SECTION 2

- 2 – 1 – 4 (Heidemann · Waldmann)
- 2 – 1 – 9* (Leinfelder)
- 2 – 1 – 11 (Schweller)
- 2 – 1 – 12·13 (Pfister)
- 2 – 1 – 14 (Kantschuster)
- 2 – 1 – 17 (Bernpanthner)
- 2 – 1 – 18 (Zacherl)
- Franz Xaver Zacherl
- Der Nürnberger Lustwandler (25.3.1837)
- Münchner-Augsburger Figaro (4.4.1838)
- Der Bayerische Eilbote (16.4.1841)
- Die Bayerische Landbötin (17.4.1841)
- Nachricht über die jüngst errichtete erste Dampfbrauerei in München (1843)
- Bayerische Landbötin (10.3.1849)
- Der Bayerische Landbote (17.9.1849)
- Würzburger Stadt- und Landbote (19.9.1849)
- Der Bayerische Volksfreund (19.9.1849)
- Würzburger Abendblatt (22.9.1849)
- Nürnberger Tagblatt (27.10.1849)
- Franz Xaver Zacherl
- 2 – 1 – 19·20 (Scheuchenpflug)
- 2 – 1 – 21·22 (Gattinger)
- 2 – 1 – 25·26 (Graf)
- 2 – 1 – 27 (Rheinl · Schleicher)
- 2 – 1 – 28 (Flunger)
- 2 – 1 – 29* (Adam)
- 2 – 1 – 33 (Pfeiffer)
- 2 – 1 – 36 (Pfaller · Pfeifer · Schneider)
- 2 – 1 – 38·39 (Buchner)
- 2 – 1 – 40·41 (Manz · Schmederer)
- 2 – 2 – 7·8 (Held · Riese)
- 2 – 2 – 10 (Heiß)
- 2 – 2 – 11·12 (Langmayr)
- 2 – 2 – 17 (Lang)
- 2 – 2 – 21 (Aigner)
- 2 – 2 – 22 (Schmid)
- 2 – 2 – 24 (Schmid)
- 2 – 2 – 34 (Reichhart)
- 2 – 2 – 36 (Erlacher)
- 2 – 2 – 37·38 (Rosner · Stengl)
- 2 – 2 – 40 (Mayer)
- 2 – 3 – 6 (Greiner)
- 2 – 3 – 9 (Niggl)
- 2 – 3 – 17 (Spies)
- 2 – 3 – 29 (Seckendorff · Stowitzer)
- 2 – 3 – 38 (Lampl)
- 2 – 3 – 39 (Bernhart)
- 2 – 5 – 36 (Winkler)
- 2 – 5 – 40* (Fornaro · Hopfenbeck · Kolligs)
- 2 – 6 – 1·2 (Gaill)
- 2 – 6 – 7·8 (Maurer)
- 2 – 6 – 24 (Kolb · Wilhelm)
- 2 – 6 – 26 (Jodl)
- 2 – 6 – 35* (Mayr)
- 2 – 7 – 1·2 (Höchl)
- 2 – 7 – 3 (Richter)
- 2 – 7 – 4·5 (Hornstein · Jochner · Kuisel · Plaßat · Rombach)
- 2 – 7 – 6 (Branca)
- 2 – 7 – 7 (Gartmayer)
- 2 – 7 – 8 (Wanney · Spanfehlner)
- 2 – 7 – 9 (Glöckner)
- 2 – 7 – 13 (Negele)
- 2 – 7 – 14 (Kefer)
- 2 – 7 – 17 (Schlagintweit)
- 2 – 7 – 18 (Flad · Millbauer)
- 2 – 7 – 25 (Beierlein)
- 2 – 7 – 29·30 (Zimmermann)
- 2 – 7 – 31·32 (n. n.)
- 2 – 7 – 35 (Scherr)
- 2 – 7 – 37 (Hanfstaengl · Schwartz)
- 2 – 7 – 38·39 (Reiter)
- 2 – 7 – 40 (Schmeller)
- 2 – 7 – 41 (Auer)

#2 – 1 – 4 (Heidemann · Waldmann)
¿
Herr Carl ¿
¿
Ihm ging ¿ Gattin
Frau Sophie Heidemann geb. Müller,
gest. den ¿ im ¿ Lebensjahre.
Ihr folgte seine zweite
Gattin Frau Car¿ Heidemann geb. Herd,
gest. den ¿
Sockel
Grabstätte
der Familie Heidemann.
A. Riedl.
Linke Seite
¿
Frau Josepha Heidemann,
geb. Pischl,
gestorben den ¿. August 1846
im 60. Lebensjahre.
Conrad Waldmann
Kunstmaler von hier
geb. den ¿. Januar 1824
gest. ¿. Mai 1880.
Rechte Seite
¿
Herr Carl Heidemann
Lieutenant ¿
Er starb den Heldentod für König
u. Vaterland in der Schlacht bei
Sedan in der ¿
auf dem Kirchhofe zu ¿
- Heidemann, Car¿ (vh) / Herd (gb)
- Heidemann, Josefa (vh) / Pischl (gb); – August 1846 (München), 66 Jahre alt; Wundarzt-Witwe
- Heidemann, Karl [in memoriam]; – 1. oder 2.9.1870 (Sedan); Leutnant
- Heidemann, Sofie (vh) / Müller (gb)
- Waldmann, Konrad; ¿.1.1824 – 4.5.1880 (München); Kunstmaler



#2 – 1 – 9* (Leinfelder)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Leinfelder, Franz Seraph von; 4.8.1825 (München) – 8.6.1891 (München); Ministerialrat

Das Grab ist nicht erhalten

#2 – 1 – 11 (Schweller)
Hier ruhen in Gott:
Joseph Schweller, ehem. Schulzbräu
geb. 1767 – † 22. Jan. 1821.
Elisabetha Schweller dessen Gattin
geb. 1763 – † 24. July 1837.
Georg Schweller, Privatier
geb. 1803 – † 29. Juni 1856.
Constantia Schweller, geb. Stützle
dessen Gattin geb. 1810 † 28. Febr. 184¿.
Max Schweller, deren Sohn
geb. 1838 – † 21. Mai 1870.
- Schweller, Elisabetha (vw); 1763 – 24.7.1837 (München); Bierbrauers-Witwe
- Schweller, Georg; 1803 – 29.6.1856 (München); Ehemaliger Bräuer
- Schweller, Josef; 1767 – 22.1.1821
- Schweller, Konstantia (vh) / Stützle (gb); 1810 – 28.2.1842 (München); Bierbrauers-Gattin
- Schweller, Max; 1838 – 21.5.1870



#2 – 1 – 12·13 (Pfister)
Linke Tafel
Die Inschrift ist nicht erhalten
Rechte Tafel
Clothilde Pfister
1868 – 1869
Therese Pfister
¿
¿ Pfister
¿
- Pfister, Clothilde; 1868 – 12.8.1869 (München); Polizeiassessors-Tochter
- Pfister, Philipp; 1832 (Volkach/Ufr.) – 4.11.1889 (Eurasburg); Regierungsrat und Kunstsammler
- Pfister, Therese


#Philipp Pfister
* 1832 (Volkach/Ufr.)
† 4.11.1889 (Eurasburg)
Regierungsrat und Kunstsammler
#Allgemeine Zeitung (2.2.1884)
Bayerische Chronik.
München, 1. Febr.
(Regierungsrath Pfister.) Ueber den Lebenslauf des zum Hofsecretär und Vorstand der Hof- und Cabinetscasse ernannten Regierungsraths Philipp Pfister erfahren wir folgende nähere Daten: Geboren zu Volkach in Unterfranken im Jahre 1833, kam Pfister zu seinen Gymnasialstudien nach Würzburg, und hierauf an die Universität München, an welcher er der Jurisprudenz oblag. Während der letzteren Zeit und der Vorbereitungspraxis war Pfister viele Jahre lang Hofmeister bei Graf Yrsch-Pienzenau. Unmittelbar vom Staatsconcurse weg, bei welchem er sich namentlich in der mündlichen Prüfung besonders hervorthat, wurde derselbe als Accessist an die Regierung von Oberbayern einberufen. Gleichzeitig leistete er vorzügliche Dienste als Hülfsarbeiter bei dem Gesetzgebungsausschusse der Kammer der Reichsräthe. Im October 1865 wurde Pfister, als er von einer großen Reise nach England, Frankreich und Italien zurückgekehrt und einige Monate am Bezirksamte Traunstein beschäftigt gewesen war, zum Assessor der Polizeidirection München ernannt. Hier rückte er 1874 zum Polizeirath vor. In sonach fast 20jähriger Thätigkeit bei dieser Stelle war Pfister in den verschiedensten Sparten (Gewerbswesen, Innungs- und Krankencassen, Theaterpolizei, Vertretung der Staatsanwaltschaft u. s. w.) thätig; das Hauptgebiet seines Wirkens aber war das Vereins- und Versammlungswesen. Und wenn schon vor Erlaß des Socialistengesetzes die einschlägigen Verhältnisse in München als gut geordnete bezeichnet werden konnten, und auch seither solche sind, so trifft das Verdienst hieran selbstverständlich in hervorragendem Maße den damit betraut gewesenen Referenten. Nicht unerwähnt darf der Antheil Pfisters an der Aufdeckung und Beendigung des Treibens der Dachauer Banken gelassen werden. Was Pfister weiterhin für die Geflügelzucht mit gutem Erfolge (auch nach außen) gethan hat, ist in bester Erinnerung; der glänzende Verlauf der ersten Geflügelausstellung in München hat deren jährliche Wiederholung nach sich gezogen. Bekannt ist nicht minder die reiche Bauthätigkeit Pfisters, welche zumal bei dem Ausbau der Maffeistraße und bei der Regulirung der Schäfflergasse, neuestens durch die Herstellung des Börsensaales, schaffend eingriff. Aus der Gemeindezeitung wissen wir, daß Pfister zu dem beifällig begrüßten Projekte den Anstoß gab, die Au mit dem Ostbahnhofe mittelst eines vom Mariahilfplatze ausgehenden Viaduktes zu verbinden.
Allgemeine Zeitung Nr. 33. München; Samstag, den 2. Februar 1884.
#Allgemeine Zeitung (19.9.1888)
Bayerische Chronik.
München, 18. Oct.
(Bibliographie.) Unter dem Titel: »Thesaurus librorum Philippi Pfister, Monacensis. Catalogus bibliothecae selectae« oder »Verzeichniß einer auserlesenen Sammlung Bavarica, Monacensia, Judaica, sowie von Werken aus allen Wissenschaften, wobei Rara und Curiosa, im Besitze des kgl. bayerischen Regierungsrathes Philipp Pfister zu München, Schloßgutsbesitzer auf Eurasburg, weiland Sr. Maj. des höchstseligen Königs Ludwig II. von Bayern Hofsecretär,« liegt uns ein stattlicher Octavband vor, welcher, mit Anmerkungen und Registern von Hugo Hayn versehen, auf 603 Seiten 4767 Werke enthält und in luxuriöser Ausstattung im Verlag von Karl Uebelen in München, auch für andere Sammler als instructives Vorbild, im Handel erschienen ist. Naturgemäß gliedert sich der ganze Schatz nach 20 Rubriken: Bavarica, Monacensia, Belletristik, Geographie und Ethnographie (mit Reisebüchern, Badeschristen, Atlanten und Karten); Geschichte (Culturgeschichte, Biographien, Genealogie, Heraldik); Judaica (mit neuer und alter antisemitischer Literatur); Jurisprudenz und Polizei (mit Gaunerthum und Bettlerwesen); Staatswissenschaften und Politik, Socialismus und Socialdemokratie (mit den seltensten Broschüren und Flugschriften über Commune, Internationale und Nihilismus); Finanzwesen (Gewerbe und Handel), Haus- und Landwirthschaft; Naturwissenschaften und Medicin; Kunst, Musik und Illustrirte Prachtwerke; Philologie und Literaturgeschichte; Theologie (Legende, Jesuiten, Freimaurer, Erbauungsbücher), Curiosa und Zeitschriften (unter letzteren ein – ganzes Quartal der Augsburger »Allgemeinen Zeitung« vom 1. Juli bis 30. September 1863). Sehr interessant sind auch die häufig auf Bavarica hinweisenden Inhalt-Angaben seltener Werke und die vielen Büchern beigegebenen Anmerkungen, in welchen oft mit wenigen Worten eine charakterisirende Kritik geübt wird. Den Schluß bilden, weil der Hr. Besitzer auch noch während des Druckes seine Sammlungen durch zahlreiche Neuanschaffungen erweiterte, eine doppelte Reihe von Nachträgen. Da nun jede der beiläufig vorgenannten Rubriken wieder eigene alphabetische Unterabtheilungen hat, wodurch die sachgemäße Zusammengehörigkeit sich in höchst lehrreich-übersichtlicher Manier gruppirt, so wurden mehrere Register nothwendig, welche nach Namen (Autoren, historische und mythische Personen, Pseudonymen, Künstler) Ort- und Sach-Register (wobei wieder eigene Alphabete für die Bavarica wie die Monacensia sich ergaben) den Gebrauch des Katalogs erleichtern und überraschende Einblicke in die hier vereinten Raritäten und Kostbarkeiten gewähren, wovon viele sogar in größeren Bibliotheken vergeblich gesucht werden dürften. Sammlungen dieser Art wirken nicht allein belehrend, sondern auch anregend, indem sie den Fachgelehrten neue Fernblicke gewähren und gleichzeitig zur eigenen Nachfolge einladen, wozu freilich nur wenigen Glücklichen solch ergiebige Mittel zur Seite stehen dürften. Ueber die ebenso höchst bedeutende Kunst-Collection des Hrn. Pfister, wobei gleichfalls Monacensia und Bavarica, größtenteils als Unica in Aquarell und Zeichnung vorherrschen, wird ein eigener Katalog in Aussicht gestellt. Für die Reichhaltigkeit desselben spricht ein aus 51 Seiten 746 Nummern bietendes Verzeichniß von Portraits, Bildern und Ansichten, welche allein »Die Kunstepoche Münchens unter der Regierung König Ludwig I.« schildern! Leider ist diese originelle Festgabe zur jüngsten Centenarfeier, nur als »Manuscript« gedruckt, nicht im Handel erschienen.
Allgemeine Zeitung Nr. 291. München; Freitag, den 19. Oktober 1888.
#Kunstsammlung Pfister, München (12.1888)
VORWORT.
Die »Kunstsammlung Pfister, München« bildet ein Gegenstück zur »Bibliotheca Pfister Monacensis«, über welche der Bibliothekar Herr Hugo Hayn einen grösseren beschreibenden Catalog verfasste, der in solider Ausstattung die Presse verlassen hat und auf den schon vielfach in Zeitungen und Fachzeitschriften die Bücherfreunde aufmerksam gemacht wurden.
Auch die »Kunstsammlung Pfister, München« legt ihr Schwergewicht auf Monacensia und Bavarica und enthält insbesondere in Form einer Bilderchronik eine vollständige Geschichte der baulichen Entwickelung der Haupt- und Residenzstadt München, namentlich in den letzten fünfzig Jahren.
Auch diese Sammlung ist das Ergebniss eines mehr als zwanzigjährigen Sammelfleisses ihrers Besitzers.
Für die Geschichte Münchens und seiner Kunstentwickelung erscheint die Kunstsammlung Pfister als eine höchst werthvolle Ergänzung der Staatssammlungen und als eine ganz unentbehrliche Fortsetzung der sogen. Maillinger-Sammlung der Stadtgemeinde München.
Die grossen Architekten Leo v. Klenze, Friedr. v. Gaertner, die berühmten Baumeister Ziebland, v. Riedel, Bürklein etc. sind in der Sammlung mit Original-Entwürfen, in kostbaren Zeichnungen und Aquarellen, namentlich für die Bauten der König-Ludwig-Periode vertreten, von denen die farbenprächtigen Aquarelle in der Sorgfalt und Schönheit ihrer Behandlung geradezu als einzig in ihrer Art bezeichnet werden dürfen.
Die von Herrn Regierungsrath Pfister zur König Ludwig-Centenarfeier herausgegebene Festschrift: »Die Kunstepoche Münchens unter der Regierung König Ludwig I. von Bayern. Eine Bilder-Chronik. Zur Centenar-Feier König Ludwig I. von Bayern als Manuscript gedruckt. 8°. (München 1888.)« war ein Auszug gegenwärtigen Catalogs.
Ausser Originalarbeiten von Raphael Sanzio, Guilio Romano, A. Dürer, P. Cornelius, Overbeck, F. Foltz, Schwanthaler, Thorwaldsen, W. v. Kaulbach, C. v. Rottmann, Schwind, Schraudolph, Monten, Piloty, Ramberg, Horschelt, A. u. H. Adam. Heinrich u. Peter Hess, Neher, Eibner, Kirchner, Neureuther, Lebschée, A. Doll, G. v. Dollmann, Ille, Hauberrisser, Defregger, O. v. Ruppert etc. etc. sind besonders hervorzuheben die Aquarelle von August Seidel, die in vielen Hunderten von Blättern auf Anregung des Sammlungsbesitzers alle baulichen Veränderungen im Innern und in der Umgebung von München in den letzten Dezennien fixiren und dadurch der Geschichte Münchens einen seltenen und grossen Dienst leisten.
Ein lebendiges Bild des Künstlerlebens von München geben die Künstlerfeste, die Karrikaturen und Scherze in Zeichnungen etc., wobei die Porträtähnlichkeit der betheiligten Künstler den Werth der Sammlung und den Genuss derselben wesentlich erhöht.
Aber nicht blos der Geschichte soll die Kunstsammlung dienen; sie soll andere Kunstfreunde, die nach Ansicht des Eigenthümers gegenwärtiger Sammlung in der Lage sind, noch mehr und noch besser zu sammeln, zu gleichem Streben anspornen und den Anstoss geben, dass andere Besitzer von Kunstsammlungen sich nicht scheuen, durch Herausgabe eines Cataloges wissen zu lassen, welche Kunst-Schätze im Lande Bayern sich auch in Privathänden befinden.
München, im Dezember 1888.
F. Reichardt.
F. Reichardt: Kunstsammlung Pfister, München. Verzeichniss einer Collection Monacensia, Bavarica u. A., gesammelt von dem kgl. bayer. Regierungsrathe Philipp Pfister zu München, Schlossgutsbesitzer auf Eurasburg, weiland Sr. Majestät Königs Ludwig II. von Bayern Hof-Secretär. Geordnet und beschrieben von F. Reichardt, Kunsthändler. (II. Theil der »Bibliotheca Pfister Monacensis«.). München, Dezember 1888.
#Allgemeine Zeitung (28.8.1889)
(Verleihung.) Auf Grund der Muthung [Anmerkung: Antrag auf Genehmigung zum Bergbau] vom 13. April 1889 wurde dem k. Regierungsrathe und Gutsbesitzer Philipp Pfister in München unter dem Namen »Jrings-Zeche« das Bergwerkseigenthum in dem den Gemeinden Eurasburg, Beuerberg, Degerndorf und Holzhausen, k. Bezirksamts München II, im Regierungsbezirke Oberbayern gelegenen Felde von 800 Hektar Flächeninhalt zur Gewinnung der in diesem Felde vorkommenden Mineralkohlen nach dem Berggesetze vom 20. März 1889 und dem Gesetze über die Abgaben von den Bergwerken vom 6. April desselben Jahres verliehen.
Allgemeine Zeitung Nr. 238. München; Mittwoch, den 28. August 1889.
#Allgemeine Zeitung (4.11.1889)
Bayerische Chronik.
München, 4. Nov.
Regierungsrath Pfister †. Heute Nacht starb der vom Staatsdienste beurlaubte k. Regierungsrath Rittergutsbesitzer Philipp Pfister, Mitglied des oberbayerischen Landraths, an den Folgen eines Nierenleidens, welches er sich durch Erkältung zugezogen hatte. Pfister stand noch im besten Mannesalter und war eine im öffentlichen Leben vielgenannte Persönlichkeit. Als vieljähriger Referent der k. Polizeidirection München über das Vereins- und Versammlungswesen kam dem k. Polizeirath Pfister der Vollzug des Socialistengesetzes zu. Man wird sich des Aufsehens erinnern, welchen seine Auflösung einer Volksversammlung der demokratischen Partei in der Westendhalle, in welcher der Abgeordnete Sonnemann über den Militäretat sprechen wollte, hervorrief, um so mehr, als die Auflösung unmittelbar nach Eröffnung der Versammlung erfolgte. Das Vertrauen weiland Sr. Maj. König Ludwigs II. berief den Polizeirath Pfister unter Beförderung zum Regierungsrath als Hofsecretär in eine dornenvolle Stellung. Regierungsrath Pfister waltete des Amtes noch zu einer Zeit, in welcher durch den geistigen Zustand des unglücklichen Monarchen Anforderungen an den Hofsecretär erwuchsen, welchen die ihm zu Gebote stehenden und von ihm beschafften Mittel nicht mehr genügen konnten. Nachdem Regierungsrath Pfister kurze Zeit bei dem Staatsministerium des Innern und zwei Jahre bei der kgl. Regierung von Oberbayern gewirkt hatte, nahm er mehrjährigen Urlaub aus dem Staatsdienste, um sich der Bewirthschaftung des von ihm vor zwei Jahren erworbenen Rittergutes Schloß Eurasburg in Oberbayern zu widmen. Als Vertreter der Districtsgemeinden Starnberg und Wolfratshausen wurde er in den oberbayerischen Landrath gewählt und von diesem wurde er zum Vorstande der land- und forstwirthschaftlichen Unfall- und Krankenversicherungs-Berufsgenossenschaft des Regierungsbezirks berufen. Die Stadt München verdankt dem Dahingeschiedenen, welcher auch auf dem Gebiete des Bauwesens Hervorragendes leistete, manche fruchtbringende Anregung. Eine von ihm angelegte Bibliothek von Bavarica, Monacensia etc. sichert dem Verstorbenen ein Angedenken auch in der literarischen Welt.
Allgemeine Zeitung Nr. 306. München; Monatg, den 4. November 1889.
#Allgemeine Zeitung (7.11.1889)
Bayerische Chronik.
München, 6. Nov.
(Beerdigung.) Ein Mann tadellosen Charakters, der wegen seines liebenswürdigen und leutseligen Benehmens und seines Wohlthätigkeitssinnes sich der allgemeinen Achtung erfreute, Hr. Regierungsrath und Schloßgutsbesitzer Philipp Pfister, welcher vorgestern zu Eurasburg in den Armen seiner Gattin nach 20stündigem Todeskampfe seinen Geist aufgab, wurde heute Nachmittag 4 Uhr auf dem südlichen Friedhofe nächst der Stephanskirche durch den Stadtpfarrer von St. Ludwig, Hrn. Rathmayer, zur Grabesruhe bestattet. Welch hoher Achtung sich der Verstorbene erfreute, bewies der imposante Leichenzug. Außer den nächsten Leidtragenden waren die Collegialmitglieder der hiesigen Kreisregierung, diese in Uniform, Ministerialdirector L. v. Bürkel, der Präsident des Landgerichts München I, v. Braun mit mehreren Landgerichtsräthen, die Mitglieder des z. Z. dahier versammelten Landrathes von Oberbayern, an der Spitze Ritter v. Schultes, Polizeipräsident Dr. v. Müller mit mehreren Polizeibeamten, Bürgermeister Dr. v. Widenmayer mit einigen Magistratsräthen und Gemeindebevollmächtigten u. s. w. im Trauergeleite. Das Familiengrab, in welchem der Verstorbene beigesetzt wurde, war mit Kränzen, Palmenzweigen und sonstigem Blumenschmuck reich geziert. Hr. Stadtpfarrer Rathmayer schilderte den von uns bereits skizzirten Lebensgang des Dahingeschiedenen.
Allgemeine Zeitung Nr. 309. München; Donnerstag, den 7. November 1889.
#Allgemeine Zeitung (4.11.1890)
Bayerische Chronik.
München, 3. November.
Zwei bedeutende Kunstsammlungen Münchens sind gegenwärtig in Gefahr, für die Hauptstadt und für Bayern verloren zu gehen, wenn nicht, wie unter den gegenwärtigen günstigen Verhältnissen zu hoffen ist, mit Staatsmitteln für die Erhaltung derselben eingetreten wird. Die sorgfältig geordneten Kataloge beider liegen uns vor und lassen den ganzen Reichthum dieser Schätze ermessen. Der eine führt den Titel: Ludwig v. Schwanthalers Original-Entwürfe in Sepia-, Feder-, Bleistiftzeichnungen etc. zu dessen weltberühmten Werken der Sculptur ausgeführt in allerh. Aufträgen I. M. König Ludwigs I., König Maximilians II. von Bayern etc. Mit einem Anhange enthaltend: Originalzeichnungen von Franz, Anton, Peter, Franz Xaver und Rudolph Schwanthaler. Katalogisirt und herausgegeben von F. Reichardt. Wie aus diesem Kataloge zu ersehen ist, hat die in Frage stehende Sammlung für den bayerischen Staat eine tiefgehende Bedeutung, sie gibt einen urkundlichen Beleg für den Aufschwung und die Entwicklung der Cultur- und Kunstepoche, welche Bayern unter der Regierung seines großen Königs Ludwig I. auf allen Gebieten der Kunst genommen und München, die Hauptstadt des Landes, zum großen Vereinigungspunkte der bildenden Kunst, ja zur bewunderten Kunstmetropole Deutschlands und zum belehrenden Reiseziel aller Gebildeten der Welt emporhob. Ferner repräsentirt sie den großen Meister der Bildhauerkunst von der ersten Jugendzeit bis zum Grabe, und zwar nach allen Richtungen seines überreichen Gestaltungsvermögens und bildet einen integrirenden Bestandtheil zur Completirung der an den bayerischen Staat übergegangenen Kunstnachlässe Leo v. Klenze's und Friedr. v. Gaertners. Die Erhaltung und Erwerbung des Schwanthaler'schen Nachlasses ist für den bayerischen Staat ein Gebot weiser Vorsicht im Falle eine Zerstörung dieser Kunstwerke durch elementare Ereignisse eintreten sollte. Ueber die kunstgeschichtliche Bedeutung und den hohen Werth, sowie die Einverleibung von Schwanthalers Werken in die Staatssammlungen haben sich erprobte Kunstrichter und Künstler in der Allgemeinen Zeitung (1885, Nr. 183), in der »Allgemeinen Kunstchronik« in Wien u. s. w. aufs günstigste geäußert: ein genügender Beweis, wie man über die Leistungen Schwanthalers in Bayern und dem Auslande denkt. In der Entschließung vom 22. März 1855 der k. bayer. Central-Galerie-Direction München ist der Ankauf der Sammlung Schwanthalers, wenn solche durch die Erben zum Verkaufe gelangen sollte, auf Befehl des Königs Ludwig I. ausgesprochen. Die Erben haben sich hierzu entschlossen und auf Grund obiger Entschließung solche dem bayerischen Staate, resp. Cultusministerium, leider zu ungünstiger Zeit 1885, angeboten, welches letztere den Bescheid ertheilte, daß Mittel zum Ankaufe nicht vorhanden sind. Nachdem der letzte Landtag Mittel für Kunstzwecke genehmigte, dürfte die Mahnung an Berufene am Platze sein, den Schwanthaler'schen Nachlaß aus Patriotismus und Pietät für König Ludwig I., dem München den Ruf der Kunststadt allein verdankt, zu erwerben, bevor derselbe ins Ausland wandert oder durch Versteigerung veräußert wird.
Die zweite Sammlung ist die Kunstsammlung des verstorbenen Regierungsrathes Philipp Pfister, weiland Sr. Majestät König Ludwigs II. von Bayern Hofsecretär. Dieselbe ist im Besitze der Wittwe und hat das Interesse von Vorständen von Gemeinde- und Staatssammlungen hervorgerufen, welche nach Einsichtnahme derselben ihre Anerkennung über den hohen Kunstwerth, sowie die culturhistorische Bedeutung dieser Sammlung und ohne Ausnahme der Wittwe den Wunsch ausgesprochen, diese kostbare Sammlung möge München erhalten bleiben. Diese Sammlung ist das Ergebniß eines mehr als 20jährigen Sammelfleißes des Verstorbenen und dient als eine höchst werthvolle Ergänzung von Staatssammlungen, wie auch als unentbehrliche Fortsetzung der städtischen Maillinger-Sammlung, weil sie hauptsächlich die Geschichte Münchens und seiner Kunstentwicklung behandelt. Namentlich reich ist die Glanzperiode Münchens unter König Ludwig I. vertreten. Die weiteren Abtheilungen bestehen aus einer umfassenden Portraitssammlung, Künstlerarbeiten aller Schulen und Zeiten.
Allgemeine Zeitung Nr. 306. München; Dienstag, den 4. November 1890.

#2 – 1 – 14 (Kantschuster)
Familie Kantschuster.
Hier ruhen in Gott:
Herr Friedrich Kantschuster
Spirituosen Fabrikant,
gest. den 8. August 1890, im 64. Lebensjahre.
Ferdinand Kantschuster,
gest. den 16. Juni 1890, im 10. Lebensjahre.
Friedrich Kantschuster,
geb. den 7. Dez. 1893, gest. den 22. Dez 1899.
Frau Creszentia Kantschuster
Fabrikantenswitwe,
geb. den 25. Februar 1840, gest. den 4. Juli 1920.
Fräulein Pauline Kantschuster
Hauptlehrerin a. D. geb. den 16. Oktober 1868, gest. den 24. Juli 1931.
2.1.14. Schneider.
- Kantschuster, Ferdinand; – 16.6.1890, 9 Jahre alt
- Kantschuster, Friedrich; – 8.8.1890; Spirituosenfabrikant
- Kantschuster, Friedrich; 7.12.1893 – 22.12.1899; Kaufmanns-Sohn
- Kantschuster, Kreszentia (vw); 25.2.1840 – 4.7.1920; Fabrikantens-Witwe
- Kantschuster, Pauline; 16.10.1868 – 24.6.1931; Lehrerin



#2 – 1 – 17 (Bernpanthner)
Hier ruhen in Frieden
unsere unvergesslichen Eltern
Frau Elise Bernpanthner,
Privatiersgattin,
geb. 1. März 1821, gest. 8. Dezbr. 1866.
Herr Josef Bernpanthner,
Privatier,
geb. 5. Oktbr. 1815, gest. 13. Febr. 1888.
Ihnen folgte deren Tochter,
Fräulein Elise Bernpanthner,
geb. 10. Febr. 1846, gest. 8. Dezbr. 1893.
Herr Karl Bernpanthner,
Privatier,
geb. 29. Oktbr. 1851, gest. 23. Juli 1915.
- Bernpanthner, Elise; 10.2.1846 – 8.12.1893 (München); Privatiere
- Bernpanthner, Elise (vh); 1.3.1821 – 8.12.1866 (München); Privatiers-Gattin
- Bernpanthner, Josef; 5.10.1815 – 13.2.1888
- Bernpanthner, Karl; 29.10.1851 – 23.7.1915



#2 – 1 – 18 (Zacherl)
Grabstätte
der
Bierbrauers Eheleute
Zacherl
1843
- Zacherl, Franz Xaver; 1773 (München) – 16.9.1849 (München), Tod durch Selbstmord; Brauereibesitzer

