SECTION 10

- 10 – 1 – 7 (Hartmann)
- 10 – 1 – 39* (Büffel)
- 10 – 1 – 46* (Röckel)
- 10 – 1 – 51·52 (Danner)
- 10 – 1 – 54 (Eilles)
- 10 – 1 – 56 (Hüther)
- 10 – 2 – 1* (Degenhard)
- 10 – 2 – 3 (Lauth)
- 10 – 2 – 4 (Moosrainer)
- 10 – 2 – 7 (Lammerer · Stössel)
- 10 – 2 – 25 (Gottgetreu)
- 10 – 2 – 32 (Ille)
- 10 – 2 – 49 (Lier)
- 10 – 2 – 56 (Podbertsky)
- 10 – 3 – 55 (Mayr)
- 10 – 4 – 10·11* (Klein)
- 10 – 4 – 45* (Fink)
- 10 – 6 – 52 (Heiden)
- 10 – 6 – 53 (Schmidt)
- 10 – 6 – 55 (Lachner · Riemerschmid)
- 10 – 7 – 1·2 (Rottenhöfer)
- 10 – 7 – 29* (Macherl)
- 10 – 8 – 2 (n. n.)
- 10 – 8 – 5 (n. n.)
- 10 – 8 – 15 (Friedrich · Kirschner)
- 10 – 8 – 26 (n. n.)
- 10 – 8 – 31 (n. n.)
- 10 – 9 – 4 (Kayser)
- 10 – 9 – 26 (Schachinger)
- 10 – 9 – 32·33 (Kellerer)
- 10 – 9 – 37·38 (Wolf)
- 10 – 9 – 39·40 (Günther · Wunschwitz)
- 10 – 9 – 53 (Köhler · Oeschey)
- 10 – 9 – 55 (Krönauer)
- 10 – 10 – 3·4 (Bartenhauser)
- 10 – 10 – 8 (Weishaupt)
- 10 – 10 – 12* (Hammerl)
- 10 – 10 – 13·14 (Prantl)
- 10 – 10 – 18 (Jacobi · Nenning)
- 10 – 10 – 19 (Breitung · Sutor auf Seiboltsdorf)
- 10 – 10 – 23·24 (Beckers)
- 10 – 10 – 27·28 (Hausmann)
- 10 – 10 – 29·30 (Beckers)

#10 – 1 – 7 (Hartmann)
Hier ruhen
Frau Louise Hartmann
geb. 11. Sept. 1814 gest. 3. Mai 1857
Herr August Hartmann
Kassier d. Steuerkat. Commiss. a. D.
geb. 16. Nov. 1806 gest. 27. Mai 1880,
Herr Dr. August Hartmann
k. Oberbibliothekar a. D.
geb. 25. Jan. 1846 gest. 23. März 1917
- Hartmann, August; 16.11.1806 – 27.5.1880 (München); ehemaliger Kassier der Steuerkataster-Kommission
- Hartmann, August, Dr. phil.; 25.1.1846 (München) – 23.3.1917 (München); Bibliothekar und Musikforscher
- Hartmann, Luise (vh); 11.9.1814 – 3.5.1857 (München), 42 Jahre alt; Steuerkatasterkassierers-Gattin



#Dr. phil. August Hartmann
* 25.1.1846 (München)
† 23.3.1917 (München)
Bibliothekar und Musikforscher
#Münchner Neueste Nachrichten (24.3.1917)
Lokales
München, 24. März
Hof- und Personal-Nachrichten
Oberbibliothekar a. D. Dr. August Hartmann †. Am Freitag verschied in München Oberbibliothekar a. D. Dr. August Hartmann, ein verdienstvoller Bibliothekbeamter und Gelehrter, dessen unermüdlicher Forscherfleiß uns eine Reihe höchst wertwoller Ergebnisse hauptsächlich auf dem Gebiete der bayerischen Volksdichtung und Volkskunde vermittelt hat. Im vorigen Jahre konnte Dr. Hartmann seinen 70. Geburtstag begehen. Von 1875 bis 1911 gehörte er zu den Oberbeamten der Kgl. Hof- und Staatsbibliothek, wo er von 1878–1887 als Sekretär, von 1887–1898 als Kustos, von 1898 bis 1909 als Bibliothekar und von da ab als Oberbibliothekar neuerer Ordnung wirkte. Dr. Hartmann war vielfach literarisch tätig. Die von Weichold begonnen Untersuchungen über die Oberbayerischen Weihnachtsspiele setzte er in glücklicher Weise fort und dehnte sie auf die Volksschauspiele überhaupt aus. Seine 1880 erschienene umfangreiche Sammlung der Volksschauspiele in Bayern und Oesterreich-Ungarn umfaßt eine ganz stattliche Anzahl anspruchsloser Komödien, die auf dem Lande gespielt wurden und mündlich oder in dürftigen Aufzeichnungen sich fortpflanzten. Ein würdiges Seitenstück hiezu bildet seine bayerisch-österreichische Volksliedersammlung, sowie die Herausgabe der Regensburger Fastnachtspiele. Die Lieder des altbayerischen Meistersängers Hans Hesseloher fanden in ihm einen verständnisvollen Herausgeber und zur vierten Hundertjahrfeier von Hans Sachs veröffentlichte er als Festgabe »Deutsche Meisterlieder-Handschriften«. Eine besonders ersprießliche Tätigkeit entfaltete Dr. Hartmann im Historischen Verein für Oberbayern.
Münchner Neueste Nachrichten Nr. 151. Samstag, den 24. März 1917.
#Centralblatt für Bibliothekswesen (1890)
Personenverzeichnis der Beamten an Bibliotheken etc.
München.
Kgl. Hof- und Staatsbibliothek.
7. Dritter Kustos Dr. pil. August Hartmann, prot., geb. 25. Januar 1846, stud. klassische und germanische Philologie, 1870 philol. Staatsprüfung; 1875 Hülfsarbeiter an der Kgl.Staatsbibliothek, 1876 Assistent, 1878 Sekretär, 1887 Kustos.
Centralblatt für Bibliothekswesen. Leipzig. 1890.

#10 – 1 – 39* (Büffel)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Büffel, Alois; 17.3.1789 (Hochanger/Österreich) – 27.5.1842 (München); Bildhauers-Sohn / Generalpostadministrationssekretär und Schriftsteller
Das Grab ist nicht erhalten
#Alois Büffel
* 17.3.1789 (Hochanger/Österreich)
† 27.5.1842 (München)
Bildhauers-Sohn / Generalpostadministrationssekretär und Schriftsteller
#Gelehrtes München im Jahre 1834 (1834)
Büffel, Alois Joseph, Königl. Bayer. Postbeamter, geb. 1789 den 15. März, am Hochanger, Pfarrei St. Martin bei Lofer im gegenwärtigen Herzogthume Salzburg, Sohn eines Bildhauers und Graveurs. Er betrat am 1. November 1800 die lateinische Vorbereitungsschule im Stifte St. Peter zu Salzburg; vollendete alle Gymnasial- und Lyzeal-Studien; widmete sich den Studien der Jurisprudenz und Kammeralistik und absolvirte diese Fakultäts-Kurse im May 1811. Im Jahre 1812 begab er sich nach München, um sich für das höhere Lehrfach auszubilden. – In diesem Zeitraume von 1812–14 wählte er die griechische und lateinische Literatur zu seiner ausschließlichen Beschäftigung, unter den lebenden Sprachen cultivirte er besonders die Französische. Umstände veranlaßten ihn, eine andere Laufbahn einzuschlagen. Er wurde im September 1814 als Postoffizial in Amberg angestellt, wo er bis zum 30. März 1830 ausdauerte. – In Amberg, wo er sehr wenige literarische Berührungspunkte traf, weihte er seine freien Stunden der Literatur der Alten und Neuen und legte seine ersten Dichterproben in einem Bändchen: »Poetische Blüthen« nieder. Von Amberg im März 1830 nach Bayreuth versetzt, kam er auf sein Ansuchen im August desselben Jahres nach München, wohin stets sein Augenmerk gerichtet war. Seine Schriften, die von ihm erschienen, zerfallen in ihrer chronologischen Reihenfolge in nachstehende:
Poetische Blüthen. 8. Amberg, 1819. Ulmann. San Pietro v. Bastelica, dramat. Dichtung in 5 Act. 8. Bamberg u. Würzb. Gödhard. Hero u. Leandros, Drama in 5 Acten, 1822. Ebend. Dramatische Blüthen: Graf Albrecht v. Altenburg. — Zapolyas. — Prokris und Kephalos. 8. 1833. Ebend. Die Hochalpe, Idyllischer Roman. 8. 1824. Ebend. Das St. Johanniskind, Drama mit Vorspiel. 8. 1824. Ebend. Antiope, Monatschrift v. 1825-1826 in 24 Heft. Müller in Amb. u. Michaelis in Münch. Die Pilgernächte des Meisters Tisotheus, Roman in 2 BVdch. Amb. u. Leipz. Müller. Winkelmann, Drama in 5 Akten, 1824. Ebend. Irr- u. Minnefahrten des Ryno-Noryr, 3 Novellen. 12. München, 1828. Michaelis. Noryssa, Sonettenkr. aus d. Norischen Alpen. Würzb. 1831. Ettlinger. Das Lebewohl, Otto's I. König v. Griechenland, Romanzenkranz. München. 1833. Georg Jaquet. Er lieferte Beiträge in das Unterhaltungsbl. von Dr. Wilhelmi. Nürnb. 1816–1818 Campe. In die Eos von 1818–23. In die Brockhausischen Unterhaltungsblätter in Leipzig. In den Orpheus des Dr. Weichselbaumer. In die Wiener-Zeitschrift 1830–1833. In den Horizont. In die Vesta, Weschè in Frankfurt a/M. 1824.
Adolph von Schaden: Gelehrtes München im Jahre 1834. München, 1834.
#Lemberger Zeitung (10.6.1842)
Neues und Gemeinnütziges
aus der Nähe und Ferne.
— In München ist am 27. Mai der Secretär bei der Generalpost-Administration, Alois Büffel, im 53sten Jahre gestorben. Er hat sich durch eine große Anzahl belletristischer Schriften und zerstreuter Aufsätze in Zeitschriften ehrenvoll bekannt gemacht. Unter seinen poetischen Werken verdient besonders »des Kaisers Schatten« erwähnt zu werden.
Lemberger Zeitung Nro. 65. Freitag, den 10. Juni 1842.
#Der Bayerische Eilbote (13.7.1842)
A. Büffel.
Er besang, vor beinahe 15 Jahren, Sebast. Plinganser. Die Worte, welche Büffel dem Helden seines Gedichtes nachrief, rufe ich zurück, um sie in seinem Epithaphium angebracht zu sehen.
Und Du? fragten sie nach Deinen Thaten?
Ward der Lorbeer Dir gereicht?
Blitzen an der Brust Dir Sterne?
Keiner! als nur Deine That!
Geräuschvoll, wie Plinganser, trat Büffel nicht auf; aber Werth, Gewicht hatte sein Leben, nach Zeugniß der A. allg. Zeitung.
»Das sinnige Leben wehrte dem tatenvollen ab.
Ihm reichte der Tod erst seine Krone!«
C.
Der Bayerische Eilbote No. 83. München; Mittwoch, den 13. Juli 1842.
#Der Bayerische Eilbote (15.7.1842)
Bayern.
Dem Verfasser des im Eilboten Nr. 82 unter der Aufschrift : »Alois Büffel« Eingesandten, kann man mit Bestimmtheit sagen, daß auf Büffels Epithaphium die wenigen bescheidenen Strophen gesetzt werden, die der Vollendete selbst, sein baldiges Ende fühlend, schon im vorigen Jahre zu diesem Zwecke schrieb. Schon auf seinem Sarge, und bald darauf auf seinem Grabe blühte ihm die Anerkennung in Lorbeerkränzen auf, deren Anblick folgende Strophen, die nun hier stehen mögen, ihre Entstehung verdankten, wahr und schmucklos, wie sie einer Freundesbrust entquollen:
Der Abend naht, schon senket heil'ge Ruhe
Auf dies Gefild des Friedens sich herab,
Des Friedens, der dem müden Erdenpilger
Erst hier in Grabes Kühle freundlich blüht.
Auch Du, o Freund, hast ihn nun hier gefunden,
Auch Dir erblüht er erst in dieser Gruft,
In der Du, friedlich schlummernd, jetzo ruhest,
Ein müder Sänger, von der Pilgerfahrt.
Die Sonne sinkt, schon glänzt am dunklen Himmel
Im milden Lichte sanft der Abendstern,
Er ist's, zu dem in, trüben Lebensstunden
Vertrauungsvoll Du oft hinaufgeblickt,
Und, hoffend, stets in ihm den Freund gefunden,
Den Treuen, treu, wie Dir nicht Jeder war.
Verbunden war't ihr euch in diesem Leben,
Jetzt blinkt er freundlich über Deinem Grabe.
Zwei volle Kränze seh' ich lieblich blühen
Auf diesem Hügel, sinnig Dir vereint,
Von duft'gen Blumen athmet süß der Eine,
(Ihn spendete der Kindes Liebe Hand);
Und stolz, vom dunklen Grün des Lorbeerreifes
Gewunden, schwellt der andre, herrlich, Dir,
So blühen Dir nun freundlich Kunst und Liebe,
Wenn auch am Grabe erst vereinigt, auf.
Und was Dein Lied einst ahndungsvoll gesungen,
Das hat an Dir sich treulich so bewährt,
Jetzt erst, da Deiner Leyer Tön' verklungen,
Wird Dir des Dichters heil'ger Schmuck gewährt,
Mit Kränzen wird die Welt im Grab Dich lohnen:
»Der Tod erst reicht dem Teutschen seine Kronen!«
Der Bayerische Eilbote No. 84. München; Freitag, den 15. Juli 1842.
#Geschichts-Kalender (1892)
1842. 11. Tod des Dichters Alois Büffel.
Er ist am 15. März 1789 zu Hochanger im Salzburgischen geboren, studirte die Rechte und Kameral und starb als Postbeamter in München. Er schrieb »Poetische Blüthen«; »Dramatische Blüthen«; »Noryssa, ein Sonettenkranz«; ferner einige Romane; das Drama »Winckelmann's Tod, etc.
Geschichts-Kalender oder: Tägliche Erinnerungen aus der Welt- und Kirchen, Kunst- und Literaturgeschichte. Von P. Kaspar Kuhn, Benediktiner in Ottobeuren. Regensburg. 1892.

#10 – 1 – 46* (Röckel)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Röckel, Wilhelm; 23.7.1801 (Schleissheim/München) – 2.1.1843 (München); Historienmaler
Das Grab ist nicht erhalten
#Wilhelm Röckel
* 23.7.1801 (Schleissheim/München)
† 2.1.1843 (München)
Historienmaler
#Geschichte der neueren deutschen Kunst (1840)
WILHELM RÖCKEL AUS SCHLEISSHEIM, GEBOREN IM JAHRE 1804.
Röckel hat im Neuen Schlosse das Schlafzimmer des Königs gemalt, nach Zeichnungen von Hess, und im Gesellschaftssaale nach Schwanthalers Zeichnungen. Die Bilder des ersten Zimmers sind aus dem Theokrit, die des letzten aus dem Sophokles genommen; in diesem letzten sind nur zwei Gemälde von Hansen ausgeführt, die übrigen alle von Röckel. Das Gesellschaftszimmer ist ein von denjenigen, deren allgemeine Wirkung den Blick am meisten erfreut.
In den Arkaden ist das dritte Gemälde, vorstellend die Vermählung Otto's des Erlauchten mit Agnes von Hohenstaufen, Pfalzgräfin bei Rhein, im Jahre 1225, von Röckel entworfen und ausgeführt. Die Gesichtsbildung der einzelnen Personen dieses Gemäldes ähneln sich auffallend, und der Stempel derselben ist nicht glücklich: die Züge sind auch zu winzig und die Köpfe zu klein im Verhältnis zur Länge der Gestalten. In den Gemälden des Schlosses ist es diesem Maler besser gelungen.
Gegenwärtig hat Röckel sein Talent auf die Glasmalerei gerichtet, und als ich im Jahre 1837 zu München war, beschäftigte ihn der Tod der Maria, nach Schraudolfs Carton. Er zeichnet sich in diesem Fache sehr aus.
Man spricht auch mit Lobe von einem Gemälde Röckels, Apollo unter den Hirten, welches er für den Baron Pless gemalt hat.
Graf Athanasius Raczynski (Übersetzung: Friedr. Heinr. von der Hagen): Geschichte der neueren deutschen Kunst. Berlin, 1840.
#Kunstvereins-Bericht für 1843 (1844)
Biographische Notizen.
VIII.
Am 2. Januar d. Js. starb in München der Historienmaler
Wilhelm Röckel.
Sein Geburtsort ist Schleißheim, wo der Vater die Geschäfte eines Hofglasers und das Amt eines Galleriedieners versah. Geboren am 23. Juli 1801 und gewissermassen aufgewachsen unter den Meisterwerken der alten Malerschulen, zeigte er frühzeitig Lust und Talent zur Kunst. Schon als siebenjähriger Knabe zeichnete er scharf ausgeprägte Gestalten nach, ja er fertigte um diese Zeit sein eigenes Bildniß nach dem Spiegel mit einer solchen Lebendigkeit, daß an seinem Beruf zur Kunst wohl nicht zu zweifeln war. Dessenungeachtet betrat er die Straße des gewöhnlichen Schulunterrichtes, erst in Passau, dann in München, wo er es, um den damals herrschenden Schulausdruck zu brauchen, bis zur »Poesie« brachte. Von dieser Höhe wandte er sich, nachdem er bereits für sich ununterbrochen gezeichnet und gemalt, unmittelbar dem Kunststudium zu. Der damalige Direktor der Akademie, von Langer, nahm ihn jedoch nicht auf, ohne eine genügende Probe seines Talentes zu sehen, und Röckel zeichnete den Tod Abels als einen Carton mit fast lebensgroßen Figuren. Dürfte es auch wohl der Poesie eher als der bildenden Kunst gelingen, aus der Tiefe des Gemüthes den Ausdruck zu holen für den Schmerz der ersten Eltern über den ersten Todten, so sprach sich doch sowohl in der Wahl des Gegenstandes, als in der Weise der Ausführung sogleich die Richtung auf innerliches Leben und Empfindung aus.
Als Cornelius nach München kam, schloß sich Röckel mit Liebe und Vertrauen an ihn an und erkannte in ihm fortan seinen Meister. Während des Sommers 1823 malte er eifrig unter der Leitung desselben in der Glyptothek al fresco, und folgte ihm im Herbst desselben Jahres nach Düsseldorf. Dort gehörte er einem Freundeskreise an, der durch gemeinsame Verehrung für den Meister Cornelius und durch gemeinsamen Eifer für die Kunst zusammengehalten wurde.
In Düsseldorf zeichnete er einen größern zur Ausführung al fresco bestimmten Carton, Apoll unter den Hirten, ein Bild voll der sinnigsten Motive. Leider war er mit dem Technischen der Frescomalerei noch zu wenig vertraut, als daß das Unternehmen in der Ausführung gelingen konnte; allein die Zeichnung bleibt immer ein gültiges Zeugniß seiner Kunst.
Nach München zurückgekehrt, übernahm Röckel im Jahr 1827 eines der Arkadenbilder, die Vermählung Otto des Erlauchten mit der Pfalzgräfin Agnes. Auch hier bewährte er den ihm eigenthümlichen Sinn, in das Gemüthsleben einzudringen, und benutzte eine mehr äußerliche und ceremonielle Handlung zu den speziellsten Chrakterschilderungen, so daß auf dem ganzen reichen Bilde keine Gestalt zu nennen wäre, deren Einzelleben ihm nicht Gegenstand besonderer Theilnahme gewesen wäre.
Nach Beendigung des Arkadengemäldes nahm Röckel an den Arbeiten im Königsbau Theil, in welchem er Bilder aus den Gesängen des Theokrit, theils nach Entwürfen des Herrn Prof. H. v. Heß, theils nach eigenen ausführte.
Auf diese Weise in nähere Beziehung zu letztgenanntem Künstler gebracht, ward er von demselben aufgefordert, an den Zeichnungen sich zu betheiligen, welche für die Glasmalereien der Auer Kirche unter seiner Leitung angefertigt wurden. Er übernahm diese Arbeiten zugeich mit der Verpflichtung, sie auf Glas auszuführen. Von seiner Hand ist, ausser einigen kleinern Tafeln die Hochzeit zu Cana und die Grabtragung Mariä in der Auer Kirche, zwei Bilder von denen vornehmlich das letztere durch Tiefe und Schönheit des Ausdrucks, beide aber durch den Reiz einer liebevollen Ausführung sich auszeichnen.
Inzwischen hatte seine Gesundheit zu leiden angefangen. Während aber ein schmerzliches Fußübel ihn hinderte, dem Beruf als Maler zu obliegen, hatte er zur Feder gegriffen und eine Novelle, »die Beterin an der Mariensäule«, ist uns als doppeltes Zeugniß seiner Schaffenslust durch den Druck übergeben worden.
Sobald es seine Körperkräfte gestatteten, kehrte er zur Malerei zurück, die er mit jugendlicher Innigkeit zu lieben nie aufgehört hatte. Die Verheißung Joachims, das, der Folgereihe nach erste Bild der Auer Kirchenfenster, war seine Aufgabe. Mit Feuer hat er den Gegenstand ergriffen, und mit unermüdeter Lust – trotz der sinkenden Lebenskräfte – daran fortgearbeitet. Selbst die Ahnung des nahenden Todes konnte ihm die Freude des Schaffens nicht trüben. Am 29. Dezember 1842 war er von Morgen zum Abend, aber zum letzten Male, an seiner Arbeit. Erschöpft kam er zu Hause an; Fieberzustände traten ein: alle Bilder waren Kinder seiner künstlerischen Phantasie, und seine Hand schrieb, schon ermattend, noch immer Gestalten in die Luft. Er entschlief am Abend des 2. Januars.
Mit Wehmuth und mit Theilnahme blicken wir auf sein frühes Grab; aber wenn wir daran denken, daß die Klage um den ersten Todten sein erstes Gemälde gewesen, erinnern wir uns auch daran, daß ein Bild der Verheißung sein letztes war.
Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München während des Jahres 1843. München, 1844.
#Allgemeine Deutsche Biographie (1889)
Röckel: Wilhelm R., Historienmaler, geb. am 23. Juli 1801 zu Schleißheim. Sohn eines dortigen Hofglasers und Galleriedieners, besuchte er das Gymnasium zu München, trat aber schon von der Oberclasse als Eleve in die Akademie der bildenden Künste über, wo er noch Langer's Unterweisung genoß, bis eine große, Abel's Tod vorstellende Zeichnung die Aufmerksamkeit des großen Cornelius erregte, welcher ihn zur weiteren Ausbildung mit nach Düsseldorf nahm. Hier zeichnete R. den Carton zu zwei Musen, welche nach der Angabe des Director Cornelius für das Giebelfeld des Theaters zu Aachen in Fresco gemalt wurden. Dann lieferte R. die Composition zu einer Kreuzabnahme, welche jedoch ein anderer Cornelianer für eine Kirche Westfalens in Oel ausführte. Darauf fand R. im Landhause des Freiherrn v. Messen (bei Düsseldorf) Beschäftigung, da dieser Kunstfreund einen Saal mit heiteren mythologischen Fresken schmücken ließ. R. entwarf den »Apollo unter den Hirten« darstellenden Carton und sechs Reihen Arabesken aus der gleichen Mythe. Als Cornelius Düsseldorf verließ, um seine großartigen Schöpfungen in München zu beginnen, war R. unter den Glücklichen, welche den Meister begleiteten; hier wurde ihm unter den Fresco-Bildern in den Arkaden die »Hochzeit Herzog Otto des Erlauchten« übertragen, eine nur zu figurenreiche, übrigens klar gemalte und überaus fleißig durchgebildete Composition. Neue Verwendung fand R. in der Residenz, wo er nach den kleinen Entwürfen von Heinrich Heß und L. Schwanthaler mehrere Bilder aus Theokrit (im Schlafzimmer des Königs) und Scenen aus Sophokles (im Gesellschaftszimmer des Königs) malte. In der Folge erhielt R. eine Anstellung in der königl. Porzellan-Manufactur, wo er gleichzeitig an der damit verbundenen Abtheilung für Glasmalerei viel zum Ruhme dieser frisch aufblühenden Technik leistete. R. componirte mehrere Bilder, welche er selbst auf einzelne, von Bleiverbindung freie Glastafeln malte oder von Anderen malen ließ. Für die Fenster der von Ohlmüller erbauten Auerkirche componirte R. die »Hochzeit von Cana« und malte das Bild (mit Franz Eggert's Beihülfe) in Glas (vgl. Kunstblatt 1839, S. 129 ff.). Für die von Oberbaurath Lasaulx erbaute Kirche zu Vallendar bei Koblenz malte R. als Fenster-Rosette ein liebliches Madonnenbild (Kunstblatt 1841, S. 243). Leider wurde diese schöne und erfreuliche Thätigkeit vielfach durch Krankheit gehemmt, welcher der Künstler schon am 2. Januar 1843 erlag. Auch mit der Feder wußte R. guten Bescheid und verfaßte eine kurze »Beschreibung der Freskogemälde aus der Geschichte Baierns in den Arkaden des Hofgartens« (München 1829) und schrieb die damals vielgelesene Novelle: »Die Beterin an der Mariensäule« (München 1839 und 1840; von F. Fränkel 1860 auch dramatisirt).
Vgl. Schaden, Artistisches München 1836, S. 130. – Raczynski II, 295 f. – Söltl, Bildende Kunst 1842, S. 374. – Kunstvereins-Bericht für 1843, S. 96. – Nagler, Lexikon 1843, XIII, 291. – Förster 1860, V, 72.
Hyac. Holland.
Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1889.

