurften immer nach ihrer Herstellung einer sehr starken Ueberarbeitung durch den Kupferstecher. Obernetter setzte sich vor, seine Producte so herzustellen, daß jede Retouche vollständig überflüssig, das Resultat eine genaue Wiedergabe des Originals sei. Es kam ihm dabei allerdings noch ein anderer Umstand zu gute, der weiter unten zu berühren sein wird. Der Unterschied seines »Lichtkupferdruckes« gegenüber den anderen ähnlichen Reproductionsweisen besteht darin, daß nach dem Original ein Chlorsilberpositiv hergestellt wird, welches sich direct auf die Metallplatte übertragen läßt. Alle anderen Arten der Photogravure haben mannichfache Complicationen; erst wird nach dem Original ein Negativ gemacht, nach diesem dann ein Diapositiv hergestellt und dieses auf Kohlenpapier copirt. Diese Copie erst ist auf die Metallplatte übertragbar, entweder mittelst Eisenchloridätzung oder durch Anwendung des galvanischen Stromes. Das Obernetter'sche Verfahren hat demnach den Vortheil einer wirklichen Facsimilewiedergabe, die durch keine Retouche beeinträchtigt wird. Zwar ist diese Reproductionsweise noch nicht sehr nach außen hin verbreitet, doch wird sie es ohne Zweifel werden. Durch die fortwährend verbesserte Gélatine-Emulsion war er damit einer anderen Entdeckung nahe gerückt worden, die mit zu den bedeutendsten Errungenschaften der Photochemie gehört, dem Orthochromatismus nämlich. Es ist bekannt, daß die verschiedenfarbigen Lichtstrahlen auf dem präparirten Negativ verschiedene Wirkungen hervorbringen, daß blau und violett weiß erscheint, roth, gelb, braun und verwandte Töne aber schwarz. Daß dieß, zumal für die Reproduction farbiger Gegenstände, ein außerordentlicher Nachtheil war, liegt klar auf der Hand, und es handelte sich also darum, ein Verfahren zu erfinden, wo jede Farbe in ihrer richtigen Geltung zur Gesammterscheinung sich darstellt.
Professor Vogel in Berlin, der bekanntermaßen auf dem Gebiete der Photochemie eine ganz hervorragende Stellung einnimmt und mit dem Verstorbenen in lebhaftem Wechselverkehr stand, regte diesen in Bezug auf den Orthochromatismus außerordentlich an. Erst wurde versucht, durch einen Zusatz von Farbstoffen dem Ziele näher zu rücken. Es gelang nur theilweise. Erst nach Einschiebung von Strahlenfiltern (gelben Scheiben) zwischen dem Objectiv und der lichtempfindlichen Platte gelang die richtige Wiedergabe der Farbenwirkung. Vogels und Obernetters Bestrebungen gingen nach dieser Erkenntniß nun dahin, die gelbe Scheibe, welche die Exposition um ein bedeutendes verlängerte, durch ein entsprechendes Mittel zu ersetzen, und dieß war eine Farbstoffverbindung. Erythrosinsilber und Eosinsilberverbindungen entsprachen den gestellten Anforderungen im vollsten Maße, doch war immer noch der Uebelstand damit verbunden, daß die solchermaßen hergestellten Platten nicht haltbar waren. Obernetters letzte Arbeit war es, haltbare Platten mit richtiger Wiedergabe der Farben ohne Anwendung der gelben Scheibe darzustellen. Sie sind bereits ein gangbarer Handelsartikel.
So ist er mitten aus einem Leben voll erfolgreicher Thätigkeit herausgerissen worden, zu früh für Alle, die seine Verdienste und seinen dabei einfach gebliebenen Charakter kannten, der frei war von jener aufgeblähten Art und Weise, die der Erfolg leicht zum Schleppenträger hat und der man ja auf Schritt und Tritt begegnet, draußen auf der Landstraße sowohl als herinnen, auf den breiten Straßen und den schmalen Gäßchen der Stadt. Mit ihm ging nicht nur eine wissenschaftliche Größe dahin, vor allem auch ein Mann, von schlichter Weise, von echt deutschem Wesen. Eine kleine Bemerkung möge hier angeknüpft sein. Die tagtägliche Correspondenz brachte Briefe in allen Weltsprachen. Und wenn nun die Antwort auf diese wegging, dann war sie nicht etwa französisch, englisch, italienisch oder sonst was, sondern deutsch. Obernetter meinte jedesmal: Die da draußen muthen uns immer zu, daß wir alles lernen! Jetzt mögen sie halt auch einmal anfangen und deutsch lernen.
Hans v. Berlepsch.
Allgemeine Zeitung Nr. 111. München; Freitag, den 22. April 1887.
#Jahrbuch für Photographie und Reproduktionstechnik für das Jahr 1888 (1888)
J. B. Obernetter †.
Im Jahre 1887 starb der berühmte Photochemiker und Erfinder J. B. Obernetter in München. Er war am 31. Mai 1840 geboren, studirte Chemie und trat 1860 in das Atelier Albert’s ein. Er erfand 1864 ein neues Copirverfahren ohne Silbersalze, übte das Einstaubverfahren auf hygroskopischen Chromschichten mit grosser Virtuosität und erhielt für seinen darauf basirten Process zur Herstellung umgekehrter Negative von der Wiener photographischen Gesellschaft die grosse goldene Medaille. Eine sehr bedeutsame Entdeckung war die Vervollkommnung von Collodionemulsionspapier. Eine besondere Aufmerksamkeit wandte Obernetter dem Lichtdruck zu, wobei er die Vorpräparation der Platten mit Wasserglas einführte und Drucke von hoher künstlerischer Vollendung lieferte. Er erfand einen neuen sinnreichen Emulsionsprocess durch Silbern einer Bromsalz haltigen Gallerte. In der letzten Zeit hatte er ein völlig neues Princip der Heliogravüre erdacht und mit der ihm gewohnten Sorgfalt ausgearbeitet, welche unter dem Namen Kupferlichtdruck bekannt ist. Die Methode besteht dann, dass er ein im Chlorsilber verwendetes Negativ direct in das Kupfer, in einer nicht näher bekannten Weise einätzt Diese Methode überragt an Schönheit und Schnelligkeit alle anderen heliographischen Methoden. Der Verlust, den die photographische Welt durch den Tod J. B. Obernetter’s erlitten hat, ist ein sehr grosser.
Wir bringen das Porträt des genannten Forschers in unserer Beilage; sie ist mittels des Obernetter’schen Lichtkupferdruckes in der von Obemetter gegründeten, nunmehr von seinem begabten Sohne Emil Obernetter geleiteten Anstalt hergestellt und zeigt zugleich die grosse Leistungsfähigkeit der von Obernetter erfundenen photographischen Druckmethode.
Jahrbuch für Photographie und Reproduktionstechnik für das Jahr 1888. Halle an der Saale, 1888.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Obernetter Johann Baptist, 1840 (München) – 1887, Chemiker und Kunstanstaltsbesitzer; sein Vater, Johann O. (1800 bis 1866), war Graveur bei der Steuer-Kataster-Kommission und zuletzt »2. Inspektor bei der Lithographischen Anstalt des königlichen Staatsrats«, der sich durch Herstellung von Grenzregulierungskarten auszeichnete; O. selbst war ein berühmter Photochemiker, der ein Verfahren zum Einbrennen von Photographien auf Porzellan, Email und Glas erfand und als erster Zelloidinpapier fabrikmäßig herstellte; später wandte er sich dem Lichtdruck zu, dem er die Gestalt verlieh, die unter dem Namen »Albertotypie« (wegen der Mitarbeit mit J. Albert) zur Ausführung gelangte; auch verbesserte O. die photographischen Trockenplatten und den Farbenlichtdruck; seine Reproduktionen aus der Sammlung des Bayerischen Nationalmuseums waren sehr geschätzt.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#21 – 4 – 17 (Enger)
Hier ruhen
die guten Eltern
Herr Jakob Enger,
und
Frau Katharina Enger,
kgl. Revisors-Gatten
und deren Töchter
Maria und Mathilde,
und Therese Enger,
k. Arbeitslehrerin.
Sockel
Grabstaette
der Familie Enger.
21.4.17. Babenstuber.
- Enger, Jakob; – 5.4.1865 (München), 68 Jahre alt; Lithographie-Revisor
- Enger, Katharina (vw); – 28.2.1872 (München), 61 Jahre alt; Revisors-Witwe
- Enger, Maria
- Enger, Mathilde
- Enger, Therese; – 22.2.1911 (München), 74 Jahre alt; Arbeitslehrerin a. D.





#21 – 4 – 27 (Dilger)
Grabstätte
der Familie
Dilger.
21.4.27. Babenstuber.
- Dilger, Elise (vh); – (4).11.1867 (München), 56 Jahre alt; Spänglergesellens-Gattin
- Dilger, Johann Baptist; – (13).3.1847 (München), 33 Jahre alt; Lithograph
- Dilger, Josef; – (19).2.1882, 59 Jahre alt; Spänglermeister
- Dilger, Katharina (vw); – (23).9.1875 (München), 52 Jahre alt; Spänglermeisters-Witwe
- Dilger, Maria (vw); – (13).10.1854 (München), 64 Jahre alt; Staatskassenbuchbinders-Witwe
- Dilger, Ursula (vw); – (17).5.1860 (München), 48 Jahre alt; Lithographens-Witwe

#Johann Baptist Dilger
† (13).3.1847 (München), 33 Jahre alt
Lithograph
#Der Bayerische Landbote (20.6.1842)
Bayern.
München. In der jüngsten Zeit kam uns in den hiesigen Kunsthandlungen eine wirklich erfreuliche Erscheinung vor, nämlich eine Ahnentafel unseres königl. Hauses, in welcher von Otto von Wittelsbach bis auf Se. kgl. Hoheit den Kronprinzen von Bayern die gerade Abstammung von Vater auf Sohn in gelungenen Portraits dargestellt ist. Unwillkührlich drängt sich uns die Frage auf, warum nicht gleich beim Regierung-Anfang der jetzigen Herrscher-Familie eine solche Zusammenstellung unternommen wurde, welche Frage wohl durch die Schwierigkeit des Auffindens der Original-Portraits zu beantworten ist. Der Sachverständige, welcher diese Ahnentafel, von Dr. von Schlichtegroll redigirt, mit Aufmerksamkeit betrachtet, wird finden, mit welchem Fleiße dazu die kgl. Anstalten, unsere Hof-Bibliothek, Kupferstichsammlung, wie auch das Münzkabinet benutzt worden sind. Der Genauigkeit, mit welcher der Lithograph Dilger die Originale in diesem Bilde wiedergab, ist ebenfalls Lob zu ertheilen.
Der Bayerische Landbote Nro. 171. München; Montag, den 20. Juni 1842.

#21 – 4 – 28 (Esterhammer)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Esterhammer, Walburga (vw) / Gäßler (gb); – 1890 (München), 55 Jahre alt; Arzt-Witwe


#21 – 4 – 30 (Löweneck)


#21 – 5 – 2 (Destouches)
JOSEF ANTON
v. DESTOUCHES
HISTORIKER
1767 – 1832
- Destouches, Josef Anton von; 12.3.1767 (München) – 13.5.1832 (München); Archivar, Historiker, Schriftsteller und Theaterschriftsteller

#Josef Anton von Destouches
* 12.3.1767 (München)
† 13.5.1832 (München)
Archivar, Historiker, Schriftsteller und Theaterschriftsteller
#Deutsches Dichter-Lexikon (1876/1877)
Destouches, Joseph Anton von, wurde am 12. März 1767 zu München geboren, studierte seit 1785 in Ingolstadt die Rechte und trat 1788 in den Staatsdienst. Er wurde 1790 Rentkammerrath in Amberg, 1792 Hofkammerrath, 1797 Kammerfiskal, 1799 Landesdirektionsrath, 1808 Kreisrath für den Raabkreis, 1817 Kronfiskal, 1818 Regierungsrath in München und trat 1820 noch im k. Reichsarchiv in Funktion.
Dichtungen. Schauspiele. Mit einer Abhandlung über das Theater der Alten. München 1790 (Inhalt: Maria von Burgund. Schausp. in 5 A. – Die Patrizier. Schausp. in 4 A. – Bondelmont. Trauerspiel in 5 A.) – Friedrich IV. Kurfürst von der Pfalz, oder: Der Fanatismus in der Oberpfalz. Schausp. in 4 A. Mit einer Geschichte der Religionsveränderungen in der Oderpfalz. Salzb 1794. – Alix, Gräfin von Toulouse. Trauerspiel in 5 A. Ebd. 1795. – Der Bürgerfreund. Schausp. in 5 A. Ebd. 1798. – Die Rache Alberts III. Vaterländ. Schausp. in 5 A. (Zweiter Theil von Törrings Agnes Bernauer) Augsb. 1804. – Graf Arco. Vaterländ. Schausp. in 5 A. Salzb. 1805. – Arnulf, König von Bayern. Vaterländ. Schausp. in 5 A. mit historischen Noten. München 1820. – Zenger. Vaterländ. Schausp. in 5 A. Salzb. 1822. – In der »Deutschen Schaubühne« finden sich noch: Die Probe der Freyer. Lustsp. in 5 A. (1805) – Fürstenglück. Schausp. in 5 A. (1815).
Franz Brümmer: Deutsches Dichter-Lexikon. Biographische und bibliographische Mittheilungen über deutsche Dichter aller Zeiten. Unter besonderer Berücksichtigung der Gegenwart. Eichstätt & Stuttgart, 1876/1877.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Destouches Josef Anton, von, 1767 (München) – 1832, Historiker, Archivar und Dramatiker; nach Studien zu Ingolstadt trat D. 1788 in den bayerischen Staatsdienst und war zuletzt Regierungsrat des bayerischen Allgemeinen Reichsarchivs; wegen seiner historisch-statistisch-staatswirtschaftlichen Arbeiten wurde er Mitglied der BAkdW; D. war Dramatiker im Kreise des Grafen J. A. von Törring, dessen Ritterstück »Agnes Bernauer« er in der »Rache Alberts III.« ergänzte.
Hauptwerke: Schauspiele, Denkmal des Kriegsschauplatzes in der Oberpfalz, Über den Verfall der Städte und Märkte, Graf Arco, Die Haupt- und Residenzstadt München und ihre Umgebungen.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#21 – 5 – 6 (Konrad · Zwack)
Hier ruhen
Friederike
Konrad
k. Rentbeamtenswitwe,
geb. 12.I.1824,
gest. 9.V.1907;
u. ihre Enkelin
Julchen
Zwack,
geb. 29.VI.1877,
gest. 1.XI.1883.
- Konrad, Friederike (vw); 12.1.1824 – 9.5.1907 (München); Rentenbeamtens-Witwe
- Zwack, Julchen; 29.6.1877 – 1.11.1883 (München); Bankbeamtens-Tochter



#21 – 5 – 7* (Schefzky)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Schefzky, Josefine; 1843 – 11.11.1912 (München); Sängerin