#Franz Xaver Zacherl
* 1773 (München)
† 16.9.1849 (München), Tod durch Selbstmord
Brauereibesitzer
#Der Nürnberger Lustwandler (25.3.1837)
Revue der Einläufe.
München den 18. März. Ich kann Ihnen wenig oder gar keine Neuigkeiten von Interesse melden; die Landstande vertragen sich ganz friedlich miteinander und die Münchner selbst haben jetzt gar keine Zeit, an Zank und Streit zu denken, da der bekannte Bierbrauer Zacherl in der Au bereits die Vorrede des berühmten »Bockes,« nämlich das sogenannte »Salvator-Bier« oder »Zacherl-Oel« herausgiebt. Diese Salvator-Zeit ist eigentlich der Probirstein der Münchner, auf welchem so Mancher erprobt, wie viel im menschlichen Leben man ertragen kann. Uebrigens haben wir hier mitunter wahre Virtuosen des Zacherl-Oeles, die es mit 8 bis 10 Maas aufnehmen und den Feind bis auf den Boden schlagen. München bietet aber auch keinen imposanteren Anblick als von der Salvatorbier- und Bock-Seite! Diese braune Gemüthlichkeit übersteigt alle Begriffe. Selbst in die geistigen Eigenschaften des Menschen greifen der Bock und das Salvatorbier ein, und einige Mäßlein dieses Zaubertrankes sind bei Manchem schon hinreichend, die auffallendsten Gesinnungsveränderungen hervorzubringen. Ein Mensch, der noch gestern das Futteral über alle Grobheiten war, ist heute beim Salvatorbiere oder beim Bocke der feinste Mann der Welt; aber auch den Höflichsten stempelt es zuweilen zum non plus ultra aller Grobheiten. Der kälteste Ehemann wird hier zum feurigsten Liebhaber und der verschwiegenste Seladon zur Plaudertasche; die unversöhnlichsten Feinde reichen sich hier beim Tranke der Vergessenheit (wo sich so Viele vergessen) die braunbegossenen Hände zur Versöhnung, und entzückt über den Geist dieses fünften Elementes sieht Mancher Alles doppelt schön. Aber auch so Mancher geht in diesen Tagen mit leichtem Kopfe und schwerer Tasche in die Au, und kehrt mit schwerem Kopfe und leichter Tasche zurück zur Frau.
Der Nürnberger Lustwandler Nro. 36. Samstag, den 25. März 1837.
#Münchner-Augsburger Figaro (4.4.1838)
Das Salvatorbier und der Bock in München.
Und beide machen lustig, machen froh,
Trinkt man sie en detail und nicht en gros!
Die Berliner haben einen »Stralauer-Fischzug« und dieser Stralauer-Fischzug ist die Zeit ihrer Eldorado’s. Wir Münchner aber sind reicher an dergleichen Eldorado’s, denn wir haben alle sieben Jahre einen Schäfflertanz, jährlich einen Metzgersprung, einen Käferlohermarkt, ein Oktoberfest und zwei der höchsten Seligkeiten – Salvatorbier und Bock!
Salvatorbier und Bock sind die Quint-Essenzen und Univerial-Tinkturen des Lebens. Das Salvatorbier schickt uns in den April, der Bock bringt uns den Mai. Auf den Bock werden wir später – zur Bockzeit selbst zurückkommen – heute wollen wir uns nur beim Salvatorbier aufhalten.
Dieses Salvatorbier wird von einem unserer Großbräuer Hrn. Zacherl in der Au bereitet und deswegen auch häufig »Zacherlöl« genannt. Die Salvatorzeit ist eigentlich für Hrn. Zacherl die schlimmste im ganzen Jahre, denn gerade zu dieser Periode wird er jedesmal ein gestrafter Mann. Er soll nämlich sein Salvatorbier nur 3 Tage hindurch verleit geben; allein – ich weiß nicht wie es kommt, trinken die Leute zu wenig oder braut Hr. Zacherl zu viel von diesem Oele* (* Das Erstere ist nicht der Fall; das Zweite – sagt man – könne möglich seyn.) – mit einem Worte, die Schenkzeit des Salvatorbiers wird durch ihren edlen und einsichtsvollen Erzeuger öfters prolongirt und Hr. Zacherl darum öfters gestraft; indeß macht er sich nichts draus und wir kümmern uns nichts d’rum.
Einen imposanten Anblick gewährt es, wie die lieben Münchner in ganzen Prozessionen – bei weitem zahlreicher als bei Wahlfahrts-Prozessionen – nach der Au zum Salvator ziehen; aber einen noch imposanteren Anblick bieten die Scenen und Situationen der Salvatorjünger im Zacherlöl-Berge selbst und dann die Heimkehrenden dar.
Wir wollen unsern Lesern einige Salvator-Witze mittheilen:
- Ein junger und ein etwas bejahrter Herr – beide vom Salvatoröle schon ein bischen inflammirt – unterhalten sich mit einander über politische Dinge. »Was halten Sie von der Kölner-Angelegenheit?« fragte endlich der Erstere. Ganz gemüthlich, mit schon halb geschlossenen Augen, antwortete der ältere Herr: »Ich meine eben, daß die Kellner nicht so gut sind, als die Kellnerinnen, denn von den letztern wird man weit besser bedient.«
- An einem Tische wird von der Münchner-Augsburger-Eisenbahn gesprochen. »Was halten Sie von der Eisenbahn?« fragte ein Maurermeister einen Hufschmid. Dieser antwortete: »Auf das Eisen halte ich sehr viel, auf die Bahn aber gar nichts!«
- Mehrere Damen unterhalten sich etwas laut über die Geschäfte ihrer Männer. Eine Kaufmannsfrau lenkt nun das Gespräch auf die doppelte Buchhaltung. »Ach ja,« bemerkte ihre Nachbarin, »die doppelte Buchhaltung ist etwas sehr Schönes. Mein Mann hat sich nun auch einen doppelten Buchhalter verschrieben, und ich habe für ihn schon ein zweischläfriges Bett aufschlagen lassen.«
- Ein Arzt sitzt am Tische mit mehreren ihm unbekannten Männern von schlichtem Ansehen. Einer von diesen spricht endlich den Jünger Aeskulaps an: »Ey, Hr. Doktor, heute wollen Sie mich gar nicht kennen: ich bin ja der Pflasterer S…, der Ihre Hausflur pflasterte und wofür ich noch 10 fl. gut habe. »Von mir habt Ihr nichts mehr gut,« antwortete der Doktor; »denn Ihr habt mir mein Pflaster verdorben und dann brav Erde darauf geworfen, daß man eure Pfuscharbeit nicht sehen soll. »Herr Doktor!« rief der Pflasterer; »reichen Sie mir die Hand; es gibt mehr Pfuscharbeiten, die die Erde zudecken muß, und werden doch bezahlt.«
- Einen jungen Soldaten, der seinen Feldwebel fragte, was er dem Könige antworten sollte, wenn er ihm einmal begegne und von diesem gefragt würde, wurde eingeprägt, daß der König gewöhnlich frage: »Wie lange dient Er? Wie alt ist Er? Bekommt Er seine Menage richtig? und daß er dann die erste Frage mit »Ein Jahr«, die zweite mit »zwanzig Jahr« und die dritte mit »Richtig« beantworten soll. Dieser Soldat sitzt beim Salvatorbier und ist schon ziemlich illuminirt. Ein Civilist fragt ihn: »Wie lange dient er schon, mein Freund?« »Zwanzig Jahr.« – »Wie alt ist er?« »Ein Jahr.« »Plagt ihn der Teufel?« »Richtig!«
Münchner-Augsburger Figaro No. 10. Mittwoch, den 4. April 1838.
#Der Bayerische Eilbote (16.4.1841)
Es hat sich jetzt wieder bewährt, was hier schon seit Jahres zum allgemeinen Glauben geworden, daß nemlich, so oft unsere Vorstadt Au irgend ein Fest, eine Dult oder sonst dergleichen Ausserordentliches begeht, dieselbe immer vom schönsten Wetter begünstigt wird. Mögen die vorhergehenden Tage, mag selbst der Vorabend noch so sehr stürmisch und regnerisch gewesen seyn, gewiß wird der Morgen des festlichen Tages mit der heiterstes Miene der Sonne beglückt werden. So auch dieser Tage. Hat uns der Monat April in den letzten Tagen der Charwoche, selbst noch am Ostersonntage seine Launen in vollem Maße fühlen lassen; am Ostermontag hat Herr Zacherl seine Hallen und die Quellen des Salvatorbieres geöffnet, und seit dieser Stunde hat auch nicht die mindeste Wolke unsern Himmel getrübt, seit dem Ostermontage hat die liebe Sonne bei uns ihr Feiertagsgewand angelegt, und es scheint, so lange Zacherl-Oel noch fließt, wird auch bei ihr kein Werktag kommen, und sie wird diese Zeit über in ihrem besten Humor bleiben. Aber kaum können auch die ausserordentlich großen Räume des Zacherl-Bräuhauses alle die nach Sättigung lechzenden Pilger in sich fassen, alle Zimmer, der Keller sind überfüllt, selbst in den großen, freien Hofraum fand man am Montage keinen Platz mehr. Eine an diesem Tage dort stattgehabte sehr blutige Schlägerei bildet hier das allgemeine Tagsgespräch, und hat schon, wie es bei solchen Neuigkeiten immer geschieht, bedeutende Vergrößerung und Uebertreibung erlitten, denn, wie das Sprichwort sagt, erzählt der erste Mund den Tod einer Mücke, wird der zwanzigste Mund schon einen Elephanten sterben lassen. Doch werden dadurch die Patienten des Zacherl nicht abgeschreckt, sondern eben dieß Spectakel zieht immer eine noch größere Menge an. Wie lange das Ausschenken des Salvatorbiers heuer noch dauert, hört man nichts Gewisses.
Der Bayerische Eilbote No. 46. München; Freitag, den 16. April 1841.
#Die Bayerische Landbötin (17.4.1841)
Das Salvatorbier aus der Zacherl’schen Brauerei in der Vorstadt Au macht noch immer bedeutenden Furor. Der zahlreiche Besuch vom frühen Morgen bis in die Nacht spricht jedenfalls für die Güte und man wird des Lobes dieses sogenannten Zacherl-Oels gar nicht müde.
Die Bayerische Landbötin No. 46. München; Samstag, den 17. April 1841.
#Nachricht über die jüngst errichtete erste Dampfbrauerei in München (1843)
Zugabe.
Während ich mit der Ausarbeitung dieser Auflage beschäftigt war, führte Herr Zacherl, Besitzer des wegen Großartigkeit des Betriebs und der ansehnlichen Baulichkeiten wegen auch im Auslande viel bekannten Brauanwesens in der Vorstadt Au, welche die Isar von der Haupt- und Residenzstadt München trennt, den längst in seinem Unternehmungsgeiste vorgehabten Gedanken aus, den kostspieligen Versuch einer Brauerei mittelst Dampf anzustellen. Das mit Umsicht und Beharrlichkeit unternommene Werk arbeitet nun mit sicherem Gange und hat bereits schon an 70 Suden gemacht, die sämmtlich zur vollkommensten Zufriedenheit des Besitzers ausfielen und selbst seine bescheidenen Erwartungen übertrafen.
Die Anlage dieser Dampfbrauerei wurde vorzüglich begünstiget durch die seltene Räumlichkeit des Hofes, welche dieses Brauanwesen darbietet, deren sich kein einziges Brauanwesen in der Stadt in solcher Ausdehnung zu erfreuen hat, worin auch die Hauptschwierigkeit liegt, dieses gelungene Werk in den Braustätten Münchens mit größtentheils sehr beschränkten Hofräumen durch nachahmende Ausführung zu vervielfältigen.
Das Zacherl’sche Brauanwesen bildet im Grundriß ein Rechteck mit langgestreckter Basis. Etwa in der Mitte durchschneidet diesen Grund rechtwinkelig auf die Längenseite das Sud- und Kühlhausgebäude, und die in der Mitte desselben angebrachte Durchfahrt verbindet die beiden großartigen Hofräume, wovon der Umfang des vordern an die Straße gränzenden Hofes mit den zusammenhängenden Wohn- und Braugebäuden, der Umfang des hinteren durch angränzendes fremdes Besitzthum abgeschlossenen Hofes an seinen Langenseiten mit den Nebengebäuden als Branntweinbrennerei, Brunnenhaus mit Druckwerk, Stallungen für Pferde und Mastvieh etc. umgeben ist.
Im Sudhause befinden sich zwei Braukessel von gleichem Inhalte neben einander, jeder mit seinem Biergrand und Maischbottich versehen. Auf jeder Pfanne kann man 18 Schäffel Winterbier und 20 Schäffel Sommer- oder Lagerbier sieden. Anstoßend an das Sudhaus ist nun im vordern Hofe das Dampfbrauwerk unter einem offenen mit einem Pultdache geschützten Raume angebracht. In diesem Raume befindet sich in der Erde die Schüre für den Dampfkessel, der daranstoßende Braukessel und der vor demselben stehende Maischbottich. Zwischen dem Maischbottich und der Braupfanne ist der Biergrand, wie bei jeder andern Brauerei, angebracht. Ueberhaupt unterscheidet sich die hier ausgeführte Dampfbrauerei von einer gewöhnlichen Brauerei nur dadurch, daß das Maischen durch eine Maschinenvorrichtung, welche man durch Dampfkraft in Bewegung setzt, verrichtet wird, während bei der gewöhnlichen Sudmethode Menschenhände das anstrengende Maischgeschäft besorgen. Von der Heizung des Dampfkessels kann man die Hitze unter die Darre leiten. Dieß ist hier aber nicht der Fall, sondem die Darre erhält ihre Hitze von den Sudöfen der im Sudhause stehenden Braupfannen.
Die Dampfmaschine arbeiet nur mit einer Pferdekraft, und kann 7 bis 8 Schäffel Malz absieden. Der Braukessel wird auf folgende Weise mit Dampf geheitzt. Von dem Dampfkessel streicht der Dampf durch eine Röhre in den Raum des Doppelbodens vom Braukessel, der auf die gewöhnliche Weise eingemauert ist; dieser Doppelboden wird dadurch gebildet, daß der eigentliche Braukessel bis zur Hälfte seiner Höhe in einen zweiten Kessel hineingesteckt und damit gehörig dampfdicht verbunden wird. Aus dem Doppelboden führt eine andere Röhre den Dampf wieder ab, die Röhre selbst läuft durch einen mit kaltem Wasser gefüllten Behälter, wodurch der Dampf sich wieder verdichtet und dieses Wasser von höherer Temperatur, als die des kalten Wassers ist, fließt wieder in den Dampfkessel zurück, wodurch eine schnellere Dampfentwicklung erzeugt wird. Die Brauknechte, welche die Maschine bedienen, heben bei der Kesselheizung mit Dampf vorzüglich das gleichförmige Sieden der Maische hervor, was bei der gewöhnlichen Heizung nicht erzielt werden kann; denn bei der gewöhnlichen Heizung ist nur über der Stelle, worunter das Feuer am lebhaftesten brennt, die größte Sudwallung zu bemerken, bei der Dampfheizung aber ist dieses Wallen auf der ganzen Fläche der Flüssigkeit im Kessel gleichmäßig verbreitet. Bei der gewöhnlichen Heizung muß daher ein eigener Pfannenknecht angestellt seyn, der das Feuer in der Schüre fleißig unter dem Braukessel gleichförmig vertheilt. Ist ein solcher Pfannenknecht darin nachläßig, so erhält die Pfanne Brennmale, welche eine Reparatur des Kessels nöthig machen, wodurch nicht selten ein längeres Einstellen des Siedens zum größten Schaden des Brauers herbeigeführt wird. Diese Besorgniß fällt aber bei der Dampfheizung ganz hinweg.
Ober dem Maischbottiche befindet sich die von einem Brauknechte mittelst Getrieb und gezähnter Stange hinauf und herab bewegbare Maischvorrichtung, welche mittelst eines endlosen Riemens mit der Dampfmaschine in Verbindung gesetzt ist. Dieser Maischapparat besteht aus zwei senkrechten Stäben, wovon ein jeder mehrere wagrecht stehende breit gedrückte flache Schienen (Schaufeln) hat, die sich in entgegengesetzter Richtung in dem Maischbottich bewegen und das Maischgeschäft so nachdrücklich verrichten, daß die erhaltene Maische eine viel süßere Würze gibt, als man durch das gewöhnliche Maischen nicht erhalten kann. Der ganze Maischapparat ist von Eisen.
Zu einem Gebräu von 6 bis 8 Schäffel braucht man eine Klafter Holz und 3 Mann können die Maschine und das Sudwerk mit leichter Mühe bedienen. Man erspart also namentlich an Arbeitslohn; denn zu einem Sudwerke von 8 Schäffel braucht man zum Maischen immer 6 bis 8 Mann.
Der Dampfkessel, liefert nicht nur das heiße Wasser zu seinem eigenen Sudwerke, sondern gibt auch noch eine reichliche Menge davon ins anstoßende Sudhaus ab. Wenn der Sud vollendet ist, so wird der Dampf mittelst einer eigenen Röhre in zwei auf dem Hofpflaster stehende mit Wasser gefüllte große Bottiche geleitet, und bringt dieses Wasser auch noch auf einen großen Hitzgrad, welches man dann zum Reinigen der Geschirre verwendet.
Die Dampfmaschine und der sinnig ausgedachte Maischapparat ist von dem im Dampfmaschineriewesen rühmlichst bekannten königl. Hofbrunnenmeister, Herrn Höß, und den Dampf-, sowie den Braukessel sammt der nöthigen Zugehör an Röhren etc. lieferte der wegen Solidität derartiger Arbeiten vielfach erprobte Kupferschmiedmeister, Herr Feßler, beide in München. Die Kosten dieser kurz beschriebenen Brauvorrichtung beliefen sich etwas über 9000 Gulden, wobei die Maurer- und Zimmerarbeit mit eingerechnet ist.
Sollte ein Brauer oder Gutsbesitzer mit Braubetrieb zur Ausführung eines ähnlichen Werkes Lust haben, so dürfte es zu ihrem Vortheil gerathen seyn, sich mit diesen Meistern in ihrem Fache in unmittelbare Korrespondenz zu setzen, um mit zuverläßigem Rath und mit solider Arbeit bedient zu werden.
Benno Scharl: Beschreibung der Braunbier-Brauerei in Bayern mit damit verbundener Branntweinbrennerei und Essigsiederei nebst Nachricht über die jüngst errichtete erste Dampfbrauerei in München. München, 1843.
#Bayerische Landbötin (10.3.1849)
Eine traurige Nachricht hat die Landbötin ihren gutschmeckerischen und braunen Nektar liebenden Lesern mitzutheilen, nemlich sie, daß Herr Zacherl in diesem Jahre kein Salvatorbier gebraut hat. Und noch sind sieben Wochen hin, bis die Bockquellen zu fließen beginnen. Es ist ein Jammer!
Bayerische Landbötin No. 39. München; Samstag, den 10. März 1849.
#Der Bayerische Landbote (17.9.1849)
Gestern Nachts 11 Uhr verstarb in Folge eines Schlaganfalles der durch seine großartige Bierbrauerei, wie durch seinen rechtlichen Bürgersinn ausgezeichnete Bierbrauer Herr Zacherl in der Au.
Außerordentliche Beilage zum Bayerischen Landboten Nr. 260 vom 18. September 1849. Ausgegeben den 17. September Abends 8 Uhr.
#Würzburger Stadt- und Landbote (19.9.1849)
Am 16. Nachmittag machte in der Vorstadt Au in München der durch seinen großartigen Bierfabrikationsbetrieb, und namentlich durch sein Salvatorbier allbekannte Großbräuer Zacherl dadurch seinem thätigen Leben ein Ende, daß er sich die Adern öffnete und sofort verblutete.
Würzburger Stadt- und Landbote Nr. 224. Mittwoch, den 19. September 1849.
#Der Bayerische Volksfreund (19.9.1849)
Der Bierbräuer Zächerl in der Au tödtete sich am Sonntag, indem er sich die Adern aufschnitt; die Veranlassung soll Alteration gewesen sein, weil man dessen saures Bier theils ausließ, theils versiegelte.
Der Bayerische Volksfreund No. 150. München; Mittwoch, den 19. September 1849.
#Würzburger Abendblatt (22.9.1849)
Dem verstorbenen Bierbrauer Zacherl in der Vorstadt Au wurde einige Tage vor seinem Ende ein bedeutendes Quantum Bier ausgelassen, da selbes gänzlich umgestanden und sauer geworden war. Auch in mehreren Wirthshäusern in der Stadt, in welchem Bier aus dieser Brauerei ausgeschenkt wird, wurde dasselbe versiegelt. Man berechnet den Verlust auf 1400 Eimer, allerdings ein nicht unbedeutender Schaden.
Würzburger Abendblatt No. 227. Samstag, den 22. September 1849.
#Nürnberger Tagblatt (27.10.1849)
Dem Pfarramte in der Vorstadt Au, soll wegen der feierlichen Beerdigung des Bräuers Zacherl, der sich bekanntlich selbst entleibt hatte, eine Art Verweis vom Ordinariate ertheilt, sowie an die Pfarrämter eine die Beerdigung von Selbstmördern betreffende Innstruction erlassen worden sein.
Nürnberger Tagblatt Nr. 254. Samstag, den 27. Oktober 1849.

#2 – 1 – 19·20 (Scheuchenpflug)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Scheuchenpflug, Amalia (vh); – (24).10.1831 (München), 20 Jahre alt; Kaufmanns-Gattin
- Scheuchenpflug, Johanna (vh); – (24).9.1848 (München), 33 Jahre alt; Kaufmanns-Gattin



#2 – 1 – 21·22 (Gattinger)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Gattinger, Dionys; – 4.3.1843 (München), 62 Jahre alt; Appellationsgerichts-Advokat und Wechselgerichts-Notar
- Gattinger, Katharina; – 19.7.1868 (München), 56 Jahre alt; Advokatens- und Wechselnotars-Tochter
- Gattinger, Katharina (vw); – 30.8.1868 (München), 88 Jahre alt; Advokatens- und Wechselnotars-Witwe
- Gattinger, Konstantin; – 14.1.1872 (München), 48 Jahre alt; Bezirksgerichtssekretär




#2 – 1 – 25·26 (Graf)
Hier ruhen in Gott:
Herr Kajetan Graf
Bäckermeister
¿ Sept. 1821 im 38. Lebensjahre
Frau A¿ Graf
Bäckermeisterswittwe
¿
Fräulein ¿ Graf
¿
- Graf, Kajetan; – September 1821, 37 Jahre alt; Bäckermeister


#2 – 1 – 27 (Rheinl · Schleicher)
Obelisk
Familien
v. Rheinl
und
Schleicher.
Sockel
Fanny Schleicher
Oberstengattin.
geb. 20. Febr. 1828, gest. 24. Sept. 1897.
Georg Schleicher
k. Oberst a. D.
geb. 31. Okt. 1829, gest. 14. Nov. 1900.
Gewidmet
von den dankbaren Kindern.
- Rheinl, von
- Schleicher, Fanny (vh); 20.2.1828 – 24.9.1897; Oberstens-Gattin
- Schleicher, Georg; 31.10.1829 – 14.11.1900; Oberst


#2 – 1 – 28 (Flunger)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Flunger, Anna (vh) / Miller (gb); – 21.7.1859 (München), 45 Jahre alt; Kaufmanns-Gattin
- Flunger, Franz Anton; – 30.7.1862 (München), 58 Jahre alt; Kaufmann
- Flunger, Maria (vh); – (10).9.1835 (München), 24 Jahre alt; Kaufmanns-Gattin




#2 – 1 – 29* (Adam)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Adam, Franz Julius; – 23.7.1861 (München), 10 Jahre alt, Tod durch Ertrinken; Lithographieanstaltsbesitzers-Sohn
Das Grab ist nicht erhalten

#2 – 1 – 33 (Pfeiffer)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Pfeiffer, Max; – 1886; Tapezierer


#2 – 1 – 36 (Pfaller · Pfeifer · Schneider)
Familie
PFALLER
Linke Spalte
HERR GEORG PFALLER
Kupferschmid-Meister
geb. 11. April 1828, gest. 19. Febr. 1882.
Dessen Gattin
FRAU MONIKA PFALLER
gest. 20. März 1907 im 74. Lebensjahre.
Rechte Spalte
Hier ruhet in Gott
FRAU ANNA PFALLER
geb. Kagerbauer
geb. 22. Juli 1863, gest. 7. Jan. 1909.
Deren Gatte
HERR ADALBERT PFALLER
geb. 14. Nov. 1860, gest. 31. März 1926.
Linke Seite
FRAU MARIE PFEIFER
geb. Pfaller,
geb. 23. Juni 1862, gest. 5. Okt. 1885
mit ihrem Söhnchen: JOSEF.
FRAU JOHANNA SCHNEIDER
geb. Pfaller,
geb. 24. Mai 1813, gest. 2. Aug. 1880.
Rechte Seite
GEORG
geb. 2. Febr. 1889, gest. 3. Juni 1889.
JOSEFINE
geb. 26. April 1891, gest. 24. April 1892.
- Pfaller, Adalbert; 14.11.1860 – 31.3.1926
- Pfaller, Anna (vh) / Kagerbauer (gb); 22.7.1863 – 7.1.1909
- Pfaller, Georg; 11.4.1828 – 19.2.1882; Kupferschmiedmeister
- Pfaller, Georg; 2.2.1889 – 3.6.1889
- Pfaller, Josefine; 26.4.1891 – 24.4.1892
- Pfaller, Monika (vw); – 20.3.1907; Kupferschmiedmeisters-Witwe
- Pfeifer, Marie (vh) / Pfaller (gb); 23.6.1862 – 5.10.1885
- Schneider, Johanna (vh) / Pfaller (gb); 24.5.1813 – 2.8.1880




#2 – 1 – 38·39 (Buchner)
Familien-Grabstätte
Linke Spalte
Herr
Ludwig Carl Buchner,
Großhändler
geboren den 25. Februar 1821
gestorben den 28. November 187¿
Emil
geb. d. 15. April 1854 gest. 10. Nov. 1854
Maria
geb. d. 10. April 1856 gest. d. 20. Okt. 1856
Frau Therese Buchner
geb. D¿
Großhändlers-Witwe
geboren den 12. Juni 182¿
gestorben den 6. Februar 1908
Rechte Spalte
Frau
¿ Buchner
geb. Kellerer, ¿
geboren den 14. September 185¿
gestorben den ¿. November 1928.
Herr
Carl Maria Buchner
kgl. bayr. Commerzienrat
Inhaber des kgl. Verdienstordens
vom hl. Michael III. Kl.
des eisernen Kreuzes ¿
geboren den 6. Juni 1851
gestorben den 6. Dezember 192¿
- Buchner, Emil; 15.4.1854 – 10.11.1854
- Buchner, Karl Maria; 6.6.1851 – 6.12.192¿; Kommerzienrat
- Buchner, Ludwig Karl; 25.2.1821 – 28.11.187¿; Großhändler
- Buchner, Maria; 10.4.1856 – 20.10.1856
- Buchner, Regina (vh) / Kellerer (gb); 14.9.185¿ – 11.1928; Kaufmanns-Tochter aus München / Kaufmanns-Gattin
- Buchner, Therese (vw); 12.6.182¿ – 6.2.1908; Großhändlers-Witwe





#2 – 1 – 40·41 (Manz · Schmederer)
Linke Spalte
Dem Andenken
des unvergeßlichen
Gatten u. Vaters
Herrn
Heinrich Schmederer
Brauereibesitzer u.
Gemeindebevollmächtigter
geb. den 7. Februar 1815
gest. den 27. Sept. 1864
Herr Dr.
Heinrich Schmederer
prakt. Arzt
geb. den ¿. Novbr. ¿
gest. den 24. Juni 18¿
Rechte Spalte
Ihm zur Seite ruht
seine treue Gattin,
unsere teuerste Mutter
Frau
Rosa Schmederer
geborene Stulberger
geb. den 13. Februar ¿
gest. den 15. August 187¿
Frau
Rosa Manz
geborene Schmederer
geb. den 18. Juli ¿
gest. den 28. April 188¿
- Manz, Rosa (vh) / Schmederer (gb)
- Schmederer, Heinrich; 7.2.1815 – 27.9.1864 (München); Brauereibesitzer und Gemeindebevollmächtigter
- Schmederer, Heinrich, Dr. med.; – 24.6.1880 (Markt Indersdorf), 30 Jahre alt, Tod durch Ertrinken; Praktischer Arzt
- Schmederer, Rosa/Rosina (vw) / Stulberger (gb); 13.2.1817 – 15.8.1870 (München); Metzgers-Tochter aus München / Brauereibesitzers-Witwe


#Heinrich Schmederer
* 7.2.1815
† 27.9.1864 (München)
Brauereibesitzer und Gemeindebevollmächtigter
#Münchener Abendzeitung (29.9.1864)
Gestern Abend ist einer unserer tüchtigsten Industriellen, Hr. Heinrich Schmederer, Mitbesitzer der Zacherl’schen Bierbrauerei, einer kurzen Krankheit erlegen. Seit der Uebernahme der Zacherl’schen Bierbrauerei in der Au durch die Gebrüder Schmederer, wurde dieses Geschäft stets schwunghafter betrieben und erwarb sich der Verstorbene durch seine Bürgertugenden auch die Achtung seine Mitbürger.
Münchener Abendzeitung Nr. 182. Donnerstag, den 29. September 1864.
#Dr. med. Heinrich Schmederer
† 24.6.1880 (Markt Indersdorf), 30 Jahre alt, Tod durch Ertrinken
Praktischer Arzt
#Amper-Bote (26.6.1880)
Tages-Neuigkeiten.
Am St. Johannistag den 24. ds. Nachmittags ertrank beim Baden in der Glonn bei Indersdorf der pr. Arzt Herr Dr. Heinrich Schmederer aus München, 30 Jahre alt, und wurde die Leiche am 25. ds. aus dem Wasser gezogen.
Amper-Bote No. 51. Ein Blatt für Jedermann. Dachau; Samstag, den 26. Juni 1880.

#2 – 2 – 7·8 (Held · Riese)
¿
Herr Max Riese
¿besitzer
¿
Ruhe im Frieden.
Frau Walburga Held,
verw. Riese, geb. Lehner
Badereibesitzers-Gattin,
geb. den ¿. Juni 1827, gest. den 31. Dezbr. 1899.
Seinen Eltern folgte
mein innigstgeliebter Gatte
Herr Georg Riese
Hühneraugen-Operateur,
geb. den ¿ 1856, gest. den 11. Dezbr. 19¿
¿
- Held, Walburga (vh) / Riese (vw) / Lehner (gb); ¿.6.1827 – 31.12.1899; Badereibesitzers-Gattin
- Riese, Georg; 1856 – 11.12.19¿; Hühneraugen-Operateur
- Riese, Max



#2 – 2 – 10 (Heiß)
Jos. Thad. Heiß
sche
Familien-Grabstätte.
Hier ruhen
unser unvergeßlicher Gatte und Vater
Herr Joseph Thad. Heiß,
kgl. Floßmeister,
geb. den 30. Juni 1825, gest. den 6. Februar 18¿
Ihm folgte unsere innigstgeliebte
unvergeßliche Mutter,
Frau Creszentia Heiß, geb. Schmid
geb. den 18. August 1827, gest. den 7. August 1885
unsere einzige Tochter
Fräulein Anna Heiß,
Floßmeisters-Tochter,
geb. d. 14. Juni 1863, gest. d. 13. Juli 1878.
Herr Anton Heiß,
Privatier,
geb. d. 15. Juni 1860, gest. d. 29. Juli 1889.
Sockel
Frau Anna Heiß, geb. Zischgl,
geb. 1. Mai 1860 in Ebersberg
gest. 6. März 1939
- Heiß, Anna; 14.6.1863 – 13.7.1878; Floßmeisters-Tochter
- Heiß, Anna (vh) / Zischgl (gb); 1.5.1860 (Ebersberg) – 6.3.1939
- Heiß, Anton; 15.6.1860 – 29.7.1889; Privatier
- Heiß, Josef Thaddäus; 30.6.1825 – 6.2.¿; Floßmeister
- Heiß, Kreszentia (vw) / Schmid (gb); 18.8.1827 – 7.8.1885


#2 – 2 – 11·12 (Langmayr)
Grabstätte der Familie Langmayr.
Hier ruht
die beste Gattin und liebevollste Mutter
Frau Karoline Langmayr
Mühlenbesitzers-Gattin,
geb. 14. Aug. 1812, gest. 27. Okt. 1862.
Ihr folgte
der treue Gatte und beste Vater
Herr Bartholomäus Langmayr
Mühlenbesitzer,
geb. 23. Dez. 1803, gest. 23. Nov. 1863.
Ihnen folgte unser innigstgeliebter Sohn Joseph
geb. 13. Mai 1877, gest. 30. Mai 1906.
Ihm folgte der beste Gatte und Vater
Herr Bartholomäus Langmayr
Mühlenbesitzer und Gemeindebevollmächtigter
geb. 28. März 1845, gest. 22. August 1907.
Ihm folgte seine treue Gattin,
unsere unvergessliche, innigstgeliebte Mutter
Frau Ottilie Langmayr
geb. 20. Mai 1855, gest. 23. Juni 1916.
Ihr folgte unser lieber, guter Bruder
Herr Ludwig Langmayr
geb. 5. März 1889, gest. 16. Sept. 1916.
Sockel
2.2.11 – 12. Kosenbach.
- Langmayr, Bartholomäus; 13.5.1803 – 23.11.1863 (München); Mühlenbesitzer
- Langmayr, Bartholomäus; 28.3.1845 – 22.8.1907; Gemeindebevollmächtigter und Mühlenbesitzer
- Langmayr, Josef; 13.5.1877 – 30.5.1906
- Langmayr, Karoline (vh) / Graf (gb); 14.8.1812 – 27.10.1862 (München); Gewürzmüllers-Gattin
- Langmayr, Ludwig; 5.3.1889 – 16.9.1916
- Langmayr, Ottilie (vh); 20.5.1855 – 23.6.1916


#2 – 2 – 17 (Lang)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Lang, Karoline (vh); – 1890; Kaufmanns-Gattin


#2 – 2 – 21 (Aigner)
Tafel
Hier ruhen
Herr Martin Aigner
Lehrer
geb. 6. Novb. 1814, gest. ¿. März 1890.
Frau Fanny Aigner,
geb. Gradl, Lehrersgattin
geb. 14. Novb. 1817, gest. 7. Dezb. 1885.
Fräulein Marie Aigner
Lehrerstochter
geb. 13. Aug. 1847, gest. 30. Okt. 1863.
Herr Xaver Aigner
Eisenb. Adjunk¿ d. k. Generaldirekt.
geb. 4. ¿ gest. 6. Febr. 184¿.
¿ Aigner geb. 15. Juni ¿. gest. 16. Febr. 1910.
Herr Martin Aigner,
k. Postinspektor a. D.
geb. 12. Febr. 1844. gest. 14. Dezb. 1912.
Lallinger.
- Aigner, ¿; – 16.2.1910
- Aigner, Fanny (vh) / Gradl (gb); 14.11.1817 – 7.12.1885; Lehrers-Gattin
- Aigner, Marie; 13.8.1847 – 30.10.1863 (München); Lehrers-Tochter
- Aigner, Martin; 12.2.1844 – 14.12.1912; Postinspektor
- Aigner, Martin; 6.11.1814 – März 1890; Lehrer
- Aigner, Xaver

#Marie Aigner
* 13.8.1847
† 30.10.1863 (München)
Lehrers-Tochter
#Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik (5.11.1863)
Ein Blümchen auf das frühe Grab
von
Fräulein Marie Aigner,
Lehrerstochter.
Erfrischende Matten der Frühling streut,
Es ödet der Herbst die Fluren;
So wechseln im Leben Leid mit Freud,
Und lassen nur flüchtige Spuren.
Im Garten erblühen der Blumen viel,
Doch Eine, die liebste von Allen,
Sie blühet, ein Veilchen, bescheiden u. still,
An ihr hat der Himmel Gefallen.
Es holt sie heim zum Marien-Mai,
Ein Engel aus höheren Sphären,
Damit auch sie nun ein Engel sei
In ewig seligen Chören.
D’rum härme dich, Vater, länger nicht;
Gebiete, Mutter, den Thränen!
Es weilt ihre Seele im himmlischen Licht,
Wohin wir einst Alle uns sehnen.
Am 2. Nov. 1864.
Gg.
Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik Nr. 309. Donnerstag, den 5. November 1863.

