SECTION 15

- 15 – 1 – 1* (Schmidt)
- 15 – 1 – 2* (Sievers)
- 15 – 1 – 4 (Jouvin)
- 15 – 1 – 5 (Soden)
- 15 – 1 – 6 (Drechsel-Deuffstetten)
- 15 – 1 – 7·8* (Bezold · Städelen)
- 15 – 1 – 11·12 (Roth)
- 15 – 1 – 13·14 (Wimmer)
- 15 – 1 – 17·18* (Heinlein)
- 15 – 1 – 19 (Pranger)
- 15 – 1 – 20·21 (Merk)
- 15 – 1 – 22·23 (Lippl)
- 15 – 1 – 35* (Debolego)
- 15 – 1 – 41 (Ohm)
- 15 – 1 – 47 (Erhard)
- 15 – 1 – 50 (Schraudolph)
- 15 – 2 – 1 (März)
- 15 – 2 – 2 (Priller)
- 15 – 2 – 3 (Conouz · Grünbeck)
- 15 – 2 – 4 (Bucka · Döderlein)
- 15 – 2 – 5 (Strohmayer)
- 15 – 2 – 14 (Pestalozza)
- 15 – 2 – 16 (Mayer)
- 15 – 2 – 22 (Lang)
- 15 – 2 – 39* (Resenschek)
- 15 – 2 – 41* (Ernst)
- 15 – 2 – 45 (Pfeufer)
- 15 – 3 – 2* (Cavallo)
- 15 – 3 – 3 (n. n.)
- 15 – 3 – 10 (Riedl)
- 15 – 3 – 13 (Beck)
- 15 – 3 – 14 (Baumann)
- 15 – 3 – 16 (n. n.)
- 15 – 3 – 17 (Müller)
- 15 – 3 – 41 (Gustapfel)
- 15 – 3 – 47 (Harrasser)
- 15 – 3 – 53 (Schmidt)
- 15 – 3 – 55 (Baumann)
- 15 – 4 – 6 (Schönfelder)
- 15 – 4 – 7 (Schirr · Thanner)
- 15 – 5 – 8 (Schuster)
- 15 – 5 – 24 (Rauecker)
- 15 – 5 – 38* (Schweiger)
- 15 – 5 – 51 (Freundorfer · Neuschl)
- 15 – 6 – 2 (Bischoff)
- 15 – 6 – 4 (Weber)
- 15 – 6 – 9 (Dallmayer · Schmeller)
- 15 – 6 – 21* (Ramml)
- 15 – 7 – 1 (Mayr)
- 15 – 7 – 5 (Hefner)
- 15 – 7 – 6 (Pröpstl)
- 15 – 8 – 10 (Lederer)
- 15 – 9 – 1 (Ries)
- 15 – 9 – 4 (Hummel · Karg)
- 15 – 9 – 8 (Müller)
- 15 – 9 – 12 (Weigl)
- 15 – 10 – 1 (Fischer · Queroy)
- 15 – 10 – 6* (Binder)
- 15 – 10 – 9 (Gail · Höchtl)
- 15 – 10 – 13 (Neubauer)
- 15 – 10 – 27·36 (Barmherzige Schwestern)
- 15 – 10 – 51 (Angele · Briemle)
- 15 – 11 – 1 (Dietrich)
- 15 – 11 – 2·3 (Huber · Plechner)
- 15 – 11 – 4·5 (Pössenbacher)
- 15 – 11 – 8 (Wagner)
- 15 – 11 – 13 (Moser)
- 15 – 11 – 19 (Pfeiffer)
- 15 – 11 – 21 (Weber · Knoller)
- 15 – 11 – 22 (Glink)
- 15 – 11 – 39 (Gerum)
- 15 – 11 – 50 (Hoefl)
- 15 – 12 – 1 (Haertinger)
- 15 – 12 – 2 (König)
- 15 – 12 – 12 (n. n.)
- 15 – 12 – 13 (Klingler · Robiczek)
- 15 – 12 – 18 (Daut)
- 15 – 12 – 19 (Rieger)
- 15 – 12 – 25 (Baumgartner · Heidenhain · Neumayer)
- 15 – 12 – 26* (Friedl)
- 15 – 12 – 37 (Schrettinger)
- 15 – 12 – 46 (n. n.)
- 15 – 12 – 56·57 (Bacherle)
- 15 – 13 – 5 (Peckenzell)
- 15 – 13 – 6 (Fuchs)
- 15 – 13 – 8 (Manz · Stang)
- 15 – 13 – 12* (Earle)
- 15 – 13 – 13 (Ney)
- 15 – 13 – 14 (Heindl)
- 15 – 13 – 16 (Fettermann)
- 15 – 13 – 17 (Hiltensperger)
- 15 – 13 – 19 (Widtmann)
- 15 – 13 – 21 (Klaß)
- 15 – 13 – 23 (Korff)
- 15 – 13 – 25 (Kaiser)
- 15 – 13 – 26 (Kiermayer · Meyer)
- 15 – 13 – 37* (Aicher · Reitzenstein)
- 15 – 13 – 44 (Kronenbitter)
- 15 – 13 – 50 (Klotz)
- 15 – 13 – 51 (Fischer)
- 15 – 13 – 53·54 (Schwanthaler)
- 15 – 13 – 57 (Kimmerle · Ostermaier)

#15 – 1 – 1* (Schmidt)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Schmidt, Christoph Adam; 30.10.1780 (Erlangen) – 30.6.1831 (München); Abgeordneter bei der Ständeversammlung in München und Vorstand der Gemeindebevollmächtigten von Erlangen
Das Grab ist nicht erhalten
#Christoph Adam Schmidt
* 30.10.1780 (Erlangen)
† 30.6.1831 (München)
Abgeordneter bei der Ständeversammlung in München und Vorstand der Gemeindebevollmächtigten von Erlangen
#Neuer Nekrolog der Deutschen (1833)
Christoph Adam Schmidt,
Abgeordneter bei der Ständeversammlung in München, Vorstand der Gemeindebevollmächtigten von Erlangen, zu München;
geb. d. 30. Oct. 1780, gest. d. 30. Juni 1831.
(Siehe sein beigegebenes Portrait.)
Erlangen war der Geburtsort des Verewigten; sein Vater, dessen ältester Sohn er unter 7 hinterlassenen Kindern war, lebte daselbst als Kaufmann. Für seine früheste wissenschaftliche Erziehung sorgte ein eben so aufgeklärter als gründlicher Lehrer, der H. Mag. Pöhlmann, damals Director einer Realschule in Erlangen und gegenwärtig Pfarrer in Ostheim; die spätere geistige Ausbildung erhielt er auf dem Gymnasium seiner Vaterstadt. Die Fähigkeiten des jungen S. erregten bei dem Vater den Wunsch, sein Sohn möchte sich den Studien widmen; da aber dieser eine ausnehmende Neigung zu dem elterlichen Geschäfte blicken ließ, so nahm er ihn in seine Handlung, um ihn unter seiner eigenen Leitung heranzubilden. Hier zeigte der Verewigte außer einem regen Eifer auch eine ungewöhnliche Gewandtheit in Besorgung aller ihm obliegenden Geschäfte. Zu seiner weitern Vervollkommnung lebte er hierauf mehrere Jahre als Handlungsdiener in Hannover und ebenso lange in Wien; von hieraus nöthigte ihn aber ein bösartiges Augenübel zur bessern Schonung und Pflege nach dem elterlichen Hause zurückzukehren. Nach hier glücklich bewerkstelligter Heilung faßte er den Entschluß, sich in seiner Vaterstadt zu etabliren, und führte diesen Plan auch kurz vor dem Tode seines Vaters im J. 1808 aus. In der nämlichen Zeit verheirathete er sich auch mit seiner nunmehrigen Witwe, die ihn in einer glücklichen Ehe mit 10 Kindern beschenkte, wovon 6 den Vater überlebt haben.
S. hatte sich seinen Mitbürgern als ein besonnener Rathgeber und als ein Mann empfohlen, der seine Ansichten kräftigst mit dem Wort und der That zu unterstützen wußte. Daher wurde ihm denn auch 1810 die Stelle eines Municipalrathes in seiner Vaterstadt übertragen, die er auch unter oft schwierigen Verhältnissen bis zum J. 1818 zu allgemeiner Zufriedenheit versah. In diesen Zeitraum fiel auch eine Reise, die er als Deputirter seiner Vaterstadt mit noch einem seiner Mitbürger nach München machte, um den König wegen Erhaltung der Universität zu Erlangen anzugehen. Er hatte die Freude seinen Mitbürgern bei seiner Rückkehr verkünden zu können, daß der Zweck seiner Reise vollkommen erreicht war. Auf einer zweiten Reise ebendahin überbrachte er zugleich eine Summe von 4400 Flor., welche die Bürgerschaft von Erlangen auf dem Altar des Vaterlandes niederlegte. Dieses Geschenk wurde nachmals der Grund, daß der Ausbau des so wichtigen Universitätskrankenhauses endlich erfolgte.
Das denkwürdige Jahr 1818, in welchem Baiern seine Verfassung erhielt, hatte die bis dahin bestehende Municipalverfassung aufgelöst und die Gemeindeordnung in das Leben gerufen, nach welcher die freie Wahl der Bürger eine neue Obrigkeit ernannte. Bei dieser Gelegenheit wurde S. als Magistrarsrath auf’s neue an den öffentlichen Dienst gefesselt. Diese Stelle bekleidete er aber nur 3 Jahre, worauf er in die Reihen der Gemeindebevollmächtigten zurücktrat, zu deren Vorstande er auch 1824, 1827 und 1830 erwählt wurde. In dieser Eigenschaft wurden ihm zweimal Aufträge von seinen Mitbürgern zu Theil, die ihn in persönliche Berührung mit seinem Fürsten brachten. Unterdessen hatte sich ein bereits im J. 1818 angeregter Streit zwischen der Erlanger Bürgerschaft zu einem wichtigen Proceß gestaltet. Das in früheren Zeiten nämlich aus 2 Theilen, der Alt- und Neustadt, bestehende und von 2 Magistraten repräsentirte Erlangen sollte auf höhern Befehl in einen einzigen Communalkörper verschmolzen werden, ohne daß zuvor das Vermögen jedes einzelnen Theiles ausgeschieden worden wäre. Bei dieser Aenderung der Dinge sah die Altstadt ihr Interesse bedeutend verkürzt, so daß sie sich in dieselbe nicht fügen wollte. Die Sache kam vor das Forum der verschiedenen richterlichen Behörden. S., der sich an die Spitze der altstädtischen Partei gestellt hatte, zeigte sich als rastlosen Verfechter dessen, was ihm als Recht erschienen war, und leitete endlich durch eine Audienz, die er bei seinem König in dieser Angelegenheit hatte, einen Vergleich ein, durch welchen alle wechselseitigen Rechte sicher gestellt und Friede und Eintracht zwischen den beiden Schwesterstädten gestiftet wurden. Die Bürgerschaft der Altstadt Erlangen gab ihrem muthigen Vertheidiger, der allen Lohn für seine vielen Bemühungen ganz von sich zurückwies, ihre Dankbarkeit auf eine sinnige Weise zu erkennen. Die Gemeinde ließ nämlich im Stillen ihren gewöhnlichen Versammlungsort mit Blumen und Bäumen aus einem Walde, den sie durch S.’s Thätigkeit wiedergewonnen hatte, verzieren, versammelte sich hierauf in demselben, und ließ S. durch einen erwählten Ausschuß unter einem Vorwand hierher führen. In dem Augenblick seines Eintretens wurde er mit einer plötzlich bewerkstelligten Illumination des Saales überrascht, worauf ihm ein herrlicher silberner Pokal, dessen Verzierungen sich auf den glücklich zu Ende gebrachten Streit bezogen, überreicht wurde.
Nach der Verfügung, welche diese Streitsache entschied, blieb das Vermögen der Altstädter Bürgerschaft zwar ihr privatives Eigenthum, es mußte dasselbe jedoch fortan unentgeltlich verwaltet werden. S., zu dessen charakteristischen Zügen die höchste Uneigennützigkeit gehörte, trat 1824 in diese Administration ein, und versah auch dieselbe bis an sein Lebensende mit Gewissenhaftigkeit und gutem Erfolg, indem er eine Menge nützlicher, vorzüglich Cultur der Hölzer und Urbarmachungen betreffender Einrichtungen traf. Auch wurde dieser so gedeihlichen Administration dadurch eine rühmliche Anerkennung ihrer Verdienste zu Theil, daß der landwirthschaftliche Verein in München ihr eine Preismedaille zustellen ließ.
Es war ein eigenes Geschick, daß alles Gute, was S. für das öffentliche Wohl wirkte, erst mit den größten Schwierigkeiten erkämpft werden mußte, und daß nach Beseitigung eines Widerstandes sich immer neue Kämpfe entspannen um den unermüdlichen Mann auf die härteste Probe zu stellen. So hatte er kaum den Ausbruch eines neuen Processes, der zwischen den Besitzern neuer Häuser und den alten Waldberechtigten in Erlangen zu entstehen drohte, beschwichtigt, als zwei neue wichtige, das Communaleigenthum angehende Streitsachen sich aufthaten. Beide machten S. wieder viel zu schaffen, doch löste seine Standhaftigkeit in Vertheidigung des Rechts auch sie zum Vortheil der Gemeinde. Nachdem nun diese letztere auf diese Weise aller Proteste ledig war, durfte S. hoffen, der Verwaltung in den kommenden friedlichen Zeiten noch segenbringender als bisher vorstehen zu können. Er arbeitete von da an zugleich mit desto größerer Aufmerksamkeit an der Ausbreitung seiner eigenen Geschäfte, begründete, zur Unterstützung der zahlreichen Armen Erlangens, im Verein mit seinem Bruder und einem Freunde die kostspielige dasige Tuchfabrik, und leitete als Vorstand der Gemeindebevollmächtigten das Geschäft dieses Collegiums mit einer so gewissenhaften Beherzigung des Wohls der ganzen Stadt, mit so viel Nachdruck und mit Ueberlegung begleiteter Ruhe, daß die volle Liebe seiner Mitbürger sich ihm zuwandte und er bei der 1831 Statt gefundenen Wahl zur Ständeversammlung einstimmig als Deputirter zum Landtag gewählt, und hierauf auch in der üblichen Form bestätigt wurde. Als ächter Patriot folgte er diesem ehrenvollen Rufe, ohne die Nachtheile zu berücksichtigen, welche durch eine längere Abwesenheit für seine eigenen Geschäften erwachsen mußten, und ohne einen Blick auf seine schon seit einiger Zeit leidende Gesundheit zu werfen. So reiste er, nur das Vaterland im Auge habend, nach München ab. Auch glaubten die Seinigen bei einem kurzen Besuche, den er ihnen von dort aus während der Pfingstfeiertage 1831 abstattete, wahrzunehmen, daß sich sein Gesundheitszustand gebessert habe. Der plötzlich auf seiner Rückreise erfolgte Tod eines theuren Begleiters erschütterte aber ihn, dessen Körper durch ein vielfach bewegtes Leben schon bedeutend geschwächt war, so sehr, daß er mitten unter den Vorbereitungen, welche er für die nächsten Verhandlungen der Kammer der Abgeordneten zu machen bemüht war, zu München erkrankte und das Ziel seines Lebens fand.
Neuer Nekrolog der Deutschen. Ilmenau, 1833.

#15 – 1 – 2* (Sievers)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Sievers, August; 1814 – (7).7.1902 (München); Dekorationsmaler und Glasmaler
Das Grab ist nicht erhalten

#15 – 1 – 4 (Jouvin)
DEM OBERST-
LEUTNANT
JOS. JOUVIN.
Portrait-Relief
IN DANKBARER
ERINNERUNG
DAS OFFIZIERS-
CORPS DES K. B.
I. INFANTERIE RE-
GIMENTS KÖNIG.
- Jouvin, Josef; 1825 (Passau) – 11.2.1898 (München); Oberstleutnant
- Jouvin, Josefine (vw) / Kirschbaum (gb); – 3.2.1891 (München), 85 Jahre alt; Majors-Witwe



#Josef Jouvin
* 1825 (Passau)
† 11.2.1898 (München)
Oberstleutnant
#Allgemeine Zeitung (12.2.1898)
Bayerische Chronik.
München, 11. Februar.
Beerdigung. Im südlichen Friedhof wurde heute Nachmittag 4 Uhr der kgl. Oberst a. D. Joseph Jouvin unter den vorgeschriebenen letzten militärischen Ehren beerdigt, zu deren Erweisung ein Bataillon des 1. Inf.-Rgts. mit Fahne und Musik ausgerückt war. Ueberaus zahlreiche Offiziere, darunter Kriegsminister Frhr. v. Asch und Generalmajor Graf Bothmer, gaben dem alten Offizier das Geleite auf seinem letzten Wege, ebenso die Veteranenvereine »Murnau« und »Feldzugsoldaten«. Der Verstorbene war 1824 in Passau geboren, trat 1842 als Kadett in die Armee und diente bis zum Oberstlieutenantscharge in verschiedenen Regimentern, zuletzt und die längste Zeit im 1. Inf.-Regt. Im Jahre 1878 trat er mit dem Charakter als Oberst in den Ruhestand. Er hatte die Feldzüge 1866 und 1870/71 mitgemacht und war mit dem Militärverdienstorden 1. Kl. und mit dem Eisernen Kreuz 2. Kl. dekoriert.
Allgemeine Zeitung Nr. 42. München; Samstag, den 12. Februar 1898.

#15 – 1 – 5 (Soden)
Tafel
Freiherr Oskar v. Soden
kgl. württ. Gesandter u. Minister
gest. i. München 1906
Freifrau Therese von Soden
geb. Freiin von Drechsel-Deuffstetten
gest. i. München 1882
Freiherr Oskar v. Soden
Ministerial-Direktor
gest. 1917
Sockel & Sockel-Tafel
Die Inschrift ist nicht erhalten
- Soden, Oskar Freiherr von; – (28).10.1917 (München); Ministerialdirektor
- Soden, Oskar Freiherr von; 27.2.1831 (Ellwangen) – 10.11.1906 (München); Württembergischer Gesandter und Minister
- Soden, Therese Freifrau von (vh) / Drechsel-Deuffstetten, Freiin von (gb); 11.3.1837 (München) – 22.8.1882 (Wachendorf)


#15 – 1 – 6 (Drechsel-Deuffstetten)
Hier ruhen in Gott:
Louise
Freifrau von Drechsel-Deuffstetten,
geb. Freiin von Schauroth,
geb. 29. October 1772, gest. 12. Mai 1838.
Caroline
Freiin von Drechsel-Deuffstetten,
geb. 6. October 1845, gest. 25. September 1846.
Dorothea
Freifrau von Drechsel-Deuffstetten,
geb. Seuffert,
geb. 14. Mai 1807, gest. 19. Februar 1873.
Heinrich
Freiherr von Drechsel-Deuffstetten,
Oberstlieutenant a. D.
geb. 21. Januar 1806, gest. 16. December 1889.
Meta
Freiin von Drechsel-Deuffstetten,
geb. 4. März 1839, gest. 7. März 1891.
- Drechsel-Deuffstetten, Dorothea Freifrau von (vh) / Seuffert (gb); 14.5.1807 – 19.2.1873 (München); Oberstleutnants-Gattin
- Drechsel-Deuffstetten, Heinrich Freiherr von; 21.1.1806 – 16.12.1889; Oberstleutnant
- Drechsel-Deuffstetten, Karoline Freiin von; 6.10.1845 – 25.9.1846
- Drechsel-Deuffstetten, Luise Freifrau von (vh) / Schauroth, Freiin von (gb); 29.10.1772 – 12.5.1838 (München); Majors-Witwe
- Drechsel-Deuffstetten, Meta Freiin von; 4.3.1839 – 7.3.1891 (München)



#15 – 1 – 7·8* (Bezold · Städelen)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Bezold, Daniel Friedrich Gustav von; 21.1.1783 – 22.9.1870 (München); Königlicher Geheimrat
- Bezold, Ferdinand von; 13.8.1813 – 15.10.1838 (München); Ministerialrats-Sohn
- Bezold, Florentine von; 19.5.1815 – 25.12.1890 (München); Geheimrats-Tochter
- Bezold, Gustav von; 28.11.1810 – 14.11.1885 (München); Geheimrat
- Bezold, Karl von, Dr. med.; 26.8.1818 – 29.7.1895 (München); Oberstabsarzt
- Bezold, Karoline von; 2.4.1821 – 22.5.1904 (München); Geheimrats-Tochter
- Bezold, Louise von (vh) / Mayer (gb); 17.8.1827 – 1.8.1877 (München); Ministerialrats-Gattin
- Bezold, Sabine von (vh) / Albrecht (gb); 1.10.1804 – 10.3.1882
- Städelen, Emma von (vh) / Bezold, von (gb); 1.10.1819 – 25.9.1899 (München); Oberkonsistorialrats-Witwe
- Städelen, Johann von, Dr. theol.; 10.5.1821 – 28.5.1891; Oberkonsistorialrat






Das Grab ist nicht erhalten

#15 – 1 – 11·12 (Roth)
Sockel-Tafel
Der Enkel unser lieber Bruder
Wilhelm Roth
Regierungsbaumeister a. D.
geb. den 25. Aug. 1890,
gest. den 29. Juni 1926.
- Roth, Wilhelm; 25.8.1890 – 29.6.1926; Regierungsbaumeister a. D.



#15 – 1 – 13·14 (Wimmer)


#15 – 1 – 17·18* (Heinlein)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Heinlein, Heinrich; 3.12.1803 (Weilburg a. d. Lahn/Kreis Wiesbaden) – 8.12.1885 (München); Landschaftsmaler
- Heinlein, Anna Maria Katharina (vw) / Kalteis (gb); – (28).1.1890 (München), 84 Jahre alt; Seilermeisterstochter aus Traunstein / Kunstmalers-Witwe


Das Grab ist nicht erhalten
#Heinrich Heinlein
* 3.12.1803 (Weilburg a. d. Lahn/Kreis Wiesbaden)
† 8.12.1885 (München)
Landschaftsmaler
#Artistisches München im Jahre 1835 (1836)
Heinlein, Heinrich, Landschaftsmaler, am 3. Dez. 1803 zu Naßau-Weilburg geboren, erhielt seine erste Erziehung am Gymnasium daselbst, wo der Hang zu bildlicher Darstellung sich auf mancherlei Weise schon bei ihm aussprach. In Mannheim, dem späteren Wohnorte seiner Eltern, sich dem Studium der Architektur widmend, betrieb er es weniger aus Liebe zum Fach, als um in der Nähe der Malerei zu bleiben, die zum Hauptberufe zu wählen, sein Vater aus eignen Ansichten, nicht gern zugab. In seinem neunzehnten Jahre besuchte er München, und in Folge der größeren Unabhängigkeit ergab er sich dem alten Hange, und vielleicht durch die malerische Schönheit des bayerischen Hochlandes und Tirols bestimmt, der Landschaftmalerei.
Seit der Zeit bereiste er meist das südliche Deutschland, die Schweiz und Oberitalien mit längerem Zwischenaufenthalt zu Wien und München. Am meisten jedoch scheinen ihm bis jetzt die Alpen zuzusagen, da die mehresten Motive seiner Bilder aus jener einsamen großen Natur geschöpft sind.
Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Mechaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.
#Die Bildende Kunst in München (1842)
In großartiger Auffassung und kühner Ausführung einzelner Gegenden des Hochgebirges mit seinen gewaltigen Felsenmassen, Schluchten, sprudelnden Bergwässern und tiefen Waldthälern steht Heinrich Heinlein beinahe unerreicht, bis jetzt noch unübertroffen da. Er ist geboren 1803, 3. Dezember zu Nassau-Weilburg, wo er die gelehrten Schulen besuchte, während sich sein Hang zu bildlicher Darstellung schon auf mancherlei Weise aussprach. Später sollte er sich in Mannheim, wohin seine Aeltern übersiedelten, der Baukunst widmen, bis er endlich die Akademie in München besuchen und ganz seiner Neigung für landschaftliche Darstellung leben konnte. Häufige Reisen in das Gebirgsland von Bayern, nach der Schweiz, Tyrol und Oberitalien nährten und förderten bei seiner tiefen lebendigen Anschauungsweise seinen natürlichen Hang zu Schöpfungen dieser Art, und so wählt er als Stoff für seine meistens großen Bilder gern die im tiefsten Waldgebirge gelegenen Thäler aus, welche nur von Gemsen und Hirschen besucht werden, und schildert dieselben mit der ringsumher ruhenden Waldeinsamkeit, die nur selten von dem Laut eines Aars und dem Rauschen der dunklen Tannen unterbrochen wird, in treuer Versinnlichung. Am liebsten weilt er im bayerischen Hochgebirge, am Hintersee bei Berchtesgaden oder ähnlichen Schluchten, und versetzt uns durch seine wahre und kühne Schilderung eben dahin, wo der dunkelgrüne See inmitten einer tiefen Schlucht sich lagert, welche durch steile, mit schwarzen Tannenwäldern besetzte Höhen eingeschlossen wird. Die Schlucht liegt im dunklen Schatten; nur durch eine ungeheure Felsenspalte bricht das helle Sonnenlicht herein, und beleuchtet einen Theil des Sees und des hervorspringenden Felsens. Aber jenseits, über diese Höhen herein, streben die sonnenbestrahlten Alpengipfel empor; ein Hirsch klettert über das wild zerklüpftete Gestein des Vordergrundes dem See zu.
In ähnlicher großartiger Auffassung sind die meisten seiner Gebirgslandschaften behandelt; wenn er z. B. die via mala schildert, wie sie zwischen und an den ungeheuern Felsenwänden sich hinanwindet, menschliche Kunst hie und da einen Stütz- und Uebergangspunkt über die Schluchten angebracht hat, die Gießbäche herniederstürzen, und die Sonnenstrahlen einzelne Theile beleuchten, wodurch die schauerlichen Tiefen des anderen Theiles um so furchtbarer hervorgehoben werden; oder wenn er schildert, wie anfangs zwischen großen Steinblöcken, an den hohen Felswänden, sich der Weg hinanzieht zu den Häusern, welche wie große Vogelnester hingebaut sind, und die Gletscherhäupter darüber hinwegragen; oder wenn er den Bellatfall bei Hohenschwangau im gewaltigen Strome herniederstürzen läßt.
Dr. Johann Michael von Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.
#Universal-Handbuch von München (1845)
Heinlein, Heinrich,
geboren 1803 zu Nassau-Weilburg; nachdem er einige Zeit am Gymnasium studirte, widmete er sich früher der Architektur, kam sodann nach München und wählte sich für sein Fach im Jahre 1824 ausschließend die Landschaftsmalerei. Die Motive zu diesen Gegenständen holte sich derselbe aus dem Alpenlande, der Schweiz, Tyrol und dem bayerischen Oberlande; Bilder von diesem Künstler befinden sich in den Händen vieler Kunstliebhaber und sind sehr gesucht.
Universal-Handbuch von München. München, 1845.
#Ansichten und Bemerkungen über Malerei und plastische Kunstwerke (1846)
Ich gehe nun zu einigen Bildern der neueren Epoche meiner eigenen Sammlung über, von denen ich namentlich heraushebe:
16b. Heinrich Heinlein, in München, 1803 geboren, einer der besten Landschaftsmaler. Grosse Leichtigkeit, viel Studium in der Farbengebung, Kraft und Treue der Natur zeichnen ihn aus. Sein schönes, grosses Oelgemälde (In meiner Sammlung, 72 Zoll breit und 52 Zoll hoch), Gegend aus dem Kanton Graubündten mit der Via mala und seinen 11,000 Fuss hohen Alpen, mit mehr als 300 Gletschern und vielen Wasserfällen , gehört zu seinen gelungensten Kunstwerken. Der Prospekt zeigt eine tiefe Felsenschlucht, wo die Vegetation schon halb erstarrt ist, und der Sommer nur drei Monate dauert. Die Felsenmassen, so wie die Beleuchtung sind meisterhaft; die Baumgruppen, die vortretenden Gründe sind harmonisch, von grösster Wahrheit, und denen eines Ruysdael und Everdingen an die Seite zu setzen.
Freiherr Max von Speck-Sternburg: Ansichten und Bemerkungen über Malerei und plastische Kunstwerke. Leipzig, 1846.
#Münchener Künstlerbilder (1871)
Heinrich Heinlein,
Landschaftsmaler.
Deutschland ist vorzugsweise reich an tüchtigen Landschaftsmalern der verschiedensten Richtung. Einer der hervorragendsten ist ohne Zweifel Heinrich Heinlein, der am 3. December 1803 zu Weilburg im Nassauischen geboren ward. Sein Großvater väterlicher Seite war Spezerei- und Conditorei-Waaren-Händler in Mannheim und hatte zwei Söhne, welche dem Berufe des Vaters folgten. Heinrich’s Vater hielt sich in der ersten Hälfte der neunziger Jahre bei seinem Bruder auf, der in Paris ein Geschäft gegründet und sich dort niedergelassen hatte, und kam von da an den Hof des Fürsten von Nassau-Weilburg, wo er zum Vorstand der Conditorei ernannt wurde. Heinrich’s Mutter, eine geborne Riedel, stammte dagegen aus einer Künstlerfamilie: ihr Vater und ihre vier Brüder waren ausübende Architekten, sie selbst malte in Pastell Portraits. Die Folgen der französischen Revolution trieben den Fürsten von Nassau-Weilburg nach Bayreuth. Hier lernte die Fürstin Heinrich’s Mutter kennen und schätzen. Ihr feiner Geschmack in Handarbeiten verschaffte ihr die Stelle einer Kammerfrau der Fürstin. In derselben Zeit malte sie auch die Portraits mehrerer Mitglieder der fürstlichen Familie. Später begleitete sie den fürstlichen Hof nach Weilburg zurück und verband sich dort ehelich mit Heinrich’s Vater.
Die Eltern konnten dem Knaben um so mehr alle Aufmerksamkeit zuwenden, als er das einzige Kind blieb, und unter ihren Augen erhielt er durch Hauslehrer den ersten Unterricht, den sie, selber im Besitze einer höheren Bildung, als man bei ihren sozialen Verhältnissen im Allgemeinen erwarten durfte, und durch den Umgang mit hervorragenden Personen des Hofes fortwährend in geistiger Regsamkeit erhalten, sorgfältig überwachten.
Weilburg, auf einem Felsen erbaut, dessen höchste Höhe Schloß und Kirche krönt, zählt zu den malerischesten Partien des Lahngrundes. Theils angebaute theils mit Buchen und Eichen reich bewachsene Hügel umgeben das Städtchen, hier und dort in schroffen Granit- und Porphyrwänden an den Fluß abfallend, den stattliche Mühlen beleben, während im Südost das ferne Taunusgebirge, im Norden der dunkle Westerwald den Horizont begrenzen. Ein Knabe von so reicher Begabung und Empfänglichkeit für die Außenwelt hätte kaum der Hinweisung der Eltern bedurft, um schon in der frühesten Jugend ein offenes Auge und Ohr für Formen, Lichtwirkungen und Laute in der Natur zu haben. Diesen Eindrücken mußte er sich denn auch, Alles um sich her vergessend und halb unbewußt, hingeben. Oft stahl sich der Gymnasiast, im Schwarme der Kameraden zu den Spielen derselben ausziehend, aus dem tollen Lärm weg und stellte sich, wenn dieser im hallenden Walde sich fern und ferner verloren, der wiederkehrenden hehren Stille und Einsamkeit. Brauste an stürmischen Herbstabenden der Wind in den Bäumen und drang dazwischen das Rauschen des Flusses durch, so hielt ihn nichts im Hause, und er konnte Stunden lang draußen umherschweifen und dem Zuge der Wolken am Monde vorüber zuschauen.
Heinrich’s Vater, ein großer Verehrer von Musik und Schauspiel, hatte während eines früheren Aufenthalts in München viel mit Musikern und Schauspielern verkehrt und pflegte im Zimmer auf- und abgehend Monologe und ganze Scenen aus Shakspeare’s Tragödien zu recitiren, wobei er an seinem Sohne einen aufmerksamen Zuhörer hatte. Einstmals las er aus Ossian’s Gedichten, und diese Lectüre, so räthselhaft und unverständlich dem Knaben das Ganze blieb, brachte ihrer großartigen Naturbilder und pathetischen Stellen wegen auf den Knaben, der entzückt war, derartige Empfindungen in Worten ausgedrückt zu hören, eine wahrhaft elektrische Wirkung hervor.
Heinrich machte seine Gymnasialstudien durch, ohne sich eben ausgezeichnet zu haben. Er galt für einen zerstreuten und träumerischen Jungen, der, so lebhaft er sich für die Vorträge über alte Geschichte, Mythologie und Naturkunde interessiren mochte, mit dem Griechischen und Lateinischen immer auf gespanntem Fuße lebte.
Am Hofe zu Weilburg gab es zwar einen eigenen Hofmaler, Namens Verflassen, aber gleichwohl zeichnete Heinrich nicht unter dessen, sondern unter Leitung seiner Mutter, wie er denn auch im elterlichen Hause Unterricht im Klavier- und Violin-Spiel erhielt.
Ein an sich unbedeutender Zufall aus jener Zeit mag hier kurz erwähnt werden, weil der Eindruck auf ein kindlich unverdorbenes Gemüth lange Jahre noch nachzitterte. Heinrich bemerkte einst im Hofgarten Kameraden, die eben das Nest eines Singvogels ausnahmen, glaubte sich ungesehen und verschwieg die Sache, weil er nicht den Angeber machen wollte. Des andern Tags wurde er von den Thätern derselben That angeklagt und vom Lehrer, der nun ein Motiv für des Knaben Streifereien im Walde gefunden zu haben wähnte, um ein Exempel zu statuiren, mit aller Strenge abgestraft. Die Eltern kannten ihren Sohn und trösteten ihn mit der Hoffnung, seine Unschuld werde früher oder später an den Tag kommen. Und diese Hoffnung ward auch nicht getäuscht. Heinrich aber lief in den geliebten Wald, dort Balsam für sein wundes Gemüth zu suchen. Ein leichtes Frühlingswetter zog heran, die Wolken zerstreuten sich nach ein paar majestätischen Donnerschlägen, es regnete leise, die Abendsonne brach wieder durch, der nasse Wald funkelte in ihren Strahlen, ein Regenbogen spannte sich über das Thal und eine fröhliche Amsel hatte gar nicht aufgehört zu schlagen. Da betete der Knabe heiß und innig, Gott möge es ihm gewähren, daß er sein Leben lang im Walde bleiben dürfe und er nicht gezwungen wäre zu den Menschen zurückzukehren. Der Himmel erhörte des Knaben Gebet insofern, als er als Landschaftsmaler den größten Theil seines Lebens in der Natur oder mit Darstellungen aus ihr verbrachte, welche einsiedlerische Beschäftigung ihn mit der Welt wenig in Berührung kommen ließ.
Der Tod des regierenden Fürsten zog am Hofe mancherlei Veränderungen nach sich. Heinrich’s Vater, an Jahren schon vorgerückt, kam um seine Entlassung aus dem Hofdienste ein und sie ward ihm mit der erbetenen Vergünstigung bewilligt, sein Ruhegehalt im Ausland verzehren zu dürfen. Es zog ihn nach der Heimat; er siedelte nach Mannheim über und bewohnte dort wieder sein elterliches Haus. Heinrich war, als er Abschied nahm von dem Ort, an dem er das Licht erblickt und seine ersten und wärmsten Eindrücke erhalten hatte, der Zeuge war von allen Freuden und Leiden seiner Jugend, erst fünfzehn Jahre alt; er sollte ihn erst nach achtunddreißig Jahren wieder betreten. Was er bis dahin an Kunstwerken gesehen, beschränkte sich auf die romanischen und altdeutschen Baudenkmäler an der Lahn und am benachbarten Rheine, denen man damals eben wieder mehr Aufmerksamkeit zuzuwenden begann. In Mannheim dagegen lernte er in der dortigen Gallerte mehrere ausgezeichnete Werke der italienischen und niederländischen Schule kennen. Daran reihten sich zwei Säle mit als vorzüglich bekannten Pariser Abgüssen berühmter Antiken. Für das klassische Alterthum durch seine Lectüre und die Vorträge am Gymnasium hochbegeistert, war ihm dagegen von bildlichen Darstellungen aus jener Zeit nichts Bedeutendes zu Gesicht gekommen. Nun trat ihm in den Antiken die vergangene Welt mit ihrem stolzen, ruhigen Adel bezaubernd entgegen. Dazu kam der Eindruck der Italiener, der Niederländer; Alles wirkte so berauschend auf den kaum den Knabenschuhen entwachsenen Jüngling ein, daß er Bildhauer, Historien-, Genre-Maler zugleich hätte werden mögen.
Er war in das Alter getreten, in dem er sich zu einem Lebenslaufe entschließen sollte. Seine Eltern drängten ihn nicht zur Fortsetzung seiner Studien und hätten es nicht ungern gesehen, wenn er sich dem Kaufmannsstande gewidmet hätte. Er seinerseits trug die Kunst im Herzen, aber als er es einmal wagte sein Geheimniß anzudeuten, da sprach sich sein Vater mit Entschiedenheit dagegen aus, was man ihm in einer Zeit nichts weniger als verdenken konnte, in der sich außer wenigen vereinzelt stehenden Liebhabern Niemand um Kunst und künstlerisches Schaffen bekümmerte. Nun hatte er sich nach Art junger Leute einmal darin versucht, Mühlen, Eisenhämmer und dergleichen plastisch nachzubilden. Dies und der Umstand, daß die Brüder seiner Mutter zu Berlin und Bayreuth in höheren Bauämtern standen, gab die Veranlassung, daß er sich der Architektur zuwenden sollte. Er seinerseits ging um so bereitwilliger darauf ein, als er dadurch innerhalb der Grenzen der Kunst eintrat. Bauinspector Dyberhoff, ein Schüler Weinbrenner’s, hatte nach des Letzteren Art einen Salon für seine Schüler eingerichtet. Bei ihm trat Heinlein nun ein und machte während drei und einem halben Jahre daselbst seine theoretischen Studien durch, um darauf seine praktische Carriere als Bauconducteur in Mannheim zu beginnen.
Obwohl vielfach von seinem Berufe in Anspruch genommen, wußte er demselben doch manche Stunde abzugeizen, die er darauf verwendete, in der Gallerie nach der Antike zu zeichnen, sich im Componiren zu versuchen und sich mit der Technik der Oelmalerei bekannt zu machen. Seine damalige Begeisterung für Schiller’s Wilhelm Teil und die Schweizergeschichte im Allgemeinen machte sich in einigen in Oelfarbe ausgeführten Compositionen aus dem genannten Drama und aus den Schlachten von Sempach und Morgarten Luft.
Weniger Reiz hatte damals, woran wohl die unbedeutende Umgebung Mannheims die Hauptschuld trug, die landschaftliche Natur für Heinlein, so daß auch die Landschaften in der Galerie ihn minder lebhaft in Anspruch nahmen als die historischen Bilder dortselbst; und dies berechtigt wohl zu dem Schluß, er würde sich damals, wäre er Herr seines Willens gewesen, der Historienmalerei zugewendet haben. Doch nachdem der mächtige Reiz der Neuheit nachgelassen und nachdem er noch keineswegs durch bereits erworbene Fähigkeit und Gewandtheit am figürlichen Kunstfach festzuhalten vermochte, so begannen seine ursprünglichsten, wärmsten und eigensten Empfindungen wieder mit aller Kraft sich geltend zu machen und mit Everdingen, Ruysdael und Salvator Rosa, von denen die Galerie und Privatsammlungen gute Werke enthielten, in sympathetischen Rapport zu treten.
Er verließ um jene Zeit das väterliche Haus, um zu seiner Mutter-Bruder, dem Baurath Riedel in Bayreuth zu gehen. Die Reise ging durch das Neckarthal, den Odenwald, den Maingau bis an den Fuß des Fichtelgebirges zu Fuß, wie fast alle späteren Reisen Heinlein’s. Vom Morgengrauen bis zur sinkenden Nacht im Freien, über Berg und Thal, allen Erscheinungen der Tageszeiten und des Witterungswechsels begegnend, war seine Seele den Eindrücken der Natur doppelt geöffnet, und der Enthusiasmus für sie erwachte mit neuer stärkerer Gewalt als je.
Heinlein’s Beschäftigung auf dem Bureau seines Oheims war eine wahrhaft trostlose; keine Spur von künstlerischen Elementen, nur Kostenvoranschläge für Reparaturen öffentlicher Gebäude und dergleichen. Sein Oheim sah des jungen Mannes Qual; als Ausländer war für ihn im bayerischen Dienste wenig oder gar nichts zu hoffen, er hielt ihn darum nicht fest. Nun gab es Ausflüge in’s Fichtelgebirge, in’s benachbarte Böhmen, in die an Naturschönheiten überreiche fränkische Schweiz, nach Pommersfelden, wo die berühmte Galerie ihn fesselte, nach Nürnberg u. s. w., und der Oheim freute sich herzlich der Studien, die der Neffe von seinen Wanderungen heimbrachte.
Im Herbste des Jahres 1822 kam August Riedel von der Münchener Akademie zu seinem Vater nach Bayreuth heim, und währeud seines Aufenthaltes daselbst wurde der Entschluß gefaßt, es solle Heinlein seinen Vetter nach München begleiten. Sein Vater willigte ein, da er einsah, daß es für seinen Sohn in Bayreuth nichts zu lernen gab. Heinlein wurde an der Akademie in die Abtheilung für Architektur aufgenommen und setzte seinem Lehrer, Professor und nachmaligem Direktor Gärtner, der ihm freundlich entgegen kam, das Mißliche seiner Lage auseinander; er sprach von seiner unüberwindlichen Lust zur Malerei und von des Vaters unabänderlicher Abneigung dagegen. Gärtner rieth ihm, in Anbetracht seiner Vorkenntnisse in der Baukunst, neben seinen dahin schlagenden Studien daheim seiner Neigung zu folgen, das Uebrige werde sich schon finden, und Heinlein folgte dem Rathe seines hochverehrten Lehrers mit leichterem Herzen.
Inzwischen erschlossen ihm die nahen Alpen eine neue Welt. Die großen gewaltigen Formen, diese nur von Einbäumen (einer einfachsten Art von Schiffen, aus einem Baumstamm gehauen) befahrenen einsamen Seen, diese weithin sich streckenden Moore und Wälder mit vielhundertjährigen riesigen Bäumen, Alles so ursprünglich und bedeutend, und im Hintergrund die gigantischen Felsgebirge mit ihren Gletschern erfaßten seine Seele mit nie geahnter Macht. Die ihm so geheimnißvollen Berge, die Einsamkeiten, die Wildnisse uralter Wälder, deren Boden ein Chaos gestürzter Bäume bedeckte, die mit ihren bemoosten Aesten bis in den Grund nachbarlicher Gewässer hinabreichten, die stillen, unergründlich tiefen smaragdenen Bergseen, die riesigen Felswände, über welche ferne Wolken zogen, sie selber riesige Denkmäler gewaltsamer Naturerschütterungen, die brausenden, schäumenden und stäubenden Wasserfälle und Gebirgsströme, sie waren seine Welt, sie sind es noch, und kaum vermag ein anderer Künstler mit Stift und Pinsel derartige Eindrücke so energisch wiederzugeben, wie Heinlein.
Ein paar von ihm auf die akademischen Ausstellungen gegebene Bilder fanden freundliche Aufnahme und rühmliche, aufmunternde Besprechung in öffentlichen Blättern. Sein Vater, dem das Aufgeben des alten Berufes durch seinen Sohn noch ein Geheimniß war, wurde dadurch nicht wenig überrascht, und wenn er auch dem Willen des Sohnes nicht mehr mit der vorigen Entschiedenheit entgegentrat, so fühlte dieser es doch hart genug, daß die Unterstützung aus dem Vaterhause nun ausbleiben sollte. Dazu kam, daß Heinlein und einige andere jugendliche Tollköpfe wegen einiger Duelle mit der Polizei in Conflict geriethen und, als auch die Akademie ihre schützende Hand von ihnen abzog, die Stadt verlassen mußten. Da ergriff Heinlein den Wanderstab und wanderte in fünf und einem halben Tag nach Mannheim.
Aus gewohnten Verhältnissen gewaltsam herausgerissen, ohne Umgang mit Künstlern ward ihm die Kunst Alles. Aus jener Zeit stammen unter andern zwei Bilder, das eine eine wilde Bergschlucht, das andere Wilddiebe darstellend, die, in mondenheller Nacht von Jägern in ihrem Lager unter einer alten Tanne angegriffen, sich mit Feuerbränden vertheidigen. Die Neuheit der Gedanken zog. Die Bilder zur Industrie- und Kunstausstellung in Carlsruhe geschickt, erregten vielseitig Aufmerksamkeit, wurden günstig beurtheilt und verkauft. Dadurch ward Heinlein in die Lage gesetzt, die Schweiz und Oberitalien zu besuchen. Nach einem längeren Aufenthalt in Südtyrol kehrte er nach München zurück. Schon war er daran, den Gedanken einer Reise nach Wien aufzugeben, als er neuerdings durch den Umstand darin befestigt wurde, daß man ihm wegen der erwähnten früheren Conflicte das Copiren in der königl. Gemäldegalerie verwehrte. Um endlich diese alte und so ganz unbedeutende Geschichte hinter sich zu bringen, entschloß er sich nun rasch zur Abreise und schwamm noch im Spätherbst 1825 auf einem Flosse die Isar und Donau hinab nach der Kaiserstadt. Häufige Nebel verzögerten zwar die Reise, aber sie verschönten dieselbe auch durch mancherlei pitoreske Wirkungen und Effecte. Nachdem er in der großen, fröhlichen Stadt einmal zur Ruhe gekommen, ging es frisch an’s Arbeiten, und in kurzer Frist konnte er der Erzherzogin Karl, einer geborenen Prinzessin von Nassau-Weilburg, welche den Landsmann gnädigst empfing, ein paar Bilder vorlegen. Das erste zeigte einen stürmischen Bergsee, der einen von Raubvögeln umflatterten menschlichen Leichnam ausgeworfen. Das zweite stellte ein in melancholischem Spätabendlichte ruhendes Hochalpenthal dar, mit einem Begräbniß als Staffage! Es war natürlich, daß die hohe Frau bei aller Anerkennung der Bilder sich höchlich über deren Sujets wunderte. Nach damaliger Wiener Sitte zeigte Heinlein seine Bilder noch mehreren hohen Herren vor, aber überall bekam er den wohlgemeinten Rath, freundlichere Gegenstände zu wählen, denn die Kunst solle erheitern, meinten sie.
Nach einem Jahre waren seine Mittel erschöpft. Mit mehr Gewandtheit und weniger Leutescheu, als er damals hatte, wäre es ihm gelungen in der lustigen Stadt sich durchzuarbeiten. Er verkaufte, was er halbwegs entbehren konnte, um Reisegeld zu erhalten und legte im Herbste 1826 den Weg von Wien nach Mannheim (hundert deutsche Meilen) in ununterbrochenem Marsche von vierzehn Tagen zurück, eine Ausdauer, deren sich kein Osage zu schämen gebraucht hätte.
Die Eltern wünschten nun ihren einzigen Sohn bei sich zu behalten. Er ehrte den Wunsch durch einen mehrjährigen Aufenthalt im Vaterhause, der nur durch Ausflüge in den Schwarzwald, in die Vogesen, das Hardtgebirge und in die Rheinlands unterbrochen wurde. Daneben las er viel, aber mit guter Wahl und verkehrte mit wissenschaftlich gebildeten Männern, was zu seiner inneren Reife beitrug.
Im Jahre 1829 ging er durch den Schwarzwald und die Schweiz nach den Tyroler- und den bayerischen Alpen und im Herbste desselben Jahres wieder nach München. Hier hatte inzwischen König Ludwig eine noch nie dagewesene Kunstthätigkeit hervorgerufen. Wieder mit jungen Männern in Verkehr getreten, die künstlerische Begeisterung aus allen Gauen Deutschlands dort versammelt, begann er selbst seine Thätigkeit wieder mit regem Eifer und glücklichem Erfolge. Jährlich trieb ihn die Liebe zu den Eltern nach Mannheim, wo er indeß bald den um die Zukunft seines Sohnes beruhigten Vater verlor. Ein Jahr später folgte ihm die Mutter, während den auf Besuch anwesenden Sohn eine schwere Krankheit auf dem Lager festhielt. Genesen veräußerte er sein väterliches Haus und siedelte nach München über, wo er sich ansässig machte und im Jahr 1832 mit einer Bürgerstochter von Traunstein verband, welche ihm drei Mädchen schenkte. Kaulbach malte ihn im Jahre 1840 in dem Costüme, in dem er sich bei dem berühmten Maskenfeste desselben Jahres betheiligt hatte.
Die Motive zu seinen meisten Bildern entnahm der Künstler dem Hochgebirge, in der festen Ueberzeugung, daß derjenige, dem es nicht gelingt, sich Material aus diesen der Landschaftsmalerei so reiche und großartige Mittel darbietenden Gegenden anzueignen, auch in den entferntesten Welttheilen nicht glücklicher damit sein werde. Seit dem Jahre 1830 erscheint Heinlein’s Ruf fest begründet. Eigenthümlich ist, daß er seine Kenntnisse der Baukunst in keinem seiner zahlreichen Bilder verwerthete. Gemälde von ihm befinden sich in der Neuen Pinakothek zu München und in den Galerien von Carlsruhe, Stuttgart, Hannover, Mainz, Braunschweig, Leipzig und Prag, wobei besonders einige zu erwähnen sind, welche die Privatsammlungen des Fürsten Rohan, der Grafen Auerswald, Thun, Rostiz und Anderer schmücken. Eine große Auswahl anderer gelangte durch den Ankauf in Kunstvereinen und durch Bestellung in die Hände von Privaten und wurde so über ganz Europa zerstreut. Im Jahre 1846 nahm ihn die Akademie der bildenden Künste zu München in die Zahl ihrer Ehrenmitglieder auf und im Jahre 1852 zeichnete ihn König Maximilian durch die Verleihung des bayerischen Civilverdienstordens vom heil. Michael erster Classe aus.
Heinlein’s künstlerische Kraft hat im Laufe der Jahre nicht abgenommen. Als die internationale Kunstausstellung von 1869 im Glaspalaste zu München bedeutende Werke aus der ganzen civilisirten Welt versammelt sah, da gehörten Heinlein’s groß und energisch gedachten, tief poetisch empfundenen Bilder mit zu den Arbeiten, vor welchen wirkliche Kenner am liebsten verweilten und Niemand trug Verlangen nach einer anderen Technik als der gediegenen und markigen, welche der wackere Künstler vor vielen Jahrzehnten sich angeeignet hatte.
Carl Albert Regnet: Münchener Künstlerbilder. Ein Beitrag zur Geschichte der Münchener Kunstschule in Biographien und Charakteristiken. Leipzig, 1871.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Heinlein Heinrich, 1803 (Weilburg a. d. Lahn/Kreis Wiesbaden) – 1885, Landschaftsmaler; nach Besuch der Münchner Kunstakademie trat H. schon 1825 mit zwei großen Tiroler Ansichten auf, die sein ungewöhnliches Talent und seine Richtung darlegten und ihn zum Ehrenmitglied der Akademien München und Wien machten; er liebte düstere Waldschluchten, Gletscher in geisterhaft wirkendem Licht; auf der internationalen Ausstellung in Wien brachte er zwei Motive aus dem oberen Lechtal und aus Ampezzo; H., der sich ursprünglich im Baufach betätigte, gilt als Landschaftsmaler im strengen romantischen Sinn.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#15 – 1 – 19 (Pranger)
GEORG PRANGER
1745 – 1820
“PRANGERL”
MUSIKER UND
VOLKSTÜMLICHER
KURFÜRSTLICHER
HOFNARR
Anmerkung: Bei der restaurierten Grabinschrift fehlen die Anführungszeichen
- Pranger, Georg / Prangerl (ps); 1745 – 4.12.1820 (München); Hofnarr und Musiker



