SECTION 11

rot: Zählrichtung der Grabreihen · schwarz: Zählrichtung der Grabnummern

#11 – 1 – 3·4 (Wolf)


Wolf’sches Familiengrab.

Eduard Wolf
Apotheker
geb. d. 26. Juli 1820, gest. d. 7. Februar 1890.
Ihm folgte dessen Gattin
Wally Wolf
geb. Weingärtner
geb. d. 27. Mai 1823, gest. d. 15. März 1906.

R. I. P.


  • Wolf, Eduard; 26.7.1820 – 7.2.1890 (München); ehemaliger Apotheker
  • Wolf, Wally (vw) / Weingärtner (gb); 27.5.1823 – 15.3.1906 (Ischl); Apothekers-Witwe

Todesanzeige für Eduard Wolf

Grab der Familie Wolf auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#11 – 1 – 5·6 (Wunderlich · Zeller)


Hier ruhen Gott

Linke Spalte
Herr
Josef Zeller,
Furnier-Fabrikant
geb. 9. März 1813,
gest. 6. Novbr. 1867.
Frau
Crescentia Zeller
geb. Biber,
geb. 23. Febr. 1811,
gest. 20, Jänner 1877,
Anton Zeller,
Kaufmanns-Söhnchen
geb. 25. Juli 1875,
gest. 22. August 1875.
Alois Zeller,
Kaufmanns-Söhnchen,
geb. 30. Mai 1877
gest. 31. Mai 1877

Rechte Spalte
Herr
Otto Wunderlich
geb. 11. Aug. 1865,
in Deutzen in Sachsen
gest. 2. Februar 1926.
Herr
Anton Zeller,
ehem. Magistrats-
u. Landrat,
geb. 14. Juli 1847
gest. 5. Juni 1929.


  • Wunderlich, Otto; 11.8.1865 (Deutzen) – 2.2.1926 (München); Prokurist
  • Zeller, Alois; 30.5.1877 – 31.5.1877 (München); Kaufmanns-Sohn
  • Zeller, Anton; 14.7.1847 – 5.6.1929; Landrat und Magistratsrat
  • Zeller, Anton; 25.7.1875 – 22.8.1875 (München); Kaufmanns-Sohn
  • Zeller, Josef; 9.3.1813 – 6.11.1867 (München); Furnier-Fabrikant
  • Zeller, Kreszentia (vh) / Biber (gb); 23.2.1811 – 20.1.1877 (München); Privatiere

Todesanzeige für Kreszentia Zeller

Todesanzeige für Otto Wunderlich

Grab der Familien Wunderlich · Zeller auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2020)

Grab der Familien Wunderlich · Zeller auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#11 – 1 – 7·8 (Schreiber)


Schreiber'sche Familien-G¿

Linke Spalte
Carl Schreiber
Spänglermeister
gest. den 28. Jan. 1840 im 52. Lebensjahre
und dessen Gattin
Anna Schreiber, geb. Niederbuchne¿
gest. den 5. Juli 1867 im 85. Lebensjahre
Carolina Schreiber, geb. Scharl
Spänglermeistersgattin,
gest. den 16. April 1852 im 33. Lebensjahre
und deren Tochter
Anna Schreiber,
gest. den 21. Nov. 1870 im 27. Lebenjahre.
Ursula Schreiber, geb. ¿ingl
gest. den 7. Mai 1862 im 39. Lebensjahre
Jakob Schreiber
Cafetier
gest. den 28. Nov. 1872 im 48. Lebensjahre
Carl Schreiber
Besitzer d¿ Cafe Carlsthor
gest. den 30. Dez. 1886 im 66. Lebensjahre
Ihm ¿ seine Gattin
Emilie Schreiber geb. ¿binger
gest. den 30. Jan 1880 im 48. Lebensjahre
Josefine Schreiber geb. Gen¿ner
gest. den 9. J¿n 1890 im 6¿ Lebensjahre

Rechte Spalte
Sebastian Schreiber
kgl. Hofspänglermeister
gest. den 18. Aug. 1892 im 75. Lebensjahre
Ihm folgte seine Tochter
Paula Schreiber
gest. den 28. Mai 1915 im 59. Lebensjahre
Anna Schreiber geb. Kolb
Rentnersgattin
gest. ¿ Ju¿i 1929 im 61. Lebensjahre


  • Schreiber, Anna (vh) / Kolb (gb); – ¿.1929, 60 Jahre alt; Rentners-Gattin
  • Schreiber, Anna (vw) / Niederbuchner (gb); – 5.7.1867 (München), 84 Jahre alt; Spänglermeisters-Witwe
  • Schreiber, Anna; – 21.11.1870 (München), 26 Jahre alt; Spänglermeisters-Tochter
  • Schreiber, Emilie (vw) / Hubinger (gb); – 30.1.1889 (Gleink/Oberösterreich), 48 Jahre alt; Forstmeisters-Tochter / Besitzerin des Café Karlsthor
  • Schreiber, Jakob; – 28.11.1872 (München), 47 Jahre alt; Cafetier
  • Schreiber, Josefine (vh) / Gentner (gb); – 9.1.1890 (München), 63 Jahre alt; Hofspänglermeisters-Gattin
  • Schreiber, Karl; – 28.1.1840 (München), 51 Jahre alt; Spänglermeister
  • Schreiber, Karl; – 30.12.1886 (München), 65 Jahre alt; Cafetier, Besitzer des Cafe am Karlstor
  • Schreiber, Karolina (vh) / Scharl (gb); – 16.4.1852 (München), 32 Jahre alt; Spänglermeisters-Gattin
  • Schreiber, Paula; – 28.5.1915 (München), 58 Jahre alt; Hofspänglermeisters-Tochter
  • Schreiber, Sebastian; – 18.8.1892 (München), 74 Jahre alt; Hofspänglermeister
  • Schreiber, Ursula (vh); – 7.5.1862, 38 Jahre alt

Todesanzeige für Anna Schreiber

Todesanzeige für Anna Schreiber

Todesanzeige für Jakob Schreiber

Todesanzeige für Emilie Schreiber

Todesanzeige für Josefine Schreiber

Todesanzeige für Sebastian Schreiber

Todesanzeige für Paula Schreiber

Grab der Familie Schreiber auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2020)

Grab der Familie Schreiber auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

Grab der Familie Schreiber auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

#11 – 1 – 10 (Ammor)


Grab der Familie Ammor auf dem Alten Südfriedhof München (März 2021)

#11 – 1 – 13·14 (Ostermaier)


Familien Grabstätte

dem Andenken
unseres innigst geliebten Kindes
Wally Ostermaier
Kaufmanns Tochter.
geb. d. 24. Sept. 1846, gest. d. 14. März 1857.
Tief betrauert von den Seinen
folgte der beste Gatte u. Vater
August Ostermaier
Rentner ehemal. Kaufmann
geb. d. 13. Mai 1813 gest. d. 16. Januar 1882.
Ihm folgte seine Gattin unsere teuere
Mutter, Großmutter u. Urgroßmutter
Walburga Ostermaier
geb. d. 22. Okt. 1832 gest. d. 15. Sept. 1909.
Der beste Gatte und treubesorgte Vater
August Ostermaier
Kaufmann
geb. d. 3. Nov. 1852, gest. d. 16. Aug. 1922.


  • Ostermaier, August; 13.5.1813 – 16.1.1882 (München); Kaufmann
  • Ostermaier, August; 3.11.1852 – 16.8.1922; Kaufmann
  • Ostermaier, Walburga (vw) / Merk (gb); 22.10.1832 – 15.9.1909 (München); Goldarbeiters-Tochter aus München / Rentners-Witwe
  • Ostermaier, Walburga/Wally; 24.9.1846 – 14.3.1857 (München); Kaufmanns-Tochter

Todesanzeige für August Ostermaier

Todesanzeige für Walburga Ostermaier

Grab der Familie Ostermaier auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

#11 – 1 – 16 (Danzer)


Familien-Grabstätte.

Hier ruht in Gott
unser theuerer Gatte und Vater
Herr Max Danzer
ehem. Apotheker in Laufen a/d. Salzach
geboren zu Ampfing den 1. August 1821.
gestorben zu München den 7. April 1886.
Ihm folgte
unsere beste unvergessliche Mutter
Frau Therese Danzer
Apothekers-Wittwe
geb. zu Kraiburg a. Inn d. 3. August 1827.
gest. zu München d. 29. März 1899.

R. I. P.

Sockel
Dem Auge fern Dem Herzen nah.

A. Aufleger 11.1.16.

Linke Seite
An der Seite der Eltern
ruht nun auch
unser innigstgeliebter
Gatte und Bruder
Herr Adolph Danzer
Bankbeamter
geboren 20. März 1860
gestorben 11. Nov. 1912.

R. I. P.


  • Danzer, Adolf; 20.3.1860 – 11.11.1912 (München); Beamter der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank
  • Danzer, Max; 1.8.1821 (Ampfing) – 7.4.1886 (München); ehemaliger Apotheker
  • Danzer, Therese (vw); 3.8.1827 (Kraiburg am Inn) – 29.3.1899 (München); Apothekers-Witwe

Todesanzeige für Max Danzer

Todesanzeige für Therese Danzer

Todesanzeige für Adolf Danzer

Grab der Familie Danzer auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2020)

#11 – 1 – 23 (Siry)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Siry, Anna (vh) / Dotzaner (gb); – 18.9.1891 (München), 79 Jahre alt; Majors-Gattin

Todesanzeige für Anna Siry

Grab der Familie Siry auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2020)

#11 – 1 – 25·26 (Rolland)


Grabstätte
der Familie
ROLLAND.


  • Rolland, Ludwig Eugen; – 26.3.1885 (München), 76 Jahre alt; Rentier

Todesanzeige für Ludwig Eugen Rolland

Grab der Familie Rolland auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#11 – 1 – 27·28 (Daffner · Müller)


Anna Daffner
geb. Ermath Majors-Gattin
geb. 22. April ¿ gest. 20. August 1869
Josefine Daffner
geb. Brandstetter ¿
geb. 21. Dezember ¿
Jakob Daffner
Bankbeamter
geb. 14. Mai 185¿ gest. ¿ 1889.
Franz Daffner
Oberstlieutenant a. D.
geb. 6. Mai 1821. gest. 20. Juni 1893.
Dr. Franz Daffner
Oberstabsarzt a. D.
* 17.3.1844 † ¿
Dr. Hugo Daffner
1882 – 1930.

Sockel
Daffner'sche Grabstätte.

Rechte Seite
Eduard Daffner
k. Geometer
geb. 17. April ¿
Athanasius Daffner
k. Obersteuerrath
geb. 2¿. Mai 1772 gest. ¿
Frau Johanna Müller
geb. Daffner,
Doktors-Witwe,
geb. 9. Dezember 1814
gest. 15. Mai 1910


  • Daffner, Anna (vh) / Ermarth (gb); 22.4.¿ – 20.8.1869 (Oberaudorf), 36 Jahre alt; Majors-Gattin
  • Daffner, Athanasius; 2¿.5.1772 – 15.3.1843 (München); Obersteuerrat im Ruhestand
  • Daffner, Eduard; – Dezember 1835 (München), 27 Jahre alt; Steuerrats-Sohn
  • Daffner, Franz; 6.5.1821 – 20.6.1893 (Adelholzen); Oberstleutnant a. D.
  • Daffner, Franz, Dr.; 17.3.1844 (Hannesreuth) – 29.3.1933 (München); Oberstabsarzt a. D. und Anthropologe
  • Daffner, Hugo, Dr.; 2.6.1882 (München) – 9.10.1936 (Konzentrationslager Dachau); Arzt, Komponist und Schriftsteller
  • Daffner, Jakob; 14.5.185¿ – August 1889; Bankbeamter
  • Müller, Johanna (vw) / Daffner (gb); 9.12.1814 – 15.5.1910 (München); Arzt-Witwe

Todesanzeige für Athanasius Daffner

Todesanzeige für Anna Daffner

Todesanzeige für Franz Daffner

Grab der Familien Daffner · Müller auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#Franz Daffner

* 6.5.1821
† 20.6.1893 (Adelholzen)
Oberstleutnant a. D.

#Bayerische Krieger-Zeitung (28.6.1893)

Heer und Flotte.

Oberstlieutenant a. D. Frz. Daffner †. Im südlichen Friedhofe fand heute Nachmittag 3 Uhr die Beerdigung des Oberstlieutenants a. D. Franz Daffner statt. Dem reichgeschmückten Sarge folgten nach den Hinterbliebenen zahlreiche Offiziere der Aktivität und des Pensionsstandes, die Angehörigen des polytechnischen Korps »Germania« und andere Leidtragende. Das genannte Korps widmete seinem einstigen Angehörigen einen prächtigen Kranz. Der Geschiedene, welcher ein Alter von 72 Jahren erreicht hatte, widmete sich von 1843 bis 1846 polytechnischen Studien und trat im letztgenannten Jahre in die Armee, wo er in der Artillerie bis zu seiner letztinnegehabten Charge avancirte. Im Feldzug 1870/71 führte er mit großer Bravour eine Artillerie-Division des I. Armeekoprs und erwarb sich den Militär-Verdienstorden und das eiserne Kreuz.

Bayerische Krieger-Zeitung No. 26. München, den 28. Juni 1893.

#Dr. Franz Daffner

* 17.3.1844 (Hannesreuth)
† 29.3.1933 (München)
Oberstabsarzt a. D. und Anthropologe

#Münchner Neueste Nachrichten (13.3.1914)

Hof- und Personalnachrichten

Oberststabsarzt Dr. Franz Daffner begeht am 17. März [1914] sein 70. Geburtstagsfest. Er ist geboren in Hannesreuth in Bayern, studierte in München, Wien und Würzburg, promovierte 1868, und machte den Krieg 1870/71 mit. In den 21 Militärjahren blieb Daffner stets Bataillonsarzt und trat als Stabsarzt mit dem Charakter als Oberstabsarzt in den Ruhestand. Der Jubilar ist besonders durch seine wissenschaftlich-literarische Tätigkeit in weiten Kreisen bekannt geworden. Er war u. a. Mitarbeiter des Bayerischen ärztlichen Intelligenzblattes, des Wiener medizinisch-chirurgischen Zentralblattes, dann des Archivs für Anthropologie, wie auch der Deutschen Monatsschrift für Zahnheilkunde. Sein Spezialgebiet ist die Anthropologie, wo er mit seinen Messungen usw. auch Anerkennung Dr. Rankes und anderer Anthropologen von Namen fand. Als Historiker trat er an die Öffentlichkeit mit Erinnerungen aus dem Kriege 1870/71 und mit seiner Geschichte von Benediktbeuren (eine Folge seines Aufenthaltes als Chefarzt im Invalidenhaus zu Bendiktbeuren). Zu erwähnen ist noch seine Geschichte der Voralpenpflanzen.

Münchner Neueste Nachrichten No. 132. Freitag, den 13. März 1914.

#11 – 1 – 29 (Zimmermann)


Hier ruhet
Herr Carl Zimmermann
Säcklermeister u. k. b. Hoflieferant,
geb. 30. Aug. 1830, gest. 13. April 1893.
Dessen-Gattin
Frau Anna Zimmermann
geb. 29. Nov. 1840, gest. 28. Febr. 1901.
Frau Anna Zimmermann
geb. 12. Aug. 1876, gest. 4. März 1906.

11.1.29. A. Aufleger


  • Zimmermann, Anna; 12.8.1876 – 4.3.1906 (München); Kaufmanns-Gattin
  • Zimmermann, Anna (vw); 29.11.1840 – 28.2.1901; Säcklermeisters-Witwe
  • Zimmermann, Karl; 30.8.1830 – 13.4.1893 (München); Säcklermeister

Todesanzeige für Karl Zimmermann

Grab der Familie Zimmermann auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#11 – 1 – 30 (Winter)


Hier ruhet in Frieden:
Herr Ignaz Winter,
Metzgermeister.
geb. zu Erding d. 24. Febr. 1842,
gest. d. 17. März 1892.
Ihm folgte unser innigstgeliebter,
theurer Gatte u. Bruder
Herr Georg Winter,
Privatier,
geb. zu Erding d. 14. Mai 1848,
gest. d. 2. Juni 1899,
und dessen Gattin, unsere liebe Schwester
Frau Karoline Winter,
geb. Aichinger,
geb. 3. Januar 1849, gest. 25. Juli 1912.

R. I. P.

Sockel
Wiedersehen theurer Bruder!


  • Winter, Georg; 14.5.1848 (Erding) – 2.6.1899 (München), starb an den Folgen von Verbrühungen in einem Kastendampfbad; Privatier, ehemaliger Wurstfabrikant und Gastwirt »zum Sedanhof«
  • Winter, Ignaz; 24.2.1842 (Erding) – 17.3.1892; Metzgermeister
  • Winter, Karoline (vw) / Aichinger (gb); 3.1.1849 – 25.7.1912; Privatiere

Todesanzeige für Georg Winter

Grab der Familie Winter auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#11 – 1 – 31 (Schrettinger)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Schrettinger, Amalie (vw) / Doblinger (gb); – 28.3.1888 (München), 82 Jahre alt; Obermedizinalrats-Witwe

Todesanzeige für Amalie Schrettinger

Grab der Familie Schrettinger auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#11 – 1 – 32 (Eberhard)


KONRAD
1768 EBERHARD 1859
BILDHAUER


  • Eberhard, Konrad; 25.11.1768 (Hindelang/Allgäu) – 12.3.1859 (München); Bildhauer

Todesanzeige für Konrad Eberhard

Grab der Familie Eberhard auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

Grab der Familie Eberhard auf dem Alten Südfriedhof München. Abbildung aus: Auswahl der vorzüglichsten Denkmäler des Münchner Kirchhofes. 3. Band. München, 1841.

#Konrad Eberhard

* 25.11.1768 (Hindelang/Allgäu)
† 12.3.1859 (München)
Bildhauer

#Eos (1.5.1821)

Konrad Eberharts, Professors der Bildhauerkunst in München neueste Werke.

Konrad Eberhart, in der Nähe von dem Städtchen Füßen in Oberbaiern gebürtig, welcher ohngefähr 15 Jahre in Rom seine Studien und Ausbildung in der Bildhauerkunst neben den vorzüglichsten Meistern mit Unterstützung und unter dem erhabenen Schutze unsers geliebten Königs fortsetzte, kam endlich wieder in München an. Den letzten Sommer und Winter verweilte derselbe in dem ehemaligen Kloster Schlehdorf, am Kochelsee im Oberlande, um zwey große von Sr. Majestät dem König bestellte Figuren zu vollenden, welche er in Rom angefangen hatte. Diese Statuen sind nun in der übrigen Privat-Sammlung Sr. Majestät aufgestellt. Von diesem Künstler steht auch dort ein Silen, der nach einer bachantischen Lust auruhend von einem kleinen Bachanten genekt, und zur sinnlichen Gierde gewekt wird. Die Musculatur, und der Körperbau, in welchem die Anregungen einer sinnlichen Unruhe sichtbar, sind mit tiefem Studium der Natur vortrefflich ausgeführt. Von demselben ist in der nämlichen Sammlung eine Leda. Schönheit, Jungfräulichkeit und ein Reichthum von Reizen, welche die Natur der anmuthigen Stellung des Mädchens wie von selbst entfaltet, setzen dieses» Bild unter die vortrefflichen Werke des Studiums der antiken Welt. Von dem nämlichen Meisel ist auch ein triumphirender Amor, niedlich und herrlich gelungen, zu sehen. Diese Figuren verfertigte E. aus cararischem Marmor in Rom. Aber alles, was von diesem Meister das Auge entzückt, und die Kunst bewundern macht, sind die beyden neuen Bilder. Endymion in Lebensgröße, ein aufblühender Jüngling, schlummert sitzend auf einem Baumstocke. Seine Lanze ruht neben ihm am Arme. Der Mund etwas lächelnd verräth den süßesten Traum, der auf die übrigen schönen Gesichtzüge seinen Zauber ergießt. In dem ganzen jugendlichen Körper ist das richtigste Ebenmaaß der Gliederformen ausgedrückt. Die Kräfte scheinen zu ruhen, und die Ueppigkeit der Muskelstärke in Weichheit aufzulösen, während sie dadurch die lebendigste Harmonie in dem edlen Baue hervorzuheben trachten. So ungezwungen und schön der rechte Arm über den Ast herabhängt, und seine Fülle der Beschauung überläßt, ebenso ist die ganze Linie des schönen Körpers in der Stellung der Ruhe ein Ausfluß von Reizen der Blüthe der Menschheit. Unter dem schlummernden Jäger sitzt sein Jagdhund, der schon die Nähe der Diana wittert. Diana von Amor geführt, eilt heran. Welche himmlische Gestalt! kein Auge wird sie sehen, ohne nicht von dem ganzen Wesen dieser göttlichen Schönheit ergriffen zu werden. Der Gegensatz von Ruhe in dem einen Bilde und von Bewegung in den schönen Formen der Diana ist mit allen Kunstaufwande durchgeführt. Der Meisel, mit welchem der Künstler seine Ideal verwirklichte, goß in jede Form der Figur den Hauch des Lebensglanzes, der durch die Beschauung immer mehr und mehr entzaubert zu werden scheint. Der kleine Amor, freudig über seinen Sieg, hüpft, die Diana zu Endymion führend, ihr zur Seite. Voll schadenfroher Schalkheit lenkt der lose Knabe die Schritte der Jungfrau, und in seinem ganzen Wesen hat der Künstler den Mythos dieses olympischen Kindes ausgedrückt. Neben ihm schreitet die Göttin in der Haltung der beflügelten Eile und Begierde, den schönen Jüngling zu sehen, vorwärts, so daß der ganze Körper in dem Schwunge einer durch den ersten Anklang der Liebe begeisterten Eile alle Holdseligkeit und Anmuth enthält. Die Gesichtzüge, ein Ideal von Lieblichkeit und wunderbarem Schönheitsreiz verrathen eben so, wie in dem Endymion eine innige Freudigkeit, die sich der ganzen Bewegung der göttlichen Gestalt mitheilt. Der käusche Busen aus der Ueppigkeit des Körpers hervor strebend, entquillt dem leichten Schleierkleide, welches nicht vermag, die jungfräuliche Herrlichkeit dem Auge zu entziehen, und der Zauber göttlicher Abkunft der durch den Amor verführten Diana offenbart sich nur um so mächtiger in dem gelungenen Meisterbilde. Dieses Kunstwerk des vaterländischen Künstlers wird von jedem Betrachter bewundert werden, und setzt ihn sicherlich an die Seite der Meister vieler Zeitalter. Bey dem Anblicke dieser Bilder wird Jedermann unwillkührlich von dem Gefühle durchdrungen, welches an das großartige Wohlwollen unseres geliebten Königs erinnert, unter Allerhöchst welchem die Künste so sichtbar in dem Vaterlande empor blühen, und München zur vorzüglichsten Schule der Künste in Teutschland sich erhebt.

Ausser diesen gewahrt man in der nämlichen Sammlung ein Basrelief als Entwurf für Bildniße, die einst die von dem Kronprinzen gebaut zu werden bestimmte Kirche in der Maximilian Vorstadt zieren werden. Dieser erhabene Gönner der Kunst gab diese Aufgabe des Entwurfes in Rom, und Eberhart lößte unter berühmten Konkurrenten vorzüglich dieselbe zur Befriedigung des Kronprinzen.

Die drey Probenabdrücke enthalten die Kreuzabnahme des Erlösers nebst den trauernden Nebenpersonen in drey Tafeln. Während des Aufenthaltes an dem Fuße der baierischen Alpen vollendete Eberhart auch die Zeichnungen zu einer Verzierung in Basreliefs von 2½ Schuh hohen Bildern aus der Iliade, welche eine Villa umweit Rom nach dem Wunsche eines römischen Großen schmüken soll. Von diesen Handzeichnungen, so wie von einem äußerst gelungenen Entwurfe zu einem Grabdenkmale für die unlängst verstorbene K. Prinzeßin Karoline in der hiesigen Theatinerkirche, werden wir in künftigen Blättern vielleicht Nachricht geben können. Diesen Künstler, der durch seinen langen Aufenthalt in Rom eine unvertilgbare Sehnsucht nach jener Heimath der antiken Welt in sich fühlt, wird wahrscheinlich dieses innere Machtgefühl dahin wieder zurückführen, wenn anders Se. Majestät der König dessen Bitte genehmigen werden. In diesem Falle wird ihn sein Bruder Franz begleiten, der in derselben Kunst besonders in kleinen Arbeiten ein ausgezeichnetes Talent und einen bewundernswerthen Fleiß verräth. Dessen kleine Bildnereien meistens aus der christlichen Mythologie haben vorzüglich viel Sinniges und der Mahlerei des frühern Zeitalters viel Verwandtes. Die Anspruchslosigkeit dieser Brüder und ihre Sitteneinfalt, wie sie solche von ihren Gebirgen empfiengen, und noch bewahren, erhebt nur um so würdiger die Pracht der Kunst, die sie ihrem Meisel entfeßeln, und wodurch Baiern stolz seyn kann, daß sie ihm gehören und unter Maximilian zu leben das Glück genießen.

Eos 35. Zeitschrift zur Erheiterung und Belehrung. Dienstag, den 1. Mai 1821.

#Artistisches München im Jahre 1835 (1836)

Eberhard, Konrad, geb. den 24. Nov. 1768 zu Hindelang, im Algau, königl. Landgerichts Sonthofen. Sein Vater und Großvater waren Bildhauer, und arbeiteten sowohl in Holz als Stein, größtentheils für Kirchen. Der höchstselige Clemens Wenceslaus, Churfürst von Trier etc. und Fürstbischof von Augsburg, kam öfters nach Hindelang, bei welcher Gelegenheit E. demselben bekannt, und von ihm in den Stand gesetzt wurde, die Akademie der bildenden Künste in München zu besuchen, wo E. sofort (i. J. 1798) Lei seinem Landsmanne, Roman Anton Boos, Hofbildhauer und Professor der Akademie, mehrere Jahre arbeitete. Als das Bisthum Augsburg an Bayern fiel, wurde E. mit übernommen. Se. Majestät der jetzt regierend« König (noch damals Kronprinz) ließen ihn nach Rom reisen, und beehrten ihn dort mit verschiedenen Aufträgen und Bestellungen. Seine ersten Arbeiten in Rom waren: eine Muse mit dem Amor von cararischem Marmor, jetzt in der Glyptothek aufgestellt; mehrere Büsten für die Walhalla; für Se. Maj. den höchstseligen König ein Faun mit dem jungen Bachus und Amor; Leda mit dem Schwane; Endymion und Diana, vom Amor geführt, über Lebensgröße. Diese vier Statuen in cararischem Marmor ausgeführt, stehen im Kabinetsgarten zu Nymphenburg.

Im Jahre 1816 wurde er als Professor der Bildhauerkunst an der Akademie der bildenden Künste angestellt, und verfertigte ferner noch: ein Basrelif in cararischem Marmor zu dem Monumente der Prinzessin Karolina, in der Theatiner Kirche; mehrere Basreliefs, zu welchen die Sujets aus dem alten und neuen Testamente entnommen wurden; mehrere Christus- und Madonnen-Büsten etc.; außen an der Allerheiligen-Kirche, ober dem Thore, Christus, Maria, Johann der Täufer, die zwei Statuen St. Peter und Paul. Auch begann er mehrere Bilder in Oel, lauter Sujets aus der christlichen Religionsgeschichte, zu malen, von welchen ein Hausaltärchen mit zwey Flügelthürn beinahe vollendet ist.

Jetzt arbeitet E. an zwey kolossalen Statuen in Sandstein, dem Erzengel Michael und Ritter Georg (Gerechtigkeit und Tapferkeit repräsentirend) für das restaurirte Isarthor. Ferner trug Se. Majestät der König Eberharden die Anfertigung zweier Monumente für die seligen Herrn Bischöfe Sailer und Widtmann auf, welche im Dome zu Regensburg aufgestellt werden sollen.

Ein älterer Bruder, Franz Eberhard, wohnt mit dem Prof. Eberhard zusammen, und leistet diesem bei Anfertigung kleiner Arbeiten aus Alabaster hülfreiche Hand.

(In neuester Zeit wurde Professor Eberhard wegen vorgeschrittenen hohem Lebensalter in den Ruhestand versetzt, wodurch aber dessen verdienstvolle Künstler-Thätigkeit keineswegs unterbrochen werden wird. Die Red.)

Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Mechaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.

#Die bildende Kunst in München (1842)

Franz und Konrad Eberhard,

deren Vater und Großvater Bildhauer waren, sind im Allgau zu Hindelang geboren, (Konrad, der Jüngere, im Jahre 1768, 24. Nov) und begannen unter der Leitung des Vaters schon früh in Holz und Stein zu schnitzen und zu meißeln, meistentheils für Kirchen, einzelne Heiligenbilder oder gruppenreiche Darstellungen im Kleinen mit einer außerordentlichen Sorgfalt und Zierlichkeit und mit ächt religiösem Sinne in naiver Einfalt, die nicht nur aus ihren ersten Bildwerken, deren man viele in ihrer heimatlichen Gegend bei Privatpersonen trifft, sondern auch aus den Werken der gereiften Männer und Meister spricht. Diese tiefe und anmuthige Innigkeit ist ein Grundzug, der alle ihre Darstellungen auszeichnet und Jeden, der dafür Sinn hat, auf das Freundlichste anspricht; durch sie erscheint die Anschauungsweise des fromm gläubigen Mittelalters mit den Fortschritten in der technischen Ausführung der neueren Zeit auf das Anmuthigste und Wirksamste vereinigt und aus jedem Gebilde athmet der tiefe religiöse Geist, von dem sie selbst beseelt waren. Ihr Leben selbst war ein eng verbündetes brüderliches Streben nach künstlerischer und geistiger, ächt christlicher, Vollkommenheit.

Der letzte Kurfürst von Trier und Fürstbischof von Augsburg, Clemens Wenzelaus, der den Sommer über in Oberstorf wohnte und häufig nach Hindelang kam, gewährte dem jüngeren Eberhard die Hülfsmittel, im Jahre 1798 die damalige Akademie in München zur weitern Bildung zu besuchen, wo er bei Roman Boos mehrere Jahre arbeitete, und dann im Dienste seines Gönners vielfach beschäftigt wurde. Seine eigentliche Kunst-Entwicklung begann aber erst, als er nach der Uebernahme des Bisthumes Augsburg von Bayern dem Könige Maximilian und dem Kronprinzen Ludwig bekannt wurde und er durch diesen unterstützt und mit manchen Aufträgen geehrt nach Rom reisen und dort die klassischen Gebilde studiren konnte.

