SECTION 20

rot: Zählrichtung der Grabreihen · schwarz: Zählrichtung der Grabnummern

#20 – 1 – 3 (Schnorr von Carolsfeld)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Schnorr von Carolsfeld, Franziska; 8.1.1829 – 2.2.1846 (München); Professors-Tochter
  • Schnorr von Carolsfeld, Karl; 6.3.1830 (München) – 31.1.1895 (München); Techniker und Generaldirektor der bayerischen Staatsbahnen

Todesanzeige für Karl Schnorr von Carolsfeld

Grab der Familie Schnorr von Carolsfeld auf dem Alten Südfriedhof München (August 2014)

#20 – 2 – 2 (Riepolt)


Hier ruhen in Gott:
Frau Aloysia Riepolt, geb. Staub.
geb. ¿. Sept. 18¿
Deren Sohn
Herr Georg Riepolt, Glasermeister
geb. ¿
Herr Joh. Georg Riepolt
Glasermeister u. Glasverleger
geb. ¿
Frau Margaretha Riepolt
geb. Bader
geb. ¿
Deren Tochter
Fräulein Margaretha Riepolt
geb. ¿

R. I. P.

Sockel
A. Aufleger


  • Riepolt, Aloisia (vh) / Staub (gb)
  • Riepolt, Georg; Glasermeister
  • Riepolt, Joh. Georg; Glasermeister und Glasverleger
  • Riepolt, Margaretha
  • Riepolt, Margaretha (vh) / Bader (gb)

Grab der Familie Riepolt auf dem Alten Südfriedhof München (September 2019)

#20 – 2 – 3 (n. n.)


(September 2019)

#20 – 2 – 4 (Münzinger · Zink)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Münzinger, Karl August; – 28.9.1870 (München), 21 Jahre alt; Buchhändler, Landwehrleutnant
  • Münzinger, Karl; – 1.2.1880 (München), 74 Jahre alt; Privatier
  • Münzinger, Katharina Paul.; – 20.5.1864 (München), 26 Jahre alt; Bierwirts-Tochter
  • Münzinger, Ulrike Margaretha; – (22).7.1850 (München), 17 Jahre alt; Bierwirts-Tochter
  • Zink, Regina (vw); – (28).2.1891, 80 Jahre alt; Privatiers-Witwe

Todesanzeige für Katharina Paul. Münzinger

Todesanzeige für Karl Münzinger

Grab der Familien Münzinger · Zink auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#20 – 2 – 5 (n. n.)


(September 2019)

#20 – 3 – 2 (Neuhauser · Strobl)


Johann Strobl 1823 – 1890
Fanny Strobl 1834 – 1877
Fanny Neuhauser 1867 – 1900
Kathar. Strobl 1838 – 1917.

Strobl’sche Familien-Grabstätte.


  • Neuhauser, Fanny; 1867 – September 1900 (München), 33 Jahre alt; Glasermeisters-Gattin
  • Strobl, Franziska (vh) / Sailer (gb); 1834 – 28.9.1877 (München); Bäckermeisters-Gattin
  • Strobl, Johann; 1823 – (19).1.1890 (München), 66 Jahre alt; Bäckermeister
  • Strobl, Kathar.; 1838 – 1917

Todesanzeige für Franziska Strobl

Grab der Familien Neuhauser · Strobl auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2012)

#20 – 3 – 5·6 (Deybeck)


Grab der Familie Deybeck auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#20 – 4 – 1 (Kapp)


GRABSTAETTE DER FAMILIE KAPP

Hier liegt begraben
unsere
liebe gute Mutter
Frau
Amelie Kapp,
geb. Ottensteiner
Privatiere,
geboren den 5. März 1819,
gestorben den 20. Juli 1880.
Mein teurer Gatte
Herr
Jules Kapp,
geboren den 2. Juni 1851,
gestorben den 16. Juli 1907.

Linke Seite
r. Burlein.
20.4.1
0. Bersch
fecit

Sockel
DIESES DENKMAL WIDMETEN
IHRE DANKBAREN KINDER.


  • Kapp, Amelie (vh) / Ottensteiner (gb); 5.3.1819 – 20.7.1880 (München); Privatiere
  • Kapp, Jules; 2.6.1851 – 16.7.1907 (München); Rentier

Todesanzeige für Amalie Kapp

Todesanzeige für Jules Kapp

Grab der Familie Kapp auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2012)

#20 – 4 – 3 (Develey · Örter)


Hier ruhen
Johann Conrad
Develey
kgl. bayr. Hoflieferant
1821 – 1886
Louise Develey
geb. Ehrl
1820 – 1885
Emil Develey
1853 – 1880
Jens Kaspar Oerter
1842 – 1901
Regina Oerter
geb. Develey
1857 – 1918


  • Develey, Emil; 1853 – 20.4.1880 (Gries bei Bozen); Senffabrikantens-Sohn
  • Develey, Johann Konrad; 5.2.1822 (Lindau) – 1888; Senffabrikant
  • Develey, Louise (vh) / Ehrl (gb); 1820 – 29.9.1885 (München); Fabrikantens-Gattin
  • Örter, Jens Kaspar; 1842 – (12).5.1901 (München); Kaufmann
  • Örter, Regina (vw) / Develey (gb); 1857 – 1.2.1918 (München); Fabrikantens-Witwe

Todesanzeige für Emil Develey

Todesanzeige für Louise Develey

Todesanzeige für Regina Örter

Grab der Familien Develey · Örter auf dem Alten Südfriedhof München (März 2008)

Grab der Familien Develey · Örter auf dem Alten Südfriedhof München (März 2008)

#Jens Kaspar Örter

* 1842
† (12).5.1901 (München)
Kaufmann

#Münchner Neueste Nachrichten (14.5.1901)

Lokales.

München, 13. Mai.
Beerdigungen. Am gleichen Nachmittage fand auf dem südlichen Friedhofe die Beerdigung des nach längerem Leiden im Alter von 58 Jahren verstorbenen Kaufmanns und kgl. bayer. Hoflieferanten Herrn Jens Oerter statt. In dem ungwöhnlich zahlreichen Trauergefolge befanden sich viele Münchner Bürger. Wie sein Großvater und Vater wandte sich Oertel dem Studium der Theologie zu; aber innere Neigung ließ ihn später den kaufmännischen Beruf erwählen. Lange Jahre war er Inhaber der hiesigen Firma J. C. Develey. An dem reich gezierten Grabe, an dem viele Kränze, u. A. vom Personal der Firma, niedergelegt waren, sang der Hoftheater-Singchor erhebende Trauerweisen.

Münchner Neueste Nachrichten No. 224. Dienstag, den 14. Mai 1901.

#20 – 5 – 1 (Selb · Vogel)


Familiengrab Vogel.

Hier ruhen:
Herr Theodor Vogel,
k. Regierungsaccessor
u. Präsidialsekretär,
geb. 17.XI.1838, gest. 23.IV.1880.
Dessen Gattin, die treueste Mutter
Frau Marie Vogel,
geb. Fraas
geb. 11.XI.1842, gest. 7.XII.1916.

Sockel
Unser Engelskind
Theodor Alex Vogel
k. Bahnexpeditorssöhnchen
geb. 24.III. gest. 22.XI.1898.
Unsere Enkelin
Marie Vogel
k. Postverwalterstochter
geb. 12.XI.1892, gest. 13.III.1912.

A. Lallinger.


  • Selb, Josef; 3.1784 (Stockach/Tirol) – 12.4.1832 (München); Lithograph und Portraitmaler
  • Vogel, Marie; 12.11.1892 – 13.3.1912 (München), an den Folgen einer Blinddarmoperation; Postverwalters-Tochter / Absolventin der Städtischen Riemerschmidschen Handelsschule
  • Vogel, Marie (vw) / Fraas (gb); 11.11.1842 – 7.12.1916 (München); Universitätsprofessors-Tochter / Regierungsassessors-Witwe
  • Vogel, Theodor; 17.11.1838 – 23.4.1880 (Florenz); Präsidialsekretär und Regierungsassessor
  • Vogel, Theodor Alex; 24.3.1898 – 22.11.1898 (München); Eisenbahnexpeditors-Sohn

Todesanzeige für Theodor Vogel

Todesanzeige für Marie Vogel

Todesanzeige für Marie Vogel

Grab der Familien Selb · Vogel auf dem Alten Südfriedhof München (August 2014)

#Josef Selb

* 3.1784 (Stockach/Tirol)
† 12.4.1832 (München)
Lithograph und Portraitmaler

#Kunstvereins-Bericht für 1832 (1833)

Beilage XI.

Biographische Notizen
über
Joseph Selb,
Lithograph.

Joseph Selb war der Sohn eines wenig bemittelten Landmannes, und wurde im Monat März anno 1784 zu Stockach, im Lechthale, in Tyrol geboren. Seine Neigung und das Beispiel seines ältern Bruders bestimmte ihn frühe, sich der Malerei zu widmen, von welchem er auch die erste Anleitung in dieser Kunst erhielt. Er machte in seinem 15ten Jahre mit seinem Bruder eine Reise nach Düsseldorf, wo er von demselben, (der damals beauftragt war, einige Gemälde aus der dortigen berühmten Gallerie zu copiren), unterstützt, die Akademie der bildenden Künste besuchte, um sich zum Geschichtsmaler auszubilden. Nach zwei Jahren mußte er daselbst seine Studien unterbrechen, und seinem ältern Bruder nach Tyrol folgen, um selben bei Ausführung einiger Frescogemälde in Kirchen behülflich zu seyn. Nach Vollendung dieser Arbeiten begab er sich mit seinem Bruder nach München, und setzte an der Akademie der bildenden Künste seine Studien wieder fort, wo er viel versprechende Fortschritte machte.

Der im Jahre 1809 ausgebrochene Krieg und noch viel mehr die in Tyrol statt findenden Unruhen nöthigten seinen ältern Bruder, in das Vaterland zurück zu kehren. Bald war alle Verbindung mit Tyrol abgebrochen, und Selb, da er keine Unterstützung von seinem Bruder aus dem Vaterlande mehr erhalten konnte, er in München fremd war, so gerieth er in die dürftigste und hülfloseste Lage.

Durch einen Zufall wurde er mit Hrn. Mich. Mettenleiter, Inspektor der Steuerkataster-Commission bekannt, dem er seine dürftigen Verhältnisse entdeckte und welcher ihm bereitwillig entgegenkommend den Antrag machte, Versuche im Graviren zu machen, welche vollkommen gelangen, und wodurch ihm Unterstützung und Beschäftigung bei der Steuerkataster-Lithographie wurde, die ihn, besonders da er als Graveur bei dem Steuerkataster angestellt wurde, in behaglichere Verhältnisse versetzte.

Dieses Ereigniß war für seine Zukunft von dem größten Einfluße, denn hier wurde er zuerst mit der Lithographie bekannt, und erwarb sich sodann allmälig in diesem Fache jene umfassenden und ausgebreiteten Kenntnisse, welche ihn in der Kunstwelt und in der Ausbildung der Lithographie so bekannt und berühmt gemacht haben, daß ihm im Jahre 1824 oder 25 aus der lithographischen Officin des Hrn. Delpech in Paris mehrere von H. Vernet gezeichnete Scenen aus der französischen Geschichte zugeschickt wurden, um sie Versuchsweise abzudrucken. Einige Steine waren nur gezeichnet, und mußten von ihm erst geäzt werden, andere waren ganz präparirt, und schon gegen 200 Abdrücke davon gemacht, mir welchen man nicht zufrieden war, und wo die durch ihn hier verfertigten Abdrücke zur vollkommenen Zufriedenheit ausfielen.

Im Jahre 1816 hat er die lithographische Anstalt von dem Kunsthändler Zeller übernommen, und mehrere Jahre geleitet. Im Jahre 1820 bat er sich mit dem Central-Gemäldegallerie-Direktor v. Mandlich, Hrn. Piloty und Strixner zur Fortsetzung des schon seit dem Jahre 1816 begonnenen Galleriewerkes vereiniget, dessen schön gezeichnete eben so geäzte und abgedruckten Exemplare in der Kunstwelt hinreichend bekannt sind, und keiner weitern Erwähnung bedürfen. Als Freiherr von Cotta in neuerer Zeit die Fortsetzung dieses Werkes, so wie die Herausgabe der Herzog v. Leuchtenbergischen Gemäldesammlung übernahm, so fuhr er fort, mit gleichem Eifer bis zu seinem an einem Nervenfieber am 12. April, d. Js. erfolgten Tode die Herausgabe dieser Werke zu befördern.

Joseph Selb hat sich zweimal verehelichet, in erster Ehe zwei und in der zweiten drei Kinder erzeugt. Sein in den besten Jahren erfolgter Tod erzeugte allgemeine Theilnahme, und setzte seine Familie und Freunde in tiefe Trauer.

Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München während des Jahres 1832. München, 1833.

#Neuer Nekrolog der Deutschen (1834)

Johann Selb,
lithographischer Künstler zu München;
geb. i. J. 1784, gest. d. 12. Apr. 1832
(Kunstblatt zum Morgenbl. 1833. N. 59.)