#Georg Pranger / Prangerl (ps)
* 1745
† 4.12.1820 (München)
Hofnarr und Musiker (Violine)
#Münchener Hundert und Eins (1840)
Ramlo, Finessensepperl und Prangerl dauern im Andenken der Hauptstadt fort.
[...]
Diese zierlichen Exemplare von Menschen, wie Ramlo einer der Letzten war, sind in München ausgestorben; ebenso die Hofnarren wie Prangerl. Mit dem Churfürstenthum in Bayern wurde auch ihre Herrschaft begraben. Prangerl war der Lustigmacher des Hofes. Sein Witz war zottig, schonungslos. Die »gute Stadt München« hatte ein ganz anderes Gepräge, als die »Königliche Haupt- und Residenzstadt.« Zu jener Zeit, da Prangerl lebte, konnte man noch satyrisch seyn. Prangerl war kein Zwerg, aber auch weit von einem Riesen; auch er ging immer mit einem Stock in der Hand, den mancher Gassenjunge zu fühlen bekam. Die derben Anekdoten, die von ihm noch in der Ueberlieferung des Münchener Volkes leben, haben den Geist Till Eulenspiegels, und Prangerl, so wie seines Gebieters Churfürstliche »Durchleucht« konnte herzlich lachen, wenn er Jemanden geprellt hatte. Raimund hat ein bekanntes Stück geschrieben: »die Insel der Wahrheit«; Hofnarren können wahrlich: Oasen der Wahrheit genannt werden. Auch Prangerl hatte diesen Vorzug; doch die Freiheit, die in diesem gnädigen Vorrechte lag, gedieh bei ihm einigemal bis zur Unverschämtheit, der Ungnade folgte.
Sebastian Franz von Daxenberger: Münchener Hundert und Eins. München, 1840.
#Münchener Tages-Anzeiger (6.2.1860)
Versteigerungen.
Heute Montag Vorm. von 9–12 U. u. Nchm. von 2¼–6 U., werden Frühlingsstraße Nr. 4/3 aus dem Rücklasse der Frau Prangerl, Hofmusikuswittwe, Kanapee, Sessel, Kommoden, Kleiderschränke, Speisetische mit Einlage, Wasch-, runde und andere Tische mit Aufsatzkästl, Nachtkästl, Spiegel, Tafeln, ein sehr gelungenes Portrait des verstorbenen Herrn Prangerl sel., Schulbänke und große Tische, eine Schreibtafel, Betten, Bettladen, Koffer, eine Stockuhr, Fußteppich, verschiedene Kücheneinrichtung, Waschgeschirr etc. versteigert.
Münchener Tages-Anzeiger No. 37. Montag, 6. Februar 1860.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Pranger Georg, gen. »Prangerl«, 1745 (?) – 1820, Musiker und kurfürstlicher Hofnarr; P., von Beruf Musiker, war Lustigmacher des. kurfürstlichen Hofes, sein Witz war zotig und schonungslos; er war kein Zwerg, aber auch bei weitem kein Riese, ging immer mit einem Stock in der Hand, den Münchner Gassenbuben zu fühlen bekamen, die derben Anekdoten, die von ihm noch in der Überlieferung alter Münchner leben, haben den Geist Till Eulenspiegels und P. sowie seines Gebieters (Karl Theodor) kurfürstliche Durchlaucht konnten herzlich lachen, wenn er jemanden geprellt hatte; P. könnte eine Oase der Wahrheit genannt werden, doch die Freiheit in diesem gnädigen Vorrecht gedieh bei ihm einige Male bis zur Unbeherrschtheit, der Ungnade folgte; mit dem Kurfürstentum Bayern wurde auch Ps. Herrschaft begraben; von seiner Lebensgeschichte ist nur wenig überliefert.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#15 – 1 – 20·21 (Merk)
Hier ruhen in Gott
die beste Gattin und Mutter
Frau Anna Merk
geb. Ostermaier, Kaufmannsgattin,
geb. 11. Mai 1848, gest. 28. August 1879.
Ihr folgte der treue Gatte unser lieber Vater
Herr Albert Merk
Kaufmann,
geb. 7. August 1841, gest. 30. November 1884.
- Merk, Albert; 7.8.1841 – 30.11.1884; Kaufmann
- Merk, Anna (vh) / Ostermaier (gb); 11.5.1848 – 28.8.1879; Kaufmanns-Gattin


#15 – 1 – 22·23 (Lippl)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Lippl, Auguste (vw) / Puchpeckh, von (gb); – 8.1.1872 (München), 62 Jahre alt; Medizinalrats-Witwe
- Lippl, Ernest, Dr. med.; – 8.11.1844 (München), 31 Jahre alt; Praktischer Arzt und Militärarzt
- Lippl, Oskar, Dr. med. von; 4.3.1840 – 30.7.1901 (Schliersee); Regierungsdirektor a. D. der Generaldirektion der k. b. Staatseisenbahnen

#Dr. med. Ernest Lippl
† 8.11.1844 (München), 31 Jahre alt
Praktischer Arzt und Militärarzt
#Der Bayerische Eilbote (15.11.1844)
Nachruf
an unsern unvergeßlichen Freund Dr. Ernest Lippl, Militär- und practischen Arzt in München,
Gestorben in der Nacht vom 7. auf den 8. November.
Im Spätjahr hüllt die Mutter-Erde
Die schönsten Blumen sorgsam ein,
Damit der Keim gestärket werde,
Um neu zu blüh'n im Frühlingsschein.
Ein tücht'ger Arzt, der mit dem höhren Wissen
Und Forschen auch das beste Herz vereint,
Ein braver Sohn, ein hochgeliebter Bruder
Und seiner Freunde treubewährter Freund;
So standest Du im Mittag Deines Lebens
Des Vaters Stolz, der Mutter Freude da!
Und Achtung, Anerkennung Deines Strebens
Ward Dir von Jedem, der Dein Wirken sah.
Da rief Dich Gott! – Als Christ trugst Du die Schmerzen,
Auf ihn vertrauend gingst Du ein zur Ruh;
Im Schlummer nahm ein Engel Deine Seele
Und trug sie aufwärts ihrer Heimat zu.
Uns bleibt der Schmerz, – und die getäuschte Höffnung
Schlägt ihre Krallen in die wunde Brust;
Und weinend steh'n wir um die kalte Hülle –
Jetzt unser tiefes Weh! – Einst unsre Lust.
Doch nur die Hülle wird im Grabe modern,
Sein Geist ist längst in jener Region,
Wo unsre Seelen, wenn Sie abgeschieden,
Ihn wiederfinden einst vor Gottes Thron.
Laßt darum, wer ihn liebte, laßt die Thränen!
Hebt Euren Blick empor zum Sternenzelt!
Denn unsres Innern ernstes, heil'ges Sehnen
Gehört dem Jenseits nur – nicht dieser Welt.
Des Menschen Geist ruft das Gesetz nach Oben,
Den Leib zieht es zur Erde sanft hinab.
So legen wir gefaßt, auf Wiedersehen,
Die Blume der Erinn'rung auf sein Grab.
F. S.
Der Bayerische Eilbote No. 137. München; Freitag, den 15.11.1844.

#15 – 1 – 35* (Debolego)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Debolego, Konstantego
Das Grab ist nicht erhalten

#15 – 1 – 41 (Ohm)
GEORG
SIMON
OHM
- Ohm, Georg Simon, Dr.; 16.3.1789 (Erlangen) – 6.7.1854 (München); Physiker