#2 – 2 – 22 (Schmid)
Familien-Grabstätte.
Hier ruhet
unser theurer Gatte, Vater,
Großvater, Schwiegervater
und Bruder
Herr Georg Schmid
¿ Wagenfabrik-Direktor,
zuletzt Privatier in Pähl,
geb. 29. ¿ 1818, gest. 10. Febr. 1894.
¿ gute Gattin
Frau Therese Schmid,
¿ Waesel,
¿ 74. Lebensjahre.
Ruhet sanft in Frieden!
- Schmid, Georg; 29.¿.1818 – 10.2.1894; Wagenfabrik-Direktor
- Schmid, Therese (vh) / Waesel (gb)


#2 – 2 – 24 (Schmid)
Grabstätte
der
Familie Schmid
Spielkartenfabrikante¿
- Schmid, Apollonia; – (11).1.1907 (München), 78 Jahre alt; Privatiere


#2 – 2 – 34 (Reichhart)
Hier ruhen in Gott:
Unser unvergesslicher
teurer Gatte u. Vater,
Herr Joseph Reichhart
Posamentierer,
geb. 15. Aug. 1835, gest. 28. Juli 1906.
Ihm folgte dessen Gattin
unsere teure, treubesorgte Mutter,
Frau Karoline Reichhart
geb. 5. Mai 1840, gest. 11. Februar 1919.
Ihnen folgte ihr ältester Sohn
mein herzensguter Gatte u. Vater:
Herr Max Reichhart
Posamentierer
* 17. Juli 1867. † 7. Dezember 1940.
Rückseite
A. Lallinger.
- Reichhart, Josef; 15.8.1835 – 28.7.1906; Posamentierer
- Reichhart, Karoline (vw); 5.5.1840 – 11.2.1919; Posamentierers-Witwe
- Reichhart, Max; 17.7.1867 – 7.12.1940; Posamentierer


#2 – 2 – 36 (Erlacher)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Erlacher, Ludwig; – 23.11.1863 (München), 9 Monate alt; Zimmermanns-Sohn
- Erlacher, Ludwig; – (26).10.1865 (München), 19 Tage alt; Zimmermanns-Sohn
- Erlacher, Peter; – 7.1.1837 (München), 68 Jahre alt; Zimmermeister


#2 – 2 – 37·38 (Rosner · Stengl)
Hier ruhen:
Herr August Rosner
Bäckermeister,
geb. 24. Nov. 1817, gest. 17. Januar 1889.
Dessen Gattin
Frau Katharina Rosner
geb. 3. November 1831, gest. 26. Juli 1914.
Deren Schwester
Frl. Karolina Stengl
geb. 26. Januar 1830, gest. 7. Febr. 1912.
Sockel
Familie Rosner.
Rückseite
Linke Spalte
Herr Josef Rosner
Rentner
geb. 23. März 1867.
gest. 25. Mai 1937.
Rechte Spalte
Herr August Rosner
Rentner
geb. 28. Juni 1882.
gest. 27. April 1940.
- Rosner, August; 28.11.1817 – 17.1.1889; Bäckermeister
- Rosner, August; 28.6.1882 – 27.4.1940; Rentner
- Rosner, Josef; 23.3.1867 – 25.5.1937; Rentner
- Rosner, Katharina (vw) / Stengl (gb); 3.11.1831 – 26.7.1914; Bäckermeisters-Witwe
- Stengl, Karolina; 26.1.1830 – 7.2.1912


#2 – 2 – 40 (Mayer)
Ruhestätte
der Familie
Josef u. Katharina
Mayer.
Julie Mayer
1875 – 1925
Katharina Mayer
geb. S¿
¿
- Mayer, Josef
- Mayer, Julie; 1875 – 1925
- Mayer, Katharina


#2 – 3 – 6 (Greiner)
Hier ruhet
meine innigstgeliebte, treue
unvergessliche Gattin
Frau Katharina Greiner
Privatiers-Gattin
gest. 3. Dez. 1906 im 53. Lebensjahre.
Ihr folgte mein teurer Gatte u. Vater
Herr Johann Greiner
gest. 13. Nov. 1924 im 79. Lebensjahre.
Ihm folgte seine treue Gattin
Frau Katharina Greiner
gest. 13. Mai 19¿3 im 73. Lebensjahre.
- Greiner, Johann; – 13.11.1924
- Greiner, Katharina (vh); – 3.12.1906; Privatiers-Gattin
- Greiner, Katharina (vw); – 13.5.19¿3


#2 – 3 – 9 (Niggl)
FAMILIE
NIGGL
- Niggl, Otto; – 1885; Staatsbuchhalters-Sohn


#2 – 3 – 17 (Spies)
Hier ruhen:
Frau Therese Spies
verw. Zanoli,
k. Rittmeisters-Gattin,
geb. 22.IV.1843, gest. 14.II.1892.
Ihr Gatte
Herr Joseph Spies
Rittmeister u. Adjtt. d. k. b. Leibgarde
geb. 12.VI.1829, gest. 26.X.1896.
2.3.17. LALLINGER
- Spies, Josef; 12.6.1829 – 26.10.1896; Rittmeister
- Spies, Therese (vh) / Zanoli (vw); 22.4.1843 – 14.2.1892


#2 – 3 – 29 (Seckendorff · Stowitzer)
Hier ruhet
Herr
Franz Paul Stowitzer
Privatier
geb. den 31. Dezemb. 1834,
gest. den 17. Dezemb. 1878.
Ihm folgte
seine theure Mutter
Frau Anna Stowitzer
Apothekers-Wittwe.
gest. den 1. Feb. 1892
im 85. Lebensjahre.
Ruhe in Frieden!
Sockel
Stowitzer’sche
Grabstätte.
Trennung ist unser Loos,
Wiedersehn unsre Hoffnung.
Babenstuber.
Rechte Seite
Freiin
Therese von Seckendorff
1852 – 1938
- Seckendorff, Therese Freiin von; 1852 – 1938
- Stowitzer, Anna (vw); – 1.2.1892; Apothekers-Witwe
- Stowitzer, Franz Paul; 31.12.1834 – 17.12.1878; Privatier



#2 – 3 – 38 (Lampl)
Hier ruhen unsere lieben Eltern
Quirin und Maria Lampl
und ihre Töchter
Maria und Katharina.
- Lampl, Katharina
- Lampl, Maria
- Lampl, Maria (vh)
- Lampl, Quirin


#2 – 3 – 39 (Bernhart)
Dr. F. X. BERNHART
FRAUENARZT
* 10.V.1868 † 1. VI.1934
- Bernhart, F. X., Dr. med.; 10.5.1868 – 1.6.1934; Frauenarzt
- Bernhart, Therese; – 1887; Lehrerin


#2 – 5 – 36 (Winkler)
¿
Herr Ignaz Winkler
¿
Frau ¿ Winkler
¿
- Winkler, Ignaz; – 1888 (München); Melber


#2 – 5 – 40* (Fornaro · Hopfenbeck · Kolligs)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Fornaro, Luise; – (6).12.1840 (München), 27 Jahre alt; Obristens-Tocher aus St. Gallen
- Hopfenbeck, Babette; – (7).3.1881, 82 Jahre alt; Kaminkehrers-Tochter
- Hopfenbeck, Barbara (vw); – 5.5.1852 (München), 80 Jahre alt; Kaminkehrers-Witwe
- Hopfenbeck, Josefa; – (17).1.1874 München), 70 Jahre alt; Privatiere
- Kolligs, Karl; 20.8.1812 (Heiligenstadt) – 29.7.1833 (München), Tod in Untersuchungshaft; Jurastudent
Das Grab ist nicht erhalten
#Karl Kolligs
* 20.8.1812 (Heiligenstadt)
† 29.7.1833 (München), Tod in Untersuchungshaft
Jurastudent
#Aschaffenburger Zeitung (13.8.1833)
Teutschland.
München, 9. Aug. Von den wegen politischen Vergehens in der Frohnveste inhaftirten Studirenden starb der 21jährige Preuße Karl Kolligs aus Heiligenstadt an einer Hirnentzündung. Von den übrigen sollen mehrere bedenklich krank, und einer von Wahnsinn befallen seyn. An der Krankheit dieser und dem mehr oder minderen Unwohlseyn der anderen ist indessen nicht (wie man vielleicht auswärts irrig glauben könnte) die Lokalität, die im Gegentheile sehr gesund ist, sondern die Wirkung eines solchen ungewohnten Zustandes auf Geist und Körper, und die bange Erwartung einer jedenfalls langwierigen Untersuchung Schuld. Da sich aus den Verhören eine vielseitige Complicität ergiebt, so dauern unter den Studirenden die Haussuchungen und Verhaftungen fort, deren in dieser Woche wieder mehrere vorgenommen wurden. Außer den zwei Söhnen eines hiesigen Beamten sind alle bisher verhafteten Studirenden solche, die im ersten Jahre auf hiesiger Universität studiren, und von auswärtigen Hochschulen hieher kamen.
Aschaffenburger Zeitung No. 193. Dienstag, den 13. August 1833.
#Allgemeine Zeitung (15.8.1833)
Deutschland.
München, 9 Aug. Von den wegen politischen Vergehens in der Frohnveste inhaftirten Studirenden starb der 21jährige Preuße, Karl Kolligs aus Heiligenstadt an einer Hirnentzündung. Von den übrigen sollen mehrere bedenklich krank, und einer von Wahnsinn befallen seyn. An der Krankheit dieser, und dem mehr oder mindern Unwohlseyn der andern ist indessen (nicht wie man vielleicht auswärts irrig glauben könnte) die Lokalität, die im Gegentheile sehr gesund ist, sondern die Wirkung eines solchen ungewohnten Zustandes auf Geist und Körper, und die bange Erwartung einer jedenfalls langwierigen Untersuchung Schuld. Da sich aus den Verhören eine vielseitige Komplizität ergibt, so dauern unter den Studirenden die Haussuchungen und Verhaftungen fort, deren in dieser Woche wieder mehrere vorgenommen wurden. Außer den zwei Söhnen eines hiesigen Beamten sind alle bisher verhafteten Studirenden solche, die im ersten Jahre auf hiesiger Universität studiren, und von auswärtigen Hochschulen hieher kamen.
Allgemeine Zeitung No. 227. Augsburg; Donnerstag, den 15. August 1833.
#Allgemeiner Anzeiger und Nationalzeitung der Deutschen (16.8.1833)
Schauerliches Hinscheiden eines schuldlosen Gefangenen.
Meinen verehrten Freunden und Verwandten mache ich das am 29. v. M. zu München so unerwartet erfolgte Ableben meines geliebten Sohnes Karl mit blutendem Herzen bekannt und erlaube mir, die Veranlassung, welche diesen unersetzlichen Verlust herbeyführte, kurz zu berühren.
Auf die einseitige, von einem erfurter Polizeyagenten, selbst ohne Vorwissen der ihm vorgesetzten Behörde, zu München gemachte Anzeige, daß mein Sohn während seines Aufenthaltes auf der hohen Schule zu Göttingen irgend einer Verbindung angehört haben solle, wurde er, ohne daß specielle Thatsachen zum Grunde lagen und obgleich das ihm von der Universitätsbehörde zu Göttingen bey seinem Abgänge ausgestellte Zeugniß:
»daß er während seines dortigen Aufenthaltes in keiner verbotenen Verbindung gewesen sey, sich vielmehr überall tadellos betragen habe«
wenigstens vorläufig das Gegentheil bekundete, sogleich ergriffen und in enges, dumpfiges, mit Steinen gepflastertes Gefängniß, worin er kaum das Tageslicht erblicken konnte, geworfen.
Ein hoch verehrter Mann zu München, welcher die Reinheit der Sitten des unglücklichen Jünglings und seinen tadellosen Lebenswandel kannte, erbot sich zu jeder Art von Bürgschaft, wurde aber mit diesem menschenfreundlichen Anerbieten zurückgewiesen, selbst der Zutritt seiner tröstenden Freunde nur augenblicklich im Beyseyn des Inquisitors gestattet und der Gefangene sogleich wieder in seinen dumpfen Kerker zurückgeführt. Ja die von allen requirirten Behörden und selbst von der münchner Poilizey eingezogenen, durchaus günstigen Zeugnisse über sein früheres Betragen blieben auf eine mildere Behandlung des Gefangenen ohne Einfluß.
Auf die erste, uns über das Schicksal unseres Kindes, von ihm selbst in Herz ergreifenden Ausdrücken zugekommene Nachricht eilte die zärtliche Mutter, vor der das Herz des Sohnes immer offen lag, nicht achtend der weiten Reise und der Beschwerden derselben bey ungünstiger Witterung, Tag und Nacht fort, um dem geliebten Kinde den mütterlichen Trost zu bringen und im festen Glauben an seine Unschuld ihm die Freyheit zu erwirken.
Aber, o Gott! sie eilte dem Schrecklichsten, dem Schaudervollsten entgegen, denn sie kam gerade noch zur rechten Zeit in München an, um im Leichenhause, im offenen Sarge den letzten mütterlichen Kuß auf die erstarrten kalten Lippen des Lieblings zu drücken und selbst einer Leiche gleich am Sarge ihres erstgebornen Kindes besinnungslos nieder zu sinken.
Unverdiente, über einen Monat lange Leiden in dumpfer Einschließung, tägliche Aufregung, Aerger und Bitterkeit über die harte Behandlung hatten die physischen Kräfte des immer so muthvollen, kräftig blühenden, unbefleckten und zu den herrlichsten Erwartungen berechtigenden Jünglings gebrochen. Er erkrankte und obgleich die unverkennbarsten Symptome, Deliriren u. dergl. ein Tod drohendes Uebel ankündigten, so nahm man gleichwohl keine Kenntnis davon, vielleicht, weil man glaubte, er habe nur den Verstand verloren. Keinem seiner Freunde wurde etwas davon bekannt und erst am Tage vor seinem Hinscheiden hatte man die Barmherzigkeit, ihn in das allgemeine Krankenhaus zu schaffen.
Die achtbaren Aerzte desselben versäumten nichts, um den unglücklichen Jüngling noch zu retten, was früher wol so leicht möglich gewesen wäre, aber ihre Hülfe kam zu spät. Er ging, von einer Gehirnentzündung ergriffen, reinen Herzens, im 21. Jahre seines schönen Lebens, in ein besseres glücklicheres Jenseits hinüber. Seine Freunde konnten ihm nur noch im Leichenhause noch einmahl die kalte Hand drücken und ihn wenigstens im Sarge, als letzten Liebesdienst, mit Blumen bekränzen.
Dank, inniger Dank den edlen Bewohnern Münchens, welche sich der vernichteten Mutter so liebevoll erbarmten, daß sie, obgleich im Innern zerrissen und krank, doch wenigstens noch lebend die Heimath wieder erreichen konnte, wohin sie ein hochherziger, trefflicher münchner Arzt, unaufgefordet, aus reiner Menschenliebe, schützend begleitete.
Möge der allmächtige Lenker unserer Schicksale alle Eltern, welche ihre Söhne hohen Schulen anvertrauen müssen, vor ähnlichen Ereignissen bewahren, aber auch den Herzlosen vergeben, welche einem unglücklichen Vater am Abend seines Lebens seine schönste Hoffnung raubten und seinem, von dem erst im vorigen Jahre erlittenen Verluste einer geliebten Tochter noch blutenden Herzen eine so tiefe Wunde schlugen, daß sie ihn bis zum Grabe begleiten wird.
Nur die stille Theilnahme aller fühlenden guten Menschen, der ich in voraus so gewiß seyn kann, soll mich in meinem namenlosen Schmerze aufrichten.
Heiligenstadt, am 8. August 1833.
Kolligs,
Regierungsrath und Land- und Stadtgerichtsdirector.
Allgemeiner Anzeiger und Nationalzeitung der Deutschen Nr. 221. Freitag, den 16. August 1833.
#Die Bayer'sche Landbötin (27.8.1833)
München. Der junge Preuße Kolligs starb nicht in der Frohnfeste, sondern im Krankenhause, wo ihn seine Mutter noch sah.
Die Bayer'sche Landbötin Nro. 103. München; Dienstag, den 27. August 1833.
#Bayreuther Zeitung (9.9.1833)
Deutschland.
Der »Allgemeine Anzeiger« und »Nationalzeitung der Deutschen« enthalten aus Heiligenstadt vom 8. August eine öffentliche Erklärung des Regierungsrathes, Land- und Stadtgerichtsdirektors Kolligs über den Tod seines Sohnes, der aus der Frohnveste zu München, wo er in Untersuchung lag, und dort am 29. Juli im 21sten Jahre an einer Gehirnentzündung starb. Diese Erklärung hat viel Aufsehen gemacht und auch der »Schwäbische Merkur« vom 2. September theilt nun dieselbe vollständig mit. Es würde wohl den K. Bayerischen treffenden Behörden nicht schwer fallen, diese gegen sie gerichtete öffentliche Anklage durch offizielle Darlegung des Thatbestandes zu entkräften. Bis dieß geschieht, geben wir einstweilen, was der »Bayerische Volksfreund« dagegen äußert: Es heißt in gedachter Erklärung u. A., »Kolligs wäre, in einem dunpfen, engen, finstern, mit Steinen gepflasterten Gefängniß gewesen, und ohngeachtet der Symptome des Irreredens und des nahen Todes ohne Hülfe gelassen worden.« »Hieran, sagt der Volksfreund, ist zu berichtigen, daß wie allgemein bekannt, nicht ein Gefängniß in der Frohnveste mit Steinen gepflastert, sondern alle mit Bretterböden belegt sind; daß die Verwahrungsorte nicht die oben angegebenen Eigenschaften haben, sondern daß sie geräumig, hell, und, da sie gegen Morgen und Mittag liegen, der Sonne und reinen Luft zugänglich sind, und so viel bekannt, hatte Kolligs noch dazu eines der besten Behältnisse. Zwei Aerzte und ein Chirurg sind für den ärztlichen Beistand der Gefangenen aufgestellt, welche täglich die Frohnveste besuchen, und die nöthigen Ordinationen vornehmen. Es darf mit Gewißheit versichert werden, daß, wie in allen Fällen, auch dem Kolligs die schleunigste ärztliche Hülfe bei Wahrnehmung seines Zustandes, oder bei dessen Meldung, geworden ist.«
Bayreuther Zeitung Nro. 184. Montag, den 9. September 1833.
#Allgemeiner Anzeiger und Nationalzeitung der Deutschen (6.11.1833)
Justiz- und Polizeygegenstände.
Berichtigung.
Nachstehende, uns in Bezug auf den in der Nr. 221 d. allg. Anz. etc. der D. vom 16. August d. J., mit der Unterschrift des königl. preuß. Regierungsraths und Land- und Stadtgerichtsdirectors Kolligs eingerückten Aufsatz, von dem königl. bayerischen Kreis- und Stadtgericht zu München zugegangene, aus den betreffenden Untersuchungsacten zusammengestellte Berichtigung:
»Carl Kolligs wurde am 21. Jun. l. J. durch die hiesige Polizeydirection verhaftet und am 22. ejusd. [ejusdem (mensis): desselben (Monats)] dem Untersuchungsgerichte überliefert. Dieses prüfte sogleich die Arretirungsursachen und faßte den zu den Acten motivirten Beschluß dahin, daß auf den Grund der polizeylichen Mittheilungen, dann der bey Carl Kolligs gefundenen Papiere, und der in anderen Untersuchungen vorkommenden thatsächlichen Verhältnisse die Generaluntersurchung gegen Carl Kolligs zu eröffnen, und derselbe sonach vor der Hand in Detension zu behalten sey. Nicht irgend eine Studentenverbindung an der Universität Göttingen, sondern der Verdacht der Theilnahme an einer allgemeinen, und damit die mehr oder minder größere Betheiligung an den frankfurter Vorfällen war das Object der beschlossenen Generaluntersuchung.
Das im Eingangs erwähnten Aufsatze berührte Zeugniß der Universitätsbehörde zu Göttingen würde demnach an dem Beschlusse nichts geändert haben; allein es kam weder zu den Acten, noch hat sich Carl Kolligs auf ein solches bezogen. Auch ein Bürgschaftsanerbieten von wem immer, wurde nie actenmäßig gemacht, würde auch unter solchen Verhältnissen nach bayerischen Gesetzen unzulässig gewesen seyn. Nur die Minderung oder gänzliche Hebung der ursprünglichen Verdachtsgründe konnte die Entlassung des Verhafteten herbey führen. Die Untersuchung selbst beruhte größtentheils auf Correspondenzen mit mehreren deutschen Behörden, und es waren nach Einlauf der Antwortschreiben bereits am 22. Jul. die Acten an das erkennende Crimlnalgericht nach Landshut abgesendet, um über den Antrag des Untersuchungsgerichts auf Entlassung des Carl Kolligs aus dem Arreste Beschluß zu fassen, als am 27. Jul. Nachts Carl Kolligs erkrankte und am 29. starb. Ueber das Arrestlocal und die Behandlung des Carl Kolligs als Gefangenen werden folgende gleichfalls actenmäßig erhobene Angaben genügen:
Carl Kolligs hatte die Gefängnißnummer 4 im dritten Stocke der Frohnfeste, gegen Sonnenaufgang gelegen, keineswegs ein enges, dumpfes, mit Steinen gepflastertes Gefängniß, worin man kaum das Tageslicht erblickt, wie der mehrmahls erwähnte Aufsatz es schildert. Bey einer Höhe von 14 Fuß, einer Breite von 12 Fuß und einer Länge von 15 Fuß hat das Gefängniß weder Steinpflaster (sondern gewöhnlichen Bretterboden), noch ist Luft und Licht gehemmt, wofür schon der Umstand spricht, daß Carl Kolligs von der ihm ertheilten Erlaubniß, zu lesen und an seine Eltern Briefe zu schreiben, Gebrauch machte.
Der Zutritt zu den Gefangenen wird nach bestehender Anordnung allerdings nur im Beyseyn des Inquirenten gestattet; aber in solcher Weise hat Carl Kolligs während seiner nicht volle sechs Wochen dauernden Gefangenschaft von fünf Personen, in Abtheilungen, wenigstens wöchentlich einmahl, Besuch erhalten. Können sich auch solche Besuche nicht über Gebühr ausdehnen, so hängt die Dauer derselben doch meistentheils, und bey Kolligs war dieß immer der Fall, von der eigenen Discretion des Besuchten oder der Besuchenden ab.
Eine Krankheit wurde am Genannten weder bemerkt, noch äußerte er sich hierüber. Auch der Gefängnißarzt hat keine andere Bemerkung gemacht, als daß des Carl Kolligs Gemüthsstimmung getrübt sey, wie es bey den meisten Arrestanten der gebildeten Classe, vorzüglich in den ersteren Wochen der Gefangenschaft, der Fall ist.
Dem Inquirenten gab Kolligs noch am 27. Jul. Nachmittags bey Gelegenheit, als er gelesene Bücher zurückstellte, und Papier zum Briefschreiben verlangte, die Versicherung seines Wohlseyns. Am anderen Morgen, den 28. Jul. erfolgte die Anzeige des Gefängnißarztes, daß Carl Kolligs vom Wahnsinne befallen sey, worauf alsogleich die Ueberbringung desselben in ein Separatzimmer des Krankenhauses angeordnet und vollzogen wurde; allein schon am 29. Jul. erfolgte die Todesanzeige.
Die Angabe des zu berichtigenden Aufsatzes, daß man vom Erkranken des Carl Kolligs keine Kenntniß genommen, und erst am Tage vor seinem Hinscheiden die Barmherzigkeit hatte, ihn in das Krankenhaus zu schaffen, stellt sich sonach von selbst in ihrem wahren Lichte dar.
Der Unbefangene wird nach dieser einfachen Darstellung der thatsächlichen Verhältnisse das Ereigniß zu beurtheilen wissen.
München, den 14. September 1833.«
bringen wir, höherer Weisung gemäß, hiermit zur Kenntniß des Publicums.
Erfurt, den 24. October 1833.
Der Magistrat.
Allgemeiner Anzeiger und Nationalzeitung der Deutschen Nr. 303. Mittwoch, den 6. November 1833.
#Neuer Nekrolog der Deutschen (1835)
Carl Kolligs,
Student der Rechte in München;
geb. d. 20. Aug. 1812, gest. den 29. Juli 1833.
Er war der Sohn des Regierungsraths und Land- und Stadtgerichts-Direktors Kolligs, und dessen Gattin Henriette, geb. Richter zu Heiligenstadt. Seine Geburt erfüllte die Eltern um so mehr mit der lebhaftesten Freude, da ihre Ehe in den ersten sechs Jahren kinderlos blieb und sie nun ihren heißesten Wunsch erfüllt sahen. Die zärtlichste Sorgfalt wurde daher auf die Erziehung und Ausbildung des Knaben verwendet, und er sowohl durch Hauslehrer, als auf den Gymnasien zu Heiligenstadt und Wetzlar in allen nöthigen Schulkenntnissen unterrichtet.
Im Jahre 1831 bezog er zuerst die hohe Schule zu Göttingen, wo er sich dem Rechtsfache, zugleich aber auch den philosophischen und andern Wissenschaften widmete. Sein biederer, männlich fester Charakter und sein streng sittlicher Wandel hatten ihm mehrere gleichgesinnte Jünglinge zugeführt, mit denen er sich vereinigte, allen auf hohen Schulen nicht selten vorkommenden Unsittlichkeiten und Rohheiten entgegen zu arbeiten und nur die möglichste wissenschaftliche Ausbildung, als einziges Ziel des Universitätslebens, im Auge zu behalten.
Die Mitglieder dieser Verbindung versammelten sich daher in freien Stunden, und jeder war verpflichtet, einen zuvor bearbeiteten, wissenschaftlichen Gegenstand nach der Reihenfolge, in Form einer Rede, vorzutragen, sich auch in freier Beurtheilung und Lösung mancher anderer absichtlich aufgestellter Fragen und Zweifel zu üben.
Der Zweck dieser Verbindung schien hiernach nur ein edler zu sein und wurde von der Universitätsbehörde. welche sie kannte, nicht misbilligt.
Kolligs erhielt daher, als er nach einem Aufenthalte von 1½ Jahren Göttingen verließ, von der gedachten Behörde das amtliche Zeugniß: »daß er keiner verbotenen Verbindung angehört, sich auch überall fleißig und anständig betragen habe.«
Da er Süddeutschland und dessen öffentliche Institute ebenfalls kennen zu lernen wünschte, so gestatteten ihm seine Eltern, Michaelis [»Michaelis« ist die volkstümliche Bezeichnung des Festes des hl. Michael am 29. September] 1832 die hohe Schule zu München zu besuchen. Auch hier wußte er sich durch seinen tadellosen Wandel und seine Liebe zu den Wissenschaften den Beifall und das persönliche Wohlwollen der achtbarsten Männer der Hochschule, eines Schelling, Thiersch, Maßmann – zu erwerben, und der letzte hatte sogar das Zutrauen zu ihm, daß er ihn, während eines mehrmonatlichen Aufenthaltes in Italien, zu seinem Stellvertreter in der Oberaufsicht über die Turnanstalt vorschlug, in welcher Eigenschaft er sich die allgemeine Liebe und Achtung der Teilnehmer an der Anstalt ebenfalls erwarb.
Schon in früher Jugend hatte er sich in Mäßigkeit und Entbehrung geübt und sich manche Entsagung freiwillig auferlegt, so daß er die eingebildeten Bedürfnisse kaum dem Namen nach kannte.
Sein ganzes Leben war frei von jeder Unsittlichkeit, rein und unbefleckt.
Welche herrlichen Früchte, welche Freuden für ihr Alter konnten sich die Eltern von einem solchen Sohne versprechen. Aber er mußte untergehen in der schönsten Blüthe seines Lebens – untergehen auf eine schaudervolle Weise. – Der allgem. Anzeiger d. D. 1833 N. 221, berichtet über seinen Tod: »Auf die einseitige Anzeige eines Erfurter Polizeibeamten, daß Kolligs während seines Aufenthaltes zu Göttingen irgend einer Verbindung angehört haben solle, wurde er, ohne daß specielle Thatsachen zum Grunde lagen, sogleich in München ergriffen, in ein schaudervolles Gefängniß geworfen, die Bürgschaft eines daselbst sehr angesehenen Mannes (des Hofraths Thiersch) nicht angenommen und erhielt sogar, nachdem amtliche günstige Zeugnisse für ihn eingetroffen waren, keine mildere Behandlung. Diese über einen Monat langen Leiden in dumpfer Einschließung brachen seine physischen Kräfte; er erkrankte, und obgleich die unverkennbarsten Symptome ein tödliches Uebel verkündigten, so nahm man doch keine Rücksicht darauf. Erst am Tage vor seinem Tode schaffte man ihn in das allgemeine Krankenhaus, wo er nach 23 Stunden starb. Seine von Heiligenstadt herbeigeeilte Mutter fand ihren Sohn im Sarge.«
Selbst die Aerzte des Krankenhauses erklärten K.'s Krankheit für vernachlässigt. Der unglückliche Vater drückte sich, durch die Behandlung seines Sohnes empört, mit harten Beschuldigungen in mehreren öffentlichen Blättern aus. Es erfolgten dagegen Erwiederungen und Rechtfertigungen, die aber dennoch ein großes Dunkel hinterließen, und mehr für die Behauptungen des Vaters sprechen.
Neuer Nekrolog der Deutschen. Weimar, 1835.

#2 – 6 – 1·2 (Gaill)
Linke Spalte
Hier ruhen
mein geliebter Mann
Herr
Dr. Georg Gaill
prakt. Arzt
und Bezirksarzt a. D.
geb. 12. Dez. 1855
gest. 22. Mai 1933
R. I. P.
Rechte Spalte
in Frieden
Ihm folgte seine
Frau
Marie Gaill
geborne Altherr
geb. 28. Aug. 1863
gest. 3. März 1943
- Gaill, Georg, Dr. med.; 12.12.1855 – 22.5.1933; Praktischer Arzt und Bezirksarzt
- Gaill, Marie (vw) / Altherr (gb); 28.8.1863 – 3.3.1943; Arzt-Witwe


#2 – 6 – 7·8 (Maurer)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Maurer, Hermann; – (31).10.1888 (München); Hoftheatertechniker
- Maurer, Luise (vw); – 1885; Arzt-Witwe
- Maurer, Theodor; – 1890; Bankbeamter a. D.


#2 – 6 – 24 (Kolb · Wilhelm)
Familie – Kolb.
Hier ruhet in Gott
unsere unvergessliche Gattin & Mutter
Frau Hildegard Wilhelm,
geb. 19. April 1833, gest. 11. November 1897
Ihr folgte ihr Gatte, unser lieber Vater
Herr Paul Wilhelm,
geb. 3. Sept. 1828, gest. 15. Dez. 1901.
Ihnen folgte
unser lieber Gatte und Vater
Herr Lorenz Kolb
geb. 17. Juli 1859
gest. 12. Sept. 1934,
unsere liebe Mutter
Frau Maria Kolb
geb. 9. Febr. 1862
gest. 9. März 1940.
FRANZ
- Kolb, Lorenz; 17.7.1859 – 12.9.1934
- Kolb, Maria (vw); 9.2.1862 – 9.3.1940
- Wilhelm, Hildegard (vh); 19.4.1833 – 11.11.1897
- Wilhelm, Paul; 3.9.1828 – 15.12.1901


#2 – 6 – 26 (Jodl)
Hier ruht:
unser unvergessliches, liebes
Annerl,
geb. 21. Mai 1892, gest. 28. Dez. 1903.
Ihr folgte ihr guter Vater
Herr Ferdinand Jodl
Kaufmann,
geb. 24. Nov. 1868, gest. 9. Sept. 1929.
- Jodl, Anna; 21.5.1892 – 28.12.1903
- Jodl, Ferdinand; 24.11.1868 – 9.9.1929; Kaufmann


#2 – 6 – 35* (Mayr)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Mayr, Simon; 28.10.1779 (Stum/Tirol) – 20.10.1840 (München); Hofbauinspektor
Das Grab ist nicht erhalten
#Simon Mayr
* 28.10.1779 (Stum/Tirol)
† 20.10.1840 (München)
Hofbauinspektor
#Kunstvereins-Bericht für 1840 (1841)
Beilage X.
Biographische Notizen.
V.
Simon Mayr, königlicher Hofbau-Inspector.
Der so allgemein als aufrichtig verehrte k. Hofbau-Inspector Simon Mayr zu München, dessen schönes Wirken mitten in seinen Berufsgeschäften auf eben so unerwartete als beklagenswerthe Weise den 20. Oktober 1840 abgerissen wurde, war der Sohn unbemittelter Aeltern aus dem Dorfe Stum im Zillerthale in Tyrol, woselbst er den 28. Oktober 1779 geboren war.
Als zehnjähriger Knabe wurde er von dem damaligen Porzellainfabrik-Inspector Aulitscheck in Nymphenburg, einem Gönner seines Vaters, in Kost und Wohnung aufgenommen, und erhielt daselbst den ersten Unterricht in der Zeichnungskunst. Später besuchte er während ein Paar Jahren die von dem damaligen churfürstlichen Oberbaudirector von Lespillers gegründete Baulehrschule zu München, und trat sodann als Bosseur in die Porzellain-Fabrik zu Nymphenburg ein. Die ihm hier obliegende einförmige Beschäftigung genügte jedoch seinem höher strebenden Sinne nicht; mit rastlosem Eifer verfolgte er die einmal betretene Bahn der Kunst, und während seine Handarbeit ihm kümmerlich den nöthigen Lebensunterhalt erwarb, verwendete er alle seine übrigen Minuten zur Uebung im Zeichnen und Malen.
Bald hat er sich ohne alle Anleitung so weit geschwungen, daß er als Porzellainmaler in dieselbe Fabrik eintreten konnte, welcher er bisher als Dreher gedient hatte. Er malte fast in allen Fächern, und seine Landschaften insbesondere aber seine Genrebilder wurden wegen ihres heiteren Charakters und ihres Reichthums an Witz und Laune gerne gesehen und gekauft.
Sein früher in der Bauschule gewecktes Talent für Baukunst, so wie seine Neigung dafür ließen ihn indessen auch dieses Fach nicht vernachläßigen, und seine desfallsigen Versuche in architectonischen Entwürfen und namentlich in Perspectiv-Zeichnungen zogen endlich auch die Aufmerksamkeit des damaligen k. Bau-Inspectors, jetzigen k. Bauraths Thurn auf sich, dessen Anträgen er endlich Folge leistete, und als Bauzeichner in das Hofbau-Intendanzbureau eintrat, in welcher Eigenschaft er denn auch im Jahre 1805 seine erste definitive Anstellung erhielt.
Nun begannen seine Studien der Bautechnik im höheren Sinne, und seine alsbaldigen Leistungen als praktischer Baumeister, welche in der Folge den wesentlichen Theil seines Berufes ausmachten und ihm seiner Gründlichkeit und Vielseitigkeit wegen bald im Inn- und Auslande den Ruf eines ausgezeichneten Mannes verschafften, den er bis an sein Lebensende immer erhöht hat.
Er leitete den Bau der Sternwarte, des k. botanischen Gartens etc., bis ihm die Restauration der Residenzschlösser zu Salzburg und Innsbruck übertragen ward. Im Jahre 1620 wurde er Bau-Conducteur erster Classe, im Jahre 1821 Schloß- und Administrations-Inspector in Tegernsee, und ihm die Restauration des Schlosses Tegernsee, so wie die Erbauung des Bades Kreuth nach eigenem Entwurfe übertragen. Die zweckmäßige und glückliche Vollendung dieser Bauten erwarben ihm nicht nur die allgemeine Anerkennung, sondern insbesondere die Zufriedenheit und Gnade Sr. Majestät des höchstseligen Königs Maximilian in einem solchen Grade, daß Allerhöchstderselbe noch vor Vollendung des Bades Kreuth, in welchem die erste Luftheizung in Bayern angebracht worden war, ihn durch Verleihung der goldenen Civil-Verdienst-Medaille auszeichnete.
Im Jahre 1826 wurde er als Hofbau-Inspector mit dem Range eines k. Regierungsrathes nach München berufen. Hier wurde ihm die spezielle technische Leitung eines Theiles jener Meisterwerke der Baukunst übertragen, welche ihr Daseyn dem hohen Kunstsinne Sr. Majestät unseres allverehrten Königs Ludwig verdanken. Es sind dieß: der Königsbau, die Allerheiligen-Capelle und der Fest-Saalbau am Hofgarten. Auch die Wallhalla bei Regensburg verdankt ihm ihre wesentlichsten und schwierigsten Constructionen. Mit Aufopferungen, welche kein Maaß kannten, lag er den äußerst schwierigen und mühevollen Arbeiten ob, welche bei Bauten solcher Größe und Eigenschaften in ununterbrochener Kette sich an einander reihen, nach keiner anderen Ehre, nach keinem andern Vortheile geizend, als dem Bewußtseyn streng erfüllter Pflicht und ehrenvoll vollbrachten Wirkens.
Neben seinen Dienstesarbeiten, und die benöthigte Zeit dem Schlummer der Nacht abbrechend, führte er in den letzten Jahren seines Lebens noch nach eigenem Entwurfe den Neubau des Krankenhauses zu Kempten, dessen Vollendung er nicht mehr erlebte.
Alle seine Arbeiten trugen den Stempel der höchsten Reife und Gediegenheit, indem sein angeborner Scharfsinn, sein richtiges klares Urtheil, seine Geschicklichkeit im Zurückführen aller Bedürfnisse auf die einfachste Form, seine fast beispiellose Erfahrung, sein nimmerruhender Fleiß und noch andere selten in Einer Person vereinigte Eigenschaften bei ihm die Grundpfeiler seiner Geschäftstätigkeit bildeten.
Werfen wir endlich einen Blick auf seine Eigenschaften als Mensch, so steht das Bild eines Biedermannes in vollster, kräftigster Gestalt vor uns. Ein guter Christ, ein treuer Unterthan, ein edler Menschenfreund, trefflicher Gatte und Vater, ein unersetzbarer Freund dem Freunde vereinigte er in sich alles, was im Menschenleben wohlthätige Harmonie erzeugt, – ein zur Nachfolge hinreißendes Beispiel männlicher Tugend und Würde.
Wer ihn kannte, achtete ihn, wer sich seines Umgangs erfreute, liebte ihn; – er hatte keinen Feind!
Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München während des Jahres 1840. München, 1841.

