SECTION 6

rot: Zählrichtung der Grabreihen · schwarz: Zählrichtung der Grabnummern

#6 – 1 – 6* (Mangold · Zimmermann)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Mangold, Josef; – 28.1.1868 (München), 38 Jahre alt; Dekorationsmaler
  • Mangold, Sebastian; – 2.3.1883 (München), 71 Jahre alt; Dekorationsmaler
  • Zimmermann, Engelhard; – 22.4.1871 (München), 29 Jahre alt; Dekorationsmaler

Todesanzeige für Josef Mangold

Todesanzeige für Engelhard Zimmermann

Todesanzeige für Sebastian Mangold

Das Grab ist nicht erhalten


#Sebastian Mangold

† 2.3.1883 (München), 71 Jahre alt
Dekorationsmaler

#Münchener Tagpost (1.8.1839)

Sebastian Mangold
in
München

empfiehlt sich dem hohen Adel und verehrungswürdigen Publikum in Verfertigung aller Malereien, Vergolden, Lackiren und Anstreichen. Wohnt im Rosenthal Nro. 19 beim Conditor Wagner zu ebner Erde.

Münchener Tagpost No. 209. Donnerstag, den 1. August 1839.

#Münchener Tagblatt (16.9.1846)

Anzeige und Empfehlung.

Unterzeichneter beehrt sich einem hohen Adel und verehrlichen Publikum die ergebenste Anzeige zu machen, daß er seine bisherige Wohnung, Kaufingergasse Nr. 11, verlassen und dagegen jene,

Frauenstraße Nr. 5,

in der Nähe des Kartoffelmarktes am Reifenstuhel bezogen hat. Seinen hochverehrten Kunden für das bisher geschenkte Vertrauen vielmals dankend, verbindet er zugleich die Bitte, ihm ferner mit dessen werthen Aufträgen zu beehren, wogegen er sich stets bemühen wird, das Vertrauen seiner verehrten Kunden zu erhalten.

Sebastian Mangold, Maler

Münchener Tagblatt No. 256. Mittwoch, den 16. September 1846.

#Die Volksbötin (24.10.1850)

Der Unterzeichnete erklärt hiemit, daß der am 18. d. vom hiesigen Stadtgerichte wegen ausgezeichneten Diebstahles zu 8 Jahren Arbeitshaus verurtheilte Gewohnheitsdieb Sebastian Mangold weder mit ihm verwandt noch bekannt sei. Dieß um allen Verwechslungen vorzubeugen.

München, 23. Oktober 1850.

Sebastian Mangold,
Maler in der Frauenstraße Nro. 4.

Die Volksbötin Nro. 254. München; Donnerstag, den 24. Oktober 1850.

#6 – 1 – 9 (Petz)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Petz, Ida (vh) / Thierry (gb); – (30).3.1873 (München); Tänzerin
  • Petz, Ludwig; – 3.7.1873 (München); Photograph

Grab der Familie Petz auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2015)

#Ida Petz (vh) / Thierry (gb)

† (30).3.1873 (München)
Hofballetttänzerin

#Schwabinger Wochen-Anzeiger (21.11.1880)

Anzeige.

Die Unterfertigte erlaubt sich der verehrl. Einwohnerschaft anzuzeigen, daß am Sonntag den 21. Nov. bei Hrn. Waßmann (Kaffee Schöner) zwischen 11–3 Uhr bestimmte Anmeldungen für Tanz-Unterricht entgegengenomen werden.

Ida Petz, k. pens. Hoftänzerin.

Schwabinger Wochen-Anzeiger Nr. 47. Sonntag, den 21. November 1880.

#6 – 1 – 11·12 (Mathäser · Volk)


Linke Spalte
Herr Caspar Volk,
Regierungsmedizinalrat
geboren den 14. Oktober 1872
gestorben den 18. Mai 1926.
¿
Herr Ludwig Mathäser,
Privatier,
geboren den ¿. November 1826,
gestorben den 3. Oktober 1877.
Ihm folgte
seine ¿ Gattin, Frau
Mar¿ Mathäser,
¿ Volk
¿
geboren ¿ Januar 1835,
gestorben den 7. Februar 1891.
Therese Mathäser, † 1856.
Georg Mathäser, † 1874.

Rechte Spalte
Hier ruht ¿
treubesorgter Gatte ¿
Herr Caspar Volk
Privatier
geboren den 27. April ¿
gestorben den 15. Januar ¿
Ihm folgte seine Gattin
Frau Creszenzia Volk
geb. Schöner,
gest. den 18. Dezember 1908
im 59. Lebensjahre.
¿ folgte ¿ Sohn
mein lieber Gatte u. Bruder,
Herr Ludwig Volk,
prakt. u. Bahnarzt
gest. den ¿ November 1917
im ¿6. Lebensjahre.
Seiner Tante zur Seite
ruht unser Liebling
Karl Volk,
gestorben in der hl. Christnacht 1891
im 9. Jahre.
Unser heissgeliebtes Kind
Viktoria Volk,
gest. den 30. April 188¿ im 4. Jahre.

Sockel
Mathäser und Volk’sche
Familien Grabstätte.

H. Schn¿


  • Mathäser, Georg; – 6.9.1874 (München), 51 Jahre alt; Bierbrauereibesitzer zum »Bayerischen Löwen«
  • Mathäser, Ludwig; 11.1826 – 3.10.1877 (München); Privatier
  • Mathäser, Margaretha (vw) / Volk (gb); ¿.1.1835 – 7.2.1891 (München); Privatiers-Witwe
  • Mathäser, Therese; – 6.4.1856 (München), 62 Jahre alt; Milchmanns-Gattin
  • Volk, Karl; – 24.12.1891 (München), 8 Jahre alt; Privatiers-Sohn
  • Volk, Kaspar; 27.4.¿ – 15.1.¿; Privatier, ehemaliger Friseur
  • Volk, Kaspar, Dr. med.; 14.10.1872 – 18.5.1926 (München); Regierungsmedizinalrat
  • Volk, Kreszentia (vw) / Schöner (gb); – 18.12.1908; Tafernwirts-Tochter aus Schwabing / Friseurs-Witwe
  • Volk, Ludwig, Dr. med.; – (13).11.1917 (München), 46 Jahre alt; Praktischer Arzt und Bahnarzt
  • Volk, Viktoria; – 30.4.188¿, 3 Jahre alt

Todesanzeige für Georg Mathäser

Todesanzeige für Ludwig Mathäser

Todesanzeige für Karl Volk

Todesanzeige für Kaspar Volk

Grab der Familien Mathäser · Volk auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

#Dr. med. Ludwig Volk

† (13).11.1917 (München), 46 Jahre alt
Praktischer Arzt und Bahnarzt

#Generalanzeiger (16.11.1917)

Münchner Tagesneuigkeiten

München, 15. November
Bestattungen. Ein reich geziertes Grab im alten Südfriedhof nahm den praktischen Arzt Ludwig Volk auf. Philister des Korps »Bavaria«, Berufsgenossen und sonstige Trauernde betheiligten sich an der Beerdigung, bei der das altkatholische Pfarrgeleite die Einsegnung vollzog. Das Korps »Bavaria« ließ einen Kranz niederlegen. Dr. Volk war auch als Bahnarzt tätig.

Generalanzeiger Nr. 580. Gratisbeilage der Münchner Neuesten Nachrichten. Freitag, den 16. November 1917.

#6 – 1 – 18 (Odrich)


Herr Gottlieb J. Odrich
geb. 2. Juli 1858, gest. 29. Februar 1920.
Frau Therese Odrich, geb. Bloessl
geb. 28. Januar 1862, gest. 8. April 1920.
Zum Gedenken
Erna Odrich
1896 – 1981


  • Odrich, Erna [in memoriam]; 1896 – 1981
  • Odrich, Gottlieb Josef; 2.7.1858 – 29.2.1920 (München); Rentner, ehemaliger Wirt
  • Odrich, Therese (vh) / Bloessl (gb); 28.1.1862 – 8.4.1920 (München); Rentners-Witwe

Todesanzeige für Gottlieb Josef

Grab der Familie Odrich auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

#Gottlieb Josef Odrich

* 2.7.1858
† 29.2.1920 (München)
Rentner

#Münchner Neueste Nachrichten (2.3.1920)

Lokales
München, 1. März

Kurze Stadtnachrichten

Josef Odrich, der bekannte frühere Pächter und Inhaber der Gaststätte Bürgerbräu an der Kaufingerstraße, ist unerwartet im Alter von nahezu sechzig Jahren gestorben. Odrich war einer der tüchtigsten und erfolgreichsten Münchener Wirte. Nachdem er in England gewesen und früher hier das Café Alfons an der Rumfordstraße geführt, übernahm er vor etwa dreißig Jahren das neue Restaurant Bürgerbräu, das in den Geschäftsräumen, die Otto Landauer damals inne gehabt, eingerichtet worden war. Odrich, unterstützt von seiner überaus tüchtigen Frau, brachte diese bürgerliche Gaststätte zu hoher Blüte und verschaffte ihr einen weit über München hinausgehenden guten Ruf. Odrich konnte in dem Betrieb ein 25jähriges Jubiläum feiern, er war zuerst Pächter, dann Besitzer und schließlich wieder Pächter, nachdem die Brauerei von ihm das Anwesen nicht ohne einen sehr stattlichen Nutzen für ihn zurückgekauft hatte. Odrich zog sich vor einigen Jahren ins Privatleben zurück. Leider machten sich in der letzten Zeit bei Odrich die Spuren einer geistigen Erkrankung bemerkbar, in deren Folge sein Leben vorzeitig endete.

Münchner Neueste Nachrichten Nr. 91. Dienstag, den 2. März 1920.

#6 – 1 – 19·20 (Krieger)


KRIEGER
ROSALIE
1822 – 1889
ALOIS
1816 – 1897
MAX
1842 – 1904
BETTY
1845 – 1916


  • Krieger, Alois; 1816 – 1897
  • Krieger, Barbara (vw) / Staudt (gb); 1845 – 6.10.1916 (München), Tod durch Verkehrsunfall; Rentiers-Witwe
  • Krieger, Max; 12.5.1842 (München) – 7.10.1904 (München); ehemaliger Magistratsrat, Verwaltungsrat des Schlacht- und Viehhofes, Alpinist
  • Krieger, Rosalie; 1822 – 1889

Grab der Familie Krieger auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

#6 – 1 – 22·23 (Wild)


Grabstätte
der
Familie Wild.


  • Wild, Maria (vh); – Juni 1888 (München), 77 Jahre alt; Privatiers-Gattin

Grab der Familie Wild auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

#6 – 1 – 24·25 (Denzel · Fensterer)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Denzel, Eugen; – 23.6.1901 (Benediktenwand), 23 Jahre alt, Tod durch Bergunfall; Kaufmann
  • Fensterer, Johann Balthasar; – 28.8.1838 (München), 43 Jahre alt; Regenschirmfabrikant
  • Fensterer, Philipp; – 3.10.1830 (München), 32 Jahre alt; Regenschirmfabrikant

Grab der Familien Denzel · Fensterer auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2015)

#Eugen Denzel

† 23.6.1901 (Benediktenwand), 23 Jahre alt, Tod durch Bergunfall
Kaufmann

#Münchner Neueste Nachrichten (27.6.1901)

Alpine Zeitung.

Vermißte Touristen. Seit Montag werden, wie schon kurz im Vorabendblatt mitgetheilt, zwei Touristen, die Herren Stein und Denzel aus München, vermißt. Die beiden Herren wollten am Sonntag die Benediktenwand besteigen und zwar von Benediktbeuern aus, wohin sie auch zurückkehren wollten, und hatten einen Theil ihrer Sachen in der Post zurückgelassen. Beide Touristen sind weder dorthin noch nach München zurückgekehrt, so daß Beiden ein Unfall zugestoßen zu sein scheint. Eine Rettungsexpedition ist sofort abgesandt. Leider ist die Meldung über die Vermißten erst sehr spät – am Mittwoch Morgen – dem Alpinen Rettungsausschuß München zugestellt. Es wird darauf hingewiesen, daß es unbedingt nöthig ist, in Fällen, wo Touristen vermißt werden, sofort dem Rettungsausschuß Anzeige zu erstatten, um ein rechtzeitiges und wirksames Eingreifen zu ermöglichen. Meldungen sind an den Vorsitzenden, Herrn Stege, Rottmannstraße 23/I oder in dessen Abwesenheit an die Freiwillige Sanitätskolonne München zu richten, die die Meldung sofort weiter befördert.

Münchner Neueste Nachrichten No. 294. Donnerstag, den 27. Juni 1901.

#Münchner Neueste Nachrichten (28.6.1901)

Alpine Zeitung.

Das Touristen Unglück an der Benediktenwand.

Benediktbeuern, 27. Juni, 9 Uhr Vorm. (Privattelegr.) Die beiden vermißten Touristen wurden todt an der Benediktenwand gefunden.

Das Nachrichtenbureau meldet ausführlich: Die beiden Touristen – es sind die Herren Max Stein, Beamter der städtischen Sparkasse, 24 Jahre alt, und Herr Eugen Denzel, Kaufmann, 22 Jahre alt, Beide ledig, Beide aus München – verließen am Samstag Nachmittag München mit der Isarthalbahn. Abends halb 10 Uhr kamen sie in Benediktbeuern an, wo sie auf der Post übernachteten. Am Sonntag um 6 Uhr Morgens traten sie den Aufstieg zur Benediktenwand an, einem 1786 Meter hohen Berge, der, auf den gewöhnlichen Wegen begangen, als vollständig gefahrlos gelten muß. Die Beiden waren gut ausgerüstet; von diesem Standpunkt aus hätten sie sogar eine Hochtour unternehmen können. Herr Denzel hatte vor dem Abgang in der Post seine Stadtkleider mit einem praktischen Sportskostüm vertauscht, während Herr Stein einen Lodenanzug trug. Herr Denzel ließ seine entbehrlichen Gebrauchs- und Werthgegenstände auf der Post in Benediktbeuern zurück. Auf der Hausstätter Alm hatte die dortige Wirthin, Frau Streidl, die Herren darauf aufmerksam gemacht, daß von der Alm aus, außer dem gefahrlosen Weg, der von da aus nach rechts abzweigend und die nördliche Wand vollständig umgehend, auf das Hochplateau führt, auch über die nördliche Wand, die sehr steil abfällt, ein Aufstieg, direkt zum Gipfel möglich sei. Diese nördliche Wand, die einen grotesken Anblick bietet und dem Berg eigentlich den Namen gibt, fällt zur Hausstätter Alm jäh herab. Die Wand ist einige hundert Meter hoch. Ein eigentlicher Weg führt dort nicht hinauf, sondern es lassen sich nur Felsrinnen und Ritzen, deren Passiren gute Kletterer erfordert, zum Aufstieg benutzen. Von den Mitgliedern der Sektion Bayerland und anderen Münchner Touristen wurde dieser Weg schon oft gemacht. Der Senner der Hausstätter Alm, Streidl, genannt der »Hausstätter Toni«, erzählt mit Vorliebe, daß für ihn gar nichts dabei sei, da hinaufzugehen und daß er gegen eine gute Belohnung schon Verschiedene hinaufgeführt habe.

Die beiden Münchner Herren wählten den kühneren Aufstieg, der gerade zum Kreuz hinauf führt. Von Besuchern der Hausstätter Alm, die am Sonntag, ebenso wie die von der Bevölkerung viel erstiegene Benediktenwand fast immer Gäste hat, wurden die beiden Münchner mit Feldstechern bei ihrer Kletterpartie noch lange beobachtet. Ihrer Geschicklichkeit ward manches Lob gespendet. Oberhalb einer kritischen Stelle, die gewöhnlich nur mit Seil passirt wird, die die Herren aber ohne die Anwendung eines solchen nahmen, wurden die Beiden nicht mehr gesehen.

Nachdem die Herren am Dienstag Mittag noch nicht nach Hause gekommen waren, wo sie sicher erwartet wurden, geriethen ihre Angehörigen in eine begreifliche Unruhe. Sie dachten an die Möglichkeit eines Unfalls, und die Nothwendigkeit, die Spur der Ausgebliebenen zu verfolgen. Herr Denzel hatte an eine befreundete Familie von Benediktbeuern aus eine Ansichtskarte geschrieben, deren Inhalt für die zu beginnende Suche den Angehörigen Anhaltspunkte bot. Der Bruder des Herrn Denzel, Herr Hugo Denzel – allen Gästen des Vereins »Thespis« wohlbekannt –machte sich mit seinem Freunde, Herrn Hans Baumeister, der wie er Berufsschauspieler ist, sofort auf den Weg nach Benediktbeuern. Die beiden Herren, die ebenso wie die Abgängigen passionirte Bergsteiger sind, führten am Mittwoch Früh 3 Uhr einen Aufstieg auf dem gleichen Wege aus, den die Vermißten begangen hatten. Der Hausstätter Toni begleitete sie und leistete den Suchenden durch seine Kühnheit und Ortskenntniß schätzbare Dienste. Oberhalb der erwähnten gefährlichen Stelle wurde aus einem unter dem Grat sich hinziehenden Grasstreifen die verlorene Spur wieder aufgegriffen, aber, obwohl man bis 7 Uhr Abends alle Schluchtenwinkel auf der Nordseite abgesucht hatte, fanden sich keine Anhaltspunkte, die dort für die Anwesenheit der Abgängigen gesprochen hätten.

Am gleichen Tage, am Mittwoch Abends, brachen die Herren Mader und Camelly aus München als Mitglieder des Alpinen Rettungs-Ausschusses auf, denen sich aus Benediktbeuern die Bauerssöhne Gebrüder Bacher anschlossen.

Heute Donnerstag, Früh 3 Uhr, ist von der Hausstätter Alm die Alpine Rettungsgesellschaft auf dem gleichen Weg, wie ihn die Vermißten zur Spitze der Benediktenwand genommen hatten, aufgebrochen. Um halb 5 Uhr Früh konnte man mit Hilfe von Ferngläsern von Benediktbeuern aus die Leute in den Felsensteigen ganz genau beobachten. Sie hatten Vormittag 10 Uhr die bereits geschilderte gefährliche Stelle überschritten. Von den Verwandten des Herrn Stein sind auch die Mutter und ein Onkel desselben in Benediktbeuern angekommen. Heute Donnerstag, Früh 4 Uhr, ging eine neue Rettungs-Expedition ab: der Kaufmann Stein und der Hausbesitzer Schuster von Bichel, Letzterer ist ebenfalls ein Verwandter des Herrn Stein, die das untere Terrain absuchen. Gegen 8 Uhr Früh gingen die Herren Hugo Denzel und Hans Baumeister abermals auf den Berg, um neuerliche Suchen vorzunehmen.

Ueber die Einzelheiten der Auffindung muß der Telegraph erst noch nähere Kunde bringen.

Unmittelbar vor Schluß des Blattes meldet uns noch ein Privattelegramm:
Beide Leichen wurden etwa 500 Meter unterhalb des sogenannten Kamins gefunden, wo die Touristen vermuthlich abstürzten. Den Gipfel erreichten sie nicht. Die Leichen werden heute geborgen und nach München verbracht.

Münchner Neueste Nachrichten No. 295. Freitag, den 28. Juni 1901.

#Münchner Neueste Nachrichten (28.6.1901)

Alpine Zeitung.

Benediktbeuern, 27. Juni. Die Leichen der verunglückten Touristen Stein und Denzel wurden heute Nachmittag hieher verbracht, nachdem sie unter Führung der Mitglieder des Alpinen Rettungs-Ausschusses, Herren Mader und Camelly, unter ungemein schwierigen Umständen geborgen worden waren. Die Leichen liegen in der Todtenhalle des Krankenhauses und werden morgen nach München verbracht.

Münchner Neueste Nachrichten No. 296. Freitag, den 28. Juni 1901.

#Münchner Neueste Nachrichten (29.6.1901)

Alpine Zeitung.

Das Touristen-Unglück an der Benediktenwand.

Wie von uns bereits kurz mitgetheilt wurde, hat man die beiden Münchner Touristen, die am Sonntag auf die Benediktenwand steigen wollten, Donnerstag, Vormittag, todt in den Nordwänden aufgefunden. Ueber den Verlauf der zu ihrer Auffindung entsandten Expedition des Alpinen Rettungsausschusses München vermögen wir Folgendes mitzutheilen:

Am Mittwoch, Mittag, erst war der Rettungsausschuß verständigt worden, daß zwei Münchner Herren, der Kaufmann Eugen Denzel und der Beamte der Städtischen Sparkassa Max Stein, seit ihrem Aufstieg auf die Benediktenwand vermißt werden. Auf Veranlassung des derzeitigen Vorsitzenden des Rettungsausschusses Herrn Ingenieur Stegl (Sektion Oberland) begaben sich sofort Herr Camelly (Alpenvereinssektion Oberland) und Herr Mader (Turneralpenkränzchen), Beide sehr tüchtige und erprobte Alpinisten, am Nachmittage des 26. Juni noch nach Benediktbeuern und stiegen am gleichen Tage noch mit den Bauerssöhnen Johann und Josef Bacher von dort, zwei kräftigen, schneidigen und gewandten Burschen, zur Hausstattalm empor, wo sie Abends gegen 8 Uhr anlangten. Da die Zeit schon zu weit vorgerückt war, mußte von dem weiteren Aufstieg Abstand genommen und in der Alm übernachtet werden. Früh Morgens um halb 5 Uhr brach die Expedition zu ihrem schweren und gefahrvollen Tagewerke auf. Von dem Senner der Hausstattalm Anton Streidl hatten sie zuvor noch erfahren, daß er mit Herrn Schauspieler Baumeister und dem Bruder des Herrn Denzel die Nordwände wiederholt ohne Erfolg abgesucht habe. Es sei umsonst, meinte der Senner, wenn die Herren da hinaufstiegen. Die Theilnehmer an der Expedition faßten darum anfangs den Entschluß, die östlich gegen Lenggries und das Isarthal zu liegenden Probstwände abzusuchen. Eine andere Erwägung hielt sie – zum guten Glücke – davon ab. Auf ihre weiteren Erkundigungen erfuhren sie nämlich, daß die beiden Touristen sich nicht in das Gipfelbuch eingetragen hatten. Das hätten aber diese, da sie jugendliche Leute waren, bei denen der alpine Ehrgeiz eine nicht geringe Rolle spielte, gewiß nicht unterlassen, wenn sie den Gipfel auf dem von ihnen eingeschlagenen Wege erreicht hätten und dann über die Probstwände abgestiegen wären. Man beschloß also lieber nochmals genau die steilen Nordhänge, auf denen man die Beiden bis etwa 80 Meter unterhalb des Gipfels hatte emporklettern sehen, abzusuchen. In den Wänden theilte sich die Expedition, um ein größeres Terrain überschauen zu können. Nach etwa l½stündigem Steigen rief plötzlich Johann Bacher Herrn Camelly, der unweit von ihm kletterte, zu, er sehe einen Wettermantel am Boden liegen. Sogleich wurde die Richtung auf das Fundstück zu genommen. Johann Bacher gewahrte nun gleich beim Näherkommen, daß das betreffende Objekt kein Wettermantel, sondern eine hinten aufgeschlagene Joppe war, die, wie er auch alsbald erkannte, theilweise einen menschlichen Körper verbarg. Die bange Vermuthung war zur Thatsache geworden. Sie hatten den einen der beiden Vermißten – Denzel – als Leiche vor sich. Er lag am Ende eines schmalen Grasbandes unterhalb eines Felsblockes wie eine Kugel zusammengerollt, den Kopf zwischen den Knien haltend. Die Kleider waren stark zerrissen, doch wies der Körper äußerlich nicht eben starke Verletzungen, außer Hautabschürfungen und einigen Wunden am Kopfe, auf. Weiter oben wurde einer seiner Bergschuhe gefunden, der ihm infolge des Sturzes mit großer Gewalt vom Fuße gestreift worden sein mußte. Die Leiche Denzels lag unmittelbar am Rande einer jäh zur Hausstattalm abfallenden Wand. Wäre der Körper weiter geglitten, so wäre er direkt auf die Almwiesen heruntergeschleudert worden. Denzel mußte jedenfalls schwere innere Verletzungen erlitten haben. Nun stand wohl fest, daß auch Herr Stein nur mehr als Leiche gefunden würde. Auf das Rufen der vier Touristen war Senner Streidl nachgekommen und mit diesem vereint wurden die Nachforschungen fortgesetzt. Etwa ¾ Stunden später, genau 80 Meter höher wurde Stein ebenfalls todt aufgefunden. Er lag mit der rechten Gesichts- und Brustseite eng an einen eine schmale Steinrinne abschließenden Felsblock gedrückt, die Hände hatte er um den Felsen gekrampft. Auf dem Rücken lagen ihm Steine, die nachgekollert waren. Seine Leiche war gräßlich verstümmelt. Die Füße waren so zerschmettert daß überall Knochensplitter zu Tage traten. Die rechte Gesichtsseite, ein Theil der Gehirnschale und der Brustkorb waren vollständig eingedrückt. Steins Tod mußte augenblicklich erfolgt sein. Streidl wurde am Seile zu dem Orte hinuntergelassen, wo die Leiche lag und er hüllte diese in eine mitgebrachte Decke ein. Steins Uhr war vollständig abgelaufen und ganz unversehrt. Sie zeigte auf ¾2 Uhr. Unter ungemein großen Schwierigkeiten und Gefahren, – bald mußten die Leichen an den Seilen an den Wänden hinauf, dann wieder hinunter gelasten werden – ging der Transport der Verunglückten vor sich. Auf besserem Terrain wurden die Leichen an Stangen gebunden und unter Beihilfe von Studierenden, die eine Tour auf die Benediktenwand unternommen hatten, sowie zweier Herren aus Benediktbeuern zur Hausstatt-Alm getragen, wo die Expedition um 10 Uhr Vormittags anlangte. Dort wurden die Leichen im Stalle niedergelegt, umgeben von Alpenrosen und anderem Blumenflor, den die Anwesenden für sie in sinniger Pietät gepflückt hatten. Nach zweistündigem Aufenthalte wurden die Leichen wieder auf Stangen zur Eiblshütte gebracht, wo der Bruder des Herrn Denzel und Herr Baumeister den traurigen Zug erwarteten. Hier bettete man die Leichen auf einen inzwischen durch Johann Bacher aus Benediktbeuern besorgten Wagen, der ganz in ein grünes Gewand von Tannenzweigen und Farrenkraut gehüllt war. Um 3⅜ Uhr langte man in Benediktbeuern an, wo die Leichen in das Krankenhaus zur Vornahme der Todtenschau und Erledigung der anderen Formalitäten geschafft wurden. Heute Nachmittag werden sie nach München übergeführt. Denzel wird auf dem südlichen Friedhofe beerdigt, da seine Familie dort ein Familiengrab besitzt.

Ueber die Höhe der Fundstelle und die vermuthliche Ursache des Absturzes möchten wir Folgendes bemerken. Die Benediktenwand hat eine Höhe von 1802 Meter, die Hausstatt-Alm liegt 1326 Meter hoch. Die Stelle, an welcher die Leichen gefunden wurden, liegt etwa 300 Meter über der Alm. Da die Verunglückten, wie oben bemerkt noch 80 bis 100 Meter unterhalb des Gipfels gesehen wurden, sind sie etwa 100 Meter tief abgestürzt. Ueber die Ursachen des Unglücks lassen sich nur Vermuthungen aufstellen. Die eine geht dahin, daß Stein, der nur Schnürstiefel mit sehr glatter ungenagelter Sohle trug, im Gestein ausrutschte und den unten nachkletternden Denzel, der allein gut ausgerüstet war, im Falle mit hinunterriß. Man glaubt auch, daß Beide von einem Rastplatze, auf dem sie frühstückten, abstürzten, da Denzel seine Joppe, die er beim Steigen stets abgelegt hatte, am Leibe trug. Die dritte Annahme – die die meiste Wahrscheinlichkeit für sich hat –, ist die, daß die Beiden, die bis zum Kamin den richtigen Weg innehielten, dort aber dann zu weit links abkamen, in großer Nähe das hell blinkende Kreuz des Gipfels vor sich sahen und sich dadurch verleiten ließen, den Weg, statt rechts um das Plateau abzubiegen, direkt anzugehen. Die dort noch vorliegende ungemein steile und gefährliche Wand ist ihnen dann zum Verhängniß geworden.

Zur Korrektur des ersten, vom »Nachrichtenbureau« stammenden Berichtes möchten wir konstatiren, daß der Senne Streidl am vergangenen Samstag vor acht Tagen zum ersten Male auf der Hausstätter-Alm war, und daß die Wirthin den beiden jungen Leuten entschieden abgerathen hat, die Tour in der beabsichtigten Weise zu machen. – Bis jetzt wurden Hut, Stock und Rucksack der beiden Verunglückten nicht gefunden.

Münchner Neueste Nachrichten No. 297. Samstag, den 29. Juni 1901.

#Allgemeine Zeitung (30.6.1901)

Bayerische Chronik.

München, 29. Juni.

Die Beerdigung der abgestürzten Touristen Denzel und Stein hatte heute eine tausendköpfige Menschenmenge nach dem südlichen Friedhof geführt. Der Mittelgang war der ganzen Länge nach mit Seilen abgesperrt, hinter denen die Erschienenen Posto gefaßt hatten, ebenso waren die beiden prächtig geschmückten Grabstätten im weiten Bogen abgesperrt. Um 4 Uhr wurde der Kaufmann Eugen Denzel zu Grabe getragen. Vor dem Sarge schritt die Geistlichkeit von St. Ludwig, während hinter demselben der schwergeprüfte Vater mit den beiden Brüdern des Verstorbenen folgte. Weiter befanden sich im Leichenzuge die dramatische Gesellschaft »Thespis« in corpore, eine Deputation des Männer-Turnvereins die Bediensteten der Wiener Lampenfabrik und viele sonstige Leidtragende. Der amtirende Geistliche wies in erhebenden Worten auf die schwere Katastrophe hin, die zwei blühende Menschenleben dahingerafft, die, um dem Alltagsleben der Großstadt zu entrinnen, die herrliche Alpenwelt aufsuchten und durch ein kühnes Wagniß ihren Tod fanden, die Eltern in schwerster Betrübniß zurücklassend. Fortfahrend richtet er an die wagemuthigen Bergsteiger die Bitte, bei Ersteigen von schroffen Klippen und Felsen der Ihrigen zu gedenken und ihr Leben nicht unnöthig aufs Spiel zu setzen. Eine halbe Stunde später trug man seinen Freund Max Stein, der mit ihm das Schicksal getheilt hat, zu Grabe. Hier folgten dem Sarge die Brüder des Verstorbenen, die Beamten der städtischen Sparkasse, bei welcher der Verunglückte angestellt gewesen war, mit ihren Vorständen eine Deputation des R. C. Jugend und die bei der vorgenannten Beerdigung bereits betheiligten Korporationen. An beiden Grabstätten legte Hr. Philipp Denzel namens der Vorstandschaft der dramatischen Gesellschaft »Thespis« je einen prachtvollen Kranz unter warmen Nachrufen nieder; auch sonst wurden zahlreiche Kranzspenden gewidmet. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung war das gesammte dienstfreie Personal der Münchener Friedhöfe aufgeboten.

Allgemeine Zeitung Nr. 179. München; Sonntag, den 30. Juni 1901.

#Münchner Neueste Nachrichten (2.7.1901)

Lokales.

München, 1. Juli.

Die auf der Benediktenwand verunglückten Münchner Touristen, der 23jährige Kaufmann Herr Eugen Denzel und der 24 Jahre alte Beamte der städtischen Sparkasse, Herr Max Stein, wurden am Samstag Nachmittags im südlichen Friedhofs beerdigt. Es waren Jugendfreunde, Beide als Söhne angesehener Familien in München geboren und erzogen. Gleiche Neigungen hatten sie vereint. Beide waren warme Verehrer der dramatischen Kunst, Beide Jünger der edlen Turnerei, Freunde der freien, frischen Natur und des männlichen Bergsports, dessen Opfer sie wurden. Der Tod hatte sie in der ersten, schönsten Blüthe des Lebens gemeinsam überrascht; er hatte sie getrennt und er vereinte sie wieder. In demselben Friedhofe, nahe bei einander, zu derselben Stunde, unmittelbar nach einander, wurden die gräßlich verstümmelten Ueberreste, die vor Kurzem noch warm pulsirendes Leben und strotzende Jugendkraft bargen, der Erde übergeben. In dichten Schaaren waren Vertreter aller Stände gekommen, getrieben von den Gefühlen der Liebe, Freundschaft und Theilnahme. Nicht nur die beiden Gräber, die liebende Hände mit Sorgfalt geschmückt hatten, auch die Wege, die der Trauerzug beschritt, mußten vor dem Andrange der Menge abgesperrt werden. Die Leiche Denzels, den die Eltern, zwei Brüder und eine Schwester betrauern, segnete Stadtpfarrkooperator Uffinger von St. Ludwig ein. Er gab mit ergreifenden Worten eine kurze Schilderung des Unglücksfalles und richtete das warnende Wort an die Bergtouristen, in ihren Unternehmungen nicht zu kühn zu sein. Nur die höchsten und heiligsten Rücksichten dürften den Menschen bestimmen, sein Leben auf ein gefährliches, wagnißvolles Spiel zu setzen. Doch, ob Unglück oder allzu kühnes Wagen, hier, am Grabe, könne nur der tiefsten Trauer Ausdruck gegeben werden, der Trauer um den Jüngling, der ausgezogen war, um den Jugendmuth in kühnem Aufstieg zu erproben und, erquickt von den Reizen der Gebirgswelt, wieder heimzukehren zur Pflicht, jedoch ein jähes, beklagenswerthes Ende fand, und der Trauer um die schwergeprüfte Familie, die unerwartet einen hoffnungsvollen Sohn verloren. Der dramatische Verein Thespis ließ durch seinen ersten Vorstand einen Kranz am offenen Grabe niederlegen. Weitere Kränze hatten unter Anderen die (mitbetroffene) Familie Stein, der Prinzipal des Verstorbenen, das Personal der Firma R. Ditmar, der Männerturnverein München und der »V. E. R.« gewidmet.

Am Grabe des Herrn Stein trauerten dessen Mutter, eine Lehrerswittwe, und ebenfalls zwei Brüder und eine Schwester. Der amtirende Geistliche, Kooperator Billmeier der Heiligen Geistpfarrei, hielt eine wahrhaft erhebende Grabrede. »Ferne sei es von uns, an dieser Stelle einen Tadel auszusprechen. Nicht ohne Erfahrung und nicht ohne Vorsicht ist er der Gefahr entgegen gegangen. Es ist eben ein Unglück geschehen. Seine Stunde hatte geschlagen… Ein geheimnißvoller Reiz liegt in der Bergnatur, wer ihre Schönheit gekostet und genossen, der mag sie fernerhin nicht mehr ganz entbehren. Die Liebe zur Natur ließ den Verstorbenen oft Erholung in den Bergen suchen; er suchte Erholung nicht in den berauschenden Freuden der Sinnlichkeit, sondern in den reinen Freuden der Natur«… Auch Steins Andenken weihte der dramatische Verein Thespis durch seinen ersten Vorstand eine Kranzspende. Die Beamten der städtischen Sparkasse, die vollzählig anwesend waren, der Männer-Turn-Verein München und der R.-K. »Jugend« hatten Kränze niederlegen lassen. Lange, sehr lange, währte es, bis der Letzte der Leidtragenden an's Grab gelangen konnte, um als letzte Ehrenbezeigung Erde auf den Sarg zu schütten.

Münchner Neueste Nachrichten No. 300. Dienstag, den 2. Juli 1901.

#Münchner Neueste Nachrichten (20.7.1901)

Alpine Zeitung.

Zum Unglück auf der Benediktenwand. Die bei der Auffindung der Leichen der an der Benediktenwand verunglückten Herren Denzel und Stein vermißten Ausrüstungsstücke, Rucksäcke und Hüte, sind nunmehr von mehreren Sennern, darunter dem bekannten Streidl von der Hausstätteralm, aufgefunden worden. Die Gegenstände lagen so, als ob sie von den Touristen weggelegt und nicht etwa im Sturze verloren worden wären. Dies läßt die Schlussfolgerung zu, daß die beiden Verunglückten nach einer kurzen Rast wohl merkten, daß sie sich an einer kritischen Stelle befanden; sie versuchten wohl zunächst unter Zurücklassung dieser Gegenstände aufwärts zu klettern und sind dabei abgestürzt.

Münchner Neueste Nachrichten No. 332. Samstag, den 20. Juli 1901.

#Münchner Neueste Nachrichten (13.9.1901)

Alpine Zeitung.
Nachrichten aus deutschen, österreichischen, und schweizerischen Bergen, Kurorten, Sommerfrischen und Bädern.

Beim Bergsteigen verunglückt.

Es sind jetzt volle vier Monate, seit zu Ende der ersten Maiwoche, frühzeitiger als sonst üblich, die ersten Hiobsposten über Abstürze mit tödtlichem Ausgange hier eintrafen, und wenn man heute die Liste der Verunglückten – es sind heuer 57, darunter drei Bergsteigerinnen – überblickt und den eigentlichen Ursachen der Unfälle nachgeht, so findet man, daß der Wagemuth und auch oft die Selbstüberschätzung der jüngeren Männerwelt, und ferner, daß schlechte Ausrüstung und noch weit mehr das führerlose Inangriffnehmen ungenügend gekannter Berge die eigentlichen Anlässe zum schrecklichen Ende sind. Erschreckend ist, wie oft heuer das Suchen schöner Alpenblumen den Bergsteigern zum Verderben wird: nämlich in 15 Fällen (= 26 pCt. aller Todesfälle durch Absturz), und zwar wird das Suchen nach Edelweiß neunmal als Veranlassung des Unglückes genannt.

Im Mai verunglückten in den Schweizer, deutschen und österreichischen Bergen 3 Bergsteiger: ein Innsbrucker Harrasser beim Aurikelsuchen am Solstein, der Württemberger Gmähle (Schorndorf) am Pilatus, der Grazer Techniker Schöckel botanisirend am Schöckel.

Der Juni nennt 7 Verunglückte: Tischler Schalck (Hallein) am Untersberg, wo er »Gamsbleamln«, Aronicum glaciale, suchte; die Münchner Stein und Denzel an der Benediktenwand, und Wilfart am Kapuzinerberg bei Salzburg; ein Hannoveraner Ed. Karsten im Kötschachthal; die Bozener Kauer und Schrott am Grasleitenthurm im Rosengarten.

Im Juli sind 22 Todesfälle beim Bergsteigen zu verzeichnen: Bahndirektor Preyer aus Steyr an der Ostwand des Lugauer; die Grazer Greiner und Handlos beim Blumenpflücken am Hochlantsch; die Wiener Bankbeamten Lindenfeld und Schmör am Tepla in der Tatra; der Laibacher Beamte Dr. Jan am Bratsoljefels auf der Kleckalpe; Dr. Wilhelm (Wien) und der Gschnitzer Führer Amors fallen infolge eines Blitzschlages vom Tribulaun ab; am Schwarstein in Oberkärnten erstürzt Hohenwarter aus Greifenberg; am Ifinger vor den Augen seines Bruders der Meraner Tischler Ferai, und am Stol in den Karawanken beim Blumensuchen Kralj aus Unterpörjach – sämmtlich Oesterreicher. Am Untersberg fällt der Schellenberger Müller Kronawittvogel von der Hammerstielwand ab. In der Schweiz stürzt Kaufmann Kießling (Winterthur) durch Einschlagen des Blitzes in eine Wand des Brienzer Rothhorns ab, dann in der Westschweiz ein Herr aus Vevey auf einer nächtlichen (!) Besteigung des Mouveran; ein Herr aus Territet am Rocher de Raye; Jakob Müller aus Zürich am Scalettapaß; Edelweißsammler Herrle auf der Grütschalp; ein Engländer am Biberg bei Kandersteg; eine Miß Bell und Mister Black nach gelungener Bezwingung des Matterhorns, als die Miß beim Jauchzen auf dem Eis ausglitt und den Mister mit hinabriß… Auf der Sultzfluh im Rhätikon fällt sich Dr. Schwarzbach aus Dresden beim Abfahren über den Schnee zu Tode. Am Belchen verunglückt ein Dr. Emden.

Im August fanden in den Alpen 21 Fremde und Einheimische, darunter acht — und zwar lauter Einheimische, nämlich 6 Oesterreicher und 2 Schweizer — beim Edelweißsammeln, den Tod; Zwei davon waren Senner und zwei Andere Bauernjungen, die sämmtlich das Edelweiß zu verkaufen suchten; geradezu erschütternd aber ist der Absturz der 13jährigen muthigen Marie Döttl, welche ihr eigener Vater am Hohen Göhl in die Wände des sogenannten Wilden Freithof hinabseilt, an denen sie wegen Reißens des Seiles zerschmettert wurde. Sonst fielen ab: am Kitzsteinhorn Kaufmann Steinzinger (Linz); Fabrikantenssohn Finger aus Erfurt am »Geleit« im Oetzthal; ein junger Lehrer aus Telfs an der Hohen Munde; der Innsbrucker Landesschütz Mayr im Wippthal; Professor Odörfer (Preßburg) an der Ezerna Pascht (am »schwarzen Finger« in der Triglab-Gruppe); Gg. Peuringer (Wien) im Höllenthal an der Rax vor den Augen seines Bruders; der Bauernsohn Fz. Stocker am Höchstein (Dachsteinmassiv); am Wilden Frieger Privatier Donner aus Wien: ferner am Schlern Pfarrer Harster (Nürnberg) (Herzschlag infolge der Ueber-anstrengung). In der Schweiz verunglückte der Mailänder Gugelloni am Piz Rosetsch (Berninastock); Bankbeamter Porchet in Genf an der Aiguille du Tacul; in Davos und im Kanton Freiburg je ein 17jähriger Edelweißsucher; am Abendberg bei Interlaken Fabrikant Matter aus Mannheim; am Oberbaum am Vierwaldstättersee Schriftsetzer Hurschler (Luzern); am Pilatus Pastor Stengel aus Bernau bei Potsdam. Am Hochkönig bei Werfen erfror ein unbekannter Tourist; in der »Kleinen Fleuß« am Sonnblick in Kärnten fiel ein bisher unbekannter Tourist in eine Gletscherspalte. Von den 21 Opfern des Monats August sind 11 Oesterreicher, 3 Schweizer, 1 Italiener und 6 Deutsche.

Im September verunglückten in der ersten Woche 4 Alpinisten: an der Riffelwand stürzte Ingenieur Brandes, welcher die Aufstellung der Apparate für drahtlose Telegraphie vom Eibsee zum Zugspitzhaus besorgt hatte, gegen das Höllenthal hinab; an der Croda di Lago (»Seewand«) bei Ampezzo fiel der englische Archidiakon Pelham Burn, wahrscheinlich von einem Herzschlag gerührt, an sonst ungefährlicher Stelle ab; am Beguntschigg bei Laibach erstürzte sich ein Gutsbesitzer, und am Gotthard fiel, bei einer führerlosen Streife über den Schloßberggletscher, eine bis jetzt nicht genannte Engländerin in eine Spalte und erfror.
Bemerkenswerth an dieser Todtenliste ist u. A. auch, daß kein Student, kein Offizier und nur ein einziger Bergführer darinsteht, dagegen je 3 vom geistlichen Stande und Lehrfach, und mindestens 7 Bankbeamte und Kaufleute, 3 Ingenieure und Techniker und 2 Aerzte.

Der Juni nennt 7 Verunglückte: Tischler Schalck (Hallein) am Untersberg, wo er »Gamsbleamln«, Aronicum glaciale, suchte; die Münchner Stein und Denzel an der Benediktenwand, und Wilfart am Kapuzinerberg bei Salzburg; ein Hannoveraner Ed. Karsten im Kötschachthal; die Bozener Kauer und Schrott am Grasleitenthurm im Rosengarten.

Im Juli sind 22 Todesfälle beim Bergsteigen zu verzeichnen: Bahndirektor Preyer aus Steyr an der Ostwand des Lugauer; die Grazer Greiner und Handlos beim Blumenpflücken am Hochlantsch; die Wiener Bankbeamten Lindenfeld und Schmör am Tepla in der Tatra; der Laibacher Beamte Dr. Jan am Bratsoljefels auf der Kleckalpe; Dr. Wilhelm (Wien) und der Gschnitzer Führer Amors fallen infolge eines Blitzschlages vom Tribulaun ab; am Schwarstein in Oberkärnten erstürzt Hohenwarter aus Greifenberg; am Ifinger vor den Augen seines Bruders der Meraner Tischler Ferai, und am Stol in den Karawanken beim Blumensuchen Kralj aus Unterpörjach – sämmtlich Oesterreicher. Am Untersberg fällt der Schellenberger Müller Kronawittvogel von der Hammerstielwand ab. In der Schweiz stürzt Kaufmann Kießling (Winterthur) durch Einschlagen des Blitzes in eine Wand des Brienzer Rothhorns ab, dann in der Westschweiz ein Herr aus Vevey auf einer nächtlichen (!) Besteigung des Mouveran; ein Herr aus Territet am Rocher de Raye; Jakob Müller aus Zürich am Scalettapaß; Edelweißsammler Herrle auf der Grütschalp; ein Engländer am Biberg bei Kandersteg; eine Miß Bell und Mister Black nach gelungener Bezwingung des Matterhorns, als die Miß beim Jauchzen auf dem Eis ausglitt und den Mister mit hinabriß… Auf der Sultzfluh im Rhätikon fällt sich Dr. Schwarzbach aus Dresden beim Abfahren über den Schnee zu Tode. Am Belchen verunglückt ein Dr. Emden.

Im August fanden in den Alpen 21 Fremde und Einheimische, darunter acht — und zwar lauter Einheimische, nämlich 6 Oesterreicher und 2 Schweizer — beim Edelweißsammeln, den Tod; Zwei davon waren Senner und zwei Andere Bauernjungen, die sämmtlich das Edelweiß zu verkaufen suchten; geradezu erschütternd aber ist der Absturz der 13jährigen muthigen Marie Döttl, welche ihr eigener Vater am Hohen Göhl in die Wände des sogenannten Wilden Freithof hinabseilt, an denen sie wegen Reißens des Seiles zerschmettert wurde. Sonst fielen ab: am Kitzsteinhorn Kaufmann Steinzinger (Linz); Fabrikantenssohn Finger aus Erfurt am »Geleit« im Oetzthal; ein junger Lehrer aus Telfs an der Hohen Munde; der Innsbrucker Landesschütz Mayr im Wippthal; Professor Odörfer (Preßburg) an der Ezerna Pascht (am »schwarzen Finger« in der Triglab-Gruppe); Gg. Peuringer (Wien) im Höllenthal an der Rax vor den Augen seines Bruders; der Bauernsohn Fz. Stocker am Höchstein (Dachsteinmassiv); am Wilden Frieger Privatier Donner aus Wien: ferner am Schlern Pfarrer Harster (Nürnberg) (Herzschlag infolge der Ueber-anstrengung). In der Schweiz verunglückte der Mailänder Gugelloni am Piz Rosetsch (Berninastock); Bankbeamter Porchet in Genf an der Aiguille du Tacul; in Davos und im Kanton Freiburg je ein 17jähriger Edelweißsucher; am Abendberg bei Interlaken Fabrikant Matter aus Mannheim; am Oberbaum am Vierwaldstättersee Schriftsetzer Hurschler (Luzern); am Pilatus Pastor Stengel aus Bernau bei Potsdam. Am Hochkönig bei Werfen erfror ein unbekannter Tourist; in der »Kleinen Fleuß« am Sonnblick in Kärnten fiel ein bisher unbekannter Tourist in eine Gletscherspalte. Von den 21 Opfern des Monats August sind 11 Oesterreicher, 3 Schweizer, 1 Italiener und 6 Deutsche.

Im September verunglückten in der ersten Woche 4 Alpinisten: an der Riffelwand stürzte Ingenieur Brandes, welcher die Aufstellung der Apparate für drahtlose Telegraphie vom Eibsee zum Zugspitzhaus besorgt hatte, gegen das Höllenthal hinab; an der Croda di Lago (»Seewand«) bei Ampezzo fiel der englische Archidiakon Pelham Burn, wahrscheinlich von einem Herzschlag gerührt, an sonst ungefährlicher Stelle ab; am Beguntschigg bei Laibach erstürzte sich ein Gutsbesitzer, und am Gotthard fiel, bei einer führerlosen Streife über den Schloßberggletscher, eine bis jetzt nicht genannte Engländerin in eine Spalte und erfror.
Bemerkenswerth an dieser Todtenliste ist u. A. auch, daß kein Student, kein Offizier und nur ein einziger Bergführer darinsteht, dagegen je 3 vom geistlichen Stande und Lehrfach, und mindestens 7 Bankbeamte und Kaufleute, 3 Ingenieure und Techniker und 2 Aerzte.

Münchner Neueste Nachrichten No. 424. Freitag, den 13. September 1901.

#6 – 1 – 26·27 (Lindauer)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Lindauer, Anna (vh); – 7.3.1865 (München), 43 Jahre alt; Kaufmanns-Gattin
  • Lindauer, Friedrich; – (20).9.1886 (München), 69 Jahre alt; Privatier

Grab der Familie Lindauer auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#6 – 1 – 32 (Deichstetter)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Deichstetter, Elisabeth (vw); – 18.8.1904 (München), 64 Jahre alt; Privatiers-Witwe
  • Deichstetter, Josef; – 16.4.1907 (München), 42 Jahre alt

Grab der Familie Deichstetter auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2015)

#6 – 1 – 43 (Bodmer)


GOTTLIEB
BODMER
PORTRÄTMALER
UND
LITHOGRAPH
1804 – 1837

HABERL v. N. 6.1.43


  • Bodmer, Gottlieb; 25.4.1804 (Hombrechtikon, Kt. Zürich/Schweiz) – 18.7.1837 (München); Lehrers-Sohn / Portraitmaler und Lithograph

Todesanzeige für Gottlieb Bodmer

Grab der Familie Bodmer auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2007)

Grab der Familie Bodmer auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familie Bodmer auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2008)

#Gottlieb Bodmer

* 25.4.1804 (Hombrechtikon, Kt. Zürich/Schweiz)
† 18.7.1837 (München)
Lehrers-Sohn / Portraitmaler und Lithograph

#Artistisches München im Jahre 1835 (1836)

Bodmer, Gottlieb, Sohn eines Schullehrers im Landgericht München, geb. 1804, kam in seinem sechzehnten Jahre auf die königl. Akademie zu München. In den Jahren von 1825–1829 malte derselbe in München viele Portraits, worunter sich auch das Bildniß einer Achenthalerin befindet. Im Jahre 1829 lithographirte er das Blatt Mad. del Sisto und behielt es in eigenem Verlag; durch die gute Aufnahme dieses Bildes veranlaßt, zeichnete Bodmer noch mehreres auf Stein, wovon das Hauptsächlichste ist: die Christnacht von H. Heß; ein Altarbildchen nach demselben Meister; La Mad. del’ Foligno; eine andere Madonna, nebst vielen Portraits; darunter sind: das Portrait der Fürstin Wilhelmine von Thurn und Taxis; Bildniß eines Engländers und das des Staatsraths von Feuerbach. Zu Anfang des Jahres 1831 ging Bodmer nach Paris, wo derselbe ein Jahr verweilte, und bey Grevedon und Noél zeichnete. Dort entstanden die Bilder: Amor et Psyché; le premier bain; Mademoiselle Noblet; Paris et Praga. Bei dessen Rückkehr nach München lithographirte derselbe Napoleon zu Pferd in großem Format; der Schweizer Grenadier; Portraits des Königs Otto, der Prinzessinnen Mathilde u. Marie, der Erzherzogin Sophie von Oesterreich mit ihrem Sohne Franz Joseph, und der Baronesse Dirnberg, sämmtlich nach Stielers Gemälden. Der Abschied König Otto’s, nach einer Komposition von Foltz, worauf sich vierzig Portraits befinden, welche Bodmer nach dem Leben auf Stein zeichnete; der Ritter und sein Liebchen nach Foltz; Nature nach Lawrence; das Portrait des königl. Staatsraths von Grandauer, und ein Tyroler Mädchen, nach eigenem Gemälde, sind dessen letzte Arbeiten.

Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Mechaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.

#Süddeutsche Blätter für Leben und Kunst (25.7.1837)

Das Leichenbegängniß des für die Kunst zu früh verstorbenen Lithographen Bodmer hatte nicht allein seine vielen Freunde und Verehrer, sondern auch viele andere Personen aus allen Ständen auf dem Leichenacker zusammengeführt, um dem Verblichenen noch die letzte Ehre zu erweisen. Den Sarg begleiteten sechs Posaunisten vom Leichenhaus bis zum Grabe, an welchem unter Musikbegleitung ein Grablied abgesungen und sonach von dem Herrn Pfarrer Dr. Wagner der protestantischen Gemeinde eine ergreifende Rede an die zahlreiche Versammlung gehalten wurde. Tief bewegt gieng die Trauer-Versammlung auseinander.

Süddeutsche Blätter für Leben und Kunst Nro. 88. Dienstag, den 25. Juli 1837.

#Kunstvereins-Bericht für 1837 (1838)

Biographische Notizen.

Gottlieb Bodmer, Lithograph,

geboren im Jahre 1804, war der Sohn eines Schullehrers im Landgerichte München. In seinem 16. Jahre in die hiesige Academie getreten, widmete er sich der Historienmalerei, ergriff aber nach dem Tode seines Vaters, da er ausser einem Cabinetsstipendium wenig Hülfsmittel hatte, das Portraitfach, und malte in den Jahren 1824 bis 1829 in München viele Portraite, wobei er dem als Mensch und Künstler gleich achtbaren Hofmaler Stieler vieles verdankte.

Im Jahre 1829 durch den Buchhändler Frankh veranlaßt, Raphaels Madonna di St. Sisto, in der Dresdner Gallerie befindlich, durch die Lithographie wieder zu geben, ergriff er unter der Leitung seines Freundes Winterhalter, der für einen der ersten Lithographen jener Zeit gilt, dieses ihm bisher fremde Fach.

Zur Zeit der Beendigung dieser Arbeit hatten sich Frankhs Verhältnisse geändert und Bodmer sah sich zur eigenen Herausgabe des Werkes genöthigt, welche er mit sehr günstigem Erfolge bewerkstelligte. Hiedurch ermuntert lithographirte er bald darauf zwei Bilder von Heinrich Heß – die Christnacht und ein Altarbildchen, – welche ihm die Anerkennung von ganz Deutschland erwarben.

Im Jahre 1831 unternahm der Künstler eine Reise nach Paris, wo er sich während eines Jahres, im vertrauten Umgange mit Grevedon und Maurin Noël einen hohen Grad von technischer Vollkommenheit in seiner Kunst erwarb.

In Paris entstanden damals unter andern Amor und Psyche, ein ungemein zartes Blatt nach Gerard, le premier bain nach Court, zwei Polen nach Cogniet, und Monna Lisa, nach Leonardo da Vinci.

Nach seiner Rückkehr lithographirte er in München verschiedene Darstellungen, gediegen und anerkannt, und errichtete eine großartige, lithographische Anstalt, deren vorzügliche Leistungen in aller Welt verbreitet und geschätzt sind.

Bodmers neuere größere Werke, – der Abschied König Ottos von Griechenland, nach Foltz, der Schweizer Grenadier nach Kirner, die königliche Familie nach Montens Composition, sowie das Bildniß Sr. Maj. des Königs mit Allegorien, sind zu rühmlich bekannt, als daß sie hier einer lobenden Erwähnung bedürften, und haben ihm die Anerkennung als eines der ausgezeichnetsten Lithographen unserer Zeit verschafft.

So in der Blüthe des künstlerischen Wirkens, wie des Alters ergriff ihn ein unheilbares Körperleiden und entriß ihn, nach einer vergeblichen Badecur, am 18. July 1837 in einem Alter von 34 Jahren der Kunst, seinen vielen Freunden und uns allen.

Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München während des Jahres 1837. München, 1838.

#Die bildende Kunst in München (1842)

Gottlieb Bodmer, der Sohn eines Schullehrers im Landgerichte München, geboren 1804, besuchte die Akademie in München, widmete sich der Malerei, und zwar, nach dem Tode seines Vaters, lange Zeit ausschließlich dem Porträtfach, um seinen Unterhalt desto leichter zu gewinnen, und verdankte seine glücklichen Fortschritte in dieser Kunst zunächst dem Hofmaler Stieler. Seine Bildnisse wurden als treue, wohl ausgeführte Ebenbilder geschätzt; bekannt ist vor allen geworden das schöne Bild eines Landmädchens aus dem Achenthale, welches sinnend in dem mit Weinlaub umrankten Fenster in halber Figur aus dem Bilde herausblickt, das er später selbst in Steindruck wiedergab. Er hatte sich in dieser Kunst noch nicht versucht, als ihn der Buchhändler Franckh aus Stuttgart, der ihn als trefflichen Zeichner kannte, veranlaßte, die berühmte Madonna di S. Sisto in einer Zeichnung auf Stein auszuführen, 1829. Bodmer übernahm die Aufgabe frischen Muthes nach dem herrlichen Kupferstiche Müllers, überwand unter der Leitung seines Freundes Winterhalder alle Schwierigkeiten, und wußte den Ausdruck der Köpfe, die zarten Umrisse und die warmen Töne des Fleisches, Gewänder und die Harmonie des ganzen Bildes so meisterhaft auszudrücken, daß die Ausführung einen äußerst angenehmen Eindruck macht. Da sich Franckhs Verhältnisse indessen geändert hatten, und Niemand den Stein um die früher ihm bestimmte Summe erwerben mochte, besorgte er selbst den Verkauf der Abdrücke, wodurch er mehr gewann, als er je gehofft. Dies veranlaßte ihn, zwei Bilder von Heinrich Heß auf Stein auszuführen, die allgemeinen Beifall fanden, worauf er eine Reise nach Paris machte, wo er zur Förderung des technischen Theiles seiner Kunst ein Jahr lang weilte. Und nun widmete er sich ganz der Lithographie, machte sich die zarte anmuthige Weise eigen, wie sie in Paris sich am glänzendsten damals ausgebildet hatte, führte dort mehrere wohlgelungene Blätter aus, von welchen Amor und Psyche nach Gerard am bekanntesten ist, und übernahm nach seiner Rückkehr in München sogleich größere Arbeiten, denen er Anfangs die höchste Sorgfalt widmete. Der Abschied des Königs Otto, der Ritter und seine Geliebte, nach Foltz, und der Schweizer-Grenadier nach Kirner sind glänzende Zeugnisse seiner damaligen trefflichen Behandlungsweise. Allmählich aber fing er an, statt der eigentlichen Kunst zu leben, dem wandelbaren Geschmacke und den Anforderungen der Eitelkeit zu huldigen; die Kraft und Würde schwand immer mehr in seinen letzten Darstellungen, und statt der lieblichen einfachen, dabei kräftigen Ausführungsweise haschte er nach blendender Wirkung und verlor sich ins Flache und Matte. Sein schöner Plan, die Malereien im Königsbau durch Nachbildungen bekannt zu machen, ward nicht ausgeführt. Er starb am 18. Juli 1837.

Dr. Johann Michael von Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.

#Allgemeines Künstler-Lexicon (1895)

Bodmer, Gottlieb, Zeichner und Lithograph, geb. 1804 in München, † 1837, widmete sich anfangs unter Joseph Stieler der Portraitmalerei, wandte sich dann zur Steinzeichnung und lithographirte 1829 die Madonna di Sisto nach dem Stiche von Fr. Müller, sowie 2 kleine Bilder nach Heinr. Hess. Nach einem Aufenthalt in Paris, wo er sich technisch vervollkommnete, lithographirte er in München die bedeutendsten Blätter: Abschied des Königs Otto, König Ludwig I. im Familienkreis und Bilder nach Foltz und Kirner, die grossen Beifall fanden.

Allgemeines Künstler-Lexicon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Vorbereitet von Hermann Alexander Müller. Herausgegeben von Hans Wolfgang Singer. Erster Band. Frankfurt am Main, 1895.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Bodmer Gottlieb, 1804 (Hombrechtikon, Kt. Zürich/Schweiz) – 1837, Porträtmaler und Lithograph; er stand als Porträtmaler ursprünglich sehr unter dem Einfluß J. von Stielers und wurde später Lithograph; durch seine allzustrengen technischen Handhabungen ruinierte er anfangs jedoch den Steindruck, den er vor allem zur Kopierung von Gemälden aus der Münchner Schule seiner Zeit benützte; bei einem Aufenthalt in Paris (1831) bildete sich B. noch weiter aus, so daß sein System mit unbestreitbar bestechlichem Geschick und nicht ohne malerischen Sinn ein direkter Rivale des Kupferstichs wurde; heute gilt B. als der Begründer »einer eigenen, dem Kupferstich ähnlichen Technik«.

Hauptwerke: Abschied König Ottos (nach F. Foltz), König Ludwig I. im Kreise seiner Familie (nach D. Monten) und viele Blätter nach F. Foltz, Dietz, Lindenschmit u. a.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#6 – 1 – 45 (Orff)


von ORFF


  • Orff, Katharina von; – Mai 1888 (München), 17 Jahre alt; Bahnoffizials-Tochter

Grab der Familie Orff auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familie Orff auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2015)

#6 – 1 – 47* (Weinrich)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Weinrich, Elise von; – 5.1.1891 (Burghausen), 86 Jahre alt; Kriegsministers-Tochter
  • Weinrich, Georg von; 1768 (Mainz) – 12.12.1836 (München); Generalleutnant und Kriegsminister

Todesanzeige für Elise von Weinrich

Das Grab ist nicht erhalten


#Georg von Weinrich

* 1768 (Mainz)
† 12.12.1836 (München)
Generalleutnant und Kriegsminister

#Augsburger Postzeitung (18.12.1836)

Miszellen.

Nekrolog. Der am 13. Dez. d. J. verstorbene königl. bayerische Generallieutenant und Kriegsminister Georg von Weinrich war im Jahr 1768 zu Mainz geboren, und der Sohn eines kurmainzischen Militärs. Schon im 17ten Lebensjahre trat er als Kadet die militärische Laufbahn an, und wurde im Jahr 1786 Offizier. Im Jahr 1807 rückte er in fürst-primatischen Diensten zum Stabsoffizier vor. Bey der Abtretung des Fürstenthums Aschaffenburg an Bayern wurde er, nebst seinem Vater, der im Jahr 1826 als Generalmajor und Festungskommandant von Ingolstadt starb, in bayerische Dienste übernommen, ward im Jahr 1815 zum Obersten, im Jahr 1825 zum Generalmajor befördert, und befehligte eine Infanterie-Brigade, bis ihm Jahr 1829, bey der neuen Formation des Kriegsministeriums, das Portefeuille desselben Anfangs provisorisch, dann definitiv mit Ernennung zum Kriegsminister übertragen wurde. Am 25. August 1834 erhielt er den Charakter als Generallieutenant, und am 28. Oktober 1835 die Ernennung zum Oberst-Inhaber des 14ten Infanterie-Regiments in Aschaffenburg, welchem er früher als Oberst vorgesetzt gewesen war. Nach einer Krankheit von 6 Tagen, die noch am Vorabend auf Besserung hoffen ließ, erlag er einem Brechruhranfall im 69sten Lebensjahre.

Augsburger Postzeitung Nro. 353. Ein Blatt statistisch-politischen Inhaltes. Sonntag, den 18. Dezember 1836.

#Augsburger Postzeitung (28.12.1836)

Aschaffenburg, den 23. Dez. Das Offizierkorps des hier garnisonirenden Linien-Infanterieregiments veranstaltete gestern in der Stiftskirche dem Andenken seines kürzlich in München verstorbenen Proprietärs, Generallieutenant und Kriegsminister von Weinrich, zu Ehren, einen feyerlichen Trauergottesdienst.

Augsburger Postzeitung Nro. 363. Ein Blatt statistisch-politischen Inhaltes. Mittwoch, den 28. Dezember 1836.

#Neuer Nekrolog der Deutschen (1838)

v. Weinrich,
Kriegsminister und Generallieutenant zu München;
geboren im J. 1768, gestorben den 11. Dec. 1836.

Zu Mainz geboren, war er ein Sohn des im Jahr 1826 zu Ingolstadt verstorbenen Generalmajors und Stadtkommandanten von Weinrich. Mit dem 17. Jahre hatte er als Kadet seine Laufbahn begonnen und nachdem er in allen untern Graden rühmlich gedient hatte, erfolgte im Jahre 1786 seine Beförderung zum Offizier. Im Jahre 1807 wurde er Stabsoffizier und 1815 Oberst und Regimentscommandant. Während seiner langen Dienstzeit hat er zehn Feldzügen auf ehrenvolle Weise beigewohnt. Im Jahre 1825 zum Generalmajor und Brigadier befördert, befehligte er bis 1829 eine Infanteriebrigade, worauf ihm bei der neuen Formation des Ministeriums das Portofeuille desselben übertragen und er noch im nämlichen Jahre zum Kriegsminister ernannt wurde. Der Abscheu, welchen er vor der Cholera hatte, schien eine Vorahnung seines durch dieselbe herbeigeführten Todes zu sein, dem er in einem Alter entgegen ging, in welchem er noch lange dem Staate und den Seinigen hätte nützen können.

Neuer Nekrolog der Deutschen. Weimar, 1838.

#6 – 1 – 52·53 (Höllriegel)


Familien-Begräbniß.

Hier ruhen
Josepha Höllriegel
Steinmetzmeisters Gattin
¿
gest. den 7ten Mai 1831.
Franz Ser. Höllriegel
Privatier vormals Steinmetzmeister
geb. den 24ten Oktober 1794,
gest. den 9ten Mai 1858.
Franz Xaver Höllriegel
¿

Rechte Seite
Die Inschrift ist nicht erhalten

Liegestein
Gedenkstätte
Ortsgründer von
Höllriegelskreuth


  • Höllriegel, Franz Seraph; 24.10.1794 (Donzdorf) – 9.5.1858 (München); Steinmetzmeister
  • Höllriegel, Franz Xaver
  • Höllriegel, Josefa (vh); – 7.5.1831 (München), 29 Jahre alt; Steinmetzmeisters-Gattin

Todesanzeige für Franz Seraph Höllriegel

Grab der Familie Höllriegel auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familie Höllriegel auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2011)

Grab der Familie Höllriegel auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#Franz Seraph Höllriegel

* 24.10.1794 (Donzdorf)
† 9.5.1858 (München)
Steinmetzmeister

#Schematismus der Erzdiözese München und Freising (1853)

Chronik des Jahres 1852.
22.
Einzelne bemerkenswerthe Ereignisse.
[…]

4. Franz Seraph Höllriegel, Bürger und Steinmetzmeister zu München errichtete auf seiner neucultivirten mit den ergiebigsten Nageltuffbrüchen versehenen Besitzung »Höllriegelgereuth« im Isarthale, ober Pullach, der Pfarrei Sendling, eine Kapelle, welche am 14. September 1852 durch Herrn Domcapitular und Generalvicar Dr. Friedrich Windischmann unter angemessener Feierlichkeit die kirchliche Benediction erhielt.

Diese Kapelle, 23 Fuß lang, 15½ Fuß breit und sammt dem mit einem Glöcklein versehenen Thürmchen 29½ Fuß hoch, ragt im edlen Spitzbogenstyle erbaut zwischen einer geschmackvollen Anlage auf einem 30 Fuß hohen, und im erweiterten Halbbogen von der Isar umflutheten Felsenvorsprunge empor, und bietet so nicht nur dem Freunde der schönen Kunst und Natur einen genußreichen Anblick, sondern gewährt auch, wie es der Zweck derselben wohl hauptsächlich mit sich bringt, dem religiösen Gemüthe einen reichlichen Stoff zur frommen Erbauung. Während nämlich schon die äussere Struktur der Kapelle mit ihrem massiv aus Nageltuffquader gehauenen Sockel, sowie dem aus gelben Rothenbuchner-Marmor gefertigten Gesimse und dem schönen Portale mit seinem antiken Giebelfelde unschwer den kunstgeübten Meissel des Erbauers erkennen läßt, findet sich innerhalb der Kapelle nebst der einfach schönen gothischen Architektonik auch die Plastik und Malerei vertreten, um diese Kapelle zu einem christlichen Bethause würdig auszuschmücken. Mehrere Reliefs, von welchen bereits eines am Aufgange zur Kapelle, ein anderes, »Ecce homo« vorstellend und vom Bildhauer Eichinger gefertiget, im Giebelfelde ober dem Portale in einer altdeutschen Marmor-Rahme zu sehen ist, tragen entschiedenen Kunstwerth an sich. Namentlich ist es aber die Statue der Madonna mit dem göttlichen Kinde, welche die Aufmerksamkeit der Kunstfreunde, sowie der Andächtigen auf sich zieht. Diese Statue aus weissem Schlanderser-Marmor, von dem noch lebenden Bildhauer Carl Lossow im Atelier und unter der Leitung des verlebten Meisters Ludwig von Schwanthaler gefertiget, bildet, auf einem vom Meister Höllriegel kunstreich aus rothem Hohenschwangauer-Marmor gehauenen Altare zwischen gothischen Leuchtern und Arabesken und unter einem Baldachin aus weissem Kalksteine stehend, gleichsam das Altarbild. Zu beiden Seiten des Altares, und zu diesem gleichsam die Flügel bildend, sind — ein Meisterwerk des rühmlich bekannten Fresco- und Historienmalers Franz Fortner aus Prag — zwei auf Marmor aufgetragene Bilder, nämlich jenes des hl. Franciscus Seraphicus und dieses von der hl. Jungfrau und Martyrin Barbara, welche als die Namenspatronen der Höllriegel'schen Eheleute für letztere gleichfalls den Tribut der dankbaren Verehrung darzubringen scheinen. Ein magisches Helldunkel, durch die künstlichen Ornamentikfenster effectuirt, ergießt über das Ganze einen gewissen feierlichen Ernst, welcher es unwillkürlich fühlen läßt, daß auch dieses ein heiliger Ort, und daß diese vor Kurzem noch öde Stätte von christlichen Händen gelichtet, keineswegs im Dienste des Mammons, sondern zur Ehre Gottes und seiner lieben Heiligen dienstbar gemacht worden sei.

Dieses freudige Gefühl steigerte sich aber zur festen Ueberzeugung, als Herr Generalvicar Dr. Windischmann nach vollzogener Benediction in der Kapelle das erste hl. Opfer darbrachte, und unter demselben den sichtlich gerührten Höllriegel'schen Eheleuten sammt ihren Angehörigen die hl. Communion spendete. – Damit aber diese feierliche Handlung, wozu Se. Excellenz der Hochwürdigste Herr Erzbischof Karl August am 28. August 1852 die gnädigste Genehmigung ertheilt haben, nicht bloß zu den Lebzeiten der Höllriegel'schen Eheleute vollzogen werden, sondern auch den künftigen Generationen zum Troste und zur Erbauung dienen könne, hat Meister Höllriegel durch Anweisung eines hinlänglichen, außerdem ganz unbelasteten Kapitales für die würdige Aufrechthaltung der Kapelle Sorge getragen, und auf diese Weise sich ein Denkmal gesetzt, das noch in den spätesten Zeiten von diesem christlichen Biedermanne ein ehrendes Zeugniß geben wird.

Schematismus der Geistlichkeit des Erzbisthums München und Freysing für das Jahr 1853. München, 1853.

#6 – 1 – 54·55 (Rattenhuber · Schödtl)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Rattenhuber, Josef; – 24.9.1863 (München), 62 Jahre alt; Privatier
  • Rattenhuber, Maria (vw) / Hörl (gb); – 30.3.1881 (München), 80 Jahre alt; Privatiere
  • Schödtl, Jakob; – (8).7.1884 (München), 56 Jahre alt; Rentier
  • Schödtl, Therese (vw); – 25.6.1901 (München), 68 Jahre alt; Rentiers-Witwe

Todesanzeige für Josef Rattenhuber

Todesanzeige für Maria Rattenhuber

Grab der Familien Rattenhuber · Schödtl auf dem Alten Südfriedhof München (September 2018)

#Therese Schödtl (vw)

† 25.6.1901 (München), 68 Jahre alt
Rentiers-Witwe

#Münchner Neueste Nachrichten (7.12.1901)

Lokales.

München, 6. Dezember.
Waisenhaus-Stiftung. Der k. Regierungsrath Schödtl theilte dem Magistrat mit, daß er, entsprechend einem Wunsche seiner am 25. Juni verstorbenen Mutter, Frau Therese Schödtl, die Summe von 5000 M. zu dem Zweck zur Verfügung stelle, daß hiemit für das katholische Waisenhaus eine Aussteuer-Preisstiftung errichtet werde. Die Zinsen der 5000 M. soll alljährlich ein braves Waisenmädchen nach dreijähriger gut verbrachter Dienstzeit in Form eines Sparkassenbuches erhalten. Im Verwaltungssenat wurde für diese edle Stiftung auf Antrag des Rechtsraths Heilgemayr der wärmste Dank erstattet. Bei dem Anlasse erklärte Rechtsrath Heilgemayr als Referent über das städtische Waisenhaus, daß Vermächtnisse zu dieser Anstalt immer willkommen sind, da die Anstalt für die Zöglinge so viel zu leisten hat, daß die sämmtlichen Zinsen des an sich bedeutenden Vermögens aufgebraucht werden. Aehnlich liegt die Sache beim Heiliggeistspital, in dem die große Anzahl der Pfründner nur dadurch unterhalten und verpflegt werden kann, daß außer den Zinsen des Anstaltsvermögens die Erträgnisse des Forstes Kasten verwendet werden.

Münchner Neueste Nachrichten No. 568. Samstag, den 7. Dezember 1901.

#6 – 2 – 13 (Ramlo)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Ramlo, Ferdinand; – 17.11.1874 (München), 18 Jahre alt; Vorreiter
  • Ramlo, Ferdinand; – (27).4.1883, 66 Jahre alt; Amtsgerichtssekretär
  • Ramlo, Franz; – 26.5.1882 (München), 25 Jahre alt; Student
  • Ramlo, Franziska (vw); – 3.4.1894 (München), 73 Jahre alt; Amtsgerichtssekretärs-Witwe

Todesanzeige für Ferdinand Ramlo

Todesanzeige für Franz Ramlo

Todesanzeige für Franziska Ramlo

Grab der Familie Ramlo auf dem Alten Südfriedhof München (September 2018)

#6 – 2 – 18·19 (Köllmayr)


Herr Ludwig Köllmayr
Privatier
u. ehem. Fabrikant
geb. 11. Oktbr. 1850, gest. 14. Febr. 1915.
Frau Walburga Köllmayr
geb. Byschl
geb. 7. Juni 1854, gest. 26. Aug. ¿
Herr Joh. Nep. Köllmayr
Bildhauer
gest. den 30. Dezbr. 1862 im 22. Lebensjahre
Unsere lieben Kinder
Max,
geb. den 26. Jan. 1879, gest. den 24. Sept. 1880
Franziska,
geb. den 13. Sept. 1881, gest. den 1. Mai 188¿


  • Köllmayr, Franziska; 13.9.1881 – 1.5.188¿
  • Köllmayr, Johann Nepomuk; – 30.12.1862 (München), 22 Jahre alt; Bildhauer
  • Köllmayr, Ludwig; 11.10.1850 – 14.2.1915 (München); Fabrikant
  • Köllmayr, Max; 26.1.1879 – 24.9.1880 (München); Schreinermeisters-Sohn
  • Köllmayr, Walburga (vh) / Byschl (gb); 7.6.1854 – 26.8.¿

Todesanzeige für Max Köllmayr

Todesanzeige für Ludwig Köllmayr

Grab der Familie Köllmayr auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#6 – 2 – 21·23 (Ebenböck)


FAMILIE
EBENBÖCK.


  • Ebenböck, Ludwig; – 15.2.1889 (München), 25 Jahre alt; Wachslichtfabrikantens-Sohn

Todesanzeige für Ludwig Ebenböck

Grab der Familie Ebenböck auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#6 – 2 – 24·25 (Pattberg · Schrödter)


Familie Schrödter.

Robert Schrödter
Kaufmann geb. 21. Februar 1848
gest. 5. Januar 1907.
Carl Schrödter
Kaufmann geb. 30. Dezember 1832
gest. 10. September 1909.
Dessen Gattin
Babette Schrödter, geb. Berg,
geb. 6. April 1843
gest. 23. Januar 1911.

Sockel
Clara Pattberg, geb. Berg,
geb. 14. April 1831, gest. 9. Febr. 1894.
Carl Schrödter
Kaufmann
1866 1933

Babenstuber


  • Pattberg, Klara (vh) / Berg (gb); 14.4.1831 – 9.2.1894; Kaufmanns-Witwe
  • Schrödter, Babette (vw) / Berg (gb); 6.4.1843 – 23.1.1911 (München); Kaufmanns-Witwe
  • Schrödter, Karl; 1866 – 1933; Kaufmann
  • Schrödter, Karl; 30.12.1832 – 10.9.1909 (München); Kaufmann, Seniorchef der Firma Gebrüder Schrödter
  • Schrödter, Robert; 21.2.1848 – 5.1.1907 (München); Kaufmann, Mitinhaber der Firma Gebrüder Schrödter

Todesanzeige für Klara Pattberg

Todesanzeigen für Karl Schrödter

Todesanzeige für Babette Schrödter

Grab der Familien Pattberg · Schrödter auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2015)

#Robert Schrödter

* 21.2.1848
† 5.1.1907 (München)
Kaufmann, Mitinhaber der Firma Gebrüder Schrödter

#Generalanzeiger (9.1.1907)

Beerdigungen. Im südlichen Friedhof wurde heute Nachmittag der im Alter von 59 Jahren verstorbene Kaufmann Robert Schrödter hier beerdigt. Ein stattliches Trauergefolge von Bürgern und Geschäftsleuten folgte dem Sarge. Dieser und das Grab waren mit vielen Kränzen, u. a. von der Firma und dem Geschäftspersonal, geschmückt. Der Verstorbene hatte mit 28 Jahren gemeinsam mit seinem Bruder Karl das bekannte, wegen seiner ausgedehnten Verbindungen in hohem Ansehen stehende Agentur- und Kommissionsgeschäft an der Landwehrstraße inne. Infolge seines ehrlichen und biederen Charakters genoß er allgemeine Wertschätzung.«

Generalanzeiger Nr. 14. Gratisbeilage der Münchner Neuesten Nachrichten. Mittrwoch, den 9. Januar 1907.