#Dr. Georg Simon Ohm
* 16.3.1789 (Erlangen)
† 6.7.1854 (München)
Physiker
#Allgemeine Deutsche Biographie (1887)
Ohm: Georg Simon O., 1789–1854, stammt aus einer alten Bürgerfamilie, die, soweit ihre Erinnerung zurückreichte, von Vater zu Sohn das Schlossergewerbe vererbte. Sein Urgroßvater Wilhelm O. war Schlossermeister zu Westerholt bei Münster in Westfalen, sein Großvater Johann Vicentius kam als wandernder Schlossergeselle nach Franken, machte sich zunächst in Kadolzburg ansässig und erlangte 1764 infolge seiner Ernennung zum Universitätsschlosser das Bürgerrecht in Erlangen. Er hatte zwei Söhne, welche beide das Handwerk des Vaters erlernten, von denen jedoch der jüngere frühzeitig starb; der ältere, Johann Wolfgang, trat 1776 als Geselle die Wanderschaft an, arbeitete in den größten Städten Deutschlands und kehrte erst nach zehnjährigem Aufenthalte in der Fremde in seine Vaterstadt zurück. Hier erlangte er 1785 das Meisterrecht und verheirathete sich zu Anfang des folgenden Jahrs mit einer geborenen Beck. Erstes Kind dieser Ehe war unser Georg Simon O., geb. am 16. März 1789; ein zweiter Sohn, der im J. 1872 zu Berlin als Mathematikprofessor verstorbene Martin O., folgte drei Jahre später.
Meister Johann Wolfgang O. hatte erst nach der Rückkehr von seiner Wanderschaft in den vierziger Lebensjahren, als körperliche Leiden ihm die volle Ausübung seines anstrengenden Geschäfts erschwerten, sich nebenbei zum Studium gewendet und in Mathematik wie in Kant'scher Philosophie gründliche Umschau gehalten. Wäre es auch nicht durch das Zeugniß des 1804 von Erlangen nach Heidelberg berufenen Mathematikprofessors und Hofraths K. Ch. Langsdorff beglaubigt, die noch vorhandenen Auszüge und Uebungen würden bestätigen, wie weit die mathematischen Kenntnisse des Vaters O. über die Elemente hinausreichten. Er war also wohl im Stande, seinen beiden das Erlanger Gymnasium besuchenden Söhnen den mathematischen Unterricht selbst zu ertheilen und in den jugendlichen Köpfen den Drang zur Klarheit des Lichts wachzurufen, der ihn selbst noch in späteren Jahren zum Studium getrieben hatte. Den Unterrichtserfolg bestätigt das bereits erwähnte Zeugniß Langsdorff's, der nach fünfstündiger strenger Prüfung des fünfzehnjährigen Georg die Hoffnung aussprach, es werde ein neues Bernoulli-Brüderpaar aus der Familie des Schlossermeisters erstehen.
Eine so schmeichelhafte Aeußerung bewog den Vater, seine beiden Söhne für die Universität vorbereiten zu lassen, jedoch unter der fürsorglichen Bedingung, daß zur leichteren Beschaffung des Familienunterhalts und für ihre eigene Deckung im Falle der Noth beide das Schlosserhandwerk bei ihm fortbetreiben müßten. Ein Jahr noch besuchte Georg O. als Primaner das Gymnasium seiner Vaterstadt, das ihn an Ostern 1805 als reif zur Universität entließ. Am 3. Mai des nämlichen Jahres erhielt er die große Matrikel der philosophischen Facultät zu Erlangen, da er sich für Mathematik, Physik und Philosophie entschieden hatte. »Die hohe Liebe zu diesen Lehren, schreibt er bei einer späteren Gelegenheit, und die durch immer weiteres Vordringen in denselben erlangte Ueberzeugung von ihrem wichtigen Einflusse auf absolute Menschenbildung, so wie die leise Ahnung einer höheren Stimme waren Ursache, daß ich mich ausschließend ihrer Ausbreitung und Erweiterung widmete.« Er konnte jedoch die Universitätsstudien wegen Mangels an Mitteln nur auf drei Semester erstrecken. Der Ruf eines flotten Tänzers, ausgezeichneten Billardspielers und unübertrefflichen Schlittschuhläufers gehörte nicht zu den Vorzügen, die des Vaters Wohlgefallen erregten; es kam daher beiden sehr erwünscht, als Georg Simon Ende September 1806 durch Vermittlung des Buchhändlers Walther eine Lehrstelle für Mathematik am Erziehungsinstitute des Pfarrers Zehnder zu Gottstadt im Kanton Bern erhielt. Kurz, nachdem er diese Stelle angetreten, schrieb der Institutsvorstand an Walther: er habe beim ersten Anblicke des achtzehnjährigen kleinen und schmächtigen Jünglings nicht glauben können, daß dieser der empfohlene Lehrer sei, aber sich bald von dessen Tüchtigkeit und Brauchbarkeit überzeugt.
Als O. nach dritthalb Jahren Gottstadt verließ, um in Neuenburg unabhängig von einem Institut oder einer Herrschaft privatim Mathematik zu lehren und weiter zu studiren, namentlich aber französische Conversation zu pflegen, wurden ihm von verschiedenen sehr achtungswerthen Seiten her Anerbietungen gemacht, als Lehrer einzutreten, er wies sie aber alle zurück. Erst an Ostern 1811 kehrte er nach Erlangen zurück, um an der Universität, die ihn am 25. October desselben Jahres zum Doctor der Philosophie promovirt hatte, als Privatdocent aufzutreten. Er las jedoch nur drei Semester hindurch mit vielem Beifall über Mathematik, weil seine ökonomischen Verhältnisse ihn zwangen, im Januar 1813 eine Lehrstelle an der königlichen Realstudienanstalt in Bamberg anzunehmen, nachdem er vergeblich um die durch Schweigger's Tod am Bayreuther Gymnasium erledigte Mathematikprofessur nachgesucht hatte.
Das Erwachen des nationalen Geistes gegen die Napoleonische Zwingherrschaft, nachdem des Korsen Glück zum ersten Mal auf Rußlands Schneefeldern sich von ihm gewendet, ließ unseren kerndeutschen O. nicht unberührt: Der Aufruf, der im Norden erging, wirkte mächtig auf sein braves Herz, aber die Rücksicht auf den bejahrten Vater, dessen Stütze mit dem Soldaten fiel, vielleicht auch die Ueberlegung, daß Thaten auf einem anderen Felde als dem der Ehre, nicht nur dem Vaterlande sondern der ganzen Menschheit zu gute kommen, vermochten es über ihn, daß er vorläufig an der Realschule blieb. Freilich bewog ihn die dort herrschende mechanische Drillung bei Schülern, die anderwärts nicht fortgekommen waren, schon am 16. August 1814 um Aenderung seines Dienstverhältnisses in Bamberg zu bitten. Statt Gewährung erhielt er drei Monate später, »in Erwägung, daß eine Realschule einem Progymnasium als der wichtigsten Vorbereitungsschule bei weitem nachsteht«, den Auftrag, an dem Bamberger Progymnasium so lange lateinischen Unterricht zu ertheilen, bis der eigentliche Lehrer eintreten werde. Als ihm vollends mittelst Ministerialentschließung vom 17. Februar 1816, welche die Realstudienanstalt zu Bamberg aufhob, gegen den Fortbezug seines Reallehrergehalts der Unterricht in einer Abtheilung der dortigen Oberprimärschule übertragen wurde – da machte er in einer an die Studiensection des königlichen Ministeriums des Innern eingesandten Vorstellung seinem gepreßten Herzen Luft und sprach, seinen Bildungsgang darlegend, mit aller Entschiedenheit aus, daß die in Bamberg ihm gestellten Lehraufgaben seinen Kenntnissen und Neigungen geradezu widerstritten. »Der vorzüglichste Beweggrund, heißt es darin, warum ich zu dem Berufe eines Lehrers mich hinneigte, war die Aussicht auf eine freie, nicht durch Erstickung aller Individualität geschwächte Ausbildung und Ausübung meiner Kräfte. Das letztere konnte leider bisher noch nicht geschehen, und nun soll ich vollends aus einer Wirkungssphäre herausgerissen werden, in der ich mit Besonnenheit und Absicht auf einen erkannten Gegenstand loszusteuern fähig bin und in ein meiner innersten Natur widerstrebendes Element, worin ich nur zagend und zweckwidrig mich bewegen würde, versetzt bleiben?« Mit seiner Vorstellung erreichte jedoch O. nichts weiter als die beruhigende Versicherung, er werde sobald als möglich wieder im Lehrfache der Mathematik angestellt werden.
Unterdessen war er eifrig mit der Ausarbeitung seines Erstlingswerkes beschäftigt: »Grundlinien zu einer zweckmäßigen Behandlung der Geometrie als höheren Bildungsmittels«. Diese im Frühjahre 1817 bei Enke in Erlangen erschienene, fünfzehn Druckbogen starke und nur mit hundert Freiexemplaren norirte Schrift ist schon durch die Vorrede bedeutend, welche einen tiefen Blick in Geist und Gemüth ihres Verfassers thun läßt. Am Schlusse derselben gibt er nehmlich eine kurze Charakteristik seines Vaters, nicht, wie es heißt, um dessen Person eitlen Weihrauch zu streuen oder in dem Wahne, ihm durch öffentliche Anerkennung einen Theil der unermeßlichen Schuld für die dem Glücke des Sohnes alle Annehmlichkeiten des Lebens opfernde Vaterliebe abtragen zu können, sondern um den überwiegenden Einfluß dieses Vaters auf die Eigenthümlichkeit der wissenschaftlichen Bildung des Sohnes anzudeuten und alles Verdienstliche des eben ins Leben tretenden Buchs den wirkungsvollen väterlichen Unterweisungen und Rathschlägen zuzuschreiben.
Verdient hier die Dankbarkeit und Bescheidenheit des Sohnes unsere Anerkennung, so erfüllen uns die an anderen Stellen der Vorrede dargelegten Anschauungen über höhere Geistesbildung und ihre Vermittlung mit Hochachtung für den tiefblickenden Geometer. Er sieht den letzten Zweck aller höheren Geistesbildung darin, die Verstandeskräfte des Menschen durch alle Zwischenstufen ihrer Entwicklung bis auf den Punkt der Reife zu bringen, von wo aus sie fähig sind, durch Zerlegung und Verbindung erhaltener Begriffe Vernunfterkenntnisse in und durch sich selbst nach Absicht und mit Bestimmtheit hervorzubringen. Wessen Denkkraft bis auf diese Höhe gekommen sei, in dessen Innerem habe sich eine neue Welt gestaltet, die mit der Außenwelt in beständiger Wechselwirkung steht, um eine vollendete Harmonie zwischen innerer und äußerer Natur herzustellen. Um aber im Kampfe nach diesem Ziele der erforderlichen Kraft und des glücklichen Erfolgs sicher zu sein, müsse vor Allem die eigenthümliche Wirkungsweise eines jeden Unterrichtsmittels auf das Denkvermögen, sowie die nothwendige Verbindung aller Lehrzweige unter einander zu einem geschlossenen Systeme der Unterrichtskunst dargethan und gewissenhaft beobachtet werden. So lange bei dem Unterrichte noch das Wort des Wortes willen, der Stoff des Stoffes halber gegeben werde, gehe die rohe Masse todt in das zarte Gemüth und ersticke dort, statt zu beleben, den Keim des höheren Seins.
Unter den Bildungsmitteln verdiene die rationelle Geometrie eine ehrenvolle Stelle: ihr rein geistiger und doch mit der Sinnlichkeit so nahe verwandter Gegenstand erleichtere den Uebergang vom Anschauen zum Denken, und ihr höchst einfacher und doch so vernunftgemäßer Bau eigne sie im hohen Grade zur Leitung des Menschen aus dem Gebiete des imitativen Verstehens in das des productiven Forschens. Die Geometrie, fährt O. fort, nachdem er das gewöhnliche fruchtlose Verfahren sie zu lehren gezeichnet hat, die Geometrie muß, wenn sie sich den Vorrang vor anderen Zweigen des Unterrichts sichern will, den Damm, welcher das blose Begreifen vom eigenen Forschen unterscheidet, durchbrechen: sie muß den Menschen, dessen Denken bisher nur der Widerhall eines Gedachten war, zwingen, mit der in seinem Inneren lodernden Flamme alle von dieser erreichbaren Gegenstände schlechthin durch sich selbst zu läutern und zu beleuchten. Die zwar immer in gleicher Weise wirkende Denkkraft muß ihre Selbständigkeit und Unabhängigkeit kennen gelernt haben, wenn sie sich nicht zaghaft hinter die Bollwerke des Gedächtnisses zurückziehen soll; ihre schöpferische Kraft muß sich entwickelt haben, damit sie nicht knechtisch von den Vorurtheilen einer geistigen Despotie sich beherrschen lasse; sie muß sich ihrer unüberwindlichen Stärke bewußt geworden sein, um nicht kleinmüthig bei einem unerwarteten Widerstande die Flucht zu ergreifen.
Es ist die heuristische Methode, die O. in seinem Buche lehrt und die er sowohl beim Unterrichte als beim wissenschaftlichen Forschen sein ganzes Leben hindurch festgehalten hat. Wer es nicht, wie der Verfasser dieser Biographie, aus dem Munde des Lehrers erfuhr, kann heutzutage noch an allen Ohm'schen Schriften sein sorgfältiges Bestreben erkennen, den strengen Zusammenhang aller Glieder seiner Schlußfolgerungen mit geometrischer Genauigkeit herzustellen.
Die Urtheile der Presse über Ohm's Grundlinien der Geometrie lauteten nicht alle anerkennend, und sehr begreiflicher Weise, da sich nur wenige Kritiker auf den idealen Standpunkt des Verfassers zu stellen vermochten, der strengster mathematischer Schlußfolgerung genügen und den Geist nach Formen, wie sie ein consequentes System fordert, in der Selbstthätigkeit üben wollte. Gleichwohl trug die Schrift, welche auch der König von Preußen Friedrich Wilhelm III. mit Wohlgefallen entgegennahm, viel dazu bei, daß O. unter dem 11. September 1817 vom königlichen Consistorium zu Köln a. Rh. einen ebenso ehrenvollen als vortheilhaften Ruf als Oberlehrer der Mathematik und Physik an das dortige Gymnasium erhielt, den er auch ohne Weiteres annahm.
Im November jenes Jahres trat O. seine neue Stellung an, die ihm vorderhand einen entsprechenden Wirkungskreis gewährte. Neun Jahre lang konnte er nun die Grundsätze, die ihm so sehr am Herzen lagen, zur Ausführung bringen, und seine eigenthümliche erfolgreiche Lehrweise erlangte bald um so größere Anerkennung, je tiefer das mathematische Studium am Kölner Gymnasium bis dahin gestanden hatte. Denn von nun an gingen, im Gegensatze zu früher, nicht nur fast alle Preisbewerber und Preisträger der mathematisch-physikalischen Aufgaben der philosophischen Facultät zu Bonn, sondern auch die tüchtigsten Lehramtscandidaten für Mathematik und Physik aus dem Ohm'schen Unterrichte hervor. Zu seinen besten Schülern aus jener Zeit gehörten der gefeierte Mathematiker Lejeune-Dirichlet, (s. A. D. B. VIII, 251), welcher in Berlin mit Jacobi und Steiner und in Göttingen als Gauß' Nachfolger lehrte, und der verdienstvolle Astronom Heis, dem eine bescheidenere Stellung an der Akademie in Münster zufiel. Aber nicht blos diejenigen Schüler, welche sich später dem Studium der exacten Wissenschaften zuwandten, hingen mit größter Verehrung an ihrem Lehrer O., die gleiche Anhänglichkeit theilten auch jene, die sich nicht sonderlich von Mathematik erwärmt fühlten. So spricht sich der bekannte Publicist Jacob Venedey, ein geborener Kölner, bei Uebersendung seiner in der Verbannung verfaßten Schrift »Der Dom zu Köln« in einem aus Havre de Grace vom 28. September 1842 datirten Briefe in folgender Weise aus: »Es wird Sie vielleicht wundern, geehrter Herr, wenn ein Schüler, der so wenig von Ihnen und ihren Collegen gelernt hat, daß er jetzt durch Schreiben sein Brod verdienen muß, das lebendigste Andenken an Sie aufbewahrt hat. Die Mathematik ist daran nicht Schuld, denn von der ist mir nur eine dunkle Ahnung geblieben; aber die Person meines Lehrers, seine Art und Weise, sein frisches gesundes Wesen steht mir lebendig vor der Seele, und es gehen selten Wochen, nie Monate vorüber, ohne daß ich an Sie denken muß. Es ist das kein Compliment, denn ich kenne Sie hinlänglich, um zu wissen, daß ein solches Ihrer unwürdig wäre, und bin leider meinerseits auch gerade nicht zu dergleichen geboren. Ich habe oft gewünscht Ihnen einmal zu begegnen und habe hundertmal geglaubt Sie zu sehen, wenn in der Ferne ein Mann auch nur einige Aehnlichkeit mit Ihnen hatte. Sie haben mir etwas angethan: soviel ist gewiß, daß ich nur mit der höchsten Verehrung, fast mit Liebe an Sie denke, und daß es ein glücklicher Tag für mich sein würde, an dem ich Ihnen eine frohe Stunde zu bereiten im Stande wäre«.
So eifrig O. seinem Unterrichte in den beiden oberen Classen des Gymnasiums oblag – nie verlor er das höhere Ziel aus den Augen, das Grübeln und Forschen, wozu ihn sein Genius trieb. Seine Wahl schwankte lange Zeit zwischen Mathematik und Physik, aber die Erfahrung, »daß dort die Autorität manchmal ein gar arges wunderliches Spiel zu treiben pflegt«, hieß ihn zur Physik greifen, die ja ohnehin der Mathematik nicht entbehren kann. Er wollte nach dem Vorworte seines Hauptwerks zu seiner Proberolle ein Stück wählen, wobei Concurrenz am wenigsten zu scheuen wäre, und fand es an den räthselhaften Erscheinungen des galvanischen Stroms.
So entstanden zunächst auf der Grundlage experimenteller Untersuchungen mit dem physikalischen Apparate des Kölner Gymnasiums, den er vermöge seiner von Jugend auf erworbenen mechanischen Fertigkeit geschickt zu behandeln und nach Bedürfnis zu ändern verstand, jene Mittheilungen über die Natur des elektrischen Stroms, welche er zeitweise in dem Jahrbuch für Chemie und Physik von Schweigger veröffentlichte und nach ihrem Hauptinhalt in dem zweiten Hefte des Jahrgangs 1826 zusammenfaßte. Erst nach dem Abschlusse dieser rein experimentellen Arbeiten ging O. daran, das Gebiet der Elektricität, der Wärme und des Lichts in der mathematischen Richtung zu durchstreifen, um etwa zu ergänzen, was in der Physik der Imponderabilien den Bemühungen eines Laplace, Fourier, Poisson, Fresnel und andrer Forscher noch entgangen sein mochte, und so auf einem Gebiete festen Fuß zu fassen, das bisher die Franzosen als ihre Domäne anzusehen gewohnt waren. Dem ersten deutschen Analysten, welcher mit seinem Instrumente die wunderbaren Aeußerungen der Elektricität prüfte, unserem O. ist es gelungen, den bereits durch Versuch von ihm aufgefundenen Gesetzen der galvanischen Erscheinungen eine auf die einfachsten und bekanntesten Thatsachen gestützte mathematische Theorie hinzuzufügen und damit einen tieferen Einblick in die Natur des Galvanismus zu gewinnen. Er durfte sich schmeicheln eine ähnliche Theorie auch für das Licht schaffen zu können, obwohl sie ihm viel schwieriger erschien, weil hierzu noch der Ausbau einiger an den Grenzen der Wissenschaft gelegenen Zweige der Mathematik erforderlich war.
Zur Vollendung der einen und zur Weiterführung der anderen Theorie bedurfte O. nicht blos größerer Muße als sie sein Amt verlieh, sondern auch umfassenderer litterarischer Hilfsmittel als er in der Gymnasialbibliothek fand. Er suchte daher am 1. April 1826 um einen über das ganze Schuljahr 1826/27 sich erstreckenden Urlaub nach, unter dem Hinweis auf die bereits erwähnten gedruckten Mittheilungen und auf eine im Manuscript beigelegte für Poggendorff's Annalen der Physik und Chemie bestimmte Abhandlung über die Theorie der galvanischen Kräfte. Nachdem das Provinzialschulcollegium über die Zulässigkeit des Ohm'schen Verlangens vom pädagogischen Standpunkte aus und der Akademiker Professor Paul Ermann zu Berlin, der trotz der damals zügellos herrschenden naturphilosophischen Speculation einer rationellen Forschung ihr Recht wahrte, über den wissenschaftlichen Werth der vorgelegten Abhandlung einvernommen worden – bewilligte das Ministerium der geistlichen und Unterrichtsangelegenheiten am 10. August 1826 den nachgesuchten einjährigen Urlaub in einer den Bittsteller ehrenden und zum Danke verpflichtenden Weise; denn es wurde ihm »zur Förderung seiner wissenschaftlichen Bestrebungen« der halbe Jahresgehalt belassen und im Falle des Bedarfs ein weiterer Zuschuß aus Staatsmitteln in Aussicht gestellt.
Schon im Mai 1827 erschien Ohm's mathematische Bearbeitung der galvanischen Kette, eine wissenschaftliche Leistung ersten Ranges, welche die Mannigfaltigkeit der durch Berührung zweier oder mehrerer verschiedenartiger Körper entstehenden galvanischen Erscheinungen unter einem einheitlichen Gesichtspunkt zusammenfaßte, indem sie zunächst für die Fälle, wo die erregte Elektricität blos nach einer Dimension sich bewegt, die von O. bereits empirisch gefundenen Gesetze aus der feststehenden Thatsache der elektrischen Spannung zwischen verschiedenartigen sich berührenden Körpern und aus einer nach sorgsamster Prüfung mit Hilfe der Rechnung begründeten Ansicht über die Fortpflanzung der Elektricität in solchen Körpern herleitete. Gleichwohl fand bei ihrem Erscheinen die später so epochemachende Arbeit weder bei den maßgebenden Gelehrten des Tages noch bei der höchsten wissenschaftlichen Behörde die verdiente Beachtung. Man kann nicht sagen, daß sie überhaupt nicht beachtet worden sei, im Gegentheile, sie wurde nach kurzer Zeit von Fechner in Leipzig, von Pfaff in Erlangen und von Poggendorff in Berlin in ihrer vollen Tragweite gewürdigt; auch Kämtz in Halle brachte in der Allgemeinen Litteraturzeitung eine Beurtheilung, zwar ohne allen Tadel, aber zurückhaltender als es deutsche Gelehrte sonst zu sein pflegen. Nur in den Berliner Jahrbüchern für wissenschaftliche Kritik äußerte sich Professor Pohl ohne jede Einschränkung wegwerfend.
Vermochten auch die heftigen Tadelsworte des den Philosophen Hegel verherrlichenden Blattes im mathematisch gebildeten Publikum eben so wenig einzuschlagen als Salmoneusische Theaterblitze, so läßt sich doch kaum bezweifeln, daß eine solche Kritik und das bedenkliche Schweigen der Berliner Akademiker auf den mit Hegel eng befreundeten Cultusminister Freiherrn v. Altenstein und seinen bei der Gründung und Herausgabe der fraglichen Jahrbücher betheiligten Referenten in Schulsachen, den Geheimrath Johannes Schulze, ungünstig einwirkten. Von dem Gutachten dieses einflußreichen Hegelianers hing es ab, ob Ohm's sehnlicher Wunsch, gelegentlich in die akademische Laufbahn überzutreten, erfüllt werden sollte oder nicht; auf Gewogenheit aber konnte der Bewerber trotz aller gerechten Ansprüche nur zählen, wenn er sich mit Leib und Seele zur neuen Philosophie bekannte, an welche O. am allerwenigsten glauben mochte, da sie nicht einmal Newton's Principia mathematica gelten ließ, die freilich ein langsameres Aufbauen vorschrieben als die luftigen Pläne der jungen Naturphilosophen.
Bald nach dem Erscheinen der galvanischen Kette und der Pohl'schen Kritik kam es auf Ohm's Veranlassung zu einer Unterredung zwischen ihm und dem Ministerialreferenten, welche unmittelbar zum Bruche führte und O. bestimmte, sofort mündlich und bald darauf schriftlich zu erklären, daß ihm unter solchen Verhältnissen nur übrig bleibe, seine Stellung in Köln aufzugeben und um seine Entlassung zu bitten. Weder eine vermittelnde Zuschrift des Ministers v. Altenstein aus Kissingen vom 17. August 1827, noch eine die Rückkehr nach Köln bei Strafe der Entlassung fordernde Ministerialentschließung vom 3. März 1828, auch nicht eine Abordnung von Gymnasialschülern, welche ihren verehrten Lehrer dringend um Wiederaufnahme seines Unterrichts bat, konnte den wenig weltläufigen aber willensfesten Mann bewegen, sein einmal ausgesprochenes Wort zurückzunehmen.
Durch Verfügung des Staatsministers vom 29. März 1828 erfolgte die erbetene Entlassung mit dem Ausdrucke der ganz besonderen Zufriedenheit über den Fleiß, die Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit, womit O. seinen Obliegenheiten in der Stellung eines Oberlehrers auf eine ausgezeichnete Weise genügt habe, und mit dem Bedauern, daß das Ministerium, trotz der aufrichtigen Achtung, welche es für Ohm's wissenschaftliches Streben hege, außer Stande sei, ihm einen anderweitigen Wirkungskreis außerhalb des Gymnasiallehrfachs anzuweisen.
Mißmuthig über das Fehlschlagen aller Hoffnungen, mit denen er vor Jahresfrist nach Berlin gekommen war, und nur auf einen jährlichen Bezug von 300 Thalern angewiesen, welchen er auf Vermittlung das Generals v. Radowitz für drei Wochenstunden mathematischen Unterrichts an der Allgemeinen Kriegsschule zu Berlin bezog, trat O. in das Privatleben zurück, um sechs Jahre (1827 bis 1833) des kräftigsten Mannesalters für sich und die Wissenschaft fast zu verlieren. Seine gedrückte Lage hob ein Decret Königs Ludwig I. von Baiern vom 3. Juli 1833, welches ihn zum Professor der Physik, nicht wie er gewünscht und gehofft hatte, für die polytechnische Schule in München, sondern für die in Nürnberg ernannte, welche auf Grund allerhöchster Verordnung vom 16. Februar 1833 als königliches Institut mit dem Range eines humanistischen Lyceums ins Leben getreten war. Anderthalb Jahre später, nach der Berufung v. Staudt's an die Universität Erlangen, wurde ihm auch der Lehrstuhl der höheren Mathematik zugleich mit dem Inspectorat des wissenschaftlichen Unterrichts und 1839, als Johannes Scharrer von der Leitung der technischen Lehranstalten zurücktrat, das Rectorat der polytechnischen Schule zu Nürnberg übertragen, das er zehn Jahre lang mit größter Gewissenhaftigkeit und Treue verwaltete.
Sein Hauptverdienst um diese technische Bildungsanstalt bestand jedoch weniger in der Verwaltung, so sehr sie auch den Schulorganismus frisch zu beleben und kräftig zu erhalten wußte: im Gedächtnisse seiner Schüler lebt O. nur als unübertroffener Lehrer fort, weil von seinem Geiste jeder eine innerliche Wirkung spürte. Vorträge allein hätten diesen Erfolg nicht zuwege gebracht: Ohm's ganz eigenthümliche Lehrweise bestand in dem ununterbrochenen lebendigen Verkehr mit den Schülern; Prüfungen und Uebungen an der Tafel nahmen stets die erste Hälfte jeder Doppelstunde des Unterrichts in Anspruch, und die andere Hälfte allein wurde auf die Fortsetzung der Vorträge verwendet. Nur so konnte O. auf jeden einzelnen Schüler nach dessen Begabung einwirken und künftigen Lehrern ein Muster ihres Standes werden.
Mit dem der Jugend eigenen feinen Gefühle unterschieden auch die Zöglinge in Nürnberg so gut wie in Köln und an der Kriegsschule zu Berlin den wahren Priester der Wissenschaft von dem Vulgarisator, der nur die Frucht fremder geistiger Arbeit zugänglich und mundgerecht macht. Wer praktische Beweise für die Vorzüglichkeit der Ohm'schen Methode haben wollte, fände sie nicht blos in den Protokollen der königlichen Commissionen, welche die an den drei polytechnischen Schulen des Landes von 1835 bis 1850 vorgebildeten Ingenieur- und Lehramtscandidaten der Mathematik und Physik zu prüfen hatten, sondern auch in den Leistungen der Ingenieure aus jener Zeit beim Bau und Betrieb der Staatseisenbahnen und anderen Unternehmungen, sowie in dem Unterrichtserfolg an solchen technischen Schulen, denen Schüler Ohm's als Lehrer beschieden waren.
Während Ohm's Thätigkeit fast ganz in der Schule aufging und nur gelegentlich auf Fortsetzung seiner wissenschaftlichen Forschungen sich erstrecken konnte, hielten sich mehrere namhafte Physiker, wie Poggendorff und namentlich Fechner in Deutschland, Jakobi und Lenz in Rußland, Henry in England, Rosensköld in Schweden und de Heer in Holland für verpflichtet, die Ohm'schen Untersuchungen über die Bewegung der Elektricität auf Grund ihrer eigenen Arbeiten als richtig anzuerkennen. Weniger aber diese Anerkennung als der Umstand, daß der französische Physiker und Akademiker Pouillet im J. 1837 (zehn Jahre nach dem durch O. vermittelten Empfang eines Exemplars der galvanischen Kette) zwei Abhandlungen über thermo- und hydroelektrische Ketten vorlegte, in denen ein Theil der Ohm'schen Theorie (sogar mit den dort eingeführten technischen Ausdrücken) enthalten war, veranlaßte betreffs der Contactelektricität eine allgemeine Bewegung unter den Physikern des In- und Auslandes, so daß Ohm's Werk in einer Uebersetzung auch zur Kenntniß der britischen Physiker kam.
Bei ihnen fand dasselbe sammt allen sich daranschließenden in den Jahren 1825 bis 1833 ausgeführten und veröffentlichten Ohm'schen Experimentaluntersuchungen bereitwillige volle Anerkennung, und die Royal Society sah sich veranlaßt, den Verfasser mit der goldenen Preismedaille zu ehren, welche Copley zur Belohnung der wichtigsten Entdeckungen im Gebiete exacter Forschung gestiftet hatte, eine Auszeichnung, die vor O. nur Einem deutschen Gelehrten, Karl Friedrich Gauß in Göttingen, zutheil geworden war. Ihren in der Jahressitzung vom 30. November 1841 vollzogenen Act hat die königliche Gesellschaft zu London in nicht minder ehrenvollen Worten begründet. »In den genannten Werken, heißt es nämlich in dem Sitzungsprotokolle, hat Dr. O. zuerst die Gesetze der elektrischen Kette aufgestellt, ein ebenso weittragend wichtiger als bisher in unsicheres Dunkel gehüllter Gegenstand. Er hat gezeigt, daß die gewöhnlichen verworrenen Unterscheidungen von Intensität und Quantität unbegründet und alle aus diesen Betrachtungen abgeleiteten Erklärungen gänzlich falsch sind. Er hat theoretisch und experimentell nachgewiesen, daß die Wirkung einer Kette gleich ist der Summe der elektromotorischen Kräfte getheilt durch die Summe der Widerstände, und daß, wenn dieser Quotient für irgend zwei Ströme, ob voltaischer oder thermoelektrischer, gleich ist, ihre Wirkung die gleiche bleibt. Er hat auch die Mittel angegeben, um die einzelnen Widerstände und elektromotorischen Kräfte in der Kette mit Genauigkeit zu bestimmen. Diese Untersuchungen haben auf die Theorie der strömenden Elektricität bedeutendes Licht geworfen, und obgleich Ohm's Arbeiten (von Fechner abgesehen), über zehn Jahre unbeachtet geblieben sind, so haben doch in den letzten fünf Jahren (1837 mit 1841) Gauß, Lenz, Jakobi, Poggendorff, Henry und viele andere ausgezeichnete Physiker den großen Werth seiner Untersuchungen und die Dankesschuld an den Führer bei ihren eigenen Forschungen anerkannt. Wäre das Werk von O. und sein Werth früher bekannt und erkannt worden, so hätte sich der Fleiß der Experimentatoren besser gelohnt. Die erfahrensten Galvaniker Englands haben für die Hilfe, welche sie aus dieser Quelle zogen, und für die Genauigkeit, mit welcher die beobachteten Erscheinungen beständig der Ohm'schen Theorie entsprechen, das kräftigste Zeugniß abgelegt.«
Als die Royal Society der Auszeichnung Ohm's durch Verleihung der Copleymedaille am 5. Mai 1842 auch noch die weitere beifügte, ihn wegen seiner »eminenten mathematischen und physikalischen Untersuchungen« einstimmig zu ihrem auswärtigen Mitgliede zu ernennen, da gingen die beiden der wissenschaftlichen Welt in der galvanischen Kette seit fünfzehn Jahren vorliegenden »Ohm'schen Gesetze«, namentlich das erste, in die Lehrbücher der Physik über und deutsche wie fremde Akademien beeilten sich, ihren Entdecker als Physiker ersten Ranges anzuerkennen. Von den beiden Gesetzen bezieht sich das erste (elektromotorische) auf die Größe des Stroms in jeder galvanischen Kette, d. h. auf die Menge der Elektricität, welche durch eine Verbindung von Leitern in gegebener Zeit strömt, und dieses erste Gesetz ist bald nach dem Erscheinen der Ohm'schen Schrift auf dem Wege des Versuchs von dem schon mehrmals erwähnten ausgezeichneten Physiker Fechner in Leipzig und später, als der eben so tüchtige englische Physiker J. F. Daniell das Experimentiren mit der voltaischen Säule durch seine Erfindung constanter galvanischer Apparate wesentlich erleichtert hatte, von vielen anderen Gelehrten experimentell bestätigt worden. Wenn Physiker von »dem Ohm'schen Gesetz« schlechtweg sprechen, so meinen sie immer das erste (elektromotorische), das einfacher gestaltet und leichter nachweisbar ist als das zweite (elektroskopische), welches die Stärke der Elektricität in jedem Querschnitte der galvanischen Verbindung als Function der elektrischen Zustände und der Abmessungen der Kettenglieder ausdrückt. Selbst Fechner und die englischen Physiker der Royal Society haben das zweite Gesetz nicht infolge der eigens dafür angestellten Versuche als richtig anerkannt, sondern weil es theoretisch aus derselben Hypothese abgeleitet ist, welche sich bei dem ersten Gesetze so auffallend bewährt hatte.
Der Grund, warum die experimentelle Begründung des zweiten Gesetzes seit seiner Entdeckung durch O. keinem anderen Physiker glücken wollte, lag im Mangel eines Elektrometers, womit man die geringsten elektrischen Spannungen an verschiedenen Punkten der einfachen geschlossenen Kette messen konnte. Als endlich F. Dellmann ein annähernd entsprechendes Elektrometer erfunden und Professor R. Kohlrausch in Marburg dessen Genauigkeit in sinnreicher Weise gesteigert hatte, konnte der letztere im J. 1848 das zweite Ohm'sche Gesetz gegen alle Einwendungen der Empiriker ebenso sicher stellen als Fechner zwanzig Jahre vorher das erste Gesetz.
Schlägt man in den Verzeichnissen der Mitarbeiter an den von Schweigger, Poggendorff und Kastner herausgegebenen Zeitschriften für Physik und Chemie den Namen G. S. O. auf, so findet man ihn in den Jahrgängen von 1829 bis 1839 fast nicht mehr oder nur in Verbindung mit einigen thatsächlichen Nachweisen der Gültigkeit seiner galvanischen Gesetze angeführt. Es war die wissenschaftliche Ruhepause in Ohm's Leben, hervorgerufen durch das Schicksal der »galvanischen Kette«, worüber er sich gleich anfangs in einem Briefe an Professor Schweigger in Halle entschieden aussprach. Erst in Nürnberg regte sich Ohm's Forschungsgeist wieder, nachdem er sich mehrere Jahre ausschließlich dem Unterrichte gewidmet hatte: Ende 1839 fallen nämlich seine Versuche, den dichten Schleier zu lüften, der damals noch über ein seinem bisherigen Arbeitsfelde fernes Gebiet, der musikalischen Akustik, ausgebreitet lag. Ein solches Unternehmen war gerade bei O. auffallend, einem Physiker ohne alles musikalische Gehör. Aber der Reiz, eine dunkle Frage an der Hand mechanisch-physikalischer Principien und eines fein ausgebildeten Calculs aufzuklären, und die Hoffnung, daß für den praktischen Theil auch ein musikalischer Freund nicht fehlen werde, thaten offenbar ihre Wirkung.
Mathematisch gefaßt handelte es sich hier darum, die Anzahl der Schwingungen eines irgendwie in Bewegung gesetzten tönenden Körpers während einer gegebenen Zeit, aus der Gesammtheit seiner physischen Eigenschaften zu bestimmen. Seit zwei Jahrhunderten hatten sich die größten Mathematiker mit dieser Aufgabe beschäftigt, nachdem Brook Taylor zuerst mit einer Arbeit über schwingende Saiten und mit der Behauptung hervorgetreten war, eine solche Saite könne nur dann isochron schwingen, wenn sie, wie es der Fall sei, die Gestalt einer Kykloide annehme. Auch Johann Bernoulli verfocht diese Ansicht, bis d'Alembert den Irrthum nachwies und seinerseits behauptete, daß unendlich viele Curven den Saiten isochrone Schwingungen gestatten. Ein Jahr später zeigte Leonhard Euler, daß die Gestalt einer isochron schwingenden Saite nicht einmal in algebraischer Form ausdrückbar zu sein brauche. Dies widersprach d'Alembert, und nun mischte sich auch Daniel Bernoulli in den Streit, der beiden Gegnern eine zu abstracte Behandlung der Sache vorwarf und die Gestalt der schwingenden Seite als Trochoide oder aus Trochoiden zusammengesetzt erklärte. Endlich fand Lagrange, daß unter der Annahme, die Saite bestehe aus einer endlichen Anzahl von Theilchen, Daniel Bernoulli's Behauptung, bei einer unendlichen Zahl von Theilchen aber Leonhard Euler's Resultat richtig sei.
All' dieser Aufwand von Scharfsinn führte jedoch bei weitem nicht zum Ziel. Da nämlich eine Saite unter sonst gleichen Umständen immer den gleichen Ton gibt, in welcher Weise sie auch aus ihrer Ruhelage gebracht worden sein mag, so mußte die Willkürlichkeit des letzteren Umstandes in die Rechnung eingeführt werden – ein Schritt, der erst nach den analytischen Untersuchungen Fourier's über die Wärme gelingen konnte. Es blieben also damals (1807) und noch weitere dreißig Jahre die Vorstellungen der Physiker über das, was man einen Ton nennt, sehr mangelhaft: sie konnten nicht erklären, woher der verschiedene Charakter (die Klangfarbe) einer und derselben Note rührt, je nachdem sie von dem einen oder anderen Instrumente oder von der menschlichen Stimme angegeben wird; ebensowenig vermochten sie die Natur der Consonanz und Dissonanz, des Wohlgefallens und Mißfallens am Zusammenklang der Töne, richtig zu deuten oder anzugeben, wie in den verschiedenen musikalischen Instrumenten und in dem menschlichen Stimmorgan die Töne entstehen und durch das Ohr zu unserem Bewußtsein gelangen.
Ueber alle diese Punkte gab das mit Unterstützung Königs Max II. von Baiern vor zwanzig Jahren in erster Auflage erschienene Werk eines unserer größten deutschen Naturforscher, des Professors Helmholtz, »Ueber Tonempfindungen als physiologische Grundlage für die Theorie der Musik« genügenden Aufschluß, und damit freilich zugleich auch den Beleg für die Unbrauchbarkeit der bisherigen physikalischen Grundlage der Musikwissenschaft. Nahezu die Hälfte dieses einen starken Octavband füllenden Werkes ist der Erörterung, der Erleichterung des experimentellen Nachweises und der Anwendung des Ohm'schen musikalischen Gesetzes gewidmet, das der geniale Entdecker zwei Jahrzehnte vorher, im J. 1843 unter dem Titel »Ueber die Definition des Tones und die Theorie der Sirene und ähnlicher tonbildender Vorrichtungen« in Poggendorffs Annalen der Physik veröffentlicht hatte.
Nach diesem Gesetze erzeugt ein tönender Körper außer dem tiefsten oder Grundtone gleichzeitig verschiedene höhere oder Obertöne, deren Luftwellenschwingungszahl zwei, drei und mehrmal so groß ist als die des Grundtones: das Hörbare also, was wir gewöhnlich Ton nennen, ist nicht eine einfache periodische Bewegung der Klangmasse gegen das Ohr, sondern eine Zusammensetzung solcher Bewegungen, ein Zusammenklang harmonischer Töne. Gemäß der schärferen Analyse des physikalischen Vorganges der Tonerzeugung, wie sie O. ermöglicht hat, empfindet das menschliche Ohr nur diejenige Luftbewegung als einzigen und einfachen Ton, bei welcher die bewegten Lufttheilchen senkrecht zum Trommelfelle periodisch und pendelartig hin und her schwingen, und eine aus Schallwellen verschiedener Art bestehende Klangmasse nimmt nur dann eine periodische und als zusammengesetzter Ton sich kundgebende Bewegung an, wenn alle sich mischenden Klänge ganze Vielfache der Schwingungszahl des Grundtons zu Schwingungszahlen haben. Demnach läßt sich auch nach dem Ohm'schen musikalischen Gesetze jede zu einem solchen Tone gehörige periodische Luftbewegung in eine Reihe pendelartiger Schwingungen zerlegen, von denen jede als Ton empfunden wird, dessen Höhe genau der Schwingungsdauer der Luftbewegung entspricht.
O. hat sein akustisches Gesetz ebenso wie die beiden elektrischen auf doppeltem Wege bewiesen: durch mathematische Ableitung aus einem Princip und durch physikalische Experimente. Bei Feststellung der Theorie des Galvanismus gingen die empirischen Beweise den mathematischen Entwicklungen voraus, bei dem akustischen Gesetze folgten sie ihnen. Der mathematischen Begründung des letzteren Gesetzes lag das schon erwähnte, durch vielfache wichtige Anwendungen berühmt gewordene Theorem zu Grunde, das Fourier in seiner Théorie analytique de la chaleur aufgestellt hatte. Es war ein eben so glücklicher als scharfsinniger Gedanke Ohm's, nach diesem Mittel zu greifen, um die willkürlichen Umstände, die bei schwingenden Körpern berücksichtigt werden müssen, in die Rechnung einzuführen. Die Ergebnisse derselben experimentell zu prüfen, lieh ihm ein ehemaliger Zuhörer (Dr. Kellermann) sein feingebildetes Ohr.
Wie Ohm's elektrische Gesetze wurde auch sein akustisches anfangs nur wenig beachtet und von Experimentalphysikern sogar angegriffen, obgleich bekannt war, daß schon vor langer Zeit einige besonders feinhörige Musiker die den Grundton begleitenden Obertöne bemerkt hatten. Erst als Helmholtz durch mehrfache Mittel die Obertöne zur sinnlichen Wahrnehmung gebracht und nachgewiesen hatte, daß sie fast in jedem Tone unserer Instrumente zu erkennen sind, gelangte das neue Gesetz bei denjenigen Physikern zur Geltung, welche das Helmholtz'sche Werk gründlich studirt hatten und zur offenen und ehrlichen Anerkennung fremden Verdienstes ebenso geneigt waren als sein berühmter Verfasser. Ihre Zahl ist jedoch noch immer klein gegenüber jenen, welche in ihren Lehrbüchern das Ohm'sche akustische Gesetz entweder gar nicht oder unter Helmholtz' Namen mittheilen, trotz der wiederholten und deutlichen Erklärung des letzteren, daß es das Ohm'sche Gesetz sei, welches er durch Thatsachen erhärtet oder bei der Zusammensetzung und Zerlegung der Töne angewendet habe.
Zu der Zeit, wo O. den Anhang zu der 1827 herausgegebenen »galvanischen Kette« schrieb, trat ihm nach seinen eigenen Worten der Gedanke mächtig entgegen, es müsse sich für den Bau des physischen Körpers eine Auffassungsweise finden lassen, welche aus den vorzugsweise als immanent geltenden Eigenschaften der Materie auch in die Natur ihrer geheimnißvollen Erregerinnen, Licht, Wärme und Elektricität, einen Einblick gestatte. An die Stelle der künstlichen Auskunftsmittel, die sich der Verstand schafft, um Erscheinungen zu begreifen, das Wesen der Körper selbst als Ausgangspunkt zu setzen und so der Erkenntniß des Zusammenhangs und der Abhängigkeit der unendlich mannigfaltigen Aeußerungen der materiellen Welt sich zu nähern: Das war es, was O. durch eine Molecularphysik erreichen wollte. Aber die abschreckenden Erfahrungen, die er bei seinem ersten Versuche, frei vom Gängelbande der Schule Selbstgeschaffenes zu liefern, an Ephoren der Wissenschaft machen mußte, dann die wenige Jahre nachher eingetretene Veränderung seiner Stellung ließen ihn nicht zur unmittelbaren Ausführung schreiten, wenn er auch das ferne Ziel nie ganz aus den Augen verlor. Erst der Beifallsruf der Royal Society und ihre Ermunterung zu Ausdauer und Beharrlichkeit gaben ihm neuen Muth zur Verfolgung des alten Gedankens.
Er ging nun ans Werk und entwarf zunächst ein System der Molecularphysik, das sich auf bestimmte Annahmen über Beschaffenheit, Form, Größe und Wirkungsweise der Atome stützte. Dem Atome selbst, als einem weder durch künstliche noch durch ihm eigene Kräfte weiter zerlegbaren oder irgendwie veränderbaren allerkleinsten Theil eines Körpers, gab er eine bestimmte Gestalt und unterschied die Atome nach Größe und Natur: nach der Größe, indem er das wirkliche Atom in blos gedachte Theilchen, in »Differentialatome« zerlegte, deren Dimensionen gegen die des wirklichen Atoms verschwinden und nach allen Richtungen die gleichen Eigenschaften besitzen; nach der Natur, indem er zwischen gleichartigen und ungleichartigen Differentialatomen unterschied, je nachdem sie als Theilchen zweier verschiedenen wirklichen Atome abstoßend oder anziehend aufeinander wirken.
Durch die mathematische Zerlegung der Atome in Differentialatome machte O. es möglich, daß wir jene in unser Vorstellungsvermögen ganz so aufnehmen können wie Körper mit endlichen Dimensionen: die Richtung der zwischen zwei Differentialatomen eintretenden Wechselwirkung geht durch beide hindurch und ist eine völlig bestimmte, da die Dimensionen dieser Differentalräumchen gegen ihre Entfernungen unendlich klein sind; dagegen ändert sich die Stärke der Wechselwirkung mit der Entfernung und der Beschaffenheit der Differentialatome. Hierbei ist Wirkung und Gegenwirkung stets gleich groß, und an der Gesammtwirkung zwischen zwei ganzen Atomen participiren die zwischen ihren Differentialatomen eingeleiteten Theilwirkungen in der Weise, daß man jene aus diesen nach den gewöhnlichen Regeln der analytischen Mechanik zusammensetzen kann.
O. unterschied auch homogene und heterogene Atome und gebrauchte die erstere Bezeichnung für dasjenige Atom, dessen Differentialatome entweder alle abstoßend oder alle anziehend einwirken, die letztere, wenn ein Theil der Differengelegenes Differentialatom einwirkt. Mit diesen Begriffen gelangt er zu einem neuen Unterschiede der Atome: er nennt nämlich ein heterogenes Atom polar, wenn seine beiden Bestandtheile getrennte Mittelpunkte (Pole) haben, unpolar, wenn die Mittelpunkte der Bestandtheile zusammenfallen. Demnach ist das homogene Atom ein polares, dessen einer Bestandtheil zu wirken aufgehört hat.
Nach den Regeln der analytischen Mechanik das Verhältniß der verschiedenen Atome gegenüber äußeren Einwirkungen zu bestimmen, sollte die Krönung von Ohm's System bilden, aus dem er auf rein mathematischem Wege die Gesetze in ihrem Zusammenhange zu entwickeln gedachte, denen die Erscheinungen des Lichts, der Wärme, der Elektricität, des Magnetismus und der Krystallifation unterworfen sind. Aber hier begegnete er gleich bei dem ersten Schritte einer Schwierigkeit, die schon vor ihm mancher Forscher, namentlich Fourier empfunden hatte, daß nämlich die bis dahin bekannten Entwickelungen der höheren Mathematik seinen Vorstellungen nicht die Einfachheit und Kürze des Ausdruckes zu geben vermochten, die er für nothwendig oder mindestens für wünschenswerth hielt. Die Schwierigkeit zu heben war seine »Analytische Geometrie am schiefwinkligen Koordinatensystem« bestimmt, welche 1849 in Nürnberg erschien und als erster Band seiner »Beiträge zur Molekularphysik« deshalb bezeichnet wurde, weil sie nach der Vorrede »im Grübeln über den inneren Bau des natürlichen Körpers ihre Veranlassung fand und sonach mit dem physikalischen Objecte die Glieder Eines Leibes ausmacht«. Mit dem ersten Bande auf gleicher Linie stand der die »Dynamik der Körpergebilde« enthaltende zweite Band, dessen einzelne Abschnitte bei dem Erscheinen des ersten bereits durchgearbeitet vorlagen, der aber doch nicht früher vollendet und in die Presse gegeben werden sollte, bis die in einem dritten und vierten Bande darzustellenden eigentlichen physikalischen Untersuchungen die Probe auf die Vollständigkeit des zweiten geliefert hätten. Den ersten Band seines leider unvollendet gebliebenen Werkes widmete O. der Royal Society zu London »aus Dankbarkeit, weil sie seinen durch vorausgegangene abschreckende Begegnung erweichten Muth von Neuem stählte, und weil sie großen Antheil hat an dem was seine Forschungen Gutes bringen mögen«.
Während er mit unermüdlichem Fleiße das Unternehmen förderte, welches für die Bewegungen der kleinsten Theilchen eines physischen Körpers zu werden versprach, was Newton's Principia für die Bewegungen der Himmelskörper im Weltenraume geworden sind, erging zu Ende des Jahres 1849 ohne jede Veranlassung von seiner Seite an ihn der Ruf, die durch Eintritt Steinheils in den österreichischen Staatsdienst erledigten Stellen eines Conservators der mathematisch-physikalischen Sammlungen bei der Münchener königl. Akademie der Wissenschaften und eines Referenten für die Telegraphenverwaltung in deren physikotechnischen Beziehungen bei dem Staatsministerium des Handels und der öffentlichen Arbeiten zu übernehmen, mit der weiteren Verpflichtung, für die Universität in der Eigenschaft eines ordentlichen Professors Vorlesungen über Physik und Mathematik zu halten.
Wie O. von der ebenso unerwartet als reichlich über ihn ausgegossenen königlichen Huld wohlthätig berührt wurde, welche ihm endlich den seiner Neigung ganz entsprechenden akademischen Wirkungskreis anwies, so freuten sich auch des an ihn ergangenen Rufes seine Schüler und Verehrer. Fraglich aber bleibt es, ob die Wissenschaft der Physik nicht einen größeren Gewinn aus der Nichtberufung gezogen hätte. Denn infolge der Uebersiedlung nach München blieb die Molecularphysik unvollendet: die zahlreichen amtlichen Geschäfte des Conservators und Referenten, dann die Ausarbeitung von Specialvorlesungen die der Akademiker zu halten berufen war und gerne hielt, endlich seit dem Jahre 1852, wo er seine in drei Jahren ihm liebgewordenen Aemter an deren früheren Inhaber zurückzugeben und dafür die Professur der Experimentalphysik an der Universität zu übernehmen hatte, die Verabfassung eines für die neuen Vorlesungen nothwendigen und in kürzester Frist zu vollendenden Lehrbuchs der Physik, legten ihm ungewöhnliche Anstrengungen auf und verursachten eine weitere Schwächung seiner im Dienste der Wissenschaft ohnehin schon sehr abgenützten Körperkräfte.
Wäre es bei der Berufung Ohm's an die Akademie verblieben, so würden die amtlichen Geschäfte der ersten drei Jahre wohl nur einen zeitweisen Aufschub der Arbeiten für die Molecularphysik bedeutet haben, den man umsomehr verschmerzen konnte, als schon das Jahr 1852 der wissenschaftlichen Welt die gewichtige mathematische Abhandlung »über die in einaxigen Krystallplatten zwischen geradlinig polarisirtem Lichte wahrnehmbaren Interferenzerscheinungen« brachte, eine Denkschrift, welche den Entstehungsgrund dieser Erscheinungen rechnerisch aufdeckte und hieran Betrachtungen von ungemeiner Wichtigkeit für die Lichtwellentheorie knüpfte, indem sie der eigentlichen Erklärung des einzelnen Falls eine allgemeine Analyse des Ganges des Lichtes durch einaxige Krystallplatten vorausschickte, durch welche es möglich wurde, ein ebenso interessantes als dunkles Capitel der Physik, das bis dahin nur fragmentarisch bearbeitet worden war, in den Compendien klarer, vollständiger und kürzer darzustellen.
Auch diese Abhandlung Ohm's hatte ein eigenes Schicksal. Als nämlich ihr Verfasser den für seine im Sommer 1851 gehaltene Specialvorlesung über Optik nöthigen physikalischen Apparat ordnete und vervollständigte, beobachtete er, daß wenn man zwei Krystallplatten aus Doppelspath oder Bergkrystall, wie sie zu gewöhnlichen Polarisationsversuchen angewendet werden, in gewisser Weise übereinanderlegt, unzählige prismatisch gefärbte concentrische Ellipsen sichtbar werden, deren Mittelpunkte in der Mitte des Gesichtsfeldes liegen. Diese Erscheinung hatte O. früher niemals gesehen, und da er sie auch in keiner der nachgeschlagenen Schriften über Optik erwähnt fand, so hielt er sich für berechtigt, sie als Novität zu veröffentlichen. Ehe er jedoch seine Abhandlung der Münchener Akademie zur Aufnahme unter ihre Denkschriften vorlegte, erkundigte er sich noch persönlich auf der 1852 in Gotha abgehaltenen Naturforscherversammlung bei den dort anwesenden Physikern und Mineralogen, ob sie die ihnen vorgezeigte Erscheinung schon kennen oder vielleicht wüßten, daß Andere sie wahrgenommen haben. Alle erklärten die Erscheinung für neu, aber kaum war der erste Theil der Abhandlung im Drucke erschienen, so stellte sich heraus, daß die fragliche Entdeckung Professor Langberg in Christiania bereits zehn Jahre früher gemacht und in dem norwegischen »Magazin for Naturvidenskaberne« (1841, Bd. II) veröffentlicht hatte, wovon 1842 im Ergänzungsbande zu Poggendorffs Annalen ein sehr magerer Auszug gegeben wurde. Zu Anfang des zweiten Theils der Abhandlung bereitwilligst die Priorität der Beobachtung des norwegischen Forschers anerkennend, spricht sich O. über dieses Vorkommniß weiter wie folgt aus: »Ich weiß nicht, soll ich es Glück oder Unglück nennen, daß mir die höchst beachtenswerthe Schrift von Langberg so ganz und gar entgangen ist. Allerdings wären, hätte ich früher von ihr Kenntniß erhalten, meine gegenwärtigen Untersuchungen, welche gerade durch jenes Ellipsensystem veranlaßt wurden, nicht gemacht und mir eine große Mühe erspart worden; dann aber wären auch andere kaum minder wichtige Dinge im Schooß der Zeit verborgen geblieben. Es hat sich mir bei dieser Gelegenheit der tiefe Sinn des Sprichwortes "Der Mensch denkt und Gott lenkt" aufs Neue bewährt. Was meine Thätigkeit anfänglich in Bewegung setzte, ist in Nebel zerronnen, und woran ich von vorne herein auf keine Weise denken konnte, hat Stand gehalten«.
Zu den wichtigeren Ergebnissen seiner durch Scharfsinn und Eleganz der Darstellung ausgezeichneten mathematischen Untersuchung der Interferenzerscheinungen in Krystallplatten rechnet O. erstens die fast vollkommene Bewegungsfähigkeit, welche er optischen Rechnungen dieser Art durch Aufstellung zweier ebenso genauen als allgemeinen Gleichungen über den Gang des Lichts durch Krystallplatten gegeben habe, zweitens die völlig genaue Bestimmung der Intensität des Lichts an den verschiedenen Stellen eines Bildes, und drittens den Nachweis von der überaus großen Abweichung der gewöhnlichen Intensitätsgleichungen von den erfahrungsmäßigen Erscheinungen innerhalb bestimmter Krystallplatten. O. ließ die zweite Hälfte seiner Abhandlung bis auf den Anfang in der ursprünglichen Fassung, nachdem er sich überzeugt hatte, daß sie, im Ganzen wesentlich verschieden von der des Professors Langberg, nur in sehr wenig Punkten mit ihr zusammentraf und auch jetzt noch ganz den Titel ausfüllte, unter dem er sie ursprünglich schrieb.
Wir haben vorhin zu den Ursachen, aus welchen die Vollendung der Molecularphysik unterblieb, auch den Kraft- und Zeitaufwand gerechnet, den O. der Verabfassung eines »Grundzüge der Physik« betitelten Compendiums für die seit 1852 an der Münchener Universität zu haltenden Vorlesungen über Experimentalphysik widmete. Man kann fragen, wie ein so bedeutender Forscher dazu kam, ein Lehrbuch zu schreiben, da dergleichen Geschäfte in der Regel von Kräften zweiten und dritten Ranges besorgt werden und O. selbst von jeher einen Widerwillen gegen die Ausarbeitung eines Leitfadens zu seinen Vorlesungen empfand. Diesen Widerwillen, der ihn noch in Nürnberg völlig beherrschte, mußte er in München infolge der ungewöhnlichen Einrichtung des physikalischen Hörsaales der Universität und der großen Verschiedenheit seiner alten und neuen Zuhörer überwinden. Der Hörsaal enthielt nämlich nur Sitze zum Hören aber keine Tische zum Schreiben, und der qualitative Unterschied der Schüler von sonst und jetzt bestand darin, daß jene die erforderlichen mathematischen Vorkenntnisse besaßen, diese aber nicht. Ein Feind jener Oberflächlichkeit, wie sie nicht minder das bloße Anhören als das gedankenlose Nachschreiben exact-wissenschaftlicher Vorträge erzeugt, beschaffte O. den Studirenden eine schriftliche Beihülfe dadurch, daß er im ersten Jahre seiner Wirksamkeit an der Universität (1852–1853) die Grundzüge seiner Vorlesungen in dem Maße als er sie hielt, lithographiren und unter die Zuhörer vertheilen, im zweiten aber mit geringen Abänderungen und Zusätzen auch für weitere Kreise (bei Schrag in Nürnberg) drucken ließ.
So entstand das Lehrbuch der Physik, das trotz seines unvortheilhaften Ursprungs doch durchaus des Verfassers würdig ist; denn jeder Abschnitt gibt Zeugniß von der auf eigener Prüfung und Forschung beruhenden tiefen Einsicht des Autors in den einzelnen Gegenstand, und die systematische Anordnung sowohl als die bündige Darstellung aller Theile bekunden den erfahrenen Lehrer, der die an ein Compendium zu stellenden Anforderungen nie aus den Augen verliert: »mit steter Hinweisung auf die Lücken, die von dem Lehrer noch auszufüllen bleiben, einen klaren und in sich zusammenhängenden Ueberblick der Hauptpunkte der Wissenschaft zu geben«. Das Ohm'sche Lehrbuch gehört zu den wenigen, welche im Gegensatze zu den mit Recht in Mißcredit stehenden zahllosen Compilationen den Beweis liefern, daß ein gutes Lehrbuch zu schreiben eine wahrhaft wissenschaftliche Aufgabe für einen gereisten Forscher und Lehrer ist, und daher auch nur von einem solchen besorgt werden sollte.
Als O. an Ostern 1854 die Vorrede und noch einige Anmerkungen zu seinem Compendium niederschrieb, fühlte er wohl, daß dieses seine letzten Worte sein würden; denn zu Anfang jenes Jahres hatte ihn ein Schlaganfall betroffen, von dem er sich zwar soweit erholte, daß er seine Sommervorlesungen wieder aufnehmen konnte, aber eine bedenkliche Abnahme seiner Kräfte bemerkten sowohl er selbst als seine Freunde nur zu deutlich. Wehmüthig sahen sie den in Kurzem drohenden Verlust eines so seltenen Mannes voraus, und ihn überkam dasselbe Gefühl bei dem Gedanken, daß er nicht mehr im Stande sei, seine die Molecularphysik betreffenden Untersuchungen auszuführen. Er sprach sich hierüber nicht blos mündlich gegen Näherstehende, sondern auch schriftlich in seinem Compendium aus. Gelegentlich der Erörterung der Wirkung nämlich, welche galvanisch durchströmte Elektricitätsleiter aufeinander ausüben, und bei der Beschreibung der von Ampère aufgefundenen Thatsachen über die Anziehung und Abstoßung galvanischer Ströme äußerte er sich auch über ein nach seiner Ansicht in der Betrachtung galvanisch-magnetischer Vorgänge noch immer fehlendes, von ihm aber schon in der »galvanischen Kette« angedeutetes Verbindungsglied, und zwar »um so lieber, je zweifelhafter es ihm werde, daß er je wieder auf jene früheren Untersuchungen zurückkommen könne«. Indem er dann den eigenthümlichen Zustand darlegt, den nach seinem Ideengange ein Leiter infolge eines ihn durchziehenden elektrischen Stroms annehmen müsse, und die Bemerkung beifügt, daß die von ihm auf diesen hypothetischen Zustand gegründeten vorläufigen Rechnungen zu seinem höchsten Erstaunen die Sätze von Ampère bis auf eine geringe in der Nichtbeachtung des elektrischen Zustandes der galvanischen Kette gelegene Modification erkennen ließen, fährt er fort: »Ich unterbrach meine hierauf bezüglichen Arbeiten mit dem Vorsatze, sie bei größerer Muße wieder aufzunehmen, ohne zu ahnen, daß eine dämonische Verkettung von Umständen mich für immer davon abhalten werde«. Er gibt nun denjenigen, welche diese mühevolle aber sicher lohnende Arbeit nach ihm durchführen wollen, verschiedene Rathschläge, darunter diesen: die Anziehungen und Abstoßungen des Magnets nicht in besonderen positiv und negativ magnetischen, sondern in unveränderlich in die einzelnen Körperatome gelegten positiv und negativ elektrischen Kräften zu suchen, und schließt dann mit dem Beisatze: daß die Gedanken welche er hier niedergelegt, wohl Manchem als Träume erscheinen könnten, aber Niemand, der Beruf und Kraft genug dazu besitzt, abhalten sollten, die ausführlichen Nachweise des von ihm nur theilweise erprobten Sachverhältnisses zu übernehmen man werde, wenn das Werk gethan sei, seinen Träumen Dank zollen.
Am Donnerstag, den 6. Juli 1854, Nachts zehn Uhr, bis zu welchem Tage O. trotz körperlicher Schwäche seine Vorlesungen hielt, erlosch infolge eines wiederholten Schlaganfalles plötzlich sein Leben. Eine halbe Stunde zuvor hatte er noch einigen Freunden ganz munter von seinen Erlebnissen in Köln und Trier erzählt. Am darauffolgenden Sonntag wurde er unter zahlreicher Betheiligung von Freunden, Collegen und Studirenden auf dem Münchener alten Kirchhofe, wo zur Zeit (1886) noch immer nur ein einfacher Denkstein das Grab bezeichnet, zur Ruhe gebettet.
O. hat es jederzeit abgelehnt, einem Maler oder Bildhauer zu sitzen und der Nachwelt sein Porträt ad vivum zu hinterlassen. Nur als die Photographie aufkam, saß er einem Anfänger dieser Kunst, sei es aus physikalischem Interesse oder in der Absicht, den jungen Mann zu unterstützen, zu einem Lichtbild. Dasselbe mißlang zwar, theils wegen des ungenügenden optischen Apparates theils durch die ungeschickten Anordnungen des Photographen, wurde aber doch unter Mitbenützung einer gelegentlich der Naturforscherversammlung zu Nürnberg (1845) von Carl Heideloff gefertigten Profilzeichnung maßgebend für das Oelbild, welches die k. Akademie der Wissenschaften zu München für ihren Sitzungssaal bestimmte, und für die Marmorbüste, welche König Ludwig I. in der baierischen Ruhmeshalle aufzustellen befahl. So ist es begreiflich, daß beide Bildnisse diejenigen nicht befriedigen, welche O. jahrelang nahe standen. Georg Simon O. erreichte ein Alter von 65 Jahren. Er war von fast klein zu nennender untersetzter Statur, aber der ausdrucksvolle Kopf mit der hohen etwas gefurchten Stirne, einem Paar geistvoller Augen und scharfgeschnittenem Munde verrieth auf den ersten Blick den ernsten Denker und zugleich wohlwollenden Menschenfreund. Stets ruhig und besonnen, sprach er nur wenig, seine Rede aber war immer gehaltreich und oft voll munterer Laune. Von dem ihm eigenen Witz und Humor machte er auch bei seinem Unterrichte Gebrauch, um an den Schülern Fehler zu rügen, deren Verbesserung nur des Wollens bedurfte, und er hat durch sein von natürlicher Wärme getragenes, jede Verletzung vermeidendes Verfahren ohne Zweifel die Wirksamkeit seiner ausgezeichneten Lehrmethode noch verstärkt. Ohm's Lebensgewohnheiten waren von Hause aus einfach und sind es bis zu seinem Tode geblieben. Die bei dem Eintritte in das öffentliche Lehramt und lange hernach noch ungünstigen äußeren Verhältnisse seiner Stellung waren nach seinem eigenen Geständnisse schuld daran, daß er es nie versuchte, »dem Mangel an befreundetem Umgange abzuhelfen und aus dem bescheidenen Genusse eines stillen Familienglückes Muth und Stärke für die kleineren und größeren Leiden des Lebens zu schöpfen«. Erst mit seinem Umzuge nach München ergab er sich in die sorgsame Pflege einer nahen Verwandten.
O. war im Grunde nur seinen Schülern, Freunden und Collegen näher bekannt; in weiteren und namentlich hohen Kreisen wußte man wenig von ihm. Auch hat weder die glänzende Anerkennung seiner wissenschaftlichen Verdienste von Seite der Akademien zu London, Turin, Berlin und München, welche ihn zum Mitgliede ernannt hatten; noch die hohe Ehrung seiner im Lehr- und Rectoramte bewiesenen Tugenden von Seite der städtischen Collegien zu Nürnberg durch Verleihung des Ehrenbürgerrechts, noch endlich die seltene Auszeichnung durch seinen König, der ihn gleich bei der Stiftung des Maximilianordens für Kunst und Wissenschaft zum Mitgliede desselben berief, die öffentliche Aufmerksamkeit in nennenswerthem Grade auf den trefflichen Mann gelenkt. Der Grund hiervon liegt wol nicht minder in der Gemüthsanlage Ohm's als in den gesellschaftlichen Verhältnissen der Gelehrtenwelt, wie sie sich nach und nach an Universitäten ausgebildet haben. Erziehung und Unterricht hatten glücklicherweise sein natürliches kindliches Wesen nicht verwischt: im Verkehr mit der Welt zeigte er sich wie in allen Verhältnissen wahr, offen und anspruchslos; bei der Bewerbung um eine die Existenz sichernde und die Möglichkeit freier wissenschaftlicher Thätigkeit gewährende Stelle setzte er dem Vordrängen Anderer keinen Widerstand entgegen; selbst das nach Vollendung seiner »galvanischen Kette« zu Berlin über ihn hereingebrochene Mißgeschick, sechs Jahre des schönsten Mannesalters als Privatgelehrter verleben zu müssen, erfüllte ihn nicht lange mit Bitterkeit und menschenfeindlicher Stimmung sowie seine im letzten Lebensabschnitte erfolgte Erhebung unter die wissenschaftlichen Größen ersten Ranges keine Aenderung der gewohnten Einfachheit und Bescheidenheit seines Benehmens bewirkte. Die Verdienste Anderer beurtheilte er ohne Ansehen der Person stets gerecht und billig, und die Berichte und Gutachten, welche er als Beamter, Gelehrter und Akademiker zu erstatten hatte, zeichnen sich alle durch Objectivität, Gründlichkeit und Klarheit aus.
Vorherrschend Autodidakt bewegte sich O. stets auf eigenen Fährten und mannhaft seine Ueberzeugung vertretend, vermied er jeden Anschluß an eine Partei in der Wissenschaft wie im Leben. Gerade dadurch aber hat er die frühzeitige Anerkennung seiner wissenschaftlichen Erfolge, wenn nicht verhindert, doch verzögert. Denn die Erfahrung zeigt, daß nicht selten Gelehrte von mäßigen Leistungen aber großer gesellschaftlicher Gewandtheit eher zu ausgebreitetem Rufe und hohen Ehren gelangen als jene unweltläufigen Forscher, welche sich zwar aufs Entdecken, aber nicht auf die Mittel und Mittelchen verstehen, welche zu vortheilhafter äußerer Anerkennung führen. Ist es auch mißlich und im Allgemeinen nutzlos, Vermuthungen darüber aufzustellen, wie sich eine bereits abgeschlossene Laufbahn unter anderen Verhältnissen wohl hätte gestalten können: in Beziehung auf O. läßt sich mit größter Wahrscheinlichkeit behaupten, daß er, wenn ihm bald nach Vollendung seiner »galvanischen Kette« Stellung und Mittel eines akademischen Lehrers zugefallen wären, seine Forschungen über den dunkelsten und schwierigsten Theil der Naturwissenschaft, die Molecularphysik, zum Abschluß gebracht und damit der wissenschaftlichen Welt ein Geschenk gemacht hätte, das ihr vielleicht erst das nächste Jahrhundert bringt.
Aber auch ohne diesen Abschluß gehören Ohm's wissenschaftliche Thaten der Geschichte an, und seine Entdeckungen greifen so wesentlich in den Bestand der Physik ein, daß sie gar nie vergessen werden können. Darin liegt aber ein wesentlicher Unterschied und zugleich Vorzug gegenüber jenen von den Zeitgenossen oft überschätzten wissenschaftlichen Verdiensten, die entweder nur in der Aufstellung neuer für die Forschung nützlicher Ideen, oder in wirksamer Anregung Anderer zu wissenschaftlicher Thätigkeit, oder endlich in erfolgreicher Anwendung theoretischer Ergebnisse auf Befriedigung von Bedürfnissen des praktischen Lebens bestehen. Von der Ueberzeugung durchdrungen, Ohm's Name werde bis in die fernsten Zeiten in der Reihe tiefsinniger Forscher fortglänzen, können seine Freunde nur noch das Eine wünschen, daß die Zukunft neben den wissenschaftlichen Leistungen auch des edlen Charakters eingedenk bleibe, der den Lebenden zierte und den Gelehrten zur Höhe des ganzen Mannes emporhob.
Vgl. des unterzeichneten Verfassers »Gedächtnisrede auf Georg Simon O., den Physiker«. München 1882.
Bauernfeind.
Carl Maximilian von Bauernfeind: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1887.
#Das Bayerland (1898)
13. Georg Simon Ohm, bahnbrechender Physiker, geboren am 16. März 1789 zu Erlangen.
Sein Vater war dort Schlossermeister, widmete aber all seine freie Zeit dem Studium der Mathematik und Philosophie.
Unser Simon besuchte das Gymnasium in Erlangen und erhielt nebst seinem Bruder Martin vom Vater nebenbei Unterricht in der Mathematik. Aber auch in der Schlosserei mußte er mit Hand anlegen, damit er für alle Fälle, die Mittel waren ja nicht groß, befähigt sei, sich durch die Welt zu bringen. Und gerade dies kam später dem Gelehrten sehr zu statten.
Im Jahre 1805 absolvierte Ohm das Gymnasium zu Erlangen und studierte an der dortigen Universität Mathematik, Physik und Philosophie. Allein der Vater hatte nicht die Mittel zur Fortsetzung der Studien, der junge Mann mußte schauen, sein Brot zu verdienen und begab sich 1806 deshalb als Hauslehrer nach der Schweiz.
Nach fünf Jahren kehrte er nach Erlangen zurück, erwarb sich da das Doktordiplom und habilitierte sich als Privatdozent für Mathematik.
Diese unabhängige Lehrthätigkeit hätte ihm wohl am meisten zugesagt, jedoch bald wurde er durch seine geringen Mittel gezwungen, eine Lehrstelle an der kgl. Gewerbeschule in Bamberg anzunehmen, von wo er bald darauf an die Lateinschule versetzt wurde.
Nach Erscheinen seiner ersten Schrift: »Grundlinien zu einer zweckmäßigen Behandlung der Geometrie als höheren Bildungsmittels an vorbereitenden Anstalten« erhielt er einen Ruf an das Gymnasium in Köln a. Rh., dem er alsbald Folge leistete.
Neun Jahre wirkte er, hauptsächlich als Lehrer der Mathematik, in Köln. Von seinen damaligen Schülern kamen viele später zu Ruhm und Ehren.
In Köln entdeckte er auch die, seinen Namen unsterblich machenden galvanischen Gesetze.
Allein Ohm erging es wie vielen anderen vor und nach ihm: seine Verdienste fanden keine Anerkennung, vielmehr sogar heftigen Widerspruch. Aber er ließ sich nicht irre machen; als die preußische Regierung ablehnte, ihm den Lehrstuhl an einer Universität zu übertragen, verzichtete er auch auf seine Stelle als Gymnasiallehrer und zog sich als Privatgelehrter nach Berlin zurück.
Dort lebte er von 1827 bis 1833 in wenig günstigen Verhältnissen, bis ihn völlig unerwartet im Jahre 1833 König Ludwig I. als Professor an das Polytechnikum in Nürnberg berief, um ihm schon nach sechs Jahren das Rektorat zu übertragen.
Jetzt wurde Ohm die Anerkennung als Entdecker des »Ohmschen Gesetzes« zu teil, und zwar zuerst von englischer Seite. Seine Hauptschrift »Die galvanische Kette, mathematisch bearbeitet« wurde ins Englische übersetzt, und im Jahre 1841 erhielt Ohm, in Anerkennung seiner Verdienste auf dem Gebiete exakter Forschung die goldene Copley-Medaille. Gleichzeitig wurde er zum auswärtigen Mitgliede der »Royal Society« in London ernannt. Sein wissenschaftlicher Ruf war begründet und auch andere Akademien, wie Berlin, München u. s. w. erwählten ihn zum Mitgliede. Zwei Jahre später entdeckte er noch ein akustisches Gesetz.
König Max II. berief den Gelehrten 1849 nach München als Konservator der mathematisch-physikalischen Sammlungen des Staates, woneben er als Professor der Physik an der Universität Vorlesungen zu halten hatte.
Am 6. Juli 1854 erlag er in seiner Wohnung, von der Tannstraße Nr. 30, als Junggeselle einem Schlaganfalle.
In mannigfacher Weise wird Ohms Andenken in München geehrt.
Nicht nur, daß seine, von Bildhauer Ruemann gefertigte Büste in der Ruhmeshalle und hier unter den Arkaden Aufstellung fand, die Stadtgemeinde benannte auch eine Straße nach ihm, und am 5. Juli 1895 wurde auf einem Rasenplatze vor der technischen Hochschule das von Professor Ruemann unter Mitwirkung des Architekten Thiersch geschaffene Ohmdenkmal von Marmor enthüllt.
Das Grab des genialen Gelehrten befindet sich im südlichen Friedhofe, Sektion 15, Reihe 2, Grab-Nr. 41; aber nur ein mehr als bescheidener Leichenstein deckt den Hügel.
C. Reber: Die »Ruhmeshalle« unter den Arkaden des südlichen (älteren) Friedhofes in München. Das Bayerland. Illustrierte Wochenschrift für bayerische Geschichte und Landeskunde. 9. Jahrgang. Heft Nr. 29. München, 1898.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Ohm Georg Simon, Dr., 1789 (Erlangen) – 1854 Physiker und Universitätsprofessor; er war anfangs Lehrer in Köln, Berlin und Nürnberg, bis er 1841 als Professor nach München berufen und später Mitglied der BAkdW wurde; O. brachte die Erscheinungen des Elektromagnetismus und Galvanismus in mathematische Gesetze, untersuchte besonders die Widerstände in den verschiedenen Leitern, sein in der »Galvanischen Kette« entwickeltes Gesetz lehrt: Die Stärke des elektrischen Stroms ist der elektrischen Kraft direkt und dem Leitungswiderstand umgekehrt proportionell (= Ohmsches Widerstandsgesetz); sein Name ist als elektrische Einheit verewigt.
Hauptwerke: Galvanische Kette, Lehrbuch der Physik, Beiträge zur Molekularphysik; O. hat auch die für die Natur des Klanges wichtige Theorie der Obertöne gefunden; Os. Denkmal befindet sich unter der neuen Überfahrt beim Institut für Hochspannungstechnik.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#15 – 1 – 47 (Erhard)
Dr. Phil.
Karl Andreas
Erhard
* 1791 Bozen
† 1846 München
Universitätsprofessor
Schriftsteller
- Erhard, Karl Andreas, Dr. phil.; 1791 (Bozen) – 27.11.1846 (München); Philosoph und Schriftsteller

