MAUER LINKS

#ML – 1·2 (Lechner)


Linke Spalte
Hier ruhet
unser innigstgeliebter
Gatte und Vater
Herr
Leon¿
¿

Rechte Spalte
Hier ruhet in Frieden
nach kurzer glücklicher ¿
meine geliebte
Frau
Elise Lec¿
geb. Kr¿
geb. den 20. ¿
gest. den ¿


  • Lechner, Elise (vh) / Krasser (gb); – 13.2.1889 (München), 23 Jahre alt; Weinhändlers-Gattin
  • Lechner, Leonhard; – 15.9.1880 (München), 52 Jahre alt; Weinhändler

Todesanzeige für Leonhard Lechner

Todesanzeige für Elise Lechner

Grab der Familie Lechner auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2014)

Grab der Familie Lechner auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2014)

Grab der Familie Lechner auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2014)

#ML – 3 (Sailer)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Sailer, Anna (vw); – Februar 1893 (München), 58 Jahre alt; Landgerichtsassessors-Witwe
  • Sailer, W.; – (21).10.1866 (München), 8 Jahre alt; Landgerichtsassessors-Sohn
  • Sailer, Wilhelm; – (4).4.1864 (München), 42 Jahre alt; Landgerichtsassessor

Grab der Familie Sailer auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2014)

Grab der Familie Sailer auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2014)

#ML – 9 (Schonger)


Hier ruhen in Gott
die Stadtrichtersgattin Frau
Anna Schonger, geb. Merz
gest. 23. April 1903. 76 Jahre alt,
Ihr Sohn Sigmund Schonger,
gest. 7. März 1872, 16 Jahre alt.
Christian Schonger,
k. Bezirksgerichtsrat u. Stadtrichter a. D.
Gatte resp. Vater der obigen zwei Praedef,
er starb zu München am 9. August 1904,
87 Jahre 11 Monate alt.

R. I. P.


  • Schonger, Anna (vh) / Merz (gb); 3.3.1827 (München) – 23.4.1903 (München); Hofoptikers-Tochter / Stadtrichters-Gattin
  • Schonger, Christian; 14.9.1816 (München) – 9.8.1904 (München); Bezirksgerichtsrat und Stadtrichter
  • Schonger, Sigmund; 4.1.1856 (Laufen) – 7.3.1872 (München); Stadtrichters-Sohn

Todesanzeige für Sigmund Schonger

Todesanzeige für Anna Schonger

Todesanzeige für Christian Schonger

Grab der Familie Schonger auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

#ML – 10·11 (Badhauser)


Linke Spalte
Fany Badhauser
k. Gen. Dir. Raths-Gattin,
geb. 15. Juni 1829
gest. 8. März 1865.
Heinrich Ritter
von Badhauser
k. Geheimer Rat
Komtur hoher Orden
geb. 14. Nov. 1822
gest. 14. Okt. 1912.
Therese
von Badhauser
Geheimratswitwe
geb. 1. Aug. 1837
gest. 8. Okt. 1925.

Mitte
Kinder
des k. Gen. Dir. Raths:
Fany
geb. 18. März 1858
gest. 25. May 1864.
Theodor
geb. 24. May 1863
gest. 13. Jan. 1865.
Karl Badhauser
Oberstlt. a. D.
geb. 22. Juli 1856
gest. 3. Juli 1926.
Marie Badhauser
Oberstlts. Witwe geb.
22. Novbr. 1871
gest. 2. Mai 1938

Rechte Spalte
Kath. Badhauser
k. Steuer-Rev.
Wittwe,
geb. ¿. Aug. 1792
gest. ¿. Febr. 1872
Therese Badhauser
Rechtsrathsgattin
geb. am 16. Juli 1820
gest. am 25. April 18¿
Fr. X. v. Badhauser
Rechtsrat a. D.
Ritter hoher Orden
geb. am 17. Aug. 1820,
gest. am 4. Febr. 1897.


  • Badhauser, Fanny; 18.3.1858 – 25.5.1864 (München); Oberpostrats-Tochter
  • Badhauser, Fanny (vh); 15.6.1829 – 8.3.1865 (München); Generaldirektionsrats-Gattin
  • Badhauser, Franz Xaver von; 17.8.1820 – 4.2.1897 (München); Rechtsrat und Schriftsteller
  • Badhauser, Heinrich Ritter von; 14.11.1822 (München) – 14.10.1912 (München); Direktor der Abteilung für Eisenbahnbetrieb
  • Badhauser, Karl; 22.7.1856 – 3.7.1926 (München); Oberstleutnant a. D.
  • Badhauser, Katharina (vw); ¿.8.1792 – 7.2.1872 (München); Steuerrevisors-Witwe
  • Badhauser, Marie (vw); 22.11.1871 – 2.5.1938; Oberstleutnants-Witwe
  • Badhauser, Theodor; 24.5.1863 – 13.1.1865 (München); Generaldirektionsrats-Sohn
  • Badhauser, Therese (vh); 16.7.1820 – 25.4.1873 (München); Rechtsrats-Gattin
  • Badhauser, Therese von (vw) / Steinle (gb); 1.8.1837 – 8.10.1925 (München); Salzbeamtens-Tochter aus Augsburg / Geheimrats-Witwe

Todesanzeige für Fanny Badhauser

Todesanzeige für Fanny Badhauser

Todesanzeige für Heinrich Ritter von Badhauser

Todesanzeige für Karl Badhauser

Todesanzeige für Karl Badhauser

Todesanzeige für Karl Badhauser

Grab der Familie Badhauser auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#Franz Xaver von Badhauser

* 17.8.1820
† 4.2.1897 (München)
Rechtsrat und Schriftsteller

#Münchener Tagblatt (21.4.1848)

In den Buchhandlungen von Leonhard Henzel und Joseph Giel ist in Commission erschienen:

die Walserhaide,

ein Festspiel zur Feier der denkwürdigen Ereignisse in Teutschland im März 1848. Gedichtet von Franz Xaver Badhauser.

Preis 6 kr.

(Der Reinertrag ist für die Schleswig-Holsteiner bestimmt.)

Münchener Tagblatt No. 112. Freitag, den 21. April 1848.

#Münchener Gemeinde-Zeitung (26.3.1891)

Ehrungen.

Im Anschluß an diese Feier [Rechtsrat Ludwig Schrott] begaben sich diese Deputationen zum Herrn Rechtsrat a. D., Franz Xaver v. Badhauser, um diesem gemäß Beschlüssen beider Gemeindekollegien vom 13. und 15. Januar d. Js. nachträglich zu seinem 70. Geburtsfeste die Glückwünsche beider Kollegien darzubringen und eine kunstvoll ausgestattete Adresse zu überreichen.

Diese Adresse lautet:

Hochverehrter Herr Rechtsrat a. D. Franz Xaver von Badhauser!

Seit dem Tage, da beide Gemeindekollegien aus Anlaß Ihres Scheidens aus dem Amte dem verdienstvollen Beamten und dem liebenswürdigen Kollegen Dank und Anerkennung aussprachen, sind zwölf Jahre verflossen. Das schwere Leiden, das Ihnen die völlige Fernhaltung von körperlichen und geistigen Anstrengungen auferlegte, hat einen Stillstand erfahren; Sie konnten teils in München, teils im Süden sich der wohlverdienten Ruhe freuen. Ihr reicher, durch vielseitige Bildung und Erfahrung gereifter Geist, Ihre Begeisterung für alles Gute und Schöne, Ihr echt patriotischer Sinn, Ihre Freude an der Natur hat die Jahre der Muße in edelster Weise ausgefüllt.

Mit den Geschicken und den Vertretern der Stadt sind Sie im engsten Zusammenhang geblieben, und heute, da wir Ihnen zum vollendeten 70. Geburtsfeste Glück wünschen, treten Ihnen in den Abgeordneten beider Kollegien alte Freunde in alter Treue entgegen.

Empfangen Sie auch bei diesem Anlaß wärmsten Dank und aufrichtige Anerkennung für die Verdienste, welche Sie namentlich in der Führung des verantwortungsvollen und vielseitigen Gemeindereferats und durch Ihre mannhafte, patriotische Vertretung des öffentlichen Wohles um die Stadt München und ihre glückliche Entwicklung, sowie als langjähriger Präsident des Landrates um den Kreis Oberbayern sich errungen haben. In dem, was in den letzten 12 Jahren in München entstanden ist, werden Sie vielfach die Segnungen und Früchte des eigenen Schaffens erkennen.

Gott schütze und segne Sie auch in der kommenden Zeit! Bleiben Sie in alter Liebe und Treue der Stadt München und ihrer Vertretung eingedenk, wie auch der Dank der Stadt München für das, was Sie ihr gewesen, nicht enden wird.

München, 17. August 1890.

Verehrungsvollst!

Magistrat & Gemeindebevollmächtigte
der k. Haupt- und Residenzstadt München

Magistrat
Bürgermeister:
Dr. v. Widenmayer.
Borscht.

Gemeindebevollmächtigte
Vorstände:
Haenle.
Sedlmayr.

Münchener Gemeinde-Zeitung Nr. 20 und 21. 26. März 1891.

#Allgemeine Zeitung (5.2.1897)

Bayerische Chronik.

München, 5. Februar.

Heute Nacht verschied im Alter von 77 Jahren der ehemalige Rechtsrath Franz Xaver Badhauser. Der Geschiedene wurde im Jahre 1852 zum rechtskundigen Magistratssecretär, im Jahre 1854 zum Rechtsrath ernannt. Am 1. Mai 1878 trat er in dauernden Ruhestand. Er hatte lange Zeit das Communal-Referat inne.

Allgemeine Zeitung Nr. 36. München; Freitag, den 5. Februar 1897.

#Münchener Gemeinde-Zeitung (11.2.1897)

Sitzungsberichte.

9. Plenarsitzung des Magistrats
vom 9. Februar 1897.

BM. v. Borscht eröffnet die Sitzung mit folgenden Worten: Meine hochverehrten Herren! Zu der immer geringer werdenden Zahl derjenigen Männer, die schon in den vierziger Jahren ihre Kräfte dem Dienst der Stadt München gewidmet haben und dazu beitrugen, unser Gemeinwesen aus seinen zwar stets wohlgeordneten aber immerhin bescheidenen Verhältnissen heraus zu einer sehr hohen Bedeutung zu erheben, zu diesen Männern gehörte auch der hochverehrte Herr Kollega, dem die Mitglieder der Gemeindevertretung am vergangenen Sonntag zur letzten Ruhestätte das Geleite gaben, der pensionierte rechtskundige Maguístratsrat Herr Franz Xaver von Badhauser. In ihm hat die Stadt München einem ihrer besten Söhne, einen thatkräftigen Förderer ihrer Wohlfahrt, in ihm haben die Herren Kollegen, welche mit ihm zusammen arbeiteten, einen treuen und aufrichtigen Freund verloren. v. Badhauser war ausgezeichnet durch alle die Tugenden, die man mit dem Ausdruck »Charakter« zusammenzufassen pflegt. Seltenes Pflichtgefühl, treue Hingebung an den Beruf, hervorragende Arbeitskraft, das waren die Eigenschaften, die er im Dienste der Stadt München thatkräftig bethätigte. Im Jahre 1846 trat er als rechtskundiger Magistratsfunktionär in den Dienst der Gemeinde München ein. Schon aus seinem Bewerbungsgesuche entnehen wir, von welch edlem Denken er besselt und welche Pflichttreue ihm eigen war. Er hebt darin hervor, daß er es sich ganz angelegen sein lassen würde, der Stadt München treu zu dienen, um ihr auf diese Weise seine besondere Dankbarkeit dafür zu bezeugen, daß er wiederholt mit städtischen Stipendien bedacht wurde. Seine Pflichttreue und Arbeitskraft war es, die im Jahre 1854 die beiden Gemeindekollegien bestimmten, ihn zum rechtskundigen Magistratsrat zu wählen, seine Pflichttreue veranöaßte ihn, das schwierigste Referat, das Kommunalreferat, freudig auf seine Schultern zu nehmen und die bedeutungsvollsten Aufgaben führte er mit bestem Erfolge zum Wohle unserer lieben Stadt München durch. Lange Zeit gehörte er dem Landrate von Oberbayern an und fast 18 Jahre führte er das Präsidium in demselben. Pflichttreue war es auch hier, die sein ganzes Wirken charakterisierte, und Pflichttreue, die keine Schonung der Gesundheit kannte, war es, die in verhältnismäßig kurzer Zeit den Zusammenbruch seiner Kräfte herbeiführte, so daß er zu seinem tiefsten Bedauern im Alter von 58 Jahren im Jahre 1878 um Versetzung in den Ruhestand nachsuchte. Wiederholt haben beide Kollegien für Alles, was er für die Stadt wirkte, ihm ihre vollste Anerkennung ausgesprochen; insbesondere bei seinem Ausscheiden aus dem Dienste und nicht minder bei seinem siebzigjährigen Geburtsfeste. Um die gleiche Anerkennung anläßlich seines Ablebens zum Ausdrucke zu bringen, habe auch ich das Wort ergriffen. Die Kollegien werden ihm sicher ein teures Andenken bewahren. Sein Name wird allezeit in der Geschichte der Stadt unvergessen bleiben. Zum Zeichen Ihrer Trauer und Ihrer warmen Sympathien für den geschiedenen Herrn Kollegen bitte ich Sie, sich von den Sitzen zu erheben. (Geschieht!)

Hierauf wird in die Tagesordnung eingetreten.

Münchener Gemeinde-Zeitung Nr. 12. 11. Februar 1897.

#Bayerische Chronik.

München, 5. Februar.

Heute Nacht verschied im Alter von 77 Jahren der ehemalige Rechtsrath Franz Xaver Badhauser. Der Geschiedene wurde im Jahre 1852 zum rechtskundigen Magistratssecretär, im Jahre 1854 zum Rechtsrath ernannt. Am 1. Mai 1878 trat er in dauernden Ruhestand. Er hatte lange Zeit das Communal-Referat inne.

Allgemeine Zeitung Nr. 36. München; Freitag, den 5. Februar 1897.

#ML – 12 (Jaud)


August Jaud
Juwelier
geb. 28. März 1827, gest. 11. Februar 1880.

J. Lallinger.


  • Jaud, August; 28.3.1827 – 11.2.1880; Juwelier

Grab der Familie Jaud auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2014)

#ML – 12a (Herrlein)


Hier ruhen:
Konrad Herrlein
kgl. Rentbeamter zu Trostberg
gest. 26. Novbr. 1859, 70 Jahre alt,
dessen Tochter Amalie Herrlein
gest. 26. Febr. 1833, 18 Jahre alt,
und sein Bruder
F. Xaver Herrlein
Gerichtshalter,
gest. 20. Juni 1868, 76 Jahre alt.


  • Herrlein, Amalie; – 26.2.1833 (München), 18 Jahre alt; Rentbeamtens-Tochter
  • Herrlein, F. Xaver; – 20.6.1868 (München), 76 Jahre alt; Gerichtshalter
  • Herrlein, Konrad; – 26.11.1859 (München), 70 Jahre alt; Rentbeamter

Grab der Familie Herrlein auf dem Alten Südfriedhof München (April 2015)

#ML – 12b (Englmayr · Gutschneider · Stürzer)


Hier ruhen:
Dr. Josef v. Stuerzer
k. b. Justizminist. Rath.
Universitäts-Professor,
gest. 17. Septbr. 1837, 60 Jahre alt,
dessen Schwester
Regina Englmayr
Gastwirthswittwe von Hemau
gest. 27. Septbr. 1835, 61 Jahre alt,
und der Letzteren Tochter
Katharina Gutschneider,
k. Protokollistens-Gattin,
gest. 23. Juli 1839, 32 Jahre alt.


  • Englmayr, Regina (vw) / Stürzer (gb); – 27.9.1835 (München), 61 Jahre alt; Gastwirts-Witwe
  • Gutschneider, Katharina (vh) / Stürzer (gb); – 23.7.1839 (München), 34 Jahre alt; Protokollistens-Gattin
  • Stürzer, Josef von, Dr. jur.; 18.8.1776 (Hemau) – 17.9.1837 (München); Ministerialrat

Grab der Familien Englmayr · Gutschneider · Stürzer auf dem Alten Südfriedhof München (April 2015)

#Dr. jur. Josef von Stürzer

* 18.8.1776 (Hemau)
† 17.9.1837 (München)
Ministerialrat

#Andenken an Joseph Ritter von Stürzer (1837)

Wohl war es ein trefflicher Mensch und ein höchst verdienstvoller Staatsmann, dessen Tod am 18. Sept. d. J. zu München plötzlich erfolgte. Mögen seine Freunde, seine zahlreichen Verehrer, besonders seine vielen dankbaren Zuhörer, und seine würdigen Hinterbliebenen in der gegenwärtigen kurzen Darstellung seiner wichtigsten Lebensverhältnisse, das Bestreben nicht mißkennen, die Grundzüge eines Ehrendenkmals zu liefern, dessen Ausführung einer geschickteren Feder überlassen bleibt.

Joseph von Stürzer, der Sohn eines Lebzelters (Lebküchners) zu Hemau im ehemaligen Fürstenthum Neuburg, wurde daselbst am 18. August 1776 geboren. Er machte seine Schul- und Gymnasialstudien zu Regensburg, und wurde, dem geistlichen Stande bestimmt, Singknabe in der Benediktinerabtei Prifling an der Donau, kam dann auf die hohe Schule nach Ingolstadt, und zwar in das Georgianische Seminarium. Er verließ jedoch dieses und das theologische Studium und wandte sich zur Jurisprudenz, wofür ihn sein unermüdeter Fleiß, seine Bemühung, im Wissen immer fortzuschreiten, und sein heller Blick, seine treffliche praktische Beurtheilungsgabe, das sogenannte judicium practicum ganz vorzüglich qualifizirten. So vollendete er nun in seinem 22. Jahre die juridischen Studien und nahm dreimonatliche Praxis bei dem kurbayerischen Landgericht Stadtamhof, dessen Vorstände damals auch die Weichsische Hofmarkts-Administration und die oberpfälzischen Richter-, Kasten- und Forstämter Salern und Zeitlarn unter sich hatten. Es ist für diese Beamten selbst ein rühmliches Zeugniß, und ein Beweis der Sorgfalt, die man damals auf Bildung der Praktikanten verwendete, daß in dem von ihnen im Aug. 1799 ausgestellten Zeugniß unter andern vorkommt: »der I. U. L. Stürzer habe nicht nur den Amtsverrichtungen sehr aufmerksam beigewohnt, sondern auch auf die an ihn gestellte Fragen eine außerordentliche Fähigkeit und vorzüglich gutes Judicium in der Beurtheilung der verhandelten Rechtsgegenstände, auch in Lesung der Gerichtsacten und Protokolle einen ausnehmenden Fleiß gezeigt, dann verschiedene schriftliche Aufsätze zur vollkommensten Zufriedenheit verfaßt.«

Er fand daher baldige Anstellung unter der neuen Regierung. Ein Dekret der kurfürstl. Universitätscuratel d. d. München den 5. Dez. 1799 ertheilte ihm die Erlaubniß als Privatdocent Vorlesungen zu halten, wofür ihm zwar kein Gehalt zugesichert, wohl aber zu erkennen gegeben wurde, er werde des in seine Kenntnisse und seinen Vervollkommnungs-Eifer gesetzten Zutrauens sich würdig bezeugen, und wobei zugleich die Universität den Auftrag erhielt, ihm den Doctorgrad frei zu ertheilen. Ein weiteres Dekret vom 5. Mai 1800 übertrug ihm in Folge höchsteigenhändigen Placets des Kurfürsten, die Repetitor-Stelle der albertinischen Stipendiaten mit dem damit verbundenen Gehalt. Im folgenden Jahre erschien sein erster schriftstellerischer, und zwar politisch juridischer Versuch: Ueber die Rücksichten, die ein Gesetzgeber bei Verfassung eines neuen Strafcodex zu nehmen hat. Ein höchstes Dekret vom 29. Okt. 1802 ernannte ihn zum außerordentlichen Professor, und er eröffnete am 7. Dez. desselben Jahres seine erste öffentliche Vorlesung mit einer Rede, welche er 1803 in der Gestalt einer förmlichen Abhandlung über den Zustand des Criminal-Wesens in Deutschland am Anfange des 19. Jahrhunderts herausgab. Beide Schriften sind mit vielem Beifall aufgenommen worden.

Inzwischen hatte Bayern die Provinz Bamberg erworben, und ein kurf. Dekret vom 6. Febr. 1804 ernannte ihn zum dortigen Hofgerichtsrath. Er zeichnete sich dort, nach dem Inhalt eines ihm gegebenen Präsidialzeugnisses, und nach dem Wissen noch lebender Collegen, »durch Geschicklichkeit und rastlose Thätigkeit, durch die einem Geschäftsmann so nöthige Verträglichkeit und durch den humansten Charakter aus; leistete auch im administrativen Fach, als Mitglied der städtischen Einquartierungscommission 1806, außerordentliche, wohl anerkannte Dienste und wurde schon am 24. April 1807 zum Rath der dortigen obersten Justizstelle ernannt. Als gegen Ende des nächsten Jahres die drei obersten Justizstellen von Bayern, Schwaben und Franken in dem Oberappellationsgericht zu München ihre Vereinigung fanden, erhielt er durch Rescript vom 29. Sept. 1808 daselbst die 28. Stelle. Das ganz besonders in ihn gesetzte Vertrauen bewährte sich bei Konstituirung der zu Prüfung des Entwurfs des revidirten Judiciarcodex aus 6 Oberappellationsräthen und dem Direktor van der Beken unter dem Vorsitz eines Präsidenten gebildeten Commission. Ein Rescript vom 20. Nov. 1812 benannte ihn zum Mitglied derselben. Nach den Territorialveränderungen 1816 würde er bereits in die 15. Stelle des Oberappellationsgerichts vorgerückt seyn, hätte nicht der Wunsch eines andern nach dem abgetretenen Tyrol bestimmten verdienten Rathes, in Bayern zu bleiben, dessen Wiederaufnahme in das höchste Tribunal nöthig gemacht. Deshalb bekam Stürzer nur die 16. Stelle, wohl aber zum Beweise des Anerkenntnisses seiner Verdienste die höhere mit der 15. Stelle verbunden gewesene Besoldung, was sogar nur dadurch erwirkt werden konnte, daß eine Assessorstelle bei dem Stadtgerichte Erlangen einstweilen unbesetzt blieb. Am 28. April 1817 wurde ihm das schwierige Referat über die Abfassung der Jahresberichte, die Strafrechtspflege betreffend, und 1819 die Visitation des Appellationsgerichts für den Oberdonaukreis übertragen, welches mühevolle und sehr verwickelte Geschäft er zur vollkommenen Zufriedenheit der committenten Stelle (nach einem Belobungsdekret vom 22. Okt. gen. J.) vollzog.

Neue Verdienste sich zu erwerben, gab ihm die allerhöchst angeordnete Revision der Civilgerichts-Ordnung nach v. Gönners Entwurf von 1815 Gelegenheit. Ein Rescript vom 6. April 1821 bestimmte ihn primo loco, dann den Appellations-Rath Allweyer, nachherigen Kreis- und jetzigen Appellationsgerichts-Direktor, den Grafen August von Rechberg, jetzigen Generalkommissär und den als Schriftsteller bekannten Landrichter Puchta in Erlangen zu Mitgliedern der desfallsigen Kommission. Die veränderten Dienstverhältnisse des zweiten und dritten, und die allerhöchste Absicht, das Geschäft zu erleichtern, veranlaßte eine andere Zusammensetzung jener Kommission, die nunmehr, nach Rescript vom 25. März 1823, aus dem Ministerialrath, jetzigen Präsidenten v. Schmidtlein, unserm Stürzer, dem Kreis-Ger.-Direktor, nachherigen General-Staats.-Prokurator und zuletzt Appellationsgerichts-Präsidenten Frhrn. v. Völderndorf, dem Landrichter Häcker (jetzt Ministerialrath), Puchta und v. Menz (jetzt Polizei-Direktor), dann dem Advokaten Dr. Miller bestand.

Am 7. Mai 1825 empfing v. Stürzer aus den Händen des verewigten Justizministers Frhrn. v. Zentner das Ritterkreuz des Civilverdienstordens der bayerischen Krone, welches ihm König Max in Anerkennung seiner auch bei diesem neuen hochwichtigen Geschäfte erworbenen Verdienste am 29. April dess. J. verliehen hatte. Seine Bescheidenheit erlaubte ihm jedoch nicht, die dadurch erworbene Ritterwürde durch Immatrikulation förmlich zu erwerben; er begnügte sich blos, seinen Unterschriften das Adelsprädikat beizusetzen, und nicht einmal eine sogenannte Ausschreibung des Ordens ist in den Regierungsblättern zu finden, jedoch führt das neueste Staatshandbuch ihn unter den Rittern des Civilverdienstordens auf.

Schon das nächste Jahr eröffnete dem jetzt zu früh Entschlafenen einen neuen, ausgezeichneten Wirkungskreis; denn die allerhöchste Verordnung vom 3. Okt. 1826 benannte unter den inländischen Gelehrten, welche den von König Ludwig erhaltenen Aufforderungen gemäß, Vorlesungen über einzelne wissenschaftliche Zweige an der Universität eröffnen würden, gleich nach dem berühmten v. Gönner – für Prozeß und Praktikum auch den Ober-Appellationsgerichts-Rath Dr. Joseph von Stürzer.

Wie in seinem ganzen Leben unermüdeter Fleiß und reife Intelligenz den trefflichen Mann ausgezeichnet und überall Vertrauen ihn begleitet hatte, so geschah dieses auch in seinem akademischen Wirken, und zwar in dem neuen, wie in dem ersten. Von diesem letztern aus frühester Zeit ist hier noch ein Beweis, zugleich das früher Bemerkte ergänzend. Den Elementarunterricht im Latein und in der Musik erhielt er von einem noch lebenden Geistlichen, damals in der zu Hemau (6 Stunden von Regensburg) befindlichen Benediktiner Probstei des Klosters Prifling. Ende Oktober 1785 kam er in das Seminar nach Kloster Prifling, wo er zwei Jahre lang Singknabe war, den Unterricht in der Musik und in den sogenannten Principien fortgenoß, und unter seinen Mitschülern schon im zweiten Jahre den ersten Platz behauptete. Hierauf wurde er zu Allerheiligen 1787 Chorpräbendist im Dom zu Regensburg, blieb dort bis zu Vollendung seiner Gymnasial-Studien unter der Leitung der Jesuiten, und behielt auch hier unter seinen zahlreichen Mitschülern immer den ersten Platz.

Die Philosophie absolvirte er gleichfalls in Regensburg 1793 und 1794, und studirte 1795 und 1796 auf dem dortigen Lyceum auch die Theologie, immer ausgezeichnet im Fortgang, im Fleiß und in der Moralität. Nun wurde er in das Georgianum, oder Bartolomäer-Institut zu Ingolstadt aufgenommen, wo er, besonders in der Absicht, sich zum geistlichen Lehrer des kanonischen Rechts zu bilden, ausser den wichtigsten, theologischen Collegien, auch alle juristischen besuchte und Licentiat der Rechte wurde. Dadurch erklärt sich, wie er, als er dem geistlichen Stande entsagte, so schnell zur juristischen Praxis übergehen und, nachdem er auf kurze Zeit dem Ruf als Informator eines jungen Grafen von Töring nach München gefolgt war, schon im Dezember 1799 Anstellung als Privatdocent der Rechte für die albertinischen Stipendiaten erhalten konnte. Diese Anstellung ging der Translocation der Universität von Ingolstadt nach Landshut voraus, und als diese im Mai 1800 erfolgte, ward ihm der ehrenvolle Auftrag, den ganzen Transport des akademischen Mobiliar-Vermögens und die wissenschaftlichen Schätze dorthin zu leiten.

Sein Lehrfach als ausserordentlicher Professor der Rechte in Landshut waren Institutionen, Pandekten und peinliches Recht. Man beabsichtigte, den damals durch Schriften noch wenig bekannten, erst später durch sein System des Pandekten-Rechts so berühmt gewordenen Professor Thibaut von Jena nach Landshut zu berufen. Stürzer befürchtete wenigstens von der Neuheit des Docenten Nachtheil für seine ohnehin nur kümmerliche Honorarien-Einnahme, und sollicitirte deshalb um eine ordentliche Professur oder um Civilanstellung. Letztere wurde ihm, wie wir gehört haben, mit Auszeichnung. Seine Vorliebe für das academische Fach aber bewies sich wieder bei Errichtung der Universität zu München. Denn es war ihm 1827 eine Apellationsgerichtsdirectors-Stelle in Landshut bestimmt; er entsagte ihr, um in München bleiben zu können und diese Entsagung begründete dann Bezug einer ihm am 26. April 1827 allerhöchst ausgesprochenen akademischen Functions-Remuneration.

Das glückliche Amalgam theoretischer und praktischer umfassender Bildung, die Mannigfaltigkeit dieser Praxis in den Gerichten, und bei höchster Stelle, gaben seinen Vorträgen ein ausgezeichnetes Interesse, und wie er aus seinem ersten academischen Wirken theoretische Schätze in das höhere Richteramt mit hinübernahm, so lieferte ihm wieder die reiche Erfahrung in diesem die köstlichsten Materialien für die Bildung künftiger Staatsdiener. Weit entfernt, seinen Zuhörern das Nachschreiben dictirter Sätze zuzumuthen, entwickelte er freien Vortrag, folgte aber in diesem größtentheils einem höchst sorgfältig und zum Theil sogar wörtlich ausgearbeiteten eigenen Heft, in dessen jährlicher Ergänzung und Verbesserung er mit der ihm eigenen Gewissenhaftigkeit den Fortschritten der Literatur und der Gesetzgebung treu nachging. Er erkannte, wie wichtig es bei dem Lehr-Vortrage eines praktischen Theils der Jurisprudenz sey, die dafür bestehende Gesetzgebung zur Hauptrichtschnur zu nehmen, und den Lernenden anzudeuten, wo sie sichere Quellen weiterer Forschung finden, da der Studierende auf der Universität nur dann einen immerfort nützlichen und festen Grund legt, wenn er lernt, wie er sein ganzes künftiges Leben hindurch sein Wissen ergänzen und vervollkommnen soll. Den bayerschen Civilproceß trug er nach der Ordnung des Codex judiciarius von 1753 mit Benützung aller Novellen vor, führte bei jedem §. dieses Gesetzes die treffenden Stellen – in den ersten Jahren aus Bayer’s Vorträgen und v. Wendt’s Handbuch, in den spätern aber größtentheils nur aus diesem an, weil in dessen zweiter Ausgabe schon überall die Citate aus den trefflichen Bayer’schen Vorträgen enthalten sind; – in neuester Zeit auch aus Seuffert’s interessantem Commentar. Ueberall, wo irgend möglich, belegte er seine Sätze mit Beispielen, wirklichen Fällen und wichtigen Präjudicien, und am reichhaltigsten war in dem letzten Wintersemester die vorbereitende Rücksichtsnahme auf das jetzt den Ständen vorgelegte neue Proceßgesetz. So fanden denn seine Vorlesungen gleich anfänglich, und dann immerwährend sehr zahlreichen Besuch nicht blos von Studirenden, sondern auch von schon Angestellten aus dem Civil- und Militairstande und von gebildeten Bürgern.

Nicht weniger belehrend und unterhaltend waren seine Sommer-Vorträge in seinem Civilpracticum, die er jedoch wegen Geschäftsüberhäufung später auf ein Relatorium beschränkte. Seine Majestät der König hatte nemlich am 21. Okt. 1831 durch Handbillet befohlen, ihn zu den Sitzungen der Gesetzgebungs-Commission zuzuziehen, und durch allerhöchstes Rescript vom 27. Januar 1832 ihm die Stelle eines zweiten Ministerial-Raths bei dem Staatsministerium der Justiz ertheilt. Er machte jetzt, wie er selbst bei Wiedereröffnung des Relatoriums äusserte, im Sommer-Semester 1832 die Erfahrung, daß das Halten dieser Vorlesungen bei seiner großen Belastung mit ministeriellen Berufs-Arbeiten ihn viel zu sehr anstrenge, daß insbesondere das Corrigiren der practischen Arbeiten seiner Zuhörer einen zu großen Zeitaufwand in Anspruch nehme. Daher las er im nächsten Sommer-Semester 1833 nicht mehr Civilpracticum, welches Hofrath Dr. Bayer übernahm, sondern blos Relatorium, im Sommersemester 1834 wegen des Landtags gar nicht, in den Sommer-Semestern 1835 und 1836 aber wieder Relatorium.

Die Landtage von 1834 und 1837 liefern reiche Beispiele von Stürzer’s überall zweckmäßigem und erfolgreichem Wirken, und ebenso mannigfache Beweise allgemeiner Anerkennung seiner Verdienste und seines edlen Charakters. Unvergeßlich wird jedem damals theilnehmenden Anwesenden seyn – was in den Landtags-Protocollen, wahrscheinlich auf Stürzer’s eigene, aus Bescheidenheit hervorgegangene Veranlassung, nicht speciell vorkommt, und in keinem Fall so hätte aufgenommen werden können, wie es das lebende Wort aussprach, – die Wärme, mit welcher der ehrwürdige Chef der Justiz, in der Reihe der Abgeordneten bei den Berathungen über die Proceßnovelle, »seinen lieben, braven Stürzer« wie er ihn öffentlich nannte, in Schutz nahm, als ein Antragsteller die kraftvolle und offene Aeusserung des Regierungs – Commissairs über den unverkennbaren, gemeinverständlichen Sinn einer von jenem angegriffenen Stelle des Gesetzentwurfes, als persönlichen Vorwurf mißdeutet hatte, und die Herzlichkeit, mit welcher der Justizminister erklärte, Stürzer sey unfähig, in solcher Art irgend Jemand persönlich kränken zu wollen. Unvergeßlich wird auch allen Anwesenden die Rührung bleiben, mit welcher nach Stürzer’s Tode dessen Name in der Ständeversammlung genannt und ihm ein höchst ehrenvoller, dankbarer Nachruf gewidmet wurde. – Für den Sachverständigen waren seine Vorträge und Erinnerungen bei den Berathungen über die Proceßnovelle, von wahrem Genuß. Ueberall Klarheit, Bestimmtheit, Scharfsinn und Popularität, allgemein-verständliche Deutlichkeit auch in den schwierigsten Materien. Auch wer seiner Ansicht, oder derjenigen, die er vielleicht manchmal gegen seine eigene individuelle Meinung als Vertheidiger der gesetzvorschlagenden Regierungs-Beschlüsse, geltend machen mußte, nicht beizustimmen vermochte, konnte doch das Gewicht und die Präcission der von ihm entwickelten Motive nicht verkennen.

Noch der letzte Tag seines, an segensvollem Wirken, reichen Lebens gab einen treffenden Beweis, wie wohlthätig für Andere er seine hohe Stellung zu nützen wußte. An jenem Tage (Sonntag den 17. Sept.) machte Stürzer es sich zum Geschäfte, einen würdigen Mann dem Justizminister empfehlend zu präsentiren, und mehreren ändern Sollicitanten, die er daselbst versammelt traf, unaufgefordert freundlich zu eröffnen, welche Hoffnung für ihre bevorstehende Beförderung vorhanden sey. So war auch eine der letzten Stunden seines irdischen Daseyns noch Bestätigung des liebevollen Charakters, den er zu allen Zeiten und in allen Verhältnissen bewies. Gleiches Zeugniß gibt der Inhalt seines Testaments, was er zur Zeit der Cholera im vorigen Jahre gerichtlich deponirte. Er war ehelos geblieben, obgleich er erst die niedere Weihe empfangen hatte. Er blieb es theils aus Liebe für seine nächsten Verwandten, theils weil er nach dem Verluste seiner ersten Geliebten, die in Ingolstadt während einer häuslichen Arbeit auf dem Altan ihrer Wohnung vom Blitze getroffen wurde, keine andere Verbindung eingehen wollte. Seine Schwester, als Wittwe, nahm er zu sich. Der schnelle Tod einer geliebten Enkelin derselben vor vier Jahren, hatte vor zwei Jahren auch das Ableben der erstern zur wahrscheinlichen Folge; und Stürzer’s Gesundheit litt seit einem Jahre durch eine starke Beschädigung am Fuß, durch einen Fall auf einer Treppe im Ministerium des Innern, wohin er sich auch nur in der wohlthätigen Absicht begeben hatte, für einen seiner Pathen ein Stipendium zu sollicitiren. Kein Wunder, wenn unter solchen Verhältnissen, ein Jugendgefährte des Verblichenen, ein würdiger Mann, dessen gefälligen Mittheilungen diese Skizze manchen Beitrag verdankt, – obgleich selbst liebreichsorgender Familienvater, diesen Mittheilungen die Worte beifügte: »O! hätte doch Gott mich Statt seiner abgefordert; er (Stürzer) hätte besser für meine Kinder gesorgt, als ich für sie zu sorgen im Stande bin? – Wie Viele würden von ihm noch Gutes genossen haben! – Sein Charakter war von Jugend auf gutmüthig und gefällig, er liebte seine Mitschüler vorzüglich, und blieb gegen sie immer gleich, ohne Veränderung bei seinem Emporsteigen zu höhern Würden. Seine Tendenz in seinem ganzen Lieben war nur dahin gerichtet, Jedermann auf rechtliche Weise glücklich zu machen. Wäre es in seiner Macht gelegen, er würde die Welt zu einem Eldorado umgeschaffen haben!«

Friede sey um diesen Grabstein her!
Sanfter Friede Gottes! Ach sie haben
Einen guten Mann begraben,
Und uns war er mehr!

Andenken an Joseph Ritter v. Stürzer. Bamberg, 1837.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Stürzer Josef, Dr. jur., von, 1776 (Hemau/Opf.) – 1837, Universitätsprofessor und Staatsrat; nach Studium der Rechte in Ingolstadt verlief Sts. berufliche Laufbahn folgendermaßen: 1799 Privatdozent der Rechte für die albertinischen Stipendiaten in Ingolstadt, 1800 Privatdozent der Rechte in Landshut, 1802 Universitätsprofessor in Landshut, 1804 Hofgerichtsrat in Bamberg, 1807 Oberster Justizrat in Bamberg, 1808 Oberappellationsgerichtsrat in München und 1832 Ministerialrat im Staatsministerium der Justiz; St. hatte wesentlichen Anteil an der Ausarbeitung der bayerischen Verfassung von 1818.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#ML – 15·16 (Gasser)


Grab der Familie Gasser auf dem Alten Südfriedhof München (März 2018)

#ML – 17 (Eckart)


Dem Andenken
meiner lieben Frau
Magdalena Eckart
geb. Gäbhard,
geb. den 13. Novbr. 1823
zu Würzburg,
gest. den 16. Novbr. 1891.
Henriette Eckart
geb. den 27. April 1826,
gest. den 15. Januar 1902.
Friedrich Eckart
Fabrikant, kgl. Kommerzienrat
geb. den 27. Juni 1827
zu Emskirchen
gest. den 7. Mai 1907.

Friedrich Eckart’s Familiengrab.

17. Welzenbacher.


  • Eckart, Friedrich; 27.6.1827 (Emskirchen) – 7.5.1907 (München); Chemiker und Fabrikant
  • Eckart, Henriette; 27.4.1826 – 15.1.1902
  • Eckart, Magdalena (vh) / Gäbhard (gb); 13.11.1823 (Würzburg) – 16.11.1891

Todesanzeige für Friedrich Eckart

Grab der Familie Eckart auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#ML – 19·20 (Dick)


Grab der Familie Dick auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2017)

#ML – 21·22 (Moll)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


Grab der Familie Moll auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2017)

#ML – 25·26 (Strunz)


GEORG JAKOB
* 1781 STRUNZ † 1852
KOMPONIST IN PARIS
MENTOR VON
HONORÉ DE BALZAC

GESTIFTET v. L. WOLF


  • Strunz, Georg Jakob; 24.12.1781 (Pappenheim/Mfr.) – 23.5.1852 (München); Musiker (Flöte), Kapellmeister und Komponist

Todesanzeige für Georg Jakob Strunz

Grab der Familie Strunz auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Georg Jakob Strunz

* 24.12.1781 (Pappenheim/Mfr.)
† 23.5.1852 (München)
Musiker (Flöte), Kapellmeister und Komponist

#Teutsches Künstlerlexikon (1809)

STRUNZ (JAKOB).

Komponist zu Antwerpen (vorher Mitglied der Kapelle zu München). Seine Kompositionen kamen in Paris heraus.

Teutsches Künstlerlexikon oder Verzeichniss der jetztlebenden Teutschen Künstler. Verfertigt von Johann Georg Meusel, Königl. Preussischen Hofrathe, ordentlichem Professor der Geschichtskunde auf der Universität zu Erlangen, und Ehrenmitgliede der königl. Preussischen Akademie der bildenden Künste zu Berlin. Lemgo, 1809.

#Neues Universal-Lexikon der Tonkunst (1861)

Strunz, Joseph, geb. zu Pappenheim in Baiern im J. 1783, erhielt Musikunterricht bei den Kapellmeistern Metzger und Winter zu München und wurde schon mit 14 Jahren in der Hofkapelle ebengenannter Stadt angestellt.

Nach nicht langer Zeit aber mußte er einer Jugendthorheit wegen München verlassen und durchzog nun Konzerte gebend Deutschland, Holland und England. Im J. 1800 kam er auch nach Frankreich, nahm eine Stelle als Musikmeister bei einem Regimente an und machte mit diesem den italienischen Feldzug mit, der durch die Schlacht von Marengo beendet wurde.

Nach dem Frieden garnisonirte sein Regiment in Antwerpen; ein grober Subordinationsfehler verwickelte ihn hier in arge Verlegenheiten, hatte auch seinen Abschied zur Folge; er blieb aber in Antwerpen, gab Musikunterricht und komponirte (Instrumentalstücke, eine Messe und eine komische Oper »Bouffarelli, ou le Prévôt de Milan«, die auch in Brüssel gegeben wurde).

Im J. 1807 ging er nach Paris, gab hier wiederum Stunden, komponirte (viele Instrumentalstücke und eine Oper »Les Courses de Newmarket«, welche aber durchfiel), und nahm dann endlich 1823, da es ihm nicht gelungen war, durch die Musik sich eine ordentliche Position zu verschaffen, während des spanischen Krieges eine Stelle als »Inspecteur des substances militaires« in der französischen Armee an. Nach Beendigung des erwähnten Krieges blieb er zuerst längere Zeit in Barcellona, durchreiste darauf Spanien, Griechenland, einen Theil Asiens und Afrika’s, und kehrte endlich 1831 wieder nach Paris zurück. Hier suchte er in der Musik wieder die Mittel zu seiner Subsistenz, war für verschiedene Musikalienhändler mit Arrangements beschäftigt, und schrieb auch 1834 für das Théâtre Nautique die Musik zu einigen Ballets. Das genannte Theater aber prosperirte nicht sehr, und der Unternehmer desselben dachte durch eine deutsche Operngesellschaft seinen Umständen etwas aufzuhelfen; er schickte deshalb St. behufs des Engagirens von Sängern und Sängerinnen nach Deutschland. Unterwegs jedoch erfuhr dieser die Schließung des Théâtre Nautique, und kehrte somit nach Paris zurück, wo er nun die Stelle als Chef du boreau de copie an der Opéra-comique annahm.

Diese vertauschte er mit der eines Musikdirektors an dem neugegründeten Théâtre de la Rénaissance und schrieb für dieses auch die Musik zu Victor Hugo’s »Ruy Blas«; leider aber mußte er bald auch dieses Theaters Sturz erleben, worauf er dann wieder in seine frühere Stelle an der Opéra-comique eintrat, welche er in den ersten 40er Jahren noch inne hatte.

Von seinen Talent bekundenden Kompositionen sind Streichquartette, Konzerte für Flöte und Horn, Quintette für Blasinstrumente, französische Romanzen u. s. w. im Druck erschienen.

Eduard Bernsdorf: Neues Universal-Lexikon der Tonkunst. Offenbach, 1861.

#ML – 27·28 (Teichlein)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Teichlein, Anton; 28.1.1820 (München) – 8.12.1879 (Schleißheim bei München); Konservator an der Schleißheimer Gemäldegalerie, Kunstschriftsteller und Landschaftsmaler

Todesanzeige für Anton Teichlein

Grab der Familie Teichlein auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

Grab der Familie Teichlein auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Anton Teichlein

* 28.1.1820 (München)
† 8.12.1879 (Schleißheim bei München)
Konservator an der Schleißheimer Gemäldegalerie, Kunstschriftsteller und Landschaftsmaler

#Allgemeine Zeitung (10.12.1879)

Der kgl. Conservator der Gemäldegallerien in Schleißheim, Hr. Maler Anton Teichlein, ist nach langem mit größter Geduld ertragenem Leiden heute gestorben – ein Todesfall der in den weitesten Kreisen, und insbesondere in der Künstlerwelt, die schmerzlichste Theilnahme erregen wird.

Allgemeine Zeitung Nr. 344. Augsburg; Mittwoch, den 10. Dezember 1879.

#Die Künstler aller Zeiten und Völker (1864)

Teichlein, Anton, Maler der Gegenwart aus München. Er malte um 1848 den Rattenfänger von Hameln nach Göthe’s Ballade und zeigte darin Reichthum an Gedanken und Motiven bei angenehmer und harmonischer Farbenwirkung, jedoch lockerer Auffassung und Behandlung. In seinen Landschaften folgt er dem französischen Genre mit dickem Auftrag der Farben.

Literatur. Cotta’sches Kunstblatt 1848.

Friedrich Müller: Die Künstler aller Zeiten und Völker. Stuttgart, 1864.

#Allgemeine Deutsche Biographie (1894)

Teichlein: Anton T., Maler, wurde zu München am 28. Januar 1820 als Sohn eines Conditors geboren. Einer angesehenen Bürgerfamilie seiner Vaterstadt angehörig und universal veranlagt, widmete er sich begeistert dem Dienste der Kunst, kam aber erst spät darüber zur Klarheit, welches Gebiet er als das seiner Begabung am meisten zusagende ansehen sollte. Anfänglich für das Studium einer Wissenschaft bestimmt, verließ er die Schule schon nach Absolvirung der vier unteren Lateinclassen und trat als Schüler in die Münchener Akademie ein, an der sich Kaulbach seit dem Jahre 1837 seiner in erster Linie annahm. T. arbeitete in Kaulbach’s damaligem Atelier am Lehel, bei dem er allenfalls nach Gips, Modell und Gliedermann zeichnen, nicht aber malen lernen konnte, da der Meister damals selbst in dieser Kunst kaum über die ersten Anfangsgründe hinaus gelangt war. Trotzdem war der Einfluß Kaulbach’s auf T. sehr groß, zumal er ihn auch außerhalb der Arbeitszeit an sich und sein Haus zu fesseln wußte. T. gehörte zu den Vertrauten Kaulbach’s und begleitete ihn und seine Familie auf ihrer vom Herbst 1838 bis zum Frühjahr 1839 reichenden italienischen Reise. Auszüge aus seinem damaligen Tagebuche, dessen Aufzeichnungen allerdings der Hauptsache nach durch das Urtheil Kaulbach’s bestimmt wurden, hat T. in den Aufsatz, den er nach dem Tode seines Lehrers zur Charakteristik desselben in der Zeitschrift für bildende Kunst (1876, Bd. XI, 257–265) veröffentlichte, aufgenommen. In Rom beschäftigte sich T. hauptsächlich unter Kaulbach’s Leitung mit dem Modellmalen, fand aber verhältnißmäßig nur wenig Zeit, die dortigen Kunstschätze zu studiren.

Nach der Rückkehr aus Italien löste T. sein Schülerverhältniß zu Kaulbach, blieb aber bis zum Jahre 1854 noch immer in regem Verkehr mit ihm. Als Maler konnte er jedoch eine irgendwie hervorragende Stellung nicht erreichen. Durch Kaulbach bei dem seiner Begabung nicht zusagenden Historienfach festgehalten, hatte er selbst wenig Freude an seinen Schöpfungen, von denen uns eine Illustration zum »Rattenfänger von Hameln« und zu Goethe’s »Schatzgräber« als die bedeutendsten genannt werden. T. fühlte am besten die Mängel der Kaulbachschule, ihren Abfall von der idealen Größe des Cornelius einerseits und ihren Mangel an coloristischer Erfahrung andrerseits. Es ist daher erklärlich, daß das Aufsehen, das die Bilder der belgischen Maler Gallait und Biéfve zu Anfang der fünfziger Jahre in Deutschland erregten, auch ihn mächtig packte und seinen Glauben an die Richtigkeit der Principien der älteren deutschen Malerei erschütterte.

Innerlich genöthigt, zu der neuen Erscheinung Stellung zu nehmen, griff er zur Feder und veröffentlichte im J. 1853 seine Schrift: »Louis Gallait und die Malerei in Deutschland. Eine Episode aus der modernen Kunstgeschichte. Nebst einer Abhandlung über den Begriff des Malerischen und das Wesen der Malerei«, in der er zu dem Ergebniß gelangte, »daß es französisch-belgischen Malern nicht weniger schwer werden möchte, im Geiste Shakespeares zu denken, als es den deutschen Denkern sauer wird, Shakespearisch zu malen«. Trotz dieser Erkenntniß konnte sich T. nicht entschließen, sich dem modernen Realismus vollständig in die Arme zu werfen, selbst dann nicht, als er in Paris die Werke von Rousseau, Jules Duprè, C. F. Daubigny und J. B. C. Corot kennen gelernt und sich für die Meister des »paysage intime« begeistert hatte. Er fing nun selbst an im Sinne dieser Vorbilder als Landschaftsmaler thätig zu sein, brachte es aber auch hierbei zu keinem wirklichen Erfolg, da ihn Zweifel und Unzufriedenheit mit seinen eigenen Leistungen von der Vollendung seiner Sachen abhielten.

Er verlegte sich daher in späteren Jahren hauptsächlich auf die Schriftstellerei und lieferte in seinen kunstkritischen, leider nicht gesammelten Aufsätzen eine Reihe bedeutender Gesichtspunkte zur Würdigung und Aufklärung über die moderne Kunst. Als die wichtigsten davon haben wir die Studie über »Moriz von Schwind und seine Wandgemälde im neuen Wiener Opernhause«. (Beilage zur Allgem. Zeitung. 1866. Nr. 135, 136, 137, 139, 140, 141, 154, 155), den Aufsatz: »Zwei Radirungen von Eugen Neureuther nach Karl Rottmann« (Zeitschrift für bildende Kunst 1869, IV, 7–11, 72–77) und den Artikel über »Theodor Rousseau und den paysage intime« (ebenda 1868 III, 281–289) anzusehen. In Schwind glaubte T. »eine ungebrochene Künstlerindividualität und einen in seiner Art ungebrochenen Mann« zu erblicken, und er erklärte seine Deckengemälde im Wiener Opernhause für die glücklichsten Entwürfe, die aus dem Componirverein der deutschen Kunstgenossenschaft hervorgegangen seien. In Rottmann aber, mit dessen Tochter Sylvia er sich im J. 1860 vermählt hatte, sah er »den Schöpfer des absolut-landschaftlichen Stilbildes« und stellte seine Leistungen denen der Vertreter des »paysage intime« zur Seite, den er für das Bedeutendste erklärte, was innerhalb der modernen französischen Schule geschaffen worden sei.

Wie klar T. über die Bedeutung der hauptsächlichsten neueren Kunstleistungen dachte, geht auch aus der Beurtheilung, die er Cornelius und seinem Schaffen zu Theil werden ließ, hervor. Er knüpfte in seinen Ausführungen an H. Riegel’s panegyrische Schrift: »Cornelius, der Meister der deutschen Malerei« an, machte auf die schon in dem Titel hervortretende Uebertreibung aufmerksam und bedauerte die Unvollkommenheiten der Form in den Werken des Künstlers, »die wir um so härter empfinden, zu je reineren Höhen sein dichterischer Schwung uns fortreißt«. (Vgl. Zeitschr. für bildende Kunst, 1867 II, 129–137 und 189–196.) Gegen die Überschätzung von Cornelius sind auch die Worte gerichtet, die T. über den Werth des Inhaltes eines Kunstwerkes in dem bereits erwähnten Artikel über Schwind ausgesprochen hat. »Das scheint nun«, lesen wir dort, »außer Frage gestellt, daß die Sinnigkeit der Erfindung, an und für sich zum Princip erhoben, ebenso wenig zur Regeneration unserer Kunstgewerbe ausreichen würde, als es der principiellen Oberherrschaft des Gedankens überhaupt gelungen ist, unsere Kunst selbst dauernd auf der Bahn des Fortschritts zu erhalten und vor wiederholtem Andringen der Stillosigkeit von links und der conventionellen Manier von rechts, d. i. vor allseitiger Degeneration, zu schützen«. T. warnte daher vor dem in Deutschland bestehenden Vorurtheil gegen die französische, weniger gedankenreiche Kunst und wies nachdrücklich darauf hin, daß seit der Pariser Ausstellung von 1855, wo er auch die Bekanntschaft mit den englischen Praeraphaeliten gemacht und ihre Bedeutung erkannt hatte, ein Uebergewicht der französischen Kunst über die deutsche hervorgetreten sei, während man sich in Deutschland in den bizarren Glauben eingewiegt habe, daß das deutsche Volk ein vor anderen auserwähltes Kunstvolk sei. (Vgl. Zeitschr. f. bildende Kunst 1871, VI, 121–124 und 161–171.)

Dieses sein tiefes Verständniß für die Kunst, das sich in allen seinen Urtheilen ausspricht, befähigte T. in hohem Maße zu dem Amte eines Konservators der Schleisheimer Galerie, das er seit dem Jahre 1871 (nicht wie Reber und Regnet angeben 1872) bekleidete, nachdem seine Hoffnung, Secretair an der Münchener Akademie zu werden, gescheitert war. In dieser Stellung fiel ihm die Aufgabe zu, einen neuen Katalog der ihm anvertrauten, werthvollen Sammlung herzustellen. Er erschien im Jahre 1875 unter dem Titel: »Gemälde-Verzeichniß der königl. bayer. Staatsgalerie in Schleisheim«, und brachte, obwohl von T. nur als eine interimistische Arbeit bezeichnet, doch einen erheblichen Fortschritt über seine Vorläufer hinaus, wie er auch die unter Teichlein’s Leitung erfolgte, namhafte Bereicherung der Galerie bereits berücksichtigte. Die letzte Zeit seines Lebens verbrachte T., der sich nie eines starken Körpers erfreut und schon in früheren Jahren oft gekränkelt hatte, unter anhaltenden, schweren Leiden, die ihn jedoch nicht verhinderten, bis an sein Ende geistig thätig zu sein. Er starb am 8. December 1879 in Schleisheim.

Vgl. die Nekrologe von Carl Albert Regnet in der Kunstchronik, Leipzig 1880 XV, 223–226 und von F. Reber in der Beilage zur Allgemeinen Zeitung 1879 Nr. 351. Ferner Hans Müller, Wilhelm Kaulbach, Berlin 1893 I, 209, 349, 360 ff., 378. Ein großer Theil der Aufsätze Teichlein’s deren Sammlung sich heute noch verlohnen dürfte, ist abgedruckt in der Zeitschrift für bildende Kunst und in der Kunstchronik Jahrg. I–XV, worüber das Register zu vergleichen ist. Andere seiner uns nicht bekannt gewordenen Arbeiten, z. B. für die Wiener »Presse« (»Münchener internationale Fragmente« 1868) und für die »Bayerische Zeitung« (»Eine Weltausstellungsfahrt« 1867) werden von Regnet und Reber a. a. O. erwähnt.

H. A. Lier.

H. A. Lier: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1894.

#ML – 30·31 (Wanner)


Liegestein
Friedrich Wanner
Oberlieutenant im ¿l. b. I. Art. Rg.
Prinz Luitpold
Inhaber des Armee-Denkzeichen
für das Jahr ¿
ge¿
gefallen vor Belfort ¿ Dezbr. 1870
Christian Wanner
kgl. Musik-Professor
geb ¿
gest ¿


  • Wanner, Christian; – 12.1.1874 (München), 57 Jahre alt; Komponist, Klavierlehrer, Musiker (Klavier) und Musikprofessor am Münchener Konservatorium
  • Wanner, Friedrich; 22.1.1845 (München) – 27.12.1870 (Belfort/Frankreich); Oberleutnant
  • Wanner, Wilhelmine (vh) / Weichsler (gb); – 3.6.1870 (München), 50 Jahre alt; Königliche Zentral-Staats-Kassiers-Tochter aus München / Musikprofessors-Gattin

Todesanzeige für Wilhelmine Wanner

Todesanzeige für Friedrich Wanner

Todesanzeige für Christian Wanner

Danksagung für Christian Wanner

Richard Wagner und König Ludwig II. Farblithographie, ca 1900.

Grab der Familie Wanner auf dem Alten Südfriedhof München (August 2014)

Grab der Familie Wanner auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

#Christian Wanner

† 12.1.1874 (München), 57 Jahre alt
Komponist, Klavierlehrer, Musiker (Klavier) und Musikprofessor am Münchener Konservatorium

#Flora (17.4.1832)

Anzeigen.
Concert-Anzeige.

Ostersonntag den 22. April wird Christian Wanner mit Unterstützung mehrerer Mitglieder des königl. Hoforchesters, im kleinen Saale des königl. Odeon, ein Concert auf dem Pianoforte zu geben die Ehre haben, worin er ein Concert von Hummel und große Variationen von Kalkbrenner vortragen wird.

Eintrittskarten zu 1 fl. sind in der Musikalienhandlung von Falter und Sohn bis Samstag Abends und Sonntags an der Kasse zu haben.

Flora Nro. 62. Ein Unterhaltungsblatt. München; Dienstag, den 17. April 1832.

#Bayerischer Kurier (14.1.1874)

Lokales und Provinzielles.

München, 12. Januar.

Morgen Nachmittags halb 4 Uhr findet die Beerdigung des k. Professors am früheren k. Conservatorium für Musik dahier, Hrn. Christian Wanner, statt. Er verschied den 12. Januar in früher Morgenstunde nach kurzem schweren Leiden. Sein langjähriges, ersprießliches Wirken lebt in dankbarer Erinnerung seiner zahlreichen Schüler.

Bayerischer Kurier Nr. 14. München; Mittwoch, den 14. Januar 1874.

#Bayerischer Kurier (25.1.1874)

Lokales und Provinzielles.

München, 24. Januar.

S. M. der König hat aus Anlaß des Hinscheidens seines ehemaligen Lehrers des Klavierspiels, Hrn. Christian Wanner, k. Musikprofessor, dem noch einzigen Sohne des Verlebten durch seinen Kabinetssekretär ein Beileidsschreiben zustellen lassen. Auch I. M. die Königin-Mutter hat an diesem Trauerfalle innigen Antheil genommen, indem sie gleichfalls ihr Beileid ausdrücken ließ.

Bayerischer Kurier Nr. 25. München; Sonntag, den 25. Januar 1874.

#Allgemeine Musikalische Zeitung (4.3.1874)

München. St. Anfang Februar. Einige Neuigkeiten auf musikalischem Gebiete verdienen, auch ohne dass sie Oper und Concert berühren, in diesen Blättern immerhin erwähnt zu werden. Am 12. Jan. verschied – ein Opfer der Cholera – im 58. Lebensjahre der langjährige Professor des Clavierspiels am früheren kgl. Musikconservatorium Christian Wanner, eine von seinen zahlreichen Freunden in jeder Beziehung hochgeschätzte Persönlichkeit. Als trefflicher Lehrer gewann er die dauernde Verehrung seiner Schüler, unter denen sich bedeutende Pianisten der Gegenwart befinden. Er war ein ebenso gewissenhafter als bescheidener und anspruchsloser Künstler; auch S. Majestät unser König, sowie sein Bruder, Prinz Otto, genossen einige Zeit seinen Unterricht. Oeffentliches Auftreten suchte er nie, mied es wohl seit mehr als einem Jahrzehnt. Seit mehreren Jahren lebte er, ein mit glücklichen Vermögensverhältnissen gesegneter Privatmann, nur seiner Kunst und einem ausgedehnten Freundeskreise, in welchem er vermöge seiner Liebenswürdigkeit, Charakterfestigkeit und Offenherzigkeit allbeliebt war; er erfreute letzteren auch durch eine Anzahl feinempfundener, wohlgelungener, grösstentheils ungedruckter Clavier- und Gesangscompositionen, deren manche veröffentlicht zu werden verdienten.

Allgemeine Musikalische Zeitung Nr. 9. Leipzig, den 4. März 1874.

#Friedrich Wanner

* 22.1.1845 (München)
† 27.12.1870 (Belfort/Frankreich)
Oberleutnant

#Der Sammler (26.1.1871)

Eine Episode aus der Belagerung von Belfort.

Unter den zahllosen Opfern, welche der gegenwärtige Krieg an edelstem Blute unserer kämpfenden Söhne fordert, befindet sich auch der 28jährige Artillerie-Oberlieutenant Friedrich Wanner aus München. Viele Besucher des im vorigen Jahre dahier verhandelten Schwurgerichtsfalles: Oberndorfer wegen Raubmordes etc. erinnern sich noch des gewinnenden Eindruckes, den die ritterliche Erscheinung dieses jungen Mannes als Zeugen, seine eben so klaren, als vollständigen und logisch geordneten Aussagen auf Jedermann machten: jene, sowie seine zahlreichen Freunde und Bekannten werden mit Theilnahme den näheren Verlauf seines tragischen Schicksals aus diesen Zeilen ersehen.

Längst sich sehnend in den großen Kampf handelnd einzugreifen, war Wanner am 12 v Mts. mit seiner Batterie von Ingolstadt abmarschirt. Ueber Straßburg, Colmar, Schlettstadt, Mühlhausen, Unterbrunnhaupt, La Chapelle, La Riviére, Fontaine, Besso court, Montreux le chateau gelangte er unter großen Mühseligkeiten in Folge des ungemein durchweichten Bodens, und nachdem er schon am 17. das Feuer der Granaten vom Fort la Justice auszuhalten gehabt hatte, am 18. nach dem Standquartier Brebotte, gegenüber von Belfort. Die folgenden Tage wurden theils mit gefahrvollen Rekognoszirungen, theils mit Requisition von Deckungshölzern und Schanzzeug, Herstellung von Prügelwegen u dgl zugebracht, während die Temperatur plötzlich auf mehr als 10° Kälte herabging und dadurch die gedachten Arbeiten ungemein erschwerte. Am 24 – Weihnachtsabend – wurde unter unsäglichen Anstrengungen und eisigem Nordostwinde zum Batteriebaue geschritten, der vielfach durch feindliches Feuer behelligt war. Am Christtage stand die Batterie nebst zwei dazu ausgegrabenen und hierauf eingedeckten Magazinen und zwei Unterständen für die Mannschaft fertig zum Feuern bereit, womit auch Nachmittags um 1 Uhr 20 Min. begonnen wurde. Ungeachtet der grimmigen Kälte und dem hierauf zeitweise hindernd eintretenden Schneefalle wurde das Feuer an den nächsten Tagen mit gutem Erfolge, jedoch immer lebhafter werdender Erwiderung durch die gegnerischen Geschütze fortgesetzt. Da schlug plötzlich am 27. Nachmittags 3 Uhr 30 Min. – soviel zeigte die später aufgefundene plattgedrückte Taschenuhr – eine französische Granate durch die Decke des Pulvermagazins, an welches gelehnt Wanner seine Beobachtungen und Aufzeichnungen über die Wirkungen der bayerischen Schüsse machte. Augenblicklich erfolgte eine furchtbare Explosion, das Magazin ging in die Luft und Wanner nebst 4 Kanonieren wurde 150–200 Schritte rückwärts geschleudert, während äußerem 2 Unteroffiziere und 3 Kanoniere schwer und mehrere andere leicht verwundet wurden. Grauenvoll verstümmelt, ohne daß jedoch irgend ein Glied gefehlt hätte, wurde die Leiche des unglücklichen jungen Mannes nach Brebotte und alsbald nach München gebracht, wo die Beerdigung unter allgemeinster Theilnahme stattfand.

Der Trauer um den Verlust eines tapfern und höchst intelligenten Offiziers Ausdruck gebend, hat auch Se. Maj. der König in huldvollster Weise den Schmerz des unglücklichen Vaters, Professors Wanner in München, durch ein allerhöchstes Handschreiben folgenden Inhaltes zu lindern gesucht:
»Herr Professor Wanner! Wie ich mit tiefem Bedauern vernehme, hat Ihr Sohn Friedrich im I. bayerischen Artillerie-Regimente bei der Belagerung von Belfort den Heldentod gefunden. Die dankbare Erinnerung und das Wohlwollen, welche ich Ihnen als Meinem ehemaligen Lehrer bewahre, geben Mir Anlaß, Sie Meiner aufrichtigen Antheilnahme an diesem schmerzlichen Verlust persönlich zu versichern. Ich verbleibe mit geneigter Gesinnung Ihr gnädiger König Ludwig. Hohenschwangau, den 10. Jan. 1871.«

Außer zahlreichen Freunden beweint eine liebende Gattin nebst ihrem Söhnchen an Wanner’s Grabe ihr früh zerstörtes Familienglück.

Augsburg. L. v. St.

Der Sammler. Ein Blatt zur Unterhaltung und Belehrung Nr. 10. Beilage zur Augsburger Abendzeitung. 26. Januar 1871.

#Biographieen der in dem Kriege gegen Frankreich gefallenen Offiziere der Bayerischen Armee (1871)

Oberlieutenant Friedrich Wanner, wurde geboren am 22. Januar 1845 zu München. Früh hervortretende Neigung bestimmte ihn für den Soldatenstand. Nachdem er die Lateinschule besucht hatte, trat er im Oktober 1857 in das Cadeten-Corps, aus welchem er nach vollendeten Studien am 25. August 1863 als Junker in das 3. Artillerie-Regiment versetzt wurde. Ms er drei Jahre in der Artillerie-Schule zugebracht hatte, erfolgte am 3. April 1866 seine Beförderung zum Lieutenant. Er zog in dieser Charge 1866 in’s Feld. Den 12. Januar 1869 kam er in das 1. Artillerie-Regiment und avancirte gleichzeitig zum Oberlieutenant.

Im Juli 1870 wurde Wanner zum Adjutanten der Artillerie-Direktion Ingolstadt ernannt, und war durch diese Stellung von dem unmittelbaren Schauplatze der Ereignisse vorerst ferngehalten. Am 23. August wurde er durch die Geburt eines Sohnes hocherfreut, kurze Zeit darauf nahm er seinen bei Sedan verwundeten jüngeren Bruder bei sich auf, um ihm die sorgfältigste Pflege angedeihen zu lasten. Endlich erhielt er den willkommenen Befehl, sich zum Abmarsche bereit zu hatten. Schmerzerfüllt, doch begeistert, schied er am 12. Dezember von Weib und Kind, von Vater und Bruder, um nicht wiederzukehren. Unter großen Mühseligkeiten gelangte Wanner mit seiner Batterie am 18. Dezember nach dem Standquartier Brebette, gegenüber von Belfort. Am 24. Dezember, dem Weihnachtsabend, wurde unter unsäglichen Anstrengungen und bei eisigem Nordostwind zum Batteriebau geschritten, der vielfach durch feindliches Feuer behelligt war. Am Christtage stand die Batterie nebst zwei dazu ausgegrabenen und hierauf eingedeckten Magazinen und zwei Unterständen für die Mannschaft zum Feuern bereit. Ungeachtet der grimmigen Kälte und des hieraus zeitweise hindernd eintretenden Schneefalls wurde das Feuer an den nächsten Tagen mit gutem Erfolge, jedoch bei lebhafter Erwiederung durch die gegnerischen Geschütze fortgesetzt.

Ueber die traurige Katastrophe, die den Tod Wanners herbeiführte, berichtet Hauptmann von Sutner also: »Fritz und ich standen am 27. seit 7 Uhr Morgens in der Batterie. Das feindliche Feuer war bis Mittag mäßig und ohne Erfolg. Von halb 2 Uhr an jedoch wurden wir buchstäblich mit Granaten aus 10–12 feindlichen Geschützen überschüttet. Um 3 Uhr 30 Minuten schlug eine Granate durch die Decke des Pulvermagazins, an welches Fritz, um besser beobachten zu können, sich angelehnt hatte. Das Magazin ging in die Luft und Fritz mit noch 4 Kanonieren wurde furchtbar verstümmelt und eine kleine Strecke weit geschleudert, doch fehlten Ersterem keine Gliedmaßen.«

Am 4. Januar Nachts 11 Uhr kam auf Ansuchen des Vaters der Bediente des Oberlieutenants Wanner mit der Leiche, dem Pferd und Gepäck seines Herrn in München an. Die sterblichen Ueberreste des Dahingeschiedenen wurden in heimathlicher Erde mit allen militairischen Ehren und unter allgemeinster Theilnahme zur Ruhe bestattet.

Wanners unverdrossener Fleiß, sein Talent, sowie seine Tüchtigkeit als Artillerie-Offizier machten ihn in seiner Waffe zu einem allgemein geachteten und beliebten Offizier.

Biographieen der in dem Kriege gegen Frankreich gefallenen Offiziere der Bayerischen Armee. Nürnberg, 1871.

#ML – 32·33 (Uhland)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Uhland, Elise (vw) / Neukäufler (gb); – 27.12.1874 (München), 63 Jahre alt; Hutmachers-Tochter aus München / Kaufmanns-Witwe
  • Uhland, Josef; – (7).3.1882 (München), 45 Jahre alt; Kaufmann

Todesanzeige für Elise Uhland

Grab der Familie Uhland auf dem Alten Südfriedhof München (August 2014)

#Elise Uhland (vw) / Neukäufler (gb)

† 27.12.1874 (München), 63 Jahre alt
Hutmachers-Tochter aus München / Kaufmanns-Witwe

#Der Bayerische Volksfreund (26.7.1837)

Unterzeichnete ist gesonnen, da das Hutmachergeschäft ihres seligen Vaters nur noch einige Wochen geführt wird, sämmtlichen bedeutenden Waarenvorrath, sowohl einzeln als auch in Parthien unter dem Fabrikpreis zu verkaufen und bitten um gefällige Abnahme.

Elise Uhland,
geborne Karolina Neukäufler.

Der Bayerische Volksfreund Nro. 15. Mittwoch, den 26. Juli 1837.

#ML – 34·35 (Dreern)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Dreern, Maria Anna von (vh) / Kuhuel (gb); 12.3.1715 – 28.3.1813; Geheimrats-Gattin
  • Dreern, Maximilian von; 9.6.1731 (Amberg) – 22.6.1827 (München); Geheimrat

Grab der Familie Dreern auf dem Alten Südfriedhof München (August 2014)

#Maximilian von Dreern

* 9.6.1731 (Amberg)
† 22.6.1827 (München)
Geheimrat

#Königlich-Baierisches Regierungsblatt (14.9.1808)

Bekanntmachungen.
(Den Direktor von Dreern betreffend.)

Wir Maximilian Joseph, von Gottes Gnaden König von Bayern.

Wir haben beschlossen, die ferneren Lebens-Jahre des dem Staate seit 54 Jahren mit ausgezeichneter Thätigkeit, Treue und Anhänglichkeit dienenden Direktors der hiesigen Landesdirektion, Maximilian von Dreern, von den Beschwernissen der öffentlichen Geschäfte zu befreien, und demselben die schonende Ruhe zu gewähren, auf welche er, mit belohnendem Rückblicke auf sein mit rastlosem Eifer geführtes Geschäfts-Leben, so gerechte Ansprüche hat.

Indem Wir anbei diesem verdienten Staatsdiener den bisher genossenen vollen Gesamtgehalt belassen, wollen Wir zugleich demselben, als einen öffentlichen Beweis Unserer besonderen allerhöchsten Zufriedenheit, den Karakter eines wirklichen geheimen Raths verleihen.

Auch behalten Wir uns vor, seine Geschäfts-Erfahrung und Rathschläge in besonderen Fällen ferner zu benüzen.

München den 25. August 1808.

Max Joseph.
Freiherr von Montgelas.
Auf königlichen allerhöchsten Befehl
von Flad.

Königlich-Baierisches Regierungsblatt. München; Mittwoch, den 14. September 1808.

#Der Bayerische Volksfreund (12.6.1827)

Tages-Neuigkeiten.

Der ehrwürdige und älteste Veteran der Staatsdiener Bayerns, nach welchem Graf von Preising etc. und unser Gesandte, Kardinal von Häfelin, die älteren sind, geheime Rath, Kommenthur des Civil-Verdienstordens der Krone, Maximilian Edler von Dreern feyerte den 9. dieses seinen 98sten Geburtstag. Bei diesem Hausfeste übergab er seinen Freunden eine gedruckte von ihm noch in so hohem Alter verfaßte Sammlung Anagramata, wovon die Hälfte lateinisch und die andere deutsch, und von vielem Witze ist. Dieser Greis widmete bisher stets seine Muse noch verschiedenen, theils humoristischen, theils ernsten Arbeiten, welche bereits zu einer merkwürdigen Sammlung angewachsen, Achtung und Aufmerksamkeit verdienen.

Der Bayerische Volksfreund Nro. 70. München; Dienstag, den 12. Juni 1827.

#Vermischte Schriften (1828)

Posaunen-Töne

bei der Beerdigung des k. b. geheimen Rathes Maximilian von Dreern,
geboren zu Amberg am 9. Juni 1731, gestorben am 22. Juni 1827.

Ein Sonett.
(Abgedruckt im Volksfreunde Nr. 77 vom Jahre 1827.)

Ein edler Mann wird nun zur Gruft getragen
Ihr weinet Freunde? Hemmt des Schmerzes Klagen,
Sein Streben nach Vollendung ist gelungen,
Er hat sich der Diaren Huld errungen!

Im kühnen Flug hat Wahrheit er gesungen!
Der Greis ist in das Heiligthum gedrungen,
Um frei der Wanen Weisheit unsern Tagen
In Teut’s und Roma’s Versekunst zu sagen.

Der ernste Staatsmann folget ihm zum Grabe:
Den Freund und Skalden mit gebleichtem Haare,
Den Armen selbst vereint am Ziel‘ – der Glaube!

Ihn rief zur Ruhe nach gebroch’nem Stabe
Der Friedensgott, und legt auf seine Bahre
Den Bardenkranz aus frischem Eichenlaube.

Josef Sutner: Vermischte Schriften. München, 1828.

#Neuer Nekrolog der Deutschen (1829)

D. 22. zu München der Veteran der königl. baier. Staatsdiener, der königl. Geheimerath Maximilian Edler von Dreern, Comthur des Civilverdienstordens der baier. Krone, nachdem er erst am 9. Juni d. J. seinen 98. Geburtstag gefeiert hatte, bei welcher Gelegenheit er seinen Freunden eine, noch in diesem hohen Alter verfaßte Sammlung lateinischer und deutscher Anagrammata voll Witz und Laune gedruckt übergab. Er war der Sohn des Archivars D. zu Amberg, geb. 1731, ward dort und zu Altdorf unterrichtet, 1754 Reg.-Sekretär zu Amberg, 1764 Landrichter zu Neunburg vorm Wald, 1772 unter der Regierung Max Josephs III. wirklicher und wichtiger Hofkammerrath mit 1200 fl., 1775 Fundations-Güter-Deputationsrath zugleich mit 300 fl. besondern Gehalts, d. 9. Febr. 1775 geadelt wegen seiner Verdienste, ohne sein Verlangen, 1781 Ober-Landes-Regierungsrath, als solcher öfters wegen wichtigen Landesgränze-Irrungen und anderer Civil- u. Criminalfälle als Specialkommissär abgeordnet, d. 23. April 1799 2r Direktor d. Gen L. Dir. in Polizeisachen mit 3000 fl., d. 17. Mai 1804 als Jubiläus im Staatsdienste mit einer großen goldnen Ehrenmedaille von Sr. kurf. Durchl. beehrt und in Anwesenheit aller Räthe etc. unter größter Feierlichkeit im Kollegialraths-Zimmer sowohl als im königl. Regierungsblatte mittels allerh. Rescripts öffentlich belobt, d. 19. Mai 1808 Ritter des Civilverdienstordens u. d. 25. Aug. 1808 mit ausgezeichneten Belobungen wirkl. geh. Rath, zugleich aber als bekanntlich ältester Staatsdiener im ganzen jetz. Königreiche Baiern in den wohlverdienten Ruhestand mit ganzem Gehaltsgenusse zur notwendigen Abwartung seiner Gesundheit unter der ehrenvollen Bedingung gesetzt, daß Se. Maj. der König sich vorbehalte, seine Geschäftserfahrung und Rathschläge in besondern Fällen zu benutzen. Er wurde d. 8. Nov. 1812 sammt der von ihm mit landesherrlicher Genehmigung an Kindesstatt angenommenen Johanne Wisgerin bei der Klasse der Edlen bestätigt.

Neuer Nekrolog der Deutschen. Ilmenau, 1829.

#ML – 36·37 (Pachmayr)


Familiengrab Pachmayr.
Rosa Pachmayr,
geb. 6. Juli 1859, gest. 18. Dez. 1906.

Lallinger


  • Pachmayr, Rosa; 6.7.1859 – 18.12.1906

Grab der Familie Pachmayr auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

#ML – 40 (Lutz · Vollmuth)


Ruhestätte
der
Amalia Vollmuth,
Banquiers-Tochter von Augsburg
geb. 15. Dez. 1809, gest. 29. Febr. 1832.
Neben ihrer Enkelin ruht die Wittwe
Josepha Vollmuth,
geborne von Osten aus Mannheim
gest. 2. Nov. 1835, in ihrem 79. Lebensjahre.
Seiner Tochter, und Mutter folgte
Karl Joseph Vollmuth,
Banquier von Augsburg
am 13. Febr. 1836, in seinem 57. Lebensjahre.

Gott verleihe ihnen die ewige Ruhe!

Am Sockel unleserliches Grabtafel-Fragment


  • Lutz, Wilhelmine von (vh) / Vollmuth (gb); – 27.3.1888 (München), 75 Jahre alt; Forstmeisters-Gattin
  • Vollmuth, Amalia; 15.12.1809 – 29.2.1832 (München); Bankiers-Tochter
  • Vollmuth, Josefa (vw) / Osten, von (gb); (Mannheim) – 2.11.1835 (München), 78 Jahre alt; Kriegskassakontrolleurs-Witwe
  • Vollmuth, Karl Josef; – 13.2.1837 (München), 56 Jahre alt; Bankier

Todesanzeige für Amalia Vollmuth

Todesanzeige für Josefa Vollmuth

Todesanzeige für Karl Josef Vollmuth

Todesanzeige für Wilhelmine von Lutz

Grab der Familien Lutz · Vollmuth auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#ML – 41·42 (Öttl)


Hier ruhen:

Linke Spalte
Frau Franziska Öttl
praktische Arztensgattin
gest. den 9. Okt. 1879
im 39. Lebensjahre.
Herr Dr. Rudolf Öttl
praktischer Arzt
gest. den 26. Jan. 1892
im 54. Lebensjahre.
Frau Rosina Öttl
geb. Ressler
praktische Arztenswitwe
gest. den 20. April 1898
im 48. Lebensjahre.

Rechte Spalte
Fräulein
Bertha Öttl
gest. den 5. Febr. 1892
im 21. Lebensjahre.
Ludwig Öttl
Arztenssohn
gest. den 10. Febr. 1904
im 16. Lebensjahre.
Herr Rudolf Öttl
Prokurist
geb. den 10. Aug. 1871
gest. den 27. März 1920.

Ruhe sanft!


  • Öttl, Bertha; – 5.2.1892 (München), 20 Jahre alt; Arzt-Tochter
  • Öttl, Franziska (vh) / Ressler (gb); – 9.10.1879 (München); Arzt-Gattin
  • Öttl, Ludwig; – 10.2.1904; Arzt-Sohn
  • Öttl, Rosina (vw) / Ressler (gb); – 20.4.1898 (München), 48 Jahre alt; Arzt-Witwe
  • Öttl, Rudolf; 10.8.1871 – 27.3.1920; Prokurist
  • Öttl, Rudolf, Dr. med.; – 26.1.1892 (München), 54 Jahre alt; Praktischer Arzt und Armenarzt

Todesanzeige für Franziska Öttl

Todesanzeige für Dr. med. Rudolf Öttl

Todesanzeige für Bertha Öttl

Grab der Familie Öttl auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#ML – 44 (Steinheil)


DR. ADOLF STEINHEIL
1832 – 1893
DIETRICH STEINHEIL
1898 – 1899
EMMI STEINHEIL
GEB. VOIT
1864 – 1903
IDA STEINHEIL
GEB. ERDINGER
1840 – 1919
DR. RUDOLF STEINHEIL
1865 – 1930


  • Steinheil, Adolf, Dr.; 12.4.1832 (München) – 4.11.1893 (München); Optiker
  • Steinheil, Dietrich; 1898 – 1899
  • Steinheil, Emmi (vh) / Voit (gb); 1864 – Januar 1903 (München); Optikers-Gattin
  • Steinheil, Ida (vw) / Erdinger (gb); 1840 – 23.1.1919 (München); Optikers-Witwe
  • Steinheil, Rudolf, Dr.; 22.2.1865 (München) – 1.1.1930 (München); Optiker

Todesanzeige für Ida Steinheil

Todesanzeige für Dr. Rudolf Steinheil

Grab der Familie Steinheil auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2020)

#Dr. Adolf Steinheil

* 12.4.1832 (München)
† 4.11.1893 (München)
Optiker

#Himmel und Erde (1894)

Dr. Adolph Steinheil †.

Am 4. November vorigen Jahres verschied in München Dr. Adolph Steinheil; der Zweiundsechzigjährige erlag nach kurzem, schwerem Krankenlager einem Leiden, das schon längere Zeit sein reges, dem Wohle der Wissenschaft und der Technik gewidmetes Wirken hemmte. Das Hauptfeld seiner Wirksamkeit war die praktische Optik, der er als Chef und Inhaber der weltbekannten Firma C. A. Steinheil Söhne in München hervorragende Dienste leistete.

Am 12. April 1832 als Sohn des Physikers, Astronomen und Mathematikers Carl August Steinheil zu Perlachseck, dem Familiengute, geboren, wurde er väterlicherseits schon frühzeitig mit seiner späteren Laufbahn vertraut gemacht. Infolge der 1832 erfolgten Berufung seines Vaters als Professor der Mathematik und Physik an die Universität München erhielt er seine Erziehung und fachmännische Ausbildung zunächst in Bayerns Hauptstadt und später in Wien, wo er 1851 an der Universität Assistent im Telegraphenfach wurde, während sein Vater als Vorstand der telegraphischen Abtheilung des österreichischen Handelsministeriums wirkte. Durch Fleiss und Klarheit des Geistes wurde er bald zur unentbehrlichen Stütze des Vaters bei dessen vielseitigen, namentlich telegraphischen Unternehmungen. 1851 fiel nämlich dem älteren Steinheil die Aufgabe zu, die ersten Telegraphenanlagen in der Schweiz einzurichten, mit deren Lösung er seinen erst 19jährigen Sohn in ihren Haupttheilen betraute.

Hiermit begann die öffentliche Wirksamkeit des aufstrebenden jungen Mannes, welcher nach Fertigstellung der Anlagen auch die ersten 80 schweizerischen Telegraphenbeamten technisch auszubilden hatte. Im Jahre 1854 begründete Professor Steinheil auf besonderen Wunsch des Königs Max II. von Bayern, welcher seinem Lande die durch Fraunhofer auf dem Gebiete der praktischen Optik errungene Bedeutung zu erhalten wünschte, in München eine optisch-astronomische Anstalt, deren Leitung Adolph Steinheil mit seinem Bruder Eduard schon 1862 vom Vater übernahm. Der Verstorbene hatte die wissenschaftliche Abtheilung des Instituts zu leiten, und hier liegen die Hauptmomente seiner erfolgreichen Wirksamkeit. Schon bei der Einrichtung hatte er die meisten erforderlichen Berechnungen für den Vater auszuführen, und bald war – nicht zum mindesten durch seine Thätigkeit – der Ruf der Werkstätte sicher begründet, namentlich wegen der vorzüglichen Fernrohrobjektive, der mit Kirchhoff und Bunsen zusammen konstruirten Spektralapparate, der Okularheliometer u. s. w. In den Jahren 1865/66 fertigte Adolph Steinheil nach ganz neuen Prinzipien ein aplanatisches Objektiv für photographische Zwecke, das für alle späteren Konstruktionen vorbildlich geworden ist und einen enormen Fortschritt in der praktischen Optik darstellt. Ausser einer grossen Zahl von ähnlich erdachten photographischen Linsenkombinationen, die besonderen Zwecken dienten, entstammen eine Reihe grösserer Fernrohr-Objektive der Münchener Werkstätte, z. B. diejenigen der 13- und 14-zölligen Refraktoren der Sternwarten in Potsdam, Catania, Upsala u. s. w. Um die Beschaffung von geeigneten Objektiven, welche dem Zweck der Herstellung einer photographischen Himmelskarte dienen sollten, hat sich der Verstorbene besonders verdient gemacht, und so konnte im Jahre 1890 das 30000. Objektiv die Werkstätte verlassen und damit einen deutlichen Beweis für die Blüthe des Münchener Betriebes geben. Der Ruf und das Ansehen, dessen sich der Inhaber erfreute, rechtfertigte auf das glänzendste das Vertrauen, welches die Bayrische Regierung dem Unternehmen von Anfang an zugewendet hatte.

Zum 100jährigen Geburtstage Fraunhofers im Jahre 1887 durfte Steinheil am Münchener Polytechnikum eine optische Prüfungs-Station ins Leben rufen, welche 1891 feierlich eröffnet wurde. Die Leitung derselben übernahm Professor E. Voit; mit diesem zusammen gab Steinheil im selben Jahre auch noch den ersten Band eines »Handbuches der angewandten Optik« heraus.

In Anerkennung so vieler Verdienste ernannte 1888 die Bayrische Akademie der Wissenschaften Steinheil zum ausserordentlichen Mitglied, für einen Mann, der sich hauptsächlich auf praktischem Gebiete bethätigte, eine besonders hohe Auszeichnung. Die Reichsregierung berief ihn ebenfalls 1888 bei Begründung der »Physikalisch-Technischen Reichsanstalt« in das Kuratorium derselben, dem er bis zu seinem Tode angehörte. Im Jahre 1887 war er der einzige Optiker, welcher zur Theilnahme an dem Pariser astrophotographischen Kongress aufgefordert wurde.

G. W.

Himmel und Erde. Illustrirte naturwissenschaftliche Monatsschrift. Herausgegeben von der GESELLSCHAFT URANIA ZU BERLIN. Berlin, 1894.

#Jahrbuch für Photographie und Reproduktionstechnik für das Jahr 1895

Erinnerung an Dr. Adolf Steinheil.

Von kais. Rath L. Schrank.

Eine Zierde der deutschen Wissenschaft, ein Mann der in jeder Beziehung den geistigen Inhalt seiner Zeit in sich aufgenommen, ja ihn durch seine Genialität gewaltig vertieft hat, der mit starker Hand selbst in das Culturleben unseres Jahrhunderts erfolgreich eingriff, Dr. Hugo Adolf Steinheil, wurde am 4. November 1893 in seiner Vaterstadt München dem irdischen Walten entrissen.

Er war am 12. April 1832 als der Sohn des berühmten Physikers Dr. Carl August Steinheil geboren und zeigte schon in seiner Jugend ein ausgesprochenes Talent für Zahlenverhältnisse.

Man erzählt dass er als fünfjähriger Knabe, bei Betrachtung seiner gewürfelten Bettdecke an seine Mutter die Frage richtete: Nicht wahr zweimal 6 giebt genau so viel als 3 mal 4? Auch später in der Volksschule und in dem Gymnasium überraschte er seine Lehrer durch die Schärfe und Gewandheit mit der er rechnerische Aufgaben löste.

In den Jahren 1849 und 1850 besuchte Steinheil das Polytechnikum in München, übersiedelte in dem letzteren Jahre nach Wien und vollendete daselbst an der Wiener technischen Hochschule und der Universität seine theoretische Ausbildung.

1851 fand seine Aufnahme in den Staatsdienst als Assistent im Telegraphenfache statt und wurde ihm noch im selben Jahre die Ausgestaltung des schweizerischen Telegraphennetzes übertragen, obwohl er damals erst 19 Jahre zählte.

In das Jahr 1853 fällt sein Staatsconcurs als Ingenieur, im Mai 1855 endlich begründete Dr. Carl August von Steinheil (geb. 14. October 1801 zu Rappoldsweiler, gestorben 14. September 1870 in München) die seinen Namen tragende optische und astronomische Werkstätte in Schwabing nächst München.

Er war dazu veranlasst worden durch den speciellen Wunsch des Königs Maximilian II., und erfreute sich der Mitarbeiterschaft seines Sohnes Adolf.

Es galt nach des Monarchen Wunsch, die durch Fraunhofer für München gewonnene Führerschaft in der praktischen Optik dauernd der bayerischen Hauptstadt zu erhalten.

Die erforderlichen umfangreichen Vorarbeiten ruhten fast ganz auf den Schultern Adolf Steinheil’s, und trotzdem die Anstalt jede seiner Tagesstunden absorbirte, feierte er 2 Monate später am 31. Juli seine Promotion.

Justus von Liebig gab hierzu den Anstoss, indem er den jungen Gelehrten, dessen Begabung er schätzte, in freundschaftlicher Weise aufmunterte: »Ein Mann von Ihrem Wissen sollte doch seinen Doctor machen!« Adolf Steinheil musste aber die Zeit zur Vorbereitung seiner Dissertation den der Erholung bestimmten Stunden der Nachtruhe absparen.

Die einzige Erquickung bildeten seine Lieblingswissenschaften Botanik und Entomologie, wie ja auch seine umfangreichen Sammlungen bis in die späteren Jahre, wo sein Augenleiden die Pflege derselben unmöglich machte, für ihn ein Quell ungetrübter Freude blieben.

Im Jahre 1860 trat Eduard Steinheil (Bruder des Dr. A. Steinheil) in die Firma und erhielt Adolf die Procura.

Im Jahre 1862 wurde die optische und astronomische Werkstätte von Schwabing nach München verlegt.

Am 4. November 1865 trat der Vater Dr. Carl August von Steinheil, k. b. Ministerialrath und Academiker, aus der Firma und übernahm Adolf Steinheil käuflich das Institut, wobei er sich mit seinem Bruder Eduard associirte.

Seitdem ist alles, was dort wissenschaftlich geleistet wurde sein ausschliessliches Verdienst.

Ein in den »Münchener Neuesten Nachrichten« enthaltener Nekrolog citirt mit Genugthuung den Ausspruch Dr. Jos. Eders: »Vom Jahre 1865 datirt eine neue Epoche der Objectivconstructionen. Es gebührt Dr. Ad. Steinheil das Verdienst, das erste aplanatisch-symmetrische Objectiv construirt zu haben. Er übersandte es am 20. Juli 1866 an Monckhoven.«

In das Jahr 1865 fällt die Construction der Periskope sowie jene der Fernrohrobjective mit Vorausstellung der Flintglaslinse, wodurch die von dem Objective entworfenen Bilder ausser der Achse richtiger und freier von Reflexen gewonnen werden; endlich die der neuen Mikrometeroculare, aus drei zusammengesetzten Linsen (monocentrische Oculare). Doch die Vollendung des Typus der Aplanate und ihre Patentirung fällt bereits ins Jahr 1866.

1867 erhielt Dr. Steinheil auf der Pariser Weltausstellung die goldene Medaille für Optik (Aplanate) und die bronzene für das erste Exemplar der Weitwinkelaplanate. Im Jahre 1868 wurde ihm die goldene Medaille für die Aplanate auf der photographischen Ausstellung in Hamburg verliehen, bei welcher Schreiber dieser Zeilen neben Dr. Julius Stinde als Juror functionirte. Lebendig steht Steinheil’s Bild in seiner Erinnerung, die schlichte fast schüchterne Erscheinung, mit dem sympathischen Ausdrucke, welcher sich aus dem treuherzigen Auge und der hohen Denkerstirne zusammensetzte. Der Vollbart, den er damals trug, gab ihm zwar ein männlich kräftiges Aussehen, war aber von jeder Koketterie oder besonderer Zierlichkeit weit entfernt, gewissermassen nur zufällig vorhanden. Es war an ihm alles echt, bestimmt, klar, wie das Sprichwort sagt: ein Mann ein Wort. Mit der Logik des Mathematikers beurtheilte sein Geist auch die Erscheinungen und Begebenheiten der Tagesgeschichte.

Als eine Frucht unserer Begegnung in Hamburg ist wohl jene Publication zu betrachten, die Dr. Adolf Steinheil im Märzhefte 1869 der Photographischen Correspondenz unter dem Titel: »Das Prüfen und Wählen der Photographen-Objective« in Druck gab, in welcher er versuchte die Elemente der praktischen Werthbestimmung der Objective dem Fachpublicum populär zu vermitteln.

In das Jahr 1868 fiel auch noch die Abänderung der Firma C. A. Steinheil in C. A. Steinheil’s Söhne.

Zu jener Zeit war bereits der Ruf des gelehrten Optikers so allgemein begründet, dass ihm seine Mitbürger auch in politischen und wirtschaftlichen Dingen ihr Vertrauen schenkten und ihn in den Gemeinderath von München beriefen, wo er von 1870 bis 1881 segensvoll wirkte.

Im Jahre 1871 construirte Dr. Adolf Steinheil die Weitwinkel-Aplanate für Reproductionsarbeiten über Verlangen des österr. Kriegsministeriums zum Gebrauche des Militär-Geographischen Institutes.

In das Jahr 1872 fällt die Construction der aplanatischen Objective zur Photographie der Himmelskörper (Astrophotogr. Objective) anlässlich des Venusdurchganges. Und im selben Jahre, am 25. August, wurde ihm die königl. bayr. Ludwigsmedaille für Kunst und Industrie verliehen, zwei Jahre später, am 24. April 1874, das Ritterkreuz des Franz-Josefs-Ordens.

Im Jahre 1878 verlor Steinheil seinen Bruder Eduard, der ihm einen so grossen Theil der Geschäftssorgen abgenommen hatte, indessen die technische Entwicklung seines Geschäftes wurde dadurch nicht gehemmt, sondern erreichte erst in den nächsten Jahren ihren Höhepunkt, denn 1879 nahm er das Reichspatent für Gruppen Aplanate und 1881 für die Antiplanete.

Hierbei hatte Dr. Steinheil den genialen Gedanken, dass er durch Combination zweier absichtlich entgegengesetzter fehlerhaft construirter Linsen zu einem besseren Resultate kommen würde, als durch die denkbar fehlerfreiesten.

Im Jahre 1882 erhielt Steinheil den bayr. Michaels-Orden I. Cl. für seine Thätigkeit als Juror bei der Kunst- und Industrie-Ausstellung in Nürnberg.

Wieder nach zwei Jahren, am 19. März 1884 erhielt er sein Reichspatent auf panorthische Doppelfernrohre. Das Jahr 1885 war für Steinheil verhängnisvoll. Wir wissen nur, dass er am grünen Staar leidend, sich am 9. October einer Operation unterziehen musste, dass jedoch trotz dieses operativen Eingriffes die Entzündung des rechten Auges weiter um sich griff und am 4. November 1885 die Entfernung desselben nöthig wurde, um wenigstens das zweite zu retten. Als ihm jede Anstrengung seiner Sehnerven ärztlich untersagt wurde, setzte er durch sein Rechenbureau gleichwohl die optisch-mathematischen Arbeiten fort und, unterstützt durch sein phänomenales Gedächtniss, konnte er vorgelesene Zahlenreihen im Geiste überprüfen und verbessern.