Geboren zu Stockach im Schwarzwalde als Sohn eines unbemittelten Landmannes, wurde er durch das Beispiel und die Lehren seines ältesten Bruders in früher Jugend der Malerei zugeführt. Als dieser sein Meister späterhin die Heimath mit dem Aufenthalt in Düsseldorf vertauschte, wo er verschiedene Gemälde der dortigen Gallerie copirte, begleitete ihn sein 15jähriger Schüler auf der Reise dorthin und benutzte sofort den Unterricht der Academie für das Studium der Geschichtsmalerei. Nach Verlauf von 2 Jahren kehrte der ältere Bruder in Gesellschaft des jüngern nach Tyrol zurück und bediente sich dessen zur Hilfleistung bei Ausführung einiger Frescomalereien. Einige Zeit darauf verließen Beide abermals das Vaterland. Jetzt war München das Ziel ihrer Reise und Wünsche. Der Jüngere setzte an der dasigen Academie mit eben so viel Ernst als Erfolg die Bemühungen für seine Ausbildung fort. Der Ausbruch der Kriegsunruhen im Jahre 1809 war für ihn der Anfang schwerer Bekümmernisse, denn getrennt vom Bruder, den der Drang der Zeit nach Tyrol zurückgeworfen hatte, stand er nun allein für sich da, ohne irgend eine Stütze, eine Aussicht. In dieser fassungslosen Lage schenkte ihm das Glück unversehens einen Rathgeber und Helfer in der Person des Inspektors der Steuercataster-Commission Mettenleiter. Dieser schlug seinem Schützlinge vor, sich im Graviren zu versuchen. Die Proben gelangen dergestalt, daß Selb bald darauf bei der Steuercataster-Lithographie vorerst Beschäftigung und dann eine förmliche Anstellung als Graveur erhielt, fortan seinen Lebensunterhalt gesichert sah und in seinen Amtsverhältnissen nun rasch den Grund zu der seinem Namen gewordenen Achtung legte. Eine Folge derselben war der ihm 1814 aus Paris zugekommene Auftrag für Delpech's lithographische Officin mehrere von Horaz Vernet gezeichnete Scenen aud der französischen Geschichte auf Stein abzudrucken. Es war damit vor der Hand nur auf eine Prüfung seines Talents abgesehen; dieselbe fiel indessen so günstig aus und übertraf manche Arbeiten seiner Vorgänger in einem solchen Grade, daß er jetzt für einen gemachten Lithographen gelten konnte. Als solcher leitete er seit dem Jahre 1816 eine geraume Zeit die lithographische Anstalt des Kunsthändlers Zeller. Im J. 1820 verband er sich mit dem Central-Gemälde-Gallerie-Direktor von Mannlich und den Herrn Piloty und Strixner zur Fortsetzung des seit 1816 begonnenen Galleriewerks. Jetzt saß er wohl eigentlich im Schoße der Lithographie. Als die literarisch-artistische Anstalt jenes Unternehmen weiter führte und die Herausgabe der herzoglich Leuchtenbergischen Gemäldesammlung übernahm, trug Selb zur Beförderung beider Werke das Seinige mit gewohnter Thätigkeit bei. Die ehrenvollen Bestimmungen seines Talents beweisen am besten den Umfang und Grad desselben. Viel wäre gewiß noch von ihm zu erwarten gewesen, wenn ihn nicht das Nervenfieber am oben genannten Tage plötzlich hinweggerafft hätte.

Neuer Nekrolog der Deutschen. Ilmenau, 1834.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Selb Josef, 1784 (Stockach/Tirol) – 1832, Porträtmaler und Lithograph; S. erhielt seine Ausbildung bei seinem älteren Bruder Karl S., einem Kirchenmaler, und später in Düsseldorf, half diesem dann bei der Ausmalung von Kirchen in seiner Tiroler Heimat und bildete sich später noch in München fort, wo er eine Anstellung bei der Steuerkatastercommission erhielt; an den Erfolgen dieser Anstalt hatte er wesentlichen Anteil; später war S. für die Fortsetzung des von Strixner und F. von Piloty begonnenen königlichen Galeriewerks tätig; einen Großteil seiner Porträts besitzt die Maillinger Sammlung.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

#20 – 5 – 11 (Thommen)


Familiengrab H. Thommen.

Hier ruhet in Gott
Frau Wilhelmine Thommen,
geborne Scherr,
Baumeisters-Gattin,
geb. 9. Dezb. 1851. gest. 24. Oktb. 1895.
Herr Heinrich Thommen,
gen. Harry Tarso, Opernsänger
geb. 6. Sept. 1889. gest. 11.11.1925.

Es ist bestimmt in Gottes Rath,
Daß man vom Liebsten, was man hat,
Muß scheiden.

Jos. Lochner
Regensburg.


  • Thommen, Heinrich / Tarso, Harry (ps); 6.9.1889 – 11.11.1925 (München); Sänger
  • Thommen, Wilhelmine (vh) / Scherr (gb); 9.12.1851 – 24.10.1895 (München); Baumeisters-Gattin

Todesanzeige für Wilhelmine Thommen

Todesanzeige für Heinrich Thommen

Grab der Familie Thommen auf dem Alten Südfriedhof München (Mai 2013)

#Heinrich Johann Thommen / Harry Tarso (ps)

* 6.9.1889
† 11.11.1925
Sänger

#Münchner Neueste Nachrichten (15.7.1919)

Theater und Musik

Die Aufführung, die nicht den üblichen lebhaften Samstag-Premierenerfolg, im ganzen aber freundliche Aufnahme fand, stand unter der bewährten und vortrefflichen Leitung der Herren Zeder und Fürmann. In den Hauptrollen sah und hörte man Harry Torso (hübsche, aber noch zu entwickelnde Stimme bei noch etwas unroutinierter Darstellung), Gretel Walters (heute Tänzerin, leicht und beweglich, aber ohne viel echtes Temperament; sehr kleine Stimme), Parla Menari (gesanglich weitaus am besten) und Matthias Olschinsky (wie immer sehr gut in komischen Rollen). Lina Meittinger, Ignaz Czernitz und Albert Krafft-Lortzing stellten gelungene Typen auf die Bühne.

R. W.

Münchner Neueste Nachrichten Nr. 274. Dienstag, den 15. Juli 1919.

#Münchner Neueste Nachrichten (14.11.1925)

Münchner Teil

Der im Alter von 36 Jahren einem schweren Lungenleiden erlegene Operettensänger Harry Tarso (Heinrich Thommen) war als Tenor von 1919–1921 im Theater am Gärtnerplatz tätig, wo er große Erfolge errang. Hierauf wirkte er zwei Jahre im Stadttheater in Augsburg, dann von 1924 bis August 1925 im Zentraltheater in Chemnitz und zuletzt im Stadttheater in Stettin. Im Südfriedhof fand der Künstler die letzte Ruhestätte. Zum Grabgeleite hatten sich mit den Familienangehörigen, Kollegen vom Theater am Gärtnerplatz und andere Trauernde versammelt. Der Chor des Theaters sang ein Scheidelied. Nach der Einsegnung spendeten unter herzlichen Nachrufen Kränze Sekretär Busse im Auftrage der Direktion, Oberspielleiter Matzinger im Namen der Solisten, sowie ein Chormitglied für das Chorpersonal des Theaters am Gärtnerplatz; weiter das Stadttheater Augsburg und die Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger; das Stadttheater Stettin hatte schon vor der Trauerfeier Blumen gesandt.

Münchner Neueste Nachrichten Nr. 315. Samstag, den 14. November 1925.

#20 – 6 – 2 (Huber)


Grab der Familie Huber auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#20 – 6 – 7 (Zirngibl)


Hier ruhen in Gott
Herr Ferdinand Zirngibl,
Drechselmeister.
gest. 27. März 1892.
Dessen Gattin
Frau Theresia Zirngibl,
gest. 18. März 1899.
Herr Ferdinand Zirngibl,
gest. 7. April 1892.
Anna Zirngibl, gest. 9. Aug. 1865.
Frau Ursula Zirngibl,
gest. 11. Jan. 1863.
Herr Leonhard Zirngibl,
gest. 19. Jan. 1868.

Sockel
R. I. P.

20.6.7. Schwarz.


  • Zirngibl, Anna; – 9.8.1865 (München), 14 Tage alt; Drechslermeisters-Tochter
  • Zirngibl, Ferdinand; – 27.3.1892; Drechslermeister
  • Zirngibl, Ferdinand; – 7.4.1892 (München), 29 Jahre alt; Elfenbeinsschnitzer
  • Zirngibl, Leonhard; – 19.1.1868 (München), 34 Jahre alt; Feuerwerker im 1. Artillerieregiment
  • Zirngibl, Theresia (vw); – 18.3.1899; Drechslermeisters-Witwe
  • Zirngibl, Ursula (vh); – 11.1.1863 (München), 71 Jahre alt; Bierbrauers-Witwe

Todesanzeige für Ursula Zirngibl

Todesanzeige für Ferdinand Zirngibl

Grab der Familie Zirngibl auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#20 – 6 – 11 (Knoll)


Grab der Familie Knoll auf dem Alten Südfriedhof München (März 2021)

#20 – 7 – 4 (Kürzinger · Schefzky)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Kürzinger, Johann Nepomuk; – 6.9.1873 (München), 60 Jahre alt; Ehemaliger Hofoffiziant
  • Kürzinger, Josefa (vw) / Schefzky (gb); – 3.4.1891 (München), 80 Jahre alt; Hofoffiziantens-Witwe
  • Schefzky, August; – 25.12.1858 (München), 6 Monate alt; Haushofmeisters-Sohn
  • Schefzky, Elise (vw); – 31.8.1854 (München), 68 Jahre alt; Werkmeisters-Witwe
  • Schefzky, Rosalie (vh) / Plötz (gb); – 29.10.1894, 68 Jahre alt; Schlossverwalters-Gattin
  • Schefzky, Wilhelm; – 7.12.1857 (München), 2 Monate alt; Bildhauers-Sohn

Todesanzeige für Johann Nepomuk Kürzinger

Todesanzeige für Josefa Kürzinger

Todesanzeige für Rosalie Schefsky

Grab der Familien Kürzinger · Schefzky auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

#20 – 7 – 5 (Baumgartner · Bindl)


Grab der Familien Baumgartner · Bindl auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

#20 – 7 – 10 (Rietzler)


Grab der Familie Rietzler auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#20 – 7 – 11·12 (Arendts · Rieder · Zweck)


Hier ruhen:
Leonhard Rieder
Architekt und Baumeister,
geb. 20. Febr. 1831, gest. 5. Sept. 1874.
Dessen Gattin
Maria Rieder
geb. 17. Febr. 1845, gest. 17. Nov. 1875.
Die Kinder:
Johanna, 20. Juni 1866 – 14. Juli 1867.
Franziska, 22. Dez. 1870 – 6. Febr. 1871.
Anna, 7. Nov. 1873 – 7. Febr. 1874.
Deren Grossmutter
Anna Zweck
geb. 25. April 1806, gest. 21. Juni 1881.
Deren Enkelin
Elisabeth Arendts
Regierungsratsgattin,
geb. 6. Dez. 1864, gest. 26. März 1918.
Deren Gatte
Wilhelm Arendts
k. Regierungsrat a. D.
geb. 30. August 1845, gest. 26. Februar 1924.
Dessen zweite Gattin
Maria Arendts
geb. 18. Mai 1868, gest. 22. Sept. 1943.

Sockel
Es folgte am Todestage seines Urgrossvaters 5. Sept. 1910:
Otto Arendts
geb. 3. Sept. 1910.
Zur Erinnerung an den zu Pöcking ruhenden
Kgl. Professor Dr. Carl Arendts
geb. 5. Juli 1815, gest. 12. Okt. 1881.


  • Arendts, Elisabeth (vh) / Rieder (gb); 6.12.1864 – 26.3.1918 (München); Regierungsrats-Gattin
  • Arendts, Karl, Dr. [in memoriam]; 5.7.1815 (Ingolstadt) – 12.10.1881 (Possenhofen); Professor für Geographie
  • Arendts, Maria (vh); 18.5.1868 – 22.9.1943; Regierungsrats-Witwe
  • Arendts, Otto; 3.9.1910 – 5.9.1910
  • Arendts, Wilhelm; 30.8.1845 – 26.2.1924 (München); Regierungsrat
  • Rieder, Anna; 7.11.1873 – 7.2.1874 (München); Maurermeisters-Tochter
  • Rieder, Franziska; 22.12.1870 – 6.2.1871
  • Rieder, Johanna; 20.6.1866 – 14.7.1867 (München); Maurermeisters-Tochter
  • Rieder, Leonhard; 20.2.1831 – 5.9.1874 (München); Architekt und Baumeister
  • Rieder, Maria (vh); 17.2.1845 – 17.11.1875 (München); Architektens-Witwe
  • Zweck, Anna (vh) / Iberl (gb); 25.4.1806 – 21.6.1881 (München); Privatiere

Todesanzeige für Anna Rieder

Todesanzeige für Maria Rieder

Todesanzeige für Anna Zweck

Todesanzeige für Dr. Karl Arendts

Todesanzeige für Elisabeth Arendts

Todesanzeige für Wilhelm Arendts

Grab der Familien Arendts · Rieder · Zweck auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#20 – 7 – 13 (Hartmann)


Ferdinand Hartmann
Oberst u. Commandeur
des k. b. 6. Chev. Regts.
Comtur u. Ritter hoher Orden,
geb. 18. Septr. 1846, gest. 11. Juli 1897.
Ferdinand Hartmann
Major a. D. u. Regierungsrat,
geb. 13.9.1884 gest. 2.11.1925
Marie Hartmann
geb. von Menz
geb. 9.2.1850 gest. 26.10.1936.