#Dr. phil. Karl Andreas Erhard
* 1791 (Bozen)
† 27.11.1846 (München)
Philosoph und Schriftsteller
#Biographisch-literarisches Lexikon der katholischen deutschen Dichter, Volks- und Jugendschriftsteller im 19. Jahrhundert (1868)
Dr. Andreas Erhard
wurde geboren 1790 zu Bozen von armen Bauersleuten, welche er schon vor seinem 3. Lebensjahre verlor und deshalb zu einer Bäuerin nach Farchant in den bayerischen Alpen in Verpflegung kam. Er studierte später auf Veranlassung und durch Unterstützung der Brüder seiner Mutter, die in verschiedenen Klöstern Ordensbrüder waren, in den Klosterschulen zu Ettal und Wildenau und dann auf der Universität Landshut. Als Klerikalseminarist entzweiete er sich mit seinen Vorgesetzten wegen des Verbots klassischer Studien, gab nun das Studium der Theologie auf und widmete sich der Philologie. Der Unterstützung seiner Oheime beraubt, gieng er nach München und wurde Hofmeister der Kinder des Staatsministers von Zehntner, durch dessen Vermittlung er nicht lange nach Bestehung des philologischen Staatskonkurses eine Stelle als Studienlehrer und Präfekt am Knabenseminar in München erhielt.
Er war dann 1826–44 Lehrer am k. Hofe, von 1824 an auch Lehrer am Gymnasium zu München, wurde dann Professor der Philosophie an der dasigen Universität, starb daselbst als Hofrath am 27. Nov. 1846.
Eklektiker in der Philosophie, dramatischer Dichter. Sein in München gekröntes Preisstück »Heimeran« führt uns die Ausbreitung des Christenthums in Bayern vor. Es ist ein kräftiges, national und religiös wohlthuendes Stück, in welchem aber die gehäuften und gedehnten Monologe allzusehr die dramatische Raschheit hemmen. »Wallace« stellt den Kampf der Schotten und Engländer unter Eduard I. kräftig, dramatisch, in rascher Entwicklung und edler Sprache dar. Doch findet sich auch hier manches Gedehnte. – Meusel 17, 520. 22. 2, 70. Kehrein, Dr. P. 2, §. 153.
Heimeran. Trsp. Mn. 1819. – Möron, philos. ästhet. Phantasien in 6 Gesprächen. Passau 1826. – Wallace. Hist, romant. Trsp. Stg. 1831. – Handbuch d. Logik. Mn. 1839. – Handbuch d. Moralphilosophie. Mn. 1841. 2. A. 1854. – Metaphysik. R. 1845.
Joseph Kehrein: Biographisch-literarisches Lexikon der katholischen deutschen Dichter, Volks- und Jugendschriftsteller im 19. Jahrhundert. Zürich, Stuttgart und Würzburg, 1868.
#Deutsches Dichter-Lexikon (1876/1877)
Erhard, Andreas, wurde 1790 zu Bozen in Tirol von armen Bauersleuten geboren, welche er schon vor seinem 3. Jahre verlor, weshalb er zu einer Bäuerin nach Farchant in den bayerischen Alpen in Pflege kam. Mit Hilfe und durch Unterstützung der Brüder seiner Mutter, die in verschiedenen Klöstern Ordensbrüder waren, studierte er später in den Klosterschulen zu Ettal und Wildenau und dann auf der Universität Landshut Theologie. Als Klerikalseminarist entzweite er sich mit seinen Vorgesetzten wegen des Verbots klassischer Studien, und er gab nun das Studium der Theologie auf und widmete sich der Philologie. Der Unterstützung seiner Verwandten beraubt, ging er nach München und wurde Hofmeister im Hause des Staalsministers von Zehntner, durch dessen Vermittelung er auch bald nach Absolvierung seines philologischen Examens Studienlehrer und Präfekt am Knabenseminar in München ward. Von 1826 bis 1844 war er Lehrer am königl. Hofe, von 1824 an auch Lehrer am Gymnasium zu München, wurde dann 1832 Professor der Philosophie an der dortigen Universität und starb als Hofrath am 27. Novbr. 1846.
Dichtungen: Heimeran. Trauersp. in 5 A u. einem Vorspiele: Das Heiligthum. München 1819. – Möron. Philosophisch-ästhetische Phantasien in 6 Gesprächen. Ebd. 1826. – Wallace. Histor.-romant. Trauersp. in 5 A. Stuttg. 1831.
Franz Brümmer: Deutsches Dichter-Lexikon. Biographische und bibliographische Mittheilungen über deutsche Dichter aller Zeiten. Unter besonderer Berücksichtigung der Gegenwart. Eichstätt & Stuttgart, 1876/1877.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Erhard Karl Andreas, Dr. phil., 1791 (Bozen) – 1846, Philosoph, Schriftsteller und Universitätsprofessor; er studierte anfangs Theologie, wandte sich aber dann der Philosophie und Philologie zu, wurde Gymnasiallehrer in Landshut und 1832 Professor der Philosophie an der Universität München; er war Gelehrter, Schriftsteller und Dramatiker; als Philosoph war E. sehr von Schelling beeinflußt.
Hauptwerke: Haimerann (Trauerspiel), Möron (philosophisch-ästhetische Phantasien), Wallace (Trauerspiel), Handbuch der Logik, Handbuch der Moralphilosophie, Metaphysik.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#15 – 1 – 50 (Schraudolph)
AKADEMIE
PROFESSOR
JOHANN
SCHRAUDOLPH
KIRCHEN UND
HISTORIENMALER
1808 – 1878
- Schraudolph, Johann von, Prof.; 13.6.1808 (Oberstdorf/Allgäu) – 31.5.1879 (München); Historienmaler und Kirchenmaler



#Prof. Johann von Schraudolph
* 13.6.1808 (Oberstdorf/Allgäu)
† 31.5.1879 (München)
Historienmaler und Kirchenmaler
#Münchener Sonntagsblatt (4.1.1863)
Christliche Künstler der Gegenwart.
In den letzten Jahrzehnten ist in dem mächtigen Aufschwung, welchen die christliche Kunst genommen hat, auch in unserem Deutschland eine unabsehbare Reihe von Kirchen, vom erhabenen Dome bis zum bescheidenen Landkirchlein herab, mit Kunstwerken geschmückt worden, von denen die meisten sowohl durch großartige Auffassung als durch gelungene Ausführung ein sprechendes Zeugniß für die Genialität und den Fleiß der Künstler ablegen, die sie geschaffen. Es ist eine der Aufgaben, welche das »Münchener Sonntagsblatt« sich stellt, dem katholischen Publikum von diesen Werken Nachricht zu geben, damit sie nicht bloß, wie es bisher wohl geschah, still und unbemerkt aus dem Atelier in die Kirche oder ihren sonstigen Bestimmungsort wandern, sondern der Gedanke, den sie darstellen, weiterhin bekannt werde und anregend fortwirke und so allmälig eine Galerie christlicher Kunstwerke sich eröffne.
Eine andere Aufgabe des »Sonntagblattes« ist es, dem Volke, wenn auch nur in kurzen Zügen, die Lebensgeschichte und nach Möglichkeit auch die Porträts jener wackeren Männer vorzuführen, welche unsere Gotteshäuser mit den Werken ihres Geistes und ihrer Hände schmücken und so an der lehrenden und heiligenden Thätigkeit der Kirche Antheil nehmen. Begreiflicher Weise ist es nicht möglich, in der Aufnahme dieser Lebensbilder im »Sonntagsblatt« eine bestimmte Rangordnung einzuhalten; aber einer der trefflichsten und berühmtesten unserer christlichen Meister hat dem Herausgeber gestattet, sein Bild an die Stirnseite dieses Blattes zu setzen und hier eine kleine Skizze seiner bisherigen Wirksamkeit mitzutheilen. Der Meister will damit nicht sich selbst und sich allein geehrt sehen, sondern die christliche Kunst und seine Kunstgenossen zugleich; der himmlische Geistesfunke, der ihn belebt, leuchtet auch in vieler Anderer Herzen, und darum sind alle christlichen Künstler geehrt in und mit dem frommen Meister:
I.
Johann von Schraudolph.
Johann Schraudolph wurde am 13. Juni 1808 zu Oberstdorf im Allgäu geboren. Schon als Knabe zeigte er entschiedene Vorliebe für die Kunst, und es trieb ihn mächtig sie üben zu lernen. Darum zog er zu seiner Ausbildung nach München. Der edle Schlotthauer nahm sich des reichbegabten Jünglings mit väterlicher Liebe an und erwarb sich das Verdienst, der christlichen Kunst einen ihrer geistvollsten und thätigsten Meister heranzubilden. Bald wurde Schraudolph's Tüchtigkeit erkannt und legte in den Fresken der Glyptothek in München ihre ersten Proben ab. Dann arbeitete er unter der Leitung des Professors, jetzt Direktors Heinrich von Heß an den prachtvollen Fresken der Allerheiligen- und Bonifaziuskirche in München und erhob sich dabei zu jener Selbstständigkeit in der Ausübung seiner Kunst, die ihm seit zwanzig Jahren den unbestrittenen Meisternamen einträgt.
Während er noch an den Fresken der Basilika malte, führte er zwei andere Arbeiten aus, die im Jahre 1844 vollendet wurden. Für die Gruftkapelle des Herzogs von Leuchtenberg bei St. Petersburg wurden das »Abendmahl,« »Jesus der Kinderfreund« und »Maria mit dem Kinde« in enkaustischer Manier auf Goldgrund, und »Noëmi und Ruth« für den Grafen Belweze in Oel gemalt.
Schraudolph war es nun auch, welchem König Ludwig von Bayern, als er dem Dome zu Speier, der Kaiser-Todtenstadt, i. J. 1843 einen seiner großartigen Architektur würdigen Bilderschmuck zu geben beschloß, die Aufgabe stellte, die Wände, die über den Kaisergräbern sich erheben, mit Fresken im großartigsten Styl zu zieren. Wenn gleich die Begeisterung für dieses Werk hell und rein in der Seele des Meisters flammte und ihn befähigte, sofort an die Lösung seiner Aufgabe zu gehen, wollte er doch zuvor noch die Werke jener großen Meister sehen, welche in einer früheren Blüthezeit der Kunst Unsterbliches geleistet haben, um an ihnen zu noch höherem Fluge des Gedankens und der Thatkraft sich zu erschwingen. Daher ging er im Dezember 1844 nach Italien und widmete 8 Monate vorbereitenden Studien, während im Dome zu Speier die nöthigen Vorarbeiten gemacht wurden. Am 8. Juni 1846 aber ging Schraudolph Mit seinem Bruder Claudius und dem Maler Joseph Mösl, seinen ersten Gehilfen bei diesem großen Werke, vom Altar, an welchem der Bischof die hl. Messe für das Gedeihen der Arbeit gelesen, weg an das Werk und malte an diesem Tage den Kopf von Gott Vater im Stiftchor. Dann arbeitete er fort Tag um Tag, und die Mutter-Gottes, zu deren Ehren das ganze Werk begonnen worden, schaute von der Höhe ihres Thrones auf ihren treuen Sohn segnend und schützend, und als er eines Morgens, da er eben zu malen beginnen wollte, von einem weichenden Brette hoch oben vom Gerüste herabstürzte, bewahrte sie ihn vor dem drohenden Tode und half ihm, daß er an einem Balken sich halten und wieder empor heben konnte. Die Schrecken dieses Falles vergaß der Meister am Haupte des Heilandes in der Krönung Maria's, das er an diesem Tage malte. Am 6. November wurde die Arbeit für dieses Jahr geschlossen. In den nächsten Jahren wechselten regelmäßig die Winter- und Sommerarbeiten der Künstler. Im Winter wurden die Kompositionen entworfen, im Sommer in Fresken ausgeführt. Als König Ludwig am 28. August 1847 den Dom besuchte, sprach er sich auf das Günstigste über die neuen Arbeiten aus.
Auch die Wirren des Jahres 1848 und 1849 störten die wackeren Künstler und ihren Meister wenig in dem schönen Werke. »Im Monate Mai und Anfangs Juni 1849« – erzählt daS Büchlein: »Der Kaiserdom und seine Gemälde (Speier 1852) – war in dem Dom zu Speier ein interessantes- Schauspiel zu sehen. Innen die Maler mit den idealen Gebilden der heiligen Kunst, Alles in Harmonie und Frieden; außen die Truppen des »Volksheeres«, Freischärler in allen möglichen Uniformen, Blousen und Lumpen, bartumbuschte und unbebartete, mit Schießgewehren und mit Spießen und Sensen bewaffnet, viel arges Gesindel. Wenn aber diese Menschen in den Dom eintraten, da sah man sie insgemein von einem gewissen Schauer befallen, von heiliger Ehrfurcht ergriffen; auch die roheste Rohheit schien sich zu mildern und den zarteren Gefühlen der Religion Raum zu geben ... Der Kriegslärm kam näher und wurde immer stärker. Der Brand von Ludwigshafen leuchtete herauf zum Kaiserdom, der Kanonendonner von Waghäusel und Ubstadt hallte an seinen Mauern wieder; die Maler aber saßen drin und malten. Innerhalb dieser Mauern war ein Land des Friedens, während außen Landfriedenbruch und Kriegslärm.«
Im Jahr 1850 war der Bilderschmuck der Chöre, im Jahr 1853 auch der des Langhauses vollendet, und Meister Schraudolph hatte mit dem die reiche und sinnvolle Ornamentik herstellenden Dekorationsmaler Schwarzmann und mit den Schülern und Kunstgehilfen Claudius Schraudolph, Andreas Mayer, Joseph Mösl, Franz Wurm, Jakob Späth, Süßmayer, J. C. Koch, Max Bentele und Georg Mader ein Werk geschaffen, das noch späteren Jahrhunderten Gottes Ehre und der hl. Jungfrau Lob, aber auch der wackeren Künstler Meisterschaft verkünden wird. Die Offenbarung der Gnade Gottes zur Erlösung, Heiligung und Beseligung der Menschen,
dargestellt in der Geschichte Maria's und der anderen Schutzheiligen des Domes, ist der Grundgedanke, den Schraudolph in dem ganzen reichen Bilderkreis durchführte. Es ist nicht möglich, hier des Näheren denselben zu beschreiben; wer eine ausführliche Schilderung lesen will, nehme das obenerwähnte Büchlein zur Hand. Am besten aber ist es, eine Fahrt nach Speier zu machen und die Seele in dieses Meer von Gedankenfülle und Farbenpracht zu tauchen, das Meister Schraudolph mit der eigenen und der Kunstgenossen Hand über die Wände des Kaiserdomes ausgegossen hat; es wird Keinen gereuen.
Auf den wohlverdienten Lorbeern hätte nun der Künstler ausruhen können; er that es nicht, sondern wandte unermüdlich seines Geistes Kraft und seiner Hände Fleiß einer Reihe von anderen größeren und kleineren Werken zu, die alle ihm Ehre machen, von denen aber drei besonders hervorzuheben sind. Das erste ist das große Bild »Christi Himmelfahrt«, das im Auftrag des Königs Ludwig für die Pinakothek gemalt eine der Perlen in dieser reichen Kunstsammlung bildet. Das zweite ist die wunderschöne, tiefempfundene und farbenprächtige »Anbetung der Weisen und Hirten vor dem neugebornen Heiland zu Bethlehem«, das König Max für das Maximilianeum in München malen ließ, und das in diesem Blatt durch den Holzschnitt nachgebildet erscheint.
Das andere und letzte große Bild, das von Schraudolph im Aufträge des Königs Ludwig für die neue Pinakothek gemalt und im August vorigen Jahres daselbst ausgestellt wurde, zeigt den Heiland, wie er den Johannesjüngern auf ihre Frage, ob er der Messias sei, antwortet: »Gehet hin und berichtet dem Johannes, was ihr gehört und gesehen habt: Blinde sehen wieder, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören, Todte stehen auf, Armen wird das Evangelium verkündet; selig ist, der sich nicht ärgert an Mir.« Sinnreich hat der Meister diese Wunderwerke, welche von der Allmacht des Heilandes Zeugniß geben, in lebensvollen Gruppen um Ihn herum dargestellt; der Eindruck, den dieses große und großartige Bild auf den Beschauer macht, ist ein überwältigender.
Wenn schon der Ruhm, den Schraudolph durch die prachtvollen Bilder im Kaiserdome sich erworben, und den Tausende und Tausende ihrer Beschauer in alle Welt getragen haben, einiger Lohn für sein Wirken ist – der schönste und beste Lohn erwartet ihn in der Ewigkeit – so haben ihm auch die Könige Ludwig und Maximilian ihre Anerkennung angedeihen lassen. Im Jahre 1848 verlieh ihm König Ludwig das Ritterkreuz des Verdienstordens vom hl. Michael; am 1. Okt. 1849 ernannte ihn König Max zum Professor an der Akademie der bildenden Künste und verlieh ihm zu Neujahr 1862 das Ritterkreuz des Verdienstordens der bayerischen Krone, mit dem die Führung des Prädikates »von« verbunden ist. Als dieses Ereigniß vom Vereine für christliche Kunst in München, den Schraudolph seit seiner Gründung i. J. 1860 als erster Vorstand mit Umsicht und Liebe leitet, am 14. Jänner vorigen Jahres mit einer Art von Familienfest begangen wurde, sprach Dr. Kuhn in seiner Festrede, sich an den Gefeierten wendend, folgende Worte, mit denen wohl am Passendsten diese kurze Skizze geschlossen wird: »Mögen Sie noch lange dieser ehrenden Auszeichnung sich erfreuen, noch lange ebenso ehrenreich als rührig mit verbündeten Geistern, die wir in unserer Mitte zählen, auf dem Gebiete der religiösen Kunst fortarbeiten und so nicht allein eine Zierde Bayerns, sondern der ganzen deutschen Kunst bleiben!«
Münchener Sonntagsblatt No. 1. Illustrirtes Volksblatt für Belehrung und Unterhaltung. Sonntag, den 4. Januar 1863.
#Allgemeine Zeitung (12.6.1879)
Nekrologe Münchener Künstler
(S. Beil. Nr. 47 zur »Allg. Ztg.« vom 16 Febr. 1879.)
V. Johann v. Schraudolph.
Johann Schraudolph, welcher am 13 Juni 1808 zu Oberstdorf im Allgäu geboren wurde, lernte von seinem Vater das Tischlerhandwerk, gleichzeitig aber auch schon wacker Zeichnen und Oelmalen, da derselbe mit der den Allgäuern überhaupt eigenen vielseitigen Geschicklichkeit einer von ihm gegründeten Feiertagsschule vorstand. So kam's daß unser Johannes, als er 1825 zur weiteren Ausbildung versuchsweise nach München zog, schon allerlei technische Kenntnisse mitbrachte. Eine weitere Bildung war ihm indessen nicht zutheil geworden; den Mangel derselben mußte er später schmerzlich und durch das ganze Leben genug empfinden. Denn wenn wir auch seinen eigenen Ausspruch: er habe nie etwas anderes als die Bibel und die Legende der Heiligen gelesen, nicht geradezu wörtlich nehmen dürfen, so steht doch hingegen so viel fest, daß er sich in das Studium der Kunst-Historie und der Geschichte nie absonderlich vertiefte, mit den Dichtern auf einem etwas gespannten Fuße blieb und von den übrigen Wissenschaften sehr naive Anschauungen hegte. In den Mappen der Autographen-Sammler dürften Briefe von seiner Hand zu den größten Seltenheiten zählen, da Schraudolph in dieser Hinsicht die Meinung des trefflichen Michel Neher (S. Beil. Nr. 348 zur »Allg. Ztg.« vom 13 Dez. 1876) theilte, der lieber ein ganzes Bild gemalt als eine Korrespondenz erledigt hätte.
Anfänglich schien es furchtbar schwer bei völliger Mittellosigkeit in der baiwarischen Hauptstadt festen Fuß zu fassen. Schon war Schraudolph daran blutenden Herzens in die Heimath zurückzukehren, als er dem guten Schlotthauer gerade noch rechtzeitig in die Hände fiel. Dieser edle, immerdar hülfsbereite, treffliche Künstler griff ihm liebevoll unter die Arme, wehrte die dräuenden Sorgen des Unterhalts, wies dem strebsamen Jüngling die Bahn, ebnete die Wege, schuf ihm Gelegenheit zur Entfaltung und Verwerthung seiner rasch hervortretenden Fähigkeiten. Schraudolph arbeitete auch mit eisernem Fleiße, modellirte sogar ein Basrelief, copirte ein Blatt aus Holbeins Todtentanz für die durch Schlotthauer besorgte Neuausgabe dieses Werkes, malte Bildchen aller Art, entwarf einen Carton für das erste neue nach Regensburg bestimmte Glasfenster. Dann kam Schraudolph als Schlotthauers Gehülfe in die Glyptothek, wo er Gelegenheit hatte die Praktik der Freskomalerei gründlich kennen zu lernen. Damit war der erste Schritt gethan in einer Kunstübung worin Schraudolph später so große Erfolge errang. Seine Handfertigkeit und sein Farbensinn, dazu das leichtfließende Componir-Talent empfahlen ihn an Heinrich Heß, als dieser Gehülfen für den großen Bilder-Cyklus in der Allerheiligen-Hofkirche suchte. So war der junge Mann nicht allein alsbald geborgen, sondern auch schon im Stande mit seinen Ersparnissen das väterliche Heim von einigen drückenden Sorgen zu entlasten. Es ist ein schöner rührender Zug des treuen Herzens, ebenso daß er baldmöglichst seine jüngeren Brüder, den trefflichen Claudius (geboren 1813) und den freilich minder begabten Matthias (geboren 1817), nach München kommen ließ, ihre Ausbildung überwachte und sie zu tüchtigen Künstlern und Gehülfen an seinen Werken heranzog.
Zu Schraudolphs frühesten Arbeiten gehört unter vielen anderen eine Reihe von Bildern zur biblischen Geschichte, welche im Verlage des k. Central-Schulbücher-Verlags erschienen (1832) und das erste illustrirte Lehrmittel bildeten. Unseren mit Prachtwerken aller Art überladenen »Kleinen« würde dasselbe heutzutage schwerlich mehr genügen; wir nahmen das damals mit staunender Bewunderung hin, ebenso wie den von G. Görres und Franz Pocci herausgegebcnen »Festkalender.« Was Schraudolphs Bilder betrifft, so zeichnete sie dieser selbst auf Stein. Sie können als das Programm aller seiner späteren Schöpfungen gelten. Er hat den eng gezogenen Kreis kaum mehr erweitert; Schraudolph wurde freier, formgewandter, ohne an Originalität, welche überhaupt nie seine starke Seite war, besonders zu gewinnen.
Mit einer Begeisterung und einem Fleiße der überhaupt durchs ganze Leben ihm zur Seite stand, schloß er sich, getragen von der freudigen Zuversicht des Gelingens, an Heinrich Heß an. Schraudolph wäre vielleicht mit gleichem Erfolg unter Cornelius, Peter Heß oder Rottmann vorwärts gegangen, hätte möglicherweise sogar als Verwaltungsbeamter oder Finanzmann eben so sicher sich ausgezeichnet. Heinrich Heß zog ihn (um 1832) zur Ausschmückung der Allerheiligen-Hofkirche, wo Schraudolph bald selbständige Arbeiten unter den Augen des Meisters entwarf; dazu gehören die Scenen aus der Geschichte des Moses: die Gesetzgebung am Sinai und die Speisung, das Schlagen des Wassers aus dem Felsen; auch die Gestalten des David und Saul, Samuel und Josua, Marcus und Lucas sind von Schraudolph, während zu den von Joh. Bapt. Müller (Joh. Bapt. Müller starb am 27. Juni 1869 zu München. Vgl. Beil. Nr. 180 zur »Allg. Ztg.« vom 29 Juni 1869) gemalten »sieben Gaben des heiligen Geistes« Schraudolph nur den Carton entwarf. Gerade diese Leistung reichte hin ihm unter seinen Mitstrebenden, wie J. Binder, Max Seitz (geboren 1811 zu München, seit 1835 in Rom), C. Koch und J. Moralt, einen gewissen Vorrang einzuräumen.
Unterdessen war mit dem sanften und immer liebenswürdigen Claudius Schraudolph auch der geniale Joseph Anton Fischer (Joseph Anton Fischer, geboren am 28 Febr. 1814 zu Oberstorf, gestorben am 20 März 1859 zu München.) nachgekommen. Beiden blühte das Glück alsbald Italien betreten und unter Ernst Försters Leitung nach alten Meistern in Padua, Florenz und Mailand zeichnen zu können. Nach Fischers Rückkehr wurden ihm, gemeinsam mit Joh. Schraudolph, einige Cartons zu den Fensterbildern der Auer Kirche übertragen – ein seltsames Experiment zwei verschieden geartete Naturen an eine und dieselbe Aufgabe zu spannen. So entstanden »Mariens Besuch bei Elisabeth,« »der Tod der Gottesmutter,« »die Kreuzschleppung und Grablegung Christi.« Natürlich gab es alsbald mannichfache Gelegenheiten, wo ihre Anschauungen und Gefühle weit auseinander gingen, zumal der jüngere Fischer von einem größeren Schönheitssinn und einer ursprünglicheren Frische getragen und geleitet wurde. Es kam zu scharf differirenden Erörterungen, und Schraudolph behielt leider immerdar eine gewisse eifersüchtelnde Animosität gegen den geistig weit überlegenen jüngeren Collegen, dessen reine Seele kein Arg kannte. Man trennte die beiden. Schraudolph übernahm allein noch zwei Cartons (»Christus als Knabe unter den Schriftgelehrten« und »die Aufnahme Mariens in den Tempel«), um dann ganz zu den Arbeiten in der Basilika überzugehen, während Fischer noch neun weitere Schöpfungen (die übrigen hatten Röckel und Ruben übernommen) vollendete und dann die Compositionen zu den von König Ludwig in den Kölner Dom gestifteten Fenstergemälden begann.
In der Basilika räumte Heinrich Heß seinem Schüler einen noch größeren Spielraum ein, indem er ihm nicht nur zwei kleinere Episoden und zwei Figuren von den die Apsis schmückenden Glaubensboten, sondern von dem großen an den Wänden des Hauptschiffes hinlaufenden Fresken-Cyclus aus dem Leben des Bonifacius fünf Bilder übertrug – eine Auszeichnung welche Schraudolph auch in glücklicher Weise löste. Hier schuf er (die ausführliche Schilderung mag in der von Beda Stubenvoll verfaßten »Beschreibung der Basilika,« München 1875 S. 61 ff., nachgelesen werden) wie Winfrid (Während in einer benachbarten Zeitschrift die Gelehrten gerade in langen Abhandlungen streiten über die Schreibung und Bedeutung des unserem Heiden-Apostel von Gregor II geschöpften »Beinamens,« erlauben wir uns in »Bonifacius« nichts zu sehen als eine wörtliche Translation des angelsächsischen Namens Winfrid.) den heidnischen Friesen predigt, die Bischofsweihe des Bonifacius, die Fällung der Donar-Eiche bei Geismar, die Salbung Pipins zum König der Franken und das Begräbniß des Bonifacius. Schraudolph stand mit diesen Arbeiten ebenbürtig neben seinem Meister und bewährte »stellenweise, z. B. in den Köpfen der Bischofsweihe, oder bei dem Bilde des Begräbnisses, eine bis dahin in München noch nicht erreichte Höhe technischer Vollendung in Verbindung mit edler Charakteristik und feingefühlter Zeichnung.« (Vgl. Ernst Förster: Gesch. der deutschen Kunst. 1860. V, 12l. Der Nekrologist eines benachbarten Blattes vindicirt unserem Schraudolph irrigerweise auch das (von Kräutle gestochene) »Abendmahl« im Refectorium des St. Bonifaz-Klosters; diese Coena Domini ist jedoch durch Heinrich v. Heß selbst componirt und gemalt.) Es macht dem wackeren Heß alle Ehre daß nach seiner Ablehnung den Dom in Speier auszumalen, er für diese Arbeit seinen zum anerkannten Meister durchgebildeten, geliebten und ausgezeichneten Schüler in Vorschlag brachte. Während Schraudolph noch zu Speier malte, kam Erzbischof Sibour und verlangte die Ausschmückung einer Pariser Kirche. Ebenso bot ihm Bischof Räß von Straßburg seinen Münster an – Schraudolph lehnte jedesmal ab, ohne einen anderen zu nennen oder zu empfehlen.
Im Jahre 1831 hatte Schraudolph mit einer »Madonna« zuerst den Kunstverein beschickt. Seit 1839 kamen drei weitere Oelbilder dieser Art, welche der Reihe nach zuerst Prinz Karl von Bayern, dann König Ludwig 1840 und der Kunstfreund Karl Waagen (1842) erwarb. Das mittlere von diesen dreien gewann trotz seiner Unbedeutendheit durch den auch als Kunstvereinsprämie für 1841 vertheilten Stich von J. M. Enzing-Müller die weiteste Popularität; das Original erhielt (Nr. 302) seinen Platz in der Neuen Pinakothek. Gleichzeitig sah man im Kunstverein (1842) zwei sorgfältigst durchgeführte Skizzen, vor denen unsere heutige Kunstjüngerschaft erstaunt erbeben würde; damals nannte man noch bescheiden eine »Skizze« was nun ob der minutiösen Durchbildung, als unerreichbare Vollendung bewundert würde. Es waren, je 15 Zoll breit und 7 Zoll Höhe, »die Weihe des Bonifacius zum Bischof« und die »Predigt desselben vor den Friesen,« beide, wie auch die spätere Folge, im Besitze des allmächtigen Kunstbeschützers Leo v. Klenze. Darauf folgte (1843) die in ein stark verwaschenes Gewand costümirte »hl. Agnes« (Neue Pinakothek Nr 216 gestochen von Aug. Volckert) und »Ruth und Nemi auf der Reise nach Bethlehem« (42 Zoll hoch, 54 Zoll breit, im Besitze des Grafen Belvèse in Paris, lithographirt von P. Herwegen als Nietenblatt des Salzburger Kunstvereins für 1863). Das nächste Jahr (1844) brachte einige Engel, eine Madonna, einen Christus als Kinderfreund und ein Abendmahl, ziemlich große Zeichnungen, welche in der griechischen Kirche zu Serjefski im Auftrag des Herzogs von Leuchtenberg zur Ausführung kamen.
Schraudolph unternahm am 1 Dec. 1844, im Ausblick auf die bevorstehende große Aufgabe womit ihn König Ludwig betraute, eine achtmonatliche Studienfahrt nach Rom. Dann ging er mit gesammelter Kraft an die Ausführung seines größten Werkes im Dom zu Speier.
Die ersten Entwürfe reiften schon während des römischen Aufenthalts. Abweichend von der Praxis vieler Zeitgenossen, welche ihren Gehülfen einen größeren Spielraum überlassen, schuf Schraudolph die Compositionen zu sämmtlichen Bildern in der Kuppel und den drei Chören, ebenso entwarf er den größten Theil der Bilder im Langhause, nur einzelne übertrug er den unmittelbar unter seinen Augen und streng nach seinen Intentionen schaffenden Schülern. Die Cartons zu den wichtigsten Gemälden zeichnete er selbst. Auch behielt er nicht nur die Ausführung der schwierigsten Bilder für den eigenen Pinsel, sondern überwachte selbstverständlich alle Arbeiten seiner Gehülfen tagtäglich mit Rath und That.
Nachdem den ganzen Winter und Frühling hindurch die nöthigen Vorarbeiten rasch begonnen waren, hub Schraudolph am 8 Juni 1846 mit seinem Bruder Claudius und Joseph Mesl zu malen an. Eine Geschichte des ganzen Werkes kann ebensowenig unsere Aufgabe sein wie eine Beschreibung des mächtigen Bilder-Cyclus, wozu der gelehrte, fromme und liebenswürdige Bischof Dr. Nikolaus v. Weis in geistreicher, historisch und dogmatisch richtiger Weise die Grundidee gab. Doch mögen einige Zwischenfälle hier erwähnt werden. Noch im Laufe des Sommers war des Malers Leben plötzlich gefährdet; rücktretend zum Beschauen der Arbeit gerieth Schraudolph an ein nicht gehörig befestigtes Brett, es wich und der Künstler stürzte, fing aber im Fallen, glücklicherweise schnell besonnen, einen Balken, an welchem er sich starken Arms wieder emporarbeitete.
Der Rummel des Jahres 1848 drang zwar nicht in die heiligen Hallen; daß König Ludwig dem Thron entsagte, änderte nichts an dieser künstlerischen Aufgabe, da König Maximilian mit gleichem Interesse dieselbe zu fördern beschloß. Schlimmer drohte das nächste Jahr! Der Brand von Ludwigshafen leuchtete herauf zum Kaiserdome, der Kanonendonner von Waghäusel und Ubstadt hallte an seinen Mauern nieder; eines Tages brach buntes Freischaaren-Gesindel in Blousen mit Sensen und Spießen in den Dom. Aber die wilden Gesellen wurden still, schauten fast andächtig zu den ruhigen Malern hinauf und zerstoben lautlos wie von scheuer Ehrfurcht ergriffen! Jeden Sommer kam Schraudolph wieder, meist mit anderen Gehülfen, bis er endlich am 10 Sept. 1853 an dem großen Schlußbilde, welches er ganz im Sinne eines mittelalterlichen Meisters ex voto schuf, den letzten Strich that.
Selbstverständlich hatte Schraudolph seine früheren Collegen als Beiständer und Mithelfer eingeladen. Aber es gab manchen Korb und Stoß und Puff. Denn da der Meister drängte und trieb, und selbst, mit dem besten Beispiel vorangehend, die gleiche aufreibende Thätigkeit von seinen Genossen forderte, stand mancher gelassen ab oder ging auf eigenen Pfaden weiter. In erster Reihe half ihm sein treuer Bruder Claudius, welcher inzwischen auch im griechischen Königsschloß zu Athen als tüchtiger Frescotier sich erprobt hatte, dann der wackere Tiroler Hellweger, der rastlose Franz Wurm, welcher gleichfalls in Athen einige Wandbilder geschaffen hatte, aber zu viel eigenen Geist und unruhige Wanderlust hegte, alsbald von Schraudolph weg nach Frankreich pilgerte, wo er als Glasmaler an der Kathedrale zu Nantes und bald darauf mit Fresken in England sich glänzend bethätigte, bis dieser viel erfahrene Odysseus wandermüde schon 1866 in seiner Allgäuer Heimath endete. Da war ferner der liebenswürdige Andreas Mayer aus Unter-Thingau, Jos. Mesl aus Kestendorf bei Salzburg († 1851), Joh. Karl Koch aus Hamburg (geb. 1806), Süßmaier, der hochbegabte Joh. Kaspar aus Günzburg (geb. 1822), der bildschöne Jacob Speth († 1855 zu Dietenheim in Württemberg), der unermüdliche Max Bentele, endlich Georg Mader aus Steinach, welcher durch die Fresken in der Kirche zu Brunecken (Pusterthal) einen bleibenden Namen errang, dazu noch der kleine, aber reich begabte Adolf Baumann (geb. 12 Dec. 1829, gest. 5 Febr. 1865): das waren die Mannen mit deren theilweiser oder wechselnder Beihülfe Meister Schraudolph das große Werk anhub, durchführte und glücklich vollendete, wobei freilich auch der biedere Jos. Schwarzmann (aus Prutz in Tirol 1806 geboren) nicht vergessen werden darf, welcher die schwere Verpflichtung das Ganze mit passender Ornamentik zu überkleiden in wirklich künstlerischer Weise löste.
Natürlich erfuhr das ganze Unternehmen die verschiedenste Beurtheilung. Die doctrinäre, theoretisirende Zunft der stubengelehrten Archäologie konnte den Schreck nicht verwinden daß ein romanischer Dom mit Schöpfungen im modernen Styl »geschändet« und nicht mit kauzend verzwickten Gestalten und gleichzeitigem ornamentalen Schnickschnack ausgemustert ward. Das archaistische Lamento wurde vom Fortissimo der unbedingten Bewunderer übertönt, welche die vom wissenschaftlichen Standpunkte leise auftauchenden Einwürfe als flagrante Ketzerei verdammten; sie brachten in Prosa und gebundener Rede ihre Gefühle zum Ausdruck, und selbst der heutige Dichter des »Odilo« griff in die damals noch amaranthene Tonweise seiner Lyra. Dagegen fehlte es auch nicht an näselnden Kritikern, welche in verstockter Böswilligkeit des Herzens einzelne Bilder mit Lob erhoben, von denen sie zu wissen wähnten daß dieselbe nicht aus des Meisters eigenen Händen kamen! Schraudolph machte kein Hehl daraus, sondern gab jedem die Ehre, wobei er freilich ganz im volkthümlichen Styl niemals beizufügen vergaß: die Sachen seien nur deßhalb so gut geworden weil er beständig dahinter war, sonst hätten, wie er sattsam zu verstehen gab, wohl arge Dinge passiren können. Als im Jahr 1850 eine Serie von 15 Zeichnungen im Münchener Kunstverein erschien, stand unter jedem Bild auch der Name des betreffenden Künstlers (Z. B. die Himmelfahrt Mariens, von Claudius Schraudolph; Kaiser Konrad III empfängt den hl. Bernhard, von Andreas Mayer; Abzug des hl. Bernhard aus Speier und wie der Heilige einen lahmen Knaben heilt, von J. C. Koch; Petrus weiht den hl. Stephanus von J. Mesl (dessen Name jedoch immer unrichtig Mösl geschrieben wurde); der hl. Stephan vor dem hohen Rath von Claudius Schraudolph; auf Gebet des Papstes Stephan stürzt ein Götterbild, von J. Mesl; Enthauptung des Papstes Stephan, von Andreas Mayer u. s. w.); bei einer zweiten Serie im Jahre 1851 gab, wenn mich mein Gedächtniß nicht trügt, Schraudolph nur Werke von seiner Hand.
Anerkennung und Ehren häuften sich. Am 1 October 1849 wurde Schraudolph zum Professor der Akademie ernannt, nachdem der Künstler zu Neujahr 1848 den Verdienstorden vom hl. Michael u. s. w. erhalten hatte. Bei Gründung des großen Maximiliansordens für Kunst und Wissenschaft war Schraudolph einer der ersten damit Ausgezeichneten. König Ludwig I hielt ihn immerdar in Ehren, besuchte häufig sein Atelier, wo er beinahe jedesmal neue Werke vorbereitet fand, von denen der großmüthige Mäcen manches für die neue Pinakothek erwarb. So befindet sich daselbst eine Reihe von Oelbildern, womit Schraudolph bewies daß, so viel eben an ihm lag, er den Wettkampf der Neueren nicht scheute, daß er »in die Farbe ging« und, ohne einem crassen Realismus zu verfallen, doch der Naturwahrheit huldigen könne. Wir nennen (vielleicht nicht ganz in der Zeitfolge ihrer Entstehung) die großen Bilder »Himmelfahrt Christi« (16 Fuß hoch und 12 Fuß breit), »Christus heilt die Kranken« (11 Fuß hoch, 16 Fuß breit) und die kleineren: »Maria und Magdalena in Begleitung des Jüngers Johannes auf dem Berge Golgatha sehen Christus an das Kreuz nageln« (1863, 6 Fuß hoch, 4 Fuß breit), eine ernste würdige Composition, welche mit dem wahren Ausdruck des Schmerzes erst recht zur Geltung kommt wenn man den Opernspectakel eines Paul Delaroche sich in Erinnerung ruft. Im Jahre 1864 kaufte der König eine »Madonna mit dem Kinde und den kleinen Johannes,« ebenso zwei kleine »schwebende Engel«, 1865 den »reichen Fischzug,« dem man jedoch wie der Bodenstedt'schen Shakespeare-Uebersetzung die Angst anmerkt jede Erinnerung an seine Vorgänger vermeiden zu wollen. Im Auftrage Königs Max II fertigte Schraudolph für das Athenäum eine große »Geburt Christi und Anbetung der heiligen drei Könige,« (Photographirt von Hanfstängl. Eine frühere »Anbetung der Hirten« nach einer Original-Kreide-Zeichnung erschien bei L. Meder in Heidelberg, Photographirt von J. Keller; ebendaselbst auch »der hl. Bernhard im Dom zu Speier«[denselben Gegenstand führte Schraudolph auch in Oel aus, und zwar für König Otto von Griechenland]) wobei der Künstler in wohlthuender Weise einen kühnen Griff in die neueste Assyrologie wagte, welche ihm aber mit einer »Esther vor König Ahasver« (1867) in Alma-Tadema's Manier glückte. Auch sonst wußte sein aushaltender Fleiß allen Ansprüchen zu genügen: er malte Engel für Fräulein Emilie Linder (nun im Museum zu Basel), zeichnete Cartons für englische, russische und deutsche Kirchenfenster, z. B. auch für die Landshuter Martinskirche, welche, obwohl durch Scherers liebevolle und prachtfarbige Durchführung getragen, auf die schlanke gothische Säulenhalle gar keine Rücksicht nahmen. Weiter entstanden noch zahlreiche Fresken, z. B. »Jairi Töchterlein« am südlichen Campo Santo zu München (Gemalt von Adolf Baumann; Holzschnitt aus der »Leipziger Illustrirten Ztg.« [daselbst auch früher Nr. 742 vom 19 September 1857 »die Steinigung des Stephanus« aus dem Dom zu Speier« in J. Webers »Weihnachtsalbum« für 1868. Leipzig, Tafel XX.). Er arbeitete rüstig weiter, freilich nicht mehr so wohlgemuth, da das Alter mit gichtischen Schmerzen fühlbar wurde. Immer seltener erklangen seine Lieder. Unser Maler gebot über eine prachtvolle Stimme, welche ihn auf den Brettern welche die Welt bedeuten zu großartigen Erfolgen und einem Heldentenor ersten Ranges befähigt hätte. Es war eine Lust ihn singen zu hören, wenn er, begleitet von einem »Bruder Claudi,« den Xylographen J. Blanz und Franz Kreuzer († 25 Januar 1872) die almerischen Weisen seiner Heimath erklingen ließ und, plötzlich ins Falset überschlagend, die bergfrischen Jodler mit einer Breite und Bravour und einem Metall jubelnd hinaussang die jeden Zuhörer zu staunender Fröhlichkeit hinrissen. Bei solch festlichen Abenden holte dann auch »der Claudi« seine Cither hervor und spielte in seelenvollen Klängen, daß selbst der unvergleichliche Petzmayer verwundert lauschte.
Wie sein Leben sich zu neigen begann, gab es mannichfach Trübes und Helles. Schraudolph hatte der Mehrzahl seiner Kinder ins Grab zu sehen; doch blühte auch eine Reihe von Enkeln. Als im Jahre 1870 zwei Söhne nach Frankreich zogen, mag er sein Vaterherz wohl bisweilen mit beiden Händen gehalten haben. Aber sie kamen glücklich wieder; der eine behauptet heute noch eine geachtete Stellung im Officier-Corps, der andere vertauschte das Porte épée wieder mit der Palette. Da aber dieser jüngere Claudius seine eigenen Wege ging und nicht der religiösen Kunst diente, mag seine Stellung im elterlichen Hause eine Zeit lang keine erfreuliche gewesen sein, bis der Vater, versöhnt durch die eminent coloristische Begabung und deren Erfolge – wir erinnern z. B. nur an Fausts Spaziergang am Ostertag (Beilage 271 »Allg. Ztg.« 1872) – wieder die alte Liebe gewährte. Im Jahre 1875 starb seine Gattin, mit welcher Schraudolph seit 1833 in zweiundvierzigjähriger glücklicher Ehe gelebt hatte; drei Jahre darauf verließ er die Akademie und den unterdessen doch verringerten Kreis der Schüler und trat in den erbetenen Ruhestand. Der folgende Winter brachte allerlei Leiden und Unwohlsein, was der immer noch rüstige Mann glücklich bestand, bis eine plötzliche Lungenentzündung am 31 Mai sein Leben abschloß.
Schraudolph war eine offene, echte und wahre Natur, ein ganzer Sohn seiner Berge; er blieb demüthig und bescheiden über sein eigenes Schaffen, aber stolz auf die heilige Kunst welcher er diente. Das Wort des afrikanischen Kirchenvaters: »Eure Weisheit sei ohne Hochmuth, aber eure Demuth sei nicht ohne Weisheit« schien unserem Schraudolph ganz auf den Leib geschrieben. Ein böswilliger Nergler freilich warf ihm das geflügelte Wort nach, als habe er in seiner Kunst beides zu vereinen gewußt und in ihr nicht allein die hohe himmlische Göttin, sondern auch die tüchtig mit Butter versorgende Kuh verehrt.
Seine Schüler, welche er gerade nicht verzog oder verhätschelte, hielten ihn hoch und werth, und bewiesen dieß bei jeder Gelegenheit; sie inscenirten das Fest zur silbernen Hochzeit (1857) und überbrachten ihm, als im October 1874 das erste säculare Viertel seiner akademischen Lehrthätigkeit abgerundet war, ihren Dank in Form einer pompösen Adresse und eines prachtvollen Albums. Sie gliedern sich in eine ältere und eine jüngere Generation. Zu den ersteren zählen Julius Frank, Hugo Barthelme, Andreas Lochner (der, geboren 1824 zu Mainburg, auf schweren Wegen vom Handwerker zum Silberarbeiter sich erhob und zum Künstler durchdrang, aber schon am 13 Februar 1855 sein vielversprechendes Leben schloß), der obengenannte Adolf Baumann, Süßmaier, der auch ins Genrehafte bisweilen überspielende Max Zimmer und der arme Adam Huber, welcher, in seiner Art ein Stück Mintrop, vom Pflug durch den Soldatenstand zum Künstler durchschlug, über dem schweren Ringkampf um das Dasein aber erschöpft am 25 Februar 1863 erlag, gerade als das Leben mit schöneren Aufträgen eine günstige Wendung zu nehmen beliebte. Zu den jüngeren gehören Max Fürst, der auch als Sänger gerühmte Ludwig Glötzle, Joseph Zink und A. v. Felsburg. Auch der jetzt in der Specialität von Hochzeits- und Kindtaufbildern excellirende K. Herpfer zählte ehedem zu Schraudolphs Schülern, ebenso wie Matthias Schmid, welcher mit einer »Grablegung Christi« (1864. Photographirt von Albert, Holzschnitt in Nr. 1137 der „Illustr. Ztg.« Leipzig 15 April 1865) und einer »Verleihung der Schlüsselgewalt an Petrus« (1866. Photographirt von Albert) seinem Meister das »Wie er sich räuspert und wie er spuckt« wacker abgeguckt hatte, bis er plötzlich zu Piloty überging und, wunderbar schnell eingerenkt, das Mysterium seiner Palette erfaßte und, freilich auf einem ganz anderen Wege, durch seine »Pfaffenbilder« eines vielangefeindeten Namens sich erfreute.
Vielleicht hielt noch kein Lehrer seine Schüler in solch geistiger Unterwürfigkeit; jeder Versuch einer selbständigen Regung, der leiseste Hauch der Originalität wurde mit dem stereotypen: »Das hab' ich noch nirgends gesehen, das darf man nicht machen« kategorisch beseitigt. Dieses Wort, ebenso der immer wiederkehrende Rath: »Alles schön zusammen zu arbeiten,« ist für Schraudolph sehr charakteristisch. Nur wenige seiner zahlreichen Schöpfungen überraschen uns durch völlige Neuheit; die meisten lehnen sich an früheres an, oft in sehr fühlbarer Weise. Später wiederholte er sich selbst, eben so ungemüthlich und ermüdend wie Wilhelm v. Kaulbach. Auch er liebte den phraseologisch aufgeputzten »historischen« Kothurn, dasselbe Einwickeln seiner Figuren in aufgeblähte Drapirungen, welche seine Schüler bis zur Unerträglichkeit nachmachen mußten, diesen Floskelschwall und Stelzgang, welchen (wie Graf Platen bei den Dichtern verspottet) »stets als schöne Sprache liebt das Publicum.« Das anfänglich etwas sentimentale Colorit wurde dann in der Folge »schön,« abermals auf Kosten der Wahrheit, und die guten Apostel mit ihren glatten Modellköpfen gingen in ladenneuen, schneiderfrischen Gewändern und glattfrisirten Toiletten als himmlische Stutzer par excellence. Der Rückschlag macht sich jetzt schon fühlbar und wird unsere Kunst, welche wie im Traume historischer Erinnerungen dahinsäuselt und trotz alles Pochens auf Selbständigkeit doch nur Nachblüthen treibt, im Style der Bolognesischen Incamminaten, mit dem schmutzigen Realismus eines Caravaggio oder Luca Giordano nicht verschonen.
Allgemeine Zeitung Nr. 163. Beilage zur Allgemeinen Zeitung. Donnerstag, 12. Juni 1879.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Schraudolph Johann, von, 1808 (Oberstdorf/Allgäu) – 1879, Kirchen-, Historienmaler und Akademieprofessor; Schüler der Münchner Akademie, wurde Sch. nach Studien in Ravenna, Florenz, Perugia und Rom 1832 Mitarbeiter Heinrichs von Hess und 1849 Professor an der Münchner Akademie; er war an der Ausmalung der Allerheiligen-Hofkirche und an den Fresken der Basilika St. Bonifaz – und zusammen mit seinem Bruder Claudius Sch. und A. Baumann – des Kaiserdoms zu Speyer beteiligt.
Hauptwerke: Fresken, Szenen aus der Urkirche und dem Leben des hl. Bernhard von Clairvaux im Dom zu Speyer, Ölbilder: Petri Fischfang und Christus heilt Kranke in der Bayerischen Staatsgemäldesammlung, Kartons für Glasfenster in Maria-Hilf in München-Au, in St. Martin in Landshut und im Regensburger Dom; seine Fresken zeigen bei aller Idealität eine heute nicht mehr genügende Monumentalität, seine Ölbilder wirken mehr durch Sorgfalt im Detail als durch überzeugende Lebendigkeit, Schs. Tüchtigkeit zeigt sich vor allem in der Darstellung ruhiger, friedlicher Stoffe, wo er Klarheit der Schilderung und Schlichtheit des Erfassens beherrscht; dieser überzeugte katholische Künstler, der typische Vertreter der Nazarener, ist Begründer und erster Vorstand des Christlichen Künstlervereins.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#15 – 2 – 1 (März)
Hier ruhen in Frieden:
Herr Johann März
Gastwirth,
geb. d. 29. Mai 1830, gest. d. 8. Aug. 1884.
Ihm folgte seine theure Gattin.
unsere liebe Mutter
Frau Karolina März
geb. Kummer,
geb. d. 12. Juni 1835, gest. d. 6. Okt. 1898.
Ihnen folgte mein unvergesslicher Gatte,
unser lieber Bruder
Herr Josef März
Privatier ehem. Besitzer des Ludwigsbades
geb. d. 1. März 1865 gest. d. 21. Juli 1919.
- März, Johann; 29.5.1830 – 8.8.1884; Gastwirt
- März, Josef; 1.3.1865 – 21.7.1919; Besitzer des Ludwigsbades
- März, Karolina (vw) / Kummer (gb); 12.6.1835 – 6.10.1898; Gastwirts-Witwe