Im Jahre 1886 ernannte ihn die Photographische Gesellschaft in Wien zu ihrem Ehrenmitgliede, aber den Gipfelpunkt der Ehren und Anerkennung erreichte Steinheil im Jahre 1887 durch die Ernennung zum Mitgliede der internationalen Conferenz für Photographirung des Himmels Seitens der Pariser Academie. Es waren wesentlich nur Astronomen geladen, Steinheil war überhaupt der einzige Optiker, der diesem Congresse angehörte. Dort gab er auch die Bedingungen zu Protocoll nach denen die Objective zur Herstellung der Himmelskarten construirt werden mussten. »Niemals«, heisst es in dem oben erwähnten Blatte, »ist Dr. Adolf Steinheil in seinem Leben so geehrt und gefeiert worden, wie auf diesem internationalen Congresse in Paris, bei dem ihm und dem Professor Dr. J. M. Eder aus Wien zu Ehren ein Fest gegeben wurde.»

Persönlich ein Feind jedes Aufsehens, freute er sich still des Gethanen und so ist es gekommen, dass bis zu seinem Tode kaum bekannt wurde, mit welchen Ehren der Sohn Münchens bei jener Gelegenheit überhäuft wurde.

Wie indessen in wissenschaftlichen Kreisen die Sache betrachtet wurde, geht daraus hervor, dass er am 1. August desselben Jahres ins Curatorium der physikalisch tech. Reichsanstalt berufen wurde und im folgenden Jahre (1888) seine Ernennung zum ausserordentlichen Mitgliede der Academie der Wissenschaften in München erfolgte. Der grosse materielle Erfolg der optischen Werkstätte, welche von 1868–1890 30000 Objective fertiggestellt hatte (darunter einige von 33 bis 36 cm Oeffnung) machte es nöthig, dass neue, der Ausdehnung des Geschäftes entsprechende Räume geschaffen werden mussten und so verliess das Institut 1890 die bisherigen Localitäten in der Landwehrstrasse und übersiedelte nach der Theresienhöhe 7, allwo ein musterhafter Neubau aufgeführt wurde.

Diese letzte grosse Entwickelungsphase vollzog sich jedoch bereits unter den Auspicien des neuen Mitinhabers der Firma, seines Sohnes Dr. Rudolph Steinheil, der am 1. October jenes Jahres als öffentlicher Gesellschafter beitrat und im Geiste seines Vaters das Steuer mit kräftiger Hand führte.

Die folgenden Daten seines Lebensganges muthen uns an, wie jene Verfügungen, die jemand für den Fall seines voraussichtlichen Hinscheidens trifft. So hatte er 10000 Mk. zur Gründung einer optischen Prüfungsstation am Polytechnicum in München gewidmet, welche im Jahre 1891 ins Leben trat und von Prof. Dr. Ernst Voit geleitet wird. Mit diesem Gelehrten zusammen gab Steinheil auch sein »grosses Handbuch der angewandten Optik« heraus, wovon im Jahre 1891 der erste Band erschien.

Hier tritt eine unheimliche Pause in der Thätigkeit Dr. A. Steinheil’s ein, welche nur durch das Diarium seines ordinirenden Arztes ausgefüllt werden könnte.

Es folgte jene Leidensstation, welche von der Vorsehung dazu bestimmt zu sein scheint, die Liebe zum Leben abzuschwächen, und die uns den Tod nicht mehr als grösstes aller Uebel betrachten lässt. Diese Wandlung führte bei Steinheil die Bright’sche Nierenentzündung herbei.

Er verschied am 4. November 1893 und man wird im Verfolge dieser Zeilen die Ueberzeugung gewonnen haben, dass die Wissenschaft an ihm einen unermesslichen Verlust erlitten hat.

Wir aber können diese Chronik eines Genies nicht besser abschliessen, als mit den Worten des Nachrufes, den ihm am 7. November 1893 Prof. Eder in der Wiener Photographischen Gesellschaft hielt: »Das Andenken dieses im Leben so schlichten, in der Wissenschaft so hochstehenden Gelehrten wird ein unvergängliches sein!«

L. Schrank: Jahrbuch für Photographie und Reproduktionstechnik für das Jahr 1895. Halle a. d. Saale, 1895.

#ML – 45 (Weber)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Weber, Christian Freiherr von; 1785 (Rappoltsweiler) – 11.2.1862 (München); Generalleutnant
  • Weber, Wilhelm Freiherr von, Dr.; 1809 (Nymphenburg) – 15.11.1879 (München); Staatsrat

Grab der Familie Weber auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#Christian Freiherr von Weber

* 1785 (Rappoltsweiler)
† 11.2.1862 (München)
Generalleutnant

#Bayerische Zeitung (16.4.1862)

Christian Freiherr von Weber.

Nekrolog.

Wiederum ist einer jener Tapfern der großen Napoleonischen Epoche, dessen Brust das Ritterkreuz des Max-Josephs-Ordens zierte, zu Grabe getragen worden. Bald werden nur mehr alljährlich am 13. October in der Hofkirche zu St. Michael die Wappenschilde dieser Helden die Armee an ihren früheren Kriegsruhm erinnern.

Der Freiherr Christian von Weber, 1785 zu Rappoldsweiler im jetzigen oberrheinischen Departement des Kaiserthums Frankreich geboren, verlor schon frühzeitig seinen Vater, welcher nach dem Beispiele seiner Vorfahren in Zweibrückischen Hofdiensten stand. Dieses herzogliche Haus hatte mehrere Besitzungen in Frankreich und Regierungsrath Weber sollte, um diese zu retten, dieselben bei der Republik reclamiren. Als Aristokrat denuncirt, und in das Gefängniß nach Metz gebracht, entzog ihn der Tod durch den Spitaltyphus der Guillotine. Eine Wittwe und 3 Kinder beweinten ihn, doch Churfürst Max Josoph nahm sich der Hinterlassenen an und ließ die beiden Söhne in der Militär-Akademie in München erziehen. Als diese zufolge allerhöchsten Befehls vom 7. Sept. 1805 aufgelöst wurde, ging Christian als Cadet zum Leibregimente, und erhielt den 20. November das Unterlieutenantpatent im 2. Infanterie-Regimente Churprinz.

Kaum stand er im Felde, so bekam er einen Brief von seiner Mutter, welche ihn beschwor, nach Frankreich zurückzukommen, indem ihr Confiscation des Vermögens, ja noch größere Gefahr drohe, da alle Conscriptionspflichtigen einberufen seien. Zu dieser Verlegenheit traf es sich glücklich, daß Weber als Curier nach München geschickt wurde, wo sich gerade Kaiser Napoleon befand. Weber stellte sich dem König vor, welcher versprach, sich seiner anzunehmen, ihm aber auch die Schwierigkeiten nicht verhehlte, und ihm in das auf den Abend festgesetzte Hofconcert zu kommen befahl, ihm eine Säule bezeichnend, wo er sich aufstellen solle, damit ihn der König im Auge haben könne. Rechtzeitig steht der Lieutenant auf seinem Posten, der Saal füllt sich mit Gästen, endlich treten auch beide Monarchen ein. Nach den üblichen Ceremonien nehmen die Herrscher Platz, und er sieht, wie der König eifrig mit dem Kaiser spricht, dieser aber lebhaft mit dem Kopfe schüttelt. Plötzlich erhebt sich Napoleon, geht gerade auf Weber los, ergreift ihn an der Brust Und sagt: »Quoi, mon enfant, tu ne veux pas servir sous moi?« Dieser hält ruhig des Kaisers Blick aus, schildert ihm, wie er schon im 2. Lebensjahre seinen Vater verloren, der König sich seiner angenommen, ihn erziehen lassen, daß er ihm Alles verdanke und deshalb bitte, unter den bayerischen Fahnen fortdienen zu dürfen. Napoleon, dem diese Sprache gefällt, erwiedert: »Tu as raison, tu es un brave garcon,« ruft Cambacères, ertheilt ihm die nöthigen Befehle und des andern Tags hat der Glückliche die Befreiung von der Conscription mit Beibehaltung seiner Rechte als französischer Bürger. – Vielleicht das einzige Beispiel dieser Art.

Im folgenden Jahre machte Weber den Feldzug gegen Preußen mit, und erhielt 1808 die Stelle als Bataillons-Adjutant. In der Schlacht bei Abensberg, den 19. April 1809, wo Kronprinz-Infanterie von halb 1 Uhr Mittags bis Abends 5 Uhr ununterbrochen im Gefechte war, zerschmetterte eine Musketenkugel ihm die Mittelhandknochen des dritten und vierten Fingers der rechten Hand. Er bemerkte jedoch in der Hitze des Gefechts die Wunde nicht, die ihm bis an sein Lebensende einen steifen Finger verursachte; nur als ihm der General, zu welchem er mit einer Meldung gesendet war, darauf aufmerksam machte, äußerten der Schmerz und der Blutverlust ihre Wirkung. Nach einigen Wochen rückte er wieder zum Dienste ein und mit dem Regimente nach Tirol.

1812 marschirte Weber als Brigade-Adjutant mit Generalmajor Graf Rechberg nach Rußland, und machte all' das große Elend mit; nur war es ihm gelungen, durch seine liebenswürdige Persönlichkeit den deutschen Verwalter eines polnischen Edelhofes zu gewinnen. Dieser beschrieb ihm die Gefahren, welchen sich die Armee im Laufe eines Feldzugs in Rußlands unwirthlichen Gegenden aussetze, weßhalb Weber schon im Hochsommer Schafpelze für die Personen des Stabs kaufte und einen gehörigen Vorrath Zwieback aus Weizenmehl bereitet in seine Fourgons verpackte, wodurch er lange Zeit das höchste Elend ferne hielt. Auf dem Rückmarsche war Weber als Divisions-Adjutant dem General Lamotte zugetheilt. Am 11. Dezember war die 1. Armee-Division auf dem Rückzuge von Wilna nach Kowno von der Hauptcolonne durch ihre auf des französischen Marschalls Ney Befehl geschehene Entsendung ganz abgeschnitten, beinahe völlig aufgelöst, und allenthalben von Kosaken umringt. Durch Webers kluge Anleitung entging sowohl der General als auch die in seinem Gefolge befindlichen Obersten Graf Waldkirch und von Hertling, sowie der Major Graf Seiboltsdorff der Gefangenschaft und kamen glücklich auf das rechte Ufer des Niemen.

Den 20. Januar 1813 rückte die Brigade Zoller und mit ihr Weber, der seit dem 29. November v. Js. zum Hauptmann befördert war, nach Thorn. Hier wurden alle Anstrengungen aufgeboten, die in schlechtem Zustand befindliche Festung haltbar zu machen, doch schon den 31. d. Mts. entsendete der Gouverneur den Hauptmann Weber nach München, wo er über die traurige Lage der Thorner Garnison genauen Bericht erstatten sollte. Die Festung war bereits vollständig von den Russen eingeschlossen, und es war diese Reise eine mißliche Aufgabe. Um den Hauptmann, der selbstverständlich in Civil aus der Festung und durch das feindliche Preußen zu kommen trachtete, nicht zu compromittiren, erhielt er gar nichts Schriftliches mit, sondern als Legitimation eine durchgerissene Spielkarte, deren andere Hälfte bereits nach München vorausgeschickt war, und viel Geld. Durch das trockene Bett der abgeleiteten Weichsel gelangte Weber in's Freie, wo ein Jude mit 3 Pferden seiner wartete, und fort ging's, von einem Pferd auf das andere und von den Händen des einen Juden in die des andern, durch 3 Tage und ebensoviele Nächte, bis er todtmüde an der österreichischen Gränze ankam, wo er sich in einen Postwagen warf, und sicher seinem Bestimmungsorte zueilte.

Den 10. September 1813 wählte Generalmajor Graf Pappenheim den Hauptmann Weber als Brigade-Adjutanten, und bald sollte sich diese Wahl rechtfertigen.

Seit der Mittagsstunde des 30. Octobers stand Pappenheim, welcher mit seiner Infanterie-Brigade zur Division des General Grafen Beckers auf dem rechten Flügel der bayerisch-österreichischen Armee gehörte, jenseits der Kinzig im Gefechte, als Abends 4 Uhr die Brigade Zoller Befehl erhielt, ihn abzulösen. Kaum rückte diese in die Linie ein, als die Franzosen ihre versuchten Garden auf beide Brigaden warfen und diese, von der Uebermacht gedrängt, geworfen, und größtentheils in die Kinzig gesprengt wurden, wo viele ertranken.

Pappenheim, unterstützt von Weber und einigen andern Offizieren hielt glücklich einen Theil seiner Leute zusammen und besetzte die Kinzigbrücke, welche die Franzosen heftig beschossen, wobei eine platzende Granate dem tapfern Generale das Pferd unter dem Leibe tödtete. Ein mörderischer Kampf Mann gegen Mann begann mit Bajonet, Säbel und Kolben; besonders letztere gebrauchten unsere Soldaten und Weber versicherte oft, daß ihm die Erinnerung an das Krachen der eingeschlagenen Schädel und der zerschmetterten Knochen noch über die Schauder des russischen Feldzugs ginge!

Immer mehr wuchs die Zahl der Feinde, immer kleiner und müder wurde der Bayern tapferes Häuflein und die wichtige Brücke mußte um jeden Preis erhalten werden, denn sonst war nicht nur die eigene Artillerie verloren, sondern der Feind erreichte den Main früher als der linke Flügel, wo Wrede rastlos kämpfte, und dessen Rückzug durch Hanau war unmöglich.

Weber, welcher die dringende Gefahr erkannte und sah, daß hier ein frisches Bataillon unumgänglich nöthig war, sprengte zu der rückwärts des Lehrhofes aufgestellten Reserve, aus k. k. österreichischen Grenadiren unter dem General von Trautenberg bestehend. Dieser, schon früher von General Beckers um Verstärkung angegangen, erwiderte beidemale: »Er habe die Reserve, und dürfe ohne Befehl des Commandirenden keine Bewegung vorwärts machen.« Wrede aber war jenseits Hanau mitten im Schlachtgewühle! Glücklicherweise stand noch ein bayerisches Bataillon neben dieser Reserve, unter Major von Zurnieden, welches aus Nachzüglern und jungen Leuten zusammengesetzt war. Unterstützt durch diesen braven Officier brachte Weber dasselbe vor, doch als es in's feindliche Feuer gerieth, fing es an zu wanken und einzelne Leute begannen ohne Befehl zu feuern. Doch blieb Weber trotz der Gefahr von seiner eigenen Mannschaft erschossen zu werden, vor der Fronte und brachte das Bataillon an Ort und Stelle, wo es dann wacker angriff und das Gefecht wieder herstellte. Weber, der nun vom Pferde sprang, um seinen General beritten zu machen, stellte sich, obgleich durch einen Prellschuß am rechten Schenkel verletzt, an die Spitze der Stürmenden, welche nicht nur die Brücke, sondern auch ein dieselbe beherrschendes, jenseits der Kinzig stehendes Haus wieder nahmen. Nun kamen auch die zersprengten Bataillons der Division, welche sich rückwärts gesammelt hatten, wieder vor, und der Besitz der Brücke blieb erhalten.

Das Ritterkreuz des Max-Joseph-Ordens belohnte den tapfern Adjutanten, welcher sich im December 1813 beim Rhein-Uebergang bei Basel, während der ersten Cernirung der Festung Hüningen, besonders aber im März 1814 bei Belagerung der Festung Schlettstadt durch Eifer, Muth und Ueberlegung auszeichnete.

Weber hatte sich in Rußland die Füße erfroren, und deßhalb die nachgesuchte Versetzung zum 7. Chevauxlegers-Regimente den 22. Februar 1815 erhalten. Prinz Carl, Commandant der Cavalerie-Division, wählte den verdienstvollen Rittmeister zu seinem Generalstabsofficier, und bei der Rückkehr nach Bayern im Herbste desselben Jahres zu seinem zweiten Adjutanten; und seit dieser Zeit war Weber bis zu seinem Ende ein treuer Diener, er war noch mehr, ein wahrer Freund seinem Königlichen Herrn. Noch im Laufe des Jahres 1815 verlieh der Kaiser von Oesterreich das Ritterkreuz des Leopold-Ordens (Kriegsdecoration) und der Kaiser von Rußland den St. Wladimir-Orden 4. Classe dem tapfern Weber.

Den 26. September 1847 sollte ihm wegen zurückgelegter 50 Dienstjahre das Ehrenkreuz des Ludwigs-Ordens feierlich übergeben werden, doch schon damals war er so kränklich, daß er sich veranlaßt fühlte, um einfache Uebersendung der Decoration nachzusuchen.

Während seiner langjährigen Dienstleistung bei dem Prinzen erhob ihn König Max I. im Jahre 1818 in den Freiherrnstand und beehrten ihn mehrere Monarchen mit Ordensauszeichnungen.

Seit 1817 Major, kam Weber im folgenden Jahre in den General-Quartiermeisterstab, in welchem er bis zum General-Lieutenant vorrückte.

Im Jahre 1830 wollte Königin Hortense, welche damals in Augsburg wohnte, ihren Sohn Ludwig Napoleon, zu seinem Vater, dem ehemaligen König von Holland, nach Rom schicken. Die besorgte Mutter wünschte für den jungen Herzog von St. Leu außer seiner geistlichen Begleitung einen militärischen Reisegefährten. Prinz Carl bot ihr hierauf seinen erprobten Adjutanten, den Oberstlieutenant Weber als Reisebegleiter an und dieser führte den jungen Prinzen glücklich in die Arme seines Vaters.

Prinz Carl ernannte 1841 den Obersten Christian Freiherrn von Weber zu seinem Hofmarschall, welcher Erhebung bald die Beförderung zum Generalmajor folgte. Doch waren diese Dienstleistungen häufig von Krankheiten, welche ihren Grund in den während der Feldzüge ausgestandenen Strapazen und Verwundungen hatten, unterbrochen; so daß 1849 Weber sich veranlaßt sah, um seine Pension als General-Lieutenant nachzusuchen.

Noch wirkte der freundliche Greis, geliebt von allen, die in seiner Nähe weilten, als Hofmarschall, in welcher Eigenschaft er auch seinen gnädigsten Herrn alljährlich nach Tegernsee begleitete, bis der Tod dem müden Wanderer am 11. Februar d. J. die Augen schloß.

Bayerische Zeitung Nr. 91. Mittwoch, den 16. April 1862.

#Dr. Wilhelm Freiherr von Weber

* 1809 (Nymphenburg)
† 15.11.1879 (München)
Staatsrat

#Allgemeine Zeitung (16.11.1879)

Neueste Posten.

München, 15 Nov. Der in der Nacht von gestern auf heute erfolgte Tod des Staatsraths im außerordentlichen Dienst Dr. Wilhelm v. Weber wird Ihnen schon von anderer Seite gemeldet worden sein. Einige kurze Notizen über den Lebensgang dieses bedeutenden Mannes dürften wohl weitere Kreise interessiren. Der Verstorbene, geboren zu Nymphenburg 1809, fand seine erste Anstellung im Jahr 1838 als Geheimsecretär im Staatsministerium des Aeußern und avancirte, von einer kurzen Unterbrechung im Jahr 1849 abgesehen, wo er einem Rufe nach Frankfurt a. M. als Ministerialrath im Reichsministerium folgte, in der gewöhnlichen ministeriellen Carrière bis zum Staatsrath und ersten vortragenden Rath in unserem auswärtigen Amte. Seine Thätigkeit war namentlich den Zoll- und Handelsangelegenheiten gewidmet, wofür ihn hervorragende Sachkenntniß, die sich bis in die technischen Gebiete erstreckte, vorzüglich befähigte. Die Energie und Sachkunde mit welcher er sich im Anfang der 60er Jahre an dem Widerstand gegen den französischen Handelsvertrag betheiligte, ist noch in vielfacher Erinnerung. Ein großer Theil der Eisenbahn- und Telegraphenverträge Bayerns mit den Nachbarstaaten ist von ihm verhandelt und abgeschlossen worden. Nach der unter seiner thätigen Mitwirkung vollzogenen Reconstruction des Zollvereins im Jahr 1867 fungirte Weber durch mehrere Jahre als Vertreter Bayerns im Zollbundesrath, welcher ihn mit wichtigen Referaten betraute. Er war es auch der mit Reichsvollmacht einen großen Theil der auf den Friedensvollzug bezüglichen diplomatischen Verhandlungen mit Frankreich leitete und mit den Vertretern der Republik die bekannte Zusatzconvention vom 11 December 1871 abschloß, durch welche eine Reihe schwieriger Détail-Fragen befriedigende Erledigung fand. Seit einer Reihe von Jahren fungirte Weber neben seinen vielfachen anderen Aufgaben als Vertreter Bayerns in der Centralrheinschifffahrtscommission. Es existirt von ihm auch ein im Jahr 1869 erschienenes sehr verdienstliches Buch über den »Deutschen Zollverein, Geschichte seiner Entstehung und Entwicklung,« welches wohl die Veranlassung dazu gab daß ihn die Universität München im Jahr 1872 zum Ehrendoctor creirte. Mit einem sehr lebhaften Geist und umfassenden Kenntnissen verband Weber eine Trefflichkeit und Biederkeit des Charakters welche jeden mit Achtung erfüllte der zu ihm in Beziehung trat. Von ausnehmender Schlichtheit des Wesens, jeder prunkenden Auszeichnung feind, schritt er, seine Pflicht jederzeit vor Augen, in bescheidener Stille durchs Leben, und nur in verhältnismäßig engen Kreisen ist der Einfluß und die Bedeutung bekannt welche sein geschäftliches Wirken in mehreren sehr wichtigen Momenten der politischen Entwicklung unseres Vaterlandes gehabt hat.

Allgemeine Zeitung Nr. 320. Sonntag, den 16. November 1879.

#ML – 46·47 (Steinheil)


Grab der Familie Steinheil auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#ML – 48·49 (Steinheil)


Grab der Familie Steinheil auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#ML – 50 (Klaussner)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Klaussner, Anna (vw); – August 1887; Rechtsrats-Witwe

Grab der Familie Klaussner auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

#ML – 51·52 (Feicht)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Feicht, Anna; – Juni 1903; Privatiere
  • Feicht, August; – August 1884; Privatier

Grab der Familie Feicht auf dem Alten Südfriedhof München (August 2014)

#ML – 57·58 (Allweyer)


von Allweyer’sche Grabstätte.

Linke Spalte
Joseph von Allweyer,
k. b. q. Appell. Gerichts-Präsident
Comthur der Verdienstorden
der bayerischen Krone u. vom
heiligen Michael.
geb. zu Schwarzenberg
den 2. Juni 1788
gest. zu München d. 5. Jänner 1870
Joseph von Allweyer
k. b. Oberst a. D. Ritter ¿
geb. zu Hof 8. Oktober 1848
gest. zu München 18. Mai 1934.

Mitte
Franzisca Augusta Josepha Wilhelmine
von Allweyer
geborne von ¿
Appell. Gerichts-Präsidentens-Gattin
u. ¿ Stiftsdame.
geb. zu München am ¿ July ¿
gest. zu ¿berg am ¿. Decbr. 18¿

Rechte Spalte
Max von Allweyer
kgl. P¿ in
Neuburg ¿

Liegestein
Bernhard von Allweyer
Kgl. Bayr. Kämmerer und Major a. D.
Inhaber des Militärverdienst-Ordens
u. des eisernen Kreuzes II. Klasse etc.
geb. 13. Oktober 1823, gest. 22. Januar 1890.
Max von Allweyer,
Premierleutnant im K. B. 16. Inf. Rgt.
geb. 6. Dezember 1860, gest. 1. September 1893.
Josef von Allweyer
geb. zu München den 6. August 1852.
gest. zu Starnberg den 12. Februar 190¿


  • Allweyer, Bernhard von; 13.10.1823 – 22.1.1890 (München), Tod durch Selbstmord; Kämmerer und Major a. D.
  • Allweyer, Franziska Augusta Josefa Wilhelmine von (vh) / Hartz, von (gb); 9.7.1795 (München) – 28.12.1850 (München); Appellationsgerichtspräsidentens-Gattin
  • Allweyer, Josef von; 2.6.1788 (Schwarzenberg) – 5.1.1870 (München); Appellationsgerichts-Präsident
  • Allweyer, Josef von; 6.8.1852 (München) – 12.2.1906 (Starnberg)
  • Allweyer, Josef von; 8.10.1848 (Hof) – 18.5.1924 (München); Oberst a. D.
  • Allweyer, Max von; 29.3.1822 (München) – 29.11.1884; Postmeister
  • Allweyer, Max von; 6.12.1860 – 1.9.1893 (Traunstein); Premierleutnant
  • Allweyer, Mina von; 10.2.1862 – 17.4.1909 (Nervi/Genua/Italien)
  • Allweyer, Therese von (vh) / Burkhardt (gb); 11.7.1822 – 24.9.1866; Domänendirektors-Tochter / Postmeisters-Gattin

Todesanzeige für Franziska von Allweyer

Todesanzeige für Bernhard von Allweyer

Todesanzeige für Max von Allweyer

Todesanzeige für Mina von Allweyer

Todesanzeige für Josef von Allweyer

Grab der Familie Allweyer auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familie Allweyer auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2014)

#Bernhard von Allweyer

* 13.10.1823
† 22.1.1890 (München), Tod durch Selbstmord
Kämmerer und Major a. D.

#Rosenheimer Anzeiger (26.1.1890)

Bayerische Nachrichten.

München, 24. Jan. (Selbstmord.) Der k. Kämmerer Major a. D. Bernhard v. Allweyer hat sich gestern in einem Anfall von Geistesstörung mittelst Pistolenschuß entleibt. Major v. Allweyer hat die Feldzüge von 1866 und von 1870/71 durchgemacht und wurde mit dem Militärverdienstorden, dem eisernen Kreuz und dem Mecklenburgischen Verdienstkreuz ausgezeichnet.

Rosenheimer Anzeiger No. 21. Tagblatt für Stadt und Land. Sonntag, den 26. Januar 1890.

#Josef von Allweyer

* 8.10.1848 (Hof)
† 18.5.1924 (München)
Oberst a. D.

#Münchner Neueste Nachrichten (22.5.1924)

Münchner Teil

Kurze Stadtnachrichten.
Ein tapferer Mitkämpfer in den Feldzügen von 1866 und 1870/71, Oberst a. D. Josef von Allweyer, wurde im alten Südfriedhof beerdigt. Offiziere und ein größerer Kreis anderer Leidtragender nahmen an der Trauerfeier teil. Das Pfarrgeleite von St. Anna vollzog die Einsegnung.

Münchner Neueste Nachrichten Nr 137. Donnerstag, den 22. Mai 1924.

#ML – 64 (Salcher)


Hier ruht in Gott
unser heissgeliebter
Gatte u. Vater
Herr Mathias Salcher
Privatier,
geb. 16. Sept. 1836, gest. 12. Juli 1909.
Ihm folgte seine treue Gattin
unsere beste Mutter
Frau Elisabeth Salcher
geb. 27. Januar 1842, gest. 14. Mai 1911.

R. I. P.

A. Lallinger.


  • Salcher, Elisabeth (vw) / Didusch (gb); 27.1.1842 – 14.5.1911 (München); Privatiers-Witwe
  • Salcher, Mathias; 16.9.1836 – 12.7.1909; Privatier

Todesanzeige für Elisabeth Salcher

Grab der Familie Salcher auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2014)

#ML – 66·67 (Muschler)


RUHESTAETTE DER FAMILIE MUSCHLER.

Linke Spalte
Ernst Muschler
geboren 3. Februar 1884,
gestorben 23. August 1886.

Rechte Spalte
Otto Muschler
geboren 31. März 1885,
gestorben 9. Mai 1886.

inv. et fecit R. Kosenbach.


  • Muschler, Ernst; 3.2.1884 – 23.8.1886 (München); Cafetiers-Sohn
  • Muschler, Otto; 31.3.1885 – 9.5.1886 (München); Cafetiers-Sohn

Grab der Familie Muschler auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

Grab der Familie Muschler auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

Grab der Familie Muschler auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

Grab der Familie Muschler auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

Grab der Familie Muschler auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

Grab der Familie Muschler auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#ML – 68·69 (Ehrl · Greif)


Grabstätte der Familie Greif.

Hier ruhen:
unser lieber Gatten u. Vater
Herr Johann Greif, Privatier,
geb. 8. Aug. 1808 in Schongau,
gest. 3. Nov. 1886 in München.
Ihm folgte seine treue Gattin
Frau Theresia Greif,
geb. Däntl, verw. Ehrl,
geb. 6. Mai 1807, gest. 25. Juni 1889.
Frau Anna Greif, Privatiersgattin
geb. 29. Sept. 1852, gest. 27. Sept. 1901.
Frau Creszentia Greif,
Rentiers-Gattin,
geb. 8. Jan. 1842 zu Sallach
bei Geiselhöring,
gest. 19. Nov. 1911 zu München.
Ihnen folgte mein teurer, unvergesslicher Gatte
Herr Johann Greif
Ökonomierat,
geb. 11. Okt. 1840 zu München, gest. im fast 81. Lebensjahre
am 20. Sept. 1921

68-69. Schneider

Tafel
Frau Josefine Greif
Oekonomierats-Witwe
20.9.1863 – 13.12.1940.

Linke Seite
Hier ruhen:
Herr Xaver Ehrl,
bgl. Jungmetzgermeister,
geb. 10. Feb. 1801, gest. 25. März 1830.
Herr Josef Greif, Privatier,
geb. zu Schongau,
gest. 9. Dez. 1873 in München.
Herr Ludwig Greif,
Cafetier,
geb. 22. Aug. 1847, gest. 17. Jan. 1874.
Unser lieber Bruder
Herr Josef Greif,
Privatier,
geb. 21. Dez. 1849, gest. 27. Nov. 1913.


  • Ehrl, Xaver; 10.2.1801 – 25.3.1830; Jungmetzgermeister
  • Greif, Anna (vh); 29.9.1852 – 27.9.1901 (München); Privatiers-Gattin
  • Greif, Johann; 11.10.1840 (München) – 20.9.1921; Ökonomierat
  • Greif, Johann; 8.8.1808 (Schongau) – 3.11.1886 (München); Privatier, ehemalige Metzgermeister
  • Greif, Josef Anton; (Schongau) – 9.12.1873 (München); Privatier
  • Greif, Josef; 21.12.1849 – 27.11.1913 (München); Privatier
  • Greif, Josefine (vw); 20.9.1863 – 13.12.1940; Ökonomierats-Witwe
  • Greif, Kreszentia (vh); 8.1.1842 (Sallach bei Geiselhöring) – 19.11.1911 (München); Rentiers-Gattin
  • Greif, Ludwig; 22.8.1847 – 17.1.1874 (München); Cafetier zur »Germania«
  • Greif, Theresia (vw) / Ehrl (vw) / Däntl (gb); 6.5.1807 – 25.6.1889; Jungmetzgers-Witwe / Privatiers-Witwe

Todesanzeige für Josef Anton Greif

Todesanzeige für Ludwig Greif

Danksagung für Ludwig Greif

Todesanzeige für Johann Greif

Todesanzeige für Josef Greif

Grab der Familien Ehrl · Greif auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2012)

#ML – 70·71 (Lauterer)


Dem edlen Menschenfreund

Hier ruht
Max Lauterer
Privatier
Geb. 7. Nov. 1814 zu München,
Gest. 3. Mai 1893 z. Schliersee.


  • Lauterer, Max; 7.11.1814 (München) – 3.5.1893 (Schliersee); Privatier, ehemaliger Kaufmann

Grab der Familie Lauterer auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2012)

Grab der Familie Lauterer auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

#Max Lauterer

* 7.11.1814 (München)
† 3.5.1893 (Schliersee)
Privatier, ehemaliger Kaufmann

#Rosenheimer Anzeiger (9.5.1893)

Schliersee, 6. Mai. (Todesnachricht.) dahier starb vorgestern im Alter von 78 Jahren der Privatier und Hausbesitzer Hr. M. Lauterer. Dem nun Verstorbenen verdankt die Gemeinde Schliersee ihr neues Schulhaus, zu dessen Erbauung der edle Wohlthäter s. Zt. ein Kapital von 80,000 Mk. gegen mäßige Verzinsung der Gemeinde übermacht hatte. Nach seinem Tode nun fällt die Summe der Gemeinde als Erbantheil zu. Wie wir hören, hat Herr Lauterer weiteres einen erheblichen Theil seines Nachlasses seiner Heimathgemeinde München zu Wohlthätigkeitszwecken testamentarisch ausgesetzt. Ehre seinem Andenken!

Rosenheimer Anzeiger No 106. Dienstag, den 9. Mai 1893.

#ML – 77·78 (Lettenbaur)


Familie Lettenbaur.

Herr Ludwig Lettenbaur
* 18¿ † 1870
Frau Maria Lettenbaur
geb. Schneider. Gastwirtswitwe
* 1845 † 1873
Frau Babette Lettenbaur
geb. Bösmüller
* 1860 † 1908
Herr Ludwig Lettenbaur
¿ † 1945
¿ Erding.

Schneider.


  • Lettenbaur, Babette (vh) / Bösmüller (gb); 1860 – 12.1.1908 (München); Vertreters-Gattin
  • Lettenbaur, Ludwig; – 12.12.1870 (München), 27 Jahre alt; Gastwirt
  • Lettenbaur, Ludwig; – 1945
  • Lettenbaur, Maria (vw) / Schneider (gb); 1845 – 1873; Gastwirts-Witwe

Todesanzeige für Babette Lettenbaur

Grab der Familie Lettenbaur auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2014)

#ML – 79·80 (Hallberg · Salern)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Hallberg auf Kammeregg, Josefa Freifrau von (vh) / Salern, Gräfin von (gb); ¿.12.1766 – 14.3.1830 (München); Generalleutnants-Gattin
  • Hallberg auf Kammeregg, Karl Theodor Freiherr von; 20.1.1752 – 20.9.1840 (München); Generalleutnant
  • Salern, Sofie Gräfin von; – 21.12.1858 (München), 64 Jahre alt; St. Anna-Ordens Ehrens-Stiftsdame

Todesanzeige für Sofie Gräfin von Salern

Grab der Familien Hallberg · Salern auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

#ML – 81 (Franke · Reuter)


Hier ruhet
I. F. Reuter
k. Preußischer Geheimer Rath
und Zollvereins-Bevollmächtigter
nebst seinen drei Kindern u. seiner Schwieger-
Mutter Wilhelmine Franke.
Die trauernden Hinterbliebenen weinen
Ihnen aus der Ferne nach.

Herr ¿ soll ich mich trösten
Ich hoffe auf dich.


  • Franke, Wilhelmine (vh)
  • Reuter, I. F.; Geheimrat

Grab der Familien Franke · Reuter auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#ML – 84·85 (Beindl)


Hier ruhet
Frau Anna Beindl
geb. zu Kloster Polling den 6. April 1806,
gest. den 25. Mai 1879
Ihr folgte ihr Gatte
Herr Jos. Beindl,
geb. zu Augsburg den 16. Oktober 1804,
gest. den 21. Oktober 1885.
Am 2. März 1903 starb
Fräulein Anna Beindl
im 60. Lebensjahre.
Ruhe in Frieden!
Ihnen folgte
Herr Karl Beindl
Rentier
geb. den ¿ Mai 18¿ gest. den ¿ Juni 19¿

R. I. P.

Beindl’sches Familien-Grab.


  • Beindl, Anna; – 2.3.1903 (München), 60 Jahre alt; Privatiere
  • Beindl, Anna (vh); 6.4.1806 (Kloster Polling) – 25.5.1879 (München)
  • Beindl, Jos.; 16.10.1804 (Augsburg) – 21.10.1885
  • Beindl, Karl; ¿.5.18¿ – 18.7.1910 (München), 71 Jahre alt; Rentier

Todesanzeige für Anna Beindl

Todesanzeige für Karl Beindl

Grab der Familie Beindl auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#ML – 86·87 (Maurer)


Büste
LUDWIG MAURER UNIVERSITÄTSPROF.
GEB. 11. DEZ 1859 GEST. 10. JAN. 1927

Liegestein
Die Inschrift ist nicht erhalten


  • Maurer, Georg Ritter von, Dr. jur.; 2.11.1790 (Erpolzheim bei Bad Dürkheim/Rheinl.-Pfalz) – 9.5.1872 (München); Rechtshistoriker und Staatsrat
  • Maurer, Johanna Wilhelmina Friederike (vh) / Heydweiller (gb); 29.9.1798 – 15.6.1831 (München); Staatsrats-Gattin
  • Maurer, Ludwig, Dr.; 11.12.1859 (München) – 10.1.1927 (München); Mathematiker

Todesanzeige für Dr. Ludwig Maurer

Grab der Familie Maurer auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

Grab der Familie Maurer auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

Grab der Familie Maurer auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2014)

#Dr. jur. Georg Ritter von Maurer

* 2.11.1790 (Erpolzheim bei Bad Dürkheim/Rheinl.-Pfalz)
† 9.5.1872 (München)
Rechtshistoriker und Staatsrat

#Unsere Zeit (1872)

Am 26. April 1872 starb zu München der namentlich als Mitglied der Regentschaft in Griechenland vielgenannte Georg Ludwig von Maurer. Er wurde am 2. Nov. 1790 zu Erpolsheim bei Dürkheim in der bairischen Rheinpfalz geboren und legte den ersten Grund zu seiner wissenschaftlichen Bildung auf dem Gymnasium zu Heidelberg. Während der Jahre 1808–11 trieb er an der dortigen Universität juristische Studien und ging alsdann nach erlangtem Doctorgrade im Jahre 1812 nach Paris, wo es namentlich Rechts-, Cultur- und Geschichtsstudien waren, welche ihn fesselten und denen er seine Zeit fast ausschließlich widmete. Diese Studien trugen ihm Früchte, als er nach seiner im Frühling des Jahres 1814 stattgehabten Rückkehr ins Vaterland in Mainz als Mitarbeiter am Kreisgerichte Beschäftigung fand. Seine eingehende Bekanntschaft mit dem französischen Rechte qualificirte ihn zu einer solchen Verwendung in hohem Grade. In Speier, wohin er in gleicher Eigenschaft berufen wurde, fand er für die Anwendung seines Wissens ein noch größeres Feld, und nicht weniger an seinem Platze war er in Landau, wohin er von Speier als Substitut des Staatsprocurators ging. Im Jahre 1816 wurde er nach Zweibrücken versetzt, wo er ein Jahr lang als stellvertretender Generalstaatsprocurator thätig war. Er wurde alsdann als Appellations- und Revisionsgerichtsrath und im Jahre 1824 als Staatsprocurator beim Bezirksgerichte zu Frankenthal angestellt. Eine seiner hervorragendsten Schriften publicirte er um diese Zeit, seine »Geschichte des altgermanischen und namentlich altbairischen mündlichen Gerichtsverfahrens« (Heidelberg 1824), welche den Preis von der Akademie der Wissenschaften zu München erhielt. Auf dieses vortreffliche Werk ist seine Berufung an die münchener Universität im Jahre 1826 zurückzuführen. Er las daselbst deutsches Privatrecht, deutsche Reichs- und Rechtsgeschichte und französische Rechtsgeschichte. Einen Ruf an Eichhorn's Stelle nach Göttingen lehnte er im Jahre 1829 ab. Er wurde ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften, erhielt den Geh. Hofrathstitel und später den eines Staatsrathes und gewann eine immer einflußreichere Stellung. Im Winter des Jahres 1831 wurde er Reichsrath für die Lebensdauer und ein Jahr darauf Mitglied der Regentschaft in Griechenland. Im Einvernehmen mit dem Regentschaftspräsidenten Armansperg lag er seinen Pflichten in Griechenland mit seltener Gewissenhaftigkeit und treuer Hingabe an seine Aufgabe ob; bald indessen entfernte er sich von dem Präsidenten in mehr als Einer Frage und folgte fortan seinen eigenen Ansichten. Das Strafgesetzbuch, die Gerichts- und Notariatsordnung, die Gesetzbücher für Straf- und Civilverfahren und andere legislatorische Schriften für Griechenland waren Maurer's Werk. Beim Ausbruche der Zwistigkeiten innerhalb der Regentschaft trat er mit Energie und Umsicht gegen den Präsidenten Armansperg auf und veröffentlichte nach seiner im Jahre 1834 erfolgten Rückberufung nach Baiern eine Rechtfertigungsschrift unter dem Titel »Das griechische Volk in öffentlicher, kirchlicher und privatrechtlicher Beziehung vor und nach dem Freiheitskampfe bis zum 31. Juli 1834« (3 Bde., Heidelberg 1836). Nach dem Falle des Abel'schen Ministeriums im Februarmonat des Jahres 1847 trat Maurer als Minister des Aeußern und der Justiz in das neue Ministerium ein. Bekanntlich hatte dieses Ministerium eine nur kurze Lebensdauer, da es am 30. Nov. 1847 sich auflösen mußte, um dem Ministerium Berks-Wallerstein die Bahn zu lassen. Maurer's Thätigkeit theilte sich von nun an zwischen seinem Wirken im Reichsrathe und einer fortgesetzten wissenschaftlichen Production. Er hat für die deutsche Rechtsgeschichte Bedeutendes geleistet. Wir heben unter seinen Arbeiten auf den verschiedenen Gebieten seiner Wissenschaft die nachstehenden hervor: »Grundriß des deutschen Privatrechts« (München 1828), »Ueber die bairischen Städte und ihre Verfassung unter der römischen und fränkischen Herrschaft« (München 1829), »Ueber die deutsche Reichsterritorial- und Rechtsgeschichte« (München 1830), »Die Ausgabe des Stadt- und Landrechts Ruprecht's von Freysing« (Stuttgart 1839), »Einleitung zu der Geschichte der Mark-, Hof-, Dorf- und Stadtverfassung« (München 1854), »Geschichte der Markenverfassung in Deutschland« (Erlangen 1856), »Geschichte der Fronhöfe, der Bauerhöfe und der Hofverfassung in Deutschland« (4 Bde., Erlangen 1862–63) und »Geschichte der Dorfverfassung in Deutschland« (Bd. 1 und 2, Erlangen 1865–66). Das Leben Georg Ludwig von Maurer's bezeichnet in politischer und wissenschaftlicher Beziehung eine weitgreifende und segensreiche Thätigkeit.

Unsere Zeit. Deutsche Revue der Gegenwart. Monatsschrift zum Conversationslexikon. Leipzig, 1872.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Maurer Georg Ludwig, Dr. jur., von, Ritter, 1790 (Erpolzheim bei Bad Dürkheim/Rheinl.-Pfalz) – 1872, Rechtshistoriker, Universitätsprofessor, Ministerverweser und Staatsrat; nach Studium zu Heidelberg und Paris trat M. in den bayerischen Staatsdienst und war als Substitut, später als Appellationsrat und Staatsrat an den Gerichten der Pfalz tätig; 1826 wurde M. Professor der deutschen Rechtsgeschichte und des deutschen Privatrechts an der Universität München und Mitglied der BAkdW; um zu verhindern, daß M. einem Ruf nach Göttingen folgte, ernannte ihn Ludwig I. 1829 zum Staatsrat im außerordentlichen Dienst, damit begann die Periode der staatsmännischen Wirksamkeit Ms.; seit 1831 Reichsrat der Krone Bayern, war er 1832/34 Mitglied des Regentschaftsrats für König Otto von Griechenland, zusammen mit K. von Abel, wo er ein Strafgesetzbuch, eine Gerichts- und Notariatsordnung sowie Verfahrungsordnungen für Straf- und Zivilverfahren für Griechenland verfaßte; 1847 war M. Ministerverweser des Justizministeriums und des Ministeriums des Königlichen Hauses und des Äußern sowie Staatsrat; M. hat sich durch seine rechtsgeschichtlichen Forschungen sehr verdient gemacht.

Hauptwerke: Geschichte des altgermanischen Rechtsverfahrens, Historische Darstellung der deutschen Gemeindeverfassung (12 Bde.).

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#ML – 88·89 (Beisler · Ehlinger · Schedel)


SCHEDEL-BEISLERSCHE
FAMILIENGRABSTÄTTE

Linke Spalte
KARL SCHEDEL
OBERPOSTRAT u. OBERPOSTMEISTER
* 11. FEBR. 1777 IN MANNHEIM
† 12. MÄRZ 1832 IN MÜNCHEN
HERMANN VON BEISLER
STAATSRAT u. PRÄSIDENT DES
OBERSTEN RECHNUNGSHOFES
* 21. MÄRZ 1790 IN BENSHEIM
† 15. OKTOBER 1859 IN MÜNCHEN
THERESE BEISLER GEB. CANISIUS
* 1. AUG. 1794 IN NORDENBECK
† 15. JUNI 1849 IN MÜNCHEN
MARIE BEISLER
* 27. JANUAR 1825 IN ANSBACH
† 29. OKTOBER 1872 IN MÜNCHEN
ANNA BEISLER VERH. EHLINGER
* 20. SEPT. 1826 IN PASSAU
† 14. JANUAR 1882 IN MÜNCHEN

Mitte
HERMANN KARL WILH. AUG. BEISLER
* 28. APRIL 1897 IN REGENBURG
FÄHNRICH IM 5. BJR u. STUD. JUR.
GEF. 7. MÄRZ 1917 IN DER DEULEMONT-
STELLUNG IN FLANDERN

Rechte Spalte
FRANZ EHLINGER
K. B. MAJOR A. D.
* 2. JULI 1804 IN ASCHAFFENBURG
† 21. SEPT. 1879 IN MÜNCHEN
HERMANN BEISLER
K.B. BEZIRKSAMTMANN A. D.
* 25. OKTOBER 1827
IN AUGSBURG
† 8. DEZEMBER 1895
IN REGENSBURG
EMILIE BEISLER
GEBORENE ZOTTMAYR
* 28. JULI 1829 IN MÜNCHEN
† 20. SEPTEMBER 1888
IN BERGEN
KARL BEISLER STUD. MED.
* 4. MÄRZ 1858 IN BERGZABERN
† 5. SEPTEMBER 1885 IN SOLLN

Sockel-Tafel
HERMANN BEISLER, REG. DIR. GEH. RAT
* 16. AUG. 1863 † 14. OKT. 1934


  • Beisler, Emilie Franziska Barbara (vh) / Zottmayr (gb); 28.7.1829 (München) – 20.9.1888 (Bergen); Bezirksamtmanns-Gattin
  • Beisler, Hermann; 16.8.1863 – 14.10.1934; Geheimrat
  • Beisler, Hermann; 25.10.1827 (Augsburg) – 8.12.1895 (Regensburg); Bezirksamtmann a. D.
  • Beisler, Hermann Karl Wilhelm August; 28.4.1897 (Regensburg) – 7.3.1917 (Flandern); Fähnrich
  • Beisler, Hermann Ritter von; 21.3.1790 (Bensheim an der Bergstraße) – 15.10.1859 (München); Bayerischer Innenminister
  • Beisler, Karl; 4.3.1858 (Bergzabern) – 5.9.1885 (München-Solln), Tod im Duell; Medizinstudent
  • Beisler, Marie; 27.1.1825 (Ansbach) – 29.10.1872 (München); Staatsrats-Tochter
  • Beisler, Therese (vh) / Canisius (gb); 1.8.1794 (Nordenbeck) – 15.6.1849 (München); Staatsrats-Gattin
  • Ehlinger, Anna (vh) / Beisler (gb); 20.9.1826 (Passau) – 14.1.1882 (München)
  • Ehlinger, Franz; 2.7.1804 (Aschaffenburg) – 21.9.1879 (München); Major a. D.
  • Schedel, Karl; 11.2.1777 (Mannheim) – 12.3.1832 (München); Oberpostrat

Todesanzeige für Emilie Franziska Barbara Beisler. † 20. September 1888.

Grab der Familien Beisler · Ehlinger · Schedel auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Hermann Ritter von Beisler

* 21.3.1790 (Bensheim an der Bergstraße)
† 15.10.1859 (München)
Bayerischer Innenminister

#Ansbacher Morgenblatt (18.10.1859)

München, 15. Okt. Im Befinden des Staatsraths v. Beisler war gestern Abends eine plötzliche Verschlimmerung eingetreten, und heute am frühesten Morgen erfolgte dessen Tod.

Hermann, Ritter v. Beisler, der Sohn eines kurmainzischen Beamten, wurde 1790 zu Bensheim in der Pfalz geboren. Er trat 1807 als Lieutenant in die bayerische Armee, wohnte dem Feldzuge in Tirol bei und kämpfte auch 1813 und wieder 1815, vom patriotischen Aufschwung ergriffen, gegen Frankreich mit. Inzwischen aber hatte er seinen Abschied aus dem regulären Dienst genommen und ward bald Generalsekretär im Justizministerium des Großherzogthums Frankfurt, bei dessen Organisation er mitgewirkt hatte; in Folge des ersten Pariser Friedens ging er mit dem Fürstenthum Aschaffenburg an Bayern über.

Nach längerem Volontärdienst im auswärtigen Ministerium zu München und bei der bayerischen Bundestagsgesandtschaft fungirte er in verschiedenen Städten als Regierungsrath, und machte sich als liberaler Charakter geltend. So gerieth er auch später, als Regierungspräsident in Niederbayern, mit dem Bischof Hochstetter in Passau und dem Minister Abel in Conflikt, indem er, wiewohl selbst Katholik, die verfassungsmäßigen kirchlichen Rechte der Protestanten mit Entschiedenheit vertrat, und ward 1848, wo er als Justiz- und Cultusminister in der deutschen Nationalversammlung, deren Mitglied er war, für die Kirche eine repräsentative Verfassung mit Theilnahme der Laien am Kirchenregiment verlangte, wegen dieser Kundgebung seines Portefeuilles enthoben.

Gleichwohl saß er aber dort auf der Rechten, stimmte gegen Aufhebung des Bundestages, und war unter den Ersten, welche der Versammlung die Befugniß zur Aufstellung einer endgültigen Gesammtverfassung ohne Vereinbarung mit den Particularregierungen, sowie der Errichtung eines Kaiserthums mit Ausschließung Oesterreichs, widersprachen.

Als hernach die bayerische Kammer in ihrer Adresse unmittelbare Einführung der deutschen Grundrechte verlangte, legte er das ihm inzwischen übertragene Portefeuille des Innern nieder und kehrte auf seinen bisherigen Posten als Staatsrath und Präsident des obersten Rechnungshofes zurück.

Beisler’s interessante Schriften: »Betrachtungen über Staatsverfassung und Kriegswesen« etc. (Frkf. 1822) und »Betrachtungen über Gemeindeverfassung« (Augsb. 1831) zogen ihm wegen ihrer Freimüthigkeit mancherlei Anfeindungen zu. Seine politischen Anschauungen waren aus liberalen und illiberalen Elementen eigenthümlich gemischt, wie schon diese kurzgefaßten Notizen deutlich machen. (Südd. Ztg.)

Ansbacher Morgenblatt Nr. 244. Dienstag, den 18. Oktober 1859.

#Das große Conversations-Lexicon für die gebildeten Stände (1853)

Beisler, Hermann, Ritter von, bayer. Staatsrath und Präsident des obersten Rechnungshofs, vormals Minister des Kultus und des Innern, Sohn eines kurmainzischen Beamten, wurde 1790 zu Bensheim an der Bergstraße geboren. Er trat 1807 als Lieutenant in die bayer. Armee, wohnte den Feldzügen in Tyrol bei, nahm aber dann aus Familienrücksichten den Abschied und widmete sich, nach vollendeten Universitätsstudien, dem Civilstaatsdienst.

Er war Generalsekretär im Justizministerium des Großherzogthums Frankfurt, bei dessen Organisation er mitgewirkt hatte, als das Jahr 1813 ihn unter die Fahnen rief. Als Hauptmann und Adjutant trug er viel zur Herstellung des spessarter Landwehrbataillons bei, das dem im französischen Süden operirenden Corps des Prinzen von Hessen-Homburg eingereiht ward.

Nach dem ersten pariser Frieden ging B. mit dem Fürstenthum Aschaffenburg an Bayern über und erhielt bei der damaligen Hofkommission zu Aschaffenburg eine Stelle als Civilbeamter. Im Jahr 1815 griff er jedoch abermals zu den Waffen und wohnte dem Feldzuge als Hauptmann in einem der bayer. Legionsbataillone bei. Nach dem Frieden blieb er im Militärdienst, arbeitete aber, um dem Garnisonleben zu entgehen, mehrere Jahre als Volontär im auswärtigen Ministerium zu München, dann bei der bayer. Bundestagsgesandtschaft. Da ihm letztere Stellung nicht behagte, wandte er sich wieder dem Civildienste zu und fungirte als Regierungsrath in Ansbach, Passau, Augsburg und Regensburg. In letztern Orte war er auch Vorstand der Aktiengesellschaft, welche die bayer. Donauschifffahrt begründete und trat an die Spitze des dortigen Polenkomité’s, des ersten in Deutschland.

Trotz der Ungunst, die ihm seine liberale Gesinnung in den höheren Regionen bewirkte, ernannte man ihn doch zum Regierungsdirektor von Oberbayern in München u. 1838 zum Regierungspräsidenten in Niederbayern. Als solcher gerieth er in Konflikt mit dem Bischof Hochstetten in Passau und dem Minister Abel, indem er, wiewohl selbst Katholik, die verfassungsmäßigen kirchlichen Rechte der Protestanten mit Entschiedenheit vertrat. Während dieser Streitigkeiten ward er zum Präsidenten des obersten Rechnungshofes ernannt, welche Beförderung ihn freilich von der innern Verwaltung gänzlich isolirte.

Nach den Sturz des Ministeriums Abel 1847 wurde B. Staatsrath und Justizminister, nach Entlassung Wallersteins Kultus- und Unterrichtsminister. Letztere Stellung übernahm er im März 1848 mit dem Eintritt Thon-Dittmars, Lerchenfelds und Heintz definitiv. Er betheiligte sich nun an der Reihe der Gesetzreformen, welche auch in Bayern in Folge der deutschen Märzbewegung begannen. Von einem bayer. Wahlkreise in die deutsche Nationalversammlung erwählt, nahm er seinen Sitz auf der Rechten, stimmte gegen die Aufhebung des Bundestags und war unter den Ersten, welche der Versammlung die Befugniß der Aufstellung einer endgültigen Gesammtverfassung ohne Vereinbarung mit Partikularregierungen, sowie die Errichtung eines Kaiserthums mit Ausschließung Oesterreichs, absprachen. In einer Rede, die er in der Kirchenfrage hielt, verlangte er für die Kirche eine repräsentative Verfassung mit Theilhabe der Laien am Kirchenregiment. B. wurde wegen dieser Kundgebung des Portefeuilles enthoben und wieder zum Staatsrath und Präsidenten des obersten Rechnungshofes ernannt. Doch übernahm er am 31. Dcbr. 1848, obwohl ungern und mit Vorbehalt seiner bisherigen Stellung, das Ministerium des Innern, legte aber, als die bayer. Kammer in ihrer Adresse die unmittelbare Einführung der deutschen Grundrechte verlangte, während B. deren Geltung von der Zustimmung der gesetzgebenden Gewalten Bayerns abhängig machen wollte, schon am 5. März 1849 mit seinen Kollegen Heintz und Weigand sein Portefeuille nieder und kehrte auf seinen Posten zurück. Er veröffentlichte »Betrachtungen über Staatsverfassung und Kriegswesen« usw. (Frankfurt 1822) und »Betrachtungen über Gemeindeverfassung« (Augsburg 1831), welche Schriften ihm ihrer Freimüthigkeit wegen mancherlei Anfeindungen zuzogen. Seine Gattin, die er 1849 durch den Tod verlor, gehörte der Familie des berühmten Jesuiten Canisius an.

Das große Conversations-Lexicon für die gebildeten Stände. Hildburghausen, 1853.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Beisler Hermann, von, Ritter, 1790 (Bensheim an der Bergstraße) – 1859, bayerischer Innenminister; nach Teilnahme an den Napoleonischen Kriegen in bayerischen Diensten studierte B. auf der damaligen Universität Aschaffenburg Rechte und stand 1811/13 als Ministerialsekretär im Dienst des Großherzogs von Frankfurt, dann nahm er an den Befreiungskriegen als Hauptmann teil; nach der Eingliederung Aschaffenburgs an Bayern stand B. in bayerischen Diensten, wobei er die Stellungen des Regierungspräsidenten von Niederbayern und des Präsidenten des Obersten Rechnungshofs errang; nach K. von Abels Sturz wurde B. provisorischer Kultus- und später Innenminister; als Abgeordneter des Frankfurter Parlaments für den Wahlkreis Erding beantragte er eine kirchliche Repräsentativverfassung und eine Laienbeteiligung am Kirchenregiment; schon nach dem Karlsbader Kongreß machte sich B. durch sein Gutachten über die Militärverfassung des Deutschen Bunds bekannt; er geriet in den Ruf eines Revolutionärs, wozu seine antiklerikale Einstellung (er trat für die Verfassungsrechte der Protestanten ein und kam so in Konflikt mit Minister K. von Abel und Bischof H. von Hofstetter von Passau) und seine regen wirtschaftlichen Interessen viel beitrugen.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#ML – 91·92 (Belli de Pino)


August ¿ de Pino
¿


  • Belli de Pino, Alfons von; – 14.7.1891; Königlicher Major a. D.
  • Belli de Pino, Anna von (vw); – (22).5.1875 (München), 84 Jahre alt; Hauptmanns-Witwe
  • Belli de Pino, Antonia von (vh) / Nennel (gb); – 4.2.1831 (München), 64 Jahre alt; Ministerialrats-Gattin
  • Belli de Pino, Josef Anton von; – 22.2.1838
  • Belli de Pino, Josef von; – 10.1844
  • Belli de Pino, Karl von; 16.6.1832 – 4.5.1869
  • Belli de Pino, Karoline von (vw); – 4.1885; Forstmeisters-Witwe

Grab der Familie Belli de Pino auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#ML – 93·94 (Deller)


Hier ruht in Gott
Herr Georg Deller,
Privatier,
geb. 20. Juni 1830, gest. 26. April 1893.
Frau Marie Deller,
Privatierswitwe,
geb. 28. Febr. 1838, gest. 10. Dez. 1919.
Herr Georg Deller,
geb. 8. Mai 1863, gest. 16. Dez. 1933.

Grabstätte der Familie
Deller

ML 93. Rehm.

Rechte Seite
G. Schneider
Höllriegel.


  • Deller, Georg; 20.60.1830 – 26.4.1893; Privatier
  • Deller, Georg; 8.5.1863 – 16.12.1933
  • Deller, Marie (vw); 28.2.1838 – 10.12.1919; Privatiers-Witwe

Grab der Familie Deller auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2012)

#ML – 95·96 (Riehl)


FAMILIE RIEHL

Hier ruhen in Gott:

Linke Spalte
Frau Therese Riehl, geb. Drasch,
Realitäten-u. Fabrikbesitzers-Gattin,
geb. 7. Januar 1848, gest. 14. März 1897.
Herr Anton Riehl, Rentner,
geb. 27. Dezember 1841 in Sulzbürg, Oberpfalz,
gest. 24. Februar 1916 in München.

Rechte Spalte
Hugo Riehl
geb. 4. Juli 1880, gest. 15. Mai 1886.
Anton Riehl
Leutnant im 2. Ulanen-Regt. »König«,
geb. 1. Juni 1887, gest. 31. August 1912.
Dr. med. Max Riehl,
prakt. Arzt. – Regts. u. Stabsarzt,
geb. 1874, gest. 8. Dezember 1915 in Göttingen
Res. Lazarett.

M.r. 95 & 96.


  • Riehl, Anton; 1.6.1887 – 31.8.1912; Leutnant
  • Riehl, Anton; 27.12.1841 (Sulzbürg/Oberpfalz) – 24.2.1916 (München); Rentner
  • Riehl, Hugo; 4.7.1880 – 15.5.1886
  • Riehl, Max, Dr. med.; 1874 – 8.12.1915 (Göttingen); Praktischer Arzt und Regimentsarzt
  • Riehl, Therese (vh) / Drasch (gb); 7.1.1848 – 14.3.1897; Fabrikantens-Gattin

Grab der Familie Riehl auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

Grab der Familie Riehl auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2014)

#ML – 97 (Mitterer)


Büste
MITTERER

HERMANN JOSEF MITTERER
PROFESSOR DER ZEICHNUNGSLEHRE
GRUENDER
DER ZENTRAL-FEIERTAGS- UND
BAUGEWERKSCHULE
GEB. 8. OKTOBER 1764. GEST. 25. APRIL 1829

Tafel
CAJETAN MITTERER
K. B. HAUPTMANN a. D.
* 21. JULI 1847. † 19. JULI 1903.
LUISE MITTERER
GEB. BORST
* 12. AUG. 1846. † 9. JUNI 1912.


  • Mitterer, Hermann Josef; 8.10.1764 (Osterhofen/Ndb.) – 25.4.1829 (München); Professor der Zeichenlehre
  • Mitterer, Kajetan; 21.7.1847 – 19.7.1903; Hauptmann a. D.
  • Mitterer, Luise (vh) / Borst (gb); 12.8.1846 – 9.6.1912

Grab der Familie Mitterer auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

Grab der Familie Mitterer auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

Grab der Familie Mitterer auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2009)

Grab der Familie Mitterer auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Hermann Josef Mitterer

* 8.10.1764 (Osterhofen/Ndb.)
† 25.4.1829 (München)
Professor der Zeichenlehre

#Neuer Nekrolog der Deutschen (1831)

Hermann Joseph Mitterer, Prof. der Zeichnungskunst a. d. polytechnischen Central-, Feiertags- u. Bauwerksschule u. Ehrenmitgl. der königl. Akademie der bildenden Künste zu München; geb. d. 8. Oct. 1764, gest. d. 28. April 1829. (Tübing. Kunstbl. 1829. Nr. 46 u. 47.)

M. war ein Mann, dessen thätiges Leben einflußreich und segensvoll wie Weniger war, und der die große Anerkennung seiner vielfachen Verdienste in der ausgebreiteten Wirksamkeit finden mußte, die seine unermüdeten und von geringen Hilfsmitteln unterstützten Bemühungen schnell und sichtbar in vielen Zweigen der Künste und Gewerbe äußerten. Ein Münchner Blatt enthält über ihn eine authentische biographische Mittheilung, aus der wir folgendes entnehmen. – Er war eines Krämers Sohn von Osterhofen im Unterdonaukreise und wurde von seinen Eltern sorgfältig und christlich erzogen. Da sie an ihm sehr gute Geistesanlagen und Lust zum Lernen gewahrten, ließen sie ihn nicht nur in Elementargegenständen, sondern auch in Kunstfächern unterrichten, unter andern im Singen. Im J. 1771 kam derselbe als Singknabe nach dem Kloster Fernbach am Inn, hatte aber im J. 1772 das Unglück durch den Tod seine Mutter und bald nachher 1776 auch seinen Vater zu verlieren. Ein Klostergeistlicher erbarmte sich seiner, als eines armen verlassenen Waisen und sandte ihn mit Empfehlungen nach Passau, um dort seine Studien weiter fortzusetzen. Es gelang ihm hier, bei einem angesehenen Bürger einige Unterstützung zu erhalten. Im September d. J. 1782 kam er nach München, wo er wieder mit Wohlthaten von mehreren dortigen Bürgern unterstützt wurde. Uebrigens mußte er sich seinen Unterhalt größtentheils durch Privatunterricht erwerben, und er setzte dabei seine Studien und Ausbildung in Kunstfächern bis zur Theologie fort.

Hier blickte er auf seine bisher durchwanderte Studienbahn zurück und bemerkte, daß er mit Lust und Vorliebe die besten Fortschritte in der Mathematik, Physik, in der Zeichnungs- und Malerkunst gemacht habe; er fühlte sich daher mehr für das Kunstfach berufen und widmete sich ganz dem Zeichnen, der Architektur und Technik.

Als der damalige Zeichnungslehrer Joseph Ott am Gymnasium mit Tod abging, überreichte er seine Bitte dem kurpfalz-baierschen geheimen Schulkuratel, worauf er im J. 1791 d. 26. Mai die Anstellung als Zeichnungslehrer am Gymnasium mit einem jährlichen Gehalt von 150 fl. erhielt, wovon er aber jährlich 100 fl. der Ott’schen Wittwe und ihren Kindern überließ und für sich nur 50 fl. behielt. Den übrigen zu seinem Unterhalte nöthigen Bedarf suchte er sich durch Privatlehrstunden im Zeichnen zu verdienen. Von diesem Zeitpunkte an hatte er mit vielen Mühseligkeiten zu kämpfen, die damals schon seine Gesundheit zerrütteten und ihm mehrere Krankheiten zuzogen.

Ueberzeugt wie wichtig die Zeichnungskunst für technische Arbeiter sei, erlaubte er mehreren lernbegierigen Handwerksgesellen und Burschen an Sonn- und Feiertagen auf sein Zimmer zu kommen, um ihnen hierin den nöthigen Unterricht zu ertheilen. Er legte hierauf dem geheimen Schulkuratel einen Plan einer ordentlichen Feiertagszeichnungsschule für Künstler und Handwerker vor, um seine bestgemeinte Absicht um so nachdrücklicher bei der damaligen hohen Landschaft unterstützen zu können und erhielt die Genehmigung dazu am 26. März 1792.

Im folgenden Jahre 1793 eröffnete Prof. Kefer, sein innigster Freund, in München die erste Feiertagsschule für Gesellen und Handwerkslehrlinge in Elementargegenständen und lud M. ein, seine feiertägliche Zeichnungsschule mit seiner Elementarschule zu vereinbaren, und so entstand vor 36 J. die dortige im In- und Auslande rühmlichst bekannte Feiertagsschule.

Bisher bezog M. für seine Bemühungen immer nur eine Remuneration von jährlichen 50 fl. Auf sein Gesuch um eine Zulage erhielt er aber zur Antwort: »Nachdem er den gemeinnützigen Zeichnungsunterricht sehr emporgebracht hat, so wünschen Se. kurfürstl. Durchlaucht einen so eifrigen Lehrer unterstützt zu sehen; es soll ihm demnach eine Zulage von 100 fl. in so lange jährlich angewiesen werden, bis der Gnadengehalt der Wittwe seines Vorfahrens Ott zurückfällt.« Im Jahre 1797, nach der öffentlichen Prüfung der Feiertagsschüler im August, bewies sich der Magistrat in München in einem Schreiben sehr dankbar gegen den Verewigten und überreichte demselben zum Beweise der gänzlichen Zufriedenheit und seiner Aufmunterung zur fernern Fortsetzung seines Lehreifers, die größere magistratische Ehrenmedaille. Auch beschloß die löbliche Landschaft in Baiern vom Jan. 1798 an, in gleicher Absicht, den Zeichnungsunterricht auch in den deutschen Schulen fortzusetzen, dem Zeichnungslehrer M. vom 1. Jan. 1798 an einen jährlichen Gehalt von 100 fl. verabfolgen zu lassen. So aufgemuntert, setzte M. in Verbindung mit dem Prof. Kefer seinen Unterricht der auf 800 angewachsenen Schüler in einem landschaftlichen Gebäude auf dem Anger 9 J. hindurch unermüdet fleißig fort, als vor dem feierlichen Schlüsse der ersten Schuldecade Prof. Kefer am 11. September 1802 mit Tod abging. Bald nachher 1803 im Monat Mai wurde die Feiertagsschule wegen der noch immer anwachsenden Schülermenge vom Anger auf das Kreuz in das ehemalige Waisenhaus versetzt und mit derselben, als einer Musterschule, zugleich ein Schullehrerseminar und die Knabenschule daselbst verbunden. Auch fing M. an in den geräumigen Lehrsälen dieses neuen Schulhauses die Bauhandwerker im Wintersemester 3 bis 4 Monate hindurch zu unterrichten, und legte so den ersten Grund zu der gegenwärtigen planmäßigen Bauhandwerksschule. In spätern Jahren ruhte er nicht, bis er mit der so gemeinnützigen bürgerlichen Feiertagsschule vom Magistrate die Genehmigung erhielt, mit derselben die so höchst nothwendige Bossirschule zu verbinden.

Den 20. Januar 1803 wurde ihm vom obenerwähnten Generalschuldirectorium angezeigt, daß demselben kraft allergnädigsten Rescripts vom 1. Jan. d. J., für den Unterricht im Zeichnen an der Feiertagsschule 200 fl. angewiesen worden seien, mit dem Beifügen, daß man von seiner Kunst und Jugendliebe erwarte, er werde den Schülern auch Vormittags Unterricht ertheilen, dann auch den Schulcandidaten den Zutritt in die Zeichnungsschule gestatten, um sich in der Kunst, wenn sie dazu Anlagen haben, oder wenigstens in der Kalligraphie zu üben.

Ferner wurde genehmigt, daß derselbe sogleich einen Gehilfen in Antrag bringe, der dann 50 fl. jährlich Gratifikation aus der Schulfondskasse erhalten solle. Die Zahl der in dem neuen Schulgebäude versammelten Schüler belief sich nun bald über 1000. Für so eine Schülermenge fehlte es nun an einer hinreichenden Anzahl von zweckmäßigen Zeichnungsvorlagen für Künstler und Handwerker und M. machte sich anheischig, die nöthigen Zeichnungsmuster in Vorlagen nicht nur für die Zeichnungsschule, sondern für alle Kunstschulen im ganzen Reiche zu bearbeiten, wenn das königl. Generalcommissariat zu diesem Zwecke das Arcanum der Lithographie zur Schule ankaufen würde, welches Gesuch der unvergeßliche verdienstvolle Schulrath Steiner unterstützte und vermittelte.

Nun öffnete sich für den hochverdienten M. ein weites Feld zur Bearbeitung; es war noch sehr wenig kultivirt, denn die Lithographie, wie sie damals aus den Händen ihrer Erfinder kam, war noch in ihrer Kindheit. M. gelang es erst nach langem rastlosen Bemühen und vielen Experimenten für obige Zeichnungsrequisiten die Ingredienzien nach einem bestimmten Maße, nach Zahl und Gewicht zu bestimmen und gehörig zu mischen, so daß damit auch Baupläne und freie Handzeichnungen auf Stein gebracht und davon rein abgedruckt werden konnten. Er ruhte nicht, bis er die Lithographie zu einem so hohen Grade der Vollkommenheit brachte, daß man damit alle Kunstartikel der technischen und freien Handzeichnung, ja selbst Porträts auf Stein zeichnen und davon meisterliche Abdrücke machen konnte. Mit zahllosen Hindernissen, theils chemischen, theils mechanischen, hatte er zu kämpfen; allein er besiegte sie alle und hat sich dadurch unsterbliche Verdienste um die Lithographie erworben. Er begründete dadurch die nun durch ganz Europa rühmlichst bekannte erste lithographische Kunstanstalt an der männlichen Feiertagsschule zu München; unter welcher Firma noch immer Nachfragen und Bestellungen von Kunsthändlern und Kunstschulen vom In- und Auslande einlaufen, indem diese Kunstanstalt auch nach dem Ableben des Urhebers noch fortbesteht. Diese Kunstanstalt, welche M. nach 7 Jahren 1815 als sein Eigenthum an sich kaufte, und seine vielen produzirten lithographischen Arbeiten bleiben in der Geschichte der bildenden Künste ein ewig unzerstörbares Denkmal, das er sich selbst erbaut hat.

Bei seinem letzten Werke, einer vollständigen Anleitung über die verschiedenen Zeichnungen und Muster für Schlosserarbeiten, überraschte ihn der Tod. Der Schlagfluß, der ihm 2 J. zuvor die rechte Seite lähmte, berührte ihn jetzt zum zweitenmale und beschloß im 63. J. seines gemeinnützigen Wirkens seine irdische Laufbahn.

M. W.

Neuer Nekrolog der Deutschen. Ilmenau, 1831.

#Das Bayerland (1898)

Die »Ruhmeshalle« unter den Arkaden des südlichen (älteren) Friedhofes in München.
Von C. Reber.

3. Hermann Joseph Mitterer, Gründer der feiertäglichen Kunstschulen, Professor der polytechnischen Centralanstalt, Ehrenmitglied der kgl. Akademie der bildenden Künste.

Geboren als Sohn eines Krämers zu Osterhofen in Niederbayern am 8. Oktober 1762.

Seinen ersten Unterricht erhielt er im Kloster Farnbach; hierauf kam er nach Passau und im Jahre 1782 nach München, wo er das Gymnasium absolvierte. In seiner Berufswahl war er schwankend; er machte theologische, medizinische und Kunst-Studien. Letztere zogen ihn am meisten an, so daß er schließlich das Fach der Architektur und Kunsttechnik wählte.

Im Jahre 1791 erhielt er eine Stelle als Zeichnungslehrer am Gymnasium in München. Ein Jahr später gründete er mit kurfürstlicher Genehmigung eine »Feiertags-Handwerker-Zeichnungs- und Bossierschule«, die ihren Unterricht im Jahre 1803 begann, ferner eine »männliche Feiertagsschule«. Als Begründer der ersten lithographischen Kunstanstalt hob er die Senefeldersche Vervielfältigungskunst von der Stufe des Handwerkes auf die der Kunst empor.

Mitterer stellte in Verbindung mit seinem Kollegen, Professor Ramis, eine Presse, die sogen. Stern- oder Rollpresse, her, die den damaligen Anforderungen vollkommen entsprach.

Aus der von ihm geleiteten, trefflich eingerichteten Anstalt gingen namentlich zahlreiche Unterrichtswerke hervor, welche für Hebung des Zeichenunterrichtes von großer Bedeutung waren. Auch als Fachschriftsteller war Mitterer thätig und erwarb sich durch seine wissenschaftlichen Publikationen, insbesondere solche baugewerblicher Natur, hohe Verdienste.

In Anerkennung derselben wurde er zum Professor der polytechnischen Centralanstalt und von der Akademie der bildenden Künste zum Ehrenmitgliede ernannt.

Am 25. April 1829 beschloß dieser unermüdliche Mann in dem bescheidenen, nun längst abgebrochenen Schleiferhause am unteren Anger, welches vor ihm Kefer benützte, sein Leben. Sein Grab, geschmückt mit einer ehernen Büste, gefertigt von Bildhauer Peter Schöpf, befindet sich im südlichen älteren Friedhofe, Mauer links, Nr. 97; dessen Erhaltung verdanken wir einem ehemaligen Schüler Mitterers, dem Hofrat Franz Hanfstängl († 1877).

Als nämlich diese längst verfallene Grabstätte (Da die Grabstätte von Hanfstängl auf Descendenz gekauft wurde, ist dieselbe heute noch im Besitze der Familie.) nebst vielen anderen im Jahre 1861 zu anderweitiger Benützung bestimmt wurde, kaufte Hofrat Hanfstängl dieselbe und sicherte so den Überresten seines trefflichen Lehrers vorläufig Ruhe.

Die Stadtgemeinde München ehrte das Andenken Mitterers außer durch Aufstellung eines Abgusses seiner von Bildhauer Peter Schöpf modellierten Büste in einer Nische der Arkaden auch noch durch Benennung einer Straße als »Mittererstraße«.

C. Reber: Die »Ruhmeshalle« unter den Arkaden des südlichen (älteren) Friedhofes in München. Das Bayerland. München, 1898.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Mitterer Hermann Josef, 1764 (Osterhofen/Ndb.) – 1829, Professor der Zeichenlehre; er lernte als Singknabe im Kloster Vornbach bei Passau, in Passau und München (1784 Absolutorium) und wurde, ursprünglich zum Priesterberuf bestimmt, 1791 Zeichenlehrer am Münchner Gymnasium; 1792 begründete M. eine Feiertags-Handwerker-Zeichnungs- und Boissierschule und mit A. Senefelder die erste Lithographische Kunstanstalt; in seiner Anstalt gingen viele illustrierte Unterrichtswerke hervor, die zur Hebung des Zeichenunterrichts dienten; zusammen mit Ramis stellte M. die sogenannte Stern- oder Rollpresse her; er war auch Ehrenmitglied der Münchner Kunstakademie; M. hob die Senefelderische Vervielfältigungsmethode von der handwerklichen Stufe zur Kunst empor.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#ML – 103·104 (Rasch)


Grabstätte der Familie
Rasch.

Hier ruhen:
Frau Maria Rasch,
geb. Schneider. Drechselmeistersgattin
geb. 3. Oktober 1828. gest. 12. März 1899.
Ihr folgte ihr Gatte,
Herr Fr. Xv. Rasch,
Drechselmeister,
geb. 9. Mai 1829. gest. 19. Mai 1899.

Sockel
Frz. Xav. Rasch, Privatier,
geb. 4. Nov. 1788, gest. 4. April 1864.
Dessen Gattinen
Kath. Rasch, geb. Panz,
geb. 13. August 1808. gest. 11. August 1832.
Maria Rasch, geb. Kornmüller,
geb. 4. März 1800, gest. 7. April 1848.


  • Rasch, Franz Xaver; 4.11.1788 – 4.4.1864 (München); Privatier
  • Rasch, Franz Xaver; 9.5.1829 – 19.5.1899; Drechslermeister
  • Rasch, Katharina (vh) / Panz (gb); 13.8.1808 – 11.8.1832
  • Rasch, Maria (vh) / Kornmüller (gb); 4.3.1800 – 7.4.1848 (München); Privatiers-Gattin
  • Rasch, Maria (vh) / Schneider (gb); 3.10.1828 – 12.3.1899; Drechslermeisters-Gattin

Grab der Familie Rasch auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#ML – 105 (Friedel)


Hier ruhen
Herr Joh. Nep. Friedel
¿
¿ Theresia Friedel
¿
Herr Carl Friedel
¿
Frl. Mechthilde Friedel
¿
Frl. Catharina Friedel
¿

¿ Familiengrabstätte


  • Friedel, Johann Nepomuk
  • Friedel, Karl
  • Friedel, Katharina
  • Friedel, Mechthilde; – 1887; Privatiere
  • Friedel, Theresia

Grab der Familie Friedel auf dem Alten Südfriedhof München (August 2014)

#ML – 106·107 (Demmel)


¿

Sockel
Grabstätte
der
Familie Demmel


  • Demmel, Andreas; – Februar 1895; Metzgermeister

Grab der Familie Demmel auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#ML – 108·109 (Ebersperger)


FAMILIE
EBERSPERGER
¿


  • Ebersperger, Josef; – 15.3.1878 (München), 63 Jahre alt; Privatier, ehemaliger Metzgermeister
  • Ebersperger, Ludwig; – Februar 1906; Metzgermeisters-Sohn

Grab der Familie Ebersperger auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2015)

#ML – 112·113 (Jäger)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Jäger, Anton; – Mai 1894; Kaufmanns-Kind
  • Jäger, Roland; – Januar 1900; Kaufmanns-Kind

Grab der Familie Jäger auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2020)

Grab der Familie Jäger auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#ML – 114 (Esterhammer)


Hier ruhet in Gott
unsere innigstgeliebte Gattin und Mutter
Frau Antonie Esterhammer
geb. Fleischmann, Grosshändlersgattin
geb. 21. April 1855, gest. 14. Jan. 1885.
Ihr folgte ihr treuer Gatte
mein herzensguter Vater
Herr Alois Esterhammer
Privatier
geb. 17. Febr. 1838, gest. 13. Febr. 1917.

Sockel
A. Esterhammer’sche
Familien-Grabstätte.


  • Esterhammer, Alois; 17.2.1838 – 13.2.1917; Privatier, ehemaliger Grosshändler
  • Esterhammer, Antonie (vh) / Fleischmann (gb); 21.4.1855 – 14.1.1885; Grosshändlers-Gattin

Grab der Familie Esterhammer auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2020)

Grab der Familie Esterhammer auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#ML – 115 (Vötter)


DANKBAR EHRT DIE
STADTGEMEINDE
DEN STIFTER
JOSEF VÖTTER
GEB. 1834. GEST. 1921.


  • Vötter, Josef; 1834 (München) – (23).12.1921 (München); Rentner

Grab der Familie Vötter auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

#ML – 119 (Fertig)


Familiengrabstätte

Hier ruhen in Frieden:
Herr Christian Fertig
freiresg. Kgl. Notar
geb. 18. Jan. 1829 zu Kleinhenbach
gest. 1. Jan. 1897 zu München,
und seine Gattin
Frau Helene Fertig
geb. Cämmerer
geb. 18. April 1833 zu Miltenberg
gest. 1. August 1906 zu München.


  • Fertig, Christian; 18.1.1829 (Kleinhenbach) – 1.1.1897 (München); Notar
  • Fertig, Helene (vw) / Cämmerer (gb); 18.4.1833 (Miltenberg) – 1.8.1906 (München); Notars-Witwe

Grab der Familie Fertig auf dem Alten Südfriedhof München (November 2011)

#ML – 120·121 (Köll)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Köll, Franz; – Juli 1883; Privatier
  • Köll, Franziska (vh) / Jais (gb); – April 1877 (München), 38 Jahre alt; Privatiers-Gattin

Grab der Familie Köll auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#ML – 122 (Finsterwalder)


HIER RUHT IN GOTT
FRAU KLARA
FINSTERWALDER
GEB. EBENBÖCK
31.12.1855 17.7.1878
DEREN ENKEL
HANSI
21.2.1908 2.3.1908


  • Finsterwalder, Klara (vh) / Ebenböck (gb); 31.12.1855 – 17.7.1878

Grab der Familie Finsterwalder auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#ML – 125a (Steiner)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Steiner, Maria; – (14).11.1890 (München), 79 Jahre alt; Privatiere

Grab der Familie Steiner auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#ML – 125b (Imhof · Radspieler)


Joseph von Radspieler
* 1819 † 1904
Maria von Radspieler
* 1818 † 1896
Klara Radspieler
* 1845 † 1868
Maria Radspieler
* 1842 † 1908
Franz Radspieler
* 1845 † 1920


  • Imhof, Johann von, Dr. phil.; 26.7.1758 (Reißbach/Ndb.) – 11.4.1817 (München); Katholischer Geistlicher und Physiker
  • Radspieler, Franz; 1845 – Juni 1920 (München), 74 Jahre alt; Vergolder und Kommerzienrat
  • Radspieler, Josef von; 12.8.1819 (München) – 2.3.1904 (München); Magistratsrat
  • Radspieler, Klara (vh) / Steiner (gb); 1845 – 8.9.1868 (München); Vergolders-Gattin
  • Radspieler, Maria; 1842 – 1908
  • Radspieler, Maria von; 1818 – 1896

Grab der Familien Imhof · Radspieler auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

Grab der Familien Imhof · Radspieler auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

#Dr. phil. Johann von Imhof

* 26.7.1758 (Reißbach/Ndb.)
† 11.4.1817 (München)
Katholischer Geistlicher und Physiker

#Das Bayerland

1. Maximus v. Imhof, Professor der Physik und Chemie, Hofbibliothekar und geistlicher Rat, geboren am 26. Juli 1758 zu Reisbach bei Dingolfing in Niederbayern, wo sein Vater das Schuhmacherhandwerk und eine Krämerei ausübte. Den ersten Unterricht im Latein erhielt der junge Imhof in seiner Heimat; zwölf Jahre alt, setzte er dann seine Studien mit Auszeichnung in Landshut fort, und da er von seinen Eltern in keiner Weise unterstützt werden konnte, mußte er sich durch Singen in einer dortigen Klosterkirche seinen Unterhalt erwerben.

Mit 22 Jahren trat er in das Augustinerkloster zu München ein, dessen Gebäulichkeiten die Justizbehörden seit der Säkularisation bis zur Einweihung des neuen Justizpalastes (1897) inne hatten. Er erhielt den Klosternamen »Maximus«. Sein Taufname war »Johann«. Im Jahre 1782 zum Priester geweiht, oblag er noch eifrig dem Studium der Philosophie und Theologie, so daß er schon im Jahre 1786 in seinem Kloster als Lektor der Philosophie, Mathematik und Physik erfolgreich wirken konnte. Seine Ordensoberen übertrugen ihm im Jahre 1790 die Professur der Theologie; im gleichen Jahre erwählte ihn auch die Akademie der Wissenschaften zu ihrem Mitgliede.

Schon im nächsten Jahre bestieg er dann den Lehrstuhl der Physik, Mathematik und Ökonomie am kurfürstlichen Lyzeum zu München.

In dieser Stellung wirkte er sieben Jahre lang, insbesondere für die Verpflanzung der Naturkunde in weitere Volkskreise und namentlich für die Verbesserung und Verbreitung des Blitzableiters, jener, wenige Jahrzehnte vorher gemachten Erfindung Franklins.

Aus Gesundheitsrücksichten gab er 1798 sein Lehramt am Lyzeum auf, behielt aber, obgleich zum Prior seines Klosters erwählt, die Professur der Physik und Chemie an der Akademie bei. Im folgenden Jahre betrat er auf Berufung des Kurfürsten Max IV., welcher kurz vorher den bayerischen Kurstuhl bestiegen hatte, nochmals den Lehrstuhl der Physik am kurfürstlichen Lyzeum, auch wurde er zum Lehrer der Kurprinzen und Prinzessinnen bestellt.

Im Jahre 1802 trat er mit päpstlicher Genehmigung aus dem Orden der Augustiner aus, wurde aber 1803, kurz vor der Aufhebung des Kollegiatstiftes zu U. L. Frau noch zum Kanoniker desselben ernannt. Als Direktor der physikalischen Klasse der Akademie verwaltete er bis zu seinem Tode deren Sammlungen und half als zweiter Bibliothekar die Staatsbibliothek, die infolge der Säkularisation namhafte Bereicherungen erfahren hatte, ordnen.

König Max I. erkannte seine Verdienste, als einem der Ersten, durch Verleihung des damals neu errichteten Zivilverdienstordens der bayerischen Krone an.

An einer Lungenentzündung erkrankt, starb der ungemein thätige Gelehrte in München, Karlsplatz alte Nr. 7, neue Nr. 25, am 11. April 1817, nachdem er schon einige Jahre vorher endgiltig sein Lehramt niedergelegt hatte.

Seine Gebeine ruhen im südlichen Friedhofe, ältere Abteilung, Mauer links, Grabplatz Nr. 125. Kein Denkmal erinnert mehr an dieser Stelle an ihn. Die Stadtgemeinde München ließ dagegen seine Büste in einer Nische der Arkaden des südlichen Friedhofes aufstellen.

C. Reber: Die »Ruhmeshalle« unter den Arkaden des südlichen (älteren) Friedhofes in München. Das Bayerland. Illustrierte Wochenschrift für bayerische Geschichte und Landeskunde. 9. Jahrgang. Heft Nr. 26. München, 1898.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Imhof Maximus (Taufname Johann), Dr. phil., von, 1758 (Reisbach/Ndb.) – 1817, katholischer Priester, Physiker und Professor; er trat 1780 bei den Augustiner-Eremiten in München ein, wo er Lektor für Philosophie, Mathematik und Physik und Professor der Theologie wurde, außerdem war I. seit 1790 am Münchner Lyzeum Mathematik- und Physik-Professor und Mitglied der BAkdW; nach Austritt aus dem Orden (mit päpstlicher Genehmigung) war er Bibliothekar an der kurfürstlichen Hofbibliothek und Kanoniker bei U. L. Frauen; später hat er als Direktor der physikalischen Klasse der BAkdW deren Sammlungen verwaltet.

Hauptwerke: Positiones logicae-metaphysicae et mathematicae, Theoria electricitatis, Grundriß der öffentlichen Vorlesungen über Experimental-Naturlehre (2 Bde.), Institutiones physicae, Anfangsgründe der Chemie, Über das Schießen gegen heranziehende Donner und Hagelwetter, Theoretisch-praktische Anweisung zur Anlegung und Erhaltung zweckmäßiger Blitzableiter; Is. Verdienste bestehen in der Verbesserung und Verbreitung des Blitzableiters, in der Zugänglichmachung der Naturkunde für die unteren Volksschichten und in der Eingliederung der in der Säkularisation erworbenen naturwissenschaftlichen Bücher in die Bayerische Staatsbibliothek.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#ML – 126* (Mauser)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Mauser, Franziska; – 15.12.1863 (München), 49 Jahre alt; Stadtgerichtsarzt-Tochter

Das Grab ist nicht erhalten

#ML – 127·128 (Merk)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Merk, Benedikt; – 1.8.1858 (München), 66 Jahre alt; Juwelier
  • Merk, Gottfried; – 5.3.1890 (München), 72 Jahre alt; Hofjuwelier

Todesanzeige für Benedikt Merk. † 1. August 1858.

Todesanzeige für Gottfried Merk. † 5. März 1890.

Todesanzeige für Gottfried Merk. † 5. März 1890.

Danksagung für Gottfried Merk. † 5. März 1890.

Grab der Familie Merk auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#Gottfried Merk

† 5.3.1890 (München), 72 Jahre alt
Hofjuwelier

#Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik (8.12.1850)

Ich beehre mich anzuzeigen, daß ich das Haus und Waarenlager der Hofjuwelierswittwe Frau M. Opitz erkaufte, und mein Geschäft bereits dort Bazar Nr. 13 ausübe, auch zugleich für kommende Weihnachten mein Lager in reicher und neuester Auswahl empfehle.

Für das mir bisher geschenkte schmeichelhafte Vertrauen in dem am Max-Joseph-Platz Nr. 16 ausgeübten Geschäfte verbindlichst dankend, bitte ich um dessen gütige Uebertragung.

Hochachtungsvoll
Gottfried Merk.

Unter Bezugnahme auf obige Anzeige fühle ich mich verpflichtet, für das während so vielen Jahren mir gewordene ehrenvolle Vertrauen hiemit meinen verbindlichsten Dank auszudrücken und zugleich die Bitte damit zu vereinen, dasselbe auch auf meinen Nachfolger gütigst übergehen zu lassen.

M. Opitz
Hofjuweliers-Wittwe.

Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik Nro. 342. Sonntag, den 8. Dezember 1850.

#Münchner Neueste Nachrichten (8.3.1890)

Lokales.
München, 7. März.

W. (Beerdigungen.) Auf dem südlichen Friedhöfe wurde heute Nachmittag ½4 Uhr der ehemalige Hofjuwelier und Rentier Herr Gottfried Merk unter äußerst zahlreicher Betheiligung von Leidtragenden aus allen Kreisen zu Grabe getragen. Stadtpfarrer Rathmaier nahm die Einsegnung der Leiche vor. Zum Schlusse trug die »Neubavaria«, deren Mitglied der Verstorbene war, ein Grablied vor.

Münchner Neueste Nachrichten No. 113. Samstag, den 8. März 1890.

#Münchner Neueste Nachrichten (1.4.1890)

Lokales.
München, 31. März.

(Legate.) Die Hinterbliebenen des jüngst plötzlich verstorbenen Herrn Rentiers Gottfried Merk, vormaligen k. b. Hofjuweliers, haben, da kein letzter Wille vorhanden war, aus eigenem Ermessen folgende Legate gemacht: je 500 Mk. an die Pfarrei St. Ludwig, an den Verein für freiwillige Armenpflege, an den Vincentiusverein, an den bayer. Kunstgewerbeverein, an den Verein unter dem rothen Kreuz, an die Diakonissinnenanstalt, endlich an den Verein der Münchener Juweliere, Gold- und Silberarbeiter. Der Bürgersängerzunft wurde eine Schenkung von 350 Mk. zugewendet.

Münchner Neueste Nachrichten Nr. 148. Dienstag, den 1. April 1890.

#Münchner Neueste Nachrichten (20.9.1917)

Kleine Kunstnachrichten

Die goldenen Amtsketten der Münchener Bürgermeister werden, wie wir vernehmen, auch der Goldankaufsstelle zur Stärkung des Goldschatzes der Reichsbank überwiesen. Die Ketten werden seit dem Jahre 1819 von Münchener Bürgermeistern als äußeres Zeichen ihres Amtes bei offiziellen festlichen Gelegenheiten, getragen. In zwei Jahren hätten die Amtsketten danach ein Alter von 100 Jahren erreicht. Ihre Entstehung ist auf das sog. Gemeindeedikt von 1818 über die Verfassung und Verwaltung der Gemeinden zurückzuführen, das auch bestimmte, daß die goldene Medaille, die zu jeder Kette gehört, auf der Vorderseite das Brustbild des jeweils in Bayern regierenden Fürsten aufweisen soll. Die Rechnung, die der bürgerliche Gold- und Juwelenarbeiter Gottfried Merk dem Magistrat für die Ausführung der beiden Ketten unterm 2. Februar 1819 stellte, ist in den Gemeindeakten noch erhalten. Daraus ist zu ersehen, daß zu den Ketten 18karätiges Gold verwendet wurde im Gesamtwert von 510 Gulden; für die Fasson wurden 240 Gulden berechnet. Für die Herstellung der goldenen Medaillen, die durch das Hauptmünzamt erfolgte, wurden dieser 12 Dukaten überwiesen. Jede der Ketten umfaßt 42 kleinere Einzelglieder in reicher Ornamentik (verschlungene Laubwerkkränze) und ein größeres Mittelstück, das die Mönchsfigur aus dem Münchener Stadtwappen aufweist. An diesem Mittelstück ist die goldene Medaille befestigt, die nun auf der Vorderseite das Brustbild König Ludwigs III. und auf der Rückseite das Münchener Stadtwappen trägt. Die 34 Ketten für die Magistratsmitglieder und die 60 Ketten für die Mitglieder des Gemeindekollegiums kommen nicht zur Ablieferung, weil die Rautenfelder bezw. Kränze dieser Ketten nur vergoldet sind. Diese Ketten wurden bekanntlich erst 1914 auf Grund eines Wettbewerbes unter den Münchener Goldschmieden ausgeführt.

Münchner Neueste Nachrichten Nr. 475. Donnerstag, den 20. September 1917.

#Münchner Neueste Nachrichten (8.11.1930)

Abschied von einem Altmünchner Geschäft

Am 31. Dezember wird die bekannte Firma G. Merk, Juwelier, Odeonsplatz Nr. 13, ihre Tätigkeit einstellen. Mit ihr erlischt wiederum ein wertvolles Stück bester Münchner Tradition. Weit über hundert Jahre hatte die Firma eine führende Stellung im süddeutschen Kunstgewerbe inne. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts genoß sie europäischen Ruf. Hervorgegangen ist die Firma aus einer alten Goldschmiede, welche im Jahre 1812 von dem Gründer des Hauses, Benedikt Merk übernommen und zu einer Juwelierwerkstätte ausgebaut wurde. Benedikt Merk hat sich schon früh auf die ausschließliche Anfertigung von Schmuck verlegt und es verstanden, durch die hohe Qualität seiner Arbeiten seinem Unternehmen einen Ruf zu gewinnen, der bereits damals über die Grenzen Bayerns hinausging.

Den Höhepunkt der Entwicklung erreichte die Werkstätte unter Gottfried Merk, welcher im Jahre 1847 sie übernahm. Er war ein Mann von hervorragendem technischen Können, hohen künstlerischen Qualitäten und einer nimmermüden Energie. Er hat besonders während seiner Lehr- und Wanderjahre Rußland, Spanien, Italien, Frankreich und England besucht und seine Studien in den Schatzkammern des Kreml, des Vatikans und des königlichen Schlosses in Madrid gemacht. Er schuf die Beziehungen nach diesen Staaten, welche sich gegen sein Lebensende und während der Tätigkeit seines Sohnes Paul so intensiv gestalteten, daß es z. B. in der russischen Gesellschaft zum guten Ton gehörte, Schmuck aus dieser Münchner Werkstätte zu tragen. In Anerkennung seiner kunstgewerblichen Leistungen wurde er zum Hofjuwelier ernannt. Besonders eng waren die Beziehungen der Werkstätte zum bayerischen Königshaus unter König Ludwig II. Zahlreiche prachtvolle Stücke: Diademe, Kolliers, Ringe, Orden, Tafelaufsätze usw. entstanden damals. Auch die Brautkrone für die geplante Hochzeit des Königs wurde bei Merk angefertigt. Damals hat es kaum eine Familie von Rang und Namen gegeben, in deren Besitz sich nicht irgend ein Schmuckstück aus dieser Werkstätte befunden hätte.

