SECTION 24

rot: Zählrichtung der Grabreihen · schwarz: Zählrichtung der Grabnummern

#24 – 1 – 1·2 (Müller · Juri·Johannes · Miranha·Isabella)


Dr. Ludwig August von Müller
k. Staatsrath i. o. D. u. Staatsminister
des Innern für Kirchen-
und Schulangelegenheiten,
geb.19. August 1846, gest. 24. März 1895.
Dr. Wilhelm Müller
k. b. Oberstabsarzt a. D.
geb. 1. September 1839, gest. 16. April 1913.
Marie von Müller
geb. von Burchtorff – Staatsministerswitwe
geb. 8. September 1857, gest. 1. Juli 1933.
Albert von Müller
Archivvorstand
der Münchener Neuesten Nachrichten
Hauptmann d. R.
geb. 18. März 1888 in München
† 20. Oktober 1941 an der Ostfront.

R. I. P.

A. Lallinger.


  • Juri/Johannes; (Brasilien) – 14.6.1821 (München), Opfer von Verschleppung; Kind aus Brasilien
  • Miranha/Isabella; (Brasilien) – 22.5.1822 (München), Opfer von Verschleppung; Kind aus Brasilien
  • Müller, Albert von; 18.3.1888 – 20.10.1941 (Ostfront); Archivvorstand der Münchener Neuesten Nachrichten
  • Müller, Ludwig August von, Dr. jur.; 19.8.1846 (Dachau/Obb.) – 24.3.1895 (München); Bayerischer Innen- und Kultusminister
  • Müller, Marie von (vw) / Burchtorff, von (gb); 8.9.1857 – 1.7.1933; Staatsministers-Witwe
  • Müller, Wilhelm, Dr. med.; 1.9.1839 – 16.4.1913; Oberstabsarzt

Juri/Johannes. Abbildung aus: Atlas zur Reise in Brasilien von Dr. v. Spix und Dr. v. Martius (ca. 1830).

Miranha/Isabella. Abbildung aus: Atlas zur Reise in Brasilien von Dr. v. Spix und Dr. v. Martius (ca. 1830).

Grab der Familie Müller und der Kinder Miranha und Juri aus Brasilien auf dem Alten Südfriedhof München (August 2013)

#Juri/Johannes

* (Brasilien)
† 14.6.1821 (München), Opfer von Verschleppung
Kind aus Brasilien

#Miranha/Isabella

* (Brasilien)
† 22.5.1822 (München), Opfer von Verschleppung
Kind aus Brasilien

#Münchener Politische Zeitung (11.12.1820)

Miszellen.

München, den 10. Dezbr. Vorgestern sind endlich nach einer vierjährigen Abwesenheit die beiden Mitglieder der hiesigen Akademie der Wissenschaften, die Hrn. Doktoren Spix und Martius, nach vielfach bestandenen Mühen und Gefahren von ihrer brasilianischen Reise wieder dahier eingetroffen. Sie brachten zwey junge Wilde, beyderley Geschlechtes, mit sich.

Nach Aussage dieser beyden Reisenden sollen die Kinderblattern in den von ihnen besuchten amerikanischen Gegenden die größten Verheerungen anrichten. Es konnte bis jetzt den Bemühungen der brasil. Regierung noch nicht gelingen, den Gebrauch der Kuhpocken daselbst einzuführen. Die Wilden, unter welchen die Hrn. Spix und Martius einige Monate lebten, haben eine so harte Haut, daß die Blattern gar nicht recht herausbrechen können, daher dann die Blattern-Feuchtigkeit die innern Organe verstopft und die Unglücklichen, welche auf diese Weise zu Tausenden umkommen, erstickt.

Da wir die beyden Wilden, welche diese Herrn mitbrachten, noch nicht gesehen, so theilen wir unsern Lesern folgende Beschreibung derselben aus dem Journal de Paris vom 3. Dezbr. mit: Diese Wilden, heißt es daselbst, gehören ganz verschiedenartigen Völkerschaften an. Die des jungen Mädchens ist eine menschenfressende. Der junge Indier ist aus der Familie des Oberhauptes einer Horde, welche sich schon mehr den europäischen Besitzungen nähert. Beyde jungen Indier sind klein von Wuchs und kupferbraun; sie haben schwarze, rauhe, flatternde Haare; ihr ganzer Körperbau ist sehr materiel; ihre Gesichtszüge sind ohne Ausdruck; sie verhalten sich gleichgültig gegen alles, was sie sehen; für die Kälte sind sie äußerst empfindlich. Das junge Mädchen hat die Nasenlöcher auf beyden Seiten durchstochen, um Ringe daran hängen zu können; der Knabe hat die Lippen rings herum schwarz tatowirt.

Münchener Politische Zeitung Nro. 293. Montag, den 11. Dezember 1820.

#Münchener Politische Zeitung (12.12.1820)

Miszellen.

München, den 11. Dezbr. Die Herren Akademiker Spix und Martius, welche 1817 im Gefolge der Erzherzogin Leopoldine nach Brasilien kamen, haben über zwey Jahre lang das Innere des unermeßlichen Landes, besonders die Gegenden am Amazonenstrome durchreist. Schon sind mehrere ihrer Sammlungen aus allen Fächern der Naturgeschichte in Europa angekommen und hier ausgestellt; die letzte und reichste, welche aus mehr als vierzig Kisten besieht, ist kürzlich von Lissabon zur See nach Triest abgegangen.

So wie gestern nach dem Gasthof zum goldenen Hahn, wo unsere glücklich zurückgekehrten brasilianischen Reisenden ihr Absteigquartier nahmen, begab sich heute eine große Menge der hiesigen Einwohner nach der ihnen im königlichen Max-Palais angewisenen Wohnung, wo sich beyde jungen Indianer befinden, zu denen, aus Gefälligkeit der Herren Doktoren Spix und Martius, der Zutritt Jedermann bisher gestattet war.

Wir müssen gestehen, daß die in unserer gestrigen Zeitung aus dem Journal de Paris mitgetheilte Beschreibung der beyden Indianer einiger Berichtigung bedarf. Was ihren Wuchs betrifft, so ist der Knabe, der höchstens 12 Jahre alt seyn kann und der Sohn eines im Gefechte umgekommenen Anführers einer indianischen Horde seyn soll, artig gewachsen, obgleich nicht sehr groß; die Farbe ist nicht kupferbraun, sondern mehr schwarzgelb; er ist nichts weniger als stumpfsinnig; sein Körper, zwar nicht rüstig und äußerlich stark, läßt auf Gewandtheit und Leichtigkeit bey freyer Natur-Ausbildung schließen; sein Gesicht drückt großen Hang zur Lebhaftigkeit aus. Er sieht sehr zufrieden aus, wenn man ihm Aufmerksamkeit bezeigt, aber wer es weiß, daß die Wilden selbst eine von unsrer Bedeutung der Gebehrden ganz verschiedene mimische Sprache haben, wird billig genug seyn, ein passives Verhalten in einer so isolirten Lage nicht für Stupidität zu halten. Seine Gesichtsbildung ist angenehm, nur der Umstand, daß er um den Mund herum eine sehr breite tatowirte Einfassung hat, gibt ihm natürlich ein seltsames, aber nicht zurückstoßendes Aussehen.

Das Mädchen sieht nicht so gut aus, es gleicht mehr einem blöden Kinde, das in seiner Entwickelung etwas zurückgeblieben ist. Es saß still und beynahe bewegungslos an einem Tische. Ueber seine Fähigkeiten kann, so wie über die des Knaben, der oft in ganz artigen Stellungen frey stand oder sich an das Tischchen lehnte, erst dann richtig beobachtet werden, wenn beyde sich mehr einheimisch unter uns fühlen und durch allmähliche Kenntniß der Sprache einiger Verkehr mit ihnen ausgemittelt ist.

Die Herrn Doktoren Spix und Martius haben sechs solcher Geschöpfe mit in ihr Vaterland herausbringen wollen, aber vier sind ihnen auf der Reise gestorben.

Der Knabe ist nach Art der baierischen Husaren gekleidet und seine Haare sind abgestutzt; das Mädchen trägt ein blaues weibliches Kleid und hat schwarze, flach herabfallende Haare.

Münchener Politische Zeitung Nro. 294. Dienstag, den 12. Dezember 1820.

