MAUER RECHTS

#MR – 4 (Eisele · Zwickl)


Hier ruhet in Frieden
unser innigstgeliebter Gatte u. Vater
Herr Andreas Eisele,
Zimmer u. Baumeister,
geboren am 12. Mai 1841,
gestorben am 20. Januar 1897.
Ihm folgte den 6. März 1898 seine Tochter
die treubesorgte Gattin u. Mutter
Frau Anna Zwickl
Hotelbesitzersgattin
im 24. Lebensjahre.
Ihnen folgte unser lieber Sohn, Gatte u. Vater
Herr Josef Eisele,
geboren am 20. Juni 1867,
gestorben am 31. März 1925,
Baumeister.
Ihm folgte seine Mutter
Frau Anna Eisele
Baumeisterswitwe,
geboren am 15. April 1843,
gestorben am 20. September 1929.

Ruhe sanft!

Sockel
Familie Eisele


  • Eisele, Andreas; 12.5.1841 – 20.1.1897 (München); Zimmermeister und Baumeister
  • Eisele, Anna (vw); 15.4.1843 – 20.9.1929; Baumeisters-Witwe
  • Eisele, Josef; 20.6.1867 – 31.3.1925 (München); Baumeister
  • Zwickl, Anna (vh) / Eisele (gb); – 6.3.1898; Hotelbesitzers-Gattin

Todesanzeige für Andreas Eisele

Todesanzeige für Josef Eisele

Grab der Familien Eisele · Zwickl auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#Andreas Eisele

* 12.5.1841
† 20.1.1897
Zimmermeister und Baumeister

#Münchner Neueste Nachrichten (21.1.1897)

Statt jeder besonderen Anzeige.

In Gottes unerforschlichem Rathschlusse war es gelegen, unseren innigstgeliebten, treubesorgten Gatten, Vater, Grossvater, Schwiegervater, Bruder, Schwager und Vetter,

Herrn Andreas Eisele,
Zimmer- und Baumeister,

nach langem, schwerem, mit grosser Geduld ertragenem Leiden heute Nachts halb 1 Uhr zu sich in ein besseres Jenseits abzurufen.

München, Essingen, Stuttgart, Louisville,
den 20. Januar 1897.

Anna Eisele, geborne Kürzinger, Gattin,
Jos. Eisele, Baumeister, Sohn,
Anna Zwickel, geborne Eisele, Tochter,
Max Zwickel, Schwiegersohn.

Die Beerdigung findet Freitag den 22. Januar Nachmittags halb 4 Uhr im südlichen alten Friedhofe statt.

Münchner Neueste Nachrichten No. 31. Donnerstag, den 21. Januar 1897.

#Josef Eisele

* 20.6.1867
† 31.3.1925
Baumeister

#Münchner Neueste Nachrichten (1.4.1925)

STATT KARTEN.

Heute mittag ½2 Uhr verschied nach kurzem aber schwerem Leiden, versehen mit den heiligen Sterbsakramenten, sanft und unerwartet unser innigstgeliebter Gatte, Vater und Sohn

Herr Josef Eisele
Baumeister
im 57. Lebensjahre.

München, Buenos-Aires, Fürstenfeldbruck. 31. März 1925. Hindenburgstr. 21.

Im Namen der tieftrauernd Hinterbliebenen:

Margarete Eisele, Gattin
Anna Eisele, Mutter
nebst drei Kindern.

Die Beerdigung findet statt am Freitag, den 3. April, 11 Uhr vormittags im südlichen Friedhof (Thalkirchnerstr.), der Trauergottesdienst am Samstag 7¼ Uhr zu St. Clemens Neuhausen.

Münchner Neueste Nachrichten Nr. 90. Mittwoch, den 1. April 1925.

#Münchner Neueste Nachrichten (7.4.1925)

Für die innigen Beweise herzlicher Theilnahme und Freundschaft sowie für die herrlichen Blumenspenden anläßlich des Heimganges meines geliebten Mannes unseres treubesorgten Vaters und guten Sohnes des

Herrn Baumeisters
Josef Eisele

sagen wir allen unseren tiefgefühlten Dank. Ganz besonders danken wir noch Herrn Pfarrer von St. Clemens für die trostreichen Worte am Grabe und unseren geehrten Hausinwohnern für die reiche Beteiligung bei der Beerdigung.

Margarete Eisele, Witwe
mit ihren 3 Kindern
Anna Eisele, Mutter.

Münchner Neueste Nachrichten Nr. 96. Dienstag, den 7. April 1925.

#MR – 8 (Fleckinger)


Familie von Fleckinger.

Alois von Fleckinger
geb. 9. März 1787. gest. 15. Juni 1851.
Antonie von Fleckinger
geb. von Maillinger,
geb. 13. Aug. 1797, gest. 13. April 1869.
Therese von Fleckinger
geb. 8. Jan. 1831. gest. 3. Aug. 1840.
Elise von Fleckinger
geb. 17. März 1814. gest. 16. Mai 1881.
Sophie von Fleckinger
geb. 11. Nov. 1817. gest. 6. März 1899.
Franz von Fleckinger
geb. 14. Sept. 1826. gest. 14. Okt. 1900.
Therese von Fleckinger
geb. Cannepa,
geb. 1. Okt. 1830. gest. 24. Nov. 1868.

R. I. P.

Sockel
Veit Fleckinger, geb. 1743, gest. 27. März 1803.
Therese Fleckinger, geb. 1749, gest. 18. April 1813.
Vitus Fleckinger, geb. 1786, gest. 1. Novbr. 1819.
Simon Fleckinger, geb. 1802, gest. 3. Febr. 1876.

J. Lallinger.


  • Fleckinger, Alois von; 9.3.1787 – 15.6.1851 (München); Privatier
  • Fleckinger, Antonie von (vh) / Maillinger (gb); 13.8.1797 – 13.3.1869 (München); Privatiers-Witwe
  • Fleckinger, Elise von; 17.3.1814 – 16.5.1881 (München); Privatiere
  • Fleckinger, Franz von; 14.9.1826 – 14.10.1900 (St. Petersburg); Direktor der Aktienbrauerei »Bavaria« in St. Petersburg
  • Fleckinger, Simon; 1802 – 3.2.1876 (München); Privatier
  • Fleckinger, Sofie von; 11.11.1817 – 6.3.1899
  • Fleckinger, Therese; 1749 – 18.4.1813
  • Fleckinger, Therese von; 8.1.1831 – 3.8.1840 (München); Privatiers-Tochter
  • Fleckinger, Therese von (vh) / Cannepa (gb); 1.10.1830 – 24.11.1868
  • Fleckinger, Veit; 1743 – 27.3.1803
  • Fleckinger, Vitus; 1786 – 1.11.1819

Todesanzeige für Simon Fleckinger

Todesanzeige für Elise von Fleckinger

Todesanzeige für Franz von Fleckinger

Todesanzeige für Franz von Fleckinger

Grab der Familie Fleckinger auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

#MR – 15·16 (Albert)


ALBERT’SCHE FAMILIEN GRABSTAETTE

UNSERN WÜRDIGEN GROSSELTERN, FRANZ ALBERT
ÄUSERL. STADTRATH GEST. D. 4. NOV. 1789.
MARIA ANNA ALBERT, GEB. LECHNER, GEST. D. 5. APRIL 1782.
UNSERM THAETIGEN VATER KARL ALBERT GEST. D. 24. MÄRZ 1806.
UNSERER RASTLOSEN MUTTER MARIA ANNA ALBERT
GEB. DUSCHEL, GEST. D. 8. MÄRZ 1823
DANN UNSERN VORANGEGANGENEN BRÜDERN
KARL GEST. 1817, FRANZ GEST. 1825,
WIDMET DIESES DENKMAL DE¿ KINDES UND BRÜDER LIEBE
MAX UND JOSEPH ALBERT.
DIESEN UNVERGESSLICHEN HINGESCHIEDENEN FOLGTE IN DER BLÜTHE
IHRES LEBENS NACH AM 13. JULY 1833.
FRAU ANNA ALBERT GEB. VON ZWACK
K. BAUCONDUCTEURS GATTIN GEB. D. ¿DEZ 1798.
MAX ALBERT, GASTGEBER, GEB. 1795 U. GEST. D. 24. DEZ. 1843.
AUGUSTE ALBERT GEB DEN 22. APRIL 1831, GEST. D. 8. JUNI 1845.
ELISE ALBERT, GEBORENE DEURINGER
GASTGEBERSWITTWE, GEB. DEN 27. JAENNER 1805, GEST. DEN 1. MÄRZ 1846.
JOSEPH ALBERT, K. KREISINGENIEUR, A.D.
GEB. D. 28. MAERZ 1798, GEST. D. 31. OKTOB. 187¿.
EUGEN ALBERT
MAJOR IM TOPOGRAPHISCHEN BUREAU DES KGL. BAYERISCHEN GENERALSTABS
GEBOREN DEN 13. JULI 1831, GESTORBEN DEN 27. JULI 1889
IHM FOLGTE SEINE SCHWESTER
FRÄULEIN MARGARETHE ALBERT, KREISINGENIEURSTOCHTER & ST. ANNA STIFTSDAME
GEBOREN DEN 9. OKTOBER 1827, GESTORBEN DEN 28. NOVEMBER 1907.
CARL ALBERT
GEB. ¿ JUNI 1889. † ALS OBERLEUTNANT 8. FEB
INH. E.K. I/II U.B.M.V.O.
DR. EUGEN ALBERT CHEMIKER U. ERFINDER
GEB. 26. MAI 1856. GEST. 22. JUNI 1929.
FRITZ ALBERT CHEMIKER GEB. 11. FEBR. 1888 GEST. 17. MAI 1938
INH. EK. I/I. U.B.M.V.O.

Vorgelagerte Stele mit Porträt-Büste
Stelen-Inschrift
JOS. ALBERT

5. Mai 1886.


  • Albert, Anna (vh) / Zwack, von (gb); ¿.12.1798 – 13.7.1833 (München); Baukondukteurs-Gattin
  • Albert, Auguste; 22.4.1831 – 8.6.1845 (München); Gastgebers-Tochter
  • Albert, Elise (vw) / Deuringer (gb); 27.1.1805 – 1.3.1846; Gastgebers-Witwe
  • Albert, Eugen; 13.7.1831 – 27.7.1889 (München); Major, Vorstand der photographischen Abteilung des topographischen Labors im Generalstab
  • Albert, Eugen, Dr. phil.; 26.5.1856 (Augsburg) – 22.6.1929 (München); Chemiker
  • Albert, Franz; – 1825
  • Albert, Franz Josef; 1728 (München) – 4.11.1789 (München); Gasthofbesitzer
  • Albert, Fritz; 11.2.1888 – 17.5.1938; Chemiker
  • Albert, Josef; 28.3.1798 – 31.10.1877; Kreisingenieur a. D.
  • Albert, Josef; 5.3.1825 (München) – 5.5.1886 (München); Photograph
  • Albert, Karl; – 1817
  • Albert, Karl; – 24.3.1806
  • Albert, Karl; ¿.6.1889 – 8.2.¿; Oberleutnant
  • Albert, Margarethe; 9.10.1827 – 28.11.1907; St. Anna Stiftsdame
  • Albert, Maria Anna (vh) / Duschel (gb); – 8.3.1823
  • Albert, Maria Anna (vh) / Lechner (gb); – 5.4.1782
  • Albert, Maximilian; 1795 – 24.12.1843; Gastgeber

Todesanzeige für Maximilan Albert

Grab der Familie Albert auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2013)

Grab der Familie Albert auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

Grab der Familie Albert auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2009)

Grab der Familie Albert auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2013)

Grab der Familie Albert auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2009)

Grab der Familie Albert auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2013)

#Dr. phil. Eugen Albert

* 26.5.1856 (Augsburg)
† 22.6.1929 (München)
Chemiker und Kunstanstaltsbesitzer

#AZ am Abend (24.6.1929)

Ein bekannter Erfinder gestorben

Ein hervorragender Fachmann und Erfinder auf dem Gebiete der photomechanischen Reproduktionstechnik, Dr. Eugen Albert, ist im Alter von 78 Jahren nach längerer Krankheit in München gestorben. Der Verstorbene war der Gründer der »Münchener Kunst- und Verlagsanstalt Dr. E. Albert & Co.« Ende der achtziger Jahre gelang Dr. Albert das Problem, die Autotypie für den Drei- und Vierfarbendruck verwendbar zu machen durch das sogenannte Dreiwinkelpatent. Weitere Erfindungen schlossen sich an.

AZ am Abend Nr. 144. München; Montag, den 24. Juni 1929.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Albert Eugen, Dr. phil., 1856 (Augsburg) – 1929, Chemiker und Kunstanstaltsbesitzer; er verlegte sich wie sein Vater Josef A., dessen Schüler er war, besonders auf das Gebiet der Photographie und des Drucks und begründete 1882 die nach ihm benannte Kunst- und Verlagsanstalt München-Schwabing (seit 1901 mit einer Zweigniederlassung in Berlin); A. vervollkommnete die Heliogravüren (= Kupferlichtdruck) und erfand ein Reliefklischee, das in Höhen und Tiefen den Tonarten des Druckbildes entspricht, sowie die Kollodiumemulsion, das »Albertogalvano« und die Citochromie; seine isochromatische Photographie bildet die Grundlage des Dreifarben(= Raster-)drucks.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#Franz Josef Albert

* 1728 (München)
† 4.11.1789 (München)
Gasthofbesitzer

#Das Bayerland (1898)

2. Franz Albert, Bürger und Stadtrat. Wann derselbe geboren wurde, ist nicht genau bekannt; jedenfalls aber in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts zu München, wo sein Vater seßhafter Bürger war. Als Besitzer des Gasthofes »zum goldenen Hahn« (der jetzigen Gendarmeriekaserne Haus-Nr. 12 an der Weinstraße) beteiligte sich Albert an gemeinnützigen Unternehmungen jeder Art.

So errichtete er u. a. eine deutsche Schule außerhalb der Stadt München, war Stifter der »Mildthätigen Gesellschaft« und des »Armenkinderhauses« zu Allach, förderte das Unternehmen des Militär-Akademie-Professors Franz Xaver Kefer, dessen Büste wir auch unter den Arkaden finden, die Feiertagsschule, durch namhafte Zuwendungen, kultivierte den nordwestlich vor der Stadt gelegenen öden Platz, Rennweg genannt, machte sich um die Hebung der Seidenzucht sehr verdient u. a. m.; kurz, er war rastlos in Förderung aller, seiner Vaterstadt nützlichen Anstalten bemüht.

Der Bürger beschloß am 4. November 1789 sein thätiges Leben. Seine Gebeine ruhen im südlichen Friedhof, Mauer rechts, Grabplätze 15, 16. Joseph Albert, Hofphotograph, gest. 5. Mai 1886 und dessen noch lebender Sohn Dr. Eugen Albert sind Nachkommen des Franz Albert, Beide um die Photographie sehr verdient.

Joseph Albert war der Erfinder der Photolithographie, die man nach ihm Albertotypie (1859) nannte. Durch diese Erfindung wurde die Brauchbarmachung der Photographie für Illustrationszwecke angebahnt.

C. Reber: Die »Ruhmeshalle« unter den Arkaden des südlichen (älteren) Friedhofes in München. Das Bayerland. Illustrierte Wochenschrift für bayerische Geschichte und Landeskunde. 9. Jahrgang. Heft Nr. 26. München, 1898.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Albert Franz Joseph, 1728 – 1789, Weingastgeb und Mitglied des äußeren Rats von München; in seinem Gasthof zum Schwarzen Adler an der Weinstraße verkehrten nach As. eigenen Angaben (Eingabe an den Kurfürsten von Bayern aus dem Jahre 1767) »in verschiedenen Caracteur stehende Gäste, als Cavaliers, Officiers, Churfürstliche Rhäte, Secretarie so ander distinquierte Persohnen«; A. war als äußerer Stadtrat an verschiedenartigen gemeinnützigen Unternehmen beteiligt, er errichtete eine deutsche Schule außerhalb der Stadt, war mit einer der Stifter der »Mildtätigen Gesellschaft« und des Armenhauses in Allach, förderte die Feiertagsschule – begründet von F. X. Kefer – durch Zuwendungen, kultivierte den nordwestlichen von der Stadt gelegenen Platz »Ödweg« vor dem Karlstor und machte sich auch durch Hebung der Seidenzucht verdient.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#Josef Albert

* 5.3.1825 (München)
† 5.5.1886 (München)
Photograph

#Münchener Bote für Stadt und Land (25.4.1867)

Der neu eröffnete Laden des Hrn. Hofphotographen Albert ist ein fortwährender Anziehungspunkt für die Promenirende in der Maximilianstraße. Von den dort ausgestellten Porträts nennen wir die gelungenen neuesten Aufnahmen von Frln. Stehle, Franz Lachner und Intendanzrath Schmitt, sowie die lebensgroßen Brustbilder des Königs, der k. Braut und des Herzogs Max.

Münchener Bote für Stadt und Land No. 98. München; Donnerstag, den 25. April 1867.

#München. Seine Kunstschätze und Sehenswürdigkeiten (1870)

MAGAZIN FÜR PHOTOGRAPHIE
und KUNST-HANDLUNG
des
JOSEF ALBERT
königl. bayerischen und kaiserl. russischen Hof-Photographen Maximilians-Strasse N° 1.

Grosses Lager von Photographien, sowohl Original-Aufnahmen als Reproduktion nach Cartons und Oelgemälden alter und moderner Meister.

Insbesondere stets vorräthig:
Original-Ansichten von München in verschiedenen Formaten und Souvenirs, enthaltend Ansichten mit Text. Eleg. gebd.
Kaulbach’s Goethe- und Schiller-Gallerie, Wandgemälde des Berliner Treppenhauses; überhaupt eine vollständige Ausstellung Alles dessen, was nach Kaulbach’schen Werken reproducirt wurde.
Gallerien von München (alte und neue Pinakothek), Wien, Madrid, Berlin, St. Petersburg. Die Gemäldesammlung der beiden Pinakotheken ist ausser der photographischen Ausgabe auch noch in vorzüglichen Lithographien und Stichen vorräthig.
Glyptothek. Direkte photographische Aufnahmen der daselbst befindlichen Sculpturen in verschiedenen Formaten, sowie eine complete Ausgabe in Stich mit Text von Lützow.
Nibelungen-Sage von Schnorr v. Carolsfeld nach den in der königl. Residenz befindlichen Fresken photographirt.
Horschelt, Th., Skizzen aus dem Kaukasus. 7 Blatt nach den Original-Zeichnungen photographirt.
Portraits, Original-Aufnahme des königl. Hof-Photographen Albert: der allerhöchsten Königsfamilie, aller in München lebenden Gelehrten, Künstler, Staatsmänner, Schriftsteller, sowie des gesammten Theater-Personals, in Visit- und Cabinetformat und Cartons.
Ausserdem Photographien nach Oelbildern von Vautier, Knaus, Becker, Adam, Lang, Pixis etc. Albumbilder, Statuetten etc.

Maximilians-Strasse N° 1.

Annonce in: München. Seine Kunstschätze und Sehenswürdigkeiten. Supplement zu jedem Reisehandbuch. München, 1870.

#Jahrbuch für Photographie und Reproduktionstechnik für das Jahr 1888 (1888)

Josef Albert †.

Josef Albert in München gehört in die Reihe jener Entdecker, deren Forschung und geistige Thätigkeit, Kunst und Wissen ihre ungeheure Popularität verdanken und welche seit dem Entstehen der Photographie alle Stadien der Entwicklung als Entwerfer und Vollender durchlief. König Max II. berief den jungen Mann als Hofphotograph, nach München, woselbst er mit der Wiedergabe von Gemälden begann und dieselbe, sowie Porträte später in grösstem Formate in die Oeffentlichkeit brachte. Schon 1857 beschäftigte ihn Chromophoto- und Lithographie. Jahre lang verfolgte er den Gedanken die Poitevin’sche Erfindung der Lichtempfindlichkeit der Chromgelatine practisch zu verwerthen und nach angestrengter Arbeit und grossen pecuniären Opfern gelang es ihm 1867 die nach ihm »Albertotypie« oder auch »Lichtdruck« genannte Druckmethode auszuführen. Auf der Hamburger Ausstellung 1868 brachte Albert die Resultate seiner Erfindung vor die Oeffentlichkeit und bewirkte damit solche Sensation, dass die Jury für ihn eigens eine goldene Medaille prägen liess. Da in Folge der zahlreichen Aufträge die Handpressen nicht mehr genügten, construirte Albert ein Modell einer Schnellpresse, nach welchem 1871 die erste Lichtdruckschnellpresse ausgeführt wurde. Später beschäftigte er sich mit der Photographie in natürlichen Farben, wobei er drei Negative hinter farbigen Scheiben herstellte und mit Lichtdruck die Farben übereinander druckte. Auch mit isochromatischen Aufnahmen hatte er glänzende Erfolge aufzuweisen. Albert starb am 8. Mai 1886 und bei der Wiederkehr seines Todestages 1887 wurde ein ihm errichtetes Denkmal am Münchener Friedhöfe enthüllt.

Albert’s Arbeiten haben nachhaltig gewirkt. Durch ihn wurde die Photographie zur Massenerzeugung von Reproductionen eingeführt und seine Leistungen blieben stets auf der Höhe der Zeit. Seine Anstalt wird von seiner Witwe weiter geführt, welche dieselbe auf der alten Höhe zu erhalten versteht und die goldene Medaille für ihre Leistungen auf der Frankfurter photographischen Ausstellung erhielt. Wir verweisen auf die Lichtdruckbeilage in unserem »Jahrbuch« als Beispiel der schönen Leistungen der Anstalt.

Jahrbuch für Photographie und Reproduktionstechnik für das Jahr 1888. Halle an der Saale, 1888.

#Ausführliches Handbuch der Photographie (1905)

Der Lichtdruck wurde erst durch die wichtigen Verbesserungen, welche der Photograph Josef Albert in München (geboren 5. März 1825, gestorben 5. Mai 1886) schuf, lebens- und leistungsfähig gemacht. Er wendete Glasplatten als Träger der Chromatgelatine an und erzielte das Festhalten der Druckschicht durch Verwendung einer Chromatgelatine-Vorpräparation. Albert erweckte das Interesse der ganzen Fachwelt durch seine in der III. deutschen photographischen Ausstellung in Hamburg 1868 ausgestellten Drucke, welche nahezu allgemein als »Albertotypien« bezeichnet wurden.

Josef Albert, dessen Porträt Fig. 133 zeigt, war der Sohn eines Kreisingenieurs in München, besuchte das Gymnasium, später das Polytechnikum (Baufach) München. Er lernte bei einem der ersten damaligen Münchener Photographen, Löscherer, das Daguerreotypieren, errichtete ein Atelier 1850 in Augsburg, gab dann für den Kunstverlag (zirka 1869) große photographische Reproduktionen von Kaulbach, Schwind usw. heraus und wendete in der Mitte der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts seine ganze Aufmerksamkeit dem photomechanischen Verfahren zu, was ihn zur Verbesserung des Lichtdrucks führte.

Josef Albert fand die verständnisvolle Förderung des königlich bayerischen Hofes und wurde durch Orden und zahlreiche Ausstellungspreise ausgezeichnet. Er war auch der erste, welcher den Dreifarbenlichtdruck praktisch mit bestem Erfolge durchführte. J. Alberts Lichtdruckanstalt wurde nach seinem Tode von seiner Witwe weitergeführt. Sein Sohn, E. Albert, befaßte sich insbesondere mit Heliogravure und Dreifarbenautotypie und führte die orthochromatische Kollodiumemulsion in die Reproduktionstechnik ein.

Dr. Josef Maria Eder: Ausführliches Handbuch der Photographie. Halle an der Saale, 1905.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Albert Josef, 1825 (München) – 1886, Hofphotograph; ein Enkel des Weingastgebs und äußeren Stadtrats von München Franz A. begann er, unterstützt von J. B. Obernetter mit photographischen Reproduktionen von Kupferstichen und Handzeichnungen; seine Bedeutung liegt in der Erfindung einer Art des Lichtdrucks, die nach ihm Albertotypie bzw. Albertypie bezeichnet wird.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#MR – 17·18 (Sedlmeier)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Sedlmeier, Ignaz; – 1888; Privatier

Grab der Familie Sedlmeier auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#MR – 19·21 (Erlacher · Kellerbauer · Murmann · Röttinger)


Erlacher’sche Familiengrabstätte

Linke Spalte
Joh. v. Paul Erlacher,
Zimmermeister,
geb. den 14. Juli 1774,
gest. den 21. August 1836.
Therese Erlacher,
dessen Gattin
geb. den 30. Nov. 1773,
gest. den 10. Nov. 1824.
Max Erlacher,
geb. den 21. März 1812,
gest. den 9. Mai 1832.
Elise Erlacher,
geb. den 9. Sept. 1817,
gest. den 27. Aug. 1838.
Peter Paul Erlacher,
Zimmermeister,
geb. den 1. Sept. 1810,
gest. den 12. Jan. 1851.

Mitte
Hier
ruhet in Gott:
unser innigstgeliebtes
Töchterchen Maria Cäcilia Erlacher
geb. 12. März 1869, gest. 12. Dez. 1874.
Ihr folgte
der liebevollste, treueste,
unvergesslichste, Gatte u. Vater
Herr Ludwig Erlacher
Privatier,
geb. 13. Aug. 1813, gest. 18. Jan. 1879.
Unsere liebe Tochter
meine herzensgute Gattin,
unsere treu besorgte Mutter
Frau Bertha Roettinger
pract. Arztens-Gattin,
geb. 3. Juni 1870, gest. 19. April 1904.
Unser treubesorgter Vater
Hr. Dr. Franz Roettinger
Sanitätsrat,
geb. 11. Juni 1860, gest. 20. Sept. 1934.
Unsere liebe Grossmutter
Frau Wally Erlacher
geb. Murmann.
geb. 10. Mai 1843, gest. 7. Januar 1935

Rechte Spalte
Franz Paul Erlacher,
Zimmermeister,
geb. den 17. Mai 1804
gest. den 11. Aug. 1855.
Josef Franz Erlacher
Pfarrer zu Altmühldorf,
geb. den 4. März 1803,
gest. den 3. Juni 1857.
Johann Bapt. Erlacher,
Architekt,
geb. den 30. Juni 1808,
gest. den 23. April 1863
zu Sÿra
in Griechenland.
Anna Mar. Murmann,
geb. den 30. Okt. 1801,
gest. den 24. Dez. 1873.
Anna Kellerbauer,
geb. Röttinger.
Studienratswitwe,
geb. 21. Dez. 1836, gest. 3. Jan. 1931.

Sockel
Trennung ist unser Loos Wiedersehen unsere Hoffnung.


  • Erlacher, Elise; 9.9.1817 – 27.8.1838 (München); Zimmermeisters-Tochter
  • Erlacher, Franz Paul; 17.5.1804 – 11.8.1855 (München); Zimmermeister
  • Erlacher, Johann Baptist; 30.6.1808 (München) – 23.4.1863 (Syra/Griechenland); Architekt
  • Erlacher, Johann Paul von; 14.7.1774 – 21.8.1836 (München); Zimmermeister
  • Erlacher, Josef Franz; 4.3.1803 – 3.6.1857 (Altmühldorf); Pfarrer
  • Erlacher, Ludwig; 13.8.1813 – 18.1.1879; Privatier
  • Erlacher, Maria Cäcilia; 12.3.1869 – 12.12.1874 (München); Privatiers-Tochter
  • Erlacher, Max; 21.3.1812 – 9.5.1832 (München); Zimmermeisters-Sohn
  • Erlacher, Peter Paul; 1.9.1810 – 12.1.1851 (München); Zimmermeister
  • Erlacher, Therese (vh); 30.11.1773 – 10.11.1824 (München); Zimmermeisters-Gattin
  • Erlacher, Wally (vh) / Murmann (gb); 10.5.1843 – 7.1.1935
  • Kellerbauer, Anna (vh) / Röttinger (gb); 21.12.1836 – 3.1.1931; Studienrats-Witwe
  • Murmann, Anna Mar.; 30.10.1801 – 24.12.1873 (München); Hoftrompeters-Tochter
  • Röttinger, Bertha (vh); 3.6.1870 – 19.4.1904; Arzt-Gattin
  • Röttinger, Franz, Dr. med.; 11.6.1860 – 20.9.1934; Sanitätsrat

Todesanzeige für Johann Paul Erlacher

Grab der Familien Erlacher · Kellerbauer · Murmann · Röttinger auf dem Alten Südfriedhof München (November 2012)

#MR – 24 (Bernhard)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Bernhard, August; – 1891; Apotheker

Grab der Familie Bernhard auf dem Alten Südfriedhof München (April 2014)

Grab der Familie Bernhard auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#MR – 28 (Fischer · Guggenberger · Rabenhofer)


Familien-Grabstätte.

Hier ruhen:
Herr Franz Ser. Guggenberger
Privatier,
geb. 27.9.1813, gest. 22.4.1870.
Fräulein
Franziska Guggenberger
Privatiere,
geb. 24.11.1847, gest. 20.10.1874.
Frau
Walburga Fischer
Privatiere,
geb. 16.6.1823, gest. 1.9.1906.
Herr
Josef Rabenhofer
Oberlandesgerichtsrat,
geb. 29.2.1844, gest. 26.5.1925.

R. I. P.

A. Lallinger.


  • Fischer, Walburga (vh); 16.6.1823 – 1.9.1906; Privatiere
  • Guggenberger, Franz Ser.; 27.9.1813 – 22.4.1870 (München); Privatier
  • Guggenberger, Franziska; 24.11.1847 – 20.10.1874 (München); Privatiere
  • Rabenhofer, Josef; 29.2.1844 – 26.5.1925; Oberlandesgerichtsrat

Grab der Familien Fischer · Guggenberger · Rabenhofer auf dem Alten Südfriedhof München (April 2014)

Grab der Familien Fischer · Guggenberger · Rabenhofer auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#MR – 30 (Haindl)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Haindl, Kreszentia (vw); – 5.5.1887 (München), 73 Jahre alt; Privatiers-Witwe

Grab der Familie Haindl auf dem Alten Südfriedhof München (April 2014)

#MR – 33 (Maier · Neiswirth)


Hier ruhen in Gott:
Herr Anton Maier
Privatier
u. ehem. Pappendeckelfabrikant,
geb. 22. Febr. 1815, gest. 4. Juni 1879.
Ihm folgte seine Gattin
Frau Theresia Maier
geb. 21. März 1817, gest. 16. Juni 1903.

Familien-Grab
Neiswirth.

33. Kosenbach.


  • Maier, Anton; 22.2.1815 – 4.6.1879; Pappendeckelfabrikant
  • Maier, Theresia (vw); 21.3.1817 – 16.1.1903; Fabrikantens-Witwe
  • Neiswirth

Grab der Familien Maier · Neiswirth auf dem Alten Südfriedhof München (April 2014)

#MR – 34·35 (Köck · Seidl)


KÖCK’SCHES FAMILIENGRAB

HIER RUHEN IN GOTT
HERR SEBAST. SEIDL B. BIERBRAUEREI-
BESITZER ZUM WAGNERBRÄU.
GEB. AM 16. JANUAR 1774, GEST. AM 18. MAI 1834.
DESSEN EHEGATTIN
MARIANNA SEIDL
GEB. AM 30. NOV. 1780, GEST. AM 9. OKT. 1858
IHNEN FOLGTEN IHR SCHWIEGERSOHN
HERR ANTON KOECK. BRAUEREIBES. Z. WAGNERBRÄU
GEB. AM 6. MAI 1803, GEST. AM 31. JANUAR 1865
DESSEN EHEGATTIN
FRAU ANNA KOECK, GEBORENE SEIDL
GEB. AM 10. DEZ. 1817, GEST. 15. JULI 1880
FERNER DEREN SÖHNE
HERR ANTON KÖCK, RENTNER
VORM. BESITZER DES HOEGERBRÄU
GEB. AM 3. SEPT. 1840, GEST. AM 6. APRIL 1896
HERR KARL KOECK, TECHN. LEITER
DER BRAUEREI ZUM SPATEN.
GEB. AM 22. MAERZ 1846
GEST. AM 9. NOV. 1898
FRAU THERESE KOECK, GEB. KAL¿
GEBOREN AM 13. APRIL 1849
GESTORBEN AM 13. MÄRZ 1916

RUHET IN FRIEDEN


  • Köck, Anna (vw) / Seidl (gb); 10.12.1817 – 15.7.1880; Brauereibesitzers-Gattin
  • Köck, Anton; 3.9.1840 – 6.4.1896; Brauereibesitzer
  • Köck, Anton; 6.5.1803 – 31.1.1865 (München); Brauereibesitzer
  • Köck, Karl; 22.3.1846 – 9.11.1898; Technischer Brauereileiter
  • Köck, Therese (vw) / Kal¿ (gb); 13.4.1849 – 13.3.1916
  • Seidl, Marianna (vw); 30.11.1780 – 9.10.1858 (München); Brauereibesitzers-Witwe
  • Seidl, Sebastian; 16.1.1774 – 18.5.1834 (München); Brauereibesitzer

Todesanzeige für Karl Köck

Grab der Familien Köck · Seidl auf dem Alten Südfriedhof München (April 2014)

Grab der Familien Köck · Seidl auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familien Köck · Seidl auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familien Köck · Seidl auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2013)

Grab der Familien Köck · Seidl auf dem Alten Südfriedhof München (November 2012)

Grab der Familien Köck · Seidl auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2013)

Grab der Familien Köck · Seidl auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2013)

#MR – 36·37 (Reifenstuel)


Mich. Reifenstuel’sche Familien-Grabstaette

dem Andenken
der unvergesslichen Gattin, Mutter et
Grossmutter
Amalie Reifenstuel geb. Streicher
Geb. den 16. Januar 1811 gest. den 14. Nov. 1853.
Ließ Dir dein liebendes Herz nicht
Ruhe als Mutter zu sorgen,
Möge der Dankbarkeit Quelle
Niemals versiegen in uns.
Ihr folgte am 1. Juli 1871 Ihr Gatte
Michael Reifenstuel.
Hof-Schreiner- und Zimmermeister
in einem Alter von 67 Jahren und 3 Monaten.
Deren Sohn Sebastian Reifenstuel,
Geb. den 24. April 1833, gest. den 22. Sept. 1877.
Dessen Tochter Anna Reifenstuel,
Geb. den 4. Juli 1861 gest. den 28. April 1891.
Und dessen sechs Geschwisterte.

Sockel
Franz Reifenstuel,
Kaufmann
geb. 16. Oct. 1841, gest. 16. Oct. 1891.
Margarethe Reifenstuel
Privatierswitwe
geb. 27. Juli 1858, gest. 9. Jan. 1924.
Josef Reifenstuel
Privatier
geb. 20. Oct. 1848 gest. 22. Nov. 1917.
Elise Reifenstuel
geb. Grundler,
geb. 25. Mai 1836. gest. 11. Juli 1918.


  • Reifenstuel, Amalie (vh) / Streicher (gb); 16.1.1811 – 14.11.1853 (München); Zimmermeisters-Gattin
  • Reifenstuel, Anna; 4.7.1861 – 28.4.1891
  • Reifenstuel, Elise (vh) / Grundler (gb); 25.5.1836 – 11.7.1918 (München); Zimmermeisters-Witwe
  • Reifenstuel, Franz; 16.10.1841 – 16.10.1891; Kaufmann
  • Reifenstuel, Franz Michael; 31.3.1804 (München) – 1.7.1871 (München); Architekt und Zimmermeister
  • Reifenstuel, Josef; 20.10.1848 – 22.11.1917; Privatier
  • Reifenstuel, Margarethe (vw); 27.7.1858 – 9.1.1924; Privatiers-Witwe
  • Reifenstuel, Sebastian; 24.4.1833 – 22.9.1877 (München); Privatier

Todesanzeige für Elise Reifenstuel

Grab der Familie Reifenstuel auf dem Alten Südfriedhof München (April 2014)

#MR – 40·41 (Schneider)


Ruhestätte
der
Familie v. Schneider.

Sockel-Inschrift
Frau Auguste von Schneider
geb. Zaubzer,
geb. 23. Dez. 1831, gest. 2. Jan. 1904.

A. Aufleger 41.40.


  • Schneider, Auguste von (vh) / Zaubzer (gb); 23.12.1831 – 2.1.1904

Grab der Familie Schneider auf dem Alten Südfriedhof München (April 2014)

#MR – 42·43 (Lunglmayr)


Linke Tafel
Hier ruhen in Frieden:
Benno Lunglmayr
Weinhändler u. Magistratsrat
geb. 16. Juni 1792, gest. 27. Dez. 1852
dessen Gattin
Elise Lunglmayr
geb. 30. Mai 1792, gest. 18. Juni 1876.
Rudolf Lunglmayr
geb. 2. April 1862, gest. 3. Febr. 1869.
Eduard Lunglmayr
kgl. Oberlandesgerichtsrat
geb. 13. Dez. 1821, gest. 13. Dez. 1879
dessen Gattin
Louise Lunglmayr, geb. Martin
geb. 21. Febr. 1827, gest. 15. April 1910.

R. I. P.

Rechte Tafel
Die Inschrift ist nicht erhalten


  • Lunglmayr, Benno; 16.6.1792 – 27.12.1852 (München); Magistratsrat und Weinhändler
  • Lunglmayr, Eduard; 13.12.1821 – 13.12.1879; Oberlandesgerichtsrat
  • Lunglmayr, Elise (vw); 30.5.1792 – 18.6.1876; Magistratsrats- und Weinhändlers-Witwe
  • Lunglmayr, Luise (vw) / Martin (gb); 21.2.1827 – 15.4.1910; Oberlandesgerichtsrats-Witwe
  • Lunglmayr, Rudolf; 2.4.1862 – 3.2.1869 (München); Bezirksgerichtsrats-Sohn

Todesanzeige für Benno Lunglmayr

Grab der Familie Lunglmayr auf dem Alten Südfriedhof München (April 2014)

Grab der Familie Lunglmayr auf dem Alten Südfriedhof München (April 2014)

Grab der Familie Lunglmayr auf dem Alten Südfriedhof München (April 2014)

#Benno Lunglmayr

* 16.6.1792
† 27.12.1852 (München)
Magistratsrat und Weinhändler

#Intelligenzblatt der Königlichen Regierung von Oberbayern (9.1.1852)

Ordens-Verleihungen.

Seine Majestät der König haben geruht, (…) dem Magistratsrathe Benno Lunglmayr dahier in allerhuldvollster Anerkennung seiner bewährten biedern Gesinnung und seiner durch langjährige wahrhaft väterliche Verwaltung des Waisenhauses erworbenen großen Verdienste die goldene Ehrenmünze des Verdienstordens der bayer. Krone zu verleihen.

Intelligenzblatt der Königlichen Regierung von Oberbayern. Nr. 2. München, den 9. Januar 1852.

#MR – 44·45 (Ehrl)


Familie Ehrl.


  • Ehrl, Therese (vh) / Hastreiter (gb); – 25.5.1891 (München), 52 Jahre alt; Hofrats- und Arzt-Gattin

Todesanzeige für Therese Ehrl

Grab der Familie Ehrl auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familie Ehrl auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2011)

#MR – 46·47 (Wegmeier)


Grabstätte
der
Familie Wegmeier
Hier ruhen
Herr Josef Wegmeier
¿
geb. 177¿ gest. ¿
Frau Franziska Wegmeier
geb. 1786 gest. 1854
Deren Kinder
Xaver, Josef u. ¿
18, 11, 19 Jahre alt.
Herr Karl Wegmeier
geb. ¿ März 1823 gest. ¿ Juli 18¿2
Frau Mathilde Wegmeier
geb. Freiin von Pechmann
geb. 11. Juli 1827 gest. 6. Novbr. ¿
Florentine, geb. 1859 gest. 1863.
Rudolf, 2 Monate alt.
¿meier, geb. 18¿5 gest. 189¿
¿


  • Wegmeier, Florentine; 1859 – 11.11.1863 (München)
  • Wegmeier, Franziska (vh); 1786 – 10.1854 (München); Privatiers-Witwe
  • Wegmeier, Josef
  • Wegmeier, Josef; 177¿ – ¿
  • Wegmeier, Karl; ¿.3.1823 – 22.7.1872 (München)
  • Wegmeier, Mathilde Magdalena Josefa (vh) / Pechmann, Freiin von (gb); 11.7.1827 – 6.11.¿
  • Wegmeier, Rudolf
  • Wegmeier, Xaver

Todesanzeige für Florentine Wegmeier

Todesanzeige für Karl Wegmeier

Grab der Familie Wegmeier auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#MR – 48·49 (Oberleitner)


Hier ruhen in Gott Herr
Bartholomä Oberleitner, Privatier
geb. d. 2¿. Aug. 1758, gest. d. 19. Mai 1825.
Frau Anna Maria Oberleitner, dessen Gattin
geb. d. 22. März 17¿ ¿ 1826
Herr Ignaz ¿
¿


  • Oberleitner, Anna Maria (vw); 22.3.17¿ – 6.4.1826 (München); Melbers-Witwe
  • Oberleitner, Bartholomä; 2¿.8.1758 – 19.5.1825 (München); Privatier

Grab der Familie Oberleitner auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#MR – 52 (Kögel)


Forstmeister Kögel’sche
Familie-Grabstätte

Dem Andenken
des theuersten Gatten, des Wohlgeb. Herrn
Balthasar Kögel
k. g. Forstmeisters dahier,
geb. am 24. Jän. 1784. gest. am 9. Sept. 1848
und der innigstgeliebten Sohne
widmet dieß Denkmal die tieftrauernde
Gattin u. Mutter.

Weder ein alterndes Haupt, noch der Unschuld rosige Blüthen
Schont hier der bittere Tod, sterblicher Hülle bestimmt.
Erst bei des Licht’s Urquell strömt himmlisches Leben entgegen
Unserem sich sehnenden Geist ewig die Seien zu seh’n.

Ihren lieben Vorangegangenen folgte
zur Grabes Ruhe die Wohlgeb. Frau
Theresia Kögel
geb. von Sell,
kgl. Forstmeisters Wittwe
geb. am 12 Nov. 1787, gest. am 22 August 1868

Sockel-Tafeln Links und Rechts
Die Inschrift ist nicht erhalten


  • Kögel, Balthasar; 24.1.1784 – 9.9.1848 (München); Forstmeister
  • Kögel, Theresia (vw) / Sell, von (gb); 12.11.1787 – 22.8.1868 (München); Forstmeisters-Witwe

Todesanzeige für Balthasar Kögel

Grab der Familie Kögel auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#Theresia Kögel (vw) / von Sell (gb)

* 12.11.1787
† 22.8.1868 (München)
Forstmeisters-Witwe

#Kreis-Amtsblatte von Oberbayern (17.8.1869)

Bekanntmachung.

Im Pensionate des englischen Fräulein-Instituts in Altötting ist für das kommende Schuljahr ein ganzer Freiplatz erledigt, und zwar derjenige, welcher von der in München verstorbenen Forstmeisters-Wittwe Therese Kögel, geborne v. Sell, gegründet wurde.

Nach der Fundations-Urkunde vom 5. Mai I869 haben aber auf diesen Freiplatz zunächst nur Mädchen aus der v. Sell’schen Familie, in zweiter Reihe Mädchen aus der Kögel’schen Familie Anspruch, und erst, wenn Bewerberinnen aus diesen Familien nicht vorhanden sein würden, darf dieser Freiplatz einem Mädchen aus einer unbemittelten Beamten-Familie verliehen werden.

Da nach den gepflogenen Recherchen zur Zeit aus den vorbesagten beiden Familien Mädchen nicht vorhanden sind, welche auf diesen Freiplatz gegründeten Anspruch machen können, so wird dieses behufs allenfallsiger Bewerbung um den angegebenen Freiplatz mit dem Anhange bekannt gegeben, daß Bewerberinnen von heute an, binnen 4 Wochen ihre erforderlichen Zeugnisse mit entsprechendem Bittgesuche an die Gefertigte als Oberin des Instituts, welche zugleich das Präsentationsrecht auszuüben hat, vorlegen müssen und zwar bei Meidung der Nichtberücksichtigung etwa verspäteter Eingabe.

Altötting am 12. August 1869.

Max. Nepom. Meister,
Oberin des Englischen Erziehungs-Institutes Altötting.

Beilage Nro. 66 zum königlich bayerischen Kreis-Amtsblatte von Oberbayern Nro. 71. München, den 17. August 1869.

#MR – 53·56 (Zwerschina)


Hier ruhen im ewigen Frieden:
Mein guter Vater Herr Jos.
Zwerschina alias »Zwerzina. Xypv¿
Rentner allhier geb. 1802 † 1865.
meine edle Mutter Frau Therese Zwerschina
geborne Bubenhoven die Letzte ihres uralten
Stammes und Namens geb. 1815 † 1890.
meine heißgeliebte unvergeßliche Gattin
Frau Ursula Zwerschina geb. 1851 † 1901.
Solche Liebe kann nur schwinden
Wenn dereinst mein Auge bricht
Was hienieden ich mag finden
Solche Treue find ich nicht!
Herr Karl Jos. Zwerschina geb. 1859
† 1¿
¿


  • Zwerschina, Jos. / Zwerzina (ps); 1802 – 1.9.1865 (München); Rentner
  • Zwerschina, Karl Jos.; 1859 – ¿
  • Zwerschina, Therese (vh) / Bubenhoven (gb); 1815 – 1890
  • Zwerschina, Ursula (vh); 1851 – 1901

Grab der Familie Zwerschina auf dem Alten Südfriedhof München (April 2014)

Grab der Familie Zwerschina auf dem Alten Südfriedhof München (April 2014)

Grab der Familie Zwerschina auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

#MR – 63* (Harnier)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Harnier, Friedrich Wilhelm Karl von; 11.4.1767 (Kassel) – 23.7.1823 (München); Hessischer Gesandter
  • Harnier, Karoline von (vh) / Pretlack, Freiin von (gb); 19.1.1809 – 4.7.1838 (München); Legationsrats-Gattin
  • Harnier, Wilhelm von; 19.5.1800 (München) – 14.8.1838 (München); Hessischer Legationsrat und Portraitmaler

Todesanzeige für Wilhelm von Harnier

Das Grab ist nicht erhalten


#Friedrich Wilhelm Karl von Harnier

* 11.4.1767 (Kassel)
† 23.7.1823 (München)
Hessischer Gesandter

#Allgemeine Deutsche Biographie (1905)

Harnier: Heinrich Wilhelm Karl von H., preußischer Legationsrath, später großh. hess. Geheimer Rath, außerordentlicher Gesandter und bevollm. Minister, wie auch Bundestagsgesandter, geboren zu Kassel 1767, † zu München 1823. H. stammte aus wallonischer, um 1650 nach Deutschland eingewanderter Hugenottenfamilie, trat in den preußischen diplomatischen Dienst und zeichnete sich besonders bei den Verhandlungen Preußens mit Frankreich, welche zu dem Basler Frieden 1795 führten, aus. Nachdem ihm später als preußischem Legationsrath in München im J. 1804 die gleichzeitige Vertretung der hessen-darmstädtischen Interessen am Münchener Hofe übertragen worden war, ging er nach der Katastrophe des Jahres 1806 ganz in großherzoglich hessische Dienste über. Im J. 1815 zum hessischen Bundestagsgesandten ernannt, trat er infolge politischer Meinungsverschiedenheiten mit dem Fürsten Metternich im Verein mit noch Anderen von dieser Stellung zurück und ging wieder als außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister nach München, wo er im J. 1823 an den Folgen eines Schlaganfalles, der ihn während eines Rittes im Englischen Garten traf, starb. Ein beredtes Zeugniß von der Werthschätzung der hervorragenden Eigenschaften seines Charakters und Geistes und seiner echt deutschen Gesinnung seitens seiner Zeitgenossen liefern u. a. die in den Tagebüchern des Grafen August v. Platen enthaltenen zahlreichen Bemerkungen über ihn. Er war der Vater des 1800 in München geborenen und 1838 in Meran gestorbenen hessen-darmstädtischen Legationsrathes Wilhelm v. H. und Großvater des 1861 am weißen Nil durch einen Büffel getödteten Afrikareisenden Wilhelm v. H..

Ebrard.

Ebrard: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1905.

#Wilhelm von Harnier

* 19.5.1800 (München)
† 14.8.1838 (München)
Hessischer Legationsrat und Portraitmaler

#Neuer Nekrolog der Deutschen (1840)

August. D. 14. zu München der großherz. hess. Legationsrath Wilh. v. Harnier – im 38. Lebensj., der neben seinen Berufsgeschäften die Kunst mit großem Erfolge kultivirte und sich vorzüglich im Fache der Porträtmalerei ausgezeichnete Anerkennung erwarb.

Neuer Nekrolog der Deutschen. Weimar, 1840.

#MR – 66·67* (Proff)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Proff, Antoinette Freifrau von (vh); 23.12.1821 – 2.11.1903
  • Proff, Elise Freiin von; 13.12.1821 – 28.5.1895
  • Proff, Johanna Freifrau von (vh) / Miller, von (gb); 6.4.1798 – 13.10.1840 (München); Kämmerers-Gattin
  • Proff, Max Freiherr von; 19.6.1828 – 8.2.1887; Oberleutnant
  • Proff, Theodolinde Freifrau von (vh) / Künßberg, Freiin von (gb); 19.12.1836 – 8.12.1901

Das Grab ist nicht erhalten

#MR – 70·71 (Reichlin von Meldegg)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Reichlin von Meldegg, Gustav Freiherr; – 1880; Major a. D.
  • Reichlin von Meldegg, Irene Freifrau (vh); 24.7.1837 – 13.3.1904
  • Reichlin von Meldegg, Julie Freiin; 1805 – 23.2.1889

Grab der Familie Reichlin von Meldegg auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#MR – 72·73 (Duschl · Rösgen)


Hier
ruhen: Franz Karl Roesgen quiesc.
geb. ¿ Staatsminister ¿
geb. d. 20. Aug. 1797 gest. d. 28. Juli 1858 ¿
Maria Anna Theresia Roesgen geb. Janson von der Stockh
geb. 12. Febr. 1787 gest. d. ¿ 1865.
dann deren
ENKEL Carl Maria Roesgen u. Adolph Friedrich Roesgen
geb. 29. Jul. 1842 gest. ¿
sowie Max Joseph Roesgen geb. d.
20. Jul. 18¿6 gestorben d. ¿ Jul. 1858.
ENKELIN Maria ¿ Roesgen geb. Fahrmbacher
¿ Oberlieutnants-Gattin, geb. ¿ Sept. 1844 gest. d. 13. Jan. ¿
¿ Kind Oscar Fahrmbacher geb. ¿
¿ von Roesgen ¿
¿

Linke Tafel
Ferner
birgt dieses Grab die
irdischen Ueberreste des
Franz X. Duschl,
Bürgers u. Bierbrauers
zum Thorbrau in München,
geb. zu Aibling d. 27. Jan. 1775
gestorben den Octbr. 1833.
und dessen Ehefrau
Anna Duschl
geb. Klammer,
geboren den 10. April 1795
gestorben den 18. Aug. 1859
sowie die Gebeine der Eltern und
Geschwister der Letzteren.

Rechte Tafel
Amalie Roesgen
geboren den 8. Oktober 1829
gestorben den 30. April 1862.
Caroline Roesgen
geboren den 25. Juli 1820
gestorben den 12. März 1882.


  • Duschl, Anna (vw) / Klammer (gb); 10.4.1795 – 18.8.1859 (München); Bierbrauers-Witwe
  • Duschl, Franz Xaver; 27.1.1775 (Aibling) – 8.10.1833 (München); Bierbrauer
  • Rösgen, Adolf Friedrich; 29.7.1842 – ¿
  • Rösgen, Amalie; 8.10.1829 – 30.4.1862 (München); Sekretärs-Tochter
  • Rösgen, Franz Karl; 20.8.1797 – 28.7.1858 (München); Staatsminister
  • Rösgen, Karl Maria; 29.7.1842 – ¿
  • Rösgen, Karoline; 25.7.1820 – 12.3.1882
  • Rösgen, Maria ¿ (vh) / Fahrmbacher (gb); ¿.9.1844 – 13.1.¿; Oberleutnants-Gattin
  • Rösgen, Maria Anna Theresia (vh) / Janson von der Stockh (gb); 12.2.1787 – 6.9.1865 (München); Ministerialprotokollistens-Witwe
  • Rösgen, Max Josef; 20.7.18¿6 – 3.7.1858 (München); Protokollist und Ministerialsekretär

Grab der Familien Duschl · Rösgen auf dem Alten Südfriedhof München (April 2014)

Grab der Familien Duschl · Rösgen auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#MR – 74 (Gruben · Temple)


Familiengrabstätte
Ignaz
Freiherr von Gruben


  • Gruben, Friedrich Ignaz Freiherr von; 19.1.1736 (Bonn) – 30.8.1823 (München); Kämmerer und Staatsrat
  • Gruben, Karl; 27.5.1806 – 24.5.1879; Kämmerer und Rittmeister a. D.
  • Gruben, Katharina von (vh) / Deel, Freiin von (gb); – 21.6.1848 (München), 80 Jahre alt; Staatsrats-Witwe
  • Gruben, Mathilde; 20.8.1801 – 15.10.1877 (Rosenheim)
  • Temple, Berta (vh) / Gruben (gb); 3.4.1804 – 3.2.1886

Todesanzeige für Friedrich Ignaz Freiherr von Gruben

Grab der Familien Gruben · Temple auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#Friedrich Ignaz Freiherr von Gruben

* 19.1.1736 (Bonn)
† 30.8.1823 (München)
Kämmerer und Staatsrat

#Neuer Nekrolog der Deutschen (1824)

Friedrich Ignaz Freiherr von Gruben,
königl. bair. Cammerherr, wirklicher geheimer Staatsrath etc.,
geb. den 19. Jan. 1736, gest. den 30. Aug. 1823.

Bonn war seine Geburtsstadt. Schon in früher Jugend erwarb er sich bei vorzüglichen Geistesgaben und musterhaftem Fleiße so viele gelehrte Kentnisse, besonders in der Rechtswissenschaft, daß der damalige Kurfürst von Cöln, Maximilian Friedrich, ihn, den erst sechzehnjährigen Jüngling, zum wirklichen Hof- und Regierungsrathe ernannte. Diese frühe Auszeichnung spornte ihn zur weiteren Vermehrung seiner Kenntnisse an, und dazu diente ihm ein mehrjähriger Aufenthalt bei seiner Mutter Bruder, dem gelehrten kurcölnischen geh. Rathe, Freiherrn von Bogelius zu Worms, demnächst bei dem Reichscammergerichte zu Wetzlar, dem Reichshofrathe zu Wien und bei dem großen Staatsminister, dem Grafen von Herzberg in Berlin, dessen Gewogenheit er sich zu erwerben wußte. Im Jahre 1793 wurde er von Kurmainz als Assessor bei dem Reichskammergericht eingeführt. Nach der im Jahre 1806 erfolgten Auflösung dieses höchsten Reichsgerichts erhob ihn der Fürst Primas, Großherzog von Frankfurt und Fulda, zu seinem wirklichen geh. Staatsrathe und Gesandten an den Höfen des Rheinbundes, zum Landesdirector in den Fürstenthümern Regensburg und und Aschaffenburg. Nach Vereinigung besagter Fürstenthümer mit der baierischen Monarchie trat er in baierische Dienste als wirklicher geheimer Staatsrath. Dabei bekleidete er lange Zeit die Stelle eines königl. Ministers bei der deutschen Bundesversammlung, wurde ferner mit den Würden eines königl. Cammerherrn und Großkreuzes des Civilverdienst-Ordens der baierischen Krone von seinem Monarchen begabt und zuletzt zur Leistung wichtiger Staatsgeschäfte nach München berufen. In allen diesen Stellen that er sich durch Geschicklichkeit, Rechtlichkeit und Berufstreue hervor; zugleich aber lebte er auch für das Glück seiner Familie und aller derer, denen er nützlich zu seyn vermochte.

Neuer Nekrolog der Deutschen. Ilmenau, 1824.

#MR – 75·76 (Gautsch)


GEHEIMRAT
JOSEPH GAUTSCH
WACHSWARENFABRIKANT
EHRENBÜRGER DER
TECHNISCHEN HOCHSCHULE
MÜNCHEN
GEB. 6.1.1860 GEST. 5.12.1933


  • Gautsch, Josef; 6.1.1860 (München) – 5.12.1933 (München); Wachswarenfabrikant

Grab der Familie Gautsch auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

#Josef Gautsch

* 6.1.1860 (München)
† 5.12.1933 (München)
Wachswarenfabrikant

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Gautsch Josef, 1860 (München) – 1933, Wachsfabrikant; Wachsherstellung ist in der Altmünchner Familie G. seit 1731 nachweisbar; neben seiner beruflichen Tätigkeit war G. Handelsrichter, Vorsitzender der Sektion 8 der Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie, Vizepräsident der Münchner Industrie- und Handelskammer und Ausschußmitglied und lange Zeit Präsident des Polytechnischen Vereins in Bayern; G. hat sich um die berufliche Ausbildung der Industrie und des Handels in München verdient gemacht; die Wachsfabrik ist weit über München hinaus bekannt.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#MR – 77·78 (Stürzer)


Emblem Rechts oben
Hofkammerrath
Stürzer’sche
Grabstätte.

Emblem Links unten
Kaufmann
A. Stürzer’sche
Grabstätte.


  • Stürzer, A.; Kaufmann

Grab der Familie Stürzer auf dem Alten Südfriedhof München (April 2014)

Grab der Familien Duschl · Rösgen auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familie Stürzer auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

Grab der Familie Stürzer auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2013)

Grab der Familie Stürzer auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#MR – 79·80 (Miller)


ORA PRO NOBIS

FERDINAND
VON
MILLER
ERZGIESSER
GEB. 18. OKT. 1813
GEST. 11. FEB. 1887.
ANNA
VON
MILLER
GEB. POESL
GEB. 21. JAN. 1815
GEST. 2. SEPT. 1890.
CHRISTOPH VON MILLER
LANDWIRTH,
GEB. 7. JUNI 1851 GEST. 5. JUNI 1891.
LUDWIG VON MILLER
ERZGIESSER,
GEB. 23. JUNI 1850, GEST. 10. FEBR. 1912.
JULIE VON MILLER
GEB. 30. OKT. 1846. GEST. 10. JULI 1900.
ANNA VON MILLER
GEB. 15. MAI 1843. GEST. 24. SEPT. 1904.
WINFRIED VON MILLER KUNSTMALER
GEB. 7. APRIL 1854, GEST. 21. MAI 1925.
ALPHONS VON MILLER
KAUFMANN
GEB. 29. SEPT. 1847 GEST. 27. FEBR. 1901.


  • Miller, Alfons von; 29.9.1847 – 27.2.1901; Kaufmann
  • Miller, Anna von; 15.5.1843 – 24.9.1904
  • Miller, Anna von (vh) / Pösl (gb); 21.1.1815 – 2.9.1890
  • Miller, Christoph von; 7.6.1851 – 5.6.1891; Landwirt
  • Miller, Ferdinand Ritter von; 18.10.1813 (Fürstenfeldbruck) – 11.2.1887 (München); Erzgiesser
  • Miller, Julie von; 30.10.1846 – 10.7.1900
  • Miller, Ludwig von; 23.6.1850 – 10.2.1912; Erzgiesser
  • Miller, Winfried von; 7.4.1854 (München) – 21.5.1925 (München); Genremaler, Landschaftsmaler und Portraitmaler

Ferdinand Ritter von Miller. Abbildung aus »Das Bayerland« No. 24. 1892.

Grab der Familie Miller auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

Grab der Familie Miller auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

Grab der Familie Miller auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

Grab der Familie Miller auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

Grab der Familie Miller auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

Grab der Familie Miller auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

Grab der Familie Miller auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

Grab der Familie Miller auf dem Alten Südfriedhof München (März 2021)

Grab der Familie Miller auf dem Alten Südfriedhof München (März 2021)

Grab der Familie Miller auf dem Alten Südfriedhof München (März 2021)

Grab der Familie Miller auf dem Alten Südfriedhof München (März 2021)

Grab der Familie Miller auf dem Alten Südfriedhof München (März 2021)

Grab der Familie Miller auf dem Alten Südfriedhof München (März 2021)

#Ferdinand Ritter von Miller

* 18.10.1813 (Fürstenfeldbruck)
† 11.2.1887 (München)
Erzgiesser

#Die bildende Kunst in München (1842)

Bei der Uebernahme dieses schwierigen Auftrages schloß sich an das Unternehmen ein Neffe Stiglmaiers, Ferdinand Miller, mit allem Eifer an. Der Guß begann, gelang vollkommen, darauf wurden die einzelnen Theile der Statuen ciselirt und glücklich im Feuer vergoldet, dann so kunstreich zusammengesetzt, daß jede, wie aus einem einzigen Stücke bestehend, erscheint. Bereits zeugen sieben vollendete Statuen von dem schönen Gelingen durch vereinigte Kraft; die Fleischtheile, Gesicht und Hände sind in matter, Gewandung u. dgl. in hellglänzender Vergoldung gehalten.

Außer denselben werden jetzt zunächst zum Gusse vorbereitet: die kolossale Bavaria; die Statue des Großherzogs Ludwig von Hessen-Darmstadt, Jean Pauls und Mozarts, nach Schwanthalers Modellen.

Durch diese vielen und großen Erzarbeiten, beinahe alle hervorgerufen durch den König Ludwig, welcher auch diese Kunst in Bayern, ja in Deutschland, recht eigentlich zum Leben geweckt und ihr durch die großartigsten Aufgaben eine freie Entwicklung gewährt hat, bildeten sich bereits viele tüchtige Arbeiter, durch deren Beihilfe Stiglmaier thätig unterstützt wird, besonders durch Ferdinand Miller. Auch er ist zu Fürstenfeldbruck in Oberbayern am 18. Oktober 1813 geboren und kam schon als Knabe zu seinem Oheim, Stiglmaier, der ihn ganz für die Kunst erzog. Nach dem Besuche der Akademie der bildenden Künste beschäftigte er sich in der k. Erzgießerei mit Formen und Gießen, reiste dann im Jahre 1833 nach Paris, wo er im Atelier des Erzgießers Soyer einige Statuen formte und goß; später erlernte er die Mattvergoldung bei Blus in Paris, und unternahm darauf eine Reise nach den Niederlanden und nach England, von welcher er im Jahre 1836 nach München zurückkehrte und seit dieser Zeit seinem Oheim kräftig thätig zur Seite steht.

Dr. Johann Michael von Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.

#Die Kunst für Alle (1.3.1887)

Ferdinand von Miller, geb. 18. Okt. 1813, † d. 11. Febr. 1887.

Ein Nekrolog von Fr. Pecht

Daß die kräftigsten Charaktere, die ursprünglichsten Begabungen der Nation immer wieder aus dem dunkeln Schoße der Masse zuwachsen, dafür ist der eben dahingeschiedene berühmte Erzgießer v. Miller neben Makart und Defregger bei uns das glänzendste Beispiel. In ihm, der kaum je ordentlichen Schulunterricht genossen, verlor die deutsche Kunst einen ihrer eifrigsten Förderer, München seinen hervorragendsten und gemeinnützigsten Bürger, Deutschland einen feurigen Patrioten. Vereinigte er doch hohe Intelligenz, angeborne Weitklugheit, praktischen Sinn und außerordentliche Thatkraft in seltenem Grade mit idealem Wollen und immer bereiter Aufopferungsfähigkeit.

Dabei war dieser durch eigene Kraft zu hohen Ehren gelangte Mann, der im Reichs- und Landtage mit seiner natürlichen Beredsamkeit und der Kraft seines Willens so vieles Wohlthätige gewirkt, die Interessen der nationalen Kunst unermüdlich vertreten hat, ein ächter, noch mehr vom Gemüt als vom Verstand beherrschter Süddeutscher, voll glühender Liebe für seine Heimat und ein von der tiefsten Religiosität durchdrungener Katholik. In unserer an großen Intelligenzen und schwachen Charakteren so reichen Zeit war diese so recht aus einem Stück gehämmerte, mit der ganzen Frische des selbstgemachten Mannes ansgestattete Kernnatur eine wahre Erquickung und besaß deshalb eine zahllose Menge von Freunden und Verehrern.

Umgeben von seinen acht Söhnen, die alle gut geraten, mehrere sogar sehr ausgezeichnete Männer geworden sind, glich er einem Patriarchen, war nicht weniger das wahre Muster eines guten Familienvaters, wie im öffentlichen Leben ein Vorbild jeder Bürgertugend. Hat er durch seine glänzenden Leistungen der Münchener Erzgießerei einen Weltruf, sich selber ein großes Vermögen errungen, obwohl er für seine zahlreichen Arbeiter väterlich sorgte, für jeden Leidenden eine offene Hand besaß, so liegt doch sein Hauptverdienst wenigstens in der zweiten Hälfte seines unermüdlichen Wirkens, in dem außerordentlichen Aufschwung, den er erst der Metalltechnik, dann dem ganzen Kunstgewerbe in München gab.

Schon in den fünfziger Jahren stiftete er mit anderen die Schule des Vereins zur Ausbildung der Gewerbe, wie diesen Verein selber und ward dann, nachdem er in der Mitte der siebziger Jahre die Gießerei seinen Söhnen überlassen, die Seele des durch ihn neu belebten Kunstgewerbevereins. Er allein setzte jene berühmte Kunst- und kunstgewerbliche Ausstellung von 1876 durch, von welcher sich recht eigentlich der Aufschwung des deutschen Kunstgewerbes herschreibt, und hat damals neun Monate lang als ihr Vorstand eine ganz unerhörte Thätigkeit entfaltet, – leider auch durch solche Selbstaufopferung den Grund zu der Herzkrankheit gelegt, der er schließlich erlag. Denn von der eifrigsten Erfüllung einmal übernommener Pflichten konnte ihn nichts abhalten. Die bei uns so verbreiteten Rücksichten für die eigene Bequemlichkeit kannte er nicht. So gab es denn keine gemeinnützige Unternehmung in München, wo der »alte Miller« nicht mit an der Spitze gestanden hätte, sei es die Dampfschifffahrt auf dem Starnbergersee, die Eisenbahn nach Tegernsee, die neuen Münchener Kirchenbauten, zu deren einem er sogar den Bauplatz schenkte, die Centennarfeier des Königs Ludwig, wie er einst 1870 im Ständesaal durch seinen Übertritt den Anschluß Bayerns an das übrige Deutschland entschieden, 1872 die Ausschreibung einer Summe von zwei Millionen Gulden aus der französischen Kriegsentschädigung für den Bau der neuen Akademie durchgedrückt hatte.

Läßt daher sein Tod eine breite, schwer auszufüllende Lücke, so ist doch glücklich jedes Gemeinwesen zu nennen, das solche Bürger zählt.

Friedrich Pecht: Die Kunst für Alle. Heft 11. 1. März 1887.

#Allgemeine Deutsche Biographie (1906)

Miller: Ferdinand von M., welcher die Kunst der Erzgießerei zu so großen, weit über die Grenzen der deutschen Lande reichenden Ehren brachte, geboren am 18. October 1813, am Tage der berühmten Leipziger Völkerschlacht, † am 10. Februar 1887 zu München, war der Sohn eines Uhrmachers zu Fürstenfeldbruck, der, das Prototyp eines kleinbürgerlichen Ehrenmannes, für seine zahlreiche Familie noch eine Krämerei und das Amt eines Lottocollecteurs betrieb. Zehnjährig kam Ferdinand M. zu seinem Oheim, dem damaligen Münzgraveur und Stempelschneider Johann Stiglmair (1791–1844, vgl. A. D. B. XXXVI, 230 ff.), welcher gerade von Neapel zurückgekehrt, die dort gewonnenen Kenntnisse zur Gründung der nachmals so weltberühmt gewordenen Münchener Erzgießerei verwendete. Unter dessen Obhut besuchte der Neffe die Bürgerschule und machte dann bei dem Silberarbeiter Mayerhofer seine Lehrzeit durch, während welcher er auch die Feiertagsschule besuchte und bald als der beste Schüler mit dem von einem patriotischen Bürger gestifteten Ehrenpreis in Form eines auf 150 Gulden lautenden Kapitalbriefes ausgezeichnet wurde (1831), welchen M., mit Zinseszinsen zu einem auf 2500 Mark gewachsenen Capital admassirt, 1884 zu einer Jahresprämie für tüchtige Lehrlinge dem »Baierischen Kunstgewerbe-Verein« vermachte. Nach Ableistung seines Gesellenstücks nahm ihn Stiglmair als Hülfsarbeiter in seine Erzgießerei. Nebenbei ermöglichte ihm derselbe den Besuch der Kunstakademie; hier bildete er sich unter Professor Conrad Eberhard, einem Vorkämpfer des Wiedererwachens der deutschen Plastik, und modellirte Büsten (z. B. der verehrten Bischöfe Streber und Sailer) und Statuen, mußte aber nach dreijährigem Studium in die durch zahlreiche Aufträge frisch aufblühende Erzgießerei zurück, deren vielseitige und schwierige Technik ihn fortan dauernd in vollen Anspruch nahm. Galt es ja nicht nur Büsten, Grabdenkmäler und Standbilder zu gießen, sondern den 20 in hohen, zum Gedächtniß der 1812 in Rußland »auch für des Vaterlandes Befreiung« gefallenen Baiern errichteten Obelisk, das Denkmal für König Max I. (nach Rauch's Modell); König Ludwig dachte schon die zwölf kolossalen Standbilder zum absonderlichen Schmucke des Thronsaales, noch dazu in Feuervergoldung, herstellen zu lassen. Jedes neue Werk brachte mitunter auch unerwarteten Zuwachs von frischen Erfahrungen. Schon hatte der Ruf der neuen Anstalt eine Anzahl wißbegieriger Schüler nach München geführt, darunter den nachmals in Berlin emporgekommenen Broncefabrikant Knoll, den späteren Professor der Ciselirkunst Adolf Menke von Berlin, von Wien den damals als Bildhauer wohlbekannten Fernkorn u. A., die des innigsten Strebens und Zusammenarbeitens sich befleißigten. Stiglmair hatte die sog. italische Wachsformerei nach München gebracht, die jedoch neben vielen Vortheilen mehrfache Unvollkommenheiten bot. Aber auch die von Paris ausgehende moderne Sand- und Stückformerei erwies sich nicht als absolut einwandfrei. Hatte man doch zum Guß der Blücher-Statue den Franzosen Lequine nach Berlin berufen. Es lag nun ziemlich nahe, die neue Methode an der Quelle zu studiren, wozu Stiglmair unmöglich abkommen konnte. Er dachte also, den Neffen dahin zu senden, welches schon 1834 ins Werk gesetzt wurde. Es hielt aber für den jungen Deutschen trotz aller Empfehlungen ziemlich schwer, erst bei Simonet, dann bei Sojer, welcher gerade die Kolossalstatue zur Bekrönung der Säule auf dem Bastilleplatz zum Guß vorbereitete, Zutritt und Aufnahme im Atelier zu erhalten; erst nachdem M. sich als Ciseleur und dann zur großen Ueberraschung der Meister als kundiger Former bewährt hatte, erwuchs für M. die Gelegenheit zu weiterer Einsicht. Er goß dann in Sojer's Werkstätte zwei von Stiglmair nach Paris gesendete Modelle, die Figur eines »Bettelknaben« und die lebensgroße Statue der »Diana von Gabi«, ferner noch drei Büsten, wodurch M. die Freundschaft seines Lehrherren also gewann, daß dieser später seinen eigenen Sohn zur weiteren Ausbildung nach München sendete. Nebenbei wurde M. ein stiller Zeuge von Lafayette's enormer Begräbnißfeier, an welcher sogar viele Saint-Simonisten in eigenartigen, fast orientalischen Kostümen theilnahmen; ebenso erlebte M. das Attentat von Fieschi's »Höllenmaschine« auf den »Bürgerkönig«. Bei Sojer wurde M. auch mit Alexander v. Humboldt bekannt, welcher ihm von dem neuesten Project König Ludwig's, der Errichtung des Riesenstandbildes einer »Bavaria«, berichtete — eine Aufgabe, an deren Lösung M. später einen großen Theil seines überaus thätigen Lebens setzen sollte. Vorerst überwog noch ein anderes Interesse: die Frage, wie man überlebensgroße Erzbilder vergolden könne. Alle bei den ersten Fachmännern in Italien und Paris eingezogenen Urtheile plaidirten auf Unmöglichkeit; jedenfalls müßten mehrere Menschenleben bei Vergoldung einer Statue durch die unvermeidlichen Quecksilberdämpfe zum Opfer fallen. Allein Stiglmair, welchen die neue Aufgabe ebenso begeisterte, ließ sich nicht einschüchtern. Er ging selbst nach Paris, freilich ohne seinen Zweck zu erreichen, dessen Verfolgung seinem Neffen überblieb. Der mit den Pariser Verhältnissen vertrauter gewordene M. fand durch Vermittlung eine Stelle als Hülfsarbeiter bei dem Vergolder Blus, welchem eines Tages beim Streik sämmtlicher Arbeiter M. erhebliche Dienste leistete, sodaß ihn dieser, dankbar und überglücklich, daß der von ihm bisher so wenig beachtete Arbeiter so rasch begriff, in alle Manipulationen einweihte und den »Monsieur Miller« selbst nach überstandenem Streik als Freund behandelte. Miller's ganzes Sinnen richtete sich darauf, die Gefahren des Feuervergoldens zu überwinden; er zeichnete einen Vergolderherd nach Arzetschem System, wobei er alle seitherigen Erfahrungen beträchtlich verwerthete. Als M. endlich seinem Lehrherrn gestand, daß er jetzt den Muth habe, in München zwölf Broncestandbilder von 9 Fuß Höhe im Feuer zu vergolden, lachte ihm jener hellauf ins Gesicht: das sei die Imagination eines Narren und nur Deutschen könne so etwas unsinnig Unmögliches einfallen.

Miller's ganze Stellung war gegen früher eine bessere und angesehenere geworden, wozu auch der Gesandte Graf Jennyson als hochgebildeter und begeisterter Kunstfreund beitrug, welcher im Auftrag König Ludwig's eines Tages bei Sojer in officieller Weise vorfuhr, um im Namen seines hohen Herrn für die Aufnahme zu danken, die sein Schutzbefohlener, der junge Baier, in dem Atelier gefunden. Das war von durchschlagender Wirkung. Als nun M. in rastloser, tag- und nachtlanger Arbeit eine kleine Reiterstatuette des Kurfürsten Maximilian nach Thorwaldsen gegossen, ciselirt und vergoldet hatte, geruhte sogar König Louis Philippe das Werk zu besichtigen. Damit war Miller's Pariser Aufenthalt glückhaft beendet. Der junge Mann hatte sich durch Hindernisse aller Art, mit gereifter Erfahrung und weitem, klaren Blick zum selbständigen Meister durchgerungen. »Strenges Pflichtgefühl, mit unverbrüchlichem Gottvertrauen gepaart, hatten seinem eigenen Thun und Denken die sichere Führung gegeben, die ihn unberührt ließ von allem, was an anderer Gesinnung ihm entgegentrat. Sein aufrichtig dankbares Gemüth und gerades, herzliches Wesen ließ ihn überall, selbst unter anfänglichen Gegnern, Freunde finden, denen er treu blieb, wie allem, was einmal in seinem Herzen feste Wurzel faßte.« Die Rückreise nahm M. über Boulogne, auf einem neuerbauten Dampfer durch den Kanal, nach London, dessen Fabrikleben ihn höchlichst interessirte, dann ging es über Ostende, immer noch in der blauen Arbeiterblouse mit weißem Strohhut, das Felleisen auf dem Rücken über Gent und Antwerpen, wo er den Gießer Bükens begrüßte, mit der Bahn nach Brüssel und mit der Diligence nach Aachen und rheinaufwärts. Ueberall durch das blühende industrielle Leben angeregt, voll von den bevorstehenden Arbeiten beschäftigt und in steter Erwägung mit der Construction neuer Transportwagen und neuer Sandformerei, immer nach passendem neuen Material forschend. Von der Höhe des Niederwaldes, wo er gewiß nicht ahnte, daß hier noch am Abend seines Lebens das Riesengußwerk der Germania sich erheben sollte, sah er in die reizende Ferne. Auf Schloß Johannisberg wird dem rüstigen Gesellen ein Trunk besten Weines credenzt. Die ganze Poesie des Wanderlebens entfaltete sich auf dieser frohen Tour vom heiligen Köln bis Mainz; dann über Nürnberg nach dem heimathlichen München.

Sein sehnlichster Wunsch, auf der Akademie als Bildhauer sich auszureifen, ging leider nicht in Erfüllung, da eine Menge von Arbeiten bei Stiglmair ihn erwartete; darunter der Guß von der Reiterstatue Max I. nach Thorwaldsen, die Standbilder für den Thronsaal, die Vorbereitungen zur »Bavaria!« Eine glänzende Berufung nach Petersburg schlug M. aus, um seine schwer errungene Braut in sein neugegründetes Heim einzuführen. Das lebensgefährliche Problem, die kolossalen Statuen der Fürstenstatuen im Feuer zu vergolden, ermöglichte M. durch seine sinnvolle Construction eines eigenen Herdes, in welchem die viele Zentner schweren Broncen in Rollschienen laufend, leicht dirigirbar, das nach Verflüchtigung des amalgamirenden Quecksilbers gleichmäßig eindringende Gold aufnahmen. Die tödtlich drohenden Giftdämpfe wurden durch rasch ziehende Kamine und immer neue Luft zuführende Canäle und Glasverschlüsse abgewendet und die Athmungsorgane der Arbeiter durch Drahtvisiere und feuchte Schwämme gesichert. Während die gewiegtesten Fachmänner für die Vergoldung einer Statue mehrfachen Verlust von Menschenleben diagnosirten, war durch Miller's weise Umsicht kein Unfall eingetreten. Seit den Zeiten der Griechen und Römer waren Gußwerke von gleicher Größe in ähnlicher Weise nicht mehr vergoldet worden. Später unternahm M. nochmals das Wagniß, ein großes Monumentalwerk, die Kolossalstatue der Madonna für den Thurm der Marienkirche zu Aachen in Feuer zu vergolden. Dann wurde der Ofen abgebrochen, und nur die Erinnerung verblieb an das einst so viel besprochene Wagniß. Inzwischen war von Frankreich aus eine den Erzguß überhaupt bedrohende Fata morgana der mittelst des galvanischen Stromes jede beliebige Form mit Metall überziehenden Methode aufgekommen. Die bei kleinen Gebilden überraschenden Leistungen stellten sogar eine ciselirbare Dicke der anwachsenden Metallschicht in sichere Aussicht. Zur weiteren Prüfung an der Quelle ging M. und bald darauf auch Stiglmair nach Paris. Eine objective Prüfung ergab jedoch die Ueberzeugung, daß diese neueste Technik wol nur für Nippsachen, nie aber für monumentale Schöpfungen Anwendung finden und die Kunst des Erzgusses dadurch nie gefährdet oder ganz beseitigt werden könne.

Bei dem nur zu fühlbaren Mangel einer sicheren Tradition zeitigte jedes neue Werk frische und öfters herbe Erfahrungen, woraus jedoch bald eine feste Operationsbasis reifte. Kleinere in ihrer Folge weittragende Zufälligkeiten ließen sich immer nutzbar verwerthen. Ein schwerer unverschuldeter Zufall mit der Statue Friedrich des Siegreichen gefährdete Miller's Leben und ergab langjährige Schonung. Zweimal gerieth das Sparrenwerk des Daches in Brand. Glücklich gelang der Guß des für Frankfurt bestimmten Goethe-Standbildes am 14. März 1844, die erste selbständige Leistung Miller's; wenige Minuten nach Empfang der Freudenkunde starb der längst schon mit dem Tode ringende Stiglmair, der das weitere Gedeihen seiner Anstalt nun getrost den Händen seines treuen Neffen anvertrauen konnte. König Ludwig ernannte den jungen M. zum Inspector der Erzgießerei mit dem Auftrag, alle Arbeiten weiter zu führen. Die Gießerei wurde nun den großen Anforderungen gemäß erweitert; das erste, unter des neuen Meisters eigener Verantwortung vollendete Werk war das Haupt der »Bavaria«. Nur widerstrebend verzichtet der Berichterstatter auf eine andeutungsweise Geschichte des mit unabsehbaren Schwierigkeiten bewerkstelligten 15 Meter hohen Kolosses, dessen Bewältigung in achtjähriger ununterbrochener Arbeit 87 360 Kilo Erz beanspruchte. Die Krankheit und der frühe Tod Schwanthaler's – er hatte mit dem letzten Aufwand seines überhaupt so kurz bemessenen und durch so überraschend vielseitige Schöpfungen aufgezehrten Lebens das riesige Modell (siehe A. D. B. XXXIII, 198) in der Erzgießerei aufgebaut –, die 1848 erfolgte Thronentsagung König Ludwig I., die dadurch bedingte Verzögerung der bewilligten Mittel, die Einstellung oder Rücknahme vieler Bestellungen übten einen drückenden Einfluß auf die frisch erblühte Anstalt Miller's, der mit voller Aufbietung seiner verfügbaren Mittel und mit fühlbarer Einbuße seine enorme Aufgabe fortsetzte und zum Abschluß brachte. Am 11. December 1844 vollzog sich trotz gefahrdrohender Anzeichen der glückliche Guß des Hauptes der »Bavaria« – die Erhebung und Aufwindung des Hauptes aus der Grube malte Kaulbach an den durch climatische Einflüsse wieder verschwundenen Fresken an der Neuen Pinakothek (eine photographische Reproduction im 5. Heft der Zeitschrift des bairischen Kunstgewerbe-Vereins 1887) – die Herstellung des Mittel- und Fußstückes erfolgte in programmmäßiger Frist (s. A. D. B. XXXIII, 198), so daß am 22. Juni 1850 das Fußstück der »Bavaria« auf den Sockel gebracht und am 7. August das Haupt im festlichen Zuge von zwanzig gewaltigen Rossen zum Aufstellungsplatze gefahren werden konnte (vgl. R. Lecke: Ruhmes-Halle und Bavaria, München 1850). Als der Kopf unter dem Gerüste stand, ließ M., wie er schon früher einmal in der Gußhütte gethan, so viele Leute in das Innere desselben steigen als darin Platz finden konnten: 28 Mann, dazu noch seine zwei ältesten Knaben Fritz und Ferdinand. Freilich war es im Innern enge und heiß; in zwei Etagen übereinander hatten sich die Arbeiter eingenistet, zwei Mann waren im Haarwickel untergebracht, und die beiden Knaben hockten den Arbeitern auf den Schultern. Aber trotz der unbequemen Situation herrschte fröhliche Laune. Aufgezogen zu etwa zwanzig Fuß Höhe entstiegen dem frei schwebenden Haupte erst die Knaben, dann in immer längerer Pause, ein Arbeiter nach dem anderen der im Scheitel gelassenen Oeffnung, kletterten auf einer Leiter herab und stellten sich rechts und links in die Reihe. Dann begann die weitere Erhebung des Hauptes, welches ohne Zwischenfall an die gehörige Stelle gelangte. Am 3. October fiel, nach einem grandiosen Festzug von Wagen, welche sämmtliche Zünfte und Gewerbe Münchens zu einer Huldigung für König Ludwig mit sinnigen Emblemen, mit Blumen und Gewinden, Fahnen und sonstiger Zier gerüstet hatten (leider kam das schöne Project Moriz v. Schwind's, diesen Festzug im Stiegenhause der Neuen Pinakothek in Fresko zu malen, nicht zur Ausführung, doch haben Graf Pocci, Tony Muttenthaler und Peter Herwegen zahlreiche Erinnerungen in Holzschnitt und Lithographie herausgegeben), die bisher das ganze Standbild überragende Bretterwand und die im Sonnenschein glänzende »Bavaria« wurde von der tausendstimmigen Volksmenge mit Musik, Gesang und Reden inaugurirt, ein Jubel-, Freuden- und Ehrentag für den königlichen Mäcen und seine treuen Künstler!

Während der Arbeiten zur »Bavaria« war gleichzeitig die Ausführung der nach Martin v. Wagner's Entwurf und Halbigs neu modellirten für das Siegesthor bestimmten »Quadriga« vorangeschritten; gestützt auf seine neuen Erfahrungen hatte M. je zwei der acht Fuß hohen Löwen auf einmal zum Guß gebracht. Nun entschloß er sich, trotz allen Bedenken der vorbereitenden Münchener Ausstellungscommission und trotz den unabsehbaren Mühen und großen Kosten bei dem Transport solcher Kolosse, einen der genannten Löwen im Geleit zweier anderen Statuen auf die erste internationale Exposition 1851 nach London zu senden, als sichtbaren Beweis, daß es für die Erzgießkunst kein unlösbares Problem mehr gebe. Der nicht ciselirte Löwe repräsentirte die Reinheit des Gusses, die beiden (nach Schwanthaler's Modell für jene von dem Gutsbesitzer Anton Veith auf Liboch zu erbauende Böhmische Ehrenhalle bestimmten) Figuren der »Libussa« und des »Georg Podibrad« boten ein Muster von fertig ciselirten in ihrer Metallfarbe in keinem anderen Material so anziehend darstellbaren Arbeiten (vgl. Nr. 327 »The London Journal« vom 30. Mai 1851, S. 197 und Nr. 408 »Illustr. Ztg.« vom 26. April 1851. XVI, 268 ff.). Sie wurden auch durch die erste goldene Medaille prämiirt: Ein Erfolg, dessen Bedeutung heute kaum mehr begriffen wird. Die Verleihung vollzog sich aber in möglichst unzarter Weise. Während Napoleon den preisgekrönten Franzosen unter feierlichem Gepränge die von ihnen errungenen Medaillen in den Tuilerien überreichte, übersendete selbe, und zwar in echtester Bronce, die Münchener englische Gesandtschaft durch einen gewöhnlichen, blaubeschurzten zipfelkappigen Ausgeher. Kaspar Braun, welcher die gleiche höchste Auszeichnung für seine xylographischen Leistungen durch dieselbe ungeeignete Persönlichkeit erhielt, malte von diesem officiellen Geschäftsträger ein heute noch das Redactionsbureau der weltbekannten Firma »Braun & Schneider« schmückendes Aquarellporträt. – Der Rücktransport des Löwen ergab unerwartete Schwierigkeit: das Schiff, auf welches derselbe verladen war, blieb zwischen Düsseldorf und Köln im Eise stecken, der Winter war streng, und erst mit dem anbrechenden Frühling 1852 kam das Stück wieder nach München.

Bisher waren die Aufträge für die Münchener Erzgießerei nach König Ludwig's Vorgang aus Baiern und anderen deutschen Ländern, meist nach Schwanthaler's neuen Modellen erfolgt, darunter das Mozart-Denkmal (Salzburg), die Statuen der Großherzoge Karl Friedrich (Karlsruhe), Ludwig von Hessen (Darmstadt) und Markgrafen Alexander (Ansbach), die Standbilder Goethe's (Frankfurt), Jean Paul Richter's (Bayreuth), des Dichters Graf Platen (Ansbach), die Denkmale für Generalfeldmarschall Tilly, Fürst Wrede, Freiherr v. Kreitmayr, Lorenz v. Westenrieder, die Tondichter Gluck und Orlando Lasso, der Kurfürsten Maximilian I. und Max Emanuel, der Brunnen der »Austria« für Wien und Bernadottes für Norrköping (Schweden) u. s. w. Nun eröffnete die auf der Londoner Exposition erfolgte Anerkennung ein neues Arbeitsfeld in Amerika – wohin M. gerade damals, wo der Gießkunst in Deutschland schlimme Zeiten drohten, ernstlich dachte, mit allen seinen gutgeschulten Arbeitern auszuwandern: ein Project, welches durch zahlreiche neue Bestellungen jedoch glücklich wieder durchkreuzt wurde. Der geniale amerikanische Bildhauer Thomas Crawford (geb. 22. März 1814 in New-York, † 10. Oct. 1857 in London) sendete ohne vorhergehende Kostenanschläge sein 22 Fuß hohes Reitermodell Washington's zum Guß nach München. M. setzte eine Ehre darin, dieses unbedingte Vertrauen zu rechtfertigen und nicht nur mit den Kosten zu sparen, sondern auch alle dem überseeischen Transport entgegenstehenden Schwierigkeiten zu überwinden. Als das zur größten Zufriedenheit Crawford's vollendete Reiterbild fertig gestellt war, sollte dasselbe unzerlegt über den Ocean nach Richmond in Virginia zur Aufstellung gelangen. Bis an den Main mußte die riesige, einem ganz respectabeln kleinen Hause gleichende Kiste auf der Achse verbracht werden. Sechzehn mit Blumen und Bändern geschmückte, den Turnierhengsten der lanzensplitternden eisernen Ritterzeit vergleichbare Pferde (das Eigenthum eines Föhringer-Fuhrmann's, der seinen Stolz in das von M. ihm für solche Aufgaben geschenkte Vertrauen setzte) zogen den eigens gebauten und erprobten Wagen. Zahlreiche Hindernisse ergaben sich beim Transport: viele Stadtthore waren zu eng und niedrig, den Wagen mit der Kiste durchzubringen. Um manche kleinere Stadt mußten in weitem Bogen eigene Wege gebaut, die Hauptstraßen auf große Strecken tiefer gelegt und gepflastert, mehrere Brücken unterbaut werden, ähnlich wie bei dem 1820 durch Konrad Eberhard bewerkstelligten Transport des Barberinischen Faun von Rom nach der Münchener Glyptothek. Dazu kam, daß kein Schiffer das an Umfang und Schwere außergewöhnliche Stück zu übernehmen wagte; nun kaufte M. ein eigenes Schiff, engagirte die ganze Bemannung und brachte so endlich die Statue den Maincanal und Rhein hinunter bis Bremen. Aber dort neue Noth; da die große Kiste kein Dampfer auf Deck verladen wollte, bewog M. mit großen Opfern einen Reeder, sein eben im Bau begriffenes Schiff mit einem theilweise abschraubbaren Deck zu versehen, um die Statue im Schiffsraum unterzubringen. So gelangte endlich das erste große Broncewerk für Amerika an seinen Bestimmungsort. Die Redlichkeit des deutschen Gießers und seine zähe Ausdauer in Ueberwindung aller Schwierigkeiten hatten nicht nur Crawford, den Schöpfer des Werkes, ihm zum Freunde gemacht. Bald kamen Aufträge in Fülle, von allen Seiten der Windrose, und Miller's Name wurde über dem Ocean so bekannt, daß dort kaum eine größere Stadt zu finden ist, in der nicht ein in München gegossenes Erzbild steht. Der über 200 Namen repräsentirende Wald von Statuen in den Modellsälen dieser Anstalt gibt Zeugniß davon, und die hübsche Sitte, am Fuße eines Denkmals die Karte der Besucher niederzulegen, bietet eine in dieser Weise ganz unerhörte Collection!