#10 – 1 – 51·52 (Danner)
FAMILIE DANNER
Theres Danner
geb. Zechetmayr, Cafetiersgattin
geb. d. 12. Februar 1792, gest. d. 24. April 1828.
Benno Danner
Cafetier & Gemeindebevollmächtigter
geb. d. 4. Juni 1792, gest. d. 17. Jänner 1839.
Theres Danner
geb. Paur, Gattin II. Ehe
geb. d. 11. Juli 1807, gest. d. 21. Jänner 1880.
Anna Danner
geb. Mühlbauer, Hotelbesitzersgattin zum Rheinischen Hof
geb. in Kötzting d. 24. Dezbr. 1854, gest. d. 22. Mai 1901.
Jakob Danner
Hotelbesitzer zum Rheinischen Hof
geb. in München d. 22. Aug. ¿8. Novb. 1903.
- Danner, Anna (vh) / Mühlbauer (gb); 24.12.1854 (Kötzting) – 22.5.1901; Hoteliers-Gattin
- Danner, Benno; 4.6.1792 – 17.1.1839 (München); Cafetier und Gemeindebevollmächtigter
- Danner, Jakob; 22.8.¿8 (München) – 28.11.1903 (München); Cafétiers-Sohn / Cafétier des »Café Greif und »Café Karlstor« sowie Hotelier des Hotels »Rheinischer Hof«
- Danner, Theresia (vh) / Zechetmayr (gb); 12.2.1792 – 24.4.1828 (München); Cafetiers-Gattin
- Danner, Theresia (vw) / Paur (gb); 11.7.1807 – 21.1.1880 (München); Cafetiers-Witwe



#Benno Danner
* 4.6.1792
† 17.1.1839 (München)
Cafetier und Gemeindebevollmächtigter
#Münchner Tagblatt (23.1.1839)
Hiesiges.
München verlor am letzten Donnerstage Abends 8 Uhr einen sehr geachteten Bürger, den Caffetier Herrn Benno Danner. Er hinterließ eine tieftrauernde Gattin mit sieben Kindern. Die allgemeine Theilnahme an diesem betrübenden Todfalle zeigte sich sowohl bei der Beerdigung am Sonntage, als auch gelegenheitlich des Gottesdienstes. Möge der Himmel den Hinterlassenen seinen Trost und Segen verleihen!
Münchner Tagblatt No. 23. Mittwoch, den 23. Januar 1839.

#10 – 1 – 54 (Eilles)
Selig sind die im Herrn sterben!
Hier ruhet in Gottes Frieden
unvergesslich u. innigst betrauert
unser lieber Gatte, Vater u. Grossvater
Herr Josef Eilles,
Privatier,
gest. d. 11. Aug. 1881, im 73. Lebensjahre
nach 44. jähr. glücklicher Ehe.
Er war ein eifriger Diener Gottes,
ein Vater der Armen, Wittwen und Waisen.
Dessen Gattin unsere treue Mutter
Frau Anna Eilles,
geb. d. 14. Aug. 1807, gest. d. 30. Dez. 1894.
Familien Grabstätte.
R. I. P.
- Eilles, Anna (vw); 14.8.1807 – 30.12.1894; Cafetiers-Witwe
- Eilles, Josef; 1809 (Vilseck) – 11.8.1881 (München); Cafetier


#10 – 1 – 56 (Hüther)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Hüther, Josef von; – 23.10.1888 (München), 73 Jahre alt; Galeriedirektor und Theaterleiter
- Hüther, Josefa von (vw) / Riehl (gb); 13.2.1827 – 9.5.1910; Hofrats-Witwe


#Josef von Hüther
* 10.3.1815 (München)
† 23.10.1888 (München)
Galeriedirektor und Theaterleiter
#Union (20.3.1875)
Verschiedenes.
München. Herr Hofrath Josef von Hüther, Direktor des Kgl. Theaters am Gärtnerplatz, Kgl. Direktor der neuen Pinakothek, der Glypothek etc. etc. Ritter des Verdienstordens der bayer. Krone und anderer hoher Orden begeht am Montag den 21. d. M. seinen 60. Geburtstag. Zur besondern Feier dieses Tages veranstalten die Mitglieder der hiesigen Kgl. Bühnen, insbesondere, jene des Kgl. Theaters am Gärtnerplatz einen Festabend im Saale des Augsburger-Hofes. Eine große Anzahl hervorragender Standespersonen sind geladen, um die Feier zu erhöhen, die in entsprechender Weise zu Ehren des Jubilars ihren Verlauf nehmen wird.
Union Nr. 176. Organg für Theater und Kunst. München; 20. März 1875.
#Münchner Neueste Nachrichten (25.10.1888)
Lokales
(Josef von Hüther), k. Hofrath und Direktor der k. Glyptothek und neuen Pinakothek, ist gestern Abend nach längerem schweren Leiden dahier verschieden. Ein eifriger, pflichtgetreuer Beamter mit offenem Herzen für die Interessen der Kunst ist mit ihm dahingegangen. Seine Verdienste wurden durch zahlreiche Ordensauszeichnungen belohnt. Hüther hat sich auch als Dichter einen Namen erworben. Seine Beerdigung findet am Freitag, 26. Oktober, Nachmittags 4 Uhr, auf dem südlichen Friedhofe statt.
Münchner Neueste Nachrichten No. 491. Donnerstag, den 25. Oktober 1888.
#Münchner Neueste Nachrichten (14.11.1888)
Josef von Hüther †.
Der Tod, welcher heuer eine so reiche Ernte unter hervorragenden Männern gehalten, hat am 23. Oktober 1888 auch dem Leben des kgl. Hofraths und Direktors der Glyptothek und neuen Pinakothek Josef v. Hüther ein Ziel gesetzt. Wir halten es für eine Ehrenpflicht der Presse, dem Andenken des Verstorbenen und dessen Verdiensten noch ausführlicher gerecht zu werden, als das bisher geschehen konnte.
Josef v. Hüther war geboren am 10. März 1815 zu München, als der Sohn der Burgpflegerseheleute Philipp und Magdalena Hüther, absolvirte – schon als Knabe von nimmer rastendem Fleiß beseelt – im Jahre 1833 das Wilhelms-Gymnasium zu München und besuchte hierauf die Universität. In Folge seiner besonderen Begabung und der warmen Empfehlung seiner Professoren erhielt er einen Ruf als Hofmeister zu dem außerordentlichen österreichischen Gesandten in Paris, Grafen de Samboy, welche es ihm ermöglichte, wiederholte Reisen in Italien zu machen, auf denen er Schätze von Wissen sammelte. Bereits 1836 avancirte er zum Lehrer der damaligen Prinzen und Prinzessinnen des kgl. Hauses und gleichzeitig berief ihn die Königin Therese zu sich als Sekretär. Im selben Jahre leistete er, unbeachtet der schon auf ihm ruhenden Arbeitslast, auch bereitwilligst einer Wahl in den Armenpflegschaftsrath Folge. Eine hohe Auszeichnung und zugleich Anerkennung seiner Verdienste wurde ihm 1845 zu Theil, indem ihn König Ludwig I. zum Rath und Geheimsekretär am Finanzministerium ernannte; drei Jahre später sah er sich ganz in den Dienst des Königs gezogen als Oekonomierath und mußte in Folge dessen ganz dem Staatsdienste entsagen.
Schon das nächstfolgende Jahr brachte neue Ehrungen für ihn: er sah sich von der Königin zum Sekretär des kgl. bayer. Theresienordens ernannt, welche Stellung er auch bis zu seinem Tode beibehielt. Nachdem J. v. Hüther 1853 Regierungsrath, 1863 Chef seiner Kanzlei und der Kabinetskasse geworden, brachte ihm das Jahr 1866 seine Ernennung zum Hofrath. Neben dieser bedeutenden Karriere hatte sich Hüther noch verschiedener anderer Auszeichnungen zu erfreuen, welche am deutlichsten die hohe Meinung dokumentiren, die sein König von der vielseitigen Begabung seines Beamten hatte. Früher schon mit der Obhut über Ruhmeshalle und Walhalla betraut, wurde er auch noch Direktor der kgl. Glyptothek und neuen Pinakothek und unter König Ludwig II. oberster Leiter deS kgl. Theaters am Gärtnerplatz.
Letzteren Vertrauensposten niederzulegen, sah er sich leider im Jahre 1877 genöthigt, als er an einer schweren Lungenentzündung erkrankte und in Folge dessen auf ärztliche Vorschrift hin die aufreibende Thätigkeit eines Theatervorstandes nicht mehr auf sich nehmen durfte.
Es sei uns gestattet, noch einige Züge aus dem Leben des Verstorbenen anzuführen, welche seine Eigenschaften als Patriot und Mensch beleuchten. Als Patriot sich auszuzeichnen, hatte ihm das sturmbewegte Jahr 1848 Gelegenheit gegeben; er trat damals in das Landwehrfreikorps ein und hierauf mit spezieller Einwilligung seines königlichen Herrn in die Landwehr älterer Ordnung, viele Jahre hindurch als Hauptmann der 3. Grenadierkompagnie geliebt und geehrt von seinen Untergebenen. Als warmherziger, theilnehmender Mensch betheiligte er sich an verschiedenen mildthätigen Instituten, auch hier seine ganze Kraft mit gewohntem Eifer einsetzend. So war er z. B. Mitbegründer des »Waisenvereines für die mittleren Stände in München« und seit 40 Jahren zweiter Vorstand desselben; gleichfalls seit vielen Jahren arbeitete er als Vorstand für den »Rekonvaleszenten-Unterstützungsverein« und saß in der Vorstandschaft der »Dr. von Rothmund'schen Augenheilanstalt für Unbemittelte«.
Ausgezeichnet wie als Beamter, ist er auch des höchsten Lobes als Privatmann, als Familienvater stets würdig gewesen: vierundvierzig Jahre lebte er in glücklichster Ehe mit seiner Gattin Josefa, umgeben von fünf geliebten Kindern, die nun über den Verlust des theuren Todten weinen.
Josef von Hüther hat eine Summe der vortrefflichsten Eigenschaften in sich vereinigt. Ein hervorragender, pflichttreuer Beamter, der die ihm anvertrauten Aemter mit vollsten Verständniß für alles Gute und Schöne ausfüllte, nannte er auch die schwerere Kunst sein eigen, durch seine persönlichen Eigenschaften, durch seinen unbeugsamen Rechtsinn, seine Leutseligkeit und Herzensgüte, Jedermanns Achtung und Liebe zu erringen. Sein Andenken wird ein gesegnetes sein.
Münchner Neueste Nachrichten No. 523. Mittwoch, den 14. November 1888.
#Rechenschafts-Bericht des Reconvalescenten-Unterstützungs-Vereines (1889)
Herr Josef von Hüther, königl. Hofrath und Direktor der Glyptothek und neuen Pinakothek ist am 23. Oktober 1888 gestorben.
Derselbe wurde am 3. Februar 1870 einstimmig zum Vorstand des Reconvaleszenten-Unterstützungs-Vereins gewählt. Sein Wirken für den Verein als Vorstand war bis zu seinem Tode sehr segensreich. Durch seine Vermittlung erfolgte im Jahre 1873 die Aufnahme des Reconvaleszenten-Unterstützungs-Vereines als Zweig-Verein des Sankt Johannisvereins, wodurch ersterer Corporationsrechte erlangte.
Seiner Thätigkeit ist auch zu danken, daß der Stadtmagistrat München im Jahre 1879 dem Vereine das Anwesen Baumstraße Nr. 16, in welchem sich z. Zt. noch die Anstalt befindet, zur Benützung überließ und zugleich auch die aus der Adlmann'schen Stiftung jährlich anfallende Rente von ca. 8000 M. zur Verpflegung von Reconvaleszenten dem Vereine überweist. In Folge dessen konnte die Anstalt vergrößert und die Zahl der Betten auf 20 erhöht werden.
Ferners stieg das Vereinsvermögen unter seiner ökonomischen Verwaltung auf die namhafte Summe von nahezu 150,000 M.
Möge dem herzensguten Manne, der so ersprießlich für die leidende Menschheit wirkte, die Erde leicht sein.
Der Ausschuß.
Rechenschafts-Bericht des Reconvalescenten-Unterstützungs-Vereines in München für das Jahr 1888. München; 1889.

#10 – 2 – 1* (Degenhard)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Degenhard, Benedikt; – 8.11.1886 (München), 66 Jahre alt; Historienmaler

Das Grab ist nicht erhalten
#Benedikt Degenhard
† 8.11.1886 (München), 66 Jahre alt
Historienmaler
#Bayerischer Kurier (15.3.1862)
München, 14. März. Das edle Streben, dem Sinn für wahre, namentlich für die christliche Kunst, die in unserer Landeshauptstadt in so reicher Blüthe steht, auch auf dem Lande Eingang zu verschaffen, tragt immer schönere Früchte. Dieß bezeugen viele Kirchen auch in kleineren Städten, in Märkten und selbst in Dörfern, aus denen schon manches Machwerk einer kunstlosen Hand, manches blutige Zerrbild eines Märtyrers verschwunden ist, welches eher Entsetzen erregen, als Andacht und Erhebung hervorrufen konnte. Die Behörden begünstigen mit rühmenswerthester Willfährigkeit das Bestreben, solche Produkte einer kunstarmen Zeit durch Werke von berufener Hand zu ersetzen, ein Aufschwung, der, wie er die Kirchenräume würdiger gestaltet, selbst auf Sinn und Sitten des Volkes mildernd wirken muß.
Diese Ansicht fanden wir wieder bestätigt, als uns unlängst ein freundlicher Zufall in das Atelier des Historienmalers Hrn. Benedikt Degenhart dahier führte. Der anspruchslose Künstler hatte eben ein großes Altarbild (9 Schuh hoch) vollendet, welches die letzten Momente des h. Vitus darstellt, der bekanntlich im Knabenalter den Martertod starb. Die sanfte Gestalt des himmelwärts blickenden heiligen Knaben, den ein Henker vor den dampfenden Oelkessel führt, wahrend ein heidnischer Priester, auf den Götzen deutend, ihn noch zum Heidendienst zu verleiten sucht, zwischen Priester und Henker aber die friedlichen Gestalten des h. Modestus und der h. Kreszenz, welche, Erziehungseltern des jugendlichen Märtyrers, denselben auf dem letzten Gange geleiten, im Hintergrunde die düstern Conturen Diocletians, der das entsetzliche Urtheil gefällt, oben in lichter Höhe endlich der Erlöser, von zwei Engeln umgeben – dies ist der Inhalt des erhebenden Gemäldes, welches, wie in der Zusammenstellung, auch in Zeichnung und Farbe gleich vollendet ist. Die Gemeinde Weicht, Gerichts Buchloe, deren Pfarrkirche dieses schöne Bild aufnehmen wird, darf sich hiezu Glück wünschen; wir aber wünschen dem braven Meister Glück, der mit so trefflichen Zügen das Haus Gottes zu schmücken versteht.
Bayerischer Kurier Nr. 73. München; Samstag, den 15. März 1862.

#10 – 2 – 3 (Lauth)
UNIV.-PROF.
DR. FRANZ JOSEF
LAUTH
KONSERVATOR
D. ÄGYPT. SAMMLUNG
IN MÜNCHEN
* 1822 † 1895
- Lauth, Franz Josef, Dr.; 18.2.1822 (Arzheim/Rhld.-Pfalz) – 11.2.1895 (München); Ägyptologe



#Dr. Franz Josef Lauth
* 18.2.1822 (Arzheim/Rhld.-Pfalz)
† 11.2.1895 (München)
Ägyptologe
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Lauth Franz Josef, Dr., 1822 (Arzheim/Rhld.-Pfalz) – 1895, Ägyptologe, Universitätsprofessor und Konservator der Ägyptischen Sammlungen in München; er studierte in München, war zuerst Gymnasiallehrer in Kusel und München (Wilhelms- und Maximilians-Gymnasium), bereiste (1863–1865) Ägypten und wurde dann Honorarprofessor und Konservator der Ägyptischen Sammlung, die er organisierte und wesentlich bereicherte; wegen seiner ungezügelten Phantasie sind Ls. Schriften mit Vorsicht zu benützen.
Hauptwerke: Das Vollständige Universal-Alphabet, Das germanische Runen-Fudark, Erklärendes Verzeichnis der in München befindlichen Denkmäler des ägyptischen Altertums, Homer und Ägypten, Aus Ägyptens Vorzeit, Die Phönixperiode.
© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#10 – 2 – 4 (Moosrainer)


#10 – 2 – 7 (Lammerer · Stössel)


#10 – 2 – 25 (Gottgetreu)
RUDOLF
WILHELM
GOTTGETREU
* 1821 † 1890
ARCHITEKT UND
PROF. AN DER
TECHN. HOCH-
SCHULE
- Gottgetreu, Rudolf Wilhelm; 23.4.1821 (Swinemünde, Kr. Usedom-Wollin) – 25.5.1890 (Tutzing); Architekt


#Rudolf Wilhelm Gottgetreu
* 23.4.1821 (Swinemünde, Kr. Usedom-Wollin)
† 25.5.1890 (Tutzing)
Architekt
#Biographisches Künstler-Lexikon der Gegenwart (1884)
Gottgetreu, Rudolf Wilhelm, Architekt, geb. 23. April 1821 zu Swinemünde, besuchte in Bromberg das Gymnasium, machte dann in Berlin seine Studien und ging 1842 nach München, wo er die Akademie besuchte und Schüler von v. Voit war. Daneben widmete er sich auch dem Stahlstich und war hierin thätig für Voit, Gärtner, Klenze und namentlich für Ludwig Lange, deren beste Werke er in Stahl stach. 1846 legte er das bayrische Staatsexamen ab, gab um diese Zeit auch eine große Reihe von Radierungen heraus, insbesondere Darstellungen der bedeutendsten Grabdenkmäler des (alten) Friedhofs in München. 1852 fertigte er im Auftrag des Königs Maximilian II. eine größere Anzahl von Entwürfen für die Maximiliansstraße, infolge deren er Professor der Architektur an der technischen Hochschule wurde. Neben seiner Lehrthätigkeit an dieser Anstalt entfaltete er eine ausgedehnte praktische Thätigkeit. Von ihm sind die Pläne und Entwürfe für die 1878 vollendete zweite evangelische Stadtpfarrkirche in München.
Dr. Hermann Alexander Müller: Biographisches Künstler-Lexikon der Gegenwart. Die bekanntesten Zeitgenossen auf dem Gesamtgebiet der bildenden Künste aller Länder mit Angabe ihrer Werke. Leipzig, 1884.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Gottgetreu Rudolf Wilhelm, 1821 (Swinemünde, Kr. Usedom Wollin) – 1890, Architekt, Architekturhistoriker und Professor; G., ein Landsmann und Altersgenosse Theodor Fontanes, studierte zuerst in München und wurde später Schüler von A. von Voit an der Münchner Akademie; seit 1852 Professor an der Technischen Hochschule in München, baute er u. a. das (alte) Hotel zu den Vier Jahreszeiten an der Maximilianstraße und die zweite protestantische Kirche St. Markus (1873/77); daneben widmete sich G. auch baugeschichtlichen Studien; in der Architekturgeschichte spielt er eine Rolle, weil er beim Bau der Markuskirche als erster die modernen Eisenkonstruktionen mit den neugotischen Stilformen verbindet.
© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#10 – 2 – 32 (Ille)
ED. ILLE
MALER
1822 – 1900
- Ille, Eduard; 17.5.1822 (München) – 17.12.1900 (München); Historienmaler und Schriftsteller


#Eduard Ille
* 17.5.1822 (München)
† 17.12.1900 (München)
Historienmaler und Schriftsteller
#Allgemeine Zeitung (19.12.1900)
Feuilleton.
Eduard Ille †. Dieser vielseitige Künstler, geboren 17. Mai 1823 zu München, wendete sich erst nach Vollendung seiner gründlichen Studien an Lateinschule und Gymnasium zur Ausbildung seiner artistischen Anlagen; genoß an der Akademie die Unterweisung von Julius Schnorr v. Carolsfeld, unter dessen Leitung er einige Altarbilder und Portraits malte. Mit Schnorrs Berufung nach Dresden trat Eduard Ille in Moriz v. Schwinds Atelier, welcher 1847 seine Münchener akademische Thätigkeit eröffnete. Ille zählte zu dessen ältesten und treuesten Schülern; zeitlebens hielt er in unentwegter Treue und Begeisterung an diesem Meister, der es übrigens seinen Scholaren gar nicht so leicht machte, bei ihm auszuhalten. Ebenso des Wortes wie der Feder und des Zeichnungsstiftes mächtig, schloß sich Ille an den damaligen Münchener Dichterkreis, verfaßte lyrische und epische Gedichte, darunter auch einen »Faust« und bethätigte mit Schauspielen (»Kaiser Joseph II.«, »Mozarts Tod«) eine bedeutsame dramatische Ader. Auch lieferte er lange Zeit eine große Anzahl von Illustrationen zu Eduard Schleichs lustigem »Punsch«. In das ihm ganz zusagende Fahrwasser gerieth Ille jedoch, als er mit Braun u. Schneider in Berührung trat und sowohl für die »Fliegenden Blätter« wie für die »Münchener Bilderbogen« eine ganz außerordentliche Thätigkeit entfaltete. Seine proteusartige Fähigkeit, sich in alle möglichen Charakterdarstellungen zu finden, sein nie rastender Humor und die überraschende Gutmüthigkeit seiner Laune gestalteten sich zu Schilderungen, die insbesondere in Märchen, illustcirten Redensarten, in Affen- und Hundekomödien und eigenen mit großer Virtuosität geschaffenen Thierbildern sich hervorthaten. Seine ethnographische Auffassung der Minnelieder verschiedener Nationen, die satirische Imitation berühmter Maler, noch mehr die originellen Kompositionen der »Bier Temperamente«, der »Sieben Todsünden« und anderer cyklischen Probleme begründeten in achtenswerthester Weise seinen guten Namen, welcher sich durch die im Auftrage König Ludwigs II. ausgeführten Aquarelle weiter steigerte. In einer den jeweiligen Stoffen und Zeiten streng architektonisch angepaßten Umrahmung behandelte Ille im fortlaufenden Nebeneinander der bildlichen Erzählung die Sage von »Tannhäuser«, »Lohengrin«, »Parsival« und die »Niflunga«-Mythe, ebenso aber auch das Zeitalter des Hans Sachs, des 30jähr. Krieges und des Prinz Eugenius, deßgl. (für Herzog Dr. Karl Theodor) die »Alter der Welt«, das Bild aus den Befreiungskriegen und dem neuen Deutschen Reich. König Ludwig ehrte den Künstler durch den akademischen Professortitel und Verleihung des Michael-Ordens. Auch die Märchen Undine, Rothkäppchen, Dornröschen, Froschkönig und der »Trompeter« seines Freundes Joseph v. Scheffel gelangten in sorgfältiger Aquarell-Durchbildung zu origineller Gestaltung. Zwischendurch entstanden seine beweglichen Bilderbücher, die Hanswurstiaden und Staberls Reiseabenteuer, auch etliche Operntexte, z. B. für Nagillers »Friedel mit der leeren Tasche«, wozu er auch für die Innsbrucker Inscenirung sämmtliche Kostüme zeichnete. Wer kennt nicht seine ergötzlichen Bilderwitze zu Edwin Bormanns Dichtungen in sächsischer Mundart, zu Fr. Th. Vischers Schwarten- und anderen Biedermaiereien; zur Geschichte der Möpse und dergleichen signifikanten Philisterien; die Kaulbach-Travestie zur tausendsten Nummer der »Fliegenden Blätter«! wozu sich sein etwas knuffiger Stil und Vortrag ganz vorzüglich eignete. Seine Thätigkeit blieb erstaunlich und unermüdlich, wozu auch seit 1864 seine Stelle als ständiger Redaktions-Beirath der »Fliegenden« in Betracht gezogen werden muß. Ein sehr schönes Projekt, zwölf unsrer mittel-hochdeutschen Minnesinger in einzelnen Figuren auf Neuschwanstein darzustellen, wozu Ille in miniaturmäßiger Ausführung die Entwürfe lieferte, blieb leider unausgeführt. Dagegen erhielt unser Maler acht Scenen aus Liedern des Walther von der Vogelweide bestellt, welche nach seinen sorgfältigen, charakteristischen Entwürfen als Temperabilder von Frhrn, v. Pechmann die Wände eines kleinen Saales zieren. In jungen Jahren ein vielgequälter Asthmatiker, suchte Ille in der Alpenluft Kreuths Hülfe und Heilung und hatte in wiederkehrenden Sommerfrischen sichere Genesung. In dankbarer Erinnerung entstand das heitere, oft wiederholte und photographisch reproduzirte Bild mit den »Zwölf Tagstunden« in diesem Wildbad. Sein nie rastender Geist bethätigte sich bei jeder Gelegenheit mit Fest- und Zeitbildern, mit Diplomen, Adressen, Huldigungsblättern, darunter auch ein großes Aquarell für das Album der Stadt München. Seinen Freunden blieb Ille immer in unvergeßlicher Treue zugethan, insbesondere der fröhlichen Gesellschaft »Hârbnie«, welche einen Schatz von farbigen Skizzen verwahrt, darunter seine in originellster Form illustrirte Autobiographie. Eduard Ille war nach dem Ableben seiner unsäglich verehrten Mutter zweimal in den Stand der Ehe getreten, zuerst mit einer Baronesse von Niederer, dann mit der ihm als Jugendschriftstellerin und durch eigene Illustrationen so kongenialen Maria v. Beeg, einer Enkelin des als Gründer des Germanischen Museums berühmten edlen Frhrn. v. Aufseß. Sie bildete die Sonne seines Alters, welches auf noch viele Jahre Anwartschaft zu haben schien, bis er unerwartet den raschen Folgen eines Schlaganfalls am 17. d. M. erlag.
Allgemeine Zeitung Nr. 349. München; Mittwoch, den 19. Dezember 1900.
#Allgemeine Zeitung (21.12.1900)
Bayerische Chronik.
München, 20. Dezember.
Beerdigung. Eine illustre Gesellschaft von Leidtragenden aller Stände gab heute Nachmittag dem kgl. Akademie-Professor Eduard Ille das letzte Geleite. Dem reichgeschmückten Sarge folgten als nächste Verwandte Bahnlinienkommissär Hauptmann Beeg und Frhr. v. Aufseß, hierauf die Redaktion und Expeditionsmitglieder der »Münchener Fliegenden Blätter« mit Herrn Kommerzienrath Caspar Braun und den Herren Julius und Hermann Schneider an der Spitze, weiter die Illustratoren und Mitarbeiter der »Fliegenden Blätter«, die Generale v. Euler-Ehelpin, v. Parseval und v. Keller, ein Vertreter des Herzogs Karl Theodor, die Mitglieder der Zweiggesellschaft des Freien Deutschen Hochstifts, der Gesellschaft Harbin, Mitglieder der Akademie der bildenden Künste und Theilnehmende aus allen Münchener Kreisen. Der amtirende Geistliche, Pater Ruppert Jud von St. Bonifaz, widmete dem Dahingeschiedenen folgende Worte: »Nach einem an Jahren und Erfahrungen reichen Leben ist ein verehrter und braver Meister im Heiligthum der Kunst, Akademieprofessor Eduard Ille, im Alter von 77 Jahren unerwartet schnell an den Folgen eines Schlaganfalles verstorben. Es kann nicht meine Aufgabe sein, im einzelnen darauf hinzuweisen, daß der Verstorbene schon im Elternhaus den Sinn für alles Schöne und Edle empfunden, nach vollendetem Gymnasialstudium sich der Kunst widmete und als Schüler von Schnorr-Carolsfeld bald einen bedeutenden Namen sich errang. Schmücken doch viele seiner Kunstwerke die Altäre vieler Kirchen und sein berühmter Cyklus »7 Todsünden« fand bald Eingang in den höchsten Häusern und half mit, seinen Namen populär zu machen. Während seiner 41 Jahre dauernden Thätigkeit als Redakteur der »Fliegenden Blätter« fand er auch ein reiches Arbeitsfeld für sein literarisches Schaffen. Vor 40 Jahren trat er in die Ehe mit Frl. Theo v. Riederer, und nachdem nach 27 Jahren der Tod dieses Band gelöst, gab er im Jahre 1889 Frl. Marie Beeg seine Hand und fand hier abermals sein Glück in beiderseitiger Pflege der Literatur und Kunst. Es hat an diesem Grabe ein Leben seinen Abschluß gefunden, ein Pilger geendet, ein Mann, beseelt von aufrichtiger christlicher Nächstenliebe, seine Ruhestätte gefunden, auf dem Gottes Segen ruhte. Seine Freude war die Arbeit und nur der Tod konnte ihm Rast gebieten. Am Sonntag noch schuf er an seinem Arbeitstisch, an dem ihn der Tod überraschte. Aber er wird fortleben, sein Name unsterblich sein, denn er war in allen Kreisen beliebt und hochgeehrt. Seine letzte Freude war ein Dankschreiben des Klosters Mühlbach, dessen armen Kindern er noch eine großartige Weihnachtsbescherung bereitet und dessen Gemeinde ihn auch wegen seiner wohlthätigen Gesinnung gegenüber den armen Kindern dieser Gemeinde zum Ehrenbürger gemacht hatte. Die Ehrenhaftigkeit und Treue gegen Gott und Menschen war sein Leitstern und er verstand es auch, Religion und Kunst zu einem zu vereinigen, da der wahre Künstler nicht für das Alltägliche zugänglich ist, sondern lebt im Reiche des Idealen und stets bemüht ist, in das Unendliche hineinzugreifen, und nach dem Geheimnißvollen zu forschen. Möge er nun die göttliche Erbschaft antreten und die himmlische Schönheit und Erhabenheit erschauen.« Kränze wurden am Grabe niedergelegt, von der Zweiggesellschaft des Freien Deutschen Hochstiftes, von der Gesellschaft Harbin, von Wilhelmine v. Hillern, Familie Pschorr, Braun und Schneider u. v. A. mehr. Mit einem Grabliede, gesungen vom Hoftheatersingchor, schloß die ernste Feier.
Allgemeine Zeitung Nr. 351. München; Freitag, den 21. Dezember 1900.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Ille Eduard, 1822 (München) – 1900, Historienmaler, Dramatiker und Akademieprofessor; I. besuchte die Kunstakademie seiner Vaterstadt unter J. Schnorr von Carolsfeld, dann M. von Schwinds Atelier, illustrierte M. Schleichs Zeitschrift »Punsch«, die Münchner »Fliegende Blätter« und »Bilderbogen«; Ludwig II. verlieh ihm 1868 den Professorentitel; die Altarbilder dieses Romantikers sind weniger glücklich; I. verfaßte auch Nekrologe von Münchner Künstlern für das Oberbayerische Archiv und wirkte nebenbei als Dramatiker.
Hauptwerke: Kaiser Joseph II., Mozarts Tod, Gedichte, Herzog Friedel mit der leeren Tasche, Kunst und Leben, Der Staberl und der Hanswurst.
© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#10 – 2 – 49 (Lier)
ADOLF
LIER
MALER
* 1826 † 1882
- Lier, Adolf Heinrich; 21.5.1826 (Herrnhut/Sachsen) – 30.9.1882 (Bahrn/Brixen); Landschaftsmaler