#Münchener Politische Zeitung (20.12.1820)

Von den beyden Indianern, welche die Herrn Akademiker Spix und Martius aus Brasilien hieher brachten, erzählt man, daß der Knabe die größte Abneigung gegen das Mädchen bezeige, weil er weiß, daß sie von dem Stamme der Wilden ist, welche seinen Vater im Kampfe getödtet und aufgezehrt haben.

Die Kälte bekommt beyden nicht gut; der Knabe wurde in den letzten Tagen von einer heftigen Brustentzündung befallen und schien fast verloren. Er befindet sich jezt, nachdem man ihn fünfmal zur Ader gelassen, etwas besser. Das Mädchen soll etwas den Husten haben und immer so nahe als möglich am Ofen verweilen, um sich hinlänglich zu wärmen Sie heißt Isabella und der Knabe Youry. Sie hat kürzlich die ersten Versuche im Nähen gemacht.

Münchener Politische Zeitung Nro. 301. Mittwoch, den 20. Dezember 1820.

#Eos (23.1.1821)

Miszellen.

München. Die zwey jungen Indianer, Juri und Isabelle, welche die beyden Akademiker, Dr. v. Spix und Dr. v. Martius aus Brasilien mit sich nach München führten, haben bald nach ihrer Ankunft daselbst durch den Einfluß des Klimas und einer höchst ungünstigen Witterung sehr gelitten. Isabelle wurde zuerst von einem heftigen Husten mit Fieber befallen; einige angewendete Medikamente jedoch und das wärmer Halten derselben brachten sie bald wieder auf dem Wege zur Beßerung, so daß sie gegenwärtig sich wohl befindet, und nur noch ein trockener Husten zu Zeiten sich einstellt. Während ihrer Krankheit betrug sie sich kalt gegen ihre Umgebungen, gleichgültig gegen das, was man für sie that, und überhaupt im hohen Grade gefühllos. Juri nahm an ihrem Zustand wenig Antheil. Isabelle ist von einem Indierstamme, der aus Menschenfressern besteht, Juri aber aus einem Stamme, welcher mehr den Weißen dient.

Kaum als Isabellens Gesundheit sich zu bessern begann, erkrankte Juri, und die Brustkrankheit, welche ihn befiel, stieg bis zu einem Grade, daß man für sein Leben fürchtete. Eine heftige Entzündung stellte sich ein, und veranlaßte die Aerzte, ihm neunmal zur Ader zu lassen. Die größte Heftigkeit des Fiebers ist zwar vorüber, aber doch leidet Juri noch stark an Husten, verbunden mit einem leichten Fieber, so daß man die Krankheit und ihre Folgen noch nicht ganz als beseitigt betrachten kann. Als man ihm das erstemal die Ader öffnete, wurde ihm vorher eine Haube, die er auf dem Kopfe trug, über die Augen gezogen, damit die Operation vorübergieng, ohne daß er sie sah. Später, da er dieselbe mit angesehen hatte, und der Akt der Aderöffnung ihm zu oft wiederholt wurde, fieng er an, über das Benehmen der Aerzte Bedenken zu tragen, und äußerte den Verdacht, daß die Europäer wohl die Absicht haben möchten, ihm das Blut abzuzapfen, und so allmählig aus dem Leben zu schaffen; aber die Vorstellungen der beyden Akademiker, zu denen er großes Vertrauen hegt, und denen er sich in portugiesischer Sprache verständig zu machen im Stande ist, dann die große Sorgfalt, die man, wie er wohl sah, für ihn anwendete, und überhaupt das Benehmen seiner Umgebungen, vorzüglich aber das Gefühl des Besserwerdens flößten ihm Muth und Vertrauen ein. Zuletzt hielt er den Arm bey jeder Aderlässe ruhig hin, und wandte nur das Gesicht weg, um das Blut nicht laufen zu sehen. Anfangs benahm er sich etwas heftig und wild, aber bald wurde sein Betragen ruhig und freundlich, so daß ihn alle, die um ihn waren, liebgewanen. Isabelle nahm an ihm wenig Antheil, und war bey seiner Krankheit ganz gleichgültig. Indeß fangt auch diese junge Indianerinn an, an ihren Umgebungen, an kleinen ökonomischen Gegenständen und überhaupt an dem, was sie bey uns sieht und hört, Geschmack zu finden.

(Die Fortsetzung folgt.)

Eos Nr. 7. Zeitschrift zur Erheiterung und Belehrung. Dienstag, den 23. Januar 1821.

#Eos (25.1.1821)

(Beschluß.)

München. Isaballe versteht Einiges von der Portugiesischen Sprache. Durch die Großmuth Sr. Majestät des Königs und Ihrer Majestät der Königin werden die beyden jungen Indianer mit Allem, was sie bedürfen, vollständig versehen, und durchaus erhalten. Viele Freude verursachen dem Knaben, wie dem Mädchen, große, vollkommen gekleidere Pupen, von denen beyde noch jetzt nicht verstehen können, daß dieselben leblos seyn. Man hört sie oft in vollem Ernste behaupten, daß sie leben.

Uebrigens sind die Charaktere der beyden Indianer sehr verschieden, so wie ihr Aeußeres. Isabelle ist von Gesicht und am Körperbau häßlich, Juri entgegen wohlgebaut mit einer nicht unangenehmen Gesichtsbildung; sie hat ein breites Gesicht mit tief liegenden Augen, und schwarze Haare, wie starke Roßhaare, er ein weniger breites Gesicht und hübsche schwarze Augen mit freundlichen Blicken; sie ist entstellt durch ihre durchlöcherte Nase, in welcher die Indianer Ringe und andere Kleinigkeiten zu hängen pflegen, er durch die Tatowirung ringsum den Mund in ansehnlicher Breite.

Isabella von einem der rohesten Urstämme der Indianer entsprossen, hat viele natürliche Anlagen und großen Scharfsinn, dabey wenig Gutmüthigkeit, vielen Widerwillen und immer etwas Unfreundliches, weßwegen dann Ernst bei ihr oftmals nöthig wird. Kleine weibliche Eitelkeiten fehlen bey ihr nicht.

Juri zeigt, daß sein Volksstamm in mehr Berührung mit den Weißen lebt. Er hat Verstand, dabey viel Gutmüthiges und äußert öfter ein Wohlwollen gegen seine Umgebungen, das bey Isabellen fremde ist. Seine Miene ist offen, auch spricht er mehr als Isabelle. Beyde haben jedoch das zusammen gemein, daß aus ihrem Benehmen unverkennbare Züge von Habsucht hervorgehen, und daß sie unter andern nicht zu bewegen sind, von dem, was sie als ihr Eigenthum erkennen, auch nur das Geringste wegzugeben. So soll Isabelle vorzüglich deßwegen an der Leinewand, welche Ihre Majestät die Königin ihr zu schenken geruhte, so fleißig arbeiten, weil sie weiß, daß das, was sie hieraus bildet, ihr Eigenthum ist.

Beyde fangen an, sich europäische Sitten und Gewohnheiten anzueignen, wohl behagt ihnen bereits Tisch und Bett. In ihnen erheben sich bereits einzelne Gefühle, die ihnen sonst ganz fremde waren. So konnte unter andern Isabelle, der Sprößling eines Volksstammes, welcher bis auf kleine Leibgürtel ganz nackt geht, vor Kurzem nur mit Mühe überredet werden, sich zu entkleiden, und dem Maler zum Modelle zu dienen, nach welchem in der Reisebeschreibung der beyden Akademiker v. Spix und von Martius einige Indierstämme abgezeichnet erscheinen werden. Ueberhaupt ist das Thun und Handeln der beyden Indianer in psychologischer Hinsicht sehr merkwürdig, und wir werden daher später in dieser Beziehung einen ausführlichen Aufsatz unsern Lesern mittheilen, welcher uns bereits durch Hrn. v. Spix und von Martius gütigst zugesichert worden ist.

Eos Nr. 8. Zeitschrift zur Erheiterung und Belehrung. Donnerstag, den 25. Januar 1821.

#Eos (14.6.1821)

Am Sonntag den 11. d. M. Abends um 6 Uhr starb hier der junge Indianer Johann Jury, welchen die beyden Akademiker Dr. v. Spix und v. Martius aus der Gefangenschaft in Brassilien erlöst, und hieher gebracht hatten, an den Folgen einer kronischen Lungen-Entzündung und Lungen-Vereiterung, welche vorzüglich durch die seinem Organism fremdartigen Reitze des hiesigen Klimas hervorgebracht wurden.