Das Grab ist nicht erhalten
#Josefine Schefsky
* 1843
† 11.11.1912 (München)
Sängerin
#Der neue Kunstfreund (10.11.1870)
Königl. Hof-Theater.
Oper.
Nach langer Zeit hörten wir endlich am 30. v. M. wieder einmal etwas Gediegenes, etwas Gutes. Wir meinen Spohr’s »Jessonda«.
Dieser Oper folgte am 3. d. Mts. – die »Walküre«. – Welch Unterschied der Opern in der kurzen Spanne Zeit!
Der Werth dieses Wagner’schen Werkes wurde in diesen Blättern bereits besprochen und wir würden jener kaum Erwähnung thun, hätte nicht eine Neubesetzung der Rolle der Frika durch Frl. Schefsky stattgefunden.
Frl. Schefsky betrat als Frika die k. Hofbühne zum ersten Male als engagirtes Mitglied. Ehe wir nun über die Rolle und ihre Durchführung selbst sprechen, wollen wir einige Worte über Frl. Schefsky sagen. Diese Dame wurde durch k. Munificenz in die Lage versetzt, ihre Studien zu Ende führen zu können. Wie wir hören wurde die Dame auf königlichen Befehl engagirt, da Herr v. Perfall entschieden dagegen protestirte. Wir müssen in dieser Richtung Herrn v. Perfall vollkommen Recht geben, warum eine junge Dame engagiren, für die nichts zu singen da ist – warum ein junges Talent fesseln, wenn es sich nicht zu entwickeln vermag? Wir finden also keinen Grund, der für das Engagement der Dame spräche. Wäre Frl. Schefsky Altistin, dann könnten wir ein Engagement begutachten, damit beim Abgang des Frl. Ritter Ersatz vorhanden ist.
Die Leistung des Frl. Schefsky’s als Frika wollen wir nicht unbedingt verwerfen, die Dame übernahm schnell die Rolle. Wer Wagner’sche Musik kennt, weiß, daß ein solches Unternehmen gewagt erscheint, und dem zur Folge entschuldigen wir die Unsicherheit dieser Dame. Was ihr Spiel anbelangt, so wirkte das beständige Herabfallen der Krone sehr beeinträchtigend. Es kam uns vor, als wäre Frl. Schefsky etwas heiser gewesen, eine Bemerkung, die wir zwar bei jedem Auftreten der Dame machen mußten; sollte dies ein Stimmmangel sein? Entschieden angegriffen war die Mittellage und die hohen Töne waren forcirte. Se. Majestät schickte nach dem zweiten Actus Frl. Schefsky ein prachtvolles Bouquet nebst einigen anerkennenden Worten.
Der neue Kunstfreund Nr. 6. Organ für Kunst und Literatur. München, den 10. November 1870.
#Deutscher Theater-Correspondent (1870)
Die Wiederholung der Oper »Der Prophet« bot einen höchst genußreichen Abend. Herr F. Nachbaur hatte die volle Sicherheit und Ruhe, welche bei der vorhergehenden Aufführung zu fehlen schienen, wiedergewonnen, und excellirte im Spiel und Gesange.
Die »Fides« des Fräulein Schefzky verdient das ehrendste Lob. Stimmen von dem Umfange, wie ihn diese Parthie erheischt, gehören zu den auserlesensten Seltenheiten. Fräulein Schefzky’s Stimme hatte, bevor sie nach Wien zur Ausbildung sich begab, entschiedenen Altcharakter; es hat fast unzweifelhaft den Anschein, daß der Lehrer der jungen Sängerin das bei der Tiefe der Stimme verdarb, was er an Höhe gewann. Wenn nur auch der Umfang der Stimme den Anforderungen der Aufgabe nicht entsprechen konnte, so hat Frln. Schefzky durch ihren trefflichen Vortrag, ihr überraschend schönes, von bedeutender dramatischer Begabung zeugendes Spiel reichlichen Ersatz geboten. Die junge Künstlerin wurde mit wiederholtem Beifall ausgezeichnet.
Deutscher Theater-Correspondent Nr. 22. München, 1870.
#Bayerischer Kurier (29.3.1871)
Frl. Ritter, die Altistin des Hoftheaters, hat vergangenen Donnerstag als Orpheus in Gluck’s Oper von uns, und zugleich von der Bühne überhaupt, Abschied genommen, da sie sich mit einem reichen Kaufmann in Wien verheirathen wird. Als ihre Nachfolgerin ist Frl. Josephine Schefsky engagirt, eine Münchnerin, welche vor drei Jahren auf der hiesigen Bühne, auch als Orpheus, einen ersten Versuch gemacht und ein vielversprechendes Talent gezeigt hatte, worauf ihr durch die Munificenz S. M. des Königs die Mittel gewahrt wurden, ihre Ausbildung zu vollenden, und u. a. auch bei dem berühmten Gesangsmeister Lewy in Wien Unterricht zu nehmen. Einen vollgiltigen Beweis, daß sie die großen auf sie gesetzten Erwartungen erfüllt habe, ist Frl. Schefsky bisher noch schuldig geblieben.
Bayerischer Kurier Nr. 85. München; Mittwoch, den 29. März 1871.
#Die Scheinwelt und ihre Schicksale (1893)
Das Theaterjahr 1871 führte uns eine ausgezeichnete Kraft mit der Sängerin Josefine Schefsky zu, während der, in den letzten Jahren vielfach gefeierte Heldentenor, Anton Schott nur vorübergehend der Unsere war. Ein äußerst dankbares Mitglied gewann unsere Oper dagegen mit dem Baßbuffo Theodor Mayer, der als Dr. Bartolo, Schulmeister (Wildschütz), Kellermeister (Undine) etc. herzerfreuende Gestalten schuf. Der Künstler gehört heute noch unserem Ensemble an und hat sich, 21 Jahre hindurch, stets als eine sehr verlässige, tüchtige und gewissenhafte Kraft bewiesen.
Josephine Schefsky debutirte bereits am 30. März 1868 mit großem Erfolg als Orpheus; die Sängerin wußte bald durch hervorragende Gestaltung der Partien ihre Künstlerschaft in ein glänzendes Licht zu stellen. Unvergeßliches leistete Schefsky als Sides, Acuzena und Amneris. Die Künstlerin gehörte bis zum Jahre 1883 unserer Bühne an und zeigte sich während dieser Zeit als ein besonders fleißiges und gewissenhaftes Mitglied. Der König schätzte ihre Künstlerschaft ungemein hoch und konnte sich an ihrer herrlichen Stimme, die namentlich in der Mittellage und nach der Tiefe zu von bestrickendem Wohllaute war, oft herzlich ergötzen.
Leider ließ sich die Sängerin im Vollbewußtsein des Besitzes königlicher Gunst zu manch’ unkluger That, zu mancher Anmaßung hinreißen, die sie ebenso rasch der königlichen Sonne wieder entrückte, wie sie zum Lichte aufgestiegen ist. Immerhin aber bleibt so viel Schönes und Bemerkenswerthes aus ihrer künstlerischen Thätigkeit jener Zeit übrig, daß ihr von diesem Standpunkte aus für alle Zeiten ein warmes Gedenken gesichert ist.
Josephine Schefsky, deren dramatisches Talent auch Richard Wagner schätzen lernte, zählte anfangs zu den ersten Stützen des Bayreuther Festspielhauses. Nach ihrem Weggange von München wirkte die Sängerin, zuerst in Straßburg, dann in Nürnberg; jedoch es war, als könnte sie ihrer Künstlerschaft nicht mehr froh werden und ihre Erfolge blieben weit hinter ihren Münchener Triumphen zurück. Josephine Schefsky hat sich nunmehr ganz von der Bühne zurückgezogen und ihren dauernden Wohnsitz an der Stätte ihres einstigen Ruhmes und Glanzes genommen.
Max Leythäuser: Die Scheinwelt und ihre Schicksale. Eine 127jährige Historie der Münchener kgl. Theater in populärer Form und als Jubiläums-Ausgabe. München, 1893.
#Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903)
Schefsky Josephine, debütierte am 30. März 1868 am Hoftheater in München als »Orpheus«, blieb dort von 1871–1879 engagiert und sang daselbst am 13. Mai 1877 bei der ersten Aufführung der »Aida« die Partie der »Amneris«. Nachdem sie ihre prächtige Altstimme auch auf anderen namhaften Bühnen Deutschlands hatte ertönen lassen, zog sie sich gänzlich vom Theater zurück und schlug ihren Wohnsitz in München auf. Partien wie »Fides«, »Azucena«, »Frau Reich«, »Gertrud« etc. waren hervorragende Leistungen dieser Künstlerin.
Ludwig Eisenberg’s Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Leipzig, 1903.
#Generalanzeiger (13.11.1912)
Münchner Tagesneuigkeiten
München, 12. November
Beerdigungen. Am Dienstag nachmittag wurde im südlichen Friedhof die im Alter von 65 Jahren verstorbene pens. Hofopernsängerin Josephine Schefzky beerdigt. Dem von Laternen- und Flambeauxträgern des Christkatholischen Begräbnisvereins geleiteten Sarge folgten mit den Angehörigen viele Bekannte der Verstorbenen und ihrer Familie. Sarg und Grab zierten hübsche Kranzspenden.
Generalanzeiger Nr. 580. Gratisbeilage der Münchner Neuesten Nachrichten. Mittwoch, den 13. November 1912.
#Neuer Theater-Almanach (1914)
(?) Josephine Schefsky, ehemal. Altistin des Münchner Hoftheaters † München.
Die Künstlerin debütierte 1868 am Hoftheater in München als Orpheus, blieb dort von 1871–79 engagiert und sang daselbst am 13. Mai 1877 bei der ersten Aufführung der Aida die Partie der Amneris. Sie gastierte fast an allen großen Bühnen Deutschlands, ihr prächtiger Alt war überall geschätzt. Nachdem sie sich vom Theater zurückgezogen, schlug sie ihr Domizil in München auf. Partien wie Fides, Azuzena, Fr. Reich waren hervorragende Leistungen der Künstlerin.
Neuer Theater-Almanach. Berlin, 1914.

#21 – 5 – 31 (Sedlmair)
Hier ruht
meine innigstgeliebte Gattin
Frau Cäcilie Sedlmair
geb. Rugel
geb. 22. Nov. 1846, gest. 3. Juli 1888.
Frau Maria Sedlmair
geb. Strobl
gest. 17. August 1929.
Herr Josef Sedlmair
Privatier
gest. 15. September 1929.
Sockel
Sedlmair’sche Ruhestätte.
21.5.31 Kosenbach.
- Sedlmair, Cäcilie (vh) / Rugel (gb); 22.11.1846 – 3.7.1888 (München); Saitlingshändlers-Gattin
- Sedlmair, Josef; – 15.9.1929; Privatier
- Sedlmair, Maria (vh) / Strobl (gb); – 17.8.1929



#21 – 5 – 32 (Crailsheim · Drouet de Erlon)
Graf d‘ Erlon, geb. Reims
gest. 1840
Theresia Gräfin d‘ Erlon
geb. 1806, gest. 1878
Theodor
Freiherr von Crailsheim-Rügland
geb. Amerang 11. Mai 1823
gest. 23. Juni 1892
Marie
Freifrau von Crailsheim
geb. Gräfin Drouet d‘ Erlon
gest. München 15.3.1895.
- Crailsheim-Rügland, Theodor von; 11.5.1823 (Amerang) – 23.6.1892 (München); Gutsbesitzer und Leutnant
- Crailsheim, Marie Freifrau von (vw) / Drouet de Erlon, Gräfin; 12.1.1827 (München) – 15.3.1895 (München); Gutsbesitzers- und Leutnants-Witwe
- Drouet de Erlon, Hypolite, Graf; 25.12.1794 (Reims) – 15.1.1840 (München); Gutsbesitzer
- Drouet de Erlon, Theresia, Gräfin (vw) / Bäumler, von (gb); 20.2.1806 (München) – 29.10.1878 (München)




#21 – 6 – 9 (Seitz)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Seitz, Josefine (vh); – 1889; Schneidermeisters-Gattin


#21 – 6 – 28 (Mayer)


#21 – 6 – 29 (Cramer)
Familie
CRAMER
Heinrich v. Cramer
K. B. Max-Josefs-Ritter
1829 – 1870
Therese v. Cramer
geb. Freiin v. Tucher
1833 – 1897
Eduard Cramer
Sal. Verw.
1839 – 1913
- Cramer, Heinrich von; 1829 – 27.9.1870 (München), starb an den Verletzungen in der Schlacht von Sedan am 1. September 1870; Stabshauptmann
- Cramer, Therese von (vw) / Tucher, von (gb); 1833 – Juni 1897 (München), 63 Jahre alt; Hauptmanns-Witwe
- Cramer, Eduard; 1839 – (1).10.1913 (Rosenheim); Salinenverwalter



#21 – 6 – 30 (Deinzer)
Hier ruht in Gott
unser bester, unvergesslicher
Gatte u. Vater
Herr Friedrich Deinzer
Drechslermeister
geb. 23. Juli 1844, gest. 30. Mai 1904,
dessen Gattin
unsere innigstgeliebte Mutter
Frau Julie Deinzer
geb. 18. Juni 1846, gest. 27. Juli 1928.
21.6.30. Schneider.
- Deinzer, Friedrich; 23.7.1844 – 30.5.1904; Drechslermeister
- Deinzer, Julie (vw); 18.6.1846 – 27.7.1928; Drechslermeisters-Witwe


#21 – 7 – 15 (Harras)
Hier ruhet im Frieden Gottes
die treue Gattin, die gute Mutter
Frau Ottilia Harras
geb. Ziegler
geb. 4. Dez. 1800, gest. 26. Mai 18¿
Ihr folgten nach:
¿ treue Gatte, unser geliebter Vater
Großvater, Schwiegervater
Herr Karl Harras
Kaufmann
geboren zu Berlin d. 10. Jan. 18¿
gestorben zu München d. 1. Sept. ¿
Deren Kinder u. Enkel
Franz Harras
¿ April 1836, gest. 28. Juni 1¿
Ottilia Harras
¿ Nov. 1863, gest. 26. Aug. ¿
- Harras, Franz; ¿.4.1836 – 28.6.1856 (München); Kaufmanns-Sohn
- Harras, Karl; 10.1.18¿ (Berlin) – 1.9.1872 (München); Kaufmann
- Harras, Ottilia; ¿.11.1865 – 26.8.1867 (München); Kaufmanns-Tochter
- Harras, Ottilia (vh) / Ziegler (gb); 4.12.1800 – 26.5.1848 (München); Kaufmanns-Gattin





#21 – 7 – 35 (Sendtner · Völderndorff-Waradein)
Familie
von
Völderndorff
und
Waradein.
R. I. P.
Sockel
Linke Spalte
Max Josef Frhr. v.
cand. un.
geb. 12. Oktober 1820, gest. 3. März 1840.
Otto Frhr. v.
cand. med.
geb. 2. Oktober 1848, gest. 14. August 1867.
August Frhr. v.
cand. un.
geb. 16. Januar 1846, gest. 24. Sept. 1869.
Karoline Freiin v.
geb. 20. Dezemb. 1855, gest. 23. Novemb. 1879.
Rechte Spalte
Eduard Frhr. v.
Advokat
geb. 2. Mai 1812, gest. 15. April 1886.
Karl Frhr. v.
k. Amtsrichter
geb. 9. Dezemb. 1858, gest. 29. Oktob. 1886.
Rudolf Frhr. v.
Rechtspraktikant
geb. 12. August 1861, gest. 17. Novemb. 1887.
Emilie Freiin v.
geb. 14. Juni 1843, gest. 15. Mai 1900.
Margarethe Freifrau von Völderndorff u. Waradein
geb. 24. Juli 1824, gest. 14. Dezember 1907.
Rechte Seite
F. Kühn fecit ¿.
Henriette Sendtner
geb. Freiin v. Völderndorff u. Waradein
geb. 29.XI.1863 – gest. 14.III.1943
- Sendtner, Henriette (vh) / Völderndorff-Waradein, Freiin von (gb); 29.11.1863 – 14.3.1943
- Völderndorff-Waradein, August Freiherr von; 16.1.1846 – 24.9.1869 (München); Jura-Student
- Völderndorff-Waradein, Eduard Freiherr von; 2.5.1812 – 15.4.1880 (München); Anwalt
- Völderndorff-Waradein, Emilie Freiin von; 14.6.1843 – 15.5.1900 (München); Privatiere
- Völderndorff-Waradein, Karl Freiherr von; 9.12.1838 – 29.10.1886; Amtsrichter
- Völderndorff-Waradein, Karoline Freiin von; 20.12.1853 – 22.11.1879
- Völderndorff-Waradein, Margarete Freifrau von; 24.7.1824 – 14.12.1907
- Völderndorff-Waradein, Max Josef Freiherr von; 12.10.1820 – 3.3.1840
- Völderndorff-Waradein, Otto Freiherr von; 24.10.1848 – 14.8.1867 (München); Medizinstudent
- Völderndorff-Waradein, Rudolf Freiherr von; 12.8.1861 – 17.11.1887; Rechtspraktikant







#21 – 8 – 34* (Lochner)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Lochner, Andreas; 5.2.1824 (Mainburg) – 13.2.1855 (München); Historienmaler