#Adolf Heinrich Lier
* 21.5.1826 (Herrnhut/Sachsen)
† 30.9.1882 (Bahrn/Brixen)
Landschaftsmaler
#Illustrirte Zeitung (21.10.1882)
Adolf Lier.
Von Brixen in Tirol kam am 1. October d. J. die Trauerkunde: Adolf Lier ist todt! Rasch und unerwartet streckte hier der unerbittliche Tod seine Hand aus, brachte ein Herzschlag ein reiches Künstlerleben vorzeitig zum Abschluß und damit der Kunst wie der Kunststadt München und allen denen, die dem Künstler persönlich nahe standen, einen unersetzlichen Verlust.
Wenige Tage zuvor hatte Adolf Lier, begleitet von seiner Familie, München verlassen, um sich in der reinern Bergesluft Tirols Genesung, Kraft und Stärke zu erneutem Schaffen zu holen. Es sollte nicht sein. Der kunstgeübten Hand des Meisters entsank jetzt schon die farbenreiche Palette, welcher sein Pinsel Töne voll schlichter Wahrheit und stimmungsvoller Poesie wie selten einer zu entlocken wußte. Des Künstlers offenes Auge und feiner Sinn fanden in der Natur, da wo geringere künstlerische Auffassung achtlos vorübergeschritten wäre, die reizvollsten Motive für seine Darstellung; Lier brauchte eben nicht viel zu geben, um zu entzücken, nicht den ganzen Apparat einer großartigen Gebirgsnatur, um künstlerisch angeregt zu werden.
Der Hauch tiefempfundener Wahrheit ist es, welcher alle seine Werke unvergeßlich macht, welcher diesen überall so sympathische Aufnahme bereitete; sei es nun, daß der Maler eine weite Ebene schildert, über welcher die schwüle Nachmittagssonne flimmernd brütet, sei es ein feuchter, dunstiger Nebelmorgen oder dämmerig glühende Abendruhe, von der seine Leinwand erzählte. Ein Winter, in Paris zugebracht, zeitigte diese Naturanschauung, Meister wie Duprez und Daubigny waren von größtem und bestimmendstem Einfluß auf Lier. Die Anregung aber, welche hier gegeben war, sie fiel nicht bloß auf fruchtbaren Boden; der deutsche Künstler hielt sich vor allem von blöder Nachahmung fremder Weise fern, seine Schöpfungen sind echt deutsch geblieben, der französische Naturalismus, die einfachere Naturanschauung ward bei Lier zur deutschen Idylle, von einer Innigkeit der Stimmung, wie es in dieser Art dem Franzosen nicht gelingt.
Kein Wunder, daß solch ein Beispiel junge, frische Kräfte um den Meister versammelte, dessen Werke mehr und mehr geschätzt und gesucht wurden und seinen Namen weit über die Grenzen des Vaterlands hinaustrugen. Was dem classischen Rottmann und dem genialen Coloristen Eduard Schleich nicht gelingen wollte, das erreichte Lier; er wurde der Begründer der neuern münchener Landschafterschule, deren hervorragendste Talente, wie Schönleber, Herm. Baisch, Aug. Finck, Wenglein u. s. w., in Adolf Lier den Lehrer, den aufrichtigen Freund und das beste Vorbild betrauern.
Die liebenswürdige, bescheidene Künstlernatur besaß keinen Feind; als die trauernde Witwe und das so sehr von ihm geliebte Pflegekind die irdische Hülle des Verlebten zurück in dessen künstlerische Vaterstadt geleiteten, da zog in weite Kreise der münchener Künstlerstadt aufrichtige Trauer ein, stand die ganze Künstlerschaft an dem offenen Grabe.
Adolf Lier war Ehrenmitglied der königl. bairischen Akademie der bildenden Künste in München, dem verdienstvollen Mann verlieh König Ludwig II. von Baiern den Titel eines königl. Professors, während der Staat ein größeres Werk desselben erwarb, um es den öffentlichen Staatssammlungen einzuverleiben. Es sollte dies seine letzte Schöpfung sein. Der Meister verherrlichte darin eine Stätte bairischer Größe, die in abendlicher Dämmerung liegende Theresienwiese mit der Ruhmeshalle und Bavaria im Hintergrund, eine Leistung, welche auch dem Namen Lier von der auszeichnenden Stelle aus, für welche dieselbe bestimmt ist, spätern Nachkommen noch ein ehrendes Zeugniß sein wird.
Prof. K. Raupp.
Prof. K. Raupp: Adolf Lier. Illustrirte Zeitung Nr. 2051. Leipzig, den 21. Oktober 1882.
#Allgemeine Zeitung (22.11.1882)
Nekrologe Münchener Künstler.
(S. »Allg. Ztg.« Nr. 294 B.)
XXVII.
Adolf Lier, Landschaftsmaler.
Lier war ein geborner Dichter. Sein Genius hätte sich in jedem Gebiete zur Geltung gebracht und mit dem Meißel ebenso wie mit dem gebundenen Worte bewährt. Diejenigen Naturen sind freilich die glücklichsten, welche vom ersten Beginnen auf ein klar erfaßtes Ziel lossteuern. Doch auch von diesen stranden Viele seekrank und schiffbrüchig auf der Fahrt nach dem goldenen Vließe der Kunst. Unser Meister hatte dasselbe, trotz mancher Irrfahrten, frühzeitig entdeckt und erreicht.
Adolf Lier wurde am 21 Mai 1827 zu Herrnhut geboren. Wie viele Andere fand er den Weg zu seinem eigensten Berufe nicht sogleich; obwohl ihn die Malerei von Jugend auf besonders anzog, vermochte er seinen Wunsch doch nicht durchzusetzen, sondern wurde zum Baufach bestimmt. Deßhalb kam er auf die Dresdener Akademie zu Gottfried Semper, von wo er jedoch schon 1848 nach Basel ging und zwei Jahre am dortigen Museumsbau Beschäftigung fand. Dann hub er sich, angeregt durch den Genremaler Karl Adolph Mende 1851 gen München, warf sich auf die Malerei und trat nach einigem Schwanken in Richard Zimmermanns Atelier, dessen mit Nic. Berghem verwandte Stimmung ihn mächtig anzog. Gleichmäßig machte sich aber auch Eduard Schleichs Vorbild und Einfluß mächtig geltend. Bald erregte »unser Lier« große Erwartungen; sein strebsamer Fleiß und seine gentile Findigkeit förderten den Künstler, welcher mit diesen Vorzügen auch einen wohlthuenden weltgewandten Ton verband. Nach allerlei Studienreisen in Tirol und Oberitalien besuchte Lier 1861 Paris. Hier fand er das langerstrebte Ideal in den äußerst naturalistisch aufgefaßten, aber fein gestimmten Bildern der französischen Landschafter, vornehmlich bei Jules Dupré (geb. 1812) und Francois Daubigny (1817 † 78.) Nachdem Lier von 1864 auf 1865 einen längeren Aufenthalt in Paris genommen und dann auch London besucht hatte, verarbeitete er 1866 die gewonnenen Resultate zu München in einer »Abendlandschaft aus Mecklenburg« (nachmals im Besitz des Grafen Hoyos in Wien) und errang damit einen durchschlagenden Erfolg, obwohl die Stimmen darüber nicht einig waren, wie immer, wo alte Schule und Neuzeit sich berühren und durchschneiden. Während die einen ihn als eine höchst bedeutende Kraft erklärten und »die fesselnde Wärme der Farbe und die theilweise poesievolle Stimmung« rühmten, machte dasselbe Bild den Anderen »durch die neumodische Flüchtigkeit und unsolide Durchbildung geradezu einen widerstrebenden Eindruck.« Glücklicherweise schuf Lier unbeirrt weiter und brachte 1867 mit einer »Mondnacht an der Oise« ein vollendet classisches Bild (nun in der Dresdener Gallerie), womit er die Gegner nicht allein verblüffte und zum Schweigen brachte, sondern auch begeisterte und entzückte. Von nun an war sein Name begründet und »als der Besten Einer« achtungsvoll genannt, obwohl später noch Manche über den »Manieristen« grollten. Lier, welcher am besten selbst die aus einer gewissen Einseitigkeit drohenden Klippen ahnte, umging selbe durch den redlichen, echt deutschen Fleiß und wechselnde Vielseitigkeit. Gleich seinen Vorbildern liebte Lier das elementare Leben und Weben im kleinsten Winkel der Natur darzustellen: dürftiges Hügelland, niedrige Ebenen mit stehen gebliebenen Wassern und Regentümpeln und darüberziehendem Vieh, aufgeweichtes, klebriges Erdreich mit hinspinnenden Nebelstreifen und einer mäßigen Hügelreihe in der Ferne; dann aber wieder das durch laue Luft über frisches Gras zitternde Morgenlicht, brütend schwellende Mittagsgluth oder einen friedlich verglimmenden Abend. Und darüber hin schiebt sich ein Wolkenspiel, jeweilig mit melancholischem Trübsinn, festlicher Heiterkeit und schweigender Ruhe. Immer aber ist er der Dichter, welcher mit weiser Beschränkung der Mittel, ohne Wortschwall und Farbenjagd die Empfindung echt, voll und ungeziert zum Ausdruck bringt. Wie er das machte, war sein offenkundiges Geheimniß. So äußerte z. B. der Berichterstatter über Liers »Kartoffelernte« auf der Berliner akademischen Ausstellung (1871): »Lier versteht sich immer auf Stimmungen. Hier hat er zur Erzeugung des Stimmungstones sich einer Farbe bedient, in der die verschiedensten Localtöne gleichsam latent in einer fast mißfarbigen und doch höchst anziehenden Eintönigkeit enthalten sind. Es ist schwer, eine deutlichere Schilderung von dieser Art zu geben; die Wirkung war frappant.« (Vgl. Lützwow, Zeitschrift für bildende Kunst. 1871. VI, 177.) Zu Liers bedeutendsten Schöpfungen gehören ein »Herbstmorgen,« »Allee bei Nebel« (bei N. Goldschmit in Paris), »Englische Dorfgassen bei Mondschein« (bei Richard in Paris), »Canal bei Schleißheim« (angekauft zur Verloosung auf der dritten allgemeinen Kunstausstellung 1869 zu München), »Partie an der Elbe bei Dresden« (Frankfurter Kunstverein), »Bauernhof in der Normandie,« dann jene schlichte Flachansicht aus der angeblich so nüchternen Dachauer Umgebung Münchens – ein Bild, »welches bei jedem Verzicht auf blendende Wirkungen und Reminiscenzen aus alten Meistern jenes echte Naturgefühl athmet, welches vor Allem den Landschafter macht« (1871 in Wien). (Vgl. den Bericht in Lützwos Zeitschrift 1872. VII, 291.) Zu den Perlen der Berliner Ausstellung von 1872 zählte der in wunderbarer Stimmung ausgeführte »Herbstabend,« (Ebendas. 1873. VIII, 182 und 449 (Beiblatt)) voll süßen Duftes und schlichter Poesie, womit Lier den Beweis brachte, daß die großartigste Schönheit auch mit der äußersten Gränze des Realismus sich vertrage. In den ersten Monaten des Jahres 1873 brachte er drei Bilder in den Münchener Kunstverein: darunter ein Motiv »Aus dem Englischen Garten« und die »Landstraße bei München;« 1874 folgte ein Buchenwald« und der prächtige »Strand von Scheveningen,« 1875 ein »Bauernhof« (Fleischmann); 1876 die berühmt gewordene »Allée« mit einer durch die Abenddämmerung heimkehrenden Schafheerde und in demselben Jahre noch eine Winter- und Herbstlandschaft; 1877 den »Abend an der Isar« (1878 auch in Paris): im Mai 1880 einen Cyclus von 16 Studien voll eminenter Wahrheit, welche man wirklich »Seelen zu künftigen Gedichten« hätte nennen können. Ein Bild Liers ziert die annoch kleine Privatgallerie des Münchener Kunstvereins, sein letztes Werk »Die Bavaria mit der Ruhmeshalle« erwarb die bayerische Staatsregierung für die Neue Pinakothek. (Den Sommer über in der Nürnberger Landesausstellung. Vgl. Nr. 34 »Ueber Land und Meer« 1882.) Ein »Sommertag auf der Hochebene von München« wurde durch J. Richter in Stich vervielfältigt. In der Zeit von 1869 bis 1873 hielt Lier eine Schule, aus welcher Namen wie Paul v. Tiesenhausen († 1876), Herm. Baisch, Poschinger, Schönleber, Aug. Fink und Wenglein hervorgingen, welche ihrem am 30 September zu Brixen verstorbenen Meister zur hohen Ehre gereichen. Lier war traun als Mensch und Künstler »der Besten Einer;« sein Name wird immerdar ruhmreich verbleiben.
Allgemeine Zeitung Nr. 326. München; Mittwoch, den 22. November 1882.
#Zeitschrift für Bildende Kunst (1887)
Adolf Lier.
Mit Abbildungen.
Die Entwicklung der neueren Münchener Landschaftsmalerei ist auf das engste mit den drei Namen: Rottmann, Schleich und Lier verknüpft. Erscheint Rottmann wenigstens in den Werken seiner besten Zeit als Vertreter der idealisirenden Richtung der Landschaftsmalerei, welche ihre Wirkungen durch die Betonung der Form und durch die Schönheit der Linienführung zu erreichen sucht, so beruht die Stärke seiner beiden Nachfolger auf dem Stimmungsbild, d. h. auf der Schilderung des Eindruckes, welchen die Landschaft auf das Gemüt auszuüben pflegt. Insofern gehören Schleich und Lier auf das innigste zusammen. Gleichwohl besteht auch zwischen ihnen trotz der Gemeinsamkeit ihres hauptsächlichsten künstlerischen Grundsatzes ein leicht zu erkennender Unterschied. Schleich, im wesentlichen Autodidakt und durch das Studium der alten Meister bestimmt, ist am größten, wenn er den Kampf in der Natur darstellt; Lier, ebensowohl ein Schüler jener als ihrer bedeutendsten Nachfolger, der modernen Franzosen, in der Wiedergabe des Friedens und der Ruhe in derselben. Schleichs Begabung glich mehr der des Dramatikers, diejenige Liers der des Lyrikers. Ein weiterer Unterschied ist in dem verschiedenen Verhältnis der beiden Künstler zur Natur zu finden. Lier stand derselben durchweg viel objektiver gegenüber als Schleich, der, weniger sorgfältig in der Zeichnung, namentlich in koloristischer Hinsicht ziemlich frei verfuhr und dabei gelegentlich ins Outrirte verfiel. Ohne Rücksichtnahme auf das natürliche Aussehen pflegte er die verschiedensten Gegenstände zu Trägern seiner prinzipiellen Farben zu machen, die er nach bestimmten Anschauungen gegen einander wirken ließ, während Lier zunächst jeden Gegenstand für sich studirte, um ihm dann vielleicht in seinem Bilde zu Gunsten eines feinen Graus die rein natürliche Farbe zu nehmen.
Fragt man nach dem Einfluß, welchen die drei Meister auf die Kunst ihrer Zeit ausgeübt haben, so findet man, daß Rottmann fast allein dastand und keinen ebenbürtigen Nachfolger gehabt hat. Ebenso wie seinem großen Zeitgenossen Cornelius fehlte ihm jegliche Begabung zum Lehrer. So gern er bereit war, andere zu fördern und zu unterstützen, so wenig war er im Stande, sich in fremde Ideen hineinzudenken, so daß er überall, wo er rathend und berichtigend eingriff, die Individualität des Kunstwerkes vernichtete und ihm das Gepräge seines eigenen Geistes aufdrückte. Ganz anders bei Schleich, der als der »allgemeine Landschaftsrat« allen Zeitgenossen liebenswürdig zur Seite stand und durch sein Beispiel in ungewöhnlicher Weise anregend wirkte. Dennoch kann man von einer Schule Schleichs nicht reden. Dagegen gewann Lier als Lehrer auf die ganze jüngere Generation der Münchener Landschaftsmaler Einfluß und hatte die Freude, aus seiner Schule die bedeutendsten Vertreter dieses Kunstzweiges in Süddentschland hervorgehen zu sehen.
Schon aus diesem Grunde dürfte es gerechtfertigt erscheinen, wenn die Zeitschrift durch die folgenden Aufzeichnungen an das Leben und Wirken Liers erinnert und seine Bedeutung für die Geschichte der deutschen Kunst festzustellen versucht. Und gesetzt den Fall, daß seine Schule nicht den Erfolg gehabt hätte, den sie in der That hatte, so würden auch die von ihm selbst herrührenden Schöpfungen Anlaß genug bieten, ihm an dieser Stelle ein Blatt der Erinnerung zu widmen.(Für die biographischen Einzelheiten sei auf den Artikel der Allg. deutsch. Biographie hingewiesen.)
Es war Lier nicht vergönnt, von vornherein die schon in früher Jugend von ihm ersehnte Lanfbahn eines Malers einzuschlagen. Am 21. Mai 1826 (nicht, wie gewöhnlich angegeben wird, 1827) zu Herrnhut in der Oberlausitz geboren, mußte er sich dem Wunsche seines Vaters fügen, welcher ihn für das Baufach bestimmte, in der Meinung, daß dieser der Kunst nahestehende Beruf mehr Sicherheit für ein ausreichendes Brot als die Malerei gewähren und gleichzeitig den künstlerischen Anlagen des Sohnes genug Gelegenheit zur Entwicklung bieten werde. Diese wohlgemeinte Maßregel erwies sich jedoch als ein entschiedener Mißgriff. Lier besuchte zwar die Baugewerkenschule in dem nahen Zittau und später die Bauschule und Akademie zu Dresden, wo er eine Zeit lang als Schüler Sempers thätig war, mit gutem Erfolg, fühlte sich aber von seinem Studium nicht im mindesten befriedigt, obwohl er, wie manche seiner damaligen Kollegen bezeugen, die ihm übertragenen Aufgaben mit spielender Leichtigkeit bewältigte. Dies änderte sich auch nicht, als er im Anfang des Jahres 1848 nach Basel übersiedelte, um unter der Leitung des Architekten Melchior Berri für den dortigen Museumsbau zu arbeiten. Er zeigte nur wenig Ausdauer und ließ sich von den Wogen der revolutionären Bewegung und dem feurigen Wesen des Freiheitsapostels Hecker so gefangen nehmen, daß er sich in jugendlicher Übereilung dem abenteuerlichen Freischarenzuge desselben ins Badische anschloß. Der unglückliche Ausgang der Expedition, bei welcher er sich nur mit Mühe vor der Gefangennehmung durch die Flucht über die schweizerische Grenze rettete, ernüchterte ihn noch immer nicht. Er folgte Hecker nach Zürich und Bern, und wer weiß, was aus ihm geworden wäre, wenn dieser nicht eines schönen Tages nach Amerika verschwunden wäre. Lier kehrte nach Basel zurück und löste das ihm immer lästiger werdende Verhältnis zu Berri, um sich nunmehr unter der Anleitung eines Malers Süffert der Malerei zu widmen. Daß er, bereits dreiundzwanzig Jahre alt, sich doch noch entschloß, die Maurerkelle mit dem Pinsel zu vertauschen, dazu bestimmte ihn am meisten die Aufmunterung des Historienmalers Karl Adolf Mende aus Leipzig, welcher sich damals aus politischen Gründen in Basel aufhielt. Auch war inzwischen der Vater gestorben, und die Mutter gab es auf, dem Andringen ihres Sohnes länger Widerstand entgegenzusetzen.
Basel aber war nicht der Ort, wo ein Jünger der Kunst mit Erfolg seinen Studien obliegen konnte. Wo sollte sich Lier hinwenden? Nach Dresden zurückzukehren, kam ihm nicht in den Sinn; die Zustände an der Akademie hatte er gründlich verabscheuen gelernt, es blieb keine andere Wahl, als nach München zu gehen.
Lier siedelte also im Oktober 1849 nach der bayrischen Hauptstadt über, sah sich aber auch hier zunächst ratlos darüber, wie er am schnellsten zu seinem Ziele gelangen sollte. Er durfte bei seinen Verhältnissen nicht daran denken, den langjährigen Kursus einer Akademie durchzumachen, und war sich außerdem klar geworden, daß für ihn von den damaligen Professoren des Münchener Institus nichts zu lernen sei. Man hatte ihm gerathen, bei Joseph Bernhardt, welcher sich in jenen Jahren neben Joseph Stieler eines großen Rufes als Porträtmaler erfreute und eine eigene Schule unterhielt, einzutreten. Aber die Zahl seiner Jünger war so groß, daß Bernhardt den neuen Ankömmling zurückwies und ihn auf später vertröstete. Ein anderer Künstler, namens Lehmann, an den ihn sein Baseler Lehrer empfohlen hatte, war eben im Begriff abzureisen, als Lier sich ihm vorstellen wollte. So waren seine ersten Schritte in München wenig verheißungsvoll, und leicht hätte ihn die Reue, seine sichere Laufbahn aufgegeben zu haben, beschleichen können, hätte er nicht durch einen Zufall in einer Abendgesellschaft in dem Genre- und Landschaftsmaler Richard Zimmermann einen Lehrer und Freund gefunden, der sich seiner aufs wärmste annahm.
R. Zimmermann, geb. am 2. März 1820 zu Zittau, gestorben den 4. Februar 1875, war ein Landsmann Liers. Auch er hatte es erfahren, was es heißt, in seinen künstlerischen Neigungen beschränkt zu werden, da ihn sein älterer Bruder Albert wider seinen Willen für die historische Kunst bestimmte und seinem Wunsche, als Landschaftsmaler thätig zu sein, entgegentrat. Aber auch er hatte den Widerstand zu überwinden gewußt und nahm gerade in dem Anfang der fünfziger Jahre, als Lier in sein Atelier eintrat, eine hochgeachtete Stellung unter den Münchener Landschaftsmalern ein. Die ersten Aufgaben, die er Lier zuerteilte, lagen indessen nicht auf dem Gebiete der Landschaft. Lier mußte vielmehr anfänglich bei ihm Porträts und Genrcscenen entwerfen, von denen sich nur wenige Proben im Beseitz der Familie erhalten haben, bei denen es jedoch ungewiß ist, wie weit sie etwa Kopien nach Zimmermann oder eigene Kompositionen sind. Gleichzeitig übte er sich in der Privatschule des von Genelli und Rahl beeinflußten Historienmalers Johann Baptist Berdellé, des Schöpfers der Fresken im neuen Polytechnikum zu München († 22. Juli 1876 durch Selbstmord) im Zeichnen von Köpfen und Akten. Nach solchen Vorübungen ging er jedoch bald ganz zum Landschaftsfache über, das seinen Neigungen und seiner Befähigung am meisten entsprach.
Die damals in München vorherrschende Richtung in der Landschaftsmalerei entnahm ihre Motive der erst seit kurzer Zeit in ihrer Schönheit entdeckten Welt der bayrischen und tiroler Alpen. Neben Zimmermann und seinen Brüdern hatten sich auf diesem Gebiete namentlich Max Haushofer und Heinrich Heinlein hervorgethan. Lier trat allmählich, wenigstens gesellschaftlich, auch diesen Künstlern nahe und folgte ihrem Beispiel, indem er so oft, wie es ihm seine Mittel erlaubten, hinauszog, um im Gebirge Studien zu machen. Seine zahlreichen Skizzenbücher aus dieser Zeit lassen erkennen, welche Wege er bei diesen ersten künstlerischen Streifzügen einschlug. Eine seiner ersten Sommerreisen führte ihn nach dem südlichen Tirol; die Frucht derselben war sein erstes Ölbild, eine Partie bei Brixen (1852), welche er seiner Mutter zum Geschenk machte. Mehrere Jahre später zog er durch das Salzburgische nach dem Salzkammergut an den Hallstädter See und nach Gosau, von wo aus er eine Ansicht des Dachsteins bei Abendbeleuchtung (1858) heimbrachte. Wiederholt weilte er in der Ramsau und in dem lieblichen Brannenburg, wo die Münchener Maler in den vierziger und fünfziger Jahren ein vielbesuchtes Sommerlager aufgeschlagen hatten, um namentlich den herrlichen Wald in der Nähe für ihre Zwecke auszubeuten. Lier hat die ihm dort gebotene Gelegenheit redlich ausgenutzt und sein Skizzenbuch mit einer Menge von Baumstudien und Waldansichten bereichert, von denen er eine Anzahl Proben unter dem Titel »deutsche Bäume« in den Münchener Bilderbogen veröffentlichte. Auch ein großes Ölbild entstand nach einem Motiv aus der Brannenburger Umgebung. Lier führt uns auf demselben einen Brautzug vor, der von einer hoch auf einer Felsenwand zur Linken gelegenen Kapelle herabkommt, um im Hintergrunde im Walde zu verschwinden. Das Bild erinnert durch die Innigkeit der Auffassung an Ludwig Richters bekannten Brautzug in der Dresdener Galerie, nur daß bei Lier die Staffage ganz nebensächlich behandelt ist und das Hauptgewicht auf der Schilderung des heimlichen Waldesdunkels liegt. In Bezug auf Komposition und Zeichnung steht dasselbe, obwohl schon 1857 gemalt, seinen späteren Schöpfungen aus der besten Zeit nur wenig nach; dagegen genügt die Farbe kaum mäßigen Ansprüchen, da der Künstler in dieser Hinsicht noch ganz in der konventionellen Manier seiner Zeit befangen war.
Weit glücklicher fielen die Versuche aus, bei welchen Lier ein anspruchsloseres Motiv wählte. So kennen wir ein Bauernhaus in Habach bei Murnau aus dem Jahre 1855, vor welchem die Großmutter mit ihrem Enkelchen Platz genommen hat, während man durch die geöffnete Thür die Bäuerin am Herde schalten sieht: ein an Eduard Meyerheim gemahnendes Bild, auf dem die Luftperspektive nur wenig zur Geltung kommt, das aber eben deshalb viel mehr als das eben geschilderte auch in malerischer Hinsicht befriedigt. In demselben Jahre entstand ein anderes uns leider nicht zu Gesicht gekommenes Gemälde, das den Kritiker der »Allgemeinen Zeitung«, vermutlich Friedrich Pecht, zu folgender Auslassung bestimmte (Beilage zu Nr. 212. 31. Juli 1855. S. 387): »Das Beste bietet wie gewöhnlich die Landschaftsmalerei, wo uns ein jüngerer Künstler, Lier, durch eine Aussicht von der Eiblinger Höhe ein ganz vortreffliches Bild beschert hat. Wir sehen einen der kleinen Seen an der Abdachung des Gebirges, wie sie tausendmal gemalt werden. Vorn ein Kornfeld, dessen gelbe Wogen bis gegen den See hinunter rauschen, rechts ein sandiger Rain, hinten dampfige Berge in der Hitze eines schwülen Mittags. Das ist aber mit einem schönen Naturgefühl gesehen und empfunden, mit einer Bescheidenheit der Mittel und einer Wahrheit gemalt, die wahrhaft überrascht und so lebhaft an Wynants erinnert, daß man vor manchem andern Bild seufzend wünscht, daß es einen doch auch an etwas Gutes erinnern möchte, anstatt so unvergleichlich zu sein.«
Infolge der bisher gemachten Erfahrungen fing Lier indessen mehr und mehr zu erkennen an, daß die Gebirgsmalerei nicht sein Feld sei. Auch er sah ein, was so viele hervorragende Landschaftsmaler erkannt und ausgesprochen haben, daß die Großartigkeit der Alpen erdrückend auf den Künstler wirkt, daß es kaum möglich ist, durch die bildliche Darstellung einen auch nur annähernden Begriff ihrer Schönheit zu geben, und daß die einfacheren Reize einer mehr ebenen Gegend mit dem Hochgebirge im Hintergrund mit weit größerem Glück zu behandeln sind. Seitdem wählte er seine Studienplätze in weiterer Entfernung vom Gebirge und arbeitete z. B. wiederholt in der lieblichen Umgebung des Starnberger Sees, die ihm Stoff zu einer Reihe tüchtiger Schöpfungen darbot. Noch mehr zog ihn der stillere Chiemsee und das kleine Eiland der Fraueninsel an. Jahre lang gehörte er der dort allsommerlich hausenden Malerkolonie an, die in Haushofer und Ruben ihren Mittelpunkt fand, wegen seines einfachen und schlichten Wesens und seines frischen und fröhlichen Humors bei Jedermann beliebt und geachtet. Auch nach seiner Pariser Reise und dem durch sie hervorgerufenen Wechsel seiner künstlerischen Ansichten kehrte er gern zu der Idylle des Chiemsees zurück, bis ihm durch den Tod einer geliebten Nichte, die ihm bei einem Besuch auf der Fraueninsel im Jahre 1873 durch plötzliche Erkrankung entrissen wurde, der Aufenthalt dort verleidet wurde.
Eine ganze Anzahl Ölbilder und Skizzen nach Motiven vom Chiemsee, z. B. ein »Erntetag« auf der Fraueninsel, vor allen aber der köstliche »Nebelmorgen am Chiemsee« mit Fischern im Einbaum als Staffage vom Jahr 1872, der zu seinen besten Werken gehört, geben ihm ein Anrecht, mit unter die berufenen Verherrlicher dieses einzig schönen Fleckchens deutschen Landes gezählt zu werden.
Unermüdlich schaffend und immer aufs neue an der Natur selbst sich erfrischend, hatte sich Lier inzwischen zu einem der besseren Münchener Landschaftsmaler emporgearbeitet. Die Kritik zählte seine Bilder schon damals zu den hervorragenderen Leistungen der Zeit, und die Künstler stimmten derselben bereitwilligst zu, ja es fanden sich sogar vereinzelte Schüler ein, die an seinem Beispiel zu lernen gedachten. Aber Lier selbst war nicht mit sich zufrieden. Zwar hatte er in Zimmermanns Schule tüchtig zeichnen gelernt und durfte sich auch in malerischer Hinsicht mit der Mehrzahl seiner Kollegen messen, aber es fehlte seinen Schöpfungen ein gewisses Etwas, das ihm selbst nicht klar war und das er zu erringen sich vergebens mühte. In diesem dunkeln Drange machte er sich, nachdem er sich im Jahre 1858 verheiratet hatte, im Jahre 1861 nach Paris auf in der Hoffnung, dort die Lösung des Rätsels zu finden. Sein Wunsch schien sich jedoch nicht zu erfüllen. Damals war die französische Landschaftsmalerei zu einer Blüte gelangt, wie sie kaum je wieder ihres Gleichen finden wird. Auf Lier aber wirkten die Werke der großen Meister zunächst nur abstoßend ein; was er sah, wollte sich mit seinen Münchener Anschauungen durchaus nicht vereinigen lassen, und so kehrte er nach einem mehrmonatlichen Aufenthalt in Paris und einem kurzen Ausflug an die Küste der Normandie unbefriedigt in die Heimat zurück. Die gewonnenen Eindrücke waren indessen zu mächtig und nachhaltig, als daß er sie hätte abschütteln können. Wer seine Arbeiten aus den nächsten Jahren unter diesem Gesichtspunkte prüft, wird deutlich erkennen, wie allmählich die Pariser Einflüsse bei ihm zum Durchbruch kommen. So malte er z. B. im Jahre 1863 in ziemlich großem Maßstab das Flußbett der Isar bei Sonnenuntergang, »dessen in sanfte Dämmerung gehüllter Vordergrund mit dem räderdurchfurchten Kiesufer und den stillen Altwassern, in deren glatten Flächen die klare schimmernde Abendluft sich spiegelt, bereits als ein schöner Vorläufer von seiner besten Zeit erscheint.« Neben den größeren Darstellungen von Flachlandschaften, bei denen der Schwerpunkt in der Behandlung des weiten Horizontes zu suchen ist, entstanden damals mehrere kleinere Bilder, die ein enger begrenztes Terrain mit viel Glück wiedergeben. »Bald ist cs«, sagt der Berichterstatter der »Dioskuren«, (Jahrg. IX. 1864, S. 188.)von ihnen, »der Hof eines Bauernhauses, das mächtige Bäume gegen die Wut der Stürme schützen, bald ein enges Thal, in dem ein frischer Gebirgsbach die Mühle treibt, bald ein lauschiges Plätzchen, wo zwischen Erlen und Ulmen eine Quelle rauscht, die von einem halbverwitterten Wehr gestaut wird. Lier erwarb sich früh den Namen eines tüchtigen Koloristen und gewann seit Jahren mit jedem neuen Bilde an Feinheit der Farbe, während er zugleich ein für den Rhythmus der Linie fein gebildetes Auge besitzt.«
Derartiges Lob vermochte Lier in seinem strengen Urteil gegen sich selbst nicht irre zu machen. Er hatte allmählich die Überzeugung gewonnen, daß er nur in Paris das, was ihm mangelte, erlernen könne, und setzte deshalb alles daran, um einen längeren Aufenthalt daselbst zu ermöglichen. Im Jahre 1864 reiste er also zum zweitenmal nach Paris, diesmal in Begleitung seiner Gattin, welche als eine Art von Reisemarschall seine geringen Mittel vortrefflich verwaltete, und wurde, bereits 38 Jahre alt, noch einmal Schüler, indem er sich unter die Leitung von Jules Dupré begab und den Herbst und Winter in dessen Nähe zu Isle-Adam an der Oise verbrachte. Sein Hauptaugenmerk war hier vor allem darauf gerichtet, die Wahrheit des Tones zu erreichen. Dupré ließ ihm zu diesem Zweck vornehmlich Stillleben malen, bei denen es weniger auf die Schönheit des Arrangements, als auf die möglichst getreue Erfassung der Farbenwerte ankam. Gleichzeitig vertiefte sich Lier in die Werke seines Lehrers und kopirte eine Reihe derselben, nachdem er schon vorher die Landschaften der Niederländer, namentlich aber Hobbema im Louvre studirt hatte. Die Frucht dieser mühevollen Arbeitszeit sollte rasch gezeitigt werden und die Entschädigung für so mancherlei Entbehrungen und Einschränkungen nicht ausbleiben. Denn als Lier nach einem mehrmonatlichen Aufenthalt in England und einem Besuch bei Verwandten in Mecklenburg, im Sommer 1865 nach München zurückgeckehrt war und daheim sein erstes Bild nach den bei Dupré gewonnenen Anschauungen, ein Motiv aus Mecklenburg in Abendstimmung, vollendet hatte, fühlte er, daß er mit demselben ein Werk geschaffen habe, das seinen eigenen Anforderungen genügte. Seit dieser Zeit war er sich über das Wesen der Landschaftsmalerei klar, und die von Jahr zu Jahr wachsende Anerkennung, namentlich aber der Beifall der Künstler, die bald die von ihm angewandten Prinzipien anzunehmen anfingen, brachte ihm die Gewißheit, daß er den richtigen Weg gefunden hatte.
(Schluß folgt.)
Adolf Lier.
Mit Abbildungen.
(Schluß.)
Fragt man, worin der Unterschied seiner Bilder vor und nach dem Pariser Aufenthalt besteht, so ist es schwer, denselben mit Worten darzulegen. Zunächst tritt der gewaltige Fortschritt in der koloristischen Behandlung in den Werken seiner zweiten Periode vor denen der ersten deutlich genug hervor. Es sind oft nur kleine Nüancen, die sich kaum beschreiben lassen, die aber dem nur einigermaßen geschulten Auge sofort bemerklich werden. Wenn Lier einst in einer bestimmten Manier und nach fertigen Recepten gemalt hatte, so hielt er sich jetzt auf das engste an die Natur, der er sich mit einer Innigkeit und Selbstlosigkeit hingab, wie sie sich nur selten wieder finden wird. Seine Studien nach 1864 leisten in dieser Hinsicht das Höchste und umfassen fast alle Beleuchtungen, die in der Natur vorkommen. Die gewählten Motive sind dagegen die einfachsten, denn Lier war fortan darauf bedacht, die Schönheit in der Wahrheit und Einfachheit zu finden und durch sie zur Poesie zu gelangen. Aus diesem Grunde verschmähte er es, wie früher eine Menge an sich reizvoller Details in seinen Bildern anzuhäufen; es kam ihm vor allen Dingen auf die Einheitlichkeit der Stimmung an, durch welche die Landschaft erst ihre Seele erhält. Mit einem Blick muß das Auge das Centrum des Bildes erfassen, das Interesse darf nicht durch die Vielheit der Erscheinungen zersplittert werden; die Einzelheiten sind durch einen Gesamtton, wie ihn die Natur selbst stets zeigt, zusammenzuhalten. Der Staffage kann daher nur eine nebensächliche Bedeutung zuerkannt werden, ja für den feineren Sinn ist sie schließlich ganz entbehrlich. Nach diesen Grundsätzen ungefähr pflegte Lier seit 1864 zu arbeiten, ohne daß er sie bei seiner naiven Art zu schaffen je genauer formulirt hätte. In das Gebirge zog er seitdem nur zum Vergnügen oder um sich zu erholen; seine Studienplätze lagen dagegen durchweg in der Ebene. Er arbeitete unter anderem in der Umgegend von Dachau, in Pang, Seefeld, Übersee und Polling, Orten, die einst von den Malern kaum beachtet worden waren, seitdem aber immer mehr in Aufnahme gekommen sind. Die Studien wurden an Ort und Stelle in Öl auf das Sorgfältigste ausgeführt und gelegentlich auch gleich mit den sich darbietenden Menschen und Tiergestalten versehen, um auf diese Weise von vornherein die richtige Beleuchtung auch für sie zu gewinnen. Mit der Vollendung der Studie war jedoch für Lier in den meisten Fällen das Interesse an dem Vorwurf erschöpft. »War sie fertig«, so erzählt Otto Baisch (»Vom Fels zum Meer« 1883, Sp. 439.) in seinem vortrefflichen Aufsatz über den Künstler, »so stellte er sie in den Schrank, aus dem er sie zu eigener Benutzung selten hervorholte. Sein Gewinst war die natürliche Erscheinung selbst, die er während des Malens tief in seinen Geist aufsgenommen hatte. Umgekehrt pflegte er in seinen Bildern nur die Stimmungsmomente zu reproduziren, die er seinem Gedächtnis eingeprägt hatte. Wenige Striche, die er in sein Skizzenbuch gezeichnet, genügten ihm als äußere Anhaltspunkte. Alles andere, alles das, worauf es ihm bei dem Bilde eigentlich ankam, reproduzirte er von innen heraus. Erfüllt von dem Eindruck, den er darzustellen beabsichtigt, wußte er denselben binnen kürzester Frist auf die Leinwand zu zaubern. Ein heute begonnenes Bild stand morgen schon in der Gesamtwirkung fertig da. Was er weiter daran that, betraf nur jene formelle Ausfeilung, wie sie von dem vollendeten Kunstwerk verlangt wird. Gelang es ihm einmal ausnahmsweise nicht, am zweiten oder spätestens am dritten Tage das Bild in seiner Totalwirkung fertig zu bringen, so stellte er es weg, um es nie wieder vorzunehmen. Ein solches Versagen des ersten Entwurfes war ihm ein Merkzeichen, daß seine künstlerische Intuition in einem derartigen einzelnen Falle nicht lebhaft genug gewesen war, um ein seinen eigenen hohen Anforderungen gemäß künstlerisch lebenskräftiges Werk frischweg zutage zu fördern, und nie machte er den unglücklichen Versuch, seinem künstlerischen Genius mühsam abzuringen, was derselbe nicht thatenfreudig von selbst spendete.«
Das obenerwähnte Bild aus Mecklenburg fand bald einen Liebhaber, indem es durch Vermittelung des österreichischen Kunstvereins in den Besitz des Grafen Hoyos in Wien überging. Leider fehlte dasselbe auf der von der Direktion der königl. Nationalgalerie zu Berlin im März und Mai 1883 veranstalteten Sonderausstellung von Liers Werken, ebenso wie die 1867 entstandene »Mondnacht an der Oise« in der Dresdner Galerie, da das Gesuch um Überlassung an maßgebender Stelle abgelehnt worden war. Dies war aber um so mehr zu beklagen, als gerade das letztere Bild mehr als alle anderen den Einfluß Dupré's verrät, indem es denselben tiefen, der natürlichen Beleuchtung nicht vollkommen entsprechenden Ton besitzt, wie er an den von Lier gefertigten Kopien nach Dupré zu bemerken ist. Schon in den folgenden Bildern machte sich jedoch Lier von der Art seines Meisters ziemlich frei, um fortan wieder seine eigenen Wege zu gehen und nur die Natur als Führerin anzuerkennen. Leider fehlten die Schöpfungen der nächsten Jahre, welche von seinen Schülern einstimmig als seine bedeutendsten angesehen werden, auf der Berliner Ausstellung fast sämtlich, so daß dieselbe gerade die Blütezeit des Künstlers nicht zur Anschauung brachte, wenn sie auch das Studienmaterial vollständig vereinigt hatte. Für die Pariser Ausstellung des Jahres 1867 hatte Lier zwei Bilder gemalt und erregte durch sie zum erstenmal die Aufmerksamkeit größerer Kreise. Sie waren sowohl dem Gegenstande als auch der Behandlung nach so einfach wie möglich. Otto Baisch (A. a. O., S. 423.) schildert sie in folgender Weise: »Das eine derselben, das in breitgestrecktem Format ausgeführt ist, zeigt eine zu beiden Seiten mit Bäumen besetzte Landstraße, die, von herbstlichen Morgennebeln umlagert, sich perspektivisch in das Bild hineinzieht. Das andere, ein bescheidenes Hochformat, führt uns auf eine von blassem Mondschein matt erhellte Dorfgasse in England. Der fesselnde Reiz beider Gemälde liegt in der außerordentlichen Feinheit, mit welcher die betreffenden Naturstimmungen beobachtet und unter Anwendung der bescheidensten Mittel in packender Weise wiedergegeben sind. Hier der flimmernde Silberton des Herbstmorgens, der durch seinen halb durchsichtigen, halb verschleierten Nebel der schlichten Landschaftspartie mit ihren bereits entblätterten Bäumen ein die Phantasie lebhaft anregendes und beschäftigendes poetisches Gepräge verleiht; da der zitternde Mondschein, innerhalb dessen die Umrisse der Gegenstände verschwimmen und nur die in die sanft durchleuchtete Luft hinaufragenden Äste der Bäume und die Giebel der englischen Dorfhütten ihre Formen zu bestimmter Geltung bringen.«
Unter den Gemälden des folgenden Jahres verdienen zwei eine besondere Hervorhebung; das eine derselben, gegenwärtig in Privatbesitz zu Frankfurt a. M., stellt eine »Partie an der Elbe bei Pillnitz« vor, welche von Segelschiffen und Boten reich belebt ist, während im Hintergrund der Rauch eines Dampfers aufsteigt, das andere eine »Partie am Kanal bei Schleißheim«, von der wir einen Holzschnitt nach einer leider ziemlich unvollkommenen Photographie bringen. Lier hat dieses Motiv zweimal behandelt, zuerst in Morgenstimmung, und später mit abendlich glühendem Horizont, wie er überhaupt wiederholt die Umgegend des Schleißheimer Schlosses für seine Zwecke verwertet hat. Unter seinen Bleistiftskizzen findet sich jedoch nur ein kleines Blatt, auf dem mit wenigen Strichen die Umrisse für die erwähnten beiden Bilder festgehalten sind.
Mit welchem Fleiße Lier damals arbeitete, ohne sich dabei Flüchtigkeiten zu schulden kommen zu lassen, das konnte man am besten auf der Münchener internationalen Kunstausstellung des Jahres 1869 sehen. Denn obwohl er von den Vorbereitungen und der Durchführung dieses so glänzend gelungenen Unternehmens als einer der Vertrauensmänner der Künstlerschaft ungemein in Anspruch genommen war und obendrein im Auftrage derselben eine längere Reise nach Paris und Belgien auszuführen hatte, um persönlich die dortigen Künstler zur Teilnahme aufzufordern, fand er doch Zeit selbst mit sechs neuen Schöpfungen auf der Ausstellung zu erscheinen. Mit ihnen stellte er sich zum erstenmal seinem großen Münchener Kollegen Eduard Schleich ebenbürtig zur Seite; ja es fehlte nicht an Stimmen, welche seine Arbeiten sogar über diejenigen Schleichs stellten. Friedrich Pecht berichtete damals in der Allgenmeinen Zeitung (Jahrg. 1869. Nr. 265. S. 4091) über das Verhältnis der beiden Rivalen, das persönlich fort und fort ein freundschaftliches blieb, wie folgt: »Strenger, einfacher und von größerer unmittelbarer Wahrheit, besonders des Details, weniger genial schwungvoll und prächtig, aber um so tiefer gemütlich, noch anspruchsloser gefangen nehmend erscheint als eigentlicher Repräsentant der paysage intime bei uns Lier neben Schleich, dessen anerkanntester Nebenbuhler er allmählich geworden ist. Seine vier Tageszeiten sind wahrhaft überraschende Bilder, besonders der Morgen von einer entzückenden Lichtfülle und Klarheit des silbernen Tons. Gleiche Morgenklarheit breitet ihren Zauber auch über einen weiten Anger aus, auf welchem Vieh weidet, und nur der Vordergrund streift bisweilen in seinem Grün der Lichter und seinem Violettgrau der Schatten noch leise ans Bunte, während eine Isarlandschaft bei München im Abendschein ein vollendetes koloristisches Meisterwerk als Stimmungsbild genannt werden muß.«
Auch während der folgenden Jahre hielt sich Lier auf der erreichten Höhe. Doch würde es zu weit führen, wollten wir hier der ganzen Reihe von Bildern erwähnen, mit denen er fortfuhr, die Anhänger seiner Kunst zu erfreuen. Es mag genügen die »Kartoffelernte« des Jahres 1871 ins Gedächtnis zu rufen, weil kein anderes von Liers Gemälden so sehr den Beweis liefert, daß auch mit den einfachsten Mitteln die größten Wirkungen zu erzielen sind. Lier hatte sich hier, wie Bruno Meyer (Zeitschrift für bildende Kunst, Bd. 6, 1871 S 177) berichtet, »zur Erzeugung des Stimmungstones einer Farbe bedient, in der die verschiedenen Lokaltöne gleichsam latent in einer fast mißfarbigen und doch höchst anziehenden Eintönigkeit enthalten sind«, und damit eine frappante Wirkung erzielt. Noch kühner und gleichgiltiger gegen die herkömmlichen Anschauungen der Schönmalerei verfuhr Lier bei jener »Landstraße im Regen« bei München, welche ihm im Jahre 1873 die Medaille der Wiener Weltausstellung eintrug. Die außerordentliche Wahrheit und Treue der Beobachtung in dieser Landschaft, auf welcher der Regen in vollen Strömen zu Boden fällt, wurde allgemein als ein Meisterstück anerkannt, während gleichzeitig sich niemand dem poetischen Eindruck entziehen konnte, den der Künstler auch diesem an und für sich unerfreulichem Gegenstände abzuringen verstanden hatte (Vgl. namentlich »Die Dioskuren«, Jahrg. 18, 1873, S. 98.).
Inzwischen war Lier an einem gefährlichen Schleimfieber erkrankt, von dessen Folgen er sich nie wieder ganz erholen sollte. Dasselbe legte vermutlich den Grund zu einem hochgradigen, erst nach seinem Tode von den Ärzten erkannten Herzleiden und raubte ihm die frühere Schaffensfreudigkeit, so daß er etwa von dem Jahre 1874 an immer nur in größeren Pausen an der Staffelei beschäftigt war. Als ob er gefühlt hätte, daß sein Lebensabend bald hereinbrechen würde, vertiefte er sich seit dieser Zeit immer mehr in die Schilderung des Abends und des Friedens, der meist kurz vor und nach dem Untergang der Sonne über die Natur sich zu verbreiten pflegt. Die meisten Nummern der Berliner Ausstellung zeigten den Künstler gerade nach dieser Richtung thätig. Wenn daher, wie der Referent der Nationalzeitung (Jahrg. 1883, Nr. 143 Morgenausgabe.) richtig bemerkte, bei Liers Namen »in der Vorstellung der meisten Ausstellungsbesucher ein braunes bayerisches Moos aufsteigen wird, mit klarem, ruhigen Wasserspiegel im Vordergrund, einem schmalen Nebelstreif über dem niedrigen Ufer und einem großen wolkenlosen Himmel von sorgfältiger Abtönung, an dessen Horizont vielleicht noch ein Schimmer der fernen, beschneiten Berggipfel glänzt«, so gilt diese Charakteristik wohl im allgemeinen für die Mehrzahl von Liers letzten Werken, nicht aber, wie aus unserer Darstellung deutlich hervorgehen dürfte, für die Blütezeit seines Schaffens. Daß er aber neben der Abendstimmung auch in späteren Jahren die anderen Stimmungen des Tages gepflegt, beweist z. B. auch der »Frühlingsmorgen« des Jahres 1878, ein Bild von wunderbarer Feinheit des Tones und einer Zartheit der Linien, die in der dem vorigen Hefte beigegebenen Radirung nur unvollkommen angedeutet werden konnte.
Die gestörte Gesundheit nötigte Lier auch, seine Schule bereits im Jahre 1873 oder 1874 wieder aufzugeben, obwohl er gerade auf diese Seite seiner Thätigkeit stolz sein durfte, da er mit keinem seiner Schüler einen Mißerfolg, vielmehr mit den meisten die größten Erfolge gehabt hatte. Er eröffnete die Schule im Herbste 1869, nachdem er schon im Sommer vorher einen Teil seiner Schüler in Dachau um sich versammelt hatte. Die ersten, die in sie eintraten, waren der verstorbene Marinemaler Paul von Tiefenhausen, C. von Malchus, Kubinsky, Hermann Baisch und Charles Miller aus New-York. Im Laufe des Jahres 1870 kamen Josef Wenglein, Gustav Schönleber und Richard von Poschinger hinzu, zu denen sich bald darauf auch eine Dame, Fräulein Marie Kirschner, gesellte. In den letzten Jahren hatte sich dann noch der ihm persönlich befreundete Josua von Gietl seiner Leitung zu erfreuen. Wie es aber seine Stellung als Haupt einer verheißungsvoll auftretenden Schule mit sich brachte, so nahmen auch zahlreiche andere Landschaftsmaler in München seinen Rat in Anspruch, so daß man seinen Einfluß auf die jüngeren Vertreter dieses Kunstzweiges wohl mit dem vergleichen kann, den einst Piloty auf die Münchener Historien- und Genremaler ausgeübt. Auch hierin zeigte er sich diesem berühmten Lehrmeister ähnlich, daß er soviel als möglich dem einzelnen seine Eigentümlichkeit ließ und es vermied, ihm eine seiner Natur fremde Richtung aufzudrängen. Dadurch erklärt sich ein Teil des Erfolges, zumal da er es nur mit talenvollen Jüngern zu thun hatte. Wer sich die Werke eines Schönleber, Baisch und Wenglein vor Augen stellt, wird sofort erkennen, daß in ihrer Art zu schaffen kein geringerer Unterschied obwaltet, als er z. B. unter den Pilotyschülern Makart, Max und Defregger besteht. Ein besonderes Verdienst aber erwarb sich Lier durch sein Beispiel in specieller malerischer Hinsicht. »Wenn man in München gegenwärtig durchschnittlich besser malt als sonst in Deutschland«, urteilte Rosenberg kürzlich in diesen Blättern (1884. Bd. 19, S. 134.), »so gebührt das Verdienst dafür in erster Linie Diez, Lier und Löfftz.«
Im Verhältnis zu dieser umfassenden Wirksamkeit fielen die dem Künstler zuerkannten äußeren Ehrenerweisungen nicht eben reichlich aus. Doch hat er nach dergleichen Dingen bei seinem bescheidenen Wesen nie verlangt und blieb daher ganz gleichgültig, wenn Freunde und Schüler über diesen Mangel zu klagen anfingen.
Eine akademische Thätigkeit in München wäre ihm vielleicht in jüngeren Jahren nicht unerwünscht gewesen; als sie ihm außerhalb von verschiedener Seite angeboten wurde, lehnte er von vornherein jede Berufung ab, ohne die bei solchen Gelegenheiten übliche Reklame in Bewegung zu setzen. Die bayerische Hauptstadt, in der er sich seit 1868 ansässig gemacht hatte, mit ihrer bei aller ultramontanen Gesinnung doch vorwiegend gesunden und frischen Bevölkerung, vor allem aber die an eigenartigen Reizen so reiche Umgebung derselben, die in hervorragendem Grade das ist, was die Franzosen »paysage intime« nennen, war ihm zu lieb geworden, als daß er sich auf die Dauer von ihr hätte trennen mögen. – Als sein Leiden immer schlimmer wurde, gab er endlich dem Rate der Ärzte, nach dem Süden zu gehen, Gehör. Doch sollte er das von ihm ins Auge gefaßte Reiseziel nicht mehr erreichen. Er starb unterwegs am 30. September 1882 zu Vahrn bei Brixen und wurde am 4. Oktober auf dem südlichen Friedhof in München zur Ruhe bestattet.
»Sein letztes Werk«, heißt es in dem Nekrolog der Münchener Neuesten Nachrichten, (4. Okt. 1882.) »ist die (in den Besitz des bayerischen Staates übergegangene) in abendliche Dämmerung gehüllte Theresienwiese mit der Ruhmeshalle und Bavaria im Hintergrund. Hoch hält die Bavaria den Lorbeerkranz empor, sie reicht ihm sicher jetzt auch dem Verstorbenen dar, der ihn, als der besten einer, wohl verdient hat.«
Zeitschrift für Bildende Kunst. Leipzig, 1887.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Lier Adolf, 1826 (Hermhut/Sachsen) 1882, Landschaftsmaler; nach Studien in seiner Heimat wurde L. 1849 in München Schüler von Richard Zimmermann; Aufenthalte in Frankreich und England beeinflußten Ls. französische und englische Landschaftsmotive; seit 1865 hielt er sich dauernd in München auf, wo er später hauptsächlich landschaftliche Stimmungsbilder aus der Münchner Umgebung schuf.
Hauptwerke: Kanallandschaft von Schleißheim, Landstraße bei München im Regen, Abend an der Isar, Theresienwiese mit Ruhmeshalle; L. hat einen großen Einfluß auf die neuere Richtung der Münchner Landschaftsmalerei ausgeübt.
© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#10 – 2 – 56 (Podbertsky)
Hier ruhen in Frieden:
Wilhelm Podbertsky
Privatier, vorm. Conditor,
geb. 24. März 1815, gest. 31. Jan. 1877,
dessen Gattin
Augusta Podbertsky
geb. 24. Sept. 1813, gest. 9. Juni 1897.
Emil Podbertsky
Malschüler an der kgl. Akademie,
geb. 6. Mai 1850, gest. 10. April 1869.
Theodor Podbertsky
kgl. Musikdirektor u. Komponist,
geb. 17. Nov. 1846, gest. 6. Okt. 1913.
Wilhelm Podbertsky
Privatier,
geb. 6. Nov. 1852, gest. 6. März 1918.
Und dessen Gattin
Frau Anna Podbertsky
geb. 21. Sept. 1858, gest. 6. Mai 1936.
- Podbertsky, Anna (vw); 21.9.1858 – 6.5.1936; Privatiers-Witwe
- Podbertsky, Augusta (vw) / Langenmaier (gb); 24.9.1813 – 9.6.1897 (München); Konditors-Witwe
- Podbertsky, Emil; 6.5.1850 – 10.4.1869 (München); Konditors-Sohn / Malschüler
- Podbertsky, Theodor; 17.11.1846 (München) – 6.10.1913 (München); Komponist und Musikdirektor
- Podbertsky, Wilhelm; 24.3.1815 – 31.1.1877 (München); Privatier, ehmaliger Konditor
- Podbertsky, Wilhelm; 6.11.1852 – 6.3.1918 (München); Privatier