  • Hartmann, Ferdinand; 18.9.1846 – 11.7.1897 (München); Oberst und Regimentskommandeur
  • Hartmann, Ferdinand; 13.9.1884 – 2.11.1925 (München); Major a. D. und Regierungsrat
  • Hartmann, Marie (vh) / Menz, von (gb); 9.2.1850 – 26.10.1936

Todesanzeige für Ferdinand Hartmann

Todesanzeige für Ferdinand Hartmann

Grab der Familie Hartmann auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#20 – 7 – 14 (Menz)


Karl Ritter von Menz.
k. General-Auditeur a. D.
Comtur u. Ritter hoher Orden etc.
geb. 30. August 1813, gest. 6. Oktober 1895.
Dessen Gattin:
Emilie, geb. Carron du Val,
geb. 28. Januar 1827, gest. 9. Juli 1899.
Fritz Ritter von Menz,
Kriegsfreiwilliger i. 1. Feld-Artillerie-Rgt.
u. Rechtspraktikant
geb. am 11. Nov. 1890, gefallen am 10. Jan. 1915
in Nordfrankreich, begraben in Longueval.
Emma von Menz, geb. Gareis
Generalsgattin
geb. 9. Januar 1859, gest. 19. August 1923.
Karl Ritter von Menz,
k. b. Generalleutnant a. D.
geb. 18. Juli 1852, gest. 23. August 1924.

Linke Seite
Karl Ritter von Menz
k. qu. I. Appell.-Ger.-Direktor
Ritter des k. Kronordens etc.
geb. 16. Apr. 1783, gest. 23. Sept. 1854.
Josepha von Menz
geb. Held,
geb. 14. Okt. 1790, gest. 8. Dez. 1856.
Max Ritter von Menz
Historienmaler,
geb. 1. Sept. 1824, gest. 3. Mai 1895.
Marie von Menz
App. Ger. Direktors-Tochter
geb. 26. Aug. 1830, gest. 6. Aug. 1923.
Emilie von Menz
Generalauditeurstochter.
geb. 17. Aug. 1854, gest. 29. Juli 1936.

Rechte Seite I. Lallinger.


  • Menz, Emilie von (vw) / Carron du Val (gb); 28.1.1827 – 9.7.1899 (München); Generalauditors-Witwe
  • Menz, Emilie von; 17.8.1854 – 29.7.1936; Generalauditors-Tochter
  • Menz, Emma von (vh) / Gareis (gb); 9.1.1859 – 19.8.1923 (Augsburg); Generals-Gattin
  • Menz, Fritz Ritter von [in memoriam]; 11.11.1890 – 10.1.1915 (Longueval/Nordfrankreich)
  • Menz, Josefa von (vw) / Held (gb); 14.10.1790 – 8.12.1856 (München); Appellationagerichtsdirektors-Witwe
  • Menz, Karl Ritter von; 16.4.1783 – 23.9.1854 (München); Appellationsgerichtsdirektor
  • Menz, Karl Ritter von; 18.7.1852 – 23.8.1924 (München); Generalleutnant
  • Menz, Karl Ritter von; 30.8.1813 – 6.10.1895 (München); Generalauditor
  • Menz, Marie von; 26.8.1830 – 6.8.1923 (München); Appellationsgerichtsdirektors-Tochter
  • Menz, Max von; 1.9.1824 (Wasserburg a. Inn) – 3.5.1895 (München); Genremaler, Historienmaler und Landschaftsmaler

Todesanzeige für Karl Ritter von Menz

Todesanzeige für Josefa von Menz

Todesanzeige für Karl Ritter von Menz

Todesanzeige für Emilie von Menz

Todesanzeige für Friedrich/Fritz Ritter von Menz

Todesanzeige für Emma von Menz

Todesanzeige für Karl Ritter von Menz

Grab der Familie Menz auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Familie Menz auf dem Alten Südfriedhof München (August 2007)

#Max von Menz

* 1.9.1824 (Wasserburg a. Inn)
† 3.5.1895 (München)
Genremaler, Historienmaler und Landschaftsmaler

#Allgemeine Deutsche Biographie (1906)

Menz: Max von M., Historien- und Genremaler, geboren am 1. September 1824 zu Wasserburg, † am 3. Mai 1895 in München. Sein Vater, der nachmalige Polizeidirector Karl v. Menz, welcher 1854 als Appellationsgerichtsdirector zu München starb, genoß den Ruf eines durch seine juridische Bildung, wahrhaft humane und liberale Gesinnung ausgezeichneten Beamten. Der junge, mit den schönsten Talenten ausgestattete Maximilian M. absolvirte mit Auszeichnung Lateinschule und Gymnasium, wo er frühzeitige Proben seines heiteren Humors und seiner durchblitzenden Kunstbegabung zum Besten gab, insbesondere mit köstlichen Caricaturen seiner Mitschüler und Lehrer, welche M. unter dem staunenden Halloh seiner Commilitonen an die große Classentafel kreidete — eine Unthat, welche dem jungen congenialen Gavarni beinahe zur Demission verholfen hätte, bis die Rücksicht für die hohe Stellung des Vaters dem Delinquenten Pardon verschaffte. Uebrigens hegte Franz Dahmen († 1865), ein guter Steinzeichner und in den Akademischen Kunstausstellungen der dreißiger Jahre gern gesehener Porträtmaler, der im Gymnasium als Zeichnungslehrer waltete, ein schönes Vertrauen auf seinen Kunstjünger, welcher dasselbe wirklich auf der Akademie rechtfertigte und bei Anschütz, Heinrich Heß, Julius Schnorr und Philipp Foltz zum Historienmaler sich bildete. Im sprühenden Gegensatz zu so ernsten Bestrebungen componirte der fröhliche M. einen ganzen Cyklus zu Kopisch's unsterblichem Cantus »Als Noah aus dem Kasten war« und schmückte damit die Wände eines befreundeten Gartenhausbesitzers. Doch folgte er alsbald gewissenhaft der akademischen Vorschrift, welche das Alte Testament und die bairische Geschichte als Fundgrube für malerische Ideen und Urborn der patriotischen Kunst empfahl. Und diesen beiden Principien ist M., mit etwaigen Ausflügen nach volksthümlichen, gesunden Stoffen zeitlebens treu geblieben; nur zerquälte und verarbeitete er mitunter sein schönes Talent an Stoffen, welche für seine ursprünglich frische Zugvogelnatur am wenigsten taugten und paßten. Geradezu unbegreiflich war das Sinnen und Trachten der damaligen Akademieprofessoren, ihren Schülern die für künstlerische Darstellung widerhaarigsten, gar kein dramatisches Interesse bietenden Vorwürfe und Themata als Preisaufgaben auszuklügeln. Kein Wunder, daß man dergleichen, die beste Kraft vergeudende Nutzlosigkeiten allgemach satt bekam und im Rückschlag und Gegensatz dem dürftigsten Naturalismus, der schmierigsten Gegenwart und geistlosesten Alltagssalbaderei verfiel.

Das erste ausstellungsfähige Product brachte M. 1848 in den Kunstverein die officiell beliebte »Hagar in der Wüste«, eine »Findung Mosis«, den »Abschied des Tobias« und »Ruth's Ankunft in Bethlehem« (im König-Ludwig-Album, lithographirt von Ingenmey); doch machte er sich auch an andere Stoffe, wie das »Erwachen der Horen«, ein »Aschenbrödel« und, da die dorfgeschichtliche Idylle an Ph. Foltz einen herablassenden Protector fand, an einen »Kirchweih-Morgen« (1851), an eine »Chiemsee-Fahrt« à. la Christian Ruben (Deutsches Kunstblatt 1856, VII, 444), nebst einer »Heuernte« oder wie ein krankes Mädchen durch eine Nonne im Kahn ins Kloster gerudert wird, wobei auch mit Nachklang an Heinrich Heß, die unter dem Geleite und Schutze von schwebenden Engeln als nächtliche Wasserfahrt gedachte »Flucht nach Aegypten« einem am Chiemsee empfangenen Impulse zu danken war. Zwischendurch gingen »Madonnen« und wieder einmal »Boas und Ruth« oder die »Naemi mit ihren Schwiegertöchtern« (1856) oder historische Stoffe z. B. »Kurfürst Maximilian I. im Familienkreise« (1853) oder wie derselbe seinem Sohne Ferdinand Maria die »Monita paterna« erklärt, wie Herzog Wilhelm V. und seine Gemahlin Renata den Armen Speise vertheilen (1856), die »Hofhaltung des Herzogs Albrecht V. des Großmüthigen in Starnberg«, wobei die Herzogin Anna dem Tondichter Orlando di Lasso einen Becher deutschen Weines kredenzt (1859) oder die historisch unhaltbare Malernovelle von »Claude Lorrain zu Harlaching«, der auf diesem seinem imaginären Landsitze, ein offenes Skizzenbuch haltend, an der Seite seiner jungen Frau unter Laubschatten die alpine Landschaft betrachtet (1854), womit das breite Recept mit der Explication den ganzen, inhaltlich möglichst unbedeutenden Vorgang der damals auf ihre »Ideen« so stolz pochenden »historischen Schule« documentirt ist. Mit gleich malerisch undankbaren Aufgaben wurden durch General v. Spruner, einen übrigens namhaften, den Künstlern außerordentlich wohlwollenden Historiker, die Maler betraut, welche die Galerie des Bairischen National-Museums mit ihren Fresken inscenirten; auf M. fiel die immer noch erfreuliche Motive bietende »Grundsteinlegung der Münchener Frauenkirche durch Herzog Sigmund«, aber auch die »Gründung der Primogenitur 1508 durch Herzog Albrecht IV.«. Noch schwieriger gestaltete sich das Pensum »wie Johann Thurmaier, genannt Aventinus, die herzoglichen Prinzen in der Geschichte ihres Vaterlandes unterrichtet«. Besser gelang dem Maler ein »Besuch Teniers bei Rubens« oder die »Ermordung des Sängers Riccio« – ein besonders bei den Piloty-Schülern beliebtes Thema, wobei der höckerige Secretarius immer als ein wahrer Adonis abgeschildert wurde. Bei der Restauration der »Münchener Frauenkirche« erhielt M. acht kleine Altar-Flügelbilder mit Scenen aus dem Leben des hl. Corbinian und Benno (Anton Mayer, Beschreibung der Frauenkirche, 1868, S. 301); sie fanden, obwol liebevoll behandelt und ausgeführt, wenig Beachtung und noch weniger eine Reproduction für weitere Kreise. Einen guten Griff machte M. mit Illustrationen zu Ludwig Uhland, die leider durch eine heimtückische Krankheit, welche im Februar 1872 sogar die Amputation des einen Fußes erforderte, unterbrochen wurden. Leidlich hergestellt, versagte zuletzt noch der Gebrauch des Augenlichts. Gelang es ihm auch nicht, mit den Größten um die Palme zu ringen, so sichern ihm doch seine Leistungen ein bleibendes Gedächtniß durch Adel, Ehrenhaftigkeit und Schönheit in Zeichnung und Farbe, im Wollen und Können.

Vgl. Nekrolog in Nr. 125 d. Allgem. Zeitung v. 6. Mai 1895. – Kunstverein für 1895, S. 79 ff. – Fr. von Bötticher, 1898. II, 15. – M. Fürst, Biogr. Lexikon 1901, S. 144.

Hyac. Holland.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1906.

#20 – 8 – 1 (Fischer)


Familie A. Fischer.

Hier ruhen
Frau Johanna Fischer
geb. Weishaupt Baumeisters Gattin
gest. 23. Sept. 1843 im 39. Lebensjahre.
Ihr Gatte
Herr Gottfried Fischer
Privatier vorm. Baumeister
gest. 11. Juni 1866 im 66. Lebensjahre.
Seine treue Gattin
Frau Wilhelmine Fischer
geb. Pilgrim
geb. 23. Nov. 1803 gest. 6. Dez. 1886.
Ihnen folgte viel zu früh ihr Sohn
mein innigstgeliebter unvergesslicher Gatte
Herr Albert Fischer
Privatier vorm. Baumeister
geb. 17. Dez. 1846, gest. 24. Mai 1890.
Ihm folgte seine treue Gattin
Frau Anna Fischer
geb. 28. Februar 1845, gest. 8. Dezember 1920.