Man fand bey der Sektion die Lunge ganz vereitert. Er hatte eine langdauernde Krankheit mit vieler Ruhe ertragen, wie er überhaupt einen sehr milden Charakter immer bewiesen hatte. Sanft, wie er im Leben war, ist er auch entschlafen. Von seinem Kopfe wurde ein Wachs-Abdruck genommen, welcher nun in Gyps wird abgebildet werden.

Das Mädchen Isabella befindet sich sehr wohl, und macht täglich Fortschritte in den Sprachen und der Bildung der Europäer. An dem 14. d. M war es genau ein Jahr, daß sich die beyden Indier mit den Akademikern an der brasilianischen Küste eingeschifft hatten.

Eos Nr. 48. Zeitschrift zur Erheiterung und Belehrung. Donnerstag, den 14. Juni 1821.

#Das Inland (21.10.1829)

Auf dem hiesigen Gottesacker sieht man jetzt das Monument errichtet, welche Ihre Majestät die Königin Caroline den dahier gestorbenen brasilianischen Kindern errichten ließ. Beyde, der Knabe und das Mädchen sind aus Erz gebildet, in der Tracht ihres Stammes. Die Inschrift lautet: »Isabella vom Stamme der Miranhas und Johannes von dem der Juris, gestorben in München MDCCCXXII. Der Heimath entrückt, fanden sie Sorgfalt und Liebe im fernen Welttheil; jedoch unerbittlich des Nordens rauher Winter. Errichtet von Caroline, Königin von Bayern.« Die Kinder liegen entseelt am Boden, ihnen zur Seite bläst der rauhe Boreas, der ihre zarte südliche Lebensblüthe brach.

Das Inland Num. 294. 21. Oktober 1829.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

In demselben Grab liegen die Brasilianer-Kinder
Juri Johannes († 14. VI. 1821) und Miranha Isabella (22. V. 1822); K. F. Ph. von Martius und J. B. Spix brachten aus ihrer brasilianischen Expedition als lebendige Zeugen des fremden Landes dieses Pärchen nach München; Königin Karoline umgab die indianischen Kinder mit aller Sorge, Juri, dem man den Vornamen Johannes gegeben hatte, kam in die Obhut Herzog Max’, Miranha, die nun der Vorname Isabella zierte, wurde der Hofpfistermeisterswitwe Kreszens Jakobi in der Prannerstraße 16 anvertraut; schon am 23. 1. 1821 mußte »Eos« berichten: Die zwei Indianerkinder haben bald nach ihrer Ankunft in München durch den Einfluß des Klimas und der höchst ungünstigen Witterung sehr gelitten; Isabella wurde zuerst von Fieber und Husten befallen, während ihrer Krankheit betrug sie sich kalt und gleichgültig gegen ihre Umgebung; auch Juri, der ohne Anteilnahme das Siechtum seiner Landsmännin hinnahm, erkrankte fieberhaft; als man ihm einen Aderlaß machte, bekam er vor seinem eigenen Blut Angstzustände, er starb mit 14 Jahren fast ein Jahr vor Miranha, die auch nicht älter als 14jährig werden sollte; auch dieses Grab zeugt von dem traurigen Schicksal des Todes zweier Kinder in fremdem Lande.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#Dr. jur. Ludwig August von Müller

* 19.8.1846 (Dachau/Obb.)
† 24.3.1895 (München)
Bayerischer Innen- und Kultusminister

#Münchener Ratsch-Kathl (2.3.1892)

Unsere Minister

Der Herr Cultusminister Dr. von Müller.

Das ist ein liebenswürdiger Herr lauter Artigkeit und Freundlichkeit. Schon als Polizei-Präsident war er von so einer ausnehmenden Liebenswürdigkeit, daß Jeder selber in unangenehmen Sachen gern mit ihm zu thun g’habt hat. Der Herr Dr. von Müller raucht gern und gute Cigarren und Menschen die gute Cigarren rauchen, sind auch angenehme Gesellschafter und gescheidte Leut’. Das stimmt bei seiner Excellenz. Klugheit und Energie steckt in dem kleinen Mann genug und erst als Minister in der Kammer hat man erkennen können, was für Kraft in dem Herrn steckt. So ist auch seine Red’ zierlich und gewandt, regelrecht und formvollendet. Häufig läßt er den Ton fallen und spricht in einem tiefen Baß, den man in dem schmächtigen Herrn gar net suchen thät’, Gegen End verschluckt er gern die Silben und dann wird er unverständlich. Wenn er einmal in einen heftigen Redekampf kommt, was bis jetzt noch nie der Fall war, so muß das sonderbar werden. In einer Hand hält er faßt immer ein Blatt Papier, mit der anderen spielt er mit der schweren Uhrkette. Er ist sehr redelustig und ergreift immer gleich nach dem Referenten das Wort. Das macht er nämlich schlau. Dadurch schneidet er manchem Abgeordneten die Rede ab. Manchem ist das vielleicht recht; braucht er nt z’reden.

Münchener Ratsch-Kathl. Mittwoch, den 2. März 1892.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Müller Ludwig August, Dr. jur., von, Ritter, Exzellenz, 1846 (Dachau/Obb.) – 1895, Kabinettssekretär, Polizeipräsident und bayerischer Innen- und Kultusminister; Sohn eines Beamten, besuchte M. die Volksschule in Würzburg, bestand die Reifeprüfung beim Münchner Wilhelms-Gymnasium mit Auszeichnung (goldene Medaille); seine Universitätsstudien vollendete er in München im Maximilianeum, und 1872 trat er nach dem Staatskonkurs in den bayerischen Verwaltungsdienst (Rechtspraktikant bei der Regierung von Oberbayern, Bezirksamtsassessor, Regierungsrat im Innenministerium, Vorstand des Statistischen Büros), bis er unter König Ludwig II. Kabinettssekretär, 1887 Polizeidirektor von München und 1890 als Nachfolger Lutz’ Staatsminister des Innern und für Kirchenangelegenheiten wurde; als Leiter des Statistischen Amts hat er – der Vater des 1964 † Historikers, Universitätsprofessors Dr. Karl Alexander von Müller – u. a. am Zustandekommen des Flurbereinigungsgesetzes und des Landtagswahlgesetzes mitgewirkt; er spielte auch bei der Entmündigung Ludwigs II. eine Rolle, als Polizeidirektor machte er sich durch sein liebenswürdiges und leutseliges Wesen beliebt, seiner Tätigkeit als Innen- und Kultusminister ist die Gehaltsaufbesserung der Geistlichen beider Konfessionen, die Vermehrung der Professuren und Gymnasiallehrerstellen, die Reorganisation des Lehrplans der humanistischen und realistischen Bildungsanstalten und eine neue Prüfungsordnung für das Lehramt u. a. zu verdanken; M. war auch schriftstellerisch tätig (juristische und staatsrechtliche Arbeiten, z. B. über Reichsrecht und Landrecht in Bayern – Hirths Annalen).

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#24 – 1 – 4 (Babo · Deuringer)


HOFTHEATERINTENDANT
PROF. JOSEF MARIUS
VON BABO
* 1756 † 1822

GRABSTÄTTE
DER FAMILIE
DEURINGER


  • Babo, Josef Marius von; 14.1.1756 (Ehrenbreitstein) – 5.2.1822 (München); Intendant und Theaterschriftsteller

Josef Marius von Babo. Abbildung aus »Das Bayerland« No. 34. 1892.

Grab der Familien Babo · Deuringer auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

#Josef Marius von Babo

* 14.1.1756 (Ehrenbreitstein)
† 5.2.1822 (München)
Intendant und Theaterschriftsteller

#Allgemeine Deutsche Biographie (1875)

Babo: Joseph Marius B. (so schrieb er selbst sich), Dichter, geb. zu Ehrenbreitenstein 14. Jan. 1756, † zu München 5. Febr. 1822 (nach den Acten der Akademie). Sohn eines aus Baiern stammenden kurtrierschen Hauptmanns. Auf dem Jesuitencolleg in Coblenz gebildet, trat er schon 15jährig als dramatischer Dichter auf und ward bald nach 1774 als Secretär an die Mannheimer Bühne berufen. Seit 1784 lebte er in München, zuerst nur als Schriftsteller, Vorlesungen haltend. Bald ein geschätztes Mitglied des Rumford’schen Kreises, nahm er an dessen mannigfaltigen Schöpfungen thätigen Antheil.