Dort verfertigte er eine Muse mit dem Amor in karrarischem Marmor, die in der Glypthotek ausgestellt ist; mehrere Büsten für die Walhalla; einen Faun, eine jugendlich kräftige Gestalt in behaglicher Ruhe mit etwas vorgestrecktem rechten Beine auf einem Weinschlauche ruhend, auf dem linken zurückgezogenen Schenkel sitzt der kleine, mit Weinlaub bekränzte Bacchus, der ihn am Barte zupft; Leda, von ausgezeichneter frischer, reizender Schönheit, auf einem Steine sitzend, auf den sie ihre Rechte stützt, während die Linke sich an den Hals des an ihr mit leiser Flügelbewegung empor gerichteten Schwanes schmiegt, der sehnsüchtig zu ihr empor schaut; Diana in vorschreitender Bewegung, in der Linken den Bogen, über dem Rücken den Köcher, im dünnen eng anschmiegenden Gewande, dessen fliegende Falten rückwärts sich vereinigen, wird an der Rechten von Amor zu Endymion geführt. Diese schönen Statuen aus karrarischem Marmor wurden im Kabinetsgarten zu Nymphenburg vor den Fenstern der Wohnung des Königs Maximilian aufgestellt, wo sie sich noch befinden.

Im Jahre 1816 wurde Konrad zum Professor der Bildhauerkunst an der Akademie in München ernannt, in welchem Jahre er das Relief zu dem Grabmale der k. Prinzessin I. M. Karoline ausführte, das in der Theatinerkirche rechts im Seitenschiffe sich befindet: Zwei Engel lüpfen den Vorhang vor dem Ruhebette des sterbenden Kindes, damit die Mutter, sich zu den Lippen der geliebten Tochter hinneigend, das letzte Lebewohl der scheidenden Seele zuhauche. Außer diesem führte er mehrere Reliefe aus mit Darstellungen aus dem alten oder neuen Testamente, Christus- und Madonnen-Büsten, so wie die von mehreren seiner Freunde; von ihm sind die Statuen an der Vorderseite der Allerheiligen-Kirche, und die Statuen des Erzengels Michaels (Gerechtigkeit) und des hl. Ritters Georg (Tapferkeit) aus Sandstein am Isarthore zu München.

Von ihm sind auch die beiden Denkmale im Dom zu Regensburg für die Bischöfe Sailer und Wittmann im Auftrage des Königs Ludwig ausgeführt. Jenes besteht aus einer Gruppe von drei lebensgroßen, ganz ausgearbeiteten, Figuren. In der Mitte sitzt auf dem bischöflichen, im mitteldeutschen Style gearbeiteten, Stuhle der Geehrte im Amtsschmucke, eine treue Bildnißstatue, das Haupt rechts emporgerichtet zu dem Crucifixe, die Feder in der rechten Hand, in das ihm von einem Ministranten in kniender Stellung dargebotene offene Buch zu schreiben, während die Linke auf der Brust ruht. Von der anderen Seite naht ein zweiter Kirchendiener, nach dem Bischofe mit emporgewendeten Antlitz hinschauend, in der Rechten ein Buch, in der Linken den Bischofsstab. Das zweite Denkmal schildert die letzten Augenblicke des frommen Bischofes Wittmann, wie er, auf einem Sarkophage liegend mit gefalteten Händen zu dem Gekreuzigten über ihm betend, verscheidet.

Bei mehreren seiner Arbeiten, besonders der kleineren religiösen Darstellungen in Alabaster wurde er von seinem Bruder Franz hilfreich unterstützt, der im Jahre 1836 an der Cholera in München starb.

In der letzten Zeit beschäftigte sich Konrad häufig mit der Ausführung von Zeichnungen ernster religiös symbolischer Entwürfe, deren er manche auch früher schon in Oelbildern in eigenthümticher anmuthiger Weise vollendete.

Dr. Johann Michael von Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.

#Universal-Handbuch von München (1845)

Eberhard, Konrad,

Professor der Akademie und Bildhauer, ist geboren zu Hindelang im Allgäu im Jahre 1768. Er begann schon früh, unter der Leitung seines Vaters, in Holz und Stein zu schnitzen und zu meiseln, und größtentheils in Gegenständen für Kirchen, als Heiligenbilder oder gruppenreiche Darstellungen, die er mit größtem Fleiße und Zierlichkeit in ächt religiösem Sinne ausführte. Ueberhaupt ist in seinen Bildwerken von jeher die charakteristische Richtung tiefer, anmutiger Innigkeit und religiösen Gefühles ausgesprochen.

Eberhard fand an dem letzten Churfürsten von Trier und Fürstbischof von Augsburg eine großmüthige Stütze, und durch ihn die Hülfsmittel, im Jahre 1798 die Akademie in München zu seiner weitern Ausbildung zu besuchen. Er arbeitete mehrere Jahre bei Roman Boos. Seine eigentliche Kunstentwicklung begann aber dann erst, als er in späterer Zeit dem Kronprinzen Ludwig von Bayern, jetzigem König, bekannt wurde, und durch dessen Unterstützung nach Rom reisen konnte, um dort die klassischen Kunstwerke seines Faches zu studiren. In Rom verfertigte er eine Muse mit dem Amor im cararischen Marmor, welche in der Glyptothek aufgestellt ist. Auch befinden sich von ihm mehrere Büsten in der Walhalla; ein Faun, eine Leda, eine Diana in fortschreitender Bewegung sind von diesem Meister im Kabinetsgarten zu Nymphenburg vor den Fenstern des Höchstsel. Königs Maximilian aufgestellt, wo sie sich noch befinden.

Im Jahre 1816 wurde er Professor der Bildhauerkunst an der Münchner Akademie, und vollendete in diesem Jahre das Relief zu dem Grabmale der königl. Prinzessin I. M. Karoline, das in der Theatinerkirche im rechten Seitenschiffe sich befindet: 2 Engel heben den Vorhang vor dem Ruhebette des sterbenden Kindes empor, damit die Mutter, die Höchstselige unvergeßliche Königin Karoline von Bayern, sich zu den Lippen der geliebten Tochter hinneigend, das letzte Lebewohl der scheidenden Seele zuhauche.

Er führte noch mehrere Reliefs mit Darstellungen aus dem alten oder neuen Testamente – Christus- und Madonnenbüsten, so wie die von mehrern seiner Freunde aus; – die Statuen an der Vorderseite der Allerheiligenkirche, dann die Statue des Erzengels Michael und des heil. Georgs an dem Hauptportale des neu verschönerten Isarthores zu München sind von ihm. Auch den Dom von Regensburg schmücken die beiden Denkmale der Bischöfe Sailer und Wittmann, ausgeführt im Auftrage des Königs Ludwig I. durch Eberhards Meisterhand. Das erstere Denkmal, im mitteldeutschen Style gearbeitet, stellt den hochverehrten Bischof Sailer – im sehr getreuen Bildnisse – auf dem bischöflichen Stuhle im Amtsschmucke sitzend, das Haupt rechts emporgerichtet zu dem Kruzifixe, dar; in der rechten Hand hält er eine Feder, um in ein von einem Ministranten in knieender Stellung dargebotenes Buch zu schreiben, während die Linke auf der Brust ruht. Von der andern Seite naht ein zweiter Kirchendiener, in der Rechten ein Buch, in der Linken den Bischofsstab haltend. Das Denkmal des frommen Bischofes Wittmann schildert dessen letzte Augenblicke, wie er auf einem Sarkophage liegend mit gefalteten Händen zu dem Gekreuzigten über ihn betend verscheidet.

In gegenwärtiger Zeit beschäftigt sich Eberhard viel mit Ausführung von Madonnen und Zeichnungen religiöser, simbolischer Entwürfe, und genießt in seinen hohen Jahren noch der erfreulichsten Gesundheit.

Universal-Handbuch von München. München, 1845.

#Die Künstler aller Zeiten und Völker (1857)

Eberhard, Konrad, ein sehr geachteter Bildhauer zu München, geb. 1768 zu Hindelang im Algau, erlernte die Kunst bei seinem Vater und führte schon in früher Jugend mit diesem und seinem Bruder Franz viele Andachtsbilder für Kirchen: Heilige, Schutzpatrone, Tabernakel aus, die alle einen ernsten, reinen, tiefreligiösen Sinn beurkundeten, ihm allgemeinen Beifall erwarben und im Jahr 1796 die Aufmerksamkeit des letzten Kurfürsten von Trier und Fürstbischof von Augsburg, Clemens Wenzelaus, auf ihn lenkten, der das hervorragende Talent des jungen Mannes erkannte und ihn in den Stand setzte, sich zu München der weiteren Vervollkommnung in seiner Kunst widmen zu können. Er blieb hier in der Werkstätte des Roman Boos bis ihn 1806 der Kronprinz Ludwig von Bayern nach Rom sandte, um dort nach den klassischen Werken der alten und neuern Kunst seine Ausbildung zu vollenden. Hier entfaltete er, alle Hilfsmittel, die ihm die an Kunstschätzen so reiche ewige Stadt bot, benützend, eine ungemeine Thätigkeit. Er zeichnete, malte, modellirte, arbeitete in Stein und legte durch seine von tiefer Frömmigkeit durchdrungenen Werke, in denen es ihm gelang, die Anschauungsweise des frommen gläubiges Mittelalters mit den Fortschritten der technischen Ausführung der neueren Zeit auf das Anmuthigste und Wirksamste zu verbinden, den Grund zu einer neuen aufs christlich Religiöse gerichteten Kunstweise in der Sculptur, die später Overbeck und Andere in der Malerei mit so grossem Ruhme befolgten, obgleich es ihm keineswegs weder an Talent noch an Geist gebrach, auch der heidnischen Mythe entnommene Stoffe trefflich darzusteilen, wie seine in Rom ausgeführten Werke, die ihm bereits einen Platz unter den vorzüglichsten Künstlern seines Fachs einräumten, seine in carrarischen Marmor gearbeiteten lebensgrossen Statuen einer Muse mit dem Amor (jetzt in der Glyptothek zu München), eines sitzenden Fauns mit dem Bacchus und einer Leda mit dem Schwan (beide letzteren Gruppen im Kabinetsgarten zu Nymphenburg) beweisen.

Im Jahr 1816 wurde Eberhard zum Professor an der Akademie der bildendes Künste zu München ernannt, erhielt jedoch schon 1820 wieder Erlaubniss zur Ausführung weiterer Arbeiten für den König eine zweite Reise nach Rom maohen zu dürfen, woselbst er die herrliche Gruppe: Diana, von Amor zu Eudymion geführt (ebenfalls im Kabinetsgarten des Königs aufgestellt) und einen triumphirenden Amor im Jünglingsalter (im Antiquarium der königl. Residenz zu München) entstanden. Dann führte er verschiedene Porträtbüsten für die Walhalla bei Regensburg aus, unter denen man besonders die des Malers M. Wohlgemuth, des bayerischen Staatsmannes und Gelehrten Hörwart, des russischen Feldmarschalls Grafen v. Münich, des Erzgiessers Peter Vischer nennt. Ein Auftrag des Marchese Massimi, der neben den Fresken, welche Overbeck Schadow, Koch, Veith, Schnorr und Führich in seiner Villa ausführten, einen Saal mit plastischen Darstellungen aus Homer in halb erhabener Arbeit schmücken lassen wollte, kam leider wegen des Todes des Bestellers nicht zu Stande. Nur einen Gesang in mehreren Compositionen hat Eberhard in Alabaster ausgeführt und diese besitzt König Otto von Griechenland.

Nach München zurückgekehrt, bebaute er namentlich das Feld des Reliefs mit Darstellungen aus dem alten und neuen Testament, in denen er seine reiche Phantasie und sein frommes Gemüth frei walten lassen konnte und Gebilde von höohster Anmuth und Holdseligkeit schuf. Mitten unter solchen Arbeiten und nachdem er 1825 die Aufgabe, das Grabmal der Prinzessin Karoline in der Theatinerkirche mit einem Relief zu schmücken auf’s Trefflichste gelöst hatte, erhielt er verschiedene Aufträge zu Sculpturen für öffentliche Monumente. So schmückte er das Portal der Allerheiligenkirche zu München, in der Lunette, mit einem Relief, Christus, als Weltheiland, vor dem Maria und Johannes anbetend knieen, darstellend (lith. von J. B. Müller), und daneben auf den Thürpfeilern mit den Statuen der Apostel Petrus und Paulus; den Haupteingang des Isarthors ebendaselbst zu beiden Seiten mit den Kolossalstatuen des Ritters St. Georg und des Erzengels Michael; die Portale des Blindeninstituts mit den Statuen der Schutzheiligen der Blinden, den h. h. Benno und Raspo, und den h. h. Odilia und Lucia (beide letztere nach Eberhard’s Modellen von Sanguinetti ausgeführt). Zu Eberhard’s weiteren Werken von Bedeutung gehören: die Denkmäler der Bischöfe Sailer und Wittmann im Regensburger Dom. Ausserdem fertigte er verschiedene Basreliefe in Alabaster zu Hausaltärchen mit Darstellungen aus dem neuen Testamente; namentlich aber stellte er auch mehrere sehr schöne Christus- und Madonnenbilder in Alabaster dar. In den letzteren Jahren beschäftigte sich der Künstler häufiger mit Zeichnungen von ernsten religiössymbolischen Gegenständen, in denen ihm positive Lehren der katholischen Kirche die Motive der Darstellungen an die Hand gaben, und von denen er früher schon manche als Oelgemälde ansgeführt hatte. Auch kennt man Altäre von ihm, an denen sowohl die Malereien als auch die plastischen Arbeiten von seiner Hand herrühren.

In Eberhard’s früheren Arbeiten aus der griechischen Mythologie spricht uns namentlich der natürliche Sinn für Schönheit der Form, die lebendige Auffassung, Charakteristik und die Weichheit der Behandlung an. Seine religiösen Darstellungen athmen den Geist der deutsch-christlichen Kunst unserer alten Meister, sind aber rein und edel in Form und Zeichnung und ohne die technischen Mängel der damaligen Zeit. Seine Madonnen sind von höchst edler Bildung, voll hoher Anmuth und Demuth, in dem Ausdruck des Jesuskindes vereinigt sich Ernst mit lieblicher Heiterkeit und segnender Huld, und seine Engel sind allerliebste zarte Wesen, gross und schlank gewachsen als himmlische Boten. Alle seine Werke in dieser frommen Richtung tragen das Gepräge der holdesten Grazie, der seligsten Gefühle. In seinen Reliefe waltet eine fruchtbare Phantasie voll poetischer Gedanken; sie sind in Anordnung, Bewegung und Stellung innerhalb der Grenzen des plastischen Styls gehalten und bringen eine höchst angenehme Wirkung hervor. Seine Porträtbüsten zeichnen sich durch Aehnlichkeit und sorgliche Individualisirung aus.

Friedrich Müller: Die Künstler aller Zeiten und Völker. Stuttgart, 1857.

#Münchener Künstlerbilder (1871)

Konrad Eberhard,
Bildhauer und Maler.

Es giebt Familien, in denen die Kunst seit Generationen eine Heimatstätte gefunden hat. Die Bildhauer Eberhard sind im schwäbischen Oberland, im Algäu wie in Vorarlberg, gar wohl bekannt und manche Kirche und Kapelle bewahrt ihre Arbeiten. Unser Konrad hat die Anlagen durch den Vater vom Großvater herüber ererbt, die beide in derselben Richtung thätig waren, und er und sein Bruder Franz traten freudig in die Fußtapfen ihrer Voreltern. Schon ihr Großvater hatte das Geschäft schwunghaft betrieben und, wohl erkennend, daß weitere Ausbildung nur in der Welt errungen werden könne, seinen Sohn nach Oesterreich gesendet, um in Wien und Gratz zu lernen.

Konrad Eberhard, nur um ein Jahr jünger als sein Bruder Franz, ward am 25. November 1768 in dem Flecken Hindelang im Algäu geboren und ging mit Jenem gemeinschaftlich bald dem Vater bei seinen Arbeiten an die Hand. Echt christliche Gesinnung, der größte Schatz des Hauses, ward früh in den Kindern geweckt und begleitete sie bis an ihr Lebensende. Die Kunst, auf dieser Grundlage basirend, ward ihnen Alles, ersetzte ihnen selbst die Familie. Konrad verdankt seine künstlerische Ausbildung wenigstens mittelbar einem hohen Würdenträger der Kirche, dem Kurfürsten Clemens Wenzeslaus von Trier, dessen Einzug in Hindelang auf einer Firmungsreise die beiden Brüder durch Errichtung eines Triumphbogens ehrten. Kurfürst Clemens Wenzeslaus, in Sachen der Kunst wohlbewandert, ließ sich die Knaben vorstellen und sorgte für des Jüngeren Unterkunft in München. Noch im nemlichen Jahre 1796 wanderte Konrad in die Hauptstadt, um bei dem trefflichen Bildhauer, Hofstatuar und Professor an der Akademie, Roman Anton Boos in die Lehre zu treten. Nach zwei Jahren war er bereits im Stande seinen Unterhalt selbst zu bestreiten, verblieb jedoch bis zum Jahre 1806 bei seinem Lehrmeister und unterstützte diesen in seinen bald selbständig ausgeführten Arbeiten. Um diese Zeit war König Max Josef auf den jungen Künstler aufmerksam geworden und der Kronprinz Ludwig verschaffte ihm die Mittel, nach Rom zu gehen und sich dort dem Studium der Antike hinzugeben, deren hohe Bedeutung dem strebsamen Künstler längst klar geworden war.

Die Weltstadt beherbergte damals Schick und Wächter, Koch und Reinhardt, Wagner, Rhoden, die beiden Schadow und Friedrich Müller, der auf dem Gebiete der Kunst und der Poesie nach dem Lorbeer strebte. Eberhard gönnte sich während seines mehrjährigen Aufenthalts in Rom nur die allernöthigste Ruhe, bald zeichnend, bald malend, dann wieder in Thon und Marmor gestaltend. Ueber dem Studium der Antike, deren Geist er in seiner ganzen Fülle in sich aufzunehmen verstand, übersah er jedoch der christlichen Kunst tiefe Bedeutung nicht. Sein ganzes Gemüthsleben wendete sich nach dieser Seite, und was er damals in Rom schuf, war ganz geeignet, die seit Jahrhunderten von Deutschen und Italienern verlassene Bahn wieder zu eröffnen. Neben der Innigkeit seiner Anschauung und der unwandelbaren Glaubenstreue, welche er unter allen Verhältnissen bewahrte, war es eine unerschöpflich reiche Fantasie, die seine Werke belebte und ihm auf seinem christlichen Standpunkte jene hohe Stellung gab, welche Wächter sich durch seine im Sinne der Alten gehaltenen Compositionen aus dem Sagenkreise des griechischen Alterthums errang. Dabei kam es dem anspruchslosen, in strengster Zurückgezogenheit lebenden, echt frommen Künstler nicht in den Sinn, sich in andrer Weise als durch seine Schöpfungen geltend machen zu wollen. Dabei wendete er sich aber von der antiken Kunst keineswegs ganz ab; wie die nun in der Münchener Glyptothek aufgestellte »Muse«, seine »Leda mit dem Schwan« und der »sitzende Faun mit Bacchus« beweisen, welche alle der Zeit seines ersten Aufenthaltes in Rom angehören. Diese Arbeiten kamen in den Besitz theils des Kronprinzen Ludwig, theils seines königlichen Vaters und waren ganz geeignet, die Aufmerksamkeit des kunstliebenden Publicums auf sich zu lenken.

Bald nach seiner Rückkehr nach München, im Jahre 1816, ward Eberhard in Anerkennung seiner Verdienste und in Aussicht der ersprießlichen Dienstleistungen, welche von einem so reich begabten und wohlunterrichteten Lehrer erwartet werden konnten, zum Professor an der bayerischen Akademie der Künste ernannt. Zu gleicher Zeit ergingen zwei sehr ehrenvolle Aufträge an ihn, welche um so mehr hervorgehoben werden müssen, als die Wahl des Gegenstandes, in anerkennungswerther Würdigung des innersten Wesens künstlerischer Thätigkeit, dem Künstler selbst vollkommen frei gegeben wurde. Der König mochte fühlen, daß die Arbeit unter dem Eindrucke der Umgebung in Rom werthvoller werden würde und wußte, wie lieb Eberhard der Aufenthalt dortselbst geworden war. Wider Erwarten erhielt dieser den erbetenen Urlaub und eilte, von der gnädigen Willfährde sofort Gebrauch zu machen. Während er mit der Ausführung des Werkes – er hatte Dianen gewählt, die Amor zu Endymion führt – beschäftigt war, übertrug ihm der Kronprinz Ludwig bedeutende Antiken-Einkäufe. Neben Martin Wagner war es besonders Eberhard, der hierin eine große Rührigkeit entfaltete, und seiner Umsicht verdankt die Glyptothek manchen ihrer größten Schätze. Unrichtig jedoch ist, wenn Eberhard als derjenige bezeichnet wird, der den berühmten »barberinischen Faun« für den Kronprinzen Ludwig erworben hätte. Es war vielmehr Martin Wagner, welcher den Ankauf dieses Meisterwerkes vermittelte und dessen Versendung nicht ohne persönliche Gefahr besorgte, nachdem die Behörden Roms mit aller Energie derselben entgegengetreten waren. Bekanntlich führte diese Angelegenheit selbst zu diplomatischen Verhandlungen.

Eberhard vollendete die letztbezeichnete Gruppe nach 4 Jahren und zog sich, nach deren Durchführung wieder in’s deutsche Vaterland heimgekehrt, auf einige Zeit auf’s Land zurück, dessen Ruhe seinem einfachen Wesen wohl that. Er arbeitete zunächst in Schlehdorf, einem reizend gelegenen Dorfe am Kochelsee im bayerischen Oberlande, dann zu Starnberg, welches damals noch nicht wie jetzt der Modeaufenthalt der Städter geworden war, zuletzt im königlichen Schlosse zu Berg am Starnbergersee. Hier war es, wo er das Denkmal der Prinzessin Karoline von Bayern ausführte, das im Jahre 1825 in der Hofkirche zu St. Cajetan in München aufgestellt wurde.

Es konnte nicht fehlen, daß manches der bessern Werke unsers trefflichen Künstlers Rom nicht blos sein Entstehen verdankt, sondern auch dort zurückblieb. Marchese Massimi, der seine berühmte Villa mit Gemälden nach Cornelius‘ Entwürfen von der Hand Overbeck’s, Veit’s und Schadow’s hatte schmücken lassen, übertrug Eberhard die Herstellung von Basreliefs für einen der Säle seiner Villa, welche die »Ilias« zum Gegenstande haben sollten. Der Künstler unternahm behufs der Ausführung dieses Werkes im Jahre 1821 eine Reise nach Rom, welche indeß den gewünschten Erfolg nicht hatte, da Marchese Massimi inzwischen mit Tod abging und hierdurch die Sache rückgängig wurde. Später gingen die wenigen Compositionen, welche bereits in Alabaster ausgeführt waren, an König Otto von Griechenland über, der sie in seinem Palast in Athen unterbrachte. Im Jahre 1826 wendete sich die städtische Gemeindebehörde von Perugia an Eberhard mit dem Antrage, die Arbeit zur Wiederherstellung des von Johann von Pisa gearbeiteten berühmten Brunnens auf dem dortigen Marktplatze zu übernehmen. Der Künstler erklärte sich hierzu bereit und ging bald darauf nach Perugia ab, um die nöthigen Vorarbeiten in Angriff zu nehmen. Zu diesem Zwecke begleitete ihn auch sein Bruder Franz. Die Reise war jedoch eine durchaus erfolglose, indem die päpstlichen Oberbehörden ihre Genehmigung versagten und demzufolge sich das ganze Unternehmen zerschlug.

Außer den oben verzeichneten größeren Arbeiten weltlicher Richtung errang sich Eberhard durch die in Lebensgröße ausgeführte »Statue Albrecht Dürer’s« für Nürnberg, welche einem Preisausschreiben ihre Entstehung verdankte, den ungetheilten Beifall der Kunstfreunde. Auch für die Walhalla wurde er thätig, indem er die Büsten Peter Vischer’s, Wohlgemuths, von Lodron’s, Hörwarts und Münch’s in Marmor ausführte. Ferner sind seine Grabdenkmäler der Bischöfe Wittman und Sailer im Regensburger Dome Arbeiten von hohem Verdienste. Seine größten Triumphe aber feierte Eberhard auf dem Gebiete der christlichen Kunst, auf welchem vorzugsweise zu schaffen er seinem ganzen Wesen nach bestimmt erschien. Diese Thätigkeit offenbarte sich aber auf dem Felde der Malerei und der Plastik zugleich, nachdem Eberhard längere Zeit geschwankt hatte, welcher von beiden er sich ganz und ungetheilt zuwenden solle. Das erste epochemachende Werk dieser Richtung war jene bekannte, von ihm noch während seines Aufenthaltes in Rom modellirte »Madonna« welche an Innigkeit und Reinheit der Empfindung den besten Werken der alten italienischen und deutschen Meister gleichkommt und so gewissermaßen zum Urbild der Gottesmutter für alle Neueren geworden ist. Der k. Obermedizinalrath von Ringseis in München besitzt vier sehr werthvolle Basreliefs von Eberhard, eine »Kreuzabnahme«, den »Gang der Frauen zum Grabe des Herrn«, die »Bekehrung des Saul« und »die Vertreibung Adam’s und Eva’s aus dem Paradiese.« König Ludwig beschäftigte unsern Künstler auch bei den großartigen Bauten, welche während seiner Regierungsperiode in München entstanden. So kamen das Relief über dem Portale der Allerheiligen-Kirche, welches »Christus zwischen Maria und Johannes« zeigt, und die Statuen der Maria und des Johannes zu dessen beiden Seiten aus Eberhard’s kunstgeübter Hand. Von ihm sind die beiden Statuen, welche das Isarthor schmücken, »St. Michael« und »St. Georg«, ferner die Figuren des »heil. Benno« und »Ruppert«, sowie der »heil. Lucia« und »Ottilia« über den beiden Portalen des Blinden-Instituts. Indem er dem heiligen Benno die Züge seines Gönners Sambuga gab, trug er ihm gegenüber eine alte Dankesschuld ab, da dieser es gewesen, der ihn zunächst dem Könige Max Josef empfahl.

Ueber Eberhard’s hervorragendstes Werk auf dem Gebiete der Malerei, den im Besitze des Fräuleins von Lindner befindlichen Altar mit zwei Flügeln, wurde seiner Zeit in Dr. Schorn’s Kunstblatt, Jahrgang 1834, Nr. 5–8, ausführlicher berichtet, als unter den gegebenen Umständen hier geschehen kann. Der Vorwurf des Künstlers war nichts Geringeres als eine eingehende Darstellung der historischen Entwicklung und Ausbreitung des Christenthums und seines endlichen Triumphes. Interessant sind die Porträts von Goethe, Dante, Cornelius und Plattner, welche der Meister darauf in sinniger Weise anzubringen wußte.

Eberhard’s Bedeutung, als der erste unter den Künstlern, welche es wagten, den im Laufe der Zeit abhanden gekommenen Gedanken einer christlichen Kunst wieder zu denken und mit den tüchtigsten Mitteln in Ausführung zu bringen, kann nicht hoch genug angeschlagen werden. Er war es, der die Bahn eröffnete und ebnete, auf der ein Overbeck und Cornelius zum ewigen Ruhme emporschritten. Wenn er aber in der Folge sich zu sehr dem Typischen zuneigte und dabei nothwendig die lebendige Natur aus den Augen verlor, so erklärt sich das aus seiner ganzen Eigenthümlichkeit und seinem Einkehren in sich selbst zur Genüge. Damit hing aber auch andrerseits zusammen, daß er in gewissen Kreisen nahezu vergessen war und erst die Nachricht von seinem Tode das Gedächtniß an ihn wieder auffrischte. War er in seiner unsäglichen Bescheidenheit doch nicht der Mann, der sich irgendwie geltend zu machen suchte. Seine ganze Richtung war und mußte einer Zeit, in der die materiellen Verhältnisse, bis auf einen gewissen Grad wenigstens, die Oberhand erhielten, fremd bleiben, und als er gewissermaßen in unwillkürlicher Opposition dagegen in seinen letzten größeren Compositionen, wie in seiner »Kirche Gottes auf Erden« und jener, worin er die Thronbesteigung des Kaisers Franz Josef von Oesterreich feierte, über jenen Grad der Symbolisirung noch hinausging, der Overbeck und Schadow so viele Angriffe zugezogen, da glaubten Viele den Meister mit einem leichten Achselzucken gerichtet zu haben. Eberhard lebte bis zum Tode seines Bruders Franz im Jahre 1846 mit diesem in engster Familiengemeinschaft und unterzog sich den tausend Diensten, welche dessen in den letzten Jahren eingetretene Blindheit erheischte. Er suchte um Enthebung von seiner Function als Professor nach und erhielt sie unter gnädiger Anerkennung seines Wirkens. Bald machte sich das hohe Greisenalter geltend, der körperlichen Schwäche gesellte sich geistige bei. Sein Eifer für das Christenthum ließ ihn den hohen Werth dessen verkennen, was er in weltlicher Kunst geschaffen. Er hielt es für sündhaft und verdammenswerth. In dieser krankhaften Stimmung, welche sich in ihm feststellte, vernichtete er alles dahin Gehörige. Selbst christliche Stoffe schienen ihm hie und da zu weltlich aufgefaßt und so traf sie gleiches Schicksal. Er war in der Zeit seines Glanzes mit den hervorragendsten Männern unsers Volkes in Verkehr gestanden, auch ihre Briefe verschonte seine Hand nicht, sie wanderten mit dem Uebrigen in’s Feuer.

Poesie und Musik erheiterten seine Mußestunden, in beiden hat er selbständig geschaffen, und so unter Anderem auch Goethe’s »Sänger« und »Erlkönig« in Musik gesetzt. Anspruchslos und mit Wenigem zufrieden, unterstützte er junge Talente auf das freigebigste und behielt noch genug, um selbst größere Arbeiten für fromme Zwecke unentgeltlich abzulassen, wie die von ihm gestiftete »Madonna mit dem Christuskinde« im Wallfahrtsorte Maria-Eich bei München.

Endlich fing auch er an zu kränkeln, doch schien sich das Uebel wieder zu heben und er erfreute sich an seinem neunzigsten Geburtstage eines leidlichen Befindens. Er hatte aber längst seine Rechnung mit der Welt abgeschlossen und sah mit wahrhaft erhebender Ruhe seinem Ende entgegen. So verschied er am 12. März 1859, ohne Schmerz und Bangen, kurz vor Mitternacht, nachdem er nur acht Tage lang zu Bett gelegen. Eberhard war ein Mensch von den höchsten Tugenden, kindlich unbefangen, treu im Glauben, von tadelloser Sittenreinheit, ein wackerer Freund. Seine äußere Erscheinung ließ in ihm eher einen Priester als Künstler vermuthen. Klein und unansehnlich, umwehte ihn doch ein gewisses Etwas, das wir den Abglanz seiner reinen Seele nennen möchten. Erschien er auf der Straße, so liefen ihm alle Kinder zu, für die er immer ein liebreiches Wort hatte. Der »heil. Ruppert« an dem Blindeninstitut wie oben angeführt, von seiner eigenen Hand gemeißelt, und eine von seinem Schüler J. O. Entres modellirte Porträtbüste geben seine lebhaft an die alten Meister des Mittelalters mahnenden Züge in treffender Aehnlichkeit wieder.