  • Fischer, Albert; 17.12.1846 – 24.5.1890 (München); Baumeister
  • Fischer, Anna (vw); 28.2.1845 – 8.12.1920 (München); Architektens-Witwe
  • Fischer, Gottfried; – 11.6.1866 (München), 65 Jahre alt; Baumeister
  • Fischer, Johanna (vh) / Weishaupt (gb); – 23.9.1843 (München), 39 Jahre alt; Architektens-Gattin
  • Fischer, Wilhelmine (vw) / Pilgrim (gb); 23.11.1803 – 6.12.1886 (München); Architektens-Witwe

Todesanzeige für Johanna Fischer

Todesanzeige für Gottfried Fischer

Todesanzeige für Wilhelmine Fischer

Todesanzeige für Albert Fischer

Todesanzeige für Anna Fischer
Grab der Familie Fischer auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#20 – 8 – 2 (Fischer · Hartmann)


Familiengrab Max Fischer.

Hier ruhen:
unser unvergesslicher Gatte und Vater
Herr Max Fischer,
Baumeister,
ehem. Magistratsrat und Landrat,
geb. am 13. Okt. 1838, gest. am 23. Nov. 1904.
Ihm gingen im Tode voraus seine Kinder:
Frau Marie Hartmann,
k. Stabsarztens-Gattin,
geb. am 25. Sept. 1870, gest. am 16. Febr. 1900.
Es folgte ihm seine Gattin
Frau Emilie Fischer,
geb. Lang,
geb. am 6. März 1835, gest. am 15. Juni 1922.

Sockel
Friedrich, geb. am 26. Juli 1865, gest. am 14. Aug. 1865.
Heinrich, geb. am 7. Juni 1869, gest. am 21. Juni 1869.
Lina, geb. am 26. März 1868, gest. am 18. Nov. 1879.

Linke Seite
20.8.2.


  • Fischer, Emilie (vw) / Lang (gb); 6.3.1835 – 15.6.1922 (München); Architektens-Witwe
  • Fischer, Friedrich; 26.7.1865 – 14.8.1865 (München); Maurermeisters-Sohn
  • Fischer, Heinrich; 7.6.1869 – 21.6.1869 (München); Maurermeisters-Sohn
  • Fischer, Lina; 26.3.1868 – 18.11.1879 (München); Baumeisters-Tochter
  • Fischer, Max; 13.10.1838 – 23.11.1904 (München); Baumeister, Magistratsrat und Landrat
  • Hartmann, Marie (vh) / Fischer (gb); 25.9.1870 – 16.2.1900 (München); Stabsarzt-Gattin

Todesanzeige für Friedrich Fischer

Todesanzeige für Lina Fischer

Todesanzeige für Marie Hartmann

Todesanzeige für Max Fischer

Todesanzeige für Emilie Fischer

Grab der Familien Fischer · Hartmann auf dem Alten Südfriedhof München (Oktober 2014)

#Max Fischer

* 13.10.1838
† 23.11.1904 (München)
Baumeister, Magistratsrat und Landrat

#Münchener Stadt-Anzeiger (27.4.1903)

Münchener Rundschau.

Auszeichnung. Der Rentier und Landrat Max Fischer erhielt in diesen Tagen den Michaelsorden. In seiner Eigenschaft als bürgerlicher Magistratsrat oblag ihm u. a. die Verwaltung der Krankenhäuser, wobei Max Fischer für die Um- und Erweiterungsbauten in dem Krankenhaus links der Isar mit größter Umsicht erfolgreich tätig war. Wie in der Gemeindevertretung war auch seine Tätigkeit als Angehöriger des oberbayerischen Landrates erfolgreich.

Münchener Stadt-Anzeiger Nr. 116. Montag, den 27. April 1903.

#Generalanzeiger (28.4.1903)

Münchener Tagesneuigkeiten.
München, 27. April.

Auszeichnung. Die Verleihung des St. Michaelsordens, mit der dieser Tage unser hochgeachteter Mitbürger Herr Rentier und Landrat Max Fischer ausgezeichnet wurde, hat in weiten Kreisen Freude und Befriedigung erregt, zumal sich Herr Max Fischer seit langen Jahren im öffentlichen Leben durch ein eifriges, humanes und verdienstliches Wirken hervorgetan hat. Als bürgerlichem Magistratsrat oblag ihm u. a. die Verwaltung der Krankenhäuser, wobei er für die großartigen Um- und Erweiterungsbauten im Krankenhaus links der Isar mit größter Umsicht und wärmster Obsorge erfolgreich tätig war. Wie in der Gemeindevertretung seine Tätigkeit verdienstvoll war, so übt er eine solche noch heute als Angehöriger des oberbayerischen Landrats aus. Wegen seines freundlichen und gefälligen Wesens hat Herr Max Fischer einen großen Freundeskreis, aus dem ihm zur wohlverdienten Auszeichnung die besten Glückwünsche zugehen.

Generalanzeiger der Münchner Neuesten Nachrichten Nr. 197. Dienstag, den 28. April 1903.

#Münchener Stadt-Anzeiger (9.8.1904)

Münchener Rundschau.
München, 8. August.

Erkrankung. Der wohlbekannte Landrat und vormalige Magistratsrat Max Fischer ist nach längerem Leiden nunmehr fast hoffnungslos erkrankt.

Münchener Stadt-Anzeiger Nr. 357. Dienstag, den 9. August 1904.

#Münchner Neueste Nachrichten (24.11.1904)

Heute Nacht verschied nach langem Leiden

Herr Landrat Max Fischer
Mitglied des Aufsichtsrates der Brauerei zum Münchner Kindl.

Die Brauerei zum Münchner Kindl wird hierdurch von einem schmerzlichen Verluste betroffen. nachdem der Verlebte seit langen Jahren ihrem Aufsichtsrate als hochgeschätztes Mitglied angehörte und bis in die letzte Zeit seine reichen Kenntnisse und Erfahrungen in den Dienst des Unternehmens stellte.

Ein ehrendes und dankbares Andenken wird ihm daher stets bewahrt werden.

München, den 23. November 1904.

Der Aufsichsrat und die Direktion
der Brauerei zum Münchner Kindl.

Münchner Neueste Nachrichten No. 550. Donnerstag, den 24. November 1904.

#Rosenheimer Anzeiger (25.11.1904)

Oberbayerischer Landrat.

München, 24. Nov. Landrat Max Fischer †. In der heutigen Abendsitzung des oberbayerischen Landrates gab Präsident Hofrat Seuffert das Ableben des Landratsmitgliedes Max Fischer bekannt und widmete dem Verstorbenen, indem er sein verdienstvolles Wirken im Landrat hervorhob, einen warmgefühlten Nachruf. Die Versammlung erhob sich zum Zeichen ehrenden Gedenkens. Die Landratsmitglieder werden sich an der Leichenfeier beteiligen.

Rosenheimer Anzeiger No. 268. Freitag, den 25. November 1904.

#Generalanzeiger (25.11.1904)

Aus dem Rathause.
München, 24. November.

Sitzung des Gemeindekollegiums.

Einen ehrenden Nachruf

widmete zu Beginn der Sitzung Vorstand Seyboth dem verstorbenen früheren Magistratsrat Merkl, Vorstand der Freiwilligen Feuerwehr, und dem eben dahingeschiedenen Landrat und ehemaligen Magistratsrat und Gemeindekollegiumsmitglied Max Fischer. Herr Fischer war Mitglied des Gemeindekollegiums vom 1. Januar 1870 bis Ende 1873, dann vom 10. Mai 1883 (als Ersatzmann für den ausgetretenen Gemeindebevollmächtigen P. Spieß) bis 8. Oktober 1896. Von da bis Ende 1899 war Fischer Mitglied des Magistrats an Stelle des wegen Augenleidens zurückgetretenen Herrn Peter Rasp. Innerhalb des Gemeindekollegiums war Fischer viele Jahre Vorstand des Bauausschusses, dann auch längere Zeit erster bezw. zweiter Schriftführer des Kollegiums.

Generalanzeiger der Münchener Neuesten Nachrichten Nr. 552. Freitag, den 25. November 1904.

#Münchner Neueste Nachrichten (26.11.1904)

Lokales.
München. 25. November.

Landrat Max Fischer †. Die Beerdigung des hochangesehenen Bürgers fand heute Nachmittag im südlichen Friedhofe statt. Unter anderen hatten sich zur Erweisung der letzten Ehre eingefunden Regierungspräsident Staatsrat v. Schraut, Regierungsrat Graf Du Moulin-Eckart, das Präsidium (Präsident Bürgermeister Seuffert, Schriftführer Bürgermeister Dr. v. Brunner), der ständige Ausschuß und die meisten Mitglieder des Landrates von Oberbayern, eine Deputation des Magistrats mit dem ersten Bürgermeister Dr. v. Borscht und des Kollegiums der Gemeindebevollmächigten mit den beiden Vorständen, Aufsichtsräte und Direktoren der Bayerischen Vereinsbank, eine Abordnung der Münchner Künstlergenossenschaft mit dem ersten Präsidenten Albert Baur, die »Loge zur Kette« in corpore, Vertretungen aller anderen diesigen Freimaurerlogen u. s. w. An der Spitze des Trauerzuges schritten die Zöglinge des städtischen Kinderasyls. Vor dem Sarge gingen sechs Magistratsbedienstete mit Flambeaus. Das Grab zeigte einen doppelwandigen, über und über mit prächtigen Blumenspenden bedeckten Kranzaufbau mit Kränzen vom Landrat von Oberbayern, vom Magistrat und dem Kollegium der Gemeindebevollmächtigten Münchens, von den Logen »In Treue fest« und Würzburg, von der Freiwilligen Rettungsgesellschaft, vom Verein zur Obsorge für entlassene Sträflinge, vom evangelischen Maria Martha-Stift, vom städtischen Kinderasyl, von der Bayerischen Vereinsbank, dem Aufsichtsrat der Münchner Kindl-Brauerei, der Aktiengesellschaft Prinz-Regentenplatz, dem Männer-Turnverein München und seinem Alten-Herrn-Verband, von der Bayerischen Gartenbaugesellschaft, dem M. R. C. u. s. w. Stadtpfarrer Veit gab in der Grabrede eine anerkennende Würdigung des arbeits-, erfolg- und segensreichen Lebens des Verstorbenen, im besonderen von dessen Tätigkeit in der städtischen Verwaltung als Gemeindebevollmächtigter und Magistratsrat, im oberbayerischen Landrate und in der Förderung von allerlei humanitären Zwecken. Nach dem kirchlichen Akte widmete Rechtsanwalt Dr. Paret im Namen der Loge »zur Kette« dem verdienten früheren Meister vom Stuhl und Ehrenmeister Kranz und Nachruf, die symbolischen drei Rosen ins Grab streuend, worauf unter weiteren ehrenden Nachrufen Kränze niederlegten die Johannis-Loge »Augusta« in Augsburg, die Münchner Künstlergenossenschaft und der Künstler-Unterstützungsverein.

Münchner Neueste Nachrichten No. 554. Samstag, den 26. November 1904.

#Generalanzeiger (28.11.1904)

Münchener Tagesneuigkeiten.
München, 26. November.

Landrat Max Fischer †. Außer dem vielseitigen humanitären Wirken, das dem verstorbenen Landrat und ehemaligen Baumeister Max Fischer am Grabe nachgerühmt wurde, verdient insbesondere noch hervorgehoben zu werden der hervorragende Anteil, den Fischer an der Gründung des im Jahre 1881 mit seinen Freunden Kaufmann Georg Seeliger †, Magistratsrat Bruno Friedrich und anderen auf Anregung und unter Leitung des kgl. Rats Lud. Jung ins Leben gerufenen Vereins »Knabenhort« genommen hat. Tausenden von Kindern ist inzwischen diese segensreiche Einrichtung zuteil geworden, und manch' einer der zum manne geriften Zöglinge wird sich der frischen, kernigen Gestalt seines Wohlthäters allzeit in Dankbarkeit gerne erinnern.

Generalanzeiger der Münchener Neuesten Nachrichten Nr. 556. Montag, den 28. November 1904.

#20 – 8 – 3 (Wagner)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Wagner, Karl; – (3).8.1884, 49 Jahre alt
  • Wagner, Marie; – (30).3.1871 (München), 5 Jahre alt; Bürovorstands-Tochter
  • Wagner, Wilhelm Karl; – (27).1.1868 (München), 29 Jahre alt; Expeditionsgehilfe

Grab der Familie Wagner auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

#20 – 8 – 5 (Müller)


Familie Friedrich Müller.

Hier ruht
mein innigstgeliebter unvergesslicher
Gatte, unser treubesorgter Vater
Herr Friedrich Müller,
Grosshändler,
geboren 19. Dezember 1846 in Nördlingen
gestorben 26. März 1904 in München.

Ruhe sanft in Frieden!

Rechte Seite
A. Aufleger

Sockel-Tafel
Im Tode ging ihm voran
unser gutes Kind
Elsa Müller
geboren 10. Juni 1878,
gestorben 7. März 1879.