1789–99 war er Studiendirector der neuerrichteten Militärakademie; daneben Censurrath, Oberpolizeicommissär, kurfürstl. Raths- und geh. Secretär und endlich seit 1792 erst als Theatercommissär, dann als Intendant Leiter der Hofbühne, welche ihm nach gründlichem Verfall eine Periode schöner Blüthe dankte. Als Intendant folgte ihm 1810 (nicht erst 1819) de la Motte. B., 1807 zum Mitglied der Akad. d. Wissenschaften ernannt, scheint später ein öffentliches Amt nicht mehr bekleidet zu haben (fast alle Acten über ihn sind bei dem Münchener Theaterbrand von 1823 verloren gegangen).

Als dramatischer Dichter vorzüglich den geschichtlichen Stoffen zugewandt, folgt er, namentlich in »Otto von Wittelsbach« der von Goethe im »Götz« angebahnten Richtung. Ohne auf die wilde Genialität eines Klinger u. A. Anspruch machen zu können, zeigt er warme Empfindung, ja selbst ergreifendes Pathos und verräth hie und da in der Ausdrucksweise deutlich die Bekanntschaft mit Shakespeare. Jenes schon genannte vaterländische Trauerspiel »Otto von Wittelsbach« hat unter allen Stücken des Dichters des größten und dauerndsten Beifalls sich zu erfreuen gehabt und sich bis in die 40er Jahre auf der Bühne erhalten. Und in der That sind in ihm alle jene Merkmale deutlich erkennbar, von denen Wieland in seinem dritten »Sendschreiben an einen jungen Dichter« die große Anziehung der vielfältigen Nachahmungen des »Götz« herleitet. Stark aufgetragene Charaktere, mächtige Leidenschaften, ein großer scenischer Apparat sind die Hebel, die von einer geschickten Hand angewendet werden, ohne zu Uebertreibungen, rohen Effecten oder Derbheiten der Sprache Anlaß zu geben. So auch nur war es möglich, daß der freisinnige Verfasser der »Ideen zu einer Mimik«, J. J. Engel im »Otto von Wittelsbach« ein dramatisches Product vom »höchsten Rang« erblickte und Tieck ist nicht im Unrecht, wenn er Babo’s Dramen zu denen zählt, die »den Stempel des deutschen Geistes tragen und die Grundlage zu einem deutschen Nationaltheater« hätten werden können. Unsere Zeit hat B. ebenso vergessen, wie die ihm litterarisch nächststehenden Dramatiker: Jac. Mayer und Joh. A. v. Törring. Außer »Otto von Wittelsbach«, 1781 u. zuletzt 1869, hat B. verfaßt die Trauerspiele: »Oda«, 1782; »Dagobert«, 1787; »Genua und die Rache«, 1804; das dramatische Heldengedicht: »Die Römer in Deutschland«, 1780; das heroische Schauspiel: »Die Strelitzen«, 1790 u. 93; das militärische Drama: »Arno«, 1776; das Melodrama: »Cora und Alonzo«, 1780 und endlich die Lustspiele: »Winterquartier in Amerika«, 1778; »Die Mahler«, 1783 u. ö.; »Das Fräulein Wohlerzogen«, 1783; »Bürgerglück«, 1792 u. ö. und »Der Puls«, 1804 und 1869. Nicht unbedeutend sind die Erzählungen: »Gemälde aus dem Leben der Menschen«, 1783. Auch redigirte er die Zeitschriften: »Der dramatische Censor«, 1782 ff. und »Aurora«.

Joseph Kürschner.

Joseph Kürschner: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1875.

#Das Bayerland (1892)

31. Joseph Marius v. Babo, Dichter, Hoftheaterintendant und Studiendirektor der Militärakademie zu München, geboren zu Ehrenbreitstein den 14. Januar 1756.

Sein Vater starb als Hauptmann in französischer Kriegsgefangenschaft. Der junge Babo studierte in Koblenz, schrieb schon in seinem 15. Lebensjahre ein kleines Lustspiel: »Titus Varus oder das Gespenst von Trier.« Während seiner philosophischen und juridischen Studien war er für periodische Zeitschriften thätig. Im Jahre 1774 ging zu Mainz sein kleines Schauspiel »Arno« über die Bühne, welches mit großem Beifalle die Runde auf den meisten Theatern machte. Bald darauf wurde er vom Kurfürsten Karl Theodor als erster Sekretär nach Mannheim berufen. Vier Jahre später kam er nach München, wo er als Schriftsteller wirkte. 1784 übertrug ihm die patriotische Herzogin Maria Anna das Amt ihres geheimen Sekretärs.

Auf Veranlassung des Grafen Rumford, seines Gönners, wurde er in den Jahren 1789–1791 zur Teilnahme an den zu schaffenden Institutionen verwendet, insbesondere bei Errichtung der Militärakademie, an welcher er auch die Direktorstelle übernahm. Mit diesem Amte besorgte er auch nebenher die Geschäfte eines Zensurrates. Als Graf Rumford die Polizei einer unabhängigen Direktion übertrug, war Babo einer der drei Oberpolizeikommissäre. Vom Jahre 1792 bis 1799 leitete er als Theaterkommissär, dann von da an als Intendant bis 1810 die Hofbühne, welche unter ihm ihre Blütenperiode erreichte. 1807 wählte ihn die Akademie der Wissenschaften zu ihrem Mitgliede. Er schrieb eine Anzahl Bühnenstücke, worunter »Otto von Wittelsbach« als sein bestes gilt. Am 5. Februar 1822 starb Babo in dem Hause Nr. 27 auf dem Marienplatze zu München. Seine irdischen Überreste deckt der Grabhügel Sektion 24, Reihe 1, Grabplatz 4. Kein Denkmal erinnert mehr an dieser Stelle an ihn. Auf dem Pilotyschen Wandgemälde im großen Saale des neuen Rathauses finden wir sein Bild unter den hervorragenden Persönlichkeiten. Die Stadtvertretung ließ seine Büste unter den Arkaden aufstellen und zum bleibenden Gedächtnis eine Straße nach ihm benennen.

Dem Babo folgen in weiterer Entfernung die Büsten des bereits besprochenen Welden und der Freifrau v. Redwitz, welche nach dem Programme eigentlich nicht hierher gehören und sich daher einer biographischen Besprechung entziehen.

C. Reber: Die »Ruhmeshalle« unter den Arkaden des südlichen (älteren) Friedhofes in München. Das Bayerland. Illustrierte Wochenschrift für bayerische Geschichte und Landeskunde. 9. Jahrgang. Heft Nr. 32. München, 1898.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Babo Josef Marius, von, 1756 (Ehrenbreitstein) – 1822, Professor, Hoftheaterintendant und Dramaturg; er war zuerst Geheimer Sekretär in Mannheim, dann Intendant der von Mannheim nach München übernommenen kurfürstlichen Theatergesellschaft, auch Professor der Ästhetik, 1793 Studiendirektor der Militärakademie und Bücherzensurrat in München, die Leitung des Theaters führte er daneben; B. schrieb vorwiegend Ritterdramen im Stil Kaspar von Törrings und Komödien.

Hauptwerke: Arno (Drama), Die Römer in Deutschland (Trauerspiel), Otto von Wittelsbach (Drama), Das Lustlager (Singspiel).