#6 – 2 – 26 (Knab)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Knab, Johann B.; – Juli 1890 (München), 66 Jahre alt; Magistratsbote

Grab der Familie Knab auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familie Knab auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2015)

#6 – 2 – 30·31 (Späth)


Hier ruhen in Gott
Herr Martin Späth,
Bäckermeister
geb. den ¿. März 1779, gest. den ¿ 1835.
Frau Walburga Späth,
geb. Sch¿
¿
¿ ging die erste Gattin
Frau Ursula Späth
geb. Li¿
¿ im 32. Lebensjahre
Herr Michael Späth
Privatier
geb. den ¿. Aug. ¿ gest. den ¿. Juli 1899.
Dessen Gattin, unsere liebe gute Mutter
Frau Anna Späth,
geb. den 24. Juli 1837, gest. den 9. März 1928.
Herr Ludwig Späth
Privatier
geb. den ¿. Aug. ¿


  • Späth, Anna (vh); 24.7.1837 – 9.3.1928
  • Späth, Ludwig; Privatier
  • Späth, Martin; ¿.3.1779 – 21.11.1835 (München), 56 Jahre alt; Bäckermeister
  • Späth, Michael; – Juli 1899 (München), 70 Jahre alt; Privatier
  • Späth, Ursula
  • Späth, Walburga (vh)

Todesanzeige für Martin Späth

Grab der Familie Späth auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2015)

#6 – 2 – 32 (Büttgen · Herz)


FRANZ
HERZ
HOFSCHAUSPIELER
UND
REGISSEUR
1817 – 1889


  • Büttgen, Heinrich; 4.4.1821 (München) – 10.12.1876 (München); Schlossermeisters-Sohn / Schauspieler
  • Büttgen, Jeanette (vw) / Dedler (gb); 1824 (Augsburg) – 5.11.1884 (München); Schauspielerin
  • Herz, Franz; 24.12.1817 (Münster/Westfalen) – 23.4.1889 (München); Schauspieler und Regisseur
  • Herz, Karoline (vw) / Büttgen (gb); – (17).4.1901; Schauspielers-Tochter / Schauspielers-Witwe

Todesanzeige für Heinrich Büttgen

Todesanzeige für Jeanette Büttgen

Todesanzeige für Franz Herz

Grab der Familien Büttgen · Herz auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2007)

Grab der Familien Büttgen · Herz auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2007)

#Heinrich Büttgen

* 4.4.1821 (München)
† 10.12.1876 (München)
Schlossermeisters-Sohn / Schauspieler

#Nürnberger Blätter für Theater, Kunst, Mode und geselliges Leben (1844)

Ulm. Nachdem der beliebte Komiker und Schauspielkünstler, Hr. Ferd. Lang, Mitglied der Münchner Hofbühne, mit glänzendem Erfolge hier gastirte, ist nunmehr ein vielversprechender Schüler des Hrn. Lang, nämlich Hr. Heinrich Büttgen, Sohn eines angesehenen Bürgers von München, aufgetreten.

Hr. Büttgen besitzt eine hohe, gefällige, schlanke Gestalt für jugendliche Helden- und Liebhaber-Rollen, ein reines, kräftiges, biegsames, voll- und wohlklingendes, gutes Organ, verbindet damit eine reine Aussprache der Laute, richtige Artikulation, Lebendigkeit des Vortrags, kluge Vermeidung des Copirens und der Manieriertheit, zeigt Talent für Geberdensprache und Mimik, verräth Phantasie, Gefühl, Beurtheilungsvermögen, ausgezeichnetes Gedächtniß etc.

Die Ulmer Schnellpost vom 26. April N. 96 meldet über das Spiel des Hrn. Büttgen, welcher im Ulmer Stadttheater seine Erstlings-Opfer auf den Altar Thaliens legte, Folgendes: Hr. Büttgen (Heinrich in »Parteiwuth«) löste seine Aufgabe mit mehr Tüchtigkeit, als sein erstes Auftreten erwarten ließ. Mittel (namentlich ein sonores Organ und deutliche Aussprache), Eifer, Talent und fester Wille sind da, und wenn letzterer vielleicht auch hin und wieder Übergriffe macht, so zeugen diese doch mehr für die Berufung als jene passive Unbeholfenheit, die den Anfänger sonst zu carakterisiren pflegt. Wird Hr. Büttgen erst den übersprudelnden Genius in der Brust zurückhalten, mit einem Worte, wird er haushälterischer mit dem Fond zu seyn lernen, den ihm Natur und Studium geben, so wird er bald ein recht brauchbarer Jünger der schönen Kunst werden, der er sich widmete. An seiner ersten Darstellung müssen wir zunächst Wärme und richtig berechnete Aktion rühmen.

Dazu muß noch bemerkt werden, daß Hr. Büttgen nicht so glücklich war, in einer der Hauptparthieen, die er einstudirte, sich zu zeigen, sondern daß er die Rolle des Heinrich erst zwei Tage vor der Aufführung des Stückes schnell übernahm und ohne alle Hülfe lernte, was für einen Anfänger keine leichte Aufgabe ist.

Er dürfte sofort für manche Bühne eine willkommene Acquisition werden, zumal, da seine Vermögensverhältnisse ihn eben nicht zwingen, nach ansehnlichem Honorar zu streben, vielmehr sein reiner Enthusiasmus für die Kunst ihm nur eine Bühnendirektion wünschen lassen, welche ihm Gelegenheit gäbe, sein verwendbares Talent in jugendlichen Helden- und Liebhaber-Rollen zu versuchen.

Nürnberger Blätter für Theater, Kunst, Mode und geselliges Leben. No. 52. Donnerstag, den 2. Mai 1844.

#Die Deutsche Schaubühne (1861)

Hr. Büttgen ist ein recht tüchtiger Repräsentant für komische und ernste Alte, so lange dieselben sich nicht mit Noblesse zu bewegen haben; feiner Anstand und edle Tournüre aber »sind ein fremder Tropfen in seinem Blut«. Sein König in »Philippine Welser« war hierfür ein sprechender Beweis. Glücklich ist er in der Wiedergabe schlichter biederer Naturen, wie der Lieutenant Stern (»Spieler«), Just (»Minna von Barnhelm«), Strumpfwirker Achleitner (»Bürger und Junker«), Baptista (»Bezähmte Widerspenstige«) u. dgl., während ihm Chargen, wie der Junker Bleichwangen (»Viola«) weniger gelingen.

Die Deutsche Schaubühne. Organ für Theater und Literatur. Redigirt von Dr. Teodor Mehl. Hamburg; 1861.

#Der Sammler (16.12.1876)

† Heinrich Büttgen,
königl. bayer. Hofschauspieler,

war geboren den 4. April 1821 zu München als der Sohn der Hof- und Kabinets-Schlossermeisters-Ehegatten Heinrich und Crescentia Büttgen, letztere eine geb. Pongraz.

Er erhielt seinen ersten Unterricht in der dortigen Dompfarrschule, besuchte dann die Lateinklassen des hiesigen Erziehungsinstituts. Früh schon zeigte er eine große Vorliebe für die Kunst und waren es der Veteran der königlichen Hofbühne, Hr. Lang, dann der seinen noch lebenden Zeitgenossen noch immer unvergeßliche Heigel, welche ihn in das Heiligthum der Kunst einführten. Am 9. April 1844 betrat er in Ulm versuchsweise zum erstenmale die Bühne unter dem Direktor Dardenne. Von diesem Tage an führte er ein genaues Tagebuch aller von ihm gespielten Rollen, welches einen interessanten – freilich nicht immer freudigen Einblick in eine wechsel- und dornenvolle Künstlerlaufbahn gewährt. Nachdem er in dem Monat April am genannten Theater noch achtmal aufgetreten war, kehrte er nach München zurück und spielte im Theater der einst so berühmten Gesellschaft »Frohsinn« am 1. Juni den Lord Harcourt in »Haß und Liebe,« und dann noch in den Monaten August bis November in sechs Rollen. Am 29. Nov. 1844 endlich ging sein sehnlichster Herzenswunsch in Erfüllung, indem er an dem kgl. Hof- und Nationaltheater seiner geliebten Vaterstadt München als Kunsteleve (unter dem k. Intendanten Frhrn. v. Frays) aufgenommen wurde und am 23. Dez. dieses Jahres noch auf der Hofbühne und zwar als »Flurschütz« im »Tell« auftreten durfte. Von jenem Tage angefangen hat er dann 3761mal die Bretter (welche die Wett bedeuten) des kgl. Hoftheaters betreten, nämlich:

im J. 1844 2mal | 1845 35mal | 1846 33mal | 1847 44mal | 1848 72mal | 1849 80mal | 1850 108mal | 1851 103mal | 1852 105mal | 1853 109mal | 1854 112mal | 1855 120mal | 1856 98mal | 1857 114mal | 1858 156mal | 1859 155mal | 1860 152mal | 1861 146mal | 1862 181mal | 1863 189mal | 1864 187mal | 1865 133mal | 1866 112mal | 1867 133mal | 1868 131mal | 1869 137mal | 1870 120mal | 1871 120mal | 1872 142mal | 1873 94mal | 1874 99mal | 1875 136mal | 1876 123mal.

Rechnet man dazu noch die Rollen, welche er im Jahre 1870 und den folgenden im Volkstheater, sowie jene, welche er auf einigen Kunstreisen in deutschen Städten spielte, so wird es nicht zu hoch gegriffen seyn, wenn man die Ziffer seines Auftretens mit 3900 voll annimmt, so daß man sagen kann, daß er von den 32 Jahren seiner Mitgliedschaft an der Hofbühne 11 volle Jahre Abend für Abend im Dienste der Kunst thätig war. Es dürfte wohl wenig Künstler geben, welche mit solcher Hingebung ihrem Berufe und der Kunst gelebt, wie er, denn Dutzendmale ist es, besonders in den letztem Jahren vorgekommen, daß er – obgleich sich manchmal ernstlich unwohl fühlend, aus Berufstreue, und um nur keine Störung des Repertoires zu verursachen, seine Rolle spielte – das war insbesondere auch am 20. Nov. d. Js. der Fall – wo er bereits von schwerem Leiden heimgesucht und bettlägerig, gleichwohl sich siech und matt nach dem Theater schleppte und so elend nach Hause zurückkehrte, um 2 Tage darauf sich für immer zu legen und nicht wieder aufzustehen. Seine vielen Rollen, welche ihn bald zu einem Lieblinge des Münchener Publikums machten, einzeln alle aufzuzählen, dazu fehlt es hier an Raum und möge eine ausführlichere Besprechung derselben sachkundigerer Feder vorbehalten bleiben. Es dürfte genügen, an seinen »Miller« in »Kabale und Liebe«, »Nathan«, den »Kapuzinerpater« in »Wallensteins Lager«, den »Kaiser« in »Philippine Welser«, den »Strumpfwirker« in »Bürger und Junker«, den »Geisterkönig«, den Gewürzkramer »Zangler« in »Einen Jux will er sich machen«, den »Tandler« in »Zu ebener Erde und ersten Stock«, den »Seebichler« im »Seefräulein«, den »Schneider Tüffel« in »Ansässig«, überhaupt an alle die Rollen in Raimund'schen, Nestroy'schen Schleichischen und Kobell'schen Volksstücken zu erinnern, welche, in altbayerischer Mundart geschrieben, in ihm ihren mustergiltigsten, ja kühn darf man es behaupten, geradezu nicht mehr erreichbaren Vertreter fanden. Am 4. November 1845 vermählte er sich mit der k. b. Hofschauspielerin Jeanette Dedler, eine Schülerin der Birch-Pfeiffer, welche früher in Zürich engagirt war, seit 1843 aber gleichfalls der Münchener Hofbühne angehört. 32 Jahre wirkten beide Ehegatten zusammen im Dienste der Kunst – ihre Ehe war mit 5 Kindern gesegnet, zwei früh verstorbenen Knaben und drei Töchtern, von welchen die älteste an den k. Hofschaufpieler Herz, die jüngste an den k. Staatsarchivs- und Ordenssekretär Destouches verheirathet ist. Mit der Wittwe und drei Töchtern stehen auch drei Enkelkinder am Sarge des zu früh Verblichenen, ja wohl zu früh sowohl für ihn, der erst im 55. Lebensjahre, also im besten Mannesalter stand, zu früh für seine trauernde Familie, zu früh für die Kunst, der er, – wie die Todesnachricht treffend sagt – sein ganzes Leben mit treuer Hingebung geweiht; zu früh endlich aber auch für all seine Freunde und Bekannten – wie groß aber deren Zahl, beweist die allgemeine tiefgehende Theilnahme, die sich schon während seiner schweren Leidenstage, die sich aber ganz besonders bei der Nachricht von seinem Hinscheiden allenthalben in rührender und ergreifender Weise dokumentirt. Es ist geradezu unglaublich, wie diese kräftige wahrhafte Hünengestalt durch die Krankheit von wenigen Wochen so rasch zusammenbrechen konnte, allerdings bemerkten seine um ihn besorgten Freunde schon seit dem heurigen Frühjahr einen langsamen, aber merklichen Anfall seiner sonst so kräftigen Gestalt und Konstitution. Eine Herzlähmung machte vergangenen Sonntag Abend seinem Leben ein Ende – sein Andenken aber – das sind wir überzeugt, wird auf lange Zeit fortleben in den Herzen seiner vielen Freunde und Verehrer und in der Geschichte der Münchener Hofbühne wird er sicherlich einen Ehrenplatz einnehmen, ihm aber, der den Kampf des Lebens ausgerungen und ausgekämpft, ihm rufen wir in sein frühes Grab nach: »Ruhe sanft in Frieden!«

Der Sammler Nr. 146. Belletristische Beilage zur »Augsburger Abendzeitung«. Samstag, den 16. Dezember 1876.

#Deutscher Bühnen-Almanach (1878)

Nekrologe.

Heinrich Büttgen.

Fast wäre man versucht, es ein Stillleben zu nennen, so ruhig und gleichmäßig, so anspruchslos und seitab dem unsteten Treiben der leitenden und bewegenden Kreise schien es dem Fernstehenden dahin zu gleiten. Und doch war es ein mehr als dreißigjähriges Ringen und Streben, ein langer Weg der künstlerischen Arbeit und Entwickelung, ein mühsam Steigen mit seltenem Haltpunkt, Jahr um Jahr, Monat um Monat, eine sorgliche Rückschau auf das Vollendete, bald ein freudiger Ausblick, wenn ein entschiedener Schritt nach vorwärts glücklich gelungen war, öfter fast ein Anhauch schmerzlichen Zweifels, aber niemals ein Schritt zurück, nie ein Bedenken, wenn es galt, auch unter schwierigen Verhältnissen der Kunst zu dienen, der übernommenen oder der neu angesonnenen Pflicht zu genügen, – eine stete Bereitschaft im selbstgewählten, mit Begeisterung erfaßten, mit männlicher Treue festgehaltenem Berufe. Wir sprechen von Heinrich Büttgen, einem der ältesten und bewährtesten Mitglieder der Münchener Hofbühne, welcher derselbe, noch an der Neige des Jahres 1876, in der Vollkraft seines stets kerngesunden Lebens entrissen worden ist; wir sprechen von einem Münchener mit Leib und Seele, wie sein Thun und Treiben von frühester Jugend auf bewies.

Geboren am 4. April 1821 zu München als der Sohn des Hof- und Cabinetsschlossermeisters Heinrich Büttgen, bereitete er sich selbst ebenfalls für den bürgerlichen Lebenslauf so vor, wie das damals für die Kinder behaglich lebender Familien üblich war, indem er die Lateinschule des k. Erziehungs-Instituts besuchte und dann im elterlichen Geschäfte die nöthigen technischen Kenntnisse sich aneignete, die er in fremden Städten zu erweitern suchte, um einst mit Ehren in des Vaters Fußtapfen zu treten.

Allein früh schon gährte in seinem Innern die Liebe zur Schauspielkunst, zu der ihn neben der feurigsten Neigung auch eine schöne, kräftige Gestalt und ein gesundes, wohltönendes, weitreichendes Organ besonders zu befähigen schienen. Der würdige Veteran der Münchener Bühne, Ferdinand Lang, dann der seinen noch lebenden Zeitgenossen noch immer unvergeßliche Heigel waren es, welche ihn in das Heiligthum der Kunst einführten. Am 9. April 1844, nachdem er eben das 23. Lebensjahr vollendet hatte, wagte Büttgen den ersten Versuch vor den Lampen des Stadttheaters in Ulm unter der Direktion Dardenne. Es kennzeichnet die damaligen Verhältnisse dieser Bühne und die Umstände überhaupt, daß der junge Kunstpriester am ersten Abende in einem Stücke – es war Raimund’s »Verschwender« – drei Rollen spielen mußte, freilich alle drei so bescheiden, daß das Publikum die neugewonnene Kraft wohl in keiner derselben sonderlich bemerken mochte. Von diesem Tage an führte Büttgen bis zu seinem letzten Auftreten – 32 Jahre hindurch – ein genaues Tagebuch aller von ihm gespielten Rollen, welches einen interessanten, freilich nicht immer freudigen Einblick in eine wechsel- und drangvolle Künstlerlaufbahn gewährt.

Uebrigens weist schon nach anderthalb Wochen dieses gewissenhaft geführte Rollenbuch eine beachtenswerthe Partie auf, den Heinrich Land in der »Parteiwuth« oder: »Die Kraft des Glaubens«, und noch im selben Monat folgte Kosinsky in den »Räubern« und der Kandidat Wahl in »Der gerade Weg ist der beste«. Der Aufenthalt in Ulm war kurz, die Saison stand am Ende, den Münchener zog es, nachdem er im Ganzen neun Mal in Ulm aufgetreten war, heimwärts, wo das Theater der Gesellschaft »Frohsinn«, auf dem gar manches hübsche Talent zuerst sich offenbarte, das dann unter glücklichen Sternen einer ehrenvollen Laufbahn entgegeneilte, Gelegenheit bot, sich vor den Augen der heimischen Kunstwächter zu zeigen. Hier spielte Büttgen bis am 29. November desselben Jahres, wo endlich sein sehnlichster Herzenswunsch in Erfüllung ging, indem er an dem K. Hof- und Nationaltheater seiner Vaterstadt München als Kunsteleve durch den K. Intendanten Freiherrn v. Frays aufgenommen wurde und am 23. Dezember dieses Jahres noch auf der Hofbühne und zwar als Flurschütz im »Tell« auftreten durfte.

Monat für Monat brachte neue Rollen, von denen viele auch der gereifte Mann noch trefflich wiedergab. Von jenem Tage angefangen, hat er dann 3761 Mal die Bretter des K. Hoftheaters betreten. Rechnet man dazu noch die Rollen, welche er vom Jahre 1870 ab im Kgl. Volkstheater am Gärtnerplatz, sowie jene, welche er auf einigen Kunstreisen spielte, so wird es nicht zu hoch gegriffen sein, wenn man die Ziffern seines Auftretens mit 3900 voll annimmt. Es dürfte aber auch wenig Künstler geben, welche mit solcher Hingebung ihrem Berufe und der Kunst gelebt, wie er, denn häufig genug ist es vorgekommen, daß er, obgleich sich manchmal ernstlich unwohl fühlend, aus Berufstreue, und um nur keine Störung des Repertoires zu verursachen, seine Rolle spielte; das war insbesondere auch am 20. November 1876 der Fall, wo er, bereits von schwerem Leiden heimgesucht und bettlägerig, gleichwohl sich siech und matt nach dem Theater schleppte, und so elend nach Hause zurückkehrte, daß er zwei Tage darauf sich für immer niederlegte.

Der Juli 1847 bringt im oben erwähntem Tagebuch eine wichtig Notiz. Der 26jährige Schauspieler durfte sich in »Kabale und Liebe« an den Kammerdiener wagen, für den damals Männer, wie Jost und Heigel vorhanden waren, fand lebhaften Beifall und eigenste Befriedigung. Denn während er sonst nur sehr kurz den erzielten Applaus, manchmal aber auch ein selbstkritisches derbes »schlecht« vermerkt, setzt er hier in unverkennbarer Freude die Worte bei: »Erste Rolle im alten Fach mit Glück. Das ist der Platz, den die Natur meinem Talente angewiesen.« Nebenan steht eine, seine Zukunft betreffende, frohe Hoffnung kündende weitere Bemerkung. Aber wie zur Strafe für die so leicht verzeihliche Hochschätzung der eigenen Kraft, machte der Schreiber noch mit der gleichen Tinte einen unwilligen Strich durch. Die mitgetheilten Sätze ließ er unangetastet, ein sicheres Zeichen, daß er auch später nie an ihre Wahrheit zweifelte.

Im klassischen Repertoire sind wenig Stücke, in denen er nicht beschäftigt war, aber auch der vorübergehenden Erscheinungen zählt sein Buch eine lange, lange Reihe auf, in den ersten Jahrzehnten mit interessanten Notizen über wichtige Vorkommnisse im Theaterleben ausgeschmückt, die später seltner vorkommen, und sich endlich ganz verlieren. Die sogenannten guten Rollen sind mit eigenen Zeichen versehen; ein Beweis der strengsten Selbstkritik liegt darin, daß diese Zeichen schon seit Jahren seltener wurden, selbst bei Rollen, bei denen sie nie fehlten. Mit der Reife des Mannes reifte die Strenge des Urtheils über die eigene Leistung. Gastspiele sind, außer einem solchen in Augsburg, nicht verzeichnet, obwohl er einige Male in anderen deutschen Städten, insbesondere im April seines letzten Lebensjahres 1876 mit großem Beifall in Nürnberg gastirte.

Auch den kontraktlichen Urlaub genoß Büttgen, ehe die Theaterferien eingeführt wurden, selten. Er war am liebsten in München, bei seinem Theater, denn die Lust am Wanderleben war ihm fremd, so daß von »brillanten Gastreisen«, »enthusiastischen Aufnahmen« etc. die Biographie wenig zu berichten hat; war doch Büttgen kein Mann der jetzt so üblichen Reklame und gesellte sich zu diesem Umstande seine wohl von seiner bürgerlichen Herkunft entstammende Vorliebe für Seßhaftigkeit. Wo er aber gastirte, fand er ein dankbares Publikum. Daß ihn der Beifall des Publikums erfreute, ihn ehrte, zeigte er dadurch an, daß er jede derartige Bezeugung gewissenhaft in seinem Buche eintrug. Das dankbarste Publikum waren freilich die Münchener, die in dem unermüdlich strebenden Künstler, den sie von kleinen zu größeren, von diesen zu ersten Charakterrollen sich emporarbeiten sahen, dessen Fleiß und Streben unermüdlich war, nicht minder den Menschen als den tüchtigen Schauspieler achteten und liebten. Zwar war Büttgen kein Mann des Kothurns, kein mit allen rhetorischen Wässerchen gewaschener Deklamator, aber trotzdem, oder vielleicht eben deshalb ein ausgezeichneter Darsteller, sobald er seiner Individualität zusagende Charaktere zu zeichnen hatte. Wo es sick um markige Kraft des Ausdruckes, um natürlichen Humor handelte, da befand er sich in seinem ureigensten Elemente. Und so war er denn gerade unschätzbar für jenes echte Volksstück, das auf den Zuschauer wirkt wie ein guter alter Holzschnitt. Seiner liebenswürdigen, geselligen Eigenschaften wegen war er überall ein willkommener Gast, ein gesuchter Gesellschafter. Gewandtheit im Improvisiren, ein trockener Humor, eine herzliche, biedere Gemüthlichkeit, vor Allem ein gerader, offener, ehrlicher und anspruchsloser Charakter gewannen ihm Freunde in allen Kreisen, namentlich in den studentischen, die sich von seiner Seite einer ganz besonderen Bevorzugung erfreuten, Treue und Gewissenhaftigkeit im Berufe, die Anerkennung seiner Vorgesetzten und die Zuneigung seiner Collegen.

Das zeigte sich deutlich nach seinem Tode, der die meisten seiner Bekannten, ja die ganze Stadt München überraschte, von ihm selbst aber sichtlich geahnt war; denn als er am 20. November von der Vorstellung »Die Maler« heimkehrte, schrieb er resignirt in sein Tagebuch »Das war meine letzte Rolle, heut’ hab ich zum letzten Male gespielt!« – Und er hatte Recht gehabt – drei Wochen später, am Sonntag, den 10. December Abends 7 Uhr starb der Künstler, ruhig und gottergeben schloß sich das schmerzensmüde Auge für immer. Ein akut aufgetretenes Herz- und Nierenleiden mit erfolgter Herzlähmung setzte seinem, der Kunst mit Hingebung geweihten Leben im 55. Jahre ein zu frühes Ende.

An seinem Sarge stand seine trostlose Wittwe, mit der er 32 Jahre zusammen im Dienste der Kunst an der Münchener Hofbühne gewirkt hatte, standen seine drei Tochter (von denen die älteste, Caroline, mit dem k. bayer. Hofschauspieler Franz Herz, die jüngste, Julie, mit dem k. bayer. Geh. Staatsarchivs- und Ordens-Sekretär Ernst v. Destouches verheiratet ist) und drei Enkelkinder.

Eine allgemeine tiefgehende Theilnahme hatte sich schon während Büttgen’s Krankheit, um so mehr bei der Nachricht seines Hinscheidens in ergreifender Weise kund gegeben, und als man ihn am 13. Dez. 1876 auf dem alten südlichen Friedhofe Münchens zu Grabe trug, da war sein Sarg mit Blumen- und Lorbeerkränzen förmlich überdeckt. Die ersten Mitglieder des Schauspiels und der Oper, darunter auch sein erster Lehrer, der greise Ferdinand Lang, mit Florschärpen, Wachskerzen tragend, begleiteten den Sarg, dem in endlosem Zuge, nach den beiden Schwiegersöhnen des Verstorbenen, der k. General-Intendant Freiherr v. Perfall, der Hof-Sekretär des Königs, Hofrath v. Dufflipp, der interimistische Leiter des k. Staats-Ministeriums des k. Hauses und des Aeußern, Staatsrath Dr. v. Daxenberger, sämmtliche Beamte und Mitglieder der beiden k. Theater, die Mitglieder der k. Hofkapelle, einer Anzahl von Gesellschaften, Vereinen, Studenten-Corps, sowie eine endlose Reihe von Leidtragenden aus allen Ständen folgten. Man sah deutlich, daß ein Liebling des Münchener Publikums, ein hochachtbarer Bürger der Stadt, zu Grabe getragen ward.

Daß Büttgen’s früher Tod als ein Verlust für die deutsche Schauspielkunst nicht blos in München selbst, sondern weit über das Weichbild der Stadt hinaus, schmerzlich empfunden wurde, das bewiesen vor Allem die ehrenvollen Nachrufe, die ihm nicht blos von den Münchener Lokalblättern, sondern auch von den geachtetsten Journalen Süddeutschlands gewidmet wurden, das bewiesen ferner die Zeichen herzlichster Theilnahme, die seiner Familie von Nah und Fern – so u. A. auch von Oskar v. Redwitz aus Schillerhof bei Meran – zukamen.

Darum wird aber auch sein Angedenken auf lange Zeit in Ehren fortleben in den Herzen seiner vielen Freunde und Verehrer und in der Geschichte der Münchener Hofbühne; in den Annalen der Stadt wird er sicherlich einen Ehrenplatz einnehmen! Ihm aber, der den Kampf des Lebens ausgerungen, ihm rufen wir in sein frühes Grab nach:

»Ruhe sanft in Frieden!«

Deutscher Bühnen-Almanach. Berlin, den 1. Januar 1878.

#Die Scheinwelt und ihre Schicksale (1893)

Ein tüchtiger Künstler und ehrenwerther Bürger ist unser Heinrich Büttgen in München gewesen, wo er am 4. April 1821 als der Sohn eines Hofschlossers zur Welt gekommen war, allgemein geschätzt und geachtet. Die Geschichte seiner Künstlerlaufbahn ist ebenso wie die seines Lebens mit der Residenzstadt an der Isar eng verknüpft; denn nachdem er die kgl. Erziehungsanstalt für Studirende besucht, den Hoffschauspielern Lang und Heigel sein Darstellertalent anvertraut hatte, wurde er nach erfolgreichem Debut in Ulm (1844), noch im selben Jahre am Münchener Hoftheater zuerst als Eleve engagirt, zu dessen besten Mitgliedern er dann bis an sein Lebensende gehörte. Flißig und pflichtgetreu wußte er sich bald aus der Sphäre der kleinen Partien bis zu den höheren ersten Charakterrollen emporzuschwingen und galt namentlich als Vertreter der specifisch bayerischen Gemüthlichkeit und des Humors als ein vollendeter Darsteller. Als im Jahre 1849 sein Lehrer, der treffliche Schauspieler Heigel am 3. Mai seinen Tod in den Wellen der Isar fand, übernahm er größtentheils dessen künstlerische Erbschaft. Büttgen gehörte 32 Jahre unserer Hofbühne an und war bis kurz vor seinem Tode, 10. Dezember 1876, als actives Mitglied thätig.

Die Scheinwelt und ihre Schicksale. Eine 127jährige Historie der Münchener kgl. Theater im populärer Form und als Jubiläums-Ausgabe. Zu Ehren des fünf und zwanzigjährigen Dienst-Jubiläums Seiner Excellenz des Herrn General-Intendanten Freiherrn von Perfall von Max Leythäuser. München; 1893.

#Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903)

Büttgen Heinrich, geboren am 4. April 1821 in München. Er war der Sohn des Hof- und Kabinettschlossers Heinrich B. und sollte ebenfalls den Beruf seines Vaters ergreifen. Allein ihn drängte es unwiderstehlich zur Kunst, er nahm Unterricht bei dem Veteranen der Münchener Bühne, Ferdinand Lang und betrat am 9. April 1844 zum erstenmal in Ulm die Bühne. Er mußte an diesem Abende in nicht weniger als drei Rollen im »Verschwender« debütieren. Allerdings wurde seine Stellung später besser, und schon seine nächste Partie war der »Kosinski«.

Er verließ nach einem Jahre dies Engagement und kehrte nach München zurück, wo er als Kunsteleve am Königl. Hoftheater aufgenommen wurde. Am 23. Dezember 1845 betrat er diese Bühne zum erstenmal als »Flurschütz« im »Tell«. Er blieb dieser Kunststätte fortab, und zwar bis zu seinem Tode treu und dürfte es wenige Künstler daselbst gegeben haben, die mit solcher Hingebung dem Berufe und der Kunst gelebt haben, wie B. 1846 wurde er zum Hofschauspieler ernannt, und schwang sich nach und nach bis zu den ersten Charakterpartien empor.

Das Publikum zeichnete diesen unermüdlich strebsamen Künstler, dessen Leistungen bald mustergültig wurden, mit den größten Ehren aus, und waren es namentlich die natürliche Kraft des Ausdruckes und der natürliche Humor, sowie seine herzliche, biedere Gemütlichkeit, die ihm eine große Zahl Verehrer erwarben.

1876 erkrankte er und mühsam schleppte er sich noch am 20. November ins Theater, um den »Ubique« in »Die Maler« zu spielen. Er hatte das Gefühl, daß dies seine letzte Rolle sei, und so war es auch. Am 10. Dezember trug man einen besonderen Liebling des Münchener Publikums zu Grabe.

Ludwig Eisenberg’s Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Leipzig, 1903.

#Jeanette Büttgen (vw) / Dedler (gb)

* 1824 (Augsburg)
† 5.11.1884 (München)
Schauspielerin

#Die Deutsche Schaubühne (1861)

Frau Büttgen (Alte) füllt ihren Platz befriedigend aus, ohne gerade besonders Hervorragendes zu leisten, wozu ihr übrigens auch ihre Beschäftigung selten Gelegenheit giebt in Rollen, wie Therese (»Hagestolzen«), Anna Welser (»Philippine Welser«), Mutter Barbaud (»Grille«) etc.

Die Deutsche Schaubühne. Organ für Theater und Literatur. Redigirt von Dr. Teodor Mehl. Hamburg; 1861.

#Illustrirte Zeitung (15.11.1884)

Todtenschau

Frau Jeanette Büttgen, geborene Dedler, seit 41 Jahren Mitglied des königl. Hoftheaters in München, geschätzte Schauspielerin, eine Schülerin der Birch-Pfeiffer, † daselbst am 4. November im 60. Lebensjahre.

Illustrirte Zeitung Nr. 2159. 15. November 1884.

#Allgemeine Zeitung (6.11.1884)

F. (Jeanette Büttgen †.) Gestern Nacht entriß uns der Tod eine verdienstvolle Künstlerin unserer k. Hofbühne, Frau Jeanette Büttgen, geb. Dedler, nach langwierigem, schmerzlichem Gehirnleiden und nach 41jähriger Dienstzeit. Sie und ihr Gatte Heinrich Büttgen, der den 10. December 1876 verstarb, nehmen in der Geschichte unseres Kunstinstitutes eine bemerkenswerthe Stelle ein.

Jeanette Dedler, seit 1845 Frau Büttgen, ist eine Schülerin der Charlotte Birch-Pfeiffer; sie kam mit ihrer Meisterin im October 1843 vom Actientheater in Zürich nach München und gastirte mit derselben in Raupachs Tragödie »Kaiser Heinrich VI.« als Irene, in »der Fabrikant« von Devrient als Eugenie, in »Mutter und Sohn« als Selma (Frau Birch-Pfeiffer die Generalin), im »Schmuckkästchen« von Kotzbue als Amalie und in »Hinko der Freiknecht« als Margitta (Frau Birch-Pfeiffer die Margarethe Volkner) und trat mit 1. November in den Verband der Hofbühne an Stelle der Dem. Darcourt.

Frau Büttgen war eine sehr leistungsfähige Schauspielerin; Dingelstedt hatte ihre wie ihres Gatten Vorzüge wohl erkannt und sie in klassischen Stücken in die vorderste Reihe der Acteurs gestellt; so spielte Frau Büttgen in »Antigone« von Sophokles die »Euridike,« lange Zeit war ihr die Rolle der Millerin in »Kabale und Liebe« und der Mutter des Clärchen in Goethe’s »Egmont« übertragen und die Mehrzahl der Theaterbesucher wird sich ihrer Leistungen gewiß noch freundlich erinnern.

Die nun im 60. Lebensjahr dahingeschiedene Künstlerin erfreute sich des Wohlwollens und der Achtung nicht nur der Theaterbesucher, sondern auch Aller, die ihr im Leben näher traten. Freitag den 7. ds., Nachmittags 3 Uhr, findet das Leichenbegängniß statt.

Zweite Beilage zur Allgemeinen Zeitung Nr. 309. München; Donnerstag, den 6. November 1884.

#Deutscher Bühnen-Almanach (1886)

Jeanette Büttgen, geb. Dedler.

Am Morgen des 5. November 1884 wurde Fr. Büttgen welche 40 Jahre hindurch eine Zierde der Münchener Hofbühne gewesen, von mehrjährigen schweren Leiden durch den Tod erlöst. Eine treffliche Künstlerin und liebenswürdige Colegin wurde in ihr zu Grabe getragen unter herzlichster Theilnahme der Bevölkerung Münchens, welche für die Künstlerin wie für die Frau von gleich hoher Achtung erfüllt gewesen. Jeanette Dedler, zu Augsburg im Jahre 1824 geboren, machte schon als dreizehnjähriges Mädchen ihre ersten theatralischen Versuche. Durch den Unterricht der Fr. Ch. Birch-Pfeiffer entwickelte sich rasch ihr anmuthiges Talent. Sie siedelte mit ihrer Lehrerin nach Zürich über, wo sie 6 Jahre hindurch am Stadttbeater der Liebling des Publikums war. Ein Gastspiel führte sie im Herbst 1843 wieder nach München. Sie spielte am Königl. Theater die Irene in »Heinrich VI.«, Eugenie in »Der Fabrikant«, Selma in »Mutter und Sohn« und die Markitta in »Hinko« und wurde sofort für die Hofbühne gewonnen, der sie bis zu ihrem Tode als Mitglied angehörte. 1799 Mal trat sie in München auf, zuerst im Fache der sentimentalen Liebhaberinnen, später in dem der ernsten und humoristischen Mütter. Von hervorragenden Rollen ihrer späteren Zeit nennen wir besonders die Fr. Miller in »Cabale und Liebe«, Clärchens Mutter in »Egmont«. Mit dem ihr im Jahre 1877 im Tode vorausgegangenen Hofschauspieler Büttgen lebte sie in langer und außerordentlich glücklicher Ehe. Während der letzten zwei Jahre kränkelte sie so andauernd, daß sie die Bühne nicht mehr betreten konnte. Ein warmes, herzliches Andenken bewahrt der trefflichen Frau Jeder, der in nähere Berührung mit ihr gekommen.

Deutscher Bühnen-Almanach. Berlin, 1886.

#Franz Herz

* 24.12.1817 (Münster/Westfalen)
† 23.4.1889 (München)
Schauspieler und Regisseur

#Die Deutsche Schaubühne (1861)

Hr. Herz ist sehr glücklich in der Wahl seiner Masken, während die psychologische Entwicklung der Charaktere oft weniger gelungen ist. Er hat eine schöne schauspielerische Begabung; doch will uns bedünken, aus seiner Spielweise lasse sich erkennen, daß emsiges Studium dieselbe noch auf eine weit vollendetere Stufe bringen könnte. So ist er häufig nicht einmal Herr des Worts, und dies ist doch gewiß die erste Anforderung, die man an jeden Künstler zu stellen berechtigt ist. Einzelnes bei ihm laßt kaum Etwas zu wünschen übrig, während im nächsten Augenblicke den größten Schönheiten plötzlich wieder etwas Unfertiges folgt, und wir uns wie mit kühlem Wasser übergossen fühlen. Sein Organ ist schwach und ohne Klangfülle; allein auch dies ließe sich wohl mehr verdecken, wenn er es besser beherrschte; er nehme sich in dieser Beziehung seinen Vorgänger Friedrich Haase zum Vorbild, welcher mit noch geringeren Mitteln die glänzendsten rhetorischen Effekte erzielte. Aufgaben der Tragödie und des Lustspiels, die von dem Künstler mit Fleiß ausgearbeitet sind, löst derselbe sehr beftiedigend, und als solche wollen wir beispielsweise Cromwell (»Montrose«), Ludwig XI. (»Karl der Kühne« von Melchior Meyr), Hypolit von Bieberstein (»Ich bleibe ledig«) u. s. f. erwähnen. Andere Rollen dagegen, die ihm weniger zuzusagen scheinen, wie Talbot (»Jungfrau von Orleans«) sinken durch seine Darstellung zur Bedeutungslosigkeit herab.

Die Deutsche Schaubühne. Organ für Theater und Literatur. Redigirt von Dr. Teodor Mehl. Hamburg; 1861.

#Neuer Theater-Almanach (1890)

Franz Herz, kgl. bayr. Hofschauspieler, † in München, geb. 24. Dez. 1817 in Münster. Sohn eines Offiziers und einer früheren Schauspielerin, machte er 1836 in Duisburg bei einer reisenden Gesellschaft als Adam (Dorfbarbier) den ersten theatralischen Versuch; seine Laufbahn führte ihn nach den einstmals üblichen Komödianten-Wanderungen 1845 an das Stadtth. in Bremen (artist. Dir. K. A. Ritter), 1846 Augsburg (Dir. Wilhelm Lippert), 1847 Regensburg (Dir. J. Dardenne und Friedr. Maurer), später nach Graz, Düsseldorf, Wiesbaden. Am 1. Okt. 1858 trat er als erster Charakterspieler zur Uebernahme der Rollen, die der gealterte Karl Jost nicht mehr leisten konnte, in den Verband des Hofth. in München. Seine Proberollen waren Mephisto, Shylock, Lamoignon, Carlos (Clavigo) gewesen; seitdem Ernst Possart als jugendliche Kraft ihn wiederum in einem Theile seiner Rollen ersetzt hatte, umfaßte seine Thätigkeit die älteren Charakter- und Väterrollen ernster und humoristischer Art, in denen er ganz Vorzügliches leistete: Attinghausen, Polonius, Piepenbrink, Klosterbruder, Argan (Der eingebildete Kranke), Geizige u. dgl.

Neuer Theater-Almanach für das Jahr 1890. Berlin, 1890.

#Die Scheinwelt und ihre Schicksale (1893)

Franz Herz [1], 1824 zu Münster geboren, hatte sich aus den bescheidensten Anfängen zu einer bedeutenden künstlerischen Stellung emporgearbeitet, welche er ehrenvoll über drei Decennien behauptete. Bevor der Künstler zu uns kam, wirkte er bereits mit großem Glück in Wiesbaden, wo bereits seinem Namen der Ruf eines vorzüglichen Charakterdarstellers vorausging. Diese Eigenschaft bethätigte Lerz auch bei uns und that dies in hervorragender Art, indem er seine Person stets der Sache, seine Rolle stets dem Kunstwerke unterordnete und so, unterstützt von kräftiger schauspielerischer Individualität und reicher Gestaltungskraft, Leistungen schuf, welche, wie z. B. sein »Klosterbruder«, geradezu mustergiltig waren. Franz Herz war im Lustspiel, wie in der Tragödie, im modernen Schauspiel, wie im leichten Schwank, gleich ausgezeichnet und hatte in jeder seiner Rollen den ungetrübtesten Erfolg.

[1] Franz Herz ist nach qualvollem Leiden am 23. April 1889 in München gestorben.

Die Scheinwelt und ihre Schicksale. Eine 127jährige Historie der Münchener kgl. Theater im populärer Form und als Jubiläums-Ausgabe. Zu Ehren des fünf und zwanzigjährigen Dienst-Jubiläums Seiner Excellenz des Herrn General-Intendanten Freiherrn von Perfall von Max Leythäuser. München; 1893.

#Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903)

Herz Franz, geboren am 24. Dezember 1817 in Münster als Sohn eines Offiziers und einer Schauspielerin. Er sollte ursprünglich Kaufmann werden, jedoch als er 1835 nach Duisburg kam, um daselbst in eine große Fabrik einzutreten, versuchte er sich bei einer Wandertruppe, die daselbst in einer Scheune Komödie spielte, als »Adam« in »Dorfbarbier«. Der Erfolg bestärkte ihn in seiner Neigung, Schauspieler zu werden, und rasch entschlossen, gab er die schon begonnene kaufmännische Karriere auf und ging zur Bühne.

Zuerst mußte er sich bei reisenden Gesellschaften durchschlagen, bis es ihm endlich gelang, 1845 Engagement in Bremen zu finden. Er blieb ein Jahr daselbst, dann wirkte er in Augsburg 1846–1847, Regensburg 1847, Graz 1848–1851, Düsseldorf 1852 und am Hoftheater in Wiesbaden 1853–1858. Dort sah ihn Friedrich Dahn, der ihn zu einem Gastspiel ans Münchener Hoftheater für den ausscheidenden Friedrich Haase empfahl. Der Künstler gastierte mit Erfolg (»Mephisto«, »Shylock, »Präsident« im »Urbild des Tartüffe« und »Carlos« in »Clavigo«) und wurde engagiert.

H. hat selbst in seiner Jugend nebst komischen Gestalten und Naturburschen, Charakterrollen gespielt, und behauptete sich auch in München während seiner mehr als 30jährigen künstlerischen Tätigkeit in diesem Fach mit großem Glück. Zu seinen beliebtesten Rollen zählten vor allem »Philipp II.«, »Narziß«, »Shylock«, »Butler« sowie »Argan« und »Harpagon«, und verschaffte er durch seine köstliche Darstellung den Moliereabenden besondere Zugkraft. Auch verdient sein »Klosterbruder« Erwähnung, der bei den Mustergastspielen im Jahre 1880 durch die einfache und treuherzig – milde Gestaltung H.’s allgemeine Bewunderung errang.

Aber nicht nur in der Klassik, auch im Lustspiel trat er mit großem Erfolg auf, und blieben sein »Kommerzienrat Verren« in »Maria und Magdalena« oder sein »Lebrecht Müller« in »Störenfried«, sein »Vetter«, »Kaufmann Bloom« etc. den Münchnern stets in angenehmster Erinnerung. Er war und blieb immer ein Schauspieler, der es verschmähte, durch Aufdringlichkeit zu wirken. Stets bestrebt, als dienendes Glied sich dem Ganzen anzuschließen, war ihm jede Sucht, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, fremd. H. hatte dies auch gar nicht nötig, denn er wirkte durch seine herzerfrischende Natürlichkeit, seine natürliche Ursprünglichkeit, seinen behaglichen Humor und seine spontane Beredsamkeit. Er grübelte auch nicht lange, sondern fand meist ohne zu spintisieren das Richtige, welches die Wirkung nur selten verfehlte. Der Künstler ist dem Münchner Hoftheater bis zu seinem Tode treu geblieben. Er starb am 23. April 1889, und nur schwer gewöhnte man sich daran, dem »alten Herz« nicht mehr auf den Brettern zu begegnen.

Ludwig Eisenberg’s Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Leipzig, 1903.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Herz Franz, 1817 (Münster/Westfalen) – 1889, Hofschauspieler und Regisseur; nach einem Wander-Spiel-Leben im Rheinland fand er 1845 in Bremen Anstellung, er spielte dann in Hamburg, Regensburg, Graz und Düsseldorf und hielt es zuletzt doch von 1853–1858 am Wiesbadener Hoftheater aus, wo ihn Friedrich Dahn zu einem Gastspiel im Münchner Hoftheater einlud; seine erfolgreiche Darstellung des Mephisto, Shylock, des Präsidenten im Tartüff und des Carlos in Clavigo entschied Hs. Engagement; er hatte mit demselben Glück neben Naturburschen und komischen Rollen auch Charakterrollen gespielt; zu seinen beliebtesten Rollen zählen u. a.: Philipp II., Shylock, Butler, Argan und Harpagon; für Molières Stücke war H. wie geschaffen.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#6 – 2 – 38 (Gabler)


Familie
Gabler


  • Gabler, Amalie (vw); – 9.7.1854 (München), 62 Jahre alt; Oberkonsistorialrats-Witwe
  • Gabler, Maria; – 16.12.1858 (München), 17 Tage alt; Rechnungskommissärs-Tochter
  • Gabler, Theodor August, Dr. theol. et phil.; – 25.4.1849 (München), 61 Jahre alt; Oberkonsistorialrat

Todesanzeige für Dr. theol. et phil. Theodor August Gabler

Grab der Familie Gabler auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2015)

#6 – 2 – 56 (Biondino)


Hier ruhen
Herr Alois Biondino
k. Regierungs-Rechnungs-Commissär,
geb. den 18. Mai 1777, gest. den 15. Januar 1842.
Frau Friederike Biondino
geb. den 29. Mai 1807, gest. den 19. Juni 1882.
Pauline, geb. 19. Febr. 1835, gest. 3. April 1835.
Frau Karoline Biondino
geb. von Peller, Majors-Gattin,
geb. den 7. Febr. 1837, gest. den 14. Novbr. 1899.
Herr Friedrich Biondino
k. Major a. D.
geb. den 5. Januar 1830, gest. den ¿. Januar 1917.
Karoline, geb. 17. Mai 1862, gest. 23. März 1863.
Gottfried, geb. und gest. 3. Oktober 1863.

J. Lallinger.

Rückseite
Bezirksoberamtmann i. R.
Friedrich Biondino
* 3.10.1863 † ¿.1936.


  • Biondino, Alois; 18.5.1777 – 15.1.1842 (München); Rechnungskommissär
  • Biondino, Friedrich; 3.10.1863 – 1936; Bezirksoberamtmann
  • Biondino, Friedrich; 5.1.1830 (München) – 8.1.1917 (München); Major a. D.
  • Biondino, Friederike (vh) / Visino (gb); 29.5.1807 – 19.6.1882; Rechnungskommissärs-Gattin
  • Biondino, Gottfried; 3.10.1863 – 3.10.1863
  • Biondino, Karoline; 17.5.1862 – 23.3.1863 (München); Oberleutnants-Tochter
  • Biondino, Karoline (vh) / Peller, von (gb); 7.2.1837 (Nürnberg) – 14.11.1899; Majors-Gattin
  • Biondino, Pauline; 19.2.1835 – 3.4.1835

Todesanzeige für Friedrich Biondino

Grab der Familie Biondino auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2015)

#6 – 3 – 11 (Kraus · Sammweber)


Familie
Kraus.


  • Kraus, Franz; – 25.2.1877 (München), 59 Jahre alt; Privatier
  • Kraus, Josefine; – (20).4.1907 (München), 2 Jahre alt; Kaufmanns-Tochter
  • Kraus, Katharina (vh); – 1.8.1870 (München), 75 Jahre alt; Privatiers-Gattin
  • Sammweber, Kreszentia (vw); — 20.12.1888 (München), 68 Jahre alt; Privatiers-Witwe

Todesanzeige für Katharina Kraus

Todesanzeige für Franz Kraus

Todesanzeiger für Kreszentia Sammweber

Grab der Familien Kraus · Sammweber auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#6 – 3 – 15 (Illing · Karlmann)


FRAU
EMMA KARLMANN
¿


  • Illing, Rudolf; – (15).2.1889 (München), 43 Jahre alt; Volkssänger
  • Karlmann, Emma (vh) / Illing (gb); – 18.1.1890 (München), 30 Jahre alt; Kunst- und Metallgiessereibesitzers-Gattin

Todesanzeige für Rudolf Illing

Todesanzeige für Emma Karlmann

Grab der Familien Illing · Karlmann auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

#6 – 3 – 18·19 (Grabmayer · Maul)


Linke Spalte
Grabmayer

Rechte Spalte
Maul


  • Grabmayer, Anna; – 1.10.1865 (München), 16 Jahre alt; Kaufmanns-Tochter
  • Grabmayer, Babette (vh); – (29).12.1906 (München), 46 Jahre alt; Vorarbeiters-Gattin
  • Grabmayer, Josef; – (5).2.1832 (München), 58 Jahre alt; Tuchmacher
  • Grabmayer, Katharina; – (30).6.1855 (München), 7 Jahre alt; Gastwirts-Tochter
  • Grabmayer, Maria; – (7).10.1889 (München), 81 Jahre alt; Kaufmanns-Witwe
  • Grabmayer, Paul; – 1.3.1871 (München), 75 Jahre alt; Ehemaliger Kaufmann
  • Maul, Babette; – (3).6.1901 (München), 1 Jahr alt; Schlossers-Tochter
  • Maul, Johanna; – (5).12.1903 (München), 25 Jahre alt
  • Maul, Julia; – (15).6.1891 (München), 2 Jahre alt; Schlossers-Tochter

Todesanzeige für Anna Grabmayer

Grab der Familien Grabmayer · Maul auf dem Alten Südfriedhof München (März 2021)

Grab der Familien Grabmayer · Maul auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2015)

Grab der Familien Grabmayer · Maul auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2015)

#6 – 3 – 27·28 (Wenglein)


Unser einziges Töchterlein
Adele
geb. 19. Dez. 1875, gest. ¿. April 1890.
Die geliebte Mutter
Frau Cäcilie Wenglein
Justizratswitwe
geb. ¿. Aug. 1841, gest. 26. Jan. 1921
¿ Otto Wenglein
geb. 27. April 1878, gest. 23. Dez. 1923


  • Wenglein, Adele; 19.12.1875 – 30.4.1890 (München); Notars-Tochter
  • Wenglein, Adele (vw); ¿.8.1841 – 26.1.1921; Justizrats-Witwe
  • Wenglein, Otto; 27.4.1878 – 23.12.1923

Todesanzeige für Adele Wenglein

Grab der Familie Wenglein auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2015)

#6 – 3 – 41* (Adler · Engleder)


Die Grahbinschrift ist nicht überliefert


  • Adler, Christian; 6.5.1786 (Triesdorf bei Ansbach) – (6).3.1842 (München); Porzellanmaler
  • Engleder, Franziska (vw); – (27).6.1890 (München), 85 Jahre alt; Hofinstrumentenmachers-Witwe

Das Grab ist nicht erhalten


#Christian Adler

* 6.5.1786 (Triesdorf bei Ansbach)
† (6).3.1842 (München)
Porzellanmaler

#Die bildende Kunst in München (1842)

Nach dem Regierungs-Antritte des Königes Ludwig wurde die Ausführung jenes Services wieder aufgenommen, da sich indessen mehrere Künstler zur würdigen Lösung der Aufgabe herangebildet hatten, und

Christian Adler

als Obermaler und Inspektor der Malerei an der Anstalt das Werk mit regem Eifer und wahrem Kunstsinne fördert. Er ist geboren 1787 in Triesdorf bei Ansbach, der Sohn eines Gestüttmeisters bei dem Markgrafen von Ansbach und Bayreuth, der nach der Übergabe seines Fürstenthums an Preussen nach England ging, wohin ihm Adler mit seiner Familie folgte. Im Jahre 1804 kehrte er nach Ansbach zurück, wo sich sein Sohn Christian im Malen und Zeichnen übte, im Jahre 1808 sich der Porzellan-Malerei widmete und darauf mehrere Anstalten dieser Art besuchte, bis er im Jahre 1811 in Nymphenburg als Maler angestellt wurde. Hier beschäftigte er sich vorzüglich mit der Verzierung und Schmelzmalerei auf Tassen und Vasen, bis er später die Ausführung jenes königlichen Auftrages übernahm, mit deren Vollendung er bis jetzt mit andern Künstlern beschäftigt ist, während zugleich viele andere mit den schönsten Gemälden geschmückte und reich und geschmackvoll verzierte Bilder auf Porzellan zum Betriebe der Anstalt ausgeführt werden.

Zu seinen vorzüglichsten Arbeiten gehören mehrere große, schön verzierte Vasen mit Bildnissen der königlichen Familie, die theils in Farben, theils in Reliefen dargestellt sind; eine andere mit einer reliefartigen Darstellung der Huldigung der Wissenschaften und Künste nach Wagners Entwurfe, welche dem Könige Max Joseph bei der Feyer seines Jubiläums von dem Minister Freiherrn von Lerchenfeld überreicht wurde. Vor allen zeichnete sich aus eine Vase mit den Bildnissen des Kronprinzen, jetzigen Königs von Preussen und der Prinzessin Elise von Bayern, die zur Feyer ihrer Vermählung ausgeführt wurde. Die Köpfe sind, täuschend ein Came aus Onyx nachahmend, in dreifacher Lage geschnitten, deren oberste lichtbraun, die mittlere milchweiß sich vom dunklem Hintergrunde abheben, und im schönsten Relief gearbeitet.

Dr. Johann Michael von Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.

#Conversationslexicon für Bildende Kunst (1843)

Adler, Christian, eine Notabilität unter den Schmelzmalern, ist 1787 in Triesdorf bei Ansbach geboren und war der Sohn eines markgräfl. Gestütmeisters. Im Jahre 1804 kam Christian in das Atelier des Ansbacher Professors Naumann, wo er den Grund im Zeichnen und Malen legte, und warf sich 1808 auf die Porzellanmalerei. Nach seinem Besuche mehrerer Porzellanfabriken ward er 1811 bei der Nymphenburger Anstalt placirt, benutzte aber daneben ein Triennium lang sehr fleissig die Münchner Akademie. Adler ward 1815 an Anton Auer’s Stelle Obermaler und Inspector der Malerei bei der königl. Porzellanmanufactur, wo er seitdem jene prächtigen Vasen- und Plattengemälde schuf, die seinen wie der Anstalt Namen durch Europa verbreiteten. Er übernahm jenen dem zu früh verstorbenen Anton Auer vom damaligen Kronprinzen Ludwig gegebenen Auftrag zur Ausführung eines grossen Services, wo auf Tellern und Platten die ausgezeichnetsten Malerwerke der königl. Gallerie in sorgfältigster Nachbildung dargestellt werden sollten. Eine solche Aufgabe war wohl geeignet, die ganze Kunstkraft eines Adlers zu wecken. Er wirkt im Vereine mit andern Kräften (Max Auer d. S., Heinzmann, le Feubure, Kristfeld etc.) noch heute für die Vollführung dieser weitgesteckten königlichen Aufgabe, und die von seiner eignen Hand datirenden Gemäldecopien auf Porzellan sind so frei, kräftig und treu gearbeitet, dass sie seine Meisterschaft in diesem Malerzweige auf das Glanzvollste bekunden. Man rühmt von seinen Nachbildungen in Schmelzfarben vor allem die Bildnisse; so das Bildniss Giorgione’s nach dessen Selbstporträt in der Pinakothek, das des Cardinals Rospigliosi nach Velasquez, ferner das Rafaelische Selbstporträt und das Bild eines Franziscaners nach Rubens. Nach Rafael bildete er übrigens die Madonna Tempi und die heilige Familie auf einer Platte von 22 Zoll im Geviert nach, welche Arbeit zu den allerbedeutendsten Productionen der modernen Schmelzmalerkunst gerechnet wird. Auszeichnend nennt man auch eine Vase, die er zum Vermählungsfest des Kronprinzen (nunmehrigen Königs) von Preussen und der Prinzess Elisabeth mit deren Porträts schmückte. Die Köpfe sind, bei täuschender Nachahmung einer Kamee aus Onyx, in dreifacher Lage geschnitten, deren oberste lichtbraun, die mittlere milchweiss vom dunkeln Hintergrunde sich abheben, und im schönsten Relief behandelt.

Conversationslexicon für Bildende Kunst. Leipzig, 1843.

#Allgemeines Künstler-Lexikon (1872)

Adler. Christian Adler, Porzellanmaler, geb. zu Triesdorf bei Ansbach 6. Mai 1787, † zu München 1842.

Nachdem er den ersten Kunstunterricht bei Prof. Naumann in Ansbach erhalten hatte, arbeitete er von 1811 an in der k. Porzellanmanufaktur zu Nymphenburg bei München und wurde 1815 zum Obermaler und Inspektor derselben ernannt. In Deutschland gehörte er bald zu den ersten Meistern seines Fachs und brachte es in der damals beliebten Schmelzmalerei, insbesondere in der Nachbildung alter Meisterwerke, zu einer nicht gewöhnlichen Geschicklichkeit. Das tiefere Erfassen der alten Meister in ihrem Charakter darf man freilich von ihm ebenso wenig erwarten wie von den andern gleichzeitigen Künstlern seines Fachs. Dieser Mangel tritt denn auch in den Porzellangemälden zu Tage, die er von 1827 an auf Anordnung des Königs Ludwig I. als Kopien nach hervorragenden Bildern der alten Pinakothek zu München ausführte (die Sammlung befindet sich im Erdgeschosse der neuen Pinakothek). Zu den besten Arbeiten des Künstlers gehören mehrere grosse Luxusvasen mit Bildnissen der bayrischen Königsfamilie, so wie die Vase mit einer Darstellung der Huldigung der Künste und Wissenschaften nach M. Wagner’s Entwurf, welche dem König Max-Joseph zu seinem Jubiläum 1825 überreicht wurde. Die farbige Behandlung sucht in allen diesen Werken, wie überhaupt in der Porzellanmalerei der Zeit, der Wirkung des Oelbildes nahe zu kommen und hat nichts von jenem zarten und eigenthümlichen Ton, den dieser Kunstzweig im 18. Jahrh. zu erreichen wusste.

Verzeichniss seiner Werke in: Nagler’s Geschichte der k. Porzellan-Manufaktur, in den Bayer. Annalen. Jahre 1831.

J. Meyer.

J. Meyer: Allgemeines Künstler-Lexikon. Leipzig, 1872.

#Allgemeines Künstler-Lexicon (1895)

Adler, Christian, Porzellanmaler, geb. 6. Mai 1786 in Triesdorf (Unterfranken), † 1842 in München, wurde 1815 Inspektor und Obermaler der Porzellanmanufaktur in Nymphenburg und lieferte zahlreiche, in Zeichnung und Farbe genaue Kopien nach Bildern der Alten Pinakothek, jetzt befindlich in der Porzellangemälde-Sammlung der Neuen Pinakothek.

Allgemeines Künstler-Lexicon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Vorbereitet von Hermann Alexander Müller. Herausgegeben von Hans Wolfgang Singer. Erster Band. Frankfurt am Main, 1895.

#6 – 3 – 44·45 (Mayr)


Mayr’sche Grabstätte.

Josef Mayr
Bäckermeister,
17. Jan. 1829 – 16. April 1893.
Dessen Gattin
Josefa Mayr
geb. Gruber
24. Dez. 1834 – 25. Nov. 1900.
Frl. Käthi Mayr
* 7.I.1861 – † 24.II.1940.

Linke Seite
¿


  • Mayr, Josef; 17.1.1829 – 16.4.1893; Bäckermeister
  • Mayr, Josefa (vh) / Gruber (gb); 24.12.1834 – 25.11.1900; Bäckermeisters-Gattin
  • Mayr, Käthi; 7.1.1861 – 24.2.1940

Grab der Familie Mayr auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2011)

#6 – 4 – 15 (n. n.)


(Februar 2021)

#6 – 4 – 18* (Conjola · Weissmantel)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Conjola, Karl; 5.2.1773 (Mannheim) – 19.11.1831 (München); Landschaftsmaler
  • Weissmantel, Andreas; – (6).3.1864 (München), 59 Jahre alt; Eisenbahnkondukteur
  • Weissmantel, Viktoria (vw); – 1888 (München); Oberkondukteurs-Witwe

Das Grab ist nicht erhalten


#Karl Conjola

* 5.2.1773 (Mannheim)
† 19.11.1831 (München)
Landschaftsmaler

#Gesellschaftsblatt für gebildete Stände (1814)

Wir schreiten nun zur Betrachtung der Vorzüglichsten unter den übrigen ausgestellten Kunstwerken. Die Landschaften von Nro. 40 bis 45 von Carl Conjola haben nebst andern reelen Kunstverdiensten, die Vollendung der Scene im charakteristisch-eigenen Moment eigen, was dem, mit Hülfe der Kunst gebildeten Naturfreund in der Landschaftsmalerey gerade das Liebste ist. Besonders sind seine Lüfte und Fernen in dieser Hinsicht mit so schöner Behendigkeit vorgetragen, daß man ihn als einen, die Natur innig verehrenden Künstler schätzen muß.

Gesellschaftsblatt für gebildete Stände Nro. 92. München, den 19. November 1814.

#Kunst-Blatt (10.4.1832)

Endlich Carl Conjola, Landschaftsmaler, geboren 5. Feb. 1773 in Mannheim; bildete sich für sein Fach in München und dem bayrischen Gebirg, machte viele Reisen durch Deutschland und Italien, von denen er eine reiche Sammlung landschaftlicher Gegenstände mitbrachte, wurde 1824 Ehrenmitglied der Münchener Akademie, und starb nach einem fast siebenjährigen Leiden, am 19. Nov. 1831.

Kunst-Blatt No. 29. Dienstag, den 10. April 1832.

#Kunstvereins-Bericht für 1831 (1832)

Beilage XIV.

Biographische Notitzen
über
Carl Conjola,
Landschaftsmaler.

Carl Conjola, k. Hofmaler und Ehrenmitglied der Akademie der bildenden Künste ist am 5. Februar 1773 in Mannheim geboren und schon in seiner Kindheit mit seinen Eltern nach München gekommen, wo selbst er sich der Kunst gewidmet und sein Studium vorzüglich auf die Landschaftsmalerei verwendete, wozu er auch wegen seinem entschiedenen Talent schon im Jahre 1792 eine kleine Pension von der damaligen Hofkammer erhielt. Derselbe machte daher, um sich mehr im Zeichnen nach der Natur auszubilden, schon in den Neunziger Jahren mehrere Kunstreisen, besonders aber ins bayerische Gebirge, so wie in den schönsten Gegenden Deutschlands und Italiens, wovon nur einige hier angeführt werden sollen. Im Jahre 1802 ging er nach Sachsen und Preußen. 1804 beschäftigte er sich mit dem Plan zur Aufnahme bayerischer ständischer Klostergebäude für die Regierung. 1807 durchreiste er die obere Pfalz, in dem darauf folgenden Jahre machte er eine Reise über Insbruck durch Tyrol nach Venedig, und von da über Verona zurück. 1811 bereiste er Tirol und einen Theil Oberitaliens zum zweitenmale, von welch letzterer Reise der k. Präsident von Mann eine sehr interessante Sammlung von Gemälden besitzt. Noch im Jahre 1828 machte er eine Reise in die Salzburger Gebirge bis Gastein, zu welcher ihn der höchstselige König Maximilian Joseph durch namhafte Unterstützungen besonders aufmunterte.

Conjola machte sich auf diesen Reisen eine große Sammlung von Skizzen der interessantesten Gegenden zu eigen; seine Gemälde waren allgemein geschätzt und gesucht, insbesondere wußte er seinen Kunsterzeugnissen eine schöne Luftperspective zu geben, worin er einen hohen Grad von Fertigkeit erwarb. 1824 wurde ihm von der Akademie der bildenden Künste bei Gelegenheit der Jubelfeyer der 25 jährigen Regierung des höchstseligen Königs Max Joseph das Diplom als Ehrenmitgied zugesendet.

Conjola war auch, abgesehen von seinem hohen Kunst-Talent ein allgemein geschätzter Mann, er besaß einen biedern Charakter, war ein angenehmer Gesellschafter, und hatte große Gewandtheit im Reiten, wie in der Gymnastik überhaupt, war von Geist und Muth beseelt, und leistete bei mehreren großen Feuersbrünsten der Stadt wesentliche Dienste, indem er hiebei keine Gefahr scheute, was die Behörden in manchem öffentlichen Lob dankbar anerkannten.

Sein thätiges Leben konnte er jedoch nur bis zum Jahre 1825 bringen, um welche Zeit er von mehreren körperlichen Leiden befallen wurde, besonders war sein Nervensystem so zerrüttet, daß er von dieser Zeit an für die Ausübung der Kunst gänzlich unfähig wurde. Ein Nervenschlag traf ihn im Jahre 1829, worauf er nur selten mehr das Krankenbett verlassen konnte, bis er am 19. November 1839 verschied, unersetzlich seinen Freunden, unvergeßlich Allen, die durch nähern Umgang seinen Werth als Mensch und Künstler kennen lernten.

Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München während des Jahres 1831. München, 1832.

#Neues allgemeines Künstler-Lexikon (1852)

Conjola, Carl, ein Landschaftsmaler, geb. zu Mannheim 1773, gest. zu München 1831. Er kam schon in seiner Kindheit mit seinen Eltern nach München, wo er sich der Kunst gewidmet und sein entschiedenes Talent für die Landschaft entwickelt hatte. Um sich im Zeichnen nach der Natur auszubilden, machte er schon in den neunziger Jahren mehrere Kunstreisen, besonders ins bayerische Gebirge, so wie später in den schönsten Gegenden Deutschlands und Italiens. Im Jahre 1804 beschäftigte er sich mit dem Plane zur Aufnahme bayerischer ständischer Klostergebäude für die Regierung, und 1811 bereiste er Tirol und einen Teil Oberitaliens zum zweitenmale, und von dieser Reise brachte der königl. Präsident von Mann eine interessante Sammlung seiner Gemälde an sich. Noch im Jahre 1824 machte er eine Reise in die Salzburger Gebirge bis Gastein, zu welcher ihn König Maximilian durch namhafte Unterstützungen besonders aufmunterte. Eine grosse Sammlung von Skizzen der interessantesten Gegenden war die Frucht seiner Bemühung.

Conjolas Gemälde waren allgemein geschätzt und gesucht, und besonders bewies er in der Luftperspektive einen hohen Grad von Fertigkeit. Er war königl. Hofmaler und Ehrenmitglied der Akademie der bildenden Künste zu München, und dabei ein allgemein geachteter Mann.

Dr. Georg Kaspar Nagler: Neues allgemeines Künstler-Lexicon oder Nachrichten von dem Leben und Werken der Maler, Bildhauer, Baumeister, Kupferstecher, Formschneider, Lithographen, Zeichner, Medailleure, Elfenbeinarbeiter etc. Bearbeitet von Dr. G. K. Nagler. Leipzig, 1852.

#Allgemeines Künstler-Lexicon (1895)

Conjola, Karl, Landschaftsmaler, geb. 1773 in Mannheim, † 18. Nov. 1831 in München als Hofmaler, malte Landschaften aus den Gebirgen von Oberbayern, Tirol und Salzburg sowohl in Oelfarben wie in Aquarell, radierte auch einige Landschaften.

Allgemeines Künstler-Lexicon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Vorbereitet von Hermann Alexander Müller. Herausgegeben von Hans Wolfgang Singer. Erster Band. Frankfurt am Main, 1895.

#6 – 4 – 28 (Beyrer · Renn)


Grabstätte
der
Familien
¿ u. Renn


  • Beyrer, Heinrich; 2.9.1847 (Obergarten/Tirol) – 10.5.1882 (München); Bildhauer
  • Renn, Josef Wilhelm; 2.6.1820 (Imst/Österreich) – 13.6.1894 (München); Bildhauer

Todesanzeige für Heinrich Beyrer

Todesanzeige für Josef Wilhelm Renn

Grab der Familien Beyrer · Renn auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2015)

#Heinrich Beyrer

* 2.9.1847 (Obergarten/Tirol)
† 10.5.1882 (München)
Bildhauer

#Allgemeine Zeitung (3.7.1882)

Nekrologe Münchener Künstler.
XXIII.

Schließlich gedenken wir noch des vielversprechenden Bildhauers Heinrich Beyrer, welcher, geboren am 2 September 1847 in Obergarten (bei Lermoos in Tirol), leider schon am 10 Mai d. J. aus dem Leben schied. Er war ein Bruder und Schüler von Joseph Beyrer, diesem überaus tüchtigen und insbesondere im Bereiche der Holzsculptur mit virtuoser Technik ausgerüsteten Künstler – welcher gerade durch seine für den Augsburger Dom bestimmten »Stationen« (Vergl. »Allg. Ztg.« Nr. 266 B. vom 22 September 1880.) gerechte Anerkennung erntet und die durch Knabls Abgang entstandene Lücke im Bereiche der religiösen Plastik in würdiger Weise füllt. In diesem Atelier bildete sich Heinrich Beyrer von 1863 bis 1870, conditionirte dann bei dem Bildhauer Engelbrecht Kolp (Engelbrecht Kolp, geb. 28 December 1840 zu Fliersch bei Holzgau im Tiroler Lechthale, kam frühzeitig nach München, wo er sich durch eisernen Fleiß und Ausdauer einen geachteten Namen erwarb, aber schon am 21 August 1877 zu Innsbruck starb.) und Jos. Kopp, besuchte Wien, wo er bei Kißling und Bockhorni arbeitete; 1874 kehrte er zu seinem Bruder nach München zurück und führte daselbst viele Statuetten, Gruppen und Reliefs aus, darunter auch einen 9 Fuß hohen Friedensengel (nach Schlemin) in Kalkstein und nach antikem Muster ein lebensgroßes Pferd (gefaßt von Kuißel) für die Harnischkammer des Privatiers Kuppelmayer. Beyrer wurde ein Opfer des heuer nicht ungewöhnlichen schroffen Witterungswechsels; er suchte im Vorfrühlinge zu Botzen Heilung oder Linderung seines Lungenleidens; das böse Wetter trieb ihn zurück, der Eisenbahnzug blieb am Brenner im Schnee stecken; im offenen Schlitten mußte nun der fiebernde Mann über den Brenner die heillose Fahrt wagen und kam übel zugerichtet nach München, wo seine tieferschütterte Gesundheit unaufhaltsam verfiel. Die Welt, welche häufig viel Größeres in kürzerer Zeit vergißt, hatte noch kein Wort zum Gedächtnisse dieses braven, strebsamen Künstlers; gönnen Sie ihm diese erste und hoffentlich nicht letzte Erinnerung.

Allgemeine Zeitung Nr. 184. Augsburg; Montag, den 3. Juli 1882.

#Josef Wilhelm Renn

* 2.6.1820 (Imst)
† (15).6.1894 (München)
Bildhauers-Sohn / Bildhauer

#Innsbrucker Nachrichten (18.6.1894)

Hof- und Personal-Nachrichten.

In München wurde am Freitag der Bildhauer Josef Renn, geb. am 2. Juni 1820 zu Imst als Sohn des Bildhauers F. X. Renn, unter großer Theilnahme beerdigt.

Innsbrucker Nachrichten Nr. 137. Montag, den 18. Juni 1894.

#Bote für Tirol u. Vorarlberg (18.6.1894)

Local- und Provincial-Chronik.
Innsbruck, 18. Juni.

Josef Renn †. Aus München, 16. Juni, wird uns geschrieben: Gestern wurde die sterbliche Hülle des Bildhauers Josef Renn unter großer Theilnahme zugrabe getragen. Renn ist geboren zu Imst am 2. Juni 1820, als Sohn des Bildhauers F. H. Renn, bei dem er seinen ersten Unterricht im Vereine mit J. Knabl, M. Stolz, J. K. Müller und seinem Bruder Gottfried (jetzt in Speier) erhielt. Nach vollendeter Lehrzeit zog er, wie seine Collegen, mit tüchtigen Kenntnissen ausgerüstet nach München, wo er bei J. O. Entres, wie seine Mitschüler, Aufnahme fand und so die bereits erloschene Holzsculptur wieder zu beleben half. Später conditionierte Josef Renn auch bei J. Petz, ebenfalls einem Tiroler, und dann viele Jahre bei A. Sickinger. Vor etwa 20 Jahren machte er sich selbständig und erhielt viele beehrende Aufträge. J. Renn war ein achtenswerter, ruhiger Charakter, außerordentlich fleißig und sparsam und lebte ganz seiner Familie; vor etwa 10 Jahren begab er sich zur wohlverdienten Ruhe, da er wegen manchmaligen körperlichen Leiden, keine Aufträge mehr annahm.

Bote für Tirol u. Vorarlberg Nr. 137. Innsbruck; Montag, den 18. Juni 1894.

#6 – 4 – 37 (Baron · Schnitzer · Vogt)


Hier ruhen
die theuren unvergesslichen Gatten
Herr Karl Baron
Buchdruckereibesitzer.
gest. den 4. April 1864, im 33. Lebensjahr.
Herr Michael Vogt
vormaliger Buchdruckereibesitzer dahier,
gest. den 16. November 1878 im 48. Lebensjahr.
Ihm ging voran sein Söhnchen
Joseph Vogt, gest. den 27. Juli 1866 alt 8 Monat.
Ihnen folgte die treue Gattin:
Frau Kath. Vogt, Buchdruckereibesitzerswittwe.
gest. den 26. Dez. 1881, im 52. Lebensjahre.
Frau Fany Schnitzer, Kaufmannswittwe.
gest. den 23. September 1880, im 84. Lebensjahre.

Ruhet sanft in Gottes Frieden!

Sockel
Familien Grabstätte.

F. Domberger Firm. Weigl.


  • Baron, Karl; – 4.4.1864 (München), 33 Jahre alt; Buchdruckereibesitzer
  • Schnitzer, Fanny (vw); – 23.9.1880 (München), 83 Jahre alt; Kaufmanns-Witwe
  • Vogt, Josef; 1865 – 27.7.1866 (München); Buchdruckereibesitzers-Sohn
  • Vogt, Katharina (vw) / Schnitzer (gb); – 26.12.1881 (München); Buchdruckereibesitzers-Witwe
  • Vogt, Michael; – 16.11.1878 (München), 48 Jahre alt; ehemaliger Buchdruckereibesitzer

Todesanzeige für Michael Vogt

Todesanzeige für Fanny Schnitzer

Todesanzeige für Katharina Vogt

Grab der Familien Baron · Schnitzer · Vogt auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2015)

#6 – 4 – 40 (Weis)


Sockel
Ihr ging voran ihr Söhnchen
Wilhelm
geb. d. 14. Dez. 1873, gest. d. 7. Dez. 1874.

Schwarz

Tafel
Die Inschrift ist nicht erhalten


  • Weis, Wilhelm; 14.12.1873 – 7.12.1874 (München); Kaufmanns-Sohn

Grab der Familie Weis auf dem Alten Südfriedhof München (März 2021)

#6 – 4 – 45 (Baumann)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Baumann, Katharina (vw); – 12.12.1857 (München), 76 Jahre alt; Weißgerbers-Witwe

Todesanzeige für Katharina Baumann

Grab der Familie Baumann auf dem Alten Südfriedhof München (September 2018)

#6 – 4 – 57 (Zwierlein)


Grab der Familie Zwierlein auf dem Alten Südfriedhof München (September 2018)

#6 – 5 – 5 (Kellner)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Kellner, Andreas; – 25.7.1856 (München), 55 Jahre alt; Maurerpalier
  • Kellner, Josef; – (27).5.1904 (München), 59 Jahre alt
  • Kellner, Kreszenz (vw) / Schwarz (gb); – (26).8.1883 (München); Maurerpaliers-Witwe

Todesanzeige für Andreas Kellner

Todesanzeige für Kreszenz Kellner

Grab der Familie Kellner auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familie Kellner auf dem Alten Südfriedhof München (September 2018)

#6 – 5 – 8 (Dirr)


Hier ruhet in Gott
unser unvergesslicher Gatte u. Vater
Herr Erhard Dirr,
Hotelbesitzer in Kufstein
geb. am 10. Jan. 1837, gest. am 4. Jan. 1895.
Ihm folgte dessen treue Gattin
Frau Monika Dirr,
geb. am 27. April 1848, gest. am 28. Juli 1918.
Herr August Dirr,
Ingenieur,
geb. am 7. Mai 1879, gest. am 10. Juli 1928.
Ihm folgte seine liebe Gattin
Frau Anna Dirr,
Studienrat a. D.
geb. am 27. Jan. 1880, gest. am 31. Aug. 1935

R. I. P.


  • Dirr, Anna (vw); 27.1.1880 – 31.8.1935; Studienrätin
  • Dirr, August; 7.5.1879 – 10.7.1928 (Fischbachau); Ingenieur
  • Dirr, Erhard; 10.1.1837 – 4.1.1895; Hotelbesitzer
  • Dirr, Monika (vw); 27.4.1848 – 28.7.1918; Hotelbesitzers-Witwe

Todesanzeige für August Dirr

Grab der Familie Dirr auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#6 – 5 – 18 (Hatzl)


FAMILIE
HATZL


  • Hatzl, Elise (vw); – (21).5.1872 (München), 70 Jahre alt; Lohnkutschers-Witwe
  • Hatzl, Jakob; – 7.1.1867 (München), 27 Jahre alt; Lohnkutscher
  • Hatzl, Josef; – 26.7.1856 (München), 59 Jahre alt; Lohnkutscher

Grab der Familie Hatzl auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2015)

Grab der Familie Hatzl auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2015)

#6 – 5 – 23* (Abenthum · Kraft)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Abenthum, Josef; – Oktober 1849 (München), 56 Jahre alt; Lohnkutscher
  • Abenthum, Maria (vh); – 23.7.1848 (München), 47 Jahre alt, Tod durch Unfall; Lohnkutschers-Gattin
  • Kraft, Helene (vh) / Baierlacher (gb); – 30.7.1878 (München), 30 Jahre alt; Lizitationsanstaltsbesitzers-Gattin

Todesanzeige für Helene Kraft

Das Grab ist nicht erhalten


#Maria Abenthum (vh)

† 23.7.1848 (München), 47 Jahre alt, Tod durch Unfall
Lohnkutschers-Gattin

#Aller-Neueste Nachrichten (24.7.1848)

– den 23. Juli. Heute wollte die b. Lohnkutscherin Abenthum ihren Mann, der sich zur Herstellung seiner zerrütteten Gesundheit im Bade Kreuth befindet, einen Besuch abstatten; doch ehe sie am Morgen abfuhr trank sie noch eine Tasse Kaffee im Urban’schen Kaffeehaus und ging auf das Apartement, da dessen Bretter faul und morsch waren, so fiel die ohnehin etwas schwere Frau in eine bei 20 Fuß tiefe Grube, wo sie den Tod des Erstickens auf eine so eckelhafte Weise erleiden mußte. (Große Nachlässigkeit vom Hausbesitzer!)

Aller-Neueste Nachrichten Nr. 88. Montag, den 24. Juli 1848.