Paul Merk übernahm im Jahre 1880 das Geschäft. Der Ruf des Hauses und seine persönlichen Leistungen ließen ihn als den berufenen Führer in kunstgewerblichen Dingen erscheinen, so daher zum Vorstand des Gewerbevereins und zum Präsidenten des Vereins deutscher Juweliere gewählt wurde. Seine Beziehungen zur Münchner Künstlerschaft machten sein gastliches Haus zum Treffpunkt der Prominenten. Kaulbach, Lenbach, Grützner und manch andere der Großen jener Tage gehörten dem erlesenen Freundeskreise der Familie Merk an. Daß sich das rege geistige Leben in einer seltenen Kultur guten Geschmackes auswirkte, bedarf wohl keines Hinweises. Nach dem Tode Paul Merks im Jahre 1905 führte die Witwe, Frau Ly Merk, das Geschäft weiter, getreu der Tradition des Hauses. Nach dem nunmehr einsetzenden Ausverkauf der gesamten Bestände wird die Firma erlöschen und mit ihr ein Name, der mehr als ein Jahrhundert lang in hervorragendem Maße dazu beigetragen hat, den Ruf Münchens als Kunststadt in alle Welt zu tragen.

Münchner Neueste Nachrichten Nr. 304. Samstag, den 8. November 1930.

#ML – 129·130 (Ehrengut · Rapp · Vitzthum)


ANNA EHRENGUT,
geb. 25. Nov. 1806. gest. 14. Aug. 1862.
MICHAEL EHRENGUT,
geb. 13. Febr. 1839. gest. 13. Sept. 1873
ELISE RAPP geb. EHRENGUT,
geb. 3. Aug. 1833. gest. 30. Sept. 1868.
MARTIN EHRENGUT,
geb. 3. Febr. 1804 gest. 7. Febr. 1878.
SOPHIE VITZTHUM geb. EHRENGUT
geb. 12. November 1846 gest. 19. Dezember 1891.


  • Ehrengut, Anna (vh) / Kugler (gb); 25.11.1806 – 14.8.1862 (München); Wäschers-Tochter aus München / Zimmerpaliers-Gattin
  • Ehrengut, Martin; 3.2.1804 – 7.2.1878 (München); Privatier
  • Ehrengut, Michael; 13.2.1839 – 13.9.1873 (München); Zimmermann
  • Rapp, Elise (vh) / Ehrengut (gb); 3.8.1833 – 30.9.1868 (München); Fabrikantens-Gattin
  • Vitzthum, Sofie (vh) / Ehrengut (gb); 12.11.1846 – 19.12.1891

Grab der Familien Ehrengut · Rapp · Vitzthum auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#ML – 131·132 (Heiland · Jaud)


Grab der Familien Heiland · Jaud auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#ML – 133·134 (Däntl)


Grabstaette der Familie Däntl.

Linke Spalte
Hier ruhen in Gott:
Frau Theresia Däntl,
bürgerl. Melbers-Wittwe
geb. 6. Mai 1779, gest. 29. März 1833.
Frau Kath. Däntl,
geb. Kiernberger
bürgerl. Melbersgattin,
geb. 1. Febr. 1811, gest. 30. Nov. 1854.
Herr Joseph Däntl,
bürgerl. Melber
geb. 10. Nov. 1811, gest. 2. März 1884.
Frau Maria Däntl,
geb. Ressler, Melbers-Wittwe
geb. 10. Nov. 1834, gest. 7. Nov. 1894.
Fräul. Fanny Däntl,
bürgerl. Melberstochter
geb. 26. Aug. 1859, gest. 12. Febr. 1932.

Rechte Spalte
Herr Dr. Josef Däntl,
prakt. Arzt
geb. 3. Okt. 1847, gest. 19. Febr. 1892.
Herr Joh. Bapt. Däntl,
Kaufmann u. Eisenhändler
geb. 6. Jan. 1842, gest. 4. Juli 1893.
Frau Marie Däntl,
geb. Dallmayer
Kaufmann & Eisenhändlerswtw.
geb. 14. Sept. 1854, gest. 29. Jan. 1930.
Frau Luise Däntl,
geb. Schöner, Arztenswitwe
geb. 1. Mai 1857, gest. 15. Sept. 1930.
In fremder Erde ruht
Herr Max Däntl,
Kfm. – Hptm. d. R.
in einem Pz-Jäger Rgt.
fiel im Kampf b. Wysokie Polen
35 Jahre alt am 27. Juli 1944.


  • Däntl, Fanny; 26.8.1859 – 12.2.1932; Mehlhändlers-Tochter
  • Däntl, Johann Baptist; 6.1.1842 – 4.7.1893; Eisenhändler und Kaufmann
  • Däntl, Josef; 10.11.1811 – 2.3.1884; Mehlhändler
  • Däntl, Josef, Dr. med.; 3.10.1847 – 19.2.1892; Arzt
  • Däntl, Katharina (vh) / Kiernberger (gb); 1.2.1811 – 30.11.1854 (München); Mehlhändlers-Gattin
  • Däntl, Luise (vw) / Schöner (gb); 1.5.1857 – 15.9.1930; Arzt-Witwe
  • Däntl, Maria (vw) / Ressler (gb); 10.11.1834 – 7.11.1894; Mehlhändlers-Witwe
  • Däntl, Marie (vw) / Dallmayer (gb); 14.9.1854 – 29.1.1930; Eisenhändlers- und Kaufmanns-Witwe
  • Däntl, Max [in memoriam]; – 27.7.1944 (Wysokie/Polen), 35 Jahre alt; Hauptmann und Kaufmann
  • Däntl, Theresia (vw); 6.5.1779 – 29.3.1833 (München); Mehlhändlers-Witwe

Grab der Familie Däntl auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#ML – 137·138 (Schneider)


SCHNEIDER


  • Schneider, Maria (vw); – Januar 1872; Kaufmanns-Witwe

Grab der Familie Schneider auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#ML – 145* (Heusler)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Heusler, Elisabeth von (vh) / Stürmer (gb); – 18.8.1854 (München), 40 Jahre alt; Oberleutnants-Gattin
  • Heusler, Ferdinand von; – 23.1.1879; Premierleutnant a. D.
  • Heusler, Therese von (vh) / Schrott (gb); – 8.11.1906

Das Grab ist nicht erhalten

#ML – 159 (Neubeck)


Hier ruhen in Gott
Karl Freiherr von Neubeck
Kgl. Oberstleutnant
1775 – 1835
Josepha Freifrau von Neubeck
geb. Freiin von Welden
1784 – 1839
Franz Freiherr von Neubeck
1856 – 1866
Louise ›Ludovika‹ Freiin von Neubeck
1816 – 1872
Elisabeth Freiin von Neubeck
1888 – 1890
Karl Freiherr von Neubeck
Kgl. Generalmajor
1821 – 1894
Sabina Freifrau von Neubeck
geb. Hoderlein
1825 – 1909


  • Neubeck, Elisabeth Freiin von; 19.11.1888 – 31.10.1890
  • Neubeck, Franz Freiherr von; 3.2.1856 – 6.3.1866 (München); Artilleriemajors-Sohn
  • Neubeck, Josefa Freifrau von (vh) / Welden, Freiin von (gb); 19.3.1784 – 22.9.1839 (München); Oberstleutnants-Witwe
  • Neubeck, Karl Freiherr von; 26.8.1775 (Weissenburg/Elsaß) – 30.12.1835 (München); Oberstleutnant
  • Neubeck, Karl von; 26.5.1821 – 4.1.1894; Generalmajor
  • Neubeck, Luise/Ludovika, Freiin von; 4.5.1816 – 21.8.1872 (München); Oberstleutnants-Gattin
  • Neubeck, Sabina Freifrau von (vh) / Hoderlein (gb); 11.3.1825 – 21.2.1909

Grab der Familie Neubeck auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#ML – 162·163 (Orff)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Orff, Mathilde von (vw) / Bögler (gb); 24.6.1836 – 22.7.1907
  • Orff, Otto von; 11.8.1823 (Alzen) – 12.9.1890 (Interlaken); Oberst a. D.

Grab der Familie Orff auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2020)

Grab der Familie Orff auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#ML – 164·165 (Kamerknecht)


MARIA CAROLINE
KAMERKNECHT
GEB. FREIIN v. AXTER
† 4.7.1929


  • Kamerknecht, Maria Karoline (vh) / Axter, Freiin von (gb); – 4.7.1929

Grab der Familie Kamerknecht auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#ML – 172·173 (Hoffnaaß)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Hoffnaaß, Elise von; 1802 – 10.2.1890
  • Hoffnaaß, Ferdinand Wilhelm Ritter von; 22.5.1769 – 4.6.1844 (München); Generalleutnant
  • Hoffnaaß, Iphigenie von (vw) / Sprengel (gb); 19.1.1789 – 21.1.1864 (München); Generalleutnants-Witwe
  • Hoffnaaß, Ludwig Ritter von; 18.8.1828 – 12.3.1865 (München); Oberleutnant
  • Hoffnaaß, Max Ritter von; 1.6.1798 – 20.3.1858 (Murnau); Königlicher Forstrat
  • Hoffnaaß, Therese Iphigenie von; 27.1.1820 – 14.5.1837 (München); Generalleutnants-Tochter

Todesanzeige für Therese Iphigenie von Hoffnaaß. † 14. Mai 1837.

Todesanzeige für Ferdinand Wilhelm Ritter von Hoffnaaß. † 4. Juni 1844.

Grab der Familie Hoffnaaß auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#Ferdinand Wilhelm Ritter von Hoffnaaß

* 22.5.1769
† 4.6.1844 (München)
Generalleutnant

#Der Bayerische Eilbote (9.6.1844)

Gestern Nachmittags rückten sämmtliche Truppen der hiesigen Garnison unter dem Commando des Hrn. General-Lieutenants Grafen von Ysenburg aus, um die Leiche des Hrn. Generallieutenants von Hoffnaaß zur letzten Ruhestätte auf dem hiesigen Gottesacker zu begleiten. Außerhalb der Mauern desselben wurden die üblichen Salven gegeben.

Der Bayerische Eilbote No. 69. Sonntag, den 9. Juni 1844.

#Max Ritter von Hoffnaaß

* 1.6.1798
† 20.3.1858 (Murnau)
Königlicher Forstrat

#Bayerischer Kurier (24.3.1858)

Aus Eschenlohe bei Murnau ist gestern die Trauerkunde hier eingetroffen von dem plötzlichen Hinscheiden des Hrn. Regierungs- und Kreisforstraths Ritter v. Hoffnaaß, eines um die Forstwirthschaft höchst verdienten Staatsbeamten. Derselbe befand sich in Amtsgeschäften in Murnau und machte am Samstag Abends in Begleitung seines 17jährigen Sohnes einen Spaziergang, auf welchem er plötzlich sich so unwohl fühlte, daß er am Wege sich niedersetzen mußte. Auf des Erkrankten Verlangen eilte der Sohn nach dem nahen Eschenlohe, um Hilfe herbeizuholen; bis er aber an dem Platz, wo er den Vater verlassen hatte, mit noch mehreren Personen zurückkam, traf er diesen nicht mehr an. Erst gegen 3 Uhr früh gelang es den schon ziemlich bejahrten Herrn in einem Wassergraben aufzufinden – leider als Leiche. Aller Wahrscheinlichkeit nach wollte er sich von einem plötzlich und heftig aufgetretenen Hämorrhoidalleiden durch Ergehen Erleicherung verschaffen, wobei er verunglückte.

Bayerischer Kurier Nr. 82. München; Mittwoch, den 24. März 1858.

#ML – 176·177 (Koch)


Familien-Grabstätte
des
Obermedizinalrates
Dr. ANDREAS KOCH
† 18¿
und
Univ. Professors
Dr. GUIDO R. KOCH
† 1882
Hofrat Dr. LUDWIG KOCH
Oberstabsarzt
† 1924.
KATHARINA KOCH
¿


  • Koch, Andreas, Dr. med.; – 7.4.1846 (München), 70 Jahre alt; Obermedizinalrat
  • Koch, Guido von, Dr. med.; 12.9.1815 – 18.8.1882 (München); Hofzahnarzt
  • Koch, Josef; 1819 (München) – 17.2.1872 (München); Landschaftsmaler und Tiermaler
  • Koch, Katharina
  • Koch, Ludwig, Dr. med.; – 29.11.1924 (München), 78 Jahre alt; Oberstabsarzt a. D.

Todesanzeige für Josef Koch

Todesanzeige für Dr. med. Guido von Koch

Todesanzeige für Dr. med. Ludwig Koch

Grab der Familie Koch auf dem Alten Südfriedhof München (März 2008)

#Dr. med. Andreas Koch

† 7.4.1846 (München), 70 Jahre alt
Obermedizinalrat

#Baierische National-Zeitung (16.3.1808)

Se. Maj. der König haben dem Professor der Wundarzneikunde an der königl. Militärschule, Hrn. Dr. Andreas Koch zu München, wegen seiner Verdienste um viele Kranke, und seiner bewährten Geschicklichkeit in vielen Operationen, durch den königl. geh. Rath und Leib-Medikus v. Besnard, eine goldene Tabatiere zur Belohnung zustellen lassen. Unter der Leitung des Herrn Prof. erhielten auch die von dem hiesigen chyrurgischen Instrumentenmacher, Hrn. Schnetter, mit besonderem Fleiß verfertigten chyrurgischen Werkzeuge manche sinnreiche Verbesserung und Vervollkommnung, so daß sie den berühmtesten Arbeiten dieser Art, welche in Frankreich und England gemacht werden, auf keine Weise nachstehen.

Baierische National-Zeitung Nro. 64. München; Mittwoch, den 16. März 1808.

#Allgemeine Zeitung (9.4.1846)

München, 7 April. Diesen Morgen starb hier nach längerm Körperleiden im 71sten Lebensjahr der Obermedicinalrath Dr. Andreas Koch, früher Director des allgemeinen Krankenhauses, das ihm manche treffliche Einrichtung verdankt. Der Verstorbene war einer unserer verdientesten Aerzte, und seines biedern humanen Charakters wegen allgemein geachtet.

Allgemeine Zeitung Nr. 99. Augsburg; Donnerstag, den 9. April 1846.

#Josef Koch

* 1819 (München)
† 17.2.1872 (München)
Landschaftsmaler und Tiermaler

#Unsere Zeit (1872)

Joseph Koch, der namentlich durch seine vortrefflichen Thier- und Landschaftsgemälde allgemein bekannte münchener Künstler, ist am 17. Febr. 1872 seinen langen Leiden, welche in einem langsam um sich greifenden Zungenkrebs bestanden, erlegen.

Er wurde als Sohn des geschätzten Arztes, des Obermedicinalrathes Dr. Koch, zu München im Jahre 1819 geboren. Seinen ersten gelehrten Unterricht empfing der geistig rege Knabe auf der Lateinischen Schule seiner Vaterstadt und machte alsdann, nachdem er die Malerei zu seinem Lebensberufe erwählt hatte, bei dem genialen Albrecht Adam die malerische Vorschule durch; später war Friedrich Voltz sein Förderer und Beschützer. Schon damals waren Thier- und Landschaftsmalerei die Fächer, in denen sich der Pinsel des jungen Künstlers mit Vorliebe versuchte. Joseph Bernhard wußte ihm auch Geschmack für Porträtmalerei beizubringen. Allein sehr bald drängte seine Liebe zu Vorwürfen aus der Thiermalerei alle andern Genres der Malerei bei seiner Production in den Hintergrund.

Im Jahre 1841 debutirte er im Kunstvereine mit einer Reihe talentvoller Bilder, nämlich mit einer Schweinsjagd, Weidenden Kühen und Pferden, Einem Rudel Rehe und Hirsche und Viehhändlern auf einer Fähre. Bald nach diesem Debüt ging er nach Belgien und suchte sich in Antwerpen, wo er längere Zeit weilte, künstlerisch weiter zu bilden. Namentlich nach der technischen Seite hin vervollkommnete er sich in Belgien wesentlich, sodaß er, als er im Jahre 1846 – er hatte inzwischen auch Paris und Venedig besucht – nach München heimkehrte, eine nicht unbedeutende Höhe künstlerischer Vollendung erreicht hatte. Er schuf von nun an rastlos; wenn auch nicht behauptet werden darf, daß er besonders productiv gewesen, so pflegte er doch im münchener Kunstvereine in regelmäßigen Intervallen einige Bilder auszustellen. Namentlich sind unter solchen im Kunstvereine zur Ausstellung gekommenen Bildern Koch’s die folgenden nennenswerth: Ein Thierstück mit der Krapfborger Ruine (1849), Eine Partie bei Antwerpen (1851), Thiere im Walde (1852), Weidende Kühe (1853) u. a.

Koch weilte im Sommer gewöhnlich einige Wochen am Chiemsee. Die herrliche Natur dieser Seeufer gab ihm manchen willkommenen Stoff zu malerischer Verwerthung und neue Kraft und Anregung zu frischem künstlerischen Schaffen. So entstanden denn auf solchen Chiemsee-Villeggiaturen einige der schönsten Bilder Koch’s, so Eine Viehtränke auf Herrenchiemsee (1850), Frauenwörth bei Mondbeleuchtung (1865), Eine Partie bei Feldries am Chiemsee (1862) und Die Insel Nonnenwörth (1864). Unter den sonstigen Koch’schen Gemälden nennen wir noch mit Auszeichnung Ein Morgen auf dem Felde (1856), Eine Viehweide bei Antwerpen (1858) und Eine Erntelandschaft (1861).

Unsere Zeit. Deutsche Revue der Gegenwart. Monatsschrift zum Conversations-Lexikon. Leipzig, 1872.

#Allgemeine Deutsche Biographie (1882)

Koch: Joseph K., Thier- und Landschaftsmaler, geb. 1819 zu München, Sohn des Obermedicinalrathes Dr. K., besuchte die Lateinschule, kam aber bald zum Schlachtenmaler Albrecht Adam und Fr. Voltz. Neben der Thiermalerei oblag K. der Landschaft und versuchte sich unter Joseph Bernhardt’s Leitung auch im Porträt; doch entschied zuletzt die Vorliebe für Landschaft mit Thierstaffage. K. debutirte 1841 im Kunstverein mit einer »Schweinsjagd«, mit »weidenden Kühen und Pferden«, einem »Rudel Rehe und Hirsche« und einem Genrestück »Viehhändler bei einer Ueberfahrt«. Dann unternahm er zur weiteren Ausbildung eine Reise nach Belgien und verweilte längere Zeit in Antwerpen, wo er seine Technik wesentlich ausbildete. Nachdem er Paris und später Venedig zum Zwecke seiner künstlerischen Studien besucht hatte, kehrte er 1846 nach München zurück.

Von da an brachte er seine kleinen Bilder regelmäßig im Kunstvereine zur Ausstellung. In günstigen Vermögensverhältnissen, nicht auf den Ertrag seines Pinsels angewiesen, oblag er mit aller Muße der Kunst, welche ihm eine Quelle reinen Genusses blieb. Aus der Reihe seiner Schöpfungen sei erwähnt ein »Thierstück mit der Ruine Kropfberg« im Innthale (1849); eine »Partie bei Antwerpen« (1851); »Thiere in einem Walde« (1852); »Weidende Kühe« (1853) etc.

Da K. die Sommerfrische bei seinem Freunde, dem Landschaftsmaler Wilhelm Boshart († am 31. August 1878), am Chiemsee abzuhalten pflegte, so verarbeitete er auch viele Motive und Studien aus diesen reizenden Gestaden in seine Bilder; eine »Viehtränke auf Herrenchiemsee« (1855); »Frauenchiemsee bei Mondbeleuchtung« (1859); »Partie bei Feldwies am Chiemsee« (1862) und die liebliche »Frauen-Insel« (1864); außerdem ist unter den vom Münchener Kunstverein erworbenen Bildern noch zu nennen ein »Morgen auf dem Felde« (1856); »Viehweide auf den Poldern bei Antwerpen« (1858); eine »Erntelandschaft« (1861) etc.

K. erlag nach langen, mit großer Geduld ertragenen Leiden dem Zungenkrebs am 17. Februar 1872.

Vgl. Beil. 70 Allg. Ztg. (Augsb.) 10. März 1872 u. darnach in Unsere Zeit, 8. Bd., 1872 (II. 72) u. im Kunstvereins-Bericht f. 1872 S. 73 (wo jedoch, ebenso wie in Maillinger’s Bilderchronik, 1876, II. 216, Koch’s Todesjahr irrig auf 1871 angegeben ist). Hyac. Holland.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1882.

#ML – 178·179 (Ziebland)


Ruhestätte
der
Familie
Ziebland

Wer an mich glaubt der hat das ewige Leben


  • Ziebland, Hermann; 14.4.1853 (Veitshöchheim bei Würzburg) – 30.9.1896 (München); Genremaler

Grab der Familie Ziebland auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

Grab der Familie Ziebland auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Hermann Ziebland

* 14.4.1853 (Veitshöchheim bei Würzburg)
† 30.9.1896 (München)
Genremaler

#Biographische Jahrbuch und Deutscher Nekrolog (1897)

Ziebland, Hermann, Genremaler, geboren 18. April 1853 zu Veitshöchheim bei Würzburg (ein Grossneffe des berühmten Architekten Friedrich von Ziebland), genoss eine sehr gute Erziehung, machte seine vielfach durch schwere Krankheiten unterbrochenen Studien an der Lateinschule und am Gymnasium, wendete sich dann an der Kunstgewerbeschule in Nürnberg 1870 bis 1874 und zu München an der Akademie zur Malerei, wo er unter W. Diez, Löfftz und Lindenschmit ein geschätzter Genremaler wurde. Er wählte harmlos heitere Scenen, die er mit Sorgfalt und gediegener Mache ausführte: Kostümstücke, gemüthliche Raucher (1882), Zecher, Bauern und Landsknechte, lustige Gesellschaft (1890). Seine Bilder fanden nicht allein in München, sondern auch auswärts (in London) gute Aufnahme und Anerkennung; man sah es ihnen nicht an, dass die meisten nur in den Zwischenpausen einer elfjährigen Krankheit entstanden, welche am 30. September 1896 den Künstler in die Arme des Todes legte.

Kunstvereinsbericht f. 1896. S. 79.

H. Holland.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog. Berlin, 1897.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Ziebland Hermann, 1853 (Veitshöchheim bei Würzburg) – 1896, Genremaler; dieser Großneffe des berühmten Architekten Friedrich von Z. (der in Regensburg bestattet ist) studierte an der Kunstgewerbeschule in Nürnberg (1870–1874) und dann auf der Münchner Kunstakademie, um unter W. Diez, Löfftz und Lindenschmit ein geschätzter Genremaler zu werden; er wählte harmlos heitere Szenen, die er sorgfältig ausführte.

Hauptwerke: Kostümstücke, gemütliche Raucher, Zecher, Bauern und Landsknechte, lustige Gesellschaft; seine Bilder fanden auch im Ausland (u. a. auch in London) Anerkennung.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#ML – 180 (Schrank)


Dr. theol. FRANZ
v. SCHRANK
BOTANIKER
1747 – 1835


  • Schrank, Franz von Paula, Dr. theol.; 21.8.1747 (Vornbach am Inn/Ndb.) – 22.12.1835 (München); Katholischer Geistlicher und Botaniker

Grab der Familie Schrank auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2008)

Grab der Familie Schrank auf dem Alten Südfriedhof München. Abbildung aus: Auswahl der vorzüglichsten Denkmäler des Münchner Kirchhofes. 3. Band. München, 1841.

#Dr. theol. Franz von Paula Schrank

* 21.8.1747 (Vornbach am Inn/Ndb.)
† 22.12.1835 (München)
Katholischer Geistlicher und Botaniker

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Schrank Franz von Paula, Dr. theol., von, 1747 (Vornbach am Inn/Ndb.) – 1835, katholischer Priester, Botaniker und Universitätsprofessor; er studierte bei den Jesuiten in Passau und wurde Mitglied der Gesellschaft Jesu, dabei wurde er in Kollegien dieses Ordens in Österreich ausgebildet; so lernte er in Ödenburg P. Sluha kennen, der in Brasilien Missionar gewesen war und Sch. für die Naturwissenschaften begeisterte, so machte er neben den theologisch-philosophischen auch mathematische und naturwissenschaftliche Studien in Raab, Tyrnau und Wien; nach Aufhebung des Jesuitenordens wurde Sch. Priester und beschäftigte sich mit naturgeschichtlichen Arbeiten; 1776 wurde er Professor für Mathematik und Physik am Lyzeum zu Amberg, dann für Rhetorik in Burghausen, seit 1784 war Sch. Professor der Landwirtschaft (einschließlich Berg- und Forstwissenschaft, Botanik und Zoologie) in Ingolstadt; später in Landshut und seit 1809 Mitglied der BAkdW in München, wo er nach vorherigen Studienreisen durch Norditalien, den neuangelegten Botanischen Garten leitete.

Hauptwerke: Fauna Boica (3 Bde.), Flora Monacensis (4 Bde. mit 400 Farbtafeln), Beiträge zur Naturgeschichte, Primitiae Florae Salisburgensis, Akademische Reise nach den südlichen Gebirgen von Baiern im Jahre 1788; insgesamt 40 selbständige Ww; dieses vielseitige Genie gilt als Bayerns größter Botaniker vor K. F. Ph. von Martius.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#ML – 181* (Linder)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Linder, Emilie; 11.10.1797 (Basel) – 12.2.1867 (München); Historienmalerin, Portraitmalerin und Mäzenin

Todesanzeige für Emilie Linder. † 12. Februar 1867.

Emilie Linder. Abbildung aus A. von Liebenau: Emilie Linder und ihre Zeit. Ein Charakter- und Sittenbild aus der ersten Hälfte des scheidenen Jahrhunderts. Luzern, 1897.

Das Grab ist nicht erhalten


#Emilie Linder

* 11.10.1797 (Basel)
† 12.2.1867 (München)
Historienmalerin, Portraitmalerin und Mäzenin

#Augsburger Postzeitung (19.2.1867)

Lokales und Provinzielles.

München, 15. Febr. Gestern Nachmittag haben wir eine der letzten Größen der alten katholischen Zeit Münchens zur Erde bestattet. Ich meine Fräulein Emilie Linder. Sie war eine reiche Patricierstochter aus Basel, siedelte in den dreißiger Jahren aus Liebe zur Kunst nach München über und wurde ein Mittelpunkt des wissenschaftlichen Strebens daselbst. Cornelius, Clemens Bretano, Schubert, Görres, die Eberhards, Ringseis und was eben von Notabilitäten in München war, traf sich in ihren Kränzchen und bewunderte die Kunstperlen, die sie in ihren Zimmern angehäuft hatte. Früher reformirt, legte sie später das katholische Glaubensbekenntniß in Dr. Dirnbergers Hände ab und lebte von da an nur mehr Gott, der hl. Kunst und den Armen. Ihre Schätze der Kunst hat sie ihrer Heimath Basel vermacht, wo sie auch für die Schulen und Armen der katholischen Gemeinde edle Sorge getroffen. Ein Muster einer heiligmäßigen, demüthigen und geistigreichen katholischen Frau! Sie ruhe im ewigen Frieden!

Augsburger Postzeitung Nro. 43. Dienstag, den 19. Februar 1867.

#Beiblatt zur Landshuter Zeitung (24.2.1867)

Emilie Linder.
(Aus der allg. Ztg.)

München, 18. Febr. Vor wenigen Tagen ward unter großem Geleit und mit nicht geringerer innerer Theilnahme Frln. Emilie Linder zur Erde bestattet. Sie war in Basel im Jahre 1798 geboren und im Jahre 1824 als Schülerin der Alademie der Künste, zur Zeit wo mehrere Damen sich an dieser Anstalt ausbildeten, hieher eingewandert. Mit dem Besitz eines bedeutenden Vermögens vereinigte sich aber auch in ihr die nicht häufige Begabung der trefflichsten Verwendung desselben. Ihr Leben bestund neben der Liebe zur Kunst in der größten Liebe zur Menschheit, indem unermüdlichsten Eifer allenthalben Gutes zu stiften und Segen zu verbreiten. Schon auf ihrer ersten Reise nach Italien (1825) erbarmte sie sich – obgleich damals noch Protestantin – des gerade durch mannichfaches Mißgeschick zum Verfall gebrachten Klosters der deutschen Franciscanerinnen in Assisi. Ihren Mitteln ist die Erhaltung desselben zu danken, und bis zu ihrem Lebensende waren die Nonnen mit ihrer Retterin in dankbarstem Verkehr geblieben. Schon bald nach ihrer Ansiedelung in München hatte die hohe geistige Begabung und der feine ästhetische Sinn der Trefflichen den auserlesensten Kreis um sie geschaart. Cornelius, Ringseis, Schlotthauer, Eberhard, die beiden Boisserée, Heß, Görres, Clemens Brentano und andere fanden in dem Hause des Fräuleins den ihnen entsprechendsten Vereinigungspunkt. In Rom war ebenso ein reger Verkehr mit Overbeck, Veith, Koch, Schnorr und den namhaftesten Meistern der edelsten Richtung gegründet worden. Emilie Linder selbst aber hat ihre Kunst als Malerin in bescheidenster Weise ausgeübt, indem sie ihre Gemälde nur armen Capellen oder Kirchen widmete. Um so mehr aber spendete sie an andere Künstler in reichem Maß. Sie war es, welche einige Schüler der Akademie eigens nach Mailand schickte um die Copie des Leonardo-Abendmahls anfertigen zu lassen, welche sie in das von ihr in ihrer Vaterstadt Basel gegründete Kunstmuseum mit vielen andern Gegenständen von hoher Bedeutung stiftete. Im Jahre 1844 trat Emilie Linder zur katholischen Kirche über. Ihrer inneren Richtung mag dieser Schritt eine besondere Genugthuung gewesen sein; das Gebot der christlichen Liebe war aber ins Herz gewachsen, so daß die Manifestationen dieser schönsten Eigenschaft des Christen wohl nicht vermehrt werden konnten.(Wohl aber die volle Weihe erhielten! Die Red. d. Ldsh. Ztg.) Nach allen Seiten hin floß aus dieser Quelle der reichste Strom; aber es war ein stilles Wirken ohne Sang und Klang. Dabei lebte die Geberin selbst in einfachster Zurückgezogenheit und Bescheidenheit. Eben deßhalb ist es unsere Pflicht die Blumen der Anerkennung und Dankbarkeit auf ihren frischen Grabhügel zu pflanzen. Die namhafte Sammlung der schönsten Kunstgebilde, welche ihre Wohnung zierte, war wohl der einzige Genuß den sie sich selbst gestattete. Die prächtigsten Zeichnungen von Overbeck, Schwind und andern Meistern umgaben sie. Ihrer Hand aber haben wir unter andern das vorzügliche Bildniß Clemens Brentano's zu danken.

Beiblatt zur Landshuter Zeitung No. 8. 24. Februar 1867.

#Bayerischer Kurier (12.2.1868)

Nächsten Mittwoch den 12. Februar als am Sterbetage des hochwohlgebornen

Fräulein
Emilie Linder,

wird in der Herzogspital Hofkirche um 9 Uhr ein Requiem gehalten wozu deren Freunde eingeladen werden

Wo möglich, bittet man die unterstützten Armen darauf aufmerksam zu machen, daß sie ihrer verlebten Wohlthäterin im Gebete eingedenk seien.

Bayerischer Kurier Nr. 42. München; Mittwoch, den 12.2.1868.

#Augsburger Postzeitung (16.2.1867)

Deutschland.

RB. München, 12. Febr. (Unlieb verspätet.) Fräulein Emilie Linder ist heute Nacht um 3 Uhr nach längerem Leiden und kurzer Krankheit, hochbetagt gestorben. Wie ehedem auf dem Stifte Kloster-Neuburg (bei Heidelberg) die Familie Schlosser, so war diese Dame für München der Mittelpunkt eines stillen Kreises, in welchem Kunst und Wissenschaft ehrende Aufnahme und Pflege fand. Fortwährend im regsten Verkehr mit den Koriphäen der christlichen Kunst und persönlich befreundet mit Cornelius, Overbeck, Schraudolph, Steinle, Führich, Schlotthauer u. A. sammelte sie durch eigene Aufträge einen reichen Schatz von Bildern und Handzeichnungen, während sie mit großartiger Liberalität eine Anzahl jüngerer, strebsamer Talente unterstützte. Durch ihre milde, im Geben unermüdliche Hand ging auch sonst eine Fülle von Spenden, immer stille und geräuschlos, daß der Empfänger selbst oft nicht wußte, von woher die Hilfe gekommen war. An ihrem gastlichen Herde hat sie zeitweise eine auserlesene Gesellschaft versammelt; nicht leicht wird sich irgend eine literarische oder künstlerisch bedeutsame Persönlichkeit finden, welche nicht zu ihr geboten oder geladen wurde, wenn der Betreffende häufig auch nicht dem Kreise der Kirche angehörte. Mit großem Interesse verfolgte sie noch im hohen Alter alle neueren Erscheinungen, welche auf einem positiven Boden standen. Die Büste des verewigten Psychologen und Naturforschers Schubert – dessen Lieblingsaufenthalt zu Pähl sie auch zu ihrer regelmäßigen Sommerfrische wählte – stand neben Heinrich Heß und Peter Cornelius. Der geheime Rath von Ringseis und der wackere, vielverdiente Schlotthauer gehörten zu ihren trautesten Genossen, Freunden und Rathgebern.

Ihre Kunstschätze, wahre Perlen ihrer Art, ich erwähne nur eines kostbaren Pergament-Blattes von Albrecht Dürer und jenes, in seiner Art einzigen, großen Altarschreines von Konrad Eberhard – welch' letzterer gleichfalls zu ihren Besten und Nächsten gehörte – wird wohl das von ihr in ihrer Vaterstadt Basel begründete und längst schon reich bedachte Museum erben. Aus ihren früheren Jahren, wo sie selbst noch die Kunst übte stammt das einzige geistvolle Portrait des Dichters Clemens Brentano, welches der Gesammtausgabe seiner Schriften beigegeben ist. Hätte sie sonst nichts geschaffen, dieses Bildniß allein sicherte ihr eine hohe Anerkennung im Gebiete der bildenden Kunst. Ueber Allem aber steht ihre stille ächt christliche Werkthätigkeit und Liebe, mit der sie ihren bedeutenden Reichthum verwendete. Sie war eine reine, spiegelklare Seele, welche wir, da sie nun an die Fahrt ging, die uns Allen nach ihr noch bevor steht, mit den Worten eines mittelalterlichen Dichters den Wunsch nachsenden können, daß ihr »der süeze vater nâch genâden pflege.«

Augsburger Postzeitung Nro. 41. Samstag, den 16. Februar 1867.

#Tag- & Anzeigeblatt für Kempten und das Allgäu (22.3.1873)

Politische Nachrichten.

Schweiz. Wie die »Schweizer Grenzpost« berichtet, hat der ausgewiesene Bischof Eugen Lachat von Basel dem Bisthums-Inventar ansehnliche Vermögenstheile entzogen. Das genannte Blatt schreibt hierüber u. A.: Am 12. Febr. 1867 starb Frln. Emilie Binder von Basel in München, welche zu kirchlichen Zwecken dem jeweiligen Diözesanbischof von Basel, residirend in Solothurn, die Summe von 200,000 Schweizer Franken alter Current-Währung vermacht hatte. Den Diözesanständen wurde von Seiten des Bischofs davon niemals officiell Kenntniß gegeben. Nach Entsetzung des Bischofs Lachat haben die Diözesanstände die Regierung von Solothurn eingeladen, für Uebergabe des dem Bisthum angehörigen Inventars zu sorgen. Auf das Gerücht, daß Erzbischof Lachat umfangreiche Kapitalskündigungen vorgenommen habe, zog sich Regierungsrath Heutschi Erkundigungen ein. Da ergab sich nun, daß Eugen Lachat seit dem 27. Januar 1873 nicht weniger als 80,000 Francs einkassirt und zu Handen gezogen hat. Um sofortige Zahlung eines Postens von 22,000 Frcs. zu erlangen, wurden 2000 Franken nachgelassen. Der bischöfliche Kanzler Duret erklärt, das Legat gehöre nicht dem Bisthums-Inventar, und verweigert die Herausgabe der noch vorhandenen Hypothekenbriefe, die 80,000 resp. 78,000 Franken aber hat Lachat, wie gesagt, mitgenommen (vermuthlich als »Paß zum Paradiese«).

Tag- & Anzeigeblatt für Kempten und das Allgäu No. 68. Samstag, den 22. März 1873.

#Augsburger Postzeitung (25.3.1873)

Ausland.

Aus der Schweiz, 23. März. [...] Mit welcher Bosheit die Angelegenheit des Vermächtnisses der in München zu unserer Kirche übergetretenen Fräulein Emilie Linder von Basel entstellt wird! Fräulein Linder (dem Schreiber dieses persönlich bekannt) war ein sehr gebildetes Frauenzimmer und eine gute Malerin; ihr Uebertritt erfolgte nicht durch äußere Mittel und auch nicht durch Belehrung Seitens der Jesuiten; sondern er war das Werk der langsam wirkenden Gnade und der in redlichem Streben gewonnenen Ueberzeugung. In München verkehrte sie viel mit hervorragenden Männern der katholischen Wissenschaft und Kunst, und besonders auch mit Universitätsprofessoren; auch der gegenwärtige Bischof von Speyer war (wenn wir nicht irren) einer der von ihr besonders verehrten Geistlichen. Gut, diese hochgebildete und entschiedene Katholikin wollte nun mit dem Vermächtnisse von 285,714 Franken jedenfalls nicht die grimmigen Verfolger ihrer Kirche beschenken, sandern in ihrem eigenhändigen letzten Willen vom 20. März 1863, als der bischöfliche Stuhl von Basel (Solothurn) eben erledigt war, vermachte sie dem jeweiligen Diöcesanbischof von Basel, residirend in Solothurn, also offenbar demjenigen, der bei ihrem Tode der rechtmäßige Bischof sein werde, die Summe von 200,000 Schweizerfranken aller Currentwährung zu kirchlichen Zwecken, über deren nähere Bestimmung ein versiegeltes Päckchen an die Adresse des jeweiligen Diöcesanbischofs und bischöflichen Domkapitels (oder Senates) beiliege. Frln. Linder starb am 12. Februar 1867 und am 14. wurde ihr Testament eröffnet. Der Vollstrecker händigte dem damaligen Bischofe, der es noch ist, Eugenius, die Titel ein. Selbstverständlich wurde den Regierungen der Bisthumskantone nie Kenntniß gegeben, da das Vermächtniß diese Leute nichts anging. Es wäre sie auch nichts angegangen, wenn es sogar dem Bisthume gehört hätte. Denn sie sind keine kirchliche und keine Bisthumsbehörden. Der Bischof wird nun auf die abscheulichste Weise von unseren Kirchenfeinden verdächtigt. Besonders übel nehmen es ihm die Klosterguteinsacker und eidgenössischen Banditen aller Schichten, daß er bezügliche Gelder vor den Händen der Leute – die Frln. Linder offenbar so wenig bedenken wollte, als den Mephistoles – in Sicherheit brachte.

Augsburger Postzeitung Nr. 72. Dienstag, den 25. März 1873.

#Memminger Zeitung (3.4.1873)

Ausland.

Basel, 31. März. Die »Baseler Nachrichten« melden: Am Samstag gab Bischof Lachat von Solothurn das Codicill des Testaments von Frl. Emilie Linder heraus. Dasselbe lautet für Lachats bisheriges Verfahren ungünstig. In dem Legat sind 200,000 Fr. dem Bisthum und nicht dem Bischof vermacht. Dieselben sollen zur Heranbildung erleuchteter würdiger Prieser dienen. Die Ueberschüsse der Renten können zur Unterstützung armer Kirchen, Kranken, armer Priester verwendet werden. Die Gesammtsumme des Capitals von 285,000 Fr. ist durch die Herausgabe der Urkunden gesichert.

Memminger Zeitung No. 79. Donnerstag, den 3. April 1873.

#Allgemeine Deutsche Biographie (1883)

Linder: Emilie L., Malerin, geb. zu Basel am 11. October 1797, † zu München am 12. Februar 1867. Sie stammte aus einer reichen Kaufmannsfamilie zu Basel und erhielt eine vielseitige Ausbildung und eine streng religiöse (reformirte) Erziehung. Frühzeitig zeigte sie Neigung und Talent für Malerei. 1824 ging sie zu ihrer Ausbildung nach München und wurde dort eine Schülerin Schlotthauer’s. Im Hause des Professors Ringseis, an den sie von Basel aus empfohlen war, wurde sie mit den hervorragendsten Münchener Künstlern und Gelehrten bekannt, namentlich mit Cornelius, Heinrich Heß, Franz v. Baader, Schubert, Schelling, Görres, Lasaulx. Im Sommer 1825 machte sie mit Schlotthauer und dessen Frau eine Reise nach Ober- und Mittelitalien. 1828 kehrte sie nach Basel zurück, reiste aber schon 1829 nach Rom, wo sie bis zum Juli 1831 blieb und sich namentlich mit Overbeck befreundete. Im J. 1832 nahm sie ihren bleibenden Wohnsitz in München, von wo aus sie aber noch einige Reisen machte, 1835 mit Schubert an den Niederrhein und nach Holland, 1843 nach Tirol und Oberitalien, 1844, nachdem sie am 4. December 1843 zur katholischen Kirche übergetreten war, zu ihren Verwandten in Basel und Luzern.

Sie malte fast ausschließlich religiöse Bilder, die sie meist an arme Kirchen verschenkte, erwarb auch religiöse Bilder und Handzeichnungen von Cornelius, Overbeck, Steinle, Schwind und anderen Meistern, unterstützte auch ärmere Künstler durch Bestellungen. Sie bekundete außerdem ein reges Interesse für Poesie und Musik. Mit Rücksicht auf den Kreis von bedeutenden Männern, mit welchen sie verkehrte, verglich sie Schubert nicht unpassend mit der Fürstin Gallitzin. Mit Cornelius, Overbeck, Diepenbrock, Clemens, Brentano, Platen u. A. stand sie in Briefwechsel. Franz v. Baader widmete ihr 1831 seine »Vierzig Sätze aus einer religiösen Erotik« und E. v. Lasaulx 1860 seine »Philosophie der schönen Künste«. Abt Haneberg hielt ihr die Grabrede. Nachdem sie schon während ihres Lebens eine großartige Wohlthätigkeit geübt, vermachte sie in ihrem Testamente die Hälfte ihres bedeutenden Vermögens zu wohlthätigen und kirchlichen Zwecken – 200,000 Francs dem katholischen Bischof von Basel für seine Diöcese, – ihre Kunstschätze dem Museum ihrer Vaterstadt Basel.

Hist.-polit. Blätter, 59. Bd. (1847), 713; 65. Bd. (1870), 31. Rosenthal, Convertitenbilder I, 2, 237. Reinkens, M. v. Diepenbrock, S. 176 ff. (über ihre Conversion S. 273).

Reusch.

Reusch: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1883.

#ML – 182·183 (Hirthe · Rosmann)


FAMILIE ROSMANN.

HERMANN ROSMANN, k. Advokat geb. 4. Jan. 1790 † 28. April 1867.
FRAU THERESE ROSMANN, geb. 19. Febr. 1800 † 19. Jan. 1874.
CARL ROSMANN, Custos a. d. k. Staatsbibl. geb. 10. Okt. 1824 † 22. Jan. 1903.
HERMANN ROSMANN, k. Oberförster geb. 22. Jan. 1823 † 26. Mai 1903.
MAX ROSMANN, k. Regierungsrat geb. 14. Okt. 1832 † 12. Jan. 1904.
FRAU MARIA ROSMANN, geb. 29. Sept. 1847 † 10. Dez. 1914.
FRAU MARIA HIRTHE, geb. Rosmann geb. 2. Aug. 1873 † 22. Febr. 1920.
FRAU FRANZISKA ROSMANN, geb. 2. Juni 1858 † 17. Juli 1932.

Schnelldorfer 182-183.


  • Hirthe, Maria (vh) / Rosmann (gb); 2.8.1873 – 22.2.1920 (München); Katasterbeamtens-Gattin
  • Rosmann, Franziska (vw); 2.6.1858 – 17.7.1932 (München); Oberregierungsrats-Witwe
  • Rosmann, Hermann; 22.1.1823 (Aschaffenburg) – 26.5.1903 (München); Advokatens-Sohn / Oberförster a. D.
  • Rosmann, Hermann; 4.1.1790 – 28.4.1867 (München); Advokat
  • Rosmann, Karl; 10.10.1824 – 22.1.1903; Kustos
  • Rosmann, Maria (vh); 29.9.1847 – 10.12.1914
  • Rosmann, Max; 14.10.1832 – 12.1.1904; Regierungsrat
  • Rosmann, Therese (vh); 19.2.1800 – 19.1.1874 (München); Advokatens-Witwe

Todesanzeige für Maria Hirthe. † 22. Februar 1920.

Todesanzeige für Fanny Rosmann. † 17. Juli 1932.

Grab der Familien Hirthe · Rosmann auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familien Hirthe · Rosmann auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2008)

#ML – 184·185 (Waldmann)


GRABSTAETTE
DER FAMILIE
WALDMANN


  • Waldmann, Eleonora (vw); – 14.6.1852 (München); Forstmeisters- und Triftbeamtens-Witwe
  • Waldmann, Franz; – (14).4.1849 (München), 58 Jahre alt; Königlicher Forstmeister und Triftbeamter

Grab der Familie Waldmann auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#ML – 188·189 (Keller)


Grab der Familie Keller auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2017)

#ML – 190·191 (Tauffkirchen-Guttenburg)


Hier ruhen
Bianka Olympia Gräfin v. Tauffkirchen Guttenburg
geb. Gräfin von Pückler Muskau,
geboren zu ¿ den 27. Dezember 1792, gestorben zu München den 29. November 1834.
und deren Gatte
Joseph Max Graf von Tauffkirchen Guttenburg
kgl. b. Kämmerer, Obristlieutenant a. l. S.
Großcomthur des Georgi Ordens, Ritter des k. b. Ludwigsordens,
der fr. Ehrenlegion u. a.
geboren zu Passau den 12. März 1793, gestorben zu München den 17. November 1861.
Karl Graf von Tauffkirchen Guttenburg,
k. Kämmerer, Staatsrath und Gesandter,
Kapitular, Komthur des k. Hausritter-Ordens vom hl. Georg etc.
geb. zu München 7. Juli 1826, gest. zu Stuttgart 25. April 1895.

Friede ihrer Asche!

Sockel
Per crucem ad lucem!
Zwisler & Baumeister

Linke Seite
Ernestine Gräfin v. Tauffkirchen Guttenburg
geborene Freyin von Pfeffel
geboren den 14. Juli 1836
gestorben den 12. Januar 1922.
¿


  • Tauffkirchen-Guttenburg, Bianca Olympia Gräfin von (vh) / Pückler-Muskau, Gräfin von (gb); 27.12.1792 (Muskau) – 29.11.1834 (München)
  • Tauffkirchen-Guttenburg, Ernestine Gräfin von (vh) / Pfeffel, Freiin von (gb); 14.7.1836 – 12.1.1922
  • Tauffkirchen-Guttenburg, Josef Maximilian Graf von; 12.3.1793 (Passau) – 17.11.1861 (München); Kämmerer
  • Tauffkirchen-Guttenburg, Karl Graf von; 7.7.1826 (München) – 25.4.1895 (Stuttgart); Kämmerer, Staatsrat und Gesandter

Grab der Familie Tauffkirchen-Guttenburg auf dem Alten Südfriedhof München (April 2014)

#Josef Maximilian Graf von Tauffkirchen-Guttenburg

* 12.3.1793 (Passau)
† 17.11.1861 (München)
Kämmerer

#Bayreuther Zeitung (19.11.1861)

München, 18. Nov. Graf Joseph Maxim. v. Taufkirchen-Guttenberg ist in Folge eines Schlaganfalls gestern Nachmittags plötzlich gestorben. Der Verlebte war k. Kämmerer (seit 1816), Oberstlieutenant à la suite, Capitular-Grosscomthur des Ritterordens vom heil. Georg, Ehrenkreuz des Ludwigs-Ordens, Ritter der französischen Ehrenlegion, Commandeur des großh. hessischen Ludwigsordens und Inhaber des russischen St. Anna-Ordens II. Classe in Brillanten. Graf Taufkirchen war wenige Stunden vor seinem plötzlichen Ableben noch so wohl, daß er sich noch Vormittags ein Billet zur abendlichen Theatervorstellung hatte holen lassen.

Bayreuther Zeitung Nro. 321. Dienstag, den 19. November 1861.

#ML – 192 (Schuster)


Hier ruhet
Herr Josef Schuster,
ehemaliger Kürschnermeister
geboren am 12. März 1812,
gestorben am 4. Dezember 1897.

R. I. P.


  • Schuster, Josef; 12.3.1812 – 4.12.1897; Kürschnermeister

Grab der Familie Schuster auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#ML – 193·194 (Lerchenfeld)


Familien-Begräbniss
der
Freiherren v. Lerchenfeld ¿

Linke Spalte
Max
Fryherr v. Lerchenfeld
geb. 12. Jänner 1815
gest. 18. Juni 1835.
Ludovika
Freiin v. Lerchenfeld
geb. 6. Dezember 1826
gest. 22. Januar 1899.
Ernst
Freyherr v. Lerchenfeld
geb. 17. Juni 1816,
gest. 28. August 1873.
Babette
Freyfrau v. Lerchenfeld
geb. Bronzetti,
geb. 17. September 1812,
gest. 3. März 1889.
Franziska
Freiin v. Lerchenfeld
geb. 1. April 1855,
gest. 1. August 1909.

Rechte Spalte
Louise
Freyfrau v. Lerchenfeld
geb. v. Hailbruner
geb. 10. März 1787
gest. 23. Februar 1834.
Marie
Freiin v. Lerchenfeld
geb. 6. März 1821
gest. 8. September 1885.
Maximilian Emanuel
Freyherr v. Lerchenfeld
geb. 16. Novbr. 1778
gest. 14. Oktbr. 1843.
Auguste
Freyfrau v. Lerchenfeld
geb. v. Trott
geb. 15. Febr. 1813
gest. 14. August 1866.
Emma
Freiin v. Lerchenfeld
geb. 1. Februar 1839
¿ 1907.


  • Lerchenfeld, Auguste Freifrau von (vh) / Trott, von (gb); 15.2.1813 – 14.8.1866 (München); Bundestagsgesandtens-Witwe
  • Lerchenfeld, Babette Freifrau von (vh) / Bronzetti (gb); 17.9.1812 – 3.3.1889
  • Lerchenfeld, Emma Freiin von; 1.2.1839 – 1907
  • Lerchenfeld, Ernst Freiherr von; 17.6.1816 – 28.8.1873 (Bayreuth); Regierungspräsident
  • Lerchenfeld, Franziska Freiin von; 1.4.1855 – 1.8.1909
  • Lerchenfeld, Luise Freifrau von (vh) / Hailbruner, von (vh); 10.3.1787 – 23.2.1834 (München); Staatsministers-Gattin
  • Lerchenfeld, Ludovika Freiin von; 6.12.1826 – 22.1.1899
  • Lerchenfeld, Marie Freiin von; 6.3.1821 – 8.9.1885
  • Lerchenfeld, Max Freiherr von; 12.1.1815 – 18.6.1835
  • Lerchenfeld, Maximilian Emanuel Freiherr von; 16.11.1778 (Ingolstadt) – 14.10.1843 (Heinersreuth); Bayerischer Finanzminister

Grab der Familie Lerchenfeld auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2012)

Grab der Familie Lerchenfeld auf dem Alten Südfriedhof München. Abbildung aus: Auswahl der vorzüglichsten Denkmäler des Münchner Kirchhofes. 2. Band. München, 1841.

Grab der Familie Lerchenfeld auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Maximilian Emanuel Freiherr von Lerchenfeld

* 16.11.1778 (Ingolstadt)
† 14.10.1843 (Heinersreuth)
Bayerischer Finanzminister

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Lerchenfeld Max, von, Freiherr, 1778 (Ingolstadt) – 1843, bayerischer Finanzminister; nach Studien zu Ingolstadt (Gymnasium und Universität) und an der Diplomatenschule in München wurde L. 1802 Gehilfe des Freiherrn von Hertling, der als Zivilkommissär die neuerworbenen Gebiete in Schwaben für Bayern in Besitz nahm; 1803 wurde er Rat bei der Landesdirektion für Schwaben in Ulm, 1805 Direktor der dortigen Staatsrechtlichen Abteilung, wobei ihm die Regelung der Grenzverhältnisse mit Württemberg übertragen wurde; er war dann Generalkommissär in Nürnberg (1809) und in Innsbruck (1810) wo er sich bei den Tirolern durch beruhigende Politik beliebt machte; 1814 war L. Hofkommissär für die Übernahme des Großherzogtums Würzburg und von 1817 bis 1825 Finanzminister; dabei hatte er die schwierige Arbeit bei der Ordnung des Staatshaushalts; auch bei der Ausarbeitung der bayerischen Verfassung von 1818 war er führend beteiligt, von 1826–1833 Bundesabgeordneter in Frankfurt, wurde er 1833/34 wieder Finanzminister, 1835–1842 bevollmächtigter Minister in Wien und 1842 wieder Bundestagsgesandter in Frankfurt; L. setzte sich tatkräftig für die Aufrechterhaltung der bayerischen Verfassung gegenüber den Bestrebungen von Metternichs und den Karlsbader Beschlüssen durch; er war ein entschiedener Gegner des Konkordats von 1817 und erreichte, daß die »Tegernseer Erklärung« nur in abgeschwächter Form verkündet wurde.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#ML – 197·198 (Kloiber · Maier)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Kloiber, Marie; – 1890; Gutsbesitzers-Tochter
  • Maier, Franz Xaver; – 10.1833 (München), 70 Jahre alt; Königlicher General-Lotto-Administrator

Grab der Familien Kloiber · Maier auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#ML – 199 (Ruffin)


HIER RUHT IN GOTTES FRIEDEN
LEOPOLDINE FREIFRAU
VON RUFFIN † 31. JULI 1927

MEIN JESUS BARMHERZIGKEIT


  • Ruffin, Franziska Freifrau von (vw) / Flotow, Freiin von (gb); 22.9.1819 – 12.6.1900; Kämmerers-Witwe
  • Ruffin, Julius Freiherr von; 22.4.1820 – 21.7.1896; Kämmerer, Hofmarschall und Major a. D.
  • Ruffin, Leopoldine Freifrau von; – 31.7.1927

Grab der Familie Ruffin auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2012)

#ML – 202·203 (Maillot de la Treille)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Maillot de la Treille, August Freiherr von; 26.8.1803 – 30.12.1860 (München); Staatsministers-Sohn
  • Maillot de la Treille, Eduard Freiherr von; 3.2.1811 – 30.12.1881; Rittmeister
  • Maillot de la Treille, Isabella Freifrau von (vw) / Bongart, Freiin von (gb); 13.3.1776 – 29.2.1836 (München); Staatsministers-Witwe
  • Maillot de la Treille, Nikolaus Freiherr von; 25.9.1774 (Jülich) – 28.8.1834 (München); Staatsminister der Armee

Grab der Familie Maillot de la Treille auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

Grab der Familie Maillot de la Treille auf dem Alten Südfriedhof München. Abbildung aus: Auswahl der vorzüglichsten Denkmäler des Münchner Kirchhofes. 1. Band. München, 1841.

Grab der Familie Maillot de la Treille auf dem Alten Südfriedhof München (August 2013)

#Nikolaus Freiherr von Maillot de la Treille

* 25.9.1774 (Jülich)
† 28.8.1834 (München)
Staatsminister der Armee

#Militair Conversations-Lexikon (1836)

Maillot de la Treille, Nicolaus Hubert Wilhelm Joseph, Freiherr von, war der Sohn des im Jahre 1804 in München verstorbenen baierischen Oberstlieutenant Joseph von Maillot de la Treille, wurde in Jülich den 25. Septbr. 1774 geboren, begann seine militairische Laufbahn 1786 als Cadet, avancirte 1790 zum Unterlieutenant, 1792 zum Oberlieutenant, 1793 zum Hauptmann beim 7. Fusilierregimente, 1803 zum Major im Regimente Kurprinz, 1807 zum Oberstlieutenant in dem nunmehrigen 2. Linieninfanterieregimente (Kronprinz), den 27. Juni zum Oberst des Linien-Infanterieregiments (Fürst Löwenstein), und endlich am 10. August 1813 zum Generalmajor und Brigadier.

Im Jahre 1816 ward M. als außerordentlicher Commissair zur Grenzberichtigung mit Frankreich in den Rheinkreis gesendet, und im April 1818 zum Militairbevollmächtigten in Frankfurt am Main ernannt. Am 1. Oktober 1822 übernahm derselbe das Portefeuille des Staatsministeriums der Armee, ward 1823 zum wirklichen Staatsminister ernannt, im Februar 1824 zum Generallieutenant befördert, am 1. Februar 1829 aber in Ruhestand versetzt.

Er starb nach langer Kränklichkeit den 28. August 1834.

Maillot wohnte fast allen Feldzügen bei, in welchen die baierischen Truppen während seiner Dienstzeit mitfochten; er befehligte 1800 in der Brigade des Generals von Deroy eine Compagnie Scharfschützen, half 1805 den 1. Novbr. den Stein- und den Kniepaß erstürmen, zeichnete sich am 29. Decbr. 1806 in dem Gefechte bei Ohlau an der Oder aus, focht 1809 am 20. April bei Abensberg, dann am 4. und 5. Mai bei Abtenau und an der Lammerbrücke, und ward im Laufe des Feldzuges Oberstcommandant des Regiments Fürst Löwenstein. Während des Feldzuges von 1812 stand derselbe mit seinem Regimente beim Armeecorps des Generals Graf Wrede, und wohnte der Schlacht bei Polozk und mehreren anderen Gefechten bei.

1813 im April übernahm er als Oberst das Commando der 2. Brigade bei der neuformirten Division des Generallieutenants von Raglovich in Bamberg, machte mit derselben vom 20. zum 24. Mai die Schlacht bei Bautzen, die Gefechte bei Hoyerswerda am 28. Mai, und bei Lucknwalde am 20. August mit. Am 23. August befehligte er, zum Generalmajor befördert, die 4. Brigade bei Großbeeren, und am 6. Septb. in der Schlacht bei Jüterbock (Dennewitz), wo die Baiern beim Rückzuge nach Dahme und Torgau durch ihre Entschlossenheit und Kaltblütigkeit den größten Theil des Parkes und des Gepäckes der Armee retteten. Am 5. Octb. übernahm M. zu Dresden das Commando über 5 Bataillone, den Resten von Raglovich’s Division, kam mit derselben während der Schlacht von Leipzig nach Eilenburg zu stehen, und empfing dort die Nachricht von dem Uebertritte des Königs von Baiern zu den Alliirten, worauf er sich über Röda, Bamberg nach Würzburg zurückzog. Maillot’s Brigade wurde später aufgelöst; er selbst aber erhielt bei der 1. Armeedivision des Generallieutenants Grafen Rechberg das Commando der 2. Infanteriebrigade, war mit derselben am 6. Jan. 1814 vor Neubreisach, den 8. Jan. vor Schlettstadt, und folgte hierauf der Armee in das Innere von Frankreich, wo er am 12. Febr. bei Nogent, am 17. Febr. bei Dannemarie, am 27. Febr. bei Bar-sur-Aube, und am 20. März in der Schlacht bei Arcis-sur-Aube mitfocht. Nach dem Feldzuge befehligte M. die 1. Brigade der Division des Generallieutenants von Beckers in Würzburg, erhielt 1815 das Commando der Infanteriereservebrigade, stand mit derselben am 23. Juni bei Zweibrücken, am 1. Juli vor Toul, und kam im August in das Yonnedepartement in Kantonnirung.

Nach abgeschlossenem Frieden empfing er das Commando der 1. Brigade des Generalcommandos in München. In Anerkennung seiner Verdienste wurde General von Maillot nach und nach mit folgenden Orden decorirt: dem kaiserlich-französischen Ehrenlegionsorden; dem kaiserlich-russischen St. Wladimirorden III. Klasse; dem Commandeurkreuze des kaiserlich-östreichischen Leopoldordens; dem Armeedenkzeichen für die Befreiungsjahre 1813, 14, 15; dem Großkreuze des Civilverdienstordens der baierischen Krone und dem Ehrenkreuze des königlich-baierischen Ludwigsordens wegen zurückgelegter ehrenvoller funfzig Dienstjahre.

Militair Conversations-Lexikon, bearbeitet von mehreren deutschen Officieren. Adorf, 1836.

#Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexikon (1865)

Maillot de la Treille, auch Freiherren. Reichsadelsstand und Freiherrnstand des Kgr. Bayern. Freiherrndiplom vom 8. Jan. 1830 für Nicolaus Hubert Maillot de la Treille, k. bayer. Brigade-General und Kriegsminister.

Altes, früher in Frankreich auf dem Schlosse Vatronville in Virtunoir gesessenes Adelsgeschlecht, aus welchem Nicola und Joseph Maillot de la Treille 1755 in kurpfälz. Dienste traten. Ersterer, Nicola, zugleich infulirter päpstlicher Prälat, wurde Geh.-Rath und erster Bibliothekar der kurfürstl. Bibliothek, Joseph aber, gest. 1804, welcher bis zum Oberstlieutenant gestiegen, erhielt 1. Juni 1790, unter Anerkennung des althergebrachten Adels u. Wappens, den Reichsadelsstand.

Aus der Ehe des Letzteren mit Emerence van Dowe entspross nur ein Sohn: Freih. Nicolaus Hubert, s. oben, gest. 1834, k. bayer. Kämm. u. Kriegsminister etc., welcher, neben einer Tochter, Amalie verw. Dr. Bruch, geb. 1807, drei Söhne hinterliess, die Freiherren August, Max und Eduard. Freih. August, geb. 1803, jetziges Haupt der Familie lebt in München; Freih. Max, geb. 1809, k. bayer. Kämm. u. Regier.-Rath zu Speier, vermählte sich 1839 mit Adelheid Freiin v. Leerodt zu Leerodt (aus altem, im Mannsstamme erloschenen Geschlechte der ehemaligen jülich’schen Ritterschaft), aus welcher Ehe vier Söhne stammen, die Freiherren: Ferdinand, geb. 1841, k. bayer. Lieut., Georg, geb. 1843, Emil, geb. 1845 u. Adolph, geb. 1850 – und Freih. Eduard, geb. 1811. k. bayer. Rittm. in Pension, lebt ebenfalls in München.

Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexikon im Vereine mit mehreren Historikern herausgegeben von Prof. Dr. Ernst Heinrich Kneschke. Leipzig, 1865.

#ML – 204·205 (Stürmer)


Zur Erinnerung im hl. Gebete
an Frau
Katharina Stürmer,
geb. Müllbauer
Revierförstersgattin
geb. ¿ Aug. 181¿ gest. ¿
Deren Töchterchen
¿

R. I. P.


  • Stürmer, Katharina Rosalia (vh) / Müllbauer (gb); Ministerialrats-Tochter / Revierförsters-Gattin

Grab der Familie Stürmer auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#ML – 208·209 (Göb)


FAMILIENGRABMAL

Carl von Goeb
k. ¿
¿
¿ Wittwe
Amalie von Goeb
geb. 17. Januar 180¿ gest. 3. Januar ¿
Louise Franziska Goeb
geb. ¿. Januar 18¿ Dezember 18¿5.
Franz Carl Christian Goeb
geb. 14. April 18¿ gest. ¿. April 1853.
Marie Goeb
geb. 7. März 18¿ gest. ¿. Mai 190¿


  • Göb, Amalie von (vw); 17.1.1803 – 3.1.1884
  • Göb, Franz Karl Christian
  • Göb, Karl von; 1.11.1787 – 19.4.1870 (München); Geheimrat
  • Göb, Luise Franziska
  • Göb, Marie

Grab der Familie Göb auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#ML – 210 (Mannert)


PROF.
KONRAD MANNERT
HISTORIKER u.
GEOGRAPH
1756 – 1834


  • Mannert, Konrad; 17.4.1756 (Altdorf bei Nürnberg) – 27.9.1834 (München); Historiker und Geograph

Grab der Familie Mannert auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Konrad Mannert

* 17.4.1756 (Altdorf bei Nürnberg)
† 27.9.1834 (München)
Historiker und Geograph

#Neuer Nekrolog der Deutschen (1836)

Conrad Mannert, Hofrath und Professor der Geschichte u. Statistik an der Universität München, ordentl. Mitglied der königl. Akademie der Wissenschaften daselbst und mehrer andern gelehrten Gesellschaften etc. Ritter d. Ludwigsordens; geb. d. 17. April 1756, gest. am 27. Sept. 1834.

Der Geburtsort unsers M. war Altdorf bei Nürnberg. Seine Erziehung geschah unter den ungünstigsten Umständen, da sein Vater, ein Chirurg, ihm schon im zweiten Lebensjahre durch den Tod entrissen wurde und seine dürftige Mutter sich und ihn kümmerlich durch Handarbeit ernähren mußte. Dieser machte es daher auch nicht geringe Sorge, als der Knabe durchaus kein Geschick zu einem bürgerlichen Gewerbe verrieth und aus einem Krämereigeschäfte sogar als ein Dummkopf und als völlig unbrauchbar zurückgewiesen wurde, ja sie betrachtete ihn fast als den verlorenen Sohn, da er sich mit nichts als einigen Büchern und Landkarten beschäftigen wollte, welche er sich mit fremder Beihilfe zu verschaffen gewußt hatte. Dem Jüngling ging indessen immer mehr seine innere Bestimmung auf; bei der Entziehung des Lichtes am Abend benutzte er selbst den Mondschein zum Lesen und mit den Hindernissen wuchs Kraft und Neigung, sie zu besiegen, bis ihm endlich ein mit ihm in demselben Hause wohnender Professor seine Aufmerksamkeit widmete und ihm durch seine Vermittelung auf dem Gymnasium zu Nürnberg einen sogenannten Armenplatz erwirkte. Bei seinem Eintritt hatte er bereits das 17. Jahr erreicht und sein ohne alle Anleitung mühsam errungenes Wissen war mangelhaft und fragmentarisch. Indessen erlangte er unter systematischer Leitung bald den obersten Platz, welchen er auch in den nachfolgenden Klassen behauptete und fand seinen Unterhalt zum Theil als Heizer, Famulus und durch wöchentliches Singen vor den Häusern nach damaligem Brauch. Hierauf bezog er die Universität seiner Vaterstadt, erwarb sich durch Uebernahme einer Hofmeisterstelle die zu seinem Unterhalte erforderlichen Mittel und gelangte am 22. Juni 1784 zur höchsten philosophischen Doktorwürde. In demselben Jahre erhielt er seine erste Anstellung an der 4. Sebalder Schule und nachher als Lehrer und Bibliothekar an dem Egidischen Gymnasium zu Nürnberg. Zu gleicher Zeit verheirathete er sich mit seiner noch lebenden Gattin, einer Tochter des Professors Nagel zu Altdorf.

Bald entwickelte sich sein vorzüglicher Beruf zum Schriftsteller wie zum trefflichen Jugendlehrer so, daß er bald allgemeine Aufmerksamkeit, selbst des Auslandes auf sich zog, besonders als die ersten Bände seiner Geographie der Griechen und Römer und seine mit Genauigkeit gezeichneten und noch jetzt gesuchten Landkarten im Publikum erschienen; auch zeigte seine Theilnahme als Mitarbeiter an der Jenaer Literaturzeitung den raschen Aufschwung zu höherer Gelehrsamkeit. Zur rühmlichen Anerkennung seiner Leistungen wurde er im Jahre 1797 als ordentlicher Professor der Geschichte und abendländischen Sprachen nach Altdorf berufen, wo er sein Streben für die Wissenschaften rastlos, selbst mit Aufopferung seiner Gesundheit fortsetzte, bis ihn ein Ruf an die Universität Würzburg, mit dem Charakter eines k. Hofraths, im J. 1805 in einen erweiterten Wirkungskreis führte. Die mit dieser Universität vorgegangene Veränderung führte ihn hierauf im Jahre 1808 in gleicher Eigenschaft nach Landshut und bei Verlegung der Universität von dort nach München, im J. 1826, folgte er dahin seiner neuen ehrenvollen Bestimmung, bis ihn herannahendes Alter u. Körperschwäche nöthigten, im J. 1828 seine öffentl. Vorlesungen einzustellen.

Wie laut sich damals die Liebe und Achtung seiner zahlreichen Gönner und Verehrer und der akademischen Jugend in verschiedenen Ehrenbezeugungen aussprach, thaten öffentliche Blätter kund. Dieselben theilnehmenden Gesinnungen bewährten sich auch noch bei seiner 50jährigen Amts- und Ehejubiläumsfeier den 28. Febr. 1834, wo ihm die Universität durch Erneuerung des Diploms, die königliche Akademie der Wissenschaften und viele Gönner und Freunde durch Deputationen und Glückwünsche, die Studirenden durch Fackelzug, sein Monarch aber durch Ertheilung des Ludwigsordens eine eben so überraschende als ehrenvolle Anerkennung seiner Verdienste bereiteten. Von dieser Zeit an nahm seine Körperschwäche sichtlich zu, bis er derselben am oben genannten Tage in einem sanften Schlummer unterlag.

Er hinterließ seine Gattin, einen Sohn, 3 Töchter und 10 Enkel. Die Achtung und Liebe seiner zahlreichen Verehrer knüpft sich theils an seine würdige Persönlichkeit, theils an seine wissenschaftlichen Leistungen. Seine Vorlesungen über Geschichte und Statistik waren fast überfüllt und noch in der letzten Zeit versammelte er mehr als 500 Zuhörer, selbst aus den höchsten Ständen und Thüren und Zugänge des Hörsales waren besetzt. Nie betrat er den Lehrstuhl ohne die sorfältigste Vorbereitung und mit einer historischen Sicherheit, welche Jeden in Erstaunen setzte, hielt er, ohne sich eines Hilfsmittels zu bedienen, seinen freien Vortrag, welchen Klarheit, lebendige Darstellung, geistreiche und anziehende Behandlung des Stoffes, ein freies unbestochenes Urtheil, wie er es in jeder Lage und in jedem Wechsel des Geschichtsforschers würdig fand, verbunden mit einem ehrwürdigen Aeußern, charakterisirte.

Hierbei gab sein ernstes und rastloses Studium der Geschichte seinem ganzen Wesen eine seltene Entschiedenheit und Energie und eine Ausprägung, welche, unbekümmert um äußere Auszeichnung und Würdigung seiner Verdienste, nur ein sicheres Resultat der Wissenschaft mit strenger Unparteilichkeit verfolgte. Auch besaß er eine ungewöhnliche praktische Welt- und Menschenkenntniß, welche sich in allen geselligen Verhältnissen bewährte und seinen Umgang so anziehend und lehrreich machte.

Außerdem ist noch von ihm erschienen: D. Specimen historicum inaugurale de Vandalis, iis praecipue, qui sub rege Genserico in Africa regnum sibi parabant. Altorfii 1783. – Geschichte der Vandalen. Leipzig 1785. – Geschichte der unmittelbaren Nachfolger Alexanders; a. d. Quellen geschöpft. Ebd. 1787. – Avantures de Joseph Pignata; neu bearbeitet und m. e. vollständ. Register d. im Buche vorkommenden Wörter versehen. Nürnberg 1787. – Französ. Lesebuch. Ebd. 1787. – Res Trajani Imperatoris ad Danubium gestae; Libellus a Societate scientarium regia, quae Gottingae splendet, praemio donatus. Addita est diss. de Tabulae Peutingerianae aetate. Cum figg. et mappa geographica. Ibid. 1793. – Miscellanea meist diplomat. Inhalts. Ebd. 1795. – Freiheit der Deutschen, adliche Knechtschaft; e. Untersuchung über d. Verfassung d. mit ihrem Vaterlande im Zusammenhang gebliebenen deutschen Völker. Ebd. 1799. – Compendium der deutschen Reichsgeschichte. Nürnberg u. Altdorf 1803. 2. verm. u. verb. A. 1808. 3. umgearb. A. 1819. – Geographisch-histor. statist. Zeitungslexikon v. Wolfg. Jäger, Prof. zu Altdorf; neu bearbeitet u. s. w. 3 Bde. Nürnberg und Ansbach 1805–1811. – Compendium der Statistik d. deutschen Reichs. Ebd. 1806. – Die älteste Geschichte Bojariens u. s. Bewohner; a. d. Quellen entwickelt. Nürnberg u. Sulzbach 1807. – Kaiser Ludwig IV. oder der Baier. Eine von der königl. baier. Akademie der Wissensch. zu München den 12. Oct. 1811 gekrönte Preisschrift. Landshut 1812. – Handbuch der alten Geschichte. A. den Quellen der alten Geschichte bearbeitet. Berl. u. Leipz. 1818. – Die Geschichte Baierns, a. d. Quellen u. andern vorzügl. Hilfsmitteln bearbeitet. Leipz. 1826. – Geschichte der deutschen. 2 Bde. Stuttgart 1828–30. Geschichte der alten Deutschen, besonders d. Franken. Ebd. 1829. – Einleit. in d. Geographie der Alten und Darstellung ihrer vorzüglichsten Systeme. (Abdruck a. d. Geogr. der Griechen u. Römer.) Leipz. 1829. – Ueberdies besorgte er eine neue Ausg. von Joach. Zehneri sententiis insign. in schol. usum collectis. Norimb. 1789 und die dritte Ausgabe v. Nitschen’s kurzem Entwurf d. alten Geographie. Leipz. 1798.

Neuer Nekrolog der Deutschen. Weimar, 1836.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Mannert Konrad, 1756 (Altendorf bei Nürnberg) – 1834, Historiker, Geograph und Universitätsprofessor; nach Studien in seiner Heimatstadt wurde M. 1786 Lehrer und Bibliothekar am Gymnasium zu St. Ägidien in Nürnberg und 1796 Professor der Geschichte und der abendländischen Sprachen an der Universität Altdorf; 1805 kam er mit derselben Stellung nach Würzburg, 1807 nach Landshut und schließlich 1826 nach München; er hat viele historische Arbeiten verfaßt, die sich besonders durch gründliches Quellenstudium auszeichnen.

Hauptwerke: Kompendium der deutschen Reichsgeschichte, Älteste Geschichte Bojariens, Kaiser Ludwig IV., Geschichte Bayerns (4 Bde.), Geschichte der alten Deutschen, besonders der Franken (2 Bde.); von seinen geographischen Arbeiten ist die mit Ukert herausgegebene Geographie der Griechen und Römer (10 Bde.) bedeutsam; M. besorgte auch eine Ausgabe der Tabula Peutingeriana; seinen »Charakter als Geschichtsschreiber bezeichnet ein tief eingewurzelter Skeptizismus und eine kalte, etwas nüchterne Anschauung, er ist Feind aller Hypothesen, aber der gründlichste Kenner des Beweisbaren und aller Beweismittel, die höchsten Verdienste hat er um die ältere Geographie«.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#ML – 212 (Hofmann)


Familien-Grabstätte.

Dr. Franz Hofmann,
Oberappell. Ger. Rat,
9.7.1784 – 8.8.1834.
u.
Eva Hofmann, geb. Kleinschrod,
17.2.1795 – 14.4.1856.
Deren Kinder
Max Hofmann, Reg. Akzessist,
31.1.1824 – 30 7.1851.
Dr. Josef Hofmann,
Univ. Prof. u. Bez. Ger. Arzt,
Gründ. einer Münchn. Poliklinik,
8.7.1815 – 8.3.1874.
u.
Mathilde Hofmann g. Lichtenthaler,
7.9.1823 – 21.1.1920.
Deren Kinder
Karl Hofmann, Rechtsprakt.
alpiner Erschließer,
geb. 26.10.1847, kriegsverw. als Landw.
Leutn. z. Bazeilles, dort i. Lazar. gest. 8.9.70,
hier bestattet am 7.3.1871.
Konstantin Hofmann, Ob. Reg. Rat,
12.9.1855 – 15.10.1915.
u.
Felizitas Hofmann, geb. Pfeiffer,
23.7.1859 – 22.5.1924.
Deren Kind
Karl, 19.10.1892 – 17.3.1894.


  • Hofmann, Eva (vh) / Kleinschrod (gb); 17.2.1795 – 14.4.1856 (München); Oberappellationsrats-Witwe
  • Hofmann, Felizitas (vw) / Pfeiffer (gb); 23.7.1859 – 22.5.1924 (München); Oberregierungsrats-Witwe
  • Hofmann, Franz, Dr.; 9.7.1784 – 8.8.1834 (München); Oberappellations-Gerichtsrat
  • Hofmann, Josef, Dr. med.; 8.7.1815 (Würzburg) – 8.3.1874 (München); Arzt und Universitätsprofessor
  • Hofmann, Karl; 19.10.1892 – 17.3.1894
  • Hofmann, Karl; 26.10.1847 (München) – 8.9.1870 (Bazeilles/Frankreich); Rechtspraktikant und Alpinist
  • Hofmann, Konstantin; 12.9.1855 – 15.10.1915; Oberregierungsrat
  • Hofmann, Mathilde (vh) / Lichtenthaler (gb); 7.9.1823 – 21.1.1920
  • Hofmann, Max; 31.1.1824 – 30.7.1851; Regierungsaccessist

Todesanzeige für Felizitas Hofmann

Grab der Familie Hofmann auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#Dr. med. Josef Hofmann

* 8.7.1815 (Würzburg)
† 8.3.1874 (München)
Arzt und Universitätsprofessor

#Alpenpost (28.3.1874)

Chronik der Alpenpost. Todesfälle.

Aus München. Am 8. März starb plötzlich am Herzschlag Med. Dr. Josef Hofmann, kgl. bairisch, Universitätsprofessor und Bezirksgerichtsarzt in München. Er war der Vater des als kühner Bergsteiger und Durchforscher der Alpen, als Mitbegründer des deutschen Alpenvereines rühmlichst bekannten Carl Hofmann, welcher in der schönsten Blüthe seines Alters in der Schlacht bei Sedan den Heldentod fand. In dem Tode des Dr. Josef Hofmann betrauern wir mit Recht einen strengrechtlichen Charakter, einen Mann voll scharfen Geistes, unerschütterlicher Gerechtigkeit und von liberalster, freiheitlicher Gesinnung. Nur dort wo ein so ernster, tiefdenkender Geist des Vaters und die zarte Hand einer so trefflichen Mutter – wie Frau Mathilde Hofmann es ist – die Erziehung des Sohnes leiteten, konnte sich ein so ungewöhnliches Talent, wie Carl Hofmann innewohnte, so herrlich entfalten und ihn zum Liebling Aller machen, die das Glück gehabt, mit ihm, wenn auch nur auf Augenblicke, in Berührung zu kommen. Nun deckt Beide die gleiche Erde und ein Grab umschliesst die irdische Hülle des Vaters und des Sohnes. Sie ruhen in Frieden!

J. S.

Alpenpost Nr. 13. Zürich, den 28. März 1874.

#Karl Hofmann

* 26.10.1847 (München)
† 2.9.1870 (Bazeilles/Frankreich)
Rechtspraktikant und Alpinist

#Der Alpen-Freund (1870)

Gallerie berühmter alpiner Persönlichkeiten. IV.

† Karl Hofmann.
(Mit Porträt.)

Ein kurzes, der alpinem Wissenschaft unermüdlich geweihtes, im Tode für das Vaterland dahin gegebenes Leben, das war unser – Karl Hofmann. Ja, unser Karl Hofmann! Denn gerade im »Alpenfreund« hat er die zartesten und lieblichsten Blüthen seines geistigen Schaffens entfaltet.

Karl Hofmann war der Sohn des in München noch in Segen wirkenden Universitätsprofessors Dr. Joseph Hofmann und wurde daselbst am 26. Oct. 1847 geboren. Mit zärtlichster Sorgfalt, großer Umsicht und vielem Takt leitete namentlich seine vortreffliche Mutter, eine feingebildete Frau voll tiefen Gefühls, die Erziehung des Knaben und brachte all‘ die herrlichen Fähigkeiten, die in ihm schlummerten, frühzeitig zur vollen Geltung. 1866 absolvirte er das Gymnasium und widmete sich auf der Münchener Universität den juristischen Studien, die er, neben seinen in diese Periode fallenden alpinen Arbeiten, mit Eifer bis zu seinem am 18. Juli 1870 abgelegten Staatsexamen betrieb. Während seiner Studienzeit hatte er in der Armee als Freiwilliger gedient und war nach bestandener Officiersprüfung zum Landwehrlieutenant im sechsten bayerischen Landwehrbataillon ernannt worden.

Aus dem Staatsexamen in sein friedliches Arbeitsstübchen heimkehrend, um nun sofort eine größere Alpentour anzutreten, fand er seine Einberufungsordre vor. Freudig und mit glühender Begeisterung folgte er dem Rufe des Vaterlandes. Am 31. Juli marschirte er, nachdem er auf seinen Wunsch aus der Landwehr in die Linie versetzt worden war, als Lieutenant im dritten bayerischen Infanterieregiment (3. Bataillon, 11. Compagnie) in das Feld. Bei Wörth zeichnete er sich aus. Er erstürmte dort, nachdem alle höheren Officiere seiner Compagnie momentan kampfunfähig geworden, an der Spitze derselben eine Schanze und machte 80 Gefangene. Wegen dieser Heldenthat und der dabei gezeigten persönlichen Bravour war er zum Ritter des höchsten bayerischen Militärordens, des Max-Joseph-Ordens, und preußischerseits des eisernen Kreuzes in Vorschlag gebracht.

Er hat die ihm zugedachte Ehre nicht erleben sollen. Am 1. September erhielt er bei Erstürmung von Bazeille in dem Augenblick, als er seine Leute, welche zu weichen begannen, zum Vordringen anfeuerte und sich zu dem Zwecke umwandte, durch einen Schuß von hinten in die rechte Seite, welcher Lunge und Zwerchfell durchbohrte, eine tödliche Wunde. Im ersten Augenblick die Bedeutung derselben nicht merkend, drang er noch etwa 20 Schritte vor, dann brach er zusammen. Ein Soldat und sein Diener brachten ihn aus dem Gewühl in das in einem großen Gartenhaus im Park errichtete französische Lazareth. Dort fand ihn Hermann Boget, Berichterstatter der Frankfurter Zeitung, und überbrachte ihm die Nachricht von dem großen erfochtenen Sieg. »Ich möchte im Stande sein,« schreibt Boget in einem Briefe an Hofmann’s Eltern, »Ihnen das Auge zu malen, mit dem er die Nachricht begrüßte. »»Gern und freudig lasse ich mein Leben für das Vaterland««, gewiß zwölf Mal sagte er das zu mir, dazwischen immer summend und halblaut singend: Lieb Vaterland, kannst ruhig sein!« Gegen Abend gelang es, den Armen, dessen sehnlichster Wunsch es war, von den fluchenden und schreienden französischen Verwundeten, die um ihn her lagerten, hinweg zu kommen, in das große Schloß zu bringen, wo meist deutsche Verwundete untergebracht waren. Dort ist er, im Speisesalon, am 2. September nachts ½11 Uhr gestorben, im Vollbewußtsein seiner Lage, wie ein Held der letzten Minute entgegensehend, dankbar seiner Eltern und Freunde gedenkend.

Am 3. September wurde er neben zehn bayerischen Officieren im Park zu Bazeille in einem Separatgrabe, welches ein einfaches Holzkreuz mit seinem Namen auf sich trägt, zur ewigen Ruhe bestattet! Ewig! Du theurer, verklärter, junger Freund, hast vielleicht Dein Ende geahnt, als Du dem Unterzeichneten gegen Ende Juli den letzten schriftlichen Gruß aus München in den wenigen Worten sandtest: »Lieber Freund! Ich bin seit gestern auf meinen Wunsch von der Landwehr in die Linie versetzt, morgen verlasse ich München, leben Sie wohl, vielleicht auf – ewig!«

Mit Karl Hofmann hat das Vaterland einen seiner edelsten Bürger verloren, dessen ungewöhnliche Begabung, gründliches Wissen, Begeisterung für alles Schone und Gute eines längeren Lebens werth gewesen wäre! Die alpine Wissenschaft aber trauert an seinem Grabe um einen ihrer auserwählten Jünger, um einen körperlich und geistig hoch bevorzugten, treuen, opferbereiten, liebenswürdigen Liebling der »lieben Berge«! Hofmann war aber auch zur Durchforschung des Hochgebirges wie geschaffen; Sehnen wie von Stahl, unbeugsame Energie, zähe Ausdauer, Kühnheit und Unerschrockenheit, tiefes Gemüth, innige Liebe zur Natur, rastloser Fleiß und nie versiegender Humor waren in ihm vereinigt, um ihn gleichsam spielend alle Schwierigkeiten überwinden zu lassen, so daß ihm kein Studium zu schwer, keine Gefahr zu groß, keine Wanderung zu mühsam, kein Gipfel zu hoch erschien!

Nur einer so angelegten Natur konnte es möglich werden zu leisten, was Hofmann in den wenigen Jahren seiner eigentlichen Thätigkeit (man kann dieselbe kaum auf vier Jahre bemessen, von 1866 bis Anfang 1870) vollbracht hat. So sehen wir ihn denn, nachdem er schon 1857 (als zehnjähriger Junge) den Wendelstein, 1860 den Walberg, 1863 den Herzogenstand bestiegen hatte, 1864 auf einer längeren Wanderung durch das Innthal, 1865 in den bayerischen Alpen, 1866 im Zillerthal, Etschland, im Berchtesgadner Lande und am Untersberg, 1867 in Oberbayern, in den Tauern (Großglocknerbesteigung), Salzburg, Salzkammergut (Dachsteinbesteigung), 1868 in Oberbayern (Zugspitzbesteigung), Tirol (Venediger, erste Besteigung des Hochgall in der Riesenfernergruppe in Verbindung mit Val. Kaltdorff), Salzburg (im Ganzen sieben Reisen in dem einen Sommer); 1869 in Tirol (Durchforschung des Kaisergebirges) und nachdem ihn der Unterzeichnete zur Verabfassung des 2. Bandes seiner »Führer in die deutschen Alpen«, eines »Salzburgerführers«, gewonnen hatte und die Veranlassung zur Herstellung von Einzelmonographien über die verschiedenen Tauerngruppen geworden war, mit Herrn Joh. Stüdl im Berchtesgadner Lande (Besteigung der mittleren Watzmannspitze) und mehrere Wochen in der Umgebung des Großglockner (erste vollkommene Erforschung der Glocknergruppe; über die Touren der beiden Freunde s. Alpenfreund I. S. 78), später im Salzkammergut, in Steyermark (im Ganzen sechs Reisen in dem Sommer).

Der Sommer 1870 war, gemeinsam mit Joh. Stüdl, für die speciellere Bereisung der Venedigergruppe bestimmt. An dem lange vorher festgesetzten, seit Monaten ersehnten Tage der Abreise – selbst die Führer waren bereits bestellt – mußte Hofmann die Feder, statt mit dem Alpenstock, mit dem Schwerte vertauschen, um seine lieben Alpen – nie wiederzusehen.

Daß aber Hofmann die Alpen nicht blos um zu bummeln besucht hat, davon liefern die zahlreichen, lebensfrischen, ungemein klaren, verläßlichen, naturwahren Schilderungen einzelner Alpenparthien aus seiner Feder den besten Beleg. Ich erinnere hier an seine Artikel

Die Kolowrathöhle (Morgenblatt der bayerischen Zeitung, 1866, Nr. 288).
Der Hohe Göhl (Morgenblatt der bayerischen Zeitung, 1866, Nr. 308).
Eine Glocknerfahrt (Sammler, Beilage zur Augsburger Abendzeitung, 1868, Nr. 102–104).
Eine Dachsteinbesteigung (Sammler, Beilage zur Augsburger Abendzeitung, 1869, Nr. 42–44).
Die Zugspitze im bayerischen Oberland (Sammler, Beilage zur Augsburger Abendzeitung, 1869, Nr. 60–62).
Das Wiesbachhorn (Sammler, Beilage zur Augsburger Abendzeitung, 1870, Nr. 24–25).
Das Guffertjoch (Jahrbuch des österr. Alpenvereins, Bd. V, S. 287).
Erste Besteigung des Hochgall (Jahrb. d. österr. Alpenvereins, Bd. V, S. 290).
Aus dem Berchtesgadner Land (Hoher Göhl, Kahlersberg, Hundstod, steinernes Meer), (Tourist, Bd. I, Nr. 5–8).
Aus der Glocknergruppe (Zeitschrift des deutschen Alpenvereins, Bd. I, S. 71; jedenfalls die wissenschaftlich bedeutendste Arbeit Hofmanns, die bisher im Druck erschienen ist).
Das Kaisergebirge (Zeitschrift des deutschen Alpenvereins, Bd. I, 513).
Der Untersberg (Alpenfreund, B. I, S. 36).
Auf dem Watzmann (Alpenfreund, Bd. I, S. 81).
Von Kals über den Großglockner zur Pasterze (Alpenfr., Bd. I, S. 257).
Das Kitzsteinhorn (Alpenfreund, Bd. II, S. 58).
Die Hohenburg im Kaprunerthal (Alpenfreund, Bd. II, S. 233).

Das bedeutendste literarische Product jedoch, welches Hofmann (und zwar im Verein mit Joh. Stüdl) geschaffen, bilden die »Wanderungen im Gebiet des Großglockner«, die im Manuscript vorliegen. Hofmann wollte sie im Laufe dieses Winters nochmals überarbeiten, und dann sollten sie im Verlage des Unterzeichneten erscheinen. Auch für den »Salzburgerführer«, der 1871 das Licht der Welt erblicken sollte, hat Hofmann Vorarbeiten hinterlassen.

Wenn man zu alle dem noch die riesige Arbeit hinzunimmt, die Hofmann als Schriftführer der Section München und des erstjährigen Centralausschusses des Deutschen Alpenvereins, dessen Mitbegründer und Hauptförderer er gewesen ist, zu überwinden hatte (man vergleiche nur seinen »Bericht über das 1. Vereinsjahr des Alpenvereins«, »über die 1. Generalversammlung des Alpenvereins«), und bedenkt, daß er in den Sitzungen der Münchner Alpenvereinssection mannichfache wissenschaftliche Vorträge gehalten hat, daß er als Präsident des Münchner akademischen Gesangvereins (er selbst war ein ausgezeichneter Sänger) fungirte und dabei doch auch seine juristischen Fachstudien nicht vernachlässigen durfte – so muß man über eine solche in so wenige Jahre zusammengedrängte Thätigkeit eines 19, bis kaum 23jährigen jungen Mannes mit Recht erstaunen!

Die Liebe zur Sache hat ihm Alles leicht gemacht! Was aber hätte sie ihm nicht noch Alles leicht machen, welche weitere wissenschaftliche Thaten hätte eine Kraft wie Hofmann, bei seiner Liebe zur Sache, noch weiter vollbringen können!!

Die Thränen möchten einem darob aus den Augen stürzen, und das Herz sich versteinern! – Doch nein, wir wollen mit der Vorsehung, die so edles, kostbares Blut unschuldig vergießen läßt, nicht rechten! Aber in Ehren wollen wir den Namen unseres guten Karl Hofmann halten, des deutschen Helden und Märtyrers unter den Alpenfreunden, der im Leben eine Zierde seiner »lieben Alpen« gewesen und im Tode noch einen Glorienschein um sie gewoben hat!

Möchte man bald in den Alpen Hofmanns Namen verewigt lesen!

Dr. Ed. Amthor.

Dr. Eduard Amthor: Der Alpen-Freund. Gera, 1870.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Hofmann Karl, 1847 (München) – 1870, Rechtspraktikant und berühmter Alpinist; nach Besuch des Ludwigs-Gymnasiums in München studierte er seit 1866 auf der dortigen Universität Rechte (er war dabei Mitglied und zeitweise Vorstand des Akademischen Gesangvereins; 1870 bestand H. das juristische Staatsexamen mit Auszeichnung, ließ sich beim Stadtgericht München als Rechtspraktikant vereidigen und zog dann als Leutnant in den Deutsch-Französischen Krieg; H. gilt als alpinischer Erschließer, der das Kaisergebirge und die Großglocknergruppe erforscht und den deutschen Alpenverein mitbegründet hat; als Leutnant ist er in der Schlacht bei Bazeilles am 1. September 1870 gefallen; Generalarzt J. N. von Nußbaum, der ihn im Feldspital behandelte, sagte: »Noch nie habe ich einen Soldaten schöner sterben gesehen als Hofmann.«

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#ML – 213 (Fleischmann · Schneider)


Grabstätte
der
Familie
Fleischmann

Hier ruhen in Gott
¿ geliebte treubesorgte Gattin
und Mutter
Frau Antonie Fleischmann
geboren den 25. Februar 1825,
gestorben den 6. Juli 1896.
Ihr folgte ihr Getreuer Gatte
Herr Georg Fleischmann
Kunstmaler
geboren den 21. April 1820,
gestorben den 27. März 1897.
Ihnen folgte der Schwiegersohn
Herr Franz Schneider,
geboren den 26. August 1847,
gestorben den 23. September 1901.
dessen Asche hier beigesetzt wurde.
Dessen Gattin
Frau Sophie Schneider
geb. Fleischmann,
29. Mai 1838 – 1. April 1933.


  • Fleischmann, Antonie (vh) / Knoller (gb); 25.2.1825 – 6.7.1896 (Landshut); Regierungsbotens-Tochter aus Dillingen / Kunstmalers-Gattin
  • Fleischmann, Georg; 21.4.1820 – 27.3.1897; Portraitmaler
  • Schneider, Franz [in memoriam]; 26.8.1847 – 23.9.1901 (München), nach Jena überführt; Kaufmann
  • Schneider, Sofie (vw) / Fleischmann (gb); 29.5.1838 – 1.4.1933

Todesanzeige für Antonie Fleischmann

Grab der Familien Fleischmann · Schneider auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#Georg Fleischmann

* 21.4.1820
† 27.3.1897
Portraitmaler

#Silesia (5.2.1849)

Portraits-Schau.

Für einen Portraitmaler, welchem der Ruf noch nicht als Herold vorangeht, ist es, wenn er unbekannt in eine fremde Stadt kommt, eine mißliche Sache um den ersten Anfang, denn Niemand wird ihm so leicht seine eigene Person, die doch jedem der liebste Gegenstand ist, so leicht vertrauen, wenn er keine Garantie dagegen hat, daß er durch das Portraitiren maltraitirt werde. Ein kluger Maler muß sich in einem solchen Falle zu helfen wissen, und vortrefflich verstand dieß Herr Georg Fleischmann, Maler in Aquarell, Öhlfarben und Miniatur, der jüngst, jung und unbekannt ohne jede weitere Empfehlung, in unsere Stadt kam, als seine ihm inwohnende, uns aber ebenfalls noch unbekannte Kunst. Was that er nun, um dieser Anerkennung zu verschaffen, und dadurch bei uns älter und bekannter zu werden? Er sprach seiner eigenen Kunst so lange mit schönen Worten zu, bis sie ihm einen Empfehlungsbrief gab, der ihm den gehofften Eingang erwirken sollte. Und wirklich ist dieser Empfehlungsbrief auf so eindringliche Art ausgestellt, daß seine Wirkung zweifellos bleibt, und der beabsichtigte Zweck, bekannt zu werden, sicher erreicht wird, wovon sich auch Jeder leicht überzeugen kann, der sich zur Buch- und Kunsthandlung des Herrn A. Traßler hinbemüht, wo dieser Empfehlungsbrief in Gestalt einer Portraitgruppe in Aquarellfarben von acht in unserer Stadt ziemlich bekannter Herren zur gefälligen Einsicht öffentlich ausgestellt ist. Die Zusammenstellung dieser Portraits macht dem jungen Künstler viel Ehre, und erregt die allgemeine Bewunderung der stets zahlreich davorstehenden Beschauer. Es sind herrlich gelungene Köpfe. Die Zeichnung ist sicher und frei und höchst korrekt, das Kolorit oder Inkarmit rein und frisch und der Natur abgelauscht. Man weiß nicht, soll man jene schwarz-roth-braunen, vollbärtigen Gesichter, oder jenen einsamen, verlassenen blonden Schnurbart, oder dieses jungfräulich haarlose, bebrillte Antlitz mehr bewundern, und jenem satirischen oder diesem schmerzhaften, jenem hinterlistig lauernden oder diesem biederen offenen, jenem begeisterten oder diesem tonlosen Ausdrucke, jenem blaßfahlen oder diesem rosigblühenden, jenem männlichbraunen, oder diesem zigeunerhaft schwarzgelben Teint den Vorzug geben. Man kann sich für keines entscheiden, sondern muß den Preis dem ganzen Bilde überhaupt zuerkennen, das unseren Künstler als tüchtigen Zögling der Münchner Schule bekundet, und ein braves Zeugniß seiner Studien in Düsseldorf und Wien abgibt. Von Ähnlichkeit, wie man es nennt, ist bei diesen Portraits keine Rede; eine bloße, allgemeine Ähnlichkeit wäre für den Künstler eine schlechte Empfehlung, nein, hier ist der Mensch, der abgebildet wurde, geistig und körperlich, nach seinem inneren und äußeren Ausdrucke, nach seiner ganzen Totalität vollkommen wiedergegeben, ja gleichsam durch eines Zauberers Macht nur einstweilen als plötzlich verstummter Liliputer auf das Papier hingebannt, von welchem er sich aber sogleich erheben, zu bewegen und zu reden anfangen wird, sobald das rechte Wort gesprochen, und damit der Zauber gelöst ist. Man fühlt beinahe die Gemüthsbewegung dieser Männer, man sieht die Gedanken, die sich in ihren Köpfen bewegen, und lauscht den Worten, die sie bald sprechen müssen, und die man schon ahnt, noch ehe sie gesprochen. Wahrlich Hr. Fleischmann konnte als Portraitmaler keine bessere Empfehlung bekommen, als durch diese Bildergruppe; sie spricht mehr als Worte. Ebenso vortrefflich sind seine Miniaturgemälde auf Elfenbein, es liegt etwas unendlich Zartes, Weiches in ihnen, sie scheinen mehr hingehaucht als hingemalen. Sie stellen zwar fast alle die Portraits uns Unbekannter vor, aber das benimmt ihrem Kunstwerthe nichts. Wir machen dabei vorzüglich auf die ältliche Dame, des Künstlers Mutter, aufmerksam. Bald hoffen wir von Herrn Fleischmann auch Ölgemälde zu sehen, worin er noch ausgezeichneter sein muß.