#Theodor Podbertsky
* 17.11.1846 (München)
† 6.10.1913 (München)
Komponist und Musikdirektor
#Allgemeine Zeitung (23.10.1906)
Bayerische Chronik.
Theodor Podbertsky. Am 17. November d. J. vollendet der durch seine erfolgreichen Chorwerke in deutschen Sängerkreisen weit bekannte und geschätzte Komponist Theodor Podbertsky sein 60. Lebensjahr. Geboren am 17. November 1846 in München, erhielt derselbe seine Ausbildung an der kgl. Musikschule hier bei Professor Rheinberger und Hofkapellmeister Wüllner und war in früheren Jahren in München in verschiedenen Stellungen tätig. Infolge Ueberanstrengungen kränklich geworden, zog er zur Wiederherstellung seiner Gesundheit 1887 nach Fürstenfeldbruck, um dann nach einigen Jahren neugekräftigt wieder nach München zurückzukehren. Außer der Chormeisterstelle des Münchener Männer-Gesangvereins hat Podbertsky keine weiteren Stellungen mehr übernommen und lebt hier nur seinen Kompositionen, von denen viele Gemeingut der deutschen Sängerwelt geworden sind. Im Jahre 1903 durch die Verleihung des Titels eines Königlichen Musikdirektors ausgezeichnet, ist Podbertsky auch Ehrenmitglied fast aller großen Münchener und vieler auswärtiger Gesangvereine, die alle sicher auch seines Ehrentages gedenken werden.
Allgemeine Zeitung Nr. 492. München; Dienstag, den 23. Oktober 1906.
#Münchner Neueste Nachrichten (9.10.1913)
Lokales
München, 8. Oktober
Hof- und Personalnachrichten
Theodor Podbertsky †. Vom Südlichen Friedhof aus wurde Mittwoch nachmittag die Leiche des bekannten Komponisten zur Einäscherung nach Ulm übergeführt. Die Münchener Sänger bereiteten ihm eine ehrende Trauerfeier, die der Münchener Männergesangverein mit dem Vortrag des Schottischen Bardenchors einleitete. Dann nahm der prot. Kirchenrat Reichenhart die Aussegnung vor und feierte den Verstorbenen als Meister des deutschen Liedes, widmete ihm auch herzliche Dankesworte namens der Evang. Gemeinde St. Matthäus, in deren Kirche Podbertsky die Orgelbegleitung zu den Gesängen lange Jahre hindurch besorgte. Unter ehrenden Nachrufen ließen nach der Aussegnung Kranzspenden an der Bahre niederlegen der Münchener Männergesangverein, der Bayerische Sängerbund, die Münchener Liedertafel, die Bürger-Sängerzunft, der Männergesangverein Neu-Bavaria, der Lehrergesangverein München, der Münchener Liederkranz, der Männergesangverein Fürstenfeldbruck, der Turnverein München von 1860, dessen Altherrenverband, Altherrenriege, Vorturnerschaft und Sängerkreis, die Liedertafel Rosenheim, der Regenburger Liederkranz und die Augsburger Liedertafel. Schon vor der Trauerfeier hatte der Evangelische Handwerkerverein München einen Kranz gewidmet. Unter Vorantritt des Münchener Männergesangvereins und des Turnvereins München von 1860 bewegte sich dann der stattliche Leichenzug zu dem am Friedhofportal harrenden Leichenwagen, der den Sarg zur Bahn überführte.
Münchner Neueste Nachrichten No. 517. Donnerstag, den 9. Oktober 1913.