Der seit dreiundzwanzig Jahrhunderten erprobte Satz des Terentianus Maurus, »habent sua fata libelli« läßt sich gleichfalls unzähligen anderen Dingen anpassen. Auch Bildwerke wüßten davon zu erzählen; hier sollen nur etliche statuarische Erlebnisse erwähnt werden. Ein eigener Unstern schien über dem bei Fogelberg (1787–1854) für Gotenburg bestellten »Gustav Adolf« zu walten: Das erste Modell wurde bei der Occupation Roms durch die Franzosen durch eine im Atelier einschlagende Granate zertrümmert; ein neuer vortrefflich gelungener Aufbau desselben sollte in Bronceguß unter des Bildners Augen von zwei Franzosen ausgeführt werden mit dem Beding, daß die Hälfte der Kosten unmittelbar nach dem Guß an die Unternehmer ausbezahlt werde, welche mit dem Gelde verschwanden und dem Künstler in der endlich geöffneten Form einen unbrauchbaren Metallklumpen hinterließen. Die zum dritten Male vollendete Arbeit sendete Fogelberg, der bisher die großen Gefahren eines Transports nach München gefürchtet hatte, an M.; Alles ging nach Wunsch ohne Zwischenfall, und M. konnte zur bedungenen Zeit zur größten Freude des Bestellers, den fertig ciselirten Bronceguß abliefern. Aber das Schiff mit der Kiste scheiterte bei Helgoland, und die Insulaner forderten nach dem damaligen Strandrecht ein so hohes Lösegeld, daß die Versicherungsgesellschaft die Statue lieber nochmals in Bronce gießen ließ. Nachdem das neue Werk an seinem Bestimmungsort glücklich angelangt und aufgestellt war, legten die Helgoländer klein bei und verkauften ihre Beute nach Bremen, welches in ganz unvorgesehener Weise ein billiges Standbild des Schwedenkönigs erhielt (vgl. Nr. 269 Morgenblatt der »Bayerischen Zeitung« vom 15. October 1862).

Es klingt unglaublich aus welch bitteren Erfahrungen M. neue Resultate gewinnen mußte, welche freilich in der Folge in unschätzbarer Tradition dem ganzen Unternehmen zur siegreichen Folie dienten. Unvorhergesehene Zufälle drängten sich immer dazwischen, so z. B. ein Dachstuhlbrand über dem Schmelzofen, als die Statue des Fürsten Wrede in der Gußgrube stand. Die Feuerwehr hätte bald noch größeren Schaden gebracht: Gelangt Wasser in das flüssige Erz, so ist eine Explosion unabwendbar, im gleichen Falle auch die Form verloren. Unglücklicher Weise stürzte in der rasenden Gluthhitze auf Miller's Brust ein eiskalter Wasserstrahl, der den Ueberschütteten an den Rand des Grabes und langjähriges Siechthum brachte, dessen einziger Trost war, daß trotz des unerhörten Wirrsals der Guß gelang.

Auf sauere Wochen folgten auch frohe Feste und erfreuliche Ehrung. Doch schob sich der sehnlichste Wunsch, eigene Compositionen zur Ausführung zu bringen, darunter die selbst geschöpfte Idee eines die Segnungen des Wassers darstellenden Brunnens, immer weiter über fremden Arbeiten hinaus. Endlich kam der Amerikaner Brobasko, welcher das zwanzig Jahre auf Realisirung wartende Project mit Freuden für Cincinnati erfaßte. Mit Beihülfe Kreling's (s. A. D. B. [1883] XVII, 115) und Miller's ältesten Söhnen Ferdinand und Fritz entstand das 43 Fuß hohe Werk, welches glücklich im glänzenden Erz ausgeführt, vor seiner Absendung mit allen Figuren und sonstigem Beiwerk im Hofe der Gießerei in allen Wasserkünsten spielend, aufgestellt und von ganz München bestaunt und bewundert wurde. (Eine Abbildung im XXVII. Bande, Nr. 5 »Ueber Land und Meer«, 1871 und neuestens unter Fr. R. Ackermann's Künstler-Weltpostkarten, Nr. 516.) Ferdinand Miller's gleichnamiger Sohn besorgte den Transport und die Aufstellung des unerhörten Werkes und empfing große Ehrungen, welche ebenso der deutschen Kunst wie ihren Vertretern galten, sich auch auf der folgenden Reise durch den Staat Indiana fortsetzten und neue Aufträge brachten. Das alte Wort, daß die Wünsche der Jugend mit dem Alter in Fülle sich bewähren, bestätigte sich, umsomehr, als auch die wackeren Söhne, jeder in seiner Weise hervorragend, dem väterlichen Vorbilde folgten.

In der langen Reihe überseeischer Lieferungen verdienen die trotz ihrer kolossalen Wucht doch gleich einer Tapetenthür leicht beweglichen und unhörbar schließbaren Broncethore für das Capitol in Washington (vgl. R. Doehn in Lützow's Zeitschrift, 1870, S. 288–91) eine erwähnenswerthe Stellung. Besondere Transportleistungen verursachte die Reiterstatue Bolivar's nach Tadolini's Modell für Venezuela mit dem ganzen aus Syenitblöcken bestehenden Unterbau (vgl. Nr. 311 »Allgem. Ztg.« vom 7. November 1858); das eine der beiden Schiffe scheiterte an den Riffen von Los Roques im Mexikanischen Meerbusen; doch wurde die ungeheure in 16 Kisten verpackte Labung nach namenlosen Gefahren wieder gehoben. Die Ueberbringung von Schilling's »Germania« mit den dazu gehörigen Statuen und Reliefs nach dem Niederwald erforderte unerwartete Anstrengungen, wovon übrigens die alten Pharaonenbilder in Aegypten gleichfalls ein Aequivalent in mechanischer Technik beanspruchten. Ganz zutreffend schrieb M. nach Vollendung des von Rietschel für Weimar bestimmten Goethe- und Schiller-Denkmals auf ein Albumblatt (in der Autographen-Sammlung des Innsbrucker »Ferdinandeums«) die Worte: »Von der Stirne heiß rinnen muß der Schweiß, soll das Werk den Meister loben; doch der Segen kommt von oben!« Ein Ehren- und Freudentag war es, als König Ludwig's Reiterstandbild (nach Schwanthaler-Widnmann) bei Eröffnung der »Propyläen« in die Stadt gefahren wurde. Die ganze Reihenfolge dieser Werke auch nur in Kürze aufzuzählen, ist hier unmöglich; den größten Theil aber in ihrer Entstehung miterlebt zu haben, gehört zu den unvergeßlichsten Erinnerungen des Referenten!

Miller's vielseitige Thätigkeit ist damit noch lange nicht geschildert; der Unermüdliche saß Jahre lang im Gemeinderath der Stadt als muthiger Vorkämpfer heilsamer Besserungen; er befürwortete den neuen Rathhausbau, brachte Hauberrißer's glorreiches Project zur Annahme und Ausführung. – M. zählte zu den Mitbegründern des »Vereins zur Hebung und Förderung des Kunstgewerkes"; er veranstaltete zur Feier des fünfundzwanzigjährigen Bestehens die »Große Kunst-Industrie-Ausstellung« 1876 im Glaspalast, welche sich mit einem vordem unerhörten Resultat rentirte. Als Mitglied des Landtags errang Miller's zündende Rede den Anschluß Baierns an Preußen bei Ausbruch des französischen Krieges, ebenso setzte er den Neubau der Kunstakademie mit dem Rest der Kriegsentschädigung durch. M. gab die Anregung zur Erhöhung der Künstlerstipendien und daß jährlich die (später bedeutend erweiterte) Summe von 25 000 Gulden zur Beförderung der Kunst und zu Ankäufen von Bildern für die Pinakothek in das Budget des Staates eingesetzt wurde. Zu glänzender Ehrung seiner Thätigkeit wurde M. im November 1873 einmüthig zum zweiten Präsidenten gewählt; hocherfreut lehnte er aber dankend die ihm ungewohnte Bürde ab. Am 10. Januar 1874 erfolgte mit 14 116 Stimmen im Wahlkreis Weilheim-Bruck-Landsberg ein Mandat für den deutschen Reichstag, welchem er bis 1881 angehörte. Auch hier erhob er oftmals im heißen Kampfe der Parteien seine versöhnende Stimme zum Nutzen und Schutze deutscher Selbständigkeit im Bereiche der Kunst und Industrie. Er trat energisch ein für den Bau des Reichstagspalastes, für die Errichtung des Niederwald-Denkmals, vor Allem aber für eine mehr rationelle Handelspolitik, für fördernde und schützende Tarife, sowie für das endliche Zustandekommen eines zweckentsprechenden Musterschutz-Gesetzes. Er besaß keine hinreißende, bestechende Redegabe, aber eine überzeugungsfeste Wärme und Wahrhaftigkeit. Sein spiegelreiner, unantastbarer, edler Charakter diente ihm zur Folie. Er war ein Mann vom alten Schlag mit hellem, erfassenden Verständniß für alle praktischen Fragen der Gegenwart. Im hochgehenden Culturkampf erwies er sich als ein einfacher, echter und warmer Christ, ohne Groll und Polemik gegen andere Bekenntnisse.

Die Erzgießer-Grube wurde eine Goldquelle für Stadt und Land. M. brachte ergiebige Summen in Umsatz und Umlauf zu Nutz und Frommen der bairischen und deutschen Industrie. Mit den Besten seiner Zeit stand M. in bleibender Fühlung. Daß er seinen schwer erworbenen Hort mit großer Generosität zu charitativen Zwecken, zum wahren Nutzen und Heil seiner Arbeiter und Gehülfen verwendete und opferwillig vorging (z. B. in den Kriegsjahren 1859, 1866 und 1870, wo er sein ganzes Haus zu einer Freistätte für Kranke und Verwundete aufthat) soll ihm unvergessen bleiben.

Im J. 1873 erwarb er die Erzgießerei vom Staat und übergab diese seine Schöpfung 1886 den, die väterlichen Traditionen treu hütenden und in seine Fußtapfen tretenden Söhnen. Seinem Könige Ludwig I. blieb er dankbar ergeben, obwol es nicht immer leicht war, den oft eigenwilligen Plänen und momentanen Wünschen dieses Mäcen zum Ausdruck zu verhelfen. Die Anregung und Ausführung der prächtigen Centenar-Feier dieses Monarchen war Miller's Werk. König Max II. und Ludwig II. zeichneten ihn aus in dankbarer Erinnerung, Letzterer 1875 durch Verleihung des erblichen Adels. Titel, Würden, Bürden und Ehren flogen dem sehr einfachen Mann von allen Seiten wohlverdientermaßen zu: Er blieb immer bescheiden und wahr, ein begeisterter Freund und Träger aller echten Kunst, ihrer Pfleger und Träger.

Vgl. E. Förster, Gesch. d. dtsch. Kunst, 1860. V, 235. – »Illustr. Ztg.«, Lpz., Nr. 742, 19. Sept. 1857 (m. Portr.). – »Ueber Land u. Meer«, 1876. XXXVI. Bd., Nr. 44 (m. Portr.). – »Illustr. Welt«, 1884, Nr. 14, S. 159 (m. Portr.). – Nekrologe in Nr. 42 »Neueste Nachrichten«, 11. Febr. 1887; Nr. 55 »Allgem. Ztg.«, 24. Febr. 1887; »Kunst f. Alle«, 1887, 1. März 1887, S. 172 ff.; Nr. 2278 »Illustr. Ztg.«, Lpz., 26. Febr. 1887 (m. Portr.). – R. Muther in Lützow's Zeitschrift, 1887. XXII, 330 ff. – J. v. Schmädel in der Zeitschrift des Kunst-Gewerbe-Vereins München, 1887, S. 25–32 u. 41–47, mit Portr. u. vielen Illustrationen. – Münch. Kunstvereinsbericht f. 1887, S. 78–83. – Fr. Pecht, Gesch. der Münch. Kunst, 1888, S. 176 u. 466 u. Aus meiner Zeit, 1894. II, 247 ff. – Sepp, Ludwig Augustus, 1903, S. 461 ff. – Seine Söhne setzten dem Meister des Erzgusses nicht nur ein ehernes Denkmal auf dem Südlichen Friedhof, sondern auch ein von Fritz v. M. verfaßtes, leider nicht für den Buchhandel bestimmtes Lebensbild (München 1904 bei Meißenbach, Riffarth & Comp., 176 S., kl. Fol.), eine würdige, mit Bildnissen, Ansichten und Reproductionen nach Miller's Schöpfungen reich ausgestattete Familienchronik. Ebenso gossen sie zu Vaters Ehren eine Medaille (0,40 cm im Durchschnitt) mit dem Reliefbildniß des Meisters modellirt von St. Schwartz und der Umschrift »Ferdinand von Miller der Erzgießer geb. 18. X. 1813 † 11. II. 1887«, auf der Rückseite die Statue der kranzspendenden Bavaria und der Legende »Dieser Koloß von Ludwig I. König v. Bayern von Ludw. v. Schwanthaler erfunden und modellirt wurde in den Jahren 1844–1850 von Ferd. Miller in Erz gegossen und aufgestellt. S. Schwartz sc.«

Hyac. Holland.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1906.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Miller Ferdinand, von, Ritter, 1813 (Fürstenfeldbruck) – 1887, Erzgießer (»Erzgießerei-Inspektor«); er entstammt einer Uhrmacherfamilie und lernte in München bei seinem Onkel Johann Stiglmaier zunächst das Goldschmiedehandwerk, studierte an den Kunstakademien in München und Paris und wurde 1844 Direktor der königlichen Erzgießerei in München, der er zu Weltruhm verhalf; M. schuf gegen 180 große Gußwerke, darunter die Bavaria in München, die Tore des Kapitols in Washington, das Goethe- und Schiller-Denkmal in Weimar, die Germania für das Niederwalddenkmal u. a.; er war auch Erfinder eines Verfahrens der Vergoldung großer Erzfiguren und neuer Gußformen; seiner Anregung als Gemeindebevollmächtigter – er war auch seit 1869 Mitglied des bayerischen Landtags und von 1874–1881 Zentrumsabgeordneter im deutschen Reichstag – war auch das Zustandekommen der deutschen Kunst- und Industrieausstellung von 1876 in München zu verdanken; weil er das Baugelände für die St.-Benno-Pfarrkirche in München unentgeltlich zur Verfügung stellte, wurde der angrenzende Platz nach ihm benannt; seine berühmten Söhne – auf dem Bronzerelief des Grabmals zu Füßen der Madonna kniend Oskar, der Elektroingenieur und Gründer des »Deutschen Museums«, und der Erzgießer Ferdinand der Jüngere – liegen im Friedhof beim Winthir-Kirchlein in München-Neuhausen.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#Ludwig von Miller

* 23.6.1850
† 10.2.1912 (München)
Erzgiesser

#Passauer Zeitung (18.2.1872)

Deutschland.

München, 15. Febr. Ich kann die angenehme Mittheilung machen, daß Hr. Ludwig von Miller, der Sohn des hiesigen Erzgießers, welcher bekanntlich vor einiger Zeit durch ein Unglück in Gefahr kam, das Augenlicht zu verlieren, nun durch Hrn. Professor Rothmund jun. wieder völlig hergestellt und daß dessen beiden Augen die frühere Sehkraft wiedergegeben ist.

Passauer Zeitung No. 49. Sonntag, den 18. Februar 1872.

#Rosenheimer Anzeiger (7.2.1912)

Münchener Neuigkeiten

München, 5. Febr. Nach einer Meldung der »M. N. N.« erlitt der Erzgießer Ludwig von Miller auf einer Ausflugsfahrt in Feldafing infolge eines durch eine Mandelanschwellung hervorgerufenen Halsabzesses Erstickungsanfälle, die Schlimmes befürchten ließen. Im Starnberger Krankenhaus wurde die Gefahr durch Oeffnung des Abzesses beseitigt, so daß der Patient heute nach München in die Klinik des Professors von Angerer verbracht werden konnte, wo es ihm, wie die »N. N.« hören, besser geht.

Rosenheimer Anzeiger No. 29. Mittwoch, den 7. Februar 1912.

#Rosenheimer Anzeiger (13.2.1912)

Münchener Neuigkeiten

München, 10. Febr. Erzgießer Ludwig von Miller, der vor kurzem auf einer Eisenbahnfahrt in Starnberg an einem Halsgeschwür heftig erkrankte und in die chirurgische Klinik von Tr. Angerer nach München gebracht werden mußte, ist Samstag nachts gestorben. Am Freitag hatte sich der Prinzregent noch nach dem Befinden des Kranken erkundigen und ihm einen Blumenstrauß überreichen lassen. Der Tod trat infolge einer Lungenlähmung ein; von Miller hat ein Alter von 62 Jahren erreicht.

Rosenheimer Anzeiger No. 34. Dienstag, den 13. Februar 1912.

#Rosenheimer Anzeiger (14.2.1912)

Münchener Neuigkeiten.

München, 13. Febr. Erzgießer Ludwig von Miller, der, wie schon kurz gemeldet, in der Nacht zum Samstag an einem Halsleiden verschied, war unter acht Söhnen des alten Erzgießers Ferdinand von Miller der fünfte. Ludwig von Miller, 1850 geboren, wurde frühzeitig von seinem Vater zum Gießerberuf bestimmt. Sein Fleiß, sein praktischer Sinn und das Geschick, mit dem er alle Arbeiten anpackte, ließen ihn bald zum wertvollen Beistand für seinen Vater und später für seine Brüder werden, mit denen er im Jahre 1886 die Erzgießerei übernahm. Er studierte an der K. Kunstgewerbeschule in Nürnberg, wo des Vaters Freund, Kreling, eben Direktor geworden war. Er arbeitete dann in Gießereien in Berlin und Wien sowie in Paris, wo er vielfach Neues zu lernen fand. Zum Bedauern seiner Chefs mußte er nach München zurück, wo große Arbeiten die Werkstatt füllten und Aufträge für Amerika und die deutsche Heimat seine Tätigkeit in Anspruch nahmen. Für das große Nationaldenkmal, die Statue der Germania, mußte er nach ihrer Vollendung auch den damals außerordentlich schwierigen Transport und die Aufstellung auf dem Niederwald leiten, und er war der letzte, der in schwindelnder Höhe, nach Sicherung des Kolosses, dem Innern durch die Krone entstieg, die die Germania hoch in der Rechten hält. Im Jahre 1887 schon war es ihm gelungen, ein neues Verfahren für elastische Formen zum Bronzeguß zu finden. Seine bei Ausführung zahlreicher Denkmäler erworbenen Verdienste wurden durch hohe Auszeichnungen anerkannt. Sein offener treuer Charakter gewann ihm die Zuneigung aller, die ihn kannten, und insbesondere auch die Verehrung seiner Arbeiter, denen er stets ein Vorbild des Fleißes und treuester Pflichterfüllung war.

Rosenheimer Anzeiger No. 35. Mittwoch, den 14. Februar 1912.

#Winfried von Miller

* 7.4.1854 (München)
† 21.5.1925 (München)
Genremaler, Landschaftsmaler und Portraitmaler

#Der Wendelstein (14.7.1887)

Vermischte Nachrichten

Das Bildniß Sr. Kgl. Hoheit Luitpold, Prinz-Regent von Bayern, welches der Münchener Maler Winfried von Miller im allerhöchsten Auftrage für die Universität Erlangen malte, ist soeben in vorzüglichen isochromatischen Photographien in der Verlagsanstalt für Kunst und Wissenschaft, München, erschienen. Dasselbe stellt den Regenten in ganzer Figur im Ornate der Hubertus-Ordensritter dar. Die Photographien sind in 3 Größen zu 12, 3 und 1 Mk. durch alle Kunsthandlungen zu beziehen.

Der Wendelstein No. 99. Rosenheim; Donnerstag, den 14. Juli 1887.

#Münchner Neueste Nachrichten (23.6.1889)

Bildende Kunst und Kunstgewerbe.

(Herr Kunstmaler Winfried von Miller), welcher die künstlerischen Arrangements bei der Hochzeit des Erbprinzen von Hohenzollern übernommen hat, ist mit Herrn Dekorateur Lentner nach Sigmaringen abgereist. Der Hochzeit, welche am 27. Juni stattfindet, werden bekanntlich der Kaiser und die Kaiserin, das sächsische und rumänische Königspaar, sowie eine große Anzahl Fürstlichkeiten verschiedener Länder beiwohnen.

Münchner Neueste Nachrichten No. 285. Sonntag, den 23. Juni 1889.

#Münchner Neueste Nachrichten (2.7.1889)

Bildende Kunst und Kunstgewerbe

(Maler Winfried von Miller) hat bei Gelegenheit der Hochzeit des Erbprinzen von Hohenzollern von Se. Hoheit Fürst Leopold von Hohenzollern, dessen Gast er war, für seine künstlerische Thätigkeit einen sehr werthvollen Ring als Geschenk erhalten.

Münchner Neueste Nachrichten No. 297. Dienstag, den 2. Juli 1889.

#Allgemeines Künstler-Lexikon (1921)

Miller, Winfried von, Maler, geb. 1853 in München, Schüler von Al. Wagner an der Akad. das., Sohn des Erzgiessers Ferdinand v. M. Er malte Bildnisse und Genrescenen, z. B. Gemüsehändlerin, Damenbildniss, Bildniss des Prinzregenten von Bayern (Universität Erlangen), etc.

Allgemeines Künstler-Lexikon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Frankfurt am Main, 1921.

#Münchner Neueste Nachrichten (25.5.1925)

Münchner Teil

Winfried von Miller †

Im Südlichen Friedhof wurde am Sonntag vormittag Kunstmaler Winfried v. Miller zur ewigen Ruhe gebettet. Die an der Mauer an der Thalkirchnerstraße gelegene Familiengruft mit dem kapellenartigen Aufbau, dem in Bronze gegossenen Relief, das nach Art alter Epitaphien die Familie Miller im Gebete vor der Himmelskönigin darstellte, öffnete sich zum letzten Male für einen Sprossen dieses Geschlechts, den zweitjüngsten Sohn des Erzgießers Ferdinand v. Miller; die von acht Brüdern noch überlebenden zwei haben anderwärts sich die letzte Heimstatt erwählt. Prächtiger Schmuck von Anton Buchners kunstverständiger Hand zierte das Grab; neben hohen Lorbeerbäumen ragten Ständer mit lodernden Flammen, zarte Vergißmeinnicht umsäumten den Stein. Dem Sarge waren mit den Brüdern Frhr. Ferdinand v. Miller und Geheimrat Dr. Oskar v .Miller, deren Söhnen und Enkeln, den Verwandten, unter ihnen General v. Malaisé, zahlreiche Freunde und Bekannte, besonders Vertreter der älteren Generation, gefolgt. Der frühere Finanzminister v. Breunig, General Hemmer, die Hochschullehrer Graetz, Oebbecke, Frhr. v. d. Pfordten, Geheimrat Dr. Messerer, Angehörige der Familien Sedlmayr. Pschorr, v. Seidl, aus der Künstlerschaft die Professoren Rob. Schleich, Hierl-Deronco, Max Kleiber, Fritz Schmidt, Landschaftsmaler Leopold Schönchen, die Bildbauer Balth. Schmitt, Killer, Kammersänger Schuegraf, der Prior von St. Bonifaz, P. Augustin Engl, Kommerzienrat Hans Wagner, Ökonomierat Buchner, Ernst Bernheimer, Beamte des Deutschen Museums und des technischen Bureaus Oskar v. Miller waren unter den Trauergästen.

Der Stadtpfarrer von St. Bonifaz, geistlicher Rat P. Ludger Rid, hielt dem Künstler, der vom Vater den Sinn für das Schöne, von der Großmutter die lebensfrohe Art ererbte, einen tief empfundenen Nachruf. Apgust Spieß, Aechter, Strähuber, Barth, Alexander Wagner waren seine Lehrer, mit dem Letztgenannten durfte er in die neuerbaute Akademie einziehen, deren Vollendung das Werk seines Vaters war. Reiches Wissen, ein feiner Humor machten den Künstler nicht nur zum gern gesehenen Gast am bayerischen Hofe, wo Prinz-Regent Luitpold ihn oft zur Tafel lud, sondern ebenso in Reuß und auf Schloß Sigmaringen. Miller war ein guter Menschenkenner, der es verstand, im Gemüt des andern harmonisches Fühlen zu wecken. Er wußte nicht nur große Feste vorzubereiten, sondern auch im Kleinen Freude zu machen, er war der liebenswürdigste Gastgeber auf seinem Sommersitz Grainau. Innigste Teilnahme zeigte er, schon schwer geprüft durch sein Leiden, an allem Geschehen in der Familie; mit großer Freude erfüllte es ihn, die Ehrentage des Deutschen Museums noch miterleben zu dürfen. Er war eine Persönlichkeit, reich an Gemüt und Schaffen.

Kunstmaler Wilhelm Roegge gedachte des feinen, vornehmen Menschen, des seitab des Tagesstreites lebenden bescheidenen Künstlers, dem eine Reihe vorzüglicher Arbeiten, darunter das erste authentische Porträt des Regenten, zu danken ist, und weihte ihm im Namen der Münchner Künstlergenossenschaft den unverwelklichen Lorbeer. Geh Kommerzienrat Georg Pschorr widmete im Auftrag des Künstlerhausvereins mit warmen Worten des Dankes ein herrliches Gebinde bunter Frühlingsblumen. Unter den Kränzen, die das Grab zierten, war auch einer, den »in treuer Freundschaft« die Altmüncher Künstlergesellschaft Humpenburg ihrem Mitgliede als Abschiedsgruß gesandt hatte.

H. R.

Münchner Neueste Nachrichten Nr. 143. Montag, den 25. Mai 1925.

#MR – 81·82 (Fahrmbacher · Rosenbusch)


ALFRED FAHRMBACHER.
MAJOR
IM 13. ARTIL. REGT. KOENIGIN MUTTER.
RITTER D. K. B. VERD. ORDENS II. CL.
UND INHABER D. EISERN. KREUZES II. CL.
GEB. D. 6. OCT. 1840. GEST. 25. MAI 1878.
IHM FOLGTE SEIN SOHN
HEINZ.
GEB. 31. JULI 1875. GEST. 13. FEBR. 1881.
MARIE ROSENBUSCH
GEB. FAHRMBACHER
RITTMEISTERS-GATTIN
GEB. 20. JULI 1878. GEST. 20. FEBR. 1907.


  • Fahrmbacher, Alfred; 6.10.1840 – 25.5.1878 (München); Major
  • Fahrmbacher, Heinz; 31.7.1875 – 13.2.1881
  • Rosenbusch, Marie (vh) / Fahrmbacher (gb); 20.7.1878 – 20.2.1907; Rittmeisters-Gattin

Todesanzeige für Alfred Fahrmbacher

Grab der Familien Fahrmbacher · Rosenbusch auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

Grab der Familien Fahrmbacher · Rosenbusch auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2008)

#MR – 83 (Ney · Sondermaier · Weinberger)


Obelisk
Mathias
Weinberger’sche
Ruhestätte.

Sockel
Hier ruhet unser unvergesslicher, guter Sohn
FRANZ WEINBERGER,
Gärtnereibesitzers-Sohn,
geb. 22. März 1884, gest. 1. April 1897.
Hier ruhet
mein innigstgeliebter Gatte u. Vater, Herr
JOSEF SONDERMAIER,
Metzgermeister,
geb. 20. Febr. 1870, gest. 23. Febr. 1899.
Hier ruhet unser innigstgeliebtes,
unvergessliches Kind
AMALIE SONDERMAIER,
geb. 14. Sept. 1898
gest. 15. Sept. 1911.

Tafel
Dem Andenken der hier
ruhenden besten Eltern:
HERR LUDWIG NEY
k. POSTOFFIZIAL
geb. 6. April 1814, gest. 2. Juni ¿
FRAU ELISE NEY
geb. Gerhager,
geb. ¿ März 182¿ gest ¿ Aug ¿
Es folgte deren Tochter
APOLLONIA NEY
Stiftsfräulein in Neuberghausen
im 83. Lebensjahre.


  • Ney, Apollonia; Stiftsfräulein
  • Ney, Elise (vh) / Gerhager (gb); ¿.3.182¿ – ¿.8.1889; Postoffizials-Witwe
  • Ney, Ludwig; 6.4.1814 – 2.6.¿; Postoffizial
  • Sondermaier, Josef; 20.2.1870 – 23.2.1899; Metzgermeister
  • Weinberger, Franz; 22.3.1884 – 1.4.1897; Gärtnereibesitzers-Sohn

Grab der Familien Ney · Sondermaier · Weinberger auf dem Alten Südfriedhof München (November 2012)

Grab der Familien Ney · Sondermaier · Weinberger auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2009)

#MR – 85 (Elbracht)


EHRE
UND
TREUE

FRANZ V. ELBRACHT
KÖNIG. BAIER. GENERALLIEUT.
COMMANDEUR DES MILITAER
MAX JOSEPH ORDENS. RITTER
DER K. FRANZ. EHRENLEGION
GEBOREN DEN 10. AUGUST 1768
GESTORB. DEN 19. FEBR. 1825.


  • Elbracht, Franz Valentin von; 10.8.1768 (Mannheim) – 19.2.1825 (München); Generalleutnant
  • Elbracht, Josef von; 8.12.1797 – 24.7.1841 (München); Oberleutnant
  • Elbracht, Josefine von (vw) / Segalla von Kornfeld (gb); 27.7.1779 – 30.1.1857 (München); Generalleutnants-Witwe

Grab der Familie Elbracht auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

Grab der Familie Elbracht auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2008)

Grab der Familie Elbracht auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2013)

Grab der Familie Elbracht auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2013)

Grab der Familie Elbracht auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2013)

#Franz Valentin von Elbracht

* 10.8.1768 (Mannheim)
† 19.2.1825 (München)
Generalleutnant

#Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte (1875–1876)

Franz Valentin Elbracht wurde am 9. Juli 1766 zu Mannheim geboren und trat im Alter von 17 Jahren als Cadet in das Infanterie-Regiment Rodenhausen. Nachdem er im Jahre 1786 eine Lieutenantsstelle im Dragoner-Regiment Leiningen erworben, wurde ihm als Oberlieutenant im 1. Chevauxlegersregiment wegen besonderer in den Feldzügen 1793 und 1794 bewiesener Tapferkeit das von dem Kurfürsten Carl Theodor gestiftete Militär-Ehrenzeichen verliehen. An dem Feldzuge 1805 nahm Elbracht als Major im 3. Chevauxlegersregiment Leiningen (nun 5. Prinz Otto) Antheil und erhielt für die im Tagebuch verzeichneten Handlungen das Comthurkreuz des Militär-Max Joseph-Ordens. Als Oberst des 1. Chevauxlegersregiments erwarb er sich in den Feldzügen 1809 und 1812 mehrfache Belobungen, 1813 als Generalmajor und Commandant einer Cavalleriebrigade das Ritterkreuz der französischen Ehrenlegion. 1824 wurde von Elbracht unter Ernennung zum Vicepräsidenten des k. Generalauditoriats zum Generallieutenant befördert, und starb als solcher am 19. Febr. 1825 in München.

Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte, herausgegeben von dem historischen Vereine von Oberbayern. Fünfunddreißigster Band. München, 1875–1876.

#MR – 86·87 (Obermaier)


Hier ruht in Gott
mein herzensguter Gatte
unser bester Vater
Herr Johann Obermaier
Privatier
geb. 20. Mai 1844, gest. 31. Januar 1917.
Ihm folgte seine liebe Tochter
Frl. Johanna Obermaier
geb. 19.XII.1873, gest. 9.V.1930.
Und seine treue Gattin
unsere liebe, gute Mutter
Frau Anna Obermaier
geb. Bartl,
geb. 12. März 1848, gest. 28. März 1941.

Der Herr gebe ihnen die ewige Ruhe!


  • Obermaier, Anna (vw) / Bartl (gb); 12.3.1848 – 28.3.1941
  • Obermaier, Johann; 20.5.1844 – 31.1.1917; Privatier
  • Obermaier, Johanna; 19.12.1873 – 9.5.1930

Grab der Familie Obermaier auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#MR – 89 (Radlkofer)


FAMILIE RADLKOFER.

Linke Spalte
Maria Anna Radlkofer,
geb. Weinmüller,
Magistratsraths-Gattin,
gest. 20. Jan. 1828, im 38. Lebensjahre.
Josephine Radlkofer,
geb. Löcherer,
Magistratsraths-Gattin,
gest. ¿ Sept. 1878 im 86. Lebensjahre
Otto von Radlkofer,
k. Senatspräsident,
gest. 21. März 1904 im 70. Lebensjahre
Hildegard von Radlkofer,
geb. Ostermaier,
Senatspräsidentens-Witwe
gest. 30. Jan. 1930 im 85. Lebensjahre

Rechte Spalte
Dr. Jakob Radlkofer,
rechtsk. Magistratsrath,
Ritter d. Verd. Ord. v. hl. Mich. 1. Cl.
gest. 8. Febr. 1862, im 74. Lebensjahre.
Mathilde Radlkofer,
geb. Jacubezky,
Univ.-Professors-Gattin,
gest. 2. Dez. 1884, im 38. Lebensjahre.
Max Radlkofer,
kgl. Studienlehrer a. D.
gest. 4. Dez. 1908, im 73. Lebensjahre.
Dr. Ludwig Radlkofer,
Geh. Hofrat u. Univ.-Prof.
gest. 11. Febr. 1927 im 98. Lebensjahre.


  • Radlkofer, Hildegard von (vw) / Ostermaier (gb); – 30.1.1930; Senatspräsidentens-Witwe
  • Radlkofer, Jakob, Dr.; – 8.2.1862 (München), 74 Jahre alt; Magistratsrat
  • Radlkofer, Josefine (vh) / Löcherer (gb); – (4).9.1878 (München), 86 Jahre alt; Magistratsrats-Gattin
  • Radlkofer, Ludwig von, Dr. med. et phil.; 19.12.1829 (München) – 11.2.1927 (München); Botaniker
  • Radlkofer, Maria Anna (vh) / Weinmüller (gb); – 20.1.1828; Magistratsrats-Gattin
  • Radlkofer, Mathilde (vh) / Jacubezky (gb); – 2.12.1884; Professors-Gattin
  • Radlkofer, Max; – 4.12.1908; Studienlehrer a. D.
  • Radlkofer, Otto von; – 21.3.1904; Senatspräsident

Grab der Familie Radlkofer auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

#Dr. med. et phil. Ludwig von Radlkofer

* 19.12.1829 (München)
† 11.2.1927 (München)
Botaniker

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Radlkofer Ludwig, Dr. med. et phil., von, 1829 (München) – 1927, Botaniker, Geheimer Hofrat und Universitätsprofessor; Sohn des magistratischen Rechtsrats Dr. jur. Jakob R. – ebenfalls hier bestattet –, der sich um die Bienenzucht verdient machte und nach dem eine Münchner Straße benannt ist, studierte R. in seiner Vaterstadt Medizin und Botanik, habilitierte sich 1856 und wurde 1859 Universitätsprofessor, 1875 Mitglied der BAkdW, und 1891 Direktor des Botanischen Museums und Staatsherbariums zu München; er ist der Begründer der anatomisch-systematischen botanischen Methode, auch beendete er den Akademikerstreit über die Befruchtung der Phanerogamen (= Blütenpflanzen).

Hauptwerke: Befruchtung der Phanerogamen, Befruchtungsprozeß im Pflanzenreiche, über das Verhalten der Parthenogenesis (= Fortpflanzung durch Entwicklung unbefruchteter Keimzellen) zu den anderen Fortpflanzungsarten, Über die Kristalle proteinartiger Körper, Über die Methode in dem botanischen System, insbesondere anatomische Methode, Monographie der Sapindaceengattung.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#MR – 90·91 (Aumüller)


FAMILIE AUMÜLLER

Linke Spalte
Jos. Aumüller,
Hotelbesitzer,
geb. 13. Juli 1830,
gest. 11. Febr. 1903.
Annalise
Aumüller
geb. Winfh¿r, Hotel- u.
Gutsbesitzersgattin,
geb. 17. Oktober 1870,
gest. 13. Mai 1930.

Rechte Spalte
Ottilie Aumüller
geb. Hörmann,
Hotelbesitzersgattin
geb. 15. Juni 1837,
gest. 19. März 1908.
Max Josef
Aumüller
Leutnant der Res. a. D.
geb. 10. Aug. 1896,
gest. 12. Mai 1928.


  • Aumüller, Annalise (vh) / Winf¿ (gb); 17.10.1870 – 13.5.1930
  • Aumüller, Josef; 13.7.1830 – 11.2.1903; Hotelbesitzer
  • Aumüller, Max Josef; 10.8.1896 – 12.5.1928; Leutnant der Reserve a. D.
  • Aumüller, Ottilie (vh) / Hörmann (gb); 15.6.1837 – 19.3.1908; Hotelbesitzers-Gattin

Grab der Familie Aumüller auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familie Aumüller auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2011)

#MR – 93 (Mayer)


I. B. IGNAZ MAYER
LEDERFABRIKANT
UND GUTSBESITZER GEB.
¿ DCCLXVI. GEST: MDCCC¿

EIN GUTER GATTE
GUTER VATER
GUTER BÜRGER
LEBTE NUR
FÜR INDUSTRIE U. LANDBAU
HIER ERST FAND ER
EWIGE RUHE.
DESSEN SOHN
EDUARD MAYER
PRIVATIER IN MÜNCHEN
GEB. ¿ GEST. 23. MAI 1¿2.

RUHE IM FRIEDEN.


  • Mayer, Eduard; Privatier
  • Mayer, Ignaz; Lederfabrikant

Grab der Familie Mayer auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2013)

#MR – 94 (Orff)


¿
Carl Orff
Regierungsdirektor
18¿3 – 1942
¿


  • Orff, Karl; 18¿3 – 1942; Regierungsdirektor

Grab der Familie Orff auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2013)

Grab der Familie Orff auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2013)

#MR – 95·96 (Harslem · Sauer · Schöpping)


Familien-Grabstätte

Linke Spalte
Hier ruhen:
¿ Friedrich Sauer,
Buchhändler
¿ 1796, gest. 24. Febr. 1852.
Anna Sauer,
geb. Weittenauer
Buchhändler-Wittwe,
¿, gest. 16. Dez. 1881
Deren Kinder:
Carl Theod. Friedrich,
gest. 7. Dez. 1824.
Wilhelm Heinrich,
gest. 13. April 1834.
Edwin Johan Baptist,
gest. 12. März 1838.
Josef Friedrich
gest. 31. Mai 1849.
Carl Theodor,
gest. 20. März 1860.
Therese Harslem,
geb. Weittenauer,
kgl. Registrators-Wittwe,
gest. 19. Oktbr. 1877.

Rechte Spalte
Anna Schöpping,
geb. Sauer.
Buchhändlers-Gattin,
geb. 5. Febr. 1826, gest. 29. März 1862
Lina Schöpping,
geb. 2. Dez. 1854, gest. 5. Juni 1872
Carl Schöpping
Buchhändler
Handelsrichter und
Gemeindebevollmächtigter.
geb. 27. Juni 1818, gest. 24. Novbr. 1899.
Dessen Gattin
Antonie Schöpping
geb. Mayer
geb. 23. Aug. 1835, gest. 7. Juli 1906.
Adolf Schöpping
Buchhändler,
geb. 8. Juni 1850, gest. 4. Dez. 1907.


  • Harslem, Therese (vw) / Weittenauer (gb); – 19.10.1877 (München), 72 Jahre alt; Registrators-Witwe
  • Sauer, Anna (vw) / Weittenauer (gb); 19.11.1801 – 16.12.1881; Buchhändlers-Witwe
  • Sauer, Edwin Johan Baptist; – 12.3.1838
  • Sauer, Friedrich; 6.8.1796 – 24.2.1852 (München); Buchhändler
  • Sauer, Josef Friedrich; – 31.5.1849
  • Sauer, Karl Theodor; – 20.3.1860 (München), 25 Jahre alt; Buchhändler
  • Sauer, Karl Theodor Friedrich; – 7.12.1824
  • Sauer, Wilhelm Heinrich; – 13.4.1834
  • Schöpping, Adolf; 8.6.1850 – 4.12.1907; Buchhändler
  • Schöpping, Anna (vh) / Sauer (gb); 5.2.1826 – 29.3.1862 (München); Buchhändlers-Gattin
  • Schöpping, Antonie (vw) / Mayer (gb); 23.8.1835 – 7.7.1906; Buchhändlers-Witwe
  • Schöpping, Karl; 27.6.1818 – 24.11.1899; Buchhändler, Gemeindebevollmächtigter und Handelsrichter
  • Schöpping, Lina; 2.12.1854 – 5.6.1872 (München); Buchhändlers-Tochter

Grab der Familien Harslem · Sauer · Schöpping auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

#MR – 97·98 (Esebeck · Loé)


Familie v. Loé.

Hier ruhen in Frieden

Linke Spalte
unser lieber Sohn
Karl Loé,
geb. 15. Juli 1857, gest. 17. Januar 1868.
Maximilian
Ritter von Loé,
k. Staatsrath i. o. D.
u. Präsident des Oberlandes-
Gerichtes München,
Comthur d. Verdienstordens
der bayr. Krone u. v. hl. Michael
dann Inh. mehrerer ausländ. Ord.
geb. 23. Nov. 1824, gest. 16. Juli 1885.
William Loé,
k. Oberamtsrichter.
geb. 10. April 1850. gest. 4. Nov. 1895.

Rechte Spalte
Maria Anna
Freifrau v. Esebeck
geb. Atwell-Smith,
geb. 3. Juni 1797, gest. 30. Juni 1870.
Marie von Loé
geb. Freiin von Esebeck
Staatsraatswittwe.
geb. 15. Dez. 1818 zu Bourges.
gest. 27. Dez. 1896 zu München.
Maximilian Loé
Major z. D. u. Ingenieur
geb. 20. April 1853. gest. 2. Mai 1920.
Frau Olga Loé
geb. Schönlin, Majors-Witwe
geb. 4. Sept. 1864, gest. 20. Mai 1927.


  • Esebeck, Maria Anna Freifrau von (vh) / Atwell-Smith (gb); 3.6.1797 – 30.6.1870 (München); Oberst-Witwe
  • Loé, Friedrich Karl von, Dr. med.; 22.7.1786 (Eichstätt) – 30.7.1838 (München); Arzt
  • Loé, Karl; 15.7.1857 – 17.1.1868 (München); Ministerialassessors-Sohn
  • Loé, Marie von (vw) / Esebeck, Freiin von (gb); 15.12.1818 (Bourges) – 27.12.1896 (München); Staatsrats-Witwe
  • Loé, Maximilian; 20.4.1853 – 20.5.1920; Ingenieur und Major
  • Loé, Maximilian Ritter von; 23.11.1824 – 16.7.1885; Präsident des Oberlandesgerichts und Staatsrat
  • Loé, Olga (vw) / Schönlin (gb); 4.9.1864 – 20.5.1927; Majors-Witwe
  • Loé, William; 10.4.1850 – 4.11.1895; Oberamtsrichter

Grab der Familien Esebeck · Loé auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

Grab der Familien Esebeck · Loé auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

#MR – 99·100 (Sutner)


Georg Carl von Sutner
kgl. b. Staats- u. Reichsrath
1763 – 1837
Margaretha von Sutner geb. Orff
1755 – 1822
Therese von Sutner geb. Haindl
1806 – 1848
Fanny von Sutner geb. Polyzka
17¿1 – 1860
Creszentia von Sutner
1796 – 1876
Johann Nepomuk von Sutner
kgl. b. Geheimer Reichsrath
1798 – 1884
Ernst August von Sutner
kgl. b. Major
1830 – 1899
Georg Ludwig von Sutner
kgl. b. Bezirksamtmann a. D.
1827 – 1908
Natalie von Sutner
geborne Edle von Malfér Auerheim
1838 – 1916
Robert Ludwig von Sutner
Oberstleutnant a. D.
1870 – 1939


  • Sutner, Ernst August von; 1830 – 1899; Major
  • Sutner, Fanny von (vh) / Policzka (gb); 17¿1 – 2.5.1860 (Landau); Oberleutnants-Gattin
  • Sutner, Georg Karl von; 30.10.1763 (München) – 23.2.1837 (München); Bürgermeister und Historiker
  • Sutner, Georg Ludwig von; 1827 – 1908; Bezirksamtmann a. D.
  • Sutner, Johann Nepomuk von; 1798 – 1884; Reichsrat
  • Sutner, Kreszentia von; 1796 – 1876
  • Sutner, Margaretha von (vh) / Orff (gb); 1755 – 20.4.1822 (München); Staatsrats-Gattin
  • Sutner, Natalie von (vh) / Malfer-Auerheim, Edle von (gb); 30.4.1838 (Bozen) – 5.12.1916 (München); Hofrats-Tochter aus Innsbruck
  • Sutner, Robert Ludwig von; 1870 – 1939; Oberstleutnant a. D.
  • Sutner, Therese von (vh) / Haindl (gb); 1806 – 26.9.1848 (Partenkirchen); Reichsrats-Gattin

Todesanzeige für Therese von Sutner

Grab der Familie Sutner auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

Grab der Familie Sutner auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

#Georg Karl von Sutner

* 30.10.1763 (München)
† 23.2.1837 (München)
Bürgermeister und Historiker

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Sutner Georg Karl, von, 1763 (München) – 1837, Ministerialrat, Staatsrat, Reichsrat der Krone Bayern, Bürgermeister von München und Historiker; er studierte in Ingolstadt (Licentiat der Rechte) und wurde nach kurzer Praxis zu Dachau 1786 innerer Rat, 1792 städtischer Archivar und Notar, 1797 Stadtsyndikus und 1804 Bürgermeister von München; 1805 wurde S. landschaftlicher Oberaufschlagseinnehmer, bis er 1807 in den bayerischen Staatsdienst trat; 1810 hatte er einen Spezialauftrag bei der Übernahme Salzburgs und des Innviertels an Bayern, 1812 wurde er Mitglied der BAkdW, historische Klasse, 1814 Vorstand der Staatsschuldentilgungskommission (als Nachfolger J. von Utzschneiders), 1817 Ministerialrat im Finanzministerium und 1819 Staatsrat; S. ist es gelungen, die Staatsschuld auf dem Administrativweg um neun Millionen zu vermindern, indem er die Organisation vereinfachte, das Personal verringerte und den Zinsfuß reduzierte; er hat sich auch als Historiker betätigt.

Hauptwerke: München während des Dreißigjährigen Krieges, Die Verfassung der älteren städtischen Gewerbs-Polizey in München von ihrem Entstehen bis zum XVI. Jahrhundert; König Ludwig I. äußerte sich auf die Mitteilung von Ss. Tod: »Ob dieser Verlust ersetzt werden kann?«

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#MR – 101·102 (Sternbach)


Freiherrlich von Sternbach’sche
Familien-
Grabstätte


  • Sternbach, Adolf von; 25.6.1795 – 1.5.1871 (München); Forstmeister und Kämmerer
  • Sternbach, Adolfine Freiin von; 9.1.1823 – 26.2.1898
  • Sternbach, Emma Freiin von; 19.9.1821 – 18.1.1873 (München); Kämmerers-Tochter
  • Sternbach, Hugo Freiherr von; 4.6.1827 – 27.12.1863 (Freising), Opfer eines Duells; Rittmeister
  • Sternbach, Karoline Freifrau von (vh); 27.11.1801 – 10.7.1880

Danksagung für Hugo Freiherr von Sternbach

Symbolbild. Ilja Jefimowitsch Repin: Duell zwischen Onegin und Lenski. Aquarell, Tusche; 1899.

Grab der Familie Sternbach auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#Hugo Freiherr von Sternbach

* 4.6.1827
† 27.12.1863 (Freising), Opfer eines Duells
Rittmeister

#Allgemeine Zeitung (30.12.1863)

Ein Duell hat an der Landstraße zwischen Freysing und Landshut am 27. d. M. stattgefunden. Der Cürassierrittmeister Frhr. von Sternbach wurde durch einen Pistolenschuß seines Gegners, des Hrn. Reichsraths Grafen v. Holnstein, getödtet; letzterer hat sich sofort dem Gericht zur Untersuchung gestellt.

Allgemeine Zeitung Nr. 364. Mittwoch, den 30. Dezember 1863.

#Der Volksbote (30.12.1863)

In Freising 27. Dezember hat die heillose Duellwuth ein neues Opfer gefordert. Reichsrath Graf Holnstein und Rittmeister von Sternbach haben an der Landstrasse von Thalkirchen bei einem Walde ein Schußduell gehabt. Graf Holnstein, welcher den ersten Schuß hatte, traf seinen Gegner mitten durch die Brust, so daß der Tod fast augenblicklich folgte. Sekundanten waren der Oberlieutenant Frh. v. Washington für Sternbach und Rittmeister Kiliani für Graf Holnstein. Oberlieutenant v. Washington hat diesen beklagenswerthen Ausgang sofort dem k. Bezirksgericht angezeigt und Graf Holnstein hat sich dem Untersuchungsrichter gestellt. Die beiden Duellanten waren obendrein Schwäger, und Familienzerwürfnisse (!) sollen die Ursache gewesen sein.

Der Volksbote für den Bürger und Landmann No. 296. Mittwoch, den 30. Dezember 1863.

#Bayerische Zeitung (31.12.1863)

Die Leiche des im Duell bei Freising gefallenen Cuirassier-Officiers Frhr. v. Sternbach wurde hieher gebracht und gestern Abends unter inniger Theilnahme beerdigt.

Bayerische Zeitung Nr. 359. Donnerstag, den 31. Dezember 1863.

#Allgemeine Zeitung (3.1.1864)

Von der Moosach, 29 Dec. Vorgestern nach zwei Uhr wurden die irdischen Ueberreste der verewigten Rittmeisters v. Sternbach, gefallen im Zweikampf am 27 d. M. an der Landstraße nach Thalhausen bei Freysing, auf eine der seltenen Achtung und Liebe von Seiten aller Stände angemessene feierliche Weise zum Bahnhof Freysing gebracht, um durch die Eisenbahn nach München übergeführt zu werden, wo sie in der Familiengruft ihre Ruhestätte finden sollen. Er war eine trübe Winterstunde, durch leichten Nebel und Schneeflockengestöber verdüstert. Der imposante Trauerzug gieng von dem Militär-Lazareth bei Neustift durch die Stadt Freysing hinaus zur Eisenbahnstation in folgender Ordnung:

  1. sieben Cuirassiertrompeter, in langen Intervallen Trauertöne abstoßend;
  2. eine Division Cuirassiere, unter Anführung eines Officiers;
  3. ein Cuirassier-Unterofficier, das umflorte kleine Sterbekreuz tragend, darauf zwei Officiere;
  4. der von acht Cuirassier-Unterofficieren getragene, mit den Wappenschildern, dem Helm und dem Säbel des Heimgegangenen geschmückten Sarg, begleitet von 36 Cuirassieren, brennende Fackeln tragend;
  5. der lange Zug der sämtlichen Leichenbegleitung, die H.H. Officiere, Bürgermeister, Bezirksamtmann und Stadtcommissäre, Rentbeamter etc. an ihrer Spitze, bestehend aus den ersten und angesehensten Personen von kgl. Civil, Militär und Landwehr, von Bürgern und Gebildeten, welche den Namen des Verblichenen noch die letzte Huldigung darbringen wollten;
  6. ein Abtheilung Cuirassiere wie die erste zu Pferd.

Das übliche Geläute aller Glocken ward hiebei nicht vernommen, auch kein Priester war sichtbar. Angelangt am Bahnhof, wurde der Sarg in einen Wagen niedergesetzt und der Verwaltung zur Weiterbeförderung übergeben. Der allgemein Betrauerte war mit einer Freyin von Künsberg auf Fronberg, einer Stiefschwester des Hrn. Reichsraths Grafen v. Holnstein verheirathet, und hinterläßt aus einer sehr kurzen Ehe ein 14 Monate altes Kind.

Allgemeine Zeitung Nr. 3. Sonntag, den 3. Januar 1864.

#Neues bayerisches Volksblatt (3.1.1864)

Dem zu Freising im Duell gefallenen Rittmeister v. Sternbach ist nach den kirchlichen Gesetzen das kirchliche Begräbniß verweigert worden.

Neues bayerisches Volksblatt Nro. 2. Sonntag, den 3. Januar 1864.

#Eichstätter Tagblatt (5.1.1864)

Man schreibt aus München, 31. Dez. Bei der gestern Nachmittag stattgehabten Beerdigung des im Duell gefallenen Rittmeisters (nicht Oberlieutenants) Frhrn. v. Sternbach hat die Geistlichkeit das kirchliche Begräbniß verweigert. Man hatte sich selbst bis an die allerhöchste Stelle gewendet, um ein kirchliches Begräbniß zu erlangen, allein man soll sich allerhöchsten Orts nicht veranlaßt gesehen haben, in irgend einer Weise auf die Geistlichkeit einzuwirken. Nach Einsenkung der Leiche hielt ein Rittmeister der Kürassire eine Grabrede, die, wie versichert wird, des tiefsten Eindrucks auf die sehr zahlreiche Leichenbegleitung nicht verfehlte.

Eichstätter Tagblatt No. 5. Dienstag, den 5. Januar 1864.

#Magdeburgische Zeitung (10.1.1864)

Vermischte Nachrichten.

München, den 7. Januar. Neben der Elbherzogthümerfrage bildet hier noch immer das Tagesgespräch das vor zehn Tagen so traurig abgelaufene Duell zwischen zwei adligen Schwägern. Man sagt, der gefallene Rittmeister Frhr. v. Sternbach, ein schöner Mann, habe seine Frau im Verdacht der Untreue gehabt und sich scheiden lassen wollen. Der Stiefbruder derselben, ein Reichsrath aus einem gräflichen Geschlechte, dessen Stammmutter die Geliebte eines Bairischen Regenten war, nahm solche Verunglimpfung sehr übel auf; das Zerwürfniß gedieh so weit, daß das Ehrengericht sich für das Duell aussprach. Man schoß sich auf zehn Schritte. Der Bruder hatte als der Beleidigte den ersten Schuß, welcher den Schwager sogleich tödtlich in die Brust traf. Da trotz dem Wunsche des Hofes die Münchener Geistlichkeit sich bei der Beerdigung nicht betheiligte, so hielt der Rittmeister v. Leonrod die Rede am Grabe. Die hinterlassene Wittwe hat ein einziges, ein Jahr altes Kind. Nach unsern Gesetzen wir Duell bei nachgefolgtem Tode mit Gefängniß bis zu drei Jahren bestraft; die Secundanten bleiben straflos.

Magdeburgische Zeitung No.8. Sonntag, den 10. Januar 1864.

#Neuer Bayerischer Kurier für Stadt und Land (11.1.1864)

München, 10. Januar. Wenn ich recht unterrichtet bin, so wäre die Befürchtung nicht ganz unbegründet, es sei das Familiendrama, das kürzlich in Freising einen so unglücklichen Verlauf nahm, noch keineswegs ganz zu Ende gespielt, sondern stehe noch ein weiterer Act in banger Aussicht. (Die Wittwe des im Duell gefallenen Rittmeisters Frhrn. v. Sternbach hat sich dem Vernehmen nach einstweilen nach Italien begeben.)

Neuer Bayerischer Kurier für Stadt und Land Nro. 10. München; Montag, den 11. Januar 1864.

#Süddeutsche Zeitung (18.1.1864)

Bayerische Angelegenheiten.

München, 14. Januar. Das Duell, welches jüngst zwischen dem Reichsrath Grafen Holnstein und dem Rittmeister v. Sternbach stattfand und mit dem Tode des letzteren endete, zieht mehrere andere nach sich. Graf Holnstein hatte bereits wieder mit einem Offizier des zweiten Kürassierregiments ein Duell und liegt zur Zeit an einer Säbelwunde darnieder, die er aus diesem Duell davongetragen.

Süddeutsche Zeitung No. 31. Frankfurt am Main; Montag, den 18. Januar 1864.

#Kurier für Niederbayern (28.2.1864)

Aufforderung.

Verlassenschaft des k. Rittmeisters
Frhr. v. Sternbach betr.

Allenfallsige Forderungen an den Rücklaß des verstorbenen Rittmeisters Hugo Freiherrn von Sternbach von hier, sind, soweit deren Anmeldung zu den Akten nicht bereits erfolgte, binnen 14 Tagen hierorts um so gewisser geltend zu machen, als spätere Anmeldungen bei Ausschüttung der Massa nicht mehr berücksichtiget würden.

Landshut, am 24. Februar 1864.
Königliches Stadtgericht Landshut.
Schonger. Wallner, Assessor.

Kurier für Niederbayern Nr. 59. Tagblatt aus Landshut. Sonntag, den 28. Februar 1864.

#Neue Augsburger Zeitung (24.3.1864)

Bayerische Chronik.

München, 22. März. Gestern fand in Freising die Verhandlung gegen Graf Max v. Holnstein statt, der bekanntlich vor einigen Monaten seinen Schwager Frhrn. v. Sternbach im Duell erschoß. In der öffentlichen Meinung, die unmittelbar nach dem Duell gegen den Grafen Partei ergriff, fand ein Umschlag ins Gegentheil statt, als man erfuhr, daß eine schwere Beleidigung der Familie des Grafen von Seite des Freiherrn das Duell veranlaßte, eine Beleidigung, worüber der Graf sich im Interesse der Familienehre bei seinen Vernehmungen nicht weiter verbreitete. Nach Art. 164 des Strafgesetzbuches ist derjenige mit Gefängniß von einem bis drei Jahren zu bestrafen, der seinen Gegner im Zweikampfe tödtet. Auf Verletzung dieser Bestimmung lautete die Anschuldigung, nicht aber auf den höchsten Grad des Duells, dessen sich derjenige schuldig macht, der einen so schweren Erfolg verabredet oder eine solche Art des Zweikampfes wählt, aus welcher hervorgeht, daß ein so schwerer Erfolg beabsichtiget war, ein Fall, in welchem die Strafe zwischen 3 und 10 Jahren auszumessen wäre. Der Staatsanwalt beantragte zweijährige Gefängnißstrafe in einer Festung zu erstehen. Der Vertheidiger, Dr. Henle aus München, beantragte einjährige Festungsstrafe und diesem Antrage wurde auch durch das Bezirksgericht entsprochen. Der Herr Beschuldigte selbst war nicht erschienen.

Neue Augsburger Zeitung No. 84. Donnerstag, den 24. März 1864.

#Epheuranken (26.3.1864)

Buntes.

Vor dem Bezirksgericht in Freising gelangte am 21. ds., wie bereits kurz berichtet, die Anklage gegen den erblichen Reichtsrath Grafen v. Holnstein, welcher seinen Schwager, den Rittmeister Baron Sternbach, im Duell erschossen hat, zur öffentlichen Verhandlung. Der Angeklagte war, wie die »Allg. Z.« berichtet, nicht erschienen, und für ihn der kgl. Advokat Dr. Henle aus München als Vertheidiger aufgetreten.

Graf v. Holnstein, dessen Verhör aus den Untersuchungsakten verlesen wurde, hatte die That unumwunden zugestanden und als Veranlassung der von ihm ausgegangenen Forderung eine schwere Beleidigung seiner Familie durch den Gefallenen bezeichnet. Das Gleiche geschah von Seiten des als Zeuge geladenen prakt. Arztes, Dr. Schanzenbach aus München, welcher dem Duell auf Veranlassung des Grafen v. Holnstein als Arzt und Unpartheiischer angewohnt hatte. Dasselbe fand auf fünf Schritt Barrière mit gewöhnlichen Sattelpistolen ohne Stecher und Abseher unter Beiziehung von Sekundanten statt.

Nachdem eine unmittelbar vor dem Zweikampf durch den Unpartheiischen versuchte Versöhnung der Duellanten von Beiden zurückgewiesen worden, trat auf dat Kommandowort »Marsch« Graf von Holnstein mit erhobener Pistole rasch bis an die Barrière vor, schoß auf seinen Gegner, der langsam ein Paar Schritte vorwärts gegangen war, und traf ihn mitten in die Brust, worauf derselbe mit einem lauten Aufschrei zusammenstürzte und schon nach ein Paar Sekunden verschied. Die Kugel war durch die Lungen gegangen und hatte Hauptblutleitungsgefäße in der Brusthöhle zerrissen.

Graf v. Holnstein hatte den Gefallenen noch kurz vor dessen Verscheiden zur Versöhnung an der erhobenen Rechten gefaßt und war dann selbst ohnmächtig zusammengesunken.

Das Plaidoyer drehte sich bei der sonstigen Zweifellosigkeit des Falls lediglich um die Frage: ob bei der Verabredung oder Ausführung des Zweikampfs beabsichtigt war, daß einer der Duellanten das Leben verliere; es bestand aber der kgl. Staatsanwalt Miller selbst nicht auf der Annahme eines in solcher Art erschwerten Duells und beantragte eine zweijährige, die Vertheidigung dagegen eine einjährige auf einer Festung zu erstehende Gefängnißstrafe (das Strafminimum), welch letzterem Antrag das Gericht auch beitrat.

Epheuranken. Belletristische Beilage zum Würzburger Abendblatte. Nr. 37. Samstag, den 26. März 1864.

#Bamberger Pastoralblatt (10.5.1864)

Kirchliche Chronik.

31. Dezbr. Die katholische Geistlichkeit in München hat der Leiche des im Duell gefallenen Cuirassier-Rittmeisters, Frhrn. v. Sternbach, die Ehre und das Recht des kirchlichen Begräbnisses versagt, da besagter Duellant sich freiwillig (voluntarie et sui compos), d. h. durch eine solche actio voluntaria, die eine schwere Sünde zu begründen geeignet ist, den Tod gab.

Bamberger Pastoralblatt Nro. 13. Dienstag, den 10. Mai 1864.

#Süddeutsche Zeitung (20.5.1864)

Bayerische Angelegenheiten.

München, 16. Mai. Aus Anlaß des Todes des im Duell gefallenen Rittmeisters v. Sternbach hat der königl. Kammerer und quiesc. Forstmeister Freiherr v. Sternbach unter der Benennung »Hugo Freiherr v. Sternbach'sche Stiftung« zur Unterstützung, Erziehung und Ausbildung talentvoller und gesitteter Kinder armer Unteroffiziere und Soldaten des zweiten Kürassier-Regiments eine Stiftung mit einem Capital von 10,000 fl. österr. Währung errichtet und bestimmt, daß die Zinsen zu dem erwähnten Zwecke verwendet werden – zunächst für Kinder der Soldaten und Unteroffiziere, welche unter dem verstorbenen Rittmeister Hugo Freiherrn v. Sternbach in der 4. Escadron des 2. Kürassier-Regiments gedient haben. Die Stiftung hat bereits die allerhöchste Genehmigung erhalten.
(A. Abdztg.)

Süddeutsche Zeitung No. 249. Frankfurt am Main; Freitag, den 20. Mai 1864.

#Militär-Handbuch des Königreiches Bayern (1864)

Militär-Fonds-Commission.
(München.)

Errichtet bei Auflösung des Oberadministrativ-Collegiums der Armee den 30. September 1822 zur Verwaltung sämmtlicher Militär-Fonds und Stiftungen mit Uebertragung des Militär-Fiscalats.
Diese Commission verwaltet dermalen:

m) Des Kämmerers und quiescirten Forstmeisters Adolph Freiherrn von Sternbach; laut Urkunden vom 11. Februar und 10. März 1864 hat der k. Kämmerer und quiescirte Forstmeister Adolph Freiherr von Sternbach zum Andenken seines am 27. December 1863 verstorbenen Sohnes Hugo Freiherrn von Sternbach, Rittmeisters im 2. Cuirassier-Regiment Prinz Adalbert, ein Capital von 10,000 fl. östr. W. zur Unterstützung und Erziehung talentvoller, gesitteter Kinder armer Unterofficiere und Soldaten des 2. Cuirassier-Regiments gestiftet, um diesen Kindern die Erlernung eines Handwerks oder den Besuch einer Hochschule, polytechnischen Schule oder sonstigen Lehranstalt, oder, soferne sie dem weiblichen Geschlechte angehören, die Aufnahme in eine passende Erziehungsanstalt zu ermöglichen. Die jährliche Unterstützung für ein Kind soll nicht unter 50 fl. und nicht über 150 fl. betragen. Diese Unterstützungen werden je am 27. December durch eine aus dem Commandanten des 2. Cuirassier-Regiments und den jeweiligen Escadronscommandanten desselben bestehenden Commission verliehen und sollen bei gleichen Verhältnissen die Kinder derjenigen Unterofficiere und Soldaten, welche zugleich mit dem Rittmeister Hugo Frh. von Sternbach in der 4. Escadron des 2. Cuirassier-Regiments Prinz Adalbert dienten, und nach deren Abgang die Kinder der am längsten Dienenden den Vorzug haben.

Militär-Handbuch des Königreiches Bayern. Verfaßt nach dem Stande vom 17. Juni 1864.

#Regensburger Tagblatt (15.7.1864)

Morgenpost.

München, 14. Juli. Graf Holnstein, welcher bekanntlich wegen des Pistolenduelles mit seinem Schwager, Grafen Sternbach, das für diesen tödlich endete, zu einjähriger Festungshaft verurtheilt wurde, hat wegen seiner »angegriffenen Gesundheit« auf einige Zeit Urlaub bekommen und befindet sich außerhalb der Festung.

Regensburger Tagblatt Nr. 193. Freitag, den 15. Juli 1864.

#MR – 103 (Rüdt)


Grab der Familie Rüdt auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#MR – 104·105 (Oberhummer)


Linke Spalte
Der geliebten Gattin folgte in
den ewigen Frieden am 22. Sept. 1905
Herr Roman Oberhummer
Kaufmann u. k. Handelsrichter
geboren am 8. April 1845.
Sein Leben war sorgende Liebe für die Seinen

Rechte Spalte
Cum. R. Hugo Oberhummer
gestorben 21. Mai 1941.
seine teuere Gattin
Frau Rosa Oberhummer
gestorben 27. Nov. 1941.

Ruhet sanft. Auf Wiedersehen.


  • Oberhummer, Hugo; – 21.5.1941
  • Oberhummer, Math.; – 1887; Rentier
  • Oberhummer, Roman; 8.4.1845 – 22.9.1905; Handelsrichter und Kaufmann
  • Oberhummer, Rosa (vw) / Huber (gb); 1895 – 27.11.1941

Grab der Familie Oberhummer auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#MR – 106·107 (Zaubzer)


Grabstätte
der Familie
Zaubzer.


  • Zaubzer, Anna; – 1891; Arzt-Gattin

Grab der Familie Zaubzer auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#MR – 108·109 (Gampenrieder)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Gampenrieder, Karl; 1.2.1860 (München) – 27.10.1927 (München); Genremaler und Portraitmaler

Grab der Familie Gampenrieder auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#Karl Gampenrieder

* 1.2.1860 (München)
† 27.10.1927 (München)
Genremaler und Portraitmaler

#Die Kunst für Alle (1886)

Moderne Kunst.
Von Fr. Pecht.

[...]

Unter den vielen jungen Talenten, die sich zur Anerkennung bei uns durchzuringen trachten, ist dies neuerdings Karl Gampenrieder, einem ächten Münchner, in bemerkenswerter Weise mit den lebensgroß gemalten Bildnissen zweier bayerischer Prinzessinnen gelungen, von denen wir das eine hier bringen. Durch seine natürliche Haltung und den angenehm neckischen Ausdruck des jugendfrischen Köpfchens, wie die klare lichtvolle und harmonische Färbung verdiente das Bild vollständig den Beifall, den es gefunden. Denn es reihte sich den besten Produktionen dieser Art, die wir hier in neuerer Zeit gesehen, schon durch die naive Schaffensfreude an, die alles mit gleicher Liebe behandelnd, dem Ganzen eine wohlthuende Wärme dadurch verlieh. Ohne Zweifel ist der Künstler auch noch zu mehr befähigt, als zu Bildnissen, das zeigt schon die ganze sichere, mehr zum Charakterbild hinneigende Haltung der vornehmen Figur; daß er vortrefflich spricht, hat er jetzt bewiesen. Es kömmt also nur noch darauf an, ob er auch etwas zu sagen hat. Sein letztes Wort hat er mit diesem ungewöhnlich anziehenden Bild jedenfalls noch nicht gesprochen, sondern sich nur einstweilen zu denen gesellt, mit denen man rechnen muß, da sie nicht nur eine feine Empfindung für alle spezifisch malerischen Reize besitzen, sondern auch genug gelernt haben, um sie darstellen zu können.

Friedrich Pecht: Die Kunst für Alle. München, 1886.

#Geschichte der Münchener Kunst im neunzehnten Jahrhundert (1888)

Die Bildnismalerei

[...]

Bei ihnen hätte man auch Karl Gampenrieder (geb. in München 1860) einzuteilen, der an der hiesigen Akademie, zuletzt bei Lindenschmit gebildet, erst durch einige Reitersszenen von glücklicher Erfindung, wenn auch noch ungenügender Ausführung, so den »Handfuß« und die »Verhaftung der Gräfin Cosel« Aufmerksamkeit erregte, dann in Paris Bouguereaus und Tony Fleurys Unterricht genoß. Zurückgekehrt, erntete er mit zwei Prinzessinnen des königlichen Hauses, die er lebensgroß in ganzer Figur malte, viel Beifall und verdiente ihn durch die natürliche Auffassung wie gute Ausführung der Bilder. Seither hat er sich aber wieder der Sittenbildmalerei zugewandt.

Friedrich Pecht: Geschichte der Münchener Kunst im neunzehnten Jahrhundert. München, 1888.

#MR – 110·111 (Hillesheim · Nagel zu Aichberg)


FAMILIENGRABSTÄTTE
derer von HILLESHEIM und
von NAGEL zu AICHBERG
1810 – 1909


  • Nagel zu Aichberg, Amalie von (vh) / Martin (gb); 27.2.1855 – 7.4.1909
  • Nagel zu Aichberg, Erhard von; 7.9.1850 – 14.9.1909; Oberst
  • Nagel zu Aichberg, Heinrich; – 5.4.1835
  • Nagel zu Aichberg, Josefine von (vh) / Brandten, van der (gb); – 14.1.1840 (München), 68 Jahre alt; Ministerialregistrators-Gattin
  • Nagel zu Aichberg, Karl von; 4.9.1800 – 12.4.1863; Bezirksamtmann
  • Nagel zu Aichberg, Wilhelmina von (vh) / Hillesheim, von (gb); 16.3.1806 – 16.7.1862 (Landsberg); Bezirksamtmanns-Gattin

Todesanzeige für Josefine von Nagel zu Aichberg

Todesanzeige für Wilhelmina von Nagel

Grab der Familien Hillesheim · Nagel zu Aichberg auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#MR – 112 (Seckendorf)


CARL AUGUST FREIHERR
VON SECKENDORF
KÖNIG. BAYER. STAATSRATH UND
OBER CONSISTORIAL PRAESIDENT
COMMANDEUR DES CIVILVERDIENST-
ORDENS DER BAYER. KRONE.
GEB. DEN 27. APRIL 1774
GEST. DEN 5. MAERZ 1828
CAROLINE FREYFRAU VON SECKENDORF
GEBORNE FREYFRAU VON MOLSBERG
GEB. D. 22. NOV. 1782
GEST. D. 16. JULI 1847.
FERDINAND FREYHERR VON SECKENDORF
GEB. D. 26. MAI 1811
GEST. D. 17. AUG. 1830.

Liegestein
Phillipp
Freiherr von Seckendorff
¿


  • Seckendorf, Ferdinand Freiherr von; 26.5.1811 – 17.8.1830 (München); Staatsrats-Sohn
  • Seckendorf, Karl August Freiherr von; 27.4.1774 – 5.3.1828 (München); Staatsrat
  • Seckendorf, Karoline Freifrau von (vw) / Molsberg, Freiin von (gb); 22.11.1782 – 16.7.1847 (München); Staatsrats-Witwe
  • Seckendorf, Philipp Freiherr von; 6.6.1814 – 10.1.1854 (München); Postoffizial

Todesanzeige für Karl August Freiherr von Seckendorf

Grab der Familie Seckendorf auf dem Alten Südfriedhof München (September 2009)

Grab der Familie Seckendorf auf dem Alten Südfriedhof München (November 2012)

Grab der Familie Seckendorf auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2013)

#Karl August Freiherr von Seckendorf

* 27.4.1774
† 5.3.1828 (München)
Staatsrat

#Neuer Nekrolog der Deutschen (1830)

Karl August Freiherr von Seckendorf, königl. baier. Reichs- und Staatsrath und Präsident des protestantischen Ober-Consistoriums zu München, Großkreutz des Civil-Verdienstordens der baier. Krone; geb. im J. 1773, gest. d. 6. März 1828.

Er ward im J. 1800 als Assessor am Reichskammergericht zu Wetzlar angestellt und trat bei der 1806 erfolgten Auflösung desselben mit mehrern Andern in baier. Dienste, wo er 1807 zum Vice-Präsidenten des Hofgerichts zu Bamberg und bei der folgenden Jahres geschehenen Organisation zum Präsidenten des Appellationshofes für den Mainkreis vorrückte. – Bei der Ministerial-Organisation von 1817 zum wirklichen Staatsrath ernannt, war der als solcher in der Sektion der Justiz angestellt und in der Folge bei Errichtung des protestantischen Oberconsistoriums zum Chef-Präsidenten desselben ausgewählt. In dieser höchst bedeutenden Würde (Baiern zählt bekanntlich mehr als eine Million Protestanten unter seinen Bewohnern) war er zugleich gesetzliches Mitglied der Kammer der Reichsräthe, wo er durch ein kluges Verhalten jederzeit das Interesse seiner Kirche mit dem der katholischen in Uebereinstimmung zu bringen suchte. Bei der Regierungsveränderung von 1825 aus der Reihe der wirklichen Staatsräthe in permanente Quieszenz versetzt, behielt er doch bis zu seinem erfolgten Tode die Stelle eines Präsidenten des Oberconsistoriums bei.

Neuer Nekrolog der Deutschen. Ilmenau, 1830.

#MR – 113·114 (Enhuber)


Maximilian von Enhuber,
k. b. Oberlandesgerichtsrath a. D.
geb. 26. Nov.1814, gest. 18. Jan. 1888.
Ihm folgte seine Gattin
Rosa von Enhuber
geborne Stenglein,
geb. 17. April 1824, gest. 2. Jan. 1890.
Anna von Enhuber
geborne Feder,
Oberamtsrichtersgattin
geb. 5. Fbr. 1854, gest. 10. Dez. 1926.
Otto von Enhuber
k. b. Oberamtsrichter a. D.
geb. 1¿. April 1848 gest. 12. Mai 19¿


  • Enhuber, Anna von (vh) / Feder (gb); 5.2.1854 – 10.12.1926; Oberamtsrichters-Gattin
  • Enhuber, Maximilian von; 26.11.1814 – 18.1.1888; Oberlandesgerichtsrat a. D.
  • Enhuber, Otto von; 1¿.4.1848 – 12.5.19¿; Oberamtsrichter a. D.
  • Enhuber, Rosa von (vw) / Stenglein (gb); 17.4.1824 – 2.1.1890; Oberlandesgerichtsrats-Witwe

Grab der Familie Enhuber auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#MR – 115 (Hierl)


Crescentia Hierl geb. Wenninger
Bierbrauers Gattin zum Zenger
geboren den 22. Oktober 1800
gestorben den 25. Februar 1850
Ihr folgte ihr ¿
Franz Xaver Hierl
¿
geboren am ¿ August 1829
gestorben am 11. Jan. 1883.
Frau Wally Hierl
Privatiere
geboren am 15. Okt. 1829
gestorben am 3. Juli 1903
Maria Hierl geb. Schödtl
geb. d. 22. Okt. 1829 in München, gest. 2¿ Juni 1852 in Neuötting.
Lange Pilger weilst du nicht – Denk an Tod und an Gericht.
Franziska Hierl geb. H¿
¿ Juni 1834 in Mamming, gest. d. 15. Sept. 1856 in München.

Rechte Tafel
Franz Xaver ¿


  • Hierl, Franz Xaver; 6.8.1829 (Dachau) – 11.1.1883 (Großmehring); Bierbrauer
  • Hierl, Franziska (vh) / Hofreiter (gb); 8.6.1834 (Mamming) – 15.9.1856 (München); Bräuerstochter aus Mamming / Bierbrauers-Gattin
  • Hierl, Krescentia (vh) / Wenninger (gb); 22.10.1800 (Dachau) – 25.2.1850 (München); Bierbrauers-Gattin
  • Hierl, Maria (vh) / Schödtl (gb); 22.10.1829 (München) – 23.6.1852 (Neuötting), Tod durch Ertrinken; Bierbrauers-Gattin
  • Hierl, Wally (vw) / Veitl (gb); 15.10.1829 (Hohenschambach) – 3.7.1903 (München); Bierbrauers-Witwe

Grab der Familie Hierl auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

Grab der Familie Hierl auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

Grab der Familie Hierl auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#Maria Hierl (vh) / Schödtl (gb)

* 22.10.1829 (München)
† 23.6.1852 (Neuötting), Tod durch Ertrinken
Bierbrauers-Gattin

#Münchener Herold (27.6.1852)

26. Juni. Die junge, erst seit einem halben Jahre sich im Ehestande befindende, Ehefrau des hiesigen Zengerbräu’s Herrn Hierl (Tochter des Faberbräu’s Herrn Schöttl) hatte vorgestern das Unglück, während sie sich mit der Hackerbräuin Madame Pschorr auf einer Vergnügungsreise nach Traunstein befand, beim Baden außerhalb Neuötting zu ertrinken; die Leiche der Verunglückten befindet sich seit heute im Sektionssaale des hiesigen Leichenhauses.

Münchener Herold Nro. 152. Sonntag, den 27. Juni 1852.

#Regensburger Zeitung (29.6.1852)

München. Allgemeines Bedauern erregt ein Unglück, welches dieser Tage eine junge Bürgersgattin von hier in Neuötting betraf. Die erst vor Kurzem mit dem Sohne des Zengerbräu Hrn. Hirl verehelichte 18jährige Tochter des Bierbrauers zum Faber, welche mit einer gleichfalls verheiratheten jungen Tochter des Hackerbräu in genanntem Orte verweilten, fuhren unmittelbar nach Tisch an dem Flusse Isen vorbei, von dessen klarem Wasserspiegel sie sich zum Baden eingeladen fühlten. Sie ließen den Kutscher in einiger Entfernung halten, entkleideten sich rasch und gingen ins Bad. Frau Hierl wurde aber, kaum ins Wasser gelangt, von einem Krampfe befallen, ging unter und ertrank. Ihre Begleiterin, selbst vom Schrecken ohnmächtig, könnte nur noch schwach um Hilfe rufen, worauf der Kutscher herbeieilte, ohne dessen Beistand auch sie ein Raub der Wellen geworden wäre. Beide Frauen sind heute hier angelangt, erstere als Leiche, letztere schwer erkrankt.

Regensburger Zeitung No. 177. Dienstag, den 29. Juni 1852.

#Neue Passauer Zeitung (1.7.1852)

(München, 27. Juni.) Diesen Nachmittag wurde die bei Neuötting ertrunkene junge Bürgersfrau, Gattin des Hrn. Hierl jun. (Zengerbräusohn) unter ungeheuerem Andrang von Menschen zur Erde bestattet, wobei sich ein selten lebhaftes tiefes Bedauern in den Zügen aller Anwesenden malte. Es stellt sich mit Gewißheit heraus, daß der Tod dieser unter den glücklichsten zeitlichen Verhältnissen lebenden Frau Folge unvorsichtigen Badens unmittelbar nach Tisch war, wobei sie von einem Krampfanfall betroffen wurde und in den Wellen ihr Grab fand, ohne daß ihre junge Freundin (eine Tochter des Hackerbräu), welcher der Schrecken alle Besinnung raubte, ihr Hilfe bringen konnte.

Neue Passauer Zeitung No. 178. Donnerstag, den 1. Juli 1852.

#Donau-Zeitung (2.7.1852)

München, 25. Juni. Der bayr. Landbote berichtet über den bereits gestern erwähnten Unglücksfall, in Folge dessen dem Hern Hierl jun. (zum Zengerbräu) seine ihm erst seit 8 Monaten vermählte Gattin, Tochter des Hrn. Schöttl (zum Faberbräu), durch den Tod entrissen ward, folgendes: Wie uns glaubwürdig versichert wird, verhält es sich damit folgendergestalt: Mad. Hierl, welche mit Mad. Pschorr (zum Hackerbräu) nach Altötting gereist war, hatte sich mit letzterer von da nach Neuötting, der Heimath der M. Pschorr, begeben. Beide Frauen machten einen Spaziergang an den Ufern des Isen und bei der starken Hitze und der Einsamkeit der Gegend kam ihnen die Lust, sich in dem Flüßchen zu baden. Mad. Hierl beging die Unvorsichtigkeit, zu schnell ins Bad zu steigen oder vielmehr zu springen, und ward plötzlich von einem Schlaganfalle betroffen, so daß sie untersank. Mad. Pschorr natürlich aufs Aeußerste erschrocken, eilt ihr zwar gleich zu Hilfe, vermag aber nur nach vieler Mühe und eigener Lebensgefahr, die während dem wahrscheinlich schon Ertrunkene ans Ufer zu bringen. Hier aber, von aller weiteren Hilfe entfernt, blieb der Mad. Pschorr nichts übrig, als sich schnell anzukleiden, zurückzulaufen und die ihr zunächst Begegnenden zur Hilfeleistung aufzufordern. Alle an M. Hierl gemachten Wiederbelebungsversuche blieben indeß leider erfolglos.

Donau-Zeitung Nro. 179. Vereinigte Blätter des Kourier an der Donau und der Passavia. Passau; Freitag, den 2. Juli 1852.

#MR – 116·117 (Mayr · Miller)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Mayr, Susanna (vh) / Miller, von (gb); – 21.4.1864 (München), 57 Jahre alt; Universitätsprofessors-Witwe
  • Miller, Amalie von; – 30.6.1858
  • Miller, Anna von; – 23.7.1901
  • Miller, Anna von (vh) / Leveling, von (gb); – 10.10.1845 (München), 76 Jahre alt; General-Maut-Direktors-Witwe
  • Miller, Augusta von; 14.1.1844 – 26.4.1866
  • Miller, Genofeva von; 2.1.1786 – 7.3.1847 (München); Rats- und Advokatens-Witwe
  • Miller, Henriette von; – 27.5.1873 (München), 76 Jahre alt; St. Anna-Ordens-Stiftsdame
  • Miller, Johann Nepomuk von; 25.5.1817 – 17.8.1890; Buchhalter
  • Miller, Johann Nepomuk von; 3.4.1833 – 25.10.1878
  • Miller, Josef Ritter von; – 27.4.1833 (München), 68 Jahre alt; General-Maut-Direkto
  • Miller, Josef von; 15.3.1769 – 11.12.1834 (München), 66 Jahre alt; Königlich bayerischer Rat
  • Miller, Marie von; – 25.2.1839 (München), 25 Jahre alt; General-Maut-Direktor-Tochter

Grab der Familien Mayr · Miller auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

Grab der Familien Mayr · Miller auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#MR – 119 (Alexander)


Hier ruhen in Frieden:
Herr Dr. ¿ Alexander,
k. Schul¿ Rektor
u. Professor ¿schule dahier
Ritter allerhöchster ¿ hl. Michael I. Cl. etc.
geb. den 21. ¿ den 17. ¿ 1867.
Dessen Gattin ¿ Alexander
geb. ¿ den 1¿ Juli 1¿1.
Maria Alexander ¿ Schul¿tochter
geb. den 12. ¿ den 19. Dezbr. 1¿
¿

Sockel
Marianne Alexander
¿


  • Alexander, ¿ (vh)
  • Alexander, Heinrich, Dr.; – 17.8.1867 (München), 60 Jahre alt; Rektor der polytechnischen Schule
  • Alexander, Maria
  • Alexander, Marianne

Grab der Familie Alexander auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2011)

#Dr. Heinrich Alexander

† 17.8.1867 (München)
Rektor der polytechnischen Schule

#Münchener Bote für Stadt und Land (20.8.1867)

Vorgestern verschied dahier nach längerem Leiden der Rektor der polytechnischen Schule, Schulrath Dr. Heinrich Alexander, ein biederer, von Allen, die ihn kannten, hoch geschätzter Mann.

Münchener Bote für Stadt und Land No. 197. Dienstag, den 20. August 1867.

#MR – 122 (Mauser)


Familie ¿
Hier ¿
Herr Bene¿
Bank¿
¿
Frau Chri¿
geb. ¿
¿
Deren ¿
Fräulein Christine
¿


  • Mauser, Christine; – 1889; Metzgermeisters-Tochter

Grab der Familie Mauser auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#MR – 123 (Müller-Herrings · Pfistermeister)


Büste
F. S. v. PFISTERMEISTER
K. B. STAATSRATH.

FAMILIE
VON
PFISTERMEISTER

Sockel
Dr. Karl Müller-Herrings
Geheimer Medicinalrat
geb. 7. Okt. 1855 gest. 28. Dez. 1927.


  • Müller-Herrings, Karl, Dr. med.; 7.10.1855 – 28.12.1927; Geheimer Medizinalrat
  • Pfistermeister, Franz Seraph Ritter von; 14.12.1820 (Amberg) – 2.3.1912 (München); Staatsrat
  • Pfistermeister, Friederike (vh) / Helfreich (gb); 9.8.1823 – 20.9.1908
  • Pfistermeister, Rosalie (vh) / Schwarzmann (gb); 17.3.1853 – 27.3.1901

Grab der Familien Müller-Herrings · Pfistermeister auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

Grab der Familien Müller-Herrings · Pfistermeister auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2013)

#Franz Seraph Ritter von Pfistermeister

* 14.12.1820 (Amberg)
† 2.3.1912 (München)
Staatsrat

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Pfistermeister Franz Seraph, von, Ritter, 1820 (Amberg) – 1912, Kabinettssekretär und Staatsrat; Sohn eines Lehrers, studierte er Philosophie, dann Rechte; durch einen wichtigen Prozeß, den er als junger Fiskaladjunkt für den Fiskus gewann, wurde König Max II. auf ihn aufmerksam, der ihn in das Hofsekretariat berief und ihn 1849 zu seinem Sekretär ernannte; als Kabinettssekretär vermittelte Pf. den Verkehr zwischen König und Ministern; dasselbe Amt übte er auch unter Ludwig II., 1864 zum Staatsrat im o. Dienst befördert, aus; wegen seiner Opposition zu Richard Wagner, den er selbst im königlichen Auftrag von Stuttgart nach München geholt hatte, wurde Pf. 1866 entlassen, wobei ihm der erbliche Adel verliehen wurde; regelmäßig hat er 17 Jahre hindurch den Finanzminister während des Urlaubs vertreten, auch wurde ihm häufig die Stellvertretung des Justiz- und Außenministers übertragen; 1895 trat er in den Ruhestand; Pf. zeichnete sich durch Takt, Pflichttreue und Geschick als Kabinettssekretär aus, er war einer der ersten, der Ludwig II. dem Einfluß R. Wagners zu entziehen versuchte.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#MR – 125 (Graf)


Hier ruht
Fräulein
Sybilla Graf
Landrichters-Tochter
geb. am ¿ Oktober 1804.
gest. am 27. Mai 1877.
Unsere innigstgeliebte Mutter
Frau Therese Graf
¿. Landrichters-Wittwe
geb. am 6. Sept. 1815
gest. am ¿ Nov. 1888
deren Tochter
Fräulein Julia Graf
¿
Fräulein Albertine Graf
¿


  • Graf, Albertine
  • Graf, Julia
  • Graf, Sybilla; ¿.10.1804 – 27.5.1877 (München); Landrichters-Tochter
  • Graf, Therese (vw); 6.9.1815 – ¿.11.1888; Landrichters-Witwe

Grab der Familie Graf auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#MR – 126·127 (Hirth · Knorr · Sabbadini)


GRABSTÄTTE DER FAMILIE KNORR.