Das Grab ist nicht erhalten
#Andreas Lochner
* 5.2.1824 (Mainburg)
† 13.2.1855 (München)
Historienmaler
#Augsburger Postzeitung (18.3.1856)
München.
München, im März. (Unlieb verspätet.) Der jüngste Rechenschaftsbericht des Kunstvereins enthält im Anhange auch einen Nekrolog auf unseren leider viel zu frühe verstorbenen Historienmaler A. Lochner. Da seit der Zeit seines Ablebens unbegreificher Weise keine der Zeitschriften ein ihm gebührendes Ehrengedächtniß veröffentlicht hat, so wird die nachfolgende Skizze Ihren Lesern gewiß willkommen sein.
Andreas Lochner, Historienmaler, wurde 1824 zu Mainburg geboren. Sein Vater, ein in dürftigen Verhältnissen lebender Riemermeister, brachte seinen Sohn, welcher schon in früher Jugend entschiedene Neigung zu kleinen künstlichen Gebilden verrieth, in seinem 13. Jahre zu dem Silberarbeiter Georg Sanktjohanser zu München in die Lehre. Nach vollendeter Lehrzeit trat er seine Wanderschaft an und verweilte Behufs seiner weitern Ausbildung bis zum Jahre 1845 in verschiedenen Städten Norddeutschlands. Allein je mehr während dieser Zeit seine Kenntnisse sich erweiterten und seine technische Fertigkeit in dem erwählten Berufe sich steigerte, desto weniger genügte der Letztere dem nach höherem Ziele strebenden Jünglinge. Er kehrte zurück mit dem festen Entschlusse, ungeachtet aller Hindernisse, welche bei seiner gänzlichen Mittellosigkeit sich der Erreichung seines Zieles entgegenstellten, fortan der Kunst sich zu widmen. Während die Tageszeit dem angestrengtesten Studium auf der hiesigen Akademie gewidmet war, benützte Lochner die Stunden der Nacht, um durch Ausführung von Entwürfen für Silberarbeiter und Gürtler und andere in dieses Fach einschlagende Arbeiten seinen bescheidenen Unterhalt zu gewinnen. Vier Hefte lithographirte Zeichnungen und Entwürfe für Silberarbeiter, welche er 1849 herausgab, München. Verlag von Mei und Widmayer, beurkunden seinen geläuterten Geschmack und reinen Formensinn und gehören mit zu den vorzüglichsten Leistungen im Gebiete der Ornamentik. Bei seinem entschiedenen Talente und dem eisernen Fleiße, mit dem Lochner dem neuen Berufe sich hingab, konnten die Erfolge nicht lange ausbleiben. Seine raschen Fortschritte befähigten ihn bald, kleinere Arbeiten, welche ihm Professor Schraudolph, dessen Unterricht er genoß, anvertraute, zur Zufriedenheit seines Lehrers auszuführen, und so stufenweise zu selbstständigen Kunstschöpfungen überzugehen.
Allein die Anstrengungen, welche den Uebergang vom Handwerke zur Kunst begleiteten, hatten seine ohnedieß schwächliche Körper-Constitution untergraben und erlaubten ihm nicht, des so heiß und erfolgreich erstrebten Ziels sich zu erfreuen. Die Kirchenscene aus Göthe's »Faust,« welche in den Sälen des Vereins zur Ausstellung kam und sich des ungetheiltesten Beifalls erfreute, sollte seine letzte Arbeit sein. (Gegenwärtig auf der Kunstausstellung in Prag befindlich). Kurz nach der Vollendung dieses Bildes erlag er einem Lungenleiden, dessen Keime er wohl schon lange in sich getragen und dessen schnelle Entwicklung durch unausgesetzte Anstrengungen nicht wenig gefördert worden sein mag, am 13. Februar 1855, im 31. Jahre seines Alters, tief betrauert von seinen Freunden, und Bekannten, welche ihm wegen seines glühenden Eifers für die Kunst, sowie seines bescheidenen liebenswürdigen Charakters ein ehrendes Andenken bewahren.
Augsburger Postzeitung Nr. 65. Dienstag, den 18. März 1856.
#Andreas Lochner, ein vergessener Mainburger Künstler (1880)
Andreas Lochner wurde (laut der Mainburger Pfarrmatrikel) am 5. Februar 1824 in Mainburg als das Kind armer Leute geboren; der Vater Andreas betrieb ein kleines Riemergeschäft, die Mutter Klara arbeitete als Näherin. Allein je mehr die Frau sich abkümmerte und plagte, um so weniger war der Mann der Arbeit hold. Der frühzeitige Tod der sorgenden Hausmutter beschleunigte den Verfall der Wirtschaft des Riemermeisters: der Witwer heiratete zwar eine zweite Frau, aber diese ließ sich bald von ihm scheiden. Der Mann verdiente nichts, kam ganz herunter und mußte schließlich unter Annahme der Stelle eines Gemeindefeldhüters mit seinen beiden Buben in's Armenhaus wandern, wo er bald starb. Die Kleinen wären wahrscheinlich in Not und Elend verkommen, hätte sich nicht ein gutmütiger geistlicher Herr zumal um den begabten Andreas warm angenommen. Das war der damalige Cooperator von Mainburg Georg Windmaißer, der in der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre (Febr. 1835 bis Januar 1840) hier wirkte. Wie mir unser verehrter Landsmann Joseph Schlicht,*) der anderthalb Jahre an seiner Seite lebte, mitteilt, war Windmaißer ein Mann von nobelster Hospitalität; wohlthätig überaus, hatte er zwar eine etwas rauhe derb wäldlerische Schale, aber der Kern war eine ungemein große Gutherzigkeit, weshalb er, um aus der Not zu helfen, keine Bitte abschlug und keine persönliche Bemühung und kein materielles Opfer scheute. Ueberhaupt sehr praktisch-tüchtig angelegt, war ihm namentlich ein ausgesprochener Kunstsinn eigen. Als Kaplan in Mainburg erkor er sich eine Anzahl der befähigteren Schulknaben, die er mehrmals in der Woche im Pfarrhofe im Zeichnen unterrichtete. Andreas Lochner, der frühe entschiedene künstlerische Neigung und Begabung an den Tag legte, ward sein Liebling, dem er in der Folge ein großer Wohlthäter wurde. Da aber die Mittel zum Betreten der Künstlerlaufbahn keineswegs hinreichten, so kam Andreas in seinem dreizehnten Jahre zu dem Silberarbeiter Georg Sanktjohannser nach München in die Lehre. Fortwährend blieb Windmaißer sein besorgter Gönner: er sammelte Gaben für ihn bei den wohlhabenderen Familien des Marktes; und den Schulmädchen, die er im Katechismus unterrichtete, gab er Garn mit dem Auftrage, für Andreas Strümpfe zu stricken. Nachdem die Lehrjahre durchgemacht waren, begab sich Lechner auf die Wanderschaft nach Norddeutschland, wo er sich zum Zwecke seiner Ausbildung bis zum Jahre 1845 in verschiedenen Städten aufhielt, längere Zeit besonders in Hamburg, das ihm aber, wie Windmaißer sich äußerte, für Gesundheit und Leben verhängnisvoll geworden. Lochners Uebergang vom Kunstgewerbe zur Kunst schildert der Jahresbericht des Münchener Kunstvereins pro 1855 mit folgenden Worten:
»Allein je mehr während dieser Zeit seine Kenntnisse sich erweiterten und seine technische Fertigkeit in dem erwählten Berufe sich steigerte, desto weniger genügte der letztere dem nach höherem Ziele strebenden Jünglinge. Er kehrte zurück mit dem festen Entschlusse, ungeachtet aller Hindernisse, welche bei seiner gänzlichen Mittellosigkeit sich der Erreichung seines Zieles entgegenstellten, fortan der Kunst sich zu widmen. Während die Tageszeit dem angestrengtesten Studium auf der Akademie in München gewidmet war, benützte Lochner die Stunden der Nacht, um durch Ausführung von Entwürfen für Gürtler und Silberarbeiter und andere in dieses Fach einschlagende Arbeiten seinen bescheidenen Unterhalt zu gewinnen. Vier Hefte lithographierter Zeichnungen und Entwürfe für Silberarbeiten, welche er 1849 herausgab, beurkunden seinen geläuterten Geschmack und reinen Formensinn und gehören mit zu den vorzüglichsten Leistungen im Gebiete der Ornamentik. Bei seinem entschiedenen Talente und dem eisernen Fleiße, mit dem Lochner dem neuen Berufe sich hingab, konnten die Erfolge nicht lange ausbleiben. Seine raschen Fortschritte befähigten ihn bald, kleinere Arbeiten, welche ihm sein Lehrer, Professor Schraudolph, anvertraute, zu dessen Zufriedenheit auszuführen, und so stufenweise zu selbstständigen Kunstschöpfungen überzugehen.«
An Ziseleurarbeiten von der Hand Lochners aus dieser Zeit sind mir bekannt geworden 1) eine silberne Tabaksdose, auf deren Deckel sich eine feine Darstellung der heiligen Familie befindet (jetzt im Besitze des H. Pfarrers König in Tunding); 2) ein vergoldeter Armreif aus Silber, mit dem Bilde der hl. Katharina und sehr schöner Ornamentik (im Besitze der früheren Haushälterin Windmaißers jetzt Lehrersgattin Kath. Schoder in Hohenwart).
Unter den kleineren Bildern religiösen Charakters von Lochner, die der Anregung und dem Auftrage seines Meisters Schraudolph ihre Entstehung verdanken, sind zu nennen St. Joseph mit dem Christuskinde (als Gegenstück zu Schraudolphs in der neuen Pinakothek befindlichen Madonna mit dem Kinde), deßgleichen die Madonna als Himmelskönigin mit dem Kinde, welche sämtlich durch die Gypen'sche Kunsthandlung in
München durch Stahlstich und Farbendruck vervielfältiget wurden. Außerdem befindet sich auch ein »Hl. Wendelin« von Lochner (gestochen von J. Kranker) in der Sammlung der relig. Bilder und Stahlstiche von Manz in Regensburg (Nr. 528).
Das erste größere Bild, womit der strebsame junge Künstler vor das Publikum trat, war eine Darstellung der biblischen Scene, wie David dem Könige Saul den Becher raubt; der Käufer des Malers alter Gönner Windmaißer, der seit l. Okt. 1851 Stadtpfarrer von St. Nikola bei Landshut geworden war (jetzt im Besitze des H. Pfarrers König in Tunding). Eines der Hauptverdienste Windmaißers ist die gelungene Restauration der Stadtpfarrkirche in St. Nikola. Seinem Schützlinge Lochner übertrug er dabei die Ausführung des Bilderschmucks am Hochaltare – den heiligen Bischof Nikolaus (photographiert bei Hudemann) als Pfarr- und Kirchenpatron und die vier Evangelisten. Weniger von Bedeutung ist ein Bild in der Friedhofkapelle daselbst, die Befreiung der armen Seelen durch einen Engel darstellend. In dieselbe Zeit fällt wohl auch ein Architekturbild, das Innere einer Klosterkapelle, wie eben Nonnen den Altar mit Blumen schmücken, wozu er das Motiv in der Afrakapelle zu Seligenthal fand (jetzt im Besitze des H. Pfarrers König), dann ein gothisches Flügelaltärchen mit der Immaculate als Hauptfigur, St. Georg und St. Andreas an den Seitenwänden, ebenfalls für Windmaißer eine heilige Familie mit Johannes (im Besitze des H. Pfarrers König), endlich das zwei Fuß hohe Porträt Windmaißers (Eigentum der Frau K. Schoder in Hohenwart.) Außerdem soll Lochner auch noch ein weiteres Altarblatt für eine Dorfkirche bei Landshut, deren Namen ich nicht in Erfahrung bringen konnte, gemalt haben. – »St. Martin mit dem Bettler den Mantel teilend«; eine Farbenskizze davon befindet sich im Besitze des Historienmalers Julius Frank in München.
Das Gebiet der religiösen Malerei war es keineswegs ausschließlich, dem Lochner seine Kraft widmete: zu ihr wurde er hauptsächlich durch die Anregung seines Lehrers Schraudolph und die Unterstützung seines Gönners Windmaißer hingezogen, die durch derartige Aufträge zugleich für seinen Lebensunterhalt sorgten. Auf seinen langjährigen Fahrten durch Deutschland war Lochners geistiger Gesichtskreis bedeutend erweitert, die Naivetät des ererbten Ahnen-Glaubens durch die Skepsis der Erkenntnis verdrängt worden. So war er den Lehren der Kindheit nahezu entfremdet, als ihm ein Freund das Leben Jesu von David Strauß in die Hand gab. Das berühmte Buch bewirkte das Gegenteil von dem was es erzielen sollte: Lochner erschrack vor den Konsequenzen und wendete sich wieder mehr christlicher Lebens- und Weltanschauung zu. Aus diesen Sturm- und Drangjahren stammt seine Vorliebe für Goethes Faust; er sah es als seine Lebensaufgabe an, diese größte deutsche Dichtung der Neuzeit zum Gegenstande der Darstellung zu machen. Zahlreiche Studien in seinen beiden erhaltenen Skizzenbüchern (im Besitze des H. Dr. H. Holland in München) zeigen, mit welchem Ernst, mit wie viel Lust und Liebe er die Vorbereitungen zur Ausführung seines Gedankens getroffen. Das erste Bild aus der Faustdichtung, mit dem er vor ein größeres Publikum trat, ist »Gretchen im Beichtstuhl von Mephisto belauscht«, das im Jahre 1852 im Kunstvereine zu Prag ausgestellt wurde, und dann in den Besitz der Gräfin Clam-Gallas übergegangen ist. Ueberhaupt war er ein großer Freund unserer schönen volkstümlichen Sagen. Die Kenntnis und Vorliebe dafür ward geweckt durch die rege Teilnahme an einer Gesellschaft von jungen Künstlern und Gelehrten, die an den langen Winterabenden an den Denkmalen der alt- und mittelhochdeutschen Literatur sich erfreute. So ging er unter Anderem daran, Kompositionen aus »Wieland dem Schmied« (für das »König-Ludwig-Album« bestimmt) und dem »Schiltberger« zu entwerfen, kam aber damit nicht zur Vollendung.
Lochner war sehr streng gegen sich und seine Arbeiten, rastlos bessernd und unermüdlich vorwärts strebend. Diese rühmliche Charaktereigenschaft, verbunden mit seiner Krankheit und Mittellosigkeit, die ihn zum Brodverdienste Handwertsarbeit aufzwangen, ließen ihn nur wenig producieren. Die Anstrengungen, welche den Uebergang vom Handwerke zur Kunst begleiteten, hatten, wie sein Nekrolog berichtet, seine ohnedies schwächliche Körperkonstitution untergraben und erlaubten ihm nicht, des so heiß und erfolgreich erstrebten Zieles sich lange zu erfreuen. Die Kirchenscene aus Göthe's Faust (Gretchen in der Kirche in Ohnmacht fallend), welche 1854 im Münchener Kunstverein zur Ausstellung kam und sich des ungeteiltesten Beifalles erfreute, sollte seine letzte Arbeit sein. Kurz nach der Vollendung dieses Bildes erlag er einem Lungenleiden, dessen Keime er wohl schon lange in sich getragen und dessen schnelle Entwickelung durch unausgesetzte Anstrengungen nicht wenig gefördert worden sein mag, am 13. Febr. 1855, im 32. Jahre seines Alters. Der Erlös aus dem genannten Bilde, das durch Vermittelung des Prof. Schraudolph ebenfalls nach Prag gekommen war, deckte die Verpflichtungen des durch lange Krankheit und Erwerbslosigkeit in bitterste Armut geratenen Künstlers und es blieb noch so viel übrig, daß ihm seine Freunde einen bescheidenen Denkstein auf dem südlichen alten Friedhofe in München setzen lassen konnten. Tief betrauerten ihn diese, die ihn hoch hielten ob seiner Begabung, seiner Begeisterung für die Kunst und vor Allem ob seines schönen Herzens.
So schloß ein Künstlerleben, voll der Entbehrung und Mühsal gerade in dem Augenblicke, da ein hellerer schönerer Stern ihm zu leuchten begonnen. Pflicht der Heimat ist es, sein Andenken in Ehren zu halten als eines ihrer besten Söhne, der auf so dornigen Pfaden zum Künstler sich emporgerungen.
*) Wir benützen die Gelegenheit, unsere Leser auf dessen herrliches Buch »Bayerisch Land und Bayerisch Volk« aufmerksam zu machen; es sollte in keiner altbayerischen Familie fehlen.
Martin Mayr: Andreas Lochner, ein vergessener Mainburger Künstler. Mainburg 1880.
[Anmerkung: Der Verfasser starb während der Drucklegung am 1. Mai 1880. Das Heft, von dem nur wenige Exemplare existieren, kam nie in den Handel.]