#10 – 3 – 55 (Mayr)
Hier ruhen:
Herr Ulrich Mayr
Stadtgärtner,
geb. 5. Juli 1807, gest. 18. Nov. 1870.
Dessen Gattin
Frau Magdalena Mayr
geb. 27. Dezbr. 1809, gest. 23. Dezbr. 1873.
Frau Therese Mayr, geb. Götz,
geb. 31. März 1853, gest. 5. März 1876.
Herr Joh. Ulrich Mayr
Rentier,
geb. 5. Juni 1842, gest. 9. April 1897.
Frau Babette Mayr
geb. 1. Juli 1860, gest. 2. Jan. 1940
- Mayr, Babette (vh); 1.7.1860 – 2.1.1940
- Mayr, Joh. Ulrich; 5.6.1842 – 9.4.1897; Rentier
- Mayr, Magdalena (vw); 27.12.1809 – 23.12.1873 (München); Stadtgärtners-Witwe
- Mayr, Therese (vh) / Götz (gb); 31.3.1853 – 5.3.1876 (München); Handelsgärtners-Gattin
- Mayr, Ulrich; 5.7.1807 – 18.11.1870 (München); Stadtgärtner





#10 – 4 – 10·11* (Klein)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Klein, Amalie; – 14.12.1831 (München), 33 Jahre alt, Tod durch Selbstmord; Kammerdieners-Tochter
- Klein, Elise; – 14.12.1831 (München), 34 Jahre alt, Tod durch Selbstmord; Kammerdieners-Tochter
Das Grab ist nicht erhalten
#Amalie Klein
† 14.12.1831 (München), 33 Jahre alt, Tod durch Selbstmord
Kammerdieners-Tochter
#Elise Klein
† 14.12.1831 (München), 34 Jahre alt, Tod durch Selbstmord
Kammerdieners-Tochter
#Münchener Conversations-Blatt (21.12.1831)
Endlich hat man auch den zweiten Leichnam der vermißten zwei ledigen, herzogl. zweibrückischen Kammerdieners-Töchter, Elise und Amalie Klein, beide in den dreißiger Jahren, aus einem Isar-Kanal gezogen, deren Hüte, Regendach und Hausschlüssel vorher gefunden wurden. Schauerliche Entschlossenheit zweier sich bis in den Tod liebender, arbeitsamer, aber dürftiger Schwestern!
Vor kurzem der alten Mutter und mit ihr einer kleinen Pension beraubt, konnten sie sich fast nichts mehr mit Handarbeit verdienen, und mußten daher anfangen, ihre reinliche Habe zu veräußern. Jemand bemerkte die Unglücklichen inbrünstig zu Gott flehend, in der schmerzhaften Kapelle; die jüngere weinte hierauf heftig, während die andere gefaßter schien. Im Weggehen legten beide ihre (letzte) Gabe in den Opferstock und nahmen ihren Weg Isar aufwärts.
Es ist ihrer Zurückgezogenheit zuzuschreiben, daß weder die erst noch die zweit Gefundene nach mehrtägigen Zwischenräumen erkannt wurde, selbst von der Polizei nicht, während der Hausherr in der Landwehrstraße auch unterließ, ihren Abgang anzuzeigen.
Münchener Conversations-Blatt Nro. 355. München; Mittwoch, den 21. Dezember 1831.
#Bayerischer Volksfreund (21.12.1831)
Nachrichten aus Bayern.
München. Die beiden im Isarkanale am 14. und 18. d. todtgefundenen Mädchen sind Kammerdienerstöchter von Neuburg an der Donau. Ihr Vater war in Diensten der Frau Herzogin von Zweibrücken, und verlor wahrscheinlich durch deren Tod, Dienst und Gehalt. Sie lebten mit ihrer Mutter dahier, welche sie im Monat Oktober d. Js. ebenfalls durch den Tod verloren, und nun von aller Hilfe verlassen, in die bitterste Armuth versetzt wurden. Diese Mädchen haben stets einen rechtschaffenen Lebenswandel gepflogen, und nur Mangel an Verdienst, und daher das äußerste Elend haben sie veranlaßt, den gemeinschaftlichen Tod zu wählen. An ihrem Todestage wurden sie in der schmerzhaften Kapelle in größter Andacht betend und heftig weinend gesehen, und ihren letzten Pfenning legten sie dortselbst noch in den Opferstock. Elisabethe und Amalie Klein sind die Namen dieser Unglücklichen, welche vergebens Hilfe bei den Reichen und Großen gesucht, und im 19. und 20. Lebenjahre so unglücklich geendet haben. Viele Diener der verstorbenen Frau Herzogin wurden durch deren Tod brodlos, und nur der väterlichen Fürsorge Sr. Majestät des Königs haben es dieselben zu verdanken daß ein Gesetzentwurf an die Kammern gebracht wurde, wornach diesen Unglücklichen Unterstützung werden soll, welches zwar angenommen, jedoch auch hartnäckig bekämpft wurde.
Bayerischer Volksfreund Nro. 99. München; Mittwoch, den 21. Dezember 1831.
#Sonntags-Blatt (25.12.1831)
Romanze.
Elise:
Geiz hat kein Gefühl für Tugend,
Und das Laster reizt mich nicht:
Drum verwelke Rosenjugend,
Ich verlasse nicht die Pflicht!
Amalie:
Wahrlich, Schwester, Felsenherzen
Sind mit Reichthum nur begabt:
Unsrer Armuth herber Schmerzen
Nur des Reichen Wollust labt!
Elise:
Wo ich immer suchte Hilfe,
Fand ich Rohheit nur und Spott;
Sah als Stab nur schwache Schilfe
Fand mein Hell allein in Gott!
Amalie:
Lasset uns zur Kirche gehen,
Gott vertrauen unser Loos:
Nur sein Wille soll geschehen,
Seine Huld ist reich und groß!
Und sie eilen zur Kapelle,
Flehen weinend zu dem Herrn:
Nun, zum Trost euch, in der Quelle
Zeiget sich der Abendstern.
Elise:
Flieh die Welt, die gift'ge Natter,
Unser Herz macht sie nicht warm!
Schwester, Gott ist unser Vater,
Er nimmt uns in seinen Arm!
Amalie:
Gottes Hand wird uns erretten
Ihm vertrauen, Schwester, wir!
Brechet Fesseln, die uns ketten!
Liebe Schwester, folge mir!
Auf den Geist zum Heimatlande
Heben sie, den Blick zum Grab',
Ach, und sinken von dem Strande
In der Isar Strom hinab.
Beide Leichen nach acht Tagen
Unschuld aus den Augen spricht!
Werden in das Grab getragen,
Und die Welt hält ihr Gericht.
Auf dem Busen blühen Rosen,
Mit des Schnee's blendend Weiß;
Und im Puls der Hoffnungslosen
Wird das kalte Leben heiß.
Alle Mädchen weinen Thränen
Ueber dieses Schwesternpaar:
Ihnen gern den Himmel gönnen,
Weil die Welt ihr Strafort war.
Reiche schauen ihre Leichen,
Fühlend, was ihr Stumpfsinn that:
Geben des Gefühles Zeichen,
Weil ihr Geiz gemordet hat!
Saget an, ihr Wucherseelen,
Wie euch diese That erscheint?
Endet Alle ihr in Wellen,
Ueber euch wird – nicht geweint!
Sonntags-Blatt Nro. 26. Eine Erheiterung für das Gemüth. München; Samstag, den 25. Dezember 1831.
#Bayerischer Volksfreund (25.2.1832)
Versteigerung.
In der Verlassenschaft der Kammerdienerstöchter, Elise und Amalie Klein wird der Rüklaß derselben am Donnerstag, den 1. künftigen Monats Merz, Vormittags 9 Uhr gegen gleich baare Zahlung versteigert.
Die Verkaufsobjekte bestehen in verschiedenen Effekten von Kirschbaumholze, Betten, Kleidern und Wäsche und so andere.
Käufer wollen sich deßwegen in der Landwehrstraße vor dem Josephsthore Nro. 367 zu ebener Erde einfinden.
Den 21. Febr. 1832.
Königl. Kreis- und Stadtgericht München.
Allweyer, Direktor.
Bayerischer Volksfreund Nro. 32. München; Samstag, den 25. Februar 1832.

#10 – 4 – 45* (Fink)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Fink, Leopold; – (21).10.1888 (München), 46 Jahre alt; Bildhauer
Das Grab ist nicht erhalten
#Leopold Fink
† (21).10.1888 (München), 46 Jahre alt
Bildhauer
#Augsburger Neueste Nachrichten (20.10.1875)
Veranlaßt durch die Anzeige, womit die Weixel'schen Friseurs-Eheleute in den hiesigen Blättern die Nachricht von dem Ableben ihrer einzigen Tochter Mathilde gebracht haben, erlaube ich mir in's Gedächtniß zu rufen, daß den Weixel'schen Eheleuten, beziehungsweise Herrn Weixel in der Person meiner Ehefrau noch eine rechtmäßige Tochter lebt, welche zwar längst auf die Liebe ihrer Eltern verzichten lernen mußte, sich aber keineswegs ihrer Rechte an dieselben begeben hat.
Kriegshaber, am 18. Oktober 1875.
Leopold Fink, Bildhauer.
Augsburger Neueste Nachrichten No. 249. Mittwoch, den 20. Oktober 1875.

#10 – 6 – 52 (Heiden)
Dem Andenken
unsrer lieben Eltern
Theodor Heiden
Ziseleur
Geboren zu Ansbach 1. April 1812
Gestorben zu München 14. Okt. 1865
und
Elise Heiden
Geb. z. N’mberg 30. Juli 1826
Gest. z. München 4. Juli 1912.
Plakette
A. GONITIANER F.R.
TEGERNSEE 2013
- Heiden, Elise (vw) / Schmid (gb); 30.7.1826 (Nürnberg) – 4.7.1912 (München); Webers-Tochter aus Amberg / Ziseleurs-Witwe
- Heiden, Theodor; 1.4.1812 (Ansbach) – 14.10.1865 (München); Ziseleur





#10 – 6 – 53 (Schmidt)
Familie Schmidt
Hier ruhen in Gott
Herr Carl Christ. Schmidt
¿
Frau Margareta Schmidt
geb. ¿
Frau Amalie Schmidt
geb. Held.
¿
- Schmidt, Amalie (vh) / Held (gb)
- Schmidt, Karl Christian
- Schmidt, Margareta (vh)


#10 – 6 – 55 (Lachner · Riemerschmid)
Büste
Signatur
M. Wagner
Dr. Franz Lachner
k. b. Generalmusik-Director
2. April 1803 – 22. Jan. 1890.
Julie Lachner
geb. Royko,
10. Nov. 1810 – 19. April 1864.
Walther Riemerschmid
Musiker
31. August 1871 – 4. September 1924.
Rechte Seite
Dr. Eugen Lachner
Director der Irrenanstalt
Karthaus-Prüll,
21. Nov. 1838 – 12. Dez. 1882.
Marie Riemerschmid
geb. Lachner
23. März 1844 – 20. August 1915
Otto
Heinrich Riemerschmid
Diplom-Ing. u. Architekt
14. September 1872 – 9. April 1924.
- Lachner, Eugen, Dr. med.; 21.11.1838 – 12.12.1882 (München); Direktor der Irrenanstalt Karthaus-Prüll
- Lachner, Franz Paul von; 2.4.1803 (Rain am Lech/Schwaben) – 20.1.1890 (München); Organistens-Sohn / Komponist, Generalmusikdirektor a. D.
- Lachner, Julie (vh) / Royko (gb); 10.11.1810 (Wien) – 19.4.1864 (München); Kaufmanns-Tochter / Generalmusikdirektors-Gattin
- Riemerschmid, Heinrich; 14.9.1872 – 9.4.1924 (München); Architekt und Ingenieur
- Riemerschmid, Marie (vh) / Lachner (gb); 23.3.1844 – 20.8.1915
- Riemerschmid, Walther; 31.8.1871 – 4.9.1924; Musiker