#15 – 2 – 2 (Priller)
Familie Priller
Hier ruhen
mein lieber herzensguter Gatte, unser Vater
Herr Franz Priller
Straßenbahn-Oberschaffner i. R.
* 15.3.1876 † 12.3.1933.
Sockel
Zu früh gingst Du schon himmelwärts,
Ruhe sanft, geliebtes Vaterherz!
- Priller, Franz; 15.3.1876 – 12.3.1933; Strassenbahn-Oberschaffner i. R.


#15 – 2 – 3 (Conouz · Grünbeck)


#15 – 2 – 4 (Bucka · Döderlein)
Hier ruhen in Frieden
unsere liebe Mutter & Schwiegermutter
Frau Katharina Döderlein.
geb. 26. Dezember 1818, gest. 16. August 1886.
Ihr folgte deren Enkel, unser
einziger, innigstgeliebter, edler Sohn
Karl Bucka,
Bankcommis,
geb. 14. October 1869, gest. 8. Dezember 1890.
Meine liebe, treubesorgte
unvergessliche Gattin
Frau Lina Bucka,
geb. 8. November 1842, gest. 5. Februar 1906.
Sockel
Ruhestätte der Familie Bucka.
15.2.4. Babenstuber.
Rechte Seite
Hier ruhen
Herr Christian Bucka
geb. 17. Mai 1838, gest. 3. Oktober 1914.
Meine liebe, unvergessliche Gattin
Frau Anna Bucka geb. Rupprecht,
geb. 30. April 1851 in Nürnberg,
gest. 27. November 1926.
Deren Gatte
Herr Erhard Bucka
geb. 18. Januar 1854 in Weissenstadt,
gest. 15. Februar 1941.
Liegestein
Friede
sei mit euch!
- Bucka, Anna (vh) / Rupprecht (gb); 30.4.1851 (Nürnberg) – 27.11.1926 (München)
- Bucka, Christian; 17.5.1838 – 3.10.1914 (München); Privatier
- Bucka, Erhard; 18.1.1854 (Weissenstadt) – 15.2.1941
- Bucka, Karl; 14.10.1869 – 8.12.1890 (München); Bankkommis
- Bucka, Lina (vh); 8.11.1842 – 5.2.1906 (München); Privatiers-Gattin
- Döderlein, Katharina (vh); 26.12.1818 – 16.8.1886






#15 – 2 – 5 (Strohmayer)


#15 – 2 – 14 (Pestalozza)
Grabstätte der
gräflichen Familie
v. Pestalozza.
- Pestalozza, Otto Graf von; 3.7.1825 (Pirka) – 10.9.1900 (München); Rentier
- Pestalozza, Wilhelmine Gräfin von / Dauer (gb); – 1.8.1890 (München), 62 Jahre alt; Landrichters-Tochter / Rentiers-Gattin



#15 – 2 – 16 (Mayer)
DR. FRANZ ANTON
MAYER
1773 – 1854
FORSCHER
AM RÖMISCHEN
LIMES IN
BAYERN
- Mayer, Franz Anton, Dr. theol.; 31.7.1773 (Beilngries/Opf.) – 4.5.1854 (München); Geistlicher und Heimatforscher


#15 – 2 – 22 (Lang)
Lang’sches Familiengrab.
Hier ruhen
Anton Lang
k. Hofbaukondukteur,
geb. 1794, gest. 1860.
Anna Lang, geb. Ginzer,
geb. 1797, gest. 1861.
Theres Lang, geb. Ferchmienn
k. Oberbauführersgattin,
geb. 16. Okt. 1828, gest. 1. April 1892.
Herr Joh. Nep. Lang
kgl. Oberbauführer
geb. 11. Mai 1824, gest. 19. Dez. 1905.
Unser unvergesslicher Gatte u. Vater
Herr Coloman Carl Lang
Kaufmann,
geb. 2. Nov. 1857, gest. 23. Febr. 1921.
Unsere liebe gute Mutter
Frau Margarethe Lang
geb. Habermeyer
geb. 20. Juni 1861, gest. 2. Okt. 1929.
- Lang, Anna Maria (vw) / Ginzer (gb); 1797 – 23.2.1861 (München); Hofbaukondukteurs-Witwe
- Lang, Anton Ignaz; 1794 – 30.12.1860 (München); Königlicher Hofbaukondukteur
- Lang, Coloman Karl; 2.11.1857 – 23.2.1921; Kaufmann
- Lang, Johann Nepomuk; 11.5.1824 – 19.12.1905; Königlicher Oberbauführer
- Lang, Margarethe (vw) / Habermeyer (gb); 20.6.1861 – 2.10.1929; Kaufmanns-Witwe
- Lang, Theres (vh) / Ferchmienn (gb); 16.10.1828 – 1.4.1892; Oberbauführers-Gattin


#15 – 2 – 39* (Resenschek)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Resenschek, Babette; – 29.6.1888 (München), 17 Jahre alt; Dekorationsmalers-Tochter

Das Grab ist nicht erhalten

#15 – 2 – 41* (Ernst)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Ernst, Julius; 4.9.1830 (Winterthur) – 27.8.1861 (München); Kupferstecher

Das Grab ist nicht erhalten
#Julius Ernst
* 4.9.1830 (Winterthur)
† 27.8.1861 (München)
Kupferstecher
#Allgemeines Künstler-Lexicon (1895)
Ernst, Julius, Kupferstecher, geb. 4. Sept. 1830 in Winterthur, † 27. Aug. 1861 in München, einer der besten Schüler von Thaeter, stach treffliche Blätter nach Overbeck: Auffindung des Moses, Das Mannalesen, Lazarus und der reiche Mann, Die Tochter des Jairus; nach M. Schwind: Die Einweihung des Münsters in Freiburg (unter Thaeters Leitung) und Die Symphonie von Beethoven nach Grünenwald.
Allgemeines Künstler-Lexicon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Frankfurt am Main, 1895.

#15 – 2 – 45 (Pfeufer)
Hier ruhet
Herr Christian v. Pfeufer
k. Bankdirektor a. D.
Comthur und Ritter hoher Orden
geb. 8. März 1808, gest. 27. Dezember 1882.
Herr Christian Pfeufer
k. Oberlandesgerichtsrat
geb. 6. August 1849, gest. 20. Dezember 1905.
Frau Babette von Pfeufer
Bankdirektors-Witwe
geb. 11. Juni 1822, gest. 30. Oktober 1912.
Frau Maria Pfeufer
Oberlandesgerichtsratswitwe
geb. 7. September 1871, gest. 21. Juli 1922.
R. I. P.
- Pfeufer, Babette von (vw); 11.6.1822 – 30.10.1912; Bankdirektors-Witwe
- Pfeufer, Christian; 6.8.1849 – 20.12.1905; Oberlandesgerichtsrat
- Pfeufer, Christian von; 8.3.1808 – 27.12.1882; Bankdirektor
- Pfeufer, Marie (vw); 7.9.1871 – 21.7.1922; Oberlandesgerichtsrats-Witwe


#15 – 3 – 2* (Cavallo)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Cavallo, Johann Nepomuk Anton; – 24.1.1839 (München), 33 Jahre alt; Ratsaccessist

Das Grab ist nicht erhalten

#15 – 3 – 3 (n. n.)


#15 – 3 – 10 (Riedl)


#15 – 3 – 13 (Beck)
Hier ruht
der Rechtscandidat
Ludwig Beck
Notarssohn von Eichstätt,
geboren am 21. August 1837
zu Kipfenberg,
gestorben am ¿. August 1880
zu München
Friede seiner Asche
- Beck, Ludwig; 21.8.1837 (Kipfenberg) – ¿.8.1880 (München); Notars-Sohn / Rechtskandidat


#15 – 3 – 14 (Baumann)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Baumann, Joh. Bapt.; – 1890; Rechtskandidat


#15 – 3 – 16 (n. n.)


#15 – 3 – 17 (Müller)


#15 – 3 – 41 (Gustapfel)
Hier ruhen in Gott:
unser unvergesslicher Gatte u. Vater
Herr Kaspar Gustapfel,
Baumeister in München.
geb. am 6. Januar 1830,
gest. am 10. November 1899.
Unsere liebe treubesorgte Mutter
Frau Therese Gustapfel
geb. Pöllmann.
geb. am 3. Mai 1851. gest. am 31. Dezember 1936.
R. I. P.
Rechte Seite
Wilhelmine Gustapfel,
geb. am 27. Dez. 1880. gest. am 21. März 1882.
Ludwig Gustapfel,
geb. am 25. Aug. 1884. gest. am 12. Sept. 1885.
Sockel
15.3.41.
- Gustapfel, Kaspar; 6.1.1830 – 10.11.1899; Baumeister
- Gustapfel, Ludwig; 25.8.1884 – 12.9.1885
- Gustapfel, Therese (vw) / Pöllmann (gb); 3.5.1851 – 31.12.1936; Baumeisters-Witwe
- Gustapfel, Wilhelmine; 27.12.1880 – 21.3.1882


#15 – 3 – 47 (Harrasser)


#15 – 3 – 53 (Schmidt)


#15 – 3 – 55 (Baumann)
FRIEDE
Adolf Baumann
Historienmaler
1829 – 1865
- Baumann, Adolf; 12.9.1829 (München) – 5.2.1865 (München); Historienmaler

#Adolf Baumann
* 12.9.1829 (München)
† 5.2.1865 (München)
Historienmaler
#Münchener Bote für Stadt und Land (8.6.1865)
Hauptstadt-Neuigkeiten.
München, 7. Juni.
Wie wir vernehmen, wird demnächst die Versteigerung des künstlerischen Nachlasses des leider zu früh dahingeschiedenen Historienmalers Adolf Baumann statthaben. Alle Kunstfreunde machen wir auf die schönen Arbeiten aufmerksam, die unser Künstler als Früchte seines Fleißes und entschiedenen Talentes aus dem kunstgeweihten Italien mit in die Heimath gebracht hatte. Wir finden hier nicht allein eine Anzahl von Costüm- und Aktstudien, sondern auch äußerst werthvolle Copien nach Gemälden Titians, Paul Veronese u. A., die Baumann am Orte der Originale in tiefster Empfindung nachbildete, und die nach dem Ausspruche aller Kunstkenner in überraschender Weise den Geist dieser berühmten Meister wiedergeben. Baumann’s eigene Compositionen im historischen Fache sind zu bekannt, um sie hier eingehender zu besprechen; sie zeichnen sich alle in gleicher Weise durch tiefgefühlte religiöse Empfindung aus und finden wir solche in seinem Nachlasse vielfach als Handzeichnungen und Farbenscizzen. Von vorzüglicher Wirkung aber sind zwei leider nicht mehr vollendete Compositionen »die trauernden Frauen am Grabe des Herrn« und »die Auffindung des Moses«; letztere ist als der Schwanengesang unseres vielversprechenden Künstlers zu betrachten; wir können nicht umhin, die vielen Freunde Baumann’s auf diese Versteigerung aufmerksam zu machen; sie bietet Gelegenheit ein Gedenkblatt aus dem Leben eines in jeder Weise vorzüglichen Künstlers sich zu erwerben.
Münchener Bote für Stadt und Land No. 136. München; Donnerstag, den 8. Juni 1865.
#Allgemeine Deutsche Biographie (1875)
Baumann: Adolf Christian B., Historienmaler, geb. zu München 1829 † ebenda 1865, besuchte die Akademie von 44–48, wo er bald specieller Schüler Schraudolph’s wurde, dem er dann beim ganzen Verlauf seiner Arbeiten im Speirer Dom zur Seite stand. Nach ihrer Vollendung erhielt er von König Ludwig ein Reisestipendium um Italien zu besuchen, wo er drei Jahre blieb. Zurückgekehrt führte er nun eine Reihe selbständiger Arbeiten aus, zunächst zwei große Frescobilder in den Arcaden des südlichen Münchner Friedhofs: die Himmelfahrt Christi und die Erweckung von Jairi Töchterlein darstellend, dann stereochronisch eine Kreuzigung am Isarthor, vier Wandbilder im Nationalmuseum, u. a. m. Letztere sind unerheblich, die religiösen dagegen, in ihrer dem durch H. Heß geschaffenen und von Schraudolph fortgesetzten Kirchenstil sich durchaus anschließenden Art zeigen B. als einen ebenso gewandten als sorgfältigen und feinfühligen Künstler. Ohne auffallende Eigenthümlichkeit sind es achtbare Kunstwerke von edlem und einfachem, bei den einzelnen Individualitäten glücklicher nüancirtem Ausdruck, als dies bei der etwas conventionellen Frömmigkeit der Schultypen sonst gewöhnlich ist.
F. Pecht.
Friedrich Pecht: Allgemeine Biographie der Deutschen. Leipzig, 1875.
#Allgemeines Künstler-Lexicon (1895)
Baumann, Adolf, Historienmaler, geb. 12. Sept. 1829 in München, † 5. Febr. 1865 das., besuchte die dortige Akademie, wurde Schüler Schraudolph’s und dessen Gehilfe bei den Malereien im Dom zu Speyer, bildete sich 3 Jahre in Italien und malte Fresken in den Arkaden des Friedhofs und am Isarthor in München. In der Neuen Pinakothek von ihm eine Madonna mit dem Kinde.
Allgemeines Künstler-Lexicon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Vorbereitet von Hermann Alexander Müller. Herausgegeben von Hans Wolfgang Singer. Erster Band. Frankfurt am Main, 1895.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Baumann Adolf, 1829 (München) – 1865, Historienmaler; er besuchte 1844–1848 die Kunstakademie in München und war Schüler von J. von Schraudolph, dem er bei den Fresken im Dom von Speyer behilflich war; die Kreuzigung an der Ostseite des Münchner Isartors gehört zu seinen ersten Arbeiten; mit einem Stipendium ging B. auf drei Jahre nach Italien; auch er gehört zu den Hauptvertretern der Münchner Nazarener.
Hauptwerke: vier Bilder im Nationalmuseum aus der bayerischen Geschichte, zwei Altarbilder in der Pfarrkirche von Geltolfing bei Straubing.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#15 – 4 – 6 (Schönfelder)
HIER RUHEN
DIE IRDISCHEN RESTE
DER WOHLGEBORNEN FRAU
BARBARA SCHÖNFELDER
GEB. HIRT
BÜRGERMEISTERS-WITTWE.
GEB. 13.1.1808 ZU BAMBERG,
GEST. 22.7.1886 ZU MÜNCHEN.
R. I. P.
HEBR. 13,8.
- Schönfelder, Barbara (vw) / Hirt (gb); 13.1.1808 (Bamberg) – 22.7.1886 (München); Bürgermeisters-Witwe


#15 – 4 – 7 (Schirr · Thanner)


#15 – 5 – 8 (Schuster)
Ruhestätte.
Hier ruht in Gott
meine treue Gattin unsere gute Mutter
Frau Maria Schuster
geb. Schranner,
Gastwirts-Gattin
geb. 23.4.1865, gest. 22.9.1925.
Ihr folgte unser lieber Vater,
Herr Franz Xav. Schuster
Gastwirt
geb. 6.12.1862, gest. 24.3.1935.
Sockel
Trennung unser Los,
Wiedersehen unsere Hoffnung!
15.5.8. A. Lallinger.
Rückseite
41.4.31. Burlein.
- Schuster, Franz Xaver; 6.12.1862 – 24.3.1935; Gastwirt
- Schuster, Maria (vh) / Schranner (gb); 23.4.1865 – 22.9.1925; Gastwirts-Gattin


#15 – 5 – 24 (Rauecker)
HIER RUHT
IN FRIEDEN
SEB. RAUECKER
GEB. 18. JAN. 1825
GEST. 27. FEB. 1904.
FRAU ELISE RAUECKER
GEB. 20.10.1884 GEST. ¿
SEB. RAUECKER
GEB. 1. SEPT. 1852 GEST. ¿
- Rauecker, Elise (vh); 20.10.1884 – ¿
- Rauecker, Sebastian; 18.1.1825 (Neustadt a. D.) – 27.2.1904 (München); Gärtners-Sohn / Gastwirt
- Rauecker, Sebastian; 1.9.1852 – ¿

#Sebastian Rauecker
* 18.1.1825 (Neustadt a. D.)
† 27.2.1904 (München)
Gärtners-Sohn / Gastwirt
#Münchner Neueste Nachrichten (1.3.1904)
Lokales.
München, 29. Februar.
Beerdigung. Unter großer Teilnahme von Leidtragenden wurde Montag Nachmittag ein angesehener Bürger und großer Wohltäter der Armen Herr Privatier Sebastian Rauecker auf dem südlichen Friedhofe zu Grabe getragen. Die Mitglieder der Vereinigung ehemaliger Angehöriger des 2. Infanterie-Regiments mit Fahne und Musikkapelle des Hauptvereins eröffneten den Trauerzug, der sich unter den Klängen des Höggschen Trauermarsches zur geschmückten Grabstätte berwegte. Dem mit Kränzen bedeckten von 6 Flambeausträgern geleiteten Sarge folgten außer den nächsten Hinterbliebenen Geh. Hofrat Höglauer, Generalarzt a. D. Dr. Broxner, die Hauptleute v. Reck und Knorr, Vertreter des »S. C.« und des Korps »Cisaria«, Mitglieder der Gesellschaft »Harbni« und des Gewerbevereins der Gastwirte Münchens sowie zahlreiche Bekannte des Verstorbenen. Am Grabe widmete der fungierende katholische Geistliche dem Dahinhgeschiedenen einen Nachruf. Danach war er 1825 in Neustadt a. D. als Sohn eines Gärtners geboren, besuchte dann die Lateinschule in München. Nach absolviertem Militärdienst wurde er Gastwirt. Als langjähriger irt im Augustiner-Keller steht er noch vielen wegen seiner Liebenswürdigkeit und seines rechtlichen Sinnes in Erinnerung; namentlich die studentische Jugend schätzte ihn als Herbergsvater. Später erwarb er dann das Restaurant »Burg Raueck«. Um die Verwundeten im Feldzuge 1870/71 erwarb er sich große Verdienste wie auch als Mitglied der städtischen Armenpflege. Am Grabe legten die Vereinigung ehemaliger Angehöriger des 2. Infanterie-Regiments sowie der Gewerbeverein der Gastwirte Münchens u. a. Kränze nieder. Zum Schlusse spielte die Veteranenkapelle das Begräbnislied von Nägele.
Münchner Neueste Nachrichten No. 101. Dienstag, den 1. März 1904.

#15 – 5 – 38* (Schweiger)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Schweiger, Alois; – Juni 1886 (München); Bildhauer
Das Grab ist nicht erhalten

#15 – 5 – 51 (Freundorfer · Neuschl)
MARIA NEUSCHL
GEB. SCHMID
GEB. 2. FEBRUAR 1826 DACHAU
GEST. 17. JUNI 1886 MÜNCHEN
DEREN TOCHTER
MARIA FREUNDORFER
GEB. SCHMID
GEB. 12. JULI 1860 MÜNCHEN
GEST. 22. DEZEMBER 1926 MÜNCHEN
FRANZ XAVER FREUNDORFER
STEINDRUCKER-CHEMIGRAF
GEB. 2. SEPTEMBER 1858 HEBERTSFELDEN
GEST. 22. DEZEMBER 1938 MÜNCHEN
- Freundorfer, Franz Xaver; 2.9.1858 (Hebertsfelden) – 22.12.1938 (München); Steindrucker-Chemigraph
- Freundorfer, Maria (vh) / Schmid (gb); 12.7.1860 (München) – 22.12.1926 (München)
- Neuschl, Maria (vh) / Schmid (gb); 2.2.1826 (Dachau) – 17.6.1886 (München)


#15 – 6 – 2 (Bischoff)


#15 – 6 – 4 (Weber)


#15 – 6 – 9 (Dallmayer · Schmeller)
Hier ruhen in Gott
Herr
Karl Dallmayer
kgl. Locomotivführer,
geb. 30. März 1850, gest. 20. Juni 1898.
Seine Gattin, meine liebe Mutter
Frau Marie Dallmayer,
geb. Schmeller,
geb. 10. Juni 1832, gest. 20. Sept. 1906.
Frl. Eugenie Dallmayer
geb. ¿. Jan. 1874, gest. ¿. Nov. 1930.
Sockel
Herr Xaver Schmeller
geb. 3. Febr. 1813, gest. 20. Novbr. 1892.
Schwarz
- Dallmayer, Eugenie; ¿.1.1874 – ¿.11.1930
- Dallmayer, Karl; 30.3.1850 – 20.6.1898; Lokomotivführer
- Dallmayer, Marie (vw) / Schmeller (gb); 10.6.1832 – 20.9.1906; Lokomotivführers-Witwe
- Schmeller, Xaver; 3.2.1813 – 20.11.1892


#15 – 6 – 21* (Ramml)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Ramml, Josef; – 1886 (München); Musiker
Das Grab ist nicht erhalten

#15 – 7 – 1 (Mayr)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Mayr, Franz Xaver; 25.9.1803 – 29.9.1842 (München); Schauspieler

#Franz Xaver Mayr
* 25.9.1803
† 29.9.1842 (München)
Schauspieler
#Der Bayerische Landbote (11.10.1842)
Notizen über Kunst.
Xaver Mayr.
(Geboren den 25. Sept. 1803, gestorben den 29. Sept. 1842)
Zweifelsohne wird und schon das mehr als zwanzigjährige eben so rege als erfolgreiche Wirken Xaver Mayr’s an unserer Bühne entschuldigen, wenn wir auf seine wichtigeren Lebensmomente ausführlicher zurückkommen, als es die uns gezogenen engen Gränzen vielleicht zu gestatten scheinen; aber wir glauben uns sogar schmeicheln zu dürfen, daß wir viele unserer Leser uns verpflichten, wenn wir sie in solcher Weise noch einmal an einen Künstler erinnern, der sich im Leben einer so allgemeinen Achtung zu erfreuen hatte, und dessen für seine Familie und Freunde, für seine Geistes- und Körperkraft, und für seinen Beruf leider nur allzufrüh erfolgter Tod mit dem vollsten Recht so allseitig beklagt worden ist.
Xaver Mayr war bekanntlich geborener Münchner und lebte im vollsten Sinne des Wortes nur in und für München; denn nicht nur bemühte er sich nie ernsthaft um ein auswärtiges Engagement, sondern er verließ auch dir Stadt kaum ein einziges Mal länger als bloß ganz kurz vorübergehend. Vom Vater, dem königl. Polireiinspektor X. Mayr, frühzeitig tüchtigen Lehrern übergeben, schien seine zukünftige Laufbahn eine wissenschaftliche seyn zu sollen. Aber schon sehr bald erwachte in ihm jener rege Sinn für die Kunst, der ihn nie wieder verlassen hat, der seines Lebens Glück bildete, von dem er sich in den Stunden auch der herbsten Prüfung getragen fühlte, und der ihn auch zu mancherlei Leistungen in seinem Beruf befähigte, die er vermöge seiner Individualität wohl nicht suchen, aber in Folge seiner eigenthümlichen Stellung auch nicht von sich weisen konnte. So schied er denn vom Gymnasium, nicht um sich den akademischen Studien zuzuwenden, sondern um Schauspieler zu werden. Wie ihn aber wirklich ein innerer Beruf, nicht etwa leichter Sinn oder eine bloß flüchtige Neigung dabei geleitet, dafür bürgt der Ernst, mit welchem er sich alsbald seiner künstlerischen Ausbildung widmete. An Vorbildern konnte es dem Jüngling in der Hauptstadt nicht fehlen. Lehrer im eigentlichen Sinne war ihm damals der königl. Hofschauspieler und Regisseur Karl Reinhard. Wohl mögen Privat- und Gesellschaftstheater in kleineren Städten nicht recht zu dulden seyn, ja sie stiften im Ganzen vielleicht selbst in den größten mehr Unheil als Heil; gleichwohl dürften in Bezug auf die Bühne unseres Frohsinns sich in Folge freundlicher Erinnerungen an die Leistungen derselben gewiß Hunderte zu einer Milderung solchen Unheiles geneigt fühlen. Auch daß sie von jeher angehenden Künstlern Gelegenheit gab, sich zu versuchen und ihre Befähigung zu dem gewählten, schwierigen Beruf zu bewähren, zählt zu ihren unbestrittenen Verdiensten. Xaver Mayr machte auf derselben schon am 21. Oktober 1819 seinen ersten theatralischen Versuch als Louis in dem Vogelschen Schauspiel »General Moreau,« und als Kaspar in dem Lustspiel »Die Uniform des Feldmarschalls Wellington« von Kotzebue. Noch bei einer Menge von Vorstellungen war er im Frohsinn durch die beiden folgenden Jahre thätig, ja es ist nicht unmöglich, daß sich das eine und andere Mitglied dieser geachteten Gesellschaft aus jener Zeit noch heute des ermunternden Beifalls erinnert, mit welchem der junge Mayr damals z. B. als Steffen im Dilg’schen Lustspiel »Der Korb,« als Jakob in dem Schauspiel »Die Versöhnung« von J. von Weissenthurn, als Wiese in dem Lustspiele von Steigentesch »Die Mißverständnisse,« und in anderen ähnlichen Rollen debütirte. Dieser lenkte denn auch die Aufmerksamkeit Karls auf ihn, von welchem er im Mai 1822 an der Bühne des damals noch bestehenden Isarthor-Theaters einen größeren Wirkungskreis geöffnet erhielt, jedoch nur für wenige Monate, denn schon während des Sommers 1822 spielte Mayr abwechselnd auf der Bühne des königlichen Hoftheaters an der Residenz, und unter dem 22. September wurde er als königl. Hofschauspieler bei dem Hof- und Nationaltheater wirklich engagirt.
(Forts folgt.)
Der Bayerische Landbote No. 284. München, den 11. Oktober 1842.
#Der Bayerische Landbote (12.10.1842)
Notizen über Kunst.
Xaver Mayr.
(Fortsetzung.)
Die erste Rolle, in welcher Xaver Mayr auf der Bühne des Hof- und Nationaltheaters entschiedenen Beifall erntete, war jene des Fridolin im gleichnamigen Schauspiel von Holbein; doch gefiel er um jene Zeit auch besonders als Eduard in dem damals so beliebten Stück »Das Mädchen von Marienburg,« als Stern in dem Gubitz’schen Lustspiel »Die Talentprobe,« als Babylas im Castelli’schen Drama »Die Waise und der Mörder,« als Rose in dem Schauspiel »Reue und Ersatz« von Vogel, als Heide in dem Lustspiel »Die Neugierigen« von L. Schmidt, als Esquire Harris in dem Beck’schen Schauspiel »Rettung für Rettung,« als Ritter Hans von Treuenstein in dem Holbein’schen Ritterschauspiel »Das Turnier zu Kronstein,« als Hauptmann Peinbek in dem Lustspiel »Der todte Gast« von L. Robert, und wohl noch in mancher anderen Rolle. Gewiß ist, daß er sich schon in jener Zeit, die seine eigentliche Bildungs- und Entwicklungsperiode hätte seyn sollen, zu vielfach beschäftigt sah, um einzelnen Kunstzweigen seine ganze Kraft und seine vollen Studien widmen zu können. Indessen blieb das Fach jugendlicher Liebhaber und noch mehr jenes der Naturbursche dasjenige, in welchem er sich vorzugsweise gern verwenden ließ und in dem er einer beifälligen Aufnahme und Anerkennung seiner Leistungen vornherein am sichersten seyn konnte. Darüber verging aber Tag um Tag und Jahr um Jahr, ohne daß sich in seinen Verhältnissen und Beziehungen eine wesentliche Aenderung ergeben hätte. Zu einem endlichen Ausflug in die Ferne mußten ihn Freunde und theilnehmende Gönner fast nöthigen, so sehr war ihm die Erfüllung seiner Berufspflichten das Erste, dem er nachstrebte, so wenig lag ihm bei allem Ehrgefühl und bei der größten Freude über jede ihm zu Theil werdende Gunst des Publikums an der sogenannten auswärtigen Künstler-Renommée, und so gerne mißtraute er auch sich und seinem guten Glück in schwachen Stunden. Selbst der erste überaus glückliche Erfolg änderte in dem Allen nichts. Mayr wurde nämlich in Linz, wohin er jenen Ausflug im September 1830 gemacht hatte, so wohlwollend und auszeichnend aufgenommen, daß vielleicht mancher Andere an seiner Stelle mit der Miene und Haltung des Triumphators heimgekehrt wäre. Er trat an sechs Abenden auf der dortigen Bühne auf,*) und wurde an jedem mit dem rauschendsten Applaus für sein gutes Spiel belohnt, auch jedesmal, und mitunter wiederholt, einstimmig gerufen. Die freundlichste Erinnerung an jene Tage mag ihn wohl nie verlassen haben, aber zu einer größeren Kunstreise konnte sie ihn doch nicht veranlassen. Nach München zurückgekehrt, war er vielmehr wieder unablässig thätig unter dem alten Wechsel zwischen eben so wichtigen als schwierigen Rollen und zwischen solchen von nur geringer oder winziger Bedeutung. Nie krank, nie unaufgelegt, vielmehr stets zur Erfüllung der eignen Pflichten und auch zur Aushilfe für Andere bereit,**) ist’s kein Wunder, wenn wir ihn fast bei allen Darstellungen auf dem Gebiet des recitirenden Schauspiels und gelegentlich selbst in Opern u. dgl. m. beschäftigt sahen. »Aber er war eben so brauchbar, – äußerte sich einer seiner Collegen jüngst gegen den Referenten, – daß man jede seiner beiden Hälften wieder gerade so oft verwendet haben würde, hätte man ihn anders nur erst theilen können.« Ein großes Lob zugleich für den Verewigten, und zugleich der nöthige Fingerzeig für diejenigen, welche die Erscheinung erklärt wissen wollen, daß Xaver Mayr bei seinem schönen Talent, bei seinen guten Studien, bei seiner leichten Auffassungsgabe, endlich bei seinem unermüdlichen Fleiß, sich doch nicht aus seiner bescheidenen Stillung emporarbeiten, nicht zu jenem Kunsthöhepunkt gelangen konnte, zu dessen Erreichung es ihm doch an innerer und äußerer Kraft so durchaus nicht zu fehlen schien.
(Schluß folgt.)
*) Als Junker Hans in »Der Landjunker zum erstenmal in der Residenz,« als Hans Sachs in dem gleichnamigen Drama, als Anton in den »Jägern,« als Baron von Reutheim im »Alpenröslein,« als Major von der Horst in »Mesnchenhaß und Reue,« als Sigmund in dem Lustspiel »Die beiden Grenadiere,« und als Peter in der Posse »Der Wittwer.«
**) Ließ sich Mayr doch am 1. März 1839 bewegen, die Rolle Eduard’s von Herder in den Schleichhändlern für einen Collegen aus dem Buch auf der Bühne abzulesen!
Der Bayerische Landbote No. 285. München, den 12. Oktober 1842.
#Der Bayerische Landbote (14.10.1842)
Notizen über Kunst.
Xaver Mayr.
(Schluß.)
Gleichwohl verging kaum ein einziges Jahr, in welchem Xaver Mayr nicht durch die glückliche Lösung einer neuen, größeren Aufgabe seine Tüchtigkeit frisch erprobt, sich als denkenden umsichtigen und bühnengewandten Künstler bewährt hätte. Es hieße jedoch die Aufmerksamkeit unserer Leser absichtlich ermüden, wollten wir alle einzelnen Rollen der Reihe nach aufzählen, die sich für diese Behauptung als Beweise anführen ließen. Zudem liegt der letzte Abschnitt der Thätigkeit Mayr’s der Erinnerung aller Theaterfreunde noch so nah, daß es kaum mehr als flüchtiger Andeutungen bedarf. Wir gedenken deshalb zum Schluß noch seines Aeiplers, seines Ballandard, seines trefflichen Gianuettino Doria, seines Astragalus, und zwar des letzteren als einer Rolle, in der er ursprünglich sehr würdig neben Raimund gestanden hatte, und die ihm seinen letzten Triumph bereiten sollte, indem er in derselben noch kurz nacheinander am 19. und 28. August mit lautem Beifall belohnt und gerufen wurde. Zwar trat er noch an zwei späteren Abenden auf, zum letzten Mal am 1. September als Horatio neben Rott in Shakespeare’s Hamlet, aber in dieser Rolle schon krank im vollsten Sinne des Wortes.
Was unsere Bühne an Xaver Mayr verloren, zweifelsohne wird sie selbst es am längsten empfinden; denn gerade Schauspieler seiner Gattung sind anerkannt am schwierigsten zu ersetzen. Aber wir haben am 1. Oktober nicht nur dem verdienten Künstler die letzte Ehre erwiesen, wir erzeigten sie auch dem Ehrenmanne, dem Menschen von seltener Tüchtigkeit; denn beides war Xaver Mayr im vollsten Sinne des Wortes.
Wie sehr der Verewigte zunächst bemüht gewesen seyn müsse, seine Stellung in jeder Beziehung auszufüllen, allen an ihn gemacht werdenden Ansprüchen zu genügen, sich um die Anstalt, welcher er seine Kräfte gewidmet, möglichst verdient zu machen, das erhellet wohl am sichersten aus der Würdigung seines Strebens unter vier aufeinander folgenden Intendanzen. Unwahr wäre, nicht zuzufügen, daß er mit wohl allen seinen Collegen das letztvergangene Halbjahr in Bezug auf die hier angedeuteten Verhältnisse als die schönste Periode in einer langen Zeit bezeichnete. Mit wie gutem Glück er ferner jene großen und kleinen Fehler zu vermeiden wußte, die sich so gern zwischen Schauspieler und Schauspieler stellen, um ihnen gelegentlich das Leben zu erschweren, oder sich selbst ihren Beruf zu verleiden, und vor Allem dem Gedeihen der Bühnenanstalten hinderlich zu werden, das ist allbekannt, nicht minder, daß ihm sein redliches Herz, sein frenudlicher Wille und ein gesunder Takt dabei bestens förderlich seyn mußten. Was er endlich als Freund dem Freund habe seyn wollen und was als Familienvater den Seinigen, dafür erinnern wir an das innige Band, welches ihn an Eßlair geknüpft hat bis an des großen Mimen Todesstunde, und an sein nie ernsthaft getrübtes eheliches und häusliches Glück durch volle dreizehn Jahre. Als es nicht nur für Viele zur Mode geworden war, um Eßlair sich nicht mehr besonders zu bekümmern, sondern für Manchen sogar zur traurigen Nothwendigkeit, gerade da stand Xaver Mayr dem Verlassenen so befreundet nah, wie der Jünger dem Meister, der angehende Mann dem betagten Greis nur je zu stehen vermag. Und auch den Seinigen war er nie wärmer zugethan, als wenn sie seiner eben am dringendsten bedurften.
Wir würden nur Allbekanntes wiederholen, wollten wir dem zufügen, wie sehr Vorgesetzte, Collegen, Freunde, und nicht minder das große Publikum unsern zu früh verstorbenen Xaver Mayr nach seinem Tod geehrt haben. Möge die Erde ihm leicht und sein Andenken unter uns noch lange ein freundliches seyn!
Der Bayerische Landbote No. 287. München, den 14. Oktober 1842.