#21 – 8 – 35·36 (Petzl)
Hier ruhen:
Herr Josef Petzl,
Kunstmaler,
geboren am 23. Dez. 1803,
gestorben am 24. April 1871.
Dessen Gattin
Frau Josefa Petzl,
geboren am 6. März 1810,
gestorben am 20. Juli 1881.
Herr Ferdinand Petzl,
Kunstmaler,
geboren am 19. Oktober 1819,
gestorben am 15. September 1899.
Sockel
Herr Heinrich Petzl
kgl. bayr. Rechnungsrath a. D.
geb. 16. Aug. 1817, gest. 9. Sept. 1890.
Dessen Gattin
Frau Babette Petzl,
geb. 27. März 1840, gest. 28. Sept. 1917.
Linke Seite
Herr Bernhard Petzl,
k. b. Steuerrevisor,
geb. am 20. August 1772,
gest. am 5. März 1828.
Dessen Gattin
Frau Theresia Petzl
geb. am 18. Juni 1773,
gest. am 17. Febr. 1846.
Kosenbach.
Liegestein
Wilhelm Petzl
k. Rechn.-Raths-Sohn, Schüler d. I. Gymnasial-Klasse,
geb. 28. August 1873, gest. 24. Mai 1890.
Ferdinand Petzl
Kaufmann, z. Z. Soldat im k. Inf. Leib-Regt.
geb. 29. Juni 1871, gest. 13. Septbr. 1892.
Josef Petzl
Kaufmann
geb. 16. März 1866, gest. 4. Okt. 1915.
- Petzl, Babette (vw); 27.3.1840 – 28.9.1917; Rechnungsrats-Witwe
- Petzl, Bernhard; 20.8.1772 – 5.3.1828 (München); Steuerrevisor
- Petzl, Ferdinand; 18.10.1819 (München) – 15.9.1899 (München); Architekturmaler
- Petzl, Ferdinand; 29.6.1871 – 13.9.1892; Kaufmann und Soldat
- Petzl, Heinrich; 16.8.1817 – 9.9.1890; Rechnungsrat
- Petzl, Josef; 23.12.1803 (München) – 23.4.1871 (München); Genremaler
- Petzl, Josef; 16.3.1866 – 4.10.1915; Kaufmann
- Petzl, Josefa (vw); 6.3.1810 – 24.4.1881; Kunstmalers-Witwe
- Petzl, Theresia (vw); 18.6.1773 – 17.2.1846 (München); Steuerrevisors-Witwe
- Petzl, Wilhelm; 28.8.1873 – 24.5.1890 (München); Gymnasiast


#Ferdinand Petzl
* 18.10.1819 (München)
† 15.9.1899 (München)
Architekturmaler
#Münchner Neueste Nachrichten (19.9.1899)
Lokales.
München, 18. September.
Beerdigungen. [...] Im südlichen Friedhofe wurde Nachmittags 3 Uhr der in einem Alter von 80 Jahren verstorbene Kunstmaler Ferd. Petzl zur letzten Ruhe bestattet. Dem reich geschmückten Sarge folgten außer den nächsten Verwandten Kunstmaler, Bildhauer und viele andere Leidtragende. Petzl war ein reichtalentierter Künstler, der in der profanen wie auch in der religiösen Kunst sich bethätigte. Im Namen der Künstler-Genossenschaft München legte Herr Kunstmaler Groß einen Kranz auf's Grab, das noch mit einem solchen von der Königl. priv. Hauptschützengesellschaft München und vielen anderen geschmückt war.
Münchner Neueste Nachrichten No. 431. Dienstag, den 19. September 1899.
#Allgemeine Deutsche Biographie (1907)
Petzl: Ferdinand P., Architekturmaler, geboren am 19. October 1813 in München, † am 15. September 1899 ebendaselbst. Der Vater war ein Geometer bei der k. Steuercatastercommission. In dessen, heute durch die Piloty-Straße verbauten Gartenwohnung sammelte sich damals ein lebhafter, meist aus norddeutschen Elementen bestehender Künstlerkreis um den ältesten Sohn Joseph Petzl (s. A. D. B. XXV, 545), welcher sich frühzeitig in Dresden, Berlin und Hamburg, auch in Dänemark und Schweden, am Rhein und zu Düsseldorf, aber auch in Italien, Griechenland und Constantinopel umgethan und eine Menge fremdländischen Materials eingeheimst hatte, welches er in ebenso gut gezeichneten wie trefflich gemalten Bildern mit bestem Erfolg verarbeitete; er genoß durch sein leutseliges, tonangebendes Wesen, seine fröhliche, sarkastische Laune und als Arrangeur der damaligen Künstlerfeste großes Ansehen. In dieser Luft erhielt der jüngere Ferdinand P. die ersten Eindrücke, zeichnete bei dem seit 1834 in München weilenden Fr. Ant. Wyttenbach (geboren am 26. Februar 1812 in Trier, † am 9. November 1845 daselbst) zuerst nach Gyps, erhielt aber auch durch denselben Einblick in die Architektmalerei, frequentirte die Polytechnische Schule und Akademie, malte aus nahe liegenden Gründen eine Menge von kleinen, aber bestmöglichst ausgeführten Bildnissen, oblag aber bald nach dem Vorgange von Wyttenbach, Wilhelm Gail, Michel Neher, Quaglio u. A. der Architektmalerei. Deshalb zeichnete P. auf vielen Ausflügen durch Altbaiern und auf fortwährenden Studienfahrten nach Franken, Schwaben und Niederbaiern. Die Mittel zur Fortsetzung der Wanderung ergaben meist Porträte – der Ertrag jener zu kleinen Bildern verarbeiteten »Studien« ermöglichte dann die weitere Ausdehnung zu neuer Stoffeinsammlung aus den Rheinlanden, der Schweiz, Tirol und Oberitalien. Die merkwürdigsten Rathhäuser und Kirchenbauten, mit ihren Interieurs und Façaden, die Marktplätze mit ihren Wahrzeichen, die Vorhöfe alter Paläste, die Kreuzgänge mit allerlei plastischem Schmuck: das gab Alles erquickliche Ausbeute zu sorgfältig ausgeführten Oelbildern und Aquarellen. Manches erschien auch in Stahlstich, z. B. die Städte-Ansichten von Donauwörth und Nördlingen in dem (von Georg Franz herausgegebenen) »Malerischen Baiern« Fast alljährlich brachte P. kleine anziehende Bilder in den Kunstverein: Eine Partie aus der Martins-Kirche zu Landshut (1845); den kleinen Rathhaussaal in München (1846), die »Georgencapelle« auf der Trausnitz (1847), nachmals auch als Farbendruck in dem Prachtwerk des Freiherrn K. M. v. Aretin: »Alterthümer und Kunstdenkmale des Bairischen Herrscherhauses«; die Pfarrkirche zu Dinkelsbühl (1848); aus dem Allerheiligenstift zu Schaffhausen (1849), Maria Einsiedel in der Schweiz (1850), St. Ulrich in Augsburg (1852); das Stadthaus zu Ueberlingen; die Stiftskirche zu Ellwangen, das Münster zu Ulm (1854), die Jakobskirche zu Rothenburg (1859), die stattlichen Rathhäuser zu Lindau (1862), Konstanz, Nördlingen (1863) und Wetzlar; eine Partie aus Insbruck; Stein am Rhein (1864), Stiftskirche zu Aschaffenburg (1865), das Rathhaus zu Bamberg (1868) und der »Obstmarkt zu Bozen« (als Holzschnitt in Nr. 44 der »Gartenlaube«, 1873, S. 719) mit der Ansicht jenes Gasthauses, woselbst Goethe auf seiner italischen Reise 1876 wohnte – eine jetzt doppelt dankenswerthe Leistung, da bald nach Petzl's Aufnahme dieses anheimelnde Stück der Altstadt total niedergerissen und umgebaut wurde! Von seinen wiederholten Ausflügen nach Oberitalien brachte P. immer reiche Ausbeute: die Pescheria (Fischmarkt) in Venedig (1870), eine Seitencapelle in San Marco mit dem altbyzantinischen Madonnabilde und dem säulengetragenen Tabernacolo darüber; eine Ansicht der Maria della Salute (1872) und Palastbauten am Canale Grande; Erinnerungen an Riva und Torbole, den Domplatz in Trient und andere Scenerien aus Cadore, Tizians Heimath (s. Nr. 1788 d. »Illustr. Ztg.« Lpz. 6. Octbr. 1877), aus Verona, Belluno und Feltre. Ebenso reizten ihn die Erinnerungen an Alt-München mit den allgemach verschwindenden Thoren, Thürmen, Stadtmauern und dem ehemaligen malerischen aber holperigen Terrain, den fabelhaften Häuserfaçaden und Winkelwerk der Straßen; behauptete ja beispielsweise die Sendlingerstraße ihren ländlich kleinstädtischen Typus bis in die Mitte des vorigen Saeculums! Petzl's Bilder mit den culturhistorischen, oft höchst bidermaierschen, an den liebenswürdigen Humor Spitzweg's streifenden Staffagen erwarb bereitwillig der deshalb doppelt hochwohllöbliche Magistrat und vereinte sie nebst den Ansichten, Bildern und Veduten von Dillis, Lebschée, Michel Neher, Anton Höchl u. A. in dem neugegründeten, historischen Museum, welches fortwährend noch an Bedeutung und Zuwachs gewinnt. Ebenso reizte ihn das stattliche, vierhundertjährige Bauwerk der Frauenkirche mit ihrem freilich oft recht bunten und gegen den ursprünglichen Stil pietätlos und aufdringlich sich breitmachenden Capellenschmuck, welcher bei der folgenden Restauration gar zu unbarmherzig, neue Unbilden zu den alten häufend, wieder beseitigt ward. P. zeichnete und malte oft grimmigen Herzens diese pastosen Renaissance- und Zopfgebilde, wie ein gewissenhafter Biograph, alle diese malerischen Zuthaten mit Stift und Pinsel festhaltend: Zwei große Tableaux, welche König Ludwig II. (1867) für die Neue Pinakothek erwarb, geben treue Zeugschaft für die »verschwundene Pracht«. Diese Wahrheitsliebe und Gewissenhaftigkeit gehörte überhaupt zur Signatur seiner Kunst, die, trotz aller Diplomatik, durch coloristische Wirkung keine Einbuße erlitt. Eine ähnliche Vorliebe hegte P. für das alterthümliche Meran, das Schloß und die Stadtburg mit den Fürstenzimmern (s. Tiroler-Kalender für 1881); die Ruhestätte des Erzherzog Johann auf Burg Schönna hatte P. schon 1869 für die »Gartenlaube« (S. 581) gezeichnet. Noch größere Anhänglichkeit bewies er für das freilich gar geringe artistische Ausbeute bietende Lana, wo er durch zwei Decennien die Sommerfrische und Traubencur zu genießen pflegte, bis ein leichter Schlaganfall diesem harmlosen Vergnügen und der Ausübung seiner Kunst ein Ziel setzt. Ohne Berggigerl zu sein, trieb den Zweiundsiebzigjährigen noch die Wanderschaft mit dem üblichen Rucksack, mit Malkasten, Skizzenbuch und Bergstock auf die Spitze des Wendelstein. Dann ging es langsam aber stetig abwärts, bis sein Leben ohne eigentliche Krankheit, mit seniler Versagung der Kräfte, der süßen Gewohnheit des Daseins den Dienst kündete und seine Freunde um die Freude brachte, dem nahe bevorstehenden Achtziger ihre Huldigung zu erweisen.
Als hartgesottener Junggeselle hatte P. ebenso wie der ihm geistig vielfach Verwandte Karl Spitzweg (s. A. D. B. XXXV, 226) ein theilweise wahlverwandtes Ingenium zu allerlei liebenswürdigen oder schrulligen Eigenheiten. In erster Reihe stand eine unerschütterliche Wahrhaftigkeit, die er als Mensch und Künstler zeitlebens bewährte. P. ehrte das Andenken seiner Eltern, das Vorbild seines gefeierten Bruders Joseph, seiner Vorfahren – darunter befand sich auch der illustre Physiker, Mineralog und Akademiker Joseph P. (geboren am 25. August 1764 zu Zamberg, † am 8. April 1817 in München – vielfach verwechselt mit dem Wiener »Juvenal des XVIII. Jahrhunderts« Johann P. (Pezzl s. A. D. B. XXV, 578), dessen von Johann Georg Edlinger (1741, † 1819) gemaltes Bildniß immer im Atelier unseres Künstlers hing. – An dem unscheinbarsten Urväterhausrathsgerümpel klammerte sich seine pietätvolle Tradition fest: Alterthümliche Zunftkannen, Humpen, Gläser, Krüge, Teller, Platten, Schüsseln und anderweitiger Atelierschmuck von kostbaren Kästen mit enormer Fassungsgabe, zierliche Kästchen, Truhen, vierschrötigen Tischen und wackeligen Stühlen, deren Beinwerk ehedem vielleicht schon zu schweren Waffenthaten und Bauernkämpfen dienstbar gewesen. Kurz: ein wahres Museumsinventar und »antikes« Mobiliar, welches bei verschiedenen Um- und Auszügen – immer ein qualvoller Exodus – als liebwerthe, unveräußerliche Last im Gefolge alter Gypsabgüsse bereitwillig mitgeschleppt wurde. Daneben erfreute er sich an einer feinen, kleinen, durch Austausch von eigenen Werken immer erweiterten Galerie von Bildern seiner liebsten Zeitgenossen und Freunde. Und er war ein mitfühlender, theilnehmender Freund. Ungezählte Zeit vergeudete er uneigennützig mit Gefälligkeiten und Commissionen für Andere. Für sich lebte er knauserig und kleinlich, um Anderen opferwillig und großmüthig zu sein. Obwohl vorsichtig und mißtrauisch in Geldsachen, vertraute er doch seine ganze, mühselig zusammengehamsterte, buchstäblich vom Mund abgesparte Errungenschaft in sicheren Verwahr, um – Alles zu verlieren! Es stand übel um seine alten Tage, doch sprang eine wohlberechtigte Künstlerpension und eine verwandte Hülfe rechtzeitig vor den Riß. P. hing treuer an der Welt, als sie an ihm; der Abschied mochte ihm demgemäß nicht leicht geworden sein.
Trotz aller Einfachheit war P. doch ein complicirter Charakterkopf: Hackländer hatte aus diesem Stoff einen ganzen Künstlerroman und Franz Trautmann einen zweiten Theil zu seinem »Peter Nöckerlein« geschaffen! Sein schön modellirter Kopf wurde oftmals gemalt, er glich auffällig dem »Goldwäger« Gerard Dou's im Louvre zu Paris. Auch der Erzgießer Georg Howaldt († am 19. Januar 1883 zu Braunschweig, dessen Porträt in Nr. 2067 d. »Illustr. Ztg.«, Lpz. 10. Februar 1883) hätte als sein Zwillingsbruder gelten können.
Vgl. Das geistige Deutschland. 1898. I, 521. – Fr. v. Bötticher. 1898, II, 253. – Nr. 257 d. Allgem. Ztg. v. 16. November 1899. – Kunstvereinsbericht f. 1899 S. 78. – Bettelheim Jahrbuch, 1900. IV, 141.
Hyac. Holland.
Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1907.
#Josef Petzl
* 23.12.1803 (München)
† 23.4.1871 (München)
Genremaler
#Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode (24.12.1838)
Gallerie einiger in München lebender Künstler.
(Fortsetzung.)
Petzl, Joseph.
Joseph Petzl, geboren zu München im Jahre 1803, nimmt unter den vorzüglichsten Künstlern der Residenzstadt Bayerns eine der ersten Stellen ein. Sein Name hat sich bereits durch ganz Deutschland Bahn gemacht, denn allenthalben, wo man in den Besitz seiner Gemälde kommt, erquickt man sich an der Fülle und an der Kraft dieses Künstlers, der seinen Schöpfungen das frischeste Leben, die höchste Anmuth einhaucht und sie mit der seltensten Energie der Empfindung durchdringt. Seine Bestimmung war Historienmalerey. Der verdiente Direktor Langer übernahm die Bildung des begabten Zöglings. Allein das Volksleben, die häuslichen Scenen, die ländlichen Aufzüge, die er auf seinen kleinen Reisen durch Tyrol, Italien und der Schweiz kennen lernte, entfremdeten ihn dieser ernsten Richtung. Er malte kleine Piecen dieser Art, bis er in Berlin im Jahre 1827, aufgemuntert durch Professor Begas, in dessen Atelier er arbeitete, ein größeres Bild des von ihm liebgewonnenen Genres anfing und sich ganz diesem Fache widmete. Die berühmte Dresdner Gallerie bestimmte ihn, ein Jahr lang in Dresden zu bleiben, worauf er eine Reise durch Böhmen, Sachsen, Hannover, Schleßwig, nach Kopenhagen und einen Theil von Schweden machte. Auf der Rückreise aus dem für den Künstler in vielen Beziehungen interessanten Norden schlug er den Weg nach Düsseldorf ein, besuchte die Burgen am Rhein und kehrte im Jahre 1831 nach München zurück, wo er einige Bilder malte, und nach einem Jahre Aufenthalt mit einigen Freunden nach Rom reiste. – Die Griechen erwarteten ihren König Otto. Petzl, überall zustrebend, wo sich das Leben eines Volkes in froher Regsamkeit offenbart, wo seinem Talente bunte Scenen der Bewegung entgegenkommen, richtete sein Augenmerk nach Griechenland und benützte die Gelegenheit mit dem jungen König Otto dahin zu ziehen. Die ersten Freudentage deS hellenischen Volkes, das rege, charakteristische Leben und Treiben in Nauplia, mit Einem Worte, die Physiognomien der ersten Jubeltage lagen schon als Entwürfe in seiner Seele. Das große Interesse, das die Proclamation des Königs in Nauplia erregte, gab ihm Stoff zu einem Bilde: »Einer Versammlung von Häuptlingen wird die Proclamation vorgelesen.«
Er durchwanderte Lakonien, Maina, Arkadien, die Cykladen, Attika und Euböa, lernte die verschiedenen Costume und Gebräuche wie auch die verschiedenen Charaktere der Landschaften kennen und führte mehrere Gemälde aus, die uns die üppige Fülle der hellenischen Frauen und Mädchen, ihre reizenden Formen, die Glut ihrer Augen und die Rosen ihrer beredten Lippen eben so frisch darstellen, wie die Traube, die sie mit ihren weißen Händen in eine Krystallschale drücken. Das Meer, die Haine, die Fluren, die Lauben und der über sie ausgespannte blaue Himmel stellen uns getreu das Land dar, in welchem Anakreon und Pindar lebten. Er trat später eine Reise nach Constantinopel an, verweilte auf Pathmos und Ipsara und kam nach der türkischen Hauptstadt, als das Bairamsfest gefeyert wurde, welches ihm Gelegenheit bot, die letzten Reste des türkischen Luxus zu sehen. In der Ausstellung des Münchner Kunstvereins erschienen allmäliq diese griechischen Tableaux, die durch Anordnung und durch das lebenvollste Colorit die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zogen.
Im Herbste 1834 kehrte der Künstler nach München zurück. Seine Bilder finden sich in Dresden, Berlin, Hamburg, Stockholm, Düsseldorf und München.
Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode 154. Montag, den 24. Dezember 1838.