#Franz Paul von Lachner
* 2.4.1803 (Rain am Lech/Schwaben)
† 20.1.1890 (München)
Organistens-Sohn / Komponist
#Signale für die Musikalische Welt (5.1856)
Franz Lachner,
königl. baierischer General-Musikdirector in München, wurde am 2. April 1801 zu Rain in Schwaben und Neuburg geboren, und erhielt von seinem Vater, der daselbst Organist war, den ersten Unterricht in der Musik, besuchte dann von seinem zwölften bis zu seinem achtzehnten Jahr das Gymnasium zu Neuburg an der Donau, wo er auch von Eisenhofer gleichzeitigen Unterricht in der Compositionslehre erhielt. 1822 ging er nach München, um unter Ett die musikalischen Studien fortzusetzen, und in demselben Jahre noch nach Wien, wurde da alsbald Organist an der protestantischen Kirche, und bildete sich unter Abbé Stadler, Weigl und Sechter in der Composition weiter aus, während Beethovens Umgang und Franz Schuberts innige Freundschaft vom höchsten Einfluß auf seine Entwickelung war. Durch des Impresario Duport Einfluß, der Lachners Befähigung erkannte, ward er 1826 in seinem 21. Jahr Capellmeister am Kärnthnerthor-Theater, wo er bis 1834 blieb, und innerhalb dieser Zeit die Oper auf hohem Grad der Vollendung erhielt, wie auch sich das Verdienst erwarb, die philharmonischen Concerte gegründet und geleitet zu haben. Einem ehrenvollen Rufe folgend, wurde er großherzoglicher Capellmeister in Mannheim, und 1836 als solcher nach München, in die vaterländische Hauptstadt, berufen. Während dieser Zeit entstanden fünf Sinfonien, von welchen die Sinfonia passionata in Wien den ersten Preis erhielt. Von seinen übrigen Werken führen wir blos noch drei andere Sinfonien, mehrere Ouverturen, 6 Quatuors und Ouintuors, 3 Trios, 6 Sonaten, gegen 300 Lieder und Gesänge, 2 Oratorien und 4 Opern an, worunter »Catharina Cornaro« sich den größten Beifall errang. Eines seiner bedeutendsten Werke ist die Musik zu »König Ocdipus«, wozu nun noch ein in München vor Kurzem mit großem Beifall aufgeführtes »Requiem« kommt. Die Anerkennung konnte bei solcher erfolgreichen Thätigkeit nicht ausbleiben. 1845 wurde er zum wirklichen Mitglied der Brüsseler Academie für Künste und Wissenschaften ernannt, und ebenso 1847 von Berlin aus geehrt. 1848 ertheilte ihm König Max das Ritterkreuz des Verdienstordens vom heiligen Michael, nachdem er schon früher den hessischen Orden Philipps des Großmüthigen erhalten. Zum General-Musikdirector wurde er 1852 ernannt und ist außerdem noch Ehrenmitglied mehrerer musikalischen Gesellschaften und Vereine.
Signale für die Musikalische Welt No. 20. Leipzig; Mai 1856.
#Neuer Theater-Almanach (1891)
1890. Januar. 20. Franz Lachner, Königl. General-Musikdirektor a. D., namhafter Komponist, † in München, geb. zu Rain am Lech 2. Apr. 1803, Bruder von Ignaz und Vinzenz L., 1822 in Wien Organist (mit Beethoven im Verkehr), 26 Kapellmeister am Kärtnerth.-Th., 34–36 in Mannheim, seitdem in München Kapellmeister am Hofth., 52 General-Musikdir., 68 in Ruhestand versetzt, Gegner R. Wagner’s. Als Opernkomponist schrieb L.: »Die Bürgschaft« (28), »Alidia« (München, 12. Apr. 39), »Katharina Cornaro« (das. 3. Dez. 41), »Benvenuto Cellini« (49), auch Musik zu »König Oedipus« (28. Nov. 52).
Neuer Theater-Almanach. Berlin, 1891.
#Die Scheinwelt und ihre Schicksale (1893)
Durch das glückliche Engagement des Mannheimer Hofkapellmeisters und Componisten Franz Lachner kam ein neuer Aufschwung in unsere Oper, die sich in erster Linie durch eine gründliche Sichtung des Sängermaterials, dann durch eine treffliche Anzahl bedeutender Opernnovitäten documentirte. So folgten in rascher Reihenfolge Spohr's »Jessonda«, Auber's »Maskenball«, Kreutzer's »Nachtlager«, Lalevy's »Blitz«, Adam's »Postillon von Lonjumeau«, Bellini's »Nachtwandlerin« und schließlich Meyerbeer's »Hugenotten.« Interessant für uns ist, daß die letztere Oper den damaligen lokalen Zuständen entsprechend, insoferne eine Umgestaltung erfuhr, daß der Ort der Handlung von Paris nach London verlegt wurde und Katholiken und Hugenotten in Anglikaner und Puritaner verwandelt wurden. So erhielt auch die Oper den Titel: »Die Anglikaner und Puritaner.« Um diese Zeit machte sich die neuengagirte dramatische Sängerin Therese Mink, genannt die »ungarische Nachtigall«, um unsere Oper sehr verdient; sie war auch die erste »Valentine.« — Franz Lachner, 1803 in dem schwäbischen Städtchen Rain geboren, hatte noch sieben Geschwisterte, darunter seine zwei gleichfalls berühmten Brüder Ignaz (1807) und Vincenz (1811). Mit 17 Jahren kam Franz nach München, um sich bei Winter und Eisenhofer, nachdem ihm sein Vater bereits Vorunterricht ertheilt hatte, weiter in der Musik auszubilden. Nebenbei trat Franz als Contrabassist in das Orchester des Isarthortheaters ein. Zwei Jahre später zog ihn ein mächtiger Drang nach Wien, wo Beethoven inmitten des musikalischen Lebens stand. Ihn, den gewaltigen Meister der Tonkunst, mußte er persönlich schauen und so richtete sich sein ganzes Sinnen und Trachten nach der Kaiserstadt. Aber wo sollte Franz das viele Geld auftreiben, das zu einer solchen Fahrt nothwendig war! Da zuckte ein rettender Gedanke durch seine begeisterte Künstlerseele und rasch entschlossen, verdingte er sich als Knecht auf einem Floß und schwamm, wenn auch unter mannigfaltigen Abenteuern und Strapazen wohlgemuth donauabwärts. Nach einer vierzehntägigen Fahrt landete Fanz in Wien und vertauschte rasch das Ruder mit der Orgel. In einem Wettbewerb um die protestantische Organistenstelle siegte er über 30 Concurrenten; zudem wurde auch sein glühender Wunsch, mit Beethoven zu sprechen, zweimal erfüllt. Lachner blieb bis zum Jahre 1834 in Wien und folgte nun einem Rufe als Hofkapellmeister nach Mannheim, zuvor aber führte er auf der Reise dorthin seine D moll-Symphonie in München mit großem Erfolge auf, dem er auch seine spätere Hieherberufung 1836 verdankte. Wie wir in den kommenden Blättern sehen, hatte hier Franz Lachner reiche Gelegenheit gefunden seinen Ruf durch eine glänzende Wirksamkeit an unserer Oper und überhaupt im musikalischen Leben der Stadt selbst immer mehr auszubreiten. Seinen Verdiensten gemäß erfolgte von Seite des Königs seine Ernennung zum Generalmusikdirektor, die Universität verlieh ihm den philosophischen Doktorgrad honoris causa und die Stadt München überreichte ihm den Ehrenbürgerbrief. Als Richard Wagner Mitte der sechziger Jahre nach München kam und das ganze Interesse sich der großen neuen Bahn zuwendete, wurde die Bedeutung Lachners herabgedrückt. Lachner brachte noch den Tanhäuser und Lohengrin zur glänzenden Aufführung, aber im großen Ganzen stand er der neuen Richtung doch fremd gegenüber. Eine persönliche Begegnung mit Wagner wirkte nicht fördernd auf die hiesigen Verhältnisse und so trat Franz Lachner 1867 in den Ruhestand. Der 20. Januar 1890 ist des Meisters Todestag. Franz Lachner beherrschte das gesammte musikalische Gebiet von der Gper, der Symphonie, dem Oratorium bis zum einfachsten Lied herab und seine Werke sind circa zweihundert. Von seinen Opern sind namentlich zu nennen: »Die Bürgschaft«, »Alidia«, »Benvenuto Cellini«, und hervorragend »Katharina Cornaro«, die wir ja heute noch auf dem Repertoir haben. Die künstlerische Bedeutung Lachners lag auf zwei Gebieten, auf dem des Dirigenten und dem des Componisten; jedenfalls aber war ihm das schönste Erdenloos: aus den drückenden Sphären der Armuth durch eigene Kraft zur sonnigen Kunsthöhe aufzusteigen, beschieden.
Die Scheinwelt und ihre Schicksale. Eine 127jährige Historie der Münchener kgl. Theater im populärer Form und als Jubiläums-Ausgabe. Zu Ehren des fünf und zwanzigjährigen Dienst-Jubiläums Seiner Excellenz des Herrn General-Intendanten Freiherrn von Perfall von Max Leythäuser. München; 1893.
#Allgemeine Deutsche Biographie (1906)
Lachner: Franz L., bedeutender Dirigent und Componist, wurde geboren am 2. April 1803 in Rain in Baiern, wo sein Vater Anton das Amt eines Organisten an der Pfarrkirche versah und daneben behufs Vermehrung seiner schmalen Einkünfte sich mit dem Ausbessern von Uhren befaßte. Anton Lachner hatte aus erster Ehe sieben Kinder; die zweite mit Anna Kunz aus Reimlingen brachte ihm noch sieben dazu, und das vierte Kind dieser zweiten Reihe war Franz. Der tüchtige und energische Vater unterwies Söhne und Töchter gleichmäßig in den Schulfächern, wie in der Musik, und brachte die Sprößlinge so weit, daß er mit ihnen ein ganzes Orchester bilden und Concerte geben oder kleine Singspiele aufführen konnte. Franz spielte hierbei Clavier oder Geige oder Violoncello, blies das Horn oder ließ auch seinen hübschen Sopran hören. Mit 13 Jahren trat er nach dem Wunsch des Vaters, der ihn gerne zum Geistlichen gemacht hätte, in das Studienseminar zu Neuburg a. D. ein. Auch hier that er sich bei Schulaufführungen musikalisch hervor, und sein Talent fand besonders in dem Gymnasialprofessor Franz Xaver Eisenhofer einen wohlwollenden Förderer, der Sorge trug, daß die ersten Compositionen des jungen L. (Cantaten, Lieder, Offertorien etc.) in der Kirche und bei festlichen Anlässen im Seminar zur Vorführung kamen.
1820 starb der Vater im Alter von 64 Jahren. Franz kehrte wol in das Gymnasium zurück, blieb aber nur noch bis zum Mai 1822 dort, denn inzwischen war der Drang, sich ganz der Musik zu widmen, in ihm so stark geworden, daß er das Interesse für alle anderen Studien zurückdrängte. Und so zog er denn nach München, wo seiner alle die Enttäuschungen warteten, die dem Jünger der Tonkunst auf seinem Lebenswege zuzustoßen pflegen: von seinen Compositionen mochten die Verleger nichts wissen, Unterrichtsstunden wollten sich nicht einstellen, und als es ihm endlich gelang, Schüler zu finden, wurde ihm die Unterweisung so kümmerlich bezahlt, daß er sich gezwungen sah, des Abends in Vorstadttheatern bei irgend einem Instrument, Horn, Violoncello, Geige, mitzuwirken, um nur überhaupt leben zu können. Der wackere Joh. Kaspar Ett, Hoforganist und Kirchencomponist, nahm sich in dieser Zeit des eifrig vorwärtsstrebenden Jünglings an, gab ihm unentgeltlich Unterricht und half ihm auch sonst, wo er konnte.
L. mußte bald einsehen, daß er in München nur sehr langsam vorwärts kommen würde, deshalb schnürte er schon nach einem Jahr sein leichtes Bündel und wandte sich nach Wien. Ungewöhnlich kurz war ihm die Zeit bemessen, wo er gegen widriges Geschick zu kämpfen hatte, denn in Wien empfing ihn das Glück mit offenen Armen. Gleich nach seiner Ankunft hatte er Gelegenheit, sich durch Probespiel an der Bewerbung um eine Organistenstelle zu betheiligen, die ihm auch zugesprochen wurde; so war er auf einmal im Besitz eines Jahreseinkommens von 400 Gulden. Und von nun an läuft sein Lebensweg auf ganz ebener Bahn dahin. Der berühmte Theoretiker Simon Sechter wird sein Lehrer; Joseph Weigl, der bei jenem Probespiel als Preisrichter anwesend war, wendet ihm sein Interesse zu; der Clavierfabrikant Streicher zieht ihn in sein Haus, in dem er mit allen Wiener Kunstgrößen in Verkehr kommt. Beethoven tritt ihm freundlich gegenüber, Grillparzer, Feuchtersleben, Michael Vogl, Baron Schönstein, Franz v. Schober werden ihm bekannt, mit Franz Schubert, Bauernfeld, Moritz v. Schwind verbindet ihn bald innige Freundschaft, die der Maler in eigenthümlichster Weise verewigt: auf einem Papierstreifen von 34 cm Höhe und 9,50 m Länge (der »Lachnerrolle«) stellt Schwind die Hauptmomente von Lachner's Leben dar, öfter anachronistisch, immer jedoch humoristisch. (Reproducirt bei Kronseder, Fr. Lachner.) Endlich fand L. hier in einer Tochter des begüterten Kaufmanns Royko eine treue Lebensgefährtin.
In Wien entfaltete sich Lachner's Compositionsthätigkeit bereits sehr vielseitig. Eine Cantate »Die vier Menschenalter« (Text von G. Seidl), ein Oratorium »Moses« (Text von Grillparzer), die drei ersten Symphonien in Es-dur, F-dur, D-moll entstehen, sowie ein Sextett, ein Quintett für Bläser, viele Gesangsstücke und Clavierwerke. Auch für die Ausbildung seiner Dirigentenfähigkeiten fand er günstige Gelegenheit: er wurde Vicecapellmeister am Kärnthnerthortheater, wo Jos. Weigl ihn anfangs leitete und wo er schon nach zwei Jahren neben Konr. Kreutzer zum ersten Capellmeister aufrückte.
Bis 1834 blieb L. in der österreichischen Kaiserstadt, dann folgte er einem Ruf nach Mannheim als Dirigent der Hofoper. Auf der Reise dorthin berührte er München, wohin inzwischen sein Freund Schwind übergesiedelt war, und wurde dort von der Hoftheaterintendanz aufgefordert, ein Akademieconcert zu dirigiren, was mit solchem Erfolg geschah, daß L. bei seiner Abreise einen Contract als erster Hofcapellmeister für München mitnahm, den er freilich erst nach Erledigung seiner Mannheimer Verpflichtungen antreten konnte. Es ist ein glänzendes Zeugniß für den künstlerischen Ernst, mit dem L. jede Aufgabe anfaßte, daß er, trotz des Bewußtseins, seine Thätigkeit werde nur von kurzer Dauer sein (1½ Jahr), mit voller Energie daran ging, die Musikzustände dort zu bessern, daß er in Oper und Concert einen neuen, frischen Zug brachte, das Orchester hob, das Publicum »zu freudiger Antheilnahme« an jeglicher Art Musik erzog.
Er war eben ein geborener Organisator, und dies Talent zur Geltung zu bringen, fand er in München noch viel mehr Gelegenheit als in Mannheim. Denn es scheint, daß die Verhältnisse, in die er jetzt eintrat, künstlerisch ziemlich trostlose waren. Interesse für ernste Concerte, für Symphonieaufführungen und Verwandtes war fast nicht vorhanden; von Kammermusik fanden eine Reihe Concerte statt, die sich etwa auf dem Niveau gesellschaftlicher Unterhaltungen bewegten; die Oper lag ganz darnieder, das Personal war schlecht, das Repertoire dürftig. In der Allg. Musikzeitung von 1835 wird folgendes Bild der Münchener Opernzustände entworfen: »Trotz äußeren Aufwandes geringes Interesse des Publicums, geringer Besuch und noch geringere Einnahmen. Selbst Beethovens Fidelio vermag man nicht zu geben ohne Beiziehung von Gästen, die dann mit mäßigem Erfolg singen.« (Vgl. die sehr sorgfältige Darstellung von Dr. O. Kronseder: Franz Lachner etc. Leipzig 1903.)
Hier nun griff L. mit vollen Kräften ein. Er ersetzte alt und stumpf gewordene Orchestermitglieder durch jüngere, engagirte nach und nach eine Reihe hervorragender Solisten und suchte nun nicht allein die Qualität der einzelnen Vorstellungen zu heben, sondern erweiterte auch den Spielplan in ganz bedeutender Weise. Mit einer ausgezeichneten Aufführung von Auber's Stummen von Portici hatte er seine Thätigkeit an der Oper eröffnet, und im Lauf der Zeit zog er alle guten älteren und die bedeutendsten neuen Werke in den Darstellungskreis: neben Gluck, Mozart, Beethoven treten Spohr, Marschner, Nicolai, Meyerbeer, Auber, Boieldieu, Adam, Rossini und viele andere, auch R. Wagner, dessen Tannhäuser am 12. August 1855 zuerst gegeben, bis zum Jahresschluß noch 9 Wiederholungen erfuhr, Lohengrin 1858 und Fliegender Holländer, der von L. noch einstudirt, aber 1864 von Wagner selbst geleitet wurde. Nicht minder ersprießlich war Lachner's Wirksamkeit auf dem Gebiet des Concertes. Die Schulung der Münchener Hofcapelle bis zu einer Höhe, wo sie befähigt wurde, selbst ein Werk wie Wagner's Tristan und Isolde, das in Wien nach über 70 Proben zurückgestellt wurde, vollendet wiederzugeben, ist einzig sein Werk. Im Durchschnitt führte er jährlich drei bis fünf neue Opern auf und studirte fünf bis acht ältere neu ein. Seine Hand soll mitunter schwer auf dem Orchester gelegen haben, und wer auch nur im Bilde seinen Imperatorenkopf mit dem energischem Munde sieht, der wird es glaublich finden, daß er ein bequemer Vorgesetzter nicht war, daß er seine Absichten um jeden Preis durchsetzte und daß die Klagen der Capellmitglieder über Härte des Dirigenten und übergroße Anstrengung bei den Proben nicht ganz ungerecht gewesen sein mögen. Aber um einen verrotteten Organismus neu zu beleben, reicht nachgebende Güte nicht immer aus, und die Erfolge, die L. hatte, geben seinem Vorgehen recht. Denn das Interesse des Publicums für ernste Concerte wuchs mächtig an. Man muß Musiker, die L. noch haben dirigiren sehen, über seine Art reden hören, über sein hinreißendes Feuer, besonders bei der Aufführung Beethoven'scher Symphonien, über die zwingende Gewalt, die er über das Orchester ausübte, um zu begreifen, daß auch ein wenig williges Publicum innerlich aufgeweckt wurde und ihm folgte, wohin er es nur führen wollte. Kronseder (a. a. O.) stellt anschaulich gegenüber, was in den Münchener Odeonsconcerten vor L. und nach einer zehnjährigen Thätigkeit von ihm geleistet wurde: 1835 in drei Concerten eine Beethoven'sche und eine Lachner'sche Symphonie, sonst nur Arien, Concerte für Flöte, Clavier, Clarinette und Violoncello, sowie Variationen und Arien; 1845 in neun Concerten neun Symphonien, fünf von Beethoven, zwei von Mozart, je eine von Mendelssohn und L., und dazu elf Ouverturen von Beethoven, Cherubini, Gade, Spohr u. a., endlich in einem Sonderconcert noch Haydn's »Jahreszeiten«. Auch mit Bach's »Matthaeuspassion« und mit Beethoven's »Missa solemnis« hat L. die Münchener zuerst bekannt gemacht. So ist L. der Schöpfer eines wirklichen Concertlebens in München geworden und derjenige, der die Münchener Oper erst zu einem Kunstinstitut erhoben hat. Es gehört die ganze Verblendung eines jugendlichhitzigen Wagnerischen Parteigängers dazu, um, wie Hans v. Bülow es gethan, diese Verdienste zu verschweigen und nur die Schwächen Lachner's mit grellem Hohn zu beleuchten. (Hans v. Bülow, Briefe und Schriften III, 71 ff.) Denn es ist selbstverständlich, daß ein so scharf geprägter, autokratischer Charakter auch seine Schwächen haben mußte, und daß ein Mann, der im Kreise Schubert's gelebt und an der Hand Simon Sechter's zum Componisten gereift war, der seine künstlerischen Ideale bei Haydn, Mozart und Beethoven verwirklicht fand, nicht mit fliegenden Fahnen in das Lager Wagner's oder Liszt's übergehen konnte. Dies war eine Kunst, die Lachner's Herzen nicht mehr nahe trat. Und als nun Richard Wagner selbst unter hohen Ehren nach München berufen wurde und öfter an seiner Stelle den Taktstock führte, als mit Wagner ein neues Leben in den Bau einziehen wollte, den im wesentlichen L. errichtet hatte, da mag er sich innerlich grollend abgewendet haben. 1865 forderte er seine Pensionirung, erhielt vom König, der ihn zu schätzen wußte und ihm wohlwollte, anfangs aber nur einen von Jahr zu Jahr verlängerten Urlaub, bis ihm endlich 1868 sein Pensionsgesuch bewilligt wurde. Mit der Stummen von Portici, die er als Antrittsvorstellung dirigirt hatte, verabschiedete er sich auch vom Münchener Publicum. Nun lebte er von allen Aemtern zurückgezogen, aber immer noch rüstig weiter schaffend, noch 22 Jahre als Privatmann und starb am 20. Januar 1890.
Die Zahl von Franz Lachner's Compositionen ist sehr beträchtlich: 325 Opera, davon etwa 200 gedruckt, und viele, die als Collectivnummern wieder in zahlreiche Einzelwerke zerfallen. Die haupsächlichsten sind: vier Opern, »Die Bürgschaft« (1827), »Alidia« (1838), »Catharina Cornaro« (1841) und »Benvenuto Cellini« (1848), die Cantaten »Die vier Menschenalter« (1829), »Gelegenheitscantate« (1831), mit Text von Grillparzer, und die »Cantate zur Eröffnung des Musikvereins in Wien« (1832), Text ebenfalls von Grillparzer; das Oratorium »Moses«, op. 45 (Grillparzer 1833), sowie die Musik zum »König Oedipus« (1852) von Sophokles und eine Anzahl von Festchören und Festspielen für verschiedene Gelegenheiten. An Orchesterwerken: acht Symphonien, op. 32, Es-dur (1828), op. 44, F-dur (1833), op. 41, D-moll (1834), op. 54, E-dur (1835), op. 52 (appassionata), C-moll (1836), op. 56, D-dur (1837), D-moll-Elegie (1839), op. 100, G-moll(1850); sieben Suiten für großes Orchester, die erste (in D-moll, op. 113) 1861, die letzte, »Ball-Suite« (op. 170), 1874; zwei Märsche, vier Ouvertüren. Dann Kammermusik, Quartette, Quintette etc. für Streicher und Bläser, oder für beide combinirt, Trios für Clavier und Streicher, eine Serenade für vier und eine Elegie gar für fünf Violoncelli, zwei Andantes für vier Hörner und zwei Clarinetten. Neben seiner Thätigkeit in Oper und Concert hatte L. auch den Chordienst in der Allerheiligen-Hofkirche zu versehen, was die nächste Veranlassung für ihn wurde, zahlreiche geistliche Compositionen zu verfassen, Motetten, Gradualien, ein Tedeum, acht Messen und, besonders hervorzuheben, sein Requiem op. 146 (1856, mit neuem Schluß 1871). Daß er Orgelmusik schrieb, Sonaten, Fugen, Präludien, ist für einen Organisten eigentlich selbstverständlich, aber auch für Clavier hat er ziemlich viel veröffentlicht. Ferner sind zu erwähnen seine Lieder für eine Singstimme mit Clavier, Duette und Terzette sowie etwa 70 vier- und mehrstimmige Chöre für Frauen- und Männerstimmen und gegen 50 Compositionen für gemischten Chor.
Lachner's technisches Können, seine Beherrschung des Contrapunkts und aller Mittel des Satzes ist sehr bedeutend; trotzdem erhebt sich sein Schaffen nicht über eine mittlere Höhenlinie. Schubert und Beethoven haben die Ziele gesteckt, nach denen er strebt, aber auf der einen Seite fehlt ihm die üppige, reich quellende und so charakteristische Melodik Schubert's, und andererseits erreicht er nicht die Concentration und Ausdruckskraft Beethoven's. Nicht auf die höchsten Gipfel und nicht in die tiefsten Gründe führt er seine Hörer, sondern in freundlich ebenes Land, das andere urbar gemacht haben. Hier baut er sich bürgerlich zufrieden an.
Von Lachner's Opern hat nur »Catharina Cornaro« einen größeren Erfolg gehabt, denn sie wurde nicht allein in München verhältnißmäßig oft aufgeführt, sondern eroberte sich auch die Bühnen von Mannheim, Frankfurt, Dresden, Berlin, Hamburg, Lübeck, Wien, Brüssel u. s. w. Der Erfolg mag zum Theil im Text liegen, der von St. Georges nach dem Muster der Scribe'schen »großen Oper« verfertigt, eine Anzahl effectvoller Scenen bringt, Gelegenheit zur Entfaltung von Bühnenpomp bietet, und auch der für die Wirkung auf ein großes Publicum sehr nützlichen Rührseligkeit gebührlichen Raum gönnt. Die Musik nimmt bisweilen einen gewissen Schwung, ist für die Singstimmen höchst dankbar und verhältnißmäßig bequem geschrieben, dabei ehrlich und aufrichtig bemüht, der Sache zu dienen, wenn auch aus Meyerbeer und Italien gelegentlich Einflüsse hereinsickern, aber vergeblich wird man nach einem Moment suchen, wo die Inspiration im Componisten mächtig geworden wäre. Es ist eine tüchtige, solide Arbeit, im Ganzen genommen jedoch kaum mehr als die höchste Stufe eines verfeinerten Handwerks.
Die acht Symphonien Lachner's haben in den Concertsälen festen Fuß nicht fassen können, so lebhaft manche bei ihrem ersten Erscheinen auch begrüßt worden sind. Die fünfte (apassionata) wurde in Wien bei einer Ausschreibung mit dem Preise gekrönt. Gerade mit ihr geht Rob. Schumann, der doch alles Deutsche so gern förderte, sehr hart ins Gericht (Ges. Schr., 3. Aufl., I, 135 f.). Er nennt sie stillos, aus Deutsch, Italienisch und Französisch zusammengesetzt, und wirft ihr die nothwendig Langeweile erzeugende, unnöthige Länge vor: die neunte Symphonie Beethoven's habe 226 Seiten, die fünfte Lachner's aber 304. Die dritte in D-moll findet er weit besser (a. a. O. S. 264 f.): »Lachner's eigenthümliche Mischung zeigt sich zwar auch in ihr mit all ihren Schwächen und Vorzügen, was sichere Anlage, große Breite, die Ausführung in deutscher, Cantilene in italienischer Weise, die glänzende Instrumentation, die gewöhnlichen Rhythmen, den korrekten Stil, die vielen Quintenzirkelgänge etc. anlangt, – indessen ist alles in eine glückliche Uebereinstimmung gebracht, daß man immer in ruhiger Spannung gehalten wird, und das Ganze in einer höher potencirten Stimmung niedergeschrieben, so daß sie uns, was Schwung und Leben betrifft, das Beste däucht, was wir von L. kennen.« Und noch höher wird von Schumann die sechste (in D-dur) geschätzt, die ihm »seine Preissymphonie doppelt aufwiegt«. »Es herrscht«, sagt er, »in dieser Symphonie eine Meisterordnung und Klarheit, eine Leichtigkeit, ein Wohllaut, sie ist mit einem Wort so reif und ausgetragen, daß wir darum dem Componisten getrost einen Platz in der Nähe seines Lieblingsvorbildes, Franz Schubert, anweisen können, dem er, wenn an Vielseitigkeit der Erfindung nachstehend, an Talent zur Instrumentation zum wenigsten gleichkommt.«
Weit mehr als die Symphonien haben die Orchestersuiten zur Popularisirung von Lachner's Namen beigetragen. In dem kleinen Rahmen dieser Variationen, Märsche, Scherzi, bewegt er sich mit wahrhafter Meisterschaft, ihnen weiß er ein Gesicht und Charakter zu geben, während ihm zur Belebung der weiten Umrisse der Symphonie die äquivalente Größe der Gedanken fehlt. Die Suiten Lachner's bedeuten eine Erneuerung der alten Parthie für Kammermusik oder kleines Orchester (Rosenmüller, Muffat) auf moderner Grundlage und haben eine ganze Litteratur ähnlicher Werke nach sich gezogen.
Sehr verdienstlich ist auch Lachner's Wirken auf dem Gebiet der Vocalmusik gewesen. Von seinen in kräftigen Linien gehaltenen Männerchören hat die »Sturmesmythe« (mit Orchester) weiteste Verbreitung gefunden, und viele der Quartette bilden einen festen Stamm im Liedervorrath unserer Vereine. Von besonderem Reiz sind seine dreistimmigen Frauenchöre: feinster Formensinn und Anmuth der Erfindung halten sich in ihnen die Waage. Gerade die zuletzt erwähnten kleineren und zierlichen Werke werden voraussichtlich den Componisten Lachner am längsten im Andenken der Nachwelt lebendig erhalten.
W. Neumann, Die Componisten der neueren Zeit. 39. Theil. Cassel 1856. – Franz Grandauer, Chronik des k. Hof- u. Nationaltheaters, München 1878. – Dr. Max Zenger, Franz Lachner. (Die Musik. Berlin 1903, Heft 13.) – Dr. Otto Kronseder, Franz Lachner. Eine biographische Skizze zur Erinnerung an seinen 100. Geburstag. Sonderabdruck aus Altbaier. Monatsschrift etc. Leipzig 1903. – Ein vollständiges Verzeichniß der Werke Fr. Lachner's von Franz Stetter in M. Charles' »Zeitgenössische Tondichter«, neue Folge, Leipzig 1890, S. 73–78. Hiernach bei Kronseder a. a. O. Carl Krebs.
Carl Krebs: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1906.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Lachner Franz, Dr. phil. h. c., von, 1803 (Rain am Lech/Schwaben) 1890, Komponist und Generalmusikdirektor; humanistisch gebildet, wirkte L. seit 1822 als Organist in Wien, wurde später Kapellmeister am Kärtnertortheater (Schüler von Sechter, Abt Stadler und Freund Franz Schuberts), 1834 kam er als Kapellmeister nach Mannheim und 1836 als Hofkapellmeister (seit 1852 Generalmusikdirektor) nach München; Wagners Vorherrschaft löste seine bis dahin tonangebende Stellung bei Hof ab; in seinen Orchestersuiten ging L. vielfach von Bach und Händel aus, in der Kirchenmusik (Messen, Psalmen, Motetten u. a.) wegen des Adels seiner Empfindungen und Sicherheit seiner Technik (Meister des Kontrapunkts) wurde er sehr gefeiert; L. komponierte auch Lieder, Symphonien, Opern (Die Bürgschaft, Alidia, Catarina Cornaro und Benevenuto Cellini) und Oratorien; vor R. Wagner galt L. als der »Fürst der Musik« in München.
© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#10 – 7 – 1·2 (Rottenhöfer)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Rottenhöfer, Karl; 1798 (Würzburg) – 21.7.1871 (München); Konditor