#15 – 7 – 5 (Hefner)
DR. PHIL.
JOHANN HEFNER
* 1799 † 1862
GESCHICHTSFORSCHER
UND WOHLTÄTER
UND SEIN SOHN DR. PHIL.
OTTO TITAN HEFNER
* 1827 † 1870
JURIST, HERALDIKER
UND GENEALOGE
- Hefner, Agnes von; – 16.1.1857 (München), 12 Jahre alt; Professors-Tochter
- Hefner, Berta von; 1.5.1828 – 1.5.1839 (München); Professors-Tocher
- Hefner, Ida von; – 15.2.1853 (München), 21 Jahre alt; Professors-Tochter
- Hefner, Johann Josef Willibald, Dr. phil.; 1799 (Augsburg) – 16.9.1862 (München); Gymnasialprofessor
- Hefner, Katharina von; – 25.2.1863 (München), 62 Jahre alt; Professors-Witwe
- Hefner, Ludwig von; 16.7.1838 – 11.4.1911
- Hefner, Otto Titan von, Dr. phil.; 1827 (München) – 10.1.1870 (München); Jurist, Heraldiker und Genealoge


#Dr. phil. Johann Josef Willibald Hefner
* 1799 (Augsburg)
† 16.9.1862 (München)
Gymnasialprofessor
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Hefner Johann Josef Willibald, Dr. phil., 1799 (Augsburg) – 1862, Gymnasialprofessor, Assistent des Königlichen Antiquariums und Mitglied der BAkdW; er studierte in München bei F. W. von Thiersch Philologie und Pädagogik, betrieb als Gymnasiallehrer Forschungen über die Geschichte der bayerischen Klöster (veröffentlicht im Oberbayerischen Archiv) und beschäftigte sich mit der Inventarisation der römischen Denkmäler und Funde in Bayern (Das römische Bayern in seinen Schriften und Bildmalen), außerdem ordnete er die Münzen und Antiquitäten des Königlichen Antiquariums; zum Besten der Armen hat er sich als erster Gründer der Kleinkinder-Bewahranstalten in Bayern (1833/34 zusammen mit Schulinspektor Dr. Fischer) sehr verdient gemacht; schließlich war H. auch ein gelehrter Heraldiker (Wappenkundiger); sein Sohn Otto Titan von H. hat das Siebmachersche Wappenbuch herausgegeben.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.
#Dr. phil. Otto Titan von Hefner
* 1827 (München)
† 10.1.1870 (München)
Jurist, Heraldiker und Genealoge
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Hefner Otto Titan, Dr. phil., von, 1827 (München) – 1870, Jurist, Heraldiker und Genealoge; Sohn des Philologen Josef H., studierte er in seiner Vaterstadt am Polytechnikum und zugleich an der Universität Rechte; eine gewisse innere Unruhe trieb ihn 1849 nach Amerika, von wo er aber bald wieder mit reichen Erfahrungen zurückkehrte; seine erste historische Arbeit ging über die Geschichte Albrechts IV. von Bayern, forthin wollte er sich hauptsächlich mit Heraldik und Genealogie beschäftigen; in der neuen Ausgabe von elf Bänden des Wappenbuches von Siebmacher (1853–1864) hat er sich ein unvergängliches Denkmal selbst gesetzt; er begründete eine eigene Wappenanstalt, die über ganz Europa hin bekannt war, auch genealogische Schriften gab H. heraus.
Hauptwerke: Siebmachers Wappenbücher, Handbuch der theoretischen und praktischen Heraldik usw., Redaktion des »Münchener Omnibus«; Stammbuch, Altbayerische Heraldik, 2 Teile.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#15 – 7 – 6 (Pröpstl)


#15 – 8 – 10 (Lederer)
Hier ruht
unser lieber Gatte u. Vater
Hans Matthäus Lederer
Gerichtsvollzieher a. D.
geb. zu Arzberg am 21. Nov. 1846
gest. am 5. Juli 1916.
R. I. P.
- Lederer, Hans Matthäus; 21.11.1846 (Arzberg) – 5.7.1916 (München); Gerichtsvollzieher


#15 – 9 – 1 (Ries)
Hier ruhet
unser theurer Gatte und Vater
Heinrich Ries,
Privatier.
gest. 9. Sept. 18¿ im ¿ Lebensjahre.
Ihm folgte seine theure Gattin, unsere beste Mutter
Frau Anna Ries
gest. ¿ Januar ¿
Linke Seite
Die Inschrift ist nicht erhalten
- Ries, Anna (vw); Privatiers-Witwe
- Ries, Heinrich; – 9.9.1891 (München), 73 Jahre alt; Privatier


#15 – 9 – 4 (Hummel · Karg)
Hier ruhen in Gott:
Herr Paul Karg,
Baumeister,
geb. 2. Aug. 1827, gest. 2. Juli 1897.
Ihm folgte seine Gattin
Frau Anna Karg
geb. Weinmann,
geb. 8. Dezbr. 1839, gest. 20. Juni 1921.
Herr Max Karg
k. Oberbahnverwalter a. D.
geb. 11. Aug. 1859, gest. 6. Nov. 1928.
Sockel
Familie Karg.
K. Wachter, in Indersdorf
Rechte Seite
Dessen Eltern,
Herr
Josef Karg,
kgl. Wegmeister
gest. 1. Feb. 1853, im 76. Lb.
Fr. Elisabeth Karg,
gest. 30. März. 1865, i. 78. Lb.
Deren Töchter
Margar. †. 57. Jhr. alt
Elise †. 26 Jhr. alt.
Karl. Hummel, †. 40 J.
- Hummel, Karl
- Karg, Anna (vw) / Weinmann (gb); 8.12.1839 – 20.6.1921; Baumeisters-Witwe
- Karg, Elisabeth (vw); – 30. 3.1865 (München), 77 Jahre alt; Wegmeisters-Witwe
- Karg, Elise
- Karg, Josef; – 1.2.1853 (München), 75 Jahre alt; Königlicher Wegmeister
- Karg, Margar.
- Karg, Max; 11.8.1859 – 6.11.1928; Königicher Oberbahnverwalter a. D.
- Karg, Paul; 2.8.1827 – 2.7.1897; Baumeister


#15 – 9 – 8 (Müller)


#15 – 9 – 12 (Weigl)


#15 – 10 – 1 (Fischer · Queroy)



#15 – 10 – 6* (Binder)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Binder, Christine (vw); – 7.4.1890 (München), 82 Jahre alt; Theaterdirektors-Witwe
- Binder, Eduard; 22.12.1813 (München) – 26.9.1886 (München); Schauspieler und Theaterdirektor