Linke Spalte
ELISABETH SABBADINI
* 1738 † 1818
ANGELO SABBADINI
* 1753 † 1837
LUDWIG KNORR
* 1783 † 1852
ELISE KNORR
GEB. SABBADINI
* 1791 † 1866

Rechte Spalte
HERMANN KNORR
* 1861 † 1917
ELISE HIRTH
* 1852 † 1920
THOMAS KNORR
* 1851 † 1911
EUGENIE KNORR
GEB. v. LEISTNER
* 1856 † 1941

Stele mit Büste
Steleninschrift
JULIUS KNORR

Signatur Büste
D. Sänger. 1879.


  • Hirth, Elise (vh) / Knorr (gb); 1852 – 1920; Zeitungsverlegers-Tochter aus München
  • Knorr, Elise (vh) / Sabbadini (gb); 1791 – 8.3.1866 (München); Kaufmanns-Witw
  • Knorr, Eugenie (vh) / Leistner, von (gb); 1856 – 1941
  • Knorr, Hermann; 1861 – 1917
  • Knorr, Julius; 3.3.1826 (München) – 28.7.1881 (München); Verleger
  • Knorr, Ludwig; 1783 (Dachau) – 20.11.1852 (München); Bankier, Brauereibesitzer und Kaufmann
  • Knorr, Thomas; 9.8.1851 (München) – 13.12.1911 (München); Verleger
  • Sabbadini, Angelo; 1753 – 13.11.1837 (München); Kaufmann
  • Sabbadini, Elisabeth; 1738 – 1818

Todesanzeige für Angelo Sabbadini

Todesanzeige für Ludwig Knorr

Todesanzeige für Julius Knorr

Grab der Familien Hirth · Knorr · Sabbadini auf dem Alten Südfriedhof München (April 2016)

Grab der Familien Hirth · Knorr · Sabbadini auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2012)

Grab der Familien Hirth · Knorr · Sabbadini auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

Grab der Familien Hirth · Knorr · Sabbadini auf dem Alten Südfriedhof München (April 2016)

Grab der Familien Hirth · Knorr · Sabbadini auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

Grab der Familien Hirth · Knorr · Sabbadini auf dem Alten Südfriedhof München (April 2016)

Grab der Familien Hirth · Knorr · Sabbadini auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

Grab der Familien Hirth · Knorr · Sabbadini auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#Julius Knorr

+ 3.3.1826 (München)
† 28.7.1881 (München)
Verleger

#Neueste Nachrichten (30.7.1881)

JULIUS KNORR †

Eine schwere Pflicht hat uns das Schicksal auferlegt. Unsern Freunden, Gesinnungsgenossen und Lesern müssen wir eine schmerzliche Trauerkunde bringen:

JULIUS KNORR, der Verleger unsers Blattes, noch vor ein paar Wochen in vollster Gesundheit in dem Kreise seiner Familie lebend, ist uns heute durch den Tod entrissen. Eine akute Lungenentzündung machte seinem Leben ein Ende. Geboren am 3. März 1826 ward er im besten Mannesalter durch den Tod abgerufen.

Drei und ein halbes Jahrzehnt persönlicher Freundschaft verbindet uns mit dem Todten. Sein Wirken und Streben hier zu schildern, vermögen wir nicht. Der tiefste Schmerz über den Verlust, über die unermessliche Trauer seiner Familie raubt uns die Worte. Was er im öffentlichen Leben gewirkt, weiss ja ganz München. Und wenn auch Manche ihn in seiner öffentlichen Thätigkeit bekämpft haben, Freund und Feind geben ihm das Zeugniss: Er war ein ehrlicher, ein ganzer Mann, der stets nur nach seiner innersten Ueberzeugung handelte, dem das Wohl des heissgeliebten Vaterlandes und der Vaterstadt am Herzen lag, und der in alllem seinem Thun an sich selbst zuletzt dachte. Die Armen verlieren an ihm einen Wohlthäter, der immer offene Hand für wirkliches Unglück hatte und doch nach dem Spruche der Bibel niemals die Linke wissen liess, was die Rechte that.

Um ihn trauert seine Familie, um ihn trauern nicht nur seine zahlreichen Freunde, die den wohlwollenden und liebenswürdigen Menschen aus persönlichem Umgang kannten, um ihn werden auch Alle trauern, die ein uneigennütziges, dem Gemeinwohl dienendes Wirken, einen menschenfreundlichen wohlthätigen Sinn und einen nie sich verleugnenden mannhaften Charakter zu ehren wissen.

Neueste Nachrichten Nr. 211. München; Samstag, den 30. Juli 1881.

#Neueste Nachrichten (31.7.1881)

München, 30. Juli.

Der Kreis der Freunde und Bekannten unseres verewigten Verlegers Herrn Julius Knorr ist so groß, daß die Hinterbliebenen nicht im Stande sind, Allen rechtzeitig die Todesanzeige zugehen zu lassen. Wir bitten daher in Anbetracht dieses Umstandes alle jene, welche die Todesanzeige verspätet oder gar nicht zugehen sollte, um gütige Nachsicht.

Neueste Nachrichten Nr. 212 & 213. München; Sonntag, den 31. Juli 1881.

#Rosenheimer Anzeiger (3.8.1881)

München, 1. Aug. (Das Leichenbegängniß des Herrn Julius Knorr) hat am Sonntag Nachmittag unter außerordentlicher Betheiligung aller Gesellschaftsklassen stattgefunden. Den zahlreichen Leidtragenden folgte, da Herr Knorr seiner Zeit auch Gemeindebevollmächtigter war, der erste Herr Bürgermeister mit einem Magistratsrath und zwei Bevollmächtigte in Amtstracht. Die freiwillige Armenpflege, der Arbeiter- und Volksbildungsverein waren durch Abgeordnete und Kranzträger vertreten. Die freiwillige Feuerwehr eröffnete den Zug und selbst auf dem mit Blumen und Guirlanden hochbedeckten Sarg lag ein Feuerwehrhelm. Der Curat der altkatholischen Gemeinde, Herr Gatznmaier sprach die in der kath. Kirche üblichen Beisetzungsgebete, jedoch in deutscher Sprache und gedachte außerdem in der Grabrede des edlen Charakters und der bürgerlichen Verdienste des Heimgegangenen.

Rosenheimer Anzeiger No. 173. Mittwoch, den 3. August 1881.

#Der Wendelstein (9.8.1881)

Deutschland.

In München ist bekanntlich in voriger Woche einer der thätigsten Wühler gegen die katholische Kirche gestorben, nämlich der »altkatholische« Julius Knorr, der Besitzer der »Neuesten Nachrichten«, welche Unglaubliches gegen den Papst, gegen den Klerus und die Ultramontanen geleistet haben. Noch auf dem Künstlerfeste erschien Knorr als Kapuziner gekleidet, mit einem Rosenkranz aus Würsten geschmückt. Auch das protestantische Stuttgarter Sonntagsblatt drückte seine Abscheu darüber aus, daß ein Cruzifix an diesen Würsten hing. Die katholische Kirche fürchtet Menschen nicht; ihre Wuth verrauchte mit ihnen.

Der Wendelstein No. 95. Katholisches Volksblatt für das Bayerische Oberland. Rosenheim; Dienstag, den 9. August 1881.

#Ludwig Knorr

* 1783 (Dachau)
† 20.11.1852 (München)
Bankier, Brauereibesitzer und Kaufmann

#Donau-Zeitung (25.11.1852)

München, 21. Nov. In der Nacht vom 20. d. verstarb dahier einer der geachtetsten Bürger unserer Residenzstadt Hr. Ludwig Knorr, Kaufmann, Wechselgerichtsassessor und früherer Kommandant der k. Landwehr-Kavallerie von München im 70. Lebensjahre. Der Verstorbene war ein Mann von ausgezeichnetem Charakter und durch seine großartige Geschäftsthätigkeit nicht minder als durch seine unermüdliche Wohlthätigkeit in den weitesten Kreisen bekannt und geliebt.

Donau-Zeitung Nro. 324. Passau. Donnerstag, den 25. November 1852.

#Regensburger Zeitung (26.11.1852)

Morgen findet dahier die Beerdigung eines angesehenen Bürgers statt, des ehemal. Kommandanten der hiesigen Landwehrkavallerie und Kaufmanns Ludwig Knorr, 70 Jahre alt. Derselbe war auch Eigenthümer der Bierbrauerei zum »Utzschneider«, welche er aber in letzter Zeit nicht mehr ausüben ließ. Das hinterlassene Vermögen soll eine Million betragen.

Regensburger Zeitung No. 327. Freitag, den 26. November 1852.

#Thomas Knorr

* 9.8.1851 (München)
† 13.12.1911 (München)
Verleger

#Münchner Neueste Nachrichten (14.12.1911)

Thomas Knorr †

In das Verlagshaus der Münchner Neuesten Nachrichten hat die Trauer ihren Einzug gehalten. Thomas Knorr, der Mitinhaber der Firma und der Zeitung, ist heute mittag unerwartet mitten aus einem Leben von Mühe und Arbeit und Pflichttreue abberufen worden.

Schon längere Zeit hatten wir mit seinen Lieben um seine Gesundheit bangen müssen. Ueber Nacht nahm die Erkrankung eine bedrohliche Gestalt an, und so kam der Todesengel und nahm ihn fort von der Hand der Gattin und aus der Mitte der um ihn sorgenden Angehörigen, die ihm das müde Auge schlossen.

Ein kerniger deutscher Mann ist dahingegangen, ein Mann, der so von echter nationaler Hingabe und freiheitlicher Gesinnung erfüllt war, wie irgend einer aus der großen Zeit Bayerns und der Gründung des Reiches; ein Mann, dessen Herz für die Pflege der bildenden Kunst und der Musik erglühte; ein Mann, dem die Größe und die Blüte seiner engeren Heimat, seiner Vaterstadt München, über alles ging; ein ganzer Mann, der nicht müde wurde, in der Zeitung und noch darüber hinaus persönlich für das weite Reich seines idealen Strebens und Träumens und rastlosen Vorwärtsdrängens sich einzusetzen – und der für sich nichts erstrebte, was sonst im Leben an äußerlichen Auszeichnungen für begehrenswert gilt, der nichts sein wollte, als der stille Hüter der Traditionen, die er gemeinsam mit seinem Schwager Dr. Georg Hirth auf dem von seinem Vater Julius Knorr errichteten Fundamente fortgesetzt, als der einfache, jeder Phrase abholde, schlichte, ganze Thomas Knorr.

Als wir am 9. August dieses Jahres seinen sechzigsten Geburtstag begingen und er sich allen Ehrungen entzog und die Angehörigen des Verlags und der Druckerei Knorr und Hirth und der Zeitung ihm und Dr. Hirth eine Ehrentafel im Hause zu errichten beschlossen, da war es der Stolz aller Mitarbeiter der Firma, daß wir ihm so frank und frei heraus sagen konnten, wie er sich seit dem Tode seines unvergeßlichen Vaters am 29. Juli 1881 als das Musterbild eines deutschen Verlegers in Aller Herzen eingeschrieben hatte. Der gewaltige Aufschwung des deutschen Zeitungswesens in diesen letzten dreißig Jahren mit der Entwicklung der redaktionellen Anforderungen, der geschäftlichen Organisation, dem Ausbau des Maschinenparks und der sinnreichen Organisation der fast auf Sekunden berechneten Herstellung der Zeitung und ihrer Versendung in die Hand des Lesers – bei allem war er schaffend und anspornend dabei gewesen. Er konnte sich, wenn er damals in der Stille, in die er sich vor allen Ehrungen geflüchtet, auf sein Leben zurücksah, sagen, daß er nicht nur als Hüter und Mehrer eines stolzen Vatererbes seine Pflicht erfüllt, sondern auch darüber hinaus für das öffentliche Leben neue inhaltsreiche Werte geschaffen hatte.

Die Redaktion der Münchner Neuesten Nachrichten dankt ihm eine Fülle von Anregungen. Gern erinnerte er an die Zeit der Gründung des Reiches, für die er als junger Einjähriger und Offizier auf den französischen Schlachtfeldern mitgefochten. Er zeigte uns seine Briefe, die er damals aus dem Feldzug nach Hause für die Zeitung geschrieben. Und als die vierzigjährigen Erinnerungstage an die große Zeit kamen, ließ er die alten Zeiten dem Leser vorführen. Viel Erinnerungen haben wir veröffentlicht; nur seine nicht, er wollte nicht hervortreten. Dafür machte er zum Jubiläumstag des ehrwürdigen Regenten eine namhafte Stiftung zu Reisestipendien für die Unteroffiziere seines Regiments und verbot, davon irgend eine Notiz zu nehmen. Die Oeffentlichkeit hätte nichts davon erfahren, hätte es nicht in dem Amtsblatt gestanden. Kein deutscher Verleger wird von sich sagen können, daß er mehr der Versuchung widerstanden hat, in der Richtung einer persönlichen Vorliebe einen Einfluß auf die ihm gehörende Zeitung auszuüben, wie er. In Zeitläufen, in denen so zahllose Wünsche aus der Oeffentlichkeit Erfüllung verlangen und erfüllt werden, blieb ihm die Zeitung die in redaktioneller Gewissenhaftigkeit nach Maßgabe des von den Verlegern gegebenen Programms, sich unabhängig betätigende Sachwalterin der Oeffentlichkeit.

Als wir seinen sechzigsten Geburtstag feierten, da konnten ihm auch alle Angehörigen der geschäftlichen und technischen Abteilungen das Zeugnis ausstellen, mit welcher zartsinnigen persönlichen Aufmerksamkeit er stets an alle dachte, die in der gemeinsamen Arbeit ihm nahegetreten waren. Aus seiner Anteilnahme, die feinfühlend auch in das persönliche und häusliche Wohl jedes einzelnen einging, soweit ihm seine in den letzten Jahren immer häufiger heimgesuchte Gesundheit dazu Zeit ließ, erwuchs der starke Korpsgeist, der alle Abteilungen der Zeitung und der Verlagsanstalt und Druckerei in neidlosem Wettbewerb und treuem Zusammenwirken verband. Die Pflege des Korpsgeistes, das war sein Leitwort, und alle Angehörigen des Hauses erkannten gerne darin die treibende Kraft des Blühens der gemeinsamen Arbeit und erwiderten seine Sorge mit Hingabe und Treue und Zuneigung.

Im Besitz dieser Zuneigung fand er sein Glück; so oft er in seinem schönen, den Künsten geweihten Heim in der Briennerstraße an der Seite einer liebenswürdigen, ihn verstehenden und ebenso gütigen Frau, Eugenie v. Leistner, die er am 4. Januar 1876 heimgeführt, seine Mitarbeiter um sich vereinte, so oft er im Hause mit ihnen sich besprach und beriet, anspornte und anerkannte, es war immer, wie er sich zu seinem sechzigsten Geburtstage aussprach: Er erblickte darin mit Dank mehr als eine freundliche Gesinnung die Hingabe an die gemeinsame Kulturarbeit, die die Zeitung zu leisten hatte, und sagte uns, wie sehr er aller Gesinnungen in gleicher Herzlichkeit mit herzlichem Dank vor allem um der großen Sache willen erwidere.

Was er dem liberalen Bürgertum in München als treuer Schaffer, Wecker und Vorkämpfer gewesen, das haben die besten unserer Bürgerschaft ihm gesagt. Wir fügen hinzu, wie er bis zur letzten Stunde mitgewirkt hat. Mit keinem Worte durfte dessen Erwähnung getan werden, daß er sich von seinem Krankenlager zum Wahllokal hatte tragen lassen, um seiner Wahlpflicht zu genügen. Wie soll die Zeitung an die Erfüllung der ersten Bürgerpflichten erinnern, war seine Abwehr, als man ihn an seine Gesundheit zu denken mahnte, wenn der Besitzer der Zeitung nicht selbst danach handelt. Und wie hat er als abgesagter Feind jeder Engherzigkeit und Einseitigkeit und agitatorischen Verhetzung, als ausgesprochen zu positiver Betätigung gerichteter Mann sich werktätig eingesetzt, wo nur irgend bei den Wahlen, bei öffentlichen Veranstaltungen und Kundgebungen sich ein Werk der öffentlichen Wohlfahrt fördern ließ, ohne für sich irgend etwas zu erstreben. So hat er in der Förderung praktischer Arbeit im Gemeinde- und Staatsleben seinen Mann gestellt.

Thomas Knorr gehörte zu den stillen Persönlichkeiten, die man vermissen wird, die in ihrer Art nicht zu ersetzen sind, die mehr in das Grab mitnehmen, als nur ein gutes und liebevolles Andenken bei ihren Angehörigen, bei ihren Freunden, bei ihren Mitstreitern und ihren Zeitgenossen. Sein schönster Ehrentitel ist, daß wir in Uebereinstimmung mit allen, die ihn wirklich gekannt, ihm dieses heute an seiner Bahre offen zuerkennen dürfen.

Am Freitag nachmittag wird Thomas Knorr in der Familiengruft auf dem südlichen Friedhof beigesetzt werden. Sein Name aber wird, wie der seines Vaters Julius Knorr, lebendig bleiben in der deutschen Zeitungswelt und unter seinen Mitarbeitern, unter seinen Gesinnungsgenossen und Kampfesgefährten und unter den Bürgern Münchens.

Münchner Neueste Nachrichten No. 584. Donnerstag, den 14. Dezember 1911.

#MR – 129 (Voltz)


VOLTZ
FRIEDR.
MALER
1817 – 1886


  • Voltz, Johann Friedrich; 31.10.1817 (Nördlingen) – 25.6.1886 (München); Landschaftsmaler und Tiermaler

Grab der Familie Voltz auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familie Voltz auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#Johann Friedrich Voltz

* 31.10.1817 (Nördlingen)
† 25.6.1886 (München)
Landschaftsmaler und Tiermaler

#Münchener Künstlerbilder (1871)

Friedrich Voltz,
Thiermaler.

Johann Friedrich Voltz ist der älteste Sohn des am 17. April 1858 mit Tode abgegangenen Historienmalers Johann Michael Voltz von Nördlingen, dessen künstlerische und culturhistorische Bedeutung Professor Hagen zu Bern in einer Monografie mit vielem Verständniß dargestellt hat.

Johann Michael Voltz war es erst im fünfzehnten Lebensjahre gelungen, sich aus der Werkstätte eines Knopfmachers, in die ihn sein Vater, ein unbemittelter Schullehrer, gebracht hatte, freizumachen. Später hatte er für den Hofmaler Schmidt in Augsburg gearbeitet und hierauf in der von Herzbergischen akademischen Kunsthandlung Aufnahme gefunden, in welcher ihm deren Director Eichler anregend und leitend zur Seite stand. Nach Herzberg’s Tode war er nach München gegangen und hatte dort Albrecht Adam kennen gelernt, mit dem ihn langjährige Freundschaft verband. Von München hatte er sich nach Nürnberg gewendet und dort durch Doctor Kampe entsprechende Beschäftigung gefunden. Von seinen größeren Gemälden sind unter Anderem »Die Verwundung des Admirals Ruyter an Bord seines Schiffes«, »Die Börse in Amsterdam«, »Das Schwingen im Endlibuch« und »Die Schwarzwälder Bauernfamilie«, sowie »Der Tod Gustav Adolf’s bei Lützen« hervorzuheben. Seine größte Bedeutung aber liegt in seinen Radirungen und Stichen, von denen namentlich die Schlachten bei Varna und Schumla genannt werden müssen. Als ein sehr verdienstvolles Werk stellen sich außerdem seine 62 Randzeichnungen zu den Evangelien für das ganze Jahr, deren Widmung die damalige Kronprinzessin Marie von Bayern annahm, dar. Die Zahl seiner Illustrationen zu historischen, periodischen und namentlich Jugendschriften ist eine unglaublich große. Selbst aus dem Volke hervorgegangen und mit treuem Herzen an ihm hängend, hat er sich die Aufgabe gestellt, mit allen Kräften dahin zu wirken, daß an die Stelle geist- und schönheitsloser Machwerke dem Volke das Edle, Gute, Schöne geboten werden könne. Und wie er von diesem leitenden Gedanken noch in den letzten Lebenstagen beseelt war, dafür giebt der rege Antheil Zeugniß, den er an den Münchener Bilderbogen nahm, als an einem Werke, das dem Volke gegen geringen Aufwand ästhetischen Genuß verschaffen und durch die Jugend künftige Generationen bilden will.

Diesem wackeren Künstler wurde sein Sohn Johann Friedrich am 31. October 1817 zu Nördlingen, der alten freien Reichsstadt, geboren. Der Vater war es auch, der des Knaben erste Versuche leitete. Nachdem Friedrich mit dreizehn Jahren die Lateinschule seiner Vaterstadt verlassen, durfte er sich, wie es sein sehnlichster Wunsch war, ausschließlich der Kunst widmen. Unter den Augen des Vaters wurde nun mit Eifer nach dem Flachen, Runden und schließlich nach der Natur gezeichnet, wurden in der Oelmalerei, nicht minder im Radiren und Stechen Uebungen gemacht. Friedrich erwarb sich im Radiren bald eine solche Gewandtheit, daß er sich durch den Erlös aus dem Verkaufe von zwölf Blättern nach seines Vaters Zeichnungen die Mittel verschaffte, im October 1834 nach München zu reisen.

Sein Vater war das Jahr vorher auf ein paar Wochen nach München gegangen und da hatte sich dem Kunstjünger, der ihn begleiten durfte, ein neues Leben erschlossen, reizender noch als es ihm die reizenden Wanderungen durch das Ries geboten hatten, jenen durch scharfe Charakterzeichnung von Land und Leuten lebhaft anziehenden Strich des schwäbischen Landes um Nördlingen. Dem Vater waren jene Streifzüge auf Studien nicht sonderlich lieb gewesen, da er selbst in der Historienmalerei das Ziel seines Lebens und Strebens sah.

Mit dem Abgange seines Sohnes auf die Münchener Akademie im Oktober 1834 fiel sonach dem Vater ein Stein vom Herzen, weniger dagegen fand der Sohn die Art und Weise nach seinem Geschmack, mit der man die Studien im Antikensaale betrieb. Clemens Zimmermann war damals von seinen Arbeiten in der Loggia der Pinakothek fast ausschließlich in Anspruch genommen, Schlotthauer’s kirchliche Richtung stand zu seiner ganzen Neigung wenig in Bezug und so kam es, daß er sich ziemlich isolirt fühlte. Nur das Studium des Actes zog ihn lebhaft an, so daß er es noch viele Jahre nachher privatim mit Eifer fortsetzte.

Im Frühjahr 1835 begann er in der Galerie nach alten Meistern zu copiren, nicht minder nach der Natur zu studiren und suchte sich im Verkehre mit dem Albrecht Adam’schen Hause und im Umgang mit älteren Künstlern fortzubilden. Zur selben Zeit lernte er auch das bayerische Oberland kennen, dessen bedeutende Natur auf sein empfängliches Gemüth einen so lebhaften Eindruck machte, daß er viele Jahre hindurch seine Stoffe fast ausschließlich dem Alpenleben entnahm. Schon im Jahre 1836 wurden kleinere Bilder des jungen Künstlers von auswärtigen Kunstvereinen angekauft und verschafften ihm neben dem Radiren und Lithografiren die nöthigen Mittel, sich ganz seiner Lieblingsneigung hingeben zu können. Auch erfreute er sich der warmen Theilnahme und des trefflichen Rathes eines Carl Rottmann, Christian Morgenstern und anderer namhafter Künstler, mit denen er vielfach verkehrte. Von großem Vortheile war ihm auch seine Thätigkeit für die von Inspektor Muxel in Radirungen herausgegebenen Copien von Bildern der berühmten Leuchtenberg’schen Galerie, wobei ihm vorwiegend Schlachten und Thierbilder zugewiesen wurden; im Zeichnen auf Stein aber übte er sich durch seine Betheiligung an dem von Adam herausgegebenen Werke über die Pferdezucht auf der Insel Alsen.

In den Anfang der vierziger Jahre fällt die Entstehung des Münchener Radirvereins, den Voltz mit gründen half, der aber leider schon mit dem fünften Hefte seine Thätigkeit einstellte. Seit dieser Zeit sehen wir Voltz an allen inneren und äußeren Unternehmungen der Münchener Künstlerschaft werkthätigen Antheil nehmen, denen er bis dahin in Folge seiner angestrengtesten Thätigkeit weniger Aufmerksamkeit hatte schenken können.

Nachdem er im Jahre 1841 im Fohlenhofe zu Schweiganger seine Kenntniß des Pferdes erweitert hatte, besuchte er 1843 mit dem Landschaftsmaler Heinzmann Oberitalien, von wo er schon nach ein Paar Monaten zurückkehrte, um in den Württembergischen Gestüten die orientalische Race zu studiren. Eine zweite Reise nach Oberitalien, im Jahre 1845 mit Seidl unternommen, war nicht minder genuß- und studienreich, als die erste, gab ihm jedoch die Ueberzeugung, daß ihm die italienische Natur künstlerisch nicht zusage. Und machten auch die alten Meister in Venedig u. s. w. einen immer tieferen Eindruck auf ihn, der Schlüssel zum richtigen Verständniß derselben sollte doch erst später gefunden werden.

Die Motive zu seinen Bildern wurden nach wie vor entweder dem heimatlichen Ries oder dem lieblichen Würmthal, größtentheils aber dem bayerischen Gebirge entnommen, dessen Alpenleben den Künstler begeisterte und fast jeden Sommer wochenlang auf den Bergen festhielt.

Seine italienischen Reisen hatten ihn, wie bemerkt, auf die Farbe hingewiesen; das Tasten nach ihr führte ihn wie so manchen Anderen im Jahre 1816 am Rhein hinunter nach Belgien und Holland. Die reichen Kunstschätze dieser Länder erweiterten seinen Gesichtskreis außerordentlich und er machte sich mit den Bestrebungen der modernen Malerei auf der Grundlage alter Traditionen eingehender vertraut, wobei ihm die persönlichen Bekanntschaften mit Künstlern, wie Hildebrand, Verboekhoven, de Keyser, Schelver, Backhuysen u. A. namhaft förderten. Er zog aus dieser Reise all den Gewinn, den ein denkender und vorurtheilsfreier Künstler aus neuen Umgebungen und Lebensverhältnissen zu schöpfen vermag. Indem er sich fast ausschließlich von einer Kunstrichtung umgeben sah, die von der in seinem Vaterlande herrschenden entschieden abwich, hatte er volle Gelegenheit, die neuen Eindrücke ganz auf sich wirken zu lassen und prüfend abzuwägen, was für und wider die eine oder die andere sprechen mochte. Zu einem bleibenden Aufenthalte konnte er sich nicht entschließen und trat im Oktober den Rückweg über Düsseldorf, Cöln, Frankfurt und den Main herauf an, wobei Pommersfelden mit seiner herrlichen Galerie, Nürnberg und schließlich noch die alte Heimat besucht ward, um dem Vater über die Eindrücke der Reise getreuen Bericht zu erstatten. Als Ergebniß dieser Reise erscheint eine stärkere Individualität, welche, im Allgemeinen an der bisherigen Richtung festhaltend, Verwandtes herübernahm und auch ganz Neues nicht verschmähte, sofern es nur der Einheit des Strebens nicht zu nahe trat.

Das Jahr 1847 führte Voltz wieder nach Stuttgart und wurde insofern für ihn bedeutungsvoll, als er während seines dortigen Aufenthaltes seine nachmalige Gattin kennen lernte. Die Stürme des nächsten Jahres gingen an dem überaus thätigen Künstler ziemlich ohne Störung desselben vorüber und beschleunigten nur die Gründung eines eigenen Herdes, da er sich im Gewirre des politischen Treibens lebhafter denn je nach stiller Häuslichkeit sehnte. Als er im Herbste 1849 Pauline Metzger, die Tochter eines württembergischen Militärbeamten aus Ludwigsburg, heimführte, waren es die ihm befreundeten Brüder und berühmten Glasmaler Josef, Leo und Anton Scherer, die, zur Herstellung dreier großer, gemalter Fenster für die Stiftskirche in Stuttgart dortselbst anwesend, das Haus der Braut mit dem feinen Geschmack echter Künstler reizend schmückten.

Wie bekannt, hatte die in die Fußstapfen von Cornelius tretende Münchener Schule bis dahin die Farbe sehr vernachlässigt. Allmählig aber begann auch in München die coloristische Anschauung sich klarer zu gestalten, und unter gleichstrebenden Künstlern, wie Eduard Schleich, Bernhard Stange, Carl Spitzweg, Carl Piloty, besonders aber durch den mächtigen Einfluß Rahl’s bildete sich um 1850 allmählig ein tieferes Verständniß der alten Meister, das auch bald in den Werken der genannten Künstler zur Geltung gelangte.

Nach Stange’s Abgang von München waren es besonders Voltz, Schleich und Spitzweg, welche die Farbe wieder zu vollen Ehren brachten und ohne eigentliche Schüler um sich zu versammeln, ihren Prinzipien auch bei anderen jüngeren Künstlern von höherer Begabung Eingang verschafften.

Man hat sich gewöhnt, jene Künstler, welche sich nicht lediglich darauf beschränkten, die Bedeutung des Gedankens, die Abrundung der Composition und die Strenge der Zeichnung zu betonen, sondern auch der technischen Durchbildung und der Wirksamkeit des coloristischen Elementes einen größeren Spielraum zu gewähren, kurzweg mit dem Ausdruck Realisten zu bezeichnen. Ganz abgesehen davon, daß ein nicht unbedeutender Theil des kunstliebenden Publikums mit dem Worte Realismus einen Begriff verbindet, der den betreffenden Künstlern in seiner Anwendung auf sie aus mehrfachen Gründen nicht ganz genehm sein kann, ist diese Bezeichnung auch eine so vage, daß sie jedermann frei läßt, sich seine eigene Vorstellung von der Sache zu bilden. Dabei kommen denn nun die eigenthümlichsten Dinge zum Vorschein. Die Einen sind der Ansicht, der Realist brauche sich gar nichts um den Gedanken zu kümmern und es handle sich für ihn nur darum, eine gegebene Erscheinung in der Weise wiederzugeben, als deren letztes Ziel eine überraschende optische Täuschung erscheint. Leider kann man dieser Ansicht eine gewisse Berechtigung nicht absprechen, seitdem Hunderte von deutschen und fremden Künstlern durch ihre praktische Thätigkeit den Beweis liefern, daß es nach ihrer Ueberzeugung nicht darauf ankommt, was man malt, sondern wie man es malt. Bei dieser Richtung handelt es sich aber schließlich keineswegs um die Realität der Darstellung, wie sie sich und uns gerne glauben machen möchten, nicht um eine wirkliche Naturwahrheit, sondern nur um eine fingirte; denn dem aufmerksamen Beobachter kann es unmöglich entgehen, daß die Natur als ein abgeschlossenes Ganze betrachtet uns nicht in allen Einzelheiten mit der gleichen Bedeutsamkeit entgegen tritt; daß das Moos an der Eiche nicht die Absicht hat, dieselben Ansprüche auf unser physisches, wie psychisches Anschauen zu stellen, wie die Eiche selbst, daß es sich vielmehr freiwillig der Eiche gegenüber unterordnet. So ist denn hier nicht einmal von einer eigentlichen Naturwirklichkeit die Rede. Wäre aber diese letztere das Endziel der Kunst, so hätte sie in der Fotografie eine sehr gefährliche Rivalin.

Andere dagegen glauben, das Streben nach Realismus sei identisch mit dem nach koloristischer Wirkung. Wie falsch diese Ansicht ist, beweist die Thatsache, daß gerade viele gefeierte Realisten all ihren Bildern einen stumpfen, grauen Ton geben und damit zeigen, wie wenig Werth sie auf das leuchtende Colorit der alten Venetianer und Niederländer legen.

Voltz und seinen Freunden lag es nicht im Sinne, eine neue Kunstrichtung anzubahnen; sie waren und sind vielmehr bemüht, auf den Traditionen der alten Meister fortzubauen, ebensowohl was die technische Durchbildung, als die coloristische Wirkung betrifft. Sie folgen den Alten aber auch darin, daß sie den Gedanken nicht hintenan setzen und von der Ueberzeugung ausgehen, die Kunst habe einen andern Zweck, als in dem Auge eine wohlthuende Empfindung hervorzurufen.

Um jene Zeit trat Voltz namentlich mit Bernhard Stange in freundschaftlichen Verkehr und gedenkt dessen noch heute mit rückhaltloser Dankbarkeit, denn mit Stange konnte kaum einer der damals hervorragenden Künstler in die Schranken treten, wenn es galt, den hohen Werth der alten Meister zu erforschen und praktischen Gewinn aus dem Verständniß derselben zu ziehen.

Die große Ausstellung des Jahres 1855 zog Voltz nach Paris. Hatte schon, was er in Belgien und Holland an Erzeugnissen lebender Künstler gesehen, seinen Gesichtskreis bedeutend erweitert, so war dies hier in noch höherem Grade der Fall, wo die historische Ausstellung ihm alle seit einem halben Jahrhunderte nach einander zur Geltung gekommenen Richtungen vor Augen brachte.

Im nächsten Jahre unternahm Voltz eine Reise nach dem Norden Deutschlands, wobei namentlich Berlin und Hamburg ihm zu lebhaften Anziehungspunkten wurden. War es dort die Gegenwart, welche mächtig auf ihn einwirkte, so erwiesen sich in Dresden wieder die Meisterwerke der italienischen Schule als belehrende und einflußreiche Elemente.

Als im Winter desselben Jahres Voltz sich bei Gelegenheit eines in seiner Wohnung ausgebrochenen Brandes die rechte Hand schwer verletzt hatte, so daß er sich ihrer mehrere Monate hindurch nicht mehr bedienen konnte, ward ihm das Veranlassung, mit der Linken zur Bleifeder und zu den Farbenstiften zu greifen.

Nicht ohne sichtbaren Einfluß auf ihn blieb seine Bekanntschaft mit dem Schweizer Thiermaler Rudolf Koller und es gewann vorübergehend den Anschein, als ob er sich Koller’s entschieden ausgesprochener naturalistischer Richtung ganz anschließen wollte. Man konnte sich jedoch bald überzeugen, daß er an seiner idealen, durch das Studium der Alten bedingten Richtung festzuhalten und von der neuen nur das herüberzunehmen gesonnen sei, was den Anforderungen der Zeit an eine glänzendere Technik entsprach.

Fassen wir hiernach in’s Auge, was den über Europa hinausreichenden Ruf des Künstlers in der Hauptsache begründet, so kommen wir zu folgenden Ergebnissen: Man hat sich daran gewöhnt, Voltz als den ersten Thiermaler unter den deutschen Künstlern zu bezeichnen. Diese Bezeichnung ist indeß nichts weniger als erschöpfend; denn bestimmten Gründe irgend welcher Art Voltz, die Thiermalerei aufzugeben und sich ganz der landschaftlichen Kunst zu widmen, so würde er in dieser eine nicht minder hervorragende Stellung einnehmen. Seine Landschaft ist ausschließlich Stimmungslandschaft, da ihm die landschaftliche Natur im Allgemeinen nur dazu dient, gemeinschaftlich mit den Thiergestalten auf das Gemüth des Beschauers bestimmend einzuwirken. In dieser Richtung aber beherrscht er seinen Stoff mit staunenswerther Kraft und zwar nicht minder dort, wo es sich um große Maßverhältnisse, als da, wo es sich um die sogenannte kleine Landschaft handelt.

Nicht die glückliche Wahl des Stoffes, nicht die strenge und gewissenhafte Zeichnung, nicht die glänzende und doch solide Technik ist es, was Voltz auf die Stufe in der Kunstwelt gestellt hat, welche er dermalen einnimmt, sondern das Vermögen, auf die Seele des Beschauers bestimmend einzuwirken, daß dieselbe genöthigt ist, den von ihm in künstlerisch schöne Form gebrachten Gedanken nicht blos einfach aufzunehmen, sondern selbstthätig fortzuspinnen, es ist mit Einem Worte jene Fülle der poetischen Gestaltungskraft, die auch das kleinste seiner Bilder durchweht und wie aus einem guten Gedichte in unsere Seele herüberklingt. Bald ist es ein alter Hirte, der seine Heerde in den sonnigen Abend hineintreibt, um der wohlverdienten Ruhe entgegen zu gehen, bald ein Mädchen, das, während die Rinder im Wasser Kühlung suchen, die Hand über den Augen, weit in’s Land hineinschaut, bald ein schmucker Junge, der vom weit in den See springenden Steg dem Spiel der plätschernden Wellen zuschaut.

In der Wahl der Motive wird er von einer reichen, durch ununterbrochene Beobachtung unterstützten und geläuterten Fantasie geleitet, nicht minder aber durch einen wahren Schatz von Studien, die von ebenso ungewöhnlichem Fleiße als seltenem Verständnisse der verschiedenartigsten Erscheinungen der Natur glänzendes Zeugniß geben unterstützt.

Dem reichen inneren Leben des Meisters ist es auch zuzuschreiben, daß er sich nie wiederholt, außer wenn es Besteller wünschen; ein Verdienst, das um so höher anzuschlagen ist, als gerade sein Kunstzweig vorzugsweise Gefahr läuft, in Unförmigkeit zu verfallen, da der Kreis der zu verwerthenden Gedanken ein durch die Natur der Sache ziemlich eng gezogener ist, namentlich in der idyllischen Richtung, als deren hervorragendster Repräsentant Voltz betrachtet werden muß und welche es zuvörderst und hauptsächlich mit der affectlosen Erscheinung des Thieres zu thun hat.

Wo Voltz die menschliche Gestalt neben seinem Hauptmotiv benutzt, da hält er sich von aller süßlichen Affectation und Unnatur ferne; seine Bauern sind wirkliche Bauern, nicht in Bauernkleider gesteckte, städtische Modelle. Sein Ziel ist die Schilderung einfacher Lebensverhältnisse einfacher Landleute, welche, von gesellschaftlicher Cultur unberührt, sich vollkommen naturgemäß bewegen, und er erreicht dieses Ziel, weil sein eigenes klares Gemüth ihn befähigt, die echte und ungeschminkte Poesie auch da überall herauszufühlen, wo hundert Andere, von ihr unberührt, vorübergehen.

Zwischen den beiden Extremen der alten und neuen Kunstrichtung in München hat sich eine Mittelgruppe gebildet, aus welcher namentlich Voltz, Schleich und Spitzweg hervorragen und es ist nicht das geringste Verdienst unseres Künstlers, daß er im Verein mit ihnen und anderen Gesinnungsgenossen trotz mancher störenden Einwirkungen von außen das einmal als das Richtige Erkannte mit größter Consequenz zum Ausdruck bringt. Die freundliche Aufnahme, welche nicht blos seine Bilder, sondern er persönlich bei seinen verschiedenen Reisen in den ersten Kunststädten gefunden hat, konnten die Lust, den eingeschlagenen Weg mit Eifer zu verfolgen, nur erhöhen. Seine hervorragende Stellung im Kunstleben sicherte ihm auch einen weit gehenden Einfluß und eine erfolgreiche Mitwirkung bei Heranbildung jüngerer Künstler.

Voltz wurde von den Königen von Preußen und Würtemberg durch die kleine und große goldene Medaille ausgezeichnet; die Münchener Akademie wählte ihn zu ihrem Ehrenmitgliede, die Akademien zu Berlin und Wien nahmen ihn in den Jahren 1869 und beziehungsweise 1870 in die Zahl ihrer ordentlichen Mitglieder auf und der König von Bayern verlieh ihm in Anerkennung der auszeichnenden Aufnahme seiner Werke in der Pariser Ausstellung von 1867 den Verdienstorden vom heiligen Michael I. Classe.

Carl Albert Regnet: Münchener Künstlerbilder. Ein Beitrag zur Geschichte der Münchener Kunstschule in Biographien und Charakteristiken. Leipzig, 1871.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Voltz Johann Friedrich, 1817 (Nördlingen) – 1886, Landschafts- und Tiermaler und Akademieprofessor; Sohn des Nördlinger Malers, Zeichners und Kupferstechers Johann Michael V., studierte bei seinem Vater und auf der Münchner Kunstakademie bei Adam; Reisen durch Mitteleuropa und Italien, Belgien und Holland vervollkommneten seine Kenntnisse; nach München zurückgekehrt, vertrat er mit Stange, Schleich, Morgenstern und Spitzweg auf der Grundlage seiner an den alten Meistern gemachten Studien die koloristische Richtung seines Fachs; seit Ende der 40er Jahre war V. führend als deutscher Tiermaler, namentlich gesucht in seinen Viehweide-Szenen.

Hauptwerke: Die Viehherde im Walde, Menagerie, Kühe an der Tränke, Kühe mit Hirt-Heimtrieb der Herde.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#MR – 130·131 (Lindauer)


Grab der Familie Lindauer auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familie Lindauer auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

Grab der Familie Lindauer auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#MR – 132 (Kuck)


Hier ruhet
Carl Kuck,
ehmaliger Weingastgeber
starb am ¿ März 1837
im 58 Jahre seines Lebens.
und seine ihm ¿
Gattin ¿
Barbara Kuck
starb 1822 im ¿ Lebens-Jahr.
Ihm folgte seine zweite Gattin
Elisabeth Kuck
sie starb ¿ Jahre ihres Lebens


  • Kuck, Barbara (vh); – 1822; Weingastgebers-Gattin
  • Kuck, Elisabeth (vh); Weingastgebers-Witwe
  • Kuck, Karl; – 6.3.1837 (München), 58 Jahre alt; Weingastgeber

Grab der Familie Kuck auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#MR – 133·134 (Lößl)


Linke Tafel
nun wieder ¿
schon 1820 vorausgegangen
Herrn
Jos. Val. Ritter u. Edlen von Lößl,
k. Landgerichts-Assessor in Rosenheim
Ihnen folgte tiefbetrauert
am 29. Dezember 1893 ihr Sohn,
Herr Eduard Ritter u. Edler von Lößl,
k. Advokat, im 79. Lebensjahre.
Und am 13. August 1899
ihre Tochter
Fräulein
Bertha Edle von Lößl,
im 82. Lebensjahre.


  • Lößl, Bertha Edle von; – 13.8.1899
  • Lößl, Eduard Ritter und Edler von.; – 29.12.1893; Advokat
  • Lößl, Josef Valentin Ritter und Edler von; – 1820

Grab der Familie Lößl auf dem Alten Südfriedhof München (April 2016)

#MR – 135·136 (Gietl · Pasch)


Linke Portrait-Büste
Inschrift
JOH. JOS. PASCH.

Linke Tafel
Johann Joseph Pasch,
Kaufmann,
Magistratsrath und Assessor des k. Wechselgerichts II. Instanz dahier.
geb. den 16. Februar 1777, gest. den 10. Oktober 1823,
und dessen Gattin
Elisabeth Pasch,
geb. den 13. Mai 1780, gest. den 24. August 1833.

Rechte Portrait-Büste
Inschrift
DR. FRANZ v. GIETL.

Rechte Tafel
Geheimrath Dr. Franz von Gietl,
königlicher Leibarzt und o. ö. Professor,
Grosskreuz des Ordens d. bayer. Krone. Grosscomthur
des St. Michaels Ordens etc. Ehrenbürger von München.
geb. den 27. August 1803. gest. den 19. März 1888.
Anna von Gietl, geb. Pasch, dessen Gattin,
geb. den 5. Februar 1814. gest. den 28. März 1897.

Sockel
Linke Spalte
Franz Karl Pasch
Kaufmann und Gemeindebevollmächtigter
geb. ¿ 1809 gest. 5. Jan. ¿
Friedrich Bernhard Pasch
L¿ und Assessor des ¿
¿
Josua Ritter von Gietl
¿

Sockel
Rechte Spalte
Luise Ritter von Gietl
¿


  • Gietl, Anna von (vw) / Pasch (gb); 5.2.1814 – 28.3.1897; Kaufmanns-, Wechselgerichtsassessors- und Magistratsrats-Tochter aus München / Arzt-Witwe
  • Gietl, Franz Xaver von, Dr. med.; 27.8.1803 (Höchstädt a.d. Donau/Schw.) – 19.3.1888 (München); Arzt
  • Gietl, Josua Ritter von; 28.10.1847 (München) – 5.5.1922 (München); Landschaftsmaler
  • Gietl, Luise Ritter von
  • Pasch, Elisabeth (vw); 13.5.1780 – 24.8.1833 (München); Kaufmanns- und Magistratsrats-Witwe
  • Pasch, Franz Karl; 1809 (München) – 5.1850 (München), 41 Jahre alt; Kaufmann und Gemeindebevollmächtigter
  • Pasch, Friedrich Bernhard
  • Pasch, Johann Josef; 16.2.1777 – 10.10.1823; Kaufmann und Magistratsrat

Grab der Familien Gietl · Pasch auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

Grab der Familien Gietl · Pasch auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2007)

Grab der Familien Gietl · Pasch auf dem Alten Südfriedhof München (März 2010)

Grab der Familien Gietl · Pasch auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

Grab der Familien Gietl · Pasch auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2010)

Grab der Familien Gietl · Pasch auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

Grab der Familien Gietl · Pasch auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

Grab der Familien Gietl · Pasch auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

#Dr. med. Franz Xaver von Gietl

* 27.8.1803 (Höchstädt a.d. Donau/Schw.)
† 19.3.1888 (München)
Arzt

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Gietl Franz Xaver, Dr. med., von, Ritter, 1803 (Höchstädt a. d. Donau/Schw.) – 1888, königlicher Leibarzt und Universitätsprofessor; nach Studien zu Landshut, Würzburg und München wurde G. Leibarzt des späteren Königs Max II., Professor für innere Medizin und von 1848–1852 Direktor des städtischen Krankenhauses links der Isar in München; er war als Arzt und Lehrer hochangesehen und erhielt das Münchner Ehrenbürgerrecht, seine Schriften enthalten hauptsächlich Krankenhaus- und epidemiologische Berichte, z. B. über Cholera, die G. im Auftrag der Regierung in Böhmen, Mähren und Schlesien zu beobachten Gelegenheit hatte, und über Typhus.

Hauptwerke: Fragmenta pathologica de neurogangliis, Geschichtliches zur Cholera-Epidemie in München, Britzgens Handbuch der Pastoralmedizin, Die Ursachen des enterischen Typhus in München, Die Grundzüge meiner Lehren über Cholera und Typhus; er hat sich um die Bekämpfung der Epidemien in München sehr verdient gemacht.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#Josua Ritter von Gietl

* 28.10.1847 (München)
† 5.5.1922 (München)
Landschaftsmaler

#Münchner Neueste Nachrichten (13.4.1892)

[...] Nicht weniger als 42 Landschaften, Studien- und Atelierbilder, bringt Josua v. Gietl, wie es denn überhaupt in dieser Woche im Kunstverein von Sammelausstellungen wimmelt. v. Gietl ist ein Hellmaler von großem Geschick und, wie Figura zeigt, auch von großem, ehrlichem Fleiß. Wer eine solche Anzahl sorgsam durchgearbeiteter Studien vorzuzeigen hat, beweist mehr als gewöhnliches Streben, das naturgemäß zu dem stattlichen Können führen muß, welches der Künstler besitzt. Besonders schön ist das große Bild, Frauen, die auf einem Felde in frischem, dunstigem Morgenlicht Unkraut jäten oder sonst einer landwirthschaftlichen Hantirung nachgehen. Die Wirkung der reizvollen Beleuchtung ist ganz vorzüglich gegeben. Auch ein Erntebild mit Garbenbinderinnen weist gleiche Vorzüge auf. Einen Zug ins Große, wie man ihn selten findet, eine verblüffende, koloristische Energie, weisen die vier kühn und breit gemachten Landschaften Vinnens auf. Das ist ein Talent, das unbeirrt seinen Weg sucht und finden wird.

Münchner Neueste Nachrichten No. 168. Mittwoch, den 13. April 1892.

#Allgemeines Künstlerlexikon (1896)

Gietl, Josua von, Landschaftsmaler, geb. 1847 in München, ging von der Rechtswissenschaft zur Malerei über, wurde Schüler von Lindenschmit und widmete sich namentlich unter Lier und Wengele der Stimmungslandschaft. Solche Bilder sind: Waldpartie mit einem Holzwagen, Die Ernte, Der Herbstmorgen.

Allgemeines Künstlerlexikon. Frankfurt am Main, 1896.

#Münchner Neueste Nachrichten (11.5.1922)

Kleine Mitteilungen

In München ist im Alter von 75 Jahren der Landschaftsmaler Josua Ritter v. Gietl gestorben. Josua v. Gietl, 28. Oktober 1847 in München geboren, war zuerst Jurist und studierte dann die Malerei bei Lindenschmit, Lier und Wenglein. Seine feinen, malerisch lockeren und intimen Stimmungslandschaften befinden sich in der besten Münchner Tradition.

Münchner Neueste Nachrichten Nr. 200. Donnerstag, den 11. Mai 1922.

#Generalanzeiger (13.5.1922)

Bestattungen

Künstler, Gelehrte und ein engerer Kreis anderer Leidtragender geleiteten im alten Südfriedbof den Landschaftsmaler Josua v. Gietl zu Grabe. Stadtpfarrer Ludger Rib von St. Bonifaz verrichtete die kirchliche Handlung und gab in kurzer, markiger Gedächtnisrede ein Lebensbild des Künstlers, Kunstmaler Hartmann widmete dem Kollen im Namen der Münchner Künstlergenossenschaft einen herzlichen Nachruf; die Vereinigung Münchner Aquarellisten spendete einen Kranz. Im Grabschmuck war eine Blumenspende von der F. A. Fleischmannschen Hofkunsthandlung.

Generalanzeiger der Münchner Neuesten Nachrichten Nr. 203. Samstag, den 13. Mai 1922.

#Franz Karl Pasch

* 1809 (München)
† 5.1850 (München), 41 Jahre alt
Kaufmann und Gemeindebevollmächtigter

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Pasch Franz Karl, 1809 (München) – 1850, Kaufmann und Gemeindebevollmächtigter in München; P. erhielt 1845 die Genehmigung zur Erbauung einer Getreidehalle und Bildung einer Aktiengesellschaft; er wird als Wohltäter der Stadt München verehrt, die sein Grab pflegt, weil er, da er keine Kinder hatte, sie zum Universalerben bestimmt und u. a. auch sein Wohnhaus am Rindermarkt 9 vermacht hat.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#MR – 137·138 (Leers)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Leers, Ernestine; – 1887; Bankbeamtens-Witwe

Grab der Familie Leers auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

Grab der Familie Leers auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#MR – 139 (Nutzinger)


Grabstätte
der
Familie
Fr. X. Nutzinger.


  • Nutzinger, Fr. X.

Grab der Familie Nutzinger auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#MR – 142·143 (Kampferseck)


Familie Kampferseck

Josef Kampferseck, sen.
Rentner, ehem. Stadt-Baumeister,
geb. 29. Juli 1815 zu Budapest, gest. 9. März 1893 dahier.
Josefine Kampferseck,
geb. König,
geb. 29. Januar 1820, gest. 9. Juli 1897.
Max Kampferseck,
Banquier,
geb. 11. Oktober 1845, gest. 19. April 1909.


  • Kampferseck, Josef; 29.7.1815 (Budapest) – 9.3.1893 (München); Stadtbaumeister
  • Kampferseck, Josefine (vw) / König (gb); 29.1.1820 – 9.7.1897
  • Kampferseck, Max; 11.10.1845 – 19.4.1909; Bankier

Grab der Familie Kampferseck auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

Grab der Familie Kampferseck auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#MR – 149 (Schmidt)


Wirkl. Geh. Rat
Hermann von Schmidt
geb. 14.4.64 gest. 23.3.25
Louise von Schmidt
geb. 17.4.72 gest. 26.6.34

J. Lallinger.


  • Schmidt, Hermann von; 14.4.1864 – 23.3.1925; Geheimrat
  • Schmidt, Luise von; 17.4.1872 – 26.6.1934

Grab der Familie Schmidt auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#MR – 153…155 (Brinz)


ALOIS VON BRINZ
PROFESSOR DES ROEMISCHEN RECHTS
ERLANGEN PRAG TUEBINGEN MUENCHEN
GEB. ZU WEILER XXV. FEBR. MDCCCXX
GEST. ZU MUENCHEN XIII. SEPT. MVCCCLXXXVII.
IHREN GELIEBTEN GATTEN ZUR SEITE RUHT
CAROLINE VON BRINZ GEB. ZENETTI
GEB. ZU SPEYER I. DEZ. MDCCCXXV, GEST ZU BAYREUTH VII. JUNI MDCCCLXXX¿

SELIG SIND DIE REINEN HERZENS SIND!


  • Brinz, Alois von, Prof. Dr. jur.; 25.2.1820 (Weiler/Allgäu) – 13.9.1887 (München); Jurist und Politiker
  • Brinz, Karoline von (vh) / Zenetti (gb); 1.12.1825 – 7.6.1896

Grab der Familie Brinz auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2008)

#Prof. Dr. jur. Alois von Brinz

* 25.2.1820 (Weiler/Allgäu)
† 13.9.1887 (München)
Jurist und Politiker

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Brinz Alois, Dr. jur., von, 1820 (Weiler/Allgäu) – 1887, Jurist, Universitätsprofessor und Politiker; B., Sohn eines Juristen, in Kempten Mitschüler von H. von Lingg, studierte in München und Berlin klassische Philologie und Rechte, habilitierte sich 1850 in München, war Universitätsprofessor in Erlangen, wo er »Kritische Blätter zivilistischen Inhalts in zwanglosen Heften« 1852/53 herausgab, und seit 1857 Professor in Prag, wo er sich politisch betätigte (liberales Mitglied des böhmischen Landtags und des österreichischen Abgeordnetenhauses) und den Verein zum Schutze deutscher Interessen im Ausland (einen Vorläufer des Volksbunds für das Deutschtum im Ausland) begründete; 1859 hielt er auf dem Waldsteinplatz in Prag eine große Rede auf Schiller; eine Berufung nach Wien (1865) wurde von der Regierung nicht bestätigt; er ging dann 1866 nach Tübingen, bis er 1871 in München die Professur für römisches Zivilrecht erhielt; Berufungen nach Wien, Heidelberg und Berlin lehnte B. ab.

Hauptwerke: Notamina ad usum fructum, Die Lehre von der Kompensation, Arbor actionum; Lehrbuch der Pandekten (2 Bde., 2. Aufl., 1873/94, 4 Bde.), Zum Recht der bonae fidei possessio, Über die Zeit im Rechte, Über den Einlassungszwang im römischen Recht; als ungemein fruchtbarer und bahnbrechender juristischer Schriftsteller verleugnete B. seinen scharf kritischen Standpunkt nirgends.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#MR – 166·167 (Hofmann · Munsch · Schöllhorn)


FAMILIEN
SCHÖLLHORN
MUNSCH
HOFMANN


  • Munsch, Josef; 4.10.1832 (Linz/Österreich) – 28.2.1896 (München); Genremaler, Historienmaler und Illustrator

Grab der Familien Hofmann · Munsch · Schöllhorn auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2007)

Grab der Familien Hofmann · Munsch · Schöllhorn auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

Grab der Familien Hofmann · Munsch · Schöllhorn auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2007)

#Josef Munsch

* 4.10.1832 (Linz/Österreich)
† 28.2.1896 (München)
Genremaler, Historienmaler und Illustrator

#Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog (1897)

Munsch, Joseph, Historien- und Genremaler, geboren 4. Oktober 1832 zu Linz, arbeitete anfangs als Vergolder im Geschäft seines Vaters, kam aber seiner künstlerischen Begabung wegen 1853 auf die Münchener Akademie und förderte sich unter Professor Philipp Foltz so rasch und vollkommen, dass er schon 1856 ein ganz nach den Regeln dieser Schule componirtes Bild (Konradin und Friedrich von Baden vernehmen das Todesurtheil), freudig von der Kritik begrüsst, im Kunstverein ausstellen konnte. Dann malte M. nach seiner sorgfältigen Cartonzeichnung einen »Rudolf von Habsburg nach der Schlacht auf dem Marchfelde vor der Leiche Ottokars von Böhmen», worauf ein »Herzog Alba auf dem Rudolstätter Schlosse« (1860) und die »Ermordung des Herzogs von Guise« (1864) in gleicher Behandlung entstanden. Darauf wurde M. mit drei Fresken zu der grossen Bildergalerie des Baierischen Nationalmuseums betraut, darstellend den »Pilgerzug des Grafen Ekkehart von Schyren nach Palästina«, eine am Fusse des Peissenbergs spielende »Scene aus dem Bauernkrieg« und »Herzog Wilhelm V. als Armenvater« – wobei der Künstler in glücklicher Weise seine Aufgabe löste und die zur bildlichen Darstellung nicht besonders fügsamen Stoffe geschickt bewältigte. Dazu malte er auch, nach dem Carton des inzwischen verstorbenen Adam Huber, ein viertes Bild, wobei sich M. in rühmenswerther, edelster Humanität bewährte, indem er das wohlverdiente Honorar – den Hinterbliebenen seines Freundes überliess!

Dann aber wählte M., ganz dem Drange seines reichen Innern folgend, eine Reihe von genremässigen Stoffen, die er in ansprechendster Ausführung und feinster Farbengebung durchbildete, darunter die heitere »Einquartierung« in einem fürstlichen Prunkschlosse (1865), die Rettung eines »Findlings« (1866), eine wahrsagende »Zigeunerin« (1867), ein fröhliches »Concert«, die »Premiere einer Virtuosin«, täppische »Rekruten« (1868), einen köstlichen »Brautzug«, eine zärtliche »Erklärung« (1870), »Werbende Krieger« (1871) und gelangte damit schliesslich und fast gleichzeitig mit Anton Seitz zum kleineren Cabinetsstil sich wendend, in die ihm eigenthümliche Domäne, in welcher M. in überraschendes Feinheit und zartfühligster Färbung mit allen seinen Vorgängern wetteifernd excellirte. Diese meist im Costüm des vorigen Jahrhunderts mit Würfel- oder Schachspiel sich unterhaltenden Herren, diese zierlichen Matinées, die an witziger Lectüre sich erfreuenden Schöngeister, spintisirenden Forscher und nicht zu tief denkenden Gelehrten übten einen fesselnden Zauber auf den Beschauer. Munsch war auf allen Ausstellungen zu München, Wien, Berlin, Paris und London ein immer gern gesehener Gast, eine wahre Zierde jeglicher Exposition und Saison. Dabei hielt sich der Maler fortwährend frisch und neu, gleichviel ob er betende Mädchen (1877), einen lebensgefährlichen »Ehrenhandel« (vergl. »Kunst für Alle« vom 1. Juli 1888 und Vincenti in B. 227 »Allgem. Ztg.« vom 16. August 1888), das »Glück einer Mutter« (Holzschnitt in No. 35 »Ueber Land und Meer« 1879. S. 681) oder das Verklingen eines »Accords« (Holzschnitt in No. 48 »Ueber Land und Meer« 1886. S. 1032) zur Darstellung brachte, so dass ihm der wohlverdiente Ehrenname eines »deutschen Meissonier« und gefeierten Kleinmeisters erblühte.

Dazwischen entstanden als wahre Perlen seines Humors schon in frühester Zeit allerlei neckische Fest- und Tanzkarten zu den heiteren Faschings-Spielen und Maifesten »Jung-Münchens« und der »Tafelrunde« und noch 1885 lieferte er mit R. Beyschlag eine Serie von Schattenbildern »Aus dem Anglerleben« zum »Deutschen Fischertag«. Der kerngesunde, blühende Mann erlag am 28. Februar 1896 zu München, mitten im glücklichsten Schaffen, einer plötzlichen Lungenkrankheit.

Wurzbach, Biogr. Lexikon. 1868. S. 19 u. 61. Morgenblatt 62 »Allgem. Ztg.« vom 3. März 1896 und Kunstvereinsbericht f. 1896. S. 79.

H. Holland.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog. I. Band. Berlin, 1897.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Munsch Josef, 1832 (Linz/Osterreich) – 1896, Historien-, Genremaler und Illustrator; M. arbeitete anfangs als Vergolder im Geschäft seines Vaters, dann bei seinem Onkel, dem Magistratsrat J. von Radspieler in München, studierte aber dann auf der Münchener Kunstakademie bei Ph. von Foltz; mit einem Konkurrenzbild »Konradin und dessen Freunde« trat er 1856 in die Öffentlichkeit; echt akademisch behandelte historische Bilder empfahlen den jungen Künstler für die Ausführung von Fresken für das alte Bayerische National (heute Völkerkunde) -Museum an der Maximilianstraße (Pilgerzug des Grafen Eckehart von Scheyern nach Palästina, Die Peißenberger Bauern beim Aufstand und Wilhelm V. als Armenvater); am beliebtesten sind Ms. Genrebilder (wahrsagende Zigeunerin, Brautzug – mit architektonischem Motiv aus der alten Münchner Peterskirche –, Die Würfelspieler, In der Bibliothek); berühmt wurde er vor allem durch die Illustrationen auf heiteren Tanzkarten zu den Faschingsfesten und Maiausflügen »Jung-Münchens« und der »Tafelrunde«; Holzschnitt und Photographie haben seine meisten Bilder und Illustrationen vervielfältigt.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#MR – 172 (Wagner)


Grab der Familie Wagner auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familie Wagner auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

Grab der Familie Wagner auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2013)

#MR – 175·176 (Lacher)


EDUARD LACHER
* 24.7.1828 † 4.1.1899
MINA LACHER
* 9.2.1842 † 24.6.1922
AUGUSTE LACHER
* 10.5.1873 † 13.10.1930
MARIE LACHER
* 2.7.1865 † 20.11.1931
KARL LACHER
* 10.6.1867 † 3.6.1939


  • Lacher, Auguste; 10.5.1873 – 13.10.1930
  • Lacher, Eduard; 24.7.1828 – 4.1.1899
  • Lacher, Karl; 10.6.1867 – 3.6.1939
  • Lacher, Marie; 2.7.1865 – 20.11.1931
  • Lacher, Mina; 9.2.1842 – 24.6.1922

Grab der Familie Lacher auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familie Lacher auf dem Alten Südfriedhof (August 2011)

Grab der Familie Lacher auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

Grab der Familie Lacher auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

#MR – 177·178 (Melzl)


Familie
von Melzl


  • Melzl, von

Grab der Familie Melzl auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

Grab der Familie Melzl auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

#MR – 181 (Klar)


Grabstätte der Familie Klar.

Hier ruht die sterbliche Hülle
der
vortrefflichen Gattin und lieben Mutter
Verena Klar,
geborene v. Hepp;
gestorben den 27ten November 1820
in ihrem 32. Lebensjahre.
Herr Jakob Klar,
II.ter rechtskundiger Bürgermeister
der Haupt- und Residenz-Stadt München
Oberst und Komandant der Landwehr etc.
und Abgeordneter der IIten Kammer
der Stände des Reichs,
geboren am 24.ten September 1788
entschlafen am 12.ten May 1833.
Virtutem non unica pagina claudit.
Dessen Mutter
Maria Anna Klar,
geb. in Fürstenfeldbruck den 27.ten Februar 1754
gestorben in München den 6.ten April 1836
Sie ruhe in Frieden
Adalbert Klar,
Studirender der Obergymnasialklasse
geboren den 25. Nov. 1820, gestorben den 5. Jänner 1837
Sophie Klar,
geb. den 5. May 1819 gest. den 3. April 1838


  • Klar, Adalbert; 25.11.1820 – 5.1.1837 (München); Bürgermeisters-Sohn
  • Klar, Jakob; 24.9.1783 (Fürstenfeldbruck/Obb.) – 12.5.1833 (München); II. Bürgermeister
  • Klar, Maria Anna (vh); 27.2.1754 (Fürstenfeldbruck) – 6.4.1836 (München); Loderers-Witwe
  • Klar, Sofie; 5.5.1819 – 3.4.1838 (München); Bürgermeisters-Tochter
  • Klar, Verena (vh) / Hepp, von (gb); – 27.11.1820 (München), 31 Jahre alt; Magistratsrats-Gattin

Grab der Familie Klar auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familie Klar auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

#Jakob Klar

* 24.9.1783 (Fürstenfeldbruck/Obb.)
† 12.5.1833 (München)
II. Bürgermeister

#Grundzüge der Verfassung und Vermögensverwaltung der Stadtgemeinde München (1845)

Jakob Klar.

Jakob Klar, der Sohn eines Bürgers aus Fürstenfeldbruck bei München, wurde am 24. Sept. 1783 geboren. Er genoß den ersten Unterricht in der Klosterschule zu Fürstenfeldbruck, und ging von da nach München in die lateinische Schule, wo er die Lyceal-Studien durchmachte, und dann auf die Hochschule nach Landshut sich begab, um sich den Rechtswissenschaften zu widmen. Von da im Jahre 1816 zurückgekehrt, nahm er die Praxis bei dem k. Landgerichte Dachau, und wurde am 15. Jänner 1807 als Aktuar bei dem k. Landgerichte Vilsbiburg angestellt, bei welchem Gerichte er im J. 1809 zum ersten Assessor befördert, und wegen seiner vorzüglichen Dienstleistung am 15. Juli 1814 als Assessor des k. Stadtgerichts München ernannt wurde. Bei Organisation der Magistrate im Jahre 1818 wurde er am 18. Okt. als rechtskundiger Magistratsrath in München erwählt, und im Jahre 1821 als solcher in definitiver Eigenschaft bestätiget. Am 21. Febr. 1822 übernahm er die Stelle eines Obristlieutenants bei dem Landwehr-Regimente München, und nachdem er unterm 1. April 1823 als II. rechtskundiger Bürgermeister erwählt war, rückte er unterm 13. Mai desselben Monats als Oberst des Landwehr-Regimentes vor. Im Jahre 1827 wurde er als Abgeordneter der Stadt München zur zweiten Kammer der Stände des Reichs bestimmt, und starb am 12. Mai 1833 in dem 50. Jahre seines regsamen Lebens.

Dr. Jakob Bauer: Grundzüge der Verfassung und Vermögensverwaltung der Stadtgemeinde München mit besonderer Rücksicht auf die dem Magistrate durch das Gemeinde-Edikt vom Jahre 1818 zugewiesenen Verwaltungszweige von Dr. Jakob Bauer, I. Bürgermeister. München, 1845.

#MR – 185 (Mannhardt)


JOHANN
MANNHARDT
TURMUHRMACHER
1798 – 1878


  • Mannhardt, Johann; 31.8.1798 (Pürstling b. Schliersee/Obb.) – 25.8.1878 (München); Uhrmacher und technischer Erfinder

Grab der Familie Mannhardt auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2012)

#Johann Mannhardt

* 31.8.1798 (Pürstling b. Schliersee/Obb.)
† 25.8.1878 (München)
Uhrmacher und technischer Erfinder

#Die Geschichte der Zeitmesskunst (1903)

Johann Mannhardt.

Johann Mannhardt (Biographie des Meisters von E. Gohlke, aus »Die Turmuhr des Berliner Rathauses von Georg F. Bley 1894«) wurde am 31. August 1798 in Bürstling, einem kleinen Dorfe in Bayern, als Sohn eines Zimmermeisters geboren. Der Vater starb im Jahre 1803, seine Familie in Dürftigkeit zurücklassend. Die Mutter hatte vollauf mit ihrem kleinen Haushalt zu thun und bekümmerte sich wenig oder gar nicht um die Erziehung ihrer vier Knaben, die ohne Schulbildung heranwuchsen, sich aber dafür umsomehr mit den Werkzeugen des Vaters beschäftigten, worin sich besonders Hans und der ältere Bruder Franz hervorthaten.

Etwa zehn Jahre alt, kam Hans zu dem Bauer am Sonnenreut bei Warngau, einem Verwandten von mütterlicher Seite. Von dort besuchte er ab und zu die Schule im nahen Allerheiligen, weil andere auch dahin gingen, um wenigstens das A B C zu lernen. Zur Christenlehre gingen sie nach Warngau.

Bald jedoch kehrte er, das Zimmerzeug immer mit sich führend, nach seinem Heimatdorfe zurück, um Ziegen und Kühe zu hüten und in seinen Musestunden Holzschuhe anzufertigen, Ziegenhütten zu bauen und an Alpenhütten herum zu flicken. Von der Alp heimgekehrt, zimmerte er während des Winters für seine zwei Bauern – bei jedem Bauer immer eine Woche – allerlei kleine Gerätschaften für die Wirtschaft. Darüber vergass er in seinem Eifer als Zimmermann den Schulbesuch ganz und gar; der in ihm wohnende unbewusste Schaffenstrieb drängte in unaufhörlich zur Arbeit.

Doch die ereignissvolle Wendung im Leben Mannhardt’s, die ihn in andere Bahnen lenkte, in welchen er sein angeborenes Talent zur vollen Geltung bringen konnte, sollte bald eintreten. Ein Knecht, der bei einem Nachbarbauer diente, besass eine Taschenuhr, die er beim Uhrmacher Deisenrieder in Gmund zur Reparatur gegeben hatte. An einem Sonntag ging er mit Mannhardt nach Gmund zur Kirche und veranlasste letzteren, mit zu dem Uhrmacher zu kommen, um die Uhr dort abzuholen.

Das war nun etwas nach dem Sinne des Hirtenknaben, der hier zum erstenmale eine mechanische Werkstatt betrat, in welcher ihm unter allen Werkzeugen eine Drehbank ganz besonders gefiel und die weit besser war als diejenige, welche er sich selbst angefertigt hatte. Sie zeichnete sich noch besonders dadurch aus, dass sie mit Riemen zur Bewegung des Fussschwungrades und an der Spindel mit einer Scheibe von Messing versehen war. Deisenrieder merkte sofort, dass Mannhardt das lebhafteste Interesse für diese Mechanik zeigte und fragte ihn, ob er Lust habe, Uhrmacher zu werden.

Mannhardt sagte: »Ja, mir wäre es schon recht, aber wir können kein Lehrgeld zahlen«; worauf Deisenrieder ihm erwiderte, dass das nichts zu sagen habe, er müsse dafür aber länger lernen. Der Junge war damit einverstanden und mit dem schönen Leben auf der Alm war es vorbei. Nach Hause zurückgekehrt, teilte er dem Paten und der Mutter sein Vorhaben mit. Der Pate sagte gleichgiltig: »Was Du lernst, kümmert mich nichts.« Die Mutter war derselben Meinung und äusserte mit gleicher Zärtlichkeit: »Meinetwegen gehst zum Teufi!«

Mannhardt trat nun seine Lehre an, in der er acht Jahre (bis zum Jahre 1821) verblieb. Ein glücklicher Zufall wollte es, dass Deisenrieder die Turmuhr in Gmund zu reparieren hatte, wobei ihm Mannhardt fleissig zur Hand ging. Letzterer musste die Uhr dann auch noch vier Jahre lang aufziehen.

Diese Uhr diente nun dem vorwärts strebenden Lehrling zum ernsthaftesten Studium und wurde ausschlaggebend für sein späteres Wirken in der Kunst. An jedem einzelnen Teile derselben übte er sein Nachdenken und machte Pläne, wie dieselben verbessert werden könnten. Wenn er dann dem Meister seine Verbesserungsvorschläge auseinander setzte, kam es oft zu ernsten Zerwürfnissen zwischen beiden, da sich der alte erfahrene Meister den Vorschlägen seines Lehrlings nicht fügen wollte.

Nach beendigter Lehrzeit schied Mannhardt als Geselle von Meister Deisenrieder. Er hatte keinen Pfennig Geld und wusste nicht wohin er sich wenden sollte. Doch dies machte ihm wenig Sorge, ihn erfüllte nur ein einziger Gedanke und sein ganzes Sinnen und Streben war darauf gerichtet, eine Turmuhr nach seiner eigenen Konstruktion bauen zu dürfen. Da er als geschickter Arbeiter bekannt war, kam er sehr bald auf Empfehlung als Geselle zu der Witwe des Schlossermeisters und Grossuhrmachers Fritz in Miesbach.

Dieses Geschäft lag vollständig darnieder; es gab wenig zu thun und die Werkstatt befand sich in einem verwahrlosten Zustande. Der junge Geselle hatte hier von Grund auf überall Neues zu schaffen und sämtliche Werkzeuge in Stand zu setzen. Hier fühlte er sich in seinem Elemente, hier konnte er, von niemand abhängig, seine Verbesserungen und neuen Ideen, über die er solange nachgedacht, ausführen und auf ihren praktischen Wert prüfen. Obgleich mit der Uhrmacherei vollauf beschäftigt, fand er doch noch Zeit zu allen möglichen sonstigen mechanischen Arbeiten, die, in ihrer Ausführung immer originell, Zeugnis von seinem Universalgenie ablegten. Endlich sollte auch sein sehnlichster Wunsch, eine Turmuhr nach seinen eigenen Ideen zu bauen, erfüllt werden.

Für die Kirche zu Egern am Tegernsee sollte eine Turmuhr beschafft werden, mit deren Anfertigung Mannhardt betraut wurde. Er löste diese Aufgabe in kurzer Zeit und stellte eine Uhr mit einer Hemmung her, die ganz abweichend von den bis dahin bekannten Systemen war.

Durch einen günstigen Zufall fand sich nun auch für Mannhardt in der Person des Generalmauth-Direktors von Miller aus München ein einflussreicher Gönner. Derselbe hatte während seines Aufenthaltes in Miesbach die Verdeckungsscheibe seines Fraunhofer’schen Perspektives verloren; als er nun einen Boten in Miesbach beauftragen wollte, ihm zu München im Fraunhofer’schen Institut eine neue Schraube zu bestellen, wurde ihm gesagt, dass hier ein Uhrmachergeselle sei, der ihm die Schraube auch anfertigen könne. Der Direktor zweifelte daran, liess sich aber doch endlich überreden, Mannhardt diese Arbeit ausführen zu lassen. Wie erstaunte er aber, als er die Arbeit zurück erhielt und fand, dass diese Schraube die gediegenste des ganzen Perspektives war. Anstatt der verlangten 24 Kreuzer zahlte er Mannhardt einen halben Kronenthaler. Herr von Miller besuchte ihn in seiner Werkstatt und ersah aus Mannhardt’s Arbeiten bald, dass er es mit einem sehr begabten Menschen zu thun habe. Er lud ihn ein, ihn in seiner Wohnung zu besuchen. Hier fand nun Mannhardt Gelegenheit, durch allerhand neue Arbeiten und Reparaturen seine staunenswerte Geschicklichkeit zu zeigen und sich die Gunst des Herrn von Miller in vollem Masse zu erwerben.

Nach München zurückgekehrt, vergass derselbe seinen Günstling nicht; auf seine Veranlassung brachte Mannhardt die für Egern gebaute Turmuhr im Sommer des Jahres 1826 zur Ausstellung nach München. Auf Antrag des Herrn von Miller wurde dieselbe einer Kommission des Polytechnischen Vereins zur Prüfung übergeben. Nachdem in zehn Punkten die Vorzüge dieser Uhr aufgezählt worden waren, erklärte die Kommission, dass sich Johann Mannhard’s von Gmund, eines Uhrmachergesellen und Werkführers in Miesbach, Uhr von den gewöhnlichen Kirchturmuhren wesentlich unterscheidet, jeder Fachmann muss sie, trotz ihres billigen Preises, als vollendetes Meisterwerk anerkennen.

Ferner bemerkte diese Kommission, dass Johann Mannhardt durch die vorzügliche Ausführung dieser Uhr, welche als eine ganz neue Erfindung zu betrachten sei, sich als ein ausgezeichneter Künstler im Fache der Grossuhrmacherei gezeigt habe und in dieser Hinsicht jedmögliche Aufmunterung und Unterstützung verdiene.

Die Uhr wurde dann wieder nach Egern zurückgebracht, wo sie sich noch heute im Gange trefflich bewährt.

Mit dieser Uhr hatte Mannhardt im wahrsten Sinne des Wortes sein Meisterstück abgelegt; man war in München auf ihn aufmerksam geworden und als die Mitglieder der Prüfungs-Kommission ihm den Vorschlag machten, sich in München zu etablieren, folgte Mannhardt mit Freuden diesem Rufe. Mit wenig Geld im Beutel, aber den Kopf voll neuer Ideen traf er im Jahre 1827 dort ein. Doch kam er nicht mit ganz leeren Händen nach München; noch in Miesbach war ihm zufällig eine alte Plombiermaschine unter die Hände gekommen, die ihm unpraktisch erschien; schnell machte er sich an die Arbeit, um eine solche nach seiner eigenen Idee herzustellen. Dieselbe fand in München an massgebender Stelle solchen Beifall, dass man sofort 12 Stück derselben bei ihm bestellte. Später erhielt er noch eine Bestellung auf 270 Stück, die hauptsächlich für die bayerischen Zollämter bestimmt waren.

Kurze Zeit nach seiner Ankunft in München verheiratete sich Mannhardt.

In der ersten Zeit waren die Verhältnisse des jungen Meisters in München durchaus keine glänzenden; denn innerhalb der ersten sechs Jahren hatte er nicht eine einzige Turmuhr anzufertigen. Jedoch verschmähte Mannhardt keine Arbeit, die sich ihm darbot; so half er dem Gürtler Eisendorf aus Miesbach bei Anfertigung des Kreuzes für die neue protestantische Kirche in München, das er gefräst, genietet und zusammen geschraubt hat. Diese Arbeit wurde ihm zum Segen; denn bei dieser Gelegenheit erhielt er (1833) den Auftrag, für die genannte Kirche eine Turmuhr zu bauen. Mannhardt fertigte dieselbe nach demselben Prinzip wie die Uhr in Egern, jedoch in grösserem Massstabe. Nun folgten in kurzer Zeit Aufträge auf drei andere Turmuhren, die er bis zum Jahre 1837 vollendete und deren vorzügliche Arbeit Mannhardt’s Ruf in immer weitere Kreise verbreitete.

In Anerkennung seiner Verdienste um die Mechanik wurde ihm am 1. Juli 1837 von König Ludwig I. von Bayern die goldene Civilverdienst-Medaille verliehen. Die reiche und mannigfaltige Thätigkeit auf allen Gebieten der Mechanik, die Mannhardt jetzt entwickelte, lässt sich schwer beschreiben und in ihren verschiedenen Bahnen verfolgen.

Im Jahre 1844 kam Mannhardt in den Besitz einer Werkzeug- und Maschinen-Fabrik in München, in welcher er anfangs 44 Arbeiter, im Jahre 1861 aber deren 116 beschäftigte.

Von nun an verfertigte er die verschiedenartigsten Maschinen nach seiner eigenen Erfindung, die sich alle als höchst praktisch und originell in ihrer Ausführung bewiesen, so unter anderen Farbemaschinen, Makaroninudelpressen, lithographische Pressen, auch eine Bratmaschine für die königliche Hofküche. Unter seiner Leitung wurden für die Pinakothek elf eiserne Oberlicht-Dachstühle angefertigt. Für die Maffei’sche Maschinenfabrik baute er das Hammerwerk, Kammrad u. s. w. Die sämtlichen lithographischen Pressen in der königlichen Steuerkataster-Kommission, ferner Maschinen für die königl. Münze, Zeughaus, Eisengiessereien u. s. w. sind seine Arbeit. Mit dem Mechaniker Koch baute Mannhardt die erste rationelle Ölmühle in München, wofür beide den von der Regierung ausgesetzten Preis von 800 Gulden erhielten.

Bei all dieser umfangreichen und anstrengenden Thätigkeit, die einigemale auch mit empfindlichen Geldverlusten verbunden war, vernachlässigte Mannhardt dasjenige nie, was er zu allen Zeiten als die Hauptaufgabe seines Lebens betrachtet hatte: die Anfertigung und Verbesserung der Turmuhren.

Im Jahre 1842 erhielt er den ehrenden Auftrag, für die Domkirche zu München eine Uhr zu bauen. Diese Uhr gilt als Normaluhr der Hauptstadt, sie zeigt auf beiden Türmen an sechs Zifferblättern die Zeit. Diesem vorzüglichen Uhrwerke folgten Bestellungen auf Uhren in den Stadtturm zu Winterthur in der Schweiz, für die Bahnhöfe in Zürich, Nürnberg, Augsburg und München. Zur Erweiterung seiner Kenntnisse und um den gesteigerten Anforderungen der Kunst auf dem Felde der Uhrmacherei entsprechen zu können, unternahm Mannhardt grosse Reisen in Deutschland, Frankreich, England, Irland und Schottland: überall studierte er die berühmtesten Turmuhren und bemühte sich, daheim die Erfolge seiner Studien bestens zu verwerten. Nach dem Vorbilde oben genannter Uhren fertigte Mannhardt auch solche für minderbemittelte Gemeinden zu billigen Preisen, mit kleinem Werke.

Eine derartige Uhr wurde 1850 zur Industrie-Ausstellung nach Leipzig geschickt und mit der goldenen Medaille ausgezeichnet. Diese Uhr kam in den Rathausturm nach Fürth. Eine gleiche Uhr wurde für die St. Peterskirche in Würzburg bestellt. Mannhard’s Ruf ging bereits in alle Welt hinaus. Für seine engere Heimat, für Bayern, sind über 200 Uhren aus seiner Werkstatt hervorgegangen; aber auch im Auslande waren seine Uhren berühmt und gesucht. Nicht nur in allen Teilen Deutschlands verkündeten sie seinen Ruhm als eines ganz tüchtigen Grossuhrmachers, sondern auch in der Schweiz, Österreich, Böhmen, Ungarn, Mähren, Siebenbürgen, der Moldau, Wallachei, Kroatien, Holland, England, Irland, Russland, Italien, Griechenland, Nord- und Südamerika, Mexiko, Westindien, ja selbst im äussersten Süden Afrikas, auf dem Kap der Guten Hoffnung und in der Kapstadt wurden seine Uhren begehrt.

Dieser glänzenden und erfolgreichen Thätigkeit fehlte es natürlich auch nicht an äusseren Zeichen der Anerkennung. Auf allen Industrie-Ausstellungen, sowohl in Deutschland und Österreich, wie in Paris und London, wurden Mannhardt’s Uhren mit den ersten Preisen ausgezeichnet.

Im Jahre 1867 wurde Mannhardt Mitglied der National-Akademie für Ackerbau etc. und Inhaber einer goldenen Medaille erster Klasse. Die Gesellschaft für Hebung der Künste und Industrien in London verlieh ihm in Anerkennung der nach Paris zur Ausstellung gesandten Gegenstände eine Medaille erster Klasse mit Diplom, nachdem er schon früher zum Ehren-Vicepräsidenten dieser Gesellschaft ernannt worden war.

Auf Verwendung des Königs Ludwig I. von Bayern erhielt er aus dem Industrie- und Kulturfond des Landes 6000 Gulden Unterstützung. Im hohen Aufträge reiste Mannhardt im Jahre 1865 nach Rom, wo schon im Jahre 1858 drei Mannhardt’sche Uhren aufgestellt waren, und erhielt vom Papst Pius IX. den Auftrag zur Anbringung einer Uhr mit Viertelschlagwerk im Vatikan.

In demselben Jahre wurde Mannhardt auch mit der Herstellung der Uhr im neuen Rathause zu Berlin betraut, deren bewunderungswürdiges Werk die Leser aus der im Auftrage des Central-Verbandes der deutschen Uhrmacher herausgegebenen Brochüre betitelt: »Die Turmuhr des Berliner Rathauses, gebaut 1870 von Johann Mannhardt in München, von Georg Bley«, studieren können (Vertragsmässig war die Lieferung dieser Uhr mit Th. 2700 übernommen; infolge ungeahnter Schwierigkeiten bei dem Bau und Aufstellen derselben stellte aber Mannhardt eine Nachforderung, welche ihm in Höhe von Th. 1300 auf Befürwortung hiesiger Sachverständiger seitens des Magistrats auch bewilligt wurde. Unserer jetzigen Münzeinheit entsprechend kostet demnach die Uhr Mk. 12000. ).

Von hervorragender Bedeutung ist Mannhardt’s Erfindung einer Uhr mit freischwingendem Pendel, ein Problem, über welches schon Galilei und Huyghens vergeblich nachgedacht hatten.

Schon bei der ersten Uhr in Egern legte er dieses System zu Grunde und vollendete 1862 eine solche Uhr, deren Gang sich ohne Öl und ohne Reibung vorzüglich bewährte. Für diese Originalität erhielt Mannhardt von der bayrischen Regierung ein Privilegium auf fünf Jahre.

Das Werk kam nach Stuttgart, nachdem es von der königl. Akademie der Künste und Wissenschaften zu München, sowie von dem Central-Verwaltungs-Ausschuss des Polytechnischen Vereins in Bayern nach Verdienst gewürdigt worden war. Im Jahre 1868 fertigte Mannhardt eine acht Tage gehende Uhr an, bei der er das System des freischwingenden Pendels noch bedeutend verbessert und vereinfacht hatte. Diese Turmuhr ging in allen Temperaturverhältnissen mit einer Genauigkeit, wie es bis dahin bei einer Grossuhr nicht festgestellt werden konnte.

Mannhardt war im Stande, an seiner Turmuhr schon bei 2 Grad Temperatur-Unterschied den hundertsten Teil einer Linie als Schwingungsdifferenz abzulesen. Solche Erfolge wurden selbst in England, wo man für diesen Zweck bedeutende Mittel aufgebracht hatte, nicht erreicht.

Auf der Wiener Weltausstellung im Jahre 1873 zogen die Mannhardt’schen Uhren die Bewunderung aller Fachmänner auf sich, und unter den schmeichelhaftesten Ausdrücken wurde ihm der höchste Preis, die Fortschrittsmedaille, als Reformator der Grossuhrmacherei, zugesprochen.

Welch‘ grossartigen Aufschwung seine Uhrenfabrikation genommen hat, geht daraus hervor, dass über 1300 Stück Grossuhren in seiner Werkstatt gefertigt worden sind. Mit der Fabrikation dieser vortrefflichen Uhren hielt die Herstellung von vorzüglichsten Maschinen und genial erdachten Werkzeugen gleichen Schritt. Schon in der im Jahre 1862 veröffentlichten Preisliste finden sich unter 62 Nummern nicht weniger als 24 verschiedene neue Maschinen zum Verkauf angeführt, darunter eine Hobelmaschine für 2600 Gulden mit einem Gewicht von 92 Zentnern, ferner eine Räderschneidmaschine zu demselben Preise mit einem Gewicht von 66 Zentnern, sodann 7 Drehbänke, von denen die teuersten 6500 Gulden kosteten. Auch eine Räderdrehbank, für Triebräder jeder Grösse, 22 Fuss lang und 3 Fuss 2 Zoll hoch, mit einem Gewicht von 315 Zentnern ist in dieser Liste aufgeführt. Weiter finden sich dort acht verschiedene Pressen für Buchbinder, Kupferdrucker, dann eine Eisenbahnbillet-Druckmaschine im Preise von 2146 Gulden, ferner eine Billetdatum-Presse zu 90 Gulden u. s. w. verzeichnet.

Mannhardt errichtete auch eine Spezial-Werkstatt zur Anfertigung von Werkzeugen und Maschinen für den Eisenbahnbau. Der Wert aller von ihm verkauften Fabrikate ist auf Millionen anzuschlagen. Trotz alledem aber hatte Mannhardt es nicht zu pekuniären Erfolgen gebracht. Verluste der schlimmsten Art brachten ihn um alles, was er in langen Jahren sich durch mühsame Arbeit errungen hatte. Seine Frau, mit der er lange Jahre in glücklicher Ehe lebte, war gestorben, und auch seinen einzigen Sohn raubte ihm der Tod. Alle diese schweren Schicksalsschläge jedoch konnten den thätigen Mann in seinem Denken, Sinnen und Streben nicht aufhalten, er verscheuchte in Nachdenken und Grübeln über neue Probleme versenkt, Kummer und Sorgen. Hier erst tritt die geistige Grösse dieses genialen Mannes in seiner ganzen Bedeutung hervor, der unbeirrt, trotz aller Widerwärtigkeiten des Lebens, seinem weit gestellten Ziele zustrebte.

Mannhardt starb 1878 in München 80 Jahre alt. Die Mannhardt’sche Turmuhrenfabrik aber hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten.