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#24 – 3 – 1 (Tattenbach)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Tattenbach, Emma von (vh) / Yrsch, von (gb); 26.12.1818 – 16.4.1908
  • Tattenbach, Franz von; 4.7.1769 – 18.9.1854 (München); Kämmerer und Oberst
  • Tattenbach, Hermann Graf von; 22.6.1822 – 6.10.1840 (München); Leutnant
  • Tattenbach, Ludwig von; 26.9.1816 (Wörth/Nürnberg) – 6.2.1904 (München); Oberstleutnants-Sohn / Oberst a. D.
  • Tattenbach, Wilhelm von; 18.2.1823 – 6.1.1898 (München); Rittmeister und Landstallmeister
  • Tattenbach, Wilhelmine von; 29.3.1792 – 9.4.1869 (München); Kämmerers-Witwe

Todesanzeige für Wilhelm von Tattenbach

Grab der Familie Tattenbach auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#24 – 3 – 3·4 (Staudinger)


Grab der Familie Staudinger auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

#24 – 4 – 8 (Wittmann)


REICHS-
ARCHIVRAT
DR. PHIL.
FRANZ
WITTMANN
HISTORIKER
1804
1857

R. I. P.


  • Wittmann, Franz Michael, Dr. phil.; 1804 (Finkenhammer, Lkr. Vohenstrauß/Opf.) – 27.8.1857 (München); Historiker und Reichsarchivrat

Todesanzeige für Dr. phil. Franz Michael Wittmann

Grab der Familie Wittmann auf dem Alten Südfriedhof München (März 2008)

#Dr. phil. Franz Wittmann

* 1804 (Finkenhammer, Lkr. Vohenstrauß/Opf.)
† 27.8.1857 (München)
Historiker und Reichsarchivrat

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Wittmann Franz Michael, Dr. phil., 1804 (Finkenhammer, Lkr. Vohenstrauß/Opf.) – 1857, Historiker und Reichsarchivrat; er, ein Brudersohn des heiligmäßigen Bischofs Georg Michael W. von Regensburg, studierte in Amberg, Landshut und München und trat dann in das Allgemeine Reichsarchiv in München ein; sein Verdienst besteht in der langjährigen Redaktion der »Monumenta Boica« und der »Regesta Boica«; jedes seiner Werke, auch das scheinbar unbedeutendste, trägt nach Ansicht seines Vorgesetzten, des Reichsarchivdirektors Dr. G. Th. Rudhart »den Stempel des gründlichsten Wissens und der eminenten Begabung an sich«.

Hauptwerke: Bayerische Landes- und Rechts-Geschichte, Edition der ältesten Urbare und (zusammen mit K. A. Muffat) Urkunden des Hochstifts Würzburg in den »Monumenta Boica« (Bd. 36a und 37), Geschichte der Grafen von Leuchtenberg, Die Herkunft der Bayern von den Markomanen, Die Burggrafen von Regensburg, Geschichte der Reformation in der Oberpfalz, Monumenta Wittelsbacensia; seine Arbeit »Das altgermanische Königtum« machte W. mit den ersten rechtshistorischen Fachkräften in Deutschland bekannt.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#24 – 4 – 9 (Engelbreit · Friedrich · Mayerbacher)


Hier ruhen
Frau Therese Mayerbacher
* 18.1.1833 † 15.8.1877
Frl. Christine Mayerbacher
* 12.7.1866 † 29.11.1889
Frau Anna Friedrich
* 25.5.1869 † 27.3.1895
Herr Joseph Mayerbacher
Privatier ehem. Bäckermeister
* 8.4.1830 † 22.5.1896
die Asche von
Frau Marie Engelbreit
* 2.7.1863 † 3.6.1934
Herr Ludwig Mayerbacher
Zollfinanzrat i. R.
* 4.11.1867 † 11.5.1936


  • Engelbreit, Marie (vh); 2.7.1863 – 3.6.1934
  • Friedrich, Anna (vh) / Mayerbacher (gb); 25.5.1869 – 27.3.1895 (München)
  • Mayerbacher, Christine; 12.7.1866 – 29.11.1889 (München); Privatiers-Tochter
  • Mayerbacher, Josef; 8.4.1830 – 22.5.1896; Privatier, ehemaliger Bäckermeister
  • Mayerbacher, Ludwig; 4.11.1867 – 11.5.1936; Zollfinanzrat i. R.
  • Mayerbacher, Therese (vh); 18.1.1833 – 15.8.1877

Todesanzeige für Christine Mayerbacher

Todesanzeige für Anna Friedrich

Grab der Familien Engelbreit · Friedrich · Mayerbacher auf dem Alten Südfriedhof München (September 2019)

#24 – 6 – 3·4 (Gruber)


Obelisk
Familie
Gruber

Hier ruht in Gott
Frau
Magdalena Gruber
geb. Hoch
geb. d. 26. Sept. 1869
gest. d. 29. Sept. 1941.

Sockel
Dem Andenken unsere theueren,
unvergesslichen Gattin und Mutter
Frau Anna Gruber
geb. Heinzelmann,
Gasthofbesitzers-Gattin dahier,
geb. d. 9. Juli 1847, gest. d. 15. Okt. 1894.
Ihr folgte
unser unvergesslicher Gatte u. Vater
Herr Sebastian Gruber
Privatier
geb. d. 14. Okt. 1842, gest. d. 25. Mai 1913.

Ruhe sanft in Frieden!

Rechte Seite
Schwarz


  • Gruber, Anna (vh) / Heinzelmann (gb); 9.7.1847 – 15.10.1894; Gasthofbesitzers-Gattin
  • Gruber, Magdalena (vh) / Hoch (gb); 26.9.1869 – 29.9.1941
  • Gruber, Sebastian; 14.10.1842 – 25.5.1913; Privatier

Grab der Familie Gruber auf dem Alten Südfriedhof München (April 2018)

#24 – 6 – 5 (n. n.)


(Februar 2021)

#24 – 6 – 6 (n. n.)


(Februar 2021)

#24 – 7 – 16 (n. n.)


(Februar 2021)

#24 – 8 – 2 (Eggert)


Grabstätte
der
Familie
Franz Eggert
Glasmaler
und
Sigund Eggert
Kunstmaler


  • Eggert, Franz Xaver; 11.11.1802 (Höchstädt an der Donau) – 14.10.1876 (München); Glasmaler
  • Eggert, Sigmund; 13.2.1839 (München) – 25.8.1896 (Walchstadt); Genremaler

Todesanzeige für Franz Xaver Eggert

Todesanzeige für Sigmund Eggert

Grab der Familie Eggert auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2018)

#Franz Xaver Eggert

* 11.11.1802 (Höchstädt an der Donau)
† 14.10.1876 (München)
Glasmaler

#Neues allgemeines Künstler-Lexicon (1845)

Eggert, Franz, Glasmaler, wurde 1802 zu Höchstädt an der Donau geboren. Er erlernte 1817 zu Augsburg unter M. Hölzle die Decorationsmalerei, ging aber 1824 nach München, um an der k. Akademie der bildenden Künste seine Studien fortzusetzen. Nebenbei verzierte er unter Leitung der Dekorations-Maler Mayer und Schönherr das neue k. Kriegsministerium, das Odeon, das Lustschloss Biederstein und andere Gebäude, bis er 1829 auf Veranlassung des Professoers Gärtner bei der Ausführung der Glasgemälde in der k. Porzellan-Manufaktur zu München verwendet wurde. Eggert arbeitete jetzt an den schönen Fenstergemälden für den Dom in Regensburg und für die neue Mariahilfkirche in der Vorstadt Au. Er malte Ornamente und geschichtliche Darstellungen. S. auch Ainmüller und Wehrsdorfer.

Dr. Georg Kaspar Nagler: Neues allgemeines Künstler-Lexicon oder Nachrichten von dem Leben und Werken der Maler, Bildhauer, Baumeister, Kupferstecher, Formschneider, Lithographen, Zeichner, Medailleure, Elfenbeinarbeiter etc. Bearbeitet von Dr. G. K. Nagler. München, 1837.

#Sigmund Eggert

* 13.2.1839 (München)
† 25.8.1896 (Walchstadt)
Genremaler

#Allgemeine Deutsche Biographie (1904)