#Der Reichsbote (25.7.1848)

München, 23. Juli. Heute ereignete sich ein höchst trauriger Unglücksfall. Die Lohnkutschersfrau Abenthum stürzte im Hause des Kaffetier Urban am Frauenplatze sammt dem Sitze des Abtrittes in die Schwindgrube, indem die morschen Bretter unter ihren Füßen brachen und konnte trotz schleuniger Hilfe nicht mehr gerettet werden. Dieser Vorfall bewährt von Neuem, daß man bei Reparaturen namentlich so gefährlicher Orte nicht säumen soll. Bereits seit Jahr und Tag war der ruinöse Zustand dieser Lokalität des Urban’schen Kaffeehauses notorisch und nichts geschah zur Verhütung eines Unglücksfalles, wie wir ihn nun leider zu bedauern haben.

Der Reichsbote Nr. 9. Dienstag, den 25. Juli 1848.

#Münchener Wochen-Zeitung (30.7.1848)

Unglücksfälle in und um München: Am verflossenen Sonntag früh verunglückte die Gattin des bürgerl. Lohnkutschers Abenthum in einem Kaffehause auf dem Frauenplatze, indem ein Brett auf dem s. v. Abtritt mit ihr durchbrach, und sie bereits erstickt war, als man ihr zu Hülfe kam. Diese unglückliche Frau war eben im Begriff zu ihrem in einem fernen Bade befindlichen todtkranken Manne zu eilen, um ihn womöglich noch im Leben zu sehen, als sie selbst so schnell der Tod ereilte; sie war im 48. Lebensjahre.

Münchener Wochen-Zeitung Nr. 26. Sonntag, den 30. Juli 1848.

#6 – 5 – 28 (Beer)


¿
Jacob Beer
Verwalter bei den Pfälzischen Bahnen,
geb. in Hamburg 13. Januar 1844,
gest. in München 15. Juni 1877.
Frau Adele Beer
geb. Sartorius
kgl. Bezirksamtsmannswittwe
Inhaberin ¿
Mitbegründerin des Klosters
Pirmasens-Mallersdorf
geb. in ¿ 29. Januar 1816
gest. in München 20. Januar 1890.


  • Beer, Adele (vw) / Sartorius (gb); 29.1.1816 – 20.1.1890 (München); Bezirksamtmanns-Witwe
  • Beer, Jakob; 13.1.1844 (Hamburg) – 15.6.1877 (München); Verwalter bei den Pfälzischen Bahnen

Grab der Familie Beer auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2015)

#6 – 5 – 31 (Kämpfel)


Hier ruht
unsere innigstgeliebte Gattin
und Mutter
Frau Elise Kämpfel
Kaminkehrermeisters-Gattin
geb. 3. Sept. 1833, gest. 20. Okt. 18¿
Ihr ging voran unsere liebe Tochter
Ursula
¿ April 1863 ¿ 7. April 1883.
Unser ¿ treubesorgter
unvergesslicher Gatte u. Vater
Herr Max Kämpfel
Kaminkehrermeister
geb. 8. April ¿ gest. 22. April 1896.
Unsere herzensgute treubesorgte Mutter
Frau Franziska Kämpfel
geborene ¿
geb. 12. Februar 1858. gest. 11. Oktober 1913.


  • Kämpfel, Elise (vh); 3.9.1833 – 20.10.18¿; Kaminkehrermeisters-Gattin
  • Kämpfel, Franziska (vh); 12.2.1858 – 11.10.1913
  • Kämpfel, Max; 8.4.¿ – 22.4.1896; Kaminkehrermeister
  • Kämpfel, Ursula; 4.1863 – 7.4.1883

Grab der Familie Kämpfel auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2015)

#6 – 5 – 36 (Ried · Rothhofer)


FAMILIE ROTHHOFER

MARIE RIED
1874 – 1906


  • Ried, Marie (vh); 1874 – Juli 1906 (München); Gasthausbesitzers-Gattin
  • Rothhofer, Anna (vh); – 1888; Gastwirts-Gattin
  • Rothhofer, Martin; – (27).4.1891 (München), Todschlags-Opfer; Gastwirt und Hausbesitzer

Grab der Familien Ried · Rothhofer auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2015)

#6 – 6 – 1 (Schrödl)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Schrödl, Anna (vw); – (2).7.1895 (München), 70 Jahre alt; Tändlers-Witwe
  • Schrödl, Anton; – (4).1.1872 (München), 48 Jahre alt; Tändler
  • Schrödl, Augustin; – 10.7.1855 (München), 62 Jahre alt; Hauptmünzamtdiener
  • Schrödl, Barbara (vw); – 31.8.1868 (München), 73 Jahre alt; Münzamtdieners-Witwe

Grab der Familie Schrödl auf dem Alten Südfriedhof München (September 2018)

#6 – 6 – 3 (Stigler)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Stigler, Magdalena; – 30.11.1890 (München); ehemalige Damenschneiderin

Todesanzeige für Magdalena Stigler

Grab der Familie Stigler auf dem Alten Südfriedhof München (September 2018)

#6 – 6 – 6 (Zentgraf)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Zentgraf, Hans; – 1886; Bürstenmachermeisters-Sohn

Grab der Familie Zentgraf auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

#6 – 6 – 7 (Obermayer · Spöckmayer)


Familien Grabstätte.

Hier ruhet in Gott
Fräulein Josefa Spöckmayer
Buchhalterin.
geb. den 20. Dezember 1833.
gest. den 7. April 1883.
Ihr folgte unsere liebe Mutter
Frau Josefa Spöckmayer
Gold u. Silberstickerin,
geb. den 11. Juni 1814,
gest. den 1. Oktober 1888.
Herr Karl Obermayer
Gürtler, geb. den 15. September 1847,
gest. den 25. Februar 1919.
Frau Johanna Obermayer
geb. d. 29. Juni 1852, gest. d. 13. Dezember 1921.

Ruhet im Frieden.


  • Obermayer, Johanna (vw); 29.6.1852 – 13.12.1921
  • Obermayer, Karl; 15.9.1847 – 25.2.1919; Gürtler
  • Spöckmayer, Josefa; 20.12.1833 – 7.4.1883; Buchhalterin
  • Spöckmayer, Josefa (vh); 11.6.1814 – 1.10.1888; Goldstickerin und Silberstickerin

Grab der Familien Obermayer · Spöckmayer auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

#6 – 6 – 8 (Zischl)


Dem Andenken
der unvergesslichen
Gattin und Mutter
Frau Elise Zischl,
Buchbinders-Gattin
geb. den 26. Juni 1823
gest. den 22. März 1870
Johann Baptist Zischl
Buchbindermeister
geboren den 15. August 1822
gestorben den 28. Juni 18¿


  • Zischl, Elise; 26.6.1823 – 22.3.1870; Buchbinders-Gattin
  • Zischl, Johann Baptist; 15.8.1822 – 28.6.1879 (München); Buchbindermeister

Todesanzeige für Johann Baptist Zischl

Grab der Familie Zischl auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

#6 – 6 – 10 (Warmuth)


Familie
Warmuth


  • Warmuth, Edmund; – 23.3.1870 (München), 36 Jahre alt; Apotheker
  • Warmuth, Eduard; – (18).2.1902 (München), 39 Jahre alt; Gürtler
  • Warmuth, Eustachius; – (23).4.1870 (München), 3 Monate alt; Apothekers-Sohn
  • Warmuth, Rosa (vw); – 27.3.1872 (München), 28 Jahre alt; Apothekers-Witwe

Grab der Familie Warmuth auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

#6 – 6 – 14 (Bergmair · Streicher)


Familien
Bergmair
und
Streicher.


  • Bergmair, Peter; – 23.3.1870 (München), 39 Jahre alt; Geldzähler
  • Streicher, Julie Karoline; – 24.1.1875 (München), 3 Monate alt; Kaufmanns-Tochter
  • Streicher, Karoline (vw); – (31).3.1902 (München), 55 Jahre alt; Kaufmanns-Witwe

Grab der Familien Bergmair · Streicher auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

#6 – 6 – 19 (Gerbl)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Gerbl, Babette (vh); – (17).12.1895 (München), 40 Jahre alt; Viehschaffners-Gattin
  • Gerbl, Georg; – (28).12.1895 (München), 8 Wochen alt; Viehschaffners-Sohn
  • Gerbl, Mathias; – (16).6.1902 (München), 45 Jahre alt; Viehschaffner

Grab der Familie Gerbl auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

#6 – 6 – 21 (Gämmerler)


Grab der Familie Gämmerler auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2015)

#6 – 6 – 24 (Schwarzwald)


Hier ruhen in Gott
Herr Josef Schwarzwald
geb. 20. Nov. ¿ gest. ¿. März 18¿
Frl. Fanny Schwarzwald
¿


  • Schwarzwald, Fanny
  • Schwarzwald, Josef

Grab der Familie Schwarzwald auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2015)

#6 – 6 – 26 (Kunz · Schmidt · Strobl)


¿
¿ 1820, gest. 10. Juli 1899
¿ folgte seine Schwägerin
meine liebe Schwester
Fräulein Anna Strobl,
¿ Juni 1901 i. 72. Lebensjahre
¿ folgte ihre liebe Schwester
unsere unvergeßliche Mutter
Frau Margaretha Kunz,
Privatierswitwe,
¿ 20. Juli 1832, gest. 18. Novbr. 1915.
Hermann Schmidt, Ingenieur
geb. 8. Juli 1870, gest. 16. Okt. 1925.


  • Kunz, Margaretha (vw); 29.7.1832 – 18.11.1915; Privatiers-Witwe
  • Schmidt, Hermann; 8.7.1870 – 16.10.1925; Ingenieur
  • Strobl, Anna; – (18).6.1901 (München), 71 Jahre alt

Todesanzeige für Anna Strobl

Grab der Familien Kunz · Schmidt · Strobl auf dem Alten Südfriedhof München (September 2017)

#6 – 6 – 33* (Vitzthum)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Vitzthum, Anna; – 1888; Goldstickerin

Das Grab ist nicht erhalten

#6 – 6 – 37 (Ott)


Familien-Grabstätte.

Hier ruht in Gott:
unser unvergesslicher Vater & Grossvater,
Herr Johann Ott,
Privatier. gest. 31. Jan. 1895, im 69. Lebensjahre.
Ihm folgte seine treue Gattin,
unsere besorgte Mutter,
Frau Marie Ott,
gest. 28. Mai 1895, im 65. Lebensjahre.
Ihnen folgte
Frau Theresia Ott,
Metzgermeistersgattin.
geb. den 10. Juni 1838. gest. den 13. August 1904.

R. I. P.

Sockel
Frau Magdalena Ott,
Privatiersgattin.
geb. 4. März 1854, gest. 11. April 1925.
Herr Martin Ott,
Privatier geb. 28. Feb. 1861, gest. 2. Sept. 1926.

6.6.37. Burlein.


  • Ott, Johann; – 31.1.1895
  • Ott, Magdalena (vh); 4.3.1854 – 11.4.1925
  • Ott, Marie (vw); – 28.5.1895
  • Ott, Martin; 28.2.1861 – 2.9.1926
  • Ott, Theresia (vh); 10.6.1838 – 13.8.1904; Metzgermeisters-Gattin

Grab der Familie Ott auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#6 – 7 – 18* (Eckensberger)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Eckensberger, Albert; – (11).6.1888 (München), 25 Jahre alt; Dekorationsmaler

Das Grab ist nicht erhalten

#6 – 7 – 30·31 (Schaden)


Grab der Familie Schaden auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2011)

Grab der Familie Schaden auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2011)

#6 – 7 – 34 (Rottmann · Sckell · Zimmermann)


MALER
KARL ROTTMANN
1798 – 1850
FRIEDRICH LUDWIG
v. SCKELL
1750 – 1823
KGL. BAYER. HOFGÄRTENDIREKTOR

Liegestein
CLEMENS
VON ZIMMERMANN
1788 – 1869
CENTRAL-GEMÄLDE
GALERIEDIREKTOR


  • Rottmann, Karl; 11.1.1798 (Handschuchsheim bei Heidelberg) – 7.7.1850 (München); Landschaftsmaler
  • Sckell, Friedrich Ludwig von; 13.9.1750 (Weilburg/Hessen-Nassau) – 24.2.1823 (München); Gartenarchitekt
  • Sckell, Karl August; 14.11.1793 (Karlsberg) – 10.7.1840 (München); Gartenarchitekt
  • Sckell, Ludwig, Prof.; 1842 (Obergünzburg) – 31.3.1905 (München); Genremaler, Landschaftsmaler, Lithograph und Portraitmaler
  • Zimmermann, Klemens von; 8.11.1788 (Düsseldorf) – 25.1.1869 (München); Historienmaler

August Neumann: Karl Rottmann, nach einer Portraitbüste von Ludwig Wilhelm Wichmann. Porträtsammlung des Münchner Stadtmuseums.

Karl Rottmann: Der Eibsee bei Partenkirchen (1825). Bayerische Staatsgemäldesammlungen – Neue Pinakothek München.

Karl Rottmann: Korinth mit Akrokorinth (1847). Bayerische Staatsgemäldesammlungen – Neue Pinakothek München.

Grab der Familien Rottmann · Sckell · Zimmermann auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2011)

#Karl Rottmann

* 11.1.1798 (Handschuchsheim bei Heidelberg)
† 7.7.1850 (München)
Landschaftsmaler

#Artistisches München im Jahre 1835 (1836)

Rottmann, Karl, geb. 1898 zu Handschuchsheim bei Heidelberg, machte hier seine ersten Studien, und kam im Jahre 1822 nach München; 1826 reisete er zum erstenmale nach Italien. Seine Oelgemälde, meistens Gegenden im bayerischen Gebirge, an den Küsten Italiens oder in Calabrien und Sicilien darstellend, sind in Privatsammlungen zerstreut, aber eine Reihe von acht und zwanzig Wandgemälden (die sogenannten landschaftlichen Fresken) befindet sich in den Arkaden des Hofgartens zu München; auch in dem Königsbau sieht man zehn griechische Festgegenstände nach seinen Zeichnungen.

Im Jahre 1833 ward ihm das Glück zu Theil, von Sr. Majestät dem Könige den Befehl zu erhalten, nach Griechenland zu reisen, und dort acht und dreißig große Bilder in enkaustischer Malerei auszuführen. Jetzt ist R. bereits zu dieser neuen Bestimmung abgegangen.

Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Mechaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.

#Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode (22.12.1838)

Gallerie einiger in München lebender Künstler.
(Fortsetzung.)

Rottmann, Carl.

Carl Rottmann, geboren 1798 zu Handschuchsheim bey Heidelberg, genoß seine erste Bildung auf den Lehranstalten der eben genannten Stadt, und kam in seinem vier und zwanzigsten Jahre nach München in die Akademie der bildenden Künste. Sein eminentes Talent sprach sich schon in seinen ersten Versuchen aus. Im Jahre 1826 reiste er nach Italien. Der Aufenthalt in der Heimat der großen Künstler, in welcher der Genius so zu sagen, die höhere Weihe aus dem immer klaren, tiefblauen Himmel einathmet, wo die schlummernde Phantasie im milden Strahl der energischen Sonne ihre bunten Schwingen entfaltet und sich von Brust und Stirne die Binde der deutschen Befangenheit ablöst, brachte allmälig seine schönen Productionen hervor. Er lieferte eine Reihe von Öhlgemälden, meistens Gegenden im bayerischen Gebirge, an den Küsten Italiens oder in Calabrien. Auch das herrliche Sicilien bot seinem trefflichen Talente schöne Parthien, die er in meisterhaften Landschaftsgemälden darstellte. Alle diese Gemälde befinden sich in Privatsammlungen. Die acht und zwanzig Wandgemälde (die sogenannten landschaftlichen Fresken) in den Arkaden des Münchner Hofgartens, die dem wandelnden Beschauer die interessantesten Gegenden Italiens, von Trient bis Girgenti, mit dem ganzen Zauber des frischesten Colorits und einer künstlerisch berechneten, höchst wirksamen Beleuchtung vergegenwärtigen, geben Zeugniß von dem großen Werthe dieses Künstlers.

Im Königsbau erscheint uns sein productives Talent wieder in zehn griechischen Festgegenständen nach seinen Zeichnungen. Im Jahre 1833 erhielt er von Sr. Majestät dem König den Befehl, nach Griechenland zu reisen, und dort acht und dreyßig große Bilder in enkaustischer Malerey auszuführen.

Rottman befindet sich nun wieder in München und brachte mehrere ausgezeichnete griechische Landschaftsgemälde zur Ausstellung. Wir verdanken dem Meisterpinsel dieses Landschaftsmalers, wie jenem des königl. Generalmajors von Heideck (Heidegger) und des auf gleicher Künstlerstufe stehenden Petzl reizende Ansichten der ewig reizenden Hellas.

Wir erwarten von ihm die Ausführung neuer Fresken nach den interessantesten Puncten Griechenlands, als Fortsetzung der italienischen Fresco's, in den nördlichen Arkaden des Hofgartens. Zur zweckmäßigeren Erhaltung dieser neuen vortrefflichen Landschaften werden nur gegossene Cemente gewählt.

Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode 153. Samstag, den 22. Dezember 1838.

#Ansichten und Bemerkungen über Malerei und plastische Kunstwerke (1846)

Ich gehe nun zu einigen Bildern der neueren Epoche meiner eigenen Sammlung über, von denen ich namentlich heraushebe:

5. Carl Rottmann’s treffliche Landschaften mit ihren schönen, glänzenden Lichtwirkungen, wie sein Sikyon bei mir, sind nicht zu übergehen. Der elegische Ton, welcher sich über dieses schöne Bild wie über eine grosse Vergangenheit Griechenlands verbreitet, macht einen wehmüthig tiefen Eindruck. Man muss, für solche Darstellungen Gefühl haben, um sie würdigen zu können; Vielen bleibt das eigentliche Kunstmysterium verborgen.

Freiherr Max von Speck-Sternburg: Ansichten und Bemerkungen über Malerei und plastische Kunstwerke. Leipzig, 1846.

#Münchener Künstlerbilder (1871)

Carl Rottmann,
Landschaftsmaler.

[...]

Gleich seinem Bruder Anton noch während des Aufenthalts der Eltern in Handschuchsheim und zwar am 11. Januar 1798 geboren, fiel seine erste Jugend in jene unruhigen und kriegerischen Zeiten, deren Einflüsse sich vorzugsweise am Rhein geltend machten. Seine Eltern lebten in den Stürmen doppelt zurückgezogen und so ward uns aus jenen Tagen nichts bekannt, was die Aufmerksamkeit des Lesers zu fesseln im Stande wäre. Der Knabe Carl wird übereinstimmend als ein stilles, schweigsames, sanftes und überaus gut geartetes Kind geschildert, das wenig Behagen an lauten, lärmenden Spielen zeigte. Von hervorragenden Fähigkeiten ließ sich keine Spur wahrnehmen und er ward darin von seinem Bruder Anton weit überflügelt. Der Vater schien davon schmerzlich genug berührt, um so mehr, als er gerade künstlerische Anlagen auch an diesem Sohne gerne gesehen, geweckt und gefördert hätte. In der Schule war der Erfolg von Carls Bemühungen auch keineswegs glänzend und noch später scherzte unser Künstler darüber, wie mißlich es ihm damals ergangen, indem er trotz allem Eifer und ungeachtet allen Fleißes immer unter den Letzten seiner Klasse gewesen. Gleichwohl aber, und wir glauben dies als höchst charakteristisch hervorheben zu sollen, war er der Liebling aller seiner Lehrer; es war die Reinheit seiner kindlichen Seele, seine unumwundene Offenheit und seine unbedingte und vertrauensvollste Hingebung an die, die er liebgewonnen, welche ihm alle Herzen gewann.

Wir glauben nicht zu irren, wenn wir annehmen, daß in Folge der inneren Verschiedenheit zwischen ihm und seinem Bruder Anton, der durch seine größere Lebhaftigkeit und auffallendere Begabung dem Vater näher gestanden zu haben scheint, im häuslichen Leben Manches vorfiel, was eben nicht geeignet sein mochte, den ohnehin schüchternen Knaben zu ermuthigen und zu erheben. Für eine solche Annahme scheint auch der Umstand zu sprechen, daß Carl selbst mit einemmale aber erst dann lebhaftere Neigung zur Kunst an den Tag legte, als es ihm gelungen war, in des Vaters Abwesenheit eine Zeichnung zu Stande zu bringen, welche seine unverkennbare Begabung für die Kunst an den Tag legte. Es ward jener Tag zum Festtage für die Familie, als die Mutter, an der Carl mit aller kindlichen Zärtlichkeit hing, dem heimkehrenden Vater jene Arbeit vorlegen konnte. Carl, der inzwischen sein vierzehntes Jahr zurückgelegt, wendete sich nun mit ungeahnter Liebe und Ausdauer der Kunst zu. Da den Vater seine Berufsgeschäfte vielfach vom Hause fern hielten und es ihm so nicht gestattet war, sich der Ausbildung seines Sohnes vollkommen zu widmen, ward derselbe dem in Heidelberg wohnenden Porträtmaler Gseller, der mit der Familie in lebhaftem Verkehr stand, übergeben. Carl schloß sich, seiner Natur entsprechend, so innig an denselben an, daß sich die Beziehungen zwischen Lehrer und Schüler bald in eine innige Freundschaft verwandelten.

Gseller war ein unterrichteter Mann, dessen Theilnahme an Dingen und Verhältnissen, die sonst einem Künstler ferne zu stehen pflegen, den jungen Carl lebhaft anregte. Auch seine Freundschaft mit Daniel Fohr, demselben Künstler, der nach längerem Aufenthalte in Baden-Baden dort seinen Wohnsitz aufgeschlagen, datirt aus jener Zeit. Sich gegenseitig anregend, von Vater und Lehrer gut geleitet, gab sich unser junger Mann der Kunst nun mit ganzer Seele hin und vermied dabei jene unglückselige Klippe der Einseitigkeit mit vielem Glücke.

Obwohl er sich bereits für das landschaftliche Fach als seinen künftigen Beruf mit Bestimmtheit entschieden hatte, versäumte er doch keineswegs, die menschliche Gestalt wie die Thierwelt mit größter Sorgfalt zu studiren und wer ihn bei solchen Gelegenheiten bei seinen Arbeiten getroffen, hätte sich kaum träumen lassen, daß er sich denselben nur der Staffage wegen unterzöge, mit denen er künftige Landschaftsbilder zu versehen gedachte. Ein paar Jahre vor dem Tode seines Vaters unternahm er mit seinem Freunde Daniel Fohr eine Fußreise den Rhein hinab und an den Ufern der Mosel, deren Erinnerung ihm auch später noch lieb und werth war: war es doch der erste Ausflug in die weite, weite Welt, den der junge Mann, der bisher über die Grenzen des Weichbildes seiner Vaterstadt kaum hinausgekommen war, in ungeahnter Selbständigkeit unternehmen durfte. Auch an einem kleinen Abenteuer, glücklicher Weise ganz heiterer Natur, fehlte es dabei nicht. Die jungen Reisenden suchten in einem Flecken am Rhein bei trostlosestem Regenwetter Schutz und Unterkunft. Da zeigte sich’s nun, daß des Gastwirths bestes und einziges Fremdenzimmer eben all seines Schmuckes beraubt war, um neu getüncht zu werden. Da zuckte es in unseres wandernden Künstlers Fingern. Er fragte ganz bescheiden an, ob es wohl erlaubt wäre, sich mit Beseitigung des Meisters, der schon Alles zum Beginn des Werkes vorbereitet, der Aufgabe zu unterziehen. Der Gastwirth, ein ohne Zweifel nicht weniger spekulativer Kopf als seine übrigen Collegen am Rhein, fand die Sache sehr annehmbar; bald war Alles abgemacht und in wenigen Tagen schon prangten vier große Landschaften an den Wänden des Zimmers. Der Vorfall ward später durch eine originelle Anzeige des Gastwirths wieder in Erinnerung gebracht und in weitern Kreisen bekannt, da derselbe, als C. Rottmann zu Ruhm und Ehren gekommen, hievon für sein Haus einigen Vortheil zu erzielen hoffte.

Nach dem Tode seines Vaters übernahm unser Künstler die Sorge und Last des Hauses. Sein Bruder Anton war längst weggezogen, Leopold erst drei Jahre alt. Da bewährte sich denn Carl’s wackerer Charakter auf’s glänzendste. Obwohl selbst erst in einem Alter von neunzehn Jahren, bewies er volle Selbständigkeit und gab der geliebten Mutter durch sein Benehmen Trost und Beruhigung. In ungetrennter Familiengemeinschaft mit ihr lebend, arbeitete er rastlos, theils selbst schaffend, theils jüngere Kräfte leitend und führend. Schon in den Bildern aus jener Zeit sprach sich jene tief elegische Stimmung aus, welche fast durchweg seine Landschaften charakterisirt. Dahin gehört namentlich ein großes Aquarellbild aus jener Zeit, welches das Heidelberger Schloß in Abendbeleuchtung zeigt und welches ganz geeignet war, die Aufmerksamkeit des kunstverständigen Publikums in hohem Grade zu erregen. Rottmann hatte die Bekanntschaft der Brüder Boisserée gemacht, als diese noch in Heidelberg wohnten und war mit ihnen in lebhaften Verkehr getreten. Sie hatten ihm ihre reichen und innerlich bedeutenden Sammlungen bereitwillig aufgeschlossen und dem jungen, strebsamen Künstler hierdurch und im theilnehmenden und anregenden Gespräche manche neue Einsicht in das Gebiet der Kunst eröffnet. Später waren beide nach Stuttgart übergesiedelt und bald nach des Vaters Tod unternahm unser Künstler einen Ausflug dahin, der sich indeß auf ein paar Monate ausdehnte. Dort unternahm er die erste Copie eines Bildes aus der Sammlung der Brüder Boisserée in Oel und fand sich bald mit solcher Leichtigkeit in diese Technik, daß er kurz darauf eine »Ansicht der Burg Elz an der Mosel« in Oel ausführte, wozu er auf der oben berührten Reise mit seinem Freunde die nöthigen Studien an Ort und Stelle gemacht. Und gerade dies sein erstes selbständig gearbeitetes größeres Oelbild errang ihm, so jung er noch war, einen bedeutenden Ruf.

Um jene Zeit stand die Münchener Akademie in großem Ansehen. Es war im Jahre 1822, als Carl Rottmann, in einem Alter von 24 Jahren, nach München übersiedelte, um dort seine weitere künstlerische Ausbildung zu suchen. Wie es scheint, fand er sich bei seinem Eintreffen daselbst einigermaßen in seinen Erwartungen getäuscht; wenigstens besuchte er die Säle der Akademie nur, um ein dort aufgestelltes großes Landschaftsbild von Josef Koch in Rom zu studiren. Außerdem ward er vielfach in den Werkstätten kunstverwandter Meister und in den Räumen der K. Gemäldesammlung, welche damals noch in einem ziemlich unscheinbaren Locale am Hofgarten untergebracht war, gesehen. Vielfache Genüsse verschafften ihm die herrlichsten Luft- und Licht-Erscheinungen, welche die Bewohner Münchens und der Umgebung der Lage auf einer Hochebene verdanken und welche schon Claude Lorrain zu seinen Meisterwerken begeistert haben sollen.

Der nächste Sommer zog ihn, dem das Hochgebirge noch unbekannt war, unwiderstehlich nach den Bergen. Er fühlte sich hauptsächlich von dem östlichen Theile des bayerischen Gebirges angezogen und verlebte einen großen Theil der besseren Jahreszeit in der Umgebung Berchtesgadens, namentlich im romantischen Ramsauthale. Kaum von dort nach seinem neuen Wohnorte zurückgekehrt, machte er sich an die Ausführung eines größeren Bildes aus jenem Thale, mit dem er vor das Publicum trat, als im nemlichen Jahre eine größere, von der Akademie statutenmäßig angeordnete Kunstausstellung stattfand. Dies Bild entschied Rottmann’s künftiges Geschick. Wenn wir auch jenen Fond ächter Naivetät nicht verkennen, der sich in den landschaftlichen Gemälden der ersten Meister jener Zeit, wie W. v. Kobell, Johann Jakob Dorner u. A. kund giebt, und wenn wir gerne zugeben, daß die Gewissenhaftigkeit ihrer Ausführung weit anerkennenswerther genannt werden muß, als die Behandlung der Details in Bausch und Bogen, die in gewissen Schulen eingerissen ist und als Genialität angestaunt werden will und leider auch wird, so sind wir doch keineswegs blind für die Fesseln des Conventionellen, in denen damals die landschaftliche Kunst schmachtete, ohne sich ihrer Gefangenschaft bewußt zu werden.

Der Gesammteindruck der Bilder jener Richtung ging regelmäßig durch die Minutiosität des Nebensächlichen zu Grunde, das sich durch die darauf verwendete Sorgfalt der Ausführung über sich selbst erhob und eine Bedeutung anstrebte, die ihm der Natur der Sache nach nicht zukam. So geschah es, daß jene Bilder, obwohl im Einzelnen vortrefflich und auf den sorgfältigsten Studien fußend, doch im Ganzen einen nur wenig befriedigenden Eindruck machten. Ueberdies verstanden es die Künstler jener Zeit nur selten, die Natur zum Träger eines Gedankens zu machen, und darum regten ihre Bilder nicht an. Ihre Höhenzüge, Thäler und Seen, ihre Wälder, Felder und Ebenen waren selten mehr als sorgfältige Porträts der landschaftlichen Natur und als solche allerdings nach Umständen recht schätzenswerth. Aber dabei war selten davon die Rede, das Individuelle auch dann, wenn es sich unverhältnißmäßig breit machte, den landschaftlichen Hauptformen unterzuordnen. Einen Hauptgedanken zur Geltung zu bringen, das kam Niemand in den Sinn. Man mochte wohl fühlen, daß die Natur nicht immer und überall künstlerisch schön sei, und man suchte dem Uebel dadurch abzuhelfen, daß man sie in gewisse, durch die Convenienz geschaffene Formen zwang und zu idealisiren gedachte, während man in aller Harmlosigkeit der Natur jeden Hauch der Poesie und des Idealen abstreifte. Dazu kam, daß die landschaftliche Technik tief im Argen lag und der, welcher über das Althergebrachte hinausgehen wollte, in die Nothwendigkeit versetzt war, sich gewissermaßen eine neue zu schaffen. Daß gewisse Probleme ohne eine solche gar nicht gelöst werden konnten, das muß selbst dem Laien einleuchten, der etwa eine Landschaft von W. v. Kobell und eine der späteren Rottmann’schen nebeneinander sieht.

Diesen kalten, nüchternen und durchaus prosaischen Produkten, welche sich über hergebrachte Schranken auch nicht ein Haar hinausgewagt hätten, wenn es auch in der Kraft ihrer Meister gelegen hätte, stellte nun Carl Rottmann Werke gegenüber, welche seine tiefpoetische Seele unmittelbar aus der Natur geschöpft, deren innerste Geheimnisse er glückselig erlauscht hatte. Ihm lag vor Allem daran, die Hauptformen einer Landschaft zu charakterisiren; mit den Mitteln der Linie und der Farbe verstand er es, eine durchaus ideelle Wirkung zu erzielen und die meist nur ganz einfache Staffage mit den landschaftlichen Elementen so innerlich harmonisch zu verbinden, daß man sich ohne Zwang eine andere gar nicht hineindenken kann.

In den Bildern aus jener Zeit läßt sich einerseits noch jene elegische Stimmung erkennen, welche schon an seinen ersten Arbeiten als charakteristisches Merkmal sich offenbart, andererseits spricht sich in denselben eine gewisse stille Sehnsucht nach dem Süden aus. Nicht blos daß die Luft blauer, tiefer und leuchtender wird; die Formationen des Terrains und der Vegetation nähern sich denen des Südens in unverkennbarer Weise, und so treffend wußte seine Phantasie das zu gestalten, was sein Herz ersehnte, daß ein so tiefer Kenner italienischer Natur wie Leo von Klenze nur durch des Künstlers ausdrücklichen Widerspruch von dem Glauben abgebracht werden konnte, er habe seine Eindrücke jenseits der Alpen gesammelt. München war dem Künstler in den paar Jahren, die er hier verlebte, so lieb geworden, daß er daselbst seinen eigenen Heerd zu gründen beschloß. Seine Braut, Friederike von Skell, die in Schwetzingen geborene Tochter des Königl. Hofgärten-Intendanten, war ihm nahe verwandt. Die Dispensationsverhandlungen zogen sich zu Rom in die Länge und so konnte unser Künstler erst zu Anfang des Sommers 1824 seine Braut heimführen.

Um jene Zeit handelte es sich darum, ob an der Akademie zu München eine Abtheilung für die Landschaftsmalerei gebildet werden sollte. Rottmann, dem es vollkommen klar geworden, auf welche Abwege die landschaftliche Kunst gerade durch den Schulzwang getrieben worden und wie nothwendig frisches unmittelbares Studium der Natur den aufstrebenden Talenten wäre, sprach sich mit der ihm eigenen Energie gegen das bezeichnet Project aus. Er selbst fand in der Natur seine höchste Lehrmeisterin und ergab sich dem Studium derselben mit einer an’s Unglaubliche grenzenden Ausdauer. Die Früchte desselben zeigten sich denn auch in einer Reihe der trefflichsten Werke, denen die divergirendsten Motive zu Grunde lagen. Dabei strebte er danach, durch genauere und sorgfältigere Durchbildung des Details seinen Landschaften einen mehr individuellen und localen Charakter zu verschaffen.

Man hat vielfach über den glorreichen Kunstschöpfungen, welche König Ludwig’s Regierungsperiode hervorrief, des freilich weniger in’s Auge fallenden Wirkens seines Vaters, des Königs Max Josef, in dieser Richtung vergessen. Dabei darf man aber vor Allem nicht übersehen, daß mehr als die Hälfte der Zeit, welche König Max Josef auf dem Throne saß, eine Zeit des Kampfes und Streites war, wenig geeignet, große Werke des Friedens zu schaffen.

Wer aber je Gelegenheit hatte, die Privatsammlungen jenes vielseitigst gebildeten Monarchen kennen zu lernen, der wird von der Ueberzeugung durchdrungen sein, daß er nicht blos ein inniger Verehrer der Kunst, sondern auch ein mit klarem und hellem Blicke ausgestatteter Kenner derselben war. Im Uebrigen genügt es, auf die durch ihn im Jahre 1808, sohin mitten im Lärm des Krieges erfolgte Gründung der bayerischen Akademie der bildenden Künste hinzuweisen, deren fünfzigjähriges Bestehen der äußere Anlaß zur großen deutschen und historischen Kunstausstellung in München ward.

Es konnte nicht fehlen, daß ein Fürst wie König Max Josef auf den jungen strebsamen Künstler aufmerksam wurde. Seinem Schwiegervater von Skell gnädig gewogen, ließ er sich Rottmann durch ihn vorstellen und nahm ihn sehr wohl auf.

Auch ihm war jener Zug einer tief innigen Sehnsucht nach dem Süden nicht entgangen, der, wie oben erwähnt, sich in des Künstlers Arbeiten vielfach aussprach, und daran anknüpfend legte er es ihm in seiner wohlwollenden Weise nahe genug, eine Bitte in Beziehung auf seine vorhabliche Reise nach Italien auszusprechen. Rottmann gewann es jedoch nicht über sich, seinerseits dem angedeuteten Anerbieten einen Schritt entgegen zu kommen, nicht aus Stolz oder als ob es ihm nicht sehr erwünscht hätte sein müssen, sondern in dem Gefühle, daß vielleicht seinetwegen ein Dürftigerer hätte Zurückbleiben müssen.

Als Rottmann im Jahre 1826 endlich in der Lage war, sich mit seinem Freunde, dem tüchtigen Lithografen Friedrich Hohe, nach Italien auf den Weg zu machen, ließ er mit der Gattin noch einen frischen, blühenden Knaben, Hermann, zurück, den sie ihm noch im ersten Jahre seiner Ehe geschenkt hatte. Ein im darauf folgenden Jahre geborenes Mädchen, Pauline Louise, starb bald wieder. Die Reise ging durch die Schweiz nach Genua, Florenz, Rom und Neapel. Lebhaften Sinnes und sich für alles Schöne begeisternd, trat er nicht blos mit den hervorragendsten Künstlern, welche sich damals in Italien aufhielten, sondern auch mit vielen Gelehrten in Verkehr. Während seines Aufenthaltes in Neapel lernte er insbesondere Platen und Kopisch kennen und schloß sich dem Letzteren, dessen geselliges, heiteres Wesen neben gründlichem Wissen und redlichem Kunststreben ihn anzog, näher an. Rottmann gönnte sich wenig Ruhe, wie seine mit Studien aus jener Zeit gefüllten Mappen beweisen. Nach dem Vorbilde seines Vaters hatte er sich in der Behandlung der Aquarellfarben eine so große Gewandtheit und Sicherheit angeeignet, daß er den weitaus größten Theil seiner Studien in dieser Weise herstellte. Sein Reiseplan schloß aus mehrfachen Gründen Sicilien aus. Er sah sich jedoch veranlaßt, diese Insel von Neapel aus zu besuchen, als dort ein Auftrag des Königs Ludwig an ihn gelangte, wonach er für diesen eine Ansicht von Palermo zu malen hatte. Rasch entschlossen wie immer, segelte er bald darauf hinüber und durchstreifte die durch ihre Geschichte wie durch ihre landschaftlichen Reize gleich hervorragende Insel.

Nach einem fast zweijährigen Aufenthalt in Italien, während dessen er insbesondere in Rom, Florenz und Neapel für längere Zeit sein Standquartier aufgeschlagen und den dortigen Kunstsammlungen die lebhafteste Aufmerksamkeit zugewendet hatte, kehrte er nach München zurück, reich an Studien, noch reicher an Erfahrungen, welche er alsbald in seinen Werken niederzulegen begann. Die ersten Bilder, welche er ausführte, waren eine »Ansicht der römischen Campagna« und das »Colosseum« in Rom. Beide tragen in lebhaft ausgesprochener Weise den Charakter des Elegischen, der sich wie ein rother Faden durch die Mehrzahl seiner Bilder hindurchzieht, und beide geben ein Zeugniß davon, daß das Hauptstreben des Künstlers dahin ging, das Allgemeine der bezüglichen landschaftlichen Erscheinung in ihrer ideellen Wirkung wiederzugeben. Das »Colosseum in Rom« von dem trefflichen Andreas Barum, der sich vom Stubenmaler zu einem ausgezeichneten Lithografen emporgearbeitet hatte, mit Kreide auf Stein gezeichnet, ward vom Münchener Kunstverein seinen Mitgliedern für das Jahr 1828 als Geschenk bestimmt und fand durch die treffliche Ausführung die allgemeinste Anerkennung.

Rottmann betrachtete diese beiden Bilder gewissermaßen als Vorarbeiten für seine von König Ludwig bestellte »Ansicht von Palermo«, welche er im Jahre 1829 vollendete und welche auf der von der Akademie veranstalteten Kunstausstellung einen ungewöhnlichen Beifall fand. Der Künstler war in der Wahl seines Standpunktes von dem Gedanken ausgegangen, daß es sich weniger um eine Darstellung des architektonischen Theils der Stadt, wenn auch nur in seinen Hauptmassen, als darum handele, ein übersichtliches Bild der landschaftlichen Natur der Umgebung künstlerisch zu reproduciren, wobei der Hauptwerth selbstverständlich auf den Charakter der Linien und der localen Färbung fallen müsse. Wer Palermo kennt, wird zugeben müssen, daß es keinen besseren Standpunkt für den Künstler gab, der sich ein solches Ziel vorsteckte, als das Kloster S. Maria e Gesu, von welchem aus er die in der Ferne weithingestreckte Stadt, das tiefblaue Meer und den kühn geformten Monte Pelegrino vor Augen hatte. Nicht geringeres Lob ward seiner »Ansicht von Taormina« mit den Trümmern des alten Theaters im Vordergrund, welche er gleichfalls zur Ausstellung gegeben hatte.

Um jene Zeit waren die historischen Frescogemälde in den Arkaden des Hofgartens vollendet worden. Wenn auch ihr Kunstwerth im Allgemeinen ein nur höchst untergeordneter ist, so darf doch nicht übersehen werden, daß sie gewissermaßen als die Wiedergeburt der deutschen Frescomalerei erscheinen. Springer hat zwar vollkommen nachgewiesen, daß diese Kunst in Deutschland nie ganz verloren ging, wie etwa die Glasmalerei, aber die Leistungen, welche mittels derselben an einzelnen Orten erzielt wurden, erhoben sich nicht über die Stufe der Mittelmäßigkeit. König Ludwig, der Großartigstes wollte und, was er wollte, auch durchzuführen verstand, wußte recht wohl, daß es vorerst einen Versuch galt. Junge Männer machten sich an die Arbeit, die, als Versuch betrachtet, im Allgemeinen zufrieden stellte. Sie mußte den Leistungen der Frescomalerei in der Ludwigskirche und in der Basilika des heil. Bonifazius vorausgehen. König Ludwig gewann die Ueberzeugung, daß er und wie weit er mit diesem Kunstzweig vorgehen dürfe.

Rottmann hatte dem König seine zahlreichen Studien aus Italien vorgelegt und dieser wählte daraus nicht weniger als acht und zwanzig aus, welche der Künstler in den Arkaden des Hofgartens in Fresco ausführen sollte. Man hat oft die Wahl mißbilligen hören, weil die eigene Heimat des Schönen genug geboten habe, daß man keineswegs wäre genöthigt gewesen, Stoff von jenseits der Alpen zu holen. Man hat dabei Zweierlei übersehen: einmal daß München seiner geografischen Lage nach gewissermaßen die letzte große Station für Diejenigen ist, welche den Süden besuchen und hier in einer Reihe von Gemälden schon im Voraus auf bevorstehende Genüsse vorbereitet werden, und dann daß das ganze moderne München, wie es König Ludwig geschaffen, ohne Zwang als eine Vorschule der Kunst erscheint, welche im Süden ihren Hauptsitz hatte und dort ihre großartigsten Spuren zurückließ. König Ludwig traf nun seine Wahl so, daß der Beschauer den Vorhof Italiens in Trient betritt, durch die Veroneser Clause nach der Lombardei gelangt, Florenz, Perugia und Rom an sich vorbeikommen sieht, dessen Umgebung, wie die Seen von Nemi und Albano, der Monte Cavo und andere bedeutende Punkte ihn länger fesseln, daß er darauf seine Reise nach Terracina und Neapels Golf fortsetzt, wobei ihm Bajä und Ischia liebe Ruhepunkte werden. Dann geht er über Reggio in Calabrien nach Sicilien hinüber, durchwandert mit dem Künstler die Gebiete von Palermo, Girgenti, Messina, Selinunt und Syrakus und kehrt über Cephalu nach dem nahen Festlande zurück.

Die Aufgabe war für einen ebenso denkenden wie strebsamen Künstler gleich Rottmann eine überaus lockende. Das landschaftliche Element erschien bis jetzt in allen Frescogemälden als bloße Nebensache, welche man eher zu umgehen als aufzusuchen sich bemühte. Nun sollte diese bisherige Nebensache zur Hauptsache werden. Es galt, sich erst die Technik, wenn nicht ganz neu zu schaffen, doch für den Bedarf umzugestalten und an die Stelle erprobter Vortheile die Speculation treten zu lassen. Rottmann ging mit Zuversicht an die Arbeit. Weil es ihm nicht an Muth fehlte, bekannte und unbekannte Hindernisse zu bekämpfen, hoffte er auch sie zu überwältigen. Im fortgesetzten Streite mit hundert Schwierigkeiten setzte er unverdrossen seine Arbeit fort und vollendete sie auch glücklich im Jahre 1833. Daß die ersten Bilder an Werth den letzten nachstehen, soweit die Ausführung in Betracht gezogen wird, kann nicht befremden, wenn man bedenkt wie sehr die gegebenen Materialien dem Genius widerstrebten. Die zartesten Stimmungen, die feinste Harmonie der Farben mußten ohne die wirksamsten Hilfsmittel, welche dem Oelmaler in Anwendung von Lasuren und dergl. zu Gebote stehen, erzielt werden. Dabei drängt die Natur der angewendeten Technik immer zur Eile und gab nie im Moment der Arbeit die Gewißheit des Erfolges. Trotz dem läßt die technische Vollendung im Allgemeinen nichts zu wünschen übrig und erreichte neben wahrhaft genialer Charakterisirung der landschaftlichen Erscheinung in den Ansichten von Reggio, Palermo und Messina ihren Höhepunkt. Leider ist die Situirung dieses Cyklus nicht die günstigste. An der Wandseite eines langen, von breiten Pfeilern gestützten Bogenganges vermag, vornehmlich zur besseren Jahreszeit, das Licht nicht in dem Maße Eingang zu finden, als es zum vollständigen Genusse der Bilder unumgänglich nöthig wäre. Die Arkaden sind nemlich nur gegen den mit hohen dichtbelaubten Bäumen bepflanzten Hofgarten geöffnet. Erst als im Herbst 1858 der Versuch gemacht wurde, einzelne Gemälde zu fotografiren und man zu diesem Behufe das von staniolüberzogenen Flächen aufgefangene Sonnenlicht auf die Wandflächen reflectiren ließ, konnte man sich der herrlichen Gemälde, welche wie verklärt hervortraten, so recht von Herzen erfreuen. Rottmann bewies sich in diesen Bildern als ein feinfühlender Dichter, der es verstand, während er in großen oft gewaltigen Zügen den allgemeinen Charakter der Landschaft wiedergab, einen Hauch unendlich poetischer Stimmung darüber wehen zu lasten. Mit feinstem Gefühle fand er für jede Ansicht nicht blos den günstigsten Standpunkt, sondern auch die am schärfsten bezeichnende Jahres- und Tageszeit. Er beherrschte die Farbe nicht weniger als die Linie, zeigte jetzt die düstersten Schatten eines dahin brausenden Gewitter-Sturms, dann das glänzendste Licht der vom südlichen unbewölkten Himmel strahlenden Sonne und wußte überall die passendste Staffage anzubringen. Vorwiegend macht sich auch in diesem Cyklus jene tiefelegische Stimmung bemerkbar, welche den Grundzug seiner Kunstanschauung bildet. Wenn wir diesen Cyklus mit dem der später entstandenen griechischen Landschaften vergleichen, so fällt der Vergleich unzweifelhaft zu Gunsten des ersteren aus. Der Künstler war nicht bis zu jenem Uebermaß von Energie gelangt, welche ihn nachmals dazu drängte, in seinen Werken fast nur die stärksten, leuchtendsten Farben zu verwenden. Seine Färbung ist noch anspruchsloser, und klarer. Eben darum prägen sich aber auch seine italienischen Bilder dem Gedächtnisse tiefer ein und machen einen wohlthuenderen Eindruck auf das Gemüth als seine griechischen Landschaften.

Rottmann führte die italienischen Landschaften, welche zur Zeit noch die Arkaden des Hofgartens schmücken, auch in Oel aus. Man muß dies für ein großes Glück halten, wenn man bedenkt, wie diese herrlichen Gemälde nicht blos durch die Einflüsse der Zeit und der Witterung, sondern auch durch die empörende Rohheit einzelner Menschen gelitten haben. Noch wäre es Zeit, sie aus der Wand nehmen zu lassen und in irgend einem passenden Locale unterzubringen, aber bis jetzt waren alle Bemühungen der Presse in dieser Beziehung ganz vergebens und so gehen sie denn einem sicheren Verderben entgegen. Einige derselben radirte der treffliche E. Neureuther in Kupfer, während Scheuchzer die ganze Folge in Aquarell wiedergab.

Rottmann hatte kaum die italienischen Landschaften vollendet, als ihm König Ludwig den Auftrag ertheilte, eine größere Reise nach Griechenland zu unternehmen. Nach des Königs Intention sollte unser Künstler eine erhebliche Anzahl von hellenischen Landschaften malen, welche dann unter den nördlichen Arkaden des Hofgartens, sich an jene italienischen anschließend, ihren Platz finden sollten. Rottmann unterzog sich der großen Aufgabe um so freudiger, als sein Aufenthalt in Italien seine Sehnsucht nach dem Süden nicht vollständig zu befriedigen im Stande gewesen. Mit ihm ging der Architekt und nachmalige königl. griechische Baurath Ludwig Lange. Es war im Jahre 1835, als die beiden Kunstgenossen sich nach München aufmachten und über Innspruck und den Brenner die wohlbekannten Pfade nach Verona zogen. Sie wendeten sich dem östlichen Abhange der Apenninen zu und schifften sich in Ancona ein. Die Ueberfahrt nach Patras bot nichts Erhebliches, eben so wenig die Fahrt nach Korinth. Weit interessanter ward die Landreise von Korinth nach Athen.

In Athen hatte damals noch (1834) die für die Dauer der Minderjährigkeit des Königs eingesetzte Regentschaft ihren Sitz aufgeschlagen. Der General Freiherr von Heydeck genannt Heidegger selbst ausübender Künstler, nun Regentschaftsmitglied, nahm den Künstler und seinen Begleiter auf das freundschaftlichste auf und ward seine theilnehmendste Stütze mit Rath und That. Die Verhältnisse in Athen entbehrten noch gar sehr jenes Comforts, an den wir Hyperboräer mehr gewöhnt sind, als wir uns und Andern gestehen wollen. Es war unter Anderm nichts weniger als eine leichte Aufgabe, für ein brauchbares Atelier zu sorgen, um so weniger als es für zwei Künstler dienen sollte. General von Heydeck überließ den Landsleuten und Kunstgenossen ein geräumiges Zimmer seiner eigenen Wohnung, obwohl diese selbst nur den nöthigen Raum gab. In wenig Tagen ward das Zimmer in ein förmliches Atelier umgewandelt, und bald konnten Rottmann und Lange daran gehen, die Skizzen, die sie auf der Herreise gesammelt, zu ordnen und in geeigneter Weise zu überarbeiten. Bald gesellte sich zu den Beiden ein dritter Kunstgenosse, der damals bei der Regentschaft verwendete geheime Secretär Ferdinand Stademann, derselbe, dem wir manche werthvolle Notiz über Rottmann verdanken, dem er von jener Zeit an freundschaftlich verbunden blieb. So schweigsam unser Künstler in der Regel beim Schaffen, insbesondere aber bei der Arbeit im Freien war, die seine ganze Seele in Anspruch nahm, so redselig zeigte er sich nach zurückgelegter Arbeit und so trug er denn auch in jenem Kreise, halb ohne es zu wissen, den größten Theil der Kosten der Unterhaltung. Dabei kam ihm das in hohem Grade innewohnende Talent zu statten, in der scheinbar trockensten Weise die köstlichsten Anekdoten zum Besten zu geben. Daß es aber an der Anregung zu den ernstesten Unterhaltungen nicht fehlte, dafür sorgte der Umstand, daß drei Männer wie jene sich in engster Vereinigung auf dem classischen Boden Athens zusammenfanden.

Im April des darauf folgenden Jahres 1835 hatte Rottmann den wichtigsten Theil seiner Aufgabe vollendet, soweit dieser auf Athen und seine Umgebung Bezug hatte. Es handelte sich nun um die Fortsetzung der Reise in’s Innere des Landes. Noch jetzt, trotz der vielen Opfer, welche das Land gebracht, gehört eine solche Reise nicht zu denjenigen, die mit einer gewissen Bequemlichkeit gemacht werden können. Noch viel weniger war dies natürlich damals der Fall, in einer Zeit, in der ein Jahre hindurch mit aller Erbitterung geführter Krieg kaum beendigt worden war. Die Reisegesellschaft bestand zunächst nur aus den Ateliergenossen; Stademann aber hatte sich auf Rottmann’s besonderen Wunsch angeschlossen. Im Mai machte man sich auf den Weg, zunächst nach Marathon, immer zu Roß. Von Marathon, wo das berühmte Schlachtfeld gezeichnet wurde, ging’s weiter nach Aulis, Chalkis, und in’s Innere von Euböa, dann wanderte Rottmann, nachdem seine bisherigen Reisegenossen über Platäa nach Athen zurückgekehrt, weiter nach dem Norden und über die Grenzen des jungen Königreichs hinaus. Rottmann nützte die Zeit mit der größten Gewissenhaftigkeit, ohne alle Rücksicht auf sich selbst nur seinen Zweck im Auge behaltend. Daß ein tagelanger Ritt auf ungebahnten Wegen unter einem glühenden Himmel die Reisenden das Nachtlager mit Sehnsucht erwarten ließ, wird niemand bezweifeln. Dies hielt aber Rottmann nicht ab, Angesichts des bläulichen Rauches, der aus den ärmlichen Hütten emporstieg, aus denen damals die meisten griechischen Städte bestanden, ruhig aus dem Sattel zu steigen, sein Portefeuille hervorzuziehen, sich irgend einen Stein zum Sitz auszusuchen und nun in aller Ruhe, als ob er gar keine Ahnung von dem hätte, was man Hunger und Durst nennt, an eine mehrstündige Arbeit zu gehen. Da fehlte es wohl nicht an schüchternen Bemerkungen dieses oder jenes Gefährten, daß es Abend werden wolle, daß der Ritt wohl noch ein Stündchen kosten werde und daß man morgen vom neuen Standquartier wieder auf diesen Punkt zurückzukommen die beste Gelegenheit haben würde. Aber das Alles scheiterte an der ihm eigenthümlichen Gelassenheit und Bedächtigkeit, die sich durch nichts aus dem Geleise bringen ließ. Sahen dann die Freunde, daß er gleichwohl seinem Vorhaben unerschütterlich treu blieb, so erübrigte auch ihnen nichts mehr, als gleichfalls Papier und Bleistift zur Hand zu nehmen und, halb wider Willen seinem Beispiel folgend, mitzumachen. So entstanden denn regelmäßig drei Zeichnungen nach demselben Objecte zugleich. Abends nach eingenommener Stärkung saß man behaglich beim Tschibuk beisammen und verglich, was man den Tag über geschafft. Da zeigte es sich denn oft, daß die Umrisse auf den Rottmannschen Blättern mehr oder minder von denen auf den Arbeiten seiner Freunde abwichen. Rottmann selbst war es, der dies betonte und im Zweifel schien, wie er sich das erklären sollte. Die Antwort auf die Frage liegt in seinen feinfühlenden Geiste, dem die Hand unwillkührlich und unbewußt folgte. Wir finden dies auch in seinen italienischen Landschaften. Irgend eine Linie, welche dem Ideal der Schönheit nicht vollkommen entsprach, wandelte sich unter seinem Stifte in eine classisch schöne. Diese Aenderungen sind nie von so eingreifender Bedeutung, daß sie zur Unwahrheit geführt hätten, aber sie genügen, um, oft nur durch eine leise Verschiebung, eine Variation des Themas möchte man sagen, dem Ganzen einen gefälligeren und edleren Charakter zu verleihen. Sein Genius veredelte alles Gewöhnliche und Gemeine.

König Ludwig hatte schon von vornherein alle jene Punkte, wenigstens im Allgemeinen bezeichnet, welche Rottmann zu malen hatte. Als er nach München zurückkehrte, legte er seine Skizzen und Studien dem Könige vor, der nun die definitive Wahl traf. Die Ausführung sollte zuerst in Fresco geschehen; auf des Königs Geheiß malte Rottmann nunmehr auf dicke Cementtafeln, welche dann in die Wand eingelassen werden sollten. Nach seiner Weise ging er nach seiner Heimkehr rasch an’s Werk. Gleichsam als Vorstudien führte er erst einige der Bilder in Oel aus. Zu seinen neuen Bildern aber bediente er sich der Enkaustik, wie sie von Fernbach eingeführt worden und in den Gemälden des Festsaalbaues der Köngl. Residenz in München unter Schnorr’s Leitung angewendet wurde.

So brauchbar diese Technik war, so glaubte doch der Künstler sie mit der Balsammalerei Knierim’s vertauschen zu müssen, von der er bezüglich der Ausführung seiner Lüfte und Fernen noch günstigere Ergebnisse zu erhalten hoffte. Indeß sah er seine Erwartungen bald getäuscht und behielt sofort die erstlich angenomene Technik bis zum Schlusse seiner großen Aufgabe bei.

Faßt man die Vorzüge dieses Cyclus kurz zusammen, so läßt sich sagen, daß ihr Glanzpunkt in den zauberhaften Lichtwirkungen beruhe, wobei aber der Adel der Formen dazu beiträgt, daß sich Alles zu einem wohlgerundeten und harmonischen Ganzen verbindet. Manche Kunstrichter aber sind der Meinung, daß Rottmann in diesen Bildern, wie schon in manchem vorausgegangenen, z. B. dem »hohen Göhl«, auf jene außerordentlichen Licht- und Farbenwirkungen zu viel Gewicht gelegt habe und daß er namentlich in der Betonung ungewöhnlicher meteorologischer Erscheinungen etwas weiter gegangen sei, als sich rechtfertigen ließe. Vischer hat diese Ansicht von seinem Standpunkte aus in seinem Handbuche der Aesthetik mit Geist vertreten und wissenschaftlich begründet. Der Kunstfreunde größere Zahl aber, das wünschen wir und sind davon überzeugt, wird sich dadurch die Freude an dem hohen Genuß beim Anblick seiner Bilder nicht vermindern lassen, denen König Ludwig in seiner Neuen Pinakothek einen eigenen, mit künstlich gesammeltem Oberlicht versehenen Saal widmete. Rottmann legte in seinen Arbeiten eine seltene Gewissenhaftigkeit an den Tag. Abgesehen davon, daß er, wie erwähnt, keine Mühe und Unbequemlichkeit scheute, wenn es galt, zur rechten Zeit und am rechten Orte seine Studien zu machen, lassen es seine mit scheinbarer Leichtigkeit gemalten Bilder nicht errathen, wie viel Arbeit sie dem Meister kosteten. Nicht als ob er mit dem Pinsel mühsam gearbeitet hätte, denn es fand gerade das Gegentheil statt, sondern er war so strenge, daß er die scheinbar unbedeutendsten Dinge, wenn sie jeden Andern längst befriedigt hätten, immer und immer wieder mit dem Lappen abwischte oder auch aus dem Bilde herausschliff und nicht eher sich damit zufrieden stellte, bis er glaubte, nun habe er endlich das Rechte erreicht. Für das kleinste Wölkchen machte er mit demselben Fleiße seine Studien, wie für die größten Baumgruppen. Saß er an seiner Arbeit, so gab es für ihn keine Welt mehr außer ihm. Es geschah wohl, daß er den Mittagtisch darüber vergaß und zu seiner Familie erst dann hineinkam, wenn man ihn abrufen ließ, und an Sommerabenden nur durch die einbrechende Nacht aus seinem Atelier vertrieben wurde.

Daß ein Künstler von der Bedeutung Rottmann’s vielseitig von Kunstgenossen und Kunstjüngern um Rath angegangen wurde, war natürlich. Rottmann war gern damit zur Hand und griff, wenn er seine Ansicht umständlich mit Worten auseinandergesetzt, noch lieber zur Kreide, um seine Worte zu unterstützen. Sein Eifer ging dann wohl auch so weit, daß er dem Andern Pinsel und Palette wegnahm, sich an die Staffelei setzte und mit einem wahren Feuereifer selbst an dem fremden Bilde zu malen anfing. Da gab es denn nun manchmal gar ergötzliche Geschichten. Der Rathbedürftige hatte vielleicht eine ganz sauber ausgeführte Zeichnung vor sich liegen und der eifrige Rather fuhr ihm nun mit Strichen der dicksten Sorte in seine Arbeit hinein, putzte ihm da einen Baum weg und ließ dort mächtige Felsen einporwachsen. Natürliche Pietät und Achtung vor dem Meister ließen nur Wenige zu schwachen Protesten gegen das energische Verfahren desselben kommen, und nach einer Viertelstunde hatte dieser die Arbeit so gründlich umgestaltet, daß sie der ursprüngliche Autor selbst nicht mehr hätte zu erkennen vermocht, hätte er der Verwandlung nicht mit schweißbedeckter Stirne beigewohnt. Das Werk war nun freilich immer ein durch und durch geistreiches, aber von den Intentionen des Ersten war kaum eine Spur geblieben, es war ein Rottmann’sches geworden, mit dem Jener in keiner Weise mehr zurecht kommen konnte.

Griff Rottmann in eines Anderen Werkstätte nun gar zu den Farben und Pinseln, dann war natürlich die Umbildung eine noch raschere und radikalere. So besuchte Rottmann eines Tages seinen Freund Christian Morgenstern und traf denselben vor einem Bilde, das, einen flachuferigen Fluß mit hohen Bäumen im Morgenlichte zeigend, einen durchweg idyllischen Charakter an sich trug. Rottmann war damals in jener Periode angelangt, in welcher ihm keine Farbe leuchtend und glühend genug erschien und in der das Roth in seinen verschiedenen Abstufungen eine so bedeutende Rolle spielte. Es konnte nicht fehlen, daß das fast schon vollendete Bild zum Gegenstand ihrer Besprechung wurde. Rottmann wich in seinen Ansichten hier und dort von denen seines Freundes ab. Erst ward die Debatte noch mündlich geführt, dann deckte er hier eine Partie mit Kreide und verstärkte eine andere. Endlich aber trieb er Morgenstern aus dem Atelier mit der Bitte, ihn eine Stunde ungestört über dem Bilde zu lassen. Die Stunde verlängerte sich in eine zweite und dritte und als Morgenstern endlich zurückkehrte, fand er seinen genialen Freund noch in vollster Arbeit. Von dem weichen, duftigen Morgen war nichts mehr zu sehen, Rottmann hatte alle Glut seines Pinsels an dem Bilde verschwendet. Das Bild war bestellt, die Stimmung bezeichnet worden; es blieb also nichts übrig, als es bei Seite zu stellen und ein neues zu beginnen. Daß eine solche, freilich ganz gut gemeinte, Methode hie und da Conflicte nach sich zog, bedarf keiner Erklärung, um so weniger, als Rottmann sehr lebhaften Naturells war. Ohne zu sein, was man streitsüchtig nennt, war es ihm ein Genuß im Gespräche für und wider zu erwägen. Scharfen Verstandes wußte er den Wortkampf mit großem Geschicke zu führen und immer neue Gründe für seine Ansicht vorzubringen. Fühlte er, daß sie nicht zureichend wären, oder nicht stichhaltig genug, so liebte er es, die Rollen zu wechseln und bestritt wohl am nächsten Tage Dritten gegenüber die vorher mit allem Eifer vertheidigte Ansicht, hoch erfreut, wenn sein Gegner eine neue Seite fand, von der sich die Stellung halten ließ.

Diese Controversen berührten übrigens nicht blos die Kunst. Rottmann interessirte sich für alle Richtungen des menschlichen Lebens und Strebens und eine neue Erscheinung auf dem Gebiete der Technik blieb ihm so wenig fremd als eine neue Dichtung.

Seine angestrengte Thätigkeit erlaubte ihm nicht, sich viel im Leben zu bewegen. Er fand Entschädigung für den Entgang in dem geselligen Verkehr, der in seinem Hause stattfand. Der kaiserl. russische Oberst Barischnikoff, der in München ab- und zuging und sich öfter längere Zeit dort aufhielt, war dann täglicher Gast im Hause Rottmann’s. Von den Künstlern waren es besonders Daniel Fohr, Christian Morgenstern, Ludwig Lange und Ferd. Stademann, mit denen er in lebhaftem geselligen Verkehr stand. Der Letztgenannte war oft sein Begleiter auf Spaziergängen auf dem hohen Isarufer bei Neuberghausen, wo Rottmann wie Claude Lorrain im benachbarten Harlaching Luftstudien zu machen liebte.

Wie strenge Rottmann in Sachen der Kunst gegen sich selbst war, mag daraus entnommen werden, daß er selbst mit seinen italienischen Fresken so unzufrieden war, daß er die mit größter Sorgfalt ausgeführten Cartons hierzu auf dem Speicher seines Wohnhauses jedem fremden Blicke in einer Weise entzog daß ihre Wiederherstellung mit den größten Schwierigkeiten verbunden war, als sie nach seinem Tode für die großherzogliche Kunstsammlung in Darmstadt erworben wurden. Aber nicht blos diese Cartons suchte er bei Seite zu schaffen; er hielt nicht selten unter seinen Entwürfen und oft mehr als zur Hälfte vollendeten Arbeiten eine sorgfältige Musterung, in Folge deren er denn ein mehr oder minder großes Auto-da-fé zu veranstalten pflegte. Alle Versuche, ihn ganz hiervon abzuhalten oder nur Einzelnes von den Flammen zu retten, blieben fruchtlos, und wer es wagte, ihm entgegen zu treten, konnte gewiß sein, daß sich sein ganzer Unwille auf ihn entladen würde. Dieses Verfahren war aber um so bedauerlicher, als es seinen Grund nicht einzig und allein in Rottmann’s höchst ehrenwerthem Streben fand, sondern theilweise auch durch eine Mißstimmung hervorgerufen wurde, welche in körperlichen Verhältnissen zu suchen war. Der Künstler, der sich nur wenig Erholung gönnte, bedurfte derselben um so mehr, als sich ein Leberleiden bei ihm eingewurzelt hatte, das ihn desto heftiger quälte, je rastloser er an seiner Arbeit zu sitzen pflegte. Der Wissenschaft der Aerzte wenig vertrauend, suchte er in dem Gebrauch der Morison’schen Pillen Linderung. Er fand sie oder glaubte sie zu finden und gewöhnte allmählig seine Natur an den Gebrauch dieses berüchtigten Heilmittels. In Folge dessen mußte er, um eine Wirkung zu erzielen, die Dosen mehr und mehr verstärken und untergrub so seinen von Natur aus starken Körper. Dieser bedurfte vor Allem einer angemessenen Bewegung im Freien, wie denn Rottmann auch trotz des Unterschiedes der klimatischen Verhältnisse und der Nahrung sich nie kräftiger fühlte, als während seiner anstrengenden Reise in Griechenland.

Er war schon seit längerer Zeit nicht mehr ganz wohl. Der Cyklus der griechischen Landschaften hatte ihn während der Ausführung ganz in Anspruch genommen. Der König drängte, als ob er eine Ahnung hätte, daß er den großen Meister nicht lange mehr unter diejenigen zählen könnte, die er in glorreicher Munificenz um sich gesammelt. Rottmann klagte oft über Abspannung und ersetzte den Entgang an Kraft durch neue Anstrengungen. Um jene Zeit hielt er sich zur Erholung während des Sommers in dem freundlich gelegenen Markte Bruck auf und empfing bei diesem Spaziergange mit seiner Familie den ersten Gedanken zu einem seiner eigenthümlichsten Bilder, dem »Waldbrande«, der später in den Besitz des Grafen Barischnikoff gelangte.

Nächst dem berühmten Kloster Fürstenfeld wurden nemlich unter den ersten Buchen, welche die benachbarte Hügelreihe schmücken, große Stückfässer ausgepicht. Die Flamme züngelte roth glühend zwischen den dicht belaubten Aesten empor und ein kräftiger Wind trieb den dunklen Rauch in gewaltigen Massen über das Land hin. Der Künstler freute sich der herrlichen Effecte und benutzte die Erinnerung daran später zu dem bezeichneten Bilde, das mit seiner tiefen Melancholie und seiner wilden Kraft einen wahrhaft erschütternden Eindruck macht. König Ludwig fand es in der ersten Anlage in dem Atelier des Künstlers, das er häufig besuchte, und beurtheilte es nicht eben allzu günstig. Als er es aber später als Barischnikoff’s Eigenthum wiedersah, schien es ihn zu verstimmen, daß er es nun nicht mehr erwerben konnte. Der König war Rottmann freundlich gewogen und pflegte sich in seiner lebhaften und anregenden Weise lange mit ihm zu besprechen, wobei die Erinnerung an ihren beiderseitigen Aufenthalt in Italien und Griechenland beliebte Anknüpfungspunkte darbot. Eine Folge dieses Wechselverkehrs war es auch, daß König Ludwig die achtundzwanzig Landschaften des Künstlers unter den Arkaden des Hofgartens mit eben so vielen Distichen überschreiben ließ, welche er selbst gedichtet hatte.

Trotz öfteren Kränkelns gab sich Rottmann stets seiner aufreibenden Arbeit hin. Seine Familie und seine Freunde sahen mit Schrecken, wie sein Befinden mehr und mehr sich verschlimmerte. Endlich mußte er sich entschließen, die Ruhe zu suchen und als seine Umgebung bereits wenig Hoffnung mehr hatte, sprach er noch mit Wärme davon, wie er sich freue, wieder an die Arbeit zu gehen. Auch die bessere Jahreszeit hatte seinen Zustand nicht zu bessern vermocht, die Kräfte schwanden sichtlich und am 6. Juli 1850 erlag der geniale Künstler seinem Leiden in einem Alter von 52 Jahren 5 Monaten und 25 Tagen.

Rottmann wohnte oft während der günstigeren Jahreszeit mit seiner Familie in dem reizend gelegenen Leoni, am östlichen Ufer des Starnberger See’s. Eine kleine halbe Stunde davon fällt die Hügelreihe, welche dicht am Gestade hinzieht, gegen Süden plötzlich jäh ab und eröffnet ein Panorama des bayerischen Gebirges von seltener Schönheit. Dieser Punkt war Rottmann’s Lieblingsstelle und hier machte er, auf einer einfachen, hölzernen Bank sitzend, Studien, welche später, in seinen Gemälden verwerthet, die Beschauer entzückten. Ein Jahr nach seinem Tode, und zwar am Todestage selbst, vereinigte ein Fest zu seinem Gedächtniß die Münchener Künstlerschaft und zahlreiche Freunde und Verehrer des Todten an jener Stelle. Der Regierungsrath und Gutsbesitzer Graf von Rambaldi hatte in dankenswerther Pietät den Künstlern den Grund und Boden jenes Hügels zum Eigenthum überlassen und im Subscriptionswege war ein einfaches Denkmal: ein Obelisk mit dem Emblem der Unsterblichkeit und dem Datum von Rottmann’s Todestag dort aufgestellt worden. Zu beiden Seiten des Obeliskes befinden sich, mit ihm verbunden, steinerne Bänke, von denen aus man die entzückendste Fernsicht über See und Land genießt. Der Maler Ant. Teichlein, derselbe, von dem der Gedanke der historischen deutschen Kunstausstellung von 1858 ausging und der mit dem Verlebten in vielfachem Verkehr gestanden, nachmals auch dessen einzige Tochter heirathete, sprach zu den Umstehenden herzliche Worte, worauf die alte hölzerne Bank den Flammen geopfert wurde, gleichsam um sie gegen Profanirung zu schützen. Als im September des Jahres 1858 die deutschen Künstler in München tagten, da war diese Stelle das Ziel eines Ausfluges, den die Münchener Künstlerschaft mit ihren Gästen aus allen Gauen des schönen, großen Vaterlandes machte. Damals flatterten Fahnen und Wimpel lustig um das mit Kränzen geschmückte Denkmal des Künstlers und Gesang wechselte mit begeisternden Reden und Hoch’s auf die edle deutsche Kunst. Wohl mancher der lieben Gäste mag sich noch nach langen Jahren des schönen Festes erinnern, das damals auf der »Rottmann’s-Höhe« gefeiert wurde, und es wird nur Wenige unter ihnen geben, die nicht dabei des Künstlers gedenken, der in der Kraft seiner Jahre und im lebendigsten Wirken heimging.

Ziemlich um dieselbe Zeit, in welcher die Vorkämpfer der heutigen deutschen Geschichtsmalerei mit den Ueberlieferungen der Akademie brachen und die Antike neu anschauen lernten, zeigte sich auch in der Landschaftsmalerei ein ähnlicher Kampf. Die Landschaft jener Zeit war nicht viel mehr als eine ziemlich geistlose Abschrift der Natur. Daß die landschaftlichen Formen gleichsam als Buchstaben dienen könnten, einen idealen Gedanken auszusprechen, daran dachte noch niemand. Die neue historische Kunst beruht auf den plastischen Werken des Alterthums, auf der Antike. Die Schönheit der menschlichen Formen, wie sie sich in jenen darstellt, war das belebende Ideal der Reformatoren, die Farbe kam erst in zweiter Reihe in Betracht.

Jene Künstler nun, welche die Landschaftsmalerei umgestalteten, wie Koch, Reinhardt und Rhoden, fanden freilich keine antiken Vorbilder, denn das wenige Landschaftliche, welches sich, und zwar immer nur nebensächlich behandelt, auf antiken Wandgemälden vorfand, kann hier nicht in Betracht kommen. Sie gingen aber gleichwohl von derselben Idee aus, von der Idee der Schönheit der Linien und der Formgestaltung. Es waren wieder die plastischen Elemente, welche in der Natur aufgesucht und künstlerisch dargestellt wurden. Sie fanden sich vorwiegend in dem Charakter jenes Landes, aus dem jene reformatorischen Bestrebungen hervorgingen, im Charakter Italiens. Die plastische Schönheit Italiens war es, welche jene Künstler begeisterte. Man begnügte sich nicht mehr mit einem sorgfältigen ja ängstlichen Copiren eines Stückes landschaftlicher Natur, wobei man am Ende Alles wiedergegeben hatte, was da zu sehen war, Wiese und Wald, Berg und Thal, Himmel und See, während sich nur eines, die Seele, der Darstellung entzog, da man wohl die äußere Erscheinung, die Formen sah, aber nicht verstand, weil man in den Gedanken, das innere Wesen der Natur nicht einzudringen vermochte.

An jene Meister schloß sich Rottmann ohne seine individuelle Eigenart aufzugeben zunächst an und gehörte so in seiner ersten Periode fast ausschließlich den Stylisten an, weshalb er auch weniger Gewicht auf die Farbe legte. Seine zweite Periode wird durch die 1833 vollendeten italienischen Landschaften charakterisirt, in denen er das von der Natur gebotene Material mit poetischer Freiheit benützte, die dritte endlich durch seine griechischen Landschaften in der Neuen Pinakothek, in denen er vollständig als Stimmungslandschafter sich erweist. Hier und in einigen anderen Bildern, z. B. im »Hohen Göhl«, hat der Künstler oft den Hauptaccent auf meteorologische Erscheinungen gelegt und durch sie eine Stimmung vermittelt, welche historische und kulturhistorische Erinnerungen zu erwecken und festzuhalten geeignet ist. Es mag nur an die »Ebene von Marathon« erinnert sein. Dadurch erhalten seine Bilder den Ausdruck einer Ganzheit der äußeren Erscheinung zugleich mit einem tiefpoetischen inneren Werthe.

Carl Albert Regnet: Münchener Künstlerbilder. Ein Beitrag zur Geschichte der Münchener Kunstschule in Biographien und Charakteristiken. Leipzig, 1871.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Rottmann Karl, 1798 (Handschuchsheim bei Heidelberg) – 1850, Landschafts- und Hofmaler; R. malte schon mit 14 Jahren das Heidelberger Schloß, studierte an der Kunstakademie in München, bereiste die Schweiz und Italien und schuf hier im Auftrag Ludwigs I. von Bayern ein großes Gemälde von Palermo; seine Ansicht der Römischen Campagna und sein Colosseum fanden sofort allgemeine Anerkennung; in München malte R. 1830/33 die berühmten Landschafts-Fresken für die Hofgartenarkaden und ergänzte sie durch solche aus Griechenland nach Studienreisen (1834/35) in enkaustischer Technik für die Neue Pinakothek; auch die Galerien von Berlin, Leipzig, Hamburg, Darmstadt u. a. besitzen Werke von R.; seine Kunst sucht die malerische Schönheit des freien Lichts, mehr als die bisherigen Landschaftsmaler im historischen Stil, zu berücksichtigen, wobei er jedoch am idealisierten Bühnenhintergrund festhielt.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#Friedrich Ludwig von Sckell

* 13.9.1750 (Weilburg/Hessen-Nassau)
† 24.2.1823 (München)
Gartenarchitekt

#Allgemeine Deutsche Biographie (1892)

Skell: Clarus Friedrich Ludwig v. S. (er selbst schrieb seinen Namen Sckell, in dem Taufregister seines Geburtsortes steht Skell, ebenso bei Meusel im gel. Teutschland), berühmter Gartenkünstler, geboren zu Weilburg am 13. September 1750, † 1822. Er stammte aus einer alten Gärtnerfamilie; sein Großvater Johann Georg Wilhelm war Gärtner in dem königlich preußischen Lustgarten zu Lehnin, sein Vater Johann Wilhelm zur Zeit seiner Geburt fürstlicher Haingärtner zu Weilburg, ein Verwandter, vielleicht ein Bruder seines Vaters, Johann Friedrich, Gärtner zu Neu-Saarwerden. Und so widmete sich der junge Friedrich Ludwig (den Namen Clarus setzte er nicht auf den Titel seines Buches) auch diesem Berufe.

Wir finden ihn zuerst in dem Garten zu Schwetzingen, wo er seine Ausbildung erhielt, dann zu Bruchsal; von da begab er sich nach Paris und Versailles, dann nach England, wo er sich vier Jahre lang aufhielt. Hier lernte er die englischen Gärten, welche man damals im übrigen Europa nachzuahmen angefangen hatte, aus eigener Anschauung kennen; es blieb ihm dabei nicht verborgen, daß man bei dieser Nachahmung in wilde Regellosigkeit verfallen sei und vergessen habe, daß die Gartenkunst eben eine Kunst sei. Indem er nun jene vermied und dabei die Formen der älteren Schulen, wie sie in Frankreich und Italien ausgebildet worden waren (er nennt sie die symmetrische Gartenkunst), nicht schlechthin verwarf, wurde er der Schöpfer der neueren deutschen Gartenkunst, die lange Zeit in seinen Bahnen wandelte, bis sie durch seine Nachfolger, den Fürsten Pückler-Muskau u. a., weitergeführt wurde. Nach seiner Rückkehr aus England erhielt er vom Kurfürsten Karl Theodor von der Pfalz den Auftrag, einen Theil des Schwetzinger Gartens in landschaftlichem Stile anzulegen. Der Versuch gelang, und infolge davon wurden ihm von demselben Fürsten und andern ähnliche Aufgaben gestellt. So entstanden der ehemalige sogenannte Militärgarten in Mannheim, Schönbusch und Schönthal bei Aschaffenburg, Rohrbach an der Bergstraße, die Neuen Anlagen bei Mainz, der Schloßpark in Landshut, Karlsberg und Montbijou in der Pfalz, Karlsthal bei Trippstadt und Direnstein in der Pfalz, Dürkheim an der Haardt, Neckarshausen bei Ladenburg, Herrnsheim bei Worms, Oppenweiler, Annahall bei Blieskastell, Birkenau, Oranienstein bei Diez, Amorbach und Grünstadt. Alle diese Gärten legte er theils selbst an, theils wurden sie nach seinen Plänen angelegt. Sein nächstes Werk war der Englische Garten in München, wohin ihn sein Fürst Karl Theodor, als Baiern ihm zugefallen war, gezogen hatte. Doch war seines Bleibens zunächst nicht daselbst; er kehrte nach der Pfalz zurück, zeitweilig sogar in die Dienste des Markgrafen von Baden, bis er im J. 1804 dauernd an die Isarstadt gefesselt wurde durch seine Ernennung zum Intendanten der (seit 1806) königlichen Gärten. Nunmehr vollendete er den Englischen Garten und gestaltete den Park von Nymphenburg zu einem landschaftlichen Garten um. Aber auch anderwärts nahm man noch immer seine Kunst in Anspruch: er wurde zu Rath gezogen bei der Umgestaltung des Biebricher Schloßgartens, der Anlagen bei Baden-Baden, Laxenburg bei Wien u. s. w.