Als Nachlese mögen einige Auszüge aus den Einschreibungen hier Platz finden, welche eine alte Eckische Bibel (Ingolstadt 1550) auf ihren Deckelblättern von des Verstorbenen und seines Bruders Franz Hand enthält. Sie charakterisiren die »Brüder« mehr als ganze Abhandlungen. Franz, der Aeltere, begann die Familienchronik wie folgt:

»Anno 1809 den 31. Mai starb meine liebe Mutter Veronika Henggin, im 77. Jahre ihres Alters. Sie war Gebürtig aus dem Nesselwängle. Ihre Eltern waren Andreas Hengg, Gebürtig von Vils, und ihre Mutter Veronika Rieff, welche bei uns hier in Hindelang 1784 gestorben ihres Alters über 90 Jahr. Sie ruhen in Frieden.« »Anno 1813 den 6. Juli Vormittag zwischen 8 und 9 Uhr verschied aus diesem Leben, hoffentlich in ein besseres, mein lieber Vater, Johann Richard Eberhard, Bildhauer dahier in Hindelang, im Oberkirchdorf, im Haus Nr. 4. Seines Alters 74 Jahr, 2 Monat, 3 Tag. Er Ruhe in Frieden! Seine Eltern waren Melchior Eberhard, auch ein Bildhauer, geboren aus dem vorderen Hindelang; die Bildhauerei erlernte er zu St. Florian, einem Kloster in Oberösterreich. Er starb den 12. September 1777, seines Alters 76 Jahr – und Afra Magerin, gebürtig von Lenden, starb den 12. Februar 1772, Ihres Alters 74 Jahr. Sie ruhen in Frieden!«

»Mein lieber Vater liegt in dem Grab seiner lieben Muster und mein Muter ligt in dem Grab meines Großvaters Melchior Eberhard – auf dem Kirchhof zu Hindelang neben der untern Kirchthür am Weeg. Die Aeltern meines Großvaters waren Mathias Eberhard, ein Leinenweber, gebürtig ob dem Beilenberg der Pfarr Altstadt, starb 1743, seines Alters 79. Und Brigida Zellerin, gebürtig aus dem Obernkirchdorf, gestorben 1753, ihres Alters 87. Sie ruhen in Frieden. Dieser ihre Aeltern waren Michael Zell, Jäger dahier, und Marie Wankmüllerin. Sie ruhen in Frieden.« »Die Aeltern meiner Großmutter, der Veronika Rieffin, waren Georg Rief, ein Stadelküffer im Nesselwängl, und Maria Schädlin von Thonheim. Dem Georg Rief fiel ein Salzfaß auf dem Fuß und mußte ihm der Fuß ob dem Knie abgenommen werden, als er 84 Jahr alt war. Er wurde wieder geheilt und erreichte ein Alter von 96 Jahren. Sein Vater war Mathias Rief, Jäger im Nesselwängle, der Mutter Nahm ist mir unbekannt. Sie ruhen in Frieden.« – Konrad fährt darauf weiter fort: »Anno 1836 den 18. Dezember ist mein lieber Bruder Franz Xaver Eberhard im 70. Lebensjahr Nachmittag drei Viertel auf Ein Uhr selig in Gott verschieden! nachdem er mit den heiligen Sterbsakramenten versehen worden, hatte er ein großes Verlangen nach dem ewigen Leben! So wie er mir durch ein christliches Leben voranginge, so auch in seinem seligen Tode! – Herr, Gib ihm die ewige Ruhe! und erbarme Dich meiner! erbarme Dich unser!«

»Wie mein liebster Bruder nur immer um mich besorgt war, so war er es bis zu seinem Tode; so sagte er: wenn du nur gesund bleibst; traure doch nicht um mich, denn wenn ich die Wahl hätte, noch länger zu leben, so sterbe ich doch lieber! sehe doch, daß du gesund bleibest und die zwei Monumente für die Bischöfe Sailer und Wittmann noch vollenden kannst.«

Als diese Denkmäler vollendet waren, schrieb Konrad: »Diese habe ich nun am Orte ihrer Bestimmung im Dome zu Regensburg vor 10 Täg aufgestellt, 1837 den 2. Juli. Diese Grabmäler wurden mit aller Feierlichkeit von dem Herrn Bischof und hohen Geistlichkeit eingeweiht.«

Weiter heißt es: »Nun habe ich für meinen lieben Bruder noch ein kleines Monument verfertigt; es besteht in einem Basrelief, die Mutter Gottes mit dem segnenden Christuskinde; ich habe dieses nach der Idee meines lieben Bruders, welches er öfter, im Klein, in Alabaster ausgeführt hatte, ins große von feinem Kalkstein ausgeführt mit zwei Thürlein, wenn die offen, so sieht man die heil. Namenspatrone meines seligen Vaters, Johann den Teuffer, und meiner sel. Mutter, die heil. Veronika, den heil. Franziskus Xaver und den heil. Conrad, Bischof von Konstanz, meinen heil. Namenspatron. Auswendig auf der Thür ist Christus als guter Hirt, und mein blinder Bruder sagt zu Christus: Herr bleibe bei uns, es will Abend werden (ich Ihm zur Seite); vor der Todten Gruft der Pfarrer Wankmüller zu Hindelang sieht zum Fenster herein. Die Gegend ist die von Hindelang.«

»Dieses kleine Denkmal für meinen lieben Bruder und seligen Aeltern werde ich die nächste Woche nach Hindelang transportiren und der Herr Pfarrer, unser beiden liebster Freund, wird den Jahrtag für meinen seligen Bruder abhalten, so wie für unsere lieben seligen Aeltern und Anverwandte. Konrad Eberhard, gleichfalls Bildhauer, lebe in meinem 69. Lebensjahr in München. Gott der Allmächtige wolle uns alle durch seinen Eingeborenen unsere Sünden verzeihen und durch die Mutter der Barmherzigkeit durch ihre Vorbitte, besonders in der Stunde unsers Absterbens von dieser Welt. Amen.«

Carl Albert Regnet: Münchener Künstlerbilder. Ein Beitrag zur Geschichte der Münchener Kunstschule in Biographien und Charakteristiken. Leipzig, 1871.

#Allgemeines Künstler-Lexicon (1895)

Eberhard, Konrad, Bildhauer und Maler, geb. 26. Nov. 1768 ebenfalls in Hindelang, † 12. März 1859 in München, anfangs Schüler seines Vaters, eines Bildschnitzers, und des Roman Boos, schuf zunächst in München und seit 1821 in Rom mehrere mythologische Skulpturen, war aber geschätzt wegen seiner religiösen Gegenstände, die er im Anschluss an die Nazarener ganz im Geist der katholischen Kirche voll religiösen Ernstes in grosser Zahl ausführte. Unter seinen mythologischen Werken sind zu nennen, in Nymphenburg Silen mit dem Bacchusknaben, Leda, Diana mit Endymion, in der Glyptothek Amor und die Muse; unter den übrigen Werken das Denkmal der jung verstorbenen Prinzessin Josepha Maximiliana Carolina von Bayern (1825, Theatinerkirche) und namentlich als das schönste die Denkmäler der Bischöfe Sailer und Wittmann im Dom zu Regensburg. Er versuchte sich auch in der Malerei christlich ascetischer Bilder und schuf 1833 ein Triptychon mit einer Darstellung der Entwickelung und des Triumphes des Christenthums (Privatbesitz in München), sowie Zeichnungen zum Alten Testament. Seit 1816 war er Professor an der Akademie in München.

Allgemeines Künstler-Lexicon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Vorbereitet von Hermann Alexander Müller. Herausgegeben von Hans Wolfgang Singer. Erster Band. Frankfurt am Main, 1895.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Eberhard Konrad, 1768 (Hindelang/Allgäu) – 1859, Bildhauer und Akademieprofessor; Sohn und Schüler eines Bildschnitzers, studierte E. in München bei R. A. Boos, kam 1806 mit Hilfe des nachmaligen Königs Ludwigs I. von Bayern nach Rom, wo er sich als Nazarener dem Kreis Overbecks anschloß; seit 1819 Akademieprofessor, weilte er von 1824/26 nochmals in Italien, blieb aber dann dauernd in München; in späteren Jahren widmete sich E. ausschließlich der religiösen Kunst, vielfach von seinem Bruder Franz E. (1767–1836) unterstützt; sein bedeutendstes plastisches Werk ist das Grabmal der frühverstorbenen Prinzessin Karoline von Bayern in der Münchner Theatinerkirche.

Andere Werke: Büsten in der Walhalla bei Regensburg und die Grabmonumente für die Bischöfe Sailer und Wittmann im Dom zu Regensburg; auch viele Altarfiguren stammen aus seiner Meisterhand.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#11 – 1 – 34 (Gross)


Tafel
Ruhestätte
von
Frau Alice Gross, geb. Stork
geb. z. Leipzig 20.IX.1864. † 27.X.1901.
u. deren Gatten
Herrn Hugo Gross
Handelsrichter
geb. z. München 11.VII.1860. † 13.I.1920.


  • Gross, Alice (vh) / Stork (gb); 20.9.1864 (Leipzig) – 27.10.1901 (München); Handelsrichters-Gattin
  • Gross, Hugo; 11.7.1860 (München) – 13.1.1920 (München); Handelsrichter

Todesanzeige für Hugo Gross

Grab der Familie Gross auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#11 – 1 – 35 (Spindlbauer)


Grab der Familie Spindlbauer auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#11 – 1 – 41 (Leichtenstern · Müller)


Hier ruhen
Frau
Franziska Leichtenstern
geb. Seeholzer,
Oberstlieutenants-Wittwe
geb. 8. Dez. 1814, gest. 31. Aug. 1874.
Deren Enkelin,
unser einziges, geliebtes Kind
Helene Müller
geb. 6. April 1877, gest. 29. Juni 1912.
Herr Franz Müller,
kgl. bayr. Ing. Oberst. a. D.
geb. 24. März 1847, gest. 24. Juli 1927.


  • Leichtenstern, Franziska (vw) / Seeholzer (gb); 8.12.1814 – 31.8.1874 (München); Oberstleutnants-Witwe
  • Müller, Franz; 24.3.1847 – 24.7.1927 (München); Ingenieur-Oberst
  • Müller, Helene; 6.4.1877 – 29.6.1912 (München); Oberstens-Tochter

Todesanzeige für Franziska Leichtenstern

Todesanzeige für Franz Müller

Grab der Familien Leichtenstern · Müller auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#11 – 1 – 42 (Herndl · Sedlmayer)


Hier ruhen in Frieden:
Herr Georg Herndl,
Privatier, früher Stadtsägmüller,
geboren den 4. Dezember 1804, gestorben den 26. Januar 1880.
Ihm vorausgegangen ist seine Gattin
Frau Anna Maria Herndl,
geboren den 25. September 1799, gestorben den 19. August 1879.
Josepha Herndl. geb. den 6. Okt. 1834, gest. 25. Dezbr. 1843.
Auguste Herndl. geb. den 19. Juni 1839, gest. 24. Dezbr. 1843.
Amalie Herndl. geb. den 15. Juli 1842, gest. den 11.¿
Frau Anna Sedlmayer: Großhändlers¿
geborene Herndl ¿ verehelichte Höllriegel
¿


  • Herndl, Amalie; 15.7.1842 – 11.¿
  • Herndl, Anna Maria (vh); 25.9.1799 – 19.8.1879 (München); Stadtsägemüllers-Gattin
  • Herndl, Auguste; 19.6.1839 – 24.12.1843
  • Herndl, Georg; 4.12.1804 – 26.1.1880 (München); Ehemaliger Stadtsägemüller
  • Herndl, Josefa; 6.10.1834 – 25.12.1843
  • Sedlmayer, Anna (vh) / Höllriegel (vw) / Herndl (gb); – 9.3.1874 (München), 40 Jahre alt; Steinmetzmeisters-Witwe / Großhändlers-Gattin

Todesanzeige für Anna Maria Herndl

Todesanzeige für Georg Herndl

Todesanzeige für Anna Sedlmayer

Grab der Familien Herndl · Sedlmayer auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2020)

Grab der Familien Herndl · Sedlmayer auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

Grab der Familien Herndl · Sedlmayer auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#11 – 1 – 45·46 (Detzer · Greise)


Grab der Familien Detzer · Greise auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2020)

#11 – 1 – 47 (Ungerer)


UNGERER’SCHE
FAMILIEN-GRABSTAETTE

HIER RUHEN IN GOTT
FRAU ANNA UNGERER GEB. PAUL
MASCHINENFABRIKANTENSGATTIN
GESTORBEN AM 17. SEPTEMBER 1871 IM 52. LEBENSJAHRE.
HERR AUGUST UNGERER
MASCHINENFABRIKANT
GESTORBEN AM 1. MAI 1877 IM 26. LEBENSJAHRE.
HERR EUGEN UNGERER
DAMPFSÄGEBESITZER
GESTORBEN AM 4. AUGUST 1893 IM 33. LEBENSJAHRE.
HERR FRITZ UNGERER
MASCHINENFABRIKANT
GESTORBEN AM 7. DEZEMBER 1884 IM 39. LEBENJAHRE.
HERR FRIEDRICH UNGERER
FABRIKBESITZER
GESTORBEN AM 3. JANUAR 1885 IM 68. LEBENSJAHRE.
HERR ALFONS UNGERER
KITTFABRIKANT
GESTORBEN AM 3. MAI 1900 IM 44. LEBENSJAHRE.
HERR ANTON UNGERER
GESTORBEN AM 16. JULI 189¿ IM 48. LEBENSJAHRE.
HERR KARL UNGERER
GESTORBEN AM 7. JULI 1905 IM 62. LEBENSJAHRE
HERR JOSEF UNGERER
MASCHINENFABRIKANT
GESTORBEN AM 26. APRIL 1927 IM 65. LEBENSJAHRE.


  • Ungerer, Alfons; – 3.5.1900; Kittfabrikant
  • Ungerer, Anna (vh) / Paul (gb); – 17.9.1871 (München), 51 Jahre alt; Maschinenfabrikantens-Gattin
  • Ungerer, Anton; – 16.7.1897 (München); ehemaliger Maschinenfabrikant
  • Ungerer, August; – 1.5.1877 (München), 25 Jahre alt; Maschinenfabrikant
  • Ungerer, Eugen; – 4.8.1893 (München), 32 Jahre alt; Dampfsägebesitzer
  • Ungerer, Friedrich; – 3.1.1885 (München), 67 Jahre alt; Pivatier, ehemaliger Maschinenfabrikant
  • Ungerer, Fritz; – 7.12.1884 (München), 39 Jahre alt; Maschinenfabrikant
  • Ungerer, Josef; – 26.4.1927 (München), 64 Jahre alt; Maschinenfabrikant
  • Ungerer, Karl; – 7.7.1905 (München), 51 Jahre alt; Maschinenfabrikant

Todesanzeige für Anna Ungerer

Todesanzeige für August Ungerer

Todesanzeige für Friedrich Ungerer

Todesanzeige für Eugen Ungerer

Todesanzeige für Anton Ungerer

Nachlassversteigerung des Anton Ungerer

Todesanzeige für Karl Ungerer

Todesanzeige für Josef Ungerer

Todesanzeige für Josef Ungerer

Grab der Familie Ungerer auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

Grab der Familie Ungerer auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2008)

#Josef Ungerer

† 26.4.1927 (München), 64 Jahre alt
Maschinenfabrikant

#Münchner Neueste Nachrichten (29.4.1927)

Kurze Stadtnachrichten

Fabrikant Josef Ungerer ist, wie schon kurz gemeldet, im 65. Lebensjahr gestorben. Er war ein geborener Münchner, seine Eltern schon hatten eine Maschinenfabrik und Eisengießerei an der Dachauerstraße, an der später, in den siebziger Jahren bereits, die vierstöckigen Ungerer-Häuser entstanden, als erste großstädtische Bauten in der damals noch halb ländlichen Gegend, in der auch der »Schimmelwirt« mit seinem Taubenschlag und seinem Einstellhof für Fuhrwerke sich befand. Die in den rückwärtigen Höfen der Ungererhäuser noch betriebene Eisengießerei wurde mit dem Wachstum der Stadt nach Sendling verlegt. Die Brüder Josef Ungerers, Karl und Eugen, hatten eine Maschinenfabrik in Birkenleiten und ein Sägewerk in Thalkirchen. Josef Ungerer, der die Ingenieurwissenschaft studiert hatte, widmete sich mit voller Hingebung seinem Betriebe, der unter seiner Leitung an Ausdehnung noch bedeutend gewann. Der stille und bescheidene Mann war bis in die letzte Zeit in der Fabrik tätig, bis ein Herzleiden ihn zwang, im bayerischen Hochland Erholung zu suchen. Josef Ungerer war Junggeselle geblieben; die Firma J. Ungerer, Maschinenfabrik und Eisenkonstruktionswerk, wird von seinen Neffen Eugen und Fritz unverändert fortgeführt.

Münchner Neueste Nachrichten Nr. 116. Freitag, den 29. April 1927.

#Karl Ungerer

† 7.7.1905 (München), 51 Jahre alt
Maschinenfabrikant

#Generalanzeiger (10.7.1905)

Münchener Tagesneuigkeiten.

München, 8. Juli.
Karl Ungerer †. Im vollen kräftigen Mannesalter wurde uns, wie wir schon kurz gemeldet, ein Mitbürger entrissen, den halb München kannte und schätzte, Herr Maschinenfabrikant Karl Ungerer. Sein klarer Blick für die Angelegenheiten des öffentlichen Lebens, seine ungebrochene, nimmer rastende Schaffenskraft haben ihm Anerkennung und Wohlstand gebracht. Karl Ungerer war der Sohn eines Eisengießereibesitzers, der zu einer Zeit, als das eigentliche München am Bahnhof aufhörte, Stadt zu sein, an der Dachauerstraße seinen Betrieb hatte. Damals rauchte dort noch der Hochofen und in seinem glühenden Rachen wurde alltäglich Eisen geschmolzen. Als erste moderne Neubauten entstanden dann Mitte der 70er Jahre an der heutigen Straßenlinie der Dachauerstraße die Ungerer-Häuser, noch vom Vater gebaut, denen später der nun verstorbene Karl Ungerer, der mit seinen älteren Brüdern Anton und August das väterliche Geschäft übernommen hatte, das Restaurant Ungerer hinzufügte. Mit der zunehmenden Entwicklung der Stadt war auch in der Dachauerstraße für die Gießerei und Maschinenfabrik nicht mehr der richtige Platz. Diese und die Manhartsche Werkzeug- und Maschinenfabrik an der Amalienstraße, die ebenfalls in den Besitz der Familie Ungerer übergegangen war, wurde nach Giesing verlegt, wo die drei genannten Brüder sie fortführten. Später erfolgte die Umwandlung des Etablissements in die Maschinenbaugesellschaft München A.-G., die heute noch fortbesteht.
Karl Ungerer zog sich nach der Verwandlung des vom Vater ererbten Betriebes in eine Aktiengesellschaft keineswegs ins Privatleben zurück, er betätigte sich da und dort als Unternehmer, nicht immer mit vollem Glück, aber stets mit ehrlichem Wollen und in ehrlicher Absicht. Es war fast zu viel, was er seiner Tätigkeit zumutete. Nach dem Tode des Buchdruckereibesitzers Mühlthaler nahm er sich auch dieses Etablissements an, das zu einer Aktiengesellschaft wurde, die unter Mithilfe Ungerers zu bedeutender Entwicklung gedieh. In den letzten Jahren hat Karl Ungerer noch prächtige Häuser an der Briennerstraße gebaut, die mit zu den vornehmsten in ganz München gehören und ebenso in der Richard-Wagner-Straße mehrere stilvolle Neubauten ausführen lassen. Im Jahre 1884 wurde er in das Gemeindekollegium gewählt, dem er bis Dezember 1894 angehörte. Er vertrat dort seine Ideen mit Energie und wußte bei seinem regen Interesse und Verständnis für wirtschaftliche Fragen eine sehr ersprießliche Tätigkeit zu entfalten. Sehr redegewandt, betätigte er sich auch erfolgreich in verschiedenen nützlichen Vereinen, so im Grund- und Hausbesitzer-Verein, der ihn erst in letzterer Zeit zu seinem Vorstand wählen wollte. Von ihm war auch die Anregung zur Gründung der Münchner Karnevalsgesellschaft ausgegangen, die lange floriert hatte. Ungerer war dabei von dem höheren Gesichtspunkt ausgegangen, durch eine künstlerische Ausgestaltung des Münchner Karnevals auch den Fremdenzufluß zu vermehren. Und in der Tat hat seine auf fruchtbaren Boden gefallene Anregung großen Nutzen gebracht. Karl Ungerer war sehr bekannt, überall gern gesehen und wegen seines geraden, offenen, konzilianten Wesens beliebt. Er war auch ein eifriger Verfechter und Anhänger der liberalen Sache. Sein Tod wird von vielen betrauert werden. Fünf Töchter weinen dem treu besorgten Vater nach, von sechs Brüdern sind ihm fünf schon im Tode vorausgegangen, nur einer, Joseph Ungerer, der Besitzer einer Maschinenfabrik und Eisenkonstruktionswerkstätte, ist aus dem tätigen und fleißigen Mannesgeschlecht übrig geblieben. Karl Ungerer war seit einigen Wochen ans Krankenlager gefesselt; ein schleichendes Leiden, eine Arterienverstopfung, machte seinem Leben ein Ende, an das sein starker Geist nicht glauben wollte. Erst wenige Stunden vor seinem Scheiden kam er zur Erkenntnis des Unabänderlichen. Ein erst 52jähriger hätte er noch so vieles tun wollen, aber der große Unerbittliche setzte seiner Schaffensfreude ein Ziel.

Generalanzeiger Nr. 317. Gratis-Beilage der Münchner Neuesten Nachrichten. Montag, den 10. Juli 1905.

#11 – 1 – 50 (Mall)


Grab der Familie Mall auf dem Alten Südfriedhof München (März 2021)

#11 – 2 – 7* (Cramer)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Cramer, Carl; – 26.11.1889 (München), 67 Jahre alt; Dekorationsmaler

Todesanzeige für Carl Cramer

Das Grab ist nicht erhalten

#11 – 2 – 11 (Gaiser)


Hier ruht
unser unvergesslicher Gatte und Vater
Herr Anton Gaiser,
städt. Buchhalter
geb. 9. Aug. 1850, gest. 2. Okt. 1894.
dessen Gattin
Frau Wally Gaiser,
geb. 25. Sept. 1849, gest. 13. März 1925.

Sockel
Grabstätte der Familie
Gaiser.

¿ Schwarz


  • Gaiser, Anton; 9.8.1850 – 2.10.1894 (München); Buchhalter
  • Gaiser, Wally (vw); 25.9.1849 – 13.3.1925 (München); Buchhalters-Witwe

Todesanzeige für Anton Gaiser

Grab der Familie Gaiser auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2020)

#11 – 2 – 13 (Steigerwald)


Hier ruhen im Frieden:
Bezirks Arzt
Dr. Theod. Steigerwald
geb. den 26. Jan. 1807 gest. den 2. Juli 1865
welcher mit reichen Kentnissen
treu u. gewissenhaft in seinem Berufe
für das Wohl seiner Mitmenschen wirkte.
Lisette Steigerwald geb. Diez
geb. den 26. Juni 1809 gest. den 21. März 1872.
Die Söhne:
Rud. Steigerwald Privatier
geb. den 23. Aug. 1840 gest. den 7. April 1890.
Alfred Steigerwald Privatier
¿ Jan. 1839, gest. den 11. Jan. 1900.

Sockel
Bez. Arzt Dr. Steigerwald’sche
Familien Grabstätte

Rechte Seite
A. Aufleger.


  • Steigerwald, Alfred; ¿.1.1839 – 11.1.1900
  • Steigerwald, Lisette (vw) / Diez (gb); 26.6.1809 – 21.3.1872 (München); Bezirksarzts-Witwe
  • Steigerwald, Rudolf; 23.8.1840 – 7.4.1890 (München); Kaufmann
  • Steigerwald, Theodor, Dr. med.; 26.1.1807 – 2.7.1865 (München); Bezirksarzt im Ruhestand

Todesanzeige für Dr. med. Theodor Steigerwald

Todesanzeige für Lisette Steigerwald

Todesanzeige für Rudolf Steigerwald

Grab der Familie Steigerwald auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

#11 – 2 – 41 (Kerschensteiner)


Hier ruhen
Anton Kerschensteiner
Käsekäufler * 1801 † 1877
seine Frau Katharina, geb. Karl
* 1833 † 1895
sein Sohn Josef von Kerschensteiner
Kgl. Geheimrat u. Obermedizinalrat
* 1831 † 1896
dessen Frau Julie, geb. Reisenegger
* 1846 † 1925
und Josef Kerschensteiner, Kunstmaler
* 1864 † 1936


  • Kerschensteiner, Anton; 1801 – Juli 1877 (München); Käsekäufler
  • Kerschensteiner, Josef Alois; 13.1.1864 (Augsburg) – 28.10.1936 (Stuttgart); Tiermaler
  • Kerschensteiner, Josef Ritter von, Dr. med.; 23.5.1831 (München) – 2.9.1896 (München); Geheimrat und Obermedizinalrat
  • Kerschensteiner, Julie von (vw) / Reisenegger (gb); 1846 – 15.1.1925 (Schondorf am Ammerse); Geheimrats- und Obermedizinalrats-Witwe
  • Kerschensteiner, Katharina (vw) / Karl (gb); 1833 – Dezember 1895; Käsekäuflers-Witwe

Todesanzeige für Julie von Kerschensteiner

Grab der Familie Kerschensteiner auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Josef Alois Kerschensteiner

* 13.1.1864 (Augsburg)
† 28.10.1936 (Stuttgart)
Tiermaler

#Die Kunst für Alle (1.5.1898)

Das Modellstudium des Tiermalers.

Von Josef Kerschensteiner.

Das hier in Frage kommende Studium ist sicherlich von allen Arbeiten nach dem lebenden Objekt das komplizierteste, das am meisten Hindernisse bietende. Und warum? Weil hier die Modelle die unruhigsten sind. Eine Schafherde soll, wie mir unlängst ein berühmter Tiermaler versicherte, nicht besonders stillstehen – wenn man alle die wolligen Wiederkäuer in corpore im leuchtenden Glanze des Sonnenlichtes – als Farbenstudie ans die Leinwand bringen will.

Ein einzelnes Haustier läßt sich wohl anbinden oder halten, ist aber trotzdem immer noch hundertmal unruhiger als ein Akt in der schwierigsten Position. Die Begeisterung für das »Fach« muß beim Tierdarsteller eine besonders starke sein, denn seine Geduld wird durch maßlose Hindernisse oft bis zum Rasendwerden gebracht.

Es möge mir gestattet sein, an einem recht eklatanten Falle, dem Malen nach einem Exoten eines Tiergartens zu zeigen, wie es so ungefähr bei der Sache zugeht. Eine wimmelnde Schafherde oder frei sich bewegende Kühe, Schweine oder Hühner werden gewiß ebensolche Schwierigkeiten bieten und mein Beispiel, das ich anführe, ist nur ein einziges von den tausenden aus dem aufregenden Berufe.

In der Mittagsstunde liegt eben die Bestie faul hingestreckt in der Sonne; eine bläuliche Holzwand, tief blaugrün beschattet, hebt das orangene Fell des Tigers zum malerischen Triumph heraus, das Weiß an der Brust des stolzen Indiers leuchtet prall, seine schwarzen Streifen erhalten nach oben Metallglanz, während der herrliche Kopf in einem duftigen Dunkel schlummert. Rasch ist man mit der Feldstaffelei zur Stelle, die Farben sind längst aufgesetzt und nun geht's los, nervös, hastig. Aber der Schlaf dieser schönsten aller Katzen ist selten tief. Ein Geräusch von irgend woher – sie öffnet die grünlichen Augen – und – erhebt sich! Armer Tiermaler, deine Sitzung ist aufgehoben! Jedoch das geniert den Mann sehr wenig: er wendet den geleimten Pappendeckel um, während der Tiger sich wieder im Sonnenlicht vor der blaugrün beschatteten Wand legt; natürlich ganz anders wie vorher. Man beginnt von neuem. Da wiederholt sich das böse Mißgeschick, der Indier ist nach einer Viertelstunde schon wieder aufgestanden. Man hat eine zweite Pappe bereit. Aber nochmals – dann später ein drittes und gar noch ein viertes Mal wird die Sitzung aufgehoben – aufgehoben durch lächerlich dumme, minimale Geräusche im Garten, die den in dieser Beziehung empfindlichen Asiaten stören. Gott sei Dank ist es nicht allemal so schlimm. Es giebt Tage, an welchen solch' ein Modell bis gegen zwei Stunden und oft in sehr schöner Stellung liegen bleibt. Diele Fälle sind leider selten und bedeuten für unser einen ein Fest.

Der Leser ersieht wohl, daß der Emsige, der mit seinen Tierobjekten so viel auszuhalten hat, eine rührende Begeisterung auch für den Stofs besitzen muß. Dieses Stoffinteresse haben sie alle die Tiermaler, alle, ausnahmslos, die mindesten wie die besten. Die Liebe zum Stoff ist sogar hier unbedingt notwendig, sonst überwindet auch der gute Kolorist oder Zeichner kaum auf die Dauer die extraordinären Schwierigkeiten.

Bald aber gelangen wir zu dem Standpunkte, daß, sobald wir mit Pinsel und Palette kommen, das Tier nur mehr dann Interesse für uns haben kann, wenn es einer malerischen Aufgabe unterstellt ist. Schon bei der Studie handelt es sich um Suchen, Finden und Wiedergeben eines koloristisch gestimmten Motivs, bei dem die Farbwerte des Bodens, der Wand, des Strohs, der Wiese, der Luft, des Wassers, des Schlagschattens, der Ferne, kurz aller das Tier umringenden Töne genau so wichtig sind und streng nach der Natur einzusetzen sind, als die Töne des Modells selber. Immer stärker und stärker suche der ein Maler sein wollende Tierdarsteller malerische Farbenprobleme auf, bei denen die Farben des Tieres einen reizvollen Klang zu einem Ganzen bieten. Nie das Tier allein malen, immer die Gesamtstimmung! So kann uns das Stoffinteresse nimmer schaden und ob wir Schafe, Kühe, Hunde oder Pferde, Tiger, Löwen oder Elefanten darstellen, niemand kann uns dann mehr zu den Zoologen, Hippologen oder Kynologen rechnen.