Das Grab ist nicht erhalten
#Eduard Binder
* 22.12.1813 (München)
† 26.9.1886 (München)
Schauspieler und Theaterdirektor
#Stad-Frau-Bas (1869)
Die Gesellschaft »Rennklub« dahier, welche schon so viele und ehrende Beweise ihrer theatralischen Thätigkeit gab, und deren verehrliche Mitglieder so gerne ihr Talent zur Münze für fremdes Leid schlagen, wird neuerdings eine Wohlthätigkeits-Vorstellung geben, die für das Münch’ner Publikum von doppeltem Interesse sein dürfte und zu zahlreichem Besuch animiren wird.
Der junge Binder, Sohn des beliebten Schauspielers Eduard Binder, welcher so viele Jahre als engagirtes Mitglied bei Max und Johann Schweiger das Publikum durch sein gediegenes Spiel erfreute, hatte vor 14 Jahren das Unglück durch einen jähen Sturz in das Wasser gänzlich gelähmt zu werden, so daß es ihm unmöglich wurde, irgend mehr etwas verdienen zu können und er nur von der Hilfe seines Vaters lebt, der ihn mit unendlicher Sorgfalt und Geduld pflegt, aber leider, da er mit seinem kontrakten Sohn keine weiten Reisen unternehmen kann, gezwungen ist, die Direktion kleinerer Bühnen in Bayern zu leiten, die für einen ehrlichen Direktor nur so viel abwerfen, daß er wohl redlich seine Familien ernähren aber nicht so viel erübrigen kann, um mit seinem kranken Sohn in das ihm vom Arzte dringend verordnete Bad reisen zu können. Um nun die Mittel zu dieser höchst nothwendigen Badreise zu schaffen, gibt die obengenannte verehrliche Gesellschaft am 20. Juli im Elysium eine theatralische Vorstellung, wobei die Hauptrolle Direktor Binder übernehmen wird. In Anbetracht des guten Zweckes und bei dem oft erprobten Mildthätigkeitssinn der guten Münch’ner wird diese Vorstellung in unserer ohnehin armen Theaterzeit gewiß zahlreich besucht werden, um so mehr Gelegenheit geboten ist, für einen alten Liebling etwas zu thun und sich an dessen Leistungen wieder erfreuen zu können.
Den edelmüthigen Mitgliedern des Rennklubs, sowie den wackern Besitzer des Theaters, Hrn. Gastwirth Schießl, welcher zu diesem wohlthätigen Zwecke sein Lokal unentgeldlich überläßt, sei von der Stadtfraubas im voraus ein dankbares »Vergelts Gott!« gesagt.
Stadt-Frau-Bas Nr. 29. München, 1869.
#Biographie des Schauspielers und Theater-Direktors Eduard Binder (4.1883)
Nachdem ich ein halbes Säculum einer Laufbahn angehöre, welche, wie wohl kein Stand, soviel der Abwechslung bietet, fühle ich mich in diesem Augenblick gleichsam gedrängt, auf diese bewegten 50 Jahre und auf mein ganzes Leben einen prüfenden Rückblick zu werfen.
Geboren in München den 22. Dezember 1813, hatte ich schon in meiner frühesten Kindheit, da mir Frau Fortuna nicht hold war, mit vielen Widerwärtigkeiten zu kämpfen.
Mein Vater, seit Jahren Rechtsconcipient, hatte leider in den letzten Jahren seines Lebens seine Stellung zu seinem Nachtheil geändert. Er erhielt 2 Anträge – einen als herzoglich Leuchtenberg’scher Fiscal in Eichstädt – und einen als Administrator der Güter des Grafen v. L… d.
Obwohl nun die Stelle eines herzoglichen Fiscals in vieler Beziehung vorzuziehen gewesen wäre, wählte er doch die Administration, weil er dadurch in München bleiben und für die Erziehung seiner Kinder, — wir waren 5 Knaben und ein Mädchen – besser sorgen konnte. Daß er es that, war, wie bereits angedeutet, nicht zu seinem, nicht zu unserm Glück. Das Vermögen des Grafen L… war nämlich stark verschuldet, und Hilfe konnte nur geschafft werden, wenn eine Glashütte, die er in Spielberg besaß, wieder schwunghaft betrieben wurde. Dazu freilich waren Capitalien nothwendig, da der Credit des Grafen bereits als tief gesunken galt. Mein Vater, der ein kleines Vermögen besaß, hatte kurz vorher ein Haus in der Bayerstraße gekauft, welches noch mit einer Hypothek belastet werden konnte, und da ihm unumschränkte Vollmacht über die Verwaltung des Vermögens gegeben war, so nahm er in der festen Ueberzeugung, daß der Aufschwung des Geschäftes noch leicht zu ermöglichen seit, auf sein eigenes Anwesen noch einige Capitalien auf, die er dem Grafen zur Aufbesserung des genannten Hüttenwerks lieh.
Durch aufreibende angestrengte Thätigkeit am Orte der Glashütte selbst, zog er sich eine starke Verkältung zu und mußte rasch nach München zurückreisen. Daselbst angelangt, erkrankte er ernsthaft und lag zum größten Schmerz der Seinen 11 Monate an einer Lungenkrankheit darnieder, während welcher natürlich das Geschäft sehr vernachlässigt ward. Als er nach 11 Monaten starb, machte kurz darauf der Graf Bankerott, bei dem wir nur 5% erhielten, so daß wir unseres ganzen Vermögens verlustig gingen.
So blieb meine brave Mutter mit 6 Kindern ohne Vermögen, ohne Pension, ohne jede Unterstützung zurück. Arme Mütter! Der älteste meiner Brüder, welcher schon das Gymnasium besuchte und gute Fortschritte machte, erhielt von dem königl. Advokaten Dr. Ritter von Speckner, bei dem mein Vater jahrelang Concipient war, eine kleine Unterstützung, um weiter studiren zu können; meine Mutter bekam vom Armenpflegschaftsrath für sich und ihre Kinder eine monatliche Unterstützung von 8 fl. Wie aber konnte die Wittwe mit dieser kleinen Summe leben! Nur Wohnung in unserem Hause konnte, wenn auch mit vieler Mühe, für uns zinsfrei gemacht werden. Wie kümmerlich auf diese Weise unser Leben gefristet werden mußte, ist gewiß leicht zu denken.
Glücklicherweise waren damals noch die Lebensmittel sehr billig, so daß meine Mutter, als eine sehr gute Hausfrau, noch mit dem Wenigen hauszuhalten vermochte. Unsere Nahrung war freilich äußerst einfach, aber sie reichte doch für uns hin. Von Mehl dritter Sorte, Waizenmehl genannt, kostete damals der Dreißiger nur 2 Kreuzer und mit 2 solchen Dreißigern, die in verschiedener Art, als Dampfnudel, Rohrnudel, sog. »drahti Nudeln« verarbeitet wurden, konnte die Kinderschaar abgefüttert werden, und blieb ganz gesund dabei; Abends gab’s abgeblasene Milch – Morgens Brodsuppe. Milch und Brod waren ja damals auch sehr billig. Daß aber bei so spärlichem Einkommen für unsere wissenschaftliche Ausbildung wenig geschehen konnte, versteht sich wohl von selbst. Jedes der Kinder, die schwere Last sehend, die der Mutter aufgebürdet war, trachtete daher so schnell als möglich, sich selbst versorgen zu können. Der älteste Bruder allein konnte studiren, mußte aber, um seine Studien fortsetzen zu können, Schülern der untern Klassen Unterricht geben, und als er endlich die Universität bezogen hatte, wurde er Präceptor an einem Institut.
Wir Uebrigen mußten uns zu einem Handwerk bequemen. Der eine wurde Schriftsetzer, ein anderer Buchbinder, einer Ciseleur und ich, der jüngste von allen, kam zu einem Friseur in die Lehre. Trotz unseres äußerst eingeschränkten Lebens steckte aber doch in uns Allen der Theaterteufel, indem wir schon als Kinder ein Haustheater errichteten. In unserem Hause an der Bayerstraße, nächst dem grünen Hof, wo damals der Spiegelbrunnenkoch seinen Stadel und Viehstall hatte, war an ein kleines Rückgebäude ein Pferdestall angebaut und da dieser häufig unvermietet war, so richteten wir darin unsern Musentempel ein. Gewiß ein sehr bescheidener Anfang! Zu den Dekorationen wurden die ausgeschriebenen Schulhefte verwendet, zusammengeklebt, mit der billigsten Farbe, gelbem Ocker, bestrichen und die Zimmerdekoration daraus gemacht. Die Coulissen erhielten eine Klappe, worauf der Wald gemalt wurde, auch ein Horizont und Waldprospekt ward geschaffen. Mit diesen Dekorationen nun wurden alle Stücke ausgeführt. Wir gaben sogar griechische Classiker Regulus Manlius auch bürgerliche Schauspiele: Die Versöhnung von F. v. Weißenthurm, Kotzebue’s Wirrwarr, der Trunkenbold von Kotzebue. Die Idee wurde später von Plötz zu seinem verwunschenen Prinzen benützt und die Schlafmütze des Propheten Elias von Hoppe zu Faust’s Hauskäppchen verwendet. Ich war zur Zeit unseres Haustheaters der Jüngste und konnte noch nicht recht lesen, mußte aber nichtsdestoweniger hauptsächlich den Souffleur spielen, was mir vortrefflich gelang. Einer unserer Hauptacteure war Stephan, damals Lateinschüler der II. Klasse, der später berühmt gewordene General Stephan; er war Mitschüler meines Bruders, der eigentlich als Direktor figurirte.
Einer komischen Scene zwischen mir und Stephan weiß ich mich noch lebhaft zu erinnern. Ich hatte nämlich den Vertrauten Stephans zu spielen, der freilich um ein paar Köpfe über mich hinaussah. Da wollte es das Unglück, daß mir gerade eine gewisse Flüssigkeit aus der Nase rann. Was that nun Stephan? Er hatte mir die Worte zu sagen: »Guter Freund, Dir will ich meinen Plan entdecken«, allein statt derselben sagte er: »Guter Freund, Dir will ich Deine R…glocke entdecken.« Die Zuseher jubelten natürlich laut, während mein Bruder wüthete und Stephan zu zermalmen drohte, was sich jener mit Seelenruhe gefallen ließ, obwohl er sonst bei seiner weit überlegenen Stärke gerade nicht Derjenige war, der sich etwas gefallen ließ. Er galt in seiner Klasse als erster Raufer und Krakehler, hatte aber für meinen Bruder eine solche Zuneigung, daß er sich von ihm Alles gefallen ließ. Meistens spielte ich als der Jüngste, da wir keine Damen hatten – denn meine Schwester war noch ein Kind von 2 Jahren – die Damenrollen. Diese Episode aus meiner frühen Jugend erwähne ich eben nur, um dadurch zu motiviren, wie es kam, daß ich die Bretter – welche die Welt bedeuten, betrat.
Nachdem ich die Elementarschule glücklich durchgemacht, kam ich, da wie oben kurz erwähnt, die Mittel fehlten, eine höhere Schule zu besuchen, zu einem Friseur in die Lehre. Ich lernte das edle Handwerk, deklamirte aber häufig beim Zerzausen der Haare Schillers Lied von der Glocke, den Taucher, den Ring des Polykrates, die Kraniche des Ibikus, den Kampf mit dem Drachen u. s. w., wobei ich öfter von meinem Prinzipal überrascht wurde. Natürlich hatte ich dann selbst immer einen Kampf zu bestehen, allein es half nichts. Was dem Wesen angeboren, läßt sich nicht unterdrücken. Nachdem ich ausgelernt hatte, bekam ich 1832 Condition in Frankfurt a. M. Ich übte zwar mein erlerntes Geschäft aus, aber nicht mit besonderem Glück und Geschick, denn so oft mir so ein Schiller’scher Vers im Kopf spukte, z. B.: »Da werden Weiber zu Hyänen«, da zupfte ich meine schönen Kundinnen oft abscheulich bei den Haaren.
Hinter der schlimmen Mauer – so hieß eine dunkle Straße Frankfurts – trieb ein Liebhaber-Teater sein Unwesen; dahin zog, ja riß es mich, und jede freie Zeit weihte ich dem dunkeln Verhängniß. Dort fing ich an Rollen zu spielen; dort kamen sie zusammen, die Tiefenbacher: Gevatter Schneider und Handschuhmacher – und auch die Friseurs. Dort wurde Thalia malträtirt. Unser Publikum, Kleidermacherinnen, Näherinnen, Ladenmamsells waren gar sehr erbaut über unsere Kunstleistungen und manch süßer Lohn ward dem feurigen Kunstbeflissenen zu Theil; doch wozu aus der Schule schwatzen? Der später so groß gewordene Tragöde Hendrichs hatte auch in dem Liebhaber-Theater gemimt, kam von dort gleich an’s Stadttheater, wo er mit Glück debütirte; das spornte mich natürlich noch mehr an, denn Jeder glaubte sich auch berufen, die Welt mit seinem Künstlerruhm zu erfüllen. O Jugendzeit, du hast so schöne Träume!
Diese Liebhaber-Gesellschaft also gastirte mitunter auch in dem nahgelegenen Offenbach, und wenn sich gerade ein reisender Direktor dort befand, dessen Personal für größere Stücke nicht ausreichte, wie es meistens der Fall war, so wurden auch die Mitglieder zu einem solchen Gastspiel geladen. Ich hatte das Glück, oder vielleicht, besser gesagt, das Unglück, dem damaligen Direktor Budemann zu gefallen, so daß er mir ein Engagement antrug. Der Theaterteufel erfaßte mich alsbald beim Haar, und ich blieb mit ganzer Seele Schauspieler. Im April des Jahres 1833 war es, leider weiß ich das genaue Datum nicht, auch keinen Zettel habe ich aufverwahrt, und ein Tagebuch führte ich damals noch nicht; allein mit aller Bestimmtheit weiß ich, daß es im Monat April 1833 war, als ich zum ersten Male als engagirter Schauspieler mit 14 Thlr. Monatsgaqe in dem Stück »Robert der Teufel« auftrat. Es war weder die Rauppach’sche noch Birch-Pfeiffer’sche Bearbeitung. Der Zettel sagte von Holtey. Ich spielte einen Pagen, dem der Wütherich Robert gleich im ersten Akt die Augen ausstach, und mußte dann noch 4 Akte blind herum jammern. In den langen Jahren meines Wirkens ist mir eine solche Bearbeitung niemals wieder vorgekommen.
Ohngefähr einen Monat blieben wir in Offenbach; ich spielte Alles durcheinander, was gerade fehlte, und da sich mein tiefes Organ für Väterrollen besonders eignete, und dieses Fach gerade eines Vertreters bedurfte, so war ich häufig darin verwendet.
Budemann zog dann in’s Nassau’sche nach Lienburg, Dietz, Ems, welches damals noch nicht die Bedeutung hatte wie heute, wurde aber durch Krankheit veranlaßt, die Direktion für einige Zeit aufzugeben, und so stiebte die ganze Gesellschaft nach allen 4 Weltgegenden auseinander. Auch ich ergriff meinen Wanderstab und schlenderte hinab an die Ufer des schönen Rheins. In Königswinter traf ich eine Gesellschaft, welche aus einem Mann, einer Frau und sechs Kindern bestand. Der Vater dieser sechs Kinder war an Zunge und Beinen derart gelähmt, daß er nur mit Mühe an einem Stock gehen und nur unverständlich lallen konnte. Es war dies die Familie Härting. Die Kinder dieser Familie machten später meistens ihr Glück theils durch ihre Bühnenleistungen, theils durch gute Heirathen; damals fand ich die Kinder auf einem Strohlager in dem Saale, in welchem gespielt wurde und ein Papiertheater aufgeschlagen war, ähnlich dem unseren, früher beschriebenen Haustheater. Diese Familie bot das reinste Bild der Armuth, indem ihre Gewänder kaum die nackte Blöße bedeckten. Neugierig sahen die Kinder auf mich, da ich gute Kleider anhatte; es waren schöne Kinder, doch in welchem Zustand! Er hätte mich vernünftiger Weise abschrecken sollen; allein die Armuth entschuldigte sich, daß man eben nur durchreisend einige Vorstellungen gäbe und deßhalb ein etwas derangirtes Aussehen böte. Es wurde mir eine Flasche Wein vorgesetzt, um mich wahrscheinlich zu verblüffen. Man trug mir sogleich ein Engagement an – denn ich mußte ihnen als guter Freund erschienen sein – aber nicht für hier, wo man nur en famille allein spielen wollte, sondern für Jülich, einer kleinen Festungsstadt am Rhein. Man versprach sich dort glänzende Geschäfte, da dort eine starke Garnison liege, und schon mehrere Jahre kein Theater dort mehr bestand. Man malte mir goldene Berge vor, versprach gute Beschäftigung, d. h. gute Rollen; das letzte gab den Ausschlag, ich schloß Engagement ab und reiste voraus nach Jülich.
Dort angelangt, fand ich noch Niemand von der Gesellschaft, obwohl mir gesagt wurde, es wären schon Mitglieder dort. Durch den Eigenthümer des Theaters, an den ich von der Direktion einen Brief abzugeben hatte, wurde mir Wohnung und Kosthaus ausgemacht, und so war ich vor Hunger und Frost einstweilen geschützt. Nach einigen Tagen kamen wirklich mehrere Mitglieder an, gar ein kleines Häuflein, aber wacker – nur mit den Damen spukte es; denn noch war Niemand da als die Direktorin und das war eine Frau in den 40er Jahren und hatte 6 Kinder, sollte aber deßungeachtet unschuldige Mädchen spielen. Natürlich zog eine solche Gracie die Offiziere der Garnison nicht besonders in’s Theater. Mit Mühe wurden endlich ein paar Damen aus dem nahegelegenen Cöln aufgetrieben, lauter Anfängerinnen. Die Eine war noch nie auf dem Theater gestanden – es war meine jetzige Frau, die ich dort kennen lernte.
Sie leistete damals das Möglichste, aber weder die Gesellschaft, noch das veraltete Repertoir vermochte das dortige Publikum in das Theater zu ziehen. Es war eine gar traurige Zeit, in der ich das Theater gleich von seiner schönen Seite kennen lernte; aber es half Alles nichts. Der kunstbegeisterte Jüngling träumte von künftiger Größe, indem er Ungemach und Entbehrung mit vollster Resignation ertrug. Hat ja auch der große Ludwig Devrient, wie in Brockhaus’ Lexion berichtet wird, solche Schicksale erlebt. Warum nicht der Eduard Binder! Mit großen Hoffnungen und Plänen betritt ja jeder Kunstjünger die gefährlichen Bühnen-Bretter, nicht ahnend, was ihm die dunkle Zukunft bringt.
»Hoffend blicket oft das Auge
In der Zukunft dunkel Grau,
Ob nicht bald zur Freud’ aufthauet,
Ach, das schöne Himmelblau!«
Nachdem uns nun in Jülich das Glück durchaus nicht lächeln wollte, woran nach unserer Meinung der schlaffe Kunstsinn des dortigen Publikums Schuld trug, wollten wir weiterziehen. Wie aber weiterkommen? Kost und Logis konnten nicht bezahlt werden, weil keine Gage floß und unsere wenigen Habseligkeiten konnten wir nicht zurücklassen, indem wir ohnedieß keinen Ueberfluß hatten. Da fand sich ein Mann, der zu helfen wußte – unser Quasi-Direktor, denn der wirkliche Direktor war, wie schon früher erwähnt, vom Schlage gerührt, gelähmt und kaum des Sprechens fähig. Man konnte es also der Frau nicht verdenken, daß sie einen Stellvertreter für’s Geschäft und ihr zartfühlendes Herz suchte, den sie aber in unserem Vicedirektor fand. Dieser war ehemals preußischer Offizier und von Adel, mußte aber gewisser Fatalitäten wegen quittiren, und führte beim Theater ein fremden Namen, weil es damals in Preußen noch gestattet war, einen beliebigen Theaternamen anzunehmen. Erst später erfolgte die Verordnung in Preußen, daß jeder Schauspieler, ob adelig oder nicht, seinen Familiennamen zu tragen habe. Dieser nun zog im kritischen Augenblick sein Adelsdiplom und Offiziers-Patent hervor und bewies allen Gläubigern, daß er von guter Familie und nur im gegenwärtigen Augenblicke etwas in Verlegenheit sei, daß aber seine Revenüen in nächster Zeit flüssig würden. Da er hierauf jedem Gläubiger einen Schuldschein für sein Guthaben ausstellte, so mußten sich diese drein fügen, ob sie wollten oder nicht, denn zu nehmen war nichts und so wurde die Gesellschaft wieder flott.
Wohin geht jetzt die Reise? Nach der ohngefähr 10 Stunden entfernten Fabrikstadt Eupen. Für die Damen wurde mit Mühe ein »pumpender Kutscher« aufgetrieben, während die Herren sich begnügen mußten, per pedes apostolorum zu reisen. Es war ein Hundewetter, aber eines feurigen Kunstjüngers Begeisterung erträgt solche Calamitäten mit Heldenmuth. In Eupen selbst schien uns des Glückes Sonne freundlicher zu lachen. Die Gesellschaft war nämlich schon etwas gut zusammengespielt, ein paar neue Stücke thaten auch ihre Schuldigkeit und zudem war das Fabrikvolk kein so pensibles Publikum wie die preußischen Offiziere. Wir fingen an in floribus zu leben, wie man eben mit 14 Thalern monatlich in floribus leben kann. Alles ging gut, bis wir die Kreuzfahrer gaben. Gegen dieses Stück wurde sofort von der katholischen Geistlichkeit in der Kirche gepredigt und das Theater und deren Besucher verpönt. Durch diesen Umschlag war die Direktion gezwungen, wieder das Weite zu suchen.
Wir kamen nach Montjoi, einer Stadt unweit der Euphel. Da gings wieder recht lustig zu, so daß der Credit des Adeldiploms und des Offizierpatentes in Anspruch genommen werden mußte. Wir lebten als vergnügtes Völkchen; was wir brauchten, hatten wir infolge des Credits; es konnte aber auch umgekehrt lauten: was wir hatten, brauchten wir, und übrig ist gewiß nichts geblieben.
Von da aus ging es nach Düren, Stadt an der Euphel, Viersen, Dülken, Mörs, Odenkirchen, wo wir überall mit abwechselndem Glück spielten, und ein ganz zufriedenes Leben con amore führten; denn wir waren ein leicht zu befriedigendes Völkchen. Ueberhaupt habe ich die Erfahrung gemacht, daß die ersten Jahre beim Theater immer die glücklichsten sind, da man im Traume einer großen Zukunft fortlebt. Die Jahre der Enttäuschung und mit ihr das viele bittere Weh kommen nur allzu früh.
In Mörs trennte sich der größte Theil von der Gesellschaft Härting und erhielt Engagement in Wesel, einer Festungsstadt am Rhein, größer wie Jülich, wo unter der Oberaufsicht eines Comitees, welches aus Stabsoffizieren, Kaufleuten und Bürgern bestand, das Theater von dem damaligen Eigenthümer des Theaters, Namens Gohr, geleitet wurde. Mich engagirte man damals hauptsächlich für die Rolle der Väter, allein ich mußte auch öfter Helden, und weil ich jung war und kein übles Aeußeres hatte, mitunter Liebhaber spielen, eine Rolle, bei der ich ziemlich Glück hatte. Es war damals »Hinko, der Freiknecht« von der Charl. Birch-Pfeiffer neu und ich erhielt die Aufgabe, den König Wenzel zu spielen, was für mich ein Festtag war. Daß ich aber darin mit ziemlichem Erfolg aufgetreten sein mußte, bewies sich dadurch, daß sich zwei bewährte Kritiker dieser Stadt, ein Hauptmann und ein Professor, meinetwegen sogar forderten. Es wurde bald nach »Hinko« – »Isidor und Olga« gegeben, wobei ich frei blieb. Der Hauptmann tadelte in der Rezension, daß man mir nicht die Rolle des Fürsten zutheilte – ich hätte ein so schönes Bild des König Wenzel gegeben und sicherlich wäre mir auch der Fürst gelungen. Auf dies Urtheil erwiderte der Professor kurz, daß man einem Anfänger, wie mir, eine solche Rolle nicht übertragen könnte, eine Bemerkung, welche der Hauptmann übel nahm, und sogleich den Professor forderte; jener aber schlug sich nicht unter dem Vorwande, er sei verheirathet und dürfe sein Leben nicht auf’s Spiel setzen. So wurde meinetwegen wenigstens kein Blut vergossen, stolz aber machte mich der Handel doch.
Ich habe schon in Erwähnung gebracht, daß damals in Jülich eine Anfängerin die Bühne betrat, die später meine Frau wurde. Sie hieß mit ihrem Theaternamen Renda, war aber eigentlich die junge Wittwe des verstorbenen Schriftstellers Dr. Arendt, eine geborne Wenger. Diese ward alsbald in Wesel engagirt, ging aber wegen Differenzen noch vor Beendigung der Wintersaison von Wesel ab, und begab sich zu einem Direktor Friedrich Köhler, welcher damals Westphalen bereiste und in gutem Renommee stand. Wesel hatte natürlich nur eine Wintersaison. Als diese zu Ende war, suchte ich auch bei diesem Köhler, wo sich die mir befreundete Renda aufhielt, jedoch unter ihrem Familiennamen Wenger auftrat, Engagement zu erhalten, was durch Verwendung der Dame auch gelang. In Hamm in Westphalen stieß ich zur Gesellschaft, wo ich einen damals noch jungen Mann traf, der großes Talent verrieth und jetzt kgl. Hofschauspieler in München ist. Beim Lesen dieser Zeilen wird er sich wohl noch der Zeit erinnern; wir waren ja längere Zeit Collegen. Bei diesem Köhler, welcher während meines Engagements die Städte Hamm, Soest, Lippstadt, Burgsteinfurt bereiste, blieb ich bis Herbst. Für den Winter schloß ich Engagement nach Amsterdam ab, wo das deutsche Theater von einem Professor Ehlers geleitet wurde, wo aber hauptsächlich nur Opern gegeben wurden. Meine Beschäftigung war also nur die sprechenden Rollen, da ich nicht Sänger war, in der Oper, oder wenn eine solche zu kurz, denn dort liebt man lange Vorstellungen, in den kleinen Stücken zu spielen, die zu den Opern gegeben wurden. Meine jetzige Frau, damals schon meine zärtliche Geliebte, fand dort kein festes Engagement, spielte aber zeitweise für Honorar. Im uebrigen beschäftigte sie sich mit feinen Stickereien, welche sie in Amsterdam zur Genüge erhalten. Ehlers machte aber nach 4 Monaten in Amsterdam Bankerott. Die Mitglieder verloren einen Theil der Gage, spielten aber noch eine Zeit in Theilung fort und zerstreuten sich dann nach allen vier Himmelsgegenden. Ich vereinigte mich mit einigen Mitgliedern der Gesellschaft, dem Komiker, dem Bassisten, der Soubrette, indem wir in den Städten Zwolle, Deventer, zuletzt in Arnheim Vorstellungen gaben. Hier waren wir an der deutschen Grenze und mußten uns trennen. Ich kam nach Aachen, wo es damals zwei Direktoren gab, welche zwar in Compagnie das Theater hatten, aber einander so freundlich wie Montecchi und Capaletti gegenüber standen. Köcker – so hieß der eine – hatte die Oper, Henel, rühmlichst bekannt durch die Schule, welche er seiner Zeit bei dem berühmten Immerman in Düsseldorf als Regisseur durchmachte, hatte das Schauspiel. Bald aber waren sie durch Zerwürfniß derart getrennt, daß jeder seine Einnahmen für sich erhob und auch die Gagen allein zahlte, die Garderobe und Bibliothek, die sie zusammen erworben, theilten sie, aber kein Mitglied der Oper durfte im Schauspiel und kein Mitglied des Schauspiels in der Oper mitwirken, wodurch sie sich das Geschäft sehr erschwerten.
Später löste Köckert Henkel ab und übernahm selbst die ganze Direktion. Bei dieser Gelegenheit fällt mir wieder ein Beispiel ein, welches recht deutlich zeigt, was Vorurtheil zu leisten vermag. Während meines Engagements in Wesel nämlich lernte ich den nachmals so beliebt gewordenen Lustspieldichter Benedix kennen, welcher in Wesel, als Regisseur und Schauspieler engagirt, aber als Darsteller nie so hervorragend war, wie er es später als Dichter wurde. Er befand sich damals in sehr mißlichen Verhältnissen, da er eine große Familie und eine – o Unglück! – kleine Gage hatte. Damals wurde in Wesel zum ersten Male sein »langer Israel« gegeben, welcher sehr gefiel; hierauf folgten noch »die Sklaven« und »die Männerfeindin«, welche beiden aber einen zweifelhaften Erfolg errangen. Ich empfahl daher dem Köckert für Bonn als Universitätsstadt das Stück »der lange Israel« oder »bemoostes Haupt«, denn im Winter war damals Bonn und Cöln zusammen vereint, d. h. die Cölner Gesellschaft spielte wöchentlich zweimal in Bonn, während des Sommers aber in Aachen. Köckert ließ sich das Stück kommen, las den ersten Akt, warf es dann beiseite, indem er mir zurief: »Wie können Sie mir nur solch einen Schmarren empfehlen!« Doch schon nach zwei Jahren ohngefähr wurde das Stück »bemoostes Haupt« mit großem Erfolg im Königstädtischen Theater in Berlin zu einer Zeit gegeben, wo Köckert schwer um sein Dasein zu kämpfen hatte, indem nichts mehr einschlagen wollte. Was that er? Er ließ sich das Stück kommen – und siehe da, es machte nicht nur in Bonn Furore, sondern auch in Cöln, und erlöste ihn aus einer drückenden Lage. Weil aber früher Benedix nock keinen Namen hatte, da war’s halt nur ein Schmarren. Doch bald hätte ich mich selbst ganz vergessen.
Um nun wieder auf mich selbst zu kommen, so berichte ich, daß Köckert nach Cöln reiste, während mich eine Krankheit in Aachen festhielt. Als ich wieder genesen, waren die städtischen Engagements alle vergeben; ich engagirte mich bei der reisenden Gesellschaft des Herrn Keuneke, welcher damals die Städte am Rhein bereiste, und bei ihm war es auch, wo ich zum ersten Male ausschließliche Beschäftigung als Held und Liebhaber und Bonvivant erhielt. Der erste Liebhaber war nämlich durchgegangen, da sein Geld »alle geworden«. So eine Lücke aber kann einen Direktor zu leicht in Verlegenheit setzen. Es war gerade »Leonore« von Holtey angesetzt, aber kein Wilhelm vorhanden. Da wandte sich der Direktor in seiner Verzweiflung an mich, der von jeher ein guter Kerl war und Niemand etwas abschlagen konnte. Ich spielte also den Wilhelm und gefiel besser als der durchgegangene Liebhaber. Von der Zeit an blieb ich erster Held und Liebhaber.
Auf unseren Kreuz- und Querzügen kamen wir auch nach Essen. Das zärtliche Verhältniß mit meiner jetzigen Frau wurde bald ganz intim; sie fühlte sich Mutter, und ich ließ mich, da das Kind auch einen Vater haben sollte, in Essen trauen. Der Bürgermeister in höchsteigener Person war unser Trauzeuge. Gegen den Winter kam die Gesellschaft wieder nach Wesel; meine Frau konnte der interessanten Umstände halber nicht mehr spielen und blieb in Rheinberg, einem kleinen Städtchen, drei Stunden von Wesel entfernt, zurück, sich mit Handarbeiten und Stickereien beschäftigend. Da ward mir im Jahre 1839 mein erster Sohn Eduard geboren, der später durch seine unglückliche Krankheit, die nach und nach den ganzen Körper lähmte, viele Jahre leiden mußte.
Der Direktor Keuneke schloß für einige Zeit das Theater und vereinigte sich dann mit seinem Schwager, dem bekannten Conradi, welcher sich aber später auf die preußische Verordnung hin seinen wirklichen Namen Obstfelder wieder beilegte. Mit dieser Direktion ging ich nach Crefeld, später nach Coblenz, dann nach Wetzlar. In Wetzlar ward ich auch glücklicher Vater einer gar lieblichen Tochter, und ich erinnere nuch jetzt noch mit Vergnügen der allgemeinen Theilnahme, welche mir und meiner Frau damals bezeigt wurde. Außer einer vollkommen ausverkauften Beneficevorstellung nämlich erhielt die glückliche Mutter noch von allen Seiten Kindbettsuppen und zwar von den höchsten dort befindlichen Herrschaften. Es gab auch Hühner, feine Fische, das delikateste Backwerk etc. etc., kurz so viel, daß wir die ganze Gesellschaft damit bewirthen konnten. An Kindswäsche fehlte es uns auch nicht, wir erhielten so viel, daß man 6 Kinder damit hätte versorgen können.
Von Wetzlar aus erhielt ich Engagement an das Stadt-Theater nach Ulm zu Direktor Dardenne. In Ludwigsburg in Württemberg wurde die Gesellschaft gut zusammengestellt; wir gaben Vorstellungen in dem königlichen Schloßtheater. Damals war »Stessen Langer« von der Charl. Birch-Pfeifser neu. Ich spielte zum erstenmale den »Steffen Langer« und erzielte damit einen überaus günstigen Erfolg. In Ulm blieb ich zwei Jahre, mußte aber die Sommermonate privatisiren, weil in Ulm nur bis Ende April gespielt wurde. Während dieses Engagements wirkte ich mit mehreren damals berühmten Künstlern, die Gastspiele in Ulm gaben, zusammen, unter andern auch mit dem Hofschauspieler Maurer aus Stuttgart, mit dem berühmten Seidlmann u. a. m. Durch die Aufmunterung, welche mir geworden und die schmeichelhafte Anerkennung meines Talentes von ihrer Seite wurde ich beinahe stolz und glaubte bald selbst zu den Auserkorenen zu gehören. Nachdem ich 2 Jahre in Ulm war, erhielt ich einen Engagements-Antrag nach Hermannsstadt in Siebenbürgen. Mein Gott, welch’ eine Reise damals in Ungarn, wo es noch keine Eisenbahnen gab! Da ich aber das Reisegeld nebst einem Jahrescontract erhielt, so ließ ich mich bestimmen, die Einladung anzunehmen. Die Hermannsstädter Gesellschaft unter der Direktion Nötzel und Kreibig spielte damals in den Sommermonaten in Hermannsstadt und die Wintermonate in Arad. Bei dieser Gelegenheit lernte ich den später berühmt gewordenen Carl Treumann kennen und wurde so innig mit ihm befreundet, daß ich, durch seine Verwendung in Wien gastliche Aufnahme fand. Als mein Contract abgelaufen war, wollte ich ihn nicht wieder erneuern, weil es mir zu weit entfernt von der civilisirten Welt war. Ich erhielt einen Antrag nach Preßburg, wo damals ein Herr v. Megerle die Direktion führte, dessen Frau durch mehrere Stücke, welche sie geschrieben, wenn auch nicht rühmlichst, aber doch bekannt wurde. In Preßburg hatte ich abermals einen Rivalen, Namens Böck, mit dem es viele Kämpfe gab; die Kritik war theils für ihn, theils für mich. Nach meinem heutigen unparteiischen Urtheil hatten zufällig beide Recht. Böck hatte Rollen, in denen ich ihn nicht erreichte, ich dagegen solche, wo ich ihn übertraf.
Die Direktion Megerle hielt sich jedoch nicht sehr lange, sondern mußte nach Ablauf eines Jahres ihren Commandostab niederlegen und Preßburg blieb für lange Zeit ohne Theater. Ich erhielt in Baden bei Wien bei Direktor Roll Engagement. In Baden lernte ich den damals scharfen Kritiker und Humoristen M. G. Saphir kennen, der beinabe täglich unsere Vorstellungen besuchte und sich mir besonders gewogen zeigte, indem er sogar einmal äußerte, daß ich ihm als Ingomar im »Sohn der Wildnis«, einem Stück, das damals viel gegeben wurde, besser gefallen hätle, als der so gefeierte L. Löwe im Burgtheater. Daß mich das Urtheil dieses strengen Kritikers erfreute, werden meine Leser mir leicht glauben. In Baden blieb ich mehrere Jahre. In den Wintermonaten spielte die Gesellschaft meistens in Oedenburg, einer an der Grenze Deutschlands gelegenen ungarischen Stadt, auch ein paar Jahre in Wienerneustadt. In Baden hatte ich Gelegenheit, mit den größten Heroen der Zeit, welche damals am Burgtheater in Wien engagirt waren, während ihres Gastspiels in Baden zusammen zu wirken. Diese Persönlichkeiten waren: L. Löwe, Fichtner, La Roche, Anschütz, Davison; der damals berühmte »Faust«: Josef Wagner und seine Frau, eine geborene Ungelmann, spielten zu meinem Benefize in Baden im »Faust«, neben welchen ich als Mephisto mit vielem Glück auftrat. Im verhängnißvollen Jahre 1848 war ich in Baden engagirt, wo wegen der Unruhen in Wien den Winter fortgespielt wurde, indem ein großer Theil des Adels nicht nach Wien ging, sondern in Baden blieb. In dieser Zeit erlebte ich ein gar merkwürdiges Curiosum. Während der Vorstellungen nämlich kamen gewöhnlich die Zeitungen von Wien und Alles hatte nur mehr Interesse für dieselben, man las die Zeitungen auch im Theater während der Vorstellungen.
Da kam die Direktion aus den Einfall, die Zeitungen laut von der Bühne herab vorlesen zu lassen, was von dem Publikum freudig acceptirt wurde. Als in Wien die Ruhe wieder hergestellt erschien, erhielt ich durch Verwendung des Carl Treumann, der damals ein beliebtes Mitglied in Wien war, und durch Saphir’s Empfehlung Engagement in Wien bei Pocorni, welcher damals die beiden Theater in der Josephstadt und an der Wien hatte. Es war gerade jene Zeit gekommen, wo man läng verbotene Stücke freigab und zwar zur größten Ueberraschung des Publikums. Das »Pasquill« von Maltitz war eines, und ich trat darin als Hermann auf und zwar mit Glück; es wurde, wie in Wien üblich, sehr oftmals wiederholt. Dann sollte ich den Alsdorf im »bemoosten Haupt« spielen. Da traf mich das Unglück, daß das ungarische Fieber, welches ich aus Ungarn mitgebracht, bei mir zum Ausbruche kam, und zwar mit einer Vehemenz, die mich völlig entkräftete und mich nöthigte, mein Engagement aufzugeben. Ein volles Jahr verfolgte mich dieses garstige Fieber mit kleinen Unterbrechungen und ward Veranlassung, daß mein Engagement verlustig ging. Ich nahm hierauf in Agram, der Hauptstadt Croatiens, wo damals der gefeierte Fürst Jellazic, der Befreier Wiens, residirte, meinen Aufenthalt, blieb aber nur ein Jahr daselbst, da es ja doch kein Engagement für einen deutschen Schauspieler war. Nicht übergehen will ich hiebei die Bemerkung, daß ich in dieser Stadt viel Lorbeern erntete, gute Benefice erhielt und mich rühmen durfte, ein Liebling Agrams gewesen zu sein. Bald erfolgte für mich für die Hauptstadt Steiermarks, Graz, ein Antrag zu einem Gastspiel – aber als Heldenvater, konnte aber erst in 2 Monaten auftreten. Der Aufenthalt in Graz gefiel mir außerordentlich, da ich unter dem Schauspielpersonal viele Bekannte fand, so daß ich mich entschloß, 2 Monate daselbst privatisirend zu verweilen, bis die Zeit zu meinem Gastspiel heranrückte. Aber Malheur, über Malheur! Ich konnte keine Wohnung finden, weil ich verheirathet war und – o guter Gott! – Kinder hatte. Alle verheiratheten Schauspieler hatten nämlich dort Jahreswohnungen mit eigenem Meublement, was mir bei einem bloßen Gastspiel auf Engagement nicht wohl möglich war.
Unterdessen mußte ich mir von München wieder einen neuen Paß kommen lassen, wobei man mir wieder Schwierigkeiten bereitete, weil meine Frau und Kinder nicht in den Paß aufgenommen wurden. Nun kam’s noch stärker. Man deutete mir an, daß ich ohne Heimathsbewilligung geheirathet hätte, meine Ehe somit nicht anerkannt werde, während die Heimathsbehörde meiner Frau sagte, sie gehöre, seitdem sie geheirathet, in die Heimath ihres Mannes, sowie auch ihre Kinder. Auf diese Weise hatten also meine Frau und meine Kinder keine Heimath! Der Sache mußte abgeholfen werden, aber wie? Allerdings hatte ich in Preußen ohne Heimathsbewilligung geheirathet, aber ohne mein Verschulden; denn als wir in Rheinpreußen in Essen heiratheten, verlangte die dortige Behörde Geburtsschein, Militair-Entlassung und Freischein der Kirche. Meine Mutter besorgte mir die Papiere, allein was das für ein Document sei: »Freischein der Kirche«, kannte man in München nicht. Auf die Anfrage meiner Mutter, ob ich denn meine Religion wechseln wollte, erwiderte ich: ich durchaus nicht. Wir waren beide katholisch, und deßhalb ward mir von meiner guten Mutter angezeigt, daß sie dann das Papier nicht verschaffen könne. Die Behörde in Essen sagte mir aber, wir trauen sie auch ohne dieses Papier, wir gebrauchen es nicht, und so geschah es. Der sog. »Freischein der Kirche« hat bei uns einen andern Titel, und es ist darin das Aufgebot in der Heimathskirche und die heimathliche Ortsbewilligung enthalten, das war von uns verabsäumt und mußte also nachgeholt werden. Um dieses selbst zu bewerkstelligen, entschloß ich mich, in meine Vaterstadt München zu gehen, indem ich mir mit der begründeten Hoffnung schmeichelte, ein bescheidenes Engagement am Hoftheater erhalten zu können, was ja leicht möglich war, da ich zu diesem Zwecke Empfehlungen von Saphir und dem Dichter Feldmann an den damaligen Intendanten Dingelstedt erhalten hatte. Ich wollte ja nur für das 2. oder 3. Fach engagirt sein, allein meine gewiß bescheidene Bitte fand kein williges Gehör. Warum wohl nicht? Aus dem einfachen Grunde, weil Herr Dingelstedt kein Freund von süddeutschen Schauspielern war; bei ihm galt nur der norddeutsche. Kurz zuvor hatte Straßmann eine Anstellung gefunden, mit dessen Leistungen Binder sich gar wohl messen konnte; allein alle meine Bemühungen für’s Hoftheater waren fruchtlos. Da blieb mir dann freilich nichts Anderes übrig, als mich an Max Schweiger in München zu wenden, mit dem ich alsbald ein Gastspiel abschloß. Den 4. Mai 1852 trat ich zum erstenmale in meiner Vaterstadt auf, welche ich im Jahre 1832 verlassen hatte und zwar in dem Stücke: »Gebieterin von St. Tropez«. Ich wurdee mit stürmischem Beifall ausgezeichnet und nach jedem Akte gerufen. Auch den Schiller in den »Karlsschülern« spielte ich mit gleichem Glück, so daß bald die allgemeine Stimme laut wurde, Binder spielt seine Rolle besser, als Straßmann, der ihn im Hoftheater gab, ich spielte noch »Kean«, »Robert den Teufel«, »Graf von Monte Christo«, alle mit durchschlagendem Erfolge. Alte Münchner werden sich dessen gewiß noch erinnern und den ehemaligen Liebling des Schweigertheaters dieses Zeugniß willig ablegen. Mit der Darstellung des Hamlet hatte ich so zu sagen dem Faß den Boden eingeschlagen. Ein eilfmaliger Hervorruf krönte meine Leistungen, ich spielte in der Schröder’schen alten Übersetzung, welche in Prosa, kürzer gefaßt und dem Volkspublikum verständlicher ist. Allein was sollte ich erleben! Nach diesem unleugbaren, aber gewissen Herren höchst mißliebigen Erfolg wurde den beiden Schweigertheatern durch die königl. Hoftheater-Intendanz die Aufführung klassischer Stucke, auch Laube verboten, ja sie wurden sogar verplichtet, ihr Repertoir der Hofheater-Intendanz einzureichen, welche die Befugniß hatte, davon zu streichen, was ihr beliebte. Unglaublich jetzt 1883, aber halt doch wahr! Noch leben Zeugen genug, welche die Wahrheit meiner Angabe verbürgen können. Wäre wohl heutzutage auch noch ein so intriguantes Spiel möglich?
Nachdem ich mein Gastspiel beendigt hatte, schloß ich, da sich die Schlichtung meiner Familienangelegenheit sehr in die Länge zog, mit Max Schweiger ein Engagement ab, hatte aber zuvor noch ein Gastspiel in Linz zu absolviren und ein anderes in Graz zu lösen. Den 1. August 1852 trat ich endlich in München wleder auf in der »Gebieterin von St. Tropez« und ärntete Triumphe über Triumphe die 3 Jahre, welche ich bei Max Schweiger war, hauptsächlich in den Rollen: »Kean«, »Memoiren des Satans«, »Graf v. Monte Christo«, »Gebrüder Foster«, »Stephan«, »Schule des Lebens«, »Nacht und Morgen«, »Philipp«, »Schachmaschine«, »Karl Ruf«, »Die Juristen v. Wangenheim«, »André, ein Verbrecher aus Kindesliebe«, »Irrenhaus zu Dijou«, »Eberhard«, »Zryni«, »Blinde von Paris«, »Lorberbaum und Bettelstab«, »Mutter und Sohn«, »Leben eines Ehrgeizigen«, »Mulatte«, »St. Georg«, »Dorf und Stadt«, »Otto von Wittelsbach«, »Jean Bart«, »Eiserne Maske«, »Drotschenkutscher«, »Cäsar von Bazano«, »Sohn der Wildniß«, »Ingomar«, »Steffen Langer«, »Rubens in Madrid« u. a. m.
Eine besondere Auszeichnung und angenehme Erinnerung wurde mir nach der Darstellung des Philipp in dem Stücke »Abenteuer einer Neujahrsnacht« von Plötz zu Theil. Der greise Dichter, mir bis jetzt unbekannt, kam nach Beendigung der Vorstellung zu mir in die Garderobe und versicherte mich, daß er die Rolle seit Urban’s Zeit nicht wieder so gut dargestellt gesehen habe, und er würde, wenn das Stück auf dem Hoftheater noch auf dem Repertoir wäre, fest darauf bestehen, daß nur ich die Rolle dort spielen dürfte. Wenn das Letzte vielleicht auch nur eine schmeichelhafte Phrase war, so that es meinem Herzen doch wohl, bei einen solchen Manne Anerkennung gefunden zu haben. Manch frohen Tag, doch auch manch böse Stunde erlebte ich in diesen drei Jahren, wie das nun so buntscheckig im Theaterleben geht.
Kleine Differenzen bestimmten mich, nach drei Jahren, 1855, wieder aus dem Verbande des Max Schweigertheaters zu treten. Es wurde mir von Joh. Schweiger in der Au ein Antrag zu einem Gastspiel gemacht, welchen ich bereitwilligst acceptirte. Ich trat zum erstenmale in einem von mir selbst geschriebenen Stück auf: »Des Lebens dunkles Spiel«. Der Empfang, der mir bei meinem Erscheinen auf der Bühne zu Theil wurde, wird mir ewig unvergeßlich bleiben. Der Applaus war derart, daß ich dreimal beginnen mußte, bis ich nur zu Worte kommen konnte. Das Stück erschien im Druck mit meinem Portrait und wird noch vielfach in München zu finden sein. Das Haus war bei meinem ersten Auftreten ausverkauft. Diese Vorstellung hatten auch die Herren Hofschauspieler Haase, Otto Lehfeld, Christen, Straßmann besucht; sie hatten das Buch in der Hand und lasen nach. Nach dem 2. Akte kamen sie zu mir in die Garderobe, machten mir Complimente sowohl über das Stück wie über meine Leistung und trösteten mich hinsichtlich meiner Stellung, indem sie mir die Versicherung gaben, daß ihnen nie so herzlicher Empfang zu Theil wurde, ja, sie schienen mich ordentlich zu beneiden. Während dieses Engagements geschah es auch, daß mehrere Bürger der Maxvorstadt, unter ihnen der Gastwirth N. Brunner, zu mir kamen und mir den Vorschlag machten, ich möchte in der Maxvorstadt, und zwar bei Herrn Brunner, wo hinlänglich Räumlichkeiten vorhanden wären, ein Theater gründen, sie wollten die Mittel beisteuern. Der Antrag war verlockend, ich acceptirte ihn. Doch als die beiden Schweiger dies erfuhren, wurde ich von ihnen verfehmt und eine Uebereinkunft abgeschlossen, daß nach Ablauf meines Contracts bei Johann Schweiger mich keiner mehr wieder auftreten lassen dürfe, bei einer Strafe, ich glaube von einigen Tausend Gulden. Armer Schauspieler! Es wäre zwar nicht nöthig gewesen, denn es war damals ganz unmöglich noch eine Theaterconcession für München zu erhalten, obwohl ich hohe Gönner hatte wie Prinz Adalbert, Herzog Max, Ersterer besuchte fast alle Vorstellungen, in denen ich mit einer größeren Rolle betheiligt war. Auch vor König Max II. hatte ich die höchste Ehre, sowohl bei Max, als bei Johann Schweiger zu spielen.
Das damalige Ministerium Reichersberg war aber fest dagegen und ich und die Bürger der Maxvorstadt erhielten verschiedene Abweisungen. Nachdem das Projekt bekannt wurde, ward ich achsichtlich von Seite der Direktion nur wenig beschäftigt, um beim Publikum in Vergessenheit zu kommen. Wie liebenswürdig!
Nach Ablauf meines Contracts war also für mich in München kein Bleiben mehr. Ich übernahm die artistische und technische Direktion des Stadt-Theaters in Landshut, eigentlicher Unternehmer war der Besitzer des Theaters Bernlochner. Landshut hat bekanntlich nur eine Wintersaison. Während des Sommers gastirte ich in dem damaligen Sommertheater in Leipzig und in dem Badetheater zu Lauchstädt, den Winter darauf war ich Schauspieler und Regisseur am k. k. Theater zu Innsbruck unter der Direktion Walthers. Es war damals der k. k. Prinz Erzherzog Ludwig Statthalter von Tirol und residirte in Innsbruck. Ich hatte die Ehre, vor den kaiserlichen Herrschaften zum erstenmale den Narziß zu spielen, und mir mit dieser Rolle ein bleibendes Andenken in Innsbruck gegründet.
Als ich in Wien war, machte ich die Bekanntschaft eines Carl Lößl und aus alter Freundschaft bombardirte er mich mit Briefen, bei ihm Engagement zu nehmen, er habe das Stadt-Theater in Reichenberg übernommen, ich möchte bei ihm als Regisseur und Schauspieler eintreten, indem er mir eine für Reichenberg brillante Gage und Engagement für meine Frau bot. So ließ ich mich bestimmen und blieb 2 Jahre in seinem Engagement. Nun hatte ich wieder Sehnsucht nach München und zwar um so mehr, da mein Sohn Eduard dort weilte, dessen Krankheit (Lähmung) immer weiter schritt und eine beständige Umgebung und Bedienung nothwendig hatte.
Ich entschloß mich endlich, selbst eine Direktion anzufangen und erhielt für den Kreis Oberbayern die Concession; in Folge dessen wollte ich in dem nahe gelegenen Neuhofen etwas für München noch ganz Ungewöhnliches, ein neues Sommer-Theater gründen. Die Ortsbewilligung wurde mir gerne ertheilt, da ich die Regierungsbewilligung bereits hatte. Schon hatte ich bereits die nothwendigsten Dekorationen anfertigen lassen. Der Zimmermeister machte bereits die Vorarbeiten, die Mitglieder waren auch schon engagirl; da wurde mir auf Einspruch der beiden Schweiger die Bewilligung plötzlich wieder eingezogen, der Bau eingestellt. Was blieb mir nun übrig? Nichts als als daß ich das Vergnügen hatte, die schweren Kosten zu tragen und die Mitglieder auf Wartezeit zu setzen. In der That eine ganz verzweiflungsvolle Lage für mich. Alle Demonstrationen nützten nichts; ich bekam weder Entschädigung noch Erlaubniß.
Eines Tages ließ mich der Referent Regierungsrath N. N. zu sich rufen und zeigte mir an, daß das Bade-Theater in Reichenhall zu vergeben sei, dazu könne er mir die Concession geben. Ein Ertrinkender greift auch nach einem Strohhalm. Was sollte ich Getäuschter beginnen? Ich zog als Direktor in Reichenhall ein. Ein jetzt sehr beliebtes Mitglied des Gärtnerplatztheaters verdiente dort unter meiner Direktion seine Sporen, er wird sich beim Lesen dieser Zeilen vielleicht noch daran erinnern. Als die Badesaison zu Ende war, siedelte ich nach Rosenheim über, spielte daselbst 3 Monate und ging von da nach Traunstein, wo ich durch Verwendung des Bezirksgerichts-Direktors Hauck den schönen Rathhaussaal zur Aufstellung meines Theaters zur Verfügung bekam. Ich schlug mich mit Ach und Krach so durch, wie man sich eben in so einem kleinen Städtchen durchschlagen kann.
Den nächsten Winter war ich in Passau als Regisseur und den darauffolgenden als Direktor. Im Jahre 1864 übernahm ich die vereinigten Stadt-Theater Ingolstadt und Eichstädt, die ich 6 Jahre behielt, ja ich würde vielleicht noch dort sein, da Behörde und Publikum mit mir recht zufrieden waren, wenn nicht unvorhergesehene Mißhelligkeiten mein Leben allzu sehr verbittert hätten. Im letzten Jahre – es war im Jahre 69–70 – hatte ich nämlich eine gar liebenswürdige Gesellschaft, die mir das Leben sauer machte und in mir den Entschluß zur Reife brachte, die ganze Direktion aufzugeben. Ich that es, verkaufte den größten Theil meiner Bibliothek und Garderobe und nahm für den folgenden Winter Engagement als erster Vater im Stadt-Theater zu Würzburg bei Em. Hahn an. Allein der Mensch kann seinem Schicksal nicht entgehen. Während meiner Direktionsführung war ich immer in Correspondenz mit dem Gastwirthe Karl Schießl im Elysium geblieben, der gleichfalls Bewerber um ein Theater war. Er wollte mir die Leitung übertragen; allein er wurde so wie ich verschiedene Male abgewiesen. Während meines Engagements in Würzburg geschah es, daß das Gärtnerplatz-Theater geschlossen und zum Verkauf ausgeboten wurde. Da schrieb mir Schießl, ich möchte augenblicklich nach München kommen, denn jetzt blühe unser Weizen, da das Gärtnerplatz-Theater aufgehört habe und uns jetzt die Bewilligung nicht entgehen könne. Ich suchte noch vor Ablauf des Contractes das Engagement in Würzburg zu lösen und zwar in der sicheren Voraussicht, in München im Verein mit Schießl, in dessen Lokalitäten ein neueingerichtetes nettes Theater stand, ein Vorstadt-Theater zu errichten. Es war auch wirklich diesmal gegründete Hoffnung vorhanden. Doch plötzlich wendete sich das Blatt, indem das Theater von Sr. Majestät dem König angekauft wurde und seinem Zwecke erhalten blieb. So saßen wir – ich und der stets joviale Gastwirth – mit langen Gesichtern da.
Unterdessen brach der Krieg, aus. Da ich nun doch in München war, gab ich im Vereine mit Dilettanten im Elysium um verschiedene Wohlthätigkeits-Vorstellungen, besonders zur Unterstützung der verwundeten Krieger. Nun kam der Winter heran. Ich hätte gerne dem Theater ganz Valet gesagt, aber was thun? Ich konnte nichts finden als den kärglichen Broderwerb durch Copiren, einen Erwerb der mir zu viel zum Sterben und zu wenig zum Leben bot. Da erhielt ich von Straubing, wo ich einige Verwandte hatte, die Nachricht, daß das dortige Theater noch nicht vergeben sei und daß ich es, wenn ich mich darum bewerben wollte, gewiß erhalten würde. Ich zeigte keine große Lust dazu, denn ich hatte nie viel Gutes von Straubing gehört; da ich aber doch nicht ganz müssig sein wollte, so bewarb ich mich darum – und erhielt es. Kapitalien – dieses Geständniß will ich meinen geehrten Lesern machen – habe ich mir in Straubing keine errungen, erst als ich mich nach einigen Monaten von Straubing aus nach Deggendorf begeben hatte, da ging es mir wieder besser, weil die Regiekosten nicht so groß waren.
Für die Sommermonate reiste ich nach Oberhausen bei Augsburg, wo eine Art Sommer-Theater stand; aber auch da blühte mir kein Waizen, bis ein Zufall eine glückliche Wendung im Geschäfte hervorbrachte. Es war gerade in dem Jahrgang, wo die bekannte Barbara Ubrik-Geschichte in Krakau vorging. Mein Komiker erklärte mir, er möchte die Barbara Ubrik zu seinem Benefice geben. Auf meine Frage, ob er denn ein Stück dieses Namens besäße, erklärte er mir: »Na, nu, ich geb’ halt die Kreuzfahrer, oder sonst ein Stück, worin eine Nonne vorkommt. Damit basta!« Ich konnte natürlich mit einem solchen Vorschlag nicht einverstanden sein, da ich mir denken mußte, daß eine solche Mystifikation des Publikums wenn man einem Komiker schon etwas zu gute hält, doch auch unmöglich geduldet werden könnte. Mir selbst war die ganze Barbara Ubrik-Geschichte noch unbekannt, weil ich wenig Zeitungen las. Ich ließ mir also von der Begebenheit erzählen. Als ich die Geschichte gelesen hatte, kam mir selbst die Lust, ein neues Stück zu verfertigen. »Verschaffen Sie mir«, rief ich meinem Komiker zu, »rasch die Zeitungen, worin die Begebenheit enthalten; ein bischen Stehlen bei solchen Gelegenheiten ist schon erlaubt; doch muß schnell etwas zu Tage gefördert werden. So etwas muß schnell geschehen, sonst ist es werthlos.« Es war Dienstag. Ich nahm die Zeitungen zur Hand, las die Begebenheit, holte dann aus meiner Bibliothek die »Kreuzfahrer«, den »Glöckner von Notre-Dame« und fing an mit Bleistift den ersten Akt aufs Papier zu bringen. Hierauf ließ ich ihn von meiner Frau mit Tinte in’s Reine schreiben, während ein Schauspieler aus den Bruchstücken gleich die Rollen verfertigte; den ganzen 2. Akt nahm ich von den Kreuzfahrern zu leihen.
Die Aufnahme der Emma in’s Kloster, der 3. Akt, war wieder mein Opus; der vierte, die Kerkerscene, wurde vom »Glöckner von Notre Dame« entlehnt und der fünfte war wieder eigne Dichtung. Am Abend desselben Tages noch war das Stuck fertig, ins Reine geschrieben, die Rollen vertheilt und am Freitag die erste Aufführung. So war Alles fix und fertig, das »Zauberstückl« ganz gelungen. Das Stück gefiel trotz der manchfachen Diebstähle außerordentlich, ganz Augsburg wallfahrte zu uns heraus, es wurde zehnmal gegeben und entschädigte uns für den Verlust des ganzen Sommers. Später verkaufte ich das Stück auch vielmal und keines meiner eigenen Geistesprodukte trug mir pecuniär je so viel ein, wie »Barbara Ubrik«, welches ich in 12 Stunden fabrizirte. Mundus vult decipi, sagt schmunzelnd der pfiffige Advokat; ergo decipiatur. Den Winter übernahm ich noch einmal die Theater-Direktion in Straubing in der Hoffnung, daß nur das Kriegsjahr den Theaterbesuch beeinflußt, jetzt aber im Friedensjahr wohl mir in Straubing Rosen blühen könnten; ich fand nur Dornen. Im Herbst 1872 machte ich eine Reise an den Rhein in das ehemalig Nassauisch-Hessische, gastirte in Marburg, Ems, Gießen etc. etc. und kehrte im Jahre 1873 nach München zurück, wo unterdessen die Theaterfreiheit gegeben war. Nun hätte es freilich keinen Anstand mehr mit der Bewilligung, aber Schießl war unterdessen gestorben und seine Wittwe mußte erst für das Projekt wieder gewonnen werden; das kostete zwar keine große Mühe, denn sie ließ sich einen hübschen Pacht bezahlen.
Den 15. Juni 1873 eröffnete ich endlich das Theater im Elysium unter dem Titel Max-Vorstadt-Theater im Elysium. Die Zeit liegt ja so nahe, daß Jedermann diese Eröffnung erinnerlich sein wird. Im ersten Jahre machte ich wirklich glänzende Geschäfte, hatte einen großen Zulauf, obwohl ich selbst gestehen muß, daß meine Gesellschaft damals nicht die beste war; es ging eben zu schnell, so daß ich nur mit schnell zusammengewürfelten Mitgliedern beginnen mußte. Aber trotzdem machte ich solche Geschäfte, wie später, wo ich wirklich ein gutes Personal beisammen hatte, niemals mehr. Durch die guten Geschäfte im ersten Jahre wurde ich von der Wittwe Schießl gepreßt, und zu einem Pacht von 5000 fl. pro Jahr und unkündbar auf drei Jahre hinaufgeschraubt. Ich verinteressirte also allein einen Kapitalstock von 100000 fl. Das zweite Jahr waren meine Einnahmen schon bedeutend schlechter, und ich konnte nach gezogener Bilanz den hohen Pacht unmöglich mehr erschwingen, während ich doch auf 3 Jahre contractliche Verpflichtung hatte. Da bot sie mir das Anwesen zum Kauf an für 120000 fl. Ein solches Angebot war natürlich verlockend; die Unterhändler thaten auch das Ihrige und ich allein verinteressirte schon hunderttausend Gulden. Sie und die Unterhändler rechneten mir vor, daß ich beinahe zinsfrei sitze, da der Pacht für die Wirtschaft allein 3000 fl. tragen müßte, so daß noch alle Fremdenzimmer, die Wohnungen des Vorderhauses, die Stallung bliebe. Die Rechnung stimmte und es traf mich nach Abzug der Steuer und Reparaturkosten höchstens 1000 fl. Pacht jährlich, ein Sümmchen, das wohl zu erschwingen war. Von solcher Aussicht angelockt, kaufte ich das Anwesen, indem ich mein ganzes Baarvermögen als Anzahlung hingab. Es wäre auch Alles ganz gut hinausgegangen, wenn die Geschäfte in ihrem vormaligen Gang geblieben wären; aber kaum hatte ich gekauft, so trat die allgemeine Geschäftsstockung ein. Dazu kam das Auftauchen der vielen Tingl-Tangl, wo die stark decoltirten Sängerinnen die lebensfrohe Jugend anzulocken wußten – das Thalia-Theater begann mit seinen Ausstattungsstücken – und ich schien vergessen zu sein. Mit diesen Neuheiten konnte und wollte ich natürlich nicht concurriren. Ich verbesserte meine Gesellschaft und kann behaupten, ein gutes Ensemble zusammengestellt zu haben. Ich engagirte den Komiker Straßmeier, eine komische Kraft, die, ich kann es kühn behaupten, mit allen Komikern Münchens concurriren kann; denn er hatte Leistungen, in denen er unerreichbar war und verdarb keine Rolle. Ich versuchte, durch die Noth gedrängt, es auch noch mit einem Ausstattungsstück. Ich ließ zur »Schönen Melusine« sieben neue Dekorationen in dem ersten Künstleratelier Münchens malen, jedes Stück Garderobe war neu. Allein dieser mißlungene Versuch gab mir noch den Gnadenstoß. Nicht einmal die Gage trug es ein, viel weniger die großen Ausstattungskosten. Ich hatte keine Currentschulden, alle Gagen wurden bezahlt; aber die Interessen für die Bank – denn ich hatte die kleinen Hypotheken eingelöst und Bankcapital daraufgenommen – konnte ich nicht bestreiten. Da nun auch die Wittwe Schießl drängte – die Bank, Frau Schießl und die Firma Gabriel Sedlmaier waren meine einzigen Gläubiger – so sah ich mich genöthigt, den Concurs zu erklären; allein ich konnte nicht angenommen werden, weil keine Ueberschuldung da war, und mußte daher mein eigenes Anwesen im Werth heruntersetzen, daß zuletzt ein paar hundert Gulden Ueberschuldung herauskamen. Die Firma Gabriel Sedlmaier hatte das Anwesen erstanden, und setzte meinen früheren Wirthschaftspächter M. Maier zum bevollmächtigten Verwalter über das Ganze, bis mit dem Umbau begonnen würde. Ich spielte nun mit einem Theil der Gesellschaft in Theilung weiter, da ich aber nicht oft spielen konnte, weil die Regiekosten nicht eingingen, schien Herrn Mayer das Erträgniß zu gering und er nahm eine Sängergesellschaft, indem er sich einbildete, damit bessere Kassaerfolge zu erzielen.
Nun spielten wir einigemal in den Lokalitäten des Bürger-Vereins; aber die Regiekosten waren in diesem Lokale so groß, daß wir die Vorstellungen einstellen mußten.
Beinahe den ganzen Winter über blieb ich verdienstlos. Herr Maier hatte sich mit den Volkssängern auch verrechnet; es waren ja jetzt der Tingl-Tangl zu viele. Er entfernte daher dieselben aus dem Lokale und machte mir den Vorschlag, wieder Theater-Vorstellungen zu geben, was denn auch so lange währte, bis das Gebäude im Herbst desselben Jahres dem Abbruche übergeben wurde. Durch die Munificenz der Firma Gabriel Sedlmaier, wurden mir die Dekorationen und das zum Theater gehörige Holz- und Maschinenwerk unentgeltlich überlassen, und ich zog in den Saal der »Leopoldstadt«, Senefelderstraße, hinüber.
Den 10. November 1878 eröffnete ich die Vorstellungen.
Wie es mir hier erging, brauche ich wohl nicht zu erzählen, da es genügend bekannt ist. Zwei bittere Jahre habe ich durchgemacht. Erst im dritten Jahre besserte sich das Geschäft, und besonders seit Herr Koller das Haus gekauft, baulich verbessern, den Hof reinigen, das Theaterlokal geschmackvoll renoviren und mit Sperrsitzen versehen hatte lassen. Von dieser Zeit an mehrte sich der Theaterbesuch wenigstens in der Weise, so daß man bei bescheidenen Wünschen bestehen konnte.
Ich war damit zufrieden, und glaubte endlich einmal einen Hafen gefunden zu haben, in dem ich den Rest meiner wenigen Lebensjahre sorglos verbringen könnte. Ach, wie bitter war die Täuschung! Herr Koller verkaufte das Haus an den Privatier Herrn Schweißgut. Dieser wollte um jeden Preis eine höhere Rente aus dem Theater ziehen und machte mir deßhalb Bedingungen, die ich nach meinen reichlichen Erfahrungen nicht erfüllen konnte. Ich stellte dem Besitzer getreulich vor, daß das Theater nicht mehr einbringen könnte, daß ich zwei Jahre lang gearbeitet, um es nur zu diesem kleinen Erträgniß zu bringen. Die Zeiten der Schweiger sind nicht mehr; damals existirte noch kein Gärtnerplatz-Theater. Mit einem solchen Theater, das mit den besten Hilfsmitteln von allerhöchster Seite gestützt und geschützt wird, und gegenwärtig von einem Direktor geleitet wird, dessen Intelligenz sich in einem Grade bewährte, wie bei keinem früheren Vorgänger, mit solch einem Mann und einem derartigen Theater concurriren zu wollen, wäre Wahnsinn. Einem kleinen Theater, wie ich es gegenwärtig hatte, kann nicht mehr aufgebürdet werden, als es naturgemäß leisten kann.
Ich stellte dem Eigenthümer der Leopoldstadt auch vor, wenn er einen Direktor fände, der auf seine Forderungen eingehe, so schaffe er sich dadurch selbst Concurrenz; denn ich sei dann gezwungen, mein Theater anderswo aufzustellen. Was sollte ich auch sonst beginnen? Die Folge wird sein, daß wir beide zu Grunde gehen müssen, weil sich das Interesse theilt. Mein Ausspruch hat sich leider schon einmal bewährt, wobei ich freilich am schlimmsten daran bin; denn in meinem Alter kann ich auf ein Engagement nicht mehr zählen und auch sonst keine Bedienstung mehr erhalten. Jahrelang habe ich mich schon vergeblich bemüht, als Bürger der Stadt München irgend eine Stelle bei hiesigem Magistrat zu erlangen, wohl einsehend, daß das Interesse für so kleine Theater immer mehr im Abnehmen sei; stets aber wurde ich abgewiesen mit dem Motiv: »Zu alt.«
Welch einer Zukunft sehe ich 70jähriger Greis nun entgegen! Welche Aussichten bleiben mir, der in seiner Jugend so hoch gefeiert wurde, nun im Alter? Was wird das Ende des alten Comödianten sein, der heute seine 50jährige Bühnenthätigkeit begeht? Gott wird’s wissen!
München, im April 1883.
Eduard Binder.
Biographie, Aphorismen und Memoiren des Schauspielers und Theater-Direktors Eduard Binder. Herausgegeben zur Feier seiner 50jährigen Bühnenthätigkeit. München, April 1883.
#Deutscher Bühnen-Almanach (1887)
Eduard Binder, ein Veteran der Schauspielkunst starb am 26. September 1886 zu München, woselbst er am 22. Dezember 1813 zur Welt gekommen war. Binder hatte das Friseurgeschäft erlernt, war 1832 nach Frankfurt a. M. gelangt und wurde, nachdem er hier in Liebhabertheatern gespielt, 1833 von Director Budmann nach Offenbach mit 14 Thaler Monatsgage engagirt. Lange Zeit gehörte er dann wandernden Truppen an, und er fand erst Ruhe, als er in Baden bei Wien Engagement fand. Er spielte damals mit Größen wie La Roche, Anschütz und Davison, welche dort gastirten. Von Baden kam er nach Wien, wurde aber durch Krankheit des Engagements verlustig. Nach einem Wirken an verschiedenen Orten wandte er sich nach München, konnte aber trotz gewichtiger Empfehlungen unter Dingelstedt keine Stellung am Hoftheater finden. Max Schweiger würdigte diese schätzbare Kraft, und so trat Eduard Binder am 4. Mai 1852 in seiner Vaterstadt zum ersten Mal auf, nachdem er ihr zwanzig Jahre fern gewesen war. Im Jahre 1855 ging Binder zu Johann Schweiger über. Später schied der Künstler wieder von München und wirkte in verschiedenen Städten Bayerns, bis er die Concession erlangt hatte, in Neuhofen ein Sommertheater zu gründen; allein das Project scheiterte, da auf Einspruch der beiden Schweiger der Bau eingestellt wurde. Binder ging dann nach Reichenhall und Würzburg, bis er im Juni 1873 ein hübsches Vorstadt-Theater im Elysium zu München eröffnete; allein auch hier blühte ihm kein Glück, denn Concurrenzen thaten dem an sich gut geleiteten Theater empfindlichsten Eintrag. Das Elysiumtheater hörte auf. Nach einigen bitteren Jahren entstand im Herbst 1878 das Binder-Theater in der Senefelderstraße. Auch hier gab es für dessen Gründer vieles zu kämpfen, und so ward er in den langen Jahrzehnten des Strebens und Kämpfens ein Greis, dessen redliches Wollen schönere Erfolge verdient hätte.
Deutscher Bühnen-Almanach. Berlin, 1887.