Auf jeden Fall stellen wir dem Künstler für seine Zukunft in Troppau ein günstiges Prognostikon und wünschen für die Jugend unserer Stadt, daß sie die Kunstzeichenschule, die er zu errichten beabsichtigt, recht fleißig besuchen möge, da sie von ihm des Tüchtigen viel lernen kann.

Silesia Nro. 11. Troppau; Montag, den 5. Februar 1849.

[Anmerkung: Adolph Traßler ist Inhaber der Buch- und Kunsthandlung A. Traßler und Verleger der Zeitung Silesia.]

#Austria (12.12.1851)

Die schlesische Industrie-Ausstellung.
(Schluss.)

[...]

Hr. Georg Fleischmann, Maler in Troppau, brachte eine Madonna in Oel, ein Portrait in Aquarell, und ein Tableau, enthaltend 4 Portraite en miniature, welche seinen Ruf bewähren. Dessen Schülerin Frl. Angelika Forche, stellte 2 Oelgemälde und eine Crayon-Kopie aus, welche ihr und ihrem Lehrer Anerkennung verschafften.

[...]

Austria No. 290. Tagblatt für Handel und Gewerbe, öffentliche Bauten und Verkehrsmittel. Wien; Freitag, den 12. Dezember 1851.

#Münchner Neueste Nachrichten (3.4.1897)

DANKSAGUNG.

Für die vielen Beweise liebevoller Theilnahme, für die so überaus reichlichen Blumenspenden bei dem Ableben unseres unvergesslichen Vaters, Grossvaters, Schwiegervaters, Onkels und Schwagers, des

Herrn Georg Fleischmann,
Kunstmaler,

sprechen wir den innigsten Dank aus.

München, Landshut, Oberzwieselau, Neuhaus a. Inn, März 1897.
Die tieftrauernd Hinterbliebenen.

Münchner Neueste Nachrichten No. 153. Samstag, den 3. April 1897.

#ML – 214 (Dürniz)


WALBURGA FREIFRAU VON DÜRNIZ GEB. GRÄFIN V. FREYEN
SEIBOLTSDORF WITWE DES K. KÄM. KASPAR FREIHERR
VON DÜRNIZ GEB. 4. APRIL 1782 GEST. 7. NOV. 18¿
CARL AUG. FREIHR. V. DÜRNIZ K. KÄM. I. DIR. A. BEZIRKSGERICHT
MÜNCHEN GUTSB. V. ¿ * 23.IV.1811 EICHSTÄTT † 4.III.1858
MARI¿ HELENE FREIFRAU V. DÜRNIZ ¿ 1827 † 5.XII.1900
IHRE KINDER ¿ ¿3. MÄRZ 1858
CAR¿ 1858
MA¿ 28. SEPT. 1869


  • Dürniz, Johanna von; 1.3.1854 – 13.3.1858 (München); Bezirksgerichtsdirektors-Tochter
  • Dürniz, Karl August Freiherr von; 23.4.1811 (Eichstätt) – 4.3.1858 (München); Kämmerer
  • Dürniz, Karl von; 1.7.1838 – 8.9.1858 (München); Bezirksgerichtsdirektor
  • Dürniz, Marie Helene Freifrau von (vw) / Semer (gb); 16.7.1827 – 3.12.1906
  • Dürniz, Mathilde von; 1.2.1852 – 23.9.1869 (Feldafing), Tod durch Reitunfall; Bezirksgerichtsdirektors-Tochter
  • Dürniz, Walburga Freifrau von (vw) / Freien-Seiboltsdorf, Gräfin von (gb); 4.4.1782 – 7.11.1836 (München); Postmeisters-Witwe

Todesanzeige für Karl August Freiherr von Dürniz

Grab der Familie Dürniz auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

Grab der Familie Dürniz auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#Karl August Freiherr von Dürniz

* 23.4.1811 (Eichstätt)
† 4.3.1858 (München)
Kämmerer

#Der Bayerische Landbote (15.3.1858)

Nekrolog.

Am vergangenen Samstage, den 6. d., wurden die irdischen Ueberreste eines Mannes zur Erde bestattet, dessen Tod nicht allein im Kreise seiner Familie, seiner Freunde, seiner Untergebenen die größte Bestürzung, die tiefste Trauer hervorrief, sondern dessen Verlust das allgemeinste Bedauern erregte. Es war der k. b. Kämmerer, Freiherr Carl von Dürniz, I. Direktor des k. Bezirksgerichtes München l. d. I. und Gutsbesitzer von Hirnhardt, welcher in der Blüthe seiner Manneskraft von dem Tode ereilt ward.

Carl von Dürniz war der Sohn eines k. Postmeisters zu Eichstädt und wurde daselbst geboren am 23. April 1811. Nachdem er eine äußerst sorgfältige Erziehung erhalten, trat er in die k. Pagerie ein, ging dann an die hiesige Universität über, wo er sich der Rechtswissenschaft widmete. Nach Vollendung der zum Staatsdienste erforderlichen Studien erhielt er im Jahre 1839 am 7. Mai seine erste Anstellung als Assessor am k. Kreis- und Stadtgerichte Straubing, an welchem er sechs Jahre, am 14. Mai 1845, darauf zum Rathe befördert ward. Im Jahre 1848 am 16. Mai erfolgte seine Beförderung zum Assessor am k. Appellationsgerichte von Oberbayern und wieder drei Jahre später, am 6. Juni 1851, ward er als geheimer Sekretär in das k. Staatsministerium der Justiz berufen. Am 28. Februar 1853 zum Rath am k. Appellationsgerichte von Niederbayern ernannt, wurde er als solcher noch vor dem Antritte dieses Postens am 16. April dess. Jahres an das k. Appellationsgericht von Oberbayern versetzt. Es ist bekannt, daß Hr. v. Dürniz, welcher seit mehreren Jahren als Schwurgerichtspräsident fungirte, als solcher auch den Schwurgerichtssitzungen des letzten Quartals im vorigen Etatsjahre vorstand. Während dieser Zeit, am 5. Aug. 1857, ward er von Sr. Maj. dem Könige zum I. Direktor am k. Bezirksgerichte München l. d. I. ernannt. Dieses sind die Berufssphären, in welchen der Verewigte während seines 19jährigen Staatsdienstes wirkte und zwar nach dem einstimmigen Zeugnisse seiner Vorgesetzten sowohl, wie aller ihm Nahestehenden, mit der größten Gewissenhaftigkeit, mit wahrer Berufstreue, ja mit Selbstaufopferung. Mit seinen gründlichen, umfassenden und bewährten Kenntnissen waren so zu sagen die Tugenden seines Standes innig verbunden; er war ein strenger, gerechter und dabei doch humaner Richter, stets das Wohl der Parteien im Auge haltend, unermüdet eifrig und fleißig und doch fern von Egoismus, ohne Leidenschaftlichkeit, ohne Heftigkeit.

Zu seinem Privatleben war v. Dürniz ein Mann von reinsten Sitten, und weil heiter, liebevoll, bescheiden, weil Jedermann mit Nachsicht beurtheilend, war er auch von Allen geliebt und geachtet. Seine Ehe, die er im Jahre 1850 am 20. April mit Fräulein Marie Helene Semer, Landrichterstocher von Laufen schloß, und aus welcher ihm drei Kinder ersproßen, war eine ungetrübt glückliche und wie er ein liebevoller Gatte, ein zärtlicher Vater war, seinen Eltern und seiner Großmutter mit rührender Pietät zugethan, so waren es auch ihm alle die Seinigen mit der innigsten Liebe, Achtung und Dankbarkeit.

Der Eifer, mit welchem er sich gleich nach Antritt seiner Stellung als I. Bezirksgerichtsdirektor seinem neuen Berufe hingegeben hatte, dessen Aufgabe bei dem umfangreichen Gerichte, sowie bei eben damals ins Leben tretenden Gerichtsorganisation eine eben so schwierige als anstrengende war, fand zwar, als die schwierige Aufgabe von ihm in kürzester Zeit gelöst war, die vollste und ehrendste Anerkennung der ihm vorgesetzten Stellen, wie der Gerichtsangehörigen, doch mochte die Anstrengung seine Kräfte leider zu sehr in Anspruch genommen haben. Als daher zwei seiner Kinder am Gehirntyphus darniederlagen und noch die Vatersorgen sich zu seinen vielen Berufsgeschäften gesellten, erkrankte er endlich selbst, ein heftiges Nervenfieber warf ihn auf das Krankenlager, von dem er leider nicht wieder aufstehen sollte. Aber der nun Verewigte hat dennoch das Ziel, das er sich gesteckt, erreicht, denn es fragt sich nicht – sagte der hochwürdige Redner an seinem Grabe – wie lange der Mensch, sondern wie er gelebt, nicht wie lange er gearbeitet, sondern wie er gearbeitet hat. – Sein Andenken wird ein gesegnetes seyn.

Der Bayerische Landbote No. 74. Montag, den 15. März 1858.

#Mathilde von Dürniz

* 1.2.1852
† 23.9.1869 (Feldafing), Tod durch Reitunfall
Bezirksgerichtsdirektors-Tochter

#Schweinfurter Tagblatt (29.9.1869)

Vermischtes.

In Feldaffing stürzte vorgestern die 17 Jahre alte Kämmerers- und Bezirksgerichts-Direktorstochter Freifräulein v. Dürniz so unglücklich vom Pferde, daß sie nach wenigen Stunden verschied.

Schweinfurter Tagblatt Nr. 231. Mittwoch, den 29. September 1869.

#ML – 215·216 (Morigotti · Übersezig)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Morigotti, Josef von; 2.1.1774 – 21.2.1833 (München); Oberappellationsgerichtsrat
  • Morigotti, Josefine von (vh) / Schleichert von Wiesenthal (gb); 19.5.1778 – 16.2.1833 (München); Oberappellationsgerichtsrats-Gattin
  • Übersezig, Josefa; – 7.1883
  • Übersezig, Josefine (vh) / Morigotti, von (gb); 10.2.1805 – 16.7.1882
  • Übersezig, Karl; – 11.1892; Notar
  • Übersezig, Philipp; – 2.1849; Königlicher Generalsekretär im Kriegsministerium

Grab der Familien Morigotti · Übersezig auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#ML – 222·223 (Abel)


KARL AUGUST
RITTER VON ABEL
* 1788 † 1859
BAYERISCHER
INNENMINISTER
UND STAATSRAT


  • Abel, Karl August Ritter von; 17.9.1788 (Wetzlar) – 3.9.1859 (München); Bayerischer Innenminister und Staatsrat | Wikipedia

Grab der Familie Abel auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Karl August Ritter von Abel

* 17.9.1788 (Wetzlar)
† 3.9.1859 (München)
Bayerischer Innenminister und Staatsrat

#Allgemeine Deutsche Biographie (1875)

Abel: Karl v. A., baierischer Staatsmann, geb. 17. Sept. 1788 zu Wetzlar, Sohn eines Procurators am Reichskammergericht, studirte 1806–9 die Rechtswissenschaft zu Gießen und trat 1810 in baierischen Staatsdienst. 1817 wurde er als Stadt- und Polizeicommissär in Bamberg angestellt, 1819 als Regierungsrath nach München berufen und 1827 zum Ministerialrath befördert. Im stürmischen Landtag 1831 hielt er als Regierungscommissär, um die Kammer mit dem vorgelegten Preßgesetzentwurf zu befreunden, eine Lobrede auf Preßfreiheit und Aufhebung der Censur; dieser Beginn seiner politischen Thätigkeit ließ durchaus nicht die Richtung seiner späteren staatsmännischen Wirksamkeit ahnen.

Im folgenden Jahre wurde er von König Ludwig I. als Rath der Regentschaft beigeordnet, welche den jugendlichen König Otto nach Griechenland begleitete. Er stand mit seinem liberalen Institutionen geneigten Collegen Maurer im besten Einvernehmen und machte mit diesem vereint Opposition gegen den Präsidenten der Regentschaft, Grafen Armansperg, der sich von der englischen Diplomatie allzu gefügig leiten ließ. Es gelang den Anhängern des Grafen in München, bei König Ludwig die Abberufung Abel’s und Maurer’s durchzusetzen, und A. trat 1834 wieder als Rath in das baierische Ministerium des Innern ein. 1836 vermählte er sich mit Friederike von Rinecker, einer streng religiösen Dame, die großen Einfluß auf ihn gewann. Im Landtage 1837 griff er wieder als Regierungscommissär in die durch die Vermehrung der Klöster in Baiern hervorgerufene Debatte ein und vertrat in dieser wie in finanziellen Fragen sehr energisch die Rechte der Krone. In ihm glaubte deshalb König Ludwig den geeigneten Anwalt des monarchischen Princips gefunden zu haben, Fürst Wallerstein wurde entlassen, A. am 1. Nov. 1837 zum Staatsrath in ordentlichem Dienste ernannt und in provisorischer Weise mit der Leitung des Ministeriums des Innern betraut und einige Monate später definitiv bestätigt.

Seine Erhebung trifft zusammen mit dem Kölner Kirchenstreit, welcher in ganz Deutschland religiöse Aufregung wachrief, die auch politischen Charakter annahm. Bald trat eine ausgesprochen katholische Färbung des neuen Ministeriums unverkennbar hervor, ein Anknüpfen an die Tradition des Kurfürsten Maximilian I., welche für Baiern den Beruf einer katholischen Schutzmacht vindicirt. Mehrere Bestimmungen des Religionsedicts wurden im Sinne des Concordats ausgelegt, Missionen begünstigt, für fromme Zwecke große Summen verwendet, die Stellung des Klerus gehoben. Ein Erlaß, welcher die Kniebeugung auch der protestantischen Soldaten bei katholischem Gottesdienst anordnete, machte den Anfang einer Reihe von Verfügungen, welche die Anschauung und die Rechte der Protestanten verletzten. Die Bildung evangelischer Gemeinden und die Ausübung ihres Gottesdienstes wurden erschwert und beschränkt, der Beitritt zum Gustav-Adolph-Verein den baierischen Protestanten untersagt, gegen jede oppositionelle Regung strenge Censur gehandhabt. In den Kammerverhandlungen 1840 gab die Frage, ob der Landesvertretung Prüfung der Verwendung der sogenannten Erübrigungen im Staatshaushalt zustehe, Anlaß zu erregtem Streit zwischen Minister und Ständen. A. verwahrte sich gegen das »Einschwärzen moderner Begriffe, die statt des ständischen Princips das repräsentative unterschieben wollten«; in diesem Sinne wurde auch der Gebrauch der Bezeichnung »Staatsministerium« verboten, da nur der König die gesammte Staatsgewalt in sich vereinige. Heftige Ausfälle, die sich A. in der Kammer gegen seinen Vorgänger, den Fürsten Wallerstein, erlaubte, hatten ein Duell zur Folge, das jedoch erfolglos blieb. Wallerstein trat an die Spitze der Opposition, die sich namentlich in den neugewonnenen größtentheils protestantischen Provinzen des Königreichs gegen das einseitige Bevormundungsprincip des Ministeriums bildete und im Landtag 1846 den offenen Kampf gegen das herrschende System aufnahm. Da der Minister auch durch die gewandteste Vertheidigung die Anklage auf Verletzung des Paritätsprincips nicht von sich wälzen konnte und zugleich die Mischung der kirchlichen Partei mit radicalen Elementen mehrfach zu Tage trat, wurde der König, der nach jeder Seite hin seine Rechte wahren wollte, mißtrauisch gegen seinen Kronrath und verfügte am 15. Dec. 1846 die Absonderung eines eigenen Ministeriums für Cultus und Unterricht vom Ressort Abel’s. Als der sonst so gefügige Minister vollends die Gegenzeichnung der Indigenatsverleihung an Lola Montez, die zur Gräfin von Landsberg erhobene Freundin des Königs, verweigerte und im Verein mit den übrigen Ministern das sogenannte Memorandum überreichte, welches ernstliche Vorstellungen über das Verhältniß des Königs zu der Fremden enthielt, wurde er entlassen (17. Febr. 1847).

Der Gestürzte erfuhr das trübe Schicksal, daß er nicht blos die Ungnade des Monarchen zu tragen hatte, dessen Dienst er jede andere Rücksicht geopfert hatte, und die Freude seiner politischen Gegner sehen mußte, sondern auch von dem größeren Theil der Partei verleugnet wurde, deren Interessen er gefördert hatte. 1848 in die zweite Kammer gewählt, war er Zeuge der heftigsten Angriffe auf seine Verwaltung von allen Seiten des Hauses. Im J. 1847 zum Gesandten am Turiner Hofe ernannt, trat er den Posten erst unter der Regierung König Maximilians II. an, wurde aber im März 1850 wieder abberufen und in den Ruhestand versetzt. Vom politischen Leben gänzlich zurückgezogen, lebte er seither auf seinem Gute Stamsried in der Oberpfalz, das ihm König Ludwig früher zu Lehen gegeben hatte. Er starb 3. Sept. 1859.

Abel und Wallerstein. Stuttg. 1840. (v. Giech) Actenstücke zur Kniebeugung in Bayern. (Strodl) Kirche und Staat in Bayern unter dem Minister Abel.

Heigel.

Heigel: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1875.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Abel Karl August, von, Ritter, 1788 (Wetzlar) – 1859, bayerischer Innenminister und Staatsrat; nach Studien in Gießen trat A. 1809 in den bayerischen Staatsdienst (Praktikant am Landgericht Dillingen, Sekretär bei der Hofkommission zur Vollziehung des Pariser Staatsvertrags mit Württemberg, Assessor bei der Regierung des Isarkreises, Stadtkommissär in Bamberg, Regierungsrat bei der Regierung des Isarkreises, Ministerialrat im Innenministerium waren die wichtigsten Stufen seiner Laufbahn); 1832/34 war A. als Substitut des Regentschaftsrats in Griechenland, wo er zusammen mit G. L. von Maurer für Liberale Institutionen wirkte, seit 1838 war A. Innenminister; von Liberalen und Protestanten bekämpft, verlor er 1846 das neugebildete Kultusministerium und 1847 das Innenministerium, als er der Lola Montez das Bürgerrecht verweigerte und sein Memorandum in die Presse kam; er wurde dann Haupt der katholischen Opposition, kehrte aber 1848 zum abgedankten König wieder zurück und beriet den jungen König Max II.; ursprünglich Protestant, wurde er durch Philipps und seine zweite Gattin Friederike von Rienecker katholischer Aktivist; Ludwigs I. »erster Staatsmann« (vom König selbst so genannt) verteidigte dessen Klosterneugründungen, erneuerte die katholische Tradition des Kurfürsten Max I. anläßlich der Kölner Wirren mit Spitze gegen Preußen, er war aber extrem in der Behinderung der evangelischen Gemeindebildung, der Konvertitenbegünstigung und der Überbetonung der monarchischen Autorität; dabei führte er trotzdem eine straffe Herrschaft über die Kirche; hinter seinen reaktionären Maßnahmen stand im Grunde Ludwig I. selbst (»In Bayern regiert nicht der Minister, sondern der König« Ludwig I.).

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#ML – 224·225 (Lengriesser)


HIER RUHT IN GOTTES FRIEDEN
AN SEITE SEINER ELTERN U. SCHWESTER
HERR JOH. NEPOMUK
RITTER u. EDLER LENGRIESSER
KGL. LANDGERICHTSRAT A. D.
GEB. 9. APRIL 1836. GEST. 14. AUGUST 1908.
IHM GING IM TODE VORAN SEINE ERSTE GATTIN
HENRIETTE GEB. VON KRAFT
GEB. 12. APRIL 1845. GEST. 23. JUNI 1887.
IHM FOLGTE SEINE ZWEITE GATTIN
FRAU AUGUSTE
EDLE VON LENGRIESSER
GEB. VON HEILIGENSTEIN
GEB. 18. NOVEMBER 1854. GEST. 15. OKTOBER 1924.

R. I. P.


  • Lengriesser, Auguste Edle von (vw) / Heiligenstein, von (gb); 18.11.1854 – 15.10.1924 (München); Landgerichtsrats-Witwe
  • Lengriesser, Henriette Edle von (vh) / Kraft, von (gb); 12.4.1845 – 23.6.1887 (München); Landgerichtsrats-Gattin
  • Lengriesser, Johann Nepomuk Ritter und Edler von; 9.4.1836 – 14.8.1908 (Garmisch); Landgerichtsrat a. D.

Todesanzeige für Henriette Edle von Lengriesser

Todesanzeige für Auguste Edle von Lengriesser

Grab der Familie Lengriesser auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#ML – 230·231* (Wenzl)


Das Grab ist nicht erhalten
Überlieferte Grabinschrift (Der Bayerische Eilbote, 17.4.1844)

Annae uxori dilectissime, 19. Jul. 1834 aetat. 41 ann. defunctae et quinque infantibus ante mortius hoc pietatis ac desiderii monumentum
Dr. J. B. de Wenzl,
Ius medicus reg. Bav. Lud. I. cons. reg. int. ord. cor.
Bav. eques etc. ponendum curavit.
Hunc et sibi tumulum vivus selegit, ut quibuscum amicitia, sanguine, arte ac dignitate conjunctus vixit, iisdem defuncius quoque, post miram sortis ac terrarum commutationem, consociatus requiescat in resurrectionem vitae aeterne.

(Der geliebtesten Gattin Anna, gestorben am 19. Juli 1834 im 41. Jahre ihres Alters, und fünf im Tode vorausgegangenen Kindern, hat dieses Denkmal der Liebe und des Sehnsuchtsschmerzes setzen lassen
Dr. J. B. v. Wenzl,
Leibarzt Ludwigs I., Königs von Bayern, k. geheimer Rath, Ritter des Ordens der bayerischen Krone etc. Er hat sich schon bei seinen Lebzeiten auch für sich diesen Grabhügel auserwählt, damit er zu denjenigen, mit welchen er durch die Bande der Freundschaft, des Blutes, des Berufes und der Würde im Leben vereinigt war, auch im Tode gesellt, nach den wundersamen Wechselfällen des Schicksals und irdischen Daseyns, ruhe bis zur Auferstehung des ewigen Lebens.)


  • Wenzl, Johann Baptist von, Dr. med.; 9.2.1785 (Schlehdorf am Kochelsee) – 10.4.1844 (München); Arzt

Todesanzeige für Dr. med. Johann Baptist von Wenzl

Das Grab ist nicht erhalten


#Dr. med. Johann Baptist von Wenzl

* 9.2.1785 (Schlehdorf am Kochelsee)
† 10.4.1844 (München)
Arzt

#Gelehrtes München im Jahre 1834

Wenzl, Dr. Johann Baptist v., wurde geboren den 9. Februar 1785 in Schlehdorf am Kochelsee im Isarkreise, erhielt den ersten Unterricht in der deutschen und lateinischen Sprache, in Musik u. s. f. im Kloster daselbst, vom Jahre 1796–1802, den Gymnasial-Unterricht im Kloster zu Benediktbeuern, welcher dort zu jener Zelt unter Abt Glocker auf einer hohen Stufe von Vollkommenheit stand, kam im Jahre 1803 an’s Lyceum zu München, im Jahre 1805 an die Universität zu Landshut, ward daselbst im Jahre 1809 als Feldspiralarzt im combinirten französischen bayerischen Feldspitale an der Trausnitz angestellt, in welchen er verweilte, bis er am ansteckenden Hospital-Typhus tödtlich erkrankte; erhielt über die geleisteten ärztlichen und chirurgischen Dienste die Bezeugung der allerhöchsten Zufriedenheit im königl. Regierungsblatte; graduirte hierauf am 5. April 1810 zu Landshut unter v. Walther; gieng durch Unterstützung der königl. Regierung zur höhern Ausbildung in der Medizin, Chirurgie und Augenheilkunde drei Jahre, vom Jänner 1811 bis Dezember 1813, auf wissenschaftliche Reisen nach Wien, Prag, Berlin, Göttingen und mehrere andere deutsche Universitäten, verweilte zu demselben Zwecke, vom Dezember 1812 bis November 1813 in Paris, trat bald nach der Rückkehr in die ärztliche und chirurgische Praxis in München ein, welche er beide mit gleichem Erfolge und bald in großem Umfange übte, ward im Jahre 1816 als Secundärarzt an der chirurgischen Abtheilung des allgemeinen Krankenhauses daselbst angestellt, dann im Jahre 1819 als Hof-Stabsarzt und erster Hof-Stabswundarzt, erhielt in diesen beiden Branchen mehrfache Beweise der allerhöchsten Zufriedenheit König Max’s, ward im Jahre 1829, während der letzten tödtlichen Krankheit des königl. geheimen Rathes und Leibarztes Dr. v. Harz und in Verhinderung des zweiten königl. Leibarztes Dr. v. Distlbrunner, berufen, die leibärztliche Funktion am königl. Hofe zu übernehmen, in welchem Zeitraume mehrere lebensgefährliche Krankheiten der königl. Kinder, eine in Abwesenheit I. I. M. M., und später die Heilung Sr. Majestät des Königs während des strengen Winters im Jahre 1829/30 von einer vieljährigen bösartigen Flechte fielen; ward Medizinal-Rath im März 1830, begleitete Se. Majestät den König bald hierauf in die Heilbäder nach Ischia, ward königl. Leibarzt nach der Rückkehr im Juny 1830, Ober-Medizinal-Rath im August 1831, Ritter des königl. Civilverdienst-Ordens der bayerischen Krone am ersten Jänner 1832, Geheimer Rath im Jänner 1834.

Adolph von Schaden: Gelehrtes München im Jahre 1834. München, 1834.

#Die Bayerische Landbötin (13.4.1844)

Abermals ist ein edler Mann zu seinen Vätern versammelt worden. Vergangenen Mittwoch den 10. d. Ab. 7½ U. starb plötzlich der Leibarzt Sr. Maj. des Königs, Hr. Geh. Rath Dr. v. Wenzl, Ritter der Verdienst-Ordens der bayer. Krone, dann des k. griechischen Erlöser-Ordens, Commandeur 2. Cl. des Großherzogl. Hessischen Haus- jetzt Ludwigs-Ordens etc , in einem Alter von 59 Jahren. Allgemein ist die Trauer um den humanen, hochverdienten Mann. Kurz noch vor seinem Tode hatte v. Wenzl von Sr. Durchlaucht dem regierenden Herzoge von Sachsen-Altenburg das Commandeurkreuz des Herzoglich Sachsen-Ernestinischen Haus-Ordens erhalten. Sein Name wird Vielen in dankbarem Andenken bleiben. (Die Beerdigung findet heute den 13. d. Nachm. 5 Uhr mit Flambeaux vom Leichenhause aus, und der Trauergottesdienst Freitag den 19. d. Vormittags 10 Uhr bei U. L. Frau statt.)

Die Bayerische Landbötin No. 45. München; Samstag, den 13. April 1844.

#Der Bayerische Eilbote (17.4.1844)

14. April. Gestern Nachmittags 5 Uhr fand die feierliche Beerdigung des kgl. geh. Raths und Leibarztes v. Wenzl statt. Der hochwürdige Herr Dompfarrer Schmid hielt eine gediegene, die vorzüglichsten Lebensmomente und die großen Verdienste des Dahingeschiedenen hervorhebende Grabrede. Der greise Vater des Verstorbenen, mit seinen ehrwürdigen Silberhaaren und seiner schlichten, ländlichen Kleidung stach rührend ab von den reichen Uniformen der an der Spitze des Leichengefolges stehenden Staatsbeamten und Mitglieder des kgl. Hofstabes.

Wenzl war ein als Mensch wie als Arzt gleich ausgezeichneter Mann. Er wird allen denen, welche seiner theilnahmvollen Hilfe, seines verlässigen Rathes, seines freundlichen – Zutrauen, Trost, Beruhigung und Ehrfurcht einflößenden Umgangs sich erfreuten, unvergeßlich und – unersetzlich bleiben.

Sein Grab befindet sich an der östlichen Seite der Kirchhofmauer neben jenem seines ehemaligen Freundes, des Obermedicinalrathes Simon v. Häberl. Es ist vielleicht mehreren von Wenzl’s Verehrern nicht bekannt, daß er sich diese Begrabnißstätte für sich und seine Familie absichtlich deßwegen wählte, um dereinst neben genanntem seinem Freunde ruhen zu können. Er hat diesen schönen Zug seines Herzens und seines innigen über den Tod hinausreichenden Freundschaftsgefühles durch die Inschrift verewigt, welche das großartige für seine (ursprünglich an einer andern Stelle begrabene und erst nach einigen Jahren hierher transferirte) Gemahlin errichtete Grabdenkmal trägt, so lautend:

Annae uxori dilectissime, 19. Jul. 1834 aetat. 41 ann. defunctae et quinque infantibus ante mortius hoc pietatis ac desiderii monumentum
Dr. J. B. de Wenzl,
Ius medicus reg. Bav. Lud. I. cons. reg. int. ord. Cor.
Bav. eques etc. ponendum curavit.
Hunc et sibi tumulum vivus selegit, ut quibuscum amicitia, sanguine, arte ac dignitate conjunctus vixit, iisdem defuncius quoque, post miram sortis ac terrarum commutationem, consociatus requiescat in resurrectionem vitae aeterne.

(Der geliebtesten Gattin Anna, gestorben am 19. Juli 1834 im 41. Jahre ihres Alters, und fünf im Tode vorausgegangenen Kindern, hat dieses Denkmal der Liebe und des Sehnsuchtsschmerzes setzen lassen
Dr. J. B. v. Wenzl,
Leibarzt Ludwigs I., Königs von Bayern, k. geheimer Rath, Ritter des Ordens der bayerischen Krone etc.
Er hat sich schon bei seinen Lebzeiten auch für sich diesen Grabhügel auserwählt, damit er zu denjenigen, mit welchen er durch die Bande der Freundschaft, des Blutes, des Berufes und der Würde im Leben vereinigt war, auch im Tode gesellt, nach den wundersamen Wechselfällen des Schicksals und irdischen Daseyns, ruhe bis zur Auferstehung des ewigen Lebens.)

Der Bayerische Eilbote No. 46. München; Mittwoch, den 17. April 1844.

#ML – 232·233 (Häberl)


SIMON
RITTER VON HÄBERL
OBERMEDIZINALRAT
GEB. 1772
GEST. 1831


  • Häberl, Simon Ritter von, Dr. med.; 25.10.1772 (München) – 1.4.1831 (München); Obermedizinalrat

Grab der Familie Häberl auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2014)

Grab der Familie Häberl auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2007)

Grab der Familie Häberl auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2007)

Grab der Familie Häberl auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2007)

#Dr. med. Simon Ritter von Häberl

* 25.10.1772 (München)
† 1.4.1831 (München)
Obermedizinalrat

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Häberl Simon, Dr. med., von, Ritter, 1772 (München) – 1831, Obermedizinalrat und erster Direktor des Krankenhauses links der Isar in München; nach einem eingehenden Studium in Ingolstadt habilitierte er sich und gewann bald in München eine ausgedehnte Praxis, die ihn über die Grenzen seiner Heimat hinausführte; H. führte in Bayern das Institut der Physikate, die Obermedizinalschule und das Landesmedizinalkomitee in Bayern, die Zentral-Veterinärschule und die Pockenschutzimpfung ein; auch der Entwurf zum Organischen Edikt über die Einrichtung des Gesundheitswesens (1808) stammt von ihm; H. war auch mit M. Jacobi der Herausgeber der »Jahrbücher des Sanitätswesens im Königreich Baiern«; nach Montgelas‘ Rücktritt erlosch auch Hs. Karriere, und er widmete sich »um so eifriger seiner ärztlichen Praxis«.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#ML – 234 (Kraft)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Kraft, Antoinette von; 12.5.1847 – 7.7.1910
  • Kraft, Anton von; 16.8.1848 – 20.3.1890
  • Kraft, Auguste von (vh) / Heiligenstein, von (gb); 22.7.1823 – 20.11.1857 (München); Landgerichtassessors-Gattin
  • Kraft, Franz Xaver von; 25.9.1818 – 6.8.1861 (München); Landgerichtsassessor
  • Kraft, Hermann von; 8.5.1850 – 15.5.1880
  • Kraft, Valentin von; 10.6.1887 – 6.5.1893

Grab der Familie Kraft auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#ML – 237 (Reifenstuel)


Hier ruhen:
Frz. Xav. Reifenstuel,
Zimmermeister
geb. 1776, gest. 1836.
Seine Gattin
Antonie Reifenstuel,
geb. 1778, gest. 1843.
Deren Sohn
Frz. Xav. Reifenstuel,
bürgl. Stadtzimmermeister,
gest. 7. April 1853, im 39. Lebensjahre.
Sein Töchterchen Anna, † 1856,
und seine Gattin
Hildegard Reifenstuel,
geb. 27. April 1826, gest. 7. November 1893.
Frz. Xav. Reifenstuel
Kaufmann
geb. 26. März 1853, gest. 27. März 1936.
Karolina Reifenstuel
geb. 30. März 1849, gest. 25. Februar 1940.


  • Reifenstuel, Anna; – 1856; Zimmermeisters-Tochter
  • Reifenstuel, Antonie (vw); 1778 – 1.5.1843 (München); Zimmermeisters-Witwe
  • Reifenstuel, Franz Xaver; – 7.4.1853 (München), 41 Jahre alt; Zimmermeister
  • Reifenstuel, Franz Xaver; 1776 – (20).11.1836 (München), 61 Jahre alt; Stadtzimmermeister
  • Reifenstuel, Franz Xaver; 26.3.1853 – 27.3.1936; Kaufmann
  • Reifenstuel, Hildegard (vw); 27.4.1826 – 7.11.1893 (München); Zimmermeisters-Witwe
  • Reifenstuel, Karolina; 30.3.1849 – 25.2.1940

Grab der Familie Reifenstuel auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2013)

#ML – 241·242 (Döllinger)


DR. IGNATIUS v. DOELLINGER

Anna Cordula Eva
Doellinger
geb. d. 2. Jan. 1816. gest. d. 30 Apr. 1832.
Theresia Doellinger geb. Schuster
gest. den 4. Febr. 1838 im 62 Jahres Alters
und 41. ihres Ehestandes
Ignaz Doellinger
k. Obermedicinalrath Psychologe und Professor.
gest. den 14. Januar 1841 im 71 Lebens Jahre
Moritz von Doellinger
Stabskapitän
gest. den 1. Mai 1881 im Alter von 78 Jahren.
I. I. Ignaz von Doellinger
Reichsrat, Stiftsprobst, Univ. Professor etc.
geb. d. 28. Februar 1799 gest. d. 10. Januar 1890
Johanna v. Doellinger
¿

Linke Spalte
Moritz
Doellinger
geb. 20.V.1863
gest. 15.XI.1925


  • Döllinger, Anna Cordula Eva; 2.1.1816 – 30.4.1832 (München); Universitätsprofessors-Tochter
  • Döllinger, Ignaz von, Dr. theol.; 28.2.1799 (Bamberg) – 10.1.1890 (München); Katholischer Geistlicher und Historiker
  • Döllinger, Ignaz, Dr. med.; 24.5.1770 (Bamberg) – 14.1.1841 (München); Königlicher Obermedizinalrat und Psychologe
  • Döllinger, Johanna von
  • Döllinger, Moritz; 20.5.1863 – 15.11.1925 (München); Bankkassierer
  • Döllinger, Moritz von; – 1.5.1881 (München), 78 Jahre alt; Stabskapitän a. D.
  • Döllinger, Theresia (vh) / Schuster (gb); – 4.2.1838 (München), 62 Jahre alt; Obermedizinalrats-Gattin

Todesanzeige für Moritz von Döllinger

Todesanzeige für Moritz Döllinger

Grab der Familie Döllinger auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

Grab der Familie Döllinger auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

Grab der Familie Döllinger auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2007)

#Dr. theol. Ignaz von Döllinger

* 28.2.1799 (Bamberg)
† 10.1.1890 (München)
Katholischer Geistlicher und Historiker

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Döllinger Johannes Josef Ignaz, Dr. theol., von, 1799 (Bamberg) – 1890, katholischer Theologe, Historiker und Universitätsprofessor; er studierte in Würzburg und Bamberg Philosophie und Theologie, wurde 1822 Priester und nach kurzer Verwendung in der Seelsorge 1823 Professor der Kirchengeschichte und des Kirchenrechts am Lyzeum in Aschaffenburg und 1826 Universitätsprofessor in München; als Hauptvertreter der katholischen Restauration um J. J. von Goerres und F. von Baader trat er bald zur verwandten Strömung in Westeuropa in Beziehung; neben seinen wissenschaftlichen Arbeiten widmete er sich dem publizistischen Kampf, so mit Goerres für Erzbischof Droste zu Vischering beim »Kölner Ereignis« 1838, als Mitbegründer der historisch-politischen Blätter 1838 und als Landtagsabgeordneter und Mitglied des Frankfurter Parlaments; 1847/50 trat er unter persönlichen Verlusten (Amtsenthebung 1847) für die kirchliche Freiheit ein und spielte eine wesentliche Rolle bei der Würzburger Bischofsversammlung 1848 (Idee einer romtreuen Nationalkirche), bei der 3. und 4. Generalversammlung des »Katholischen Vereins« (1849/50) und der Gründung des Bonifatiusvereins 1849; nach Arbeiten aus der Kirchengeschichte (u. a. anfechtbare über die Reformation) kehrte D. wieder zur Kirchenpolitik zurück (2 Vorträge 1861 in München über die Zukunft des Kirchenstaats zogen ihm bei der Kurie, den Jesuiten und im Mainzer Erneuerungskreis Gegner zu); Überbetonung des Werdens auch in der Kirchengeschichte und seine staatskirchliche Bewertung des Syllabus 1864 führten zu Spannungen und Verdächtigungen; die unterbliebene Berufung zum 1. Vatikanischen Konzil wurde ihm letzter Anstoß, dieses als »Janus« und »Quirinus« anzugreifen; das Unfehlbarkeits-Dogma lehnte D. zugunsten letzter Entscheidungskraft der allgemeinen Kirchenversammlungen ab; die nur zögernd 1871 verhängte Exkommunikation beugte ihn nicht, doch schloß er sich nicht der mit seinem Zutun entstandenen altkatholischen Kirche an, verzichtete auf Vorlesungen und kirchliche Funktionen und verharrte trotz mancher polemischer Reden als Rektor der Münchener Universität (1872) und Präsident der BAkdW (seit 1873) in grundsätzlicher, doch begrenzter Bereitschaft zur Rückkehr; D. war kein unpriesterlich kalter Verstandesmensch, er wurde nicht das Opfer personeller Verhältnisse in Rom und München, sondern der eigenen wissenschaftlichen Überzeugung, die ihn im Bann des alten Konziliarismus festhielt und in verderbliche Nähe des Historismus brachte.

Hauptwerke: Die Reformation (3 Bde.), Christentum und Kirche, Kirche und Kirchen, Papsttum und Kirchenstaat, Die Papstfabeln des Mittelalters, Beiträge zur politischen, kirchlichen und Culturgeschichte der 6 letzten Jahrhunderte (3 Bde.), Geschichte der Moralstreitigkeiten in der römisch-katholischen Kirche seit dem 16. Jahrhundert (2 Bde.).

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#Dr. med. Ignaz Döllinger

* 24.5.1770 (Bamberg)
† 14.1.1841 (München)
Königlicher Obermedizinalrat und Psychologe

#Allgemeine Zeitung (17.1.1841)

München, 14 Januar. Heute früh um 6 Uhr starb an einer schleichenden Unterleibskrankheit Dr. Ignaz Döllinger, k. b. Hofrath und Obermedicinalrath, Professor der Anatomie und Physiologie, Senior der medicinischen Facultät, ordentl. Mitglied der Akademie der Wissenschaften. Mit ihm geht einer der trefflichsten Lehrer, eine der Hauptzierden unsrer Universitär zu Grabe. Sein unerwarteter Tod hat auf seine Kollegen wie auf die akademische Jugend, und alle, die den verdienstvollen Mann kannten, einen tiefen, schmerzlichen Eindruck gemacht.

Döllinger wirkte seit einem halben Jahrhundert (in Bamberg, dann in Würzburg, seit 1823 in München) als Lehrer. Er hat Schüler in allen Gegenden der Erde zurückgelassen. Ueberall wird die Nachricht von seinem Tode dankbare Erinnerungen wecken; denn wenn es je einen Lehrer der Medicin gegeben, der mächtig anregend auf seine Schüler gewirkt hat, so war es Döllinger. Ein vielumfassender Geist, eine glückliche Gabe der Beobachtung und der Rede, eine seltene Scharfe und Raschheit des Urtheils waren hier mit Humor und Ironie zu einem Manne ganz eigenthümlicher Art verschmolzen. Es war ein ganzer Mann, und ein deutscher Mann, eine Individualität aus dem festesten Stoffe gemacht, gerade dadurch so prägnant, so energisch in ihren Wirkungen, besonders auf die Jugend. Die guten Studenten trauern um ihn, wie um einen Vater; die schlechten müssen sich sagen: ein scharfer Rüger, eine Geißel ist von mir genommen, denn in unerbittlichen Sarkasmen züchtigte er die Halbheit, das Altthun seiner Zuhörer, und doch glänzten dabei seine geistigscharfen Augen von väterlicher Gutmüthigkeit.

In der That, wer den Mann unter der akademischen Jugend hat wirken sehen, der mußte eine Freude haben an dem achten Universitätsleben. Auf Geist und Gemüth konnte Döllinger bildend, anregend, umstimmend wirken. Er kannte die Geschichte, die Natur, kannte den Menschen; er verschmähte nicht mit den Jungen jung zu seyn, hielt fest am klaren Verstandesbegriff, am scharfen Ausdruck, schwebelte und nebelte nicht, mysticirte nicht, blieb im Philosophiren bei der Klinge, züchtigte die Halbwisser und die Scheinheiligen, und ließ die Jungen, denen es um etwas Höheres Ernst ist, Blicke thun, tiefe, helle Blicke in das Paradies der Wissenschaft! Was soll ich, heute, im ersten Sturme meines Gefühls über den Verlust eines solchen Mannes, sagen von seiner Stellung in der Wissenschaft, von seiner weitgreifenden Wirksamkeit auf dem Felde der Anatomie, der vergleichenden Anatomie, der Physiologie! Man frage Johannes Müller in Berlin, und Carns in Dresden und Baer in Petersburg, und Rudolph Wagner – seinen liebsten Schüler – jetzt in Göttingen, und alle die andern trefflichen Männer seines Faches, in nah und fern, die werden ein Zeugniß geben, was Döllinger war, was er in der Wissenschaft für alle Zeiten gethan hat! Seine Untersuchungen über das bebrütete Ei, über die Entstehung und Entwickelung der Gefäße, über die Natur des Blutlaufes, seine geistreich organisch gefaßte und durchgeführte Physiologie, die leider wohl nur in den Manuscripten einiger ausgewählten Schüler vollständig seyn dürfte, sind Werke bleibenden Werthes. Dabei war er in frühern Zeiten ein rüstiger Rector. Kurz, ein Mann, der seines Gleichen sucht, ist von uns geschieden. Sit ei terra levis! Und mögen seine unmittelbaren Collegen ihm ein Denkmal setzen, wie er’s verdient!

Allgemeine Zeitung Nr. 17. Augsburg; Sonntag, den 17. Januar 1841.

#ML – 246·247 (Ostermaier)


FAMILIE OSTERMAIER

Linke Spalte
JAKOB * 1776 † 1852
KARMELITEN-APOTHEKER
oo FRANZISKA * 1780 † 1847
GEB. BUCHNER
MAXIMILIAN * 1819 † 1892
KARMELITEN-APOTHEKER
oo WALBURGA * 1824 † 1902
GEB. MAYER
ADOLF * 1911 † 1941
DIPL. ING. LEUTNANT
DER LUFTWAFFE

Rechte Spalte
ADOLF * 1852 † 1932
KARMELITEN-APOTHEKER
1. oo KATHINA * 1860 † 1906
GEB. HACKER
2. oo LAURA * 1857 † 1936
GEB. MERK
DR. PAUL * 1856 † 1926
KGL. HOFRAT u. PRAKT. ARZT
oo MARIE * 1869 † 1940
GEB. HINKER
DR. MED. MAX * 1907 † 1982
oo BERTA * 1911 † 1998


  • Ostermaier, Adolf; 1852 – 24.2.1932 (München); Apotheker
  • Ostermaier, Adolf; 1911 – 1941; Leutnant
  • Ostermaier, Berta (vw) [in memoriam]; 1911 – 1998; Arzt-Witwe
  • Ostermaier, Franziska (vh) / Buchner (gb); 1780 – Januar 1847 (München); Apothekers-Gattin
  • Ostermaier, Jakob; 1776 – 1852; Apotheker
  • Ostermaier, Kathina (vh) / Hacker (gb); 1860 – (11).3.1906 (München); Apothekers-Gattin
  • Ostermaier, Laura (vw) / Merk (gb); 1857 – 1936; Apothekers-Witwe
  • Ostermaier, Marie (vw) / Hinker (gb); 1869 – 1940; Arzt-Witwe
  • Ostermaier, Max, Dr. med. [in memoriam]; 1907 – 1982; Arzt
  • Ostermaier, Maximilian; 1819 – 2.9.1892 (München); Apotheker
  • Ostermaier, Paul, Dr. med.; 1856 – 1926; Arzt
  • Ostermaier, Walburga (vw) / Mayer (gb); 1824 – 1902; Apothekers-Witwe

Todesanzeige für Max Ostermaier

Todesanzeige für Adolf Ostermaier

Todesanzeige für Adolf Ostermaier

Grab der Familie Ostermaier auf dem Alten Südfriedhof München (September 2009)

Grab der Familie Ostermaier auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

Grab der Familie Ostermaier auf dem Alten Südfriedhof München (August 2011)

#ML – 248·249 (Stieler)


PAULINE STIELER
Hofmalers-Gattin
geb. 19. Aug. 1798
gest. 1. Nov. 1830
JOSEF STIELER
kgl. baier. Hofmaler
geb. 1. Nov. 1781
gest. 9. Apr. 1858


  • Stieler, Eugen Ritter von, Dr. jur.; 19.9.1845 (München) – 9.10.1922 (München); Genremaler, Portraitmaler und Jurist
  • Stieler, Josef Karl; 1.11.1781 (Mainz) – 9.4.1858 (München); Portraitmaler
  • Stieler, Josefine (vw) / Miller, von (gb); 13.12.1808 (München) – 28.2.1890 (München); Dichterin, Portraitmalers-Witwe
  • Stieler, Maximilian; 16.2.1825 (München) – 23.6.1897 (München); Genremaler und Dichter
  • Stieler, Pauline (vh) / Becker (gb); 19.8.1798 – 1.11.1830 (München); Hofmalers-Gattin

Todesanzeige für Josef Karl Stieler

Todesanzeige für Josefine Stieler

Todesanzeige für Maximilian Stieler

Grab der Familie Stieler auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2020)

#Dr. jur. Eugen Ritter von Stieler

* 19.9.1845 (München)
† 9.10.1929 (München)
Genremaler, Portraitmaler und Jurist

#Münchner Neueste Nachrichten (18.9.1920)

Kleine Kunstnachrichten

Am 19. September begeht Eugen Ritter von Stieler, ein Sohn des Malers Josef Stieler und Bruder des Dichters Karl Stieler, seinen 75. Geburtstag. Stieler widmete sich erst wissenschaftlichen Studien und besuchte nach bestandenem Staatsexamen die Münchner Kunstakademie als Schüler Pilotys. Von 1885 bis 1895 war er Präsident der Münchner Künstlergenossenschaft und seit 1909 langjähriger Syndikus der Akademie München.

Münchner Neueste Nachrichten Nr. 387. Samstag, den 18. September 1920.

#Fürstenfeldbrucker Zeitung (10.10.1929)

Bayer. Rundschau
Geheimrat von Stieler schwer erkrankt

Der frühere Akademiedirektor, Ritter Eugen von Stieler, dessen 84. Geburtstag wir erst vor einigen Tagen meldeten, ist plötzlich so schwer erkrankt, daß das Schlimmste befürchtet werden muß.

Fürstenfeldbrucker Zeitung Nr. 235. Donnerstag, den 10. Oktober 1929.

#Münchner Neueste Nachrichten (11.10.1929)

Geheimrat Eugen v. Stieler †
Ein Leben im Dienste der Kunst

Unerwartet rasch ist Geheimer Hofrat Prof. Eugen v. Stieler gestorben. In bewundernswerter Frische hatte er am 19. September noch den 84. Geburtstag begangen. Auftreten von Furunkulosis hatte einen operativen Eingriff in einer Münchner Privatklinik notwendig gemacht, den der noch so rüstig scheinende und geistig regsame Mann nicht überstand.

Stieler war 1845 als Sohn des bekannten Hofmalers Josef Stieler geboren, der, 1858 abberufen, der Schöpfer der Schönheitsgalerie in der Münchner Residenz war und durch seine Porträts von Goethe, Beethoven, Humboldt sich einen großen Namen gemacht hatte, und der ältere Bruder des 1885 Heimgegangenen Dialektdichters Karl Stieler. Im Elternhaus in Tegernsee hatte Eugen Stieler eine sonnige Kindheit verbracht und reiche Anregungen empfangen. Es verkehrten dort die Dichter Heinrich Heine, Andersen, Auerbach, die Maler Cornelius, Schwind u. a.

Eugen Stieler studierte ursprünglich Rechtswissenschaft, bestand das Staatsexamen ausgezeichnet und hätte durch Minister Pfeufer sofort eine Anstellung im Ministerium erhalten, würde nicht die Liebe zur Kunst in ihm doch gesiegt und ihn auf die Akademie geführt haben. Er wurde Schüler bei Anschütz, Ferdinand Barth und dem urwüchsigen Otto Seitz und kam 1875 zu Piloty, unter dessen Leitung er zuerst die Kirchhofszene aus Hamlet malte. Er wandte sich dann mehr dem Genrebild zu, schöpfte wie sein Bruder in der Dichtung aus dem Volkskundlichen und fand für die meisten dieser Bilder Abnehmer in Amerika. Daneben war er auch ein geschätzter Porträtist, dem man treffliche Charakteristik, Geschmack und gute Auffassung nachrühmte.

Mehr noch wie als Maler trat Stieler als Führer des Künstlerschaft hervor. Es war, wie er mir bei der letzten Begegnung selbst erzählte, in einer stürmischen Versammlung der Münchner Künstlergenossenschaft im damaligen Augsburger Hof an der Schützenstraße im Jahre 1880, daß Stieler, als stiller Zuschauer auf der Galerie sitzend, von seinen Freunden aufgefordert wurde, doch als Redner einzugreifen. Der damalige Präsident hatte die Herrschaft über die erregte Versammlung vollständig verloren. Als Stieler auf dem Podium erschien und zu den Kollegen sprach, war bald Ruhe und Ordnung wieder hergestellt. Man wählte ihn zum Präsidenten, da aber diese Stelle damals rein ehrenamtlich, Stieler jung verheiratet war, (seine Frau starb dann nach nur einjähriger Ehe) mußte er an die Festigung des eigenen Hausstandes und das Verdienen denken. Im Jahre 1885 wurde er aber wieder gewählt und nahm an, um in der Arbeit Ablenkung zu suchen. Elf Jahre führte Stieler das verantwortungsvolle Amt.

In die achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts fielen die großen internationalen Kunstausstellungen im Glaspalast (1880, 84, 88, 92), dis Stieler leitete und die von Künstlern vieler Kulturländer beschickt wurden. 1888 wurde Stieler in den persönlichen Adelstand erhoben. Mit gekrönten Häuptern, u. a. mit Kaiser Wilhelm II., dem späteren Kaiser Friedrich, war er in persönliche Beziehungen getreten.

Im Jahre 1900 wurde Stieler zum Syndikus der Akademie der bildenden Künste berufen, war stimmberechtigtes Mitglied des Kollegiums und in dieser Eigenschaft der Nachfolger des Goetheforschers Professor Dr. Moriz Carriere. Die Akademie ernannte ihn schon 1905 zu ihrem Ehrenmitglied; 1918 trat Stieler mit dem Titel eines Geheimen Hofrats in den wohlverdienten Ruhestand. Mit der Künstlerschaft war er immer in reger Fühlung geblieben und auch zum Leiter des 1912 gegründeten wirtschaftlichen Verbandes Münchner Künstler berufen worden.

Manchen Strauß hat Stieler für die Künstlerschaft erfolgreich ausgefochten, er hat um ihre Organisation und ihre Vertretung nach außen große Verdienste sich erworben. Den jungen und aufstrebenden Talenten war er ein treuer Freund und hilfreicher Berater. Ueberragend an Gestalt, mit scharfgeschnittenem Gesicht und langem Wotansbart, tatkräftig und doch von gewinnender Liebenswürdigkeit, ein herzenswarmer Mensch, hat Stieler sich viele Freunde gewonnen, die das Andenken an ihn treu bewahren werden.

H. R.

Münchner Neueste Nachrichten Nr. 277. Freitag, den 11. Oktober 1929.

#Josef Karl Stieler

* 1.11.1781 (Mainz)
† 9.4.1858 (München)
Portraitmaler

#Artistisches München im Jahre 1835 (1836)

Stieler, Joseph, geb. in Mainz 1781 am 1. November. Sein Vater war Münzgraveur in churfürstlichen Diensten. Joseph lernte bei dem Vater das Zeichnen, verlor denselben aber im 7ten Jahre, erlernte ohne Meister das Miniaturmalen, womit er schon im 12ten Jahre sein Brod verdiente. Unter der großen Zahl seiner Miniatur-Bildnisse waren auch die des Kurfürsten von Mainz, Erthal, und dessen Nachfolger, Fürstbischofs von Dahlberg. St. verdiente sich hiebei so viel, daß er aus eigenen Mitteln 1798 nach Würzburg reisen konnte, um bei Maler Fesel, welcher ein Schüler von Mengs war, die Oelmalerei zu erlernen.

1800 begab sich St. nach Wien, um an der dortigen Akademie unter der Leitung des Direktors Fuger zu studiren. Um sich Mittel zu seinem ferneren Studium zu verschaffen, machte er 1805 eine Reise nach Polen, wo er in Warschau und Krakau eine große Anzahl Bildnisse verfertigte, so daß er 1806 seinen Zweck erfüllt sah, und seinen Plan, nach Paris zu reisen, ausführen konnte; er studirte dort unter der Leitung Gerards, kopirte viel im Museum Napoleon, malte Bildnisse und ein Altargemälde für den Großherzog von Frankfurt, welches den heil. Karl vorstellt, und sich in Aschaffenburg befindet. 1808 reiste er nach Frankfurt, um sein Erlerntes als Porträtmaler auszuüben; er verdiente sich hierbei so viel, daß er im Jahre 1810 eine Reise nach Italien unternehmen konnte, wo er in Mailand den damaligen Hof des Prinzen Eugen malen mußte, und erst 1811 in Rom ankam.

Der Großherzog von Frankfurt trug ihm ein zweites Altargemälde auf, welches er dort malte; es stellt den heil. Leonard vor, wie ihn ein Engel aus dem Kerker befreit, und befindet sich in der Leonards-Kirche in Frankfurt. Eines von denen in Mailand gemalten Bildern wurde Sr. Maj. dem Könige von Bayern geschickt, worauf derselbe Stielern 1812, nach München berief, um die königliche Familie in ganzen Figuren zu malen. Der Prinz Karl trug ihm sein Bildniß zu Pferd auf. Im Jahre 1816 schickte ihn der König nach Wien, um für ihn das Bildniß des Kaisers Franz und der Kaiserin zu malen; er wurde dort so vielfältig beschäftigt, daß er erst im Jahre 1820 auf den Wunsch Sr. Majestät des Königs wieder nach München zurückkehren konnte, um das Bildniß Sr. Maj. abermals in ganzer Figur im Krönungs-Ornate für die Gallerie zu malen, bei welcher Gelegenheit ihn König Maximilian zum Hofmaler ernannte. Stieler malte in dieser Zeit auch die ganze fürstlich Leuchtenbergische Familie in ganzen Figuren; ferner die Kaiserin von Rußland, den Kronprinz Oskar von Schweden und viele andere fürstliche Personen.

Im Jahre 1822 erhielt Stieler einen Ruf an den Hof von Würtemberg, um die königliche Familie in ganzen Figuren zu malen. Im Jahre 1826 malte er II. MM. Königs Ludwig und der Königin Therese Bildnisse, im Ornate und ganzer Figur; ferner die Königin Friederike von Schweden. Im Jahre 1828 schickte ihn sein König nach Weimar, um das Bildniß Göthes zu verfertigen; St. verband hiemit eine Reise nach Berlin und Dresden, um die dortigen Künstler und Kunstschätze kennen zu lernen; ferner machte er im Auftrage seines Königs eine Reise nach Florenz und Perugia.

Im Jahre 1830 berief ihn Fürst Thurn und Taxis nach Regensburg, um seine Familie zu malen. Im Jahre 1832 ging er auf Auftrag nach Wien, wo er abermals mehrere Bildnisse von fürstlichen Personen verfertigte, namentlich jene der Erzherzogin von Oesterreich, Sophie, mit ihrem Prinzen, und des Prinzen Gustav Wasa in ganzer Figur. Die vielen Porträts-Beschäftigungen erlaubten Stielern nicht, mehr als außer den oben benannten noch folgende historische Gemälde auszuführen:
Ein schlafendes Kind, dem sich eine Schlange nähert, sein schützender Engel bewahrt es vor der Gefahr (wurde von der Stadt Mainz angekauft).
Zwei betende Kinder bei dem Grabe ihrer Mutter.
Der Fischer nach Göthe, noch nicht ganz vollendet. Alle diese Bilder sind in Lebensgröße.

Zwei große Bilder mit ganzen Figuren, das eine den Herzog Max mit seiner Gemahlin, das andere die Prinzessin Sophie und Marie darstellend, befinden sich in Biederstein.
Stieler erhielt auch von Sr. Maj. dem Könige Ludwig den Auftrag, eine Sammlung von den schönsten Frauenköpfen zu malen, von welchen auch bereits 16 verfertigt sind.

Stieler ist Mitglied der Akademie von München, Berlin, Perugia und Wien, und Ehrenmitglied mehrerer Kunstvereine.

Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Mechaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.

#Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode (27.12.1838)

Gallerie einiger in München lebender Künstler.
(Fortsetzung.)

Stieler, Joseph.

München besitzt im Augenblicke mehrere sehr geschickte Porträtmaler und Porträtbildner in Gyps und Bronze. Unter den Ersteren steht Stieler oben an; sein Schüler Dürk und der Schweizer Hitz, ferner Schimon, der Hofschauspieler, der als Dilettant neben dem großen Künstlerchorus der Isar als Mitstrebender wandelt, gelten als die namhaftesten.

Die Kunst des Conterfeyens, wenn sie auf die höchste Stufe von dem Künstler gebracht wird, öffnet ihm die geheimen Cabinete, die Toilette- und Boudoirräume, wo nur die seidene Locke die Geheimnisse des Lilienbusens erfährt, und die feinste Schminke die vorübergehende Blässe wie eine Aurora überhaucht, oder den Nacken, blendend weiß wie Schnee, die ganze Fülle brauner oder blonder oder schwarzer Locken wie ein zauberischer Schatten malerisch umfließt. Wir nennen diese Kunst die beneidenswertheste, denn sie darf aus dem schönen Auge Gedanken und Empfindungen herauslesen und eine Situation fixiren, die ihr entspricht. Der Porträtmaler, wenn er ein Meister ist, wird von dem König wie von dem Bürger gesucht, und lebt Jahr aus Jahr ein im Genusse des Anschauens der schönsten Formen, wenn er auch nebenher manchen häßlichen Kopf verewigen soll. Lassen Sie uns das Lebensbild unseres Künstlers in seinen Umrissen beleuchten.

Stieler, der Sohn eines churfürstlichen Münzgraveurs, ist im Jahre 1781 zu Mainz geboren. Er lernte bey seinem Vater das Zeichnen, verlor denselben aber im siebenten Jahre, und erlernte ohne Meister das Miniaturmalen, so daß er schon im zwölften Jahre seinen Unterhalt gewann. Als siebzehnjähriger Jüngling zog er nach Würzburg, um bey Maler Fefel, einem Schüler Mengs', die Öhlmalerey zu erlernen. Das Talent des Kunstjüngers schritt in freudiger Entwicklung fort und fort, und die Gewandtheit in Palette und Pinsel ging mit immer größerer Sicherheit mit der Production Hand in Hand. Im Jahre 1800 begab er sich nach Wien, um unter der Leitung Füger's zu studieren. Bald darauf unternahm er, von dem Genius dieses Meisters durchdrungen, eine Reise nach Polen, wo er in Warschau und Krakau eine große Anzahl Bildnisse verfertigte, so daß er im Jahre 1806 seine Absicht erreicht sah, und seinen Plan, nach Paris zu reisen, ausführen konnte. In Paris studierte er unter Gerard's Leitung, copirte viel im Musäum Napoleon, malte Bildnisse und ein Altargemälde für den Großherzog von Frankfurt, welches den heiligen Carl vorstellt und sich in Aschaffenburg befindet.

Im Jahre 1808 reiste Stieler als geübter Porträtmaler nach Frankfurt zurück. Er hatte sich bereits einen Ruf gegründet. Seine Kunst gewährte nun für ihn eine ergiebige Quelle und sicherte dem jungen Maler die Mittel, eine Reise nach Italien zu unternehmen, wo er in Mailand den damaligen Hof des Prinzen Eugen malen mußte. Erst im Jahre 1811 kam er nach Rom.

Der Großherzog von Frankfurt trug ihm ein zweytes Altargemälde auf, welches er in Rom malte. Es stellt den heiligen Leonard vor, wie ihn ein Engel aus dem Kerker befreyt und befindet sich in der Leonardskirche zu Frankfurt. Eines von den in Mailand gemalten Bildern wurde Sr. Majestät dem König Max von Bayern geschickt, worauf derselbe den Künstler nach München berief, um die königliche Familie in ganzen Figuren zu malen. Der Prinz Carl trug ihm sein Bildniß zu Pferd auf. Im Jahre 1816 schickte ihn der König nach Wien, um für ihn das Bildniß des Kaisers Franz und der Kaiserinn zu malen. Stieler fand dort so viel Beschäftigung, daß er erst im Jahre 1820 nach München zurückkehren konnte, um das Bildniß Sr. Majestät abermals in ganzer Figur im Krönungsornate für die Gallerie zu malen, bey welcher Gelegenheit er zum Hofmaler ernannt wurde. Stieler malte in dieser Zeit auch die ganze fürstlich Leuchtenbergische Familie in ganzen Figuren; ferner die Kaiserinn von Rußland, den Kronprinzen Oskar von Schweden und viele andere fürstliche Personen. Im Jahre 1822 erhielt er einen Ruf an den Hof von Würtemberg, um die königliche Familie in ganzen Figuren zu malen. Im Jahre 1826 malte er Ihrer Majestäten König Ludwigs und der Königinn Therese Bildnisse, im Ornate und in ganzer Figur; ferner die Königinn Friederike von Schweden. Im Jahre 1828 schickte ihn König Ludwig nach Weimar, um das Bildniß Göthe's zu verfertigen. Stieler verband mit diesem Auftrage eine Reise nach Dresden und Berlin, um die dortigen Künstler und Kunstschätze kennen zu lernen. Später machte er im Auftrage seines Königs eine Reise nach Florenz und nach Perugia. – Stieler, von erlauchten Herrscherfamilien auserwählt, sie mit seinem Meisterpinsel zu conterfeyen und in der blühenden lebendigen Frische seines markigen Colorits der Mit- und Nachwelt zu erhalten, wurde im Jahre 1830 von dem Fürsten Thurn und Taxis nach Regensburg berufen, um seine Familie zu malen. Im Jahre 1832 begab er sich nach Wien, wo er abermals mehrere Bildnisse fürstlicher Personen verfertigte, namentlich jene der Erzherzoginn Sophie von Österreich mit ihren Prinzen und des Prinzen Gustav Wasa, in ganzer Figur.

Der große Ruf, den sich Stieler als Porträtmaler erwarb, gewährte ihm keine Muße, seine productive Kraft auf selbstständige freygewählte Objecte für künstlerische Darstellung zu verwenden. Er führte inzwischen folgende historische Gemälde aus:
Ein schlafendes Kind, dem sich eine Schlange nähert, sein schützender Engel bewahrt es vor der Gefahr.
Zwey bethende Kinder bey dem Grabe ihrer Mutter.
Der Fischer, nach Göthe. Alle diese Bllder in Lebensgröße.

Zwey große Bilder mit ganzen Figuren, das eine den Herzog Max mit seiner Gemahlinn, das andere die Prinzessinnen Sophie und Marie darstellend, befinden sich im Sommerschlosse der Königinn Caroline zu Biederstein. Die Bildnisse des Königs Otto von Griechenland und seiner Gemahlinn Amalia, im Kunstvereinslocale während der Anwesenheit des jungen Königspaares ausgestellt, erregten allgemeine Bewunderung sowohl durch Wahrheit als Schönheit der meisterhaften Behandlung. Stieler erhielt vor längerer Zeit von Sr. Majestät dem König Ludwig den Auftrag, eine Sammlung von den schönsten Frauenköpfen Münchens zu malen. Eine bedeutende Zahl solcher Frauen-, und Mädchenporträte, die Stieler mit geübter Meisterhand ausführte, sind bestimmt, den Spielsaal im neuen, großen Residenzbau, der seiner Vollendung entgegenschreitet, zu schmücken.

Stieler ist Mitglied der Akademien von München, Berlin und Wien und Ehrenmitglied mehrerer Kunstvereine. Noch immer waltet seine Kunstthätigkeit in Kraft und Fülle, und die nachgebildeten Gestalten athmen Geist und Seele.

(Der Schluß folgt.)

Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode 155. Donnerstag, den 27. Dezember 1838.

#Die bildende Kunst in München (1842)

Joseph Stieler,

geboren am 1. November 1781 zu Mainz, wo sein Vater Münz-Stempelschneider war. Nach dessen frühem Tode beschäftigte er sich, ohne besondere Anleitung, mit der Miniaturmalerei, und ging im Jahre 1798 nach Würzburg, um bei dem Maler Fesel die Oelmalerei zu erlernen, worauf er sich 1800 nach Wien wandte, sich an der dortigen Akademie ganz auszubilden. Um die nöthigen Mittel zur Fortsetzung tiefer Farben- und Charakterstudien zu erwerben, reiste er im J. 1805 nach Polen, und fertigte in Warschau und Krakau viele Bildnisse, daß er im folgenden Jahre sich nach Paris begeben konnte wo damals der größte Schatz von Kunstwerken zusammengebracht war. Dort setzte er seine Uebungen mit steigendem Erfolge unter der Leitung des berühmten Gerard fort, copirte Vieles, und malte außer mehreren Bildnissen auch ein Altargemälde »der hl. Karl« für den damaligen Großherzog von Frankfurt, wohin er im J. 1808 ging, und seine Kunst in der Porträtmalerei schon mit großem Ruhme übte.

Im Jahre 1810 unternahm er eine Reise nach Italien, wo er eine Zeitlang in Mailand weilte, um die Bildnisse mehrerer Personen am Hofe des Vicekönigs Eugen zu fertigen, und ging dann nach Rom, die großen Meisterwerke zu studiren und durch beständige Uebung in der Ausführung der vielen Aufträge selbst die Meisterschaft zu erringen, was er auch erreichte.

Außer Porträten vollendete er in Rom ein Altargemälde: die Befreiung des hl. Leonhard durch einen Engel aus dem Kerker, welches in der Leonhardskirche in Frankfurt sich befindet.

Die äußerst zarte geschmackvolle Ausführung und sprechende Ähnlichkeit der Bildnisse, die er in Mailand gemalt hatte und von welchen das Eine an den König Maximilian von Bayern geschickt wurde, war Ursache, daß ihn dieser an seinen Hof nach München berief, 1812; wo er die ganze königliche Familie in lebensgroßen Bildnissen in voller Naturwahrheit und in der gefälligsten Weise darstellte, unter ihnen den Prinzen Karl zu Pferd, in einem kräftig lebendigen Bilde. Von nun an erhielt er fortwährend, sowohl vom Hofe, als von Privatpersonen, die bedeutendsten Aufträge; dann, nachdem er sich eine Zeitlang in Wien aufgehalten hatte, um die Bildnisse des Kaisers und der Kaiserin für den König von Bayern zu fertigen, führte er nach seiner Rückkehr das Bildniß des Königs wiederholt in ganzer Figur und im Krönungsschmucke für die große Gemäldesammlung in München aus, worauf ihn derselbe zum Hofmaler ernannte.

Stieler ist vorzugsweise der Schilderer weiblicher Anmuth und Schönheit, die er im wundersamen Farbenschmelze wiederzugeben weiß, weswegen er denn eine Menge weiblicher Bildnisse aus kaiserlichen, königlichen und fürstlichen Familien von ganz Europa gemalt hat. Wie schön er auch die Umgebung zur Abrundung und zur Steigerung der Wirkung eines interessanten Bildes zu benützen weiß, zeigte er in den zwei großen Bildern mit ganzen Figuren, deren Eines den Herzog Maximilian mit dessen Gemahlin, das Andere die Prinzessinen Sophie und Marie darstellt, auf einem Hügel bei Tegernsee ruhend, in Mitten der großartigen duftigen Alpenwelt.

Das Bildniß seines Töchterchens setzte er in eine Gebirgslandschaft am Ufer eines klaren Gewässers, wie es, das blonde Lockenköpfchen ganz gegen den Beschauer gewendet, auf den rechten Arm gestützt, Blumen in die vorübereilenden Wellen wirft; die mit gelben Stiefelchen bekleideten Füßchen sind übereinander gelegt, das weisse Kleid über das Knie zurückgeschlagen.

Manche seiner Gemälde zeugen von seinem tiefen, lyrischen Gefühle, das er, je nach Gelegenheit, frei walten läßt. Bekannt sind am meisten: das schlafende Kind, dem sich eine Schlange nähert, aber von seinem Engel beschützt wird; zwei Kinder, am Grabe der Mutter betend; der Fischer nach Göthe. Alle Figuren in Lebensgröße.

Seine Figuren heben sich auf einem reichen, dunklen Hintergrunde sehr vorteilhaft hervor, in allen seinen Bildnissen sind die Züge sehr ähnlich, Stoffe und Schmuck sehr täuschend und glänzend nachgebildet.

Zu seinen berühmten Bildnissen gehört das von Göthe, welches er im Auftrage des Königs Ludwig im Jahre 1828 in Weimar malte, wohin er eigens deswegen reiste.

Im k. Saalbau zu München wird von ihm eine Sammlung weiblicher Bildnisse aufgestellt werden, die er im Aufträge des Königs Ludwig fertigte, aus welchen die Nachwelt erkennen mag, wie mannichfach sich der Charakter weiblicher Schönheit in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts in Bayern, zumal in München, und wie angenehm und charakteristisch sich zugleich die Kunst der Bildnißmalerei ausgesprochen hat.

Ganz im Geiste dieses Meisters mit lebendiger Charakterschilderung, heiterer und gefälliger Farbengebung und trefflicher Vollendung bis in das Einzelnste, obgleich edler Einfachheit, führt sein Neffe Dürk die Bildnisse aus, deren er bereits mehrere im königlichen Aufträge fertigte, und Joseph Bernhardt. Beide sind seine Schüler.

Dr. Johann Michael von Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Stieler Josef Karl, 1781 (Mainz) – 1858, Porträtmaler, Hofmaler und Ehrenmitglied der Kunstakademie; schon in frühester Jugend beschäftigte er sich mit der Miniaturmalerei, lernte 1798 in Würzburg die Ölmalerei und bezog 1800 die Wiener Akademie; auf einer Studienreise nach Polen (1805) malte er in Warschau und Krakau Porträts, 1806 vervollkommnete er seine Kunst in Paris bei Gerard; 1808 bezog St. Frankfurt; nach einem längeren Studienaufenthalt wurde er 1812 nach München berufen, wo er dauernd als Porträtmaler der Fürsten und der Hautevolee wirkte; zusammen mit F. von Gaertner, P. von Hess, A. Albrecht und Domenico Quaglio begründete St. 1824 den »Münchener Kunstverein«; im Auftrag König Ludwigs I. schuf er 1827/47 die Münchner Schönheitsgalerie mit Mädchen und Frauen aus allen Ständen; auch die Porträts von Goethe und Schiller stammen von St., dem bedeutendsten Münchner Porträtisten des 19. Jahrhunderts.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#Josefine Stieler (vw) / von Miller (gb)

* 13.12.1808 (München)
† 28.2.1890 (München)
Dichterin

#Deutsches Literaturblatt (1.8.1879)

Kurze literarische Umschau.

I. Deutsche Tonmeister. Biographische Erzählungen und Charakterbilder, der musikalischen Jugend gewidmet von Josefine Stieler. Leipzig, A. Dürr, 1868. (VI u. 256 S. gr.8°.)

Das ist einmal eine herzliche Gabe, welche uns die Mutter Karl Stielers, des oberbairischen Dichters, die Witwe des bekannten Hofmalers Stieler in München, darbietet. Wol bescheidet sich die Verfasserin, »eben zu erzählen, wie eine Mutter ihren Kindern und Enkeln erzählt«; ohne die Frage biographischer Forschung zu berühren, will sie nur »einige in ihren wesentlichen Zügen längst feststehende Bilder auch dem Kindergemüt verständlich und lieb machen«. So ist es denn ein Buch für die Jugend, das übrigens jeder, der jung an Gemüt ist, mit Genuß Lesen wird. Ein feiner Takt, der eine liebenswürdige, hochgebildete, durchs Leben geschulte Weiblichkeit verrät, geht durch die in edler, von der Phrase der Ueberschwenglichkeit freier Sprache gehaltenen Darstellungen. Ueberall tritt in der Schilderung der großen Meister das ethische Moment in ungesuchter Weise hervor: aus den »Wunderkindern« und vom Himmel gefallenen »Genies« werden Vorbilder pflichttreuer Thatkraft, welche durch redliche Arbeit an sich selbst und unbedingte Hingabe an den ihnen vorgezeichneten Beruf das geworden sind, was sie sind, der Stolz ihrer Nation. Die Beigabe von Illustrationen, wie die schöne Ausstattung stempeln das liebenswürdige Buch zu einem Geschenk und Hausbuch für die musikalische Jugend.

H. A. Köstlin — Friedrichshafen.

Deutsches Literaturblatt No. 9. Halle an der Saale, 1. August 1879.

#Maximilian Stieler

* 16.2.1825 (München)
† 23.6.1897 (München)
Genremaler und Dichter

#Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog (1898)

Stieler, Max, Maler, * am 16. Februar 1825, † am 23. Juni 1897 zu München.

St. war der älteste Sohn des seiner Zeit so viel gefeierten Porträtmalers Joseph von Stieler (1781–1858), besuchte die Akademie, arbeitete im Atelier seines Vaters und copirte viele Bildnisse desselben, litt aber unter der Berühmtheit des Namens, so dass er zu keiner freien, selbständigen Thätigkeit gelangte. Desshalb wendete sich St. zur Genremalerei und lieferte mehrere anspruchslose, gemüthvolle Bilder, z. B. »Schiller in Ausübung seiner ärztlichen Praxis als Medicus beim Grenadier-Regiment des General Augé, einen Verwundeten verbindend«; eine am Feiertag im Gebetbuch »Lesende Frau« (1862); eine »Schnitterin« (1864), einen »Zillerthaler Bauer« (1872) u. s. w. Bei verschiedenen Künstlerfesten trat er als Redner auf (auch 1868 bei der Trauerfeier für König Ludwig I.), dichtete für die Künstlergenossenschaft und Liedertafel viele Prologe und komische Scenen, darunter das in altbayerischer Mundart verfasste Zwiegespräch »Philemon und Baucis« (1881) und errang auf den Bühnen des Residenz- und Volkstheaters vielfachen Beifall durch mehrere dramatische Dichtungen und Lustspiele, darunter »Der blaue Teufel«, »Aus Dazumal und Heute«, »Der Schatz«, das culturhistorische Dramolet »Gluck in Trianon« und eine Tragödie »Fra Filippo«. Aber auch hier beengte ihn die glänzende Popularität seines jüngeren Bruders Karl Stieler (1842–1885), der mit seinen lebensprühenden Gedichten, insbesondere in altbayerischer Mundart, sich hervorthat. So zog er sich ganz von der Oeffentlichkeit zurück und begann das reiche Material zur Geschichte und Biographie seines Vaters zu ordnen, eine Arbeit, welche St. jedoch nicht mehr zustande brachte, da derselbe nach langen Leiden starb.

Vergl. No. 174 »Allgemeine Zeitung« vom 25. Juni 1897.

Hyac. Holland.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog. Berlin, 1898.

#Pauline Stieler (vh) / Becker (gb)

* 19.8.1798
† 1.11.1830 (München)
Hofmalers-Gattin

#Münchener Conversations-Blatt (4.11.1830)

Die Allerseelen-Nacht.

Phantasie
von
Friedrich Wilhelm Bruckbräu.

Die schon am Allerheiligentage auf dem Kirchhofe verbreitete, und mit allgemeinem Bedauern vernommene Kunde von dem Tode der eben so liebenswürdigen als allgemein verehrten Gattin unsers berühmten Herrn Hofmalers Stieler, in dem schönsten Alter des ehelichen Mutterstandes, in der gewissenhaftesten Erfüllung der eben so schweren als süßen Pflichten dieses Berufes, bewog mich, am Allerseelentage noch einmal zwischen den öden Klausen zu wandeln, und mit einem letzten Blicke von der entseelten Hülle der edlen Stieler Abschied zu nehmen. Ich hatte große Mühe, durch das Gedränge bis zur Glasthüre zu gelangen. Im weißen Sterbekleide lag sie vor mir, einen Strauß von weißen Rosen in jeder Hand, eine Guirlande von weißen Rosen zu ihren Füßen; eine weiße Spitzenhaube ruhte zu beiden Seiten auf den dunklen Locken der Schläfen, und das wie Mondlicht bleiche Antlitz trug zwischen den Brauen noch leise Spuren erduldeter Schmerzen. Vor meinem Innern stand lebendig das Bild dieser Frau, wie sie oft mit ihrem Gatten und den lieben Kleinen an sonnenhellen Maitagen durch die Schatten des englischen Gartens lustwandelte, und wie die Kleinen an ihrer Hand so munter dahin hüpften. Sie hat mich nie gekannt, und doch weihte ich Ihrem frühen Tode Thränen der Rührung; ich dachte an den Gram des zurückgebliebenen Gatten, und kenne aus eigener Erfahrung das ganze Gewicht dieses Jammers. Die Menge umlagerte die Zugänge, da eben die Stunde zur Erdbestattung der Handelsfrau Erich nahte, die das Leben eines neugeborenen Kindes mit ihrem eigenen Leben bezahlte. Einige Jahre zuvor war, – ein merkwürdiger Umstand, – ihre Schwester, gleichfalls die Gattin des Herrn Erich, in die Ewigkeit vorausgegangen. Die Anwesenden in der Vorhalle des Todtensaales pflegen sonst immer ein ziemlich unschonendes Gericht über die Todten zu halten; doch heute hörte ich über die beiden Opfer des unerbittlichen Todes nur Rühmliches.

[…]

Friedrich Wilhelm Bruckbräu: Die Allerseelen-Nacht. Münchener Conversations-Blatt. Mitgabe zum Bayer’schen Beobachter Nro. 308. München; Donnerstag, den 4. November 1830.

#Münchener Conversations-Blatt (5.11.1830)

Vorgestern um 4 Uhr Nachmittags wurde die sterbliche Hülle der Frau Pauline Stieler, königl. Hofmalersgattin, welche vier Wochen nach ihrer Entbindung, allgemein bedauert, von der Erde schied, feierlich in das Grab gelegt. Gegen 30 Fackelträger geleiteten den Zug, und eine zahlreiche Menge, worunter sich hohe Staatsbeamte, Offiziere und Künstler befanden, erwiesen der hochgeschätzten Frau die letzte Ehre. Am Grabe hielt der Herr Diakon Kaiser eine rührende und tröstende Rede. Frauen und Mädchen waren in seltener Anzahl zu sehen. Manche unter diesen pflegen sich bei den Beerdigungen junger Frauen einzufinden, um die Aeußerungen des Schmerzes des zurückbleibenden Gatten zu prüfen, und seine Thränen zu zählen. Diese Hoffnung wurde dießmal vielen vereitelt. Herr Stieler geleitete die Leiche der geliebten Gattin nicht zur Ruhestätte. Wir können dieß nur billigen. Der Schmerz soll nicht zur Schau getragen werden. Die größten Künstler des Alterthums haben ihn deßwegen mit verhülltem Antlitz abgebildet. Nur ein gefühlloses Gemüth kann dem gebrochenen Herzen eines tief gebeugten Gatten diesen Gang voll unnennbaren Jammers aufbürden wollen. Wenn darin der Beweis der wahren Liebe liegen sollte, so wäre es der Verstellung sehr leicht, ein liebloses Leben in der Ehe mit dem Schaugepränge der sogenannten letzten Ehre zu übertünchen. Möchten doch alle wahrhaft fühlende Menschen sich vereinen, dieses Vorurtheil durch Wort und That zu bekämpfen!

Münchener Conversations-Blatt. Mitgabe zum Bayer’schen Beobachter Nro. 309. München; Freitag, den 5. November 1830.

#ML – 252 (Falk)


¿
Sophie Falk † 9.XI.1942.


  • Falk, Sofie; – 9.11.1942

Grab der Familie Falk auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#ML – 255·256 (Bolgiano)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Bolgiano, Karl; 11.11.1816 (München) – 29.10.1897 (München); Jurist

Grab der Familie Bolgiano auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2017)

#Karl Bolgiano

* 11.11.1816 (München)
† 29.10.1897 (München)
Jurist

#Allgemeine Deutsche Biographie (1903)

Bolgiano: Karl B., Civilprocessualist, entstammte einer oberitalienischen Familie und wurde zu München am 11. November 1816 geboren; er starb daselbst am 29. October 1897. Nach Studien in München und Heidelberg promovirte er am 5. April 1843 in München, wo er sich habilitirte und am 11. Januar 1850 außerordentlicher, am 15. Januar 1856 ordentlicher Professor für bairischen Civilproceß, französisches Civil- und Civilproceßrecht wurde. Nahe Beziehungen zu den ersten Künstlerfamilien Münchens wirkten fördernd auf seine ideale Veranlagung ein und die damalige Zeit der Romantik beherrschte dauernd sein Fühlen und Denken. Sein ausgesprochener Natursinn trieb ihn zu botanischen Studien; er sammelte auch Conchylien und Schmetterlinge. Ausgesprochener Katholik, feurigen Temperaments, guter Redner, Feind jedes Cliquenwesens, am politischen Leben activ nicht betheiligt, war er ein warmherziger Freund seiner Schüler, die ihm große Anhänglichkeit bewahrten. Er faßte bei ihnen besonders die Vorbereitung zum künftigen praktischen Beruf ins Auge. Jugendliches Feuer der Begeisterung und edle Ueberzeugungstreue erwarben ihm bei allen ihm näher Tretenden Hochachtung und Sympathie. Eine glückliche Ehe verband ihn seit 1857 mit Babette Müller, Tochter eines fürstl. Leiningen'schen Beamten aus Amorbach; aus dieser Ehe gingen eine Tochter und ein Sohn (Künstler in München) hervor. Von seinen Arbeiten sind zu nennen: »Beitrag zur Lehre vom Rückfall nach bayerischem Strafrecht« (München 1843); »Vergleichende Darstellung des gem. deutschen und bayerischen Civilprocesses« (Erl. 1854); »Gesammelte Abhandlungen aus dem Gebiete des gemeinen deutschen Civilprocesses« (München 1869); »Handbuch des Reichszivilprozeßrechts auf rationellen Grundlagen mit vergleichender Darstellung des gemeinen deutschen Zivilprozesses«, Allg. Theil (Stuttg. 1879); Beiträge in der Zeitschr. f. Dtsch. Civilprozeß Bd. 1–5, 11, 12, 15, 18, 19, 22–24; in v. Holtzendorff's Rechtslexikon 3. Aufl. 1880 I, 351–366; in der Festschrift für Planck, München 1888, S. 309–341 (auch in Zeitschr. f. dtsch. Civilproc. Bd. 11, S. 241–285) und im Archiv f. d. civil. Praxis Bd. 33, 55–60, 68, 76 und 78. Er erhielt am 28. Dec. 1875 das Ritterkreuz 1. Classe des Verdienstordens vom Heiligen Michael, feierte 1893 sein 50jähriges Doctor- und Lehrerjubiläum und trat 1895 unter Verleihung des Titels eines kgl. Geheimen Hofraths in den Ruhestand.

Chronik d. Ludwig-Maximilians-Universität, München 1898, S. 3. – Prantl, Gesch. d. Ludw.-Maxim.-Univ. II (1872), S. 557. – Deutsches Akademisches Jahrbuch, Lpz. 1877. – Kukula, Bibliogr. Jahrb., Innsbruck 1892, S. 70. – Allgem. Zeitg. 1897, Nr. 300, S. 6, Nr. 303 S. 6. – Zeitschr. f. dtsch. Civilproceß Bd. 12, S. 408–411. – Wach, Handb. d. dtsch. Civilprozeßrechts, Lpz. 1885, S. 179. – Krit. Vierteljahresschr. Bd. 22, S. 136–147. – Archiv von Busch Bd. 39, S. 351. – Grünhut's Zeitschrift Bd. 7, S. 194, Bd. 8, S. 386. – Archiv f. prakt. Rechtswissensch., 3. Folge, Bd. 1, S. 197. A. Teichmann.

A. Teichmann: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1903.

#ML – 257·259 (Gumppenberg)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Gumppenberg, Anton Freiherr von; 10.11.1787 (Breitenbrunn) – 5.4.1855 (München); General und Kriegsminister
  • Gumppenberg, Emanuel Freiherr von; 11.12.1850 – 13.8.1854
  • Gumppenberg, Franz Freiherr von; 3.12.1780 (Regensburg) – 16.7.1857 (München); Oberberg- und Salinenrat
  • Gumppenberg, Franziska Freifrau von (vw) / Perfall, Freiin von (gb); 5.8.1789 – 10.11.1861 (München); Kriegsministers-Witwe und Palastdame
  • Gumppenberg, Friedrich Freiherr von; 27.2.1782 – 25.12.1805; Hauptmann
  • Gumppenberg, Irene Freiin von; 11.1.1854 – 28.12.1911
  • Gumppenberg, Ludwig Freiherr von; 24.8.1857 – 4.9.1857 (München); Regierungsrats-Sohn
  • Gumppenberg, Maria Theresia Freifrau von (vh) / Tannenberg, Gräfin (gb); 16.4.1780 – 2.11.1836 (München); Oberbergrats-Gattin
  • Gumppenberg, Marianne Freifrau von (vh) / Werneck, Freiin von (gb); 23.8.1759 – 17.2.1800
  • Gumppenberg, Marianne Freiin von; 15.1.1800 – 16.6.1818
  • Gumppenberg, Maximilian Freiherr von; 20.7.1770 – 8.8.1808; Oberstlandgerichtsrat
  • Gumppenberg, Maximilian Freiherr von; 27.12.1746 – 30.4.1803; Obersthofmeister
  • Gumppenberg, Rudolf Freiherr von; 26.4.1816 – 27.8.1875 (Traunstein); Oberst
  • Gumppenberg, Theresia Freifräulein von; – 19.10.1867 (München), 52 Jahre alt; Ordens-Stiftsdame

Todesanzeige für Rudolf Freiherr von Gumppenberg

Grab der Familie Gumppenberg auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

Grab der Familie Gumppenberg auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

Grab der Familie Gumppenberg auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

#Anton Freiherr von Gumppenberg

* 10.11.1787 (Breitenbrunn)
† 5.4.1855 (München)
General und Kriegsminister

#Beiwagen zum Volksboten (8.4.1855)

Bayern. München, 7. April. Der eben verewigte General der Infanterie, Anton Frhr. v. Gumppenberg hatte schon 1805 als Lieutenant bei Erstürmung des Strubpasses durch die Bayern unter General Deroy sich ausgezeichnet, dann die Feldjahre 1805 bis 1807 mitgemacht und im letztern Jahr den Militär-Max-Joseph-Orden erworben: denn als 1807 am 24. Juni Morgens 1 Uhr unter dem Kartätschenfeuer der schlesischen Festung Glatz binnen 2 Stunden sämmtliche 10 Redouten des feindlichen Lagers sammt allen Kanonen mit stürmender Hand genommen, die Vertheidiger theils niedergemacht, theils gefangen wurden, zeichnete Anton v. Gumppenberg, damals Lieutenant des 1. Infant.-Leibregiments, geführt durch Oberst Ströhl, sich so sehr durch seine heldenmüthige Tapferkeit aus, daß ihm dafür als verdienter Preis jener hohe Orden auf die Brust geheftet ward.

Im Jahr 1809 bei Abensberg, wo Kaiser Napoleon die österreichische Division Thierry bei Offenstetten selbst drängte und umzingelte, zeichnete er sich als Oberlieutenant und Schützenkommandant des 1. Infant.-Regiments neuerdings so aus, daß er das Kreuz der Ehrenlegion erhielt. Hier war es auch, wo er die Aufmerksamkeit König Ludwigs (damals Kronprinz), welcher ihn später so lieb gewann, auf sich gezogen haben mochte.

Kurz darauf wurde er zum Hauptmann und 1816 zum Major befördert. Die höheren Stellen erstieg er größtentheils in Folge seiner Anciennetät. Das Vertrauen König Ludwigs, welchen er auf mehreren Reisen begleitete, übertrug ihm in späterer nicht lange zurückliegender Zeit das Kriegsministerium, welches er bis in's Jahr 1847 bekleidete. Im Jahr 1848 wurde er zum Generallieutenant befördert und bewährte auch seitdem eines Theils als kommandirender General, andern Theils in der Kammer der Reichsräthe die unermüdliche Thätigkeit, durch welche er sich stets ausgezeichnet hat. Auch an den Arbeiten des letzten Landtags hatte er regen Antheil genommen und bereitete sich, eben die Führung seines 2. Armeekorps wieder zu übernehmen, als ihn zu früh für das Vaterland, der Tod ereilte.

Seit vielen Jahren glücklich vermählt, hinterläßt er eine trauernde Wittwe, 2 Töchter und 2 Söhne, von denen der ältere Rittmeister im 3. Chevaurlegers-Regiment und Ordonnanzoffizier Sr. Maj. des Königs, der jüngere Hauptmann im 3. Artillerie-Regiment ist. (Das militärische Leichenbegängniß des Hingeschiedenen findet am Montag vom Leichenhause aus statt mit all' den Ehren, die einem Marschall gebühren, da er Max-Josephsritter war und als solchem ihm die Ehrenbezeugungen des nächst höheren Grades zustehen. Die Leiche wird sodann auf das Gut des Verewigten abgeführt.)

Beiwagen zum Volksboten für den Bürger und Landmann No. 13. Sonntag, den 8. April 1855.

#Franz Freiherr von Gumppenberg

* 3.12.1780 (Regensburg)
† 16.7.1857 (München)
Oberberg- und Salinenrat

#Franz Freiherr von Gumppenberg (1858)

Franz
Freiherr von Gumppenberg
gestorben am 16. Juli 1857
als
K. B. Ober-Berg- und Salinen-Rath, Schatzmeister, Ritter des Verdienst-Ordens der bayerischen Krone und Senior der freiherrlichen Familie von Gumppenberg.

Franz Seraph Freiherr von Gumppenberg, geboren zu Regensburg am 3. Dezember 1780, war der Sohn des Max Joseph Freiherrn von Gumppenberg, Herrn der damals reichsunmittelbaren Grafschaft Praiteneck und der Mariana Freiin von Werneck.

Schon in seinem neunten Jahre erhielt er ein Canonicat am Domstifte Freising auf Benennung eines Hausfreundes seiner Eltern, des Dompropsts Grafen Lerchenfeld von Regensburg, der zugleich Domherr in Freising war, von dem dortigen Domcapitel conferirt.

Dieß war damals die gewöhnliche Weise wie nachgeborne Söhne adeliger Familien versorgt wurden, und hiedurch war er für den geistlichen Stand bestimmt.

Die erste Bildung erhielt er theils zu Praitenbrunn, der väterlichen Besitzung, theils zu Regensburg durch geistliche Hofmeister, später, nachdem die Familie im Jahre 1792 nach München übersiedelt hatte, an dem dortigen Gymnasium und Lyzeum.

Zur speziellen Vorbereitung für seinen künftigen Beruf hörte er dann im Jahre 1800/1 bei dem Augustiner P. Angelikus Fischer zu München die Moral-Theologie, und bei dem Professor Gregor Stengl, Benediktiner vom Kloster Rott, Dogmatik, Hebräisch und Exegese, und während er von Jacobi 1801 bis dahin 1802 als Domizellar (canonicus domicellaris) die sogenannte rigorose Residenz am Domstifte zu Freising hielt, machte er dort bei dem P. Anselm Widmann, Benediktiner vom Kloster Weihenstephan, auch seine Studien in der Dogmatik.

Kaum war das Jahr der Residenz zurückgelegt, so erfolgte die Aufhebung und Säkularisation der Domstifter, und dadurch wurde seiner Laufbahn eine andere Richtung gegeben. Denn so sehr er sich bisher in dem Gedanken gefallen hatte, nach Vollendung der theologischen Studien und erlangter Priesterweihe bis zur Einrückung in das Kapitel auf einer Pfarrei sich der Seelsorge zu widmen, so mußten doch die eingetretenen Veränderungen von einem Berufe abschrecken, in welchem mit der bisherigen Einrichtung auch die Aussichten auf höhere Würden hinweggefallen waren und nach der Richtung der Zeit noch weiter gehende Störungen zu besorgen waren.

Es kam nun eine Zeit harter Wahl bis ein Zufall dieselbe entschied.