Unsere Arbeit ist öfter als die eines anderen Künstlers vor die Forderung einer »prima vista Manier« gestellt. Die gute lebendige Skizze erheischt mit wenigen Mitteln rasch den Ton der Stimmung mit dem Charakter der Form zu vereinen.

Bei einer größeren, weiter durchzuführenden Studie empfiehlt es sich, sowie anhaltende Unruhe des Tieres oder die Veränderung der Beleuchtung jeglichen Fleiß abschneidet, sofort die Leinwand stehen zu lassen und mit der Fortsetzung zu warten bis zu dem Tage, an dem Stellung des Modells und Lichtwirkung wiederum genau so sind, wie das vorige Mal. Vielleicht ist das morgen schon so. – Eine »Primaskizze« die wegen ebensolcher unabänderlicher Störungen in sich nicht abgeschlossen werden konnte, läßt man wohl am besten wie sie ist, ohne jemals weiter an ihr zu machen und sucht sie baldigst durch eine zweite, dritte oder vierte fertigere zu überbieten.

Beim Zeichnen in Blei oder Kohle etc. braucht die Beleuchtungsfrage durchaus nicht immer mitzuspielen. Hier können ebenso Ueberschneidungcn und Verkürzungen der Formen, sonstige charakteristische Linienerscheinungen oder Details fesseln. Mit den einfachsten Mitteln alles zu erreichen, bleibt auch hier wie beim Malen stets das Schönste.

Bewegungsstudien kann nur der Reifere unternehmen und die Benützung der Momentphotographie führt irre.

Das umfangreiche Thema, das an der Spitze dieses Aufsätzchens angezeigt ist, zu erschöpfen, davon kann hier nicht die Rede sein. Möge in vorliegenden kurzen Worten der Leser einen kleinen Einblick jedoch erhalten in ein ihm fremdes und schweres Studium.

Josef Kerschenseiner: Die Kunst für Alle. München, den 1. Mai 1898.

#Die Kunst für Alle (1902)

PERSONAL- UND ATELIER-NACHRICHTEN

STUTTGART. Die auf S. 401–403 abgebildeten Tierstudien sind von einem Maler, dessen Name den Lesern dieser Zeitschrift nicht mehr unbekannt ist. Der achtunddreissigjährige Künstler hat nach einem Vorstudium in der Münchener Akademie sich frühe schon der Tiermalerei zugewandt und in der Hauptsache seine Studien unter der Leitung von Hermann Baisch und Heinrich Zügel an der Akademie in Karlsruhe gemacht. Besonders unter Letzterem scheint sich eine Seite seines Talents entwickelt zu haben, die in den beigegebenen Bleistiftstudien nicht erkannt werden kann, nämlich seine Neigung zu einem reichfarbigen, üppigen und effektvollen Kolorit. Als ein glücklicher Zug in der künstlerischen Entwicklung Josef Kerschensteiner's darf wohl auch die Thatsache betrachtet werden, dass er als ein Schüler Zügels nicht auch Schafe malen zu müssen vermeinte, sondern sich einem ganz anderen Stoffgebiete zuwandte, das vor ihm unseres Wissens hauptsächlich P. Meyerheim und Heinrich Lang, mitunter auch L. Knaus, gepflegt haben, nämlich der kleinen und so unendlich malerischen Welt der Menagerien, herumziehenden Cirkusse u. s. w. In der That hat der Künstler aus dieser buntbewegten Welt der Affen, Bären und Bohémiens schon manche prächtige Skizze geschaffen; seine Vorliebe für exotische Tiere ist es auch gewesen, was ihn aus seinem geliebten München forttrieb, wo nun einmal ein zoologischer Garten nicht gedeihen will, ja wo – wie wir selbst miterlebt haben – überwinternde Menagerien von einem solch' allgemeinen Sterben heimgesucht wurden, dass es Herrn Hagenbeck in Hamburg angst und bange ward. In dem so schön aufblühenden Nillschen Tiergarten in Stuttgart findet Kerschensteiner seine geliebten Modelle beisammen, wie er sie nur haben will. Freilich, es sind keine sehr gefälligen Modelle und man hat seine liebe Not mit ihnen, die in ganzer Gestalt meist nur dann zu studieren sind, wenn sie – der Verdauung pflegen, während man sonst auf das Studium der Details angewiesen ist, bis man sich eine solche Formenkenntnis angeeignet hat, dass mit Erfolg an die Darstellung des ganzen Tieres gegangen werden kann. Namentlich die Affen leisten in einer ausgesucht boshaften Vereitelung der beabsichtigten Studien, die oft geradezu absichtlich erscheint, ganz ausserordentliches. Auf unseren Abbildungen erscheint besonders der ruhige forschende Blick des Löwen (s. unten) gut gelungen, ebenso die weiche Trägheit des ruhenden Tigers (S. 403). In Zukunft wird das Auge des Künstlers wohl noch mehr auf das Wesentliche und Charakteristische gerichtet sein.

T.

Die Kunst für Alle. München, 1902.

#Dr. med. Josef Ritter von Kerschensteiner

* 23.5.1831 (München)
† 2.9.1896 (München)
Geheimrat und Obermedizinalrat

#Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog (1897)

Kerschensteiner, Josef von, wurde am 23. Mai 1831 zu München geboren. Er besuchte die dortige Schule gleichzeitig mit Nussbaum, dem späteren Chirurgen, und zeichnete sich durch seine Vorliebe für Geschichte und durch seine musikalische Begabung aus. Im Alter von 17 Jahren begann er das Studium der Medicin an der Universität München. Nach der Beendigung desselben wurde er Assistent, zuerst am Hauner’schen Kinderspital, dann an der medicinischen Klinik, die damals unter der Leitung des Professors v. Pfeuffer stand. Die machtvolle Persönlichkeit des letzteren, der sich Niemand entziehen konnte, übte auch auf K. einen grossen Einfluss aus. Zur Vervollständigung seiner ärztlichen Ausbildung begab er sich dann nach Wien und liess sich 1858 als praktischer Arzt in Mering bei Augsburg nieder, wo er bald eine grosse Clientel erwarb. Im Jahre 1861 wurde er zum Bezirksarzt in Augsburg ernannt, 1872 zum Medicinalrath befördert und als Sanitäts-Referent der Regierung von Mittelfranken in Ansbach zugetheilt. Schon im nächsten Jahre wurde er in gleicher Eigenschaft nach München versetzt. Im Jahre 1879 trat er als Ober-Medicinalrath in das Ministerium des Innern ein und erhielt die Leitung der gesammten Sanitätsverwaltung Bayerns. Er gehörte durch längere Zeit zu den Herausgebern der Münchener medicinischen Wochenschrift; auch war er ein fleissiger Mitarbeiter von Friedreich’s Blättern. Seine Arbeiten betrafen die praktische Medicin, besonders die Kinderheilkunde, ferner die gerichtliche Medicin, Medicinal-Polizei und Geschichte der Medicin. In weiteren Kreisen bekannt wurden seine Aufsätze über die Fürther Industrie, die Münchener Canalisation, die Mortalitätsstatistik und Kinderheilstätten, die Methoden der epidemischen Forschung, die Verschleppung der Masern, des Scharlachs und der Blattern durch gesunde Personen, die Krankenhäuser für kleinere Städte und Ländliche Kreise und die Bekämpfung der Cholera, sowie seine historischen Schilderungen von Theophrastus Paracelsus, Malachias Geiger und Franz Thiermayer. In seiner amtlichen Stellung erwarb er sich grosse Verdienste durch die wohlwollende Förderung, die er den Aerztekammern und ärztlichen Bezirksvereinen zu Theil werden liess, durch die Verbesserung der Morbiditätsstatistik der Infektionskrankheiten, und der Anzeigepflicht bei ansteckenden Krankheiten, durch die Vervollkommnung des Impfwesens, durch die Vorschriften über Leichenbeschau, durch den Erlass einer neuen Hebammen-Instruktion und einer neuen Bader-Ordnung. Auch nahm er an der Durchführung der socialpolitischen Gesetzgebung, namentlich an den Vorbereitungen für ein Seuchengesetz, an der Regelung des Apothekerwesens, an der Herstellung der neuen deutschen Pharmakopoe und an den Verhandlungen über die ärztliche Prüfungsordnung Theil. Er war ein hervorragendes Mitglied des deutschen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege und des ärzlichen Vereins in München und stand an der Spitze mehrerer Unterstützung- und Pensionsvereine für Aerzte. Desgleichen förderte er den Volksbildungsverein in München und rief dort die populären wissenschaftlichen Vorträge ins Leben. In der neugegründeten Haushaltungs-Schule ertheilte er selbst, obwohl mit Geschäften überlastet, den Unterricht in der Gesundheitspflege. Dabei war er auch als Praktiker thätig und wurde gern zu Consultationen gerufen. K. wurde zum Geheimrath ernannt, in den Adelstand erhoben und mit bayrischen und fremden hohen Orden reich geschmückt. Gleichwohl blieb er bescheiden und einfach, ein Gegner alles Streberthums. Sein klares kluges dunkles Auge wusste den Leuten in die Seele zu schauen. Sein derbes knorriges Aeussere barg ein edles Gemüth, welches jederzeit bereit war, das Gute zu unterstützen. Den ihm unterstellten Aerzten war er ein wohlwollender Vorgesetzter.

Ein überaus glückliches Familienleben gab ihm die nothwendige Erholung von seiner anstrengenden Berufsthätigkeit. Hier und im Kreise seiner Freunde, denen er treu blieb, pflegte er der heiteren Geselligkeit; als vortrefflicher Sänger und Flötenbläser, sowie als witziger, geistsprühender Tischredner war er überall beliebt. In den letzten Jahren wurde er stiller; ein Herzleiden quälte ihn und führte am 2. September 1896 seinen Tod herbei.

C. Merkel in der Münchener medicin. Wochenschrift. 1896. No. 43.

Th. Puschmann.

Theodor Puschmann: Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog. Berlin, 1897.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Kerschensteiner Josef, Dr. med., von, Ritter, 1831 (München) – 1896, Mediziner, Obermedizinalrat und Medizinalreferent im Innenministerium; er studierte in seiner Heimatstadt Medizin, wurde 1858 praktischer Arzt in Mering, 1862 Bezirksarzt in Augsburg, 1873 Medizinalrat in Ansbach, 1874 zu München, bis er 1879 Obermedizinalrat und Referent im Innenministerium wurde; dieser Freund und Mitarbeiter J. N. von Nußbaums machte sich um das bayerische Medizinalwesen sehr verdient, er war auch Bibliothekar des Münchner Ärztlichen Vereins.

Hauptwerke: Über öffentliche Gesundheitspflege, Reform des bayerischen Mittelschulwesens vom ärztlichen Standpunkte aus, Krankenhäuser für kleinere Städte und ländliche Kreise, Veröffentlichungen über Paracelsus, Malachias Geiger u. a.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#11 – 3 – 6 (Gube · Maendler)


Grabstätte
der Familie
Maendler


  • Gube, Max; 20.5.1844 (Ratibor/Oberschlesien) – 15.6.1904 (München); Medailleur und Hofgraveur

Todesanzeige für Max Gube

Grab der Familien Gube · Maendler auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Max Gube

* 20.5.1844 (Ratibor/Oberschlesien)
† 15.6.1904 (München)
Medailleur und Hofgraveur

#Mittheilungen der Bayerischen Numismatischen Gesellschaft (1901)

Das äussere Bild des Verstorbenen [Max von Wilmersdörffer] ist bekannt von dem lebenswahren Medaillenporträt, das wenige Wochen vor dem Tode von M. Gube hergestellt wurde. Nun ist der genannte Künstler auch schon bei den Toten. Max Gube, K. Bayer. Hofgraveur, starb am 15. Juni vorigen Jahres. Auch in ihm hat die Gesellschaft ein langjähriges und rühriges Mitglied zu beklagen. Mitten aus erfolgreicher Tätigkeit, im kräftigsten Mannesalter ist er abberufen worden, eben als sein künstlerisches Schaffen sich der Reife und Vollendung zu nähern schien. Von edelstem Streben erfüllt, unablässig ringend mit den Aufgaben, die er sich nie hoch genug setzen konnte, tapfer kämpfend mit mancherlei Mühsal, die ihm, wie so manchem Berufsgenossen, nicht erspart blieb, ist ihm das Leben nicht leicht geworden. Ein Leben voll Müh und Arbeit ist es gewesen, und dennoch ist ihm nicht der Lohn geworden, den redliches Bemühen verheisst, die Zufriedenheit mit sich selbst. Nie war ihm vergönnt, in freiem, vom Erwerb unabhängigem Schaffen um die Palme zu ringen, und so blieb ein stolzes Ungenügen, eine ewige Unrast sein Teil, das mehr noch als die Werke seiner Hand für seine wirkliche Künstlernatur zeugte. Vielfach gehemmt, gestört und zu früh zerstört, ist dies Leben nicht frei von einem tragischen Zug.

Zu Ratibor in Schlesien am 20. Mai 1849 geboren, stammte Gube aus einer Familie, in der das Talent zum Graveur erblich war. Der russische Hofmedailleur Hr. Gube, der berühmteste seines Namens, war sein Grossonkel. Nach Absolvierung der Handelsschule seiner Vaterstadt besuchte er die Kunstakademie in Berlin und kam dort in das Atelier des Tierbildhauers Wolf. In mancherlei Gelegenheitsarbeiten für Jagdsport- und Hundezüchtereiausstellungen hat Gube die gute Schule später nicht verleugnet. Seine Ausbildung als Medailleur erhielt er indes in dem strengen Unterricht des Wiener Akademieprofessors Radnitzky, dem der Schüler zeit seines Lebens die grösste Verehrung bewahrte und dessen gesunde, besonders auf eine gute technische und handwerkliche Grundlage gerichtete Lehre er nicht genug preisen konnte. 1875 siedelte er nach München über. Zunächst waren es vorwiegend Aufträge für den Siegelgraveur und Exlibrisstecher, mit denen Gube sein Brot verdiente. Ein gutes heraldisches Verständnis befähigte ihn hierzu besonders. Als Steinschneider war er bald so geschätzt, dass er mehrfach von König Ludwig II.. mit bedeutenden Arbeiten betraut wurde. Die sanguinischen Hoffnungen, die Gube auf die königliche Gunst gebaut hatte, stürzten freilich bei dem tragischen Ende des Königs jäh zusammen. Es war dies die grosse Enttäuschung seines Lebens, die der Künstler niemals ganz verwunden hat.

Erst Ende der achtziger Jahre begann Gube sich von neuem auf die Medaille zu verlegen. Auch hier liess der verdiente Erfolg nicht lange auf sich warten. Eine Medaille auf Prinz Alfons und Gemahlin machte ihn rasch in den höchsten Kreisen bekannt. In rascher Folge modellierte er Prinz und Prinzessin Ludwig Ferdinand, Graf Gatterburg, Kardinal Haller von Salzburg, Prinz Ludwig von Bayern, Fürst Fugger-Babenhausen, Erzbischof A. Gruber von Salzburg, Kardinal Erzbischof Tornvczy von Salzburg u. s. w. Auch Prinz-Regent Luitpold gewährte Gube mehrere Sitzungen. Zu seinen gelungensten Arbeiten rechnen wir ferner die sprechendähnliche Medaille auf M. v. Wilmarsdörffer, auf Dr. Hirsch und Gemahlin, sowie das lebendig aufgefasste Doppelporträt von sich und seiner Gattin. Ein Verzeichnis seiner sämtlichen Werke auf dem Gebiete der Medaille findet sich von pietätvoller Freundeshand in der Frankfurter Münzzeitung 1904 S. 146 zusammengestellt. Eine sehr lebendige Auffassung, die sich nicht genug tun konnte im Aufsuchen der kleinsten Details, ein ausgesprochener Sinn für die stoffliche Eigenart, der kein technisches Mittel ungenützt liess, den Charakter der Haut, des Haares oder Gewandes getreulich wiederzugeben, endlich eine grosse Sicherheit im Heraldischen, das sind die Hauptvorzüge seiner Arbeiten. Die grosse technische Erfahrung, die er immer noch zu vertiefen bestrebt war, vermissen wir namentlich bei den Zusammenkünften unserer Gesellschaft, bei denen er nur selten fehlte und häufig in seiner lebendigen Weise in die Debatte eingriff. Dem temperamentvollen Künstler werden alle, die ihn gekannt, ein ehrenvolles Andenken bewahren, seine Werke aber bezeugen sein hohes Streben und seinen unablässigen Fleiss über das Grab hinaus.

Mittheilungen der Bayerischen Numismatischen Gesellschaft. München, 1905.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Gube Max, 1849 (Ratibor/Oberschlesien) – 1904, Medailleur und Hofgraveur; G. war Schüler der Berliner und Wiener Akademie; er lieferte eine Reihe trefflicher Porträtmedaillen.

Hauptwerke: Medaille auf Ludwig II. mit Revers: Gedächtniskapelle Berg am Starnberger See, auf den 80. und 81. Geburtstag des Prinzregenten Luitpold, Vermählungsmedaille des Prinzen Alphons von Bayern, Medaillen auf vier Salzburger Erzbischöfe, Mozartmedaille u. a.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#11 – 3 – 11 (Ostler · Peter)


Grab der Familien Ostler · Peter auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2020)

#11 – 3 – 49…52 (Marienanstalt)


Hier ruht
der Hochwürdige Herr
Joseph Weis,
Päpstl. Geheimkämmerer
k. Geistl. Rath, Ritter des
Verdienstordens v. hl. Michael I. Cl.
Gründer u. Präses d. Marienanstalt
München u. Warnberg,
welcher am 13. November 1895
in seinem 79. Lebensjahre
selig im Herrn entschlafen ist.

Pertransiit benefaciendo
Apostelg. 10.38.

R. I. P.


  • Weis, Josef; 8.1.1817 (Waldeck/Opf.) – 13.11.1895 (München); Katholischer Geistlicher, Gründer und Leiter der Marienanstalt

Todesanzeige für Josef Weis

Josef Weis. Abbildung aus »Neues Münchener Tagblatt«. Sonntag, den 17. November 1895.

Grab der Marienanstalt auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Josef Weis

* 1817 (Waldeck/Opf.)
† 13.11.1895 (München)
Katholischer Geistlicher

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Weis Josef, 1817 (Waldeck/Opf.) – 1895, katholischer Priester, königlicher Geistlicher Rat, päpstlicher Geheimkämmerer und Begründer sowie Präses der Marienanstalt in München; dieser Lehrerssohn hatte als junger Kaplan in Oberviechtach (Opf.) die Not zweier alter Dienstboten kennengelernt, die ihr ganzes Leben in der Großstadt redlich dienten und, nun alt geworden, keine Bleibe mehr dort hatten und in ihre Heimatgemeinde abgeschoben wurden; als W. 1853 als Stadtpfarrprediger nach München, Hl. Geist (wo er Präses der dortigen Wallfahrerbruderschaft war und das katholische Kasino, Hl. Geist begründete), kam, erinnerte er sich des traurigen Schicksals der Dienstboten und hat nach langen Mühen und Schwierigkeiten schließlich am 12. X. 1856 die Marienanstalt an der Dachauer Str. 58 in München gegründet, die heute noch besteht und die Betreuung alter Hausgehilfinnen, die Beherbergung stellenloser Mädchen, die Erziehung junger Dienstmädchen und die Vermittlung von weiblichem Hauspersonal zum Zweck hat.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#11 – 5 – 1·2 (Miller · Passauer)


Hier ruhen in Frieden
Josef Miller,
k. Premierlieutenant a. D.
im 1. Infant.-Regiment "König"
geb. 10. Mai 1853, gest. 25. Febr. 1889.
Josef Ritter von Miller
k. Landesgerichts-Präsident a. ¿
geb. 26. März 1819, gest. 28. Juni 189¿
Dessen Gattin
Marie von Miller, geb. Ke¿
geb. 3. Juni 1822, gest. 2. Februar 19¿
Zum frommen Andenken an
Franz Miller, gepr. Lehramtskand.
geb. 2. Okt. 1887, gefallen 8. Sept. 1914.

R. I. P.

Sockel
Ludwig v. Passauer, k. Oberpostamtsoffizial,
gest. 19. Dezember 1857.
Dessen Ehefrau Katharina, geb. Kester,
gest. 18. April 1869
mit ihren Kindern Wilhelm und Eduard.

11.5.1&2.

Rechte Seite
Unser inniggeliebtes Kind
Ferdinand
geb. 16. August 1896,
gest. 7. August 1897.
Wilhelm Miller
kgl. Reg. Rat a. D.
geb. 28. Mai 1856,
¿ 3. Juni 1918.

Sockel
Kosenbach.


  • Miller, Ferdinand; 16.8.1896 – 7.8.1897 (München); Bankbeamtens-Sohn
  • Miller, Franz [in memoriam]; 2.10.1887 – 8.9.1914; Lehramtskandidat
  • Miller, Josef; 10.5.1853 – 25.2.1889; Premierlieutenant a. D.
  • Miller, Josef Ritter von; 26.3.1819 (Fürstenfeldbruck) – 28.6.1894 (München); Landgerichtspräsident
  • Miller, Marie von (vw) / Kester (gb); 3.6.1822 (München) – 2.2.1905 (München); Hofperückenmachers-Tochter / Landgerichtspräsidentens-Witwe
  • Miller, Wilhelm; 28.5.1856 – 3.6.1918 (München); Regierungsrat a. D.
  • Passauer, Eduard Maria Ludwig Ritter von; 22.8.1855 (München) – 17.3.1856 (München); Postoffizials-Sohn
  • Passauer, Katharina von (vw) / Kester (gb); 6.2.1820 (Fürstenfeldbruck) – 18.4.1869 (München); Hofperückenmachers-Tochter / Oberpostamtsoffizials-Witwe
  • Passauer, Ludwig Ritter von; 15.7.1815 (München) – 19.12.1857 (München); Postofficial
  • Passauer, Wilhelm Ritter von; Postoffizials-Sohn

Todesanzeige für Ferdinand Miller

Grab der Familien Miller · Passauer auf dem Alten Südfriedhof München (März 2021)

#11 – 5 – 9 (Koppenberger)


Familien-Grab.

Hier ruhen
unsere lieben Eltern:
Johann Koppenberger,
geb. 22. Aug. 1827, gest. 2. Mai 1884.
Magdalena Koppenberger,
geb. 14. Nov. 1826, gest. 28. Feb. 1892.
Ihnen folgte
mein lieber Gatte, unser Vater
Sebastian Koppenberger,
Kunst- u. Handelsgärtner.
geb. 10. März 1863, gest. 2. Juli 1915.
Unsere liebe Mutter
Frau Thekla Koppenberger,
geb. 27. Nov. 1859 gest. 4. Aug. 1941.

Sockel
Deren Kinder
Johann, 22 Jahre alt. Marie, 12 Jahre alt.

Schwarz


  • Koppenberger, Johann; 22 Jahre alt
  • Koppenberger, Johann; 22.8.1827 – 2.5.1884
  • Koppenberger, Magdalena (vw); 14.11.1826 – 28.2.1892
  • Koppenberger, Marie; 12 Jahre alt
  • Koppenberger, Sebastian; 10.3.1863 – 2.7.1915; Kunst- und Handelsgärtner
  • Koppenberger, Thekla (vh); 27.11.1859 – 4.8.1941

Grab der Familie Koppenberger auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2020)

#11 – 6 – 41 (Costa · Zöschinger)


Familien Grab.

Hier ruht in Gott unser unvergesslicher
Gatte u. Vater
Herr Theodor Zöschinger,
Oberbahnamts-Official zu Regensburg
geb. am 20. Aug. 1846, gest. am 17. Dez. 1894
Unser liebe, gute Mutter
Frau Margarete Zöschinger,
geb. am 14. Nov. 1861, gest. am 13. Nov. 1931.
Ihm gingen voran seine geliebten Eltern
Frau Josefine Zöschinger,
k. Zollverwalters-Gattin, im 65. Lebensjahr
u. Herr Theodor Zöschinger,
k. Zollverwalter, im 80. Lebensjahre.

Sockel
Dessen Enkel, Albert Costa,
k. Postofficials-Sohn.

Der Tod ist gekommen
das Leben hat er gebrochen
die Liebe aber nicht.

11.6.41. L. Stöhr.


  • Costa, Anton Albert; – 21.10.1882 (München), 6 Jahre alt; Postoffizials-Sohn
  • Zöschinger, Josefine (vh); – 3.1873 (München), 64 Jahre alt; Zollverwalters-Gattin
  • Zöschinger, Margarete (vh); 14.11.1861 – 13.11.1931
  • Zöschinger, Theodor; 20.8.1846 – 17.12.1894; Oberbahnamts-Official in Regensburg
  • Zöschinger, Theodor; – 8.1875 (München), 79 Jahre alt; Quieszierender Zollverwalter

Grab der Familien Costa · Zöschinger auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

#11 – 7 – 28 (Glößinger · Marr · Schmid)


Familie Schmid.
Hier ruhet
unsere liebe Großmutter
Frau Ursula Glößinger.
geb. d. 6. Janu. 1813. gest. d. 7. Febr. 1896.
Unser treu besorgter Gatte u. Vater
Herr Ferdinand Schmid
pens. Wagenwärter,
geb. d. 9. Juni 1842, gest. d. 8. Sept. 1907.
Dessen Gattin & unsere liebe Mutter
Frau Marie Schmid
geb. 20. Dez. 1846, gest. 23. Mai 1921

A. Weigel.

Tafel
HEINRICH
MARR
GENREMALER
1807 – 1871


  • Glößinger, Ursula (vh); 6.1.1813 – 7.2.1896
  • Marr, Heinrich; 24.12.1807 (Hamburg) – 29.10.1871 (München); Genremaler
  • Schmid, Ferdinand; 9.6.1842 – 8.9.1907; Wagenwärter
  • Schmid, Marie (vw); 20.12.1846 – 23.5.1921; Wagenwärters-Witwe

Grab der Familien Glößinger · Marr · Schmid auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2008)

#Heinrich Marr

* 24.12.1807 (Hamburg)
† 29.10.1871 (München)
Genremaler

#Universal-Handbuch von München (1845)

Marr, Heinrich,

geboren 1809 zu Hamburg, hat bei Prof. Sur seine Kunststudien begonnen, ging sodann nach Kopenhagen, und von dort nach München. Er wählte sich ausschließlich das humoristische Genrefach, worin er schon viel Vorzügliches geleistet hat. Marr's Gemälde sind geschätzt. Bilder von ihm besitzen: der Kaiser von Rußland, der Großherzog von Baden, mehrere deutsche Kunstvereine und viele Private.

Universal-Handbuch von München. München, 1845.

#Allgemeine Deutsche Biographie (1884)

Marr: Heinrich (Joseph Ludwig) M., Genremaler, geb. 1808 zu Hamburg, stammte aus der auch durch einen Bühnendichter und Schauspieler (s. o.) bekannt gewordenen Familie eines Gastwirths. Frühzeitig kam der Junge zu dem alten Professor Christoph Suhr, welcher Porträts, Kosmoramen und komische Genrebilder malte, dann zum Landschafter Rosenberg in Altona, von wo M. zur weiteren Ausbildung nach Kopenhagen ging. Bald darauf ging der Künstler nach München, wo er zwar die Akademie besuchte, aber bald außer derselben das Studium des durch Wagenbauer, Peter Heß, Eugen Neureuther, Heinrich Bürkel und Joseph Petzl neuentdeckten Volkslebens und damit die Genremalerei betrieb. M. zog in die Berge und sammelte den Stoff zu seinen, von derbem Humor belebten Bildern bei Sennen und Almerinnen, bei Bauern und Fuhrleuten, am liebsten in Wirthshäusern, Herbergen und Schmieden, auf Jahr- und Viehmärkten, auf Kirchweihen und Hochzeiten. Seine Scenen spielen meistentheils in Altbaiern und Tirol; Viehhändler und Schlächter, Kornwucherer, Hochzeitlader, Fuhrknechte, Postillone, bettelnde Mönche und Karrenführer bilden seine Staffage; eine ergiebige Wirthshausprügelei gelang ihm mit echtem Niederländer Humor. Seine Bilder sind wahre Dorfgeschichten, Bambocciaden ersten Ranges, die selbst dem Erfinder dieses Genre, dem lustigen Peter von Laar zur Ehre gereichen würden. Nur selten und beinahe ausnahmsweise wagte er sich an die Küsten seiner nordischen Heimath oder an Italiens sonnige Rebengelände und den Hafen von Genua. Im Jahre 1831 brachte M. sein erstes Bild, eine »Betende Sennerin«, welche umgeben von ihrer Herde, an den Ruinen ihrer eben erst abgebrannten Sennhütte sitzt, in den Münchener Kunstverein; seitdem stellte er fast vierzig Jahre lang seine Bilder daselbst aus und fand hier seine willigen Abnehmer, Liebhaber und Käufer. Darunter war z. B. »ein mit seinen Pferden bei stürmischem Wetter zurückreitender Postillon« (1832); ein »Bauer mit Pferden« (1833); ein »Junger Bursche führt zwei Mönche auf einem Karren am Ufer des Gardasees« (1834), dazu der erste große »Viehmarkt«. Im Jahre 1835 kam eine »Italienische Weinschenke« (Copie nach Peter Heß) und ein »Tiroler Pferdehändler«: 1836 die »Verunglückte Schlittenfahrt im Walde«: ein dummer Junge als Fuhrmann hat den mit einem Bauern, einer drallen Bäuerin und einem dicken geistlichen Herrn beladenen Schlitten ganz kunstlos von der Straße herab in einen Graben gestürzt (vgl. Stuttgarter Kunstblatt 1837, Nr. 37). Im Jahre 1837 brachte M. eine »Kirchweihe bei Lenggries«, den »Morgen auf der Alpe«, die »Arena in Verona«; 1838 eine »Heuernte bei Sturm« und die »Schwergeladene Rückkehr vom Jahrmarkt«. In jedem Jahre lieferte M. mindestens ein halbes Dutzend neuer Bilder, ungerechnet die leichtere Waare, welche nach allen Gegenden der Windrose hinausflog. Vieles davon wurde durch die Lithographien von Hohe und Anderen weit verbreitet und im eigentlichen Sinne populär. Ganz epochemachend wirkte damals (1844) die »Heimkehr von der Hesseloher Kirchweih«, welche herkömmlicher Weise jedes Mal am Pfingstmontage die Münchener mit einem anständigen Gewitter heimzuleuchten pflegte. Das Bild, welches lange Zeit durch seinen lustigen Humor ordentlich Furore machte, wurde damals, wo man auf das Genre noch geringschätzig herabsah, mit 330 Gulden bezahlt! In congenialer Weise malte M. etliche Illustrationen zu Kobell’s »Gedichten in oberbairischer Mundart«, dann folgten eine »Affenkomödie« (1845), die »Plaudernden Mädchen am Brunnen«, die »Scheugewordenen Rosse« und die »Erinnerungen an Helgoland« (1846), Fischerscenen, Kindtaufen, die »Heimkehr von der Kirchweihe« und der »Morgen nach der Kirchweihe«. Seine Zeichnung erreichte freilich nie die Feinheit eines Peter Heß oder Heinrich Bürkel, dagegen hatte er mit den Genannten den leichten, malerischen Vortrag gemein. M. war ein Krösus an Bildern, sein Fleiß sandte sie auf allen Eisenbahnen in die Lande und mit den Dampfern auch über das Meer, keine Exposition des In- oder Auslandes blieb unbeschickt, kein Kunstverein wurde übersehen, dessenungeachtet wurde der emsige Künstler nicht reich. M. mußte viele liebgewonnene Stoffe wiederholen, dabei malte er flüchtiger und flauer und überhaupt länger und mehr, als gut war. So erlosch die Neigung des Publicums für seine Arbeiten, welche vor der aufkeimenden Realistik der neueren Schule von selbst in den Hintergrund traten. M. dachte schon daran, das undankbare Genre aufzugeben und ganz zur Landschaft überzugehen, da packte ihn eine Krankheit, welche den Künstler nach langen Leiden den 28. October 1871 in die Arme des Todes bettete. Seine Freunde hatten in rühmlicher Weise Anstalt getroffen, daß die Sorge seinem Krankenbette ferne blieb; so behielt er in den lichten Intervallen seinen Witz und Humor, welcher selbst in den Delirien noch mit breiter breughelhafter Phantasie spielte. Seine Blüthezeit fiel in die dreißiger und vierziger Jahre, was er damals leistete, wird ihm immerdar einen ehrenhaften Namen sichern. Sein im November 1872 zur Auction gebrachter Nachlaß von Studien, Skizzen, Figuren und Thieren etc. erzielte einen nicht unerheblichen Erfolg.