  • Müller, Elsa; 10.6.1878 – 7.3.1879; Grosshändlers-Tochter
  • Müller, Friedrich; 19.12.1854 (Nördlingen) – 26. 3.1904 (München); Grosshändler

Grab der Familie Müller auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#20 – 8 – 6 (Lenk · Robl)


Hier ruhen
meine teuren Eltern
Georg Robl
1817 – 1887
Katharina Robl
1834 – 1908.
Deren Kinder:
Roman. 1863 – 18¿.
Rosalie. 1870 – 1871.
Georg. 1873 – 1879.
Schwester u. Tante
Josefa Lenk. 18¿3 – 1871.


  • Lenk, Josefa; 1843 – 5.9.1871 (München); Ökonomens-Tochter aus Altomünster
  • Robl, Georg; 1817 – 1887; Holzhändler
  • Robl, Georg; 1873 – 1879; Holzhändlers-Sohn
  • Robl, Katharina (vw); 1834 – 1908; Holzhändlers-Witwe
  • Robl, Roman; 1863 – 18¿; Holzhändlers-Sohn
  • Robl, Rosalie; 1870 – 5.12.1871 (München); Holzhändlers-Tochter

Todesanzeige für Josefa Lenk

Grab der Familien Lenk · Robl auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#20 – 8 – 14 (Opfer des Kolosseum-Brandes)


Ruhestätte
der am 18. Februar 1881
verunglückten Künstler.

Einhart Emil
geb. in Konstanz den 27. Nov. 1854.
Schnetzer Johann
geb. in Fürstenfeldbruck den 7. Sept. 1850.
Christ Adam
geb. in Bamberg den 12. März 1856.
Hößbacher Adolf
geb. in Frankfurt a. M. den 2. Okt. 1863.
Kraus Karl
geb. in Ulm a. D. den 8. Sept. 1857.
Gehrke Adolf
geb. in Berlin den 8. Nov. 1849.
Guttermann Ernst
geb. in Ulm a. D. den 6. Jan. 1859.


  • Christ, Adam; 12.3.1856 (Bamberg) – 19.2.1881 (München), Opfer des Kolosseum-Brandes; Bildhauer
  • Einhart, Emil; 27.11.1854 (Konstanz) – 19.2.1881 (München), Opfer des Kolosseum-Brandes; Bildhauer
  • Gehrke, Adolf; 8.11.1849 (Berlin) – 20.2.1881 (München), Opfer des Kolosseum-Brandes; Bildhauer
  • Guttermann, Ernst; 6.1.1859 (Ulm) – 20.2.1881 (München), Opfer des Kolosseum-Brandes; Bildhauer
  • Hößbacher, Adolf; 2.10.1863 (Frankfurt a. M.) – 19.2.1881 (München), Opfer des Kolosseum-Brandes; Bildhauer
  • Kraus, Karl; 8.9.1857 (Ulm) – 19.2.1881 (München), Opfer des Kolosseum-Brandes; Bildhauer
  • Schnetzer, Johann; 7.9.1850 (Fürstenfeldbruck) – 19.2.1881 (München); Opfer des Kolosseum-Brandes; Goldarbeiter

Weitere Opfer des Kolosseum-Brandes:
14 – 10 – 16 (Emmerling)

  • Emmerling, Otto; 30.10.1860 (München) – 19.2.1881 (München), Opfer des Kolosseum-Brandes; Bildhauer

16 – 2 – 22* (Maier)

  • Maier, Anton; – 19.2.1881 (München), 39 Jahre alt, Opfer des Kolosseum-Brandes; Photograph

Todesanzeige für Opfer des Kolosseum-Brandes

Todesanzeige für Opfer des Kolosseum-Brandes

Todesanzeige für Opfer des Kolosseum-Brandes

Todesanzeige für Anton Maier

Todesanzeige für Karl Krauss

Todesanzeige für Opfer des Kolosseum-Brandes

Todesanzeige für Ernst Guttermann

Todesanzeige für Otto Emmerling

Grab der Opfer des Kolosseum-Brandes auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

Grab der Opfer des Kolosseum-Brandes auf dem Alten Südfriedhof München (Juli 2008)

Grab der Opfer des Kolosseum-Brandes auf dem Alten Südfriedhof München (Februar 2021)

#Der Kolosseum-Brand

#Freiburger-Zeitung (23.2.1881)

Die Katastrophe im Kolosseum in München am 19. Februar.

Ein von Jahr zu Jahr mit Spannung erwartetes Fest, welches an Originalität, Phantasie und Humor jedes andere Fest zu übertreffen pflegt, hat gestern Nachts mit einem so erschütternd tragischen Vorfalle geendet, daß demselben heute, nachdem die Folgen in ihrer ganzen erschreckenden Tragweite zu übersehen sind, dem so fröhlich begonnen Abend nur Töne tiefer Trauer nachklingen können.

Der am Feste zu Grunde gelegte Gedanke einer »Kneipreise um die Welt« war reich in den launigsten Details zur Aufführung gebracht worden. Der Saal und einzelne Theile der Galerien versinnlichten durch all die nationalen Bauten und die Landschaften aus aller Herren Länder jenes Programm in ganz überraschender Weise.

Hier war nämlich eine ganze Sippe von Eskimos, deren ungemein echt wirkendes, aber sehr gefährliches ganz aus losem Hanf hergestelltes Kostüm den bejammernswerthen Trägern desselben so verhängnißvoll werden sollte. Die Details über die Entstehungsart und Weiterverbreitung des Feuers sind zur Stunde nicht ganz festzustellen, da sich in Folge der begreiflichen Verwirrung und der anfänglich gemachten Bemühungen einer Panik vorzubeugen, sich die Berichte sich natürlich mannigfach widersprechen. Es scheint, daß man den Unfall nicht mit einer mit Zigarren begangenen Unvorsichtigkeit, sondern dem Umstürzen eines Lichtes zuzuschreiben hat. Ungefähr um drei Viertel auf zwölf Uhr sah man plötzlich zwei in Flammen stehende Gestalten nach verschiedenen Richtungen durch den Saal stürzen und sich am Boden wälzen, ehe nur ein Versuch zur Hilfe gemacht werden konnte. Gleichzeitig schlug auch an anderen Punkten die helle Lohe auf. Man stürzte nun mit Decken, Mänteln und Allem, was zur Hand war, zur Rettung der Opfer herbei. Wie wenig mit diesen Anstrengungen erreicht werden konnte, beweisen die entsetzlichen Nachrichten, welche man heute erfährt. Zwölf Verwundete sind in das Krankenhaus l. d. I. verbracht worden und vier derselben zur Stunde schon ihren Schmerzen erlegen; bei zweien befürchtet man noch den gleichen tragischen Ausgang. Gestorben sind: Otto Emmerling, Akademiker aus München, Emil Einhart, Akademiker aus Konstanz, Adam Christ, Akademiker aus Bamberg und Joseph Schnerzer, Goldarbeiter aus Bruck. Als schwer verwundet werden genannt: Anton Maier, Photograph aus München, Karl Kraus, Akademiker aus Ulm, Adolf Heßbacher, Akademiker aus Oberau bei Aschaffenburg, Gottfried Bechtold, Bildhauer aus Tirol, Ernst Gutmann, Akademiker, Wilhelm Eisele, Akademiker aus Altona, Görke, Akademiker aus Berlin und Adolf Spring, Maler aus Libau in Kurland. Die dem Vernehmen nach geringere Zahl der sich in Privatpflege befindenden weiteren verwundeten ist zur Stunde nicht bekannt; dieselben sollen sämmtlich mit Verletzungen leichterer Art davongekommen sein. Unter diesen befindet sich auch Herr Reichsrath Graf Karl von Arco-Valley, über dessen Befinden beruhigende Erklärungen abgegeben werden.

Unmittelbar nach dem Unglücksfalle waren anwesende Aerzte mit augenblicklicher Hilfeleistung zur Hand: genannt werden und die Herren Professor Dr. Rüdinger und Dr. Rigauer. Herzerreißend war der Anblick des jetzt von seinen Leiden erlösten Opfers Joseph Schnerzer als man ihm in der Vorhalle den ersten Verband anzulegen bemüht war. Von Brust und Armen hing die Haut des Unglücklichen verbrannt und aufgerollt herab.

Ein grellerer Gegensatz als der zwischen dem tollphantastischen Fastnachtsjubel einer maskirten Künstlergesellschaft und den plötzlichen Wehelauten in den Flammen zu Grunde gegangener junger und hoffnungsreicher Menschenleben läßt sich gewiß nicht denken. Wohl die meisten Besucher sind mit dem Gefühle einer schneidenden Dissonanz nach Hause gekehrt und der so lang dauernde und so lustig begangene diesjährige Münchener Karneval wird von diesem Abend eine schwarze Signatur behalten.

Freiburger-Zeitung Nr. 16. Mittwoch, den 23. Februar 1881.

#Coburger Zeitung (24.2.1881)

München, 22. Febr. Ueber das Unglück im Colosseum schreibt die »Süddeutsche Presse« noch Folgendes: Von der vier im Krankenhause noch behandelten Ueberlebenden der Katastrophe befanden sich heute Vormittag außer dem nur leicht verletzten Alfons Spring aus Libau auch Gisecke aus Altona recht zufriedenstellend, Ernst Guttermann aus Ulm und Bechtold aus Sulz in Vorarlberg weniger gut. Der gestern Vormittag verstorbene Adolf Görke aus Berlin sollte Anfangs von seinem hier eingetroffenen Bruder nach Berlin heimgeholt werden, wird aber heute Nachmittag mit den bekannten fünf Opfern beerdigt. Wie wir hören, hat der k. Staatsanwalt am k. Landgericht München I bereits officielle Untersuchung über die Ursachen des Unglücks eingeleitet und befindet sich solche im Gange.

Den gestrigen Mittheilungen ist noch nachzutragen, daß die Künstler die Utensilien zu ihrem verhängnißvollen Costüme bei dem Herrn Hofseilermeister Schwaiger in der Fürstenfelderstraße gekauft hatten. Derselbe machte sie auf die Feuergefährlichkeit des Wergs aufmerksam und erbot sich, dasselbe vorher in Salzwasser absieden, oder mit Wasserglas behandeln zu lassen, was aber abgelehnt wurde. Bei der Anfertigung der Costüme wurde von einigen der Künstler geraucht, was andere nicht leiden wollten. Ein übrig gebliebenes Eskimocostüm wurde gestern zur Probe in Brand gesteckt. In fünf Secunden stand es in Flammen, in fünfzehn brannte es durch und durch und in fünfunddreißig Secunden war es verzehrt. Hinsichtlich der Thätigkeit der Feuerwehr ist ebenfalls Untersuchung angestellt und dabei gefunden worden, daß allerdings in einer der Spritzen kein Wasser war. Es war dies aber eine transportable Handspritze, welche nie vorher gefüllt ward. Das Arrangement im Colosseumssaal war feuerpolizeilicher Beschau unterzogen worden; daß aber beim Festabend offene Lichter in den Hütten zur Verwendung kommen werden, war nicht bekannt. Ein Sachverständiger zur Controle während des Festes wäre also doch am Platze gewesen.

Coburger Zeitung Nr. 46. Donnerstag, den 24. Februar 1881.

#Der Fasching (1907)

Von den zahllosen Gedenktagen der Münchner Kunstchronik ist der merkwürdigsten einer der 18. Februar. Da fand vor einem Vierteljahrhundert eine Maskenkneipe statt, die an Aufwand künstlerischer Kraft, sowie an Eigenart der Ideen alles in Schatten stellte, was man bis dahin auf diesem Gebiete gesehen hatte. Ein Riesenschiff auf der Kneipreise um die Welt, das war der Grundgedanke.

Rechts und links vom Verdeck und von den Segeln die Erdteile, die es berührte. Alle waren vertreten, die Chinesen mit einem verschnörkelten Turm, der viele Stockwerke in die Höhe ragte, der wilde Westen Amerikas mit einem festgefügten Blockhaus, die Sandwich-Insulaner in einer dämmernden Höhle, die Eskimos in tranbefeuchtetem Zelte, ja, sogar ein Pfahlbauernhaus konnte man sehen. All das belebt von den Inwohnern in streng entsprechender Gewandung.

Auf dem Verdeck des Schiffes endlich, wo unaufhörlich die Glocke zum Einsteigen lud, als lachende Passagiere so ziemlich alle Typen der Erde, von Kaiser und Königen angefangen bis herunter zum Handwerker, Urlauber und Hausknecht. Das strömte hinauf und hinunter, bald nach Asien, bald nach Amerika, bald nach Australien, am liebsten jedoch bliebs in Europa.

Dort gabs von allen Kneipen der Weltkugel doch noch immer die besten. In einem weißgetünchten Gewölbe hielten fromme Klosterbrüder selbstgebrautes Bier feil, echten Bliemchen und Schnaps gabs in der sächsischen Kaffeebude und in einem oberbayrischen Wirtshaus konnte man auf einer langen Bahn regelrecht Kegel schieben.