#2 – 7 – 1·2 (Höchl)
Antonie Hoechl
geborne Lenner,
Kunstmalers & Gutsbesitzersgattin.
Geb. zu Deggendorf den 28. Aug. 1811,
gest. dahier den 22. November 1893.
und deren Gatte
Anton Hoechl,
Kunstmaler & Gutsbesitzer,
geb. den 20. Februar 1820
gest. den 21. Februar 1897.
Ihre reiche Mildthätigkeit
erwarb ihnen dankbare Herzen
Josef Hoechl
Stadtbaumeister
in München
geb. 5.3.1777 in Neumarkt a. d. Rott
gest. 6.1.1838 in München
Theresia Hoechl,
geborne Trisperger.
geb. am 4. December 1775,
gest. am 25. Februar 1806.
- Höchl, Anton; 20.2.1820 (München) – 21.2.1897 (München); Architekturmaler und Kunstsammler
- Höchl, Antonie (vh) / Lenner (gb); 28.8.1811 (Deggendorf) – 22.11.1893 (München); Kunstmalers-Gattin
- Höchl, Josef; 5.3.1777 (Neumarkt a.d. Rott/Obb.) – 6.1.1838 (München); Bauunternehmer
- Höchl, Theresia (vh) / Trisperger (gb); 4.12.1775 – 25.2.1806


#Anton Höchl
* 20.2.1820 (München)
† 21.2.1897 (München)
Architekturmaler und Kunstsammler
#Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog (1898)
Höchl, Anton, Architecturmaler, * am 20. Februar 1820 zu München, † am 21. Februar 1897.
H. war der Sohn des durch eine Menge von Bauwerken wohlbekannten Stadtbaumeisters Jakob Höchl (* am 5. März 1777, † am 6. Januar 1838), welcher als Maurermeister bei vielen Schöpfungen König Ludwig I. thätig war und durch artistische Privatbauten ein höchst ansehnliches Vermögen erwarb. Da der Vater die Ansicht hegte, dass jedes Handwerk einen goldenen Boden habe, so musste der reiche Bürgerssohn von der Pike auf dasselbe gründlich kennen lernen, frühzeitig Mörtel rühren und Steine tragen, als Maurer in Tagelohn sich zum Palier durcharbeiten und nebenbei wacker zeichnen und rechnen. Beides verstand er bald gründlich, insbesondere das Rechnen; beim Zeichnen kam seine künstlerische Anlage zum Durchbruch, welche sich in anerkenneswerther Weise geltend machte. So fertigte der junge H. die Modelle zu dem aus gebrannter Ziegelerde bestehenden Prachtthore der königl. Salinen-Administration in der Ludwig-Strasse. Leider blieb das schöne Vorbild, dieses dem Münchener Clima so angepasste Material künstlerisch zu verwerthen, ohne weitere Nachfolge.
Nach dem Ableben des Vaters, eines ausserordentlich ernsten, streng rechtlichen und gewissenhaften Geschäftsmannes, der indessen nicht ohne künstlerische Interessen war und in seiner Jugend mit hellen Augen Italien bereist und viele interessante Studien gezeichnet und angesammelt hatte, wendete sich H. zur Kunst und erwählte unter der Leitung von Michel Neher (1798–1876) die Architecturmalerei als dilettantischen Lebensberuf. Den Betrieb seiner, in bester Lage auf dem rechten Isarufer weit ausgedehnten Ziegeleien setzte er fort, auch aus dem echt humanen Interesse, den braven Arbeitern seines Vaters nicht den Stuhl vor die Thüre zu stellen; er hielt diese Maxime beinahe zeitlebens fest, als später der Tagelohn bedeutend gestiegen war und die reich angewachsene Concurrenz den Ertrag gewaltig herabdrückte. Nur widerstrebend liess er sich herbei, seine alten Mietheinwohner im Hauszins zu steigern, obwohl die officielle Einschätzung den wirklichen Ertrag seiner Häuser theilweise öfters überschritt. In dieser Beziehung obwaltete bei ihm ein conservatives Element, welches ihn mit seinen Inwohnern in eine fast cordiale Beziehung brachte, welche sich auch nicht abschwächte, wenn diese sein Dach und Fach verliessen und anderswohin verzogen. Dagegen war er freilich kein Freund von verbessernden Neuerungen, er hätte am liebsten Alles auf dem alten Fusse gelassen; selbst die dringendsten Reparaturen erfolgten nur nach langen Vorstellungen, auf besondere Fürsprache und Bitte.
Auf seinen kleinen Oelbildern und zahlreichen Aquarellen schilderte er mit grosser Vorliebe das altertümliche Winkelwerk Altmünchens, mit dessen Häusern, Thoren, Thürmen und Basteien, welche allmählich der Neuzeit weichen mussten und jetzt schon ein gesteigertes, historisches Interesse für sich in Anspruch nehmen. Seine Aufnahmen waren möglichst treu und wahr; zu der minutiösen Ausführung seines Lehrers Neher fehlte ihm aber die fleissige Geduld; H. liebte mehr eine behagliche Breite des Vortrags, ohne sich in besondere Stimmung allzu ängstlich zu vertiefen. Mit gleicher Vorliebe und Umsicht besuchte er auch andere Städte und Marktflecken, Schlösser und Burgen Altbayerns und Frankens. Mit solchen Schilderungen beschenkte H. die historischen Vereine, das National-Museum und andere Sammlungen auf das Freigebigste. Zur unsäglichen Freude gereichte es ihm, wenn seine Bilder unerwarteten Absatz und Käufer fanden. Dieses wohlverdiente Geld galt für ihn als ein »Schatz«, ebenso wie der früher so schwer erworbene Tagelohn.
Seiner geschäftlichen Thätigkeit wegen, wozu wohl eine mit dem Alter zunehmende Bequemlichkeit mithalf, verzichtete er auf eine lang geplante Studienreise nach Venedig. In jüngeren Jahren machte er mit seiner Frau – er hatte ein ganz armes, braves Mädchen geheirathet – eine Fahrt nach Paris, welche aber gar keine künstlerische Ausbeute und keine Aenderung in seiner Technik und Farbe brachte. Dagegen sammelte H. eine schöne Galerie von kleinen Bildern, womit er fast alle seine Zeitgenossen in lehrreicher Weise vereinte. Hierbei mag ihm bisweilen wohl auch die Charitas manches Stück geliefert haben; für solche edle Bestrebungen besass er eine höchst freigebige, aber nicht immer offene Hand. Einen verschollenen Marinemaler subventionirte H. grossmüthig, ohne dass der Betroffene volle Kenntniss erlangte, woher die Hülfe kam. Einem unverschuldet gefährdeten Collegen gewährte er die Mittel, wieder festen Fuss zu fassen. Ausser der Malerei cultivirte H. eine gemüthliche Hausmusik und spielte dabei Cello und Bratsche mit überraschend tiefer Empfindung. Geschichtlichen Studien oblag er gern, durch ein neidenswerthes treues Zahlen- und Datengedachtniss unterstützt. Auf seiner, am Reste eines ehedem gewaltigen, weit verzweigten Stadtwaldes liegenden Ziegelei gründete er sein stilles Tusculum, aus welchem er täglich zu seiner innigst geliebten alten Mutter und in das benachbarte »Tivoli« oder zu den abendlichen Symposien des Herzogs Maximilian (1808–88) fuhr, welcher den sonst so stillen Mann seines gediegenen Wissens und Charakters wegen schätzte.
Auf einer seiner nächtlichen Rückfahrten wurde H. im Winter 1885 von vier Strolchen überfallen und nur durch glücklichen Zufall vor weiterer Gefahr gerettet. Von da an schloss er sich noch enger ab und besuchte nicht einmal mehr seinen schönen Waldfrieden, welchen eine von Heinrich Natter gemeisselte Colossalstatue Wotans krönte. Nach dem 1893 erfolgten Ableben seiner Gattin verschwand H. ganz in der Stille seines Hauses, kaum einigen Auserwählten bisweilen einen kurzen Zutritt gewährend, vielfach geplagt von den wirklichen oder auch eingebildeten Zufällen und Launen des Alters, bis er ohne besondere Krankheit am 21. Februar 1897 den unabänderlichen Gesetzen der Natur erlag.
Sein umfangreiches Vermögen und die Verwaltung desselben hatte ihm sicherlich mehr Kummer, Sorgen und Verdruss als Vergnügen oder Genuss bereitet. H. hat an dritthalb Hundert Bilder gemalt. Als ihm die Ausflüge zu eigenen Skizzen und Studien lästig wurden, sendete er gute Photographen nach verschiedenen Gegenden Altbayerns zur Aufnahme von denkwürdigen Grabdenkmalen, Skulpturen und Bauwerken von historischer Bedeutung und stiftete solche Reproductionen in Vereine und wissenschaftliche Sammlungen mit unermüdlicher Liberalität. Einen grossen Theil seiner umsichtig angelegten Gallerie von Gemälden gleichzeitiger Künstler vermachte H. der Königl. Neuen Pinakothek, wo sie zur Erinnerung des Stifters eine ganze Wand in einem der grösseren Cabinete füllen. Seine nicht bloss Bavarica, sondern viele grosse Geschichtswerke und erhebliche Kunstliteratur umfassende Bibliothek stiftete H. in die Sammlungen des Historischen Vereins von Oberbayern, dazu seine Collection von älteren Münzen, Waffen und Skulpturen, dazu die ganze Folge seiner von 1831 bis 1896 laufenden Tagebücher, in welchen er die Hauptereignisse aus Politik und Tagesgeschichte verzeichnete und alle berühmten, im Gebiete des Wissens oder der Kunst verdienten Namen mit charakteristischen Zusätzen und Reflexionen eintrug: eine Art biographisches Urkundenbuch, welches wohl zu weiterer Mittheilung und Bearbeitung reizen dürfte. Mit einer grossen Anzahl von Legaten bedachte H. eine Menge von Vereinen, gemeinnützigen Genossenschaften und Stiftungen, darunter die Waisen- und Armen-Anstalten, auch die Freiwillige Feuerwehr Münchens, welchen er zeitlebens gerne gespendet hatte.
Vergl. Abendblatt 54 »Allgemeine Zeitung« vom 23. Februar 1897. Kunstvereins-Bericht für 1897. S. 73.
Hyac. Holland.
Dr. phil. Hyazinth Holland: Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog. Berlin, 1898.
#Josef Höchl
* 5.3.1777 (Neumarkt a.d. Rott/Obb.)
† 6.1.1838 (München)
Bauunternehmer
#Der Bayerische Volksfreund (6.1.1838)
Inland.
Se. Maj. der König haben dem städtischen Baumeister Hrn. Höchl, in allergnädigster Anerkennung seiner vielen Verdienste, die silberne Civil-Verdienstmedaille zu ertheilen geruht, welche demselben durch eine Deputation des Magistrats und der Herren Gemeindebevollmächtigten vor einigen Tagen überbracht wurde.
Der Bayerische Volksfreund Nro. 4. München; Samstag, den 6. Januar 1838.
#Der Bayerische Volksfreund (8.1.1838)
Inland.
Der städtische Baumeister Hr. Höchl, welcher vor wenigen Tagen erst mit der silbernen Civil-Verdienstmedaille begnadigt wurde, ist vergangenen Samstag im 61ten Jahre seines thätigen Lebens dahier an der Luftröhrenschwindsucht gestorben. Derselbe hat während seines vieljährigen Wirkens als Maurermeister und städtischer Baumeister sich den Ruf eines wakern Bürgers und umsichtigen Geschäftsmannes erworben. Die Mehrzahl der hiesigen Neubauten, besonders aber die neue Residenz, sind unter seiner leitenden Mitwirkung entstanden. Sein Verlust wird von Vielen aufrichtig bedauert.
Der Bayerische Volksfreund Nro. 5. München; Montag, den 8. Januar 1838.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Höchl Josef, 1777 (Neumarkt a. d. Rott/Obb.) – 1838, Stadtbaumeister; als Mitarbeiter von J. U. Himbsel hat H. Privatbauten außerhalb der um 1800 abgerissenen Stadtmauern geschaffen, die sich durch Zweckmäßigkeit, Räumlichkeit, Dauerhaftigkeit und äußerlicher Prunklosigkeit auszeichnen; seine solide regelmäßige Bauart wurde zum Vorbild für die Privatarchitektur der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts; bei den vielen Schöpfungen unter L. von Klenze und F. von Gärtner betätigte sich H. als Maurermeister; H. hat gewissermaßen die Mauern der alten Haupt- und Residenzstadt durchbrochen; er war auch ein vermögender Bauunternehmer; sein Sohn Anton H. (1820–1897) war ein bedeutender Architekturmaler.
© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#2 – 7 – 3 (Richter)
Grabstätte
der
Familie
Georg Richter
1870 – 1920
- Richter, Georg


#2 – 7 – 4·5 (Hornstein · Jochner · Kuisel · Plaßat · Rombach)
Ruhestätte der Familien
Rombach u. Jochner.
Hier ruhen
Herr Jos. Rombach Schlossermeister
geb. 19. März 1775, gest. 21. August 1849.
Frau Kresz. Rombach geb. Jochner
geb. 29. April 1796, gest. 3. April 1860.
Frau Kresz. Kuisel geb. Rombach
prakt. Arztens-Gattin geb. 20. April 1821, gest. 16. Sept. 1881.
Herr Jos. Rombach Privatier
geb. 1. August 1814, gest. 21. März 1895.
Frau Maria Jochner k. Hofkutscherswittwe,
geb. 12. Sept. 1811, gest. 28. Mai 1879.
Herr Karl Jochner, Marstall-Offiziant a. D.
geb. 24. Dez. 1845, gest. 9. Jan. 1922.
Fräulein Anna Jochner Privatiere,
geb. 17. Oktober 1852, gest. 15. Juni 1932.
Sockel
Frau Klara Hornstein, geb. Jochner
k. Hofkutscherswittwe geb. 1808, gest. 29. Jan. 1884.
Frau Karoline Plaßat, geb. Jochner
k. Polizei-Funktionärswittwe, geb. 1809, gest. 18. Jan. 1886.
2.7.4.5.
- Hornstein, Klara (vh) / Jochner (gb); 1808 – 29.1.1884; Hofkutschers-Witwe
- Jochner, Anna; 17.10.1852 – 15.6.1932; Privatiere
- Jochner, Karl; 24.12.1845 – 9.1.1922; Marstall-Offiziant
- Jochner, Maria (vw); 12.9.1811 – 28.5.1879; Hofkutschers-Witwe
- Kuisel, Kreszentia (vh) / Rombach (gb); 20.4.1821 – 16.9.1881; Arzt-Witwe
- Plaßat, Karoline (vh) / Jochner (gb); 1809 – 18.1.1886; Polizeifunktionärs-Witwe
- Rombach, Josef; 19.3.1775 – 21.8.1849 (München); Schlossermeister
- Rombach, Josef; 1.8.1814 – 21.3.1895; Privatier
- Rombach, Kreszentia (vh) / Jochner (gb); 29.4.1796 – 3.4.1860


#2 – 7 – 6 (Branca)
GRABSTAETTE
DER
FREIHERRLICHEN FAMILIE
VON BRANCA
- Branca, Maximilian Freiherr von; 19.11.1839 (Aibling/Obb.) – 29.12.1906 (München); Landgerichtsassessors-Sohn / General
- Branca, Sofie Freifrau von (vh) / Welden, Freiin von (gb); – 7.8.1889 (München), 77 Jahre alt; Ministerialrats-Gattin
- Branca, Wilhelm Freiherr von; 10.6.1809 (München) – 6.1.1890 (München); Ministerialrat a. D.








#Maximilian Freiherr von Branca
* 19.11.1839 (Aibling/Obb.)
† 29.12.1906 (München)
Landgerichtsassessors-Sohn / General
#Allgemeine Zeitung (30.12.1906)
General der Infanterie Maximilian Frhr. v. Branca †.
Der langjährige Generaladjutant Sr. kgl. Hoheit des Prinzregenten, kgl. Kämmerer und General der Infanterie Maximilian Frhr. v. Branca ist in der vergangenen Nacht im Alter von 67 Jahren gestorben.
General der Infanterie Maximilian Wilhelm Johann Frhr. v. Branca entstammte einem alten Patriziergeschlechte, das dem bayerischen Staate nicht nur Offiziere, sondern auch manchen verdienten Beamten geliefert hat. Er wurde am 19. November 1833 zu Aibling bei Rosenheim geboren als Sohn des im gleichen Monat 1846 verstorbenen Landgerichtsassessors Max v. Branca und dessen Gemahlin Sophie, geborenen Ott (gest. zu Traunstein im September 1864), erhielt seine erste militärische Ausbildung im Kadettenkorps und war am 16. August 1858 als Junker des Infanterie-Leib-Regiments der Armee eingereiht worden. Unter dem 16. Mai 1859 zum Unterleutnant avanciert, machte er zwei Monate später eingeteilt bei der 1. Schützenkompagnie (Hauptmann Max Frhr. v. Gumppenberg) den Ausmarsch in die Kantonierungen nach Schwaben zwischen Neu-Ulm und Günzburg mit und kam darauf im Frühjahr 1860 als Aufsichtsoffizier unter Verwendung als Fecht- und Turnlehrer zur Kriegsschule. In dieser Stellung dauerte sein Verbleiben bis zur Mobilisierung 1870. Inzwischen hatte er sich, nachdem im Mai 1866 seine Beförderung zum Oberleutnant stattgefunden hatte, in der 11. Kompagnie (Hauptmann Friedrich Staubwasser) des Leib-Regiments am Kriege gegen Preußen, insbesondere an den Gefechten bei Kissingen, dem Ueberfalle bei Homburg und den Gefechten von Uettingen und Roßbrunn beteiligt und in Anerkennung seines tapferen Verhaltens eine Allerhöchste Belobung erhalten. Gleich nach der Mobilisierung 1870 mit dem Regiment ins Feld zu rücken war ihm nicht vergönnt; er wurde zuerst an den Landwehrkompagniesitz Altötting beordert und daraus zum Führer der 3. Kompagnie des Landwehr-Bataillons bestimmt.
Im August 1870 erfolgte seine Beförderung zum Hauptmann und im November übernahm er die Verbringung des 5. Ersatz-Transports (320 Mann stark) auf den Kriegsschauplatz. Diesen erreichte er am 9. Dezember abends, so daß es ihm noch möglich war, am nächsten Tage an den Kämpfen bei Beaugency-Cravant teilzunehmen. Nachdem er noch die Einschließung und Belagerung von Paris mitgemacht hatte, wurde ihm nach der Rückkehr aus der Kampagne die 4. Kompagnie seines Regiments unterstellt. Veranlaßt durch seine bereits bewährten Talente auf dem Gebiete der körperlichen Ausbildung erfolgte kurz nachher seine Berufung zum Mitglied einer Kommission behufs Einführung des neuen Exerzier-Reglements. Er wirkte dann auch einige Zeit lang von 1872 ab bei den in München und Würzburg aufgestellten Instruktions-Bataillonen als Anweiser. 1875 fand seine Erhebung in den Freiherrnstand statt, anläßlich des Neujahrsfestes 1877 die Dekorierung mit dem Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens vom heiligen Michael, Anfang Dezember 1878 die Ernennung zum Stabshauptmann, und nachdem ihm im April 1880 das Majorspatent verliehen war, ein paar Monate später die zum etatsmäßigen Stabsoffizier und im Juli 1882 die zum Kommandeur des 2. Bataillons. Dies sollte seine letzte Stellung in der Truppe sein, denn nachdem er noch im März 1885 seinen damaligen Regimentskommandeur, den Prinzen Arnulf, zu den Trauerfeierlichkeiten der Prinzessin Elisabeth von Hessen nach Darmstadt begleitet und darauf im Herbste gleichen Jahres im Gefolge des Prinzen an den Uebungen des 3. preußischen, dann des 14. und 13. (württembergischen) Armeekorps teilgenommen hatte, berief ihn im Juni 1886 nach Einsetzung der Regentschaft Se. kgl. Hoheit Prinz Luitpold zu Allerhöchstseinem Flügeladjutanten.
Auf diesem Ehrenplatze wurden dem Verstorbenen zahlreiche Beweise besonderer Huld zuteil, und mögen die vielen Auszeichnungen, die v. Branca während dieser 20 Jahre empfangen hatte, den Beweis geben, wie er sich das vollste Vertrauen seines königlichen Herrn erworben hat. Noch im gleichen Jahre zum Oberstleutnant und 1888 zum Oberst befördert, wurde ihm 1892 das Ritterkreuz 1. Klasse des Militär-Verdienstordens und das Generalmajorspatent, 1897 das Patent zum Generalleutnant mit dem Prädikate »Exzellenz«, und nachdem im Dezember 1900 die Ernennung zum Generaladjutanten stattgefunden hatte, zum 80. Geburtstage des Regenten das Großkreuz des Verdienstordens vom heiligen Michael verliehen. Seit März 1904 war er General der Infanterie, seit 1894 bekleidete er die Würde eines kgl. Kämmerers. Mitte August 1905 war es dem General vergönnt, das 50jährige Dienstjubiläum zu begehen, aus diesem Anlaß erhielt er das Ehrenkreuz des Ludwigsordens. Außerdem schmückten noch mehrere fremde Orden, darunter sechs Großkreuze oder solche 1. Klasse, seine Brust. Mit Exzellenz v. Branca sinkt ein treuer, verdienstvoller Diener unseres Regenten, ein liebenswürdiger, biederer Charakter ins Grab. Außer der trauernden Witwe, einer geborenen Hummel, Tochter des † kgl. Oberbaurats Karl v. Hummel, mit der er seit April 1867 vermählt war, hinterläßt er zwei Söhne, die ebenfalls der Armee angehören, und eine Tochter.
*
Die Krankheit des Frhrn. v. Branca, eine Lähmung, die allmählich den ganzen Körper ergriff, verhinderte ihn seit vorigem Winter, seine Dienste als Generaladjutant zu versehen. In Bad Aibling, seinem Geburtsort, hoffte er noch Heilung zu finden, kehrte aber im Herbst bereits schwer krank nach München zurück, um sich einer weiteren Behandlung im Sanatorium Neuwittelsbach zu unterziehen. Der Prinzregent, dem der Verstorbene nicht nur in seiner dienstlichen Eigenschaft, sondern auch durch Freundschaft eng verbunden war, beehrte den Erkrankten durch wiederholte Besuche, bei welchem der Regent, solange es der Gesundheitszustand des Frhrn. v. Branca noch gestattete, stundenlang bei dem Patienten zubrachte. Die Nachricht von dem Ableben des Generals v. Branca erhielt der Prinzregent, welcher sich bereits früh zur Jagd nach dem Aumeister begeben hat, erst heute mittag. Die Beerdigung des Generals Frhrn. v. Branca findet mit militärischen Ehren Montag nachmittags 4 Uhr auf dem Südlichen Friedhofe, die Ueberführung dorthin heute nachmittag 4 Uhr vom Trauerhause in der Karlstraße aus statt.
Allgemeine Zeitung Nr. 603. München; Sonntag, den 30. Dezember 1906.
#Allgemeine Zeitung (31.12.1906)
Münchener- Stadtanzeiger.
München, 29. Dezember.
Frhr. v. Branca †. Samstag nachmittag 4 Uhr fand im Trauerhause des verstorbenen Generaladjutanten Frhrn. v. Branca in der Karlstraße die feierliche Aussegnung der Leiche, im Beisein der Witwe, sowie seiner beiden Söhne, Rittmeister und kgl. Kämmerer Max Frhr. von Branca, und Gesandtschaftsattaché, Kammerjunker Wilhelm Frhr. v. Branca, sowie der Tochter und einiger Freunde der Familie statt. An der Bahre waren inzwischen zahlreiche Kränze, darunter solche von der Herzogin von Modena, Prinz Ludwig, den Prinzessinnen Therese und Klara, den »Kameraden der Adjutantur« u. a. niedergelegt worden. Unter Begleitung des großen Konduktes von St. Bonifaz fand hierauf die Ueberführung nach dem südlichen Friedhofe statt.
Allgemeine Zeitung Nr. 604. München; Montag, den 31. Dezember 1906.
#Wilhelm Freiherr von Branca
* 10.6.1809 (München)
† 6.1.1890 (München)
Ministerialrat a. D.
#Münchner Neueste Nachrichten (9.1.1890)
Lokales.
München, 8. Januar.
(Ministerialrath v. Branca †.) Heute Nachmittag ½4 Uhr wurde im südlichen Friedhofe der k. Mininisterialrath a. D. Freiherr Wilhelm v. Branca zu Grabe getragen. Im Trauergefolge bemerkten wir u. A. den Oberst Freiherrn v. Branca, Polizeipräsidenten Dr. v. Müller. Der von Stadtpfarrer Prior P. Klingl gehaltenen Trauerrede entnehmen wir, daß der Verstorbene am 10. Juni 1809 als der Sohn des Ministerialreferenten Max v. Branca geboren wurde, mit Auszeichnung seine Studien absolvirte und im Jahre 1838 seine erste Anstellung als Regierungssekretär in Würzburg erhielt. 1846 wurde er Regierungsassessor in Ansbach und erwarb sich solche Verdienste um den Kreis, daß ihn die Stadt Fürth zum Ehrenbürger ernannte. 1850 wurde er Regierungsrath in München, wo er sich namentlich um die Erweiterung der Kreisirrenanstalt verdient machte. 1868 zum Ministerialrath ernannt, trat er 1873 in den verdienten Ruhestand.
Münchner Neueste Nachrichten No. 13. Donnerstag, den 9. Januar 1890.