Eine äußere Anerkennung seiner Leistungen erhielt er während seines Lebens durch die Verleihung des bairischen Civil-Verdienst-Ordens und des Adels, nach seinem Tode durch ein Denkmal, welches ihm im Englischen Garten zu München gesetzt wurde. Geschrieben hat er nur ein Werk am Ende seines Lebens, welches die Grundsätze, die ihn bei seinen Anlagen leiteten, entwickelt und ein Lehrbuch für die folgende Zeit wurde: »Beiträge zur bildenden Gartenkunst für angehende Gartenkünstler und Gartenliebhaber«, München 1819. Als Zweck desselben giebt er in den Vorerinnerungen an, daß es praktisch belehren solle, wie Hügel und Thäler, wie Bäche, Wasserfälle und Seen mit ihren Wäldern, Hainen und Gebüschen u. s. w. der Natur ähnlich in Gärten erschaffen werden können. »Die mannigfaltigen und unzähligen Bilder der Natur, welche die schöne Erde zieren, sagt er in § 1, stellet die Kunst im Einklang mit ihr, in mehreren zusammengesetzten Landschaften, in den Gärten auf, die eine mit Geschmack verbundene Haltung in ein Ganzes vereint; dieses Ganze, bereichert im Zusammenflusse vieler ausländischen Bäume, Sträucher und Blumen und geziert mit den Werken der alten und neuern Baukunst, erhebt sich dann zu einem Garten, wo die Natur in ihrem festlichen Gewande erscheint, in welchem sie außer diesen Grenzen nicht mehr gesehen wird.«

Man rühmt an Skell’s Anlagen große kräftige Umrisse und Massenwirkung, tadelt aber, daß er zu große Massen von gleicher Belaubung und Farbe, zu viel Bäume und Gesträuche von gleichem Wuchs vereinigt habe und dadurch in den Fehler der Einförmigkeit verfallen sei, den er selbst durch andere Mittel zu mildern wußte, nicht so seine Nachahmer; auch seine Zusammenstellung der Holzarten sei nicht immer zu billigen, sowie einige Spielereien aus der französischen und italienischen Schule, denen er noch Platz vergönnte.

Meusel, Gel. Teutschland VIII. – Jäger, Gartenkunst und Gärten sonst und jetzt, 1888, S. 300 ff. – v. Ompteda, Rheinische Gärten, 1886, an verschiedenen Stellen.

F. Otto: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1892.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Sckell Friedrich Ludwig, von, 1750 (Weilburg/Hessen-Nassau) – 1823, Gartenkünstler und Hofgärtenintendant; er lernte seit 1773 in England, trat 1775 in kurpfälzische Dienste (1803 Gartenbau-Intendant in Schwetzingen) und wirkte seit 1804 in München als Hofgärtenintendant; S. führte den Englischen-Garten-Stil in Deutschland ein (zu Schwetzingen, Englischer Garten, Nymphenburg u. a.); sein schriftlicher Niederschlag sind die klassischen »Beiträge zur bildenden Gartenkunst« (1818, 2. Aufl. 1825); Ss. Gärten zeichnen sich durch wirksame Gruppierung der Bäume, überraschende Licht- und Farbeneffekte, die ohne Aufwand fremdartiger Hilfsmittel und durch zweckmäßige Auswahl der Pflanzen und Verteilung von offenen und bewaldeten Flächen erzielt sind, vor den übrigen großen Parkanlagen Europas aus. S. war auch Mitglied der BAkdW.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#Karl August Sckell

* 14.11.1793 (Karlsberg)
† 10.7.1840 (München)
Gartenarchitekt

#Neuer Nekrolog der Deutschen (1842)

Karl August Sckell,
königl. baierischer Hofgartenintendant zu München;
geb. d. 14. Nov. 1793, gest. d. 10. Juli 1840.

Wer in Baiern die königlichen Hoftgärten zu München, Nymphenburg, Schleißheim, Berg am Würmsee u. s. w. besucht hat, kennt den Namen Sckell. Die Inschrift der in dem schönen englischen Garten zu München an dem See errichteten zierlichen Säule verewigt das Andenken an Friedr. Ludwig v. Sckell, Intendanten der königlichen Gärten, Ritter des Civilverdienstordens der baier. Krone, geboren zu Nassau-Weilburg im J. 1750, gestorben zu München den 24. Febr. 1823, welcher schon vom Churfürften Karl Theodor zur Ausführung jener herrlichen Gartenanlage unter des hochverdienten Grafen v. Rumfords Leitung berufen wurde und welcher seine Laufbahn als Hofgärtner zu Schwetzingen bei Mannheim begonnen hatte, im J. 1799 als Hofgärtnereidirektor zu München angestellt und in der Folge im J. 1803 zum Hofgartenintendant ernannt wurde, treffend mit den Worten: »dem sinnigen Meister schöner Gartenkunst, der sein volles Verdienst um der Erde reinsten Genuß durch diese Anlagen krönt, hieß diesen Denkstein setzen sein König Max Joseph (Dessen Biogr. s. 3. Jahrg. des N. Nekr. S. 968) 1824.« Sein Amtsnachfolger war Karl August Sckell, sein Neffe und Schwiegersohn (Er heirathete im J. 1819 Therese, eine von den vier Töchtern seines Oheims, von denen zwei andere mit ausgezeichneten Künstlern Münchens verehlicht sind; nämlich Josepha mit dem unter Anderen durch seine Freskogemälde in dem Speisesaale des neuen Königsbaues und in der Pinakothek berühmten Maler und Professor an der Akademie der bildenden Künste, Klemens Zimmermann, und Friederike mir dem besonders wegen seiner landschaftlichen Fresken in den Hofgartenarkaden bekannten Hofmaler Karl Rottmann.), anfänglich unterm 1. März 1823 als Inspektor über sämmtliche königliche Hofgärten ernannt, späterhin mit dem Titel eines Direktors bekleidet und im J. 1836 zum wirklichen Intendanten befördert. Der Geburtsort unsers S. ist Karlsberg bei Zweibrücken, wo sein Vater Mathias S. herzoglicher Hofgärtner war. Da dieser in der Folge nach München kam und im J. 1801 als Hofgärtner in Nymphenburg angestellt wurde, erhielt sein Sohn Karl seine erste Bildung in München, besuchte daselbst das Gymnasium und machte unter der unmittelbaren Leitung seines Oheims seine Vorstudien zur Gartenkunst in den königlichen Hofgärten. Nach diesen Vorbereitungen reiste er mit königlicher Unterstützung nach Wien, Berlin, London und Paris und verfolgte dort in den großen Gärtnereien und Herbarien seine Ausbildung mit dem regsten Eifer und glücklichsten Erfolge. Von diesen Reisen kehrte er im J. 1816 zurück und trat an die Stelle seines während seiner Abwesenheit verstorbenen Vaters, in welcher er bis zu obigem Zeitpunkte des Ablebens seines Oheims wirkte, wo sich in seiner neuen Amtssphäre ein ausgebreitetes Feld zur thätigen Entwicklung seiner vielseitigen Kenntnisse öffnete. Er arbeitete fortan ganz in dem Geiste und nach dem Vorbilde seines ruhmvollen Meisters und Vorgängers. Von ihm wurden in dem großen Hofgarten zu Nymphenburg mehrere neue, sehr schöne Anlagen ins Leben gerufen, als in der Nähe von Badenburg ein liebliches Thal, ferner bei Pagodenburg eine größere, von einem wasserreichen, freundlichen Bache durchzogene pittoreske Anlage. Im englischen Garten zu München bildete er einen umfangreichen, malerischen Hügel, auf dessen Höhe sich ein Tempel (Monopteros) erhebt, der in polychromischer Weise verziert ist. Nebst diesen größeren Schöpfungen entstanden noch verschiedene viele andere kleinere unter seiner Leitung, bis seinem mit Beifalle gekrönten Wirken, bei welchem er durch sein leutseliges, freundliches Benehmen auch die Liebe aller seiner Untergebenen gewonnen hatte, ein zu früher Tod in Folge eines Schlagflusses plötzlich ein Ziel setzte. Er hatte im J. 1834 noch eine Kunstreise in Italien, über Mailand, Genua, Florenz und Rom nach Neapel gemacht. Im J. 1837 ließ er sein in topographischer und historischer Hinsicht sehr schätzbares Werkten, unter dem Titel: »Das königliche Lustschloß Nymphenburg und seine Gartenanlagen, beschrieben und mit geschichtlichen Bemerkungen begleitet von Karl August Sckell, Intendanten der königlichen Gärten;« München bei Jaquet, mit einer eben so schönen als genauen Planzeichnung im Drucke erschienen. Daß seine Kenntnisse und Talente allgemeine Anerkennung gefunden, bethätigen mehrere Diplome, wodurch er zum Mitgliede auswärtiger Vereine für Gartenkunst und von gelehrten Gesellschaften ernannt wurde. Er hinterließ aus seiner Ehe 4 Kinder. Seine 2 Brüder sind eben falls königliche Hofgärtner, Ludwig zu Schleißheim und Friedrich zu Berg am Wurmsee. Ihm folgte in seiner Stelle der Gatte seiner Schwester Friederike, Karl Ludwig Seitz, vormaliger Gärtner des botanischen Gartens zu München.

Neuer Nekrolog der Deutschen. Weimar, 1842.

#Prof. Ludwig Sckell

* 1842 (Obergünzburg)
† 31.3.1905 (München)
Genremaler, Landschaftsmaler, Lithograph und Portraitmaler

#Allgemeines Künstler-Lexicon (1901)

Skell, Ludwig, Zeichner und Maler, geb. 1842 in Obergünzburg, Schüler der Münchener Akademie. Er malte Genrebilder, Landschaften und Bildnisse, machte Zeichnungen zu Künstlerfesten, illustrirte Märchen und Gedichte (Schneewittchen, Erlkönig) und war auch als Lithograph tätig.

Allgemeines Künstler-Lexicon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Frankfurt am Main, 1901.

#Allgemeine Zeitung (2.3.1912)

Kunst und Literatur

[…]

Fast gleichzeitig trat ein gleichnamiger Ludwig Sckell auf, geboren 1842 zu Obergünzburg. Gleichfalls im Bereiche der Landschaft tätig, auch im Porträt, dann als Illustrator, auch im Bereich der historischen Monacensia und als Aquarellist willkommen. Dazu zählten die verdienstlichen Kopien von Rottmanns leider so schrecklich vom Zahn der Zeit zernagten Landschaften in den Arkaden; Ansichten des früheren Rathauses von der Talseite, Szenen aus dem »Alten Hof« mit dem historischen Erkertürmchen, ein Einblick in die Kapellengasse mit der benachbarten »Bürgersaal«-Fassade, Erinnerungen an den ehemaligen »Bockkeller« und dem neuen Rathaus, Szenen aus Künstler-Maifestspielen und den historischen Faschingsfesten. Nur wenigen bekannt und zurückgezogen, schied er fast unbemerkt aus der Welt: Man fand ihn am Morgen des 31. März 1905 infolge eines Schlaganfalles tot in seinem an der Wienerstraße abgelegenen Atelier. Immerhin ein Paar minder lang oder kurz mittönender Instrumente in der großen Symphonie der Kunstgeschichte.

H.

Allgemeine Zeitung Nummer 9. München; Samstag, den 2. März 1912.

#Klemens von Zimmermann

* 8.11.1788 (Düsseldorf)
† 25.1.1869 (München)
Historienmaler

#Artistisches München im Jahre 1835 (1836)

Zimmermann, Clemens, Historienmaler zu München, geboren zu Düsseldorf 1788, bildete sich von seinem zehnten Jahre an für die Kunst in der damals noch bestehenden Akademie dortselbst, unter der Leitung des Direktors Peter v. Langer. Als die dortige Gallerie 1806 nach München verpflanzt worden war, folgte er derselben, und kam im Jahre 1808, dem Gründungsjahre der neuen Akademie, nach München. Bei der ersten Ausstellung 1812 trat er mit einem mythologischen Gemälde (Merkur und Argus darstellend) auf, welchem folgte: »Noah’s Opfer,« »Theseus und seine Mutter« und mehrere Bildnisse.

Im Jahre 1815 wurde er als Professor der Historienmalerei bei der Kunstschule in Augsburg angestellt. Darauf machte er 1816 zu seiner weitern Ausbildung mit königlicher Unterstützung eine Reise nach Italien, und kehrte 1817 nach Augsburg zurück.

Hier fertigte er mehrere größere Werke:
Eine Madonna mit dem Christuskinde und dem kleinen Johannes in einem landschaftlichen Hintergrunde.
Einen Johannes in der Wüste.
Für den Magistrat der Stadt Augsburg ein Bildniß des höchstseligen Königs Maximilian, im königlichen Ornate lebensgroß und ganzer Figur, zu welchem ihm der Monarch im Jahre 1818 zu Nymphenburg gesessen.

Nebst diesen Arbeiten, fertigte Z. noch mehrere kleinere historische Darstellungen, und eine große Anzahl von Bildnissen, so zwar, daß fast in allen angesehenen Häusern zu Augsburg solche von seiner Hand zu sehen sind.

Als im Jahre 1820 die Freskomalereien in der Glyptothek zu München begannen, fand zwischen ihm und Cornelius eine Uebereinkunft statt, welche Z. bestimmte, demselben bei der Ausführung al Fresco hülfreiche Hand zu leisten. Zu dem Ende erhielt derselbe alljährlich für die Dauer des Sommers einen Urlaub nach München, bis er endlich im Jahre 1825 als Professor an die Akademie nach München berufen ward.

Nun wurde ihm 1827 der allerhöchste königl. Auftrag zu Theil, die Loggia der neuen Pinakothek mit Freskomalereien zu schmücken. Diese ausgedehnte Arbeit (das Leben der Maler darstellend) zu welcher Cornelius die Entwürfe (Skizzen) gefertigt, ward im Jahre 1828, d. h. die Cartons dazu, von Z. begonnen, und selbe wird bis zum Jahre 1840 gänzlich vollendet seyn.

Bereits sehen wir schon Mehreres von Z. selbst und theils von seinen Gehülfen in Fresko ausgeführt.

Zwischen dieser Arbeit vollbrachte Z. ferner noch:
Die Ausschmückung der Decke des Tanzsaales im Pallast des Hrn. Herzogs Max;
so wie ein Altarbild – die Krönung der Maria darstellend – in dessen Kapelle.

Hieran reiht sich nun noch die in jüngster Zeit ihm von Sr. Maj. dem Könige übertragene Arbeit für den Speisesaal des neuen Königsbaues. Derselbe wird 34 Darstellungen aus den Liedern des Anakreons enthalten, die Z. sämmtlich selbst entworfen und die Cartons dazu gezeichnet hat. Ausgeführt werden und sind sie theils in Fresko und theils enkaustisch, durch ihn oder unter seiner Leitung.

Es versteht sich von selbst, daß hier, um den Aufsatz nicht zu sehr auszudehnen, eine Menge kleinerer Arbeiten dieses Künstlers nicht gedacht ist, die er zum Theil in Oel ausführte, oder die auch nur als Zeichnungen und Lithographien von ihm bestehen.

Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Mechaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.

#Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode (29.12.1838)

Gallerie einiger in München lebender Künstler.
(Schluß.)

Zimmermann, Clemens.

Es würde ein umfassendes Werk erfordern, wenn man nur den größeren Theil der vorzüglichsten Künstler in einer Gallerie auf einmal nach einander folgen lassen wollte. Mancher bedeutende Name erscheint in der gegenwärtigen Reihe nicht aufgeführt, weil es im Augenblicke nicht möglich war, die interessanten Lebens- und Entwicklungsmomente zu erkunden und dem Leser ein vollkommenes Bild des Meisters zu geben. Über den vielversprechenden Maler Weiland, der seiner alphabetischen Ordnung gemäß hieher gehörte, in der Zukunft! Den namensverwandten Künstler, den ausgezeichneten Landschaftsmaler Albert Zimmermann, der sich durch Talent und Kunst, wiewohl in einem andern Genre, dem Clemens Zimmermann würdig anschließt, werden wir zu seiner Zeit in diesen Blättern in seiner künstlerischen Laufbahn darstellen.

Clemens Zimmermann lebt als Historienmaler zu München. Er bildete sich zu Düsseldorf, wo er im Jahre 1788 geboren ist, von seinem zehnten Jahre an für die Kunst in der noch damals bestehenden Akademie daselbst unter der Leitung des Directors Peter von Langer. Im Gründungsjahre der neuen Akademie der Künste für Bayern 1808 kam er nach München. Bey der ersten Ausstellung 1812 trat der junge Künstler mit einem mythologischen Gemälde (Merkur und Argus) auf. Diesem folgte Noahs Opfer, Theseus und seine Mutter und mehrere Bildnisse. Im Jahre 1815 wurde er als Professor der Historienmalerey in der Kunstschule zu Augsburg angestellt. Darauf machte er im nächsten Jahre mit königlicher Unterstützung eine Reise nach Italien und kam im Jahre 1817 nach Augsburg zurück. In diesem Wirkungskreise bewegte er sich in doppelter Thätigkeit, indem er innerlich erkräftigt durch die Anschauungen der unsterblichen Kunstdenkmale Italiens und mächtig angeregt von dem Genius seiner glorreichen Meister, theils selbst schuf, theils, ein begeisterter Lehrer, seine Zöglinge theoretisch führte. Seine damalige Productivität bereicherte manches Cabinet reicher Privaten, die Freunde der Historienmalerey waren. Cornelius zog ihn, als die Frescomalereyen 1820 in der Glyptothek begannen, nach München, um ihm bey der Ausführung hülfreiche Hand zu leisten.

Der Erfolg seiner künstlerischen Leistungen war die Professur an der Akademie zu München. Im Jahre 1827 wurde ihm der königliche Auftrag, die Loggia der neuen, herrlichen Pinakothek mit Frescomalereyen zu schmücken. Diese umfassende Arbeit (das Leben der Maler darstellend) zu welcher Cornelius die Entwürfe gefertigt, ward im Jahre 1828 begonnen und ist nun größtentheils vollendet. Zwischen dieser Arbeit vollbrachte Zimmermann noch die Ausschmückung der Decke des Tanzsaales im Pallaste des Herzogs Max in Bayern, so wie ein Altarbild: die Krönung der Maria, in dessen Capelle.

An diese Kunstschöpfungen reiht sich nun noch die vor zwey Jahren ihm von Sr. Majestät dem König übertragene Arbeit für den Speisesaal des neuen südlichen Königsbaues. Derselbe enthält 34 Darstellungen aus den Liedern des Anakreon, die Zimmermann sämtlich selbst entworfen und die Cartons dazu gezeichnet hat. Sie sind theils in Fresco, theils enkaustisch ausgeführt durch ihn selbst oder unter seiner Leitung. Der Künstler faßte den hellenischen Dichter der Liebe, des Weines und der heiteren Lebensfreuden ganz in seinem Geiste auf. In diesen Darstellungen bewegt sich das frischeste dramatische Leben, das den Dichtungen des lieblichen Sängers von Kos so viel Reiz und Anmuth gibt. Zimmermann lieferte zu diesen größern Productionen eine Menge kleinerer Arbeiten, die er zum Theil in Öhl ausführte, oder die auch nur als Zeichnungen und Lithographien von ihm bestehen. Die Geschichte wird nie den Namen Cornelius nennen, ohne an diesen Koryphäus deutscher Kunst auch jenen Zimmermann's zu knüpfen.

Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode 156. Samstag, den 29. Dezember 1838.

#Die bildende Kunst in München (1842)

Clemens Zimmermann.

Eine anmuthige Art epischer Darstellung ist diesem Künstler eigen, eine Art, wie sie jetzt nur vorzugsweise der Malerei zu üben gewährt ist, die darin die lieblichsten Scenen entfaltet und die blütenbekränzten Erscheinungen des Landlebens oder der stillen gemächlichen Häuslichkeit offenbart: die Form der Idylle, in welcher er seine schönsten Schöpfungen gab, zu welcher Darstellungsart er unwillkürlich, durch seine heitere Anschauungsgabe hingezogen wird.

Er ist im Jahre 1788 (4. Novemb.) in Düsseldorf geboren, widmete sich früh der Kunst, ging im Jahre 1808 nach München an die neu errichtete Akademie, wo er mit Eifer seinen Studien oblag und bei allen seinen Arbeiten das Streben nach künstlerischer Besonnenheit, Ordnung der Ideen und Wahrheit der Zeichnung und Charaktere, so wie überhaupt seine wissenschaftliche Bildung sichtbar waren. Das erste Werk, welches ihm Gelegenheit zu besonderer Auszeichnung gewährte, war die gelungene Lösung der Aufgabe: Noahs Opfer. Bald trat dann bei seiner mächtig fortscheitenden Entwicklung, wobei er sich häufig in der Porträtmalerei, der richtigen Auffassung und Darstellung der verschiedensten Charaktere übte, jene liebliche Idyllenform bei seinen freien Schöpfungen hervor, die gewissermaßen seine Eigentümlichkeit bezeichnet und sich in den trefflichen Oelgemälden aussprach: Theseus und seine Mutter, welches Bild er noch als Schüler der Akademie im Jahre 1814 ausführte.

Im Jahre 1815 wurde er von dem Könige Maximilian zum Professor ernannt und an die Spitze der Kunstschule in Augsburg gestellt. Da aber diese Anstalt gerade damals einen größeren Wirkungskreis in freieren Räumen erhalten sollte, und seine Gegenwart bis zur Herstellung derselben nicht nöthig war; so benützte er diese Zwischenzeit, um dem Drange seines längst genährten Wunsches zu folgen und eine Reise nach Italien zu unternehmen. Der König selbst ermunterte ihn dazu und gewährte ihm eine bedeutende Unterstützung aus seiner Kabinetskasse. Im Jahre 1816 trat der Künstler die Reise an, besuchte alle jene Orte, in welchen die Kunstschöpfungen der blühendsten Kunstperioden Italiens sich finden, nährte und belebte seinen Geist an ihnen, und kehrte im Jahre 1817 an seinen Bestimmungsort zurück.

Seine ersten Werke, die er in Augsburg vollendete, waren eine liebliche Madonna mit dem Kinde und dem kleinen Johannes in anmuthiger Landschaft, dann ein Johannes in der Wüste, lebensgroße Bildnisse; dann mehrere in kleinerem Maßstabe, die fast alle religiöse Motive zum Gegenstände haben.

Neben diesen ächt lyrischen Darstellungen fand er vielfache Gelegenheit, sein schönes Talent in Porträtmalerei zu zeigen.

Seine vielen Bildnisse, welche er während seines Aufenthaltes in jener Stadt malte, athmen Leben und lassen den inneren Charakter sichtbar erscheinen; beinahe jede bedeutende Familie in Augsburg besitzt von ihm das Bildniß eines Familiengliedes, in der Gemäldesammlung ist von ihm das treffliche lebensgroße Ebenbild des Königs Mar Joseph. Der Drang weiterer Ausbildung und die Meisterwerke der ersten Maler zu studieren, mehr als dieses in Augsburg möglich war, führte ihn im Jahre 1816 wieder nach Italien, wo er alle bedeutenden Städte und Kunstsammlungen besuchte, und dann im dritten Jahre mit reichen Erfahrungen im Kunstgebiete und lebendig erhaltener Anschauung jener herrlichen Werke nach Augsburg zurückkehrte, wo er mit rastlosem Eifer und anerkannter Wirksamkeit seiner Kunstschule vorstand. Als Cornelius die Ausführung der Freskogemälde in der Glyptothek begann, rief er zur hilfreichen Theilnahme den Professor Zimmermann, der mit königlicher Genehmigung mehrere Jahre zur Förderung des Werkes die Sommermonate in München zubrachte.

Im Jahre 1825 veranlaßte sein hoher Sinn für Farbengebung und seine glückliche angenehme und gründliche Lehrgabe, die er bei der Ausführung jener Freskobilder auf das Glänzendste beurkundet hatte, seine Berufung als Professor an die k. Akademie der bildenden Künste nach München, zunächst um die Fresken in der Glypthothek ausführen zu helfen.

Nachdem diese vollendet waren, schmückte er die Decke des Tanzsaales im Palaste des Herzog Max, und führte ein schönes Bild in Fresko aus: die Krönung Mariens, das in der Kapelle jenes Palastes aufgestellt ist. Darauf erhielt er den ehrenvollen Auftrag, den Speisesaal im Königsbau mit vier und dreißig Darstellungen aus den Liedern Anakreons zu schmücken, wobei er sich ganz seiner Neigung überlassen konnte, und in seinen Entwürfen wieder ganz als Idyllendichter zeigte, wie er in lebendiger anmuthiger Darstellung die schalkhaften und fröhlichen Lieder und Erzählungen des greisen Sängers versinnlichte, daß sie auf glückliche Weise wahrhaft ins Leben eingeführt, ihnen gleichsam Körpergestalt gegeben scheint, und der Beschauer sogleich auf den ersten Blick das der Darstellung entsprechende Lied wieder finden, ja wenn ein solches Lied noch nicht gedichtet wäre, Jeder es sogleich selbst erfinden müßte.

Ich nenne hier nur jene Bilder, welche dem Künstler eine reiche Gruppenentwicklung gewährten; in ihnen vorzüglich zeigt sich der episch-idyllische Charakter, jener lebendige Hauch, der alle Gestalten des Bildes durchzieht und sie alle miteinander in Verbindung zu einer bestimmten, für jeden Beschauer leicht erkennbaren, Handlung bringt. Hier sitzt der alte Sänger, rosenbekränzt, das Obergewand haftet lose über der linken Schulter, die Rechte und die Brust sind unverhüllt; lächelnd hält er mit der rechten Hand die Schale dar, nicht wie ein Durstiger, sondern wie Einer, der zum Vergnügen trinkt und schon ziemlich viel getrunken hat, was die aufstützende Linke anzudeuten scheint. Um ihn her welche Geschäftigkeit! Hinter ihm kniet ein Diener und füllt eine neben ihm stehende Schale, ein Anderer hinter Diesem erhebt eben den Becher, dazu kömmt ein Mädchen mit Trauben. Vor dem fröhlichen Alten aber stehen zwei Mädchen in schöner Gruppe, Kopf geneigt an Kopf und die Arme liebevoll in einander verschlungen, und betrachten theilnehmend lächelnd den Sänger, eine Dritte neben diesem hält einen vollen Krug und vorwärts an sie schließt sich zur Rechten des Beschauers eine andere Gruppe von drei Gestalten: ein Jüngling, vielleicht Bathylos, schaut in liegender Stellung nach Anakreon um, während ein Mädchen auf dessen linke Schulter die Hände legt und sich ebenfalls nach dem Sänger wendet, indeß ein Jüngling in vollen Zügen aus einem Becher schlürft. Unwillkührlich möchte man bei Betrachtung dieses Bildes mit dem Sänger ausrufen: Gebt mir, gebt mir zu trinken!

In einem anderen erkennt Jeder sogleich die Schilderung eines Winzerfestes: die Weinlaube links, daneben Mädchen, welche das Tamburin schlagen, rechts aber Jünglinge und Mädchen, Jene Körbe mit Trauben gefüllt herbeibringend, während Diese sie in die Kufen schütten, Andere Most schlürfen und Knaben mit Trommeln u. s. w. ihr Spiel treiben; in Mitte des Bildes aber steht Anakreon freudig, den vollen Becher in der Rechten erhebend, die Linke mit einem gefüllten Kruge gesenkt. Und hier finden wir den greisen Sänger auf dem Ruhebette, diesesmal ohne Kranz. Eben wacht er aus einem angenehmen Traume auf, er sah sich von lieblichen Mädchengestalten umgauckelt, er erwacht, will sie in Wirklichkeit schauen und streckt die Hände, sich aufrichtend, nach den Entfliehenden aus; schon schwinden die Einen in der Ferne dahin und verhüllen sich, dichte Schleier nebelartig um sich hüllend, Andere verstecken sich, schalkhaft lächelnd, hinter seinem Rücken, Andere beugen sich zu seinen Füssen neben das Ruhebett, um nicht gesehen zu werden.

Ein anderes eben so anmuthiges als charaktervolles Bild stellt den greisen Sänger, dessen Leier noch immer von Wein und Liebe tönte, im Kreise blühender schäckernder Mädchen dar, die in den schönsten mannichfaltigsten Gruppen umher stehend oder sitzend gereiht sind. Der Dichter sitzt, er mochte so eben sein Lieblingsthema gesungen haben, die Rechte ruht auf der Leier, während er die Linke in der anmuthigsten Bewegung vor sich hin ausstreckt, und sein ganzes Antlitz von einem seligen Lächeln verklärt ist; denn seht! ihm halten zwei schelmische Mädchen lachend einen Spiegel dar, aus dem das heitere, aber greise Angesicht des Dichters zurückstrahlt, als wollten sie sagen: Du wirst alt, Anakreon, laß diese Gesänge. Dieser Moment ist der Lebens- und Handlungsfunke des Bildes; alle anderen Mädchen wenden auf das muthwillige Kichern jener Zwei ihr Gesicht nach dem Spiegel oder dem Sänger, der zu sagen scheint: Mag ich auch alt werden, zu trinken und zu lieben geziemt sich doch.

Diese und ähnliche Scenen, von welchen besonders ansprechen: Amors Besuch bei dem Dichter und Amors Klage bei seiner Mutter Aphrodite, die ihn über den Stich einer Biene schalkhaft lächelnd tröstet, sind theils von dem Künstler selbst nach seinen Entwürfen, theils von seinen Schülern in solch harmonischer Weise und mit solchen lebendigen Farbentönen ausgeführt, wie dieses in Wachsfarben anfangs nur möglich war, da die Frische und die sanften Uebergänge zwischen Licht und Schatten, welche mit Oelfarben hervorgebracht werden, dort wiederzugeben unmöglich schien. Er hat die Absicht, diesen Bilderkreis in radirten Blättern, seiner Zeit, herauszugeben.

In Anerkennung dieses ausgezeichneten glücklichen Talentes für Form und Farbengebung erhielt er den königlichen Auftrag, die kleinen Skizzen des Cornelius für die Loggien der Pinakothek in Cartons und dann in Freskobildern selbst auszuführen, und die gediegene Lösung dieser Aufgabe beschäftigte ihn mehrere Jahre, entzog ihn aber der Ausführung eigener Schöpfungen, da er die Sommermonate beinahe ausschließlich mit rastlosem Eifer an jenen Bildern arbeitete, und außerdem, besonders aber in den Wintermonaten nebst der Fertigung der Cartons zu diesem Werke die Arbeiten von beinahe hundert Schülern im Antikensaale bewacht und sie mit Rath und That fördert.

Während dieser vielfachen Thätigkeit ward der Künstler jedoch der Oelmalerei nicht untreu, sondern vollendete außer mehreren höchst gelungenen Bildnissen und der Vermählung der hl. Katharina, ein großes, gegen 7 Schuh langes und 5 Schuh hohes Bild aus der biblischen Idylle, welcher er mit großer Zuneigung huldigt und aus welcher er schon früher einen großen Carton ausführte, wie Joseph von seinen Brüdern verkauft wird, wobei man die plastische Ausführung der Formen, Sicherheit der Zeichnung und die ausdrucksvolle Charakterauffassung allgemein lobte.

Als Gegenstand des neuesten Bildes dieser Art aber ist der Augenblick gewählt, wie der junge Tobias mit seiner errungenen Gattin aus dem Hause ihrer Eltern scheidet. Unter einem hohen Vorhause, durch welches sich zur linken Seite hin die Aussicht auf eine südlich warme, fremdartige Landschaft öffnet, ist die Abschieds-Scene dargestellt; die Hauptpersonen treten vor den übrigen in kenntlicher ausgezeichneter Weise hervor. Unter dem Ausgange des Vorhauses steht schon ein bepacktes Kameel, darauf sitzt eine jugendliche Frau, die sich zurückwendet nach den Personen, welche sich auf dem Säulengetragenen Stiegenhause befinden und sich über die Brüstung neigen, voll Theilnahme an der Scene, welche vor und unterhalb ihnen vorgeht. Die blühende junge Gattin küßt zum Abschiede die Mutter, der Vater steht daneben und erhebt die eine Hand zum Segen. Auf sinnige Weise wird diese Gruppe mit derjenigen verbunden, welche gegen den Ausgang des Vorhauses hin edle Männergestalten bilden: Tobias von dem Engel, der die eine Hand auf dessen Schulter legt, zur Eile gedrängt, streckt die linke Hand nach seiner Gattin zurück, als wolle er sie fortziehen. Zwischen den beiden Gruppen ist im Hintergründe, damit kein unangenehmer Raum bleibe, ein Diener beschäftigt, Schafe vorwärts zu treiben. Andere sind außerdem gehörig vertheilt, und Alles deutet den Augenblick des Scheidens an. Die Gestalten selbst mit ihren markirten orientalischen Gesichtern, dazu die südliche, doch fremdartige Landschaft mit dem glühheißen Lufttone, und die Engelgestalt neben dem jungen Manne läßt jeden Beschauer sogleich die Deutung des Bildes erkennen, wie es bei der gelungenen Darstellung eines Kunstwerkes stets der Fall ist und seyn muß.

Schon beschäftigt sich der Künstler wieder mit neuen ähnlichen Entwürfen, die er in Oel auszuführen gedenkt, da er im September 1840 die Freskobilder in den Loggien der Pinakothek zu seinem Ruhme und zur Freude der Beschauer vollendet hat.

Dr. Johann Michael von Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.

#Die deutschen Maler-Radirer (1872)

CLEMENS v. ZIMMERMANN.

Vor wenigen Monaten verschied in München ein hochverdienter, in weiten Kreisen bekannter Künstler, ein Mitschöpfer des neuen monumentalen München, ein Freund und Berather des kunstglühenden Königs Ludwig I., der ihm vertrauensvoll hohe Aemter in die Hand gelegt, ein Mitzeuge der Wiedergeburt unserer Kunst, Landsmann und Mitarbeiter des berühmten Cornelius. Bei dieser hervorragenden Stellung Zimmermann’s in Kunst und Leben geziemt es sich wohl, dass wir ausführlicher auf sein Wirken eingehen. Verfolgen wir es an dem Faden der Erinnerungen, die der Verewigte in den letzten Jahren für dieses Buch eigenhändig niedergeschrieben hat.

Clemens v. Zimmermann erblickte den 8. November 1788 (nicht 1789) in Düsseldorf das Licht der Welt. Es war in der Zeit des Ausbruchs der französischen Revolution, deren Stürme bald ganz Europa in Erschütterung setzten; die Eltern blickten mit Bangen in die dunkele Zukunft, ihr Sohn aber, damals noch Kind, schaute sorglos in’s Leben, denn seine Welt war noch das heitere Spiel. Sieben Jahre alt geworden ward er in die Elementarschule geschickt, in welcher bereits der um zwei Jahre ältere P. Cornelius sass. Dieser zeichnete schon damals fleissig nach Raphael und der Antike, und diese Uebungen, die er öfters in die Schule mitbrachte, erregten das Staunen seiner Mitschüler, und ganz besonders unsers jungen Zimmermann, der sich herzlich sehnte bald ähnliche Zeichnungen ausführen zu können.

Bis zum Jahre 1800 blieb Zimmermann in der Elementarschule, dann besuchte er etwa ein Jahr lang das Gymnasium und trat aus diesem in das Lyceum über. Er war dreizehn Jahre alt, als er seine ersten Versuche im geregelten Zeichnen begann, sie wurden in der Akademie von P. Langer, der das Directorat dieser Anstalt verwaltete, geleitet und eine der ersten Arbeiten dieser Art war die Copirung der zwölf Apostel des Marcanton nach Raphael. Freilich konnte der junge Zimmermann noch nicht frei über seine Zeit verfügen, er schwärmte wohl für die Kunst, aber die Schularbeiten des Lyceums forderten fürs erste dringendere Berücksichtigung, was er im Zeichnen leistete war wesentlich nur eine Frucht der Thätigkeit seiner Musestunden. Das änderte sich im Jahre 1804, wo Zimmermann das Lyceum verliess und den festen Entschluss fasste, sich ganz der Kunst zu widmen. Er trat in die Akademie ein und fing bereits an Versuche in der Oelmalerei zu machen, seine ersten Uebungen waren Köpfe grau in Grau nach Gypsbüsten, und als er sich allmälig die Führung des Pinsels angeeignet hatte, wagte er sich an die Herstellung eines farbigen Bildes nach einem Original des Belucci, das auch so ziemlich zu seiner Zufriedenheit ausfiel.

Die Zeitverhältnisse waren für den akademischen Unterricht in Düsseldorf wenig günstig, die Franzosen bedrohten den Rhein, die berühmte Gallerie musste flüchten, zuerst nach Ostfriesland, von da nach Holstein und wenn sie allerdings, nachdem die Gefahr des Raubes glücklich abgewendet worden war, auch wieder zurückkehrte, so war ihr Bleiben in Düsseldorf doch nur von kurzer Dauer.

Trotz mehrfacher Unterbrechungen und Störungen des akademischen Unterrichts schritt Zimmermann in seinen Studien, mit denen es ihm voller Ernst war, glücklich fort und errang sich die Zufriedenheit seines Lehrers Langer. Freilich so weit war er in der Ausbildung noch nicht vorgeschritten, dass er sich an Aufgaben wagen durfte, die bereits damals sein Freund Cornelius zu allgemeiner Zufriedenheit löste. Auch dieser hatte mit Copien nach Bildern der Gallerie begonnen, und es war unter diesen vornehmlich eine Ruhe der von der Jagd ermüdeten Diana mit ihren Nymphen, nach Rubens, besonders glücklich gelungen. Sein grosses Altarbild für die Kirche der Franciskaner in Düsseldorf, ganz besonders aber seine Malereien in der Kuppel der Kirche zu Neuss offenbarten bereits jenes ernste und tiefe Kunststreben, das später so glänzend zur Wiedergeburt unserer historischen Malerei geführet hat.

Im Jahre 1805 trat in Düsseldorfs Kunstverhältnissen eine gänzliche, vielfach folgenschwere Umgestaltung ein. Als Preussen gegen die Verbündeten in den Kampf trat, befürchtete Bayern eine Wegnahme der Gallerie, es kam der Befehl aus München, Gallerie und Archive abzuführen.

Die Stände protestirten, aber der Wille des Fürsten war mächtiger, die Gallerie, begleitet von den Inspectoren Brulliot und Treuillon, wanderte nach München, Langer und Hess, jener Director, dieser Professor der Akademie, folgten in Kurzem nach. Wohl befand sich noch eine ziemliche Anzahl Schüler in Düsseldorf, und an Langer’s Stelle wurde Lambert Cornelius mit der Leitung der Akademie betraut, aber mit dem Weggang der besten Lehrer und der Gallerie war auch der Ruf der Anstalt aufs Tiefste erschüttert.

Zimmermann setzte noch zwei Jahre seine Studien in Düsseldorf fort, er war mit dem Erfolg nicht zufrieden, wollte er sein hoffnungsvoll begonnenes Streben nicht gänzlich vereitelt sehen, so blieb ihm nichts Anderes übrig, als seinem alten Lehrer nach München zu folgen.

Dies geschah im Jahre 1808, dem Gründungsjahr der neuen, gänzlich umgestalteten Akademie, an welcher Peter Langer als Director und sein Sohn Robert als Professor wirkten. Es herrschte ein ausserordentlich reges Leben an dieser Anstalt, der Ruf der Lehrer hatte eine so grosse Schülerzahl herangezogen, dass die Klasse, in welcher das Zeichnen nach dem lebenden Modell gelehrt wurde, in zwei Hälften getheilt werden musste. Diese Uebungen nach dem lebenden Modell fanden Abends statt, am Tage malte Zimmermann mit einigen andern Schülern, Muxel, Rhomberg etc., unter Leitung des Directors unmittelbar nach dem Leben. Der Wetteifer der Schüler trug bald seine guten Früchte, Zimmermann war schon so weit fortgeschritten, dass er sich an eigene Compositionen wagen konnte; seine erste, Mercur und Argus, entstand im Jahre 1811, seine zweite, das Opfer Noah’s, zugleich Concurrenz-Aufgabe der Akademie, trug 1812 den ersten akademischen Preis davon. Neben historischen Compositionen, deren Inhalt zum grössten Theil der Bibel entlehnt war, führte Zimmermann auch viele Portraits in Oel und Zeichnung aus, die wir als eine gute Bildungsschule für den angehenden Historiker betrachten können.

Bis zum Jahre 1814 blieb Zimmermann im Verbande der Akademie, es fand in diesem Jahre eine grosse Ausstellung statt, auf welcher seine Arbeiten zahlreich vertreten waren; ausser den Portraits des Gallerie-Inspectors Brulliot, der Grafen Seinsheim und Trips, des Barons Freiberg, ausser mehreren grossen Zeichnungen und Skizzen, welche fast sämmtlich biblische Stoffe behandelten, war es besonders ein Bild: Theseus wie ihm seine Mutter von den Thaten des Vaters erzählt, welches die Aufmerksamkeit der Kunstfreunde auf sich zog. Rumohr ist in seinen »Denkwürdigkeiten der Kunstausstellung 1814« des Lobes voll, er zählt Zimmermann neben Muxel und Rhomberg zu jenen jungen Kräften, die bereits der Meisterschaft sehr nahe gekommen sind: »der erstere (Zimmermann) scheint zunächst mit jenem lebensfröhlichen Sinne begabt, dem die Dichtung des Alterthums den gefälligsten Stoff leiht und in der Behandlung desselben unterstützt ihn ein nicht gemeiner Geschmack. Das ausgestellte Bild, Theseus und seine Mutter, ist bei grosser Reinheit der Form, Schönheit der Stellung und Gewandung, anziehend durch die alterthümliche Einfalt der Charaktere und einen gewissen Ernst, der glücklich zum Gegenstande stimmt. Eine angeborene und glücklich ausgebildete Leichtigkeit in der Auffassung der Form und Behandlung der Farbe, kündigt sich in jedem Zuge an und vorzugsweise in dem guten Localton und in dem gefälligen Farbenauftrag der nackten Theile.«

Im Jahre 1814 löste Zimmermann sein Verhältniss zur Akademie; er wollte eine selbstständige Existenz, ein eigenes Haus gründen und trat in die Ehe mit der Tochter des bekannten Königlichen Garten-Intendanten v. Skell. Aber seit sechs Jahren hatte er die Heimat, die Eltern, die alten Freunde und Studiengenossen nicht wieder gesehen, die Sehnsucht nach Düsseldorf ward wach in seiner Seele und am 30. December reiste er dahin ab. Manches hatte sich verändert: der ältere Bruder war als Freiwilliger in einem französischen Regiment an die spanische Grenze gegangen; ein lieber Studiengenosse, der Maler Breitenstein, der auch zu Cornelius in innigem Freundschaftsverhältniss stand, war auf diesem Zuge gestorben; Cornelius selbst weilte schon seit drei Jahren in Rom. Zimmermann fand von seinen alten Freunden und Studiengenossen wenige mehr vor, dennoch richtete er sich ein Haus ein und begann zu malen; eine Flucht nach Aegypten war die erste in Düsseldorf entstandene Composition, das Bild fand sofort seinen Käufer; darauf führte Zimmermann eine Reihe Portraits aus, unter welchen wir in erster Reihe die Bildnisse seiner Eltern und Brüder nennen.

Im Herbste 1815 trat ein entscheidender Wendepunkt für Zimmermann’s Lebensverhältnisse ein, er ward, ohne es zu ahnen, durch ein Decret der Akademie in München überrascht, in welchem König Max I. ihn zum Leiter der Filial-Kunstschule in Augsburg ernannt hatte. Er säumte nicht, alsbald nach München zurückzukehren, um seinen ehrenvollen Posten anzutreten. Die Augsburger Kunstschule lag sehr im Argen, eine gänzliche Umgestaltung war dringend nöthig und Zimmermann, der sich eine reiche Fülle praktischer Kunstkenntnisse angeeignet hatte, gewiss der rechte Mann, das gesunkene Institut neu zu beleben. Bauliche Arbeiten am Gebäude verhinderten die sofortige Eröffnung. Zimmermann glaubte diese unfreiwillige Muse nicht besser ausfüllen zu können als durch eine Studienreise in Italien, nach welcher er sich schon längst gesehnt hatte. Freiherr v. Grafenreuth, königl. General-Commissär in Augsburg, ertheilte ihm gerne den gewünschten Urlaub und der König wies zur Unterstützung eine ansehnliche Summe aus seiner Privatkasse an.

Im Anfange des Jahres 1816 trat Zimmermann seine Römerfahrt an. Verona fesselte zuerst den jungen Mann, Padua gewährte reichere Ausbeute, besonders waren es die Fresken des Giotto in St. Annunziata und St. Antonio, die ihn anzogen; dann wurde Venedig besucht und seine Kunstschätze, besonders die Werke von Tizian und Paul Veronese, volle vierzehn Tage mit Muse betrachtet Ueber Padua wieder nach Verona zurückgekehrt suchte er nun Mantua auf, um die berühmten Fresken des Giulio Romano im Palazzo del T zu betrachten, er bewunderte die geistvolle Composition, vermisste aber vollendeten Schönheitssinn und Adel in den Körperformen sowie in der sehr braunrothen und monotonen Farbe. Von Mantua ging es weiter über Ferrara nach Bologna, wo die schönsten Bilder der Akademie soeben wieder aus Paris zurückgekehrt waren; Rimini, Ancona, Loretto und andere Städte wurden nur flüchtig besucht, Zimmermann sehnte sich nach Rom, wo ihn sein Freund Mosler aus Coblenz schon längere Zeit erwartete. Er nahm seine Wohnung auf Trinitá del Monte, in demselben Hause, wo der bekannte Bildhauer Eberhard sein Atelier hatte. Der erste Gang mit Mosler und Eberhard war zum Hause Bartholdi, wo Zimmermann Cornelius, Overbeck, Veit und Sehadow in voller Arbeit begriffen fand. Keiner wusste von der Ankunft Zimmermann’s, und um so grösser war die Freude der Ueberraschung. Die berühmten Fresken waren damals schon fast zur Hälfte vollendet, Zimmermann erkannte in ihrem ernsten und geistvollen Vortrag eine neue, an die Werke des 15. Jahrhunderts erinnernde Kunstrichtung, die ernsten Vorboten der Wiedergeburt unserer Malerei aus der Versumpfung und Lüsternheit des vorigen Jahrhunderts.

Den Sommer blieb Zimmermann in Rom; aus München waren alte liebe Bekannte angekommen: Galleriedirector v. Di11is, Domcapitular Späth, Aug. Graf v. Seinsheim, Phil. Veit und Banquier Strasburger, sie wollten weiter ziehen, nach Neapel und Sicilien, und Zimmermann schloss sich ihnen an. Es war im Herbste 1816. Was Neapel und seine Umgebung in Kunst und Natur Schönes und Merkwürdiges bieten konnte, ward aufgesucht und bewundert. Amalfi, Pästum, Pompeji, der Vesuv, Capo di Monte, Bajä etc.; reich an neugewonnenen Eindrücken, voll Jubel über die mannigfaltigen malerischen Reize der Umgebungen Neapels langte die kleine Künstlergesellschaft im November wieder in Rom an. Dillis, Veit und Strasburger reisten nach München zurück, Seinsheim und Zimmermann blieben in Rom.

Bis jetzt hatte Zimmermann noch wenig gearbeitet, die meiste Zeit war auf Reisen, Betrachten und Studiren verwendet worden. Es galt das Versäumte nachzuholen, zumal auch Graf Seinsheim in der Absicht ernstlicher Studien nach Rom gekommen war; er begann mit Zeichnungen von Köpfen und ganzen Figuren nach den Fresken des Raphael im Vatican, und sein ihm angeborener Sinn für Schönheit der Form und epische Ruhe in seinen Bildern hat durch dieses Studium Raphaelischer Kunst die geeignete Förderung erhalten.

Als die vorgerückte herbstliche Jahreszeit das Arbeiten im Vatican nicht mehr erlaubte, richtete er sein Studium in seiner eigenen Wohnung ein, indem er Skizzen mit der Feder zu alttestamentlichen Compositionen entwarf, um sie in Oelfarben auszuführen.

Zimmermann’s Urlaub ging zu Ende, er nahm Abschied von Rom, und kehrte nach kurzem Aufenthalt in Florenz, wo ihn Rumohr zu den schönsten Denkmälern dieser Stadt geleitete, nach München und auf seinen Posten an der Kunstschule in Augsburg zurück.

Neu belebt, legte er alsbald Hand an ein grösseres Werk, eine Madonna mit dem Kind und kleinen Johannes in landschaftlicher Umgebung (in Besitz des Sensals Vannoni in Augsburg), welches nebst drei andern kleineren Bildern, einer Flucht nach Aegypten, einem Abschied des Tobias von seinen Schwiegereltern und einem Portrait des Hofgarten-Intendanten v. Skell, 1817 auf der Kunstausstellung in München erschien. In Augsburg waren die baulichen Einrichtungen der Kunstschule zur Vollendung gediehen und die neu eingerichtete Anstalt ward noch im Herbst desselben Jahres dem Studium geöffnet Der Unterricht erstreckte sich auf fast alle Zweige der ausübenden Kunst, er begann mit dem Zeichnen nach Vorlagen, Gypsbüsten und Statuen, ging dann zur Zeichnung nach dem lebenden Modell über und zuletzt kamen jene Schüler, welche besondere Begabung für die Malerei offenbarten, in den Actsaal, um nach der Natur in Oel zu malen.

Zimmermann hat zehn Jahre lang diese Schule zu vielfachem Segen geleitet und eine Anzahl Schüler herangebildet, die sich später einen guten Namen in der Kunst erworben haben, wir nennen die Genremaler J. B. Kirner († 1866) und J. Geyer, die Historienmaler C. Nilson und M. Veith († 1846), den Landschafter M. Rugendas († 1858) u. A. Seine eigene selbstschöpferische Thätigkeit bewegte sich während dieser Zeit besonders auf dem Felde der Portraitmalerei, seine Bildnisse, die frappante Aehnlichkeit der Züge mit sprechendem Charakter, eine warme Carnation mit zartem gefälligen Farbenauftrag verbanden, waren beliebt und wurden öffentlich vielfach belobt, wir nennen die Portraits der Banquiers Vollmuth und Grammich, des Sensals Vannoni, des Doctors Brunner von Neuburg, des Finanzraths Schätzler und der Frau des Wechslers J. Obermaier, besonders aber das Bildniss des Königs Maximilian I., das Zimmermann in Lebensgrösse und in königlichem Ornat 1820 für den Magistrat ausführte, und jenes der Königin Hortensia, die mit ihrem Sohne Louis Napoleon damals in Augsburg lebte. Hortensia besass Talent zur Kunst, sie dichtete, componirte, malte und zeichnete auf den Stein, Zimmermann hatte Zutritt zu ihrem Hause und hat sie in der Kunst der Zeichnung auf den Stein unterrichtet.

Im Jahre 1825 ward Zimmermann als Professor an die Akademie in München berufen, mit deren Directorat nach Langer’s Tod Cornelius betraut worden war. Der kunstbegeisterte Kronprinz Ludwig hatte in demselben Jahre den väterlichen Thron bestiegen und unter seinen Auspicien begann jetzt ein neues Lehen an der Akademie, ein grosses, in Deutschland unbekanntes Ringen, Wetteifern und Schaffen in der Kunst. Eine der ersten Früchte dieser reichen Thätigkeit war die von Klenze erbaute Glyptothek, die 1816 begonnen und 1830 vollendet ward. Cornelius wurde 1819 mit der malerischen Ausschmückung dieses Gebäudes betraut, indem die beiden grossen Festsäle und ihre Vorhalle mit Fresken aus der griechischen Götter- und Heldensage in cyklischer Folge geschmückt werden sollten. Die Aufgabe war umfangreich und Cornelius, zumal er lieber componirte als malte, sah sich veranlasst, sich seiner Schüler und Gehülfen bei diesem Werke, dessen Vollendung dennoch zehn Jahre (1820–1830) in Anspruch nahm, zu bedienen, es waren Hess, Schlotthauer, Heydeck, Sippmann, Neureuther, Eberle, Thelott und unser Zimmermann. Von Zimmermann, dessen Wirksamkeit hier allein in Betracht kommt, wurden folgende Fresken (nach den Zeichnungen des Cornelius wie alle Bilder) ausgeführt, im Göttersaal das Hauptbild des Gewölbviertels: der Morgen: Aurora, zwischen den Horen, voran Lucifer, fährt Blumen streuend mit ihrem Zweigespann empor; – links: Aurora beim Hahnenruf sich vom Lager erhebend, Tithonus und Memnon schlummern noch auf ihrem Lager; – an den Wänden die Hauptgemälde: das Reich des Neptun oder die Wasserwelt, der Olymp oder das Reich des Zeus, die Unterwelt oder das Reich des Pluto von Cornelius unter Beihülfe von Zimmermann und Schlotthauer gemalt, – links vom Fenster an der Decke: Hekate, Nemesis und Harpokrates, – in der Arabeske das Streiten der wilden und geheimnissvollen Naturkräfte, welches das organische Leben vorbereitet, – in der kleinen Vorhalle die linke Lünette mit Pandora und Epimetheus, – im Trojanischen Saal: das Urtheil des Paris, die Hochzeit des Menelaos, das Opfer der Iphigenia, von Zimmermann und Schlotthauer gemeinschaftlich gemalt, – Achilles unter den Töchtern des Lykomedes, Menelaos im Zweikampf mit Paris, Achilles, dem Priamos die Leiche Hektors gewährend, – die Wandgemälde: der Zorn des Achilles, der Kampf um den Leichnam des Patroklos, die Zerstörung von Troja, von Cornelius mit Beihülfe von Zimmermann und Schlotthauer gemalt. – Von Oelbildern, die während dieser Zeit entstanden, nennen wir: Joseph von seinen Brüdern verkauft, auf der Münchener Ausstellung 1826, die Vermählung der h. Katharina, Italienische Pilger auf dem Wege nach Loretto, auf derselben Ausstellung 1829.

Gleichzeitig mit den Malereien in der Glyptothek entstand in München ein zweites Denkmal der neubelebten Freskomalerei, das aber nicht der alten Kunst, sondern der vaterländischen Geschichte geweiht war, ich meine jene Fresken in den Arkaden, welche die Vermittelung zwischen der Residenz und dem 1822 nach Klenze’s Plan erbauten Bazar bilden. Rottmann zierte diesen Bazar mit landschaftlichen Fresken aus Italien; die historischen Fresken, die wichtigsten Ereignisse Bayerns unter der Herrschaft der Wittelsbacher darstellend, wurden von verschiedenen Künstlern selbstständig ausgeführt; auch Zimmermann war dabei betheiligt, er malte die Belehnung Otto’s v. Wittelsbach mit dem Herzogthum Bayern 1180.

Nach Beendigung der Malereien in der Glyptothek erhielt Cornelius den Auftrag den Corridor der alten Pinakothek mit Fresken zu schmücken. Er hatte bereits begonnen den Grundgedanken des Ganzen und kleine Skizzen der Einzelbilder zu entwerfen, da er aber gleichzeitig mit den umfassenden Malereien in der Ludwigskirche beschäftigt war, fand er keine Muse die Ausführung der Pinakothekarbeiten zu unternehmen und zu leiten.

König Ludwig beauftragte nun 1827 Zimmermann, die weiteren Vorbereitungen, die Anfertigung der Cartons und die Ausführung der Bilder selbst vorzunehmen. 1830 ward das umfangreiche Werk begonnen und mit Beihilfe von Gassen, Hiltensperger, Neureuther 1840 glücklich zu Ende geführt. Die Disposition des Bildercyklus ist hier durch die örtliche Räumlichkeit bedingt. Der ganze Corridor, 419 Fuss lang, 18 Fuss breit, und 29 Fuss hoch, enthält 25 Bogenstellungen, die mit ebensovielen auf Wandpfeilern ruhenden flachen Kuppeln überwölbt sind. Nur diese Kuppeln und die an der Wand darunter befindlichen Lünetten sind mit Fresken geschmückt und veranschaulichen in reicher Fassung die geschichtliche Entwickelung der christlichen Kunst. Die ersten 13 Kuppeln behandeln die Geschichte der Malerei in Italien, die übrigen beziehen sich auf die Entwickelung der Kunst in Deutschland, Niederland und Frankreich, jede Kuppel ist irgend einem der einflussreichsten Künstler oder auch einer ganzen Schule zugetheilt. Beide Reihen beginnen an den beiden Enden und vereinigen sich in der Mitte in der Loggie Raphael’s, wie gewissermassen um den Grundgedanken des Ganzen zu veranschaulichen, dass die Kunst der christlichen Welt, weil in Raphael zu schönster Blüthe gereift, auf der innigen Verschmelzung christlichen und antiken Geistes beruhe.

Während Zimmermann noch mit dieser Arbeit, beschäftigt war, war 1836 die von Klenze erbaute neue Residenz zur Vollendung gediehen; das schöne Gebäude, dessen Aeusseres an den Palast Pitti in Florenz erinnert, sollte innerlich mit reichem bildnerischen Schmuck ausgestattet werden, und Zimmermann war wieder einer jener Auserwählten, welche mit dieser Ausschmückung durch König Ludwig betraut wurden. Er hatte den Bilderschmuck des Speisesaales in 34 Gemälden nach den Dichtungen Anakreon’s auszuführen; sie sind theils al fresco, theils enkaustisch und mit Beihülfe der beiden Freunde Anschütz und Nilson gemalt. Anakreon selbst als Sänger der Liebesgötter sehen wir an der Mitte der Decke, an der den Fenstern gegenüberstehenden Wand dann Anakreon am Altare des Bacchus die Leyer spielend, Anakreon als König des Schmauses und sein Kelterlied, in den Lünetten Anakreon’s Traum wie er von scherzenden Mädchen geneckt wird, seine Aufforderung zur Freude, Amor’s Wettstreit mit Mars etc.

An diese Werke reihen sich unmittelbar Zimmermann’s Fresken im neuem Palais des Herzogs Max in Bayern. Klenze hat dieses 1830 vollendete Palais gebaut, Rob. v. Langer, Kaulbach und Zimmermann haben die Malereien ausgeführt. Von Zimmermann ist der Plafond des Tanzsaales mit tanzenden Figuren und das Altarbild der Kapelle, Maria von zwei Engeln gekrönt in Lebensgrösse.

Zimmermann hatte nun volle zwanzig Jahre fast nur al fresco gemalt, ob er noch so fest und sicher in der Technik des Oelmalens wie früher war, stand in Zweifel, und doch durfte er das Oelbild um so weniger vernachlässigen, als die grossen monumentalen Freskomalereien in München allmälig zur Vollendung gediehen waren. Er zog sich auf sein Atelier auf der Akademie zurück, nahm Skizzen, die er schon früher gezeichnet hatte, zum Vorwurf und fand zu seiner Freude, dass es mit dem Oelmalen noch ganz gut von Statten ginge. Verfolgen wir seine nächsten Schöpfungen auf diesem Felde: eine heilige Cäcilia mit zwei singenden Engeln erwarb 1836 der Münchener Kunstverein, ein Abschied des jungen Tobias von seinen Eltern (1837), eine Madonna mit einem Kinde das die Mutter mit beiden Händen umfasst und sie küsst, kamen in Besitz des Hofbuchdruckers Röse1. Dazwischen entstand ein sogenanntes Staffeleibild, welches König Ludwig 1845 erwarb, es stellt Cimabue zu Pferde vor, wie er den jungen Giotto beobachtet, welcher, umgeben von Hirten, die Umrisse eines Schafes in den Sand zeichnet; ein anderes Staffeleibild, die drei theologischen Tugenden, erwarb 1840 Bolgiano; eine mythologische Darstellung, Mars, Venus und drei Amoretten, ward 1843 begonnen, es ist noch in der Hinterlassenschaft des Künstlers. Eine lebensgrosse Madonna mit dem schlafenden Kinde auf dem Schoos, in einer Landschaft sitzend, wanderte 1846 auf die belgische Kunstausstellung und ward dort verkauft. Eine grosse Composition mit lebensgrossen Figuren, der Zug des Paulus zur Christenverfolgung in Damaskus, gedieh nicht zur Vollendung (was erst spät, 1867, geschehen ist), nur der Carton und eine Farbenskizze wurden fertig. Eine Himmelfahrt Mariä, grosses Altarbild, malte Zimmermann (1852) für König Ludwig, es ging als Geschenk des Königs nach Claire Village in Australien.

Mittlerweile war Zimmermann nach dem Tode des R. v. Langer 1846 mit der Direction der königlichen Centralgallerie betraut worden, in dieser seiner neuen, die Aufsicht von Kunstsammlungen verschiedener Art umfassenden Stellung gab es viel zu ordnen, umzugestalten und neu einzurichten; mit Liebe und Sorgfalt erfüllte er seine Pflichten, aber beschränkt in seiner Muse fand er wenig freie Zeit, um grössere selbstständige Arbeiten auszuführen; sein Zug des Paulus zur Christenverfolgung in Damaskus konnte aus diesen Gründen nicht zur Vollendung gedeihen.

Am 20. März 1848 übergab König Ludwig seinem Sohne Maximilian die königliche Gewalt, der Politik müde, zog er sich in ein stilles, ganz der Kunst geweihtes Leben zurück. Um einen Sammelpunkt für Werke der neuen Kunst, wie ein solcher schon für die alten Meister in der alten Pinakothek bestand, in München zu schaffen, beschloss Ludwig den Bau der neuen Pinakothek; dieselbe ward 1853 vollendet und Zimmermann mit der Einrichtung und Leitung derselben betraut. Nur Gemälde unsers Jahrhunderts fanden Platz in diesem Museum, sie wurden unter jenen Bildern in Schleisheim, die Privateigenthum des Königs waren, ausgewählt und sind alljährlich durch neue Erwerbungen bereichert worden. Bald nach der Einrichtung der neuen Pinakothek hatte Zimmermann in Schleisheim eine ähnliche Aufgabe zu erfüllen, König Max II. wünschte die Anlegung einer vollständigen Genealogie des königlichen Hauses Bayern, es gelang Zimmermann die grösste Mehrzahl der Bildnisse bayerischer Fürsten vom Jahre 1180 bis auf die Gegenwart aufzufinden, nur in einigen Linien aus älterer Zeit blieben unausfüllbare Lücken.

Zimmermann vereinigte in seiner Hand die Direction der Alten und Neuen Pinakothek sowie der Glyptothek; jene, (die Direction der Alten Pinakothek), für sein hohes Alter zu mühsam geworden, wurde vor drei Jahren dem Professor Ph. Foltz übertragen, die Leitung der Neuen Pinakothek und Glyptothek blieb in seinen Händen und eine seiner letzten Arbeiten war es, alle jene Kunstwerke, welche bisher in der Bibliothek Königs Ludwig gestanden hatten, in den untern Sälen der Neuen Pinakothek aufzustellen. Diese Aufstellung nahm fast volle drei Monate in Anspruch, leider hat König Ludwig ihre Vollendung nicht mehr erlebt. Auch Zimmermann stand dem Schlusse seines Lebens nahe, der rüstige Greis hatte dasselbe auf 80 Jahre gebracht und beschloss es, von den Vorboten des Todes vor der Staffelei überrascht, nach kurzem Krankenlager gefasst und ruhig den 24. Januar 1869.

München verlor in ihm einen Mitschöpfer und Zeugen seiner ersten glänzenden Kunstperiode, die Künstler und seine Freunde einen liebenswürdigen, von Bescheidenheit, Herzensgüte und Dienstbereitwilligkeit beseelten Genossen. Er war Ritter des Civil-Verdienstordens der bayerischen Krone, des Ordens vom hl. Michael, des kgl. bayerischen Ludwigsordens, des k. k. österreichischen Franz-Josephs-Ordens und des königl. württembergischen Kronenordens.

Wir haben Zimmermann’s Werke bereits im Text genannt. Versuchen wir eine kurze Charakteristik, so dürfen wir im Allgemeinen sagen, dass Zimmermann zwischen der akademischen Richtung und den selbstständigen Bestrebungen der neuen Kunst mitten inne steht, zwischen beiden zu vermitteln sucht, in der Schule der beiden Akademiker Peter und Rob. v. Langer hatte er seinen Sinn für Schönheit der Form und technische Vollendung glücklich entwickelt, unter dem Einfluss der neuen, von König Ludwig beschützten Kunst des Cornelius rang er dahin, seinen Gestalten innere Belebung, gemüthvolle Beseelung zu verleihen. Grosse Charaktere, gewaltige historische Ereignisse waren sein Fach nicht, sanft und liebevoll von Gemüth wie er war bevorzugte er auch in der Kunst liebliche, seelenvolle, von starker leidenschaftlicher Erregung befreite Darstellungen, ja viele seiner besten Schöpfungen tragen ein entschieden idyllisches, von heiterer Lebensanschauung beseeltes Gepräge.

Als Radirer tritt uns Zimmermann auf einem neuen von ihm wenig angebauten Feld entgegen, dem Feld der landschaftlichen Darstellung. Es ist manches Steife und Harte in diesen Blättern, man fühlt die Ungewohntheit des Materials und des Gegenstandes und wir sind nach der eigenen Aussage des Künstlers auch nur berechtigt, sie als Versuche zu nehmen. Die Platten kamen in Besitz des bekannten Kunsthändlers Joh. Grünling in Wien; es scheinen wenige oder gar keine Abzüge gemacht worden zu sein, da die Blätter äusserst selten vorkommen, nur zwei Platten scheinen sich erhalten zu haben, da uns von diesen neue Abdrücke zu Gesicht gekommen sind.
Zimmermann’s Portrait ist uns in Lithographie erhalten in Kohler’s Münchener Album 1841–42.

Folgende Compositionen Zimmermann’s sind durch Reproduction in weiteren Kreisen bekannt geworden:
Die heil Mutter. J. Melcher lith. König-Ludwigs-Album, gr. Fol.
Die Vermählung der heil. Katharina. Veni de Libano etc. H. Kohler lith. roy. Fol.
St. Cäcilia. G. Scheuerlin lith. gr. Fol.
Raphael’s Tod, nach der Composition des Cornelius. J. Rigal lith. gr. qu. Fol.
Belehnung Otto’s von Wittelsbach mit dem Herzogthum Bayern. W, Gail lith. Im Werk: Freskogemälde aus der Geschichte der Bayern. 19 Bl. München, qu. Fol. Die Copien, München Herrmann, sind kleiner.
Dasselbe. Wengg lith., für das Cotta’sche Kunstblatt 1828.

Dr. phil. Andreas Andresen: Die Deutschen Maler-Radirer (Peintres-Graveurs) des neunzehnten Jahrhunderts, nach ihren Leben und Werken. Leipzig, 1872.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Zimmermann Klemens, von, 1778 (Düsseldorf) – 1869, Historienmaler und Akademieprofessor; seine erste Ausbildung erhielt Z. in seiner Vaterstadt, nach einer Studienreise durch Italien wurde er 1816 Professor an der Kunstschule in Augsburg, 1825 an der Münchner Akademie; seit 1846/65 war Z. Direktor der Zentralgemäldesammlung in München; Z. malte für P. von Cornelius Fresken in den Arkaden Hofgartens (Belehnung Ottos von Wittelsbach mit Bayern im Maximilianeum), in Glyptothek und Pinakothek, ferner anakreonische Bilder im Speisesaal des Königsbaus der Residenz; seine romantischen Bilder werden auch heute noch geschätzt.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#6 – 7 – 40 (Vogel)


FAMILIE
VOGEL


  • Vogel, Hermann, Dr. med.; 1827 (Bogen/Ndb.) – 24.3.1906 (München); Arzt

Grab der Familie Vogel auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

#6 – 7 – 46 (Besch · Wieselsberger)


ANNA BESCH
* 11.8.1868 † 27.5.1895
JOHANN WIESELSBERGER
* 20.10.1845 † 2.6.1904
ANNA WIESELSBERGER
* 4.6.1845 † 18.2.1918
LOTTE WIESELSBERGER
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FRITZ WIESELSBERGER
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  • Besch, Anna; 11.8.1868 – 27.5.1895
  • Wieselsberger, Anna; 4.6.1845 – 18.2.1918
  • Wieselsberger, Fritz
  • Wieselsberger, Johann; 20.10.1845 – 2.6.1904
  • Wieselsberger, Lotte (vh) / Horn (gb): – 15.8.1931 (München), 46 Jahre alt; Kaufmanns-Gattin

Todesanzeige für Lotte Wieselsberger

Grab der Familien Besch · Wieselsberger auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2015)

#6 – 7 – 54 (Sigmund)


Dem Andenken
der besten Eltern
Joachim u. Philippine
Sigmund
und der geliebten Schwester
Maximiliane
und des Ritters
Hugo von Sigmund
gest. 19. Aug. 1899.


  • Sigmund, Hugo Ritter von; 28.4.1824 (München) – 19.8.1899 (München); Oberstlandesgerichtsrat a. D.
  • Sigmund, Joachim
  • Sigmund, Maximiliane
  • Sigmund, Philippine (vh)

Todesanzeige für Hugo Ritter von Sigmund

Grab der Familie Sigmund auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familie Sigmund auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#Hugo Ritter von Sigmund

* 28.4.1824 (München)
† 19.8.1899 (München)
Oberstlandesgerichtsrat a. D.

#Allgemeine Zeitung (23.8.1899)

Bayerische Chronik.

München, 22. August.
Beerdigung. Heute Nachmittag 3½ Uhr wurde im südlichen Friedhof der im 76. Lebensjahre verstorbene Oberstlandesgerichtsrat a. D. Hugo Ritter v. Sigmund beerdigt. An der Trauerfeier nahmen außer den beiden Brüdern des Verstorbenen eine große Anzahl Justizbeamte, Professoren und sonstige Leidtragende theil. Der Verblichene wurde am 28. April 1824 zu München geboren, absolvirte daselbst seine Studien und machte 1849 den juristischen Staatskonkurs. Die erste Anstellung erhielt er als Assessor bei dem kgl. Kreis- und Stadtgericht Kempten im Jahre 1853, woselbst er auch zum Rath befördert wurde und bis zum Jahre 1870 thätig war. Sodann wurde er zum Rath am Appellationsgericht Aschaffenburg ernannt, in dieser Eigenschaft in den nächstfolgenden Jahren nach Nürnberg und München versetzt und 1887 zum Oberstlandesgerichtsrath befördert. Im Jahre 1897 zwang ihn Krankheit, in den Ruhestand zu treten. Mit reichem Wissen und großer Pflichttreue hatte der Geschiedene große Milde und Menschenfreundlichkeit vereinigt.

Allgemeine Zeitung Nr. 233. München; Mittwoch, den 23. August 1899.

#6 – 8 – 49·50 (Fries)


HIER RUHEN IN GOTT
JOHANN FRIES
RECHTSANWALT, EHRENBÜRGER DER STADT TRAUNSTEIN
GEB. 22.8.1845. GEST. 29.11.1889.
FANNY FRIES
GEB. SEDLMAYR
GEB. 4.8.1848. GEST. 4.4.1919

Tafel SIEGFRIED FRIES
FORSTKANDIDAT
GEB. 9.8.1879. GEST. 23.5.1903.


  • Fries, Fanny (vw) / Sedlmayr (gb); 4.8.1848 – 4.4.1919; Rechtsanwalts-Witwe
  • Fries, Johann; 22.8.1845 – 29.11.1889; Rechtsanwalt
  • Fries, Siegfried; 9.8.1879 – 23.5.1903; Forstkandidat

Grab der Familie Fries auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2015)

Grab der Familie Fries auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2015)

#6 – 8 – 54·55 (Jaud)


Familien-Grabstätte.

Hier ruhen
Jakob Jaud,
Juwelier.
geb. 1825. gest. 5. Febr. 1871.
Dessen Bruder
Paul Jaud,
kgl. Oberamtsrichter a. D.
geb. 1828. gest. 12. Juni 1894.
mit Gattin
Clementine, geb. Geneve,
geb. 1841. gest. 2. Sept. 1912.
Deren Sohn
August Jaud,
Oberregierungsrat
am Obersten Rechnungshof,
geb. 1863, gest. 12. Aug. 1919.

R. I. P.

Sockel
Anna Jaud, geb. Schöber
Oberamtsmanns-Gattin
geb. 1870, gest. 6. März 1924.
Therese Jaud, geb. Stiegler.
¿

Linke Seite
Josef Jaud,
Stadtbrunnwart
geb. 1759. gest. 12. Nov. 1818.
Dessen Gattin
Ursula,
geb. 1757. gest. 13. Jan. 1807.
Deren Sohn
P. Paul Jaud,
Juwelier,
geb. 1790. gest. 23. Febr. 1876.
Dessen Gattin
Anna geb. Engelmayer,
geb. 1803. gest. 27. Juni 1865
Deren Tochter
Regina,
geb. 1830. gest. 10. Febr. 1862

6.8.54.55.
52.53.

Rückseite
J. Matth. Jaud,
Landger.-Apotheker,
geb. 1788. gest. 30. Aug. 1834.
Dessen Gattin
Adelheid,
geb. 1793. gest. 2. April 1856.


  • Jaud, Adelheid; 1793 – 2.4.1856; Apothekers-Witwe
  • Jaud, Anna (vh) / Engelmayer (gb); 1803 – 27.6.1865; Juweliers-Gattin
  • Jaud, Anna (vh) / Schöber (gb); 1870 – 6.3.1924; Oberamtsmanns-Gattin
  • Jaud, August; 1863 – 12.8.1919; Oberregierungsrat
  • Jaud, J. Matthias; 1788 – 30.8.1834; Apotheker
  • Jaud, Jakob; 1825 – 5.2.1871; Juwelier
  • Jaud, Josef; 1759 – 12.11.1818; Stadtbrunnwart
  • Jaud, Klementine (vw) / Geneve (gb); 1841 – 2.9.1912; Oberamtsrichters-Witwe
  • Jaud, P. Paul; 1790 – 23.2.1876; Juwelier
  • Jaud, Paul; 1828 – 12.6.1894; Oberamtsrichter
  • Jaud, Regina; 1830 – 10.2.1862; Juweliers-Tochter
  • Jaud, Therese (vh) / Stiegler (gb); 1889 – 13.11.1936; Obervermessungsrats-Gattin
  • Jaud, Ursula (vh); 1757 – 13.1.1807; Stadtbrunnwarts-Gattin

Grab der Familie Jaud auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#6 – 8 – 56·57 (Simhart)


Ruhestätte der Familie Simhart.

Hier ruhen in Gott der beste Gatte und Vater
Herr Max Simhart, Privatier,
geb. 3. Oktbr. 1830, gest. 1. August 1882.
Dessen Gattin, unsere liebste Mutter
Frau Klothilde Simhart
geb. 3. Juni 1830, gest. 7. Januar 1916.
Unser unvergeßlicher Gatte und Vater
Herr Max Simhart jun. Kaufmann,
geb. 18. Mai 1857, gest. 16. Februar 1883.
Dessen Gattin, unsere beste Mutter und Großmutter
Frau Josefine Simhart
geb. 18. Oktober 1855, gest. 26. Oktober 1931.

Linke Seite
Herr Andreas Simhart
Webermeister,
geb. 16. Juli 1804, gest. 8. Aug. 1868.
Frau Theresia Simhart
geb. Schick,
geb. 13. Okt. 1810, gest. 4. April 1857.
Seine zweite Gattin
Frau Magdalena Simhart
geb. Emmer,
geb. 21. Mai 1809, gest. 1. Mai 1869.

Sockel
6.8.56-57. A. Riedl.


  • Simhart, Andreas; 16.7.1804 – 8.8.1868; Webermeister
  • Simhart, Josefine (vw); 18.10.1855 – 26.10.1931; Kaufmanns-Witwe
  • Simhart, Klothilde (vw); 3.6.1830 – 7.1.1916
  • Simhart, Magdalena (vw) / Emmer (gb); 21.5.1809 – 1.5.1869; Webermeisters-Witwe
  • Simhart, Max; 18.5.1857 – 16.2.1883; Kaufmann
  • Simhart, Max; 3.10.1830 – 1.8.1882
  • Simhart, Theresia (vh) / Schick (gb); 13.10.1810 – 4.4.1857 (München); Webermeisters-Gattin

Grab der Familie Simhart auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2014)

#6 – 9 – 55·56* (Hierl · Hoffmann)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Hierl, Johann Eduard, Prof.; 1791 (Rückersdorf b. Amberg/Opf.) – 1.5.1878 (München); Universitätsprofessor
  • Hoffmann, Karl Ritter von; 1832 (Regensburg) – 3.2.1903 (München); General

Todesanzeige für Prof. Johann Eduard von Hierl

Todesanzeige für Karl Ritter von Hoffmann

Das Grab ist nicht erhalten

#6 – 10 – 27 (Kaulen · Weipert)


Hier ruhen:
Frau Sophie Weipert
1843 – 1894
Herr Leander Weipert
Bildhauer
1850 – 1919
Frl. Jo¿ Weipert
1884 – 1928

R. I. P.


  • Kaulen, Karl; – (15).5.1888 (München), 53 Jahre alt; Weinwirt
  • Weipert, Josy; 1884 – 31.7.1928 (München); Klavierlehrerin
  • Weipert, Leander; 1850 – 4.5.1919 (München); Bildhauer
  • Weipert, Sofie (vh); 1843 – (9).11.1894 (München); Stukkateurs-Gattin

Todesanzeige für Leander Weipert

Todesanzeige für Josy Weipert

Grab der Familien Kaulen · Weipert auf dem Alten Südfriedhof München (September 2019)

#6 – 10 – 40 (Mayr)


FAMILIE
MAYR


  • Mayr, Simon; – (9).8.1888 (München), 36 Jahre alt

Grab der Familie Mayr auf dem Alten Südfriedhof München (September 2018)

#6 – 10 – 41 (Rupp)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Rupp, Maria (vh); – 1885; Milchhändlers-Gattin

Grab der Familie Rupp auf dem Alten Südfriedhof München (September 2018)

#6 – 10 – 50 (Kothmüller)


Herr ¿ Koth¿
* 13.VI.1847 † ¿
Frau ¿ Kothmüller
* 24.¿


  • Kothmüller, Eugen; – (30).10.1886 (München); Wirt

Todesanzeige für Eugen Kothmüller

Grab der Familie Kothmüller auf dem Alten Südfriedhof München (September 2018)

#6 – 10 – 56 (Kitzing · Max)


1815 – 1871
GUSTAV KITZING
K. OBERSTABSARZT
1818 – 1889
CHARLOTTE KITZING
GEB. MUSTIERE
EMMA MAX
GEB. KITZING
KUNSTMALERS-
WITWE
1844 – 1929


  • Kitzing, Charlotte (vw) / Mustiere (gb); 1818 – 1889; Kaufmanns-Tochter aus Augsburg / Oberstabsarzts-Witwe
  • Kitzing, Gustav, Dr. med.; 1815 – 5.3.1871 (München); Oberstabsarzt
  • Max, Emma (gs) / Kitzing (gb); 1844 – 25.11.1929 (München); Kunstmalers-Witwe

Todesanzeige für Emma Max

Grab der Familien Kitzing · Max auf dem Alten Südfriedhof München (August 2014)

#6 – 11 – 1* (Fleischmann)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Fleischmann, Friedrich; 23.3.1791 (Nürnberg) – 9.11.1834 (München); Kupferstecher

Das Grab ist nicht erhalten


#Friedrich Fleischmann

* 23.3.1791 (Nürnberg)
† 9.11.1834 (München)
Kupferstecher

#Kunstvereins-Bericht für 1834 (1835)

Friedrich Fleischmann,
Kupferstecher.