#21 – 8 – 37 (Hasselwander)
Hier ruhen:
Herr Jos. Hasselwander,
Major im k. b. 3. Feld Artillerie Regiment,
Ritter des b. Militär Verdienst Ordens,
Inhaber des pr. eisernen Kreuzes etc.
geboren am 21. März 1839,
gestorben am 28. Nov. 1880.
Frau Elise Hasselwander
geb. Kampferseck,
geb. am 4. Okt. 1853, gest. am 12. Jan. 1922.
Sockel
Den Heldentod f. d. Vaterland
fand bei Kielmÿ am 28.IV.1915
Herr Hermann Hasselwander,
Rittm. u. Escadr. Chef i. k. b. u. Schw. R. R.
Inh. d. eis. Kreuz. II. Kl. u. d. Mil. V. Ord. IV. Kl. m. Schwt.
geb. i. München 4.III.1877.
Linke Seite
Georg Schneider
- Hasselwander, Elise (vw) / Kampferseck (gb); 4.10.1853 – 12.1.1922; Majors-Witwe
- Hasselwander, Hermann [in memoriam]; 4.3.1877 (München) – 28.4.1915 (Kielmy/Litauen); Rittmeister
- Hasselwander, Josef; 21.3.1839 – 28.11.1880; Major




#21 – 9 – 1·2 (Koch)
Familie
Koch.


#21 – 9 – 29 (Renauld von Kellenbach)
FAMILIENGRAB
VON RENAULD
EDLE VON KELLENBACH
DR. HILDEBRAND v. R.
- Renauld von Kellenbach, Josef von, Dr. rer. pol.; 7.3.1847 (Kempten) – 11.12.1913 (München); Oberst und Volkswirt






#21 – 9 – 39 (Waldenfels)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Waldenfels, Elise Freiin von; 29.12.1832 – 16.1.1905
- Waldenfels, Henriette Freifrau von (vh) / Waldenfels, Freiin von (gb); 28.1.1785 – 28.3.1821
- Waldenfels, Hulda Freiin von; 14.5.1803 – 28.9.1840 (München); St. Anna-Ordens-Stiftsdame
- Waldenfels, Kathinka Freiin von; 4.9.1835 – 8.6.1905
- Waldenfels, Marie von (vh) / Cammerloher, von (gb); 2.8.1809 – 20.8.1887; Baubeamtens-Witwe
- Waldenfels, Sara von (vh) / Thomsen, von (gb); 14.3.1755 – 17.12.1835


#21 – 10 – 3 (Rebholz · Schliessleder)
Familie Rebholz.
Hier ruht
Frau Friedericke Rebholz
gest. 7. Aug. 1884.
Herr Carl Rebholz
gest. 10. Juli 1886.
Frau Amalie Schliessleder
22.X.1836 – 8.VII.1929.
Herr Carl Rebholz
7.X.1868 – 10.VIII.1929.
R. I. P.
21.10.3. Kosenbach
- Rebholz, Friederike (vh) / Zeiser (gb); – 7.8.1884 (München), 50 Jahre alt
- Rebholz, Karl; – 10.7.1886 (München), 63 Jahre alt
- Rebholz, Karl; 7.10.1868 – 10.8.1929
- Schliessleder, Amalie (vh); 22.10.1836 – 8.7.1929




#21 – 10 – 18 (Gehrlein · Grasser)
Gehrleinsches Familiengrab.
Hier ruhet
Herr Adam Gehrlein.
Gastwirth dahier,
geb. zu Pforzheim Rheinpfalz 24. Febr 1846
gest. 14. September 1889.
Ihm folgte unsere innigstgeliebte
unvergeßliche Tochter
Fräulein Marie Gehrlein,
geboren den 15. November 1872.
gestorben den 10. März 1893.
Ruhet sanft!
Ihnen folgte unsere liebe Mutter
Frau Maria Grasser. verw. Gehrlein.
Gastwirtswitwe.
gest. 23. Oktbr. 1913
Rückseite
Ihnen folgte mein unvergeßlicher Gatte
Herr Johann Grasser
Gastwirt.
geboren den 14. Juni 1855 in Fitzlsdorf,
gestorben den 19. September 1908.
21.10.18. R¿
- Gehrlein, Adam; 24.2.1846 (Pforzheim) – 14.9.1889; Gastwirt
- Gehrlein, Marie; 15.11.1872 – 10.3.1893 (München); Gastwirts-Tochter
- Grasser, Johann; 14.6.1855 (Fitzlsdorf) – 19.9.1908; Gastwirt
- Grasser, Maria (vw) / Gehrlein (vw); – 23.10.1913; Gastwirts-Witwe



#21 – 10 – 25 (Eichhorn)



#21 – 10 – 30 (Birkner)
FAMILIENGRAB
BIRKNER
- Birkner, Maria [in memoriam]; 1868 (München) – 1943 (München); Bankkassiers-Gattin


#21 – 11 – 1 (Schulzmann)
Hier ruht in Gott:
unser unvergeßlicher Vater,
der wohlgeborne Herr
August Schulzmann,
Maltuchfabrikant,
gest. am 4. Dez. 1885 – 79 Jahre alt.
Dessen Gattin,
unsere liebe, gute Mutter, Frau
Kathar. Schlachter,
verw. Schulzmann,
gest. am 9. Juli 1898 im 49.
Lebensjahre.
21.11.1.
- Schulzmann, August; – 4.12.1885; Maltuchfabrikant
- Schulzmann, Kathar. (vw) / Schlachter (gb); – 9.7.1898; Maltuchfabrikantens-Witwe


#21 – 11 – 27 (Leigh)
GRABSTÄTTE
FAMILIE
LEIGH
- Leigh, Max; – 27.8.1888 (München), 71 Jahre alt; Königlicher Hofschauspieler, Registrator und Aktuar


#Max Leigh
† 27.9.1888 (München), 71 Jahre alt
Königlicher Hofschauspieler, Registrator und Aktuar
#Chronik des königliche Hof- und Nationaltheaters in München (1878)
V.
Das Hof- und Nationaltheater unter Karl Theodor von Küstner. (1833–1842.)
Für untergeordnete Rollen im Schauspiel wurden Lysinka Darcourt und Max Leigh engagirt. Letzterer übernahm aushülfsweise auch grössere Rollen.
Chronik des königliche Hof- und Nationaltheaters in München. Zur Feier seines hundertjährigen Bestehens. Von Franz Grandaur, k. Regisseur. München; 1878.
#Landshuter Zeitung (7.2.1888)
(Dienstesnachrichten.) [...] der Intendanz-Registrator und Hofschauspieler Max Leigh in München unter wohlgefälliger Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste in den dauernden Ruhestand versetzt, [...]
Landshuter Zeitung Nr. 30. Dienstag, den 7. Februar 1888.
#Münchener Theater-Journal (29.9.1888)
Ein würdiger Veteran unserer Hofbühne, der Hofschauspieler Max Leigh, ist am Donnerstag einem mehrmonatlichen, schmerzvollen Leiden im 72. Lebensjahre erlegen. Der Verstorbene hat der Münchener Hofbühne als Schauspieler, und, in den letzten Jahren wohl nur mehr im Stillen wirkend, als Registrator und Bibliothekar Jahrzehnte hindurch treue Dienste geleistet.
Münchener Theater-Journal für dramatische und bildende Kunst, Literatur, Musik, Geselligkeit und für die Gesammt-Interessen der Bühnenwelt Nr. 32. 29. September 1888.

#21 – 12 – 1 (Ermarth)
Linke Spalte
¿
Rechte Spalte
Melanie Ermarth
geb. Häckl
Hofopernsängerin
geboren den ¿ Dezember ¿
gestorben den 30. ¿
- Ermarth, Albert / Puls (ps); 19.7.1846 (München) – 26.4.1901 (Hof); Schauspieler
- Ermarth, Jakob von; 26.10.1790 – 3.4.1865 (Augsburg); Generalleutnant a. D.
- Ermarth, Marie von (vh) / Popp (gb); 20.5.1806 – 24.2.1863 (München); Generalleutnants-Gattin
- Ermarth, Melanie (vh) / Puls (ps/vh) / Häckl (gb); Hofopernsängerin




#Albert Ermarth / Puls (ps)
* 19.7.1846 (München)
† 26.4.1901 (Hof)
Schauspieler
#Neueste Nachrichten (3.5.1887)
Herzlichen Dank
dem hochverehrten Publikum wie der gesammten Presse Münchens für die Güte und Nachsicht, die uns im Laufe unseres Wirkens an den hiesigen Bühnen zu Theil wurde, innigsten Dank ferner für die überwältigenden Beweise von Sympathie bei unserem Scheiden. Mit bewegtem Herzen sagen wir »Lebewohl«.
München, den 2. Mai 1887.
Albert & Melanie Ermarth.
Neueste Nachrichten und Münchener Anzeiger No. 123. München; Dienstag, den 3. Mai 1887.
#Münchner Neueste Nachrichten (1.5.1901)
Albert Ermarth
München, 30. April.
Von der alten Garde des Theaters am Gärtnerplatz ist wieder Einer dahingegangen. 20 Jahre lang wirkte Ermarth da draußen, eine feste Stütze des Hauses. Er gehörte dem Ensemble schon an, als es auf seinem Höhepunkt stand, als Kräfte wie Brummer, Dreher, Hofpaur, Albert, Neuert, Skitt, Flerx, Puley, Amalie Schönchen, Hartl-Mitius u. A. sich die ganze Volksgunst zu erwerben verstanden. Ermarth war kein großer Künstler, aber ein strebsamer, ein überaus fleißiger. Er war, wie man so sagt, für die Direktion eine grande utililé. Für Alles war er verwendbar, für jede Rolle setzte er seine ganze Kraft ein. Er war als Naturbursche, als Liebhaber, Charakterdarsteller, Sänger und Komiker an seinem Platze. Und wenn seine Leistungen auch nicht den Stempel der Größe trugen, so stellte er doch in allen Fächern seinen Mann. Und derartige Kräfte sind für ein Theater überaus werthvoll und schätzbar. Es können nicht Alle auf dem hohen Kothurn einherschreiten. Es wird Monate gegeben haben, in denen Ermarths Name auf keinem Zettel fehlte. Und wenn gerade Feiertage mit Nachmittagsvorstellungen waren, so mag er wohl in manchem Monat mehr als dreißigmal gespielt haben. Im Volksstück, im Schwank, in der Posse und in der Operette war er zu finden und manche beachtenswerthe Leistung steht den Theaterbesuchern dieser langen Zeit mit der Person Ermarths noch in freundlicher Erinnerung. Weniger lag ihm die Komik, in deren Fach er sich mehr und mehr hinüberdrängen ließ, es ist ja eine häufige Erscheinung, daß es Künstler gelüstet, Fächer zu spielen, die nicht in ihrer Sphäre liegen.
Es war Ermarth nicht an der Wiege gesungen, daß er am Thespiskarren ziehen solle, der Dilettantismus hatte das an ihm verschuldet. Ermarth war, wie die Leser schon vernahmen, der Sohn eines bayerischen Generals und hatte als solcher eine sorgfältige Erziehung genossen, er hatte das Kadettenkorps besucht und dort war es, wo er schon bei gelegentlichen Aufführungen auf der Bühne wirkte. Als schneidiger Reiterleutnant, dem ein kecker Renommirschmiß im Gesichte saß, hatte er den Feldzug 1866 mitgemacht. Da hatte es ihm im Jahre 1869 die Liebe zur Kunst und zu seiner späteren Frau, einer Bühnenkünstlerin, angethan. Er sagte der militärischen Laufbahn Valet und ging zum Theater. Schon im Jahre 1870 wurde er von Direktor Ascher am Carltheater in Wien engagirt, nachdem er am 3. September 1869 in einer Hamlet-Vorstellung — seinem ersten öffentlichen Auftreten — eine kleine Episodenrolle mit gutem Erfolg gespielt hatte. Regisseur Benedix, ein Sohn des bekannten Lustspieldichters, gab ihm Anleitung zur Vervollständigung seiner Schauspielkunst. Im Herbst 1870 kam Ermarth als erster Held und Liebhaber an das Theater in Laibach, und von da an begann ein ruheloses Wanderleben für den aufstrebenden Künstler, der nun auch die Misere des neuen Berufes kosten mußte. In nicht weniger als zehn verschiedenen Städten spielte er bis zum Jahre 1878, u. A. in Nürnberg, hauptsächlich aber auf dem Boden der österreichisch-ungarischen Monarchie, in Salzburg, Ischl, Franzensbad, Graz, Laibach, Prag, Effeg, Preßburg und Triest. Einmal gab es eine Zeit, in der er auch durch Klavierunterricht sein Brod erwarb; er war ein ausgezeichneter Klavierspieler und gab von seiner Fertigkeit auch auf der Bühne zuweilen Proben. So hatte er sich einmal im »Bibliothekar« eine bezügliche Einlage gemacht, die allgemein überraschte. Im Jahre 1880 trat Ermarth seine Stellung als Charakterkomiker am hiesigen Gärtnerplatztheater an. Seine Bildung, seine Belesenheit halfen ihm natürlich viel in der Auffassung und Durchgeistigung seiner Rollen, von denen besonders ernste seiner Individualität entsprachen. Sein Pfarrer von Kirchfeld z. B., der Pfarrer in der »Versunkenen Glocke« waren vorzügliche Darbietungen. Sein Temperament war etwas aufbrausend, er trug leicht das Herz auf der Zunge und legte seine Worte nicht auf die Wage. Das mag ihn mit manchen Kollegen in Konflikt gebracht haben und mag auch der Grund gewesen sein, daß er nach dem langjährigen Regime Lang vom Gärtnerplatztheater scheiden und in seinen alten Tagen nochmal zum Wanderstabe greifen mußte. Nachdem er in Wien gastirt hatte, schloß er sich in den Jahren 1900 und 1901 dem Dreher'schen Lustspiel-Ensemble an. Mit dem zunehmenden Alter hatte aber die Elastizität des Unermüdlichen doch ihre Grenze erreicht. Die Anstrengungen, denen er sich unterzog, hatten Gehirnblutungen zur Folge, die das erste Mal vorübergingen, ohne scheinbar nachtheilige Wirkungen zu hinterlassen, dann aber erneut auftraten und schließlich eine Lungenentzündung im Gefolge hatten, die seinen Tod herbeiführte. War Ermarth ein fleißiger und tüchtiger Künstler, so war er auch ein seelenguter Mensch. Alle, die ihn kannten, lobten namentlich seine Fürsorglichkeit als Familienvater. Mit den Seinen lebte er in glücklichster Harmonie. Seine Gattin, Frau Melanie Ermarth, war viele Jahre hindurch erste Operettendiva am Gärtnerplatztheater, seine Schwägerin Frl. Häckl hatte als Sängerin gleichfalls schöne Erfolge. Von den beiden Töchtern Ermarths mußte die eine zum tiefsten Schmerz der Eltern in einer Heilanstalt untergebracht werden. Die andere aber, die eine sorgfältige Erziehung genoß, bestand zur Freude des Vaters vor etwa zwei Jahren als Rautendelein in der »Versunkenen Glocke« an der Stätte, der Ermarth seine ganze Lebenskraft gewidmet, am Gärtnerplatztheater, die Feuerprobe. Die jugendliche Künstlerin, die in Wien Engagement fand, wird demnächst in den Verband des Stadttheaters in Riga eintreten. Ermarth, der selbst die Bitternisse des Lebens kosten gelernt, hatte auch für Andere stets ein warmes Herz. Wo immer bei einer Wohlthätigkeitsvorstellung an seine Mitwirkung appellirt wurde, da war er sofort bereit. Das Vertrauen seiner Kollegen berief ihn zum zweiten Vorsitzenden des Pensionsvereins der Mitglieder des Gärtnerplatztheaters. Als seinerzeit debattirt wurde, ob der Pensionsverein aufgelöst werden solle, da trat Ermarth mit voller Lebhaftigkeit für die Forterhaltung des Humanitären Unternehmens ein, ja er war der letzte Redner, der für ein Weiterbestehen das Wort ergriff. Bei aller Strebsamkeit und bei allem Fleiß konnte Ermarth keine irdischen Schätze sammeln. Seine Hinterlassenschaft ist ein gutes Andenken an einen edlen Charakter und an einen schaffensfreudigen, dem Idealen zustrebenden Künstler.
H. R.
Münchner Neueste Nachrichten No. 203. Mittwoch, den 1. Mai 1901.