#2 – 7 – 7 (Gartmayer)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Gartmayer, Georg; – (5).2.1837 (München), 56 Jahre alt; Benifiziat
- Gartmayer, Magdalena (vw); – 25.1.1861 (München), 68 Jahre alt; Privatiers-Witwe


#2 – 7 – 8 (Wanney · Spanfehlner)
Grabstätte
der
Familien
Wanney
und
Spanfehlner
- Spanfehlner, Elise (vh); – (10).6.1837 (München), 41 Jahre alt; Käsehändlers-Gattin
- Spanfehlner, Franziska (vh); – 1.7.1869 (München), 61 Jahre alt; Privatiers-Gattin
- Spanfehlner, Johann Adam; – 19.8.1873 (München), 74 Jahre alt; Privatier


#2 – 7 – 9 (Glöckner)
FAMILIENGRAB
GLÖCKNER
- Glöckner, Heinrich; – 18.2.1874 (München), 54 Jahre alt; Generalsekretär im Kriegsministerium



#2 – 7 – 13 (Negele)
Hier ruhen
Herr Mathias Negele
¿
Herr Franz Negele
1841 – 1887
Frau Augusta Negele
1828 – 1897
Herr Alexius Negele
geb. 11. Okt.1858
gest. 19. Dez. 1913
Frl. Augusta Negele
geb. 21. Apr. 1863
gest. 14. Sept. 1922
- Negele, Alexius; 11.10.1858 – 19.12.1913
- Negele, Augusta; 21.4.1863 – 14.9.1922
- Negele, Augusta (vh); 1828 – 1897
- Negele, Franz; 1841 – 1887
- Negele, Mathias


#2 – 7 – 14 (Kefer)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Kefer, Anna (vw); – 1887; Magistratsoffizials-Witwe


#2 – 7 – 17 (Schlagintweit)
Ruhestätte der Familie
Schlagintweit
- Schlagintweit, Adolf, Dr. rer. nat.; 9.1.1829 (München) – 27.8.1857 (Kaschgar), Mordopfer; Geologe
- Schlagintweit, Emil von, Dr. jur.; 7.7.1835 (München) – 20.10.1904 (Zweibrücken); Orientalist
- Schlagintweit, Hermann Freiherr von, Dr. rer. nat. / Sakunlünski (ps); 13.5.1826 (München) – 19.1.1882 (München); Geograph
- Schlagintweit, Johanna (vw) / Prentner (gb); 1813 – 1891; Arzt-Witwe
- Schlagintweit, Josef August Wilhelm, Dr. med.; 7.12.1792 (Regen/Ndb.) – 10.8.1854 (München); Arzt
- Schlagintweit, Magdalena von (vh) / Elbracht, von (gb); 3.12.1800 – 16.3.1843; Arzt-Gattin
- Schlagintweit, Max; 1849 (München) – 1935 (München); Offizier und Forschungsreisender
- Schlagintweit, Robert von; 27.10.1833 (München) – 6.6.1885 (Giessen); Geograph


#Dr. rer. nat. Adolf Schlagintweit
* 9.1.1829 (München)
† 27.8.1857 (Kaschgar), Mordopfer
Geologe
#Wiener Zeitung (4.7.1861)
Die indische Regierung hat jetzt verschiedene auf den Tod von Adolph Schlagintweit bezügliche Aktenstücke veröffentlicht. Sie stimmen der Hauptsache nach mit dem bisher bekannt Gewordenen überein, doch lassen wir hier das Wesentliche der officiellen Darstellung folgen:
»Adolph Schlagintweit war, wie noch im frischen Andenken ist, im Jahre 1857 aufgebrochen, um seine naturhistorischen Forschungen in der chinesischen Tatarei fortzusetzen. Kokand war sein Reiseziel, und da das reisen in jenen Gegenden mit großen Gefahren verknüpft ist, hatte er seine schwere Bagage und seine Papiere nach Ladakh vorausgeschickt, und seinem Diener Murad, einem Juden, eine Geldanweisung übergeben.
Lange war von ihm keine Nachricht eingetroffen, bis sich endlich das Gerücht verbreitete, er sei ermordet worden. Leider ist dies durch authentische Berichte, die im Laufe der beiden letzten Jahre der Regierung zu Händen kamen, bestätigt worden.
Seine Diener Murad und Abdullah erschienen im Jahre 1859 in Lahore mit dem angeblich’n Schädel des Vielbetrauerten, und um dieselbe Zeit traf auch ein Brief in Peschawer aus Kokand ein, geschrieben von Schlagintweits vornehmstem Diener Mohamed Amin. Er stimmte in allen wesentlichen Punkten mit den Aussagen der beiden anderen Diener überein.
Schlagintweit war demselben zufolge ohne Unfall von Sugeit nach Yarkand gelangt, einer in der chinesischen Tatarei gelegenen Stadt, die von den kokandischen Truppen erst vor kurzem den Chinesen weggenommen worden war. In Yarkand wurde er freundlich aufgenommen; da diese Stadt jedoch durch die Chinesen bedroht war, die zuletzt wieder einige Vortheile gegen das Heer von Kokand errungen hatten, reiste er nach Kaschgar weiter, das durch den syndischen Häuptling, Mali Khan mit dem Beinamen »der Heilige«, von den Chinesen vor kurzem erobert worden war.
Eine Station von der Stadt schickte Schlagintweit seinen Diener Mahomed Amin mit Shawls und Seidenstoffen als Geschenken für den genannten Häuptling voraus. Zum Dank dafür sandte ihm dieser einen Munschi entgegen, damit er ein Inventar seiner Bagage aufnehme, und ließ ihm seine Waffen abfordern. Dagegen protestirte S. und begab sich nach dem Bazar der Häuptlinge, um seine Beschwerde vorzubringen. Um seinen Reisezweck befragt, antwortete er, daß er als Gesandter der ostindischen Kompagnie nach Kokand zu gehen beabsichtige, worauf er sofort gebunden und enthauptet wurde. Seine Diener wurden als Sklaven verkauft. Einer derselben, Abdallah, entkam nach Peschawer; der zweite, Mohamed Amin, wurde später in Freiheit gesetzt und ging nach Kokand, während der dritte, Murad, sein Leben nur dadurch rettete, daß er sich zum Islam bekehrte.
Das Unglück Schlagintweits war, daß er in Kaschgar gerade zu der Zeit ankam, als die Chinesen verzweifelte Anstrengungen zur Wiedereroberung des Platzes machten, die ihnen einen Monat später auch in der That gelangen, die aber lange vorher den Verdacht der Mohamedaner gegen jeden Fremden wach gerufen hatten. Von den Reise-Effekten des Ermordeten ist nie wieder etwas zum Vorschein gekommen, und sein trauriges Schicksal ist eine neue Warnung, daß das Reisen in jenem wilden Grenzlande unter allen Umständen mit Lebensgefahr verknüpft ist.
Trotzdem fehlt es im gegenwärtigen Augenblick nicht an englischen Offizieren, die, im vollen Bewußtsein der ihnen bevorstehenden Gefahren, das Wagestück bestehen oder bestanden haben. Der bei weitem merkwürdigste Fall dieser Art war die im vorigen Jahre unternommene Reise eines britischen Offiziers von Teheran über Herat nach Kandahar und von da nach der Peschawer-Grenze. Er ritt in voller Uniform, unbewaffnet die ganze Strecke. Ein beispiellos kühnes Unternehmen, wenn an bedenkt, wie lüstern die Afghanen nach englischem Blute sind, ein Unternehmen, zu dem unendlich viel Muth und Geistesgegenwart gehört.«
Wiener Zeitung Nr. 153. 4. Juli 1861.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Schlagintweit Adolf, Dr. rer. nat., 1829 (München) – 1857 (zu Kaschgar ermordet), Geologe, Privatdozent und Forschungsreisender; Bruder des Hermann Sch. studierte in München und Berlin (mit seinem Bruder Hermann von A. von Humboldt gefördert), erforschte 1846/53, von Hermann und teilweise auch von Robert Sch. begleitet, die Alpen, wobei sie 1851 die höchste Spitze des Monte Rosa bestiegen, dann im Auftrag der Englisch-Ostindischen Compagnie und Friedrich Wilhelms IV. von Preußen bis 1857 Indien; seit 1853 war Sch. Privatdozent der Geologie in München; 1855 bestieg er mit Robert Sch. die indischen Riesengletscher und erreichte als erster eine Höhe von 6770 Meter; als er sich 1857 allein im Gebiet von Kaschgar aufhielt, wurde er von verbitterten und abergläubischen Einheimischen ermordet; an ihn erinnert eine Tafel am Familiengrab der Sch. Die Bayerische Graphische Sammlung besitzt mehr als 300 Bilder von seinen Forschungsreisen (Ausstellung 1938).
Hauptwerke: Über die Ernährung der Pflanzen, Untersuchungen über die physikalische Geographie der Alpen (zusammen mit Adolf), über den geologischen Bau der Alpen, über die orographische und geologische Struktur der Gruppe des Monte Rosa, Reports of the proceedings of the officers engaged in the magnetic survey of India (mit Hermann und Robert). »Er und seine Brüder Hermann und Robert waren die ersten deutschen Himalaya-Forscher«, verkündet die Erinnerungstafel am Familiengrab der Sch.
© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.
#Dr. jur. Emil von Schlagintweit
* 7.7.1835 (München)
† 20.10.1904 (Zweibrücken)
Orientalist
#Allgemeinen Zeitung (22.10.1904)
Allgemeine Rundschau.
Emil Schlagintweit †.
Der am Donnerstag (20. d. M.) in Zweibrücken verstorbene Regierungsrat Dr. Emil Schlagintweit hat sich, wie seine Brüder Hermann, Adolf und Robert, große Verdienste um die Erforschung des Orients erworben. Während seine Brüder sich durch die Erforschung der indischen Hochgebirge einen dauernden Platz in der Geschichte der Erdkunde sicherten, hat sich Emil Schlagintweit in erster Linie der linguistischen Seite der Orientalistik, insbesondere den indischen und indochinesischen Sprachen, sowie dem Tibetischen zugewandt. Emil Schlagintweit wurde am 7. Juli 1835 als Sohn des Augenarzts und Rats Jos. Schlagintweit in München geboren. Er wandte sich der Rechtswissenschaft zu, der er auch in der Folge treu blieb, gab sich aber während eines Studienaufenthalts in Berlin, wo besonders Bopp auf ihn einwirkte, orientalistisch-linguistischen Studien hin. Diese setzte er auch nach Beendigung seiner juristischen Studien, deren Frucht eine Arbeit über »Die Erwerbung auf den Todesfall« bildete, sowie nach dem Eintritt in den bayerischen Verwaltungsdienst fort. Das Tibetische und die buddhistische Religion, denen nun das Hauptinteresse Schlagintweits galt, waren damals noch ein wenig durchforschtes Gebiet; von deutscher Seite wurden sie besonders durch J. J. Schmidt, Schiefner, Schroeter und Jaeschke gepflegt. Unter den ersten Veröffentlichungen aus diesem Spezialgebiet war der Text eines tibetischen Beichtgebetes mit Uebersetzungen und Anmerkungen (1863), der 1864 die Herausgabe einer Inschrift folgte. Ein englisches Werk »Buddhism in Tibet«, das mit Atlas 1863 in Leipzig erschien, fand dort große Beachtung; 1881 kam eine französische Uebersetzung davon heraus. Die Bayerische Akademie der Wissenschaften gab von ihm heraus »Die Könige von Tibet« (1865), »Die Gottesurteile der Indier« (1866); für ein weiteres Publikum war das zweibändige, reich illustrierte Werk »Indien in Wort und Bild« bestimmt (Leipzig 1880/81), dessen zweite Auflage 1891 erschien. Nach dem Tode seiner Brüder machte Emil Schlagintweit deren Sammlungen durch Aufstellung in Museen und Kataloge allgemein zugänglich. Außerdem veröffentlichte er »Die Berechnung der Lehre« (aus dem Tibetischen des Sureçamatibhadra, München 1896) und die »Lebensbeschreibungen von Padma Sambhava« (Uebersetzung aus dem Tibetischen, ebenda 1899). Auch in unserer Beilage hat er des öfteren Beiträge aus seinen reichen Studiengebieten veröffentlicht
Beilage zur Allgemeinen Zeitung Nummer 243. München; Samstag, den 22. Oktober 1904.
#Münchner Neueste Nachrichten (23.10.1904)
Lokales.
München, 22. Oktober.
Emil v. Schlagintweit †. Mit dem jüngst verstorbenen Bezirksamtmann Regierungsrat Dr. Emil Schlagintweit in Zweibrücken, dessen an anderer Stelle bereits gedacht wurde, ist ein bedeutender Gelehrter dahingegangen. Noch vor wenigen Jahren zeigte eine Gedenktafel an einem Hause in der Theatinerstraße, daß daselbst die Gebrüder Schlagintweit geboren waren. Mit dem Umbau ist die Tafel verschwunden, aber historische Persönlichkeiten bleiben deshalb doch Hermann v. Schlagintweit, der Forscher und Reisende, sein Bruder Adolf, der mit dem dritten Bruder Robert Indien und dessen Grenzlande erforschte, Eduard als vierter Bruder, welcher 1866 bei Kissingen fiel, und auch der jüngste, jetzt verstorbene Emil, der als der Sohn eines berühmten Augenarztes am 7. Juli 1835 zu München geboren war. Dr. Emil Schlagintweit studierte nicht blos die Rechte und Staatswissenschaften sondern auch die Sprache Tibets und schrieb darüber mehrfaches. So sind von ihm »Buddhismus in Tibet«, »Die Gottesurteile der Inder«, »Die Volkssprachen Indiens« u. s. w. Im 23. Stadtbezirke (Nymphenburg) ist eine Straße nach den »Schlagintweits« benannt.
Münchner Neueste Nachrichten No. 497. Sonntag, den 23. Oktober 1904.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Schlagintweit Emil, Dr. jur. (1835 [München] – 1904, Bezirksamtmann und Orientalist; er besorgte während der Reisen seiner Brüder die Korrespondenz mit Friedrich Wilhelm IV. und A. von Humboldt und zeichnete sich vor allem als Tibetforscher aus, die großen Sammlungen seiner Brüder erschloß er durch Aufstellung und Kataloge der Öffentlichkeit.
Hauptwerke: Buddhism in Tibet, Die Könige von Tibet, Die Gottesurteile der Inder, Indien in Wort und Bild [2 Bde.], Die Lebensbeschreibung von Padma Sambhava [2 Bde.]).
© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.
#Dr. rer. nat. Hermann Freiherr von Schlagintweit / Sakunlünski (ps)
* 13.5.1826 (München)
† 19.1.1882 (München)
Geograph
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Schlagintweit Hermann, Dr. rer. nat., von, Freiherr, 1826 (München) – 1882, Geograph, Universitätsprofessor und Forschungsreisender; Sohn des Augenarztes Josef August Wilhelm Sch., studierte in München und Berlin, wo er sich 1851 für Geographie habilitierte, erforschte mit seinen Brüdern Adolf und Robert vor allem Indien und Zentralasien, machte schon früh physikalische und geologische Forschungen in den Alpen, England und Schottland; als die ersten bestiegen die Brüder 1851 die höchste Spitze des Monte Rosa; später lehrte Sch. an der Universität Berlin Meteorologie und physikalische Geographie; durch Vermittlung von A. von Humboldt erhielt Sch. zusammen mit seinem Bruder Adolf vom König von Preußen und der Englisch-Ostindischen Compagnie den Auftrag zu einer Forschungsreise nach Indien und Ostasien; die wissenschaftliche Erforschung des Karkorum und des Kwen-lun sind die Hauptergebnisse dieser Reise; Sch. erhielt 1864 vom russischen Zaren den Titel »Sakunlünski« als Erstersteiger des Kwen-lun und wurde Mitglied der BakdW.
Hauptwerke: Untersuchungen über die physikalische Geographie der Alpen, Neue Untersuchungen über die physikalische Geographie und die Geologie der Alpen (mit Robert Sch. zusammen), Results of a scientific mission to India and High Asia (2 Bde.) mit Atlas, Reisen in Indien und Hochasien (4 Bde.).
© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.
#Dr. med. Josef August Wilhelm Schlagintweit
* 7.12.1792 (Regen/Ndb.)
† 10.8.1854 (München)
Arzt
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Schlagintweit Josef August Wilhelm, Dr. med., 1792 (Regen/Ndb.) – 1854, Augenarzt und Chefarzt am Münchner Blindeninstitut; er studierte in Landshut, unternahm Studienreisen in zahlreiche Universitätsstädte, gründete 1822 in München eine Privat-Heilanstalt für Augenkranke, für deren segensreiche Tätigkeit seine 32 Jahresberichte zeugen und die nach seinem Tode vom bayerischen Staat als Ophthalmologische Universitätsklinik übernommen wurde, und war seit 1837 auch dirigierender Arzt am königlichen Blindeninstitut in München; Sch. gehört zu den ersten Opfern der Cholera-Epidemie von 1854.
Hauptwerke: De cataractarum origine, Gegenwärtiger Zustand der künstlichen Pupillenbildung in Deutschland.
© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.
#Max Schlagintweit
* 1849 (München)
† 1935 (München)
Offizier und Forschungsreisender
#Kriegserlebnisse bayerischer Artilleristen aus den Jahren 1870/71 (1902)
Meine Feuertaufe.
Von Major a. D. Max Schlagintweit.
In der von mir in dienstlichem Auftrage verfaßten »Geschichte des k. bayer. Fußartillerieregiments und seiner Stammabteilungen« habe ich bei der Schilderung der Beschießung von Bitsch auf S. 58 einer Episode in der Batterie Nr. 1 Erwähnung gethan, welche geeignet sein dürfte, hier näher ausgeführt zu werden, wobei ich den Aufzeichnungen meines Kriegstagebuches folge.
Vorausgeschickt sei, daß zur Beschießung der Festung Bitsch, welche aus der auf felsigem Grunde hochaufgebauten, starken Cidatelle und der ihr zu Füßen gelegenen, mit Wall und Graben umzogenen Stadt bestand, auf dem westlich der Citadelle gegenübergelegenen Höhenzuge 6 Batterien, und zwar 5 Kanonenbatterien und 1 Mörserbatterie erbaut waren; die letztere – Batterie Nr. 2 – war mit 4 glatten 60 Pfünder-Mörsern (30 cm Kaliber), die ersteren mit je 4 gezogenen Feld-12 Pfünder-Rohren (12 cm Kaliber) mit Kolbenverschluß, auf Feldlaffeten liegend, armiert. [Siehe zur Orientierung die dem Abschnitte »Vorgänge um Bitsch« im V. Band Seite 1366 des Generalstabswerkes beigelegte Skizze im Maßstabe 1:80 000.] Für den artilleristischen Dienst waren 2 Festungsbatterien des 2. und 1 Festungsbatterie des 4. Artillerieregiments aus der Festung Germersheim zum Einschließungsdetachement herangezogen. Die Beschießung hatte am 11. September 1870 ihren Anfang genommen.
Am 13. September mittags wurde ich zufolge Detachementsbefehl auf 24 Stunden in die Batterie Nr. 1 als Ablösung des bisherigen Batteriekommandeurs, Oberleutnant Graf von Rambaldi, kommandiert. Für mich bedeutete dieser Befehl meine Feuertaufe; denn bisher war ich als »der jüngste Artillerieleutnant« als Munitionär im Park kommandiert und hatte in dieser Eigenschaft das undankbare, wenn auch sehr wichtige Geschäft des Munitionsnachschubes für die 6 Batterien zu besorgen.
Man kann sich vorstellen, mit welchen Gefühlen, in welch gehobener Stimmung ich mit meiner Ablösungsmannschaft nach der am rechten Flügel der ganzen Geschützaufstellung gelegenen Batterie marschierte!
Zur befohlenen Stunde, Punkt 5 Uhr abends, traf ich in der Batterie Nr. 1 ein. Die Übernahme war rasch vollzogen; nach dem letzten Feuerbefehle hatte der 1. Zug gegen die feindliche Geschützstellung der rechten Face von Bastion I der Citadelle, der 2. Zug in die Stadt auf ein am Nordende gelegenes großes Gebäude zu feuern, das von Truppen besetzt sein sollte. Die Entfernung gegen das erstere Ziel betrug 1900, gegen das letztere Ziel 2400 Schritte. Die Batterie war den Tag über unter mäßigem feindlichen Feuer gestanden; Schaden war in derselben keiner angerichtet.
Obwohl die sämtlichen Batterien somit hinter dem vorliegenden Höhenkamme zurücklagen, daß sie der feindlichen Einsicht vollkommen entzogen waren, mußte man in der Festung den Vorgang der Batterieübernahme, der sich in der gleichen Zeit auch in der Nachbarbatterie Nr. 2 vollzog, doch richtig vermutet haben; denn alsbald richtete sich von der Citadelle aus das Feuer mit ganzer Wucht auf diese beiden Batterien und zwar mit einer unheimlichen Genauigkeit; die Geschosse schlugen alle entweder kurz vor unserer Batterie auf der vorliegenden Kammlinie ein, oder sie flogen dicht über die Batterie hinweg, in dem dahinter gelegenen Laubwald einen Höllenlärm verursachend; die Batterie Nr. 1 war sichtlich in die berüchtigte »enge Gabel« eingeschlossen!
Ich befand mich eben am linken Flügel der Batterie, um beim 4. Geschütz etwas nachzusehen, als ein Mann mit dem Ausrufe auf mich zustürzte: »Herr Leutnant, bei uns liegt einer!« Wirklich traf ich am 2. Geschütz einen Kanonier ausgestreckt und unbeweglich am Boden liegen, den Kopf bereits in einer großen Blutlache schwimmend; es war der Kanonier Johann Härtel von der 2. Festungsbatterie »Schmauß« (4. Artillerieregiments). Eine durch die Scharte fliegende Granate hatte den Kanonier, als er im Begriff war ein Geschoß in das Rohr einzuführen, am Hinterkopfe erheblich gestreift, was eine tödliche Gehirnerschütterung zur Folge hatte. Sofort ließ ich die Blessiertenträger holen, die für den rechten Flügel am Westhange des Schimberges Bereitschaft hatten, und den im Todesröcheln Liegenden in den Laufgraben verbringen, woselbst ich ihm in aller Eile um die klaffende Wunde einen Notverband anlegte. Kanonier Härtel, ein Pfälzerkind, verstarb noch auf dem Transporte nach dem am Fuße des Schimberges gelegenen Orte Reiersweiler, woselbst er am gleichen Tage begraben wurde.
Als ob der Feind seinen Erfolg in der Batterie bemerkt hätte – er stellte sich wenigstens bald zufrieden, indem das Feuer von 1/2 6 Uhr ab langsamer wurde, um dann ganz eingestellt zu werden. Auch ich ließ das Feuertempo dementsprechend vermindern, bis ich um 7 Uhr abends Befehl erhielt, die Nacht über das Feuer ebenfalls ganz einzustellen und dasselbe erst wieder zu beginnen, »sobald der Mond aufgegangen sei«. Auf der ganzen Linie war es nun stille geworden; nur aus der Stadt knisterte und leuchtete starker Brand. Um 8 Uhr abends traf 1 Kompagnie Infanterie als Laufgrabenbesatzung neben der Batterie ein.
Man glaube aber nicht, daß die Feuerpause der Batteriebesatzung Nachtruhe brachte, denn ziemlich umfangreich waren die Beschädigungen, welche dem Batteriebau durch das feindliche Feuer zugefügt worden. So galt es, die Geschützscharte durchweg auszubessern, zwei eingefallene Unterstände wieder herzurichten, die Bettungen zu befestigen, den vor- und seitwärts der Batterie angelegten Beobachtungsposten zu verstärken und anderes mehr.
Und als all diese Arbeiten beendet waren – es war gegen 3 Uhr morgens – da stieg der Vollmond über das Kampffeld auf und die Batterie Nr. 1 war die erste, welche in frischem Kampfesmut den ehernen Morgengruß zur jungfräulichen Citadelle hinüberschickte.
Major a. D. Max Schlagintweit: Kriegserlebnisse bayerischer Artilleristen aus den Jahren 1870/71 von den Mitkämpfern erzählt. München, 1902.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Schlagintweit Max (1849 [München] – 1935, Offizier und Forschungsreisender; er war bis 1895 bayerischer Offizier und bereiste dann den Balkan und Kleinasien.
Hauptwerke: Geschichte des K. Bayer. 2. Fußartillerie-Regiments, Deutsche Kolonisationsbestrebungen in Kleinasien, Verkehrswege und Verkehrsprojekte in Vorderasien, Kufsteins Kriegsjahre, Die Reformen im Kongostaat, Afrikanische Kolonialbahnen, Die Kolonie Belgisch-Kongo).
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.
#Robert von Schlagintweit
* 27.10.1833 (München)
† 6.6.1885 (Giessen)
Geograph
#Jahresbericht der Geographischen Gesellschaft (1885)
Robert v. Schlagintweit.
Nekrolog, vorgelesen in der Sitzung vom 11. Juni 1885.
Robert v. Schlagintweit, geboren am 27. Oktober 1833 zu München, gestorben als Universitäts-Professor zu Giessen am 6. Juni, wurde bereits in einem Alter, in welchem der Jüngling sonst Andern ihre Erfahrungen ablauscht, zu selbstständigem Handeln berufen. Im Sommer 1854 hatten seine beiden Brüder Adolf und Hermann auf Veranlassung Alexander’s von Humboldt von der damaligen Ostindischen Compagnie den Auftrag erhalten, deren weite Besitzungen in Ostindien zu wissenschaftlichen Aufnahmen, besonders zu Beobachtungen über den Erdmagnetismus zu bereisen; derselben hohen Gunst hatte Robert zu danken, dass er der Expedition als dritter, als Gehülfe, beigegeben wurde.
Die grossen Erfolge der in den Jahren 1854–57 ausgeführten indischen Reisen der drei Brüder sind oft beschrieben worden. Robert kam dabei seine Jugendkraft trefflich zu statten; er entlastete seine Brüder insbesondere von der schweren Sorge der Ordnung und Verfrachtung der angelegten Sammlungen. Mit dem ihn auszeichnenden Sinne für Ordnung und seinem vortrefflichen Gedächtnisse brachte er noch auf der Reise Uebersicht in die Tausende von Nummern; Rawal Pindi, dessen Name jüngst als Ort der Zusammenkunft des englischen Vicekönigs mit dem Herrscher von Afghanistan in der ganzen Welt genannt war, wurde als Stapelplatz aller Sammlungen im nördlichen Indien bestimmt, und spannend wusste Robert vorzutragen, unter welchen Zwischenfällen und Gefahren mit einer nach Hunderten von Kameelen, Pferden und Menschen zählenden Karawane die Sandfelder von Radschputana gequert wurden, um an den Indus zu gelangen, dann über Katsch und Gudscharat nach einem einen Monat beanspruchenden Landmarsche Bombay zu erreichen. Heute durchziehen Eisenbahnen diese weiten Gebiete. Traurig wurde der Blick und feucht das Auge, wenn Robert Rawal Pindi’s als des Ortes gedachte, wo er und Hermann vom dritten Bruder Adolf sich trennten. Adolf wandte sich zurück nach Kaschmir und Centralasien; in Kaschgar ereilte diesen zu den schönsten Hoffnungen berechtigenden jungen Geologen am 26. August 1857 das traurige Geschick, auf Befehl eines vorübergehenden Emporkömmlings enthauptet zu werden, damit der Kopf eines Feringi die Schädelpyramide abschliesse mit welcher der Wütherich als echter Tatare seinen Sieg über die Chinesen feierte.
Gross waren die Ehren und Auszeichnungen, die den beiden Brüdern Hermann und Robert nach ihrer Rückkehr zu Theil wurden; der den Wissenschaften zugeneigte König Maximilian erhob sie unterm 24. November 1859 in den erblichen Adelstand des Königreichs Baiern.
An der Bearbeitung der wissenschaftlichen Ergebnisse der indischen Reise nahm Robert den regsten Antheil. Aufsehen erregte sein im zweiten Bande des englisch geschriebenen Reisewerkes niedergelegter Versuch, die gewonnenen Höhenbestimmungen Indiens und des Himâlaya zu Vergleichen mit den Hebungsverhältnissen der übrigen Gebirge der Erde zu benutzen. Unter dem auszeichnenden Wohlwollen, das Grossherzog Ludwig III. von Hessen-Darmstadt an dem aufstrebenden, liebenswürdigen Gelehrten nahm, wurde diese Arbeit der Anlass, dass Robert im Jahre 1864 an die Universität zu Giessen als Professor für Geographie übersiedelte. So ehrenvoll die neue Stellung war, so war ihm der Wirkungskreis doch zu eng, wozu viel beitrug, dass unter den schweren körperlichen Leiden, die sich jetzt beim ältern Bruder Hermann als Nachwirkung der tropischen Reisen einstellten, die Fortsetzung des Reisewerkes in’s Stocken gerieth. Rücksichten auf den ältern Bruder veranlassten Robert, von einer regern literarischen Thätigkeit abzusehen, dagegen die eigenen Reise-Erlebnisse in öffentlichen Vorträgen an vielen Orten in anziehender, verständlicher Form bekannt zu geben. Diese Vortragsreisen führten Robert in die Schweiz, nach Ungarn, Siebenbürgen und Russland, zogen ihn aber immer mehr von der akademischen Laufbahn ab. In Aussicht waren Reisen in Russisch-Asien im Auftrag der russischen Regierung genommen und hierzu im Winter 1867/68 eine beschwerliche Reise durch Livland nach Petersburg nicht gescheut worden; aber Robert verfolgte den Plan schliesslich nicht, weil sich sein Lieblingswunsch erfüllte, Nordamerika zu bereisen. Diese Reise wurde entscheidend für sein ganzes künftiges Leben.
Durch Vermittlung von Herrn John Amory Lowell, Curator des Lowell Institute zu Boston, erging an Robert die ehrenvolle Einladung, an dieser Anstalt, die sich in ganz Amerika des höchsten wissenschaftlichen Rufes erfreut, im Winter 1868/69 einen Cyclus von zwölf Vorträgen über Britisch-Indien in englischer Sprache zu halten. In seinen Tagebüchern findet sich hierüber folgende Notiz, die als Kennzeichen des Charakters des Verstorbenen hier wörtlich folgen möge: »Neunundneunzig unter hundert Personen hätten diese Einladung einen Ruf genannt und sie ausposaunt; ich schwieg gegen Jedermann, traf aber im Stillen eifrig meine Vorbereitungen. Unter Leitung eines gebildeten jungen Engländers, den ich in Wiesbaden ausgemittelt hatte, übersetzte ich meine bisher deutsch gehaltenen Vorträge, über die ich ausgeführte Manuskripte besass, ins Englische, das ich dann unter Einübung der richtigen Aussprache und Betonung auswendig zu lernen hatte. Wage sich Niemand, der nicht, wie ich, sich eines ausgezeichneten Gedächtnisses zu erfreuen hat, an eine so riesige Aufgabe! Im English Club zu Köln hielt ich probeweise zwei Vorträge, von denen ich selbst den grössten Nutzen zog; sie müssen aber auch gefallen haben, denn man überraschte mich mit Honorar, überreichte mir einen Lorbeerkranz und ernannte mich zum Ehrenmitglied.« Nach Beendigung der Vorträge in Boston wandte sich Robert nach New-York. Der unmöglich erklärte Versuch, in Amerika in deutscher Sprache Vorträge einzurichten, gelang, und durch die Verbreitung, welche die günstigen Urtheile hierüber in der deutschen wie englischen Presse fanden, war ihm, wie Robert einschreibt, Amerika erschlossen. Während eines Aufenthaltes von 10 Monaten, in welcher Zeit Robert bis zum Stillen Weltmeere vordrang, hielt er in Nordamerika 78 Vorträge, darunter 21 englisch; nicht vergisst er zu buchen, wie wichtig ihm die Empfehlung durch den Generalkonsul des damaligen Norddeutschen Bundes war.
Nach der Rückkehr gab sich Robert einer regen literarischen Thätigkeit hin und veröffentlichte neben zahlreichen kleinern Abhandlungen sieben selbständige Werke, sämmtlich den Westen von Amerika und seine Zukunft behandelnd. Ebenso eifrig widmete er sich der Bekanntgabe seiner Erlebnisse und Eindrücke in öffentlichen Vorträgen; mit besonderm Geschick wurden dabei die Pacifischen Bahnen behandelt, keinen andern Gegenstand wusste der Verlebte so vielseitig zu behandeln. Aufsehen erregte 1878 ein Band betitelt »Bericht über Robert Schlagintweit’s Tausend Vorträge«. Es war am 2. April 1878, dass diese hohe Ziffer öffentlicher, populär-wissenschaftlicher Vorträge, frei vor Herren und Damen gehalten, erreicht wurde. Mit grösster Offenheit spricht sich der Verfasser in diesem Buche über die Einzelheiten dieser seltenen Thätigkeit aus. Leider begnügte sich Robert nicht mit den erzielten Erfolgen, wie er in engern Kreisen bekannt gab, hatte er sich in Ueberschätzung der eigenen Kräfte wie des anzustrebenden Zieles trotz ernsthaftester Gegenvorstellung vorgesetzt, ein zweites Tausend von Vorträgen voll zu machen, und er sollte es bis zu 1353 bringen. Im Sommer 1880 ging Robert zur Auffrischung wie Erweiterung seiner Reiseerinnerungen zum zweiten Male nach Amerika; die Reise war jedoch zu weit angelegt und dadurch äusserst anstrengend. Schwer wurde desshalb die Last der jährlichen Vorbereitungen zu neuen Vortragscyklen empfunden, dankbar bucht Robert jede in den Korrespondenzen zu Theil gewordene Erleichterung. Kurz nachdem Hermann v. Schlagintweit am 19. Januar 1882 in München gestorben war, machte sich bei Robert während einer Reise in Schlesien eine Brustfellentzündung bemerkbar; die erste Lungenerkrankung war bereits auf der amerikanischen Reise vorgekommen. Im Sept. 1883 folgte ein heftiger Gelenkrheumatismus. Niemals mehr erholte Robert sich von diesen Anfällen, sein eisern scheinender Körper war gebrochen. Unter sich steigernden körperlichen Beschwerden gingen die kommenden Winter hin. An Stelle der Vorträge trat jetzt literarische Beschäftigung; musterhaft wurde dann dabei an die Ordnung der Tagebücher und der ausgebreiteten Korrespondenz gegangen. Jeder Jahrgang ist zu besondern Bänden vereinigt, im ganzen wurden 41 Bände gewonnen; der letzte Abschluss ist vom 23. April 1885 und trägt in Vorahnung des sich erfüllenden Geschickes das Motto:
Es ist das seligste Vergnügen,
Wenn man sich selbst genug gethan;
Wie mit geliebten Kindeszügen
Sieht dich der Geist der Arbeit an.
Du kannst in ihrem Werth dich trügen,
Doch nie in deiner Lust daran.
Trügerisch erwies sich die Hoffnung auf die bessere Jahreszeit. Am 6. Juni hauchte Robert Schlagintweit nach mehrwöchentlichem, schmerzhaftem Krankenlager den Geist aus, getröstet von seinem Bruder Emil, bei dem er in allen Lagen seines Lebens Rath erholt hatte. Sein letzter Wunsch wird sich erfüllen, dass alle, die mit ihm in Berührung kamen, ihm ein freundliches Andenken bewahren.
VII. Jahresbericht der Geographischen Gesellschaft von Bern 1884/1885. Bern, 1885.

#2 – 7 – 18 (Flad · Millbauer)
Hier ruhen:
Herr Franz Xav. Millbauer,
Kaufmann,
geb. 16. Mai 1828, gest. 13. März 1878.
Frau Clärchen Millbauer,
geb. Schrödter,
Kaufmanns-Gattin,
geb. 9. April 1865, gest. 26. Juni 1899.
Frau Therese Millbauer,
geb. Wüth,
Kaufmanns-Witwe,
geb. 29. Aug. 1826, gest. 5. Febr. 1910.
Sockel
Grabstätte
der Familie Flad-Millbauer.
2. 7. 18. Babenstuber.
Linke Seite
Herr
Friedrich Flad
Wundarzt u. k. Lehrer,
geb. 5. März 1777, † 17. Mai 1857.
Herr
Friedrich Flad
Kaufmann,
geb. 25. Sept. 1802, † 20. Dec. 1861.
dessen Enkel
Jos. Fried. Millbauer
geb. 25. Nov. 1859, † 6. Jan. 1860.
Frau Anna Flad,
Kfm. Wwe.
geb. 1. Juni 1801, † 4. Juni 1877.
Rechte Seite
Fritz Millbauer,
geb. 28. Aug. 1886, † 2. Juni 1887.
- Flad, Anna (vw); 1.6.1801 – 4.1.1877; Kaufmanns-Witwe
- Flad, Friedrich; 25.9.1802 – 6.1.1861; Kaufmann
- Flad, Friedrich; 5.3.1777 – 17.5.1857; Lehrer und Wundarzt
- Millbauer, Franz Xaver; 16.5.1828 – 13.3.1878 (München); Kaufmann
- Millbauer, Fritz; 28.8.1886 – 2.6.1887
- Millbauer, Josef Friedrich; 25.11.1859 – 6.1.1860
- Millbauer, Klärchen (vh) / Schrödter (gb); 9.4.1865 – 26.6.1899; Kaufmanns-Gattin
- Millbauer, Therese (vw) / Wüth (gb); 29.8.1826 – 5.2.1910; Kaufmanns-Witwe


#2 – 7 – 25 (Beierlein)
JOHANN PETER
BEIERLEIN
WEINHÄNDLER UND
NUMISMATIKER
1802 – 1878
- Beierlein, Johann Peter; 21.12.1802 (Landshut) – 13.8.1878 (München); Weinhändler und Magistratsrat
- Beierlein, Thekla; – 1889; Privatiere

#Johann Peter Beierlein
* 21.12.1802 (Landshut)
† 13.8.1878 (München)
Weinhändler und Magistratsrat
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Beierlein Johann Peter, 1802 (Landshut/Ndb.) – 1878, Numismatiker und Weinhändler, Sohn eines Landshuter Weinhändlers und Magistratsrates, machte B. dort seine humanistische Ausbildung bei dem späteren Anatomieprofessor Martin Münz; bei seiner kaufmännischen Lehrzeit in München beschäftigte er sich nebenbei mit bayerischer Geschichte und die Bekanntschaft mit dem Universitätsbibliothekar M. Harter und dem Johanniterordenskanzler F. Woschitka erweckte in dem jungen Mann die Freude an der Münzforschung; in seiner Freizeit arbeitete B. über die bayerische Münzgeschichte und vermehrte seine eigene Münzsammlung; er gilt als kenntnisreicher Numismatiker.
Hauptwerke: Nachrichten über Franz Andreas Schega, churbair. Hofmedailleur, Regesten ungedruckter Urkunden, München betr., Medaillen auf berühmte Bayern, Die bayerischen Münzen des Hauses Wittelsbach von dem Ende des 12. bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts 1180–1550, Münzen bayerischer Klöster, Kirchen usw., Die Medaillen und Münzen des Gesamthauses Wittelsbach, unvollendetes Manuskript (war als Festgabe zum 700jährigen Wittelsbacher Jubiläum – 1880 – gedacht).
© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#2 – 7 – 29·30 (Zimmermann)
OTTO ZIMMERMANN
* 26.2.1863 † 22.9.1927
MINA ZIMMERMANN
* 23.9.1876 † 9.12.1940
HANSI ZIMMERMANN
* 21.10.1907 † 27.1.1928
LORE ZIMMERMANN
* 22.2.1901 † 26.4.1994
- Zimmermann, Franz; – 1887; Privatier
- Zimmermann, Hansi; 21.10.1907 – 27.1.1928
- Zimmermann, Lore [in memoriam]; 22.2.1901 – 26.4.1994
- Zimmermann, Mina; 23.9.1876 – 9.12.1940
- Zimmermann, Otto; 26.2.1863 – 22.9.1927



#2 – 7 – 31·32 (n. n.)