(Aus der Beilage des Correspondenten von und für Teutschland.)

Der rühmlichst bekannte Kupferstecher Friedrich Fleischmann wurde den 23. März 1791 zu Nürnberg geboren. Als Sohn eines Nadel- und Fischangelmachers sollte er sich von Jugend an und spater auch noch diesem Berufe widmen, obgleich der Vater die sich frühzeitig äußernde Lernbegierde und Fassungskraft seines Knaben mit Vergnügen bemerkte, und ihn sehr bald zur Schule anhielt. Die ihm wahrhaft angeborne Gabe, ausgezeichnete Physiognomien auf den ersten Blick aufzufassen, und später – oft lange nachher – aus dem Gedächtniß noch auf’s Papier hinzuwerfen, äußerte sich schon bei dem zarten Knaben, und er übte sie selbst an seinen Brüdern, wenn diese mit erzürnten Gesichtern ihn mit Strenge zur Arbeit anhielten.

Er erhielt theils durch Sorge seines Vaters, theils durch Theilnahme einiger Freunde desselben zuerst Privat-Unterricht im Zeichnen, dann in der Preißler’schen Zeichen-Schule, und hoffte, sich dem Berufe der Kunst widmen zu können, bis der Tod seines Vaters alle diese Aussichten zu Nichte machte.

Durch Vermittlung derselben Freunde nahm ibn der Kupferstecher Ambr. Gabler in die Lehre, und gewöhnte ihn besonders zum Zeichnen nach der Natur und nach dem Leben, sowie er denn auch wahrend dieser drei Jabre schon auf eigene Hand durch Portrait-Malen und Illuminiren sich Verdienst zu verschaffen bemüht war. Gegen das Ende dieser Periode benützte ihn der Buch- und Kunsthändler Dr. Campe zu lithographischen Arbeiten, und als diese im Jahr 1808 aufhörten, übertrug ihm derselbe andere Gegenstände, ermunterte sein Talent und gab ihm Beschäftigung.

Nach einer i. J. 1809 als Portrait-Maler unternommenen kleinen Reise, bei welcher er sich nach Augsburg, München, Landshut und Straubing wendete, kehrte er wieder nach der Vaterstadt zurück, wo er nunmehr eine große Anzahl von Blättern, Illuminir- und Schlachten-Bilder, Kupfer zu Jugendschriften und anderen mit Fleiß, Schnelligkeit und Geist radirte und sich einen nicht unbedeutenden Erwerb dadurch verschaffte.

Später arbeitete er vorzüglich in der Punctir-Manier, verbunden mit der Linien-Manier, und lieferte in derselben nach und nach eine große Anzahl von Portraiten, welche seine steigenden Fortschritte bewiesen. Campe nahm im Febr. 1814 ihn als Begleiter auf einer Reise den Rhein hinab nach Holland und England mit sich, und theils durch die interessanten Bekanntschaften mit den dortigen Künstlern, welche ihm Aufschluß und Rath über seine Kunst und ihre Manieren gaben, theils durch die Gelegenheit, die ausgezeichnetsten Helden und Heerführer der damals dort vereinigten Armeen zu zeichnen, deren Portraite nachher von ihm in punktirter Manier gestochen wurden, schritt er in seiner Kunst so wesentlich vor, daß er von nun an nicht blos einen achtbaren Namen, sondern auch unablässige Beschäftigung mit Portraiten, Vignetten, Bildern zu Allmanachen, z. B. zum Frauen-Taschenbuch, Cornelia u. s. w. erlangte.

An Fruchtbarkeit mögen ihm wenige der neueren Kupferstecher im Verhältnis zu dem Alter, das er erreichte gleichkommen; denn seine Arbeiten können sich wohl auf 1900 Blätter belaufen. Unter seinen radieren und gestochenen Blättern sind manche kleinere Einfälle, Vignetten und scherzhafte Scenen durch Geist, wahren Humor, Leichtigkeit und Treue ausgezeichnet. Seine punktirten Portraite sind von großer Weiche, Zartheit und Vollendung; das größte Blatt, das er in dieser Manier arbeitete, ist der kreuztragende Christus. Er war einer der ersten Künstler, der sich im Stahlstich mit vielem Glück versuchte, so wie er auch zuerst sich einer Linier-Maschine zur Fertigung der Hintergründe bediente, die er mit bedeutendem Aufwande sich angeschafft hatte, und so bewies sich in Allem sein strebender und unternehmender Geist.

Um seine Vielseitigkeit als Künstler zu bezeichnen, bemerken wir noch, daß er Portraite in Oel, Miniatur- und Aquarell-Farben malte, sich in der Glas- und Transparent-Malerei, sowie in der Theater-Malerei versuchte und leicht die verschiedenartigsten Behandlungs-Manieren ergriff und mit Geist und Gewandtheit ausübte.

Als Mensch von Seite des Geistes, der Heiterkeit und Herzensgüte betrachtet, war er des ehrendsten Zeugnisses würdig. Liebenswürdig als Gesellschafter, reich an Humor, Witz und Laune, war er ein Freund seiner Freunde, mitleidend, herzlich und geliebt von ihnen. Als Gatte und Vater seiner sechs noch unversorgten Kinder entfaltete er noch mehr schöne Seiten seines edlen Gemüthes.

Unannehmlichkeiten, die ihm seine humoristische Darstellung des steinernen Ochsen an der Fleischbrücke zu Nürnberg, von welchem ein Horn herabstürzte, verursacht hat, bewogen ihn im Herbst 1851, seinen Wohnort zu verändern, und nach München zu ziehen. Der Gram über die Veranlassung dieser Uebersiedlung sowohl, als über den Verlust eines Theils seines Vermögens machte seine Gesundheit immer wankender; er erkrankte im Herbste 1854, an dem Tage, an welchem er eine Reise nach Nürnberg antreten wollte, um seine längst schon begonnene Zeichnung des von Holzschuher’schen Portraits nach Albrecht Dürer zu vollenden, da er sie zu stechen beabsichtigte. Er starb den 9. November 1854 in München. Deutschland hat an ihm einen seiner fleißigsten Kupferstecher, einen in jeder Hinsicht vielseitig gebildeten Künstler verloren.

Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München während des Jahres 1834. München, 1835.

#6 – 11 – 5* (Brulliot)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Brulliot, Josef Paul; 1739 – 9.8.1827 (München); Galerieinspektor

Das Grab ist nicht erhalten


#Josef Paul Brulliot

* 1739
† 9.8.1827 (München)
Galerieinspektor

#Neuer Nekrolog der Deutschen (1829)

Joseph Paul Brouillot, Gallerieinspektor zu München; geb. i. J. 1739, gest. d. 9. Aug. 1827* (* Tüb. Kunstbl. 1827. Nr. 69.).

Er bewährte sich schon früher in Düsseldorf als einer der geschicktesten und thätigsten Aufseher der Gemäldegallerie, dessen Sorgfalt für die ihm anvertrauten Kunstschätze weder Mühe noch Grenzen kannte. In Düsseldorf sind auch noch historische Gemälde von seiner Hand. Er begleitete die Gallerie bei ihrer Versetzung nach München und die Kraft und Heiterkeit seines Alters erlaubte ihm, ihr seine Thätigkeit unausgesetzt bis an sein Ende zu widmen, das ihn im 63. Dienstjahre nach kurzem Krankenlager in den Armen seines Sohnes, Franz B., Inspektors der königl. Kupferstichsammlung, überraschte.

Neuer Nekrolog der Deutschen. Ilmenau, 1829.

#6 – 11 – 8 (Schiegl)


Katharina
Schiegl
* 25.9.1850
† 31.1.1895
Johann
Schiegl
* 28.5.1842
† 27.10.1895

Rechte Seite
OPPENRIEDER
6.11.8


  • Schiegl, Johann; 28.5.1842 – 27.10.1895 (München); Buchhalter
  • Schiegl, Katharina; 25.9.1850 – 31.1.1895

Todesanzeige für Johann Schiegl

Grab der Familie Schiegl auf dem Alten Südfriedhof München (August 2014)

Grab der Familie Schiegl auf dem Alten Südfriedhof München (März 2008)

#6 – 11 – 9 (Evert · Knorr)


Hier ruhen in Gott
Fr. Genovefa Knorr
1870 – 1895
Herr Johann Knorr
1857 – 1938
M. A. Evert
22.8.22 – 22.11.22


  • Evert, M. A.; 22.8.1922 – 22.11.1922
  • Knorr, Genovefa (vh); 1870 – 1895
  • Knorr, Johann; 1857 – 1938

Grab der Familien Evert · Knorr auf dem Alten Südfriedhof München (August 2014)

#6 – 11 – 10 (Mittereder)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Mittereder, Walburga (vw); – (13).6.1888 (München), 74 Jahre alt; Schneidermeisters-Witwe

Grab der Familie Mittereder auf dem Alten Südfriedhof München (September 2018)

#6 – 11 – 14 (Windmaier)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Windmaier, Anton; 4.4.1840 (Pfarrkirchen/Ndb.) – 13.1.1896 (München); Landschaftsmaler

Grab der Familie Windmaier auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2014)

#Anton Windmaier

* 4.4.1840 (Pfarrkirchen/Ndb.)
† 13.1.1896 (München)
Landschaftsmaler

#Generalanzeiger (2.10.1893)

Münchner Tagesneuigkeiten.
München, 30. September.

Silberne Hochzeit. Der durch seine feinen Stimmungsbilder in den weitesten Kreisen bekannte Kunstmaler, Herr Anton Windmaier, feierte gestern im Kreise seiner Familie das Fest der silbernen Hochzeit.

Generalanzeiger der Münchner Neuesten Nachrichten Nr. 450. München, den 2. Oktober 1893.

#Münchner Neueste Nachrichten (15.1.1896)

Kunstchronik.
Kunstverein.

Anton Windmaier †. Wie wir zu unserem Bedauern vernehmen, ist im Alter von 55 Jahren der hier rühmlichst bekannte Landschaftsmaler Anton Windmaier gestorben. Jedem Besucher der Münchener Ausstellungen und des Kunstvereins sind seine weich und poetisch gestimmten Landschaften in Erinnerung, in denen er stets mit verhältnißmäßig einfachen Mitteln starke, eindrucksvolle Wirkung zu erzielen wußte. Namentlich hat er sehr schöne und wahre Winterbilder gemalt, manchen prächtigen Mondaufgang über einsamen Gehöften, manches frische und heiter stimmende Frühlingsbild. Was er darstellte, hat Windmaier mit hervorragendem Geschick leicht und immer malerisch behandelt. Er wurde 1840 zu Pfarrkirchen in Niederbayern geboren und war zuerst bei einem Tischler in der Lehre. Später wandte er sich dem Handwerk eines Zimmermalers zu und trat 1862 in München in das Geschäft eines Dekorationsmalers ein. Als Autodidakt widmete er sich hier schon stets nebenbei der Landschaftsmalerei und brachte es so weit, daß er 1870 schon sein erstes Oelbild im Kunstverein ausstellen konnte. An dieser Stelle waren auch in den letzten Monaten noch treffliche Arbeiten von seiner Hand zu sehen.

Münchner Neueste Nachrichten No. 22. Mittwoch, den 15. Januar 1896.

#Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog (1897)

Windmaier, Anton, Landschaftsmaler, geboren 4. April 1840 zu Pfarrkirchen in Niederbaiern, lernte unter drückenden Verhältnissen bis 1851 das Tischlerhandwerk, ging zur Zimmermalerei über und trat 1862 bei einem Dekorationsmaler zu München in Condition. Jeden freien Augenblick zu landschaftlichen Studien verwendend, förderte er sich ohne fremde Unterweisung bald so weit, dass er schon 1870 sein erstes Bild in die Oeffentlichkeit brachte.

Der ermuthigende Beifall lockte zu weiteren Versuchen; im November 1872 erschienen seine »Kinder am Eis« und bald darauf ein »Winterabend«, wobei der Maler noch an Stademann sich anlehnte, alsbald aber mit einer »Winterlandschaft« (Motiv aus dem Englischen Garten) schon seine eigene Art zu sehen und zu fühlen bekundete.

Inzwischen hatte er auch in der religiösen Malerei Versuche gemacht, Heiligenbilder nach alten Meistern copirt und eigene, neue geschaffen.

Nun aber ergriff W. das Herbst- und Winterbild mit besonderer Vorliebe. Hier herrschte er, mit den geringsten Mitteln grosse Erfolge erreichend, wie ein Dichter. Unablässig studirte er die Stimmungen der Natur und verstand es bald, selbe mit virtuoser Technik festzuhalten. Welche Poesie spricht aus seinen Buchenwäldern, durch welche die scheidende Sonne ihre letzten Strahlen sendet! Und wie beredt wusste dieser Herold alles Grosse, Erhabene und Edle der Natur zum Ausdruck zu bringen, in bewunderungswürdiger Feinheit der Stimmung und wohlbewusster Kraft der Farbe!

Insbesondere beliebt wurden seine Mondscheinbilder, die er sowohl an den Strand des Meeres, wie in deutsche Winterscenen, etwa aus der Umgebung von Freising-Haimhausen, verlegte. Auch Regenwetterstimmungen liebte er, am meisten aber doch den durch kalte Winternächte über einsame Höfe, Brüche und Windmühlen vollaufstrahlenden Mond. Was W. auf diesem Gebiete leistete, wird immer zu den Perlen der Münchener Kunst zählen.

Vor der drohenden Gefahr, etwa einer einseitigen Manie zu verfallen, befreite ihn sein schon am 13. Januar 1896 erfolgter Tod. Seine letzten Jahre brachten herbe Erfahrungen. Der Künstler, auf der rechten Seite gelähmt, lag zwanzig Monate krank darnieder; dann erblindete er noch auf dem linken Auge. Trotzdem führte der vielgeprüfte Maler für seine zahlreiche Familie den Pinsel und schuf muthig, wie in den besten Lebenstagen. Bedürfnisse kannte er keine; sein einziges Vergnügen beschränkte sich zeitweise auf Scheibenschiessen, wobei er auch Preise errang.

Nekrologe in der »Allgemeinen Ztg.« vom 15. Januar 1896 und im Rechenschafts-Bericht des Münchener Kunstvereins f. 1895. S. 84.

H. Holland.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog. Berlin, 1897.

#6 – 11 – 26·27 (Beer · Ilg · Köll · Pröbstl · Rasp)


Linke Spalte
Johann Rasp,
gest. im 42. Jahre 1819.
Josef Pröbstl,
gest. im 46 Jahre 1833.
Katharina Pröbstl
verw. Rasp,
gest. im 68 Jahre 1842.
Maria Ilg,
gest. im 76 Jahre 1851.
Maria Beer,
gest. im 60. Jahre 1869.

Rechte Spalte
Walburga Köll,
geb. Rasp,
Mühlbesitzers-Gattin,
gest. im 30. Jahre 1868.
Michael Köll,
Mühlbesitzer,
gest. im 38. Jahre 1874.
Frl. Fanny Rasp,
gest. im 39. Jahre 1875.
Frl. Karoline Rasp,
gest. im 52 Jahre 1889.
Frau Anna Köll,
geb. Rasp,
gest. im 80 Jahre 1919.


  • Beer, Maria (vw) / Hofstädter (gb); – 18.5.1869 (München), 58 Jahre alt; Branntweiners-Witwe
  • Ilg, Maria; – Oktober 1851 (München), 75 Jahre alt; Hausmeisters-Witwe
  • Köll, Anna (vw) / Rasp (gb); – 26.11.1919 (München), 79 Jahre alt; Hafnermeisters-Tochter aus München / Mühlbesitzers-Witwe
  • Köll, Michael; – 14.10.1874 (Malching), 38 Jahre alt; Mühlenbesitzer
  • Köll, Walburga (vh) / Rasp (gb); – (28).11.1868 (München), 30 Jahre alt; Mühlenbesitzers-Gattin aus Olching
  • Pröbstl, Josef; – 1833
  • Pröbstl, Katharina (gb) / Rasp (vw); – 1842
  • Rasp, Fanny; – 1875
  • Rasp, Johann; – 1819
  • Rasp, Karoline; – 1889

Todesanzeige für Maria Beer

Todesanzeige für Michael Köll

Todesanzeige für Anna Köll

Grab der Familien Beer · Ilg · Köll · Pröbstl · Rasp auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#6 – 11 – 28 (Regnat)


Familien-Grabstätte

Hier ruhen in Gott
unser unvergesslicher Gatte u. Vater
Herr Michael Regnat,
k. Oberexpeditor b. d. Gen. Direkt.
d. k. b. Staatseisenbahnen,
geb. d. 13. April 1827, gest. d. 23. Juni 1896.
Ihm folgte seine liebe Gattin
unsere unvergessliche Mutter
Grossmutter und Tante
Frau Josephine Regnat,
geb. Wührer,
geb. d. 24. Jan. 1848, gest. d. 11. Febr. 1943.

Trennung unser Loos,
Wiedersehen unsere Hoffnung.


  • Regnat, Josefine (vw) / Wührer (gb); 24.1.1848 – 11.2.1943; Kürschners-Tochter aus München / Oberexpeditors-Witwe
  • Regnat, Michael; 13.4.1827 – 23.6.1896; Königlicher Oberexpeditor

Grab der Familie Regnat auf dem Alten Südfriedhof München (September 2018)

#6 – 11 – 29 (Weber)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Weber, Anna; – (6).9.1899, 73 Jahre alt; Ehemalige Haushälterin
  • Weber, Franz Sales; – (18).2.1879, 6 Monate alt; Schuhmachermeisters-Sohn
  • Weber, Josef; – (16).4.1906, 3 Monate alt; Kaufmanns-Sohn
  • Weber, Josef; – (25).7.1872; Schuhmachers-Sohn
  • Weber, Margarethe (vw); – (24).4.1870, 69 Jahre alt; Tagelöhners-Witwe

Grab der Familie Weber auf dem Alten Südfriedhof München (September 2018)

#6 – 11 – 53 (Rucker)


Familie
Rucker


  • Rucker, August; – 1891; Rauhwarenhändler

Grab der Familie Rucker auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2014)

#6 – 11 – 55 (Döhla · Schramm)


GRABSTÄTTE
FAMILIE
DOEHLA


  • Döhla, Heinrich; – 14.1.1842 (München), 37 Jahre alt; Geheimer Finanzministerialsekretär
  • Schramm, Johann Michael; 8.12.1772 (Sulzbach) – 6.1.1835 (München); Königlicher Kupferstecherrevisor

Grab der Familien Döhla · Schramm auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2014)

#Johann Michael Schramm

* 8.12.1772 (Sulzbach)
† 6.1.1835 (München)
Königlicher Kupferstecherrevisor

#Neuer Nekrolog der Deutschen (1837)

Johann Michael Schramm,
k. Kupferstecher-Revisor im topographischen Büreau des Kriegs-Ministeriums zu München;
geb. d. 8. Dec. 1772, gest. am 6. Januar 1835.

Schramm wurde zu Sulzbach im Regenkreise geboren, wo sein Vater, welcher ihm schon in früher Kindheit durch den Tod geraubt wurde, Bürger und Goldarbeiter war und besuchte die deutschen und lateinischen Schulen seiner Vaterstadt mit ausgezeichnetem Erfolg. Für das Gewerbe seines Vaters bestimmt und gebildet, machte er darin große Fortschritte, verließ es jedoch nach wenigen Jahren, um sich der Malerei und Kupferstecherkunst zu widmen, wofür er schon als Knabe große Anlagen zeigte, die sich auch, bei höchst dürftigem Unterricht darin, von Jahr zu Jahr mehr entwickelten. Um sich nun in dieser Kunst auszubilden, ging er zuerst nach München und sodann nach Wien. Nach einem mehrmonatlichen Aufenthalt in seiner Vaterstadt kehrte er im J. 1806 nach München zurück, wo er im folgenden Jahr als Lehrer der Kaligraphie im königl. Kadetencorps, späterhin als Litograph bei der königl. Steuerkatastercommission und endlich am 30. April 1816 als Revisor der Kupfersticharbeiten im topographischen Bureau angestellt wurde und fich durch seinen unausgesetzt thätigen Eifer in seinem Berufe, seinen beispiellosen Fleiß in Erfüllung seiner Dienstobliegenheiten, seiner Pünktlichkeit und fleckenlosen Redlichkeit die Achtung und das Vertrauen aller seiner Vorgesetzten, so wie aller seiner Freunde und Bekannten in hohem Grade erwarb. Er verheirathete sich zuerst 1812 mit Josepha, Tochter des königl. geistl. Raths-Secretärs Auracher zu München, aus welcher Ehe 5 Kinder entsprossen, 3 Söhne und 2 Töchter, von welchen nur der Letztgeborne ihn überlebte und nach dem 1820 erfolgten Tode dieser seiner Gattin mit Maria, der zweitqebornen Tochter des verstorbenen Prokanzlers der vormaligen Universität Altdorf und Rathsconsulenten v. Feuerlein zu Nürnberg (1821), welche mir ihrem noch unmündigen Sohne den Verlust des edlen Gatten und zärtlichen Vaters beweint.

Neuer Nekrolog der Deutschen. Weimar, 1837.

#6 – 12 – 1 (Heinleth)


Hier ruhen
Ursula von Heinleth
geb. Pilgram
geb. den 11. Sept. 1787, gest. den 27. Mai 1858
Franz von Heinleth
kgl. Appellationsgerichts-Rat,
geb. d. 18. Febr. 1816, gest. d. 14. Febr. 1877.
Adolph von Heinleth
General d. Inf. u. Staatsrat i. a. o. D.
a. l. s. des kgl. bayr. Inf.-Leib.-Regts.
Ritter des Milit. Max Jos. Ordens,
Großkreuz etc.
geb. d. 24. Okt. 1823, gest. d. 26. Febr. 1895.
Wilhelmine von Heinleth
geb. Gaertner,
geb. d. 29. Aug. 1838, gest. d. 9. März 1923.

Babenstuber 6.12.1.


  • Heinleth, Adolf von; 24.10.1823 (München) – 26.2.1895 (München); Bayerischer Kriegsminister
  • Heinleth, Franz von; 18.2.1816 – 14.2.1877; Appellationsgerichtsrat
  • Heinleth, Ursula von (vh) / Pilgram (gb); 11.9.1787 – 27.5.1858
  • Heinleth, Wilhelmine von (vh) / Gärtner (gb); 29.8.1838 – 9.3.1923

Grab der Familie Heinleth auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2007)

#Adolf von Heinleth

* 24.10.1823 (München)
† 26.2.1895 (München)
Bayerischer Kriegsminister

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Heinleth Adolf, von, 1823 (München) – 1895, Generalleutnant und bayerischer Kriegsminister; seine militärische Laufbahn begann H. im Kadettenkorps, 1843 wurde er Unterleutnant bei der Infanterie, 1848 Oberleutnant, 1850 Brigadeadjutant, 1858 Hauptmann; seit 1859 im Generalstab, war H. 1870/71 Generalstabschef der 1. Bayerischen Armee unter von der Tann; er führte am 11. Oktober 1870 ein Infanterie-Regiment persönlich zum Sturm und erhielt dafür den Max-Joseph-Orden; später war er Chef des Generalstabs und General der Infanterie, von 1885–1890 bayerischer Kriegsminister.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#6 – 12 – 5·6 (Schittler · Schön)


Linke Stele
Hier ruhen in Gott:
der beste Gatte und Vater
Herr Valentin Schittler,
Holzhändler
gest. 4. September 1872, im 59. Lebensjahre.
Dessen Gattin
Frau Therese Schittler,
geb. 18. April 1817, gest. 16. März 1900.
Fräulein Elise Schittler,
Holzhändlerstochter,
gest. 30. März 1870, im 42. Lebensjahre.
Ihr folgte ihr Bruder
Herr Joseph Schittler, Gastwirth
geb. 13. März 1847, gest. 7. Juli 1893.
Herr Karl Schittler, Kaufmann
geb. 5. Juli 1857, gest. 8. Juni 1894
Frau Josefa Schittler, Gastwirtsw.
geb. 4. Jan. 1854, gest. 9. Juli 1933.

R. I. P.

Sockel
Fräulein Anny Schön
geb. 30. Juni 1899, gest. 20. Mai 1917.

Rechte Stele
Hier ruhen in Gott:
unsere unvergesslichen Kinder
deren Enkel
Rosina, geb. 30. Jan. 1882, gest. 6. Juni 1884.
Valentin, geb. 15. März 1884, gest. 30. Aug. 1884.
Max, geb. 30. Novbr. 1886, gest. 12. März 1887.
Elise, geb. 7. März 1888, gest. 12. Juni 1889.
Karolina, geb. 3. Juli 1891, gest. 23. Jan. 1892.
Johann, geb. 24. Juni 1885, gest. 1. Okt. 1892.
Karl, geb. 14. Okt. 1893, gest. 29. Dezbr. 1893.
Ihnen folgte
Herr Valentin Schittler,
Flossmeister,
Inh. d. Feldzugsm. 1870-71,
geb. 23. Januar 1845, gest. 14. Dezember 1905
als guter Gatte und treubesorgtester Vater
von den Seinen innigst betrauert!
Frau Anna Schittler
Flossmeisters-We.
geb. 26. März 1858, gest. 23. Juli 1936.

R. I. P.

Sockel
Unser innigstgeliebtes Kindchen
Elisabeth, geb. 30. Okt. 192¿, gest. ¿. Nov. 1925.
folgte ihr Brüderchen Josef Valentin
¿. Dez. 1928, gest. 25. Febr. 1929

Schittlersches Familien-Grab

--

  • Schittler, Anna (vw) / Kraft (gb); 26.3.1858 – 23.7.1936; Flossmeisters-Witwe
  • Schittler, Elisabeth; 30.10.192¿ – ¿.11.1925
  • Schittler, Elise; – 30.3.1870 (München), 21 Jahre alt; Holzhändlers-Tochter
  • Schittler, Elise; 7.3.1888 – 12.6.1889
  • Schittler, Johann; 24.6.1885 – 1.10.1892 (München), Tod durch Ertrinken; Holzhändlers-Sohn
  • Schittler, Josef; 13.3.1847 – 7.7.1893; Gastwirt
  • Schittler, Josefa (vw); 4.1.1854 – 9.7.1933; Gastwirts-Witwe
  • Schittler, Karl; 5.7.1857 – 8.6.1894; Kaufmann
  • Schittler, Karl; 14.10.1893 – 29.12.1893
  • Schittler, Karolina; 3.7.1891 – 23.1.1892
  • Schittler, Max; 30.11.1886 – 12.3.1887
  • Schittler, Rosina; 30.1.1882 – 6.1.1884
  • Schittler, Therese (vw); 18.4.1817 – 16.3.1900; Holzhändlers-Witwe
  • Schittler, Valentin; – 4.9.1872 (München), 58 Jahre alt; Holzhändler
  • Schittler, Valentin; 23.1.1845 (München) – 14.12.1905 (München); Holzhändlers-Sohn / Flossmeister
  • Schittler, Valentin; 15.3.1884 – 30.8.1884 (München); Flossmeisters-Sohn
  • Schittler, Valentin; ¿.12.1928 – 25.2.1929
  • Schön, Anna; 30.6.1899 – 20.5.1917

Todesanzeige für Elise Schittler

Grab der Familien Schittler · Schön auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#Valentin Schittler

* 23.1.1845 (München)
† 14.12.1905 (München)
Holzhändlers-Sohn / Flossmeister

#Münchner Neueste Nachrichten (15.12.1905)

Lokales.

München, 14. Dezember.
Floßmeister Valentin Schittler †. Ein Herzschlag machte heute Vormittag 9 Uhr völlig unerwartet dem Leben eines unserer hervorragendsten Münchner Originale, des Floßmeisters Valentin Schittler, ein Ende. Schittler war in München in allen Kreisen bekannt einmal durch sein weitverzweigtes Geschäft und seinen großen Grund- und Häuserbesitz, dann aber auch durch die Zähigkeit und den unbeirrten Eifer, mit dem er seine Interessen, sein »gutes Recht« dem Magistrat und den übrigen Behörden gegenüber verfocht, wobei er es an Beweisen drastischer Geradheit und kräftigen Humors nicht fehlen ließ. Auch außerhalb München, weit über Bayerns Grenzen hinaus, war er als ruhiger, geschäftstüchtiger Holzhändler bekannt. Der Verstorbene ist am 23. Januar 1845 als Sohn der Holzhändlerseheleute Valentin und Therese Schittler geboren und stand daher im 61. Lebensjahre. Er war seit 1878 verheiratet und hat im Jahre darauf (1879) das elterliche Geschäft übernommen und dasselbe durch seine rastlose Tätigkeit zu hoher Blüte gebracht. Im Jägerbataillon machte er 1870/71 den Feldzug mit und geriet bei Orleans in französische Gefangenschaft. Schittler besaß, wie gesagt, eine Menge Anwesen und ein weitverzweigtes Geschäft. Die persönliche Regsamkeit und der ehrliche Geschäftsfleiß des Verstorbenen wird auch jenen Achtung abnötigen, denen er mitunter erhebliche Schwierigkeiten bereitete.

Münchner Neueste Nachrichten und Handels-Zeitung, Alpine und Sport-Zeitung. Theater- und Kunst-Chronik. No. 584. Freitag, den 15. Dezember 1905.

#Generalanzeiger (15.12.1905)

Münchener Tagesneuigkeiten.

München, 14. Dezember.
Valentin Schittler, ein durch seinen Unternehmungsgeist und seine Originalität bekannter Münchner Bürger, ist am Donnerstag Vormittag, nicht ganz 60 Jahre alt, plötzlich an einem Herzschlag verschieden. Ein Leben voll unermüdlicher Tätigkeit hat damit seinen Abschluß gefunden. Mit 13 Jahren schon hatte Schittler, dessen Eltern in der Fabrikstraße hier ein Holzgeschäft betrieben, sich als tüchtiger Flößer bewährt und oftmals die grüne Isar und bis Wien hinab die blaue Donau befahren. Zum Militär einberufen, machte er als Jäger 1870 den Feldzug gegen Frankreich mit, in dem er bei Orleans das Mißgeschick hatte, in Gefangenschaft zu geraten. Zwei Jahre später übernahm er gemeinsam mit seinem Bruder Max das elterliche Geschäft. Von 1877 an führte er es allein und 1878 trat er in den Stand der Ehe, aus der sechs Kinder hervorgingen. Von kleinen Anfängen wußte Schittler sein Geschäft immer mehr in die Höhe zu bringen; er war nicht nur als Holzhändler sondern auch als Floßmeister und Schneidlägbesitzer tätig, dabei erwarb er nach und nach einen bedeutenden Grundbesitz, namentlich in der Gegend der früheren Lände am großen Stadtbach. Die jetzige Geyerstraße und ein Teil der Baldestraße sind auf Schittlerschem Grund erbaut. Bei diesen Unternehmungen, insbesondere bei den Baulinienfragen, hatte er manch' zarten Strauß mit dem Magistrat und der Baulinienkommission zu bestehen, wobei er seine Interessen mit aller Zähigkeit verfocht. Manch' originelles Schriftstück von seiner Hand, das in den Akten dieser Behörden ruht, gibt davon Zeugnis. Der Grundsatz, von dem er ausging, hat in einer Inschrift Ausdruck gefunden, die er an seinem Hause Nr. 5 an der Geyerstraße anbringen ließ. Sie lautet: »Ein kräftig Wort, ein derber Streich – Macht harte Schädel windelweich«. Da aber manches seiner Worte zu kräftig und zu derb ausfiel, hatte er auch verschiedene Unannehmlichkeiten durchzumachen. Schittler war jedoch nicht der Egoist, als den ihn manche ansehen mochten, vielmehr kamen die Projekte, die er durchzusetzen wußte, auch wieder anderen Bürgern zugute. Bei der großen Ausdehnung seiner verschiedenartigen Unternehmungen gönnte er sich weder Rast noch Ruhe, noch Erholung; nun hat der Tod den Unermüdlichen, sozusagen vom Kontor weg, zur ewigen Ruhe gebettet.

Generalanzeiger der Münchner Neuesten Nachrichten Nr. 585. Freitag, den 15. Dezember 1905.

#6 – 12 – 7 (Oischinger)


DR. PHIL.
JOHANN
OISCHINGER
* 1817 † 1876
KATHOLISCHER
THEOLOGE
u. PHILOSOPH


  • Oischinger, Johann, Dr. phil.; 13.5.1817 (Wittmannsberg bei Gotteszell/Ndb.) – 11.12.1876 (München); Katholischer Theologe und Philosoph

Todesanzeige für Dr. phil. Johann Oischinger

Grab der Familie Oischinger auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2007)

Grab der Familie Oischinger auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

#Dr. phil. Johann Oischinger

* 13.5.1817 (Wittmannsberg bei Gotteszell/Ndb.)
† 11.12.1876 (München)
Katholischer Theologe und Philosoph

#Allgemeine Deutsche Biographie (1887)

Oischinger: Johann Nepomuk Paul O., katholischer Theologe und Philosoph, geb. am 13. Mai 1817 zu Wittmannsberg in Baiern, † am 11. December 1876 zu München. O. lebte, nachdem er zu München Philosophie und Theologie studirt hatte, Doctor der Philosophie und am 14. Juli 1841 zu Regensburg Priester geworden war, ohne Anstellung, vielfach kränkelnd, in München, mit Studien und Schriftstellern beschäftigt, in den ersten Jahren in anregendem Verkehr mit strebsamen jungen Leuten, später mehr und mehr vereinsamt. Das Ziel seiner schriftstellerischen Thätigkeit war die Begründung einer neuen christlichen Philosophie und eine wissenschaftliche Darstellung des katholischen Lehrbegriffs mit Ausscheidung der von ihm für irrig gehaltenen mittelalterlich-scholastischen Elemente. Schon 1843 gab er einen »Grundriß zu einem neuen System der Philosophie« heraus, 1849 eine Abhandlung »Philosophie und Religion«, mit einer Vorrede von F. A. Staudenmaier, 1852 »System der christlichen Philosophie«, eine erweiterte Umarbeitung der ersten Schrift, dazu 1854 »Apologie der christlichen Philosophie gegen Dr. Denzinger« (Professor der Dogmatik in Würzburg). Von dem 1858 begonnenen, auf 10 Bände berechneten »System der christlichen Glaubenslehre« sind nur zwei Bände erschienen. In den meisten seiner Schriften, die eine große Belesenheit in der philosophischen und theologischen Litteratur bekunden, aber in weiteren Kreisen wenig Beachtung gefunden haben, polemisirt O. einerseits gegen andere Philosophen, auch gegen den katholischen Philosophen Anton Günther: »Die Günther'sche Philosophie«, 1852 (vgl. P. Knoodt, A. Günther, 2. Bd., S. 144. 204, 285, 445), andererseits gegen die scholastische Theologie des Mittelalters: »Die christliche Trinitätslehre«, 1850; »Die speculative Theologie des h. Thomas von Aquin, des englischen Lehrers, in den Grundsätzen systematisch entwickelt«, 1858 (diese Schrift, keine andere von O., wurde in Rom in den Index gesetzt); »Commentarii theologici, quibus quaestiones de theologia scholastica explanantur«, 1860; »Die Einheitslehre der göttlichen Trinität«, 1862; »Die christliche und scholastische Theologie, oder die christlichen Grunddogmen nach den Symbolen, Concilien und Vätern der Kirche entwickelt, sowie gegen die abweichenden Lehren der Scholastiker vertheidigt. Der Gesammtkirche, insbesondere dem ökumenischen Concil vorgelegt und gewidmet«, 1869. Verhältnißmäßig am günstigsten wurde aufgenommen: »Speculative Entwickelung der Hauptsysteme der neueren Philosophie von Descartes bis Hegel«, 1853–54, zwei Bände. O. übersetzte auch, wahrscheinlich hauptsächlich um sich seinen Lebensunterhalt zu sichern, eine Reihe von Schriften aus dem Lateinischen (Thomas von Aquin's Goldene Kette zu den Evangelien, 7 Bände, desselben Predigten, Beda's Homilieen, 3 Bände), Französischen (Gousset's Moraltheologie, Schriften von Badoire und Prat) und Italienischen (Leben des h. Paul vom Kreuze).

Schäfler, Handlexikon III, 366. — Deutscher Merkur 1876, 433.

Reusch.

Heinrich Reusch: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1887.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Oischinger Johann Nepomuk, Dr. phil., 1817 (Wittmannsberg bei Gotteszell/Ndb.) – 1876, katholischer Theologe und Philosoph; von Schelling und F. von Baader angeregt, unter J. A. von Moehler, H. Klee und J. von Döllinger in München theologisch ausgebildet und seit 1841 Priester, lebte er als Privatmann zurückgezogen und bedürfnislos dem Studium; O. suchte eine neue christliche Philosophie mit Ausscheidung der mittelalterlichen scholastischen Elemente zu begründen; er bekämpfte dabei die Scholastik als »Pseudoidealismus, Pseudorealismus, Pseudosynthetismus« und den antischolastischen Dualismus A. Günthers als Kryptomonismus.

Hauptwerke: Grundriß zu einem neuen System der Philosophie, Philosophie und Religion, Die christliche Trinitätslehre, System der christlichen Philosophie; O. hat sich auch als Übersetzer der Kirchenväter einen Namen gemacht; seine philosophischen Bemühungen wurden von der Kirche abgelehnt.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#6 – 12 – 11 (Berghamer · Schödtl)


Hier ruht
Herr Michael Berghamer
k. Oberlandesgerichtsrath a. D.
geb. am 12. September 1828,
gest. am 13. Februar 1899.
Ihm folgte seine Gattin
Frau Therese Berghamer
gest. zu München am 30. Juli 1911,
im 81. Lebensjahre.
Herr Ludwig Schödtl
k. Forstamtsassessor a. D.
geb. in Traunstein am 7. Dezember 1852,
gest. in München am 14. Dezember 1894.

Sockel
J. Lallinger.


  • Berghamer, Michael; 12.9.1828 (Traunstein) – 13.2.1899 (München); Oberlandesgerichtsrat
  • Berghamer, Therese (vw); – 30.7.1911 (München); Oberlandesgerichtsrats-Witwe
  • Schödtl, Ludwig; 7.12.1852 (Traunstein) – 14.12.1894 (München); Forstamtsassessor

Grab der Familien Berghamer · Schödtl auf dem Alten Südfriedhof München (September 2018)

#Michael Berghamer

* 12.9.1828 (Traunstein)
† 13.2.1899 (München)
Oberlandesgerichtsrat

#Allgemeine Zeitung (16.2.1899)

Bayerische Chronik.

München, 15. Februar.
Beerdigung. Im südlichen Friedhof wurde heute Nachmittag der im Alter von 70 Jahren verstorbene Oberlandesgerichtsrath a. D. Michael Bergkammer zu Grabe getragen. Dem mit Kränzen reichgeschmückten Sarge folgten außer den Verwandten noch Kultusminister Dr. v. Landmann, Staatsrath v. Neumayr, viele Oberlandes- und Landgerichtsräthe, Justizräthe, Rechtsanwälte und sonstige Leidtragende. Bergkammer war geboren am 12. September 1828 zu Traunstein und besuchte nach Absolvirung des Gymnasiums die Universität München, wo er sich dem Studium der Rechtswissenschaft widmete. 1859 erhielt er seine erste Anstellung als Accessist beim Bezirksgericht Traunstein und wurde im Laufe der Zeit 1871 zum Rath am genannten Gericht ernannt. 1886 erfolgte seine Berufung an das Oberlandesgericht München, wo er bis vor wenigen Monaten thätig war. Seine Verdienste wurden durch Verleihung des Michaels-Ordens 4. Klasse ausgezeichnet.

Allgemeine Zeitung Nr. 47. München; Donnerstag, den 16. Februar 1899.

#6 – 12 – 18 (Belzner · Seidl)


Hier ruht in Frieden
unsere liebe gute Mutter
Frau Marie Seidl, geb. Belzner
k. Postassistentens-Witwe
geb. 7. März 1839, gest. 27. Febr. 1905.
Ihr folgte ihr Sohn, unser herzensguter Bruder
Herr Ernst Seidl,
I. Staatsanwalt
geb. 14. Sept. 1864, gest. 9. Febr. 1919.
Ihre Tochter
Frl. Josephine Seidl,
geb. 13. Dez. 1875, gest. 6. Aug. 1952.

Gott erheb‘ auf Hoffnungsschwingen
Uns im Geist zu Euren Höhen,
Bis auch wir das Ziel erringen
Und Euch Teure wieder sehen.

Linke Seite
Ihr gingen voran:
Frau
Henriette Belzner,
geb. 21. Sept. 1807,
gest. 22. Juni 1879.
Frl. Elise Belzner,
geb. 4. Nov. 1830,
gest. 8. Sept. 1882.
Fritzchen Belzner,
geb. 30. Juni 1895,
gest. 20. März 1896.


  • Belzner, Elise; 4.11.1830 – 8.9.1882
  • Belzner, Fritz; 30.6.1895 – 20.3.1896
  • Belzner, Henriette (vh); 21.9.1807 – 22.6.1879
  • Seidl, Ernst; 14.9.1864 – 9.2.1919; Staatsanwalt
  • Seidl, Josefine [in memoriam]; 13.12.1875 – 6.8.1952
  • Seidl, Marie (vw) / Belzner (gb); 7.3.1839 – 27.2.1905; Postassistentens-Witwe

Grab der Familien Belzner · Seidl auf dem Alten Südfriedhof München (September 2018)

#6 – 12 – 20* (Hayn · Müller · Ruckdeschel · Schuster)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Hayn, Ludwig; – (18).7.1890 (München), 61 Jahre alt; Hoftheater-Chorsänger
  • Müller, Florian; – (21).5.1888 (München), 41 Jahre alt; Sandgrubenbesitzer
  • Müller, Maria (vw); – (10).2.1903 (München), 65 Jahre alt; Sandgrubenbesitzers-Witwe
  • Ruckdeschel, Eduard; – (30).11.1903 (München), 52 Jahre alt; Städtischer Rechnungsführer
  • Schuster, Magdalena (vh); – (11).12.1876 (München), 32 Jahre alt; Packträgers-Gattin

Das Grab ist nicht erhalten

#6 – 12 – 27 (Korhammer · Mess)


Herr Friedrich Mess
k. Major z. D.
Inhaber d. Eis. Kr. u. a. Ord.
geb. 26. Febr. 1854. gest. 10. März 1920
Frau Maria Mess
geb. Rainalter Majorswitwe
geb. 12. Nov. 1866. gest. 23. Febr. 1943
deren Enkel
Wolfgang Korhammer
Geb. Jäg. stud. jur.
geb. 6.3.1922 † 17.5.1942
bei Alexandrowka

Sockel
Peterle Mess
geb. u. gest. 12. Okt. 1928

J. Lallinger.

Linke Seite
Theresie Mess
geb. den 24. April 1782,
gest. den 27. April 1848.
Frl. Helene Mess
1859 – 1927.


  • Korhammer, Wolfgang; 6.3.1922 – 17.5.1942 (bei Alexandrowska); Jurastudent und Gebirgsjäger
  • Mess, Friedrich; 26.2.1854 – 10.3.1920; Königlicher Major
  • Mess, Helene; 1859 – 21.8.1927 (München); Privatiere
  • Mess, Maria (vw) / Rainalter (gb); 12.11.1866 – 23.2.1943; Majors-Witwe
  • Mess, Peter; 12.10.1928 – 12.10.1928
  • Mess, Theresie; 24.4.1782 – 27.4.1848

Todesanzeige für Helene Mess

Grab der Familien Korhammer · Mess auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

Grab der Familien Korhammer · Mess auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

Grab der Familien Korhammer · Mess auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

Grab der Familien Korhammer · Mess auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

Grab der Familien Korhammer · Mess auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

#6 – 12 – 29 (Erhard · Ostermaier)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Erhard, Friederike; – (4).11.1894 (München), 4 Monate alt
  • Ostermayer, Joh. Georg; – 24.2.1864 (München), 75 Jahre alt; Maler aus Regensburg
  • Ostermayer, Ludwig; – (26).12.1880 (München), 60 Jahre alt; Privatier

Todesanzeige für Joh. Georg Ostermayer

Grab der Familien Erhard · Ostermaier auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#6 – 12 – 32 (Dietherr · Etzlberger · Hiller)


Hier ruhen in Gott
Herr Leonhard Hiller, Privatier,
gest. den 27. Januar 1871, im 77. Lebensjahre.
Dessen Gattin Anna Hiller, geb. Schmelcher,
gest. den 20. Juni 1854, im 50. Lebensjahre.
Herr Dr. Mathias Dietherr, k. Advokat,
geb. den 31. August 1834, gest. den 12. November 1884.
Dessen Gattin Amalie Dietherr, geb. Hiller,
geb. den 3. Januar 1844, gest. den 8. Dezember 1873.
Herr Franz Paul Hiller, Privatier,
geb. den ¿. November ¿, gest. den 16. Januar 1904.

Rechte Seite
Afra Etzlberger
gest. den 20. Juni 1886, im 78. Lebensjahre.


  • Dietherr, Amalie (vh) / Hiller (gb); 3.1.1844 – 8.12.1873
  • Dietherr, Mathias, Dr.; 31.8.1834 – 12.11.1884; Advokat
  • Etzelberger, Afra; – 20.6.1886 (München), 77 Jahre alt; ca. 35 Jahre Köchin und Dienerin des Geflügelhändlers Franz Hiller
  • Hiller, Anna (vh) / Schmelcher (gb); – 20.6.1854
  • Hiller, Franz Paul; – 16.1.1904
  • Hiller, Leonhard; – 27.1.1871

Todesanzeige für Afra Etzelberger

Grab der Familien Dietherr · Etzlberger · Hiller auf dem Alten Südfriedhof München (September 2018)

#6 – 12 – 33 (Namberger)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Namberger, Emma; – (23).8.1884, 18 Jahre alt; Telegraphenoffiziers-Tochter
  • Namberger, Katharina (vh); – (4).4.1898, 66 Jahre alt; Telegraphenoffiziers-Gattin

Grab der Familie Namberger auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#6 – 12 – 34* (Glutz-Blotzheim)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Glutz-Blotzheim, Robert; 30.1.1786 (Solothurn) – 14.4.1818 (München); Historiker und Schriftsteller

Das Grab ist nicht erhalten


#Robert Glutz-Blotzheim

* 30.1.1786 (Solothurn)
† 14.4.1818 (München)
Historiker und Schriftsteller

#Ergänzungsbände zum Conversationslexicon für das katholische Deutschland (1849)

Glutz-Blotzheim, Robert, schweizerischer Geschichtschreiber, geboren den 30. Januar 1786 in Solothurn, stammte aus einer adeligen Familie, studirte in Landshut und Würzburg die Rechte und widmete sich nach seiner Heimkehr ganz der vaterländischen Geschichtsforschung.

Seit 1812 Mitglied des Stadtrathes und der Erziehungskommission, seit 1814 auch des Großen Rathes, legte er 1816, nach dem Tode seines Vaters, der ihn allein noch in Solothurn zurückgehalten hatte, diese Stellen nieder und begab sich nach Zürich und später nach München, wo er sich zur Uebernahme eines akademischen Amtes vorbereitete, aber schon am 14. April 1818 starb.

Hans Heinrich Füßli, der Freund des großen Geschichtsschreibers Johannes von Müller, bewog G., der Fortsetzer von Müller’s Schweizergeschichte zu werden. Es erschien zwar nur ein Band von G.’s Arbeit (»Geschichte der Eidgenossen vom Tode des Bürgermeisters Waldmann bis zum ewigen Frieden mit Frankreich, Zürich 1816«); aber er beweist, daß G., wenn er auch Müller an Gemüthstiefe, Genialität und unbefangener Forschung nicht erreicht, ihn im strengen Ernst der Wahrheitsliebe und in schöner, phantasiereicher Darstellung übertrifft. Wir nennen von seinen übrigen Schriften noch: »Handbuch für Reisende in der Schweiz« (6. Aufl., Zürich 1830) und »Darstellung des Versuches, die Reformation in Solothurn einzuführen« (Solothurn 1838).

L.

Dr. Wilhelm Binder (Hrsg.): Ergänzungsbände zum Conversationslexicon für das katholische Deutschland. Regensburg, 1849.

#Gallerie berühmter Schweizer der Neuzeit (1871)

Robert Glutz.

In deinem Garten wächst ein Baum, nicht glatt und schlank, sondern knorrig; – nicht von zierlicher Krone, sondern dünn und ungleich beastet. Du glaubst wenig Freude an ihm zu erleben. Da bedecken sich unversehens übernacht seine Zweige mit Blüthen; und es reifet rasch an dem unscheinbaren Baum eine köstliche Frucht. Man traut seinen Augen kaum; und männiglich lobet den jungen Stamm. Aber wiederum unversehens und übernacht kömmt eine Krankheit über ihn. Und bevor er Zeit gefunden noch einmal Blüthen zu treiben und eine zweite Frucht zu tragen, verdorrt er und stirbt ab. Dieses Gleichniß gibt uns in kurzen Worten ein Bild der kurzgemessenen Lebenstage des Geschichtschreibers Robert Glutz-Blotzheim von Solothurn.

Der Familienname Glutz ist im Kanton Solothurn sehr verbreitet, insbesonders in den Dörfern der sogenannten Wasseramtei, dem Bezirk, welcher sich links und rechts am kiesigen Bett der Emme ausbreitet. Der Gründer jenes glutzischen Familienzweiges, welchem Robert angehörte, hieß Konrad, stammte aus Derendingen und ließ sich zu Ende des 15. Jahrhunderts in der Stadt Solothurn nieder. 1504 wurde er von der Schuhmacherzunft, welcher er angehörte, in den Großen-, 1506 in den Kleinen-Rath erwählt. Er war ein eifriger Anhänger der Reformation und führte für die Bekenner der neuen Lehre im Rathe das Wort. In Folge der Vermittelung des Schultheißen Wengi wendete er sich jedoch wieder dem alten Glauben zu.

Im Jahr 1681 kaufte Urs Glutz das herrschaftliche Schloß Blotzheim im Elsaß, sammt Gerichtsbarkeit. Im Herbst desselben Jahres wurde ihm die kostbare Ehre zu Theil, den König Ludwig XIV., der mit zahlreichem Gefolge das Elsaß bereiste, bewirthen zu dürfen, Familientraditionen wissen noch heute von dem splendiden Mittagsmahle zu erzählen, welches auf dem Schloß Blotzheim dem Könige von Frankreich und seinen Höflingen aufgetragen wurde. Selbst der hohe Rath soll von der Sache Notiz genommen und zwei seiner Mitglieder abgeordnet haben, um nachzusehen, ob Urs Glutz nicht allzuverschwenderisch mit seinen Glücksgütern umgehe. Auch sie wurden trefflich bewirthet. Als sie dann nach dem Mahle auf ihren Auftrag zu sprechen kamen und Einsicht in die Haushaltungsrechnungen verlangten, fertigte sie ihr Wirth in der derb humoristischen Weise jener Zeit ab. »Die Einnahmen«, sagte er, »wurden Meinen Gnädigen Herren bei Tafel vorgewiesen; wie's mit den Ausgaben steht, davon mögen sie sich ebenfalls überzeugen.« Und führte seine Gäste aus dem Speisesaal in ein eben so unentbehrliches aber viel kleineres Gemach am andern Ende des Schloßes. König Ludwig belohnte die genossene Gastfreundschaft mit dem Adelstitel. Die Söhne des humoristischen Besitzers von Blotzheim verkauften zwar das väterliche Schloß. Sie und ihre Nachkommen fuhren jedoch nichtsdestoweniger fort, sich »Glutz von Blotzheim« zu schreiben zur Unterscheidung von andern Zweigen dieses Geschlechts. Robert Glutz verwarf dann das »von« als unvereinbar mit seinem republikanischen Stolze und schrieb sich einfach Glutz-Blotzheim, was seit der Revolutionszeit auch von andern seiner Vettern und Verwandten adoptirt wurde.

Roberts Vater brachte seine Jugend in sardinischem Kriegsdienste zu, wurde nach seiner Heimkehr in's Vaterland Mitglied des Großen und des Kleinen Raths, und Gemeinmann, d. h. Stellvertreter und Wortführer der Bürgerschaft. Gegen das Ende der Helvetik wurde er in die Regierung der Einheitsrepublik berufen. Nach der Aussage der Zeitgenossen war er zwar ein eingefleischter Aristokrat, aber nichtsdestoweniger ein Mann von solidem Wissen, redlich und allgemein geachtet. 1786 wurde ihm ein Sohn geboren, der älteste von dreien, der bei der Taufe die Namen Urs-Robert-Joseph-Felix erhielt. Aus diesem jungen Sproßen entwickelte sich im Verlauf der Jahre der schweizerische Geschichtsschreiber und Nachfolger Johannes Müllers.

Solothurn besaß zur Jugendzeit unseres Robert Glutz ein nicht wenig berühmtes und stark besuchtes Kollegium, welches fünf Gymnasial- und zwei Lycealklassen und einen dreijährigen theologischen Kursus umfaßte. Diese Unterrichtsanstalt war ganz nach dem Schnitt der ehemaligen Jesuitenkollegien eingerichtet. Sie war fast ausschließlich darauf berechnet, katholische Priester heranzuzuziehen. Die Patriziersöhne, welche später den Staat zu leiten hatten, machten kaum die untersten Klassen mit und giengen dann nach Frankreich, Spanien oder Piemont zum Regiment. Die Juristen machten ihre Lehre in der Schreibstube eines Notars und die Aerzte beschickte man meist aus der Fremde. Zeit und Fleiß der Alumnen des Kollegiums nahm fast ausschließlich die Erlernung der lateinischen Sprache in Anspruch. Die von gelehrten Jesuiten kastrirten Ausgaben der römischen Klassiker wurden gelesen, lateinische Reden komponirt, lateinische Verse gemacht, lateinische Komödien aufgeführt und Philosophie, Mathematik und Physik von den Professoren in lateinischer Sprache vorgetragen. Da das Lateinische die Hauptsache, alle andern Wissenschaften nur Nebensache waren, so konnte ohne besondern Nachtheil jede Klasse ihren besondern Professor haben, der in allen verkommenden Fächern Unterricht ertheilte; und jeder Professor stieg der Anciennität nach von der untersten Klasse bis zur obersten, im Laufe der Jahre Grammatik, Rhetorik, Philosophie, Physik und Mathematik und alle theologischen Disziplinen dozirend.

In dieser unsern heutigen Begriffen nur wenig entsprechenden Lehranstalt sollte Robert Glutz in die Wissenschaften eingeweiht werden. Er trat in das Kollegium im Jahr 1797 und besuchte dasselbe während 7 Jahren, bis im Herbst 1804. Er saß stets unter den ersten und erhielt die besten Noten; dennoch wären die Keime der Erkenntniß schwerlich in ihm aufgegangen, hätte ihm nicht das Glück einen Lehrer zugeführt, der höchst anregend auf den jugendlichen Geist einwirkte. Es war dieß ein ehemaliger Conventuale von Bellelay, Pater Pacific Migy aus Pruntrut, welcher von 1801 auf 1802 in Solothurn die Professur der Rhetorik und Poesie versah und seinen Schülern, worunter Robert Glutz, nicht ohne Geist den Horaz und Virgil und die Reden Ciceros erklärte. Pater Pacific hatte einige Jahre der Verbannung in Deutschland zugebracht und war dort vom Hauche deutscher Wissenschaft angeweht worden. Die kurze Zeit, während welcher Robert sich des Unterrichts dieses Mannes erfreute, genügte um ihn zu fruchtbarem Selbststudium anzuregen. War es vielleicht der aus Deutschland kommende Pater Pacific, welcher, wenn auch selbst romanischen Stammes, dennoch seinem Schüler den ersten Keim der Vorliebe für deutsches Wesen und deutsche Wissenschaft einpflanzte, die unsern Robert Glutz durch's ganze Leben begleitete und ihn gegenüber den Leistungen anderer Nationen vielleicht sogar ungerecht machte?

Im Herbst 1804 bezog Robert Glutz die Universität Landshut in Bayern, um dort Rechtswissenschaft zu treiben. Ungefähr um dieselbe Zeit traf der Professor der Geschichte, Karl-Wilhelm-Friedrich Breyer, in Landshut ein, um dort seine Vorträge zu beginnen. Der junge Schweizer wurde sein eifrigster Zuhörer. In den Vorlesungen Breyers begeisterte sich Robert Glutz für die historischen Wissenschaften und wurde der Entschluß in ihm reif, das Studium und die Darstellung der Geschichte seines Vaterlandes zu seiner Lebensaufgabe zu machen. Breyer, ein naher Verwandter des Philosophen Schilling, brachte einen bereits bekannten Namen nach Landshut. Sein Vortrag war logisch und klar, sein Mund beredt. Wenn er auf ein wichtiges Ereigniß der Geschichte, einen großen Tag im Leben der Völker zu sprechen kam, schien ein heiliges Feuer sein ganzes Wesen zu durchdringen, seine klangvolle Stimme tönte lauter und mit angehaltenem Athem lauschten ihm seine 200 jungen Zuhörer. Vor Allem waren es die Thaten der alten Eidgenossen, die Entstehung des Schweizerbundes, die Schlachten von Morgarten, Sempach und St. Jakob, welche den Lehrer und seine Schüler begeisterten. Wir dürfen uns nicht wundern, daß da in der Brust des Schweizerstudenten ein heiliges Feuer sich entzündete, das um so intensiver zu glühen fortfuhr, als eine kalte spröde Hülle es umschloß.

Breyer war ein großer Bewunderer Johannes Müllers. Er theilte diese Vorliebe für den Geschichtsforscher von Schaffhausen seinen fleißigsten Schülern mit. Als im Sommer 1805 Johannes Müller den eben erschienenen vierten Band seiner Schweizergeschichte dem Landshuter Professor zuschickte, schrieb dieser an Müller: »Die Vorrede zu diesem 4. Band hat einen wackern jungen Menschen, ihren Landsmann, Glutz aus Solothurn, tief ergriffen. Sie sind seine Liebe und sein Stolz; er besitzt, liest, verschlingt alle Ihre Werke. Von Ihnen zu sprechen ist für mich und ihn ein inniges Vergnügen ....«

Eine Ferienreise führte unsern Robert Glutz nach Wien. Von da gieng's nach Würzburg, wo während des Wintersemesters 1805/6 wiederum den Geschichtsstudien obgelegen wurde. Von dort wanderte er wieder nach Landshut zurück, welches einen so entscheidenden Einfluß auf seine Geistesrichtung ausgeübt hatte. Im Herbst 1806 endlich schloß er seine akademische Laufbahn und kehrte unter das väterliche Dach zurück. Nach dem Wunsche seines Vaters hätte er nun noch den letzten Schliff der Bildung in Paris holen sollen. Aber der junge Mann mit seinem ausgesprochenen Widerwillen gegen französisches Wesen war nicht dazu zu bewegen. Hätte er dem Rathe des Vaters gehorcht, so würde er wahrscheinlich die gesellige Unbehülflichkeit, das Schroffe und Eckige, das durch sein ganzes Leben an ihm haften blieb, von sich abgestreift haben.

Robert Glutz war schon in Landshut als Schriftsteller aufgetreten. Mit einigen Freunden hatte er dort einen Sonderabdruck der Müllerschen Vorrede zum erwähnten 4. Band seiner Schweizergeschichte veranstaltet. Das Vorwort zu diesem Sonderabdruck ist aus seiner Feder.

Zu Hause angelangt blieb er nicht lange unthätig. Die Bekanntschaft mit dem bernischen Schultheißen und Geschichtsforscher von Mülinen brachte ihn auf den Gedanken der Gründung einer schweizerischen geschichtsforschenden Gesellschaft, welche noch jetzt fortblüht. In seiner Vaterstadt stiftete er die sogenannte »literarische Gesellschaft«, einen Sammelpunkt der Gebildeten und Strebenden, welche nach 60jährigem Bestehen einen kräftigen Schößling, die Museumsgesellschaft, getrieben hat. Er nahm sich der öffentlichen Bibliothek seiner Vaterstadt an und begann einiges System in den ungeordneten Bücherhaufen zu bringen. Er gieng mit dem Gedanken um, einen »schweizerischen Plutarch«, eine Sammlung von Biographien ausgezeichneter Schweizer anzulegen und wollte mit dem Leben des Felix Hämmerlin beginnen. Ebenso beschäftigte ihn der Vorsatz, eine Geschichte des Kantons Solothurn zu schreiben. Im Jahr 1809 übernahm Robert Glutz die Redaktion des »solothurnischen Wochenblattes«, welches später einen europäischen Ruf erhielt und in keiner historischen Bibliothek, welche auf einige Vollständigkeit Anspruch macht, fehlen darf. In diesem damals sehr bescheidenen Organ der Oeffentlichkeit, dessen Spalten großentheils mit Anzeigen der gewöhnlichsten Art und Publikationen der Ortsbehörden angefüllt waren, legte er die Erstlinge seiner ernsten historischen Muse nieder: Biographien, kurze Erzählungen geschichtlicher Begebenheiten und historische Anekdoten. Die ängstliche Censur, die damals in den Kantonen der Schweiz aus Furcht vor dem allmächtigen Mediator ausgeübt wurde, ließ ihn bald dieser publizistischen Beschäftigung überdrüssig werden. Er überließ schon nach der 30. Nummer das Wochenblättchen seinem Schicksal, um ihm dann zwei Jahre später neuerdings seine Aufmerksamkeit zu schenken und in Verbindung mit dem Rathsherrn Lüthy und Dr. Scherer dasselbe zur Rettungs- und Bewahranstalt einer großen Zahl darin abgedruckter historischer Urkunden zu machen.

Als guter Republikaner sträubte sich Robert Glutz nicht, einen Theil seiner Zeit den öffentlichen Angelegenheiten zu widmen; er wurde Mitglied des großen Stadtraths seiner Vaterstadt und der Schulkommission. Die Ereignisse von 1813 und 1814 zogen auch ihn in den Strudel der politischen Ereignisse.

Er war mit einem Vetter, Karl Glutz, eng befreundet, jenem Glutz, dessen Körperbeschaffenheit ihm später den Beinamen des »dicken« zuzog. Dieser Karl Glutz stand in lebhaftem Verkehr mit der großen und der diplomatischen Welt; insbesondere hatte er intime Beziehungen zum badischen Hof. Diese Verbindungen sicherten ihm einen gewissen Einfluß zu einer Zeit, wo die Künste der Diplomatie eine größere Rolle spielten als heutzutag. Zudem war Karl Glutz ein Mann von Geist und ungewöhnlicher Bildung und in hervorragendem Maße mit den Waffen des Witzes begabt.

Als nach der Schlacht bei Leipzig die Macht des corsischen Despoten in ein bedenkliches Schwanken gerieth, kehrte Karl Glutz von seinem Herrschaftssitze Wachenhofen, wo er auf einem großen Fuße lebte, nach seiner Vaterstadt zurück, mit der geheimen Absicht, die von Napoleon oktroirte Mediationsverfassung und die daraus hervorgegangene Regierung zu stürzen. Es gelang ihm, Roberts Vater und Robert selbst für seine Absichten zu gewinnen; es steht fest, daß letzterer lebhaften Antheil an der Verschwörung nahm, aus welcher der reaktionäre Staatsstreich vom 8. Januar 1814 hervorgieng. Wir dürfen jedoch nicht glauben, daß es die Wiederherstellung der alten Mißbräuche war, was Robert Glutz dabei bezweckte; berücksichtigen wir den Franzosenhaß desselben, den Druck, welchen der napoleonische Despotismus auch auf ihn ausgeübt hatte, und die Begeisterung, mit welcher die deutsche Erhebung den alten Landshuter- und Würzburgerstudenten erfüllen mußte, so finden wir dessen Betheiligung an jener Staatsaktion, welche das Werk der napoleonischen Vermittlung stürzte, motivirt genug. Nicht die Wiederherstellung des alten aristokratischen Zopfes war es, was er fördern wollte, sondern die Herrschaft einer Aristokratie der Bildung, welche sich aus allen Kreisen rekrutiren sollte, wo das Licht der Humanität und Aufklärung leuchtete; sei es nun aus den patrizischen, bürgerlichen oder bäuerlichen Gesellschaftsschichten.

In der Nacht vom 7. auf den 8. Januar wurde der Staatsstreich vollzogen unter der Mithülfe der Mitglieder des alten Patriziats und der Mehrzahl der städtischen Bürgerschaft. Bei der Neukonstituirung der Behörde wählte die Schneiderzunft unsern Robert in den Großen Rath. Sein Vater wurde Mitglied des Kleinen-Raths und Karl Glutz Staatsschreiber. Robert wurde nebst zwei andern Mitgliedern des Großen-Raths nach Basel in's Hauptquartier der alliirten Mächte abgeordnet, um den veranstalteten Umschwung anzuzeigen und zu rechtfertigen.

Nicht lange gieng's, so drang sich unserm Robert nicht minder als seinem Vetter Karl die Wahrnehmung auf, daß von Seiten derjenigen, die mit ihrer Hülfe wiederum an's Ruder gekommen waren, ganz andere Tendenzen verfolgt wurden, als jene, wozu sie sich selber bekennen durften. »Alte Vorurtheile stiegen auf, wie Leichen aus dem Grabe, unter den Lebenden Platz zu nehmen (Vorrede zur »Geschichte der Eidgenossen« Seite VII.).« Karl Glutz schied aus dem Rathssaal mit dem bekannten derben Sarkasmus über die Regierungskunst seiner HH. Kollegen. Auch Robert sagte sich los, als er sah, daß sich Niemand um die Lehren der Vergangenheit kümmere und daß die Vorzüge der Gegenwart, durch welche die öffentliche Sache hätte verbessert werden können, mißachtet wurden.

Auf den reaktionären Putsch vom 6. Januar folgte der liberale Putsch vom 2. Juni. Obgleich nicht eingeweiht, weil die Leiter desselben dem Begünstiger des aristokratischen Staatsstreiches mißtrauten, freute er sich dennoch desselben. Er scheute sich nicht, seine Beistimmung öffentlich auszudrücken und begab sich nach dem Rathhaus, um seinen Freunden vom leitenden Komite gute Räthe zu ertheilen. Aber schon am folgenden Tag ward diese liberale Erhebung durch Mithülfe bernischer Bajonette unterdrückt und die Anhänger des Alten hatten wiederum die Oberhand. Der reaktionäre Eifer gieng so weit, unsern Robert verhaften zu lassen. Da jedoch keine gesetzlichen Gründe dazu vorhanden waren, so wurde er wieder freigelassen, sobald das erste Strohfeuer der Parteileidenschaft heruntergebrannt war. Diese unfruchtbaren politischen Wirren in der kleinen Republik, der Mangel an Verständniß höherer politischer Gesichtspunkte und Zwecke bei den meisten seiner Mitbürger; und ganz besonders der Hohn und Spott, der sich bei Vielen breit machte, als bekannt wurde, Robert Glutz gehe mit dem anmaßlichen Vorsatz um, ein Fortsetzer des berühmten Geschichtschreibers Johannes Müller zu werden, verbitterten ihm den Aufenthalt in seiner Vaterstadt. Nachdem er seine häuslichen Geschäfte geordnet, schüttelte er den Staub von seinen Schuhen und siedelte sich zu Anfang des Jahres 1815 in Zürich an.

In der Gelehrten-Athmosphäre des schweizerischen Athen fand Robert Glutz sein wahres Lebenselement. Bibliotheken und Archive boten ihm reichhaltiges Material für seine historischen Studien und Forschungen. Anregend wirkte auf ihn der Umgang mit bedeutenden Männern, mit Paul Usteri, J. J. Hottinger, Schinz, J. H. Füßli und andern. Der letztere war es gewesen, welcher unserm Robert den ersten Anstoß oder doch die erste Aufmunterung gegeben hatte, sich an die Fortsetzung der Müllerschen Schweizergeschichte zu wagen. Es geschah dieß während einem zufälligen Besuche Roberts in Zürich im Jahr 1809. Im Jahr 1811 machte er sich an das gewagte Werk. 1812 las er einzelne Bruchstücke einem Freunde vor, dessen wohlmeinende aber strenge Kritik ihn veranlaßte, das bisher Niedergeschriebene einer vollständigen Umarbeitung zu unterwerfen. Während seines Aufenthaltes in Zürich war es, wo er den inhaltreichen Band seiner »Geschichte der Eidgenossen vom Tode des Bürgermeisters Waldmann bis zum ewigen Frieden mit Frankreich« vollendete und der Oeffentlichkeit übergab. Der eben angeführten Aufschrift, welche das Werk als eine selbstständige Arbeit erscheinen ließ, hatte der Verfasser den zweiten Titel beigefügt: »Johann von Müllers Geschichten schweiz. Eidgenossenschaft fünften Theils, zweite Abtheilung, von Robert Glutz-Blotzheim.« Diesen zweiten Titel seinem Werke vorzusetzen, konnte Robert nur durch die dringendsten Vorstellungen der Verleger (Orell, Füßli und Comp. in Zürich) bewogen werden.

Das Ganze zerfällt in fünf Bücher.

Das erste Buch enthält eine Schilderung der schweizerischen Zustände unmittelbar vor dem Ausbruch des Schwabenkrieges.

Das zweite Buch schildert den Schwabenkrieg, dessen wichtige Folge die faktische Lostrennung der Eidgenossenschaft vom deutschen Reiche war. Jahr für Jahr wird am Tage, wo die solothurnischen Kantonsschüler den Sieg der Schweizer bei Dorneck feiern, unseres Robert Glutz ausgezeichnetes Schlachtgemälde von einem der Jünglinge der lauschenden Volksmenge vorgelesen.

Das dritte Buch entrollt das unerquickliche und beschämende Bild des Parteienkampfes, nicht etwa des Widerstreites sich entgegenstehender Prinzipien, sondern des Zanks der Eidgenossen, ob es vortheilhafter sei für den Papst, für den Kaiser oder für den König von Frankreich die Haut auf die italienischen Schlachtfelder zu Markt zu tragen.

Im vierten Buche werden jene unseligen italienischen Kriegszüge geschildert, wo die Schweizer zwar nicht minder tapfer als in alten Zeiten, aber nicht mehr für die Freiheit und Unabhängigkeit des Vaterlandes, sondern um den Sold des Meistbietenden kämpften. Zu den farbenreichsten historischen Gemälden gehört die Schilderung der Riesenschlacht von Marignano, welche in diesem Buche enthalten ist.

Das fünfte Buch dürfte das interessanteste des ganzen Werkes genannt werden; es handelt: »Von den Staatsverfassungen, dem Bundesvereine, der Gottesverehrung, der Kriegart, den Kenntnissen und der Lebenweise der alten Eidgenossen.«

Hottinger zieht folgende Parallele zwischen den beiden schweizer Geschichtschreibern Johannes Müller und Robert Glutz:

»Müller dachte: ich will groß werden und durch mich mein Vaterland groß und geehrt sehen; glücklich, dabei der Wahrheit getreu bleiben zu dürfen. Glutz hätte gesagt : ich will wahr sein und sollt' ich dadurch allen meinen Freunden nahe treten und alle meine Feinde loben müssen. Müller fand im weiten Zeitraum, dessen Geschichtschreibung ihm anheim fiel, einen überreichen Stoff die Eidgenossen unter einem günstigen Lichte zu zeigen, er schilderte die glänzendsten und erhabensten Perioden der Schweizergeschichte, jene Zeiten, wo unsere Ahnen sich in Wirklichkeit groß, heldenmüthig und edel erwiesen; einzig der Ausgang des Burgunderkrieges wirft den Schatten beginnender Entsittlichung auf dieß Gemälde, indeß schweizerische Tapferkeit sich noch in ihrem vollen Glanze zeigt. Glutz dagegen erzählt einen kurzen aber bedauernswerthen Zeitraum unserer Geschichte: die Großherzigkeit unserer Ahnen hatte einer niedrigen Händelsucht Platz gemacht. Die italienischen Feldzüge, Bestechung und Bestechlichkeit nach allen Seiten schamlos ausgeübt und entgegengenommen, die Gewohnheit des Reislaufens hatte sowohl die Mannszucht als die Ehre zu Grunde gerichtet und die Schweizer zu Söldlingen der Fürsten herabgewürdigt; der Skandal der Pensionen stand auf seinem Gipfelpunkt; selbst die Priester ließen sich vom Strome fortreißen und einzig die Rückwirkung der Reformation vermochte die katholische Geistlichkeit zu Zucht und guten Sitten zurückzuführen. Um wahr zu bleiben durfte Glutz kaum andere Thatsachen erzählen als solche, die Tadel verdienten; dennoch liebte er es, löbliche Sachen zu loben, wie es die Schilderung der Schlacht von Marignano beweist, wo er die schweizerische Tapferkeit verherrlicht, die sich mit Ruhm bedeckte – leider nicht im Dienste des Vaterlandes. Glücklicherweise fiel auch der Schwabenkrieg ihm zu, wo mehr als ein Lichtpunkt sich zeigt. Die Schreibart seines Werkes ist gleichmäßig, gedrängt, von logischer Einfachheit, schmucklos, nicht ohne Anmuth, aber weit entfernt von Müllers warmem Colorit. Der letztere reißt mehr hin, aber er hatte hinreißendere Ereignisse zu erzählen. Beide schöpfen an den Quellen, aber Glutz zeigt die nackte Wahrheit, während Müller die Fehler der Eidgenossen vielleicht zu sehr verhüllt und sich allzubesorgt für ihren Ruf zeigt. Die Geschichte soll wahr und unparteiisch sein; Glutz scheint keinem andern Gesetze gehorcht zu haben...«

So urtheilt über die zwei großen schweizerischen Geschichtschreiber J. J. Hottinger, der Fortsetzer beider.

Außer dem besprochenen Hauptwerk hat unser Robert Glutz noch folgende Schriften veröffentlicht:

Topographisch-statistische Beschreibung des Kantons Solothurn (im Helvetischen Almanach von 1813). Diese Arbeit machte in Solothurn wegen der Freimüthigkeit der darin enthaltenen Urtheile großes Aufsehen.

Darstellung des Versuchs die Reformation in Solothurn einzuführen (im Schweizerischen Museum 18l6).

Handbuch für Reisende in der Schweiz, nebst einem Anhang von den Merkwürdigkeiten der im Handbuch verkommenden Ortschaften; ein Vorläufer der Reisebücher Bädeckers, Berlepschs, Tschudis u. s. w.

Nachrichten von den öffentlichen Lehranstalten in Solothurn und Vorschläge zur Verbesserung der selben. 1818. Dieses Schriftchen, welches eine scharfe Kritik über das kryptojesuitische Solothurner-Kollegium enthält, war der Schwanengesang des Verfassers.

Die Glücksumstände unseres Robert Glutz waren keineswegs sehr glänzend. Sein Erbgut genügte zwar seinen Bedürfnissen als Junggeselle; aber ein großer Theil desselben steckte in einem industriellen Unternehmen, dessen Kredit schon zu Lebzeiten Roberts zu schwanken begann und das auch bald darauf Bankerott machte, das Vermögen mancher solothurnischen Familie in seinem Sturze zertrümmernd.

Robert sah die Tage kommen, wo er genöthigt sein würde, durch seine Arbeit für sein täglich Brod zu sorgen. Da es ihm widerwärtig erschien, um ein Amt in seiner Vaterstadt sich zu bewerben, wandte er seine Blicke nach Deutschland. Ein Lehrstuhl an der Universität Breslau in Preußen wurde ihm in Aussicht gestellt. Er verließ die Schweiz, um bei seinem Freund und Lehrer Breyer, der von Landshut nach München übergesiedelt war, gute Räthe und erfahrene Anleitungen vor dem Betreten seiner neuen Laufbahn entgegenzunehmen. Am 30. Januar 1818, an seinem 32. Geburtstage langte er in München an und wurde von Breyer als willkommener Gast aufgenommen. Aber bald erkrankte dieser bewährte Freund. Robert Glutz wldmete sich seiner Pflege; bald wurde auch er von dem in München herrschenden Schleimfieber befallen. Am 14. April 1818 traf ihn ein Gehirnschlag. Der letzte Hauch aus den sterbenden Lippen war das Wort: Vaterland!

Zehn Jahre später, 1828, errichteten die schweizerischen Studenten in München dem Landsmann ein Grabmal: eine von einem Granitwürfel getragene dreikantige Pyramide.

Monnard entwirft folgendes Bild vom Manne, der auf dem Münchener Friedhof begraben liegt: Sein vorherrschender Charakterzug, mochte es Sachen, Menschen oder ihn selbst betreffen, war Wahrheitsliebe. Er suchte die Wahrheit mit Eifer, er durfte sie aussprechen und sie hören; er war ein geschworner Feind jedes Schmuckes und jeder Künstelei, die sie vermäntelte. Als Mensch und Geschichtschreiber lobte er nur, was ihm löblich, tadelte er, was ihm tadelnswerth schien..... Sein Wahrspruch hieß: lieber sein, als scheinen. Er verfiel sogar in jenes andere Extrem, weniger scheinen zu wollen, als er war. Auch war er nicht liebenswürdig im Sinne, welcher der große Haufe diesem Worte beilegt; aber um so würdiger der Liebe derer, die ihn kannten oder erriethen..... Diese Eigenthümlichkeit und der Mangel an gesellschaftlichem Schliff machten ihn oft herb und schneidend in seinem Urtheile. Die Worte »elend«, »gemein« kamen oft über seine Lippen. Daher die zurückstoßende Kälte, die von solchen empfunden wurde, die zum erstenmal mit ihm zusammentrafen. Robert Glutz war weder ein Genie, noch was man einen Mann von Geist nennt; aber er besaß eine ungewohnte Intelligenz, unterstützt durch seltenen Fleiß, Ausdauer und Muth. Er war nicht besonders für das öffentliche Lehrfach geeignet. Er war nicht beredt; es fehlte ihm die geistige Lebhaftigkeit, welche die Zuhörerschaft hinreißt; seine Aussprache war fehlerhaft und undeutlich, was seine Rede denen, die ihn zum erstenmal hörten, unverständlich machte. Dagegen hätten seine Kenntnisse, seine Liebe zur Ordnung und Pünktlichkeit, seine Integrität und sein Abscheu vor allem, was der Lüge gleich sieht, ihn zu einem ausgezeichneten republikanischen Staatsmann qualifizirt. Der Baum verdorrte, bevor ihm vergönnt war, die Fülle seiner Früchte zu spenden.

Alfred Hartmann: Gallerie berühmter Schweizer der Neuzeit. Baden im Aargau, 1871.