Eggert: Sigmund E., Genremaler, geboren am 13. Februar 1839 zu München als Sohn des vielfach verdienten Glasmalers Franz E. (1802–1876), kam von der Gewerbeschule an die Akademie, wo er unter Anschütz und Schlotthauer sich bildete, bis ihn sein Vater als Gehülfen bei den großen Fensterbildern und anderen kirchlichen Arbeiten zu sich nahm. Später bezog Sigmund E. nochmals die Akademie, um sich unter Arthur v. Ramberg dem Genrefach zu widmen. Mit Vorliebe wählte er das Leben und Treiben der Landleute in ihrer Häuslichkeit, bei ihren Leiden und Freuden, die er mit einem Anfluge leisen Humors in coloristisch wirksamen Bildern zur Darstellung brachte. Seine Modelle nahm er gerne aus dem am Wörthsee (nächst Starnberg) gelegenen Walchstadt, wo E. mit Vorliebe der Sommerfrische pflag. Seine anspruchslosen Bilder fanden in den Kunstvereinen gerne Aufnahme, wurden von illustrirten Zeitschriften bereitwillig gesucht und in Holzschnitt reproducirt, z. B. der »Friedensstörer«, ein »Pflichtvergessener« (1873), »Großvaters Rekruten« (1874, in Nr. 49 »Allgem. Familien-Ztg.«, 1897 S. 389), ein »Schiedsgericht« (1875), »Plauderstündchen« (1876), »Fahrt in die Stadt« (1877, als Holzschnitt im »Deutsch. Hausschatz« 1879, S. 356), »Der Dorfschulze« (ebendas. 1879. S. 377), »Gute Jagdbeute« (1881), die Schusterbuben-Idylle »Der Milchdieb« (1881), das »Atelier eines Dorfmalers« (1882), »Seifenblasen« (1883, Holzschnitt in »Ueber Land und Meer« 1886. 55, 504), der »Widerspenstige Patient beim Dorfbader« (1883), eine heitere Episode aus der Werkstätte eines bäuerlichen »Kunstbildhauers« (Holzschnitt im »Kränzchen« 1892, S. 107), ein »Schwerer Entschluß« (1894) und andere harmlose, häufig mit Kinderscenen staffirte Darstellungen. Besonderen Dank erwarb E. ob seinen charitativen Bestrebungen für bedürftige Kinder in seiner Eigenschaft als Districtsvorsteher und Armenpflegschaftsrath. Er starb am 25. August 1896 zu Walchstadt, wo er nächst der Kirche (in welche er ein schönes, von ihm gemaltes Glasbild gestiftet hatte) seine letzte Ruhestätte fand. Sein künstlerischer aus allerlei anziehenden Studien, Entwürfen und Skizzen bestehender Nachlaß wurde im Kunstverein ausgestellt und von Liebhabern rasch angekauft.

Vgl. Kunstvereins-Bericht für 1896, S. 73. – Bettelheim, Biograph. Jahrbuch, 1897. I, 49 f.

Hyac. Holland.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1904.

#24 – 9 – 1 (Bachmayer · Geith · Schötz)


KASPAR GEITH 26.8.1803 – 10.12.1882
MONIKA GEITH GEB. STADLER
8.11.1807 – 1.11.1891
KAROLINE BACHMAYER GEB. GEITH
5.2.1867 – 25.10.1894
KAROLINE GEITH GEB. STEINHART
1.9.1840 – 8.6.1896
EMIL GEITH 28.3.1841 – 26.7.1896
ANNA SCHÖTZ GEB. GEITH
10.4.1884 – 19.6.1918


  • Bachmayer, Karoline (vh) / Geith (gb); 5.2.1867 – 25.10.1894
  • Geith, Emil; 28.3.1841 – 26.7.1896 (München); Speditionsgeschäftsinhaber
  • Geith, Karoline (vh) / Steinhart (gb); 1.9.1840 – 8.6.1896 (München)
  • Geith, Kaspar; 26.8.1803 – 10.12.1882
  • Geith, Monika (vw) / Stadler (gb); 8.11.1807 – 1.11.1891
  • Schötz, Anna (vh) / Geith (gb); 10.4.1884 – 19.6.1918

Todesanzeige für Karoline Geith

Todesanzeige für Emil Geith

Grab der Familien Bachmayer · Geith · Schötz auf dem Alten Südfriedhof München (April 2014)

Grab der Familien Bachmayer · Geith · Schötz auf dem Alten Südfriedhof München (April 2014)

#24 – 9 – 5 (n. n.)


(Februar 2021)

#24 – 9 – 16 (n. n.)


(Dezember 2012)

#24 – 10 – 1 (Häberl)


Grab der Familie Häberl auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

#24 – 10 – 3 (n. n.)


(Februar 2021)

(Februar 2014)

(Februar 2014)

#24 – 10 – 4 (Huber)


Grab der Familie Huber auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

#24 – 10 – 5 (n. n.)


(Februar 2021)

#24 – 10 – 7 (Scherpf)


Grab der Familie Scherpf auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

#24 – 10 – 10 (Mayr)


Grab der Familie Mayr auf dem Alten Südfriedhof München (April 2018)

#24 – 10 – 12 (Schmid)


SIMON SCHMID
MITERFINDER DER
LITHOGRAPHIE
1760 – 1840


  • Schmid, Simon; 1760 (München) – 29.6.1840 (München); Lederers-Sohn / Katholischer Priester und Miterfinder der Lithographie

Simon Schmid. Decan und Pfarrer zu Miesbach. Erfinder der Steindruckerey. Nach dessen Brustbild aus der Sammlung Ir. Königlichen Hoheit des Kronprinzen von Baiern von Bildnissen berühmter Teutscher.

Johann Nepomuk Haller: Simon Schmid (1818). Bayerische Staatsgemäldesammlungen – Neue Pinakothek München.

Grab der Familie Schmid auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2014)

#Simon Schmid

* 1760 (München)
† 29.6.1840 (München)
Lederers-Sohn / Katholischer Priester und Miterfinder der Lithographie

#Biographische Nachricht von Herrn Dekan Schmid (1817)

Biographische Nachricht von Herrn Dekan Schmid, Erfinder der Steindruckerey.
(Von ihm selbst aufgesetzt.)

Unterzeichneter, Sohn eines bürgerlichen Lederbereiters, wurde zu München im Jahre 1760 geboren und daselbst erzogen, von wo er sich nach vollendeten niedern und höhern Studien, bey anhaltendem Besuche der damahligen Zeichnungsschule, nach Ingolstadt in das Albertinische Collegium begab, um sich auf der hohen Schule dem theologischen Studium zu widmen. Im Jahre 1784 erhielt er die Priesterwürde, ward sodann nach Dorfen in's Priesterhaus beordert, sich zu den Verrichtungen eines Seelsorgers praktisch vorzubereiten. Im Jahre 1785 aber bekam er den Ruf zu einer privat Lehrers Stelle bey Titl. Freyherrn und damahligem Kabinets-Sekretaire Stephan von Stengel. Im Jahre 1786 (in welcher Epoche er die ersten Versuche in der Lithographie machte,) ward ihm die öffentliche Lehrstelle bey der bürgerlichen Realschule zu unserer Frau in München, und bald nachher, mit Beybehaltung benannter Stelle, die Professur in der neuerrichteten Churfürstl. Militair-Akademie, wo er Logik und Physik nebst andern Gegenständen lehrte, gnädigst übertragen, welches Lehramt er einschliesslich der Inspektors-Stelle, auch noch zur Zeit fortwährend begleitete, als er 1799, vermöge gnädigsten Rescripts, zum Professor der Logik und Metaphysik ernannt wurde.

Nach fünfjähriger Geschäftsführung wurde ihm 1804 die Pfarrey Oberhäching und 1807 die Pfarrey Miesbach zu Theil; im folgenden Jahre ward er zum Landdekan gewählt und als königl. Districts-Schulinspektor aufgestellt, welchen Charakter er noch gegenwärtig begleitet.

Noch muss bemerkt werden, dass ihm vom bürgerl. Magistrate in München die Stelle eines Religionslehrers sämmtlicher Lehrjungen übertragen wurde, welcher zufolge er an Sonntagen, die einzigen Feyerstunden, die ihm übrigten, zum Unterrichte verwendet, zugleich auch die neuerrichtete Feyertags-Schule, durch Abhaltung einiger Lehrstunden, unterstützt hat. Für diesen unentgeldlichen zweyfachen Unterricht ward ihm von genanntem bürgerl. Magistrate im Jahre 1799 die Ehren-Medaille mit der Aufschrift: dem guten Bürger, als ein Beweis der Zufriedenheit zugestellt.

So widmete sich der Unterzeichnete achtzehn Jahre dem öffentlichen Lehr- und fünfzehn Jahre dem Pfarramte.

Miesbach den 30. Jänner 1819.

Schmid, Dekan.

Königlich Baierischer Gemäldesaal zu München und Schleissheim. Zweihundert Bilder in Steindruck von Strixner, Piloty und Anderen. Erster Band. München, 1817.