#21 – 12 – 4 (Behrens · Werner · Zierlein)
Familie
Werner u. Zierlein.
Hier ruhet in Gott:
Herr Anton Werner,
geb. d. 29. März 1829.
gest. d. 8. Februar 1894.
Ihm folgte seine Gattin
Frau Josefa Werner
am 29. November 1908
im 71 Lebensjahre.
Frau Lina Behrens
geb. Werner
* 21. Juni 1861 † 18. Mai 1934.
Sockel
Hans Werner
* 10.10.1864 † 20.12.1937.
21.3.4. Burlein.
- Behrens, Lina (vh) / Werner (gb); 21.6.1861 – 18.5.1934
- Werner, Anton; 29.3.1829 – 8.2.1894 (München); pensionierter Lokomotivführer
- Werner, Hans; 10.10.1864 – 20.12.1937
- Werner, Josefa (vw); – 29.11.1908



#21 – 12 – 5 (Wolf)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Wolf, Ludwig; – 20.10.1888 (Schondorf), 71 Jahre alt; Hofmusikus


#Ludwig Wolf
† 20.10.1888 (Schondorf), 71 Jahre alt
Hofmusikus
#Münchner Neueste Nachrichten (21.10.1888)
Lokales.
München, 20. Oktober.
(Ein Veteran der Musik,) Herr Ludwig Wolf, pens. Hofmusiker, wurde gestern Abend auf seiner Villa in Schondorf vom Schlage gerührt und ist heute früh 3 Uhr dortselbst verschieden. Der Verstorbene war 60 Jahre lang Lehrer an der Akademie und viele Jahre eifriges Ausschußmitglied der musikalischen Akademie. Die Leiche wird von Schondorf hieher überführt.
Münchner Neueste Nachrichten No. 485. Sonntag, den 21. Oktober 1888.

#21 – 12 – 16 (Peter)
¿
Ritter von Peter’sche
Familiengrabstätte.
Tafel
Die Inschrift ist nicht erhalten
- Peter, Adolf Ritter von; 18.12.1810 – 21.11.1881; Bezirksamtmann a. D.
- Peter, Alfons Ritter von; – 2.4.1889, 57 Jahre alt; Postoffizial a. D.
- Peter, Maria von (vh) / Gerstner (gb); 23.9.1843 – 3.7.1896



#21 – 12 – 17 (n. n.)


#21 – 12 – 18 (n. n.)


#21 – 12 – 26 (Karl)
¿
Herr Anton Karl
¿
Frau Rosina Karl
¿
¿ Tochter
Frln. Therese Karl
¿ Mai ¿ im 6¿ Lebensjahre.
- Karl, Anton
- Karl, Rosina (vh)
- Karl, Therese


#21 – 12 – 27·28 (Demmelmaier)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Demmelmaier, Therese; – (26).12.1885 (München), 85 Jahre alt; Privatiere


#21 – 12 – 29 (Beck)
Hier ruhet in Gott
unser innigstgeliebter, theuerer Sohn
Ludwig Beck,
geb. den 28. Febr. 1863, gest. d. 30. Mai 1877.
Ihm folgte unser theuerstes Töchterchen
Rosa Beck,
geb. d. 28. März 1868, gest. d. 22. März 187¿.
Ihnen folgte unser Gatte und Vater
Jean Beck,
gest. den 15. Mai 1904.
Dessen Gattin
Maria Beck
gest. den 20. Juni 1911.
Sockel
Kaufmann Beck’sches
Familiengrab.
A. Rehm.
- Beck, Jean; – 15.4.1904
- Beck, Ludwig; 28.2.1863 – 30.5.1877 (München); Kaufmanns-Sohn
- Beck, Maria (vw); – 20.6.1911
- Beck, Rosa; 28.3.1868 – 22.3.1879 (München); Kaufmanns-Tochter



#21 – 12 – 30 (Braun · Heiss)
Familien-Grabstätte.
Hier ruhet in Gott
unsere liebevolle unvergessliche
Gattin und Mutter
Frau Rosalia Heiss, geb. Strasser,
Kuttler und Darmhändlers-Gattin,
geb. 1. September 1839, gest. 2. Januar 1892.
Ihr folgte ihre Tochter
Frau Anna Braun, geb. Heiss,
geb. 20. Mai 1866, gest. 17. Juli 1892.
Unser unvergesslicher Vater
Herr Egid Heiss, Privatier
ehem. Kuttler und Darmhändler,
geb. 29. August 1836, gest. 20. Februar 1915.
Ruhet in Frieden!
- Braun, Anna (vh) / Heiss (gb); 20.5.1866 – 17.7.1892
- Heiss, Egid; 29.8.1836 – 20.2.1915; Darmhändler und Kuttler
- Heiss, Rosalia (vh) / Strasser (gb); 1.9.1839 – 2.1.1892; Darmhändlers-Gattin


#21 – 12 – 31 (Sauer)
Hier ruhet in Gott:
Josef Sauer,
Privatier,
geb. d. 15. Januar 1793, gest. d. 16. Januar 1870.
Margaretha Sauer,
geb. Wenger,
geb. d. 29. Juni 1814, gest. d. 26. Januar 1877.
Josef Sauer,
Cand. d. Rechte,
geb. d. 10. Mai 1840, gest. d. 5. Oktober 1862.
Fräulein Anna Sauer,
geb. d. 27. April 1842, gest. d. 24. Oktober 1924.
21.12.31. Kosenbach.
- Sauer, Anna; 27.4.1842 – 24.10.1924
- Sauer, Josef; 10.5.1840 – 5.10.1862 (München); Jurastudent
- Sauer, Josef; 15.1.1793 – 16.1.1870 (München); Privatier
- Sauer, Margaretha (vw) / Wenger (gb); 29.6.1814 – 26.1.1877 (München); Privatiers-Witwe


#21 – 12 – 32 (Interwies)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Interwies, Karolina (vw) / Wagner (gb); – (15).5.1893, 58 Jahre alt; Feldwebels-Tochter aus Dankenfeld / Kriegskommissärs-Witwe
- Interwies, Peter; – (18).2.1885, 68 Jahre alt; Kriegskommissär


#21 – 13 – 1·2 (Harlander)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Harlander, Friedrich; – (9).9.1893, 67 Jahre alt; Silberarbeiter
- Harlander, Karolina; – (1).4.1868 (München), 1 Jahr alt; Silberarbeiters-Tochter


#21 – 13 – 6 (Würfl)
Hier ruhet in Gott
unser lieber, unvergeßlicher
Gatte und Vater,
Herr Korbinian Würfl,
k. Staatsbahnkond. a. D.
geb. den 18. Nov. 1848, gest. den 19. Sept. 1898.
Ihm folgte unsere einzige, unver-
geßliche Tochter und Schwester,
Fräulein Hedwig Würfl,
gest. den 11. Jan. 1900, im Alter von 20 Jahren.
Unsere liebe, unvergeßliche Mutter
Frau Therese Würfl,
geb. Dippl,
geb. den 17. März 1845, gest. den 23. Aug. 1919.
Familien-Grabstätte.
21.13.6. J. Deiser
- Würfl, Hedwig; – 11.1.1900
- Würfl, Korbinian; 18.11.1848 – 19.9.1898; Staatsbahnkondukteur
- Würfl, Therese (vh) / Dippl (gb); 17.3.1845 – 23.8.1919


#21 – 13 – 8·9 (Ziegler)
Dr. jur.
Ritter von Ziegler
Regierungspräsident
1839 – 1897
- Ziegler, Adele von; 17.7.1878 – 25.4.1885
- Ziegler, Adelheid von (vw) / Donnersperg, von (gb); 2.8.1810 – 29.9.1887; Majors-Witwe
- Ziegler, Elisabeth von; 26.8.1873 – 23.4.1874 (München); Stadtgerichtsassessors-Tochter
- Ziegler, Friedrich Ritter von, Dr. jur.; 10.3.1839 (München) – 8.6.1897 (München); Kabinettssekretär, Ministerialrat und Regierungspräsident
- Ziegler, Helene von (vh) / Stengel, Freiin von (gb); 22.5.1880 – 20.10.1906
- Ziegler, Otto von; 30.10.1843 – 30.9.1903; Regierungsrat
- Ziegler, Petronella von (vh) / Bernklau, von (gb); – 29.11.1846 (München), 72 Jahre alt; Rechnungskommissärs-Witwe
- Ziegler, Xaver von; 26.10.1796 – 11.1.1883


#Dr. jur. Friedrich Ritter von Ziegler
* 10.3.1839 (München)
† 8.6.1897 (München)
Kabinettssekretär, Ministerialrat und Regierungspräsident
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Ziegler Friedrich, Dr. jur., von, Ritter, Exzellenz, 1839 (München) – 1897, Kabinettssekretär, Ministerialrat und Regierungspräsident; Sohn eines Offiziers beim Infanterie-Leibregiment, studierte Z. in seiner Vaterstadt, um in den bayerischen Gerichts- und Verwaltungsdienst zu treten; nach Verwendung als Staatsanwalt war er schon unter Eisenhardt im Kabinettssekretariat Ludwigs II. tätig, 1877 wurde er Leiter des Kabinettssekretariats und Ministerialrat; diese Stelle versah Z. unter sehr schwierigen Verhältnissen in loyaler und uneigennütziger Weise, 1883 wurde er Ministerialrat im Kultusministerium mit dem Referat für Universitäten, Kunst u. a.; Z. stand auch unter den Nachfolger-Kandidaten des Ministerverwesers J. von Lutz; seit 1886 Staatsrat, war er von 1888–1894 Regierungspräsident der Oberpfalz und dann bis zu seinem Tod Regierungspräsident von Oberbayern; Z. war ein gewissenhafter und vielseitig gebildeter Staatsbeamter, der bei der Entmündigung Ludwigs II. eine nicht unbedeutende Rolle spielte.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#21 – 13 – 12·13 (Eggelkraut · Gröber)
Hier ruhen in Gott
Frau Hermine Gröber,
geb. von Eggelkraut,
Bezirksamts-Assessorsgattin,
gest. am 11. Juli 1886, im 29. Lebensjahre.
Deren Töchterchen Maria Gröber,
gest. am 27. Septbr. 1887, im 5. Lebensjahre.
Herr Josef Gröber
k. Bezirksamts-Assessor a. D.
gest. am 2¿. Septbr. 1889 im 48. Lebensjahre.
Frl. Emilie von Eggelkraut
geb. am 12. Febr. 1848, gest. am 9. Sept. 1916.
- Eggelkraut, Emilie von; 12.2.1848 – 9.9.1916
- Gröber, Hermine (vh) / Eggelkraut, von (gb); – 11.7.1886; Bezirksamtsassessors-Gattin
- Gröber, Josef; – 2¿.9.1889; Königlicher Bezirksamtsassessor
- Gröber, Maria; – 27.9.1887


#21 – 13 – 14 (Schafhäutl)
DR. PHIL. DR. MED.
KARL EMIL
SCHAFHÄUTL
UNIVERSITÄTSPROFESSOR
MUSIKTHEORETIKER
1803 INGOLSTADT
1890 MÜNCHEN
- Schafhäutl, Karl Emil, Dr. phil. et Dr. med. / Pellisov (ps); 16.2.1803 (Ingolstadt) – 25.2.1890 (München); Bibliothekar, Musiktheoretiker, Naturwissenschaftler, Schriftsteller und Theaterschriftsteller


#Dr. phil. et Dr. med. Karl Emil Schafhäutl / Pellisov (ps)
* 16.2.1803 (Ingolstadt)
† 25.2.1890 (München)
Bibliothekar, Musiktheoretiker, Naturwissenschaftler, Schriftsteller und Theaterschriftsteller
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Schafhäutl Karl Emil Franz, Dr. phil. et med., von, 1803 (Ingolstadt) – 1890, Naturwissenschaftler, Musiktheoretiker, Bibliothekar, Polyhistor und Universitätsprofessor; nach Studien in Landshut wurde Sch. 1827 Skriptor an der Münchner Universitätsbibliothek, weilte 1834/41 in England, mit Verbesserung von Eisen zur Stahlbereitung beschäftigt, erfand Verbesserungen des Puddelprozesses (= Herstellung von Gußstahl und Zement) und entdeckte den Stickstoff im Eisen; in Lublin erwarb er den Dr. phil. und den Dr. med.; 1843 erhielt Sch. in München die Professur für Geognose, Bergbau und Hüttenkunde, daneben war er auch Oberbibliothekar an der Universitätsbibliothek; er verfertigte außerdem ein Fernrohr und ein Spiegelteleskop; seine Kenntnisse in Musik und Musikgeschichte veranlaßten Sch. zur Fertigung von Musikinstrumenten; ihm verdankt man die Einführung des Orgelregisters, auch eine Verbesserung des Orgelgebläses; Sch. hat die Wiederbelebung des Chorals und der klassischen Polyphonie und kirchenmusikalische Forschungen angeregt, er hat sich auch als Schriftsteller unter dem Pseudonym Pellisov betätigt.
Hauptwerke: Plinganser (Trauerspiel), Südbayerns Lethaea Geognostica (mit Atlas), Der echte Gregorianische Choral, Ein Spaziergang durch die liturgische Musikgeschichte, Abt Vogler (Biographie).
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#21 – 13 – 21·23 (Ernst · Troglauer)
FAMILIE ERNST.
Hier ruhen in Gott:
der beste und treubesorgteste Vater
Herr Josef Ernst,
Realitätenbesitzer,
geb. 7. April 1825, gest. 24. April 1905.
Ihm gingen voran
seine treue Gattin, unsere unvergessliche Mutter
Frau Karolina Ernst, geb. Vötter
geb. 9. April 1835, gest. 17. März 1899.
und deren Tochter
Marie Ernst,
gest. 29. Juni 1876, im 16. Lebensjahre.
Frau Barbara Ernst, geb. Welsch
Bankmetzgermeisters-Gattin
geb. 9. Dezember 1858, gest. 3. Februar 1895.
Ihnen folgte unser unvergesslicher Gatte u. Vater
Herr Josef Ernst,
Privatier,
geb. 5. Mai 1856, gest. 23. November 1909.
Deren Söhnchen Josef Ernst,
geb. 1. Dezember 1891, gest. 19. Januar 1905.
Schneider
Sockel-Tafel
Hier ruht
unser lieber Gatte und Vater
Herr Hans Troglauer
Oberpostmeister a. D.
geb. am 2. Febr. 1859,
gest. am 9. Febr. 1940.
- Ernst, Barbara (vh) / Welsch (gb); 9.12.1858 – 3.2.1895; Bankmetzgermeisters-Gattin
- Ernst, Josef; 1.12.1891 – 19.1.1905
- Ernst, Josef; 5.5.1856 – 23.11.1909
- Ernst, Josef; 7.4.1825 – 24.4.1905
- Ernst, Karolina (vh) / Vötter (gb); 9.4.1835 – 17.3.1899
- Ernst, Marie; – 29.6.1876 (München), 16 Jahre alt; Metzgermeisters-Tochter
- Troglauer, Hans; 2.2.1859 – 9.2.1940; Oberpostmeister