#6 – 12 – 56* (Neumayer)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Neumayer, Eugenie (vh) / Sage, le (gb); 13.8.1824 (München) – 14.11.1844 (München), Opfer eines Raubmords

Todesanzeige für Eugenie Neumayer

Das Grab ist nicht erhalten


#Eugenie Neumayer (vh) / le Sage (gb)

* 13.8.1824 (München)
† 14.11.1844 (München), Opfer eines Raubmords
Artillerie-Hauptmanns-Gattin

#Grabrede bei der Beerdigung der Frau Eugenie Neumayer (19.11.1845)

Grabrede
bei der
am 19. November d. Js. stattgefundenen
Beerdigung
der
Frau
Eugenie Neumayer,
geb. Le Sage,
k. Artillerie-Hauptmanns-Gattin
zu München.

Gehalten
von
Pfarrer Edelmann.

Auf Verlangen in Druck gegeben.
Zweite Auflage.
München.
Georg Franz.
1844.

Unser Anfang geschehe im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen!

»Weinet nicht über mich, sondern weinet über euch selbst und über euere Kinder.« So hat (Evang. Luc. 23, 28) der Herr Jesus auf seinem letzten, schweren Gange nach Golgatha zu den Weibern Jerusalems gesprochen. Erschöpft von den namenlosen Qualen und Martern, die er erduldet, waren unter der Last des Kreuzes seine Kniee gebrochen, wie ein zerstossenes Rohr war er zusammengesunken, lag da auf dem Boden, ein Bild des Jammers und Erbarmens. Dieser Anblick bricht den Weibern im Volke das Herz, sie klagen laut und beweinen ihn. Da wendet Jesus sich zu ihnen um und spricht: Ihr Töchter von Jerusalem! weinet nicht über mich, sondern weinet über euch selbst und über euere Kinder. Ich, will er sagen, bin nicht zu beweinen; denn, so schrecklich mein Loos, ich bin bald am Ziele meiner Leiden, habe bald überstanden und Ruhe gefunden; euch selber beweinet, daß ihr so Gräßliches mit ansehen, des Trostes, des Heiles, das ihr in mir gefunden hättet, verlustig gehen, beraubt werden müsset. Und euere Kinder beweinet, euer Geschlecht, das eine solche Unthat begehen, seinen Retter und Wohlthäter so mißhandeln und mit Füssen von sich stoßen, einen Unschudigen so mit kaltem Blut morden, mit grausamer Hand an das Kreuz schlagen und einen ewigen Fluch auf sein Haupt laden kann.

Meine Freunde in Christo! ihr erklärt es euch wohl selbst, warum ich mit diesen Worten in eure Mitte hier trete. Wenn wir die Leiche betrachten, die so eben in das Grab gesenkt worden, ist es nicht, als riefe auch sie uns zu: Ihr Töchter Jerusalems, weinet nicht über mich, sondern weinet über euch selbst und über euere Kinder? Eine That, schwarz wie die Nacht, aus dem Sündenpfuhl der Hölle geboren, eine Gräuelthat, wie sie – Dank sei es Gott! – seit Menschengedenken kaum unter uns vorgekommen, ist in diesen Tagen in unserer Mitte geschehen, hat das Lebensglück mehr als Einer Familie zerstört, hat unsere ganze Stadt mit Schauder und Entsetzen erfüllt, und selbst in unseren Häusern, in deren vier Wänden doch Jeder sich sicher glaubte, Furcht und Zittern verbreitet. Durch Mörderhand, kaum wagt der Mund es zu nennen, das gräßliche Verbrechen! durch Mörderhand sind zwei Menschenleben wie mit Einem Schlage vernichtet worden. Ein stilles, kaum noch gegründetes Haus, eine Wohnung des schönsten Friedens, des reinsten ehelichen Glückes, ja der ersten Liebe noch, ist in eine Schreckensstätte, in ein wahres Blutgericht umgewandelt, erst die Hausfrau, dann ihre Dienstmagd, und beide von nicht ganz fremder Hand, in furchtbarer Weise ermordet worden.

Eines der beiden Opfer, und ich darf es wohl sagen, ohne Mißdeutung zu befürchten, das beklagenswertheste von beiden, die unglückliche Gattin liegt hier vor uns. Wen es auch betreffen möchte, Menschenleben ist Menschenleben und jegliches zu Gottes Bilde geschaffen und vor ihm gleich werth, ohne Ansehen des Standes und der Person, wen es betreffen möchte, solch eine Unthat erregt Schauder und Grauen, und ihre Opfer müssen wir beweinen; aber müssen wir's nicht doppelt beweinen, da es eine so edle Gattin getroffen, die das Lebensglück, die Wonne, die reinste Liebe, ihres Gatten, eine Tochter, die der Stolz, der Trost und die Freude ihrer Geschwister und Eltern, vor allem aber ihres grauen Vaters gewesen war?

Die Abgeschiedene, die wir beweinen, war Frau Eugenie Neumayer, geb. Le Sage, k. Artilleriehauptmanns-Gattin von hier. Sie war am 13. August 1824 dahier geboren und war die Tochter des Herrn Peter Joseph Le Sage, herzoglich leuchtenberg'schen Kabinetssekretärs, und seiner verstorbenen ersten Gattin, Frau Elisabetha, gebornen Alexander, dahier.

Wie die Erziehung und höhere Ausbildung der Jugend, insonderheit der weiblichen, seit lange ein Lieblingsgeschäft ihres würdigen Vaters ist, so war dieß natürlich bei der eigenen Tochter die schönste Aufgabe seines Lebens, die Krone seines Berufes. Sein Fleiß, seine Liebe, mit der er dieser süßen Pflicht sich hingab, fand den empfänglichsten Boden, den reichsten Lohn in dem Herzen der Tochter, die, von trefflichen Anlagen unterstützt, voll gleicher Liebe und Lust für alles Schöne und Edle eine gelehrige Schülerin zu des Vaters Füssen saß. Mit einem Schatze reicher Kenntnisse, wie er für ihr Geschlecht aller Achtung werth war, mit einer edlen, feinen Bildung des Geistes und Herzens ausgestattet, dabei von Natur begabt mit einem liebenswürdigen Gemüth, mit einem weiblich sanften, still heitern Wesen, und das alles geläutert und geheiligt durch frommen Sinn und einen guten Grund, den sie im christlichen Glauben und der Erkenntniß des Heils gelegt hatte; so trat die hoffnungsvolle Tochter in das Leben herüber. Ihre Vorzüge fanden bald die Aufmerksamkeit und die Anerkennung, und gewannen ihr endlich die innige Zuneigung und Liebe eines allgemein geachteten Mannes, der ihrem Hause nahe stund, sie dadurch genau zu kennen Gelegenheit hatte, und solche Gaben zu schätzen wußte. Es war dieß der k. Artillerie-Hauptmann, Herr Nepomuk Neumayer. Sie verlobte sich mit ihm, und der 8. Mai d. J. war der Tag, wo das Band dieser glücklichen Ehe eingesegnet wurde. Sie that mit hohem Ernst diesen Schritt, aber darum auch mit reichem Segen. Ein Bild des reinsten Glückes und Friedens war ihr Haus, in dem beide Gatten wie Kinder zusammen lebten, und so bald, ach! sobald, nach acht Monaten kaum, mußte es ein Bild des Jammers und des Schreckens werden!

Am vergangenen Donnerstag (den 14. d. M.) Morgens begiebt sich der Gatte zur gewöhnlichen Stunde an den Ort seines Berufes; die Magd ist nach dem Markte gegangen, und außer der Gattin ist nur der Bediente im Hause zurück, der gekommen war zum täglichen Geschäft. Wie der Gatte Mittags heimkehrt, ist die Thüre verschlossen; während sonst die Gattin regelmäßig ihn mit Freuden empfängt, öffnet dießmal Niemand; er sucht die Gattin in ihrem älterlichen Hause, vergebens; man läßt die Thüre öffnen, der Gatte tritt ein in Begleitung der Mutter, und welch Entsetzen! er findet erst die Magd, dann seine theure Eugenie im Blute liegend. Laßt mich, was Gräßliches an der Scene gewesen, und alles, was noch nicht ganz offenbar ist, die Zeit erst enthüllen wird, laßt mich das mit Schweigen bedecken! Aber ohne Zweifel schon früh nach dem Weggang des Gatten, als die Arme nach frommer Sitte vor Anfang ihrer Arbeit der Andacht pflegte, denn ihre Bibel lag in ihrer Nähe aufgeblättert auf dem Boden, da, da schon hatte die verruchte Hand sie ergriffen und grausam ermordet.

O schwarze That! O dunkles, jammervolles Verhängniß! Die jugendliche Gattin, kaum 20 Jahre alt, das zarte weibliche Wesen, das schwache Geschöpf fällt unter gräßlicher, unbarmherziger Mörderhand, und nach ihr ein zweites Opfer, damit die erste That keinen Zeugen sollte haben; und der Preis für solche Thaten, der Beweggrund dazu? kaum sollte man's glauben, um eine Handvoll Geldes, die er raubt, verkauft solch ein Mensch seine Seele den finstern Mächten der Hölle!

Wer, möchten wir fragen, wer ist da zu beweinen? Die Vollendete, die das Opfer geworden? Wohl hätte sie noch glücklich leben, in hohem Grade beglücken können; es thut uns wehe, ein so junges Leben, ein so edles Herz so frühe schon erkalten zu sehen; und was am tiefsten schmerzt, das ist ihr schauderhaftes Ende, das sie genommen. Wie mag ihre Seele gezittert und gebebt, ihre schwachen Hände gerungen haben, als der Mörder sie ergriff mit dem blanken Stahl! Aerger, wenn's auch nur ein Moment war, ärger ist solch ein Moment, als jahrelange Leiden auf gewöhnlichem Sterbebette. Doch vielleicht war vor Angst und Schrecken die Besinnung bald von ihr gewichen, daß sie nicht gewußt, wie ihr geschehen. Jedenfalls hat sie es bald überstanden; sie hatte, in ihrem letzten Gebete begriffen, ihre Seele zu Gott gewendet, und so gleichsam unbewußt auf den Tod sich bereitet; sie war auch, das sind wir gewiß, sie war bei ihrem stillen, frommen, gottesfürchtigen Sinn, bei ihrer warmen Liebe für ihren Heiland und Erlöser täglich gefaßt, seinem Rufe zu folgen. Darum wissen wir sie wohl aufgehoben, aller Angst und Noth dieses Lebens entrückt, die, wer weiß wie schwer? noch über sie hätte kommen können; sie ist weggenommen aus diesem bösen Leben, sie freut sich dort im Anschauen Gottes, ihres Heilandes, in der Gemeinschaft, im Wiedersehen theuerer Seelen, die ihr vorangegangen. Wenn sie reden könnte, sie würde es sagen zu uns, wir vernehmen im Geiste von oben ihre Stimme: weinet nicht über mich!

Weinet über euch selbst! so möchten wir eher mit dem Heiland zu uns selber sagen; denn beweinenswerther, als die Abgeschiedene, beweinenswerther sind wir und die trauernden Hinterbliebenen, die er getroffen, dieser Verlust. Für den Gatten wie schwer, einige Monate lang eine so liebe Seele als Gattin zu besitzen, das Glück zu kosten, und dann es mit Einem Schlage, wie durch einen Blitzstrahl aus heiterem Himmel, vernichtet sehen auf sein Lebenlang! Für den grauen Vater wie schwer, eine Tochter so mit Lust und Freude heranbilden, ihre Erziehung zum schönen Ziele geführt haben, sie glücklich versorgt wissen, und dann die ganze Aussaat, die ganze Hoffnung seines Lebens, wie vom Gewittersturme, in einem Augenblicke zerstört sehen! Und das alles in so schmerzlicher Weise! »Wär' es von Gott, durch einen natürlichen Tod geschehen, wir wollten's ertragen, verschmerzen, aber auf so elende, jammervolle Art!« so klagen die Hinterbliebenen mit Recht, und wir fühlen mit ihnen das ganze Gewicht ihrer Klage. Aber was sie beweinen, ist's denn vernichtet, verloren für immer? Das Band der Liebe, das hienieden schon so innig an die Theure sie geknüpft, reicht's nicht hinüber über Tod und Grab, und wird, je mehr sie nach ihr sich sehnen, im Geiste um so fester und reiner sich knüpfen? Die Aussaat, die hienieden schon zu so schöner Blüthe sich entfaltete, wird sie nicht dort reifen zu um so reicheren, sicherern Früchten? Wenn wir Edles verlieren, ist's nicht gerade ein Trost, daß es so Edles gewesen? Und was die Art und Weise betrifft, allerdings könnet ihr Trauernden für jetzt nichts anderes thun, als euer Angesicht verhüllen und euch beugen unter die Schwere des Geschicks; aber ist's geschehen ohne Gott? Darf ein Sperling vom Dache und ein Haar von unserm Haupte fallen, ohne den Willen des Vaters im Himmel? Ist auch ein Unglück in der Stadt, das der Herr nicht thue? Was ich thue, spricht er freilich, weißt du jetzt nicht, du wirst es aber hernach erfahren. Beweinet euch immerhin, ihr seid beweinenswerth, aber die Beweinenswerthesten noch nicht.

Am Beweinenswerthesten, der Unglücklichste von allen ist der Mensch, der solch eine That hat begehen können, und in ihm die Menschheit, die so was hat sehen und erfahren, in ihm so tief hat sinken müssen. Weinet, sagt der Heiland zu Jerusalems Müttern, weinet über euch selbst und über eure Kinder, euer Geschlecht! Gott behüte uns und unsere Häuser! Doch an die Stelle des armen Gatten, des unglücklichen Vaters, ja der Ermordeten selbst, wenn es sein müßte, könnten wir treten; aber an des Mörders Stelle, – ja ihr zittert vor dem Gedanken und Gott bewahre uns Alle! – an die Stelle des Mörders könnte da Einer von euch treten?

Ist der ein Mensch, der solch eine Unthat begehen kann? Nein! der edle Name gebühret ihm nicht! Das Thier nicht einmal, das grimmigste selbst, das im Blute sich badet, der reissende Tiger, die Hyäne der Nacht, sie vergreifen sich nicht am eigenen Geschlecht, sie haben eine Scheu vor ihrem eigenen Blute. Und ein Mensch, der mit Bedacht, mit schlauer Berechnung, mit kaltem Blute einen Menschen morden, und wenn er den im Blute liegen sieht, in demselben Augenblick, an derselben Stelle einen zweiten morden kann mit demselbigen Messer, o wahrlich, ist der nicht ärger, als das reissendste Thier, ist er nicht ein Unmensch, ein Ungeheuer, wie ein Teufel, möchte ich sagen, in Menschen-Gestalt? Wird er seinem Richter entgehen? Wähne das Niemand! Es hat ihn hinausgetrieben, hinaus in die Weite, diese Stadt ward ihm zu enge. Und wenn es ihn noch weiter getrieben hätte, ob er geflohen wäre bis ans äusserste Meer, oder ob er jetzt büsse in Ketten und Banden und noch schwerer möge büssen, er wird das Blut an seinen Händen, an seinem Gewissen nicht wegwaschen können, es wird laut schreien zum Himmel und auf seinem Haupte liegen brennend heiß am Tage des Gerichts. Möge er – das bitten wir noch für ihn, denn so tief wir verabscheuen die That, den Menschen verdammen wir nicht, – möge er umkehren in Wahrheit und rechter Busse des Herzens! möge brechen sein Sinn, wie gestern beim Anblick der Leichen seine Kniee gebrochen! mög' er, wenn es möglich ist, seine Seele noch retten und Gott sich seiner erbarmen! Aber wehe, wehe uns Allen, daß ein Mensch nur so tief hat sinken, so in den Abgrund der Hölle hat hineingerissen werden können. Von Christenwürde ist hier gar keine Rede; aber in solch einer Kreatur ist da nicht die Menschheit entwürdigt, geschändet, dem Fluche anheimgefallen? Tretet her, ihr Ungläubigen, ihr Weisen dieser Welt, die ihr es für Uebertreibung haltet, daß wir den Menschen mit der Schrift ein Kind des Zornes und der Verdammniß nennen, gebt Antwort hier, ob der Mensch nicht in die Sünde versunken, zu allem Bösem fähig sei, ob die Welt nicht im Argen liege? Tretet her, ihr Leichtsinnigen, ihr sicheren Sünder! und lernet, wohin sie führen und wo sie enden die Wege euerer Laster, eueres Luges und Truges, euerer Unkeuschheit und Wollust, euerer Gottvergessenheit; sehet dieß unschuldige Opfer an, ist sein Grab nicht für alle kommenden Geschlechter ein warnendes Denkmal, ein laut sprechendes Zeugniß vom Fluche der Sünde? Wo solche Dinge geschehen, wo elende Geldgier den Menschen so zum Wütherich macht, zittern wir da nicht für uns selbst, für unsere Lieben, für unser Aller Leben, müssen wir nicht rufen: Wehe der Stadt, wehe dem ganzen Geschlechte um solch eines Menschen willen! Ja, wo solche Dinge geschehen, heißt's da nicht in Wahrheit: weinet über euch selbst und über euere Kinder! ist da nicht die Zeit schon vorhanden, von welcher der Heiland weissagt, daß man sagen müsse: selig die Unfruchtbaren, und die Leiber, die nicht geboren, und die Brüste, die nicht gesäuget haben!

O wohl, wohl denen, die draussen sind, die nichts mehr wissen von der Angst und den Gefahren dieser Welt, die das Ziel erreicht haben, nachdem wir alle unter Sorgen und Seufzen, unter Furcht und Zittern erst noch ringen müssen. Weinen wir nicht über sie, weinen wir nur über uns selbst, und über unsere Kinder!

Wohl auch dir, du vollendete Schwester in Christo! Wir lassen dich ziehen zwar nur mit tiefem Schmerz, mit bitteren Thränen, und schwer werden sie heilen die blutenden Wunden, die dein Hingang geschlagen. Doch wir beugen uns, so schwer das Geschick, und beweinen nur uns, nicht dich. Dich wissen wir wohl versorgt und selig. Mit verklärtem Blick schauest du jetzt schon hinein in Gottes Rath, der vor unsern Augen noch in banges, undurchdringliches Dunkel gehüllt ist. Wo wir noch bestürzt stehen, da betest du an, du weinest nicht! Du hast geliebt deinen Heiland und im Heilande die Brüder, du hast vor ihm gewandelt in wahrem Glauben und festem Vertrauen, demüthig all dein Heil nur in seinem Verdienste und seiner allgenugsamen Gnade gesucht, und die letzte, schwerste Stunde deines Lebens hat dich in seinem Dienste gefunden, ja du hattest kurz zuvor noch um Nachsicht gebeten für die Fehltritte dessen, der darauf dein Mörder geworden. So wissen wir doch, wenn auch dein Leib hinabsinkt in ein frühes Grab, wir wissen doch deine Seele gerettet; der Herr ist dir gnädig, in seiner Hand ruhest du in Frieden und keine Qual rührt dich mehr an.

Ja, tröste sie, o Gott und Heiland! tröste sie für das überstandene Leid mit den Freuden des Himmels, und nimm sie auf in Dein ewiges Reich, wo Freude die Fülle und liebliches Wesen ist zu Deiner Rechten ewiglich, wo Du überschwenglich an ihr thun wirst über Alles, was wir bitten und verstehen! Tröste, o Gott! tröste den Gatten, der daheim liegt, zerbrochen an Seele und Leib, und richte ihn auf mit Deiner Kraft, daß sein trostloses Herz sich zu fassen vermöge, damit nicht noch Härteres und Schwereres komme! Tröste den Vater, und erhalte ihm die stille Ergebung, die christliche Geduld und Entsagung, mit der er, obwohl im Innersten zerrissen, doch im Leiden geübt, sich bis daher unter das schwere Verhängniß gebeugt hat! Tröste die Mutter, welche die Tochter geliebt als ihr leiblich Kind, und sie in Wahrheit auf dem Herzen getragen! Tröste die Geschwister und Alle, die um die Entschlafene die bittersten Thränen ihres Lebens weinen! Richte sie allesammt auf, und gieb ihnen die Kraft des Geistes, daß sie vom Schrecklichen, was die Erde gesehen, ihre Blicke hinüber in den Himmel erheben, wo sie die Geliebte selig wissen, selig in Dir, o Herr! selig bei den vorangegangenen Lieben, bewahret zum frohen Wiedersehen in einem besseren Leben. Uns alle aber, o Herr! uns befehlen wir Deiner Gnade und Macht, Deinem Schutz und Schirm; bewahre uns von aller Sünde, decke uns mit Deinen Fittigen vor aller Gefahr, und laß unsern Wandel uns führen in Furcht, in Busse und Glauben, bis wir entrückt werden diesem bösen Leben, und dahin kommen, wo keine Angst, keine Gefahr noch Versuchung, kein Leid noch Schmerz, kein Tod mehr sein wird, wo wir wohnen bei Dir in Hütten des Friedens, und Du unser Gott sein wirst, und Jesus Christus unser ewiges Heil. Amen.

Grabrede bei der am 19. November d. Js. stattgefundenen Beerdigung der Frau Eugenie Neumayer, geb. Le Sage, k. Artillerie-Hauptmanns-Gattin zu München.

#6 – 13 – 4 (Fellerer · Schupbaum)


Hier ruhen:

Frau Barbara Fellerer,
geb. Ossenbrunner
geb. 30. Nov. 1796, gest. 21. März 1864.
deren Gatte
Herr Joh. Nep. Fellerer
Landarzt. Inhaber der goldenen
Civil-Verdienst-Medaille.
geb. 5. Aug. 1794, gest. 1¿. Okt. 1871.
ihr Schwiegersohn
Herr Franz Schupbaum
k. Post- und Bahnverwalter
geb. 5. Juni 1833, gest. 20. Okt. 1882.
und dessen Frau
Augusta, geb. Fellerer,
geb. 5. Juni 1837, gest. 7. Sept. 1884.

J. Lallinger

Sockel-Tafel
Ferner deren Schwestern
Frln. Babette Fellerer,
geb. 4. Novbr. 1821, gest. 29. Jan. 1906.
Frln. Amalie Fellerer,
geb. 11. April 1831, gest. 1. März 1908.


  • Fellerer, Amalie; 11.4.1831 – 1.3.1908
  • Fellerer, Babette; 4.11.1821 – 29.1.1906
  • Fellerer, Barbara (vh) / Ossenbrunner (gb); 30.11.1796 – 21.3.1864; Arzt-Gattin
  • Fellerer, Johann Nepomuk, Dr. med.; 5.8.1794 – 17.10.1871 (München); Landarzt und Spitalchirurg
  • Schupbaum, Augusta (vw) / Fellerer (gb); 5.6.1837 – 7.9.1884; Bahnverwalters- und Postverwalters-Witwe
  • Schupbaum, Franz; 5.6.1833 – 20.10.1882; Königlicher Bahnverwalter und Postverwalter

Grab der Familien Fellerer · Schupbaum auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#Dr. med. Johann Nepomuk Fellerer

* 5.8.1794
† 17.10.1871 (München)
Landarzt und Spitalchirurg

#Der Rotthaler Bote (22.10.1871)

München, 18. Okt. Gestern Abends wurde im Volkstheater während des vierten Aktes des Lustspiels »Die relegirten Studenten« der letzte der noch lebenden Aerzte alter Ordnung, Hr. Landarzt Fellerer, vom Schlage gerührt und verschied sogleich trotz der Hilfe seines anwesenden Sohnes, des rühmlichst bekannten Stabsarztes Dr. Fellerer. Mit ihm ist ein alter Biedermann Münchens aus dem Leben geschieden.

Der Rotthaler Bote Nr. 46. Pfarrkirchen; Sonntag, den 22. Oktober 1871.

#6 – 13 – 21* (Beraz)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Beraz, Josef; 1.9.1843 (München) – 1.5.1889 (München); Professors-Sohn / Quellensucher

Das Grab ist nicht erhalten


#Josef Beraz

* 1.9.1843 (München)
† 1.5.1889 (München)
Professors-Sohn / Quellensucher

#Die Wünschelrute (1914)

Der Quellenfinder Josef Beraz.

Ein Kapitel aus der Geschichte der Wünschelrute.
Von Graf Karl von Klinckowstroem, München.

Der Quellenfinder Josef Beraz ist heute beinahe schon zu einer mythischen Figur geworden. Man kennt kaum mehr seinen Namen, und wenn jemand, dessen Interesse für die Wünschelrute schon ein paar Jahrzehnte weit zurückreicht, noch etwas mehr von ihm weiß, so ist es die amtliche Warnung der badischen Regierung vor seinen Diensten, aus dem Jahre 1888, an die man achselzuckend erinnert wird.

Es kann uns kaum Wunder nehmen, daß von einem Manne, der die Kunst des Quellenfindens zu einer Zeit ausübte, da der platteste Materialismus herrschte, und da alles, was nur irgendwie den Schein des Wunderbaren oder Geheimnisvollen hatte, in Acht und Bann getan war, daß unter diesen Umständen von einem Quellenfinder wie Beraz nicht viel mehr im Gedächtnis der großen Öffentlichkeit haften geblieben ist, als diese offizielle Brandmarkung durch eine im besten Glauben und im Sinne des Zeitgeistes handelnde Behörde. Heute aber, da wir über das Phänomen der Wünschelrute anders zu urteilen gelernt haben als unsere Väter, ist es vielleicht an der Zeit, den »Fall Beraz« einer Revision zu unterziehen und einmal ohne Vorurteil zu prüfen, ob der unverhüllte Vorwurf des wissentlichen Betruges diesen Mann wirklich trifft. Wir haben uns bemüht, alles Material zusammenzutragen, was über Beraz zu finden war, und wurden hierbei durch das liebenswürdige Entgegenkommen unseres langjährigen Korrespondenten, Herrn Dr. Ch. Vigen in Montlieu (Charente Inférieure), in dankenswerter Weise dadurch unterstützt, daß wir eine Anzahl gedruckter Zeugnisabschriften über Erfolge von Beraz sowie seine Briefe an einen französischen Quellenfinder, den Abbé Hippolyte Caudéran in Montlieu, einen Schüler des Abbé Richard (Vgl. H. Caudéran, Découverte des sources. Notice scientifique sur l'abbé Pierre-Theophile Richard, professeur hydrogéologue. 2. ed., Bordeaux, 1882. Und: Ch. Vigen, L'Abbé Richard, hydrogéologue. La Rochelle, 1906), erhielten, die hier abgedruckt worden sollen. Ferner habe ich Herrn Hofrat Dr. Beraz in München, einem Bruder des Quellenfinders, für gütige Auskünfte und Mitteilungen an dieser Stelle meinen herzlichen Dank auszusprechen. Leider hat sich aus dem Nachlasse von Josef Beraz nichts erhalten, weder die amtlich beglaubigten Originalzeugnisse, die die Zahl von 600 überstiegen haben, noch sein umfangreicher Briefwechsel, noch etwa sonstige Aufzeichnungen oder Gegenstände. Sonstige Nachrichten über den Quellenfinder sind äußerst spärlich.

Der Lebensgang von Josef Beraz ist kurz erzählt. Als Sohn des Professors für Anthropologie und allgemeine Naturgeschichte an der Universität München, Beraz, des Nachfolgers auf dem Lehrstuhl von G. H. von Schubert, und der ältesten Tochter des 1810 in München verstorbenen Physikers Joh. Wilhelm Ritter am 1. September 1843 geboren, widmete er sich zunächst dem Brauerberuf und trat nach vollendeten Studien bei der Spatenbrauerei in Dienst. Im Jahre 1869 etwa entdeckte er seine Fähigkeit, unterirdisch fließendes Wasser zu spüren, und übte von da ab diese Fähigkeit systematisch. Nach etwa drei Jahren des praktischen und theoretischen Studiums dieser ihn nunmehr erfüllenden Aufgabe begann er seine Laufbahn als Quellenfinder, und zwar muß er glänzende Erfolge gehabt haben, denn sein Ruf verbreitete sich schnell, und er erhielt viele Aufträge. Daß Beraz nicht die übliche Wünschelrute, sondern ein Pendel, bestehend aus einer großgliedrigen Stahlkette von ca. 60 cm Länge mit daranhängender Stahlkugel, benutzte, ist von untergeordneter Bedeutung. Er arbeitete auch ganz ohne Hilfsinstrument. Später suchte Beraz durch geologische Studien (Er benutzte dazu namentlich C. Gümbels »Geognostische Beschreibung Bayerns«, 3 Bde. Gotha, 1861–1879.) seine Gabe zu unterstützen, und sei es, daß er gerade dadurch seine instinktive Sicherheit einbüßte, sei es, daß mit den Jahren infolge zu üppigen Lebens seine Reaktionsfähigkeit nachließ – gegen Ende seiner Laufbahn scheinen sich häufigere Fehlschläge eingestellt zu haben, so daß wie gesagt die badische Regierung sich zu folgender Warnung veranlaßt sah (Erlaß des Ministeriums des Innern vom 25. Mai 1888, Nr. 10245, betreffend die Herstellung von Wasserversorgungsanlagen. Abgedruckt in der »Zeitschrift für Badische Verwaltung und Verwaltungsrechtspflege«, 20. Jahrgang, Heidelberg 1888, Nr. 12, S. 109. Ferner in Tageblättern, wie z. B. in der »Wertheimer Zeitung« vom 7. Juni 1888, Nr. 132.):

»An die sämtllichen Großh. Bezirksämter. Durch die Gr. Oberdirektion des Wasser- und Straßenbaues ist zu unserer Kenntnis gebracht worden, daß der angebliche Quellenfinder Beraz von München in der letzten Zeit im Amtsbezirk Durlach im Auftrage einer Gemeinde Quellensuchungen vorgenommen hat und wegen des gleichen Geschäfts mit anderen Gemeinden in Unterhandlungen stand.

Beraz pflegt von jeder Gemeinde ein Honorar von 300 Mark zu beanspruchen, welches ihm vor der Vornahme der Untersuchungen ausbezahlt werden muß. Dem seitens mehrerer Gemeinden ausgesprochenen Wunsch, wenigstens einen Theil des Honorar bis nach Erschließung der Quellen zurückbehalten zu dürfen, wurde regelmäßig nicht entsprochen.

Das Verfahren des Beraz entbehrt sowohl jeder wissenschaftlichen als auch jeder reellen praktischen Grundlage; eine geologische Untersuchung des zu erforschenden Quellgebiets, die wichtigste Grundlage für die Erschließung von Wasser, findet nirgends statt. Dagegen spielt bei seinen Quellenuntersuchungen eine Art Wünschelrute, ein Stock mit eigentümlich geformten Knopf, eine Hauptrolle.

Es ist bereits früher festgestellt worden, daß die von Beraz gegebenen Voraussagungen sich in vielen Fällen als trügerisch erwiesen haben, wodurch den Beteiligten nicht unerhebliche Unkosten ohne jegliches praktisches Ergebnis erwachsen sind. Die Gemeindebehörden werden deshalb eindringlich vor Beraz gewarnt. Bei diesem Anlaß wird auch besonders darauf hingewiesen, daß bei einer nothwendigen Herstellung einer Wasserleitung nur dann eine staatliche Beihilfe geleistet werden kann, wenn die erforderlichen Vorarbeiten bzw. die Ausführung der Arbeiten selbst durch die zuständige technische Behörde vorgenommen oder gutgeheißen werden und die Überwachung und Leitung der Staatsaufsichtsbehörde im Einvernehmen mit der technischen Behörde gewahrt bleibt (V.-O. vom 26. März 1878, Ges.- u. V.-O.-Bl. S. 6lff. insbesondere §§ 10 u. 11), und daß zu der etwa nothwendig fallenden außerordentlichen Aufbringung von Geldmitteln nur unter den genannten Voraussetzungen die staatliche Genehmigung ertheilt werden kann, in allen denjenigen Fällen aber verweigert werden muß, wo Projekte des angeblichen Quellenfinders Beraz zur Ausführung gelangen sollten.«

Die in diesem Erlasse gemachten Angaben über das pränumerando geforderte Honorar, das nicht auf eine von der Behörde offenbar angenommene voluntas doli seitens Beraz, sondern, wie aus seinen gedruckten Bedingungsformularen hervorgeht, auf das feste Vertrauen auf die Richtigkeit seiner Quellennachweise zurückzuführen ist, bedürfen insofern einer Ergänzung und Berichtigung, als Beraz laut Formular die Bezahlung nach der Untersuchung des Terrains beanspruchte und sich ferner bereit erklärte, das Honorar abzüglich der Reisediäten sofort zurückzuzahlen, wenn die bezeichnete Quelle bei der Nachgrabung nicht gefunden werden sollte – falls dabei um die Hälfte tiefer gegraben worden war als sich das Wasser nach der Tiefenbestimnung von Beraz hätte finden sollen. Man wird diese Bedingungen nicht als unreell bezeichnen können.

Dieses Dokument ist bezeichnenderweise das einzige, was von der ganzen Tätigkeit des J. Beraz als Quellenfinder in den Jahren 1879 bis 1889, in denen er annähernd 1000 Quellen aufgefunden hat, der Vergessenheit entgangen ist. In der Tat recht wenig. Ehe wir nun unser Material an Attesten und Briefen hier wiedergeben, wollen wir die wenigen Urteile und Berichte anhören, die mir sonst über Beraz bekannt geworden sind.

Zunächst ist da ein Aufsatz von Maximilian Wüstmann in der illustrierten Zeitschrift »Über Land und Meer« August 1880, Nr. 48, S. 964ff. zu berücksichtigen. Nachdem der Verfasser allgemein über die Geschichte der Wünschelrute einiges gesagt und sich ausführlicher über die bekannten französischen Quellenfinder Paramelle und Richard ausgesprochen, kommt er auf Beraz zu reden, den er persönlich gekannt zu haben scheint. »Da trat, es war im Jahre 1873, auf einmal ein junger Deutscher als Quellenfinder in die Öffentlichkeit und zwar in der Person Joseph Beraz, Sohn eines Professors der Naturwissenschaften zu München. Nachdem er sich schon in frühen Jahren mit verschiedenen technischen und naturwissenschaftlichen Studien eifrig beschäftigt hatte, war er lediglich durch Zufall im Jahre 1869 auf die Kunst des Quellenfindens aufmerksam geworden. Nach vierjährigen unermüdlichen theoretischen Forschungen durfte er es unternehmen, seine neu erworbenen Kenntnisse praktisch, und zwar mit dem vollsten Erfolge zu erproben. Seit jener Zeit ist er, bei rastlosem Studium, auf der eingeschlagenen Bahn stetig vorwärts geschritten. So hat er denn bereits allmählich einen solchen Grad vollendeter Sicherheit erreicht, daß er ganz auf gleicher Stufe wie seine Vorgänger Paramelle und Richard steht.«

Nachdem Wüstemann einige Erfolge Beraz’ angeführt (siehe unten unsere Fälle Nr. 3 und Nr. 8), fährt er fort: »Derartige Fälle der Bestimmung der Quellen unter der Schneedecke sind wohl besonders geeignet, darzutun, daß Beraz nicht sowohl durch die Erforschung der geognostischen Verhältnisse des fraglichen Grundstücks zu seinen Schlußfolgerungen gelangt, daß ihm vielmehr hierzu ganz andere Hilfsmittel zu Gebote stehen. Es wird sicher von Interesse sein, einige Mitteilungen zu vernehmen, welche Beraz unlängst gelegentlich eines Vortrages im Freundeskreise zu München gegeben hat.

Er bemerkte, indem er sein Verfahren bei der Auffindung von Quellen in kurzen Umrissen skizzierte: Das Schlagwort hiebei ist Fühlung im Körper. Geradeso, wie niemals ein Stück Holz die Fähigkeit besitzt, magnetisch zu werden, wohl aber Eisen und auch Nickel sie enthält, genau so sind auch keineswegs alle menschlichen Körper geeignet, durch Übung sich die Befähigung, unterirdische Wasserläufe zu fühlen, überhaupt anzueignen. Diejenigen Personen, welche hierfür die meiste Anlage bekunden, sind die sogenannten sensitiven, d. h. nervenreizbaren Organismen. Beraz hat auf seinen zahlreichen Wanderungen Hunderte von Menschen kennen gelernt, welche diese ihnen angeborene Fähigkeit, diese Anlage, in einem hohen Grade besaßen, ohne nur im mindesten zu wissen, welch wunderbaren Schatz sie mit sich herumtragen. Diese ihnen angeborene Befähigung kann durch jahrelange tägliche Übung zu einem so hohen Grade von Feinfühligkeit gesteigert werden, daß selbst Quellenäderchen von der geringen Stärke eines Federkiels bei einer Tiefe von 10 Fuß ihnen nicht entgehen. Diese hochgradige Befähigung hat Beraz unter anderem im Jahre 1874 auf dem fürstlich Waldburg-Zeil-Trauchburgischen Schlosse Zeil bei Leutkirch im Königreich Württemberg auf fünf Stellen glänzend bewährt.

Er ist durch die Intensität, mit der die berührte Fühlung sich in seinem Körper bemerkbar macht, in den Stand gesetzt, die Tiefenlage der betreffenden Quelle auf einzelne Meter, ja hin und wieder auf einzelne Schuh bestimmt zu berechnen. Die Dauer dieser Fühlung in ihm gewährt ihm sichere Anhaltspunkte, die Stärke des unterirdischen Wasserlaufs auf die richtige Stelle seiner nunmehr schon lange erprobten, jahrelang sozusagen eingeübten Gefühlsskala zu setzen.

Es läßt sich nicht bestreiten, daß alle die hier angeführten Tatsachen rätselhaft erscheinen. Zur Erklärung müssen wir uns daher auf den Ausspruch des Quellenfinders Beraz selbst berufen. Er sagt in seinem Vortrage: Erst nach mehrjähriger tagtäglicher Übung und genauester Selbstbeobachtung ist es mir möglich geworden, annähernd einen Einblick in die merkwürdigen Vorgänge und die tausenderlei Kombinationen zu gewinnen, welche sich bei diesem Studium ergeben«. So weit Wüstemann. Weitere Urteile von Augenzeugen folgen gelegentlich der Wiedergabe der Zeugnisse. Daß die theoretischen Auseinandersetzungen von Beraz für uns nicht von wissenschaftlichem, sondern höchstens von persönlichem Interesse sein können, brauche ich wohl nicht erst hervorzuheben. Bemerkenswert ist aber bei Beraz die Erkenntnis, daß der Schwerpunkt des Phänomens im menschlichen Organismus und nicht etwa in einem äußeren Hilfsmittel, wie die Wünschelrute es darstellt, zu suchen ist.

In einem geistvollen Aufsatze über die Wünschelrute, den Carl du Prel im Jahre 1893 in der »Zukunft« (Nr. 57) veröffentlichte, berichtete er auch kurz von einem Besuch bei Beraz im Jahre 1888. Er erhielt bei dieser Gelegenheit Einblick in die Zeugnisse von Beraz. »Ich habe selbst einmal mit einem Augenzeugen eines Versuchs gesprochen, sagt du Prel, »wobei Beraz eine Quelle in der Tiefe von 80 Fuß angab, die bei 83 Fuß Tiefe gefunden wurde. Ich bezweifle nun allerdings nicht, daß auch Mißerfolge bei Beraz vorgekommen sein werden, aber so wenige, daß schon manche aufgeklärte Gemeindevertretung große Summen verschleuderte, um Wasser in Städte zu leiten, die es mit Hilfe eines Quellenfinders viel billiger haben konnten.«

Auch Prof. Dr. A. Heim kommt in seiner klassischen Arbeit über die Wünschelrute (In der »Vierteljahreschrift der Naturforschenden Gesellschaft zu Zürich«, 48. Jahrgang, 1903, S. 287 seq. Auch im »Journal für Gasbeleuchtung«, 1905. S. 1091 seq. abgedruckt.) gelegentlich auf Beraz zu sprechen: »Ein anderer merkwürdiger Fall, der auch wieder die Abhängigkeit der Resultate von der Persönlichkeit und mehr noch von ihrer Disposition zeigt, war zu Anfang der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts durch den Münchener Quellenfinder Beraz geboten. Nachdem Beraz seine Fähigkeit entdeckt hatte, Wasserläufe mit Instrumenten ähnlich denen jenes Gemeinderats von O. (eine Art Pendel) zu entdecken, machte er daraus ein großes Geschäft, mit großer Reklame betrieben. Während mehrerer Jahre machte Beraz eine Menge von wunderbar guten Angaben und hatte glänzende Erfolge. Hohe Behörden beriefen ihn. Er machte den Eindruck einer sehr beweglichen, sensiblen, aber nicht krankhaften Natur. Nun fing er an, üppig zu leben. Im folgenden Jahre kamen mehrere Fehlgriffe, und bald war die Mehrzahl seiner Angaben verfehlt: er mußte seine Quellenfinderei aufgeben und verschwand von der Bildfläche. In Tirol, unfern Bozen und Meran, hatte ich selbst Gelegenheit, große kostspielige, resultatlose Grabungen zu sehen, die nach den Angaben von Beraz gemacht worden waren. Diese waren so unsinnig angelegt, wie es bei den geringsten geologischen Kenntnissen oder der geringsten Beeinflussung seiner Wünschelrute durch sachliche Überlegung, durch auf Beobachtung gegründete Erwartung, sicher niemals geschehen wäre. Ich mußte aus diesen Grabungen schließen, daß Beraz selbst ganz naiv, ohne geologische Kenntnisse auf seine Wünschelrute baute, aber durchaus nicht von richtiger Beobachtung und richtiger Idee sich hatte leiten lassen. Auch von anderen, die ihn wohl kannten wurde mir bestätigt, daß er ohne geologische Kenntnisse war, und daß er selbst aufrichtig an seine Fähigkeit, »Wasser zu fühlen« glaubte. Er überließ sich vorurteilsfrei seinem Instrumente, das als Fühlhebel einer physiologischen Empfindsamkeit reagierte, die aber durch üppiges Leben sehr bald irregeleitet wurde.« Heim leugnet also nicht die Gabe Beraz'. Er ist nur insofern falsch orientiert, als Beraz bis an sein Lebensende als Quellenfinder fortwirkte und nicht etwa wegen allzu zahlreicher Mißerfolge »von der Bildfläche verschwand«. Beraz starb an einer Lungenentzündung am 1. Mai 1889 in München. Nach Heims Erfahrung kann es auch mit den geologischen Studien von Beraz nicht weit her gewesen sein. Die Supposition geologischer Kenntnisse ist noch heute einer der Haupteinwände, den geologische Gegner der Wünschelrute gegen erfolgreiche Rutengänger erheben. Der Einwand dürfte nur in den seltensten Fällen zutreffen.

Eine Ergänzung der Darstellung Heims brachte eine kurze Mitteilung des Ingenieurs A. Siegert aus Nürnberg (In der »Zeitschrift des Bayerischen Revisionsvereins«, 10. Jahrgang, 1906. Nr. 1. S. 9/10.): »Die Ausführungen des Herrn Prof. Alb. Heim decken sich vollständig mit dem, was mir Beraz Mitte der achtziger Jahre erzählte. Ergänzend hierzu kann ich folgendes hinzufügen: Den Anstoß zu dieser eigenartigen Tätigkeit erhielt Beraz durch die Lektüre von zwei Schriften der französischen Abbé’s Paramelle und Richard, die der Genannte in der Bibliothek seines Vaters, der Universitätsprofessor in München gewesen war, vorfand. Diese Abbé’s hatten die Fähigkeit des Quellenfindens in so hohem Grade, daß einer davon von König Max II. nach Bayern berufen worden sein soll, um in besonders wasserarmen Gegenden, z. B. in der Oberpfalz, Untersuchungen zu machen. Vielleicht erinnert sich dort noch jemand an den Erfolg (In der Tat war der Abbé Richard des öfteren als Quellenfinder in Deutschland tätig, so im Jahre 1862 in München, in Starnberg, in Feldafing usw. im Auftrage des Königs von Bayern. Dr. Vigen in Montlieu, der Biograph Richards, besitzt darüber einen interessanten Briefwechsel.). Beraz hatte die erforderliche Sensibilität keineswegs in so hohem Grade wie die genannten Franzosen, kam jedoch auf den Einfall, sich systematisch einzuüben. Er begann mit einem Geschirr mit Wasser, setzte seine Übungen im Englischen Garten zu München fort und vervollkommnete sich an bekannten Quellen am linken Isarufer bei Groß-Hesselohe sowie an Brunnen von bekannter Tiefe.

Statt einer sog. Wünschelrute, die natürlich gänzlich Nebensache ist, benutzte er seinen Spazierstock, der einen ziemlich schweren silbernen Griff hatte. Er schritt zunächst das zu untersuchende Terrain ab, die rechte Hand flach ausstreckend. Kam er über einen unterirdischen Wasserlauf zu stehen, so hatte er ein Gefühl, als ob er in ein Spinngewebe griff. Er faßte sodann seinen Stock und zählte die Sekunden, die verstrichen, bis sich dieser in Bewegung setzte. Er hatte sich eine empirische Skala ermittelt, wonach die Tiefe der Quelle dem Quadrate obiger Zeit entsprach, wie ich seinerzeit durch Rechnung fand. Leider erinnere ich mich nicht mehr genauer. Auffallende Angaben machte er in der Brauerei Zirndorf bei Fürth (unser Fall 3), im Kloster Käppele bei Würzburg (unser Fall 8) und an vielen anderen Orten. Felsenschichten störten seine Berechnungen, ebenso sein Zustand, wenn er tags zuvor zu tief ins Glas geguckt hatte. Er starb Ende der achtziger Jahre in München. Von Geologie verstand er nichts. Die in Frage stehende Nervensensibiliät kommt bei Frauen viel häufiger und in höherem Maße vor als bei Männern, und kann durch fortgesetzte systematische Übung bedeutend gesteigert werden.«

Auffallend ist besonders in diesem Berichte die von Ingenieur Siegert angedeutete Methode der Tiefenberechnung von Beraz. Wir gestehen daß sie uns unverständlich ist und bedauern mangels genauerer Angaben darüber nichts weiter aussagen zu können.

Sehr charakteristisch ist ein Artikel der »Augsburger Abendzeitung« vom 7. Juni 1885, Nr. 154, mit der Überschrift »Brand-Beraz, durchaus kein Beweis für Aufklärung in unseren Tagen«, der aus kleinen Lokalblättern entlehnt ist. Der anonyme Verfasser bricht, dem Geiste seiner Zeit getreu, eine Lanze für die Aufklärung und bekämpft in der Person des Quellenfinders Beraz einen krassen Aberglauben. Er stellt dabei Beraz auf die gleiche Stufe mit einem Scharlatan namens Richard Brand, dem Erfinder der sog. Schweizerpillen. Auch wenn wir die durch den Zeitgeist gerechtfertigte tendenziöse Färbung dieses Berichtes abstreichen, bleibt – das muß zugegeben werden – genug Material übrig, um Mißtrauen gegen Beraz zu erwecken.

Von Mitte der achtziger Jahre an hat er ganz ohne Zweifel recht erhebliche Mißerfolge gehabt, und nach den vorliegenden Mitteilungen, an denen zu zweifeln kein Grund besteht, scheint er auch den geschäftlichen Teil seiner Angelegenheiten nicht immer in einwandfreier Weise erledigt zu haben. Wir dürfen uns wohl mit Übergehung der ironischen Glossen des anonymen Einsenders auf die Wiedergabe des Tatsachenmaterials beschränken, das uns die Kehrseite der Berazschen Tätigkeit zeigt. »Halten wir nun eine kleine aber vernichtende Blumenlese in den Tagesblättern vom Mai 1885«, sagt der Verfasser. »Die Jagstzeitung«, Nr. 54 vom 7. Mai 1885 schreibt: Dem neulichen Berichte über das Auftreten des Quellenfinders Beraz in Ulm ist nachzutragen, daß Herr Beraz auch in Ellwangen Proben seiner Kunst – »vorerst auf Physik und Mathematik und in zweiter Linie auf Physiologie, also Fühlung im Körper beruhend« – abgelegt hat. Als nämlich letzten Herbst Herr Ziegeleibesitzer Zeller sah, daß die endliche Beseitigung der allgemeinen Wassernot des Stadelbergs auf unerwartete Hindernisse stieß, ließ er, angewiesen auf Selbsthilfe und verleitet durch empfehlende Zeitungsberichte, diesen Herrn Beraz, der sich »Quellenfinder aus München« bezeichnet, von Zipplingen, wo er zurzeit »Quellen bestimmte«, zu sich nach Ellwangen rufen. Herr Beraz bezeichnete nun am 2. Dezember vorigen Jahres in kürzester Weise, ohne sich viel im Terrain umzusehen, mit Bestimmtheit hinter dem Hause zwischen Dunglage und Abtritt – »die eben später verlegt werden müssen« – eine Quelle mit ca. 73 Fuß (21 m) Tiefe und 5/4 Zoll Durchmesserstärke, welche in der Richtung von ONO nach WSW fließt. Herr Ziegler Zeller hat auf Grund dieser Quellenbestimmung, die er mit 100 M zu honorieren hatte, 84 Schuh gegraben und noch weitere 10 Schuh gebohrt, ist aber auf eine Quelle nicht gekommen. Die Affäre kam dem Ziegler Zeller auf ca. 1000 M. zu stehen und dürfte nicht sehr ermutigend für andere »Wasserarme« sein (Hier ist meines Erachtens folgendes in Erwähnung zu ziehen. Wäre Beraz nichts als ein Scharlatan gewesen, so hätte er kaum die ungünstigste Stelle des Hofes, zwischen Dungstelle und Abort, als die einzige wasserhaltige angegeben. Man kann daraus wohl auf sein unbedingtes Selbstvertrauen schließen. Es ist aber nicht einzusehen, warum Beraz nicht eine andere Stelle im Verlaufe der Quellader als günstigeren Bohrpunkt angab. Da das Bohrloch ferner bei einer Tiefe von noch nicht 30 m als aussichtslos aufgegeben wurde, so ist der Mißerfolg meines Erachtens noch nicht als erwiesen zu betrachten. Schließlich sei darauf hingewiesen, daß die Honorarforderung des Beraz hier ein Drittel der Summe betrug, die in der badischen Warnung angegeben ist, und in den folgenden Fällen noch geringer war.). Wie wir hören haben auch die Quellenbestimmungen in Zipplingen fehlgeschlagen. Über letztere gibt Schultheiß Baumann in Zipplingen folgende authentische Auskunft: Der Quellenfinder Beraz kam vergangenen Herbst hierher und produzierte sich mit der Äußerung, daß er auf das Bestimmteste sagen könne, wo und wie eine Quelle laufe, und wie tief man graben müsse, bis man auf die benannte Quelle stoße. Daraufhin liefen die Ortsbewohner zusammen, und jeder wollte seine Quelle bestimmt haben. Herr Beraz erklärte, bevor er nicht von jedem, der Wasser wünsche 50 M. ausbezahlt erhalten habe, stehe er nicht von seinem Sitze auf und bezeichne auch die Stelle nicht, wo sich eine Quelle befinde. Dieser Aufforderung begegneten mehrere Bürger mit einem Angebote von 20 bis 30 M. Allein Beraz blieb auf seiner Forderung von 50 M. bestehen.

Am andern Tage zeigte sich, daß bloß zwei Bürger, der Bauer Johannes Forner und der Söldner Anton Humpf, noch Lust hatten, mit Beraz sich einzulassen. Joh. Forner gibt an, daß Beraz in seinem Anwesen erklärt habe, wenn Forner die 50 M. ihm nicht alsbald bezahle, gehe er wieder fort, ohne die Stelle zu bezeichnen, wo die Quelle sich befinde. Auf diese Rede des Beraz habe er die 50 M. erlegt, Beraz sei nun rasch in den Hof gegangen, habe seinen Stock geschwenkt und sofort die Stelle bezeichnet, an der ein Pfahl eingeschlagen werden müsse, weil hier eine reiche Quelle sei: Forner müsse zwar tief (»66 Fuß tief«) graben, um die Quelle zu erreichen (Beraz benutzte seinen Stock mit der schweren Krücke, wie auch aus dieser naiven Darstellung hervorgeht, als Pendel. Daher konnte er, sobald sein Stock in Schwingungen geriet — für den Beobachter Forner sah es so aus, als ob er ihn einfach »schwenkte« – sofort sagen, wo sich die Quelle im Untergrunde nach seiner Ansicht befinden sollte.). Forner habe sich aus Werk gemacht, 67 Fuß tief gegraben und 52 Fuß weiter hinab bohren lassen, sei aber nirgends auf Wasser gestoßen. Anton Humpf gibt an, daß Beraz nach Empfang der 50 M. dieselben Experimente bei ihm vorgenommen und eine Quelle gleichfalls bei 60 Fuß Tiefe bezeichnet, ihm aber in Aussicht gestellt habe, daß er schon früher auf Sickerwasser stoßen werde. Aber Humpf fand beim Graben in 66 Fuß Tiefe und beim weiteren Bohren von noch 22 Fuß Tiefe weder Quelle noch Sickerwasser. Da Humpf 500 M. Kosten bei diesen Arbeiten gehabt hatte, habe er brieflich den Beraz ersucht, ihm wegen seines großen Schadens doch wenigstens 30 M. des Honorars herauszugeben. Allein Beraz würdigte den Humpf gar keiner Antwort! In dem benachbarten Orte Geißlingen, fährt Herr Schultheiß Baumann fort habe Beraz beim Herrn Pfarrer und bei einem Söldner gegen das Entgeld von je 50 M., ebenso in dem nahe gelegenen Dirgenheim einem Bauern und der Ortsgemeinde selbst Quellen bezeichnet; allein diese vier Parteien hätten keine Lust und keinen Mut gehabt, nach dem mitangesehenen schlechten Erfolge in Zipplingen die Beraz'schen Prophezeiungen durch Graben zu verfolgen, und das Geld sei mithin zu ihrem großen Ärger verloren gewesen. – Um diese amtlichen Zeugnisse im vollen Werte würdigen zu können, muß man wissen, daß bereits unterm 11. Januar 1885 in den Blättern ein »Eingesandt« erschienen war, in welchem unter Dankesbezeugung an Beraz mitgeteilt wurde, daß derselbe bei dem oben erwähnten Forner in Zipplingen eine Quelle entdeckt habe. (»Augsburger Abendzeitung« Nr. 42, 11. Febr. 1885). Man will seinen Augen nicht trauen ob solcher Unverfrorenheit.

Die »Jagst-Zeitung«, Nr. 55, vom 9. Mai 1885, schreibt aus dem »Ulmer Tagblatt«: Die Erwartung, es werde bei der Brunnengrabung in Jungingen die von dem Quellenfinder Beraz angezeigte Quelle gefunden werden, hat sich bis jetzt nicht erfüllt; das in dem Schacht spärlich zu Tag tretende Naß ist Sickerwasser. Auch in Nerenstedten ist in der angezeigten Tiefe noch kein Wasser gefunden worden. – Das »Rieser Volksblatt«, Nr. 71, vom 16. Mai 1885, schreibt aus Amberg d. 12. Mai: Im Vorjahre ließ die Gemeinde Köfering den Quellenfinder Beraz kommen, der ihr aus der Wassernot helfen sollte. Dieser bestimmte nun nach vorausgegangenen verschiedenen Manipulationen im Orte eine Stelle, unter der sich in einer Tiefe von 114 Fuß eine entsprechende Quelle befinden sollte, und wurden hierauf bezügliche Nachgrabungen begonnen. Vor etlichen Wochen besuchte nun besagter Quellenfinder die in Rede stehende Stelle, fand, daß die Grabungen bezw. Felsensprengungen bald die Tiefe, in der das so sicher behauptete Wasser gefunden werden sollte, erreicht hatten, und änderte seine frühere Angabe hiebei dahin, daß zwischen 114 und 118 Fuß Tiefe ganz bestimmt Wasser kommen müsse. Bis Ende voriger Woche hat nun der »Wunderbrunnenschacht« schon die Tiefe von 120 Fuß erreicht, aber o weh! statt des erhofften Wassers starrt den Schatzgräbern nur trocknes Gestein entgegen. Fragliche Gemeinde, die bis jetzt auf diesen Versuch schon 1700 M. ausgegeben, beabsichtigt nun, noch weiter graben zu lassen, und wenn nicht bald der ersehnte Quell gefunden wird, sich öffentlich an Herrn Beraz zu rächen (Über den Ausgang ist mir leider nichts bekannt.). – Die »Schwäbische Chronik« (Beiblatt des Schwäb. Merkur), Nr. 113 vom 16. Mai 1885, schreibt aus Ulm: Mitte verflossenen Monats hat der Quellensucher Beraz aus München in hiesiger Umgegend an mehreren Orten Quellen als vorhanden bezeichnet. An einigen Stellen, so in dem hochgelegenen Jungingen und in Nerenstetten, bei Langenau wurde auf die bezeichneten Tiefen und jedesmal noch darüber hinaus gegraben, ohne auf Wasser zu kommen. In Jungingen hat der Adlerwirt Bosch, der bis 13½, m Tiefe kam, die Arbeit vorerst einstellen lassen, während Ökonom Fetzer beinahe zu 14 m angelangt ist und noch weiter dringen will, obwohl die Arbeiten infolge des Kalkgesteins nun wesentlich erschwert werden (Auch hier kann man bei den geringen erreichten Tiefen noch kaum von einem absolut sicheren Mißerfolge sprechen. Leider lassen diese kurzen Darstellungen alle zu einer kritischen Beurteilung des Falles nötigen Details vermissen.). – In Nr. 139 der »Augsburger Abendzeitung« vom 21. Mai 1885 steht ein Korrespondenzartikel aus Luhe (Oberpfalz), d. d. 17. Mai, welcher gleichfalls über von Beraz erweckte aber getäuschte Hoffnungen berichtet. Das dürfte genügen«.

Der Verfasser schließt damit, daß er mit diesen Feststellungen den »Gegenbeweis von der für unsere Zeitläufte beanspruchten Aufklärung« geliefert habe. Was würde er erst heute für Augen machen!

Der zuletzt zitierte Mißerfolg in Luhe hat sich laut Bericht (loc. cit.) folgendermaßen zugetragen: »Im Sommer 1883 ersuchte die Gemeindeverwaltung Luhe diesen Wundermenschen um seine Hilfe, und er bezeichnete in der Umgebung des Marktes fünf Quellen, darunter sogar ein kleines unterirdisches Bächlein in der Breite von 1½ m, in einer Tiefe von 24 bis 30 Fuß fließend, welche Quelle nach seiner Angabe in der trockensten Zeit drei Zoll Durchmesserstärke habe. Der Jubel im hiesigen quellwasserarmen Markte war selbstverständlich ein großer, um so mehr als die Lage dieser Quelle eine derartig hohe wäre, daß der natürliche Druck hinreichen würde, bei Feuersgefahr im Orte jede Spritze zu ersetzen. An der Richtigkeit der Berazschen Angaben zweifelte man im allgemeinen wenig, denn wer Beraz von dem in ihm eigentümlich wirkenden magnetischen Fluidum etc. sprechen hörte und Gelegenheit hatte, über seine stets erfolgreiche Tätigkeit zu lesen, dem entschwanden alle Zweifel, da für ihn die Quellenbestimmung nach seiner Anssage so einfach ist wie das Rauchen einer Zigarre, und eine Täuschung bei ihm vollständig ausgeschlossen bleibt. Er bemerkte u. a., welch außerordentlich mühevolles Studium diese seine Wissenschaft erforderte, auf welch kolossale Hindernisse er im Anfange seiner Tätigkeit stieß usw., allein nun die Kunst rein und einzig in seinen Händen habe. Sein gegenwärtiges Studium ist jetzt die in der Erde verborgenen Metalle zu finden, und auch hierin glaubt er in nächster Zeit in die Öffentlichkeit treten zu können. Nun wieder zu unserer Quelle, zu unserem Bächlein: Hoffnungsvoll wurde an der von Beraz bezeichneten Stelle ein Brunnenschacht eingeschlagen und bis 30 Fuß Tiefe gegraben, doch von einer Quelle keine Spur. Man setzte Beraz davon in Kenntnis, worauf er ganz einfach erwiderte, man solle getrost noch einige Meter tiefer gehen, es sei die Möglichkeit, daß er sich doch bezüglich der Tiefe an dem Materiale täuschte, die Quelle aber unbedingt kommen müsse. Weniger hoffnungsvoll grub man weiter, immer weiter, erreichte schließlich eine Tiefe von 55 Fuß, und siehe – es zeigte sich keine Quelle. Die hierauf erfolgten Mitteilungen, eingeschriebenen Briefe usw. blieben von seiner Seite unbeantwortet. Die Gemeinde hatte ihm 250 M (für 6 Quellenbestimmungen) gezahlt, welche nun nebst den beträchtlichen Kosten des Schachtes verloren sind.«

Den oben wiedergegebenen längeren Ausführungen eines anonymen Einsenders fügte die Redaktion der »Augsburger Abendzeitung« (Nr 154, 7. Juni) folgende Nachschrift bei: »Wir stehen selbstverständlich der in Obigem besprochenen Sache in vollkommener Unparteilichkeit gegenüber und geben diese Ausführungen, die von einem bekannten und hochgeschätzten Manne der Wissenschaft herrühren, so wie sie uns vorliegen. Wir müssen aber dabei bemerken, daß auch Erfolge des Herrn Beraz genügend beglaubigt sind. So kommt uns soeben von amtlicher Seite folgendes Zeugnis zur Veröffentlichung zu: Auf diesamtliche Veranlassung hat Herr Quellenfinder Joseph Beraz aus München in der wasserarmen Gegend von Bullau am 7. August vor. Jahres eine Quelle bestimmt, welche nach viermonatlicher Bohrung durch Sandsteinfelsen genau in der von dem Genannten bezeichneten Richtung, Tiefe und Stärke angetroffen wurde und in der Gemeinde nunmehr hinreichenden Vorrat an gutem, reinem Quellwasser liefert. Dies bescheinigt, Miltenberg, den 5. Mai 1885, Kgl. Bezirksamt. Volkheimer.« (Vgl. Fall 32 unserer Zeugnissammlung.) – Es folgen sodann Angaben über verschiedene Verfahren, im Untergrunde Wasser aufzusuchen, wie sie schon Vitruv ausführlich beschrieben hat.

Ehe wir nun die bereits mehrfach erwähnten Dokumente über die Tätigkeit unseres Quellensuchers wiedergeben, seien noch einige kritische Bemerkungen gestattet. Wir sind uns dessen vollauf bewußt, mit dieser Sammlung nur eine Anzahl besonders gut bezeugter und glücklicher Erfolge des Beraz dem Urteil der Öffentlichkeit zu unterbreiten. Statistischen Wert kann dieselbe also keinesfalls beanspruchen. Da jedoch Beraz laut Formular im Jahre 1885, auf der Höhe seines Ruhmes stehend, etwa 600 amtlich beglaubigte Zeugnisse über erfolgreiche Wassernachweise besaß, so glauben wir annehmen zu dürfen, daß die Zahl seiner Erfolge die der Fehlschläge um ein Vielfaches übertroffen hat. Es muß ferner betont werden, daß Beraz nur sehr selten in Gegenden mit weiten Grundwasserhorizonten tätig gewesen ist, daß also seine Erfolge nicht so leicht mit einem Hinweise auf eine angeblich große Fündigkeitswahrscheinlichkeit von Geratewohl-Bohrungen abzutun sind, wie die der im norddeutschen Flachlande wirkenden Rutengänger. Man mag auch bedenken, daß Beraz meist nur in verzweifelten Fällen der Wasserkalamität zu Hilfe gerufen wurde. Ebenso muß darauf hingewiesen werden, daß seine Tiefenbestimmungen oft merkwürdig genau zugetroffen haben. Endlich muß ich wohl noch erwähnen – um auch einem solchen Einwande im voraus zu begegnen – daß manche Angaben von Beraz, z. B. über »federkielstarke« Quelladern und dgl., lediglich eine Ansicht über das Vorkommen unterirdischen Wassers verraten, die unseren heutigen Kenntnissen nicht mehr entspricht. Wir werden uns also an einer derartigen Bezeichnung oder an sonstigen theoretischen Expektorationen, die uns merkwürdig anmuten, und die ja auch sachlich unwesentlich sind, nicht stoßen dürfen.

Selbstverständlich lassen auch die Berazschen Zeugnisse so manche Angabe vermissen, die uns heute vom wissenschaftlichen Standpunkte aus wünschenswert erscheint, wie wir dies auch bei den Attesten des Landrats v. Uslar mit Bedauern haben konstatieren müssen. Eine Kontrolle der einzelnen Atteste war wegen des inzwischen verflossenen großen Zeitraums nicht mehr angängig. Doch brauchen wir wohl an deren Richtigkeit keinen Zweifel zu hegen, da sicherlich Beraz mit falschen Zeugnissen nicht weit gekommen wäre und sein Betrug bald aufgedeckt worden wäre. Von einigen Stichproben, die wir zur Prüfung einiger Atteste dennoch unternahmen, erhielten wir nur eine Antwort (Beilage zu Fall Nr. 31). Andere finden in dem Voraufgehenden bereits ihre indirekte Bestätigung.

Von den uns gedruckt vorliegenden durchweg günstigen Attesten und Zeitungsberichten geben wir 36 im Wortlaute wieder und lassen sodann die Briefe von Beraz an den Abbé Caudéran folgen. Während uns die Zeugnisse Belege für die erfolgreiche Tätigkeit des Quellenfinders sind, gewinnen wir aus den Briefen an den »Kollegen« den Eindruck, daß Beraz seinem Berufe mit ehrlicher Begeisterung nachging und ihn durchaus ernst nahm. Es erscheint darum um so mehr als ein Akt der Gerechtigkeit, diese Blätter in ihrer rückhaltlosen Offenheit bekannt zu geben, als Beraz seit der badischen Warnung der Ruf eines zweifelhaften Ehrenmannes anhaftet – wie mich dünkt, mit Unrecht. Eine allerdings sehr post festum kommende Rechtfertigung dieses Märtyrers seines Berufes sei also der weitere Zweck dieser Arbeit.

[...]

Graf Karl von Klinckowstroem: Der Quellenfinder Josef Beraz. Ein Kapitel aus der Geschichte der Wünschelrute. Sonderduck aus der Zeitschrift »Die Wünschelrute«. Leipzig, 1914.

#6 – 13 – 26 (Weber)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Weber, Elise Christina; – (25).5.1856 (München), 11 Monate alt; Portiers-Tochter
  • Weber, Ludwig; – (8).5.1866 (München), 1 Monat alt; Hausbesitzers-Sohn
  • Weber, Ludwig; – (29).12.1890 (München), 73 Jahre alt; Privatier
  • Weber, Ludwig; – 11.2.1859 (München), 4 Monate alt; Geschäftsreisenden-Sohn

Grab der Familie Weber auf dem Alten Südfriedhof München (September 2018)

#6 – 13 – 27·28 (Irmischer · Preger)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Irmischer, Karl; – (21).2.1880 (München), 50 Jahre alt; Bezirksgerichtsrat
  • Irmischer, Philippine (vw); – (30).4.1901 (München), 62 Jahre alt; Bezirksgerichtsrats-Witwe
  • Preger, Johann Wilhelm, Dr. phil.; 25.8.1827 (Schweinfurt) – 30.1.1896 (München); Evangelischer Theologe und Oberkonsistorialrat

Grab der Familien Irmischer · Preger auf dem Alten Südfriedhof München (August 2014)

#Dr. phil. Johann Wilhelm Preger

* 25.8.1827 (Schweinfurt)
† 30.1.1896 (München)
Evangelischer Theologe und Oberkonsistorialrat

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Preger Johann Wilhelm, Dr. phil., 1827 (Schweinfurt) – 1896, evangelischer Theologe, Historiker, Oberkonsistorialrat und Gymnasialprofessor; seit 1851 Studienprofessor für Religion und Geschichte in München, 1868 außerordentliches und 1875 ordentliches Mitglied der BAkdW und 1890 Oberkonsistorialrat, war P. ein verdienter, aber etwas einseitiger Erforscher der deutschen Mystik; seit 1875 Mitglied der BAkdW, seit 1890 Mitglied des Oberkonsistoriums; P. ist bekannt vor allem durch seine Schriften über die altdeutsche Mystik im 13. und 14. Jahrhundert und die Geschichte der Mystik im Mittelalter, 3 Bde.; sie repräsentieren den Vor-Denifleschen Stand der protestantischen Mystikforschung; H. S. Denifles neuen Erkenntnissen hat sich P. zeit seines Lebens verschlossen, doch sehen wir heute seine Leistung in einem günstigeren Licht als die unmittelbar im Bann Denifles stehende Forschung.

Andere Werke: M. Flacius Illyricus; am beliebtesten ist sein »Lehrbuch der Bayerischen Geschichte«, das, neubearbeitet von Otto Kronseder, heute noch ein übersichtliches Handbuch für die bayerische Geschichte ist.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#6 – 13 – 29·30 (Baumann · Retter)


von Rettersche
Ruhestätte

Sockel
Hier ruhen

Linke Spalte
Marie Retter
¿
Simon Baumann
¿

Rechte Spalte
Carl v. Retter
¿
Marie Retter,
geb. ¿. Juli 1884, gest. ¿. Aug. 190¿.


  • Baumann, Simon
  • Retter, Karl von
  • Retter, Marie
  • Retter, Marie; ¿.7.1884 – ¿.8.190¿

Grab der Familien Baumann · Retter auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#6 – 13 – 33 (Krempelhuber)


WIEDERSEHEN UNSER TROST!

RUHESTAETTE
DES
BUERGERS UND KAUFMANNS
JOS. v. KREMPELHUBER
GEBOREN DEN 20. MAI 1771
GESTORBEN DEN 1. MAERZ 1827
IM 56. JAHRE SEINES LEBENS

M. TRAUTMANN FECIT


  • Krempelhuber, Josef von; 25.5.1771 (München) – 1.3.1827 (München); Kaufmann

Grab der Familie Krempelhuber auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

Grab der Familie Krempelhuber auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

#6 – 13 – 34·35 (Krempelhuber)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Krempelhuber, August von, Dr.; 14.9.1813 (München) – 2.10.1882 (München); Forstrat

Grab der Familie Krempelhuber auf dem Alten Südfriedhof München (März 2008)

#6 – 13 – 42 (Läuger)


Hier ruht in Gott
unser innigstgeliebter, unvergesslicher
Gatte, Vater u. Grossvater
Herr Ernst Läuger,
Privatier, ehem. Wagnermeister,
geb. 30. Jan. 1819, gest. 17. Aug. 1905.
Ihm folgte
seine treue Gattin, unsere herzensgute
Mutter u. Grossmutter
Frau Josefa Läuger,
geb. 19. März 1837, gest. 2. Aug. 1907.
Frl. Josefa Läuger,
geb. 14. Nov. 1857, gest. 9. Jan. 1932.

Sockel
A. Aufleger 6.13.42.


  • Läuger, Ernst; 30.1.1819 – 17.8.1905; Wagnermeister
  • Läuger, Josefa; 14.11.1857 – 9.1.1932
  • Läuger, Josefa (vw); 19.3.1837 – 2.8.1907; Wagnermeisters-Witwe

Grab der Familie Läuger auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

#6 – 13 – 43 (Petritschek)


FRANZ PETRITSCHEK
* 2.12.1835 † 19.7.1909
JOHANNA PETRITSCHEK
GEB. BACHMEIER
* 20.11.1841 † 14.8.1911


  • Petritschek, Franz; 2.12.1835 – 19.7.1909
  • Petritschek, Johanna (vw) / Bachmeier (gb); 20.11.1841 – 14.8.1911

Grab der Familie Petritschek auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

#6 – 13 – 44 (Aigner)


Sockel-Tafel
Herr Martin Aigner
gest. d. 30. Mai 1904 im 50. Lebensjahre.

6.13.44. Burlein.


  • Aigner, Martin; – 30.5.1904, 49 Jahre alt

Grab der Familie Aigner auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

#6 – 13 – 47 (Mohn)


Grab der Familie Mohn auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#6 – 13 – 50 (Reichert · Schmidt)


¿
Herr Michael Reichert
1847 – 1883
Herr Frz. Xav. Schmidt
1851 – 1926
Frau Maria Schmidt
1851 – 1928
Frl. Kath. Reichert
1853 – 1942


  • Reichert, Kath.; 1853 – 1942
  • Reichert, Michael; 1847 – 3.4.1883 (München); Eisenbahnkondukteur
  • Schmidt, Frz. Xav.; 1851 – 1926
  • Schmidt, Maria (vh) / Reichert (gb); 1851 – 1928

Todesanzeige für Michael Reichert

Grab der Familien Reichert · Schmidt auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#6 – 13 – 57* (Althaller)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Althaller, Johann August / Stöger (ps); 1791 (Stockerau/Österreich) – 7.5.1861 (München); Sänger und Theaterdirektor

Das Grab ist nicht erhalten


#Johann August Althaller / Stöger (ps)

* 1791 (Stockerau/Österreich)
† 7.5.1861 (München)
Sänger und Theaterdirektor

#A. Heinrich’s Deutscher Bühnen-Almanach (1862)

Nekrologe

J. A. Stöger.

Am 7. Mai d. J. starb zu München plötzlich am Schlagfluß ein in der Theaterwelt sehr bekannter Mann, der ehemalige Direktor J. A. Stöger. Sein wahrer Name war Johann August Althaler. Er war im Jahre 1791 zu Stockerau geboren. Während seiner Gymnasialstudien fungirte J. A. Althaler als Chorknabe am k. k. Hoftheater nächst dem Kärnthnerthore. Von seinen Eltern zum geistlichen Stande bestimmt, absolvirte er die philosophischen Studien und hörte ein Zeit lang die Theologie. Seine schöne Tenorstimme fiel auf und Althaler verließ, dem Zureden seiner Freunde folgend, die begonnene theologische Laufbahn, um sich dem Theater zu widmen. Er trat unter dem nom de guerre Stöger in Wien, Olmütz und Brünn auf. Der bekannte Prager Heldenspieler Franz Rudolph Bayer hörte denselben und empfahl ihn an seinen Direktor J. C. Liebich, der den stimmbegabten jungen Mann für das k. ständische Theater zu Prag engagirte. Stöger’s Mittel waren nicht groß, aber schön und sympathisch, sein Vortrag seelenvoll, aber von einer unüberwindlichen Ungeschicklichkeit. Ein sehr günstiges Zeugniß über Stöger als Sänger enthält der Briefwechsel Anton Prokesch’s von Osten mit Schneller. Nach Liebich’s Tode führte dessen Wittwe Johanna Liebich, geb. Wimmer, deren Castelli in seinen Memoiren als Schauspielerin gedenkt, noch einige Jahre die Direktion des Prager ständischen Theaters, und Stöger stand derselben nebst dem Schauspieler Ferdinand Polawski, jedoch nur als stiller Theilnehmer zur Seite. Als Franz v. Holbein am 1. März 1821 dieses Theater übernahm, verließ Stöger mit der Wittwe Liebich, welche er später ehelichte, Prag und führte im Verein mit derselben nach einander mehrere österreichische Bühnen (zuweilen zwei zugleich); namentlich Gratz, wo ihn das Unglück des Theaterbrandes schwer betraf, Triest, Preßburg und zuletzt das priv. Theater in der Josephstadt zu Wien. Wiederholt hatte Direktor Stöger Reichthümer gesammelt und durch kühne, weitausgreifende Spekulationen wieder verloren. Auch in der Josephstadt zu Wien war er nahe daran, zu Grunde zu gehen, als ihn Raimunds »Verschwender« und der Baritonist Pöck (namentlich als Prinz-Regent im »Nachtlager von Granada«) wieder retteten.

Ehe sein Kontrakt in Wien zu Ende war, löste Stöger denselben freiwillig, weil ihm die Direktion des ständischen Theaters zu Prag von den Ständen übertragen worden war. Am 1. Mai 1834 eröffnete er seine Entreprise zu Prag mit einem neuen Lustspiel von Johanna Frau von Weissenthurn, welches nicht ansprach. Es waren »Die Geprüften«. Von den mitgebrachten Schauspielern wollte anfangs keiner recht gefallen, nur der noch immer an der Prager Bühne thätige Schauspieler Hr. Wilhelm Walter, der in Wien als der erste Darsteller des Chevalier Dumont im »Verschwender« verdiente Aufmerksamkeit erregt hatte, gefiel gleich am ersten Abend entschieden. Rasch nach einander gewannen dann auch Marie Frey, Carl W. Fischer und Karl Dietz eine ehrende Beliebtheit. Einen um so glänzenderen und sehr nachhaltigen Erfolg aber errang Stöger’s erster Opernabend (»Der Barbier von Sevilla«) mit Pöck, Demmer, Preisinger, Brava und Frl. Kratky. Das glänzendste Glück machte Pöck als Figaro, damals im Zenith seiner Kraft. Schon als Pöck die ersten Töne seiner großen Arie hinter der Coulisse anschlug, erschall allgemeiner Jubel in dem vollen Hause. In den Damen Podhorsky und Lutzer übernahm Stöger von der vorigen Direktion zwei Perlen. Stöger’s Oper in Prag galt für eine der besten in Deutschland. Nur zu bald wurde das ausgezeichnete Ensemble durch den Durchgang Pöck’s zerrissen, dann verließ ihre Vaterstadt Prag, die Lutzer. Demmer’s Stimme nahm rasch ab, dennoch gingen die ersten sechs Jahr der Entreprise immer noch zur vollen Zufriedenheit des Publikums vorüber, das Repertoir war reich und mannigfaltig, es war für eine schöne Ausstattung der Novitäten gesorgt, gute Gäste kamen und die Oberleitung war thätig. Die Etablirung einer großartigen Ziegelei bei Prag begann jedoch später die Aufmerksamkeit des Theaterdirektors dergestalt zu absorbiren, daß die ständische Bühne dem Krebsgang verfiel.

Hierzu kam noch eine zwar großartig angelegte, aber doch verunglückte Unternehmung. Stöger erbaute mit großem Aufwande auf einem schlecht gewählten Platz in der Rosengasse ein zweites Theater für böhmische Vorstellungen und deutsche Possen, welches zugleich als Redoutonsaal dienen sollte. Die Vorstellungen darin wurden am 28. September 1842 mit dem böhmischen Originallustspiel »Karl Skreta« von W. J. Swoboda, eröffnet.

Mit der Zugkraft des »Zauberschleiers« war die kurze Erntezeit des Stöger’schen Theaters in der Rosengasse vorüber, es vegetirte und verkümmerte, theilweise unter den verschiedensten Intriguen, und Stöger verkaufte dasselbe im Jahre 1846 an das Aerar, welches das Theatergebäude zur Aufnahme des k. k. Pfand- und Leihhauses bestimmte. Mit dem Palmsonntag 1846 war auch Stöger’s Kontrakt mit den böhmischen Ständen zu Ende und diese verliehen ihr Theater an den Rigaer Theaterunternehmer Johann Hoffmann.