#2 – 7 – 35 (Scherr)
Hier ruhet
Herr Carl Georg Scherr
Kaufmann,
geb. 28. Jan. 1827, gest. 21. Sept. 1885.
Dessen Gattin
Frau Margaretha Scherr
geb. 7. Juli 1830, gest. 11. Dezbr. 1900.
Herr Ignatz Scherr
Kaufmann, geb. 21. Dez. 1852, gest. 23. Nov. 1924.
Frau
Anna Theresia Scherr
geb. Lehrndorfer
geb. 22. März 1854, gest. 15. Jan. 1929.
Sockel
Familien-Grabstätte.
- Scherr, Anna Theresia (vw) / Lehrndorfer (gb); 22.3.1854 – 15.1.1929
- Scherr, Ignatz; 21.12.1852 – 23.11.1924; Kaufmann
- Scherr, Karl Georg; 28.1.1827 – 21.9.1885; Kaufmann
- Scherr, Margaretha (vw); 7.7.1830 – 11.12.1900; Kaufmanns-Witwe


#2 – 7 – 37 (Hanfstaengl · Schwartz)
Franz Hanfstaengl * 24. März 1804 † 18. April 1877
Hermann * 7. Mai 1830 † 13. Juni 1834
Franziska Hanfstaengl-Wegmeier * 4. Okt. 1809 † 11. Dez. 1860
Peter * 1805 † 12. Feb. 1883
Egon * 21. Sept. 1844 † 8. März 1905
Edgar * 15. Juli 1842 † 28. Mai 1910
Erwin * 17. April 1888 † 12. Aug. 1914
In memoriam: Egon * 31. Juli 1884, für das Vaterland gefallen 2. Mai 1915
Edgar Maria * 9. Febr. 1919 † 19. Feb. 1919
Hertha * 20. Juli 1924 † 28. Juli 1929
Johanna Hanfstaengl geb. Schwartz * 26. Feb. 1850 † 30. Okt. 1938
Rechte Seite
K. Knappe
- Hanfstaengl-Wegmeier, Franziska (vh) / Wegmeier (gb); 4.10.1809 – 11.12.1860 (München); Hofrats-Gattin
- Hanfstaengl, Edgar; 15.7.1842 (Dresden) – 28.5.1910 (München); Photograph
- Hanfstaengl, Edgar Maria; 9.2.1919 – 19.2.1919
- Hanfstaengl, Egon [in memoriam]; 21.9.1844 – 8.3.1905 (München, Überführung nach Jena); Photograph
- Hanfstaengl, Egon [in memoriam]; 31.7.1884 – 2.5.1915; Leutnant der Reserve
- Hanfstaengl, Erwin; 17.4.1888 – 12.8.1914
- Hanfstaengl, Franz Seraph von; 1.3.1804 (Baiernrain/Obb.) – 18.4.1877 (München); Lithograph, Photograph und Kunsthändler
- Hanfstaengl, Hermann; 7.5.1830 – 13.6.1834
- Hanfstaengl, Hertha; 20.7.1924 – 28.7.1929
- Hanfstaengl, Peter; 1805 – 12.2.1883 (München)
- Schwartz, Johanna (gb) / Hanfstaengl (gs); 26.2.1850 (Hamburg) – 30.10.1938 (München); Schauspielerin und Sängerin













#Edgar Hanfstaengl
* 15.7.1842 (Dresden)
† 28.5.1910 (München)
Photograph
#Münchner Neueste Nachrichten (31.5.1910)
Hofrat Edgar Hanfstaengl †. Einer der bekanntesten und bedeutendsten Vertreter der Münchener Kunst und des Münchener Kunstgewerbes, der Besitzer der angesehenen photographischen Kunstanstalt an der Widenmayerstraße in München, ist am Sonntag, gestorben. Edgar Hanfstaengl war am 15. Juli 1842 geboren und ein Sohn von Franz Hanfstaengl, der 1877 starb und von 1853—1868 das von ihm gegründete lithographische und photographische Institut leitete. 1868 hat Edgar Hanfstaengl die Firma »Franz Hanfstaengl, k. b. photographische Hofkunstanstalt und Kunstverlag«, übernommen. Hanfstaengl war Mitglied des staatlichen Sachverständigenvereins für Photographie. Kurze Zeit wandelte er sein blühendes Unternehmen in ein Aktienunternehmen um, doch kaufte er die Aktien rasch auf und führte den Betrieb wieder in Personalfirma. Die Anstalt hat Zweiggeschäfte in New-York und London und umfaßt Photographie, Photogravüre, Lichtdruck, Autotypie, die Fabrikation von Pigment- und Kohledruckpapier, Galvanoplastik. Als vornehmstes Werk hat der Verlag die »Galerie moderner Meister« herausgegeben. Hofrat Hanfstaengl stand in regem Verkehr mit den bedeutendsten Münchener Künstlern. Meister wie Defregger verdanken den treffenden Nachschöpfungen des Hansstaenglschen Verlags zum großen Teil ihre umfassende Popularität. Auch die Werke der Galerien und Sammlungen in München, Dresden, Berlin, Kassel, Brüssel, Amsterdam, Haag, London usw. hat Hanfstaengl vorzüglich reprodziert. Der Herzog von Koburg-Gotha verlieh ihm den Titel Hofrat. Von Bayern hatte er den Titel k. Hofphotograph und den St. Michaelsorden vierter Klasse erhalten. Die künstlerischen Leistungen der Firma Hanfstaengl sind längst weltbekannt und ihre Kunstblätter allenthalben verbreitet. Die schönen Gartenanlagen der Hanfstaenglschen Villa an der Widenmayerstraße wurden in letzter Zeit überbaut, während die dortige Kunstanstalt unter gleicher Firma weiterbetrieben wird. Die Leiche Edgar Hanfstaengls wird zur Feuerbestattung nach Ulm übergeführt.
Münchner Neueste Nachrichten No. 247. Dienstag, den 31. Mai 1910.
#Allgemeine Zeitung (15.11.1893)
Bayerische Chronik.
München, 14. November.
Jubiläum. Am vergangenen Sonntag feierte der k. preuß. Hofphotograph und herzogl. sächs. Hofrath Edgar Hanfstaengl das 25jährige Inhaber-Jubiläum der Firma Franz Hanfstaengl, kgl. bayer. photogr. Hof-Kunstanstalt in München. War der Name Franz Hanfstaengl insbesondere durch den Begründer der Firma, wegen der mustergültigen seiner Hand entstammenden lithographischen und später photographischen Erzeugnisse weltberühmt geworden, so blieb es doch hauptsächlich seinem Sohn Edgar Hanfstaengl vorbehalten, denselben als einen der ersten auf dem Gebiet der reproducirenden Kunst zu begründen. Als Edgar Hanfstaengl in den sechziger Jahren die Leitung übernahm, befand sich die photomechanische Technik noch in den ersten Stadien der Entwicklung, doch er hat von Anfang an die richtige Erkenntniß von der großartigen Bedeutung der Photographie für Kunst und Wissenschaft gehabt und es als sein Hauptziel betrachtet, dieses Vervielfältigungsmittel zu vervollkommnen, und es auf die Höhe einer selbständigen Kunst zu heben. Alle bekannten Verfahren, welche die Photographie zur Grundlage haben, werden gegenwärtig in der Hanfstaengl'schen Anstalt ausgeübt: Photogravüre (Kupferätzung), Aquarellgravüre, Lichtdruck, Zinkographie und Typogravüre und namentlich sind die vortrefflichen Kohledrucke geschätzt, welche einen dauerhaften und vornehmen Ersatz für die Silberphotographie darstellen und auf in der eigenen Fabrik hergestelltes Pigmentpapier übertragen werden. Die Beglückwünschung des Jubilars seitens einer vom Gesammtpersonal abgeordneten Deputation gestaltete sich zu einer intimen Feier, es wurden bei dieser Gelegenheit u. a. eine mit 128 Unterschriften versehene prächtige Adresse, von der Meisterhand Prof. Hermann Kaulbachs gefertigt, sowie ein in der Werkstatt von Harrach und Sohn componirter graziöser Pocal, zum Andenken an diesen denkwürdigen Tag überreicht.
Allgemeine Zeitung Nr. 317. München; Mittwoch, den 15. November 1893.
#Franz Seraph von Hanfstaengl
* 1.3.1804 (Baiernrain/Obb.)
† 18.4.1877 (München)
Lithograph, Photograph und Kunsthändler
#Artistisches München im Jahre 1835 (1836)
Hanfstängl, Franz, wurde im Jahre 1804 den 1. März zu Bayernrain, im bayerischen Hochlande, einem Dorfe unweit dem Kloster Dietramszell, geboren, dessen Vater dortselbst Bauer ist. In seinem 12ten Jahre kam er nach München in die Zeichnungsschule des verdienstvollen Professors Mitterer; viele Freunde und Gönner trugen durch Unterstützung für seine weitere Ausbildung bei; besonders aber sorgte Prof. Mitterer väterlich für seine Zukunft. Vom Jahre 1819 bis 1824 besuchte er die Maler-Akademie unter der Leitung des Direktors Langer. Später widmete er sich ausschließlich der Lithographie.
Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Mechaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.
#Die bildende Kunst in München (1842)
Franz Hanfstängel, der Sohn eines Bauers, geboren 1804 zu Bayernrain im Hochlande Oberbayerns. Erst in seinem zwölften Jahre und mit wenigen Vorkenntnissen kam er nach München, besuchte hier die zweckmäßig eingerichtete Feiertags- und Zeichnenschule, und zeichnete sich durch Fleiß und Fortschritte bald so aus, daß der Professor Mitterer, welcher die Vervollkommnung der Lithographie und ihre Anwendung zu eigentlichen Kunstzwecken auf das Eifrigste und Glücklichste durch immer erneute Versuche erreicht hatte, den fähigen Jüngling immer mehr an sich zog, bildete und ganz der Kunst zuführte. Hanfstängel besuchte die Akademie und widmete sich dann ausschließlich der Lithographie, in welcher er das Trefflichste leistete, was diese Kunst bisher in Deutschland, ja überhaupt hervorbrachte. Zuerst gab er sehr gelungene Porträte, dann wagte er sich an die Nachbildung von Oelgemälden, deren Kraft und harmonische Farbenwirkung er durch lange Uebung und die sorgfältigste Ausführung glücklich wieder in so zart abgestuften Licht- und Schattentönen zu erreichen wußte, daß man wirklich ein Gemälde zu sehen glaubt, wenn man seine auf Stein ausgeführten Bilder betrachtet. Mit der Klarheit und dem charaktervollen Ausdrucke in den Köpfen verbindet er die glänzendste Behandlung der Gewandung, und die schillernden Seidenstoffe, Leichtigkeit und Schwere sind auf das Täuschendste ausgedrückt, und das Urbild des Malers in seiner geistigen Auffassung und ganzen Eigenthümlichkeit wiedergegeben, wie die herrlichen Blätter zeigen, die er aus der Gallerie in Dresden gab, wo er sich seit dem Jahre 1835 befindet. Kaum ist einem anderen Lithographen, außer ihm, gelungen, den Zauber des Helldunkels, die Silberklarheit des Tones, die feine Charakteristik seines Originals, den eigenthümlichen Vortrag, das Glatte und Markige, Leichte und Derbe des Pinsels vermittelst der Kreide so kenntlich wiederzugeben, und den Meister in seiner ganzen Eigenthümlichkeit, so weit dieses nur immer durch bloße Abstufung der Lichter und Schatten geschehen kann, nachzubilden.
Dr. Johann Michael von Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.
#Universal-Handbuch von München (1845)
Hanfstängel, Franz,
Herzog Sachsen-Coburg-Gothaischer Hofrath und Lithograph, ist geboren in Bayerrain im bayer. Hochlande im Jahre 1804. Er kam. 1816 nach München in die Schule des Professors Mitterer; besuchte sodann von 1819 bis 1825 die kgl. Akademie, wo er sich der Malerei widmete und zugleich Porträts auf Stein zeichnete, was damals noch wenig bekannt war. Im Jahre 1830 errichtete er eine lithographische Kunstdruckerei in München; 1834 reiste er nach Paris, und von dort zurückgekehrt ging er nach Dresden, um die vorzüglicheren Gemälde der dortigen Gallerie nach den Originalen auf Stein gezeichnet herauszugeben. Fest begründet und aller Orten bekannt ist der Ruf dieses Künstlers und dessen Arbeiten im Porträtfache. Von ihm sind auch verschiedene Kunstvereins-Blätter, als: für Köln »des Sängers Fluch« nach Foltz; für Prag »Römische Pilger« nach Lindau; wieder für Prag: »Römisches Oktoberfest« nach Marstrand; Dresden »die Tabulettenkrämer« nach Lindau; und noch eines für Dresden »die Wiedertäufer« nach Beer; »die Reue des Raubmörders« nach Gonne, auch für Dresden. Eines seiner neueren Blätter ist Erzherzog Karl, k. k. General-Feldmarschall, umgeben mit den berühmtesten Generalen seiner Zeit, nach Aertinger u. m. a.
Gegenwärtig wird Hanfstängel immer einen Theil des Jahres in München zubringen. Dieser Künstler ist in Bezug auf Lithographie einer der größten Meister seiner Zeit zu nennen.
Universal-Handbuch von München. München, 1845.
#Süddeutsche Presse und Münchener Nachrichten (22.4.1877)
(† Franz Hanfstängl.) Einem auf das Grab des Verblichenen niedergelegten Nachruf einer seiner vielen trauernden Freunde entnehmen wir folgende Notizen über sein Leben:
»Hofrath Franz Hanfstängl, k. preuß. Hofphotograph, beschloß am 18. ds. Morgens 9 Uhr in seinem geliebten München, im Kreise der Seinigen, sein thatenreiches Dasein.
Der Sohn schlichter Landleute, 1804 zu Bayernrain im bayerischen Hochgebirge geboren, erweckte er schon als Knabe, – die Särge der Landbewohner mit Blumen bemalend, – die Aufmerksamkeit Aller, die ihn sahen.
Sein zarter Sinn für Bildung, seine eminente Begabung und begeisterter Drang nach Kunst führten ihn, 12 Jahre alt, durch Gönner unterstützt, nach München, wo er arbeitend, studirend und Unterricht ertheilend (Sendlingerstraße neben St. Johanneskirche), später mit Alois Senefelder befreundet wurde und mit demselben forschend, mit den Erfolgen ihrer damaligen Lithographie noch keineswegs befriedigt, beschloß, als einfacher Arbeiter nach Paris zu wandern, um sich bei Lemercier zu vervollkommnen.
Was er dort erstrebt, legte er, nach Deutschland zurückgekehrt, in Dresden allen Sachverständigen und Kunstkennern vor Augen.
Mit einer fast unglaublichen Anzahl Porträts hervorragender Persönlichkeiten und 190 Lithographien nach den Werken der berühmten Dresdener Gallerie verbreitete sich sein Ruhm allmählig in die ganze civilisirte Welt.«
Süddeutsche Presse und Münchener Nachrichten Nr. 95. Sonntag, den 22. April 1877.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Hanfstaengl Franz, von, 1804 (Baiernrain/Obb.) – 1877, Lithograph, Photograph, Kunsthändler und Hofrat; er schloß sich schon sehr früh A. Senefelder und H. J. Mitterer an, nach Senefelders Tod begründete H. die Lithographische Anstalt, 1844 eine Anstalt für Kunstdrucke, der er nach der Erfindung durch F. von Kobell eine Anstalt für Galvanographie angliederte; 1853 gründete er ein Atelier für Photographie und bald darauf noch Lichtdruck- und Heliogravür-Ateliers; H., der es verstand, die technischen Erfindungen in den Dienst der Kunst zu bringen, machte sich vor allem durch die kunstfertige Reproduktion alter und neuer Gemälde verdient.
© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.
#Johanna Schwartz (gb) / Hanfstaengl (gs)
* 26.2.1850 (Hamburg)
† 30.10.1938 (München)
Schauspielerin und Sängerin
#Charakterbilder aus dem deutschen Bühnenleben (1887)
Zum ersten Male nach langer Zeit wurde am 6. Dezember des Jahres 1875 am Hoftheater in Karlsruhe Preciosa von Pius Alexander Wolff (Musik von Weber) gegeben; aber nicht dieser Umstand war es, welcher dieige Menge in dichtgedrängten Schaaren zu Thaliens Hallen zog, die allgemeine Spannung, mit welcher man der Vorstellung entgegensah, hatte vielmehr einen anderen Grund: die Titelrolle wurde von der Opernsängerin Fräulein Johanna Schwartz gegeben, einer Künstlerin, welche zwar als Elsa von Brabant Rühmliches geleistet hatte, im Schauspiel aber bis dahin noch nicht aufgetreten war. Das Urtheil der Kritik über diese Leistung, sowie über ihre Wiedergabe des Gretchen, welche jenem ersten schauspielerischen Versuch bald folgte, lautete sehr günstig; ja, in Beziehung auf das Gretchen bekannte die Kritik, dass ihr für die richtige Würdigung einzelner Punkte geradezu die Worte fehlten. Das waren die schauspielerischen Anfänge einer Künstlerin, welche heute zweifelsohne zu den ersten unserer deutschen Bühne zählt.
Johanna Schwartz, welche aus Hamburg gebürtig ist und heute dem Verbande des Königlichen Schauspielhauses in Berlin angehört, trat zum ersten Male als »Agathe« im »Freischütz« im Jahre 1869 an der Berliner Hofoper auf, an welcher sie sofort auf 6 Monate engagiert wurde. Nach Ablauf dieser Zeit folgte sie einem Rufe nach Karlsruhe, wo sie bis zum Jahre 1881 verblieb. Die Zeit, welche sie in dieser Residenzstadt zubrachte, fiel für sie in denjenigen Lebensabschnitt, wo der Mensch für geistige Anregungen am empfänglichsten ist. In dem Verkehr mit Künstlern und Gelehrten gewann sie jenen starken Trieb, zu immer höherer Vollkommenheit zu gelangen, welcher neben der Idealität ihrer Gesinnung einen hervorstechenden Zug ihres Charakters bildet. Die vortrefflichen dramatischen Leistungen, mit denen die Künstlerin uns heute erfreut, sind nicht zu geringem Theil Früchte ihres Aufenthalts in Karlsruhe. Nahe Beziehungen zu den angesehensten Familien, namentlich zu der des Generalintendanten Baron Gustav zu Puttlitz, gaben ihr einen starken Halt und trugen wesentlich dazu bei, sie das Bühnenleben nur von der Lichtseite empfinden zu lassen. Da sie trotzdem natürlich in vieler Hinsicht auf sich selbst angewiesen war, so wurde das ihr von der Natur schon reichlich gegebene Mass von Selbstständigkeit und Energie – Eigenschaften, von deren Vorhandensein die Züge unseres Bildes beredtes Zeugniss ablegen – noch erheblich vermehrt.
Acht Jahre hatte Johanna Schwartz bereits an der Oper gewirkt, vom Publikum geachtet und verehrt, gern gesehen bei Hofe, als jener oben erwähnte Abend – durch eine Störung im Repertoir veranlasst – ihrer künstlerischen Thätigkeit eine durchaus neue Richtung gab. Zwei Jahre hindurch wirkte sie sowohl an der Oper, wie auch am Schauspiel, was manchen komischen Streit zwischen dem Intendanten der Oper und des Schauspiels hervorgerufen haben soll. Dieser Zustand war natürlich auf die Dauer unerträglich; entweder musste die Künstlerin sich auf die Oper beschränken, oder ganz zum Schauspiel übergehen. Sie entschloss sich zum Letzteren, nachdem sie sich durch das Urtheil Sachverständiger die Gewissheit verschafft hatte, dass sie hoffen durfte, als Schauspielerin Hervorragendes zu leisten. Sie fing ganz von vorne an zu lernen, befleissigte sich aber eines so rastlosen Studiums, dass sie schon nach Ablauf eines Jahres wieder auftreten konnte. Der grosse Erfolg, den sie erntete, zeigte, wie richtig sie gehandelt hatte.
Lange sollte ihres Bleibens in Karlsruhe nicht mehr sein. Am Schauspielhaus in Berlin war durch den Rücktritt der Frau Erhartt eine sehr empfindliche Lücke entstanden. Es schien fast, als ob die ausgeschiedene Künstlerin nicht zu ersetzen wäre, denn die zahlreichen Gastspiele, die zu einem Engagement führen sollten, blieben erfolglos. Da kam Johanna Schwartz nach Berlin und siehe da – sie eroberte durch ihr dreimaliges Gastspiel als Maria Stuart, Gräfin Orsina und Jungfrau von Orleans sofort die Herzen des Publikums und errang sich den allseitigen Beifall der Kritik; Th. Fontane brach voll Freude in den klassischen Ausruf aus:
»Geendet nach langem, verderblichen Streit.
Ist die Erharttlose, die schreckliche Zeit.«
Johanna Schwartz wurde engagiert und kehrte also als Schauspielerin in denselben Verband zurück, in welchem sie als ihre Bühnenlaufbahn begonnen hatte.
Ausgangs der Saison 1881 nahm sie Abschied von der in Karlsruhe; wir entnehmen darüber dem »Berliner Fremdenblatte« Folgendes:
»Frl. Johanna Schwartz verabschiedete sich gestern als Jungfrau von Orleans.«
»Johanna geht und niemals kehrt sie wieder«
»Johanna sagt Euch ewig Lebewohl.«
Das Haus war bereits am frühen Vormittag ausverkauft und der ganze Abend war für die scheidende Künstlerin eine nicht endenwollende, stürmische Ovation. Schon nach dem Vorspiel sank auf die immer und immer wieder Hervorgejubelte ein förmlicher Regen von kostbaren Bouquets und Lorbeerkränzen mit prächtigen Schleifen nieder, und nach allen Scenen, Akten und zum Schluss wiederholte sich dies Schauspiel im Schauspiel. Schon vor einigen Tagen hatte Frl. Johanna Schwartz Abschiedsaudienz bei Ihrer Königl. Hoheit der Frau Grossherzogin und heute nach der Vorstellung liess auch der Grossherzog durch den Generalintendanten Baron Gustav zu Putlitz die Künstlerin zu sich in die Loge bitten, wo dann der ganze Hof versammelt war und Frl. Johanna Schwartz mit Freundlichkeiten überschüttete. Als die Künstlerin dann die Bühne wieder betrat, um sich in ihre Garderobe zu begeben, hatte sich inzwischen das Gesammtpersonal des Hoftheaters dort vereinigt, Herr von Putlitz geleitete die erstaunte Künstlerin in den Kreis, der sich schnell bildete und Herr Schneider ergriff das Wort. Er wies darauf hin, was die Künstlerin dem Institute gewesen und den Kollegen sei, dass sie als Sängerin die hiesige Bühne betrat und nun als »Jungfrau von Orleans« sich verabschiedet; »Elsa von Brabant« – »Fenella« – »Gräfin Autreval« – »Maria Stuart,« mit diesen vier Gestalten sei ihre ganze hiesige Carriere bezeichnet. Im Namen Aller sage er der lieben Kollegin das herzlichste Lebewohl und als Ehrengabe von Allen weihe er der auserwählten Künstlerin den wohlverdienten Lorbeer.«
In Berlin setzte sie mit demselben Glück ihre Laufbahn fort; nie stille stehend oder ausruhend auf den so reichlich, auch bei ihren Gastspielen in Hamburg, Danzig, Stettin und Frankfurt geernteten Lorbeern, sondern stets darauf bedacht, ihre künstlerischen Ideale zu verwirklichen.
Aus der Einleitung zu: Gerhardt Penzler: Charakterbilder aus dem deutschen Bühnenleben. Herausgegeben von Gerhardt Penzler. Heft I. Johanna Schwartz, Königliche Hofschaupielerin. Berlin, 1887.
#Das Karlsruher Hoftheater (1889)
Viele, noch heute nicht erloschene Symphatien erwarb sich beim Karlsruher Publikum Frau Johanna Schwartz. Ihre Stimme war nicht groß und umfangreich, besaß aber einen gewinnenden Klangreiz; damit verband die Künstlerin ein warmes, poetisches Empfinden und ausgesprochenes Spieltalent. Partieen wie Cherubino, Undine, die Gounod'sche Margarethe, die Katharina in der »Widerspenstigen Zähmung« von Götz fanden durch sie ein ungemein fesselnde Verkörperung. Johanna Schwartz ging schon in Karlsruhe zum Schauspiel über und vertrat von 1881 das Fach der Heroine am Königl. Schauspielhause zu Berlin.
Wilhelm Harder: Das Karlsruher Hoftheater. Karlsruhe, 1889.
#Spemanns goldenes Buch des Theaters (1902)
Hanfstängl, Johanna, geb. Schwartz, war ursprünglich Sängerin und trat zuerst an der Königlichen Oper in Berlin auf, wo sie Partien wie die Gräfin im »Figaro« und die Agathe im »Freischütz« innehatte. Nach einem halben Jahr nahm sie ein Engagement in Karlsruhe als jugendlich dramatische Sängerin an und füllte dies Fach acht Jahre hindurch aus. Trotzdem fühlte sie sich immer mehr zum Schauspiel hingezogen und der gute Eindruck, den sie als Preziosa und Gretchen im »Faust« hinterließ, bestimmte sie einen vollständigen Wechsel in ihrer künstlerischen Tätigkeit eintreten zu lassen. Zwei Jahre hindurch war sie am großherzoglichen Hoftheater in Karlsruhe fürs erste Fach in der Oper wie im Schauspiel verpflichtet, dann ging sie 1880 an das Königliche Schauspielhaus nach Berlin, wo sie acht Jahre lang thätig war. Ihre Hauptrollen im Fach der Heroinen waren Iphigenie, Orsina, Maria Stuart, Jungfrau von Orleans, Antigone und andere. Ihre Verheiratung und eine ernste Erkrankung waren die Ursache, daß sie vier Jahre hindurch der Bühnenthätigkeit entsagen mußte. Seit 1893 ist die in Hamburg geborene Künstlerin am Hoftheater in München im Fach der Mütter, Heldinnen und älteren Anstandsdamen beschäftigt.
Spemanns goldenes Buch des Theaters. Berlin und Stuttgart, 1902
#Bühnenkünstler der Gegenwart (1902)
Hanfstängl, Johanna, geb. Schwartz, war ursprünglich Sängerin und trat zuerst an der Königlichen Oper in Berlin auf, wo sie Partien wie die Gräfin im »Figaro« und die Agathe im »Freischütz« innehatte. Nach einem halben Jahr nahm sie ein Engagement in Karlsruhe als jugendlich dramatische Sängerin an und füllte dies Fach acht Jahre hindurch aus. Trotzdem fühlte sie sich immer mehr zum Schauspiel hingezogen und der gute Eindruck, den sie als Preziosa und Gretchen im »Faust« hinterließ, bestimmte sie einen vollständigen Wechsel in ihrer künstlerischen Tätigkeit eintreten zu lassen. Zwei Jahre hindurch war sie am großherzoglichen Hoftheater in Karlsruhe fürs erste Fach in der Oper wie im Schauspiel verpflichtet, dann ging sie 1880 an das Königliche Schauspielhaus nach Berlin, wo sie acht Jahre lang thätig war. Ihre Hauptrollen im Fach der Heroinen waren Iphigenie, Orsina, Maria Stuart, Jungfrau von Orleans, Antigone und andere. Ihre Verheiratung und eine ernste Erkrankung waren die Ursache, daß sie vier Jahre hindurch der Bühnenthätigkeit entsagen mußte. Seit 1893 ist die in Hamburg geborene Künstlerin am Hoftheater in München im Fach der Mütter, Heldinnen und älteren Anstandsdamen beschäftigt.
Eugen Zabel: Bühnenkünstler der Gegenwart. Biographien und Charakteristiken von Eugen Zabel. In: Spemanns goldenes Buch des Theaters. Berlin und Stuttgart, 1902.
#Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903)
Schwartz Johanna geboren in Hamburg (verehel. gew. Hanfstängl), begann ihre theatralische Laufbahn in Würzburg. Bevor sie sich dem rezitierenden Drama zuwendete wirkte sie als Sängerin und zwar sang sie an der königl. Oper in Berlin mit vielem Erfolg Partien wie: »Gräfin« in »Figaro«, »Agathe« in »Freischütz« etc. Nach kurzem Wirken daselbst trat sie als jugendlich-dramatische Sängerin in den Verband des Hoftheaters in Karlsruhe, woselbst sie acht Jahre als hervorragendes Mitglied des Opernensembles wirkte.
Nichtsdestoweniger fühlte sie sich zum Schauspiel hingezogen und nachdem sie als »Preziosa« und »Gretchen« untrügliche Beweise ihres dramatischen Talentes gegeben hatte, beschloß sie ernstlich den Übergang zur ausschließlichen schauspielerischen Tätigkeit. Bevor sie jedoch diesen vollständigen Wechsel in ihrer künstlerischen Wirksamkeit ausführte, war sie während der letzten zwei Jahre ihres Engagements in Karlsruhe sowohl in der Oper als auch im Schauspiel tätig, und zwar vertrat sie stets ein erstes Fach.
1881 wurde die Künstlerin für das Hoftheater in Berlin verpflichtet, woselbst sie bis 1889 als Heroine, resp. tragische Liebhaberin äußerst erfolgreich wirkte. »Iphigenie«, »Orsina«, »Maria Stuart«, »Jungfrau von Orleans«, »Antigone« etc. gehörten zu ihren beliebtesten Leistungen. Da mußte sie sich infolge ernster andauernder Krankheit von der Bühne zurückziehen, die sie erst nach vier Jahren wieder betrat.
Sie folgte 1894 einem Ruf an das Hoftheater in München, woselbst sie das Fach der Mütter, Heldinnen und älteren Anstandsdamen mit entsprechender Würde und Noblesse vertritt.
Ludwig Eisenberg’s Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Leipzig, 1903.