#21 – 13 – 29 (Schnabl)
Ruhestätte
der
Familie Schnabl
- Schnabl, Adolf Christian; – (21).5.1886 (München), 5 Tage alt; Lehrers-Sohn
- Schnabl, Johann Nepomuk; – (18).6.1899 (München), 45 Jahre alt; Lehrer
- Schnabl, Oskar; – (17).4.1880 (München), 3 Monate alt; Lehrers-Sohn


#21 – 13 – 30 (Texter · Volkart)
Familie Texter.
Hier ruht
unser unvergesslicher Sohn
Max
geboren den 13. Dezember 1876,
gestorben am 31. Dezember 1891.
Ihm folgte sein Onkel
Herr Ferdinand Volkart
Kaufmann
geboren den 25. Mai 1854 in Cilli
gestorben am 22. Dezember 1902.
Maria Volkart
* 23.3.1856 † 12.2.1940.
Sockel
Kosenbach
- Volkart, Ferdinand; 25.5.1854 – 22.12.1902; Kaufmann
- Volkart, Maria; 23.3.1856 – 22.2.1940
- Volkart, Max; 13.12.1876 – 31.12.1891




#21 – 13 – 31 (Dorner · Drechsel-Deuffstetten)
Hier ruhet in Gott
Gräfin
Caroline von Drechsel-
Deuffstetten
Königl. Staatsraths-Tochter
geboren den 16. November 1811,
gestorben den 1. Mai 1894.
R. I. P.
21.13.31. Kosenbach.
- Dorner, Johann Jakob (d. J.); 7.7.1775 (München) – 14.12.1852 (München); Galerieinspektor, Landschaftsmaler, Lithograph und Zeichner
- Drechsel-Deuffstetten, Karoline Gräfin von; 16.11.1811 – 1.5.1894; Staatsrats-Tochter

#Johann Jakob Dorner (d. J.)
* 7.7.1775 (München)
† 14.12.1852 (München)
Galerieinspektor, Landschaftsmaler, Lithograph und Zeichner
#Artistisches München im Jahre 1835 (1836)
Dorner, Johann Jakob, Sohn des Hofkammerraths Dorner, wurde 1775 zu München geboren. Schon als Kind von 6 Jahren zeigte sich das Talent dieses Mannes zur Kunst; indem er in diesem zarten Alter aus eigenem innern Triebe aus Wachs und aus Thon Figuren, Kruzifixe u. dgl. modelte. Sein Vater, aufmerksam auf des Kindes sich entwickelndes Genie, gab ihm daher Unterricht in der Zeichenkunst, ließ ihn aber 5 Schulen studiren, in welchen er einen guten Fortgang machte.
Im Jahre 1794 ging er ganz zur Kunst über, folgte seiner Neigung, und wählte das Landschaftsfach. Er studirte nach den Gemälden des Claudius Gelée (auch Lorrens und Lorain genannt) und dann nach der Natur, wo er die schönen Gegenden Bayerns benützte, und sie Theils abzeichnete, theils auch mit Oel- und mit Wasserfarben malte. Nebstdem widmete er sich, unter Anleitung seines Vaters, der Reparirung beschädigter Malereien in Oel und Pastel.
Sein sich allmählig entwickelndes und zu einem großen Künstler heranbildendes Talent blieb Seiner Majestät dem Könige Max Joseph nicht unbekannt, und dieser erhabenste Beschützer und Gönner der Künste und Wissenschaften, ließ ihn 1802 nach Frankreich auf seine Kosten reisen. Dorner nahm dahin durch die Schweiz seinen Weg, zeichnete die schönsten Gegenden der Schweiz und Frankreichs, und verweilte längere Zeit in Paris, wo er im dortigen Museum nach den Werken der ersten Künstler, vorzüglich aber nach Claudius, Gelée und K. Dujardin studirte, und kehrte dann 1803 in sein Vaterland Bayern zurück, wo er Anfangs als Reparateur der Gemälde bei der königl. Gallerie angestellt, im Jahre 1808 aber zum Gallerie-Inspektor befördert wurde.
Die ehemalige bayerische Landschaft gab nun diesem jungen, sich so vorzüglich ausbildenden, Künstler den Auftrag, ihr die Residenzstadt München und die Stadt Landshut zu malen, die er auch zur vollen Zufriedenheit aller Kenner verfertigte. Diese Gemälde hängen gegenwärtig im Plenum des königlichen Generalkommissariats vom Isarkreise in München. Für Se. Majestät den König Max Joseph malte er aber mit kunstreichem Pinsel die Gegend von Paris auf Leinwand, 5 Schuh lang und 4 Schuh 5 Zoll hoch. In der königl. Gemäldegallerie befindet sich von ihm eine ferne Aussicht auf das Rheinthal bey Freyburg in Breisgau, mit vielen Figuren im Vorgrunde, auf Holz. Mehrere Privaten in München besitzen sehr schöne Landschaften von seinem Pinsel.
Den 20. July 1815 wurde Dorner ordentliches Mitglied der churfürstlich hessischen Akademie in Hanau. 1818 reiste er nach Wien, um die verschiedenen Gallerien zu besuchen, und sich noch mehr Kenntnisse der verschiedenen Meister zu verschaffen. Hier bemerkte er zuerst, daß ihm etwas im rechten Auge fehle, wo sich in der Folge der graue Staar zeigte. Im Jahre 1820 den 22. März erhielt er das Diplom als Ehrenmitglied der k. k. österreich. Akademie der Künste in Wien. Im nämlichen Jahre den 16. Dezember wurde er ordentliches Mitglied der königl. Akademie in Berlin.
In selbem Jahre, 1820 den 5. September, wurde er durch den verdienstvollen Herrn Doktor Reiner im rechten Auge vom grauen Staar sehr glücklich befreit, so daß er nach einem Zeitraume von 4 Jahren, wo er nichts arbeiten durfte, bis jetzt den kleinsten Gegenstand sehen und malen kann, ungeachtet er nun den grauen Staar auf dem linken Auge hat, und folglich nur mit dem rechten, operirten, arbeiten kann.
1821 verfertigte Dorner das erste Gemälde wieder, welches Se. Majestät der verstorbene König Max ankaufte, und in die königl. Bilder-Gallerie stellen ließ. 1824 wurde er von der königl. Akademie der bildenden Künste zum Ehrenmitgliede ernannt.
Sein größtes Gemälde, das er aus Auftrag Sr. Maj. des Königs Maximilian verfertigte – welches man aber nun beinahe nicht mehr erkennt, indem selbes der Hr. Direktor v. Mannlich ganz übermalte – befindet sich in der königl. Gallerie zu Schleißheim. Es stellt den Walchensee vor, und hat 14 Fuß in der Länge und 8 Fuß in der Höhe. Mehrere Gemälde befinden sich im königl. Schloss zu Tegernsee. Herr Kunsthändler Artaria besitzt eine Landschaft von seiner Hand, welche unter seine bessern Arbeiten der zweiten Epoche gehört; Hr. Graf v. Schönborn besitzt zwei Wasserfälle von seinem Pinsel, Hofbanquier Trautmann, Graf Louis v. Arco, Graf v. Schönborn in Pommersfelden, Graf von Pappenheim etc. besitzen Gemälde von ihm. Sehr viele sind im Auslande, z. B. in London bey Lord Brikstock, Lord Rose; in Berlin im Kabinet bei Sr. Majestät dem König, bei Hrn. v. Spicker, königl. Hofbibliothekar etc; in Petersburg, in Wien, in der Sammlung des Hrn. Grafen Rosamofsky u. s. w.
Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Mechaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.
#Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode (13.12.1838)
Gallerie einiger in München lebender Künstler.
(Fortsetzung.)
Dorner, Johann Jacob.
Neben Dillis ragt in noch immer frischer Thatigkeit der Veteran der Landschaftsmaler, Johann Jacob Dorner, ein geborner Münchner. Seine ersten Lebensverhältnisse sind so einfach wie jene des Central-General-Directors Dillis. Der früh erwachte Bildungstrieb bestimmte auch Dorner für die Kunst und führte ihn von den ersten Versuchen in Wachs und Thon zu Pinsel und Palette. Claudius Gelée (Claude Lorrain oder Lorrens) war des Jünglings erstes, classisches Vorbild, nach welchem er seine Studien machte, bis Dorner, sich zur Selbstständigkeit immer mehr und mehr entwickelnd, seiner Neigung folgte und nach der Natur zeichnete. Die malerischen Gegenden des bayerischen Oberlandes zogen den jungen Künstler bald mit ihrem Zauber an. Er zeichnete und malte sie theils in Öhl, theils in Wasserfarben. Er unternahm Reisen nach der Schweiz, nach Frankreich, verweilte längere Zeit in Paris, studierte dort im Musée Francais nach den Werken der ersten Künstler und kehrte 1803 nach München zurück. Er erwarb sich in der Reparatur der Gemälde eine große Fertigkeit und Sicherheit. Er besuchte 1818 die verschiedenen Gallerien in Wien, um auch in der an Kunstschätzen reichen Kaiserstadt für seine künstlerische Laufbahn neuen Aufschwung zu gewinnen. Dorner hatte sich um diese Zeit schon einen Namen gemacht, und die Akademie der Künste zu Wien ertheilte ihm das Diplom eines Ehrenmitgliedes. Wir besitzen von diesem beliebten Landschaftsmaler, der ungeachtet des immer mehr abnehmenden Augenlichtes sich von der Darstellung der ewig heitern lebenathmenden Natur nicht trennen kann, viele Gemälde. Eine bedeutende Anzahl davon befindet sich im Auslande. Dorner ist im Augenblicke Gallerie-Inspector. Der Münchner Kunstverein empfängt jährlich Landschaftsgemälde von diesem geachteten Künstler, der besonders durch seine kunstvolle Perspective und durch meisterhaften Baumschlag sich auszeichnet. Seine Liebe für die Natur verkündet sich durch die warme Zartheit der Töne und durch sorgfältiges Detail der ergreifenden Parthien im hohen Grade.
(Werden fortgesetzt.)
Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode 149. Donnerstag, den 13. Dezember 1838.
#Die bildende Kunst in München (1842)
Johann Jakob Dorner, der Sohn eines Hofkammerrathes, geboren 1775 zu München, widmete sich der Kunst erst im Jahre 1794, nachdem er die gelehrten Schulen besucht hatte. Maximilian Joseph ließ ihn im Jahre 1802 zur Ausbildung nach der Schweiz und nach Paris reisen, nach seiner Rückkehr wurde er bei der Gallerie mit der Herstellung schadhafter Gemälde beauftragt und im Jahre 1808 zum Inspektor befördert. Seine landschaftlichen Darstellungen nahm er beinahe einzig, mit wenigen Ausnahmen, aus seinem bayerischen Vaterlande, und gab Wald- und Berggegendeu, wobei er besonders künstliche oder natürliche Wasserfälle aufsuchte, und an Abhängen oder in Tiefen gelagerte Dörfer, See- und Flußansichten oder die von größeren Städten, wie München und Landshut, in treuer Abbildung mit ihrem baulichen Charakter darstellte. Sein größtes Gemälde ist der Walchensee. Seine Bilder sind außerordentlich zahlreich und überallhin verbreitet.
Im Jahre 1815 war er in Gefahr zu erblinden und mußte mehrere Jahre seiner Kunst entsagen, bis er glücklich vom Starr auf dem rechten Auge befreit und sein Gesicht so ganz wiederhergestellt war, daß er seitdem mit gewohnter Thätigkeit sich fortwährend der landschaftlichen Darstellung widmet.
Dr. Johann Michael von Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.
#Universal-Handbuch von München (1845)
Dorner, Jakob,
k. Gemäldegallerie-Conservator, Ehrenmitglied der k. Akademie der bildenden Künste, widmete sich der Kunst im Jahr 1794. König Maximilian Joseph ließ ihn 1802 nach Paris und der Schweiz reisen; nach seiner Rückkehr restaurirte er Gemälde in der k. Gallerie und wurde im Jahre 1808 zum Inspektor derselben ernannt. Fast seine sämmtlichen landschaftlichen Darstellungen sind Wald- und Berggegenden aus Bayern, wobei er besonders Wasserfälle aufsuchte und am liebsten an Abhängen oder in Tiefen liegende Ortschaften, See- und Flußansichten mit Charaktertreue malte. Seine Gemälde sind weit verbreitet.
Universal-Handbuch von München. München, 1845.
#Die Monogrammisten (1863)
Johann Jakob von Dorner, Landschaftsmaler, geboren zu München 1775, gest. daselbst 1852. Sohn des zu seiner Zeit als Historien- und Genremaler berühmten Jakob Dorner, wählte er die Kunst aus Neigung zu seinem Lebensberufe. Seine ersten Vorbilder waren die in München vorhandenen Gemälde von Claude Lorrain und Carel Dujardin, und diesen Meistern wendete er fortan seine ganze Liebe zu. Dorner gehört aber nicht zu den sklavischen Nachahmern. Die reichste Fundgrube bot ihm die Natur im bayerischen Oberlande mit seinen herrlichen Wäldern und seiner üppigen Vegetation, welche er in seinen Gemälden mit aller Frische und in vollkommener Treue wiedergab. Dorner und Wagenbauer behaupteten nicht nur in München eine Reihe von Jahren das Feld, sondern erwarben sich mit ihren Werken auch im Auslande Ruf. Beide zogen sich selbst ihre Grenzen, und keiner durfte es wagen, ohne Eifersucht des anderen dieselben zu überschreiten. Dorner war der Maler des Waldes und der Wasserfälle, Wagenbauer jener der fetten Triften und Weiden des Viehes, und wenn ersterer zuweilen einen Ochsen oder eine Kuh auf seinen Gründen weiden liess, so beklagte sich Wagenbauer bitter, dass er ihm das Vieh wegnehme, statt mit den Bäumen und Holzhauern sich zu begnügen, die ihm überlassen bleiben sollten. Das Kleeblatt machte damals in München Simon Warenberger voll, auf welchen aber beide eifersüchtig waren, da er Bäume, Figuren und Thiere malte, und nach ihrer Ansicht jeden beeinträchtigte.
Endlich änderten sich die Zeiten; von allen Seiten strömten Künstler herbei, und die Koryphäen der alten Münchner Schule wurden in den Hintergrund gedrängt. Dorner besitzt aber in jeder Hinsicht grosse Verdienste, welche auch jetzt noch anerkannt werden müssen. Wenige Künstler haben schönere Bäume gemalt, als er. Auch das Wasser und die Vegetation ist trefflich behandelt, und wenn er in der Staffage von Figuren und Thieren den Wagenbauer und Warenberger gerade nicht übertrifft, so steht er ihnen jedenfalls ebenbürtig zur Seite. Seine schönsten Bilder datiren bis 1818. Jetzt unterbrach ein Uebel am rechten Auge seine Thätigkeit, welches aber 1821 durch eine glückliche Operation gehoben wurde. Dorner griff wieder zur Palette, konnte sie aber nicht mehr so rein zusammenhalten, wie früher.
Die Gemälde aus dieser späteren Zeit haben zwar noch die Vorzüge einer genauen Zeichnung der Naturformen, sie entbehren aber jener Klarheit und Wärme der Färbung, welche seine früheren Werke so anziehend macht. Auch geht das Colorit in’s Grünliche und Bläuliche über, da das Auge die warmen und frischen Töne, welche in den Bildern der Blüthezeit des Künstlers herrschen, nicht mehr genau erfassen konnte. Dorner setzte aber seine künstlerische Thätigkeit mit rastlosem Eifer bis zum Jahre 1843 fort, als ihm plötzlich ein Schlagfluss die ganze linke Seite lähmte. Durch diesen Unglücksfall ward er zwar seinem Wirkungskreise als k. Gallerie-Inspektor entrückt, dem Drange des Schaffens konnte aber der Künstler noch nicht widerstehen. Er malte noch mehrere Bilder in Oel und Aquarell, und brachte deren zu den öffentlichen Ausstellungen. Man kann sie aber nur mehr als Versuche eines guten Zeichners in Farben ohne Harmonie betrachten. Es zieht sich ein unruhiger, gewöhnlich lichtblauer, und grüngreller Ton durch, welcher es bedauern lässt, dass eine so verständige, ja schöne Composition nicht besser gemalt ist. Diese Perioden müssen bei Dorner unterschieden werden, und jede zählt viele Bilder, sowohl in Oel, als in Aquarell. Auch lithographirte und radirte Blätter findet man von ihm. Die ersteren gehören grösstentheils zu den Incunabeln, sie sind aber als solche von Bedeutung, da man nur selten schönere Baumstudien aus jener Wiegenzeit der Lithographie findet. […] Die schöne Landschaft mit Wasserfall in der herzoglich Leuchtenbergischen Gallerie hat J. Wölffle lithographirt, gr. fol. Die Ansicht im bayerischen Hochlande mit Wasserfall, welche sich in der k. bayerischen Pinakothek befindet, ist im Galleriewerke von Piloty und Löhle lithographirt, gr. qu, fol. Auch Eckemann-Allesson hat zwei Landschaften lithographirt, gr. fol. Zwei Waldgegenden mit Wasserfall in Tondruck machen Bestandtheile der Sammlung von Original-Handzeichnungen lebender bayerischer Künstler aus, fol.
Auch der Vater dieses Künstlers, Jakob Dorner, hat in Kupfer radirt, man muss also diese Blätter unterscheiden. Die Arbeiten des älteren Dorner fallen um 1774.
Dr. Georg Kaspar Nagler: Die Monogrammisten und diejenigen bekannten und unbekannten Künstler aller Schulen, welche sich zur Bezeichnung ihrer Werke eines figürlichen Zeichens, der Initialen des Namens, der Abbreviatur desselben etc. bedient haben. München, 1863.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Dorner Johann Jakob (der Jüngere), 1775 (München) – 1852, Galerieinspektor, Landschaftsmaler, Zeichner und Lithograph; Sohn des gleichnamigen Hofmalers und Galeriedirektors, radierte er schon 1790, unternahm eine Studienreise nach Wien, Paris und anderen Großstädten und wurde 1793 Restaurator (seit 1808 Inspektor) der Hofgalerie in München; seine ersten größeren Werke sind Ansichten von München und Landshut; D. ist Realist und beherrscht die Farbe, er ist Maler des Waldes, der Wasserfälle, des imposanten Gebirgs; viele oberbayerische Alpenlandschaften mit Stegen, Almhütten, Wasserfällen, Bergkuppeln, Steinbrüchen, Isarpartien mit dramatisch bewölktem Himmel, waldigen Flußtälern mit dekorativem Baumschlag, die an kleine Laubgobelins erinnern, stammen von seiner Hand; mit Recht gilt D., dessen Gemälde die Bayerische Staatsgemäldesammlung besitzt, als einer der Bahnbrecher für die Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#21 – 13 – 36 (Daurer)
Hier ruhen in Gott
Frau Karolina Daurer
geb. 16. November 1823, gest. 14. April 1899.
Frau Elise Daurer
Metzgermeistersgattin
geb. 8. November 1856, gest. 30. September 1906.
Herr Johann Daurer
Privatier, ehem. Metzgermeister
geb. 10. Mai 1851, gest. 11. Januar 1915.
Sockel
Grabstätte
der
Familie Daurer.
Heiligensetzer
- Daurer, Elise (vh); 8.11.1856 – 30.9.1906; Metzgermeisters-Gattin
- Daurer, Johann; 10.5.1851 – 11.1.1915; Metzgermeister
- Daurer, Karolina (vh); 16.11.1823 – 14.4.1899