#Karl Rottenhöfer
* 1798 (Würzburg)
† (23).7.1871 (München)
Konditor
#Universal-Handbuch von München (1845)
Conditors: Rottenhöfer, Carl, Conditor und Chocoladefabrikant, Residenzstraße 26. Man findet immer in diesem Magazin nachfolgende Artikel: Bonbons in allen Gattungen erster Qualität, in den verschiedensten Formen und Geschmack, für Geschenke, Dinés, Soirées und Bälle. Eingemachte Früchte jeder Art, Caramels, Pate de Guimauve, Pate des jujube, Pastilles, Sirop, Confitüren, Dragées, Chocolade-Pralines etc. Gefrornes in Portionen als auch in den mannigfaltigsten Formen und Geschmack für Diné, Soirée und Bälle; eben so werden auch bei demselben Gefrornes in Portionen zu jeder Stunde des Tages verabreicht. Gelées auf Bestellung für Diné etc. etc. Feinste Desertbäckerei in allen Formen und Geschmack, Torten mit und ohne Aufsätze, Obstkuchen nach Saison. Gegen 20 Sorten Gesundheits-, Gewürz- und Vanille-Chocolade en gros und en detail, eine Auswahl verschiedener Figuren und andern geformten Gegenständen von Chocolade. Die beliebtesten Sorten Liqueurs und Punsch-Essenz. Großes Assortiment der feinsten Pariser-Bonbonieres und Körbchen von Holz mit Bonbon garniert. – Jedes Jahr vermehrt derselbe mit verschiedenen Neuigkeiten sein Waarenlager.
Universal-Handbuch von München. 1845.
#Der Bayerische Eilbote (25.12.1846)
Bayern.
München. II. MM. der König und die Königin mit II. KK. HH. der Kronprinzessin, Prinzessin Alexandra und dem Prinzen Adalbert geruhten am Mittwoch den 23. Dec. Abends die Rottenhöfer'sche Conditorei und Chocoladefabrik (der Residenz gegenüber) zu besuchen und verweilten bei Besichtigung des Zauberschlosses im schöngeschmückten Salon, sowie bei Beschauung der Dampfmaschine gegen eine Stunde lang bis zum Beginn der Opernvorstellung: »die Stumme von Portici.«
Der Bayerische Eilbote No. 154. München; Freitag, den 25. Dezember 1846.

#10 – 7 – 29* (Macherl)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Macherl, Gertraud (vw); – 19.4.1850 (München), Opfer eines Raubmords; Hofjagdzeugdieners-Witwe
Das Grab ist nicht erhalten
#Gertraud Macherl (vw)
† 19.4.1850 (München), Opfer eines Raubmords
Hofjagdzeugdieners-Witwe
#Neue Münchener Zeitung (20.4.1850)
Deutschland.
Bayern. – München, 19. April. Ueber den heute Morgens an der k. Hofjagdzeugdienerswittwe Gertraud Macherl (Sendlingergasse Haus-Nummer 38, zweiten Stock) verübten Raubmord, bemerken wir nachträglich noch Folgendes: Die Unglückliche wurde, wie die gerichtliche Obduktion erwies, zuvor erhenkt und dann erst auf den Boden gelegt, wo man sie, den Oberleib innerhalb, die Füße außerhalb der Thürschwelle gekehrt mit einem weißleinernen Lappen zugedeckt fand. Oben am Thürstock ward ein eiserner Hacken sichtbar, der noch nicht lange hineingeschlagen zu sein schien und woran ohne Zweifel die arme Frau zuvor aufgeknüpft worden war. Als Thäter werden ihre eigene Tochter und deren Geliebter bezeichnet! Beide sind bereits gefänglich eingezogen.
Neue Münchener Zeitung Nr. 94. Samstag, den 20. April 1850.

#10 – 8 – 2 (n. n.)


#10 – 8 – 5 (n. n.)



#10 – 8 – 15 (Friedrich · Kirschner)
Familie Kirschner.
Hier ruhen
unsere lieben
Eltern u. Schwiegereltern:
Peter Friedrich
Fuhrwerk-Besitzer,
gest. 3. März 1885, im 67. Lebensjahr.
Dessen Gattin
Friederike Friedrich,
gest. 29. Mai 1891, im 76. Lebensjahr.
Unser lieber Gatte u. Vater
Herr Xaver Kirschner
geb. 7. Okt. 1846. gest. 4. Okt. 1922.
Dessen Gattin,
unsere herzensgute Mutter
Frau Anna Kirschner,
geb. Friedrich
Bäckermeisterswtw.
geb. 27. April 1848. gest. 16. Dez. 1925.
- Friedrich, Friederike (vw); – 29.5.1891, 75 Jahre alt; Fuhrwerkbesitzers-Witwe
- Friedrich, Peter; – 3.3.1885 (München), 66 Jahre alt; Fuhrwerksbesitzer
- Kirschner, Anna (vw) / Friedrich (gb); 27.4.1848 – 16.12.1925; Bäckermeisters-Witwe
- Kirschner, Xaver; 7.10.1846 – 4.10.1922 (München); ehemaliger Bäckermeister



#10 – 8 – 26 (n. n.)


#10 – 8 – 31 (n. n.)


#10 – 9 – 4 (Kayser)
Ruhestätte
der
Familie Kayser.
- Kayser, Albert; – 7.6.1889 (München); Rentier



#10 – 9 – 26 (Schachinger)
Walburga Schachinger
geb. Blumayer
* 22.IX.1813 † 5. IX.1859.
Ignatz Schachinger
Hofvergolder
* 30.VII.1817 † 2.V.1887.
Fritz Schachinger
* 1. IV.1854 † 22.V.1898.
Gabriel Schachinger
kgl. Professor Kunstmaler
* 30.III.1850 † 9.V.1912.
Amalie Schachinger
geb. ¿
* 30.VIII.1857 † 12.II.1925.
Grabstätte
der
Familie Schachinger
10.9.26. J. Lallinger
Tafel
Frau Milli Schachinger
geb. Laich
Ministerialratsgattin
* 16. Dezember 1878 † 26. April 1938.
- Schachinger, Amalie (vh); 30.8.1857 – 12.2.1925 (München); Kunstmalers-Witwe
- Schachinger, Fritz; 1.4.1854 – 22.5.1898 (München); Farbenfabrikant
- Schachinger, Gabriel; 31.3.1850 (München) – 9.5.1912 (Eglfing); Blumenmaler, Genremaler und Portraitmaler
- Schachinger, Ignatz; 30.7.1817 – 2.5.1887 (München); Vergolder
- Schachinger, Milli (vh) / Laich (gb); 16.12.1878 – 26.4.1938; Ministerialrats-Gattin
- Schachinger, Walburga (vh) / Blumayer (gb); 22.9.1813 – 5.9.1859 (München); Vergolders-Gattin






#Gabriel Schachinger
* 31.3.1850 (München)
† 9.5.1912 (Eglfing)
Blumenmaler, Genremaler und Portraitmaler
#Westend-Zeitung (6.7.1889)
Gabriel Schachinger.
Der »Frankfurker Beobachter« bringt folgenden Aufsatz über unseren Münchener Landsmann, den berühmten Maler Gabriel Schachinger, der in Neuhausen, hochgeachtet und beliebt bei Allen, die ihn kennnen, seiner Muße lebt.
In einer Gesellschaft, wo wir Beide uns langweilten, lernten wir uns kennen. Ihn belästigte man durch fortgesetztes Fragen über die Familienverhältnisse seiner berühmten Münchener Kollegen, und mich ärgerte man durch Examination von Themen, die andere Leute von Gott- und Rechtswegen auch nicht das Geringste angingen. Die Verzweiflung über die Unverschämtheit unserer Gastgeber brachte uns zusammen und kittete uns fester aneinander, wie es eine zehnjährige Freundschaft vermocht hätte. Der Vortheil war natürlich auf meiner Seite! Er, der gefeierte Münchner Künstler, der Freund Franz von Lenbachs, der verwöhnte Liebling begeisterter Kunstfreunde, und ich der unbedeutende, über das Weichbild der Vaterstadt hinaus kaum bekannte Schriftsteller. Er gab aus, und ich nahm ein; und wenn er — was seine Herzensgüte natürlich nicht zugelassen, einmal wie Heinrich Heine, sarkastisch bemerkt hätte: »Ich fühle eine große Leere in meinem Kopf, denn ich habe soeben mit Herrn Müller-Herfurth meine Gedanken ausgetauscht,« — so würde er wahrscheinlich keine Unwahrheit gesagt haben. Mein Gott, es ist heute so sehr schwer geistreich zu sein! Die Konkurrenz ist zu groß. Jeder simple Handlungskommis fühlt heute eine Voltairegeist in seinem Schädel rumoren; jeder musikalische Backfisch stellt an Virtuosität Clara Schumann in den Schatten, und jeder Einfaltspinsel glaubt mit seinem Dilettantenthum Raphael übertrumpfen zu können. Literaten, welche nicht Mitglieder des »Vereins zur gegenseitigen Berühmtmachung« sind, Bühnenkünstler, welche nicht vor irgend einem in einem Wurstblatt Kritiken verübenden Bankbeamten auf dem Bauche rutschen; und Maler, die an Bescheidenheit z. B. Tony Aron ganz erheblich übertreffen, sind heut zu Tage geschlagene Leute. Wer, wie Gabriel Schachinger ohne Protektion, ohne Bauchrutschen, ohne anmaßendes Vonsichselbstreden geworden, was er heute ist, muß ein Mann in erster und ein wahrhaft gottbegnadeter Künstler in zweiter Linie sein. Wir würden die Künstlerschaft voran sagen, wenn es rühmlich wäre, dem ächten Charakter die zweite Stelle zuzuweisen. Schachinger, als Münchner Künstler ersten Ranges und einer von Pilotys talentirtesten Schülern, ist der Schöpfer einer Reihe von Meisterwerken der Malerei, die zum größten Theil den Weg über den Ozean wanderten, wo sie in Museen und in Salons reicher Privatleute von der Gediegenheit deutscher Kunst rühmliches und beredtes Zeugniß ablegen.
Auch Frankfurt ist in den Besitz eines Werkes von Schachingers kunstgeübter Hand und imponirendem Compositionstalent gelangt! Die Handelskammer besitzt, dank der Hochherzigkeit unseres Mitbürgers Gans, ein herrliches Gemälde unseres, leider zu frühe für sein Volk verstorbenen Kaiser Friedrichs. Die Vorzüge dieser Schachinger'schen Arbeit sind gelegentlich ihrer Ausstellung im hiesigen Kunstverein von der Presse allseitig gewürdigt worden. Als in weiteren Kreisen unbekannt, dürfen wir mittheilen, daß die ganze Gewandung des Helden und Dulders, der Brustharnisch, der Ordensschmuck, der Degen und der Feldherrnstab getreue Kopien nach den ächten, im Schlosse Friedrichskron verwahrt gewesenen Originalen sind, die Schachingern, durch die Empfehlung seines Freundes Franz v. Lenbach an einen hohen Staatswürdenträger in Berlin, mit anerkennenswerther Liberalität zur Verfügung gestellt wurden. Das Portrait in der Handelskammer, an dem der fleißige Künstler mehrere Monate arbeitete, besitzt somit nicht nur einen artistischen, sondern auch einen historischen Werth.
Dasselbe läßt sich auch von dem unlängst im Kunstverein ausgestellt gewesenen Bilde Königs Ludwig II. von Bayern sagen. Hier passirte dem Künstler das gleiche Malheur, wie mir nachher mit dem Portrait Kaiser Friedrichs. Schon waren die Präliminarien beendet, wie Kaiser Friedrich hatte sich — berichtet man — der kunstsinnige Baiernkönig zu einer Sitzung bereit erklärt, als ihn das unerbittliche Geschick ereilte. Nichts destoweniger ist Schachingers Bildniß des Königs Ludwig II., welches auf der vorjährigen Münchner Kunstausstellung einen hervorragenden Platz einnahm, zum Sprechen ähnlich geworden. Nicht nur die getreuen Unterthanen der verstorbenen Majestät rühmen die Ähnlichkeit; auch ein Mann, der ihm nahe stand, der Prinzregent von Bayern, erkannte die vortreffliche Wiedergabe seines verstorbenen Verwandten wiederholt rückhaltlos an.
Man würde übrigens irren, wenn man annähme, Schachinger befleißige sich nur der Portraitmalerei. Im Gegentheil! sein Hauptfeld ist das Genre, wie sich aus den Reproductionen der »Münchener Union« ersehen läßt. Seine Bilder sind mit einer solchen Liebe und duftigen Zartheit gemalt, daß man lebendig gewordene Perlen der Lyrik vor sich zu sehen glaubt. Nicht ein Blumenblättchen ist vernachläßigt, kein Fältchen nur so obenhin behandelt. Die gediegene und sachverständige Behandlung des geringsten Details muß eine künstlerische Wirkung auf den Beschauer erzielen. Gerade hier zeigt sich Schachinger auf der Höhe seines Talentes, indem er das richtige Maß zu halten versteht. Es verfällt nicht, wie so mancher Andere, in eine lächerliche Detailmalerei, obgleich er den Kleinigkeiten auf seinen Bildern dieselbe Aufmerksamkeit schenkt, wie ihren Hauptpiecen.
Macht uns seine Kunst den Mann schon werth, so zieht uns die geradezu antike Größe seines Charakters, sein ernstes Pflichtgefühl, seine treue Liebe zu den Seinen, seine Anhänglichkeit an seine Freunde und sein inniges Mitleid mit der Armuth unwiderstehlich an.
Wie neidlos verfolgt er den Ruhm seiner Münchener Kollegen, deren Erfolge ihn nicht nur interessiren, sondern im höchsten Grade erfreuen! Wir rückhaltlos lobt er, wenn es sich um ein wirkliches Kunstwerk handelt, und wie bescheiden sagt er seine Meinung, wenn andere, die viel geringeres Verständniß haben, über einen armen Teufel herfallen, der sein Bestes gethan, der aber von seinem Talente im Stiche gelassen worden ist!
Leider hat es das Schicksal nicht gewollt, daß Schachinger seine anfänglich einmal geäußerte Absicht, sich in Frankfurt dauernd niederlassen zu wollen, ausführe. Verläßt er auch die alte Reichsstadt mit einigen Enttäuschungen, die ihm von Leuten bereitet wurden, welche ihr Vermögen mit einer siebenstelligen Zahl schreiben und ohne Kunsthändler zu sein mit der Kunst handeln zu wollen, so müssen ihm die Erfolge, die er in den wirklich gebildeten Kreisen errungen, und das Vertrauen und die Liebe, welche ihm von seinen hier gewonnenen Bekannten entgegengebracht wurden, doch sagen, daß sein Aufenthalt in Frankfurt a. M. kein vergeblicher gewesen ist. So unvergeßlich, wie er dem Schreiber dieser Zeilen sein wird, so unvergeßlich wird er Allen sein, die die Ehre hatten mit ihm zu verkehren.
J. B. Müller-Herfurth.
Jean Baptist Müller-Herfurth: Westend-Zeitung Nr. 282. Lokalblatt für die westlichen Stadttheile oder Vororte Münchens. Neuhausen; 6. Juli 1889.
#Kunstchronik (24.5.1912)
NEKROLOGE
† München. Prof. Gabriel Schachinger, der bekannte Maler, ist am 9. Mai seinem schweren Leiden in Eglfing erlegen. Er war am 31. März 1850 in hiesiger Stadt geboren worden, hatte die Akademie unter Anschütz, Alexander Wagner und Piloty besucht und in den Jahren 1876–78 mit Hilfe eines Staatsstipendiums Italien bereist. Nach seiner Rückkehr aus dem Süden lebte er in München als geschätzter Porträt- und Genremaler, wandte sich in späterer Zeit aber der Stillebenmalerei zu, wobei er große, prächtige Blumenarrangements bevorzugte. Auch im Gebiet der dekorativen Malerei hat er sich verschiedentlich betätigt, wie z. B. sein letztes Werk ein Plafondgemälde mit Eckvignetten für das Kurhaus in Wiesbaden war. Aus seinen Werdejahren existieren Porträts, die die feine, tonige Behandlung des Leiblkreises aufweisen und in der vor einigen Jahren stattgehabten Ausstellung der Pilotyschule Aufsehen erregten.
Kunstchronik Nr. 28. Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe. 24. Mai 1912.
#Allgemeines Künstler-Lexikon (1921)
Schachinger, Gabriel, wurde Professor. Von ihm ferner Ludwig II. (Gal. Schleissheim), Prinzregent Luitpold (Gymnasium, Nürnberg), Kaiser Friedrich (Handelskammer, Frankfurt), Portalvorhang für das Hoftheater in München. etc.
Allgemeines Künstler-Lexikon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Vorbereitet von Hermann Alexander Müller. Herausgegeben von Hans Wolfgang–Singer. Fünfte unveränderte Auflage. Fünfter Band. Frankfurt am Main, 1921.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Schachinger Gabriel, 1850 (München) – 1912, Porträt-, Genre- und Blumenmaler; er war Schüler K. von Pilotys in seiner Vaterstadt und weilte 1876–1878 als bayerischer Staatsstipendiat in Italien, dann wirkte er dauernd in München, wo er Porträts von Fürsten (Maximilian II., Ludwig II., Prinzregent Luitpold und Kaiser Friedrich III.), Genres (Frauenbildnisse, Trotzköpfchen), Blumenbilder und Deckengemälde, Theaterdekorationen, Prunkgemächer und Ausstellungsräume mit blendender Technik schuf.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#10 – 9 – 32·33 (Kellerer)
In Gottes Frieden ruhen hier
Anton Kellerer
ehem. Bäckermeister
1852 – 1934
Rosina Kellerer
geb. Kirnberger
1860 – 1935.
Ihr Enkel
Anton Kellerer
Bäckermeister
1910 – 1941.
10.9.32-33. H. Schnitzer.
- Kellerer, Anton; 1852 – 1934; Ehemaliger Bäckermeister
- Kellerer, Anton; 1910 – 1941; Bäckermeister
- Kellerer, Rosina (vw) / Kirnberger (gb); 1860 – 1935; Bäckermeisters-Witwe


#10 – 9 – 37·38 (Wolf)
Hier ¿
Dr. Karl Wolf
rechtsk. Magistratsrath u. Buchdruckereibesitzer
geb. ¿. Mai ¿ gest. ¿. Okt. ¿ Dessen Sohn:
Friedrich Wolf
Hofbuchdruckerei-Lithographiebesitzer
Ritter des Verdienstordens I. Cl. vom hl. Michael
geb. 3. März 1826 gest. 3. Januar 1870.
Dessen Mutter
Karolina Wolf
geb. 31. Okt. 1806 gest. 19. Feb. 1876.
Dessen Gattin
Crescentia Wolf
geb. 27. Nov. 1826 gest. 25. April 1882
Deren Sohn
Friedrich Wolf
geb. 4. März 1851 gest. 12. Januar 1883.
Tafel
Dessen Bruder
Karl Wolf,
geb. 13. Mai 1850. gest. 15. Juni 1901.
- Wolf, Friedrich; 3.3.1826 – 3.1.1870 (München); Hofbuchdruckereibesitzer
- Wolf, Friedrich; 4.3.1851 – 12.1.1883 (München); Besitzer einer zinkographischen Kunstanstalt
- Wolf, Karl; 13.5.1850 – 15.1.1901
- Wolf, Karl, Dr.; – 23.10.1836 (München), 34 Jahre alt; Buchdruckereibesitzer und Magistratsrat
- Wolf, Karoline (vw) / Günther, von (gb); 31.10.1806 – 19.2.1876 (München); Magistratsratswitwe
- Wolf, Kreszentia (vw); 27.11.1826 – 25.4.1882 (Wallenburg); Druckereibesitzers-Witwe
- Wolf, Luise; 10.2.1798 (Leipzig) – 4.7.1859 (Bogenhausen/München); Historienmalerin und Zeichnerin