#2 – 7 – 38·39 (Reiter)
Hier ruhen:
Herr Hofrath Dr. Reiter
kgl. ¿
- Reiter, Michael, Dr. med.; 25.11.1802 (Günthering bei Mühldorf) – 22.12.1876 (München); Krämers-Sohn / Zentral-Impfarzt


#Dr. med. Michael Reiter
* 25.11.1802 (Günthering bei Mühldorf)
† 22.12.1876 (München)
Krämers-Sohn / Zentral-Impfarzt
#Dr. Michael Reiter · Nekrolog (1877)
Auf den hohen Standpunkt der wissenschaftlichen Autorität führen unzählige und sehr verschieden gestaltete Wege; die Gangart aber, um dort anzukommen, bleibt immer die gleiche, sie muss eben wunschbeseelt und stetig sein.
Dass unser jüngst entschlafener Hofrath und Central-Impfarzt a. D. Reiter zu den ersten seines Faches zählte, hat das In- und Ausland längst anerkannt; uns gebietet die Pflicht, jene Wege, die er verfolgte, zu bezeichnen, und das um so mehr, als der in den weitesten Kreisen wohlbekannte Mann dieselben auch seinen Freunden nicht gerne aufdeckte, weil er gewohnt war, nie von seiner Person, sondern immer von der Sache zu sprechen.
»Ich habe keine freundlichen Erinnerungen an die sonst so schöne Zeit der Jugendjahre« war Alles, was er von diesem Thema sprach.
Michael Reiter stammt aus einer Krämersfamilie in Günthering, einem kleinem Dorfe bei Mühldorf in Bayern, wo er am 25. November 1802 geboren wurde. Der damals jene Gegenden verheerende Krieg, die darauffolgenden Blattern- und Typhus-Epidemieen, welchen sein Vater, ehe der Knabe noch fünf Jahre alt war, zum Opfer fiel, mögen wohl die Ursache seines obigen Ausspruches sein. Dem Wunsche seiner Mutter gemäss sollte er sich zu dem Studium der Theologie vorbereiten, bezog das Gymnasium in Salzburg 1813 und absolvirte es mit vorzüglicher Note am 5. September 1821. Auf der Universität Landshut erkannte er alsbald, dass es das Studium der Naturwissenschaften und der Medicin sei, dem sein Leben gewidmet werden müsse.
Die Professoren schätzten ihn seines Eifers und seiner Anlagen wegen, die Comilitonen ob seiner Biederkeit und Liebenswürdigkeit. Am 29. August 1825 promovirte er, nachdem er zur Inaugural-Dissertation das Thema: »Chemische Untersuchung des Trinkwassers im Landshuter Krankenhause« gewählt hatte, und errang im Jahre 1827 die Note Eminens im Staatsconcurse. Dann trat er für kurze Zeit als Unterarzt in die Armee ein, wurde 1828 mit einem Reisestipendium bedacht, bildete sich von April bis November 1828 in Wien, den folgenden Winter in Berlin aus und erweiterte seine Kenntnisse während des Jahres 1830 in Paris und London.
In die Heimath zurückgekommen, wurde er als functionirender Gerichtsarzt nach Fürstenfeldbruck beordert.
Gegen Mitte August 1831 erschienen in Wien die ersten Cholerafälle; am 14. September hatte die Seuche solche Ausdehnung angenommen, dass die k. k. österreichische Regierung gezwungen war, das Herrschen der Cholera in Wien officiell bekannt zu machen.
Eine Woche später sandte die bayerische Staatsregierung Aerzte zum Studium der Cholera nach Wien, und Reiter traf die Ehre, Mitglied dieser Commission zu sein. Die Resultate seiner nun rastlos und mit offenem Auge in Wien, Ungarn und Mähren angestellten Beobachtungen veröffentlichte er zu Passau im März 1832 in einer sehr interessanten, höchst eingehenden Schrift: »Beobachtungen über die orientalische Cholera«. Dieselbe zeichnet sich durch Genauigkeit der Beobachtung, ruhige Objectivität und besonders eingehende Mittheilungen über die pathologische Anatomie der Cholera aus; obwohl zu einer Zeit verfasst, in welcher die Cholera-Literatur relativ arm war, ist in dem nachfolgenden Schwarm nicht viel mehr Objectives enthalten, als in Reiter's ersten Beobachtungen.
Kaum war Reiter von dieser anstrengenden Reise zurückgekehrt, erhielt er einen anderen ehrenden Auftrag. An der nordöstlichen Grenze Bayerns trat eine heftige Typhusepidemie auf, und er wurde als exponirter Regierungsarzt zur Hebung dieser Seuche in jene im Winter so unwirklichen Berge gesandt. Es geht der Zug durch sein ganzes Leben: sobald es sich um's Helfen aus Noth und Elend handelte, da kannte er gegen seine Person keine Rücksicht mehr; man mag daraus entnehmen, wie rastlos seine Thätigkeit an der Grenze war, dass er mehrmals bei seinen nächtlichen Wanderungen der vollen Gefahr des Verhungerns und Erfrierens ausgesetzt war. Als er in »sehr befriedigender Weise« dort seine Aufgabe gelöst hatte, wurde er in ähnlicher Eigenschaft nach Iffeldorf in Oberbayern, wo eine Frieselepidemie herrschte, beordert. Ein Zeugniss seiner dort entfalteten Tüchtigkeit ist eine Eingabe des k. Bezirksamtes Weilheim vom 18. April 1833, wonach gebeten wird, Reiter möge man noch länger am Orte behalten, »weil derselbe das allgemeine Zutrauen im hohen Grade besitzt«.
Von Mitte 1833 bis 2. October 1834 fungirte Reiter als Gerichtsarzt am Landgericht München; in dieser Zeit machte er eine grosse Reihe von Untersuchungen, welche für seine spätere Lebensaufgabe in hohem Grade massgebend sein sollten.
Als Gerichtsarzt hatte er nämlich die öffentliche gesetzliche Impfung in dem damals grossen Bezirke durchzuführen. Der Impfstoff, welchen er aus der Centralimpfanstalt zum Behüte der Vorimpfungen bezog, entsprach in keiner Weise den Anforderungen, welchen man an guten Impfstoff stellen kann, da er insbesondere in weiteren Generationen quantitativ und qualitativ schwach reagirte. Schon während Reiter in Bruck impfte, erhielt er von Prof. Ritter aus Kiel originären Impfstoff, der Kuh entnommen, und kannte daher aus den damit angestellten Experimenten die Wirkungen von gutem Impfstoff. Da nun originärer Impfstoff in unseren Landen schwer zu beschaffen ist – Reiter fand ihn während seiner mehr als 40jährigen Thätigkeit nur dreimal – so kam er auf die Idee, sich diesen originären Impfstoff dadurch zu erhalten, dass er ihn auf das Euter milchender Kühe überimpfte und von da aus wieder auf Kinder übertrug. Die vielen Ortschaften in der Umgebung von München, in welchen Milchwirthschaft getrieben wird, seine Gewandtheit in dem Umgang mit den Leuten, seine Freigebigkeit, wenn es sich um experimentelle Studien handelte, erleichterten ihm diese gerade keineswegs so leicht auszuführenden Arbeiten.
Das Resultat dieser zahlreichen Versuche war immer das, dass Impfstoff, welcher von der Kuh entnommen wurde, besonders in den nächsten Generationen auf den Menschen viel intensiver und sicherer anschlug, als solcher, welcher schon viele Generationen durch den Menschen gemacht hat; so erfand Reiter sein »Regeneriren des Impfstoffes«.
Nachdem nun Reiter mehreren Impfärzten solch' regenerirten Stoff zum Versuche gegeben und die Resultate immer die gleich guten blieben, zeigte er die Sache der k. Staatsregierung an; dieselbe erkannte sofort die Tragweite der aus den Experimenten sich ergebenden Resultate; denn in dem ganzen Impfwesen ist Beschaffung von gutem Impfstoffe erste Bedingung.
Im Jahre 1834 wurden daher zwei Commissionen zur Prüfung der Verhältnisse eingesetzt; deren Prüfungs-Resultate bestätigten einstimmig die Erfahrungen Reiter's, der inzwischen zum Gerichtsarzt in Miesbach ernannt worden war.
Darauf erging unter dem 11. November 1834 folgende Allerhöchste Entschliessung: »Da nach dem Gutachten der zur Untersuchung verschiedener Impfstoffe aufgestellten ärztlichen Commissionen die von dem praktischen und gegenwärtigen Gerichtsarzte Dr. Reiter zu Miesbach aufgefundene regenerirte Impfstoff sich sowohl hinsichtlich der Form als des Verlaufes der Blattern unter allen übrigen Impfstoffen als der vorzüglichste bewährt hat, so wird der k. Gerichtsarzt Dr. Reiter hiemit angewiesen, dafür Sorge zu tragen, dass er fortwährend mit einem hinlänglichen Vorrathe dieses regenerirten Impfstoffes versehen sei, um davon sämmtlichen Impfärzten des Königreiches, welche bereits angewiesen sind, in Zukunft ihren jährlichen Bedarf von Impfstoff nur allein von ihm zu beziehen, zu jeder Zeit abgeben zu können«.
Uns ist jetzt, da die Central-Impfanstalt kraft vorstehender, noch giltiger Ministerialentschliessung nur regenerirten Impfstoff verschickt, die Tragweite der Reiter'schen Experimente nicht mehr so kenntlich; um sie ganz würdigen zu können, müsste man die einzelnen Impfberichte vom Jahre 1835, in dem zum erstenmale mit regenerirtem Stoffe geimpft wurde, und daher der Unterschied gegen den früheren Stoff deutlich hervortrat, einsehen. Die Impfärzte waren voll des Dankes für den nunmehr sicher wirkenden Stoff. Im Generalberichte über die Resultate der gesetzlichen Schutzpockenimpfuug pro 1835 heisst es:
Staatsministerium des Innern.
»Da nach dem Urtheile sämmtlicher Gerichtsärzte des Königreiches der regenerirte Impfstoff des Dr. Reiter bei der für 1835 stattgefundenen Schutzpockenimpfung sich in Bezug auf Sicherheit der Wirkung und auf die Entwickelung und Form der Blattern, sowie auf die locale und allgemeine Reaction im Organismus der Impflinge, als vorzüglich bewährt hat, so wird die k. Regierung des Isarkreises den genannten Arzt von diesem befriedigenden Resultate mit der Weisung in Kenntniss setzen, dass die Gerichtsärzte des Königreiches fortwährend mit gleich gutem, regenerirtem Impfstoffe für die vorzunehmenden Impfungen versehen werden.
Zugleich hat die k. Regierung zu veranlassen, dass Dr. Reiter in einer kurzen Anleitung die Methode bekannt mache, nach welcher er die Regeneration der Vaccinelymphe bewirke, da viele Aerzte davon Kenntniss zu erhalten wünschen«.
München, 3. April 1835.
Auf Allerhöchsten Befehl etc.
Reiter, welcher inzwischen Mitte März 1835 zum k. Central-Impfarzte in München ernannt worden war, kam letzterem Befehle im k. b. Intelligenzblatte für den Isarkreis, 1836, S. 833 ff., nach.
Als Central-Impfarzt hat nun Reiter eine Musteranstalt geschaffen. Letzteres zu bewirken ist ihm aber keineswegs so leicht geworden, wie vielfach angenommen wird. Der Central-Impfarzt hat eine Doppelstellung, indem er sowohl Landes- als Localbeamter ist; als letzterer hat er die öffentlichen Impfungen in München durchzuführen.
Betrachten wir die Zustände, wie sie sich bei Reiter's Amtsantritt präsentirten. War auch eine Allerhöchste Verordnung über die Impfung vom 22. December 1830 als fast vollendet gut in Kraft, so wurden doch die Bestimmungen in keiner Weise gehalten, weil es an einer tüchtigen Vertretung fehlte. Unter dem Amtsvorgänger Reiter's, Dr. Giel, der schon seit dem 15. Februar 1804 im Dienste war, wurden ganz gegen das Gesetz einfach nur diejenigen Kinder geimpft, die sich freiwillig stellten, und so kam es, dass vor Reiter's Dienstantritt von den 3000 in München impfpflichtigen Kindern nur 222 wirklich geimpft wurden. Reiter stellte sich auf Seite des Gesetzes, und fand, soweit war man heruntergekommen gewesen, überall Schwierigkeiten. Verlangte er nach demselben von der Behörde die Einsendung der Impflisten, und erzwang er sie durch höhere Instanzen, so trat gegen ihn sogleich Missstimmung wegen früher nicht gewesener Geschäftsvermehrung ein. Gegen die ausdrücklichen Bestimmungen impften Chirurgen und Bader ohne allen Anstand, und stellten selbst, sogar deren Frauen, Impfscheine aus. Reiter schaffte diese Missstände ab unter grossem Lärm des niederärztlichen Personals; die zur Impfung berechtigten praktischen Aerzte hielten in keiner Weise die ihnen auferlegten Verpflichtungen, ohne welche eine Durchführung einer Zwangsimpfung ja ganz unmöglich ist.
Reiter bestand auf Einhaltung der auferlegten Verpflichtungen, darob schwerer Verdruss über das »uncollegiale« Benehmen.
»Es kostete mich«, schreibt er noch am 11. Februar 1848, »unsägliche Mühe, bis ich die Ordnung durchsetzte; einige praktische Äerzte intriguirten mit Lug und Trug dagegen, aber vergebens«. Liess er gemäss seines Amtes Alle, deren Kinder der Impfpflicht nicht genügten, vor die Polizei citiren, so verfeindete er sich über dieses früher nie geübte Verfahren am meisten mit Denen, die recht wohl hätten wissen müssen, dass er nicht Schuld daran habe.
Waren nun nach Jahrzehnte langem Kampfe alle Hindernisse beseitigt, so entstand im Jahre 1851 eine heftige Agitation gegen die Kuhpockenimpfung im Publikum; an den im Schmutze entstandenen schmählichen Titeln, unter welchen er in der Presse herumgezogen wurde, konnte man allerdings erkennen, von woher die Agitation ausging. Seine Ruhe, seine Belehrung in öffentlichen Blättern, und vorzüglich der gesunde Sinn des Publikums dämpfte auch diese Aufregung.
Man könnte nun glauben, dass unter der Amtsthätigkeit Reiter's die gesetzliche Strafe gegen Renitenten massenhaft exequirt worden sei; das kam aber in der That nur ein paarmal vor. Er wusste durch seine Liebenswürdigkeit und sachdienliches Verhalten, vor Allem aber durch seine mit der ängstlichsten Gewissenhaftigkeit vorgenommenen Operationen, die niemals, und das will bei vierzigjähriger Impfpraxis viel sagen, ein Unglück zur Folge hatten, das Publikum dahin zu bringen, dass es sich zu den Impfungen drängte, indem es eine gewissenhaft ausgeführte Vaccination als eine Wohlthat ansah.
Reiter fasste seine Stellung keineswegs als einfacher Verwaltungsbeamter und als Vollzugsmaschine des Gesetzes auf, sondern von einem höheren wissenschaftlichen Standpunkte. Vor Allem wollte er in seiner Sparte Alles prüfen und Alles beobachten, was überhaupt zu beobachten ist. Er wiederholte alle Experimente, die Andere vor ihm in dieser Hinsicht angestellt, viele mehrmals; dann machte er aber auch eine grosse Reihe von Experimenten origineller Natur, die zu neuen Resultaten führten und über das Wesen des Impfstoffes einigermassen aufklären. Die wenigen Menschen, die mit Impfstoff Experimente am Menschen und Thier gemacht haben, werden wissen, welch' ausserordentliche Vorsicht sie erheischen und wie schwer dieselben auszuführen sind.
Reiter reflectirte so: »Vom Wesen des Trägers der inoculablen Krankheiten weiss man zur Zeit so viel als gar nichts. Versuche mit analogem Syphilis-, Rotz-, Schanker-, Blattern- etc. Gift anzustellen, hätten überall auch ihre Schattenseiten; hingegen Versuche mit Kubpockenstoff schädige den Menschen nicht; würde man aber auf diesem Wege zu positiven Resultaten kommen, so wäre durch Analogie dasselbe auch für die entsprechenden Krankheiten gültig und in der Lehre der inficirenden Leiden ein Schritt vorwärts geschehen; dort, wo es noch absolut dunkel ist, wäre auch ein wenig Licht schon von Werth«.
Er untersuchte nun, unterstützt von einer jungen Kraft, auf alle zu Gebote stehenden Wegen experimentell den Impfstoff und seine Wirkungen und erweiterte dadurch den Gesichtskreis über die Lehre der Ansteckung resp. deren Verhütung (Desinfection). Gerade diese Arbeiten sind es, die wir als seine wichtigsten erkennen müssen, und welche ihm einen ewigen Nachruhm verschafft haben; sie sind in kleinen Artikeln der früheren Jahrgänge dieser Blätter niedergelegt. Von Form sind sie alle kurz und unscheinbar; von Inhalt reich, sinnvoll und neu, würdig eines deutschen Forschers.
Im Jahre 1842 schrieb die Pariser Akademie der Wissenschaften einen Preis für die beste Lösung von fünf wichtigen Fragen aus dem Gebiete der Vaccination aus. Reiter bewarb sich um den Preis und sandte seine Arbeit ein; in dem am 10. März 1845 hierüber veröffentlichten Rapport ist Reiters Arbeit mit No. 22 bezeichnet und in diesem Rapporte selbst nicht weniger als dreiundzwanzig mal angezogen. Er erhielt indessen den Preis nicht, sondern eine ehrende Anerkennung; er liess daher seine Arbeit im Jahre 1846 als »Beiträge zur richtigen Beurtheilung und erfolgreichen Impfung der Kuhpocken« im eigenen Verlag erscheinen. Es ist gar keine Frage, dass diese Schrift wegen der rein objectiven Haltung und weil der Autor jede einzelne Frage mehrfach experimentell prüfte, ehe er darüber urtheilte, zu den besten des Faches gehört Leider verhinderte seine eigene übertriebene Bescheidenheit ihre weitere Verbreitung.
Im Jahre 1872 erlebte er die Freude, von der Petersburger Akademie, welche in ähnlicher Weise wie früher die Pariser einen Preis für die beste Abhandlung über das Impfwesen ausgesetzt hatte, gekrönt zu werden.
Dieser Preis war nicht die alleinige Anerkennung seiner Verdienste. Sobald sich bei auswärtigen Regierungen und Behörden Schwierigkeiten in der Ausführung der Impfung ergaben, wurde bei Reiter um Rath gefragt; war bei Blatternoth Impfstoffmangel da und dort, wurde Impfstoff von Reiter erbeten, der auch sofort in der ausgiebigsten und uneigennützigsten Weise aushalf, so dass es kaum ein Land in Europa giebt, wohin er nicht wiederholt grössere oder geringere Quantitäten, aber stets vorzügliche Qualität sandte. Ein Theil der Regierungen erkannte seine Verdienste an und daher stammt die grosse Reihe der Decorationen, welche die Brust des Todten schmückte; denn im Leben hat er sie nie getragen.
Als vor einigen Jahren die Blattern unser Vaterland so sehr verheerten, wusste Reiter Impfstoff in kaum glaublicher Menge, allerdings auch unter Aufgebot aller Kräfte, zu beschaffen. Kriegsgefangene Franzosen schleppten die Blattern in unser Vaterland, und da ruhte Reiter nicht, bis auch er sein Schärfchen auf dessen Altar niedergelegt. Er impfte unentgeltlich und obwohl 70 Jahre alt, keine Strapazen scheuend, die sämmtlichen grossen Depôts der Kriegsgefangenen mit solchem Erfolge, dass bald nach den Impfungen das Weiterverbreiten der Blattern schwieg, und leistete während dieser höchst anstrengenden Arbeit noch dazu Dienste als Oberarzt in den hiesigen Kriegs-Gefangenen-Depôts.
Seinen Erfahrungen als Verwaltungsbeamten einer wenn auch einfach scheinenden doch so sehr complicirten und wichtigen Sparte sind die Verbesserungen zu danken, welche die k. bayer. Staatsregierung in den allerh. Verordnungen vom 17. December 1852 und vom 4. März 1864 dem Impfwesen gegeben. Die letzte wird als eine der besten und ausgearbeitesten aller Impfgesetze anerkannt; konnte man es Reiter verargen, wenn er, als das Impfgesetz für das Deutsche Reich vom 8. April 1874 erschien, und ihm der eine oder andere Paragraph im Vergleich zu den früheren Bestimmungen als Rückgang erschien, sein Möglichstes thun wollte und that, um das was seiner Ueberzeugung nach ein Fehler war, abzuwenden oder zu corrigiren? Er konnte sich mit dem neuen Impfgesetze nicht mehr befreunden, wie die Leser dieser Zeitung aus den No. 1 und 21 des Jahrganges 1875 sich wohl erinnern werden; bat daher, nachdem er 40 volle Jahre Central-Impf-Arzt gewesen, um Versetzung in den Ruhestand, den er unter wohlgefälliger Anerkennung seiner Verdienste mit dem Titel eines k. Hofrathes erhielt.
Den Ruhestand benutzte er, wohl von den Mühen des Amtes, keineswegs aber von der Sache selbst auszurasten; seine zahlreichen Correspondenzen nahmen eher zu als ab, und das beste Zeugniss für seinen wissenschaftlichen Fleiss ist gewiss, dass er trotz der Qualen seiner Krankheit noch zwei Tage vor seinem Entschlummern Kinder geimpft und Notizen über sein Fach gemacht hat.
Reiter's Charakter war offen, ehrlich und insbesondere lag das Helfen so sehr in demselben, als ob er es thun müsste. Wie vielen Tausenden von Armen hat er nicht durch Gaben aller Art aus dem Elende geholfen und vor Bedrängniss geschützt; es war ihm der grösste Genuss, arme Schulen mit zweckdienlichen Lehrmitteln, oft von grösserem Werthe, zu beschenken und häufig veranstaltete er reichliche Gastmäler für eine grosse Schaar armer Kinder; für sich ohne Bedürfnisse, war er ein Verschwender für Dürftige; seine Freude am Wohlthun erstreckte sich auch auf die Thiere; denn »wer die Thiere nicht mag, der liebt auch keinen Menschen«; fand er auf seinen Impfgängen, die ihn ja oft in die ärmsten Arbeiterviertel brachten, in irgend einer Ecke ein verhungerndes Thier, das war seines Schutzes sicher und bekam bei ihm oder andern einen guten Platz.
Da er immer bereit war zu lernen, so waren auch seine Kenntnisse insbesondere in Geschichte und den Naturwissenschaften gross, und da er hauptsächlich sich gerne in Studien verwickelte, die Anderen als schwer gelten, daher vieles und mannigfaches wusste, ferner das was er inne hatte, geschickt zu geben verstand, so war er ein trefflicher Gesellschafter.
Reiter verehelichte sich im Jahre 1837 zum erstenmale, aber das Glück währte nicht lange; der Tod seiner Gemahlin, dem sehr bald darauf der des Kindes folgte, bewegte ihn auf's Tiefste. Nur das eingehende Studium der Naturwissenschaften, besonders das der Ichthyologie, vermochte ihn vor tieferer Melancholie zu retten; daher stammte seine Liebe und sein Eifer für letztere Wissenschaft.
Auch seine zweite Frau, die er 1848 ehelichte, ging ihm im Tode einige Jahre voraus; zum Trost blieben ihm seine Kinder als Stolz und Freude.
Seit mehr als einem Jahrzehnt litt der so reckenhaft gebaute, nie krank gewesene Mann an Gicht; trotz des jährlichen Besuches der einschlägigen Bäder stellte sich dieser schlimme Gast fast jeden Winter ein; so auch wieder Anfangs April 1876. Seit dieser Zeit verliess Reiter das Bett nicht wieder; es trat allmaliger Marasmus ein, an dem er am 23. December 1876 sanft entschlummerte, und am Weihnachtsabende, dem frohen Kinderfesttage, haben wir den Kinderfreund zur Erde gebettet
Die Wissenschaft hat ihm durch Auffindung neuer Thatsachen die Erweiterung ihres Gesichtskreises, der Staat die Errichtung einer Musteranstalt, Hunderttausende von Menschen Schutz vor einer der bösartigsten Krankheiten zu danken.
München im Januar 1877.
Dr. Kranz,
k. Central-Impfarzt.
Dr. Michael Reiter, k. Hofrath und qu. Central-Impfarzt. Nekrolog von Dr. Kranz, k. Central-Impfarzt. Separat-Abdruck aus dem »Aerztlichen Intelligenz-Blatt« Nro. 6 vom 6. Februar 1877. München; 1877.

#2 – 7 – 40 (Schmeller)
DR.
JOHANNES
ANDREAS
SCHMELLER
SPRACHFORSCHER
1785 – 1852
- Schmeller, Johann Andreas, Dr. phil.; 6.8.1785 (Tirschenreuth/Opf.) – 27.7.1852 (München); Germanist