Stöger privatisirte nun, bis er im Jahre 1848 abermals das priv. Theater in der Josephstadt zu Wien übernahm, das er nach empfindlichen Verlusten bald wieder aufzugeben genöthigt ward. Zum zweiten Male erhielt er im Jahre 1852 auf sechs Jahre das Prager königl. ständische Theater. Auch diesmal hatte Stöger’s Oper eine, wenn auch vorübergehende Glanzperiode durch den Tenor Franz Steger, durch Dr. Schmid, Frl. Louise Meyer u. a. Wieder traten Rückschritte ein, Stöger war zur Führung der Bühne zu alt geworden und im letzten Jahre seiner Direktion (1858) bestand die Stärke seiner Entreprise lediglich in der Posse. Zu Ostern 1858 übernahm Hr. F. Thomé das Prager Theater und behielt Stöger als stillen Kompagnon. Der kostspielige Bau des Neustädter Theaters vor dem Roßthore und dessen Eröffnung zur Kriegsepoche des Jahres 1859 brachte eine Krisis herbei, welche u. A. die Auflösung der Compagnie Stöger’s mit Thomé zur Folge hatte.

Stöger, der sich stets den Ruf eines soliden Ehrenmannes zu wahren wußte, folgte seiner einzigen Tochter nach München, wo dieselbe als dramatische Sängerin am k. Hoftheater engagirt ist. In München erlag er am 7. Mai 1861 plötzlich einem Schlagfluß. F. B. M.

A. Heinrich’s Deutscher Bühnen-Almanach. Herausgegeben von A. Heinrich’s Nachfolger, A. Entsch. Berlin, 1862.

#Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich (1879)

Stöger, Johann August (Theater-Director, geb. zu Stockerau in Niederösterreich im Jahre 1791, gest. zu Prag 7. Mai 186l). Sein Familienname ist eigentlich J. A. Althaller, den er bei seinem Uebertritte zur Bühne mit dem Namen Stöger vertauschte. Die unbemittelten Eltern schickten den Knaben nach Wien, wo er studiren und für den geistlichen Stand sich vorbereiten sollte. In Wien gelang es ihm, Singknabe in Kirchen zu werden, was ihm sein Fortkommen erleichterte; auch ließ er sich in Knabenchören im Kärntnerthortheater verwenden. Nach Beendigung des Gymnasiums begann er das studium der Theologie und trat in das Seminar. Wenn er daselbst bei festlichen Anlässen in der Kirche mitsang, erregte seine herrliche Tenorstimme Aufsehen, und es bedurfte nicht großer Ueberredungskünste, daß er den Seminarstalar auszog und sich der Bühne widmete. Auf dieser wirkte wohl seine herrliche, klangvolle Stimme, aber seine Ungeschicklichkeit im Spiel und seine nichts weniger als bühnengerechte Erscheinung, denn er war von kleiner, untersetzter Gestalt, von einem ganz und gar nicht sympathischen Aeußeren, verdarben leicht die Erfolge, die er mit seiner Prachtstimme erzielte. Er wanderte nun unter dem Künstlernamen Stöger von einer Bühne zur anderen, sang in Wien, Olmütz, Brünn, bis ihn der bekannte Heldenspieler Franz Rudolph Bayer [Band I, Seite 194], der Vazer der berühmten Tragödin Marie Bayer-Bürck, von seiner Stimme entzückt, dem Director des Prager Theaters Liebich [Bd. XV, S. 99] empfahl, welcher ihn denn auch für das königlich ständische Theater in Prag engagirte. Trotz Stöger’s unüberwindlicher Ungeschicklichkeit im Spiele hatte sich doch das Prager Publicum, con dessen organ entzückt, bald an ihn gewöhnt, und wie schön die Stimme klang, erfahren wir von niemand Geringerem als von dem später berühmt gewordenen Staatsmanne von Prokesch-Osten, der sich darüber in einem Briefe an seinen Stiefvater Schneller äußerte. Liebich starb in der Blüthe seine Jahre und hinterließ das Theater seiner Witwe Johanna, geborenen Wimmer, welche selbst früher im Fache der Heroinen geglänzt. Diese führte, von Stöger und dem Schauspieler Ferdinand Polawski [Band XXIII, Seite 57] als stillen Teilnehmern unterstützt, die Direction fort, bis Anfangs März 1821 Franz von Holbein dieselbe übernahm. Das kleine Capital, weiches sich Stöger als Tenorist erspart, benützte er nun zu einem selbstständigen Unternehmen. Im Vereine mit seiner bisherigen Directorin Liebich pachtete er das ständische Theater in Gratz. Bald darauf verheiratete er sich mit der Witwe. Schon gedieh das Unternehmen glänzend, als ein schwerer Schlag ihn und seine Frau traf. Das Theater war von den steirischen Ständen prachtvoll restaurirt und seine Wiedereröffnung bereits anberaumt worden, als es am Tage vor derselben niederbrannte. Ein großer Theil des Stöger’sichen Fundus ging dabei in den Flammen auf. Nun begab sich Stöger mit seiner deutschen Gesellschaft nach Triest und fand trotz der durch wälsche Sänger verwöhnten Bevölkerung doch die freundlichste Aufnahme. Darauf übernahm er noch das Preßburger Theater, wo sich die Verhältnisse für den jungen Director auf das günstigste fügten. Es fand nämlich daselbst gerade die doppelte Königskrönung, zuerst die der Kaiserin Karolina Augusta, dann die des jüngeren Königs von Ungarn Ferdinand, statt. Auch folgten mehrere Landtage von längerer Dauer, und so gedieh in jener Zeit, da das deutsche Wort noch nicht vervehmt und der Cylinder-Terrorismus noch nicht in Scene gesetzt war, das Theater, das von Magnaten, Edelleuten, Juraten gern besucht wurde, vortrefflich. Im Jahre 1832 gab S. die Bühnen in Triest und Preßburg auf und übernahm das Josephstädter Theater in Wien. Daselbst pflegte er im Anfange die Oper und besaß an dem Bariton Pöck auch eine gediegene Kraft, aber das Publicum dieser Bühne verlangte weniger nach Sängern, als nach einer guten Localposse. Schon neigten sich Stöger’s Verhältnisse in Wien sehr zum Niedergange, als ihm ein Zufall zu Hilfe kam. Ferdinand Raimund [Band XXIV, S. 254] hatte sich mit der Direction des Leopoldstädter Theaters entzweit, sein neuestes Stück »Der Verschwender« dem Director Stöger zur Aufführung überlassen und war selbst auch auf dessen Bühne als Schauspieler aufgetreten. S. erzielte mit diesem Stücke, das am 20. Februar 1834 zum ersten Male aufgeführt wurde, eine lange Reihe von ausverkauften Häusern. So war jene gefahrdrohende Klippe umschifft. Zu seinem weiteren Glücke ging die zehnjährige Pachtzeit der drei Directoren des Prager ständischen Theaters, Kainz, Polawsky und Stepanek, zu Ende. Es wurde ein neuer Concurs ausgeschrieben, und Stöger, von hohen Gönnern unterstützt, trug den Sieg über seine Mitbewerber davon. So konnte er seinen Wiener Contract noch vor Ablauf desselben lösen. Am 1. Mai 1834 eröffnete er die Reihe der Vorstellungen an der Prager Bühne. Innerhalb 48 Stunden waren überraschende Veränderungen mit den inneren Räumen des Schauspielhauses vorgenommen worden. Eine stärkere Beleuchtung, neue und schöne Decorationen, eine brillante Garderobe, Alles sollte michelfen des Publicums Gunst zu erobern, das mit zäher Treue an dem verdrängten Theater-Directoren-Kleeblatt hing. Die ersten Tage gaben wenig Hoffnung auf eine gedeihliche Zukunft. Als aber am vierten Tage die erste Oper, Rossini’s »Barbier«, mit Pöck, Demmer, Preisinger und Brava in Scene ging, als dann in den spätern Opern Frau Komet-Podhorsky und Fräulein Jenny Lutzer, nachmalige Frau Dingelstedt, auftraten, da war Alles gewonnen, und Stöger erfreute sich der allgemeinen Anerkennung, die beste deutsche Oper, die Prag je besaß, zu dirigiren; ja dieselbe behauptete bald den Rang über die meisten Hofopern Deutschlands. Aber auch im Schauspiel gewann er Kräfte, welche den Ruf der Prager Bühne begründeten, wir nennen nur Bayer [Bd. I, S. 194), Polawsky [Bd. XXIII, S. 57), Feistmantel [Bd. IV, S. 165), Friederike Herbst [Band VIII, S. 361). Stöger’s Unternehmen gedieh, und nun ging er daran, in der Rosengasse ein neues Schauspielhaus, mit welchem eine Redoute verbunden, und worin auch zechische Stücke gespielt werden sollten, zu erbauen. Aber dem neuen, 1842 vollendeten Bau zog das Glück aus dem alten nicht nach. Dieses neue Theater ward am 28. September 1842 eröffnet; Told’s »Zauberschleier« machte wohl einige volle Häuser, aber es waren auch die ersten und letzten, was nun folgte, war das Vorspiel des gänzlichen Verfalls, woran Stöger selbst nicht geringe Schuld trug, denn es hatte sich seiner eine unselige Baulust bemächtigt. Nachdem er sich in Wysocan angekauft, errichtete er dort eine große Oekonomie, ferner eine großartige Ziegelbrennerei, und der Director kümmerte sich mehr um seine Felder und Ziegel, als um die Stücke, die man im Theater gab, und die Darsteller, welche dieselben spielten. So ging die Bühne ihrem Verfall entgegen, und S. mußte noch froh sein, als ihm die Staatsverwaltung den neuen Bau abaufte, um darin ein Versatzamt unterzubringen. Dies geschah 1846, im zwölften Jahre seiner Direction, mit welchem sein Pacht ablief. Er wurde nicht mehr erneuert; Johann Hoffmann [Bd. IX, S. 172, Nr. 23], damals Theater-Director in Riga, übernahm die neue Leitung zu Ostern 1846. Aber das Prager Publicum vergaß trotz der Vernachlässigungen, die sich Stöger in den letzten Jahren hatte zu Schulden kommen lassen, dessen Verdienste nicht und geleitete ihn, als er am 4. April 1846 mit der letzten Vorstellung schloß, unter Fackelschein und Musik nach Hause. Zwei Jahre privatisirte er, dann übernahm er wieder das Josephstädter Theater in Wien, aber die nun folgende Zeit war nicht danach angethan, die Bühne gedeihen zu lassen. Mit empfindlichen Verlusten gab er das Unternehmen wieder auf. Zu diesem Ungemach gesellte sich das herbere, der Tod seiner Gattin, die ihm stets durch ihren Geist und Geschmack wie ihre Erfahrung mit Rath und That zur Seite gestanden. Wieder wurde die Prager Bühne ausgeschrieben, und die Erinnerung an ihre Blüthezeit unter ihm war noch so mächtig im Publicum, daß er den Sieg über seine ziemlich zahlreichen Mitbewerber davontrug. Von Ostern 1852 ab war sie ihm für sechs Jahre zugefallen. Wenn auch im Anbeginn die Oper mit Steger (Staszic) [Bd. XXXVIII, Seite 315), Dr. Schmid [Band XXX, S. 282, Nr. 76], Luise Meyer-Dustmann [Band XVIII, Seite 160, Nr. 96] wieder den Glanzpunct der Stöger’schen Leitung bildete, blieb es doch nicht lange so; bald ging es rückwärts. Stöger war alt geworden, er besaß nicht mehr die einstige Energie, und im letzten Jahre seiner Leitung, 1858, war es nur noch die Posse, die das Unternehmen über Wasser hielt. Nun übernahm Director Thomé das Theater, doch blieb S. mit diesem durch geheimen Contract geschäftlich verbunden. Wieder sollte ein kostspieliger Bau, jener des Neustädter Theaters vor dem Roßthore, zur Krisis führen. In welchem guten Andenken aber Stöger bei den Pragern stand, zeigte sich wieder bei Eröffnung des Neustädter Theaters, bei welcher nur er, obgleich in der Direktion gar nicht genannt, stürmisch hervorgerufen wurde. Denn der aalglatte, unsympathische Director Thomé erfreute sich wenig Wohlwollens von Seite der Prager. Aus der Krisis, deren nächste Folge die Auflösung der Compagnieschaft war, ging Stöger, wohl mit nicht unbedeutendem Verluste hervor, doch immerhin noch soviel rettend, um sich ins Privatleben zurückziehen zu können. Er übersiedelte nun nach München zu seiner Tochter, aber schon nach drei Jahren ereilte ihn, im Alter von 70 Jahren, der Tod. In der Geschichte des Prager Theaters spielt Stöger neben Liebich die hervorragendste Rolle, und wie unter diesem vornehmlich das Schauspiel, so blühte unter jenem die Oper, und das Vierteljahrhundert des Stöger’schen Wirkens an der Prager Bühne als Sänger und Director ist deren bisher nicht wieder erreichte Glanzepoche.

Stöger’s Tochter Auguste widmete sich der Gesangskunst. Zur dramatischen Sängerin ausgebildet, betrat sie im Jahre 1858 am königlichen Hoftheater in Hannover die Bühne, kam von dort an das Theater nach München und sang im Frühling 1861 am Wiener Hofoperntheater die Elisabeth in Wagner’s »Tannhäuser«, den Fidelo in in Beethoven’s gleichnamiger Oper, und die Agathe im »Freischütz«. Obgleich ihr Gastspiel glücklich ausfiel, kam es doch nicht zum Engagement. Sie kehrte daher nach München zurück, wo sie bis zum Jahre 1864 verblieb, in welchem sie zum Hoftheater in Darmstadt übertrat. Daselbst wurde sie im Jahre 1865 von einem Halsleiden befallen, das allmälig einen immer schlimmeren Charakter annahm und endlich ihren Tod zur Folge hatte. In München hatte sie sich mit einem Herrn Lehfeld, Stallmeister des Prinzen Karl verheiratet. Wenn auch ihr Spiel Manches zu wünschen übrig ließ, ihr Gesang war tadellos. Sie verband mit einem ausgiebigen,in der Mittellage klangvollen gesunden Mezzosopran eine seltene Tonhelle und Reinheit in der Aussprache des Gesungenen.

Recensionen und Mittheilungen über Theater und Musik (Wien, 4°.). Herausgeber Jos. Klemm (recte die Fürsten Czartoryeski) VII. Jahrg. (1861), Nr. 20, S. 3l9; »Nekrolog«. – Dieselben, Nr. 15, S. 233 und Nr. 16, S. 256, über seine Tochter Auguste. – Bohemia (Prager polit. und belletr. Blatt) 1861, Nr. 148 und 149: »Johann August Stöger«. – Zwischen-Akt (Wiener Theaterblatt) 1861, Nr. 126, im Feuilleton.

Dr. Constantin von Wurzbach: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. Wien, 1879.

#Steirische Zeitschrift für Geschichte (1905)

Johann August Stöger, Sohn eines kinderreichen Maurermeisters, 1791 zu Stockerau in Niederösterreich geboren, hieß mit seinem bürgerlichen Namen Althaller und gehörte einer Familie an, deren Nachkommen in Graz heute zahlreich vertreten sind. Stöger war zuerst als Tenorist und Schauspieler bei dem bekannten Theaterdirektor Johann Karl Liebich in Prag engagiert, der seit 1806 die Leitung des dortigen Landestheaters führte. Nach Liebichs Tode (1816) übernahm dessen Witwe Johanna, geborene Wimmer, eine tüchtige Schauspielerin, die er am 13. Dezember 1803 geheiratet hatte, die Direktion der Prager Bühne. Stöger, sein Kollege Ferdinand Polawsky und Franz v. Holbein wurden ihre stillen Teilnehmer. Im März 1821 löste sie Holbein in der Direktion des Prager Theaters ab. Nun pachtete Stöger das Grazer Theater im Vereine mit Madame Liebich, die seine Frau geworden war, ohne den Namen ihres ersten Gatten abzulegen. Stöger pflegte in Graz, wo damals schon ein Bruder von ihm ansässig war, besonders die Oper, aber auch dem Schauspiel wandte er mehr Sorgfalt zu als die meisten seiner damaligen Kollegen. Bisher hatte der Pächter des Grazer Theaters den Ständen 5 fl. vom Ertrage jeder Vorstellung als Mietzins für das Gebäude zu bezahlen, der Theatermaler und alle anderen Dienstleute des Hauses wurden aber von den Ständen besoldet. Erst der allgemein beliebten Direktion Stöger-Liebich wurde diese Abgabe erlassen, wahrscheinlich nach dem Brande des Theaters, als das materielle Auskommen der Direktoren gefährdet war. Dafür aber stand von nun an das ganze Dienstpersonal im Lohne des Direktors. Stöger übernahm bald auch das Triester und 1823 noch das Preßburger Theater, so daß er in den Zwanzigerjahren drei Bühnen mit demselben Ensemble leitete. (Die bezüglichen Angaben in Wurzbachs »Biographischem Lexikon« und in Eisenbergs »Großem Bühnen-Lexikon« sind ungenau.) Im Jahre 1832 erst gab das Ehepaar diese anstrengende Geschäftsführung auf und Stöger übernahm das Josefstädter-Theater in Wien, das er bis 1834 leitete. Die meisten Sänger und der Kapellmeister des Grazer Ensembles, von denen noch die Rede sein wird, folgten Stöger auf seinen Wanderungen, die sich bis Petersburg erstreckt haben sollen, von 1834 bis 1836 leitete er das Prager, 1848 bis 1852 noch einmal das Josefstädter- und 1852 bis 1859 wieder das Prager Theater. In den Jahren 1858 bis 1860 war er noch stiller Kompagnon des Direktors Franz Thome in Prag und zog sich dann nach München zurück, wo er bei seiner einzigen Tochter Auguste Stöger-Lehfeld († 1866), damals bayrische Hofopernsängerin, 1861 an einem Gulasch erstickt sein soll. Seine Frau Johanna hatte sich schon 1834 von der Bühne zurückgezogen und war um 1850 in Wien gestorben. Eine Nichte Stögers, die später als Frau Prinz in Graz lebte, war in seinem Prager Balletensemble engagiert.

Otto Erich Deutsch: Beiträge zur Geschichte des Grazer Theaters. Steirische Zeitschrift für Geschichte. Graz, 1905.

#6 – 14 – 2 (Ast · Lanzlott)


Hier ruhet in Gott
unsere Tante
Johanna Lanzlott,
gest. März 1879, im 68. Lebensjahre.
Ihr folgte ihre Nichte
Karoline Lanzlott,
Schullehrerin a. D.
gest. 4. März 1902, im 76 Lebensjahre.
Rosa Lanzlott,
k. Hofschauspielerin a. D.
gest. 16. Okt. 1923, im 92. Lebensjahre.

Friede ihrer Asche.

6.14.2. Schwarz


  • Ast, Georg Anton Friedrich, Dr. phil.; 29.12.1778 (Gotha) – 31.10.1841 (München); Philosoph
  • Lanzlott, Johanna; – 19.3.1879 (München), 68 Jahre alt; Offiziers-Tochter
  • Lanzlott, Karoline; – 4.3.1902; Lehrerin
  • Lanzlott, Rosa; 26.10.1831 (München) – 16.10.1923 (München); Schauspielerin

Todesanzeige für Johanna Lanzlott

Todesanzeige für Rosa Lanzlott

Grab der Familien Ast · Lanzlott auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Dr. phil. Georg Anton Friedrich Ast

* 29.12.1778 (Gotha)
† 31.10.1841 (München)
Philosoph

#Allgemeine Deutsche Biographie (1875)

Ast: Friedrich A., ein philosophisch gebildeter Philolog, geb. zu Gotha am 29. Dec. 1778, † 31. Dec. 1841, bezog, auf dem Gymnasium seiner Vaterstadt tüchtig vorgebildet, 1798 die Universität zu Jena, um sich dem Studium der Theologie zu widmen. Aber angezogen durch das rege Leben der lateinischen Gesellschaft unter Eichstädt’s Leitung trat er bald zur Philologie über und betrieb außerdem fleißig philosophische Studien. Bereits nach dreijähriger Wirksamkeit als Docent der Philologie und Philosophie zu Jena erhielt A. 1805 einen Ruf als Professor der classischen Litteratur an die Universität zu Landshut, in welcher Stellung er auch nach Verlegung der Universität nach München bis zu seinem Tode verblieb.

Seine litterarische Thätigkeit bewegte sich in den früheren Jahren vorzugsweise auf philosophischem Gebiete. Seine zahlreichen philosophischen und ästhetischen Hand- und Lehrbücher (Handbuch der Aesthetik, 1805, Grundriß der Aesthetik, 1807, Grundlinien der Grammatik, Hermeneutik und Kritik, 1808, Grundlinien der Philosophie, 1809, Grundriß einer Geschichte der Philosophie, 1807 und 1825, Entwurf einer Universalgeschichte, 1808 und 1810 etc.) waren in seiner Zeit sehr geschätzt und viel verbreitet. Als Philolog erwarb sich A. einen bedeutenden Ruf durch seine Arbeiten über Plato. Nach verschiedenen Monographien, von denen wir das noch jetzt geschätzte Werk über »Plato’s Leben und Schriften« (1816) hervorheben, folgte seine Gesammtausgabe des Plato in 9 Bänden (1819–27), deren Hauptwerth auf der in gewandtem und fließendem Latein gefertigten Uebersetzung beruht. Von dem zu breit angelegten Commentar erschienen nur 2 Bände (1829–32 zu Protagoras, Phädros, Gorgias und Phädo). Den Abschluß seiner Arbeiten über Plato bildete das »Lexicon Platonicum« in 3 Bänden (1834–39). Als Lehrer war A. geistreich und anregend, um jedoch einen tüchtigen Nachwuchs jüngerer Philologen heranzuziehen, war er etwas zu bequem, wie überhaupt auf der Universität zu Landshut nach kurzer, vielversprechender Blüthe bald ein starker Quietismus unter den Lehrern eingerissen ist. (Meusel, Gel. Teutschl. Bd. IX.–XXII. N. Nekrol. d. D., Jahrg. 1841. S. 1021.)

Halm.

Halm: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1875.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Ast Georg Anton Friedrich, Dr. phil., 1776 (Gotha) – 1841, Philosoph, Ästhetiker, Philolog und Universitätsprofessor; er studierte in Jena Theologie, Philosophie und Philologie, war Dozent in Jena und Professor in Landshut und ab 1826 in München; er ist vor allem bekannt durch seine philosophiegeschichtlichen, besonders platonischen, Studien; dieser Schüler Schellings und Hegels stand nach seiner Berufung an die Universität Landshut (1805) mit Sailer und Savigny im Lager der Aufklärungsgegner; seine »Zeitschrift für Wissenschaft und Kunst« (1808/10) war das Organ der Landshuter Romantiker.

Hauptwerke: System der Kunstlehre, Grundlinien der Philosophie, Grundriß der Geschichte der Philosophie, Platons Leben und Schriften, Platon-Ausgabe mit lateinischer Übersetzung und Kommentar, Lexikon Platonicum 3 Bde. (Neudruck: Bonn 1956!).

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#Rosa Lanzlott

* 26.10.1831 (München)
† 16.10.1923 (München)
Schauspielerin

#Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik (28.12.1857)

Ueber das Gastspiel unserer k. Hofschauspielerin Frl. Lanzlott zu Augsburg entnehmen wir dort. Berichten: die jüngst verflossene gastspielreiche Woche (italien. Oper und Levassor) brachte uns viel Neues, mancherlei Gutes, ja sogar Vorzügliches. In Frl. Lanzlott, die sich bei ihrem zweimaligen Auftreten als »Nandl« im »Versprechen hinterm Heerd« und »Freiherr als Wildschütz«, sowie als »Fanchon« in der »Grille« präsentirte, lernten wir ein sehr schätzenswerthes Talent aus guter Schule kennen und erntete dieselbe namentlich in letzterer Partie durch ihr naturwahres Spiel voll warmer Empfindung reichen Beifall. Frl. Lanzlott, eine jugendliche hübsche Erscheinung, befleißigt sich insbesondere durch richtige Betonung und Reinheit der Sprache, ohne gerade Härten und Aengstlichkeiten zu verrathen. Dieser Vorzug kann nicht genug hervorgehoben werden, weil eine Vernachlässigung dieses wichtigen Theiles der dramatischen Kunst von den Ausübenden wie von Seite des Publikums in der Neuzeit mehr und mehr einzureißen droht, und man geneigt ist, über ein sogenanntes nobles, feines Spiel das Wesentliche zu vergessen. Die Betonungen des Frl. Lanzlot verrathen ihre sorgfältige Beobachtung der Situation und des Ganges der ganzen Handlung. Frl. Lanzlot wurde wiederholt gerufen, und wird es hoffentlich nicht bei dem einzigen Besuch bewenden lassen, sie wird immer ein willkommener Gast seyn.

Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik Nr. 362. Montag, den 28. Dezember 1857.

#Die Deutsche Schaubühne (1861)

Fräulein Lanzlott ist ein hübsches junges Mädchen, das hauptsächlich in der Localposse gut zu verwenden, aber auch im Uebrigen sichtlich bemüht ist, sich ihrer Aufgaben mit Geschick und Fleiß zu entledigen. Partien wie Margarethe (»Bürger und Junker«), Madelon (»Grille«) finden in ihr eine recht geeignete Darstellerin.

Die Deutsche Schaubühne. Organ für Theater und Literatur. Redigirt von Dr. Teodor Mehl. Hamburg; 1861.

#Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik (7.3.1866)

München, 6. März.

Als in der letzten Aufführung des Oberon Frl. Lanzlott als Puck verschwinden sollte, um den Hüon zu holen, hatte sie sich neben die Versenkung gestellt, und da sie merkte, daß sie auf einem falschen Platze stehe, sprang sie schnell auf das in die Tiefe sinkende Brett; das Publikum war über den Erfolg des Sprunges in Angst und begrüßte das Fräulein, als es bald darauf wieder wohlbehalten auf der Bühne erschien, mit anhaltendem Applaus.

Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik Nr. 66. Mittwoch, den 7. März 1866.

#Allgemeine Zeitung (11.10.1893)

München, 11. Oct. Ein Mitglied unsres Hoftheaters feierte kürzlich in aller Stille sein 40jähriges Künstlerjubiläum: Frln. Rosa Lanzlott. Die »Augsb. Abendztg.«, welche nachträglich auf das klang- und sanglose Jubiläum dieser untergeordneten, aber überaus verdienstvollen Schauspielkraft ansmerksam macht, widmet ihr in nachstehenden Zeilen vollberechtigtes Lob. Am 1. October 1853 trat Frl. Lanzlott (nach der Grandauer’schen Chronik) an Stelle von Therese Döllinger. Seit dieser langen Zeit ist sie, zumeist in bescheidenen Röllen zweiten und dritten Ranges, aber immer mit bewundernswerthem Fleiße, mit strenger Gewissenhaftigkeit, auch der kleinsten Aufgabe die höchste Aufmerksamkeit und die sorgfältigste Vorbereitung widmend, im Dienste ihrer Kunst der heimischen Bühne treu geblieben. So manchmal im Laufe der Jahrzehnte durften wir in diesen Blättern ihren Leistungen dankbare Anerkennung zollen, Leistungen, die der großen Welt zumeist nur wenig in die Augen fielen, deren Gediegenheit aber dem aufmerksamen Beobachter erst dann am klarsten zum Bewußtsein kam, wenn ab und zu versucht wurde, eine jüngere Kraft in der gleichen Rolle zu erproben. Martin Schleichs Bühnenstücke waren früher besonders geeignet, der beliebten Künstlerin schöne Triumphe zu bereiten: Schleich hatte ja, als er die fraglichen Rollen schuf, die eigenartige, kernige Begabung seiner Freundin und Landsmännin fest vor Augen. In Schleichs »Bürger und Junker« beging denn auch vor wenigen Tagen die Hofbühne das Erinnerungsfest an die vierzigjährige Thätigkeit der von allen ihren Kunstgenossen hochgeschätzten Jubilarin, aber in aller Heimlichkeit, so daß der weitere Kreis von Freunden und Verehrern erst nachträglich davon Kenntnis; erhielt. Gewiß entsprach die Theaterleitung damit nur einem Herzenswünsche der überbescheidenen Künstlerin, aber ebenso gewiß war es doch nicht ganz recht, denn viele Hunderte von Kunstfreunden, die sich mit lebhaftem Vergnügen der schönen Leistungen der jungen Rosa Lanzlott erinnern und heute noch sich freuen, wenn sie den Namen der gereiften Künstlerin am Theaterzettel lesen, hätten den Tag gern mitgefeiert.

Allgemeine Zeitung Nr. 282. München; Mittwoch, den 11. Oktober 1893.

#Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903)

Lanzlott Rosa, geboren in München. Ihre Ausbildung erhielt sie von Louise Söltel (geboren 1822, gestorben am 10. September 1887 in München, war von 1838 bis zu ihrem Tod Mitglied des Münchner Hoftheaters, in Charakterrollen sehr geschätzt. Sie war eine hochgebildete Dame, die ungewöhnlich reiche Kenntnisse in Sprachen besaß. Sie übersetzte aus dem Latenischen und Griechischen, war der französischen, italienischen und englischen, auch der polnischen, russischen und spanischen Sprache mächtig und besaß eine ebenso umfassende literarische wie musikalische Bildung). Schon als junges Mädchen kam L. ans Münchner Hoftheater, in dessen Verband sie am 1. Mai 1853 trat und zuerst im Fache der naiven Liebhaberinnen erfolgreich beschäftigt wurde. Später ging sie ins ältere Fach über und tritt heute hauptsächlich nur noch in Chargen auf. Dieses verdienstvolle und älteste weibliche Mitglied des Münchner Hoftheaters war namentlich in Raimundschen und Schleichschen Stücken beliebt, in denen sie sowohl den schauspielerischen wie gesanglichen Teil zur besten Geltung brachte. Gegenwärtig ist sie ausgezeichnet in volkstümlichen Nebenpartien, die eine gewisse Derbheit vertragen, und mag die Rolle auch noch so klein sein, L. verrät in jedem Satz die gewiegte Schauspielerin. Sie ist ausgezeichnet mit der goldenen Ehrenmünze des königlich bayerischen Ludwigsordens – eine Dekoration, die höchst selten verliehen wird – und gehört der ruhmreichen Vergangenheit der bayerischen Hofbühne an.

Ludwig Eisenberg’s Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Leipzig, 1903.

#Neuer Theater-Almanach (1909)

Oktober 1911

Rosa Lanzlott, Hofschauspielerin in München, nächst Bernhard Baumeister wohl das älteste aktive Bühnenmitglied, vollendet ihr 80. Lebensjahr und wird in herzlicher Weise von ganz München gefeiert.

Neuer Theater-Almanach. Berlin, 1913.

#Allgemeine Zeitung (19.6.1909)

Unsere alte Lanzlott, respektvoller: die Königliche Hofschauspielerin Fräulein Rosa Lanzlott sah am 1. d. M. – ein Unikum – auf eine sechzigjährige Dienstzeit zurück und spielte am 11. unter Ehren und Blumen die alte Haushälterin Madame Helseth in »Rosmersholm«, die grösste Rolle, die sie zurzeit noch innehat. Fräulein Lanzlott ist nicht nur das älteste, sondern auch verehrteste Mitglied unseres Hofschauspiels. Sie hat wohl kaum je einen Feind gehabt und auch keinen verdient, denn sie war als Mensch nicht minder liebenswert wie als Künstlerin. Sie ragt noch aus jener unmodernen Zeit herein, als die Schauspieler noch glaubten, sie spielten für das Publikum und nicht bloß für sich, als man noch sprechen lernte und sprechen konnte, als nicht erst das Unverständliche künstlerisches Ereignis ward. Die alte Lanzlott versteht man heute noch; sie ist also im modernen Sinne keine »Menschendarstellerin«, sondern eine ganz gewöhnliche Schauspielerin von anno dazumal. Möchten uns solche nie ganz fehlen!

Allgemeine Zeitung Nummer 25. München; Samstag, den 19. Juni 1909.

#Allgemeine Zeitung (4.3.1911)

Münchener Theater

Dem Fasching wurde auch in unserem Hoftheater der herkömmliche Tribut gezollt. Diesmal studierte man zu diesem Zwecke Martin Schleichs Volksschauspiel »Die letzte Hexe« ein. Das war sehr zu loben. Der alte Schleich sollte in München nicht vergessen werden. Seine vielfach an Nestroy erinnernde Komik ist zwar stark vieux jeu, aber der Erfolg hat gezeigt, daß es auch heute noch erfreulicherweise genug Menschen gibt, die sich an dieser harmlosen Komik erfreuen können. Unseres Erinnerns ist im Fasching des Jahres 1892 »Die letzte Hexe« zum letztenmal neu einstudiert worden. Der Erfolg ist sich immer gleich geblieben. Das Interessanteste an der diesmaligen Aufführung war für uns alte Münchener, daß unsere prächtige, nun bald 80 Jahre alte Rosa Lanzlott, die bei der Uraufführung des Stückes am 5. Februar 1856 die junge Titelrolle gespielt hatte und in der Zwischenzeit einmal zur Witwe Döpstlin heraufgerückt war, diesmal die alte Nani, die Magd der Frau Döpstlin, spielte: gut, klar und verständlich, wie es leider oft unsere jüngsten Schauspielerinnen nicht können. Die Ehren des Abends konzentrierten sich deshalb auch namentlich auf dieses ehrwürdige Ueberbleibsel aus einer gnadenvolleren, verschwundenen Münchener Theaterzeit. Ihr standen als treffliche Altmünchener zur Seite Frau Conrad-Ramlo als Frau Döpstlin, Fräulein Terwin als ihr verzogener Lausbub Xaverl, Frau Höfer in der Titelrolle, und die Herren Geis, Gura, Ulmer, Schröder und Hildebrand. Dialekt und Ton des Stückes trafen neben der Jubilarin wohl am besten Frau Ramlo, Fräulein Terwin und die Herren Geis und Gura. Ich glaube, man könnte es wagen, von Zeit zu Zeit auch einmal ein anderes der Schleichschen Stücke aufzuführen. Die richtige Stätte allerdings wäre dafür unser berufenstes Volkstheater, das Gärtnertheater.

Alfred Freiherr von Mensi: Allgemeine Zeitung Nummer 9. München; Samstag, den 4. März 1911.

#Neuer Theater-Almanach (1913)

Oktober 1911

Rosa Lanzlott, Hofschauspielerin in München, nächst Bernhard Baumeister wohl das älteste aktive Bühnenmitglied, vollendet ihr 80. Lebensjahr und wird in herzlicher Weise von ganz München gefeiert.

Neuer Theater-Almanach. Berlin, 1913.

#6 – 14 – 7 (Murmann)


¿STÄTTE
DER
FAMILIE MURMANN


  • Murmann, Babette; – 10.3.1869 (München), 71 Jahre alt; Registrators-Tochter
  • Murmann, Barbara (vw); – (4).2.1877, 83 Jahre alt; Hauptmanns-Witwe
  • Murmann, Karl; – 14.11.1863 (München), 11 Jahre alt; Kadett im königlichen Kadettenkorps
  • Murmann, Mathias; – 16.10.1856 (München), 69 Jahre alt; Hauptmann a. D.

Todesanzeige für Karl Murmann

Grab der Familie Murmann auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#6 – 14 – 21·22 (Meisinger · Sturm)


Hier ruhen
Johann Meisinger
* 24.4.1845. † 30.12.1878.
Josef Meisinger
* 16.10.1806. † 8.8.1880.
Max Meisinger
* 16.12.1834. † 18.2.1895.
Viktoria Meisinger
* 12.10.1807. † 22.8.1897.
Josef Meisinger
* 3.12.1839. † 15.12.1901.
Fanny Meisinger
* 26.9.1847. † 4.8.1919.
Zum Andenken an den
lieben Enkel u. Sohn
Albert Sturm
Leutnant d. 13. Inf. Reg.
* 26.3.1897. gefallen
vor Verdun 2.8.1916.


  • Meisinger, Fanny; 26.9.1847 – 4.8.1919 (München); Privatiers-Witwe
  • Meisinger, Johann; 24.4.1845 – 30.12.1878 (München); Lederhändlers-Sohn
  • Meisinger, Josef; 16.10.1806 – 8.8.1880 (München); Lederhändler
  • Meisinger, Josef; 3.12.1839 – 15.12.1901
  • Meisinger, Max; 16.12.1834 – 18.2.1895 (München); Buchhalter des bürgerlichen Brauhauses
  • Meisinger, Viktoria; 12.10.1807 – 22.8.1897
  • Sturm, Albert [in memoriam]; 26.3.1897 – 3.8.1916 (Verdun); Leutnant

Todesanzeige für Albert Sturm

Grab der Familien Meisinger · Sturm auf dem Alten Südfriedhof München (März 2008)

#6 – 14 – 28 (Kramer · Sedlmaier)


Hier ruhen:
Herr Ferdinand Kramer
kgl. Hauptzollamts-Oberbeamter,
geb. 12. Nov. 1796, † 10. April 1881.
Frau Antonie Kramer
geb. Rast,
geb. 27. Nov. 1813, † 26. Jan. 1891.
Fräulein Rosa Kramer
geb. 30. April 1840, † 15. Mai 1923.
Fräulein Katharina Kramer
geb. 10. Juni 1787, † 7. April 1874.

Sockel-Tafel
Herr Michael Sedlmaier
Apotheker,
geb. 18. Juni 1830, † 21. Februar 1907.
Frau Mary Sedlmaier
geb. Kramer,
geb. 16. März 1839, † 27. Januar 1914.


  • Kramer, Antonie (vw) / Rast (gb); 27.11.1813 – 26.1.1891 (München); Hauptzollamtverwalters-Witwe
  • Kramer, Ferdinand; 12.11.1796 – 10.4.1881; Hauptzollamts-Oberbeamter
  • Kramer, Katharina; 10.6.1787 – 7.4.1874 (München); Finanzsekretärs-Tochter
  • Kramer, Rosa; 30.4.1840 – 15.5.1923 (München); Hauptzollamtverwalters-Tocher und ehemalige Vorsteherin des Beamtentöchter-Stiftes Neuberghausen
  • Sedlmaier, Mary (vw) / Kramer (gb); 16.3.1839 – 27.1.1914; Apothekers-Witwe
  • Sedlmaier, Michael; 18.6.1830 – 21.2.1907; Apotheker

Grab der Familien Kramer · Sedlmaier auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2013)

#6 – 14 – 29 (Beilhack · Kneiß · Reubke)


Hier ruhen in Gott
Herr
¿ Johann Georg
Beilhack
kgl. Gymnasial-Rektor u. Professor
¿
¿ 2¿. April 1802
¿. Oktober 1864
¿
Frau Creszentia Beilhack
¿
Wilhelm ¿
¿
Frau Anna Beilhack
geborne ¿
geb. den 11. Januar 1819 zu München
gest. den 24. Oktober 1891 zu München
¿
Frau Maria Reubke geb. Beilhack
geb. den 22. ¿
¿


  • Beilhack, Anna Maria Josefa (vw) / Lang (gb); 11.1.1819 (München) – 21.10.1891 (München); Landrichters-Tochter aus Viechtach / Lehrers-Witwe
  • Beilhack, Johann Georg, Dr. phil.; 23.4.1802 (Ruhpolding bei Traunstein) – 21.10.1864 (München); Lehrer und Schriftsteller
  • Beilhack, Kreszenz (vh); – 14.1.1842 (München), 35 Jahre alt; Gymnasial-Professors-Gattin
  • Beilhack, Wilhelm; – (16).5.1847 (München); Rektors-Sohn
  • Reubke, Marie (vh) / Beilhack (gb); 22.4.1853 (München) – 11.3.1925; Schauspielerin und Schriftstellerin
  • Kneiß, Franz; – (13).9.1899 (München), 71 Jahre alt; Bildhauer und Kunstantiquitäten-Reparateur

Annonce für Restaurationen.

Todesanzeige für Dr. phil. Johann Georg Beilhack

Todesanzeige für Anna Maria Josefa Beilhack

Todesanzeige für Marie Reubke

Grab der Familien Beilhack · Kneiß · Reubke auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

#Dr. phil. Johann Georg Beilhack

* 23.4.1802 (Ruhpolding bei Traunstein)
† 21.10.1864 (München)
Lehrer und Schriftsteller

#Morgenblatt zur Bayerischen Zeitung (5.11.1864)

Dr. J. G. Beilhack.
Nekrolog.

»Sie haben einen guten Mann begraben«, so dachte, so sprach am 23. October so Mancher, der den stattlichen Mann mit den markirten Zügen im stets freundlichen, gerötheten Gesichte gekannt hatte oder ihm begegnet war, wenn derselbe, viel gegrüßt und noch mehr grüßend, täglich zur gleichen Stunde, ja fast zur gleichen Minute mit festem und gleichmäßigem Schritte durch die Straßen der Altstadt nach dem Maximiliansgymnasium ging. »Sie haben einen guten Mann begraben, und uns war er mehr«, das müssen Alle gestehen, die je zu seiner Familie gehört hatten; zu seiner Familie zählen aber nicht nur seine nächsten Angehörigen, sondern Jeder, der in den Räumen jener Studirnanstalt mit dem Verlebten je in Verbindung gestanden war, Lehrer wie Schüler, Allen war er ein gemeinsamer, getreuer Vater in Freud und Noth. Namentlich für die letztere hatte er ein theilnehmendes Herz, war doch auch seine Jugend nicht auf Rosen gebettet.

Johann Georg Beilhack war geboren den 22. April 1802 zu Ruhpolding, einem reizend gelegenen Gebirgsdorf in Oberbayern, nahe an der Tirolergrenze; sein Vater war dort Bauer und Tischlermeister. Noch kaum zwei Jahre alt wurde das Kind nach Unterwössen zur Erziehung bei der Großmutter gebracht, und bieb dort bis zum 13. Jahre, während welcher Zeit die dortige Dorfschule, geleitet von einem tüchtigen Autodidakten, den Heranwachsenden in die Elementargegenstände einwies. Nach Ruhpolding zurückgekehrt fühlte der Knabe im elterlichen Hause und unter acht Geschwistern sich lange nicht recht heimlich und heimisch, er erlebte, wie er als Mann oft betonte, an sich selbst, daß das Gefühl der Kinder gegen die Eltern leidet, wenn sie getrennt erzogen werden. Unter der Erlernung des Tischlerhandwerks und unter der gleichzeitigen Beschäftigung mit dem Feldbau kam die Zeit der großen Theuerung heran, wo der Schäffel Weizen mit 100 fl. bezahlt wurde, und veranlaßte eine wiederholte Uebersiedelung nach Wössen; und nun wurde aus dem Tischlerlehrling ein Köhler. Doch nicht lange, so stiegen bei Anlaß einer Primiz im benachbarten Grassau in dem strebsamen Geist des Fünfzehnjährigen höhere Wünsche auf; von einem in die Ferien heimkehrenden Gymnasiasten entlehnte er den kleinen Bröder und studirte in Feierstunden heimlich Latein. Unter der Bedingung, daß er ein Geistlicher werde, billigten endlich die Verwandten seinen Vorsatz und versprachen Unterstützung. Der Pfarrvicar des Ortes nahm ihn nun in Unterricht, d. h. er erklärte wenig und verlangte vieles Selbstdenken, das Latein wurde ausschließlich praktisch getrieben mit Uebersetzungen und mit Lesung des Cornelius Nepos. Bei einer solchen Behandlung des Unterrichtes war der Schüler darauf hingewiesen, die Regeln sich selbst zu suchen; in den zehn Monaten der Privatunterweisung lernte er auswendig Bröders Grammatik mit allen Beispielen und angehängtrn Lectionen, den ganzen Nepos und etwa 500 Seiten von Schmid's Geschichte der Deutschen. Nach solcher Vorbereitung durchlief Beilhack mit häufigen Ueberspringungen in vier Jahren das Gymnasium zu München; i. J. 1823 absolvirte er das Lyceum.

Aus dieser Studienzeit her datiren zahlreiche freundschaftliche Verbindungen, deren Nachwirkung selbst den Tod überdauerte; aus dieser Zeit ging auch das Bild Eines Mannes wie ein Leuchtstern bis in die letzten Lebenstage vor dem nun Entschlafenen her, das Charakterbild Cajctan Weiller's, des Philosophen und Pädagogen, dessen Beispiel wohl hauptsächlich es war, was außer dem angeborenen Takt, den nachmaligen Lehrer und Schulvorstand Beilhack in der Behandlung der studirenden Jugend leitete. Diesem Manne verdankte er zunächst die Ermöglichung seiner Existenz; denn als der junge Candidat der Philosophie nach gewissenhafter Berufswahl dem Willen seiner bäuerlichen Verwandten entgegen nicht die theologische Laufbahn erwählte, sondern auf der Universität Landshut den medicinischen Studien sich zuwandte, da zogen diese ihre unterstützende Hand von ihm vollständig ab, und hatte Beilhack bisher an seiner Bildung unter reichlicher Entbehrung des Nöthigen gearbeitet, so gebrach es ihm plötzlich am Allernöthigsten – er war völlig brodlos und aus dem elterlichen Hause verstoßen. Da half Weiller; obwohl dieser selbst Kleriker, haßte er doch jeden Zwang, der junge Leute wider ihren Willen in die theologischen Hörsäle stieß. Auf Weillers Rath und von ihm zu Instructionen empfohlen, inscribirte sich Beilhack in München bei Thiersch, der kurz vorher das philologische Seminar gestiftet hatte; im J. 1826 bestand er den Concurs für das höhere Lehramt, also im 25. Jahre seiner dornenvollen Jugend. Diese harte Jugend verdient besonders betont zu werden in einer Zeit, wo die jungen Leute ohne alle Anstrengung im Leben sogleich zum Genusse des Lebens eilen zu dürfen meinen.

Freundlicher gestaltete sich sein Leben, seitdem er 1827–29 als Hofmeister in Tegernsee die Söhne des nunmehrigen Forstraths Schenk unterrichtete. Von da weg berief ihn das Ministerium Wallerstein 1830 als Präceptor des I. Curses der Lateinschule in München. Drei Jahre später erwarb er sich den Doktorgrad, seine Promotionsschrift behandelte Zschokke's Satz: »Zuerst wird der Mensch als Pflanze erzogen, dann als Thier und zuletzt als Engel; aber Viele bringen es nicht weiter als bis zum wohldresstirten Thier.« An diese Schrift reihen sich 1836 sein Programm für das Gymnasium in Landshut, wohin er 1835 als Professor der I. Gymnasialclasse befördert worden war, und wo er auch an der Gewerbsschule unentgeltlich unterrichtete. Dies Mal schrieb er über das Studium des Althochdeutschen, als einer Wissenschaft, die ihm schon lang am Herzen lag und die durch die nähere Bekanntschaft mit Maßmann, Schmeller, Vollmar und besonders mit J. Grimm für seine weitere Bethätigung maßgebend war; es folgten seine deutsche Grammatik für Lateinschulen, das gleiche Werk bearbeitet für Gewerbschulen, das Lehrbuch der Stylistik und die deutschen Denkmäler, lauter Werke, die ihren Hauptwerth schon darin haben, daß sie in Bayern für den Betrieb der Muttersprache Bahn brachen. Seitdem Beilhack 1836 an's k. alte Gymnasium in München versetzt wurde, blieb diese Stadt sein Domicil.

Ein neuer Lebensabschnitt begann mit dem Jahr 1842; gleich im Anfang des ersten Monats starb seine Frau, mit welcher er seit 1834 vermählt war; einige Monate später erhielt er die Ernennung zum Rector an der vom Gymnasium abgetrennten lateinischen Schule. Wer die Anstalt und das Local kannte, wie Beilhack sein Amt antrat, und diesen Zustand mit dem vergleicht, in welchem er es sechs Jahre später niederlegte, wird ihm die Anerkennung nicht versagen können. Als Gebäude war der Anstalt eine ehemalige Frohnfeste am Obstmarkt angewiesen, unzweckmäßig schon im Innern, noch mehr aber durch den Lärm des Marktes. In diesem Bau hatte Rector J. B. Fischer die Schule leiten müssen; der unablässigen Bemühung seines Nachfolgers Beilhack gelang es, eine ruhigere und passendere Stätte in der Nähe der Herzog-Maxburg zu erwirken. Unter seiner Leitung vergrößerte sich die Anstalt so, daß jede Classe in drei Abtheilungen mit eigenen Lehrern gespalten werden mußte. Während er selbst der 4. Classe Abteilung A vorstand, hielt er allmonatlich durch alle Curse sogenannte Rectoratsscriptionen, um durch fortwährende eigene Vergleichung zwischen den einzelnen Abtheilungen jeder Stufe das Ganze im Auge zu behalten. In seiner Eigenschaft als Rector ward ihm im Januar 1848 die für Schulmänner damals noch äußerst seltene Auszeichnung zu Theil, von Sr. Maj. König Ludwig mit dem Ritterkreuz des Verdienstordens vom heil. Michael geschmückt zu werden.

In seiner bescheidenen Weise erwiderte er die glückwünschende Ansprache der Professoren dahin, daß er die Decoration nicht seiner Person, sondern der ganzen Anstalt ertheilt betrachte; aus dem gleichen Grund trug er, amtliche Gelegenheiten ausgenommen, wobei er in Uniform zu erscheinen hatte, weder seinen Orden noch das Band zur Schau bis zu den Ereignissen der Jahre 1848 und 49, in dieser Zeit glaubte er nach solonischer Auffassung für seine Partei Farbe bekennen zu müssen in der Erscheinung wie in Wort und That und trug sein Ordensband unverhüllt durch die ihn oft verletzende Rabulistenmenge. Er war nie ein Buhler um fürstliche Gnadenbezeugungen, aber er war ein Staatsbürger, welcher, der Verfassung treu, den König als das verkörperte Staatsprincip, als den Wächter der bürgerlichen Ordnung verehrte. In dieser Gesinnung schloß er sich dem constitutionell-monarchischen Verein für »Freiheit und Gesetzmäßigkeit« an, und wirkte durch das mündliche Wort, das ihm wie Wenigen zu Gebote stand, den Verstand überzeugend und das Gemüth packend auf die Vereinsgenossen und auf die Landleute in Oberbayern und Schwaben, deren Volsversammlungen er besuchte; viele politische Aufsätze und Gedichte, deren bekanntestes: »Was bleibt uns noch« geworden, cursirten unter der Bürgerschaft: von dieser verlangte er Entschiedenheit, verhaßt waren ihm die nur »gut Gesinnten«, eine Kategorie von Leuten, die sich in einer zuwartenden Stellung am behaglichsten befanden. Als zur Aufrechthaltung der Ruhe in der Hauptstadt sich Frei-Corps bildeten, scheute er nicht die Mühe, nach Abschluß der amtlichen Tagesmühen als schlichter Wehrmann auf den Exercierplatz zu ziehen oder die halbe Nacht über Posten zu stehen. Im Vertrauen auf seinen Tact in Handhabung der Disciplin übertrug ihm die Regierung die Oberaufsicht über den allgemeinen Turnplatz.

(Schluß folgt.)

Morgenblatt zur Bayerischen Zeitung Nr. 306. München; Samstag, den 5. November 1864.

#Morgenblatt zur Bayerischen Zeitung (7.11.1864)

Dr. J. G. Beilhack.
Nekrolog.
(Schluß)

Im Jahre 1849 wurde die Lateinschule aufgelöst, und wurde in deren Local das Maximilians-Gymnasium gegründet, Beilhack kam als Professor und Conrector in die III. Gymnastalclasse. Dieser Stellung verdankte er seine schönsten Stunden, denn Lehren war ihm Bedürfniß; junge Leute zu unterrichten, die dem Knabenalter entwachsen waren, bot ihm wahre Befriedigung. In der Disciplin galt ihm als Gesetz, in ihnen das Gefühl männlichen Werthes als die Folge männlicher Gesinnung zu erwecken; im Unterricht wußte er die Jugend zu fesseln durch die Frische und Lebendigkeit seines Vortrags, durch Belebung des Anschauungsvermögens, durch Anregung der geistigen Selbstthätigkeit der Schüler.

Er vereinigte aber auch in sich die wichtigsten Eigenschaften des Erziehers: Kenntiß des menschlichen Herzens, besonders des jugendlichen, heitern Sinn, Milde gepaart mit Ernst, erforderlichen Falls mit Strenge, vor Allem gleichmäßige Consequeuz, ohne Laune, Willkühr oder Leidenschaftlichkeit.

Obwohl er das Studium der classischen Sprachen und ihrer Literatur als den Grundpfeiler des gelehrten Jugendunterrichtes ansah, wollte er doch das Sprachstudium nur als Bildungsmittel, nicht als Selbstzweck behandelt wissen, weßhalb ihm nichts ferner lag, als jene trockene, geistlose Methode, die durch Voranstellung des rein formellen, bloß Sprachlichen, den jugendlichen Geist ermüdet und ihn dadurch frühzeitig mit dem gründlichsten Widerwillen gegen die classischen Studien erfüllt. Etwas, was an Gymnasien vor ihm eine unbekannte Welt war, der Betrieb alt- und mittelhochdeuscher Sprache und Literatur und die Erklärung neuerer Werke der Poesie, muß besonders betont werden. Schon als Lehrer der IV. Lateinclasse las er gern mit den Schülern einen Zriny, in der III. Gymnasialclasse liebte er einen Walter von der Vogelweide oder Hartmann von Aue zu erklären, den Charakter des Hagen v. Tronei zu entwickeln, oder von Göthe's Iphigenie Bau, Gliederung und Sprache zu definiren – welcher seiner ehemaligen Schüler sah ihm nicht die Freude und Begeisterung an und fühlte sich nicht mit fortgerissen zu gleicher Freude und Begeisterung?

Solche Wirkung auf diesem Felde konnte aber nur erzielen, wem von Natur aus ein poetisch Gemüth in die Brust gepflanzt ist. Zahlreiche Gedichte finden sich zerstreut in der Charitas, den Theeblättern, den Blättern für deutsche Literatur etc. abgedruckt, gesammelt hat der Verstorbene sie nie, er legte seinen Erzeugnissen dazu nicht den erforderlichen Werth bei; was sie alle durchzieht, ist der Ausdruck eines harmonischen Gemüthes, wiedergegeben in fließender Sprache und correcter Form; besonders liebte er in den späteren Jahren die Spruchpoesie. Seine Lieblingsschriftsteller waren und blieben jene Humoristen, die des Lebens Ernst und Tiefe erkennend, dennoch das Leben heiter anzuschauen und wiederzustrahlen vermochten, unter diesen außer Jean Paul noch Ferdinand Raimund und Johannes Nariscus (Hortig). Das Wirken des Letzteren bildete 1851 das Thema seines Programms für das Maximiliansgymnasium. Von der Achtung, welche Se. Maj. König Max vor dem ästhetischen Urtheil Beilhack's hegte, spricht die Ernennung zum Mitglied des dramaturgischen Comites, welches unter der Intendantur Frays die eingelaufenen, dramatischen Werke zu prüfen hatte, sowie später die Zuziehung zur Prüfungscommission für die um den vom König ausgesetzten Preis concurrirenden Stücke.

Im Jahre 1856 wurde der bisherige Rector des Maximilians-Gymnasiums Karl Halm zum Universitäts-Professor befördert, und Beilhack rückte, nachdem er bereits für Halm das Rectorat geführt hatte, definitiv in dessen Stelle ein. Als Rector mit einer Masse von Amtsgeschäften neben seiner Lehrtätigkeit in der Oberclasse belastet, bewies er eine ungewöhnliche Arbeitskraft. In verwickelten Fällen wußte sein praktischer Scharfblick das Richtige rasch zu finden. Eben so rasch erfolgten die schriftlichen Erledigungen im Verkehr mit den ihm vorgesetzten oder gleichgestellten Behörden; seine amtlichen Schreiben tragen das Gepräge der Bestimmtheit und nachdrucksvollen Bündigkeit, wie sie auch schon durch die charakteristische Handschrift vor den Schriftstücken Anderer kenntlich waren. Im Lehrercollegium waltete der Geist des Friedens, collegial gegen Jeden auftretend wußte er Alle durch Liebe an sich zu fesseln, da Alle überzeugt sein durften, daß der Rector ihre Interessen nach allen Seiten vertrat und wahrte; alle wichtigeren Angelegenheiten der Schule wurden nur durch Besprechung und Beschlußfassung auf collegialem Wege erledigt. Auch die Familien der Professoren werden seiner noch gedenken, namentlich, wenn der Frühling kommt; denn bei den gern wiederholten Ausflügen, wo er selbst wie jeder der Professoren mit Weib und Kind Theil nahm, erschien er wir der gemeinsame Vater einer großen Familie. Unvergeßlich wird er aber gewiß allen Wittwen sein, die ihn im Rectorat aufsuchten und um Rath oder Hülfe baten. Ungetröstet entließ er wohl kaum Eine; doppelt freundlich zu begegnen, war ihm Grundsatz. Sehr besucht war jedesmal am Schluß des Studienjahres die Feier der Preise-Vertheilung, weil man eine tüchtig ausgearbeitete Rede des Rectors über dies oder jenes Thema aus dem pädagogischen Erfahrungskreise erwarten durfte. Als Beilhack schon von 1851 an erster Ersatzmann im Kreisscholarchat für Oberbayern, 1856 wirklicher Kreisscholarch wurde, womit sich die Last der Geschäfte für ihn noch mehr häuften, trat er seine Repetitorstelle an der k. Pagerie, die er 17 Jahre lang verwaltet hatte, an eine jüngere Kraft ab. Als Scholarch arbeitete er für die Interessen des Volksschulwesens und der Lehrer. Seit dem Beschlüsse des Landtags, daß Realgymnasien errichtet werden sollten, betheiligte er sich eifrig als Mitglied der hiezu aufgestellten Commission an der Reorganisation der technischen Schulen. Ehe wir von seiner Wirksamkeit als Lehrer und Erzieher scheiden, muß auch noch des Antheils erwähnt werden, den Beilhack an der Erziehung unseres nunmehrigen königlichen Herrn nahm: das Vertrauen des seligen Königs Max holte seinen Rath ein in der Wahl der Lehrer vom Elementar- bis zum höheren wissenschaftlichen Unterrichte. Persönlichen Unterricht ertheilte Beilhack noch, als die Krankheit, der er schließlich erlag, seine Kräfte dem öffentlichen Unterricht im Gymnasium immer mehr entzog, der Prinzessin Therese, Tochter Sr. k. Hoheit des Prinzen Luitpold, in Geschichte, Geographie und Literatur während der letzten drei Jahre.

Endlich erlosch auch noch die letzte Kraft, ein halbjähriger Urlaub, den ihm die Regierung zur Wiederherstelluug seiner Gesundheit verlieh, fristete sein Leben noch um einige Monate, die er ausschließlich seiner Familie widmete. Diese bestand, seitdem Beilhack nach dem Tode seiner ersten Frau, 1844 sich zum andern Male vermählt hatte, aus seiner Gattin, die ihn mit Aufopferung pflegte, einem Sohn, den die Gnade des Königs bereits selbst im Lehramte angestellt, und einer heranwachsenden Tochter. Beilhack's Vater, der alte Tischler, der einst gegen die Berufswahl des Sohnes so entschieden aufgetreten war, ging im Mai des verflossenen Jahres dem Sohn voraus in's Jenseits, in voller Versöhnung mit dem unerschütterlich ihn immer ehrenden »Hansjörg.« An die eigene Jugend in der Tischlerwerkstätte gedachte dieser gern und oft, und wenige Tage vor seinem Hintritt, dessen er sich klar bewußt war, und den er nicht mit finsterm Stoicismus, sondern mit freudiger Heiterkeit eines wahren Christen erwartete, citirte er, während er seiner Gattin die Hand drückte, die Verse Valentins in Raimunds Verschwender:

»So leg' ich meinen Hobel hin
Und sag' der Welt Ade!«

Dieselbe Heiterkeit und Klarheit des Geistes blieb ihm auch noch in seiner Todesstunde bis zum letzten Augenblicke treu. Es starb am 21. Oktober Mittag« 12½ Uhr schmerzlos. So ist nun der Mund auf ewig verstummt, der so oft durch seinen unverwüstlichen Humor Freunde und Fremde erheitert, der durch sein lehrendes Wort auf so Viele nachhaltigen Eindruck ausgeübt hatte; verschwunden ist seine in allen Kreisen bekannte Gestalt aus unserer Mitte, aber unentschwunden bleibt er in unserer dankbaren Erinnerung. Extinctus amabitur idem.

Morgenblatt zur Bayerischen Zeitung Nr. 307 & 308. München; Montag, den 7. November 1864.

#Biographisches Lexikon für das Gebiet zwischen Inn und Salzach (1901)

Johann Georg Beilhack, Studienrektor. Beilhack Johann Georg, wurde am 22. April 1802 als Sohn eines Schreiners und Kleingütlers zu Ruhpolding geboren. Kaum zwei Jahre alt, brachte man ihn nach Unterwössen, wo er bis zum 13. Jahre bei Verwandten aufgenommen war. Zu den Eltern zurückgekehrt, begann er die Erlernung des Tischlerhandwerks, kam aber, veranlaßt durch ungünstige heimische Verhältnisse, bald wieder nach Wössen, um als Köhler verwendet zu werden. Eine im Dorfe Grassau statthabende Primizfeier weckte in dem Knaben den Wunsch, studieren zu dürfen.

Nachdem er von dem Kuraten J. Chrysam zu Wössen den ersten Unterricht erhalten, kam er an das Gymnasium nach München und absolvierte dasselbe mit der ersten Note im Jahre 1822. Den Beruf zum Geistlichen, in dem seine Verwandten ihn schon zu sehen glaubten, nicht in sich fühlend, studierte Beilhack unter ärmlichsten Verhältnissen nun an der Universität Landshut zunächst Physik und Medizin, trat aber dann in das von Thiersch errichtete philologische Seminar in München über und bestand im Jahre 1826 den Konkurs für das höhere Lehrfach.

Nachdem er von 1827–1829 die Stelle eines Hofmeisters versehen, erhielt er 1830 seine Anstellung als Präzeptor der 1. Klasse der Lateinschule in München; er erwarb sich den Doktorgrad in der Philosophie, wurde im Jahre 1835 Professor der 1. Gymnasialklasse in Landshut, um ein Jahr darauf in gleicher Eigenschaft an das alte Gymnasium nach München zurückzukehren. Unterm 7. Juni 1842 zum Rektor an der vom Gymnasium abgetrennten lateinischen Schule, am 12. Mai 1849 zum Professor der 3. Gymnasialklasse des neu kreierten Maximilian-Gymnasium, am 16. September 1856 zum Rektor letzterwähnter Anstalt ernannt, wußte Beilhack allen seinen Aufgaben in einer Weise gerecht zu werden, die den hervorragenden Pädagogen und Schulmann glänzend bekundete. Wie er durch 17 Jahre die Repetitorstelle an der kgl. Pagerie versah, so war er auch später als Kreisscholarch Oberbayerns für die Interessen der Volksschule umsichtig thätig.

Das Vertrauen, welches Beilhack von höchster Stelle stets entgegengebracht wurde, hieß ihn in den kritischen Jahren 1848 und 1849, in denen er mit der vollen Kraft des ihm zu Gebote stehenden Wortes für Ordnung und Gesetzmäßigkeit bei verschiedenen Anlässen erfolgreich eintrat, auch die Vorstandschaft der Münchener Turnanstalt übernehmen. Beilhack, der von König Ludwig I. mit Verleihung des Ritterkreuzes vom Sankt Michaels-Orden geehrt wurde, war im Besitze einer überaus gemütvollen, poetischen Ader; er lieferte viele Gedichte, die in Zeitschriften (»Charitas«, »Theeblätter«, »Blätter für deutsche Litteratur«) zerstreut sich finden. Unter den von ihm herausgegebenen Schriften sind zunächst hervorzuheben: »Deutsche Grammatik zum Gebrauche in den lateinischen Schulen«, »Deutsche Stilistik«, ferner »Die Denkmäler der deutschen Sprache«, sowie zwei Programme, eines das Studium des Altdeutschen, das andere den humorvollen Dichter Johann Nariskus (Hortig) behandelnd.

In letzter Zeit seines Lebens von Krankheiten, die aber das heitere Gemüt des Mannes nicht zu schädigen vermochten, viel heimgesucht, starb Rektor Beilhack zu München am 21. Oktober 1864. [Heindl, »Galerie berühmter Pädagogen«, Bd. I, S. 38. – Morgenblatt zur »Bayr. Zeitung« vom 5. November 1864, Nr. 306.]

Max Fürst: Biographisches Lexikon für das Gebiet zwischen Inn und Salzach. München, 1901.

#Marie Reubke (vh) / Beilhack (gb)

* 22.4.1853 (München)
† (13).3.1925
Schauspielerin und Schriftstellerin

#Neuer Bayerischer Kurier für Stadt und Land (29.11.1866)

Philharmonischer Verein.

Die am verflossenen Sonntag stattgehabte Matinée zeichnete sich durch talentirte musikalische und deklamatorische Novitäten aus, deren Auftreten uns zu der wiederholten Ansicht brachte, daß wir es dem Gründer dieses Vereines, dem sel. Vater Schönchen wie seinem Sohne, dem strebsamen und unermüdeten jetzigen Leiter Hrn. Prof. H. Schönchen zu besonderem Danke wissen dürfen, jungen – für das Bühnen- wie musikalische Kunstfach – sich heranbildenden Talenten Gelegenheit zu verschaffen, die Produkte ihres Fleißes und ihrer Fähigkeit vor das Forum der Oeffentlichkeit gelangen zu lassen.

Besonderes Interesse in dieser Matinée, welche von den HH. A. Geiger, P. Moralt und C. Thoms mit einem Trio von Täglichsbeck eröffnet wurde, erregten die Deklamationsvorträge von Frln. Marie Beilhack, einer begabten Schülerin von Frau Schunke. Gemäß der schönen, wohldurchdachten Auffassung, als auch des innigen, zu Herzen sprechenden Vortrages der beiden Gedichte: »Erdenfluch und Himmelssegen«, von Saphir und »der Christbaum«, von J. Weil (letzteres mit Pianofortebegleitung von Proch) gelangten wir zu der Ueberzeugung, daß Frln. Beilhack ein vielversprechendes Bühnentalent besitzt, und – ausgestattet mit anmuthiger Persönlichkeit – bei fortgesetztem sorgsamen Studium einem schönen Ziele auf ihrer nun angetretenen Künstlerlaufbahn entgegen gehen wird.

Neuer Bayerischer Kurier für Stadt und Land Nr. 327. München; Donnerstag, den 29. November 1866.

#Biographisches Bühnen-Lexikon der Deutschen Theater (1892)

Reubke-Beilhack, Marie, * 22.IV.53 München. Trag. Liebh., Salond. Ausb. Clara Ziegler. Eng.: Karlsruhe Hfth. 71/72, Dessau Hfth. 72/74, Berlin Stdth. 74/75, Darmstadt Hfth. I.V. 73/80. Gretchen, Klärchen, Jungfrau, Julia, Desdemona, Ophelia, Stuart, Antigone, Iphigenie, Chrimhild, Luise, Kordelia, Leonore von Este, Donna Diana, Rosalinde. Gast: Baden-Baden, Aschaffenburg, Worms, Luzern, Speyer, Helmstedt, München Th. a. Gärtnerpl, Kaiserslautern, Zweibrücken. Seit 80 privatisirend Wiesbaden, gastierend u. Lehrerin am Cons. Freudenberg.

Ottmar G. Flüggen: Biographisches Bühnen-Lexikon der Deutschen Theater. Von Beginn der Deutschen Schauspielkunst bis zur Gegenwart. München, 1892.

#Münchner Neueste Nachrichten (17.9.1906)

Lokales.
München, 15. September.

Hof- und Personalnachrichten. Dem Mitgliede des k. Hofschauspiels Marie Reubke wurde von Sr. k. Hoh. dem Prinz-Regenten der Titel einer k. Hofschauspielerin verliehen.

Münchner Neueste Nachrichten No. 434. Montag, den 17. September 1906.

#Münchner Neueste Nachrichten (14.3.1925)

Münchner Teil
Kurze Stadtnachrichten

Frau Maria Reubke, die Mutter der bekannten Hofschauspielerin Maja Reubke, wurde am 13. März unter ehrender Anteilnahme, namentlich auch aus Künstlerkreisen, im südlichen Friedhof im elterlichen Familiengrab zur Ruhe bestattet. Frau Reubke, eine Tochter des Münchner Rektors und Professors Dr. Beilhack, war eine Schauspielerin von Rang, eine Lieblingsschülerin der großen Tragödin Klara Ziegler. In Karlsruhe, Dessau, Berlin, Darmstadt errang die Künstlerin große Erfolge; in Dessau reichte sie einem der gefeiertsten jugendlichen Helden- und Liebhaberdarsteller, Adolf Reubke, die Hand zum Lebensbunde. In Wiesbaden durfte sie in glücklicher Ehe leben und der einzigen Tochter sich widmen, die bekanntlich von Possart für die Münchner Hofschauspielbühne gewonnen wurde, der sie 10 Jahre lang angehörte. Der vorzeitige Tod des Lebensgefährten ließ Frau Reubke zum Theater zurückkehren; sie wirkte noch als Heldenmutter in Straßburg, bis ihrer Bühnenlaufbahn durch Krankheit ein Ende gesetzt wurde. Die Tochter widmete sich unter Zurückstellung ihrer eigenen künstlerischen Absichten ganz der Mutter; sie gingen beide ineinander auf. Der Geistliche hob namentlich die menschlich wertvollen Eigenschaften dieser trefflichen Frau und Mutter in der Hingabe an die Tochter hervor, während Hofschauspieler Max Bayrhammer der großen Künstlerin gedachte, die der Tochter Talent und Sprechkunst vererbte. Unter den Blumen und Freundesgrüßen, die der Heimgegangenen gespendet worden waren, befand sich auch ein Kranz von der Gesellschaft Isar-Athen.

Münchner Neueste Nachrichten Nr. 72. Samstag, den 14. März 1925.

#6 – 14 – 30* (Heigel)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Heigel, Klemens August; 5.8.1792 (München) – 3.5.1849 (München), Tod durch Selbstmord; Schauspieler

Todesanzeige für Klemens August Heigel

Das Grab ist nicht erhalten


#Klemens August Heigel

* 5.8.1792 (München)
† 3.5.1849 (München), Tod durch Selbstmord
Schauspieler

#Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik (3.5.1849)

Hiemit wird Herr Hofschauspieler Heigel auf diesem Wege aufgefordert seinem Versprechen nachzukommen.

Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik Nro. 123. Donnerstag, den 3. Mai 1849.

#Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik (5.5.1849)

Gestern verunglückte in der Isar der rühmlichst bekannte Hofschauspieler und Regisseur Heigel.

Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik Nro. 125. Samstag, den 5. Mai 1849.

#Bayerische Landbötin (5.5.1849)

Tagesbericht.

Gestern Nachmittag suchte und fand in den Fluthen der Isar der Hofschauspieler Heigel seinen Tod. Zerrüttete Vermögenszustände sollen die Ursache zu diesem traurigen Schritte gewesen sein. Die Bühne verliert an ihm eines ihrer ältesten und, wie sich gewiß jeder Theaterbesucher gestehen muß, tüchtigsten Mitglieder.

Bayerische Landbötin No. 71. München; Samstag, den 5. Mai 1849.

#Der Reichsbote (5.5.1849)

Der Hofschauspieler Heigel hat sich ertränkt, wie man glaubt, wegen Verschuldung; wenigstens will man damit den Umstand in Verbindung bringen, daß er in den »Neuesten Nachrichten« vor einigen Tagen aufgefordert wurde seine Pflicht zu erfüllen; worin aber diese Pflicht bestand, ist unklar. Mag jeder sich sein eigen Theil hier denken; de mortuis nil nisi bene, Heigel war als Schauspieler tüchtig, und hat uns oftmals erfreut; was er als Mensch verschuldet oder gut gethan, darüber mag Derjenige richten, dem alles Urtheil anheimgegeben ist.

Der Reichsbote No. 106. Samstag, den 5. Mai 1849.

#Der Bayerische Volksfreund (6.5.1849)

Vorgestern (3.) wurde der Leichnam des k. Hofschauspielers August Heigel aus der Isar gezogen. Zerrüttete Vermögensverhältnisse sollen ihn zu dem Entschluß gebracht haben, in den Wellen den Tod zu suchen. Angestellte Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Kunst und Publikum verlieren in ihm einen tüchtigen beliebten Schauspieler; unsere kgl. Hofbühne das letzte Mitglied aus der alten Schule.

Der Bayerische Volksfreund No. 72. Sonntag, den 6. Mai 1849.

#Münchener Anzeiger (6.5.1849)

Eine vom Hofschauspieler Schwarz in einer der jüngsten Nummern der »Neuesten Nachrichten« enthaltene Aufforderung an den k. Hofschauspieler Heigel, seinem Versprechen nachzukommen, soll letzteren zu dem unglücklichen Entschluß gebracht haben. Das Publikum empfing deshalb Hrn. Schwarz vorigen Freitag in der Vorstellung im k. Hoftheater, wobei derselbe beschäftigt war, mit ungestümen Zeichen des Mißfallens, gestattete jedoch demselben auf dessen Anfrage das freilich wieder oft durch Zischen unterbrochene Fortspielen. Heigel ward gestern mit allen Ehren und unter zahlreichem Grabgeleite beerdigt.

Der Bayerische Volksfreund No. 73. Dienstag, den 8. Mai 1849.

#Münchener Anzeiger (6.5.1849)

Bekanntmachungen.

Landwehr-Freikorps.

Sonntag den 6. dieß Nachmittag um 4 Uhr findet die Beerdigung des Wehrmanns der 7. Comp. Herrn Hofschauspieler Heigel vom Leichenhause aus statt, wozu sämmtliche Mitglieder des Regiments hiermit eingeladen werden.

München, d. 5. Mai 1849.
Das Regimentskommando: Kathreiner, Oberstlieutnant.

Münchener Anzeiger Nro. 94. Sonntag, den 6. Mai 1849.

#Neue Fränkische Zeitung (8.5.1849)

Der Schauspieler Schwarz, der, wie Heigel, bevor er sich ertränkte, in seiner Brieftasche niederschrieb, durch öffentliches Mahnen um eine Schuld von wenigen Gulden, Letzteren zu dem übereilten Schritte trieb, wurde bei seinem gestrigen Auftreten mit lautem Pfeifen und Zischen empfangen.

Neue Fränkische Zeitung No. 127 und 128. Würzburg; Dienstag, den 8. Mai 1849.

#Der Bayerische Volksfreund (8.5.1849)

Eine vom Hofschauspieler Schwarz in einer der jüngsten Nummern der »Neuesten Nachrichten« enthaltene Aufforderung an den k. Hofschauspieler Heigel, seinem Versprechen nachzukommen, soll letzteren zu dem unglücklichen Entschluß gebracht haben. Das Publikum empfing deshalb Hrn. Schwarz vorigen Freitag in der Vorstellung im k. Hoftheater, wobei derselbe beschäftigt war, mit ungestümen Zeichen des Mißfallens, gestattete jedoch demselben auf dessen Anfrage das freilich wieder oft durch Zischen unterbrochene Fortspielen. Heigel ward gestern mit allen Ehren und unter zahlreichem Grabgeleite beerdigt.

Der Bayerische Volksfreund No. 73. Dienstag, den 8. Mai 1849.

#Der Bayerische Volksfreund (9.5.1849)

Zum Besten der hinterbliebenen Kinder des verstorbenen k. Hofschauspielers Heigel wird morgen im kgl. Hoftheater eine außerordentliche Vorstellung gegeben. Es ist hierzu Beethovens: »Fidelio« gewählt. Ein ehrendes Zeichen wie die k. Intendanz die Verdienste des Dahingeschiedenen anerkennt. Möge auch das kunstsinnige Publikum zahlreichen Antheil dabei nehmen, woran bei dem Umstande um so weniger zu zweifeln seyn dürfte, als wir Frln. Hetznecker wohl in dieser Parthie zum letztenmale zu hören Gelegenheit haben.

Der Bayerische Volksfreund No. 74. Mittwoch, den 9. Mai 1849.

#Der Bayerische Eilbote (9.5.1849)

Sonntag den 6. Mai Nachmittags 4 Uhr fand die feierliche Beerdigung des Hofschauspielers Heigel statt. Die Franziscanerkirche gab den geistlichen Conduct und eine Abtheilung des Landwehrfreicorps die drei üblichen Gewehrsalven. Der Verlebte machte einst als Offizier Militär-, und Kriegsdienste mit und war seit einem Jahr Wehrmann der 7. Compagnie des Landwehrfreicorps. Stabs- und andere Offiziere der Linie und der Freicorps schlossen sich dem Leichengefolge an. Der Intendant und die Regisseure erwiesen dem Verblichenen die letzte Ehre und die Hofschauspieler erschienen mit Flören und brennenden Kerzen. Leider war der fungirende Pater Franziscaner kein entsprechender Leichenredner. – Wer wird, wie Heigel, so hohen Sinn in Bild und Fabel tragen, so tief erschöpfen Kunst und Leidenschaft, wer wird, wie er, so Meister jeder Scene sein, wen wieder so zum Günstling Melpomene mit allen Gaben hehrer Täuschung weih'n? Der Bühnen-Proteus ruht erstarrt im Grabe, der uns so treu des Lebens Spiegel wies! Entrückt des Erdenlebens Schwächen lebt Heigel fort in der Erinnerung jedes Kunstfreundes! – Friede seiner Asche! – Zum Besten seiner Hinterlassenen wird am Mittwoch Beethoven's Oper »Fidelio« im k. Hoftheater gegeben.

Der Bayerische Eilbote No. 55. München; Mittwoch, den 9. Mai 1849.

#Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik (9.5.1849)

Sie werden einem Freunde des unglücklichen Künstlers Heigel wohl gerne einige Worte der Pietät für diesen so allgemein bedauerten Mann gestatten, um so mehr, als mancher ein Inserat in diesen nehmlichen Blättern als nächste Ursache seines Todes zu betrachten geneigt ist? [Nur eine durch vorhergegangene bittere Erfahrungen gereizte Phantasie und geistige Erschöpfung konnte in dem benannten Inserate einen Angriff auf die persönliche Ehre erblicken, da dasselbe nur die einfache Bitte an Herrn Heigl enthielt, sein Versprechen zu erfüllen und nicht einmal ausdrückte, worin das noch nicht erfüllte Versprechen bestand. D. Red.]

Wäre auch nur der kleinste Zweifel über die allgemeine Werthschätzung dieses trefflichen Künstlers denkbar, hätte sich nicht das Urheil des ganzen Münchner Publikums durch die überall laut werdende innige Theilnahme constatirt, so bekundete sich das rührendste Beileid bei seiner vorgestrigen Begräbnißfeier, wo Personen aus allen Ständen in tiefster Trauer dem Sarge folgten. Das Landwehrfreikorps selbst war durch eine große Anzahl Wehrmänner, drei Stabsoffiziere an der Spitze, vertreten, Bürger, Beamte, Studenten, das ganze Theaterpersonal befanden sich unter den zahlreichen Leidtragenden. Jedermann fühlte, daß nicht allein ein großer für unsere Bühne unersetzlicher Künstler hier zu Grabe getragen wird, sondern ein Mann, dessen Begriff von Ehre über die gewöhnlichen Lebensanschauungen hinausreichten. In seinen letzten, von ihm hinterlassenen Worten sagte er: »Meine Ehre ist vernichtet, öffentlich gebrandmarkt. Gott verzeihe denen, die mich so weit gebracht haben, ich vermag es nicht.« Die Zeit erst wird den Verlust dieses trefflichen Künstlers uns ganz erkennen lassen; Heigel wird und kann an unserer Bühne nicht ersetzt werden.