Claudius Saunier: Die Geschichte der Zeitmesskunst von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Bautzen, 1903.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Mannhardt Johann, 1798 (Pürstling b. Schliersee/Obb.) – 1878, Mechaniker, Uhrmacher und technischer Erfinder; M. erlernte das Uhrmacherhandwerk, baute 1826 für den Kirchturm von Egern am Tegernsee eine Uhr mit Triebwerk von ganz abweichender Konstruktion und übersiedelte 1844 nach München, wo er eine neue Plombiermaschine und Ölmühle sowie die eisernen Oberlichtdachstühle für die Münchner Pinakothek konstruierte, auch baute M. Bohr-, Hobel- und Räderschneidmaschinen, Drehbänke, Torfpressen, Hechelmaschinen, Kraftstühle u. a., die wie seine Werkzeuge, verbesserten Schraubstöcke u. a. weite Verbreitung fanden; namentlich lieferte er Turmuhren für fast alle europäische Staaten und Amerika, seine freie Hemmung bewährte sich vorzüglich, und für den Rathausbau in Berlin baute er ein Werk mit freier Pendelbewegung und nur zwei Rädern; er stellte auch eine Uhr her, die zugleich mit der Schärfe eines Thermometers arbeitet und schon bei 2º Temperaturunterschied den 100. Teil einer Linie als Schwingungsdifferenz abzulesen gestattet; seine Verbesserungen bezeichnen den Beginn einer neuen Periode für die genaue Zeitmessung.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#MR – 186·187 (Tautphöus auf Schlachtegg)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Tautphöus auf Schlachtegg, Franz von; 9.12.1822 – 27.2.1912; Regierungsdirektor
  • Tautphöus auf Schlachtegg, Johann Nepomuk von; 11.4.1824 – 1.9.1835
  • Tautphöus auf Schlachtegg, Josef Jakob Jakobi Freiherr von; 8.9.1749 – 15.3.1805
  • Tautphöus auf Schlachtegg, Maria Anna von (vh) / Hertling, Freiin von (gb); 1.1.1760 – 30.7.1828
  • Tautphöus auf Schlachtegg, Susanna von (vh) / Scherer, Freiin von (gb); 17.7.1784 – 15.9.1861
  • Tautphöus auf Schlachtegg, Therese von (vh) / Loé (gb); 15.3.1826 – 30.12.1912

Grab der Familie Tautphöus auf Schlachtegg auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#MR – 188·189 (Stengel)


FREIHERRLICH
VON STENGEL’SCHES
FAMILIENGRAB.

Sockel
¿ FREIHERR von STENGEL
¿ GENERALLEUTNANT z. D.
¿ März ¿ gest. am 15. März 1925
¿ FREIFRAU von STENGEL
Oberrechnungsratswitwe
geb. am 6. Juli 1853, gest. am 19. Juli 1926.
Deren Enkelin WILTRUD von STENGEL
geb. am 23. März 1933, gest. am ¿ Mai 1935.
MAX FREIHERR von STENGEL
Dipl. Ing. und Direktor
geb. am 10. April 1878, gest. am 12. Mai 1939.

Linke & Rechte Tafel
Die Inschrift ist nicht erhalten


  • Stengel, Freifrau von; 6.7.1853 – 19.7.1926; Oberrechnungsrats-Witwe
  • Stengel, Leopold Freiherr von; 6.3.1842 (Athen/Griechenland) – 15.3.1925 (München); General
  • Stengel, Max Freiherr von; 10.4.1878 – 12.5.1939; Direktor und Ingenieur
  • Stengel, Wiltrud von; 23.3.1933 – ¿.5.1935

Grab der Familie Stengel auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2008)

#MR – 190 (Müller)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Müller, Nepomuk Freiherr von; 24.12.1814 – 10.12.1893; General
  • Müller, Rosalie Freifrau von (vh) / Krazeisen, von (gb); 24.9.1829 – 19.1.1886; Generals-Gattin

Grab der Familie Müller auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familie Müller auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#MR – 191…193 (Aretin · Künsberg · Mayer · Schubaert)


Linke Stele
Karl Albert Freiherr von Aretin
geb. 8. Sept. 1741, gest. 29. März 1802.
Georg Freiherr von Aretin
geb. 29. März 1771, gest. 30. Juni 1845.
Karl Freiherr von Aretin
geb. 3. August 1798, gest. 20. Juli 1846.
Wilhelmine Freifräul. von Aretin
geb. 8. Sept. 1832, gest. 16. Januar 1849.
Philipp Ludw. Freiherr von Aretin
geb. 18. Dezbr. 1799, gest. 21. April 1866.
Franziska Freifrau von Aretin
geb. Gräfin Drechsel,
geb. 5. April 1804, gest. 16. August 1872.
Maria Freifrau von Aretin
geb. von Kerstorf,
geb. 26. Oktbr. 1806, gest. 14. Febr. 1891
Henriette Freifrau von Künsberg
geb. Freiin von Aretin,
geb. 20. Oktbr. 1833, gest. 9. Mai 1897.

R. I. P.

Rechte Stele
Johann Christoph Freiherr von Aretin
Kgl. bayer. Kämmerer u. Appellationsgerichtspräsident
geb. Ingolstadt 2.12.1772 gest. München 27.12.1824
Sabine Freiin von Aretin
Stiftsdame des St. Anna-Ordens
geb. München 23.11.1778 gest. München 20.7.1840
Karl Maria Freiherr von Aretin
Kgl. bayer. Kämmerer u. Reichsrath der Krone
Vorst. des Kgl. Geh. Staatsarchivs u. des Nationalmuseums
geb. Wetzlar 4.7.1796 gest. Berlin 29.4.1868
Maria Freifrau von Aretin
geb. Feldhütter
geb. München 16.12.1829 gest. München 6.3.1896
Anna von Mayer
geb. Freiin von Aretin
geb. Wolfratshausen 17.9.1823 gest. München 24.1.1887
Franz von Schubaert
Kgl. bayer. Major a. D. u. Hofkavalier des Königs Otto I.
geb. Augsburg 22.6.1845 gest. München 5.4.1906
Maria von Schubaert
geb. Freiin von Aretin
geb. München 20.10.1851 gest. München 17.2.1927

Liegestein vor Rechter Stele
Franz von Schubaert
Major u. Hofcavalier
Maj. d. Königs Otto von Bayern
geb. 22. Juni 18¿ gest. 4. April 1906.
Marie von Schubaert
geb. Freiin von Aretin
geb. ¿ Oktober 1851
gest. ¿ Februar 1927

R. I. P.


  • Aretin, Franziska Freifrau von (vh) / Drechsel, Gräfin (gb); 5.4.1804 – 16.8.1872 (München); Reichsrats-Gattin
  • Aretin, Johann Christoph Freiherr von; 2.12.1772 (Ingolstadt) – 24.12.1824 (München); Kämmerer, Appellationsgerichtspräsident und Schriftsteller
  • Aretin, Johann Georg Freiherr von; 29.3.1771 (Ingolstadt) – 30.1.1845 (Mendorferbuch); Hofkammerrat, Landesdirektionsrat und Generalkommissär des Eisackkreises
  • Aretin, Karl Albert Freiherr von; 8.9.1741 – 29.3.1802
  • Aretin, Karl Freiherr von; 3.8.1798 – 20.7.1846 (München); Kämmerer
  • Aretin, Karl Maria Freiherr von; 4.7.1796 (Wetzlar) – 29.4.1868 (Berlin); Kämmerer, Reichsrat und Vorstand des Staatsarchivs und Nationalmuseums
  • Aretin, Maria Freifrau von (vh) / Feldhütter (gb); 16.12.1829 (München) – 6.3.1896 (München)
  • Aretin, Maria Freifrau von (vh) / Kerstorf, von (gb); 26.10.1806 – 14.2.1891
  • Aretin, Philipp Ludwig Freiherr von; 18.12.1799 – 21.4.1866 (München); Kammerherr
  • Aretin, Sabine Freiin von; 23.11.1778 (München) – 20.7.1840 (München); St. Anna Stiftsdame
  • Aretin, Wilhelmine Freifräulein von; 8.9.1832 – 16.1.1849 (München); Appellationsgerichtsrats-Tochter
  • Künsberg, Henriette Freifrau von (vh) / Aretin, Freiin von (gb); 20.10.1833 – 9.5.1897
  • Mayer, Anna von (vh) / Aretin, Freiin von (gb); 17.9.1823 (Wolfratshausen) – 24.1.1887 (München)
  • Schubaert, Franz von; 22.6.1845 (Augsburg) – 5.4.1906 (München); Majo
  • Schubaert, Maria von (vh) / Aretin, Freiin von (gb); 20.10.1851 (München) – 17.2.1927 (München)

Grab der Familien Aretin · Künsberg · Mayer · Schubaert auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2011)

Grab der Familien Aretin · Künsberg · Mayer · Schubaert auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2011)

#Johann Christoph Freiherr von Aretin

* 2.12.1772 (Ingolstadt)
† 24.12.1824 (München)
Kämmerer, Appellationsgerichtspräsident und Schriftsteller

#Amberger Wochenblatt (25.1.1825)

Christoph Freiherr von Aretin

einer der talentvollsten baierischen Staats-Diener, wurde den 2. Dezember 1773 zu München geboren, er widmete sich schon früh den Wissenschaften, und trat nach vollendeten Studienjahren 1793 in Staatsdienste, und wurde bei der zur Zeit des Regierungs-Antrittes unsers besten Königs Maximilian Joseph vorgenommenen Organisation 1799 Landes-Direktions-Rath. Bei dem Streite der ehemaligen baierischen Landstände mit der Regierung im Jahre 1800 u. 1801, war er als Schriftsteller nicht unthätig, ward 1803 nach der Aufhebung der Klöster als Regierungscommissär zur Durchsuchung der Klosterbibliotheken abgeschickt, und gelangte 1804 zur Stelle des Vicepräsidenten der Akademie der Wissenschaften, und wurde mit der Aufsicht der Central-Bibliothek in München beauftragt. Er war jetzt als Schriftsteller unermüdet thätig, gab mit Babo, und später mit Scherer von 1804-6 ein Tageblatt, Aurora, heraus, das er zum Theil noch später, als neuer literarischer Anzeiger fortsetzte, und machte noch viele andere Werke bekannt, unter denen wir nur folgende vorzüglich bemerken:

a. Aussprüche der Mienegerichte aus alten Handschriften gezogen, München 1803.
b. Geschichte der Juden in Baiern, Landshut 1803.
c. Anleitung zur Theorie und Praxis der Memnonik, Sulzbach 1810.
d. Beiträge zur Geschichte und Literatur vorzüglich aus den Schätzen der Münchner Hof- und Nationalbibliothek, München 1806.
e. Allemania 1815-1816.

Er wurde 1819 als Abgeordneter zur Ständeversammlung des Königreichs gewählt, und ist als solcher jedem Patrioten bekannt.

Im Jahre 1820 wurde er Präsident des Appellationsgerichtes für den Regenkreis in Amberg, und verschied am 23. Dezember 1824 Morgens in München. Im vorigen Jahre das Marienbad in Böhmen besuchend fühlte derselbe schon jene Krankheit der Unterleibs-Beschwerden, welche von den vielen Anstrengungen seines Geschäftseifers und den literarischen Arbeiten herbeigeführt wurden. Seine Thätigkeit in den Angelegenheiten des Kredit-Vereines, dessen erste Idee für Baiern zuerst von diesem Staatsmanne entsprang, konnte weder von den Empfindungen des Krankheitsübels überwunden, noch das Vertrauen des Rufes durch Se. Majestät den König zu der einberufenen Commission für Realisirung des Vereines, dem er auch mehrere öffentliche Schriften widmete, von jener Bequemlichkeit und Pflege zurückgedrängt werden, welche das Leiden und die erschütterte Gesundheit fordern konnten. Daher ergab er sich unter dieser wichtigen Arbeit erst dann dem Krankenlager, als die Macht der Krankheit über alle geistige Selbstkraft gebot. Nur wenige Tage ertrug der Leidende die Schmerzen, denen er endlich bei aller ärztlichen Kunst erliegen mußte. Er verschied im Kreise der trauernden Familie mit den heiligen Sakramenten versehen, und mit jener Ergebung, die der höchste Trost eines Christen ist.

(Schluß folgt.)

Amberger Wochenblatt Nro. IV. Dienstag, den 25. Januar 1825.

#Amberger Wochenblatt (1.2.1825)

Christoph Freiherr von Aretin.

(Beschluß.)

Blicken wir, die wir an ihm einen der ausgezeichnetsten Staatsmänner und Gelehrten verloren haben, auf seine Laufbahn zurück, so hat die geschichtliche Literatur, welche größtentheils das Element der Kenntnisse für die Liebe zu Fürst und Vaterland nährt und pflegt, einen redlichen und gründlichen Forscher, dann einen unermüdeten Beförderer der Wissenschaften zu beweinen. Seine Verdienste als Vorstand der damaligen National-Bibliothek werden unvergeßlich bleiben. Die Lithographie und die durch sie entsprungene Kunst dankt größtentheils seinem Aufwand von Theilnahme die Blüthen, welche nun durch höhere Unterstützungen über ganz Europa in den bewundernswerthen Früchten sich ausbreiten. Die Emporbringung der Memnonik oder Gedächtnißlehre verbreitete er bis St. Petersburg. Seine vielen historisch literarischen Werke werden lange in der Zukunft von der Würde sprechen, mit welcher derselbe die Geschichte seines Vaterlandes liebte und bereicherte. Daß er als ächter Patriot unter den verschiedensten Verhältnissen nicht immer den verkehrten Ansichten mancher Gelehrten des Auslandes huldigte, ist einer der biedersten Züge eines Eingebornen, welcher, außer den Wissenschaften nicht weniger für Gesetzgebung, Jurisprudenz und Staatswirthschaft auf die nachahmungswürdigste Weise seine Talente, Rastlosigkeit und Pflicht widmete. Als Freund der Kunst und des Schönen hat er mehrere Zeitschriften und historische Gedichte befördert, welche die aus Fürst- und Vaterlandsliebe entsprungenen Thaten der Vorzeit zum Stoffe haben.

Von seinem allererhabensten Fürstenhause geachtet, mit der Kammerherrnstelle und dem Kreuze des Civilverdienstordens geschmückt, kannte er keine andern Gefühle, als durch Treue und Anhänglichkeit, durch unermüdete Erfüllung seiner Pflicht die von ihm gepflegten Zweige des Geschäftes und der Wissenschaft zu dem Ruhme eines Landes zu erheben, dem anzugehören sein einziger Stolz und seine umfassendste Empfindung war.

Als Menschenfreund stand er auf gleicher Höhe. Sehr viele verloren an ihm den Gönner und Freund von wahrer Zuverläßigkeit und Herzensgüte, einer Gabe, welche den größten Denkern so oft mangelt. Wenn die Familie an ihm den zärtlichsten Vater bejammert, so trauern die Musen des Landes über den Verlust einer ihrer vorzüglichen Zierden, es trauert das Vaterland über den Tod eines gebildeten Staatsmannes, und der Genius Baierns blickt wehmüthig in die Gruft, in welche einer der treuesten Diener des Königs, einer der edelsten Patrioten, und einer der tüchtigsten Männer des Geschäftes und der Wissenschaften gesenkt worden.

Möchte eine würdige Feder die Verdienste dieses Unvergeßlichen in den Annalen Baierns aufzeichnen, eine Feder, welche mit Wahrheit und besonnener Freimüthigkeit eines Plutarch das Charakterbild dieses verlornen Mannes zeichnend zugleich die Verhältnisse und Ereignisse unsers Vaterlandes umfaßt, in welchen v. Aretin seine Laufbahn begonnen, und seine darin entwickelten Verdienste und Tugenden reicher entfaltete, als die von der Zeit ihm aufgedrungenen Mißlichkeiten vermochten, jene zu schwächen oder zu verdunkeln.

Amberger Wochenblatt Nro. V. Dienstag, den 1. Februar 1825.

#Allgemeine Deutsche Biographie (1875)

Aretin: Johann Christoph Freiherr von A., geb. 2. Dec. 1773 zu Ingolstadt, † 24. Dec. 1824, studirte in Heidelberg, Göttingen, und war schon 1799 Generallandesdirectionsrath in München. 1801 machte er eine wissenschaftl. Reise nach Paris; wurde Mitglied und Vicepräsident der bair. Akademie der Wissensch. und 1802 Aufseher des histor. Faches der Hofbibliothek, 1803 Custos und nachdem er 1803 als Mitglied der Commission zur Durchforschung der säcularisirten Klöster gewirkt hatte, 1806 Oberbibliothekar. Durch seine eingewurzelte Abneigung gegen Preußen und das norddeutsche Wesen überhaupt ließ er sich zu Angriffen auf die nach Baiern berufenen Gelehrten (bes. Thiersch) fortreißen, die besser unterblieben wären. In Folge derselben legte er 1811 seine Stelle an der Staatsbibliothek nieder, ward Director und 1813 Vicepräsident des Appellationsgerichts zu Neuburg a. Donau, und 1819 Präsident des App.-Gerichts zu Amberg(damals Regenkreis). Er starb zu München. Als Schriftsteller machte er sich besonders durch sein »Staatsrecht der constitutionellen Monarchie« (Altenburg 1824, von Rotteck beendet) einen Namen. (2. Aufl. Leipz. 1838-40). Getragen von einer kahlen Rechtsstaatsidee, ein verspäteter Vertreter der alten naturrechtlichen Theorie, bildete er eine abstracte Verfassungslehre aus, in welcher er, den Gedanken Montesquieu's »von der Theilung der Gewalten« verwerfend, die Einheit der Staatsgewalt (und zwar das rein monarchische Prinzip) als eine begriffliche und praktische Nothwendigkeit vertheidigte und nur in Beziehung auf einzelne Thätigkeiten derselben, aus Klugheits- und Erfahrungsgründen Bedingungen und Beschränkungen zuläßt. Bei seinem überwiegenden Sinne für das Formale des Staatslebens brachte er es zu keinem lebensvollen Begriff der Verwaltung und sprach sich insbesondere energisch gegen die Wohlfahrtspolizei aus. Das vollständigste Verzeichniß seiner Schriften findet sich in der oben erwähnten Schrift »Die Familie Aretin« S. 36 f.

Karl Theodor von Inama-Sternegg: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1875.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Aretin Johann Christoph, von, Freiherr, 1772 (Ingolstadt) – 1824, Oberbibliothekar der Münchner Hofbibliothek und Präsident des Appellationsgerichts des Regenkreises und Politiker; er studierte in Heidelberg und Göttingen; die Stufen seiner beruflichen Laufbahn zeichnen sich so ab: Generallandesdirektionsrat (1799), Vizepräsident der BAkdW (1801), Kustos an der Hofbibliothek und Mitglied der Kommission zur Erfassung der Bibliotheken der säkularisierten Klöster (1803), Direktor des Appellationsgerichts Neuburg a. d. Don. (1811), Präsident des Appellationsgerichts des Regenkreises in Amberg (1819); A. hat sich auch als Dichter hervorgetan.

Hauptwerke: Staatsrecht der konstitutionellen Monarchie: Zwei Kantaten, Lied eines bayer. Grenadiers, Litteratur der bayerischen Geschichte, Von den ältesten Denkmälern der Buchdruckerkunst in Bayern, Geschichte der Juden in Bayern, Sachsen und Preußen, Alemannia, Über die Verfassungsurkunde Bayerns, Ludwig der Bayer (Schauspiel); Begründer der freisinnigen Landtagszeitung; A. hat sich durch die Eingliederung der Klosterbibliotheken in die heutige Bayerische Staatsbibliothek ausgezeichnet und zählt auch zu den Kämpfern gegen die Nordlichter – wie F. W. von Thiersch (siehe dort!) – in Bayern.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München; Zeke Verlag; 4. Auflage; Würzburg 1983.

#Johann Georg Freiherr von Aretin

* 29.3.1771 (Ingolstadt)
† 30.1.1845 (Mendorferbuch)
Hofkammerrat, Landesdirektionsrat und Generalkommissär des Eisackkreises

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Aretin Johann Georg, von, Freiherr, 1770 (Ingolstadt) – 1845, Hofkammerrat, Landesdirektionsrat und Generalkommissär des Eisackkreises; nach Studien in Heidelberg begann A. als Administrator des Donaumoosgerichts 1793 seine berufliche Laufbahn, später war er Direktor der Landesdirektion in Bamberg (1799), 1806 Straßen- und Wasserbauinspektor in Tirol, als Generalkommissär des Eisackkreises wurde er 1809 von den Österreichern gefangen; zuletzt beschäftigte sich A. auf seinen Gütern wissenschaftlich (Nationalökonomie).

Hauptwerke: Aktenmäßige Donaumooskulturgeschichte, Jahrbücher der Landwirtschaft in Baiern (zusammen mit M. von Schönleutner herausgegeben), Über die Streitkräfte Baierns, Wie kann die Oberpfalz durch Landwirtschaft in den besten Wohlstand gebracht werden?, Der Genius von Bayern unter Maxim. IV., Über Bergfälle, Zeitbedürfnisse mit besonderer Rücksicht auf Bayern, Die grundherrlichen Rechte in Bayern, Zur Feyer des Jubelfestes Max Joseph I., 1824; während seiner Tätigkeit beim Donaumoosgericht Schrobenhausen hat A. sich große Verdienste um die Mooskultur erworben.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#MR – 195 (Merz · Sepp)


Linke Spalte
Dr. Joh. Nep. Sepp
kgl. Univ. Professor a. D.
Abgeord. des Frankfurter
Parlaments,
Ritter vom hl. Grabe
geb. in Tölz 7. Aug. 1816
† in München 5. Juni 1909.

Rechte Spalte
Dr. Ludwig Merz
geb. 31. Maerz 1817 in Bene-
diktbeuern. † 16. Maerz 1858.
Gründer d. ersten bayer.
Gesellenhauses.
Dem Gott genad!
Dr. phil. Simon Sepp
Studienrat a. D.
geb. in München 27. Febr. 1850
† 10. Februar 1927.


  • Merz, Ludwig, Dr. phil.; 31.3.1817 (Benediktbeuern/Obb.) – 16.3.1858 (München); Geograph und Optiker
  • Sepp, Johann Nepomuk, Dr. phil. / Laßberg, Sepp von (ps); 7.8.1816 (Bad Tölz/Obb.) – 5.6.1909 (München); Historiker und Schriftsteller
  • Sepp, Simon, Dr. phil.; 27.2.1850 (München) – 10.2.1927; Studienrat a. D.

Grab der Familien Merz · Sepp auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Dr. phil. Ludwig Merz

* 31.3.1817 (Benediktbeuern/Obb.)
† 16.3.1858 (München)
Geograph und Optiker

#Augsburger Postzeitung (18.3.1858)

Deutschland.

München, 17. März. Ich erfülle die schmerzliche Pflicht, Ihnen den in der vergangenen Nacht erfolgten Hintritt des Hrn. Ludwig Merz zu melden. Wenn je die gesammte Einwohnerschaft Münchens Ursache hat, das Ableben eines Bürgers auf das Tiefste und Innigste zu beklagen, so ist es hier der Fall, denn Merz war ein Freund und Pfleger alles Schönen und Guten, ein Rathgeber und Helfer in der Noth, nicht nur mit Worten, sondern in der That; ein Wohlthäter, wie wir deren wenig besitzen. Der Gesellenverein verliert an ihm eine große Stütze, die Wissenschaft einen ihrer eifrigsten Pfleger. Die Trauer um diesen Biedermann ist aber auch eine Allgemeine: Jedermann, mag er einem Stande angehören, welchem immer, nennt den Verlust unseres Freundes Merz einen unersetzlichen. Am Freitag Nachmittag wird seine irdische Hülle der letzten Ruhestätte übergeben werden. Der hochwürdige Herr Abt Haneberg wird die Grabrede halten.

Augsburger Postzeitung No 76. Donnerstag, den 18. März 1858.

#Landshuter Zeitung (21.3.1858)

Deutschland.

Bayern. München, 18. März. Mit Windesschnelle verbreitete sich gestern die Trauernachricht von dem Tode eines Mannes durch die Stadt, der wenn auch nicht durch Rang, Würden und Orden ausgezeichnet, doch als Bürger und Christ zu den besten Männern seiner Zeit zählte. »Wissen Sie schon, daß Dr. Ludwig Merz gestorben ist (Wie bereits vorgestern von der Ldsh. Ztg. gemeldet. Die Red. d. Ldsh. Ztg.)?« So frug einer den andern auf der Straße, und die Antwort war entweder ein betrübtes »leider«, oder eine Miene der Ueberraschung und des Unglaubens, denn Dr. Merz stand im kräftigsten Mannesalter und hatte sein 41. Lebensjahr noch nicht vollendet! Wir wollen hier nicht einen Nekrolog dieses Mannes im vollsten Sinne des Wortes liefern, denn unsers Wissens ist bereits eine kundigere Hand hiemit beschäftigt, aber wir wollen einiges aus seinem Wirken hervorheben, das ihn auch den Entferntstehenden kennzeichnen soll, und weil Dr. Merz in seinem ganzen Leben ein Freund der größten Bescheidenheit gewesen, so wollen wir auch an seinem Sarge nicht viel Worte machen, sondern nur Thaten sprechen lassen. Dr. Merz war der Gründer des hiesigen Vincentiusvereins. Dr. Merz war die Seele des Unternehmens, als es galt, den katholischen Gesellenverein zu stiften und als es galt das Gesellenhaus zu erbauen und das ganze disponible Capital in 50 fl. bestand, da war es wieder Dr. Merz, der die Haftbarkeit für die Bausumme persönlich übernahm, nachdem der leider gleichfalls zu früh hingeschiedene wackere Maurermeister Maurer erklärt hatte, daß er das Haus einstweilen erbauen wolle, weil die sechs Männer, die an der Spitze des Vereines standen, ihm hinlänglich Bürgen seien. Im Jahre 1848 und 49 war Dr. Merz eines der thätigsten Mitglieder des constitutionell-monarchischen Vereins zu den drei Rosen. Und nicht allein auf München erstreckte sich seine Thätigkeit, auch noch außer demselben wirkte er als Delegirter des genannten Vereines durch persönliches Erscheinen auf den Volksversammlungen. Wir heben aus seinem reichen Leben nur diese drei Momente hervor. Was er als Gelehrter, Techniker gewesen, das mag man in seinem demnächst erscheinenden Nekrologe nachlesen. Wir geben diese drei Thatsachen auch ohne alle Bemerkungen, weil wir solche vollkommen überflüßig erachten, aber wir schließen diesen Bericht mit dem Ausdrucke unserer festesten Ueberzeugung, daß der Hintritt eines Mannes wie Dr. Merz unter allen Umständen geradezu eine allgemeine Calamität genannt werden muß.

München, 19. März. Wenn keine Aenderung mehr geschieht, wird Se. k. Hoh. Prinz Adalbert am Palmsonntag hier eintreffen. – Ich glaube nicht zu irren, wenn ich sage, seit dem Tode Görres fand kein Leichenbegängniß mehr statt, bei welchem sich so viele Leidtragende einfanden, als wie beim heutigen des Dr. Merz. Die hochwürdigste Geistlichkeit war höchst zahlreich vertreten; vom Vincentiusverein sah man die hervorragendsten Mitglieder aus dem Adel; der katholische Gesellenverein hatte seine Fahne und Kläger mit Trauerflören gesendet, wie es auch Gesellen waren, welche den hochverehrten Todten zu Grabe trugen. Dem Sarge schloß sich eine unabsehbare Menge an, die mindestens aus 6000 Köpfen bestanden hat. Der hochwürdigste Abt Dr. Haneberg hielt die Grabrede, in welcher er die hohen Verdienste des Verstorbenen, sein edles Streben, sowie seinen fleckenlosen Wandel in so ergreifender Weise auseinandersetzte, daß viele Augen in Thränen schwammen. Die große Theilnahme, die heute das katholische München für einen seiner besten Mitbürger an den Tag gelegt, dürfte ein neuer Beweis sein, daß die Katholiken jene Männer auch noch nach dem Tode zu schätzen wissen, die ihrer Sache treu und aufrichtig ergeben, für dieselbe mit allen ihren geistigen und materiellen Kräften muthig einstehen. Leider fällt ein Stamm um den andern und somit bedarf es immer mehr des frischen Nachwuchses!

Landshuter Zeitung Nr. 65. Sonntag, den 21. März 1858.

#Der Volksbote für den Bürger und Landmann (21.3.1858)

Deutschland.

Bayern. München, 20. März. Gestern Nachmittag um 3 Uhr wurde die sterbliche Hülle des hingeschiedenen Dr. Ludwig Merz zur Erde bestattet. Selbst ältere Männer erinnern sich nicht, daß in München je einem Minister oder sonstigem Hochgestellten, geschweige einem einfachen Privatmann, ein ähnliches Leichenbegängniß zu Theil geworden ist; so außerordentlich war die Menge Derer, welche den eigentlichen Leichenzug bildeten und die unübersehbare Menschenmasse, welche zu dem Begräbniß herbeigeströmt war. Einen weit tieferen Eindruck aber noch als all' dieses machte der Ernst und der Ausdruck schmerzlicher Trauer, den man weit mehr als gewöhnlich aus den Gesichtern aller Anwesenden gelagert sah, machten die Thränen, welche am Grabe selbst von gar Vielen flossen, von denen man kaum vermuthet haben würde, daß sie den Verewigten gekannt hätten. Die Leichenfeier sowie die Grabrede hielt der hochw. Abt von St. Bonifaz Dr. Haneberg. Dem Zuge vorauf ging die schwarz umflorte Fahne des katholischen Gesellenvereins, welcher paarweis geordnet, die Zugführer sämmtlich mit florbedeckten Schärpen, in langer Reihe, dann der Präses und sämmtliche Vereinsvorstände mit umflorten Hüten folgten. Hierauf kam nach der kirchlichen Trauerfahne die hochw. Geistlichkeit mit dem Herrn Abt, dann der Sarg, getragen von den Arbeitern des optischen Instituts, rechts und links darneben Mitglieder des Gesellenvereins mit Florschärpen und Kerzen. Hinter dem Sarge schritten der schwergebeugte Vater, der Bruder und die beiden Schwäger des Verewigten, denen sich die zahlreichen Mitglieder des St. Vincentiusvereins mit ihrem I Präsidenten Grafen Arco Valley, Graf Karl Seinsheim u. s. w. anreihten, sämmtliche Ausschußmitglieder der verschiedenen Konferenz die Hüte umflort. An diese schloß sich eine Masse der achtbarsten Männer des Gelehrten- und anderer Stände, die alle dem Hingeschiedenen die letzte Ehre erweisen wollten. Am Grabe stellte sich dann die Gesellen-Vereinsfahne auf. Nach Beendigung der feierlichen Zeremonien und Gebete hielt der hochw. Hr. Abt die Grabrede, aus welcher der Volksbot' einiges nachzutragen sich vorbehalten muß, jedoch hier nicht unerwähnt lassen kann, wie selbst bärtigen Männern bei der Hindeutung auf das, was der Verewigte für den Gewerbsstand gewirkt und geopfert, die Thränen stromweis die Wangen herunterrollten. – Am Montag um 10 Uhr wird, wie bereits gemeldet, der Trauergottesdienst in der St. Peterskirche abgehalten. Daß die Theilnahme für den zu früh Verewigten eine allgemeine ist, braucht nach den obigen sprechenden Beweisen nicht erst hinzugesetzt zu werden.

Der Volksbote für den Bürger und Landmann No. 65. Sonntag, den 21. März 1858.

#Abendblatt (29.3.1858)

Dr. Ludwig Merz.
(Nekrolog.)

In denselben Räumen der Glashütte zu Benedictbeuern, wo Fraunhofer einst seine großen Entdeckungen machte, wurde Ludwig Merz am 31. März 1817 geboren. Seine Mutter war eine (aus erster Ehe stammende) Tochter des bekannten Mechanikers Liebher, der, wie Georg Merz, Ludwigs Vater, zu den thätigsten Gehülfen v. Utzschneider's gehörte. Nach dem Tode der Mutter, die Ludwig schon im sechsten Lebensjahre verlor, wurde der Knabe zu Dachau erzogen, später zu den Studien nach Freising und zuletzt (in die Oberclasse) nach München geschickt, wo er mit Haneberg zusammentraf, der bald in tiefer, inniger Freundschaft für's ganze Leben mit ihm verbunden war. An der Hochschule unternahm Merz die Bearbeitung einer Preisfrage »über die Analogie von Licht und Wärme,« in deren Folge er promovirte (1842) und sich als Privatdocent habilitirte, worauf er zehn Semester hindurch über physikalische Geographie, Geschichte der Entdeckungsreisen, allgemeine Erdkunde u. s. w. Vorlesungen hielt und auf vielen Reisen z. B. nach Italien, wo er (1845) den Naturforscher-Congreß zu Neapel besuchte, sich weiter bildete, bis das verhängnißvolle Jahr 1847 dieser ruhigen Tätigkeit ein Ende machte. Vergeblich hoffte er auf Restitution und trat deshalb in das Geschäft seines Vaters, daS seit Mahler's Tode (1845) alleiniges Eigenthum der Familie Merz geworden war. An den seither aus diesem großartigen Institut hervorgegangenen bedeutenden optischen Instrumenten, z. B. nach Washington, Moskau, St. Petersburg, Neapel und Rom, hatte er in jeder Art Antheil genommen, indeß seine literarische Thätigkeit nebenbei in vielseitigster Weise sich entwickelte. Die politischen Bewegungen von 1848 und der folgenden Jahre beobachtete er mir ungetheilter Aufmerksamkeit und trat mit der glühendsten Begeisterung für die conservative Sache in Schrift und Wort ein, er eilte oftmals in den schweren Tagen der Gefahr als Redner gegen die bewegten Massen auf Volksversammlungen, betheiligte sich an dem »constitutionell-monarchischen Verein für Freiheit und Gesetzmäßigkeit« (der mehrere der Merz'schen volksthümlichen Flugschriften in Tausenden von Exemplaren gedruckt über das ganze Land verbreitete) und trat ebenso mit der Bildung des bald über 2000 Mitglieder zählenden »Vereins für constitutionelle Monarchie und religiöse Freiheit« in dessen Ausschuß, wo er jahrelang mit unermüdlicher Ausdauer jeden Donnerstag in umfassender Erörterung die politische Rundschau abhielt. Hier erschien auch Kolping, der Gesellenvater, und bald erblühte ein Verein, dem Merz anfänglich auf eigenes Risico und später unterstützt von zahlreichen Schankungen das Gesellenhaus erbaute, in dem er jeden Montag in herzlicher Ansprache und belehrenden Vorträgen mit diesen bildsamen Leuten verkehrte. Hier und in der folgenden Sphäre hat er wahrlich Großes geleistet und zwar mit einer Selbstverläugnung und Aufopferung von Kräften und Mitteln, die nur den Näherstehenden in vollem Umfang bekannt sein kann.

Schon als Student hatte Merz in lebendigster Weise unter seinen jugendlichen Genossen die monatlichen Beiträge zur Unterstützung des Missionsvereines gesammelt, später war er, mit noch drei anderen Freunden zusammentretend, der Erste, der hier nach französischem Vorbild den St. Vincentius-Verein zur Unterstützung der Armen begründete, der nun in vielen Zweigvereinen nicht nur in unserer Stadt, sondern in ganz Bayern und Deutschland die segensreichsten Wirkungen übt. Als Secretär desselben und zugleich in seiner Stellung als Schriftführer des Gesellenvereins fiel ihm die Last einer Unzahl von Correspondenzen nach allen Richtungen zu, die er unabläßig nach den geschäftlichen Berufsarbeiten im eigenen Hause mit emsigem Fleiße und aufopferndem Muthe führte. Die Katholikenversammlungen zu Mainz, Wien, Linz, Regensburg, Salzburg sahen ihn meist alljährlich in ihrer Mitte, wo er, immerdar in den Ausschuß gewählt, die sociale Sache der Charität förderte. Vor seiner Betheiligung an den Generalversammlungen des Johannisvereins hatte er schon längst theoretisch in das sociale Gebiet mit einer Schrift »Ueber die Linderung des herrschenden Nothstandes« eingegriffen und in praktischer Weise den leider nicht mehr zur Ausführung gebrachten Plan, eigene Arbeiterwohnungen zu bauen, aufgenommen.

In glücklicher Ehe lebend hatte ihn zuerst der Verlust seiner Kinder, besonders eines vierjährigen Söhnleins, der voraussichtlich der Träger des Hauses geworden wäre, niedergebeugt, der starke Mann litt darunter schon seit Jahren, aber mit Macht wußte er sich zu beherrschen und seine außerordentliche Arbeitskraft unterdrückte scheinbar den Kummer. Mit frohen Hoffnungen geleiteten ihn seine Freunde noch im vorigen Herbst nach dem Rigi, nachdem er in früheren Jahren wiederholt in Frankreich, England und Oesterreich bedeutende Reisen unternommen hatte; als ihm aber bei einem gegen Ende des vorigen Jahres im polytechnischen Verein gehaltenen Vortrag über Beleuchtung plötzlich die Stimnie versagte und Merz bald darauf eine ehrenvolle Einladung, auf Kosten der spanischen Regierung nach Madrid zu reisen und dort ein Teleskop aufzustellen, ablehnte und sich außer Stand erklärte, die Reise unternehmen zu können, da erst wurden seine Freunde auf seinen angegriffenen Gesundheitszustand aufmerksam. Im frohen Kreise feierte er noch das 50-jährige Bestehen des den väterlichen Namen tragenden Institutes, dann ergriff ihn der Typhus, dessen ungestümem Andrang seine geschwächte Natur nicht zu widerstehen vermochte. So erlag er demselben in der Nacht des 16. Merz, im noch nicht vollendeten 41. Lebensjahre, ein unersetzbarer Verlust für die Wissenschaft, die gute Sache und seine Freunde.

Merz war ein Mann von durchaus edler Gesinnung. Daß es ihm Ernst war mir der heiligen Sache, die er verfocht, daß er dieser seiner gewonnenen Uberzeugung jedes Opfer brachte, das haben Alle rühmlichst anerkannt, mochten sie auch in vielen Dingen andere Ansichten hegen; der unabsehbare Zug, der seine Leiche zur letzten Rast in dem Grabe geleitete, in das er früher mit schmerzzerdrückter Seele seine Kinder gebettet hat, zeigte von der Liebe, Verehrung und Theilnahme Aller, die je mit ihm in nähere Berührung gekommen waren. Derselbe Freund, dem er in den hellen Tagen der Jugend seine feurige Seele erschlossen hatte, der sodann dem Manne den ehelichen Bund gesegnet, erwies ihm auch den letzten Dienst der Kirche am Grabe; wie milder Frühlingshauch ergingen Haneberg's Worte an die befreundeten Leidträger. Merz war für alle Gutgesinnten ein Mittelpunct gewesen; sein Haus war stets ein gastliches; unzählige Wohlthaten wurden durch ihn ausgestreut, meist in edelmüthigster Weise, daß der Empfänger oft die segnende Hand nicht kannte; Einzelnen, namentlich armen Studenten, ja ganzen Familien half er großmüthig auf und die guten Gesellen, die am Grabe standen, ahnten wohl kaum, welche Wohlthaten sein väterliches Herz ihnen erwiesen hatte. »Möchten sich so die Engel um ihn drängen, wie er hier im Mittelpunct aller Guten gewesen,« sprach aus tiefquellender Seele der Redner. »Er hat über diese Sterne am Himmel hinaus nach einem höheren Lichte geblickt und sicherlich Theil an den vielen Thränen, die er getrocknet.«

Von seinen wissenschaftlichen Schriften und Arbeiten erwähnen wir hier: Ueber die Analogie von Licht und Wärme. München, 1842 (bei Kaiser). De theoria probabilitatis adhibita in physicam. ib. 1842. Die neueren Verbesserungen am Mikroskope nebst den sie begleitenden Aenderungen in der Dioptik. ib. 1843 (bei Palm). Optik, besonders für Augenärzte. 1845. (bei Cotta). Allgemeine Erdkunde als Einleitung zur Länder-, Völker- und Staatenkunde. Augsburg bei Kremer 1846. Gewerbestand und Proletariat-Vermittlungsgedanken. München 1848 bei Kaiser. Ueber die Linderung des herrschenden Nothstandes, mit Benützung der über die Preisfrage des Königs Max II. von Bayern erschienenen Schriften. Regensburg 1850. Blick auf unser gesammtes Schulwesen. Regensburg 1850 etc. Ein umfassendes Werk, das Resultat seiner unausgesetzten Studien, liegt noch im Manuscript vor: Ueber Physikalische Geographie. Ebenso eine Geschichte der Geographie und der geographischen Entdeckungsreisen. Als Beleg für seine vielverzweigten Kenntnisse im Gebiete der Geschichte, Philosophie, Handelspolitik u. s. w. dient eine Reihenfolge von Artikeln in der Manz'schen Realencyclopädie, dem Herder'schen Kirchenlexikon und vielen gelehrten Zeitschriften.

Abendblatt zur Neuen Münchener Zeitung Nr. 75. Montag, den 29. März 1858.

#Der Volksbote für den Bürger und Landmann (2.4.1858)

Deutschland.

Bayern. München, 1. April. Den zahlreichen Freunden des verewigten Dr. Ludwig Merz glaubt der Volksbot' einen Dienst zu erweisen, wenn er sie darauf aufmerksam macht, daß ein sehr gelungenes photographisches Bild desselben, welches noch bei seinen Lebzeiten genommen wurde, bei Hrn. Hudemann, Neuhausergasse Nr. 213 dahier, zu haben ist.

Der Volksbote für den Bürger und Landmann No 74. Freitag, den 2. April 1858.

#Augsburger Postzeitung (1.5.1858)

Dem unvergeßlichen Dr. Merz *)

Der Frühling weckt Blüthen und Knospen zu Hauf;
Doch dich weckt sein kosendes Flüstern nicht auf.

Dein Leib ist tief in die Erde gebettet,
Deine Seele hat sich zu Gott gerettet.

Du hast dein Tagwerk frühe vollbracht.
Es weinet die Erde, der Himmel lacht:

Ein Kind hier seufzet im heißen Verlangen,
Vier Andere halten dort dich umfangen.

Hier härmt aich die Gattin im tiefsten Schmerz;
Dort jubiliret ein Mutterherz.

Der Freunde Kreis hier trauert und weinet,
Den sel'gen Bekennern bist dort du geeinet;

Und was du den armen Brüdern gethan,
Das wirst du mit Zinsen zurück empfahn.

Und was du für Gottes Sache gestritten,
Für ihn gekämpfet, mit ihm gelitten,

Im Buche des Lebens und der Rügen
Steht es geschrieben mit Flammenzügen.

Und weil du so demuthvoll im Leben,
Hat Gott den Lohn dir so frühe gegeben.

Für die Erde warst du wohl viel zu gut,
drum nahm dich der Herr aus der Trübsal Fluth.

Sanct Joseph, der Frommen Sterbepatron,
Er hat dich geleitet zu Gottes Thron.

Da harrst du der Deinen, bis Eins und das Andre
Auch aus der Irre zur Heimat wandre.

*) Für unseren unvergeßlichen Dr. Merz haben auch im Oberlande, zu Benedictbeuern, an seinem Geburtsorte, wie zu Tölz, öffentliche Trauergottesdienste unter dem allgemeinen Beileide der Bürger wie der Landleute stattgefunden, und man darf wohl sagen, daß nicht leicht ein Ehrenmann so ungetheilte Anerkennung verdient und den Dank für seine Verdienste auch nach Gebühr mit ins Grab genommen hat. D. R.

Beilage Nr. 96 zur Augsburger Postzeitung No 116. Samstag, den 1. Mai 1858.

#Allgemeine Deutsche Biographie (1885)

Merz: Dr. Ludwig M., Geograph und Optiker, geb. am 31. März 1817 zu Benedictbeuern, Sohn des oben genannten Georg M. (seine Mutter eine Tochter des Mechanikers Liebherr, studirte zu Freising und München, wo er in Folge einer Preisfrage »Ueber die Analogie von Licht und Wärme« promovirte (1842) und sich als Privatdocent habilitirte; hier hielt M. fleißig besuchte, sehr anziehende Vorlesungen (über physikalische Geographie, Geschichte der Entdeckungsreisen, allgemeine Erdkunde) und bildete sich auf vielen Reisen (z. B. nach Italien, wo er 1845 den Naturforschercongreß in Neapel besuchte) weiter, bis im Winter 1847 die auch auf die Universität sich erstreckenden Lola-Montez-Wirren dieser Thätigkeit ein Ende bereiteten. M. trat in das optische Institut seines Vaters und nahm in jeder Art Antheil an den großen Instrumenten, welche nach Washington, Moskau, St. Petersburg, Neapel, Rom und Madrid gingen, indeß seine litterarische und durch die Ereignisse des Jahres 1848 angeregte publicistische Thätigkeit im conservativ-großdeutschen Sinne mit dem mächtigsten Freiheitsbewußtsein und Gerechtigkeitsgefühl sich entwickelte. Ebenso begeistert ergriff er auch die von Kolping angeregte Idee, dem armen, verlassenen Gesellenstande unter die Arme zu greifen; durch seine Mitwirkung entstand das k. Gesellenhaus zu München. Desgleichen beschäftigte ihn die sociale Frage des Pauperismus, weshalb M. auch in das Ordenscapitel des von Sr. Maj. König Maximilian II. gegründeten »Johannesvereins« aufgenommen wurde. Als echter Humanist unterstützte M. die charitative Kranken- und Armenpflege und ging mit seinem Beispiele, überall stillverborgene Wohlthaten spendend, mit offener Hand und gutem Beispiele voran. Seine durch unausgesetzte Arbeiten erschütterte Natur erlag schon am 16. März 1858 einem typhösen Fieber. – Von seinen wissenschaftlichen Schriften erwähnen wir hier mit Uebergehung seiner politischen und polemischen Brochüren die Arbeiten: »Ueber die Analogie von Licht und Wärme« (München 1842), »De theoria probabilitatis adhibita in physicam« (1842); »Die neuesten Verbesserungen am Mikroskope nebst den sie begleitenden Aenderungen in der Dioptrik« (München 1843), »Optik, besonders für Augenärzte« (Stuttg. 1845). »Allgemeine Erdkunde als Einleitung zur Länder-, Völker- und Staatenkunde« (Augsb. 1846), »Gewerbestand und Proletariat; Vermittlungsgedanken« (München 1848), »Ueber die Linderung des herrschenden Nothstandes, mit Benützung der über die Preisfrage des Königs Max II. von Baiern erschienenen Schriften« (Regensb. 1850). Seine »Physikalische Geographie« und »Geschichte der Geographie und geographischen Entdeckungsreisen« blieben leider Manuscript. Aus seinem Nachlasse erschien das populäre »Buch der Erde. Naturgeschichte des Erdballs und seiner Bewohner. Mit einer Lebensskizze und dem Porträt des Verewigten« (herausgegeben von Dr. Sepp), Regensburg 1860. Eine große Anzahl von Aufsätzen, welche M. bei seinen ausgebreiteten Kenntnissen im Gebiete der Geschichte, Philosophie und Handelspolitik für verschiedene Realencyclopädien und Fachzeitschriften schrieb, wurden leider nicht gesammelt.

Vgl. Nekr. in Nr. 75 Abendblatt zur Neuen Münchener Ztg. vom 29. März 1858. Hyac. Holland.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1885.

#Das Bayerland (1898)

12. Dr. Ludwig Merz, Geograph und Optiker, geb. am 31. März 1817 zu Benediktbeuren, wo sein Vater Arbeiter im Fraunhoferschen optischen Institute war.

Er studierte zu Freising und München. An letzterer Universität erwarb er sich durch Lösung einer Preisfrage »Über die Analogie von Licht und Wärme« im Jahre 1842 den Doktorgrad, habilitierte sich hierauf als Privatdozent daselbst und hielt über physikalische Geographie, Geschichte der Entdeckungsreisen und allgemeine Erdkunde gut besuchte Vorlesungen. Auf einer Reise ins Ausland erweiterte er sein Wissen. Heimgekehrt, vermählte er sich 1846 mit Fräulein Anna Barbara Sepp. Im folgenden Jahre trat er mit seinem Bruder Sigmund in das optische Institut seines Vaters als Teilhaber ein.

Durch das sturm- und drangreiche Jahr 1848 angeeifert, war er publizistisch thätig. Begeistert ergriff er die von dem gottbegnadeten Priester Adolf Kolping angeregte Idee, dem armen verlassenen Gesellenstande unter die Arme zu greifen. Durch seine Mitwirkung entstand das Heim des im Jahre 1843 gegründeten katholischen Centralgesellenvereins Haus-Nr. 6 und 7 an der Schommerstraße in München, in welchem wir auf einer dort im Saale angebrachten weißen Marmortafel obenan seinen Namen als Erbauer des Heimes lesen und an der Längsseite seine Büste, modelliert von Kaspar Zumbusch, sehen. König Max II. ernannte ihn zum Mitgliede des Centralkapitels des St. Johannes-Vereins für freiwillige Armenpflege in Bayern. Als echter Humanist erwies er sich selbst still verborgen wohlthätig. Wie uns seine Grabschrift unterrichtet, war er Mitstifter des Missions-, Vincentius- und anderer katholischer Wohlthätigkeitsvereine. Seine durch unausgesetzte Arbeit erschütterte Gesundheit konnte einem typhösen Fieber nicht widerstehen, dem er am 16. März 1858 im Hause Nr. 11 an der Müllerstraße, neun Jahre vor seinem Vater, unterlag. Seine irdischen Überreste befinden sich im südlichen Friedhofe, ältere Abteilung, Mauer rechts, Grabplätze 165 und 166, Grabstätte seiner Schwiegereltern.

Auf Antrag der Verwandten genehmigte der Stadtmagistrat die Aufstellung der Büste des Verstorbenen, modelliert von Kaspar Zumbusch, in einer Nische der Arkaden.

C. Reber: Die »Ruhmeshalle« unter den Arkaden des südlichen (älteren) Friedhofes in München. Das Bayerland. Illustrierte Wochenschrift für bayerische Geschichte und Landeskunde. 9. Jahrgang. Heft Nr. 29. München, 1898.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Merz Ludwig, Dr. phil., 1817 (Benediktbeuern/Obb.) – 1858, Optiker, Geograph und Universitätsprofessor; Sohn des Optikers Georg M., studierte er in Freising und München (Mitschüler von Haneberg, J. N. Sepp und Strodl), habilitierte sich für Physikalische Geographie, Geschichte der Entdeckungsreisen und Allgemeine Erdkunde und wurde Professor in München (anläßlich der Lola-Montez-Unruhen 1847 abgesetzt); hierauf wurde M. Mitarbeiter der optischen Firma Merz und Söhne, die zahlreiche ausländische Sternwarten mit ihren großen Fernrohren belieferte; 1846 rief er den Vinzenz-Verein (zur Unterstützung der Armen) in München ins Leben, und 1848 gründete er zusammen mit Guido Goerres den »Verein für konstitutionelle Monarchie und kirchliche Freiheit«; als Schöpfer des Gesellenhauses in München wurde er »Bayerns Kolping« genannt; M. war auch publizistisch tätig.

Hauptwerke: Über Analogie von Licht und Wärme, Die neue Verbesserung am Microscope, Optik, besonders für Augenärzte, Allgemeine Erdkunde, Gewerbestand und Proletariat, Blick auf unser gesamtes Schulwesen, Über die Linderung des herrschenden Notstandes, Das Buch der Erde, herausgegeben von J. N. Sepp, mit dessen Schwester Anna Barbara M. verheiratet war.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#Dr. phil. Johann Nepomuk Sepp

Sepp von Laßberg (ps)
* 7.8.1816 (Bad Tölz/Obb.)
† 5.6.1909 (München)
Historiker und Schriftsteller

#Deutsches Dichter-Lexikon (1876/1877)

Sepp, Johann Nepomuk, Pseudonym Sepp von Laßberg, wurde am 17. August 1816 zu Tölz in Oberbayern geboren, studirte daselbst und in München, wo er sich besonders an Jos. von Görres anschloß. Durch sein »Leben Jesu«, das er dem gleichnamigen Werke von David Friedrich Strauß entgegenstellte, bürgerte sich Sepp zuerst mit seinem Namen unter den Gelehrten ein. Er machte verschiedene Reisen nach Italien, dann eine größere nach dem Orient. Vor derselben hatte er sich schon an der philosophischen Fakultät habilitiert. Er las nach seiner Rückkehr mit außerordentlichem Beifall über Geschichte, wurde aber, dem Ministerium verdächtig, von seinem Lehrstuhl entfernt und aus München verwiesen. Nach Ausbruch der Februar-Revolution in Paris (1848) reiste Sepp dorthin, um ihre Erscheinungen und Folgen in der Nähe zu studieren. Er wurde nach seiner Rückkunft zum Abgeordneten für das deutsche Reichsparlament gewählt und 1850 als Professor reaktiviert, aber im Dezember 1867 wieder in den Ruhestand versetzt. – Verschiedene historische, politische Schriften und Reisebeschreibungen.

Dichtungen: Markos Botzaris. Trauersp. in 5 A. Mainz 1860.

Franz Brümmer: Deutsches Dichter-Lexikon. Biographische und bibliographische Mittheilungen über deutsche Dichter aller Zeiten. Unter besonderer Berücksichtigung der Gegenwart. Eichstätt & Stuttgart, 1876/1877.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Sepp Johann Nepomuk, Dr. phil., 1816 (Bad Tölz/Obb.) – 1909, Historiker, Universitätsprofessor und Politiker; nach seinen philosophisch-historischen Studien zu München unternahm S. eine Reise nach Syrien, Palästina und Ägypten und erhielt 1846 die Professur für Geschichte an der Münchner Universität, (wurde aber 1847 im Zusammenhang mit der Lola-Montez-Affäre abgesetzt und aus der Hauptstadt verbannt); 1848 wurde er in das Frankfurter Parlament, 1850 in die bayerische Abgeordnetenkammer gewählt; seinen Lehrstuhl erhielt er 1850 wieder, mußte ihn aber 1867 wegen persönlicher Streitigkeiten abermals räumen; 1868 wurde er in das Zollparlament und wiederholt in die 2. Kammer gewählt, in der er 1870/71 ein begeisterter Vertreter der deutschnationalen Sache war; eine im Auftrag von Bismarcks 1874 unternommene Reise beschrieb er in der »Meerfahrt nach Tyrus zur Ausgrabung der Kathedrale von Tyrus mit Barbarossas Grab«.

Hauptwerke: Beiträge zur Geschichte des bayerischen Oberlandes, Bayern und die neue Ära, Ludwig Augustus, König von Bayern, Altbayerisches Sagenschatz, Religionsgeschichte von Oberbayern; S. vertritt in seinen gelehrten und anregenden Werken manche willkürlichen Anschauungen, der Universalinteressierte verstand nicht immer sein ausgedehntes Wissen in Ordnung zu halten, weshalb er von Spöttern die »umgestürzte Bücherkiste« genannt wurde.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#MR – 197·198 (Delpy von La Roche · Rücker)


HEINRICH DELPY VON LA ROCHE
1793 – 1871
JOSEPHINE DELPY VON LA ROCHE
1802 – 1890
CARL VON RÜCKER
1827 – 1883
MARIE VON RÜCKER
1835 – 1876
FRIEDRICH CARL VON RÜCKER
1898 – 1898


  • Delpy von La Roche, Heinrich; 2.12.1793 – 11.5.1871 (München); Bayerischer General der Infanterie und General-Adjutant des Königs
  • Delpy von La Roche, Josefine (vh) / Guentz, von (gb); 16.5.1802 – 21.12.1890
  • Rücker, Friedrich Karl von; 15.8.1898 – 29.8.1898
  • Rücker, Karl August Ferdinand von; 21.1.1827 (Schnabelwaid/Oberfranken) – 16.10.1883 (München); Königlich bayerischer Kammerjunker
  • Rücker, Marie Susanne von (vh) / Delpy von La Roche (gb); 27.3.1835 (München) – 14.7.1876 (München); Kämmerers-Gattin

Grab der Familien Delpy von La Roche · Rücker auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#MR – 202·203 (Hergl)


¿ ruhet in Frieden
¿ Gattin und beste Mu¿
¿tharina Hergl,
Hofspänglersmeisters-Gattin
¿ November 1825, gest. 15. Juni ¿
Unser guter Vater
Herr Anton Hergl,
Rentner u. ehem. Magistratsrat
geb. 10. August 1825, gest. 8. Februar 19¿
Herr Heinrich Hergl,
Hofspänglermeister,
geb. 28. Januar 1853, gest. 27. April ¿
dessen Gattin Frau Friederi¿
geb. 20. Februar 1861, gest. 2¿
Herr Franz Hergl,
Rentier
geb. 13. März 1857, gest. 19. Dezember 1932.


  • Hergl, Anton; 10.8.1825 – 8.2.¿; Magistratsrat
  • Hergl, Franz; 13.3.1857 – 19.12.1932; Rentier
  • Hergl, Friederi¿ (vh); 20.2.1861 –; Spänglermeisters-Gattin
  • Hergl, Heinrich; 28.1.1853 – 27.4.¿; Spänglermeister
  • Hergl, Katharina (vh) / Wittmann (gb); ¿.11.1825 – 15.6.1890; Schlossermeisters-Tochter aus Dachau / Spänglermeisters-Gattin

Grab der Familie Hergl auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familie Hergl auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2011)

#MR – 204 (Oefele)


EDMUND
FRH. v. OEFELE
HISTORIKER
1843 – 1902


  • Oefele, Alois Freiherr von; 4.4.1786 – 21.5.1854 (München); Regierungsrat
  • Oefele, Edmund Freiherr von; 6.12.1843 (Ziegetsdorf bei Regensburg) – 24.9.1902 (München); Historiker
  • Oefele, Josefa Freifrau von (vh) / Unertl, von (gb); 28.8.1764 – 15.1.1818
  • Oefele, Klemens von; 16.9.1746 – 6.2.1825; Geheimrat
  • Oefele, Sofie von (vw) / Petz von Lichtenhof (gb); 14.2.1820 – 29.1.1892

Grab der Familie Oefele auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2008)

Grab der Familie Oefele auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

#Edmund Freiherr von Oefele

* 6.12.1843 (Ziegetsdorf bei Regensburg)
† 24.9.1902 (München)
Historiker

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Oefele Edmund, von, Freiherr, 1843 (Ziegetsdorf bei Regensburg) – 1902, Historiker und Reichsarchivdirektor; er, ein Urenkel des Kulturhistorikers Andreas Felix von Oe., studierte in Regensburg und München und wurde nach dem juristischen Staatskonkurs als Praktikant im königlichen Allgemeinen Reichsarchiv angenommen; nach verschiedenen Stellungen in den Kreis-(heute Staats-)archiven Würzburg, Bamberg und München war Oe. von 1895–1902 Direktor des Reichsarchivs in München; er hat sich durch reiche Publikationen aus der bayerischen Geschichte einen Namen in der staatlichen Archivverwaltung Bayerns gemacht, war Mitglied der BAkdW und von 1879–1892 Redakteur des »Oberbayerisches Archiv«.

Hauptwerke: Annales Altahenses maiores (zusammen mit W. von Giesebrecht herausgegeben), Geschichte der Grafen von Andechs, Regensburger Chronik des Leonhard Widmann, Ausgabe der bis dahin ungedruckten Topographie Ph. Appians (im Oberbayerischen Archiv, Bd. 39, 1880, zum 700jährigen Jubiläum der Wittelsbacher), Urkunden des Bistums Würzburg (45. Band der »Monumenta Boica«).

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#MR – 206 (Zenetti)


J. B. von Zenetti’sche Familiengrabstätte.

Hier
ruhen in Frieden:
Der k. b. Staatsrath i. a. o. D. u. qu. k. Regierungspräsident
Joh. Bapt. von Zenetti
geb. z. Wertingen 3. August 1785
gest. z. München 5. October 1856.
dessen Gattinen:
Josephine, geb. von Mieg
geb. z. Heidelberg 5. Mai 1793
gest. z. München 9. Mai 1828.
Barbara, geb. Martin
geb. 31. Dezember 1802, gest. 8. September 1871.
Maria Magdalena Zenetti
geb. 4. Februar 1820, gest. 25. August 1883.
Julius Ritter von Zenetti,
k. b. Regierungspräsident a. D.
geb. z. Speyer 9. Dezember 1822
gest. z. München 23. Juni 1905.
dessen Gattin:
Maria geb. Reber
geb. z. Neustadt a. H. 26. Mai 1834
gest. z. München 9. Juni 1906.

Sockel
Linke Spalte
Dr. Johannes Zenetti
prakt. Arzt
geb. 24.9.1852 – gest. 25.1.1913.
Dem Andenken an
Julius Zenetti,
Oblt. u. Rgt. Adj. k. b. 9. F. A. R.
geb. 12.9.1883 – gef. 27.8.1914.
Ruht in franz. Erde.

Rechte Spalte
Lili M. Zenetti, geb. Freiin v. Ramberg
geb. 23.2.1855 – gest. 9.11.1925.


  • Zenetti, Barbara von (vh) / Martin (gb); 31.12.1802 – 8.9.1871 (München); Staatsrats-Witwe
  • Zenetti, Johann Baptist von; 3.8.1785 (Wertingen/Schwaben) – 5.10.1856 (München); Staatsminister
  • Zenetti, Johannes, Dr. med.; 24.9.1852 – 25.1.1913; Arzt
  • Zenetti, Josefine von (vh) / Mieg, von (gb); 5.5.1793 (Heidelberg) – 9.5.1828 (München)
  • Zenetti, Julius [in memoriam]; 12.9.1883 – 27.8.1914; Oberleutnant
  • Zenetti, Julius Ritter von; 9.12.1822 (Speyer) – 23.6.1905 (München); Regierungspräsident a. D.
  • Zenetti, Lili M. (vh) / Ramberg, Freiin von (gb); 23.2.1855 – 9.11.1925
  • Zenetti, Maria Magdalena; 4.2.1820 – 25.8.1883
  • Zenetti, Maria von (vw) / Reber (gb); 26.5.1834 (Neustadt a. H.) – 9.6.1906 (München)

Grab der Familie Zenetti auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

#MR – 212·213 (Berling · Schlichtegroll)


FRIEDRICH VON SCHLICHTEGROLL
K. DIREKTOR U. GENERALSEKRETAER D. AKADEMIE
D. WISSENSCHAFTEN,
GEB. 8. DEZB. 1765 ZU WALTERSHAUSEN BEI GOTHA
GEST. 4. DEZB. 1822.
SOPHIE VON SCHLICHTEGROLL
GEBORENE VON KOBELL,
GEB. 17. FEBR. 1797. GEST. 11. MAI 1846.
MAXIMILIAN VON SCHLICHTEGROLL
K. MAJOR IM ¿ INFANT. RGT. KOENIG
GEB. 26. MAI 1823. ER STARB DEN HELDENTOD
IN DER SCHLACHT BEI WOERTH AM 6. AUG. 1870.
ANTONIN VON SCHLICHTEGROLL
K. OBERBAURAT A. D.
GEB. 3. MAI 1793 ZU GOTHA. GEST. 15. NOVB. 1873
ANNA SCHLICHTEGROLL ST. ANNA STIF¿
GEB. 15. JANUAR 1835. GEST. 20. JULI 187¿
LUDWIG SCHLICHTEGROLL
K. REGIERUNGS U. KREISBAURAT ¿
GEB. 19. FEBRUAR 1825. GEST. 7. MAI 1908
CAECILIE VON SCHLICHTEGROLL
GEB. SCHANZENBACH
GEB. 5. AUGUST 1833. GEST. 7. DEZ ¿
LINA SCHLICHTEGROLL
GEB. HEINTZ
GEB. ¿ OKTOBER 1833. GEST. ¿ APRIL ¿

Sockel
Rechte Spalte
LUDWIG BERLING
¿ 1886 ¿
FRIEDRICH BERLING
KGL. OBERBAURAT A. D.
GEB. 18. FEBR. 1850 GEST. 7. DEZ. 1920

Linke Seite
Amanda Clarissa von Schlichtegroll.
geb. 3. Sept. 1863 gest. 1. Dezem. 18¿

SAAMEN DES GUTEN
ZU STREUN
BEMÜHTEST DU LEBEND
DICH RASTLOS
LETZO
ERNTEST DU DORT
EDELSTER
HIMMLISCHEN LOHN.

Fritz Berling
geb. 31. Okt. 18¿2 gest. ¿. Nov. 1892


  • Berling, Friedrich; 18.2.1850 – 7.12.1920; Oberbaurat
  • Berling, Fritz; – 1892
  • Berling, Ludwig
  • Schlichtegroll, Adolf Heinrich Friedrich von; 8.12.1765 (Waltershausen bei Gotha/Thüringen) – 3.12.1822 (München); Archäologe und biographischer Schriftsteller
  • Schlichtegroll, Amanda Clarissa von; 3.9.1863 – 1.12.1865 (München); Hauptmanns-Tochter
  • Schlichtegroll, Anna von; 15.1.1835 – 20.7.1878 (München); St. Anna Stiftsdame
  • Schlichtegroll, Antonin von; 3.5.1793 (Gotha) – 15.11.1873 (München); Oberbaurat
  • Schlichtegroll, Cäcilie von (vh) / Schanzenbach (gb); 5.8.1833 – 7.12.1911; Rentbeamtens-Tochter aus München
  • Schlichtegroll, Lina (vh) / Heintz (gb); ¿.10.1833 – ¿
  • Schlichtegroll, Ludwig; 19.2.1825 – 7.5.1908; Kreisbaurat
  • Schlichtegroll, Maximilian von; 26.5.1823 (München) – 6.8.1870 (Wörth/Froschweiler); Major
  • Schlichtegroll, Sofie von (vh) / Kobell, von (gb); 17.2.1797 – 11.5.1846 (München); Oberbaurats-Gattin

Grab der Familien Berling · Schlichtegroll auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

Grab der Familien Berling · Schlichtegroll auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Adolf Heinrich Friedrich von Schlichtegroll

* 8.12.1765 (Waltershausen bei Gotha/Thüringen)
† 3.12.1822 (München)
Archäologe und biographischer Schriftsteller

#Das Bayerland (1898)

Die »Ruhmeshalle« unter den Arkaden des südlichen (älteren) Friedhofes in München.
Von C. Reber.

20. Adolph Heinrich Friedrich v. Schlichtegroll, Direktor der kgl. Hofbibliothek und Numismatiker, geboren den 8. Dezember 1765 zu Waltershausen bei Gotha. Seine erste Erziehung erhielt er im elterlichen Hause. Das Gymnasium besuchte er in Gotha. In Jena studierte er Philologie und Theologie, dann zu Göttingen vorzüglich Altertumswissenschaft. Im Jahre 1797 wurde er Lehrer am Gymnasium, 1801 Bibliothekar sowie Direktor des Münzkabinetts zu Gotha, wohin sein Vater als Rat bei der Landesregierung versetzt wurde. König Max I. berief ihn im Jahre 1807 als Generalsekretär der Akademie der Wissenschaften nach München, wo er, zum Direktor der kgl. Hofbibliothek befördert, den 4. Dezember 1822 starb. Er war Mitgründer des polytechnischen Vereins und Begründer des »Nekrolog der Deutschen«. Durch historische, philosophische und numismatische Schriften erwarb er sich einen ehrenvollen Ruf. Seine Verdienste erkannte König Max I. durch Verleihung des Verdienstordens der bayerischen Krone und des Hausordens des hl. Michael an. Mehrere wissenschaftliche Gesellschaften ernannten ihn zu ihrem Ehrenmitgliede. Sein noch erhaltenes Grab befindet sich im südlichen Friedhofe, ältere Abteilung, Mauer rechts, Nr. 212 und 213.

Der Centralverwaltungsausschuß des polytechnischen Vereins für Bayern stellte im Jahre 1823 an den Stadtmagistrat München die Bitte, die Büste Schlichtegrolls in einer Nische aufstellen zu dürfen, was der Magistrat genehmigte.

C. Reber: Die »Ruhmeshalle« unter den Arkaden des südlichen (älteren) Friedhofes in München. Das Bayerland. Illustrierte Wochenschrift für bayerische Geschichte und Landeskunde. 9. Jahrgang. Heft Nr. 32. München, 1898.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Schlichtegroll Adolf Heinrich Friedrich, von, 1765 (Waltershausen bei Gotha/Thüringen) 1822, Archäologe, Numismatiker und biographischer Schriftsteller; nach Studien zu Göttingen wirkte er anfangs als Jurist, Philologe und Theologe (Gymnasiallehrer in Gotha), dann in der Hofbibliothek und im Münzkabinett zu Gotha, wobei er sich durch die Rettung der Sammlung in den Napoleonischen Kriegen verdient machte; sein Freund F. H. von Jacobi gewann ihn schließlich für München, wo er Direktor und Generalsekretär der BAkdW, später auch Direktor der Hofbibliothek wurde; er war Mitbegründer des Polytechnischen Vereins und rief den »Neuen Nekrolog der Deutschen« ins Leben; seine Schriften sind hauptsächlich numismatischer (= münzkundlicher) Natur; Schs. liegt vor allem darin, daß er alle damaligen naturwissenschaftlichen Sammlungen und Institute in München organisierte und Erfindungen förderte.

Hauptwerke: Über den Schild des Herkules, Dactyliotheca Stoschiana, Historia Numothecae Gothanae.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#Antonin von Schlichtegroll

* 3.5.1793 (Gotha)
† 15.11.1873 (München)
Oberbaurat

#Artistisches München im Jahre 1835 (1836)

Schlichtegroll, Antonin v., königl. bayer. Oberbaurath, Konservator der allgem. polytechn. Sammlung, Ritter des großherzogl. sächs. Falkenordens, (ältester Sohn des königl. bayer. Direktors und Generalsekretärs der Akademie der Wissenschaften, Friedr. v. Schlichtegroll, welcher früher Direktor des herzogl. Münzkabinets in Gotha war) wurde geboren am 3. Mai 1793 zu Gotha in Thüringen, erhielt seine erste wissenschaftliche Bildung auf dem Gymnasium in Gotha, und seit 1808 auf dem Lyceum in München, besuchte hierauf die Akademie in Genf, und die Landes-Universität in Landshut.

Im Jahre 1813 wurde er unter der Generaldirektion des königl. geheimen Rathes von Wiebeking als Praktikant für das Straßen-, Brücken- und Wasserbauwesen aufgenommen, trat in demselben Jahre als Offizier in das neuerrichtete königl. bayer. Pontonierkorps; machte den Feldzug gegen Frankreich in den Jahren 1813 und 1814 mit; unternahm, nach ehrenvoll erhaltenem Abschiede vom Militär, im Jahre 1815 in Gesellschaft des für den Staatsdienst und die Wissenschaft zu früh verstorbenen königl. Regierungsrathes, Karl von Wiebeking, mit dem er durch Bande der Freundschaft und Verwandtschaft eng verbunden war, eine bauwissenschaftliche Reise durch Holland, Frankreich und England; in welch’ letzterem Lande er sich unter besonders günstigen Verhältnissen 4 Jahre aufhielt, sich des Umgangs mit den ausgezeichnetsten Ingenieuren und Gelehrten seines Faches erfreute, und durch eine temporäre Verwendung und Beschäftigung am brittischen Museum Gelegenheit erhielt, wissenschaftliche Forschungen und Arbeiten verschiedener Art zu unternehmen, so wie die großen damals in der Ausführung begriffenen Werke der Ingenieur- und Baukunst in den verschiedenen Theilen Englands und Schottlands genau zu beobachten und zu verfolgen.

Am 12. Januar 1816 wurde er als Kreisgenieur bei der Regierung des Isarkreises angestellt, im Jahre 1818 zum Oberingenieur des neuerrichteten Ministerialbaubureaus befördert, und im Jahre 1819 zum Beisitzer dieser Stelle ernannt. Im Jahre 1822 wurde er zum königl. Regierungs- und Baurath bei dieser Centralbehörde, mit Beibehaltung der Funktionen des Oberingenieurs, befördert, in welcher Stelle er auch bei der im Jahre 1826 organisirten Ministerial-Bausektion bestätiget wurde; am 5. Oktober 1821 erfolgte seine Ernennung zum Oberbaurath bei der obersten Baubehörde im königl. Staatsministerium des Innern.

Sch. ist Mitglied der Société d’Encouragement pour l’Industrie nationale in Paris, der Society of Civil Engeneers in London, und der Mineralogischen Societät in Jena. An dem polytechnischen Verein für Bayern und den ersten von demselben veranstalteten Industrie-Ausstellungen nahm er, als Sekretär dieses von seinem Vater mitgestifteten Vereins, mehrere Jahre sehr thätigen Antheil. Seit dem Jahre 1825 ist ihm die Funktion des Conservators der allgemeinen polytechnischen Sammlung anvertraut, und bei der ersten Errichtung einer polytechnischen Centralschule in Bayern hatte er bis zum Jahre 1831 die Administrations- und Korrespondenzgeschäfte derselben zu besorgen.

Zahlreiche Aufsätze und Abhandlungen über technische Gegenstände, interessante Bauwerke und dergleichen, erschienen von ihm in verschiedenen Zeitschriften und Journalen, namentlich in Zschokke’s Ueberlieferungen, in dem Kunst- und Gewerbblatt für Bayern, den Beilagen zur allgemeinen Zeitung und im Morgenblatte; hierunter befinden sich: die Beschreibung des Meerdammes oder Breakwater, auf der Rhede von Plymouth, nach des Ingenieur Rennie Entwurf 1816. Baugeschichte der eisernen Southwarkbrücke über die Themse in London, 1817. Beschreibung und Baugeschichte des auf dem Bell-Rock errichteten Leuchtthurmes an der nordwestlichen Küste von Schottland, 1817. Beschreibung des Caledonischen Kanals in den Hochlanden Schottlands, 1818. Reise nach den fünf Häfen (Cinque Ports) an der südöstlichen Küste Englands, 1817. Biographische Notiz über den berühmten englischen Ingenieur John Rennie und seine Werke, 1822 u. a. m.

Außerdem sind noch folgende literarische Arbeiten von ihm erschienen: Beitrag zur Geschichte und richtigen Beurtheilung der Eisenbahnen, mit einer lithographirten Abbildung. 8. München, 1819. Ueber den Nutzen der breitfelgigen Räder an Fracht- und anderem schweren Fuhrwerke, mit besonderer Rücksicht auf deren Einführung in Bayern und in Deutschland überhaupt, mit einer lithographirten Abbildung. 8. München, 1819. Uebersetzung von A. Senefelders Geschichte des Steindrucks ins Englische, unter dem Titel: Complete Course of Lithography, containng clear and explicit instructions in all the different branches and manners of the art; to which is prefixed a History of Lithography from its origine to the present time; translated from the german, with a Preface, by Schlichtegroll. 4. London, 1819, mit 20 lithograph. Tafeln, welches Werk in England mit allgemeinem Beifall aufgenommen wurde, und sehr zur Verbreitung dieser vaterländischen Kunst beitrug.

Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Mechaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.

#Maximilian von Schlichtegroll

* 26.5.1823 (München)
† 6.8.1870 (Wörth/Froschweiler)
Major

#Biographieen der in dem Kriege gegen Frankreich gefallenen Offiziere der Bayerischen Armee (1871)

Major Maximilian von Schlichtegroll,

geboren zu München, den 26. Mai 1823, als der Sohn des noch lebenden kgl. Oberbauraths von Schlichtegroll.

Nachdem von Schlichtegroll das Cadeten-Corps absolvirt hatte, trat er am 15. August 1841 als Junker in das II. Infanterie-Regiment, in welchem er bis zu seiner Beförderung zum Major am 5. Juli 1866 als Unterlieutenant, Oberlieutenant und Hauptmann verblieb und einen Theil des Feldzugs 1866 mitmachte. Als Major zum 1. Infanterie-Regiment versetzt, commandirte er Ende des Feldzugs 1866 das Reservebataillon. Im Jahre 1867 wurde er vom Kriegsministerium zur großen Weltausstellung in Paris delegirt. Der Kaiser der Franzosen verlieh ihm das Ritterkreuz der Ehrenlegion. Ein weiterer Beweis, wie man höheren Orts seine militärische Bildung zu würdigen wußte, war seine Ernennung zum Mitglied der Oberstudien- und Examinationskommission.

Das Jahr 1870 sollte ihm Gelegenheit geben, seine Kenntnisse vor dem Feinde zu verwerthen. Bei Wörth stand er den Franzosen zum ersten Male gegenüber, leider sollte es auch das letzte Mal sein. Als Schlichtegroll nach heftigem Ringen sein Bataillon zum Sturm auf einen von den Franzosen besetzten Laubwald führte, da traf den Tapfern, der als leuchtendes Beispiel von Muth und Entschlossenheit an der Spitze seines Bataillons dem Feinde entgegen ging, eine Kugel in den Unterleib, die seinem Leben nach wenigen Minuten ein Ende machte. Sein Bataillon siegte, aber der tapfere Commandant sah die Früchte seines Ringens, den Lohn seiner Entschlossenheit und seines Muthes nicht mehr. In Niederbronn senkte man ihn ein; das ganze Bataillon fühlte den herben Verlust schmerzlichst und in den Augen Vieler glänzten Thränen, als die Erde sich über dem allverehrten Major schloß. Schlichtegroll verstand vor Allem die Behandlung des Soldaten, er wußte im geeigneten Momente an das Ehrgefühl des einzelnen zu appelliren; sorgte aber auch jeder Zeit wie ein Vater für die ihm unterstellte Abtheilung. Nicht minder war es ihm eigen, jüngere Offiziere in der kamerdaschaftlichsten Weise zu belehren und anzuregen.

Von Schlichtegrolls Leiche ruht zu München, wohin sie Anfangs März 1871 gebracht worden ist.

Biographieen der in dem Kriege gegen Frankreich gefallenen Offiziere der Bayerischen Armee. Nürnberg, 1871.

#MR – 215 (Messerer)


HIER RUHT
GEORG MESSERER
KOENIGL. POSTMEISTER
VORSTAND DES POSTAMTES
SCH¿
¿
ELISE MESSERER
¿ REINHARD MESSERER
¿


  • Messerer, Elise
  • Messerer, Georg; Postmeister
  • Messerer, Otto, Prof. Dr. med.; 31.1.1853 (Passau) – 1932 (München); Arzt
  • Messerer, Reinhard

Grab der Familie Messerer auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#MR – 216 (Kobell · Urlaub)


Franz
von
Kobell
1803 – 1882
Altmeister
der bairischen
und pfälzischen
Mundart-
Dichtung

Tafel
Franz von Kobell
Univ. Professor
Dialektdichter
1803 – 1882

Mr.r.216.


  • Kobell, Egid Ritter von; 7.4.1772 (Mannheim) – 17.6.1847 (München); Staatsrat
  • Kobell, Ferdinand; 7.6.1740 (Mannheim) – 1.2.1799 (München); Galeriedirektor, Kupferstecher, Landschaftsmaler und Radierer
  • Kobell, Franz; 23.11.1749 (Mannheim) – 14.1.1822 (München); Landschaftsmaler, Radierer und Zeichner
  • Kobell, Franz Wolfgang Ritter von, Dr. nat.; 19.7.1803 (München) – 11.11.1882 (München); Mineraloge und Dichter
  • Urlaub, Georg Johann Christian von; 5.1.1845 (St. Petersburg) – 29.7.1914 (Starnberg); Illustrator, Maler und Radierer

Ferdinand Kobell. Abbildung aus »Deutsche Künstler-Gallerie von Max Franck«; München, 1818.

Joseph Hauber: Ferdinand Kobell. ca. 1790. Bayerische Staatsgemäldesammlungen – Neue Pinakothek München.

Ferdinand Kobell: Abbildung aus »Livre Ou Instruction Pour Dessiner Les Paysages«; Mannheim, 1784.

Ferdinand Kobell: Abbildung aus »Livre Ou Instruction Pour Dessiner Les Paysages«; Mannheim, 1784.

Ferdinand Kobell: Flusslandschaft mit Hirten und ihrer Herde. 1784. Bayerische Staatsgemäldesammlungen – Neue Pinakothek München.

Grab der Familien Kobell · Urlaub auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

Grab der Familien Kobell · Urlaub auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

Grab der Familien Kobell · Urlaub auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

#Egid Ritter von Kobell

* 7.4.1772 (Mannheim)
† 17.6.1847 (München)
Staatsrat

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Kobell Egid, von, Ritter, 1772 (Mannheim) – 1847, Staatsrat und Generalsekretär des Staatsrats; seine berufliche Laufbahn begann K. 1789 als Geheimer Kanzlist und Sekretär der kurfürstlichen Geheimen Kanzlei in Mannheim; 1799 wurde er Geheimer Konferenzsekretär und Geheimer Sekretär im Justizministerium in München, 1808 Generalsekretär des Geheimen Rats, 1817 Wirklicher Staatsrat und Generalsekretär des Staatsrats; während dieses Amts kam er 1835 in einem Spezialauftrag nach Griechenland, wo er Gesandter in provisorischer Eigenschaft war; K. war auch an der Ausarbeitung des Entwurfs für die bayerische Verfassung von 1818 beteiligt; seine Briefe an König Ludwig I. aus Griechenland sind eine seltene Quelle über die damaligen Zustände in Hellas und die Einstellung des griechischen Volks zu den Bayern.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#Ferdinand Kobell

* 7.6.1740 (Mannheim)
† 1.2.1799 (München)
Galeriedirektor, Kupferstecher, Landschaftsmaler und Radierer

#Deutsche Künstler-Gallerie von Max Franck (1818)

Ferdinand Kobell

Landschaft-Mahler und Kupferstecher, gebohren zu Mannheim den 7. Juny 1740, gestorben den 1. Februar 1799. Durch des Kurfürsten Karl Theodors Unterstützung aufgemuntert, widmete er sich ganz dem Kunstfache, für das er sich bey einer 1768 mit dem Grafen von Sickingen gemachten Reise, und einem 18 monatlichen Aufenthalt in Paris so sehr ausbildete, daß er nach seiner Zurückkunft in seiner Vaterstadt als kurfürstlicher Kabinets-Mahler, dann Mitglied und Sekretär der dortigen Mahler-Akademie angestellt wurde. Er kam 1793 nach München, wo er auch im 59sten Jahre seines Alters starb.

Deutsche Künstler-Gallerie von Max Franck. München, 1818.

#Neues Maler-Lexicon zum Handgebrauch für Kunstfreunde (1833)

Kobell, Ferdinand, Maler und Kupferstecher, geb. zu Mannheim 1740, † als Galleriedirector zu München 1799, sollte studiren und war bis 1762 Hofkammer-Secretair; die Liebe zur Kunst machte ihn aber zum Künstler. In seinen Werken schätzt man vorzüglich die gute Wahl seiner Gegenstände und sein schönes, lebhaftes, warmes Colorit. Eine große Anzahl seiner originellen Landschaften, welche mit sehr schönen Figuren geschmückt sind, hat er eigenhändig meisterhaft und sehr geistreich geätzt. Daß seine Landschaften in Berghems Manier seyen, möchte schwer zu beweisen seyn. Kobell war zu sehr Original, um bei seinen Compositionen sich an die Manier eines Meisters zu binden.

Neues Maler-Lexicon zum Handgebrauch für Kunstfreunde. Nürnberg, 1833.

#Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte (1854)

Ueber
FERDINAND KOBELL UND SEINE RADIRUNGEN.

Einleitendes Vorwort zu der neuen Ausgabe von F. Kobell's Radirungen in 178 Platten.
Stuttgart 1842.

Die Nachrichten über das Leben des Künstlers, dessen Werke uns vorliegen und der mit diesen seinen Arbeiten eine entscheidende Bedeutung für die Geschichte der neuern Kunst hat, sind einfach und gewähren nicht eben ein romantisches Interesse. Doch ist es nothwendig, diese Nachrichten voranzuschicken, ehe wir uns zur Betrachtung der Werke wenden, indem überall erst der Künstler unter Berücksichtigung der Zeitverhältnisse und der äussern Umstände, unter denen er sich gebildet hat, gewürdigt werden kann.

Ferdinand Kobell wurde am 7. Juni 1740 zu Mannheim, der damaligem Residenz der pfälzischen Kurfürsten, geboren. Sein Vater war kurfürstlicher Rath. Der Sohn war von seiner Jugend an dazu bestimmt worden, der Laufbahn des Vaters zu folgen; er besuchte, nachdem er die gesetzliche Reife erlangt hatte, die Universität Heidelberg, und ward nach Ablauf seiner Studien als Hofkammer-Sekretair angestellt. Doch hatte sich bei ihm schon früh die Neigung zu künstlerischen Beschäftigungen hervorgethan; der Aufenthalt in dem glücklichen Heidelberg war es vornehmlich, was diese Neigung mächtig zur Blüthe trieb. Dort stehen dem Schauenden die mannigfaltigsten Bilder einer so grossartigen wie anmuthvollen Natur gegenüber. Zwischen grünen Bergen zieht sich, in weiteren und engeren Windungen, bald von sammtenen Matten eingefasst, bald tiefrothe Sandsteinfelsen in seinen Fluthen widerspiegelnd, der Neckarstrom hin. Ein Kastanienwald, der aus einer südlichen Zone hieher versetzt zu sein scheint, umgürtet das alte Heidelberger Schloss; weiter hinauf am Berge und über die andern Höhen und Thäler des Gebirges breitet sich Eichen- und Buchwald. Aller Orten zwischen den Bergen begegnet man Quellen und Bächen, die plätschernd theils zum Neckar, theils zum Rheinthal hinaus eilen, hier eine heimliche Waldwiese bewässernd, dort unter Gestrüpp und Schlingpflanzen hinmurmelnd, dort die Räder einer einsamen Mühle treibend. Von den Höhen am Rande des Gebirges blickt man über die weite Ebne, welche der Rhein durchströmt; Weingärten, reiche Saatfelder, mit Obst- oder Wallnussbäumen besetzt, Städte und Dörfer, oft mit lustigen Hopfenpflanzungen umgeben, erfüllen die Ebne, welche jenseit des Rheins durch die duftig blauen Berge des Hardtgebirges abgegrenzt wird. In Heidelberg bedarf es nur eines Ganges von zehn Minuten, wenn man Verlangen trägt, sich in die Stille und Abgeschiedenheit der Natur zu versenken. Wenn der Student mit seinem Pandektenheft ins Collegium geht, da schauen Berg und Bäume fröhlich in die Strasse nieder und rufen ihm ihren frischen Morgengruss zu; da ist es schon Manchem geschehen, dass er den Katheder des Professors vergass und wohlgemuth hinauseilte, sich ins Grüne zu lagern und den geheimnissvollen Lehren zu lauschen, welche der Geist der Natur für den verwandten Menschengeist bereit hat. Auch Ferdinand Kobell folgte dieser Stimme. Er war nicht müssig in Heidelberg; aber das Zeichenbuch ward ihm lieber als das Pandektenheft. Er liess es sich angelegen sein, die Bilder, die ihm draussen entgegentraten, mit Stift und Pinsel festzuhalten, das rastlos stille Walten der Natur im engumgrenzten Raume, in künstlerischer Gemessenheit wiederzugeben. Er hatte keinen Lehrmeister bei diesen Studien, aber die Natur war seine Lehrerin; mehr und mehr verstand er ihre Sprache und stets sichrer und deutlicher wurden die Entwürfe, in denen er diese Sprache auszudrücken suchte. Er war, neben seinen wissenschaftlichen Studien, schon ein ganz tüchtiger Landschafter geworden.

Doch waren alle diese Bemühungen vorerst ohne weitern Erfolg. Nachdem er Heidelberg verlassen, musste er, wie bereits bemerkt, in die amtliche Laufbahn eintreten. Jetzt blieben ihm nur wenig einzelne Stunden übrig, in denen er sich, ganz insgeheim, an seiner künstlerischen Thätigkeit vergnügen durfte. Dem Vater des jungen Hofkammer-Sekretairs konnte eine Leidenschaft wenig zusagen, welche alle Pläne, die er für das Wohl des Sohnes mit kluger Umsicht ins Werk gerichtet, zu zerstören drohte. Denn in der That, wenn überall die Wahl eines künstlerischen Berufes zweideutig und selbst gefahrvoll ist, so musste sie für die Verhältnisse jener Zeit und jener Gegend ganz besonders ungünstig erscheinen. Die Pfalz fing erst an, sich allmählig von den unsäglichen Leiden zu erholen, die über sie durch die Kriege, fast ein ganzes Jahrhundert hindurch, heraufgeführt waren. Die materiellen Interessen waren durchaus vorherrschend; es fehlte sowohl an Mitteln, sich künstlerisch einzurichten, als auch an Sinn für die Bedeutung der Kunst. Die Städte, das junge Mannheim nicht ausgenommen, waren arm, der Adel ohne höhere Bildung, der Glanz der Klöster, die einst der Kunst eine so reichliche Förderung gewährt hatten, war lange verschwunden; und was als das Schlimmste bezeichnet werden muss, die Kunst selbst war derjenigen Verderbniss und Entnervung verfallen, welche ihr die allgemeine Herrschaft des damaligen französischen Geschmackes bereitet hatte, so dass die wenigen Freunde des Schönen sich fast ausschliesslich nur den Werken der älteren Meister, die so hoch über denen der Gegenwart standen, zuwandten. Nur der Kurfürst allein, Karl Theodor, der im Jahre 1742 zur Regierung gelangt war, bemühte sich, für die Pflege einer höheren geistigen Bildung in seinem Staate zu sorgen. Nur von ihm konnte dem künstlerischen Talente, welches unter den ungünstigen Zeitverhältnissen und unter dem wider Willen getragenen Drucke der Amtsgeschäfte zu verkümmern drohte, Hülfe kommen, – und sie kam. Es fand sich, im Jahre 1762, die Gelegenheit, ihm einige Arbeiten des Hofkammer-Sekretairs vorzulegen. Er erkannte das darin ausgesprochene Talent, entband diesen seiner Amtsgeschäfte, und setzte ihn durch eine Pension, die er ihm grossmüthig aus seiner Privatkasse bewilligte, in den Stand, sich vollständig für den künstlerischen Beruf auszubilden.