#Dr. phil. Johann Andreas Schmeller
* 6.8.1785 (Tirschenreuth/Opf.)
† 27.7.1852 (München)
Germanist
#Allgemeine Zeitung (18.7.1852)
München, 27 Jul. Heute nach 10 Uhr vormittags ist Dr. Andreas Schmeller nach dreitägigem Krankenlager gestorben; heiter, ruhig, wie sein Leben war. Mit ihm stirbt ein großer Gelehrter; aber er war mehr all das, er war ein großer Charakter. Der Stolz und die Freude seiner Freunde geht mit ihm dahin! Rein and lauter wie seine unsterbliche Seele in diese Existenz gesetzt worden war, hat er sie erhalten in einem Leben das reich war an Kämpfen und Mühen. Rein und in unbefleckter Schönheit hat er sie seinem Schöpfer zurückgegeben! Die Unschuld des Kindes und die bewußte, klare Stärke des Mannes war in diesem seltenen Menschen zur schönsten Harmonie vereinigt. Was er der Wissenschaft auf dem großen, theilweise erst durch ihn eröffneten Felde der Sprachforschung, zumeist der germanistischen, unvergängliches geleistet hat, das werden die Männer seines Faches, Mitarbeiter auf der Laufbahn, wie sein Freund Jakob Grimm and seine Schüler, dem Vaterlande dankbar zu berichten wissen. Aber unverwehrt sey uns jetzt schon die Klage um den hohen, reinen, thatkräftigen Charakter, um den Mann voll Liebe und zarter Empfindung, voll Bescheidenheit, sittlicher Sicherheit und Stärke, um den lautern Mann des Rechts, der Wahrheit, um den tiefen, duldsamen, nach allen Seiten hin milden Denker, um den Mann von unbeugsamer stiller Festigkeit, ohne Gepränge und Flitter, um den Mann der uneigennützigsten Tugend!
Allgemeine Zeitung Nr. 210. Augsburg; Mittwoch, den 18. Juli 1852.
#Allgemeine Zeitung (28.7.1852)
München, 27 Jul. Ein großer und schwer zu ersetzender Verlust hat heute unsere Akademie und Universität betroffen. Diesen Morgen nach 9 Uhr verstarb, nach nur kurzer Erkrankung an einem Brechdurchfall, der ordentliche und öffentliche Professor der altdeutschen Sprache und Litteratur und Unterbibliothekar der königl. Hof- und Staatsbibliothek, Dr. Johann Andreas Schmeller.
Dieser um Sprachforschung und Erläuterung alter Sprachdenkmale hochverdiente, und deßhalb weithin berühmte Gelehrte war geboren im Jahr 1785 zu Tirschenreuth in der Oberpfalz, und erhielt seinen ersten wissenschaftlichen Unterricht am hiesigen Gymnasium und Lyceum. Ohne Mittel jedoch seine Studien fortsetzen zu können, faßte er, 18 Jahre alt, den Entschluß in die Welt zu gehen, und wandte sich deßhalb zuerst nach der Schweiz, wo damals der vortreffliche Pestalozzi seine neue Lehre mit allgemeiner Begeisterung begonnen hatte. Da er indeß auch hier nirgends ein Unterkommen fand, ließ er sich bei einem Schweizerregiment im spanischen Solde anwerben, und gelangte so im Jahr 1804 nach Tarragona und zwei Jahre später nach Madrid, wo er bei einer zunächst für Officierssöhne bestimmten und neu errichteten Probeschule nach Pestalozzi’s Grundsätzen als Lehrer eine Anstellung, und dadurch Gelegenheit fand seine früheren Ideen über Elementar-Unterricht anzuwenden und zu erproben.
Als diese Anstalt aber bald nach dem Ausbruch der spanischen Revolution ihr Ende fand, verließ Schmeller mit seinem Collegen Studer Spanien und begab sich wiederholt nach der Schweiz, wo er mit G. Hopf zusammen wieder eine Lehranstalt nach Pestalozzi’s System gründete, die er indeß erst mit dem denkwürdigen Jahr 1813 verließ, wo er als Freiwilliger in das bayerische Jägerbataillon des Iller- und Donaukreises eintrat. Nach Beendung der Befreiungskriege widmete er seine Studien vorzugsweise der bayerischen und deutschen Volkssprache, und seine ausgezeichneten schriftstellerischen Leistungen auf diesem Gebiete der Sprachforschung verschafften ihm im Jahr 1828 bei Verlegung der Universität von Landshut nach München die daselbst neu errichtete Professur der ältern deutschen Sprache und Litteratur, später die zweite Vorstandsstelle an der Staatsbibliothek, sowie seit dem Jahr 1824 einen Sitz in der bayerischen Akademie der Wissenschaften, deren erster Classensecretär er in letzter Zeit war. Außerdem war Schmeller in Folge seiner zahlreichen philologischen und historischen Arbeiten Mitglied vieler gelehrter Gesellschaften, und zählte auch zu den Rittern des bayerischen Verdienstordens vom heil. Michael.
Allgemeine Zeitung Nr. 210. Augsburg; Mittwoch, den 28. Juli 1852.
#Neuer Nekrolog der Deutschen (1854)
Johann Andreas Schmeller,
ordentl. Professor an der Universität und Bibliothekar der königl. Hof- und Staatsbibliothek, Mitglied und Sekretär der I. Klasse der königl. Akademie der Wissenschaften zu München;
geb. den 6. Aug. 1785, gest. den 27. Juli 1852 (Beil. zur Augsburger Allgem. Zeitg. 1852. Nr. 220.).
Sch., geboren als der Sohn eines Landmanns zu Tirschenreuth in der Oberpfalz, vom zweiten Lebensjahr an aber zu Rimberg im königl. Landgericht Pfaffenhofen, wohin seine Aeltern sich wendeten, erzogen, hatte seine wissenschaftliche Vorbildung (1796–1799) auf dem Gymnasium zu Ingolstadt und am Lyceum zu München (1799 bis 1804) erhalten. Zu arm und mittellos, um seine Studien fortsetzen zu können, faßte er, 18 Jahr alt, den Entschluß, sein Glück in der weiten Welt zu suchen. Das große Werk, das Pestalozzi in jenen Tagen unternommen hatte, zog ihn nach der Schweiz, wohin er sich im Juni 1804, nichts mit sich führend, als seine mit Begeisterung geschriebene Erstlingsarbeit, in frohem Jugendmuth auf den Weg machte. Allein Pestalozzi war gerade damals im Begriff, von Burgdorf nach Münchenbuchsen zu übersiedeln, und vertröstete ihn auf einen spätern Zeitpunkt. Sch. hielt das für eine höfliche Abweisung und zog weiter.
Als auch ein Versuch, in Bern ein Unterkommen zu finden, mißlungen, und in Basel die Hoffnung vereitelt war, von da zu Schiff nach Holland und weiter nach Amerika zu reisen, nahm Sch. seinen Weg nach Solothurn. Auf der Heerstraße traf er den Agenten eines Schweizerregiments in spanischem Sold, der ihm die Möglichkeit zeigte, leichten Kaufs über die Pyrenäen und wenn er wollte, vollends über das Weltmeer zu gelangen. Er ließ sich anwerben und gelangte im September nach Taragona. Hier machte er mit dem Hauptmann Voitel nähere Bekanntschaft, der Pestalozzi’s Leistungen kannte, dessen Lehrmethode bereits in der Schule des Regiments eingeführt und der sogar in Madrid Verbindungen angeknüpft hatte, um der neuen Unterrichtsweise in Spanien Eingang zu verschaffen. Als nun die Errichtung einer zunächst für Officierssöhne bestehenden Probeschule nach Pestalozzi’s Grundsätzen beschlossen und Voitel als Vorsteher derselben (1806) nach Madrid berufen wurde, begleitete ihn Sch. dahin und fand als Gehilfe der Lehranstalt Gelegenheit, seine früheren Ideen über Elementarunterricht anzuwenden und zu erproben.
Als aber bald nach dem Ausbruche der Revolution die Anstalt ihr Ende fand, verließ Sch. Spanien und zog mit seinem Kollegen, Studers, nach der Schweiz, wo er, im Mai 1808 angelangt, sich zu Basel mit Samuel Hopf zur Errichtung einer Privatanstalt verband, die bis 1813 bestand, wo Sch., als auch sein Vaterland gegen Frankreich aufstand, die Schweiz verließ und sich in die Reihen der bayer’schen Freiwilligen stellte. Da die aus denselben gebildeten Jägerbataillone während des Jahres 1814 dem Reserveheere zugetheilt blieben und das vereinte Bataillon des Iller- und Oberdonaukreises, in welchem Sch. stand, erst im Feldzug 1815 verwendet ward, so benutzte er seine Muße im J. 1814 zur Ausarbeitung einer kleinen gegen den ausschließlichen Gebrauch der französ. Sprache bei diplomatischen Verhandlungen gerichteten Schrift: »Soll es Eine allgemeine europäische Verhandlungssprache geben?« Kempten 1815.
Nach der Heimkehr zogen ihn besonders die Eigenschaften der Volkssprache in seinem Vaterlande an: »Mir stehen die Mundarten neben der Schriftsprache da, wie eine reiche Erzgrube neben einem Vorrath schon gewonnenen und gereinigten Metalls, wie der noch ungelichtete Theil eines tausendjährigen Waldes neben einer Partie desselben, die zum Nutzgehölz durchforstet, zum Lufthain geregelt ist.« Diese Richtung seiner Forschungen gelangte durch die Vermittelung des Oberbibliothekars Jos. Scherer zur Kenntniß des Kronprinzen von Bayern, der ihm in hochsinniger Weise den Auftrag und die Mittel gab, die Mundarten Bayerns zum Gegenstand einer ausführlichen Arbeit zu machen, die bereits 1821 mit einer Karte zur Uebersicht der verschiedenen Mundart-Eigenheiten erschien; sie bildet die Grundlage des großen lexikalen Werkes: »Bayer’sches Wörterbuch«, das mit urkundlichen Belegen, nach den Stammsylben etmologisch-alphabetisch geordnet, bereits im J. 1827 begann und 1836 mit dem 4. Bande schloß: ein Idiotikon der lebenden Volkssprache, sowie Glossar der aeltern Sprache des Landes, das lange noch unerreicht dastehen wird als einziges Muster für alle Arbeiten ähnlicher Art.
Sch. erhielt um diese Zeit (1827) eine Professur im königl. Kadetenkorps und nach Uebersiedelung der Universität von Landshut nach München den neu errichteten Lehrstuhl für deutsche Literatur, den er mit dem Programm »Ueber das Studium der altdeutschen Sprache und ihrer Denkmäler« (München 1827) antrat. Für seine Zuhörer gab er nun das Evangelium des heil. Matthäus, nach der in St. Gallen befindlichen sogenannten tatiann’schen Evangelienharmonie heraus, 1828; bald folgte, nachdem Sch. an Docen’s Stelle Kustos der königl. Hof- und Staatsbibliothek, wo er später zum Unterbibliothekar vorrückte, geworden, die Ausgabe des Heljand, jener seither so berühmt gewordenen altsächs. Evangelienharmonie, von den beiden in Bamberg und London befindlichen Handschriften (Stuttgart 1830. 1. Bd., 1840. 2. Bd., das Wörterbuch und grammatische Uebersicht enthaltend.) Dann folgte in schneller Reihe die Herausgabe des von Docen entdeckten althochdeutschen Gedichts vom Weltuntergang (Muspilli, München 1832); dann 1833 die Denkschrift des Bürgermeisters Jörg Katzmair über die »Vierherzogregierung (1397–1403) in München.« In den mit Jakob Grimm herausgeg. »Lateinischen Gedichten des 10. und 11. Jahrhunderts« veröffentlichte er die Fragmente des Puodlieb, als dessen Dichter er den tegernseer Mönch Froutmut zu Anfang des 11. Jahrhunderts bezeichnet.
Die Akademie der Wissenschaften hat ihn, wohl ahnend, zu welchem Ruhm ihr sein Name noch gereichen würde, bereits 1829 zu ihrem Mitglied erwählt und seine in einer Reihe von Jahren dort niedergelegten Abhandlungen werden immer leuchtende Perlen bleiben im reichen Schreine der Germanistik, den besten Arbeiten der Grimm zu vergleichen, die durch den fleißigen Austausch ihrer Werke unserm Sch. ihre Freundschaft und hohe Anerkennung seiner Bestrebungen kund gaben. Als im J. 1846 Sch. zum ordentlichen Professor ernannt wurde, betrat er nach langer Unterbrechung, woran die Geschäfte der Bibliothek wohl einzig Schuld trugen, wieder den Lehrstuhl. Ein höchst gewähltes Kolleg umgab ihn; mit Begeisterung wurden seine Vorträge, seine gleichsam vergleichende Physiologie der Sprache über die deutschen lebenden Mundarten aufgenommen.
Wenn Grimm, der Meister, vom Quell aus die Strömungen verfolgte und wie ein Feldherr überall zu gleicher Zeit siegreich, wunderbaren Geistes und Blickes vorgedrungen, so hatte Sch. in gleichem Drange und gleich starker Liebe zur Heimath und zum heimischen Erbgut den mühsameren Weg eingeschlagen und war von der Mündung der einzelnen Flüsse neben oft schwierigem Rennsal zum Ursprunge der Wasser zurückgegangen; »der Steinkenner,« so äußerte er sich damals, »schaue und mustere das durch Stromesmacht vom Gebirge herabgeflößte und außgebreitete Kiesfeld der Ebene und finde und schließe gleich hier, aus welchem Fels und Kitt der ferne blaue Bergwall gebaut und aufgerichtet ist; der Sammler steige unverdrossen darüber hinweg, hinauf in die Höhen und schlage sorgsam an jedem Stein mit prüfendem Hammer und trage mühselig den gefundenen Schatz mit sich in die Tiefe zurück.«
Welch’ einen Schatz von Blüthen und Blumen, die der Vielerfahrene von früher Jugend allerorts aus dem Munde redseliger Bauern und kräftiger, annoch vom ermattenden Hauche städtischer Verbildung unberührter Werkleute, in rauchigen Schenken einsamer Dörfer, in waldumnachteten Mühlen, verschränkten Schluchten, in lichten Sennen der steilen Alpenhöhe mit dem Fleiße der Biene gesammelt und emsig und ordnend zum Stocke getragen hatte! Freudig schied er im Sommer 1847 von seinem Auditorium; wer dachte an ein so schmerzliches Wiedersehen?
Kräftig und wohlgemuth war er nach Meran hinabgestiegen und mit gebrochenem Beine lange hilflos liegen geblieben. Erst nach vielen Stunden aufgefunden kam die ungeschickte Hand eines Chirurgen dazu; die Folge davon war, daß Sch., unter qualvollen Schmerzen endlich nach München zurückgebracht, den freien Gebrauch seines Fußes niemals mehr erlangte. Abgezehrt und gealtert, sich mühsam an Krücken schleppend, ein Bild des Jammers, so kam er im Sommer 1848 wieder zurück. »Ein Mann, ein Wort,« so meinte er, als ihm seine Freunde mit aller Vorsicht zum Lehrstuhl geleitet hatten, »das zieme sich sonsten; an ihm aber sey der Spruch wahr geworden: der Mensch denke und Gott lenke.« Es war wahrlich rührend zu sehen, wie der Mann alle Schmerzen vergaß und nun, nachdem er eine peinliche lange Zeit von seinen liebsten Studien geschieden gewesen, mit jugendlicher Seele seinem Berufe nachkam.
Jetzt, da eine tückische Krankheit in wenigen Tagen sein kostbares Leben, viel zu früh für die Wissenschaft, gelöscht, halten wir es für eine heilige Pflicht, sein Gedächtniß zu feiern, nicht für seine Freunde, in denen sein Bild ohnehin nie verschwinden wird, sondern für Diejenigen, so ihm ferner standen und verblieben.
Sch. war ein ganzer Mann, einfach und gerade, liebevoll und freundlich, der Jugend geneigt, selbst da, wo es sich häufig traf, daß er gerade in den wichtigsten Studien unvorhergesehen gestört ward; jeder, selbst der unwichtigsten Persönlichkeit, wenn sie sich vertrauensvoll um Rath an ihn gewendet, mit der größten Bereitwilligkeit entgegenkommend; er zählte zu jenen wenigen Glücklichen, die im schönen Streben der Wissenschaft nie einer Partei anheimfallen, duldsam gegen Alle und Jeden; Unfrieden vermeidend, nur gegen Unnatur und Unlauterkeit hart und entschieden, wo sich seine Stirne höher wölbte und Wackernagel’s Verse paßten:
…gegen das Schlechte
Mag noch immer ich jugendlich
Laut verfechten das Rechte
Und wo der Dünkel des Unverstands
Pocht, selber genügsam,
Bin ich noch heute ein Jüngling ganz
Unschmiegsam und unfügsam.
Was Sch. für die Bibliothek war, wird die Welt staunend erfahren, wenn der von ihm angefertigte Handschriften-Katalog der Oeffentlichkeit übergeben seyn wird; die Wissenschaft verliert an ihm einen Stern erster Größe; wie ihn sein König zu schätzen verstand, zeigt der Orden auf seiner Brust.
Schließlich müssen wir noch einige seiner kleinern Arbeiten hervorheben. Hierher gehört Einzelnes in Zschokke’s »Miscellen 1807–11; Ruiz de Padron über die Inquisition in den »Europäischen Annalen;« ferner in der »Ens« 1818, im »Ausland« 1828, »Inland« 1829. Dann in den Abhandlungen der Akademie: Zu Schorn’s Abhandlung üb. d. röm. Denkmal in Igel bei Trier; Entstehung des Klosters Waldsassen, in deutschen Reimen des 14. Jahrh.; über Valentine Fernandez Alema, und seine Sammlung von Nachrichten über die Entdeckungen und Besitzungen der Portugiesen in Afrika u. Asien bis zum J. 1508; über Hadamar von der Baber Minnegedichte; über Raphael Sanzio als Architekten; über Wolfram v. Eschenbach’s Heimath; Grab und Wappen; über die sogenannten Cimpern der VII. u. XIII. Kommunen auf den venetischen Alpen u. ihre Sprache; über die Hof- u. Pilgerreise des böhm. Herrn Leo v. Rozmital (in den Publikationen des literar. Vereins zu Stuttgart, der sich seiner Mitwirkung erfreute); über einige ältere handschriftl. Seekarten; St. Ulrich’s Leben in den deutschen Versen nach B. v. Reichenau etc.
Neuer Nekrolog der Deutschen. Weimar, 1854.
#Denkwürdige Bayern (1865)
Dr. Johann Andreas Schmeller,
Bibliothekar in München.
»Ist uns in subjektiver Hinsicht die Geschichte unserer Familien, der Regentenfamilie unsers Landes, die Geschichte unserer Institutionen, unserer Häuser, Schlösser und Städte, lauter Dinge, die außer uns liegen, so wichtig, wie sollte es nicht auch die Geschichte dessen sein, das mehr als dieses einen Theil unserer innern geistigen Existenz ausmacht, von dem wir, auch wenn wir wollten, uns nicht lossagen können, das uns unter alle Himmelsstriche begleitet, unsere Sprache?… Das dauerndste, das schönste Besitzthum einer Nation ist seine Literatur.«
Föringer Lebensskizze S. 36.
»Darin sind wir einig, daß Bayern keinen bessern deutschen Mann aufzuweisen hatte, als diesen liebenswürdigen bescheidenen Schmeller, der alles, was er geworden ist, seiner rein angelegten und rein gebliebenen Natur verdankt. Seinen Werth wird das Land, da er uns nun entrissen ist, besser zu erkennen und höher zu achten anfangen. Sein bayerisches Wörterbuch wird für immer als ein unerreichbares Muster dastehen, wie sich Sprache und Sachkenntniß lebendig durchdringen sollen. Er hat unablässig Fortschritte in der Wissenschaft gemacht, nie aber eine Zeile niedergeschrieben, die seiner unwürdig gewesen wäre.«
So Jakob Grimm über das bayerische Wörterbuch des gründlichen, fleißigen, seiner Aufgabe der deutschen Sprachforschung ganz mächtigen, in der Literatur wie in der Geschichte und Kenntniß der Sprachen vollkommen heimischen Schmeller's, zu dessen Verdiensten um die mit größter Gelehrsamkeit nachgewiesenen Grundlagen der deutschen Sprache und deren Verwandtschaften mit den fremden, noch seine gediegenen geschichtlichen und literargeschichtlichen Arbeiten, wie seine bewundernswerthe, auf genaue Kunde der Handschriften und große Sicherheit im Lesen alter Schriften basirte wissenschaftliche Katalogisirung der in der Münchener Hof- und Staatsbibliothek verwahrten reichen Handschriftensammlung hinzukommen. Er nimmt einen der ersten Plätze unter den deutschen Sprachforschern ein, und immer wird seiner zu gedenken sein, wo Deutschland und Bayern seine verdienten Männer zählt.
Johann Andreas Schmeller, geboren am 6. Aug. 1785 zu Tirschenreuth (Landg. in der Oberpfalz), erhielt von seinem Vater, einem armen Korbflechter, der schon nach zwei Jahren nach Rimberg bei Pfaffenhofen übersiedelte, die erste Belehrung in den Elementargegenständen, die er so gut zu benützen verstand, daß er schon in seinem neunten Jahre den Kindern des Ortes Unterricht ertheilte. Geleitet von dem um die Geschichte unsers Landes rühmlich verdienten Pfarrer Anton Nagel zu Rohr besuchte Schmeller (1794) die Landschule zu Pörnbach und wurde dann auf seines Gönners Betrieb in das Seminar des Klosters Scheyern aufgenommen (1795). Doch schon im nächsten Jahre mußte er diese Lehranstalt, da sich das Seminar wegen des Eindringens der französischen republikanischen Armee in Bayern zerstreute, wieder verlassen und zu seinen Eltern zurückkehren. Seinem armen Vater, welcher ihn für den geistlichen Stand bestimmt hatte, gelang es endlich, nachdem er in Freising und Landshut den hinlänglichen Lebensunterhalt für die Fortsetzung seiner Ausbildung zu beschaffen, vergeblich sich bestrebt hatte, in Ingolstadt bei guten Menschen eine kümmerliche Existenz für seinen Sohn zu finden, welcher nun seine Studien daselbst so eifrig (1797—1799) betrieb, daß er als der Erste unter seinen Mitschülern glänzte. In München besuchte er die höhern Klassen des Gymnasiums und Lyceums unter Weiller, Petzl, Imhof und Flurl, während er zu seinem Lebensunterhalt Unterricht gab.
Nach Vollendung des Lyceums sollte er sich einen Lebensberuf wählen, allein die Theologie so wenig, wie die Heilkunde zog ihn an, dagegen betrieb er Chemie und Mathematik. Da er aber bei seiner Armuth keine Hilfsmittel hiefür besaß, gab er auch diese wieder auf und begab sich zu seinen Eltern zurück, um sich der Landwirthschaft zu widmen (1803). Diese Beschäftigung konnte ihn aber nicht befriedigen und er begann nun seine Gedanken über die einfachste Art, die Kinder richtig deutsch lesen und schreiben zu lehren, niederzuschreiben. Mit dieser seiner in München bei Buchhändlern ohne Erfolg angebotenen Arbeit ging er (im Sommer 1804) nur mit einer Baarschaft von 12 fl. in die Schweiz zu Pestalozzi nach Burgdorf, allein er fand hier keine Aufnahme, da jener gerade seinen Umzug nach Buchsee bewerkstelligte. In dieser peinlichen, mittellosen Lage nahm er den ihm auf der Straße bei Solothurn von einem spanischen Werber gemachten Antrag, auf drei Jahre in ein spanisches Regiment zu treten, in der Hoffnung an, über Spanien nach Amerika zu gelangen (1804). In seinem spanischen Schweizerregimente, in dem er in kurzer Zeit als erster Korporal vorrückte, lernte er den mit der pestalozzischen Lehrart wohl vertrauten, ihm bald befreundeten Hauptmann von Voitel aus einem schweizerischen Patriciergeschlechte kennen, der schon der mit Hilfe Juan Andujars, Don Francisco, Zea Bermudez und anderer gebildeter Spanier diese Methode in Spanien einzubürgern beabsichtigte und sie in der Regimentsschule eingeführt hatte, und ihn, nachdem eine solche Schule unter seiner Leitung in Madrid für die höhern Klassen errichtet wurde, 1806 als ersten Gehilfen dorthin mitnahm.
Hier lehrte Schmeller Sprachen und Mathematik und war nun im Stande, seine Ansichten über den Unterricht praktisch zu bewähren und zu festigen. Nachdem seine Dienstzeit abgelaufen war, auch die Schule nach dem Sturze des Friedensfürsten, der sie nach Antrag des ihn befreundeten Oberbeamten des Kriegsministeriums Don Francisco Amoros gegründet hatte, aufhörte, verließ er (26. Febr. 1808) Madrid, zog mit seinem Freunde und Kollegen Studer in die Schweiz zu Pestalozzi nach Iverdon und gründete dann mit Samuel Hopf (1808) eine Privatanstalt zu Basel, die mit anfangs sehr gutem Erfolge bis 1813 bestand. Die Zeit seines Aufenthaltes hier benützte er zu den ausgedehntesten und umfassendsten Untersuchungen über die Grundregeln und Beugungsart der deutschen Sprache und deren Verwandtschaft mit fremden Sprachen.
Als aber Bayern den deutschen Mächten sich anschloß »zur Herstellung des allgemeinen Friedens«, da zog ihn der Aufruf des Königs Max »An mein Volk« (28. Okt. 1813) zurück in's Vaterland, um in den Reihen seiner Brüder am Kampf Theil zu nehmen. Empfehlungsbriefe des bayerischen Gesandten in der Schweiz v. Olry, dem Kronprinzen Ludwig in München übergeben, bewirkten seine Anstellung als Oberlieutenant im freiwilligen Jägerbataillon des Illerkreises (6. Febr. 1814), dessen Garnison Kempten war.
Sein Bataillon blieb (1814) in Reserve und er benützte seine Muße, um in einer von tiefem Eindringen in den Geist und den Werth der einzelnen Sprachen zeugenden Schrift: »Soll es Eine allgemeine europäische Verhandlungssprache geben?« die gleiche Berechtigung der Sprachen der vier größten Nationen des Kontinents zur Geltung zu bringen. Der folgende Feldzug nach Frankreich 1815, an dem sein Bataillon Theil nahm, gab ihm Gelegenheit, seine Studien über französische und keltische Sprache zu erweitern. Nach Beendigung des Feldzuges und seiner Rückkehr in's Vaterland begab sich Schmeller Anfangs 1816 nach München in Urlaub, um an der k. Staatsbibliothek seine Forschungen fortzusetzen. Gerade um diese Zeit hatte der um Bayerns Geschichte hochverdiente treffliche Westenrieder sein bayerisches Wörterbuch dem Druck übergeben, und der Appellationsgerichtsrath v. Delling und der Bibliothekar Scherer ihre Vorarbeiten zu ähnlichen Forschungen in's Werk gesetzt. Letzterer in der Ueberzeugung, daß Schmeller der tüchtigste Gelehrte sei, ein gründliches Sprachwerk auszuführen, überließ ihm seine Vorarbeiten und empfahl ihn dem Kronprinzen Ludwig, der sich lebhaft für diese Sache interessirte.
So geschah es, daß Schmeller den Auftrag erhielt, ein Wörterbuch der bayerischen Mundarten zu bearbeiten, wozu ihm ein sechsmonatlicher Urlaub, unter Fortbezug seiner Gage und eine Zulage von 500 fl. zur Bereisung des Landes als Mittel angeboten wurden (6. u. 31. März 1816). Er unterzog sich nun mit allem Eifer und mit Hülfe mancher aus dem Lande ihm zugesandter Mittheilungen seiner mühsamen Arbeit, und es gelang ihm, seine Grammatik der in Bayern gesprochenen Mundarten 1821 und den ersten Theil seines Wörterbuches schon im Jahre 1827 der Oeffentlichkeit zu übergeben, den Unterbau eines Denkmales, das er sich nicht schöner hätte errichten können, das mit dem vierten Bande 1837 den Schlußstein erhielt. Inzwischen war er (29. Jan. 1824) zum außerordentlichen Mitgliede der Akademie der Wissenschaften, (9. Nov. 1826) zum Lehrer der Geschichte deutscher Sprache und Literatur an der Universität München, und aushilfsweise am Kadettencorps (28. Dez.) ernannt worden. Nachdem er von der Universität München (30. Jan. 1827) den Doktorgrad der Philosophie empfangen und im Sommersemester 1827 seine Vorlesungen über altdeutsche Sprache gehalten hatte, wurde er unter Beibehaltung seiner Offiziersgage und einer geringen Zulage mit dem Range und Charakter eines außerordentlichen Professors geehrt, worauf seine Ernennung als Custos an der k. Staatsbibliothek unter Rücktritt aus dem Armeeverbande (27. März 1829), dann seine Wahl zum ordentlichen Mitgliede der Akademie (31. März 1829) folgte. Jetzt übernahm er die wissenschaftliche Bearbeitung der an der Staatsbibliothek verwahrten Handschriften, die in ihrer ungeheuren Ausdehnung mit mehr Sachkenntniß, Eifer und Gelehrsamkeit Niemand zu leisten im Stande gewesen wäre, und der er sein ganzes übriges Leben, dreiundzwanzig Jahre, neben seinen gründlichen und ausgezeichneten Arbeiten über altdeutsche Dichtungen (Muspilli 1832, Heliand 1830, Ruodlieb 1837 u. s. f.) über bayerische Geschichtsperioden und der Herstellung eines althochdeutschen Wörterbuches widmete.
Am 26. Okt. 1844 wurde er zum Unterbibliothekar und nachdem ihn der König am Neujahrstage 1845 das Ritterkreuz des St. Michaels-Ordens übergeben hatte, 1846 (20. Nov.) zum ordentlichen Professor der altdeutschen Sprache und Literatur ernannt und bald versammelte er um sich eine Schaar von begeisterten Zuhörern der gebildesten Klassen, die den anregenden Vorträgen über den Bau und die Gliederung der deutschen Mundarten mit größter Theilnahme lauschten.
Ein herbes Mißgeschick unterbrach seine wissenschaftliche Thätigkeit, als er auf einer seiner in den Ferien gewohnten Fußparthien in den Alpen bei Meran auf dem Jaufen durch einen Sturz über einen Abhang den Schenkelhals des linken Fußes brach, eine Verletzung, die anfangs schlecht behandelt, einen bleibenden Schaden nach sich zog. Zwar stellte ihn der Gebrauch der Bäder zu Gastein und Wildbad in den nächsten Jahren einigermaßen wieder her, so daß er seine unterbrochenen Arbeiten in der Bibliothek und seine Vorlesungen wieder aufnehmen konnte, allein, sein Körper war hinfälliger geworden. Ein Choleraanfall raffte ihn am 27. Sept. 1852 in kurzer Zeit hinweg.
Klarheit der Anschauung, feine Beobachtungs- und Kombinationsgabe, gründliche, vorsichtige, gewissenhafte Prüfung, unablässige durch reife Kenntniß der romanischen, slavischen und deutschen Sprache geförderte Forschung zeichnen die geistigen Arbeiten des stillen, einfachen und bescheidenen Mannes aus, der, jedem zugänglich, der Unnatur feind, von edlem Charakter war. In Anerkennung seiner. großen wissenschaftlichen Leistungen war Schmeller als Mitglied der Akademien der Wissenschaften zu Berlin, Wien und Padua und von zwölf gelehrten Vereinen und Gesellschaften erwählt worden.
Pleickhard Stumpf: Denkwürdige Bayern. Kurze Lebensbeschreibungen verstorbener verdienter Männer, die in dem Ländergebiete des jetzigen Königreiches Bayern geboren oder durch längern Aufenthalt ihm angehörig waren. München; 1865.
#Das Bayerland (1898)
Die »Ruhmeshalle« unter den Arkaden des südlichen (älteren) Friedhofes in München.
Von C. Reber.
7. Dr. Johann Andreas Schmeller, Sprachforscher und Germanist, geboren zu Tirschenreuth in der Oberpfalz am 6. August 1785 als Sohn eines armen Kürbenzäuners.
Früh schon lernte er das Wandern; denn als er erst zwei Jahre alt war, verzogen seine Eltern nach Rinnberg bei Pfaffenhofen.
Zu Hause vorbereitet, besuchte er vom Jahre 1794 an die Schule zu Pörnbach und fand dann durch Verwendung eines Gönners im Seminare des Klosters Scheyern Aufnahme. Doch nur kurze Zeit war dort seines Bleibens: im nächsten Jahre wurde das Kloster von französischem Kriegsvolke besetzt, und er mußte wieder wandern. Sein nächstes Ziel war Ingolstadt, wo er das Gymnasium besuchte. Auch hier blieb er nicht lange, sondern wandte sich nach München, wo er das Gymnasium und sodann das Lyceum absolvierte.
Nun hieß es einen Lebensberuf wählen! Am meisten hätte ihn wohl das Studium der Chemie und Mechanik angezogen, doch konnte er sich bei seiner Mittellosigkeit keinen Erfolg versprechen, deshalb wandte er sich der Landwirtschaft zu, allerdings ohne durch sie befriedigt zu werden.
Für seine erste Arbeit »über Schrift und Schriftunterricht« fand er keinen Verleger, und da seine Barmittel fast gänzlich erschöpft waren, beschloß er, sich an den damals gerade berühmt gewordenen Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi zu wenden. Im Alter von 18 Jahren mit 25 Gulden bar trat er die Wanderschaft nach der Schweiz an – es war vergebens, er fand auch dort keine Aufnahme.
Da, eines Tages, Schmeller mochte wohl gerade, die Straßen durchschreitend, über seine mißliche Lage Nachdenken und dabei ein verzweifeltes Gesicht machen, sprach den etwas fadenscheinig Gekleideten einer jener Werber an, die damals die ganze Welt durchstreiften.
Dem jungen Manne mußte bei seiner Lage und Aussichtslosigkeit das in den glänzendsten Farben geschilderte Militärleben schon als halbwegs glänzend erscheinen, so ließ er sich denn für ein spanisches Regiment anwerben und war bald auf dem Wege nach Spanien. In Tarragona, wo sein Regiment stand, verlebte er harte Monate. Im Jahre 1806 aber hatte sich seine Lage schon wieder verbessert. Er wirkte als Lehrer in Madrid an einer nach Pestalozzis Grundsätzen eingerichteten, für Offizierssöhne bestimmten Probeschule. Die Probe scheint die Schule allerdings nicht bestanden zu haben, denn zwei Jahre später erfolgte ihre Auflösung. Schmeller griff wieder zum Wanderstabe und wandte sich nach der Schweiz zurück. In Basel gründete er eine Privatanstalt, später wirkte er noch in Konstanz.
Als sich im Jahre 1813 ganz Deutschland gegen den korsischen Eroberer erhob, litt es auch Schmeller nicht mehr in der Fremde. Am Sylvesterabende desselben Jahres kehrte er nach München zurück und schloß sich sofort den bayerischen Freiwilligen an. Wenige Tage darauf schon wurde er auf Verwendung des Kronprinzen Ludwig zum Oberlieutenant bei dem freiwilligen Jägerbataillon des Illerkreises befördert. Zum Kampfe kam er zwar nicht mehr, doch führte ihn der Feldzug von 1815 nach Frankreich. Im kgl. bayer Armeemuseum zu München wird das Kaskett, das er beim Ausmarsche trug, aufbewahrt.
Nach seiner Rückkehr aus Feindesland erhielt er als Lieutenant unbestimmten Urlaub, den er sich zu verschiedenen Malen wieder verlängern ließ. Unverdrossen arbeitete er, der jetzt wieder Gelehrter war, an seinen großen sprachwissenschaftlichen Werken. Nach zehn Jahren heißen Mühens gelang es ihm endlich, unterstützt durch den Kronprinzen und die kgl. Akademie der Wissenschaften, eine außerordentliche Professur für deutsche Sprache und Literatur an der Münchener Universität zu erhalten.
Seine Hauptwerke sind das »Wörterbuch der bayerischen Mundart« und »Grammatik der Mundarten«. Durch sie ward er der Begründer der wissenschaftlichen Mundartenkunde und Erschließer des bayerischen Sprachschatzes, sie sind das glänzendste Denkmal, das ein Forscher einer Mundart setzen konnte.
Auch dichterisch war er thätig, doch veröffentlichte er nichts, er freute sich nur der poetischen Übung.
Infolge eines Choleraanfalles starb der hochverdiente Gelehrte am 27. Juli 1852 zu München in dem Hause Nr. 9 an der Theresienstraße, welches durch eine entsprechende Gedenktafel kenntlich gemacht ist.
Eine Vereinigung von Freunden und Verehrern ließ durch den Bildhauer Johann Halbig unter Benützung der Totenmaske und eines Ölbildnisses eine Büste Schmellers herstellen, welcher ein Ehrenplatz in der kgl. Hof- und Staatsbibliothek angewiesen wurde.
Von dieser Büste ließ die Stadtgemeinde München aus ihren Mitteln einen Abguß machen, der im Jahre 1853 in einer Nische unter den Arkaden Aufstellung fand.
Außerdem erinnern noch ein Medaillonbildnis an der Südfacade des kgl. Wilhelmsgymnasiums und der Name einer Straße in München, dem Schauplatze seiner Hauptthätigkeit, an ihn.
Aber auch seine Geburtsstadt Tirschenreuth, ehrte ihren großen Sohn durch Errichtung eines Denkmals, das am 20. Juli 1891 enthüllt wurde.
C. Reber: Die »Ruhmeshalle« unter den Arkaden des südlichen (älteren) Friedhofes in München. Das Bayerland. München, 1898.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Schmeller Johann Andreas, Dr. phil., 1785 (Tirschenreuth/Opf.) – 1852, Germanist, Universitätsprofessor und Bibliotheksrat; aus ärmlichen Verhältnissen stammend konnte er sich ein Studium in der Jugend nicht leisten, er trat deshalb in ein Schweizer Regiment ein, das in spanischen Diensten stand, wurde 1806 Lehrer an einer in Madrid nach Pestalozzis Grundsätzen eingerichteten Probeschule und gründete, selbst ein Freund des Schweizer Pädagogen, in Basel eine Privatanstalt (1808); nach den Befreiungskriegen, an denen er als bayerischer Freiwilliger teilnahm, widmete sich Sch. vorzugsweise der Erforschung der bayerischen Mundart.
Hauptwerke: Die Mundarten Bayerns, grammatisch dargestellt, und Bayerisches Wörterbuch (1827–37; 2. Aufl., v. G. Karl Frommann 1868/77; unveränderter Nachdruck der 2. Aufl. 1939, 2 Bde.); diese Arbeiten legten durch ihre strenge Methode, vor allem in bezug auf die Lautlehre, den Grund zu wissenschaftlichen Forschungen der deutschen Dialekte überhaupt und sind heute noch unentbehrliche Nachschlagewerke.
© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#2 – 7 – 41 (Auer)
MAX JOSEF
AUER
PORZELLANMALER
1795 – 1878
- Auer, Max Josef; 14.7.1805 (München) – 11.5.1878 (München); Porzellanmaler


#Max Josef Auer
* 14.7.1805 (München)
† 11.5.1878 (München)
Porzellanmaler
#Kunstvereins-Bericht für 1878 (1879)
Nekrologe.
Maximilian Joseph Auer,
Porzellanmaler,
geboren am 14. Juli 1805 zu Nymphenburg, erhielt von seinem Vater Anton Auer (1777–1814), welchen man mit Recht den Gründer einer neuen Schule der Porzellanmalerei nennen darf, den ersten Unterricht im Zeichnen. Nach dem frühen Tode desselben lernte der Knabe bei Professor Mitterer. Auer machte so rasche Fortschritte, daß bei der Kunstausstellung des Jahres 1817 schon Köpfe zugelassen wurden, welche der kaum zwölfjährige Zögling der Münchener Akademie nach der Antike gezeichnet hatte. Im Jahr 1823 trat Auer in die unter Professor Gärtner's Leitung stehende Porzellanmanufaktur, wo er durch Inspektor Adler sich der Schmelzmalerei widmete, und schon 1829 mit der Fortsetzung des kostbaren von seinem Vater im Auftrage des nachmaligen Königs Ludwig I. begonnenen Service's betraut wurde, woran Heinzmann, Le Feubre, Philipp Kristfeld u. a. in gleicher Weise theilnahmen. Außer vielen Tellerbildern mit Copien nach den berühmtesten Bildern der Pinakothek machte Auer auf zehnzölligen Platten das Bildniß der Helene Forman nach Rubens, das Portrait des Sir Bryan Tuke nach Holbein, 1833 die beiden Flügelbilder vom Sebastian-Altar des Vater Holbein (Barbara und Elisabeth), beide auf Platten von 22 Zoll Höhe und 10 Zoll Breite. Auer arbeitete mit einer Treue, Vollendung und Ausführung, welche ihm seiner Zeit einen nicht unbedeutenden Ruf erwarben. Jede der grossen Kunstausstellungen brachte neue Proben seines Fleißes, so z. B. 1848 »Kastor und Pollux entführen die beiden Schwestern Phöbe und Clair« nach Rubens; eine »Madonna« nach Lorenzo di Credi, und »das Portrait des Bindo Altoviti« nach Raphael. Auch im Bereiche des Aquarell und der Glasmalerei bewährte sich Auer in erheblicher Weise (eine »Madonna« nach Murillo war noch 1858 im Münchener Kunstverein), doch hinderte ihn zuletzt ein bedenkliches Augenleiden an der Ausübung seiner Kunst. Aus seiner glücklichen Ehe mit der ehedem vielgerühmten Pianistin Karoline Wiesner stammte ein Sohn, die Freude und der Trost seines Alters, welcher 1866 und 1870 auf dem Felde der Ehre kämpfte und bei Erstürmung der Fröschweiler Höhen das eiserne Kreuz erwarb. Auer starb am 11. Mai 1878 nach längerem Leiden.
Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München während des Jahres 1878. München, 1879.
#Allgemeines Künstler-Lexicon (1895)
Auer, Maximilian Joseph, Porzellan- und Emailmaler, geb. 14. Juli 1805 in Nymphenburg, † 11. Mai 1878 in München, Sohn und Schüler des Anton A., auch Schüler von Mitterer. Ausser der Fortsetzung seines Tafelservices hat man von ihm Porzellangemälde von Portrait- und Historienbilder nach Rubens und Holbein. Er betrieb auch die Aquarell- und Glasmalerei.
Allgemeines Künstler-Lexicon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Vorbereitet von Hermann Alexander Müller. Herausgegeben von Hans Wolfgang Singer. Erster Band. Frankfurt am Main, 1895.
#Allgemeine Deutsche Biographie (1902)
Auer: Max Joseph A., Porzellanmaler, geboren am 14. Juli 1805 zu Nymphenburg, erhielt den ersten Unterricht von seinem Vater Anton Auer (geboren am 4. März 1778, † am 25. October 1814), dem eigentlichen Gründer einer neuen Schule auf dem Gebiete der Schmelzmalerei, später in der Zeichnungsschule des Professors Mitterer. Schon 1817 lieferte der kaum zwölfjährige Zögling der Akademie vorzügliche Zeichnungen nach antiken Köpfen für die Kunstausstellung; 1823 wurde A. in die königl. Porzellanmanufactur aufgenommen und erlernte die Schmelzmalerei unter Gärtner und Adler. Im Jahre 1829 erhielt A. die Fortsetzung des kostbaren, von seinem Vater für König Ludwig I. begonnenen Tafelservices. Großen Ruf erwarb A. durch die Vollendung und Feinheit seiner Ausführung. Er lieferte viele Tellerbilder mit Copien nach den Meisterwerken der damaligen Bildergalerie (nachmals Alte Pinakothek) und ähnliche Reproductionen auf kleineren und größeren Platten nach Rubens (»Christus und Johannes als Kinder«; »Bildniß der Helene Forman«; »Kastor und Pollux entführen die Töchter des Königs Leukippos«), Holbein (»Bildniß des Schatzmeisters Sir Bryan Tuke«; »S. Barbara und Elisabeth«), Lorenzo di Credi (»Madonna«), Raphael Santi (»Bindo Altoviti«) u. s. w. Alle Kunstausstellungen brachten erhebliche Proben dieser Technik. Eine sehr lehrreiche Sammlung ist in der Neuen Pinakothek untergebracht, mit einem besonderen Katalog über die Copisten und Maler. Später wendete sich A. zum Aquarell und der Glasmalerei (eine »Madonna« nach Murillo 1858 im Kunstverein), doch hinderte ihn zuletzt ein bedenkliches Augenleiden an der Ausübung seiner Kunst. Er starb zu München am 11. Mai 1878.
Vgl. Kunstblatt 1829, Stuttgart, S. 194. Baierische Annalen 1834, S. 883. Deutsches Kunstblatt, Berlin 1850, I, 385. Nagler-Meyer, Künstlerlexikon, 1878, II, 435.
Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1902.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Auer Max Josef, 1795 (München) – 1878, Porzellanmaler; den ersten Zeichenunterricht erhielt A. von seinem Vater Anton Arnold A. und nach dessen Tod von H. J. Mitterer; 1823 trat A. in die Nymphenburger Porzellanmanufaktur ein, wo er mit Adler, Heinzmann, Le Feubre und Kristfeld das von seinem Vater begonnene Tafelservice vollendete; außerdem malte A. viele Teller- und Tafelbilder nach Originalen in der Alten Pinakothek, die zum Großteil in der Porzellangemäldesammlung der Bayerischen Staatsgemäldesammlung aufbewahrt sind; später war er auch als Aquarellist und Glasmaler tätig; großen Ruf erwarb sich A. durch die Vollendung und Feinheit seiner Ausführung.
Hauptwerke: Kopien nach Rubens: Christus und Johannes als Kinder, Bildnis der Helene Forman, Kastor und Pollux entführen die Töchter des Königs Leukippos, nach Holbein: Bildnis des Schatzmeisters Sir Bryan Tuke, S. Barbara und Elisabeth, Lorenzo di Credi: Madonna, Raffael Santi: Bindo Altoviti.
© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.