Vgl. Raczynski II, 403; III, 413. E. Förster, Gesch. d. deutsch. Kunst, V, 197. Nr. 310 Allg. Ztg. vom 6. Novembr. 1871. Rechenschaftsbericht des Münchener Kunstvereins für 1872. S. 69. Seubert, 1878. II, 523.

Hyac. Holland.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1884.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Marr Heinrich, 1807 (Hamburg) – 1871, Genremaler; er machte Studien zu Hamburg, Altona und Kopenhagen, kurz darauf ging er nach München, wo er die Akademie besuchte und bald auch das durch M. J. Wagenbauer, P. von Hess, E. Neureuther und H. Bürkel neuentdeckte Volksleben studierte und somit die Genremalerei betrieb; motivisch erinnert M. oft an Bürkel, als Humorist ist er spitzer und satyrischer als Spitzweg; er malte besonders Szenen aus dem oberbayerischen, italienischen und Tiroler Volksleben.

Hauptwerke: Heimkehr von der Großhesseloher Kirchweih, Italienische Weinschenke, Tiroler Pferdehändler.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#11 – 7 – 44 (Schmidt · Sommer)


Grab der Familien Schmidt · Sommer auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

#11 – 7 – 52 (Hess)


Grab der Familie Hess auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

#11 – 8 – 5 (Aichele)


Grabstätte der Familie Aichele.

Hier ruht
Amalie Aichele
geborne Glogger
Prokuristens-Gattin
geb. d. 27. Febr. 1838 zu Augsburg
gest. d. 26. März 1900 zu München.
Hugo Aichele
Prokurist
geb. 5. Sept. 1833, gest. 23. Nov. 1917.
Amalie Aichele
geb. 27. Aug. 1866, gest. 23. Nov. 1943.

Sockel-Tafel
Grabstätte der Familie ¿
Anna ¿


  • Aichele, Amalie; 27.8.1866 – 23.11.1943
  • Aichele, Amalie (vh) / Glogger (gb); 27.2.1838 (Augsburg) – 26.3.1900 (München); Prokuristens-Gattin
  • Aichele, Hugo; 5.9.1833 – 23.11.1917; Prokurist

Grab der Familie Aichele auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#11 – 8 – 57 (Hauner)


Hier ruht
August von Hauner
geb. in Neumarkt a. d. Rott
am 29. Oktober 1811
gest. zu München 11.6.1884
pr. Arzt
Universitätsprofessor
Gründer u. Direktor
des Kinderspitals

11.8.57.


  • Hauner, August von, Dr. med.; 29.10.1811 (Neumarkt a.d. Rott/Obb.) – 11.6.1884 (München); Kinderarzt
  • Hauner, Marie von (vh) / Gattinger (gb); Advokatens-Tochter aus München / Arzt-Gattin

Grab der Familie Hauner auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familie Hauner auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

Grab der Familie Hauner auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

Grab der Familie Hauner auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

Grab der Familie Hauner auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#Dr. med. August von Hauner

* 29.10.1811 (Neumarkt a.d. Rott/Obb.)
† 11.6.1884 (München)
Kinderarzt

#Medizinische Topographie und Ethnographie der k. Haupt- u. Residenzstadt München (1862)

II. Privat-Anstalten.
Kinder-Spital in München.

Geschichtliches.

Dieses Spital, welches seine Entstehung den Bestrebungen des Dr. Hauner, praktischen Arztes und Universitäts-Professors in München, und dem Wohlthätigkeitssinn der Einwohner Münchens verdankt, trat zuerst im April 1846 in’s Leben.

Das Bedürfniss eines solchen Spitals war, da das städtische Krankenhaus keine Kinder unter 10 Jahren aufnimmt, längst gefühlt und erkannt.

Dr. Hauner unternahm es zuerst, nachdem er unter’m 11. Sept. 1845 die Allerhöchste Bewilligung S. M. des Königs erhalten, zunächst aus eigenen Mitteln (1000 fl. baar) eine solche Anstalt zu begründen, zu welchem Behufe er in der Sonnenstrasse Nro. 27 eine Wohnung von 4 kleinen Zimmern miethete, mit 12 Betten einrichtete, und Mägde zum Wart-Dienst dung.

Zweck der Anstalt war nach § 2 ihrer Statuten die unentgeltliche Aufnahme, Behandlung und vollständige Verpflegung kranker zunächst armer Kinder in einem Alter von 14 Tagen bis 12 Jahren in eignen Lokalitäten und Betten.

Bald wandten sich der Anstalt Gönner zu; vor allen verdient Frau Gräfin von Eltz, Freyfrau von Gumppenberg, Buchdrucker Rösl, geheimer Rath von Walther u. s. w. genannt zu werden; es bildete sich ein Verein sowie ein Ausschuss; Ihre Majestät die Königin Therese übernahm das Protektorat der Anstalt. Bis zum Schlusse des ersten Jahres hatte sich die Zahl der beysteuernden Mitglieder bereits auf 373 vermehrt, und waren 358 kranke Kinder (102 in der Anstalt, die übrigen ambulatorisch) behandelt worden.

Der Jahresabschluss wies eine Einnahme von 4529 fl. und eine Ausgabe von 2020 fl., einen Aktiv-Rest von 2508 fl. nach.

Da sich in den folgenden Jahren das Bedürfniss einer Erweiterung der Anstalt fühlbar machte, indem auch Kinder zahlungsfähiger Aeltern sowie Kinder aus der Provinz Aufnahme finden sollten, so ward an den Bau eines Kinderspitals gedacht.

Leider reichte das vorhandene hiezu verwendbare Kapital nicht aus, und ward es nur durch die Munificenz S. M. des Königs Ludwig, der 1848 7000 fl. der Anstalt schenkte, möglich, ein Haus dafür anzukaufen, und zwar das Haus Nro. 9 an der Jägergasse, um den Preis von 14,000 fl., worin es noch zur Zeit sich befindet.

Obwohl dies Gebäude viele Mängel hat, in einer engen, ziemlich unreinen Gasse liegt, an ein Wirthshaus angränzt, so hatte es doch vor vielen andern angebotenen oder vorgeschlagenen den Vorzug, dass es von allen Seiten frey steht und in seiner Hauptfronte einen grossen schönen Garten vor sich hat, der Sonne viel ausgesetzt, und zumal für das Ambulatorium sehr günstig gelegen ist.

Selbstverständlich musste gleich im Anfänge am Gebäüde viel verändert werden; ein Ordinations- und Wartzimmer wurde hergerichtet, die Krankenzimmer verändert, ein Badlokal und ein kleines Sectionszimmer angelegt, die Zahl der Betten auf 16 gebracht; schon nach 2 Jahren ward der Stand der Betten auf 20 vermehrt, im Nebengebäude ein vollständiges Badezimmer für Douche-, Regen- und Vollbäder, ein Krätzzimmer erbaut, im II. Stock ein weiteres Krankenzimmer angelegt.

Anfangs versahen im neuen Hause noch gedungene Wärterinnen den Krankendienst; 1855 übernahm der Orden der barmherzigen Schwestern die Wart und Pflege der Kinder, und wurden neue Statuten entworfen und genehmigt. Inzwischen war die Theilnahme sowohl der Wohlthäter als der Hilfesuchenden stetig gewachsen; die Zahl der jährlich beysteuernden Mitglieder nahm zu, Schenkungen und Legate fielen an, Erträgnisse von Concerten wurden mitgetheilt, der Magistrat der Stadt München erbot sich 1852 zu einem Jahresbeytrag von 200 fl., der später auf 300 fl. erhöht wurde; der Landrath von Oberbayern zu einem jährlichen Beytrag von 400 fl., nachträglich auf 600 fl. erhöht, unter der Bedingung, dass auch Kinder aus andern Gemeinden Oberbayerns unentgeltliche Aufnahme fänden; König Max II. gab Freyheit der Medikamente für sämmtliche Kranke der Anstalt aus seiner Hofapotheke u. s. w.

Im Jahre 1859 ward sogar die Erweiterung der Anstalt durch Erhöhung des Nebengebäudes um ein Stockwerk möglich, wodurch für mehre nothwendige Einrichtungen, namentlich zu Zimmern für ansteckende, syphilitische Kranke Platz gewonnen wurde, so dass dermalen für 30 Kranke Raum ist.

Am Schlusse des Jahres 1860 zählte der Verein der Anstalt unter dem Protektorate I. M. der Königin Marie 528 ordentliche (Jahresbeyträge leistende) Mitglieder.

Gebäulichkeiten und Einrichtung.

Die Gebäulichkeiten der Anstalt, welche sich an der Jägerstrasse befinden, stehen in einem von einer Bretterwand umgebenen Hofraum und bestehen aus einem Haupt- und daran stossenden Nebengebäude.

Das Hauptgebäude, das mit seiner schmalen südlichen Seite der Strasse zugekehrt, aber circa 12 Fuss davon entfernt ist, ist ein 60 Fuss langes, 25 Fuss breites, viereckiges Gebäude, hat seine Hauptfront nach Osten gerichtet und vor sich, einen Hofraum mit Brunnen und einigen Bäumen, sowie einen grossen Garten von circa einem Tagwerk Ausdehnung. Es hat ausser dem Erdgeschoss noch 2 Stockwerke, und in jedem Stock 5 Fenster in den Längen-, und 2 in den schmalen Seiten. Die drey mittlern Fenster der Hauptfacade bilden einen erkerartigen Vorsprung, der durch die ganze Höhe des Hauses geht.

Die Zimmer des Erdgeschosses sind 3 Fuss hoch, die der beyden Stockwerke 10 Fuss.

Das Nebengebäude, das an die Nordseite des Hauptgebäudes flügelartig gegen Osten sich erstreckend angebaut ist, hat seine Fronte nach Süden, ein Erdgeschoss und einen I. Stock und 9 Fenster in der Länge.

Im Erdgeschoss des Hauptgebäudes befindet sich in Mitte der Hauptfacade der Eingang, der hier durch den offnen, von Mauersäulen getragnen Erker-Vorsprung gedeckt ist und in einen Gang führt, von welchem man links in ein kleines Wart-Zimmer für die Hilfesuchenden gelangt; an dieses stösst das geräumige Ordinations-Zimmer mit 4 Fenstern, 2 nach Osten, 2 nach Süden. In demselben befindet sich der Untersuchungs-Tisch nebst Bett, eine kleine Hausapotheke, ein Instrumentarium, ein Kasten mit Verbandzeug, zwey Tische, ein Schrank zur Aufbewahrung der Berichte, Aufnahmsbücher u. s. w. In diesem Zimmer wird täglich von 11–12 Uhr Ordinationsstunde für ambulante Kranke gehalten; eben so werden daselbst alle Operationen vorgenommen, sowie Vorlesungen gehalten. Im Hausgang weiter rückwärts ist die Kellerthür, daneben links im Ecke die zum I. und II. Stock führende Treppe. Dem Haupt-Eingang gegenüber führt eine Thüre in einen zur Aufbewahrung des Holzvorraths bestimmten Hofraum; daneben befindet sich rechts der Abort, dem in den obern Stockwerken ein ähnlicher entspricht. Auf der rechten Seite des Haus-Gangs gelangt man in die geräumige, freundliche, vollständig eingerichtete Küche und Speisekammer; daneben ist ein Zimmer für die Frau Oberin der Anstalt, welches zugleich Sprech- und Speisezimmer der Schwestern ist.

An die Küche stösst eine kleine Waschküche und daran im Nebengebäude, das durch eine Thüre in direkter Verbindung mit dem Hauptgebäude ist, das Badzimmer, worin eine im Boden eingelassene Zinkwanne, ferner ein Apparat zur Douche sowie zu einem Vollbade ist.

Daran reiht sich im Erdgeschoss des Neubaues eine Magd-Kammer, an welche das Krätz–Zimmer mit 6 Betten stösst; ebendaselbst befindet sich ein eignes Sectionszimmer mit Sectionstisch, laufendem Wasser und einem Ofen nebst Wand-Gestellen für interessante Präparate, endlich eine grosse Wasch-Küche mit Kesseln, laufendem Wasser u. s. w.

Der erste Stock des Hauptgebäudes zerfällt in drey grosse Räume; rechts die Abtheilung für die kranken Mädchen, links die der kranken Knaben, zwischen beyden und mit beyden verbunden liegt das Spiel- oder Speisezimmer.

In jedem der beyden Kranken-Zimmer, die 25 Fuss lang, 20 breit und 10 hoch sind, befinden sich 6 hölzerne, mit gelber Oelfarbe angestrichene und mit Gittereinfassung versehene kleinere Bettstellen, und zwey etwas grössere ohne Gitter. Jede Bettstelle hat unten eine Schublade zur Unterbringung von Wäsche und Kleidern des betreffenden Patienten. Ueber dieser Schublade befindet sich bey den kleinern Bettstellen ein hölzernes Gitter, auf dem das Bett liegt, und darunter eine irdene Schüssel zum Zwecke der Aufnahme allenfalls durchsickernder Flüssigkeiten. Die Betten bestehen alle ohne Unterschied aus einem mit Spreu gut gefüllten Strohsack, worüber in der Mitte ein Wachstuch gebreitet ist, worauf das Leintuch folgt, einem Rosshaarkopfpolster und einem Kopfkissen von Federn, einem Federdeckbett und einer wollenen Decke (erstres blos im Winter).

Am Kopfende jedes Bettes befindet sich ein schwarzes Täfelchen, worauf Name, Alter, Aufnahmszeit u. s. w. des Patienten bezeichnet ist.

In der Mitte des Zimmers steht ein grosser Tisch, über diesem die mit einem Milchglas versehene Nachtlampe. Zwey kleine Kästen und ein an der Wand angebrachtes Gestell enthalten Arzneymittel, sonstige Requisiten, Thermometer u. s. w. Ein niederer Tisch mit kleinen Bänken und Stühlchen für die Kinder ist ebenfalls vorhanden. Die Heizung der Krankenzimmer geschieht durch irdene, sogenannte Circulations–Oefen, welche von aussen geheizt werden, die Ventilation durch Klappen, welche je an einem Fenster jedes Saals angebracht sind.

Das in Mitte zwischen den beyden Krankensälen liegende Spiel-, auch Speisezimmer ist mit einem langen niedern Tisch sowie mit niedern Bänkchen und Stühlchen versehen, nebst einem kleinen Turn-Apparat; auch das Bett der den Dienst habenden Schwester ist darin.

Aus dem Knabenkrankensaal gelangt man durch eine Verbindungs-Thüre in den I. Stock des Nebengebäudes (Neubau); die ersten anstossenden Zimmer sind für Speise- und Wasch-Materialien, Kleider u. s. w. bestimmt; diesen folgt ein Trocken-Zimmer zum Trocknen der Wäsche bey nassem kaltem Wetter, und ist desshalb mit einem Ofen und längs der Decke laufenden Holzstangen, versehen. An dieses Zimmer reiht sich ein kleiner Vorplatz, welcher durch eine Stiege nach abwärts in den Hof, nach aufwärts auf den Speicher führt. Vom Vorplatz gelangt man in ein Zimmer, das für syphilitisch kranke Kinder bestimmt ist und drey Betten enthält; daran stösst ein kleines Zimmer für eine eigne Wärterin.

Im II. Stock des Hauptgebäudes befindet sich im Mittel-Punkte der Hauptfront eine kleine sehr hübsch ausgestattete Hauskapelle, in der täglich Messe gelesen wird. Rechts davon sind die Schlafzimmer für die Frau Oberin und die beyden barmherzigen Schwestern, links zwey andre freundliche Krankenzimmer, je eins für Knaben und eines für Mädchen, und zwar die ältern bestimmt, mit 8 Betten, welche Seegras–Matrazen und eiserne Gestelle haben; im zweyten Zimmer schläft auch eine Wache haltende Magd.

Vom II. Stock führt eine Treppe auf den Speicher des Hauptgebäudes, sowie im Erdgeschoss eine Stiege in den Keller, wo sich Küchen–Vorräthe, Kartoffeln, Wein und Mineral-Wässer aufbewahrt finden.

Die Anstalt ist im Besitz eines vollständigen Instrumentariums, eines Oberhäuser’schen Mikroscops, eines galvanoelektrischen Induktions-Apparats, sowie eines grossen Vorraths von Wäsche, Kleidungsstücken und Fournituren.

Seit 1850 werden in der Anstalt wöchentlich 3mal und nur immer für 7–8 Studierende von 11–12 Uhr vom Professor Dr. Hauner Klinik und Vorlesungen gehalten, und eine grosse Anzahl junger Aerzte fand bereits hier Gelegenheit, sich in der Kinderpraxis auszubilden.

Krankenpflege und Behandlung.

Dirigirender Arzt ist der Gründer der Anstalt, Universitäts-Prof. Dr. Hauner, dem zwey Assistenz-Aerzte zur Seite stehen, ein Spital-Assistent, welcher täglich von 7–8 Uhr Morgens und von 4–5 Uhr Abends die Kranken-Visite macht, und ein zweyter Assistent, der sich in die Stadtbesuche kranker Kinder mit dem ersten theilt; letztre Stellen sind unständiger Natur und werden honorirt; auch ist ihre Besetzung allein dem Vorstand anheimgestellt. Grössere Operationen in der Anstalt macht in der Regel der k. Universitäts-Prof. Dr. Nussbaum. Für jeden Kranken wird ein eigner Ordinationsbogen angelegt und darin alles Bemerkenswerthe niedergeschrieben.

Die Krankenwart und Pflege ist, wie schon erwähnt, dem Orden der barmherzigen Schwestern übertragen; eine Oberin und drey Schwestern versehen diesen Dienst, und sind ihnen zur Aushilfe in grobem Arbeiten zwey Mägde beygegeben. Sie haben auch für Küche und Hausreinigung zu sorgen und nach §. 30 der Statuten alle Monate mit dem Vereins-Cassier abzurechnen.

Diese Anstalt, ursprüngliche Schöpfung des Dr. Hauner, wesshalb sie auch für immer nach §. 1 der Statuten den Titel »Dr. Hauner’sches Kinderspital« führen wird, ist durch die übernommene Verpflichtung, auch Kinder aus fremden Gemeinden aufzunehmen, und durch die zugesicherten Jahres-Beyträge des Magistrats München und des Landraths von Oberbayern aus der Reihe der Privat-Anstalten halb in die der öffentlichen getreten und gegenwärtig Eigenthum des aus den beysteuernden Mitgliedern gebildeten Vereins, welcher unter dem Allerh. Protektorate Ihrer Majestät der Königin durch einen Ausschuss repräsentirt wird. Dieser Ausschuss besteht nach §. 15 aus der Vereinsvorsteherin oder deren Stellvertreterin, aus dem Direktor der Anstalt als ständigem Referenten oder dessen Stellvertreter, aus einem beysitzendep Arzte, vier Vereinsfrauen, einem Nichtarzt, einem Kassier und einem Controleur.

Die Vereins-Vorsteherin wird von I. M. der Königin aus drey vorgeschlagenen Frauen ausgewählt; alljährlich muss eine General-Versammlung gehalten werden, wobey Rechnungs-Ablage geschieht und Anträge gestellt werden können.

Nach den 1858 revidirten Statuten ist der Zweck der Anstalt, ärztliche Behandlung kranker Kinder (unheilbare sind ausgeschlossen) sowohl im Spital als ausserhalb desselben; aufnahmsfähig ist jedes kranke Kind von einem Jahr bis 9 bey Knaben, bis 12 Jahren bey Mädchen.

Unentgeltliche Aufnahme finden arme, in München heimath-berechtigte Kinder; aber auch aus ganz Oberbayern werden arme, mit chirurgischen oder skrophulösen Leiden behaftete Kinder nach Thunlichkeit unentgeltlich aufgenommen.

Nicht arme Kinder finden Aufnahme gegen Vergütung, welche sich nach dem Vermögen des Kranken und den jeweiligen Preisen der Lebensmittel richtet.

Ueber Aufnahme und Entlassung entscheidet allein der Direktor, dem auch die ganze Leitung der Anstalt, die Haus-Ordnung und Haus-Polizey, sowie die Vertretung nach aussen zusteht.

Am Schlusse des Etatsjahres 1859/60 entzifferte sich ein aktiver Vermögensstand des Spitals mit 34,987 fl. 24 kr. (incl. Haus mit 13,000 fl.).

Die Einnahmen des Jahres ergaben: 5002 fl, 54 kr., worunter:
1446 fl. Jahresbeyträge,
600 fl. aus Kreisfonds,
300 fl. vom Magistrat,
520 fl. Legate,
708 fl. Zinsen u. s. w.

Die Jahres-Ausgaben betrugen: 4615 fl. 30 kr., worunter:
1426 fl. für Verpflegung der Kinder und des Wart-Personals,
401 fl. für Beheizung,
261 fl. 48 kr. für Remuneration der Schwestern etc.
1000 fl. Kapitals-Anlage u. s. w.

Im Jahre 1859/60 wurden 2691 Kinder behandelt (310 im Spital, 2381 ausserhalb desselben); von diesen waren 908 unter 1 Jahr, 589 1–3 Jahr alt, 537 3–6 Jahr, 657 6–12 Jahre alt; gestorben sind 120.

Dr. Karl Wibmer: Medizinische Topographie und Ethnographie der k. Haupt- u. Residenzstadt München. Herausgegeben von einer Commission des ärztlichen Vereins in München. Erstes Heft. Sanitäts-Behörden, Sanitäts-Personal und Sanitäts-Anstalten in München. München, 1862.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Hauner August, Dr. med., von, 1811 (Neumarkt a. d. Rott/Obb.) – 1884, Kinderarzt und Universitätsprofessor; H. studierte Medizin in München und Wien und übte von 1837 bis 1845 eine Privatpraxis in Thann (Ndb.) und in Murnau (Obb.) aus, dann siedelte er nach München über, wo er 1853 Honorarprofessor wurde; in München wandte sich H. vorzüglich der Kinderheilkunde zu und kam auf diesem Gebiet zu großer Wirksamkeit; bereits 1845 hatte er in München ein Privatspital für kranke Kinder und im selben Jahr nach seiner Habilitation an der Universität München den klinischen Unterricht über Kinderkrankheiten begonnen; jährlich gab er Berichte über das Kinderspital heraus, seine dort und in einer ausgedehnten Privatpraxis gesammelten Erfahrungen veröffentlichte H. in seinen »Beiträgen zur Pädiatrik« (seit 1861).

Hauptwerk: Grundzüge zur physischen Erziehung der Kinder; in der Begründung eines größeren öffentlichen Kinderspitals liegt sein Hauptverdienst; seiner aufopfernden Ausdauer gelang es, unter Beihilfe hochherziger Gönner aus allen Bevölkerungsschichten die Mittel zur Herstellung eines solchen zu gewinnen; am 15.V.1882 wurde das sehr zweckmäßige, heute noch bestehende, Kinderspital an der Lindwurmstraße seiner Bestimmung übergeben, zwei Jahre darauf erlag er einem langen Siechtum; das Haunerische Kinderspital bleibt ein dauerndes Denkmal seines Namens.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#11 – 9 – 24·25 (Sackerer)


Grabstätte der Familie Sackerer.

Herr Karl Sackerer,
Orchestermitglied des kgl.
Theaters am Gärtnerplatz.
geb. am 3. Juli 1841, gest. 15. Juni 1895.
Dessen Gattin
Frau Helene Sackerer,
geb. Keller.
geb. 26. Dez. 1840, gest. 2. März 1928.
Erna Sackerer,
Magistr. Sekretärstochter.
geb. 9. Febr. 1901, gest. 26. Juli 1914.
Herr Karl Sackerer,
städt. Obersekretär.
geb. 28. Nov. 1868, gest. 11. Jan. 1921.


  • Sackerer, Erna; 9.2.1901 – 26.7.1914; Magistratssekretärs-Tochter
  • Sackerer, Helene (vw) / Keller (gb); 26.12.1840 – 2.3.1928; Metzgers-Tochter / Musikers-Witwe
  • Sackerer, Karl; 28.11.1868 – 11.1.1921; Obersekretär
  • Sackerer, Karl; 3.7.1841 – 15.6.1895; Orchestermusiker im Theater am Gärtnerplatz

Grab der Familie Sackerer auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2020)

#Karl Sackerer

* 3.7.1841
† 15.6.1895
Orchestermusiker im Theater am Gärtnerplatz

#Münchener Tages-Anzeiger (12.4.1892)

Theater und Kunst.

Juibläum. Das Orchestermitglied des Theaters am Gärtnerplatz, Herr Karl Sackerer, gehört nun seit 25 Jahren dem Theaterverbande an. Zur Feier des Jubiläums versammelten sich heute vor Beginn der Vorstellung die Kollegen im festlich geschmückten Musikzimmer. Regisseur Skitt als Verteter der Direktion und Herr Brakl als Verteter der Solisten waren zur Ehrung des Jubilars erschienen. Herr Feyertag überreichte dem Jubilar nach eine durch Humor gewürzten Ansprache das Ehrengeschenk, welches aus einer goldener Remontoiruhr besteht. Der Geehrte dankte erfreut und gerührt den Kollegen.

Münchener Tages-Anzeiger No. 82. Dienstag, den 12. April 1892.

#11 – 9 – 54 (Reithmayr)


Grab der Familie Reithmayr auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

#11 – 9 – 56* (Reeb)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Reeb, Gottfried; – (24).2.1851 (München); Zigarrenfabrikant
  • Reeb, Karolina (vw); – 31.1.1858 (München); Zigarrenfabrikantens-Witwe
  • Reeb, Ludwig; – 10.2.1852 (München), 18 Jahre alt, Opfer eines Raubmords; Zigarrenfabrikantens-Sohn

Das Grab ist nicht erhalten

#Ludwig Reeb

† 10.2.1852 (München), 18 Jahre alt, Opfer eines Raubmords
Zigarrenfabrikantens-Sohn

#Allgemeine Zeitung (11.2.1852)

Ein Raubmord der heute Vormittag hier begangen wurde erregt alle Gemüther. Vormittag 10 Uhr fand man den 18jährigen Cigarrenhändler Reeb ermordet und beraubt in seinem Laden, der sich im Rondell vor dem Karlsthore, sohin an einem der frequentesten Plätze befindet. Dem Unglücklichen war die Kehle fast durchschnitten und noch andere Wunden beigebracht, die ohne Zweifel seinen augenblicklichen Tod herbeigeführt haben müssen. Die Behörden sind in größter Thätigkeit um den oder die Mörder, die eine so schreckliche That am hellen Tage und in einem offenen Laden an einem so frequenten Platze begangen haben, zu ermitteln, und hoffentlich wird dieß auch gelingen und die rächende Justiz einschreiten können.

* Ein anderer uns zukommender Münchner Brief sagt über diesen unerhörten Fall: »Heute Vormittag um 10 Uhr wurde in einem kleinen Tabak-Kramladen, zunächst am Karlsthor, wo sich, wie Sie wissen, eine Wache, und vor welchem stets mehrere Fiaker sich aufgestellt befinden, ein junger Mann von 19 Jahren, der einzige Sohn einer Wittwe, in seinem Blute entseelt getroffen. Er hatte mehrere Stiche im Kopf, und die Kehle soll ihm halb durchschnitten seyn. Aus einigen Schnittwunden an den Fingern ist abzunehmen daß das Opfer seinem Mörder Widerstand entgegengesetzt habe. Eine Uhr mit goldener Kette, welche der Verlebte trug, und Geld aus dem Ladentische sind, wie man sagt, von dem noch unbekannten Thäter geraubt worden.«

Allgemeine Zeitung Nr. 42. Augsburg; Mittwoch, den 11. Februar 1852.

#Landshuter Zeitung (12.2.1852)

München, 10. Febr. Heute fand hier ein schauderhafter Mord statt. Der junge Kaufmann Reeb wurde in dem Kaufladen vor dem Karlsthore während den Vormittagsstunden durch einen tiefen Schnitt in den Hals getödtet, die aus einigen Gulden bestehende Kasse und die Uhr des Getödteten geraubt. Aus dem Umstande, daß der Getödtete noch mehrere nicht tödtliche Stiche an sich hat, geht hervor, daß er sich sehr gewehrt haben muß, dann daß der Mörder mehrere waren. Der Platz, an dem die Mordthat stattfand, ist einer der frequentesten, namentlich halten sich viele Fiaker fortwährend an demselben auf. Bis jetzt hat man keine Spur der Thäter, doch soll eine Knabe die That beobachtet haben.

Landshuter Zeitung Nr. 37. Donnerstag, den 12. Februar 1852.

#Landshuter Zeitung (17.2.1852)

Bayern.