Ferdinand Kobell, bis dahin ohne alle künstlerische Unterweisung, besuchte nunmehr zunächst die Kunstakademie von Mannheim, welche damals unter der Direction des berühmten Bildhauers Peter Verschaffelt stand. Er durfte seine Träume verwirklichen, sich frei und rückhaltlos dem Berufe hingeben, für welchen ihn die Natur bestimmt halte, durfte alles das nachholen, was bisher, bei dem ungeregelten Gange seiner künstlerischen Beschäftigungen, versäumt sein mochte. Doch sollte er auch jetzt noch den wuchtigsten Theil seiner Ausbildung dem eignen Talente zu verdanken haben. Er fand in Mannheim keinen Landschaftsmaler, der ihn in die Eigenthümlichkeiten dieses besonderen Faches der Kunst hätte einführen können. Er blieb in diesem Bezuge, ausser auf die Natur, nur auf die Vorbilder älterer Meister, welche die Gallerie von Mannheim enthielt, angewiesen; doch stand ihm bei dem Studium dieser Werke der Rath seines Freundes, des Gallerie-Inspektors Franz Pichler, hilfreich zur Seite, indem der letztere, zwar selbst kein ausübender Künstler, dem jungen Landschaftsmaler all seine Bemerkungen über das Aesthetische und Technische der Vorbilder gern mittheilte. Als Beschluss der Studienzeit ist eine Reise nach Paris zu nennen, welche Kobell als Begleiter des kurfürstlichen Gesandten am französischen Hofe, des Grafen von Sickingen, im Jahre 1768 antrat. Er verweilte in Paris achtzehn Monate.

Nach seiner Rückkehr ward Kobell zum kurfürstlichen Hofmaler und zum Professor an der Mannheimer Akademie ernannt. Von dieser Zeit ab lebte er still in seiner Vaterstadt, eifrig thätig in seinem schönen Berufe, allgemein geschätzt wegen seiner Arbeiten, von den ihm Näherstehenden wegen seiner liebenswürdigen Persönlichkeit hoch verehrt. Doch sah er sich im Jahre 1793 durch die Unruhen des Kriegs veranlasst, Mannheim zu verlassen; er ging nach München, wo er, nach dem Tode des Direktors der Mannheimer Gallerie, J. F. von Schlichten, dessen Stelle erhielt. Er starb am 1. Februar 1799.

Ein sehr grosser und wohl der bedeutendste Theil von Kobell's künstlerischer Thätigkeit bestand in der Anfertigung radirter Blätter; man zählt deren 242, theils von kleinerem, theils von grösserem Format. Neben einigen Reihefolgen mit figürlichen Darstellungen enthalten sie fast sämmtlich Landschaften. Die Daten, mit denen sie versehen sind, reichen vom Jahre 1769 bis zum Jahre 1796. Man sagt, dass die freundschaftliche Verbindung, welche Kobell in Paris mit dem berühmten Kupferstecher Johann Georg Wille und mit dem, besonders im Fache der Aetzkunst namhaften Philipp Parizeau eingegangen war, ihn vorzugsweise dazu veranlasst habe, sich mehr der Radirnadel als des Pinsels zu bedienen. Ohne Zweifel wird diese Angabe begründet sein, und gewiss muss ein solches Verhältniss für ihn sehr vortheilhaft gewesen sein, sofern es sich um die gründliche Aneignung der gesammten Technik des Radirens und Aetzens handelt. Dennoch müssen wir annehmen, dass ein tieferer Grund vorhanden war, der Kobell mehr zu der bloss zeichnenden Darstellung als zu derjenigen führte, welche sich des umfassenderen künstlerischen Mittels der Farbe bedient. Es ist in der That vorauszusetzen, dass sein Talent eine gewisse Beschränkung hatte, dass es ihn mehr dahin trieb, die landschaftliche Composition als solche, die Umzeichnung ihrer Formen, die Licht- und Schattenwirkung, sowie das Spiel des Helldunkels, – mit einem Worte: die allgemeinen Grundzüge der künstlerischen Darstellung aufzufassen und wiederzugeben, als dieselbe zugleich auch zum weichen, quellenden Leben zu erwärmen. Und mehr als wahrscheinlich ist es, dass auf eine solche Richtung sein ungeregelter Bildungsgang und die, immerhin späte Zeit, in welcher er sich erst ausschliesslich der Kunst widmen durfte, den wesentlichsten Einfluss hatten. Denn so hoch auch die Kraft des Genies zu verehren ist, so bedarf dasselbe dennoch, um vollendet in die Erscheinung treten zu können, einer frühen und folgerechten Gewöhnung, welche ihm die äussern Mittel der Darstellung zu einer leicht fliessenden Sprache macht; wir sehen es an allen, auch den bedeutendsten Künstlern, die erst im vorgerückten Alter in ihren Beruf eintraten, dass ihren Werken mehr oder weniger die Andeutung einer skizzenhaften Behandlungsweise bleibt. Um so mehr aber werden wir den richtigen Tact anerkennen müssen, der Kobell vorzugsweise in einem Fache wirksam sein liess, welches die Ansprüche, denen zu genügen er möglicherweise nicht im Stande war, fernhielt und, obschon in enger gezogenen Grenzen, die anmuthigste Entwickelung seiner eigenthümlichen Richtung und seines eigentümlichen Talentes gestattete. Wir werden annehmen müssen, dass sein Aufenthalt in Paris und das dortige, eben angeführte Verhältniss ihm das Wesen seines künstlerischen Berufs nur zum klareren Bewusstsein gebracht habe.

Wie indess diese Verhältnisse zu betrachten sind, jedenfalls gehören Kobell's Blätter zu den bedeutendsten Radirungen im landschaftlichen Fachee. Er schliesst sich mit ihnen, obwohl mehr als ein halbes Jahrhundert dazwischen liegt, unmittelbar den ähnlichen Leistungen an, welche die holländischen Meister uns hinterlassen haben; er ist der erste, der unter den Deutschen mit umfassenden Arbeiten solcher Art auftrat. Die glücklicheren Arbeiten der Holländer reichen bis in den Beginn des achtzehnten Jahrhunderts herab; unter den Deutschen zählt Kobell nur sehr wenig Vorgänger, die auf eine höhere Bedeutung Anspruch haben. Die beiden Scheits, Matthias und Andreas, um den Schluss des siebzehnten Jahrhunderts thätig, sind als solche noch nicht anzuführen; Joachim Franz Beich (1665–1748) und Peter von Bemmel (1689–1754) haben mehrere geistreiche Blätter hinterlassen, die jedoch bei diesem das Gepräge eines nur skizzenhaften Entwurfs tragen, bei jenem nicht frei von conventioneller Behandlung sind; unter den Blättern eines näheren Zeitgenossen von F. Kobell, des Franz Edmund Weirotter (1730–1773), finden sich auch nur wenige, die in edler Radirmanier durchgeführt sind. U. dgl. m. Ja, wir müssen hinzufügen, dass Kobell überhaupt als derjenige zu bezeichnen ist, der die landschaftliche Radirung, was die äusseren Elemente der Darstellung anbetrifft, zuerst auf umfassende Weise zu einer eigentlich vollendeten Durchbildung gebracht hat. Wenigstens finden sich bei den grossen holländischen Landschaftern des siebzehnten Jahrhunderts nur einzelne Blätter, in denen eine solche Behandlung erstrebt ist, die somit eine eigentlich künstlerische Beschlossenheit haben, während bei weitem die Mehrzahl durchgehend nur auf die Andeutung einer malerischen Wirkung hinarbeitet und sich mehr nur als Entwurf zu einem Gemälde, denn als ein selbständiges und für sich gültiges Ganze zu erkennen giebt. So ist es z. B. bei den meisten der im Uebrigen so geistvollen Blätter des Anton Waterloo der Fall, von denen nur einige wenige eine wirklich plastische Durchbildung zeigen: so noch ungleich mehr bei den wenigen schönen Entwürfen, die von Jakob Ruisdael radirt sind; so selbst bei den Blättern von Hermann Swanevelt, obgleich dieser mit vorzüglichem Glück auf Massenwirkung und allgemeine Haltung hinzuarbeiten versteht. U. s. w. Eine wesentliche Ausnahme macht eigentlich nur Aldert van Everdingen, der in seinen anziehenden Blättern von vornherein mehr die Zeichnung in ihrer Selbständigkeit als jene Andeutung einer malerischen Wirkung im Sinne hat, und der in der zierlichen Bestimmtheit der Umrisslinien, in der plastischen Modellirung an Fels und Bäumen vorzüglich ausgezeichnet ist. In diesen Elementen der Behandlung sind Everdingen's Blätter als die wichtigsten Vorbilder, welche Kobell vorlagen, zu nennen; aber auch sie wiederum enthalten häufig mehr nur die Angabe der Composition, als dass in ihnen überall die Mittel, welche schon die Zeichnung an sich gewährt, und besonders die ganze Wirkung des Helldunkels, zur vollkommenen Erscheinung kämen.

Doch nicht bloss in der gründlicheren Feststellung der Technik beruht die Bedeutung von Kobell's Radirungen; sie sind zugleich die schönsten Zeugnisse für das neue sinnvolle Eingehen auf das stille Wirken der Natur in ihrer schlichten Reinheit, welches zu jener Zeit in Deutschland erwachte, welches die Fesseln des französischen Geschmackes, der selbst in Wiese und Wald seine knechtische Unnatur hinausgetragen hatte, von sich warf und den neuen Aufschwung der Kunst einleitete, dessen wir uns heutiges Tages erfreuen. Wir haben Kobell mit seinen Radirungen als einen der glücklichsten Vorkämpfer für solche Bestrebungen anzuerkennen; seine Wirksamkeit musste um so grösser sein, als das scheinbar kleine Fach, welches seine vorzüglichste Thätigkeit ausmachte, die zahlreichste Verbreitung seiner Leistungen gestattete. Man hat es beklagt, dass Kobell, ausser jener Reise nach Paris, die deutsche Heimat nicht verlassen, dass er namentlich nicht in dem glänzenden Italien seine künstlerischen Studien gemacht habe; man meint, sein Talent würde sich dann in grösserem Reichthum entfaltet haben; aber es dürfte sehr in Frage zu stellen sein, ob eine grössere Mannigfaltigkeit der Erscheinungen nicht vielleicht seinen Blick verwirrt, nicht die Reinheit, die keusche Naivetät der Auffassung, die in seinen Blättern vor Allem so anziehend wirkt, getrübt haben möchte. Auch bot ihm schon seine nächste Heimat des Schönen und Anmuthigen gar viel. Ja, es ist fast auffallend, dass er die vorzüglich grossartigen, die vorzüglich malerischen Bilder, die sich ihm bei den Spaziergängrn und bei kleinen Studienreisen in der Heimat selbst darbieten mussten, keineswegs so benutzt hat, wie es unzweifelhaft ein Landschaftsmaler des heutigen Tages thun würde. Wir finden in seinen Radirungen Nichts, was an die wundersame Romantik des Heidelberger Schlosses, das in seiner Zerstörung einen so mächtig phantastischen Reiz ausübt, erinnerte; Nichts, was etwa dem zweiten Glanzpunkte des Neckarthales, der gegend von neckarsteinach, entnommen wäre; Nichts, was auf die so ganz eigethümlich malerischen Theile des Hardtgebirges, namentlich auf die Umgebungen von Anweiler, oder was auf die weiter nördlich belegenen romantischen Theile des Rheinthales hindeutete. Im Gegentheil zeigt sich bei Kobell, bis auf einzelne Ausnahmen, die durch einen, hievon ganz verschiedenartigen Einfluss hervorgebracht sind und von denen weiter unten die Rede sein wird, eine sehr entschiedene Vorliebe für die einfachste landschaftliche Situation. Von der sogenannten heroischen oder allgemeiner, von der idealischen Landschaft finden wir nur vorübergehende Andeutungen in seinen Blättern; es ist die Natur in ihrer grössten Einfalt und Stille, die Verbindung derselben mit dem schlichtesten menschlichen Verkehr, was er am häufigsten und mit vorzüglichstem Glücke darstellt.

Eine solche Richtung der landschaftlichen Darstellung war aber durchaus nothwendig, wenn überhaupt mit Erfolg ein reineres Streben in das betreffende Kunstfach eingeführt werden sollte; man konnte von der Unnatur nur frei werden, indem man mit voller Absicht und Entschiedenheit auf die naivste Natürlichkeit der Natur zurückging. Dasselbe Bestreben tritt uns zu jener Zeit in Deutschland auch in andern Beziehungen und in nicht minder anerkennungswürdiger Weise entgegen. Für das Fach der figürlichen Darstellung erinnere ich hier nur an die unnachahmliche Naivetät, durch weiche Chodowiecki's Kupferblätter einen so hohen Werth behalten. In der Poesie zeigt sich ganz dieselbe Auffassung der Natur. Hier klingt sie schon im Anfange des Jahrhunderts durch den, mit Unrecht fast vergessenen Brockes herein; entschiedener bei Kleist; ihren Culminationspunkt erreicht sie in Gothe's Werther (1774). Die Naturschilderungen, die zu den wesentlichsten Schönheiten des Werther gehören, sind in der That den Darstellungen, welche Kobell mit Vorliebe giebt, auffallend verwandt; auch ist hier ein völlig gleiches Verhältnis zu den Bildern der Natur, welche dem Dichter bei der Abfassung seines berühmten Buches vorschwebten. Es ist bekannt, dass die Lokalität und die damaligen geselligen Verhältnisse von Wetzlar die Grundlage zum Werther ausmachen. Wer das liebliche Thal des Lahnflusses kennt, in welchem Wetzlar liegt, findet es vielleicht ähnlich auffallend, dass Göthe uns durchweg nur in die schlichtesten und stillsten Situationen jener Gegend einführt, dass er Alles, was einen höhern, romantisch landschaftlichen Reiz darbietet, ganz unberührt lässt, und dass sich in seinem Buche auch nicht die leiseste Hindeutung auf so glänzend malerische Punkte, wie die Gegend des unfern belegenen Weilburg oder wie die von Limburg, findet.

Bei solcher Richtung erscheint Kobell jedoch durchaus nicht als einseitiger Naturalist; im Gegentheil tritt in seinen Radirungen durchweg die vollste und gemessenste künstlerische Besonnenheit hervor. Hierauf deutet schon, was oben über das Allgemeine der technischen Durchbildung seiner Blätter gesagt ist. Auch lässt sich in den letzteren ein klar vorschreitender Bildungsgang ziemlich deutlich verfolgen. Wir sehen, wie er sich, allerdings zwar auf der Grundlage einer selbständigen Naturanschauung, durch das Studium der älteren Meister zum vollkommenen Bewusstsein über die Grundsätze seiner Kunst entwickelt. So tragen zunächst diejenigen Arbeiten, die in der Zeit seines Pariser Aufenthaltes und in den nächstfolgenden Jahren gefertigt wurden, das Gepräge der holländischen Landschaftschule, die als ein gewiss sicherer und gültiger Wegweiser betrachtet werden muss, wenn man die ruhige Einfalt der Natur auf künstlerische Weise zur Darstellung bringen will. Hieher gehören auch die wichtigeren unter den Blättern, in welchen Kobell figürliche Darstellungen gegeben hat. Dann wendet er sich auf eine kurze Frist derjenigen Richtung der Landschaft zu, welche die Natur in einer mehr idealen Weise, mehr nach dem Vorbilde der Gegenden Italiens, behandelt und welche besonders durch die beiden Poussins und deren Nachfolger vertreten wird. In dieser Periode tritt Kobell allerdings mehr oder weniger aus seiner sonstigen Eigenthümlichheit heraus; doch auch in den Darstellungen dieser Zeit erscheint die ihm eigne Einfachheit der landschaftlichen Situation zumeist vorherrschend. Bald aber verlässt er auch diese Richtung und zeigt sich nunmehr in seiner vollen Selbständigkeit, die mit grösserer oder geringerer Entschiedenheit nur das Vorbild der heimischen Natur befolgt. Einzelne unter den Blättern seiner dritten Periode enthalten zwar Compositionen, die wiederum auf eine gewisse Grossartigkeit des Eindruckes hinzuarbeiten scheinen, aber auch hier ist die Fassung so, dass sie dennoch dem einfach schlichten Verkehr des Lebens und Daseins nahe gerückt werden. So behalten z. B. seine grösseren Darstellungen von Wasserfällen durch den malerischen Bau der Holzbrücken, die er hier über das Wasser führt, ganz das Trauliche, menschlich Gemüthliche, was auch seine schlichtesten Scenen so ansprechend macht.

Ferner ist zu bemerken, und hierin besteht wieder ein sehr wesentlicher Vorzug seiner Blätter, dass sie durchweg ein vollendetes, in sich beschlossenes künstlerisches Ganzes ausmachen. Wie einfach die Scene der Natur oder des in ihr vorgehenden menschlichen Verkehrs, die er uns vorführt, auch sein mag, überall hat sie ein bestimmt charakteristisches Gepräge, überall spricht sich in ihr eine entschiedene Stimmung aus, überall ist sie vollkommen ausgerundet und beendet. Die Linienführung erscheint durchweg harmonisch, Licht und Schatten und Alles, was dem Elemente des Helldunkels angehört, durchweg in gemessener Haltung. Alles in seinen Blättern ist freie und wahre künstlerische Conception. Er hat fast nie eine sogenannte Vedute gefertigt, fast nie eine vorhandene Scene der Natur für seinen Bedarf ohne Weiteres nachgeschrieben. Ja, er ging in dieser freien Auffassung der Natur so weit, dass er, seit er von seiner Pariser Reise zurückgekehrt war, kaum noch Studien nach der Natur machte; nur Einzelheiten, deren er etwa für die Vorgründe der Bilder bedurfte, pflegte er seit dieser Zeit nach der Natur zu zeichnen; im Uebrigen war er nur bemüht, ihre Erscheinungen mit dem Auge aufzufassen und unmittelbar dem Gedächtnisse einzuprägen, indem er gern äusserte, dass man mit jenen Studien doch nie der Wirklichkeit nahe komme und dass sie nur als ein Spott auf das Vermögen der Kunst erschienen. Gleichwohl spricht sich auch im Einzelnen seiner Darstellungen die feinste Beobachtungsgabe aus, und nicht minder ein sehr glücklicher Sinn, das Einzelne in seiner Mannigfaltigkeit und Verschiedenheit mit den beschränkten Mitteln der Radirnadel charakteristisch anzudeuten. Alles dieses hat unsern Künstler zu einer feinen stylistischen Behandlung der Landschaft geführt, wie solche bei der künstlerischen Darstellung überhaupt, besonders aber bei der obengenannten beschränkteren Darstellungsweise nöthig ist.

Hiebei darf indess nicht verschwiegen werden, dass Kobell in dieser Stylistik zuweilen um einen Schritt zu weit geht, dass das Streben nach Gemessenheit seiner Darstellung zuweilen eine, wenn auch nur leise Andeutung von conventioneller Manier giebt. Dies zeigt sich besonders da, wo er sich bemüht, das Laub der Bäume in grösseren Massen zusammenzuhalten und solchergestalt eine mehr plastische Wirkung hervorzubringen. Ohne Zweifel erklärt sich dieser Uebelstand – denn so müssen wir es allerdings nennen – zunächst durch die eben angeführte Weise des Studiums, welche er in der langen Zeit seiner späteren künstlerischen Thätigkeit befolgte. Wie lebendig er das unmittelbare Vorbild der Natur wiederzugeben vermochte, ergiebt sich, um nur Ein Beispiel anzuführen, aus dem schönen Blatte von seiner Hand, welches die Inschrift führt: »Imm Neckarauer Wald. 1779. Ferd. Kobell.« Dies Blatt erscheint, ausnahmsweise, als eine blosses Studium, es hat auch nicht die volle Beschlossenheit, die sonst seinen Arbeiten eigen zu sein pflegt; dafür aber tritt hier die meisterlichste Freiheit in Auffassung und Behandlung hervor. Aber indem Kobell im Ganzen, wie bemerkt, mehr mit dem Auge als mit der Hand studirte, indem er dem Gedächtnisse vielleicht zu viel zutraute, gerieth er dahin, wiederum in Etwas von der vollen Naturwahrhhit abzuweichen. Doch ist auch für diese Erscheinung noch ein tieferer Grund zu suchen. Kobell steht erst im Beginn einer neuen und freiern Zeit; es ist, in Gemässheit aller menschlichen Entwickelungs-Verhältnisse, sehr natürlich, dass er die Gesetze der alten nicht mit einem Schlage vollständig abzuschütteln vermochte, dass diese Gesetze auch noch auf ihn, obschon er ihr Gegner war, eine leise, doch immerhin erkennbare Nachwirkung äusserten. So löst sich von selbst der Widerspruch, dass er, für die freie Naturwahrheit in der Kunst mit glücklichstem Erfolge wirkend, dennoch zugleich unter dem Einflusse einer in Etwas conventionellen Naturauffassung erscheint.

Doch ist dieser Uebelstand schon an sich nur gering und zugleich, wie bemerkt, unmittelbar mit einem sehr gültigen Streben verbunden. Er tritt aber noch ungleich mehr zurück, wenn man die anderweitigen, so erheblichen Vorzüge der Kobell'schen Blätter, von denen bereits die Rede war, in Erwägung zieht. Blickt man gar auf andre Arbeiten, die gleichzeitig mit diesen im Fache der landschaftlichen Radirung entstanden, so wird man sehr geneigt, den kleinen Fehler völlig zu übersehen. Man vergleich z. B. die berühmten Radirungen des Salomon Gessner mit den seinigen. Auch hier sehen wir ein ausgezeichnetes Talent für landschaftliche Darstellung, auch hier in einigen wenigen Blättern eine freie Wahrheit in Auffassung und Behandlung; aber bei Weitem die Mehrzahl von Gessner's Blättern verliert sich in eine südliche Sentimentalität, welche die keusche Einfalt der Natur aufs Neue, und zwar in sehr durchgreifender Weise, in conventionelle Bande schlägt.

So nehmen Kobell's Radirungen eine durchaus ehrenvolle und bedeutsame Stelle in der Geschichte der neueren Kunst ein. So gewähren sie dem Freunde der Darstellungen einer schlichteren Natur einen vorzüglich reichhaltigen und nachwirkenden Genuss. So sind sie, wie wenig andre ihres Faches, sehr wohl geeignet, dem jungen Künstler zum Studium zu dienen, ihm über die wichtigsten Punkte, welche bei der landschaftlichen Zeichnung zur Sprache kommen müssen, mannigfachen Aufschluss zu gewähren, und nicht minder auch in den Kunstschulen als höchst brauchbare Vorbilder benutzt zu werden. Der neue Abdruck der Platten, die sich ihm erhalten haben, wird demnach ohne Zweifel mit Beifall aufgenommen werden. Es sind dieselben, die bereits im Jahre 1809 bei J. F. Frauenholz in Nürnberg, unter dem Titel: »Oeuvre complet de Ferdinand Kobell« etc., doch nur in einer sehr geringen Auflage erschienen. Eine kleine Anzahl andrer Platten war bereits früher in Paria herausgegeben; es scheint, dass diese untergegangen sind. Dasselbe ist mit Zuversicht von den Platten andrer Kobell'schen Radirungen anzunehmen. Ein Verzeichniss der sämmtlichen Radirungen Kobell's, in welchen die Platten des ehemals Frauenholz'schen Verlags durch ein Sternchen bezeichnet sind, ist von einem vieljährigen Freunde des Künstlers bearbeitet und mit biographischen Nachrichten über den letztem im Jahre 1822 herausgegeben. Es führt den Titel: »Catalogue raisonné des estampes de Ferdinand Kobell. Par Etienne Baron de Stengel.

Franz Kugler: Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte. Stuttgart, 1854.

#Allgemeine Deutsche Biographie (1882)

Kobell: Ferdinand K., kurfürstlicher Cabinetsmaler und Galleriedirector; geb. am 7. Juni 1740 in Mannheim, † am 1. Febr. 1799 in München. In der 2. Hälfte des vorigen Jahrhunderts sind aus der Familie Kobell (früher auch Köbel) acht Künstler hervorgegangen; drei derselben (Ferdinand, Franz, Wilhelm) gehören der deutschen, fünf (Hendrik, Anna und drei Jan) der holländischen Malerschule an, und behaupten sämmtliche vermöge ihrer namhaften Leistungen einen geachteten Platz in der neueren Kunstgeschichte. Der Ahnherr dieser Kobell ist Ferdinands Großvater, Johann Heinrich Kobell, der gleich seinen Vorfahren aus Oberhessen stammend im Juni 1716 zu Frankfurt a. M. den Bürgereid schwur und im Sommer 1720 (vielleicht aus Anlaß des verheerenden Brandes vom Juni 1719) nach Mannheim übersiedelte, wohin Kurfürst Karl Philipp III. vor kurzem von Heidelberg die Residenz verlegt hatte.

Joh. Heinrichs ältester Sohn, Balthasar ging in kurfürstlichen Finanzdienst, wurde »Collector (d. i. Einnehmer, Pfleger) der Heidelberger geistlichen Administration« in Mannheim, zuletzt Rath bei der kurfürstlichen Finanzkammer daselbst und starb in dieser Eigenschaft mit Hinterlassung zweier Söhne: Ferdinand und Franz (s. d.). Johann Heinrichs jüngerer gleichnamiger Sohn wanderte nach dem Niederrheine, nach Rotterdam. Dort leistete er am 9. Decbr. 1755 den Eid als städtischer Vollbürger, gründete ein Geschäft mit englischen Fayencen (engelsch Aardewerk) und wurde Stifter des holländischen Zweiges der Familie, auf den wir am Schlusse des Artikels kurz zurückkommen werden.

K. besuchte nach erlangte Reife die benachbarte Universität Heidelberg und hörte daselbst nach dem Wunsche seines Vaters rechtswissenschaftliche Collegien. Allein es wirkten damals an der Carolina-Ruperta keine namhaften Kräfte; Vortrag und Methode waren trocken und der junge Candidat konnte dem Corpus juris und dessen Glossatoren keinen Geschmack abgewinnen; noch in späteren Jahren sprach er mit einer gewissen Abneigung von dem »starren, nüchternen Formenwesen, von der Herzenshärte« der Juristen. Dagegen fühlte er sich von der lieblichen Landschaft um Heidelberg mächtig angezogen. An manchem dies academicus, vielleicht auch an manchem Collegientage durchstreifte er das anmuthige Neckarthal, die Bergstraße, die Höhenzüge der Hardt. Dort zeichnete er eifrig nach der Natur, und die Skizzenbücher gaben Zeugniß von seinem angeborenen Talente wie von seinen wachsenden Fortschritten. So war er am Schlusse seines akademischen Lebens mit dem Zeichnen und Malen wol besser vertraut als mit den Institutionen und Pandekten; doch bestand er das juristische Examen befriedigend und wurde alsbald (1760) Secretär an der kurfürstlichen Hofkammer. Allein das einförmige Bureauleben war nicht nach Kobell’s Geschmack; er benutzte deshalb jede freie Stunde, um im Verkehre mit befreundeten Künstlern sich im Zeichnen und Malen zu vervollkommnen. Er fertigte bereits ganz tüchtige Arbeiten, von denen Kurfürst Karl Theodor 1762 mehrere zu Gesicht bekam. Karl Theodor liebte die Kunst und förderte deren Pflege auch deshalb, weil es ihm gefiel, als Mäcenas gefeiert zu werden, wie denn selbst Lessing Mannheim eine Vorhalle der Kunst und Kunstbildung pries. Nach den vorhandenen Rechnungen verwendete Karl Theodor für Kunstzwecke während seiner 22jährigen Regierung 35 Millionen Gulden, eine Summe, welche allerdings nicht mit dem im Einklange steht, was durch sie erreicht wurde.

Der Kurfürst erkannte das Talent des jungen Mannes, gestattete ihm den Austritt aus dem Staatsdienste und wies ihm zugleich ein Kunststipendium an. Wol kein Staatsdiener hat seiner Laufbahn mit ihren Ehren und Auszeichnungen freudiger Lebewohl gesagt, als K., der nun mit dem Feuereifer der Jugend unter der Leitung des kürzlich aus Gent als Akademiedirector nach Mannheim berufenen Peter Verschaffelt seinem neuen Berufe oblag. Auf Unterweisung in seinem speciellen Fache, der Landschaft, mußte er allerdings verzichten, da kein Lehrstuhl für Landschaftsmalerei bestand; und dieselbe überhaupt seit Brinkmann’s Ableben (1761) ohne Vertretung war. K. verblieb somit auf die Natur – allerdings die beste Lehrmeisterin – und auf die Vorbilder der älteren Maler angewiesen; doch gab ihm der feinfühlige Gallerieinspector Franz Pichler manch‘ werthvolle Winke über die Maltechnik der älteren Meister und über deren Compositionsweise sowie über deren Behandlung des Stoffes, welche Winke der strebsame Künstler nicht unbeachtet ließ. 1768 ging Graf Sickingen als a. o. kurbaierischer Gesandter an den Versailler Hof. K. begleitete ihn mit Genehmigung des Kurfürsten, hielt sich 18 Monate in Paris auf und studirte von Graf Sickingen eingeführt in den Künstlerwerkstätten und Staatsammlungen, so daß Kobell’s Pariser Aufenthalt als Abschluß der Studienzeit angesehen werden kann. Nach seiner Rückkunft (1769) wurde er kurfürstlicher Cabinetsmaler, bald darauf Secretär und Professor der Akademie zu Mannheim, in den letzten Jahren seines Lebens (Januar 1798) nach J. F. Schlichter’s Abgang Director der dortigen Gallerie. K. führte in seinem »kleinen Hause« im Kreise der Familie mit einigen gleichgesinnten Freunden ein stilles behagliches Künstlerleben. Frau v. La Roche, Wieland’s Jugendfreundin, welche während ihres Mannheimer Aufenthaltes häufig mit K. verkehrte, giebt im zehnten ihrer Mannheimer Briefe eine anziehende Schilderung von Kobell’s Wesen und Hause, »in dem es jedem gutgesinnten Menschenkinde so wohl ist!« Die Natur selbst (fährt sie fort) mußte K. zu ihrem Maler bestimmen. Er zeigt sich wie eine offene, fruchtbare Landschaft voll schöner Anhöhen und Felder, bei jedem Schritte, den man vorwärts geht, vermehren sich Anmuth und Reichthum. Ebenso ist’s mit Kobell’s Unterredung; je weiter sie geht, je mehr Kenntnisse seines Geistes, je mehr Güte seines Herzens wird sichtbar. Einen verwandten Eindruck gewinnt man aus den Briefen an dessen Söhne; wir lernen ihn hier als sorgsamen Familienvater, als edlen Menschenfreund, als warmen Patrioten kennen. Mit reger Theilnahme folgt er den politischen und kriegerischen Vorgängen; der Zerfall des Reiches, dessen Ohnmacht und Zerrissenheit bewegen ihn schmerzlich. Mehrere Briefe aus den letzten Jahren seines Lebens tragen deshalb eine trübe Färbung. »Mein gutes, deutsches Vaterland« (schreibt er im Januar 1798) »was bist du geworden, und was werden die Menschen wol aus dir machen? Welch’ grausames Spiel treibt man mit Dir? Es ist meiner Vernunft nicht möglich zu glauben, daß Alles jenseits des Rheins französisch werde und bleibe.«

1793 sah sich K. durch die drohenden Kriegsgefahren veranlaßt mit seiner Familie nach München zu übersiedeln, wohin der Hof bereits 1778 gezogen war. Dort fand er neue, ungewohnte Verhältnisse, und es beschlich ihn Sehnsucht nach der heimathlichen Pfalz und den Pfälzer Freunden. »Bacchus kennt diese Gegend (d. i. Altbaierns) nicht; – (klagt er brieflich wenige Monate nach seinem Umzuge) – seit der Schöpfung ward hier kein Thyrsusstab geschwungen, kein Bacchanal gefeiert; nie röthet da die Octobersonne eine Rubintraube und von den Hügeln strömt nie der göttliche Stoff, der süße Wein in den goldenen Becher.« Allein alsbald fand sich der liebenswürdige, anspruchslose Mann auch an seinem neuen Wohnorte zurecht, wo er nach kaum sechsjährigem Aufenthalte am 1. Febr. 1799 starb. K. war nach dem Zeugnisse Meusel’s, Füßli’s, Lipowsky’s und anderer Kunstschriftsteller ein von seinen Zeitgenossen hochgeachteter Künstler, der seine Stoffe mit künstlerischem Verständnisse und treuer Wiedergabe der Natur ausführte. Namentlich wird die Darstellung seiner Bäume und die glückliche Vertheilung von Licht und Schatten gerühmt, wodurch die Bilder trotz ihrer Einfachheit auf den Beschauer effectvoll wirken. Nach Manlich’s Catalog befanden sich in der Münchner Gemäldesammlung zwei Bilder. Vier sind in Schleißheim untergebracht. Neben zwei kleinen Landschaftsbildchen (Nr. 455 und 456) befindet sich dort ein Thalgrund mit Aussicht auf die Ebene, im Vordergrunde eine Hirtenfamilie mit Heerde; das 4. Bild »Am Rhein« zeigt eine mit Figuren belebte Straße zwischen hohen Bäumen und einem Hause am Ufer, auf dem Flusse ziehen Kähne und Schiffe. Ein großer und wol der hervorragendste Theil seiner Kunstleistung besteht in seinen Radirungen; man zählt 242 Blätter, welche neben einigen figürlichen Darstellungen fast sämmtlich Landschaften enthalten. K. besorgte selbst mit großer Sorgfalt den Druck der Platten, welche er in der Periode von 1769 bis 1796 fertigte. Sein langjähriger Freund Stephan Freiherr v. Stengel, hat unter dem Titel: Catalogue raisonné des estampes de Ferd. Kobell, Nuremb. 1822 eine sorgfältige Beschreibung jedes einzelnen Blattes geliefert und in der Vorrede einige biographische Notizen mitgetheilt. Kobell’s Blätter sind für die deutsche Aetzkunst deshalb von hohem Belange, weil er der erste deutsche Meister ist, welcher die landschaftliche Radirung bezüglich der äußeren Elemente der Darstellung zu einer vollendeten Durchbildung gebracht hat. K. suchte absichtlich die einfachsten landschaftlichen Situationen, den schlichtesten menschlichen Verkehr; indem er das stille Wirken der Natur in ihrer Reinheit und Einfalt wiedergab, leitete er den Aufschwung unserer Kunst ein, welche sich auf diesem Wege allmählich von den Fesseln des französischen Geschmackes befreite. In den Arbeiten kann man drei Perioden unterscheiden. Nach der Rückkehr aus Paris folgte er den Holländern, dann wandte er sich mehr der idealen Richtung eines Poussin zu, bis er endlich in voller künstlerischer Selbständigkeit auftritt, wobei ihm die heimische Natur als Vorbild diente. In dieser dritten Periode ist namentlich die Luft in so meisterhafter Art behandelt, wie man es auf Radirungen selten wieder findet. Nach der Pariser Reise hat unser Künstler wenig Naturstudien mehr gemacht; nur Einzelheiten, etwa Vordergründe zu seinen Gemälden, Felspartien, Pflanzengruppen u. Aehnl. pflegte er nach der Natur zu zeichnen, im Uebrigen faßte er die Erscheinungen nur mit dem Auge auf, und prägte sie dem Gedächtniß ein, indem er bemerkte: man komme mit jenen Studien der Wirklichkeit doch nicht nahe, und erschienen sie wie ein Spott auf das Vermögen der Kunst. Hierdurch gelangte er zu einer stilistischen Behandlung der Landschaft ohne einer einseitigen naturalistischen Richtung zu verfallen. 1809 erschien bei Frauenholz in Nürnberg unter dem Titel: Oeuvre complet de Ferd. K. etc. eine Sammlung von 179 Kobell’schen Radirungen, welche auf 79 Bogen in Fol. gedruckt sind. 1842 veranstaltete Cotta in Tübingen eine neue Auflage in 178 Platten, wozu Kugler ein einleitendes Vorwort verfaßte. Aus Kobell’s Ehe mit Anna Lederer, einer Beamtenstochter aus Düsseldorf, gingen 7 Kinder hervor, darunter 4 Söhne. Der Aelteste, Innocenz (geb. 1765) wandte sich der juristischen Laufbahn zu und starb 1838 als Oberappellationsgerichtsrath zu München, der zweite, Wilhelm (1766–1853 s. u. S. 357), trat in die Fußstapfen seines Vaters; der dritte Sohn Aegid (1772–1847 s. o. S. 349) war Generalsecretär des baierischen Staatsrathes, Mitglied der Regentschaft in Griechenland, baierischer Gesandter in Athen und starb zu München als Staatsrath i. ord. Dienste; der vierte, Franz (geb. am 29. Decbr. 1779, † am 13. Octbr. 1850), ein wegen seiner reichen Geschäftserfahrungen sehr geschätzter Beamter, bekleidete zuletzt mit dem Titel eines geheimen Rathes lange Jahre die Stelle eines Referenten und Generalsecretärs im Staatsministerium des Innern; sein ältester Sohn ist der auch als Dialektdichter und Jagdschriftsteller wohlbekannte Münchner Universitätsprofessor, geheimer Rath Dr. Franz v. K.

Kobells Porträt nach J. Hauber’s Oelbild von Schlotterbeck 1806 gestochen ist der Frauenholz’schen Ausgabe seines Werkes als Titelkupfer beigegeben. Ein zweites Porträt Kobell’s aus dessen späterer Lebenszeit, von dessen Freund Dorner auf Leinwand gemalt, ist im Besitze der Familie. Auch auf einem Wandgemälde des baierischen Nationalmuseums von Palmer, welches Mannheims Künstlerkreis zur Zeit Karl Theodors vorführt, ist K. neben der Pianistin Fanny Danzi sitzend mit großer Porträtähnlichkeit abgebildet.

Bei dem nahen Zusammenhange des holländischen Zweiges der Familie mit dem baierischen (der Stifter des ersteren war ein Oheim Kobell’s und ist in Deutschland geboren und erzogen) soll der hervorragenderen Mitglieder dieses holländischen Zweiges hier kurz Erwähnung geschehen. Kobell’s Onkel Heinrich K. zog, wie oben schon erwähnt, nach Rotterdam und hinterließ 2 Söhne: Hendrik (Heinrich) und Jan (Johann), welche beide sich der Kunst widmeten.

Hendrik K. jun., Maler und Radirer, geb. am 13. Septbr. 1751 zu Rotterdam (nicht zu Mannheim, wie Füßli, Meusel u. A. behaupten), † am 3. August 1799 daselbst. Von seinem Vater für den Kaufmannsstand bestimmt und deshalb zu weiterer Ausbildung nach England, besonders London gesandt, kehrte er von dort 1770 mit dem Entschlusse zurück, sich als Künstler auszubilden; er arbeitete in Amsterdam 2 Jahre bei Jakob de Vos und Cornelius Ploos van Amstel mit überraschendem Erfolge und wählte nach einem Ausfluge nach Paris (bei welcher Gelegenheit er auch seine pfälzischen Verwandten besuchte), 1774 Rotterdam zu seinem ständigen Aufenthalte. In einem Fieberanfalle sprang er aus einem Fenster auf die Straße und starb in Folge dieses Sturzes, frühzeitig eine mit Ruhm betretene Laufbahn endend. Er malte Landschaften, Nacht- und besonders Seestücke, welche durch Präcision der Zeichnung, Feuer der Composition und Kraft der Ausführung hervorragen. Fokke, Brookshaw, de Sallicth u. A. haben nach ihm in Kupfer gestochen. Auch K. selbst hat einige kleine Blätter geistreich geätzt; das Vorzüglichste aber was er geleistet, besteht in seinen Aquarellen und getuschten Zeichnungen. Er nennt sich auf seinen Werken: »K. junior« vielleicht im Gegensatze zu seinem älteren Vetter Ferdinand. 1771 wurde er Mitglied der Akademie »Pax artium nutrix«, am 30. Octbr. 1774 verehelichte er sich mit Anna Deter v. Delfshaven. Von seinen beiden Söhnen wurde Jan ein berühmter Maler.

Jan K., Kupferstecher, geb. 1756 zu Rotterdam, † am 15. Juli 1833 dortselbst. Ein jüngerer Bruder des Hendrik K. (s. o.) Er bildete sich als Zeichner und Kupferstecher aus. Sein Hauptwerk sind Stiche anatomischer Tafeln des Prof. Bleuland, die er in Verbindung mit van der Jegt colorirt herausgab. 1787 fertigte er eine Reihe historischer Porträts. Er trieb nebenbei einen Kunsthandel, der nur in knapper Weise die Bedürfnisse seiner Familie zu decken vermochte.

Jan K., geb. um das J. 1779 zu Delfshagen (nicht 1782 wie Meusel, Füßli u. A. anführen) † am 23. Septbr. 1814 zu Amsterdam. Jan, ein Sohn des Hendrik und Neffe des Stechers Jan K., verlor schon im zarten Kindesalter beide Eltern und wurde daher im Waisenhause der Jansenisten zu Utrecht erzogen. Da er ein überraschendes Zeichentalent an den Tag legte, kam er zu Willem Rütger van der Wall in die Lehre, bei dem er so auffallende Fortschritte machte, daß seine Leistungen die Aufmerksamkeit der Kunstkenner auf sich zogen und die 4. Classe des königlichen niederländischen Institutes ihn zum Mitglied erkor. 1812 reiste er nach Paris, und brachte zur dortigen Ausstellung »eine Weide mit 3 Thieren am Ufer«. Der Künstler erhielt hierfür die goldene Medaille und Landon bezeichnete im 2. Theile seines Salon de 1812 K. als einen Meister, »welcher sich durch Neuheit der Composition und Ursprünglichkeit des Pinsels auseichnet«. Nun war das Glück des Künstlers gemacht; von allen Seiten liefen Bestellungen ein und seine Bilder wurden theuer bezahlt. Solch überraschender Erfolg scheint ihn geblendet und allmählig seine Gehirnnerven angegriffen zu haben; es litten seine geistigen Kräfte und hierdurch auch seine Leistungsfähigkeit. Er starb erst 34 Jahre alt am 23. Septbr. 1814 im Vorstadtspital (Builtengasthuis) zu Amsterdam ohne Nachkommen und wurde in der dortigen Neuenkirche unter großem Geleite der Künstlergenossenschaft, welche ihn als ihren ersten Thiermaler verehrte, zur Ruhe bestattet. Ums J. 1813 hatte er die Kapitänstochter Getruida Maria Stöte geheirathet; allein die Ehe fiel unglücklich aus; K. trennte sich bald von seiner jungen Gattin und ging nach London, wo er bis kurz vor seinem Tode lebte. K. nimmt in der künstlerischen Darstellung von Landschaften mit Thierstaffage (Pferden, Kühen, Schafen und Ziegen) durch seine vorzügliche Technik und richtige Zeichnung unter den holländischen Malern den ersten Rang ein. Seine Arbeiten erinnern ganz an den Stil und das Colorit Paul Potters, den er sich zum Vorbilde genommen, ohne jedoch zum bloßen Copisten herabzusinken. Kobell’s Gemälde blieben auch nach seinem Tode sehr gesucht und wurden hiefür hohe Preise bezahlt. Bei dem Verkaufe von Bleuland’s Nachlasse (1830) wurden für Kobell’sche Oelbilder 1200, 1430 und 2835 fl. gezahlt. Man besitzt von ihm auch einige vorzügliche Stiche, von denen einzelne, namentlich im Abdrucke auf farbigem Papier eine große Seltenheit sind – über dessen Porträte ist das Nähere in Kramm’s holländ. Künstlerlexikon zu finden.

Jan K., Landschaftsmaler, geb. am 18. April 1800 zu Rotterdam, † am 8. Novbr. 1838 dortselbst, Sohn des Kupferstechers und Kunsthändlers Jan K. und Vetter des eben besprochenen Thiermalers Jan K. Auf der Akademie seiner Vaterstadt gebildet, malte er schon im 17. Jahre einen kleinen Kuhstall, welches Bild im königlichen Museum zu Haag aufgestellt ist; 1830 vollendete er sein Hauptwerk mit lebensgroßen Thieren ganz nach der Natur, das er nach Paris verkaufte. Im Kunstblatt von 1836 wird eine Landschaft mit Kühen gerühmt, welche bei größter Einfachheit und markiger Behandlung sehr eigenthümlich wirkt. K. studirte mit großem Eifer nach der Natur und malte ausschließend Landschaften mit Thierstaffage. Auch ihm war ein kurzes Lebensziel gesteckt, da er im Alter von nur 38 Jahren unvermählt starb. Seine Schwester Anna K., geb. 1795 in Gouda, war gleichfalls eine geschätzte Künstlerin und befinden sich einige ihrer Arbeiten in holländischen Privatsammlungen. Sie blieb gleich ihrem Bruder unverheirathet, und starb zu Rotterdam 7. Septbr. 1847, 52 Jahre alt.

(Ferd. Kobell) Catalogue raisonné de Ferd. Kobell p. Et. Bar. de Stengel – Huber und Rost, Handbuch f. Kunstliebhaber etc. Bd. I. S. 252. – Mannlich, Beschreib. der churpfälz. Gemäldesamml. I, S. 238. II, Nr. 233 u. 287. – Kugler’s kleine Schriften etc. 3. Th. S. 363–70. (Ueber Ferd. K. und seine Radirungen). – Deutsches Kunstblatt 1858 S. 280. – Lipowsky, S. 155. – Nagler’s Allgem. Künstlerlexikon, Bd. 7 S. 91 (enthält ein ausführliches Verzeichn. von dessen Stichen). – Meusel, Museum für Künstler etc. St. 15. S. 120. – Ders., Neues Mus. St. 2. S. 211. – (Holländischer Zweig) Geschiedenis der vaderlandsche Schilderkunst door R. van Eyden en A. van der Willigen. 3 tom. – Nagler a. a. O. 102–104. – J. Immerzeel, de levens en werke d. holl. en vlam. Kunstschilders T. 2. p. 120–122. – Kramm, de levens en werke etc. 884. – Genealog. Mittheilungen des Bürgermeister-Amtes zu Rotterdam.
Eisenhart.

Johann August Ritter von Eisenhart: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1882.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Kobell Ferdinand, 1740 (Mannheim) – 1799, Hofmaler, Radierer, Kupferstecher, Akademieprofessor und Galeriedirektor; er studierte in Heidelberg Rechte und war eine Zeitlang kurpfälzischer Hofkammersekretär; seit 1762 lernte er, vom Kurfürsten Karl Theodor gefördert, in Mannheim und Paris die Malkunst, 1769 wurde er zum kurfürstlichen Hofmaler und Akademieprofessor in Mannheim ernannt, bis er 1793, nach München mit der Regierung übergesiedelt, Galeriedirektor wurde; K. ist besonders durch seine vielen Radierungen bekannt, in denen er stimmungsvolle Stoffe schlicht und tüchtig zu behandeln wußte; Frauenholz gab eine Sammlung von Ks. Stichen (Oeuvres complètes de Ferdinand K. etc.) heraus, F. Kugler 78 Blätter; ein Verzeichnis der Arbeiten Ks. lieferte St. von Stengel (Nürnberg 1822); er ist der »erste deutsche Meister, der die landschaftliche Radierung bezüglich der äußeren Elemente der Darstellung zu einer vollendeten Durchbildung gebracht hat« (ADB: 16, 350); K. war auch ein warmherziger deutscher Patriot.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#Franz Kobell

* 23.11.1749 (Mannheim)
† 14.1.1822 (München)
Landschaftsmaler, Radierer und Zeichner

#Allgemeine Deutsche Biographie (1882)

Kobell: Franz K., Maler und Zeichner, geb. am 23. Novbr. 1749 in Mannheim, † am 14. Januar 1822 in München, jüngerer Bruder des Ferd. K. (s. d.), wurde frühzeitig Doppelwaise. Seine Vormünder bestimmten ihn behufs rascherer Gewinnung eigenen Unterhaltes zum Handelsstande und brachten ihn zu einem verwandten Mainzer Kaufmann in die Lehre. Allein wie sein Bruder Ferdinand der Rechtswissenschaft war er (gleich seinem holländischen Vetter Hendrik K.) der Kaufmannschaft abgeneigt; fand dagegen seinen höchsten Genuß im Zeichnen und Malen und benützte jede Freistunde in der reizenden Umgebung von Mainz Aufnahmen nach der Natur zu machen. K. blieb vier ihm endlos dünkende Jahre im Comtoir zu Mainz; nach deren Ablauf erklärte er aber mit Bestimmtheit, sich der Kunst widmen zu wollen, und die vorgelegten Proben rechtfertigten nach dem Urtheile Sachverständiger sein Verlangen. Er besuchte nun die Akademie zu Mannheim, wo ihn sein Bruder Ferdinand mit Rath und That unterstützte. Der Kurfürst Karl Theodor, erfreut über das ausgesprochene Talent des strebsamen jungen Mannes verlieh ihm nach vollendeter Akademiebildung 1776 ein ansehnliches Reisestipendium, das ihn in den Stand setzte, in Italien eingehende Kunststudien zu machen. Er hielt sich hauptsächlich in Rom auf, wo er sich im Landschafts- und Architekturzeichnen übte; durch häufige Ausflüge in die Campagna und das Albanergebirge wurde er mit der Eigenart der römischen Landschaft genau vertraut, weshalb wir deren Formen und Linien in Kobell's späteren Arbeiten begegnen, obwol sie im Allgemeinen von reicher Mannigfaltigkeit Zeugniß geben. Nach neun Jahren (1785) kehrte er über den Brenner in die Heimath zurück und nahm seinen Wohnsitz in München. Der Kurfürst ernannte ihn zum Hofmaler und die Akademie der bildenden Künste in München zu ihrem Ehrenmitgliede. K. besaß eine äußerst lebhafte Phantasie, ein glückliches, reiches Compositionstalent und große Leichtigkeit der Darstellung. Das Vorherrschende war und blieb bei ihm die Idee. – Da ihm die Vorbereitungen zum Oelmalen – überhaupt dessen Technik zu umständlich und zeitraubend war, nahm er lieber den Stift oder die Feder zur Hand, um seinen schnell hervorquellenden künstlerischen Gedanken den entsprechenden Ausdruck zu geben. Die auf solche Weise rasch gefertigten Blätter setzte er dann mit Sepia in die nöthige Haltung von Licht und Schatten. K. malte sehr wenige Oelbilder; nach Professor Speth (einem genauen Kenner von Kobell's Werken) betrug deren Zahl kaum zwölf. Eines derselben war früher in der Pinakothek in München und befindet sich nun zu Bamberg. Es ist eine felsige Landschaft mit Wasserfällen (auf Leinwand) und zählt zu den charakteristischen Gemälden des Meisters. Auch die Zahl der Radirungen ist ziemlich gering; sie besteht in einer Sammlung von 26 Blättern, meist wilde, felsige Gegenden. Dagegen fertigte K. eine geradezu unglaubliche Menge von Handzeichnungen, von denen er sehr viele in Tuschmanier ausführte. Speth schätzt deren Zahl auf mindestens 10000. Ueber 2000 besaß Herzog Albrecht von Sachsen-Teschen in Wien, etwa eben so viele v. Rigal in Paris und der mit den Brüdern Kobell vieljährig befreundete Freih. v. Stengel. Auch das Münchner Kupferstich- und Handzeichnungen-Cabinet verwahrt eine volle Mappe und König Ludwig I. erwarb mehrere Skizzenbücher mit hübschen architektonischen Ideen. Manches wanderte nach England. Bei der Vielzahl der Arbeiten sind sie selbstverständlich von ungleichem Werthe; die der früheren Periode sind oft mit einer an Aengstlichkeit grenzenden Sorgfalt gearbeitet und bis ins Kleinste zierlich ausgeführt. Jene der zweiten Periode verrathen größere Sicherheit und freiere Behandlung. Goethe nennt in seinen Versuchen einer deutschen Kunstgeschichte des 18. Jahrhunderts K. nach Hackert einen der ersten deutschen Landschafter der 80er Jahre. Der tieffühlende Meister wußte die Natur auch mit geistigem Auge zu erfassen und copirte sie weniger im Einzelnen, sondern nahm sie nach ihrem ganzen Umfange und in der Vielseitigkeit ihrer Erscheinung in sich auf. Deshalb huldigte er nie dem Zeitgeschmacke, sondern der künstlerischen Eingebung. Seine Lieblingsstoffe waren Landschaftsbilder mit italienischem Charakter, auch bewaldete Hügel mit Felspartien und Wasserstürzen, mit Ruinen oder großen Bauwerken. Die nebensächlich behandelte Staffage besteht aus Hirten mit und ohne Heerden, aus rastenden Pilgern, Schnittern und Landleuten. Arbeit war dem schaffenden Manne Bedürfniß; er zeichnete rasch und leicht; selbst an seinem Todestage wollte er die gewohnte Thätigkeit aufnehmen, das Werk mochte auch im Geiste vollendet sein; allein das Auge und die zitternde Hand versagten den Dienst; er legte den Stift bei Seite und entschlief ruhig am 14. Januar 1822. – Da K. ledig geblieben war, brachte er die Abende gerne bei Freunden, in anregenden Damen- und Herrenkreisen zu, und wurde wegen seiner Unterhaltungsgabe und launigen Einfälle, wegen seiner gründlichen Bildung und Biederkeit hoch geschätzt. Ein Stich in Kleinoctav von C. Heß stellt unseren Meister in seinen letzten Lebensjahren dar, er trägt die Unterschrift: »Als Mensch edel und groß, durch eigenen Witz und festen Charakter höchst ausgezeichnet.«.... Nach seinen und Ferdinands Zeichnungen haben Prestel und Kuntz zwölf Blätter gestochen.

Speth im deutschen Kunstblatte, Tüb. 1822. Nr. 46. S. 181. – Goethe, Winkelmann, Bd. II. – Nagler, Bd. 7. S. 89–91. – Mannlich, Beschreib. der kurpfälzischen Gemälde-Samml. I, 236. II, 298.

Eisenhart.

Johann August Ritter von Eisenhart: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1882.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Kobell Franz, 1749 (Mannheim) – 1822, Hofmaler, Zeichner und Radierer; Bruder des Ferdinand K., wirkte er zunächst in Mainz als Kaufmann, wandte er sich aber dann wie sein Bruder der Malerei zu, indem er, von seinem Bruder gefördert, auf der Mannheimer und Münchner Kunstakademie studierte; mit einem kurfürstlichen Stipendium ausgestattet, weilte K. von 1776–1785 in Italien, wo er sich als Landschafter und Architekturzeichner betätigte; nach München zurückgekehrt, war er seit 1785 Hofmaler; K. hat wenig gemalt, lieferte aber gegen 20000 landschaftliche und architektonische Federzeichnungen und Radierungen; er war nach einem Urteil Goethes einer der ersten deutschen Landschafter der achtziger Jahre.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#Dr. nat. Franz Wolfgang Ritter von Kobell

* 19.7.1803 (München)
† 11.11.1882 (München)
Mineraloge und Dichter

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Kobell Franz, Dr. nat., von, Ritter, 1803 (München) – 1882, Mineraloge, Universitätsprofessor und Dialektdichter; nach Studien in Landshut (Rechte) und der Mineralogie in München (bei J. N. von Fuchs) sowie einem Praktikum an der mineralogischen Staatssammlung in München wurde K. Professor der Mineralogie und Konservator der mineralogischen Staatssammlung; als Mineraloge ist K. einer der vorzüglichsten Vertreter der eigentlichen mineralogischen und kristallographischen Zweige der Anorganologie (= Lehre von den leblosen Wesen) und Erfinder der Galvanographie (zusammen mit Graf von Pocci); der Nachwelt bekannt ist er vor allem durch seine Gedichte in pfälzischer (sein Vater kam unter Karl Theodor von Mannheim nach Bayern) und oberbayerischer Mundart, die ganz natürlich, humorvoll, zart und phantasievoll sind.

Hauptwerke: Charakteristik der Mineralien, Tafeln zur Bestimmung der Mineralien mittelst chemischer Versuche, Galvanographie, Lehrbuch der Mineralogie, Geschichte der Mineralogie, Erinnerungen an meine Freunde in Altengland, Triphylin, Gedichte in oberbayerischer Mundart, Gedichte in pfälzischer Mundart, hochdeutsche Gedichte, Der Hausl vo’ Finsterwald, Oberbaierische Lieder mit ihren Singweisen, Erinnerungen in Gedichten und Liedern.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#Georg Johann Christian von Urlaub

* 5.1.1845 (St. Petersburg)
† 29.7.1914 (München)
Illustrator, Maler und Radierer

#Generalanzeiger der Münchner Neuesten Nachrichten (1.8.1914)

Münchener Tagesneuigkeiten
München, 31. Juli

Bestattungen. [Am Freitag] Mittags erfolgte einem letztwillig geäußerten Wunsche entsprechend in aller Stille die Einäscherung der Leiche des im 70. Lebensjahr verstorbenen Kunstmalers Georg von Urlaub. An der kranzgeschmückten Bahre versammelte sich nur eine kleine Gemeinde Trauernder.

Generalanzeiger der Münchner Neuesten Nachrichten Nr. 390. Samstag, den 1. August 1914.

#MR – 217·218 (Krauss)


¿
Wilhelmine Freyin von Krauss
Geb. 2. Nov. 1809, gest. 2. D¿ ¿1
Kajetan Freyherr von Krauss
Oberlieutenant im ¿
¿
Henriette ¿
¿
Maximilian ¿

Tafel
Die Inschrift ist nicht erhalten


  • Krauss, Friedrich von; 13.9.1818 – 10.12.1884 (München); Generalmajor a. D.
  • Krauss, Heinrich Freiherr von; 14.9.1756 – 4.2.1824 (München); Staatsrat
  • Krauss, Heinrich von; 24.4.1815 – 13.12.1880
  • Krauss, Henriette von; 1.2.1841 – 26.1.1876 (München); Staatsrats-Tochter
  • Krauss, Kajetan Freiherr von; 2.4.1820 – 29.6.1857; Oberleutnant
  • Krauss, Karoline von (vw) / Triva, Gräfin von (gb); 10.12.1782 – 11.10.1829; Staatsrats-Witwe
  • Krauss, Maximilian von; 22.8.1802 – 27.1.1879; Kammerjunker
  • Krauss, Wilhelmine Freiin von; 2.11.1809 – 2.12.1831; Staatsrats-Tochter

Grab der Familie Krauss auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2013)

Grab der Familie Krauss auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2013)

#Heinrich Freiherr von Krauss

* 14.9.1756
† 4.2.1824 (München)
Staatsrat

#Augsburgische Ordinari Postzeitung (14.2.1824)

Kurzgefaßte Nachrichten.

Den 4. Februar l. J. Nachmittags 4½ Uhr endigte nach einer lang andauernden Krankheit an dem Brande im Unterleibe mein Gatte und unser Vater, der königl. Staatsrath und Vorstand der II. Sektion des königl. Staatsministeriums der Armee, Kommandeur des Civilverdienstordens der baierischen Krone, Heinrich Freyherr von Krauß, in seinem 67sten Lebensjahre, nach empfangenen heiligen Sterbsakramenten, mit standhafter Ergebung in den Willen des Allmächtigen sein thätiges und uns unersetzbares Leben. Indem wir diesen höchst schmerzlichen Verlust und das für uns so traurige Ereigniß allen unseren Verwandten und Freunden zur theilnehmenden Kenntniß bringen, empfehlen wir den selig Entschlummerten Ihren fernern Andenken, uns aber unter Verbittung aller Beyleidsbezeugungen Ihrer fortdauernden Freundschaft und stetem Wohlwollen. München, den 5. Febr. 1824.

Charlotte Freyfrau von Krauß, geborne Gräfin von Triva.
Max Freyherr von Krauß, für sich und seine 11 Geschwisterte.

Augsburgische Ordinari Postzeitung Nro. 39. Samstag, den 14. Februar 1824.

#Friedrich von Krauss

* 13.9.1818
† 10.12.1884 (München)
Generalmajor a. D.

#Allgemeine Zeitung (13.12.1884)

Bayerische Chronik.

München, 12. Dec.

(Todesfall.) Am 10. d. verschied dahier der charakterisirte Generalmajor a. D. Friedrich Frhr. v. Krauß nach längerem Leiden. Im Jahre 1817 geboren, trat der Verstorbene nach Absolvirung des Cadettencorps in das 5. Chev.-Reg., avancirte bis zum Rittmeister im 4. Chev.-Reg., ward 1863 Major im 2. Cürassier-Regiment, im selben Jahre noch zum 3. Cürassier-Regiment versetzt, 1866 dortselbst Oberstlieutenant; dann zum 6. Chev.Reg. versetzt, avancirte er in diesem Regiment 1867 zum Oberst, ward 1873 verabschiedet und erhielt im Jahre 1883 den Charakter als Generalmajor. Der Verstorbene, welcher sich in den Feldzügen 1849, 1866 und 1870/71 mehrfach auszeichnete, wurde heute Nachmittag halb 4 Uhr im südlichen Friedhofe zu Grabe getragen. Dem von 6 Reiter-Unterofficieren getragenen, reich geschmückten Sarge, zu dessen Seiten 4 Hauptleute und 6 Lieutenants als Ehrenträger und Ehrenbegleitung gingen, folgten die nächsten Verwadten, dann Ihre Excellenzen der Kriegsminister v. Maillinger, der commandirende General Frhr. v. Horn, die Generale v. Fries, v. Wirthmann, Frhr. v. Freyberg und Murmann, zahlreiche Stabs- und Oberofficiere, namentlich vom Pensionsstande, dann viele Beamte. Außerhalb des Friedhofes hatte die Trauerparade – 1 Bataillon des 2. Infanterie-Regiments, 1 Escadron des 1. Schweren Reiter-Regiments, 3 Geschütze des 3. Feldartillerie-Regiments – sämmtliche Truppen in Gala mit Fahne, Standarte und Musikcorps unter Commando des Generalmajors Büller Aufstellung genommen; beim Einsenken des Sarges gaben die Truppen die vorgeschriebenen 3 Salven. Da eine Leichenrede nicht gewünscht worden war, beschränkte sich die amtirende Geistlichkeit auf die üblichen Gebete.

Allgemeine Zeitung Nr. 346. Zweite Beilage. München; Samstag, den 13. Dezember 1884.

#MR – 219 (Seybold)


Grabstätte
der Familie
von Seybold


  • Seybold, Pauline von; – 1890; Privatiers-Witwe

Grab der Familie Seybold auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#MR – 220 (Weixlstorfer)


Ruhet sanft im Frieden!

Liegestein
¿ Weixlstorfer


  • Weixlstorfer, Johann Baptist; – 3.4.1875 (München), 34 Jahre alt; Sänger

Grab der Familie Weixlstorfer auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#MR – 225·226 (Besserer von Thalfingen)


Linke Spalte
Albrecht
Besserer von Thalfingen
k. b. Kämmerer ¿
und Flügel-Adjudant S. M. des Königs
Ritter ¿ Max-Joseph-¿
K¿ Ordens Grosskreuz ¿
¿
Ihm folgte seine Gemahlin
Caroline
Freifrau Besserer von Thalfingen
geb. Freiin von Verger
Palastdame des Theresia¿
und Elisabethen-Ordens-Ehrendame
geb. den 11. Juni 1788 gest. den ¿
Caroline
Freiin Besserer von Thalfingen
Theresien-Ordens-Ehrendame
geb. den 18. Okt. 1854 gest. den ¿

Rechte Spalte
Maximilian
Freiherr Besserer von Thalfingen
¿ Generalmajor a. D.
¿ Ritter hoher Orden
geb. zu Oettingen den 3. Sept. 1820
gest. zu München den 10. Febr. 1903
Therese
Freifrau Besserer von Thalfingen
Hofdame a. D.
des Theresien-Ordens-Ehrendame
des Elisabethen-Orden-Ordensdame
geb. den ¿. Aug. 1824, gest. den 3. Nov. 1913.
Elise
Freifrau Besserer von Thalfingen
geb. Freiin von Reck auf Authenried
¿ u. Generalmajors-Witwe
geb. den ¿ Juli 1833, gest. den 25. März 1914.
Therese
Freifrau Besserer von Thalfingen
Theresien-Ordens-Ehrendame
geb. den 30. Juli 1862, gest. den 4. Dez. 1920.

FAMILIENGRAB DER
FREIHERREN
BESSERER
VON THALFINGEN


  • Besserer von Thalfingen, Albrecht Freiherr von; 8.10.1787 – 1.2.1839 (München); Flügeladjutant, Generalmajor und Kämmerer
  • Besserer von Thalfingen, Elise Freifrau von (vh) / Reck auf Authenried, Freiin von (gb); ¿.7.1833 – 25.3.1914; Generalmajors-Witwe
  • Besserer von Thalfingen, Karoline Freifrau von (vw) / Verger, Freiin von (gb); 11.6.1788 – 29.11.1870
  • Besserer von Thalfingen, Karoline Freiin von; 18.10.1854 – 17.8.1902
  • Besserer von Thalfingen, Maximilian Freiherr von; 3.9.1820 (Öttingen) – 10.2.1903 (München); Generalmajor und Kämmerer
  • Besserer von Thalfingen, Therese Freifrau von (vh); ¿.8.1824 – 3.11.1913
  • Besserer von Thalfingen, Therese Freifrau von (vh); 30.7.1862 – 4.12.1920

Grab der Familie Besserer von Thalfingen auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2012)

#Albrecht Freiherr von Besserer von Thalfingen

* 8.10.1787
† 1.2.1839 (München)
Flügeladjutant, Generalmajor und Kämmerer

#Allgemeine Zeitung von und für Bayern (26.1.1839)

München, 23 Jan. Der Generalmajor Freiherr v. Besserer, interimistischer Verweser des Kriegsministeriums, befindet sich seit mehreren Tagen sehr leidend.

Allgemeine Zeitung von und für Bayern Nr. 26. Samstag. Nürnberg; Samstag, den 26. Januar 1839.

#Allgemeine Zeitung von und für Bayern (1.2.1839)

München 29 Jan. Mit der Gesundheit des interimistischen Kriegsminister-Verwesers, Generalmajor Frhrn. v. Besserer, geht es wieder besser; zwar kann er noch nicht seinen Funktionen vorstehen, doch ist baldige Hoffnung hiezu vorhanden, da er bereits wieder ausfährt.

Allgemeine Zeitung von und für Bayern Nr. 32. Nürnberg; Freitag, den 1. Februar 1839.

#Allgemeine Zeitung von und für Bayern (3.2.1839)

München, 31 Jan. Die Krankheit des funktionirenden Kriegsministers, Freiherrn v. Besserer, hat sich seit Kurzem so sehr verschlimmert, daß sein theures Leben, trotz aller ärztlichen Hülfe, in der augenscheinlichsten Gefahr schwebt. Die Theilnahme für den Leidenden ist eben so groß und herzlich, als sein Zustand beklagenswerth.

Allgemeine Zeitung von und für Bayern Nr. 34. Nürnberg; Sonntag, den 3. Februar 1839.

#Allgemeine Zeitung von und für Bayern (4.2.1839)

München, 1 Febr. Heute Morgens um ¾ auf fünf Uhr verschied der Generalmajor Frhr. v. Besserer, interimistischer Kriegsminister, Flügeladjutant Sr. Majestät des Königs, Ritter des Max-Joseph-Ordens und des Civilverdienstordens der Bayer. Krone, der französischen Ehrenlegion, des russischen Georgen- und des Wladimir-Ordens IV. Klasse mit der Kokarde, des Annenordens II Klasse in Brillanten, des österreichischen Theresien- und Leopoldordens, des preussischen Militär-Verdienstordens etc. etc., an einer Luftröhren-Schwindsucht in seinem 52sten Lebensjahre. Seit einigen Jahren schon kämpfte er mit einem in der Luftröhre sich herangebildeten und immer wachsenden Uebel, das in letzter Zeit ihn seiner dienstlichen Funktionen unfähig machte, bis in der vorgestrigen Nacht ein plötzlicher heftiger Anfall dieses schnelle Ende herbeiführte.
(A. Ab. Ztg)

Allgemeine Zeitung von und für Bayern Nr. 35. Nürnberg; Montag, den 4. Februar 1839.

#Allgemeine Zeitung von und für Bayern (6.2.1839)

München, 2 Febr. Der verstorbene Kriegsminister Albrecht Freiherr v. Besserer aus Talfingen war zu Ruppersheim im Königreich Württemberg am 8 Okt. 1787 geboren und trat schon in seinem 16ten Jahre als Kadet, beim ersten Chevauxlegers-Regiment König seine militärische Laufbahn an, wurde im Jahre 1804 Junker, das folgende Jahr Unterlieutenant und mit seinem 19ten Jahre machte er den preussischen Feldzug mit. In seinem 20sten Jahre legte er schon bei dem Treffen zu Hansdorf in Schlesien die größten Proben von Tapferkeit ab und erhielt eine Kontusion am Kopfe. In demselben Jahre (16. Mai) zeichnete sich auf ähnliche Weise bei Wartha aus, verlor ein Pferd unter dem Leibe, und obwohl er zwei schwere Wunden erhielt, ging er nicht aus dem Treffen bis zum entschiedenen Siege. Seine in diesem Treffen bewiesene persönliche Tapferkeit und die durch ihn herbeigebrachte unerwartete Hülfe, welche den Ausschlag gab, brachten ihm den Max-Joseph-Orden (1807). Zwei Jahre später wurde er zum Oberlieutenant befördert, zeichnete sich in den Treffen bei Liegenburg, bei Neumark und Wörgel rühmlichst aus, erhielt am 1. Jan. 1809 das Kreuz der französischen Ehrenlegion, und am nämlichen Tage wurde ihm die Ehre, zum Adjutanten des damaligen Generallieutenant Baron Wrede ernannt zu werden, welche Eigenschaft er gegen zwanzig Jahre beibehielt.

Von dieser Zeit beginnt die eigentliche Karriere seines Ruhms; jetzt war ihm die Gelegenheit, Muth und Talent gleichzeitig zu entfalten, erst recht gegeben. Es bewies beides in dem Treffen bei Bvaenia, in der blutigen Schlacht bei Hanau, den ruhmvollen Tagen von St. Diez, Treyes, Langres, Brieane, Bar, Arcis sur Aube, Fere Champenaise u. s. w. In den letzteren Jahren begleitete er Se. Königl. Hoh. den Kronprinz als dessen Adjutant auf mehreren Reisen, verweilte mit Höchstdemselben lange in Berlin, wo er Ihm eben so sehr als erfahrener Rathgeber und Lehrer, wie als bewährter Freund zur Seite stand. Diese Dienste wußten Se. Maj. der König wohl zu würdigen, indem Sie ihn zu Allerhöchst ihrem Flügeladjutanten ernannten, und das Allerhöchste Vertrauen durch die provisorische Uebertragung des Portefeuilles des Kriegsministeriums ihm bewiesen. So wie er als Flügeladjutant Sr. Majestät wegen seines äusserst leutseligen und humanen Benehmens gegen Alle, die sich bittend dem Throne nahten, sich benahm, so wurde er als oberster Kriegsbeamter von allen Untergebenen auf gleiche Weise geachtet und geliebt. Die Trauer wegen des Dahingeschiedenen erfüllt gleichartig alle Stände, die den edlen Menschen neben dem hochgestellten Manne in ihm verehrten. Gestern Abends 5 Uhr wurden seine irdischen Ueberreste im Leichenhause unter Begleitung einer sehr großen Zahl herrschaftlicher Diener mit Flambeaux beigesetzt; Sonntag wird die feierliche Beerdigung stattfinden, wozu unsere sämmtliche Garnison ausrückt.

München, 2 Feb. Der Ball von gestern auf heute bei Ihrer Maj. der Königin Karoline war eben so prächtig als zahlreich besucht; Heiterkeit, Glanz und Schönheit veranlaßten eine Dauer bis Morgens 3 Uhr. Se. Maj. der König verließen den Ball und begaben Sich in die Residenz zurück bald nach 10 Uhr, und Ihre Majestät die Königin Theresia gegen ein Uhr.

Heute Nachmittags 4 Uhr fand die Leichenfeier des Freiherrn v. Besserer mit aller seinem Range gebührender Würde statt. Unsere sämmtliche Garnison war rings um den Kirchhof aufgestellt, wahrend die ganze Generalität und Stab die Leiche zum Grabe begleiteten, weicher sehr viele hohe Beamten und ein zahlreiches Gefolge herrschaftlicher Diener mit Flambeaux die letzten Ehren erwiesen. Von zwei Batterien ertönten 36 Kanonenschüsse, und die drei Infanterie-Regimenter wechselten dreimalige Ehrensalven. Zu dieser Feier war unsere ganze Stadt in gedrängter Masse hinausgeströmt, und man kann sich freuen, daß man bei diesem ganzen ungewöhnlichen Gedränge in der engen zum Kirchhofe führenden Straße nichts von einem leicht möglichen Unglück vernommen hat. Es war rührend, die alten Kriegsgefährten dieses von Allen so geliebten Helden und trefflichen Beamten um ihren Gefährten, der in seinen schönsten Jahren aus ihrer Mitte scheiden mußte, trauern zu sehen, und manches greisen Kriegers Augen erglänzten von den Thränen der Verehrung und tiefgefühlter Wehmuth. Seit zwei Jahren sahen wir viele würdige Krieger, und besonders mehrere Generale dahinscheiden; eine lebhaftere Theilnahme, eine sich so deutlich aussprechende allgemeine Trauer hat wohl nie statt gehabt.

Morgen, sagt man, werde die Hofschlittenfahrt stattfinden, bei welcher gewöhnlich die glänzendste Suite in großer Galla erscheint.

(A. Ab. Ztg.)

Allgemeine Zeitung von von für Bayern Nr. 26. Nürnberg; Mittwoch, den 6. Februar 1839.

#MR – 227·228 (Loschge)


Hier ruhet
Herr Dr. juris
Fried. v. Loschge,
kgl. Ministerialrath a. D.
im k. Staatsministerium
des k. Hauses u. des Aeußern
Ritter des Verdienstordens
der bayerischen Krone
u. vom heiligen Michael.
Comthur und Ritter
mehrerer auswärtiger Orden.
Geb. 28. Januar 1808.
Gest. 30. Januar 1882.

Sockel
Errichtet von der Stadtgemeinde Erlangen
deren Armen er ein Wohlthäter war


  • Loschge, Friedrich von, Dr. jur.; 28.1.1808 – 30.1.1882; Staatsrat

Grab der Familie Loschge auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familie Loschge auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#MR – 229 (Gumppenberg)


Gewidmet
von den dankbaren Kindern
ihren unübertrefflichen Eltern
Freiherrn
Carl v. Gumppenberg
k. b. Kämmerer, Senatspräsident
a. oberst. Landesgericht a. D.
Ritter hoher Orden,
geb. 1. Febr. 1822, gest. 27. Septbr. 1892.
Freifrau
Bertha v. Gumppenberg
geb. Freiin v. Ruffin,
geb. 13. Oktbr. 1825, gest. 13. Juni 1886.
Ich will euch wiedersehen,
und euer Herz soll sich freuen.

I. Lallinger Joh. XV.22.

Sockel-Tafel
Hier ruhet deren Tochter
Caroline Freiin v. Gumppenberg
geb. 24. April 1854, gest. 5. April 1903.
Dr. Anton Freiherr v. Gumppenberg
Landgerichtsdirektor a. D.
geb. 11. Aug. 1863, gest. 10. April 1932.


  • Gumppenberg, Amelie von (vw) / Verri della Bosia, Gräfin von (gb); 7.10.1794 – 24.11.1871 (München); Oberappellationsgerichtspräsidentens-Witwe
  • Gumppenberg, Anton Freiherr von, Dr.; 11.8.1863 – 10.4.1932; Landesgerichtsdirektor
  • Gumppenberg, Bertha Freifrau von (vh) / Ruffin, Freiin von (gb); 13.10.1825 – 13.6.1886
  • Gumppenberg, Karl Anselm Freiherr von; 28.6.1791 – 14.12.1863 (München); Kämmerer und Oberappellationsgerichtspräsident
  • Gumppenberg, Karl von; 1.2.1822 – 27.9.1892; Kämmerer und Senatspräsident
  • Gumppenberg, Karoline Freiin von; 24.4.1854 – 5.4.1903
  • Gumppenberg, Symphorosa Freifrau von (vh) / Rüber (gb); 22.5.1805 – 26.9.1826 (München)

Grab der Familie Gumppenberg auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

#MR – 232 (Harold)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Harold, Adalbert von; 26.12.1830 – 20.11.1884; Kämmerer und Regierungsrat
  • Harold, August Freiherr von; 28.3.1799 – 1.6.1862 (Trostberg); Landrichter
  • Harold, Emma Freiin von; 25.5.1828 – 21.1.1841 (München); Kämmerers-Tochter
  • Harold, Heinrich von; 30.5.1827 – 30.10.1870 (München); Hauptmann
  • Harold, Therese von (vw) / Reigersberg, Gräfin von (gb); 30.6.1804 – 25.7.1871 (München); Landrichters-Witwe

Grab der Familie Harold auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familie Harold auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

Grab der Familie Harold auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#MR – 235·236 (Rosipal)


Linke Stele
KARL ROSIPAL
1844 – 1924

Rechte Stele
Die Inschrift ist nicht erhalten

Sockel
Grabstaette der Familie Rosipal


  • Rosipal, Karl; 13.7.1843 (München) – 10.3.1924 (München); Kaufmann

Grab der Familie Rosipal auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

#Karl Rosipal

* 13.7.1843 (München)
† 10.3.1924 (München)
Kaufmann

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Rosipal Karl, 1844 (München) – 1924, Kaufmann und Spanischer Konsul; der 26jährige Kaufmann ist schon so kapitalkräftig, das Maillot-Schlößchen mit dem Tierpark am Rand des Englischen Gartens an der Königinstraße zu kaufen; er bewohnt bis ins hohe Greisenalter das Schloß und genießt den ersten Münchner Tierpark, das langgestreckte Appartement für Raubtiere und eine Ritterburg für lichtscheues Vogelgetier; K. A. von Müller erzählt von R., der seine stadtbekannte Liebe im Theater hatte und in einem feschen Gefährt täglich von seinem verschwiegenen Schlößchen in die Stadt fuhr; nicht mit Recht gilt R. als der Stifter des Glockenspiels am Turm des neuen Münchner Rathauses; er hat nämlich die größte Glocke (1,25 m Durchmesser und 1300 kg Gewicht) für das 1910 nach belgisch-holländischem Vorbild geschaffene Glockenspiel gestiftet und dazu mußte die Stadt noch beisteuern, weil die Mittel des Großkaufmanns bereits erschöpft waren; 1933/34 wurde das gestiftete Geld an die Familie R. zurückbezahlt; R. entstammt einer angesehenen Münchner Kaufmannsfamilie – ein Möbelgeschäft trägt heute noch den Namen »Rosipal-Haus« –, seine Vorfahren wurden vom König mit Verdienstorden ausgezeichnet, Karl Michael R. erhielt 1835 das Privileg zur Anfertigung einer in Frankreich erfundenen Maschine zur schnelleren Fabrikation von Ziegelsteinen.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#MR – 237·238 (Hefner)


PETER
HEFNER
GLASMALER
* 1800
† 1847


  • Hefner, Peter; 1800 – März 1847 (München); Glasmaler

Grab der Familie Hefner auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#MR – 239 (Höfl)


Hier ruhen in Gott:
Karl August Hoefl.
k. Landricht¿
Ritter des Verd¿
v. hl. Michael¿
geb. 6. Sept. 1803, gest. 2. ¿ 1880
Katharina Hoefl
¿ erele, dessen Gattin,
¿ept. 1813, gest. 21. Okt. 1883,
Katharina Hoefl,
deren Tochter,
geb. 23. Dez. 184¿ gest. 26. März 1904.


  • Höfl, Karl August; 6.9.1803 – 2.¿.1880; Landrichter
  • Höfl, Katharina; 23.12.184¿ – 26.3.1904; Landrichters-Tochter
  • Höfl, Katharina (vw); ¿.9.1813 – 21.10.1883; Landrichters-Witwe

Grab der Familie Höfl auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#MR – 240·241 (Himbsel)


Grabstätte der Familie Himbsel

Herr! gieb ihnen die ewige Ruhe!


  • Himbsel, Johann Ulrich; 30.1.1787 (Neukirchen bei Sulzbach/Oberpfalz) – 27.4.1860 (München); Architekt

Grab der Familie Himbsel auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

Grab der Familie Himbsel auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

#Johann Ulrich Himbsel

* 30.1.1787 (Neukirchen bei Sulzbach/Oberpfalz)
† 27.4.1860 (München)
Architekt

#Artistisches München im Jahre 1835 (1836)

Himbsel, Johann Ulrich, königl. Baurath und Architekt der Münchner Baukommission, geb. den 30. Jänner 1787 zu Neukirchen im Regenkreis, Sohn eines Landbaumeisters, verwendete sich in seiner frühesten Jugend für die Geschäfte seines Vaters, bei welchem er Gelegenheit hatte, sich im Zeichnen und im praktischen Bauwesen zu üben.

Im Jahre 1803 kam er nach München, wo er neben dem Besuche der Feiertagsschule vom königl. Professor Hrn. v. Fischer die weitere Ausbildung im Zeichnen erhielt, und mit ihm im Jahre 1806 sich nach Paris begab, woselbst er im Steuercataster-Bureau als Zeichner und zu gleicher Zeit im Bureau des General-Bau-Inspektors Molinos beschäftiget, dann durch freundschaftliche Fürsorge und aus Auftrag des Baudirektors Nury bei mehreren Vermessungen verwendet, und endlich in der Akademie der bildenden Künste als Eleve aufgenommen wurde.

Von Sr. Maj. dem Könige Maximilian Joseph, Höchstwelcher im Jahre 1810 in Paris anwesend war, wurde er allergnädigst unterstützt, und erhielt den Auftrag, auf Allerhöchste Kosten nach München zurückzukehren, wo er dann noch in demselben Jahre bei der Baukommission als Inspektor, angestellt wurde.

Im folgenden Jahre 1811 erhielt er zu seiner weitern Ausbildung die Bewilligung zu einer Reise nach Italien, woselbst er bei seinem anderthalb Jahre langen Aufenthalte alle für die Baukunst merkwürdigen Städte in Ober- und Unter-Italien besuchte.

Im Jahre 1813, 14 und 15 zeichnete er verschiedene Ideen über Bauführungen, die er auf Stein gravirte, und unter dem Namen: »Magazin der Baukunst, besonders für Deutsche,« herausgab, doch aber, wegen angehäuften Berufs- und Privat-Geschäften bei seiner im Jahre 1816 erfolgten Ernennung als königl. Baurath, nur bis zu 5 Heften fortsetzen konnte.

Verschiedene Aufträge der königl. Regierung und der k. Akademie der Wissenschaften veranlaßten ihn im Jahre 1825 zu einer Reise nach Frankreich und England, woselbst er ein halbes Jahr verweilte.

Mehrere bis jetzt von selbem entworfene und ausgeführte öffentliche Bauten, worunter die Münchner neuen Schulgebäude, dann verschiedene Privat-Bauführungen sind, so wie die architektonischen Anordnungen im Jahre 1824 zur 25jährigen Jubelfeier Sr. Maj. des Königs Max Joseph, (worüber zur Verewigung dieses hohen Jubelfestes ein eigenes Werk erschienen ist) bezeichnen die Gegenstände, für welche ihm die Gelegenheit sich darbot, den Erfolg der von ihm in seinem Fache gemachten Studien zu bewähren.

Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Mechaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.

#Ansbacher Morgenblatt (1.5.1860)

München, 27. April. Heute früh starb hier in Folge eines Schlagflusses der greise Baurath Himbsel, an welchem München einen hochgeachteten Mitbürger verliert, der durch seinen Unternehmungsgeist vielfach wirkte. Während er im städtischen Leichenhaus beigesetzt wurde, geleitete bei starkem Regen eine große Menschenmenge eine andere bekannte und originelle Persönlichkeit seiner Art zu Grabe, den Pferdehändler und langjährigen Meister auf der Rennbahn, Krenkel, welcher auf der Reise im Stuttgarter Hoftheater verschied.

Ansbacher Morgenblatt Nr. 103. Dienstag, den 1. Mai 1860.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Himbsel Johann Ulrich, 1787 (Neukirchen bei Sulzbach/Oberpfalz) – 1860, Architekt und Baurat; er war Schüler K. von Fischers, mit dem er 1806 studienhalber nach Paris reiste, wo er im Katasterbüro, im Büro des Generalbauinspektors Moline und in der Akademie der bildenden Künste zeichnete; nach einem längeren Studienaufenthalt in Italien gab er 1813/15 die Zeichnungen »Magazin der Baukunst, besonders für Deutsche«, heraus; nach einer weiteren Studienreise nach Frankreich und England (1825) erbaute er anfangs (1820–1829) repräsentative Schulhäuser in München, führte 1840 den Bau einer Eisenbahn von München nach Augsburg aus, setzte 1851 das erste Dampfschiff auf dem Starnberger See in Betrieb und errichtete 1854 aus Privatmitteln die Bahnlinie München-Starnberg; H. zählt mit zu den großen Technikern seiner Zeit, wie Reichenbach, Utzschneider, Maffei u. a.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#MR – 242 (Neumayr)


Clemens v. Neumayr
K. B. STAATS-RATH. 1766 – 1829
Theresia v. Neumayr
GEB. MAIER. 1770 – 1853
Max v. Neumayr
K. B. STAATS-MINISTER. 1808 – 1881
Auguste v. Neumayr
GEB. WOLFANGER. 1807 – 1872
Ludwig v. Neumayr
REICHSRATH DER KRONE BAYERN. 1810 – 1895
Rosa v. Neumayr
GEB. HÖRMANN v. HÖRBACH. 1812 – 1892.

Sockel
Max v. Neumayr
K. B. STAATSRAT. 1838 – 1919
Therese v. Neumayr
GEB. NEUMAYR. 1840 – 1934


  • Neumayr, Auguste von (vh) / Wolfanger (gb); 5.5.1807 – 18.4.1872 (München); Staatsrats-Gattin
  • Neumayr, Klemens von; 24.1.1766 – 6.4.1829 (München); Staatsrat
  • Neumayr, Ludwig von; 21.3.1810 – 4.3.1895; Oberlandesgerichtspräsident a. D. und Reichsrat
  • Neumayr, Max von; 1838 – 1919; Staatsrat
  • Neumayr, Max von; 29.7.1808 (München) – 14.1.1881 (München); Staatsminister
  • Neumayr, Rosa von (vh) / Hörmann von Hörbach (gb); 14.6.1812 – 14.11.1892
  • Neumayr, Therese von (vh) / Neumayr (gb); 1840 – 1934
  • Neumayr, Theresia von (vh) / Maier (gb); 22.7.1770 – 26.12.1853

Grab der Familie Neumayr auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

Grab der Familie Neumayr auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

#MR – 244…246 (Arco)


VIRTUTI ET QUI¿
MAXIMILIANI EX COMITIBUS DE ARCO
EQUITES HIEROSOLYMITANI
SUIQUE ORDINIS QUAMDIU IS STETIT
AD
MAXIMILIANUM IOSEPHUM REGEM
LEGATIONE HONORATI
HIC
CONTRA RHAETIOS PERDUELLES AGMINE DUCTO
DUM FORTITER PRAELITAUR
PLUMBEAE GLANDIS ICTU
FIDEI PRO PATRIA
AMORIS IN CIVES
VICTIMA OCCUBUIT
IDIBUS AUGUSTI MDCCCIX AETATIS SUAE XXXVII
PARENTES ET FRATRES COLLACRYMANTES POSUERE


  • Arco, Maximilian Graf; 1772 – 12.8.1809 (Schwaz); Oberst

Grab der Familie Arco auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2013)

Grab der Familie Arco auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

Grab der Familie Arco auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2012)

Grab der Familie Arco auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2013)

#MR – 247 (Franz)


Familien-
Grab

Hier ruht
Wilhelm Franz
kgl. bayr. Oberregierungsrat
der Generaldirektion der Zoll-
und in der ¿ Ritter
hoher Orden.
geb. am 10. August 1838
gest. am 23. März 189¿
Ihm folgte dessen Gattin
Babette Franz
geb. am 2. September 18¿2
gest. am 28. Juni 1909.