#Allgemeine Zeitung (1.7.1840)

München, 29 Jun. In verwichener Nacht entschlief hier im Alter von 80 Jahren ein ehrwürdiger hochverdienter Greis, der geistliche Rath und Hofcaplan Simon Schmid, früher Professor an der Realclasse und im Cadettencorps, ein Mann, eben so achtbar in Lehre und Wandel, als erfahren und bewandert in vielen Zweigen polytechnischen Wissens, wo er, mit allen Erscheinungen der neuesten Zeit vertraut, noch in den letzten Tagen seines Lebens prüfend und versuchend wirkte. Wenn der verstorbene Sennefelder die Lithographie durch Erfindung der Kreide, durch sinnreiche Vorrichtungen an Pressen und Steinen etc. in ihren Fortschritten begründet hat, so kann nicht in Abrede gestellt werden, daß die erste Anregung und die ersten Versuche, Kelheimer (Solenhofer) Steine zum Druck zu benutzen, von Schmid ausgingen, denn Thatsache ist es, daß letzterer schon Zeichnungen lieferte, die zu Hunderten von Abdrücken vervielfältigt wurden, als Sennefelders Name als Lithograph noch gänzlich unbekannt war; so liegen vom Jahre 1788 achtzehn Steine, theils in erhabener theils in vertiefter Arbeit vor (über Ornithologie, Anatomie des menschlichen Körpers, Giftpflanzen etc.), während Sennefelders Erfindung vom Jahre 1795–1796 datirt. Jetzt wo der bescheidene Schmid nicht mehr am Leben ist, kann dieß wohl in Anregung kommen. Sennefelders großes Verdienst verliert nichts dabei. Jedenfalls ist die Lithographie eine Erfindung, die unsrer Stadt angehört. Unser König, dessen Scharfblick kein Verdienst entgeht, hat schon vor mehreren Jahren Schmids Büste für die Walhalla fertigen lassen.

Allgemeine Zeitung Nr. 183. München; Mittwoch, den 1. Juli 1840.

#Münchner Tagblatt (30.6.1841)

Hiesiges.

Vorgestern (den 28. Juni) war es ein Jahr, daß der eigentliche Erfinder der Lithographie, Herr geistliche Rath und Hofkaplan Simon Schmid, früher Professor an der Realklasse und im Kadettenkorps, starb. Ohne dem verdienstvollen Sennefelder absprechen zu wollen, daß er die Fortschritte der Lithographie bewirkt hat, kann doch nicht in Abrede gestellt werdrn, daß die allerersten Versuche, Kelheimer-Steine zum Druck zu benützen, einzig und allein vom damaligen Professor Schmid ausgingen; denn es ist unläugbare Thatsache, daß Schmid schon zu Hunderten von Abdrücken vervielfältigte Zeichnungen lieferte, als Sennefelders Name noch gänzlich unbekannt war; namentlich liegen vom Jahre 1788 18 Steine über Ornithologie, Anatomie, Giftpflanzen etc., sowohl in erhabener, als auch vertiefter Arbeit von Schmid vor, während sich Senefelders Erfindung vom Jahre 1795 (also sieben Jahre spater) datirt. – Da über die Erfinder des Schießpulvers, der Buchdruckerkunst, der Dampfschiffe, ja selbst der Eisenbahnen, jetzt schon verschiedene Stimmen laut werden, so sollte doch wenigstens dem in München voriges Jahr verstorbenen Professor Simon Schmid die Priorität der Erfindung des Steindrucks vindicirt werden; von einem Denkmal wollen wir nicht sprechen, obwohl wir jetzt eigentlich in der Zeit der Monumenten-Manie leben.

Münchner Tagblatt Nro. 178. Mittwoch, den 30. Juni 1841.

#Münchener Bote für Stadt und Land (25.4.1860)

Der Magistrat beschloß, das Grab des Hofkaplans Simon Schmid (gest. 1840), Miterfinder der Lithographie, gleich den Gräbern von Sennefelder und Gabelsberger, für alle Zeiten zu erhalten und mit einem Denkstein zu versehen. Sim. Schmid war der Sohn eines bgl. Lederarbeiters von München, der, ohne Sennefelder zu kennen, zugleich mit diesem auf die gleiche Idee jener Erfindung kam. Seine Büste befindet sich in der Ruhmeshalle und auch Hormayer's Geschichte verewigt seinen Namen.

Münchener Bote für Stadt und Land No. 99. München; Mittwoch, den 25. April 1860.

#Kurier für Niederbayern (26.4.1860)

München, 24. April. Der Münchener Magistrat hat die beiden berühmten Landsleute Sennefelder und Gabelsberger dadurch geehrt, daß er ihnen auf diesigem Gottesacker ständige Gräber nebst Grabsteinen mit passender Inschrift einräumte. Diese Ehre ist heute auch dem Miterfinder der Lithographie, dem geistl. Rath Simon Schmid bezeigt worden, welcher 1760 hier geboren wurde und 1840 starb. Die Büste dieses berühmten Münchners, der ebensowenig wie die obengenannten in glänzenden Verhältnissen starb, ist bereits durch König Ludwig in der Ruhmeshalle aufgestellt, und doch hat es geschehen können, daß sein Grab bereits zwei Mal geöffnet wurde, um zwei neue Leichname aufzunehmen; erst auf Anregung des Magistratsrathes Riederer ist heute der Pflicht der Pietät auch gegen diesen großen Todten genügt worden. Simon Schmid, der Sohn eines ehrsamen Lederermeisters, zeigte schon frühzeitig große Talente und fühlte sich vor Allem zu den Geheimnissen der Natur hingezogen; er folgte jedoch dem Willen seines Vaters und trat in den geistlichen Stand, wurde 1784 zum Priester geweiht, 1787 zum Lehrer an der Realschule zu Unsrer Lieben Frau und 1789 zum Professor der Naturgeschichte und Logik an der neuerrichteten Militärakademie ernannt. Die Betrachtung eines geätzten Grabsteins in der hiesigen Frauenkirche brachte ihn zuerst auf den Gedanken, Kelheimer Platten mit glatter Oberfläche zum Drucke zu benützen, im Jahre 1787, also um 6 Jahre früher als Sennefelder, machte er den ersten Versuch und zwar in der s. g. erhabenen Manier, welcher vollkommen gelang. Die ersten Abdrücke, ein Vogel, nach Art eines Holzschnittes, legte er seinen Freunden vor und von diesen ermuntert, verfertigte er mehrere Hefte zum Schulunterricht mit Abbildungen des menschlichen Körpers, der Giftpflanzen und geometrischen Zeichnungen. Von seinen Berufsgeschäften überhäuft ließ er jedoch seine Erfindung, auf die er selbst keinen besondern Werth gelegt zu haben scheint, liegen. Nachdem er längere Zeit als Pfarrer auf dem Lande segensreich gewirkt, feierte er 1834 sein Priester-Jubiläum and wurde zum Hofcaplan und geistlichen Rath ernannt. Er erlebte noch, daß Sennefelders Erfindung die größte Anerkennung in der ganzen gebildeten Welt fand, und obwohl er selbst Anspruch hatte, als der erste Erfinder zu gelten, so freute er sich dennoch dieses Triumphes einer Erfindung, die von zwei Männern in München fast zu gleicher Zeit gemacht wurde, ohne daß einer vom andern gewußt hat.

Kurier für Niederbayern No. 115. Tagblatt aus Landshut. Donnerstag, den 26. April 1860.

#Der Bayerische Landbote (9.9.1862)

München, 2. Sept. [Historischer Verein von und für Oberbayern] [...] Hr. Dr. Nagler zeigte Abdrücke von hochgeätzten Steinen des späteren geistlichen Rathes Simon Schmid vor, welche in die Zeit von 1787 fallen, also A. Senefelder's ersten Versuchen von 1796 vorangehen. Dr. Nagler protestirte auch gegen die Behauptungen und Angriffe des F. M. Ferchl in dessen Geschichte der Errichtung der ersten lithographischen Kunstanstalt in München, und hält in einer Gegenschrift, von welcher Exemplare zur Vertheilung kamen, mit Gründen Alles fest, was im »Neuen allgemeinen Künstler-Lexikon« über Simon Schmid, als den ersten Steindrucker in München gesagt ist. Dr. Nagler schloß seine längere Auseinandersetzung mit der Behauptung: Die Priorität in Anwendung des Steines zum Abdrucke gebühret dem Simon Schmid; Senefelder wurde 1798 Vater der Lithographie in chemisch-artistischer Bedeutung.

Der Bayerische Landbote No. 252. München; Dienstag, den 9. September 1862.