#15 – 10 – 9 (Gail · Höchtl)
Hier ruhet in Gott
Herr Dominikus Gail,
ehm. Gastwirth in Hilgertshausen
gestorben 1893 im 51. Lebensjahre.
Ihm folgte die theure Gattin u. Mutter
Frau Veronika Höchtl,
geb. Rothenfusser,
Privatiers-Gattin
gest. am 14. Juni 1899 im 55. Lebensjahre.
Trennung unser Loos,
Wiedersehen unsere Hoffnung.
R. I. P.
Sockel
Ihr folgte der inngstgeliebte Gatte und Vater
Herr Jakob Höchtl, Privatier,
gestorben am 28. Mai 1911 im 63. Lebensjahre.
15.10.9. Babenstuber
- Gail, Dominikus; – 16.2.1893 (Ströbinger Wäldchen bei Endorf), 50 Jahre alt, Tod durch Selbstmord; Privatier, ehemaliger Gastwirt
- Höchtl, Jakob; – 28.5.1911
- Höchtl, Veronika (vw) / Rothenfusser (gb); – 14.6.1899; Gastwirts-Witwe


#15 – 10 – 13 (Neubauer)


#15 – 10 – 27·36 (Barmherzige Schwestern)
Tafel
SELIG JENE
die den kurzen Augenblick
des Lebens nutzen, um
ERBARMEN
zu üben!
VINZENZ v. PAUL
Sockel
RUHESTÄTTE
DER
BARMHERZIGEN
SCHWESTERN
- Barmherzige Schwestern


#15 – 10 – 51 (Angele · Briemle)
Hier ruhen
Unser lieber Vater
Herr Gustav Briemle
geb. 2. Aug. 1853, gest. 20. Sept. 1936.
Meine liebe Frau
unsere unvergessliche Mutter
Frau Victoria Briemle
geb. 23. Jan. 1855, gest. 7. März 1929.
Unsere gute Mutter u. Grossmutter,
Frau Josefine Angele
gest. d. 14. Juni 1896 im 81. Lebensjahre.
- Angele, Josefine (vh); – 14.6.1896
- Briemle, Gustav; 2.8.1853 – 20.9.1936
- Briemle, Viktoria (vh); 23.1.1855 – 7.3.1929


#15 – 11 – 1 (Dietrich)



#15 – 11 – 2·3 (Huber · Plechner)
Hier ruhen:
Herr Anton Huber, bürgl. Bäckermeister
geb. 1772, gest. d. 7. Juni 1825.
Herr Wolfgang Plechner, bürgl. Bäckermeister
geb. 1789, gest. d. 30. April 1850.
Frau Regina Plechner, Bäckermeisterswittwe
geb. 1783, gest. d. 31. Dezbr. 1852.
Herr Anton Huber, Maschinen-Fabrikant
geb. d. 9. Juni 1813, gest. d. 19. Sept. 1880.
Herr Georg Huber, Privatier, ehm. Bäckermeister
geb. d. 4. Mai 1817, gest. d. 8. Sept. 1884.
Fräulein Walburga Huber,
Privatiere, ehm. Bäckermeisters-Tochter
gest. den 6. November 1887, im 73. Lebensjahre.
Frau Kath. Huber, Maschinenfabrikantens.Wtw.
gest. den 13. Oktober 1906, im 76. Lebensjahre.
Sockel
15.11.2.3. Babenstuber
Linke Seite
Theresia Huber
geb. 1818, gest. d. 8. Mai 1824.
Regina Huber,
geb. 1816, gest. d. 6. März 1829.
- Huber, Anton; 1772 – 7.6.1825; Bäckermeister
- Huber, Anton; 9.6.1813 – 19.9.1880; Maschinenfabrikant
- Huber, Georg; 4.5.1817 – 8.9.1884; Bäckermeister
- Huber, Kath. (vw); – 13.10.1906; Maschinenfabrikantens-Witwe
- Huber, Regina; 1816 – 6.3.1829 (München); Bäckers-Tochter
- Huber, Theresia; 1818 – 8.5.1824
- Huber, Walburga; – 6.11.1887; Bäckermeisters-Tochter
- Plechner, Regina (vw); 1783 – 31.12.1852 (München); Bäckermeisters-Witwe
- Plechner, Wolfgang; 1789 – 30.4.1850 (München); Bäckermeister


#15 – 11 – 4·5 (Pössenbacher)
Linke Stele
Ruhestätte
der von den Ihrigen ¿
und unvergesslichen Gattin u. Mutter
Kreszentia Pößenbacher
geborne ¿ Ebner
Geb. den ¿ Jänner 180¿
Gest. den ¿ März 18¿
¿
und Vater
Matthäus Pößenbacher
Buchdruckerei-Besitzer
geb. den ¿ 1802
gest. den ¿
¿
Mitte
¿
Margaretha Pößenbacher
¿
Rechte Stele
Ruhestätte
¿
Matthäus Pößenbacher
bürgl. Tischler-Meister.
¿
Rosina Pößenbacher
geborne ¿
¿ August ¿
¿ den ¿ Oktober 1845.
Friede ihrer Asche
- Pössenbacher, Kreszentia (vh) / Ebner (gb); 1804 – 16.3.1832 (München); Kistlermeisters-Gattin
- Pössenbacher, Margaretha
- Pössenbacher, Matthäus; 1757 – 1824; Tischlermeister
- Pössenbacher, Matthäus; 4.6.1802 – 6.2.1848 (München); Buchdruckereibesitzer
- Pössenbacher, Rosina (vw) / Altenbuchner (gb); 1766 – ¿.10.1845 (München); Schreinermeisters-Witwe



#15 – 11 – 8 (Wagner)
Hier ruht in Gottes Frieden
mein innigstgeliebter unvergesslicher Gatte
unser guter treubesorgter Vater
Herr Anton Wagner,
Bankinspektor,
geb. 14. Nov. 1857, gest. 10. Dez. 1905.
Sockel
FAMILIE WAGNER.
Schneider
- Wagner, Anton; 14.11.1857 – 10.12.1905; Bankinspektor
- Wagner, Leopold; – 1891


#15 – 11 – 13 (Moser)
Familien-Grabstätte.
Hier ruhet
meine liebe Gattin,
unsere gute Mutter
Frau Maria Moser,
geb. Weber, Bautechnikersgattin,
geb. 22. Jan. 1868, gest. 16. Mai 1894.
Frau Creszentia Moser,
geb. Hader, Hausmeistersgattin
geb. 8. Juli 1824, gest. 5. Aug. 1886.
Herr Anton Moser,
pens. städt. Hausmeister,
geb. 9. Sept. 1820, gest. 13. Febr. 1896.
Mein lieber, guter Mann,
unser treubesorgter Vater
Herr Hans Moser, Ingenieur
geb. 5. Juni 1863, gest. 8. März 1932.
Sie ruhen in Frieden.
Burlein
Sockel-Tafel
Unsere liebe Mutter
Frau Lina Moser
geb. ¿stein
* 2. Dez. 18¿0 † 25. Okt. 1940
- Moser, Anton; 9.9.1820 – 13.2.1896; Pensionierter städtischer Hausmeister
- Moser, Hans; 5.6.1863 – 8.3.1932; Ingenieur
- Moser, Kreszentia (vh) / Hader (gb); 8.7.1824 – 5.8.1886; Hausmeisters-Gattin
- Moser, Lina (vh); 2.12.18¿0 – 25.10.1940
- Moser, Maria (vh) / Weber (gb); 22.1.1868 – 16.5.1894; Bautechnikers-Gattin


#15 – 11 – 19 (Pfeiffer)
Familie
Pfeiffer
- Pfeiffer, Elise (vw); – 14.6.1886 (München), 75 Jahre alt; Hoflakaiens-Witwe



#15 – 11 – 21 (Weber · Knoller)


#15 – 11 – 22 (Glink)
Franz Xaver Glink
* 1796 Burgau/Schwaben
† 1873 München
Historienmaler
- Glink, Franz Xaver; 21.5.1795 (Burgau/Schwaben) – 22.2.1873 (München); Freskenmaler, Historienmaler und Kirchenmaler


#Franz Xaver Glink
* 21.5.1795 (Burgau/Schwaben)
† 22.2.1873 (München)
Freskenmaler, Historienmaler und Kirchenmaler
#Artistisches München im Jahre 1835 (1836)
Glink, Xaver, Sohn eines Schreinermeisters zu Burgau, geboren 1795. Im Jahre 1809, als diese ehemals vorderösterreichische Markgrafschaft an Bayern gefallen war, zog die ganze Familie nach München, und machte sich hier ansäßig. Der 14jährige Sohn erlernte nun das Tischlerhandwerk, als durch einen günstigen Zufall der damalige königl. Akademie-Direktor Langer verschiedene Schnitzarbeiten seiner Hand ansichtig wurde, und den Eltern rieth, ihn in die Kunst-Akademie zu schicken. Im Jahre 1824 reiste er nach Rom, und bei seiner Rückkehr malte er aus Dankbarkeit für das genossene Reise-Stipendium das Altarblatt in der königl. Militär-Lazarethkirche. Das große Festbild in der Frauenkirche, die Auferstehung Christi und andere sind bis jetzt Werke seiner Hand.
Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Mechaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.
#Die bildende Kunst in München (1842)
Franz Xaver Glink,
geb. 1795, der Sohn eines Schreiner- (Tischler-) Meisters aus Burgau, kam mit seinen Eltern im Jahre 1809 nach München und erlernte hier bei seinem Vater dasselbe Handwerk. Sein Sinn für schöne Formen veranlaßte ihn zur Uebung in Schnitzarbeiten, die immer zierlicher ausfielen. Da der Direktor der Akademie, Langer, diese Arbeiten sah und daraus das Kunsttalent Glinks erkannte, vermochte er den Vater desselben, daß sich der Sohn der Kunst widmen durfte.
Zur weiteren Ausbildung reiste er dann im Jahre 1824 nach Italien, hielt sich längere Zeit in Rom auf, und malte nach seiner Rückkehr aus Dankbarkeit für das ihm gewährte Reisestipendium das Altarbild in der Militär-Lazarethkirche zu München. Für die Frauenkirche malte er das große Festbild, die Auferstehung Christi, andere Bilder religiösen Inhaltes für andere Kirchen. Seine Darstellungsweise ist größtentheils religiös lyrisch, seine Farbengebung mild, angenehm, klar. Zu seinen schönsten Bildern gehören: die Flucht der hl. Familie nach Aegypten, Mariens Besuch bei Elisabeth, eine Madonna mit dem Kinde, Christus im Garten, eine hl. Cäcilia. Sein jüngstes Werk ist ein Altarbild für die Peterskirche in München: in der Mitte Christus im milden Glanze seiner Herrlichkeit, ihm zur Seite rechts und links die hl. Maria und Petrus. Unten mehrere Figuren in anbetender oder flehender Stellung, schön gruppirt.
Dr. Johann Michael von Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.
#Augsburger Postzeitung (5.3.1873)
Franz Xaver Glink, Historienmaler.
(Nekrolog.)
München, 23. Febr. Der Künstler, dessen Leben wir hier erzählen, wurde in Burgau im Jahre 1795 geboren als der Sohn eines Schreinermeisters, welcher, als diese ehemals vorderösterreichische Markgrafschaft an Bayern gefallen war, mit seiner Famllie nach München zog und sich hier ansäßig machte. Unser Franz Xaver, der drittälteste unter fünf Brüdern, lernte bei seinem Vater das Tischlerhandwerk. Sein Sinn für schöne Formen veranlaßte ihn zu Schnitzarbeiten in freien Stunden. So baute er ein »heiliges Grab« und schuf eine Anzahl niedlicher Krippen-Darstellungen, welche viele Beschauer fanden. Zufällig sah auch der damalige Direktor Peter von Langer dieselben, erkannte darin ein bedeutendes Talent und bewog den Vater, seinen Sohn der Kunst zu widmen. Glink besuchte darauf die Akademie und brachte als Eleve dieser Anstalt schon im Jahre 1814 Zeichnungen nach der Antike zur öffentlichen Kunst-Ausstellung. Ebendaselbst erschienen 1820 zwei große Cartons: »Die Anbetung der Hirten« und »Christus erscheint der Magdalena im Garten«, nebst sieben Zeichnungen, gleichfalls religiösen Inhalts, welche als eigene Compositionen von dem Fleiße und dem Talent des jungen Künstlers das schönste Zeugniß gaben. In der Folge erhielt Glink ein königliches Reisestipendium und ging damit 1824 nach Rom, wo er mehrere Jahre verweilte, bis ihn eine Krankheit in die Heimath zurücktrieb. Hier malte er nach seiner baldigen Genesung aus Dankbarkeit für das ihm gewährte genossene Reisestipendium das Altarblatt in der k. Militär-Lazarethkirche (Theklakapelle). Außerdem entstanden das große Festbild in der Münchener Frauenkirche (die Auferstehung Christi) und andere Werke dieser Art. Als dann Dominik Ouaglio das für den Kronprinzen Maximilian neuerbaute Schloß Hohenschwangau vollendet hatte, wurde Glink mit Lindenschmit, Neher und Anderen auserlesen, die Hallen und Säle mit Bildern zu schmücken. Glink malte die bekannte Madonna am Schloßbrunnen daselbst nach eigener Composition, das Bertha-Zimmer, den Cyclus aus der Wilkinasage und den Nibelungen, die Scenen aus Tasso und die Geschichte des Autharis malte er bekanntlich nach den geistreichen Compositionen Schwind's in der Sommerzeit der Jahre 1834–37. Nach Vollendung dieser ehrenvollen Aufträge wendete sich Glink wieder ganz zur religiösen Kunst; zu seinen schönsten Gemälden gehörten »die Flucht der heiligen Familie«, »Mariens Besuch bei Elisabeth«, zwei Bilder, in denen Glink durch die Kraft und Schönheit der Farbe seine Blüthezeit feierte. Außerdem erwähnen wir: eine Madonna, Christus im Garten, eine heilige Cäcilia, Christus in der Herrlichkeit, umgeben von der heiligen Jungfrau und dem heiligen Petrus (in der Peterskirche zu München, woselbst sich am Altar der Priesterbruderschaft auch eine Fürbitte der armen Seelen befindet). Im sogenannten König-Ludwigs-Album (1850) befindet sich eine »Bergpredigt«.
Glink blieb der christlichen Kunst getreu; eine Treue, die dem über alle Maßen bescheidenen Künstler nur schlechten Lohn brachte, da die religiöse Kunst meist höchst armselig bezahlt wird. Die Gründe zu erwägen und zu beleuchten, warum diese theilweise durch Mittellosigkeit, theilweise aber auch durch ein völliges Verkennen oder durch Unkenntniß der Besteller eingerissene Geringschätzung Platz greifen und das Leben solcher damit betrauten Maler oft zu einem wahren Martyrium zu gestalten pflegen — das gehört gerade nicht hieher. Glink, welcher, obwohl theilweise noch der Langer'schen Schule angehörig, doch das Zeug gehabt hätte, sich zu höher fliegenden Schöpfungen zu begeistern, litt unter dem angedeuteten Druck und ging zumal bei beginnendem Alter zurück. Er arbeitete weiter unverdrossen und ausdauernd, selbst dann noch, als die Jahre seine Kraft lähmten. Eben so beharrlich erwies er sich als Krippenbauer. Am 9. Juli vorigen Jahres starb seine Frau, welche ihn mit einem wackeren Sohne und zwei Töchtern beschenkt hatte. Von da an sah auch unser Meister, als guter Christ wohl vorbereitet, seinem Ende entgegen: aufgenommen zu werden in die hehre Gemeinschaft, die er uns immerdar zu versinnlichen bereit gewesen. Wahrlich: ein guter und getreuer Knecht! (Glink starb, wie bereits gemeldet, am 21. Febr.)
Beilage Nr. 15 zur Augsburger Postzeitung Nr. 55. Mittwoch, den 5. März 1873.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Glink Franz Xaver, 1795 (Burgau/Schwaben) – 1873, Historienmaler; zunächst erlernte G. das Tischlerhandwerk seines Vaters, er studierte dann, durch P. von Langer entdeckt, an der Kunstakademie in München, erhielt 1823 durch P. von Cornelius ein Reisestipendium für Rom; heimgekehrt, schuf er mit anderen die Fresken für Schloß Hohenschwangau; religiöse Motive überwiegen bei ihm; viele Kirchengemälde befinden sich in Kirchen von München, in der Klosterkirche Beuerberg und auch in Amerika, seine Zeichnungen enthält die Maillinger Sammlung.
Hauptwerke: Flucht der Heiligen Familie, Mariens Besuch bei Elisabeth.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#15 – 11 – 39 (Gerum)
Familie Gerum.
¿ Gatte
Herr Alois Gerum
¿
- Gerum, Alois



#15 – 11 – 50 (Hoefl)
Karl Hoefl, kgl. Rath.
geb. 13. Dez. 1805, † 11. März 1885.
dessen Gattin
Fanny, geb. Reiser,
geb. 7. Dez. 1813, † 1. Januar 1873.
deren Sohn
Michael Hoefl, kgl. Hauptmann
geb. 12. Juni 1843, † 17. Febr. 1882.
Fanny Hoefl, geb. von Fischer
Regierungsrats-Gattin,
geb. 27. Juni 1864, † 29. Mai 1922.
Deren Gatte
Friedrich Hoefl,
¿ Januar 1853, † 20. Oktober 1929
- Hoefl, Fanny (vh) / Fischer, von (gb); 27.6.1864 – 29.5.1922; Regierungsrats-Gattin
- Hoefl, Fanny (vh) / Reiser (gb); 7.12.1813 – 1.1.1873; Rats-Gattin
- Hoefl, Friedrich; ¿.1.1853 – 20.10.1929 (München); Regierungsrat a. D.
- Hoefl, Karl; 13.12.1805 – 11.3.1885; Rat
- Hoefl, Michael; 12.6.1843 – 17.2.1882; Hauptmann



#15 – 12 – 1 (Haertinger)
Herr E. Haertinger u. dessen Gattin,
deren Tochter Frl. E. Haertinger u. Sohn
E. Haertinger Rechnungsbeamter.
Frl. Karoline Haertinger
Babette Haertinger Revisorswtw.
- Haertinger, Babette (vw)
- Haertinger, E.; Rechnungsbeamter
- Haertinger, Karoline



#15 – 12 – 2 (König)
Grab der Familie Koenig
¿
Theodor Koenig
Kunstver¿
¿
Emma Koenig
geb. Geiger
¿ 1860 † ¿ 19¿
¿
Auf Wiedersehen!
- König, Emma (vh) / Geiger (gb)
- König, Theodor; Kunstverleger




#15 – 12 – 12 (n. n.)


#15 – 12 – 13 (Klingler · Robiczek)


#15 – 12 – 18 (Daut)
Hier ruhen
Herr Georg Daut
Bäckermeister
1840 – 1901
dessen Gattin
Frau Anna Daut
1846 – 1922
deren Söhne
Georg Daut 187¿ – ¿
Friedrich Daut 1887 – ¿
Sockel
Dautsches Familiengrab
- Daut, Anna (vw) ; 1846 – 1922; Bäckermeisters-Witwe
- Daut, Friedrich; 1887 – ¿
- Daut, Georg
- Daut, Georg; 1840 – August 1901 (München); Bäckermeister


#15 – 12 – 19 (Rieger)
HIER RUHEN
DIE EHEGATTEN
FRAU EVA RIEGER
PRIVATIERSGATTIN.
* 24.XII.1831 – † 1.XII.1893
HERR JOSEF RIEGER
PRIVATIER
* 20.II.1822 – † 16.¿
DESSEN SOHN ¿
JOSEF RIEGER
¿ OBERREVISOR A. D.
* 5.II.1866 – † 21. XI.1933
- Rieger, Eva (vh) / Brandmayr (gb); 24.12.1831 – 1.12.1893 (München); Bergmannstochter aus Neuhammer / Privatiers-Gattin
- Rieger, Josef; 20.2.1822 –; Privatier
- Rieger, Josef; 5.2.1866 – 21.11.1933; Oberrevisor a. D.


#15 – 12 – 25 (Baumgartner · Heidenhain · Neumayer)
Frau Veronika Baumgartner
pract. Arztens-Wittwe
geb. 12. Sept. 1851. gest. 16. Jan. 1874.
Ihr folgte ihr Töchterlein
Xaverie, gen. Neumayer,
geb. 20. März 1873, gest. 22. Nov. 1883.
Frau Rosa Heidenhain,
geb. Kessler, Arztensgattin
geb. 15. Febr. 1861, gest. 19. Dezbr. 1894.
Fr. Neumayer,
k. Oberamtsrichter a. D.
geb. 17. Juli 1846
gest. 23. Juni 1901.
Mag. Neumayer,
k. Oberamtsrichters-Ww.
geb. 20. Juli 1828,
gest. 22. August 1909.
Sockel
Familien-Grabstätte
Neumayer-Baumgartner.
Rechte Seite
J. Lallinger.
- Baumgartner, Veronika (vw); 12.9.1851 – 16.1.1874 (München); Arzt-Witwe
- Baumgartner, Xaverie / Neumayer (ps); 20.3.1873 – 22.11.1883; Arzt-Tochter
- Heidenhain, Rosa (vh) / Kessler (gb); 15.2.1861 – 19.12.1894; Arzt-Gattin
- Neumayer, Fr.; 17.7.1846 – 23.6.1901; Oberamtsrichter a. D.
- Neumayer, Mag. (vw); 20.7.1828 – 22.8.1909; Oberamtsrichters-Witwe


#15 – 12 – 26* (Friedl)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Friedl, Max; – 24.11.1838 (München), 23 Jahre alt; Stadtgerichtsbotens-Sohn / Kunstmaler
Das Grab ist nicht erhalten

#15 – 12 – 37 (Schrettinger)


#15 – 12 – 46 (n. n.)


#15 – 12 – 56·57 (Bacherle)





#15 – 13 – 5 (Peckenzell)
Hier ruhen in Gott:
Fridolin
Freiherr von Peckenzell,
k. k. Hauptmann
im Jaeger Regiment Kaiser
geb. 12. März 1811, gest. 19. Mai 1854.
Julius
Freiherr von Peckenzell,
Gutsbesitzer
auf Mühlheim im Innviertel,
geb. 4. Okt. 1816, gest. 10. Sept. 1892.
Sockel
Luise Freiin von Peckenzell,
geb. 28. Sept. 1855, gest. 1. Dezbr. 1907.
Rechte Seite
Schwarz 15.13.5.
- Peckenzell, Fridolin Freiherr von; 12.3.1811 – 19.5.1854 (München); Hauptmann
- Peckenzell, Julius Freiherr von; 4.10.1816 – 10.9.1892; Gutsbesitzer
- Peckenzell, Luise Freiin von; 28.9.1855 – 1.12.1907


#15 – 13 – 6 (Fuchs)
Familie
Fuchs
- Fuchs, Katharina (vh); – 1889; Schneidermeisters-Gattin



#15 – 13 – 8 (Manz · Stang)
Hier ruhet in Gott:
unser innigstgeliebter, teurer Gatte u. Vater
Wilhelm Manz
Regierungsrat
im kgl. Staatsministerium des Innern
geb. 22. Febr. 18¿, gest. 9. Febr. 1879.
Ida Stang, geb. Striegel,
Regierungsratswitwe
geb. 23. Dezbr. 1832, gest. 6. Juni 1917.
Frau ¿ Manz
geb. Stang, Regierungsratswitwe.
geb. ¿
- Manz, Bertha (vw) / Stang (gb); Regierungsrats-Witwe
- Manz, Wilhelm; 22.2.18¿ – 9.2.1879 (München); Regierungsrat
- Stang, Ida (vw) / Striegel (gb); 23.12.1832 – 6.6.1917 (München); Regierungsrats-Witwe





#15 – 13 – 12* (Earle)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Earle, Anna, Lady
Das Grab ist nicht erhalten

#15 – 13 – 13 (Ney)
Familie
Ney
- Ney, Maximilian Ritter von; 1829 (München) – 28.4.1895 (Schloss Weidenkamm bei Amberg); Major a. D.



#Maximilian Ritter von Ney
* 1829 (München)
† 28.4.1895 (Schloss Weidenkamm bei Amberg)
Major a. D.
#Münchner Neueste Nachrichten (2.5.1895)
Lokales.
München, 1. Mai.
Beerdigungen. Eine halbe Stunde später [Oberst a. D. Franz Freiherr von Gmainer] wurde unter den einem Regiments-Kommandeur gebührenden letzten militärischen Ehren der Ritter des Max-Josef-Ordens, Major a. D. Maximilian v. Ney, im gleichen Friedhofe beerdigt. Dem von sechs Unteroffizieren getragenen, mit Helm und Säbel geschmückten Sarge folgten nach den nächsten Leidtragenden zahlreiche Offiziere der hiesigen Garnison und von Seite des Max-Josef-Ordens der Ordens-Archivar Geheimer Kriegsrath Schrettinger; der genannte Orden hatte die Bahre auch mit einem prächtigen Kranz mit Schleifen in den Ordensfarben schmücken lassen. Beim Einsenken des Sarges erwies ein mit Fahne und Musik ausgerücktes Bataillon des 1. Infanterie-Regiments die letzten Ehren durch Abgabe von drei Salven.
Münchner Neueste Nachrichten No. 203. Donnerstag, den 2. Mai 1895.

#15 – 13 – 14 (Heindl)



#15 – 13 – 16 (Fettermann)
Hier ruhen in Gott
die besten Eltern u. liebevollste Gattin:
Herr Franz Fettermann
geb. in Wetzlar d. 19. April 1802, gest. 1. Aug. 1854.
Frau Maria Fettermann
geb. Zbinden,
geb. in Lavigni Canton Waadt
den 3. Dez. 1788, gest. den 1. Juni 1881.
Frau Therese Fettermann
geb. Sedlmayer,
geb. in München d. 8. Dez. 1832, gest. 25. Nov. 1897.
Ihr folgte deren Gatte
Herr Alexander Fettermann, Rentner.
geb. den 19. Aug. 1826 zu Lavigni Canton Waadt,
gest. den 14. Febr. 1919 zu München.
- Fettermann, Alexander; 19.8.1826 (Lavigni/Kanton Waadt) – 14.2.1919 (München); Rentner
- Fettermann, Franz; 19.4.1802 (Wetzlar) – 1.8.1854 (München); Lohndiener
- Fettermann, Maria (vh) / Zbinden (gb); 3.12.1788 (Lavigni/Kanton Waadt) – 1.6.1881 (München)
- Fettermann, Therese (vh) / Sedlmayer (gb); 8.12.1832 (München) – 25.11.1897




#15 – 13 – 17 (Hiltensperger)
Hier ruhen in Gott
Herr Johann Georg Hiltensperger
Historienmaler, Akademieprofessor a. D.
geb. 22. Febr. 1806 gest. 13. Juni 1890
Otto Hiltensperger
Historienmaler, gest. 1873 im 3¿ Lebensjahre
Frau Antoine Hiltensperger
k. Akademieprofessors-Witwe.
geb. ¿ April 1820 gest. 21. April 1905.
R. I. P.
Rechte Seite
Frau Theresia Hiltensperger
gest. ¿
Frau Johanna Hiltensperger
gest. ¿
dessen Gattin ¿
Marie Hiltensperger
¿
- Hiltensperger, Antoine (vw); ¿.4.1820 – 21.4.1905
- Hiltensperger, Johann Georg; 21.2.1806 (Haldenwang, Lkr. Kempten/Schwaben) – 13.6.1890 (München); Historienmaler
- Hiltensperger, Johanna (vh); – August 1851 (München), 37 Jahre alt; Historienmalers-Gattin
- Hiltensperger, Marie (vh)
- Hiltensperger, Otto; – 9.10.1873 (München), 37 Jahre alt; Genremaler und Historienmaler
- Hiltensperger, Theresia (vh)



#Johann Georg Hiltensperger
* 21.2.1806 (Haldenwang, Lkr. Kempten/Schwaben)
† 13.6.1890 (München)
Historienmaler
#Artistisches München im Jahre 1835 (1836)
Hiltensperger, Georg, geboren zu Haldenwang, einem Dorfe bei Kempten, im Oberdonaukreise im Jahre 1806. Die ersten Anfangsgründe im Zeichnen erlernte er bei Hrn. Zeichnungslehrer Weiß in Kempten. Im Jahre 1822 kam er nach München, um sein Studium fortzusetzen, unter der Leitung des Direktors v. Langer; nachdem Cornelius an dessen Stelle kam, erhielt er auch den Auftrag, eines von den Bildern im Hofgarten aus der Geschichte Bayerns (Albrecht der Fromme, wie er Böhmens Königskrone ausschlug) zu malen. Nach mehreren Andern bekam er auch den Auftrag von Sr. Majestät dem Könige Ludwig v. Bayern, nach Neapel zu reisen, um dort die antiken Malereien im dortigen Museo Borbonico, so wie auch in den Ausgrabungen von Pompeji zu studiren; nach einem Jahre kehrte er wieder zurück, und ist seitdem im neuen Königsbaue in München beschäftigt.
Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Mechaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.
#Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode (13.12.1838)
Gallerie einiger in München lebender Künstler.
(Fortsetzung.)
Hiltensperger, Georg.
In dem großen Künstlerreigen, der in München von berühmten Choragen geführt, Gemüth und Phantasie ununterbrochen anregt und die Gegenwart verschönert, leuchtet auch Georg Hiltensperger, geboren zu Haldenwang im Jahre 1806, als ein ausgezeichnetes Talent. Die ersten Anfangsgründe im Zeichnen erlernte er bey dem Zeichnungslehrer Weiß in Kempten. Die raschen Fortschritte, die er machte, die Phantasie, die früh aus den ersten Entwürfen zu den Beschauenden sprach und die technische Fertigkeit in der Ausführung öffneten ihm bald die Hallen der Akademie in München, wo er als Zögling unter der Leitung des verdienstvollen von Langer seine Studien fortsetzte. Als Cornelius an dessen Stelle kam, erhielt er den Auftrag, eines von den historischen Bildern in den Arcaden des Hofgartens, »Albrecht den Frommen, die Krone Böhmens ablehnend,« zu malen. Er reiste im Auftrage Sr. Majestät des Königs nach Neapel, um dort die antiken Malereyen im Museo Borbonico, so wie auch in den Ausgrabungen Pompeji's zu studieren. Im neuen, südlichen Königsbau führte er mehrere treffliche enkaustische Gemälde aus. In den sechs prachtvollen Sälen des Erdgeschosses im neuen, nördlichen Königsbau, Gemächer und Gastzimmer eines fürstlichen Paares enthaltend, beschäftigt diesen Künstler die Ausführung von Gemälden aus der Odyssee nach der Composition Schwanthaler's.
(Werden fortgesetzt.)
Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode 149. Donnerstag, den 13. Dezember 1838.
#Universal-Handbuch von München (1845)
Hiltensperger, Johann Georg,
geboren im Jahre 1806 zu Haldenwang bei Kempten, genoß den ersten Zeichnungsunterricht in dieser Stadt, besuchte dann die Akademie in München, reiste hierauf für einige Zeit nach Düsseldorf, und kam mit Cornelius wieder nach München. Eine seiner ersten Beschäftigungen in der Freskomalerei war in den Arkaden des Hofgartens: »Albrecht der Fromme schlägt die Krone Böhmens aus«. Kurz darauf ging er im Auftrage des Königs Ludwig nach Neapel und Pompeji, um dort die Antikenmalerei zu studiren. Bei seiner Rückkehr malte er nach Schwanthalers Entwürfen Komödien des Aristophanes im Königsbaue, sodann die beiden Gibelfelder des neuen Hof- und Nationaltheaters mit den Musen und Horen, und später die Fresken zur Odyssee nach Schwanthaler im Saalbaue der k. Residenz.
Universal-Handbuch von München. München, 1845.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Hiltensperger Johann Georg, 1806 (Haldenwang, Lkr. Kempten/Schwaben) – 1890, Historienmaler und Akademieprofessor; den ersten Zeichenunterricht erhielt H. in Kempten, 1820 trat er in die Münchner Kunstakademie als Schüler von Langers ein und arbeitete, nachdem er noch von Cornelius Schüler in Düsseldorf gewesen, an den Malereien in der Glyptothek und in der Loggia der Pinakothek nach dessen Skizzen; zwecks Dekorierung des Königsbaus schickte ihn Ludwig I. nach Pompeji; nach seiner Italienreise vollendete H. den Zyklus aus der Odyssee in acht Sälen dieses Baues, er erhielt auch den Auftrag zur Verzierung der Loggia in der Eremitage zu St. Petersburg (= Leningrad) mit Bildern aus der Geschichte der griechischen Malerei (84 Gemälde); seine Bilder sind historischen und religiösen Inhalts.
Hauptwerke: 14 Darstellungen aus der Passion Christi für eine katholische Kirche in Rotterdam; Bilder im Maximilianeum, Giebelfelder des Hoftheaters, Gruppe der Rossebändiger in der Loggia der Münchner Hauptpost; H. gilt als vorzüglicher Kolorist.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#15 – 13 – 19 (Widtmann)
Familiengrab.
Hier ruht
unsere unvergessliche Gattin & Mutter
Frau Elise Widtmann
Premierlieutenants & Rendanten Gattin,
geb. 19. Nov. 1847 gest. 17. Jan. 1895.
- Widtmann, Elise (vh); 19.11.1847 – 17.1.1895; Premierleutnants-Gattin



#15 – 13 – 21 (Klaß)
Hier ruht
der hoch geehrte Herr
Franz X. Klaß
geb. ¿ Dezember 18¿ gest. ¿ Juni 1878
¿
Ihm zur Seite ruht seine Gattin
Sabina
geb. ¿
In Dankbarkeit
Der Münchner Lehrerverein
- Klaß, Franz Xaver; 16.12.1802 (Eresing) – 24.6.1878 (München); Lehrer
- Klaß, Sabina (vh); – 30.10.1867 (München), 68 Jahre alt; Lehrerin im Ruhestand


#15 – 13 – 23 (Korff)
Die Grabinschrift ist nicht erhalten
- Korff, Theophile Baronin von (vh) / Keyserling, Gräfin von (gb); 3.3.1795 – 6.8.1854 (München); Gutsbesitzers-Witwe


#15 – 13 – 25 (Kaiser)


#15 – 13 – 26 (Kiermayer · Meyer)
Hier ruhen in Gott
Frau Anna Kiermayer
Gastwirts-Gattin,
geb. 28. Aug. 1844, gest. 23. Aug. 1875.
Herr Josef Kiermayer
Gasthofbesitzer,
geb. 31. März 1842, gest. 29. Mai 1888.
Herr Karl Kiermayer
geb. 21. Juni 1878, gest. 21. Mai 1911.
Herr Wilhelm Meyer
Apotheker,
geb. 17. Dez. 1863, gest. 31. Juli 1927.
- Kiermayer, Anna (vh); 28.8.1844 – 23.8.1875 (München); Gastwirts-Gattin
- Kiermayer, Josef; 31.3.1842 – 29.5.1888; Gastwirt
- Kiermayer, Karl; 21.6.1878 – 21.5.1911
- Meyer, Wilhelm; 17.12.1863 – 31.7.1927; Apotheker


#15 – 13 – 37* (Aicher · Reitzenstein)
Die Grabinschrift ist nicht überliefert
- Aicher, Maximilian von; – 26.7.1831 (München), 77 Jahre alt; Generalmajor
- Reitzenstein, Eduard Freiherr von; – 25.3.1891 (Augsburg); Generalmajor
Das Grab ist nicht erhalten
#Maximilian von Aicher
† 26.7.1831 (München), 77 Jahre alt
Generalmajor
#Münchener Conversations-Blatt (1.8.1831)
Den Manen unsers am 29. Juli mit allen reglementmäßigen Ehren-Bezeugungen zu Grabe getragenen bayerischen Veterans
Maximilian v. Aicher
gewidmet.
(Aus dem bayerischen Thatenbuche von F. G.....r).
Am 12. Mai (1809) rückte Deroy mit seiner Division zum Entsatz gegen Kufstein vor. Erst am Kieferbache, wo die Brücke abgeworfen worden war, und die Tyroler jenseits hinter Verhauen an den Berghalden standen, begann ernsterer Widerstand. Aber das 1. leichte Infanterie-Bataillon, voran der tapfere Oberstlieutenant v. Habermann, stürzte sich durch den Strom, durch die Verhaue, und trieb den Feind von Stellung zu Stellung. Nach hergestellter Brücke folgten das 2. Bataillon des 4. Infanterie-Regiments, 2 Compagnien des 5. Regiments, unter Major Fladt, das 7. leichte Bataillon (Günther), eine Eskadron des 4. Chevauxlegers-Regiments und eine Eskadron des 2. Dragoner-Regiments, dann die Batterie Roys. Ein Theil dieser Truppen verfolgte den fliehenden Feind hoch über den Dirnberg, ein anderer drang über die sogenannte Klause nach Kufstein. Am rechten Innufer wurde ein Bataillon des 14. Regiments unter Major Franz v. Pillement gegen den sogenannten Kaiserthurm gesendet, während Oberst Metzen mit 6 Compagnien des 15. Infant. Regiments bei Urspring stand. – Es war 3 Uhr Nachmittags, da jubelten die tapfern Männer des 1. leichten Infanterie-Bataillons auf der Innbrücke vor der Stadt Kufstein ihrem König, und ihren Brüdern, die droben auf der Brustwehr der Festung standen, ein herzliches Lebehoch! – So war die vierwöchentliche Sperrung der Festung aufgehoben, welche der tapfere Commandant Oberlieutenant Max Aicher, kräftig unterstützt durch den Artillerie-Hauptmann v. Pirchinger, die Artillerie-Lieutenants Jos. Roppelt und Joseph Pöllath, dann den tapfern Lieutenant des 2. leichten Bataillons Rudolph v. Vigilli, mit eben so hohem Heldenmuthe als großer Geschicklichkeit vertheidigte. General Deroy versorgte nun die Festung mit neuen Vorräthen.
Münchener Conversations-Blatt Nro. 213. Montag, den 1. August 1831.

#15 – 13 – 44 (Kronenbitter)
Hier ruht
Alois
Kronenbitter
2.5.1819
30.6.1883
- Kronenbitter, Alois; 2.5.1819 – 30.6.1883 (München); Silberarbeiter





#15 – 13 – 50 (Klotz)
Simon Klotz
1776 – 1824
- Klotz, Simon Petrus; 30.9.1776 (Mannheim) – 26.9.1824 (München); Freskenmaler, Lithograph, Portraitmaler und Zeichner


#Simon Petrus Klotz
* 30.9.1776 (Mannheim)
† 26.9.1824 (München)
Freskenmaler, Lithograph, Portraitmaler und Zeichner
#Neues allgemeines Künstler-Lexicon (1839)
Klotz, Simon, Maler und Professor der Theorie der bildenden Künste an der ehemaligen k. b. Universität zu Landshut, wurde 1777 zu Mannheim geboren, und von seinem Vater Mathias in den Anfangsgründen der Kunst unterrichtet, bis er nach München sich begab, um unter Dorners Leitung auf der k. Galerie daselbst seine Studien fortzusetzen. Von 1798–1800 besuchte er die Städte Wien, Dresden, Berlin und Kopenhagen, und 1805 erhielt er seine Anstellung an der erwähnten Universität. Später machte er eine Reise nach Frankreich und Italien, um die verschiedenen Meisterwerke der Kunst zu studieren, und mit gründlichen Kenntnissen ausgerüstet, kehrte er endlich ins Vaterland zurück, wo er durch seine Werke allen Beifall fand. Er malte mehrere heilige Geschichten, Landschaften und Bildnisse in Oel. In seinen Bildern offenbart sich eine lebhafte Phantasie und tiefes Gefühl, und das Ganze ist in edlem Stile gehalten. Ueberhaupt gehört Klotz zu den guten Künstlern seiner Zeit, im historischen wie im Landschaftsfache. Der Tod machte 1825 seinem Leben ein Ende. Seine und seines Bruders Caspar Malereien aus dem lieblichen Kreise des Amor und der Psyche in einem Sommer-Schlosse Karl Theodors zu Berg am Laim sind mit dem Gebäude untergegangen. Im k. Münzgebäude zu München ist noch ein Deckengemälde in Fresko über der Stiege von Klotz, die Verbindung der produzierenden Natur mit der Kunst in Absicht auf Industrie darstellend. Ein anderes öffentliches Gemälde von diesem Künstler ist durch Brand zu Grunde gegangen, nämlich die Darstellung der Aurora nach G. Beni auf dem Vorhange des neuen Theaters in München. Dann finden sich auch Lithographien von diesem Künstler, die als interessante Beiträge zur Geschichte der Vervollkommnung dieser Kunst zu betrachten sind. Sie gehören zu den besten Erzeugnissen dieser Art in ihrer Zeit; mit der unsrigen können sie begreiflich den Vergleich nicht aushalten. Die noch junge Kunst der Lithographie hat ja auch schon ihre Jucunabeln.
1. Jesus, halbe Figur, oval.
2. Die Taufe Christi etc.
3. Maria mit dem Kinde und zweien Aposteln, fol.
Neues allgemeines Künstler-Lexicon; VII. Band; Verlag von E. A. Fleischmann; München, 1839.
#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)
Klotz Simon Petrus, 1776 (Mannheim) – 1824, Maler Lithograph und Universitätsprofessor; er bildete sich bei seinem Vater Matthias K. und dem älteren Dorner in München, dann in Wien, Dresden, Berlin, Kopenhagen und Rom aus; von 1804–1807 war er Königlicher Professor der Theorie der bildenden Künste an der Universität Landshut, trat aber dann wegen Krankheit zurück.
Hauptwerke: Fresken mit Darstellungen aus der Amor- und Psyche-Mythe im ehemaligen Sommerschloß Karl Theodors in Berg am Laim, an der Decke des Treppenhauses des königlichen Münzgebäudes; seine Ölgemälde, um 1810 entstanden, sind auf der Heinemann-Ausstellung 1920 erst aus dem Privatbesitz bekannt geworden; sie zeigen K. als den einzigen echten Klassizisten romantischer Prägung, der aus der Münchner Schule kam; er hat sich auch als Lithograph betätigt (Die Nacht, Die Mutter der Gracchen, Penelope).
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#15 – 13 – 51 (Fischer)
Adolf v. Fischer. geb. 15. Mai 1892. gest. 2¿. Mai 1897.
- Fischer, Adolf von; 15.5.1892 – 2¿.5.1897 (München), 5 Jahre alt; Hofrats-Sohn
- Fischer, Maria von (vw); – 1888


#15 – 13 – 53·54 (Schwanthaler)
FRANZ JAKOB
SCHWANTHALER
Bildhauer
* 1760 † 1820
Begründer der Münchner Linie
seiner Familie
Seine Ehefrau CLARA
geb. LUZ
* 1772 † 1838
FRANZ ANTON
SCHWANTHALER
Bildhauer
* 1767 † 1833
Rechte Seite
KOPIE
OPPENRIEDER
15.13.53/54
- Schwanthaler, Franz Anton; 10.5.1767 (Ried) – 24.8.1833 (München); Bildhauer
- Schwanthaler, Franz Jakob; 2.8.1760 (Ried im Innkreis) – 4.12.1820 (München); Bildhauer
- Schwanthaler, Klara (vw) / Luz (gb); 1772 – 24.7.1838 (München); Bildhauers-Witwe


#Franz Jakob Schwanthaler
* 2.8.1760 (Ried im Innkreis)
† 4.12.1820 (München)
Bildhauer
#Allgemeine Deutsche Biographie (1891)
Schwanthaler: Franz S., Bildhauer, geb. 1760 zu Ried im Innviertel, stammte aus einer alten Künstlerfamilie, welche schon seit dreihundert Jahren der Plastik oblag. Darunter erscheint ein Thomas S. 1680 und dessen Sohn Bonaventura, welcher auch im baierischen Bauernkrieg gegen Oesterreich 1704 sich hervorthat (Sepp, Bauernkrieg 1884, S. 168). Der hier in Rede stehende Franz – er hatte zwei Brüder: Anton, welcher später nach München ging und 1833 daselbst starb, und Peter, welcher zu Ried verblieb und dort für benachbarte Kirchen und Klöster arbeitete – war frühzeitig schon zu Gmunden am Traunsee und in Salzburg thätig, erhielt weitere Förderung bei dem Bildhauer Ingerl zu Augsburg, besuchte zugleich die dortige Akademie und errang daselbst drei Preise, ging aber dann nach München, wo er sich 1785 als Bürger niederließ und mit seinem vorgenannten Bruder Anton in unermüdlicher Weise thätig war mit Büsten, Denkmalen, ornamentalen Decorationen – ein tüchtiges Stück Kunsthandwerk repräsentirend. So schnitt er viele Holzmodelle und Figürchen für die Porzellanmanufactur Nymphenburg, lieferte die Waffentrophäen am Hofgartenthor, die Sandsteinlöwen an der Einfahrt zur Prannersgasse, modellirte zwei lange Friese mit Allegorien auf Krieg, Frieden, Handel und geselliges Leben an dem Hause des damaligen Möbelfabrikanten Hiltl (heute No. 24; eine Abbildung in No. 6 »Münchner elegantes Sonntagsblatt« vom 9. April 1800; auch die beiden schwebenden Tänzerinnen an dem nun beseitigten Thore dieses Hauses waren Holzsculpturen von Franz S.), woselbst S. im Rückgebäude sein Atelier aufschlug, schuf eine große Anzahl guter Portraitbüsten, darunter die des Königs Maximilian und der Königin Karoline und zahlreiche Grabdenkmale (der trauernde Genius für den 1800 verstorbenen Prinzen Max Joseph Friedrich in der Theatinerkirche), insbesondere für den südlichen »Gottesacker«, wobei freilich anfänglich viel barocke Embleme und Gestalten erschienen, z. B. ein mit Flügeln und Sense ausgestatteter, seine Urne mit einem Vorhang bedeckender Kronos, allerlei trauernde Psychen und Sarghüter, welche erst Widerstand hervorriefen, bald aber Nachahmung und Beifall fanden, als der Geschmack und die Invention der Künstler und des Publicums sich daran gewöhnte und verbesserte. Dazu zählten die Monumente der Familien Kannabich und Freyberg, des schottischen Naturforschers Johnston, des Hofmalers Ferdinand Kobell, des Baron Kreitmayer, die Grabstätten der Familien Krempelhuber, Le Prieur, Riezler, Santini, Sauer, Schedl, Lungelmayr, der Grafen v. Tattenbach und Törring-Gutenzell u. s. w. Auch nach Ansbach, Köfering, Moosburg, Passau, Rothenburg an der Tauber lieferte S. Reliefs und Figuren in Sandstein, insbesondere aber in dem damals vielbeliebten Marmor von Tegernsee und Füssen. Zu seinen heute noch bestehenden Leistungen gehörte auch die im Auftrage des Grafen Morawitzky gefertigte, am Eingang des Münchener »Englischen Gartens« befindliche lebensgroße, seither freilich öfters stark restaurirte Statue des »Harmlos« – so genannt von der darunter angebrachten Inschrift, welche Jedermann einladet, hier harmlos im Garten der Natur zu wandeln. Auch im decorativen Genre arbeitete S. insbesondere in den unter der Direction des Hofbaumeisters Puille ausgestatteten Prachtzimmern der k. Residenz und bei der Ausschmückung des durch Karl v. Fischer erbauten Hoftheaters. Sein Name hatte einen so guten Klang, daß im Jahre 1795 eine Berufung nach Weimar erfolgte, welche der patriotische S. jedoch ablehnen zu müssen glaubte. Zuletzt kehrte er wieder zur Holzsculptur zurück, um für sich zur Feier des Weihnachtsfestes ein Bildwerk zu gestalten, wie den Hirten die Geburt des Heilands verkündet wird, er starb aber schon vor dessen Vollendung zu München 1820. A. Baumgartner widmete ihm einen Nachruf mit einer kleinen Schrift (München 1820), welche alle Werke Schwanthaler’s verzeichnet.
Vgl. dazu Lipowsky, Künstlerlexikon 1810. II, 87. – Raczynski II, 499. – Marggraff, Münchener Jahrbücher. 1840. III, 268. – Nagler 1846. XVI, 96. – Wurzbach, 1876. XXXII, 280. – Fr. Pecht, Gesch. der Münchener Kunst. 1888. S. 26.
Hyac. Holland.
Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1891.

#15 – 13 – 57 (Kimmerle · Ostermaier)
Josef Kimmerle
Landrichter
1786 – 1857
Kreszentia Kimmerle geb. Schropp
1792 – 1854
Eduard Kimmerle
Rentamtmann
1820 – 1868
Dr. Adolf Kimmerle
Bezirksarzt
1818 – 1879
- Kimmerle, Adolf, Dr. med.; 1818 – 23.11.1879 (München); Bezirksarzt
- Kimmerle, Eduard; 1820 – 6.6.1868 (München); Rentamtmann
- Kimmerle, Josef; 1786 – 12.1.1857 (München); Landrichter
- Kimmerle, Kreszentia (vh) / Schropp (gb); 1792 – 21.4.1854 (München); Landrichters-Witwe
- Ostermaier, Elise (vw); – 1885; Privatiers-Witwe
- Ostermaier, Otto; – 31.1.1885 (München); Privatier