Liegestein
SELZER


  • Franz, Babette (vw); 2.9.18¿2 – 28.6.1909; Oberregierungsrats-Witwe
  • Franz, Wilhelm; 10.8.1838 – 23.3.1891 (München); Oberregierungsrat

Grab der Familie Franz auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2012)

Grab der Familie Franz auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familie Franz auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#MR – 249·250 (Biber · Lingg)


Grabstaette der Familie Biber

Linke Spalte
Hier ruht in Gott
unser unvergeßlicher Gatte u. Vater
Aloys Biber,
K. B. Hofpianoforte Fabrikant,
geboren den 1. September 1804,
gestorben den 13. Dezember 1858,
Den Tönen die vom Himmel gleiten
Erschufest du ihr irdisch Haus
Und bautest auf den Grund der Saiten
Die Sprache der Empfindung aus,
O, wenn auch hier in Sturmeswehen
zerrißen hat die Todeshand
Den Einklang in den Eheband,
Die thränenschweren Blicke flehen
Dort in der Sel’gen Vaterland
Dort werden wir uns wiedersehen.
Laura Clementine Biber
geb. d. 13. Mai 1839 gest. 20. März 1840
Frau Barbara Biber,
geb. d. 19. Jan. 1768 gest. 25. März 1854

Rechte Spalte
Hier ruhen in Gott
neben ihrem Gatten und Vater,
Katharina Biber,
geb. Schneller,
k. b. Hofpianofortefabrikantenswittwe
geb. 15. Nov. 1812 gest. 1. August 1888
Ihr folgte ihr lieber Sohn
der treue Gatte
Herr Clemens Biber
Kassier der bayr. Hypotk.
u. Wechselbank,
geb. 16. April 1845 gest. ¿
Agnes Lingg geb. Biber
Geheim¿
geb. 20. Apr. 1836 gest. ¿


  • Biber, Alois; 1.9.1804 (Ellingen) – 13.12.1858 (München); Piano-Fabrikant
  • Biber, Barbara; 19.1.1768 – 25.3.1854 (München); Pianofabrikantens-Witwe
  • Biber, Clemens; 16.4.1845 – ¿; Bankangestellter
  • Biber, Katharina (vw) / Schneller (gb); 15.11.1812 – 1.8.1888; Pianofabrikantens-Witwe
  • Biber, Laura Clementine; 13.5.1839 – 20.3.1840
  • Lingg, Agnes (vh) / Biber (gb); 20.4.1836 – (10).4.1888 (München)

Todesanzeige für Alois Biber

Todesanzeige für Agnes Lingg

Grab der Familien Biber · Lingg auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

Grab der Familien Biber · Lingg auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

Grab der Familien Biber · Lingg auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

Grab der Familien Biber · Lingg auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

Grab der Familien Biber · Lingg auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

#Alois Biber

* 1.9.1804 (Ellingen)
† 13.12.1858 (München)
Piano-Fabrikant

#Münchener Bote für Stadt und Land (18.12.1858)

Das heute Vormittag in der Bonifaziuskirche für den Hofklavierfabrikanten Biber aufgeführte Mozart'sche Requiem füllte alle Räume dieses herrlichen Tempels mit Andächtigen aller Stände.

Münchener Bote für Stadt und Land No. 300. München; Samstag, den 18. Dezember 1858.

#Abendblatt (21.12.1858)

Alois Biber
Nekrolog.

Am 13. ds. Mts. starb der als Pianofortefabricant weithin berühmte Alois Biber. Das Andenken dieses durch schaffenden Geist und Bürgertugend ausgezeichneten Mannes verdient durch einen Rückblick auf dessen Lebensgang geehrt zu werden.

Alois Biber ward seinem Vater Andreas Biber, einem Claviermacher zu Ellingen am 1. Sept. 1804 als der jüngste von drei Söhnen geboren. Schon als Knabe berechtigte er — zuerst in der Werkstätte seines Vaters und später in der seines Bruders, Pianofortefabricanten in Nürnberg — ob seines strebsamen und stets mit Verbesserungen des Claviers beschäftigten Sinnes zu den schönsten Hoffnungen. Wie bedeutend aber die Kenntnisse des zum Jüngling herangereisten Knaben gediehen waren, mag daraus hervorgehen, daß er während der Reisen seines Bruders, dessen Fabrik immer zur vollsten Zufriedenheit zu führen vermochte. Mit solchen Kenntnissen ausgerüstet gründete er im Aug. 1833 in München seinen eigenen Herd, und begann mit drei Arbeitern. Er selbst arbeitete unermüdet — häufig bis ein und zwei Uhr Nachts — und versuchte, verbesserte, erfand unaufhörlich. Glück und Segen war aber mit all seinem Thun und Wirken. Nichts mißglückte, jede Unternehmung, jeder Versuch gelang auf das Vollkommenste, und seine Fabrik, die in letzterer Zeit achtzig gegen Arbeiter beschäftigte, und aus der im Durchschnitt jede Woche sechs Instrumente hervorgingen, vergrößerte sich von Jahr zu Jahr, bis sie zu europäischem Rufe gelangte. Mit der steigenden Anerkennung der Leistungen Biber's gingen ehrende Anerkennungen Hand in Hand: so erhielt er 1846 den Titel als Hofpianofortefabricant, und von allen industriellen Ausstellungen, die er beschickte, ward ihm die erste Auszeichnung zu Theil. Bei all diesen glänzenden Erfolgen erhielt sich Biber dennoch ein offenes Herz für alle, die um ihn waren, und die gleiche Seelengüte, die ihn im Familienkreise auszeichnete, bewährte er auch gegen seine Arbeiter, die ihn liebten und verehrten wie einen Vater. Das letzte und größte Unternehmen, womit sich der zu früh Verblichene trug — nämlich die Erbauung einer großartigen Fabrik, weil das bisherige Local für die Anzahl seiner Bestellungen zu klein zu werden anfing — vereitelte der durch eine lange und schwere Krankheit herbeigeführte Tod.

Abendblatt zur Neuen Münchener Zeitung Nr. 304. Dienstag, den 21. Dezember 1858.

#MR – 251·252 (Schunke · Senger)


Linke Tafel
Schunke’sches Familien-Grab.

Hier ruhen:
Die innigstgeliebte unvergessliche Mutter und Schwester,
Frau Karolina Schunke geb. Senger,
¿ bayr. Hof¿


  • Schunke, Karolina (vh) / Senger (gb); – (11).4.1880 (München); Schauspielerin
  • Senger, Magdalena (vw); – 1.2.1864 (München), 88 Jahre alt; Hofzahnarzt- und Polizeichirurgens-Witwe
  • Senger, Maria Klementine; – 12.5.1851 (München), 38 Jahre alt; Hofzahnarzt- und Polizeichirurgens-Tochter
  • Senger, Wolfgang, Dr. med.; – 22.4.1858 (München), 70 Jahre alt; Polizeichirurg und Hofzahnarzt

Grab der Familien Schunke · Senger auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#Karolina Schunke (vh) / Senger (gb)

† 9.4.1880 (München), 70 Jahre alt
Schauspielerin

#Münchner Tagsblatt (27.8.1829)

Tagsgeschichten.

(Theater.) Den 23. die »Ahnfrau« Dem. Karoline Senger, die Bertha als erstes Debüt. Als Dem. Senger ihren ersten theatralischen Versuch wagte, zeigte sie schon ein entschiedenes Talent, begünstiget von einem kräftigen klangvollen angenehmen Organ. Ihre später angetretene Kunstreise konnte ihr nicht anders als zum größten Vortheil gereichen, und die Fortschritte, welche diese talentvolle Schauspielerin wahrend der Zeit ihrer Abwesenheit machte, berechtigten zu größern Hoffnungen. Dem. Senger überraschte uns als Bertha auf die angenehmste Weise, ihr Spiel, wir dürfen es ohne Uebertreibung sagen, war ausgezeichnet, sie hatte diese Rolle studiert und richtig aufgegriffen, ihr schönes biegsames Organ wußte sie in den rechten Momenten gehörig zu gebrauchen. Dem. Senger zeigte sich überhaupt, daß sie würdig sey, bald als vollendete Künstlerin in dem Kreise unser's höhern Kunstpersonals der kgl. Hofbühne zu stehen. Dem. Senger ist bereits als kgl. Hofschauspielerin angestellt. Gleich meisterhaft war Hr. Urban, Jaromir, der lauteste Beifall wurde beiden gezollt und die Ehre des Hervorrufens am Schluße der Vorstellung ihnen zu Theil. Dem. Senger dankte auf eine ihr eigne bescheidene Art.

Münchner Tagsblatt Nro. 235. Donnerstag, den 27. August 1829.

#Beobachter für Deutschland und Bayern (2.3.1834)

An
Demoiselle Carolina Senger.

Du scheidest, trauernd blickt die göttliche Camöne,
Dem Lieblinge, der sich vom Vaterherde reißt,
Im düstern Aug Thaliens thauet eine Träne
Des Schmerzes, da ihr Tempel mehr und mehr verwais't,

Du gehst, durch Mißgunst Deiner Mutterstadt entführt,
Die dankbar stets Dein schönes Streben anerkannt,
Wie glänzend herrlich auch Dein Schicksal sich entwirret,
Du bist doch aus dem theuern Heimathland verbannt.

Uns bleibt Erinnerung; Dir lacht das freie Leben
Der höh'ren Kunst, die Du genährt mit reinem Sinn;
Ob freundlich leuchten, dunkel Dir des Glückes Sterne,
Bleib Du nur immer selbst Dir treu in Deinem Streben,
Bewahr den sinn'gen Ernst, den holden Zauber in der Minn';
So fesselst Du das Glück auch noch in weiter Ferne.

München den 27. Februar 1834.

Beobachter für Deutschland und Bayern Nr. 53. München; Sonntag, den 2. März 1834.

#Der Bayerische Landbote (15.10.1841)

Notizen über Kunst.

Theater. Den 12. Okt.: »Die Braut von Messina,« Trauerspiel von Schiller. Mad. Schunke – Isabella. Hr. Schunke – Don Cesar.

Unsere heitere Erinnerung schweift heute zurück auf die von einem schönen Künstlerkreise verherrlichte Epoche des vorigen Dezenniums unserer k. Hofbühne und das Bild einer jungfräulichen, zarten Amorosa vergegenwärtigt sich, welche damals in jugendlicher Lieblichkeit die Fülle ihres begabten Talents vor uns ausgoß. Dem. Senger ist nun Mad. Schunke und diese eine gebildete Matrone, eine Heroin der Tragödie, welche sich von der jocosen Muse und von Thatiens jüngern Töchtern zu den übertragenen Müttern, zur plastischeren Klassik gewendet hat. Sie besitzt hiezu viele glückliche Mittel, eine schöne Gestalt, kräftiges und biegsames Organ, das in männlicher Tiefe der Stimme noch sehr verständlich und angenehm ist, gute Deklamation und, wie es scheint, treffendes Auffassungs-Vermögen in diesem gegenwärtig nicht frequentirten Fache des Trauerspiels. Ihre Isabella ist ein edles, der erhabenen Dichtung würdiges Gebilde, so tief empfunden, als gedacht, ausdrucksvoll und von tragischer Wirksamkeit und entging nicht dem allgemeinen Beifall, der sich auch durch lebhaftes Hervorrufen aussprach.

Der Bayerische Landbote Nro. 288. München; Freitag, den 15. Oktober 1841.

#Münchner Tagblatt (21.10.1841)

Hiesiges.

(K Hof- und Nationaltheater) Dienstag, 12. Okt. Unsere geehrte Landsmännin Mad. Schunke, geborne Senger, welche ihre theatralische Laufbahn auf der hiesigen königl. Hofbühne begann und 4 Jahre lang im Fache der jugendlichen Liebhaberinnen und Heldinnen eine Zierde derselben war, begann nach mehrjähiger Entfernung aus ihrer Vaterstadt, ihr gegenwärtiges Gastspiel als »Isabella« in Schillers »Braut von Messina.« Fast möchte es scheinen, als habe diese hübsche und noch junge Frau das Auftreten in dem Fache der tragischen Mütter und Anstandsdamen aus dem Grunde gewählt, weil dieses Fach seit der Pensionirung der großen Schröder unbesetzt geblieben ist, und sohin für Mad. Schunke eine um so größere Wahrscheinlichkeit vorhanden war, fortan ihr schönes Talent dem Dienste der königl. Hofbühne ihrer Vaterstadt wiedmen zu können, da auch ihrem Gatten, Herrn Schunke, die Konkurrenz um die durch den Abgang des Herrn Forst, erledigte Stelle offen stand. Es war für Mad. Schunke eine höchst schwierige Aufgabe, die Rolle der Isabella nach einer unerreichbar großen Vorgängerin wie Mad. Schröder darzustellen; das Publikum war aber so gerecht, nicht jene höchste Kunstvollendung als Maßstab der Beurtheilung anzunehmen, sondern erkannte mit Wohlgefallen, wie sehr Mad. Schunke in ihrer Kunstausbildung vorgeschritten sey, und belohnte ihre in jeder Hinsicht ausgezeichnete Kunstleistung durch öfters wiederholte, lebhafte Beifallsbezeugungen. Eine Naturgabe, deren sich Mad. Schunke zu erfreuen hat, ist ihr wunderschönes, kräftiges und metallreines Organ, das jeder Modulation fähig, besonders, in der Tragödie als ein reicher Schatz zu betrachten ist. Herr Schunke, der die Rolle des »Don Cesar« darstellte, und sowohl im Lustspiel, als in der Tragödie freundliche Erinnerungen an den unvergeßlichen Urban hervorruft, zeigte sich in seinem tiefdurchdachten Spiele als ein gebildeter und gewandter Darsteller, welcher die von ihm vor 8 Jahren gehegte Hoffnungen rechtfertigte, und fand so wie die liebenswürdige Darstellerin der Beatrice, Mad. Dahn, die durch malerische Plastik den Reiz ihres rührenden Vortrages erhöhte, die ehrenvollste Anerkennung. Herr Schenk als Don Manuel, Herr Hölken und Herr Mayer als Führer der Chöre und Herr Heigel als Diego verdienen rühmliche Erwähnung. – Am Schlusse wurden Mad. Schunke, Mad. Dahn und Herr Schunke gerufen.

B. V.

Münchner Tagblatt Nro. 291. Donnerstag, den 21. Oktober 1841.

#Der Bayerische Eilbote (29.10.1841)

Königliches Hof- und National-Theater.

Mittwoch den 27. October: »Die Bekenntnisse, Scherzspiel (dessen Dialog nur hie und da etwas gedehnt ist) in 3 Acten von Bauernfeld. Hierauf: Die Wahnsinnige, Drama in zwei Acten nach dem Französischen von Angely.

Motto aus dem ersten Stücke:

Wovon schwatzen wir denn?
Von vergangenen schönen Zeiten!
Dein Triumph ist vollkommen!
Nun wir wollen sehen, was zu machen ist!

Der Eilbote kömmt nach langem Schweigen über Theater auf die letzten Gastrollen des Schunke'schen Künstlerpaars zu sprechen. Dieses Künstlerpaar war seit mehreren Jahren der hiesigen Bühne entzogen. Mad. Schunke, geb. Senger, aus einer ehrenwerthen hiesigen Familie, bildete sich vor Jahren dahier fürs Schau- und Lustspiel, wie für die höhere Tragödie. Nachdem sie im Ausland mit Glück sich auszubilden strebte, kömmt sie mit ihrem Gatten hieher zurück, gastirt und wird eben so, wie ihr würdiger Gatte, mit unzweideutigen Ehren- und Gunstbezeigungen vom heimathlichen Publicum überhäuft.

Sie hat einen majestätischen Wuchs, edle Haltung und ein wohltönendes Organ. In ihren ausdrucksvollen Augen pflegt sich das Gemüth hell zu verkünden; in der Beweglichkeit ihrer Physiognomie, in dem feinen Spiel ihrer Mienen liest man auch die leisesten Bewegungen des Gemüthes; in den mannigfaltigsten Artungen ihrer Stimme ist Kunst der Stimmenübergänge und des wechselnden Ausdrucks zu Hause. Mad. Schunke ist noch in den besten Jahren und dürfte nicht blos in Partieen einer Dahn, Denker, Hölken eine angenehme Abwechselung zu bringen, sondern auch besonders, auf dem erhabenen Cothurn einherschreitend, jenes seit dem Abgang einer Schröder durch unsere brave Fries nicht allein ausfüllbare Rollenfach zu ergänzen geeignet seyn.

Hr. Schunke, der heute als Adam von Zinnburg ergötzte und mit seiner Gattin (Anna von Linden) die Ehre stürmischen Hervorrufs und Applauses meheremals theilte, spielte besonders meisterhaft im zweiten Stücke seine Wahnsinnscenen mit so erschüttender Wahrheit, daß er die Herzen mit eisigem Schauder erfüllte. Am Schlusse nochmal mit seiner Frau gerufen, dankte er mit innigen, sinnigen Worten, und empfahl sich und Mad. Schunke dem Publicum zu gleich gütigem Wohlwollen für den Fall einer Wiederkehr auf längere Zeitdauer.

Wir schließen mit der Versicherung, daß es »schöne Zeiten« seyn dürften, wo wir dieß heimische Künstlerpaar noch das unsrige nennen könnten!

»Nun wir wollen sehen, was zu machen ist!«

Der Bayerische Eilbote No. 130. München; Freitag, den 29. Oktober 1841.

#MR – 253…256 (Barth-Harmating)


MDCCCV.
MONUMENTUM
NOVUM
¿

Linke Spalte
Hier ruhen in Gott:
Freifrau Flora
v. Barth Harmating
geb. Freiin von Krauss.
geb. 5. Aug. 1822, gest. 3. Dez. 1897.

R. I. P.

Und deren Gatte
Anton Melchior Freiherr
v. Barth zu Harmating
k. b. Kämmerer
Senior der Familie
und Fideicomissherr
Harmating geb. 25. Nov. 1815 gest. 25. Aug. 1902.
Freifrau Wilhelmine
v. Barth zu Harmating
geb. Freiin von Krauss
geb. 2. Okt. 1857, gest. 14. April 18¿
und deren Gatte
Hugo Freiherr
v. Barth zu Harmating
k. b. Generalmajor a. D.
geb. 3. Juli 1849, gest. 31. Okt. 1935

Rechte Spalte
Hier ruhen in Gott:
Maximilian Freiherr
v. Barth Harmating
Direktor
der k. bayr. Rechnungskammer
Ritter
d. Verdienstordens v. hl. Michael I. Cl.
u. Inhaber d. Militärdenkzeichens
geb. 24. Aug. 1788, gest. 14. Dezbr. 1861
Ux. Catharina Freifrau
v. Barth Harmating
geb. Pals,
geb. 4. Nov. 1799, gest. 6. Juni 1871.
Wilhelm Carl Martin
Caspar Freiherr
v. Barth Harmating
Finanzrechnungs-Commissär
der kgl. Regg. von Oberbayern.
geb. 12. Juni 1827 gest. 28. April 1877.

Linke Tafel
¿

Rechte Tafel
Hier ruht
der Hochwohlgeborne Herr
Franz Freiherr
von Barth zu Harmating
Hauptmann und Compagniechef
Ritter des k. bayer. Militär-Verdienstordens
und des k. pr. eisernen Kreuzes II. Classe
Inhaber d. Kriegsdenkmünze für 1870-71
und des Armeedenkzeichens 1866.
geb. d. 10. Mai 1848 zu Schloss Reichersbeuern
gest. d. 7. Januar 1886.
Anna Freifrau
von Barth zu Harmating
geb. Schonger
Hauptmannswitwe
geb. 17. Januar 1857 gest. 21. Juni 19¿

R. I. P.


  • Barth zu Harmating, Flora Freifrau von (vh) / Krauss, Freiin von (gb); 5.8.1822 – 3.12.1897
  • Barth zu Harmating, Katharina Freifrau von (vw) / Pals (gb); 4.11.1799 – 6.6.1871 (München); Rechnungskammerdirektors-Witwe
  • Barth zu Harmating, Maximilian Freiherr von; 24.8.1788 – 14.12.1861 (München); Direktor der bayerischen Rechnungskammer
  • Barth zu Harmating, Wilhelm Karl Martin Kaspar Freiherr von; 12.6.1827 – 28.4.1877; Finanzrechnungskommissär
  • Barth zu Harmating, Anna Freifrau von (vh) / Schonger (gb); 17.1.1857 – 21.6.19¿; Hauptmanns-Witwe
  • Barth zu Harmating, Anton Melchior Freiherr von; 25.11.1815 – 25.8.1902; Kämmerer
  • Barth zu Harmating, Franz Freiherr von; 10.5.1848 (Schloss Reichersbeuern) – 7.1.1886; Hauptmann
  • Barth zu Harmating, Freifrau Wilhelmine von (vh) / Krauss, Freiin von (gb); 2.10.1857 – 14.4.18¿
  • Barth zu Harmating, Hugo Freiherr von; 3.7.1849 – 31.10.1935; Generalmajor a. D.

Grab der Familie Barth-Harmating auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

Grab der Familie Barth-Harmating auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2021)

Grab der Familie Barth-Harmating auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2021)

Grab der Familie Barth-Harmating auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2021)

#MR – 258 (Prentner)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Prentner, Franz Xaver von; 3.5.1773 – 13.11.1849 (München); Oberappellationsgerichtsdirektor
  • Prentner, Marianne von (vh) / Barth, von (gb); 21.8.1783 – 13.9.1848 (München); Oberappellationsgerichtsdirektors-Gattin

Grab der Familie Prentner auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familie Prentner auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#MR – 261…266 (Toerring)


Schwanthaler fecit

AUGUSTO JOSEPHO
S. R. I. COMITI. IN. TOERRING ET. GRONSFELD.
FILIUS
JOSEPHUS AUGUSTUS
MONUMENTUM. MOER¿ POSUIT
¿ URIQUE PURIOVE MENOR
SIBI. SUISQUE
LOCUM OVIETIS PARAVIT
¿


  • Toerring, August Graf von; 1.12.1753 (München) – 9.4.1826 (München); Dramatiker und Staatsminister

Grab der Familie Toerring auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

Grab der Familie Toerring auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familie Toerring auf dem Alten Südfriedhof München (April 2016)

Grab der Familie Toerring auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

#August Graf von Toerring

* 1.12.1753 (München)
† 9.4.1826 (München)
Dramatiker und Staatsminister

#Biographisch-literarisches Lexikon der katholischen deutschen Dichter, Volks- und Jugendschriftsteller im 19. Jahrhundert (1868)

Johann August Graf von Törring-Guttenzell.*)

wurde geboren am 1 Dec. 1753 zu München, wo sein Vater Hofrathspräsident war. Er studierte zu Ingolstadt, wurde nach seiner Rückkunft (1773) alsbald vom Kurfürsten zum wirklichen Hofkammerrath ernannt, rückte 1779 zum Oberlandesregierungsrath vor, wurde 1785 auf sein Ansuchen von dieser Stelle entbunden, 1789 Vicepräsident der Hofkammer, 1799 Präsident der Landesdirektion, welcher Stelle er 1801 auf sein wiederholtes Ansuchen enthoben wurde. Am 3. Mai 1817 wurde er zum Präsidenten des Staatsrathes mit dem Rang eines Staatsministers ernannt und starb als solcher am 9. April 1826. Er war ein Mann von altem Schrot und Korn, offen, thätig, bieder und feind aller Heuchelei. Seine beiden dramatischen Stücke sind würdige Nachahmungen des »Götz von Berlichingen« von Goethe. – Dr. Rosenkranz: Gedächtnißschrift. N. Nekrolog 4. 850. Meusel 21, 102. Wolff 7. 390. Gödeke 2. 1053. Gervinus 4, 578. Koberstein 3095. Kurz 3, 376. Hillebrand 3, 8. Eitner 119. Hüppe 223. Kehrein. Dr. P. 2, § 37. Agnes Bernauerin. Vaterländisches Trauerspiel. München 1770. 1782. 1791. (Bearb. von J. J. Engel. Berlin 1783.) – Kaspar der Thorringer, oder der Bürgeraufruhr zu Landshut. Histor. Schauspiel. Frankfurt und Leipzig 1782. Klagenfurth 1785. Wien 1783. 1811. (Dies Stück hat der Verf. nie anerkennen wollen, was sich aus seinen Dienstverhältnissen zum Hause Wittelsbach erklären läßt.)

*) Name und Geburtszeit aus dem N. Nekrolog. Meusel nennt ihn Joseph August Graf von Törring und Kronsfeld; Gödeke nennt ihn Jos. Aug. Graf von Törring-Kronsfeld, geb. 1875; Hillebrand hat: der Graf Jos. von Törring 1753 [54?] – 1826; Wolff: Jos. August Graf zu Törring, geb. 1. Dez. 1763; Eitner: J. A. Reichsgraf von Törring zu Kronsfeld und Guttenzell, geb. 1763; Hüppe: Jos. August Graf zu Törring, geb. 1754.

Joseph Kehrein: Biographisch-literarisches Lexikon der katholischen deutschen Dichter, Volks- und Jugendschriftsteller im 19. Jahrhundert. Zürich, Stuttgart und Würzburg, 1868.

#Deutsches Dichter-Lexikon (1876/1877)

Törring-Guttenzell, Johann August Graf von, wurde am 1. Dezember 1753 zu München geboren, wo sein Vater Hofrathspräsident war, studierte in Ingolstadt, wurde darauf (1773) vom Kurfürsten zum wirklichen Hofkammerrath ernannt, rückte 1779 zum Oberlandesregierungsrath vor, wurde aber 1785 auf sein Ansuchen von dieser Stelle entbunden, 1789 Vice-Präsident der Hofkammer, 1799 Präsident der Landesdirektion, von welchem Posten er 1801 auf sein wiederholtes Ansuchen enthoben wurde, und 1817 Präsident des Staatsraths mit dem Range eines Staatsministers. Als solcher starb er am 9. April 1826.

Dichtungen: Agnes Bernauerin. Vaterländ. Trsp. München 1780. 1782. 1791. (Bearbeitet von J. J. Engel. Berl. 1793.) – Kaspar der Thorringer, oder: Der Bürgeraufruhr zu Landshut. Histor. Schausp. Frkf. u. Leipz. 1782. Klagenfurt 1785 Wien 1785. 1811. (Dieses Stück hat der Verf. nie anerkennen wollen, was sich aus seinen Dienstverhältnissen zum Hause Wittelsbach erklären läßt.)

Franz Brümmer: Deutsches Dichter-Lexikon. Biographische und bibliographische Mittheilungen über deutsche Dichter aller Zeiten. Unter besonderer Berücksichtigung der Gegenwart. Eichstätt & Stuttgart, 1876/1877.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Toerring Josef August, von, Graf, 1753 (München) – 1826, Staatsminister, Präsident des Staatsrats und Verfasser von Ritterdramen; er stammt aus der Linie Jettenbach-Cronsfeld-Guttenzell und studierte in Ingolstadt Rechte und Philosophie, um 1773 in München als wirklicher Hofkammerrat und kurfürstlicher Kämmerer in den bayerischen Staatsdienst einzutreten; 1779 wurde T. Oberlandesregierungsrat, nahm 1785 unter Karl Theodor seine Entlassung, trat aber 1789 wieder in den Staatsdienst; 1817 wurde er Staatsminister und Präsident des Staatsrats im Rang eines Staatsministers; T., seit 1775 auch Mitglied der BAkdW, stand in regem Briefwechsel mit Gelehrten und Schriftstellern und ist bekannt als Verfasser von Ritterdramen.

Hauptwerke: Kaspar der Thorringer, Agnes Bernauerin; Ts. Dramen, wenn auch heute völlig veraltet und von geringem ästhetischen Wert, waren seiner Zeit anregend für die Dichter Simrock, Hebbel und Otto Ludwig.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#MR – 267·268 (Godin · Schleich)


Anna Freifrau von Godin
geb. Jaegerhuber
Vorbild der besten Gattin, und Mutter
geb. 28. März 1819, gest. 22. April 1895.
Ludwig Freiherr von Godin
kgl. bayr. Kämmerer,
Fürstl. Hohenzollern’scher Hofkammerpräsident.
geb. 13. Nov. 1814, gest. 27. Okt. 1898.
Bernhard
Christoph Freiherr von Godin
Geheimer Justizrat, und k. Advokat
geb. 15. Juni 1840, gest. 26. Okt. 1913.
Dessen Gattin
Julie Freifrau von Godin
geb. Freiin von Eichthal
geb. 26. April 1856, gest. 18. Juni 1937.
Wilhelmine Freiin von Godin
geb. 2. Mai 1832, gest. 10. April 1912.

R. I. P.

HIER RUHET DIE ASCHE DES KOENIGL. STAATS-
RATHES, KAEMMERERS GENERAL COMMISSAERS
UND REGIERUNGS PRAESIDENTEN
FREIHERRN FERDINAND von SCHLEICH
AUF HAARBACH etc.
GROSSKREUZ DES CIVIL VERDIENST ORDENS
DER K. BAYERISCHEN KRONE,
GEBOREN DEN 25 JULY 1766.
GESTORBEN DEN 3 JULY 1833.
STRENGSTES PFLICHTGEFÜHL, MENSCHEN-
FREUNDLICHKEIT UND HERZENSGÜTE
ZEICHNETEN IHN AUS.
FRIEDE SEY MIT IHM!

Sockel
HIER RUHT NEBEN IHREM OHEIME
ELEONORA FREIFRAU von SCHLEICH,
GEB. FREIIN V. STRANSKY-GREIFENFELS
K. KAMMERJUNKERS U. KREIS U. STADTGERICHTS ASSESSORS GATTIN.
SIE STARB IN IHREM 25. LEBENSJAHRE DEN 24. JAENNER 1840.


  • Godin, Anna Freifrau von (vh) / Jägerhuber (gb); 28.3.1819 – 22.4.1895
  • Godin, Bernhard Christoph Freiherr von; 15.6.1840 – 26.10.1913; Anwalt und Justizrat
  • Godin, Julie Freifrau von (vw) / Eichthal, Freiin von (gb); 26.4.1856 – 18.6.1937
  • Godin, Ludwig Freiherr von; 13.11.1814 – 27.10.1898; Kämmerer
  • Godin, Wilhelmine Freiin von; 2.5.1832 – 10.4.1912
  • Schleich, Eleonora Freifrau von (vh) / Stransky-Greifenfels, Freiin von (gb); – 24.1.1840 (München), 24 Jahre alt; Stadtgerichtassessors-Gattin
  • Schleich, Ferdinand Freiherr von; 25.7.1766 – 3.7.1833 (München); Staatsrat

Grab der Familien Godin · Schleich auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

Grab der Familien Godin · Schleich auf dem Alten Südfriedhof München (August 2008)

Grab der Familien Godin · Schleich auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

Grab der Familien Godin · Schleich auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2008)

Grab der Familien Godin · Schleich auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

#MR – 269 (Becke)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Becke, Franz Arnold von der; 17.1.1754 (Herberen/Westfalen) – 13.8.1832 (München); Staatsrat

Grab der Familie Becke auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familie Becke auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

Grab der Familie Becke auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familie Becke auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

Grab der Familie Becke auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

#MR – 270·271 (Setterl)


Grab der Familie Setterl auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#MR – 272 (Pacher)


Hier ruht
unser innigst geliebter Sohn
Ferdinand
geb. den 2¿. Feb. ¿, gest. den 4. April 1857.

Zu frühe für der Eltern Glück berührte
Der Tod dein ¿ Leben zart u. rein
Wir stehn in Leid ¿ dich aber führte
Der Engel ¿ Engeln ein.


  • Pacher, Ferdinand; ¿ – 4.4.1857

Grab der Familie Pacher auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familie Pacher auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#MR – 273·274 (Lerchenfeld-Brennberg · Segesser)


In Liebe weihen die Überlebenden
dieses Denkmal
Der Mutter Franziska Gräfin von
Lerchenfeld Brennberg geb. Freyin von
Leoprechting & Allemansberg ¿
Lieut. Wittwe.
Ihrer Tante Leopoldine Freyfrau von
Segesser geb. Gräfin von R¿
Bayr. Oberhofmeisterin
gest. den ¿ Jänner 180¿ im 68. L¿


  • Lerchenfeld-Brennberg, Alfons von; 18.11.1838 – 22.5.1906; Kämmerer
  • Lerchenfeld-Brennberg, Anton; 29.1.1787 – 22.8.1840 (München); Kämmerer
  • Lerchenfeld-Brennberg, Franziska Gäfin von (vw) / Leoprechting-Allemansberg, Freiin von (gb); 5.3.1758 – 9.8.1833 (München); Leutnants-Witwe
  • Lerchenfeld-Brennberg, Karoline von; 26.4.1829 – 12.7.1840 (München); Kämmerers-Tochter
  • Lerchenfeld-Brennberg, Maximilian von; 8.2.1817 – 28.9.1852 (München); Kämmerer
  • Lerchenfeld-Brennberg, Therese von (vh) / Lodron, Gräfin von (gb); 5.12.1785 – 25.9.1845 (München); Stiftsdame zu St. Anna
  • Lerchenfeld-Brennberg, Philipp von; 30.5.1785 (München) – 28.10.1854 (München); Regierungspräsident
  • Segesser, Leopoldine Freifrau von (vh) / Rüpp, Gräfin von (gb); – 5.1.1803 (München), 67 Jahre alt; Oberhofmeisterin

Grab der Familien Lerchenfeld-Brennberg · Segesser auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

Grab der Familien Lerchenfeld-Brennberg · Segesser auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#MR – 275·276 (Krafft-Dellmensingen)


Den theuern Eltern aus dankbarer Liebe.

Linke Spalte
Karl Ludwig von Krafft
Dellmensingen
¿ Badischer Hofrath.
geb. den ¿ Sept. 1774,
gest. den 7. Okt. 1850.
Karl Ferd. von Krafft
Dellmensingen
k. b. Appell-Rath
geb. den 3. Nov. 1805
gest. den 28. Mai 1868.

Rechte Spalte
Christine von Krafft
Dellmensingen
geborne von Gaßer.
geb. den 1. Juni 1782,
gest. den 18. Mai 1867.
Josephine von Krafft
Dellmensingen
geb. den 16. Oktbr. 1808,
gest. den 22. Jan. 1890.
Emilie von Krafft
Dellmensingen
großh. b. Hofrathstochter
geb. den 18. Jan. 1812 zu Constanz
gest. den 19. Mai 1895 zu München.

von Krafft’sche Familien Begräbniß


  • Krafft-Dellmensingen, Christine von (vw) / Gasser, von (gb); 1.6.1782 – 18.5.1867 (München); Hofrats-Witwe
  • Krafft-Dellmensingen, Emilie von; 18.1.1812 (Konstanz) – 19.5.1895 (München); Hofrats-Tochter
  • Krafft-Dellmensingen, Franz von; 27.1.1845 – 20.5.1895; Notar
  • Krafft-Dellmensingen, Josefine von; 16.10.1808 – 22.1.1890
  • Krafft-Dellmensingen, Karl Ferdinand von; 3.11.1805 – 28.5.1868 (München); Appellationsgerichtsrat
  • Krafft-Dellmensingen, Karl Ludwig von; 15.9.1774 – 7.10.1850 (München); Hofrat

Grab der Familie Krafft-Dellmensingen auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

Grab der Familie Krafft-Dellmensingen auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#MR — 277·278 (Weixlstorfer)


Grab der Familie Weixlstorfer auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#MR – 279 (Campi)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten
Eine historische Abbildung zeigt folgende Inschrift:

Hier ruht
Antonia Campi
geb: Miklasiewiećź aus Lublin
Kai:Kön:Kammersëngeriñ in Wien.

In ihr entschlief
eine treue Gattinn,
eine zärtliche Mutter,
eine hochgeachtete
Künstlerinn!

Sie endete
auf einer Durchreise
in München
die Reise des Lebens
am
Iten October MDCCCXXII.
um jenseits zu
singen
im Chore der Engel.


  • Campi, Antonia (vh) / Miclacewicz (gb); 10.12.1773 (Lublin) – 1.10.1822 (München); Sängerin

Grab der Familie Campi auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#Antonia Campi (vh) / Miclacewicz (gb)

* 10.12.1773 (Lublin)
† 1.10.1822 (München)
Sängerin

#Antonia Campi.

(Breslau 1820.)

Aus früher Kindheit kenn’ ich Deinen Nahmen
und Deinen Ruhm, Du große Sängerin,
Denn alle die aus fremden Landen kamen,
Erhoben Dich, des Liedes Meisterin;
Wie lange schon entzücken die Gesänge
Die Dir entschweben der Bewundrer Menge?

Und heute noch, wie in der Jugend Blüthe
Voll Anmuth und voll Lieblichkeit erklingt
Dein Silberton, der innig zum Gemüthe
Aus dem er kam, unwiderstehlich dringt.
Ja wie’s dem Phönix wundersam gelinget,
So hast Du Dich, Antonia, verjünget.

Das sind der Kunst unendliche Gewalten!
Wer in des ew’gen Ruhmes Tempel drang,
Der stirbt nicht mehr! Die Musen selber halten
Geebnet ihm den ird’schen Künstlergang.
Oh viva viva prima Donna rara!
Apoll mit Dir, Du bist die größ’re Mara.

Antonia Campi. (Breslau 1820.)

#Allgemeine musikalische Zeitung (17.10.1821)

Berlin. Uebersicht des September. Drey Sängerinnen aus Wien haben in diesem Monate uns angenehme musikalische Stunden verschaft. Die erste war die kaiserlich königliche erste Hof Kammer und Hof-Opernsängerin Mad. Antonie Campi. Sie sang in den beyden am 7ten und 15ten von der Generalintendantur veranstalteten Concerten; im ersten eine Scene und Cavatine von Bianchi, eine Bravourarie von Gyrowetz, eine Scene und Arie mit Chören von Caraffa und Variationen von Riotte über die Romanze aus Joseph in Aegypten, und im zweyten eine Szene und Arie von Paer, eine Arie mit der von Hrn. Semler gespielten obligaten Bratsche von Morlacchi, eine Szene und Cavatine von von S. Mayr, und Bravour-Variationen mit Chor über das Thema: God save the King, mit deutschem Text von Berner.

Auch trat sie am 28sten als Constanze in Mozart’s Zauberflöte, beydemal in dem diesen Monat wieder eröffneten und neu im Innern restaurirten Opernhause auf. Sie entwickelte durch ihre vollen und weichen Mitteltöne, da die tiefen nicht bedeutend stark und die hohen dünn, aber noch bis zum dreygestrichenen E rein und angenehm sind; auch bewunderte man den unübertrefflichen Triller, das schöne Staccato, die vollkommenen Coloraturen und Passagen, das ausgebildete Portamento, die Schwingung des Tons durch verschiedene Nuancen von forte und piano, den chromatischen Lauf, die unübertreffliche Zartheit, Innigkeit, Lieblichkeit und Nuancirung ihres Gesangs. Wir haben Hoffnung, sie noch länger hier zu hören.

Die zweyte war Dem. Marie Therese Sessi […] Die dritte war Dem. Mariane Kainz […]

Allgemeine musikalische Zeitung Nr. 42. 17. Oktober 1821.

#Allgemeine musikalische Zeitung (17.7.1822)

Der vorige Reichstag, und vorzüglich der Aufenthalt Sr. Maj. des Kaisers und Königs während demselben in Warschau war Ursache, dass fast zu gleichen Zeit drey berühmte Sängerinnen bey uns erschienen.

Mad. Campi aus Wien, die hier zuerst auftrat, erhielt außerordentlichen Beyfall, und fand auch die grössten Vortheile, wozu der Umstand nicht wenig beytragen mochte, dass sie eine Polin von Geburt ist. Eine Arie mit unterlegtem polnischem Texte: ich begrüsse dich, theures Vaterland etc. war das erste, was die vortrug. Sie gab drey Concerte und trat als Amenaide in Tancred von Rossini auf.

Mad. Sessi sang nur in zwey Concerten, gefiel im ersten, besonders in der Scene aus Romeo und Julie ebenfalls ungemein, und wollte sich noch in Scenen hören und sehen lassen; allein durch ein Missverständniss in Rücksicht der ferneren Preiserhöhung, unterblieb dies.

Dieselbe Ursache entfernte uns auch Mad. Campi, die aber das Glück hatte, von Sr. Maj. mit einem Fermoir, mit Brillanten besetzt, beschenkt zu werden, obschon für diessmal Se. Maj. nicht im Theater waren.

Mad. Catalani, die ihre Superiorität besonders durch die Erzwingung einer noch grössern Preis-Erhöhung der Plätze beurkunden wollte und der es nicht gelang, trat nicht öffentlich auf; sie entzückte ihre Verehrer durch ihren Gesang nur in ihrer Wohnung, und in einigen Privat-Gesellschaften.

Allgemeine Musikalische Zeitung Nr. 29. 17. Juli 1822.

#Flora (5.10.1822)

Miszellen

Mit dem Gefühle des innigsten Bedauerns vernahmen alle Freunde des Gesanges den schnellen Tod der ersten k. k. Hofsängerin Mad. Campi, welche erst seit kurzer Zeit in München angekommen war, gleich erkrankte, und bei uns das Ziel ihrer irdischen Bestrebungen finden sollte. Sie starb am 1. October Abends 7 Uhr an einem Entzündungsfieber. Schmerzlich tönt uns wieder der bange Klageton entgegen, daß auch das Schöne vergehen müsse, und daß des Sängers und des Mimen Gebilde oft nur zu frühe unwiederbringlich uns entschwinden. Ja, Alle werden dieses tief mit uns empfinden, welchen das Glück zu Theil ward, den Gesang dieser so ausgezeichneten Künstlerin in früherer Zeit, ja selbst noch vor einigen Jahren bei ihrer Anwesenheit in München zu bewundern. Ausgestattet von der Natur mit dauerhafter Gesundheit und kräftiger Körper-Beschaffenheit, so wie mit einer herrlichen, in allen Lagen umfangreichen, wohlklingenden Stimme, die besonders zu einer ungewöhnlichen reinen Höhe gesteigert werden konnte, entzückte sie in Vereinigung mit einem höchst ausdruckvollen imponirenden Vortrage, welcher eine seltne Größe von Kunstausbildung erreichte, ganz Europa, und erwarb sich den wohlverdienten Ruhm, mit einer Sesst und Catalant, das Kleeblatt der ersten Sängerinnen unsrer Zeit, vollenden zu dürfen. Wohl sind ihre Zauberklänge jetzt verschwunden, auf ewig sind die Lippen geschlossen, denen oft ein ätherischer Strom begeisternder Melodien entquoll. Sie, die Schöpferin dieser mächtigen, uns erfreuenden Töne, liegt in der kalten Gruft; doch in der warmen Brust derer, die sie entzückte, lebt das schöne Andenken uud die Erinnerung so mancher herrlichen Stunde fort, und diese lebhafte Theilnahme ist der letzte, aber der schönste Zweig zu dem unverwelklichen Lorbeerkranze, den ihr die Mitwelt um die Schläfe wand. Die Chöre der deutschen und italienischen Oper sangen Ihr bei ihrer gestrigen Beerdigung ein Grablied.

Flora Nro. 159. München; Samstag, den 5. Oktober 1822.

#Flora (11.10.1822)

Theater-Anzeige.

Danksagung.

Vom tiefsten Schmerze durchdrungen, erfülle ich die traurige Pflicht, allen verehrlichen Mitgliedern der k. Hofkapelle und der k. Hoftheater, welche durch ihre Gegenwart bei dem Begräbniße meiner Frau und dem für ihr Seelenheil statt gehabten Gottesdienste eine so lebhafte Theilnahme an ihrem Dahinscheiden, als eine ehrenvolle Würdigung ihrer Kunst bewiesen, mit gerührtem Herzen meinen innigsten Dank abzustatten. Der Verklärten haben Sie durch diese schöne Auszeichnung zum ewigen Andenken den letzten Lorbeerkranz gewunden, mir aber wurde dadurch aufs Neue die Größe meines unersetzlichen Verlustes fühlbar.

Mit der wiederholten Versicherung des Dankes und der Hochachtung empfehle ich mich und die Entseelte in Ihr wohlwollendes Andenken.

München, den 9. October 1822.

Gaetano Campi,
Tonkünstler.

Flora Nro. 162. München; Freitag, den 11. Oktober 1822.

#Morgenblatt für gebildete Stände (16.10.1822)

Korrespondenz-Nachrichten
München, Ende September.

Die berühmte Wiener Sängerin, Mad. Campi, liegt hier krank darnieder, und die Aerzte geben wenig Hoffnung. Sie kam vor zehn Tagen hieher, um, wie es heißt, bey unserer, Mitte dieses Monats wieder ihre Wirksamkeit beginnenden, italienischen Oper Engagement zu suchen.

Morgenblatt für gebildete Stände Nro. 248. Mittwoch, den 16. Oktober 1822.

#Allgemeine musikalische Zeitung (23.10.1822)

NACHRICHTEN.

Nekrolog.

Madame Campi, die bekannte geachtete Sängerin, ist nicht mehr. Sie kam um die Mitte des Septembers in hiesiger Stadt an, dachte wohl daran, im Erinnern des vor einigen Jahren hier geernteten Beyfalles, neue Lorbeeren zu pflücken, wurde aber von einem Entzündungsfieber ergriffen, und fand statt derselben — ihr Grab. Sie wurde ehrenvoll in öffentlicher Feyer den 5ten October zur Erde bestattet. Chöre der hiesigen Musikvereine hatten sich dabey versammelt, um einen von Hrn. Stunz componirten Trauergesang anzustimmen. Der Schmerz des tiefgebeugten anwesenden Gatten, der schnelle unerwartete Glückeswechsel ergriff die Herzen. Ein feierliches Todtenamt in der Kathedralkirche schloss diese Auftritte der Trauer.

Allgemeine musikalische Zeitung No. 43. 23. Oktober 1822.

#Allgemeine musikalische Zeitung (26.10.1822)

Antonia Campi, k. k. Hofopern-Sängerin, gestorben im October 1822.

Über den Tod dieser berühmten, und durch ihre grosse Kunst ausgezeichneten Sängerin haben wir hiermit den Freunden der Kunst sowohl, als besonders den vielen in Wien befindlichen Verehrern der Verblichenen, folgende nähere Nachrichten übergeben wollen.

Nachdem die Künstlerinn mit ihrem Gatten in München, wohin bey einer vorhabenden Kunstreise ihr Weg sie zuerst geführt, dem Anscheine nach wohlbehalten angekommen war, befiel sie plötzlich, wahrscheinlich die Folge einer während der Reise sich zugezogenen Erkältung, eine so heftige Lungenentzündung, dass die Kunst der herbeygerufenen Ärzte sowohl, als die sorgfältigste Wartung und Pflege an der Heftigkeit der Krankheit scheiterte, und die wirklich unvergessliche Künstlerinn zum Leidwesen der Münchner-Kunstwelt verschied.

Der hohe Stand von Bildung, welcher an dieser kunstliebenden Stadt von jeher bemerkt wurde, zeigte sich auch in dem hohen Grade von Theilnahme, welchen dieser für die Kunst und den zurückgebliebenen Gatten empfindliche Verlust in den Herzen aller Fühlenden wirklich erregt hat.

Der Leichnam der gefeyerten Sängerinn wurde am 4. October auf eine höchst feyerliche Art zur Erde bestattet, indem die Intendanz der königlichen Theater, alle Mitglieder der deutschen und italienischen Oper, alle Professoren der Musik, und eine grosse Menge ausgezeichneter Personen und Einwohner Münchens denselben zu Grabe begleiteten, und ihre ungeheuchelte Trauer über den zu frühen Verlust einer so berühmten Sängerinn zu erkennen gaben.

Der betrübte Gatte suchte der Abgeschiedenen Andenken dadurch zu verewigen, dass er für ihre dort ruhenden Gebeine ein immer bleibendes, eigenes Grab stiftete. Da aber die Landesgesetze das Eigenthum eines Grabes nur für den Zeitraum von zwanzig Jahren gestatten, so widmete derselbe ein Capital, dessen Zinsen in zwanzig Jahren immer wieder den Kaufschilling aufs neue darbiethen, zu diesem Entzwecke.

Hierdurch werden kommende Zeiten nie in die empfindliche Verlegenheit gerathen, in welcher sich oft die Welt befindet, wenn sie die Stelle, welche die sterblichen Reste eines durch seine hohe Schöpferkraft unsterblich gewordenen Genius umschliesst, aufzusuchen vergeblich bemüht ist.

Das Loos des grossen Künstlers im Gesange, so wie aller Virtuosität scheint auf den ersten Anblick desselben zu betrauern, weil von seinem Werk nur der Nachhall übrig bleibt, aber gross sind oft die Folgen, welche das Leben eines durch seine Kunst ausgezeichneten Sterblichen hinterlässt.

Alle imponirenden grossen Erscheinungen in diesem Gebiethe äussern eine so unwiderstehliche Macht, einen so entschiedenen Einfluss auf ihre Mitwelt, dass das Vortreffliche, das eigenthümliche, welches die an dem hochbegabten Individuum bewundert, in den Herzen der Zeitgenossen eine geistige, bleibende, nie verwelkende Wurzel fasst, aus welcher in der immer fortschreitenden und Neues gebährenden Zeit, durch neue Impulse emporstrebender Geister, stets schöne und duftende Blüthen für die Kunstwelt emporspriessen.

Eben so wird die treffliche Schule, welche den Gesang der Signora Campi in vielfacher Beziehung immer zu einem Muster erhob, und deren schöne Anwendbarkeit sich nicht allein bey so vielen dramatischen Vorstellungen in unserm Gefühle ein bleibendes Andenken verschaffte, sondern auch durch Unterricht in die Masse der Künstler und Dilettanten überging – in vielfach ausstrahlenden Zweigen, besonders aber in Wien, dem festen Wohnorte der Verbliebenen, sich verewigt finden.

Ihr grosses Portamento, ihr musterhafter Triller, ihre auserordentliche, Bewunderung erregende Geläufigkeit, ihr gewagtes und doch sicheres Spiel mit den gefahrvollen Klippen des hohen Soprans, ihre feste und reine Intonation – diess sind Vorzüge, welche von Jedermann, Kenner oder Liebhaber, an der Künstlerinn einstimmig bewundert wurden, deren Verlust in ihrer Individualität wir lange schmerzlich empfinden werden.

Mozart’s Zauberflöte darf den Tod der Künstlerinn ernstlich betrauern, eben so wie Donna Anna und Lodoiska, Constanze und mehrere grosse Charaktere des gesungenen Dramas ihren Verlust schmerzhaft fühlen werden. Jedes Theater aber wird oft den frommen Wunsch hegen, dass die keine Anstrengung scheuende Bereitwilligkeit, die grössten Theils gesunde und mit Unpässlichkeiten sehr wenig behaftete Natur der abgeschiedenen Sängerinn, auf seine noch lebenden Individuen, als ein unveräusserliches Legat erblich übergehen möge.

Manche Städte Deutschlands, besonders Dresden und Leipzig, sahen die verblichene Sängerinn in ihrer frühsten Jugendperiode, als Mitglied der italienischen, von Guardasoni dirigirten Oper, Prag wird sie nie vergessen. Pohlens grosse Städte feyern ihr Andenken auf die innigste Weise, aber Wien besonders betrauert ihren Verlust.

Wir fügen das in München bey ihrem Begräbnisse verfasste Gedicht bey.

Grablied (1822)

bey der Begräbnissfeyer der k. k. österr. ersten Hof-Kammer- und Hofopern-Sängerinn
Antonia Campi.

Gedichtet von Reger, in Musik gesetzt von Hartmann Stenz,
abgesungen den 4. October 1822 in München.

  1. Hier über stillen Gräbern weilet
    Der Geist der Unvergänglichkeit;
    Dahin mit raschen Fluthen eilet,
    Im trüben Lauf der Strom der Zeit.
  2. Des Todes Engel ist dem Frommen
    Kein Schreckensbothe, wenn er winkt:
    Herab als Freund sieht er ihn kommen,
    Und seines Lebens Schaale sinkt.

  3. Zu früh der Künstler Bahn entrückte
    Auch Sie des Schicksals strenge Hand,
    Die jüngst noch eine Welt entzückte,
    Die Sängerinn aus fernem Land.

  4. Und unsrer Wehmuth Klagethöne
    Verhallen heut zu ihr hinab:
    Doch Himmelan schwingt sich das Schöne;
    Nur Irdisches umschliesst das Grab.

  5. Was sterblich ist wird einst zu Staube,
    Der Geist wird seinen Schöpfer seh’n.
    Erhebe uns, o heil’ger Glaube!
    Wir werden jenseits aufersteh’n.

  6. Diess Leben ist ein Traum hienieden,
    Nur Trug und Täuschung unser Loos:
    Lass Herr der Welten deinen Frieden
    Uns finden in der Wahrheit Schooss.

Allgemeine musikalische Zeitung Nr. 86. 26. Oktober 1822.

#Abend-Zeitung (29.10.1822)

Correspondenz-Nachrichten.
Aus München.

Die treffliche Sängerin Campi, im Gasthofe zum schwarzen Adler dahier angekommen, um Gastrollen zu geben, ist durch eine todesgefährliche Brustkrankheit an das Lager gebunden.*)

*) Sie ist am 1. Oct. gestorben.

Abend-Zeitung 259. Dienstag, den 29. Oktober 1822.

#Encyclopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften (1835)

Campi, Madame Antonia, Kaiserl. Oesterreichische Cammer- und Hof-Opernsängerin in Wien.

Sie war aus Polen gebürtig, kam ums Jahr 1785 als erste Sängerin zu der italienischen Operngesellschaft des Guardasoni, welche damals abwechselnd in Prag und Leipzig spielte, und heirathete hier bald darauf den bei dieser Gesellschaft befindlichen italienischen Baßsänger Campi; ihr Familienname aber ist bis jetzt nicht bekannt geworden.

Im Jahre 1787 schrieb der unvergeßliche Mozart in Prag eigens für sie die Parthie der Donna Anna in der Oper »Don Juan«, welche auch ihrer ausgezeichnet schönen, milden und weichen Stimme vollkommen angemessen war, und in welcher sanften und sentimentalen Rolle sie sich überall glänzenden und dauernden Beifall erwarb. So widmete sie ihr Talent und ihren Fleiß den Bewohnern Prag’s und der Börse des Theaterunternehmers Guardasoni viele Jahre hindurch mit großer Aufopferung, und wurde demohngeachtet von letzterem schlecht belohnt und keineswegs anständig behandelt.

Dieserhalb verließ sie Prag im Jahre 1801 und ging nach Wien, wo sie als erste Sängerin an Schikaneder’s Theater an der Wien angestellt wurde und sich ebenfalls den wohlverdienten Beifall des Publicums zu erhalten wußte. Zu Anfang des Jahres 1818 kam sie in Wien als erste Sängerin zum Hof-Opern-Theater und wurde 1820 zur Kaiserl. Cammersängerin ernannt.

Im Herbst 1818 gab sie Gastrollen in Leipzig, wo sie die ältern Freunde der dasigen Oper, deren Mitglied und schönste Zierde Madame Campi vor mehr als 20 Jahren gewesen war, mit Achtung und großer Erwartung empfingen; aber mit Bewunderung und lebhaftester Freude sahen sie ihre Erwartungen in gewisser Hinsicht noch übertroffen.

Die Frische ihrer Stimme, die nun einmal der Blüthezeit des Lebens vorbehalten ist – diese kaum abgerechnet, fand man an der trefflichen Künstlerin noch all die Vorzüge, mit welchen sie früher ihre Zuhörer so oft entzückt hatte, und eine wahrhaft bewundernswürdige Geübtheit, Fertigkeit und Geschicklichkeit, für die auch das Allerschwierigste nicht nur ausführbar, sondern leicht scheint, war noch hinzugekommen. Jedoch wünschte Jedermann, wie auch früher schon in Prag und Wien, daß sie sich, besonders in Mozart’s Musik, durch ihre große Kehlgeläufigkeit nicht zu so zahllosen, und noch weniger zu ganz harmoniewidrigen Verzierungen hinreißen ließe.

Nicht geringern Beifall ärndtete sie hierauf in Dresden ein, so wie im Herbst 1819 in Frankfurt a. M., München und Stuttgart. Die Anmuth der Jugend hatte sie verlassen, die Blüthe der äußern Form, welche auf den Bühnen unserer Tage oft über Gebühr geschätzt wird, war verwelkt, und dennoch wußte diese Frau durch den Zauber ihres Gesanges jedes dafür empfängliche Gemüth zu fesseln.

Im August 1821 gab sie Gastrollen in Prag, wie im September und October in Berlin, trat auch an beiden Orten in einigen Concerten auf, und bewies auf’s neue, wie sehr sie in ihrer Kunst mit dem Geiste der Zeit fortgeschritten, so wie an Ausdruck und Empfindung gewonnen habe, und daß sie unbestritten zu den ersten Bravour-Sängerinnen ihrer Zeit gerechnet werden müsse. In demselben Jahre 1821 unternahm sie auch eine Kunstreise nach Warschau, wo sie während des Reichstages sowohl in drei Concerten, wie auch als Amenaide in der Oper »Tancred« von Rossini außerordentlichen Beifall erhielt und das Glück hatte, von Sr. Majestät dem Kaiser von Rußland, Alexander dem Ersten, mit einem kostbaren Brillantringe beschenkt zu werden.

Um die Mitte des Septembers 1822 besuchte sie München wieder, dachte wohl daran, in Erinnerung des vor einigen Jahren daselbst erhaltenen Beifalls, neue Lorbeeren zu pflücken, wurde aber plötzlich von einem Entzündungsfieber ergriffen und fand statt derselben – ihr Grab. Sie starb in München am 30. September 1822 und wurde am 3. October in öffentlicher Feier ehrenvoll zur Erde bestattet, wobei sich Chöre der Münchner Musikvereine versammelt hatten, um einen von Capellmeister Stunz componirten Trauergesang anzustimmen. Der Schmerz des tiefgebeugten anwesenden Gatten, der schnelle unerwartete Glückswechsel ergriff alle Herzen. Ein feierliches Todtenamt in der Cathedralkirche schloß diese Auftritte der Trauer.

Der Umfang der Stimme der Madame Campi wir in deren Blüthezeit sehr bedeutend, von klein g bis ins dreigstr. f, mithin beinahe 3 Octaven. Am schönsten und einander vollkommen gleich waren indeß die Töne vom mittleren bis zum hohen c; die tiefen waren nicht so stark und wohlklingend, und manche der höheren etwas scharf, zuweilen fast kreischend.

Ihre Stimme hatte aber nicht allein eine außerordentliche Kraft, sondern war auch äußerst biegsam, und nicht minder, erfreuete sie durch Deutlichkeit, Bestimmtheit und Reinheit des Vortrags; aber auch ihr Gesang mit halber Stimme war sehr schön. Ihr Triller war überraschend und unübertrefflich; kühn, richtig abgemessen und sehr gleichförmig, was sie öfters durch staunenswerthe Durchführung zeimlich langer Trillerketten bewies. Ihr Tragen des Tones vom leisesten Piano bis zum stärksten Forte war herzergreifend, und die Sicherheit, womit sie sich öfters vom tiefsten Tone bis zum höchsten hinaufschwang, möchte wohl jetzt nur noch wenigen Sängerinnen eigen seyn, wie sie auch überhaupt die größten Schwierigkeiten im Gesange mit seltener Fertigkeit überwand.

Das schönste Staccato, die vollkommenen Coloratouren und das kunstgemäß ausgebildete Portamento wurden überall bewundert. Ihr vibrirender Ton bewies ihre große Uebung in der diatonischen Tonleiter, die chromatischen Scalen führte sie mit großer Präcision aus, und mit vollem Recht mußte man ihr die drei Puncte der alten Singschule: formare, fermare und finire, zugestehen. Ihre belebte Declamation und die ihr eigenthümliche Leidenschaft im Spiele wurde noch bewundert, als sie bereits an Jahren ziemlich weit fortgeschritten war. Bedeutende Theater-Kenntnisse unterstützten sie dabei.

Bei einem Vergleiche zwischen der Catalani und der Campi wurde versichert, daß letztere, bei einer länger erhaltenen und umfangreicheren Stimme, eine weit gründlichere Gesangsmethode, bedeutendere Musikkenntnisse und einen längeren und präciseren Triller habe. Nur zwei Fehler wurden an ihr, als ihren herrlichen Gesang verunstaltend, getadelt. Der eine war: das zu plötzliche Verstärken und gleich darauf eben so jähe Verschlucken der Töne, welches sie oft so sehr übertrieb, daß es, besonders in gebundenen Noten, fast in ein Heulen ausartete. Der zweite bestand darin, daß sie nicht drei Töne nach einander ohne Mordent, Vorschlag oder irgend einen anderen Schnörkel vortrug, und zwar in jedem Zeitmaaße.

v. Wzrd.

Baron von Winzingerode: Encyclopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften oder Universal-Lexicon der Tonkunst. Stuttgart, 1835.

#Österreichische National-Enycyklopädie (1837)

Campi, Antonia, wurde bey Schikander und Zitterbarth 1801 von Prag engagiert, und debutirte bey der Eröffnung des neuerbauten Theaters an der Wien am 13. Juny desselben Jahres. Ihr Vater, Musikmeister in Warschau, war auch ihr erster Lehrer im Gesang, Pianoforte, Violine und Clarinette. Später ehelichte sie in Prag den Bassisten Gaetano Campi, bereiste mit ihm Italien, und bildete ihren Vortrag hauptsächlich nach jenem der berühmten Billington. In Mozart’s letzter Oper: La Clemenza di Tito, sang sie, 1791 noch Anfängerinn, die Servilia; sonst setzte er für sie niemahls eine Note; wohl aber für seine Schwägerinnen, nahmentlich für Mad. Lange die Bravour Arien (der Constanze) in der »Entführung aus dem Serail«, und im »Schauspieldirector«; für Mad. Hofer, nachmahlige Meier, die Königin der Nacht; die Sopran-Parte seiner italienischen Opern: Don Giovanni, Figaro und Cosi fann’ tutti, sind für die Sängerinnen Storace, Cavallieri, Ferrarese und Villeneuve geschrieben. Mehr als ein Decennium später glänzte C. in jenen Compositionen, und bey ihrem Ableben war sie in einem Alter von 56 Jahren. Ihre Stimme blieb unverändert, obwohl sie viele Kinder, ja sogar Drillinge zur Welt gebracht. In ihren letztern Lebensjahren machte sie noch eine Kunstreise, auf welcher sie 1817 in Brünn sang, und dort sehr ausgezeichnet wurde.

Österreichische National-Encyklopädie. Wien, 1837.

#Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich (1857)

Campi, Antonia (Sängerin, geb. zu Lublin 10. Dec. 1773, gest. zu München 1. Oct. 1822). Sie ist die Tochter des polnischen Tonkünstlers Miklasiewicz [Bei Gräffer und Dlabacz irrig Michalowicz]; früh entwickelte sich ihr musikalisches Talent, so daß sie schon 1788, also im Alter von 15 Jahren Kammersängerin des Königs von Polen war. Später begab sie sich nach Prag, wo sie auf der Prager Bühne mit großem Beifalle sang und sich am 2. Februar 1792 mit dem Sänger Gaetano Campi vermälte. In Wien trat sie zum ersten Male bei der Eröffnung des neuen Schikaneder'schen Theaters an der Wien am 13. Juni 1801 in der Oper »Alexander« als Kiasa, Königin von Indien auf. Die Angabe demnach, die sich in Schladebach, Schilling, Fétis u. a. findet, daß Mozart den Part der Donna Anna für Mad. Campi geschrieben, ist unrichtig. Mozart schrieb diese Rolle für Therese Saporiti. Erst ein Decennium später glänzte sie in den Mozart'schen Opern als Vitellia, Donna Anna, Constanze und Königin der Nacht und war als Bravoursängerin sehr berühmt. In der Folge, als die Verwaltung des Theaters an der Wien mit jener der beiden Hoftheater vereinigt wurde, sang sie abwechselnd an der Wien und im Hofoperntheater. Ihre Stimme blieb noch in späteren Jahren, ungeachtet sie 17 Kinder, darunter 4mal Zwillinge und einmal Drillinge gehabt, klangvoll, und auf einer Kunstreise im J. 1817, einer zweiten im J. 1822 erntete sie, obgleich schon 49 Jahre alt, allgemeinen Beifall. Auf letzterer überraschte sie in München der Tod.

Allgemeine Theaterzeitung von Ad. Bäuerle 1841, Nr. 214 [worin die falschen Angaben, welche über diese Künstlerin in die Oeffentlichkeit gekommen, von ihrem Sohne Jakob Campi berichtigt werden]. — Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer und Czikann), (Wien 1835, 6 Bde.) I. Bd. S. 440 und VI. Bd. Suppl. S. 386. — Gerber (Ernst Ludwig), Neues histor.-biogr. Lexikon der Tonkünstler (Leipzig 1812, Kühnel, gr. 8°.) I. Bd. Sp. 619. — Dlabacz (Gottfried Johann), Allg. hist. Künstler-Lexikon f. Böhmen (Prag 1815, 4°.) I. Bd. Sp. 262.

Dr. Constantin von Wurzbach: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. Wien, 1857.

#Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903)

Campi Antoinette, geboren am 10. Dezember 1773 in Lublin, war die Tochter des polnischen Tonkünstlers Miclacewicz und vertauschte schon am 2. Februar 1792 ihren polnischen Namen gegen einen italienischen, indem sie sich mit dem bekannten Mozart-Sänger und Buffo der Guardasonischen Truppe in Prag, Gaetano Campi, ehelich verband.

Frühzeitig entwickelte sich ihr musikalisches Talent und sie nahm ihr erstes Engagement bei der erwähnten italienischen Gesellschaft 1785 in Warschau. Mit derselben zog sie gastierend umher und errang, besonders in Prag und Leipzig große Erfolge. 1801 nahm sie als erste Sängerin ein Engagement am Theater a. d. Wien unter Schickaneder an, welche Bühne sie am 13. Juni desselben Jahres als »Kiasa« in »Alexander« betrat. Sie feierte derartige Triumphe an der erwähnten Privatbühne, daß die Hofoperntheater-Direktion auf sie aufmerksam wurde und ihre künstlerische Kraft wünschte. Es kam auch Anfang 1818 zum Engagement. Ihre Erfolge blieben ihr hier wie dort getreu und machte sie sowohl in Wien als auf ihren Gastspielen in Dresden, Frankfurt, München, Stuttgart, Berlin, Warschau etc. geradezu Furore.

Ihre Leistungen wurden den hervorragendsten künstlerischen Darbietungen ihrer Zeit beigezählt. Als 1822 die deutsche Hofoper in Wien aufgehoben wurde und viele der bisherigen Mitglieder mit einer größeren Abfindungssumme verabschiedet wurden, bat sie, man möge sie nicht ganz entlassen, und ihrer wiederholt gerühmten, großen Kunst gedenkend, der sie auch 1820 den Titel einer k. k. österreichischen Kammersängerin verdankte, sie nur dann und wann bei Festlichkeiten singen lassen, um der jüngeren Generation zu zeigen, wie man einst gesungen. Allein diese Bitte wurde ihr, obzwar sie noch immer ausgezeichnet sang und noch immer imstande war, mit den neuen Gesangssternen zu konkurrieren, rundweg abgeschlagen und unweigerlich ihre Entlassung beschlossen.

Tief gekränkt wandte sie sie sich nun nach München, wo sie bei ihrem Gastspiel geradezu Sensation hervorrief. Doch gleich nach der Ankunft erkrankte die Künstlerin und binnen vier Tagen starb sie, am 1. Oktober 1822, an einer Gehirnhautentzündung. Man sagt, daß der kalte Empfang des Münchener Intendanten auf die ohnehin durch ihre Entlassung in Wien tiefgekränkte Künstlerin den schmerzlichsten Eindruck hervorgerufen haben soll.

C. sang musterhaft in der alten italienischen Weise und war eine sogenannte Bravoursängerin. Sie gehörte zu den gefeiertsten Sängerinnen und ist es unmöglich, alle Rollen aufzuzählen, die sie in deutschen und italienischen Opern unter dem Jubel der Zuhörer sang. Der Umfang ihrer Stimme betrug in ihrer Blütezeit volle 3 Oktaven und man stellte sie, hinsichtlich dieser Mittel sowohl als ihrer musikalischen Bildung wegen neben die Catalani, einige erhoben sie sogar in ihrem Enthusiasmus über dieses Weltwunder an Stimme.

Der strenge Castelli meldet von dieser ausgezeichneten Koloratursängerin in seinen »Memoiren«: »Ihre Kehlengeläufigkeit war wirklich wunderbar, sie konnte alles damit machen, was sie wollte, ja selbst wenn sie etwas heiser war, konnte sie noch die schwersten Partien singen; sie besaß keine Brust-, sondern eine etwas spitze Kopfstimme. Gehaltene Töne waren bei ihr weder voll noch schön, aber das musikalische Feuerwerk brannte sie bewunderungswürdig ab. Sie sang den Part der Königin der Nacht in der hohen Tonart, in welcher ihn Mozart ursprünglich schrieb, und das Stakkato klang wie springende Perlen. Mit Virtuosität sang sie auch die Donna Anna im »Don Juan« und die Constanze in der »Entführung«. Jedenfalls gehörte die C. zu den abnormen Kunsterscheinungen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Ludwig Eisenberg’s Großes Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert; Verlagsbuchhandlung Paul List; Leipzig, 1903.

#MR – 281·282 (Belli de Pino)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Belli de Pino, Maria von; 18.10.1867 – 29.7.1882
  • Belli de Pino, Maria von (vh) / Koch (gb); 2.1845 – 1.8.1910
  • Belli de Pino, Max von; 6.3.1798 – 10.11.1876 (München); Major
  • Belli de Pino, Rosalie von; 4.8.1804 – 15.8.1899

Grab der Familie Belli de Pino auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#MR – 286·287 (Pössenbacher)


FAMILIE PÖSSENBACHER


  • Pössenbacher, Anton von; 6.10.1842 (München) – 4.7.1920 (München); Möbelfabrikant und Zeichner

Todesanzeige für Anton Pössenbacher

Abbildung aus DEKORATIVE KUNST. 28. Jahrgang No. 1; 19. Oktober 1924. F. Bruckmann AG München.

Grab der Familie Pössenbacher auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#MR – 289* (Knopp)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Knopp, Georg von; 1774 – 4.8.1832 (München); Staatsrat

Das Grab ist nicht erhalten

#MR – 290 (Kirchmayer · Seibold)


Hier ruhen in Frieden:
Herr Josef Kirchmayer,
kgl. Hof-Bildhauer,
gest. 1844 im 74. Lebensjahre.
Seine Gattin
Helene Kirchmayer,
gest. 1866, im 83. Lebensjahre.
Herr
Friedr. Kirchmayer,
Kunst-Bildhauer,
gest. 1871, im 58. Lebensjahre.
Ihm voran ging sein Söhnchen
Franz, 4 Wochen alt.
Herr
Friedrich Seibold,
kgl. Rechnungsführer
gest. 1897, im 39. Lebensjahre.
Frau Käthe Kirchmayer,
Kunstbildhauerswitwe
gest. 1925, im 94. Lebensjahre.

J. Lallinger.


  • Kirchmayer, Franz, 4 Wochen alt; Bildhauers-Sohn
  • Kirchmayer, Friedrich; 1813 (München) – 10.12.1871 (München); Bildhauer
  • Kirchmayer, Helene (vw); – 24.4.1866 (München), 82 Jahre alt; Bildhauers-Witwe
  • Kirchmayer, Josef; 14.3.1772 (Roggersing bei Deggendorf/Ndb.) – 31.8.1845 (München); Bildhauer
  • Kirchmayer, Käthe (vw); – 1925, 93 Jahre alt; Bildhauers-Witwe
  • Seibold, Friedrich; – 1897, 38 Jahre alt; Rechnungsführer

Grab der Familien Kirchmayer · Seibold auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

#Friedrich Kirchmayer

* 1813 (München)
† 10.12.1871 (München)
Bildhauer

#Die bildende Kunst in München (1842)

Joseph Kirchmayer

[…]
Sein Sohn Friedrich, geboren 1812, zeigte sich bereits durch manches schöne Modell als einen denkenden Künstler mit einem richtigen Blicke für schöne Formen, und ist in der Werkstätte seines Vaters mit der Ausführung von Büsten und Denkmälern beschäftigt. Sein Relief in Gyps: David von seinen Kriegsgefährten begleitet, empfängt, auf seine Lanze gestützt, die vor ihm kniende Abigail, welche mit Dienerinen und Geschenken zu ihm kam, erhielt verdienten Beifall wegen der schönen Gruppirung. Eben so sein Kaiser Max auf der Martinswand.

Dr. Johann Michael von Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.

#Kunstvereins-Bericht für 1872 (1873)

Nekrologe

Friedrich Kirchmayer,
Bildhauer,

geboren zu München im Jahre 1813, war der Sohn des Bildhauers Joseph Kirchmayer. Nachdem er eine Zeit lang die Akademie seiner Vaterstadt besucht hatte, gelang es ihm, in Ludwig Schwanthaler’s Atelier Verwendung zu finden, unter dessen Leitung er verschiedene Modelle ausführte. Im Jahre 1839 reiste Kirchmayer nach Petersburg, um dort unter Bildhauer Lemaire an den Statuen für das Giebelfeld der Isaakskirche zu arbeiten. Nach fast dreijährigem Aufenthalte, während welcher Zeit er auch mehrere Büsten zu fertigen Gelegenheit hatte, kehrte er in die Heimath zurück. Das Verlangen nach weiterer Ausbildung führte ihn bald darauf nach Italien. Er besuchte Rom zum Studium der Antike und verweilte auch einige Zeit in Neapel. Im Jahre 1844 finden wir ihn wieder in München, wo er bis zu seinem am 10. Dezember 1871 erfolgten Tode eine unermüdliche Thätigkeit in seinem Fache entwickelt hat. Bald war es die griechische Mythologie, bald das Christenthum, aus welchen er die Idee zu verschiedenen Arbeiten schöpfte. So entstanden ein heimkehrender Odysseus, eine Tänzerin, mehrere Apostelfiguren in Lebensgröße, eine Madonna mit dem Jesuskinde, ein Crucifix in Stein, dann ein paar Brunnenmodelle und in letzter Zeit außerdem eine beträchtliche Anzahl der mannigfaltigsten Entwürfe, von dem anspruchslosen Künstler in stiller Zurückgezogenheit ausgeführt.

Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München während des Jahres 1872. München, 1873.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Kirchmayer (Kirchmaier) Friedrich, 1813 (München) – 1871, Hofbildhauer; K. erhielt seine erste Anleitung bei seinem Vater Josef K., besuchte die Münchner Akademie und arbeitete unter L. M. von Schwanthaler, 1839 ging er nach St. Petersburg (= Leningrad), um unter Le Maire die Statuen des Giebelfelds für die Isaakkirche auszuführen, weilte 1842–1844 in Rom und Neapel und ließ sich dann bleibend in München nieder.

Hauptwerke: Reliefs »David und Abigail« und »Kaiser Max auf der Martinswand«, Gruppe einer Bacchantin mit einer jungen Frau, zahlreiche Statuen für das alte Bayerische National-(heute Völkerkunde-)Museum an der Maximilianstraße (sitzende allegorische Kolossalfiguren auf der Stirnseite der Fassade), viele Einzelstatuen aus der klassischen Mythe und dem modernen Genre (Heimkehrender Odysseus, Knabe mit dem Fisch, Genien für Garten- und Brunnenschmuck) sowie Madonnen und Heiligenfiguren.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#Josef Kirchmayer

* 14.3.1772 (Roggersing bei Deggendorf/Ndb.)
† 31.8.1845 (München)
Bildhauer

#Artistisches München im Jahre 1835 (1836)

Kirchmayer, Joseph, geb. 1772 zu Rockersin, einem Dorfe im Unterdonaukreise, wurde von seinem Vater, welcher verschiedene Bildnisse und Verzierungen für Altäre und Kanzeln in Holz geschnitten hatte, zur Fertigung ähnlicher Arbeiten angeleitet. In seinem 17ten Jahre wurde er nach Passau zu einem Bildhauer gesendet, bei welchem er längere Zeit arbeitete. Nach Ableben dieses Mannes kam er zu dem berühmten Maler Bergler, welcher ihm im Zeichnen und Modelliren Unterricht gab. Bei diesem Künstler wurden auch in ihm höhere Kunstkenntnisse erweckt, und er fand durch denselben Gelegenheit, mit dem damaligen Fürsten Leopold von Thun bekannt zu werden, welcher bald darauf eine Reise nach Wien machte, ihn dahin mitnahm, und dort unterstützte.

Nach einem siebenjährigen Aufenthalte in Wien, während welchem er mehrere Büsten in Marmor und Erz ausgeführt hatte, wurde er dem damaligen bayerischen Gesandten, Hrn. Freiherrn v. Grafenreuth und dem Hrn. v. Mieg bekannt. Diese beiden Herrn veranlaßten durch einen Bericht an den höchstseligen König Max, daß Kirchmayer im Jahre 1804 nach Rom geschickt wurde; er besuchte in der Folge Neapel und andere Städte Italiens, und kehrte nach zwei und einem halben Jahre nach München zurück. Nun führte er mehrere Büsten in cararischem Marmor für die Walhalla aus; ferner fertigte er Monumente für den Herrn Maximilian Grafen v. Arco, für den höchstseligen Churfürsten Clemens Wenzeslaus von Trier, für die Frau Sabadini und für den Grafen Fugger im Illerthale. Ferner gingen aus Kirchmayers Atelier hervor: eine kolossale Büste des höchstseligen Königs Maximilian für die Stadt Amberg, eine Minerva in Lebensgröße für den Kommerzienrath von Seidl in Sulzbach, und mehrere Büsten in Gyps.

Die Büste des Herzogs von Leuchtenberg lieferte er dreimal in cararischem Marmor; und für die Stadt Freising fertigte er ein Medaillon aus Erz, den König Max und die Königin Karoline darstellend.

Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Mechaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.

#Die bildende Kunst in München (1842)

Joseph Kirchmayer

ist geboren im Jahre 1773 zu Rockersin, einem Dorfe in Unterbayern, und der Sohn eines Bildschnitzers, der für Kirchen Heiligenbildnisse und sonstige Verzierungen an Altäre und Kanzeln fertigte. In dieser Kunst wurde denn auch Kirchmayer, der Sohn, früh geübt, und kam darauf in seinem siebzehnten Jahre zu einem Bildhauer nach Passau, und dann zu dem Maler Bergler in die Lehre, bei welchem er Unterricht im Zeichnen und Modelliren erhielt. Sein heiteres Wesen gewann ihm die Gunst des Fürstbischofes Leopold von Thun, der ihn auf einer Reise mit nach Wien nahm, daß er sich hier in seiner Kunst ausbilden möge. Während seines siebenjährigen Aufenthaltes daselbst führte er mehrere Büsten in Marmor und Erz aus, wurde mit dem bayerischen Gesandten, Freiherrn von Grafenreuth, und dem Herrn von Mieg bekannt, welche durch ihre günstigen Berichte den König Maximilian Joseph veranlaßten, den Künstler nach Italien reisen zu lassen. Er besuchte Rom und Neapel, um die Antiken zu studiren und kehrte darauf in sein Vaterland, nach München, zurück, wo er sogleich vielfach beschäftigt wurde. Als seine vorzüglichsten und gelungensten Arbeiten erscheinen eine Menge Büsten, die er theils in Marmor, theils in Gyps nach dem Leben ausführte; für den König verfertigte er deren mehrere in die Walhalla.

Dr. Johann Michael von Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Kirchmayer Josef, 1773 (Rockerfing/Ndb.) – 1845, Hofbildhauer und Maler; K. lernte bei seinem Vater, einem Bilder- und Kirchenmaler, kam 1790 nach Passau und bald darauf zu dem Maler Bergler, der ihn im Zeichnen und Modellieren unterrichtete und mit dem damaligen Fürstbischof Leopold von Thun bekannt machte, der ihn nach Wien mitnahm, wo er sieben Jahre verweilte und mehrere Büsten schuf; in Wien kam K. mit den bayerischen Gesandten, Freiherrn von Grafenreuth und Herrn von Mieg, in Berührung, die ihn an den nachmaligen König Max I. empfahlen; nach einem längeren Aufenthalt in Italien (Rom, Neapel u. a.) ließ sich K. 1806 in München nieder, wo er mehrere Büsten in Carraramarmor für die Walhalla bei Regensburg und viele Grabdenkmäler (für Kurfürst Wenzeslaus von Trier zu Markt Oberdorf/Allgäu und mehrere im südlichen Friedhof), eine Kolossalbüste Max’ I. für die Stadt Augsburg und Porträtbüsten (Minister von Hompesch, Herzog von Leuchtenberg u. a.) schuf; auch lieferte K. allerlei Statuen, darunter eine damals vielgerühmte Psyche und eine Minerva.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#MR – 293 (Hartz)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Hartz, Bernhard Josef von, Dr. med.; 19.12.1760 (Köln) – 29.11.1829 (München); Arzt

Grab der Familie Hartz auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familie Hartz auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#MR – 297…299 (Hayler · Schlecht)


Linke Spalte
Hier ruhet
die beste Gattin, liebevollste
Mutter und Großmutter
Frau Anna Schlecht,
Privatiers-Gattin,
geb. zu Unterwittelsbach
den 8ten November 1790,
gest. den 17ten Februar 1854.
Ihr folgte der Gatte,
innigst geliebte
Vater und Großvater
Herr Thomas Schlecht,
Privatier
¿
¿ Oktober 1783,
¿ November 1857.
¿ ihr Enkel
¿ayler
¿

Rechte Spalte
Bei seinen Söhnen ruht in
Gott nach thatkräftigem Leben
unser theurer Gatte u. Vater
Herr Friedr. Hayler
Privatier, früher Kaufmann
u. Gemeindebevollmächtigter
geb. den 26ten Mai 1808,
gest. den 21ten Januar 1892.
Kurt,
geb. den 4ten Juli 1912,
gest. den 7ten Juli 1912.
Frau Helene Hay¿
geb. den 2ten Oktober 18¿
gest. den 18ten März 19¿
vereint mit ihren ¿
Gatten, Söhnen, ¿
Frau Josefine Ha¿
gest. den 28ten ¿
Ihr folgte ihr ¿
Willy Hayler
geb. den ¿
¿

Sockel · Linke Spalte
Friedrich Hayler
Gutsbesitzer
geb. den 23ten Oktober 187¿
gest. den 1¿ten Oktober 1933

Sockel · Rechte Spalte
Emil Hayler
Major a. D. Dr. med. und
Oberstabsarzt
geb. den 16ten März 1880
gest. den 15. Juli 1945


  • Hayler, Emil, Dr. med.; 16.3.1880 – 15.7.1945; Major a. D. und Oberstabsarzt
  • Hayler, Friedrich; 23.10.187¿ – 1¿.10.1933
  • Hayler, Friedrich; 26.5.1808 – 21.1.1892; Gemeindebevollmächtigter und Kaufmann
  • Hayler, Helene (vh); 2.10.18¿ – 18.3.1914 (München), 62 Jahre alt
  • Hayler, Josefine (vh)
  • Hayler, Kurt; 4.7.1912 – 7.7.1912
  • Hayler, Willy
  • Schlecht, Anna (vh); 8.11.1790 (Unterwittelsbach) – 17.2.1854 (München); Privatiers-Gattin
  • Schlecht, Thomas; 10.1783 – 25.11.1857 (München); Privatier

Grab der Familien Hayler · Schlecht auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

Grab der Familien Hayler · Schlecht auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familien Hayler · Schlecht auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

Grab der Familien Hayler · Schlecht auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#MR – 300 (Öller)


Hier ruhen in Gott
unsere innigstgeliebter Kinder:
Marie Öller
Augenarztenstöchterchen
geb. 10. Febr. 1881 gest. 19. Febr. 1889
Gertraud
geb. 17. Mai 1891 gest. 9. Juni 1892.


  • Öller, Gertraud; 17.5.1891 – 9.6.1892
  • Öller, Marie; 10.2.1881 – 19.2.1889

Grab der Familie Öller auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familie Öller auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

#MR – 301·302 (Horner · Schuster · Selby · Vonderthann)


Linke Spalte
Herr
Joh. Nep. Vonderthann
Bürger u. Eisenhändler
geb. 1761 gest. 1821.
Bart¿ Vonderthann
¿

Mitte
Hier ruhen in Gott:
Frau ¿ Anna Regina Horner,
geb. Vonderthann,
k. ¿ rsgattin
geb. am ¿ am 12. Juli 1842.
¿ Horner,
geb. am ¿ 1833, gest. am 12. Jan. 1848.
¿ Horner,
¿ d. Medizin,
¿ 18¿, gest. am ¿ März 18¿
Rosalie ¿
¿ Franz Horner,
¿ Medizinalrath und Direktor
des allg. Krankenhauses,
geb. am ¿ Sept. 1798, gest. am 4. Dez. 1865.
¿ Horner,
¿ kgl. Appellgerichts Sekretär
geb. d. ¿ Juni 1826 gest. d. 7. Febr. 1871.

R. I. P.

Rechte Spalte
Herr
Ant. Horner,
quiesz. k. Kassier.
geb. 1¿. Sept. 1736, gest. 27. Mai 184¿
Frau Therese Schuster
geb. Horner
Gerichtsarztes-Wittwe
¿ Jan. 18¿
Frau
Julie Selby
geb. Horner
¿


  • Horner, Ernst; ¿.6.1826 – 7.2.1871 (München); Appellationsgerichts-Sekretär
  • Horner, Anna Regina (vh) / Vonderthann (gb); ¿ – 12.7.1842
  • Horner, Ant.; 9.1736 – 27.5.184¿
  • Horner, Franz, Dr. med.; 1798 – 4.12.1865; Medizinalrat
  • Schuster, Therese (vw) / Horner (gb); Arzt-Witwe
  • Selby, Julie (vh) / Horner (gb)
  • Vonderthann, Johann Nepomuck; 1761 – 1821; Eisenhändler

Grab der Familien Horner · Schuster · Selby · Vonderthann auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

#MR – 303 (Leveling)


Carl Ritter von Leveling
k. b. Hauptzollamtsverwalter,
geb. 30. Mai 1785, gest. 19. März 1849.
Antonia von Leveling
geborne Lindemann,
geb. 21. Juni 1793, gest. 5. Juni 1871.
Carl Ritter von Leveling
Hauptmann im k. b. 12. Inf. Regiment,
geb. 28. April 1819, gest. 30. Juli 1865.
Josef Ritter von Leveling
k. b. Hauptmann z. D.
geb. 9. Dezember 1822, gest. 4. Oktober 1878.
Ihnen folgte unser treubesorgter Gatte und Vater
Herr Heinrich Ritter von Leveling
Rentier,
gest. am 31. Mai 1890, im 69. Lebensjahre.
Franziska von Leveling
Rentiersgattin,
gest. am 30. März 1930, im 79. Lebensjahre.


  • Leveling, Antonia von (vw) / Lindemann (gb); 21.6.1793 – 5.6.1871 München); Hauptzollamtverwalters-Witwe
  • Leveling, Franziska von (vh); – 30.3.1930; Rentiers-Gattin
  • Leveling, Heinrich Ritter von; – 31.5.1890; Rentier
  • Leveling, Josef Ritter von; 9.12.1822 – 4.10.1878 (Reichenhall); Hauptmann
  • Leveling, Karl Ritter von; 28.4.1819 – 30.7.1865 (Lindau); Hauptmann
  • Leveling, Karl Ritter von; 30.5.1785 – 19.3.1849 (München); Hauptzollamtsverwalter

Grab der Familie Leveling auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familie Leveling auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2021)

#MR – 304 (Koch)


Nikolaus von Koch
kgl. bayr. Staatsminister d. Innern
1807 – 1866


  • Koch, Nikolaus von; 21.2.1806 (Fulda) – 19.1.1866 (München); Staatsminister
  • Koch, Susette von (vw) / Weikard (gb); 25.3.1815 – 10.7.1883

Grab der Familie Koch auf dem Alten Südfriedhof München (August 2008)

#MR – 305·306 (Kraft)


RUHESTAETTE
DER
FAMILIE von KRAFT


  • Kraft, Hermann von; – 1886; Privatier

Grab der Familie Kraft auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

#MR – 307·308 (Röckenschuss)


Linke Tafel
Hier ruhen
Herr
Anton Röckenschuss
Tuchfabrikant
* 16. Dezember 1780.
† 4. Juni 1824.
Frau
Katharina Röckenschuss
geb. Syroth
* 4 . April 1789.
† 8. Oktober 1852.
Deren Söhne:
Ludwig Röckenschuss
* 5. August 1820.
† 15. Dezember 1824.
Herr
Josef Röckenschuss
* 30. November 1812.
† 31. Januar 1848.

Rechte Tafel
in Gott
Herr
Joh. Nep. Röckenschuss
Tuchfabrikant
* 16. Mai 1815.
† 17. Februar 1885.
Frau
Walburga Röckenschuss
geb. Hutterer
* 24. April 1828.
† 3. Februar 1908.
Deren Kinder:
Maria. Mx. Ludwig
Adalbert. Max.