#Luise Wolf
* 10.2.1798 (Leipzig)
† 4.7.1859 (Bogenhausen/München)
Historienmalerin und Zeichnerin
#Allgemeine Deutsche Biographie (1898)
Wolf: Louise W., Malerin. Geboren am 10. Februar 1798 zu Leipzig, kam sie mit ihrem Vater, dem nachmaligen Hofrath und Akademiker Peter Philipp W. (1758–1808), dem Begründer der heute noch florirenden und seinem Namen zur hohen Ehre gereichenden Buchdruckerei, nach München, widmete sich frühzeitig der Malerei unter Leitung der beiden Johann Peter und Robert v. Langer, verließ aber bald wieder diese einem bloßen Formalismus huldigende Richtung, um dem durch Cornelius, Overbeck, Schnorr, Heß und Andere angebahnten Umschwunge zu folgen. Ihr strebsamer, energischer Sinn nahm an der neuen geistigen Bewegung den lebhaftesten Antheil. »Da ihr die Gabe anzuziehen und anzuregen in hohem Grade eigen war, da Nachdenken und Beobachtung ihrem kritischen Urtheil einen besonderen Grad von Schärfe und Sicherheit verliehen und ihre Bildung überhaupt eine seltene und umfassende war, so kam es daß sie längere Zeit der belebende Mittelpunkt eines gleichgesinnten Kreises von jüngeren und älteren Künstlern, Kunstfreunden und Gelehrten wurde, der sich in ihrem gastlichen Hause zu geselligen Abenden einzufinden pflegte. Hier begann ein reger Austausch der Ansichten und Ideen; es wechselten musikalische Vorträge und Lectüre, wozu vorzugsweise die Schriften der Romantiker, Tieck, Schlegel, Novalis, Wackenroder gewählt wurden; aber auch Goethes Dichtungen und Prosawerke übten nicht minder ihre mächtige Wirkung.« Zu den treuesten Freunden gehörte der tiefsinnige Theologe Julius Hamberger (1801, † 1885), Friedrich Hoffstadt, der, obwol seines Zeichens Jurist, doch die Gesetze des Spitzbogenstiles wie kein Anderer erforschte und neu begründete, der gemüthvolle Lyriker Fr. Beck (1806–1888), und der als Zeichner, Poet und Componist so vielseitig begabte Franz Graf v. Pocci; dazu der durch rechtsgeschichtliche und publicistische Schriften bekannt gewordene Freiherr v. Bernhard, ebenso Hans Freiherr v. Aufseß, Dr. L. Schöberlein und viele Andere, mit denen sie zeitlebens in Fühlung blieb und ihren ausgebreiteten, nicht selten die wichtigsten Fragen des Lebens berührenden Briefwechsel führte. Wie heute für die großen Maler der Renaissance und ihre Kleinmeister, so schwärmte man damals für das Mittelalter, für die Brüder van Eyck, Memling, Schoreel und ihre italischen Zeitgenossen, wobei die Schätze der durch König Ludwig I. für die Pinakothek erworbenen berühmten Boisserée-Sammlung als mustergültige Vorbilder zur Nacheiferung reizten. So trugen die meist im religiösen Genre sich bewegenden Compositionen der Louise W. ähnliche Signatur; sie zeichneten sich aus durch Innigkeit der Empfindung, durch liebevolle, gewissenhafte Ausführung des coloristischen Details, eben so sehr aber durch eine gewisse absichtliche und kindliche Unbehülflichkeit der Form, wodurch ihre Schöpfungen eine primitive Naivetät und archaistische Manier erhielten. Es war eine liebenswürdige Verirrung, welche neuerdings in den belgischen und englischen Praerafaeliten und in der deutschen Schule zu Beuron wie in dem Wiener Johannes Klein (1823–1883) ihre nicht unanfechtbaren Nachtreter findet. Die Gemälde des Frl. Louise W. gingen größtentheils in Privatbesitz über; ein Madonnen-Bildchen erreichte durch einen Farbendruck (welchen ihr Neffe, der schon am 3. Februar 1870 verstorbene treffliche Lithograph Friedrich Wolf zur Ausführung brachte) weitere Verbreitung. Ebenso verschlupften ihre zahlreichen Bleistift- und Kreidezeichnungen, Aquarelle und Miniaturbilder; auch viele Porträts hatte sie gemalt. Nur ein Theil ihrer religiösen Compositionen wurde unter dem Titel »Hauscapelle zur Feier des Kirchenjahrs, mit Schrifttexten und Gebeten des XV. Jahrhunderts« durch Consistorialrath Dr. L. Schöberlein (Göttingen 1874, 12 Lfgn.) herausgegeben. Darinnen stammen von der Hand der Louise W. vierzig Blätter (in Kupferstich von P. Barfus, H. Walde und R. Petzsch), welche alle Vorzüge aber auch die oben berührten Schwächen zeigen. Da sie sich vielfach an ältere Vorbilder anlehnte, so stört es durchaus nicht, daß die fehlenden Scenen oder wo ihre Kraft nicht ausreichte, durch Darstellungen italischer Künstler ausgefüllt wurden, also daß wir ein Blatt nach Fra Bartolomeo, sechs Stiche nach Giotto, zwölf Compositionen nach Fra Angelico da Fiesole und eine Zeichnung der Marie von Arnswald finden. Das Ganze, hauptsächlich für erbauliche Zwecke bestimmt, entzieht sich einer weiteren Kritik, insofern sie etwa an solche Erzeugnisse einen strengeren Maßstab als den allgemeinen der Kunsthistorie überhaupt anlegen wollte. In ihrer schlichten Einfalt, ungekünstelten und fleckenlosen Demüthigkeit verdient Louise W. eben so gut wie Angelica Kaufmann, Maria Ellenrieder und Louise Seidler eine bleibende Erinnerung. Louise W. verzichtete auf das höchste Glück des Lebens, um mit freigebiger Hand Andere glücklich zu machen. Meist waren es arme, verwaiste Mädchen, welche sie, Mutterstelle an ihnen vertretend, in ihr Haus aufnahm und ebenso durch ihren sittlichen Ernst wie durch die Ausdauer und Hingebung ihrer Liebe an sich zu fesseln wußte. Mehrere derselben wurden auf diesem Wege zum häuslichen Berufe mustergültig herangebildet, fanden als Gattinnen und Mütter ihr dauerndes Lebensglück und bewährten über das Grab hinaus ihrer Wohlthäterin ein bleibendes Andenken. Unermüdlich thätig, schaffend, lehrend und bildend ging sie mit dem besten Beispiel in Wort und That voran. Obwol mit beschränkten Mitteln ausgestattet, wußte sie doch ausgiebigen Gebrauch davon zu machen. In allen ihren Briefen sind Goldkörner der eigenen Erfahrung und Betrachtung niedergelegt. Ihr Geist erging sich leicht mit der Feder; manch congenialer Persönlichkeit flocht sie einen schönen Kranz der Erinnerung (z. B. für den Landschaftsmaler Jos. Anton Koch in Beilage 11 der »Münchener Politischen Zeitung« vom 24. Jan. 1839), oft auch in gebundener Rede. Dessenungeachtet war ihr doch als Hausfrau, gleich Ottilie Wildermuth, keine Arbeit zu schwer, wie denn z. B. die Waschtage ziemlich regelmäßig durch ihre Correspondenz laufen. Wenige ihres Geschlechts haben so eingehend und beharrlich, mit so viel Geist und Gemüth und unter so schweren inneren Kämpfen, mit den Zielen und Schranken des weiblichen Berufes, mit der jetzt sogenannten Frauenemancipation sich beschäftigt. Hätte sie sich entschließen können ihre Ansichten in Schriftwerken niederzulegen, denn wie sie die Feder zu führen wußte, beweisen ihre zahlreichen Briefe, so würde sie gewiß auch in der litterarischen Welt einen geachteten Namen erworben haben. Ihrem Verstande blieb nicht verborgen, daß diese von ihr schon klar gefaßte Controverse nicht lediglich auf theoretischem, vielmehr auf praktischem Wege sich lösen müsse. So legte sie denn, in einem freilich nur engen Kreis und nach ihren bescheidenen materiellen Verhältnissen, entschlossen die Hand ans Werk und pflanzte und befestigte in empfänglichen Gemüthern die durch eigene Erfahrung als heilbringend erkannten Grundsätze. Unvermählt schloß sie ihr reiches Leben am 4. Juli 1859 zu Bogenhausen bei München.
Vgl. Nagler 1852, XXII, 54. – Fr. Beck in dem biogr. Vorwort zu der vorgen. »Hauscapelle« und Allgem. Zeitung v. 5. Januar 1878.
Hyac. Holland.
Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1898.

#10 – 9 – 39·40 (Günther · Wunschwitz)
FAMILIE VON GÜNTHER
K. R. KARL VON GÜNTHER
GEB. ZU WÖRTH AM 7. SEPTBR. 1885
GEST ZU MÜNCHEN AM 24. MAI 1915
DESSEN GATTIN
EMILIE VON GÜNTHER
GEB. MERZ
GEB. ZU OFFENBACH A/M AM 11. AUG. 1839
GEST. ZU MÜNCHEN AM 6. JUNI 1901
K. RUM. GENERALKONSUL A. D.
GEH. KOMMERZIENRAT
CARL ARNOLD VON GÜNTHER
GEB. ZU HAMMELBURG AM 5. DEZ. 1861
GEST ZU MÜNCHEN AM 19. FEBR. 1936
DESSEN GATTIN
SOPHIE VON GÜNTHER
GEB. SAUTER
GEB. ZU MÜNCHEN AM 3. APRIL 1863
GEST. ZU MÜNCHEN AM 3. JAN. 1942.
Rückseite
KARL von GÜNTHER
BEIDER RECHTE DOKTOR
K. B. KREIS- U. STADTGERICHTSRATH
GEB. ZU NEUBURG A/DO. 1803
GEST. ZU SEESHAUPT 1866
DESSEN GATTIN
FANNY
GEBORENE WUNSCHWITZ
GEB. ZU MÜNCHEN 1812
GEST. ZU SEESHAUPT 1873
DEREN KINDER
ANTONIE, KAROLINE, ARNOLD
GEST. ZU MÜNCHEN 1850
IM BLÜTENALTER VON
16, 14 U. 9 JAHREN
INNERHALB 12 TAGEN
DEREN SCHWIEGERMUTTER,
MUTTER, GROSSMUTTER
FANNY WUNSCHWITZ
¿WITWE
GEB. ZU MÜNCHEN 1786
¿ 18¿
- Günther, Antonie von; – 6.4.1850 (München), 17 Jahre alt; Kreis- und Stadtgerichtsrats-Tochter
- Günther, Arnold von; – 6.4.1850 (München), 9 Jahre alt; Kreis- und Stadtgerichtsrats-Sohn
- Günther, Emilie von (vh) / Merz (gb); 11.8.1839 (Offenbach a. M.) – 6.6.1901 (München); Rats-Gattin
- Günther, Fanny von (vw) / Wunschwitz, von (gb); 1812 (München) – 4.4.1873 (Seeshaupt); Kreis- und Stadtgerichtsrats-Witwe
- Günther, Karl Arnold von; 5.12.1861 (Hammelburg) – 19.2.1936 (München); Kommerzienrat
- Günther, Karl von; 1803 (Neuburg a. D.) – 25.5.1866 (Seeshaupt); Kreis- und Stadtgerichtsrat
- Günther, Karl von; 7.9.1885 (Wörth) – 24.5.1915 (München)
- Günther, Karoline von; – März 1850 (München), 13 Jahre alt; Kreis- und Stadtgerichtsrats-Tochter
- Günther, Sofie von (vw) / Sauter (gb); 3.4.1863 (München) – 3.1.1942 (München); Kommerzienrats-Witwe
- Wunschwitz, Fanny von (vw); 1786 (München) – 18¿





#10 – 9 – 53 (Köhler · Oeschey)


#10 – 9 – 55 (Krönauer)
Hier ruhen
Herr Anton
Krönauer
Metzgermeister
* 31.11.1843,
† 1.1.1892.
Herr Michael
Krönauer
Reallehrer
* 24.9.1894,
† 13.6.1933.
Frau Franziska
Krönauer
* 25.2.1846,
† 25.10.1934.
Herr Anton
Krönauer
Privatier
* 3.1.1872,
† 30.9.1943.
- Krönauer, Anton; 3.1.1872 – 30.9.1943; Privatier
- Krönauer, Anton; 31.11.1843 – 1.1.1892 (München); Metzgermeister
- Krönauer, Franziska (vh); 25.2.1846 – 25.10.1934
- Krönauer, Michael; 24.9.1894 – 13.6.1933; Reallehrer



#10 – 10 – 3·4 (Bartenhauser)
Hier ruht bis zum Tage der Auferstehung:
Frau Maria Bartenhauser,
geb. Kränzner, Privatiers-Gattin.
Geb. zu Prutting den 11. September 1809.
gest. zu München am 27. April 1879.
Der lieben Mutter folgte ihr Gatte
unser bester Vater
Herr Balthasar Bartenhauser
Privatier
geb. zu H¿
¿
Herr Ludwig Bartenhauser
¿
Fräulein Mathilde Bartenhauser
¿
Sockel
Ruhestätte
der
¿ Bartenhauser.
¿
Linke Seite
Hier ruht
¿
unseres lieben Enkels
Herrn Josef Bartenhauser
¿
Rechte Seite
Den lieben Großeltern
folgten die kleinen Enkel
das Zwillingspaar
Josef und Katharina
Buchhändlerskinder
¿
- Bartenhauser, Balthasar; – 25.9.1880 (München), 71 Jahre alt; Privatier
- Bartenhauser, Ludwig
- Bartenhauser, Maria (vh) / Kränzner (gb); 11.9.1809 (Prutting) – 27.4.1879 (München); Privatiers-Gattin
- Bartenhauser, Mathilde




#10 – 10 – 8 (Weishaupt)


#10 – 10 – 12* (Hammerl)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Hammerl, Josefa (vh) /Hellstern (gb); – 11.5.1889 (München), 63 Jahre alt; Privatiers-Gattin
- Hammerl, Max; 30.12.1856 (München) – 11.9.1886 (München); Kunstmaler


Das Grab ist nicht erhalten
#Max Hammerl
* 30.12.1856 (München)
† 11.9.1886 (München)
Kunstmaler
#Neueste Nachrichten (12.9.1886)
Theater, Kunst und Wissenschaft.
(Kunstmaler Max Hammerl †.) Im blühenden Alter von 30 Jahren ist der Maler Max Hammerl am Donnerstag Abend gestorben. Hammerl war ein vielversprechender junger Künstler, der sich durch Fleiß und Tüchtigkeit eine Reihe von Stipendien sowie zwei Königspreise erworben hatte. Seine Ausbildung hatte er in München, Düsseldorf und auf einer italienischen Reise erworben. Von seinen Werken erwähnen wir hier nur die Stillleben, mit denen das prächtige Restaurationslokal Danner ausgeschmückt ist. Hammerl wurde vor wenigen Wochen von einem Augenleiden befallen, in Folge dessen er total erblindete; durch Schlaganfälle verlor er dann auch die Sprache und wurde gänzlich gelähmt. Die Beerdigung des Verstorbenen, der sich durch seinen offenen liebenswürdigen Charakter viele Freunde erworben hatte, findet heute Nachmittag auf dem südlichen Friedhofe statt.
Neueste Nachrichten und Münchener Anzeiger No. 255. Münche; Sonntag, den 12. September 1886.
#Neueste Nachrichten (13.9.1886)
Lokales.
München, den 13. September.
(Beerdigung.) Gestern Nachmittags wurde im südlichen Friedhofe der im Alter von 30 Jahren verstorbene Kunstmaler Max Hammerl zur letzten Ruhe bestattet; eine ungemein große Anzahl von Leidtragenden folgte dem Sarge. Hammerl studirte an der k. Kunstschule, trat mit 16 Jahren zur Akademie der bildenden Künste über, wo er drei Jahre verblieb und sich wiederholt den Königspreis erwarb. Er vollendete seine Studien in Düsseldorf und auf einer italienischen Reise. Seine Arbeiten fanden überall Anerkennung und sein Name wurde auch in weiteren Kreisen mit Auszeichnung genannt.
Neueste Nachrichten und Münchener Anzeiger No. 256. München; Montag, den 13. September 1886.
#Kunstvereins-Bericht für 1886 (1887)
Max Hammerl,
Genre- und Portraitmaler,
(geboren in München am 30. Dezember 1856, gestorben daselbst am 11. September 1886).
Max Hammerl, als der Sohn noch lebender bürgerlicher Bäckerseheleute dahier geboren, zeigte schon in frühester Jugend Neigung zur Kunst, die von seinem verständigen Vater in richtiger Erkenntnis der sich entwickelnden künstlerischen Anlagen seines Sohnes dadurch gefördert wurde, daß er denselben zuerst in die Schule des Zeichenlehrers Filser dahier schickte und später in der hiesigen Kunstgewerbeschule unter Professor Seder künstlerisch fortbilden ließ, bis Hammerl, nachdem er sich hier wie dort durch Fleiß und Talent ausgezeichnet und stets die besten Noten erhalten hatte, schon im 14. Jahre auf Grund des durch seine Zeichnungen gelieferten Nachweises seiner besonderen Tüchtigkeit in die hiesige Kunstschule aufgenommen wurde. Hier erwarb sich derselbe unter den Professoren Spies, Strähuber und Seeberger, dann in der Malschule des Professors Neureuther gleichfalls die vollste Zufriedenheit dieser seiner Lehrer, wie er denn auch schon im ersten Jahre des Besuches der gedachten Schule auf Anregung des Professors Spies in Anerkennung seines Fleißes und seiner Fähigkeiten mit einem Stipendium von 400 fl. bedacht wurde. Nach Umfluß eines weiteren Jahres an die hiesige Kunstakademie übergetreten, bewährte er auch hier unter den Professoren Wagner und Lindenschmit Fleiß und Talent, so daß er schon im ersten Jahre mit der bronzenen, in dem darauffolgenden aber mit der silbernen Medaille ausgezeichnet wurde und im dritten Jahre durch seine Betheiligung bei einer Preisaufgabe (künstlerische Ausschmückung eines Plafonds) sich außer einem Geldpreise zu 100 fl. für 3 Jahre freies Atelier in der neuen Akademie erwarb.
Als spätere selbstständige Arbeiten Hammerl's sind mehrere in der Umgebung von Mainz im Auftrage des dortigen Malers Volz vorgenommene Kirchenrestaurirungen, die Zeichnung des Plafonds für das Mainzer Stadttheater und zwei Wandgemälde in der Pfarrkirche zu Kelheim zu verzeichnen. Der hiesige Kunstverein erwarb für seine Verloosung ein Paar schon frühzeitig gemalte Genrebilder des Künstlers, und gelang es demselben, ein von ihm für die letzte internationale Kunstausstellung gemaltes Bild »Mutterliebe« dort um 1000 Mark zu verkaufen. Die im hiesigen Restaurant Danner befindlichen Illustrationen sind zum Theil von unserem Künstler ausgeführt; sein letztes Portrait war das einer Bankiersfrau, für welches er außer einem entsprechenden Honorar mit einem silbernen Theeservice belohnt wurde, während sich in seinem Rücklasse noch eine große Zahl unausgeführter Skizzen vorfand.
Nachdem Hammerl, dem schon in seiner frühesten Jugend die Eigenschaft eines stillen, wohlgesitteten Knabens nachgerühmt wurde, und der auch in späteren Jahren wegen seines liebenswürdigen Charakters unter seinen Kollegen viele Freunde zählte, noch im Monat Januar 1886 mit einem der letzteren eine größere Reise nach Italien angetreten und hiebei unter fleißigem Studium Mailand, Florenz, Rom, Neapel, Kapri und Pompeji besucht hatte, wurde er am 26. Juni desselben Jahres von einem Augenleiden befallen, das sich so rasch verschlimmerte, daß er schon nach 4 Tagen am rechten und nach weiteren 10 Tagen auch am linken Auge erblindete; 4 Wochen später aber stellte sich ein schweres Nervenleiden ein, in Folge dessen Hammerl am ganzen Körper gelähmt wurde, die Sprache verlor und keine Nahrung mehr zu sich nehmen konnte, so daß der zum großen Jammer seiner treuen Verwandten am 10. September 1886 im 30. Lebensjahre erfolgte Tod des jungen Künstlers für denselben als eine Erlösung zu betrachten war.
Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München während des Jahres 1886. München, 1887.

#10 – 10 – 13·14 (Prantl)
PROF. DR.
KARL von PRANTL
PHILOLOGE UND
PHILOSOPH
* 1820
LANDSBERG A. LECH
† 1888
MÜNCHEN
- Prantl, Karl von, Prof. Dr. phil.; 28.1.1820 (Landsberg a. Lech) – 14.9.1888 (Oberstdorf/Allgäu); Historiker und Schriftsteller
- Prantl, Marie von (vw) / Schneider (gb); 20.6.1829 – 16.12.1901


#Prof. Dr. phil. Karl von Prantl
* 28.1.1820 (Landsberg a. Lech)
† 14.9.1888 (Oberstdorf/Allgäu)
Historiker und Schriftsteller
#Münchner Neueste Nachrichten (17.9.1888)
Lokales.
München, 15. September.
(Professor Karl von Prantl †) Wie wir zu unserm großen Bedauern vernehmen, ist Professor Karl von Prantl gestern Vormittags 11 Uhr in Oberstdorf, wo er zur Sommerfrische weilte, einem kurzen, nur viertägigen Leiden erlegen. In ihm hat die Münchener Universität, unter deren hervorragendsten Lehrern der Tod in letzter Zeit reiche Ernte hielt, einen sehr bedeutenden und von seinen Hörern hochverehrten Gelehrten verloren, der sich auch als Mensch allseitiger Beliebtheit erfreute. Prantl starb im 69. Jahre seines an Arbeit und Erfolgen reichen Lebens, nachdem er 40 Jahre in glücklichster Ehe gelebt hatte. Er wurde am 28. Januar zu Landsberg am Lech geboren. Seine Studien absolvirte er an den Universitäten München und Berlin. In seinem 23. Jahre habilitirte er sich als Privatdozent an der Münchener Universität, wurde hier 1847 außerordentlicher und 1859 ordentlicher Professor der Philosophie. Seine Kollegien gehörten zu denen, die sich der zahlreichsten Hörer erfreuten, v. Prantls wissenschaftliche Bedeutung liegt vorzugsweise auf dem Gebiete der Geschichte der Philosophie. Seine »Geschichte der Logik im Abendlande«, sowie seine Werke über griechische Philosophen und viele andere Schriften werden von unvergänglichem Werthe für die deutsche Wissenschaft bleiben. Außerdem war Professor von Prantl auch der Historiograph der hiesigen Ludwigs-Maximilians-Universität, deren Geschichte er in zwei Bänden (München 1872) beschrieb. Er war Mitglied der Akademien zu München und Berlin, sowie Ritter hoher Orden, des Kronordens und des Maximiliansordens. — Die Beerdigung findet Montag den 17. September Nachmittags halb 4 Uhr auf dem südlichen (alten) Friedhofe statt.
Münchner Neueste Nachrichten No. 426. Montag, den 17. September 1888.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Prantl Karl, Dr. phil., von, 1820 (Landsberg a. Lech) – 1888, Philologe, Philosoph, Historiker und Universitätsprofessor; P. studierte Philologie und Philosophie in München und Berlin und war seit 1843 Privatdozent, seit 1847 Professor zunächst der Philologie, später auch der Philosophie, 1872 Vorstand des Universitätsarchivs von München, 1879/80 Rector Magnificus der Münchner Universität, außerdem Mitglied der BAkdW; seine Bedeutung liegt in der Erforschung der Geschichte der Logik; wegen seiner pantheistischen Lehren wurde P. von Vertretern der christlichen Weltanschauung scharf angegriffen (zeitweilig waren ihm philosophische Vorlesungen gänzlich verboten); P. war auch ein Gegner des Unfehlbarkeitsdogmas, ohne sich jedoch den Altkatholiken anzuschließen.
Hauptwerke: De Solonis legibus specialibus, Die Bedeutung der Logik, Die gegenwärtige Aufgabe der Philosophie, Übersicht der griechisch-römischen Philosophie, Geschichte der Logik im Abendlande (4 Bde.), Geschichte der Ludwig-Maximilians-Universität (2 Bde.), Aristoteles de coelo; seine Universitätsgeschichte ist eine wichtige Quelle für die bayerische Geistes- und Kulturgeschichte.
© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#10 – 10 – 18 (Jacobi · Nenning)
Grabstätte der Familie
H. Jacobi
Hier ruhen in Frieden
Emma Jacobi
geb. 28. Nov. 1859, gest. 13. Nov. 1879
Henriette Jacobi
geb. 27. Juli 1827, gest. 10. Sept. 1903
Heinrich Jacobi
kgl. Hauptmann a. D.
geb. 17. Aug. 1823, gest. 21. April 1904
August Nenning
städt. Direktor
geb. 13. Jan. 1868 gest. 1. Mai 1921
- Jacobi, Emma; 28.11.1859 – 13.11.1879 (München); Hauptmanns-Tochter
- Jacobi, Heinrich; 17.8.1823 – 21.4.1904 (München); Königlicher Hauptmann a. D.
- Jacobi, Henriette; 27.7.1827 – 10.9.1903
- Nenning, August; 13.1.1868 – 1.5.1921 (München); Städtischer Direktor




#10 – 10 – 19 (Breitung · Sutor auf Seiboltsdorf)
Sophie Breitung
geb. von Sutor
Majorsgattin
gest. 21. Febr. 1938 im 63. Lebensjahre.
- Breitung, Sofie (vh) / Sutor auf Seiboltsdorf, von (gb); – 21.2.1938; Majors-Gattin
- Sutor auf Seiboltsdorf, Anna von (vh) / Holzhey von Sonthofen (gb); – 29.3.1887 (München), 41 Jahre alt; Landgerichtsrats-Witwe
- Sutor auf Seiboltsdorf, Josef von; – 6.3.1873 (München), 81 Jahre alt; Kreisbauingenieur a. D.
- Sutor auf Seiboltsdorf, Josefa von (vh) / Planckh, von (gb); – 20.5.1847 (München), 42 Jahre alt; Kreisingenieurs-Gattin
- Sutor auf Seiboltsdorf, Ludwig von; – 25.3.1887 (München), 54 Jahre alt; Königlicher Oberamtsrichter a. D.






#10 – 10 – 23·24 (Beckers)
DR. PHIL.
HUBERT KARL BECKERS
UNIVERSITÄTSPROFESSOR
HOFRAT
1806 – 1889
- Beckers, Genofeva (vh) /Greiderer (gb); – 15.4.1887 (München), 78 Jahre alt; Hofrats-Gattin
- Beckers, Hubert Karl, Dr. phil.; 4.11.1806 (München) – 10.3.1889 (München); Hofrat, Philosoph und Schriftsteller





#10 – 10 – 27·28 (Hausmann)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Hausmann, Franz; – 1849
- Hausmann, Franziska (vh); – (17).4.1885 (München), 69 Jahre alt; Amtsrichters-Gattin
- Hausmann, Michael; – Februar 1842



#10 – 10 – 29·30 (Beckers)
Hier ruhet
mit seiner ersten Gattin
Magdalena Beckers,
geb. v. Steiner,
geb. d. 31. März 1787. gest. d. 2. Okt. 1809.
und
seiner zweiten Tochter Franziska
geb. d. 18. Jäner 1808. gest. d. 30. April 184¿
der
kgl. bayr. Geheimerath
Joh. Franz Xaver Beckers
geb. d. 15. Juni 1778. gest. d. 15. Jäner 18¿6
Dessen Sohn aus zweiter Ehe
Dr. Max Beckers
kgl. Bezirksarzt in Schrobenhausen
geb. d. 23. Juli 1821. gest. d. 10. Oktober 1868.
mit seinem Töchterchen Constanze
geb. d. 8. Sept. 1868. gest. d. 27. Dez. 1868.
Anna Beckers
Bezirksarztens-Tochter von Schrobenhausen
gest. den 23. Juni 1870, im 18. Lebensjahre
Amalie Beckers
¿ Bezirksarzts-Wittwe
geb. ¿ 182¿
¿
Tafel
Franz Beckers
Regierungsdirektor
¿
¿ Beckers
- Beckers, Anna; – 23.6.1870 (München), 16 Jahre alt; Bezirksarzt-Tochter
- Beckers, Franziska; 18.1.1808 – 30.4.1845 (München); Oberappellationsgerichtsrats-Tochter
- Beckers, Johann Franz Xaver; 15.6.1778 – 15.1.1856 (München); Geheimrat
- Beckers, Konstanze; 8.9.1868 – 27.12.1868 (München); Bezirksarzt-Tochter
- Beckers, Magdalena (vh) / Steiner, von (gb); 31.3.1787 – 2.10.1809
- Beckers, Max, Dr. med.; 23.7.1821 – 10.10.1868 (Schrobenhausen); Königlicher Bezirksarzt