Flurl's Beschreibung der bayerischen Gebirge, die ihm während jener Tage zu Handen kam, erschloß ihm ein neues Feld des Wissens. Die Schilderung der geognostischen Verhältnisse des Vaterlandes und seiner mineralischen Reichthümer, die geschichtlichen Nachweisungen über den in früherer Zeit blühenden Bergbau in Bayern, sowie die Beschreibung der noch bestehenden Berg- und Hüttenwerke, dann die reizenden Aussichten, welche Flurl's Rede über die Möglichkeit eines neuen Aufblühens dieser Industrie eröffnete, ergriffen ihn so lebhaft, daß er, ehe er den ersten Brief ausgelesen hatte, das Buch sich kaufte und gleich bis zum Schlusse durchlas.

Nun war auch der Entschluß gefaßt und wurde mit Genehmigung seines Vaters der Beruf als Bergmann ergriffen.

Zuerst hörte Gumppenberg noch auf der Universität zu Landshut im Winter-Semester 1802/3 die Institutionen, bayerisches Landrecht, Staatsrecht und Landwirtschaft bei Stürzer, Krüll, Feßmaier und Schrank. Dann machte er unter Flurl's unmittelbarer Leitung zu München die besonderen Fachstudien, und bestund schon im Herbste 1803 die vorgeschriebene Aufnahmsprüfung als Berg-Eleve mit günstigem Erfolge.

Zur praktischen Ausbildung ward er dann an das Bergamt Bergen gewiesen und durch den damaligen ersten Vorstand des Berg- und Salinenwesens den geheimen Referendär Freiherrn von Schwerin nach einer kleinen bergmännischen Rundreise über Bieberwier, wo er das erste Bergwerk befuhr, Garmisch, Wallersee, Tölz, Miesbach, Aibling, Hohenaschau, Reichenhall, Salzburg, Hallein, Berchtesgaden und Traunstein dort eingeführt. Hier fand er in dem damaligen Oberverweser Michael Wagner einen trefflichen Lehrer und väterlichen Freund.

Nach einiger Zeit wurde die Praxis in Reichenhall fortgesetzt, dann in Amberg unter der Leitung des Landes-Direktions-Rathes Ignaz von Voith bei dem Bergbau und der dortigen Gewehrfabrik.

Während seines dortigen Aufenthaltes, im Herbste 1805, da Bayern für seine schwerbedrängte Sicherheit sich erhob, und seine beiden Brüder Karl und Anton, – zwei andere Brüder waren bereits Offiziere – sich freiwillig unter die Waffen stellten, war auch er zu gleichem Schritte bereit, und nur durch Abmahnen seines Vorstandes, des Baron von Schwerin, ließ er sich von seinem Vorhaben abbringen.

Im Sommer des nächsten Jahres (1806) wurde er zur weiteren Ausbildung mit dem Berg-Eleven Thomas Knorr, – der nachhin als General-Direktor der Zoll-Administration gestorben – noch auf die Berg-Akademie zu Freiberg in Sachsen gesendet, wo damals der berühmte Werner lehrte.

Nachdem auch dieses Bildungsmittel mit Lust und Liebe benützt worden war, wurde Gumppenberg nach seiner Rückkunft unterm 15. Dezember 1807 (allerh. Dekret de dato Mailand 25. Dezember 1807), zum Assessor beim Ober-Bergamte in Schwaz, dann am 3. April 1809 zum Inspektions-Commissär im dritten Haupt-Berg-Distrikte (für den Innkreis) mit dem Wohnsitze in Schwaz ernannt.

Hier zeichnete er sich nicht nur durch Thätigkeit und Geschicklichkeit, sondern auch durch seine Leutseligkeit gegen das Bergpersonal so sehr aus, daß er unter den wenigen bayerischen Beamten war, die bei dem Entstehen der Insurrektion nicht deportirt wurden. Doch verlor er bei der traurigen Katastrophe, welche im Mai 1809 den Markt Schwaz in einen Schutthaufen verwandelte, seine Habe, insbesondere eine ansehnliche Sammlung von Büchern, die er vorzüglich aus der Bibliothek seines Vaters erworben hatte. Nur sechs Bände von Buffons histoire naturelle wurden zufällig gerettet.

Unter den schwierigsten Verhältnissen mußte nun die amtliche Thätigkeit in dem verwüsteten Orte fortgesetzt werden; die Wohnung wurde in dem benachbarten Schlößchen Mitterhardt genommen bis im Markte wieder die nöthigen Amts- und Wohngebäude hergestellt waren.

Im Laufe von zwei Jahren waren die Verhältnisse so weit wieder geordnet, daß Gumppenberg am 26. März 1811 dort eine von ihm organisirte und geleitete Steiger-Schule für Bergleute eröffnen konnte.

Bald darauf, am 18. Juni 1811, wurde er zum Ober-Berg-Commissär für den III. Haupt-Bergdistrikt (von ganz Tyrol) mit dem Beisatze ernannt, daß er diese Beförderung als einen Beweis besonderer allerhöchster Gnade und Zufriedenheit mit seinem bisherigen Diensteifer anzusehen habe.

Im August desselben Jahres vermählte er sich mit Theresia Gräfin von Tannenberg, einer Tochter eben jener Familie, welche bei dem Brande von Schwaz so große unersetzliche Verluste erlitten hatte.

Bei der am 7. Mai 1814 erfolgten Veränderung in der Organisation der Ober-Berg-Commissariate und Verlegung des Ober-Berg-Commissariats von Schwaz nach Hall wurde er gleichzeitig zur General-Bergwerks-Administration nach München einberufen und schied er am 13. Juni von Schwaz, dem Orte seiner ersten Anstellung, wo er sein häuslich Glück begründet und sich in schwerer Zeit die Liebe seiner Amts-Untergebenen in seltenem Grade erworben hatte.

Unmittelbar darauf, 28. Juni 1814, wurde er aus Anlaß der mittlerwelle durch den Vertrag vom 3. Juni 1814 erfolgten Abtretung Tyrols an Oestreich wieder nach Hall abgeordnet, um dort unter dem Abtretungs-Commissär Kreis-Kanzlei-Direktor Frhrn. von Hettersdorf bei der Uebergabe der Bergwerke und Salinen an die kaiserliche Verwaltung die nöthigen Abrechnungen zu pflegen.

Nachdem dieß Geschäft jedoch wegen des Verhaltens des kaiserlichen Ober-Berg-Commissariats zu Hall Verzögerungen erlitt, wurde er durch höchstes Rescript vom 12. Oktober 1814 wieder nach München abgerufen, das Geschäft aber der Hof-Commission überlassen.

In München war er nach allerhöchstem Rescripte vom 25. September 1814 dem dortigen Ober-Berg-Commissariate beigegeben und wurde er nebenbei auch zu den Sitzungen der General-Administration beigezogen.

Durch allerhöchstes Rescript de dato München 13. April 1815 wurde er als Ober-Berg-Commissär nach Aschaffenburg versetzt, weil in dem neuaquirirten Gebiete von Aschaffenburg und Würzburg kein Revierbeamter vorhanden war, von welchem die dortigen Unterthanen wegen Bergwerksverleihungen oder in bergpolizeilichen Gegenständen verbeschieden werden konnten. Dabei wurde ihm noch besonders zur Aufgabe gemacht, sich aus vorfindlichen Akten und durch Bereisungen genaue Kenntniß von den in dem neuen Landestheile vorhandenen Berg- und Hüttenwerken und deren Verhältnissen zu verschaffen, hierüber Relation zu machen und zugleich eine mineralogische Geographie des Landes zu entwerfen.

Diese Obliegenheit führte ihn im Laufe von drei Jahren nach allen Richtungen wiederholt durch den unterfränkisch-aschaffenburgischen Kreis und namentlich waren die Gebirge des Spessarts und der Rhön der Gegenstand der eingehendsten Untersuchungen. Vorzugsweise beschäftigte ihn hier seit dem Jahre 1817 das wieder aufgenommene Kupferbergwerk zu Kahl mit der unmittelbaren Leitung des Bergbaues und der nothwendigen Bauten.

Durch die amtliche Aufgabe, die ihm hier gesetzt war, wurde er zugleich Mitarbeiter an der Topographie des Spessarts, welche damals der Forstmeister und Lehrer an der Forstschule Stephan Behlen zu schreiben unternommen hatte. Der geognostisch-mineralogische Theil dieses schätzbaren Werkes ist großentheils das Ergebniß seiner Untersuchungen und Darstellung, wurde erst im Jahre 1819 vollendet und ist mit dem ganzen Werke »Der Spessart, Versuch einer Topographie dieser Waldgegend mit besonderer Rücksicht auf Gebirgs-, Forst-, Erd- und Volkskunde von Stephan Behlen, Leipzig bei Brockhaus 1823« in drei Bänden erschienen. Der erste Band ist dem Mitarbeiter Gumppenberg dedicirt.

Dieß brachte ihn auch in Beziehungen mit der Wetterauischen Gesellschaft für die gesammte Naturkunde zu Hanau, welche ihn am 9. Mai 1816 als ihr wirkliches Mitglied aufnahm, dann mit der Societät für gesammte Mineralogie zu Jena, die ihm am 13. November 1816 das Diplom als Ehrenmitglied zusandte und ihn am 30. November 1818 zu ihrem auswärtigen ordentlichen Assessor ernannte.

Nebstdem war Gumppenberg in Aschaffenburg auch als Mitglied des dortigen Bezirks-Comité des landwirthschaftlichen Vereines, welchem er schon im Jahre 1812 beigetreten war, thätig, und im Jahre 1817, dem schrecklichen Hungerjahre, wurde er auch in den Ausschuß des in Aschaffenburg gebildeten Unterstützungs-Vereines gezogen.

Im Laufe von drei Jahren war die Aufgabe gelöst, die ihm im Jahre 1815 gestellt worden war. Er wurde nun durch allerh. Rescript vom 21. Juli 1818 zur Leitung des Bergwesens im Rheinkreise als Regierungs-Rath extra statum der k. Regierung Kammer der Finanzen in Speier zugetheilt und ihm dort das Referat über die wichtigen Steinkohlengruben wie über sämmtliche Bergwerke übertragen. Das Berg-Commissariat in Aschaffenburg aber wurde, da die oben erwähnten Provinzen für einen Ober-Berg-Commissär nicht Geschäfte genug darboten, durch allerh. Entschließung vom 22. August 1818 aufgelöst, für das neu erhobene Bergwerk in Kahl dort ein Bergamt errichtet und dieses zugleich als bergpolizeiliche Behörde für die Bergreviere Würzburg und Aschaffenburg erklärt.

Die Constituirung und Einweisung dieser neuen Behörde, sowie die eben im Gange befindlichen Bauten der Hüttengebäude zu Kahl verzögerten indessen den Dienstantritt in Speier noch bis zu Ende des Monats November, und noch im Jahre 1819 wurde Gumppenberg wieder einer größern Commission beigeordnet, welche unter der Leitung des Oberbergraths Scheftlmayer in den Monaten Juni und Juli die Verhältnisse des Bergwerks in Kahl und die für dasselbe gegebenen Aussichten näher zu untersuchen hatte.

Nach Verlauf von mehr als zwei Jahren, in welchen er sich mit rastloser Mühe und Anstrengung angelegen seyn ließ, die dem Verfalle nahen Bergwerke des damaligen Rheinkreises wieder aufzurichten, wurde Gumppenberg, weil er, wie das allerhöchste Rescript sich ausdrückte, auch hier dem in ihn gesetzten Vertrauen entsprochen hatte, unterm 3. März 1821 als Oberbergrath nach München befördert.

Hier wurde ihm im Juli 1821 noch die spezielle Ober-Aufsicht über alle Zweige des Betriebes und der Verwaltung der königlichen Porzellan-Fabrik in Nymphenburg und München übertragen und ebenso durch Rescript vom 30. August 1823 die unmittelbare Aufsicht über das Rechnungs-Commissariat der kgl. General-Bergwerks- und Salinen-Administration.

Nebstdem wurde er noch durch allerh. Rescript vom 27. März 1823 zum Mitgliede des oberberggerichtlichen Senates am k. Ober-Appellationsgerichte ernannt.

In seiner Stellung als Ober-Berg- und Salinen-Rath setzte er seine bekannte Thätigkeit rastlos fort, so daß ihm die wichtigsten Commissions-Geschäfte übertragen wurden, die er stets zur vollsten Zufriedenheit seiner Vorgesetzten ausführte.

Hiefür ward ihm auf besonderen Antrag seines damaligen Vorstandes und langjährigen Freundes, des General-Administrators Michael von Wagner, die Auszeichnung zu Theil, daß er am 1. Januar 1841 aus der Hand des Königs das Kreuz des Civil-Verdienst-Ordens der bayerischen Krone erhielt.

Unter den zahlreichen auswärtigen Geschäften, welche ihn in der langen Reihe von Jahren zu wiederholten Malen auf alle die vielen Berg- und Hüttenwerke und Salinen des Landes führten, war es insbesondere die verbesserte Einrichtung des Hüttenwerkes zu Bergen, an welchem er seine Laufbahn begonnen, die ihn mehrmals längere Zeit dort beschäftigte, und welche ihm nach höchstem Rescripte vom 22. Juni 1843 besondere Anerkennung erwarb.

Schon im Jahre 1835, durch allerh. Rescript vom 9. Mai 1835, war ihm von König Ludwig auch die durch den Tod des Ministerial-Rathes von Plankh erledigte Funktion als k. Schatzmeister, ein Posten besonderen persönlichen Vertrauens, übertragen worden.

In dieser Eigenschaft beschäftigte ihn auch das Vorhaben eine artistisch-historische Beschreibung des k. Hausschatzes herzustellen und es waren bereits manchfache Vorarbeiten geschehen, als König Max zur geschichtlichen Beschreibung des k. Hausschatzes und der reichen Kapelle eine eigene Commission unter dem Vorsitze des k. Ministerial-Rathes von Coulon bestellte und er dieser Commission als Mitglied beigegeben wurde.

Solche historische Arbeiten, wie selbe auch schon früher mitunter in seinem amtlichen Berufe gelegen, entsprachen seiner Neigung und Vorliebe für die vaterländische Geschichte, und diese hatten ihn auch schon im Jahre 1838 dem historischen Vereine von Oberbayern als Mitglied zugeführt, und er nahm stets thätigen Antheil an den Bestrebungen dieses Vereins.

Im Jahre 1855, da Gumppenberg bereits das 74ste Lebensjahr zurückgelegt hatte, sah er sich endlich durch eintretende Altersgebrechen und durch den vor sich gehenden Wechsel in der Vorstandschaft seiner Stelle veranlaßt, um seine Versetzung in den Ruhestand als Ober-Berg- und Salinen-Rath zu bitten, welche ihm denn auch durch allerhöchstes Rescript vom 13. März 1855 unter wohlgefälliger Anerkennung seiner langjährigen mit Treue und zu Seiner Majestät des Königs voller Zufriedenheit geleisteten Dienste gewährt wurde.

Die Funktion als Schatzmeister hat er bis zu seinem Tode bekleidet und war hierin sein früherer Vorstand, der nunmehrige Geheime Rath von Schenk sein Nachfolger.

Gumppenberg starb am 16. Juli 1857 zu München nach längern in Folge seines Alters eingetretenen Leiden, ergeben in den Willen des Herrn in Mitte der Seinen.

Seine Gattin hatte er schon im Jahre 1836 nach 25jähriger glücklicher Ehe zu München durch den Tod verloren, während er eben die Bergwerke in der Pfalz bereiste.

Sie hat ihm acht Kinder hinterlassen und ihm ist der Trost geworden, sie alle vor seinem Tode versorgt zu wissen.

Seit dem Jahre 1836 war er auch der Aelteste, Senior, der Familie Gumppenberg gewesen, und als solcher hat er sich nach mühevoller Bereinigung der durch die Gesetze vom Jahre 1848 herbeigeführten vollständigen Auflösung der ehemaligen Stammlehen der Familie das Verdienst erworben, daß auf seine Veranlassung ein Theil dieses Stammgutes zur Begründung einer Familienstiftung verwendet wurde.

Treue und gewissenhafte Erfüllung aller seiner Pflichten, volle Hingebung für seine Familie, und eine übergroße Bescheidenheit waren die hervorragenden Züge seines Charakters.

So wenig er gewohnt war über seine Vergangenheit und Leistungen zu sprechen, und selbst im engsten Kreise seiner Familie fast nie ein Wort darüber verlor, so führte er doch ein genaues, meist nur auf dienstliche Geschäfte bezügliches Tagebuch, das vom Brande in Schwaz bis ihm die Kräfte versagt haben, bis zum 1. Juli 1857 fortgesetzt ist, und hatte er in den letzten Jahren auch begonnen seine Erinnerungen bis zu jener Katastrophe niederzuschreiben.

Aus diesen Aufzeichnungen besonders ist vorstehende Lebensskizze wie auch der Nekrolog entnommen, den ihm der historische Verein von Oberbayern in seinem neunzehnten Jahresberichte widmet.

Sie werden dem Dahingeschiedenen auch in weiteren Kreisen eine ehrende Erinnerung sichern; bei den Seinen ist ihm ohnehin ein gesegnetes Andenken gewiß.

Franz Freiherr von Gumppenberg. Würzburg, 1858.

#ML – 260·261 (de Amadieu)


Anton Greuzard Baron d’Amadieu
königl. bayer. General Major a la Suite
und Pagen-Hofmeister Ritter des Civil Verdienst
Ordens der bayerischen Krone und des französischen
St. Ludwigs Ordens.
Gestorben den 7ten May 1835 im 6¿ten Lebensjahre.

Der
Freundschaft und der treuen Anhänglichkeit
gewidmet.


  • de Amadieu, Anton Greuzard; 3.10.1768 (Beaumat/Frankreich) – 7.5.1835 (München); General und Pagen-Hofmeister

Grab der Familie de Amadieu auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2012)

Grab der Familie de Amadieu auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

Grab der Familie de Amadieu auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

Grab der Familie de Amadieu auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

#Anton Greuzard de Amadieu

* 3.10.1768 (Beaumat/Frankreich)
† 7.5.1835 (München)
General und Pagen-Hofmeister

#Beschreibung der Fronleichnams Procession in der Königl. baier. Haupt- und Residenz-Stadt München (1822)

Es pflegt immer so zu geschehen, daß jede Verbesserung wieder eine andere herbeyführt. So geschah es auch bey der Erweiterung des Residenz Platzes am vormaligen Schwabingerthore, indem bey dieser Gelegenheit die in einem dumpfen Winkel gestandene k. b. Pagerie abgebrochen, und dafür eine andere geräumige, und bequeme Lokalität in dem Paläs Max ausgemittelt wurde. Daselbst hat man alles zu vereinigen gesucht, was nur immer erforderlich seyn mag diesen adelichen Sprossen eine musterhafte wissenschaftliche, und moralische Erziehung zu geben. Um sie noch mehr darin zu befestigen, haben dieselben mit allerhöchster Erlaubnis Sr. königl. Majestät unter der Anführung ihres Hofmeisters des k. b. Obersten, und Ritters der baier. Krone Herrn Anton von Damadieu die Zeit über während der Ferien nachfolgende Fußreisen unternommen nämlich:
a) über die baier. Gebirge, und Seen,
b) durch Salzburg, und Tyrol bis an den Gardasee
c) durch die Schweiz und Süd-Frankreich und
d) in die Lombardey, und in das Venetianische
e) durch die obere Pfalz nach Böhmen, und Sachsen.

Durch solche Fußreisen wird der Körper abgehärtet der Geist mit vielen neuen Ansichten, und Erfahrungen bereichert, und diese adelichen Zöglinge werden dadurch zu der großen Bestimmung vorbereitet, dereinst im Dienste des Staates oder der Armee als nützliche Männer für das Vaterland aufzutreten, und durch Vereinigung der Gediegenheit mit der Politur der Glanz des Hofes zu werden.

Anton Baumgartner: Beschreibung der Fronleichnams Procession in der Königl. baier. Haupt- und Residenz-Stadt München, dann der bürgerlichen Estandarten, und Bruderschaften, welche sie begleiten, nebst mehreren historischen Notizen. 1822.

#Münchener Politische Zeitung (9.5.1835)

München, 9. Mai. Donnerstag Abends zwischen 6 und 7 Uhr verschied dahier der k. bayer. chrakterisirte Generalmajor, Herr Johann Anton Greuzard Freiherr v. Damadieu, Gouverneur der k. Pagen, Ritter des Civilverdienstordens der b. Krone etc., im 65. Jahre seines Lebens. Die Beerdigung findet am Sonntag Nachmittag um halb 5 Uhr statt.

Münchener Politische Zeitung Nro. 110. Samstag, den 9. Mai 1835.

#ML – 262…265 (Bayerische Edelknaben)


Obelisk
GRAB
STAETTE
DER
CHURPFALZ
BAIRISHEN
EDELKNABEN.

Sockel
MDCCXCIII.

Vorgelagerter Gedenkstein
DIE EHEMALIGEN
KÖNIGLICH-BAYERISCHEN
EDELKNABEN
IHREN FÜR KÖNIG, VOLK
UND HEIMAT
GEFALLENEN UND IHREN
VERSTORBENEN KAMERADEN

Linke Tafel
1914 – 1919
FÜR KÖNIG UND VATERLAND STARBEN
DIE FRÜHEREN K. B. EDELKNABEN
THEODOR von ZWEHL
1863 – 1868 † 17.10.1915
IGNAZ FRH von GODIN
1879 – 1884 † 28. 9.1917
JOHANN FRH v. MALSEN
1884 – 1889 † 25.3.1918
PAUL FRH v. FREYBERG
1886 – 1891 ¿
ARNOLD FRH v. S¿
1889 – 1894 ¿
OTTO GRAF BASS¿
1893 – 1898 ¿
OSK¿
1894 – 1899 ¿
ER¿
1895 ¿

Rechte Tafel
1914 – 1919
FÜR KÖNIG UND VATERLAND STARBEN
DIE FRÜHEREN K. B. EDELKNABEN
WERNER FRH v. REITZENSTEIN
1903 – 1908 † 27.6.1916.
OTTO FRH von FEILITSCH
1904 – 1909 † 22.7.1915.
GEORG RITT. u. EDL. v. RAUSCHER AUF WEG
1905 – 1910 † 23.6.1916.
ERNST GRAF von MOY
1906 – 1911 † 11.7.1916.
HANS KARL FRH v. WOLFSKEEL
1906 – 1911 † 19.2.1918.
FRANZ FRH von PERFALL
1906 – 1911 † 18.9.1918.
PHILIPP FRH v. ARETIN
1908 – 1913 † 27.4.1915.
KARL von BALIGAND
1908 – 1912 † 12.9.1916.
MAXIMILIAN v. RIBAUPIERRE
1910 – 1914 † 7.5.1915.
RICHARD FRH HALLER v. HALLERSTEIN
1910 – 1914 † 14.6.1916.
ALFRED FRH v. MALSEN
1912 – 1916 † 12.12.1917.
VEIT ULRICH FRH v. SCHAUMBERG
1912 – 1914 † 22.6.1918.
RÜDIGER FRH v. KÜNSBERG
1913 – 1914 † 8.6.1918.
WALTER v. TANNSTEIN
1913 – 1916 † 2.5.1919.


  • Aretin, Philipp Freiherr von [in memoriam: Bayerische Edelknaben]; – 27.4.1915
  • Baligand, Karl von [in memoriam: Bayerische Edelknaben]; – 12.9.1916
  • Feilitsch, Otto Freiherr von [in memoriam: Bayerische Edelknaben]; – 22.7.1915
  • Freyberg, Paul Freiherr von [in memoriam: Bayerische Edelknaben]
  • Godin, Ignaz Freiherr von [in memoriam: Bayerische Edelknaben]; – 28.9.1917
  • Haller von Hallerstein, Richard Freiherr von [in memoriam: Bayerische Edelknaben]; – 14.6.1916
  • Künsberg, Rüdiger Freiherr von [in memoriam: Bayerische Edelknaben]; – 8.6.1918
  • Malsen, Alfred Freiherr von [in memoriam: Bayerische Edelknaben]; – 12.12.1917
  • Malsen, Johann Freiherr von [in memoriam: Bayerische Edelknaben]; – 25.3.1918
  • Moy, Ernst Graf von [in memoriam: Bayerische Edelknaben]; – 11.7.1916
  • Perfall, Franz Freiherr von [in memoriam: Bayerische Edelknaben]; – 18.9.1918
  • Rauscher auf Weeg, Georg Ritter und Edler von [in memoriam: Bayerische Edelknaben]; – 23.6.1916
  • Reitzenstein, Werner Freiherr von [in memoriam: Bayerische Edelknaben]; – 27.6.1916
  • Ribaupierre, Maximilian von [in memoriam: Bayerische Edelknaben]; – 7.5.1915
  • Schaumberg, Veit Ulrich Freiherr von [in memoriam: Bayerische Edelknaben]; – 22.6.1918
  • Tannstein, Walter von [in memoriam: Bayerische Edelknaben]; – 2.5.1919
  • Wolfskeel, Hans Karl Freiherr von [in memoriam: Bayerische Edelknaben]; – 19.2.1918
  • Zwehl, Theodor [in memoriam: Bayerische Edelknaben]; – 17.10.1915

Grab und Gedenkstätte der Bayerischen Edelknaben auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab und Gedenkstätte der Bayerischen Edelknaben (März 2014)

Grab und Gedenkstätte der Bayerischen Edelknaben (Februar 2008)

Grab und Gedenkstätte der Bayerischen Edelknaben (Juli 2008)

Grab und Gedenkstätte der Bayerischen Edelknaben (März 2014)

Grab und Gedenkstätte der Bayerischen Edelknaben (April 2014)

#Bayerische Edelknaben

#München und die Münchener (1905)

e. Pagerie.

Bei allen großen Hoffestlichkeiten werden die Pagen zum Dienste herangezogen. Die Erziehungsanstalt der königlichen Edelknaben ist im Maximilianeum, Äußere Maximilianstraße 20, untergebracht und untersteht als königliche Stiftung dem Oberstkämmererstabe.

Direktor der Pagerie: Ludwig Freiherr von und zu Guttenberg, Kämmerer, Rittmeister à la suite, Äußere Maximilianstraße 20. Die Edelknaben besuchen das Wilhelms-Gymnasium, Thierschstraße 46.

Aufnahmebedingungen. Alter zwischen 13 und 14 Jahren. Der Zögling muß die Erlaubnis zum Aufrücken in die fünfte Gymnasialklasse haben und Ende Juni sich einer Prüfung unterziehen.

Aufnahmegesuche sind anfangs April des Aufnahmejahres durch die Eltern oder Vormünder, gerichtet an S. M. den König, beim Oberstkämmererstabe unter Anschluß folgender Zeugnisse einzureichen:
a) Geburts- und Taufschein,
b) Erster und zweiter Impfschein,
c) Studienzeugnisse, eventuell Zeugnis des Privatlehrers,
d) Attest vom Heroldsamte, daß der Aspirant in der Adelsmatrikel des Königsreichs eingetragen ist,
e) Nachweis der Kammerschlüssel-Fähigkeit. (Probe der acht adeligen Ahnen in der obersten Reihe.)

Dispensationen über die beiden letzten Punkte sind bei Mangel gehörigen Nachweises im Gesuche zu erbitten.

Pensionspreis für Unterkunft und Verpflegung 1080 Mk., und 440 Mk. jährlich für Neuanschaffung von Kleidern etc. Demnach sind beim Beginne eines jeden Semesters 60 Mk. und zur erstmaligen Ausstattung beim Eintritt 200 Mk. zu erlegen.

Ganze und halbe Freistellen werden verliehen. Die Bitte um Verleihung einer ganzen oder halben Freistelle ist in dem Gesuche um Prüfungszulassung anzuführen.

München und die Münchener (1905). Leute. Dinge. Sitten. Winke. Karlsruhe, 1905.

#ML – 266…271 (Bruderschaft Unserer Lieben Frau)


Tafel 1
Hier ruhen die Hochwürdigen Herren:
Ambros Miller,
Hofpriester. geb. 19. Dezbr. 1770. gest. 14. April 1835.
Anton Hagn.
Kranken-Curat u. Hofkaplan, geb. 13. Juni 1770. gest. 19. März 1836.
Klemens Bauhofer.
freires. Pfarrer. geb. 24. Okt. 1763. gest. 11. April 1837.
Karl Schmid.
Benef. u. Senior d. Pr. Br. Jubil. geb. 12. Febr. 1750. gest. 10. April 1838.
Benedikt Zacherl.
Benef. freires. Pfarrer u. Kammerer. geb. 16. Mai 1767. gest. 30. April 1838.
Mathias Altmann.
Coop. Senior. B. U. L. Frau. geb. 20. Juni 1787. gest. 6. Dez. 1842.
Joh. Nep. Klemm.
Coop. Senior B. U. L. Frau. geb. 13. Mai 1804. gest. 7. April 1846.
Augustin Häringer.
Cermoniar u. Votivar. geb. 12. April 1783. gest. 18. Januar 1848.
Franz Ser. Schwab.
ehmal. Reg. Kanonikus Jubil. geb. 22. Sept. 1773. gest. 3. Okt. 1848.
Karl Urban.
ehmal. Coop. u. Sen. d. Pr. Br. Jubil. geb. 15. Feb. 1756. gest. 20. März 1849.
Joh. Bapt. Scherupp.
Benef. geb. 24. Aug. 1804. gest. 1. Juni 1850.

Tafel 2
Kaspar Grünerbl.
Benef. geb. 9. Novbr. 1807. gest. 7. Novbr. 1850.
Joseph Sölch.
Benef. u. Senior d. Pr. Br. geb. 26. Mai 1783. gest. 31. März 1855. Ignaz Schöffmann.
Benef. u. Senior d. Pr. Br. geb. 10. Juli 1792. gest. 5. Januar 1860.
Georg Scherer.
Coop. bei. U. L. Frau. geb. 4. Febr. 1827. gest. 12. Mai 1873.
Anton Mayer.
Benef. u. ehmal. Inspektor der weibl. Centralfeiertags-
Schulen. geb. 11. Sept. 1818. gest. 11. Febr. 1877.
Othmar Lautenschlager.
kgl. Hofspitalkaplan. geb. 27. Juli 1809. gest. 24. Aug. 1878.
Franz X. Brigl.
Benef. freires. Pfarrer u. Prof. Jubil. geb. 2. Feb. 1797. gest. 20. April 187¿
Pius Reiser.
freires. Benef. u. Senior d. Pr. Br. geb. 5. Mai 1798. gest. 8. Febr. 1881.
Michael Bonn.
erzb. geistl. Rath. Domvikar u. Ordinariats-Registrator.
geb. 22. August 1812. gest. 19. Juli 1882.
Joseph Zeichinger.
kgl. geist. Rath. Benef. Jubil. geb. 6. April 1807. gest. 9. April 1883.
Andreas Gapp.
Benef. geb. 14. Nov. 1820. gest. 14. März 1888.

Tafel 3
Joseph Grob.
erzb. geistl. Rath. Benef. Jubil. geb. 20. Sept. 1812, gest. 31. Aug. 1890.
Anton Schuegraf.
freires. Benef. Senior d. Pr. Br. Jubil. geb. 7. Jan. 1811. gest. 8. Feb. 1891.
Aug. Reischl.
Hochw. Herr Benificiat u. Jubelpriester. geb. 1817. gest. 1893.
August Lofeyer.
erzb. geistl. Rath. Benef. Ord. Secret. u. Ehrendomh. v. Nocera.
geb. 29. Nov. 1824. gest. 9. Juni 1895.
Carl Schermer.
Benificiat und Katechet. geb. 31. Jan. 1853. gest. 9. Oktbr. 1899. Anton Eller.
Benificiat. Katechet u. Garnisons Prediger. geb. 11. Nov. 1864. gest. 29. Juli 1905.
Msgr. Georg Römisch.
päpstl. Geh. Kammerer. erzb. geistl. Rat. Ritter v. hl. Grab. Cäremoniar.
Senior. d. Pr. Br. geb. 19. Nov. 1835. gest. 1. April 1907.
Edmund Limbach.
Benefiziat. erzb. Kanzleirat, Jubilar, geb. 3. Mai 1827, gest. 22. Nov. 1907.

Mitte
Grabstätte
der
Priester-Bruderschaft
B. U. L. Frau.

R. I. P.

Tafel rechts
IHS

Hier ruhet
der hochw. Jubelpriester
Matthias Siegert.
päpstl. geh. Kämmerer.
erzbischöfl. geistl. Rath.
Spiritual des Ordens der
armen Schulschwestern d. N. D.
und Präses der St. Jacobs-Kirche
am Anger.
geb. am 9. August 1804 in Amberg
gest. am 28. Mai 1879 in München

R. I. P.


  • Altmann, Mathias; 20.6.1787 (Krumbach) – 6.12.1842 (München); Geistlicher der Bruderschaft Unserer Lieben Frau
  • Bauhofer, Klemens; 24.10.1763 – 11.4.1837 (München); Geistlicher der Bruderschaft Unserer Lieben Frau
  • Bonn, Michael; 22.8.1812 – 19.7.1882; Geistlicher der Bruderschaft Unserer Lieben Frau
  • Brigl, Franz X.; 2.2.1797 (Immenstadt) – 20.4.1876 (München); Geistlicher der Bruderschaft Unserer Lieben Frau
  • Eller, Anton; 11.11.1864 – 29.7.1905; Geistlicher der Bruderschaft Unserer Lieben Frau
  • Gapp, Andreas; 14.11.1820 – 14.3.1888; Geistlicher der Bruderschaft Unserer Lieben Frau
  • Grob, Josef; 20.9.1812 – 31.8.1890; Geistlicher der Bruderschaft Unserer Lieben Frau
  • Grünerbl, Kaspar; 9.11.1807 – 7.11.1850 (München); Geistlicher der Bruderschaft Unserer Lieben Frau
  • Hagn, Anton; 13.6.1770 – 19.3.1836; Geistlicher der Bruderschaft Unserer Lieben Frau
  • Häringer, Augustin; 12.4.1783 – 18.1.1848; Geistlicher der Bruderschaft Unserer Lieben Frau
  • Klemm, Joh. Nep.; 13.5.1804 – 7.4.1846; Geistlicher der Bruderschaft Unserer Lieben Frau
  • Lautenschlager, Othmar; 27.7.1809 – 24.8.1878; Geistlicher der Bruderschaft Unserer Lieben Frau
  • Limbach, Edmund; 3.5.1827 – 22.11.1907; Geistlicher der Bruderschaft Unserer Lieben Frau
  • Lofeyer, August; 29.11.1824 – 9.6.1895; Geistlicher der Bruderschaft Unserer Lieben Frau
  • Mayer, Anton; 11.9.1818 – 11.2.1877; Geistlicher der Bruderschaft Unserer Lieben Frau
  • Miller, Ambros; 19.12.1770 – 14.4.1835; Geistlicher der Bruderschaft Unserer Lieben Frau
  • Reischl, Aug.; 1817 – 1893; Geistlicher der Bruderschaft Unserer Lieben Frau
  • Reiser, Pius; 5.5.1798 – 8.2.1881; Geistlicher der Bruderschaft Unserer Lieben Frau
  • Römisch, Georg; 19.11.1835 – 1.4.1907; Geistlicher der Bruderschaft Unserer Lieben Frau
  • Scherer, Georg; 4.2.1827 – 12.5.1873; Geistlicher der Bruderschaft Unserer Lieben Frau
  • Schermer, Karl; 31.1.1853 – 9.10.1899; Geistlicher der Bruderschaft Unserer Lieben Frau
  • Scherupp, Joh. Bapt.; 24.8.1804 – 1.6.1850; Geistlicher der Bruderschaft Unserer Lieben Frau
  • Schmid, Karl; 12.2.1750 – 10.4.1838; Geistlicher der Bruderschaft Unserer Lieben Frau
  • Schöffmann, Ignaz; 10.7.1792 – 5.1.1860; Geistlicher der Bruderschaft Unserer Lieben Frau
  • Schuegraf, Anton; 7.1.1811 – 8.2.1891; Geistlicher der Bruderschaft Unserer Lieben Frau
  • Schwab, Franz Ser.; 22.9.1773 – 3.10.1848; Geistlicher der Bruderschaft Unserer Lieben Frau
  • Siegert, Matthias; 9.8.1804 (Amberg) – 28.5.1879 (München); Geistlicher der Bruderschaft Unserer Lieben Frau
  • Sölch, Josef; 26.5.1783 – 31.3.1855; Geistlicher der Bruderschaft Unserer Lieben Frau
  • Urban, Karl; 15.2.1756 – 20.3.1849; Geistlicher der Bruderschaft Unserer Lieben Frau
  • Zacherl, Benedikt; 16.5.1767 – 30.4.1838; Geistlicher der Bruderschaft Unserer Lieben Frau
  • Zeichinger, Josef; 6.4.1807 – 9.4.1883; Geistlicher der Bruderschaft Unserer Lieben Frau

Grab der Bruderschaft Unserer Lieben Frau auf dem Alten Südfriedhof München (März 2008)

Grab der Bruderschaft Unserer Lieben Frau auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#Anton Mayer

* 11.9.1818 (München)
† 11.2.1877 (München)
Geistlicher der Bruderschaft Unserer Lieben Frau

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Mayer Anton, 1818 (München) – 1877, Historiker, Dombenefiziat und II. Registrator der erzbischöflichen Kurie in München; sein Vater zählte zu den Aufhebungskommissären der Säkularisation; nach seinen philosophisch-theologischen Studien in München (bei J. A. Moehler und H. Klee) wurde M. Priester und zunächst in der Seelsorge (Hohenkammer, Allgemeines Krankenhaus und Hl. Geist in München) verwendet; als Dombenefiziat befaßte er sich eingehend mit der Geschichte Münchens und des Erzbistums München und Freising; er war ein Freund des Grafen von Pocci, des Kunsthistorikers J. Sighart und des F. Trautmann.

Hauptwerke: Die Domkirche zu Unserer Lieben Frau in München, Statistische Beschreibung der Erzdiözese München-Freising (bis II. Bd., 7. Lieferung, fortgesetzt in 3 Bde. von G. Westermayer); Ms. Statistische Beschreibung ist heute noch ein wichtiges Nachschlagewerk über die Geschichte der Pfarreien des Erzbistums München und Freising.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#ML – 272···277 (Stadtpfarrei St. Peter)


PRIESTERBRUDERSCHAFT ST. PETER

Tafel 1
Lorenz Karbaumer
Benef.
† 31.8.1835 75. Jhr.
Joh. Nep. Baumeister
Benef.
† 11.3.1844 44. Jhr.
Antonius Koek
Benef.
† 7.10.1864 59. Jhr.
Max Schindler
Benef. frr. pfr.
† 20.12.1869 70. Jhr.
Joh. Bapt. Schmidbauer
Benef.
† 6.12.1888 61½. Jhr.
Prälat Dr. Anton Weltermayer
g. R. Stpfr. Dekan
† 3.12.1894 79. Jhr.
Georg Danzer
g. R. u. Benef.
† 4.12.1909 76. Jhr.
Joseph Mauter
Professor
† 30.8.1932 65. Jhr.

1. M.L.271

Tafel 2
Joseph Dallinger
g. R. Benef.
† 6.3.1836 60. Jhr.
Johann Ev. Bauer
Benef. † 2.5.1841 70. Jhr.
Joh. B. Dornhofer
Benef. † 23.3.1846 82. Jhr.
Michael Metzger
Benef. u. Schulinsp.
† 11.11.1849 74. Jhr.
Matthias Walcher
Benef. † 5.4.1865 80. Jhr.
Johann Nep. Holg
g. R. u. Benef.
† 5.1.1871 63. Jhr.
Msgr. Matthias Siegert
g. R. 1. Spiritual d. Arm. Schulschw.
† 28.5.1879 75. Jhr.
Georg Schmidhuber
Benef.
† 20.5.1889 68. Jhr.

2. M.L.272

Tafel 3
Johann Bapt. Mayr
Benef. u. frr. Pfarrer
† 16.8.1866 55½. Jhr.
Ernst Geiss
g. R. Benef. u. Pfarrchronist
† 21.1.1875 65. Jhr.
Georg Ernst
Benef.
† 5.12.1896 73½. Jhr.
August Bar
Benef.
† 30.4.1900 87. Jhr.
Heinrich Koeck
Benef. u. Schulinsp.
† 20.2.19¿ 63½. Jhr.
Alois Weber
Benef.
† 27.4.1929 64. Jhr.
Joseph Ströbl
g. R. Stpfr. u. Dekan
† 31.8.1937 70. Jhr.

3. M.L.273

Tafel 4
Joseph Gistl
Benef.
15.4.1845 66½. Jhr.
Georg Urban Zacher
Benef.
† 24.8.1854 75½ Jhr.
Jakob Jaenker
Benef.
† 1.9.1867 66. Jhr.
Alois Braun
Benef.
11.4.1871 62. Jhr.
Kaspar Schiessl
Benef. u. frr. Pfarrer
† 16.8.1885 78. Jhr.
Joseph Freih. v. Rupprecht
Benef.
† 15.9.1891 86. Jhr.
Joseph Ernstberger
Benef. u. Zeremoniar
† 28.4.1904 70. Jhr.
Johann Bapt. Mueller
Benef.
† 7.6.1907 58. Jhr.

4. M.L.275.

Tafel 5
Michael Bergmann
Benef.
† 11.8.1842 64. Jhr.
Matthias Mittermayer
Benef. † 15.9.1862 58. Jhr.
Joseph Gruber
Benef. † 19.1.1869 71. Jhr.
Alois Mich. Ladenmayr
g. R. u. Benef.
† 16.4.1880 79. Jhr.
Johann Bapt. Schrems
Benef. u. frr. Pfarrer
† 7.7.1882 72. Jhr.
Ludwig Holl
Benef. u. frr. Pfarrer
† 14.3.1900 7¿. Jhr.
Bernhard Schwager
Benef. u. Zeremoniar
† 6.4.1943 80. Jhr.

5. M.L.276

Tafel 6
Franz Ser. Höfter
Benef.
† 27.1.1886 3¿. Jhr.
Joh. Georg Huber
Benef.
† 26.5.1854 67. Jhr.
Anton Baumgartner
Benef.
† 19.5.1868 64½. Jhr.
Jakob Rachotsch
Benef.
† 25.6.1878 56. Jhr.
Johann Bapt. Keferloher
Benef.
4.5.1899 65. Jhr.
Joseph Herold
Benef. u. frr. Pfarrer
† 11.7.1901 68. Jhr.
Johann Ev. Holzapfel
Benef.
† ¿.9.1931 62. Jhr.

6. M.L.277.


  • Bar, August; 1813 – 1900; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Bauer, Johann Ev.; 1771 – 1841; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Baumeister, Joh. Nep.; 1800 – 1844; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Baumgartner, Anton; 1803 – 1868; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Bergmann, Michael; 1778 – 1842; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Braun, Alois; 1809 – 1871; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Bucher, Anton, Dr. theol.; 1746 – 1817; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Dallinger, Josef; 1776 – 1836; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Danzer, Georg; 1833 – 1909; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Dornhofer, Joh. B.; 1764 – 23.3.1846 (München); Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Ernst, Georg; 1823 – 1896; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Ernstberger, Josef; 1834 – 1904; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Geiss, Johann Franz Ernst; 1810 – 1875; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Gistl, Josef; 1778 – 1845; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Gruber, Josef; 1798 – 1869; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Herold, Josef; 1833 – 1901; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Höfter, Franz Ser.; – 1886; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Holg, Johann Nep.; 1808 – 1871; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Holl, Ludwig; – 1900; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Holzapfel, Johann Ev.; 1869 – 1931; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Huber, Joh. Georg; 1787 – 1854; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Jänker, Jakob; 1801 – 1867; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Karbaumer, Lorenz; 1760 – 1835; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Köck, Heinrich; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Koek, Antonius; 1805 – 1864; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Ladenmayr, Alois Mich.; 1801 – 1880; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Mauter, Josef, Prof.; 1867 – 1932; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Mayr, Johann Baptist; 1811 – 1866; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Metzger, Michael; 1775 – 1849; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Mittermayer, Matthias; 1804 – 1862; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Müller, Johann Bapt.; 1849 – 1907; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Rachotsch, Jakob; 1822 – 1878; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Rupprecht, Josef Freiherr von; 1805 – 1891; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Schiessl, Kaspar; 1807 – 1885; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Schindler, Max; 1799 – 1869; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Schmidbauer, Joh. Bapt.; 1826 – 1888; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Schmidhuber, Georg; 1821 – 1889; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Schrems, Johann Bapt.; 1810 – 1882; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Schwager, Bernhard; 1863 – 1943; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Siegert, Matthias; 1804 – 1879; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Ströbl, Josef; 1867 – 1937; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Walcher, Matthias; 1785 – 1865; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Weber, Alois; 1865 – 1929; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Weltermayer, Anton, Dr. theol.; 1815 – 1894; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter
  • Westermayer, Anton, Dr. theol.; 2.1.1816 (Deggendorf) – 3.12.1894 (München); Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter, Schriftsteller
  • Zacher, Georg Urban; 1779 – 1854; Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter

Grab der Bruderschaft St. Peter auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2008)

Grab der Bruderschaft St. Peter auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

Grab der Bruderschaft St. Peter auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2008)

Grab der Bruderschaft St. Peter auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2008)

#Dr. theol. Anton Bucher

* 1746 (München)
† 1817 (München)
Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Bucher Anton, 1746 (München) – 1817, Pädagoge und katholischer Pfarrer; nach Studium der Theologie zu Ingolstadt und Verwendung in der Seelsorge (ab 1768) wurde B., ein Freund L. von Westenrieders), 1774 Mitglied der Kommission zur Reform des Volksschulwesens unter Heinrich Braun, auch Mitglied der BAkdW und Rektor des alten (Wilhelms-) Gymnasiums in München; wegen seiner aufgeklärten Propaganda mit anderen kirchlichen Kreisen in Widerspruch, wurde B. nach seiner Amtsniederlegung Pfarrer in Engelbrechtsmünster (bei Pfaffenhofen a. d. Ilm), seit 1813 war er Benefiziat bei St. Peter, München; B. war ein Satiriker (vor allem gegen die Jesuiten eingestellt), von Jean Paul in der Vorrede zur Geschichte der Ästhetik wegen seines Witzes gerühmt; die Handschriftensammlung der Bayerischen Staatsbibliothek verwahrt in den »Nageliana« 12 Briefe Bs. an Nagel, ein Passionslied u. a., ferner (Cod. germ. 3655) Satiren Bs., die Bayerische AkdW besitzt die Handschrift der Antwort Bs. auf die Preisfrage: Warum hat Deutschland noch kein Nationaltheater?

Hauptwerke: Eine Kinderlehre auf dem Lande, Ein freies Pferderennen und hernach Souper und Ball, Deliberierbüchlein oder geistlich Such verloren, Die Jesuiten in Bayern vor, in und nach ihrer Aufhebung, Die Verlassenschaft des Pfarrers Tröstergott oder Stirbt der Fuchs, so gilts den Balg.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#Johann Franz Ernst Geiss

* 1810
† 1875
Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Geiss Johann Franz Ernest, 1810 (Haßlberg, Gemeinde Ruhpolding) – 1875, Historiker, Benefiziat und Königlicher Geistlicher Rat; G. studierte in München und Freising, wurde 1835 Priester und wirkte in München als Seelsorger, im Cholera-Jahr 1837 hat er sich nachweislich mit aller Hingebung und unermüdetem Eifer seinem Beruf gewidmet; schon von Beginn seiner beruflichen Laufbahn befaßte er sich mit historischen Forschungen, er hat viele Schriften hinterlassen, die zum Großteil im »Oberbayerisches Archiv« erschienen sind; der Historische Verein von Oberbayern verwahrt unter dem Bestand »Geißiana« seinen gesamten Materialien-Nachlaß.

Hauptwerke: Geschichte der Pfarrei Trostberg, Regesten ungedruckter Urkunden zur bayerischen Orts-, Familien- und Landesgeschichte, Geschichte des Klosters Frauenchiemsee, Beiträge zur Geschichte der westphälischen Gerichte in Bayern, Geschichte des Klosters Höglwörth, Die Reihenfolge der Pfarrer und Ortsvorstände Münchens, Die Reihenfolge der Gerichts- und Verwaltungsbeamten Altbayerns nach ihrem urkundlichen Vorkommen vom XIII. Jahrhundert bis zum Jahr 1803, Geschichte der Stadtpfarrei St. Peter in München; Gs. Reihenfolgen werden auch heute noch, wenn auch mit gewissen Vorbehalten, herangezogen.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#Dr. theol. Anton Westermayer

* 1816
† 1894
Geistlicher der Stadtpfarrei St. Peter

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Westermayer Anton, Dr. theol., 1816 (Deggendorf Ndb.) – 1894, Stadtpfarrer und päpstlicher Hausprälat; 1840 zum Priester geweiht, schrieb W. schon als Domprediger von Regensburg historische Arbeiten (Die Reformation und ihre Einführung in Regensburg); 1849 wurde der Günstling I. von Döllingers, vom König gefördert, in den bayerischen Landtag gewählt; seit 1850 Prediger bei St. Peter und seit 1853 Hofprediger bei St. Michael, wurde W. schließlich 1860 Stadtpfarrer bei St. Peter in München; mitten in der kirchenpolitischen Bewegung wurde er 1874 Mitglied des deutschen Reichstags (bis 1884); W. stand seit Beginn der sechziger Jahre im scharfen Kampf gegen den Liberalismus und Fortschritt; als man ihm vorwarf, er habe gesagt, den Fortschritt soll der Teufel holen, verteidigte er sich mit der Behauptung, er habe den Fortschritt, »den ohne Gott«, gemeint; wegen seines Mutterwitzes war er ein beliebter Volksredner, scharf in der Polemik und streng kirchlich; seine Schriften (Bauernpredigten, die auch Stadtleute brauchen können, Passionspredigten [8 Bde.], Das Kirchenjahr 13 Bde.], Katholisch oder protestantisch?, Das Papsttum in den ersten 500 Jahren, Döllingers Stellung zur katholischen Kirche) waren für ihre Zeit bedeutend, haben aber nur geringen wissenschaftlichen Wert; W. war eine populäre Erscheinung Münchens, der u. a. auch mit J. N. von Nußbaum befreundet war.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#ML – 280·281 (Kaulbach)


WILHELM KAULBACH
GEB. D. 15. OCT. 1804, GEST. D. 7. APRIL 1874.
JOSEFINE KAULBACH
GEB. D. 11. SEPT. 1809, GEST. D. 3. APRIL 1896.

Liegestein
HERMANN KAULBACH
25.7.1846 – 9.12.1909
SOPHIE KAULBACH
GEBORENE SCHROLL
21.12.1850 – 23.11.1920


  • Kaulbach, Hermann von; 26.7.1846 (München) – 9.12.1909 (München); Akademieprofessor und Genremaler
  • Kaulbach, Josefine von (vw) / Sutner (gb); 11.9.1809 – 3.4.1896 (München); Kunstmalers-Witwe
  • Kaulbach, Sofie (vw) / Schroll (gb); 21.12.1850 (Nürnberg) - 23.11.1920; Kupferstechers-Tochter / Kunstmalers-Witwe
  • Kaulbach, Wilhelm von, Dr.; 15.10.1805 (Arolsen/Hessen-Nassau) – 7.4.1874 (München); Historienmaler

Todesanzeige für Dr. Wilhelm von Kaulbach

Todesanzeige für Josefine von Kaulbach

Grab der Familie Kaulbach auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2008)

Grab der Familie Kaulbach auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

Grab der Familie Kaulbach auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

Grab der Familie Kaulbach auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

#Hermann von Kaulbach

* 26.7.1846 (München)
† 9.12.1909 (München)
Akademieprofessor und Genremaler

#Illustrirtes Unterhaltungs-Blatt (1889)

Hermann Kaulbach
(Mit Porträt auf Seite 81.)

Der treffliche Künstler, dessen Porträt wir den Lesern auf Seite 81 vorführen, Professor Hermann Kaulbach in München, ist der einzige Sohn des großen Wilhelm v. Kaulbach und am 26. Juli 1846 geboren. Der Vater wollte ihn nicht Maler werden lassen, sondern Hermann sollte Medicin studiren, und erst als ihm Piloty auf Grund einiger ihm vorgelegter Studienköpfe das Zeugniß ausstellte, daß er unverkennbar eine hohe künstlerische Begabung besitze, gab der Vater seinen Widerstand auf und liest den Sohn gewähren. Dieser trat nun 1867 in die Schule Piloty’s ein und begann hier gleichzeitig und im Wetteifer mit Defregger, Kurzbauer, Gysis, Rosenthal u. A. seine künstlerische Laufbahn. Sein grosses Gemälde »Mozart’s letzte Tage« (1874) errang ihm in Wien einen Preis und schuf dem jungen Maler einen eigenen künstlerischen Namen neben demjenigen, welchen er von seinem berühmten Vater geerbt hatte. Seither hat Kaulbach eine Reihe von hervorragenden Geschichts- und Genrebildern geliefert, so z. B.: »Sebastian Bach bei Friedrich dein Großen«, »Voltaire als Paris«, »Lucretia Borgia« und »Die Krönung der heiligen Elisabeth«. Sein letztes schönheitsvolles, poetisches Bild »Unsterblichkeit« hat der Prinz-Regent von Bayern aus seiner Privatschatulle ankaufen lassen und der Münchener Pinakothek zum Geschenk gemacht. Gleichzeitig erhielt der Künstler den Professortitel. Hermann Kaulbach hat sich auch als Illustrator in seinen Kompositionen für die »Gustav Freytag-Gallerie« und den »Kartons« zu den beliebtesten Opern hervorgethan. Sein Grundzug ist der Idealismus, dabei verbindet er mit reicher Gestaltungsgabe und Phantasie, mit großartiger Konzeption und feiner Charakterisirung ein hervorragendes Talent für Farbe.

Illustrirtes Unterhaltungs-Blatt No. 11. Wöchentliche Beilage zum Darmstädter Tagblatt. Darmstadt, 1889.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Kaulbach Hermann, von, 1846 (München) – 1909, Genremaler und Akademieprofessor; Sohn von Wilhelm von K. und Schüler von K. von Piloty ist Hermann von K. Schöpfer lieblicher romantischer Genrebilder.

Hauptwerke: Mozarts letzte Tage, Krönung der hl. Elisabeth durch Kaiser Friedrich II., An der Grabstätte des Freundes, Unsterblichkeit, Das Ende vom Lied, Deine Seele wird ein Schmerz durchdringen; seine vielen Kindergenres (Hänsel und Gretel, Bilder aus dem Kinderleben, Güll-Illustrationen) sind inhaltlich und koloristisch reizvoll.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#Josefine von Kaulbach (vw) / Sutner (gb)

* 11.9.1809
† 3.4.1896 (München)
Kunstmalers-Witwe

#Münchener Nachrichten (28.7.1875)

Aus Kaulbach’s Nachlaß.

Wenn ich diesen Stoß kleiner Lichtbilder nach Art eines Kartenspiels auf den Tisch vor mir aufstreife, grüßen mir einige Figuren daraus so traulich entgegen, daß ich sie einzeln zu genauer Betrachtung in die Hand nehmen muß, bevor ich nach den übrigen greife, um auch ihnen die schickliche Rücksicht angedeihen zu lassen.

Vor allen ist es aber das Bildniß von Kaulbach’s Braut, das mich durch einen eigenen Zauber gefangen nimmt. Zunächst durch den Zauber der Lieblichkeit, dann aber durch den weit stärkeren der persönlichen Erinnerung. Mit der scharfen Bestimmtheit seiner ersten Manier hat sie Kaulbach im Profil hingezeichnet, ein sinnendes und sinniges Mädchen, in dessen noch jungfräulich schwebenden Zügen sich schon die charaktervolle Hausfrau ankündigt. Der Kopf, von einem schlanken Hals anmuthig getragen, blüht aus einer üppigen Krause hervor; die Haare sind hinten hoch hinaufgesteckt, während sie vorne, aus einem glattgestrichenen Scheitel hervorquellend, als Locken in die Wangen hereinfallen. Einen leisen Zug von Koketterie und von auflösender Milde tragen die an der Schläfe vom Scheitel sich lostrennenden Haare in das Gesicht hinein; aber die ungebändigten Triebe im Nacken und der wie ein Federchen sich krümmende Haarbüschel über der Stirn – eine reizende Verhöhnung des glättenden Kammes – bezeugen das Eigenwillige, das Unbezähmbare, welches auf dem Grunde einer jeden tüchtigeren Natur lebt, ja das man geradezu als die Ursache ihres Daseins betrachten kann. Das Kleid, ein anliegender Ueberrock mit weiten Aermeln, ist geschlossen, und als einziger Schmuck hängt auf der Brust ein kleines Kreuz an schmalem Bändchen. Die Haare denke man sich dunkel und weich, die Haut bräunlich, sammtartig, mit durchschimmerndem Roth, die vollen Augen braun…

Nun wird mir aber das Bild unruhig, und die Gestalt tritt, unter dem schauenden Auge wachsend und wachsend, lebensgroß aus dem Rahmen, regt und bewegt sich, athmet und spricht. Die schöne frauenhafte Erscheinung, deren Gegenwart selbst den Wildesten bändigt! Eine hohe, schlanke Gestalt, so zart und schmiegsam, daß man, meint, ein jeder Lufthauch müsse sie beugen – und doch wir gerade und vornehm weiß sich dieser Wuchs zu tragen! Wie sie schwebenden Ganges kommt und geht, schön bewegt mit leeren und mit vollen Händen, stets weiche Linien beschreibend und im Ganzen die Bewegung doch voll Charakter. Etwas sanft Gebietendes liegt in ihrem Auftreten und ihrem lächelnden Ernst, vermag Niemand zu widerstehen. Sie hat eine eigene Art, Alles in Anmuth zu kehren, ja das sonst Entstellende zur Würde zu adeln, wie sie denn, als sie ihren Sohn unter dem Herzen trug – Kaulbach hat sie so porträtirt – ein Bild mütterlicher Hoheit gewährte. Die schärfste Probe auf den Gehalt einer Frauennatur, nämlich, wie sie dem anpochenden und eintretenden Alter begegnet, hat Frau Kaulbach mühelos und glänzend bestanden; auch ihm ging sie mit Anmuth entgegen, und das Alter hat ihren Gruß erwidert. Die weißen Flocken in ihren Haaren erscheinen nicht anders als wie die Blüthen einer andern Jugend.

Ich war noch ein grüner Junge, als mir das Glück ward, Frau Josephine Kaulbach, die damals im Anfange der Dreißiger-Jahre stehen mochte, zum erstenmale zu sehen. Es war in München an einem Sonntag Vormittags, um die Zeit der letzten Messe, und von allen Thürmen scholl Glockengeläute. Ich zog eben die Klingel an dem Kaulbach’schen Hause, als mir die Hausfrau selbst aus der Thür entgegentrat, einfach und geschmackvoll gekleidet, ein Gebetbuch in den Händen und eben im Begriffe, zur Kirche zu gehen. Sie begrüßte freundlich lächelnd den blutjungen Gast und lud ihn ein, im Hause oder Garten zu weilen, bis sie von der Andacht zurückkehre. Frömmigkeit steht den Frauen so wohl und ich schaute der prunklosen Kirchengängerin, bevor ich die Thür hinter mir ins Schloß warf, eine Weile verstohlen und mit Wohlgefallen nach. Haus und Garten, die mir mit den Jahren so vertraut wurden, empfingen mich mit einer gewissen Feierlichkeit; sie mutheten mich wie Kunstwerke an, die »jeden Zeugen irdischer Bedürftigkeit ausgestoßen«. Zwei hübsche Kinder – wie wir sie auch in den Photographien aus Kaulbach’s Nachlaß sehen – belebten das stille Haus: Johanna, die Aeltere, mit den schaulustigen meergrünen Augen und die sinnige scheue Marie mit den hochaufgebundenen dunklen Zöpfen; der trotzige Dickkopf Hermann und die sanfte blonde Josepha – die letztere verschweigt uns der Nachlaß – waren noch nicht geboren. Frau Kaulbach’s Verkehr mit ihren Kindern, nach Bedarf bald streng, bald sanft, ist mir als ein anmuthiges Bild im Gedächtniß haften geblieben. Das rechte Salz aber brachte erst Kaulbach selbst in die Haushaltung herein; neben die Grazie stellte er die Energie, neben die frauenhafte Weichheit des Denkens Schärfe seines Geistes. Man mußte ihn freilich näher kennen, um ihn nach der ganzen Fülle seiner Natur zu schätzen. Damals zeigte er nicht mehr die vollen Formen, wie sie ein in jungen Tagen, mit unverkennbarem Hinblick auf Rafael’s Selbstbildniß, gezeichnetes Porträt aufweist; die Haare fielen ihm nicht mehr voll auf die Schultern herab und weggenommen war der dämmernde Schleier, der das Auge des Jünglings umhüllte. Stürmische Leidenschaften hatten ihn mittlerweile geschüttelt, Lebenserfahrungen voll Bitterniß waren über ihn gekommen und zumal der künstlerische Ehrgeiz hatte ihn mager gemacht. Seine schlanke Gestalt erschien leise gebeugt, und sein geschmälertes Gesicht wurde von den energischen blauen Augen beherrscht. Er trug falsche Haare, und die Locken, die kunstbegeisterte Damen sich von ihm erbaten, schnitt er, wie er lachend erzählte, von ausgedienten Perrücken ab. Es war die Zeit, wo er, neue Bahnen suchend, mit dem vollen Aufgebote seiner Kraft an der »Zerstörung Jerusalems« arbeitete und nebenher zur Abspannung des Geistes seine Zeichnungen zu »Reineke Fuchs« entwarf.

Wie seine Kunstübung war sein Gespräch; es bewegte sich zwischen hochfliegenden philosophisch-historischen Gedanken und der grausamsten Persiflage der Wirklichkeit und Gegenwart. Er konnte Menschen zerreiben, als ob sie mürbe Sandsteine wären, und sein Sarkasmus schonte keine Höhe. Nur selten erschloß er die weicheren Seiten seiner Natur; es war fast, als ob er sich jeder sanfteren Regung schämte. So konnte man ihn damals sehen: melancholisch, voll Menschenverachtung, mit sich selbst und der Welt unzufrieden, von einem maßlosen Ehrgeiz gequält. Erst als er seine künstlerischen Ziele erreicht hatte, erst als er, dem Glücke im Schooße sitzend, in seinem Ruhme sich sonnen konnte, stiegen freundlichere Geister aus seiner Seele auf, schloß er, soweit sein polemischer Geist es erlaubte, seinen Frieden mit der Welt. Nun erst konnte er, mit souveräner Ironie über die Köpfe der Menschen weg- und wie über sich selbst hinausfliegend, die Frage stellen und die Antwort geben, die ihm ein guter Bekannter nothdürftig in Reime gefaßt:
Menschen, Götter und Vieh, Was hat euch am besten gefallen? Den Menschen vergaß ich nie, Und hab‘ mich ergötzt an Allen.

Das jugendliche Selbstporträt Kaulbach’s in seinem Nachlaß ist das Gegenstück zu dem Bildniß seiner Braut. So haben sich diese jungen Menschenkinder im Leben begegnet, als solche haben sie einander geliebt. Es war in München, und Kaulbach hat nicht vergessen, auf dem Porträt seiner Braut das Wahrzeichen der Mönchsstadt, das sogenannte »Münchener Kindel« anzubringen, einen kleinen Kuttenträger, der gleich einem heiteren Wegweiser die beiden Arme von sich streckt. Nicht ohne lange und schmerzliche Kämpfe errang sich Kaulbach seine Frau. Sie war ein Münchener Bürgerskind aus realistischem Hause und er nur ein Künstler, von seiner Phantasie zehrend, ohne gesichertes Einkommen. Sie hielten aber so treu zusammen, und namentlich das Mädchen stand so fest in ihren Schuhen, daß der Widerstand der Alten zuletzt gebrochen wurde. Die beiden Brautleute trugen eine Welt voll Liebe und Zukunft mit sich herum, und da mochte es wenig auf sich haben, wenn einmal auf einem Spaziergange, den sie machten, Kaulbach von seinem Schneider gemahnt wurde, er möchte doch den Rock, den er da trage, endlich bezahlen. Kaulbach erzählte später oft von diesem schnöden Ueberfall des Kleiderkünstlers und versicherte dabei, indem er hellauf lachte, daß er vor seiner Braut in den Boden hätte sinken mögen. In der Art und Weise, wie Frau Kaulbach bei dieser Erzählung schaute und lächelte, lag alle Freude und alles Leid ihrer Liebe und ihrer Ehe. Kaulbach hat eine treue Seele an ihr gefunden, ein Weib, das ihn liebte und verehrte, wie den einzigen Mann dieser Welt; er war neben den Kindern ihre vornehmste Sorge und mit bitterem Gram hat sie ihm die Augen zugedrückt. Auch er fühlte tief den Werth dieser Frau, wenn es auch manchmal den Anschein nahm, als ob er, der für weiblichen Reiz so sehr empfängliche Mann, dessen Geschäft ja das Schöne war, sich zeitweilig von ihr entfernen könnte; aber das Heimweh befiel ihn bald, und da hielt ihn weder die Zauberin Circe noch die göttliche Nymphe Kalypso fest. Er konnte sich seiner Frau nicht erwehren, sie ging ihm nach bis in seine Bilder hinein, und die Kinder kamen mit ihr. Was man als gut erkannt, auch als schön erkennen zu müssen, das übt eine Gewalt über Gemüth und Phantasie, der nicht zu entrinnen ist. Dieses Gute und Schöne war Frau Kaulbach für ihren Mann, sein Schutz- und Trutzengel, der ihm das Haus heimlich machte und widrige Einflüsse von der Schwelle wehrte.

Wenn ich nun weiterblättern will in Kaulbach’s Nachlaß, wenn ich die Kompositionen zur »Sündfluth«, die »Sachsenschlacht«, die »Vier Evangelisten« vor mich hinlege, so sehe ich nur mit halbem Auge und aus dem Gedränge von Gestalten steigt mir immer wieder Kaulbach und seine Frau, umgeben von ihren Kindern, auf. Und dann fällt mein Blick von den Bildern hinweg in das Leben und ich muß der vereinsamten Frau gedenken, welcher Kaulbach den großen Schmerz angethan, vor ihr zu sterben. Ich meine in der Ferne schluchzen zu hören. Meine Gedanken gehen auf die Wanderschaft und im Geiste kehre ich in dem gastlichen Haus in der Gartenstraße zu München wieder ein. An der langen Tafel im unteren Gelaß ist ein Gewühl von Menschen – Männer, Frauen und Kinder. Das sind die Töchter des Hauses, die Schwiegersöhne, die Kindskinder. Oben an der Tafel sitzt eine schöne greise Frau, welcher blühende Enkel die Thränen von der Wange küssen. Sie lächelt zwischen Schmerz und Freude. Ich habe diese Frau schon gesehen und ich kenne ihre Gedanken, ohne daß ich sie erst darum befrage. (N. Fr. Pr.)

Münchener Nachrichten Nr. 209. München; Mittwoch, den 28. Juli 1875.

#Münchner Neueste Nachrichten (8.4.1896)

Lokales.
München, 7. April.

Beerdigung. Im südlichen Friedhof wurden am Ostersonntag Nachmittag halb 5 Uhr die sterblichen Ueberreste der Wittwe des vormaligen Direktors der Akademie der bildenden Künste Wilhelm v. Kaulbach, Frau Josefa v. Kaulbach zur letzten Ruhe gebettet. Unter den zahlreichen Leidtragenden, die dem reich mit Blumen und Kränzen geschmückten Sarge das Geleite zu dem geschmackvoll dekorirten Grabe gaben, befanden sich Minister Freiherr v. Crailsheim, Mitglieder der Akademie der bildenden Künste, der Künstlergenossenschaft, der Sezession und viele A. m. Die Verstorbene hatte als letzten Willen kundgegeben, daß an ihrem Grabe von einer größeren Rede etc. Umgang genommen werden solle. Diesem Wunsche Rechnung tragend, verrichtete der amtirende Geistliche nach kurzer Erwähnung der edlen Eigenschaften der Heimgegangenen nur die üblichen Gebete. Unter der Unzahl von Kränzen ist besonders ein von Sr. k. Hoh. dem Prinz-Regenten gespendeter hervorzuheben.

Münchner Neueste Nachrichten No. 163. Mittwoch, den 8. April 1896.

#Münchner Neueste Nachrichten (10.4.1896)

Josefine v. Kaulbach,
geb. 15. September 1809, gest. 3. April 1896.

Selten war es einer Frau vergönnt, in so hohem Alter durch den Zauber ihrer Persönlichkeit, durch die Art, wie sie empfand, sprach und — zuhörte, alte und junge Freunde an sich zu fesseln, stets einen Kreis von Menschen um sich zu versammeln, denen es eine Quelle der Freude und Erquickung war, sie aufzusuchen und bei ihr zu weilen. Und diese Frau war von bescheidenster bürgerlicher Herkunft. Vor 86 Jahren, als Kind einfacher Bürgersleute, Posamentirer, geboren, erhielt die kleine Josefine Suttner eine für damalige Begriffe sehr gute Erziehung. Nachdem sie die deutsche Schule am Anger besucht hatte, kam sie in ein Institut, wo sie Handarbeiten und Französisch von einer Französin erlernte, deren Mann als Tambourmajor in den russischen Feldzug gegangen und niemals von dort zurückgekehrt war. Als Josefine 16 Jahre alt war, mußte sie der Mutter behilflich sein, indem sie in dem kleinen Lädchen unter den »finsteren Bögen« am Marienplatz Bänder und Knöpfe an die Kunden verkaufte. Dort war es auch, wo der Student Lassaulx, der spätere geistreiche Philosoph und Freund der Familie, das junge Mädchen zuerst sah und dann seinen jungen Freund Wilhelm Kaulbach veranlaßte, an dem Laden vorbeizugehen, um das schöne Gesicht sich anzusehen. Die Gänge des jungen Künstlers wurden häufiger, und es erwuchs daraus stilles Einverständniß und — zunächst heimliche — Verlobung.

Als endlich nach siebenjähriger Brautschaft, in der es an Hindernissen und Kämpfen nicht gefehlt hatte — die Eltern der Braut verweigerten u. A. ihre Zustimmung deshalb, weil der junge, arme Künstler weder Frack noch Uhr besitze — das Paar verbunden war, errang die junge Frau unter des Künstlers Leitung, in der engsten und lebendigsten Theilnahme an den Kämpfen, die er in Kunst und Leben zu bestehen hatte in jahrelangen Bestrebungen und Studien, jene ungewöhnliche Geistes- und Herzensbildung, die sie so sehr über das Niveau der Durchschnittsfrauen erhob. Die Studien, denen Kaulbach für seine großen historischen Arbeiten oblag, hat sie getreulich und unermüdlich getheilt, indem sie ihm bis in ihr späteres Alter halbe Nächte lang vorlas. Im regen Verkehr mit bedeutenden geistreichen Menschen lernte sie sich mit Anmuth und Würde benehmen und fand immer Gelegenheit, zu lernen und sich zu bilden. Dabei besaß Frau v. Kaulbach ein Pflichtgefühl, eine Selbstbeherrschung in der Sorge um den Gatten, die etwas Großartiges hatten. So hat sie in seltener Aufopferung nur für den Gatten gelebt, gedacht und gearbeitet; ihr ganzes Denken, Empfinden und Thun ordnete sie seinem Wohle unter und fand dabei ihr größtes Glück und ihre Befriedigung.

Während sie so durch die geistige Beschäftigung mit den Problemen, die ihren Gatten erfüllten, durch das Besprechen fortwährend ihre Bildung erweiterte, hatte sie als Hausfrau Pflichten der ungewöhnlichsten Art zu erfüllen. Von der Zeit an, wo der Künstler sich durch die Erwerbung des Monten'schen Hauses an der Gartenstraße (jetzt Kaulbachstraße) ein für damalige Verhältnisse schönes und komfortables Heim schuf, wurde eine großartige Gastfreundschaft entfaltet. Jahrzehnte lang war dieses Haus der Sammelpunkt des ganzen geistigen Lebens von München. Es verkehrten da frenndschaftlich alle bedeutenden Männer mit ihren Familien. Da waren von Zierden der Universität: Thiersch, Bluntschli, Liebig, Bischoff, Sybel, Pettenkofer, Jolly, Carriere, Staatsrath Hermann, Maurer; von Musikern: Lachner und die damals noch jungen Wüllner, Scholz, Rheinberger, Wilhelm Speidel mit seinem begabten Bruder, dem Aesthetiker Ludwig; die Dichter: E. Geibel, Heyse, Bodenstedt, der alte Jugendfreund E. Förster; von Künstlern: Schwind, Ramberg, Piloty, F. Dietz, F. Dürck; dann der junge Perfall, damals noch Jurist, jetzt Generalintendant. Das waren so ungefähr die regelmäßigen Sonntagsgäste, die sich unter dem Namen »Die Sonntagskinder« als heitere und seßhafte Gesellschaft konstituirten und gelegenlich der silbernen Hochzeit durch ihre künstlerischen Beiträge der Hausfrau eine Festgabe in Gestalt des »Sonntagskinder-Album« spendeten, das noch jetzt in der Familie hochgchalten wird. Neben diesen regelmäßigen Gästen sind auch die Wandervögel zu erwähnen. Darunter vor Allem Fr. Liszt mit Fürstin Witgenstein und seinem Gefolge von Anbeterinnen, der liebenswürdige Märchendichter Andersen, L. Asher, der geistvolle Hamburger Maler, der viele Jahre lang »auf einige Tage« kam, um dann Monate lang als Gast des Hauses zu weilen.

Eine besondere Episode bildete der Besuch von Jenny Lind in den vierziger Jahren, die anläßlich eines mehrwöchigen Gastspieles Wochen lang im Hause wohnte. Auch Bettina v. Arnim hat als Gast in diesem Hause geweilt. In den sechziger Jahren wurde es stiller. Kaulbach zog sich mehr von großer Geselligkeit zurück, und von da an und auch nach seinem 1874 erfolgten Tode konzentrirte sich die Gastlichkeit des Hauses auf einen kleineren Kreis alter und neuer Freunde, zu denen sich zuweilen auch illustre Freunde gesellten.

Frau v. Kaulbach war eine schöne, stolze und doch unendlich gütige Frau, und machte in ihrer äußeren Erscheinung einen merkwürdig imposanten Eindruck, der noch erhöht wurde durch die vornehme Art, sich zu geben, welche wohl nur zu oft als Hochmuth ausgelegt wurde. Sie verstand es, ohne viel Worte zu machen, herb und kalt zu scheinen, konnte aber im nächsten Augenblick durch ihre sanfte Güte, ihr mildes Wesen und ihre klassische Ruhe alle Welt entzücken. Ihre größte Freude war es, für Andere wirken und sorgen und ihnen Liebes und Gutes erweisen zu können. In der Krankenpflege war sie unübertrefflich und beinahe jeden Sommer hatte sie irgend einen kranken Gast von der Bekanntschaft oder Verwandtschaft im kleinen Fremdenhäuschen an der Königinstraße wohnen, wo er sich in Frau v. Kaulbachs herrlicher Pflege noch vollends erholte.

Im Jahre 1870/71 zeichnete sie sich durch segensreiche Thätigkeit aus, indem sie an der Spitze mehrerer Vereine stand, und besonders eine Verloosung von Autographen zum Besten der Verwundeten in's Werk setzte. All' ihre Zeit und Thätigkeit opferte sie diesem schönen Werke, welches von großem Erfolge gekrönt war; damals wurde sie durch einen bayerischen und einen preußischen Orden ausgezeichnet.

Bezeichnend sowohl für die ihr bis in das hohe Alter verbliebene Begeisterungssähigkeit und Lebhaftigkeit, wie für die unabhängige, energische Art, mit der Frau v. Kaulbach von ihrem Empfinden Zeugniß ablegte, ist folgende Episode aus den unvergeßlichen Tagen von Fürst Bismarcks letztem Münchner Aufenthalt (1892). Mit jugendlicher Kraft ruhte sie nicht eher, bis sie ihn endlich auf dem Bahnhof sehen und sprechen konnte. Es war ein ergreifendes Bild, als die schöne alte Frau sich vor dem Fürsten beugte und sagte: »Durchlaucht, bevor ich sterbe, möchte ich Ihnen noch die Hand küssen!« Dieser aber lachte und erwiderte: »Nein, Frau v. Kaulbach, das machen wir Beide ganz anders" — sprach's und gab ihr zu ihrem höchsten Erstaunen einen kräftigen Kuß auf den Mund.

Ebenso verlor sie aber auch bis in die letzten Zeiten nicht die Fähigkeit, über das Niedrige und Verächtliche gerechten Zorn zu empfinden und ihn kräftig zu äußern. Ist es doch erst wenige Wochen her, daß das durch Zufall in ihre Hände gekommene Buch eines bekannten Kunstschriftstellers, in welchem sie Unwahrheiten und Unrichtigkeiten aus früheren Tagen über den Charakter ihres Gatten fand, von ihrer kräftigen Hand geschleudert, in eine Zimmerecke flog.

Würdevoll, harmonisch und vornehm, wie sie gelebt hatte, ist Josefine v. Kaulbach gestorben. Ist es auch zunächst der Name Kaulbach, der bei der Kunde von ihrem Tode das Interesse der Gebildeten auf ihre Person lenkt, so hängt es nur mit ihrer durch Geist und Charakter bedeutenden Persönlichkeit zusammen, wenn ihr Hinscheiden nicht nur von Kindern und Enkeln, sondern von einem großen Kreise befreundeter Menschen als schwerer Verlust beklagt wird.

Münchner Neueste Nachrichten No. 168. Freitag, den 10. April 1896.

#Coburger Zeitung (16.4.1896)

Vermischtes.

Die Wittwe Wilh. Kaulbachs ist hochbetagt in München gestorben. Sie wurde als Kind einfacher Eltern geboren und half später unter den »Finstern Bögen« ihrer Mutter Bänder verkaufen. Durch ihre außergewöhnliche Schönheit erregte sie das Interesse der jungen Künstler, die damals unter König Ludwig I. in München thätig waren, unter ihnen der 22jährige Wilh. Kaulbach, der bald die Anmuth und Harmonie ihres Wesens erkannt hatte. Er verlobte sich mit ihr und nach siebenjähriger Brautzeit und langwierigen Kämpfen konnte er sie endlich als seine Gattin heimführen. In seinem Umgang und im Verkehr mit bedeutenden Männern lernte die junge Frau sich in jeder Hinsicht vervollkommnen und ihr Name wurde neben dem seinen in bewundernder Verehrung genannt. In sorgenvollen Zeiten stand sie ihrem Gatten als hochgesinnte Frau zur Seite, und wer in den Kreis ihres Hauses eintreten durfte, hat das bleibende Andenken an eine Stätte des anregendsten geselligen Verkehrs und echt deutschen Familienlebens mit sich fortgenommen. In seltener geistiger und körperlicher Frische war sie in ihrem Greisenalter von unzähligen Freunden, von Jung und Alt umringt, die bei ihr ein reges Interesse und Theilnahme für Alles fanden, was im innern und äußern Leben vorging.

Coburger Zeitung No. 89. Donnerstag, den 16. April 1896.

#Dr. Wilhelm von Kaulbach

* 15.10.1805 (Arolsen/Hessen-Nassau)
† 7.4.1874 (München)
Historienmaler

#Artistisches München im Jahre 1835 (1836)

Kaulbach, Wilhelm, ward im Jahre 1805 zu Arolsen, im Fürstenthume Waldeck, geboren. Sein Vater, ein Goldschmid, ertheilte ihm den ersten Unterricht im Zeichnen. Er genoß denselben bis zu seinem 16ten Jahre, in welchem er die Düsseldorfer Akademie besuchte.

Direktor v. Cornelius und Professor Mosler ließen sich vorzüglich seine Ausbildung angelegen seyn. Im Jahre 1826 berief ihn Cornelius nach München, um im Odeon eines der Deckengemälde: »Apollo unter den Musen« auszuführen. Nachher malte er in den Arkaden des Hofgartens die vier Flußgötter, und zeichnete die Cartons zu der Bavaria und einigen andern allegorischen Figuren; ferner malte er in dem Palais Sr. Hoheit des Herzog Max einen Tanzsaal mit 16 Darstellungen aus der Mythe des Amor und der Psyche.

Hierauf ward ihm der ehrenvolle Auftrag, in dem Thronsaale Ihrer Majestät der Königin 12 Bilder aus Klopstoks Herrmanns-Schlacht und Herrmanns-Tod, und 4 aus dessen Oden auszuführen. Für den anstoßenden Salon zeichnete er 18 größere und kleinere Compositionen aus Wielands Werken. In dem Schlafsale Ihrer Majestät der Königin malte er 42 Gemälde aus Göthes sämmtlichen Dichtungen.

Außer diesen Arbeiten und andern Zeichnungen verfertigte er im Auftrage des Hrn. Geheimenraths v. Klenze einen Carton zu einem Oelgemälde, welcher eine Geisterschlacht zwischen den Römern und Hunnen zum Gegenstand hat.

Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Mechaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.

#Neues allgemeines Künstler-Lexicon (1838)

Kaulbach, Wilhelm, Zeichner und Maler, wurde 1805 zu Arolsen im Fürstenthume Waldeck geboren, und von seinem Vater, einem Goldschmiede, in den Anfangsgründen der Zeichenkunst unterrichtet. In seinem 16. Jahre besuchte er die Akademie in Düsseldorf, und hier war es besonders Direktor von Cornelius und Professor Mosler, welche den Jüngling auf seiner Bahn mit Sorgfalt leiteten. Auch von der Natur reichlich mit Talenten ausgestattet, machte jetzt Kaulbach bald glänzende Fortschritte, und gegenwärtig kann man ihn zu den geistvollsten Künstlern Deutschlands rechnen.

Er hatte schon in Düsseldorf einige sehr gelungene Proben seines trefflichen Talentes gegeben, worunter wir Maria mit dem Kinde und zweien musicirenden Engeln, in einer Kirche Westphalens, erwähnen; im Jahre 1826 berief ihn aber Cornelius nach München, wo jenem damals durch König Ludwig sein glänzender Wirkungskreis angewiesen wurde, und Kaulbach’s erste Arbeit in dieser Stadt war die Darstellung des Apollo unter den Musen, an der Decke des grossen Saales im k. Odeon. Der Künstler löste seine Aufgabe zu voller Zufriedenheit, und hierauf wurde er mit andern Künstlern zur Ausführung der geschichtlichen Fresken in den Arkaden des königl. Hofgartens berufen. Hier malte er die vier colossalen Figuren der Flussgötter, übertraf sich aber in der herrlichen allegorischen Gestalt der Bavaria, welche als die schönste unter den allegorischen Figuren jener Arkaden zu bezeichnen ist.

Von den historischen Gemälden ist daselbst keines sein Werk, solche aber führte er in dem herrlichen Pallaste des Herzogs Maximilian in Bayern aus. Im Tanzsaale sind von ihm die 16 Darstellungen aus der Mythe des Amor und der Psyche gemalt, anmuthsvolle Gestalten. Hierauf nahte die Zeit, in welcher König Ludwig im neuen Residenzbaue den Künstlern eine wichtige Aufgabe stellte, deren Lösung in Darstellung von Denkmälern zweier wichtiger Nationen, der deutschen und der griechischen, bestand. Die Compositionen aus den griechischen Dichtern, welche in strengem Style ausgeführt werden mussten, wurden dem berühmten Schwanthaler anvertraut, an den Darstellungen aus den deutschen Dichtern versuchten aber mehrere Künstler ihre Kräfte; in einem Gebiete, welches mehr an das Romantische gränzt, als jenes, welches Schwanthaler zu bebauen hatte.

Kaulbach hat bei dieser Arbeit ein besonderes Talent bewiesen, das sich zwischen der Antike und dem Romantischen frei bewegen konnte. Ihm wurden die Darstellungen aus Klopstock, Göthe und Wieland zu Theil. Der Bildercyklus in den Gemächern des königlichen Herrscherpaares gehört überhaupt zu den glänzendsten, welche je in’s Daseyn traten, und mehrere Künstler fanden da Gelegenheit, ihre Namen mit Ruhm auf die Nachwelt fortzupflanzen. Wir nennen noch J. von Schnorr, Folz, Hiltensperger, Neureuther, Hermann, Gassen, Olivier etc. Kaulbach malte im Thronsaale der Königin 12 Bilder aus Klopstock’s Hermanns-Schlacht und Hermanns Tod, 4 aus dessen Oden. Für den anstossenden Saal zeichnete er 18 grössere und kleinere Compositionen aus Wieland’s Werken, und im Schlafsaale der Königin malte er 42 Gemälde aus Göthe’s Dichtungen. Ein eigener Wegweiser von Dr. Förster gibt über die Gemälde der k. Residenz Aufschluss. Nach Vollendung dieser Arbeit ging Kaulbach an eine neue grossartige Schöpfung. Eine ausgezeichnete Composition verdankt dem geheimen Rath von Klenze ihre Entstehung; nämlich die Geisterschlacht der Hunnen und Römer, in welcher sich ausserordentliche Lebhaftigkeit und Reichthum der Phantasie offenbaret. Der Gegenstand ist ergreifend, in vier grosse Hauptmomente zusammengefasst. Hoch oben in der Luft ist der Kampf der beiden Völker, der Todesschlaf der noch nicht erwachten, und das Erwachen anderer auf der Erde zu schauen, und endlich die Klage des Ganzen, die sich wie ein entsetzlicher Schrei des Jammers von der Erde erhebt. Ausführlicheres über diese grossartige Composition s. Kunstblatt 1834 No. 79.

Ein durch Wort und Kupferstich bekanntes Werk dieses Künstlers ist die Darstellung eines Narrenhauses, mit jenen Unglücklichen, die in ihrem Wahne ein unendlich trauriges Bild gewähren. Der Künstler hat hier das verwirrte Getriebe des menschlichen Geistes mit einer Wahrheit dargestellt, die zur Bewunderung auffordert. H. Merz hat dieses Narrenhaus in Kupfer gestochen und Guido Görres hat geistreiche Erläuterungen dazu geliefert, nebst Ideen über Kunst und Wahnsinn. Das Kupfer ist in qu. roy. fol. und der Text in 8., München 1835.

Eine andere durch Kupferstich bekannte Composition von Kaulbach stellt Egmont und Klärchen nach Göthe dar. Merz hat dieses Werk 1836 als Vereinsgeschenk gestochen. Das Original ist in der k. Residenz. Auch die übrigen Darstellungen jenes reichen Bilderkreises werden bald vollständig in Abbildung vorliegen, und damit auch Kaulbach’s Compositionen. Sein neuestes Werk ist ein Carton von bedeutendem Umfange, die Zerstörung Jerusalems vorstellend. Kaulbach entwickelt auch in diesem Bilde ungewöhnliche Gedankenfülle und eine Kraft des Ausdruckes, welche zur Bewunderung hinreisst. Ein hochtragischer Gedanke weht durch das Ganze. Kaulbach ist immer gross und geistreich, ein ächter Künstler, von der Natur selbst dazu bestimmt. Zur genauen Verständigung des Bildes von der Zerstörung Jerusalems hat Kaulbach Erläuterungen drucken lassen, wo auf acht Seiten jene biblischen Stellen vereiniget sind, nach welchen der Künstler seine Darstellung gegeben hat. Oben erscheinen auf Wolken die vier Propheten Jesaias, Jeremias, Ezechiel und Daniel als Spruchverkündiger über das halsstarrige Volk, dessen Herz verstockt blieb bei ihren Warnungen. Die sieben Engel schweben mit flammenden Schwerdtern als Vollzieher des göttlichen Strafgerichtes nieder, und links vom Beschauer hat die Bedrängniss, die Qual des Hungers, die Verzweiflung, welche der Matrone aus Bethezob den eigenen Säugling morden lässt, den höchsten Grad erreicht. Die Anführer der Juden, Johannes von Gischala und Simon, des Giora’s Sohn erscheinen in der Ruhe der Unmacht, in der Kälte und Gleichgiltigkeit des in Verbrechen erstarrten Gemüthes. Sie, die die menschlichen und göttlichen Gesetze mit Füssen traten, des Heiligen höhnten, dem Gotte fluchten, der sie verlassen, hatten die furchtbare Erfüllung beschleuniget. Trotz der hartnäckigsten Verteidigung musste die Stadt unterliegen, und das alte Heiligthum, das Titus so gerne gerettet hätte, fiel in Schutt zusammen. Der Tempel steht in Flammen, und Vespasian’s Sohn zieht von der andern Seite des Bildes über die zerbrochenen Mauern ein. In der Mitte des Bildes feiern die Römer unter Posaunenschall ihren Sieg, und an heiliger Stätte ist bereits der Legionsadler erhöht. Der hohe Priester, festlich geschmückt, ist durch den Fall des Volkes und seines Heiligthums zum Gespötte geworden, und er gibt sich den Tod, Zu seinen Füssen sitzen und liegen Leviten mit ihren Harfen und andern Geräthen. Verstummt sind die Lieder und nur die Thräne ist geblieben. Im Vorgrunde rechts zieht eine Christenfamilie aus der Stadt. Aus dem Gefässe der Gnade, dem heiligen Gral, den Engel tragen, strahlt ihnen das Geheimniss ihres Glaubens, und himmlischer Frieden ist mit ihnen. Gegenüber wird der ewige Jude von drei Dämonen aus der Stadt gejagt, der Repräsentant des jetzigen Judenthums. Dieses Werk, das gegenwärtig nur im Carton vorhanden ist, wird Kaulbach für die Fürstin Radczivill in Oel ausführen.

Die oben erwähnte Hunnenschlacht besitzt der grosse Kunstbeschützer Graf von Raczinsky, und der Kupferstecher Thäter hat es für den zweiten Theil von dessen Geschichte der neueren deutschen Kunst in Kupfer gestochen. Für dasselbe Werk hat Heinzmann eine andere grossartige Composition von Kaulbach lithographirt, nämlich den Verbrecher aus verlorner Ehre. Beide Blätter sind in fol. Für den Grafen Raczinsky hat Kaulbach noch ein anderes Gemälde in Arbeit, Beduinen vorstellend, wie sie sich auf ihrer Wanderung anschicken, auf einen Löwen Jagd zu machen. Dann müssen wir noch einer Sammlung von Zeichnungen erwähnen, welche Kaulbach zum Stiche für eine Prachtausgabe von Göthe’s Faust gefertiget hat. F. von Cotta will zu Göthe’s sämmtlichen Werken eine solche malerische Ausschmückung bewerkstelligen, und auch den grossen Schiller auf gleiche Weise ehren. Kaulbach wird dazu die Hand bieten. Einem Künstler wie Kaulbach kann es auch nicht an Auszeichnung fehlen. Der König Ludwig von Bayern ernannte ihn 1837 zum Hofmaler, und als solcher lebt er gegenwärtig in München. Er erhielt um dieselbe Zeit auch einen Ruf als Professor nach Dresden, welchem er aber seine ehrenvolle Stellung in München vorzog.

Dr. Georg Kaspar Nagler: Neues allgemeines Künstler-Lexicon oder Nachrichten von dem Leben und Werken der Maler, Bildhauer, Baumeister, Kupferstecher, Formschneider, Lithographen, Zeichner, Medailleure, Elfenbeinarbeiter etc. Bearbeitet von Dr. G. K. Nagler. München, 1838.

#Aus dem Münchner Kunst- und Künstlerleben (20.7.1841)

In ziemlich abweichender Weise äußert sich die Kunstthätigkeit Kaulbach’s. Wenn die bisher genannten Künstler vornehmlich mit dem Bilderschmuck öffentlicher bauten und somit mit der Lösung einer gegebenen Aufgabe beschäftigt sind, so scheint es Kaulbach vorzuziehen, in seinem Atelier zu bleiben und den wechselnden Eingebungen seiner Muse zu folgen.

In einem großen Wiesengarten der S. Annavorstadt, nahe dem englischen Park, ganz abgesondert von Wohngebäuden, steht ein ziemlich beträchtliches Haus, ohne obere Stockwerke, mit hohem weiten Saal und mehreren Nebenzimmern; Weinreben ranken sich vor der Thüre zur Laube und Waldbäume bilden ein schattiges Bosquet.

In diesem Hause, das die Huld des Königs dem Künstler als Werkstatt überlassen, findet man ihn vom frühen Morgen bis späten Abend mit Entwerfen und Ausführen von Gemälden und Zeichnungen beschäftigt, umgeben von einer Anzahl jüngerer Künstler, die unter seiner Leitung ihre Studien machen. So groß der Saal ist, so ist er doch mit Cartons und Bildern, mit Gypsabgüssen und Gewändern, mit Pflanzen und Vögeln, mit Waffen und Geräthen mancher Art so erfüllt, daß man sich fast beengt fühlt.

Was den meisten Fremden, die ihn besuchen, in die Augen fällt, sind die Studien und Bilder in Oelfarben; da dergleichen und in dieser Weise bei unsern Historienmalern nicht gefunden werden. Kaulbach’s großes Talent, die Natur in ihren Formen aufzufassen und wiederzugeben, hat ihn auch nicht verlassen, als es galt, diese durch Farben mehr zu beleben: er hat einen feinen und edlen Farbensinn.

Die Brustbilder römischer Modelle, ein Hirtenknabe der Campagna, und neuerdings einige lebensgroße Porträtgestalten hiesiger Künstler beurkunden hinlänglich diese weit entwickelte Fähigkeit. Zwei der letztgenannten Bilder sind dem Künstlerzug von 1840 in München entnommen, der Ritter Schellenberg nämlich (Heinlein) und ein Falkonier, und gehören dem König von Bayern. Wahrheit, d. i. Natürlichkeit, aber in großen Zügen, erscheint hier und bei einem dritten Gemälde von gleicher Größe, einem ungarischen Edelmann, als Hauptmotiv. Für letzteren, einen Herrn Istvan v. Pronay, der unter seiner Leitung sich für die Historienmalerei ausbildet und in einem Carton, dem Tode des gegen die Türken oftmals siegreichen Feldherrn Johann Hungady, Vaters von Matthias Corvinus, ein glückliches Talent zeigt, hat Kaulbach das oftgenannte Gemälde aus Goethe’s fünfter Elegie gefertigt, das als Geschenk v. Pronay’s, das neuerrichtete Museum in Pesth zieren wird, sobald die für den Kupferstecher Felsing angefangene Zeichnung danach fertig seyn wird. (Eine verkleinerte Copie findet man in der neuesten Ausgabe von Goethe’s Werken.)

An dem großen Carton, der Zerstörung Jerusalems, hat Kaulbach im Laufe des Winters ein gut Theil gearbeitet. Außer der Gruppe der geretteten Christen ist noch die der untergehenden Leviten, des Hohenpriesters und seiner Familie und einiger beuteführenden Römer vollendet worden. Ueber die letztliche Bestimmung dieses Gemäldes, das unter den würdigsten Denkmalen der Kunst unserer Tage in oberster Reihe genannt werden muß, ist noch nichts entschieden. Keinesfalls eignet es sich – der Größe und selbst der Auffassung wegen – für Oelmalerei; hier tritt Frescomalerei in das angestammte Recht, und wohl sollte ihm die Wand eines Palastsaales oder besser noch die Vorhalle einer Kirche zur Aufnahme gewährt werden.

Vielfältig ist auch Kaulbach beschäftigt mit Zeichnungen in kleinem Format, die zu Illustrationen poetischer Werke dienen. So hat die neue und die neueste Ausgabe von Goethe’s Werken eine beträchtliche Zahl Compositionen seiner Hand; so die von Schiller; so fertigt er eine Reihenfolge von Zeichnungen zum Reinecke Fuchs, in denen der humoristische Geist des Originals neue und volle Blüthen treibt; so hat er endlich zu dem Kalender, zu welchem, wie oben erwähnt, Cornelius das Titelblatt gegeben, die Monate in länglichen Vignetten geliefert, Gruppen von Kindern, in denen sich der Charakter der jedesmaligen Zeit auf heitre und unbefangene Weise ausspricht.