  • Röckenschuss, Adalbert
  • Röckenschuss, Anton; 16.12.1780 – 4.6.1824; Tuchfabrikant
  • Röckenschuss, Johann Nepomuk; 16.5.1815 – 17.2.1885; Tuchfabrikant
  • Röckenschuss, Josef Andreas; 30.11.1812 (München) – 31.1.1848 (München); Tuchfabrikant
  • Röckenschuss, Katharina (vh) / Syroth (gb); 4.4.1789 – 8.10.1852; Tuchfabrikantens-Gattin
  • Röckenschuss, Ludwig; 5.8.1820 – 15.12.1824; Tuchfabrikantens-Sohn
  • Röckenschuss, Maria
  • Röckenschuss, Max
  • Röckenschuss, Mx. Ludwig
  • Röckenschuss, Walburga (vh) / Hutterer (gb); 24.4.1828 – 3.2.1908

Grab der Familie Röckenschuss auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#MR – 309 (Winter)


PETER v. WINTER
HOFKAPELLMEISTER
U. KOMPONIST
* 1754 † 1825
ANNA WINTER
KAPELLMEISTERS W.
* 1758 † 1827

Tafel
PETER VON WINTER
KOMPONIST UND
HOFKAPELLMEISTER
ZU MÜNCHEN
GETAUFT 28.8.1754 IN MANNHEIM
GESTORBEN 17.10.1825 IN MÜNCHEN


  • Winter, Anna Maria (vw) / Reis (gb); 1758 – 20.4.1827 (München); Kapellmeisters-Witwe
  • Winter, Peter von; 28.8.1754 (Mannheim) – 17.10.1825 (München); Kapellmeister und Komponist

Grab der Familie Winter auf dem Alten Südfriedhof München (April 2014)

Grab der Familie Winter auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

#Peter von Winter

* 28.8.1754 (Mannheim)
† 17.10.1825 (München)
Kapellmeister und Komponist

#Eos (19.10.1825)

München, den 18. Oktober. Gestern Nachmittags um 5 Uhr starb dahier im 71. Jahre seines Alters an Entkräftung, der königl. Kapellmeister Herr Peter von Winter, Ritter des Civilverdienstordens der baierischen Krone, nachdem Er der Kunst in einer langen Reihe von Jahren zahlreiche in ganz Europa mit dem ausgezeichnetsten Ruhme gekrönte Meisterwerke geliefert, sich um die Bildung junger Kunsttalents die größten Verdienste erworben und 48 Jahre 6 Monate glücklich an der Seite einer Gattin verlebte, die den Verblichenen in tiefester Trauer beweint.

Eos 166. Zeitschrift aus Bayern. Mittwoch, den 19. Oktober 1825.

#Conversationsblatt für Deutschland und Bayern (2.4.1834)

Bazar.

Biographien.
Peter von Winter.

Die Redaktion des Beobachters für Deutschland und Bayern hat die schöne patriotische Idee aufgefaßt, von Zeit zu Zeit biographische Notitzen über bayerische Künstler in ihr viel verbreiteres »Conversations:Blatt« vom 27. Februar aufzunehmen.

Ich schmeichle mir daher nicht vergebens, daß diese kleine Skizze, als ein frischer Lorbeerzweig auf das Grab unsers einst so ausgezeichneten Tonkünstlers, des königl. Hofkapellmeisters Peter von Winter eine freundlich gefällige Aufnahme finden werde.

Derselbe, Sohn eines churpfälzischen Leibgardistens wurde zu Mannheim im Jahr 1755 geboren, und mir glücklichen vielversprechenden Anlagen ausgestattet, schon im Jahr 1705 als Violinist bei dem damals durch seinen Künstlerflor im In- und Auslande hochberühmten Hoforchester angestellt.

Eine unwiderstehliche Neigung für Kompositionskunst gewann ihm das Wohlwollen des gelehrten Abts Vogler, von welchem er die erste Anweisung im Generalbaß und Contrapunkt erhielt.

Seine höhere Weihe in die Mysterien der Kunst empfing er von dem k. k. Kapellmeister Salieri in Wien. Bald glänzte er als ein schimmerndes Gestirn im Reiche der Harmonie. Die gebildetsten Nationen unsers Welttheils huldigten im Verlaufe eines halben Jahrhunderts seinem glanzvoll emporstrebenden Talente.

Er schrieb ausser unzähligen Konzerten für alle hiefür geeignete Instrumente, Ballet-Musiken, Simphonien, für München, Wien, Prag, Venedig, Neapel, Mailand, London und Paris zwei und dreißig große Opern. Alle wurden mit ausgezeichnetem Beifall gekrönt; sie erwarben ihm einen europäischen Ruf.

Der große Kenner und mächtige Beschützer der Künste, der Kaiser Napoleon ließ ihm während seines Aufenthaltes in München im Jahr 1809 nach Anhörung der Oper, das unterbrochene Opferfest, als Anerkennung seiner Verdienste für die Tonkunst eine werthvolle goldene Dose mit dem Inhalt von zweihundert Napoleonsd'or überreichen.

Von den Königen von Neapel und von Sachsen, wie von mehreren fürstlichen Häusern, erhielt er ähnliche prachtvolle Geschenke; von der früher verstorbenen Kaiserin von Oesterreich für die Composition der Oper Colmal von Collin einen Ring mit Solitair-Brillanten im Werthe von 2000 fl.; und am Tage seiner fünfzigjährigen Dienstes-Feier von dem allerhöchstseligen König Max Joseph den Civil-Verdienstorden der bayerischen Krone.

In seinen zahllosen Kirchen-Musiken, in seinen geistlichen Cantaten herrscht durchgehends ein frommer, zur Andacht begeisternder Styl, voll Würde, und Erhabenheit. Sein Requiem und seine Pastoral-Messe sind schon längst anerkannte Meisterwerke.

Getreu seinem angenommenen Systeme, daß nur tief durchdachter Plan, Ordnung und Klarheit, und eine der vorherrschenden Empfindung in Beziehung auf den Text angemessene Deklamation (was die Italiener caratterizzar la parola nennen), allein auf Herz und Gefühl mächtig zu wirken vermögen, war die Behandlung seiner Instrumentirung stets sinnreich, glänzend, zweckmäßig angebracht, und dem sich frei und ungebunden emporschwingenden melodienreichen Gesange, fern von aller Ueberladung untergeordnet.

Nie nach dem sonderbaren Ruhme strebend, seine Compositionen als greulich originell, und Entsetzen erregend schön gepriesen zu hören; vermied er es, durch Absurdität und Verworrenheit zu gefallen. Weder sinnenbetäubender Lärm, nicht die Kanonschläge der türkischen Trommel, noch der rasselnde chinesische Tamtam wurden je von ihm, aus dem Grundsatze in Anwendung gebracht, daß Alles, was unangenehme, widerliche Empfindung errege, das ästhetische Gefühl verletzen müsse.

Der verdienstvolle königl. Hof- und National-Theatersänger Mittermayer; die lieblichste Myrrha und der herzlichste Benjamin die längst verstorbene Regina Lang, und die zu früh der Kunst entrissene vortreffliche Sängerin Klara Vespermann sind nebst vielen andern ausgezeichneten Subjekten aus seiner Schule hervorgegangen.

Mit Herausgabe seiner als vollendetes praktisches Werk allgemein anerkannten Singschule in vier Bänden beschloß er seine artistische Laufbahn.

Leider scheint nunmehr dieser verdienstvolle Meister so ganz und gar vergessen, seinem Vaterlande und seinen Mitbürgern entfremdet geworden zu seyn.

Zerstreut, und dem Staube überlassen, liegen seine Werke, dem Tageslicht entzogen, in finstern unzugänglichen Behältnissen.

Mit dem letzten Hauche seines der Kunst geweihten Lebens verklangen auch die letzten Töne seiner melodienreichen Gesänge in den Hallen der Tempel, in den Theatern. Nur in dem stillen Andenken seiner wenigen noch lebenden Freünden lebt er noch fort.

Conversationsblatt für Deutschland und Bayern Nr. 79. München; Mittwoch, den 2. April 1834.

#Abendblatt zur Neuen Münchener Zeitung (5.4.1862)

Peter von Winter.*)

*) Aus dem demnächst erscheinenden umfassenden, nach archival. Quellen bearbeitetem Werke »Geschichte der Oper in München.« Wir dürfen diese Lebensskizze wohl als die erste vollständige bezeichnen. D. Red.

An der Mauer des alten Münchener Friedhofes, rechts oben, unfern der Arkaden, steht ein in Form einer antiken Lyra gestaltetes Monument. Hier, unter dem mit Immergrün und Rosen bepflanzten Grabeshügel ruht der Componist des »Unterbrochenen Opferfestes«, des »Labyrinth's,« »Tamerlan's« und noch vieler anderer Opern, die einst den Ruhm ihres Schöpfers durch Europa trugen; und doch bedürfen die in diesem Sinne dem Denksteine eingegrabenen Worte:

»Eine Grabschrift unserm Winter? Wandrer, Nein!
Was Europa weiß, verkünde nicht erst dieser Stein.«

für die Mehrzahl der Epigonen gewissermassen einer Erläuterung.

Der einst so hochgefeierte Meister ward allzurasch vergessen, seine einst in London und Paris, in Wien und Berlin mit Beifall gegebenen Opern sind alle – das »Opferfest« etwa ausgenommen – vom Repertoire unserer Bühnen verschwunden; nicht volle 50 Jahre genügten, den Ruhm eines Tonsetzers verblassen zu machen, dessen reich und freundlich schaffendes Talent seinem Namen und seinen Werken gewiß keinen geringen Platz unter den Meistern der Tonkunst sichert – um so mehr gebührt ihm ein Blatt ehrender Erinnerung hier, in der Geschichte der Münchener Oper, für welche er lange, mit hohem Erfolge und treuem Eifer thätig war.

Paul Peter Winter ward im Jahre 1755 in Mannheim geboren, woselbst sein Vater im kurfürstlichen Hofdienste stand. Des Knaben früh hervortretendes Talent und innerste Neigung zur Musik bewog die Eltern, ihn dieser Kunst zu widmen, er ward dem berühmten Violonisten Wilhelm Cramer zum Unterrichte übergeben und machte in kurzer Zeit solche Fortschritte, daß er bereits im Jahre 1764 als Eleve in die damals hochberühmte Hofcapelle seiner Vaterstadt aufgenommen werden konnte. Concertberichte aus damaliger Zeit rühmen des jungen Winter kräftiges, großartiges Spiel, mit jedem Auftreten konnte der jugendliche Virtuose sich gesteigerten Beifalls und allseitiger Bewunderung erfreuen Erfolge, die ihm indeß nicht genügten; ihn drängte es, der in ihm wohnenden Schöpfungskraft durch verschiedene Compositionsversuche Ausdruck zu geben, allein trotz des damaligen so reichen musikalischen Lebens in Mannheim wollte es ihm nicht gelingen, einen ihm zusagenden Führer in die Geheimnisse harmonischer Kunst zu finden, er blieb sich mit seinen Studien selbst überlassen.

Nicht ohne Einfluß auf seine Bestrebungen mag der Umgang mit dem 1771 zum erstenmale nach Mannheim gekommenen Abt Vogler gewesen sein – allein eine förmliche Schule bei jenem berühmten Meister der Theorie machte Winter nicht durch; es ist dies, abgesehen von der angeblichen öfteren Ablehnung Winter's in dieser Beziehung, bei Verfolgung seines ganzen Entwicklungsganges und seiner Compositionsreife undenkbar und unglaublich. Indeß waren eine Sinfonie in D, publicirt in der Sammlung der Mannheimer Tonschule und die Musik zu den Ballet's »Piramus und Thisbe« und »Dido« als die ersten Früchte seines unermüdlichen Strebens erschienen.

Die Musik zu den Ballets componirte Winter als Orchesterdirector des neuerrichteten Marchand'schen Theaters, und dieser Wirkungskreis zunächst war es, der sein Talent für dramatische Musik reifte und kräftigte; hier lernte er bei Aufführung jener reizenden französischen Operetten den Werth und die Wirkung schöner, fließender Melodien kennen, hier machte er sich zuerst mit den Geheimnissen und Effecten der Theatermusik vertraut – in dieser seiner damaligen Stellung ist der Keim seines späteren erfolgreichen Wirkens und Schaffens zu suchen.

Da traf im Jahre 1778 den größten Theil der Mannheimer Capelle die Versetzung nach München; unter denen, welche dem Kurfürsten Carl Theodor in die neue Residenz folgten, befand sich auch Winter, dessen Talent den damals in München weilenden, für Theater und Musik begeisterten Männern, wie Frh. v. Binder, Babo, Carl Reger, Braun u. A. nicht lange verborgen blieb. Angeregt durch diese Freunde erneuerte Winter mit doppeltem Eifer seine Thätigkeit; bereits 1779 kamen die Melodramen »Leonardo und Blandine,« »Cora und Alonzo,« und »Armida« mit Winter's neu componirter Musik auf die Bühne und aufgemuntert durch den ihm deßfalls gespendeten Beifall, schrieb er noch in demselben Jahre die Musik zu fünf großen Ballet's (Heinrich IV.; Tod Hectors; Inez de Castro; der französische Lustgarten; bayer. Lustbarkeiten.). An die Composition seiner ersten Oper »Helena und Paris« wagte sich Winter im Jahre 1780; sie ward im gleichen Jahre aufgeführt und beifällig aufgenommen, dagegen machte er mit der ebenfalls 1780 componirten und in Scene gesetzten Oper: »Bellerophon,« Text von Binder, wenig Glück. Die Musikkener warfen ihm unverschämte Plünderung Gluck'scher Motive vor, auch die Wohlwollenderen fanden, daß er einem großen Stoffe noch nicht gewachsen sei. Indeß, die Bahn war gebrochen; ihn trieb es jetzt, sich auswärts umzusehen; Wien, damals die Capitale der musicalischen Welt war das Ziel dieses ersten Ausfluges. Salieri, bei Hof und in der Musikwelt hoch in Ansehen stehend, nahm Winter freundlich auf; dem Umgange mit diesem großen Meister, seinen Lehren und Anweisungen dankt Winter die feinere künstlerische Politur – vor Allem aber die Kunst, für die menschliche Stimme zu schreiben, wie er selbst sein Leben lang oft und dankbar ausgesprochen hat. Bekannt ist Salieri's Frage, als Winter ihm einige seiner Compositionen vorgeleqt hatte »ob er das Münchener Orchester auch mitgrbracht habe?« Dieser Wink war genügend; Winter entsagte seit jener Zeit der »Orchesterschreiberei« und eignete sich unter Salieri's Aegide jene Schönheit der Form, jene Kunst der musicalischen Rhetorik, endlich die Klarheit in melodischer Führung und Harmonisirung an, welche ihm lange Zeit den Beifall des Publicums und der Kenner sicherten. Eine schwache Seite bei alledem war geblieben. Winter war niemals Contrapunktist; wer an Mozart's, Cherubini's, Boieldieu's und anderer großer Meister auch in ihren Opernwerken so herrlich entfaltete Kunst des Contrapuncts denkt, kann nicht umhin, den Mangel derselben bei dem melodisch und harmonisch so reich begabten Winter doppelt zu beklagen, denn das in seinen Werken allerdings nicht selten vorkommende »contrapunctliche Wetterleuchten« beweist deutlich, daß Winter selbst gefühlt haben muß, was seine »schwache Seite« sei. Der Gelegenheit beraubt, in seiner Jugend deßfalls gründliche Studien zu machen, war es dem in den Tagen seiner ersten Erfolge mit reichem Beifall gekrönten jungen maestro gerade nicht zu verargen, wenn er über dem Schaffen reizender Melodieen das trockene Studium vergaß, in späterer Zeit aber, als auch er die Nothwendigkeit contrapunctischer Bildung erkannt hatte, ließ sich das Versäumte nimmer nachholen.

Mit bereichertem Wissen und gereifter Einsicht nach München zurückgekehrt, schrieb Winter im Jahre 1788 für eines der großen Concerte einen Psalm, welche Composition sich derart des Beifalles zu erfreuen hatte, daß sie ihm die Charge als Capellmeister eintrug, zugleich mit dem Auftrage: für den nächsten Carneval die italienische Oper »Circe« zu componiren. Winter entsprach diesem schmeichelhaften Auftrage sofort. Die Musik war fertig, Alles zur möglichst prächtigen Inscenirung der Oper vorbereitet – als durch die unerwartete Entfernung des Hofes aus München die Aufführung erst hinausgeschoben wurde und später nach des Kurfürsten Rückkunft bei dessen Erklärung »er wolle fortan keine italienische Oper mehr« gänzlich unterblieb. Indeß kam auf dem Haustheater des Grafen v. Törring-Seefeld »Jery und Betely« und die vom genannten Grafen verfaßte Travestie »Medea« mit von Winter componirter Musik im Beisein des ganzen Hofes mit entschiedenem Beifall zur Darstellung. (1789.)

Im Jahre 1791 reiste Winter nach Italien, brachte in Neapel die Oper »Antigone,« in Venedig aber »Catone in Utica« und »il Sacrificio di Creta« zur Aufführung (Für Venedig schrieb Winter außerdem: »fratelli rivali« und »Belisa« beide in München componirt und 1794 in Venedig aufgeführt.) und componirte nach seiner Rückkehr in München die Opern: »Psyche« nach Moliere und »der Sturm« nach Shakspeare, beide ohne günstigen Erfolg. Im Jahre 1794 schloß er mit dem Impresario der kaiserlichen Bühnen in Wien, Baron Braun, einen Contract zur Lieferung neuer Opern. So entstanden nacheinander: »Das unterbrochene Opferfest,« Gedicht von Huber (1795); der 2. Act zur Oper »die Pyramiden,« Text von Schikaneder. [Der 1. Act ward von Gallus componirt] (1797 23. Octbr.) endlich »das Labyrinth«, als zweiter Theil der Zauberflöte, Text von Schikaneder (1798.)

Mit diesen Opern, besonders mit dem »Opferfeste« hatte Winter nachhaltige Erfolge erzielt. Alle Vorzüge seiner Compositionsweise: reizende Melodie und Harmonie, prächtige Chöre, reiche und doch nie überladene, oder die Singstimmen deckende Instrumentation sind in dieser Oper vereint. In München kam dieselbe am 17. August 1797 zur erstmaligen Aufführung, und erlebte bis zum Jahre 1844 eine große Zahl von Wiederholungen [Die letzte Aufführung dieser Oper fand 1844 zur Namensfeier der regierenden Königin Therese Maj. statt. Die Besetzung war: Mafferu – Pellegrini; Murney – Hr. Diez; Myrrha – Frau Diez; Elvire – Frl. Rettich. Der Etikette gemäß unterblieben damals alle Beifallsbezeigungen; bei der einige Wochen vorher stattgehabten vorletzten Aufführung aber brach das Publicum, hingerissen durch Frl. Rettich's Vortrag der großen Coloraturarie in E, in stürmischen Beifall aus, das herrliche Duett: »Wenn mir Dein Auge strahlet«, von Hrn. und Frau Diez wundervoll vorgetragen mußte wiederholt werden.]; seitdem ruht sie auch hier in Vergessenheit, wiewohl das in dem historischen Concerte der Compositionen bayerischer Capellmeister (27. Febr. 1860) aufgeführte Quintett (Nr. 20 der Part.) den lebhaften Wunsch laut werden ließ, die ganze Oper wieder hören zu können. Für Prag schrieb W. die Oper »Ogus«, und kehrte im Mai 1798 mit Ruhm bedeckt nach München zurück. Er stand jetzt auf der Höhe seiner Künstlerlaufbahn. Im Jahre 1800 schrieb er für München »Maria von Montalban«, eine hier wie auswärts beliebt gewesene, oft gegebene Oper, im Jahre 1803 begab er sich nach London. Hier schrieb er (1803-5) die großen Opern: »Calypso«, »Proserpina«, »Zaire« und eine Reihe von Canzoni und Canzonetten. Mit Ehre und Gold beladen, wandte er sich nun nach Paris, und erhielt nach langen und großen Schwierigkeiten endlich die Erlaubniß, den »Tamerlan« für die große Oper in Musik setzen zu dürfen (1805). Der Erfolg war ein achtungswerther, was für einen bis dahin den Franzosen unbekannten Deutschen nicht wenig heißen will.

Die (1806) in und für München componirte Oper »der Frauenbund« (Gedicht von Dabo) mußte wegen der im Buche enthaltenen Zweideutigkeiten bald zurückgelegt werden. Auf Bestellung der Kaiserin Therese in Wien schrieb er die Musik zu Collin's »Colmal«; allein noch vor Beendigung der Partitur starb die hohe Frau, und so gelangte diese Oper erst im Jahre 1809 nur zweimal in München zur Aufführung. Im Jahre 1807 widerfuhr ihm die Ehre, nach Paris berufen zu werden, um dort die große Oper »Castor und Pollux« in Musik zu setzen; der Erfolg war ein mäßiger. Für München schrieb er sodann (1811) die Cantate »die Tageszeiten« und (1814) die »Schlachtsymphonie«, ein musikalisches Gelegenheitsspectakelstück. In diesem Jahre ward dem nun 50 Jahre in bayer. Diensten gestandenen Meister der Civilverdienstorden der bayer. Krone überreicht. Eine große Anzahl von Schülern und Schülerinnen zog seit Langem der Ruf Winter's nach München. Unter denen, welche zu seinen Füßen saßen, nennen wir nur die Bettina Brentano. »Die kleine, feine, liebliche Gestalt nun neben dem kolossalen, aus Holz geschnittenen Maestro zu sehen, ist ein ebenso komischer als malerischer Anblick«, schreibt Reichard 1808. Winter hatte in Anbetracht des durch Aufhebung der Klöster und Stifte sehr fühlbar gewordenen Mangels gut geschulter Singstimmen sich seit längerer Zeit entschlossen, talent- und stimmbegabten jungen Leuten Gesangsunterricht zu ertheilen. Wie hart auch dieses Streben angefochten, weich' Gewicht man auch darauf legte, dsß Winter »in dessen Kehle nie ein Ton vorhanden gewesen, der nicht aus einem Conservatorium, sondern aus der Mannheimer Violinschule hervorgegangen sei« unmöglich als Gesanglehrer wirken könne – er wirkte dennoch, und zwar mit zweifellosem Erfolge. Gerade das Werk, zu welchem ihm nach jenen Urtheilen alle Befähigung abgesprochen werden mußte, seine große Gesangschule hat den Ruhm seiner Opern und übrigen Werke überdauert, ist ein von Lehrern wie Schülern des Gesanges hochgeschätztes Compendium, heute noch in tausend Händen, welches seinen Werth durch die Zeit erprobt hat und lange noch erproben wird. Man prüfe jene herrlichen melodiösen Solfeggien seiner »Gesangschule«, um zu begreifen, daß nicht das Patent als »Professor des Conservatoriums« ausschließlich zum Gesangslehrer befähigt. Aus talent- und stimmenlosen Leuten konnte Winter freilich ebensowenig Sänger bilden, als dies ein Crescentini, Bernacchi oder Aprile je vermocht hätte. Clara Metzger, das einfache aber reich begabte Auer Kind, rechtfertigt unsern Winter in dieser Beziehung glänzender als alle Worte der Welt. Mit ihr zog er nach Norden und nach Süden, überall Zeuge ihrer Triumphe; ja ihre Erfolge begeisterten den betagten Meister zu neuer Thätigkeit. Er schrieb für Mailand 1817 »Maometto« und 1818 »I due Vladimire« – Opern, wie aus seinen besten Tagen. Sein letztes Werk für die Bühne schrieb Winter im Jahre 1820. Es war die Operette: »der Sänger und der Schneider«, am 2. Juli zum ersten Male aufgeführt, und bis 1843 oftmals wiederholt. Für die k. Hofcapelle aber blieb Winter bis zu seinem Tode thätig. Eine Unzahl Piecen, für alle möglichen Instrumente componirt, bestimmt für die einzelnen Virtuosen der Capelle, machte seinerzeit die Runde in allen Concertsälen; nicht minder thätig war er für die Kirche – in dieser Compositionsgattung zwar nicht, den Anforderungen des strengen ächt katholischen Styles entsprechend, aber nach seiner Weise auch hier stets melodisch und klar.

Nach einem reichbewegten, vielgefeierten Leben machten sich endlich auch bei Winter die Rechte der Natur geltend. Schon in jenen friedlichen Moment eingetreten, »wo die Götterdämmerung sich verkündet, und traf ihn im September 1825 August Klingemann, wie er schreibt:

»Die sonst kräftige, hohe Gestalt war durch marasmus sen., woran er litt, niedergebeugt, das lebensvolle Antlitz hatte schon mit dem hippokratischen gewechselt, und das geistvolle Auge schaute wie aus tieferer Ferne hervor. Er war im vollen Anzuge und hatte das Bett bisher verschmäht, ja, waltete noch höchst geschäftig in seiner lieben Tonwelt und begleitete den Gesang einer seiner Schülerinnen mit Energie und Präcision am Fortepiano. Dann ging er, im Geiste und Gedanken ungeschwächt, auf die neueste Musik über, zürnte ihrer immer mehr einreißenden Frivolität, ihrer Abweichung von richtiger Declamation und eigenthümlicher Charakteristik. Beim Abschiede drückte er mir die Hand und ich trennte mich von ihm, für diese Welt auf immer. (Klingemann, Kunst und Natur, 3. Bd. p. 157ff.) Einen Monat später, in der Nacht vom 17. auf 18. Oct. entschlief der Meister zum ewigen Schlaf.

Winter war von großer, imponirender Statur und soll im Aeußern Händel geglichen haben. Flühzeitig vermählt, überlebte ihn seine Gattin zwei Jahre, seine Kinder waren ihm längst in's Grab vorausgegangen. Im Umgange war Winter derb, allein diese Derbheit ward durch eine gewisse Herzlichkeit ausgeglichen. Man hat ihm Sucht zu Ränken und Intriguen vorgeworfen, und ihn einer allzugroßen Vorliebe für das schöne Geschlecht beschuldigt – beides nicht ohne Grund, wie denn auch die gegen Mozart an den Tag gelegte Leidenschaftlichkeit und Erbitterung einen Schatten auf seinen Charakter wirft. Die Bekanntschaft beider datirt aus dem Jahre 1777 während Mozart's Aufenthalt in Mannheim. Zunächst mag die offen und unverhohlen ausgesprochene Abneigung Mozart's gegen Vogler Winter'n erbittert haben, der in freundschaftlichster Weise an Vogler hing, ja selbst als »einziger Freund und Gesellschafter« des in Mannheim mißliebigen Vogler in gleichzeitigen Berichten geschildert wird – wornach also, abgesehen von der unter Künstlern stets üblichen Rivalität, Winter's gereizte Stimmung gegen Mozart sich erklärt, eine Stimmung, die ihn zu Vorwürfen der ungerechtesten Art, z. B. Mozart habe Händel bestohlen, das Hinauftreiben der Singstimmen verschuldet u. dgl. m., hinriß.

Wie hingegen Mozart über Winter's Charakter urtheilt, mag man bei O. Sohn Bd. Ill p. 145 ff. nachlesen. Ob endlich Winter mit seiner oft geäußerten Abneigung gegen »clavierspielende Operncomponisten« auch Mozart einen Hieb versetzen wollte, wie Manche behaupten, ist nicht recht glaublich. Er wußte so gut, oder besser wie Einer wissen und erkennen, daß weder bei der Conception noch bei der Ausführung der unsterblichen Werke des Größten aller Meister der »Clavierspieler« betheiligt war.

Wenn aber Winter gegen eine gewisse Classe von Componisten, welche ihr Tasteninstrument recht sichtlich in ihre Partituren übertragen, aufgebracht war, so kann man ihm nur beistimmen. Durch diese »Clavierhusaren« ward jene Modulationswuth, jenes Zusammenhäufen der wunderlichsten Accorde und »Effecte« heraufbeschworen, welches in seiner Steigerung bereits zur musikalischen Carricatur geworden ist. Einem nur einigermaßen Bewanderten kann es weder beim Lesen der Partitur, noch beim Anhören eines solchen Orchesterwerkes entgehen, welchen Antheil der Flügel an der Phantasie und Ausführung des Tonsetzers hatte. Accorde und enharmonische Wechselungen, welche in ihrer hastigen, unvorbereiteten Aufeianderfolgung am Fortepiano noch immer ganz plausibel klingen, gestalten sich im Orchester, besonders im Bläserchor zu den mißtönendsten, unerquicklichsten Dissonanzen – wenn daher Winter gegen solche Verkehrtheiten sich erhob, so jatte er zweifellos und mit Recht andere Namen im Sinne, als den des unsterblichen Mozart.

Und nun scheiden wir von unserem Meister. Seine menschlichen Schwächen deckt das Grab. Was er aber als begabter Künstler schuf, wird in gewissen Grenzen immerdar seinen Werth behalten. Mag auch die Bühne dem ewig wechselnden Geschmacke der wechselnden Zeit huldigend, Winter's Compositionen für immer bei Seite legen (ein Schicksal, dem auch Andere unterlagen): die mit dem Staube der Vergessenheit bedeckten Partituren des Meisters enthalten noch viele kostbare Perlen, werth der Beachtung und des Studiums jüngerer Künstler. Der Schilderer musikalischer Entwicklungsgeschichte aber wird nie umhin können, bei Betrachtung jenes Zeitabschnittes vom Tode des großen Mozart an bis zum Beginne der Rossinischen, nun auch für »überwunden« erachteteten Epoche, einer Zahl kleinerer, mit Glück und Geschick in ihrer Zeit und für ihre Zeit wirkender Meister zu gedenken. – Als einen der Ersten unter diesen Meistern zweiten Ranges placirt die Geschichte: Peter von Winter.

Frz. M. Rudhart.

Abendblatt zur Neuen Münchener Zeitung Nr. 82. Samstag, den 5. April 1862.

#Die Scheinwelt und ihre Schicksale (1893)

Ein hochverdientes Mitglied der Münchener Oper, Capellmeister Peter von Winter, ist am 18. Oktober dieses Jahres (1826) zu Grabe getragen worden. Seine Wirksamkeit als Kapellmeister, Operncomponist und Gesangslehrer an unserer Bühne trug die herrlichsten Früchte und verdient eine weitere Würdigung. Peter von Winter 1754 zu Mannheim geboren, wurde, zwanzig Jahre alt, als Orchesterdirektor für das deutsche Theater in Mannheim engagirt und kam mit Kurfürst Karl Theodor nach München. In diese Jugendperiode fallen diverse Compositionen von Ballets, Cantaten und Melodramen. Erst im Jahre 1782 wurde in München seine erste Oper: »Helena und Paris« gegeben; ihr folgen nun im Laufe seiner ferneren 40jährigen Thätigkeit achtzehn weitere Opern, von denen »Das unterbrochene Opferfest« (1796) die hervorragendste Composition ist. Unter Winters kirchlichen Werken zeichnen sich mehrere Oratorien, Cantaten, ein treffliches Requiem, ein in sehr edlem Stile componirtes Miserere, mehrere Messen und Vespern aus. Von seinen weltlichen Cantaten, die noch höher stehen, als die geistlichen, ist »Timotheus oder die Macht der Töne«, am höchsten zu stellen. In Behandlung des Gesanges war Winter ein Stern erster Größe; seine Schreibweise war der Stimme vollkommen angemessen und beförderte die Bildung derselben auf ausgezeichnete Weise; seine Melodien sind immer fließend und schmeicheln dem Ohr, ohne das Herz leer zu lassen; doch gelang ihm das Anmuthige mehr als das Erhabene. Um aber Winters Verdienste vollkommen zu würdigen, muß noch angeführt werden, daß er, obwohl selbst ohne Stiinme, einer der trefflichsten Gesangsmeister in Deutschland war. Dieser seiner unschätzbaren Eigenschaft verdankt manche Größe unserer Oper ihre Ausbildung und Reife. Kapellmeister Winter war bis in seine letzten Lebenstage hinein thätig und erreichte ein Alter von 72 Jahren.

Die Scheinwelt und ihre Schicksale. Eine 127jährige Historie der Münchener kgl. Theater im populärer Form und als Jubiläums-Ausgabe. Zu Ehren des fünf und zwanzigjährigen Dienst-Jubiläums Seiner Excellenz des Herrn General-Intendanten Freiherrn von Perfall von Max Leythäuser. München; 1893.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Winter Peter, von, 1754 (Mannheim) – 1825, Komponist und Hofkapellmeister; er wurde schon mit 10 Jahren ins Hoforchester seiner Heimatstadt aufgenommen, war in der Komposition Schüler von Abbe Vogler und kam nach kurzem Wirken am Mannheimer Hoftheater mit Kurfürst Karl Theodor nach München, wo er 1788 Hofkapellmeister wurde und sich durch ausgedehnte Studien- und Konzertreisen nach Wien (Unterricht bei Salieri) und Prag, durch Frankreich, England und Italien weiterbildete; W. ist Schöpfer zahlreicher Opern und Singspiele (Das unterbrochene Osterfest, Maria von Montalban, Kantate »Timoteo«) und vor allem kirchlicher Stücke (26 Messen, darunter zwei Pastoralmessen, drei Tedeum, drei Stabat Mater, ein Magnificat und sieben Tantum Ergo; für die evangelische Hofkirche verfaßte er sieben Kantaten und das Oratorium »Der sterbende Jesus«); in der Periode zwischen Mozarts Tod und Beethovens »Fidelio« war W. im Fach der ernsten Oper unstreitig der erste deutsche Komponist (Max Diez), er, ein sehr fruchtbares, aber vielfach nicht besonders reiches Talent, wußte die deutsche Gesangsweise glücklich mit der italienischen Schule zu verschmelzen.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#MR – 312 (Erich)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Erich, Christian; – Januar 1869 (München), 74 Jahre alt; Kaufmann

Grab der Familie Erich auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familie Erich auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#MR – 313·314 (Wilhelm)


¿
Med. Dr. Wilhelm.


  • Wilhelm, Alexander; – 1891; Major
  • Wilhelm, Philipp, Dr. med.; 25.11.1798 (Würzburg) – 20.12.1840 (München); Arzt

Grab der Familie Wilhelm auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familie Wilhelm auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#MR – 315·316 (Braun)


Dotr. Jakob Braun
kgl. Hofrath, Professor hon. prakt. u. St. Joseph Spital Arzt,
Ritter des St. Michaelsordens 1ter Kl.
geb. zu Schwarzenfeld d. 21ten September 1792, gest. d. 25ten Oktober 1866,
nach einem 52jährigen ärztlichen Wirken.
Dessen Gattin Marie, geb. Ostermaier.
geb. den 19. April 1804, gest. den 5. Mai 1883.
Deren Tochter Sophie, geb. den 21. Juni 1827, gest. den 25. Okt. 1889. und Franziska, geb. den 16. Aug. 1828, gest. den 31. März 1908.

Linke Tafel
Anna Braun
geb. den 26. Juni 1869,
gest. den 15. Dezemb. 1871.

Rechte Tafel
Herr
Maximilian Braun
Oberst
geb. 14. Oktober 1863,
gest. 5. Januar 1922.
Charlotte Braun
Obermedizinalratstochter
geb. ¿. November 1865,
gest. 7. Oktober 1926.


  • Braun, Anna; 26.6.1869 – 15.12.1871 (München); Arzt-Tochter
  • Braun, Charlotte; 11.1865 – 7.10.1926; Arzt-Tochter
  • Braun, Franziska; 16.8.1828 – 31.3.1908
  • Braun, Jakob, Dr. med.; 21.9.1792 (Schwarzenfeld) – 25.10.1866 (München); Arzt
  • Braun, Marie (vw) / Ostermaier (gb); 19.4.1804 – 5.5.1883; Arzt-Witwe
  • Braun, Maximilian; 14.10.1863 – 5.1.1922; Oberst
  • Braun, Sofie; 21.6.1827 – 25.10.1889

Grab der Familie Braun auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

Grab der Familie Braun auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2008)

#MR – 317·318 (Meyer)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Meyer, Auguste von (vh) / Hartz, von (gb); 6.10.1846 – 3.5.1894
  • Meyer, Edwin von; 30.5.1837 – 13.4.1907; Königlich bayerischer Hauptmann a. D.
  • Meyer, Fanny von; – 28.4.1913
  • Meyer, Jeronie von; 16.9.1769 (Aarau) – 14.11.1844 (München)
  • Meyer, Joh. Math. von, Dr.; 28.6.1814 (Ansbach) – 15.9.1882 (München); Oberkonstistorial-Präsident und Reichsrat
  • Meyer, Sofie von (vh) / Tanner (gb); 13.4.1806 (Aarau) – 17.12.1872 (München)

Grab der Familie Meyer auf dem Alten Südfriedhof München (April 2016)

#MR – 321·322 (Dietz · Maas · Streber)


CONSOLATRIX AFFLICTORUM
ORA PRO NOBIS

Dr. med. IGNAZ STREBER
KGL. HOFRAT, PRACT. UND BADEARZT IN BAD TOELZ
GEB. ZU MÜNCHEN 4. JANUAR 1854, GEST. ZU MÜNCHEN 7. APRIL 1910.
MARIA TOCHTER DES GERICHTSHALT. STREBER, GEB. 23. JANR. 1808, † 17. AUG. 1826.
JOHANN STREBER GERICHTSHALTER GEB. ZU REISBACH 6. MAI 1760. † 24. JAN. 1827.
JOHANNA TOCHTER DES PROFESSORS STREBER. GEB. 5. OCTOBER 1836. † 16. AUG. 1838.
A. M. ANT. JOHANNA DIETZ GEB. MAAS AUS COBLENZ, GEB. 17. DEZ. 1782, † 29. NOV. 1838.
MARIA TOCHTER D. POSTHALT. MAAS AUS COBLENZ, GEB. 13. APR. 1832, † 6. JAN. 1840.
HOCHW. IGNAZ STREBER PFARRER V. ARNBACH, GEB. ZU REISBACH 1803. † 7. MÄRZ 1873.
MARIA TOCHTER DES PROFESSOR STREBER, GEB. 13. AUGUST 1845. † 13. JUNI 1881.
DP. FRANZ STREBER K. UNIVERSITÄTSPROFESSOR U. CONSERV. D. K. MÜNZKABINETS,
GEB. ZU DEUTENKOFEN 26. FEBRUR 1806, † 21. NOVEMB. 1864. DESSEN GATTIN
OTTILIE STREBER, GEB. DIETZ. GEB. ZU COBLENZ 7. JUNI 1812, † 21. MAI 1891.
ADOLF STREBER, BEAMT. D. BAY. HYP. U. W. BANK, GEB. I. TÖLZ 22. APR. 1885, † 12. FEBR. 1912.
DR. TH. PH. HERMANN STREBER


  • Dietz, Anna Maria Ant. Johanna (vh) / Maas (gb); 17.12.1782 (Koblenz) – 29.11.1838 (München); Kaufmanns-Gattin
  • Maas, Maria; 13.4.1832 – 6.1.1840; Posthalters-Tochter
  • Streber, Adolf; 22.4.1885 (Tölz) – 12.2.1912; Bankbeamter
  • Streber, Franz Xaver, Dr. phil.; 26.02.1806 (Deutenkofen bei Landshut/Ndb.) – 20.11.1864 (München); Professor der Archäologie und Numismatiker
  • Streber, Hermann, Th. Ph.
  • Streber, Ignaz; 1803 (Reisbach) – 7.3.1873 (München); Pfarrer
  • Streber, Ignaz, Dr. med.; 4.1.1854 (München) – 7.4.1910 (München); Arzt und Hofrat
  • Streber, Johann; 6.5.1760 (Reisbach) – 24.1.1827 (München); Gerichtshalter
  • Streber, Johanna; 5.10.1836 – 16.8.1838
  • Streber, Maria; 13.8.1845 – 13.6.1881
  • Streber, Maria; 23.1.1808 – 17.8.1826
  • Streber, Ottilie (vh) / Dietz (gb); 7.6.1812 (Koblenz) – 21.5.1891

Grab der Familien Dietz · Maas · Streber auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familien Dietz · Maas · Streber auf dem Alten Südfriedhof München. Abbildung aus: Auswahl der vorzüglichsten Denkmäler des Münchner Kirchhofes. 3. Band. München, 1841.

Grab der Familien Dietz · Maas · Streber auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

Grab der Familien Dietz · Maas · Streber auf dem Alten Südfriedhof München (August 2008)

Grab der Familien Dietz · Maas · Streber auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#Dr. phil. Franz Xaver Streber

* 26.02.1806 (Deutenkofen bei Landshut/Ndb.)
† 20.11.1864 (München)
Professor der Archäologie und Numismatiker

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Streber Franz Xaver, Dr. phil., 1806 (Deutenkofen bei Landshut/Ndb.) – 1864; Numismatiker und Universitätsprofessor; ein Neffe des bekannten Numismatikers (Münzforschers) Franz Ignaz von St. gründlich philosophisch und theologisch vorgeschult und infolge der Veröffentlichung eines kritischen Kataloges über 18000 griechische Münzen und eines Lexicon numismaticum-iconographicum mit meisterhaften eigenhändigen Zeichnungen von etwa 6000 griechischen Münzen der Wissenschaft bekannt geworden, wurde St. 1830 Adjunkt und 1841 Konservator (als Nachfolger seines Oheims) des Königlichen Münzkabinetts; ein Jahr zuvor war er zum Professor der Archäologie an der Münchner Universität berufen worden; von St. stammen zahlreiche Abhandlungen aus dem Gebiet der griechischen, keltischen und mittelalterlichen Münzkunde.

Hauptwerke: Abhandlungen der Münchner Akademie über Regenbogenschüsseln und mittelalterliche Münzfunde Süddeutschlands; St. war »einer der letzten Vertreter des alten katholischen Münchens« (P. Weiß), geschätzter Lehrer, ein Vater der dürftigen Studenten und Gründer und erster Vorsitzender des »Vereins für konstitutionelle Monarchie und religiöse Freiheit« (1848/56).

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#MR – 323 (Raesfeldt · Spies)


Grabstätte der Familie von Spies

Linke Spalte
Moritz von Spies
k. b. Generalmajor
Staatsrath u. Kriegsminister
geb. zu Ansbach 31. Dezb. 1805.
gest. zu München 10. Oktb. 1862.
Mathilde
Freifrau von Raesfeldt
geb. von Spies,
geb. zu München 10. Sept. 1850,
gest. zu Bergen 3. Juni 1870,
Reinhard
Freiherr von Raesfeldt
geb. zu München 24. April 1882
gest. zu München 27. April 1882
Emma von Spies
geb. zu Ansbach 22. Jan. 1808.
gest. zu München 24. Febr. 1883.
Max von Spies
geb. u. gest. zu München 21. August 18¿7.

Rechte Spalte
Therese von Spies
geborene Freiin v. Hacke.
geb. zu Bamberg 28. Juni 1817
gest. zu Würzburg 23. Mai 1889.
Emma von Spies
geb. zu München ¿
gest. zu Bad ¿
Ludwig
Freiherr von Raesfeldt
k. Regierungs¿
geb. zu ¿
gest. zu München ¿
Johanna
Freifrau von Raesfeldt
geb. von Spies,
geb. zu München 9. März ¿
gest. zu München 17. März ¿


  • Raesfeldt, Johanna Freifrau von (vh) / Spies, von (gb)
  • Raesfeldt, Ludwig Freiherr von; 24.4.1882 – 27.4.1882
  • Raesfeldt, Mathilde Freifrau von (vh) / Spies, von (gb); 10.9.1850 (München) – 3.6.1870 (Bergen)
  • Raesfeldt, Reinhard Freiherr von; 24.4.1882 (München) – 27.4.1882 (München)
  • Spies, Emma von; 22.1.1808 – 24.2.1883
  • Spies, Emma von; 8.1.1852 – 22.7.1906
  • Spies, Max von; 21.8.1897 (München) – 21.8.1897 (München)
  • Spies, Moritz von; 31.12.1805 (Ansbach) – 10.10.1862 (München); Generalmajor, Kriegsrat und Staatsminister
  • Spies, Therese von (vh) / Hacke, Freiin von (gb); 28.6.1817 (Bamberg) – 23.5.1889 (Würzburg)

Grab der Familien Raesfeldt · Spies auf dem Alten Südfriedhof München (August 2008)

#MR – 327·328 (Wagner)


Linke Bodenplatte
Franz Michael
von Wagner
k. b. geheimer Rath, quiesc.
General Bergwerks u.
Salinen Administrator,
Kommenthur des Civilver
dienstordens der b. Krone
Ehrenkreuz des Ludwigs
ordens Ritter des k. russ.
Wladimirordens IV. Kl.
Komthur des herz. sächs.
Ernestin Haus Ordens
II. Kl. u. Ritter des Ordens
d. k. würtemb. Krone dann
Mitglied der k. b. Akade-
mie der Wissenschaften
geb. zu Waltershof d. 20. August
1768
gest. zu München d. 27. April
1851

Rechte Bodenplatte
Maria Ursula
von Wagner
geb. Grünaug
wurde gebohren d. 12. Maerz
1764
und starb d. 8. September
1826.


  • Wagner, Franz Michael von; 20.8.1768 (Waltershof) – 27.4.1851 (München); General-Bergwerks- und Salinenadministrator
  • Wagner, Maria Ursula von (vh) / Grünaug (gb); 12.3.1764 – 8.9.1826 (München); Salinenadministrators-Gattin

Grab der Familie Wagner auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familie Wagner auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familie Wagner auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

Grab der Familie Wagner auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

Grab der Familie Wagner auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

Grab der Familie Wagner auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

#MR – 329…332 (Baumüller)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Baumüller, Anton Ritter von; – 30.9.1826 (München), 48 Jahre alt; Oberauditor
  • Baumüller, Leopold Anton von; – 5.1.1828 (München), 17 Jahre alt; Oberauditors-Sohn
  • Baumüller, Max Josef von; – 21.11.1826 (München), 13 Jahre alt; Oberauditors-Sohn
  • Baumüller, Paul Anton von; – 18.4.1827
  • Baumüller, Paul Josef von; 5.4.1770 (Mannheim) – 14.1.1832 (München); Geheimrat
  • Baumüller, Sofie Antonia von; – 10.12.1826 (München), 17 Jahre alt; Oberauditors-Tochter
  • Baumüller, Sofie von (vw) / Maillinger, von (gb); – 4.3.1863 (München), 72 Jahre alt; Oberauditors-Witwe

Grab der Familie Baumüller auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#MR – 335·336 (Schönninger)


EDUARD SCHOENNINGER
qu. kgl. Landrichter gest. 1. Nov. 1878
Dessen Gattin
ANNA SCHOENNINGER
geb. Clayel, gest. 21. März 1879,
Dessen Sohn
OSCAR SCHOENNINGER
K. Oberlandesg.-Senatspräsident
gest. 31. Januar 1910

A. Aufleger


  • Schönninger, Anna (vw) / Clayel (gb); – 21.3.1879; Landrichters-Witwe
  • Schönninger, Eduard; – 1.11.1878; Landrichter
  • Schönninger, Oscar; – 31.1.1910; Senatspräsident

Grab der Familie Schönninger auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#MR – 337 (Würtzburg)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Würtzburg, Franziska Romana Freifrau von (vw) / Seinsheim, Gräfin von (gb); 23.9.1803 – 5.12.1874 (München); Kämmerers-Witwe
  • Würtzburg, Konrad Wilhelm Veit Freiherr von; 20.5.1794 (Würzburg) – 12.2.1853 (München); Kämmerer

Grab der Familie Würtzburg auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familie Würtzburg auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#MR – 339 (Thenn)


Hier ruhen:
Johann Thenn,
k. Baurath der bayer. Staats-Eisenbahnen
Ritter des k. k. oesterr. Leopoldsordens
und des k. saechs. Albrechtsordens I. Kl.
geb. zu Augsburg den 25. Mai 1811,
gest. zu München den 16. Juli 1882.
Dessen treue Gattin und die beste Mutter
Elisabeth Thenn
geb. Eisenmann
gest. zu München den 11. Januar 1883.
Deren Enkel
Hans Thenn
geb. den 19. Juli 1879, gest. den 8. Febr. 1883.
Josef Thenn,
Hauptmann
gest. den 23. Februar 1897.
Ritter d. k. b. Milit.-Verd.-Ordens II. Kl. m. S.
Inhaber d. k. pr. eisernen Kreuzes II. Kl. etc.

Sockel
Maximilian Thenn,
k. Eisenbahn-Oberinspektor a. D.
Inhaber des Verdienstordens vom hl. Michael IV. Kl.
mit Krone und des Luitpoldkreuzes
geb. 8. März 1841, gest. 6. Februar 1913.
Max Thenn,
Oberapotheker am Städt. Krankenhaus München-Schwabing
geb. 11. März 1874, gest. 6. Dezember 1927.

Vorgelagerter Gedenkstein
Amalie Thenn
geb. Hörhammer
13.2.1848 – 31.5.1894
Siegfried Thenn
3.7.1913 – 21.2.1953


  • Thenn, Amalie (vh) / Hörhammer (gb); 13.2.1848 – 31.5.1894
  • Thenn, Elisabeth (vw) / Eisenmann (gb); – 11.1.1883 (München)
  • Thenn, Hans; 19.7.1879 – 8.2.1883
  • Thenn, Johann; 25.5.1811 (Augsburg) – 16.7.1882 (München); Baurat
  • Thenn, Josef; – 23.2.1897; Hauptmann
  • Thenn, Max; 11.3.1874 – 6.12.1927; Apotheker
  • Thenn, Maximilian; 8.3.1841 – 6.2.1913; Eisenbahn-Oberinspektor a. D.
  • Thenn, Siegfried [in memoriam]; 3.7.1913 – 21.2.1953

Grab der Familie Thenn auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#MR – 340 (Sedlmayer)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Sedlmayer, Gabriele (vh); – 1885; Lehrers-Gattin
  • Sedlmayer, Josefa; – 1889

Grab der Familie Sedlmayer auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#MR – 343 (Biegeleben · Ferstl · Görres · Jochner · Radl · Steingaß)


Görres-Jochner’sche
Familien-Grabstätte.

Hier ruhen in Gott:
Görres Josef v. geb. 25.I.1776, † 29.I.1848.
Görres Guido, geb. 28.V.1805, † 14.VII.1852.
Steingaß Sofie, geb. Görres, geb. 6.VI.1802, † 20.VIII.1854.
Görres Kath. v. geb. v. Lasaulx, geb. 11.IV.1779, † 20.VI.1855.
Jochner Karl M. geb. 8.II.1863, † 1.XI.1863.
Jochner Ferdinand M. geb. 23.XII.1863, † 26.V.1864.
Jochner Ferdinand M. geb. 18.V.1868, † 17.VIII.1868.
Jochner Maria K. geb. Steingaß, geb. 20.VI.1830, † 26.I.1871.
Görres Maria, geb. 28.VI.1808, † 20.V.1871.
Jochner Ernst M. geb. 7.VIII.1856, † 22.V.1873.
Jochner Josef, geb. 26.VII.1872, † 3.VII.1873.
Jochner Kath. M. geb. 12.IX.1873, † 27.I.1874.
Jochner Kath. M. geb. und gest. 24.IX.1886.
Jochner Karolina Maria, geb. 24.IX.1886, † 2.I.1887.
Ferstl Guido, geb. und gest. 7.IX.1890.
Jochner Anna, geb. ¿, geb. 2.XII.1809, † 26.IX.1870.
Jochner Guido, geb. 3.IX.1830, † 19.IV.1900.
Jochner Marie, geb. 22.XI.1861, † 21.VIII. 1900.
Biegeleben Maria Ludovica v. geb. u. † 12.XII.1900.
Jochner Katharina geb. Görres geb. 26.IV.1848 † 12.IV.1901.
Radl Angelina, geb. Jochner geb. 4.II.1832, † 14.I.1912.


  • Biegeleben, Maria Ludovica von; 12.12.1900 – 12.12.1900
  • Ferstl, Guido; 7.9.1890 – 7.9.1890
  • Görres, Guido, Dr. phil.; 28.5.1805 (Koblenz) – 14.7.1852 (München); Schriftsteller
  • Görres, Johann Josef von, Dr. phil.; 25.1.1776 (Koblenz) – 29.1.1848 (München); Historiker, Schriftsteller und Theologe
  • Görres, Katharina von (vh) / Lasaulx, von (gb); 11.4.1779 – 20.6.1855 (München); Universitätsprofessors-Witwe
  • Görres, Marie; 28.6.1808 (Heidelberg) – 20.5.1871 (München); Universitätsprofessors-Tochter / Herausgeberin
  • Jochner, Anna (vh) / Weller (gb); 2.12.1809 – 26.9.1870 (München); Landgerichtsarzt-Witwe
  • Jochner, Ernst Maria; 7.8.1856 – 22.5.1873 (München); Arzt-Sohn
  • Jochner, Ferdinand Maria; 18.5.1868 – 17.8.1868 (München); Arzt-Sohn
  • Jochner, Ferdinand Maria; 23.12.1863 – 26.5.1864 (München); Arzt-Sohn
  • Jochner, Guido; 3.9.1830 – 19.4.1900
  • Jochner, Josef; 26.7.1872 – 3.7.1873 (München); Arzt-Sohn
  • Jochner, Karl Maria; 8.2.1863 – 1.11.1863 (München); Arzt-Sohn
  • Jochner, Karolina Maria; 24.9.1886 – 2.1.1887
  • Jochner, Katharina (vh) / Görres (gb); 26.4.1848 – 12.4.1901
  • Jochner, Katharina Maria; 12.9.1873 – 27.1.1874 (München); Arzt-Tochter
  • Jochner, Katharina Maria; 24.9.1886 – 24.9.1886
  • Jochner, Maria Katharina (vh) / Steingaß (gb); 20.6.1830 – 26.1.1871 (München); Arzt-Witwe
  • Jochner, Marie; 22.11.1861 – 21.8.1900
  • Radl, Angelina (vh) / Jochner (gb); 4.2.1832 – 14.1.1912
  • Steingaß, Sofie (vh) / Görres (gb); 6.6.1802 – 20.8.1854 (München); Professors-Witwe

Grab der Familien Biegeleben · Ferstl · Görres · Jochner · Radl · Steingaß auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2012)

Grab der Familien Biegeleben · Ferstl · Görres · Jochner · Radl · Steingaß auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

#Dr. phil. Guido Görres

* 28.5.1805 (Koblenz)
† 14.7.1852 (München)
Schriftsteller

#Katholisches Sonntagsblatt (1.8.1852)

IX. Sonntag nach Pfingsten.

Am 21. Juli starb in München der Redakteur der »historisch-politischen Blätter«, Herr Dr. Guido Görres, der Sohn des berühmten »alten Görres« von dem ganz Europa zu erzählen weiß. Herr Guido Görres, erst 47 Jahre alt, war seinem Vater, diesem erprobten Feldmarschall der katholischen Liga, in gleicher Laufbahn gefolgt, und hatte bereits vieles Tüchtige geleistet, was auch von ihm ebenbürtigen Gelehrten und gerühmten Zeitschriften aufs Ehrenvollste anerkannt worden. Wir für unsere geehrten Leser bescheiden uns auf den bekannten, lieblichsten Zug seines Charakters d. i. seine zarte Liebe zur erhabenen Gottesmutter Maria hinzuweisen, in Folge dessen er Ihr die Erstlinge seiner poetischen Arbeiten (er war bekanntlich einer der besten Dichter unseres Jahrhunderts) in einem schönen Blumenstrauß, genannt »Marien-Lieder« gewidmet hat.

Schon in Nr. 22 des II. Jahrganges d. Bl. haben wir sein schönes Gedicht auf die Patronin von Bayern mitgetheilt. Diese seine religiösen Lieder haben das Glück gehabt, von einem ausgezeichneten Tonkenner, dem frommen Componisten Aiblinger in München, in Musik gesetzt zu werden, als welche sie nun in vielen Kirchen und Kapellen, besonders in der hiesigen Herzogspital-Kirche zur Feier des Gottes-Dienstes gesungen werden. Wer kennt nicht den schönen Opfergesang:

Wir schmücken Die Dein golden Haar
Mit Rosenzier und Lilien klar,
Und rings die Luft durchwürzen wir
Mit Weihrauch-Duft, Maria Dir.

Und Dir soll sein ein Ehrenkranz
Mit hellem Schein der Kerzen Glanz
Maria mild im Staube hier,
Vor Deinem Bild da knien wir.

Und aus der Brust der Kinder all,
Erklingt mit Lust der Lieder Schall;
Mit Lust erklingt der Lieder Chor
Ihr Herz sich schwingt zu Dir empor etc.

Man muß dieses und andere Lieder des Guido Görres in der Maiandacht der genannten Kirche singen gehört haben, um den tiefen Reichthum der Seligkeiten, der darin lebt, mitzuempfinden. Denken wir uns noch dazu den hl. Alphons Maria von Liguori vor dem allerheiligsten Sakramente anbetend niedergeworfen, diesen innigen Verehrer Mariens, und hören wir ihn beten: »O mein Herr Jesus Christus! ich empfehle dir die Seelen im Reinigungsorte, und vorzüglich jene, die auf Erden eine besondere Andacht zum allerheiligsten Sakramente und zur allerseligsten Jungfrau Maria hatten« – wie gesagt, denken wir uns diesen heiligen Mann also beten (er ist zwar schon längst gestorben, aber seine Besuchungen des heiligsten Sakraments werden noch fortwährend von Tausenden frommer Christen andächtig gebetet), so können wir nicht anders als über die selige Ewigkeit des verblichenen Guido Görres die gegründetste Beruhigung haben. Ruhe seiner Asche! Achtung seinem Andenken!

Katholisches Sonntagsblatt No. 19. München; Sonntag, den 1. August 1852.

#Augsburger Postzeitung (10.8.1852)

An Guido Görres Grabe.
Rede des Professors Dr. D. Haneberg.

Das Leben, welches in diesem Grabe ein leider allzufrühes Ende nimmt, war in den letzten Jahren von schweren Mißgeschicken heimgesucht. Auch bei dem Begräbniß sollte es nicht an einem kleinen Unsterne fehlen; denn während die Verehrer des Hingeschiedenen erwarten durften, daß ein näherer Freund sein Andenken hier würdig feiern werde, hat eine eigenthümliche Fügung von Umständen mich, den unvollkommen Unterrichteten, spät erst berufen, diese Pflicht zu übernehmen.

O, wie sehr hätte es Guido Görres verdient, daß eine kundige Hand um sein Grab den blühendsten, vollsten Kranz ehrender Erinnerung geschlungen hätte!

Ich kann nur ein dürftiges, kleines Sträußlein niederlegen.

Von seinen äußeren Lebensverhältnissen wird übrigens wohl auch der Nekrolog, auf welchen uns eben Hoffnung gemacht wurde, wenig sagen können, als daß er im Jahre 1805 in Coblenz am Rhein geboren wurde, daß er nie ein öffentliches Amt bekleidete, und daß er seinen großen Vater, so lange dieser lebte, überallhin begleitete. Er wanderte mit ihm nach Straßburg, als dieser dorthin ins Exil ging, folgte ihm von da in die Schweiz und endlich, ,als Görres an die Ludwigs-Maximilians-Universität gerufen wurde, hieher nach München. Wer den großen Vater hier erst kennen lernte, war so sehr an die Nähe des Sohnes gewöhnt, daß er sich ohne diesen den erstern nicht vorstellen konnte.

Mancher Verehrer von Görres denkt noch mit einer gewissen Herzenslust daran, wie regelmäßig Guido mehrere Jahre hindurch im Hörsaale des Vaters zugegen war, und wie dessen einnehmende Persönlichkeit, die bald jedem Besucher auffiel, zu dem tiefen Ernst der dort empfangenen Eindrücke eine willkommene Zugabe jugendlich freundlicher Heiterkeit legte.

Doch, wenn ich sage, Guido Görres sey seinem großen Vater Schritt für Schritt gefolgt, so meine ich nicht, daß seine geistige Ausbildung eine unselbstständige gewesen sey. Gerade das war das Seltene an ihm, daß er in der unmittelbaren Nähe eines so gewaltigen Geistes doch sich frei und eigenthümlich entwickelte. Theilweise war das freilich die Folge der besondern Erziehungsart in jenem Hause. Während nämlich die Söhne vieler geistvoller Väter von Knabenjahren an mit den Früchten des Wissens überfüttert, und nicht selten wie in einem Treibhause zu einer frühreifen Geistesentwicklung gezwungen werden, und zwar im Sinne des Vaters, war die Erziehung Guido's die freieste von der Welt.

Kein Knabe eines einsamen Landmannes, der sich den Studien widmet, kann auf dem Wege seiner geistigen Entwicklung mehr sich selbst überlassen seyn, als es der Sohn von Görres war. So verlangte es die geniale Natur des Vaters und die patriarchalische Treue des ganzen Hauses. Auf diesen einfachen Principien beruhte Guido's Erziehung, die unter dem Segen Gottes zu so günstigem Erfolge gedieh.

Von seinem Vater hat Guido das Höchste gelernt: eine unbegränzte Liebe zu allem Großen und Edlen in der Menschheit, aber so, daß er sich am liebsten jenem Edlen zuwandte, welches von Vielen vornehm verkannt wurde. Diese Liebe hatte er mit dem Vater gemein. Auch hatte er von diesem das tiefe, reiche Gemüth geerbt. Aber verschieden war er schon in der Art, wie er seinen Anschauungen und Erfahrungen Sprache lieh.

War es die Eigenthümlichkeit des Vaters, alles in der Sprache der Denker oder der Propheten zu sagen, so mußte Guido fast Alles in die Sprache der Kinder übersetzen.

Sein Weg war der des sinnig kindlichen Gemüthes, und ich möchte sein ganzes geistiges Wesen in den Namen der sinnigen, dichterisch bewegten Kindlichkeit zusammenfassen.

Doch war Kraft genug in ihm, der Gefahr seiner Naturanlage, sich in tausend Anregungen zu zersplittern, zu begegnen. Er erprobte diese Kraft in einer Reihe von schönen Schriften und zwar in selbstständiger Thätigkeit.

Daß er zum Gegenstande seiner ersten Jugendarbeit das Leben des Niklas von der Flüe wählte, geschah wahrscheinlich unter der Einwirkung des Vaters; aber die Art, wie er diesem Friedensmanne in die Bergklause folgte, wie er ihn im Geheimnisse der innersten Beschaulichkeit und im Gespräche mit Gott belauschte, und ihn dann wieder herabbegleitete in die Thäler der Schweiz, um ihn da den Lärm tief erregten Bürgerstreits schlichten zu lassen, war sein eigenthümliches Verdienst.

Etwas Aehnliches gilt von dem Buche über die Jungfrau von Orleans. Bei diesem hatte er, wenn ich recht unterrichtet bin, die Freude, einen der größten Redner und bedeutendsten Männer des gegenwärtigen Frankreichs zum wetteifernden Unternehmen einer ähnlichen Arbeit anzureizen. Hatte Guido eine wunderreiche Jungfrau des französischen Mittelalters gefeiert, so ehrte Montalembert das Andenken einer edlen deutschen Frau – Elisabeth von Thüringen.

Guido mußte sich von seinem französtschen Nebenbuhler übertroffen fühlen, wir müssen das gestehen; aber der Sieg hing am größern Gegenstände und schlug zur Ehre Deutschlands aus.

Solche Siege des wetteifernden Auslandes hervorgerufen zu haben, könnte Jedem zum Stolze werden. Möchte es viele solche Wettkämpfe, viele solche Niederlagen geben!

Indessen konnte Guido in solchen historischen Arbeiten sich nur halb heimisch fühlen; nur, wo das Gemüth ganz ohne Schranken schalten konnte, fühlte er sich zu Hause. Er mißbrauchte diese Schrankenlosigkeit des dichterischen Gemüthes nicht. Er bemühte sich nicht, zu einer höhern Begeisterung sich emporzutreiben, als er wirklich fühlte, auch übte der Ehrgeiz, im Großen gewaltig zu seyn, keinen Einfluß auf ihn aus. Sein Element war im Reiche der kindlich sinnigen Lyrik und Sagenpoesie.

Obwohl ich mich nicht zum Kunstrichter aufwerfen möchte, so wage ich es doch zu sagen, daß Deutschland aus diesem Gebiete kaum etwas Reineres, Herzlicheres und Sinnigeres aufzuweisen hat. Sein Weihnachtskrippelein wird für die deutsche Kinderwelt stets classisch bleiben, und manch kindliches Gemüth wird fortan die klaren Forellenbächlein seiner heitern Lieder gerne besuchen.

Das Schaffen des kindlich sinnig frommen Gemüthes war die Seele seines Thuns und Lebens. Doch verschloß er sich nicht eigensüchtig darin.

Er dachte über das Wohl und Wehe des Vaterlandes nach, bildete sich Grundsätze und handelte nach diesen.

Seine Grundsätze haben Gegner gehabt und haben sie noch. Aber selbst die Gegner müssen bekennen, daß er darin als ehrlicher, deutscher Mann vor Gott und der Welt dastand.

An Großartigkeit des öffentlichen Wirkens blieb er hinter dem Vater zurück, aber an Offenheit, Geradheit und Wahrheit war er ihm gleich, nicht weniger an versöhnlicher Milde.

Diese Milde hing nicht mit Weichheit zusammen, sondern mit einer ganz vorzüglich hervortretenden Gabe seiner Natur, einem frischen, jugendlichen Humor, womit er so manchen altväterlichen Schwank des Mittelalters wieder auffrischte, jener Humor, mit welchem er die sinnigsten Arabesken um scheinbar trockene Thatsachen schlang, jener Humor, durch welchen er nicht selten große Künstler antrieb, sich in Schöpfungen der Laune zu den Kleinen herabzulassen, jener Humor, der hundertmal ein Zusammentreten von Freunden mit schöner Heiterkeit bekränzte.

Auch wer ihm nie persönlich nahe kam, und ihn nur durch jene Blätter kannte, deren Mitbegründung und unverdrossene Fortführung eines der bedeutendsten Verdienste seines Lebens ist, lernte diesen Humor schätzen. Oft mußten diese Blätter von Gewittern sprechen, die sich am Himmel zusammenzogen, nicht selten von Gewittern, die zerstörend niedergefahren, manchmal sprachen sie selbst wie ein Gewitter, daß die Brust des Lesers tief beklommen wurde – da kamen einige Zeilen von Guido Görres dazwischen, und es war wie ein tröstender Wettersegen, wie das Lied der Lerche, die sich aufschwingt und uns sagt, daß wir nicht Wetterwolken, sondern Frühlingsgewölk vor uns sahen.

Als dieser Humor schwächer und unsicherer zu leuchten anfing, da wußten seine Freunde, daß an seiner Lebenskraft etwas Feindliches nage.

Am Sterbelager seines Vaters begann vor vier Jahren diese Umdüsterung seiner sonst kindlich heitern Seele. Man hoffte, daß, wie die übermäßige Anstrengung des Leibes bei der treuesten Pflege und des Gemüthes bei der treuesten Trauer vorübergehe, so auch jene traurigen Erscheinungen sich verlieren würden. Aber vergebens; die Quelle des Humors sprudelte nur noch selten.

Es blühte kein freundliches Liedchen mehr; höchstens ein Nachhall des letzten seiner gesammelten Gedichte schien nachzuklingen, von jenem Wächter, welcher: »Fühlte des Todes Nah'n; Er blickte noch einmal hinunter, Zum Himmel noch fromm hinan, Und frei dann von Sorgen und Kummer Entschlief er in seligem Schlummer.« Auch die »Fahrt durch die Waldflur«, die in den historisch-politischen Blättern von ihm erschien, brachte keine Alpenrosen von den Bergen, er sah darin um die Sennereien das Strafgericht Gottes walten, und hörte vom Thale herauf das Todtenglöcklein.

Er für sich hatte das Todtenglöcklein nicht zu fürchten, denn er war einen reinen, guten Weg gewandelt, und hatte ein Beispiel treuer Pflichterfüllung als Sohn, Bruder und Gatte hinterlassen; aber die Seinigen mußten davor zittern, denn mit ihm verloren sie und verlor besonders die Gattin mit den drei kleinen Kindern die einzige Stütze.

Von diesen Kleinen sich zu trennen war ihm das Schwerste; nur der Blick auf Gott gab ihm dabei Stärke. Wie voll des Glaubens und der Hingebung an Gott seine Seele war brauche ich nicht zu sagen; seine Schriften sagen es.

Ich meine dabei nicht solche, worin Zeitfragen im katholischen Sinne behandelt waren, denn solche Dinge kann man schreiben, ohne ernstlich an das Heil seiner Seele zu denken; nein, ich meine seine Ausgabe der Nachfolge Christi, wovon jede Zeile lebendig und belebend durch seine Seele gegangen ist, und die lieben, freundlichen Marienlieder. Er hat sie aus dem Grunde eines kindlichen Herzens für kindliche Seelen gesungen, und sie werden bestehen, so lange katholische Christen in deutscher Sprache beten werden. In vielen Kirchen und Capellen, welche von diesen Liedern wiederhallen, wird, wenn Guido's Todesnachricht anlangt, manche Zähre des Dankes wie für einen geistlichen Wohlthäter fließen. Mögen die guten Seelen, welche an diesen Liedern schöne Gefühle erweckt haben, dem Hingeschiedenen ein Scherflein guten Gebetes widmen, nach seinem Sinne und im Sinne des Grames, unter dessen Last sein Herz gebrochen ist!

Augsburger Postzeitung Nr. 217. Dienstag, den 10. August 1852.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Görres Guido, Dr. phil., 1805 (Koblenz) – 1852, Philologe, Schriftsteller und Dichter; vielseitig begabt und gebildet, teilte er mit seinem Vater Joseph G. die Neigung zu politisch-publizistischer Wirksamkeit; den »Historisch-politischen Blättern« widmete er seine beste Kraft, engverbunden mit der Münchner Spätromantik und ihren Künstlern, wie W. von Kaulbach und Franz Graf von Pocci, mit dem er den »Festkalender in Bildern und Liedern« (3 Bde., 1835–39) und das »Deutsche Hausbuch« (1846/48) herausgab; seine Dichtungen, besonders die »Marienlieder« (1843, 3. Aufl. 1853) (darin: »Maria, Maienkönigin«, »Es blüht der Blumen eine«) und die »Geistlichen Lieder« (1845), sind vom späten C. M. von Brentano beeinflußt, der ihm die Herausgabe seiner Märchen anvertraute; G. war auch ein bedeutender Sprachforscher, der aber seine Tätigkeit auf diesem Gebiet nicht weiter entfalten konnte, seine Übersetzung der »Nachfolge Christi« wird heute noch sehr geschätzt; er blieb sein ganzes Leben lang als Mitarbeiter seines so berühmten Vaters, den er nur wenige Jahre überlebte, in dessen Schatten.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#Dr. phil. Johann Josef von Görres

* 25.1.1776 (Koblenz)
† 29.1.1848 (München)
Historiker, Schriftsteller und Theologe

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Görres Johann Joseph, Dr. phil., von, 1776 (Koblenz) – 1848, Historiker, Publizist, Laientheologe und Universitätsprofessor; G. ist die große symbolische Gestalt der »Katholischen Bewegung« Deutschlands im 19. Jahrhundert, weil er den Weg von der Aufklärung zu erneuter tiefer Gläubigkeit in stetem Ringen mit sich selbst repräsentiert und in den Auseinandersetzungen der wiedererstandenen Kirchlichkeit mit dem modernen Staat, namentlich z. Z. des »Kölner Ereignisses«, wegweisende Gedanken formulierte; von aufgeklärten Weltgeistlichen im Koblenzer Gymnasium unterrichtet, bildete G. sich autodidaktisch in den Naturwissenschaften und der Medizin weiter; während der Französischen Revolution, für die er anfangs begeistert war, brach er mit dem ererbten Glauben und verspottete er kirchliche Einrichtungen (Das Rothe Blatt, Rübezahl); erst während seiner Tätigkeit als Lehrer der Naturwissenschaften in Koblenz (–1814) vollzog sich eine innere Wandlung; lange rückte er, J. G. Herder folgend, die Wiederentdeckung des Mythischen in den Mittelpunkt seines Denkens, ein zweijähriger Aufenthalt in Heidelberg als Privatdozent brachte ihn mit der jüngeren Romantik in enge Verbindung und führte ihn auch auf die christlichen Traditionen zurück; die volle Rückwendung zur Kirche erfolgte aber erst, als die preußische Reaktion ihn wegen des Buchs »Teutschland und die Revolution« auswies und er in Straßburg als Flüchtling leben mußte, wo ihn die Ideen der kirchlichen Restauration und der elsässischen Bewegung berührten; im Kampf gegen den Liberalismus entfaltete er seine Fähigkeiten, als er 1826 von König Ludwig I. nach München als Professor der Allgemeinen und Literatur-Geschichte berufen wurde; hier bildete G. den Mittelpunkt eines Kreises bedeutender und geistig wie künstlerisch regsamer Katholiken, die das öffentliche Leben beeinflußten und späteren Zusammenschlüssen, wie den Katholikentagen und dem Zentrum (katholische Partei), vorarbeiteten; wie ein Patriarch verehrt und von Besuchern aus aller Welt, z. B. von Ch.-R.-F. Montalembert, H. F. R. de Lamenais, F. von Eckstein u. a., aufgesucht, redigierte er mit seinem Sohn Guido seit 1838 die »Historisch-politische Blätter«, nachdem zuerst die Münchner Zeitschrift »Eos« das Sprachrohr von G. und seinem Kreis gewesen war; das Kölner Ereignis wurde Anlaß zum »Athanasius« (1837), in dem das Problem Staat und Kirche aufrüttelnd behandelt wurde; die »Wallfahrt nach Trier« (1845) setzte sich mit Liberalismus und Deutschkatholizismus auseinander, 1836 bis 1842 erschien die »Christliche Mystik« (4 Bde.), die große Summe seines Wissens und Denkens, die den Widerstreit der Theologie und der modernen Naturwissenschaft durch eine leiblich-geistige Harmonielehre zu überwinden trachtete und eine Lebensphilosophie entwickelte; G. wirkte auch in organisatorischer (Görres-Gesellschaft) und politischer Hinsicht (gemäßigter Konservatismus) nach.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#Marie Görres

* 28.6.1808 (Heidelberg)
† 20.5.1871 (München)
Universitätsprofessors-Tochter / Herausgeberin

#Allgemeine Deutsche Biographie (1879)

Görres: Marie G., die jüngste Tochter des »alten« G., geboren am 28. Juni 1828 zu Heidelberg; erbte einen fast männlichen Geist, nahm den treuesten Antheil an den Schicksalen und Wanderungen des Vaters, hütete und wahrte nach seinem Tode und dem Ableben ihres Bruders (1852) und ihrer Mutter (1855) die Traditionen des Hauses und der Familie, leitete den geschäftlichen Theil der Histor.-Pol. Blätter, besorgte eine Auswahl aus den »Politischen Schriften ihres Vaters« (1854–59 in 6 Bänden) und begann die Herausgabe seiner Briefe: I. Bd. »Familienbriefe«, 1858 (II. und III. Bd. »Freundesbriefe«, herausgegeben von Franz Binder, 1874). Festhaltend an den alten, durch den Tod freilich immer mehr gelichteten Freunden ihres Hauses, correspondirte sie mit denselben, insbesondere mit Böhmer. Ihr streitkräftiger Sinn wagte sogar einen Proceß gegen den k. preußischen Fiscus anzustrengen, um Nachbezahlung der ihrem Vater vom J. 1817–27 noch rückständigen Pensionsansprüche, weshalb sie eine eigene Denkschrift (Augsburg 1863) in Druck gehen ließ. Auch sammelte sie den Stoff zu einem aus mustergiltigen Beispielen bestehenden »Lese-Buch für die deutsche Jugend«, welches 1854 und 1859 in zwei Auflagen (aber ohne ihren Namen) erschien. Marie G. starb am 20. Mai 1871.

Vgl. die schöne Broschüre: Erinnerung an Marie Görres von Franz Binder, München 1872 (Sep.-Abdruck aus dem 70. Bd. S. 397–419 und 497–524 der Hist.-Pol. Blätt.).

Hyac. Holland.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1879.

#MR – 345 (Cetto)


R. I. P.

Hier ruhen:
ANTON FREIHERR VON CETTO
königl. bayer. Staatsrath
und wirklicher Geheimrath
Grosskreuz d. Civilen Verdienst-
ordens der Bayer. Krone
geb. 7. März 1756 gest. 23. März 1846
und dessen Gemahlin
ANNA MARIA FREIFRAU VON CETTO
geb. Freiin von Zweibrücken
geb. 28. Aug. 1785 gest. 29. Dez. 1857


  • Cetto, Anna Maria Freifrau von (vw) / Zweibrücken, Freiin von (gb); 28.8.1785 – 29.12.1857 (München); Staatsrats-Witwe
  • Cetto, Anton Freiherr von; 7.3.1756 – 23.3.1846; Königlich bayerischer Staatsrat
  • Cetto, Bernhard Wilhelm Richard von; 12.10.1868 – 26.1.1874 (München); Gutsbesitzers-Sohn
  • Cetto, Raban von; 18.10.1872 – 7.1.1875 (München); Gutsbesitzers-Sohn
  • Cetto, Rudolf von; 14.1.1887 – 9.11.1897

Grab der Familie Cetto auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

Grab der Familie Cetto auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

#MR – 346 (Sänger · Wiedmann)


FAMILIENGRAB.

Hier ruhet in Frieden
FRAU MARIA WIEDMANN
geb. Ehrengut, Möbeltransporteursgattin
gest. den 4. Mai 1880 im 45. Lebensjahre.
Deren Gatte
ENGLBERT WIEDMANN
geb. den 28. April 1831, gest. den 31. Dezbr. 1887.
FRAU MARIA SAENGER
geb. Wiedmann
geb. den 1. April 1858, gest. den 15. Nov. 1905.
Deren Gatte CONRAD SAENGER
Architekt und k. Reallehrer a. D.
geb. den 19. Nov. 1840, gest. den 7. April 1912.
Ihnen folgte ihre Tochter meine liebe Schwester
FRÄULEIN MARIECHEN SAENGER
geb. den 23. Okt. 1878, gest. den 11. Dez. 1925.

Wiederseh’n unser Trost.


  • Sänger, Konrad; 19.11.1840 – 7.4.1912; Architekt und Lehrer
  • Sänger, Maria (vh) / Wiedmann (gb); 1.4.1858 – 15.11.1905; Architektens-Gattin
  • Sänger, Mariechen; 23.10.1878 – 11.12.1925; Architektens-Tochter
  • Wiedmann, Englbert; 28.4.1831 – 31.12.1887
  • Wiedmann, Maria (vh) / Ehrengut (gb); – 4.5.1880

Grab der Familien Sänger · Wiedmann auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

#Konrad Sänger

* 19.11.1840
† 7.4.1912
Architekt und Lehrer

#Münchner Neueste Nachrichten (20.8.1906)

Amtliche Nachrichten.

K. Industrieschule München. Der Assistent erster Ordnung der k. Industrieschule München k. Reallehrer Konrad Sänger wurde auf Ansuchen wegen nachgewiesener Dienstunfähigkeit unter Anerkennung seiner langjährigen, gewissenhaften und treuen Dienstleistung in den dauernden Ruhestand versetzt.

Münchner Neueste Nachrichten No. 404. Donnerstag, den 30. August 1906.

#Generalanzeiger der Münchner Neuesten Nachrichten (11.4.1912)

Münchner Tagesneuigkeiten.
München, 10. April

Beerdigungen. Im südlichen Friedhof trug man am Mittwoch nachmittag den Architekten und Reallehrer a. D. Konrad Saenger zu Grabe. Zahlreiche Trauergäste aus allen Kreisen gaben ihm das letzte Geleite. Kirchenrat Reichenhart widmete dem Entschlafenen einen tiefempfundenen Nachruf. Der Dorsche Singchor trug in der Aussegnungshalle und am Grabe, das u. a. eine Kranzspende der Gesellschaft »Schützenliesl« zierte, Trauerlieder vor.

Generalanzeiger der Münchner Neuesten Nachrichten Nr. 184. Donnerstag, den 11. April 1912.

#Wendelstein (13.4.1912)

Aus Prien und Umgebung.
Prien, 12. April.

(Ein langjähriger Sommergast), der hier seit mehr als 20 Jahren verkehrende Architekt Konrad Sänger ist dieser Tage in München verstorben.

Wendelstein Nr. 83. Rosenheimer Tagblatt. Rosenheim; Samstag, den 13. April 1912.

#MR – 347 (du Prel)


Grab der Familie Du Prel auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#MR – 348·349 (Blennerhassett · Leyden)


Joseph Graf von Leyden
Rittmeister
geb. ¿ Juni 1776 gest. 28. August 1¿7
¿
Karl Graf von Leyden
k. Kämmerer
geb. 25. April 1806 gest. 23. Mai 1876.
¿
Gräfin von Leyden
¿ Edle von ¿
geb. 2. ¿ gest. 18. ¿ 190¿
¿ Blennerhassett
Gräfin ¿
geb. ¿ 1843 gest. 9. Febr. 1917


  • Blennerhassett, Charlotte Julia, Lady, Dr. phil. h. c. (vh) / Leyden, von (gb); 19.2.1843 (München) – 11.2.1917 (München); Schriftstellerin
  • Leyden, Franziska Romana Gräfin von (vh) / Weling, Edle von (gb); 2.11.1815 – 18.2.1907
  • Leyden, Josef Graf von; 24.6.1776 – 28.8.1847 (München); Rittmeister
  • Leyden, Karl Graf von; 25.4.1806 – 23.5.1876 (München); Kämmerer

Grab der Familien Blennerhassett · Leyden auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

Grab der Familien Blennerhassett · Leyden auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

#Dr. phil. h. c. Lady Charlotte Julia Blennerhassett (vh) / von Leyden (gb)

* 19.2.1843 (München)
† 11.2.1917 (München)
Schriftstellerin

#Allgemeine Zeitung (13.10.1898)

München, 13. Okt. Wie bereits gestern in dem lokalen Theil unsrer Zeitung berichtet wurde, hat die philosophische Fakultät (I. Sektion) der hiesigen Universität die Lady Blennerhassett für ihre hervorragenden Verdienste um die Erforschung der deutschen, französischen, englischen und italienischen Literatur durch einstimmigen Beschluß zum Ehrendoktor der Philosophie ernannt. Von den Schriften der genannten Dame, die die Grundlage für die ehrenvolle Auszeichnung bilden, führen wir die folgenden an: »Frau von Staël« (3 Bde., Berlin 1887; auch in französischer Uebersetzung, Paris 1890); »Talleyrand« (Berlin 1894; auch englisch, London 1894). Ferner zahlreiche Essays, viele in der Beilage der Allgemeinen Zeitung, z. B. »Die französische Revolution im geflügelten Wort« (Beilage 1889); »Die Erinnerungen des Baron Barante« (ebenda 1891); »Chateaubriand« (ebenda 1892); »Journal des Goncourt« (ebenda 1895). Außerdem die große Abhandlung »Die Moral des modernen Romans« (Cosmopolis 1896) u. a. m.

Beilage zur Allgemeinen Zeitung Nummer 232. München; Donnerstag, den 13. Oktober 1898.

#Lexikon deutscher Frauen der Feder (1898)

Blennerhassett, Lady Charlotte, geb. Gräfin Leyden, München, Ludwigstr. 10 II. geboren in München am 19. Februar 1843, ist seit 1881 Mitarbeiterin der »Deutschen Rundschau« und seit 1896 von »Cosmopolis«, hat auch Beiträge für die Beilage der »Allgemeinen Zeitung« und für verschiedene andere deutsche und englische Zeitschriften geliefert. Lady Blennerhassett ist Königl. bayr. Theresiens-Ordensdame und Inhaberin der Goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft des Königs von Rumänien.

– Frau von Staöl, ihre Freunde u. ihre Bedeutung in Politik u. Litteratur. 1. Bd. S. (204) Berlin 1897, Gebr. Pastol
– Dasselbe. 2. Ba. (472) 1889. 3. Bd. (560) 1869. – Talleyrand. Eine Studie. 8. (572) Berlin 1894, Gebr. Pastol.

Sophie Pataky (Hrsg): Lexikon deutscher Frauen der Feder. Eine Zusammenstellung der seit dem Jahre 1840 erschienenen Werke weiblicher Autoren nebst Biographieen der lebenden und einem Verzeichnis der Pseudonyme. Berlin, 1898.

#Allgemeine Zeitung (19.7.1899)

Paris, 15. Juli. Der Lady Ch. Blennerhassett, Dr. phil. h. c. der Universität München, sind für ihre hervorragenden Verdienste um die Erforschung der französischen Literatur und Geschichte (vgl. ihre Werke über die Madame der Staël und über Talleyrand) vom französischen Unterrichtsministerium die goldenen Palmen (Officier de l’instruction publique) verliehen worden.

Beilage zur Allgemeinen Zeitung Nummer 162. München; Mittwoch, den 19. Juli 1899.

#Allgemeine Zeitung (22.2.1913)

Personalien.

München. Eine der gelehrtesten und geistvollsten Frauen unserer Zeit, Charlotte Lady Blennerhassett feierte am 19. d. M. ihren 70. Geburtstag. Sie ist 1843 als Tochter des Kämmerers Grafen v. Leyden in München geboren. Ihr 1909 verstorbener Gatte Sir Rowland Blennerhassett gehörte zu den intimsten Freunden Döllingers. Lady Blennerhassett wurde 1898 in Würdigung ihrer wissenschaftlichen und literarischen Verdienste von der Universität München zum Ehrendoktor der philosophischen Fakultät ernannt. Auf ihr letztes, im Verlage von Gebrüder Paetel, Berlin, erschienenes Werk »Streiflichter« haben wir erst unlängst in diesen Blättern hingewiesen.

Allgemeine Zeitung Nummer 8. München; Samstag, den 22. Februar 1913.

#MR – 351 (Jägerhuber)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Jägerhuber, Franziska (vw); – 1887; Oberinspektors-Witwe

Grab der Familie Jägerhuber auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#MR – 352·353 (Schöllhorn)


Grab der Familie Schöllhorn auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#MR – 354 (Hirschberg · Reiser)


Auguste
Gräfin v. Hirschberg
geb. Gräfin v. Leyden
geb. d. 4. Juli 1809, gest. d. 3. Januar 1874.
Hermann
Graf v. Hirschberg
K. g. l. Kammerherr
u. Ritter I. Cl. d. Ord. v. hl. Michael
geb. d. 29. Febr. 1812, gest. d. 6. Mai 1879.
Mathilde Gräfin v. Hirschberg
geb. 1850, gest. 1902.
Hermann
Graf v. Hirschberg
k. b. Rittmeister a. D.
geb. 1841, gest. 1913

Sockel
Moriz
Graf v. Hirschberg
k. b. Major a. D.
geb. 1838, gest. 1913.
Bernardine Reiser
geb. Gräfin v. Hirschberg
geb. 1844, gest. 1915


  • Hirschberg, Auguste Gräfin von (vh) / Leyden, Gräfin von; 4.7.1809 – 3.1.1874 (München); Kammerherrns-Gattin
  • Hirschberg, Hermann Graf von; 1841 – 13.9.1913 (München); Rittmeister a. D.
  • Hirschberg, Hermann Graf von; 29.2.1812 – 6.5.1879 (Kelheim), Tod durch Selbstmord; Kammerherr
  • Hirschberg, Mathilde Gräfin von; 1850 – 1902
  • Hirschberg, Moriz Graf von; 1838 – 1913; Major
  • Reiser, Bernardine (vh) / Hirschberg, Gräfin von (gb); 1844 – 16.3.1915 (München); Privatiere

Todesanzeige für Hermann Graf von Hirschberg

Todesanzeige für Hermann Graf von Hirschberg

Todesanzeige für Hermann Graf von Hirschberg

Todesanzeige für Bernardine Reiser

Grab der Familien Hirschberg · Reiser auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#Hermann Graf von Hirschberg

* 29.2.1812
† 6.5.1879 (Kelheim), Tod durch Selbstmord
Kammerherr

#Rosenheimer Anzeiger (10.5.1879)

Bayerische Angelegenheiten.

Kehlheim, 7. Mai. (Selbstmord.) Gestern Nachmittag hat sich der seit vorigen Herbst hier wohnende Graf Hirschberg in seiner Wohnung durch einen Pistolenschuß entleibt; was den anscheinend noch rüstigen alten Herrn, der sich hier wie in Regensburg, wo er mehrere Jahre verlebte, als echter Edelmann allgemeiner Achtung erfreute, zu dem verzweifelten Schritte getrieben, ist unbekannt.

Rosenheimer Anzeiger No. 107. Samstag, den 10. Mai 1879.

#MR – 355…358 (Gasser)


Bodenplatte
FAMILIENGRUFT:
FREIHERR von GASSER


  • Gasser, Eugen Freiherr von; – 5.4.1886 (München), 53 Jahre alt; Rentier

Grab der Familie Gasser auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

Grab der Familie Gasser auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#MR – SP – 1 – 6 (Bischoff)


Dr. Ernst Bischoff
prakt. u. Bahnarzt
geb. zu Heidlberg ¿. Sept. ¿
gest. zu München ¿
Lili Bischoff
geb. 30. Mai ¿
gest. 22. Oktober ¿
Frau
Dr. Julie Bischoff
geb. 5.¿ gest. 24.6.19¿

R. I. P.


  • Bischoff, Ernst, Dr. med.; Praktischer Arzt und Bahnarzt
  • Bischoff, Julie, Dr.; ¿ – 24.6.19¿
  • Bischoff, Lili; 30.5.¿ – 22.10.¿

Grab der Familie Bischoff auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

Grab der Familie Bischoff auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

#MR – SP – 1 – 13·14 (Rüthling)


BERNHARD RÜTHLING
GEBR. 18. APR. 1834
GEST. 22. APR. 1881

Sockel
ANNA RÜTHLING
GEB. FRANK
GEBR. 23. MÄRZ 1840
GEST. 16. APRIL 1900


  • Rüthling, Anna (vw) / Frank (gb); 23.3.1840 – 16.4.1900; Schauspielers-Witwe
  • Rüthling, Bernhard; 18.4.1834 (Meiningen/Thüringen) – 22.4.1881 (München); Schauspieler

Grab der Familie Rüthling auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

Grab der Familie Rüthling auf dem Alten Südfriedhof München (September 2007)

Grab der Familie Rüthling auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

Grab der Familie Rüthling auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

#Bernhard Rüthling

* 18.4.1834 (Meiningen/Thüringen)
† 22.4.1881 (München)
Schauspieler

#Neueste Nachrichten (23.4.1881)

München, 22. April

Soeben unmittelbar vor Schluß unseres Blattes erhalten wir die erschütternde Nachricht, daß Herr Hofschauspieler Rüthling heute Vormittag ½9 Uhr nach längerer Krankheit gestorben ist. Das kgl. Hoftheater verliert mit ihm eines seiner hervorragendsten Mitglieder, dessen Freunde einen liebenswürdigen Gesellschafter, die Stadt einen ehrenhaften hochangesehenen Mitbürger. Möge ihm die Erde leicht sein.