München, 14. Febr. Heute Nachmittag nach 3 Uhr fand die Beerdigung des durch Mörderhand gefallenen Ludwig Reeb statt. Den mit vielen Kränzen gezierten Sarg des Verblichenen trugen sechs seiner Freunde, sechs weitere Freunde, diese brennende Wachslichter tragend, begleiteten denselben zur Grabesstätte. Theilnehmende Freunde und Bekannte folgten dem Sarge in langem Zuge. Nach vollzogener kirchlicher Einsegnung der eingesenkten Leiche hielt der funktionirende Herr Cooperator Krüll die Grabrede, in welcher derselbe mit tiefergreifenden Worten das kurze Leben und traurige Ende des Verlebten schilderte. Wie vorauszusehen, hatte sich zu dieser Trauerfeier eine äußerst zahlreiche Volksmenge auf dem Leichenacker eingefunden. König Max hat der Mutter des Unglücklichen, einer armen Wittwe mit 3 Töchtern, seine Theilnahme und Unterstützung zusichern lassen.

Landshuter Zeitung Nr. 41. Dienstag, den 17. Februar 1852.

#Allgemeine Zeitung (14.3.1852)

München, 13 März. Der des erwähnten Raubmords an dem Cigarrenhändler Ludwig Reeb bezichtigte und hier verhaftete Metzgerbursche Georg Treiber hat ein umständliches gerichtliches Bekenntniß seiner That abgelegt. Nach seiner Aussage wäre er in den Tabak-Laden lediglich um Cigarren zu kaufen eingetreten. Die an dem jungen Reeb befindliche silberne Uhr hätte da seine Begierde nach ihrem Besitz erweckt, und als er Widerstand gefunden, habe er, rasch entschlossen, das Messer gezogen und über den schmalen Ladentisch hin den Mord vollbracht. So das Stadtgespräch. Heute früh wurde die Confrontation des Treiber vor der wiederausgegrabenen Leiche vorgenommen, wobei er reumüthig in die heftigsten Gemüthsbewegungen verfallen seyn soll. Uebrigens ist derselbe ein wegen vieler Diebstähle bisher schon übelverrufenes Individuum.

Allgemeine Zeitung Nr. 74. Augsburg; Sonntag, den 14. März 1852.

#Georg Treiber, Mörder des 18jährigen Cigarrenhändlersohnes Reeb in München (1852)

Anklageschrift vorgetragen in der außerordentlichen Schwurgerichtssitzung von Oberbayern am 26. Juli 1852.

Das k. Appellationsgericht von Oberbayern zu Freising hat unterm 6. Juli 1852 gegen Georg Treiber, 27 Jahre alt, ledigen Metzgerknecht von München, beschuldigt,
daß er am 10. Februar 1852 den Cigarren-Fabrikantenssohn Ludwig Reeb zu München vermittelst eines Messers lebensgefährlich verwundet, sofort demselben in diesem Zustande Geld und Anderes entwendet habe,
auf Anklage erkannt , denselben vor das Schwurgericht verwiesen, und die Abfassung einer Anklageschrift verordnet.
Demgemäß erklärt der k. Staatsanwalt, daß aus der, geführten Untersuchung folgende Thatsachen hervorgehen.

§. 1.

Die Cigarrenfabrikantenswittwe Karoline Reeb von München hat auf dem Karlsplatz, Haus Nr. 7 im Rondell vor dem Karlsthor, einen Verkaufsladen, in welchem ihr achtzehnjähriger Sohn Ludwig Reeb das Verkaufsgeschäft zu führen pflegte. Am Dienstag den 10. Februar, Morgens 8 Uhr, verließ er die in der Nähe des Karlsthors, nämlich in Herzogspitalgasse Haus Nr. 2 befindliche Wohnung seiner Mutter, und begab sich in den Laden. Bei seinem Abgang vom Hause steckte er eine silberne Sackuhr zu sich, welche er an einem stählernen Uhrkettchen in der Westentasche trug, und nahm auch sein Porte monnaie mit einiger Baarschaft mit sich. Ludwig Reeb befand sich im Laden, welcher zwischen dem Weigerleithner’schen Glaserladen und einer Lotteriekollekte in der Mitte liegt, und lediglich von der Straße aus einen Zugang mittels einer zugleich als einziges Fenster dienenden Glasthüre hat, mit dem Innern des Hauses aber in keiner Verbindung steht, allein, indem der Hund, welchen er vom Hause mitnahm, und den er bei seiner Ankunft im Laden heimzujagen pflegte, wirklich allein nach hause zurückkehrte.

Ein in der Stunde zwischen 8 und 9 Uhr auf seinem Platz vorübergehender Lohnkutscherknecht, Lorenz Söllner, hörte in der Gegend des Reeb’schen Ladens jämmerlich schreien, und der Laut des Geschreies schien ihm von einem jungen Menschen herzukommen, da er aber nichts Arges dachte, so schenkte er dieser Wahrnehmung keine weitere Aufmerksamkeit.

Der Gendarme Luber machte damals Patrouille vom Promenadeplatz, wo er um 8 ¼ Uhr abging, durch die Maxburg und das Herzogmaxburggäßchen zum Karlsthor hinaus, wo er, da er langsam ging, ungefähr um 8½ Uhr ankam, rechts vor dem Karlsthor am Rondell hinüber seinen Weg gegen den Dultplatz zu fortsetzte, und wie er am Reeb’schen Cigarrenladen vorbeikam, trat aus dem Reeb’schen Laden selbst gerade ein Bursche heraus, welcher eine frisch angebrannte Cigarre, an der noch keine Asche sich befand, rauchte.

Die Wagnermeisterin Julianna Grünwald, wohnhaft am Karlsthor, kam ungefähr um 8½ Uhr an den Reeb’schen Laden, um dem Ludwig Reeb zu sagen, daß er bei ihnen Scheiten abholen könne; sie fand die Ladenthüre nicht gesperrt, erblickte aber, als sie dieselbe öffnete, den Ludwig Reeb nicht, und wartete daher vor dem Laden heraus eine halbe Stunde lang, befragte auch den benachbarten Melber Soyter Und den Glaser Weigerleithner, von denen jedoch noch keiner den Ludwig Reeb gesehen hatte, kehrte auf kurze Zeit nach Hause zurück und begab sich wieder an den Reeb’schen Laden, in welchen sie in Begleitung des Glasersohnes Mathias Weigerleithner hineintrat, und da fanden sie bei näherem Nachsehen den Ludwig Reeb hinter der sogenannten Ladenbudel todt in seinem Blute liegend, mit Messerstichen bedeckt am Boden.

§. 2.

Ueber die Art der Verübung der That geben Aufschluß jene Wahrnehmungen, welche theils bei dem gerichtlichen Augenschein und der Obduktion, theils von Zeugen gemacht worden sind.

Der Reeb’sche Verkaufsladen, welcher, wie erwähnt, das Tageslicht nur durch die den einzigen Zugang bildende Glasthüre empfängt, die aus zwei je zwei Schuh breiten Flügeln besteht, von denen der linke Flügel zugleich die Waarenauslage enthält, so daß also der Laden nur schwach erleuchtet sein kann, und eben deshalb auch das, was im Laden geschieht, den auf der Straße Vorübergehenden leicht verborgen bleibt, ist eng und klein, und wird der geringe Raum noch durch eine im Laden angebrachte Ladenbudel verengt, welche die ganze Breite des Lädchens in so weit einnimmt, daß nur ein schmaler Raum als Durchgang von dem Platz vor der Ladenbudel zu jenem hinter derselben übrig bleibt, so schmal, daß hier nur eine Person passiren kann. Der Raum von der Eingangsthüre bis zu der Ladenbudel, also der Platz, woselbst die zum Einkaufen eintretenden Personen stehen, ist nur 2½ Schuh lang, und hinter der Ladenbudel befinden sich an den drei Wänden des Ladens Stellagen, die in den obern Abtheilungen mit Cigarrenkistchen, unten mit Tabakfäßchen angefüllt sind, zwischen welchen Stellagen ein freier Raum von etwa 9 Schuh Länge und 4½ Schuh Breite blieb, welcher den Platz für den den Verkauf besorgenden Ludwig Reeb bildete.

In diesem freien Raum hinter der Ladenbudel lag der Leichnam des Ludwig Reeb, in dessen gewöhnlicher Kleidung, den Kopf gegen die Rückwand des Lädchens, die Füsse gegen die innere Seite der Ladenbudel gerichtet, Füsse und Arme in halber Biegung. Der Oberleib lag in einer großen Blutlacke, die dunkeln, langen Haare, (welche erst bei der Obduktion abgeschnitten wurden) mit Blut getränkt, die nach oben gekehrte Seite des Gesichts, sowie die Aussenseite beider Hände mit Blut überzogen.

Der Leichnam hatte dreizehn frische Stichwunden und zwar an der linken Stirnseite,
am Kinne,
an der linken Seite des Halses unter dem Ohrenläppchen,
an dieser linken Halsseite am vordern Rand des Kopfnickers, eine senkrecht verlaufende, 1 Zoll tiefe, ¾ Zoll lange Wunde mit scharfen, klaffenden Rändern und fast halbmondförmiger Gestalt, bei deren Verlauf die arteria carotis sinistra angestochen war und diese Pulsader selbst eine zwei Zoll lange Wunde hatte, eine Stichwunde am hinteren, oberen Rand des Kopfnickers, am untern Rand des Hinterhauptbeines – also im Genick – eine vollkommen horizontal verlaufende Wunde mit scharfen klaffenden Rändern, ¾ Zoll lang, 3 Zoll 4 Linien tief, bei deren Verfolgung in das Innere das Rückenmark in der Gegend zwischen dem Hinterhaupt und dem ersten Halswirbel quer durchschnitten war,
ferners zwei Stichwunden an der rechten Schläfenseite, eine solche an der rechten Seite des Halses,
eine gleiche zwischen dem ersten und zweiten Rückenwirbelbein,
eine Stichwunde am Daumen der rechten Hand, die Beugsehne durchschneidend, eine solche am Daumen der linken Hand, bis auf den Knochen eindringend,
eine solche am Zeigfinger der linken Hand.

Nach dem gerichtsärztlichen Gutachten starb Ludwig Reeb eines gewaltsamen Todes, und zwar an der Verletzung des Rückenmarks und der carotis (linken Halspulsader), von welchen beiden Wunden eine jede absolut tödtlich war, und den Tod nothwendig und unmittelbar bewirkte.

Blutspritzer in der Umgebung des Leichnams zeigten sich an einem an der Hinterwand stehenden Tabakfäßchen und an der Seitenwand neben der Leiche, jedoch nicht weiter als höchstens 2 Schuh vom Boden herauf.

Der Hut des Ludwig Reeb lag in einer hinteren Ecke des Lädchens und darin waren einige Blutstropfen.

Aus dem Rock des Ludwig Reeb waren drei Knöpfe ausgerissen, welche in dem vergossenen Blute vorgefunden wurden, und die ihm bei Gelegenheit des mörderischen Ueberfalles ausgerissen worden sein müssen, indem Ludwig Reeb seinen Rock Tags vorher selbst noch ausgebessert hatte, und als er das Letztemal das Haus seiner Mutter verließ, seine Knöpfe in Ordnung waren.

Die Sackuhr, welche Ludwig Reeb bei sich gehabt hatte, war entwendet und das Stahlkettchen, woran er sie trug, abgesprengt.

Sein Porte monnaie mit stählerner Schließe und Zwinge sammt Baarschaft war ebenfalls entwendet und in der Blutlacke, in welcher sein Oberkörper lag, fand sich ein zweifellos bei der Vergewaltigung des Reeb hlnabgefallenes Guldenstück vor.

Das auf der Ladenbudel stehende hölzerne Geldschüsselchen, in welchem sich noch am 9. Februar Nachmittags ein Zweiguldenstück, drei Guldenstücke und etwas kleinere Münze befunden hatte, war von Geld leer und ein Blutstropfen darin.

Die auf der inneren Seite der Ladenbudel befindliche Schublade war ein wenig herausgezogen, und es lag in derselben ein ganz reines Tischmesser, sowie auch in einer Stellage ein ganz reines Tabakmesser lag. Ebenso lag auf dem untersten Brett der links im Laden befindlichen Stellage in der Ecke gegen die Rückwand des Ladens an der vorderen Kante ein Groschen und ein Kreuzer, letzterer in der Art auf den Groschen gelegt, daß beide Geldstücke, muthmaßlich als geleistete Zahlung, in die Ecke des Stellagenbrettes hingelegt waren.

Ein im Laden befindlicher kleiner Kehrwisch war am vordern Theil der Borsten röthlich gefärbt, was zweifellos davon herrührt, daß der Thäter den Kehrwisch in ein im Laden befindliches Schäffel mit Wasser tauchte, um das bei Ausführung der That an seine Kleider gekommene Blut abzuwaschen, wofür auch der Umstand spricht, daß an der Handhabe des Kehrwisches zunächst den Borsten sich ein anscheinend von einem blutigen Finger herrührender Blutstreif zeigte.

§. 3.

Behufs der Ermittlung des Thäters wurden die sorgfältigsten Nachforschungen gepflogen, es konnten nur gegen eine Person, gegen diese aber die dringendsten Beweisgründe beigebracht werden, und dies ist Georg Treiber, Metzgerknecht von München.

Georg Treiber, welcher schon in den Jahren 1846 bis 1850 wegen Unsittlichkeit, Konkubinats und Gewaltthätigkeiten 6 Polizeistrafen erlitt, welcher einen im Frühjahr 1851 an seinem damaligen Dienstherrn Johann Maierhofer in Traunstein während des großen Brandes dortselbst verübten Diebstahl selbst nicht in Abrede zu stellen vermag, dessen Leumund sohin in hohem Grade getrübt ist, befand sich während des Winters 1851 auf 1852 in München, ohne eine ständige und hinreichende Subsistenzquelle nachweisen zu können und wurde um jene Zeit von seiner vormaligen Geliebten Rosina Killer, Bauerstochter von Germering, wegen eines Alimentationsrückstandes ad 56 fl., den diese von ihm zu fordern hatte, sehr bedrängt, und da er ausser Stande war, Zahlung zu leisten, gerichtlich in dem Maaße verfolgt, daß ihm sogar ein Wagen, welchen ihm seine nunmehrige Geliebte Anna Seitz gekauft hatte, und womit er Fuhrwerk getrieben haben soll, abgepfändet wurde.

Ein am 18. Februar an den Gendarmerie-Brigadier Feichter gelangter anonymer Brief eines Lohnkutscherknechts machte darauf aufmerksam, daß Georg Treiber um die Zeit des fraglichen Vorfalls am Reeb’schen Laden 3 bis 4mal vorübergehend gesehen wurde, wobei er herumschaute, als suche er Jemanden.

Georg Treiber wurde am 21. Februar verhaftet, wobei er sich verlegen zeigte, und gab in seiner ersten Vernehmung an, er wisse nicht, wo er am 10. Februar gewesen sei, und fügte bei, daß er damals bei seiner Schwester Kreszenz in der Maistraße gewohnt habe, und erst in der Woche seiner Arretierung (welche am 15. Februar begann) zu seinem Vater gezogen sei.

Schon über diese seine erstmalige Vernehmung äußerte sich Georg Treiber zu dem damals gleichfalls in der Frohnfeste gefangenen Lakirergesellen Joseph Lindner von München, welcher schon längere Zeit wegen eines Diebstahls sich in Untersuchungshaft und im nämlichen Arrestlokale wie Georg Treiber befand, daß er sich nicht ausweisen könne, wo er an jenem Tage war, und daß er bei seiner ersten Vernehmung angegeben habe, er wisse nicht, wo er gewesen sei, er werde aber in seiner nächsten Vernehung sagen, er sei um diese Zeit, da der Mord geschah, zu Hause gewesen, und er werde sich auf den bei seinen Leuten wohnenden Rosenkranzmacher berufen, welchem man glauben müsse, da er ein Fremder sei, wenn man auch seinen Leuten nicht glauben wolle.

Wirklich richtete Treiber in seiner nächsten Vernehmung seine Angaben in dieser Art ein, indem er sagte, er sei an jenem Tage zu Hause bei seinen Eltern gewesen, bei denen er damals schon gewohnt habe, sich auf das Zeugniß seiner Familienangehörigen, sowie eines dort wohnenden Rosenkranzmachers bezog; und hinsichtlich seiner damals getragenen Kleidung angab, daß er einen braunen Janker angehabt habe.

Auch über diese zweite Vernehmung besprach sich Treiber mit seinem Arrestkameraden Lindner und sagte zu demselben, er habe hinsichtlich seiner damals getragenen Kleidung angegeben, er habe seinen Janker angehabt, es sei aber nicht wahr, er habe die Joppe seines Bruders Michael angehabt. Georg Treiber suchte auch für diese seine Behauptungen falsche Zeugen anzuwerben, indem er deßhalb am 4. März 1852 aus der Frohnveste einen Brief an seine Eltern und Geschwisterte gelangen lassen wollte, worin er sie von demjenigen in Kenntnis setzte, was er in der Untersuchung hinsichtlich seines damaligen Aufenthalts und hinsichtlich seiner damals getragenen Kleidung angegeben hatte, und sie ersuchte, sie und seine Geliebte Anna Seitz sollen auch alle so angeben. Allein dieser Brief gelangte nicht an den Ort seiner Bestimmung, sondern wurde aufgefangen. Seine Hausgenossen bestätigten jedoch seine Angabe ohnehin nicht, es geht vielmehr aus ihrer Aussage hervor, daß er an jenem Tage nicht zu Hause war, ja daß er selbst zum Mittagsessen nicht heim kam.

Daß Georg Treiber damals nicht, wie er Anfangs behauptete, zu Hause, sondern daß er zur Zeit der vorgefallenen That vielmehr im Reebschen Cigarrenladen anwesend war, ist dadurch bewiesen, weil er, wie zeugschaftlich hergestellt ist, schon Morgens ½8 Uhr in das Wirthshaus zum kleinen Löwengarten, welches zunächst vor dem Karlsthore liegt, kam, dort 2 Halbe Bier und um 1 kr. Brod verzehrte, und sich bald nach 8 Uhr aus diesem Wirthshause entfernte; daß ferner der Gendarm Luber (welcher nunmehr als Dampfschifffahrts-Conducteur angestellt ist) den Georg Treiber wiederholt auf das Bestimmteste als denjenigen Mann anerkannt hat, welchen er am 10. Februar Morgens um 8½ Uhr aus dem Reeb’schen Laden herausgehen sah.

Zur Würdigung des Zeugnisses des Luber ist anzuführen, daß er, obleich der Verdacht gegen Georg Treiber erst durch den erwähnten Brief von 18. Februar rege, und Georg Treiber erst am 21. desselben Monats verhaftet wurde, doch schon am 14. Februar die Personalbeschreibung des von ihm aus dem Laden herausgehen gesehenen Mannes in einer mit dem bei der erst später geschehenen Verhaftung des Treiber aufgenommenen Signalement im Wesentlichen übereinstimmenden Art machte, daß Luber hinsichtlich der Kleidung des, von ihm beobachteten Mannes gleichfalls schon am 14. Februar angab, derselbe habe eine Joppe getragen, während Treiber noch am Anfang seiner Untersuchung behauptete, an jenem Tage einen Janker getragen zu haben, und sich erst später herausstellte, daß er damals eine Joppe angehabt habe, daß – wie noch weiter unten angeführt werden wird – Treiber selbst nicht in Abrede zu stellen vermag, daß er mit frisch angezündeter Cigarre aus dem Reeb’schen Laden herausging und bei seinem Herausgehen einem Gendarmen begegnete, daß Luder den aus dem Reeb’schen Laden herausgetretenen Mann aus dem Grunde ins Auge faßte, weil dieser selbst ihn starr ansah und Luber nicht nur bei der gerichtlichen Vorstellung, sondern auch schon damals, als Treiber aus der Frohnveste in den Gottesacker zur Recognition der Leiche des Ludwig Reeb geführt wurde, den Treiber bestimmt wieder erkannte, weil auch Luber hinsichtlich mehrerer anderer ihm während der Untersuchung vorgestellten Bursche ebenso bestimmt angibt, daß keiner von denselben der von ihm Gesehene sei.

Nachdem schon aus obiger von Georg Treiber zu Jos. Lindner gemachten Aeußerung hervorging, daß er an jenem Tage die Joppe seines Bruders Michael angehabt habe, so wurde bei einer am 25. Februar gepflogenen Haussuchung diese Joppe, in welcher auch ein rothes Sacktuch sich vorfand, zu Amtshanden genommen.

Es lassen sich zwar an derselben noch Flecken bemerken, ohne daß jedoch jetzt noch hergestellt werden könnte, was es für Flecken seien, weil daran schon gewaschen worden war; ebenso ist bezüglich der Hose und des Gilets, welches er an jenem Tage nach Aussage seines Bruders Michael Treiber getragen hatte und welche beide Stücke zu Amtshanden kamen, in dieser Beziehung anzuführen, daß sich das Gilet bei einer am 28. Fehruar geschehenen Besichtigung als neu gewaschen zeigte, und daß hergestellt ist, daß Georg Treiber an dieser seiner im Arrest angehabten Hose und zwar an der Außenseite des Hosenlatzes mit seinem mit Speichel benetzten Finger wischte, und mit den Fingernägeln daran kratzte.

Es richtete sich bei solch‘ vielfachen gegen Georg Treiber sprechenden Anzeigungen gegen die Familienangehörigen des Georg Treiber eine Vermuthung der Mitwissenschaft an diser That, daher mehrere derselben in vorläufige Haft genommen, jedoch derselben alsbald wieder entlassen wurden, nachdem sich hiewegen gegen dieselben ein näherer Verdacht nicht begründen ließ.

§. 4.

Das Bewußtsein der eigenen Schuld, das Bewußtsein der zahlreichen gegen ihn zeugenden Thatsachen mochte den Georg Treiber veranlassen, von seinem anfänglichen Läugnen abzugehen und in ihm den Entschluß zur Reife bringen, die begangene That auch wirklich einzugestehen. Aber nur allmälig gelangte er dazu, seine That vollständig zu offenbaren, indem er zunächst seinem Arrestkameraden Joseph Lindner erzählte, daß er am 10. Februar Morgens 7½ Uhr vom Hause fortgegangen sei, sich um einen Platz umzusehen, daß er zum Löwenwirth vor dem Karlsthor gegangen sei, wo er Bier getrunken.

Dann sei er in das Cigarrenlädchen am Rondell vor dem Karlsthor, um sich Cigarren zu kaufen, gegangen. Im Laden habe er den Ladner ermordet am Boden liegend getroffen; da er nun im Augenblick daran gedacht habe, daß er der Rosina Killer Alimentation zu bezahlen habe, so habe er die Uhr dem am Boden liegenden Ermordeten aus der Gilettasche gerissen und das Geldtäschchen aus der Hosentasche genommen, sei dann fort in der Richtung gegen die evangelische Kirche in die Au hinaus über die neue Isarbrücke gegangen, habe dort die Taschenuhr zusammengeschlagen und das Uhrwerk sowie das Geldtäschchen in die Isar geworfen, dann sei er neben dem Wasser gegen Giesing hinaufgegangen und habe seine Joppe und Gilet mit einem Sacktuch, das er in das Wasser tauchte, ausgewaschen, das Uhrgehäuse auf der Münze verkauft und sei Abends nach Hause gegangen.

Schon am 10. März aber sagte Treiber zu Lindner, er wolle sich melden und ein offenes Geständniß ablegen und erzähste nun dem Lindner den Hergang in der Art, daß er bei dem Löwenwirth (vor dem Karlsthor) Morgens eingekehrt sei, daß er aber angeben wolle, er habe dort 7 bis 8 Halbe Bier getrunken, damit man ihm die nachherige That als im Rausch begangen anrechne.

Er erzählte dem Lindner weiter, daß ihm dort die Verfolgungen der Rosina Killer einfielen. Er sei dann gegen die Stadt zu, und beim Karlsthor in den Reeb’schen Laden gegangen, um sich Cigarren zu kaufen. Er sei in das Lädchen, habe sich dort eine Cigarre um 6 dl. gekauft, und da er mit der Zahlung etwas lang brauchte, so habe sich Reeb (nemlich der im Laden befindliche Verkäufer) geäußert, er solle weiter machen, er könne nicht wegen ihm so lange herstehen. Während dessen habe er (Treiber) eine stählerne Uhrkette an Reeb wahrgenommen und sich hiebei gedacht, daß ihn die Killer gar so sehr drücke, und er, wenn er dem Reeb diese Uhr nehme, der Killer etwas bezahlen könnte. Er habe nun dem Reeb die Uhr aus der Gilettasche herausgerissen, wobei einige Glieder der Kette an der Uhr hängen blieben.

Reeb habe ihn nun vorne gepackt, um ihm zu halten, worauf Treiber sein Taschenmesser gezogen habe, um den Reeb zu schrecken. Da aber Reeb nicht losgelassen habe, so habe er (Treiber) auf denselben gestochen, ihm mehrere Stiche versetzt, und denselben Mit einem Stich in der Art getroffen, daß Reeb umfiel. Er habe den Reeb zuerst in das Gesicht, und zwar an die Stirne und an das Kinn getroffen, und ihn dann mehrmals in den Hals gestochen. Er werde jedoch bei seiner Vernehmung angeben, er erinnere sich nicht mehr, wohin er den Reeb getroffen, damit man glauben solle, er sei vom Bier angestochen gewesen. Nachdem Reeb auf dem Boden gelegen, habe er ihm ein Geldtäschchen, worin sich etwa 5 fl., nämlich ein Zweiguldenstück, das Uebrige in Sechsern und Groschen befand, aus der Hosentasche gezogen, dasselbe eingeschoben, die gekaufte Cigarre angezündet und sei mit der brennenden Cigarre im Munde zum Laden hinausgegangen, wobei er einem Gendarmen begegnete; sofort sei er gegen die protestantische Kirche zugegangen, habe dort in einen Schneehaufen das Messer hineingeworfen, sei dann über die neue Isarbrücke hinüber, habe das Werk der Taschenuhr herausgerissen und dasselbe, sowie das Geldtäschchen in die Isar geworfen, habe mit einem Sacktuch, welches er in die Isar tauchte, seine Joppe und Hose ausgewaschen, und habe dann in der Münze das Uhrgehäuse verkauft.

Hinsichtlich dieses Sacktuches sagte Treiber insbesondere, daß es das (obenerwähnte) zu Amtshanden gekommene und ihm vorgezeigte rothe Sacktuch sei (welches in der Joppe des Michael Treiber vorgefunden wurde) und bezüglich welchen Sacktuchs er früher in dem obenbemerkten an seine Eltern und Geschwisterte gerichteten Brief, der jedoch aufgefangen wurde, denselben seine Absicht, dieses Sacktuch als einem bei ihnen wohnenden Bettgeher gehörig darzustellen, kundgegeben hatte.

Es ließ sich auch Georg Treiber zum Verhör melden, und in seinem Verhör vom 11. März. d. J. gab er die Erklärung ab, er wolle offen der Wahrheit gemäß eingestehen, daß er den Cigarrenhändler Reeb vor dem Karlsthore in seinem Lädchen umgebracht habe. Er sei nämlich am 10. Februar Morgens von Hause fort, um sich um einen Dienst umzusehen, und sei beim Löwenbräuer neben dem Stachusgarten eingekehrt, wo er sich Bier und Brod geben ließ.

Es fiel ihm ein, daß seine frühere Geliebte, Rosina Killer, ihn wegen rückständiger Alimentation so hart bedränge, und ihn, da er zu zahlen außer Stand war, sogar auspfänden ließ. Um sich diesen Gedanken aus dem Kopf zu schlagen, habe er acht bis neun Glas Bier getrunken, sei dann gegen die Stadt hereingegangen, und habe sich in das Reeb’sche Cigarrenlädchen begeben, um sich Cigarren zu kaufen. Er traf dort den Cigarrenhändler (Ludwig Reeb) und verlangte eine Cigarre um 6 dl., die er auch erhielt. Da er dem Reeb das Geld nicht schnell genug behändigte, so sagte dieser, Treiber solle weiter machen, indem er nicht immer für ihn herstehen könne. Treiber habe nun in die Tasche gegriffen und 1 kr. 2 dl. bezahlt. Es sei ihm hiebei plötzlich der Gedanke gekommen, dem Reeb die Uhr zu nehmen, um aus deren Erlös etwas an die Killer zahlen zu können. Er riß daher dem Reeb die Uhr aus der Gilettasche heraus und von dem Kettchen ab, worauf Reeb ihn an der Joppe gepackt habe. Treiber habe nun sein Schnappmesser aus der Tasche gezogen, dasselbe geöffnet, und wollte den Reeb damit schrecken, indem er geglaubt habe, wenn er das Messer sehe, werde er wohl auslassen.

Reeb habe ihn aber nicht ausgelassen, und er habe daher einigemal mit dem Messer auf denselben zugestossen, ohne daß er sagen könnte, wo er ihn hintraf, jedoch sei gleich Blut geflossen und der Getroffene zu Boden gesunken.

Als Reeb zu Boden lag, habe er demselben aus einer Hosentasche ein ledernes Geldtäschchen genommen, wobei sich der Verwundete noch bewegte. Er habe das Geldtäschchen, worin im Ganzen 4 bis 5 fl. waren, darunter ein Zweiguldenstück, das Uebrige Sechser, zu sich gesteckt, die gekaufte Cigarre noch angezündet, und die Cigarre rauchend den Laden verlassen, sei gegen die protestantische Kirche zugegangen, habe das Messer, womit er dem Reeb die Stiche versetzt hatte, und welches ein gewöhnliches Taschenmesser mit fingerlanger, ziemlich breiter Klinge war, welches, wenn es geöffnet war, fest im Griffe stand, in der Allee bei der protestantischen Kirche in einen Schneehaufen geworfen, sei dann durch die Sonnen- und Müllerstraße gegen die Reichenbacherbrücke gegangen, sei dann jenseits der Brücke der Isar entlang gegangen, habe das Werk der Uhr und das Gehäuse zusammengeschlagen, und das Uhrwerk, sowie das Geldtäschchen in die Isar geworfen, und mit einem Sacktuch, welches er in die Isar tauchte, und als welches er das zu Gerichtshanden gekommene rothe Sacktuch anerkennt, das Blut von seinen Kleidungsstücken wegzubringen gesucht. Er habe nämlich damals die mit in den Arrest gebrachte Kappe, Weste, blaugestreifte Hose und die von ihm anerkannte zu Gerichtshanden gekommene Joppe seines Bruders Michael angehabt, hievon sei ihm das Gilet, Hose und Joppe in Folge der von ihm dem Reeb beigebrachten Messerstiche blutig geworden. Um das Blut aus diesen seinen Kleidungsstücken auszuwaschen, brauchte er bei drei Viertelstunden.

Nachher habe er das Uhrgehäuse auf der Münze verkauft, sei dann in einige Wirthshäuser und Abends heimgegangen.