In besonders verschwiegenen Ecken jedoch wurden einige jener Kuriositäten gezeigt, die damals übermütige Künstlerlaune noch erzeugen durfte, ohne am andern Tag der Sittenkommission zu verfallen. So bot Madame Lutetia dem ruhelosen Wanderer gegen prompte Bezahlung ein mehr wie gastliches Heim, der Henker der spanischen Inquisition zwickte auf der Folterbank den Delinquenten unter Beistand der lieben Geistlichkeit ein Markstück nach dem andern heraus, und ein Riesenfernrohr auf dem Verdeck des Schiffes zeigte gegen fünfzig Pfennige Entgelt die fratzenhaftesten Perspektiven. Dazu siedelten wandernde Zigeuner und bliesen böhmische Musikanten greuliche Weisen.

Da plötzlich, so um Mitternacht, als der Trubel am höchsten war, stürzte etwas durch den Saal. Etwas, was nicht hergehörte, etwas Prasselndes, Brennendes. Unheimlich wars und doch nur ein Augenblick, so schnell, daß es kaum auffiel.

Was gabs denn? Neun Eskimos als wandelnde Feuersäulen. Die stießen in heller Verzweiflung gegen diese Welt von Leinwand und Holzgerüsten. Nichts brannte an, doch sie selber verkohlten unter furchtbarem Wehgeschrei draußen in der Vorhalle oder auf dem Weg zum Spital. Einige von dem Todesschiff sahen den Jammer und flohen davon, geschüttelt von Grauen; die meisten sahen ihn nicht. Sie kneipten fort bis zum frühen Morgen, als man sie aber am hellen Mittag mit der Schreckensbotschaft aus dem Bette jagte, da war’s, als grinste das Totengerippe selber zur Türe herein.

Und das uferlose Entsetzen griff weiter über die ganze Stadt. Auf Jahre lähmte es alle Unternehmungslust, alle Begeisterung, ja, es verschob mit der Zeit die ganze Linie des Münchner Karnevals. Denn wer nicht dabei gewesen war, schimpfte über die leichtfertigen Leute, und so mancher wollte in der Katastrophe den Finger Gottes erblicken, die gerechte Strafe für frevelhaften Uebermut.

Den Künstlern wurde bös in die Suppe gespuckt; nur zweimal noch kamen sie mit solchen Kneipen. Die aber erreichten nicht mehr jene schönste und grauenvollste. Und der Münchner schimpfte kräftig weiter. Er ist von Haus aus ein guter Kerl, der, was malt und bildhauert, gern leiden mag. Nur dürfens die Herren nicht gar zu bunt treiben; die Behaglichkeit muß gewahrt bleiben. Die Kneipe mit allen Zutaten hätte ihm trefflich gefallen, die Späße hätte er belacht, am stärksten die Zoten – das Unglück war ihm zu viel. Kein Pietist, kein Mucker, praktischer Katholik auf allen Gebieten, sieht er, trotzdem er gern in die Kirche geht, streng darauf, daß ihm die Alleinseligmachende mit ihren Vorschriften in keiner Weise lästig falle. Das Dogma kennt er nicht, Fanatismus ist ihm direkt zuwider, und doch, der Witze auf die Religion waren zu viel, und was die Unsittlichkeit betrifft, so hätten die dummen Maler auch etwas mehr Maß halten können. »Muaß ma a net alleweil gar a so sei.« Das ist sein Wahlspruch, und den zitierte er hartnäckig von da an, wenn er auf den Unglücksabend zu sprechen kam. Erst nach und nach zog ein leises Vergessen ein, und so tauchte mit den Jahren ein Faschingsbild auf, das der Münchner und die neue Generation etwas besser verstand.

Josef Ruederer: München; Der Fasching. München, 1907.

#Lebenslauf eines Optimisten (1909–1911)

Und dann, im Winter, unter dem Regiment der Narrenkappe, am 19. Februar, verwandelte sich eine Stunde fröhlichen Lebens zu einem grauenhaften Trauerspiel der Jugend. In Kils Kolosseum hielten die Kunstakademiker ihr Faschingsfest ab, das eine heitere Reise um die Welt illustrierte. Alle wilden Völker waren da zu fidelen Sitten dressiert. Rings um den großen Saal, in dem sich viertausend vergnügte Menschen durch eine einzige Türe versammelt hatten, wimmelte es von lustig bevölkerten Wigwams, Kralen, Pfahlhäusern und Laubhütten. Nicht weit von dieser einzigen Tür – im Säulengang, der den Saal umzog – hatte die Bildhauerschule des Professors Max Wiedemann eine Eskimotruppe installiert, unter den niederen Dächern zweier Schneehöhlen, in denen Hofbräu als Tran verschluckt und Heringe auf rußendem Ölflämmchen gebraten wurden. Es sah sehr malerisch aus: wie diese heiteren Zottelmännchen sich im rotbraunen Zwielicht drängten, Gesicht und Hände glänzend von Fett, in dicken, täuschend aus Werg und Watte nachgemachten Eisbärengewändern, mit »wasserdichten« Schellackringen um Hals, Handgelenke und Fußknöchel.

Gelächter und Stimmengewirr. Den überfüllten Saal durchrauscht die Fatinitzaquadrille, Champagnerpfropfen knallen wie die Gewehrschüsse eines Vorpostengefechtes, der Frohsinn wird turbulente Mitternachtsstimmung, wird toller Rausch des ausgelassenen Übermutes, und im Zuge der heißgewordenen Luft bewegen sich diese schreienden Farben an den Wänden: die komischen Schildereien, die Wimpel und Fähnchen, die Festons und Girlanden, der künstliche Rosenfrühling und dieser verschwenderisch angebrachte Papierschmuck.

Aus der kleineren Eskimohütte prasselt eine fidele Lachsalve heraus. Was war denn los? Ach, nur so eine kleine Dummheit, die ein bisserl gefährlich hätt’ ausfallen können! Auf der Heringstonne, die als Tischchen diente, ist eine Talgkerze umgefallen, und das purzelnde Flämmchen streift die Ärmelzotten eines Eskimo. Ein jähes Aufleuchten. Doch zwei junge, keck zugreifende Hände ersticken flink den aufzüngelnden Schein. Und nun lacht man über den kleinen Schreck. Die Talgkerze wird wieder angezündet, mit aller nötigen Vorsicht natürlich.

Aber einer unter diesen weißgrauen Zottelbären – ein junger Berliner – will die heitere Stimmung nicht mehr finden. »Nee« sagt er, »hier is es nich jemietlich, ick jehe!« Er tritt aus her Eskimohütte. Hinter ihm ein gellender Schrei, ein grelles Auflodern. Brüllend rennt eine schlanke, drei Meter hohe Flammensäule aus der Hütte heraus. Der junge Berliner wird ohnmächtig vor Schreck und kollert lautlos unter eine Bank. Ein Dutzend Zottelmänner springen aus den Hütten heraus, wollen helfen, schütten Bier und Champagner in diese schlanke, sich drehende Feuersäule. Viele, die das sehen, halten es für einen verwegenen Künstlerjux. Ein Kluger schreit entrüstet: »Was sind denn das für dumme Witze?«

Da lodert eine zweite Flammensäule gegen die Decke des Säulenganges hinauf, eine dritte, vierte, fünfte. Drei Zottelmänner, die Feuer gefangen, wälzen sich auf dem Boden und ersticken die Flammen. Neun junge Menschen brennen lichterloh – und wie sie schreien in ihrem Schmerz, das hört sich an wie tolles Gelächter. Ein Märchen der Geschichte, die Mythe von den brennenden Fackeln des Nero, ist grauenvolle Wahrheit geworden. Und Tausende von den fröhlichen Menschen im überfüllten Saale wissen, sehen und hören nichts von diesem herzzerdrückenden Schauspiel. Das Schmerzgelächter erstickt unter dem Lärm der tausendstimmigen Heiterkeit, im Rauschen der Musik. Zwischen diesem Lichtgewoge, Farbengewirr und Laternengeflacker fällt der Schein der schlanken Feuerspindeln, die sich in der Ecke des Säulenganges zusammendrängen, schon über zwanzig Schritte hinaus nicht mehr auf Werg und Watte brennen schnell – das Geloder ist schon wieder erloschen, noch ehe die Zunächststehenden, die das Entsetzen wortlos machte, zu dieser einzigen Türe flüchten können. Kreischende Stimmen beteuern bei der Türe: »Nichts, nichts, es ist nichts geschehen, es ist alles schon vorbei, nur Ruhe, Ruhe, Ruhe!« Bei der Türe, wo sich die Menschen zu stauen drohen, schreit das einer dem andern zu, und jeder glaubt es. Das Lachen und der Lärm im Saale verliert keinen heiteren Atemzug, die Musik mit Geigen, Pauken und Tschinellen wirbelt weiter, und das bunte Fest bleibt jubelnde Freude ohne Störung. Feuerwehrmänner und Sanitätsgehilfen haben wollene Decken, Türvorhänge und Tischtücher um diese schwarzen, mageren Gestalten gewickelt, die auf dem Boden liegen oder noch stehen, gehen, taumeln und nur noch eine schwer zu enträtselnde Ähnlichkeit mit jungen Menschen besitzen. Man trägt die leise Wimmernden und die völlig Stummgewordenen aus dem Saal, durch diese einzige Türe hinaus. Jener junge Berliner erwacht aus seiner Ohnmacht; ihm ist nichts geschehen, er ist gerettet; zitternd stiert er in das Dunkel der zwei leergewordenen Eskimohütten. Und Vierzig, Fünfzig, Hundert verlassen das heitere Fest – wer zuerst diese lodernden Flammensäulen und dann diese schwarzen Pakete sah, redet kein Wort mehr. Das Entsetzen hat die Kehle der Wissenden gewürgt – sie gehen bleich und schweigend davon, mit dem Gedanken: Was ich weiß, das müssen doch auch die anderen wissen!

Jedem, der durch diese einzige Türe hinausgegangen, wird die Rückkehr in den Saal verwehrt, um eine Panik zu verhindern, um ein noch größeres Unglück zu verhüten.

Im Korridor und in der Garderobe liegen die Verkohlten und noch Lebenden auf Bänken und Tischen. Junge Ärzte suchen Hilfe zu bringen. Ein grauenvolles Bild! Wer es im Vorübergehen sehen muß, wendet sich mit geschlossenen Augen ab.

Von den Zwölfen, die man nach der Klinik brachte, starben neun noch in der Nacht und während der folgenden Tage. Nur drei kamen mit dem Leben davon, um Entstellte oder Krüppel zu bleiben.

Das heitere Fest der Ahnungslosen, die im Saal geblieben, dauerte bis in die fünfte Morgenstunde.

Während des Vormittags durchsickerte das Gerücht von diesem Schrecklichen die Stadt. Und am Abend lasen es die Münchener in der Zeitung: daß blühende Jugend, in der reisenden Kraft des Lebens, mit Talent beglückt, mitten in Lust und Freude verglühen und verkohlen mußte.

Einer von diesen schwarzen Toten hieß Otto Emmerling, war ein reich Begabter und hatte kurz vorher bei einem Wettbewerb der Akademiker den ersten Preis und ein Reisestipendium für Italien bekommen. Nur dieses Fest seiner Freunde wollte er noch mitmachen, dann in das gelobte Künstlerparadies unter dem ewigblauen Himmel wandern.

Die Trauer lag auf der erschrockenen Stadt wie ein drückender Alp. Doch bei allem Schreck empfand man ein tröstendes Aufatmen. Glückliche Zufälle, aus wirbelndem Leichtsinn und sprachlosem Entsetzen, aber auch aus Barmherzigkeit des Lebens geboren, hatten ein noch größeres Unglück verhütet. Ein Unglück, dessen Grauen sich nicht ausdenken ließ! Wäre in dem überfüllten Saal eine Panik entstanden, oder hätte das Feuer der lebenden Fackeln die Überfülle dieses papierenen Schmuckes erfaßt, um die einzige Türe mit Flammen zu sperren, so hätte man die Opfer an Zerdrückten und Erstickten, an Verbrannten und Verkohlten nach Hunderten, vielleicht nach dem Tausend zählen müssen.

Ludwig Ganghofer: Lebenslauf eines Optimisten; Teil 3: Buch der Freiheit. Stuttgart, 1909–1911.

#Aus meinem Leben (1922)

Mit Recht berühmt waren in München die öffentlichen, von der gesamten Künstlerschaft veranstalteten Festlichkeiten. Ich habe zwei davon besucht, ein Feldlager aus der Zeit des 30-jährigen Krieges, das in dem Walde von Großhesselohe sich abspielte und ein köstliches Bild der bewaffneten Macht vor 400 Jahren gab.

Das zweite war ein Maskenfest in München, das leider infolge eines Brandunglücks einen tragischen Abschluß erfuhr. Einer der größten Säle Münchens war durch außerordentlich geschickte Ausbauten in eine Art Jahrmarkt verwandelt, wo man alles genießen konnte, was an Sehenswürdigkeiten bei solcher Gelegenheit geboten zu werden pflegt. Da der Zutritt nur Herren gestattet wurde, die natürlich zum großen Teil durch Masken in Frauen jeden Kalibers verwandelt waren, so hatte die künstlerische Phantasie sich ohne jede Einschränkung bis in die wunderlichsten Auswüchse austoben können. Ich habe nicht einmal in Cöln solche tolle karnevalistische Ausgelassenheit gesehen wie bei diesem Feste, an dem die Künstler bis ins höchste Alter hinein ziemlich vollständig versammelt waren.