Aus dem Münchner Kunst- und Künstlerleben. Kunstblatt No. 57. Dienstag, den 20. Juli 1841.

#Die bildende Kunst in München (1842)

Wilhelm Kaulbach.

Es muß für einen großen Meister ein angenehmes Gefühl seyn, wenn er sieht, daß sein Beispiel durch That und Wort so lebendig auf seine Schüler wirkt, daß ihr Geist, von dem seinigen geweckt, in freien Schöpfungen sich entfaltet und endlich in selbsteigenen Bahnen zu einem immer höheren Ziele strebt: denn er hat den schlummernden Funken geweckt, gefördert und genährt. So mag sich auch Cornelius dieses seines ehemaligen, anerkannt geistreichsten, Schülers rühmen und freuen, der mit einer außerordentlichen Schöpferkraft und mit durchdringendem Verstande stets das Charakteristische aufzufassen und in kräftigen, harmonisch geordneten Gestalten und Gruppen darzustellen versteht, und mit Leichtigkeit und Anmuth sich jetzt im Gebiete der lyrischen und dramatischen darstellenden Poesie bewegt, dann mit hohem Schwunge in der epischen Weise sich ergeht.

Er ist geboren am 15. Oktober 1804 zu Arolsen im Fürstenthume Waldeck, wo sein Vater als Goldschmid ansäßig war, mit dem er jedoch später nach Mühlheim an der Ruhr übersiedelte. Dieser hatte sich, von den Stürmen während jener kriegerischen Zeit umhergeworfen, mit Eifer in manchen Erwerbszweigen und auch in der Kunst versucht, die er mit Leidenschaft liebte, und sich namentlich in der Stempelschneidekunst und im Miniatur-Malen eine ungemeine Geschicklichkeit erworben, und seine Gemälde, obgleich nicht bedeutend, machten auf den Sohn einen tiefen Eindruck, daß er sich unter des Vaters Aufsicht und Leitung, jedoch ohne andauernden, geregelten Unterricht, der Kunst zuwendete. Bei dem Wechsel der Zeitverhältnisse aber und der daraus entspringenden, oft mißlichen Lage der Eltern gerieth der fähige Knabe in Zwiespalt mit dem, was eigentlich als Lebensberuf zu wählen, und er wollte sich schon der landwirtschaftlichen Laufbahn widmen; als der entschiedene Wille des Vaters, der die wahre Anlage seines Sohnes und den schlummernden Genius erkannte, ihn ganz für die Kunst in seinem sechzehnten Jahre gewann.

Von diesem Augenblicke an übte sich der Jüngling mit rastloser Thätigkeit im Zeichnen, in mancherlei Entwürfen und im Malen, und bezog bald darauf die Akademie in Düsseldorf, wo er zuerst im Zeichnen nach der Antike, der Perspektive und dem lebenden Modelle unter der Leitung des Professors Mosler unabläßig vorwärts strebte, und, obgleich mit Entbehrungen aller Art kämpfend, und schon früh durch Unterricht sich den nöthigen Lebensunterhalt verschaffend, im Kurzen ausgezeichnete Fortschritte machte und sich allmählig immer tiefer in den Geist seines Lehrers Cornelius versenkte, welcher der Akademie vorstand. Schon in seinen ersten Versuchen, einigen schlecht bezahlten Kirchenbildern, zeigte sich das Streben nach gediegener Zeichnung und charakteristischer Auffassung des gewählten Gegenstandes, um in Haltung und markigen Umrissen das innere Wesen desselben offenbar zu machen. Als er dort den Auftrag erhielt, die zum Irrenhause in Düsseldorf gehörige, kleine Kirche mit Blumengehängen und schwebenden Engelfiguren zu schmücken, hatte er Gelegenheit, die unglücklichen Irren in den mannichfaltigsten Abstufungen und Ausdrücken des Wahnsinnes zu beobachten, was einen tiefen Eindruck auf ihn machte, daß die Vorstellung davon ihm stets lebendig blieb und er sich gedrungen fühlte, diese Gestalten mit dem Stifte aufs Papier zu bringen, um seine Phantasie von diesen Vorstellungen zu befreien.

Im Jahre 1826 wurde er von Cornelius, der indessen als Vorstand der k. Akademie nach München gegangen war, hieher berufen, um das Deckengemälde im neuerbauten Odeon »Apollo unter den Musen« in Fresko auszuführen, und andere Entwürfe für die Arkaden des Hofgartens vorzubereiten. Nach denselben wurden auch die vier Flußgötter: der Rhein, die Donau, der Main und die Isar, so wie eine Bavaria, von anderen Künstlern ausgeführt. Die Gestalten sind großartig und schön gedacht und zeigten sein ausgezeichnetes Talent für Charakteristik, das sich auch in den allegorischen Figuren, den Sinnbildern des Reichthumes und der Weisheit, offenbarte.

In dem Palaste des Herzogs Max von Bayern führte er selbst nach seinen Entwürfen sechzehn Bilder aus der schönen Mythe »Amor und Psyche« aus, in welchen er sich als denkenden Künstler bewährte, der die zartesten Gefühle des menschlichen Herzens belauscht und sie mit naiver Anmuth auszudrücken versteht. Darauf übertrug ihm der König für den Königsbau, zwölf Bilder aus Klopstocks Hermannsschlacht in Wachsfarben und eine Reihenfolge von Darstellungen aus den Dichtungen Wielands, Göthes und Schillers in Fresko auszuführen, und er entwarf danach die Cartone für die Bilder dreier Säle und führte die für zwei Säle allein aus. Besonders gelungen, sowohl in Hinsicht der Auffassung und Darstellung überhaupt, als auch durch glückliche warme Farbengebung sind jene aus Wielands Musarion und Göthes Faust. Da zeigte sich seine Fertigkeit, mit wenigen Figuren und Hilfsmitteln den Gegenstand schnell verständlich für jeden Beschauer zu bezeichnen, und ich erinnere nur an Musarion. Im ersten Bilde sitzt der zürnende, mürrische Philosoph, welcher der Liebe und dem heiteren Leben entsagen will, in einen weiten Mantel bis über den Kopf verhüllt und sich auf einen Stock stützend, in düstere Gedanken versunken; rechts und links auf Gestellen ein Amor, der eine bricht den Bogen entzwei, der andere schüttet die Pfeile aus dem Köcher; Beide zeigen in ihren Mienen Trauer und Unwillen. Im zweiten Bilde sucht die Geliebte den Flüchtigen, der sich von ihr abwendet, festzuhalten, zu versöhnen; ein schwebender Amor hat seine Blumenketten um ihn geworfen und will ihn zurückziehen, ein anderer, vor ihn gestellt, ihn auf seiner Flucht zu hemmen. Aber im dritten Bilde ist die Versöhnung erfolgt, der Mürrische zeigt sich liebevoll, zärtlich, und hält die Geliebte umschlungen, die sich an ihn schmiegt. Von den zwei schwebenden Amoren entflammt der Eine die verlöschende Flamme der Lampe, der Andere bringt Rosen und Früchte in einem Korbe herbei. – Eben so tief und anmuthig gedacht und ausgeführt sind die Bilder aus Göthes Dichtungen.

Wurde der Künstler durch die Lösung dieser schönen lyrischen Aufgabe gewissermassen selbst zum lyrischen Dichter, der die tiefen und zarten Akkorde jeder Gemüthsstimmung in Bildern zu versinnlichen wagte; so übte er sich damals schon im Stillen unabläßig thätig an epischen Darstellungen, den Kriegsscenen im Sachsenlande, jenem großen Kampfe zum Sturze des Heidenthums und zur Verbreitung der christlichen Religion; die entworfenen Skizzen zu einer ganzen Reihenfolge von Bildern aus jener wichtigen Zeit sind äußerst lebendig charakteristisch aufgefaßt.

Zu gleicher Zeit überließ er sich dem freien Spiele der Erholung und zeichnete mit Bleistift in zwei Gruppen eine ausgesuchte Anzahl seiner jüngeren Kunstgenossen, wahre Ebenbildnisse, die sprechend ähnlich sind, so zwar, daß in Jedem der eigenthümliche Ausdruck seines Geistes, vom Kopf bis zum Fuß die Gebärde, ja die Laune und Angewöhnug treu wiedergegeben ist, und jede Gestalt kenntlich in Stellung, Ruhe oder Bewegung, und selbst in Nebendingen höchst bezeichnend vor den Beschauer tritt. In dieser Weise sind auch die Bildnisse seiner Eltern und Schwestern, seines Lehrers Cornelius, der dieses Porträt selbst für das ihm ähnlichste erklärt hat, so wie Klenze's und Anderer ausgeführt.

Klenze war es, der eine Aufgabe für den Künstler fand, durch deren herrliche Lösung er sich entschieden über seine jüngeren Kunstgenossen erhob, und wie plötzlich als selbstständig in eigenthümlicher Wirksamkeit dastand. Das war dieHunenschlacht, über deren meisterhafte Auffassung und Ausführung die öffentliche Meinung aller wahren Künstler und Kunstverständigen im Süden und Norden von Deutschland entschieden hat, und Berlin, wohin das Bild für den Grafen Raczinsky kam und welches Gelegenheit genug hatte, die weiche Anmuth der Düsseldorfer Oelgemälde zu beschauen, war erstaunt über den großartigen Gegenstand und die Ausführung Kaulbachs, der sich dadurch den ersten Meistern anreihte und dadurch wieder bewies, wie kühn das Genie seine Bahn zu verfolgen wisse. Die einfache Fabel des Bildes, welches Braun in Braun in einer Länge von 20 und einer Höhe von 17 Schuh ausgeführt wurde, ist diese: die Hunen kamen gegen Rom, die Einwohner dieser Stadt zogen gegen sie aus und sie schlugen miteinander eine furchtbare Schlacht, welche drei Tage und Nächte währte, bis endlich Alle miteinander erschlagen waren. Aber der gegenseitige Haß beseelte selbst noch die Geister, daß sie keine Ruhe fanden; sie (kehrten in die Körper zurück und) erneuten den Kampf in der Luft. Dieser furchtbare luftige Kampf ist nun im Bilde dargestellt und mit solcher Lebendigkeit gegeben, daß der Beschauer vor Antheil, den er daran nimmt, vergißt, daß diese Menschengestalten, nicht bloße Schattenbilder, nicht in der Luft streiten können. Das Bild beschreibt einen Halbkreis; auf dem Durchmesser im Vordergrunde des Kreises liegen in mannichfaltigen, herrlich geordneten Gruppen umher die Erschlagenen, Römer und Hunen, beide verschieden an Gestalt und Waffen, Männer in der vollen Jugendkraft und Greise, selbst Frauen, und an dem entblößten Busen der Einen liegt das todte Kind, das keine Nahrung mehr gefunden hat. Im Hintergrunde der Wahlstatt ist Rom sichtbar. Todtenstille herrscht noch in der Mitte des Vordergrundes, aber gegen die beiden Endpunkte dieser Linie hin, wo der Halbkreis emporsteigt, beginnt das Todte vom Schlummer zu erwachen, wie schlaftrunken erheben sich die Gestalten, greifen nach den Waffen, die Einen werden geweckt, Andere schweben zu beiden Seiten schon empor, links die Römer, rechts die Hunen, in Wehr und Waffen Theil zu nehmen am großen Entscheidungskampfe, der in furchtbarer Wuth begonnen hat, daß die Ersten, die aneinander geriethen, in einem Knäuel verschlungen, durch die gegenseitige Last niedergedrückt, zur Erde zu fallen scheinen, im Falle selbst noch einander mordend. Aber hoch im Bogen heran stürmen neue Schaaren, Attila kommt, getragen hoch auf dem Schilde von Hunen und schwingt die zermalmende Geißel. Ihm entgegen aber thürmt, wie ein Gebirg, das niederzustürzen und ihn mit den Seinen zu zermalmen droht, die Schaar der christlichen Römer; hoch herein schaut siegend das Kreuz, das von mehreren Jünglingen emporgehalten wird und der christliche Feldherr schwebt zur Entscheidung des Sieges herbei, unterstützt und gleichsam emporgeflügelt von zwei kräftigen Jünglingsgestalten. In solch lebendiger Weise ist dieser Kampf geschildert, und hat, in Kupfer von Thäter gestochen, den Ruhm Künstlers weithin verbreitet.

Beinahe zu gleicher Zeit, als die schön ausgeführte Skizze dieses Bildes ausgestellt wurde, zu Anfang des Jahres 1835, erschien endlich das Narrenhaus, gestochen unter Amslers Leitung von Merz, das zum Theil jene unglücklichen Gestalten schilderte, welche der Künstler einst geschaut, zum Theil mit tiefer Einsicht in eigener Erfindung die bis zum Wahnsinn gesteigerte Leidenschaft in ihren eigenthümlichen Aeußerungen auffaßte und wiedergab. Das Bild machte einen gewaltigen, erschütternden Eindruck, es erfüllt den Beschauer mit Bewunderung, aber auch zugleich mit innigem Mitleid. In einem geräumigen Hofe, über dessen Mauer man in eine kahle Gegend sieht, sind die Unglücklichen, um freie Luft zu schöpfen, versammelt, bewacht von dem phlegmatischen Aufseher, der die Peitsche, die jetzt in seiner Rocktasche ruht, zu handhaben versteht und, ungerührt über die mannichfachen Aeußerungen des Wahnsinnes, seine Pfeife raucht. Hier rechts im Bilde sitzt mit versteinertem Antlitz, in dem sich Liebe und Verzweiflung spiegeln, die Kindesmörderin, und herzt einen in Windeln gewickelten Holzklotz; weiterhin der hagere, über einem Buche tiefsinnig brütende Gelehrte; der verrückte Held mit dem hölzernen Schwerte und offener Brust scheint seine Ruhmesthaten zu erzählen, dort will sich der Weiberhasser den Umarmungen einer üppigen Buhlerin und einer liebkosenden Alten entziehen und entfliehen; der Ehrgeizige, den Hochmuth zum Wahnsinn führte, ein neuer fanatischer Glaubensprediger mit dem hölzernen Kreuze in der Hand, daneben eine Jungfrau, deren edles Angesicht wir nur im Profile sehen, im stillen Schmerze die Hände gefaltet, das lange Haar vom Nacken heraufgestrichen und lose mit einem Kamm auf den Scheitel zusammengehalten über das Gesicht herabsinkend.

Die Zeichnung der Charaktere, welche der Künstler hier darstellte und welche seine Phantasie lange mochten beschäftigt haben, so wie das Studium Hogarths, dem er eine geraume Zeit besondere Theilnahme widmete, blieb nicht ohne Einfluß bei dem Entwurfe jener Reihenfolge von Bildern, die er nach Schillers Erzählung »der Verbrecher aus verlorner Ehre« ausführte, in welchen die Charaktere an Hogarths satyrische Gestalten erinnern.

Jene beiden Bilder, die Hunenschlacht und das Narrenhaus, lenkten die Aufmerksamkeit der Kunstkenner und Freunde im hohen Grade auf ihn, und im Frühjahre 1837 erhielt er einen ehrenvollen Ruf als Professor an die neu sich gestaltende Akademie der Künste in Dresden, den er jedoch ablehnte, worauf ihn der König von Bayern zum Hofmaler mit einem Gehaltsbezuge ernannte, so daß er nun ganz in München eingebürgert wurde.

Für die Cotta'sche Kunsthandlung fertigte er mit großer Sorgfalt vier und zwanzig Entwürfe für Göthes Faust, so wie mehrere zu Reinecke Fuchs, welche in Stahl gestochen wurden und wieder die ungemein lebendige Charakterschilderung des Künstlers, namentlich im Satyrischen, beurkunden.

Während dieser gewissermassen Erholungsarbeiten gedieh der Entwurf der großen epischen Darstellung der Zerstörung Jerusalems durch Titus, welcher welthistorische Moment mit Kraft und Lebendigkeit von ihm aufgefaßt wurde und eine gewaltige Wirkung auf das Gemüth des Beschauers äußert. Er sieht sich mitten in die Stadt, mitten in die furchtbarste Handlung, den Augenblick der Eroberung und des Untergangs des jüdischen Reiches versetzt: es ist die Vollziehung des lange und oft vorher verkündeten göttlichen Gerichtes! Oben in einer Glorie schweben auf Wolken die großen Propheten, welche den Untergang der Stadt geweissagt, ihre Bücher, in welchen die Weissagungen enthalten sind, emporhaltend; als Vollzieher des göttlichen Strafgerichtes schweben sieben Engel mit flammenden Schwertern, gleichsam die Anführer der in der Offenbarung Johannis bezeichnten sieben Engelschaaren hernieder. Was diese nun als strafende Geister bringen, zeigt sich unten in der Stadt: der Gräuel der Verwüstung! Der Anführer der Juden, vor dem Tempel in halsstarriger Verzweiflung noch dem Gerichte Hohn sprechend, Einige schon auf den Eingangsstufen wie von dem Blitzstrahl des göttlichen Gerichtes daniedergestürzt; dieser Scene gegenüber Titus als Triumphator mit seinen Heerschaaren über die gestürzten Mauern einziehend. Schon ist der Altar erstürmt, entweiht, die Römer verkünden mit Posaunen von ihm herab ihren Sieg; am Fuße desselben ermordet sich der Hohepriester, in Mitte seiner Familienglieder, seiner Söhne und Gattin und den Leviten, die ermordet oder in Verzweiflung umher liegen; die Töchter Jerusalems werden von den Siegern hinweggeschleppt, die Mütter haben im scheußlichen Wahnsinne des Hungers so eben ein Kind zur Speise getödtet; Ahasverus wird links von den Rachegeistern aus der Stadt getrieben, während auf der entgegengesetzten Seite die ersten Christen, in einer herrlichen Gruppe vereint, unter Lobgesängen, von Engeln beschützt, die Stadt verlassen. Diese vielen, für die Einheit der Handlung und eine schnelle und wirksame Auffassung beinahe zu vielen Gruppen, deren jede für sich ein Ganzes und eine tief bezeichnende Episode im großen Bilde darstellt, sind mit ausgezeichneter Charakteristik der dargestellten Handlung ausgedrückt und jede fesselt den Blick auf eigene Weise. Der Entwurf soll in einem großen, gegen 18 Fuß hohen und 20 Fuß breiten Bilde in Oel ausgeführt werden.

Um die dazu nöthigen Farbenstudien zu machen, da der Künstler bei der neueren Richtung der Kunst auf beinahe ausschließliche Freskomalerei wenig Gelegenheit zur Ausbildung in der Oelmalerei gefunden, und um zugleich die durch so anhaltend fortgesetzte Arbeiten geschwächte Gesundheit in einem milderen Klima herzustellen, reiste er im Herbst 1838 nach Italien, welches er im Jahre 1837 nur auf einem Ausfluge von vier Wochen gesehen. Er begab sich nach Rom, wo er bis zum Junius 1839 verweilte, und zeigte durch die dort ausgeführten Oelbilder, die er nur als Studien betrachtete: mehrere Bildnisse nach dem Leben, unter welchen die halblebensgroße Figur eines Hirtenknaben sich auszeichnet, wie weit es beharrlicher Fleiß und hoher Sinn für Farbengebung bringen könne. Denn er überraschte damit wirklich seine Freunde, sowie seine Gegner, welche ihm häufig zum Vorwurfe machten, daß er noch nichts in Oel ausgeführt. Eine beinahe lebensgroße Gruppe in Oel, die er darauf vollendete, zeigte ihn als vollendeten Oelmaler, der Kraft und Anmuth im wundersamen Farbenschmelz der verschiedenen Töne mit der charaktervollsten Zeichnung zu verbinden weiß. Das Bild »Anakreon mit seiner Geliebten« ist im wahren höheren erotischen Geiste gedichtet, das Geistige mit dem Sinnlichen auf das Schönste verschmolzen, doch so, daß Jenes als das Hauptmotiv und durchaus nichts lüstern Unedles erscheint. Der Dichter, eine schöne kräftig jugendliche, lorberbekränzte Gestalt, sitzt, in dem ganz über die Brust herabsinkenden und den edlen Wuchs so enthüllenden Gewände, auf dem Ruhebette, in der Linken ein Buch, das wahrscheinlich seine eigenen Gedichte enthält, aus welchen er der Geliebten vorlas, und jetzt noch über Einiges sinnt; die Rechte hält die schöne, rosenbekränzte, im glühenden Liebreiz gebildete Freundin sanft umschlungen, die sich zu ihm emporschmiegt, mit ihrer linken Hand sein Kinn berührend, während ihre Rechte nachläßig auf seinem Schooße ruht. Ueber der herrlichen Gruppe heran schweben rechts und links zwei blonde liebliche Amorgestalten, die Eine mit der brennenden, ein magische Licht ausströmenden Lampe, in die er noch Oel zugießt, der Andere mit einer Schale voll Früchte in der Rechten, und unter dem linken Arme noch eine reife schwere Melone herbeibringend.

Während der Ausführung dieses Bildes vollendete er mehrere lebensgroße Bildnisse in Oel, bis in das Einzelnste den Charakter der Person treu auffassend und lebendig wiedergebend und ist jetzt mit der Anordnung zu mehreren größeren, episch-lyrischen Darstellungen beschäftigt: Christus, dem Erlöser, in der Vorhölle; der Befreiung des hl. Grabes durch die Kreuzfahrer, und mit der Zerstörung Jerusalems.

Dr. Johann Michael von Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Kaulbach Wilhelm, von, 1805 (Arolsen/Hessen-Nassau) – 1878, Historienmaler und Akademieprofessor; dieser Schüler von Cornelius steht seinem Meister inhaltlich (symbolistische Programmalerei) und K. von Piloty koloristisch nach; manchmal ist K. unselbständig (Illustrationen zu Reineke Fuchs) und mit verletzender Ironie (ehemalige Fresken der Alten Pinakothek in München: Peter Arbues); seit 1849 war er Vorstand der Münchner Akademie.

Hauptwerke: in München: Apollo unter den Musen (im ehemaligen Odeon), Amor und Psyche (im ehemaligen Herzog-Max-Palais), Zyklen zu Klopstock, Wieland, Goethe (Residenz), Außenfresken der ehemaligen Neuen Pinakothek (Entwicklung der neueren Kunst), Zerstörung Jerusalems (Ölgemälde in der Bayerischen Staatsgemäldesammlung), Seeschlacht bei Salamis (Maximilianeum, Karton in Berlin, Skizze in Stuttgart); in Berlin: Fresken im Treppenhaus des Neuen Museums, Turmbau zu Babel, Blüte Griechenlands, Zerstörung Jerusalems, Hunnenschlacht, Kreuzzüge, Reformation, viele Einzelgestalten, Tierfries; in Nürnberg: Otto III. an der Leiche Karls des Großen (Germanisches Museum); von ihm stammen auch Illustrationen zu verschiedenen Dichtern (namentlich Goethe) und zu einem Totentanz (frivol!); K. ist einer der bedeutendsten Historienmaler des 19. Jahrhunderts.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#ML – 282 (Hofer)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Hofer, Maria; – 1886; Ratstochter

Grab der Familie Hofer auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#ML – 283·284 (Geiger)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Geiger, Josef Ritter von; 2.9.1797 (München) – 2.5.1888 (München); Direktor der k. b. Rechnungskammer

Grab der Familie Geiger auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#ML – 285·286 (Buhl)


Ludwig von Buhl
1816 – 1880

Sockel-Tafel
Die Inschrift ist nicht erhalten


  • Buhl, Ludwig von, Dr. med.; 4.1.1816 (München) – 30.7.1880 (Ebenhausen bei München); Physiologe
  • Buhl, Margarete von (vw) / Burger (gb); 1828 – 19.6.1891 (München); Universitätsprofessors-Witwe

Todesanzeige für Dr. med. Ludwig von Buhl

Todesanzeige für Margarete von Buhl

Grab der Familie Buhl auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

Grab der Familie Buhl auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

#Dr. med. Ludwig von Buhl

* 4.1.1816 (München)
† 30.7.1880 (Ebenhausen bei München)
Physiologe

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Buhl Ludwig, Dr. med. von, 1816 (München) – 1880, Physiologe und Universitätsprofessor; nach Studien in München, Wien und Paris habilitierte sich B. 1847 und wurde dann Professor der physikalischen Diagnostik, pathologischen Anatomie und Mikroskopie; zum Zweck diagnostischer Untersuchungen war B. die innere Abteilung des Allgemeinen Krankenhauses in München überlassen worden; seit 1875 war er Leiter des Pathologischen Instituts.

Hauptwerke: Lungenentzündung, Tuberkulose und Schwindsucht, viele Abhandlungen über Typhus, Cholera, Leberkrankheiten und Kindbettfieber, Klinik der Geburtskunde (zusammen mit Hecker), Mitteilungen aus dem Pathologischen Institut München; mit seiner Schrift »Über die Aetiologie des Typhus« machte er auf den Zusammenhang zwischen Epidemien und den Münchener Grundwasserverhältnissen aufmerksam; B. gilt als Entdecker des konstanten Vorkommens des Pilzes in der Diphtherie und hat zum erstenmal auf den sogenannten Milzbrand beim Menschen aufmerksam gemacht.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#ML – 288 (Möhler)


Johannes Adamus Moehler
Ss Theologiae Doctor et Professor P. O.
in Universitate Tübingensi et Monacensi
Capituli Cathedr Würeburg Deranus Delign
Ord St Michael por Meritis Eques
Natus Igershemü in Würtemerga pridie
Non Maias 1796
Defensor Fidei
Literarum Derus Ecclesiae Solamen
Obiit Monachii pridie Idus Apriles 1838


  • Möhler, Johann Adam, Dr. theol.; 6.5.1796 (Igersheim bei Bad Mergentheim) – 12.4.1838 (München); Theologe

Grab der Familie Möhler auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

Grab der Familie Möhler auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

Grab der Familie Möhler auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

Grab der Familie Möhler auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

Grab der Familie Möhler auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#Dr. theol. Johann Adam Möhler

* 6.5.1796 (Igersheim bei Bad Mergentheim)
† 12.4.1838 (München)
Theologe

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Moehler Johann Adam, Dr. theol., 1796 (Igersheim bei Bad Mergentheim) – 1838, katholischer Theologe und Universitätsprofessor; er studierte in Tübingen, wo er nach seiner Priesterweihe Privatdozent und später Professor wurde, seit 1835 war er Professor der Kirchengeschichte in München, kurz vor seinem Tod wurde er zum Domdekan von Würzburg ernannt; M. war anfangs ein etwas moderner Reformer, jedoch nicht Rationalist, ihm ging es vor allem um die Versöhnung der beiden christlichen Bekenntnisse, ohne dabei den kirchlichen Standpunkt zu verlassen.

Hauptwerke: Athanasius der Große und die Kirche seiner Zeit, Symbol oder Darstellung der dogmatischen Gegensätze der Katholiken und Protestanten nach ihren öffentlichen Bekenntnisschriften (Symbolik); M. war »Theologe von überdurchschnittlichem Format, seine Symbolik, die durch den Tod nie ausgeschöpften spekulativen Fähigkeiten ihres Meisters immer neu beweisend und den Ehrentitel eines Defensor Fidei zu Recht verleihend« (S. von Pölnitz).

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#ML – 289 (Habel)


Grabstätte
der
Familie Habel


  • Habel, Bertha (vh); – 1885; Kriegsrats-Gattin

Grab der Familie Habel auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#ML – 290* (Brulliot)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Brulliot, Franz; 16.2.1780 (Düsseldorf) – 13.11.1836 (München); Konservator der Münchener Kupferstichsammlung und Kunstschriftsteller
  • Brulliot, Georg; – 14.1.1854 (München), 30 Jahre alt; Stadtgerichtsaccessist
  • Brulliot, Katharina (vw) / Wagner (gb); – 20.8.1866 (München), 55 Jahre alt; Konservators-Witwe
  • Brulliot, Robert; – 25.1.1862 (München), 46 Jahre alt; Konservator der Kupferstichsammlung

Todesanzeige für Robert Brulliot

Das Grab ist nicht erhalten


#Franz Brulliot

* 16.2.1780 (Düsseldorf)
† 13.11.1836 (München)
Konservator der Münchener Kupferstichsammlung und Kunstschriftsteller

#Gelehrtes München im Jahre 1834

Brulliot, Franz, geb. am 16. Febr. 1780 in Düsseldorf, Sohn eines Professors an der Akademie der bildenden Künste und Inspektors der Bildergallerie daselbst. Er widmete sich früher der bildenden Kunst in seiner Vaterstadt unter der Leitung des Direktors Langer, folgte später seinem Vater, welcher mit der Bildergallerie von Düsseldorf nach Holstein geflüchtet war, und begleitete ihn 1806 nach München, wo die Düsseldorfer-Gallerie der Münchner einverleibt wurde. Hier ward er 1808 als Gehülfe des Direktors Schmidt bei der k. Kupferstichsammlung angestellt, und widmete sich nun ganz der Kupferstichkunde so wie der Kunstgeschichte. Er suchte sich später durch seine Reisen und einen längern Aufenthalte in den größten Städten Deutschlands, Frankreichs, Hollands und Italiens so viel wie möglich in seinem Fache zu vervollkommnen, und gab 1817 seinen Dictionaire des monogrammes heraus, schon in seiner ersten Gestalt, mit seinen 3700 Numern, das reichhaltigste Werk über diesen Gegenstand. Seitdem hat er unablässig gesammelt und gesichtet, und nach fleißiger Vorbereitung die Bearbeitung vollendet, die unter dem Titel: Dictionaire des monogrammes, marques figurées, lettres initiales et noms abrégès, sous lesquels les peintres, graveurs, dessinateurs et sculpteurs ont désigné léurs noms (4. Stuttgart, 1832) erschien. Sie enthält 10,000 Numern und umfaßt die Künstler aller Nationen und Zeiten. Er erhielt bereits 1822 die Stelle eines Conservators der Kupferstich-Sammlung, welche unter ihm um ein Drittel vermehrt wurde.

Adolph von Schaden: Gelehrtes München im Jahre 1834. München, 1834.

#Kunstvereins-Bericht für 1836 (1837)

Franz Bruillot, Inspektor des Kupferstich-Cabinets etc.

Franz Brulliot, geb. den 16. Febr. 1780 in Düsseldorf, Sohn des Joseph Brulliot, Professor der Akademie und Gallerie-Inspektor daselbst, widmete sich früher der bildenden Kunst in seiner Vaterstadt, unter der Leitung des Directors Peter v. Langer.

1805 flüchtete er mit der Gallerie nach Holstein, und kam 1806 mit seinem Vater und der Gallerie nach München, wo er bald einen Wirkungskreis bei der königlichen Kupferstichsammlung fand; 1808 wurde er dem Inspector Schmidt als Gehülfe beigegeben, weßhalb er seinen Fleiß nun weniger auf Ausübung der Kunst, als auf das Studium ihrer Geschichte und besonders auf das der Kupferstichkunde verwendete, zu welchem Zwecke er auch mehrere Reisen in Deutschland, Holland, Frankreich und Italien unternahm.

Im Jahre 1807 erschien die erste Ausgabe seines Dictionnaire Monogrammes, damals das reichhaltigste Werk über diesen Gegenstand. 1822 erhielt er die Stelle eines Conservators der königl. Kupferstich-Sammlung, wo, durch Ihn vieles verbessert und nutzbar gemacht wurde. Bald jedoch dachte er an eine gänzliche Umarbeitung seines Werkes, und war daran fast ununterbrochen bis zum Jahre 1832 beschäftigt, wo es in drei Quartbänden weit vollständiger und zweckmäßiger eingerichtet erschien. Es enthält 10,000 Nummern, und umfaßt die Künstler aller Nationen und Zeiten. Diese große Arbeit erwarb sich die allgemeinste Anerkennung als die vorzüglichste ihres Fachs.

Nicht minder reiche Materialien hatte Brulliot für ein Supplement zu Bartels peintre graveur zusammen gebracht, und die Ausarbeitung derselben war so weit gediehen, daß der Druck in 10 Bänden mit Anfang des Jahres 1837 beginnen sollte. Möchte sein Sohn und Zögling in der Kupferstichkunde, bereits seit mehreren Jahren sein amtlicher Gehülfe, dieß Werk beendigen und den Ruhm des väterlichen Namens auf sich vererben! Schon früher hatte Brulliot an seinem Neffen, H. Wilhelm Schorn, jetzigen Direktor des kön. Kupferstich-Cabinets in Berlin, einen Schüler erzogen, der ihn durch schnelles und ehrenvolles Fortschreiten erfreute.

Brulliot war ein Mann von durchdringendem Verstand und feinem Gefühl, ein kräftiger, offener Charakter. Rasch und entschieden im Reden und Thun, war er anspruchlos, von unzerstörbar heiterer Laune und voll schlagenden Witzes, ein geistreicher und liebenswürdiger Gesellschafter. Seinen Freunden war er ein treuer und zuverläßiger Freund, und gewiß wird er von allen, die ihn kannten, innig betrauert. Er starb den 13. Nov. 1836 als ein Opfer der Cholera. Sein edler und freimüthiger Charakter und die große Sorgfalt und Thätigkeit, womit er die ihm untergebene Anstalt, nachdem er sie vortrefflich eingerichtet, auf alle Weise förderte, hatte ihm die allgemeinste Achtung erworben. Als Kenner der Kunst stand er durch sein richtiges und unbefangenes Urtheil in großem Ansehen, und im Fache der Kupferstichkunde hatte ihm sein großes Werk einen berühmten Namen gemacht.

Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München während des Jahres 1836. München, 1837.

#Conversations-Lexikon der Gegenwart (1838)

Brulliot (Franz), ein ausgezeichnet fleißiger und gelehrter Arbeiter im Gebiete der Kupferstichkunde, geboren am 16. Febr. 1780 zu Düsseldorf, gestorben zu München am 13. Nov. 1836, widmete sich unter der Leitung des Direktors Langer der ausübenden Kunst auf der Akademie zu Düsseldorf, bis er 1806 seinem Vater, Joseph B., nach München folgte, als dieser Inspektor der dortigen Bildergalerie wurde. In München widmete er sich, und zwar seit 1808 ausschließlich, der Kupferstichkunde, und es veranlaßte dies umfangsreiche, noch wenig betriebene Studium ihn zu wiederholten Reisen durch ganz Deutschland, Frankreich, Holland und Italien. Im J.1822 wurde er Conservator der Kupferstichsammlung zu München, nachdem er von 1808 an bis zum Tode seines Vorgängers, des Directors Schmidt, diesem als Gehülfe gedient. Um diese schöne und reiche Sammlung hat sich B. durch eine neue zweckmäßige Ordnung, nämlich nach Schulen und Malern, ferner durch ein vollständiges Inventarium und einen Realkatalog verdient gemacht; außerdem auch noch dadurch, daß er sie, trotz den beschränkten Mitteln, um 100,000 Eremplare vermehrt, sodaß sie jetzt ihren Reichthum auf 300,000 schätzt. Als erstes Ergebniß seines Fleißes erschien 1817 sein »Dictionnaire des monogrammes«, mit seinen 3700 Nummem das bis dahin reichhaltigste Werk über diesen Gegenstand. Schon 1820 ließ er demselben als Ergänzung die »Table générale des monogrammes« (3 Hefte) folgen. Indeß fühlte B. bald das Ungenügende seiner ersten Arbeit, und sammelte, sichtete und ordnete von Neuem behufs einer neuen Ausgabe des »Dictionnaire«, die endlich unter dem Titel: »Dictionnaire des monogrammes, marques figurées, lettres initiales et noms abrégés, sous lesquels les peintres, graveurs, dessinateurs et sculpteurs ent désignés leurs noms« (3 Bde., Stuttg. 1832–34, 4.) erschien. Dasselbe enthält 10,000 Nummern und zeichnet sich noch besonders auch dadurch aus, daß die verschlungenen Monogrammen der Künstler streng nach den im Alphabet zuerst kommenden Buchstaben geordnet sind. B. hatte reiche Collectaneen zu einer Ergänzung des »Peintre-graveur« von Bartsch gesammelt und die Ausarbeitung war bereits so weit gediehen, daß der Druck des auf 10 Bände berechneten Werkes 1837 beginnen sollte, als die Cholera ihn dahin raffte. Das Manuscript der Ergänzung zu Bartsch hat das Bibliographische Institut zu Hildburghausen angekauft, um es später im Druck erscheinen zu lassen. – Sein Sohn ist gegenwärtig Conservator der Kupferstich- und Handzeichnungssammlung der königlichen Bibliothek zu München.

Conversations-Lexikon der Gegenwart. Leipzig, 1838.

#Das Bayerland (1898)

Die »Ruhmeshalle« unter den Arkaden des südlichen (älteren) Friedhofes in München.
Von C. Reber.

26. Franz Brulliot, Inspektor der kgl. Kupferstichsammlung, namhafter Kenner der Chalkographie und Schriftsteller über dieselbe, geboren am 16. Februar 1780 in Düsseldorf, Sohn eines Professors an der Akademie der bildenden Künste und nachmaligen Inspektors der Bildergalerie in München. Sein erster Lehrer der Kunst war Direktor Johann Peter Langer an der Kunstakademie in seiner Heimat. Als im Jahre 1806 König Max I. die Düsseldorfer Galerie, die in den Kriegsläuften nach Kirchheimbolanden geflüchtet worden war, nach München bringen ließ, zog Brulliot kurz vorher mit seinem Vater nach München, wo er 1808 zuerst als ausübender Künstler und Hilfsarbeiter des Direktor Schmidt bei der kgl. Kupferstichsammlung angestellt wurde. Er widmete sich mit großem Fleiße nun ganz der Kupferstichkunde, sowie der Kunstgeschichte. Auf Reisen nach Frankreich, Italien und Holland suchte er sich in seinem Fache auszubilden und seine Erfahrungen zu schriftstellerischen Arbeiten zu verwerten. Im Jahre 1822 ernannte ihn König Max I. zum Konservator der Kupferstichsammluug und nach Schmidts Pensionierung unter dem Titel »Inspektor« zum Vorstand der Sammlung. Dieser kenntnisreiche Mann erwarb sich als Verfasser des »Dictionnaire de Monogrammes« um die Kunstgeschichte unbestrittene Verdienste. Unter seiner Leitung wurde die Kupferstichsammlung um ein Drittel bis zu 300000 Exemplaren vermehrt und von ihm nach Schulen und Alter geordnet, sowie ein vollständiges Inventar und Realkatalog hierüber hergestellt. Am 13. November 1836 überraschte ihn in seiner Wohnung, Nr. 7 an der Christophstraße, der Tod, ohne das begonnene berühmte Werk »oeintre graveur« vollendet zu haben. Sein noch erhaltenes Grab befindet sich im südlichen Friedhofe, ältere Abteilung, Mauer links, Grabplatz 290. Auf Antrag der Inspektorswitwe Josephine Brulliot wurde im Jahre 1866 die Aufstellung der von ihr beschafften Büste in einer Nische vom Stadtmagistrate genehmigt.

C. Reber: Die »Ruhmeshalle« unter den Arkaden des südlichen (älteren) Friedhofes in München. Das Bayerland. München, 1898.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Brulliot Franz, 1780 (Düsseldorf) – 1836, Kunstschriftsteller und Konservator der Münchner Kupferstichsammlung; Sohn des nachmaligen Galerieinspektors Josef B., studierte er zunächst in seiner Heimat Düsseldorf, dann in München bei J. P. Langer an der Kunstakademie bis er sich 1808 ausschließlich der Kupfersstichkunde zuwendete, als Angestellter der Münchner Kupferstichsammlung (seit 1822 Konservator) mußte er wiederholt Deutschland Frankreich, Holland und Italien bereisen; durch eine neue zweckmäßige Ordnung nach Schulen und Malern, Inventarisation, Erstellung eines Realkataloges (nach A. Bartsch) und Neuerwerb von 100 000 Kupferstichen hat B. sich um diese Sammlung sehr verdient gemacht, seinen gesamten Nachlaß verschenkte sein Sohn an G. K. Nagler.

Hauptwerke: Dictionnaire des monogrammes, 2 Bde., Table générale des monogrammes, 3 Hefte, Catalogue raisonné des estampes du cabinet de feu M. d’Aretin, 2 Bde.; seine Monogramm-Verzeichnisse sind ein wichtiges Nachschlagewerk für den Kunstgeschichtler.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#Robert Brulliot

† 25.1.1862 (München), 46 Jahre alt
Konservator der Kupferstichsammlung

#Die Monogrammisten (1858)

Herr Robert Brulliot, Conservator des k. Kupferstich-Cabinets in München, der Sohn und Nachfolger des berühmten Verfassers des Dictionnaire des Monogrammes, öffnete mir in freundlichster Weise die ihm anvertrauten reichen Kunstschätze, wodurch ich in den Stand gesetzt wurde, eine Masse von Monogrammen und Initialen zu facsimiliren, um die in früheren Werken vermisste Genauigkeit der Zeichen herzustellen. R. Brulliot hatte nach dem 1836 erfolgten Tode des Vaters die Sammlung durchhin geordnet und fortwährend vermehrt, so dass sie jetzt eine viel reichere Ausbeute gewährt, als zur Zeit des Inspektors Franz Brulliot. Auch die Beschreibung und Ordnung des k. Handzeichnungs-Cabinets lag ihm in lezterer Zeit ob, wodurch er sich um so grösseren Dank erwarb, als seit 1810 nur das lithographirte Imitationswerk von Strixner im weiteren Kreise darüber Auskunft geben konnte. Die Sammlung ist aber sehr reich an Zeichnungen von Meistern aller Schulen, und Conservator R. Brulliot bot mir Gelegenheit, die Monogrammen und Initialen nachzubilden, deren sich die Zeichner bedient hatten. Auch erhielt ich durch die Güte desselben den Nachlass zum Dictionnaire des Monogrammes par Francois Brulliot, sowie den Nouveau Paintre-graveur desselben, an dessen Vollendung ihn aber der Tod hinderte. Durch die Güte des Herrn Conservator Robert Brulliot flossen mir also reiche Beiträge zu, und ich fühle mich daher zu um so wärmerem Danke verpflichtet, als ich mich überdiess noch seiner freundlichen Theilnahme zu erfreuen habe.

Dr. Georg Kaspar Nagler: Vorwort zu: Die Monogrammisten. München, 1858.

#Münchener Bote für Stadt und Land (28.1.1862)

Hauptstadt-Neuigkeiten.
München, 27. Januar.

Der Conservator der k. Kupferstichsammlung, Hr. Robert Brulliot wurde vorgestern Abends, als er eben nach Hause zurückgekehrt war, vom Schlage getroffen und blieb zur Stelle todt.

Münchener Bote für Stadt und Land No. 23. München; Dienstag, den 28. Januar 1862.

#Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik (29.1.1862)

München, 28. Januar. Heute Nachm. wurde Hr. Rob. Brulliot, Conservator des K. Kupferstichkabinets, zur Erde bestattet und haben sich zu dieser traurigen Handlung die vielen Freunde des leider zu früh Verblichenen in großer Anzahl eingefunden. Zur Seite des Sarges schritten mit brennenden Wachskerzen die Mitglieder des Münchener Jubiläums-Vereines und während von Freundes Hand die Erde in das zu frühe Grab geschüttet wurde, ertönten die Töne des Belgradmarsches als eine Erinnerung an das schöne Jubelfest im J. 1858, zu dessen Gelingen Hr. Brulliot so namhaft beigetragen hatte. Mit ihm ist nicht nur ein edler Freund, sondern ein wahrer, glühender Patriot zu Grabe gegangen. Möge ihm die Erde leicht sein! – Die mehrverbreitete und auch in die Presse übergegangene Angabe: »daß der im Leben allgemein Hochgeachtete vom Schlagflusse überrascht worden sei, als er eben die Haustreppe zu seiner Wohnung hinaufgegangen war«, ist unrichtig. Brulliot verstarb in seinem Bette, das er Samstags nicht verlassen hatte.

Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik Nr. 29. Mittwoch, den 29. Januar 1862.

#Acht Tage in München (1863)

Alte Pinakothek.

Das k. Kupferstich- und Handzeichnungs-Cabinet befindet sich im Erdgeschosse der Pinakothek, und ist Dienstag und Freitag dem Publikum geöffnet. Die Thüre rechts in der Vorhalle führt dahin. Die Kupferstich-Sammlung enthält über 300,000 Blätter, welche von dem verstorbenen Inspektor F. Brulliot und seinem Nachfolger R. Brulliot nach Malerschulen geordnet sind. Man findet hier einen großen Reichthum von alten, neueren und neuesten Blättern, dann alle vorzüglichen Galeriewerke und eine gewählte Bibliothek.

Die Handzeichnungs-Sammlung zählt ebenfalls an 9000 bedeutender älteren und neueren Blätter. Der Inspektor Robert Brulliot hat in den letzten Jahren einen vollständigen Catalog hergestellt, aber nur nach den vorhandenen unkritischen Aufzeichnungen, und ohne die Reserve von Zeichnungen zu benützen. Der gegenwärtige Conservator, Dr. J. H. von Hefner-Alteneck, richtet auf die Zeichnungsschätze älterer Zeit ein besonderes Augenmerk. Hier werden auch die Zeichnungen des Cornelius zu den Bildern in den Loggien der Pinakothek, sowie jene des Malers Moriz Rugendas, welche er in Südamerika ausgeführt hatte, aufbewahrt. R. Brulliot hat seltene alte Kupferstiche und Holzschnitte, und dann auch Handzeichnungen durch Photographien bekannt gemacht.

Georg Kaspar Nagler: Acht Tage in München. Wegweiser für Fremde und Einheimische. München, 1863.

#ML – 291·292 (Langlois)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Langlois, Anna von; 28.3.1809 – 14.5.1893; Geheimrats-Tochter
  • Langlois, Anton von, Dr.; 3.2.1817 – 13.5.1887; Oberlandesgerichts- und Senatspräsident a. D.
  • Langlois, Auguste von (vw) / Heiligenstein, von (gb); 13.4.1787 – 8.11.1838; Geheimrats-Witwe
  • Langlois, Josefine von; 21.12.1824 – 3.12.¿
  • Langlois, Josefine von; 3.10.1826 – 2.12.1888; Geheimrats-Tochter
  • Langlois, Konrad von; 21.12.1824 – 18.11.1884
  • Langlois, Ludwig von; 30.3.1854 – 4.9.1901; Hauptmann a. D.
  • Langlois, Ludwig von; 30.8.1776 – 27.11.1856 (München); Geheimrat
  • Langlois, Luise von; 11.9.1815 – 1.5.1833
  • Langlois, Marie von; 17.8.1813 – 3.3.1881
  • Langlois, Rosine von; 1.7.1810 – 13.8.1826
  • Langlois, Theresia von (vw) / Föringer (gb); 1.9.1832 – 13.7.1890; Oberlandesgerichts- und Senatspräsidentens-Witwe

Grab der Familie Langlois auf dem Alten Südfriedhof München (März 2008)

#ML – 293·294 (Heiligenstein)


VON HEILIGENSTEIN’SCHES
FAMILIEN BEGRAEBNISS.
MDCCCXXII.


  • Heiligenstein, Konrad von; – 6.3.1890 (München); Landesgerichtspräsident a. D.

Todesanzeige für Konrad von Heiligenstein

Grab der Familie Heiligenstein auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

Grab der Familie Heiligenstein auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2008)

#ML – 295 (Deppert)


Familien-Grab

Herr Dr. August Deppert
Assist. Arzt 1. Cl. im k. b. 1. Inf. Reg.
geb. 29. Dez. 1850, gest. 3. Juni 1885.
Dessen Tochter Elsa, geb. 30. Juni 1881, gest. 19. Dez. 1884.
Herr Wilhelm Deppert
k. Generaldirections-Rath a. D.
geb. 6. Oktober 1815, gest. 7. Mai 1898.
Dessen Gattin
Frau Mathilde Deppert
geb. Tuppert,
geb. 4. Novemb. 1824, gest. 23. Septemb. 1890.
Friedrich Deppert
Generalleutnant, Exzellenz,
geb. 25. Nov. 1855.
gefallen 14. Juli 1915 auf Ban de Sapt. (Vogesen)


  • Deppert, August, Dr. med.; 29.12.1850 – 3.6.1885; Arzt
  • Deppert, Elsa; 30.6.1881 – 19.12.1884; Arzt-Tochter
  • Deppert, Friedrich; 25.11.1855 – 14.7.1915 (Ban de Sapt/Vogesen); Generalleutnant
  • Deppert, Mathilde (vh) / Tuppert (gb); 4.11.1824 – 23.9.1890; Generaldirektionsrats-Gattin
  • Deppert, Wilhelm; 6.10.1815 – 7.5.1898; Generaldirektionsrat

Todesanzeige für Dr. med. August Deppert

Grab der Familie Deppert auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#ML – 297 (Schäffler)


Grab der Familie Schäffler auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#ML – 299 (Hafenmaier)


Hier ruhet
Wolfgang Hafenmaier
¿


  • Hafenmaier, Wolfgang

Grab der Familie Hafenmaier auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

#ML-300 (Schelld)


Grab der Familie Schelld auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#ML – 301·302 (Zehme)


FAMILIE ZEHME

HERR JOHANN ZEHME
Privatier
Gründer der Firma Joh. Zehme
k. b. Hofhutfabrik,
geb. zu München 16. Sept. 1835
gest. 29. Nov. 1902.
Dessen Gattin
FRAU ROSINA ZEHME
geb. Hefele,
geb. 22. März 1837, gest. 2. Aug. 1917.
FRAU LINKA ZEHME
geb. Cap,
geb. 12. April 1879, gest. 7. Dez. 1909.
HERR HEINRICH ZEHME
geb. 5. Juli 1874, gest. 3. März 1917.
FRAU ANNA ZEHME
geb. 11. Dez. 1865, gest. 5. Okt. 1932.


  • Zehme, Anna; 11.12.1865 – 5.10.1932
  • Zehme, Heinrich; 5.7.1874 – 3.3.1917
  • Zehme, Johann; 16.9.1835 (München) – 29.11.1902 (München); Hutfabrikant
  • Zehme, Linka (vh) / Cap (gb); 12.4.1879 – 7.12.1909
  • Zehme, Rosina (vw) / Hefele (gb); 22.3.1837 – 2.8.1917; Hutfabrikantens-Witwe

Todesanzeige für Anna Zehme

Grab der Familie Zehme auf dem Alten Südfriedhof München (August 2008)

#ML – 303·304 (Dülken · Lobinger · Rist)


Linke Stele
Fritz Rist
geboren den 11. Oktober 18¿
gestorben den 1¿. Oktober 18¿
Emil Rist
Dr. philos.
geboren den ¿ Februar 18¿
gestorben den 11. Oktober 1¿
Ihren Söhnen folgte ¿ Mutter
Frau Regina Rist
¿
Herr Josef Anton Rist ¿

Rechte Stele
Karl Rist
¿
Herr Carl Lobinger
¿ kgl. bayr. Major a. D.
geboren den 18. September ¿
gestorben den 12. August ¿

Sockel
RIST’S FAMILIENGRAB.


  • Dülken, Johann Ludwig; 5.8.1761 (Amsterdam) – 26.12.1836 (München); Klavierbauer
  • Dülken, Sofie (vw) / Lebrun (gb); 20.6.1781 (London) – 23.7.1863 (München); Pianistin und Komponistin
  • Lobinger, Karl; 18.9.¿ – 12.8.1928; Major a. D.
  • Rist, Emil, Dr. phil.; ¿.2.18¿ – 11.10.1893 (München), 28 Jahre alt
  • Rist, Fritz; 11.10.18¿ – ¿.10.18¿
  • Rist, Josef Anton
  • Rist, Karl
  • Rist, Regina (vh)

Todesanzeige für Sofie Dülken

Grab der Familien Dülken · Lobinger · Rist auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#Johann Ludwig Dülken

* 5.8.1761 (Amsterdam)
† 26.12.1836 (München)
Klavierbauer

#Verzeichniß aller in Augsburg, evangelischen Theils geschlossenen Ehen, im Jahre 1799.

Im Jahre 1799. sind nachstehende Personen kopulirt worden.

April.

18. Ludwig Dulken, Hofklaviermacher in München; und Jungfer Sophia Lebrum, von München. Zum heil. Kreuz.

Verzeichniß aller in Augsburg, evangelischen Theils geschlossenen Ehen, im Jahre 1799.

#Neues historisch-biographisches Lexicon (1814)

Dulken (Johann Ludwig), seit 1781 Hofklaviermacher zu München, geb. zu Amsterdam am 5. Aug. 1761, ist wahrscheinlich ein Sohn von Joh. Daniel (s. d. neue Lex.). Er hat seine Kunst bey seinem Vater erlernt, und soll an seinen Fortepiano's alle nur möglichen neuen Veränderungen und Verschönerungen mit vielem Glück und Beyfall einheimischer und auswärtiger Liebhaber anzubringen wissen. Seine Gattin, eine große Klavierspielerin, ist eine Tochter des berühmten Hoboisten le Brün.

Ernst Ludwig Gerber: Neues historisch-biographisches Lexicon der Tonkünstler, welches Nachrichten von dem Leben und Werken musikalischer Schriftsteller, berühmter Komponisten, Sänger, Meister auf Instrumenten, kunstvoller Dilettanten, Musikverleger, auch Orgel- und Instrumentenmacher, älterer und neuerer Zeit, aus allen Nationen enthält. Leipzig, 1814.

#Kunst- und Gewerbe-Blatt des polytechnischen Vereins im Königreiche Bayern (15.1.1820)

Bericht
über die öffentliche Ausstellung vaterländischer Kunst- und Gewerbs-Producte zu München,
und
über die sich darauf beziehende
allgemeine Versammlung des polytechnischen Vereins für Bayern,
am 31. December 1819.

II. Maschinen und Modelle.

Von musikalischen Instrumenten hatte die Kunst-Ausstellung einen Flügel von 6 Octaven und mit 5 Veränderungen, von Hrn. Instrumentenmacher Dülken in München, aufzuweisen. Die Instrumente dieses Künstlers haben bereits einen so ausgebreiteten wohlverdienten Ruf, daß es unnöthig wäre, hier noch zu ihrem Lobe etwas hinzufügen zu wollen. Sie sind im Ausland wie im Inland geachtet und machen einen bedeutenden Handels-Artikel aus*).

*) Die verstorbene Kaiserin Josephine von Frankreich kaufte bey ihrer Anwesenheit zu München zwey Fortepiano's von Hrn. Dülken, und bestellte kurz darauf noch ein drittes, mit welchem man in Paris so sehr zufrieden war, daß es daselbst längere Zeit öffentlich ausgestellt wurde. Auch nach St. Petersburg ist vor Kurzem ein Dülken'sches Instrument gegangen, das dort Beyfall erhielt.

Kunst- und Gewerbe-Blatt des polytechnischen Vereins im Königreiche Bayern Nro. 5. München; 15. Januar 1820.

#Flora (3.7.1827)

Anzeigen.

Gemälde-Versteigerung.

Mittwoch, den 11. July, und die folgenden Tage Morgens von 9 bis 12 Uhr wird in der Prannersgasse im Hause des Hrn. Dülcken Nr. 1506 zu ebener Erde eine ansehnliche und schöne Gemälde-Sammlung in gut vergoldeten Rahmen auf dem Wege der Versteigerung an den Meistbietenden losgeschlagen, wozu Kunstkenner und Kunstfreunde höflichst eingeladen werden. Vorzüglich zeichnen sich aus, von Albani, Amigoni, Berghem, Beich, Bellevois, Biset, Bergmüller, Begyn, Blendinger, Blömen, Blockland, Boyer, Borgianus, Brecklingkamp, Cagnacci, Carravagio, Carre, Canaletto, Carpioni, Caliari, Comme, Corregio, Cranach, Dichtl, Dieppenbeck, Dietrich, Dombeck, Dürer, Efele, Elsheimer, Ermels, Frank, Gentileschi, Giordano, Hamilton, Heem, Hartmann, Heis, Heus, Heß, Kessel, Kupetzki, Lairesse, Mattenheimer, Maratti, Mengs, Merian, Momper, Myn, Padoanino, Palamedes, Pellegrini, Perugino, Pozzo, Poussin, Quast, Querfurt, Rembrand, Reni, Ricci, Rickart, Roos, Rosenhof, Rombouts, Rottenhamer, Rubens, Schalken, Schönberger, Schidone, Schönfeld, Schwarz, Seibold, Schinagel, Sandrart, Solimacker, Strauch, Storr, Subleyras, Tamm, Teniers, Velasques, Vos, Verbruggen, Voet, Wateau, Werf, Zeemann, Zuccarelli.

Ein kurzgefaßtes Verzeichniß ist am 3. Juli bei Hrn. Kunsthändler Mühlberger in der Kaufingergasse Nr. 1619 unentgeldlich zu haben.

Flora Nro. 132. München; Dienstag, den 3. Juli 1827.

#Kunst- und Gewerbe-Blatt (11&12 1858)

Nekrolog

Der polytechnische Verein hat wieder den Hintritt eines seiner ausgezeichnetsten Mitglieder, und München den Verlust eines seiner ehrenwertesten, berühmtesten Bürger zu beklagen.

Am 13. Dezember dieses Jahres Morgens 9 Uhr starb der

kgl. bayr. Hofpianoforte.Fabrikant
Aloys Biber in einem Alter von nur 54 Jahren.

[...]

Als Biber im Jahre 1833 seinen Wohnsitz in München aufschlug, stand die Pianofortebaukunst daselbst nicht mehr auf ihrer frühern hohen Stufe. Johann Ludwig Dülken, schon von dem Kunst liebenden und übenden Karl Theodor 1781 als: »mechanischer« Hofclaviermacher in München angestellt, war wirklich ein mechanisches Talent und hatte unserm München bald einen bedeutenden Ruf im Fache der Pianofortebaukunst erworben. Dülken hatte die Pianofortebaukunst in Hamburg und Paris erlernt, und diese Kunst nach München verpflanzt. Selbst ein erfinderischer Kopf, wußte er auch die Fortschritte und Anforderungen seiner Zeit wohl zu benützen; denn seine Fortepianos besaßen neben dem Fortezug auch den Fagott- und Harfenzug, die Fridericische Bebung u. dgl. Dabei zeichneten sie sich aber auch durch solide Bauart, schönen Ton und gleichförmige Scaia so sehr aus, daß sie nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Schweiz, in Frankreich, Italien und Rußland sehr gesucht waren. Dülken war noch überdieß seit 1799 mit der berühmtesten Clavierspielerin ihrer Zeit, der bekannten Sophie Lebrun vermählt. Seine 3 Töchter waren gleichfalls Klavierspielerinnen und Sängerinnen, und so bildete sein Haus in der Prannersstraße lange Zeit den interessanten Versammlungsplatz der damaligen gebildeten musikalischen Welt in München.

Als sich jedoch Biber in München ansässig machte, war Dülken bereits 72 Jahre alt, hatte sein Geschäft aufgegeben und nahm keinen Antheil mehr an den Verhältnissen und Anforderungen dieser Zeit.

[...]

Schafhäutl.

Dr. phil. et med. Karl Emil Schafhäutl: Kunst- und Gewerbe-Blatt des polytechnischen Vereins für das Königreich Bayern. November und Dezember 1858.

#Sofie Dülken (vw) / Lebrun (gb)

* 20.6.1781 (London)
† 23. 7.1863 (München)
Pianistin und Komponistin

#Allgemeine musikalische Zeitung (6.5.1812)

NACHRICHTEN.

[..] Mad. Dulken spielte das Steibeltsche Klavier-Concert aus Edur. Seit lange behauptet diese geschmackvolle und fertige Pianofortespielerin den ersten Rang unter denn hiesigen Virtuosinnen, u. wir ihn noch lange behaupten. Sie erhielt ausgezeichneten Beyfall, wie er sonst eben Klavier-Concerten nicht gewähret wird. [..]

Allgemeine musikalische Zeitung No.19. 6. Mai 1812.

#Eos (8.4.1825)

An Sophie Dülcken.

So nimm sie hin des Abschieds Trauertöne,
Nimm sie geliebte Freundin hin, du, o Schöne!
Ist's doch der Freunschaft allergrößtes Leid,
Daß man sich trennt, so in die Welt zerstreut.

O, schöne Zeiten warn's die begonnen,
Als ich zur lieben Freundin dich gewonnen:
Als ich Sophie, ach mit Götterlust,
Gewonnen dich in meine treue Brust.

Ja, damals klang das Lied in ganzer Fülle,
Elisium ward mir des Haines Stille
Unschuld'ger Blumen-Schmelz, des Lenzes Grün,
Wies lachend mich zu dir, o Freundin hin.

Nun ich von dir, Geliebte werde scheiden,
Entfliehen auch der holden Jugend Freuden:
Das Lied verklingt! und meiner Dichtung Töne
Verschwinden schnell mit dir, geliebte Schöne!

Eduard Mahir.

Eos 55. Zeitschrift aus Bayern. Freitag, den 8. April 1825.

#Das Musikalische Europa (1842)

Dülcken, Madame, eine Tochter des berühmten Hoboisten Lebrün, war in ihren jüngeren Jahren als Claviervirtuosin sehr berühmt. Sie lebt noch in München und ist die Mutter und zugleich Lehrerin von drei Töchtern, von denen 2 unter dem Namen Bohrer angeführt sind. Ihre jüngste Tochter ist:

Dülcken, Dem. Violanda. Diese wurde geboren in München im J. 1810, widmete sich vorzugsweise der Gesangskunst und ist eine Schülerin des Conservatoriums in Paris. 1833—1834 war sie als Concertsängerin in Basel engagirt.

Dr. G. Schilling: Das Musikalische Europa. Speyer, 1842.

#Neue Wiener Musik-Zeitung (17.7.1856)

Kunstnachrichten.

Geschichtliche Rückblicke.

Am 20. Juli 1781 wurde Sophie Dülken, Tochter des berühmten Hoboisten Lebrun, geboren. Sie war eine Schülerin von Knecht, Streicher und Schlett, Klavier-Virtuosin, Sängerin und Tonsetzerin.

Neue Wiener Musik-Zeitung Nr. 32. 17. Juli 1856.

#Münchener Anzeiger (28.11.1863)

Versteigerung.

Im Auftrage des königl. Stadt-Gerichts München l/I. werden von mir verschiedene, zum Rücklaß der Hof Klaviermachers-Wittwe Sophie Dülcken gehörige Mobilien, namentlich ein Bett, Kanapee's, Sessel, Tische, Kästen, Spiegel, Stockuhren, ein Flügel, Frauenkleider und Wäsche,

am
Montag den 30. November,
Vormittags 9 Uhr,
im Hause Nr. 1 an der Promenadestraße
über 1 Stiege

gegen sofortige Baarzahlung an den Meistbietenden öffentlich versteigert.

München, am 25. November 1863.

Noël,

kngl. Notar.

Münchener Anzeiger Nr. 332. »Beilage zu den Neuesten Nachrichten«. Samstag, den 28. November 1863.

#Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik (30.7.1864)

Hausversteigerung.

Das zum Rücklaß der Hof-Klaviermacherswittwe Sophie Dülcken gehörige Haus Nro. 1 an der Promenadestraße dahier wird am

Donnerstag den 11. August d. Js.
Vormittags 11—12 Uhr

in meiner Amtskanzlei (Salvatorstraße 18/2) öffentlich versteigert.

Dieses Haus bildet eine Ecke der Promenade- und Prannerstraße, liegt mit seinen 14 Fenster langen Fronten gegen Morgen und Mittag, hat mit dem Erdgeschoß 4 Stockwerke, nebst Mezzanin-Wohnungen, und ist in diesem Monat auf 60,000 Gulden geschätzt worden.

Der Zuschlag an den Meistbietenden ist an die Genehmigung der Erben geknüpft, über welche jedoch die Erklärung noch am Versteigerungstage selbst erfolgen wird.

Personen, deren Zahlungsfähigkeit mir nicht bekannt ist, können nur nach vorheriger Bescheinigung derselben zum Steigern zugelassen werden.

München, den 27. Juli 1864.

Noël,
königlicher Notar.

Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik Nr. 212. Samstag, den 30. Juli 1864.

#ML – 305 (Franz)


Hier ruht
unser unvergessliches liebes Kind
Paul Franz,
Juweliers-Söhnchen
geb. den 20. Mai 1878, gest. den 9. Nov. 1881.
Tiefbetrauert von den Seinen
folgte unser herzensguter Gatte und Vater
Herr Paul Franz,
Privatier
geb. den 20. Februar 1826, gest. den 7. Oktober 1905.
Dessen Gattin unsere liebe Mutter
Frau Gertraud Franz,
geb. den 3. August 1844. gest. den 16. November 192¿.

Familien-Grab.

No 305. Babenstuber.


  • Franz, Gertraud (vw); 3.8.1844 – 16.11.1923; Juweliers-Witwe
  • Franz, Paul; 20.2.1826 – 7.10.1905; Juwelier
  • Franz, Paul; 20.5.1878 – 9.11.1881; Juweliers-Sohn

Grab der Familie Franz auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#ML – 307 (Gramich)


Grab der Familie Gramich auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#ML – 309·310 (Schuh)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Schuh, Babette von (vw) / Elbracht, von (gb); 29.1.1807 – 20.8.1889; Generalleutnants-Witwe
  • Schuh, Maximilian Ritter von; 12.4.1838 – 20.1.1911; Generalleutnant
  • Schuh, Michael Ritter von; 7.2.1799 – 13.1.1865 (Vevey); Generalleutnant

Grab der Familie Schuh auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#ML – 312·313 (Attensamer · Erdl · Graff · Martius)


HERR DEIN WILLE GESCHEHE

Linke Spalte
Dr. Mich. Pius Erdl,
Physiolog und Anatom
geb. Bodenmais 15. Mai 1815
gest. München 25. Febr. 1848
Marie Erdl,
geb. 16. Januar 1846.
gest. 9. Juni 1847.
Anna Erdl,
geb. 27. Juni 1847.
gest. 1. Juli 1852.
Frau Caroline Erdl,
geb. Martius
k. Universitätsprofessors-W.
geb. 26. Oct. 1825, gest. 6. Dec. 1892.

Mitte
Dr. Carl Friedrich Ph.
von MARTIUS,
k. Univ. Prof. Botaniker, u. Geh. Rath,
geb. Erlangen 17. April 1794.
gest. München 13. Dec. 1868.
FRANZISKA von MARTIUS
geb. Freyin von Stengel
Geheimeraths Wittwe
geb. am 27. März 1806
gest. am 15. Sept. 1881.

Rechte Spalte
Amalie Graff
geb. Augsburg 28. Febr. 1862.
gest. Schlehdorf 2. Oct. 1869.
MARIA GRAFF
geborene Martius
k. Generaldirektions-
Raths-Gattin,
geb. am 9. Januar 1830,
gest. am 21. Januar 1892.
Jacob Julius Graff
k. Generaldirektionsrath a. D.
geb. am 8. Oktober 1820
gest. am 23. Februar 1906.

L. W. Grimm

CANDIDE
ET
FORTITER

Sockel-Tafel
Ernestine Martius
Geheimratstochter
* 14.12.1826 zu München † 6.7.1909 zu München
Carl Wolfgang Graff
* 31.1.1860 zu Schweinfurt ¿ 1924 zu München
Elsbeth Attensamer
geb. Graff. Arztenswitwe
* 20.8.1862 zu Augsburg † 8.12.1927 zu München


  • Attensamer, Elsbeth (vh) / Graff (gb); 20.8.1862 (Augsburg) – 8.12.1927 (München); Arzt-Witwe
  • Erdl, Anna; 17.6.1847 – 1.7.1852
  • Erdl, Karoline (vw) / Martius (gb); 26.10.1825 – 6.12.1892; Universitätsprofessors-Witwe
  • Erdl, Marie; 16.1.1846 – 9.6.1847
  • Erdl, Michael Pius, Dr. med.; 15.5.1815 (Bodenmais) – 25.2.1848 (München); Anatom
  • Graff, Amalie; 28.2.1862 (Augsburg) – 2.10.1869 (Schlehdorf)
  • Graff, Jacob Julius; 8.10.1820 – 23.2.1906; Generaldirektionsrat a. D.
  • Graff, Karl Wolfgang; 31.1.1860 (Schweinfurt) – ¿.1924 (München)
  • Graff, Maria (vh) / Martius (gb); 9.1.1830 – 21.1.1892; Generaldirektionsrats-Gattin
  • Martius, Ernestine; 14.12.1826 (München) – 6.7.1909 (München); Geheimrats-Tochter
  • Martius, Franziska von (vw) / Stengel, Freiin von (gb); 27.3.1806 – 15.9.1881; Geheimrats-Witwe
  • Martius, Karl Friedrich Philipp von, Dr.; 17.4.1794 (Erlangen) – 13.12.1868 (München); Botaniker

Grab der Familien Attensamer · Erdl · Graff · Martius auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2008)

Grab der Familien Attensamer · Erdl · Graff · Martius auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Dr. med. Michael Pius Erdl

* 15.5.1815 (Bodenmais)
† 25.2.1848 (München)
Anatom

#Gelehrte Anzeigen (2.12.1848)

Königl. Akademie der Wissenschaften.

Denkrede auf Dr. Michael Pius Erdl.

Hierauf las Hr. Hofrath Dr. v. Schubert:
Denkrede auf Dr. Michael Pius Erdl, gewesenen ordentlichen Professor der vergleichenden Anatomie und Physiologie, Adjuncten der anatomischen Sammlung des Staates zu München.

Der Kreis der Mitglieder unsrer Akademie der Wissenschaften hat in dem jetzt nahe zu Ende gehenden Jahre große und schwere Verluste erlitten. Der freudige, geistig kräftige Kämpfer für deutsche Freyheit in den Zeiten der Befreyungskriege gegen Frankreich: Joseph von Görres, machte den Anfang des Ausscheidens für immer; ihm folgte eine Reihe von Männern, deren Wirken zur Erweiterung des wissenschaftlichen Erkennens und für geistige Bildung nicht nur in unsrem Kreise, sondern weit außer demselben eine wohl verdiente Anerkennung gefunden hat und noch ferner finden wird.

Der Hingeschiedene, zu dessen Lob ich heute einige Worte sagen will, war der jüngste von jenen allen; er hatte schon frühe die Hand an ein bedeutendes Tagwerk des Lebens gelegt; ein viel versprechender Anfang war von ihm gemacht, da wurde er abgerufen von dem so glücklich begonnenen Baue.

Warum gerade ich mich bewogen fühlte, hier vor diesem hohen Kreise das Andenken an Dr. Michael Pius Erdl, des viel thätigen Lehrers an der hiesigen Hochschule und außerordentlichen Mitgliedes unsrer Akademie zu erneuern, das wissen die, welche mein persönliches Verhältniß zu dem Hingeschiedenen kannten. Neben der Verwandtschaft des Blutes hat noch eine andre ihre Rechte, welche in einer Zuneigung wurzelt, die mit dem Blute der Adern nicht zugleich erkaltet.

Ich kannte Erdl seit seinem Uebertritt an die hiesige Universität. Er war mir einer jener Zuhörer, durch deren lebendigere Theilnahme der Lehrer selber sich angeregt fühlt zur freudigeren Mittheilung dessen, was er zu geben hat. Er ward in Gesellschaft seines geistesverwandten Jugendfreundes, des Doctor Johannes Roth, mein treuer Begleiter auf der Reise nach dem Orient. Schon hier war es, wo der 22jährige Jüngling sich als glücklicher Beobachter einen Ruhm erwarb, welcher ihm in der Geschichte der bedeutendsten geographischen Entdeckungen unsres Zeitalters bleiben wird. Ich meine hier seine von Alexander von Humboldt, Berghaus, Russegger und andren Meistern der Erdkunde rühmlich erwähnten barometrischen Bestimmungen der Senkung des Jordanthales unter den Spiegel des Mittelmeeres (Weil diese Messungen in Schuberts Reise nach dem Morgenlande mitgetheilt sind, wird öfters der Name jenes Reisenden statt Erdls seinem genannt.). Ich bin es der Ehre meines hingeschiedenen jungen Freundes schuldig und spreche es hier unbedenklich aus, Erdl war der erste, der diese höchst merkwürdige, unerwartete Thatsache zur öffentlichen Kunde brachte; der erste, der jene Senkung in ihrem ganzen Verlaufe, vom Tiberiassee bis zum todten Meere, ja noch südwärts von diesem an einigen Punkten der Araba beobachtete. Durch ihn wurde Russeggers Aufmerksamkeit und bald auch die Theilnahme der Freunde der Länderkunde in ganz Europa auf eine Erscheinung hingelenkt, die in ihrer Art und in ihrer Ausdehnung vielleicht einzig ist auf Erden.

Meinem bescheidenen jungen Freunde kam es nicht in den Sinn, sich um das Prioritätsrecht der Entdeckung von der tieferen Lage, zunächst des todten Meeres, mit dem Engländer Beke zu streiten, dessen Bruder, damals Consul in Leipzig, bald nachdem Erdls barometrische Beobachtungen bekannt geworden waren, in einer Zeitung anzeigte, daß sein Bruder, der Marinelieutenant Beke ein oder zwey Tage früher als Erdl aus dem Siedpunkt des Wassers am Ufer des todten Meeres, die tiefe Senkung desselben gefunden habe. Immerhin bleibt es hierbey bemerkenswerth, daß der englische Beobachter mit seinem ungleich vollkommneren Apparat fast nur dasselbe Resultat fand, auf welches mein Reisegefährte durch die Unvollkommenheit seines Instrumentes, davon ich nachher noch reden will, beschränkt war und daß er nicht vielmehr der vollen, erst von Russegger unter den günstigsten Umständen der Beobachtung aufgefundenen Wahrheit näher kam als der Erdl’schen Angabe. Und welcher andre Beobachter als Erdl hatte vor Russegger die Senkung des Wasserspiegels des Tiberiassees entdeckt, die noch lange nachher bezweifelt worden war? welcher andre Reisende die Senkungen in der Araba? Die große Thatsache ist es werth, daß wir einige Augenblicke bey ihrer Betrachtung verweilen.

Als vor einigen Jahrzehnden Engelhardt und Parrot ihre Beobachtungen über die Lage des kaspischen Meeres bekannt machten, aus denen es hervorgieng, daß der Wasserspiegel dieses Sees um einige hundert Fuß tiefer liege als der des Mittelmeeres, da wurde nicht nur das alte Vorurtheil, nach welchem eine unterirdische Verbindung dieser Meere statt finden sollte, tief erschüttert, sondern die Behauptung jener beyden Reisenden erschien mit allen bisherigen Ansichten in so kühnem Widerspruche, daß man Zweifel gegen dieselben erhob, auf welche die beyden genannten Beobachter selber eingiengen, indem sie nach einer neuen Prüfung derselben ihre Behauptung fast ganz zurücknahmen. Später hatte man in einigen Salzsteppen von Sibirien Senkungen der Erdoberfläche unter das Niveau des Meeres wahrgenommen, welche zum Theil bis gegen 300 Fuß zu betragen scheinen.

Den Reisenden in Palästina war es schon mehrfach aufgefallen, daß, wenn sie von der Gegend des Mittelmeeres über Nazareth den Weg nach dem Tiberiassee nahmen, das Aufwärtssteigen bis zu den Höhen, die den Kessel des Sees gegen Westen umgränzen, in keinem Verhältniß stehe mit der Tiefe, in welche sie bis zum Wasserspiegel desselben hinabsteigen mußten. Noch vielmehr drängt sich dem Reisenden diese Beobachtung auf, der von Osten oder Westen her nach den südlichen Jordansauen und zu den Ufern des todten Meeres hinabsteigt, ja schon das Augenmaaß bey der Aussicht nach diesem Meere von den Höhen des Oelberges oder der Umgegend von Bethlehem, noch mehr aber die unverhältnißmäßig hohe Temperatur der Jericho-Ebene mit ihrem Palmen-Klima mußte, so sollte man meinen, die tiefe Lage dieser Gegend errathen lassen. Dennoch, wer hätte es für möglich gehalten, daß ein ganzes Flußthal in einer Ausdehnung von 30 geographischen Meilen mit zwey Seen so sehr tief, und daß namentlich der Wasserspiegel des todten Meeres mehr denn 1300 Fuß tief unter dem Niveau des nachbarlichen Mittelmeeres liegen könnte? Diesen über alle Erwartung großen Unterschied der Niveaus hat Russegger, dem hiezu alle Mittel zu Gebote standen, in Uebereinstimmung mit Seymonds trigonometrischen Bestimmungen mit Sicherheit nachgewiesen, warum aber unser Erdl gerade hier in einem viel engeren Kreise der Angaben stehen blieb, dieß muß ich noch erörtern.

Man erzählt von einem berühmten Virtuosen auf der Violine, daß er in einem Gefängniß sitzend zuletzt, da die andern Saiten seines Instrumentes dahin waren, auf zweyen, ja auf einer Saite seine bewundernswerthe Kunst geübt habe. In einem ähnlichen Zustand der äußeren Beschränkung an den nöthigen Mitteln befand sich Erdl bey seinen barometrischen Messungen im Jordansthale.

Wir hatten in München drey Barometer mit uns genommen, welche weniger zwar durch die Vortrefflichkeit als durch die Dauerhaftigkeit ihrer Construction sich empfahlen. Die Glasröhre derselben war in einem dicken, ausgehöhlten Holzcylinder so eingefügt, daß der oberste Theil der Röhre in der Holzkapsel verborgen blieb. Selbst die höchsten Barometerstände, welche in unsrer Hochebene vorkommen, konnten damit in hinlänglicher Genauigkeit beobachtet werden und auch zur Messung einer solchen Tiefe, die noch um ein oder etliche hundert Fuß unter das Meeresniveau hinabreichte, wären sie brauchbar gewesen. Sie erfüllten mithin ganz den Zweck, zu welchem sich ihrer unsre Feldmesser zu bedienen pflegen, nicht aber jenen, zu welchem uns die Barometer in einer Tiefe dienen sollten, welche mehr als 1000 Fuß unter dem Wasserspiegel des Meeres lag. Denn da, z. B. am todten Meere stieg die Quecksilbersäule weit über den noch sichtbaren Theil der Glasröhre hinauf in die Kapsel, so daß man ihre Höhe nur noch nach dem Gehör aus dem Anschlagen des Quecksilbers am Ende der Röhre taxiren konnte. Deßhalb und weil wir noch sonst manche Gebrechen und Ungleichheiten an unsren Barometern bemerkten, versorgten wir uns in Wien mit einem vollkommneren und kostbareren Werkzeug dieser Art. Aber dieses beste unter unsren Werkzeugen verunglückte uns, nebst noch einem andren bey einem mitten in der Nacht ausgebrochenen Sturme, der unser Schiff vor Rhodos traf und welcher alles Bewegliche in der Kajüte übereinander stürzte. Wir waren jetzt noch auf zwey unsrer Münchner Werkzeuge beschränkt, mit ihnen traten wir die Landreise zu Kamele von Kairo aus in die Wüste an.

Wer die Unbequemlichkeiten einer solchen Reise und schon die des Auf- und Absteigens vom Kamelrücken kennt, wird es leicht begreiflich finden, daß auch nach wenig Tagen das eine von jenen beyden letzten Barometern ein zerstörender Unfall traf. Das einzige, welches alle seine Gefährten überlebt hatte, war das des Dr. Erdl. In der That eine Mutter kann ihr Kind nicht mit zärtlicherer Sorgfalt pflegen als dieser das ihm anvertraute gebrechliche Instrument. Er trug es den ganzen Tag hindurch auf seinem Rücken, nur am Abend, wenn das Zelt aufgeschlagen war, hing er es an einer Wand desselben auf. Aber auch hier drohten demselben Gefahren. Ein furchtbarer Windstoß warf in der Nacht vor dem 12. März unser Zelt am Ufer des Ailanitischen Meerbusens des rothen Meeres zu Boden und begrub uns, die wir in seinem Innern schliefen, unter seinen Wänden. Wir alle hielten jetzt das Barometer für verloren; es war ganz geblieben und diente kurze Zeit nachher meinem jungen Reisegefährten zu der Messung jener theilweisen Depressionen der Araba, welche in einem vermuthlichen vormaligen Flußbette oder Becken eines hier gewesenen kleinen Landsees von ihm bisher einzig beobachtet wurden. Vor Hebron, an den Abhängen des Gebirges Chalil, stürzte mein junger Freund mit seinem Barometer vom Kamel, aber sowohl er als sein Werkzeug blieben unversehrt. Es sollte ihm der Lohn seiner treuen Sorgsamkeit noch in reicherem Maaße werden. Denn obgleich sein Barometer aus den vorhin angeführten Gründen zur Messung des ganzen Betrages der Depression des todten Meeres nicht, ausreichte, war doch durch sie so viel gewiß geworden, daß jene Depression wenigstens 600 Fuß betrage. Erst Russegger und Seymond setzten dann, wie bereits erwähnt, die große Thatsache in ihr vollkommenes Licht: daß hier durch den Einsturz eines Deckengewölbes über einer, dem alten Jordansbecken gleich laufenden Höhlung eine Eintiefung von mehr als 1300, ja, wenn man die gemessene Tiefe des todten Meeres hinzunimmt, von 3000 Fuß unter dem Meeresspiegel entstanden sey. Obgleich Erdl da, wo seine Mittel nicht ausreichten, weit hinter seinem glücklichen, trefflichen Nachfolger dieser barometrischen Beobachtungen zurück blieb, kam er ihm dagegen desto näher bey den Messungen der Depression des obern Jordanthales, denn unser junger Reisender allein hat vor Russegger dort die über 500 Fuß tiefe Lage des Tiberiassees unter dem Meeresniveau beobachtet, während selbst die trigonometrischen Messungen des Lieutenants Seymond, die am todten Meere so gut mit Russeggers Bestimmungen zusammen trafen, in einen Irrthum verfielen, welcher weit über 400 Fuß beträgt. Meinem jungen Freunde bleibt in jedem Falle der Ruhm, daß er zuerst vor Allen die merkwürdige Erniedrigung des Landes nordwärts, so wie südwärts vom todten Meere in einer Ausdehnung beobachtet hat, in welcher weder vor ihm, noch auch bisher, was die südliche Erstreckung betrifft, nach ihm ein andrer Reisender sie erkannt hat.

Doch dieser Ehrenkranz, den sich unser Erdl durch seine barometrischen Messungen erworben, war von ihm, wie durch ein besonders Glück nur im Vorübergehen, an der Seite seines Weges erbeutet worden. Wir müssen ihn jetzt auch von jenen mehr zur allgemeinen Kunde gelangten Leistungen in den eigenthümlichen innren Haushalt seines wissenschaftlichen Wirkens begleiten: zu den Forschungen im Gebiet der Entwicklungsgeschichte des thierischen Lebens und seiner leiblichen Gestaltungen, vom ersten, für das bewaffnete Auge sichtbaren Keime an bis zu seiner Vollendung. Denn diese Forschungen waren es, zu denen Erdl sich von frühe an vorzugsweise hingeneigt und berufen fühlte; sie waren es, die er sich zum Tagwerk seines Lebens erwählt hatte. Was er in der kurzen Zeit, welche ihm dazu vergönnt war, an jenem Tagwerk gethan, das sind freylich zum Theil nur die im weitesten Umfang nach allen Seiten hin angelegten Fäden eines kunstreichen großartigen Gewebes, das der jugendliche Meister einer andren Hand zur Ausführung überlassen mußte; einzelne jedoch der Arbeiten, von denen die Anlage der Fäden ausgieng, sind mit solcher Gründlichkeit und Genauigkeit ausgearbeitet, daß sie dem Gebiete der Literatur, zu welchem sie gehören, für immer bleiben werden.

Das war an Erdl so ehren-, so bewundernswerth, daß er, ohne nach dem Effect zu haschen, den die Beschäftigung mit dem großartig Augenfälligen bey der Menge hervorbringt, mit gewissenhafter Treue und mühseligem Fleiße auch das scheinbar Unbedeutendste, Kleinste erfaßte und in gründliche Bearbeitung nahm. Ein Beyspiel dieser Art giebt uns seine mikroskopische Untersuchung über den innren Bau der Haare der verschiedensten Säugthiere, mit 96 Abbildungen, ein andres seine treffliche Arbeit über den innren Bau der Zähne, so wie jene über den Bau der Igelstacheln. Wer es versteht in diese Arbeiten tiefer einzugehen, der wird auch in ihnen es bestätigt finden, daß wir, um die Gesetze ihrer Gestaltungen zu begreifen, der Natur nachgehen müssen in jene verborgensten Anfänge ihrer Werke, die in dem scheinbar Kleinsten liegen. Eine Fülle von neuen, genaueren Wahrnehmungen und Entdeckungen in dem großentheils mikroskopisch Kleinen legte der fleißige Mann in seinen Abhandlungen über den Kreislauf der Infusorien, über die Organisation der Fangarme der Polypen, über die Entwicklung des Hummereyes und die Organe an der Außenfläche der Seeigel nieder. Seine Untersuchungen über den innren Bau des thierischen Auges, namentlich der Fische hatte er schon in Aegypten begonnen und während unsrer langen Quarantäne in Livorno war er ohne Aufhören mit dieser Arbeit beschäftigt, welche durch die Leichtigkeit, mit welcher man dort sich Seefische verschaffen konnte, sehr begünstigt wurde. Es war dieß auch der Gegenstand, den er sich zu seiner Inauguraldissertation für Erlangung der medizinischen Doktorwürde erwählte, eine Arbeit, durch welche er sich die Achtung seines verehrten Lehrers, des berühmten Anatomen Döllinger in vorzüglichem Maaße erwarb. Mit einer wahrhaft väterlichen Zuneigung nahm sich seit jener Zeit Döllinger der wissenschaftlichen Leitung und weiteren Ausbildung seines jungen Freundes an, und dieser hat es bis an sein Ende dankbar erkannt, was er diesem Lehrer zu danken hatte.

(Schluß folgt.)

Dr. von Schubert: Gelehrte Anzeigen Nro. 241. Herausgegeben von Mitgliedern der k. bayer. Akademie der Wissenschaften. München, den 2. Dezember 1848.

#Gelehrte Anzeigen (5.12.1848)

Königl. Akademie der Wissenschaften.
Denkrede auf Dr. Michael Pius Erdl.

(Schluß.)

Erdls wissenschaftlicher Ruf im Gebiet der vergleichenden wie der menschlichen Anatomie war bereits begründet, sowohl durch die erwähnten Arbeiten, zu denen auch noch die Untersuchungen kamen über die Blutgefäße in Helix algira, und die reichen Beyträge zur Anatomie der Polypen in Rudolph Wagners trefflichem zootomischen Atlas, so wie durch mehrere andere in gelehrten Zeitschriften zerstreute, gehaltvolle Aufsätze. Da wurde ihm der ehrende Auftrag, die von dem berühmten Spix hinterlassenen Tafeln für Cephalogenesis als ein neues Werk zu bearbeiten, und daß sie unter Erdls Hand durch die vielen neu hinzugefügten Abbildungen so wie durch die wohlgelungene, zeitgemäße Umgestaltung des beygefügten Textes dieses wirklich geworden seyen, wird kein unbefangener Sachverständiger läugnen mögen. Dasselbe gilt von der von ihm besorgten neuen Ausgabe und Vollendung von Oesterreichers anatomischem Atlas. Eine höchst bedeutende Entdeckung fiel etwas später in seine glückliche Hand; es war die an einem Nilfisch, dem Gymnarchus niloticus gemachte, in welchem er außer einem elektrischen Organ von ganz besondrem Baue wirkliche Lungen auffand. Die bisher allgemein angenommene Abgränzung der beyden niedersten Klassen der Wirbelthiere, der Fische von den Amphibien, wurde hierdurch selbst bey den Knochenfischen schwankend gemacht; jener Fisch athmet, wie die Larven mancher Amphibien zugleich durch Kiemen und durch Lungen. Das Hauptwerk jedoch unsres Hingeschiedenen Freundes und Collegen war seine Entwicklungsgeschichte des Menschen und des Hühnchens im Eye. Leider sind von diesem durch seine Abbildungen, so wie durch seinen erläuternden Text gleich schätzbarem Werke nur die beyden ersten Hefte öffentlich erschienen; sie fanden eine Anerkennung bey den Anatomen und Physiologen der verschiedensten Länder von Europa, welche für das jugendliche Streben ihres Verfassers in hohem Grade aufmunternd, für alle seine Freunde höchst wohlthuend war.

Wenn man die Reihe der literarischen Arbeiten und der zum Theil umfassenden Werke erwägt, welche Erdl bis zu seinem 32. Jahre, bis zu dem ihm so nahe gesteckten Zielpunkt seines vielthätigen Lebens veröffentlicht hat, wenn man dabey seiner Wirksamkeit als Lehrer, als Verfertiger einer überaus zahlreichen Menge von zootomischen Präparaten für die Sammlung, deren Adjunkt er war, in Anschlag bringt, dann begreift man kaum, wie seine fleißige Hand die Zeit und die Kraft zu all diesen Leistungen gewinnen konnte. Die Achtung jedoch vor der Geschicklichkeit dieser glücklichen Hand steigert sich noch, wenn man es weiß, daß Erdl nicht nur die saubern Abbildungen zu all diesen Arbeiten selbst gezeichnet, sondern selbst lithographirt und, was noch mehr ist, mühsam in Stahl gestochen habe; denn er war nicht nur ein trefflicher Künstler in Werken des Bleystifts, der Feder und des Pinsels, sondern auch des Grabstichels. Welcher Aufwand an Zeit, an mühseligem Fleiße hat nur allein zur Fertigung einer einzigen Tafel seiner Embryologie gehört!

Das Vaterland erkannte den Werth eines solchen Talentes; Erdl wurde bald nach seiner Rückkehr zum Adjuncten bey der anatomischen Sammlung des Staates, dann zum ordentlichen Professor in der medizinischen Facultät ernannt; wurde als außerordentliches Mitglied in die physikalisch-mathematische Klasse unsrer Akademie gewählt. Was er als Lehrer gewirkt das bezeugen die Schüler, die er gezogen; in ihnen hat er dem Vaterland eine vielversprechende Aussaat hinterlassen. Von seiner Thätigkeit als Adjunkt zeugen jene meisterhaften Präparate, zu denen er das Material zum Theil mit großen Opfern auf seinen Reisen in den Küstengegenden von Nizza, dann des adriatischen Meeres und später in Frankreich, England, Portugal und Spanien gesammelt hat.

Dieß Alles war und leistete Erdl als Gelehrter, als Lehrer, als Mitgenosse unsres akademischen Wirkens. Wir müssen an diesen Leistungen des jugendlichen Mannes nicht allein die seltnen Gaben, sondern auch das seltne Glück bewundern, das diesen Gaben auf dem Wege ihrer Entwicklung und Bethätigung überall entgegenkam. Wohin er nur seine Beobachtungen und Forschungen richtete, da war es ihm verliehen entweder etwas ganz unerwartet Neues zu finden, wie die Senkung des Jordanthales, wie das Daseyn der Lungen in einem Fische und mehreres Andre dieser Art, oder es gelang ihm irgend eine bis dahin noch dunkel gebliebene Seite seines Gegenstandes in ein neues, helleres Licht zu setzen. Was seine Hand angriff, das gelang ihm; er glich einem Bergmann, der bey jedem seiner Schurfversuche auf edle, bauwürdige Geschicke stößt

Und welches Glück war ihm in seinem äußren Leben beschieden! Nur wenig Söhne dürfen solcher Eltern sich rühmen, als die seinen sind; an ihnen fand er ein Vorbild der Berufstreue, der bürgerlichen Einfachheit, Lauterkeit der Gesinnung und der Gottesfurcht; schon dieses Elternhaus war ihm eine Schule der innren Bekräftigung für das ganze Leben. Er fand Lehrer, welche ihm mit väterlicher Liebe die Hand reichten, fand frühe eine Anerkennung seiner Tüchtigkeit zum öffentlichen Lehramt und bald nachher in seinem häuslichen Leben ein Glück der gegenseitigen Liebe, das keinen Wunsch unerfüllt ließ, als den einer längeren Dauer.

Doch, so weit dieses überhaupt von dem Menschen gesagt werden kann, darf man es aussprechen: Erdl war eines solchen Glückes werth. Es war in ihm ein Gemüth, das unter der Zucht der Demuth und des sittlichen Ernstes stand; er wußte sich überall, selbst unter den Türken und Arabern, unter den rohen Fischern von Dalmatien und Portugal Liebe und Achtung zu gewinnen, weil in ihm selber eine Fülle der Liebe, eine Achtung des Werthes der Menschennatur war.

Was soll in unsren Tagen eine Klage um die Tobten seyn? Sollte sie nicht zu einem Triumphgesange werden für Die, welche aus der Unruhe der Zeit hinauskamen in die Ruhe, die von des Lebens Mühen und endlos unabsehbaren Kämpfen nicht mehr gestört wird?

Doch auch uns Ueberlebenden bleibt ja, mitten im Dunkel der Gegenwart, die Hoffnung auf eine aus schweren Kämpfen zur Geburt kommende, beßre Zukunft. Möge das Licht dieser Hoffnung mit all seinen Kräften und Segnungen und mit den Freuden ihrer Erfüllung im reichsten Maaße aufgehen über dem Haupte des hochtheuern, geliebten Königes, dessen Geburtsfest wir heute hier in unserm Kreise, zugleich mit allen Treuen des Landes feyern.

Dr. von Schubert: Gelehrte Anzeigen Nro. 242. Herausgegeben von Mitgliedern der k. bayer. Akademie der Wissenschaften. München, den 5. Dezember 1848.

#Neuer Nekrolog der Deutschen (1850)

D. 25. zu München der Professor der Physiologie und vergleichenden Anatomie, Dr. Mich. Pius Erdl, an einem langwierigen Lungenleiden, in Folge eines zu Wien im verflossenen August erlittenen Blutsturzes. In der kräftigsten Mannesblüthe, im 32. Jahre, scheidet dieser, durch seltene Reinheit und Ruhe des Charakters wie durch reiche geistige Begabung ausgezeichnete Lehrer, der die innigste Neigung seiner Schüler, die Verehrung und Liebe Aller genossen die ihn näher kannten. An ihm verliert die Wissenschaft der vergleichenden Anatomie und Entwickelungsgeschichte ein Talent, das berufen schien, auf den Gang dieser, zum Theil neuen und zumal von Deutschen erst gestalteten Doktrin, durch glückliche Methode wie durch standhaften Fleiß, Gründlichkeit und ikonographische Fertigkeit fördernd einzuwirken. Seine Bildung hatte E. unter anderm auch durch bedeutende Reisen gewonnen. Er war im Orient mit v. Schubert, der ihn wie seinen Sohn liebte. Obgleich noch jung hatte E. doch schon Wichtiges in selbstständiger Forschung geleistet, wie z. B. über die Entwickelungsgeschichte des Hühnchens und des Menschen (die dazu von ihm selbst gestochenen Tafeln sind unübertroffen), und über ägyptische Fische. In praktischer Beziehung hat er sich durch eine neue, stark vermehrte Ausgabe von Oestreicher’s Atlas verdient gemacht. Er war Döllinger’s Lieblingsschüler und hat auch nach dessen Tode das hinterlassene Manuskript von dessen Physiologie herausgegeben. Nun ist die Hoffnung verschwunden, den unvergeßlichen Meister in seinem Schüler ersetzt zu sehen.

Neuer Nekrolog der Deutschen. Weimar, 1850.

#Allgemeine Realencyklopädie (1868)

Erdl, Michael Pius, geb. 1815, studirte in München Medicin, begleitete 1836 u. 37 G. H. Schubert auf seiner orientalischen Reise u. machte durch Barometermessungen die Entdeckung, daß der Spiegel des Todten Meeres unter dem des Mittelmeeres liege, wurde 1840 Privatdocent, 1841 Professor der medicinischen Facultät in München u. st. 1848. Er schr: De oculo, Münch. 1839; De piscium glandula chloroideali, ebd. 1839; De helecis algicae vasis sanguiferis, ebd. 1840; Tafeln zur vergleichenden Anatomie des Schädels, ebd. 1841; Ueber den Kreislauf der Infusorien, 1841; Ueber die Entwicklung des Hummereies, münch. 1843; Leitfaden zur Kenntniß des Baues des menschlichen Leibes, ebd. 1843–45, 2 Theile; Die Die Entwickelung des Menschen u. des Hühnchens im Ei, ebd. 1845 f., 1. u. 2. Heft; Ueber das Skelett des Gymnarchus niloticus, 1847; und bearbeitete Oesterreichers Anatomischen Atlas neu, Er. 1843–45, 18 Hefte mit 179 Tafeln.