#21 – 13 – 38 (Aurbacher)
LUDWIG AURBACHER
PROFESSOR
1784 – 1847
- Aurbacher, Ludwig; 26.8.1784 (Türkheim/Schwaben) – 25.5.1847 (München); Lehrer, Rhetorikprofessor und Schriftsteller

#Ludwig Aurbacher
* 26.8.1784 (Türkheim/Schwaben)
† 25.5.1847 (München)
Lehrer, Rhetorikprofessor und Schriftsteller
#Biographisch-literarisches Lexikon der katholischen deutschen Dichter, Volks- und Jugendschriftsteller im 19. Jahrhundert (1868)
Ludwig Aurbacher
wurde geboren am 26. Aug. 1784 zu Türkheim in Schwaben, der Sohn eines armen, aber frommen Nagelschmieds, kam im 12. Jahr als Gymnasiast und Singknabe ins Benediktinerseminar zu München, dann, weil sein Vater hier die Kosten nicht bestreiten konnte, ins Kloster Ottobeuren, wo er einen Freiplatz erhielt, trat am 18. Okt. 1801 ins Noviziat, begab sich, da dieses Kloster 1801 aufgehoben wurde, in das vorderösterreichische Stift Wiblingen. Hier wurde er krank, auch sagte ihm der Aufenthalt im Kloster nicht mehr zu, er trat darum während des Noviziates aus, war dann 1804–1808 Hofmeister bei dem Stiftskanzler in Ulm, wurde zu Ostern 1809 Professor des deutschen Styls und der Aesthetik am k. Kadettenkorps in München und bekleidete diese Stelle bis 1834, wo ihn zunehmende Kränklichkeit in den Ruhestand zu treten nöthigte. Er starb unverheirathet an einer Nervenlähmung den 25. Mai 1847.
A. ist als Sprachforscher, Jugend- und Volksschriftsteller, Volksdichter, Dramatiker, Epiker, Lyriker bekannt. – Autobiogr., herausg. von Fr. Beck.. München. Meusel 22, 88. N. Nekrolog 25, 383 aus der Augsb. Allg. Zeitung 1847. Nr. 166 Beilage (von Fr. Beck). Maßmann in den Heidelberg. Jahrb. 1827. Nr. 33 f. Brühl 495. Brugier 521.
Lehrb. d. deutsch. Styls. Mn. 1817–1818. 2. Abthl. 2. A. 1822. – Blätter f. Erziehung u. Unterricht zunächst in Volkssch. Mn. 1818. – Andeutungen zu einer neuen u. einfachen Entwicklung d. Psychologie. Mn. 1819. – Grundlinien d. Rhetorik. Mn. 1820. 2. A. 1838. – Grundlinien d. Rhetorik u. Poetik. Mn. 1821. 2. A. 1838. – Ueber d. Methode d. rhetor. Unterrichts. Mn. 1821. – Grundlinien d. Psychologie. Mn. 1824. – Das Fest aller Bayern, Gedicht z. Feier d. 25j. Regierung Sr. Maj. d. Königs. Mn. 1824. – Dramat. Versuche. Mn. 1826. – Des Angelus Silesius h. Seelenlust, od. geistl. Hirtenlieder, übers. Mn. 1826. Dessen Perlenschnüre. Mn. 1831. – System d. deutsch. Orthographie. – Philolog. Belustigungen. – Novellen. – Lyr. Gedichte.
Anonym: Anthologie deutscher kath. Gesänge älterer Zeit. L. 1830. Fortsetzung: Deutsche k. Ges. aus ä. Z. F. 1833. – Ein Volksbüchlein, enth. d. Gesch. d. ew. Juden, d. Abenteuer d. 7 Schwaben, nebst vielen andern erbaul. u. ergötzl. Historien. 2. A. Mn. 1835. – Des Volksbüchleins 2. Thl., enth. d. Gesch. d. Dr. Faustus, d. Abenteuer d. Spiegelschwaben, nebst v. a. n. u. a. G. 2. A. Mn. 1839. – Pädagog. Phantasien. Mn. 1838. – Kleines Wörterbuch d. deutsch. Sprache. Sz. 1838. – Dichtungen in Versen u. Prosa in d. Charitas N. F. 1842–44; Aufsätze in verschied. Zeitschr.
Joseph Kehrein: Biographisch-literarisches Lexikon der katholischen deutschen Dichter, Volks- und Jugendschriftsteller im 19. Jahrhundert. Zürich, Stuttgart und Würzburg, 1868.
#Allgemeine Deutsche Biographie (1875)
Aurbacher: Ludwig A., der Verfasser des »Volksbüchleins«, geb. 26. Aug. 1784 zu Türkheim in der Grafschaft Schwabeck als der Sohn eines ganz unbemittelten Handwerkers, † 25. Mai 1847. Frühzeitig erwachte in ihm die Absicht, sich dem geistlichen Stande zu widmen. 1801 trat er in das weitberühmte Kloster zu Ottobeuren, und nach dessen gleich darauf erfolgter Aufhebung in das vorderösterreichische Stift Wiblingen als Novize ein. Die übermäßigen Anstrengungen aber, denen er sich in diesem Kloster zu unterziehen hatte, brachen seine Gesundheit leider für immer. Zudem bemächtigten sich seiner religiöse Zweifel, deren Lösung erst in viel späteren Zeiten bei ihm erfolgte, die ihm aber zunächst eine wahre Höllenpein verursachten. So schied er denn von Wiblingen aus und trat um 1804 bei einer sehr gebildeten Familie zu Ottobeuren als Hofmeister ein, in welcher Stellung er noch Muße genug fand, sich von der deutschen und französischen Litteratur eine eingehende Kenntniß zu verschaffen. Zu Ostern 1809 erhielt er hierauf eine Anstellung als Professor der Rhetorik und Poetik am kgl. Cadetten-Corps zu München, welches Amt ihn zur Herausgabe verschiedener, auch jetzt noch schätzbarer Schriften, wie namentlich der »Andeutungen zu einem neuen und einfachen Entwurf der Psychologie« und einer Abhandlung »Ueber die Methode des rhetorischen Unterrichtes«, beide zunächst für Lehrer bestimmt, dann eines »Lehrbuchs des deutschen Stils« in 2 Theilen, der »Grundlinien der Rhetorik« – der »Poetik« – der »Rhythmik«, auch einer Theorie des militärischen Geschäftsstils veranlaßte. In diese litterarische Thätigkeit gehören auch, nächst der Redaction der »Schulblätter« in den Jahren 1829 bis 1832, seine »Philologischen Belustigungen«, sein »System der deutschen Orthographie«, sein kleines »Wörterbuch der deutschen Sprache«, seine »Vorschule zur Geschichte und Kenntniß der deutschen Litteratur«, und weiterhin das anonym erschienene »Handbuch zur intellectuellen und moralischen Bildung für angehende Officiere«, sowie die sehr gehaltreichen »Pädagogischen Phantasien«.
Wenn schon in allen diesen Arbeiten Aurbacher’s ernstes Bemühen um Förderung echter Humanität in der erfreulichsten Weise sich kund gibt, so hat er seinen tief religiösen Sinn auch durch eine »Anthologie deutscher katholischer Gesänge aus älterer Zeit« und durch eine neue Ausgabe von Angelus Silesius’ »Geistlichen Hirtenliedern« und dessen »Cherubinischem Wandersmann« bethätigt. Ja es gelang ihm sogar, in seinen »Perlenschnüren« religiös-philosophischer Sprüche dem Tone des Angelus Silesius selbst bedeutend sich anzunähern. Seine »Dramatischen Versuche«, seine Novellen und lyrischen Gedichte kann man nicht zu seinem Besten rechnen; gelungener ist sein dem J. 1834 angehörendes »Büchlein für die Jugend«; einen wahren Schatz echter Volkspoesie besitzen wir dagegen in seinem 1826 in erster, 1835 in zweiter Auflage erschienenen »Volksbüchlein«. Es einigten sich eben in seinem Wesen die beiden Haupteigenschaften des Volksschriftstellers: Ernst und muntere Laune, in vorzüglichem Maße, und wenn er gleich die Bahn des Gelehrten eingeschlagen hatte, so bewahrte sich ihm doch, bei der Schlichtheit und Einfalt seines Gemüthes, der Sinn und die Liebe für das Volksleben, aus welchem er selbst hervorgegangen war, in vollster Kraft bis in seine späteren Lebenstage. So konnte denn sein »Volksbüchlein«, wodurch es sich wesentlich von ähnlichen Leistungen Anderer unterscheidet, nicht blos ein Buch für das Volk, sondern ganz eigentlich ein Buch des Volkes, ein dessen Leben selbst entstammendes Buch werden. Währen die »Abenteuer der sieben Schwaben« und die »Wanderungen des Spiegelschwaben«, welche beide A. scherzweise als die schwäbische Ilias und Odyssee bezeichnete und die von ihm merkwürdiger Weise in einer Periode der äußersten Melancholie verfaßt worden, von dem köstlichen Humor ganz und gar erfüllt sind, so legt sich im »Doctor Faustus«, besonders aber in der »Geschichte des ewigen Juden«, bei aller Popularität der Darstellung, ein echtphilosophischer Tiefsinn zu Tage. Von nicht minderer Vortrefflichkeit sind die beigefügten »Ergötzlichen und erbaulichen Erzählungen«.
Unter den Papieren Aurbacher’s, der im J. 1834 wegen zunehmender Kränklichkeit von seiner Professur zurücktrat, hat sich noch eine kleine volksthümliche Dichtung »Die Lalenbrüder« vorgefunden, welche bald nach seinem Dahinscheiden im V. Bande der Münchener »Fliegenden Blätter« Dr. Friedrich Beck veröffentlich hat. Es enthielt aber sein litterarischer Nachlaß ferner noch sehr reiche Vorarbeiten zu einem »Schwäbischen Idiotikon«, welche von den Erben dem Prof. Adelb. v. Keller in Tübingen überlassen wurden. Eine Autobiographie Aurbacher’s bis zum Antritt seines Lehramtes am kgl. Cadetten-Korps bewahrt die kgl. Hof- und Staatsbibliothek in München.
Hamberger.
Hamberger: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1875.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Aurbacher Ludwig, 1784 (Türkheim/Schwaben) – 1847, Volksschriftsteller und Rhetorikprofessor; er war zuerst Benediktinernovize in Ottobeuren und Wiblingen, trat aber wegen Krankheit und Berufszweifel in den Lehrberuf über; 1809 war er Professor für Deutsch am Kadettenkorps in München; daneben betätigte er sich als Volksschriftsteller ersten Rangs, im Zusammenhang mit der Spätromantik hat er alte Schwänke, Fabeln und geistliche Lieder erneuert; abgesehen von unbedeutenden dramatischen Versuchen verfaßte A. als Hauptwerk sein »Volksbüchlein«, selbständige Erzählungen und pädagogische Schriften; gemütsinnig, humorvoll und dabei doch wieder von tiefem sittlichen Ernst beseelt sind seine Schriften, hervorragenden kulturgeschichtlichen Wert besitzt seine Autobiographie.
Hauptwerke: Volksbüchlein, Blätter für Erziehung und Unterricht, Historie von den Laienbürgern, Geschichte des ewigen Juden, Anthologie katholischer deutscher Gesänge.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#21 – 13 – 39 (n. n.)


#21 – 13 – 40 (Damberger · Staudinger)
FAMILIE
DAMBERGER
R. I. P.
- Staudinger, Katharina; – 1887; Privatiere


#21 – 13 – 41 (Geuder · Kirchgessner)
Hier ruhen
Karl
Freiherr von Geuder
genannt Rabensteiner
k. bayr. pens. Generalmajor
Inhaber des Ludwigs-Ordens,
des Veteranen und des Militär-
Denkzeichens,
geb. 1795, gest. 1871.
Anna Freifrau von Geuder
genannt Rabensteiner
geb. Neuschmid, geb. 1807 gest. 1888.
Deren Enkelin Maria Kirchgessner
geb. 13. Juli 1870 gest. 2. Juli 1890.
Friedrich Freiherr von Geuder
genannt Rabensteiner
k.b. Oberstleutnant a. D.
Ritter hoher Orden
und Ehrenritter des Johanniterordens,
geb. 3. Januar 1847 gest. 4. Dezember 1905.
Mathilde Freifrau von Geuder
21.13.41. Babenstuber.
- Geuder, Anna Freifrau von (vh) / Neuschmid (gb) / Rabensteiner (ps); 1807 – 1888
- Geuder, Friedrich Freiherr von / Rabensteiner (ps); 3.1.1847 – 4.12.1905; Oberstleutnant
- Geuder, Karl Freiherr von / Rabensteiner (ps); 1795 – 5.8.1871 (Heroldsberg); Generalmajor
- Geuder, Mathilde Freifrau von
- Kirchgessner, Maria; 13.7.1870 – 2.7.1890


#21 – 13 – 42* (Brattler)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Brattler, Elise (vw) / Nusser (gb); – 22.10.1885 (München), 81 Jahre alt; Bankdirektors-Witwe
- Brattler, Wilhelm von, Dr. med.; 25.2.1832 – 12.3.1906; Obermedizinalrat