Noch ein Wort an die edlen und fühlenden Herzen von Münchens Einwohnern. Schon hat die Verzweiflung die Seele eines braven Mannes erfaßt, dessen Andenken lange, lange fortleben wird. Er hinterläßt aber eine Familie, die in diesem Augenblick verzweiflungsvoll die Hände nach dem geliebten Vater ringt. Eine liebende und geliebte Gattin, zwei Söhne, 13 und 6 Jahre alt, sind das Vermächtniß des Gestorbenen, der uns so manche schöne Stunde der Erheiterung schuf. Der tiefste Jammer hat diese Unglücklichen erfaßt; wir waren Zeuge des namenlosen Schmerzes, für welchen uns jeder Ausdruck fehlt. Für diese legt die Menschlichkeit uns die heilige Pflicht des Mitleids auf; wäre auch nicht die Erinnerung unzähliger Genüsse, die wir dem Alten verdankten, die uns anspornt, ein kleines Schärfein auf den Altar der Pietät niederzulegen. Die k. Hoftheaterintendanz gibt dem Publikum Gelegenheit, seine Theilnahme für die Hinterlassenen zu bethätigen, indem am Mittwoch den 9. ds. (heute) Beethovens Fidelio zum Besten der hinterlassenen Kinder Heigels aufgeführt wird. Auf, eine der schönsten Pflichten zu erfüllen!

Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik Nro. 129. Mittwoch, den 9. Mai 1849.

#Chronik des königlichen Hof- und Nationaltheaters in München (1878)

1849. Der treffliche Schauspieler Heigel fand am 3. Mai seinen Tod in den Wellen der Isar. Er zählte zu den vorzüglichsten Kräften des Münchener Schauspiel-Personals. Den grössten Teil seiner Rollen übernahm sein vormaliger Schüler Heinrich Büttgen. Adolf Schwarz verliess Ende Juli die Hofbühne.

Chronik des königlichen Hof- und Nationaltheaters in München. Zur Feier seines hundertjährigen Bestehens von Franz Grandaur, k. Regisseur. München, 1878.

#6 – 14 – 31 (Haeckel · Roder)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Haeckel, Kreszenzia (vh) / Roder (gb); – 25.1.1875 (München), 23 Jahre alt; Papierfabrikbesitzers-Gattin
  • Roder, Anna Maria; – 15.10.1858 (München), 6 Monate alt, Zwillingsschwester von Johann R.; Werkführers-Tochter
  • Roder, Johann; – 15.10.1858 (München), 6 Monate alt, Zwillingsbruder von Anna Maria R.; Werkführers-Sohn
  • Roder, Josef; – (22).2.1856 (München), 5 Monate alt; Werkführers-Sohn

Grab der Familien Haeckel · Roder auf dem Alten Südfriedhof München (September 2018)

#6 – 14 – 35·36 (Höpfl)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Höpfl, Anna (vw); – 22.7.1859 (München), 75 Jahre alt; Schuhmachers-Witwe
  • Höpfl, Johanna (vh); – (6).6.1905 (München), 39 Jahre alt; Rechnungsführers-Gattin
  • Höpfl, Maria (vw); – (9).3.1886 (München), 31 Jahre alt; Stadtpfarrmessners-Witwe

Grab der Familie Höpfl auf dem Alten Südfriedhof München (September 2018)

#6 – 15 – 1 (Gabe de Massarellos)


Hier ruhen in ¿
meine unvergesslichen Eltern
Die Hochwohlgeborene Frau
Amalia Gabe de Massarellos
geb. den ¿ gest. den 11. März 1889.
Der Hochwohlgeborene Herr
Dr. Franz Leonard Gabe de Massarellos
prakt. Arzt
geb. den ¿ gest. den ¿. März 1889.

Es ist bestimmt in Gottes Rath
Dass man vom liebsten
was man hat muss scheiden.


  • Gabe de Massarellos, Amalia (vh) / Dirnhier (gb); – 11.3.1889 (München), 67 Jahre alt; Privatierstochter aus München / Arzt-Gattin
  • Gabe de Massarellos, Franz Leonhard, Dr. med.; 2.6.1813 (Kopenhagen) – 28.3.1889 (München); Praktischer Arzt

Todesanzeige für Amalia Gabe de Massarellos

Todesanzeige für Dr. med. Franz Leonhard Gabe de Massarellos

Grab der Familie Gabe de Massarellos auf dem Alten Südfriedhof München (April 2018)

#6 – 15 – 2 (Riedl)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Riedl, Anna (vw); – (15).4.1898 (München), 87 Jahre alt; Rats-Witwe
  • Riedl, Josef; – 10.11.1862 (München), 57 Jahre alt; Königlicher Rat und Hofsekretär

Grab der Familie Riedl auf dem Alten Südfriedhof München (April 2018)

#6 – 15 – 4 (Entleutner · Rosenkrantz)


Hier ruhen:
Frau Elise Rosenkrantz
geb. Fellerer,
geb. 24.X.18¿4. gest. 29.VI.1856.
u. ihr treuer Gatte
Herr
Dr. Wilhelm Rosenkrantz
k. Oberappellrat
Ritter hoher Orden
geb. 2.III.1821. gest. ¿
Deren Enkel
Fritz Entleu¿
Kaufmann
geb. 28.X.1879, gest. 29.V.¿


  • Entleutner, Fritz; 28.10.1879 – 29.6.1917 (München); Kaufmann
  • Rosenkrantz, Elise (vh) / Fellerer (gb); 24.10.1824 – 29.6.1856 (München); Justizministeriumssekretärs-Gattin
  • Rosenkrantz, Wilhelm, Dr.; 2.3.1821 – 27.9.1874 (Gries bei Bozen/Südtirol); Oberappellationsgerichtsrat

Grab der Familien Entleutner · Rosenkrantz auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#6 – 15 – 5·6 (Werner)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Werner, Ignatz; – 26.8.1858 (München), 38 Jahre alt; Ehemaliger Bäckermeister
  • Werner, Josefa; – (21).11.1834 (München), 13 Jahre alt; Bäckers-Tochter
  • Werner, Maria (vw); – 4.11.1861 (München), 70 Jahre alt; Bäckermeisters-Witwe
  • Werner, Sebastian; – (26).12.1836 (München), 51 Jahre alt; Bäckermeister
  • Werner, Sebastian; – (1).2.1852 (München); Mechaniker
  • Werner, Therese (vw); – (12).9.1900 (München), 76 Jahre alt; Schwertfegers-Witwe
  • Werner, Thomas; – (4).2.1895 (München), 69 Jahre alt; Ehemaliger Schwertfeger

Grab der Familie Werner auf dem Alten Südfriedhof München (September 2018)

#6 – 15 – 8·9 (Linsenmayer)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Linsenmayer, Alois; – (14).12.1879 (München), 60 Jahre alt; Privatier
  • Linsenmayer, Alois; – (9).10.1900 (München), 53 Jahre alt; Privatier
  • Linsenmayer, Katharina (vw); – (29).5.1886 (München), 58 Jahre alt; Privatiers-Witwe

Grab der Familie Linsenmayer auf dem Alten Südfriedhof München (September 2018)

#6 – 15 – 10 (Mayr)


Hier ruht
unser bester Gatte u. Vater
DR. RODERICH MAYR
Obermedizinalrat
* 19.9.1883 † 20.9.1937 zu Günzburg

Plakette
Dem treuen Gedenken
unseres einzigen Sohnes
Hauptm. Robert Mayr
geb. 17.1.18 – gef. 28.12.41
vor Sewastopol

Tafel
Hier ruht:
unser unvergesslicher, treubesorgter
Gatte u. Vater,
HERR Dr. RAIMUND MAYR,
prakt. Arzt in München,
geb. in Rosenheim den 7. Oktober 1853,
gest. den 25. Februar 1903.
Edel sei der Mensch, hilfreich u. gut!
Unsere geliebte Mutter
FRAU CAROLINE MAYR
Arztenswitwe,
geb. in München den 4. Februar 1860,
gest. den 12. Mai 1912.


  • Mayr, Karoline (vw); 4.2.1860 – 12.5.1912; Arzt-Witwe
  • Mayr, Raimund, Dr. med.; 7.10.1853 (Rosenheim) – 25.2.1903; Praktischer Arzt
  • Mayr, Robert [in memoriam]; 17.1.1918 – 28.12.1941 (Sewastopol); Hauptmann
  • Mayr, Roderich, Dr. med.; 19.9.1883 – 20.9.1937 (Günzburg); Obermedizinalrat

Grab der Familie Mayr auf dem Alten Südfriedhof München (März 2008)

#6 – 15 – 14·15 (Gruber)


Hier ruht
Johann Gruber
Malzfabrikantens-Sohn
geboren den ¿. Oktober 184¿
gestorben den 13. Juni 187¿
Herr Franz Gruber ¿
geb. ¿. November ¿
gestorben den ¿. Mai 1874
Ihm folgte die beste der Mütter
Frau Theresia Gruber geb. M¿
Privatiers u. ehem. Malzfabrikbesitzersgattin
¿
Herr Franz Gruber Privatier
¿


  • Gruber, Franz; – 21.5.1875 (München), 69 Jahre alt; Privatier und ehemaliger Besitzer der Malzfabrik zum »Oberottl«
  • Gruber, Franz; – 3.5.1874 (München), 43 Jahre alt; Ehemaliger Gastwirt
  • Gruber, Johann; – 13.6.1871 (München), 28 Jahre alt; Malzfabrikantens-Sohn
  • Gruber, Theresia (vw); Privatiers-Gattin

Grab der Familie Gruber auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#6 – 15 – 16 (Soratroy)


Hier ruht
Ludwig Soratroy
Kaufmann u. Handelsrichter,
geb. 11. April 1844 gest. 11. Mai 1903.
dessen Gattin
Elise Soratroy
geb. 6. Aug. 1846, gest. 3. Mai 1920.

R. I. P.


  • Soratroy, Elise (vw); 6.8.1846 – 3.5.1920
  • Soratroy, Ludwig; 11.4.1844 – 11.5.1903; Handelsrichter und Kaufmann

Grab der Familie Soratroy auf dem Alten Südfriedhof München (März 2008)

#6 – 15 – 18 (Rösch)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Rösch, Auguste; – (27).5.1889 (München), 68 Jahre alt; Kassakontrolleurs-Tochter
  • Rösch, Emma; – (14).5.1888 (München), 69 Jahre alt; Kassakontrolleurs-Tochter
  • Rösch, Maria; – (22).11.1893 (München), 79 Jahre alt; Privatiere

Grab der Familie Rösch auf dem Alten Südfriedhof München (September 2018)

#6 – 15 – 21 (Heuber)


Hier ruhen:
Daniel Heuber
k. Oberleutnant 1. Chev. Regts.
geb. 15.IV.1790. † 7.V.1849.
Otto Heuber
k. Landrichter
geb. 1.I.1820. † 22.II.1878.
Wilhelm Heuber
Geh. Rechnungsrat
im Kriegsministerium
geb. 12.IX.1857, † 21.IX.1915.
Renate Heuber
geb. Zimsen
geb. 30.X.1902. † 17.IX.1940.

Familien-Grab.

Sockel
Wilhelmine Heuber
Sct. Anna-Dame
geb. 9.IX.1834, † 26.VIII.1910.


  • Heuber, Daniel; 15.4.1790 – 7.5.1849; Königlicher Oberleutnant
  • Heuber, Otto; 1.1.1820 – 22.2.1878; Königlicher Landrichter
  • Heuber, Renate (vh) / Zimsen (gb); 30.10.1902 – 17.9.1940
  • Heuber, Wilhelm; 12.9.1857 – 21.9.1915; Geheimer Rechnungsrat im Kriegsministerium
  • Heuber, Wilhelmine; 9.9.1834 – 26.8.1910; Sankt Anna Stiftsdame

Grab der Familie Heuber auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#6 – 15 – 36 (Pachmayr · Puchböckh)


Familie
Pachmayr


  • Pachmayr, Johann Baptist; – (12).12.1859 (München), 52 Jahre alt; Pfarrer
  • Pachmayr, Julius; – (15).8.1892 (München), 37 Jahre alt; Eisenbahnkondukteur
  • Pachmayr, Karl; – (14).4.1901 (München), 48 Jahre alt
  • Pachmayr, Katharina (vw) / Bentfeldt (gb); – 14.5.1859 (München), 79 Jahre alt; Postmeisters-Witwe
  • Pachmayr, Pauline; – (1).12.1862 (München), 15 Jahre alt; Revierförsters-Tochter
  • Puchböckh, Franziska von (vw); – (10).6.1857 (München), 59 Jahre alt; Forstmeisters-Witwe

Grab der Familien Pachmayr · Puchböckh auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#6 – 15 – 37·38 (Bedall)


Hier ruhen in Frieden:
Carl Bedall
kgl. bayr. Generalauditor
geb. den ¿. März 1792, gestorben ¿. April 185¿
dessen Schwester
Wally Bedall
¿
Mathilde Bedall
¿ Apothekers-Gattin
¿
Carl Bedall
¿
Helene Bedall
¿
Sofie Bedall
geb. Seeholzer. Apothekers-Wtw.
geboren 8. Juni 1843. gestorben 21. Januar 1935


  • Bedall, Helene
  • Bedall, Karl
  • Bedall, Karl; ¿.3.1792 – 6.4.1853 (München); Generalauditor
  • Bedall, Mathilde (vh); Apothekers-Gattin
  • Bedall, Sofie (vw) / Seeholzer (gb); 8.6.1843 – 21.1.1935; Apothekers-Witwe
  • Bedall, Wally

Grab der Familie Bedall auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

#6 – 15 – 56 (Karlinger)


PAX

ALFONS KARLINGER
AKAD. MALER
1879 – 1899


  • Karlinger, Alfons; 1879 – (11).10.1899 (München); Kunstmaler

Todesanzeige für Alfons Karlinger

Grab der Familie Karlinger auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2011)

#6 – 16 – 1 (Bothmer)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Bothmer, Adelheid Ernestine Wilhelmine Sofie Gräfin von (vh) / Stralenheim, Freiin von (gb); 6.6.1832 – 27.2.1855
  • Bothmer, Antonie Gräfin von (vh) / Haustein, Freiin von (gb); 11.4.1782 – 12.10.1826
  • Bothmer, Otto Graf von; 12.8.1843 – 14.11.1850

Grab der Familie Bothmer auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#6 – 16 – 2 (Formberger)


Hier ruhet in Gott
Frau Anna Formberger
geb. 17. Juni 1839. gest. 5. Aug. 1928.

Zum Gedenken
ihres in Straubing ruhenden Gatten
Hr. Wilhelm Formberger
k. Oberexpeditor a. D.
geb. 28. Jan. 1834. gest. 26. Mai 1867.

Sockel
Familien-Grabstätte.

Rechte Seite
A. Riedel.


  • Formberger, Anna (vw) / Grau (gb); 17.6.1839 – 5.8.1928 (München); Oberexpeditors-Witwe
  • Formberger, Wilhelm; 28.1.1834 – 26.5.1867; Oberexpeditor a. D.

Grab der Familien Formberger · Rudolf auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#6 – 16 – 3 (Buchner)


Dr. Ludwig Buchner
Universitätsprofessor
geb. 23. Juli 1813
gest. 23. Okt. 1897


  • Buchner, Ludwig Andreas, Dr. med.; 23.7.1813 (München) – 23.10.1897 (München); Arzt

Grab der Familie Buchner auf dem Alten Südfriedhof München (März 2008)

#Dr. med. Ludwig Andreas Buchner

* 23.7.1813 (München)
† 23.10.1897 (München)

Arzt

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Buchner Ludwig Andreas, Dr. med., 1813 (München) – 1897, Pharmakologe, Universitätsprofessor und Obermedizinalrat; er studierte zu München, Paris und Gießen und stand sehr unter dem Einfluß von K. F. Ph. von Martius und J. von Liebig, seit 1846 war B. außerordentliches Mitglied der BAkdW, seit 1852 Professor der Pharmazie an der Universität München; er ist Mitverfasser und Redakteur der »Neuen Pharmakopöe für Bayern« und lieferte viele Beiträge für das »Repertorium der Pharmacie«; im Obermedizinalausschuß des Bayerischen Innenministeriums hatte B. das Referat für Apothekerwesen inne; er machte sich um die Biochemie (= Lehre von den chemischen Vorgängen bei den Lebewesen) und Toxologie (= Lehre von den Vergiftungserscheinungen) sehr verdient.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#6 – 16 – 5 (Holzer · Müller)


Holzer'sches Familien-Grab.

Hier ruhet in Gott
unser innigstgeliebter
unvergesslicher Gatte und Vater
Herr Christian Holzer,
Privatier,
geb. 25. Okt. 1800, gest. 13. April 1888.
Ihm folgte seine Gattin
unsere liebe Mutter
Frau Franziska Holzer,
geb. 2. Juli 1811, gest. 14. Febr. 1895.
Frl. Mathilde Holzer,
geb. 21. Juli 1878, gest. 15. Dez. 1913.
Herr Max Holzer,
ehem. Fabrikant
geb. 18. März 1845, gest. 28. Okt. 1929.

Sockel
Katharina Müller, Privatiers-Gattin,
geb. 6. Okt. 1761, gest. 26. Sept. 1834,
mit ihren neun Enkeln.


  • Holzer, Christian; 25.10.1800 – 13.4.1888 (München); Privatier, ehemaliger Gastwirt
  • Holzer, Franziska (vw); 2.7.811 – 14.2.1895; Privatiers-Witwe
  • Holzer, Mathilde; 21.7.1878 – 15.12.1913
  • Holzer, Max; 18.3.1845 – 28.10.1929; Ehemaliger Fabrikant
  • Müller, Katharina (vh); 6.10.1761 – 26.9.1834; Privatiers-Gattin

Grab der Familien Holzer · Müller auf dem Alten Südfriedhof München (September 2018)

#6 – 16 – 13 (Erlinger)


Familie Erlinger.

Herr J. B. Erlinger
Holzhändler
geb. 18. Dez. 1816, gest. 24. Dez. 1893.
Frau Maria Erlinger
geb. Eichstöckler
geb. 23. Okt. 1823, gest. 14. Febr. 1910.
Frau Lina Erlinger
Realitätenbesitzersgattin
geb. 15. Juli 1874, gest. 27. Nov. 1921.

r Schneider

Frl. Rosa Erlinger
geb. 7. Dez. 1858, gest. 5. Jan. 1940.

Schnelldorfer. 6.16.13.


  • Erlinger, Johann B.; 18.12.1816 – 24.12.1893; Holzhändler
  • Erlinger, Lina (vh); 15.7.1874 – 27.11.1921; Realitätenbesitzers-Gattin
  • Erlinger, Maria (vh) / Eichstöckler (gb); 23.10.1823 – 14.2.1910
  • Erlinger, Rosa; 7.12.1858 – 5.1.1940

Grab der Familie Erlinger auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2008)

#6 – 16 – 14 (Gradinger)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Gradinger, Henriette; – (20).12.1882 (München), 18 Jahre alt; Majors-Tochter
  • Gradinger, Karl; – (30).8.1892 (München), 69 Jahre alt; Major

Grab der Familie Gradinger auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#6 – 16 – 15 (Regele · Weyherer)


Familie
Weyherer.

A. Lallinger.


  • Regele, Karl; – (16).9.1889 (München), 26 Jahre alt; Schreinergehilfe
  • Regele, Viktoria (vw); – (9).3.1890 (München), 26 Jahre alt; Schreinergehilfens-Witwe
  • Weyherer, Elise; – (3).1.1902 (München); Schlossers-Tochter
  • Weyherer, Georg; – (4).11.1903 (München); Schlossers-Sohn
  • Weyherer, Georg; – (10).3.1899 (München); Bäckermeisters-Sohn
  • Weyherer, Max; – (14).5.1885 (München), 25 Jahre alt; Metalldreher

Grab der Familien Regele · Weyherer auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#6 – 16 – 21 (Haindl)


FAMILIE
HAINDL

Die usprüngliche Inschrift ist überschrieben


  • Haindl, Franz Xaver; 19.9.1778 (Plattling) – 1.8.1852 (München); Schreiners-Sohn aus Plattling / ehemaliger Vorstand des Hauptmünzamtes

Grab der Familie Haindl auf dem Alten Südfriedhof München (April 2011)

#6 – 16 – 24…27 (Opfer der Sendlinger Mordweihnacht)


Den im Jahre 1705 am heiligen Christtage den 25 December im Kampfe für Fürst und Vaterland gefallenen Oberlaender Bauern.


  • Opfer der Sendlinger Mordweihnacht; – 25.12.1705 (München-Sendling)

Sendlinger Mordweihnacht · Bayerische Volkserhebung 1705 n.Chr. Holzstich 1862.

Der Heldenkampf bei Sendling: Die Segnung der Fahne · Die Erstürmung des rothen Thurmes. Abbildung aus: Neues Münchener Tagblatt Nr. 353 & 354, 18. & 19.12.1894.

Josef Martin Forster: Die Bayer. Landesvertheidiger und die Sendlinger Mordweihnacht von 1705. München; 1880.

Grab der Opfer der Sendlinger Mordweihnacht auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

Grab der Opfer der Sendlinger Mordweihnacht auf dem Alten Südfriedhof München (29. März 2021)

Spurensicherung am Grab der Opfer der Sendlinger Mordweihnacht auf dem Alten Südfriedhof München (29. März 2021)

Grab der Opfer der Sendlinger Mordweihnacht auf dem Alten Südfriedhof München (29. März 2021)

#Opfer der Sendlinger Mordweihnacht

† 25.12.1705 (München-Sendling)

#Die Bayer'sche Landbötin (25.10.1831)

Am vorigen Dienstage ward in Sendling ein feyerliches Seelenamt für die in der Sendlinger Schlacht gefallenen Landwehrmänner gehalten. Folgendes Lied ward vertheilt:

Trauerlied zur Gedächtnißfeyer der in der Sendlinger Schlacht gefallenen Gebirgs-Bewohner.

Wir flehen jetzt, o Herr zu Dir,
Gieb jenen Streitern allen
Den ew'gen Frieden, welche hier
Für Gott und Fürst gefallen.
Sie haben ja für's Vaterland
In Gottes-Nam'! gefochten,
Und sich durch seltner Treue Band
Der Ehre Kranz geflochten.

Es beb't und schauert uns das Herz
Des, was sie einst gelitten,
Als sie in Noth, in Angst und Schmerz,
So tapfer hier gestritten.
Nun lohne Herr vor Deinem Thron'
Ihr Kämpfen und ihr Leiden
Mit einer ew'gen Siegeskron'
Bey Dir in sel'gen Freuden.

Die Bayer'sche Landbötin Nro. 128. Dienstag, den 25. Oktober 1831.

#Münchener Stadtbuch (1868)

XXXVIII.

München im spanischen Erbfolge-Kriege
und
Sendlinger Mord-Weihnachten.
1705 – 1715

Hundertfünfundzwanzig Jahre waren seit der Sendlinger Mordweihnachten hinübergeschwunden.

Da sah man an einem freundlichen Sonntagmorgen – es war am Anfange Juli des Jahres 1830 – vom Gasteigberge her und aus der Vorstadt Au einen langen Zug mit Kreuz und Fahnen, begleitet von einer großen Menge Volkes, sich bewegen. Ernst schritt dieser Zug, voran die Zimmerleute von der Au, den Zimmermeister Kohlhofen an der Spitze, über die Isarbrücke, über die Stätte des ehemaligen rothen Thurmes und über das weite Wiesenfeld der ehemaligen Mordweihnachten gegen Sendling zu.

Zu gleicher Zeit bewegte sich eben so feierlich ein anderer Zug mit Kreuz und Fahnen von Sendling herunter diesem entgegen bis an den Burgfrieden. Es war die Gemeinde Sendling mit ihrem eifrigen und wackern Gemeindevorsteher.

Den vereinigten Gesammtzug eröffneten acht junge Bauernmädchen in Landestracht, mit weiten Aermeln, weißen Schürzen und Krägen, schwarzgestreiften Miedern mit goldverziertem Bruststück, die langen Haare in Zöpfen um den Kopf gewunden, darüber schöne schwarze, reichlich goldverbrämte Pelzhauben; nach ihnen gingen, die Waisen der in der Schlacht gefallenen Zimmerleute vorstellend, acht in die Landesfarben gekleidete Mädchen aus der Vorstadt Au, alle mit Kerzen in den Händen. Dann folgte der Priester, eine stattliche Anzahl Zimmerleute in Festestracht, endlich Weiber und Kinder, begleitet von einer Menge Volkes.

Es galt der feierlichen Enthüllung des Freskobildes auf der Aussenwand der Kirche zu Sendling, welches die Sendlinger Gemeinde zum Andenken an jene großartige That der Vergangenheit durch den genialen Künstler Lindenschmitt hat malen lassen. Zugleich aber hatten die Zimmerleute von der Au die alte Stiftung zum Gedächtnisse ihrer bei Sendling gefallenen Brüder erneuert, und mit höherer Bewilligung beschlossen, zu eben diesem Andenken alle drei Jahre eine Wallfahrt auf den heiligen Berg nach Andechs am Ammersee zu veranstalten.

Der Zug, in Sendling angekommen, ging um die Kirche herum und den Hügel hinauf, der am Weihnachtstage vor hundertfünfundzwanzig Jahren Schritt vor Schritt ein Leichenfeld war. Dann umstand er den mit einem Waffenstrauße von Sensen, Spießen, Morgensternen, Stutzen, Büchsen und Zimmermannsäxten verzierten und mit unzähligen Lichtern und Kränzen geschmückten großen Grabeshügel, der die Gebeine der edlen Vaterlandsmärtyrer deckt. Eine unglaubliche Volksmenge drängte sich Kopf an Kopf in tiefem rührenden Schweigen umher. — Der Priester stellte fich hierauf unten an das Grab und sprach in würdiger Begeisterung von der großen Heldenthat, die hier geschehen. Als er hierauf das Grab nach kirchlichen Gebräuchen eingesegnet, wurde die beschlossene Wallfahrt auf den heiligen Berg bei Andechs angetreten. Zwei von der Gemeinde ausgerüstete, schön verzierte Wägen führten die Kinder dahin.

Diese Gräber mögen uns Bayern aber immer bis in die fernsten Jahrhunderte ein edles Saatfeld der Nationalität, des Patriotismus, der Ehre und der Unabhängigkeit sein!

Münchener Stadtbuch. Geschichtliche Bilder aus dem alten München von Josef Maria Mayer. München; 1868.

#Die Bayer. Landesvertheidiger und die Sendlinger Mordweihnacht von 1705 (1880)

Den anfänglichen Siegen und Erfolgen des mit den Franzosen gegen das annexionslüsterne Oesterreich verbündeten Kurfürsten reihte sich, als der englische Feldmarschall Marlborough an die Donau vordrang, das Unglück an. Die am 13. August 1704 bei Höchstädt und Blindheim geschlagene Schlacht entschied den Krieg in Deutschland. Die ganze französische Armee war vernichtet: Max Emanuel legte seine Gewalt in die Hände seiner Gemahlin, Therese Kunigund Sobiesky, einer polnischen Königstochter nieder. – Existirte zwar auch keine bayerische Feldarmee mehr – in Festungen und Schlössern lagen ihrer noch Tausende, die aber die Hände nicht in den Schooß legten. Sie trieben die fränkischen und schwäbischen Kreistruppen zurück, befreiten Ingolstadt, bedrohten Regensburg und forderten im Vereine mit den Landfahnen gegen Oesterreich geführt zu werden.

Die geheimen Räthe, der Adel, die Prälaten mißriethen jede Bewegung und empfahlen weise Mäßigung, die Folge dieses Rathes war die Aechtung des Kurfürsten, Auflösung der Armee, Occupation Bayerns. Landshut wurde zuerst der Sitz der österreichischen Stadthalterschaft: die Kurfürstin

reiste auf Ihres Beichtvaters, eines Jesuiten Rath nach Venedig, von wo ihr die Rückkehr verweigert wurde. Zehn Jahre blieb sie von ihren Kindern getrennt, welche nur mehr »Grafen von Wittelsbach« genannt und nur als junge Cavaliere, nimmermehr als Söhne des ältesten Fürstengeschlechts Europas behandelt wurden. – Gleich darauf wurde ein nach Italien auf dem Marsche begriffenes Corps eiligst aus Tyrol herbeigerufen und erschien unerwartet vor München. Die Bürger verschlossen die Thore, besetzten die Wälle, General Gronsfeld drohte beim geringsten Widerstand die Stadt in Asche zu legen – und nun zog auch die Stadthalterschaft von Landshut nach München. Die fremden Unterdrücker spielten die Herren.

Bayerns wehrhafte Jugend sollte auf den Schlachtfeldern von Italien und Ungarn für den Doppelaar bluten. – In den Hochalpen überfielen und umringten Bewaffnete zur Nachtzeit die friedsamen Wohnhütten, rissen Jünglinge in Ketten und Banden mit sich fort. Für die Entronnenen mußten die Väter, die Brüder, die Schwäger im Kerker büssen. Vielen wurde erlaubt, sich loszukaufen, wenige Wochen später wurden sie dennoch selber eingereiht. Der Bauern Zugvieh, durch Kriegsfrohnen aller Art zu Grunde gerichtet, mußte noch die fremden Krieger, Tag für Tag zu Gastereien, Belustigungen aller Art u. s. w. umherführen, der Bauer sie freihalten, was ihnen gelüstete, zusammenkaufen, häufig noch blutige Mißhandlungen erdulden, Frauen und Töchter nothzüchtigen, ja selbst alte Weiber und Kinder viehischer Unbild preisgegeben sehen.

Charakteristisch ist in dieser Beziehung ein an »hohe Reichsversammlung in Regensburg« von der confoederirten Gmain der Landen Ober und Niederbayern eingereichte Vorstellung, welche den sich allmälig in Folge der »blut-äußersten Bedrängniß« heraufziehende Bauernaufstand mit der instinctiven Vertheidigung der Thiere entschuldigt und einige Beispiele scheußlicher Grausamkeit aufzählt. So mußten die drei Rentämter Straubing, Landshut, Burghausen ein volles halbes Jahr 70,000 Mann verpflegen, wodurch, den Mann pro Monat zu 5 Reichsthalern gerechnet, dem Lande hiedurch allein ein Verlust von mehr als 2 Millionen Thalern erwuchs; Plünderungen u. dgl. ungerechnet. – Als die Armee alles Geld aufgesogen hatte, wurde zur Marter gegriffen und Weib und Kind geplagt, bis die Männer bei barmherzigen Leuten Geld zusammengebettelt hatten.

Zu Pirach, Gericht Neu-Oetting sperrte ein Dragonerhauptmann die Leute bei der strengsten Winterkälte in einen offenen Bauernhof, bis sie mit 1000 fl ausgelöst wurden. – Im Braunauischen wurden 9 Personen beiderlei Geschlechts in ein höllisch heißes Zimmer gesperrt, bis sie sich ranzionirten, von dem gänzlich verarmten Städtchen Neu-Oetting erpreßte der Oberst Graf Singendorf dadurch 1000 fl., daß er die Stadtthore versperren und Niemand aus- und einließ; mehr denn einmal kam es vor, daß ein Quartiergeber aus purer Bosheit durch Bart und Kinn an den Tisch genagelt wurde. – Bei Tisch verlangte der Soldat neben gutem Tractament auch noch ein Stück Geld unter den Teller, beim Abmarsch ein starkes Viaticum. – Wie die Frauen u. Mädchen behandelt wurden, läßt sich daraus entnehmen, daß einmal sogar »eine zweitägige Kindsbetterin der verflucht abscheulichen Brunst dieser unzüchtigen Pockhgailen« zum Opfer viel. – Die Werber zwangen ohne Unterschied Söhne und Knechte zu Kriegsdiensten und holten sie nicht blos nächtlicherweilen aus dem Bette, sondern sogar an Sonn- u. Feiertagen aus der Kirche.

Schon damals, im Mai 1705 drohte die Hassesflamme gegen die Unterdrücker aufzulodern. Tegernsee und Benediktbayern waren im Begriff 3000 kräftige Männer zum Entsatze Münchens abzusenden, in der Nähe von Dachau waren gegen 2000, an einem dritten Orte 2-3000 postirt und erwarteten nur noch das Zeichen zum Angriff – da erfolgte eine allgemeine Entwaffnung und dieser eine neuerliche Aushebung, – und diese brachte den wirklichen Ausbruch des Aufstandes.

»Lieber bayrisch sterben, als in des Kaisers Unfug verderben! Liebe Brüder jetzt muß's sein« — so schallt es vom bayerischen Wald bis an die Marken des salzburgischen und tyrolischen Hochgebirgs. In Wäldern und auf Einödhöfen flochten Tausende entschlossener Männer Hand und Herz zusammen. Einzelne österreichische Patrouillen mußten mit blutigen Köpfen abziehen; mehrere von Linz kommende Montur- und Gewehrtransporte fielen den Landleuten in die Hände, deren Muth dadurch nicht wenig wuchs.

Die Rüstkammer zu Pfarrkirchen plündernd, nöthigten sie den Praktikanten des entflohenen Pflegers, den i. J. 1680 gebornen Georg Sebastian Plinganser, Hauptmann der Reichenberger Landesfahne zu werden, wenige Tage darauf Oberkommissär der Landesdevension. Die verabschiedeten bayerischen und französischen Offiziere und Soldaten rannten von Dorf zu Dorf und machten Anschläge. Jeder gab, was er hatte; die Invaliden exerzierten die Haufen. – Plinganser ließ es seine erste Aufgabe sein, eine Verbindung herzustellen zwischen dem Ober- und Unterlande, worin ihn namentlich ein talentvoller Student Johann Georg Meindl unterstützte. – Mit 12000 Mann belagerten beide Braunau, Ende Nov. 1705, nachdem Plinganser von Simbach aus ein Manifest an die Bauernschaft und die vormaligen bayerischen und französischen Offiziere und Soldaten erlassen hatte, stieg seine Schaar auf 24000 Mann. Damit eroberten sie Burghausen und einige Tage später auch Braunau. – Schärding wurde zur Uebergabe gezwungen, aus Vilshofen die Oestreicher von den Bauern geschlagen.

Nun sollte die Hauptstadt befreit werden. – Fast 40000 Mann stark, rückte das Hauptheer der Bauern auf den Straßen von Hohenlinden und Ebersberg gegen München vor. Gleichzeitig sandte man treue Boten an die Bauern von Miesbach, Tegernsee, Tölz, Benediktbayern, Kochel u. Jachenau. Ueber 3000 vortreffliche Schützen folgten dem Rufe. Ihr Führer war ein in bayerischen Diensten im vorherigen Tyrolerfeldzuge verwundeter französischer Offizier Peter Gautier.

St. Johann des Evangelisten Tag, der zweite nach Weihnachten, war von Plinganser und Meindl als Schlachttag bestimmt, aber des Volkes Wuth und Streitbegier war nicht zu bändigen. – Auf der Schäftlarner Wiese wurden 2 Fahnen ausgetheilt, die eine dem Wirth von Bayerbrunn, die andere der starke Schmid Balthasar Mayer von Kochel ergriff.

Nichts ahnend, daß sie ein Opfer schmählichen Verrathes werden sollte, rückte die Heldenschaar in zwei Haufen getheilt auf dem rechten und linken Isarufer vor.

Der Abt von Benediktbayern benachrichtigte am 23. Dezember den österreichischen Statthalter, daß die Oberländer ausgezogen seien, München zu überrumpeln. – Noch schmählicher handelte der Pfleger von Starnberg, Johann Joseph Oettlinger, der dem Statthalter auf Grund durch anscheinende Theilnahme erschlichener Kenntniß mittheilte, daß die Bauern auf Einverständniß in der Stadt rechneten und deß namentlich der Weinwirth und des äußern Raths Mitglied Johann Jäger, ein geborner Tölzer, verabredet hatte, den Bach beim weißen Bräuhaus abzulassen und durch das dortige, wenig betrachtete Pförtlein in die von einer geringen Anzahl östreichischer Truppen besetzte Stadt einzulassen. – Oettlingers Diensteifer war damit noch nicht erschöpft. Er eilte selbst zu dem am rechten Isar-Ufer stehenden General Wendt, unterrichtete ihn von Allem und beschwor ihn, keinen Augenblick zu verlieren. Wendt zog sofort von dem hierauf anrückenden General Kriechbaum, der zwischen Ebersberg, Hohenlinden und Haag stand Verstärkung an sich, wodurch die Verbindung der beiden Befreiungstruppen durchkreuzt wurde, deren Eine noch dazu um zwei Tage zu früh losschlug.

Ein Rittmeister mit 80 Dragonern zog am Morgen des hl. Abend den Bauern entgegen, auf deren Vorhut er im Forstenrieder Wald stieß. Die Patrouille war bald überwältigt und so zogen die Bauern nach Sendling, das ist, die auf dem rechten Ufer der Isar heranrückende Hälfte des Landsturms erwartend, mit Verhauen befestigten.

Bald drang diese andere Hälfte gegen Harlaching vor. In der Vorstadt Au stand die ganze Zunft der Zimmerleute auf und schloß sich den Landfahnen an. Ohne dem Feind Zeit zur Besinnung zu lassen, stürmten die Bauern den rothen Thurm und die andern, die Isarbrücke beschirmenden Werke. Sie kosteten Blut, aber sie waren in wenigen Augenblicken erkämpft. Der recken- und sagenhafte Schmid von Kochel, ein Riese von 8 Schuh 3 Zoll, damals 61 Jahre alt, in Max Emanuels Türkenkriegen ausgezeichnet, arbeitete wie rasend mit seinem Morgenstern unter den Oestreichern und hob die eine Seite des Thurmthores aus den Angeln. Die Oberländer zogen nun in hellen Haufen über die Brücke. Die andere Abtheilung näherte sich von Sendling her über Wiesen und Auen.

Aber vergeblich warteten die Tapfern auf das Signal der Theilnahme der Bürger und die Eröffnung des Thörleins am weißen Bräuhaus.

Inzwischen waren 6 unschätzbare Stunden verflossen, während General Kriechbaum gegen München marschirt war.

Es war eben mit der 8. Morgenstunde der kalte neblige Wintertag hereingebrochen, als er auf der Höhe des Gasteigberges anlangte. Unverzüglich machte Wendt zum Anger- und Sendlingerthor einen Ausfall. Die ungarischen Panduren gaben keinen Pardon und richteten ein fürchterliches Blutbad an. Die Bauern widerstanden mit hartnäckiger Tapferkeit und zogen sich, obwohl zwischen zwei Feuer genommen, langsam gegen ihre letzte Stellung in Sendling über die drei Viertelstunden breite, keinerlei Schutz darbietende Wiese zurück.

Die von Sensen und Büchsen bereits stark gelichteten Husaren überflügelten die Bauern von Thalkirchen aus; die Infanterie, zwei Grenadiercompagnien an der Spitze, stürmte die Verhaue in der Stirne und nahm sie nach einem mörderischen Kampfe. Jedes Haus, jeder Zaun, jeder Graben, jede Hecke wurde mit Wuth vertheitigt, gewonnen und wieder verloren. Alles, was noch lebte, zog sich auf den hochgelegenen Kirchhof, dessen Mauer als Brustwehr diente, das arme Leben theuer zu verkaufen.

Gautier nahm etwa ein halbes Tausend in einen dicken Klumpen zusammen, sich damit gegen den Forstenrieder Forst ziehend, den sie auch mit geringem Verluste (von kaum 40 Mann) erreichten. Doch auf dem Zuge fiel Gautier durch eine Geschützkugel neben dem Gmündner Wagnermeister Peter Wieser.

Zu Sendling stand der Kampf noch um Wenige. Vierunddreißig Zimmerleute aus der Au fielen neben einander, als Brüder sich auch im Tode noch getreu. Als den letzten nennt die Sage den starken Schmidbalthes von Kochel, der schon am rechten Isarufer achzehn Oestreicher mit seiner Stachelkeule niederschlug. Neben ihm sanken zwei junge Söhne, es fiel sein Vetter, der Zimmermann Reifenstuhl von Gmund, wackere Männer von Egern, Tegernsee, Länggries und Warngau. Endlich streckte der Lanzenstoß eines Husaren auch ihn zu Boden.

Spät am Abend erhoben sich mehrere Leichtverwundete vom grauenvollen Leichenfelde, flohen af abgelegenen Pfaden weiter und brachten die Schreckenspost heim vom Untergange der Jugend und Wehrkraft des für Fürst und Vaterland aufgestandenen Hochlandes.

Der Todten sollen über 1500, der Verwundeten noch mehr gewesen sein. Sechs Kanonen, fünf Munitionskarren, vier Fahnen mit dem bayerischen Wappen, wovon eine der Riese Schmidbaltes noch im Tode umklammerte fielen in die Hände der unmenschlichen Sieger. – Ueber 600 Verwundete wurden den Münchnern zum Schrecken, in die Stadt gebracht, und in der Dezemberkälte ohne Verband oder Labsal auf die Straße geworfen. Wer bis zur einbrechenden Nacht sein Leben noch nicht ausgehaucht hatte, durfte nun von mitleidigen Seelen in die Hospitäler verbracht werden.

Das Unglück von Sendling war nicht allein. Gar bald folgte der Niederlage von Sendling durch den Verrath des Baron Prielmayr und Widtmann jene von Aidenbach – 8. Januar 1706. – Länger noch und schrecklicher als in Sendling ward da gemordet. Mehr als 4000 Mann vom niederbayerischen Landvolk starben hier den Martyrertod fürs Vaterland und eine Stunde Wegs weit umher waren Felder und Waldungen mit ihren Leichen bedeckt.

Doch nicht die waren zu beklagen, welche auf den ruhmwürdigen Gefilden von Sendling und Aidenbach gefallen, nicht jene, welche bei der gräulichen Erstürmung Kehlheims (18. Dezember 1705) und bei der schändlich gebrochenen Kapitulation des Städtchen Cam (16. Januar 1706) gemordet worden waren, sondern jene, welche sie überleben mußten. Da wurde gehängt, geviertheilt, genöthigt, auf den 10. oder 15. Mann ums Leben zu spielen, und allsogleich auch das unmenschliche Urtheil vollzogen.

Am 29. Januar 1706 wurden verschiedene Anführer der Oberländer in München hingerichtet; am Schrannenplatz wurde das Schaffot aufgestellt. Drei Männer schwankten die Stufen hinauf: es waren die von ihren Wunden kaum genesenen kurfürstlichen Offiziere, Oberlieutenant Abel und Lieutenant von Lange sowie der Bürger und Eisenhändler Senser. – Weinend und klagend ob der Entwürdigung ihres Vaterlandes und der Edlen, die ihm anhingen, gingen die Bürger in ihre Häuser zurück. – Am 17. März bluteten gleichzeitig die Schaffote in Kelheim und München: ward dort dem Metzger Kraus, welcher einen erbitterten Kampf gegen die Oestreicher geführt, der Kopf abgeschlagen und wie der geviertheilte Körper in 4 Gegenden der Stadt an Ketten aufgehangen, so geschah Gleiches zu München dem oberwähnten Weinwirth Jäger, der zuvor seines Ehrenamtes als Gemeindebevollmächtiger entkleidet worden war. Noch im Jahre 1708, zwei Jahre, nachdem der Aufstand schon völlig beendet war, erfolgte noch die letzte Hinrichtung eines ehemaligen Führers des bayerischen Landvolks – Johann Hoffmann.

Nachdem 20000 Bayern ihr Leben verblutet hatten, bot das unterjochte, zertretene Land einen gräßlichen Anblick dar. Eine Menge Dörfer und Einzelnhöfe eingeäschert, jammernde Wittwen, ganze Familien von Haus und Hof verjagt, weil der Vater zu den Waffen gegriffen, andere ihrer ganzen Habe beraubt, der Vater oder Gatte dem Henker verfallen, des Landes verwiesene Bürger, Alles in Armuth und Elend niedergedrückt, Todtenstille und dumpfe Traurigkeit, das war das Gesammtbild Bayerns zu jener Zeit und zwar volle zehn Jahre hindurch, so lange die fremde Gewaltherrschaft dauerte. Kaum hatte jedoch Kurfürst Max Emanuel in Folge des i. J. 1714 erfolgten Friedensschlusses zu Anfang des Jahres 1815 einen stillen aber tiefbewegten Einzug in München gehalten, so regten sich alle Hände, Monumente zum Gedächtniße der erlittenen Bedrängniß zu errichten: die Münchner Bürgerschaft stiftete die hl. Dreifaltigkeitskirche in der Pfarrkirche von Egern ward von Ueberlebenden der Sendlinger Schlacht eine Votivtafel gestiftet, welche das Schlachtfeld darstellt.

An einem freundlichen Sonntagmorgen des Juli 1840 endlich bewegte sich neugeschaffen, der Bruderbund der Zimmerleute von der Au, den Zimmermeister Kohlhofer an der Spitze, auf dem Schlachtboden vom Gasteigberg an die Stätte der Mordweihnachten. – An der weit sichtbaren, freundlichen Kirche aber hatte die Gemeinde Sendling durch den Pinsel des älteren Lindenschmitt ein Bild der Vergangenheit geschaffen, das in Gegenwart einer unglaublichen Volksmenge eingeweiht wurde, die in tiefem rührendem Schweigen, den mit unzähligen Kränzen und Lichtern, mit einem Waffenstrauße von Stutzen und Büchsen, Sensen und Spießen, Morgenstern und Zimmerbeilen verzierten großen Grabhügel umstand.

Und heute stehen wir vor dem erneuten Bild, das uns zeigt, daß vor nahe zweihundert Jahren ein Gedanke das bayerische Volk durchdrang, der in unsers geliebten Königs Ludwig II. Wahlspruch seinen besten Ausdruck findet:

Ich weiß mich eins mit meinem Volke.

Josef Martin Forster: Die Bayer. Landesvertheidiger und die Sendlinger Mordweihnacht von 1705. München; 1880.

#Neues Münchener Tagblatt (20.7.1888)

König Ludwig I.
Zur Centenarfeier. II.

Die Huldigung der Oberländer Bauern vor dem Prinz-Regenten hätte nach dem ursprünglichen Programme bereits am Samstag den 16. Juni erfolgen sollen, mußte aber wegen des am 15. Juni erfolgten Ablebens des Kaisers Friedrich verschoben werden. Die Begrüßung des Prinz-Regenten durch das bayerische Bergvolk findet nunmehr am kommenden Sonntag den 22. Juli statt. Das Programm lautet: Um 6 Uhr Abfahrt über Salzburg nach München: Ankunft hierselbst Nachmittag 3 Uhr. Abends Besuch des Löwenbräukellers. Montag 23. ds., Gottesdienst in der Frauenkirche, Besichtigung des Panoramas »Kreuzigung Christi«, gemeinsamer Mittagtisch im Fürstenfelderhof. 2 Uhr: Abmarsch zur Ausstellung und Besichtigung derselben; Abends Huldigungsfest. Dienstag Nachmittag 1 Uhr 20 Min. Heimkehr. Dieser Festakt wird weitaus der schönste und herzigste von allen Festlichkeiten werden, die mit der deutsch-nationalen Kunstgewerbe-Ausstellung verbunden sind; er bildet gewissermassen den Glanzpunkt aller Ausstellungsfestlichkeiten. Als Grundgedanke ist angenommen, daß die Oberländer Bauern von Watzmann bis hin zum Grünten am Bodensee nach München kommen, um den allerhöchsten Protektor der Ausstellung die Grüße des bayerischen Bergvolkes entgegenzubringen und ihm die Rosen der Alpen und das Edelweiß der Gebirgsriesen zu Füssen zu legen. Da werden die flottesten Bursche und schönsten Mädchen der bayerischen Berge in München sichtbar werden, eine wahre Herzensfreude für jeden Bayer und Deutschen, – daneben werden aber auch die von der Sendlinger Mordweihnacht her in ehrwürdigem Andenken stehenden Gebirgsschütze-Kompagnien in ihrer althistorischen Tracht und mit derselben Trommel aufmarschiren, die in der Bauernschlacht zu Sendling gegen die österreichischen Panduren gerührt worden ist. Bayern wird sich in München in einer überaus rührenden Weise repräsentiren. Dieses Fest findet bei jeder Witterung statt – bei Regen im Prinz-Regenten-Pavillon, bei Sonne im Freien. Das Arrangement liegt in den Händen des Herrn Professors Dr. Haushofer und des gesammten Festausschusses. Während von 4 Uhr Nachmittags ab die Kapelle des 1. Infanterieregiments »König« vor dem Prinz-Regenten-Pavillon zu konzertiren beginnt, wird um 5 Uhr der Platz vor diesem Pavillon durch Feuerwehr (Ordnungskomitee) abgesperrt. Zwischen 5 und 6 Uhr erfolgt die Anfahrt der höchsten Herrschaften durch das nördliche Eingangsthor, um 6 Uhr selbst die Ankunft Sr. kgl. Hoh. des Prinz-Regenten Luitpold unter Fanfarenklängen und Kanonendonner und ehrerbietigster Empfang durch das Ausstellungsdirektorium und Festkomitee. Sodann beginnt der Einmarsch der Chiemgauer Bauern von Traunstein, Ruhpolding, Marquartstein, Wössen durch das Nordthor; der Tegernseer-, Kreuth-, Gmund-, Valepper-Bauern durch das Südthor; der Berchtesgadener-, Königssee-, Ramsau-, Hintersee- und Reichenhaller-Bauern durch das Nordthor; der Bauern von Partenkircheu, Garmisch, Greinau und Mittenwald durch das Südthor; der Allgäuer Bauern von Pfronten, Oberstorf und Hindelang durch das Nordthor; der Miesbacher-, Schlierseer-, Fischbachau- und Bayerisch-Zellerbauern durch das Südthor. Zu gleicher Zeit fahren auf der Isar drei geschmückte Flösse von Tölz, Lenggries und Riß an und landen an der Freitreppe. Die Bauern umstellen den Platz vor dem Prinz-Regenten-Pavillon. Inzwischen ist es halb 7 Uhr geworden. Es treten nun 7 Mädchen aus den verschiedenen Gauen etwas vor, an ihrer Spitze die kleine Marie Sollacher von Hintersee als Spruchsprecherin zur Begrüßung Sr. kgl. Hoh. des Prinz-Regenten mit einem von Professor Dr. Haushofer verfaßten Gedichte. Die Oberländer Bauern bringen darauf ihre Ovation für den Prinz-Regenten dar; die Ovation schließt mit Ueberreichung der Alpenblumen des Jahres 1888, Musiktusch und Absingen der Nationalhymne. Um 7 Uhr reiht sich daran der Einmarsch der Oberländer in die Hauptrestauration, wo für die Tänzer und Sänger, für die Allerhöchsten Herrschaften und die Komiteemitglieder ein entsprechender Platz freigehalten wird. Die Produktion beginnt nun und besteht außer den Konzertpiecen der im Saale postirten Ausstsllungskapelle Stolz und der im Garten aufgestellten Kapellen des 1. Inf.-Regiments, 1. schweren Reiter-Regiments und des 3.Feld-Artillerie-Regiments im Schuhplattln der Tölzer, Jodlerquartett von Pfronten, Sechsertanz der Allgäuer, Fontänenbeleuchtung, »Alter Tanz« der Partenkirchner, Jodlersextett von Hindelang, Schuhplattln der Garmischer und Tegernseer etc. Es kommen 42 Allgäuer, 50 Miesbacher, 60 Tölzer, 44 Tegernseer, 50 Berchtesgadner, 40 Partenkirchner und 50 Chiemgauer, in Summa 336 Oberländer (und zwar 166 Mädln und 166 Burschen, dann 1 Ehrenritter und 3 Fahnenträger) die Gebirgsschützen und alle Gruppen in ächten, theilweise alten Kostümen, mit ihren Musiken und alten Fahnen. Die Aufstellung der Chiemgauer, Berchtesgadner, Allgäuer erfolgt um 5 Uhr in der Thierschstraße, die der Tegernseer, Partenkirchner und Miesbacher in der Zweibrückenstraße vor der Reiterkaserne. Von dort aus erfolgt der Einmarsch auf ein gegebenes Zeichen gleichzeitig durch das Nord- und Südthor zum Prinz-Regenten-Pavillon. Die Burschen werden in städtischen Turnsälen, die Mädln gruppenweise in verschiedenen Gasthäusern einquartirt. Das an stolzen Festen so reiche München wird hier wiederum ein Fest zu schauen haben, wie es origineller, anmuthiger, malerischer und herzlicher bis jetzt noch nicht dagewesen ist!

Neues Münchener Tagblatt Nr. 201. Freitag, den 20. Juli 1888.

#Neues Münchener Tagblatt (18. & 19.12.1894)

Die Sendlinger Bauernschlacht.

Zehn Jahre noch und zwei Jahrhunderte werden verflossen sein über einer Zeit, die für unser liebes Bayern und besonders auch die Landeshauptstadt Schmach, Erniedrigung und Elend brachte.

Es war der spanische Erbfolgekrieg, in welchem der Kurfürst Max Emanuel in Folge der hinterlistigen Politik des Königs Ludwig XIV. sich mit Frankreich verbündet hatte, dessen unglücklicher Verlauf trübe Tage über Bayern heraufbeschwor, und wie bekannt, Bayern zehn Jahre lang unter österreichisches Joch brachte.

In dieser trostlosen Zeit, in der unter der Geißel des unversöhnlichen Tyrannen Kaiser Josef I. Bayern in Knechtschaft lag, München feindliche Besatzung hatte, fehlte es nicht an kühnen Versuchen bayerischer Landeskinder, die unerträgliche Fremdherrschaft gewaltsam abzuschütteln.

»Wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden,
Wenn unerträgllch wird die Last greift er
Hinauf getrosten Muthes in den Himmel,
Und holt herunter seine ew'gen Rechte.«

So war es auch damals. Durch das ganze Land ging die Losung: »lieber bayerisch sterben, als österreichisch verderben.« Da und dort sammelten sich die Landleute zu einer »Landesvertheidigung«, die unter den Hauptführern Georg Plinganser, Meindl und Xaver Oertl bis zu einer Stärke von 30,000 Mann anwuchs.

Mit wechselndem Glücke schlugen sich diese Schaaren, deren Freiheitsbewegung sich auch dem starken Stamme der Gebirgsbauern, namentlich der um Tölz und den Kochelsee mittheilte.

Aus den Thälern der Jachenau, von Lenggries, Tölz, Kochel und Miesbach thaten sich etwa dritthalbtausend Mann zusammen, zu einem geringen Theile nur mit Büchsen bewaffnet, die übrigen mit Sensen, Morgensternen, Keulen und dergleichen ausgerüstet, um sich am 24. Dezember 1705, auf waldigen Wegen heimlich gehend, auf einer großen Wiese bei Schäftlarn zu sammeln.

Dort fanden auch ihre Anführer sich ein: der Hauptmann Maier, Lieutenant von Lange und Adjutant Abel, alle drei Offiziere des aufgelösten bayerischen Heeres, sowie ein junger Franzose, der sich Gautier nannte, dessen wahrer Name aber Geheimniß blieb. Den Oberbefehl führte Hauptmann Maier. Die wackere Schaar erhielt 4 Fahnen; von der einen nur weiß man, daß der Wirth von Bayerbrunn sie getragen. Ein Benediktinerpater des Klosters weihte die Fahnen.

Auf dem Wege nach München rieth der Führer, Hauptmann Maier, man solle mit dem Angriffe Münchens noch bis zum 27. Dezember warten, an welchem Tage die niederbayerischen Landesvertheidiger 40,000 Mann stark unter Plingansers Führung voraussichtlich mit den Oberländern sich hätten vereinigen können. Die heißblütigen Oberländer wollten jedoch von einem Zögern nichts wissen, ja sie entsetzten den zu Ruhe und Besonnenheit mahnenden Hauptmann Maier seines Amtes und zogen führerlos vor die Hauptstadt, deren Bürger ihnen durch den Weinwirth Johann Jäger im Thal, Mitglied des äußeren Rathes, Hilfe zugesichert hatten.

Aber schändlicher Verrath legte nicht nur die geplante Erhebung der Münchener lahm, sondern avisirte auch das Anrücken der Bauern der österreichischen Besatzung Münchens. Johann Josef Etlinger war der Name des allzeit mit Schmach beladenen Mannes, der sein eigenes Vaterland verrieth. Etlinger, Pfleger in Starnberg hatte sich hinterlistiger Weise mit den Aufständischen vereinigt, und dann ihren Anschlag nach München berichtet.

Von diesem Verrath hatten die tapferen Oberländer keine Ahnung. In München wurden alle Vorbereitungen zum »Empfang« der Feinde getroffen. Trotzdem gelang es den Bauern, denen sich in der Au die Zunft der Zimmerleute anschloß, am 25. Dezember Morgens 2 Uhr den rothen Thurm in wütendem Kampfe zu nehmen. Vergeblich warteten die Tapferen auf die verabredete Hilfe von München, die aber – nicht gerade zur Ehre unserer Vorfahren – ausblieb! Statt dieser aber kam Oberst Kriechbum von Anzing her mit Grenadieren und Reiterei und fiel vereint mit General von Wendt über die Oberländer her, die ohne Kommando in Gruppen kämpfend, den Rückzug nach Sendling antraten.

Ein Theil der Bauern, von panischem Schrecken ergriffen, flüchtete sich mit Hauptmann Gauthier in den Forstenrieder Wald, durch den sie mit Verlust von etwa 40 Manu entkamen. Bei diesem Rückzüge fiel auch Gauthier – er liegt auf dem Friedhofe zu Leutstetten begraben.

Wie es den muthigen Bauern auf dem Sendlinger Friedhof erging, ist bekannt. Sie kamen zwischen zwei Feuer und wurden – »kein Schlagen war's – ein Schlachten war's zu nennen,« niedergemetzelt.

Sie alle starben als Helden, überwunden nur von der Uebermacht der sie bekämpfenden Barbaren.

Nur einige Leichtverwundete, die unter den Todten bewußtlos liegen geblieben waren, entkamen später in die Heimath.

Die Erinnerung an jene trüben Tage, an die Sendlinger Mordweihnacht und an Bayerns große Helden wieder in uns wachgerufen zu haben, ist ein Verdienst des Kirchenbauvereins Sendling, der es, wie wir schon berichtet, unternommen hat, die Aufführung lebender Bilder aus dieser traurigen Zeit zu veranstalten.

Die Bilder, die unter Leitung der Kunstmaler Manuel und Donaubauer im Elysium in Sendling zur Aufführung kommen, sind über jede Kritik erhaben, von herrlicher malerischer Wirkung, würdig des großen Stoffes, den sie behandeln. Wir haben der Verdienste der einzelnen Mitwirkenden schon in der letzen Nummer gedacht und sind heute durch das liebenswürdige Entgegenkommen eines Amateurphotogrophen in der Lage, unseren Lesern jene Darstellungen im Bilde zu veranschaulichen.

Die Bilder führen uns in die Schmiede von Kochel, wo der Kriegsplan gefaßt worden sein soll, auf den Wiesenplan bei Schäftlarn, wo die Fahnen die Weihe erhielten, sie zeigen uns den Vormarsch der Bauern, die Erstürmung des rothen Thurmes – voran Schmied-Balthes – und das Gefecht am Sendlinger Friedhof.

Der riesenhafte Mann, der Schmied Balthasar Maier von Kochel, gewöhnlich »Schmied-Balthes« genannt, wird von einem Sendlinger Hünen, dem Thallirchner Meßner und Zimmermann Gabriel, der fast zwei Meter mißt, dargestellt.

Die unter König Maximilian II. gepflogenen geschichtlichen Erhebungen konnten allerdings nicht den Nachweis erbringen, daß dieser Mann thatsächlich gelebt. Er gehört dem Reiche der Sage an, aber wir Bayern halten ihn im Volksgedenken fest, wie die Schweizer ihren Tell.

Was die Ausführung der Bilder anbelangt, so hätten wir höchstens den Wunsch, daß Musik und Sänger verdeckt würden, daß die Längen des übrigens sehr poetischen und tiefempfundenen Prologs, den Kunstmaler Donaubauer verfaßt hat, durch Einfügung einiger kleiner Bilder gekürzt würden; denn das Unternehmen des Kirchenbauvereins dürfte nicht nur heute und morgen, es dürfte auf Jahre hinaus zugkräftig sein.

Mit fast übertriebener Delikatesse wurde die Nennung des Namens Oesterreich vermieden – die Geschichte läßt sich nun einmal nicht mehr aus der Welt schaffe».

Wir können unserem Berichte höchstens noch anfügen, daß das Schicksal der von den Oesterreichern gefangen genommenen Führer schlimm genug war; die »Rebellen« wurden enthauptet, der Körper des Weinwirths Jager sogar geviertheilt.

Mögen die Besucher der Darstellungen in Sendling, wenn sie in stiller Nacht mit tiefen Eindrücken von dem Gesehenen heimkehren, einen Blick hinaufthun zur Sendlinger Kirche, an deren Vorderseite soeben das Lindenschmitt'sche Gemälde renovirt wird, wo vor fast 200 Jahren die Helden von Sendling verbluteten, und diesen treuen Söhnen des Vaterlandes ein dankbares Andenken weihen!

H. R.

Neues Münchener Tagblatt Nr. 353 & 354. Dienstag den 18. und Mittwoch den 19. Dezember 1894.

#»So lange der alte Peter...« (1923)

Sendling

Ein grauer Christtag, der heranzieht am Ende des schicksalsvollen Jahres 1705. Die letzten Haufen der Oberländler, deren Sturm auf die Stadt München mißlungen ist, haben sich hinaufgeflüchtet nach Sendling. Die Kaiserlichen unter General Kriechbaum halten sie in weitem Bogen umschlossen; sie sind umstellt wie jagdbares Wild. Ein Versuch, durchzubrechen, wäre vergeblich; er würde so viel bedeuten, wie gewissen Tod. Das verschneite, vereiste Land ringsum ist bereits bedeckt mit Verwundeten und Toten, die gefallen sind auf dem Rückzug vom Isartor bis Untersendling. Die noch Lebenden haben keine Wahl als zu sterben oder sich zu ergeben.

Die Mehrzahl wählt den letzteren Weg; denn es ist Pardon verheißen worden, unter der Bedingung, daß die Waffen sofort gestreckt würden. Sie tun wie ihnen geboten ist, drängen hinaus auf das freie Feld, werfen die Waffen von sich und sich selber auf die Knie. Die Rosenkränze haben sie herausgezogen, winden sie um die Hände, die sie aufheben zum Beten, zum Bitten – –

Eine Salve kracht. Geknatter und Geschrei – Geröchel. Dann heißt es: »Wer noch lebendig ist, stehe auf!«

»Und wie die erste Salva vorbey« – so lautet ein zeitgenössischer Bericht – »hat man gleich wieder Salva gegeben und türkisch umgemetzgert, bis 1100 Mann auf dem Platz geblieben«. Reiter und Fußvolk stürzen über die Wehrlosen her, mit Schüssen und Säbelhieben. Das Morden setzt sich fort in die Dorfhäuser, auf den Friedhof, in die Kirche hinein, wohin immer die noch Überlebenden sich zu bergen suchen. Wie der damalige Pfarrer von Sendling, Simon Schoyer, drei Tage später an den Fürstbischof berichtete, »hat man auch das Gotteshaus nit verschont, dises mit bluetvergießen, und beraubung der hineingeflichten Bauern profanirt, auch …die drey Sendling sammt Thalkirchen schröcklich beraubt, allen Bauern, Söldner und Tagwerkher all ihr Geld, Fahrnuß und Vich, wie auch mir über die 700 fl. bares Geld, auch alle meine Pferdt hinweggenommen.«

Die Pfarrkirche und ihre unmittelbare Umgebung waren Schauplatz des letzten Verzweiflungskampfes. Erst hatten die Bauern nach Gemeinden zusammengestanden, jetzt drängten sie durcheinander, wie wilde Tiere wehrten sie sich. Nach der Überlieferung kämpfte inmitten des verlorenen Haufens der Schmiedbalthes von Kochel nebst seinen Söhnen. Reckenhaft stand er, schwang seinen Morgenstern, bis er selbst zu Tode getroffen niedersank. Die geschichtliche Forschung hat keinen Schmied von Kochel gefunden, wohl aber festgestellt, daß ein Schmied Balthasar (Balthes) Riesenberger von Bach im Mangfalltal, Pflegamt Vallei, an jenem 25. Dezember sein Leben bei Sendling ließ. Vielleicht half eben sein Schreibname dazu, ihn im Andenken der späteren Geschlechter überlebensgroß darzustellen.

Die Wenigen, die dem Blutbad entrannen, wurden auf Leiterwägen in die Stadt geschafft, zum Gefängnis, zur Folter, zum Tode – sofern sie nicht vorher aus Mangel an Hilfe ihren Wunden erlagen.

Vier äußere Denkzeichen mahnen an die Sendlinger Mordweihnacht. Auf dem südlichen Friedhof der eiserne Weihbrunnkessel, den König Ludwig I. stiftete zum Gedächtnis der 682 Oberländler, die dort ruhen. Ferner der von Geheimrat Philipp Zwackh errichtete Denkstein auf dem Hügel des Sendlinger alten Friedhofes, der drei- bis vierhundert jener Tapferen deckt – und am Untersendlinger Kirchlein das Freskogemälde Lindenschmitt's, das deren letzten Kampf verherrlicht. Gegenüber von Kirche und Kirchhof aber erhebt sich seit neuer Zeit das eherne Brunnen-Denkmal des Schmiedbalthes mit dem Hammer in der Faust, als die Verkörperung des mannhaften opferbereiten Volkswillens, der sich gegen Unrecht mutig zur Wehr setzt und dem das Leben nicht als der Güter Höchstes gilt. Außerdem bewahren seinen und seiner heldischen Mitkämpfer Namen die Straßen Sendlings, welche die Stadt München sämtlich nach Jenen und nach ihren Heimatorten benannt hat.

»So lange der alte Peter...«. Ein Alt-Münchner Stadtbuch von Helene Raff. München; 1923.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Denkmal für die Opfer der Sendlinger Mordweihnacht von 1705. Hier liegen die letzten menschlichen Überreste von 500 gefallenen Oberländer Bauern. Das Denkmal wurde 1830 von König Ludwig I. von Bayern errichtet; hier stand früher die Kirche der »Größeren Lateinischen Kongregation«.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#6 – 16 – 28 (Hofmann)


Familie E. Hofmann.

Hier ruhet in Gott
unsere unvergessliche Tochter
Clementine,
† zu Anzing am 9. August 1893
im 18. Lebensjahre.
Ihr folgte
mein treubesorgter Gatte, der beste Vater
Herr Ernst Hofmann
k. Forstrat a. D.
geb. 13. April 1845, gest. 1. Dez. 1912.
Dessen Gattin
Frau Babette Hofmann
geb. Guggumos
geb. 29. Nov. 1850, gest. 21. Okt. 1940.

R. I. P.

Rechte Seite
6.16.28

Rückseite
A. Aufleger.


  • Hofmann, Babette (vw) / Guggumos (gb); 29.11.1850 – 21.10.1940
  • Hofmann, Ernst; 13.4.1845 – 1.12.1912; Forstrat
  • Hofmann, Klementine; – 9.8.1893 (Anzing), 17 Jahre alt

Grab der Familie Hofmann auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#6 – 16 – 29 (Viernstein)


Hier ruht
Herr Lorenz Viernstein
Privatier und ehemaliger Bäckermeister
¿
¿ München am ¿ Oktober ¿
Frau Anna Viernstein
geb. zu München ¿ Febr. ¿ gest. ¿ Mai ¿
Herr Egid Viernstein
Bäckermeister
gest. am ¿ Okt. ¿ im ¿ Lebensjahre
Frau Anna Viernstein
¿ Febr. 1835. gest. ¿ April 19¿

Sockel
Grabstätte der Familie Viernstein


  • Viernstein, Anna (vw) / Mayr (gb); Februar 1835 – April 1930 (München); Bäckermeisters-Witwe
  • Viernstein, Anna (vh) / Radlmayr (gb); Schäfflerstochter aus München
  • Viernstein, Egid; Bäckermeister
  • Viernstein, Lorenz; Bäckermeister

Grab der Familie Viernstein auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#6 – 16 – 30 (Guggumos)


Hier ruhet
in Gott
Herr
Michael Guggumos
Gasthausbesitzer
geb. 14. Dez. 1816, gest. 6. Juli 1876.
Frau
Creszenz Guggumos
geb. 10. Juni 1817, gest. 9. Juli 1902.
Ihnen folgten
ihr Sohn, unser lieber Bruder
Herr
Michael Guggumos
geb. 21. Sept. 1849, gest. 18. Mai 1915.
Herr
Xaver Guggumos
geb. 13. Aug. 1848, gest. 27. Jan. 1923.


  • Guggumos, Kreszenz (vw); 10.6.1817 – 9.8.1902; Gasthausbesitzers-Witwe
  • Guggumos, Michael; 14.12.1816 – 6.6.1876; Gasthausbesitzer
  • Guggumos, Michael; 21.9.1849 – 18.5.1915
  • Guggumos, Xaver; 13.8.1848 – 27.1.1923

Grab der Familie Guggumos auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#6 – 16 – 31 (Riederer)


Hier ruhet in Gott
der theure und ¿ Gatte
Herr Ludwig ¿ Riederer
gräfl. ¿
geboren den ¿ 1803
gestorben den ¿
Dessen Gattin
Frau Marie Riederer
geb. ¿
geboren den ¿. März 1835
gestorben den 21. August 1916.

Sockel
requ. i. P.

Babenstuber


  • Riederer, Ludwig Lazarus; – 4.10.1871 (München), 67 Jahre alt; Quiescierender Törring'scher Domainendirektor
  • Riederer, Marie (vw) / Woestermayr (gb); ¿.3.1835 – 21.8.1916 (München); Domainendirektors-Witwe

Todesanzeige für Ludwig Lazarus Riederer

Todesanzeige für Marie Riederer

Grab der Familie Riederer auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#6 – 16 – 37 (Wagenbauer)


MAX WAGENBAUER
* 1775 † 1829
HOFMALER
UND INSPEKTOR
DER ZENTRAL-GEMÄLDESAMMLUNG


  • Wagenbauer, Max Josef; 28.7.1774 (Oexing bei Markt Grafing, Lkr. Ebersberg/Obb.) – 12.5.1829 (München); Graphiker, Inspektor der Zentralgemäldesammlung und Landschaftsmaler

Grab der Familie Wagenbauer auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

#Max Josef Wagenbauer

* 28.7.1774 (Oexing bei Markt Grafing, Lkr. Eberberg/Obb.)
† 12.5.1829 (München)
Graphiker, Inspektor der Zentralgemäldesammlung und Landschaftsmaler

#Ansichten und Bemerkungen über Malerei und plastische Kunstwerke (1846)

Ich gehe nun zu einigen Bildern der neueren Epoche meiner eigenen Sammlung über, von denen ich namentlich heraushebe:

3. und 4. Dorner und Wagenbauer, in München, von denen ich zwei Landschaften besitze, waren zu ihrer Zeit die Chorführer in diesem Fache, sind aber seitdem von ihren eigenen Schülern übertroffen worden.

Freiherr Max von Speck-Sternburg: Ansichten und Bemerkungen über Malerei und plastische Kunstwerke. Leipzig, 1846.

#Allgemeines Künstler-Lexikon (1921)

Wagenbauer, (Wagenbaur), Max Joseph, Maler und Lithograph, geb. 1774 in Markt-Gräfing (Oberbayern), † 12. Mai 1829 in München; Schüler von Dorner und Mannlich, meist aber Autodidakt. Nach dem Krieg von 1815 wurde er Inspektor der Centralgemälde-Gal. in München. Er malte Thierstücke, später auch Alpenlandschaften und Ansichten. W. wurde Hofmaler und gab ein Landschaftslehrbuch mit eigenhändigen Steinzeichnungen heraus. Gemälde von ihm besitzen die Sammlungen zu Augsburg, Berlin (2, auch Sammlung Raczynski), Darmstadt (2), Königsberg (3), Leipzig, München (6), Schleissheim (7), etc. Mitgl. der Akad. Berlin, Hanau und München.

Allgemeines Künstler-Lexikon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Vorbereitet von Hermann Alexander Müller. Herausgegeben von Hans Wolfgang Singer. Fünfter Band. Frankfurt am Main, 1921.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Wagenbauer Max Josef, 1775 (Oexing bei Markt Grafing, Lkr. Ebersberg/Obb.) – 1829, Landschaftsmaler, Graphiker und Inspektor der Zentralgemäldesammlung; dieser Autodidakt war seit 1811 in München Hofmaler; Werke von W., ausgesprochen klassizistischer Prägung, besitzen die Galerien von Berlin, Darmstadt, Leipzig, München und Schleißheim; seine Landschaftsbilder sind vorwiegend nur beschreibend; er bevorzugte Pastoralen; ähnlich wie J. G. von Dillis und J. Dorner beginnt auch W. mit dem leichteren, gefügigen Medium der Aquarellmalerei, in der er zunächst ideale Kompositionen von herber Buntheit und recht hölzerner mythologischer Staffage hervorbrachte, die strenge Sachlichkeit verwies ihn bald auf die bildnistreue Vedute, die er schlicht und nicht ohne eine gewisse spießbürgerliche Umständlichkeit behandelte.

Hauptwerke: Ausblick von Leutstetten auf Starnberger See, zwei Ausblicke auf München, Viehweide am Staffelsee, Bei Schäftlarn.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#6 – 16 – 38·39 (Riederer)


Linke Spalte
Hier ruhen

Herr Joh. Mich. Riederer,
Kaufmann,
gest. 29. Dezbr. 1831, 47 Jahre alt.
Frau Magd. Riederer,
geb. Süss,
gest. 6. Dezbr. 1841, 57 Jahre alt.
Adele Riederer,
gest. 21. Sept. 1842, 24 Tage alt.
Bertha Riederer,
Kaufmanns-Gattin,
geb. 16. April 1813, gest. 10. Juni 1868.
Herr Carl Riederer,
ehem. Kaufmann,
Mag. Rath. Handelsger. Assessor
Oberst u. Regts. Comdt.
der Landwehr ä. O.
Ritter hoher Orden.
geb. 12. April 1813, gest. 27. Febr. 1895.
Herr Max Riederer,
Kommerzienrat,
geb. 27. Nov. 1844, gest. 29. Okt. 1923.

Rechte Spalte
in Frieden

Herr Franz ¿
Kaufmann ¿
geb. 27. Febr. 1831, ¿
Frau Anna ¿
geb. Riederer
geb. 23. Febr. 1838, gest. 2. Okt¿


  • Riederer, Adele; – 21.9.1842; Kaufmanns-Tochter
  • Riederer, Anna (gb) / ¿ (vh); 23.2.1838 – 2.10.¿; Kaufmanns-Gattin
  • Riederer, Anna (vh) / Gutleben (gb); 16.4.1813 – 10.6.1868 (München); Kaufmanns-Gattin
  • Riederer, Joh. Mich.; – 29.12.1831; Kaufmann
  • Riederer, Karl; 12.4.1813 – 27.2.1895; Kaufmann und Magistratsrat
  • Riederer, Magdalena (vw) / Süss (gb); – 6.12.1841 (München), 57 Jahre alt; Kaufmanns-Witwe
  • Riederer, Max; 27.11.1844 – 29.10.1923; Kommerzienrat

Todesanzeige für Anna Riederer

Grab der Familie Riederer auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#6 – 16 – 41 (Schießl)


¿
Herr F. X. Schießl † 179¿
Ehm. ka. frl. Hofkammerrat
Frau Josefa Schießl † 1790
Herr Jos. Schießl 1782 – 1843
kgl. bayr. Rerhgs. Rev.
Frau Walburga Schießl 1855 – 18¿
Frl. Wilh. Schießl 1816 – 18¿
Herr Kurt Schießl 18¿ – 18¿
¿
Frau Elise Schießl 1826 – 18¿
geb. ¿
Herr Ernst Schießl 18¿ – 18¿
Buchhändler

Tafel
Georg Schießl
Stickereigeschäftsinhaber
10.11.1858 – 17.7.1929
Werner Schießl
6.5.1922 – 2.4.1930
Katharina Schießl
6.3.1864 – 27.5.1934
Evi Schießl
7.4.1941 – 28.5.1941


  • Schießl, Elise; 1826 – 18¿
  • Schießl, Ernst; 18¿ – 18¿; Buchhändler
  • Schießl, Evi; 7.4.1941 – 28.5.1941
  • Schießl, F. X.; – 179¿; Hofkammerrat
  • Schießl, Georg; 10.11.1858 – 17.7.1929 (München); Stickereigeschäftsinhaber
  • Schießl, Josef; 1782 – 19.5.1843 (München); Rechnungsresvisor bei der Regierung von Oberbayern im Ruhestand
  • Schießl, Josefa; – 1790
  • Schießl, Katharina; 6.3.1864 – 27.5.1934
  • Schießl, Kurt; 18¿ – 18¿
  • Schießl, Walburga; 1855 – 18¿
  • Schießl, Werner; 6.5.1922 – 2.4.1930
  • Schießl, Wilh.; 1816 – 18¿

Todesanzeige für Georg Schießl

Grab der Familie Schießl auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

Grab der Familie Schießl auf dem Alten Südfriedhof München (März 2008)

#Georg Schießl

* 10.11.1858
† 17.7.1929 (München)
Stickereigeschäftsinhaber

#Generalanzeiger (20.7.1929)

Bestattungen

In einem Familiengrab des alten südlichen Friedhofs fand der im Alter von nahezu 71 Jahren gestorbene Stickereigeschäftsinhaber Georg Schießl die letzte Ruhestätte. Zu der Beerdigung des angesehenen und beliebten Geschäftsmannes hatte sich mit den Angehörigen eine große Trauergesellschaft eingefunden. An der mit Blumen und Kränzen reich geschmückten Grabstätte verrichtete ein Pfarrgeistlicher von Hl.-Geist die Gebete der Kirche.

Generalanzeiger der Münchner Neuesten Nachrichten Nr. 195. Samstag, den 20. Juli 1929.

#6 – 16 – 49 (Hagn)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Hagn, Anton von; – 3.7.1888 (München), 24 Jahre alt; Kaufmann
  • Hagn, Karoline von; – 16.3.1887 (München), 73 Jahre alt

Todesanzeige für Karoline von Hagn

Todesanzeige für Anton von Hagn

Grab der Familie Hagn auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#6 – 16 – 50 (Wagner)


Hier ruhet im Herrn
Herr Stephan Wagner
Privatier
¿ Kaminkehrer¿
¿
Ihm folgte seine Gattin
Frau Marie Wagner
¿
Stephanie ¿


  • Wagner, Marie (vw); ¿; Kaminkehrers-Witwe
  • Wagner, Stefan; ¿; Kaminkehrer

Grab der Familie Wagner auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)

#6 – 16 – 51 (Mössl)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Mössl, Anna (vh); – (3).9.1886 (München), 26 Jahre alt; Buchhalters-Gattin

Grab der Familie Mössl auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2016)