Allgemeine Realencyklopädie oder Conversationslexikon für alle Stände. Regensburg, 1868.

#Dr. Karl Friedrich Philipp von Martius

* 17.4.1794 (Erlangen)
† 13.12.1868 (München)
Botaniker

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Martius Karl Friedrich Philipp, Dr., von, 1794 (Erlangen) – 1868, Botaniker und Universitätsprofessor; M. studierte an seinem Geburtsort Medizin und beteiligte sich 1817–1820 an einer von der österreichischen und bayerischen Regierung veranstalteten Reise nach Brasilien, einer der ergebnisreichsten Expeditionen des 19. Jahrhunderts; 1826 erhielt er die Professur für Botanik in München, seit 1832 war er Direktor des Botanischen Gartens und auch Mitglied der BakdW.

Hauptwerke: Nova genera et species plantarum etc. (3 Bde.), Historia naturalis Palmarum etc., Flora brasiliensis, seu enumeratio plantarum in Brasilia provenientium; M., dessen Namen nicht nur Pflanzen und Tiere, sondern auch ein Berg – Mount Martius in Neuseeland – führen, hat dazu beigetragen, daß die beschreibende Botanik noch heute ein lebensfähiges Glied i. im Kreise der botanischen Disziplinen ist; Gedenktafel an Haus Karlstr. 6 1968 von den Brasilianern gestiftet.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#ML – 314 (Schmidt)


Grab der Familie Schmidt auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#ML – 316 (Messina)


Sockel-Tafel
Anna Freifrau von Messina
geb. Freiin Hornstein-Bussmannshausen
geb. zu Orsenhausen 3. Mai 1827.
gest. zu München 22. Nov. 1906.
Frieda Freiin von Messina
geb. zu Dillingen 26. August 1862.
gest. zu München 1. Juni 1917.

R. I. P.


  • Messina, Anna Freifrau von (vh) / Hornstein-Bussmannshausen, Freiin von (gb); 3.5.1827 (Orsenhausen) – 22.11.1906 (München)
  • Messina, Frieda Freiin von; 26.8.1862 (Dillingen) – 1.6.1917 (München)
  • Messina, Josef Kamil Freiherr von; 22.7.1821 (Trient) – 31.3.1871 (München); Rittmeister
  • Messina, Karoline Freifrau von (vh) / Borié, von (gb); 17.4.1798 – 26.7.1839 (München); Hauptmanns-Witwe

Grab der Familie Messina auf dem Alten Südfriedhof München (März 2014)

#ML – 324·325 (Klee)


DR. THEOL.
HEINRICH KLEE
1800 – 1840
PROF. FÜR
KIRCHENGESCHICHTE


  • Klee, Heinrich, Dr. theol.; 20.4.1800 (Münstermaifeld bei Koblenz) – 28.6.1840 (München); Katholischer Theologe

Grab der Familie Klee auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

Grab der Familie Klee auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2014)

Grab der Familie Klee auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

Grab der Familie Klee auf dem Alten Südfriedhof München (April 2018)

Grab der Familie Klee auf dem Alten Südfriedhof München (April 2018)

Grab der Familie Klee auf dem Alten Südfriedhof München (April 2018)

#Dr. theol. Heinrich Klee

* 20.4.1800 (Münstermaifeld bei Koblenz)
† 28.6.1840 (München)
Katholischer Theologe

#Neuer Nekrolog der Deutschen (1842)

Dr. Heinrich Klee,

ordentl. Professor der Theologie zu München;
geboren im Jahre 1800, gestorben den 28. Juli 1840*.
* Intelligenzblatt zur allg. Lit.-Zeit. Septbr. 1840.

Klee war zu Münstermaifeld, einem Städtchen bei Koblenz, geboren, erhielt aber seine Bildung in dem Lyceum Mainz, wo er, um sich später dem Studium der Theologie zu widmen, in das bischöfliche Seminar trat. Noch vor Beendigung seines theologischen Kursus wurde er 1821 Lehrer an dem bischöflichen Gymnasium und 1825 Professor der Philosophie und Theologie am Seminar. Im Herbste 1825 erhielt er von Würzburg die theologische Doktorwürde und schrieb zu diesem Behufe die Abhandlung de chiliasmo primorum saeculorum, worauf 1828 seine erste umfassende Arbeit folgte: »Die Beichte, historisch-kritische Untersuchung.« In rascher Folge erschienen der Kommentar über das Evangelium nach Johannes (1829), der Kommentar über des Apostels Paulus Sendschreiben an die Römer (1830), Encyklopädie der Theologie (1832), Auslegung des Briefes an die Hebräer (1833), die Ehe (1833 und 35) und das größte seiner Werke: die katholische Dogmatik (1834–35, 2. Aufl. 1839 und 1840) und die Dogmengeschichte (1837 und 1838), denen noch eine Ethik folgen sollte. 1829 erhielt er einen Ruf an die katholisch-theologische Fakultät zu Bonn, wo er anfangs bei dem Vorherrschen des Hermesianismus mit seinen ganz entgegengesetzten Ansichten in eine wenig günstige Stellung kam und höchstens in exegetischen Vorlesungen Zuhörer erhielt. Als Clemens August den erzbischöflichen Stuhl von Cöln erhielt, wurde K. zum Examinator für das Fach der Dogmatik ernannt. Eine Beeinträchtigung der Lehrfreiheit und die Vernichtung seiner Wirksamkeit und seines Einflusses befürchtend, zog er es vor, einer wiederholt an ihn ergangenen Einladung nach München zu folgen. Dort hat er nur kurze Zeit wirken können, da der Tod den fleißigen Gelehrten in den besten Jahren abgerufen hat. Er gab sich Mühe, die jungen Theologen zum Selbstdenken und Selbststudium anzuleiten. Sein gerades biederes Wesen machte auf die Studirenden einen guten Eindruck und war wohl geeignet, sie zu gewinnen.

Neuer Nekrolog der Deutschen. Weimar, 1842.

#Augsburger Postzeitung (24.9.1873)

Vermischtes.

Das Grabmal Dr. Heinrich Klee's.

Aus Mainz erhalten wir in Sachen des Grabmals des seeligen Professors Dr. H. Klee folgende Zuschrift:

In Nr. 259 der Kölnischen Volkszeitung findet sich eine aus der Augsburger Postzeitung entnommene Korrespondenz aus München, worin der Verfasser erzählt: daß er auf dem Friedhofe zu München das Grabmal des seel. Prof. Dr. Möhler besucht und sodann auch das in der Nähe befindliche Grab des seel. Prof. Dr. Heinrich Klee aufsuchend, zwar den daselbst aufgestellten Denkstein (den guten Hirten vorstellend) noch vorgefunden, daß aber der Name desselben weggemeiselt und dafür der Name eines andern Mannes eingegraben gewesen sei, und darüber nun sein lebhaftes Bedauern und Erstaunen aussprach zugleich mit der Frage: wie Solches habe geschehen können?

Um nun hierüber den nöthigen Aufschluß zu geben und jede Irrung so viel als möglich zu verhüten, finde ich Unterzeichneter mich veranlaßt, hier folgende Erklärung bekannt zu machen. Am 27. Oktober 1868 erhielt ich ein Schreiben von Hrn. Professor Dr. Reithmayr, worin er mir mittheilt, daß er als Decan der theologischen Facultät eine amtliche Zuschrift des Stadtmagistrats von München erhalten habe mit der Anzeige: »Daß das Familiengrab des Prof. Dr. Heinrich Klee, da keine Nachkommen in gerader Linie vorhanden, bereits seit 1860 erloschen sei.« Zugleich stellte der Magistrat, »im Hinblick auf die Verdienste und den Ruhm des Verstorbenen,« die Anfrage: »Ob die Verwandten oder eventuell die theologische Facultät, um das Andenken des verdienten Mannes zu ehren und zu erhalten, das besagte Grab auf weitere 20 Jahre kaufen wollen?« Derselbe machte dabei auch das Anerbieten: »Falls der Wunsch bestehen sollte, eine Büste des Verewigten aufzustellen, eine Nische in den Arkaden des Friedhofes für diesen Zweck zu schenken!« – Da ich es nun für eine mir obliegende Pflicht der Pietät und Dankbarkeit hielt, den Gebeinen meines theuren Bruders nicht nur für weitere 20 Jahre, sondern für immer eine bleibende Ruhestätte zu verschaffen, und da auch der magistratische Referent in dieser Sache, Herr Magistratsrath Radspieler, bei einer Besprechung mit Herrn Professor Dr. Reithmayr in höchst dankenswerther Weise das Anerbieten gemacht hatte: »Wenn eine Büste angefertigt würde, welche, wie schon erwähnt, in den Arkaden neben anderen Celebritäten zur Aufstellung käme, so würde er Sorge tragen, daß die Gebeine des Verstorbenen aus dem dermaligen Grabe erhoben und genau unter der Büste wieder bestattet würden, und daß in diesem Falle der überflüssig gewordene Denkstein, welcher überdieß bereits stark verwittert und der Reparatur dringend bedürftig war, zur theilweisen Deckung der Kosten der fraglichen Übertragung verwerthet werden könnte – »so habe ich nicht gezögert, dieses höchst schätzenswerthe Anerbieten sehr dankbar anzunehmen, und habe ich sofort mich bereit erklärt, alle Kosten zu zahlen. Darnach habe ich den Hrn. Professor Dr. Reithmayr freundlichst gebeten, zu diesem Zweck eine passende Büste anfertigen zu lassen.

Dieses geschah und die besagte Büste wurde sodann in den Arkaden des südlichen Friedhofes in der Nische Nr. 27 aufgestellt, wie ich am 21. Nov. 1869 durch einen Brief des damaligen Decans der theologischen Facultät Hrn. Professor Dr. Thalhofer erfuhr.

Diese Erklärung dürfte wohl von den zahlreichen Schülern und Freunden meines seeligen Brudes Heinrich mit Befriedigung vernommen werden.

Mainz, den 21. Sept. 1878. Dr. Franz Klee.

Augsburger Postzeitung Nr. 224. Mittwoch, den 24. September 1873.

#Das Bayerland (1898)

30. Dr. Heinrich Klee, scharfsinniger kath. Theologe und Schriftsteller, geboren am 20. April 1800 zu Münstermaifeld bei Koblenz.

Seine humanistischen Studien machte er im bischöflichen Seminar zu Mainz. Erst 19 Jahre alt, wurde er schon Professor am kleinen Seminar, und nachdem er am 21. Mai 1823 die Priesterweihe erhalten, 1824 Professor der biblischen Exegese und der Kirchengeschichte, in der Folge auch Professor der Philosophie und Theologie am bischöflichen Seminar zu Würzburg. Er erwarb sich im Jahre 1825 den Doktortitel. Vier Jahre später wurde er als ordentlicher Professor nach Bonn berufen, wo er den Lehrstuhl über Dogmatik, Moraltheologie, Dogmengeschichte und neutestamentliche Exegese bis zum Jahre 1839 inne hatte, in welchem er als Professor der Theologie nach München berufen wurde.

Sein Wirken an der Münchener Hochschule, an der Seite seiner gelehrten Kollegen Allioli, Möhler und Windischmann, war ein äußerst kurzes; denn schon am 28. Juli 1840 verstarb er in seiner Wohnung Maximiliansplatz Haus-Nr. 10/II und wurde im südlichen Friedhofe, ältere Abteilung, Mauer links, Grabplätze Nr. 324, 325, zur Ruhe bestattet. Sein hinterlassenes Hauptwerk ist: »Katholische Dogmatik.«

Nach Auflassung seiner Grabstätte genehmigte der Stadtmagistrat München, Klees Büste auf Antrag eines Verwandten des Defunkten im Jahre 1869 in einer Nische der Arkaden aufzustellen. Sie wurde von der Bossierschule unter der Leitung des Reallehrers und Bildhauers Joh. Bapt. Weitzer modelliert.

C. Reber: Die »Ruhmeshalle« unter den Arkaden des südlichen (älteren) Friedhofes in München. Das Bayerland. Illustrierte Wochenschrift für bayerische Geschichte und Landeskunde. 9. Jahrgang. Heft Nr. 32. München, 1898.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Klee Heinrich, Dr. theol., 1800 (Münstermaifeld bei Koblenz) – 1840, katholischer Theologe und Universitätsprofessor; er studierte in Mainz, wo er auch nach seiner Priesterweihe als Professor der Exegese und Kirchengeschichte (seit 1824) und der Philosophie (seit 1825) wirkte, 1829 war er Professor der Dogmatik und Exegese in Bonn, 1839 wurde er als Nachfolger J. A. Moehlers nach München berufen; K. war ein fruchtbarer Gelehrter, dabei ein scharfer Gegner des Hermesianismus (Georg Hermes gründete den Offenbarungsglauben nicht auf die Autorität Gottes, sondern, von Kant beeinflußt, auf das Postulat der praktischen Vernunft, die Menschenwürde rein zu verwirklichen); »K. gehörte zu den Männern, welche für ihr Zeitalter wahre Stützen und Leuchten katholischer Wissenschaftlichkeit waren und die Zuversicht auf die Möglichkeit und Vereinbarkeit einer glaubensinnigen Katholizität und Kirchlichkeit mit wissenschaftlicher Tiefe beleben und stärken halfen« (Werner).

Hauptwerke: De chiliasmo primorum saeculorum, Die Beichte, Kommentare zum Johannes-Evangelium und zu Paulusbriefen; System der kath. Dogmatik, Enzyklopädie der Theologie, Die Ehe, Lehrbuch der Dogmengeschichte, 2Bde., Grundriß der kath. Moral.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#ML – 331·332* (Bertram)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Bertram, Johann, Dr.; 6.2.1776 (Köln) – 19.4.1841 (München); Philosoph

Das Grab ist nicht erhalten


#Dr. Johann Baptist Bertram

* 6.2.1776 (Köln)
† 19.4.1841 (München)
Jurist, Philosoph und Kunstsammler

#Regierungs-Blatt für das Königreich Bayern (8.4.1835)

Seine Majestät der König haben Sich vermöge allerhöchster Entschließung vom 20. Februar l. Js. allergnädigst bewogen gefunden, dem Dr. Sulpiz Boisserée, dem Melchior Boisserée und dem Johann Baptist Bertram, sämmtlichen aus Cöln, das Indigenat des Königreiches, unter Beibehaltung ihrerr bisherigen Unterthansrechte in Preußen zu verleihen.

Regierungs-Blatt für das Königreich Bayern Nro. 23. München; Mittwoch, den 8. April 1835.

#Allgemeine Zeitung von und für Bayern (23.4.1841)

Politisches.
Inland.

München, 20. April. Gestern Abend starb dahier der berühmte Freund der Brüder Boisserée, Bertram, im 65sten Lebensjahre. Jeder, der einst die auserlesene Gemäldesammlung dieser Brüder gesehen, die bekanntlich der königl. Pinakothek einverleibt ist, wird sich mit Interesse des Geschiedenen erinnern, der dem Beschauer die Kunstwerke so verständig und unermüdlich zu erklären wußte.

Allgemeine Zeitung von und für Bayern Nro. 113. Nürnberg; Freitag, den 23. April 1841.

#Kunstvereins-Bericht für 1841 (1842)

Johann Bertram,
Dr. der Philosophie, geboren in Köln den 6. Februar 1776, gestorben in München den 19. April 1841.

Der Hingang dieses kunstliebenden Freundes ruft uns jene denkwürdigen Zeiten ins Gedächtniß, wo bei den dunkelsten Aussichten die ersten Samenkörner zur Wiederbelebung deutscher Kunstliebe ausgestreut wurden, und wo sodann mit der Befreiung unseres Vaterlandes die neue Entwicklung der Kunst und aller Zweige deutscher Alterthumsforschung erfolgte. Denn nicht nur hatte Bertram in diesen Zeiten seine größte Wirksamkeit, sondern er zeichnete sich auch von jeher dadurch aus, daß er mit großer Verehrung für Kunst und Wissenschaft die lebhafteste Theilnahme für das gemeinsame deutsche Vaterland verband, an dem er trotz aller Schmach und Unterjochung mit unerschütterlicher Hoffnung und Treue hing. Er sprach schon diese Gesinnung aus, als er in den ersten Jahren des Jahrhunderts von Erlangen, wo er studirt hatte, zurückgekehrt, in Köln jüngere Freunde um sich versammelte, die er mit den neuesten Schriften der Literatur und so mit den Schriften über Kunst von Goethe, Tieck, Wackenroder und Friedrich Schlegel bekannt machte. Unter diesen Freunden, die er auch mit dem kölnischen Kunst- und Alterthumsfreund Wallraf in Verbindung brachte, befanden sich Cornelius und die beiden Brüder Boisserée.

Von den entschiedensten Folgen war das Verhältniß, in welches Bertram und die beiden letztgenannten Freunde 1803 zu Friedrich Schlegel traten, und in welchem sie vier Jahre lang die Lehre und den Umgang dieses geistvollen kenntnißreichen Mannes genossen. Seine bei jedem Anlaß kräftig ausgesprochene deutsche Gesinnung zog die jüngern Freunde ganz besonders an, wie denn überhaupt Friedrich Schlegel durch seine treue Vaterlandsliebe während dem Druck der Fremdherrschaft auf die empfängliche Jugend einen sehr wohlthätigen Einfluß ausgeübt hat, und deßhalb allein schon immer hoch geehrt zu werden verdient. Mit dieser Gesinnung vereinigte sich sehr gut Schlegels Kunstansicht, die im Gegensatz gegen die ausschließende Verehrung des griechischen Alterthums eine freisinnige Würdigung der eigenthümlichen Kunst jedes gebildeten Volks forderte, überhaupt aber den Ursprung aller höhern Kunst in der Religion erkannte. Die Kölner Freunde ergriffen diese Ansicht, ohne deßwegen in einzelne Verirrungen, die bei der Anwendung derselben stattfanden, einzustimmen, wie sie sich denn darüber unverhohlen äußerten. Sie ahnten damals nicht, daß sie selbst in der Zukunft sich ganz dem Kunstalterthum widmen würden. Um sie zu diesem Entschluß zu bewegen, gehörte freilich nicht nur jener oft erzählte Zufall, der ihnen ein altdeutsches Gemälde in den Weg führte, sondern eine wahre Fügung seltener unerwarteter Verhältnisse und Umstände, und besonders trug auch Bertram dazu bei, der zuerst einen Beruf darin erkannte, für die bessere Würdigung der so lange vernachlässigten, ja verachteten religiösen altvaterländischen Kunst mit allen Kräften zu wirken, und bei so manchen in jenen unglücklichen Zeiten sich erhebenden Schwierigkeiten die Freunde mit fester Zuversicht ermunterte, kein Opfer von Zeit und Mitteln in Verfolgung des gesetzten Zieles zu scheuen. Dieß Zeugniß haben die beiden jüngeren Freunde immer dem ältern gegeben, und so begreift man, wie sich das engste Band der Freundschaft knüpfte, welches jetzt nach vierzig Jahren erst der Tod gelöst hat.

Was durch die vereinten Bemühungen der drei Freunde für die altdeutsche Kunst geleistet worden, insofern es nicht unmittelbar in das geistige Leben übergegangen ist, steht in der von ihnen angelegten, jetzt mit den Kunstschätzen Sr. Majestät des Königs von Bayern vereinigten Gemäldesammlung und den von ihnen herausgegebenen Werken vor den Augen der Welt. Was aber namentlich Bertram in den Jahren 1810 bis 1826 in Heidelberg und Stuttgart für die bessere Erkenntniß der religiösen altvaterländischen Kunst gewirkt hat, wo jene eigenthümliche Gemäldesammlung von Personen aus allen Ständen, von dem Künstler und Gelehrten bis zum Staatsmann und Fürsten, von dem Freiwilligen bis zum Feldherrn, ja bis zu König und Kaiser besucht und beehrt wurde, dessen werden sich noch viele erinnern. Sie werden gerne der Gabe der Rede gedenken, die Bertram reichlich besonders für die Erzählung besaß, und die ihm stets den Beifall seiner Zuhörer sicherte, sofern er in der Stimmung war, das rechte Maaß zu treffen. Seine Freunde haben vielfach bedauert, daß er diese schöne Naturgabe nicht mehr ausgebildet und zu schriftstellerischen Arbeiten angewandt hat. Aber zu andern Eigenthümlichkeiten, die er hatte, gehörte auch seine Scheu vor allem Schreiben in der schreibseligsten Zeit! Nicht allein für Kunstgeschichte und Kritik, sondern auch für humoristische Sitten- und Charakterschilderung hätte er unserer Literatur schätzbare Beiträge liefern können. Er hatte bei großem allgemeinem Wohlwollen einen gar feinen Beobachtungssinn besonders für Schwächen und Thorheiten der Menschen, und bei sehr lebhafter Einbildungskraft einen reichen Schatz von Erinnerungen zumal aus dem vorigen Jahrhundert, dem seine ganze Jugend bis zum 24sten Jahr angehörte. Wer hat je die kleinen kölnischen Revolutionsauftritte aus den letzten Jahren der reichsstädtischen Verfassung von ihm schildern hören, ohne von der Wahrheit, Lebendigkeit und Heiterkeit der Darstellung eingenommen zu seyn? Unter allen Besuchen, welche die Gemäldesammlung an sich zog, machte keiner Bertram mehr Freude als der lange und wiederholte Besuch von Goethe 1814 und 1815 in Heidelberg, weil dieser Chorführer der deutschen Literatur, durch Uebertreibungen jugendlicher Begeisterung verstimmt, der altdeutschen Kunst abgeneigt, nun durch die Anschauung bedeutender Werke eines Bessern sich überzeugte und ihr gerechte Anerkennung bewies. Als die Sammlung endlich in den Besitz Sr. Maj. des Königs von Bayern überging und durch die Versetzung nach München die würdigste Stelle in der deutschen Kunstwelt erhielt, hatte Bertram die Genugthuung, wieder mit seinem alten Freund Cornelius zusammen zu kommen, dessen Umgang er vorzüglich liebte. Er erfreute sich mit diesem geistvollen erfindungsreichen Künstler der überaus glücklichen Entwicklung seiner Thätigkeit, und dabei gedachten beide gern der frühern Zeiten in Düsseldorf, Köln und Heidelberg. Das durch des Königs erhabenen Schutz und Neigung in München bestehende, alle Zweige der Kunst durchdringende rege Leben, mußte einen so entschiedenen Kunstfreund auf alle Weise ansprechen. Er sah die kühnsten Erwartungen, ja Träume in Erfüllung gehen. Ganz vorzüglich wurde Bertrams Theilnahme auch durch die geniale Gewandtheit und den schönen Erfolg erregt, womit Schwanthaler die Bildhauerei auf die verschiedenartigsten, besonders auf christliche Gegenstände anzuwenden weiß, noch mehr aber durch die Wiedererweckung der Glasmalerei in der Vollkommenheit und mit der Verbesserung, wie sie in der königlichen Porcellanfabrik stattfand. Jene bis dahin nur in den Ueberresten des Alterthums bewunderte verklärende Wirkung des lebendigen Lichts durch die Farbe nun wieder für die religiöse Kunst und in noch höherem Maaß als sonst benützen zu können, schien ihm, wie seinen Freunden, ein Glück, dessen Folgen in ihrem ganzen Umfang noch nicht zu ermessen seyen. Die Sammlung, welche der jüngere Boisserée von neuen Glasmalereien, zum Theil nach Gegenständen der ehemals eigenen Gemälde, anlegte, war für Bertram gleichsam die Abendröthe seines Lebens; die frühern Zeiten erstanden ihm darin wieder, er fand darin Genuß und Freude bis zu seinen letzten Tagen. Alle, denen Alterthum und Kunst nicht blos ein Gegenstand feiner Unterhaltung, sondern von höherer religiösen und vaterländischen Bedeutung ist, werden das Andenken des Hingeschiedenen, so wie er in jenen ereignißvollen Zeiten gestrebt und gewirkt hat, werth halten.

Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München während des Jahres 1841. München, 1842.

#Ergänzungsblätter zu allen Conversationslexiken (1852)

Melchior Boisserée. Viel und immer mit Ruhm genannt sind unter uns die Namen der drei Kölner Kunstfreunde, Sulpiz und Melchior Boisserée und Johann Baptist Bertram, denen die Geschichte und Kenntniß der altdeutschen Kunst, namentlich durch die Würdigung und Erhaltung der Werke der altkölnischen Malerschule, unendlich viel zu verdanken hat. So innig waren die drei Kölner verbunden, daß ihre Geschichte nicht zu trennen ist, daß wer von den Thaten des einen redet auch die Verdienste der beiden anderen erzählt.

Ergänzungsblätter zu allen Conversationslexiken. Leipzig und Meißen, 1852.

#ML – 335* (Arndts von Arvensberg)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Arndts von Arvensberg, Ludwig von, Dr.; 19.8.1803 – 1.3.1878 (München); Königlich bayerischer Hofrat und Universitätsprofessor
  • Arndts von Arvensberg, Maria von (vw) / Görres (vw) / Vespermann (gb) / Pauss, Karl (ps); 5.4.1823 (München) – 23.5.1882 (München); Schriftstellerin, Komponistin und Malerin

Das Grab ist nicht erhalten


#Maria von Arndts von Arvensberg (vw) / Görres (vw) / Vespermann (gb) / Carl Pauss (ps)

* 5.4.1823 (München)
† 23.5.1882 (München)
Schriftstellerin, Komponistin und Malerin

#Fremden-Blatt (6.9.1860)

Verwandten und Freunden zeigen ihre heute in Andechs vollzogene eheliche Verbindung hierdurch ergebenst an

Dr. Ludw. Arndts,
kk. Regierungsrath und
Professor der Rechte in Wien.

Maria Arndts,
geb. Vespermann,
verwitwete Görres.

Mühlfeld am Ammersee, den 25. August 1860.

Fremden-Blatt Nr. 248. Wien; Donnerstag, den 6. September 1860.

#Das Vaterland (22.2.1861)

(Für verwundete Vertheidiger von Gaeta.)

Vor Kurzem ist hier erschienen: »Hymne, Ihrer Majestät Maria Sophia Amalia, Königin beider Sicilien, ehrfurchtsvoll dargebracht von Maria Arndts, geb. Vespermann. Für eine Singstimme mit Clavierbegleitung und vierstimmig für Männerchor.« Dichtung und Musik sind gleicherweise von Maria Arndts, einer Dame, welcher Poesie und Tonkunst schon so manchen werthvollen Beitrag verdanken. Den Text der Hymne, von welchem eine italienische Bearbeitung beigegeben ist, haben wir vor einiger Zeit vollständig mitgetheilt. Was die Composition betrifft, so ist sie durch schlichte Melodieführung, leichte Sangbarkeit, durch einfache, kräftige Rhythmik und natürlichen Zug und Fluß der Modulationsweise ein im besten Sinne volksthümliches Tonstück. Die vollgriffige Clavierbegleitung, welche in der äußersten Stimme die Melodie mitspielt, paßt vortrefflich zu dem einfachen Geist der Composition. Das vierstimmige Arrangement für Männerstimmen ist sangbar und kräftig gesetzt. So empfiehlt sich denn dieses Tonstück durch sich selbst und seinen edlen Zweck, der dahin geht, verwundete Vertheidiger von Gaeta zu unterstützen. Die betreffende Composition (Preis 50 kr. Oest. W.) ist zu haben: in der Expedition des »Vaterland«, in der Mechitharisten-Buchhandlung und in der Musikalienhandlung von Gustav Lewy.

Das Vaterland. Zeitung für die österreichische Monarchie Nr. 44. Wien; Freitag, den 22. Februar 1861.

#Volks- und Schützen-Zeitung (13.3.1861)

Im Selbstverlage der Verfasserin ist erschienen: Hymne Ihrer Majestät Maria Sophia Amalia, Königin beider Sicilien, ehrfurchtsvoll dargebracht von Maria Arndts, gebornen Vespermann. Für eine Singstimme mit Klavierbegleitung, auch vierstimmig für Männerchor. Preis 50 kr. österr. W. in Silber oder 75 kr. österr. W. in Banknoten.

Der Ertrag ist für verwundete Vertheidiger von Gaeta bestimmt.

Dem Verkaufe des Exemplars widmet sich in Innsbruck die Musikalienhandlung von Johann Groß.

Volks- und Schützen-Zeitung No. 31. 13. März 1861.

#Grazer Volksblatt (13.12.1868)

Feuilleton.

Maria Arndts.
Eine christliche Dichterin.

Der Frauen-Sphäre ist die engere Häuslichkeit, das Familienthum; der Frauen nächster Beruf ist und bleibt es immer, dieses zu verklären als Priesterinnen der Sitte, Ordnung und Zucht, und ihr eigenthümliches Talent ist das der stillen, sinnigen Beobachtung.

Halten sie als Schriftstellerinnen die Schranken dieses Berufes und dieser Befähigung inne, so werden sie immer als die naturgemäße Ergänzung zu der schriftstellernden Männerwelt gelten müssen; gehen sie aber als solche darüber hinaus, so fallen sie damit ohne weiteres in die Kategorie der emancipirten, d. h. der von ihrer wahren Natur abgefallenen Weiber, und erregen mit Recht mehr oder minder Anstoß.

Nach diesem durchaus sachgemäßen Gesichtspunkte scheiden sich nun alle unsere heutigen Schriftstellerinnen in zwei Gruppen, von denen die eine alle die umfaßt, die die Grenze entweder der weiblichen Sitte und Sphäre, oder die der weiblichen Begabung überschritten, die andere aber die, die dem Wesen und der Bestimmung des Weibes getreu blieben.

Indem wir mit diesen Worten Barthels vollkommen übereinstimmen, können wir keinen Augenblick zögern, die Dichterin, deren neueste Schöpfung vor uns liegt, Maria Arndts, jenem edlen Kranz von Dichterinnen anzureihen, die begeistert von dem Beispiele einer Roswitha, Karschin, Gräfin Ida Hahn-Hahn oder Elisabetha Freiin von Droste-Hülshoff, auch in unserer dem goldenen Kalbe des crassesten Materialismus so sehr huldigenden und an inniger, tiefer Poesie so armen Zeit, der Laute ihres reinen und empfindsamen Herzens die herrlichsten Töne zu entlocken verstehen; jenen edelsten der deutschen Frauen, von denen der große Minnesänger Walter von der Vogelweide so treffend singt:

Lande hab‘ ich viel gesehen,
Und ich nahm der besten gerne wahr;
Uebel müßt‘ es mir ergehen,
Brachte ich mein Herz je ihnen dar.
Daß ihm wohl gefallen
Manche fremde Sitte,
Unrecht wär‘ es, wenn ich dieses widerstritte:
Deutsche Zucht geht doch vor allen.

Von der Elbe bis zum Rhein
Und dann wieder bis zum Ungarland
Mögen wohl die Besten sein,
Die ich habe in der Welt erkannt.
Kann ich recht erschauen
Gut Gelaß und Leib,
Helf‘ mir Gott, so schwör‘ ich, besser ist das Weib
Hier, als anderwärts die Frauen.

Deutscher Mann ist wohlgezogen,
Recht wie Engel sind die Frauen schön.
Wer sie schilt, der ist betrogen:
Ich kann dieses anders nicht verstehen.
Tugenden und reine Minne,
Wer die suchen will,
Komm‘ in unser Land nur, da ist Wonne viel.
Mög‘ ich leben lang darinnen! …

Dramen für das christliche Haus sind die Dichtungen betitelt, in denen Maria Arndts ihre schönen, frommen und edlen Gedanken in dem Gewande einer ebenso edlen und reinen Sprache niedergelegt hat, daß man nicht umhin kann, die Worte der Verfasserin auf sie selbst anzuwenden:

Wer diese »Dramen« hat ersonnen,
Der ist ein reiner Geist fürwahr
Und trank am echten Lebensbronnen,
Der ewig fließet licht und klar.

Das dritte Bändchen – das erste enthält: »Die Schule Murillo’s«, das zweite: »Ein Passionsspiel in fünf Bildern«. – bringt uns: »Ostern in fünf Bildern.«

An Innigkeit der Gefühle, wenn auch nicht an anderen Vorzügen, die übrigen Bilder übertreffend erscheint uns das vierte: »Die drei Marien am Ostermorgen.

[…]

Grazer Volksblatt Nr. 342. Sonntag, den 13. Dezember 1868.

#Sion (30.12.1868)

Literarisches.

Dramen für das christliche Haus von Frau Maria Arndts in Wien. Wien und Gran. Verlag von Carl Sartori, päpstlicher und Primatialbuchhändler, 1869.

»Kunst bleibt Kunst, und auch durch einen heiligen Gegenstand wird das mit den natürlichen Kräften der Phantasie, des Gemüthes und Verstandes gearbeitete Kunstwerk noch nichts wesenhaft Heiliges (etwa eine kirchlich-religiöse Handlung), welches durchaus einen eigens ihm geweihten Ort und eigene Diener erforderte«, sagte Fräulein Emilie Ringseis in der Einleitung zu ihrer Tragödie »Sebastian«. Hiemit dürften auch die religiösen Dramen für das christliche Haus der Frau Maria Arndts in Wien, von denen mir die dritte Abtheilung »Ostern in fünf Bildern« vorliegt, gerechtfertiget sein. Sie sind geeignet, am häuslichen Herde, besonders der Jugend, jene Genüsse rein und erhebend zu gewähren, welche sie im Theater in der jetzt beliebten Form nicht ohne große Gefahr für ihre kostbarsten Güter suchen kann.

Das erste Bild bringt zur Darstellung : Die frommen Frauen am Grabe des Herrn;
das Zweite: Die Wache am Grabe;
das Dritte: Die Rathsversammlung im Hause des Hohenpriesters Caiphas,
das Vierte: Die Marien am Ostermorgen;
das Fünfte: Der Gang nach Emaus.
Eine musikalische Composition »Alleluja« von Frau M. Arndts bildet den Abschluß.

Tendenz dieser Bilder ist eine Apologie der christlichen Lehre von der Auferstehung des Herrn gegenüber den Sophismen unserer Zeit, geeignet im jugendlichen Gemüthe der Darsteller und Zuschauer einen nachhaltigen Eindruck hervorzubringen. Die Sprache ist edel und einfach, jede Localität geeignet für die nothwendige Inscenirung; jede größere Familie bietet das nothwendige Personal zur Vertheilung der (4–12) Rollen. Mögen sie durch vielfache Anwendung in christlichen Familien und Erziehungsanstalten erbauen und erfreuen.

Sion Nr. 105. Eine Stimme in der Kirche für unsere Zeit. Mittwoch, den 30. Dezember 1868.

#Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich (1870)

Arndts, Maria (Dichterin, geb. zu München 5. April 1823). Tochter des Münchner Hofschauspielers Vespermann aus dessen Ehe mit der Sängerin Clara Metzger; in erster Ehe Gattin des Dichters Guido Görres, in zweiter Ehe des Professors der Wiener Hochschule Dr. Ludwig Arndts. Nicht zu verwechseln mit dessen erster Gattin Bertha Arndts, gest. zu Hüteldorf nächst Wien 10. Mai 1859, die auch als Dichterin einen Namen hat.

Kehrein (Joseph): Biographisch-literarisches Lexikon u. s. w. (wie bei Anzoletti), S. 4. – Gratzer Volksblatt 1868, S. 342: »Maria Arndts. Eine christliche Dichterin«

Dr. Constantin von Wurzbach: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. Wien, 1870.

#Salzburger Zeitung (22.1.1870)

Kommenden Mittwoch den 26. d. M. als am Vorabende des Geburtstages Mozarts soll im hiesigen Theater ein neues Lustspiel: »Mozart als Ehestifter« von Maria Arndts zur Aufführung kommen. Das genannte Lustspiel dieser renomirten Dichterin ist soeben in Wien im Verlage von Karl Sartori im Druck erschienen. Von kompetenter Seite wird versichert, daß der große Meister Mozart in diesem Lustspiele so gezeichnet ist, wie er wirklich dachte, fühlte und lebte, während Neid und Verläumdung seiner Zeit- und Kunstgenossen vielfach sein Bild entstellt haben. Diese, dem Andenken Mozarts gewidmete Dichtung wird daher gewiß in seiner Vaterstadt das lebhaftetste Interesse in Anspruch nehmen.

Salzburger Zeitung Nr. 17. Samstag, den 22. Januar 1870.

#Salzburger Zeitung (24.1.1870)

Tagesneuigkeiten.

Salzburg, 25. Jänner.

Das in der letzten Samstags-Nummer besprochene Lustspiel »Mozart als Ehestifter« von Maria Arndts (Gattin des Regierungsrathes Prof. Arndts in Wien) kommt morgen als am am Vorabende des Geburtstages Mozart‘s im hiesigen Theater zur Aufführung. (Das Buch ist in Oberer‘s Buchhandlung um 30 kr. Zu haben.)

Salzburger Zeitung Nr. 18. Montag, den 24. Januar 1870.

#Salzburger Chronik (25.5.1882)

Personalien. Am 23. d. M. starb in München die hochwohlgeborne Frau Maria Arndts von Arnesberg, geb. Vespermann, verwitw. Görres, Witwe des am 1. März 1878 verstorbenen k. k. Hofrathes und Universitätsprofessors Dr. Ludwig Arndts von Arnesberg, Mitglied des Herrenhauses, und wurde heute Nachmittag in der Familiengruft in München zu geweihter Erde bestattet. R. I. P.

Salzburger Chronik No. 119. Donnerstag, den 25. Mai 1882.

#Wiener Abendpost (27.5.1882)

(Sterbefälle) Gestorben sind:

Die Schriftstellerin Frau Maria Arndts von Arendsberg, Wittwe des Pandekristen und ehemaligen Universitäts-Professors in Wien, Hofrathes Dr. Ludwig Arndts von Arendsberg, in München am 23. d. M., im Alter von 59 Jahren. Sie war in erster Ehe mit dem Dichter Guido Görres vermählt.

Wiener Abendpost Nr. 121. Beilage zur Wiener Zeitung. Samstag, den 27. Mai 1882.

#ML – 338…345* (Priesterbruderschaft zu St. Cajetan)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Priesterbruderschaft zu St. Kajetan

Das Grab ist nicht erhalten

#ML – 341 (Hauber)


Johann Michael
Hauber
Stiftsprobst
und
Hofkapelldirektor
1778 – 1843


  • Hauber, Johann Michael; 2.8.1778 (Irsee/Schwaben) – 20.5.1843 (München); Katholischer Theologe und Hofkapelldirektor

Grab der Familie Hauber auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2008)

#Johann Michael Hauber

* 2.8.1778 (Irsee/Schwaben)
† 20.5.1843 (München)
Katholischer Theologe und Hofkapelldirektor

#Neuer Nekrolog der Deutschen (1845)

D. 20. zu München der k. Hof-Kapell-Direktor, Propst M. Hauber. Er war zu Irrsee im Isarkreise am 2. Aug. 1778 geboren, studirte zu Freising und erhielt die Priesterweihe am 4. April 1801. Schon in seinen Studienjahren wendete er sich der Musik mit Liebe und Eifer zu und brachte es darin zu großer Vollkommenheit. Zuerst wurde er Kaplan in der Vorstadt Au, dann 1818 Prediger an der Frauenkirche, im folgenden Jahre Hofkaplan, Benificiat an der Frauenkirche, im folgenden Jahre Hofkaplan, Benificiat an der Frauenkirche, Kaplan der Erzbrüderschaft des h. Georg und Inspektor der männlichen Pfarrschule zu München.

Seine vornehmsten Schriften sind: Der musikalische Jugendfreund. 12 Hefte. München 1814 u. 15. – (Gemeinschaftl. mit K. Etti) die Liedertexte zum musik. Jugendfreund. Ebend. 1815. – Christl. Lieder und Gebete zum allgem. Gebr. in den kathol. Kirchen und Schulen. Ebend. 1814. – Auserlesene Erzählungen und Parabeln zur Beförd. eines christl. relig. Sinnes. Ein Leseb. f. d. Jugend. Ebend. 2. Aufl. mit 1 Kpf. – (Mit Riediger, Gottner und Bacher:) Vier Predigten an d. Gedächtnißfeier des 200jähr. Jubil. der Herren Bürger in München. Ebend. 1818. – Jugendbibliothek. 6 Bdchn. Ebend. 1818–1826. – Gesangslehre für den 1. Kurs der kön. Elementar-Volks-Singschulen. Ebend. 1818. – Vollständ. Jahrgang latein. Kirchenmusik f. d. kathol. Gottesdienst. Gewählt aus d. Werken der vorzügl. Kirchenmusiker etc. 4 Hefte. Ebend. 1819. – Materialien zum Schön- und Rechtschreiben. Ein Sittenbüchlein f. Kinder. Ebend. 1821. – Am genanntesten und verbreitetsten ist: Gebetbuch f. kath. Christen. Ebend. 1823. In dems. Jahre 2. Aufl. mit seinem Namen.

Neuer Nekrolog der Deutschen. Weimar, 1845.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Hauber Johann Michael, 1778 (Irsee/Schwaben) – 1843, katholischer Theologe und Hofkapelldirektor; nach seinen Studien zu Freising und Verwendung in der Seelsorge in der Au bei München war H. seit 1819 Hofkaplan, später Hofprediger, seit 1843 war er Stiftspropst bei St. Kajetan und Hofkapelldirektor; H. ist bekannt als Verfasser zahlreicher Erbauungsschriften, die von anderen Herausgebern später vielfach als Quelle benützt wurden, und als namhafter Musikkenner; er unterstützte die Bestrebung K. Etts zur Wiederbelebung der klassischen Vokalpolyphonie in der Kirchenmusik und sammelte einen ansehnlichen Schatz historischer Musikhandschriften; auch an der Einführung der Barmherzigen Schwestern in München und Bayern, deren erster Superior er wurde, war H. beteiligt.

Hauptwerke: Kleines Gebetbuch für Katholische Christen, Vollständiges Gebetbuch, Vollständiges Lexikon für Prediger und Katecheten, 5 Bde., Der musikalische Jugendfreund.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#ML – 356 (Gedon)


Familiengrab

Gedon
Lorenz
24.11.1844 – 27.12.1883
Mina
7.2.1849 – 3.10.1929

Anmerkung: Im Jahr 2018 wurde die Inschriftentafel erneuert.
In der vorangegangenen Version war Mina Gedon nicht aufgeführt:

LORENZ
GEDON
* 1844
† 1883


  • Gedon, Lorenz; 24.11.1844 (München) – 27.12.1883 (München); Architekt und Bildhauer
  • Gedon, Mina (vw); 7.2.1849 – 3.10.1929 (München); Architektens- und Bildhauers-Witwe

Todesanzeige für Lorenz Gedon

Todesanzeige für Lorenz Gedon

Todesanzeige für Mina Gedon

Lenbach: Lorenz Gedon. Porträtsammlung der Österreichischen Nationalbibliothek.

Lenbach: Lorenz Gedon. 1882. Porträtsammlung der Österreichischen Nationalbibliothek.

Lorenz Gedon: Wagner-Büste. 1883. Porträtsammlung des Münchner Stadtmuseums.

Wilhelm Leibl: Bildnis der Frau Gedon. 1869. Bayerische Staatsgemäldesammlungen – Neue Pinakothek München.

Grab der Familie Gedon auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familie Gedon auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

Grab der Familie Gedon auf dem Alten Südfriedhof München (April 2014)

#Lorenz Gedon

* 24.11.1844 (München)
† 27.12.1883 (München)
Architekt und Bildhauer

#Allgemeine Zeitung (28.12.1883)

(Lorenz Gedon †.) Der Bildhauer und Architekt Lorenz Gedon ist heute Morgen um halb sechs Uhr im 40. Lebensjahre einem langwierigen, schweren Leiden erlegen. Seit zwei Jahrzehnten einer der Unseren, hat der nun Verstorbene durch seine Leistungen im decorativem Fache, als Bildhauer und Architekt, sich in die Reihen Münchener Berühmheiten gestellt. Wo es irgend galt, zu großen Festlichkeiten Räume künstlerisch auszuschmücken, da ward Gedons Name zuerst genannt; noch die letzte Internationale Kunstuasstellung im Glaspalaste hatte ihr Vestibul von seinem Geiste und von seiner Hand geschmückt. Die Summe des künstlerischen Schaffens Gedons zu ziehen, dessen Name mit dem hiesigen Kunstleben, mit der Blüthe Münchens und seinen Festen eng verknüpft ist, müssen wir einer berufeneren Feder überlassen.

Allgemeine Zeitung Nr. 360. München; Freitag, den 28. Dezember 1883.

#Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst (24.1.1884)

Nekrologe.

Lorenz Gedon †. Am 27. Dez. 1883 morgens halb sechs Uhr entschlief sanft und ohne Schmerzen, nachdem er über ein Jahrzehnt an unheilbarem Wangenkrebs, den er von seinem Vater ererbt, gelitten, der Bildhauer Lorenz Gedon, im kaum begonnenen 40. Lebensjahre.

Lorenz Gedon ward am 24. November 1844 in München geboren und erlernte zunächst das Tischlergewerbe, bezog aber später die dortige Akademie und widmete sich der Bildhauerkunst, trieb dann daneben die Malerei und warf sich schließlich, die Malerei ganz aufgebend, auf die Architektur. Aber weder Plastik, noch Malerei, noch auch Architektur war sein Hauptfach. In den beiden erstgenannten Künsten schuf er nichts, was sich über das Niveau des Gewöhnlichen erhob, und seine Bauten, wie das vielbesprochene Haus des Grafen Schack, die Fassaden des sogen. Eymannsberger- und des Ruedererhauses, sowie der Umbau des Hotels Bellevue mit dem wunderlichsten aller Portale, sämtlich in München, lassen zwar ein schönes Talent, aber auch einen unleugbaren Mangel an solidem Studium erkennen, das eben nie durch Talent ersetzt werden kann. In einem Fache aber war Gedon fast unerreichbar: in der Dekoration. Galt es die Inscenirung eines Künstlerfestes, die Ausschmückung irgend eines Festraumes, da schuf er, unterstützt von einer übersprudelnden Phantasie, Hervorragendes. So ward er für die Dekoration des deutschen Kunstsalons der Weltausstellung des Jahres 1878 in Paris mit Recht mit Lob überhäuft und durch die Ausstattung des deutschen Saales in der Wiener internationalen Kunstausstellung zum eigentlichen Bahnbrecher auf diesem Felde. Nannte er sich scherzhafterweise dann und wann den »Reichstapezierer«, so lag darin ein gutes Korn Wahrheit. Glaubte man doch die Kraft des geistvollen Dekorateurs seit Jahren nirgendwo entbehren zu können. Schade nur, daß solche Arbeiten ihrer Natur nach in der Regel nur vorübergehende sind! Seine letzte Schöpfung dieser Art war die Dekorirung des neuen Lokals der Künstlergesellschaft Allotria, zu deren Gründung Gedon den ersten Anstoß gegeben hatte. Gedon und seine Freunde verlangten, als die Wiener Weltausstellung in Aussicht stand, in einer stürmischen Versammlung der Münchener Künstlergenossenschaft einen Kredit für die Dekoration gewisser Münchener Ausstellungsgegenstände, gegen welchen Antrag der damalige Genossenschaftsvorstand Conrad Hoff nicht ohne Heftigkeit sprach, indem er solche Dinge als »Allotria« bezeichnete. Dies Wort griff nun die Partei Gedons auf, konstituirte sich als geselliger Verein und es dauerte nicht lange, so gab dieser Verein, dank der Rührigkeit und Energie Gedons, in den meisten Künstlerangelegenheiten den Ausschlag.

Großen Einfluß übte Gedon auch auf das Münchener Kunstgewerbe aus, das ihm manche fruchtbare Idee und zahlreiche mitunter geistreiche Entwürfe verdankt. Er war ein echtes Münchener Kind, voll Begeisterung für seine Vaterstadt, geraden Sinnes, unter Umständen von göttlicher Grobheit, ein warmherziger Künstler, ein liebevoller Gatte und Vater, in seinem furchtbaren körperlichen Leiden ein Held, ein treuer Freund, ein guter Kamerad. Friede seiner Asche!

Carl Albert Regnet.

Carl Albert Regnet: Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst Nr. 15. 24. Januar 1884.

#Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst (5.6.1884)

P. Auktion Gedon. Am 17. Juni soll in München der Verkauf von Lorenz Gedons, – des so früh Verstorbenen – Sammlung beginnen. Die Versteigerung wird im Atelier des Künstlers durch Heberle aus Köln geschehen, welcher soeben den prächtig ausgestatteten Katalog (Verlag von Georg Hirth in München) versandt hat. Das Atelier Gedons war seit einer langen Reihe von Jahren für jeden Kunstfreund, der München besuchte, ein Hauptanziehungspunkt: hier fand man stets mannigfache Anregung in der köstlichen Umgebung, im Umgang mit dem lebensfrohen Künstler. Noch wenige Monate vor seinem Tode zeigte er einigen Besuchern des Münchener Kunstgewerbe-Kongresses seine Schätze, freilich schon mit dem Gefühl des unabwendbaren nahen Endes. Und welche Schätze! Gedon hat – ein echter Künstler – niemals systematisch gesammelt: was er fand, war es schön oder paßte es in irgend einen Winkel seiner Räume, er kaufte es, gleichgiltig, ob es sich irgend einer Gruppe seines Besitzes einfügte, oder ob es einzeln dastand und einzeln blieb. Dadurch hat die Sammlung etwas durchaus Individuelles bekommen, sie ist gleichsam ein getreues Abbild seiner Persönlichkeit geworden.

Seine vielfachen Beziehungen als Bildhauer und Architekt brachten Gedon mit allen Kreisen in Berührung, warfen ihn in der Welt umher, nicht bloß auf den breiten Straßen, welche die Menge wandelt, sondern auch auf wenig bekannten oder gänzlich unbekannten Wegen. Dort suchte er, fand er, rettete er: manches Stück ist durch seinen Kennerblick ans Licht gefördert, in seinem Wert erkannt, vor Untergang bewahrt. So enthält denn die Sammlung eine reiche Fülle vortrefflicher Stücke, vielfach Arbeiten von höchster Schönheit und größter Seltenheit. Alle Epochen künstlerischen Schaffens, vom frühen Mittelalter an bis in die Empire-Zeit hinein, sind durch Kunstwerke vertreten. Kaum ist es möglich, irgend eine Gruppe als besonders wertvoll hervorzuheben. Der vortrefflich gearbeitete Katalog ermöglicht auch denjenigen, denen es nicht vergönnt gewesen, noch bei Lebzeiten des Meisters einen Blick in seine schönen Räume zu werfen, sich ein Bild von der Sammlung zu machen, er ist zugleich geeignet, dies Bild auch späteren Zeiten zu erhalten. In ganzer Schönheit wird der Besitz des Künstlers nochmals allen Kunstfreunden während der Tage vom 14.–16. Juni vorgeführt werden: Rudolf Seitz, der langjährige Freund des Verstorbenen, hat den künstlerischen Nachlaß in den Atelierräumen in überaus geschickter Weise aufgestellt. Eine Schilderung dieser Aufstellung giebt Friedrich Schneider im Vorwort des Kataloges, wo er dem Verblichenen warme Worte als Nachruf widmet. Mit ihm wird jeder Kunstfreund die Sammlung nicht ohne Schmerz ihrer Auflösung entgegengehen sehen; sicherlich wird aber ein großer Teil der Schätze, die hoffentlich zum größten Teil in öffentlichen Besitz übergehen, den Namen des früheren Besitzers dauernd erhalten und noch späten Geschlechtern Kunde geben von dem Kunstsinn, dem Wirken und der Sammlung Lorenz Gedons.

Auktionskataloge

Catalog der nachgelassenen Kunstsammlungen des Bildhauers und Architekten Lorenz Gedon in München; Kunsttöpferei, Glas, Arbeiten in edlem und unedlem Metall, Elfenbein, Emaille, Holz und Stein, Bucheinbände, Erzeugnisse der Textilindustrie, Waffen, Gemälde usw. Versteigerung in München den 17.–21. Juni durch J. M. Henerle (Lempertz’ Söhne) aus Cöln. 125. S. 1257 Nummern. Mit vielen Illustrationen. 4°. Verlag von Georg Hirth in München. Kleine Ausg. ohne Lichtdruck Mk. 2.-. Grosse Ausg. mit Lichtdrucken Mk. 10.-.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst Nr. 34. 5. Juni 1884.

#Catalog der nachgelassenen Kunst-Sammlungen des Bildhauers und Architekten Lorenz Gedon in München (1884)

Vorwort.

Jede Sammlung trägt etwas von der Eigenart ihres Besitzers an sich: kleine, engherzige Ansichten treten darin ebensowohl zu Tag, wie ein vornehmer, von Liebe und Begeisterung getragener Sinn. So spiegelt die Sammlung Gedon’s im besten Sinn den Geist, der sie in’s Leben gerufen und darüber gewaltet hat. Sie ist nicht das Ergebniss systematischen Sammeleifers; sie umschliesst nicht förmlich ausgebaute Einzelheiten und bevorzugt nicht besondere Richtungen, Schulen oder Länder: sie ist vielmehr das Ergebniss von Bestrebungen, welche einen Theil der Lebensaufgabe des Künstlers ausmachten.

Lorenz Gedon (geboren 12. November 1843 zu München, ebendaselbst gestorben 27. December 1883) wurde schon als junger Bildhauer, an der Hand der alten Meister, mit Geist und Form des deutschen Mittelalters vertraut; dieser ersten Liebe blieb er zeitlebens treu und wenn er sich auch später der jüngeren Kunstrichtung mehr zuwandte, so verliess er desshalb die ältere nicht und handhabte ihre Formen dauernd mit wahrster Empfindung und Sicherheit. Lernen und Sammeln, Schaffen und Erhalten gingen bei Gedon Hand in Hand und die folgenden Blätter legen Zeugniss ab für die seltene Gunst, womit sein Streben auf dem Gebiete des Sammelns gekrönt ward.

Sein Leben spielte inmitten einer reichen Thätigkeit ab. Die grossen Ateliers und die Wohnräume waren angefüllt mit den redenden Zeugen alter Kunstthätigkeit. Wie er selbst unter den anregenden Eindrücken seiner Sammlung lebte und wirkte, so waren die Räume seines Künstlerheims eine Schule des Geschmackes für Viele, die empfindenden und lernbegierigen Sinnes dahin kamen. Mit Gedon’s Hingang haben die alten trauten Werkstätten nun freilich eine durchgreifende Veränderung erfahren müssen. Indess sollte die Sammlung, die von seinem Künstlergeiste getragen war, nicht zerbröckeln, ohne nochmals von dem Geschmacke ihres Begründers und ihrer eigenen Schönheit Zeugniss abzulegen. Gedons Freund, Rudolf Seitz, hat den vielgestaltigen Reichthum in den grossen Atelierräumen zu einem herrlichen Gesammtbilde vereinigt. Wie in der scheidenden Sonne das Licht des Tagesgestirns nochmals zum vollen Glanze sich vereint, so bietet die Gedon’sche Sammlung in ihrer letzten Aufstellung einen Anblick wie nie zuvor. Es ist der würdigste Trauerschmuck, welchen der Freund dem früh verschiedenen Genossen bereiten konnte, indem er die ganze Fülle dessen, was Gedon’s Besitz umfasste, in einer solchen Uebersicht vereinigte.

Beim Eintritt empfangt uns ein weiter Saal, in dessen Mitte die Schreine mit den Edelmetall-Geräthen und mit den herrlichen Gläsern und Krügen aufgerichtet sind. Um diese Kunstheiligthümer reihen sich, gruppenweise geordnet, die einzelnen Abtheilungen. Mit vornehmer Breite entfalten sich Gobelins über den weiten Durchlässen. Gegen die nördlichen Fenster hängen ehrwürdige Fahnen, den Raum mit farbigem Lichte überfluthend; darunter die Bamberger Domfahne mit dem Bilde Heinrich’s II. und Kunigunden’s. Die Fenster sind mit vielfach gewundenem Eisenwerke des 17. und 18. Jahrhunderts vergittert. Dem Eingang gegenüber baut sich ein reizend gegliederter gothischer Altar der Syrlin’schen Schule auf mit einer vorzüglichen in Holz geschnittenen Gruppe der Madonna und Mutter Anna mit dem Christuskinde und mit Heiligenfiguren, Engeln und Wappen aufs Reichste geschmückt. Roccocoschranken umschliessen den Vorraum. — Nebenan hängt auf einem Prachtteppich ein Tafelbild der Massys’schen Richtung und darunter ein in Holz geschnitztes, vergoldetes Roccocorähmchen von der höchsten und geschmackvollsten Ueppigkeit und mit eminenter Technik gearbeitet.

An kostbaren Truhen, Instrumenten und Stoffen vorbei wenden wir uns zu einem traulichen Erker, darin geschlagene Schüsseln und Leuchter in Gelbmetall in reicher Menge aufgestellt sind. Am Wandpfeiler haben zwischen zierlichem Schrankwerk die mächtigen Zinnkrüge und Innungshumpen ihren Platz gefunden. Reiches Zinngeräth, worunter viele Prachtstücke, auch Schüsseln von Briot und Enderlein, bedeckt die Flächen. An den freien Wänden treten in den wuchtigen Formen der Spätrenaissance und des Barock eichene Thürrahmen mit ihren Verdachungen heraus, neben welchen sich eine feingegliederte Kanzel mit Escheneinlagen aufbaut, die mittels alter Verglasung zu einem reizenden Auslug umgestaltet ist. Ein Gobelin mit grossen historischen Motiven, alte Portraits und biblische Bilder der niederländischen Schule schliessen gegen die Holzdecke ab.

Werfen wir nun noch einen Blick auf die in diesem Saale aufgestellten goldenen und silbernen Geräthe, Krüge und Gläser so finden wir eine Vereinigung der kostbarsten und edelsten Kunstgegenstände, deren Anzahl und Reichthum viele Museen mit Neid erfüllen könnte. Da ist vor Allem der berühmte silbermontirte Cocosbecher, eine Eule darstellend, dessen reizvolle Technik das Auge des Kenners auf sich zieht. Ihm schliessen sich circa 20 Becher und Kannen in allen möglichen Formen und Grössen getrieben, ciselirt und gravirt an. Das in der That eines Jamnitzers würdige Pulverhorn, welches Lossow mit eben so viel Liebe wie Verständniss in seiner Zeichnung wiedergegeben hat, und der silberne Dreifuss einer Schale repräsentiren die besten Goldschmiedearbeiten der Renaissanceperiode. Nicht weniger interessant sind die kirchlichen Geräthe, wie Kelche, Reliquienbehälter und Rauchfass in dieser Abtheilung, welche noch eine Menge der reizendsten Schmuckgegenstände, Anhänger, Gürtelketten, Agraffen, Dosen, Medaillen u. s. w. enthält.

Bei den nebenan in geschmackvollster Weise aufgestellten Krügen und Gläsern fällt das Auge sofort auf einen braun glasirten Raerener Krug, der als wahres Monument unter seinen Genossen in der Höhe von 60 Centimeter aufragt. Mit schönster hellbrauner Glasur vereinigt er eine Schärfe in seinen geschmackvollen Wappenverzierungen und der oben umlaufenden Hohlkehle, die ihn zu einem Prachtstück ersten Ranges macht. Ihn umgeben kleinere aparte und seltene Krüge der verschiedensten Art und eine Anzahl deutscher, niederländischer und italienischer Gläser, deren edle Formen uns wohl schon auf den van der Helst’schen Bildern niederländischer Schützenmahlzeiten oder auf den Stillleben de Heems begegnet sind.

Links vom Eingang öffnet sich auf der Höhe der Estrade ein Prachtportal aus gewundenen, mit Weinlaub verzierten Säulen in glänzendem Barock. Dazwischen spannt sich in massigem Faltenwurf ein reicher Stoff. Durch das stylvoll gegliederte, gothische eiserne Thor treten wir in einen tonnengewölbten gothischen Saal. In farbigem, durch gemalte Glasscheiben hervorgerufenen Dämmerlichte umfängt uns der anheimelnde Raum. Abgefasste Sparren gliedern, mit charaktervollen eisernen Rosetten befestigt, die Längenachse der schlicht vertäfelten Decke, in der Naturfarbe des Holzes. Gothisches Chorgestühl zieht sich rechts an den Wänden hin und mittelalterliche Geräthe der seltensten Art fesseln den Blick.

Ein eiserner Topfhelm des 13. Jahrhunderts, ein Todtenschild von 1322 und ein rother Heroldsrock mit weissem Astkreuz sind zu einer Trophäe vereinigt. Daneben steht ein tadellos erhaltener gothischer Doppelschrank mit reichem Zinnenschluss und vollständigem Beschläge. Gothische Gobelins und Holzschnitzereien bedecken die Wände und vorzügliche Holzfiguren, unter welchen eine Statue des hl. Benedikt von edelstem Ausdruck und höchster technischer Vollendung hervorragt, sind längs derselben aufgestellt.

Nach links umwendend erblicken wir eine lauschige Ecke, ein gothisches Studierstübchen, dem Gehäuse ähnlich worin uns Dürer seinen hl. Hieronymus schildert. Bunte Scheiben, mit dem Wappen Willibald Pirkheimers, dämpfen das Licht, das über romanische Manuscripte, alte Buchbände und frühes Tintenzeug auf dem Studiertisch gleitet. Vor demselben steht, wie eben von dem Besitzer verlassen, einer jener kaum auffindbaren frühitalienischen, mit Elfenbein eingelegter Scheerenstühle, ein sogenanntes Certosini-Möbel. Den Hintergrund bilden ein kleiner höchst interessanter gothischer Gobelin »wie der Fuchs den Gänsen predigt, Bücherkästen, Hausgeräthe, Holzschnitzereien und kunst- wie kulturhistorische Merkwürdigkeiten verschiedenster Art. Nur schwer trennt man sich von diesem gemüthlich anheimelnden Raum, dessen stimmungsvoller Zauber eine fesselnde Kraft ausübt. An einem kostbaren gothischen Tisch mit verschiedenfarbigen Holzintarsien vorbei, erblicken wir eine vornehme Madonnenstatue aus Stein mit Spuren von Bemalung, die sich in antikisirender Form von einem Baldachin abhebt, der aus gothischem, mit goldenen und silbernen Ornamenten durchwirkten Sammt hergestellt ist. In dem dunklen Seitengrund der Halle stehen riesige gothische Sakristei-Truhen mit wuchtigen Beschlägen, Sculpturen kirchlicher Art, ein gewaltiges byzantinisches Kreuzbild und so manches, was sonst nur in den seltensten Fällen im Schatten alter Kirchenräume sich vereinigt findet.

Nach der entgegengesetzten Seite der Ausstellung uns wendend, sehen wir zunächst in einem kleineren Mittelraume die Wände mit farbenprächtigen, goldgestickten alten japanischen Seidentapeten bedeckt. Reizende Wappensculpturen in Stein sind ringsum aufgestellt und eine Schweizer Brunnensäule mit reichster Hochreliefschnitzerei der besten Renaissancezeit ist selbst in beschädigtem Zustand noch ein glänzendes Zeugniss des Geschmackes und der Technik.

Im nächsten Saal wird das Auge durch eine erlesene Zahl kostbarer Eisengeräthe gefesselt. Frühe Werkzeuge von schönster Zeichnung und Durchführung, herrliches Kleingeräth, wie jenes Glöckeleisen zum Spitzenkrausen (das im Catalog irrthümlich als Lockeneisen bezeichnet ist), getriebene und geschnittene Prachtstücke der Schmiedekunst erwecken gleichmässig Staunen und Bewunderung. Geschick und Geschmack theilen sich hier in der That in das Lob. Ueberhaupt bietet die hier ausgebreitete Sammlung an Eisengeräthen die Fülle an prachtvollen Leistungen. Die gothische Zeit ist mit einer Anzahl der herrlichsten Schlossbleche, Ringe, Thürklopfer u. s. w. vertreten. Renaissance und Barock, sowie die Spätzeit glänzen in einer Folge vorzüglicher Stücke. Die wuchtigsten Schlösser und Angeln wechseln mit meisterlich behandelten Zierstücken.

Die Wandflächen sind hier mit Gobelins, holzgeschnitzten Wappen, Stammbäumen und ernstblickenden Bildnissen geschmückt. Die ganze Schlusswand wird durch ein prächtiges, wahrhaft monumentales Schrankmöbel der Spätrenaissance eingenommen. Die Glaskasten in diesem Saale bergen neben einer Menge herrlicher Bucheinbände in Silber und Leder, kostbarster Waffen, Lederarbeiten und Stoffe ein vollständig erhaltenes Hemd aus der Zeit Holbeins mit ebenso reich wie geschmackvoll gesticktem und gefälteltem Kragen und Manchetten, geradezu ein Unicum. Unter den hier noch eingereihten kleineren Holzschnitzereien befindet sich ein Lüstreweibchen, in der Zeichnung eines Hans Holbein würdig und von einer Ausführung, welche der Zeichnung vollständig entspricht.

In den rückwärts liegenden Zimmern umziehen mit Ahorn vertäfelte Wandbekleidungen die Wände, an welchen Truhen und Schränke, reizvoll geschnitzt und in vielfarbigen Holzarten eingelegt, aufgestellt sind. Was überdies die Zeit an Gefässen und Geräthen, Instrumenten und Spielen zum gesellschaftlichen Zeitvertreib besass, ist hier in zum Theil kostbaren Stücken vertreten.

Der Bedeutung nach nicht an letzter Stelle, sondern nur mit Rücksicht auf den Ort ihrer Aufstellung sind hier die Stein-Skulpturen zu erwähnen, welche in dem Hofe gegen Süden vereinigt sind. Wir treffen dabei auf eine Menge der feinsten Bauglieder (theilweise vom Ulmer Dom) aus der früheren wie aus der Zeit des Barock. Jeder Rest bezeugt noch, dass es der Mühe werth gewesen, ihn vor dem Untergang zu bewahren, und so sind in der That die Steine noch redende Zeugen für Gedon’s richtige Empfindung.

Nicht ohne Schmerz sehen wir die Sammlung Gedon’s nunmehr ihrer Auflösung entgegengehen. Die Erinnerung an ihre Bestände wird zwar in der folgenden Aufzählung, welche durch die künstlerischen Beigaben Heinrich Lossow’s, Fritz August Kaulbach’s und Rudolf Seitz’ einen erhöhten Werth erhält und für deren weitere Ausstattung Gedon’s langjähriger Freund Dr. Georg Hirth pietätvoll bemüht war, erhalten bleiben. Die einzelnen Stücke aber gehen nunmehr hinaus in die Welt und nicht wenige werden sogar dauernd das Gedächtniss Gedon’s in ihre neue Heimath verpflanzen. Ohne Gedon’s Sammeleifer wären die wenigsten Gegenstände an der Stelle, wo sie jetzt vereinigt sind: ihm gebührt darum die Anerkennung und der Dank dafür, dass er sie der Verborgenheit entzogen und auf den Leuchter gestellt hat. Jetzt, wo sie wieder zerstreut werden, ist ihre Zukunft gesichert; ja noch mehr, sie werden Samenkörnern gleich eine neue Aussaat für Sinn und Geschmack an der Kunst der Vorzeit sein. Und in diesem Gedanken sei der Sammlung das Geleite gegeben: selbst in ihrer Auflösung wird es an fruchtreichem Gewinn nicht fehlen, der in Gedon’s Thätigkeit als Sammler wurzelte.

Mainz, im Mai 1884.

Dr. Friedrich Schneider.

Dr. Friedrich Schneider: Vorwort aus dem Catalog der nachgelassenen Kunst-Sammlungen des Bildhauers und Architekten Lorenz Gedon in München, 1884.

#Allgemeine Deutsche Biographie (1904)

Gedon: Lorenz G., Bildhauer und Architekt, geboren am 12. November 1843 zu München, als der Sohn eines Tändlers und Auctionators, † am 27. December 1883. Ein günstiger Zufall führte den Knaben frühzeitig zu dem Bildhauer Jos. Otto Entres (geb. am 13. März 1804 zu Fürth, † am 18. Mai 1870 in München), wo sein angeborener Sammeleifer förderliche Nahrung fand und die Pietät für alle Erzeugnisse der alten Kunst gepflegt wurde. Entres war ein umsichtiger Kenner altdeutscher Holzsculptur, er hatte die Gabe, Verständniß und Empfindung dafür auch bei Anderen in gleichfühlender Weise zu wecken. Im Besitze einer auserlesenen Sammlung vorzüglicher Schnitzwerke, welche er mit größtem Eifer auf fortwährenden Reisen und mit Aufwand aller seiner Mittel zusammengebracht hatte, legte er, wie ehedem Francesco Squarcione in Padua, dieses kostbare Material seinen zahlreichen Schülern als Bildungsmittel vor, ließ sie danach copiren und wußte, obwol ihm das Wort nicht willig und wohlgefügt vom Munde ging, die innere Gluth der Begeisterung erwärmend in Andere überströmen zu lassen. Dabei war Entres obwol im innersten Herzen, wie ehedem Fr. Hoffstadt (geb. 1802 zu Mannheim, † am 7. September 1846 zu Aschaffenburg), dem Spitzbogenstil mit patriotischem Eifer zugethan, doch gegen die Producte anderer Perioden nie ungerecht; er ließ jeder Zeit ihr Gutes und zog alles zur nützlichen Erklärung, Beleuchtung und Gegenwirkung gerne in sein Bereich. Was ihm für seine Zwecke erreichbar und dienlich schien, sammelte er, wenn nicht zu bleibendem Besitz, doch zu Tausch und Weitererwerb brauchbar, und speicherte diese Schätze durch sein ganzes Haus, bis er endlich, altersmüde und krank, alles auf einen Schlag in einer Riesenauction (1868) wieder auflöste und zerstreute, wobei er freilich, unfähig sich davon zu trennen, einen Theil seiner Lieblinge wieder zurücknahm. In dieser artistischen Atmosphäre und Vorschule saß G. fünf Jahre: sie bildeten das Programm zu seiner weiteren Thätigkeit; sein folgendes Schaffen und Sammeln ward dadurch bedingt und erhielt seine Richtung. Dann ging G. (um 1862) auf kurze Zeit zu dem gewandten Holzbildhauer Joh. Petz (geb. am 16. Mai 1818 zu Lermoos, † am 7. März 1880 in München), der sich indessen damals, weniger als Plastiker thätig, einer gewaltigen Baulust hingab und wohnliche Häuser aus der Erde entstehen ließ, um selbe gleich wieder für neue Projecte loszuschlagen. Auch diese Erfahrung machte sich G., wenn auch in ganz anderer Weise, später nutzbar, hielt aber, da nichts Neues zu lernen war, hier nur kurze Zeit aus, ebenso in der Mayer'schen Anstalt und bezog dann die Akademie, um unter der Leitung des Professor Max Widnmann in die Schönheit der Antike eingeführt zu werden. Der krausköpfige Kunstjünger, welcher durch sein eigenwilliges Kennen und Können seine bisherigen Lehrherren und Arbeitgeber, bei denen er »in Condition« gestanden, überrascht und piquirt hatte, brachte neben allerlei, den akademischen Anfängern meist mangelnden, praktischen Vorkenntnissen, eine unverwüstliche Zuversicht mit und trotz den fühlbarsten Lücken ein juveniles Selbstbewußtsein, welches seine jungen Freunde enthusiastisch mit sich riß. G. aber hatte den glücklichen Vorzug, daß er den beim Ringkampf um die höchsten Ideale unvermeidlichen Zwiespalt zwischen Wollen und Ausführung nicht katzenjämmerig auf seine Umgebung wirken ließ, sondern sich trotz aller Niederlagen, mit ungeschwächtem Eifer immer wieder begeisterte. Es brannte in ihm ein ungezügeltes Feuer, wie zur Zeit der »Sturm- und Drang-Periode« unserer Litteratur, es blitzte und kochte über, es sprudelte, quoll und dampfte, oft hexenküchenmäßig, koboldartig, titanisch. Daß für Philister, Zwerge und andere ruhige Erdenbewohner der Verkehr mit angehenden Titanen, welche sich gerade am wenigsten durch Höflichkeit auszuzeichnen gewillt sein sollen, von jeher nicht immer erquicklich und erfreulich war, liegt auf platter Hand.

Während seines Aufenthaltes an der Akademie fertigte G. viele Entwürfe, von denen nur Weniges in die Oeffentlichkeit kam, erst 1866 brachte er einen schön modellirten »Barbarossa« (etwa drei Viertel Lebensgröße), an welchem besonders der durchgebildete Kopf auffiel, in den Kunstverein, auch den originellen Pokal für den akademischen Gesangverein (Zeichnung dazu in der sogen. Maillinger-Sammlung) und hatte die Kühnheit, bei der Concurrenz um das Nationaldenkmal für den König Maximilian II. mit Hähnel, Kreling, Widnmann, Brugger, Zumbusch und Schilling die Wette zu wagen. Sein Project blieb unvollendet, da G. bei dem inzwischen (1866) ausgebrochenen Kriege seiner Militärpflicht genügen mußte, zeigte aber schon die ganze decorative Kraft und Tendenz des jungen Plastikers, welcher mit Beseitigung des seither unentbehrlichen architektonischen Aufbaues, auf einem nur aus etlichen Stufen bestehenden Sockel eine von Löwen gezogene Quadriga erdachte, von welcher der Herrscher, von der allegorischen Gestalt des »Friedens« geführt, seinen hochherzigen Willen dem Volke verkündet, während die Personificationen des Handels, der Industrie, Wissenschaft und Wohlfart in zwei Hälften dem seltsamen Gefährte ihr Geleite gaben. Die Hauptgruppe (wobei der König die linke Seite einnahm) war ebenso klar gedacht, wie das Damen-Cortege mit den Löwen unvermittelt und ohne Linienwirkung einherwimmelte, so daß das Ganze wohl bei einem mit malerischem Detail vorüberrauschenden Festzuge eine überraschende Wirkung erzielen, nicht aber bei einem stabilen Denkmal den imposanten Eindruck behaupten konnte, welcher der monumentalen Plastik in erster Reihe zukommt. G. bewies damit, wie überhaupt mit der Mehrzahl seiner Schöpfungen, eine eminente Begabung zur decorativen Improvisation – einer seiner getreuesten hat ihm zutreffend den humoristischen Beinamen eines »Reichstapezierers« aufgebracht –, bei welcher ebenso das architektonische wie das plastische und malerische Element gleichmäßig zur Sprache gelangt und dem Auge des dilettirenden Betrachters ein höchst angenehmer, geradezu fascinirender Reiz bereitet wird, ohne daß jedoch weder ein Baukünstler, noch ein Bildner oder Maler als Fachmann dadurch bleibend befriedigt werden könnte.

Vom »Altdeutschen« ausgehend, durch die Antike wandernd, wurde G. auf seiner artistischen Entwicklung naturgemäß in die damals wieder zu Ehren kommende »Renaissance« getrieben, welche indessen, wie überhaupt ein Theil der Münchener Schule, zum unnationalen Barock- und übermüthigen Rococo- und »Zopf«-System hinüberneigte und alsbald mit dem hochnäsig-leeren »Empire«-Stil liebäugelte, woraus die völlige Willkür der neuesten »Jugend« entsproßte. G. fühlte das Dilettantische dieses geistreichen Geflunkers und den Mangel des historischen Ernstes und tieferen Studiums in dieser »modernen« Richtung; ihm mangelte nicht der gute Wille, wol aber die Geduld und Zeit, welch letztere nur zu freigebig und verschwenderisch mit lustiger Kneipgenialität nutzlos und unwiederbringlich verplempert wird.

Zu den schönsten Leistungen zählt wol der »triumphirende Ritter Georg«, womit G. eine Preisaufgabe der Akademie 1868 löste; eine verkleinerte Wiederholung (gegossen von Herzner und ciselirt von Halbreiter), kam 1872 in Besitz des Prinzen Otto. Dann modellirte G. 1869 verschiedene Büsten (noch 1882 eine Richard Wagner's) und concentrirte seine Kraft auf allerlei Gewerbliches, wie die reichen Zimmereinrichtungen für Baron Todesco, den baulustigen Major v. Lutz, Atelier und Bibliothek für die Gräfin Arco-Valley u. dergl., entwarf zur Feier des Sieges bei Sedan eine nicht sehr glückliche, schlotterige »Germania« und inscenirte die glänzende Trophäe vor der Akademie beim Einzug unserer Truppen (1871), eine ganz virtuose Leistung seiner Decorationsgabe; zeichnete Grabdenkmale, modellirte Figuren zu den Oefen von Hauberrisser's neuem Rathhaus, arbeitete mit bei den ebendaselbst errichteten Gedenktafeln zur »Erinnerung an die im deutsch-französischen Feldzug gefallenen Münchener« (diese Gedenktafeln im Atrium des neuen Rathhauses sind entworfen von G. Hauberrisser, ausgeführt von Steinmetzmeister Weigl, die Trophäen und Kränze modellirte Gedon, A. Halbreiter besorgte den Bronzeguß), zauberte Häuserfacaden mit decorativen Figuren und Sculpturen, darunter leitete er auch die Erweiterung und den Umbau des Hauses für den Grafen v. Schack (jetzt mit der berühmten Galerie Eigenthum des Kaisers Wilhelm II.), eine Arbeit, welche 1872–1874 durchgeführt wurde. Das Publicum blieb stutzig, die Kritik, wenn auch nicht so »einstimmig verurtheilend« wie der Berichterstatter in Lützow's »Zeitschrift« (IX, 238), doch mehr als rückhältig mit dem von anderer Seite nur zu beifällig gespendeten Lobe. Der Tadel, daß G. über die einfachsten Regeln der Statik doch gar zu kühn sich weggesetzt habe, ist gewiß nicht unbegründet. G. sei, so hieß es beiläufig, ohne Frage ein bedeutsames Talent, aber es fehle ihm am künstlerischen Wissen und am richtigen Gefühl für das Maaß des Erlaubten; vor allem thue ihm Studium noth, denn alle Begabung ersetze nicht dasselbe u. s. w.

Andere Bauten, welche G. gleichfalls facadirte, z. B. das Palais der Herren Schön und Heyl in Worms, die Villa Meggendorfer, das Eymannsberger Haus am Rindermarkt, des Bankiers Ruederer am Marienplatz und das Hotel Bellevue (mit dem schwerfälligen, völlig unvermittelten Portal), auch die unausgeführten Projecte zum Kunstgewerbehaus in München und Berliner Reichstagsgebäude tragen fast alle mehr oder minder die angedeutete Signatur. Bei aller Hochachtung für Gedon's Talent, sein Wollen und Können, muß man doch gegenüber seiner architektonischen Thätigkeit einige Reserve beobachten. Als G. aus dem Leben schied, war der Künstler weiter gereift, aber noch nicht fertig; bei seinem rastlosen Arbeitsdrang hätte er sich wohl noch mannichfaltig geklärt und geläutert. Er war eine zu ehrliche und gesunde Natur, als daß ihn diese theatralische Effecthascherei in die Länge befriedigt hätte. Der Schwerpunkt seiner Verdienste fällt überhaupt nicht in die Architektur. Seine decorative Begabung verleitete ihn zu Mißgriffen. Diese, häufig ganz unnationale, aus allen Stilarten gemischte, mit der sogenannten »Renaissance« getriebene Willkür, erinnert an die kauderwälsche Sprachmengerei und Wortverwilderung, welche inmitten des XVII. Jahrhunderts unsere Litteratur überfluthete; eine solche Confusion ziemt aber nicht als geistiger Ausdruck eines neuerstandenen Volksbewußtseins. Ein Schriftsteller, welcher heut zu Tage in der Sprache des Philander von Sittewald, im Schwulste eines Daniel Lohenstein oder Hoffmann von Hoffmannswaldau und Christoffel von Grimmelshausen schreiben wollte, würde keinen Leser und Zuhörer finden. Aber im Bereiche der Kunst verlangt man von uns Bewunderung für solche äquivalente Mißgriffe. Glücklicher war G. im Gebiete der decorativen Sculptur und Einrichtung einzelner Säle, z. B. im fürstlichen Schlosse zu Dessau, insbesondere aber in seinen Erzeugnissen für das Kunstgewerbe, obwol auch hier eine fieberhafte, prickelnde Unruhe und Hast fast alle seine Schöpfungen, selbst die sogenannte »Hubertus-Uhr« durchzittert. Es war, als hetze eine dräuende Ahnung der ihm gesetzten kurzen Spanne Zeit den Künstler vorwärts und weiter, der mit einem von staunenswerther Leichtigkeit unterstützten Fleiße das Verschiedenartigste ergriff. Während seine rastlose Phantasie an Ueberraschungen arbeitete, behielt er noch genügende Fonds, um gleichsam spielend, jene decorativen Inscenirungen auf den Ausstellungen zu Paris, Wien und München und bei unzähligen anderen Anlässen zu arrangiren, in welchen er sein Ingenium bekundete in glänzendster Weise, die freilich das Mißliche hat, daß sie augenblicklich viel angestaunt und bewundert, gleich der Kunst des Mimen und Virtuosen, wieder verschwindet und verduftet und nur in verblaßter Erinnerung bei den Zeitgenossen ein kurzes Fortleben genießt. Hier war G. am größten. Für diese opferwilligen Leistungen verdiente er reichlich Dank und Bewunderung, auch in Form von Ordensauszeichnungen, und Decorationen von Baiern, Preußen, Oesterreich und Frankreich erfolgten, ohne daß jedoch der Künstler darauf absonderlich geachtet oder davon Gebrauch gemacht hätte. Sein Name gewann durch diese Expositionen den universell-populären Klang, welcher rückwirkend seinen plastischen Erzeugnissen zu statten kam.

Es wäre wirklich eine Pflicht der Pietät, alle diese oft nur in den flüchtigsten Umrissen hingeworfenen Skizzen und Ideen in den uns heute zur Reproduction verfügbaren Mitteln wiederzugeben und in einem die gewöhnliche Form weit überbietenden Album zu publiciren. Auch die Mißgriffe und Irrungen eines solchen Genius sind lehrreich und bei richtiger Betrachtung gewinnbringend. Einzelnes hat die »Zeitschrift des Münchener Kunstgewerbevereins« gelegentlich abgebildet, z. B. einen »Lustre und Wandarm« (1877, Tafel 31), ein »Lesepult« (1878, Tafel 16), die von Professor Dr. Sepp eines eigenen Vortrags gewürdigte »Hubertus-Uhr« (1881, Tafel 38), welche als Ehrengeschenk der Stadt München für das VII. Deutsche Bundesschießen gereicht wurde (modellirt von L. Gedon und J. v. Kramer, ausgeführt in Bronze und Silber von Karl Winterhalter, gewonnen von Al. Dandl in Landshut; aufgestellt bei der Internationalen Kunstausstellung 1883), der »Kaminaufsatz« im großen Saale des Münchener Kunstgewerbehauses (1882, Tafel 7) und die schöne »Thüre« für den Prachtbau des Commerzienrathes Heyl zu Worms (ausgeführt von J. v. Kramer und L. Bierling), (1884, Tafel 1). Ein ähnliches Thor erwarb aus Gedon's Nachlaß Dr. Hirth für sein in der Louisenstraße, nächst den Propyläen gelegenes Familienhaus, zu dessen Einrichtung G. die Hauptdirective gegeben hatte.

Von König Ludwig II. wurde G. vielfach bei Ausschmückung des Linderhofes und Chiemseeschlosses mit Aufträgen betraut, insbesondere bei der Anfertigung des berühmten Prachtwagens (vgl. Lützow's Zeitschrift 1873, VIII, S. 14), dessen ornamentaler und figürlicher Theil beinahe ganz aus Gedon's Hand hervorging. Seltsamerweise soll eine Fahrt in demselben, insbesondere durch die erschütternde Gegenwirkung des rückwärts angehängten Posaunenengels nicht zu den Freuden des Lebens gehören.

Zu Gedon's weiteren Arbeiten zählen viele Grabdenkmale, z. B. für die Familie Seckendorf, Kaulbach (1876) und Riedinger (1881 in Augsburg), das Project zu einem Liebigdenkmal und andere Leistungen, darunter auch der Löwe mit dem bairischen Wappen auf dem Starnberger Salondampfer. Auch das Entstehen des sogenannten Paulusmuseum zu Worms und dessen innere Ausschmückung war Gedon's Werk. Zahllose Zeichnungen für Gewerbemeister, Schmiede, Weber u. a. zu Nutz und Zier des Lebens, zur behaglichen Gestaltung von Wohnräumen lieferte seine immer bereitwillige Gefälligkeit. In seinem Hause und Atelier sammelte er eine kostbare Menge der seltensten Alterthümer, Prunkgeräthe und allerlei subtile Erzeugnisse der Kleinkunst, welche er wieder plötzlich losschlug, um aufs neue mit verdoppeltem Eifer frische Schätze zusammenzutragen – ein eigenes Museum, welches er sorglich zur Sicherung der Zukunft für seine zahlreiche Familie ordnete und bestellte. Sonst war ihm das Geld ein ziemlich gleichgültiges Ding, er hatte kaum einen anderen Begriff davon, als daß es Chimäre sei; es flog herein und hinaus. Seine Meinung sollten auch die Auftraggeber theilen. Nicht selten überschritt er seine Voranschläge und widerlegte so, wenigstens indirect aber gründlich, den herkömmlichen Aberglauben, daß ein Renaissancebau billiger zu stehen komme als die »theuere Gothik«. Wenn es nur gut und schön nach seiner Intention wurde, alles weitere blieb ihm gleichgültig. Deshalb änderte er immer wieder, riß rücksichtslos nieder, bis es seiner Meinung und seiner Ansicht genügte. An sich selbst dachte er nicht. Durchaus selbstlos beim stärksten Selbstgefühl war er seinen Freunden ein Spiegel der Treue, ein Muster und Vorbild des fleißigsten Schaffens, aber auch der fröhlichsten Geselligkeit. Ihnen decorirte er, schon den Tod im Herzen, ihr neues Kneiplocal. Die grünen Gewinde und Kränze hingen noch frischduftig an den Wänden, als ihn das längst mit stoischer Ruhe erwartete Ende von seinen qualvollen Leiden erlöste. In der stillen östlichen Ecke an der Arkadenreihe des südlichen (alten) Campo Santo betteten sie ihn zur letzten Ruhe; ein originelles Denkmal steht darüber. Bei seinem Begräbniß zeigte sich ein Wetteifer von Theilnahme, wie sie außer Franz v. Seitz vordem nur Wenigen erwachsen war (vgl. Nr. 360 d. »Augsb. Abendztg.«, 31. Dec. 1883, und »Münch. Neueste Nachrichten«, 1. Jan. 1884). Gedon's Kunstsammlungen wurden am 18. Juni und den folgenden Tagen 1884 versteigert. Der mit Gedon's Porträt nach F. A. v. Kaulbach und vielen Illustrationen von Lossow, R. Seitz u. a. ausgestattete Katalog, umfaßte 1257 Nummern, welche ein überraschend hohes Resultat ergaben.

Vgl. die Nekrologe von Dr. G. Hirth in Nr. 362 d. Münch. Neuesten Nachrichten, 28. Dec. 1883; Nr. 2 d. »Augsburger Sammler«, 5. Jan. 1884; Beil. 6 d. Allg. Ztg. 1884 und Beil. 67 d. Allg. Ztg., 7. März 1884; Dr. Fr. Schneider im 5. u. 6. Hefte d. »Zeitschrift des Kunst-Gewerbe-Vereins« für 1884; Kunstvereins-Bericht für 1883, S. 63 ff.; Nr. 2116 d. Illustr. Ztg., Leipzig, 19. Jan. 1884; Ludwig Pietsch in Paul Lindau's »Nord und Süd«, Juli 1884 (mit Porträt nach F. Lenbach); Regnet in Lützow's »Zeitschrift« 1884. XIX, 251 ff. – G. Hirth, Franz v. Seitz und Lorenz Gedon. Festrede, München 1884. – Fr. Pecht, Aus meiner Zeit, 1894. II, 246 ff. – Singer 1896. II, 21.

Hyac. Holland.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1904.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Gedon Lorenz, 1843 (München) – 1883, Bildhauer; Sohn eines Tändlers, war G. Schüler der Bildhauer J. O. Entres und M. Widnmann und wirkte dann in der Kunst der Neu-Renaissance.

Hauptwerke: Pokal für den Akademischen Gesangverein, Figuren zu den Ofen im neuen Münchner Rathaus, viele Grabdenkmäler im Südlichen Friedhof (u. a. von Familie von Kaulbach), Fassaden der Schack-Galerie und des Hauses des Münchner Kunstvereins; Gs. Kunstschöpfungen werden auch heute noch als geschmackvoll geschätzt.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#Mina Gedon (vw) / Boeheim (gb)

* 7.2.1849
† 3.10.1929 (München)
Architektens- und Bildhauers-Witwe

#Die Kunst für Alle (1925)

DAS BILDNIS DER FRAU GEDON
Erinnerung an Leibl von Mina Gedon

Seitdem die Münchner Staatsgalerie das herrliche Bildnis der Frau Gedon von Wilhelm Leibl besitzt, wird soviel über dieses Bild gesprochen und geschrieben und soviel halb Wahres, halb Falsches auch, darüber erzählt, wie dieses Bild, das zuerst Eigentum meines Mannes Lorenz Gedon war, in fremde Hände kam und dann viele Jahre verschollen war, daß es mich schon lange drängt, einmal selbst die Geschichte dieses Bildes zu erzählen, so wie sie in meiner Erinnerung lebt.

Als junge Frau habe ich einem jungen Künstler Modell gestanden — und jetzt ist das berühmteste Leiblbild eben dieses Porträt Leibls — das Bildnis der Frau Gedon, das ihm seinen großen Namen schuf.

Es war im Jahre 1869. Ich war seit einem halben Jahre die Frau des Bildhauers Lorenz Gedon geworden. Wir hatten eine kleine Wohnung in der Schwanthalerstraße; und da war unsere Wohnstube ein Anziehungspunkt für viele junge Künstler, denn mein Mann hatte für diese Stube mit großer Liebe schöne alte Möbel und Bilder auf Streifzügen durch Augsburg und Ulm gesammelt. Begeistert kamen die jungen Künstler, meistens Alters- und Arbeitsgenossen meines Mannes zur Zeit seines Studiums auf der Akademie, um in unserer Wohnstube zu malen.

Und da kam eines Tages auch Wilhelm Leibl, mit Malkasten und Leinwand bewaffnet. Er nahm nach einigen Stunden eine reizende Studie mit sich fort, die wir dann trotz öfteren Fragens danach nie mehr zu Gesicht bekamen.

Ungefähr nach vierzehn Tagen erschien Leibl wieder bei uns, aber nicht mehr um das Stübchen zu malen, sondern mit der Bitte an meinen Mann, die Bewohnerin der Stube malen zu dürfen. Das war für mich ein neues Erlebnis, daß nicht nur meine Wohnstube, sondern auch ich selbst malenswert sei. – Leibl war damals fünfundzwanzig Jahre alt, eine kräftige, gedrungene Athletengestalt. Nach seiner ganzen Art wie er sich kleidete und gab, hätte ich keinen Künstler in ihm vermutet. Er war gerade aus der Akademie ausgetreten und hatte noch kein Atelier.

Mein Gatte, welcher schon auf der Akademie ein großes Interesse für Leibl und seine Begabung hatte, willigte gerne ein, daß er mich male, und versprach Leibl, daß er ihm mit Atelier und allem behilflich sein wolle. Es freute meinen Mann, daß Leibl mit diesem Bilde sein Glück in der Ausstellung machen wollte. Im Bildhaueratelier meines Mannes wurde ein Winkel eingerichtet. Ich freute mich sehr darauf, bei der Entstehung eines Bildes nicht nur als Zuschauerin, sondern als Modell zu dienen.

In meinem Staatskleide aus heller Rohseide, einen alten Filigranschmuck mit roten Steinen um den Hals, – diesen Schmuck besitze ich noch – mit einem kleinen, grauen Strohhute am Arme, so stand ich da und wartete der Dinge, die da kommen sollten. Die erste Sitzung war, durch meine Schuld, nicht von langer Dauer. Ich erkannte bald, daß das Gemaltwerden keine so leichte Sache sei. Der vertiefte Maler malte und malte, und ich als junge Frau in einer Verfassung, in welcher es schwer ist, lange stille zu stehen, wurde blasser und blasser, so daß es nötig wurde, die Sitzung zu unterbrechen. Leibl war unglücklich und ich beschämt über meine Schwäche. Wir beiprachen, daß die Sache für den nächsten Tag besser eingerichtet werden müsse. Es sollte für Stärkung mit Speise und Trank gesorgt werden, und so ging es wieder frohgemut mit Gatte und Maler und den besten Vorsätzen ins Atelier. Zwei Stunden stand ich ununterbrochen tapfer. Mein Gatte mahnte einigemale, daß ich ausruhen und mich stärken müsse, doch Leibl machte darüber ein so unglückliches Gesicht, daß ich jede Unterbrechung ablehnte. Aber leider mutete ich mir zu viel des Guten zu. Ein plötzlicher schwarzer Nebel vor den Augen, ein Sausen in den Ohren, und ich fand mich in den Armen meines Mannes, der mich gerade noch vor einem Sturze bewahrte. Als ich aus der Ohnmacht wieder erwachte, sah ich ein erschrecktes, aber auch sehr ärgerliches Gesicht und eine tiefe Stimme brummte grollend: Teufel, Teufel! Mein Mann bemühte sich, Leibl den Grund meines Unwohlseins – meiner Zimperlichkeit, wie dieser meinte – zu erklären. Nun stammelte Leibl allerdings mit einigen verlegenen Worten eine Entschuldigung, aber er wäre eben gerade so schön im Zuge gewesen, – und so wunderbar – und deshalb eben: Teufel, Teufel!

Nun war es natürlich Ihr diesen Tag wieder vorbei. Wenn ich mich an diese kleine Szene erinnere, höre ich noch heute dieses sonore: »Teufel Teufel!« Der arme Leibl – jetzt verstehe ich das besser – war so vertieft in seine Arbeit gewesen, nichts anderes gab es für ihn in diesen Augenblicken auf der Welt. Damals war ich aber doch etwas gekränkt, denn zwei Stunden ohne Unterbrechung stille zu stehen, hatte ich doch für eine ganz schöne Leistung gehalten und hatte eher erwartet, ein Lob zu ernten. Es hätte mir aber doch leid getan, die Sitzungen für immer aufzugeben; wäre dies geschehen, so könnte heute niemand das herrliche Bild in der Staatsgalerie bewundern und daran studieren. So tröstete ich schließlich Leibl damit, daß es von Tag zu Tag besser gehen werde, daß er mir aber versprechen müsse, mir hie und da eine kurze Pause zuzugestehen.

In den weiteren Sitzungen, eigentlich müßte ich ja sagen »Stehingen«,ging es nun auch besser. Ich tat mein Möglichstes, mein Lorenz war stets bereit mit Wein und Bratwürsteln und zur rechten Zeit auch mit mahnenden Worten an den Maler. Immerhin bedurfte es großer Geduld von meiner Seite; denn mit Leibls Geduld war es schlecht bestellt. Wenn ich nur ein wenig die Farbe wechselte, blaß oder rot wurde, dann brummte Leibl selbstvergessen unhöflich vor sich hin. Ich glaube, daß er oft vergaß, daß ich ein Mensch von Fleisch und Blut, mit Nerven behaftet und noch dazu eine junge Frau war, die ein Kind unter dem Herzen trug; für ihn war ich einfach das Bild, das seinem Geiste vorschwebte.