Neueste Nachrichten Nr. 113. München; Samstag, den 23. April 1881.

#Neueste Nachrichten (24.4.1881)

München, 23. April

Die Beerdigung des königl. Hofschauspielers Herrn Rüthling findet morgen Sonntag Nachmittags 4 Uhr auf dem südlichen alten Gottesacker statt. Als Todesursache erfahren wir, daß Herr Rüthling sich vor einigen Tagen eine Morphiumeinspritzung beibrachte, hiebei brach die Spitze der Injektionsnadel ab, die im Fleische stecken blieb. Bei der durch Herrn Professor Dr. v. Nußbaum sofort vorgenommenen Operation wurde die Nadelspitze nicht gefunden. Es trat Blutvergiftung ein, welcher der Künstler erlag.

Neueste Nachrichten Nr. 114 & 115. München; Sonntag, den 24. April 1881.

#Neueste Nachrichten (26.4.1881)

München, 25. April.

Welcher Beliebtheit sich Bernhard Rüthling in allen Schichten des kunstliebenden Publikums Münchens erfreut hatte und wie allgemeine Trauer daher das unglückselige Verhängniß wachrief, das ihn der Kunst so früh entriß, davon sprach beredter als jedes andere Zeugniß die nach Tausenden zählende Schaar, welche am gestrigen Nachmittage die Gräberreihen des Campo santo besetzte, in dem des Künstlers Ueberreste zur Ruhe bestattet werden sollten, davon sprachen die reichen Lorbeer- und Blumengewinde, die den Sarg bedeckten und ihm nachgetragen wurden, wie der große Zug der Leidtragenden, die ihm folgten, davon sprach vor allem aber die weihevolle ernste Stimmung, die über der ganzen Trauerversammlung lag, und die tiefe Ergriffenheit, die jeder Einzelne in der weiten Menge unbewußt zur Schau trug. Dadurch blieb der Mangel des kirchlichen Prunkes unbemerkt, der dem Begräbnisse eines Mannes fehlte, der in seinem ganzen Leben, wie wenig andere, die Gebote der echten Christenliebe hochhielt und erfüllte. Um 4 Uhr bewegte sich der Zug vom Leichenhause nach dem Grabe. Hinter dem mit Blumen und Lorbeerkränzen ungemein reich geschmückten Sarge schritten die leidtragenden Verwandten und Freunde des Verlebten, dann der Minister des Innern, v. Pfeufer, Generalintendant Freiherr v. Perfall, zahlreiche Beamte, Offiziere, Mitglieder der städtischen Collegien, Collegendes Verstorbenen, Deputirte auswärtiger Bühnen, dann der endlose Zug anderweitiger Personen der Münchener Bevölkerung. Als der Sarg der Erde unter den Klängen eines Trauermarsches übergeben war, betrat Hr. Schauspieldirector Possart den Erd-Hügel am offenen Grabe, dem geschiedenen Freunde die letzten Grüße mit folgenden Worten zu widmen:

Es will einsam werden in den Hallen des Münchener Schauspiels. Sieben Jahre sind verflossen, seit wir unsere Johanna Mayer zur großen Ruhe geleiteten. Als wir die letzte Scholle Erde auf das Grab geworfen, verließen wir zu Dritt — der Wissende dort unten, Emil Rohde und ich — wie wir es seit langen Jahren bei gleich schmerzlichen Anlässen zu thun gewohnt waren — die Stätte des Friedens. Dort am Portal kehrte der nun Dahingeschiedene sich um: »Bald ist die Reihe an uns«, sprach er, wie von trüber Ahnung erfaßt. »Nur noch kurze Zeit und es treten nur zwei von uns den Heimweg an, der Dritte bleibt hier und ich — ich bin der Aelteste.« Wir wehrten ab. Da brach sein göttlicher Humor durch die Wolken der Schwermut; lächelnd faßte er unsere Hände und sein Lieblingswort: »Reden wir nicht mehr darüber«, klang von seinen Lippen. Er sollte Recht behalten. Wir werden uns am Thore nicht mehr die Hände schütteln. Ja. Es will Abend werden in den Räumen des Münchener Schauspiels. Was Alter und Kränklichkeit unserm Berufe nicht entzogen, das riß der Tod erbarmungslos hinweg. Noch ein Decennium, wie das letzt verflossene und — wie wir nun am offenen Grabe Bernhard Rüthlings stehen, so stehen wir am offenen Grabe des alten großen Münchener Schauspiels. »Reden wir nicht mehr darüber!« Wahrlich, wenn dieser Friedhof seine unbarmherzigen ehernen Kiefer noch ein Jahrzehnt mit gleicher Unerbitterlichkeit öffnet, dann würden wir der schmerzlichen Pflicht des Redens überhoben sein! — Als dieser Todte, ein lebensfrischer Jüngling, in den Künstlerkreis der Münchener Bühne trat, wie reich war sie da noch an eigenartig schauspielerischen Kräften, die in gleicher Fülle und Bedeutung kein zweites Theater aufzuweisen hatte. Noch lebte Sophie Schröder, die hohe Meisterin des Wortes. Sie sank dahin — dahin der alte Jost, dahin Heinrich Büttgen — Elise Seebach — Johanna Mayer; jeder Name ein Edelstein in der Krone des Münchener Schauspiels — heute Bernhard Rüthling, eines der strahlendsten Juwelen dieser Krone, denn von allen künstlerischen Vorzügen vertrat er den höchsten, die Wahrheit; die siegende Wahrheit auf der Bühne, so eindringlich im Ernst, so anmuthig im Humor. Wir füllen diese noch offene Gruft mit dem gewaltigsten Lob, das einem dahingeschiedenen Darsteller gespendet werden kann. Er war ein Mensch, ein warmer, lebensvoller, ganzer Mensch auf jenen Brettern, die die Welt bedeuten! Das war er, und was wäre er geworden, wenn er Hamlets Philosophie über Sein und Nichtsein nicht in so bejammernswerther Weise zur That gemacht hätte, Hamlets Wort: »Daß er sich selbst in Ruhestand setzen könnte mit einer Nadel bloß.« Dennoch hatte er die volle Größe seiner Erfolge nicht durchmessen. Ein geborner Heldenvater traf er vor wenigen Jahren erst den eigentlichen Kernpunkt seines Talentes, das Feld, welches er mit dem Wallenstein so glänzend inaugurirte, und besten Beherrschung ihn dazu berief, in Deutschland der einzige ächte Ersatz des unerreichten Münchener Todten zu sein; der Nachfolger des unsterblichen Eßlair. Eßlairs Erbe konnte Rüthling werden, wer aber wird Rüthlings Erbe sein?

Und Rüthling der Mensch? Es bedarf keines besondern Wortes zu seinem Lobe. Ein ächter Künstler von der Herzenswärme des Verstorbenen mußte auch zugleich ein warmfühlender Mensch sein. Die höchsten reichsten Wirkungen auf das Gemüth erringt man nur durch eigenen Herzensreichthum.

Wenn Ihrs nicht fühlt, Ihr werdets nicht erjagen,
Wenn es nicht aus der Seele dringt
Und mit urkräftigem Behagen
Die Herzen aller Hörer zwingt!

Und er zwang sie, denn er hats gefühlt und tiefer, als manches andere gleichbesaitete Gemüth, denn ein schmerzliches, läuterndes Moment erhöhte seine Naturanlage: Er hatte die Schule des Elends durchlaufen, wie kaum ein zweiter seiner Berufsgenossen. Ein Neffe jenes berühmten Komikers Rüthling, einst jahrelang die Zierde der Berliner Hofbühne und der Sohn des nicht minder begabten, aber weniger glücklichen Bruders des ersteren, hatte er, von der Pike auf dienend, sich von jenen Wanderbühnen, die um das tägliche Brod in des Wortes verwegendster Bedeutung spielend kämpfen, emporgeschwungen bis zu jener hohen Stellung, die ihn endlich reifen ließ in der Sonne königlicher Gunst. Ihm war des Lebens Noth nicht fremd geblieben, darum hatte er auch bis zu seinem Tode ein Herz für fremde Noth! Sein ganzes Leben war eine Sorge für seine Geschwister denen er Bruder und Vater zugleich war. Confessionslos starb er; seiner Liebe brachte er endlich auch noch das Opfer, auf die letzten Segnungen seiner Religion verzichten zu müssen; aber sicherlich, Niemand wird ihm das Zeugniß versagen können, daß er des Christen höchste Pflicht: »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst« sein Lebenlang treu geübt!

Er ist dahin! Eine kurze, aber hohe Freude verklärte aufflackernd noch einmal seine letzten Lebenstage. Das kunstsinnige München ehrte seinen Liebling, der nach langer Krankheit noch einmal auf der Bühne erschien, mit einer Innigkeit und Begeisterung, die den Münchnern in gleicher Weise zu unauslöschlichem Ruhme gereicht, wie dem Gefeierten. Von diesem Abend an trat er nur noch wenige Male vor die Lampen. »Ein Erfolg« war das letzte Stück, dem er seine Kräfte lieh. Aber der Titel dieses Werkes bezeichnet vollauf seine künstlerische Größe; sein gesammtes siebzehnjähriges Wirken an der Münchner Hofbühne war in der That nur ein Erfolg! Und dieser Erfolg wird sein, wird unsere Zeit überdauern. Wenn Kind dem Kindeskind dereinst von großen Darstellern erzählt, welche das Menschenherz durch ihre Kunst erhoben und gerührt, dann wird der Name Bernhard Rüthling unter den Gepriesenen ertönen. Mit diesem erhebenden Bewußtsein scheiden wir.

Fahre wohl, Bernhard Rüthling! Nicht auf immer! Du Wissender weißt es, wir haben oft zusammen gesungen: »Wenn Menschen auseinandergehn, so sagen sie auf Wiedersehn!«

Auf Wiedersehen — dort oben! Bis dahin — Friede deiner Asche!

Tiefergriffen und in andachtsvollem Schweigen lauschte die Menge den mit tiefer und schmerzlicher Bewegung gesprochenen Worten. Ein Grablied, vom Hoftheatersingchor mit zarter Empfindung vorgetragen, und eine Blechmusikpiece beschlossen sodann die erschütternde Feier.

Neueste Nachrichten Nr. 116. München; Dienstag, den 26. April 1881.

#Die Scheinwelt und ihre Schicksale (1893)

Als der große Eßlair 1840 für immer das Auge schloß, blieb sein Fach verwaist oder doch unausgefüllt; es fand sich kein Repräsentant mehr, der an den unsterblichen Heldenspieler herangereicht hätte und eines Zeitraumes von vierundzwanzig Jahren bedurfte es, bis in dieses Dunkel des Münchener Schauspiels ein Lichtstrahl fiel: das Engagement Bernhard Rüthlings.

Der Künstler 1834 in Berlin geboren, ein Neffe des berühmten Komikers Rüthling, welcher jahrelang die Zierde der Berliner Hofbühne war, hatte, von der Picke auf dienend, sich von jenen Wanderbühnen, die um das tägliche Brod in des Wortes verwegenster Bedeutung spielend kämpfen, emporgeschwungen bis zu jener hohen Stellung, die ihn endlich reifen ließ in der Sonne königlicher Gunst. Mit Rüthling brach eine Glanzepoche für das Münchener Schauspiel an, und wenn wir als Juwelen die Namen Sophie Schröder, Büttgen, Elise Seebach und Karl Jost nennen, so trägt auch Rüthling neben jenen Gewaltigen die unvergängliche Krone der Kunst; denn er vertrat das höchste Künstlerthum: die Wahrheit — die siegende Wahrheit der Bühne, so eindringlich im Ernst, so anmuthig im Humor. Ein geborner Heldenvater traf er erst Ende der 70er Jahre den eigentlichen Kernpunkt seines Talentes, das Feld, welches er mit dem Wallenstein so glänzend inaugurirte und dessen Beherrschung ihn dazu berief, in Deutschland der einzige, ächte Ersatz des unerreichten Münchener Todten zu sein, der Nachfolger des großen Eßlair. Aber ein neidisches Geschick ließ ihn die volle Größe seiner Erfolge nicht durchmessen; eine erst unbedeutende Ritzung mit einer Nadel führte eine Blutvergiftung herbei, an der er am 22. April 1881 plötzlich starb. Welcher Beliebtheit sich Bernhard Rüthling in allen Schichten des kunstliebenden Publikums Münchens erfreut hatte, davon sprach beredter als jedes andere Zeugniß die nach Tausenden zählende trauernde Schaar, welche am Begräbnißtag den Friedhof besetzte. Possart, als ein Freund des Verstorbenen, hielt eine tiefergreifende Ansprache, in der er außer den ächten Künstler von herrlichster Herzenswärme, auch den fühlenden Menschen hervorhob. Ihm war ja des Lebens Noth nicht fremd geblieben, darum hatte er auch bis zu seinem Tode ein Herz für fremde Noth.

Die Scheinwelt und ihre Schicksale. Eine 127jährige Historie der Münchener kgl. Theater im populärer Form und als Jubiläums-Ausgabe. Zu Ehren des fünf und zwanzigjährigen Dienst-Jubiläums Seiner Excellenz des Herrn General-Intendanten Freiherrn von Perfall von Max Leythäuser. München; 1893.

#Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903)

Rüthling Bernhard, geboren 18. April 1834 in Berlin, entstammte der bekannten Schauspielerfamilie Rüthling. Es war ihm nicht leicht geworden, sich der Kunst, für die er seit seinen Jünglingsjahren erglühte, zuzuwenden und nur mühsam brachte er sich vorwärts. Endlich gelang es ihm, nach einigen unbedeutenden Engagements 1858 Mitglied des Augsburger Theaters zu werden, und dort fing ihm das Glück zu lächeln an. R. nahm dort sowohl auf wie außer der Bühne eine erste Stellung ein und versetzte die Augsburger in tiefe Betrübnis, als er 1864 einem schmeichelhaften Antrage ans Hoftheater in München Folge leistete. Er debütierte daselbst am 1. Oktober als »Rochester« in »Waise von Lowood«. Auch dort dauerte es nicht lange und er beherrschte das ganze Fach der ersten Helden und Liebhaber mit souveräner Meisterschaft und war es nur natürlich, daß ein so großes Talent auch weit und breit bekannt wurde. Gar manche erste Hofbühne Deutschlands bewarb sich um seinen Besitz, allein da sich seine Stellung von Rolle zu Rolle immer mehr und mehr befestigte und er immer höher in der Gunst des Publikums stieg, lehnte er alle Anträge ab und wirkte verehrt und geliebt bis zu seinem Ableben in München. Die Münchner Schauspielkunst wußte am besten, was sie an ihm besessen, und fühlte auch am schmerzlichsten, was sie an ihm verlor. In München erschien er auch als erster »Siegfried« in den »Nibelungen« (12. März 1870), als »Mellefont« in »Miß Sarah Sampson« (29. November 1875) und »Fritz« in »Freund Fritz« (am 28. Mai 1877). Das letzte Stück, in dem er sich auf den Brettern zeigte, und dem er, schon ein kranker Mann, noch seine besten Kräfte lieh, war das Schauspiel »Ein Erfolg« von Lindau. Welche Bedeutung R. als Schauspieler besaß, spricht wohl am besten aus den Worten Ernst von Possarts, der am offenen Grabe des Künstlers klagend ausrief: »Es will Abend werden in den Räumen des Münchner Schauspiels!«

Ludwig Eisenberg’s Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Leipzig, 1903.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Rüthling Bernhard, 1834 (Meiningen/Thüringen) – 1881, Hofschauspieler; aus einer alten Schauspielerfamilie entstammend und Sohn eines Schauspielers, fand R. in Bromberg sein erstes Engagement, kam dann nach Memel und wanderte nach dem Brand des dortigen Theaters hin und her, bis er in seiner Heimatstadt unterkam; der 25jährige trat dann in Augsburg als Sänger auf (Gouverneur im Don Juan und Eremit im Freischütz); 1863 trat R. in das Münchner Schauspiel ein, dem er als einer seiner schönsten Zierden angehörte, bis ihn eine Krankheit früh aus seinem Wirkungskreis entriß; durch seine Rollen des Arkas hat R. die Gunst König Ludwigs II. gewonnen; seine Hauptrollen in München waren Posa, Karl Moor, Egmont, Uriel Acosta und Essex; Einfachheit und Kraft, Naturwahrheit und Herzenswärme waren die Eigenschaften, die die Helden und ersten Liebhaber in Rs. Darstellung auszeichneten; er hatte wohl das größte Leichenbegängnis, das der Südliche Friedhof erlebte, über 10 000 gingen hinter seinem Sarg, und E. von Possart hielt die Grabrede.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#MR – SP – 1 – 15 (Nußbaum)


Hier ruht
Dr. Joh. Nep.
Ritter von Nussbaum
k. Geheimrat, o. ö. Professor
der Chirurgie an der Ludwigs-
Maximiliansuniversität in München;
k. Generallstabs-Arzt a. l. s. der Armee;
Ehrenbürger
seiner Vaterstadt München,
Grosscomthur, Comthur
und Ritter vieler hoher Orden;
Inhaber des eisernen Kreuzes
II. Klasse am weissen Bande
etc. etc.
geboren am 2. September 1829,
gestorben am 31. Oktober 1890.


  • Nußbaum, Johann Nepomuk Ritter von, Dr. med.; 2.9.1829 (München-Haidhausen) – 31.10.1890 (München); Arzt

Grab der Familie Nußbaum auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familie Nußbaum auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familie Nußbaum auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

Grab der Familie Nußbaum auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

Grab der Familie Nußbaum auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

#Dr. med. Johann Nepomuk Ritter von Nußbaum

* 2.9.1829 (München-Haidhausen)
† 31.10.1890 (München)
Arzt

#Allgemeine Zeitung (1.11.1890)

Bayerische Chronik.

Geheimrath Professor Dr. v. Nußbaum †. Unter den Spendern der vielen sehr kostbaren Kränze, welche bis beute Abend in der Wohnung des verstorbenen Geheimraths Dr. v. Nußbaum abgegeben worden sind, befinden sich Se. k. Hoh. Prinz Leopold, Oberstabsarzt Dr. Bratsch – der treueste Freund des Heimgegangenen von den Studienjahren bis zum letzten Augenblick –, Hofrath v. Klug mit Frau, Generalmajor v. Büller, Geheimrath Dr. v. Kerschensteiner, Professor Dr. Posselt, Professor Dr. Amann, die Oberinnen vom Kloster der Barmherzigen Schwestern, Hofrath Dr. Ehrl, Frau v. Müller, Karoline v. Rubenbauer (Oberin der Krankenpflegerinnenanstalt des bayerischen Frauenvereins), Oberpostrath Zimmermann, Maler Faber du Faur, Dr. Joseph Geigl, Oberinspector Max Kolb, Helma Ziebland, Dr. Alfred Sternfeld, Frau Clementine v. Schenk, Dr. Lindpaintner, Custos Hiendlmayer und viele andere hervorragende Persönlichkeiten und dankbare Patienten. Die Leiche konnte erst gegen halb 6 Uhr unter den Gebeten der Pfarrgeistlichkeit von St. Peter, nachdem Prälat und geistlicher Rath Dr. Westermayer die Einsegnung vollzogen, nach dem Friedhofe verbracht werden, weil die steile enge Treppe im Sterbehause den acht Sergeanten und Gefreiten des k. 2. Infanterieregiments, welche den Sarg aus dem Aufbahrungszimmer herabzubringen hatten, die größten Schwierigkeiten verursachte. Die Bespannung des Leichenwagens und Vorreiter hatte das k. 1. Artillerieregiment gestellt. Hunderte von Menschen gaben dem Trauerwagen das Geleite.

Allgemeine Zeitung Nr. 303. München; Samstag, den 1. November 1890.

#Das Bayerland (1898)

14. Dr. Johann Nepomuk v. Nußbaum, kgl. Geheimrat, Universitätsprofessor der Chirurgie und Generalstabsarzt à l. s. der Armee, geboren als der Sohn des Geheimsekretärs im kgl. Justizministerium, Franz Paul Nußbaum, am 2. September 1829 in dem damals noch selbständigen Dörfchen Haidhausen.

Früh verlor er seinen Vater. Aber seine treue Mutter leitete mit sorgsamer Hand und hingehender Liebe seine Erziehung. Nachdem er das kgl. Ludwigsgymnasium in München 1848 absolviert hatte, wählte er an der Hochschule in München Medizin zu seinem Fachstudium. Eine glückliche Wahl seines Berufes. Nach bestandenem Examen trat er im Jahre 1851 im Dr. Haunerschen Kinderspitale, das damals noch in der Jägerstraße seine Thätigkeit entfaltete, in Praxis, und im nächsten Jahre als Assistent der chirurgischen Abteilung im allgemeinen städtischen Krankenhause ein. Im Jahre 1857 habilitierte er sich als Privatdozent für Chirurgie und Augenheilkunde an der Universität München, 1860 wurde er zum ordentlichen Professor an der chirurgischen und Augenklinik ernannt.

Nußbaum war ein edler Menschenfreund, der immer, wo es zu helfen galt, bereit war, mit Rat und That der leidenden Menschheit beizustehen. Er behandelte mittellose Kranke nicht nur unentgeltlich, sondern unterstützte solche auch noch aus eigenen Mitteln.

In den Kriegen von 1866 und 1870/71 wirkte er segensreich, und so oft man von jenen blutigen Kämpfen, welche die Einigkeit unseres Vaterlandes herbeiführten, reden wird, wird man auch dieses großen Chirurgen gedenken müssen.

Die Stadt München hat ihm ganz besonders die Säuberung der Spitäler von dem so gefürchteten Spitalbrande durch Einführung der Listerschen Wundbehandlung zu verdanken.

Viele hohe Auszeichnungen, wie der Verdienstorden der bayerischen Krone, der Geheimratstitel etc. wurden ihm zu teil; im Jahre 1880 ernannte ihn die Stadt München zu ihrem Ehrenbürger. – Er beschloß am 31. Oktober 1890 sein thatenreiches Leben in dem Häuschen, an dessen Stelle sich das 1892 erbaute Isolierkrankenhaus, der sogenannte »Nußbaumpavillon« an der nach ihm benannten Straße erhebt. Die Stadtgemeindc schmückte das Gebäude mit einer Gedenktafel von Stein mit folgender Inschrift:

»In dem vormals hier gestandenen, im Jahre 1892 durch diesen Neubau ersetzten Hause beschloß Geheimrat Dr. Joh. Nepomuk Ritter von Nußbaum, Ehrenbürger der Stadt, am 31. Oktober 1890 sein der Wissenschaft und dem Wohle der Menschheit geweihtes Leben.«

Sein Grab befindet sich im südlichen (älteren) Friedhofe, Mauerspitz rechts, Grabplatz Nr. 15.

In den Anlagen vor dem Krankenhause l. d. I. errichteten ihm Kollegen, Schüler, Freunde, Studiengenossen und Verehrer aus der Reihe der dankerfüllten Kranken ein von Bildhauer Theodor Haf modelliertes und ausgeführtes Denkmal: eine doppelt lebensgroße Büste aus carrarischem Marmor auf hohem Sockel von rötlich schwedischem Granit, die Stufen von dunklem Syenit. Es wurde am 16. Juli 1892 enthüllt. Besonders verdient um die Vollendung des Werkes machte sich der Radfahrerbund, der zu Gunsten des Denkmalfonds ein Fest im Volksgarten zu Nymphenburg veranstaltete, das dem Fonds über 3000 Mark eintrug.

Seine vom Bildhauer Paul Sayer stammende Büste wurde nach Magistratsbeschluß vom 25. November und 2. Dezember 1890 in einer Nische unter den Arkaden des südlichen alten Friedhofes aufgestellt. Um sein Andenken dauernd zu bewahren, bezeichnete die Stadtgemeinde auch die Straße, an der er lebte und wirkte, mit seinem Namen.

C. Reber: Die »Ruhmeshalle« unter den Arkaden des südlichen (älteren) Friedhofes in München. Das Bayerland. Illustrierte Wochenschrift für bayerische Geschichte und Landeskunde. 9. Jahrgang. Heft Nr. 29. München, 1898.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Nußbaum Johann Nepomuk, Dr. med., von, Ritter, 1829 (München-Haidhausen) – 1890, Chirurg, Generalstabsarzt und Universitätsprofessor; schon als Gymnasiast in seiner Vaterstadt behandelte N. kleine chirurgische Fälle seiner Mitschüler (Schnittwunden, Zahngeschwüre, böse Finger, Abszesse u. a.); nach Studien in seiner Heimatstadt, in Paris, Berlin und Würzburg habilitierte er sich 1857 in München für Chirurgie und Augenheilkunde, errichtete ein großes Privatkrankenhaus mit einem orthopädischen Institut und erhielt 1860 die Professur der Chirurgie und Augenheilkunde; im Deutsch-Französischen Krieg war er zunächst Oberstabsarzt im Stab von General Von der Tann und wurde dann zum Generalstabsarzt befördert; einen Ruf nach Zürich lehnte er aus Liebe zur Heimat ab; N. hat sich als Direktor der chirurgischen Abteilung des Krankenhauses links der Isar durch Einführung der Listerschen Wundbehandlung, mit der der »Spitalbrand« bekämpft wurde, verdient gemacht, seine ganz besonderen Verdienste liegen aber auf dem Gebiet der Kriegschirurgie, auf seine Anregung geht einigermaßen die Blutübertragung zurück; er war ein geschickter Operateur und wegen verschiedener chirurgischer Erfindungen seiner Zeit weit voraus; persönlich war er eine volkstümliche Erscheinung Altmünchens, der mittellose Kranke nicht nur kostenlos behandelte, sondern auch unterstützte, ein bekenntnistreuer Katholik in der Zeit des Kulturkampfes und ein deutschnationaler Patriot: (sein einziger Bruder Franz [1826–1843] war Jesuit in Amerika).

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#MR – SP – 1 – 17·18 (Massa)


Grabstätte der Familie Massa.


  • Massa, Josef; – 31.1.1888 (München), 38 Jahre alt; Privatier, ehemaliger Bäckermeister

Todesanzeige für Josef Massa

Todesanzeige für Josef Massa

Mobiliarversteigerung des Josef Massa

Grab der Familie Massa auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familie Massa auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familie Massa auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

Grab der Familie Massa auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

#MR – SP – 1 – 19·20 (Maurus · Steidl)


AUF WIEDERSEHEN

Linke Spalte
Ruhestätte
des Herrn
Franz Sales
Maurus
Privatier
geb. den 28. Januar 1818.
gest. den 14. Septbr. 1881.

Rechte Spalte
Ruhestätte
der Frau
Anna
Maurus
geborne Bürkel
Privatierswittwe
geb. den 15. Januar 1811,
gest. den 25. Mai 1898.
Ihre Nichte
Frl. Theresia
Steidl,
Privatiere,
gestorben am 2. Febr.
1917.

Sockel
Euere Seele und eueren Leib
der Herr unversehrt
Die Zukunft
¿


  • Maurus, Anna (vw) / Bürkel (gb); 15.1.1811 – 25.5.1898
  • Maurus, Franz Sales; 28.1.1818 – 14.9.1881
  • Steidl, Theresia; – 2.2.1917

Grab der Familien Maurus · Steidl auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

#MR – SP – 1 – 21 (Dahn · le Gaye)


ANTOINETTE LE-GAYE
GEB. SCHÄFFER
1784 – 1833
CONSTANZE DAHN
GEB. LE-GAYE
K. B. HOFSCHAUSPIELERIN
1814 – 1894
LUDWIG DAHN
K. B. HOFSCHAUSPIELER
1843 – 1898


  • Dahn, Constanze (gs) / le Gaye (gb); 14.6.1814 (Kassel) – 26.3.1894 (Landhaus am Chiemsee); Schauspielerin
  • Dahn, Ludwig; 12.3.1843 (München) – 20.10.1898 (München); Schauspieler
  • le Gaye, Antoinette (vh) / Schäffer (gb); 1784 – 1833

Grab der Familien Dahn · le Gaye auf dem Alten Südfriedhof München (April 2016)

Grab der Familien Dahn · le Gaye auf dem Alten Südfriedhof München (April 2016)

Grab der Familien Dahn · le Gaye auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

#Constanze Dahn (gs) / le Gaye (gb)

* 14.6.1814 (Kassel)
† 26.3.1894 (Landhaus am Chiemsee)
Schauspielerin

#Der Bayerische Landbote (22.10.1836)

An Constanze Dahn.

Es sehnt der Geist aus den Alltagsgestalten,
Die flüchtig nur und leer vorüberschweben,
Nach einem Bild, das Kunst, Natur und Leben
In reinster Kraft soll dem Gefühl entfalten.

Solch' edles Bild mit lieblichen Gewalten
Seh'n wir in Wahrheit sich vor uns erheben:
Ein Meisterbild, wie wenig es gegeben
Und wenige sich Lieb' und Ruhm erhalten!

O wandle fort, du holde Meisterin,
Es leitet Dich die Bahn zum schönen Ziele;
Ein Zauberhauch weht sanft aus Deinem Spiele

Und führet mild uns zur Begeist'rung hin;
Er zeigt Natur und Kunst, die Hohe, Reine,
Verwehend alles Schwache und Gemeine.

G. F. N.

Der Bayerische Landbote N. 296. München; Samstag, den 22. Oktober 1836.

#Biographisches Taschenbuch deutscher Bühnen-Künstler und Künstlerinnen (1837)

Constantie Dahn geb. Le Gaye, königl. bayrische Hofschauspielerin.

Ihr Vater war Kapellmeister in Cassel, zur Zeit des Westphälischen Königreichs und nachher in Braunschweig. Constantie Le Gaye wurde am 12ten Juni 1814 in Cassel geboren. Schon früh zeigte sie ein bemerkenswertes Talent für die Schauspielkunst. Im siebenten Jahre trat sie in Braunschweig in Kinderrollen auf. Viele Stücke, die für die ehemals berühmte Leotine Fay in Paris geschrieben waren, wurden übersetzt, und Constantie Le Gaye trat mit großem Beifalle darin auf. Interessant ist es auch, daß sie mit Leotine Fay im Aeußern große Aehnlichkeit hatte.

Im Jahre 1825 kam Constantie Le Gaye nach Hamburg, wo sie auch in Kinderrollen mit großem Beifalle auftrat. Sie verließ Hamburg wieder, um im Düsseldorfer Theater unter dem Direktor de Rossi zu wirken. Mit dieser Gesellschaft ging sie auch nach Aachen, wo sie als Rafaele (in dem Raupachschen Stücke) und in mehreren andern Rollen viel Aufsehen machte.

Im Jahre 1830 wurde sie wieder nach Hamburg engagiert, und trat mit großem Beifall als »Hannchen« im Wollmarkt auf. Ihre erste Rolle im eigentlichen Fache jugendlicher Liebhaberinnen war »Pfeffer-Rösel« die sie sehr oft hinter einander mit großem Beifall spielte.

Im Jahre 1833 heiratete sie Fr. Dahn, mit dem sie nach München ging, wo sie mit glänzendem Erfolge Gastrollen gab. Seit dem April 1834 ist sie mit ihrem Gatten bei dem Münchener Hoftheater angestellt, wo sie im Besitz der bedeutendsten Rollen im Fache jugendlicher Liebhaberinnen ist. Hier nun hat sich das Talent der jungen Künstlerin auf glänzende Weise entfaltet. Leontine Fay, die in Paris in Kinderrollen so großes Aufsehen machte, ist nachher nur eine Copie ihres großen Vorbilds, der Dem. Mars, geworden. Für Constantie Dahn war es ohne Zweifel ein Vortheil, daß sie kein solches Vorbild hatte, und ihre Kräfte frei entwickelte. Allerdings verleitete dieser Umstand sie anfangs zu manchen Uebergriffen, zu einer gewissen stürmischen Hast im Vortrage, Fehler, die sie jedoch bald selbst erkannte und beinahe gänzlich abgelegt hat, wie sie überhaupt im steten Fortschreiten begriffen ist, und bereits eine bedeutende Stufe in der Kunst erreicht hat.

Sie gehört jetzt unstreitig zu den vorzüglichsten Künstlerinnen Deutschlands. Sie ist in München der Liebling des Publikums, und zeichnet sich aus durch ihre Leistungen in der Tragödie wie im Lustspiel.

L. v. Alvensleben (Hrsg.): Biographisches Taschenbuch deutscher Bühnen-Künstler und Künstlerinnen; Zweiter Jahrgang; Fischer & Fuchs. Leipzig, 1837.

#Münchner Tagblatt (8.2.1838)

An
Constanze Dahn als Yelva.
(Dienstag den 6. Februar.)

Was durch der Dichter immer reges Streben
Uns auf der Welt der Bühne ist erschienen,
Versinnlichend als Bilder da zu dienen
Der bunten Welt, der Dinge all' im Leben:

Weißt Du mit Kraft und Wahrheit uns zu geben,
Das Wort der Lust, der Trauer Schmerzesmienen,
Daß wir als hellen Glanzstern deutscher Bühnen
Im neuen Lichte stets Dich seh'n erheben.

Der Freud' und Leiden wechselnde Gefühle
Bewundern wir in Deinem stummen Spiele:
Die wahre Kunst bedarf der Sprache nicht;

Dieß fühlen wir gerührt und mit Entzücken,
Wenn reizend wir als Yelva Dich erblicken,
Und unser Dank Dir freudig Kränze flicht.

Münchner Tagblatt Nro. 39. Donnerstag, den 8. Februar 1838.

#Münchner Tagblatt (9.6.1838)

Hiesiges.

In der vortrefflichen Spezereihandlung des Herrn Birnböck in der Rosengasse sind ausgezeichnete Cigarren, welche den Namen »Constanze-Cigarren« tragen, zu haben. Dieselben sind mit gelber Seide umschlungen, und führen diesen Namen, der liebenswürdigen Schauspielerin Mad. Constanze Dahn zu Ehren. Gleichwie ihre Kunst himmlisch ist, so steigt der Rauch zum Himmel empor, erinnernd, daß man auch sie zum Himmel erheben müsse. Jeder gebildete und das Theater besuchende Raucher wählt nur Constanze-Cigarren. Die gelbe Seide trägt die Farbe eines Kleides der Mad. Dahn und ist ein Zeichen des Haßes aller feindseligen Kritik.

Münchner Tagblatt Nro. 158. Samstag, den 9. Juni 1838.

#Münchner Tagblatt (14.11.1839)

An Madame Constanze Dahn, als Fee Cheristane,
bei der letzten Aüfführung des Verschwenders.

Mildleuchtend, wie von heil'gem Schein umflossen,
Der Anmuth hehres Bild, so strahltest Du!
Von seel'ger Liebe holdem Band umschlossen,
Der Blume gleich — zum Leben erst entsprossen,
Stillkehrend jener fernen Heimat zu!

So hat Dein Geist sich kühn emporgeschwungen,
Entfesselt dieser Erde nicht'gem Tand!
Dein Streben Dir das schöne Ziel errungen,
Das Deine Seele mächtig stets umschlungen,
Und Deine Kunst den Sternen neu verwandt!

W. St...r.

Münchner Tagblatt Nro. 314. Donnerstag, den 14. November 1839.

#Münchener Tagblatt (6.5.1843)

An Constanze Dahn.

So sah'n wir Deiner Muse freundlich Walten,
Die wir so lange sehnsuchtsvoll vermißt,
Vor unsern Blicken wieder sich entfalten,
Von unsrem Jubel froh und laut begrüßt!
Ja Deine Muse, deren ächte Weihe
Sie zeigte und bedeutsam jetzt aufs Neue,
Daß Kunst nur mit Natur vereint, entzückt.

Hier ist kein eitles, mühevolles Streben,
Wie Du Dich gibst, so bist Du ganz und wahr;
Nicht der Coquette Preis willst Du erstreben,
Das Leben, die Natur ist Dein Altar.
Was Du empfindest, wir empfinden's wieder,
Du gibst uns ja nur eigenes Gefühl;
Der großen Meister Dichtung, ihre Lieder
Versteh'n wir wahrer, tiefer durch Dein Spiel.

D'rum wie Dein Spiel durch Wahrheit uns begeistert,
Das Leben und Geschick uns treulich malt,
Wie Du Dich unsrer Herzen hast bemeistert
Durch Deiner Worte fliegende Gewalt:
So möge Dir die süße Gunst der Musen
Fortan erblühen ewig frisch und jung;
Du trägst den Zauber in dem eignen Busen:
»Begeistern kann nur die Begeisterung«

München am 29. April 1843.

--r.

Münchener Tagblatt Nro. 125. Samstag, den 6. Mai 1843.

#Augsburger Tagblatt (14.1.1844)

An Mad. Constanze Dahn als »Parthenia.«

Wie Zauberglanz aus süßem Mährchenlenze
Umduftet uns Dein zartes Minnespiel;
Für eine Welt des Staubes fast zu viel
Sind solcher Liebe holde Maienkränze.

Dein Haupt umschlingen bunte Elfentänze,
In tiefster Seele schlummert das Gefühl:
Du lösest es, Du kennst sein hohes Ziel,
Trägst es begeistert an die Sternengrenze.

Du sprichst ein Wort, und alle Götter schweben
Im Dionysosjubel aus den Höhen,
Und opfern Nektar von des Pindus Reben!

Wenn Dichter so und Künstler sich verstehen,
Dann gibt's Gebilde aus dem schönsten Leben,
Und glorreich kann man die Vollendung sehen.

W...th.

Augsburger Tagblatt No. 14. Sonntag, den 14. Januar 1844.

#Der Sammler (1844)

An Constanze Dahn,
als Königin Christine in »Monaldeschi«.

(Eingesandt.)

So kann kein Dichter Charaktere schildern
Im kühnsten Schwung der regsten Phantasie;
Solch' tiefe Wärme giebt den besten Bildern
Der kunstgeübte Malerpinsel nie:
Wie Du erfaßt Christinens ganze Seele
In Stolz und Liebe, in der Launen Spiel;
Daß nicht Ein Zug an Trefflichkeit ihr fehle,
An ihren Mängeln keiner sey zu viel.

Du selber wich'st dem treugegeb'nen Bilde,
Warst Gustav Adolphs große Tochter ganz,
Die Schöne, Hochverständ'ge, Milde,
Die Edelste in Schwedens Franenkranz.
Doch dieser Reitze herrliches Entfalten
Gar oft durch Stolz und eitle Schwäche litt;
Nicht selten auch im süßen Zauberwalten
Sich zierdelos die Leidenschaft verrieth.

Du warst ein Bild des reizenden Ergebens,
Wenn Liebe Dich in süßen Banden hielt;
Die Schreckgestalt des stolzen Widerstrebens
Von Eitelkeit und Eifersucht umspielt;
Denn als gesprungen Deiner Leier Seiten,
Aus deren Silber Dir nur Liebe klang:
Da wußtest Du den Rachestrahl zu leiten.
Daß er in's Leben des Verräthers drang.

Wenn Schwache Dich zu richten sich vermessen,
Und wenn von Neidern Deine Kunst verkannt;
Der Kenner kann der Perle Werth ermessen,
Und er nur schätzet richtig den Demant.
Du warst Christine einzig und vollendet;
Drum kümm're Dich manch' hohle Kritik nicht:
Das Aug' schaut nicht die Sonne, das geblendet!
Die lahme Hand schreibt ihr kein Lobgedicht.

Der Sammler Nro. 9. 1844.

#Münchener Punsch (1.7.1855)

Artistisch-literarischer Theil.

Unsere verehrte Künstlerin Frau Constanze Dahn, deren häufige Beschäftigung in neuerer Zeit das Publikum mit Vergnügen wahrnimmt, macht sich auch in anderer Weise der Kunstanstalt nützlich: durch Heranbildung neuer Talente. So debütirte unter ihren Auspizien diese Woche Frln. Gresbach als »Leonie« in dem geistreichen Lustspiel »Damenkrieg«. Die Anfängerin, welche ein schönes Organ besitzt, und in ihren gewandten Bewegungen sogleich die tüchtige Schule erkennen läßt, fand reichen Beifall.

Münchener Punsch Nro. 26. Sonntag, den 1. Juli 1855.

#Die Deutsche Schaubühne (1861)

Frau Constanze Dahn ist eine »denkende Künstlerin« im guten Sinne des Worts, ohne den etwas zweideutig gewordenen Nebenbegriff, den man heutzutage oft mit diesem Ausdruck zu verbinden pflegt, wenn man einem Schauspieler, den man ohne Schamerröthen [1] nicht loben kann und doch nicht tadeln will, oder dem man den Pelz waschen möchte, ohne ihn naß zu machen, dieses Epitheton beilegt, gewöhnlich um seine tödtende Langweiligkeit und Trockenheit zu bemänteln. Bei Frau Constanze Dahn dominirt der Verstand; das Gefühl aber findet sich nur in schwachen Anklängen, oft auch fehlt es gänzlich. Ueberall deshalb, wo Reflektion den Kern der Rolle bildet, wird Frau Constanze Dahn Lorbeern ernten, während anderer Seits in den Gefühlsmomenten man zwar ihrem schauspielerischen Talente Gerechtigkeit widerfahren lassen muß, aber kalt bleiben wird. So ist sie vortrefflich als alte Fadet (»Grille«), Elisabeth (»Graf Essex«) und ähnlichen, weniger gelungen dagegen als Gräfin von Autreval (»Frauenkampf«) u. dgl.

[1] Zwar nur allzu häufig sucht man auch dies bei der Kritik vergeblich, und wie Hamlet seiner Mutter, kann man den Vertretern der Presse, wenigstens den Winkelschreibern, oft genug vorwurfsvoll zurufen: »Schaam, wo ist dein Erröthen?«

Die Deutsche Schaubühne. Organ für Theater und Literatur. Redigirt von Dr. Teodor Mehl. Hamburg; 1861.

#Der Bayerische Landbote (3.1.1863)

Erklärung.

Ein vielfach verbreitetes Gerücht wirft mir vor, daß Ich die Rolle der »Elisabeth« in Maria Stuart abgelehnt oder nur aus fingirten Gründen wieder abgesagt habe. Ohne der Quelle dieser mir peinlichen Nachrede nachspüren zu können, erkläre ich dieselbe einfach für durchaus unwahr. Ich war bereit fragliche Rolle meiner Pflicht gemäß und mit größter Freude bei dieser Veranlassung zu spielen, wurde aber durch einen heftigen Krampfhusten genöthigt, unter Vorlage bestätigender Zeugnisse meines Haus- und des k. Hoftheater-Arztes, der k. Hoftheater-Intendanz anzuzeigen, daß ich von Freitag, den 26. bis einschließlich Dienstag, den 30. d. Mts., also vier Tage, dienstunfähig sei.

München, den 31. Dezember 1862.

Constanze Dahn
königliche Hofschauspielerin.

Der Bayerische Landbote No. 3. München; Samstag, den 3. Januar 1863.

#Ingolstädter Tagblatt (6.10.1865)

Vermischtes.

München, 4. Okt. Frau Constanze Dahn ist vom 1. d. M. an pensionirt. Seit dem Jahr 1833 war sie ununterbrochen Mitglied unserer Hofbühne und gehörte also zu den wenigen Ueberresten aus der guten alten Zeit des Münchener Theaters, die noch auf uns gekommen sind. In ihrer Jugend war sie berühmt wegen ihrer Schönheit und wegen ihres feinen liebenswürdigen Spieles. Auch die neuere Zeit sah sie noch in Leistungen, die sich sämmtlich durch geistreiche Auffassung, scharfe Consequenz in der Zeichnung und Wahrheit und Noblesse der Darstellung auszeichneten.

Ingolstädter Tagblatt No. 236. Freitag, den 6. Oktober 1865.

#Ingolstädter Tagblatt (9.10.1865)

Vermischtes.

Die N. N. bringen folgende Erklärung: »Meinen Freunden und Gönnern, dem Münchener Publikum gegenüber, welches mir während mehr als 30jähriger Dienstzeit bei der hiesigen Bühne stets ein so großes Wohlwollen geschenkt hat, ist es, um Mißverständnissen vorzubeugen, meine Pflicht, bekannt zu geben, daß mir am 1. Octob. und zwar von diesem Tage beginnend von der königl. Hoftheater-Intendanz meine in Ruhestandversetzung zugesendet ward, obwohl ich mich nicht darum beworben und auch keine Angabe eines Grundes erhalten habe. München, 5. Oct. 1865. Constanze Dahn, geb. Le Gaye« — Wir können nur unser lebhaftes Erstaunen und Bedauern darüber ausdrücken, daß man eine so ausgezeichnete Künstlerin, für deren Leistungen das Publikum stets eine so warme dankbare Erinnerung bewahren wird, auf eine so verletzende Weise verabschiedet.

Ingolstädter Tagblatt No. 238. Montag, den 9. Oktober 1865.

#Münchener Punsch (15.10.1865)

Kleine Frühstücksplaudereien.

Gestützt auf eine Erklärung der Frau Constanze Dahn, geb. Le Gay, äußern mehrere Blätter ihre Verwunderung, daß es dieser Dame vor ihrer Pensionirung nicht vergönnt gewesen sei, sich dem Publikum in einer Abschiedsrolle noch einmal zu zeigen. Frau Constanze Dahn beherrschte lange Zeit das Repertoire und war einst eine vorzügliche tragische Liebhaberin. Da übrigens beispielsweise auch Härtinger und Pellegrini, gewiß Künstler in des Wortes eminenter Bedeutung, ohne besondere Feierlichkeit von der Arena verschwanden, so scheint das Abschiednehmen überhaupt aus der Mode gekommen zu sein und Frau Constanze Dahn kann sich ihres Theils kaum darüber beklagen. »Starb doch auch Patroklus, und war besser als du!« heißt's im »Homer«.

Münchener Punsch Nro. 42. 15. Oktober 1865.

#Unterhaltungsblatt zum Nürnberger Anzeiger (29.10.1865)

Allerlei.

Pensionirung der Frau Constanze Dahn.

Der Münchener Hofschauspielerin Constanze Dahn ist von der Intendanz ihre Versetzung in den Ruhestand angekündigt worden, ohne daß sie darum nachgesucht hätte. Die Genannte, eine geborne Le Gay aus der französischen Schweiz, galt in ihrer Blüthezeit nicht nur für eine der schönsten Frauen, sondern auch für eine der geistvollsten und feingebildetsten Künstlerinnen. Noch bei den Dingelstedt'schen Mustervorstellungen that sie sich glänzend hervor, z. B. als Minna von Barnhelm. In den letzten Jahren übernahm sie das ältere Fach, während ihre Nachfolgerin in jüngeren Partieen die zweite Frau ihres von ihr geschiedenen Gatten, des Heldenspielers Friedrich Dahn, Marie Dahn-Hausmann wurde.

Constanze Dahn ist aus ihrer Ehe Mutter von Prof. Felix Dahn (bekannt als Mitarbeiter an der »Bavaria«), sowie von Ludwig Dahn (am Berliner Hoftheater.)

Unterhaltungsblatt zum Nürnberger Anzeiger Nr. 44. Nürnberg, den 29. Oktober 1865.

#Die Scheinwelt und ihre Schicksale (1893)

Theodor von Küstner schildert in seinem früher erwähnten Buche unser hochverdientes, ehemaliges Mitglied Constanze Dahn als eine ebenso interessante als schöne Dame, die, als sie in der ersten Jugend nach München kam, an eins der glücklichsten Bilder von Goethe's Mignon mahnte. Ihre Auffassung der Rollen schildert der Intendant als eine sehr geistreiche; ihr Muthwille, ihr Schmerz konnte das weitgestellteste Ziel erreichen, ja sogar manchmal übertreffen.

Die Scheinwelt und ihre Schicksale. Eine 127jährige Historie der Münchener kgl. Theater im populärer Form und als Jubiläums-Ausgabe. Zu Ehren des fünf und zwanzigjährigen Dienst-Jubiläums Seiner Excellenz des Herrn General-Intendanten Freiherrn von Perfall von Max Leythäuser. München; 1893.

#Allgemeine Zeitung (29.3.1894)

Feuilleton.

Constanze Dahn und »Der treue Ulan«.

Als zu Anfang des Jahres 1833 Karl Theodor v. Küstner von Darmstadt nach München berufen wurde, um die Leitung der Münchener Hofbühne zu übernehmen, da wurde, wie Franz Grandauer in seiner zum hunderijährigen Jubiläum des k. Hof- und Nationaltheaters im Jahre 1878 herausgegebenen Chronik desselben anführt, die ohnehin nicht leichte Aufgabe, die den neuen Intendanten erwartete, durch den augenblicklichen Zustand des Künstlerpersonals in hohem Grade erschwert: der treffliche Urban, der Baßbuffo Spitzeder und der Komiker Brandt hatten nicht bloß die Bretter, welche die Welt bedeuten, sondern letztere selber für immer verlassen, Löhle und die Sigl-Vespermann mußten pensionirt werden, die Schechner-Wagen hatte die Stimme verloren und Charlotte v. Hagn ein Gastspiel in Berlin (um des affectirten modernen Ausdrucks uns zu bedienen) »absolvirt«, von dem sie nicht mehr an die Ufer Isar-Athens zurückkehrte. Und so lag denn dem neuen Intendanten außer der Lösung einer Reihe van administrativen und finanziellen Aufgaben auch die nicht minder schwierige der Ausfüllung der Lücken ob, welche Tod, Alter und Schicksal in die Reihen der ersten Kräfte der Hofbühne gerissen. Daß er hiebei, um wieder nach berühmten Mustern zu sprechen, eine »glückliche Hand« und manch »glücklichen Tag« gehabt, daß es ihm gelungen, am Münchener Theaterhimmel Sterne ersten Ranges aufgehen zu lassen, welche der Münchener Hofbühne zuin Theil auf Jahrzehnte hinaus zu Ehr' und Zier gereichten, beweisen die Namen, deren Träger und Trägerinnen er schon in den ersten Jahren seiner Intendanzführung dem Künstlerbestande einverleibt: Friedrich und Constanze Dahn, Ed. Hoppe, H. Schöller und W. v. Hasselt im Jahre 1834, Ed. Sigl im Jahre 1836, Friedrich Diez, Sophie Hartmann (die nachmalige Sopbie Diez), H. Sulzer und El. Urban im Jahre 1837, J. N. Meixner, Friedrich Schenk, Th. Mink im Jahre 1838, Karoline Hetzenecker (die nachmalige Frau v. Mangstl) im Jahre 1839, Adolf Christen und Henriette Rettich im Jahre 1842 u. s. f.

Nicht bloß gleiches ideales Streben, sondern auch warmherzige Freundschaft und heiterer Lebensgenuß verband das damalige Künstlervölkchen und so kam es, daß ihrer mehrere oft an spielfreien Tagen zusammen Ausflüge in Münchens nächste Umgebung machten. Nachmittags Kaffeepartien an den Ufern des Starnberger- oder Ammersees oder im freundlichen Postgarten zu Ebenhausen zu veranstalten, war ja damals noch nicht möglich, sintemalen das schnaubende Dampfroß, welches heutzutage dahin führt, in München noch nicht zur Welt gekonnnen war. An einem schönen Augusttage des Jahres 1836 nun (es war ein Mittwoch, der dritte des Ernte- oder Sichelmonds) hatten sich wieder ihrer etliche, darunter vor allem das junge Ehepaar Friedrich und Constanze Dahn, Eduard Sigl, Ferdinand Lang (der schon seit 1827 der Münchener Hofbühne angehörte), aufgemacht und eine Partie nach dem isarabwärts unterhalb Föhring gelegenen St. Emmeran unternommen. Zu denselben gesellte sich der mit ihnen befreundete Münchener Dichter Ulrich v. Destouches, welcher Nachmittags in einem Einspänner nachgefahren kam. In heiterster Weise flossen der frohmüthigen Gesellschaft die Stunden dahin, ein munteres Pfänderspiel trug nicht wenig dazu bei, die allgemeine Lust zu erhöhen, und da konnte es wohl nicht anders sein, als daß dem Dichter, welcher von der damals schon hochgefeierten Künstlerin Constanze Dahn mit einer Blumengabe erfreut worden war, zur Aufgabe gemacht wurde, derselben eine poetische Huldigung darzubringen. Er versprach, sein Pfand binnen Jahr und Tag einzulösen, und als der schöne Tag sich seinem Ende zuneigte, da kehrte er, mit einer poetischen Schuld beladen, in seinem einspännigen Vehikel zur Stadt zurück und nahm in demselben auch Constanzens Erstgeborenen, den damals dritthalbjährigen Felix, mit. Nach wenig Monden schon war er seines gegebenen Versprechens quitt geworden: er hatte eine seiner früher schon erschienenen vaterländischen Erzählungen zu einem einaktigen Drama umgedichtet und sandte dasselbe bereits im April des nächstfolgenden Jahres unter dem Titel »Der treue Ulan«, Scene aus dem letzten Völkerkriege, mit einer poetischen Zueignung der Künstlerin zu.

Mit herzlicher Freude hatte Constanze Dahn die Widmung entgegengenommen und veranlaßt, daß die Dichtung auch von der k. Hoftheater-Intendanz zur Aufführung bestimmt wurde, deren erste am 1. Mai des Jahres 1838 stattgefunden hat. Da die Besetzung der Rollen eine vorzügliche war — die Titelrolle Edmund v. Rauchenstein, Ulanen-Officier, spielte Friedrich Dahn, Wolf seinen Diener Racke, das Försterehepaar Alfred und Elsbeth Wille Hr. Mayer und Constanze Dahn —, war auch die Darstellung durchaus gelungen und wurden die Künstler mit dem Dichter am Schlusse durch ehrendsten Beifall und Hervorruf ausgezeichnet. In besonders herzlicher Weise gab Constanze Dahn ihrem freudigen Dank dem Dichter gegenüber Ausdruck. Nicht minder anerkennend sprach sich die Münchener Localpresse über jene Erstaufführung aus. Das Gleiche war der Fall bei den weiteren Aufführungen, die »Der treue Ulan« noch im selben und in dem folgenden Jahre auf der Hofbühne erlebte. Bezüglich einer derselben, der am 9. April 1859 stattgehabten, äußerten sich — in für die damalige Zeit bezeichnender Weise — die »Münchener Lesefrüchte« u. a. folgendermaßen: »Das Losungswort jener begeisterten Jugend von 1813: »Der treue Tod für Vaterland und Liebe«, ist mit aller Wärme in diesem Drama durchgeführt, wie es nur ein Herz konnte, das selbst einmal denselben Schlachtruf mitgefühlt und in heiliger Schwärmerei ein solches Schicksal sich gewunschen. Aber eben darin finde ich die einzige verwundbare Seite dieser Dichtung, darin liegt der Grund, wenn sie nicht eine allseitige Anerkennung findet — denn die ganze Denk- und Gefühlsweise der darin Handelnden liegt uns zu entfernt, — vor allem ist unsre Jugend jene nicht, bei der die großen schönen Ideen jener Zeit fortleben. Sie erloschen mit dem Kriege, der sie hervorgerufen; und leider fehlen unserm erschlafften Zeitalter jene mächtigen Hebel, die das Herz in seiner eigentlichen Kraft sich äußern lassen, — es muß mit all seinem Fühlen, Träumen und Lieben zu Grunde gehen in dem allzu reellen, dürr-praktischen und öd-conversationellen Treiben unsrer Tage. Darum wird jene Sentimentalität nimmer verstanden, die eine frühere Periode für wahres Gefühl erkannte; ein leichtes Lächeln umzuckt unsre Lippen, wenn wir früher in Schmerz verstummt wären, ein Gähnen der Langweile unterbricht die Expectorationen jener Helden, denen wir früher freudig beigestimmt hätten. Ein anderer Geist ist es, der jetzt den Menschen und vor allem die Jugend beseelt, der so eigentlich deutsche Gemüthsreichthum geht verloren und die Vernunft überflügelt alles Fühlen; wir denken schon, ehe wir noch lieben lernten, und nur mit dem Treiben nach Interessen des Tages ersetzen wir ein stilles Suchen nach dem inneren Selbst-Frieden, nach dem Glück des Herzens!«

Dieses Gefühl des »Außer-der-Zeit-liegens« hat wohl auch die k. Hoftheaterintendanz bezüglich dieses vaterländischen Dramolets beherrscht, da sie demselben seit 1839 keine Wiederaufführung mehr gönnte, obwohl dasselbe, nachdem es i .J. 1839 in den von Phil. Joh. Bayer verlegten zwei Bänden »Erzählungen und Gedichte« von Ulrich von Destouches gedruckt erschienen war, auf einer ganzen Reihe von Volks-, Provinz- und Liebhaberbühnen auf lange Zeit hinaus ein beliebtes Repertoirstück geworden und geblieben ist, und obwohl bei der vaterländischen Begeisterung, welche die Jahre 1870/71 durchbraust hatte, vielleicht ein Zurükgreifen auf jene frühere literarische Erscheinung verwandten Inhalts fruchtbaren Boden gefunden hätte. Hat doch selbst den Namen dieses vaterländischen, dieses »Münchener Dichters« die eingangs erwähnte Theaterchronik aufzuführen vergessen. Er ruht freilich schon seit dem 27. Januar 1863 im Grave; seines ”Treuen Ulans« Elsbeth aber, Thaliens einstige würdige Priesterin Constanze Dahn, wird man morgen als actzigjährige Kunstveteranin auf dem gelichen Münchener Friedhofe zur ewigen Ruhe bestatten.

München, am 28. März 1894.

E. v. D.

Allgemeine Zeitung Nr. 86. München; Donnerstag, den 29. März 1894.

#Allgemeine Zeitung (30.3.1894)

Bayerische Chronik.

München, 29. März.

Die Beerdigung der ehemaligen k. Hofschauspielerin Frau Constanze Dahn fand heute Nachmittag um 4 Uhr auf dem südlichen Friedhofe statt und gestaltete sich, neben der Trauerkundgebung für die von dem Heimgang der ehrwürdigen Greisin zunächst betroffenen hochgeachteten Familien Dahn und v. Bomhard, zu einer weihevollen Gedenkfeier für die entschlafene große Künstlerin. Die zahlreich erschienenen Verehrer der früheren langjährigen Zierde unsrer Hofbühne, Freunde der Kunst und der Hinterbliebenen — unter ihnen Finanzminister Dr. Frhr. v. Riedel, Generalintendant Frhr. v. Perfall, Generaldirector Professor Possart, die Kunstveteranen Prof. Dr. Härtinger und Professor Richter, die Mitglieder unsrer Hofbühne, Vertreter der Presse und der Literatur — bildeten mit den Generalen und Officieren, die dem Schwiegersohn der Verklärten ihr Beileid bekundeten, eine hochansehnliche Versammlung. Der ältere Sohn, Geh. Rath Prof. Dr. Felix Dahn in Breslau, war leider durch Krankheit verhindert, der Leichenfeier beizuwohnen. Unter den Klängen der von der Capelle des 1. Feld-Artillerie-Regiments gespielten Trauermärsche bewegte sich der Leichenzug an das offene Grab in der Nähe des Denkmals des einstigen Kunstgenossen der Verstorbenen, des unvergeßlichen Rüthling. Der evangelische Geistliche, der die Einsegnung der Leiche vollzog, brachte in seiner Gebächtnißrede auf das reichgesegnete Leben und Wirken der charaktervollen Persönlichkeit auch den hohen sittlichen Gehalt der Kunst und den gewissenhaften Dienst ihrer treuen Priesterin zu würdigem Ausdruck. Nach dem Schlußgebet und Segen ergriff Generaldirector Professor Possart das Wort und gab in einem geistvollen und herzenswarmen Nachruf ein ungemein anziehendes und erhebendes Lebensbild der Künstlerin. Wir hoffen, die treffliche Gedenkrede auf eine hervorragende Vertreterin der vaterländischen Kunst unsern Lesern morgen ausführlich mittheilen zu können.

Allgemeine Zeitung Nr. 87. München; Freitag, den 30. März 1894.

#Allgemeine Zeitung (30.3.1894)

Feuilleton.

München, 30. März. Die Grabrede, welche Hr. Generaldirector Possart bei dem gestrigen Begräbnisse der k. Hofschauspielerin Constanze Dahn gehalten hat, lautete wie folgt:

»Schien je ein hold Geschöpf erkoren
Zum Dienst der Kunst, die du erwählt,
So warest du's, der angeboren,
Was hundert Vielbekränzten fehlt:
Der stumme Zauber der Geberde,
Die Stimme, welche Thränen spricht,
Für alles Glück und Weh der Erde,
Der Schrei, der aus dem Herzen bricht.

Constanze Dahn! — Wir stehen am Grabe der geistvollsten bahnbrechenden Künstlerin, welche das zur Neige gehende 19. Jahrhundert dem Münchener Schauspiele geschenkt; Genossin einer Sophie Schröder und eines Eßlair, durchbrach Constanze Dahn mit prophetischem Geist und unfehlbarem Instinct die Traditionen der alten romantischen Schule, welche die Schönheit der Form in Rede und Geberde als die einzige Errungenschaft ihrer Kunst preisen durfte, und, ihrer Zeit um drei Decennien vorauseilend, wurde sie die erste Jüngerin der heutigen modernen Richtung in der Schauspielkunst, welche die ungeschminkte Lebenswahrheit sich zum höchsten Ziele aller Menschendarstellung gesetzt! Was vor wenigen Monaten die jüngere Generation des Münchener Theaterpublicums an einer hochgefeierten ausländischen Künstlerin als nie dagewesen und unerreicht preisen durfte, das hat vor 30 Jahren bereits Constanze Dahn ihren staunenden Zeitgenosten geoffenbart: die Lehre, daß allein der Mensch auf der Bühne auf den Menschen im Auditorium wirkt, und daß die denkbar größten schauspielerischen Eindrücke mit den denkbar einfachsten Mitteln zu erreichen sind! Schauen wir mit Ehrfurcht hinunter auf diesen Sarg: er birgt die Eleonore Duse der deutschen Schauspielkunst! Von Abstammung Französin und geschmückt mit allem Charme und der unnachahmlichen Grazie dieses prädestinirten Schauspielervolkes, Italienerin an Feuer und Leidenschaft und wahrhaft deutsch an Tiefe des Gemüthes, stellte die jugendliche Constanze Dahn, das Fräulein Le Gaye, die ihr angeborenen, charakteristischen Vorzüge dreier Nationen in den Dienst ihrer Kunst. Kaum zur Jungfrau gereift, saß sie zu den Füßen des Altmeisters Goethe, dessen erstes Gretchen sie ward, und so sehr begeisterte das lebensprühende Auge des liebreizenden Geschöpfes den göttlichen Greis, daß er sie zur Erinnerung an diese Stunden im Gewande der Mignon malen ließ. Nun folgte eine Periode unantastbaren Ruhmes für die heranwachsende Künstlerin, die eine Fenella, Yelva, eine Prinzessin im »Tasso« und einen Reigen Shakespeare'scher Frauengestalten schuf, und ein Vierteljahrhundert später sehen wir die bereits hochgereifte Künstlerin in den ersten Münchener Mustervorstellungen noch über sämmtliche blühendere Rivalinnen siegen und mit ihrer Minna von Barnhelm, ihrer Gräfin Orsina selbst den aufsteigenden Stern einer Marie Seebach verdunkeln. Dann, voll Selbsterkeuntniß auf alle jugendlichen Rollen verzichtend, wurde sie mit einem Schlage der erste weibliche Charakterspieler der Münchener Hofbühne; wer erinnert sich nicht, der zurückdenken kann, ihrer alten Fadette in der »Grille«, ihrer Herzogin von Marlborough und ihres Störenfried? Und endlich setzte sie ihrer unbestechlichen Kritik, die sie zügellos und herb an Anderen übte, auch an sich selber die Krone auf: sie machte einen Strich durch das geweihte Blatt ihres Lebens — entsagte der Kunst, der sie nicht mit verminderten äußeren Kräften dienen wollte; still zog sie sich in ihre geliebten Berge zurück. Dort, in der Einsiedelei auf der Höhe von Ernsdorf, an den Ufern des Chiemsees, geborgen durch den schützenden Wald vor den Blicken der Neugierde, lebte sie fortan der göttlichen Natur, der sie in ihrer Kunst immer und ewig zugestrebt, noch in den letzten Jahren reichbeglückt durch die persönliche Huld unsres allgeliebten Prinz-Regenten, der auch ihren Sarg mit dem ersten Kranz geschmückt. Dort lebte sie neidlos und anerkennend gegen Alles, was der junge Nachwuchs an Streben und Leistungen bot, eine echte, hochsinnige Künstlernatur, offenherzig und gastfrei, das Gute fördernd durch Rath und That, bis zu ihrem Tod. Ein vielverkanntes, leidenschaftliches, aber edles Herz, wohl kalt und bitter schlagend gegen ihre Feinde, doch gegen ihre Freunde sommermild. Nun steht es still, dieses heiße Herz; aber nicht für immer, Constanze!

Wenn die Gräber sich bewegen,
Schlag' es wieder uns entgegen!
Bis dahin — Friede deiner Asche!«

Allgemeine Zeitung Nr. 87. München; Freitag, den 30. März 1894.

#Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903)

Dahn Constanze (geborene Le Gaye), geboren am 12. Juni 1814 in Kassel, war die Tochter des französischen Kapellmeisters A. Le Gaye, der s. Z. in Kassel unter König Jerôme angestellt war. Schon frühzeitig entwickelte die Kleine seltene musikalische Begabung, sodaß sie als Wunderkind allgemeine Beachtung fand, und bereits mit sieben Jahren betrat sie als »Donauweibchen« zum erstenmal in Düsseldorf die Bühne.

1824 erschien sie am alten Stadttheater in Hamburg im Lustspiel »Die Puppe« (nach dem Französischen) und alles war von dem für ein zehnjähriges Mädchen bewundernswerten Spiel entzückt. Fünf Jahre später begann sie am neuen Stadttheater, und zwar als jugendliche Liebhaberin, ihre eigentliche Bühnenlaufbahn. Man wußte nicht, sollte man mehr die außerordentliche Schönheit und entzückende Anmut oder das große, seltene Talent der jungen Künstlerin bewundern.

Ihren ersten stürmischen, geradezu sensationellen Erfolg errang sie am 29. Juni 1831 in Hamburg mit Heinrich Marr aus Braunschweig als Gast, und zwar als »Gretchen« im »Faust«. Seit dieser Zeit wurde ihr Name auch außerhalb Hamburgs mit Ehren genannt, und erste Kunstinstitute bewarben sich um den Besitz dieser hervorragenden Darstellerin.

Sie konnte sich jedoch lange nicht entschließen, ihre alten anhänglichen Verehrer zu verlassen, die ihren ersten Versuch auf der Bühne wohlwollend beurteilt und anfangs nachsichtig ihre Fehler und Unachtsamkeiten verziehen hatten und die treu und verehrungsvoll an ihr hingen.

Und doch trat sie nach einem glänzend absolvierten Gastspiel in München 1833 in den Verband dieses Kunstinstitutes. Überaus schmerzlich berührte die Hamburger der Abschied ihres Lieblings, und begeistert empfingen sie die Münchner. An dieser Bühne konnte sich nun ihr reiches Talent zur höchsten Blüte entfalten und ein weites Arbeitsfeld eröffnete sich daselbst ihrer Genialität. Bald war sie in der Isarstadt der Mittelpunkt eines großen Gelehrten- und Künstlerkreises.

Als Darstellerin entzückte sie ebenso durch rührende, deutsche Innigkeit als »Klärchen« und »Gretchen«, wie durch ihren reizenden, echt französischen Übermut in »Pariser Taugenichts«, wie nicht minder als »Jungfrau von Orleans« und in den Frauengestalten Shakespeares. Man bewunderte allgemein ihr Temperament, ihren sprühenden Geist, ihren Vortrag, ihre Anmut, ihre Charakterisierungskunst.

Geradezu Sensationelles, etwas vollständig Neues, schuf sie als »Velva«. Durch die Beredtsamkeit ihrer wunderbaren Augen und durch die feine und doch so ausdrucksvolle Mimik ihrer edlen Züge ließ sie es ihre Zuschauer ganz vergessen, daß sie als Stumme auf den Brettern stand. Einen großen Triumph feierte die Künstlerin auch im Juli 1854 als »Minna von Barnhelm« anläßlich der von Dingelstedt veranstalteten Musteraufführungen. Eduard Devrient bezeichnet sie als eine Künstlerin von frischem, erfindungsreichem Talente, klugem Takte und übermütiger Lebhaftigkeit.

Und ebenso wie sie mit künstlerischer Vollendung dereinst ihre jugendlichen Gestalten auf die Bühne stellte, so meisterlich, so vollendet naturwahr schuf sie zuletzt ihre Mütter. Darbietungen wie »Fadet« in der »Grille«, oder »Geheimrätin« im »Störenfried«, waren einfach mustergültig und wurden vielfach auf deutscher Bühne nachgeahmt.

Nach einem Kunstleben, überreich an Erfolgen und Beweisen innigster Verehrung und Liebe, zog sie sich nach mehr als 40jähriger Bühnentätigkeit im Jahre 1865 von den Brettern zurück, verabschiedete sich von ihrer geliebten Kunst und ihren zahllosen Verehrern als »Herzogin von Parma« in »Egmont« und trat am 1. Oktober ein letztes Mal, von Beifallsturm umrauscht, von der Bühne ab. Nach nahezu drei Jahrzehnten konnte die einst Gefeierte in ihrem stillen Heim an den Ufern des Chiemsees beschaulich ihr Leben genießen. Hochbetagt beschloß diese Künstlerin, die Ernst von Possart in seiner Grabrede die »Duse der deutschen Schauspielkunst« nannte, am 26. März 1894 ihr ruhmreiches Dasein.

Sie war verheiratet (seit 18. April 1833) mit ihrem Kollegen: Dahn Friedrich, geboren am 18. April 1811 in Berlin.

Ludwig Eisenberg’s Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Leipzig, 1903.

#Erstrebtes und Erlebtes (1916)

Nach meiner ersten »Räuber«-Probe sollte mir der Abend endlich die ersehnte Gelegenheit bringen, Constanze Dahn (Bild auf Tafel 5) als Darstellerin kennen zu lernen. Ich wußte, daß die jetzt 51 Lenze zählende Künstlerin als aufblühendes Kind zu den Füßen Goethes gesessen und daß sie mit 17 Jahren an der Seite Heinrich Marrs — es war am 29. Juni 1831 — in Braunschweig bei der ersten Aufführung des »Faust« das Gretchen siegreich gespielt hatte. Auch war bekannt, daß sie kurz darauf sich mit dem Heldendarsteller des Hamburger Stadttheaters, Friedrich Dahn, vermählt, und daß man beide an das Münchener Hoftheater berufen hatte. Und als ich von München aus später wieder als Gast in Hamburg auftrat, priesen Heinrich Marr und mit ihm viele ältere Theaterfreunde noch begeistert Constanzens blendende Schönheit und die Holdseligkeit ihres Wesens; ihr französisches Blut — sie war die Tochter des Kapellmeisters le Gaye, der zu Kassel im Dienste des »lustigen« Königs Jérôme gestanden — hätte die Darstellung leidenschaftlicher Szenen wirkungsvoll gehoben.

Von meinem Freunde Kustermann, ihrem Schüler, vernahm ich auch, daß die kaum 20jährige junge Frau, ihr wenige Monate vorher geborenes Söhnchen Felix (Felix Dahn, der berühmt gewordene Rechtsgelehrte und Dichter; † 3. Januar 1912 zu Breslau.) auf den Knien, die endlose Wagenfahrt von Hamburg nach der Isarstadt unter den abenteuerlichsten Vorfällen hätte zurücklegen müssen. Nun sollte ich sie in Mauthners Schauspiel »Eglantine« als Fürstin Eggern zum ersten Male sehen.

Mit hochgespannten Erwartungen betrat ich den Zuschauerraum. Erst der zweite Akt sollte meine Ungeduld stillen.

Zimmer im Palais der Fürstin. In der dritten Szene sitzt die junge Tochter, Prinzessin Clarisse, in Liebesträumerei versunken vor einer Stickerei. Da erscheint unangemeldet unter der Tür eine schlanke Frauengestalt von mittlerer Größe, das stattliche Haupt, zu ansehnlich fast für den hageren Hals, auf dem es ruht — von schwarzem Haar üppig umflossen. Ohne die Anmaßung der akkreditierten Diva: »Aufgemerkt, jetzt komme ich« überschreitet sie mit gesenktem Blick langsam die Schwelle, ein sinnendes Lächeln auf den feingeschnittenen Lippen. Jetzt sieht sie auf und ein großes, tiefdunkles Auge richtet sich auf ihren Liebling: »Clarisse! Du bist ja in deine Arbeit vertieft, als müßtest du sticken, um dein Brot zu verdienen!« Der Ton enttäuschte mich. Das hochliegende Organ war dünn; es klang fast spitzig, aber die Worte perlten von ihren Lippen. Jede Silbe ging deutlich durch den weiten Raum. Die gebietende Haltung in der nun folgenden großen Szene mit Herrn von Roden, dem Intriganten des Dramas, die packende Natürlichkeit ihrer leicht hingeworfenen Aparts, endlich die bezwingende Hoheit, womit sie in den nur hingehauchten Worten »Mein Herr, ich wünsche allein zu sein!« der Unterredung mit dem Erpresser ein Ende machte, die adelige Würde ihrer sparsamen Bewegungen, vollendeten das Bild; sie war, was sie scheinen wollte: eine Fürstin.

Wenige Tage später wurde »Königin Bell« wiederholt. »Mstrs. Edith Blount — Frau Constanze Dahn« verkündete der Zettel; ein völlig anderes Wesen, als ich drei Tage vorher in der »Fürstin Eggern« begrüßt hatte, trat hier in die Erscheinung; eine rüstige, energische Greisin mit geradem, offenem, herrischem und zuweilen auch humoristischem Wesen, ein Meisterwerk in Maske, Gebärde und Mienenspiel. Nach Beendigung des Urlaubs spielte die Künstlerin dann eine ihrer beliebtesten Köllen, die alte Fadet in der Birch-Pfeifferschen »Grille«, wiederum ein bejahrtes, leidenschaftliches Weib, aber doch ein völlig anderes; zigeunerhaft in der Maske, zahnlückig, mit kreischendem Ton, das wild herumhängende schwarze Haar über Nacken und Schultern fallend. »Durch welche künstlichen Mittel gelang es Ihnen, gnädige Frau, diesen zahnlosen Mund zu produzieren und die zischelnde Sprache?« fragte ich die Meisterin, als mir durch des Freundes Empfehlung ihr gastliches Haus geöffnet worden war. »Durch welche künstlichen Mittel?« lachte sie, »dadurch, daß ich die künstlichen Mittel beiseite warf, – so!« Und sie griff in den Mund und hielt ihr Katelier nachgemachter Zähne in der Hand. »Da haben Sie den ganzen Zauber! Wer an alt's, zahnlucketes Wei'« (sie sprach im profanen Leben mit Vorliebe den oberbayerischen Dialekt) »lebenswahr darstellen will, der muß net eitel sein.«

In den nächsten Monaten durfte ich mit der Künstlerin in »Emilia Galotti« auftreten. Sie war zehn Jahre vorher eine gefeierte Gräfin Orsina gewesen; zur Verkörperung der verlassenen Geliebten des Prinzen besaß sie damals noch alle natürlichen Eigenschaften; das feingeschnittene, im verblühen begriffene Gesicht mit dem üppigen, blauschwarzen Haar und den feuerwerfenden Augen, eine in Momenten glühender Leidenschaft schneidige Stimme und daneben die sprachliche Fähigkeit, das philosophierende Geplauder der gekränkten Mätresse in unaufdringlicher und dennoch fesselnder Weise hinzuhauchen. In der jetzigen Emilia Galotti-Vorstellung spielte Lila v. Bulyovsky die Orsina und Constanze Dahn die Mutter Claudia. Die schöne Ungarin, von der ich immer noch nicht wußte, daß sie die Urheberin meines Münchener Glückes gewesen war, besaß in ihrer süßen Weiblichkeit nichts von alledem, was der rachesprühenden Italienerin im Blute liegt. Im Konversationszimmer fand ich sie mit der älteren Kollegin im Gespräch über die Rolle. »Ah, kommen Sie mal her, Sie unverschämter junger Marinelli!«, rief Frau Constanze, »bringen Sie mir einmal die Stichworte für die Orsina-Szene. Vorwärts!« Und sie nahm dem Gaste den Fächer aus der Hand, und nun blitzte das Raketenfeuer ihres Kreuzverhörs, in das sie den Marinelli verwickelte, so vernichtend, so Schlag um Schlag auf den in die Enge getriebenen Schurken hernieder, daß nach den Schlußworten der Orsina: »Morgen will ich es auf dem Markte ausrufen, und wer mir widerspricht, – wer mir widerspricht, der war des Mörders Spießgeselle!« wir alle, Frau v. Bulyovsky an der Spitze, in stürmische Begeisterung ausbrachen. Denn wir Komödianten, wir Leute vom Bau, bleiben immer und ewig doch das dankbarste Publikum und die rasendsten Enthusiasten, wenn wir von echtem Können gepackt werden.

Unter den Vertreterinnen des älteren Rollenfaches während der zweiten Hälfte des verflossenen Jahrhunderts vermag man dieser eigenartigen Künstlerin einzig Frau Minona Frieb-Blumauer als ebenbürtig an die Seite zu stellen. Beseelt von dem Streben nach Wahrheit der Menschendarstellung, eilten diese zwei eigenartigen Wesen in ihren Darbietungen allen Kolleginnen um ein Jahrzehnt voraus. Schon betagt, wurden sie die Frühlingsboten einer neuen Ära der Schauspielkunst. Eins im künstlerischen Wollen, waren sie ein wenig in der Art der Begabung verschieden. Überbot die ihre Münchener Genossin an Schelmerei und an trockenem Humor, so stach Constanze sie aus durch die rücksichtslose Beharrlichkeit, womit sie in der Verkörperung ihrer Auffassung bis an die äußerste Grenze des an der Bühne Erlaubten ging. So dürfen sich das Berliner und Münchener Hoftheater berühmen, in diesen ebenso großen wie anspruchslosen Schauspielerinnen die ersten »Modernen« besessen zu haben, 20 Jahre bevor man von Italien aus Eleonore Duse als Heroldin der neuen naturalistischen Richtung auf den Schild hob.

Ernst von Possart: Erstrebtes und Erlebtes. Berlin, 1916.

#Ludwig Dahn

* 12.3.1843 (München)
† 20.10.1898 (München)
Schauspieler

#Augsburger Tagblatt (4.11.1860)

Vermischte Nachrichten.

München, 1. Nov. In Schiller's »Räubern« trat gestern Hr. Ludwig Dahn, Sohn unsers Schauspiel-Regisseurs und langjährigen Bühnen-Mitglieds, als Kosinsky zum erstenmal vor das Publikum. Ein vortheilhaftes Aeußeres, klangvolles Organ, lebendiger und angemessener Vortrag bekunden viel Talent und die elterliche Schule läßt sich an seinem feurigen uånd doch durchdachten Spiele nicht verkennen. Das überaus zahlreich versammelte Publikum zeichnete den Debütanten mit Beifall und Hervorruf aus, eine Aufmunterung, die derselbe bei fortgesetztem Streben bald als gerechte und verdiente Anerkennug wird beanspruchen können.

Augsburger Tagblatt No. 304. Sonntag, den 4. November 1860.

#Recensionen (21.11.1860)

Correspondenzen.
München.

Zur Erinnerung an Schiller's Geburtstag wurde »Kabale und Liebe« gegeben. Bei einer neulichen Aufführung der »Räuber« trat zum ersten Mal Hr. Ludwig Dahn, Sohn unseres Regisseurs Dahn, als Kosinki auf und führte diese kleine, aber an ihrer Stelle bedeutsame Partie, trotz einiger Befangenheit, die er in den Bewegungen verrieth, mit Wärme und Lebendigkeit durch. Er erntete dafür den lebhaftesten Beifall, und wenn derselbe auch zum Theil aus der Theilnahme floß, deren sich die Familie Dahn hier zu erfreuen hat, so beweist doch der Umstand, daß man auf solche Weise diese Theilnahme äußern konnte, den günstigen Totaleindruck seiner Leistung. Sonst heben wir von dieser Vorstellung nur das treffliche Spiel des Hrn. Herz in der Rolle des Franz hervor, dem auch vom Publikum die wärmste Anerkennung gezollt wurde. Wir müssen dies um so mehr aussprechen, als einige der hiesigen Lokalblätter diesem strebsamen und denkenden Künstler nicht die ihm gebührende Gerechtigkeit widerfahren lassen.

Recensionen und Mittheilungen über Theater und Musik No. 47. Wien; 21. November 1860.

#Münchener Bote für Stadt und Land (13.7.1861)

Hauptstadt-Neuigkeiten.
München, 12. Juli.

Wie wir hören, wurde der jugendliche Schauspieler Hr. Ludwig Dahn (Sohn des hiesigen Regisseurs) am Hoftheater zu Weimar engagirt.

Münchener Bote für Stadt und Land No. 165. Samstag, den 13. Juli 1861.

#Die Deutsche Schaubühne (1861)

Eine neue Kraft gewann das Hoftheater in dem jungen Herrn Ludwig Dahn, einem Sohn des oben besprochenen Herrn Friedrich Dahn. Derselbe wurde nach einem sehr glücklich ausgefallenen ersten theatralischen Versuch als Kosinsky für zweite jugendliche Liebhaber engagirt, und wir glauben der Theaterleitung zu dieser Acquisition Glück wünschen zu können. Herr Ludwig Dahn hat unbestreitbar eine reiche Begabung für die dramatische Laufbahn von seinen Eltern geerbt. Von einem warmen edlen Feuer beseelt, spricht er mit richtigem Gefühl und Verständniß, und seine Bewegungen sind ungezwungen und lebendig. Hr. Ludwig Dahn berechtigt zu den schönsten Hoffnungen; nur möge er sich vor Abwegen hüten, zu denen ihn, wie uns bedünken will, seine Vortragsweise und ein mitunter zu lebendiges Spiel leicht verleiten können, und stets des alten Sprüchleins sich erinnern:

Kunst und Natur
Sei auf der Bühne eines nur.

Der Rudenz (»Wilhelm Tell«), den er dem Kosinsky folgen ließ, sowie die weiteren Rollen des jugendlichen Kunstnovizen waren gleichfalls recht brav.

Die Deutsche Schaubühne. Organ für Theater und Literatur. Redigirt von Dr. Teodor Mehl. Hamburg; 1861.

#Bayerischer Kurier (7.4.1865)

München, 6. April. — Hr. Hofschauspieler Ludwig Dahn in Weimar, der Sohn des Münchener Schauspielerpaares und selbst längere Zeit Mitglied unserer Hofbühne, hat einen äußerst vorteilhaften Ruf als erster Liebhaber an die Hofbühne in Berlin erhalten. Der junge Künstler, der sich unter Dingelstedt's Leitung gebildet hat, wird nicht versäumen, das ehrenhafte Engagement anzutreten.

Bayerischer Kurier Nr. 96. München; Freitag, den 7. April 1865.

#Allgemeine Zeitung (23.10.1898)

Bayerische Chronik.
München, 22. Oktober.

Beerdigungen. — Ebenfalls heute Nachmittag wurde im südlichen Friedhof unter ungemein großer Theilnahme aus allen Schichten der hiesigen Einwohnerschaft der kgl. Hofschauspieler Ludwig Dahn zur letzten Ruhe gebettet. Unter den Leidtragenden befanden sich Intendant v. Possart, Intendanzrath Stehle, sowie Mitglieder des Hoftheaters, des Gärtnertheaters, des Volkstheaters usw. Stadtpfarrer Kahl schilderte in warmen Worten den Lebensgang des Verewigten. Nach ihm trat Intendant v. Possart an das Grab, um Ludwig Dahn ein Nachruf zu widmen. Der Sprosse eines Künstlergeschlechts, das ein halbes Jahrhundert hindurch dem kgl. Schauspiel eine erhöhte Bedeutung verlieh, ist es, dem sich heute die Gruft geöffnet. Ludwig Dahn hatte zwar nicht die bezaubernde Genialität seiner geistsprühenden Mutter, auch nicht die so lebendige Darstellungsgabe seines Vaters, aber doch hatte er ein Erbe seiner Eltern angetreten: die Begeisterung für seine Kunst und eine unwandelbare Pflichterfüllung. Auch der kleinsten Aufgabe unterzog er sich mit Enst und gutem Willen und mit neidloser Unterordnung. Möge die junge heranwachsende Generation an diesem bescheidenen Grabe aus neue dessen eingedenk sein, daß der ehrliche Zunftgeist der alten Schule noch Macht hat, daß nicht die große Rolle den Künstler schafft, sondern daß nur die Hingabe an den Beruf unsrer Arbeit Segen und Ruhm bringen kann. Der Dahingeschiedene erfreute sich einer gesellschaftlichen Beliebtheit weit über die Grenzen seines Berufes hinaus, sein edles Herz, seine offene Hand, sein Humor und sein warmes Empfinden für alles Schöne und Hohe erwarb ihm Aller Sympathien. Redner legten sodann einen prächtigen Kranz am Grabe nieder, das bereits mit einer großen Anzahl herrlicher Kränze geschmückt war.

Allgemeine Zeitung Nr. 294. München; Sonntag, den 23. Oktober 1898.

#Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903)

Aus der Ehe mit Constanze Le Gaye stammten zwei Söhne: Felix Dahn, der berühmte Gelehrte und Schriftsteller, den alle Welt als Dichter kennt und verehrt und Ludwig Dahn, geboren in München am 12. März 1843, der sich als Schauspieler einen guten Namen machte, von seiner Mutter und Sofie Schröder für die Bühne ausgebildet. Er war in Weimar 1860 bis 1864, am Berliner Hoftheater 1865–1873 (Antrittsrollen »Leopold« in »Anna Liese«, »Lionel« in »Die Jungfrau von Orleans« und »Bugslaff« in »Hans Lange«), in St. Petersburg 1874–1877 (Antrittsrollen »Gringoire«, »Uriel Aeosta«, »Beaumarchais« und »Mortimer«) und nahm 1878 Engagement am Münchener Hoftheater, wo er sich jedoch infolge einer schlimmen Halskrankheit, die die Schönheit und Kraft seiner Stimme zerstörte, mit einer Stellung zweiten Ranges begnügen mußte. Er wirkte daselbst bis zu seinem Tod (20. Oktober 1898).

Ludwig Eisenberg’s Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Leipzig, 1903.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Dahn Ludwig, 1843 (München) – 1898, Hofschauspieler; er, ein Bruder des berühmten Historikers und Schriftstellers Felix D., war in München Schüler F. Dingelstedts; 1861 wurde D. für das zweite Liebhaberfach an der Münchner Hofbühne engagiert; nach erfolgreichem Wirken am Berliner Schauspielhaus (1865) und später am kaiserlichen Deutschen Hoftheater in St. Petersburg (= Leningrad), wo er sich ein Halsleiden zuzog, kehrte er 1878 als »gesetzter Liebhaber« nach München zurück.

Hauptrollen: Schiller in Laubes »Karlsschüler«, »Bugslaff« in Paul Heyses »Hans Lange«, »Mortimer« und »Gringoire«; von Dingelstedt, Laube, Putlitz u. a. wurde der »Brakenburg« im »Egmont« als seine beste Rolle bezeichnet; D. hatte eine gute Figur und ein klassisches Profil.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#MR – SP – 1 – 23 (Eher)


Grab der Familie Eher auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

#MR – SP – 1 – 24·25 (Lottner)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Lottner, August; – 1889; Königlicher Kreiskassier

Grab der Familie Lottner auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

#MR – SP – 1 – 34 (Hutter)


Herr Josef Hutter,
Dr. beider Rechte
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Frau Anna Hutter
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Herr Franz Hutter
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Frau Therese Hutter
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Frau Marie Hutter
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  • Hutter, Anna (vh)
  • Hutter, Franz Xaver; – 8.5.1889 (München), 66 Jahre alt; Hauptmann
  • Hutter, Josef, Dr.; Jurist
  • Hutter, Marie (vh)
  • Hutter, Therese (vh)

Todesanzeige für Franz Xaver Hutter
Grab der Familie Hutter auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familie Hutter auf dem Alten Südfriedhof München (Januar 2021)