Während Ablegung dieses Geständnisses, welches er in einem gleichfalls selbstverlangten Verhöre vom 12. März 1852 in allen seinen Theilen bestätigte, traten an ihm die naturgemäßen Zeichen tiefen Ergriffenseins hervor, indem seine Gesichtsfarbe bald roth aufflammte, bald leichenblaß wurde, er auch zu weinen begann.

Es wurde auch nach Vorschrift des Gesetzes dem Georg Treiber der inzwischen begrabene und zu diesem Behuf wieder ausgegrabene Leichnam des Ludwig Reeb auf dem Gottesacker vorgezeigt, und bei Ansichtigwerdung der Leiche bei Oeffnung des Sargdeckels wurde er innerllch so bewegt, daß er umzusinken drohte, und den von ihm Erstochenen mit den Worten anerkannte: »Ja, er ist’s schon.« Auch nachher noch, als der Todte wieder weggebracht wurde, gab er seine Erklärung ab, daß dieser der Mann ist, dem er im Cigarrenladen die Stichwunden beibrachte, und in einem am nämlichen Tag mit ihm gepflogenen Verhöre wiederholte er sein Geständniß mit dem Bemerken, an seinem ganzen Unglücke sei nur die Killer schuld, welche ihn so unbarmherzig gedrängt habe.

Nachdem Treiber vom Gottesacker in den Arrest zurückgefuhrt worden war, erzählte er dem Joseph Lindner, daß er bei Abführung auf den Gottesacker jenen Gendarmen gesehen habe, dem er damals (nämlich bei dem Heraustreten aus dem Reeb’schen Laden) begegnet war, und daß der Gendarme auch, wie er ihn gesehen, sogleich laut geäußert habe:
»der ist’s schon«.

Er erzählte dem Lindner ferners, daß er am Gottesacker vor dem Leichname beinahe zusammengesunken wäre, wenn man ihn nicht unterstützt hätte, er habe den Reeb sogleich erkannt, obgleich ihm die langen Haare – wie auch wirklich bei der Obduktion geschehen war – abgeschnitten gewesen seien.

Nachdem sich auf eingezogene Erkundigung nicht bestätigen wollte, daß ein solches Uhrgehäuse auf der Münze verkauft worden sei, gab Treiber in einem weiteren Verhöre vom 15. März an, daß er das Uhrgehäuse beim Auswaschen der Joppe verloren habe, indem er es vorher in seine Joppentasche gesteckt hatte, und daß es ihm beim Waschen der Joppe heraus und in das Wasser gefallen sein müsse, indem, wie er nach dem Waschen in die Tasche hineingriff, es nicht mehr darin war. Er habe diesen Umstand früher aus dem Grunde verschwiegen, weil er der Meinung gewesen sei, man würde ihm das Verlieren des Uhrgehäuses nicht glauben; im Uebrigen wiederholte er sein früheres Geständniß mit dem Beifügen, daß er den ganzen Verlauf der Sache, wie er solchen gerichtlich eingestanden, auch seinem Arrestkameraden Joseph Lindner erzählt habe. Auch das bei diesem Verhöre Angegebene theilte er wieder seinem Arrestkameraden Joseph Lindner mit, welchen er auch, als er am 28. April die zu Amtshanden gekommene Joppe seines Bruders Michael im Arrest zu dem Behufe, um in diesem Anzug Zeugen vorgestellt zu werden, erhielt, fragte, ob man es kenne, daß die daran befindlichen Flecken von Blut herrühren, indem er die Blutflecke mit Seife ausgewaschen habe.

Endlich beharrte er auch auf seinem abgelegten Geständnisse noch in seinen beiden letzten Verhören vom 27. April gleichförmig in der Weise, wie er in seinen bisherigen Vernehmungen nach und nach sämmtliche Umstände der That eingestanden hatte.

Weitere auf die That bezügliche Einzelnheiten wurden noch bekannt durch die Mittheilungen, welche Georg Treiber während der Dauer seiner Haft der damals wegen Diebstahlsbegünstigung in Untersuchung befangenen und in dem Arrestlokal neben ihm gefangenen, nunmehr aber nicht mehr in Untersuchung befindlichen Handschuhnäherin Anna Erl machte, und mit welcher er auch wegen der Nähe der beiderseitigen Arreste sich durch die Mauer unterreden konnte. Mit dieser Anna Erl suchte er sich meistens dann zu unterhalten, wenn sein Arrestkamerad Joseph Lindner gerade nicht im Arrest war und fragte sie auch jedesmal, ob sie sich allein an der Mauer befinde, damit nämlich ihre anderen Arrestkamerädinen nichts davon hören sollten.

Seine Mittheilungen an die Anna Erl hinsichtlich der Verübung der That bestehen darin, daß er ihr erzählte, er habe in einem Cigarrenladen vor dem Karlsthor auf der rechten Seite einen umgebracht, der ein junger Kerl war, und den er in ein Ladeneck hineingebracht habe. Treiber sagte nämlich hierüber:
»Bitt hat er mich auch noch«
eine Angabe, welche ihre objektive Bewahrheitung findet in den am Daumen der rechten Hand, am Daumen und Zeigefinger der linken Hand des Reeb sichtbaren tiefen Stichwunden.

Auch darüber äußerte sich Treiber zur Anna Erl, er habe bei dem nicht mehr gekriegt, als fünf Gulden, ein Porte monnaietäschchen mit einer stählernen Schließe zum Einschnappen, und die Uhr, aber um fünf Gulden und eine Uhr bringe er gleich wieder einen um, es reue ihn nur das Guldenstückel, das ihm herausgefallen sei – es wurde nämlich, wie erwähnt, ein solches in der Blutlacke aufgefunden – das, setzte Treiber bei, hätte ein Biergeld für zehn Maß Bier gegeben, womit er sich hätte lustig machen können.

Demgemäß ist Georg Treiber angeklagt, daß er am 10. Februar 1852 den Cigarrenfabrikantenssohn Ludwig Reeb zu München vermittelst eines Messers lebensgefährlich verwundet, sofort demselben in diesem Zustande Geld und Anderes entwendet, und dadurch ein Verbrechen des Raubes IV. Grades begangen habe.

Freising am 10. Juli 1852.
Seel, Staatsanwalt.

Otto Seel: Georg Treiber, Mörder des 18jährigen Cigarrenhändlersohnes Reeb in München. Anklageschrift vorgetragen in der außerordentlichen Schwurgerichtssitzung von Oberbayern am 26. Juli 1852. Zweite Auflage. München, 1852.

#Bayreuther Zeitung (11.9.1852)

München, 9. Sept. So eben vor 10 Uhr Vormittags wurde der wegen Beraubung und Ermordung des jungen Cigarrenfabrikanten Reeb zum Tode verurtheilte Metzgergeselle Georg Treiber auf dem Marsfeld durch den Scharfrichter Scheler vom Leben zum Tode gebracht. Die Hinrichtung geschah mit größter Präcision und leider unter dem Zuströmen von einer zahllosen, gegen 40,000 Menschen betragenden Einwohnermasse, bei der, wie immer, auch das weibliche Geschlecht und fast alle Stände vertreten waren. Ohne hierüber weiter in Klagen auszubrechen, möchte ich nur auf eine Art pädagogischer Verirrung hier aufmerksam machen, in Folge welcher eine Masse Eltern ihre sämmtlichen Kinder und darunter gar viele unter zwei und drei Jahren zum Anschauen des gewiß grauenvollen Acts mitgebracht hatten!

Bayreuther Zeitung Nro. 253. Samstag, den 11. September 1852.

#11 – 10 – 7 (Stadler)


Grab¿
der
Familie
Stadler.


  • Stadler, Anna (vw); – (16).5.1903, 73 Jahre alt; Hofdekorationsmalers-Witwe
  • Stadler, Eduard jun.; – 12.4.1889 (München), 32 Jahre alt; Salzstößlers-Sohn / Dekorationsmaler
  • Stadler, Eduard; – (16).5.1896, 68 Jahre alt; Hofdekorationsmaler
  • Stadler, Johann; – (29).5.1871 (München), 77 Jahre alt; Ehemaliger Salzstößler
  • Stadler, Klara (vw); – (15).8.1873 (München); Salzstößlers-Witwe

Grab der Familie Stadler auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2020)

#11 – 10 – 13 (Schaller)


Hier ruhet in Gott
unser unvergesslicher Gatte u. Vater
Herr Ludwig Schaller,
kgl. Bahnoberexpeditor,
geb. 1. Januar 1834, gest. 4. März 1900.
Ihm folgte dessen Gattin
Frau Rosalia Schaller,
geb. Attenhauser.
geb. ¿. Sept. 1832, gest. 10. Febr. 1908.

Sockel
11.¿ ¿. Fischer.


  • Schaller, Anna (vw); – 1885 (München); Zollrevisionsbeamtens-Witwe
  • Schaller, Ludwig; 1.1.1834 (Zweibrücken) – 4.3.1900 (München); Bahnoberexpeditor
  • Schaller, Rosalia (vw) / Attenhauser (gb); ¿.9.1832 – 10.2.1908; Bahnoberexpeditors-Witwe

Todesanzeige für Ludwig Schaller

Grab der Familie Schaller auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2020)

#Ludwig Schaller

* 1.1.1834 (Zweibrücken)
† 4.3.1900 (München)
Bahnoberexpeditor

#Generalanzeiger (8.3.1900)

Münchner Tagesneuigkeiten.

München, 7. März.
Beerdigung. Im südlichen Friedhof wurde heute Nachmittags der im Alter von 66 Jahren verstorbene k. Oberexpeditor Herr Ludwig Schaller unter zahlreicher Betheiligung seiner Kollegen zu Grabe getragen. Aus der Rede des Geistliche war zu entnehmen, daß der Verstorbene im Jahre 1835 zu Zweibrücken geboren war, 34 Jahre in glücklicher Ehe lebte und ein pflichttreuer Beamter war. Von den Beamten des Zentralbahnhofes war ein prächtiger Kranz mit Widmungsschleife am offenen Grabe niedergelegt worden.

Generalanzeiger Nr. 113. Gratisbeilage der Münchner Neuesten Nachrichten. Donnerstag, den 8. März 1900.

#11 – 10 – 35* (Zagler)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Zagler, Johann Jakob; – 16.8.1865 (München), 33 Jahre alt; Lehrer und Schriftsteller

Das Grab ist nicht erhalten


#Johann Jakob Zagler

† 16.8.1865 (München), 33 Jahre alt
Lehrer und Schriftsteller

#Biographisch-literarisches Lexikon der katholischen deutschen Dichter, Volks-, und Jugendschriftsteller im 19. Jahrhundert (1871)

Johann Jakob Zagler,

Lehrer, dann Schriftsteller, starb zu München am 16. August 1865 33 Jahre alt.

Leitstern auf den Wegen des menschlichen Lebens. Ein Handbüchlein für alle Menschen, die ihre Seligkeit lieben. München, 1841. 2. A. Nördlingen 1856. – Pflichten gegen die Thiere. 4. A. München 1846. – Erzählungen. München 1862–63. 2 Bde. – Otto I., Bischof von Bamberg und Apostel von Pommern. München 1862. – Die Regenten Bayerns aus dem Hause Wittelsbach. München 1863. – Beiträge in Langs Hausbuch.

Joseph Kehrein: Biographisch-literarisches Lexikon der katholischen deutschen Dichter, Volks-, und Jugendschriftsteller im 19. Jahrhundert. Zweiter Band. Zürich, Stuttgart und Würzburg, 1871.

#11 – 10 – 36 (Anzenberger)


Hier ruht in Gott
¿ Katharina Anzenberger
¿
¿ Johann Anzenberger
¿
Ihnen folgte mein lb. Gatte
Herr Johann Anzenberger
Hafnermeister
geb. 20. Mai 1864. gest. 5. April 192¿.
dessen Gattin
Frau Centa Anzenberger
geb ¿. Sept. 1868. gest. 25. April 1934.


  • Anzenberger, Centa (vw); ¿.9.1868 – 25.4.1934; Hafnermeisters-Witwe
  • Anzenberger, Johann; 20.5.1864 – 5.4.1926 (München); Hafnermeister
  • Anzenberger, Katharina (vh) / Hoffmann (gb); Tuchmachers-Tochter aus Wassertrüdingen / Hafnermeisters-Gattin

Grab der Familie Anzenberger auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2020)

#11 – 10 – 50 (Müller)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Müller, Maria (vh); – 1886 (München); Oberinspektors-Gattin

Grab der Familie Müller auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2020)

#11 – 10 – 54 (März)


Grab der Familie März auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

#11 – 10 – 57 (Pracher)


Babette Pracher
Stadtgerichtsdirektorswwe.
geb. 19. Dezbr. 1786, gest. 6. Mai 1872.
deren Kinder
Philippine, geb. 22. Okt. 1818, gest. 27. Aug. 1836.
Gustav, geb. 7. Aug. 1823, gest. 29. Juli 1858.
Max von Pracher
k. Regierungspräsident der Oberpfalz
u. v. Regensburg, Excellenz
geb. 9. Dezbr. 1819, gest. 1. Septbr. 188¿
dessen Gattin
Albertine von Pracher
geb. Zenetti.
geb. 19. Septbr. 1841. gest. 16.¿
Der beiden Vorigen ¿
Emil von Pracher
Ministerialrat im K. Staatsm¿
für Verkehrsangelegen¿
geb. 28. Juli 1862, gest. 3. Juli 1907.

Sockel
Dr. Ferdinand von Pracher
Regierungspräsident, Excellenz
geb. 23. November 1860, gest. 21. Januar 1923.
Sein einziges Kind
Auguste Philippine von Pracher
* 27. Sept. 19¿ cand. phil. † 8. Febr. 1932.

Rechte Seite
J. Lallinger


  • Pracher, Albertine von (vw) / Zenetti (gb); 19.9.1841 – 16.4.1899 (München); Kaufmanns-Tochter / Regierungspräsidentens-Witwe
  • Pracher, Auguste Philippine von; 27.9.19¿ – 8.2.1932; cand. phil.
  • Pracher, Babette (vw); 19.12.1786 – 6.5.1872 (Regensburg); Stadtgerichtsdirektors-Witwe
  • Pracher, Emil von; 28.7.1862 – 3.7.1907
  • Pracher, Ferdinand von, Dr.; 23.11.1860 – 21.1.1923; Regierungspräsident
  • Pracher, Gustav; 7.8.1823 – 29.7.1858 (München); Lottokollekteur
  • Pracher, Max von; 9.12.1819 (Straubing) – 1.9.1888 (Regensburg); Regierungspräsident
  • Pracher, Philippine; 22.10.1818 – 27.8.1836; Stadtgerichtsdirektors-Tochter

Grab der Familie Pracher auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#11 – 11 – 9 (Öhrlein)


Familie Oehrlein.

Hier ruht
unser liebes gutes Kind
August
geb. 3. Juli 1883, gest. 11. Mai 1890.
Ihm folgte sein Grossvater
Herr Franz Oehrlein
ehem. Apotheker,
geb. 24. April 1826, gest. 17. Sept. 1893.
seine Grossmutter
Frau Auguste Oehrlein
geb. 2. Novbr. 1820, gest. 31. Oktbr. 1903.
sein Vater
Herr August Oehrlein,
k. Commerzienrat u. Hofbuchhändler
geb. 20. Aug. 1855. gest. 9. Dez. 1909,
seine Mutter
Frau Josefine Oehrlein
geb. 11. Nov. 1855, gest. 3. Mai 1924.

R. I. P.


  • Öhrlein, August; 20.8.1855 – 9.12.1909; Buchhändler und Kommerzienrat
  • Öhrlein, August; 3.7.1883 – 11.5.1890
  • Öhrlein, Auguste (vh); 2.11.1820 – 31.10.1903; Apothekers-Witwe
  • Öhrlein, Franz; 24.4.1826 – 17.9.1893; Apotheker
  • Öhrlein, Josefine; 11.11.1855 – 3.5.1924

Grab der Familie Öhrlein auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#11 – 11 – 50 (Kinkelin · Spranger)


Die Inschrift ist nicht erhalten

Tafel
Unser theurer Gatte u. Vater
Herr Wilhelm Spranger,
Hauptkassier und Prokurist der
Gasbeleuchtungsgesellschaft München.
geb. am 23. April 1824. gest. am 16. Okt. 1895.
Unsere geliebte Mutter
Frau Wilhelmine Spranger,
geb. Kinkelin
geb. am 3. Okt. 1833, gest. am 19. Febr. 1922.
Unsere liebe Tante u. Schwester
Fräulein Luise Kinkelin
geb. am 15. August 1830, gest. am 2. Feb. 1914.
Unsere liebe Schwester
Fräulein Emmy Spranger
geb. am 8. April 1876, gest. am 12. Dezember 1927.


  • Kinkelin, Luise; 15.8.1830 – 2.2.1914
  • Spranger, Emmy; 8.4.1876 – 12.12.1927
  • Spranger, Wilhelm; 23.4.1824 – 16.10.1895; Prokurist der Gasbeleuchtungsgesellschaft München
  • Spranger, Wilhelmine (vw) / Kinkelin (gb); 3.10.1833 – 19.2.1922; Prokuristens-Witwe

Grab der Familien Kinkelin · Spranger auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

#11 – 12 – 6 (Neumüller · Sasse)


Neumüller ¿

Hier ruhen
Herr Josef Neumüller
Privatier. vorm. Apotheker u.
Bürgermeister von Laufen
a. d. Salzach.
gest. in München d. 18. März 1878
im 46. Lebensjahre.
ihm folgten seine Enkelkinder
Willy Sasse
geb. 29. Juni 1888
gest. 11. Dezb. 1888
Elsa Sasse
geb. 9. Febr. 1891
gest. 10. Febr. 1892.
seine Gattin unsere gute Mutter
Maria Neumüller.
geb. 31. März 1839. gest. 29. Sept. 1893.
Otto Sasse
geb. 5. Juni 1861. gest. 29. Nov. 1903.
¿

11.12.6. Schneider


  • Neumüller, Josef; – 18.3.1878; Privatier, ehemaliger Apotheker und Bürgermeister von Laufen an der Salzach
  • Neumüller, Maria (vw); 31.3.1839 – 29.9.1893
  • Sasse, Elsa; 9.2.1891 – 10.2.1892
  • Sasse, Otto; 5.6.1861 – 29.11.1903
  • Sasse, Willy; 29.6.1888 – 11.12.1888

Grab der Familien Neumüller · Sasse auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#11 – 12 – 10 (Hörmann von Hörbach)


Grabstätte
der Familie
Hörmann v. Hörbach


  • Hörmann von Hörbach, Hedwig von; 4.6.1836 – 6.3.1872
  • Hörmann von Hörbach, Josef; 4.12.1778 – 30.4.1852 (München); Staatsrat und Regierungspräsident
  • Hörmann von Hörbach, Karoline von (vh) / Kramer (gb); 31.3.1812 – 18.12.1886; Staatsrats-Witwe
  • Hörmann von Hörbach, Leontine von (vh) / Chlingensperg, von (gb); 4.10.1824 – 11.6.1866
  • Hörmann von Hörbach, Marie von; 22.10.1853 – 27.10.1872
  • Hörmann von Hörbach, Otto von; 4.3.1812 – 18.12.1886; Kammerjunker und Landrichter

Grab der Familie Hörmann von Hörbach auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2020)

#11 – 12 – 16 (Aubry · Hummel)


Hier
ruhen in Frieden
unser teurer unvergesslicher
Gatte und Vater
Herr
Karl August Hummel sen.
Rentier
vormaliger Grosshändler
in Haag und München
gestorben im ¿. Lebensjahre
am 6. Juni 1900
Frau Marie Hummel
geb. Schütz
seine beste Gattin
unsere geliebte Mutter
gestorben am 18. April 1906
im Alter von 75 Jahren
Ihm gingen im Tode voran
seine beiden Töchter
Josephine & Agathe Hummel
beide gestorben im Blüthenalter von 16 Jahren.
Louis Hummel
Kaufmann
geb. 6. Dez. 1860 gest. 15. Aug. 1922

Linke Seite
August Aubry
cand. ing.
geb. 13. Dezember 1880
gest. 16. September 1902.

R. I. P.

Otto Hummel
geb. 24. Juli 1897
gest. 13. Dezember 1902.


  • Aubry, August; 13.12.1880 – 16.9.1902 (München); cand. ing.
  • Hummel, Agathe; – November 1883 (München),16 Jahre alt; Großhändlers-Tochter
  • Hummel, August; 31.3.1826 (Enningen/Württemberg) – 6.6.1900 (München); Großhändlers-Sohn / Rentier, ehemaliger Großhändler
  • Hummel, Josefine; 16 Jahre alt; Großhändlers-Tochter
  • Hummel, Louis (Ludwig Karl); 6.12.1860 – 15.8.1922 (München); Kaufmann und Inhaber des Fleischtransportgeschäftes M. Dußwald Nachf.
  • Hummel, Marie (vw) / Schütz (gb); – 18.4.1906, 75 Jahre alt; Großhändlers-Witwe
  • Hummel, Otto; 24.7.1897 – 13.12.1902 (München); Großhändlers-Sohn

Grab der Familien Aubry · Hummel auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2020)

#11 – 12 – 17 (Eisenhart · Oebbeke)


Exzell. Staatsrat
Von Eisenhart
Louise von Eisenhart
geb. von Kobell
Dr. Heinrich Eisenhart
Geh. Rat
Prof. Dr. Konrad Oebbeke
Helene Oebbeke, geb. Eisenhart


  • Eisenhart, Heinrich, Dr. med.; – 21.09.1895 (München); Geheimrat
  • Eisenhart, Johann August; 3.11.1826 (München) – 21.12.1905 (München); Jurist
  • Eisenhart, Luise von (vh) / Kobell, von (gb); 13.12.1828 (München) – 28.12.1901 (München); Schriftstellerin
  • Oebekke, Helene (vh) / Eisenhart (gb)
  • Oebekke, Konrad, Prof. Dr.; 2.11.1853 – 1.2.1932; Geologe und Mineraloge

Todesanzeige für Dr. med. Heinrich Eisenhart

Grab der Familien Eisenhart · Oebbeke auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2008)

#Luise von Eisenhart (vh) / von Kobell (gb)

* 13.12.1828 (München)
† 28.12.1901 (München)
Schriftstellerin

#Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog (1904)

Kobell, Louise von, vermählte von Eisenhart, * 13. Dezember 1828 zu München, † ebenda 27. Dezember 1901.

Gewiß sind es nicht bloß Äußerlichkeiten, welche sich Generationen hindurch in den Familien forterben, sondern sicher haften auch nicht selten Neigungen und Begabungen an Kindern und Kindeskindern. Wie viele Beispiele lassen sich davon unter Künstlergeschlechtern aufzählen, unter denen sich nicht bloß der Kunsttrieb, sondern sogar die Kunstart, natürlich unter zeitgemäßer Fortentwicklung, erhalten zeigt. Eine von diesen Familien ist die der Kobell.

Schon im 18. Jahrhundert blühten die Künstlerbrüder Ferdinand, * 1740 in Mannheim, † 1799 in München, und Franz, * 1749 in Mannheim, † 1822 in München. In ihre Fußstapfen trat des ersteren Sohn Wilhelm, * 1766 in Mannheim, † 1855 in München. In seiner Art auch der Sohn des zweiten, Franz v. K., * 1803 in München, † 1882 daselbst, denn obwohl Gelehrter von Beruf und als solcher wohlverdient, erwarb er sich doch durch seine künstlerische Neigung zur Dichtkunst eine weitere und zweifellos dauerndere Berühmtheit denn als Mineraloge. Dieser Neigung folgte auch seine Tochter Louise, unter den schriftstellernden Frauen des vergangenen Jahrhunderts hervorragend.

Geboren zu München, war diese von Seiten beider Eltern eine K., denn auch ihre Mutter Karoline, eine Tochter des obengenannten Wilhelm, trug den Namen K. schon in der Wiege. Kein Wunder, daß Louise schon als junges Mädchen das Vaterhaus erfüllt sah von Literatur und Kunst, wozu noch die Anregung kam, daß sie fast ein Jahr mit ihren Eltern in Griechenland verlebte, wohin Franz v. K. im Gefolge des Königs Otto von Griechenland gelangt war. Und als sie sorgfältig erzogen und gebildet in ihre reiferen Jahre gelangte, hatte sie die Stellung ihres Vaters in die Kreise eines Liebig, Bluntschli, Thiersch, Julius Braun, Dingelstedt, Dönniges usw. gebracht, wie sie auch im Hause W. v. Kaulbachs mit dem Kunstleben Münchens in enge Beziehung trat, die es auch mit sich brachte, daß sie zeitlebens der bildenden Kunst eine begeisterte Hingebung widmete. Im Elternhause selbst traf sie mit den Dichtern Victor v. Scheffel und Wilhelm Hertz zusammen, welche ihrer eigenen poetischen Arbeit manchen Anlaß gaben, während die langjährige und bis an den Tod Döllingers dauernde Freundschaft mit diesem großen Kirchenhistoriker nicht bloß ihren historischen Sinn mächtig anregte, sondern namentlich ihren Blick für die Zeitgeschichte schärfte und klärte.

Gleichwohl trat sie selbst erst verhältnismäßig spät an die Öffentlichkeit. Erst nachdem sie sich im September 1857 mit dem einer angesehenen Juristenfamilie angehörenden August v. Eisenhart, * 3. November 1826 in München, als Jurist in engeren, als Reisegenosse Victor v. Scheffels auch in weiteren Kreisen vorteilhaft bekannt, verbunden, und in den folgenden Jahren sich ganz den Gatten- und Mutterpflichten gewidmet hatte, begann sie ihrer glänzenden Begabung zunächst dadurch Rechnung zu tragen, daß sie für ihre Kinder wie für Freundeskreise Gelegenheits- und andere Gedichte schrieb. Für ihre spätere kunst- und kulturgeschichtliche Tätigkeit grundlegend aber wurde ihre Gepflogenheit, in ausführlichen Tagebüchern ihre Wahrnehmungen und Erfahrungen niederzulegen, wozu sie bald nicht mehr bloß im Hause ihres Vaters reichliches Material, sondern auch durch die Stellung ihres Gatten Veranlassung in Fülle fand.

Denn v. Eisenhart war 1867 ins kgl. Kabinet berufen und 1869 zum Sekretär Seiner Majestät des Königs ernannt worden, somit in der kritischen Zeit des großen Krieges und der Entwicklung des deutschen Reiches, in welcher er, als Staatsrat im ordentlichen Dienst den bedeutungsvollen politischen Umgestaltungen unmittelbar nahe, in der Umgebung des Königs war und bis 1876 verblieb. Waren es auch nicht die hochpolitischen Fragen, welche der diskrete Gatte im Familienkreise besprach, so konnten doch persönliche Verhältnisse, welche übrigens auch sonst kein Geheimnis waren, nicht von den Gesprächen ausgeschlossen bleiben. Louise v. K. hatte die erfreuliche Eigenschaft, von den Ereignissen und persönlichen Verhältnissen vorwiegend die Lichtseiten zu sehen und festzuhalten, wenn ihr auch bei ihrer Bekanntschaft mit den Hofkreisen und einflußreichen geistreichen Menschen manche Schatten nicht entgangen sein konnten. Diskret und feinfühlig behielt sie alles bei sich, was ihrer schönen und liebenswürdigen Seele widerstrebend war.

Vorerst freilich waren es mehr novellistische und kulturgeschichtliche Dinge, die sie von den siebziger Jahren an für die Veröffentlichung schrieb. So »Nordseebilder«, ein hübsches Bändchen von Strandgeschichten aus den Ferien- und Badezeiten ihres Gatten, bei Soldau in Norderney 1881 erschienen. Diesen folgten verschiedene Aufsätze in »Über Land und Meer« und in der »Illustrierten Zeitung«, humoristische Erzählungen und Kulturbilder aus der Jetztzeit in den »Fliegenden Blättern«, Biographien und historische Essays in der »Deutschen Revue« und Beilage zur »Allgemeinen Zeitung«, von welchen wir die Königin Elisabeth und ihre Zeit, Dekamerone und Isabella von Bourbon hervorheben. Auch ihr »Parsival, eine Sage« (1888) wurde viel gelesen.

Ihre kunst- und kulturgeschichtliche Tätigkeit hatte sie mit Aufsätzen über die Brunnecker Trinkstube, über die Schatzkammer und die Reiche Kapelle in der Münchener Residenz, über das Münchener Zeughaus usw. begonnen, Arbeiten, welche zumeist in der Beilage zur Allgemeinen Zeitung und in der Wiener Neuen Freien Presse niedergelegt sind.

Eine Reihe von Jahren beschäftigte sie dann das Studium der Miniaturkunst, welchem sie eine beträchtliche gelehrte Arbeit an der Münchener Hof- und Staatsbibliothek und eine Fülle von Literaturauszügen widmete, eine Arbeit, zu welcher sie auch ihre bedeutenden Sprachenkenntnisse hervorragend befähigten. Das Prachtwerk »Kunstvolle Miniaturen und Initialen aus Handschriften des 4.–16. Jahrhunderts mit besonderer Berücksichtigung der in der Hof- und Staatsbibliothek zu München befindlichen Manuskripte; geschichtliche Beiträge von L. v. Kobell«, 1890, ist ein Werk von bleibender Bedeutung, das auch eine 2. Auflage erlebte und durch die goldene Ludwigsmedaille geehrt wurde. Eine überaus reiche Ausstattung in Albertotypie, wie der anziehende, historische Begleittext, dessen Wärme, Faßlichkeit und Übersichtlichkeit wie keine andere Publikation dieses Gegenstandes in den schwierigen und spröden Stoff einführt, machen das Werk in hohem Grade verdienstlich.

Die darauf folgende Arbeit war »Ignaz v. Döllinger« (1891), auch in englischer Übersetzung erschienen; in den wichtigsten Teilen dadurch von hoher Bedeutung, daß die Verfasserin durch 12 Jahre hindurch, an der Seite ihres Gatten den gelehrten Stiftspropst auf den allwöchentlichen Spaziergängen im Englischen Garten geleitend, Gelegenheit gefunden hatte, die Urteile des greisen Forschers über historische und zeitgenössische Fragen in ihrem Gedächtnis aufzuspeichern.

Der Verkehr mit Döllinger kam zum Teil auch dem nächsten größeren Werke L. v. K.s zu statten, das »Unter vier Königen« betitelt, 1894 in zwei Bänden erschien, unter den Memoiren der Neuzeit eine nicht geringe Rolle spielt und selbst für die bereits fernerliegende Zeit der Epoche König Max’ I. und Ludwigs I. (Philhellenismus und 1848er Revolution) manchen beachtenswerten Beitrag lieferte. In rascher Folge gingen diesem Hauptwerke kleinere Arbeiten zur Seite, wie König Ludwig II. und Bismarck, König Ludwig II. und die Kunst, die Königsschlösser, namentlich aber die schöne Erzählung »Marie Alphonse« (1894) und »Münchener Porträts, nach dem Leben gezeichnet«, und zuletzt ein feinsinniger Essay »Farben und Feste«.