Eine köstliche Maskenidee in vortrefflicher Ausführung ist mir in Erinnerung geblieben. Der bekannte Maler Piglheim machte einen Prinzen natürlich mit Gefolge und ließ sich von dem Komitee rundführen, selbstverständlich ganz in der Form, wie sie bei solchen prinzlichen Besuchen üblich ist. Kurze Zeit darauf erschien ein wirklicher bayerischer Prinz, der genau ebenso empfangen wurde. Zum großen Spaß der ganzen Versammlung stießen nun die beiden Züge zusammen. Der wirkliche Prinz hatte aber Humor genug, den Pseudokollegen freundlich zu begrüßen und sie setzten zusammen die Besichtigung fort.

Leider wurde das Fest in ziemlich später Stunde durch ein furchtbares Unglück gestört. Etwa ein Dutzend Schüler der Akademie der Künste machten eine Eskimogruppe. Sie hatten sich für den Zweck eine besondere Hütte gebaut und Eskimoanzüge angelegt, die ganz aus Werg hergestellt waren. Leichtsinnigerweise hatte man versäumt, diesen Stoff chemisch zu imprägnieren und dadurch unbrennbar zu machen. Auch die Hütte selbst war mit brennbaren Stoffen jeder Art erfüllt. Mit ähnlichem Leichtsinn war übrigens die Mehrzahl der Bauten errichtet und da überall geraucht wurde, so hatten wir Chemiker sofort das Gefühl der höchsten Feuersgefahr, und ich erinnere mich, daß wir uns ziemlich frühzeitig in einen geschützten Bierkeller zurückzogen und nur von Zeit zu Zeit wieder das Treiben im Hauptsaale uns anschauten. Plötzlich hieß es, die Eskimos sind am Brennen, und in der Tat sahen wir diese armen Menschen brennend herumlaufen. Sie wurden zwar außerhalb ihrer Hütte ziemlich rasch gelöscht, und einige davon glaubten sich nach der überstandenen Gefahr durch einen reichlichen Trunk Bier entschädigen zu sollen, aber die Verwundungen waren doch so schwer, daß sie meines Wissens in den nächsten Tagen alle gestorben sind. Glücklicherweise konnte das Feuer in der Eskimohütte gelöscht werden. Hätte es um sich gegriffen und die benachbarten sehr brennbaren Gegenstände erfaßt, so wären viele Hunderte von Menschen umgekommen; denn die Zugänge zum Saal waren sämtlich durch die Ausbauten so beengt, daß die große Menschenzahl unmöglich sich hätte retten können.

Bei allen solchen Festlichkeiten sollten die Aufsichtsbehörden in rigoroser Weise stets verlangen, daß alle zur Bekämpfung einer etwaigen Feuersgefahr nötigen Maßregeln getroffen sind. Das Publikum ist geneigt, in derartigen Anordnungen der Behörde Willkür und kleinliche Belästigung zu erblicken; aber wer einmal ein Brandunglück wie damals auf dem Maskenfest in München erlebt hat, und wer wie wir Chemiker die rasche Entwicklung eines Brandes kennt, der wird meiner Ansicht gerne beipflichten.

Emil Fischer: Aus meinem Leben; Gymnasialzeit. Berlin, 1922.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Kolosseum-Künstler; Monumentalkreuz für die im Kolosseum zu München am 17. Februar 1881 beim Brand tödlich verunglückten Künstler. Die Bildhauerschüler M. Widnmanns hatten eine Eskimogruppe installiert; unter den niederen Dächern zweier Schneehöhlen wurde Münchner Hofbräu als Tran getrunken und wurden Heringe von rußenden Ölflämmchen gebraten; auf der Heringstonne, die als Tischchen diente, war eine Talgkerze umgefallen, und das purzelnde Flämmchen streifte die Ärmelzotten eines Eskimos; ein jähes Aufleuchten … und trotz sofortigen Löschens wurde einer beim Hinausgehen zur Flammensäule, und die, die ihm helfen wollten, starben auf die gleiche entsetzliche Weise.

Es waren folgende Künstler:
Einhart Emil, geb. 1854 (Konstanz)
Gehrke Adolf, geb. 1849 (Berlin)
Guttermann Ernst, geb. 1859 (Ulm)
Hößbacher Adolf, geb. 1863 (Frankfurt/Main)
Kraus Karl, geb. 1857 (Ulm)
Schnetzer Johann, geb. 1850 (Fürstenfeldbruck)
Christ Adam, geb. 1856 (Bamberg)

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

|||

#Adam Christ

* 12.3.1856 (Bamberg)
† 19.2.1881 (München), Opfer des Kolosseum-Brandes
Bildhauer

#Allgemeine Zeitung (24.3.1881)

Nekrologe Münchener Künstler.

XIV.

Die Opfer vom 18 Februar.

[...]

Ein entschiedenes, vielversprechendes Talent war Adam Christ, Sohn eines erst vor zwei Jahren verstorbenen Bildhauers aus Bamberg. Nachdem er bei seinem Vater hinreichenden Vorunterricht empfangen, kam Christ zu Professor Halbig nach München und wurde im Herbst 1874 in die Akademie aufgenommen, wo er seit dem Winter 1878 ein kleines Stipendium in ehrender Belohnung seiner Bestrebungen bezog. Zu seinen ersten akademischen Arbeiten gehört eine »Muse der Geschichte«, eine Gruppe »Simson mit dem Löwen« (wofür er die silberne Medaille erhielt), dann die Statuette eines »Landsknecht« mit dem städtischen Wappen für das Rathaus in Eltman, das bei einer Preisconcurrenz gelieferte »Modell für einen Brunnen« (im städtischen Museum zu Bamberg) und eine Skizze zu einem »hl. Otto« (für das Dümmlein'sche Haus in Bamberg.) Auch die für das Grabmal seines Vaters bestimmte Büste fertigte der dankbare junge Mann, welcher außerdem zwei Jahre lang seinem verehrten Lehrer Professor M. Widnmann an den für die neue Akademie bestimmten Kolossalmodellen der beiden »Dioskuren« half. Im Juli 1880 erhielt Christ den ersten Preis für eine Skizze des »Barmherzigen Samariters:« eine sehr vollendete, wohlgerundete Gruppe, welche am 19. März, also gerade vier Wochen nach dem Tode des Künstlers, im Kunstverein zur Ausstellung gelangte. Die Figuren sind etwa zwei Drittel Lebensgröße, die Scene bewegt und fein gefühlt: der barmherzige Mann hat den gänzlich ausgeraubten, todwunden Wanderer eben zur Noth verbunden, dem Nackten von seinem Mantel ein Stück umgeschlagen und nun den Armen auf sein Lastthier, welches die Ruhe benutzt um einen am Wege stehenden Distelstock abzunagen, gesetzt, wo er ihn mit dem Ausdruck des innigsten Mitgefühls stützt und hält, sorgfältigst jede schmerzliche Berührung verhindernd. Alles ist trefflich, edel und wahr, insbesondere die Draperie; jedes Detail, bis auf die Gewächse des Bodens herab, liebevoll durchgebildet. Das schöne Werk wäre, etwa im Erzguß ausgeführt und in einer öffentlichen Anlage ausgestellt, ein selbstverständlicher, wohlberedter Appell an die werkthätige Charitas und echte Humanität.

Dieß war für eine jugendliche Kraft ein höchst verheißungsreicher Anfang! Die Arbeit schien ihm Lust und Freude, Streben und Lernen sein Leben. Zuletzt befand sich Christ als Gehülfe im Atelier des Professors Christian Roth.

Christ wird als eine kräftige, beinahe riesige Gestalt geschildert; dieser entsprach sein frisches, lebendiges Wesen. Er stand in seinem 26. Lebensjahre. Von ihm ging die unglückliche Idee zu der gefährlichen Mummerei aus, welche ihm selbst eine so entsetzliche Marter zuzog. Man denkt bei Betrachtung des so pflegebedürftigen, grausam zugerichteten Mannes, welcher auf seiner Samariter-Gruppe unwillkürlich dem Künstler gleichen soll, nur mit Schauder und Rührung an das Ende dieses Jünglings, welcher die einzige Stütze seiner armen Mutter und seiner beiden Geschwister war, weshalb Se. Maj. König Ludwig II huldvollst dieser schwer geprüften Frau einen ständigen Bezug aus der königlichen Cabinetscasse anzuweisen geruhte.

[...]

Allgemeine Zeitung Nr. 83. Augsburg; Donnerstag, den 24. März 1881.

#Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Christ Adam, 1856 (Bamberg) – 1881, Bildhauer; er war zuerst Schüler von J. Halbig und dann von M. Widnmann an der Münchner Kunstakademie.

Hauptwerke: Statuette eines Bannerträgers für das Standbild des hl. Otto in Bamberg, ein Städtebrunnen in Bamberg, die »Dioskuren« an der Treppe der neuen Akademie der Bildenden Künste in München (zusammen mit M. Widnmann), Barmherziger Samariter (mit 1. Preis).

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

|||

#Emil Einhart

* 27.11.1854 (Konstanz)
† 19.2.1881 (München), Opfer des Kolosseum-Brandes
Bildhauer

#Allgemeine Zeitung (24.3.1881)

Nekrologe Münchener Künstler.

XIV.

Die Opfer vom 18 Februar.

[...]

Emil Einhart aus Constanz arbeitete und lernte vorerst zu Baden-Baden. Dort scheint ihm Cauers »Hexe« einen Impuls zu einem »Satanas« gegeben zu haben, welchen er dann bei seiner Uebersiedelung nach München, als er im Herbste 1879 die Akademie und damit die Schule des Hrn. Professors Max Widnmann betrat, bald in Angriff nahm. Die sitzende Statuette welche Mitte Januar heurigen Jahres in den Kunstverein kam, erwies sich mehr als ein durchstudiertes Modell, welches die unheimliche Idee wohl zum Ausdruck, aber nicht zum erschöpfenden Durchschlag brachte. Mit ganzer Kraft ging Einhart inzwischen auf die Durchbildung eines lebensgroßen Crucifixus, welcher zur Ausführung in Carrara-Marmor für den Kirchhof in Constanz bestimmt war. Das fertige Modell sollte am 19 Februar im Kunstverein ausgestellt werden, am 22 dachte Einhart dann in seine Heimat abzureisen. Statt dessen endete er schon am 19 noch vor Tagesanbruch sein Leben, während die Carnevalslust anhnungslos im Colosseum in brausenden Wellen und Wogen tobte – und am 22 Febr. legten sie ihn mit den anderen Opfern in die kalte Erde. Er zählte erst 26 Jahre, war eine große, kräftige Gestalt; die Stütze und der Trost seiner armen Eltern. Furchtbar verbrannt und qualgefoltert hatte er fast bis zum letzten Augenblick die Besinnung behalten. Gleich den anderen Leidensgenossen täuschte sich auch Einhart anfangs über die drohende Gefahr. Als diese aber sichtbar näher rückte, bäumte sich fast bei allen die letzte Kraft vor dem unerwarteten Ende; die Lust und Sehnsucht nach dem jungen Leben schlug noch einmal hell auf, jeder klammerte sich an einen Hoffnungsstrahl – dann ergaben sich fast alle, einer nach dem anderen, dem Unvermeidlichen, jeder in seiner Weise und nach seinem Glauben ins Gewissen greifend und Friede schließend, versöhnt mit Gott und der Welt.

Bei einer über die Weihnachtsferien ertheilten Schüler-Concurrenz zum »Grabmal einer jungen Mutter« gewann Einhart (gleichzeitig mit dem talentvollen Fr. Kühn aus Schlesien) den ersten Preis. Sein Crucifix (Anfangs März im Kunstverein), eine schöne, fleißig durchdachte Arbeit, soll nun, nach dem löblichen Vorhaben seiner überlebenden Freunde, zum bleibenden Denkmal über dem gemeinsamen Grabhügel seiner Leidensgenossen in Bronzeguß ausgeführt und aufgerichtet werden.

[...]

Allgemeine Zeitung Nr. 83. Augsburg; Donnerstag, den 24. März 1881.

|||

#Adolf Gehrke

* 8.11.1849 (Berlin)
† 20.2.1881 (München), Opfer des Kolosseum-Brandes
Bildhauer

#Allgemeine Zeitung (24.3.1881)

Nekrologe Münchener Künstler.

XIV.

Die Opfer vom 18 Februar.

[...]