#Münchener Omnibus (26.3.1863)

München, 25. März. In unserer lieben Vaterstadt München wurden in neuerer Zeit die Geburtshäuser berühmter Männer, die Stätten wichtiger historischer Ereignisse etc. mit allem Rechte mit Gedenktafeln bezeichnet. Wir erlauben uns daher auf einen Gegenstand aufmerksam zu machen, der wohl verdient, auf gleiche Weise bezeichnet zu werden. An der Nordseite unserer Frauenkirche befindet sich neben dem sog. Bennobrunnen ein hochgeäzter Grabstein, welcher den damaligen Hofmeister bei Frhrn. v. Stengl, dann spätern geistl. Rath und Hofkaplan Simon Schmid schon 1797 auf den Gedanken brachte, zum Gebrauche der Schulen wohlfeile Bilder, namentl. Giftpflanzen etc. auf Kellheimer Platten zu zeichnen, zu ätzen, und dann abzudrucken, was ihm auch nach vielen Versuchen endlich gelang, und so die allererste Idee zur Litographie erfand. Dieses Verfahren, aus dem Schmid gar kein Geheimniß machte, wurde von Senefelder gesehen, nachgemacht, verbessert, und durch neue Erfindungen zum hohen künstlerischen Aufschwung gebracht. Die Lithographie, von Bayern aus durch ganz Europa verbreitet, eröffnete der Kunst ein neues Feld, und Tausenden von Menschen Beschäftigung und Nahrung, und ist daher gewiß eine der wichtigsten Erfindungen. Damit nun dieser merkwürdige Grabstein nicht einst auch das Schicksal vieler seiner Brüder, welche die Ruhestätten im Leben berühmter Männer im Innern der Frauenkirche bezeichneten, und bei der sogenannten Restauration auf vandalische Weise herausgerissen, und theils auch zertrümmert wurden, theilen muß, so richten wir an den historischen Verein von Oberbayern die freundliche Bitte, geeigneten Orts zu veranlassen, daß bei diesem Grabmonumente ein Denkstein angebracht werde, wodurch angedeutet wird, daß dieser Grabstein die erste Veranlassung zur Erfindung der Lithographie gab.

Münchener Omnibus Nr. 85. Neuestes der Politik und des Tages. Donnerstag, den 26. März 1863.

#Allgemeine Zeitung (22.1.1922)

Wissenschaft, Kultur und Technik.

Simon Schmid und Alois Senefelder

Ein Kapitel
aus der Erfindungsgeschichte der Lithographie.

Von Franz Fleischmann.
(Aus einem in der Monatsversammlung des historischen Vereins von Oberbayern am 13. Dezember 1921 von Herrn Buchdruckerei-Oberleiter Franz Fleischmann gehaltenen Vortrag.)

An der Nordwand der Frauenkirche, in der Nähe des Bennobrunnens, befindet sich ein Grabstein von 1709 (des Freiherrn J. E. von Prielmeier), der von den übrigen dortigen Denkmälern sich unterscheidet durch die Art seiner Herstellung. Seine Inschrift, eine schöne gleichmäßige Kursivschrift, steht etwas erhaben auf der Steinfläche. Der Grund ist hinweggeätzt. Vor diesem Steine konnte man vor etwa 135 Jahren öfters einen jungen Geistlichen stehen sehen, welcher ihn angelegentlich betrachtete, untersuchte und ihn mit den anderen verglich. Das war der Privatlehrer im Hause des kurfürstlichen Privatsekretärs und nachmaligen Staatsrates Stefan Freiherrn von Stengel, Simon Schmid seit 1785, im folgenden Jahre außerdem zum Lehrer an der bürgerlichen Realschule zu U. L. Frau ernannt. Auf dem Wege zur Schule war ihm dieser Stein aufgefallen und die Technik seiner Inschrift hatte ihn auf den Gedanken gebracht, daß eine solch erhöhte Schrift, zum Abdruck geeignet sein müßte und darnach hergestellte Steindruckplatten verhältnismäßig leicht und billig hergestellt werden könnten. Zum Versuch zeichnete Schmid mit heißem Wachs große Buchstaben auf Steinplatten und übergoß sie mit Scheidwasser. Zum Einfärben seiner Steine benützte er gewöhnliche Buchdrucker-Schwärze, sie mittels einer Walze auftragend. Ein altes Büchlein, erschienen zu Nürnberg 1705, welches eine Anleitung zum Steinätzen enthielt, war ihm in die Hände gefallen. Weil Schmid früher jahrelang die Zeichnungsschule besucht hatte, fiel ihm das Zeichnen auf Stein nicht schwer. Einen seiner Abdrücke zeigte er dem Rektor I. M. Steiner und dem geistlichen Rat und Professor Leo Westenrieder, welche ihn zur Fortsetzung seines Unternehmens ermunterten. Zum Professor der Logik und Naturgeschichte an der 1789 neu errichteten kurfürstlichen Militär-Akademie ernannt, blieb er Reallehrer und in beiden Stellungen drängte sich ihm das Bedürfnis auf, für seinen Unterricht Anschauungsmittel zu schaffen. So verfertigte er eine Reihe von Steinzeichnungen, welche als Bilder an den obengenannten Schulen und wohl auch an anderen Verwendung fanden. Sie wurden, da Schmid der gesteigerten Nachfrage nicht genügen konnte, in der Druckerei des Schulbücherverlags auf Steiners Anordnung hin ausgeführt.

Simon Schmid war mittlerweile vorn Stadtmagistrat zum Religionslehrer sämtlicher Münchener Lehrjungen bestellt worden und unterstützte weiterhin freiwillig die von Kefer begründete Feiertags-Schule für Künstler und Techniker, indem er dort unentgeltlich einige Unterrichtsstunden abhielt. So mußte er weitere Versuche aufgeben, völlig erst, da er 1804 als Pfarrer nach Oberhaching und 1805 als solcher nach Miesbach kam, wo er 1806 zum Landdekan gewählt und als königl. Distriktsschulinspektor aufgestellt wurde.

Zehn Jahre später beschäftigte sich in München mit ähnlichen Versuchen Alois Sennefelder. […]

Allgemeine Zeitung Nummer 4. München, den 22. Januar 1922.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Schmid Simon, 1760 (München) – 1840, katholischer Priester, Hofkaplan, Miterfinder des Steindrucks und Professor; veranlaßt durch einen in der Nähe des sogenannten Bennobrunnens an der Frauenkirche eingemauerten, mit aqua forte geätzten Leichenstein, machte Sch. um 1787 den Versuch, mit zerschmolzenem Wachs große Frakturbuchstaben auf Marmor zu zeichnen und diesen dann mit Scheidewasser zu begießen, um diese erhaben zu halten und dann mit einem um die Achse beweglichen Zylinder zu schwärzen und abzudrucken; der Versuch gelang und Sch. stellte im Lauf der Zeit auf diese Weise Landkarten, Pflanzenabbildungen und andere Lernmittel für Unterrichtszwecke her; A. Senefelders Brüder, die die Münchner Militärakademie besuchten, dürften diese in Händen gehabt und ihren Bruder auf diese Vervielfältigungsmethode aufmerksam gemacht haben; Senefelder entwickelte und vervollkommnete dann die Kunst des Steindrucks; Sch. selbst, der eigentliche Erfinder der Lithographie, hat aber seine Versuche, beansprucht durch seine beruflichen Pflichten, nicht weiter ausgebaut.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#24 – 10 – 13 (Leitmeier)


Hier ruhet in Frieden:
unser unvergesslicher, guter Gatte u. Vater,
Herr Joseph Leitmeier,
Privatier, ehemal. Gastwirth,
geb. zu Pasing, gest. 20. Okt. 1896, im 53. Lebensjahre.
Ihm folgte dessen Gattin
Frau Maria Leitmeier,
Privatierswittwe
geb. 26. Nov. 1847. gest. 8. Nov. 1909.

24.10.13. A. Weigel.


  • Leitmeier, Josef; (Pasing) – 20.10.1896; Gastwirt
  • Leitmeier, Maria (vw); 26.11.1847 – 8.11.1909; Gastwirts-Witwe

Grab der Familie Leitmeier auf dem Alten Südfriedhof München (September 2012)

#24 – 10 – 14 (Hummel)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Hummel, Emilie (vw); – 1888 (München); Arzt-Witwe

Grab der Familie Hummel auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2014)

#24 – 10 – 19·20 (Baur · Heppenstein · Schultze)


Grab der Familien Baur · Heppenstein · Schultze auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)