Die tätige Frau verabsäumte bei dieser umfänglichen Produktion ihre häuslichen Pflichten keineswegs. Den ihr Näherstehenden bleibt es in rührender Erinnerung, wie sie ihren nervenkranken Gatten pflegte und durch die Straßen Münchens geleitete. Auf die Freude, ihre Tochter Helene 1882 an den bekannten Mineralogen und Geologen Dr. Konrad Oebbeke, Prof. am Münchener Polytechnikum, vermählt zu sehen, folgte 1895 der herbe Schmerz, ihrem einzigen Sohn Heinrich, als dieser bereits seine ärztliche Praxis eröffnet hatte, ins Grab zu sehen. Jetzt bot ihr die schriftstellerische Tätigkeit hauptsächlich Trost und Zerstreuung. Reisebeschreibungen und zehn ihrer Enkelin Emma Oebbeke gewidmete Jugenderzählungen füllten ihre Zeit, und noch am Tage vor ihrem Tode erschien in den »Münchener Neuesten Nachrichten« eine kleine Weihnachtsgeschichte: »Der alte Plunder«.

Am 27. Dezember 1901 erlosch ihr ebenso rühriges wie erfolgreiches Leben.

F. v. Reber.

F. v. Reber: Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog. Berlin, 1904.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Eisenhart Luise, von, geb. von Kobell, 1828 (München) – 1901, Schriftstellerin; die Tochter des Mineralogen und Dialektdichters F. von Kobell war schon in ihrer Kindheit in den Münchner Gelehrten- und Künstlerkreisen verkehrt und im Gefolge König Ottos mit ihrem Vater nach Griechenland gelangt; sie war mit dem Staatsrat und Juristen August von Eisenhart verheiratet und widmete sich erst in späteren Jahren der schriftstellerischen Tätigkeit; ihre Arbeiten sind vorwiegend Memoiren und ihrem Vater, ihrem väterlichen Freund I. von Döllinger und anderen Freunden gewidmet.

Hauptwerke: Biographien von Fr. von Kobell und I. von Döllinger, Münchner Porträts nach dem Leben gezeichnet, Unter den vier ersten Königen Bayerns, 4 Bde.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#11 – 12 – 23 (Heinel · Westreicher)


Ruhestätte
der Familie
Westreicher.

Rückseite
Höllriegel. 11.12.23.


  • Heinel, Johann Philipp; 21.10.1800 (Bayreuth) – 29.7.1843 (München); Musikers-Sohn / Landschaftsmaler und Genremaler
  • Westreicher, Alois; – (13).1.1874 (München), 2 Jahre alt
  • Westreicher, Alois; – (14).3.1907 (München), 60 Jahre alt; Rentier
  • Westreicher, Alois; – 2.6.1858 (München), 66 Jahre alt; Tändler
  • Westreicher, Hugo; – (11).3.1874 (München), 1 Jahr alt; Tändlers-Sohn
  • Westreicher, Maria (vw) / Kern (gb); – 19.6.1879 (München), 67 Jahre alt; Tändlers-Witwe

Grab der Familien Heinel · Westreicher auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2017)

#Johann Philipp Heinel

* 21.10.1800 (Bayreuth)
† 29.7.1843 (München)
Musikers-Sohn / Landschaftsmaler, Genremaler und Radierer

#Artistisches München im Jahre 1835 (1836)

Heinel, Joh. Philipp, geb. zu Bayreuth den 21. Oktober 1800. Nach dem Wunsche seines Vaters, eines Musikus, entschloß er sich, in seinem 14. Jahre in Nürnberg die Handlung zu erlernen. Der Mißgriff wurde ihm aber erst recht fühlbar, da durch Bekanntschaft mit mehrern Nürnberger Künstlern die auch als Kind schon geübte Zeichen- und Malerkunst ihn allmälig so für sie einnahm, daß der feste Entschluß in ihm reifte, sich gänzlich von der Handlung loszusagen, und Maler zu werden. Dieses geschah in seinem 19ten Jahre, nachdem er durch den Tod seines Vaters der Sorge überhoben wurde, diesen durch seinen Entschluß zu kränken. Von seinen Verwandten zum Theil unterstützt, besuchte er nun kurze Zeit die Nürnberger Zeichnungsschule, und suchte sich durch Dosenmalen und kleine Porträts in Oel nebenbei etwas zu verdienen. 1820 ging er nach München, wo er von Sr. Majestät dem Könige Maximilian ein Stipendium erhielt, und nun die Akademie fleißig besuchte, mehrere historische Gemälde ausführte, und häufig Porträte malte. Mehrere Reisen in die Tiroler-Gebirge machten ihm auch Lust, sich in der Genre- und Landschafts-Malerei zu versuchen, und seit 1826 beschäftigt er sich fast ausschließlich mit diesen Gattungen.

Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Mechaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.

#Die Deutschen Maler-Radirer (1872)

PHILIPP HEINEL.

Ueber die Lebensverhältnisse dieses tüchtigen Künstlers lassen wir zunächst eine authentische Quelle, den Rechenschaftsbericht des Münchener Kunstvereins reden: »Johann Philipp Heinel wurde den 21. October 1800 zu Bayreuth geboren. Sein Vater, Stadt- und Kammermusikus in Bayreuth, hatte ihn zur Handlung bestimmt und ihn deshalb in seinem 14ten Lebensjahre nach Nürnberg gesendet. Philipp Heinel, schon als Kind grosse Liebe zur Kunst und Musik zeigend, wollte nun zwar dem Willen des Vaters nicht widerstreben, suchte jedoch jede geschäftsfreie Stunde zur Befriedigung seiner Lieblingsneigung, des Zeichnens zu benutzen, und als sein Vater im Jahre 1818 starb, verliess er die Handlung und widmete sich ganz der Kunst.

Im Jahre 1820 begab er sich nach München, besuchte die Akademie bis zum Jahre 1826 und malte hier unter der Leitung des Herrn Professor Langer sein erstes historisches Bild (Ossian und Malvina). Auf der Akademie, zunächst für das Fach der Historienmalerei sich heranbildend, in welchem Fache Heinel ausser dem eben angeführten auch mehrere andere gelungene Gemälde lieferte, sah er sich wegen Unzulänglichkeit seiner Erwerbsmittel genöthigt dieses Fach zu verlassen, und sich einige Zeit durch Porträtmalen seinen Lebensunterhalt zu erwerben. Später widmete er sich dem Genre. Scenen aus dem Leben unseres Gebirgsvolkes waren meistens Gegenstand seiner Gemälde. Richtige Zeichnung und eine in der Malerei bis in alle Details fleissige Ausführung erwarben seinen Gemälden vielen Beifall. In den letzten Jahren malte er auch Landschaften, denen er durch Staffage ein erhöhtes Interesse zu geben wusste. Hiervon zeugt u. a. ganz vorzüglich das Gemälde, einen Gebirgssee auf welchem Jäger in einem Kahne von der Jagd zurückkehren, darstellend, welches von Künstlern und Kunstfreunden als eines seiner gelungensten Gemälde bezeichnet, und vom Kunstvereine zur vorjährigen Verloosung angekauft wurde.

J. Phi. Heinel verehelichte sich am 14. October 1832 mit der Tochter des königl. Advokaten Seiffert in Bayreuth und liess sich hierauf in München häuslich nieder. Seine Frau gebar ihm sechs Kinder, wovon noch fünf am Leben sind. Im Juni 1842 bekam Heinel einen Anfall von Bluthusten. Von dieser Zeit an kränkelte er das Jahr hindurch, – neue heftige Anfälle warfen ihn im Jahre 1843 auf das Krankenlager. Nach 4 Monaten schweren Leidens gab er am 29. Juli 1843 in den Armen seiner Gattin seinen Geist auf.«

Heinel war ein begabter und tüchtiger Künstler, seine Bilder fanden auf den öffentlichen Ausstellungen verdiente Aufmerksamkeit und von der Kritik lobende Anerkennung, zu beklagen ist, dass der Tod ihn mitten aus seinem Schaffen im Blütenalter des Mannes hinwegriss. Seine historischen Bilder, mit welchen er seine künstlerische Laufbahn begann, sind seine schwächeren Leistungen, das Feld des volkstümlichen Genre und der Landschaft, zu welchem er später überging, sagte seinem Talente besser zu und wurde mit Glück von ihm bebaut. Tirol und Oberbayern mit ihrer grossartigeu Gebirgsnatur und ihrem frischen poetischen Volksleben gaben ihm die Stoffe zu seinen Bildern, auch Franken, wo er sich in den dreissiger Jahren vorübergehend in Nürnberg und Bayreuth aufhielt, bot ihm reiche Ausbeute für seine Studien. Charakteristische Auffassung, richtige Zeichnung, schlichte Natürlichkeit und ungemein sorgfältige Ausführung erwarben seinen Bildern vielen Beifall, damit verband er eine reine durchsichtige Färbung, die namentlich seinen Landschaften eigen ist »Mit poetischem Sinn erfasst«, heisst es von letzteren, »von heiterem Charakter, Ruhe athmend, oft reizend durch die Schönheit der Formen und frappanten Lichteffecte, zählen sie unter die besseren Leistungen der neueren deutschen Kunst.«

Wir versuchen eine chronologisch geordnete Aufzählung seiner uns bekannt gewordenen Bilder zu geben, nach den Jahren, in welchen sie auf den deutscheu Kunstausstellungen ausgestellt waren.

1823.
Der zürnende Achill. Act.

1826.
Ossian und Malvina.

1829.
Gruppe von oberbayerischen Landmädchen.

1830.
Landschaft mit hohen Gebirgen nach vorübergezogenem Sturm, im Vorgrund ein reissender Bach, der einen Steg zerstört hat.

1832.
Tiroler Landschaft.

1834.
Besuch eines Geistlichen bei einem Bauer.
Landschaft am Starnberger See.
Der Watzmann.
Scene vor einer Sennhütte in Tirol.
Ein Wildschütze auf den ihn verfolgenden Jäger und Gensdarm lauernd.
Gebirgshöhen mit Gemsen.

1835.
Tiroler Familie vor ihrem Hause.
Sennhütte mit einem jungen Tiroler bei seiner Geliebten. Die Braut. Junges Mädchen in einer ländlichen Wohnstube mit Anordnung ihres Brautschmuckes beschäftigt, eine Freundin setzt ihr den Kranz auf, während sie sich selbst im Spiegel betrachtet. »Dieses treffliche Bild«, heisst es, »voll Wahrheit, Geist und Leben, gefällig als Sujet, wohlberechnet in Vertheilung des einfallenden Lichts und der häuslichen Anordnung, von zarter meisterhafter Ausführung, beurkundet das schöne Streben des Künstlers, den besten Niederländern gleich zu kommen.«
Familienscene. Eine Mutter, am Fenster sitzend, giebt ihrem Kind zu essen, während ein älteres Mädchen das Brüderchen in der Wiege schaukelt. Die Grossmutter am Ofen spinnt.
Ein die Cither spielendes Mädchen.
Felsige Landschaft mit rauschendem Gebirgswasser, im Vorgrund macht eine Tiroler Caravane Halt. »Von schöner Haltung, verbunden mit einem lieblichen Farbenton der Ferne und mit sicherem Pinsel vorgetragen.«
Oberbayerischer Gebirgssee, von Felsenmassen eingeschlossen, ein Landmädchen kniet betend in einem Kahn. »Die schweigende ernste Natur, der mit diesem Ernst glücklich harmonirende Farbenton, die ebenso übereinstimmende Staffage bewirken, dass dieses Bild auf ungesuchte Weise anspricht.«
Der Schneeferner.

1836.
Der Dudelsackpfeifer vor dem Bierkeller (v. Heinel radirt).

1837.
Gebirgslandschaft mit See im Vorgrund.
Ein Tiroler spielt einem Mädchen auf der Maultrommel vor.
Zwei Mädchen aus dem bayerischen Hochgebirge bei einander sitzend, das eine strickt, das andere steckt ein Blümchen auf seinen Hut

1838.
Die Anbetung der Hirten.

1840.
Die Schäferin.

Heinel's Radirungen, in seinen späteren Jahren entstanden, sind nicht zahlreich. Mit sicherer Nadel, mit Fleiss und Liebe behandelt, ja fast zu fleissig für einen Maler, zugleich wahr und getreu in der Auffassung, gehören sie zu den sorgfältigeren Erzeugnissen der neueren deutschen Radirnadel und verdienen Beachtung.

Dr. phil. Andreas Andresen: Die Deutschen Maler-Radirer (Peintres-Graveurs) des neunzehnten Jahrhunderts, nach ihren Leben und Werken. Leipzig, 1872.

#Allgemeine Deutsche Biographie (1880)

Heinel: Johann Philipp H., Maler, geboren den 21. October 1800 zu Bayreuth, wurde, 14 Jahre alt, die Handlung zu erlernen, nach Nürnberg gesendet, ging aber, da sein auffallendes Talent frühe hervortrat, schon 1818 zur Kunst über und 1820 nach München, wo er unter Langer sein erstes Bild (»Ossian und Malvina«) malte. Wegen Unzulänglichkeit seiner Mittel verließ er das historische Fach und wendete sich dem Porträt und Genre zu, in welch' letzterem er mit Scenen aus dem bairischen Gebirgsleben, auch mit ähnlich staffirten Landschaften sehr glücklich war. Zu Heinel's besten Bildern gehört die »Braut« (1835), eine »Familienscene«, ein »Dudelsackpfeifer« (radirt 1835, als Oelbild 1836), »Zwei Almerinnen« (1837), eine »Anbetung der Hirten« (1838). In Radirung versuchte er sich mit sieben Blättern, auch lithographirte H. einen Cyclus Ansichten aus der fränkischen Schweiz (Bayreuth 1839 bei Höreth). Leider erlag der talentvolle Künstler schon am 29. Juli 1843 einem Brustleiden.

Vgl. Kunstblatt, Stuttg. 1836, Nr. 87. Nagler, 1838, VI. Bd. S. 63. Raczynski, Gesch. der neueren Kunst, 1840, II. 367. Der Nekrolog auf H. im Bericht des Münchener Kunstvereins für 1843, S. 95, ging über in Andresen, 1860, I. 164–76, wo die Chronologie seiner Bilder, Radirungen und Stiche verzeichnet steht. Seubert, 1879, II. 195. H. Holland.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1880.

#11 – 12 – 36 (Heitz · Übelacker)


Familien-Grabstätte.

Hier ruhet in Gott
Herr Joseph Übelacker,
Registrator b. d. Gen. Dir. d. Verkehrs Anst.
gest. 26. Januar 1892 im 76. Lebensjahre
Ihm folgte seine Gattin
Magdalena Übelacker, geb. Baumann
gest. 23. Aug. 1902 im 86. Lebensjahre.
Ihnen folgte ihr Schwiegersohn
Herr Dr. Wilhelm Heitz, prakt. Arzt,
Ritter hoher Orden,
gest. 18. Mai 1914 im 72. Lebensjahre.

R. I. P.

Linke Seite
A. Aufleger.


  • Heitz, Wilhelm, Dr. med.; – 18.5.1914; Praktischer Arzt
  • Übelacker, Josef; – 26.1.1892
  • Übelacker, Magdalena (vw) / Baumann (gb); – 23.8.1902

Grab der Familien Heitz · Übelacker auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)
Grab der Familien Heitz · Übelacker auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2011)

#11 – 12 – 44 (Posselt)


Familie
POSSELT.


  • Posselt, Karl, Prof. Dr. med.; 8.9.1837 (Gunzenhausen) – 4.12.1916 (München); Arzt

Grab der Familie Posselt auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#11 – 12 – 46 (Hindringer · Maier)


Hier ruht in Gott
Herr
Franz Paul Hindringer
Bräumeister
geboren den 28. Jänner 1827.
gestorb. den 23. Dezemb. 1884.
Ihm ging voran
unser innigstgeliebtes Kind
Anna
im Alter von vier Jahren.

Sockel
Ihnen folgte die Gattin u. Mutter
Frau Magdalena Hindringer
geb. den 2. Juni 1835, gest. den 23. April 1915.
Frau Magdalena Maier
Oberregierungsratsgattin
geb. den 28. Mai 1869. gest. den 31. Dez. 1939.

Linke Seite
Kosenbach


  • Hindringer, Anna; 4 Jahre alt; Braumeisters-Tochter
  • Hindringer, Magdalena (vw) / Bader (gb); 2.6.1835 – 23.4.1915; Braumeisters-Witwe
  • Hindringer, Paul; 28.1.1827 – 23.12.1884 (München); Braumeister
  • Maier, Magdalena (vh); 28.5.1869 – 31.12.1939; Oberregierungsrats-Gattin

Grab der Familien Hindringer · Maier auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

#11 – 12 – 47 (Baumgartner)


Grab der Familie Baumgartner auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

#11 – 12 – 48 (n. n.)


(Februar 2021)

#11 – 12 – 50 (Zottmayr)


Zottmayr’sche
Familien-Grabstätte.

Hier ruhet in Gott
unser unvergesslicher, theurer Gatte und Vater
Herr Anton Zottmayr,
Gastwirth dahier,
geb. den 10. April 1847, gest. den 30. November 1889.
Frau Ursula Zottmayr
Privatiere,
geb. den 9. April 1842 zu Buchendorf,
gest. den 25. September 1933.

Ruhet sanft in Frieden!

Sockel
Ihnen folgte ihr Enkel u. Neffe, mein theurer guter Sohn
Herr J. Baptist Zottmayr, Drechsler,
geb. den 13. Dezember 1866, gest. den 18. Juli 1891.

11.13. Rinaldi.

Linke Seite
Die Inschrift ist nicht erhalten

Rechte Seite
Hier ruht
Maria Zottmayr,
geb. Schäffer,
Bierwirths-Gattin,
gest. 15. Feb. 1851 im 3¿. Jahre.
Ihr folgte
Theresia Zottmayr,
geb. Hauser,
Bierwirths-Gattin,
gest. 14. Okt. 1854 im 34. Jahre
Ihnen folgte ihr Gatte
unser unvergesslicher
theurer Vater
Herr
Rudolf Zottmayr,
bgl. Bierwirth
gest. 9. Sept. 1862, im 44. Jahre


  • Zottmayr, Anton; 10.4.1847 – 30.11.1889; Gastwirt
  • Zottmayr, J. Baptist; 13.12.1866 – 18.7.1891; Drechsler
  • Zottmayr, Maria (vh) / Schäffer (gb); – 15.2.1851; Bierwirts-Gattin
  • Zottmayr, Rudolf; – 9.9.1862; Bierwirt
  • Zottmayr, Theresia (vh) / Hauser (gb); – 1854
  • Zottmayr, Ursula (vh); 9.4.1842 (Buchendorf) – 25.9.1933

Grab der Familie Zottmayr auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2020)

#11 – 12 – 51·52 (Birron · Gailhofer · Greiner · Niederwieser · Siegle)


Hier ruht in Gott
unser innigstgeliebter, unvergesslicher
Gatte und Vater,
Herr Franz Niederwieser,
k. Kommerzienrat
geb. 29. Jan. 1853, gest. 10. Febr. 1918.
Unsere innigstgeliebte Mutter
Tochter u. Schwester
Frau Annie Birron
geb. Niederwieser
geb. 31. Jan. 1891. gest. 19. Aug. 1942

Linke Seite
Herr
Gustav Gailhofer
Privatier,
geb. 29. Jan. 1825, gest. 6. Febr. 1886.
Elise Gailhofer
geb. 15. Octbr. gest. 16. Octbr. 1884.
Herr Gustav Gailhofer
Kaufmann,
geb. 19. März 1855 gest. 30. Aug. 1891.
Frau Elise Gailhofer
verw. Niederwieser
geborne Baur,
geb. 25. Aug. 1830. gest. 30. Sept. 1896.

Rechte Seite
Frau
Rosa Niederwieser
geborne Kittel,
geb. 15. Jan. 1845, gest. 7. Febr. 1885
Elise Niederwieser
geb. 28. Sept. 1880. gest. 25. Mai 1881.
Elsa Greiner
Lehrerstöchterchen,
geb. 8. Nov. 1888. gest. 23. Febr. 1891.
Frl. Olivia Siegle
geb. 16. März 1836. gest. 18. Jan. 1907.

Sockel
Grabstätte der Familien
Niederwieser-Gailhofer.

Rückseite
Grabstätte
der Familien
Niederwieser,
Gailhofer.


  • Birron, Annie (vh) / Niederwieser (gb); 31.1.1891 – 19.8.1942
  • Gailhofer, Elise; 15.10.1884 – 16.10.1884
  • Gailhofer, Elise (vh) / Niederwieser (vw) / Baur (gb); 25.8.1830 – 30.9.1896
  • Gailhofer, Gustav; 29.1.1825 – 6.2.1886; Privatier
  • Gailhofer, Gustav; 19.3.1855 – 30.8.1891; Kaufmann
  • Greiner, Elsa; 8.11.1888 – 23.2.1891; Lehrers-Tochter
  • Niederwieser, Elise; 28.9.1880 – 25.5.1881
  • Niederwieser, Franz; 29.1.1853 – 10.2.1918; Kommerzienrat
  • Niederwieser, Rosa (vh) / Kittel (gb); 15.1.1845 – 7.2.1885
  • Siegle, Olivia; 16.3.1836 – 18.1.1907

Grab der Familien Birron · Gailhofer · Greiner · Niederwieser · Siegle auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

#11 – 12 – 53 (Liebherr)


Zum
ANDENKEN
der
GATTIN u. MUTTER
MARIA KLARA
LIEBHERR
geborne
SEYWALD
1781 3/2 1828 23/9
JOSEPH LIEBHERR
* 1767 † 1840

LIEBHERRSCHE
GRABSTATT


  • Liebherr, Josef; 30.12.1767 (Immenstadt/Allgäu) – 8.10.1840 (München); Mechaniker
  • Liebherr, Maria Klara (vh) / Seywald (gb); 1781 – 22.9.1828 (München); Mechanik-Lehrers-Gattin

Grab der Familie Liebherr auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2008)

Grab der Familie Liebherr auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

Grab der Familie Liebherr auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

#Josef Liebherr

* 30.12.1767 (Immenstadt/Allgäu)
† 8.10.1840 (München)
Mechaniker

#Neuer Nekrolog der Deutschen (1842)

Joseph Liebherr,
Professor der Mechanik an der polytechnischen Schule zu München;
geb. den 31. Dec. 1767, gest. den 8. Okt. 1840.

Dieser ausgezeichnete Künstler in der Mechanik erhielt als Knabe Unterricht im Geschäfte seines Vaters, eines Uhrmachers zu Immenstadt im Allgau in Schwaben und seine weitere Ausbildung zu Konstanz und München.

An letzterm Orte, wo er selbst eine Werkstätte aufschlug, lernte der hochverdiente Astronom und Akademiker Professor Ulrich Schiegg (Exbenediktiner von Ottobeuern, ehemals Professor der Physik und Mathematik zu Salzburg, nach der Säkularisation seines Klosters in obiger Eigenschaft nach München berufen, wo er i. J. 1808 auch als Steuerrath bei der Steuerkatasterkommission angestellt wurde, geb. zu Wiesenstieg den 3. Mai 1752, gest. zu München den 4. Mai 1810.) seine ausnehmende Geschicklichkeit zu Verfertigung mathematischer und astronomischer Instrumente kennen und brachte ihn mit dem großen Mechaniker, damaligen Artilleriehauptmann Georg von Reichenbach (Geboren zu Mannheim 1772, gestorben zu München 1826.) und dem verdienstvollen geheimen Rathe von Utzschneider in Verbindung.

Im J. 1804 gründete letzterer das berühmte mathematisch-mechanische Institut unter der Firma: »Reichenbach, Utzschneider und Liebherr.« Welche große Leistungen, besonders in Ausführung aller zu den astronomischen und geodätischen Operationen nöthigen Werkzeuge aus diesem Institute hervorgingen, ist allgemein bekannt. L. hat daran ehrenvollen Antheil. Die Einrichtung des von ihm erfundenen Räderschneidzeuges förderte die in der unübertrefflichen Theilmaschine verwirklichte Idee der neuen Kreistheilungsmethode. Die erste kleinere Theilungsmaschme wurde von ihm und Reichenbach gemeinschaftlich gefertigt und blieb auch in seinem Besitze. Viele Erfindungen und Verbesserungen an Meßinstrumenten kamen von ihm her: auch für die Ausführung der Verbindung parallaktischer Aufstellung mit einem Uhrwerke zu größeren Refraktoren hat L. wichtige Winke gegeben. Viele angehende Mechaniker erhielten von ihm ihre Ausbildung.

Im Jahre 1813 fand er sich bewogen, aus der Anstalt, in welcher er so nützlich gewirkt hatte, zu scheiden. Er betrieb sodann vorerst eine eigene Werkstätte; als aber im J. 1814 Reichenbach sich von Utzschneider trennte und seine eigene Werkstätte für sich allein fortführte, trat L. mit Utzschneider und Werner eine Zeit lang wieder in Verbindung. Nachdem er noch die Aufstellung des großen Refraktors für Dorpat ausgeführt hatte, verließ er im J. 1823 München ganz und zog nach Kempten, wo er sich Schriftgießerei zum Geschäfte machte. Nach Errichtung der polytechnischen Schule zu München bewirkte der thätige geheime Rath von Utzschneider im Jahre 1828 die Berufung L.’s an dieselbe für die Professur der Mechanik. In dieser Stelle, in welcher er seine Thätigkeit sogleich mit Verfertigung von Modellen und physikalischen Instrumenten für den Gebrauch der Schule begann, wirkte er bis an sein Lebensende.

Er war mehrere Jahre Ausschußmitglied des polytechnischen Vereins zu München und wurde auch bei der letzten Industrieausstellung daselbst in das Comitée berufen. Bescheidenen und wohlwollenden Charakters, gewährte er auch im Alter gern seinen nützlichen Rath. Für seine Buchdruckerpresse erhielt er vom polytechnischen Vereine die goldene Preismedaille. Sein Uhrräderschneidzeug, seine Kniehebelpresse zum Pressen von Oel, Rübenzucker etc., sein Cohäsionsmesser, sein Pantograph, seine Uhrenregulirung, sein Projekt einer Münzjustirmaschine, seine Verbesserung der Theodolithenkonstruktion, seine Bordaische- und Vertikalkreise auf der Sternwarte, sein Universalinstrument mit Repetition für Zenith und Azimuth u. a. m. werden stets ehrenvolle Denkmäler seiner Kunst bleiben.

Er hinterließ 2 Söhne und 4 Töchter aus der zweiten Ehe, die einzige Tochter aus erster Ehe ist gestorben. Auf seine beiden als Künstler ebenfalls ausgezeichnete Schwiegersöhne, Optikus Georg Merz und Mechanikus Joseph Mahler zu München, ist im Jahre 1839 der Besitz des unter der bisherigen Firma fortdauernden berühmten mechanisch-optischen Instituts »Utzschneider und Frauenhofer« übergegangen. Sein Bruder Benedikt, gleichfalls ehemals Uhrmacher, ein talentvoller Mechanikus, hat zu Landshut in Niederbaiern eine ansehnliche Wollspinn- und Tuchmanufaktur.

Der Grundzug im Charakter des Verstorbenen war Genauigkeit, deren innersten Kern aber Wohlwollen bildete und daraus floß eine Offenheit der Rede, die keinen Gegner scheuete, aber alle Prahlerei mied.

Neuer Nekrolog der Deutschen. Weimar, 1842.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Liebherr Josef, 1767 (Immenstadt/Allgäu) – 1840, Mechaniker und Professor; er lernte in München und Konstanz und arbeitete zunächst in seiner Heimat und in München als Uhrmacher, durch einen, ohne besondere Anleitung gefertigten, Sextanten wurde L. mit G. von Reichenbach und J. von Utzschneider bekannt, die unter diesem dreifachen Namen das mathematisch-mechanische Institut in München begründeten; L. erfand ein Räderschneidzeug, das den Anstoß zu Reichenbachs neuer Kreisteilungsmethode gab, beide stellten zusammen die erste Teilungsmaschine her; außerdem machte L. viele Erfindungen und Verbesserungen an Meßinstrumenten; nach Auseinandersetzungen mit seinen Mitarbeitern wurde L. 1828 als Professor an die polytechnische Schule in München berufen, wo er viele Modelle für physikalische Instrumente schuf, eine neue Buchdruckpresse, ein Uhrenräderschneidzeug, eine Kniehebelpresse zum Pressen von Öl, Rübenzucker u. a. erfand; er war ein vielseitig veranlagter Autodidakt.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#11 – 12 – 55 (Kaut)


Grab der Familie Kaut auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

#11 – 12 – 56 (Jann)


Hier ruhen in Gott:
Frau Jacobine Jann,
Majors-Gattin
geb. 27. Dez. 1835 zu Amberg,
gest. 23. Juni 1877 zu Diessen.
Frau Anna Jann,
Majors-Gattin
geb. 21. Aug. 1852 zu Dresden,
gest. ¿. Nov. 1880 zu München.
Herr Anton Jann,
kgl. b. Major a. D.
1829 – 1906

Sockel
Jann’sches Familiengrab.


  • Jann, Anna (vh) / Aster (gb); 21.8.1852 (Dresden) – 17.11.1880 (München); Majors-Gattin
  • Jann, Anton; 1829 – 12.12.1906 (Zweibrücken); Major a. D.
  • Jann, Maria Jakobine (vh) / Geißler (gb); 27.12.1835 (Amberg) – 23.6.1877 (Diessen); Regimentsquartiermeisters-Tochter aus Amberg / Majors-Gattin

Todesanzeige für Jakobine Jann

Todesanzeige für Anna Jann

Danksagung für Anton Jann

Grab der Familie Jann auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

#11 – 12 – 57 (Fels)


Hier ruht
Herr Carl Fels
Oberst a. D.
¿
gest. zu München d. ¿ März ¿
in seinem 58. Lebensjahre.
und seine Gattin
Frau Marie Fels
geb. Kaiser
gest. zu München d. ¿
in ihrem 68. Lebensjahre.


  • Fels, Karl; 2.5.1823 (Ansbach) – 28.3.1881 (München); Oberst a. D.
  • Fels, Marie Johanna (vw) / Kaiser (gb); – (München), 67 Jahre alt; Oberstleutnants-Tochter aus München / Oberst-Witwe

Todesanzeige für Karl Fels

Grab der Familie Fels auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familie Fels auf dem Alten Südfriedhof München (September 2012)

Grab der Familie Fels auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2011)