Am folgenden Tage (20 Febr.) verschied, 32 Jahre alt, Adolf Gehrke aus Berlin, welcher seit dem Herbste 1878 die Akademie besuchte und nach mannichfachen Copien zuletzt eine halblebensgroße Statue des Cyklopen »Polyphem« angelegt hatte. Er bekleidete sie Stelle eines Säckelmeisters der Gesellschaft. Auf der Flucht durch den Saal – Gehrke soll über dem Lichte zuerst Feuer gefangen haben – riß der Brennende instinctiv sein Gewand auf und verlor dabei eine mit Werthpapieren gefüllte der Genossenschaft gehörige Brieftasche. Angelangt im Krankenhause betraf, trotz seines übelstens Befindens, seine erste Sorge diese Angelegenheit, welche er dem betreffenden Bankier unverzüglich mittheilte; indessen war mittlerweile das Verlorene gefunden und zu rechtmäßigen Handen angeliefert worden. Gehrke schien weniger zu leiden, so daß vorübergehend die Hoffnung auf Rettung aufdämmerte, als aber auch diese nur zu bald erlosch, erklärte er in rechtsgültiger Weise vor Zeugen seinen letzten Willen und starb rasch darauf bei vollem Bewußtsein.

[...]

Allgemeine Zeitung Nr. 83. Augsburg; Donnerstag, den 24. März 1881.

|||

#Ernst Guttermann

* 6.1.1859 (Ulm)
† 20.2.1881 (München), Opfer des Kolosseum-Brandes
Bildhauer

#Allgemeine Zeitung (24.3.1881)

Nekrologe Münchener Künstler.

XIV.

Die Opfer vom 18 Februar.

[...]

Unter allen Opfern hatte Ernst Guttermann aus Ulm, Sohn eines ehemaligen Kaufmanns daselbst, am meisten und längsten zu leiden. Er kam im Herbst 1880, noch nicht 22 Jahre alt, nach München, beschäftigte sich mit Copiren, verdiente alsbald das Lob eines braven, strebsamen Kunstjüngers, welcher seinen Erwerb redlich zur Unterstützung seiner Angehörigen verwendete.

[...]

Allgemeine Zeitung Nr. 83. Augsburg; Donnerstag, den 24. März 1881.

|||

#Adolf Hößbacher

* 2.10.1863 (Frankfurt a. M.)
† 19.2.1881 (München), Opfer des Kolosseum-Brandes
Bildhauer

#Allgemeine Zeitung (24.3.1881)

Nekrologe Münchener Künstler.

XIV.

Die Opfer vom 18 Februar.

[...]

Adolf Heßbacher, geboren zu Obernau bei Aschaffenburg wurde im Herbst 1880 in die Widnmann-Schule aufgenommen, wo er sich in Porträt-Büsten nach der Natur versuchte und zuletzt den Böcklein tragenden Faun copirte. Er zählte erst 17 Jahre, ein lebensfrischer, fröhlicher, großer Gesell: seine entsetzlichen Leiden spotteten sogar das Morphium.

[...]

Allgemeine Zeitung Nr. 83. Augsburg; Donnerstag, den 24. März 1881.

|||

#Karl Kraus

* 8.9.1857 (Ulm)
† 19.2.1881 (München), Opfer des Kolosseum-Brandes
Bildhauer

#Allgemeine Zeitung (24.3.1881)

Nekrologe Münchener Künstler.

XIV.

Die Opfer vom 18 Februar.

[...]

Mit Karl Kraus schloß der unerbittliche Würger Tod, aber nur für diesen schreckbaren Tag (19 Februar), seine Ernte. Kraus wurde zu Ulm geboren (wo sein Vater die Stelle eines Modell-Schreiners am Münsterbau versah), trat zwanzig Jahre alt im Herbst 1879 in die Münchener Bildhauerschule, wo er anfänglich in üblicher Weise copirte und dann, als erste Composition, die Figur eines sitzenden »Todesengels« für das Grab seiner Mutter begann, welcher leider unvollendet blieb. Nach der Katastrophe blieb er allein ruhig und still, während seine Unglücksgenossen sich rastlos wanden und stöhnten; befragt ob er keine Schmerzen empfinde, versicherte er: ganz unaussprechlich zu leiden, es werde aber durch Jammern nicht gelinder. So sah er lautlos in das Elend und trug das seinige, hart gegen sich, mit vollstem Bewußtsein, voll heroischen Muthes.

[...]

Allgemeine Zeitung Nr. 83. Augsburg; Donnerstag, den 24. März 1881.

#Johann Schnetzer

* 7.9.1850 (Fürstenfeldbruck)
† 19.2.1881 (München); Opfer des Kolosseum-Brandes
Goldarbeiter

#Allgemeine Zeitung (24.3.1881)

Nekrologe Münchener Künstler.

XIV.

Die Opfer vom 18 Februar.

[...]

Der Goldarbeiter Johann Schnetzer (aus Fürstenfeldbruck, 30 Jahre alt) stand weder mit der genannten Bildhauerschule noch mit einer anderen Künstlergenossenschaft in besonderer Fühlung, sondern theilte nur als Gast die Gesellschaft und das Schicksal dieser Eskimos. Furchtbar verbrannt, wie die Vorgenannten, verbiß er seine rasenden Schmerzen, täuschte sich über den letalen Ausgang, fiel bald in Bewußtlosigkeit und folgte seinen Vorgängern im Tode.

[...]

Allgemeine Zeitung Nr. 83. Augsburg; Donnerstag, den 24. März 1881.

#20 – 8 – 15 (Hiebl · Schuster)


Die Grabinschrift ist nicht erhalten


  • Hiebl, Alois; – 8.4.1878 (München), 49 Jahre alt; Getreidehändler
  • Hiebl, Anna (vw); – (7).3.1887 (München); Getreidehändlers-Witwe
  • Schuster, Adolf; – (28).6.1891, 6 Monate alt; Handschuhfabrikantens-Sohn
  • Schuster, Heinrich; – (7).3.1895, 7 Tage alt; Handschuhfabrikantens-Sohn

Todesanzeige für Alois Hiebl

Todesanzeige für Alois Hiebl

Grab der Familien Hiebl · Schuster auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#20 – 9 – 1 (Langenberger)


Grab der Familie Langenberger auf dem Alten Südfriedhof München (Dezember 2017)

#20 – 9 – 3* (Mezler)


Die Grabinschrift ist nicht überliefert


  • Mezler, Johann Jakob; 27.6.1804 (Fürth) – 11.10.1839 (München); Historienmaler, Portraitmaler und Zeichenlehrer

Das Grab ist nicht erhalten


#Johann Jakob Mezler

* 27.6.1804 (Fürth)
† 11.10.1839 (München)
Historienmaler, Portraitmaler und Zeichenlehrer

#Bayerische National-Zeitung (20.10.1839)

Nachruf
an den
zu früh verblichenen
Jakob Metzler, Maler.

Ach so bist auch Du von uns gerissen,
Da Dich Pallas Band noch kaum umschlang:
Müssen Dir schon unsre Thränen fliessen,
Tönet hier schon unser Grabgesang.

Sieh der Pinsel, den Du kühn geführet,
Der in deiner Hand so viel versprach,
Nuzlos liegt er nun und unberühret,
Da der Tod des Meisters Blume brach.

Doch ob Dir auch früh der bleiche Bote
Seine kalte Hand als Bruder beut –
Unsre Freundschaft endet nicht im Tode,
Unser Bund war für die Ewigkeit!

F.

Bayerische National-Zeitung No. 167. Sonntag, den 20. Oktober 1839.

#Neues allgemeines Künstler-Lexicon (1840)

Metzler, Johann Jakob, Maler, wurde 1801 zu Fürth geboren, und nachdem er in seiner Vaterstadt und zu Nürnberg in den Anfangsgründen der Kunst Festigkeit erlangt hatte, begab er sich 1825 nach München, um unter P. v. Langer auf der k. Akademie daselbst seine Studien fortzusetzen. Er widmete sich dem historischen Fache, und Proben seiner Geschicklichkeit sah man auf den Kunstausstellungen von 1832 und 1835. In dem ersteren Jahre malte er zwei hübsche Madonnenbilder, und im Jahre 1835 brachte er einen Christus mit der Weltkugel auf Goldgrund zur Kunstausstellung. Und so fuhr nun Metzler in seiner Kunstbeschäftigung fort, indem er neben dem historischen Fache auch mit der Genremalerei sich beschäftigte.

Dr. Georg Kaspar Nagler: Neues allgemeines Künstler-Lexicon oder Nachrichten von dem Leben und Werken der Maler, Bildhauer, Baumeister, Kupferstecher, Formschneider, Lithographen, Zeichner, Medailleure, Elfenbeinarbeiter etc. Bearbeitet von Dr. G. K. Nagler. München, 1840.

#Neuer Nekrolog der Deutschen (1841)

Johann Jacob Mezler,
Maler u. Privatzeichnungslehrer zu München;
geboren den 27. Juni 1804, gestorben den 11. Okt. 1839.

M. ward zu Fürth bei Nürnberg geboren, wo der noch lebende Vater, Joh. Peter Mezler, Bäckermeister ist. Nachdem er die dortigen Elementar- und höhern Volksschulen mit vorzüglichem Fleiß und zur vollkommenen Zufriedenheit seiner Lehrer besucht, seine Entlassung erhalten und konfirmirt worden, widmete er sich mit besonderer Vorliebe bei dem in seiner Vaterstadt Fürth noch lebenden Maler und Zeichnungslehrer Elias Oehme der Zeichnungskunst. Mit unermüdlichem Eifer und nur für diese lebend und wirkend, brachte er es in kurzer Zeit dahin, daß er im J. 1823 von seinem Vater die Erlaubniß erhielt, sich nach der in seiner vaterländischen Residenzstadt München bestehenden Akademie der bildenden Künste begeben zu dürfen, wo er mit dem höhern Studium der Zeichnungskunst auch noch das der Malerei und Kunstgeschichte verband. War in dem ihm angewiesenen frühern engern Kreise seine Vorliebe für Kunst schon so groß, so verdoppelte sich hier sein Eifer um so mehr, je tiefer sein Geist selbst in diese eindrang und je mehr mit den zunehmenden Jahren auch seine geistigen Kräfte wuchsen, so daß er auch diese Kunstschule mit den besten Zeugnissen, begleitet von den Segenswünschen seiner Lehrer, im J. 1828 verließ. Er hatte sich hier besonders dem historischen Fache gewidmet, worin er auch eine sehr hohe Stufe der Vollkommenheit erreichte.

Bald nach dem Austritt aus der Akademie wurde ihm von mehreren Vorstehern bedeutender Privatinstitute der Unterricht der Zöglinge im Zeichnen anvertraut und übertragen und er erwarb sich – ganz für dieses Fach und zum Lehrer geboren – bald die Achtung und Liebe seiner Vorgesetzten und Untergebenen im reichsten Maas. Im J. 1836 endlich trat er selbst als Vorsteher einer Privatzeichnungsanstalt auf. Der auch hier ihm ungetheilt zuerkannte Beifall verschaffte bald seinem Institut einen ausgezeichneten Ruf, der es als eines der bedeutendsten Institute Münchens erhob. Nur 3 Jahre sollte er des Glückes sich erfreuen, seine ihm mit unveränderlicher Liebe ergebenen Zöglinge zu unterrichten, denn schon vor dem Schlusse des 3ten Jahrs, als er eben im Begriffe stand, durch eheliche Verbindung sein Lebensglück zu gründen, machte eine nur 14 Tage anhaltende Krankheit – eine Gehirnentzündung – seinem kurzen, thätigen, irdischen Daseyn ein Ende.

Sein Leben war, so weit es im Bereiche menschlicher Beurtheilung liegt, rein vom Tadel. Mit inniger, ungeheuchelter Frömmigkeit, die er in Wort und That zu erkennen gab und wovon alle seine Werke zeugen, verband er einen stillen, jedoch heitern Sinn, der ihn nicht so sehr zur lauten Freude führte, desto mehr aber einen engen Zirkel gewählter Freunde ihm schätzbar machte. Diese erkannten auch im vollsten Maase seinen Werth, den er als bescheidener anspruchsloser Mann nicht zu fühlen schien und nie wird sein Andenken in den Herzen derer erlöschen, die den Entschlafenen näher kannten, denen er Freund, Wohlthäter und Lehrer war. Religion war stets sein höchstes Kleinod – Religion war auch sein letzter Trost. Wie er gelebt, so starb er: ruhig und still.

Neuer Nekrolog der Deutschen. Weimar, 1841.

#20 – 9 – 11 (Götzfried · Reisinger)


Hier ruhen in Gott
die beste Gattin u. Mutter
Frau Bertha Reisinger
k. Hofkapellsängers-Gattin
geb. 9. Mai 1842, gest. ¿. Juli 1883.
Philipp Götzfried
¿
Elise Götzfried
¿


  • Götzfried, Elise
  • Götzfried, Philipp
  • Reisinger, Bertha (vh); 9.5.1842 – ¿.7.1883; Hofkapellsängers-Gattin

Grab der Familien Götzfried · Reisinger auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)

#20 – 10 – 21 (Schön)


FAMILIE
SCHOEN


  • Schön, Franz Josef; – (28).1.1862 (München), 75 Jahre alt; Ehemaliger Rechnungskommissär
  • Schön, Martin Josef; – 30.8.1874 (München), 37 Jahre alt; Handlungskommis
  • Schön, Theobald; – (19).12.1879 (München), 3 Jahre alt; Bahnoffiziers-Sohn

Grab der Familie Schön auf dem Alten Südfriedhof München (August 2012)