Fast nach jeder Sitzung war Leibl unzufrieden mit seiner Arbeit und grollte mit sich und der Leinwand, war nervös und verstimmt, und übermalte am nächsten Tage alles, was am Tage vorher entstanden war. Es ging lehr langsam vorwärts mit dem Bilde. Schließlich konnte mein Gatte sein Atelier nicht mehr zur Verfügung stellen und auch seine Zeit als Behüter und Beschützer nicht mehr opfern, denn seine Arbeiten für den Königswagen Ludwigs II. drängten zur Fertigstellung. So mußte ich mit Leibl umziehen. Heinrich Lossow bot uns sein Atelier an und übernahm gleichzeitig die Beschützerrolle gegen Leibls Künstlereifer. Da gab es manchen Scherz und Lachen von seiten des gewandten Heinrich Lossow über Wilhelm Leibls Verkehr mit Damen. Außerhalb seiner künstlerischen Tätigkeit, im Verkehr mit mir als Mensch, war Leibl ja voll scheuer Ehrerbietung, fast hilflos durch seine zurückgezogene Lebensart; als Künstler aber war er ein Tyrann, so eingefühlt in sein Schaffen, daß ihn die kleinste Störung während der Arbeit zu fast brutalen Äußerungen hinriß. Deshalb weigerte ich mich auch, ihm allein, ohne Schutz, überlassen zu sein. Gott, wie war ich voll Unruhe, wenn es, – was während der langen Zeit, die die Sitzungen noch dauerten, doch ab und zu vorkam, daß ich mit ihm allein blieb!

Drei Monate waren ungefähr dahingegangen! Der Maler aber war mit sich sehr unzufrieden. Öfters wurde das fast fertige Bild verändert und übermalt. Endlich aber, als das Bild, so wie wir es heute kennen, als fertig zu betrachten war, machte mein Gatte mit energischen Worten Schluß. Er war begeistert über das Werk und nannte alle Bedenken Leibls Grübeleien. Ich selbst lernte verstehen, daß das Bild wundervoll gemalt sei, aber ich hörte ganz gerne, wenn man es nicht für absolut ähnlich hielt, sondern offen sagte, daß das Modell hübscher sei, denn ich gefiel mir nicht sehr auf dem Bilde. Mein Spiegel schien mir liebenswürdiger zu sein. Auf jeden Fall war es für mich wirklich Zeit, mich von den Leiblstrapazen auszuruhen. Schmuck und Hut wurden noch zur eingehenden Fertigstellung an einer Gliederpuppe zurückgelassen. Zu dritt im Bunde wanderten wir zu einem kleinen Fest in unsere Wohnung, wo wir froh und erleichtert im Renaissancestübl einen Schmorbraten speisten, den Leibl schon längst für diese Gelegenheit bestellt hatte. Nach einer Woche kam auch das Bild, das Leibl selbst als das Eigentum meines Mannes erklärte, in das selbe Stübchen. Der Platz war schon vorher ausgewählt, und auch ein Rahmen war schon dafür bei einem Ausflug nach Dachau im Gärtnerhäuschen des Schloßgartens gefunden worden.

Nun kommt noch eine heitere, kleine Nachgeschichte. Mein graues Schleierhütchen war ja noch bei Leibl zurückgeblieben und auf dieses Hütchen war ich wirklich stolz. Es war mein Staatshut aus feinem grauem Stroh in Chinesenform, mit einem langen, grauen Schleier garniert. Als Agraffe diente ein Exemplar eines schön präparierten Totenkopfschmetterlings, ein Geschenk von Heinrich Lossow. Ich bat Leibl öfters um meinen Hut, lange ohne Gehör zu finden. Endlich eines Sonntags, ich stand gerade am Fenster, sah ich Leibl durch die Schwanthalerstraße anmarschieren. Er hielt den Hut fest unter den Arm gepreßt, und der Schleier schleppte vergnügt im Staube nach. Als Leibl ihn mir dann mit seinen mächtigen Händen überreichte, sah er ziemlich defekt aus. Wir waren beide betrübt, Leibl noch betrübter als ich, und er stammelte in seiner Art mit tiefer Stimme hilflose Entschuldigungen. Ein lautes Lachen Lorenz Gedons, der ja so gut lachen konnte, befreite uns aus dieser Situation; er richtete vorläufig den Zerstörten mit geschickten Händen etwas zurecht und versprach mir einen neuen Hut, was Leibl sehr beruhigte.

Vier Wochen hing das Bild in unserem Zimmer. Mein Mann freute sich jeden Tag aufs neue darüber. Dann kam es in die Ausstellung im Münchner Glaspalaste, aber es hatte leider damals in München nicht ganz den durchschlagenden Erfolg, den wir erwartet hatten. Da wurde viel gelobt, aber auch viel getadelt, und namentlich hatten diejenigen, die mich kannten, an der Ähnlichkeit zu kritteln.

Nach Schluß des Glaspalastes mußten wir Leibl das Versprechen geben, ihm das Bild für die Parifer Ausstellung zur Verfügung zu stellen, denn es war eine dringende Einladung aus Paris an ihn ergangen. Mein Gatte konnte sich schwer von dem Bilde trennen. Allerdings handelte es sich für uns nur um eine zeitweise Trennung, denn wir dachten nicht daran, daß es nicht mehr zurückkommen werde. So reiste das Bild im Dachauerrahmen nach Paris; und dann sahen wir es nicht wieder! Der Erfolg Leibls in Paris mit dem Bildnisse der Frau Gedon war größer als in München. Leibl bekam auch ein für die damalige Zeit sehr hohes Angebot und zugleich die Zusicherung der ersten goldenen Medaille, wenn er das Bild einer Privatsammlung, der des Herzogs Tacher de la Pagerie, überlassen wolle. Ich selbst war Fürsprecherin für Leibl; war es doch für den jungen, unbemittelten Maler von größter Wichtigkeit, so anerkannt zu sein und endlich sorglos arbeiten zu können. Als dann zum Schlüsse dringende Telegramme kamen, ging ein kurzes »Ja« zurück. Aber ich schäme mich nicht es zu sagen: es war ein »Ja« mit Tränen!

Leibl kam später, auch als wir schon in das eigene Haus in der Nymphenburgerstraße umgezogen waren, noch viel zu uns. Er versprach, mich noch einmal zu malen: dieses zweite Bildnis wurde aber leider nicht mehr zur Tat, da Leibl ja damals nicht mehr dauernd in München war.

Plötzlich nun nach vielen, vielen Jahren wurde das Bild durch den Kunsthändler Herrn Kommerzienrat Heinemann wieder in seine Heimat nach München gebracht. Er hatte es bei einer Auktion in Paris erworben. Im Kunstsalon Heinemann sah ich es nach so vielen Jahren wieder. Leibl und mein Gatte sind ja schon lange tot. Dann erwarb es die Staatsgalerie, wo es hoffentlich für immer seine Ruhe findet. Ich stehe manchmal, jetzt eine 76jährige alte Frau, davor. Mir hat das Bild wohl am meisten zu erzählen; wir beide tauschen Erinnerungen aus an schöne, anregende Zeiten, da Leibl und Lorenz Gedon noch lebten und in der ersten Blütezeit ihres Künstlertums standen. Auch vieler anderer Freunde denke ich dabei, die nun fast alle schon aus dieser Welt geschieden sind und einer anderen Generation Platz gemacht haben.

Die Kunst für Alle. München, 1925.

#Generalanzeiger der Münchner Neuesten Nachrichten (9.2.1929)

Frau Mina Gedon zu ihrem 80. Geburtstag

Als Gattin Lorenz Gedons, des Bildhauers und Architekten, der die Entwicklung des Münchner Städtebilds unter König Ludwig II. und mit seinen Freunden Lenbach und Rudolph Seitz neben dem künstlerischen auch das damalige gesellschaftliche Leben der Stadt wesentlich beeinflußt hat, spielte Frau Mina Gedon dank ihrer anmutigen Weiblichkeit eine Rolle in der alten Münchner Gesellschaft. Sie war die Zierde so manchen Künstlerfestes, wenn sie dort als altniederländische Patrizierin oder als Rittersfrau erschien. Als solche hat sie zusammen mit ihrem Söhnchen, der heute als reifer Mann die künstlerische und gesellschaftliche Ueberlieferung des Hauses Gedon weiterpflegt, Fritz August von Kaulbach in einem seiner ersten Bildnisse festgehalten in all ihrer entzückenden Anmut. Das Bild ist anno dazumal durch Reproduktionen populär geworden, heute allerdings, wie auch manche Bildnisse der schönen Frau, die von Lenbachs Hand stammen, fast vergessen und jedenfalls zurückgedrängt durch Wilhelm Leibls frühestes Meisterwerk, das den internationalen Ruhm seines Schöpfers begründet hat und nach mancherlei interessanten Schicksalen einige Jahre vor dem Weltkrieg bei einer Pariser Auktion wieder aufgetaucht, in scharfem Wettbewerb mit anderen Interessenten von der Münchner Kunsthandlung D. Heinemann erworben und unter grosszügigen Bedingungen dem bayerischen Staat überlassen worden ist. Jetzt gehört es zu den wertvollsten Schätzen der Staatsgalerie am Königsplatz.

Frau Mina Gedon hat einmal in der »Kunst für alle« von den Erinnerungen geplaudert, die dies Bild in ihr wachrief, an das Jahr 1869, da es entstanden ist in monatelanger Arbeit des Künstlers und ebenso dauernder Geduldsprobe des Modells, an dessen körperliche und seelische Widerstandskraft von Leibl in entwaffnender Naivität unerhörte Anforderungen gestellt wurden. Es war das erste Jahr der Gedonschen Ehe, und die junge Frau sah damals Mutterfreuden entgegen. Uebrigens eine echt Münchner Ehe von Anbeginn. Lorenz und Mina waren in den Ruffinihäusern an der Sendlinger »Gaßn« als Nachbarskinder aufgewachsen, in der Peterskirche wurden sie an einem schönen Januartag getraut, und das sich anschliessende Würstel-Frühstück wurde mit den Zeugen Rudolph Seitz und Franz Rathspieler in fröhlichster Laune, hoch über des Alltags Getriebe, eingenommen — in der Türmerstube der Frauenkirche. Eine Künstlerehe wurde daraus, wie sie sein soll. Verständnisvoll waltete die Hausfrau neben dem schaffenden Feuerkopf, hatte auch Sinn für dessen Sammelleidenschaft, die ihn zu einem der besten Kenner und glücklichen Besitzer alter Kunstwerke machte. Noch in sein Sterbezimmer ließ sich Lorenz Gedon eine neuerworbene gotische Säule tragen und seine Frau, der angesichts des Unabwendbaren wirklich nicht froh zumuthe war, musste sich mit dem bereits vom Tode Gezeichneten freuen und zu jeder Handreichung mit fröhlicher Miene über das mächtige Stück, das das Krankenzimmer fast ausfüllte, wegsteigen.

Frau Gedon hat ein gutes Teil des alten München noch erlebt und erzählt gerne davon im Familien- und engeren Freundeskreise. Die Zeiten sind andere geworden und die alte Dame mag manchmal in ihrem gemütlichen Alterstübchen kopfschüttelnd auf das Neue blicken. Und doch ist gerade München die Stadt, wo man am ehesten erkennt, wie Vergangenheit und Gegenwart innerlich verbunden sind, wo man wie damals, als neben Gedon und dem jungen Kaulbach auch der ringende Leibl und sein Kreis sich entfalteten, heute noch Kräfte verschiedenster Art und Richtung sich auswirken sieht. Darum wird die »Gedonmutter« auf ihr langes Leben zurückschauend erkennen: Der tiefste Auftrieb, der sich im Leben dieser Stadt offenbart, ist doch geblieben heute wie damals, und das soll uns Gewähr auch für die Zukunft sein. K. Fr.

Generalanzeiger der Münchner Neuesten Nachrichten Nr. 39. Samstag, den 9. Februar 1929.

#Salzburger Volksblatt (4.10.1929)

Aus dem bayrischen Nachbarlande.

Eine Altmünchener Künstlerfrau gestorben. In München starb im 81. Lebensjahr nach kurzer Krankheit Frau Mina Gedon, die Witwe des bekannten Bildhauers und Erbauers der alten Schack-Galerie. Das Leben Frau Gedons fiel in die glanzvollste Periode des Münchener Künstlertums. Ihr Gatte war schon 1883 gestorben. Auf dem Künstlerfest früherer Zeit erschien Frau Gedon als eine der bekanntesten und reizvollsten Figuren. Berühmt ist das Gemälde, das Fritz August Kaulbach von ihr schuf. Auch Lenbach hat sie wiederholt gemalt. Ein Porträt, das Wilhelm Leibl von ihr malte, begründete den internationalen Ruhm seines Schöpfers. Das Bild erlebte mancherlei Schicksale, tauchte vor dem Weltkrieg in Paris auf und wurde daselbst in einer Auktion in heißem Kampfe von einer Münchener Kunsthandlung ersteigert, die es der bayerischen Staatsgalerie zum Geschenk machte, wo es sich heute befindet. Frau Gedon hinterläßt fünf Kinder, von denen sich mehrere dem Künstlerberuf widmeten.

Salzburger Volksblatt Nummer 228. Freitag, den 4. Oktober 1929.

#ML – SP – 1 – 27* (Clauer)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Clauer, Marie (vh) / Bruin, de (gb); 1816 (München) – 2.8.1840 (München); Schauspielerin

Das Grab ist nicht erhalten


#Marie Clauer (vh) / de Bruin (gb)

* 1816 (München)
† 2.8.1840 (München)
Schauspielerin

#Allgemeines Theater-Lexikon (1839)

Clauer (Maria, geb. de Bruin), geb. 1816 zu München, wurde nach erlangter Ausbildung Lehrerin in München, doch von frühester Kindheit an regte sich eine mächtige Neigung zur dram. Kunst in dem jungen Mädchen und die großartigen Gebilde einer Sophie Schröder machten einen solchen Eindruck auf sie, daß sie nur daran dachte, der Kunst sich zu weihen.

Mit dem angestrengtesten Eifer bereitete sie sich auf ihre neue Laufbahn vor, erflehte vom Vater seine Einwilligung und betrat am 11. Sept. 1833 zum ersten Male die Bühne zu Regensburg in der Rolle der Hedwig in Körner’s Banditenbraut mit so glücklichem Erfolge, daß sie bald der Liebling des Regensburger Publikums wurde. Freiherr von Schenk wurde aufmerksam auf das emporkeimende Talent, unterstützte dasselbe mit seinem Rathe und unter seiner Leitung schwang sich Maria de Bruin bald zu Leistungen von höherem Kunstwerth hinauf.

Fast 2 Jahre blieb sie in Regensburg, ging dann (im Oct. 1835) auf einige Monate nach Coblenz und trat von da aus ein Engagement bei der vereinten Cöln-Aachner Bühne an, wo sie in Cöln als Clärchen in Egmont, Käthchen von Heilbronn und Gräfin Olga mit ungetheiltem Beifall debutirte. 1836 folgte sie dem neuen Mitdirector des Hamburger Stadttheaters Mühling dorthin. Hier debutirte sie als Griseldis, Maria Stuart und Olga, und hatte sich der günstigsten Aufnahme zu erfreuen. Mißhelligkeiten mit der Direction führten jedoch eine baldige Auflösung des Contracts herbei. Einer Einladung zufolge betrat sie später in Dobberan, dem Sommeraufenthalt des großherzogl. mecklenburg-schwerinschen Hoftheaters, die Bühne als Griseldis mit so glänzendem Erfolg, daß ein Engagement schon nach dieser ersten Rolle abgeschlossen wurde und seit dieser Zeit wirkt sie an dem dortigen Hoftheater zur allgemeinen Zufriedenheit des Hofes und des Publikums. Im Sept. l839 gastirte sie mit dem besten Erfolge an dem Hoftheater in Berlin.

Mad. C. ist von einnehmender Gesichtsbildung und hat ein lebhaftes sprechendes Auge. Ihr Talent befähigt sie vorzüglich zu tragischen Charakteren und ihre Leistungen als Maria Stuart, Griseldis, Kaiserin Catharina, Olga, Gretchen etc. sind trefflich. Nicht minder Ausgezeichnetes leistet sie im Fach jugendlich-sentimentaler Schwärmerinnen, als Louise Miller, Clärchen, Käthchen, Lenore etc. etc. Im Lustspiel wirkt sie gleichfalls mit vielem Glück, und ihr Pariser Taugenichts, Catharina von Rosen, Frau von Uhlen etc. sind sehr achtbar, doch bleiben sie hinter den früher genannten Rollen zurück.

Eine lebendige Phantasie und ein liebliches, jeder Nuance fähiges Organ sind außerdem dieser liebenswürdigen und bescheidenen Künstlerin eigen. Vor Antritt des Hamburger Engagements verehelichte sie sich mit einem jungen Manne, Arthur Clauer, Rentier aus Aachen, und ist in ihrem Eheleben eben so glücklich, wie in ihrem Kunstleben. (A.)

Allgemeines Theater-Lexikon oder Encyklopädie alles Wissenswerthen für Bühnenkünstler, Dilettanten und Theaterfreunde. Altenburg und Leipzig, 1839.

#Der Bayerische Volksfreund (7.8.1840)

Am verflossenen Dienstag wurde Mad. Claus, genannt Clauer, geborne de Brün, Schauspielerin vom Hoftheater zu Berlin, zur Erde bestattet. Die Theilnahme über das so frühe Hinscheiden dieser liebenswürdigen jungen Künstlerin war allgemein. Sie mußte hier in ihrer Vaterstadt, nach welcher sie sich selbst so gesehnt und wo sie erst vor Kurzem auf der königlichen Hofbühne die glänzendsten Beweise ihres Kunsttalentes ablegte, ihr frühes Grab finden und ruht jetzt, nachdem sie mehrere Jahre im Auslande war, in vaterländischer Erde. Friede ihrer Asche und Trost den Ihrigen!

Der Bayerische Volksfreund No. 33. München; Freitag, den 7. August 1840.

#Almanach für Freund der Schauspielkunst (1841)

Maria Klauer geb. de Bruyn, erblickte im Jahre 1816 zu München das Licht der Welt. Sie hatte sich dem Lehrfache bestimmt, und ihre früheste Bildung war darauf berechnet, sie für diesen Beruf tüchtig und geeignet zu machen. Doch die dramatische Kunst übte eine große Gewalt auf das für alles Schöne und Edle empfängliche Gemüth der aufblühenden Jungfrau, und namentlich waren es die großartigen Leistungen der genialen Sophie Schröder, welche einen so mächtigen Eindruck auf sie hervorbrachten, daß in ihr der lange vorher gehegte Entschluß, sich der Schauspielkunst zu widmen, vollends zur Reife gedieh. Mit dem angestrengtesten Eifer begann und vollendete sie die Vorbereitungen für ihre neue Laufbahn, und betrat, nachdem sie erst nach vielen Bitten die Einwilligung ihres Vaters erhalten hatte, am 11. September 1833 zum ersten Male die Bühne zu Regensburg in der Rolle der Hedwig in dem Theodor Körner’schen Schauspiele gleiches Namens. Der Erfolg dieses ersten theatralischen Versuches war nicht allein ein glücklicher, sondern die Debütantin wußte sich auch durch ihre folgenden Darstellungen die Gunst des Publikums in solchem Grade zu gewinnen, daß sie bald der Liebling desselben wurde. Freiherr von Schenk, der Dichter des »Belisar«, wurde aufmerksam auf das emporkeimende Talent, unterstützte die jugendliche Künstlerin mit seinem Rathe, regelte ihre Studien, und unter so trefflicher Leitung machte sie immer größere Fortschritte.

Fast zwei Jahre blieb sie in Regensburg, ging dann im October 1835 auf einige Monate nach Coblenz, und trat von da aus ein Engagement bei der vereinigten Cöln-Aachner Bühne an, wo sie in Cöln als Clärchen in Göthe’s »Egmont«, Käthchen von Heilbron, und Olga in Raupach’s »Isidor und Olga« mit ungetheiltem Beifalle debütirte.

1836 folgte sie dem neuen Mitdirektor des Hamburger Stadttheaters, Mühling, dorthin. Hier debütirte sie als Griseldis, Maria Stuart und Olga, und hatte sich der günstigsten Aufnahme zu erfreuen. Mißheiligkeiten mit der Direction führten jedoch eine baldige Auflösung des Contracts herbei.

Hr. von Holtei, der um diese Zeit die Theaterdirektion in Riga übernahm, engagirte sie nun für diese Bühne; allein unsere Künstlerin trat dieses Engagement nicht an, sondern zog es vor, nach dem Badeorte Dobberan zu gehen, wo das Großherzoglich Mecklenburg-Schwerinsche Hoftheater im Sommer Vorstellungen zu geben pflegt. Hier spielte sie mit so glänzendem Erfolge die Griseldis, daß sich die Direction schon nach dieser ersten Rolle beeilte, sie unter die Mitglieder dieses Hoftheaters aufzunehmen. Seit dieser Zeit wirkte sie hier zur allgemeinen Zufriedenheit des Hofes und des Publikums.

Nach Ablauf Ihres Contracts mit der Schweriner Bühne gab sie im August und September auf dem Berliner Hoftheater Gastrollen, und trat hier als Maria Stuart, Johanna d’Arc, Isaura, in »die Schule des Lebens«, Adele Müller, in: »Die gefährliche Tante«, Hedwig, in »der Ball zu Ellerbrunn«, Corona von Saluzza, Prinzessin Eboli und Griseldis mit Beifall auf. Von Berlin ging sie nach Breslau zu Gastrollen, und ein Zerwürfniß zwischen ihrem Gatten und der dortigen Theater-Direction gab nicht allein dem Breslauer Publikum auf einige Tage Stoff zur Unterhaltung, sondern auch Auswärtige erhielten davon durch die öffentlichen Blätter Kunde.

Seit ihrem Mecklenburgischen Engagement war die Künstlerin keine dauernden Verpflichtungen mit einer andern Bühne mehr eingegangen, sondern sie gastirte in der letzten Zeit in Hamburg, Magdeburg, Leipzig und Dresden, wo überall ihr Talent nach Gebühr gewürdigt wurde. Eine große Sehnsucht nach ihrer Vaterstadt hatte sich ihrer bemächtigt, und sie freute sich ungemein darauf, diese nach einer siebenjährigen Abwesenheit wiederzusehen. Leider sollte diese Freude von kurzer Dauer sein, denn am 2. August 1840 ging sie in München in ein besseres Leben über, zur großen Trauer ihres Gatten, Arthur Clauer aus Aachen, mit dem sie sich vor Antritt ihres Hamburger Engagements vermählt, und eine sehr glückliche Ehe geführt hatte.

Die Gestalt der Mad. Clauer war zwar nicht imponirend, aber von den besten Verhältnissen, ihre Gesichtsbildung angenehm, und ihr Auge lebhaft und sprechend. Ihr Talent und ihre Mittel wiesen sie vorzüglich auf das tragische Fach hin, und ihre Maria Stuart, Griseldis, Olga, Johanna d’Arc etc. gehörten in jedem Falle zu den bemerkenswerthen Leistungen, die selbst das gebildetste, bedeutende Ansprüche machende Publikum befriedigen konnten. Eine lebendige Phantasie war ihr eigen und ein kräftiges, der Modulation und Nüancirung sehr wohl fähiges Organ unterstützte sie trefflich in ihren künstlerischen Intentionen. In Berlin wollte man, obgleich man die ehrenwerthen Bestrebungen der Künstlerin keinesweges verkannte und im Beifallspenden gegen sie eben nicht karg war, doch in der Ausführung ihrer tragischen Rollen zu viel künstlichen Pathos, in der Rede zu viel Deklamation finden. Auf andern Theatern gefiel sie auch in dem Fache der jugendlich-sentimentalen Schwärmerinnen, z. B. Louise Miller, Clärchen, Käthchen, Leonore etc., und auch ihre Leistungen im Lustspiele, z. B. im »Pariser Taugenichts«, Catharina v. Rosen, in: »Bürgerlich und Romantisch«, Frau v. Uhlen, in: »Die eifersüchtige Frau« werden als ausgezeichnet gerühmt. In Berlin konnte sie jedoch mit Rollen der letzteren Gattung nicht so effectuiren, da sie (wir urtheilen nur nach der Hedwig im: »Ball zu Ellerbrunn« und der Adele Müller, die sie spielte) durch eine Künstlerin besetzt sind, welche gerade hierin als unerreichbares Muster für alle deutsche Schauspielerinnen glänzt.

Im Leben bewährte sich der Charakter der Mad. Clauer als ein sanfter und liebenswürdiger, und Alle, die sich ihr näherten, rühmen die Bescheidenheit, die sie zeigte, wenn von ihren Leistungen die Rede war, oder wenn es darauf ankam, sich als Künstlerin geltend zu machen. Da nun auch, wie schon oben bemerkt wurde, ihre häuslichen Verhältnisse zu einem günstigen Urtheile über sie berechtigen, so wird ihrem Biographen das seltene Vergnügen zu Theil, das »De mortuis nil nisi bene« streng befolgen zu können, ohne darum der Wahrheit das Mindeste vergeben zu dürfen.

L. Wolff (Hrsg.): Almanach für Freunde der Schauspielkunst auf das Jahr 1840. Berlin, 1841.

#Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903)

Clauer Marie, geborene Marie de Bruin, geboren 1816 in München. Sie bildete sich fürs Lehramt aus, blieb diesem Berufe jedoch nicht treu und beschloß, durch die großartigen Gebilde der Sofie Schröder angeregt, sich der Kunst zu widmen, und so betrat sie am 11. September 1833 als »Hedwig« in »Die Banditenbraut« in Regensburg zum ersten Mal die Bühne. Sie wirkte zwei Jahre daselbst, kam dann nach Koblenz, hierauf nach Aachen, 1836 nach Hamburg und 1837 an das Hoftheater Schwerin, wo sie als »Griseldis« mit so glänzendem Erfolg gastierte, daß sie sofort für dieses Kunstinstitut gewonnen wurde. Sie blieb daselbst bis zu ihrem Tode und starb während eines Gastspiels in München am 2. August 1840. C’s Talent befähigte sie vorzugsweise zu tragischen Charakteren und riefen ihrer Leistungen, besonders als »Maria Stuart«, »Klärchen«, »Käthchen von Heilbronn«, »Gretchen«, »Griseldis« etc., überall Bewunderung hervor. Dabei war sie vorteilhaft unterstützt von einem angenehmen Äußeren, einem lieblichen, jeder Nuance fähigen Organ, einem sprechenden, lebhaften Auge.

Ludwig Eisenberg’s Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Leipzig, 1903.

#ML – SP – 1 – 30·31* (Deurer)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Deurer, Peter Ferdinand; 5.1.1779 (Mannheim) – 9.1.1844 (München); Historienmaler

Das Grab ist nicht erhalten


#Peter Ferdinand Deurer

* 5.1.1779 (Mannheim)
† 9.1.1844 (München)
Historienmaler

#Allgemeine Zeitung (15.1.1844)

München, 12 Jan. Wir haben abermals den Verlust eines ausgezeichneten Künstlers zu beklagen. Am 9 d. M. starb hier der Maler Ferdinand Deurer aus Mannheim an den Folgen eines Leberleidens, das er sich durch anhaltendes sitzendes Arbeiten scheint zugezogen zu haben, im Anfang seines 68sten Jahrs.

Er war im verflossenen Jahr aus Rom, wo er seit langer Zeit lebte, nach Deutschland gekommen um das Bad Kissingen zu gebrauchen, beabsichtigte sich den Winter über in München aufzuhalten, um im Frühjahr nach Marienbad zu gehen und sodann nach Rom zurückzukehren, als ihn am obengenannten Tag, ohne vorherige Anzeigen nahender Gefahr, mitten im heitern Gespräch mit den Seinen, plötzlich der Tod überfiel.

Deurer war ein Mann von feiner Bildung, großer Kenntniß und von mannichfachen Verdiensten. Er war es, dessen Entschlossenheit und Thätigkeit wir die Rettung der Schätze der Mannheimer Gemäldegalerie bei dem Einfall der Franzosen zu Anfang des Jahrhunderts besonders verdanken. Er ward später zum Galeriedirector in Augsburg und zum Professor der dortigen höhern Kunstschule ernannt, gab aber im Jahr 1826 den Staatsdienst auf, um in Rom ganz der Kunst zu leben. Dort hatte er die Aufgabe bald gefunden dir gewissermaaßen die seines Lebens geworden ist. Hingerissen von den Schöpfungen Raffaels, schien ihm nichts so lohnenswerth als diesen Genius ganz zu verstehen, und bald hatte er sich entschlossen eines der herrlichsten Werke desselben, die Grablegung in der Galerie Borghese zu copiren, und zwar so zu copiren daß man das Original noch einmal neugeschaffen sehen sollte. Der Ausführung dieses mit allem Feuer der Kunstliebe und Bewunderung gefaßten Vorsatzes widmete er fortan mit größter Energie seine ganze künstlerische Thätigkeit, so daß er es vor seiner Abreise aus Rom vollendet in seinem Atelier zurücklassen konnte. Schreiber dieser Zeilen sah das Bild im Jahr 1837; ist es, wie nicht zu zweifeln, in dem Geist, mit der Treue und Tüchtigkeit zu Ende geführt als es damals bereits demselben nahe gebracht war, so muß man sagen daß schwerlich eine zweite Copie der Art von einem ältern classischen Werke in unsern Tagen gemacht worden ist, und daß es, soweit eine Copie und namentlich eine nach Raffael an die Stelle des Urbildes treten kann, diese Aufgabe vollkommen löst.

Deurer hat sich auch während seines langen Aufenthalts in Italien eine Anzahl auserlesener Kunstschätze erworben, Gemälde älterer Meister von hohem Werth. Diese, sowie seine eigene Arbeiten, dürfen wir hoffen im Laufe dieses Jahres in München zu sehen, da sein Sohn, der Maler L. Deurer in Mannheim, der um ihre Versendung nach Deutschland zu besorgen, wie wir hören, selbst nach Rom reisen wird, wohl eines deßfalls einst gegen seinen Vater ausgesprochenen hohen Wunsches gern eingedenk seyn wird.

Allgemeine Zeitung Nr. 15. Montag, den 15. Januar 1844.

#Kunstblatt (19.3.1844)

Nekrolog.

München. Am 9. Januar starb hier der Historienmaler Peter Ferdinand Deurer, geboren im Jahre 1779 in Mannheim. Seine Studien hatte er in Düsseldorf und Kassel gemacht. Nach der Rückkehr in seine Vaterstadt rettete er, bei der Belagerung Mannheims durch die Franzosen, die Schätze der dortigen Gallerie. Bald hierauf wurde er Gallerie-Inspektor in Augsburg und Professor der dortigen höheren Kunstschule, gab aber im J. 1826 den Staatsdienst auf, um in Rom ganz der Kunst zu leben. Dort machte er sich eine Copie der Raphael’schen Grablegung in der Gallerie Borghese zu seiner Lebensaufgabe. Zugleich legte er eine schöne Sammlung älterer Gemälde an, welche sein Sohn, der Maler Ludwig Deurer in Mannheim, nach Deutschland holen wird. Der Vater war im verflossenen Jahre aus Italien nach Kissingen gekommen und hatte sich für den Winter nach München begeben, wollte im Frühjahr Marienbad besuchen und sodann nach Rom zurückkehren, als ihn, ungeahnt von ihm und den Seinigen, mitten im Gespräche mit diesen, der Tod überfiel. Er wurde das Opfer von Leberleiden, die er sich durch anhaltendes sitzendes Arbeiten scheint zugezogen zu haben. Er starb im Anfang des 66. Jahres.

Kunstblatt No. 23. Dienstag, den 19. März 1844.

#Conversationslexicon für bildende Kunst (1844)

Deurer, Peter Ferdinand, geb. 1779 in Mannheim, machte seine Studien in Düsseldorf und Kassel, kam hierauf in seine Vaterstadt zurück, rettete bei der französischen Belagerung Mannheims hier die Schätze der berühmten Gallerie, ward bald hernach Gallerie-Inspector zu Augsburg und Professor der dasigen Kunstschule, gab jedoch im J. 1826 den Staatsdienst auf und wanderte nun nach Rom, um in der ewigen Stadt völlig der Kunst zu leben.

Sein ausserordentlichstes Werk, welches er hier zu Stande brachte und als seine Lebensaufgabe betrachtete, ist eine Kopie der in Borghesischen Gall. befindlichen Grablegung von Raffael. Zugleich legte er eine schöne Sammlung älterer Gemälde an, die er zwar nur auf 30 Nummern brachte, unter denen aber kaum eine war, die nicht werthvoll hätte heissen dürfen.

Im J. 1843 wanderte Deurer, nach Beendigung seiner Kopie der raffaellschen Grablegung, zur Kur nach Kissingen und begab sich dann für den Winter nach München, um im Frühjahr Marienbad zu besuchen und darauf nach Rom zurückzukehren. Indess das Schicksal wollte es anders; er wurde das Opfer von Leberleiden, die er sich durch anhaltendes sitzendes Arbeiten zugezogen zu haben schien, und es überfiel ihn, von ihm und den Seinigen ungeahnt, der Tod mitten im Gespräch mit diesen am 9. Januar 1844 zu München.

Ob seine in Rom nachgelassene Gemäldesammlung dort versteigert oder durch seinen Sohn, den Maler Ludwig Deurer in Mannheim, nach Deutschland gebracht worden, ist uns bis zum Moment, wo wir dies schreiben, unbekannt geblieben. Eins der werthvollsten Gemälde der Deurerschen Sammlung war die Bathseba im Bade von Paris Bordone aus der Gallerte Fesch; das Bild ist 7 F. 3 Z. hoch, 6 F. 9 Z. breit, und bietet drei lebensgrosse weibliche Figuren mit reicher architektonischer Umgebung in aller Fülle und Frische des venezianischen Kolorits. Sodann machte sich in der Sammlung ein Bildchen von Pietro Perugino bemerklich, die Auferstehung Christi, Skizze zu dem grossen Bilde in der Vatikanischen Sammlung; ferner eine Landschaft von Gaspar Poussin aus der Gall. Aldobrandini (4 F. 6 Z. hoch, 6 F. breit); eine heil. Familie, halbe Figuren, ein ganz vorzüglich inniges Bild des eigentümlich strengen Florentiners Sandro Botticelli (2 F. 10 Z. hoch, 2 F. 3 Z. breit); eine Anbetung der Könige von Andrea del Sarto (3 F. 2 Z. hoch, 2 F. 7 Z. breit).

Die übrigen Stücke der Samml. waren: Christus, vor ihm eine knieende Frau, von Nicolas Poussin; die Farbenskizze einer Himmelfahrt Mariens von Tintoretto; Flucht nach Aegypten, von Baroccio; grosses Bild eines Jünglings und Mädchens vom Ritter d‘ Arpino; Madonna mit Kind, angeblich von Murillo; zwei Landschaften, Tivoli und Terni, von Orizonte; von Heiligen umgebene Madonna, aus der Schule des Lionardo da Vinci; Maria mit dem Christkindchen und Johannes, von Ghiriandajo; Madonna von Innocenzo da Imola; Kopie der Correggischen Kalharienvermählung, von Schidone; Apotheose einer Nonne, von Leandro Bassano; Maria mit dem Kinde, ein sehr altes Bild von Ceccarelli Sanese; Madonna von Filippo Lippi; Krönung Mariens von Tiberio d‘ Assisi; Maria mit Kind von Crivelli; ein Temperabild: la Madonna degii angeli, von Sano di Siena; Landschaft von Domenichino; Trinker von Isaac Ostade; Landschaft von Hobbema; Bauern von Adrian Brouwer; Gesellschaft von Le Ducq; alte Kopie eines Nachtstückes von Schalken. Als Krone dieser Sammlung aber war Deurer’s vortreffliche Kopie nach Raffael zu betrachten.

Conversationslexicon für Bildende Kunst. Leipzig, 1844.

#Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler (1913)

Deurer, Peter Ferdinand, Historien- und Porträtmaler, geb. in Mannheim 5. 1. 1777 (nach anderen 1779), † in München 9. 1. 1844, Vater des Ludwig D., Schüler des zweibrückischen Hofmalers Joh. Chr. Mannlich seit 1793. 1799 half er die nach Mannheim gebrachte herzogl. zweibrückische Galerie nach München retten, studierte dann noch auf den Akad. in Düsseldorf u. Cassel, lebte in Mannheim u. wurde 1811 (wegen seiner Verdienste um die zweibrückische Gal.) Direktor der Gal. in Augsburg, wo er sich durch seine sehr sorgfältig ausgeführten, außerordentlich ähnlichen Porträts bald einen Ruf machte. 1826 nahm er seine Entlassung und ging nach Rom, wo er seit dem Spätjahr 1829 bis 1843 nachweisbar ist. In diesem Jahre zwang ihn ein Leberleiden, zur Kur nach Kissingen zu gehen; den Winter verbrachte er dann in München, wo er plötzlich starb. D. wohnte mit seiner Frau Michelina in Rom in der via Gregoriana 33 und war öfters Vorstand der Deutschen Künstlerbibl. in Rom. Er studierte dort besonders eingehend Raffael, indem er zahlreiche Kopien nach dessen Bildern anfertigte. Sein bestes Werk dieser Art, eine Kopie der Grablegung Raffaels nebst der dazugehörigen Predella, befindet sich in der Kunsthalle in Karlsruhe (s. Kat. v. 1910). Eine nach Zeichnung, Form und malerischer Durchführung treffliche Italienerin besitzt die Städt. Gal. in Mannheim. Im Börsensaal in Augsburg ein großes vielgerühmtes Bildnis Maximilian Josephs I. v. Bayern im Krönungsornat. In Augsburg porträtierte D. u. a. ferner die Herren Finanzrat von Schätzler (gest. von Fr. Fleischmann), Wohnlich, Süßkind und Obermaier.

D. hatte in Rom eine kleine Samml. hervorragender älterer Gemälde zusammengebracht (vgl. Faber), über deren Verbleib nichts bekannt ist. Sein Porträt zeichnete sein Sohn Ludwig D. 1836 für das Deutsche Künstleralbum in Rom. H. J. Fried widmete ihm 1837 ein Gedicht (s. Fried, Epheuranken, Landau 1840 I 297).

Allg. Dtsche Biogr. Bd 47. – F. Faber, Konvers.-Lex. f. bild. Kunst, 1846. – v. Bötticher, Malerw. des 19. Jahrh. – Beringer, Gesch. d. Mannheimer Zeichnungsakad. – Kunstblatt, 1844, 1845. – Akten d. Deutschen Biblioth. u. des Dtschen Künstlerver. in Rom, Pfarrb. von S. Andrea d. Fratte in Rom (nach Mitt. von Dr. Fr. Noack).

Beringer.

Beringer: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Herausgegeben von Ulrich Thieme. Leipzig, 1913.

#ML – SP – 1 – 34·35 (Tretter)


FRANZ TRETTER
KGL. STADTRICHTER
* 1804 † 1866
SEINE EHEFRAU
THERESE TRETTER
* 1812 † 1896
FRANZ TRETTER
REGIERUNGSDIREKTOR A. D,
* 1831 † 1917

Sockel
TRETTER’SCHES
FAMILIENGRAB


  • Tretter, Franz; 1804 – 13.1.1866 (München); Königlicher Stadtrichter a. D.
  • Tretter, Franz; 1831 – 1917; Regierungsdirektor a. D.
  • Tretter, Therese (vw); 1812 – 1896

Grab der Familie Tretter auf dem Alten Südfriedhof München (September 2011)

Grab der Familie Tretter auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2008)

#ML – SP – 2 – 3 (Kroning · Poja)


Sockel
Adelina Gräfin Alberti
di Poja, geb. Kroning
geb. 16.X.1843, gest. 23. I.1924.

Rechte Seite
Helene Kroning, geb. Püttner, aus Weidenberg.
Geboren 7. Juli 1813, † 21. Februar 1870.
Georg Friedrich Kroning, kgl. Advokat,
geboren in der Tann 4. April 1807, † 12. Juli 1880.


  • Alberti di Poja, Adelina Gräfin (vh) / Kroning (gb); 16.10.1843 – 23.1.1924 (Weyarn)
  • Kroning, Georg Friedrich; 4.4.1807 – 12.7.1880; Königlicher Advokat
  • Kroning, Helene (vh) / Püttner (gb); 7.7.1813 – 21.2.1870 (München); Advokatens-Gattin

Todesanzeige für Adelina Gräfin Alberti di Poja

Grab der Familien Kroning · Poja auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#ML – SP – 2 – 14 (Moll)


Grabstätte der Familie Moll.

Hier ruhen in Gott:
Herr Johann Kilian Moll,
Rentier,
geb. den 8. Juli 1825, gest. den 2. Juni 1892.
Frau Marie Moll,
Rentierswitwe,
geb. 13. Sept. 1847, gest. 15. Okt. 1921.

R. I. P.


  • Moll, Johann Kilian; 8.8.1825 – 2.6.1892; Privatier
  • Moll, Marie (vw); 13.9.1847 – 15.10.1921; Rentiers-Witwe

Grab der Familie Moll auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2012)

#ML – SP – 2 – 20 (Seidl)


Gabriel von Seidl
* 9.12.1848 † 27.4.1913
Fanny von Seidl
Geb. Neunzert
* 2.10.1862 † 24.5.1935
Therese Seidl
* 26.6.1892 † 21.7.1896


  • Seidl, Fanny von (vh) / Neunzert (gb); 2.10.1862 – 24.5.1935
  • Seidl, Gabriel von, Dr. Ing.; 9.12.1848 (München) – 27.4.1913 (Bad Tölz); Architekt
  • Seidl, Therese; 26.6.1892 – 21.7.1896 (Tölz)

Grab der Familie Seidl auf dem Alten Südfriedhof München (April 2014)

Grab der Familie Seidl auf dem Alten Südfriedhof München (April 2014)

Grab der Familie Seidl auf dem Alten Südfriedhof München (April 2014)

Grab der Familie Seidl auf dem Alten Südfriedhof München (August 2008)

Grab der Familie Seidl auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2008)

Grab der Familie Seidl auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2008)

#Dr. Ing. Gabriel von Seidl

* 9.12.1848 (München)
† 27.4.1913 (Bad Tölz)
Architekt

#Münchner Neueste Nachrichten (11.2.1913)

Lokales
München, 10. Februar

Ehrung. Bei Professor Dr. Gabriel von Seidl, der, wie schon mitgeteilt, leider wegen Krankheit seit längerer Zeit das Haus hüten muß, fand sich heute vormittag Reichsrat Dr. Oskar v. Miller ein, um dem Patienten namens des Deutschen Museums eine künstlerisch ausgestattete, in Florentiner Leder gebundene Adresse zu überreichen, die folgenden Wortlaut hat:

»Hochverehrter Herr Dr. v. Seidl! Nachdem vor wenigen Tagen der Astronomieaufbau über dem Ehrensaal des Deutschen Museums fertiggestellt wurde, steht nunmehr der eigentliche Museumsbau vollendet da. Wir möchten diese Gelegenheit benützen, um Ihnen unseren Dank und unsere Anerkennung für die großen Verdienste auszusprechen, die Sie sich um die Errichtung unseres Neubaues erworben haben. Wir möchten gleichzeitig der Hoffnung Ausdruck geben, daß auch die innere Einrichtung des Museums, sowie der Bibliothekbau unter Ihrer künstlerischen Leitung in derselben glücklichen Weise vollendet werden mögen, und zeichnen mit dem wiederholten Ausdruck unseres Dankes. Das Deutsche Museum, v. Miller, v. Dyck, v. Linde.«

Der Patient war über diese Aufmerksamkeit sehr erfreut; den Wünschen, die in dieser Adresse zum Ausdruck kommen, werden sich alle die ungezählten Vertreter des Meisterarchitekten von Herzen anschließen.

Münchner Neueste Nachrichten No. 76. Dienstag, den 11. Februar 1913.

#Münchner Neueste Nachrichten (28.4.1913)

Gabriel v. Seidl †

Prof. Dr. h. c. Gabriel v. Seidl, der berühmte Münchner Architekt, Ehrenbürger der Stadt München, ist Sonntag nachmittag ¾4 Uhr in München nach langem, schwerem Leiden im 65. Lebensjahr gestorben.

Nun wir ihn verloren haben, wird sich die Welt wohl erst wieder darauf besinnen, was wir an ihm besaßen — wir Deutschen, nicht bloß wir Münchener! Aber wir Münchener vor allen! Gabriel Seidl, der mit einer heißen, bedingungslosen Liebe an seiner Vaterstadt hing, hat mehr Anteil, als irgend ein anderer schaffender Künstler gehabt an der Entwicklung von deren künstlerischem Charakter. Er und sein Kreis haben in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre einer neuen Zeit die Tore aufgetan, frisch und fröhlich, voll jugendstarker Zuversicht. Nach Jahrzehnten einer trostlosen Oede, in der die trocken-kühle Noblesse des Maximiliansstils noch eine wahre Oase bedeutete, nach einem Geschmacksverfall und einer Stilarmut, von der lange Straßenzeilen, in der Gründerzeit entstanden, heute noch einen schaudervollen Begriff geben, schaffte ein Seidl der Architektur wieder ihren Platz unter den Künsten. Man muß schon zu den Aelteren gehören, um das voll würdigen zu können, muß sich des Aufschwungs erinnern, den damals alle Zierkünste mit der Baukunst nahmen, plötzlich, wie Blütenfülle losbricht nach einem warmen Frühlingsregen. Wie ein Durst nach Schönheit auf einmal in unserem ganzen öffentlichen und privaten Leben sich fühlbar machte, wie die Gewerbetreibenden, auf köstliche Vorbilder hingewiesen, sich auf die Kultur ihres Handwerks wieder besannen und, vom Goldschmied bis zum Lebzelter, wetteiferten, ihre Arbeit in Schönheit zu tun! Man hatte den Formenschatz unserer Alten wieder entdeckt; wer unwissend genug ist, mag auf jene retrospektive Bewegung heute mit Achselzucken herabsehen — in Wahrheit stehen die Besten von heute in jenen Fächern auf den Schultern dieser »Retrospektiven«. Was sich heute in der deutschen Architektur als Zeitstil kristallisieren will, ist ohne Gabriel Seidl nicht zu denken, das ganze Aufblühen unserer »Angewandten Kunst« nicht ohne ihn und seinen Kreis, nicht ohne die Seidl und Seitz und Frhr. v. Miller und Gedon und Georg Hirth und viele andere. Die hohe Entwicklung aller Techniken des Kunsthandwerks, seine Organisationen und seine vorbildliche künstlerische Gesinnung — diese Faktoren machten es möglich, daß München, daß deutsche Handwerkskunst die Anerkennung der ganzen Kulturwelt erzwungen haben seit anderthalb Jahrzehnten. Alle diese wertvollen Errungenschaften wurden aber vorbereitet oder erworben in jenen Zeiten der »Retrospektivität«.

Die nachdrängende Jugend, die ja immer das Recht hat, gegen die Aelteren ein wenig ungerecht zu sein, hat es Gabriel Seidl manchmal verübelt, daß er unbeugsam zu seiner künstlerischen Meinung stand. Diese Meinung aber war ihm natürlich geworden und nicht angezogen als ein Modekleid; er war nicht der Mann dazu, sie immer wieder nach dem neuesten Journal zu ändern. Entwickelt hat auch er sich und nicht wenig! Man braucht nur seine Erstlingswerke zu betrachten, etwa das immerhin noch streng im Banne des Renaissance-Kanon gehaltene »Deutsche Haus« und damit die Art zu vergleichen, wie der Sechzigjährige seine Formen im Stil des Deutschen Museums dem neuen Material, dem Beton, und dem praktischen Zwecke anpaßte, der hier so ganz anderes verlangte, als etwa das auf Traulichkeit und intimen Genuß gestimmte Nationalmuseum. Ganz nüchternen Zweckmäßigkeitsfanatismus konnte er freilich nicht verstehen und für die, die heute einen völligen Mangel an Phantasie für Genialität ansehen, hatte er nur ein Achselzucken. Wie sehr hat er recht bekommen, wenn er sich seine Gedanken machte über jene outrierte Schmucklosigkeit, die nur die reine Zweckmäßigkeitsform gelten lassen und das Ornament als Verbrechen ansehen wollte. Es kam, was er voraussah: heute herrscht ein starkes, aber ungestilltes Sehnen nach dem Ornament, das sich eben nicht rechnerisch entwickeln läßt, wie ein architektonischer Zweckmäßigkeitsstil — und wenn Zierformen gebraucht wernen, hilft man sich im Grunde genommen doch wieder mit der Anleihe bei den Alten, meist aber hilft man sich ungeschickt, pflastert gelegentlich schwere Ornamentik aus dem Barock oder dem Empire auf Möbelkonstruktionen, zu der sie nicht paßt und schafft da jedenfalls kuriose stilistische Pfropfbastarde, die nicht lebensfähig sind.

Wie organisch aber war das, was Seidl in alten Stilarten schuf, wenn er diese nicht etwa — und das tat er in seiner späteren Zeit viel lieber! — vollkommen frei mit modernen Elementen verschmolz! Man hat es oft genug ausgesprochen: er beherrschte zumal die Formensprache der Renaissance und des Barock wie seine »Muttersprache«. Das war nicht eine Synthese von Zierelementen, wie so oft bei anderen, zumal unseren »modernen« Gotikern. Da war alles vom Grundriß an im Geiste des betreffenden Stils gedacht, nein, nicht gedacht, sondern als ein Selbstverständliches empfunden — gemußt! Und darin lag ja das Epochemachende seiner Art. Während die vor ihm und noch so viele Zeitgenossen irgendwelche neuzeitliche Bauformen mit historischen Motiven verzierten, erschien sein Stil als ein Ganzes gewachsen; er hatte ein besonders sicheres Gefühl für die gute Baumeistertradition, für ruhige, klare, behäbige Struktur, und wurde damit der Neuschöpfer jenes gesunden Münchner Backstein-Stils, auf dem, wie gesagt, unsere Besten heute noch weiterbauen. Ihm danken wir's, wenn München heute so wenig gesegnet ist mit der kalten und protzigen Pracht einer gewissen großstädtischen Haustein-Architektur — eine Anzahl unserer Bankgebäude vertritt diese kulturlose Art allerdings auch hier. Durch Seidl wurde gerade das Gutbürgerliche zu einem künstlerischen Prinzip, zu einem Prinzip, das überaus entwicklungs- und wandlungsfähig war, wie sich erwies. Am Neuen Nationalmuseum hat Seidl gezeigt, daß dies Prinzip sich auch nach der Seite stolzer Monumentalität hin ausgestalten ließ; dessen hochragender Mittelbau gehört zu den schönsten Stücken der Münchner Architektur überhaupt, die Werke der alten Zeit mit eingerechnet. Wo Seidl warm, persönlich, diskret in seinen Mitteln sein durfte, war ihm ein glänzendes Gelingen sicher, ob es sich um ein bürgerliches Wohnhaus, einen Ratspalast oder eine Kirche handelte!

Unser Meister wurde am 9. Dezember 1848 als der Sohn des Bäckermeisters Anton Seidl in München geboren. Dieser war ein Freund der Künstler und der Kunst und das Seidlsche Stammhaus an der Theatinerstraße füllten Schätze alten deutschen Kunstgewerbes, das damals noch von recht Wenigen gewürdigt worden ist. Als Gabriel Seidl, der im Elternhause mit dem hochverdienstvollen Franz v. Seitz, mit Moriz v. Schwind und anderen herzensverwandten Künstlern in Berührung gekommen war, die Mittelschule verließ, trat er ans Polytechnikum über, noch schwankend beüglich der Wahl seines Berufes, Als Artillerist machte er den großen Krieg mit, holte sich bei Beaugency das Verdienstkreuz, und nach seiner Rückkehr trat er wieder ins Polytechnikum ein; dieses Mal endgültig um Architekt zu werden. Hier gewann besonders Gottfried Neureuther Einfluß auf ihn — einer, der ebenfalls bedeutsam geworden ist für die Gesundung unseres Stilgefühls und dessen Verdienste noch lange nicht genug gewürdigt sind. Seidl arbeitete auch mit Freuden praktisch auf dem Baugerüste — z. B. bei dem Neubau seines Onkels Sedlmayr, des Bierbrauers zum Spaten. Auf der deutschen Kunstgewerbeausstellung im Glaspalast 1878 stellte der junge Architekt ein bürgerliches Wohnzimmer aus, das überaus schlicht war mit seiner einfachen braunen Täfelung und Decke und den schmucklosen weiß getünchten Wänden, aber auch so verblüffend schön und traulich, so ganz etwas, was die Zeit brauchte, daß den Leuten die Augen auf- und übergingen. Man muß unseren Wohnungsstil der siebziger Jahre gekannt haben, um den Jubel zu verstehen, den die Ausstellung dieser Stube weckte. Seidl bekam nun, wie er selbst erzählt, Aufträge in Hülle und Fülle. Lenbach, Gedon, Rudolf Seitz zogen ihn, den Jüngeren, in ihren Kreis und mit Seitz gründete er bald eine Werkstätte für Handwerkskunst und Wohnungseinrichtung, die Firma Seitz und Seidl, das Urbild der »Vereinigten Werkstätten« von heute.

Die große Bewegung der Neurenaissance war in vollem Gange. Bald war es Seidl vergönnt, einen Bau zu schaffen, der das Interesse für den jungen Künstler auch in Bezug auf Außenarchitektur auf allen Seiten weckte: das in den Formen der deutschen Renaissance gehaltene Restaurant zum »Deutschen Haus« beim Eingang des Botanischen Gartens. Auch dieser schlichte und friedliche Giebelbau in einer, damals noch sehr nüchternen Umgebung wirkte als Offenbarung und man weiß, daß von dieser Offenbarung aus geradezu der Aufschwung der Baugesinnung, des guten Geschmacks in München ausging, so unendlich bescheiden und prätensionslos das »Deutsche Haus« dem Menschen von heute auch erscheinen mag. Damals war's wie ein frischgrüner Trieb aus dürrem Stamm — der Bau war eine grundlegende Tat. Nun begann die Aera der gesunden und in des Wortes richtigem Sinne »urwüchsigen« Münchener Ziegelarchitektur, die so viele unserer privaten und öffentlichen Bauten zum Objekt der Bewunderung und des Studiums sachverständiger Besucher gemacht hat.

Was Seidl selbst, der als Dreißigjähriger nach dem Bau des »Deutschen Hauses« unbestritten in der ersten Reihe der Münchener Baukünstler stand, alle die Jahre her hier und auswärts geschaffen, ist so enorm Vieles und Mannigfaltiges, daß unser Raum auch für die bloße Aufzählung nicht ausreicht. Seine Tätigkeit beim Deutschen Bundesschießen 1881, dessen schöne Hallen er ausführte, war wieder in anderem Stil epochemachend für einen neuen Stil der Dekorationskunst, seine stattlichen kernig-soliden Ausgestaltungen des Franziskaner- und Arzberger-Kellers gaben Vorbilder für ähnliche Räume in ganz Deutschland, und ein Kunsthistoriker hat sogar behauptet, Seidl habe, indem er solchen feuchtfrohen Stätten den Zauber der Schönheit verlieh, zur Milderung der wüsten Münchener Trinksitten Wesentliches beigetragen. Noch feiner, ein intimes und wahrhaft gemütliches Werk der Raumkunst, ist das später entstandene Gasthaus zum Bauerngirgl. Das »Spatenbrä« in Berlin, das »Münchner Kindl« in Straßburg sind ebenfalls von Gabriel Seidl gebaut. Von seinen Münchener Privatbauten ist wohl Lenbachs reicher Palazzo am berühmtesten geworden. Der Oeffentlichkeit weniger bekannt ist das Künstlerheim Friedrich August von Kaulbachs an der Kaulbachstraße, dessen vornehme Gartenfacade von der Straße aus kaum zu erspähen ist. Von Gabriel Seidl stammt dann noch das Böhlerhaus an der Briennerstraße, von ihm der recht schwierige und ebenso originell als malerisch gelöste Neubau des Ruffiniblocks, der ganzen Häuserflucht am Karlstorrondell, in der so diskret die Linien des alten Stadtbildes gewahrt sind. Dies Bestreben hat Seidl ja immer gezeigt und wie bekannt, war er auch die treibende Kraft zur Erhaltung des unvergleichlichen alten Architekturbildes beim Umbau des Augustinerstocks. Auch das Onuphriushaus beim alten Rathaus ist mit solcher Pietät für das alte Gesamtbild erfunden. Unseres Neuen Nationalmuseums wurde schon gedacht — es umfaßt einen Reichtum an baukünstlerischen Gedanken, der ohne Gleichen ist, und wenn die Fachleute auch sagen mögen, daß es eben mehr das Werk eines Künstlers und Altertumsenthusiasten sei, als das eines Museumsmannes — bei der Eigenart gerade dieser köstlichen Sammlung bedeutet dies eher ein Lob, als einen Tadel. Im Münchener Künstlerhaus, auch da mehr von dem Willen zur Schönheit als der Anpassung an einen praktischen Zweck geleitet, legte Seidl dann geradezu die Summe seines Wissens und Könnens auf dekorativem Gebiete nieder und war auch hier wieder mit glänzendem Gelingen bemüht, durch diesen Bau das architektonische Gesamtbild mit der engeren und weiteren Umgebung harmonisch zu gestalten. Ein wuchtiges Denkmal seiner Kunst, stark und originell, ruhevoll und groß in ihren Umrissen, ist die romanische St.-Anna-Kirche im Lehel. Mit seinem letzten großen Münchener Profanbau, dem Deutschen Museum auf der Kohleninsel, dessen Hauptteil im Rohen ja bereits fertig dasteht, hat der Meister dann, wie gesagt, erwiesen, daß seine Kunst ebensowenig versagte, wenn er seine persönlichen Neigungen den kühleren Forderungen des Tages unterordnen mußte. Zumal der schlanke schöne Turm ist ein Zugeständnis an das Heute.

Von den vielen Bauten, die Gabriel v. Seidl auswärts errichtete, seien vor allem die stolzen Villen von Heyl in Darmstadt, Schoen in Worms, das Schloß Büdesheim des Grafen Oriola, Schloß Repten, die romanische Gottliebenkapelle in Hernsheim, die Rathäuser in Ingolstadt und Worms genannt, und des Künstlers letztes Werk, der Neubau des Bremer Rathauses, der dem schon schwer Erkrankten noch so reiche künstlerische Ehren eintrug. Die verantwortungsvolle Aufgabe, ein unersetzliches Juwel alter Baukunst mit einem Neubau organisch und geschmackvoll zu verbinden, war hier mit einer Meisterschaft gelöst, die gerade hierfür nur einer aufbringen konnte — Gabriel Seidl.

Wie der Heimgegangene innig und unermüdlich an dem Wohl und Wehe seiner engeren Heimat Anteil nahm, wie er begeistert sich jeder Bewegung anschloß, die Münchens Verschönerung, die Konservierung alter Kultur- oder Naturschätze zum Ziele hatte, das weiß die Generation von heute gar gut. Es sei nur auf seine Tätigkeit bezüglich der Erhaltung der Reize des Isartals erinnert und an seine Grünwalder Brücke, in der sich Kunst und moderne Technik so innig vermählten, an das unermüdliche Wirken Seidls für sein geliebtes Tölz, wo er einen ebenso schmucken als behaglichen Landsitz sich geschaffen. Gabriel von Seidl war einer von den Seltenen und Auserwählten, deren Kraft und Wert noch weit über den eigentlichen Kreis ihrer beruflichen Tätigkeit hinauswirkt, befruchtend, begeisternd und erwärmend. Daß einer, der sich selber so viele Denkmäler in seiner Heimat gesetzt, in dieser Heimat nicht vergessen werden wird, das braucht wohl nicht erst versichert zu werden!

F. v. O.

Münchner Neueste Nachrichten No. 215. Montag, den 28. April 1913.

#Münchner Neueste Nachrichten (1.5.1913)

Die Beerdigung G. v. Seidls
München, 30. April

Der hohen Bedeutung seines künstlerischen Schaffens würdig war die Trauerfeier, die man dem dahingegangenen Meister am Mittwoch nachmittag im südlichen Friedhof bereitete. Emanuel v. Seidl, der Bruder des teuren Toten, hatte ihm das Grab prächtig geschmückt. Eine mächtig getürmte Kranzpyramide hatte ihren Mittelpunkt in einem Riesengebinde weißer Rosen — dem letzten Blumengruß der Familie. Nach beiden Seiten schlossen sich an die Pyramide hohe, kranzbehangene Wände, abgeschlossen von schwarzdrapierten, mit Silberlorbeer umschlungenen Pilonen mit lodernden Pechpfannen obenauf.

Die Ehrenwache am Grabe hielten Rechtsrat Hörburger und Mag.-Rat Ragaller. Vor der Aussegnungshalle, deren Wände mit dunklem Flor umkleidet waren, versammelte sich eine schier unübersehbare Schar Trauernder, die gekommen waren, Münchens großem Ehrenbürger das letzte Geleite zu geben.

Man bemerkte u. a. als Vertreter des Prinz-Regenten Flügeladjutanten Grafen zu Castell, als Vertreter der Prinzen Rupprecht und Georg Hofmarschall Grafen Pappenheim und Hauptmann v. Steinling, Oberhofmeister Baron Rotberg als Vertreter der Herzogin Karl Theodor, Kultusminister Dr. v. Knilling und Ministerialrat v. Winterstein, Staatsrat v. Kahr und Ministerialrat Knözinger, die Staatsminister Graf Podewils und Graf Feilitzsch, Oberbürgermeister Dr. v. Borscht und Bürgermeister Dr. v. Brunner mit Mitgliedern der beiden städtischen Kollegien, Polizeipräsidenten von der Heydte, Präsidenten v. Englert, Rektor Geheimrat Dr. Günther mit Professoren der Techn. Hochschule, Direktor Reichsrat F. v. Miller mit Professoren der Akademie der bildenden Künste, als Vertreter des Generalkonservatoriums der Kunstdenkmale und Altertümer Bayerns Konservator Dr. Richard Hoffmann, ferner den Präsidenten des Oesterreichischen Ingenieur- und Architektenvereins Oberbaurat L. Baumann und die Vertreter der weiter unten anfgeführten Städte und Korporationen.

Mit dem ergreifenden Liede »Ruhe sanft« von Schwab leitete der Hofopernchor die Trauerfeier ein. P. Rupert Jud nahm, assistiert vom großen Kondukt der Pfarrei St. Bonifaz, die Aussegnung vor; dann setzte sich der Leichenzug zum Grabe in Bewegung. Voraus die Wackersberger Schützenkompagnie in ihrer althistorischen Tracht, die Drillinge geschultert, die Fahne umflort. Ihr schlossen sich an der Kathol. Gesellenverein Bad Tölz, die Kapelle des 1. Feldartillerie-Regiments, der Verband der Prinz-Regent-Luitpold-Kanoniere, flambeauxtragende Ratsdiener, das Korps Germania, die Kranzträger und die Geistlichkeit. Zu beiden Seiten des Sarges schritten Mitglieder der Allotria mit brennenden Wachsfackeln. Als der Sarg ins Grab gesenkt wurde, ertönte Böllersalut. P. Rupert Jud sprach dem Toten, dem Freund, eine würdevolle Gedächtnisrede; der Gedankengang seiner zum Herzen sprechenden Ausführungen war ungefähr folgender:

»...Gerade darin, daß der Künstler im Menschen ganz und gar aufging, scheint mir der Grund zu liegen für den Zauber, der von diesem seltenen Manne in reichstem Maße ausging auf Fürst und Volk, auf Stadt und Land, auf Kunst und Leben, in Nord und Süd des deutschen Vaterlandes, für dessen Einheit er nicht nur als bayerischer Artillerist tapfer gekämpft im großen Kriege vor 42 Jahren, sondern unablässig gesorgt hat in unvergänglichen Werken des Friedens. Mit Recht ist einmal von ihm gesagt worden, er sei ein Sprachkünstler und seine Bauten seien Lyrik, er wolle nicht nur den Raum bezwingen, sondern Stimmungen mauern, alle seine Werke seien geboren aus der Tiefe des Gemütes. Der große Künstler, ohne den wir uns unser München gar nicht mehr denken können, blieb aber trotz aller, trotz der höchsten Ehrungen eine einfach schlichte, kindlich unbefangene Natur, ein abgesagter Feind aller Ueppigkeit und Genußsucht in Kunst und Leben, der nicht im Fortschritt des menschlichen Wissens und Könnens an und für sich, sondern in der Heilighaltung erprobter Kunst- und Kulturwerte der Vergangenheit, in der Pflege heimatlicher, sittlicher und religiöser Ideale den Gesundbrunnen nationaler Kraft und Tüchtigkeit erblickte. Ein Mann mit solchen Gesinnungen mußte ein idealer Familienvater sein, und in der Tat: sein Familienleben, seine Liebe zu Frau und Kindern war und bleibt ein vorbildliches makelloses Heiligtum; ein christliches Haus ist das schönste Erbe, das er den Seinigen hinterläßt. ...«

Mit tief zu Herzen gehenden Worten des Abschiedes schloß der Redner.

Hierauf legte Reichsrat Ferd. v. Miller namens der Akademie der bildenden Künste einen Kranz am Grabe nieder. Er feierte Gabriel von Seidl als den »Freund seiner Freunde, den Freund der Kunst und Poesie, den Freund der Natur und alles Schönen, der opferwillig war, wenn es galt, jemanden zu helfen mit Rat und Tat, der unermüdlich war, wenn es galt, Schönes zu schützen, zu erhalten in Kunst und Natur«. Die pfälzische Kreishauptstadt Speyer ließ ihrem hochverdienten Ehrenbürger durch Bürgermeister Dr. Hertrich mit einem Kranz die letzten Grüße übermitteln, Geheimrat Dr. Günther widmete für die Technische Hochschule, Professor v. Mecenseffy für die Architektenabteilung der Hochschule Kranz und Nachruf, ebenso Senator Nebeltau für den Senat der Freien Hansastadt Bremen, Regierungsrat Fischer für den Historischen Verein für das bayerische Oberland, für den Gewerbeverein und für den Bezirk Tölz, Geheimrat Friedrich v. Thiersch für die Akademie der Künste zu Berlin, rechtskundiger Bürgermeister Stollreither für die Stadt Tölz (»ihrem Ehrenbürger«), sächs. Gesandter Frhr. v. Friesen für die Akademie der Künste zu Dresden, Reichsrat Oskar v, Miller für das Deutsche Museum, Prof. v. Petersen für die Münchner Künstlergenossenschaft, Direktor Dr. Stegmann für das Nationalmuseum, Justizrat Pailler für den Isartalverein, Verwaltungsgerichtsrat v, Chlingensperg für das Historische Museum der Pfalz, Direktor Riemerschmid für die Kunstgewerbeschule, Baurat Rehlen für den Bayerischen Architekten- und Ingenieurverein, Ministerialrat v. Schacky für den Münchner Architekten- und Ingenieurverein, Prof. Emil Högg für die Dresdner Künstlervereinigung »Zunft«, Prof. Fritz von Miller für den Künstlerhausverein, Oberregierungsrat Dr. Döberl für den Historischen Verein für Oberbayern.

Dr. Georg Hirth gedachte des Verstorbenen unter Niederlegung einer Kranzspende in folgendem anerkennendem Nachruf:

»Es ist schon von geistlicher Seite erwähnt worden, daß unser verewigter Freund auch ein Meister der Sprache und des Wortes war wenn es galt, seine Ideale zum Ausdruck zu bringen, er war aber auch ein Künstler der Feder, wenn es galt, eine gute Idee zu verfechten und zahlreiche Aufsätze in der Münchner Presse legen Zeugnis ab von seinem schriftstellerischen Talent. Diesen Kranz lege ich nieder im Namen des Journalisten- und Schriftstellervereins München, aber auch in meinem eigenen Namen als einer seiner glühendsten Verehrer dem großen deutschen Baumeister, dem vorbildlichen Kämpfer für Münchens Größe, Schönheit und Ruhm.«

Herzliche Abschiedsworte rief dem geschiedenen Freund Prof. Toni Stadler unter Niederlegung einer Kranzspende der Allotria nach. Ebenfalls unter ehrenden Nachrufen ließen noch Kränze niederlegen Aktivitas und Philisterium des Korps Germania, die Wackersberger Schützenkompagnie, die Ortsgruppe München des Bundes deutscher Architekten, die Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst, der Kirchenbauverein St. Ruppert, der Künstler-Unterstützungsverein, die Studierenden der Akademie der bildenden Künste, der Akademische Architektenverein, die Künstlervereinigung »Luitpoldgruppe«, die Künstlergruppe »Der Bund«, der Bayerische Verein für Volkskunst und Volkskunde, der Passiv-Verband des Akademischen Architektenvereins, der Interessenverein Grünwald, die Münchner Sezession, der Bayer. Kunstgewerbeverein, der Münchner Bund für angewandte Kunst und der Münchner Privat-Architektenverein. Die Kranzspenden auf dem Grabhügel türmten sich zu einem riesigen Blumenberg. Der Hofopernchor und die Regimentskapelle beschlossen die Feier mit dem Vortrag von Trauerweisen.

Bei der Fülle der schon vor der Trauerfeier übermittelten Kranzspenden ist es nicht möglich, sie alle aufzuzählen; zu den bereits erwähnten sind noch nachzutragen diejenigen des Kultusministeriums, des Baubureaus des Deutschen Museums, des Bureaupersonals Emanuel v. Seidls und der Absolvia des Realgymnasiums.

Münchner Neueste Nachrichten No. 221. Donnerstag, den 1. Mai 1913.

#Münchner Neueste Nachrichten (17.11.1914)

Lokales
München, 16. November

Gedenktafel für Gabriel von Seidl. In dem Säulengang am Studiengebäude des Bayerischen Nationalmuseums hat in den letzten Tagen, nachdem der König hierzu die Genehmigung erteilt hatte, eine Gedenktafel für Professor Dr. Gabriel v. Seidl Aufstellung gefunden.

Die in Bronze gegossene Tafel zeigt in schlichter architektonischer Umrahmung den Kopf des genialen Erbauers unseres Nationalmuseums im Profil nach rechts, im Bildnis von packender Lebenstreue in der äußeren Erscheinung und von jener fast rührenden Schlichtheit und Ehrlichkeit im Ausdruck, die den feinfühlenden Künstler wie liebenswürdigen Menschen seiner Mitwelt, vor allem seinen Freunden gleich teuer machten. Einem Freunde, der kaum wie ein anderer zu dieser Aufgabe berufen war, verdankt auch dieses Gedächtnismal seine Entstehung und seine Wahrhaftigkeit.

Adolf v. Hildebrand, der schon vor zwei Jahnen in der Empfangshalle des Museums dem treuen Freunde und kongenialen Künstlergenossen Gabriel v. Seidl, Rudolf v. Seitz, durch eine lebensvolle Reliefbüste eine bleibende Erinnerung sicherte, hat auch dieses neue Werk geschaffen und gestiftet.

Die Ehrentafel, die durch die Art ihrer Aufstellung in der offenen Loggia an der Prinzregentenstraßc das Gedächtnis nicht allein an den Erbauer unseres Nationalmuseums, sondern zugleich auch an seine bahnbrechenden Verdienste um die Kunstentwicklung ganz Münchens für alle Zeiten wach erhält, wird gleichermaßen zum Denkmal dessen, der es in selbstloser Weise schuf und schenkte.

Münchner Neueste Nachrichten No. 590. Dienstag, den 17. November 1914.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Seidl Gabriel, Dr. Ing., von, 1848 (München) – 1913, Baumeister und Akademieprofessor; S. stammt aus einer kunstfördernden Münchner Bäckerfamilie; nach Besuch der Latein- und Gewerbeschule, des Polytechnikums und der Technischen Hochschule in München (Schüler von Gottfried Neureuther) praktizierte er zunächst in der Maffeischen Maschinenfabrik; er nahm am Feldzug 1870/71 teil und betätigte sich dann hauptsächlich im Privatbau, wobei er auf die Innendekoration großen Wert legte; seine Werke sind im Stil der Neu-Romanik und der Neu-Renaissance.

Hauptwerke: St.-Anna- und St.-Rupert-Pfarrkirchen, Bayerisches Nationalmuseum mit Landesamt für Denkmalspflege und Neuer Sammlung, Lenbach-Villa, Künstlerhaus, Palais Schrenck-Notzing, Ruffini-Haus; als Baumeister hat S. »um die Jahrhundertwende die Hegemonie in Händen gehabt« (S. von Pölnitz); (sein Bruder Emanuel von S., auch Baumeister, Schöpfer des Deutschen Museums, liegt im Münchner Waldfriedhof bestattet).

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#ML – SP – 2 – 23 (Wismayr)


JOSEF WISMAYR
KIRCHENRAT
U. PÄDAGOGE
1767 – 1858


  • Wismayr, Josef; 30.11.1767 (Freising) – 9.9.1858 (München); Katholischer Geistlicher und Schriftsteller

Grab der Familie Wismayr auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2007)

#Josef Wismayr

* 30.11.1767 (Freising)
† 9.9.1858 (München)
Katholischer Geistlicher und Schriftsteller

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Wismayr Josef, 1767 (Freising) – 1858, katholischer Geistlicher, Oberstudien- und Kirchenrat; W., ein Freund und Mitarbeiter L. Hübners, wurde nach theologischen Studien in Freising und literarisch-pädagogischer Tätigkeit in Salzburg 1803 von Montgelas als General-Schulen- und Studiendirektoratsrat nach München berufen; sein Schulplan vom 28. VIII. 1804 ist ein Produkt josephinischer Aufklärung und stellt den Versuch dar, die alte Lateinschule mit der neuen Realschulgattung zu einer Einheitsschule zu verschmelzen, die auf drei Triennialkursen (Realschule, Gymnasium und Lyzeum) aufgebaut war; der Plan hatte Reformgedanken, die uns sehr modern anmuten.

Hauptwerke: Grundsätze der deutschen Sprache, zwei Teile (wurde in den Schulen Bayerns und der Pfalz eingeführt), Kleine deutsche Sprachlehre für öffentliche Vorbereitungsschulen und den Privatunterricht, Blüten und Früchte, 2 Bde., Fragen und Antworten mit Gründen und Gegengründen, Lesefrüchte, Geschichtliche Merkwürdigkeiten.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#ML – SP – 2 – 37·38* (Mayr)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Mayr, Emilie von (vw) / Deißböck (gb); – (13).1.1905 (München), 80 Jahre alt
  • Mayr, Heinrich von; 22.2.1806 (Nürnberg) – 5.4.1871 (München); Genremaler und Tiermaler (Pferde)
  • Mayr, Julia von (vh); – 1843 (München), 26 Jahre alt; Malers-Gattin
  • Mayr, Juliana von; – (28).8.1884 (München), 31 Jahre alt; Kabinettsmalers-Tochter

Todesanzeige für Heinrich von Mayr

Das Grab ist nicht erhalten


#Emilie von Mayr (vw) / Deißböck (gb)

† (13).1.1905 (München), 80 Jahre alt

#Rosenheimer Anzeiger (14.1.1905)

Eine biedere, in früheren Jahren in den höchsten Kreisen, besonders in der Herzog Max-Familie hochangesehene Persönlichkeit, Frau Emilie von Mayr, geb. Deißböck, ist im 81. Lebensjahre gestorben. Der Adel ihrer Gesinnung war der Stolz der Familie.

Rosenheimer Anzeiger No. 11. Samstag, den 14. Januar 1905.

#Heinrich von Mayr

* 22.2.1806 (Nürnberg)
† 5.4.1871 (München)
Genremaler und Tiermaler (Pferde)

#Neues allgemeines Künstler-Lexicon (1839)

Mayr, Heinrich von, Maler, wurde 1806 zu Nürnberg geboren, und da er bei dem Tode seines Vaters, der ebenfalls Maler war, erst vier Jahre zählte, unterrichtete ihn Ch. Fues, Lehrer der Malerei an der Kunstschule zu Nürnberg, sein nachmaliger Schwiegervater, mit aller Liebe und Sorgfalt. Er liess ihn die erwähnte Kunstschule besuchen, und da nun zeichnete v. Mayr unter Leitung des Direktors A. Reindel nach der Antike und nach dem lebenden Modelle, doch wählte er nicht den strengen historischen Theil der Kunst, sondern ergab sich mit vorherrschender Neigung der Genre- und Bataillenmalerei. Besonders war es das Pferd, welches er vor allem gerne darstellte, und dieser Neigung konnte er bei seiner 1825 erfolgten Ankunft in München mit ganzer Seele folgen; denn der k. Oberststallmeister Freiherr von Kessling ertheilte ihm die Erlaubniss, im k. Marstalle zu zeichnen, bei welcher Gelegenheit der Künstler die schönsten und edelsten Pferde zur malerischen Darstellung sich auswählen konnte, und überdiess belehrte ihn auch der Freiherr über die Schönheit und Fehler dieser Thiere. Um das Studium der Pferdeform in allen Theilen zu verfolgen, besuchte Mayer selbst die Veterinärschule, und so nun brachte er es zu einer Vollkommenheit in Darstellung der verschiedenen Pferderacen, welche ihm unter den vorzüglichsten Meistern dieses Faches eine Stelle anweiset. Er verbindet in seinen Bildern auch öfter die Landschaft, und da auch die figürliche Staffage das Ihrige beiträgt, so gewähren seine Gemälde einen wohlgefälligen Anblick. Mehrere seiner Bilder kamen in den Besitz des Herzogs Maximilian in Bayern, der dem Künstler ebenfalls seinen glänzenden Marstall öffnete. Mayer malte mehrere edle Thiere aus demselben, und mit solchem Beifalle, dass ihn der Herzog zu seinem Cabinetsmaler ernannte. Der Künstler hatte das Glück, seinen hohen Gönner auf der Reise nach dem Orient begleiten zu dürfen, und bei dieser Gelegenheit fertigte er Zeichnungen von interessanten Monumenten aus der grossen Vorzeit Aegyptens u. s. w., und die Staffage versinnlicht uns das jetzige Volksleben jenes so tief gesunkenen Landes. Es sind dieses höchst merkwürdige Zeichnungen, deren Inhalt uns auch in lithographirten Abbildungen vorliegt. Sr. Hoheit hat die Reise selbst beschrieben, und das Bilderwerk des Cabinetsmalers ist der königlichen Hoheit Gemahlin dedicirt, unter dem Titel: Malerische Reiseansichten aus dem Orient, gesammelt auf die Reise Sr. Hoheit des Herrn Herzogs Maximilian in Bayern nach Nubien, Aegypten, Palästina, Syrien und Malta in den Jahren 1838. Auch unter dem französischen Titel: Vues pittoresques de l’Orient etc., gr. qu. fol.

Dr. Georg Kaspar Nagler: Neues allgemeines Künstler-Lexicon oder Nachrichten von dem Leben und Werken der Maler, Bildhauer, Baumeister, Kupferstecher, Formschneider, Lithographen, Zeichner, Medailleure, Elfenbeinarbeiter etc. Bearbeitet von Dr. G. K. Nagler. München, 1839.

#Unsere Zeit (1.7.1871)

Am 5. April 1871 starb zu München der Cabinetsmaler des Herzogs Maximilian in Baiern, Heinrich von Mayr, der sich um die Kunst vorzüglich verdient gemacht hat.

Zu Nürnberg am 22. Febr. 1806 geboren, wurde er nach dem frühen Tode seines Vaters von seinem Stiefvater, dem Professor der Oelmalerei an der nürnberger Kunstschule, Christian Fues, erzogen und für die Kunst gebildet. Namentlich der Unterricht in der Oelmalerei und im Zeichnen waren die Ziele seiner Erziehung. Später besuchte der so Vorbereitete unter dem tüchtigen und für das Kunstleben Nürnbergs hochverdienten Director A. Reindel die dortige Kunstschule und begab sich im Jahre 1825 nach München. Hier wurde sehr bald die Schlachten- und Thiermalerei das Lieblingsfach des jungen Künstlers, er zeichnete sich namentlich durch die naturgetreue Wiedergabe der Pferde aus, eine Fertigkeit, welche auszubilden er besonders im königlichen Marstall Studien machte. Zu den bedeutendsten malerischen Leistungen Mayr's, welche um jene Zeit entstanden, gehören die größern Bilder, welche er in den Jahren 1832 und 1833 am Hofe des Fürsten von Thurn und Taxis malte, welche ihre Stoffe dem Jagdleben entlehnen und durch große Lebenswahrheit frappiren. Als im Jahre 1838 der Herzog Max, mit welchem Mayr schon damals sehr befreundet war, eine Reise in den Orient antrat, wurde der Künstler Begleiter des hohen Reisenden. Von dieser Reise brachte unser Maler die bei Ebner u. Seubert in Stuttgart im Jahre 1846 erschienenen Genrebilder aus dem Orient, zu denen Sebastian Fischer den Text geliefert hatte, heim. Dieselben sind von P. Herweger vorzüglich auf Stein gezeichnet und theilweise auch durch Ton- und Farbendruck wiedergegeben. Betende Araber in der Moschee, eine orientalische Rekrutenaushebung, eine Jagd auf die Thiere der Wüste, die Execution eines Verurteilten, Mehemed-Ali in verschiedenen Situationen, einen Arzt im Harem, einen Zug von Mekkapilgern, die ägyptische Reiterei, den Sklavenmarkt zu Kairo, Frauen am Brunnen, alle Gewerke Arabiens, wie der Barbier in seiner Stube, Tänzerinnen in den Kaffeehäusern, Lehrer und Schüler während des Unterrichts, endlich Familien- und öffentliche Feste – alles das führt der gewandte Maler in buntem Wechsel an unserm Auge vorüber und versetzt uns so auf das lebhafteste in jene Welt des märchenreichen Morgenlandes, welche den Abendländer, wie wahr und wirklich sie auch im Bilde vor ihn hintreten mag, immer wie die Fabeln des wunderbaren Buches Tausendundeine Nacht gemahnen. Vervollständigt wird dieses Mayr'sche Bilderwerk durch beigefügte Nebenblätter, welche zur orientalischen Ornamentik, Heraldik und Waffenkunde Abbildungen von großem wissenschaftlichem Werthe, weil von großer Feinheit der Ausführung und plastischer Gegenständlichkeit der Zeichnung, liefern.

Außer dieser künstlerischen Frucht seiner orientalischen Reise brachte Mayr noch eine andere kostbare Gabe aus dem Lande der Wunder heim, eine reichhaltige Sammlung von Gerätschaften und Stoffen der mannichfachsten Art, namentlich von ethnographisch und kulturgeschichtlich interessanten Gegenständen, welche einen großen Aufwand von Sammlerfleiß und geopferten Geldmitteln repräsentirt. Aus diesen Gegenständen stellte Mayr, in die Heimat zurückgekehrt, einen originellen Kiosk her, welcher später in den Besitz des Königs von Würtemberg überging, der ihn dem Vernehmen nach zum Schmucke seiner am Rosenstein gelegenen »Wilhelma« verwandte.

In spätern Jahren unternahm Mayr eine nordische Reise und brachte von derselben eine Menge in Deutschland unbekannter Culturgegenstände Sibiriens, Finnlands und anderer Landschaften nach Hause, die bald ihre Abnehmer fanden.

Mayr war ein rastlos forschender, sich stets in Experimenten und Versuchen, namentlich auf technischem Gebiete, ergehender Kopf. So erfand er eine neue Thonerde, von der man sich eine Zeit lang Großes versprach, deren Anwendung aber leider aus äußern Gründen später keine nennenswerthe Verbreitung fand. Diese Thonerde hatte angeblich die schätzenswerthe Eigenschaft, daß sie durch Feuer unverzehrbar war und sich zum Modelliren vorzüglich eignete. Mayr, der ein geschickter Bildner war, wandte sie zur Anfertigung von mancherlei Effecten an; er formte aus ihr unter anderm Schwerthefte, Messer- und Stockgriffe, ja selbst Gegenstände von größerm Umfange, wie Oefen u. dgl. Alle diese Sachen und Sächelchen waren mit einer minutiösen Feinheit modellirt und zeigten eine seltene Gabe für die Plastik. Dennoch ist es vielleicht zu beklagen, daß der Künstler, statt seine ganze Kraft auf sein eigentliches, ihm von der Natur in erster Linie angewiesenes Feld, auf die Malerei zu concentriren, Zeit und Leistungsfähigkeit dieser doch immer nur dilettirenden Beschäftigung mit Experimenten auf allen möglichen Gebieten zuwandte.

Die Oelgemälde unsers Künstlers sind in alle Welt zerstreut. Als besonders hervorragend werden unter denselben in erster Linie einige Schlachtenbilder und ferner mehrere Pferdestücke genannt. Es soll sich indessen unter denselben auch manches Bild von mangelhafter künstlerischer Ausführung und einer gewissen Flüchtigkeit in der Composition befinden. An allen Bildern des Künstlers aber wird die vortreffliche Farbengebung gerühmt.

Unsere Zeit. Deutsche Revue der Gegenwart. Leipzig, 1871.

#Kunstvereins-Bericht für 1872 (1873)

Heinrich von Mayr,
Kabinetsmaler S. K. H. des Herzogs Maximilian in Bayern,

wurde zu Nürnberg am 22. Februar 1806 geboren. Seinen Vater verlor er schon im zartesten Kindesalter. An dessen Stelle trat der Historienmaler und Professor der Nürnberger-Kunstschule, Friedrich Christian Fues, welchem Mayr eine sorgfältige Erziehung wie den ersten Unterricht im Zeichnen und Oelmalen verdankte. Nachdem er seine Studien noch eine Zeit lang in der genannten Anstalt unter dem Direktor A. Reindel fortgesetzt hatte, gieng er nach München, um sich hier in der Genre-und Bataillen-, vorzüglich aber in der Pferdemalerei, für die er eine besondere Vorliebe zeigte, auszubilden. Während er zu diesem Zwecke fleißig den k. Marstall und die Veterinärschule besuchte, war er gleichzeitig auch bemüht, im landschaftlichen Fache eine gewisse Routine zu erwerben, zu welchem Zwecke er manchen Ausflug in das Salzkammergut unternahm. Bald wurden ihm Aufträge, unter Anderem auch von Herzog Max zu Theil, deren glückliche Ausführung seine Ernennung zum Kabinetsmaler seines hohen Gönners im Jahre 1832 zu Folge hatte. Nachdem Mayr für den Fürsten von Thurn und Taxis eine Anzahl kleinerer und größerer Bilder, welche Portraits, Cavalcaden, Jagden und dergleichen darstellten, gemalt hatte, nahm ihn Herzog Max als artistischen Begleiter 1838 auf seine orientalische Reise mit. Die damals gesammelten Studien verwerthete der Künstler in einem größeren Werke »Genrebilder auS dem Orient«, welche theilweise von P Herwegen auf Stein gezeichnet, theilweise auch in Ton- und Farbendruck gegeben und von Seb. Fischer mit erklärendem Text versehen wurden. Von besonderem Werthe sind namentlich die jedem Hefte dieser verdienstlichen Arbeit beigegebenen, sehr genauen Abbildungen von Waffen, Costümen und Schmuckgegenständen. Eine außerordentliche Geschicklichkeit besaß Mayr, solche Gegenstände in künstlerischem Arrangement zu einem Ganzen zu vereinigen; dieß verschaffte ihm verschiedene einschlägige Aufträge, deren einer ihn 1850 nach St. Petersburg führte. Sein unermüdlicher Geist, der sich in vielerlei Projekten und Versuchen ergieng, erfand auch eine neue Thonerde, welche den enormen Vorzug gewährt, daß sie im Brennofen sich weder verzehrt noch durch Sprünge und Risse leidet, dabei aber die größtmögliche Feinheit und Schärfe bis zum zierlichsten Filigran gewährt. Mayr benützte diese Erfindung zur Anfertigung einer großen Anzahl gemeinnütziger Artikel und Luxusgegenstände. Leider ist sie in der Folge von anderer Seite nicht entsprechend ausgebeutet worden. Wenn die eben angedeuteten Beschäftigungen auch viel Zeit in Anspruch nahmen, so entstand inzwischen doch noch manches Bild, so daß des Künstlers Thätigkeit mit Recht eine ebenso vielseitige als fruchtbare genannt werden kann. Am 5. April 1871 ist er aus dieser Welt abberufen worden.

Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München während des Jahres 1872. München, 1873.

#Allgemeine Deutsche Biographie (1885)

Mayr: Heinrich v. M., Pferde- und Genremaler, geb. am 22. Febr. 1806 zu Nürnberg, verlor schon im vierten Jahre seinen Vater Daniel v. M.; sein Stiefvater Friedrich Christian Fues (1772–1836) vertrat bei seiner Erziehung sorgfältig die Stelle des Verstorbenen, weckte die Liebe zur Kunst und unterrichtete ihn im Zeichnen und Oelmalen. Nachdem M. auch die unter dem Director A. Reindel florirende Kunstschule besucht und nach der Antike und dem Leben gezeichnet hatte, ging er 1825 nach München, um sich hier in der Genre- und Bataillen-, vorzüglich aber in der Pferde-Malerei, für die er besondere Vorliebe gewonnen hatte, auszubilden. Er machte seine Studien im kgl. Marstall und in der Veterinärschule; Ausflüge ins Salzkammergut lockten zu landschaftlichen Bildern. Ermunternd wirkten die ersten Aufträge des Herzogs Maximilian, welcher, nachdem der junge Künstler 1832 und 1833 am Hofe des Fürsten von Thurn und Taxis mehrere größere Gemälde, Cavalcaden, Jagden und dgl. ausgeführt hatte, denselben als artistischen Begleiter auf seine orientalische Reise 1838 und 1839 mitnahm. Die Titelverleihung zum herzoglichen Cabinetsmaler war nur eine auszeichnende Förmlichkeit, da der Herzog den Künstler persönlich hochhielt und mit wahrer Freundschaft ehrte. Als Frucht dieser Aegypten, Nubien, Palästina, Syrien und Malta umfassenden Reise gab M. die beiden großen, damals gerechtes Aufsehen erregenden Prachtwerke heraus »Malerische Ansichten aus dem Orient« (München und Leipzig 1839 ff., lithogr. von F. Kaiser, 60 Blätter) und »Genre-Bilder aus dem Orient« (Stuttg. 1844–50, mit erklärendem Text von Seb. Fischer, Fol., auf Stein gezeichnet von P. Herwegen u. A. und durch Ton- und Farbendruck in Effect gesetzt). Wir sehen da z. B. Mehemed-Ali auf einer Spazierfahrt und die Audienz des Herzogs bei demselben, auch die sehr irreguläre ägyptische Cavallerie, dann eine ärztliche Consultation im Harem, den Sklavenmarkt in Kairo, den Einzug der Mecca-Pilger daselbst; ferner zeigt uns der Maler betende Araber in einer Moschee, die Ausführung eines zum Tode verurtheilten Missethäters, eine Recruten-Aushebung, wol auch wassertragende Frauen, eine nächtliche Hyänenjagd; er führt uns durch arabische Schulen, Barbierstuben und Spitäler, in Caffeehäuser mit Märchenerzählern und Tänzerinnen; Brautzüge und Hochzeitsfeierlichkeiten rauschen vorüber; es ist das für jeden Abendländer sinnverrückende Treiben. Von besonderem Werthe sind die Detailblätter, welche Waffen, Costüme, Schmuckgegenstände u. s. w. mit großer Genauigkeit abbilden. Manches ist freilich flau und dilettantenhaft und ermangelt einer gediegenen Durchbildung. M. führte für seinen hohen Herrn auch mehrere Scenen als Oelbilder aus; eines derselben z. B. zeigt den Meister des Zitherspiels Joh. Petzmayer (welcher als Kammervirtuos des Herzogs die ganze Reise mitmachte) hoch auf Kameeles-Rücken durch die Wüste reitend. Eine kostbare Sammlung von Stoffen, Geräthschaften, cultur- und ethnographischen Gegenständen aller Art, welche M. mit in die Heimath brachte, verwendete derselbe zu Aufbau und Ausschmückung eines Kiosk, welchen der König von Württemberg für seine »Wilhelma« erwarb. Ein ähnliches Meisterstück arrangirte der Künstler später in Schloß Berg. Sein dabei bewiesener Geschmack zog ihm sogar zu gleicher Thätigkeit einen Ruf nach St. Petersburg zu, von wo M. mit einem neuen Reichthum nordischer Producte, sibirischer und kamtschadaler Cultur zurückkehrte, mit denen er hohe Sammler erfreute. Sein unermüdlicher Geist, welcher sich in vielerlei Versuchen erging, erfand auch eine neue Thonerde, welche den enormen Vorzug gewährte, daß sie im Brennofen sich weder verzog, noch durch Sprünge oder Risse litt, dabei aber die größtmögliche Feinheit und Schärfe bis zum zierlichsten Filigran gestattete. M. modellirte und brannte eine Unzahl gemeinnütziger Artikel und Luxusgegenstände, z. B. zierliche Handgriffe zu Papiermessern u. s. w. construirte neue Oefen mit dünnen Wänden, kunstreiche Ofenkacheln, welche jedem Feuer widerstanden und Anderes dgl. Die beste Probe bewährte seine Thonerde, indem er daraus die Schale eines Straußeneies in gleicher Feinheit des Originals formte, dieselbe brannte und aus dem Brennofen in den Schnee warf, ohne daß das wunderliche Product Schaden genommen hätte. Leider verkaufte M. sein Geheimniß an eine Persönlichkeit, welche davon keine Nutzanwendung zu machen im Stande war. M. starb am 5. April 1871.

Von seinen Oelbildern seien erwähnt aus dem Jahre 1829: Porträt eines Mannes zu Pferd; 1830: Nürnberger Eilwagen; Russisches Bivouak: ein Chevauxleger Pferde spazieren reitend; 1831: Uhlan mit 2 Pferden; Chevauxlegers mit einem Mädchen am Brunnen; gebrochener Gesellschaftswagen; 1834: Gefecht zwischen baierischer und österreichischer Reiterei; 1835: das Schlachtfeld zu Regensburg (im Vordergrunde ein Pferd und zu dessen Füßen ein todter Reiter; ein Dragoner mit einem erbeuteten Pferde; österreichische Husaren nehmen einen polnischen Offizier gefangen; 1836: italienische Gensdarmen transportiren mehrere Räuber; Scene aus einem englischen Reiter-Circus; 1837: österreichisches Lager; Eduard, Prinz von Sachsen-Altenburg zu Pferde; 1840: Herzog Maximilian von Baiern mit Gefolge in den Ruinen von Karnack; der Europäer (Joh. Petzmayer) in der Wüste; ägyptische Truppen auf dem Marsche; 1844: Beduinen, ein Pferd stehlend; Gruppe von arabischen Frauen, welche am Nil waschen und Wasser schöpfen; 1845: Fohlenhof des Ibraim Pascha zu Kairo; 1846: ägyptische Moschee mit betenden Arabern; ärztlicher Besuch im Harem (diese vier für den König von Württemberg); Mehmed Ali mit Gefolge; Nachtritt eines vornehmen Aegypters; eine Dame in syrischem Costüm laßt sich von einer ägyptischen Dienerin den Caffee reichen; 1847: griechische Dame im ägyptischen Harem; die Nadeln der Kleopatra; der Tempel von Ombos; Nilbarke mit Sklaven; das Pestspital zu Kairo; arabische Schule; ägyptischer Brautzug; Hyänen-Jagd am Nil; 1848: Empfang des Herzog Maximilian im Hafen von Alexandrien u. s. w. M. radirte auch eine Anzahl kleiner Blätter, wovon die sog. Maillinger-Sammlung II, 192 eine Auswahl bietet.

Vgl. Schaden, Artistisches München, 1836, S. 72. Nagler 1839 VIII, 498. Raczynski II, 424. Vincenz Müller, Universal-Handbuch von München, 1845, S. 160. Beil. 107 Allg. Ztg. vom 17. April 1871. Kunstvereins-Bericht für 1872 S. 66.

Hyac. Holland.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1885.

#ML – SP – 2 – 39* (Winterstein)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Winterstein, Anna (vh); – April 1888 (München), 46 Jahre alt; Gastwirts-Gattin
  • Winterstein, Johann; – 26.5.1891 (München), 53 Jahre alt; Privatier, ehemaliger Gastwirt und Pächter des »Augustinerkellers«

Todesanzeige für Johann Winterstein

Das Grab ist nicht erhalten